Ⅱ.OL 考 508020 Gb 61542 —— hun Pethe da Du in der Taufe Mit Gott durch mich den Bund gemacht, Da wollest Zeit deines Lebens Laufe Auf alle Schritte geben acht Dass Gott gepriesen werd'an Dir, nim iest die Pflicht auf Dich von mir. Du bist ja unterrichtet worden Du weist den Weeg der ersten Pflicht, Du gehst durch Glauben in den Orden, Wo Licht und Recht Dir nicht gebricht Chun foll in Christi Brod und Wein, Sein Leib und Blut Dein Labfal fein Sott! sey mir Sünder gnädig. Auserlesenes Beicht: und Communionbuchy für glaubige Christen mit einer Vorrede und Unterricht vom rechten Gebrauch des heiligen Abendmahls von D. Johann Georg Rosenmüller. Aufs neue übersehen Gotthold Emanuel Friedrich Seidel, Diakon an der Stadtpfarrkirche zu St. Aegydien. von Nebst einigen neuen Bus Beicht und Abendmahls liedern, in Beziehung auf die vorhergehenden Gebete und besondern Andachten Privat- und Kranken- Communion. Siebente verbesserte Auflage. Nürnberg, bei Gustav Philipp Jakob Bieling, 1812. zur alcant Go 1542 40 Univ.- Bibl. Giessen AURVAVAVAVA Vorrede. Es sollte zwar ein jeder Christ von der Absicht des heiligen Abendmahls, und von den dabei zuz beobachtenden Pflichten so gut unterrichtet, und in geistlicher Erfahrung so weit gekommen seyn, daß er ohne Communionbuch) den Tod des Herrn verkündigen und sich zu dieser wichtigen Handlung vorbereiten könnte. Da aber dieses nicht ist, vielmehr die meisten Christen Ermunterung und Anleitung nöthig haben, so werden dergleis chen Bücher immer nöthig und nůzlich seyn. Es hat zwar bisher nicht daran gefehlt; wir können aber doch auch von keinem Ueberfluß an guten Beicht- und Communionbüchern sagen. Man kann mit Wahrheit versichern, daß manche derselben, so gut auch die Absicht ihrer Verfasser gewesen seyn mag, mehr Schaden, als Nuzen, gestifs Vorrede. gestiftet haben, indem durch sie gewisse Vorurs theile und niedrige, faische Vorstellungen vom thätigen Christenthum auf viel tausend Menschen fortgepflanzt worden sind. Seit einiger Zeit ist man so ziemlich wieder auf den rechten Weg gekommen, indem sich Männer von entschiedes nen Verdiensten um diesen Theil der christlichen Andacht sehr verdient gemacht haben. IV Gegenwärtiges Beicht- und Communionbuch, welches von einem würdigen nürnbergischen Geistlichen, den nunmehro felig entschlafenen Herrn Heinrich August Andreas Nies, zuerst herausgegeben worden ist, empfiehlt sich selbst durch eine sehr gute Auswahl aus den besten Schriften dieser Art. Die Arbeiten eines Seilers, Pardei, Feddersen, Sturm, Lüdke und anderer, vorzüglich aber der beideri ersten, sind sorgfältig genüzet, den Gebeten pas sende Gesänge aus den neuesten Liederdichtern beigefügt, und dabei, wie billig, auf Christen von allerhand Fähigkeit und Gemüthsbeschaffens heit gesehen worden. Von dem rechten Gebrauch solcher Andachtsbücher will ich hier nichts sagen. Daß eignes Nachdenken dadurch befördert, nicht aber entbehrs Vorrede. behrlich gemacht werden soll, versteht sich von felbst. Ich habe mich aber etwas ausführlicher darüber erklärt in dem kurzen Unterricht vom rechten Gebrauch des heiligen Abends mahls, welchen ich) auf Verlangen des Verlegers diesem Buche vorgesezt habe. Ich weiß wohl, daß noch manches hinzugesezt werden könnte. Aber theils erlaubte mir die Zeit nicht, ausführlicher zu seyn, und theils glaube ich, daß Leser, die nur ein wenig nachdenken wollen, durch dieses Wenige sich in den Stand werden gesezt sehen, den rechten Gebrauch und Misbrauch von einander zu unterscheiden. So wie die Absicht des Herrn Herausges bers dahin gehet, wahre christliche Erbauung zu befördern, so ist auch mein herzlicher Wunsch, daß Gott hiezu seinen reichen Segen verleihen wolle, damit viele Seelen erwekt, getröstet, und in der Liebe zu unserm Herrn und Erlöser Jesu Christi befestiget werden. D. Johann Georg Rosenmüller. * 3 Vors VI m Vorrede zur siebenten Auflage. Schon in den wenigen Zeilen, welche ich der sechsten Auflage dieses Buches vorausschikte, auss serte ich: daß die Achtung vor den würdigen Männern, welche Verfasser der gesammelten Betrachtungen und Gebete sind, daß das Publikum, für dessen Bedürfnisse es berechnet ist, und die Absicht der Verlegers, nicht ein neues, sondern dasselbe Buch, nur aufs Neue durchgesehen, aufzulegen, mich bei der mir übertrages nen Revision nicht zu einer Umschmelzung des Ganzen berechtigte. Daher milderte ich hie und da manche Ausdrücke, nahm, wo es die Sache nothwendig erforderte, zweckmäßige und beträchtliche Veränderungen vor, rückte manches neue Gebet ein, und fügte zu dem Theile, welcher den Privat und Krankenkommunionen gewidmet ist, und der einen reellen Vorzug dieses Buches ausmacht, eine eigene Betrachtung hinzu, 8 Vorrede zur siebenten Auflage. VII Es wurde nun zu dieser siebenten Auflage geschritten und auch sie ist nicht ein bloßer uns veränderter Abdruck der sechsten, sondern es wurden wiederum einzelne Ausdrücke und Steller aufs neue abgewogen und gegen bessere vertauscht. Dadurch ist für die fortschreitende Vervollkom, mung dieses Buches gesorgt worden und einsichtss volle Leser werden gewiß damit zufrieden seyn. Gott lasse auch noch in Zukunft dieses Buch zur wahren Erbauung und würdigen Vorberei tung auf die heilige Abendmahlsfeier gesegnet fenn. G. E. F. Seidel, Diac. Aegyd. at god stun Jamine * 4 623 Chord 30 Vers VIII on Verzeichnis der Gebete und Betrachtungen, nebst den dazu schicklichen neuen Liedern. NB. Die mit einem Sternchen(*) bemerkten Gebete und Lies der sind vom Herrn Pfarrer Seidel ganz neu dazu verfertigt worden. Erste Abtheilung. Andachten zur Vorbereitung auf die Beicht und Communion. Seite I. Unterricht vom rechten Gebrauch des heiligen Abendmahls, von D. J. G. Rosenmüller. I II. Heiliges Nachdenken eines Christen, der sich entschließt, zum heiligen Abendmahl zu gehen. 17 - III. Ueber die große Seelengefahr bey dem unwürdigen Genusse des heil. Abendmahls. 22 IV.* Gebet um göttlichen Beistand zur Erkenntnis der Sünden. 1 - 25 V. Nöthige Gewissenprüfung von dem Gebrauch des heiligen Abendmahls. Lied: Wer bin ich? welche wicht'ge Frage. 1 - 1 28 215 VI. Selbstprüfung eines jungen Christen, der das erstemal zum heiligen Abendmahl gehet, von D. J G. Rosenmüller. Lieb: Herr, die gelob ich neue Treue. 35 216 VII. Verzeichnis der Gebete. VII. Allgemeine Gewissensprüfung. Lied: Herr, dein Gesez, das du der Welt ic. VIII. Um göttliche Traurigkeit über begangene Sünden Lied: Gott hilf mir, daß ich Buse thue. - 8 IX.* Um Vergebung der Sünden. 57 Lied: Gott, mein Vater! ich dein Kind. 219 X. Um göttlichen Beistand zur wahren Sin. nesänderung. - бо Lied: Gott! dir gefällt kein gottlos Wesen. 220 8 - XI.* Morgengebet am Beichttage. Lied: Ich komme, Friedensfürst! zu dir. IX Seite 42 217 - - Zweite Abtheilung. Unterhaltungen mit Gott, am Tage da man beichtet. 53 218 1 8P XII. Betrachtung eines von seinem Gewissen Beunruhigten, über sich selbst. 66 Lied: Wie fürcht' ich mich, mein Herz zu prüfen. 222 XIII.* Gemeinschaftliche Ermunterung für christliche Familien. Seite 63 221 75 XIV.* Wenn man in die Kirche kommt, zu beichten. 77 Lieder: Allmächtiger! ich Staub und Sünder. 223 Nach dir verlangt, o Mittler! meine Seele. 224 XV. 1 X Verzeichnis der Gebete, Seite XV.* Demüthiges Busgebet, wenn das Gewissen von irgend einer vorsäzlichen Sünde geangstiget wird. Lied: Dir allein hab ich gesündigt. XVI. Demüthiges Busgebet, wenn man sich mancher Fehler und Uebereilungen bes wußt ist. Lied: Ach! wann werd ich von der Sünde. - -D XVII. Bitte um Vergebung der Sünden. Lied: Mein Gott! zu dem ich weinend flehe! B XVIII.* Um ein glaubiges Herz. Lied: Ich weiß, und bins gewiß, daß ich zc. BUDD - XIX Um ein versöhnliches Herz. Lied: Der du, dem Tode nah, für die zc. SH 78 225 82 226 XX.* Gebet um die Gnade, recht busfertig zu beichten. 94 -P 87 228 89 229 XXI.* Sürbitte für die, so mit uns beichten. 97 XXII. Beim Hinzutretten zum Beichtstuhl. 99 XXIII.* Kurze Andachten, welche statt einer Beicht gebraucht werden können. 92 230 100 XXIV.* Danksagung nach der Absolution. 102 Lied:* Vater, wenn die Wehmuths- Zähre. 230 REPO XXV. Kürzere Gebete eines dankbaren Hers zens nach der Absolution. 105 - XXVI.* Fortsezung dieser dankbaren Empfindungen zu Hause. Lied: Auf! meine Seele! singe! zc. 107 232 XXVII. Betrachtungen und Lieder. XXVII.* Trost des Gewissens in der Vergebung der Sünden. OND C XXVIII. Freudigkeit des Glaubens.- 114 XXIX. Erneuerung des Taufbundes. 115 XXX. Um Kraft zur treuen Erfüllung der in der Beicht geleisteten Zusage. 120 - XXXI.* Ueber die Beständigkeit und Wachsthum im Guten, nach erhaltener Vers gebung der Sünden. 1 XI Seite - XXXII. Verlangen nach einem tugendhaften. christlichen Sinn und Leben, und Bitte darum. III 126 129 XXXIII. Abendgebet am Beichttage. Lied: Gelobt seyst du, mein Herr und Gott! 233 - 122 Dritte Abtheilung. Beschäftigungen der Andacht am Communiontage. CUS XXXIV.* Morgengebet am Communiontage. 133 Lied: Tag, den mir der Herr gemacht. 235 XXXV. Andacht eines Communicanten zu Hause. 137 Lied: Müde, sündenvolle Seele! 236 - XXXVI. Stille Andacht eines Communicanten in der Kirche, vor dem heil Abendmahl. 141 Lieder: Hier bin ich, Jesu! zu erfüllen. 237 Ich komme, Herr! und suche dich. 238 XXXVII, Verzeichnis der Gebete, XXXVII. Bitte um Abwendung alles dessen, was die Andacht hindern kan. XII 144 XXXVIII. Gebet um würdigen Genuß des heiligen Abendmahls. 146 Lied: Selig, wer mit reinem Herzen. 239 XXXIX. Fürbitte für alle Communicanten. 148 AUS - XL. Dankbare Erinnerung an die großen Leiden Jesu. 149 1) Ueber Luc. 22, 19. Solches thut zu meinem Gedächtnis. 149 - M 1 B 2) Ueber 1 Kor. 11, 26. So oft ihr von dies sem Brodesset und von diesem Kelch trins ket, sollt ihr des Herrn Tod verkündiz gen, bis daß er kommt. and 1 153 3) Ueber Efaia 43, 24. 25. Mir hast du Arbeit gemacht in deinen Sünden ic. 156 Lieder: Erhebe vom Geräusch der Welt. Der am Kreuz ist meine Liebe. Ich will das Abendmahl des Herrn. Begleite mich, o Christ! wir gehen zc. M - Seite -R XLI.* Kurze Gebete beim Hinzunahen zum Altar. 158 XLII.* Beim Empfang des Leibes Chrifti. 160 XLIII.* Beim Empfang des Blutes Chrifti. 161. XLIV. Beim Hinweggehen vom Altar. 162 XLV. 240 241 242 243 G Betrachtungen und Lieder. XLV. Danksagung für das empfangene heilige Abendmahl. 164 Lied: Frohlokend rühmt mein Danklied dich. 245 FUCHS Amm XLVI. Fortsetzung dieser dankbaren Empfindungen zu Hause. * 0 Lieder: Deffentlich in der Gemeine 2c. 108 Rühme, Seele! dein Gesang zc.- XLVII. Gebet, daß Gott das angefangene gute Werk in uns vollenden wolle. 174 Lied: Wie getrost und heiter. - 249 BES atomo LV. Abendgebet eines Communicanten. Lied: Die ihr Gottes Heil gesehen 2c. XIII Seite XLVIII. Um herzliche und beständige Liebe zu Jesu. Kuns and a ¹77 Lied: Quelle der Vollkommenheiten. 250 XLIX. Um brüderliche Gesinnung. FOR 168 246 248 179 L. Um himmlischen Sinn. 182 LI. Um rechtschaffenen Eifer in der Heiligung. 184 LII. Um Bewahrung vor dem Rückfall. 186 LIII. Gänzliche Uebergebung an Gott. Lied: Herr, mache meine Seele stille. 189 252 LIV. Ruhige Erwartung der Leiden. 192 Lied: Klag nicht, mein Herz! wenn alle Freuden. 253 195 254 Ane Unterricht vom rechten Gebrauch lehret, daß sehr viele Christen nicht eins mal wissen und verstehen, worauf es bei dem würdigen Genuß des Leibes und Blutes Jesu Christi hauptsächlich ankommt, daß bei manchen diese heilige Handlung in einen aberglaubischen Misbrauch ausartet, und daß noch andere, die es im übrigen redlich meinen, sich ohne Noth mit Furcht und Angst martern, an statt, daß sie sich über die Wohlthat ihres Erlösers freuen sollten. et 2 Manche stehen nämlich in den Gedanken: der Genuß des heiligen Abendmahls sey ein Mittel, wodurch alle ihre Sunden auf einmal so abgetilgt werden könnten, daß sie dann nicht nöthig hätten, sich eines tugendhaften Lebens mit Ernst und Eifer zu befleisigen. Daher gehen sie zwar allemal zum Tische des Herrn, wann die Zeit, die sie einmal dazu festgesezt haben, da ist, und sie machen sich vielleicht ein groses Bedenken, ein oder etliche Wochen. über die Zeit zu warten; aber wenn sie nur das äusserliche Werk verrichtet haben, so bekümmern sie sich weiter nicht darum, ob in ihrer Denkungsart und Aufführung eine heilsame Veränderung zum Guten vorgehet oder nicht. Ihr ganzes Geschäf te Codes heiligen Abendmahls. 3 te bestehet darinnen, daß sie etliche Tage vorher fleisig beten, singen, sich von bö fen Geſellschaften und groben Ausschweiz fungen enthalten, mit den Fhrigen in ets was friedlicher leben, als sonst, und einige Rene über ihre Sünden in sich hervorzuz bringen suchen. Auch noch an dem Tage, da sie zum Tisch des Herrn gegangen sind, verhalten sie sich stille und andächtig, und sie würden sich ein Gewissen machen, mit Wissen irgend eine fündliche Hands lung zu begehen, die sie an andern Tagen ohne alles Bedenken zu begehen pflegen. Aber nun haben sie auch nach ihrer Meis nung alles gethan, was man von ihnen als Christ verlangen kan. Nun sind sie, wie sie sich einbilden, fromm geworden. Dieſe vermeinte Frömmigkeit hat zwar gleich wieder ein Ende; denn etliche Tas ge hernach sind sie wieder eben so lieblos, zánkisch, rachgierig, wollüstig, betrüge risch, ungerecht, lügenhaft, falsch und hinterlistig, wie sie zu allen Zeiten was ren; aber das hat nach ihrer Meinung wenig zu bedeuten, weil sie ja nach einis ger Zeit alle ihre Sünden auf die nemlis che Weise wiederum abtilgen können. Das ist nun gewis eine solche Thorheit, 22 und XIV Anhang einiger Gebete zur Privat- und Kranken- Communion. Geite 1. Vor dem Genusse des heil. Abendmahls. 199 2.* Vorsätze eines gefährlichen Kranken, vor dem Genusse des heiligen Abendmahls. 201 3. Demüthiges Busgebet eines Kranken. 203 4. Gebet, dem Kranken vor der Communion vorzulesen. - 204 5. Bei dem Genusse des heil. Abendmahls. 205 6. Nach dem Genusse des heil. Abendmahls. 206 7. Dankgeber eines Kranken nach der Communion. 18THO- 207 8. Ermunterung eines Kranken nach dem Genusse des heiligen Abendmahls. 208 9. Trostlied eines Kranken bei der Privat- Communion: Ach könnt ich doch mit deinen Gliedern. 211 213 255 1 gorm E - SOM 10. Tägliche Todesbereitschaft. Lied: Schließt euch Augen, schließt euch zu! - Tägliche Bitte eines Christen. Lied: Ich Mensch vom Staub, werf mich zc. 256 Erste 9 Erste Abtheilung. Andachten zur Vorbereitung auf die Beicht und Communion. I. Unterricht vom rechten Gebrauche des heiligen Abendmahls von D. Johann Georg Rosenmüller. Unser Herr und Heiland Jeſus Chris stus hat gewis aus höchst wichti gen Ursachen das Gedächtnismahl seines wohlthätigen Leidens und Sterbens eins gesezt, und wenn es von allen Christen so begangen würde, wie es seyn soll, so würz den sie ohnfehlbar die heilsamsten Würz kungen davon in ihrem ganzen Leben ems pfinden. Aber die traurige Erfahrung 2 leha Communionb. 4 Unterricht vom rechten Gebrauch und ein so entsezlicher Aberglaube, wor über man erstaunen muß. Sollte denn Gott damit zufrieden seyn, wenn wir nur etliche Tage im Jahr uns von Sünz den enthalten, und uns bestreben, recht zu thun? Eine solche erzwungene Anz dacht, wobei das Herz ganz ungebes fert bleibt, sollte Frömmigkeit heifen? Oder kan man sich vorstellen, daß Gott alle unsere Thorheiten und Laster übersehen, und uns erlauben werde, nach eiges nem Gefallenzu leben, weil wir ihn zu ges wiffen Zeiten um Vergebung der Sünden anflehen, und ihm eine Lebensbesserung versprechen, die wir nie im Ernst gewünscht haben? So müste Gott ein Gott seyn, dem gottloses Wesen geficle, oder dem wenigstens Tugend und Laster gleichgül tig waren. Wer aber so von Gott denkt, der låstert ihn. Sein Abendmahlgehen ist Aberglauben und Sünde. Er verläugnet die Allwissenheit, Gerechtigkeit und Heiligkeit Gottes. Erhält Jesum für ei nen Sündendiener, der den Menschen eis nen Weg gezeiget habe, wie sie sich allen Thorheiten und Lastern überlassen und dennoch zulezt felig werden könnten, wenn sie sich nur auf sein Verdienst verliesen, und des heiligen Abendmahls. 5 und oft um Gnade bettelten. Ein solches Christenthum wäre eben so arg und gewissermassen noch ärger, als Heidenthum selbst. Man darf nur etliche Kapitel im neuen Testament gelesen haben, um ein zusehen, wie offenbar diese unsinnige Meinung mit den Lehren Jesu und seiner Apostel streitet. Wer aber sein neues Testament nicht lesen und verstehen will, der follte auch nicht so verwegen seyn, und sich für einen Christen halten. Ausfer diesen giebt es andere Christen, die es zwar aufrichtig mit Gott und ihrer Seele meinen, aber durch irrige Vorstel lungen auf allerhand Abwege gerathen. Nach ihrer Meinung machen gewisse anz dächtige Empfindungen, abwechselnde ,. angstliche und freudige Gefühle, die Hauptsache des Christenthums aus, und die Frömmigkeit bestehet vornámlich darz inn, daß man recht viele Zeit auf Lesen, Beten und Singen wende, bei einer jeden Gelegenheit vom Heiland spreche, alle Ge sellschaften, wo nicht gesungen und gebe tet wird, auf das möglichste fliehe, und sich von allen weltlichen Ergözlichkeiten enthalte. Diese verwechseln die Mittel zur wahren Frömmigkeit mit der Frömmig A 3 feit 6 Unterricht vom rechten Gebrauch keit ſelbst. Sie bedenken nicht, daß wir durch den fleißigen Gebrauch des göttliz chen Wortes, und anhaltendes Gebet, nur zur Ausübung unserer Pflichten erz muntert werden sollen, und daß wir vor nehmlich durch unsere allgemeine thätige Menschenliebe, durch unsern unermüdes ten Fleis in unsern Berufsgeschäften, durch Verträglichkeit, Geduld mit den Schwachen, Sanftmuth, Billigkeit, Keuschheit, Aufrichtigkeit, gerechtes Bes tragen gegen Freunde und Feinde, und Ausübung einer jeden Tugend, unfer thås tiges Christenthumbeweisen müssen. Sie klagen zwar über das große Verderben ihrer Natur, aber sie geben sich nicht Mühe genug, diesem Berderben an sich zu steus ern, und nemmen das vielleicht gar ein schädliches Eigenwirken, was andere er leuchtete Christen, nach den Vorschrif ten Jefu und seiner Apostel, als Wachsamkeit, Beherrschung der fündlichen Begierden, Kampf wieder die Sünde, sich zur Pflicht machen. Solche Personen sind gemeiniglich sehr ångstlich bei ihrer Vorbereitung zum heiz ligen Abendmahl, und glauben, sie könten es unmöglich recht würdig empfangen, () des heiligen Abendmahls. 7 gen, wenn sie nicht recht viel gebetet und gesungen, wenn sie nicht anfangs eine recht merkliche Betrübnis über ihre Sünz den, und nachher eine merkliche Freudigfeit über die Gnade Gottes hätten. Im übrigen machen sie sich zwar anheischig, mit Berachtung aller irdischen ErgözlichFeiten und Moden, nur in Jesu Blut und Wunden Trost und Ruhe zu suchen. Sie halten aber manches für Sünde, was keis ne Sünde ist, und erlauben sich hingegen sehr vieles, was nach der Lehre der Schrift allerdings unter die verdammlichen Sündenzuzählen ist. Es fehlt ihnen an richtiger Erkenntniß Gottes und Jefu Chrifti, so viel sie auch beten und singen, und das her bekommt gemeiniglich auch ihre Andacht beim heiligen Abendmahl eine falz sche Richtung. Zum würdigen Genuß des Leibes und Blutes Jesu Christi können wir zwar durch Lesen, Beten und Singen allerdings ermuntert werden: aber wir dürfen nicht glauben, als ob es auf die Menge der hergelesenen Gebete und abgesungenen Lieder ankomme. Das allermeiste kommt vielmehr auf das eigene christliche Nachdenken des Communikanten an. Die ersten 21 4 26DQ. Shris 8 Unterricht vom rechten Gebrauch Christen hatten gewiß keine Communionbücher, wie wir. Sie wandten auch nicht so viel Zeit auf die Vorbereitung zum heiligen Abendmahl, wie manche unserer schwachen und ängstlichen Christen; denn ein jeder Christ empfieng es an einem jez den Sonntag in öffentlicher Versamm lung, und nicht so selten, wie wir es jezt zu empfangen gewohnt sind. Aber das eigene Nachdenken über die Wohlthaten Jesu Christi, und die aus freiem Triebe erneuerten Entschliesungen, ihrem Erldfer zu leben und zu sterben, erfezten den Mangel geschriebener und gedruckterGez betsformen aufs reichlichste. Wenn nun alleChristen noch heutiges Tages wären, was sie seyn sollen, so würde man keine Beicht- und Communionbücher nöthig haben. Ein Christ dürfte nur über die Worte der Einsezung des heiligen Abendmahls recht nachdenken, so würde er Stof genug zum Dank, zur Beruhigung, zur Ermunterung, und zu frommen Entschlies fungen finden. Aber die mehresten sind so träge und unachtsam, daß sie lieber ans Dere für sich denken lassen, als selber denken wollen, und daher kommt es, daß sie von der allerfeierlichsten und rührendsten Hand des heiligen Abendmahls. 9 Handlung gemeiniglich so leer wieder zurükkommen, da man dann auch in ihrem Leben und Wandel wenig oder gar keine heilsame Folgen davon siehet, da hinges gen die ersten Christen sich so gestärkt und freudig in der Liebe ihres Herrn Jefu fühlten, daß sie nicht selten, wann sie seinen Leib und Blut empfangen hatten, hingiengen, und ihm zu Ehren auch ihr Leben freudia aufopferren, und dahin gaben. " Selches thut zu meinem Gedächtnis ,,, zu meinem Andenken, sagt unser Herr und Erlöser Jesus Christus." So oft ihr von diesem Brod effet, und von diesem Kelch trinket, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen, bis daß er kommt ,,, schreibet sein Apostel 1 Kor. 11, 26. Das ist also die wichtigste und vornehmste Pflicht, die wir zu beobachten haben, wann wir bei der Tafel Jesu erscheinen; aber eine ebenso wichtige als angenehme Pflicht. Wir sollen an des Herrn Tod gedenken, ihn dafür preisen und uns zu den Pflichten ermuntern, wozu uns dieſe Wohlthat verbindet. Welcher Christ kan sich aber die Leiden und den Tod Jesu ohne Rührung vorstellen? Deinem Erlöser, o Christ, hast du es zu danken, daß 10 Unterricht vom rechten Gebrauch daß du unter der Bedingnis einer aufrichtigen Besserung, die Vergebung aller deiner Günden bei Gott erlangen kannst. Ihm hast du es zu danken, daß dir kein Uebel in der Welt, und der Tod selbst nicht mehr schreklich seyn darf; denn er hat dir die Seligkeit erworben, ein Glük, welches unendlich mehr zu bedenten hat, als alle Herrlichkeiten dieser Welt, und welches in Ewigkeit nie aufhören wird. Dafür bist du ihm doch gewiß den innigsten Dank schuldig. Aber mit einem bloffen Dank ist es nicht ausgerichtet, sondern du must deine aufrichtige Liebe gegen ihn durch einen thätigen Gehorsam beweisen. Du must demnach allen Sünden, auch deinen anz genehmstenLieblingsneigungen, entfagen, und es deinem Erlöser versprechen, daß du nicht mehr nach deinem eigenen Guts dunken, sondern blos nach seinem Willen und Befehl, deinen ganzen Lebenswandel einrichten wolleft. Dies ist um so viel nöthiger, da wir unmöglich eine solche Seligkeit, wie Er uns erworben hat, genieſen können, woferne wir nicht gut und wahrhaftig tugendhaft werden. Denn böfe, lasterhafte, ihren Lüften ergebene Geschöpfe, können kein wahres Bergnús gen des heiligen Abendmahls. II gen im Himmel finden. Daher hat uns unser Erlöser auch gelehret, ie wir uns durch Beherrschung unsrer fündlichen Begierden, durch Ausübung aller Tuz genden, und durch eine beståndige Nachahmung seines liebenswürdigsten Beis spiels, zu dem Genuß jener Seligkeit ges hörig vorbereiten sollen. Und er verdient es ja auch, dall wir ihm unser ganzes Leben aufopfern, da Er sich ganz für uns aufgeopfert hat. Derjenige dankt also dem Herrn Jefu nicht auf eine solche Weis se, wie er soll, für sein Leiden und Sterz ben, der ihm nicht auf das heiligste verz spricht und angelobet, daß er ihm mit aller nur möglichen Treue gehorchen, und nach seinen Vorschriften seinen ganzen Lebenswandel einrichten wolle. Diese Sache ist nun von so überauss grofer Wichtigkeit, daß wir, nach der Erz mahnung des Apostels, uns nothwendig vorher wohl prüfen müssen, ob wir auch zu dieser wichtigen Beschäftigung aufges legt sind, und ob es uns mit dem allen ein rechter Ernst seyn wird. Wer so in das Zeitliche zerstreut ist, daß er seine Gedans fen nicht zusammen faffen fan, wer mit den Seinigen oder mit andern Menschen in 12 Unterricht vom rechten Gebrauch in Hader und Feindschaft lebt, wer sich in Zukunft gewisse Sünden vorbehalten will, und sich nicht durchaus zu bessern gedenket, der kan auch nicht mit gutem Gewissen zum heiligen Abendmahl gehen. Wenn er es dennoch thut, so empfängt er es unwürdig, nicht auf eine solche Art, wie es der Größe der uns zugedachten Wohlthaten, und der Hoheit des Stif ters gemas ist; er verfündiget sich an dem Leib und Blut des Herrn, und ist gewissermaffen dem falschen Judas áhnlich, der sich aufferlich als einen Freund Jesu anstellte, aber im Herzen weder Liebe noch Achtung gegen ihn hatte; er hat von dem Genuß nicht nur keinen Nuzen, sondern auch den größten Nachtheil, und wird für seine Heuchelei, Verwegenheit und Leichtsinn auf das nachdrůklichste von Gott gestraft werden. Hier ist also wiederum das eigene forgfältige Nachdenken unumgänglich nothwendig. Denn wir selbst können und müs sen es am besten wissen, ob wir ein aufrichtiges Verlangen nach der Gnade Gottes, und den Wunsch einer christlichen Lebensbesserung, oder des nöthigen Wachsthums in der Tugend, bei uns empfinden oder 13 des heiligen Abendmahls. in oder nicht. Bücher können uns zwar an unfre Pflichten erinnern, aber wie es mit unfermGewissen steht, das kan uns nur unfer eigenes Herz sagen. Es ist traurig, daß so viele Christen es nicht einmal der Mühe werth achten, ernstlich darüber nachzus denken, ob ihr bisheriger Wandel dem Willen des Herrn gemäß war oder nicht: ob es ihnen um ihre Besserung ein Ernst ist, oder nicht. Sie halten es immer schon für ausgemacht, daß sie nicht besser werden könnten, als sie sind, oder daß ihre Untugenden nicht viel zu bedeuten hätten. Sie nehmen sich daher schon vor, so zu bleiben, wie sie jederzeit waren, und glaus ben dennoch Vergebung der Sünden zu erlangen. Andere sehen zwar ein, daß es eine wichtige Sache um den Genuß des heiligen Abendmahls ist- aber eben deswegen verschieben sie es von einer Zeit zur andern. Sie entschuldigen sich immer das mit, daß sie in Streit und Unfrieden lebten, daß sie nie recht zu sich selber kommen könnten, und dergleichen. Aber welche thörichte Entschuldigung! Damit du das heilige Abendmahl würdig empfangen kanst, so versöhne dich heute noch mit deiz nem Nächsten, und stärke dich mit dem Ges 14 Unterricht vom rechten Gebrauch) Genuß des Feibes und Blutes JefuChris sti zur aufrichtigen, vertragfamen Liebe. Ja länger du es aufschiebest, desto mehr werden sich die Hindernisse häufen; desto schwerer wird dir die Besserung ankoms men. Soll dir denn aber Gott ein ewi ges Leben auf Erden geben, damit du dich recht im Bösen verhårten kanst? Noch andere sind in Kleinigkeiten forg fältig und ängstlich und vergessen darüber das Wichtigste. So z.E. überreden sich viele, das Fasten vor dem Genuß des hetz ligen Abendmahls sey ein nothwendiges und vielleicht gar das wichtigste Stück der Vorbereitung. Dies ist gerade das wenigste, und eigentlich gar nichts; denn die Apostel und ersten Christen genossen das heilige Abendmahl meistentheils nach einer gemeinschaftlich eingenommenen Mahlzeit, und das Fasten vor dieser heiligen Handlung ist im Pabstrhum ganz willkührlich, so wie viele andere Mens schengebote eingeführt worden. Aber vielen evangelischen Christen dünft es doch eine recht schöne Sache zu seyn, wenn sie sich auf eine so leichte Art mit ihrem Gott ausföhnen, und ihn bewegen könz nen, daß er ihre Sünden nicht achte. Denn des heiligen Abendmahls. 15 Denn es ist nun freilich immer leichter, etliche Stunden fasten, als in dem ganz zen übrigen Leben wider seine fündlichen Begierden kämpfen. Und viele Christen sind wirklich so unverständig, daß fie glauben, wenn sie das heilige Abendmahl zu manchen Zeiten mit andächtigen Geberz den und Ehrfurcht empfingen, so dürften sie wieder nach ihrem Gefallen leben, bis aufs neue die Zeit kommt, da sie einen oder etliche Tage fromm sind. Doch, dies se Thorheit habe ich vorhin schon gerügt. Daß auch mit Beicht und Absolution von vielen ein schändlicher Misbrauch getrieben wird, liegt am Tage. Es ges höret aber wiederum nicht viel Einsicht dazu, einzusehen, daß rohen oder leicht sinnigen Sündern, die sich nicht zu bessern gedenken, ihr Beichten nichts hilft. lle berhaupt, wo keine aufrichtige Reue über die Sünden, kein Verlangen nach Jesu und seinen Wohlthaten, kein guter Vors faz ist, und keine Besserung erfolgt, da ist auch keine Vergebung der Sünden. Das heilige Übendmahl ist allerdings ein Mittel, und zwar das allerkräftigste Mittel, uns der Vergebung der Sünden zu versichern, wenn wir es würdig empfans 16 Unterricht vom rechten Gebrauch pfangen. Aber es soll nach Jesu Absicht auch zugleich ein Mittel seyn, unsere Lies be gegen ihn, unsern Dank und redlichen Gehorsam anzufeuern, und zu befestigen. In dieser Absicht bedienen sich auch wahre Christen dieses Mittel sehr oft, nicht nach dem Kalender, sondern so oft sie finz den, daß sie wegen ihrer fündlichen Mänz gel und Schwachheiten besondern Trost und Stärkung ihres Glaubens nöthig haben; ingleichen, daß ihre Liebe zu ih rem Erlöser, und ihr Eifer in der Tugend erfalten will, welches sich gewiß zum öf tern zutragen wird. Sie rühmen und verkündigen des Herrn Tod auf die Weise, wie es seyn soll. Sie sind aber nicht nur an ihren Beicht und Communions tagen alleine fromm, sondern sie lieben ihren Heiland immer herzlicher, freuen sich, daß sie durch ihn die Hofnung haz ben, ewig selig zu werden; sind zufrieden, wenn ihnen nur dieser Trost gewis bleibt, und bemühen sich, durch ihren unermü deren Fleis in allen guten Werken, ihre Liebe zu ihrem Erlöser immer thätiger zu erweisen." Unser keiner lebt ihm selber, unser keiner stirbt ihm selber. ,, Weder im Leben noch im Tode sind wir unsere eiges des heiligen Abendmahls. 17 eigene Herren, die nur ihrem eigenen Gutdünken folgen dürfen." Leben wir, ,, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben, wir dem Herrn, darum wir leben ,, oder sterben, so sind wir des Herrn. ,, Denn dazu ist Christus auch gestorben ,, und auferstanden, und wieder lebendig ,, worden, daß er über Tode und Lebendis „ ge Herr sey... Rom. 14, 7-9. Dies ist der Wahlspruch eines wahren Christen, und in dieser Gesinnung wird er durch den oftmaligen würdigen Gebrauch des heiliz gen Abendmahls befestiget. d II. Heiliges Nachdenken eines Christen, der sich entschließt zum h. Abendmahl zu gehen. Matth. 26,26. 27. 28. Marc. 14,22.23. 24. Luc. 22, 19. 20. 1 Kor. 11, 23. 24. 25 Nehmet, effet, das ist mein Leib, der für euch ges geben wird. Das thut zu meinem Gedächtnis Trinket alle daraus, das ist der Kelch des neuen Testamentes in meinem Blut, das für euch vers gossen wird, zur Vergebung der Sünden. Solches thut, so oft ihr's trinket, zu meinem Gedächtnis. Was sollte mir wohl heiliger und rüh render seyn, als die Gedächtnis feier meines Erlösers im Abendmahl! Ich habe Christum, meinen Herrn, niche B Communionb. pera 18 Heiliges Nachdenken eines Christen, persönlich gekannt; aber ich sehe ihn im Geiste, wann ich sein Nachtmahl halte. Da ist er meinem Gemüthe gegenwär tig, da erhebe ich meine Seele in stiller Andacht zu ihm, und freue mich, daß er es mit großer Weisheit, zum immers währenden Andenken seiner Liebe, anz geordnet hat. Er hat es um unsere Seelen verdient, daß wir seiner nie vergessen. Sein Abendmahl erinnert einen jeden Christen auf die feierlichste Weise an die Liebe, womit er die Menschen geliebet hat. Er führet uns auf die Ursachen und Umstände seines Todes zurük. Es beståts tiget, bis auf den heutigen Tag, die Göttlichkeit seiner Sendung und die Wahrz heit seines durch Leiden, Tod und Auferstehung befestigten Evangelii. Er erneuert in unserer Seele die Empfindungen der Dankbarkeit, womit wir ihm verpflichtet sind, und stärkt in uns die guten Triebe, ihm ewig treu und ergeben zu seyn. Nun können wir seiner nicht vergessen. Der Tisch des Herrn, an dem wir von dem ges segneten Brod essen und von dem gez fegneten Kelch trinken, erinnert uns bes deutungsvoll an alle die geistigen Güter, die er uns verschaffet hat, macht uns dommaber 19 der zum heil. Abendmahl gehen will. aber auch seines Leibes und Blutes, und damit aller der Segnungen theilhaftig, die er uns, mit Aufopferung seinesLeibes, und mit Vergiesung seines Blutes, ers worben hat. Da ich nun entschloffen bin, mich bei diesem Liebesmahl einzufinden, so ist es nothwendig, daß ich mich vor allen Dingen selbst frage: Was bewegt mich zu dies fer wichtigen Entschliesung? Hat viele leicht die Gewohnheit, oder die Nachahmung anderer, oder haben gar eitle und heuchlerische Absichten den meisten An theil daran? Oder habe ich den frommen Endzwek, das Gedächtnis des Todes Jes fu mit busfertigen und dankbarer Empfin dungen öffentlich zu begehen? Fühle ich die Stärke meines innern sündlichen Verderbens und meines Unvermögens, meine sittlichen Kräfte zu stärken, so sehr, daß ich die Nothwendigkeit dieses Gnadenmittels zur Heiligung und Besserung meis nes Herzens lebendig erkenne?-Seele! sammle deine Gedanken zur Stille und Aufmerksamkeit auf dich selbst, und laß diese ersten Regungen der Andacht und heilsamen Rührungen nicht ohne Nuzen verschwinden. Bereite dich, das Mah! des 2 20 Heiliges Nachdenken eines Christen des neuen Bundes würdig zu empfahen. Siehe zurük in jene Nacht, darinn der sterbende Heiland für seine Erlöfeten eine so heilige Handlung verordnet, in welcher er sich mit ihnen auf das innigste verband. Ein Mahl, das bis ans Ende der Welt von den Seinigen in Liebe sollte wiederholet werden. Auch ich bin erlöset. Auch für mich hat Jesus dieses theure Mahl eingefezet. Auch ich soll durch den Glauben Theil an den Früchten seines Todes und seiz ner Versöhnung nehmen. Unterliese ich nun leichtsinnig den Gebrauch dieses Sacraments, so würde ich mich von dem Wege der Wahrheit verlieren, gar bald der unbegreiflich grosen Liebe Jesu gegen mich undankbar vergessen, bald gleichgültig gegen Tugend und Frömmigkeit werden. Bewahre mich mein Heiz land, daß ich mich nicht zu denen geselle, welche die Zeugnisse deiner Güte unempfindlich verachten. Dank sey dir, daß du mich einer Offenbarung gewürz diget haft, die mir den Weg zum Leben zeigt. Gelobet seyft du, daß du dich meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verderbe. Auch mich ladest du zu Aromany der zum heil. Abendmahl gehen will. zu deinem Mahle ein, damit ich schmeken und sehen möge, wie freundlich du gegen diejenigen bist, die auf dich trauen. Herr! es ist dein Werk, der du diese Sehnsucht nach der heiligen Vereinis gung mit dir, der du deinen Leib für mich töden liefest, dein Blut auch für mich vergoßest, in mir gewirket hast. Durch deine Gnade erwekt, empfinde ich ein sehnliches Verlangen, mit dir und dem Vater und deinen guten Geist in eine segensreiche Vereinigung zu tretz ten. Lehre mich aber auch wohl bedenken, wie heilig der Ort sey, zu welchem ich mich nahe, damit ich mich ermantere, in einer dir wohlgefälligen Gemüthsfassung vor dir zu erscheinen. Du hast das Wollen gewirket, schenz ke mir auch das Vollbringen. Unters stůze du mich, o Gott, in dem Gez schäfte meiner Besserung, so wird es mir gelingen. Amen. thom od 12 21 B3 III, Ueber die große Seelengefahr III. Ueber die grose Seelengefahr, bei dem unwürs digen Genusse des heil. Abendmahls. Welcher unwürdig iffet und trinket, der iffet und trinket ihm selber das Gericht, damit, daß er nicht unterscheidet den Leib des Herrn. 1 Kor. 11, 29. 22 eines erleuchteten Lehrers der Chris sten, warnend für Jeden, der leichtsinnig zum Abendmahle nahet. Er müße einen riefen, würksamen Eindruk auf mich maz chen, jezt, da auch ich dieß Mahl geniessen will. Derjenige erscheinet unwürdig an dem Tische des Herrn, welcher gewissenlos genug ist, in dem Bewustseyn seiner vorz fazlichen Sünden, ohne innere Reue, ohne wahres Verlangen nach der Gnade Gottes und der Bergebung der Sünden, sich hin zu nahen; der zwar mit dem Munz de Reue über die Sünde und den Glauben an Jesum vorgiebt, aber seine gewohnten Sündennoch immer fortzusezen entschlos sen ist. In der Seele eines solches Mens schen ist gar keine Ehrerbietung, weder gegen den hohen und erhabenen Stifter des heiligen Mahls, noch gegen dieses Mahl selbst. Er giebt durch sein Vera halten zu erkennen, daß sein Herz von der grosen Liebe Gottes in Jesu Christo noch nicht 07 O bei dem würdigen Genuß desselben. 23 nicht gerührt ist. Was für ein Urtheil muß der allwissende Richter, der das Innerste des menschlichen Herzens erfors schet, über diejenigen fällen, der sich uns terstehet, in einer so lasterhaften Ges müthsfassung vor sein Angesicht zu trets ten? der sich zwar aufserlich für einen reuis gen und nach Gnade seufzenden Sünder bekennet, aber kein zerschlagenes und zers knirschres Herz hat, und so bald ihm die verführerische Welt winket, bereit ist, mit ihr den breiten Weg, der den sinnlichen Lüften schmeichelt, aber zum Verderben führet, fortzusezen?- Ach mein Erlöser! ziehe mich zurüf, wenn ich es wagen wollte, in strafbarer Leichtsinnigkeit dein Abendmahl zu nehmen. Stelle mir die große Gefahr der Seele, die mit dem unwürdigen Genusse desselben verbunden ist, recht lebhaft vor Augen. Erscheine ich unwürdig an dem Tische des Herrn, so mache ich mich eines Verbrechens an seinem Leib und Blute schuldig. Ich bin alsdann unglüklich genug, den Jeſum zu verachten, der mir die theure Wohlthat erwiesen, seinen Leib für michy am Kreuz aufzuopfern, und sein kostbaz res Blut für meine Sünden zu vergiesen. 34 Was 24 Ueber die große Seelenfahr Wäre dies nicht die abscheulichsteUndank barkeit? Wenn ich unwürdig effe und trinke, so ziehe ich mir eben dadurch Gotz tes Gerichte und Strafen zu. Gott, dem alles Böse mißfällt, bezeuget ein heiliges Misfallen andenen, die bei der wichtigen Handlung der Religion, bei dem Gebrauz che des Abendmahls, so leichsinnig und unehrerbietig sich betragen. Er, der nur das Gute liebet, kann den Seegen eines reinen Herzens einem so unreinen nicht ertheilen. and Sollte ich mich in diese Gefahr stürz zen? Wenn ich ohne reuige Empfindung meines sündlichen Verderbens, ohne fehnliches und aufrichtiges Verlangen, in die Gemeinschaft Gottes zurüke zu keha ren, ohne heilsame dauerhafte Entschlies fungen zum Mahl der Gnaden komme, und diesen unwürdigen Genuß oft wies derhole; so verhärte ich mein Gemüth nach und nach gegen die kraftigsten Gnaz denmittel, welche die ewige Barmherzigkeit zu unserer Ruhe und Glückseligkeit vers ordnet hat. Das Wort Gottes würde keine Kraft mehr an meinem Herzen duz fern, weil ich derselben widerstrebe. Der Gedanke an Gott, an seine Allgegenwart, Alla bei dem unwürdigen Genuß desselben. 25 Allwiffenheit und Heiligkeit würde mich nichtrühren. Unsterblichkeit meiner Sees le, Tod, Gericht, ftrenge Rechenschaft, Ewigkeit, werden mir gleichgültige Naz men seyn. Wehe mir, wenn ich mich so tiefiverfiele! Wo wäre Hülfe für meine Seele, wenn ich, o Gott! deine erbarz mende Liebe nicht achten wollte? Erfülle mein Herz mit wahrer Ehrerbietung ges gen das heilige Mahl meines Erlösers, und schaffe in mir, was vor dir gefällig ist, zu deinem Lob und Preise. Amen! IV. * Gebet um göttlichen Beistand zur Erkenntnis der Sünden. Nicht Erienne deine Missethat, daß du wider den Herrn deinen Gott, gefündiget hast. Jer. 3, 13, Jichts ist schwerer- das fühle ich, indemich mein Auge zu dir, dem Herz zenskündiger, empor hebe, als die richti ge Erfenntnis meiner selbst. Tausend Eitelkeiten täuschen mich, und mein schwaches Herz verbirgt sich mir selbst.- Gott, wenn ich jezt, da ich mich aufs neute einer gewissenhaften Prüfung unterwerfen soll, wieder täuschte- wenn ich meine Fehler beschönigte, wenn ich, eingenommen selg von 26 Gebet um göttlichen Beistand ind von mir selbst, mich wieder nicht so erblifte wie ich bin!- Ich zittere vor der Gefahr mich selbst zu hintergehen!-Gott, ich erz kenne mein Unvermögen, ohne deine höhez re Unterstützung mich ganz kennen zu lerz nen!-Aber wenn ich an dich, den Heiliz gen, denke- wenn es dein Gesez ist, was vor meinen Blik erscheint, wenn ich dann meine Gesinnungen und Handlungen mit den Forderungen desselben vergleiche, mit welcher Demüthigung sehe ich dann in mir ein schwaches fündiges Geschöpf;- ich, der ich oft thörigt genug bin, stolz auf die Fleine Verdienstlichkeit meiner so falfde lich hochgepriesenen Tugend zu feyn!- 2Sie kan ich es doch immer so oft verges fen, daß auch in meinem Herzen tausend Leidenschaften und Neigungen erwachen, daß sie mich lüstern machen, blos meine Sinnlichkeit zu befriedigen, daß sie mich meinen edelsten Vorfäzen ungetren werz den lassen, daß sie sich oft meiner ruhigen Uleberlegung bemächtigen, mein Inneres in cine stürmische Unordnung bringen und mit einem Worte, mich von deinen heiligen Gefezen abziehen, und daß ich dadurch Dein Wohlgefallen verliehren muß, da ich doch solche Erfahrungen, bei nur etwas groz Univ.- Bibl. Giessen zur Erkenntnis der Sünden. 27 größerer Aufmerksamkeit auf mich selbst, immer machen könnte! Gott und Baz ter, wie viel sind meiner mir selbst unbekannten Sünden! Ja, ich fühle meine Unwürdigkeit vor Dir.- Ich danke dir, der du dieses Gefühl in mir erweket hast, ich bitte dich mit heiffer Sehnsucht nach dem Bessern, erhalte es in mir und würke jene Neue in mir, die niemand gereuet, die so edle Früchte wahrer Heili gung bringet!- Gott, was warst du mir von jeher- mein Vater, mein zärtlicher, mir allenthalben liebend entgegenkoms mender Bater- und ich?- nein, ich kan im heißen Gefühl dessen, was du mir bist, nicht anders, als mit gerechten Unwillen gegen mich selbst ergriffen werden.- Ist nicht jede Sünde thätiger Undank gegen dich?- und wenn das ist, in welchem Lichte muß ich mir selbst erscheinen?- Herr, vergieb mir um deiner Barmherzigkeit willen.- Im Namen deines Sohnes bitte ich dich um Kraft und Stärke zum Guten für die Zukunft- ich gelobe dir neuen Ges horsam, und es wird- diese Hoffnung habe ich- nicht etwa mir, sondern deiner höhern Kraft vertrauend- es wird mir gelingen, nach und nach immer besser zu werden. teise Nie 28 Nöthige Gewissensprüfung Nie weiche das Andenken an das Beispiel dessen aus meinem Herzen, der mein Führer zum Leben ward, damit ich, in der Verz gleichung seines Wandes, meine Fehler erkenne und nach Befreiung von ihnen mit rastlosen Eifer ringe. Deine Kraft unterstüze und segne mich. Amen. V. Nöthige Gewissensprüfung vor dem Gebrauch des heiligen Abendmahls. Der Mensch prüfe sich selbst, und also effe er von diesem Brod und trinfe von diesem Kelch. 1 Kor. 11, 28. Nichs ist nöthiger, als daß ich mich ſelbſt vor dem unters suche, wie meine Gesinnungen und mein Wandel beschaffen sind, damit ich nicht leichtsinnig zum Abendmahl des Herrn hinzugehe.So wir uns selbst richten, so werden wir nicht gerichtet. ,, Nede also mein Gewissen, und entscheide in der Gegenwart dessen, der das Innerste des menschlichen Herzens erforschet. Ich bin ein vernünftiges Geschöpf, und dadurch eines wichtigen Vorzugs vor so vielen andern Geschöpfen gewürz diget worden. Habe ich denn meine Verz nunft dazu angewendet, den großen Schöz pfer in den Werken seiner Macht und Weis vor dem Gebrauch des heil. Abendmahls. 29 Weisheit mit Empfindungen der innigsten Ehrerbietung anzubeten? Habe ich besonders mit lebhafter Rührung daran ges dacht, daß Gott mein Schöpfer, mein Gott ist? Habe ich es als eine unverdiente Wohlthat erkannt, daß Gott bisher mein Leben, unter so manchen Gefährlichkeiten, unbeschadiget bewahret hat, und mich nicht in die Reihe der Elenden gesezet, die jedem fühlbaren Herzen ein trauriger Anblik sind? Kan ich sagen, daß ich die Wohlthaten der göttlichen Güte, die ich täglich geniese, mit einem dankbaren Hers zen verehre; oder muß ich bekennen, daß mich ihre unzählige Menge kaltsinnig gez macht hat? Habe ich sie allezeit so hoch gescházet, als sie es verdienten? Ist mir das Glük und der Vorzug, ein Chrift zu seyn, noch wichtig? Schäze ich das für eine wahre Glükseligkeit, meinen vernünf tigen Gottesdienst zu haben? oder habe ich mich bereden lassen, daß es gleichgültig sen, zu was für einer Religion man sich bekenne? Aber ich weiß auch, daß es nichts hilft, eine gereinigte Lehre zu befiz zen, wenn nicht Herz und Wandel gereiz nigt ist. Habe ich mich also dabei beruhiget, das ich ein Mitglied der verbesserten Kire 30d Nöthige Gewissensprüfung Kirche bin, ohne mich zu befleisigen, nach den Vorschriften des reinen Wortes Gotz tes unsträflich zu wandeln? Ich fühle eiz ne starke Neigung, mir die Tröstungen des Verdienstes Christi zuzueignen. Als lein habe ich sie auch wohl fälschlich auf mich gedeutet und mich selbst, ohne lebenz digen Abscheu gegen meine Sünden, durch eine fanfte Ruhe eingeschläfert? Wievies le Gelegenheit hatte ich weiser und from mer zu werden! Habe ich solche eifrig ers griffen, oder sie nachlässig versäumet? Hielt ich es für mein angelegentliches Ge schäft, meine Einsichten in der Religion richtig und gewiß zu machen, um gegen die Einwürfe des Unglaubens gewafnet zu seyn, oder habe ich mich bisher mit eis ner geringen und schwankenden Erkennt nis der Religionswahrheiten begnüget? War es mir besonders ein Ernst, eine les bendige und fruchtbare Erkenntnis der heilsamen Lehre zu erlangen! Bemühete ich mich, meine Pflichten, nach ihrem weis ten Umfange und nach ihrer ungemeinen Wichtigkeit, gehörig kennen zu lernen? Nicht allein die Schrift, sondern auch die Erfahrung hat mich gelehret, daß die Sünde schreflich in ihren Folgen ist. Haz be vor dem Gebranch des heil. Abendmahls. 31 be ich denn bisher mich sorgfältig gehütet, etwas Böses zu thun? oder habe ich viel leicht gedacht, daß es mit der Gerechtigs keit Gottes so viel nicht zu bedeuten haz be? Ist noch irgend eine Lieblingfünde, wozu mich mein Temperament am meisten reizet, eine verbotene Lust, eine lasterhafte Leidenschaft, in meinem Herzen übrig, die ich mit Wohlgefallen dulde und der ich Nahrung gebe? Ach vielleicht spreche ich zu mir selbst: du hast doch noch sonst viel Gutes an dir, die einzige Schwachheit wird Gott so genau nicht nehmen. Viel leicht bedenke ich nicht genugsam, daß ei ne einzige vorsäzliche Sünde, eine einzige verbottene Begierde, die mit Wiffen un terhalten wird, meine ganze übrige Tuz gend vor Gott verwerflich macht. Dennt er siehet das Herz an und fordert mein ganzes Herz. Aber es ist nicht genug die Sünde zu meiden; man ſoll auch Gutes thun. Haz be ich mich bemühet, christliche Tugenden an den Tag zu legen? Gott, mein Vater, ist meiner höchsten Liebe werth. Habe ich ihn bisher über alles, von ganzem Ges müthe und von ganzen Kräften geliebet! Ist es meine Freude, die Befehle des Herrn alt 32 Nöthige Gewissensprüfungad zu vollbringen, und in seinen Geboten uns tadelich einherzugehen? War die Liebe ges gen Gott die Quelle der guten Thaten/ die ich etwa hie und da ausgerichtet) oder trieb mich dazu Eigenmuş und Dinhmfucht an? Kan ich sagen, daß Gottes Liebe in mir wohnet, wenn ich das Gute so ungern thue, wenn ich mit einem geheimen Unwil len die Stunden der Andacht abwarte, wenn ich mich nicht überwinden will, meis nen liebsten Neigungen etwas zu verfaz gen und da strenge gegen mich selbst zu seyn, wo es Gott und meine Seligkeit verlangt? Habe ich mich vor Gottes Alla gegenwart findlich gescheuet, und mich gehütet, auch in der Einsamkeit, wo mich kein menschliches Auge siehet, eta was gegen sein heiliges Gesez zu thun? Und wenn mich Gott in die Schule der Leiden führte: wie war ich alsdame gesinnet? fiel ich in Ungeduld und Mura ren? oder bezeigte ich mich als ein gelas fenes und gehorsames Kind Gottes? Ued berließ ich dem weisesten Gott die Lenkung meiner Schiksale, oder klagte ich in meinen Gedanken, oft auch in Worten, die Vorsehung an, die den Lauf der Schikungen ordnet? Habe ich mein Vertrauen auf Gott vor dem Gebrauch des heil. Abendmahls. 33 Gott durch die theuersten Verheiffungen seines Worts gestärkt, oder habe ich vielz leicht zu solchen Mitteln, meine aufferlis chen Umstände zu verbessern, meine Zus flucht genommen, die ich jezt in der ruhigen Untersuchung unmöglich für rechts másig erklären kan? Ich bin ein Gast auf Erden. Habe ich den Werth meiner unsterblichen Seele so hoch geschäzet, daß es meine vornehmste Sorge gewesen, zu dem rechten Vaters land, das droben ist, zu gelangen? Ik meine Seele, die in Gottes Augen so hoch geachtet, mir so wichtig, daß ich auf ihre Besserung täglich den meisten Fleiß wende? Ist mir die wahre Wohlfart meiner Seele so theuer, daß ich nie aus Furcht oder aus Gefälligkeit gegen irgend einen Menschen mich entschliese, etwas zu bes gehen, das mich einmal in der Ewigkeit gereuen könnte? So lang ich auf Ers den walle, so habe ich Menschen um mich, denen ich herzliche Liebe erzeigen soll. Wohnet wahre Menschenliebe in meis nem Herzen? Bin ich freudig in dem Dienste des Nächsten? Bezeige ich mich gefällig aus Eitelkeit, oder aus redlicher Dienstbeflissenheit? Reget sich noch ein $ Communionb. gea 300 34 Nöthige Gewissensprüfung geheimer Stolz in mir, der sich so gerne Verdienste und Vorzüge beimesset, die man nicht befizet? Bin ich friedfertig ges gen Jedermann, fanftmüthig gegen Jr. rende, nachgebend und leutselig im Umgang? Bin ich insonderheit willig meinem Feinde und Beleidiger von Herzen zu vergeben, den zu segnen, der mir fluchet, dem wohl zu thun, der mich vers folget?-Doch ich soll auch für die geistliche und ewige Wohlfart meines Nächsten Sorge tragen. Was für ein Beiz spiel habe ich bisher der Welt gegeben? Ift mir nicht oft eine Rede entwischt, die in jungen Gemüthern, oder bei Erwachfenen, einen ärgerlichen Eindruk ge macht? Habe ich in meinem Stande ( Amte) meine Handlungen so vorsichtig eingerichtet, daß sie niemanden haben anstöffig werden können? Bin ich wei se genug, um auch den Schein des Böz sen zu meiden? Habe ich nicht aus Heuchelei, sondern aus wahrer Nedlichkeit des Herzens Gutes gethan, um andere zur Tugend zu reizen? Ist mein Exempel für die, welche auf mich sehen, nachahmungswürdig, oder haben sie Urz fache über mich zu seufzen? UNIC dus Herr! vor dem Gebrauch des heil. Abendmahls. 35 Herr! du kennest alle Dinge, du erz forscheft auch mein Herz! Zeige mir deine Wege, daß ich wandle in deiner Wahrheit. Erhalte mein Herz bei dem einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Siehe auch das Lied Nr. 1. Wer bin ich? welche wicht'ge Frage. Seite 215. VI. Selbstprüfung eines jungen Christen, der das erstemal zum heil. Abendmahl gehet. BIRON 100 von D. J. G. Rosenmüller. ch habe mun durch Gottes Gnade die Jahre erreicht, da ich von dem Glauben, auf welchen ich getauft bin, Rez chenschaft geben, und meinem Gott den kindlichen Gehorsam angeloben kan, wozu ich in meiner Taufe verpflichtet wor den bin. Nunmehr soll ich auch so glüklich seyn, eben so, wie die erwachsenen Glieder der christlichen Kirche, durch den öffentlichen Genuß des heiligen Abendmahls in die genaueste Gemeinschaft mit meinem Erlöser zn tretten und das feierlichste Bekenntnis abzulegen: daß ich ihn für meinen Versöhner und Herrn ers kenne; daß ich von ihm die Vergebung meiner Sünden, und alle andere daraus fliessenden zeitlichen und ewigen Woltha$ 2 ten 36 Selbstprüfung eines jungen Christen, ten getroft erwarte: mich aber auch für verpflichtet halte, nach seinen heiligen Befehlen meinen ganzen Lebenswandel einzurichten und seinen liebenswürdigen Exempel nachzufolgen. minind Dieses mein Vorhaben ist so wichtig, daß ich Ursache habe, in die verfloßnen Jahre meines Lebens zurüke zu sehen, und eine bedachtsame Untersuchung mit mir anzustellen, wie ich mein Leben zuges bracht und welche Sünden ich vornems lich meinem Gott abzubitten habe, was für Unarten und böse Gewohnheiten ich ablegen, und welcher Tugenden ich mich befleisigen muß, wenn ich hoffen will, daß Gott, meine Eltern und alle Men schen, Freude an mir haben sollen, und daß es mir hier in der Welt und dort in der Ewigkeit wohl gehen werde. Ich will mich daher sorgfältig prüfen, damit ich zu einer rechten Erkenntnis meiner Sünden komme und die Vergebung der selben von Jesu mit getrostem Herzen ers warten kan; aber ich will mir auch ernstlich vorsezen, durch Gottes gnädigen Beistand, in Zukunft einen wahrhaftig christlichen Lebenswandel zu führen, und aus Liebe und Gehorsam zu meinem Erz löser der das erstemal zum heil. Abendmahl geht. 37 löser so viel Gutes zu thun, als in meiz nen Kräften stehet.- Du, mein allwif fender Vater, kennest mein Herz, dir sind alle meine Gedanken auf das genaueste bekannt. Ach, gieb mir doch selbst recht zu erkennen, wie ich bisher gewesen bin, und wie ich seyn soll. Bewahre mich vor dem leichtsinnigen Wesen, welches meinem jugendlichen Alter so gewöhnlich ist, vor aller Versiellung und Heuchelei, damit ich nicht unter denen sey, die den Leib und das Blut unsers Erlösers zu ihrem Gerichte empfangen und sich an ihm auf eine schrötliche Weise verfündigen. In den vorigen Jahren meines Lebens habe ich schon unzählich viele Wohlthaten von meinem Gott empfangen, wofür ich ihn in Ewigkeit nicht genug rühmen kan. Mein Gott gab mir das Leben und sorgte für meine Nahrung und Erhaltung, ehe ich ihn noch kannte und nachdenken Fonnte, von wem alles Gute herkommt. Er schenkte mir Gesundheit und viel taus fends fröliche Stunden und Augenblike. Aber habe ich denn auch daran gedacht, daß alles Gute von dir kommt? Habe ich dir auch dafür gedankt? Habe ich mich nicht durch Misbrauch deiner Wohlthaz $ 3 ten 38 Selbstprüfung eines jungen Christen, ten an dir verfündiget? Habe ich nicht bisweilen meinen lieben Eltern, meinen Borgesezten und andern Menschen durch Ungehorsam und Ausgelassenheit man chen Verdruß gemacht? Gott hat mich so glüklich gemacht, daß er mich unter Christen gebohren werden ließ. Er gab mir christliche Eltern, die mich nicht nur bald nach meiner Ges burt zur heiligen Taufe brachten und der christlichen Kirche einverleiben liessen, sondern die mir auch eine christliche Erziez hung gegeben, zu allen Guten angewies sen, und für meine leibliche Erhaltung und Wohlfart gesorgt haben. Ich bin von meiner zarten Kindheit an in den Lehren des Christenthums unterrichtet worden, und habe gelernt, welches grose Glük mir mein Gott durch Jefum Chris stum in der Ewigkeit zugedacht hat. In den nächst versloffenen Wochen wurde mir deutlicher als jemals gesagt, was ich als ein Christ glauben, wie ich leben und wandeln muß, damit ich ewig glük lich werde. Wie aufmerksam bin ich denn auf den Unterricht, auf die guten Lehren und Ermahnungen gewesen, welche mir gegeben worden sind? Wie habe ich fie zit der das erstemal zum heil. Abendmahl gehet. 39 zu Herzen genommen und befolgt? Finde ich jezt in mir mehr Liebe und Lust zum Guten, als vorher? Werde ich in Zukunft wie an Jahren, so auch an Weisheit und Gnade bei Gott und Menschen zunehmen? Herr! gedenke nicht der Sünden meis ner Jugend und meiner Utebertrettungen, gedenke aber meiner nach deiner grosen Barmherzigkeit, um deiner Güte willen. Ach, wie viel tausend Fehler und Sünden wirst du an mir entdeken, die ich nicht einmal weiß, oder längst verges fen habe! Aber ich finde schon Ursache genug, über dasjenige Böse, dessen ich mir bewußt bin, mich innig zu betrüben. Ich sehe nun wohl ein, wie unrecht und strafbar manche Handlungen sind, die ich ehedem aus Unverstand und Mangel der Ueberlegung begangen habe. Aber noch mehr schmerzt es mich, daß ich auch in den Jahren, da ich bessere Einsich ten hatte, meine guten Eltern und Lehrer so oft betrübt und ihre guten Erz mahnungen verachtet und meinen Eigens sinn und bösen Neigungen gefolget haz be. Ich hatte ihnen für ihre Wohlthaten vankbar seyn sollen, und ich habe ih$ 4 nen 40 Selbstprüfung eines jungen Christen. nen so manche unangenehmeStunden ver urfacht Frohne zu bedenken, wie viel fie aus Liebe zu mir und zu meinen Besten an min gethan haben, und noch thun. Gegen andere meines Gleichen hätte ich Liebreicher, nachgebender und bescheidner fem fönnen, als ich gewesen binldnDft erfahre ich zu meiner Betrübnis, daß ich zum Bösen geneigt, zum Guten aber trage und verdroffen bin.odt of diet Rich Gott verzeihe mir um Jefit Chriz fti willen alle meine vorfäzliche und unte vorfazliche, wiffentliche und unwiffentlig che Sünden. Aber verleihe mir auch deis nes Geiftes Gnade und Beistand, daß ich von nun an alle Arten der Günde de fto ernstlicher verabscheue und meiden Da ich jest beffer unterrichtet bin, und mich nicht mehr mit der Unwiffenheit entſchuls digen fan, so würde ich desto strafbarer seyn, wenn ich meine bisherigen fündlis chen Gewohnheiten noch langer fortfezte: Nem ich will wit Borfaz und Wiffen keiz ne einzige Sünde mehr begehen. Wenn allerhand bofe Begierden in meinem Herz zen aufsteigen, wenn mich böse Menz schen verführen und bereden wollen, es habe nichts zu bedeuten, wenn man nach den der das erstemal zum heil. Abendmahl gehet. 41 den Weltlauf dahin lebt, so will ich an dich, mein Gott, gedenken, und zu mir felbst fagen! Wie sollt ich ein so groses Uebel thun, und wider Gott, meinem höchsten Wolthäter, fündigen? Wie soll te ich meinen Erlöser betrüben, der fo unendlich viel für mich gethan und gelitten hat, um mich von der Herrschaft und Strafe der Sünden zu erlösen? Wie sollte ich so thöricht seyn, um eines kurzen Vergnügens willen die Gnade meines Gottes, den Troft eines guten Gewissens zu verscherzen, und mich in die große Ge fahr zu begeben, die mit der Begehung einer jeden vorsäglichen Sünde verbunden ist?- So will ich denken, so oft ich zu irgend einer Sünde gereizet werde. Zu dem Ende will ich täglich meine chriftlis chen Vorsäze erneuern, mir deine Liebe, o Jesu, recht in den Sinn prägen, und in allen meinen Thun und Lassen daran gedenken, daß ich ein Christ bin, daß ich nicht für diese Erde alleine, sondern auch für die Ewigkeit, zum Himmel erschaffen und erlöfet bin. Daß ich mich schon jezt als einen Himmelsbürger betrachten und himmlisch gefinnet werden muß, wenn ich mir gegründete Hofnung zur Seligkeit machent 39149 42 49 Allgemeine Gewissensprüfung. dand machen will. Zu diesen und allen andern Christenpflichten will ich mich erweken, und diese guten Vorfüze will ich vorz nemlich zu der Zeit erneuern und befestiz gen, wann ich den Tod meines Herrn Jefu feierlich und öffentlich verfündige. Und da ich dieses wichtige Werk zum erstenmal unternehmen will, so verleihe mir, himmlischer Vater, den Beistand und die Gnade deines guten Geistes, daß mir meine erste Communion in meis nem ganzen Leben unvergeßlich werde, und mir einen ewig bleibenden Gegen bringe. Amen! di do 910912 Siehe auch das Lied: Nr. 2. Herr, bir gelob ich neue Treue 2c. Ceite 216. ( b) VII. Do Allgemeine Gewissensprüfung. Der Mensch prüfe sich selbst, und also effe er von diesem Brod und trinke von diesem Kelch. 1 Kor. 11, 28. $ Go will ich mich denn mit Gottes Beiz stand redlich prüfen, damit ich desto getroster dem Mahl Jefu Chrifti mich náz hern kan. Mein Heiland sagt: Du sollst Gott *) Geübtere Christen können sich auch des Gebets No. XII. statt einer Selbstprüfung bedienen. Allgemeine Gewissensprüfung. 43 Gott deinen Herrn lieben von ganzem Herzen, von ganzerSeele, von allen Kräf ten, und von ganzem Gemüthe, und deiz nen Nächsten als dich selbst. Hab ich diß alles gehalten von meiner Jugend auf? Eine genaue Prüfung meiner Liebe gegen Gott, gegen meinen Nächsten und gegen mich selbst, wird mich bald davon belehren. Wie steht es nun zuvörderst mit meiner Liebe gegen Gott? Habe ich meinen Gott so geliebet, wie es seine erhabenen Eigenschafter, seine mir erwiesenen unz aussprechlichen Wohlthaten verdienten? Liebte ich ihn über alles, oder weihte ich oft mein Herz mehr der Welt und ihren vergänglichen Freuden? Sezte mich eine ungeheuchelte Gottesfurcht in den Stand, daß ich, bei so manchen Gelegenheiten zu Verfündigungen, allezeit hátte fagen kön nen: wie sollte ich ein so groses Uebel thun und wider Gott sündigen? Und wenn ich auch, aus Furcht vor Gott, diese overjene Sünde unterlassen habe, war es nicht eine knechtische Furcht, nicht blose Furcht vor der Strafe? Habe ich eine innige Betrübs nis empfunden, wenn ich wider meinen Gott gefündiget und also der höchsten Lies be mich unwürdig gemacht hatte; oder 44 Allgemeine Gewiffensprüfung. war es nur die Besorgnis über die Folgen meiner Sünde, die mich traurig machte? Habe ich, in glaubiger Zuversicht zu der unendlichen Liebe meines himmliſchen Baters, mein ganzes Vertrauen auf ihn gesezet? Und war diese meine Zuversicht so herzlich, mein Vertrauen so fest, meine Hofnung auf Gott so lebendig, daß ich ges gen ihn nie mistrauisch, nie kleinmuthig worden bin? Habe ich mir feine väterlichen Züchtigungen allezeit gefallen laffen, und sie ohne Murren ertragen? Habe ich mich nicht öfters auf Gönner und Freunz de, und auf meine eigene Geschiflichkeit mehr verlaffen als auf Gott? 190 92 Habe ich allemal eine wahre, durch Liebe unterstüzte Ehrfurcht gegen den Allerhöchsten und seinen grofen Namen gez hegt? Habe ich bei meinen Widerwäftigs feiten allezeit geglaubet, daß die Macht des Höchsten alles andern kan; allezeit seinen weisen Führungen mich überlaffen? oder war ich unglaubig genug, an seiner Allmacht und Gerechtigkeit zu zweifeln, und vermessen genug, seine Weisheit zu tadeln?. Waren mir die Güte, Geduld und Langmuth Gottes Antrieb zur Buz se? oder habe ich den Reichthum dersels ben Allgemeine Gewiffensprüfung. 45 benverachtet, und seine Gnade auf Muthwillen gezogen? Habe ich mir die Bes trachtung seiner Allgegenwart und Allwissenheit in guten Tagen eine Warnung seyn lassen: Sündige nicht! und in bos sen Tagen eine Ermunterung: Fürchte dich nicht? Habe ich von Gott, von seiz nem Wort, von Sprüchen der heiligen Schrift, von göttlichen Wahrheiten nie leichtsinnig geredet? Habe ich seinen allerheiligsten Namen nie mit Fluchen, mit unnöthigen Schwören entheiliget, und imnazerweise im Munde geführet? Haz be ich nicht öfters das Gebet aufdie Seiz te gesezet? Und wenn ich gebetet habe, ist es nicht oft nur aus Gewohnheit gez schehen? that ich es allezeit ohne Zers streuung des Gemüths, allezeit mit wahrer Andacht und Erhebung des Herzens zu Gott? Habe ich ihn vorzüglich um geistlichen Segen angerufen, oder waren nur irdische Angelegenheiten der Inhalt meines Flehens? Habe ich die unverdiens ten Wohlthaten, die mir Gott im Leibli chen und Geistlichen erwiesen, mit gebüha render Dankbarkeit erkannt; erkannt, daß ich viel zu geringe bin aller Barmherzig keit und Treue, die er an mir thut? Haz be - 46 Allgemeine Gewissensprüfung. be ich auch meinen Mitbrüdern nicht verz helet, daß ich Gott über alles liebe? oder habe ich mich vielleicht vor der Welt des Bekenntnisses der Lehre Jesu geschämet? Habe ich Luft gehabt an seinem Wort? Habe ich die Gottesdienste des Herrn und seinen Tempel gerne besuchet, oder haz be ich es nur blos aus Gewohnheit, oft gar mit Widerwillen than? Habe ich den Vortrag des göttlichen Worts mit Begierde, mit Andacht, mit Aufmerksam keit angehöret? War ich beflissen, das Wort Gottes in einem feinen und guten Herzen zu behalten, und also nicht nur ein Hörer, sondern auch ein Thater des Worts zu seyn? Habe ich auch zu Hause meinem Gott eifrig gedienet, und mich und die Meinigen zu unterrichten, zu erz bauen gesucht? Haben nicht unnöthige Verrichtungen mich oft von gottesdienstlichen Uebungen abgehalten? Und nun, wie war die Liebe gegen meinen Nächsten in mir bisher beschaffen? Kan ich behaupten, daß ich meinen Nächsten liebte, wie mich selbst? Wünschte ich ihm stets Gutes, und suchte ich mit Rath und That, so oft ich konnte, sein Bestes zu Allgemeine Gewissensprüfung. 47 zu befördern? Habe ich mich jederzeit forgfältig gehütet, nichts zu thun, nichts zu sagen, wodurch ihm einiger Nachtheil zuwachsen mögte? Bin ich um seine Er haltung, um das Wohl seiner Seele bes kümmert gewesen? Habe ich für meine Feinde sowohl, als für meine Freunde, herzlich gebetet? la modabi Wie ist meine Liebe gegen diejenigen beschaffen gewesen, welche durch nähere Bande des Blutes, der Freundschaft, der bürgerlichen Pflichten, mir angehö ren?( Habe ich meine Eltern, Herrschaft, Lehrer, Obrigkeit, und andere Vorgefezte, nicht verachtet, noch erzürnet? Habe ich sie geliebet und geehret? Habe ich ih nen gerne gehorchet?) Habe ich Achtung gegen die Höhern, Freundschaft gegen meines Gleichen, Güte gegen die Ges ringern geheget? Dankbarkeit gegen die von welchen ich Hülfe und Wohlthaten erhalten? Bin ich mir nicht bewust, in meinem Betragen, in meinen Reden, oder durch Verabsäumung meiner Pflich. ten, denen ein übles Exempel gegeben zu haben, welchen ich vor andern mit einem guten Beispiel vorgehen sollte? Habe ich niemand verleitet, mit mir zu fündigen? Habe 48 Allgemeine Gewissensprüfung. Habe ich die Fehler der Meinigen und meiner Freunde mit Vernunft zu bessern gesucht, und ihnen allemal aufrichtig die Wahrheit gesagt? Wie weit habe ich es in der Nachfol ge Jesu gebracht, in Ansehung der Sanfts muth und herzlichen Demuth? War ich nicht dem Stolz und Zorn ergeben; und habe ich nicht öfters die Sonne darüber untergehen laffen? War ich nicht oft ohe ne Ursache empfindlich, auffahrend, eiz gensinnig, boshaft? Hat mich der Zorit nie zum Zanken und Schmähen oder zu noch gröbern Ausschweifungen vers leitet? Habe ich nicht Feindschaft wider meinen Nächsten in meinem Herzen ges hegt? Habe ich mich dadurch nicht zu Bers láumdungen und andern Arten der Selbstrache verleiten lassen? Betrug ich mich auch gegen die, so mich beleidigt, nach dem Befehl und Beispiel meines göttlichen Erlösers? Habe ich mich nie von unerlaubs ten Neigungen zu fündlichen Gedanken, Worten und Werken hinreissen lassen? Habe ich allezeit geredet, was erbar, was keusch, was lieblich, was wohl lautet; oder habe ich schandbare Worte und Scherze, die den Christen nicht geziemen, aus Allgemeine Gewissensprüfunge 49 aus meinem Munde hören laffen? Waz ren meine Geſpräche, meine Kleidungen, meine Handlungen, meine Tritte und Schritte, allezeit so beschaffen, daß sich niemand ein ergernis daran nehmen konnte? Habe ich meinen Nächsten nie vervortheilet? War ich nicht dem Geis ze ergeben, unter dem Namen der Spar samkeit; oder der Verschwendung, unter dem Namen der Freigebigkeit? Habe ich niemand um ſeine vorzüglichen Glüks umstände beneider, und mich derselben im Herzen für würdiger geachtet? Bin ich gegen jedermann dienstfertig, gegen die Hülfbedürftigen mitleidig, gegen die Armen wohlthätig gewesen? Habe ich mich der Redlichkeit und Aufrichtigkeit befliffen; oder bin ich gegen andere falsch, argwöhnisch, mißtrauisch gewes sen? Habe ich mich allezeit der Wahrs heit beflissen, von meinem Nebenmens schen nie etwas nachtheiliges geredet? Habe ich nicht seine wirklichen Fehler gerne ausgebreitet, ob ich sie gleich, ohe ne jemands Schaden, hätte verschweis gen können? War ich geneigt, des uns schuldigen Nächsten gefränkte Ehre zu retten? War ich bereit, Gutes von ihm Communionb. 346 50 Allgemeine Gewissensprüfung. zu reden, seine guten Eigenschaften und Handlungen zu rühmen? War ich bez fliffen, dem irrenden Nächsten mit fanftmüthigem Geiste zurechte zu helfen, und alles aufs beste auszulegen? Mit einem Wert: Habe ich allezeit von ans dern Leuten so geredet, wie ich wünschte, daß man auch von mir reden mögte? ant Ich komme nun auch zur Unterfuz chung meiner Selbstliebe, und frage mich zuvörderst, ob ich mich nicht von einer thörichten Eigenliebe habe beherrs schen lassen, welche oft machte, daß ich Gott sowohl als den Nächsten mir ſelber nachfezte? Habe ich nicht die Sünde oft ungestört herrschen lassen in meinem sterblichen Leibe und ihr Gehorsam geleistet in ihren Lüsten? Habe ich nicht, statt diese böse Lüste und Begierden meines verderbten Fleisches gleich in der Geburt zu erstiken, solche vielmehr unterhalten und ein Wohlgefallen daran gehabt, sie ins Werk zu sezen? Habe ich zuvörderst für meine unsterbliche Seele gesorgt, wie ich sollte? Trachtete ich auch am ersten nach dem Reiche Gotz tes und nach seiner Gerechtigkeit, oder lagen Allgemeine Gewissensprüfung. 51 lagen mir irdische Scháze, Ehre und Vergnügungen mehr am Herzen? Has be ich gesucht meine Religionskenntnisse immer mehr aufzuklären und zu vermehren? Habe ich mein Herz durch den Glauben an Christum zu bessern und zur Tugend anzutreiben gesucht? Habe ich der Heiligung ernstlich nachgejagt, und meinen Seelenzustand von Tag zu Tag zu bessern gesucht? Habe ich meis ne so theuer erkaufte Seele, als ein un sträfliches und unbeflektes Eigenthum Chrifti, zu erhalten gesucht? Habe ich mein Herz allezeit eine Wohnung des heiligen Geistes seyn lassen, und ihn nie mit vorsåzlichen, muthwilligen Sünden betrübet? Habe ich mich von ihm zu heiligen Empfindungen, zu gottseligen Entschliesungen, zu einem rechten Ernst im Christenthum antreiben lassen? Habe ich meinen Leib, und meine durch Christum geheiligten Glieder, nicht zur Ungerechtigkeit gemisbraucht? Habe ich mich allezeit der Nüchternheit und Mäßigkeit beflissen; oder habe ich mein Herz beschweret durch Unmäßigkeit und Sorgen der Nahrung? Habe ich meinen Sorgen allezeit Ziel und D2 Maas 52 Allgemeine Gewissensprüfung. Maas gesezt: nie zu viel gesorgt, so daß ich darüber in Schwermuth Baghafe tigkeit, Mißtrauen gegen Gott, und also in Unglauben verfallen bin? nie zu wenig gesorgt, so daß ich förgenlos, und also leichtsinnig, nachläsig, tråg in Ausübung meiner Nahrungspflichten geworden bin? Habe ich die von Gott mir anvertrauten zeitlichen Güter nicht zu unnüzen Ausgaben, zum Spielen, oder zu andern Uleppigkeiten verschwen det? Habe ich die Zeit, die edle Zeit, wofür ich Gott eben sowohl, als für andere Güter, Rechenschaft geben muß, allezeit wohl angewendet? Habe ich meine Gemüthsgaben auch zur Ehre Gottes, zum Dienste des Náchsten, und zu meinem wahren Besten angewen det; oder habe ich sie zu unnüzen und fündlichen Dingen gemisbraucht? Habe ich mein Amt allezeit so geführt, wie ich es einst vor Gott verantworten fan? Habe ich mich nicht unnöthiger Weise in Gefahr begeben, wobei ich mich des göttlichen Schuzes nicht getrösten konn te? Habe ich endlich, wenn ich so oft von Sünden bin hingerissen worden, solche auch dem heiligen und gerechteit Gott Um göttl. Traurigkeit über begangne Sünden. 53 Gott gleich wieder abgebeten? oder has, be ich das aufwachende Gewissen wieder einschläfern, und die Regungen des selben, durch Gesellschaften und allerlei andere Zerstreuungen, wieder zu betàuz ben und zu unterdrüfen gefucht?-- Erforsche mich, Gott! und erfahre mein Herz! prüfe mich, und erfahre, wie ichs menne; und siehe, ob ich auf böfem Wege bin, und leite mich auf ewiz gem Wege. Siehe auch das Lied: No. 3. Herr, dein Gesez, das du der Welt zc. Seite 217. VIII. Um göttliche Traurigkeit über begangene Sünden. Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geångster Gelft; ein geångster und zerschlagenes Herz wirst du, Gott! nicht verachten. Pf. 51, 19. Herr! dein Geſez lehret mich, wie ich muß, um glüklich zu werden, und saget mir, daß eine herrschende Weltz undSündenliebe im höchsten Maase elend mache. Vergleiche ich nun mein Verhalten mit diesem deinen Gesez, so finde ich, daß ich das nicht bin, was ich seyn soll, und es meine eigne Schuld sey, daß ich es 91990 D3 nicht 54 Um göttliche Traurigkeit b nicht bin. Ich bin von deiner Ordnung und Wahrheit abgewichen und habe daz durch meine Unruhe und mein Elend gehäufet. Mein Herz wirft mir so mannigfaltige Uebertrettungen vor, und überz läßt mich der Besorgnis ihrer traurigsten Folgen. Wie oft hat auch mich die Sinnlichkeit und die Freuden, welche mir die Sünde anbot, betrogen. Wie oft habe ich geglaubt, meine Glükseligkeit zu finden, wenn ich meine Begierden befries digte, oder das ausüben konnte, wozu sie mich antrieben. Aber habe ich nicht eben dadurch mein Heil verlassen, daß ich Frieden bei der Sünde suchte und ihn nicht fand. Zeuget nicht jezt mein Gewissen laut wider mich, und legt mir die Strafen meiner Verschuldungen vor Augen! Was habe ich nun, wenn ich der Wahrheit und meinen Pflichten uns treu geworden bin, wenn ich mir fundliche Vergnügungen erlaubte, und bald dieſes, bald jenes Laster sorglos und sicher ausgeübet habe! Was hilft es mir, wenn ich die kostbare Zeit in Tråga heit, ohne Erwägung meiner künftigen Wohlfart, so oft verschwendet und nicht mit Ernst für die Verbesserung meiner Seele über begangne Sünden. 55 Seele gesorgt habe. Was habe ich nun für Vortheile von der Nachlässigkeit und den Uebertrettungen deiner Gebote. Wie unendlich glüklicher würde ich nun seyn, wenn ich stets fromm vor deinen Augen gewandelt hätte! Sollte ich für meine Ruhe und unaussprechliche Zuz friedenheit, die einst meinen Tod noch versüßen würde nicht wünschen, daß ich mich nicht mit so mancherlei Sünden beflekt hätte? Bei dem allen haben Deine Erbarmungen, die Erbarmungen eines beleidigten aber barmherzigen Vas ters auf mich gewartet. Du hast mir die theuersten Zusagen vorgestellet, und ich bin nicht immer treu gewesen. Deis ne Wohlthaten gegen mich sind unerz meßlich gewesen, um mich zurük zu ruz fen, um mich wieder aufzunehmen und zu ſegnen, und ich habe deinen Segen nicht gefchást wie ich sollte. Du hast mich nie verlassen, und wie oft habe ich dich verlassen! Wie sehr hátte ich nicht verdienet, Gott, von dir gerichtet zu werden! Ich falle vor dir nieder. Stel le mir selbst die Größe und die innere Schädlichkeit der Sünde vor, und würs ke in mir die Traurigkeit und Reue zur D4 Sea 56 Um göttl. Traurigkeit über begangne Sünden. Geligkeit, die niemand gereuet. Gib mir einen zerknirschten Geist und ein gedemüthigtes Herz, und erweke, in mir einen lebendigen Abscheu gegen die Günde, denn dies ist ein Werk deiner Gnade. Nie laß mich dünken, als ob die Sünde von so weniger Erheblichkeit fey, daß sie nicht den ernstlichsten Abschen verdiente, sondern gib mir ein Herz, das, dem Petrus gleich, seine Günde aufrichtig beweint. Mache den Eindruk von meinen Uebertrettungen so lebendig in mir, daß ich mit Rührung und Ernst die gefährliche Bahn des Verderbers verlaffe und mich in die Arme deiner Erbarmung werfe. Entreiffe mich der Schande und dem Unglük der Sünde, wann es auch durch Die bittersten Mittel geschehen müßte, und führe mich zu dem Heil, welches du mir in Chrifto zugedacht hast. Sen mein gnädiger Gott in Ewigkeit. Amen! Siehe auch das Lied: Nr. 4. Gott hilf mir, daß ich Buse thue ic. Seite 218. jater Stal 10 IX. 57 ato odwin IX. l * Um Vergebung der Sünden. Herr! gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht ( deiner Magd), denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht Pf. 113/ 2. Gott ott, was ist der Mensch, wenn er vor dich im Geiste hintritt, wenn er, das schwache fündige Geschöpf, sein Auge zu dir erhebt, und den unendlichen Abstand fühlet, in welchem er gez gen dich stehet. Siehe, auch ich, o Bater, nahe mich jezt zu dir in meinem Gebete. Ach, es ist nichts geringeres, was ich dir vortrage, als die Bitte um Guade und Vergebung. Ja, ich füh le es tief und beschämt, daß ich derselben bedarf Gott, wenn ich es übera lege, was ich nach deiner heiligen Abe sicht seyn soll und nicht bin, wenn ich beherzige, was ich nach den Anlagen und Kräften, die du mir geschenket haft, und nach den Mitteln, die deine Gnade mir zu ihrer Ausbildung dars bot, werden konnte- und nicht wurs de- wenn ich die Stimme deines Gez sezes, des Rechtes und der Wahrheit hörte und doch nicht stets befolgte, welz che Reue erwacht da in meinem Herz zen, 58 Um Vergebung der Sünden. zen, welche innere Unruhe quält mich dann! Ach nein, es giebt kein drüfenz deres Gefühl für den, der noch nicht allen Sinn für das Wahre und Gute verlohren hat, als das, einiger Unzuz friedenheit es giebt keine Anklage, - die bitterer schmerzt, als wenn unser eiz genes Herz sie erhebet.- O welch ein trauriger Beweis sinnlicher Schwäche ist sich jeder Mensch. Ach allen uns allen klebet sie an den einen macht sie zum Bösewicht, einen andern zum schwachen, nachgiebigen, leichtsinz nig bethörten Menschen- Gott, auch ich habe gesündiget. Was könnte es mir helfen, blos bei der Betrachtung des allgemeinen Verderbens des Menz schengeschlechtes stehen zu bleiben?- Nein, untersuchen will ich vielmehrwie es sich auch in mir zeigt.- O, und was geht nach dieser Untersuchung anz ders hervor als Beschämung und Reue! Und wohl mir, wenn das so ist, o dann, dann mein Vater, darf ich es wagen, mit gebeugtem Gefühle zu dir zu nahen, dann darf ich vor dir Gnade hoffen, der du sie allen denen verheisfest, die mit Reue und Leid über ihre 098 Sün( - - Um Vergebung der Sünden. 59 - Sünden sich nach Besserung sehnen!- Bater, laß ihn mein Herz stärken, den Troft: Dir sind deine Sünden verz geben!. Tief rühre mich das Bewustz seyn deiner Gnade mit heiffer Liebe ziehe es mich zu dir mit neuem Muz the befestige es den Berfaz in mir, stets treuer dir und deinen so heiligen Gesez zen zu werden. Ich blike auf zu Golgatha- ich umfasse die Verheiffungen des großen Sterbenden mit Glaubenund nahe mich durch ihn mit kindlichem Geiste zu dir, meinem Vater; Verz herrliche deine Güte an mir deinem schwachen Kinde- befelige mein Herz mit der trostvollen Ueberzeugung deiner Liebe- stärke mich, wenn ich schwach bin, erhebe mich, wenn ich zu sinken beginne, du, der du so gerne deinen Beistand dem für das Gute Kämpfenden sendest. Bater, ich bin dein- du vergibst mir und heiligest mich, daß ich dein sey in Ewigkeit. Amen! - 711 M - Siehe auch das Lied: Nr. 5. Gott, mein Vater! ich dein Kind ic. Seite 219. бо Um göttlichen Beistand X. Um göttlichen Beistand zur wahren Heiligung.*) Nach dem, der uns berufen hat und heilig ist, sollt auch ihr heilig seyn in allen euerm Wandel. Gro Heiliroß und herrlich ist das Ziel, nach welchem ich ringen soll. gung und Seligkeit ist sein erhabener Name. D, wie oft durchdrang meine Geele die Vorstellung von dem, was ich werden soll;- dann war mein Innerstes so voll hoher Begeisterung, dann ergriff mich die Ahnung der Geligkeit einer frommen Seele; aber ich fühlte, daß ich noch nicht Dann rang ich nach heilig war! dem Bessern. Doch wie so unvermerkt schwand das heilige Gefühl aus meinem Herzen;- noch gedachte ich meiner edlen Vorsätze, aber schon schwä cher würkte ihre Kraft- seltner wurde das Andenken an fie und da tratt denn die Sinnlichkeit in ihre alten, verz jährten, traurigen Rechte; die Gewohnheit siegte, und ich fand mich da, von wo ich - *) Bei dieser Auflage neu verfertigt von G. E. F. Seidel. pruch zur wahren Heiligung. 61 ich ausgehen wollte zum Beffern. Gott, Gott, soll, darf dieß immer so gesche hen?- D nein, es soll, es muß besser werden! Aber war das nicht eben der Vorfaz, den ich schon so oft faßte? Ach ich fühle es- ohne deinen Beistand, Gott und Vater, liebevoller Erbarmer, wers de ich nichts vermogen. Um deine höhere segensvolle Unterstüzung flehe ich dich an, und du wirst dieses dir wohlgefällige Gebet erhören. Will die Begierde mächtig mich ergreifen, so heilige mich der Gedanke an dich- Will mein Herz im Genuß der Freude seiner Zusage verz geffen, so erfülle es das Andenken an den, der mir die Freude gibt, und dem ich für die Stunden derselben Rechenschaft ges ben muß.- Will die Zerstreuung des Lez bens mich hinreißen, so fammle sich oft mein Geist vor dir!-Will der Kummer der Erde mich muthlos machen, so erhebe mich der Glaube an deine segnende Lies be.- Dunabläßig präge sich mein Geist deine Heiligkeit ein vergegenwärtige sich seine hohe Bestimmung gedenke an den Göttlichen, der auf der Bahn zu derselben mir voranwandelte! Unablafe mainint nat 62 Um göttl. Beistand zur wahren Heiligung. läffig lerne mein Herz die innere Verwerflichkeit jeder Sünde immer tiefer fühlen- immer inniger verabscheuen, immer vorsichtiger müsse ich alles meiden, was mein Inneres in Unordnung brinz gen, meine Sinne in einen gefährlichen Aufruhr bringen und mein Gewissen verlezen könne? O Gott, wenn ich redlich ringe und kämpfe, wenn ich mit heisser Sehnsucht nach dem Heiligen strebe, dann wirst du mir beistehen. Väterlich wird deine Průz fung seyn- nahe bist du mir in der Stunde der geistigen Gefahr und wirst mich nicht verlassen. So will ich denn muthig kämpfen- durch dich bin ich des Sieges gewiß. Nicht an mir verzweifeln will ich, aber auch nicht allzukühn auf meine Kraft alleine rechnen. Schaffe in mir Gott ein reines Herze gib mir einen neuen gewißen Geist; verz wirf mich nicht vor deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Amen. — Siehe auch das Lied: Nr. 6. Gott! dir gefällt kein gottlos Besen ic. Seite 220. Zweite 63 Zweite Abtheilung. Unterhalturgen mit Gott am Tage da man beichtet. nit XI. * Morgengebet am Beichttage. Wache auf der du schläfest! und stehe auf von den Toden: so wird dich Christus erleuchten. Eph. 5, 14. Feder eder Morgen, o Vater meines Lebens, ist ein Geschenk deiner unermüderen Güte, jeder muß mir wichtig seyn, denn an jedem soll ich durch Thätigkeit und Aufmerksamkeit auf mich selbst mich zu meiner großen Bestimmung vorbereiz ten; aber doppelt wichtig ist mir der heutige, der mich einer so ernsten vorbereiz tenden Feierlichkeit entgegen führt. Gez nauer mich zu prüfen- mit tiefern Blik in mein Inneres zu schauen- mehr als sonst abgezogen von irdischen Geschäften, soll ich mir selbst und der großen Wissenschaft einer richtigen Selbsterkenntniß leben, soll mich untersuchen- soll meine Fehler einsehen und dann als einen Bes 64 Morgengebet am Beichttage. Beweis, wie sehr ich, von allem Eigens dunkel und falscher, stolzer Scham entz fernt, zu dir nahen müsse,- das Bekennt niß meines Unrechtes mit andern Chris sten ablegen. Gott, ist es nicht das Geschenk deiner unendlichen Güte, die mich diesen Tag erleben lässet?- die mir immer noch Zeit gibt, mit mir selbst abzurechnen? Aufs neue soll ich heute die Größe der segensvollen Verheiffungen empfinden, welche den gebeugten, reuis gen, nach Besserung sich sehnenden, ge aufs fallenen Menschen, aufrichten, neue soll ich mit Rührung und Dankz barkeit erkennen, wie groß, wie unauss sprechlich sich deine Güte an den Menschen- an denschwachen, fündigen Mens schen, verherrlichet.- Gott- wenn es ein Tag der redlichen Selbstprüfung ist, der mir jezt angebrochen ist, was fan ich angelegentlicher von dir erflehen, als Ruhe, Stille des Geistes- Sammlung aus den gewöhnlichen Zerstreuungen!Was werde ich strenger zu bekämpfen haben, als die Eigenliebe, welche mir meine Fehler verbirgt; den Dunkel, der meine so unreine Tugend so sehr er hebt die Trägheit, die mich so oft schlafz 1 - Morgengebet am Beichttage. 65 schläfrig macht, wo alle meine edlern Kräfte in Bewegung seyn sollten- den Leichtsinn, mit dem oft meine Aufmerks famkeit so leicht nach allerlei zerstreuenz Den Gegenständen hingerissen wird! Es ist mein fester Vorsaz mich kennen zu lernen, wie ich bin- damit ich mich selbst beurtheilen und richten könne. Gott laß ihn mir dazu gesegnet seyn, dies sen Tag der frommen, auf dich, deinen heiligen Willen und auf meine so manchfachen Abirrungen von den Gesezen, die du mir gegeben haft, gerichteten Geis stessammlung, damit er einen bleibens den Nuzen für das Wohl meines una sterblichen Geistes zurufe laffe.- Der sen mir ein Tag der Prüfung, der stila len Betrachtung, der Neue über meine Vergehungen und der edelsten Vorsås ze für das Gute- ein Tag des in meis nem Innern wieder hergestellten Fries dens. Das sey er mir unter deinem ers habenen Beistand, gütiger Vater- mie und allen denen, die mit mir heute sichs feierlich vor dir demüthigen werden. Die fey Preiß und Ehre in Ewigkeit. Amen. Siehe auch das Lied: Nr. 7. Ich komme, Friedensa fürst! zu dir zc. Seite 221, Communionk & XIL 66 Betrachtung eines von seinem Gewissen XII. Betrachtung eines von seinem Gewissen Bes unruhigten, über sich selbst. So wir uns selber richteten, so würden wir nicht gerichtet! I Kor. 11, 31. So o richte dich denn selbst, meine Seele! mit aller Strenge. Untersuche den Grund deiner Gesinnung, und prüfe, wie er bisher beschaffen gewesen ist. Der die Herzen der Menschen ergründet, wird dir darinnen beistehen, du wirst den Zuz stand deines Gemüths erkennen und dich in deiner wahren Gestalt erblicken. Ich hätte gegen Gott, meinen gütiz gen Vater, von ganzem Herzen dankz bar seyn sollen: denn er hat mir nicht nur das Leben bis hieher bewahret, und mir im Leiblichen so viel unverdientes Gute zufliefen lassen; sondern er hat mich auch mit höhern geistlichen und himmlischen Gütern durch Christum so reichlich gesegnet. Was würde ich für ein glüklicher Mensch seyn, wenn ich so viele Erweiz fungen der göttlichen Gnade jederzeit mit erkenntlichem Gemüthe aus seiner Hand angenommen, mit frölichem Herz. zen genossen, und nach seinem Willen angewendet hätte! Aber hier wirft mir mein 67 Beunruhigten über sich selbst. mein Gewissen so manchen Undank und Misbrauch seiner Gnade vor. Ihn über alles und aus allen Kräften zu lieben, ihm mit kindlicher Ehrfurcht anzuhangen, und in Gehorsam gegen seiz ne Gebote mich täglich zu üben: das was re mein Glück und meine Pflicht gewesen. Aber ich muß es beschämt bekennen, daß bisher mein Herz noch in der That zwis schen ihm und der Welt getheilt gewesen ist. Die Begierde nach irdischem Bes sig, nach eitler Ehre, nach Menschengunst und andern Dingen, zog mein Ges müth oft so stark an sich, daß ich Gott, mein höchstes Gut, darüber vergaß, und nicht bedachte, was mir dann alle Freuz den und Güter der Welt helfen würden, wenn ich sein Wohlgefallen darüber vers scherzte. Sein guter Geist erinnerte mich zwar öfters daran in meinem Gewissen. Ich sah auch wohl ein, wenn ich darauf merkte, daß der Werth seiner Gnade mit keinem Glük in der Welt verglichen, daß der Verlust seines Wohlgefallens durch kein Gut auf Erden ersezt werden könne. Denn was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewonne, und nähme doch Schaden an seiner Seele? Oder was & 2 fan 68 Betrachtung eines von seinem Gewissen kan der Mensch geben, damit er seine Sees le wieder erlöse? Aber diese Gedanken kamen nicht zu der Kraft bei mir, daß sie mein Herz geändert, und von der Welt abgezogen hátten. Die Befriedigung meiner unordentlichen Begierden, die Sünde in dieser und jener Art, blieb mir immer doch noch lieb. Ich konnte mich nicht ganz davon los machen, so sehr ich es selbst oftmals wünschte. Das macht, ich gab den Würkungen des Geistes Gottes in meinem Gewissen nicht anhals tend genug Raum. Ich verweilte nicht, wie ich hätte thun sollen, ernsthaft ges nug mit meinen Gedanken bei seiner Wahrheit, sonst würde sie mich früher erleuchtet und geheiliget haben. Gemeiniglich hatte ich die Sünde kaum vollbracht, so schlug mich mein Gewissen mit dem heftigsten Schreken; so fühlte ich in meiner Seele alle die bittere Neue und Scham vor Gott, die nur ein Mensch auf Erden empfinden kan. Aber wie gieng es zu, daß diese guten Rührungen feine dauerhafte Frucht zu meiner Besserung schaften? Ich glaube, sie kamen nicht aus der rechten Quelle. Vielleicht hatte die Besorgnis, meiner Ehre, meiner Gesundz heit 69 Beunruhigten über sich selbst. heit, und meinem zeitlichen Glüke geschadet zu haben; vielleicht die Furcht, vor der Welt entdekt, als ein unkeuscher, una gerechter, verleumderischer, neidischer und ehrloser Mensch vor jedermann offenbar zu werden, mehr Theil an meiner Trans rigkeit, als wirkliche Scheu undEhrfurcht vor Gottes heiliger Gegenwart, und AbSchen vor der innern Schändlichkeit des Bösen. Woher wäre es sonst gekommen, daß ich alsobald wieder in meine geliebte Sünde fiel, sobald sich neue Gelegenheit dazu darbot? Oft war es mein ganzer Ernst, nie wieder in der Art zu fündigen. Gott weiß, wie heiß ich zu ihm betete; und wenn ich mein schwaches Herz durch Anrufung feiner erbarmenden Gnade in Christo Jez fu erleichtert hatte, wie ich ihm da heilig und fest versprach, mir nie das Bösewies der zu erlauben; wie ich bei dem Abendmahl Jeſu immer angelobte, ich wollte hinfüro mein Herz von jener Sünde abziehen, und es ihm redlich ergeben. Und doch hielt ich meine Zusagen so schlecht! Die Schuld lag daran, daß ich mit meis nem ernstlichen Gebet nicht anhielt, daß ich nicht genug über mein Herz wachte, € 3 dema 70 Betrachtung eines von seinem Gewissen demselben zu viel zutrauete, die Gelegenheiten zur Sünde nicht sorgfältig genug vermied, und wegen zu häufiger Zers streuungen in die Welt und in die irrdis schen Geschäfte, wieder vergaß, was ich ihm versprochen hatte. Da wurden dann die guten Eindrüke auf einmal ausges löscht, und ich war wieder der vorige Mensch. Bisweilen fieng ich auch wohl an zu zweifeln, ob dies oder das so gar unrecht und fündlich ſeyn mögte? Mein verdorbenes Herz ließ nicht ab, mich in diesen Zweifel zu bestårken, und sagte mir mehr als einmal:" Nun, es ist so gar böse nicht, was du thust, du kannst es dir schon er lauben. ,, Ein andermal glaubte ich, meine Untugenden mit den Verführern, die mich dazu verleitet hätten, mit den Gewohnheiten meines Amtes und Stan des, mit den Gelegenheiten, die nicht von mir gesucht worden, mit der Stärke der Versuchungen, die mir so oft vorkámen, beschönigen zu dürfen. Aber ich hätte wiss sen können, daß dies alles vor dem heiliz gen Richter der Menschen niemand ents schuldige, da er keinen ohne kräftige Mits tel und ohne den hinlänglichen Beistand feiz Beunruhigten über sich selbst. 71 feines Geiftes gelassen hat, um die Bewahrung seines Gewissens unter allen solchen Schwierigkeiten, dennoch zu bes werkstelligen, wenn es ihm nur wahrs haftig darum zu thun ist. Zu einer andern Zeit schien es meine Schuld sehr zu verringern, daß ich mich doch von vielen Sünden frei wüste, und so manche Tugend an mir hätte, wodurch das Böse wieder gut gemacht würde. Besonders verlies ich mich auf meine dus serlichen Andachten und gottesdienstli chen Uebungen. Ich betete, ich sang, ich las in der Bibel und andern Erbauungsbüchern, ich hörte viele Predigten, ich gieng öfters zum heil.Abendmahl. Dieses, dachte ich, ist doch Gott sehr wolgefällig, und rechnete es mir daher sehr hoch, gleichsam zur Vergütung meiner Lieblingssünden an. Allein ich håtte bedenken sollen: daß Gott das Herz des Menschen prüfe, und Aufrichtigkeit ihm nur angenehm sey. Ich hätte durch die Belehrungen seines Wortes mich sollen überzeugen laffen, daß, wer das ganze Gesez hält, und an eis nem vorfäzlich und wissentlich fündiget, es ganz schuldig sey; daß nach der Lehre Jesu nur ein gebesserter heiliger Sinn und € 4 Wan 72 Betrachtung eines von seinem Gewissen Wandel, nur der Glaube, der durch die Liebe, durch einen redlichen Gehorsam ges gen seine Gebote, thätig ist, vor Gott gelte. Ich hatte wissen sollen, daß kein Heuch Ter vor ihm bestehe, und kein Verdienst dufferlicher Wertheiligkeit irgend einen Menschen vor ihm rechtfertige. Alsdann würde ich in mich gegangen seyn, und mich geschämt haben, denen mich gleich zu stelTen, die sich mit dem Munde zu ihm naz hen, und mit ihren Lippen ihn ehren, aber ihr Herz ferne von ihm seyn lassen. So finde ich meinen bisherigen Sinn und Wandel beschaffen, wenn ich mich gez wissenhaft vor Gott prüfe. So habe ich bis daher zwischen ihm und der Welt, zwischen dem Glauben und Unglauben, zwischen Tugend und Lafter, zweifelmú thig hin und her gewankt, und zu keiner sich immer gleichen Frömmigkeit gelangen können. Warum sollte ich es mir selbst verhelen? Herr! du erforschest mich ja und kennest mich. Ich size oder stehe auf, so weißt du es. Du verstehest meine Ges Danken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich, und siehest alle meine Wege. Denn siche, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das bu, Herr! nicht alles wiss Beunruhigten über sich selbst. 73 wisfest. Wie dürfte ich dir also etwas verz schweigen? Ich finde Erleichterung und Trost darin, daß ich mein Herz unverholen vor dir ausschütte. Und wem, als dir, könnte ich freimüthig meine Noth klagen? Denn du bist ja nahe bei denen, die zerbrochenes Herzens sind, und hilfft denen, die ein zerschlagen Gemüth haben. Du siehest, wie ich mich mit zerknirschter Seele vor dir demüthige, und mich felbst aufs strengste anklage. Du kennest aber auch meine Vorfäze, die ich faffe. Ich fühle tief das Verwerfliche der Sünde,- ich empfinde das Peinigende eines beunruhigten Bewußfeyns- ich betrübe mich über mich selbst. Gott, wer kan diese Last von mir nehmen?-ZumTheil ein besseres Leben;- aber, was kan mir Much machen, je wieder freudig zu dir aufzublicken?-Ist nicht die Sünde und bleibt sie nicht begangen?- wer tilget meine Schuld?- wer erhebet den Gez beugten? Des ist deine Gnade, und nur sie alleine. Durch deinen geliebten Sohn hast du sie mir verkündiget! Es ist die Verheißung deines gute: Geistes, der mich unterstüzen wird in den wichtig sten, seligsten Bestrebungen Mein 74 Betrachtung eines von seinem Gewissen 2c. Mein Entschluß ist gefaßt. Ich ges lobe bei Jesu Abendmahl, und will's halten, daß ich die Rechte deiner Gez rechtigkeit halten will. Alendere, beffes re, heilige zu dem Ende mein Gemüth von Grund aus. Schaffe in mir, o Gott! ein reines Herz, und gib mir eis nen neuen gewissen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Tröste mich wieder mit deiner Hülfe und dein freudiger Geist enthalte mich. Amen! 30 Siehe auch das Lied: Nr. 8. Wie fürcht ich mich, mein Herz zu prüfen 2c. Seite 222, XIII. XIII. * Gemeinschaftliche Ermunterung, für chrifte liche Familien. ge Hi ier stehen wir im heiligen Kreise, den die Bande des Blutes, lieber Bater im Himmel, unter deiner segnenden Leitung, geschlossen haben! Fries de, Friede sen mit uns, und Gnade von Gott, ihr Lieben! Zu des Herrn Abendmahl wollen wir tretten und am Altare unser irdisches Bündniß himmlisch weihen, damit es veredelt dauere über das Grab. O, daß wir uns nie betrübt, daß wir mit Gattenmit Vater- und Mutter Kinder- und Brüder- und Schwestertreue uns immer treu, liebend, thätig, schonend und tragend, umfaßt hätten! D, wo Eines unter uns den stillen häußlichen Verein gestört hätte, wo Eins unter uns nicht war, was es hätte hier seyn sollen, wo Eins unter uns bei einer ernsten Prüfung das Auge erröthend und scheu zur Erde heften muß- das sey aufrichtig gegen sich selbst. Vergeben und vergessen sen Alles.- Gatten, Kinder, Brüder, Schwestern- reichet euch die Handseyd 75 M 1 7 76 Gemeinschaftliche Ermunterung. feyd freundlich und liebevoll- ihr seyd des Herrn Junger und Jüngerinnen; heiliget euer Herz durch Liebe. Verz gebet euch einander, daß Gott euch vers gebe. Sehet, ihr wandelt alle zu einem Ziele;- ihr lebet alle hier nur eine klei ne Weile- dann kommt die Trennung. Wollt ihr euch wieder finden- euch ewig angehören- fo liebet euch.- Eins bessere das andere durch liebes volles Wirken- am meisten durch ein edles, frommes Beispiel.- Kinda Tein zanker euch nicht auf dem Wege.Soll denn nicht euer Weg der Weg zum Frieden seyn?- D so wehe schon hier auf Erden ſein hohes Pannier über euern Häuptern. Kommet zum Mahle der Liebe und des Friedens! Der Herr ruft euch. Eine fromme Familie segnet er; sie ist ihm eine theure Gemeine. Sein Friede sey mit euerm Geiste. Amen. STA dist P XIV. XIV. * Wenn man in die Kirche kommt, zu beichten. 77 Siehe! hie bin ich: Du hast mir gerufen. I Sam. 3, 8. Heilige Empfindungen erweket der stiller Anbetung! Gott, überall bist du mir nahe; aber laß mich hier, in dieser feierlichen Stille, sie doppelt fühlen deine Nähe! Nichts zerstreue mich jezt- kein Gedanke an das Neußere, das mich um giebt, keine Theilung meiner Aufmerks samkeit auf Gegenstände, die den Zwek meines Erscheinens an diesem Orte hier entgegen sind!- Mit stiller Betrachtung meiner selbst und der Absicht warsum ich hier bin, will ich mich auf das vorbereiten, was ich mit meinen Mits brüdern hier feierlich bekennen soll.- Gott und Vater, es ist die demüthige Bitte um Vergebung meiner Sünden, welche ich hier dir öffentlich vortrage- es ist ein reuiges Bekenntnis meiner Fehltritte, was ich hier ablege, es ist die grose Botschaft deiner Gnade, die das Evangelium deines Sohnes ankundigt, welche ich hier im Glauben umz faf= - 78 Demüthiges Busgebet, faffe.- D fo fen dieses Bekenntniß aufrichtig, meine Reue wahrhaft, mein Wunsch nach deiner Gnade heiß und innig, mein Glaube fest und zuversichts lich. Gegne, Vater, alle guten Vorfaze, welche ich hier fasse, damit sie zur Ausführung gedeihen. Heilige mein Herz,- führe es in alle Wahrheit- fiche, prüfe, erfahre, wie ichs meyne, siehe ob ich auf bösem Wege bin, und leis te mich ewige Wege des Friedens. Amen. Siehe auch die Lieder: No. 9. Allmächtiger, ich Staub ic. Seite 223. No. 10. Nach dir verlangt, o Mittler ic. Seite 224. XV. * Demüthiges Busgebet, wenn das Gewissen von irgend einer vorsåzlichen Sünde geångstiget wird. Gott! sey mir gnådig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Pf. 51, 3Schreklich erbebet mein InnerstesIn ihaller Gesinnungen der Menschen! rer innern Abscheulichkeit stehet sie vor mir- die Sünde, die mich beherrschte!- Gott, was habe ich gethan! Ich wenn man sich vorsäglicher Sünden bewust ift. 79 Ich bin also kein blos schwaches, irreus des Kind!- nein, ich bin ein vorfäzlicher, troz so mancher Warnung von dir und deinem heiligen Geseze abgewichener, strafbarer Mensch.- Mit fürchterli cher Schwere drüft es mich nieder das peinigende Gefühl, das Bewustseyn- die Einsicht, daß ich mich selbst verachten muß.- Ja wahrlich jeder vorsäzliche Sünder ist ein Aufrührer in deinem Reiche- ein strafwürdiges Geschöpf, das die Bande der Dankbarkeit und Lie be zerreisfet, die es an dich fesseln sollten, das den Bund der Menschheit ent weihet und deinen heiligen Absichten entgegen strebt.- O wie traurig- wie über alle Beschreibung traurig ist der Zustand, in dem ich mich befinde. Gott, wie weicht doch der Mensch von seinem Glüke, der von dir weicht, wie tief fällt er in seinen eigenen Augen, wenn er nun nur einmal seine wahre Gestalt erblikt!- O du ruhiges Gewissen, du köstlicher Schaz im Leben und selbst im Leiden- du freundlicher Begleiter auf dem Wege unserer irdis schen Pilgerreife- du heiterer Friede mit Gott, den die Welt nicht giebt- wos Interiences 80 Demüthiges Busgebet wohin bist du geflohen!- Dede ifts in meinem Herzen- trübe um mich her- denn in meinem Innern ist es düster und traurig.- Wie ist mir- und wie muß mir seyn, wenn ich die Defe auf hebe, die mir meinen bisherigen Zus stand verbarg und nun ihn mich erbliz fen läßt. Ach, eine leise Hofnung erwacht in meinem Herzen! Wie, wenn dieſe Angst in meinem Innern, wenn diese ängstliche Unruhe in mir der erste Keim der Besserung wäre?- Gott- ja- das ist er- er ist dein Werk allmächtis ger Geist meines Gottes!- O ich will sie hören die Stimme, die im Innern zu mir spricht!- Gott, du kennest meine heisse Sehnsucht nach dem Bessern, die in mir jezt entstehet! daß ich O es ewig ungeschehen machen könnte, was ich that.- Das kan ich nicht- noch lange wird der Stachel meines Bewustseyns dieß Herz verwunden; aber das weiß ich, das dank ich Unwürdiger deiner erbarmenden Gnade daß du um meiner bisherigen Uebertret tung willen, deinen Beistand zur Bes ferung mir nicht versagst, und dieser Beis stand 1 11 11 wenn man sich vorsåzlicher Sünden bewustist. 8 stand, den ich bei meinem ernstlichen Bes streben nach Heiligung fühlen werde, sey mir das Unterpfand, daß ich wieder in jenen seligen Zustand zurüke kehren fan, aus welchem mich meine vorfäzli chen Vergehungen so traurig entferne ten. Ich blike auf dich hin- auch für mich in dem Tod Gegebener! Ich bin dein noch nicht werth- aber ich will es werden!- O du, der du in dem Bilde eines verlohrnen und reuigen Sohnes schon jedem Bergebung verheiß fest, der umkehret- du, der du diese era hebende Botschaft mit deinem Blute versiegelt hast- mit Treue und Eifer will ich künftig dir nachfolgen. Gott, mit Thränen der Rührung preise dich mein Herz- und meine ganze Seele sey durchdrungen von deiner unendlichen Erbarmung!- Vater, ich erzittere vor mir selbst und meiner Schwachheit. Heis liger Gott! wenn ich wieder zurüke fallen könnte!- Herr, ich fühle meine Schwachheit- ich fliehe zu dir- und täglich will ich das thun! das wird mich stärken, das wird mein Herz vor Leichts sinn und Verführung bewahren- das wird mich dir treu erhalten bis in den Communionb. $ Tod. 82 Demüthiges Busgebet, Tod.- Herr, erhöre mich, da ich im festen Vertrauen zu dir flehe. Amen. Siehe auch das Lied: Nr. 11. Dir allein hab ich ges fündigt 2c. Seite 225. XVI. Demüthiges Busgebet, wenn man sich mancher Fehler und Uebereilungen bewust ist. Wer kan merken, wie oft er fehlet? verzeihe mir die verborgenen Fehler: Pf. 19, 13. Allerheiligster Gott! ich erscheine vor die manchfaltigen Schwachheiten, womit ich noch immer meinen Wandel täglich beflecke. Du hast nicht nur durch deinen Geist das gute Werk der Besserung in mir angefangen, sondern auch mich vor muthwilligen Ausschweifungen bewahret, in welche ich zu stürzen bereit seyn würde, sobald ich mir selbst überlassen was re. Denn wie könnte mir das verborgen seyn, was ich täglich an wir fühle und wahrnehme: daß der Saame zu allen Sünden in meinem Herzen liegt, und daß ich von Natur durchaus zum Bös sen mehr als zum Guten geneigt bin. Zwar danke ich dir, mein Vater! daß dit Demüthiges Busgebet. 83 du mich durch deinen Sohn der Herrs schaft der Sünden entrissen, durch deinen Geist mir neue gute Gedanken eingeflößt, und mich nach deinem Bilde umzuschaffen gnädig angefangen hast. Aber wie viel weiter würde ich in der Besserung meiner Seele gekommen seyn, wenn ich dieſe mir verliehenen Kräfte gewissenhaft angewendet, und nicht durch Trägheit und Leichtsinn mich selbst vom Ziele der Vollkommenheit in der Tugend zurüke gehalten hätte! Ich bin seit geraumer Zeit nicht so, wie es meine Pflicht war, in deiner Erkenntniß ges wachsen, und zum Guten weiser geworz den. Sehr oft emporte sich mein Herz noch gegen deine heilsamen Befehle. Die Herrschaft meiner sinnlichen Begierden hätte ich mehr schwächen; Zorn und Liebe, Haß und Zuneigung, Furcht und Hofnung besser regieren, und in ges höriger Ordnung erhalten sollen. Ich gelobte dir an, der Wahrheit und Aufrichtigkeit treu zu bleiben: und wie oft hat sich zur unrechten Zeit mein Antliz verstellet, und mein Mund anderst geres det, als mein Herz dachte! Wie sauer wird es mir noch, Beleidigungen unges $ 2 räches 84 Demüthiges Busgebet. råchet zu vertragen; wie schwer, mit ei niger Gefahr die gelåsterte Unschuld zu vertheidigen, oder von Feinden Gutes zu reden! Da ich nach deinem Exempel, o göttlicher Lehrer! Sanftmuth gegen die Irrenden, Gedult gegen die Schwaz chen, die strengste Gerechtigkeit und uns eigennüzigste Menschenliebe in allen Werken und Worten beweisen sollte: so war die Hize meines Zorns noch auffahrend, meine Langmuth sehr bald ermüdet, und die Neigung zur Billigkeit durch die Hof mung blendender Vortheile geschwächt. Es ist mir bekannt, daß nichts gröfer sey, als ein Herz, das, von allen Bes wegungen der Misgunst und des Stolz zes entfernt, Höhern ihr Glük nicht misgönnet, die Niedrigkeit der Geringern nicht verachtet, das Wohl eines jeden Menschen, so viel an ihm ist, durch thätige Hülfe und durch Gebet unters stüzt: Aber ach! wie viele Regungen has be ich noch auszurotten, bis dieser hohe göttliche Sinn einer allgemeinen Mens schenfreundschaft meine ganze Seele bes herrschen wird. Herr! Herr! gerechter, heiliger Gott! wo soll ich anfangen die Menge meiner Feh Demüthiges Busgebet. 85 Fehler zu zählen? wie soll ich die Empfindungen meines gerechten Schmerz zens ausdrüken, und es genug beklagen, daß ich noch immer so sehr verderbt bin, da du doch schon so lange täglich fort fährest, an meinem Geiste zu beffern? Was würde ich seyn, wenn du dich, um meiner Widerspenstigkeit willen, von mir mit deiner Gnade entfernetest? Ja, Vaz ter! ich habe gefündiget vor dir, ich has be die Kräfte, welche du mir anvertrauet hast, gemisbraucht; den Negungen deis nes heiligen Geistes widerstrebt; dich nicht aus allen Kräften geliebt, dich nicht allezeit mit einem tugendhaften Wandel verherrlicht; und die unzähligen Wohlthaten, womit du mich zur gänzlichen Besserung zu leiten suchtest, gröftentheils undankbar genoffen. Gerechter Gott! handle nicht mit mir nach meinen Sünden, und vergilt mir nicht nach meinen Missethaten! Zies he deine Hand nicht von mir ab: laß die Leiden meines göttlichen Versöhners an mir nicht verlohren seyn. Denn wo durch sollte ich sonst vom ewigen Verz derben gerettet werden, wenn ich nicht an dem Opfer Theil hätte, welches $ 3 Dein 86 Demüthiges Busgebet. dein Sohn für die Sünden der ganzen Welt, und auch für alle meine Sünden, dir dargebracht hat? Um seiner versöha nenden Leiden willen sey mir armen Sünz der gnädig! Laß die Wirkungen deines guten Geistes ferner an mir kräftig zur Heiligung seyn. Stärke mich, daß ich fähig werde, alles Böse zu meiden, und aus Liebe zu dir, alles mögliche Gute zu thun: daß ich eine Schwachheit nach der andern ablege; inbrünstig in der Liebe, fest im Vertrauen zu dir, munter zu deiz nem Lobe, und folgsam in deinen Geboa ten seyn möge. Daß ich mehr auf jene vollkommene, als auf diese vergängliche Welt sehe; um der ewigen Güter willen, die zeitlichen gerne verliehre; der Gerecha tigkeit, dem Frieden, der Másigkeit und allen christlichen Tugenden eifrig nach jage; gedultig im Leiden, willfährig zur Versöhnung, barmherzig gegen die Armen, demüthig in allem meinen Thun und Wandel seyn möge, auf daß ich in Heilige keit und Gerechtigkeit täglich zunehme, bis du mich in jenem Leben gänzlich nach deinem Bilde erneuern wirst. Amen! Siehe auch das Lied: Nr. 12. Uch! wann werd ich von der Sünde zc. Seite 226, XVII, 87 XVII, Bitte um Vergebung der Sünden. ott! mein Gewissen überzeuget mich, daß ich gegen deine heiligen Geseze vielfältig gefündiget, und gegen dich von meiner Jugend auf sehr undankbar und ungehorsam gewesen bin. Ich erkenne es mit Beschämung meines Herzens und mit inniger Wehmuth und Neue, daß ich mich deiner Gnade gånzlich unwerth gemacht, und die Strafen verdienet habe, die der Sünde gebühren. Verwirf mich nicht von deinem Angez sicht. Dein Sohn, mein Heiland Jesus Christus, kam in die Welt, die Sünder zu erretten: er wirkte, dultete, starb für eine fündige Welt, und du, barmherziger Vater, verspricht in dei nem Wort allen denen vollkommene Vergebung ihrer Sünden, die ihren Untugenden aufrichtig entfagen, auf deine Gnade in Chrifto ihr einziges Vertrauen sezen, und den redlichen Vore saz haben, als Erldsete deines Sohnes, nach seinen Befehlen und nach seinem allerheiligsten Beispiel, würdiglich vor dir zu wandeln. Herr! du weist alle Dine $ 4 88 Bitte um Vergebung der Sünden. Dinge; du weist, daß mein Herz so gesinnet ist. Mit solchen Gesinnuns gen unterwinde ich mich, die Erfüllung deiner gütigeit Zusage demüthig zu hoffen. Sen mir gnädig, Gott! fen mir Sünder gnädig, um Jesu willen! Schenke mir den mächtigen Beifrand deines heiligen Geistes, durch den ich allein tüchtig werden kan, züchtig, gerecht und gottselig zu leben in dies ser Welt. Amen! Siehe auch das Lied: No. 13. Mein Gott! zu dem ich weinend fiehe 2c. Seite 228. XVIII. 89 XVIII. * Um ein glaubiges Herz. Sezet eure Hoffnung auf die Gnade, die euch angeboten wird durch die Offenbarung Jesu Chrifti. 1 Petr. I, 13. 933 er durch die Lehre des Christenthums beseliget werden will, der muß vor allen ein festes Zutrauen zu dem Lehrer faffen, der muß sich überzeugen, daß er uns zur Wahrheit und Eugend, daß er uns zum wahren Glüz ke des innern Friedens, daß er uns zur Geligkeit führe. Darum forderte der Herr von seinen Bekennern vor allen einen festen Glauben, ein herzliches Vertrauen; aber er forderte es auf eine Art, wie es der freie, edle Mensch gez ben foll- nach einer ernsten Prüfung; darum sprach er: so jemand inne wers den will, ob ich von mir selber rede, oder ob meine Lehre von Gott kommt, der beobachte meine Gebote. Die se ligste Erfahrung wird ihn überführen, daß ich der Weg zum Leben bin.- D wenn ich dieses feste Vertrauen noch nicht gefühlt hätte- wenn ich meinen Glauben an Gott, meinen Vater, und an Jesum, meinen Erlöser, noch nicht bes 111 Um ein glaubiges Herz. bewähret håtte; müßte ich da nicht mißtrauisch gegen mein eigenes Herz werden?- mißtrauisch gegen meinen chriftlichen Wandel?- Ja Herr, Herr ich glaube, hilf mir Schwachen. Wenn ich nicht immer standhaft genug diesen Glauben thårig zeigte, wenn mein Herz noch hie und da sich selbst, wenn es den Gütern der Erde mehr anvertraute, als es gefollt hátte, so vergib mir. Fest soll es die große Wahrheit fassen, daß du mein Vater bist, daß Jesus mein Erlöser sey, und gemäß diesem heiligen Glauben, beweise es mein Denken und Thun, daß ich nur in dir, o Gott, nur in einer glaubigen Nachfolge Jesu, meia ne Beruhigung fuche und finde. So entspringe meine Tugend aus dem Glauz ben, damit sie dir gefalle, so sen sie nie das Werk des Eigennußes oder Eitelz keit, sie würde ja dann diesen heiligen Namen nicht verdienen. Der Genuß des Abendmahls Jefu befestige mein Verz trauen auf dich und den bu gesandt hast. Amen! 90 Siehe auch das Lied: No. 14. Ich weiß und bins ges wiß, daß ich ze. Seite 229. XIX. 91 XIX, Um ein versöhnliches Herz. Bergieb uns unsre Schuld, als wir vergeben une fern Schuldigern. o lehrtest du uns beten, weisester ErIdser! und erinnerst uns dadurch an unfre unzähligen Sünden, womit wir gerechte Strafen verdienet haben. Du erinnerst uns aber auch zugleich, wie nothwendig es sey, daß wir selbst unferm Feinde, der uns beleidiger und Unrecht zugefüget hat, von Herzen zu vers zeihen geneigt seyn, wenn wir Verges bung unsrer Sünden bei Gott hoffen wollen. Ja, mein Heiland! ich erkenne, daß nichts billiger sey, als deine Forderung: Vergebet, so wird euch vergeben. Um Vergebung seiner Sünden zu Gott flehen, und dabei dennoch ein unverföhnliches, rachgieriges Herz gegen seine Beleidiger behalten, das hie se ja gegen sich selbst beten. Vergieb mir also, um deiner Vers söhnung willen, wenn ich bisher gegen irgend jemand, der mich gekränker und betrübet hat; Feindschaft, und den Wunsch, mich rächen zu können, unters halten habe. Tilge aus meinem Herz zen 92 Um ein versöhnliches Herz. zen allen Haß, Grimm, und alle Bitz terkeit, und schenke mir den Geist der Liebe und Sanftmuth, der in meinem Herzen wahre Liebe und eine Neigung zur Versöhnlichkeit anzünde. Laß mich oft erwägen, wie groß und viel meine Verfündigungen gegen meinen himmlis schen und wohlthätigen Vater find; und wie gering und wenig etwa die Beleiz bigungen seyn mögen, die ich von ans dern erfahre. Laß mich nie vergessen, was für Schreken der Gerechtigkeit Gottes auf mich fallen würden, wenn er mir nach meinen Sünden vergelten wollte, und wie wenig ich also Ursache habe, auf Nache gegen meine Beleidiz ger zu denken. Und wie kan ich mir den Antheil an deiner Versöhnung bei deiz nem heiligen Mahle versichern, wenn ich mit einem unversöhnlichen Herzen daffelbe geniesse? Dieses Mahl predigt und schenkt die Versöhnung mit Gott, und ich wollte keine Versöhnung mit meinem Bruder suchen? Ich will nicht einen Augenblik die Versöhnung auf schieben. Ich will meinem Beleidiger mit sanftmüthigem Geist entgegen ges hen, weil ich noch mit ihm auf dem Wege Um ein versöhnliches Herz. 93 ge bin, ehe mich der Tod übereilet, der die Ausföhnung mit ihm unmöglich macht. Ich will alles thun, was mir möglich ist, um dieses heilsame Werk zu befördern, gerne von meinem Rechte nachgeben, und meinen Feind brüderlich umarmen. Erhalte mich, o Jesu! bei diesem heiligen Entschluß, und laß mich ihn durch deine Gnade vollbrin gen. Und wenn ich diese Bedingung erfülle, so darf ich hoffen, daß mir mein Gott, um deines Leidens und Sterbens willen, alle meine Sünden vergeben wird. So werde ich von Gott, als meinen durch dich versöhnten Vater, Segen, Heil und Leben, mit froher Zuversicht, erwarten können. Amen! Siehe auch das Lied: Nr. 15. Der du, dem Tode nah, für die zc. Seite 230. XX. 94 Gebet um die Gnade XX. * Gebet, um die Gnade recht busfertig zu beichten. Nur wer aufrichtig die Mangelhafnur der kan sich bessern. Ich sehe es wohl ein, daß, wenn ich nicht davon überzeugt bin, meine Tugend sey nichtssie sey gebrechlich- armselig- unter brochen, noch lange nicht rein- daß ich dann nie mich richtig beurtheilen lerne, und nie weiter vorwärts im Guten strebe, ja, daß ich sodann sogar verblendet genug in meinen Fehlern verz harren werde. Ich soll jezt feierlich mein Bekenntniß vor meinen Mitchris sten ablegen!- Gott, es sind ja nicht Menschen, vor denen dieses geschieht.Du bist es- du selbst heiliger allsehender Nichter aller Gesinnungen!- Meis ne Seele erbebe vor den Gedanken dich täuschen zu wollen- er ist wahrlich eben so thörigt, als unwahr und strafbar.Es ist keine leere Zeremonie, welche ich hier feiere. Nein, es ist eine wichtiz ge Angelegenheit, die mich hier beschäf tigen soll.- Neuig- busfertig- das heist Acompty - Indicativnetno recht busfertig zu beichten. 95 heist entschlossen, das Böse zu meidengegen dasselbe erfüllt mit Abscheu, foll ich zu dir nahen. Und ist das nun auch so?- Fühle ich diesen Abscheu? Bin ich wirklich nicht gleichgültig gegen das Bewustseyn meiner Fehler?- Behalte ich mir wirklich gar nicht in der Stillevor, bei Gelegenheit dem Schooskinde meiner Leidenschaften meine Pflicht wieder zum Opfer zu bringen? Hána ge ich nicht noch zu fest an einer Neiz gung? Bin ich bereit, sie alle, alle aufzugeben? Gott, wenn mein Herz hier noch zweifelte- wenn ich hier noch mit mir nicht eins wäre, wenn ich bei diesen Fragen mit mir selbst noch in Verlegenheit käme, o dann wäre mein Bekenntniß noch nicht dir wohlges fällig. Nein, ich will sie verabscheuen die Sünde, die mich von dir und von meis ner wahren Bestimmung entfernt. Ich will sie alle hingeben die Neigungen, die mich deiner Liebe unwerth machen- geflissentlich will ich keine nähren, und wachsam seyn, daß auch die Fehler meiner Schwachheit sich vermindern. Und so stärke mich jezt, daß ich mit solchen erfüllet, Ein Gez 96 Um die Gnade busfertig zu beichten. Gesinnungen mein Bekenntniß ablege, und mit solchen Vorfäzen dich um Vergebung bitte. spräch des Herzens, nicht der Lippen, sey meine Beichte- und dann erfreue mich die Gewißheit der gnädigen Vers gebung meiner Sünden, durch die du dich an mir verherrlichest. Vater, dein fey dies Herz- dein dieser Hauch, den du mir gabst- dein diese Seele, die einst zu dir erhoben zu werden bestimmt ist. Laß sie nichts aus deiner Hand reißen, sondern bewahre sie unbeflekt auf den Tag Jesu Christi. Amen! XXI. 97 XXI. Nicht * Fürbitte für die, welche mit uns beichten. Jicht allein für mich bete ich zu dir, Gott mein Vater- sondern auch für den geistigen Segen, der hier mit mir Vers sammelten. Dwo könnte der Geist der Liebe und des brüderlichen Sinnes mehr erhöht werden, als hier, wo wir uns zur Vorbereitung auf den Genuß des Mah les der Liebe versammeln! O möchten es lauter aufrichtige Seelen seyn, die sich hier vor dir demüthigen. Möchte keine Seele unter ihnen seyn, die nur aus Ges wohnheit oder Zwang, mit heuchlerischen Gesinnungen, hier erschienen ist. Möch te jedes Herz mit inniger Reue und Bes schamung, mit festem Vorfaz der Besses rung- mit unerschütterlichem Glauben an deine gnädigen Verheissungen erfüls let seyn!- Alle- wes Standes wir auch sind, wie sehr auch die bürgerlichen Verhältnisse uns trennen sind hier gleich- betrachten uns als Glieder eis ner großen Kette- als Erlösete eines Mittlers- als Theilnehmer einer groz sen Hoffnung. Alle sind wir hier Süns der- erscheinen alle in einerlei unendlis chem Abstand von dir, dem Heiligen, G der Communionk. 98 Fürbitte für die, welche mit uns beichten. der jede Sünde und jedes Unrecht verz abschenet; aber auch als Begnadigte durch Jesum Chriftum, der für alle sich in den Tod gegeben hat. Odaß keiner sich der dargebottenen Segnungen selbst verlustig machte. Laß alle, o Vater, hier mit einem erschütterten oder gerührten oder vertrauenden Herzen erscheinen! Vergib ihnen ihre Sünden, schenke ihnen deine höhere Kraft zu einem from men Wandel, stårke, führe, tröste siedeine theuer Erlösten, und erhalte sie dir getreu bis an das Ende. Wer von uns mit reuigem Herzen, mit lebendigem Vertrauen zu dir, o Gott, kommt, dem vergiebst du. O tröste die göttlich Traurigen- richte die Schwachen auf- stärke und erhalte die, die da stehen- vollbereite, kräftige, gründe uns! Wo es einem an geistigen Bedürf nissen fehlet, es sey im festen Glauben oder in Verläugnung seiner selbst, oder in Muth im Leiden und beim Gefühl seiner Sünden, den führe zur Wahrheit, den stärke in der Versuchung, den erhebe deine vom Himmel gefandre Hoffnung. Erhalte uns alle bei dem Einigen, heiliger Vater, daß wir deinen Namen fürchten und recht thun. Beim Hinzutretten zum Beichtstuhl. 99 thun. Leite uns an deiner Vaterhand und nimm uns einst zu Ehren an. Amen! XXII. W Beim Hinzutretten zum Beichtstuhl. er seine Missethat läugnet, dem wirds nicht gelingen! Wer sie aber beken= net und lässet, der wird Barmherzigkeit erlangen. Wie könnte ich es läugnen, o Gott! daß ich dein heiliges Gesez manchfáltig übertretten habe. Mein Gewiffen klagt mich an. Ich suche keine Entschulz digungen für meine Sünden: denn das Herz ist die Quelle böser Lüfte. Ich gehe hin, dir meine Sünden zu bekennen. Gieb mir lebhaft zu bedenken, daß ich nicht blos vor das Angesicht eines sterblichen Mens schen, sondern vor dich, den Allwissenden, trette. Rühre, o guter Geist! bei diesem feierlichen Bekenntnisse mein Inwendiges; und gieb, daß meine Gedanken zu dir mögen erhoben seyn, damit ich wahren und bleibenden Nuzen von dieser heiligen Handlung an meinem Herzen erfahre, und von dir, mit Trost und Ruhe erquis ket, zurükkehre. Laß mich, wie jenen Zölner, gerechtfertiget in mein Haus gehen. Gott! sey mir Sünder gnädig! Amen! 2 XXIII, 100 XXIII. * Kurze Andachten, welche statt einer Beicht gebraucht werden können. Herr, wenn ich bei einer ſtillen, ernſten unzählbaren Segnungen überschaue, mit denen du dich an mir verherrlichet hast, und wenn ich dann den beobachtenden Blick in mein Innerstes kehre, so rufe ich beschämt aus:- Herr ich bin nicht werth der Barmherzigkeit und Treue, die du an mir gethan hast. Dieß bes kenne ich mit reuevollem Gemüthe.Vater, du hast einst deinen Sohn ges fandt, damit er Gnade und Heil allen denen verkündige, die ihre Sünden vers abscheuen und nach der Besserung und Heiligung streben. Darum starb er fogar am Kreuze. Ich ergreiffe den Glauben an deine Berheiffung ents fage der Sünde; und bitte dich: Verz gib sie mir. Mein künftiger Wandel sey dir und deinen heiligen Geboten ges widmet. Amen! Gott G Kurze Andachten statt einer Beicht. IOI ott! sey mir Sünder gnådig. Es ist ein theures werthes Wort, daß Jesus Christus in die Welt gekom men ist, die Sünder selig zu machen. Wer seine Missethat bekennet und läss fet, dem soll Barmherzigkeit widerfahs ren, darum, was ich noch lebe im Fleis sche, das lebe ich nicht mir, sondern dem Glauben des Sohnes Gottes, der auch mich geliebet hat. Manchfach Herr, sind meine FehlerGehe Gott nicht ins Gericht!- Ich bekenne meine Sünde, Vater, ach, ich läugne nicht!- Schau in dieses Herz und prüfe Ob es redlich in mir schlägtDieses Herz, das Scham und Reue Schwer in seinem Innern trägt. d Ach vergib mir meine SündeDer du einst den Sohn gesandt. Und erhalte mich der Tugend Die ich irrend wieder fand. 3 - Schaff in mir ein neues Herze Gib mir den gewissen Geist;Sen durch Denken, Dulten, Handeln Vater, bis ans Grab gepreißt. XXIV, 102 XXIV. * Danksagung nach der Absolution. Auf, meine Seele, finge! An dir, so unwerth du es bist, Thut Gott so große Dinge; Weh dir, wenn ihn dein Herz vergißt! Gott rettet dich ins Leben, Hat alle Missethat, In Christo dir vergeben. O gnadenvoller Rath! Robe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist seinen heiligen Namen, los be den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Der dir alle deine Sünden vergiebt, und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Tode errettet und dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit. Wer vermag es, deine Vatergüte würz dig auszusprecheu, die unaufhörlich, auch felbst dem Unwürdigen, wohlthut und ihn segnet. Ja, du bist ein guter Vater- der sein Kind liebet, und ihm verz giebt, wenn es sich mit heiligem Ernst um wahre Besserung bemühet. Auch ich habe es an meinem Herzen mit Dank, Freude und Rührung schon so oft erfahren- und auch jezt richtet dies fer Danksagung nach der Absolution. 103 fer Glaube meine gebeugte Seele anf.Oft hatte auch ich- kan ich mir das verhelen, wenn ich auf mein Verhalten zurüke sehe?- oft hatte auch ich die heiligen Geseze meines Gottes übertret ten, oft rieß auch mich Leichtsinn oder stumpfe Trägheit hin, mir selbst und meinen edelsten Vorfäzen ungetreu zu werden, oft war mir der Reiz der Sünde gefährlich genug, um mich das Kleinod des ruhigen Herzens dem Genuße der bloßen Sinnlichkeit hinopfern zu las sen. Ich sollte dein gutes, gehorsames, treues Kind seyn, und verließ doch meinen Vater und vergaß meine Würde, die mir dieses Verhältniß eines Kindes zu seinem Vater, in dem ich mit dir stehen könnte, geben soll! Gott, du sahest in mein Herz, als dasselbe ängstlich in mir schlug, als ich meine Fehler bereute, als ich mich meiner Schwachheiten schämte, als das Bessere sich in mir regte, als mein innerer Richter mir das Urtheil sprach, als ich zu dir flies hend dich um Vergebung bat!- 7 Gott, ist es nicht dein Werk, daß ich den Trost, den deine Erbarmung gewährt, empfinde, daß ich mich aus 4 dem 104 7 Danksagung nach der Absolution. dem Staube erhoben, daß ich hoffend zu dir aufbliken darf?- D du, der du durch Jesum mir deine Gnade so herrs lich offenbarteft, wie bete ich dich würz dig an, wie danke ich dir für deine Lies be!- Ach, das größte aller Güter schenkest du mir ja- ein ruhiges Herz, Friede im Innern, heitere Aussicht in die Zukunft, dieß und jenseits des Graz bes, wenn ich nur deine Wege zu wanDelt mich eifrig bestrebe. Wie undankbar wäre ich, wie müßte ich mich selbst verachten, wenn das Andenken an deine Güte mich nicht tief rührte! O daß nur diese Rührung bleibend sey, daß sie nicht schnelle wieder unter den Zerstreuz ungen der Welt erlösche, daß ich sie durch Gebet zu dir und Andenken an Dich oft erneuere, und das heilige Feuer in meinen Innern nähre und unterhalte, das ists, was ich erflehe.- Herr, stårz ke du mich- den Schwachen- ohne dich vermag ich nichts- mit dir alles, der du meine Zuflucht bist für und für. Amen! Siche auch das Lied: Nr. 16.* Vater, wenn die Wehs muthsezähre: c. Seite 231. von G.E.F. Seidel. XXV. XXV. * Kürzere Gebete eines dankbaren Herzens nach der Absolution. Lobe Gott! du meine Seele, Und vergiß nicht was er thatDeine Sünde ist vergebenVäterlich ist Gottes Rath. www Er, er heiler das Gebrechen, Das dich deiner Schwäche zeiht. Er errettet vom Verderben Krönt dich mit Barmherzigkeit, 105 So erhalte bei den Einen Mich, bis an das Grab getreu. Daß ich deinen Namen fürchte Und mein Ende selig sen. Friede fey mit Criede sen mit dir! So tröstlich sprachst du meiner Seele zu, Erbarmer der Sünder! Göttlicher Friede, der zu viel Wonne in mein Herz ausgieset, als daß ich nicht allen Fleis anwenden sollte, ein so herrliches Kleinod zu bewahren! Ewig sey mir die Sünde verabscheuungswürdig: denn nur sie würde mir diesen Frieden rauben können. Süte 106 Kürzere Gebete eines dankbaren Herzens. Hüte ûte dich, mein Geist! hinfort vor Sünden. Du bist nunmehr ges heiliget, du bist gerechtfertiget; siehe zu, fündige hinfort nicht mehr, und laß dir deine Besserung einen Ernst seyn, damit du Gott nicht versucheſt. Gütiger Gott, der du mich so liebreich aufgenommen! wie sollte ich ein so groz ses Uebel thun, und wider dich von neuem fündigen! Ich gelobe dir eine beständige Treue. Ich will die Rechte deiner Gerechtigkeit mit Fleis und Sorgfalt halten. Alles aber vermag ich durch dich, indem du mich mächtig machest. Wº o ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt, und erlåsz set die Missethat? Deine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, und deine Treue ist gros. Ich sprach: Ich will dem Herrn meine Misfethat bekennen; da vergabst du mir meine Sünde. Gelobet sey dafür dein Name immer und ewiglich! Amen! 4/10 XXVI. 107 XXVI. * Fortsezung dieser dankbaren Empfindungen zu Hause. Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken und lobsingen deinen Namen, du Höchster; des Morgens deine Gnade und des Nachts deine Wahrheit verkündigen. Ps.92, 2. 3. It en der That, ich fühle es, nur der Mensch ist glúklich, der den Weg seiner wahren Bestimmung wandelt, und wenn ihm jemand diesen Weg zeigt, oder wenn er den Verirrten auf denselben zurük führt, so ist ein solcher Wohlthåter der Gegenstand der innigsten Dankbarkeit. Und das bist du Gott, mein Vater, dein Name sey gepreißt!Ich Glüklicher! wie viel, wie unaussprechlich viel des Guten hast du mir schon erzeigt!- Deine Gnade, mit der du dich heute wieder so ganz vorzüglich an mir verherrlichet hast- ist sie nicht die dringendste Beranlaffung, alles das zu überblifen, was ich bin, und allenthalben die Spuren zu entdeken, auf des nen mir deine Liebe entgegen kommt?- Kan ich, als ein fühlendes, denkendes Geschöpf, diesen Tag vorüberlassen, ohne ihn durch dankende Gefühle dir zu heiz 108 Dankbare Empfindungen zu Hause. heiligen? Gott! jede deiner Segnungen ist schon darum groß, weil der mangels hafte Sterbliche keine als ein Recht fordern, keine als eine schuldige Belohs nung seiner so gebrechlichen Tugend an sehen kan. So erscheinen mir daher alle die unzählbaren Wohlthaten, die ich in meinem Dafeyn auf Erden erblike, in ihrer wahren Größe, und mit heiz liger Begeisterung bekenne ich es: ich bin nicht werth der Treue und Barmz herzigkeit, die du mir erwiesen hast. Alber unter allen ist keine deiner Wohl thaten größer, als die der Erleuchtung meines Geistes, der Erwärmung meis nes Herzens für das Gute. Wenn schon jede irdische Wohlthat mich zum innigsten Dank auffordern muß, wie viel mehr das, was den edlern, uns sterblichen Theil meines Wesens anbez trift! Wahrlich, heute ist ganz beson ders ein Tag für mich, an welchem ich, in stiller Abgezogenheit von der Welt, dieſe höhern Segnungen, die Segnungen der Religion zu fühlen aufgefodert bin. Bist du nicht der Geber dieser unschäzbaren Gabe, dieser reinen Freudengeberin, dies ser Stüze auf dem Lebenspfad, dieser Freunz Dankbare Empfindungen zu Hause. 109 Freundin, die uns lehrt und warnet, dies ser Trösterin im Unglüke?- Habe ich nicht heute wieder ganz vorzüglich ihren Segen empfunden?- Habe ich nicht ihre sanften Wirkungen an meinem Herz zen erfahren?- Gott, wie kan ich dir genug danken, daß ich dich kenne, daß ich dich Vater nennen, daß ich selbst beym Gefühl meiner Schwachheiten dennoch zu dir fliehen darf!- Herr, wie unaussprechlich hast du dich an mir durch deinen Sohn verherrlichet!- D mein ganzes Wesen müsse Liebe und Dankbarkeit seyn, mein ganzer Wandel müsse dich preisen, meine Thaten müssen ein thätiger Beweis des Gefühlec in mir seyn, daß es nie vergißt, daß du mir Alles bist. Das sey mein Dank gegen dich. Und du, der du mein Freund, mein Retter, mein Füha rer bist, du, der du einst auch für mich am Kreuze erblaßtest, deiner treuen Nachfolge sen mein Leben gewidmet.-Gott und Vater, hilf mir Schwachen diese dankbaren Vorsáze ausführen, daz mit die sinnliche Welt mein Herz nicht bethöre, damit die Zerstreuungen der Erde den edlen Keim des Guten, der INVIA heute Jamie 110 Dankbare Empfindungen zu Hause. heute neu in mir erwacht, nicht zerstös re, damit ich, wenn ich wieder an einem so festlichen Tage mich deiner Güte bei einer feierlichen Religionshandlung freue, mit mehr Ruhe auf mich und mein Herz hinbliken könne. Erhöre mich, du, mein Vater, der du die Gebete gerne erhörst, wenn sie ernstlich sind, der du so gerne uns im Guten unterstüzest. Nie erldsche der Dank in diesem Herzen, das sich dir ergiebt, es sey dein immer und ewiglich. Amen. Siehe auch das Lied: Nr. 17. Auf! meine Seele! finge! 2c. Seite 232. XXVII. III XXVII. * Trost des Gewissens in der Vergebung der Sünden. Wo die Sünde mächtig worden ist, da ist doch die Gnade noch viel mächtiger wor den. Rom. 5, 20. nådig ist Gott, und seine Gnade er weiset sich an den Sterblichen in vollem Maase. Mit Gedult und Nachsicht trägt er den Sünder, und lässet ihm Vergebung angedeihen, wenn er sich mit reuevollem Herzen zu ihm wendet, und sich gründlich bessert. Unser Herz verdammet uns; aber Gott ist größer denn unser Herz. Mit inniger Freude kan jeder Bekehrte ausruz fen: Wo ist ein solcher Gott, wie du bist, der die Sünde vergiebt? Auch ich gehöre jezt unter die Zahl der Begnadigten. daß ich auch unter die Bekehrten gehören mögte. Du, o Gott! kennest mein Herz. Du sahest die Betrübnis meiner Seele, und meine busfertigen Gesinnungen was ren dir nicht unbekannt. Ich flehte zu dir um Gnade, da die Angst meines Herzens groß war, und die Last meiner 112 Trost des Gewissens ner Sünden mich niederdrükte. Dut hast mich durch deinen Diener versiz chern lassen, daß meine Sünden hins weggenommen sind. Diese Ankündi gung würde mich freilich nichts helfen, wenn sie nicht durch deinen göttlichent Ausspruch beståttiget würde: Dir sind deine Sünden vergeben! Allein, ich eigne mir nun diesen deinen göttlichen Ausspruch mit Ueberzeugung zu, und zweifle nicht an der Gewisheit deffelben. Ich fühle die gewisse Erfüllung deffelben in meinem Herzen, und das macht mir Muth zur Besserung und Heiligung. Es schlägt nicht mehr so unruhig in mir; meine Furcht ist vers schwunden, und getrost kan ich nun meine Augen zu dir erheben, zu dir, der du in der Höhe wohnest, und auf das Niedrige mit Gnaden herab siehest. Ich will streben, durch Frömmigkeit meiner Begnadigung auch für immer gewisser zu werden, und an den Früchten erkennen, ob meine Neue ernstlich war, damit ich den freudigen Ausruf auf mich anwenden könne: Christus ist hie- wer will die Auserwählten Gota tes verdammen!- Mynd Schenz in der Vergebung der Sünden. 113 Schenke mir, o Vater! nun auch dieſe Gnade, daß die Sünde niemals mehr in mir machtig werden möge. Lenke selbst mein Herz, daß es nicht sicher werde, oder aus Leichtsinn sich darauf verlasse, daß deine Gnade immerfort in mir sich mächtig und wirksam beweisen werde, wenn ich auch nicht aufmerksam auf mich selbst wäre. Lehre mich bedenken, daß ein uns vermutheter und plözlicher Tod mich gez rade zu der Zeit überfallen könne, wann die Sünde in mir am heftigsten worden ist. Ach! wie würde ich alsdann vor deinem Richterstuhle bestehen können, wenn ich als Sünder vor dir zu der Zeit erscheinen sollte, wann du Gericht halten wirst; zu der Zeit, wo mir nachher kein Raum zu meiner Besserung mehr übrig ist; zuder Zeit, wo keine göttliche Trauz rigkeit und Neue mehr statt finden kan. Verleihe mir deine Gnade, und unters stüze mich durch deinen heiligen Geist, daß die frommen Gesinnungen, die jezt in meiner Seele herrschen, immerfort darin wirksam bleiben mögen. Laß mich den Eid der Treue, den ich heute wies der erneuert habe, nie vergessen: damit mein guter Borsaz nicht unerfüllt bleibe, $ sons Communionb. 114 Freudigkeit des Glaubens. sondern seine Erfüllung von einer bestån digen Fortdauer begleitet werde. So werde ich stets in der gewissen Ueberzeuz gung leben, daß du mein Gott und Vater bist, und ich dein Kind bin. Amen! XXVIII. Freudigkeit des Glaubens. Sey nun wieder zufrieden, meine Seele! denn der Herr thut dir Gutes. Ps.116, 7. Gott für mich, wer wird wider mich seyn: welcher auch seines eigenen Sohnes nicht verschonet, sondern ihn für uns alle dahin gegeben hat: wie follte er nicht auch mir mit demselben alles schenken! Wer will mich beschuldigen? Christus ist hie, der gestorben, ja vielmehr der auch auferweket ist! Wer. will mich vor Gottes Gericht verklagen? Mein Erlöser sizer zur Rechten Gottes, und vertritt mich. Was kan mich verzagt und traurig machen? Meine Seele erhebet den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes. Was kan mich erschreken? Ich bin Gottes Kind. Ich bin begnadigt. Mein Name steht im Himmel anges schrieSt Erneuerung des Taufbundes. IIS schreiben. Meine Hofnung stehet fest, wie ein Fels: denn sie ist auf die Verz heiſungen der unveränderlichen Treue und Wahrhaftigkeit Gottes gegründet. Mein Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. Erhalte mich, mein Gott! in diesem Glauben. Laß ihn immer stärker, lebendiger und fruchbarer werden, damit ich ewig in deiner Ges meinschaft Freude und Wonne genieſen möge. Amen! XXIX. Erneuerung des Taufbundes. Sº o beschwöre ich denn auf das feiers lichste das Gelübde von neuem, welches ich dir, mein Gott! ehedem gez than habe, und übergebe mich dir hies mit ganz und gar zu einem dir geheiligten Opfer und Eigenthum. Ich entsage mit aufrichtigen Herzen dem Dienste der Ungerechtigkeit; und entreiffe mich, durch deine Gnade gestärkt, den unors dentlichen Begierden, den verkehrten Gewohnheiten der Welt, und allem, was deinem heiligen Willen entgegen ist. Ich fasse den aufrichtigen Entschluß, 2 Def= 116 Erneuerung des Taufbundes. deffen Redlichkeit dir, o Herzenskündi ger! wohl bekannt ist, dich als meinen Bater kindlich zu lieben, deine Allgegenwart beständig vor Augen zu haben, und durch deine Furcht meine Gesinnun gen zu allen Zeiten regieren zu lassen. Auf dich allein will ich stets in allem meinem Anliegen vertrauen; in deiner Macht und Weisheit und Güte meinen Trost suchen; dein Wort über alles hochschäzen; deine Ehre in allem, was ich vornehme, so viel an mir ist, zu verz herrlichen suchen. Alles, was ich bin und habe, sey dir, o Gott! aufs neue in deine Vaterhånde hiemit übergeben. Mein Leib sey künftig deine geheiligte Wohnung; meine Sinnen und Glieder die Werkzeuge, womit ich deinen Willen verrichte. Mein Verstand werde durch deine Erkenntnis stets mehr erleuchtet; Mein Wille gebe sich gelassen unter das fanfte Joch deiner Gebote. Was ich nur immer Gutes thun werde, das will ich nicht ferner aus niedrigem Eigennuz, nicht um nur von den Leuten gesehen zu werden, sondern vor allem Dingen in der Absicht verrichten: dir, meinem Gott, zu gefallen, das Beste meiner Brüder Erneuerung des Taufbundes. 117 zu befördern, und mich durch den Glauben in guten Werken ewiger Belohnungen fähig zu machen. Wider alles Bdſe, das in und auffer mir ist, beständig zu kämpfen; Lafter und Unordnungen, wo ich sie finde, aus allen Kräften zu verhindern; jede Gelegenheit zur Sün de sorgfältig zu meiden: das sey mein beständiger Vorfaz. Dir will ich mein Glük in einer unverstellten Frömmigkeit, durch måßigen Genuß, durch Dank und Wohlthaten heiligen; dir zu Ehren alle meine Trübfale getroft und standhaft ertragen. Das verdienstliche Leiden und das Beispiel der Tügend meines göttlichen Mittlers schwebe mir beståndig vor Augen. Er bleibe mein einziger Trost wider die Anklagen des Gewissens; der Grund meines Vertrauens auf Gott; der Beherrscher meines Herzens; das grose Muster in meinem Wandel und ganzem Betragen. Mit ihm will ich dein Reich, o Gott! ausbreiten hela fen, mit ihm für deinen Ruhm eifern; mit ihm in den Versuchungen kämpfen, und durch seine Kraft unterstüzt, die Reizungen der Welt überwinden. Nimm mich hin, o mein getreuer Gott! bereite 53 mich 118 Erneuerung des Taufbundes mich selbst durch deinen Geist, wie du mich haben willst, Stärke mich zur bez ständigen Wachsamkeit über meine Handlungen, meine Worte, meine Gedanken und alle Bewegungen meiner Seele: daß ich von ganzem Herzen fromm werz de; daß ich nie mit Wissen in eine Sünde willige, sondern stets darauf bedacht sey, meinen Leib und Geist unbeflekt zu erhalten. O welch ein Trost für mich, wenn ich in dieser dir wohlgefälligen Verz fassung bin, dann bist und bleibest du mein Bundesfreund, mein Schuz, mein Erlöser, mein Vater und mein Gott, auf den ich in allen Nöthen vertrauen fan; der mich, sein Kind, nimmer verlassen wird; der durch Christum Frieden meis nem Gewissen gibt ,, mein Herz mit götte lichen Freuden, mit Ruhe, mit Hof nung, und mit dem Vorschmak des Himmels erfüllet. Was könnte mir nun meinen Trost und Muth rauben? wer mag mich verdammen, oder von meinen Gott scheiden? Berge werden weichen und Hügel hinfallen; aber seine Gnade wird nicht von mir weichen, der Bund seines Friedens wird nicht hinfallen, spricht der Herr, mein Erbarmer," Sies he! Erneuerung des Taufbundes. 119 he! ich habe dich erlöset; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! ,, Ja! ich bin dein, o geliebter Vater! ich bin dein Geschöpf, dein Erz löfter, dein Unterthan, dein Bundesges nosse, und, o tröstender Name! Dein Kind. Erhalte mich in dieser genauen Gemeinschaft mit dir. Schuze mich wiz der alle Gefahren, in denen ich meine Seligkeit verlieren könnte. Erfülle auch an mir, o mein Jesu! deine Verheisung: " Ich kenne meine Schaafe; ich gebe ihnen das ewige Leben; sie werden nime mermehr umkommen, und niemand soll sie mir aus meiner Hand reissen. ,, Ja! ich bin deffen in guter Zuversicht, daß der Gott, der in mir angefangen hat das gute Werk, der wird es auch vollenden, bis auf den Tag Jesu Chrifti. Ihm will ich leben; ihm will ich sterben, sein will ich seyn tod und lebend. Amen! sid HUD 24 el- ell XXX. 20 Um Kraft zur treuen Erfüllung XXX. Um Kraft zur treuen Erfüllung der in der Beicht geleisteten Zusage. Sº Lo habe ich mich den feierlichst dem Dienste Gottes meines gnädigen Vaters und unendlichen Wohlthåters gewidmet. So habe ich mich verpflich tet, als ein Junger und Nachfolger meines hochgelobten Erlösers zu leben, und ihn mit meinem Geiste und mit meinem Leibe zu preisen, die beide sein Eigenthum find. Wie heilig sind die Verpflichtun gen! Wie undankbar würde ich nicht seyn, wenn ich die Zusage vergaße, wenn ich diese Versprechung nicht hielte! Welch eine Verantwortung, welch ein Gericht würde ich zu erwarten haben, wenn ich nun noch der Sünde diente, wenn ich nicht alle Fehler, alle böse Gewohnheiz ten, die ich an mir habe, ernstlich bestritz te, wenn ich eben so träge und nachläs fig im Guten wäre, als ich es ehemals gewesen bin! Co würde ich mich ja alIer Vorrechte und Seligkeiten, die ich als ein Chrift besize, verlustig mas chen. Ach Gott! unterstüze mich, daß ich nie so undankbar gegen dich, und so feindselig gegen mich selbst handele. Seny du der in der Beicht geleisteten Zusage. 121 du in meiner Schwachheit machtig. Bes festige meine guten Entschliefungen, und verleihe mir Gnade, an der Ausführung derselben unverzüglich und unermüdet zu arbeiten. Erhalte du selbst mein Herz bei dem einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Schenke mir ferner deinen guten Geist, und führe mich durch denselben auf ebener Bahn. Gieb, daß ich mich von allen Beflungen des Fleis sches und des Geistes reinige und meine Heiligung in der Furcht vollende. Bewahre mich vor Versuchungen, stårke mich, wenn ich darein gerathe, und laß mich das Kleinod, zu welchem du mich durch Christum berufen hast, niemals aus den Augen verlieren. So werde ich den guten Kampf kámpfen, den Glauz ben behalten, und meinen Lauf glüklich vollenden. So werde ich dereinst die Krone der Gerechtigkeit aus deiner Hand empfangen, und dir Lob und Ehre brins gen in Ewigkeit. Amen! XXXI, 122 Ueber die Beständigkeit im Guten, XXXI. * Ueber die Beständigkeit und Wachsthum im Guten, nach erhaltener Vergebung der Sünden, Forsche Gott, in unserm Herzen, Sieh, es fehlt und strauchelt noch, Und mit unruhvollen Schmerzen Fühlt es noch der Sünde Joch. Strauchelnd, ungewiß und träge, Geht der Fuß der Tugend Wege, Nur zu oft noch sieht der Blik Auf des Irrthums Bahn zurük. as Herz des Menschen ist guter Eindruke aller Art fähig.- Es era hält diefelben so oft- wir sind so oft hingerißen von edler Wärme für das Gute, von einem heiligen Feuer so bes feelt, daß nicht selten jene Täuschung daraus entsteht, vermöge welcher wir uns schon um dieser Rührungen willen für gut halten. Aber wie sehr auch solche gute Rührungen uns angegriffen haben, wie sehr wir dann voll der erhabensten Gefühle gewesen sind,- wie uns ähnlich sind wir uns oft bald nachher. Nichts ist dann oft mehr von jener Bes geisterung übrig, und der, welcher kurz vorher von dem Werthe des Guten hinz ges nach erhaltner Vergebung der Sündeu. 123 geriffen ist, ist bald darauf ein Opfer der Leidenschaft. Dann waren unsere Empfindungen vorübergehend, wir vers stunden es nicht, sie fest zu halten, und fie blieben tod für unsere Gesinnungen und Handlungen. O daß es uns nicht unser eigenes Herz fagte, wie oft es von den guten Eindrüfen, die die Empfindung der Liebe Gottes erwekt, gerührt, von den Stralen der Wahrheit erleuchtet, seine Fehler erkannte, wie oft es sich vornahm, in Zukunft ganz gewiß einer Leidenschaft zu entfagen, die es in schimpflichen Fesseln hielt, wie oft aber diese Gefühle und diese guten Vorsäze wieder verlöschten. Ach wenn der Sturm der Leidenschaften unser Herz ergreift, wenn die alte Gewohnheit des Herzens sich bemeistert, dann ist es so oft um alles, was wir Gutes von uns selbst hofften, geschehen. Wir werden uns selbst ungetreu- und es fehlt uns Kraft zum Widerstand. Bisweilen raubt uns auch der Leichtsinn die Frucht guter Rührungen, denn wie sehr wir uns auch stark fühlen, während sie uns beleben, so sind sie doch oft schnell dahin, wenn wir an unsere 124 Uiber die Beständigkeit im Guten, Geschäfte kommen oder in die Zerstreu ungen der Welt gerathen. Aber wie lange sollen mich solche Hindernisse noch im Guten aufhalten? Kann ich mich dabei beruhigen, wenn ich diese Erfahrung auch an mir ges macht habe?- wie lange sollen die Verz anlassungen zur Besserung mir ungenüzt vorbei gehen?- Ist das nicht eine Frage, die mich heute ganz vorzüglich beschäftigen muß, da mir die Feier dies fes und des morgenden Tages eine so nachdrükliche Veranlassung zu guten Empfindungen ist? 81 Ich will also aufmerksam auf dies se Rührungen werden- ich will suchen ihrer lebhaft- bewust zu werden, ich will sie durch das Andenken an Gott und Jesum verstärken.- Ich will mich fragen, was erschütterte mich vorzüglich?- warum machte etwas einen tiefen Eindruk auf mich? War es Folge der Furcht vor Strafe, oder Hoffnung des Eigennuzens, oder Liebe zu Gott, und der Wunsch ihm ähnlicher zu werden?- Wenn ich durch irgend eine Wahrheit, durch eine Stelle der Schrift, durch mein Schifz - nach erhaltner Vergebung der Sünden. 125 Schiksal gerührt werde, so will ich mir das oft in Geanken wiederholen, und endlich eine öftere Prüfung mit mir anstellen, ich will täglich mich fragen: hast du jene Thränen der Nene, jenen heiligen Schwur, jenes Gelübde, der Tugend dich zu weihen, schon wieder vergessen, oder ist es dir neu und in dir wirksam?- Aufsuchen will ich alle Mittel, die mich im Guten beståndig machen, flichen alles, was mich mir ſelbst ungetreu machen könnte. Stärke du mich in diesen Vorfäzen, Gott, mein Vater, denn ohne dich vers mag ich nichts. Gib, daß die mancherlei herrlichen Gefühle, mit denen du das Menschenherz ausgestattet hast, von mir richtig angewandt, meinen Wandel heiligen und mich im Guten beständig machen. O du, der mit Kraft von oben Uns zu allem Guten stårkst, Der du, hoch von uns erhoben, Auch auf unsre Schwachheit merkst. Hilf die Sünde mich bezwingen, Glüklich meinen Lauf vollbringen; Vater bis ans Ende sen, Dir mein ganzes Leben treu. Amen. XXXII. 126 Verlangen nach einem tugendhaften Leben, XXXII. Verlangen nach einem tugendhaften christli chen Sinn und Leben, und Bitte darum. 2⁰ Ilmächtiger Gott, wir sind schwa che, dürftige Geschöpfe, die sehr leicht irren und fehlen, die, ohne dich, ihre Pflicht nicht erfüllen und ihre Bes stimmung nicht erreichen können. Das erkenne, das fühle auch ich, o Gott! und das treibt mich zu dir, der du die Schwachen stärkest, und das Vollbrine gen, so wie das Wollen des Guten, in uns wirkest! Bei dir suche ich Schuz gegen den Irrthum und die Sünde, Kraft und Beistand zur Erfüllung mei ner Pflicht. Ich wünsche weiser, bes ser und frömmer zu werden, als ich bisher gewesen bin. Laß doch dein Licht mich erleuchten und deinen Geist mich führen! Laß diesen Wunsch mich zum treuesten Gebrauche aller Mittel des Unterrichts und der Besserung, die du uns gegeben hast, antreiben, und den Gebrauch derselben stets gesegnet seyn! Dich zu verehren, dich zu lieben, dir zu gehorchen, auf dich zu vertrauen: das und Bitte darum. 127 das ist unfre Pflicht und unfre Seligkeit. Lehre mich doch diese Pflicht immer williger und treuer erfüllen, und laß mich diese Seligkeit immer völliger genießen, mich oft mit meinem Geiste zu dir, dem ersten, dem gröften, dem besten aller Wesen, zu dir, unserm Schöpfer und Vater, erheben; in allen auf dich zu sehen, dich und deinem Willen stets vor Augen zu haben, deine Werke und Wege, und die Spuren deiner Vollkommenheit in demselben, aufmerksam zu betrachten; mich stets daran zu erinnern, was du, in Absicht auf uns bist, und was wir, in Absicht auf dich sind, was du von uns foderst, und was wir von dir hoffen dürfen. O möchte diß mein tägliches, lieb stes Geschäfte seyn! O möchten mich dieſe Gedanken, diese Betrachtungen, immer weiter in deiner Erkenntnis brin gen, immer richtigere Begriffe von dir und deiner Borsehung geben, mir im mer ehrerbietigere und findlichere Ges sinnungen gegen dich einflösen, und die wahre Herzensfrömmigkeit immer ges nauer mit allen, was wir denken und thun, 128 Verlangen nach einem tugendhaften Leben, thun, verbinden! Dann werde ich nie gegen die Schifungen murren, mich nie über deine Foderungen beschweren, nie deine Geſeze mit Borfaz übertrets ten, nie aus Zwang oder mit Widers fezlichkeit sie beobachten, mich deiner Oberherrschaft und Gewalt gern unters werfen, mich stets deiner Aufsicht und Fürsorge freuen, und deinen Willen, als den Willen des besten Regenten, des huldreichsten Vaters, mit kindlichem frohen Muthe vollbringen. Gott! der du uns als Menschen und als Christen mit so vielen Vorzügen bes gnabiget hast, ich wünsche, mich stets daran zu erinnern, daß ich dein Geschöpf, dein Kind, dein Erlöster, daß ich eines hohen Grades der Weisheit, der Tus gend und der Glükseligkeit fähig bin. Möchte ich doch nie meinem Verstand schwächen, nie meine Gesundheit zerruts ten, nie durch unmäßigenGenuß sinnlicher Vergnügungen mich zu irgend einer wichtigen Pflicht, zu irgend einem nůzlichen Geschäfte, ungeschikt machen; nie meiner Bestimmung zuwider handeln. Möchte ich doch nach der nämlichen christlichen Freiheit, nach der Selbstbeherrschung stres ben, und Bitte darum. 129 ben, die den weisen, tugendhaften Ges brauch des Lebens so sehr befördert! Möchte mich die Betrachtung der Kürze dieses Lebens, der Gewisheit und der wichtigen Folgen des Todes, und die tröstliche Hofnung der Unsterblichkeit, über alle niedrige Begierden erheben, und mir immer neuen Antrieb zum Fleise in der Tugend geben! Laß doch, barmhers ziger Gott, diese meine Wünsche erfüllet werden, um deiner unendlichen Liebe willen. Amen! XXXIII. Abendgebet am Beichtage. S Bleibe bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget. Luc. 24, 29. er Tag hat sich geneiget, Gott, Stife ter meines Heils und Herr meines Lebens! Einer meiner wichtigsten Lez benstage hat ein Ende: aber deine Barmherzigkeit hat noch kein Ende; sie war heute ganz besonders neu über mir. Ich danke dir mit gerührtem Herzen, daß du mich diesen Tag mit Segen zubringen und beglükt vollenden liefest. Dank sey dir, daß du mich nicht in meinen Sünden hinweggeraffet, daß du mir Zeit und Communionb. I Raum 130 Abendgebet am Beichttage. Raum zu meiner Besserung bisher gelas sen; daß du mir mein Leben bis auf dies sen Augenblik erhalten hast, in welchem ich mich vor dir demüthige und deis ne Gnade preise. Dank, Preis und Ehre sey dir insonderheit für das grose Werk deiner Liebe und Barmherzigkeit: daß du mich nicht nur zur Erkenntnis meiner vielfältigen Sünden gebracht, und eine göttliche Traurigkeit darüber, und den ernstlichen Vorfaz, wahrhaftig fromm zu werden, in mir erweket, sondern auch, auf meine demüthige Beicht und herzliz che Buse, mich von Sünden losgespros chen und wieder zu Gnaden angenomment hast. Nun siehest du auf mich, als dein begnadigtes Kind, wieder mit Wohlges fallen herab; vernimmst mein Flehen unt deiner Wahrheit willen, erhorest mich um deiner Gerechtigkeit willen. Ach Gott! so erhöre denn auch meint leztes Gebet, das ich heute noch vor dich bringe. Heiliger Vater! erhalte mich in deiner Gnade, die du mir geschenket haft! Bewahre mich, daß ich aus meinem ſeligen Zustand nimmermehr falle; und bes festige in mir den heiligen Entschluß, dir und deinen Geboten und meinem Vers spres Abendgebet am Beichttage. 131 sprechen treu zu bleiben. Ein rechtschaf fenes, treues und kindliches Herz ist dir angenehm; das wollest du mir geben, das wollest du in mir erhalten! Du hast mich ja werth geachtet, mich wieder als dein Kind aufzunehmen: so wirst du mich auch behüten, daß ich, weder durch die Reizungen der Welt, noch durch meine Verz irrungen, noch durch die Zerstreuungen des Lebens, aufs neue von dir losgeriffen, auf den Weg des Verderbens wieder zuż růktrete. Laß mich stets heller einsehen, wie abscheulich die Günde, wie herrlich hingegen der Stand deiner geliebten Kinz dersey; damit ich, durch die Kraft dieser Vorstellung, in findlicher Furcht, Liebe und Treue gegen dich immer mehr befes stiget werde. Unvergeßlich müsse mir dein tröstender und warnender Zuruf ſeyn: Deine Sünden sind dir vergeben! Gehe hin und fündige fort nicht mehr! Und doch habe ich heute schon wieder aufs neue gesündiget! Wie vieles hat meiner Andacht, meiner Demüthigung vor dir, und der Vollkommenheit meiner Tus gend gefehlet! Wie viel tiefer hatte meine Reue über meine Sünde, wie brünstiger mein Verlangen nach deiner Gnade, wie 32 freus 132 Abendgebet am Beichttage. feuriger meine Liebe zu dir, und mein Vor faz zur Frömmigkeit seyn sollen! Ach Vaz ter! habe Geduld mit deinem schwachen Kinde. Bergieb mir auch meine heutigen Uebertrettungen, um Christi willen: und heilige mich durch deinen Geist, daß ich dir immer wohlgefälliger wandeln möge. Bleibe bei mir, o Gott, treuester Freund meiner Seele! o Jesu! bleibe bei mir, da es Abend worden ist, und sich der Tag geneiget hat. Vermehre die Wohlthaten, womit du mich heute bez gnadiget hast, noch mit dieser, daß du mich unter deinem Schuze einer sanften Ruhe geniesen lassest. Laß, bei der Ruhe meiner Glieder, meine Seele desto wachsamer seyn, und meine Gedanken sich ganz mit dir beschäftigen, und mein Herz mit Dir sich unterreden: so wird mir mein ruhiger Schlaf doppelt süse werden, und die angenehmsten Empfindungen werden in meiner Seele sich ausbreiten. Erweke mich am frühen Morgen, daß ich schmeken und sehen möge, wie freundlich du bist. Erweke mich zum seligsten Festtage meis ner Seele, der ein unauslöschliches Denkmal deiner Liebe in mir stiften wird.So will ich mich denn ruhig niederlegen und Morgengebet am Communiontage. 133 und deinem sichern Schuze mich anvers trauen. Wache über mich, über die Meis nigen und alle Menschen. Stärke mich durch einen erquikenden Schlaf, damit ich mit erneuerten Kräften das allerwichtigste Geschäfte für meine Seele am morgenden Tage vollenden möge. Ers höre mich, Vater der Barmherzigkeit! um Jesu Christi willen. Amen! Siehe auch das Lied: Nr. 18. Gelobt seyst du, mein Herr und Gott! 2c. Seite 233. Dritte Abtheilung. Beschäftigungen der Andacht am Communiontage. XXXIV. * Morgengebet am Communiontage. Stehe auf, und iß: denn du hast einen großen Weg vor dir. 1 Kon. 19, 7. Auf, meine Seele, preiſe den Gott, der mit Baterliebe auf dich herabbliket. Freue dich, daß du zum Abendmahl des Herrn berufen bist. Gott, wie feierlich ist mir dieser stille Morgen, welche fanf te Freude beherrscht mein Inneres, welz che heilige Ruhe wohnet in meinem Herz I 3 zen. 134 Morgengebet am Communiontage. zen.- O daß alle Morgen meiner Lez benstage dieses Herz in einer solchen Verz fassung fanden!- Unaussprechlich, o Bater! ist deine Güte, die mir auch dies sen Tag geschenkt hat, an welchem ich in die seligste Vereinigung mit dir und meis nem Erlöser treten soll. Gelobet fey Gott, der uns gesegnet hat mit allerlei geistlichemSegen in himmlischen Gütern durch Christum. Wie unz endlich gros, wie erfreulich ist dieser Sez gen! Vergebung der Sünden, Leben und volle Genüge, alles, was mich hier bez ruhigen und ewig beglüken kan, das habe ich bei Jefu, und das versiegelt er mir durch dieses kraftige Gnadenmittel, durch sein göttliches Abendmahl. O! wie froh ist meine Seele, daß der Tag wieder angebrochen ist, daß die Stunde wieder herannahet, da ich den Leib und das Blut meines Erlösers, in seinem für uns gestifteten Mahl empfangen soll. Wie festlich ist mir dieser Tag! Tag meiner Freude und Wonne! Tag meiner höchsten Ehre, an welchem sich der Stifter meiner Ruhe und Glükseligkeit mit mir verbinden will; wie heilig bist du mir! Ach! daß ich recht geschikt seyn möge, würs Morgengebet am Communiontage. 135 würdig vor das Antliz des Herrn zu treten. Fluch und Segen, Tod und Leben ist bei der Tafel Jesu. Fluch und Tod trift diejenigen, die in Leichtsinnigkeit, ohne Reue über ihre Sünden, ohne Verlangen nach Gottes Gnade, ohne wahre Sinnesänderung, hinzuges hen. Segen und Leben ist allen denen verheisen, die für ihre Uebertretungen ernstlich Gnade suchen, und im Glauben und in der Heiligung gestärkt zu wers den wünschen. Nun, o Jesu! hilf, daß ich in der rechten dir wohlgefälligen Gemüthsverfas fung zu deinem Mahl hinzutrette, damit ich nicht den Fluch, sondern den Ses gen, nicht den Tod, sondern das Leben empfahe. Dein Fleisch ist die rechte Speiz se, dein Blut ist der rechte Trank. Wenn ich solches würdiglich geniese, so bleibe ich in dir, und du in mir. Erquife mich, du Heil der Sünder! durch den Genus deines Leibes und Blutes, damit ich stark werde im Glauben, in der Liebe, in der Hofnung und Gedult. Ich komme zwar mühselig, mit Sünden beladen, aber mein erschrokenes Gewissen kan auch nirgends als bei dir wahre Ruhe finden. 34 gröften 136 Morgengebet am Communiontage. Du nimmst die Sünder an; auch die größten Sünder hast du mit einem liebreichen Erbarmen begnadigt, wenn sie Deine Hülfe ernstlich gesuchet haben. Was zagst du, meine Seele, und bist unruhig in mir!- Bist du dir nicht inniger Reue, aufrichtiger Sinnesanderung- edler Vorfäze, bewust?- Und wenn du dir deffen bewust bist, wenn du nicht in dem Wahne stehest, daß Jesus, mit dem du dich nun verbindest, denen Gnade erworben habe, die durch dieselbe fälschlich sicher zu fündigen fortfahren, sondern nur den ernstlich nach Bes ferung Strebenden- wenn du ein solcher um deine Heiligung redlich besorgter Christ bist- was kan dich dann bes unruhigen?- Ist er dann nicht auch für dich gestorben?- Darfst du dann seine Verheisungen nicht auch dir zueignen?- Ja, wohl mir, wohl mir, ich bin auch dein Erlöster, mein Herr und Gott!- ich will dein ächter Jünger seyn, und deinen Geist mir eigen zu mas chen streben. Dazu stärke mich dein Abendmahl. Schenke mir die Kräfte, dir treulich anzuhangen, mich dir ganz aufzuopfern; und wenn ich in Gefahr geras Andacht eines Communicanten zu Hause. 137 gerathe, von dir abzufallen: so hilf mir kámpfen, hilf mir siegen. Amen! Lied: Nr. 19. Tag, den mir der Herr gemacht! Seite 235. XXXV. Andacht eines Communicanten zu Hause. Kommet, denn es ist alles bereitet! Luc. 14, 17. S er Hungrige und Durstige eilet daz hin, wo er einen Tisch für sich bes reitet findet, wo er seinen Hunger stillen und seinen Durst löschen kan. Wie sehr wird der Dürftige und Nothleidens de die Gütigkeit des gastfreien Wohlthåters preisen, zu deffen offenen Tas fel jeder seine Zuflucht nehmen kan! Doch, wie eingeschränkt sind nicht die Kräfte des groften Menschenfreundes unter den Sterblichen, bei seinem bes sten Willen! Er kan nicht stets so wohlthåtig seyn, als ers zu seyn wünschet, besonders wenn der Mangel zu ausges breitet und die Noth zu allgemein ist. Der Dürftige seufzet, der mitleidige Menschenfreund ist ganz Erbarmen: aber er sieht sich entkräftet, und muß, seine Neigung zu helfen, unbefriedigt und den Dürftigen hilflos lassen. Was Andacht eines Communicanten. Was dem Sterblichen unmöglich fållet, das weiß der unsterbliche Menschenfreund, der allgemeine Bater der Menz schen, alles möglich zu machen. Er kan in der Wüsten einen Tisch bereiten, und in Felsensteinen Quellen eröfnen. Er ist selbst der Brunn, der niemals versiegt; die Quelle, die dem Pilgrim, so lang er auf seiner Wanderschaft sich befindet, une aufhörlich fortflieffet. Der Unsterbliche, der ewige Wohlthäter ist es, der für ei ne jede Art von Nahrung geforget hat: für Nahrung des Körpers und der Sees le. Jeder Dürftige kan sicher seine Zua flucht zu ihm nehmen: er wird von dem Tische feines Herrn gesättiget und erquiz ket wieder zurüke kehren. Sie werden trunken, o Gott! von den reichen Güz tern deines Hauses; und du tränkest sie mit Wollust, als mit einem Strom. Auch meine Seele ist heute hungrig und durstig nach der Gerechtigkeit Jeſu Christi, und wünschet satt zu werden. Mein Geist verlanget sehnlich nach dem Mahl der Unsterblichkeit. Die Einladung meines Gottes: Kommet, denn es ist alles bereitet! versichert mich nicht nur von der Gewißheit meiner Sättigung; fone 138 zu Hause. 139 sondern auch von dem Ueberflusse an den unscházbarsten Heilsgütern, zu deren Ges muß ich eingeladen bin. Wo ist in aller Welt eine so kräftige Speise, als in dem Nachtmahl meines Erlösers, wo sich dies fer unfer Seelenfreund leibhaftig uns mittheilet, und mit seinem Blut uns tránker: wo ist ein Trank, der diesem gleicht? Hier ist niemals Mangel, wenn auch Millionen Gäste zugleich an dieser heiligen Tafel erschienen. Hier ist geistliche Speise und Trank für gnadenhungrige und durstige Seelen. Und der göttz liche Stifter will, daß wirs alle seyn sola len, daß wir alle kommen, und Antheil an seiner Güte und Barmherzigkeit nehmen sollen." Nehmet hin und effet, fagt er: das ist mein Leib; Trinket alle darz aus: das ist mein Blut! ,, Kommet, denn es ist alles bereitet! Ich will kommen, und die Einladung nicht verschmähen. Kein Hindernis der Welt soll sich mir jemals entgegen stellen und mir zu einer kahlen Entschuldigung Anlaß geben. Ich will kommen; ich will, durch die Gnade meines Gortes, in sol cher Verfassung meiner Seele mich zu ihm nahen, daß ich nicht als ein unbereiz teter 140 Andacht eines Communicanten zu Hause. teter Gast möge aus der Gesellschaft würdiger Gåste verwiesen, sondern mit der Freude des Himmels über einen Sünder der Buse thut, angenommen werden. Ich will kommen mit wahrer Buse und Reue über meine Sünden, die mich so oft von Gott und meinem Heil entfernet haben. Kommen will ich, als ein Armer und Dürftiger, nach der Gnade meines Gottes hungrig, dur stig nach Barmherzigkeit. Verstoß mich nicht, mein bester Vater! von dem Gnadenmahle deines Sohnes. Tröste, o Jeſu! mein bekümmertes Herz, durch die Kraft seines segensvollen Verdiens stes; und laß mich bei deinem Mahl den Segen empfangen, den du mir und allen Menschen durch deinen Tod ers worben hast. Geist der Gnaden! regies re meinen Geist und mache ihn eines würdigen Genusfes fähig. Und nun, auf! meine Seele! walle hin mit andern geladenen Gästen zum Hause Gottes. Kommet, denn es ist alles bereitet!- - Siehe auch das Lied: No.20. Måde, sündenvolle Seele! Seite 236. XXXVI. XXXVI. 141 Stille Undacht eines Communicanten in der Kirche vor dem heil. Abendmahl. [ uf! meine Seele! bereite dich nun, mit näher zu werden. Welche unaussprechliche Se ligkeit! der Allerheiligste, mein Gott, will sich mit mir, der ich sein Geschöpf, ja der ich ein Sünder bin, auf eine so innige Weise verbinden? Der Leib und das für mich vergoffene Blut seines ges liebten Sohnes, sollen meinem Geiste eben das seyn, was die Speise und der Trank meinem Körper sind? Der treue Freund meiner Seele, hat gesprochen: Nehmet hin und effet, das ist mein Leib; nehmet hin und trinket, das ist mein Blut! Ich will im Glauben an ihn das thun, was er befohlen hat, und die Wirkung des frommen Sinnes wird sich bei mir offenbaren. Wohlan denn, meine Seele! mit welchen Empfindungen wirst du diesem wichtigen Mahle entgegen gehen, das mit du es nicht zu deiner Verdammnis empfahest? Ach Gott, du heiliger Geist! bringe du selbst in mir alle guten Empfins Stille Andacht pfindungen hervor, welche hier nöthig und nützlich sind: die Rührungen der Betrübnis über die Sünde; die Freu de über die Gewisheit meiner Erlös fung! die mir durch diese himmlischent Güter versiegelt wird; den aufrichti gen und lebendigen Dank für den ges liebten Erlöser, der sich um meinetwillen am Kreuze tödten ließ. 142 Nun, gepriesen seyst du denn, ó Gott der Liebe! und gebenedeiet sey dein heiliger Name immer und ewiglich! Du hast mich nicht in dem Elens de meines natürlichen und durch eigene Schuld vermehrten Verderbens gelas sen; haft den Weg zu meiner Bersöh nung mit dir selber gebahnet, und deis nes geliebten Sohnes nicht verschonet, sondern ihn für mich und allen Menschen in den Tod gegeben. So komme denn, göttlicher Freund! für mich am Stamme des Kreuzes ges opfert, jezt aber erhöhet zur Rechten der Herrlichkeit Gottes! offenbare dich meiner Seele, durch die fräftigsten Wirkungen deines die Seele belebenden Mahles. Sey mein Trost in der Bes kümmernis über die Sünde! sey meine Bes eines Communicanten in der Kirche. 143 Beruhigung bei den krånkenden Vorwürfen eines verlezten Gewissen; meine Ehre statt der Schande, die ich verz diente; meine Gerechtigkeit, meine Heiz ligung, meine Freude, meine Stärke, der Grund aller meiner Hofnung in dieser und in der zukünftigen Welt. Wie sehnet sich mein Herz nach dem Gefühl deiner Liebe, wie sehr wünsche ich, ewig bei dir und in die zu bleiben! Geist Gottes! mache mich tüchtig, dies se himmlische Gabe zu empfangen. Reiz nige mein Herz von allen bösen Bez gierden: erfülle mich mit erhabenen göttlichen Empfindungen: daß ich al les, was irdisch ist, gering achte; daß ich mich nach nichts so sehr sehne, als nach dem Gott meines Heils, nach der Vereinigung mit meinem Erlöser, nach den unvergänglichen Gütern des Geistes, die er mir zu geben verheiz sen hat. Wenn ich mich mir dir verz einiget habe, mein Jesu! wie selig wers de ich seyn; wie fähig zu vielem Guz ten! wie getroft im Leiden, wenn mein Gott in mir wohnet, wenn das höchste Gut bei mir ist, wenn mich die hohen Empfindungen seiner Freunds schaft 144 Bitte um Abwendung alles deffen, schaft erquiken! O bereite mich selbst, mein Gott! zu diesem hochwichtigen Mahl, daß ich würdig hinzugehe, und nicht den Tod, sondern das Leben empfahe. Amen! Siehe auch die Lieder: Nr. 21. Hier bin ich, Jesu, zu erfüllen 2c. Seite 237. No. 22. Jch fomme, Herr! und suche dich zc. Seite 238. XXXVII. Bitte um Abwendung alles dessen, was die Andacht hindern kan. Grofer roser und erhabner Gott! wer sich zu dir nahen will, der soll mit ganz zem Ernst und von ganzem Herzen sich zu dir wenden. Ich weiß, daß ich den herrlichen Segen des Abendmahls nicht erlangen kan, wenn ich nicht mit heilbegieriger Seele bei demselben ges genwärtig bin. Aber wie tråge ist mein Herz, wenn es sich zu unsichtbaren Dins gen erheben soll! Wie bald zerstreuen sich meine Gedanken, wenn ich mich mit den wichtigsten und ernsthaftesten Bes trachtungen beschäftigen will! Wie bez schämt macht mich die Prüfung meiner selbst, wenn ich zurükdenke, wie oft ich, ohne die Stille des Geistes, das Mahl der was die Andacht hindern kann. 145 der Liebe genossen, mich nicht genug voit sinnlichen Zerstreuungen losgerissen, und nicht lebhaft genug die Wichtigkeit dieser feierlichen Handlung erwogen habe. D wie sehr bedarf ich deiner verschonenden Güte! Zu dir nehme ich meine Zuflucht. Stehe mir Schwachen in dieser Stunde kräftig bei. Gib, daß sich mein Geist zu dir erhebe, daß meine Vorstellungen und Gedanken sich allein mit der heiligen Saz che, die ich vorhabe, beschäftigen, daß alle meine Empfindungen für dich lebendig werden. Besiegen will ich in meinem Herzen alle natürliche Trägheit, alle tos de Unempfindlichkeit bei dieser heiligen Handlung; entreißen will ich mich den Zerstreuungen; befreien will ich mich von der Gewalt des Irdischen, daß keiz ne Sorgen der Nahrung meine Andacht stören, und keine weltliche Gedanken mein Gemüth zerfireuen und auf das Eitle lenken. Laß mich das Verderben der Sünde erkennen, und wegen meiner Schald das Bedürfnis deiner Gnade empfinden. Du bist in deinem Mahle den Deinen so nahe, o Erlöser! Der Gedans ke daran erfülle meine Seele und belebe mein ganzes Herz, damit ich das Ges K dächtg Communion. Gebet um würdigen Genuß dächtnismahl deines Todes recht feiers lich begehe, und deinen Tod freudig vers kundige. Amen! 146 XXXVIII. Gebet umt würdigen Genuß des heiligen Abendmahls. Gerechter und gütiger Gott! du haft zu einem der größern Seligkeit deiner Glaubigen eingesezt; und so viele Christen verwanz deln es durch einen unwürdigen Genuß in Unsegen. Mit Furcht und Zittern denke ich an die Gefahr, in welche ich mich begebe, wenn ich nicht bereitet ges nug zu diesem wichtigen Geschäfte hinzuz gehe. Noch so manche Schwachheit nehme ich an mir wahr. Mein Herz wird noch mit unheiligen Bewegungen allzu leicht befleket; meine Andacht scheint mir nicht innig genug; mein Glaube ist noch sehr schwach, und erfüllet mich nicht mit aller der Freudigkeit, der Zuversicht und dem Troste, den ich in Christo Jesu, meinem Heilande, zu fühlen wünschte. Ach! nimm du dich selbst meiner Seele herzlich an, daß sie nicht verderbe! Bes reite des heiligen Abendmahls. 147 reite mich durch deinen heiligen Geist, daß ich würdig seyn möge, durch den Leib und das Blut deines Sohnes mit die vereiniger zu werden. Wie du alle meine Sünden gnädig von mir genommen, und von der Schuld und Strafe derselben mich losgezählet hast, so versiegle auch jezo diesen Trost in mir. Stärke mein Vertrauen auf dich. Befestige meine Andacht, daß ich mit allen meinen Ges danken, Sinnen und Begierden, zu dir allein gerichtet sey. Gründe in mir den heiligen Entschluß, das Beispiel meines Herrn Jesu künftig vor Augen zu haben, ihm in uneigennüziger Menschenliebe, in Demuth und Sanftmuth, in Gedult und Verträglichkeit, in ungeheuchelter Liebe zu dir, meinem Gott, nachzufolgen. So werde ich nicht zum Gerichte, sondern zu meiner Freude und zu meinem Sez gen hinzugehen; ich werde durch dieses himmlische Mahl gestärket, durch deine Liebe, o mein Seelenfreund! getröstet, und ewig durch dich mit Gott vereiniget werden. Amen! Pied: No.23,* Selig, wer mit reinem Herzen 2c. Seite 239 Ka XXXIX. 148 XXXIX. Fürbitte für alle Communicanten. Heiland der Welt! der du unfer aller uns zu Gliedern deiner Kirche, zu Mitgenoss sen deiner Gemeinde, aufgenommen haft! Wir sind jezt miteinander als Gäste bei deinem Abendmahle versammlet, und sehen gemeinschaftlich dem Empfang der durch deine ewige Liebe uns an demselben bereiteten himmlischen Wohlthat entges gen. Wir rufen dich an um göttlichen Beistand! um Stärke und Kraft aus der Höhe, daß wir insgesammt, unter gånzlicher Entfernung der irdischen Gegens stände aus unsern Gedanken, mit Andacht, Demuth, und zuversichtlichem Vertrauen, auf dein Wort, hinzutreten mögen; daß keines unter uns sey, welches unwürdig von diesem Brod effe, und von diesem Kelch trinke, daß wir alle, der Vergebung unfrer Sünden versichert und im Glauben gestärkt, mit vermehrten Trieben der Liebe, der Güte, der Sanftmuth und Gedult, von deinem Mahle zurükkommen mögen. Ferne sen von einem Jez den unter uns Erhebung, Stolz, Gering Erinnerung an die Leiden Jesu. 149 ringscházung, oder gar Haß gegen seinen Bruder. Dagegen müsse die Ermahnung uns unvergeßlich bleiben, daß wir alles famt follen gleichgesinnet seyn, mitleis dig, brüderlich, barmherzig, freundlich. Stärke uns alle in dem frommen Eifer, Diese und alle andere Pflichten zu erfüllen, und uns dadurch unsern Mitbrüdern kenntlich zu machen, das wir würdigeGåste an deiner Tafel sind. Hilf, daß wir es alle seyn, und auch dereinst im Himmel uns miteinander antreffen mögen, um unsere ewigen Loblieder zu deinem Preise zu vereinigen. Amen! XL. Dankbare Erinnerung an die grosen Leiden Jesu. I. Solches thut zu meinem Gedächtnis. Luc. 12, 19. mit Mit welchen Empfindungen der Danks barkeit soll ich die Liebe meines göttlichen Mittlers erheben? Tese Liebe, die aus seinem Leiden für die Sünder so helle hervorstralet! So oft ich die rührende Geschichte seines bittern Leis dens und schmähligen Todes lese, so oft ruft mir bei jedem Schritt, den er auf K3 feis 150 Dankbare Erinnerung feiner Marterbahn thut, bei jedem Geiffela schlag, der ihn trift, bei jeder Berwunz dung, die er erduldet, eine Stimme entges gen:" Stehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt! ,, Im Geiste verz feze ich mich in jene fürchterliche Nacht, die alles Grauen und Entsezen über ihn, den Unschuldigen, ausschüttete. Hier sehe ich ihn an dem Orte, wo er oft in einsamer Andacht zu beten pflegte, mit Todesangst ringen, zittern und zagen. Seine Seele ist betrübt bis in den Tod, und arbeitet unter der heftigsten Empfinz dung des innern Schmerzens. Ach! die Sunden aller Menschen, auch meine Sünden, liegen auf ihn! Das Gewicht von allen Strafen der Ewigkeit, von ala len Schreknissen des Gerichtes Gottes, beugt ihn zur Erde nieder. Hier stehet er, der Bürge, in diesem Gerichte; daz mit ich, wenn ich ihn mit einem heiligen Glauben umfaffe, es nie erfahren möge, toas es heist, von Gott gerichtet werden. Er betet in der größten Angst seiner Seele:" Mein Vater! ist's möglich, so nimm dieses schwere Leiden von mir. ,, Doch, zur Bezeugung seiner Bereitwil ligkeit, das Geschäfte der Versöhnung zu volle 151 hine an die grosen Leiden Jesu. vollenden, sezt feine Gelaffenheit zu:" Nicht mein, sondern dein Wille geschehe! ,, Der Augenblik nahet heran, da er in der Sünder Hände soll geliefert werden. Judas, den er so oft gewarnet, um ihn von seinem gefährlichen Vorhaben zurük zu ziehen, nahet sich zu ihm unter dem Schein einer zärtlichen Zuneigung, um ihn den herandringenden Haufen zu vers rathen; und mit welcher Willigkeit låſe set er sich gefangen hinwegführen, ob er gleich mit einem einzigen Worte die ganze Schaar seiner Feinde zu Boden werfen konnte. Er wird von einem ungerechten Richter zum andern geführet, wird das Ziel des niedrigsten Spottes, verspeyet, verhöhnet, und mit den schmerzhaftesten Verwundungen verlezet. Er war der Allerverachteste und Unwertheste, voller Schmerzen und Krankheit, so verachtet, daß man das Angesicht vor ihm verbarg. Fürwahr! er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Er ist um unsrer Missethat willen verwundet, und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Seine Unschuld ist mein Trost. Was er gelitten, das hátte ich leiden sollen.- R4 Eir I 152 Dankbare Erinnerung Ein ungestümmes Geschrei fodert end lich seinen Tod. Ein ungerechtes Urtheil verðammet ihn als den größten Missethater; aber mit edler Gedult überlász fet er sich diesem schreklichen Schiffale, weil sein Tod des Vaters Wille ift. Er gehet hin nach Golgatha. Er trägt sein Kreuz.O welch ein Anblik! der beste Mens schenfreund, der Gottverföhner, am Hols ze des Kreuzes! Hier sehe ich ihn, den heiligen Sohn Gottes, unter die liebelthäter gerechnet, damit wir in Gottes Gericht nicht mehr als Uebelthäter und Verbrecher mögten behandelt werden. Noch ist seine Gedult unüberwindlich. Er ist seinem himmlischen Vater gehors sam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Nicht Strafe des Himmels wünz schet er seinen rasenden Feinden; Nein! er betet für ſeine Mörder. Sein Leiden steigt auf den höchsten Gipfel. Er ruft mit lauter Stimme:" Mein Gott! mein Gott! warum hast du mich verlassen? ,,- Ach! wie schreklich ist die Sünde! Wie schreklich ist es, in die Hände des lebens digen Gottes fallen! Was würde ich empfinden, wenn ich dereinst von Gott vers 153 an die grofen Leiden Jesu. verlaffen und alles Trostes beraubt seyn sollte? Aber zulest ruft er auch von seiz nem Kreuze:" Es ist vollbracht! ,, Endlich ist der Kelch seines Leidens erschopft. Sein Tod ist das Ziel seiner Schmerz zen, das Ende seiner Arbeit. Er schlies. fet seine niiden Augen, nachdem er seiz ne unsterbliche Seele in die Hände ſeiz nes himmliſchen Vaters befohlen hat: te. So hast du, erbarmender Heiland! dein Leiden vollendet, und die Welt verz föhnet! 2. So oft ihr von diesem Brod effet und von diesem Kelch trinket, sollt ihr des Herrn Tod verküns digen, bis daß er kommt. 1 Kor. 11, 26. ache du mich tüchtig, mein Heiland! mit Empfindungen des Danks und der Liebe deinen Tod zu verkündigen. Daß du dich, o Jesu! aus edelmüthis ger Liebe entschlossen hast, mich aus meis nem Verderben zu retten, daß du in den Schreknissen deiner lezten angstvollen Stunde, um meiner Sünde willen, zita tertest und zagreft, und unter peinlichen Schmerzen starbest: dafür sey nun und ewig gepriesen. Ach! könnte ich mir dochs das 154 Dankbare Erinnerung das traurige Bild deines blutigen Todes lebhaft genug vor Augen stellen! Könnte ich doch etwas von der Traurigkeit fühlen, wovon deine ganze Seele auch um meinetwillen damals durchdrungen war! Wie du so ängstlich in Gethsemane klagtest; wie dein Schweis, gleich Blutstropfen, auf die Erde fiel; wie du von dem Geifte der Lügen in falschen Zeugnissen und mit Gotteslästerungen gequäler wurs deft; und was du empfunden hast, als sich Gottes deines Vaters Liebe vor dir verbarg: welche Zunge vermag dies al les auszusprechen? Dieß ehrwürdige Haupt, dessen alle Kronen der Erde unwürdig waren, wurde mit Dornen zerz stochen; dieser unschuldige Leib, dieser Tempel der Gottheit, was für Schmerz zen und Pein mußte er erdulten! Ach! sie banden dich an das Holz; sie durchgruben mit scharfen Nägeln deine alle zeit wohlthätigen Hände; sie hiengen dich an den Pfal der Schande, zwischen die Mörder; lasterten dich, wollten mit Eßig und Galle dich trånken; achteten dich, gleich einen verworfenen Missethåter, feines Trostes und keiner Erbarz mung werth. Wie an die großen Leiden Jesu. 155 Wie soll ich dir danken? Geliebter Freund meiner Seele! wie soll ich die Wunder deiner großmüthigen Liebe verz kündigen? Dir fey, o Gottes Sohn! mein ganzes Leben geheiliget. Kein Ehrgeiz befleke meine Geele: denn du hast für mich die Schmach des Kreuzestodes erlitten. Keine unedle Geldbegierde vers leite mich je zum Betrug: denn du bist als der Nermste am Kreuze für mich gestorben. Keine wollüstige Begierde entweihe meinen Leib: denn er ist mit dem Blute geheiliget, das du unter fo vielen tausend Schmerzen vergossen hast. In deiner Nachfolge will ich, gleich dir, keine so beschwerliche Arbeit, keine Leis den, keine Schmach, keinen Verdruß und kein Elend scheuen, wenn ich sie übernehmen soll, Gott zu verherrlichen und der Menschheit zu nůzen. Allen Armen mits leidig wohl zu thun; alle Menschen als meine Brüder zu lieben; alle zur Tugend zu leiten; für alle, auch für die Feinde, zu beten: das sen mein Entschluß, das sen mein wichtiges und angenehmstes Gez schäfte. Und ihr, meine Lippen! erhebet den Herrn; und du, mein Herz! liebe zärtlich den göttlichen Freund. Halles luja! 156 Dankbare Erinnerung Iuja! das Lamm, das erwürget ist, ist würdig, zu nehmen Preis und Ehre und Kraft, von nun an bis in Ewigkeit, Amen! 3Mir hast du Arbeit gemacht in deinen Sünden, und haft mir Mühe gemacht in deinen Missethaten. Ich! ich tilge deine Liebertrettung um meinetwillen, und gedenke deiner Súnden nicht. Jef 43, 24. 25. * Es war die Menschheit und ihr Wohl, was dich, mein Erlöser, bewog, ein Leiden zu übernehmen, das so unausa sprechlich bitter war. Es war reines Wohlwollen gegen Hülflose, ohne eine hó here Rettung, dem Irrthum und Verirrungen aller Art Preis gegebene Geschia pfe, was dich vermogte, dich selbst aufzuz opfern. Auch ich gehöre unter diese Gea schöpfe, auch auf mich erstreken sich die feligen Folgen deiner Aufopferung. D möchte ich doch stets mit dem Ernste dein Leiden betrachten, der einem so großen, so wichtigen Gegenstand gebührt; möchte die Betrachtung desselben stets einen recht tiefen Eindruk auf mich machen. Mochte der Gedanke, daß du für die Menschen littest, mir meine- Sülflosigkeit das 157 an die großen Leiden Jesu. das Bedürfniß einer höhern Unterstü zung, meine Schwachheit, recht lebhaft darstellen. Gott, Messias! Engel beren das Geheimniß deiner Erbarmung an was kan ich, der schwache, fündige Mensch?- Fühlen will ich die Würde, zu der ich dadurch erhoben bin, daß du mich würdigtest für mich zu leiden; beflügeln soll das meine Schritte auf der Bahn des Guten- meine Unsterblichkeit, deren Hofnung du mit Blut und Tod versies geltest, sen der Gedanke, der mich begeis stert, und mich zum raftlosen Würfen für die Erreichung meiner Bestimmung stärke. Herr! da, wo Engel dich anbeten, da, wo die durch dich Seligen, die schon einz gegangen sind zur höhern Gemeinde, dich anbeten, da soll auch ich einst, wenn ich vom Glauben zum Schauen hindurch gedrungen bin, dich verehren und anbes ten in alle Ewigkeit!- Gott, wie groß ist der Mensch durch dieses Werk deiner Liebe, das du durch deinen Geliebten vollendet hast. Fühle es, mein unsterblicher Geist, und erneuere das heilige Gelübde der Treue und Liebe gegen den, der dich erlößte. Widme dich ihm im merdar und weiche nie von ihm. Du bift 10 158 Beim Hinzunahen zum Altar. bist würdig zu nehmen, o Gott, Preis und Ehre.- Dir stammelt der Mensch ſeinen Dank, bis er dir würdiger lobsingen kan. Erhalte mich, Gott und Baz ter dir getreu- führe mich an deiner Vaterhand- nimm mich einst zu Ehren an. Amen! Siehe auch die Lieder: Nr. 24. Erhebe vom Geräusch der Welt 2c. Seite 240. 25. Der am Kreuz ist meine Liebe 2c. Seite 241. 26. I will das Abendmahl des Herrn 2c. Seite 242. 27. Begleite mich, o Chrift! wir 2c. Seite 243. - - - XLI. Beim Hinzunahen zum Altar. He err Jesu! du bist das Brod des Les bens. Wer zu dir kommt, den wird nicht hungern; und wer an dich glaubet, den wird nimmermehr dürsten. Mit ties fer Empfindung meiner Unwürdigkeit komme ich zu dir. Stärke und erquife mich durch dein heiliges Mahl. Es sey mir ein Mahl des Lebens, eine stärkende Beruhigung gegen die Menge meiner Sünden, eine Kraft zur Heiligung und zur Besserung meiner Seele. Amen! Ja gch bin das Brod des Lebens; wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und Beim Hingunahen zum Altar. 159 und wer an mich glaubet, den wird nims mermehr durften. Ich komme zu dir, o Heiland meines erretteten Geistes! Stil: le das sehnliche Verlangen meiner Seele nach dir. Beruhige mein Gewissen durch den Glauben. Laß mich, durch denGenuß dieser Speise, von der Vergebung meiner Schuld vollkommen versichert, durch dich zu allem Guten gestärkt, und in deiner Gemeinschaft alle meine Begierden und Wünsche befriediget werden. * Gott ist hie, der da gerecht macht. Ja, nur du mein Vater kanst Sünde vergeben, und vergiebst sie dem, der sie künftig mit heiligem Ernste meidet. D laß mich unter die Glüklichen gehören, die frei von ihrem Joche dir dienen. Vers gieb mir meine Sünden. Bater, ich bin dein in deinem Sohne. Nichts reiße mich aus deiner Hand. Segne mich jezt mit dem unaussprechlich entzükenden Bewustseyn deines Wohlgefallens. Dein Friede sey jezt mit mir! 7 Christus ist hie, der gestorben ist! Wie gnadenreich, o Heiland! ist deine Gegenwart in deinem Abendmahle. Ich denke 160 Beim Empfang des Leibes Chrifti. denke an deinen Tod, den du für die Süns der starbest, und freue mich, daß auch ich dadurch die Hofnung eines ewigen feliz gen Lebens erlangt habe. Go gib denn, daß ich ein dir wohlgefälliger Gast bei deinem Mahle seyn, und aus deiner Fülle Gnade um Gnade nehmen möge! err Jesu! mein Troft und meine Freue de! stärke und erquike mich nun durch die Kraft deines für mich in den Tod dahin gegebenen Leibes; heilige und beles be mich nun durch dein für mich vergossenes Blut. Christe! unschuldiges Lamm Gottes! der du meine Sünden getragen haft! erbarme dich mein, gib mir deinen ewigen Frieden! Amen. XLII. Beim Empfang des Leibes Christi. H abe Dank, mein Heiland! daß du deinen Leib zum Opfer für mich in dem schmählichsten Tode dargebracht hast. Hilf, daß ich mich dir wiederum mit Leib und Seele zum Opfer ergebe, das da lebendig ,. heilig und Gott wohlfålig sey. Amen! * Du Beim Empfang des Blutes Chrifti. 161 u gabst dich für mich in den Tod, o Jesu!- dein Leib wurde für mich im Tode gebrochen. Unvergeßlich ſey es mir, was du meinetwegen erduldeteſt, daz mit mein Glaube sich stärke, meine Frömmigkeit sich vermehre und mein ganzes Leben dir geheiliget sey.- XLIII. Se Beim Empfang des Blutes Christi. en gelobet, mein Heiland! daß dit dein Blut auch zur Vergebung meis ner Sünden vergoffen hast. Es reinige fortan immer mehr mein Gewissen von allen Unrugenden und fündlichen, toden Werken, zum Dienste des lebendigen Gottes! " Einst floß dein Blut am Kreuze für ein für mich, mein Erlöser! Ich empfanz ge ihn den Kelch des neuenTestamentes in diesem deinem Blut und versiegle so auf ewig den Bund der Treue, der mich an Dich knüpfet. Laß mich nichts aus deiner Hand reiffen, damit ich als ein gebessers ter Mensch dein bleibe immerdar. Communionb. £ - XLIV. 162 XLIV. Beim Hinweggehen vom Altar. Lt Ich lebe; doch nun nicht ich, sondern Christus lebet in mir. Denn was ich jezt lebe ich Fleische, das lebe ich im Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebet, und sich selbst für mich dargeges ben hat. Lebe in mir, mein Erlöser! wohne in mir durch den Glauben! und weiche nicht mehr aus meiner Seele. An dich will ich glaubig mich halten; dir will ich Leib und Seele nun und ewig zum Dienst übergeben. Erhebe dich, meinGeift! zu deinem Gott, und danke dem Herrn für seine uns aussprechliche Gnade, der dich gewürdiz get hat, seinen Bund auf eine so feierli che Weise mit dir zu erneuern. Mögte ich doch, o Jesu! von nun an täglich in dankbarer Erinnerung an den erneuers ten Eid der Treue leben! Gib, daß ich das von neuem errichtete Gelübde niemals brechen, sondern demselben auf's möglichste nachkommen möge. Laß mich von nun an dir dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit, bis ich dereinst nach vollendetem Beim Hinweggehen vom Altar. 163 detem Pilgrimslauf in deine ewige Herrs lichkeit aufgenommen werde. Lich ch danke dir, mein Gott, und lobe deiz nen Namen, daß du mir diese Wohlthat haft zu Theil werden lassen. Sch habe Gerechtigkeit, Friede und Freude in dem heiligen Geist. D! wie felig ist der Besiz deiner Gnade! Wie machtig ist die Kraft deines Abendmahls. Meine Sees le ist nun genesen. Ich habe geschmeket und gesehen, wie freundlich du bist. Sey gelobet für deine Treue und Barmhers zigkeit immer und ewiglich! ch weiß, an wen ich glaube, und bin gewiß, daß er mir meine Beilage bewahren wird bis an jenen Tag. Was kan mich scheiden von dem, der sich mit mir so genau verbunden hat? Was kan mir die Hoffnung des ewigen Lebens raus ben?- Ich bitte Gott, durch Christi Blut, machs einst mit meinem Ende gut, laß jede Sünde mich bereu'n, vor meis nem Gott mich findlich scheu'n, und wenndu einst, o Lebensfürst, die Gräber machtig öffnen wirst, dann laß mich freudig auferstehn, und mich dein Antliz ewig sehn. Amen! £ 2 XLV. 164 Danksagung für das XLV. Danksagung für das empfangene heilige Abendmahl. Meine Seele erhebet den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes. Luc. 1, 46. 47. Robe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Der dir alle deine Sünden vergibt, und heilet alle deine Gebrechen; der dein Leben vom Verderben erlöset; der dich frönet mit Gnade und Barmherzigkeit. Barmherz zig und gnädig ist der Herr, gedultig und von groffer Güte. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsern Missethaten. Wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmet, ſo erbarmet sich der Herr über die, so ihn fürchten. Wohl dem, dem die llebertretz tungen vergeben sind, dem die Sünde bes deket ist! Wohl dem Menschen, dem der Herr die Missethat nicht zurechnet, in dessen Geiste kein Falsch ist! Ich sprach: Ich will dem Herrn meine Uebertrettung bekennen, da vergabst du mir die Misſes that meiner Seele. Wo ist ein solcher Gott, wie du bist? Du hast deines Sohnes empfangene heilige Abendmahl. 165 nes nicht verschoner um unfertwillen. Du haft ihn für uns in den Tod dahin gegeben; wie? solltest du uns mit ihm nicht alles schenken? Ja! gelobet fey Gott und der Vater unsers Herrn JesuChrifti, der uns gesegnet hat mit den kostbaren geistlichen und himmlischen Gütern durch Christum. In ihm, dem Geliebten, sind wir deni- Höchften angenehm geworden. In ihm dürfen wir Gott unsern Bater, und uns feine Kinder nennen. An ihm haben wir einen vollkommenen Seligmacher, der immers dar lebet und für uns bittet. Durch seine Auferstehung von den Toden haben wir Die gewisse Hofnung eines unvergángliz chen, unbeflekten und unverwelklichen Ers bes, das behalten wird im Himmel. D Gott! womit soll ich dir alles das Gute vergelten, das du an mir gethan haft? Ich will dich erhöhen, mein Gott, du König, und deinen Namen loben immer und ewis glich. Ich will dich täglich loben und deis ne Gnade rühmen immer und ewiglich. Dir will ich Dank opfern, dir will ich meine Gelübde bezahlen vor allem Bolfe. Grofer Erlöfer! meine Seele erhebet dich, den Herrn, und mein Geist freuet sich in dir, meinem Heilande. Du bist £ 3 würs 166 Danksagung für das würdig, zu nehmen Kraft und Reichthum, Weisheit und Stärke, und Ehre und Preis und Lob. Denn du bist auch für mich gestorben, und hast mich mit deinem Blute erkauft. Durch dich habe ich Frieden mit Gott und einen freien Zugang zu seiner Gnade. Durch dich bin ich von der Gewalt der Sünde und des Todes erlöset und darf mich der Hof nung der zukünftigen Herrlichkeit rühmen. Wie kan ich dir deine Liebe jemals vergelten! Ich will dich ewig lieben, denn du hast mich bis in den Tod gelies bet; du hast deinen Leib für mich geges ben; du haft dein Blut für mich vergos fen, zur Vergebung der Sünden. Du bist für mich gestorben. Du hast dich felbst für mich geopfert. Ich will ganz der Deinige seyn. Dir will ich leben, dir will ich sterben! Dir sey mein Leib und meine Seele, dir sey mein ganzes Leben heilig! Dich zu kennen, dich zu lieben, dir zu gehorchen, deinem Beispiele zu folgen, deinen Namen unter den Menschen zu verkündigen, dein Reich hier auf Erden zu erweitern, und mich zu deiner nähern Gemeinschaft im Himmel geschikt zu maz chen, dies ſoll meine Ehre, mein Ruhm, mein 167 empfangene heilige Abendmahl. mein vornehmstes und beständiges Ges schäfte, meine ganze Seligkeit seyn! So habe ich mich denn feierlich der Verehrung Gottes, meines gnädigen Vaters und unendlichen Wohlthäters, gewidmet. So habe ich mich verpflichtet, als ein Junger und Nachfolger meis nes hochgelobten Erlösers zu leben, und ihn mit meinem Geiste und mit meinem Leibe zu preisen, die beide sein Eigenthum sind. Wie heilig sind diese Verpflichtungen. Wie undankbar, wie unglüflich würde ich nicht seyn, wenn ich diese Zuz sagungen vergaße, wenn ich diese Verz sprechungen nicht hielte? Welch eine Vers antwortung, welch ein Gericht würde ich zu erwarten haben, wenn ich nun noch der Sünde dienete; wenn ich nicht alle Fehler, alle böse Gewohnheiten, die ich an mir habe, ernstlich bestritte? wenn ich eben so träge und nachläfig im Guten wäre, als ich es ehemals gewesen bin? So würde ich mich ja aller Vorrechte und Seligkeiz ten, die ich als ein Christ besize, verlustig machen. Ach Gott! erlaube nicht, daß ich so undankbar gegen dich und so feindselig gegen mich selbst handle. Sey du mir in meiner Schwachheit machtig. Befe £ 4 stige 168 Dankbare Empfindungen zu Hause. stige meine guten Entschließungen und verleihe mir Gnade an der Ausführung derfelben unverzüglich und unermüder zu arbeiten. Erhalte du selbst mein Herz bei dem einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Schenke mir deinen heiligen Geist und führe mich durch denselben auf ebener Bahn. Gib, daß ich mich von allen Beflekungen des Fleisches und des Geistes reinige, und meine Heiligung in DeinerFurcht vollende. Bewahre mich vor Bersuchungen, stärke mich, wenn ich darz ein gerathe, und laß mich das Kleinod, zu welchem du mich durch Christum be rufen hast, niemals aus den Augen verz lieren. So werde ich dereinst die Krone der Gerechtigkeit aus deiner Hand ema pfangen und dir Lob und Ehre bringen in Ewigkeit. Amen! Siehe auch das Lied: No. 28. Frohlockend rühmt mein Danklied dich 2c. Seite 28. XLVI. Forsezung dieser dankbaren Empfindungen zu Hause. Mein Herz und meine Zunge mögen wohl billig die Gute Gottes erheben und seinen Ruhm mit Dank und Freude verz Dankbare Empfindungen zu Hause. 169 verkündigen, nachdem ich, durch das Nachtmahl meines Erlösers, seiner Liebe von neuem bin versichert worden. Alle die unaussprechlichen Wohlthaten, die er, mein himmlischer Bater, durch Christum, seinen Sohn, auch an mir gethan hat, sind mir dadurch sehr lebhaft unter die Augen gestellet worden. Ach! daß ich sie schon früher recht erkannt und angewendet hätz te, so würde ich auf dem Wege meiner Glükseligkeit schon viel weiter seyn. Nicht um der Werke der Gerechtigs keit willen, die ich gethan hatte, sondern nach seiner Barmherzigkeit, hat Gott sich auch meiner durch Jesum angenommen, daß ich der gnädigen Vergebung meiner Sünden theilhaftig, gerecht, und ein Ers be des ewigen Lebens würde. Ueber eis ne solche Güre bin ich, fündiger Mensch, am Tische des Herrn beschämt und ges demüthiget, aber auch überschwenglich getröstet und erfreuet worden. Mein Vertrauen, meine kindliche Zuversicht und Hofnung zu ihm, als meinem gnädiz gen Vater, hat dadurch neue Kraft und Starke bekommen. Der Trieb zum kindlichen Gehorsam gegen seinen Willen, die Lust und Liebe zu seinen Geboten, hat sich das 170 Dankbare Empfindungen zu Hause. dadurch in meiner Seele vermehret. Und bei dem allen finde ich mich so beruhigt, so voll fröhlichen Muths, so wahrhaftig glückselig, als ich nur wünschen fan. Rühme und lobe den Herrn, meine Seele! und was in mir ist, seinen heilis gen Namen! Mit Christo hat er dir alles, was zu deinem Heil dienet, frei ges schenket. Lobe ihn, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Der dir alle deine Sünden vergiebt, und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verder= ben erlöfet, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit. Mein Herz foll hin fort einem so gütigen Gott in thätiger Dankbarkeit gewidmet, mein Mund ſeiz nes Ruhmes voll, ja mein ganzes Leben ein immerwährendes thätiges Lob seines heiligen Namens seyn. Mit einer völligen Unterwerfung unter seine allmächtige Hand, mit der gänzlichen Ergebung mei nes Willens in den Seinigen, mit einem unumschränkten Vertrauen auf seine Gnade und Barmherzigkeit, mit der wils ligsten Folgfamkeit gegen seine heiligen Gebote, will ich ihn als sein Kind in Christo ehren. Ich will ihn rühmen, so oft er seine wohlthätige Güte im Geifiliz chen Dankbare Empfindungen zu Hause. 171 chen und Leiblichen an mir verherrlichet. Wenn er mich in der himmlischen Weißheit und Erkenntnis wachsen und zunchmen låffet; wenn er mir auf dem Wege der Tugend weiter forthilft; wenn er mir Wohlthaten auszuüben Gelegenheit und Kräfte schenfet; wenn er mir in der Selbstbeherrschung, in der Mäßigung meiner Begierden und Leidenschaften, in der Berleugung des Bösen, in dem Kampf gegen die Sünde, zur Ablegung aller meis ner Unarten und schlimmen Gewohnhei ten, mit dem Geiste seiner Gnade beistehet, so will ich ihn als den Urheber alles Guten preisen, der in uns Menschen das Wollen und das Vollbringen nach seinem Wolgefallen wirket. Wenn er mein Les ben auf der Welt zufrieden und vergnügt machet, mir Gesundheit verleihet, meis nen Stand und Beruf segnet, mich zu Glück und Ehren bringet; wenn er mich an den Meinigen Frende erleben läffet, und mir in meinem Hause wohlthut: dann will ich nicht vergessen, daß solches sein Geschenk und Gabe sey, womit er mir meine irdiſchen Tage erleichtern und verfüfen will, und mich bemühen, es ges wissenhaft nach seinen Absichten anzu wenz 172 Dankbare Empfindungen zu Hause. wenden. Herr! gieb mir richtige Ers kenntniß deiner Wohlthaten, daß mein Mund deinen Ruhm verkündige! Auch wenn er Leiden und Erübfale über mich verhänget, will ich die Schläge seiner Hand in Demuth und Gedult verehren. Ich weiß ja doch, daß er es gut mit mir meinet, und mich lieb hat, indem er mich züchtiget. Ich weiß gewiß, daß er mich in feiner Noth wird ganz sinken laffen, sondern vielmehr über alle Widerwärtig keiten dieſes vergänglichen Lebens hinz über helfen, wie er seinen Sohn Jesum durch ausserordentliche Prüfungen hinz durch geführet, durch überschwengliche Leiden vollkommen gemacht, mit Preis und Ehre gekrönet und zur Herrlichkeit erhoben hat. Daß er es mit mir und allen Erlösten Jesu eben so machen werz de, das glaube ich gewis. Und in dies fem Glauben finde ich mich, durch das Gedächtnismahl meines zur Rechten seiz ner Majestät erhöheten Mittlers, so kräftig gestärkt, daß ich, wenn ſeine Hand mir in der Folge ein Kreuz aufs legen wird, solches gerne auf mich nehmen, und es meinem Erlöser nachtras gen will. Du Dankbare Empfindungen zu Hause. 173 Du hast mich, o mein Gott! bis hieher so väterlich bewahret, so manches Üebel von mir abgewendet, auf so mans ches Leid Freude folgen lassen. Dessen soll und kan ich nimmermehr vergessen. Darum lobe ich dich herzlich und preise deinen Namen, du Allerhöchster! Und da du für mein ewiges Heil durch Jesum Chriftum so liebreich gesorgt, und durch ihn Bergebung der Sünden, Leben und Seligkeit geschenkt haft, so wirst du dich auch meines irdischen Wohls fernerhin, wie bisher, annehmen. Das traue ich deis ner Güte festiglich zu. Darum will ich, ohne Furcht und Sorge, meinen Lebens wandel von neuem anfangen, mich mit neuem Eifer in deinem Dienste, in der Ers füllung meiner christlichen Pflichten üben, und alle Prüfungen mit Gelaffenheit übers nehmen, die mir von deiner weisen Borsehung zugesendet werden. Du führest und hältst mich doch überall selbst bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rath, und also wird der Ausgang gewiß selig seyn. D! wie werde ich dort in jenem Leben der Unsterblichkeit mit allen, die dich hier wahrhaftig geehret und geliebet haben, und dir im Glauben an deinen Sohn 174 Daß Gott das angefangene gute Werk Sohn aufrichtig gefolget sind, dein Lob immer und ewig ausbreiten, daß du so grofe Dinge an mir gethan hast. Bis ich dahin gelange, o mein Gott! und dei nen Ruhm mit engelreinen Lippen vers kundige, nimm die schwachen Danksagungen von deinem Kinde an, und laß sie dir in Gnaden wohlgefallen. Amen! Siehe auch die Lieder: Nr. 29. Offentlich in der Gemeine 2c. Seite 29. 30. Rühme, Seele! dein Gefang 2c. Seite 230. Count XLVII. Gebet, daß Gott das angefangene gute Werk in uns vollenden wolle. S o bin ich denn wieder mit allem den geistlichen Segen und himmlischen Gütern, die uns Jesus Christus durch seinen Tod erworben hat, in dem Ges dächtnismahl seines Todes gesegnet wor den! Diese Wohlthat, die höher ist, als daß ich sie würdig genug sollte preisen können, erweket mich, mein liebreicher Heiland! wiederum zur aufrichtigen Lies be gegen dich, wenn ich deine unvers diente Gnade mit Kaltsinn und Unges horsam vergelten wollte. Dir, größter Wohlthäter! dir gebühret mein Herz, dir in uns vollenden wolle. 175 dir muß von nun an mein ganzes Leben heilig seyn. Höre, Herr! höre, wie dein Erldster,( deine Erlösete), der( die) in dem Gez nuße deines Leibes und Blutes das herr lichste Pfand deiner Liebe empfangen hat, dir nun feierlich gelobet: Ich will hinfort nicht mehr der Sünde leben, sondern dir, der du für mich gestorben und aufs erstanden bist. Es sind der Versuchungen und Feinde viel, die mich von dir abwens dig machen wollen; aber ich bin gewiß, daß weder Reichthum, noch Gewalt, wes der Gegenwärtiges, noch Zukünftiges, noch irgend eine andere Kreatur, mich scheiden mag von der Liebe Gottes, die in Chrifto Jesu ist, unserm Herrn. Was nuzte es mich, ein Gast an deiner Tafel gewesen zu seyn, wenn ich nicht an deinem Vorbild fest halten wollte? Erst dadurch werde ich es beweisen, daß ich wirklich in deinem Abendmahl mit dir vereinigt, wirklich dein glaubiger und beständiger Freund worden bin. Von nun an will ich gesinnet seyn, wie du gesinnest warest, und wandeln, wie du gewandelt hast. Bester Freund und Liebhaber meines Lebens, der du heute so grose Barmherz zigkeit 176 Daß Gott das angefangene gute Werk zigkeit an meiner Seele gethan! Hilf mie auch in deiner Nachfolge treu bis an das Ende zu verharren. Gieb, daß es immer mein fester Vorfaz und mein unermüdes tes Bestreben bleiben möge, den Willen deines Vaters gerne zu thun, mich ihm, mit der demüthigsten Unterwerfung, uns ter alle seinen Nathschlüsse zu ergeben, und ihm in Heiligkeit und Gerechtigkeit zu dienen, die vor ihm durch dich wohlges fällig ist. Wie könnte ich nun feindselig, unversöhnlich und rachgierig gegen meine Miterlöfeten seyn, da ich durch dein vers goffenes Blut Vergebung meiner Sünz den erhalten habe?- Ewiger Menschenfreund! in deinem ganzen segensvollen Leben, und insbesondere in deinem verz föhnenden Tode, dessen ich mich heute so lebhaft bei dem Genus des heiligen Abendmahls erinnert, habe ich das heiz ligste Muster der Liebe, Sanftmuth und Versöhnlichkeit. Laß, heiliger und unschuldiger Erlöser! dein gottliches Beiz ſpiel kräftig auf mein Herz wirken, und mich antreiben, in einer rechtschaffenen und thätigen Liebe gegen jedermann eins herzugehen, meinen Feinden wohlzuthun, und für meine Verfolger zu beten! Dann habe in uns vollenden wolle. 177 habe ich sichre Kennzeichen davon, daß ich durch dein Blut vonSuuden rein gemacht worden, und durch deine Gerechtigkeit Gnade vor Gott gefunden habe. Amen! Lied: No. 31. Wie getroft und heiter 2c. Seite 249. XLVIII. Um herzliche und beständige Liebe zu Jesu*). Laffet uns ihn lieben, denn er hat uns zuerst geliebet. 1 Joh. 4, 19. Wie sollte ich dich nicht lieben, mein Ergelies bet, du hast dein Leben für mich gelaffen. Du haft mir an deinem Tische die heilige ften Pfänder deiner Liebe geschenket. Wie könnte mein Herz dabei gleichgültig und unempfindlich bleiben? Nein! das foll vielmehr meine Freude seyn, daß ich mich zu dir halte. Dir, dem Erretter meiner Seele, habe ich meine Ruhe auf Erden, dir habe ich mein Glük in der Ewigkeit zu vers danken. Wie sehr ergözet mich der Gedans ke an dich! Wie sehnet sich mein Geist nach Deinem beständigen Umgang! Alles, was die Welt schön, gros und erhaben nennet, müsse *) Die Gebete von Nr. XLVII. bis LIII. tönnen auch als Fortsetzung frommer Unterhaltung nach dem Coms muniontage angesehen werden. Communionb. M 178 Um herzliche und beständige müsse zu schwach seyn, mein Herz von dir abzuziehen. Mit Vergnügen will ich an den Ort gehen, wo man dich öffentlich verehrt, um dir mein ganzes Herz zu opfern, und dir mit innigster Ehrerbietung zu dienen. Aus gerührtem Herzen soll mein Dank zu dir emporsteigen. Alles, was ich thue mit Worten oder mit Wer ken, das geschehe in deinem Namen, zu deiner Ehre. Die Liebe zu dir treibe mich, recht freudig in der Ausrichtung deiner Befehle zu seyn; das zu hassen, was du hassest, und das zu lieben, was du liebest. So will ich denn deiner großen Liebe nimmermehr vergessen. Die Erinnerung deiner unaussprechlichen Wohlthaten soll mich auf allen meinen Wegen begleiten. Meine Liebe sey dir ewig geheiliget. Mein Glaube wird aufhören, wann ich einst zum Schauen gelange. Meine Hofnung wird aufhören, wenn alle deine Verheiz fungen in ihre Erfüllung gehen. Aber die Liebe höret nimmer auf. Sie gehet mit in die Ewigkeit. Wie stark, wie feurig werde ich dich lieben, wann ich dieser Unvollkommenheit entrissen, und von den Schwachheiten meiner fündlichen Natur, die mich oft in deiner Liebe stören, werde bez Liebe zu Jesu. 179 befreiet seyn; wenn ich dich in deiner Herrlichkeit von Angesicht zu Angesicht schauen werde! Ach! mache mich tüchtig, dich von Herzen und über alles zu lieben. Laß mich in deiner Liebe und lebendigen Erkenntnis täglich zunehmen, und bereiz te mich dadurch zu einem würdigen Mitgenoffen jenes himmlischen Reichs, das lauter Liebe ist. Lied: Nr. 32. Quelle der Vollkommenheiten! 2c. S. 250. XLIX. Um brüderliche Gesinnung. Ein Brod ist's, so sind wir viel ein Leib: dieweil wir alle eines Brodes theilhaftig sind. I Kor. 10, 17. Gott, der du die Liebe selbst bist! er= weke und stärke doch auch, durch den Genus des heiligen Abendmahls, uns ter den Christen die Triebe einer wahrz haften dir wohlgefälligen Menschenliebe. Gib, daß die Bekenner Jesu, wann sie an einem Tische alle eines Brodes theil haftig werden, auch alles, was Lieblos sigkeit, Eigennuz, Hoffart, Neid, Mißs gunst, Argwohn, Feindschaft und bittes re Unversöhnlichkeit heißt, ablegen, und allezeit Ein Herz und Eine Seele seyn mögen, wie es die ersten waren. M 2 Neiz Um brüderliche Gesinnung Reinige insonderheit mein eigenes Gewissen von solchen Untugenden, daß auch keine Spur davon übrig bleibe. Das gegen mache mich so willfährig, jederz mann nach VermögenGutes zu thun, wie es mein Heiland an mir gethan hat. Zu dem Ende will ich sein nachahmungswürz diges Bild künftig meiner Seele desto ties fer eingeprägt seyn lassen. Ich will alle Gaben, alle Kräfte des Leibes und des Gemüths, alle Güter des Glüks und des Lebens, die ich aus der wohlthätigen Hand des Höchsten empfangen, künftig mehr, als bisher, zum gemeinen Besten anwenden. Mein Herz soll sich über meines Nächsten Wohlfahrt freuen, an seiz nem Kummer mitleidig Theil nehmen, und demselben nach Möglichkeit abzuz helfen bemühet seyn: es soll sich des Unterdrükten und Unschuldigen annehmen, und für eines andern Gesundheit, Ehre, Zufriedenheit, Glüksgüter und Vermö gen so sorgen, als wenn es mein Eigenthum ſelbst wäre. Ferne von den schädlichen Kunstgriffen der Falschheit und Verstellung, womit gewissenlose Weltfinder einander berüfen, will ich vielmehr mit jedermann redlich und aufrichtig um gehen: 180 Um brüderliche Gesinnung. 181 gehen: die Lafterhaften, durch Vorstellungen und Ermahnungen, durch Bitten und Warnen, insonderheit aber durch ein gutes Beispiel, zu gewinnen und ihrer Seele vom Tode zu helfen suchen; die Widerspenstigen vermahnen; die Bes trübten und Kleinmüthigen trösten; die Schwachen mit Gedult tragen; den Irrenden wieder zurecht helfen mit sanftmůthigem Geiste. Herr Jesu, dessen Glieder wir sind, dein heiliges Nachtmahl, an dem wir alle eines Brodes theilhaftig werden, könnte kein Liebesmahl seyn, könnte nim mermehr würdig von mir genossen wer den, wenn ich mich nicht zu allen Werken der Liebe gegen meinen Nächsten dadurch wollte erweken lassen. Du würdest mich nicht für den Deinigen erkennen, und mich einmal an jenem Tage von dir weisen müs sen, wenn ich irgend jemanden, der mich beleidiget hätte, nicht von Herzen seine Beleidigungen vergeben wollte. Darum bitte ich dich, o mein Heiland! laß mich an andern üben, was du an mir gethan, und meinen Nächsten lieben, gern dienen jedermann, ohn' Eigennuz und Heuchelschein, und wie du mir erwiesen aus lauz ter Lieb allein. Amen! M 3 L. 182 L. Um himmlischen Sinn. Suchet, was droben ist, da Christus ist. Kol. 3, 1. heuerster Mittler und Seligmacher! du begabst dich aus unbegreiflicher Erbarmung in die tiefste Erniedrigung für uns. Du wurdest arm um unsertwil len, auf daß wir durch deine Armuth reich würden. Du starbst; aber du verliesest fiegend dein Grab. Du zogest unter dem jauchzenden Zuruf unzähliger Engel in deinem Himmel ein; du bist nun zur Rechten der Majestät erhöhet. Ach! möchte ich doch nun auch meine Sehnsucht dahin richten, wo ewige Wonne und Freude wohnet. Du hast mich schon bei deinem liebevollen Mahle den füfesten Vorschmak jenes ewigen Lebens empfin den lassen. Ich habe dich als den besten, den wohlthätigsten Menschenfreund ken nen gelernt. Mein Glaube hat neue Nahrung erhalten. Meine Hofnung ist fest gegründet. Ich fühle einen heiligen Trieb, mich mit den Anbetungen deiner Majestät, mit dem freudigen Lobe deiner Herrlichkeit zu beschäftigen. Das soll ja auch dereinst mein Geschäfte in der Ewigkeit seyn. Das soll meine Seligkeit nähren. Um himmlischen Sinn. 183 ren. Dort soll ich mich mit so vielen Auserwählten zu deinem Thron nahen, um die Opfer der Ehrfurcht und der zärtlichsten Dankbarkeit zu deinen Füssen zu les gen. D! ziehe mich immer mehr von dem, was weltlich ist, zurük, und lenke mein Verlangen nach jenem Hause deines Vaters, in welchem viele Wohnungen sind, und wo du auch für mich die Ståtte bez reitet hast. Gib, daß ich mich täglich übe, himmlische Gesinnungen anzunehmen, und mich zu solchen Beschäftigungen gez wöhne, die in der zukünftigen Welt meine Ehre und Freude seyn werden. So will ich denn ernstlich suchen, was droben ist. Ich will dahin trachter, wo du bist, wo du in deiner Herrlichkeit triumphirest. Du hast mir nicht untersagt, auch für mein Glük zu sorgen. Ich wie also meine irdischen Geschäfte und Angelegenheiten tteiben; aber nie das Herz ans Zeitliche hången, mich nicht in den Sorgen dieses Lebens so tief vers graben, daß ich das Ewige vergesse. Wo meine wahre, dauerhafte Glükseligkeit, zu finden ist, dahin soll mein Herz, da hin soll meine anhaltende Sehnsucht ges richtet seyn. Dazu gib mir Gnade, M 4 mein 184 Um rechtschaffenen Eifer mein Heilaud! Zeuch mich nach dir, das mit ich dich einst sehen möge, wie du bist. Amen! LI. Um rechtschaffenen Eifer in der Heiligung. Jaget nach der Heiligung, ohne welche wird nie. mand dem Herrn sehen. Ebr. 12, 14. chaffe in mir, o Gott! ein reines Herz, und gib mir einen neuen ges wiffen Geist. Lieber Vater und Schöpfer! nimm weg aus mir alles, was deis ner Vereinigung mit meiner Seele zuwider ist. Reinige mich von aller meiner Ungerechtigkeit. Tode durch die Macht deiner Liebe in mir alle unheilige Bewez gungen, alle Lüfte und gesezwidrige Bes gierden meines Herzens. Aendere meine Absichten, und gib, daß alle meine Gedans ken vorzüglich auf dich möchten gerichtet feyn. Erweke in mir neue Empfindungen, einen neuen Sinn, neue Vorfäze zu löblichen Werken. Gieb, daß ich alles, was gut ist, lieben; alles, was böse ist, stets haffen möge. Daß ich dich über alles hochachte, dich stets fürchte, recht oft in meinem Sinn und Gemüthe mit dir beschäftiget sey; daß ich Wollust und Neid in der Heiligung. 185 Neid, Geiz und Ungerechtigkeit, Zorn und Rache, und alle Sünden, von Herzen fliche; daß ich anziehe herzliches Erbarz men, Freundlichkeit, Sanftmuth, Des muth, Liebe und Gerechtigkeit; daß meine Seele mit dir vereiniget, und alle meine Handlungen dir geheiliget werden. Erhalte mich in diesen Gedanken von nun an bis in den Tod. Gib mir Standhaftigkeit in der Tugend, daß ich nicht heute dir Gehorsam zuschwöre, und morgen den Eid treulos breche, sondern vielmehr täglich fortfahre mit der Heiligung in der Furcht Gottes, und stets, mich zu bessern, wache, bete und zunehme in allem Guten: damit ich in den Versuchungen fest stehe, im Tode getroft überz winde, und dann endlich durch deine Gnade ein ganz neuer Mensch werde, wann ich erwache nach deinem Bilde. Ach! schaffe in mir, Gott! ein reines Herz, und gib mir einen neuen gewissen Geist; verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Amen! LII 186 LII. Um Bewahrung vor dem Rükfall. Get Wer sich låffet dunken, er stehe, mag wohl zuses hen, daß er nicht falle. 1 Kor. 10, 12. etreuer Gott! der du gnädig zugesaget hast, mich, so lange ich in diesem Lande der Prüfung bin, nicht zu verlass sen, sondern mich mit der mächtigen Hülfe deines Geistes zu unterstüzen: erfülle dein Wort an mir, und stehe mir bei, daß ich die mancherlei Versuchungen, unter denen ich wandle, glüklich überwinde. Ich erkenne, nicht ohne grose Furcht, die Gefahr, in der meine Seele noch schwez bet. Eine Welt voll verführender Beiz spiele, wie bald kan die einen schwachen Menschen verleiten! So manche Veranlassung zur Sünde treffe ich auf meinen Wegen an; so manche böse Gewohnheit zieher mich zu vorigen, schon längst von mir verabscheuten Sünden zurük; die Begierden meines verdorbenen Herzens reizen mich, und der unsichtbare Feind alles Guten leget manche verborgene Strike, mich zu fällen. Ach! mein Schuz! mein Vater! stehe mir bei in allen diesen Gefährlichkeiten, daß ich das Kleinod nicht verliere, welches du mir in deinem Soh Um Bewahrung vor dem Rückfall. 187 Sohne gegeben hast. Was nůzten mir alle meine Bemühungen, mich zu befe sern, wenn ich nun wieder von dem Steis ge der Gottesfurcht abweichen sollte? Wie schändlich wäre es, nach so theuren Eidschwüren, mit welchen ich dir ewige Treue zugesagt habe, meineidig zu wer den! Müste ich nicht auf die betrübte Vermuthung gerathen: mein Herz sey nicht rechtschaffen vor dir, ich wäre nie wirklich durch den Clauben dein Kind worden, sondern hätte nur mit einer vers stellten Frömmigkeit dir gedienet? Ach! wie abscheulich muß ein Heuchler, ein scheinheiliger Betrüger in der Augen des allwissenden Gottes seyn? Erforsche mich, Gott! und erfahre mein Herz; prüfe mich und erfahre, wie ichy's meine; siehe, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf den dir wohlges fälligen Weg. Wie wäre ich doch so unglüklich, wenn ich die angenehme Ruhe des Geistes wieder verlieren sollte, welche ich nun in meinem Erlöser erlanget habe! Durch den Glauben an ihn bin ich von. aller Schuld losgezählet; habe den füffen Frieden der Seelen empfunden, der über alle Vernunft ist; kan mich ohne Furcht den 188 Um Bewahrung vor dem Rükfall. den Händen meines geliebten Vaters stets überlassen, hier von ihm alles Gute, dort aber die ewige Seligkeit gewis hof fen. Dies Glück sollte ich nun wieder leichtsinnig dahin geben? für eine schnell vorbeifliehende Luft, für etwas Ehre, oder für einen vergänglichen Vortheil dahin geben? den gerechten Gott wieder zur Rache gegen mich auffordern? dem heiligen Geist vorsäzlich widerstreben? und mich in die Gefahr stürzen, daß mein Herz endlich, in der Sünde verhärtet, von der Gnade Gottes verlassen, in seiz nem eigenen böfen Willen dahin gegeben werden möchte? Wie schnell könnte mich der Tod in einem so unglücklichen Zus stande übereilen! Welch ein entsezliches Schicksal wäre das für mich, ewig von Gott verworfen zu seyn! Ach mein Vater! der du angefangen hast das gute Werk; vollführe daſſelbe bis an mein seliges Ende. Erzeuge tåge lich in mir den stets erneuerten Vorfaz, dich über alles zu lieben, jeder noch so geringscheinenden Sünde zu widerstehen; alle böse Begierden sogleich bei den ersten Regungen zu unterdrüfen; alle Gelegenheiten zur Sünde sorgfältig zu meiden; stets Ganzliche Uebergebung an Gott. 189 stets mit mir selbst, und allem, was bos ist, zu kämpfen, zu wachen und zu beten, auf daß ich nicht in Anfechtung falle, und den Sieg auf ewig verliere. Dein göttliches Wort sey mein Führer auf allen meinen Wegen. Dies warne und tröste, stärke und erquike mich: daß ich die Welt und alles, was den verwöhnten Sinnen angenehm ist, mit Freuden entbehre, daß ich in dir mein höchstes Vergnügen, meine Ruhe und meine Sez ligkeit suche und finde; daß ich fortfahre mit der Heiligung in der Furcht Gottes, bis ich am Ende mit deinem Knechte, voll Dank und Trostes, sprechen kann:" Ich habe einen guten Kampf gekämpfer; ich habe den Lauf vollendet; ich habe Glauz ben gehalten; hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir mein Herr Jesus geben wird. ,, Amen! LIII. Gänzliche Uebergebung an Gott. Gütigster Bater! du haft geſagt: Gib mir, mein Sohn, dein Herz, und laß deinen Augen meine Wege wohlges fallen. Hier erscheine ich vor dir, entz schlossen, mit Leib und Seele mich dir gang 190 Gångliche Uebergebung an Gott. ganz zu übergeben. Wem sollte ich mich sonst übergeben, als dem getreuen Schöpfer, der mich zu seiner Ehre hervorges bracht, der mich unter so vielen Leiden getröstet und erhalten, der mich aus dem Verderben durch den schmerzlichen Tod seines Sohnes errettet, und mit seinem Geist mich zu ändern und zur höchsten Seligkeit zu führen beschloffen hat? Dies sem geliebten Vater, diesem Retter meines unsterblichen Geistes, seyen denn alle Kräfte meines ganzen Wesens geweiz het. Anseine Gnade will ich mich tåge lich erinnern, von seinen Wohlthaten res den; die Wunder seiner Barmherzigkeit rühmen und preisen. Mein Herz mit allen seinen Empfin dungen sey dein, o mein Gott! Dich will ich über alles lieb haben, nach dir kindlich mich sehnen, auf dich mein ganzes Verz trauen sezen, stets in deiner Furcht vor dir wandeln, und deine Geseze zur einigen Richtschnur meiner Handlungen machen. Auf deinen Willen vornemlich will ich bei allen meinen Entschliesungen sehen, und die größten Vergnügungen und Vortheile nicht achten, wenn ich, um sie zu erhalten, von dem Wege deiner Ges bote Gångliche Uebergebung an Gott. 19: bote abweichen müßte. Dir seyen alle Tage meines Lebens, meine Arbeit, meis ne Ruhe, meine Freuden, meine Güter, alle Glieder und Sinnen meines Körpers geheiliget. Diese meine Augen werden dich in deiner Schöpfung begierig suchen und finden. Dies mein Gehör wird oft mit Freuden die Stimme deines Wortes vernehmen. Meine Zunge soll ihr Ges spräch haben von deinem Worte; dein Lob soll allewege in meinem Munde seyn. Heilige Hände will ich zu dir aufheben, ohne Zorn und Zweifel. Alle meine Gliez der und Sinnen will ich anwenden, um dir zu dienen, und durch die angenehmen Empfindungen, die sie mir gewähren, mich zu deinemLobe zu ermuntern. Nimm mich denn ganz zu einem dir geheiligten Opfer hin! Entferne selbst aus meiner Seele jede unreine Bewegung, jeden bös sen Gedanken, und lenke alle meine Vorstellungen zu den Endzwecken hin, welche dir wohlgefallen. So werde ich nie aufz hören, dein Eigenthum zu seyn, so wers de ich dir leben, dir in Geduld leiden, dir einst im Glauben getrost sterben, dein hier und dort ewig seyn. Amen! Lied: Nr. 33. Herr, mache meine Seele stille 2c. S.252. LIV. 192 LIV. Ruhige Erwartung der Leiden. H err! du haft bisher alles mit mir wohl gemacht! und wirst auch fers ner alles wohl machen. Meine Zeit und alle meine Schiffale stehen in deinen Hånz den. Wie sanft ist die Beruhigung, die ich in dieser Wahrheit finde, daß alle meine Begebenheiten unter deiner Regies rung zu meinem Besten gelenket werden! Deine Weisheit, die am besten einsiehet, was mir nůzlich ist, hat mir Wohl und Weh in meiner Lebenszeit zugewogen. Du dachtest schon an mich, noch ehe ich felbst meine Bedürfnisse empfinden konn te. So oft ist deine Güte meinen Bitten zuvorgekommen, und ich sollte mich ängst. lich quálenden Sorgen überlassen? Ich follte dich durch Ungedult und Murren beleidigen? Nein, mein Vater! so lange ich dich liebe, müssen mir alle Dinge, auch traurige Verhängnisse, zu meinen Besten dienen. Sollte ich in trüben Tagen mancherlei Noth und Unglük erfahren: so geschehe dein Wille! Mache mich nur zufrieden mit deinen Wegen, die doch allezeit Güte und Wahrheit sind. Schenfe Ruhige Erwartung der Leiden. 193 ke mir Gedult in Leidenstagen, ein frdz liches Herz zur Zeit des Unfalls, ein Herz, das dir vertrauet, das an dir seiz ne höchste Lust hat, und in der Hofnung der zukünftigen Welt seine wahre Freude findet. Laß mich wohl bedenken, wie liebreich und väterlich alle deine Absichten bei den Widerwärtigkeiten sind, die du deinen Kindern zuschikest. Du prüfest ihren Glauben, ihre Liebe, ihren Gehors sam. Ihr Glaube soll durch das Feuer der Trubsal bewähret, und viel köſtliz cher erfunden werden, als das vergångs liche Gold und Silber. Deine heilige Leitungen, so wunders bar und befremdend sie uns vorkommen, gehen immer auf unser wahres Bestes, auf eine ewige Wohlfahrt. Nie würde ich also geschikt seyn, in jenes Reich der Vollkommenheit einzugehen, wenn ich nicht hier erst durch verschiedene Průz fungen gegangen wäre, und Treue bes wiesen hatte. Ist mein Schiksal traus rig: so mache meine Seele stille. Du zählest meine Thränen, und ohne deis nen Willen kan auch kein Haar von meis nem Haupte fallen. Mein Elend, mein Seufzen ist dir nicht verborgen. Bleibe n Communionb Dems 194 Ruhige Erwartung der Leiden. demnach meine Zuversicht, mein Schutz und Schirm. Dir befehle ich mein ganzes Leben. Mache es mit mir wie du willst. Dennoch bleibe ich stets an dir. Wohin sollte ich gehen, um Trost und Hilfe im Leiden zu suchen? Wer an ders, als du allein, kann mir in meiner Noth mit Rath und Kraft beistehen? Du führest mich hier oft auf rauhen Wegen, die sich aber mit Freude und Ruhe endigen werden. Du leitest mich nach deinem wunderbaren aber allezeit verehrungswürdigen Rath. Ich will schweigen, und meinen Mund nicht auf thun. Nur auf dich, meinen liebreichen Führer, soll mein Auge in demüthigen Gehorsam sehen. Endlich nimmst du mich mit Ehren an. Endlich werde ich zu deinem Preis erfahren, wie wohl und selig mich deine Hand in der Welt geführet hat. Amen! Siehe auch das Lied: Nr. 34. Klag nicht, mein Herz! wenn alle Freuden 2c. Seite 253. LV. LV. Abendgebet eines Communicanten. 195 Ich liege und schlafe und erwache, denn der Herr erhålt mich. Pf. 3, 6. innigster Ehrfurcht erscheine ich nochmals vor deinemThrone, Ewis ger und Allmächtiger! und bringe dirden schuldigen Dank aus meinem gerührten Herzen dar. Groß war deine Gnade, die mich heute erfreuet; groß dein Ge gen, der mich beglüket hat. Du liesest mich es aufs neue erfahren, wie gutig du bist. Du hast meine Seele erquifet, und mit unscházbaren Gütern des Heils erfül let. Ich darf mit frohem Geiste den Ges danken an dich fassen, und mich als dein Kind betrachten. Dank sey dir, Vaz ter der Barmherzigkeit! für diese höchste unter allen Wohlthaten. Dank sey dir für deine unaussprechliche Güte und Liebe, die mir heute zu Theil wors den ist! Wie soll ich dir danken, gütiger Ers löser! wie kan ich dich würdig genug ers heben: daß du auch an mir deine Vers heisung erfüllet haft: Kommet her zu mir, die ihr mühselig und beladen seyd, N₂ ich 196 Abendgebet eines Communicantert. ich will euch erquiken; bei mir follt ihr Ruhe finden für eure Seelen! Ich kam zu dir mit einem bekümmerten Herzen, mit einem beunruhigten Gewissen: aber du hast alle Kümmernis und Unruhe von mir genommen; du hast mir in deiz nem heiligen Abendmahl die Versiche rung geschenket, daß, um deines Verz föhnungstodes willen, alle meine Sunden vor Gott vergeben sind. Nun bin ich getrost, und fürchte mich nicht. Ich freue mich in dem Herrn, und meine Seele ist frölich in meinem Gott! denn ich darf bei redlichen Vorfäzen der stez ten Besserung den Muth nicht verlieh ren. Von nun an werde ich wieder ein recht zufriednes Leben führen, denn Gott ist mein versöhnter Vater und ich bin sein geliebtes Kind. Was fehlet mir noch zur Ruhe meiner Seele? Werde ich nur in Zukunft immer Treue und Ges horsam gegen meinen Erlöser beweisen, wie ich es ihm in seinem Abendmahl feierlich zugesaget habe: so wird er mich nie verlassen noch versäumen; ich werde alles bei ihm finden, was ich zu meiner Geligkeit in diesem und jenem Leben nothig habe. Ses Abendgebet eines Communicanten. 197 Gelobet senst du, Herr mein Erlöser! meine Seele vergesse es nie, was du mir heute Gutes gethan hast. Gesegnet sen mir dieser Tag, den ich unter den Seg nungen des Höchsten zurükgeleget haz be; gesegnet die hereinbrechende Nacht! Nun kan ich ohne Furcht mich zur Ruhe niederlegen, und des sanftesten Schlafes geniesen: denn ich kan mit Freude und Ruhe an Gott denken. Nun darf ich vor feiner Gefahr zittern, die mir dieſe Nacht widerfahren kan: denn der Herr hält mich; die allmächtige Hand meines Gottes wendet alles von mir ab, was mir schaden könnte. Ohne Furcht des Todes lege ich mich nieder. Und ſolltest du auch, Herr meis nes Lebens! über mich beschlossen haben, daß dieses die lezte Nacht meines Lebens seyn sollte, wohlan, sie sey es! Ich lebe dem Herrn! ich sterbe dem Herrn! Einst erwache ich wieder zu einem weit beffern und glükseligern Leben: zu einem Leben, bei welchen keine Veränderung noch Wechsel des Lichts und der Finster nis mehr seyn wird! bei welchem ich keis ne Abwechslung von Glük und Unglük mehr zu befürchten, und keinen Rútfall № 3 aus 198 Abendgebet eines Communicanten. aus der Gnade Gottes mehr zu besors gen habe. Ist es aber deiner Weisheit gefällig, mein Gott! mich morgen zur Fortsezung meiner Pilgrimschaft wieder erwachen zu lassen: so soll mein eifrigstes Bestreben dahin gehen, in einen neuen geistlichen Leben zu wandeln. Du wirst mir Kraft und Stärke verleihen, meine heiligen Entschliefungen auszuführen, die ich vor deinem Angesichte gefaffet habe. Dir überlasse ich mich gänzlich. Leite du mich ferner nach deinem heiligen Rath! Erz halte mich dir getreu von nun an bis in Ewigkeit. Amen! — Siehe auch das Lied: Nr. 35. Die ihr Gottes Heil gesehen 2c. Seite 254. Ane coo ooo 199 Anhang einiger Gebete zur Privat- und Kranten Communion. 1. Vor dem Genusse des heiligen Abendmahls. Nach dir, Herr, verlanget mich. Pf. 25, 1. o bereite dich denn, meine Seele! das Abendmahl deines Herrn und Heilandes Jesu Chrifti mit Empfinduns gen der innigsten Demuth und der zärtlichsten Dankbarkeit zu empfahen. Wie hoch bist du in Gottes Augen geachtet! Wie liebreich hat Jesus für deine Wohlfart, für deine Erquikung geforget! Wie groß ist seine Liebe, da er in jener traus rigen Nacht, in welcher ihm unaussprechliche Martern bevorstunden, an dich dachte, und das seligste Vermächtnis für dich und alle Erlöseten einsezte, um dich, und alle, die an ihn glauben, mit den Gütern des Heils zu segnen. Wie groß sind die Seligkeiten, die sein göttliches Mahl dir verheißt! hier sollst du wahre Ruhe der Seele finden; hier soll dir dein Antheil an der allgemeinen Versöhnung, die Jesus gestiftet hat, versichert werden; hier soll dich eine neue Kraft beleben, für Gott № 4 und 200 Gebete zur Privat und für die Tugend wirksam zu seyn, auch in heftigen Krankheiten, Schmerzen und Beangstigungen, in deinem Vertrauen auf Gottes Hilfe, nicht wankend zu wers. den, mit einer herzlichen Liebe und mit standhafter Treue ihm beständig ergeben zu bleiben. O wie verlanget mich nach diesem segensvollen Mahle! Welch eine heilige Begierde empfinde ich nach bem Brode, welches die Gemeinschaft des Leibes Chrifti, und nach dem gesegneten Kelche, welcher die Gemeinschaft des Blutes Christi ist. Mit welchem Rührungen der Freude soll ich deine Güce erz heben, die mir erlaubet, in diesem segensvollen Mahl an dem für mich getödeten Leibe und an dem für mich vergoffenen Blute Jesu Christi Theil zu nehmen! Wie soll ich es dem Herrn vergelten, daß er mich in dieser meiner Bekümmer nis einer so theuren Gnade, einer so ses ligen Erquikung würdiget? Gesegnet sen mir diese Stunde, in welcher ich, o Jesu! das Gedächtnis deines Todes feierlich begehe. Beruhis ge mein Herz, den um Trost bange ist. Sen meine Stärke in meiner Schwachheit, mein Trost beim Gefühl meiner Verz und Frankencommunion. 201 Verirrungen, meine Freude in der Traus rigkeit, meine Hofnung und Zuversicht in dieser und in der zukünftigen Welt. Hier liege ich zu deinen Füssen, Mit Dank und Lob, Gebet und Flehn. Laß neue Gnade auf mich flieffen, Mein Heiland! laß es doch geschehn, Daß mir, zur Stärkung meiner Treu, Dein Abendmahl gesegnet sey. Amen! 2.* Vorsåze eines gefährlichen Kranken vor dem Genusse des heil. Abendmahls, Ich we werde, wenn ich mit festem Bertrauen, mein Vater, mich zu dir nahe, aufs neue Gnade und Vergebung meiner Sünden erhalten: die Bedingung, unter der sie dem Menschen zu Theil wird, ist Besserung, denn nur dem, der seine Mis fethat befennet und låsset, wird BarmherzigFeit widerfahren. Guter Gott, so manches Fehlers klage ich mich an, den ich künftig, wenn ich noch lebe, gewiß ablegen wollte; aber ich weiß nicht, ob ich den Ernst dieses Vorsages werde mit der That beweisen können, da mich diese Krankheit auch zum Tode führen kan. Du allein weißt es, was ich künftig werde thun können, und es kommt alles auf einen ernstlichen Vorsak an, den ich) jezt faffe; alles darauf, ob ich entschloffen bin, um keinen Preis der Welt das Unrecht zu lieben. Sollte ich aber nicht selbst auf meinem Krankenbette noch Gelegenheit haben, Ojadiesen Entsaluß zu bethätigen? wenn ich gleich nicht in meinen gewöhnlichen Geschäften, unter den manchfachen Verhältnissen des H OPTEN 402 Gebete zu Privatdes thaätigen Lebens, meine Festigkeit in dem Guten, das ich mir ju eigen machen mögte, bes weisen kan, so kan ich es dech hier auf der Ståts te meiner Leiden.- Gott, ist es nicht Geduld, Liebe, Schonung, ein gutes Beispiel, durch was ich selbst hier noch mich als ein Christ bes zeigen fann?- Und habe ic) das inimer gethan? Reißt mich der Schmerz, die Laft der Kranks heit, nicht zur Ungedult gegen die hin, die mein pflegen, die mit mir umgehen? Bin ich dank bar für ihre Liebe, für ihre Aufopferung um meinerwillem? Lehre ich sie durch mein Beispiel geduitig leiden?- Bin ich ihnen nicht mit wunderlichen Eigensinne låstig?- Bedenke ich es, daß ich auch auf dem Krankenbette mich verfündigen kan?- S vertrauen Vater, siehe in mein Herz- es ist redlich entschlossen, dir auch in einem langen Leiden zu die Meinigen zu lieben und zu segnen. Ich will die heilige Pflicht der Gedult auch hier ausüben, die Dankbarkeit nie verlegen, sons dern ein recht christlicher, das heist, ein so viel es meine Menschenschwachheit nur immer zuläffet, gedultiger, liebevoller Kranker seyn. Vergieb mir, wenn öfters der körperliche Schmerz mich zu Klagen hinriß- Gott, du weist es, wenn es so geschah, daß dieß Herz nichts davon wußte; du weißt es, wenn ich nach nur einiger Besinnung wieder mich faßte und mich über jede Ungedult strenge bestrafte. O laß mich in Zukunft noch ergebner in deinen Willen, noch freundlicher gegen die guten Menschen, die mir beistehen, werden, und es darinnen, wenn ich sonst nichts kan, beweisen, daß es mir um wahre Frömmigkeit ein Ernst und Frankencommunion. 203 Ernst sey. Herr, ich vertraue auf deinem Beistand, sey du in mir Schwachen mächtig. Amen! FUNGA 3. Demüthiges Busgebet eines Kranken. Le meinem liege hier vor dir, mein Gott! auf meinem Krankenbette, und flehe um deine Gnade und Barmherzigkeit. Mit reuigem Gemüthe bekenne ich dir meine Sünden, womit ich dich von meiner ers sten Jugend an, bis jest, in Gedanken, Worten und Werken beleidiget und erzürnet habe. Was könnte mich in meiner Bekümmernis aufrichten, als allein die theuern Verheisungen meines Erlösers, der auch für meine Sünden gestorben ist? So schenke mir denn die Versicherung von der Vergebung meiner Sünden, durch den Genuß desjenigen Mahls, das dein Sohn zum Seegen für seine Erlöfete gestiftet hat. Gib mir Kraft, die Zeit meiner Krankheit so anzuwenden, daß ich der Sünde absterbe, und der Gerechtigkeit lebe. Herr lehre mich thun nach deinem Wohlgefallen, denn du bist mein Gott; dein guter Geist führe mich auf ebner Bahn. Amen! 4. Gea 204 Gebete jur Privats 4. Gebet, dem Kranken vor der Communion vorzulesen. Sen der lezten Nacht deines irdischen Les bens hast du, göttlicher Erlöser, das Gedächtnismahl deines schmerzlichen Leis dens und Todes eingesezt, damit deine treuen Bekenner sich recht oft erinnern möchten, wie unendlich viel du daran ges wendet hast, uns wahren Trost und die ewige Seligkeit zu erwerben. Wir sollen an dein Leiden denken zu unserm Trost, daß nemlich alle sich bessernde Sünder sich von dir die gewisse Vergebung aller ihrer Sünden und ewiges Glük zu vers sprechen haben. Wir sollen an dein Leiden denken mit innigstem Dank, mit herzlicher Gegenliebe, mit gánzlicher Ergebung an dich, mit dem redlichsten Wunsch und Vorfaz, dir in deiner Menschenliebe, Ges dult, Versöhnlichkeit, in der Unterwers fung unter den Willen deines himmlischen Vaters, und in allen deinen grosen Tus genden, so viel möglich nachzuahmen. In dieser Absicht, mit solchen Gesinnunz gen, will denn auch ich jezt deinen Tod verkündigen. Ich glaube, daß du auch für mich gestorben bist. Beruhige mein Herz mit dem Troste der Vergebung der Süns S und Frankencommunion. 205 Günden, der mir insonderheit in meinen jezigen Umständen so höchst nöthig ist. Aber verleihe mir auch deinen liebreichen, versöhnlichen, demüthigen, Gott ergebes nen Sinn. Gib, daß ich meine Dankbarz keit gegen dich durch meinen eifrigen Gez horsam gegen deine Gebote an den Tag lege, und mit Freuden alles thue und leis de, was ich noch in der Welt zu thun und zu leiden habe, bis ich dich dort in der Ewigkeit beffer preisen werde. Amen! 5. Bei den Genusse des heil. Abendmahls. ein Leib, o Jesu! ist auch für mich in den Tod gegeben. Du starbst, um mir das Leben zu schenken. Durch dich habe ich Vergebung meiner Sünden, Les ben und Seligkeit. Dein heiliges Mahl stárke und erhalte mich im wahren Glauz ben zum ewigen Leben. * * Dein Blut, o Jesu! ist auch für mich vergoffen. Es mache mich rein von aller meiner Sünde. Laß mich im Glauben an den Seegen deiner Erlösung Antheil nehmen. Erhalten mich in deiner Liebe zum ewigen Leben. Amen! 6. Naw 206 Gebete zur Privats 6. Nach dem Genusse des heiligen Abend. mahls. Fech Sych will den Herrn loben allezeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde seyn. Er hat mir meine Sünden vergeben, und meine Seele mit Trost erfüllet. Wie groß ist seine Barmherzigkeit! Wie soll ich ihm vergelten alle seine Gnade und Treue, die er mir erweiset? Soll ich noch långer leiden: so bin ich dennoch getrost und voll Zuversicht. Denn ich leide uncer der Aufsicht des Gottes, der mein Freund und liebreicher Vater ist, der eine Last auflegt, sie aber auch tragen hilft. * * Herr Jesu Christe! wie unaussprech lich ist deine Liebe, womit du auch mich geliebet, und für meine Sünden am Stamm des Kreuzes gestorben bist. Wie kan ich dich würdig dafür erheben, daß du mich durch die Kraft deines Abendmahls so reichlich getröstet und erquis ket hast. Laß den Genuß dieses heiligen Mahls so gesegnet an meiner Seele seyn, daß ich mich dir ganz zu einem wohlgefälligen Opfer ergebe, daß meine Gedanken zu dir am meisten gerichtet, und alle meine Gesinnungen von reiner und und Frankencommunion. 207 und beständiger Liebe gegen dich entflams met seyn mögen. Muß ich gleich noch leiden, Ruf ich doch mit Freuden: Kun ist Jesus mein, Der in diesen Stunden Eich mit mir verbunden Unter Brod und Wein: Drum will ich ihn ewiglich Mit dem Herzen feste fassen, Ihn nicht von mir laffen. Amen! 7. Dankgebet eines Kranken nach der Communion. Habe Dank, mein Erlöfer, für die gros und Barmherzigkeit, die du mir erwieſen hast. Nun bin ich ges troft. Vergeben sind mir le Sünden meines bisherigen Lebens. Gott, der Allmächtige, ist mein Vater, der sein Kind nicht verlassen wird. Es gehe mit mir zum Leben oder zum Sterben: ich bin in der Hand des Ewigen, der mich ewig bez glüken kan und will, wenn ich mich nicht ſelbst einer höhern Seligkeit unfähig mas che. Habe Dank, mein Erlöser, daß du mit diesem Trost meine Seele erfreuet hast. Gib mir nun die Gesinnungen, die ich haben muß, damit ich diesen Trost nicht verscherze. Soll ich wieder von meiner Krankheit genesen, und noch länger leben, 208 Gebete zur Privatleben, so bewahre mich vor allen herrs schenden Sünden, und stärke mich zur gewissenhaften Beobachtung aller meiner Pflichten. Soll meine Krankheit noch schmerzlicher werden, so gieb, daß ich so gedultig und Gott ergeben sen, wie du mir mit deinem hohen Beispiel gezeigt haft. Nahet die letzte Stunde heran, so verkürz ze mir die Todesschmerzen; stehe mir bei im lezten Kampf, und nimm meine Seele zu dir, bis du auch meinen Leib wieder erweken, und mich alsdann in dein ewiz ges, himmlisches Reich einführen wirst. Dir will ich denn leben; dir will ich ster ben; dein will ich seyn todt und lebend. Amen; Halleluja! Ich werde nicht sters ben; auch wenn mein Leib dahin fällt, werde ich dem Geiste nach leben und des Herrn Werk verkündigen. Amen! 8. Ermunterung eines Kranken nach dem Ges nusse des heiligen Abendmahls. Sen getroft, mein Sohn, deine Sûnden sind dir vergeben. So sprach einst der menschenfreundliche Erlöser zu jenem Kranken, der zu ihm gebracht wurs de. Mich dünkt, ich höre sie auch, diese Stimme, und wie tröstlich ist sie mir jezt, da und Krankencommunion. 209 da ich krank bin: Dir sind deine Sünden vergeben! Wort des Trostes und des Lebens! Nun darf ich nicht mehr erzit tern vor der strengen Gerechtigkeit Gots tes, der in der Höhe wohnet. Ich bin gerechtfertiget durch den Glauben. Gott hat mir die Strafen meiner Sünden ers lassen. Ich habe Frieden mit Gott durch unserm Herrn Jesum Christ. Ich soll sein Kind, und er will mein gnädiger Vater seyn. Erhebe, meine Seele! den Herrn, und du, mein Geist! freue dich Gottes meis nes Heilandes, denn er hat grose Dinge an dir gethan. Mir sind meine Sünden vergeben! groser, freudenvoller Gedanke! wie stärkest du meine Seele! wie entzün dest du meine Liebe gegen Gott! Wie, foll te ich den Gott nicht lieben, der mich so hoch geliebet, und seinen eingebornen Sohn für mich in die Welt gesandt hat! Was send ihr Versuchungen, die ihr mich umringet? Ich bin stark in dem Herrn, und in der Macht seiner Stärke. Ich will alles anwenden, um nicht den Frieden Gottes zu verlieren. Aber eben dieser göttliche Friede, der in seiner Vortreflichkeit alle unsre Vorstellungen übersteigt, wird mich auch in der Gemeinschaft Communionb. D Jesu 7 210 Gebet zur PrivatJefu Chrifti bewahren.- Mir sind meine Sünden vergeben. So weiß ich denn auch, daß die Leiden, die Gott mir auf erlegt hat, nicht Strafe, das sie vielmehr väterliche, zu meinem Besten dienende Züchtigungen sind. Und was ist beruhigender im Tode, als die Versicherung von der Vergebung meiner Sünden! Die Sünde ist es eigentlich, die den Tod fürchterlich macht. Mit Sündenschnld bes lastet in die andere Welt gehen: welch eine schrekliche Vorstellung! Wie freudig aber werde ich die Welt verlassen, da mich Gott begnadigt hat! Mitten in den hef tigsten Schmerzen, selbst im Todeskámpfe, höre ich dann die Stimme: Sey ges trost, dir sind deine Sünden vergeben! Du wirst nicht sterben, sondern leben. Halte, was du hast, daß dir niemand deine Krone raube. Bald ist der Streit geendet, bald erscheinet die Stunde des Sieges, bald öfnen sich die Pforten des Himmels, wohin dich dein Erlöser führt, und wo du die ewige Ruhe geniesen wirst. Ja, ich weiß es, ich soll leben! Und des Himmels Erbe- seyn. Alle Schuld ist mir vergeben. Denn dein Blut, Herr, macht mich rein; Du und Krankencommunion. Du vertrittst mich im Gericht! Gott verurtheilt mich nun nicht, Wenn ich standhaft an dich glaube, Und auf deinen Wegen bleibe. Amen! 9. Trostlied eines Kranken, bei der PrivatCommunion. Mel. Wer nur den lieben Gott låst walten. Ach könnt' ich doch mit deinen Gliedern, Im Tempel, Jesu, dich erhöh'n, Und freudenboll mit meinen Brüdern Das Denkmal deines Tods begeh'n! Doch weil mich meine Krankheit plagt, Ist diese Freude mir versagt. Sieh hier, auf meinem Krankenbette Fey'r ich dein Abendmahl allein. Doch, Herr! ich weiß, an jeder Ståtte Hast du verheisen, nah' zu seyn. Wo je ein Frommer seufzt und weint, Da bist du, groser Menschenfreund! 211 Vielleicht, o Herr! erquikt mich heute 3um leztenmal dein Leib und Blut. O du, der oft mein Herz erfreute, Gib ihm auch jest Geudlt und Muth! Dem 212 Gebete zur PrivatDem Grabe nah', Herr, bitt ich dich, Ach sen mir gnädig, segne mich. Laß das Gedächtnis deiner Leiden Mir Schwachen Troft und Kraft verleihn; Laß es die Quelle höh'rer Freuden Und deines Himmels Vorschmak seyn. Dein Leben, dein Versöhnungstod Erquite mich in meiner Noth! Ich seh', ich seh' den Himmel offen; Ich fühle meine Seligkeit. Nun kan ich alles, alles hoffen Von dem, der mir die Schuld verzeiht. Es drohte mir die größte Noth; Mein Retter und mein Schuz ist Gott; Und naht der Tod mit seinen Schreken; Ich bin getroft und zage nicht. Vom Tode wirst du mich erwecken; Ich komme nicht in dein Gericht. Ich bin getrost! dein Leib und Blut! Gibt mir im Tode Trost und Muth. 10. Tåge und Krankencommunion. 213 10. H Tågliche Todesbereitschaft. err! lehre mich, daß es ein Ende mit mir haben muß, mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muß. Siehe, meine Tage sind einer Hand breit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Wie schnell fliehet meineLebenszeit dahin! die Zahl meiner Jahre stehet bei dir. Deine Weisheit hat mir ein Ziel gesezet, das werde ich nicht übergehen. Wie könnte ich mich der Sicherheit überlassen, da ich nicht weiß, ob noch der folgende Augenblik in meiner Gewalt stehet, um mich zu einerfes ligen Unsterblichkeit ernstlich zu bereiten? Mache also, o Gott! den Gedanken an meinen Tod recht lebendig in meiner Sees le, und bewahre mich vor aller Uebertrets tung deiner Gebote. Ich bin ein Gast auf Erden und habe hier keine bleibendeStatt, sondern suche die zukünftige. Du hast mich nicht allein für dieses Leben geschaffen, sondern auch zur Ewigkeit bestimmt. Deis ne Güte schenkte uns deinen eingebornen Sohn, der uns durch seinen Tod die Hof nung eines ewigenLebens erwarb. Nichts müsse mir also mehr am Herzen liegen, als eine beständige Vorbereitung auf jene sez lige Unsterblichkeit, die du mir in Chrifto D3 Jefu 214 Gebete zur Privatcommunion. Jesu verheisen hast. Bei den flüchtigen Tagen meiner irdischen Wallfart soll es täglich mein wichtigstes Geschäfte seyn, mich vor deinen Augen, Allwiffender! aufrichtig zu untersuchen, ob ich auf dem rechten Wege bin, oder ob ich den Weg, der den verderbten sinnlichen Lüften schmeis chelt, erwählet habe. Lehre mich meine Tage sorgs fåltig berechnen, daß ich sehen möge, wie viel Gutes ich verfäumet, und wie ich die kurze Gnadenzeit auskaufen müsse, um recht viel Gutes zu schaffen. Verleihe, daß ich, in eoler Gleichgiltigs keit gegen die Welt, meine Begierden von dem, was irdisch ist, immer mehr zurükziehe, und darnach trachte, was meinen Geist zufrieden und glüklich machen kan. O wie ruhig bin ich, wenn ich mich frühzeitig mit dem Tode bekannt mache! Diese Bekanntschaft wird mein Gewissen unverlegt bewahren, und mich mit weiser Vorfichtigkeit in einer Welt wandeln lehren, wo allenthalben gefährliche Verführungen meiner Tus gend drohen. Groser Gott, in dessen Händen meine Les benszeit stehet; du erfreuest und tröfteft meine Seele durch den großen Gedanken ihrer Unsterblichkeit. Erweke sie aber auch, so zu denken und so zu handeln, wie sie es bei ihrem Abschiede aus der Welt wünschen wird, gehandeit zu haben. Heilige mich in deiner Wahrheit, dein Wort ist Warheit. Amen! Siehe auch die Lieder: No. 36. Schließt euch Augen, schließt euch zu 2c. No. 37. Ich Mensch vom Staub 2c. Einige 215 Einige neue Bus Beicht und Abendmahlslieder, in Beziehung auf die vorhergehende Gebete. I. Bus- und Beichtlieder. Allgemeine Gewissensprüfung. Mel. Wer nur den lieben Gott låst walten 2c. 1.Wer er bin ich? welche wicht'ge Frage! Gott lehre sie mich recht verstehn! gib, daß ich mir die Wahrheit sage! und laß mich achtsam auf mich sehn. Wer sich nicht selbst recht kennen lernt, bleibt von der Weisheit weit entfernt. 2. Ich bin ein Werk von deinen Händen, du schufft mich, Gott, zu deinem Preis; dazu mein Leben anzus wenden, das ist dein väterlich Geheiß. Doch leb ich als dein Eigenthum, auch wie ich soll zu deinem Ruhm.? 3. Ich bin ein Christ nach dem Bekenntniß. Doch bin ich's, Herr, auch in der That? O! dfne du mir mein Verständnis, recht einzusehn, ob ich den Pfad, den Jesus mir gewiesen, geh? und ob ich auch ine Glauben steh? 4. Du kenneft unsers Herzens Tiefen, die uns selbst unergründlich sind; drum laß mich oft und ernstlich prüfen, wie ich, mein Gott, vor dir gesinnt? Bes freye mich vom falschen Wahn, der auch den Klugsten täuschen kan. 5. Wer alles weiß; und doch verborgen und unbekannt sich selbst noch bleibt: wie will der für sein Bestes 04 Bus- und Beichtlieder. 216 Bestes forgen? Was ist, das den zur Befrung treibt? Sich selbst recht kennen, ist Verstand. Drum mache mich mit dir bekannt. 6. Was mir zu meinem Heil noch fehlet, mein Va. ter, das entdecke mir. Hab ich der Wahrheit Weg ers wählet, so gib, daß ich ihn nicht verlier. Erleuchte mich mit deinem Licht, so täuschen mich Verführer nicht. 7. Bin ich noch fern vom rechten Wege, der mich zum ew'gen Leben führt, so bringe mich zurük vom Stege, der in's Verderben sich verliert. Gib mir zur Beßrung Lust und Kraft; du bist s, der beides in uns schaft. 8. Ich muß es einmal doch erfahren, was ich hier war und hier gethan. O! laß mich's nicht bis dahin sparen, wo Reue nichts mehr helfen kan. Herr, mache mich schon hier recht flug, und frei vom schudden Selbstbetrug. Selbstprüfung eines jungen Christen, der das erstemal zum heil. Abendmahl gehet. 2. Herr Mel. Wer nur den lieben Gott låst walten 2c. err! dir gelob ich neue Treue, und neuen Fleiß im Christenthum. Dir, Jesu, geb ich mich auf's neue zu deines Namens Eigenthum. Ich will von dir, o Geist, allein, bewahret und geleitet seyn. 2. Dreiein'ger, nimm von deinem Kinde den Eid der neuen Treue hin. Bisher war ich ein Knecht der Sünde, nun will ich ihre Reize fliehn, und mich schon jung der Tugend weihn. Sieh, dieser Tag soll Zeuge seyn. 3. Ach, oft hab ich den Eid gebrochen, den ich so feierlich dir that. Oft hab ich Besserung versprochen, die nie mein Herz erfüllet hat. Nun heute kehr ich mich zu dir. Ich will mich bessern; hilf du mir. 4. Nie will ich wieder treulos werden, nie deine gus ten Wege fliehn. Kein Scheingut, keine Lust der Erden, kein Bus- und Beichtlieder. 217 kein Lafter soll mich dir entziehn. Weich, eitle Welt! o Sünde, weich! Gott hört es! nun entfag ich euch. 5. Gott, regiere du mein Leben, und mache selbs mein Herz dir treu, daß ich der Frömmigkeit ergeben, und heilig, stark und weise sey. Denn ohne dich bleibt immerdar mein Herz verkehrt und wandelbar. 6. Einst werd ich, Herr, vor deinem Throne den Tag des Bundes benedeyn: geschmückt mit jener Sie. ger- Krone, werd ich dann ewig selig seyn. O welch ein Heil! wie freu ich mich! Herr nimm mich hin, dein, dein bin ich. Gewissensprüfung nach den zehen Geboten. 3. Her Mel. Es ist das Heil uns kommen her 2c. err! dein Gesetz, das du der Welt, voll Weisheit hast gegeben, ist uns zur Regel vorgestellt, wornach wir sollen leben. Mach meinem Hers zen es bekannt und lehre mich recht mit Verstand den Sinn desselben fassen. 2. Mit äußerlicher Erbarkeit läßt es sich nicht be gnügen. Ob gleich die Hand nicht schlägt, noch draut, die Lippen nicht betrügen, das Auge nichts Verbot'nes sicht, ja überdies ein jedes Glied in seiner Ordnung bleibet. 3. Ob man nicht flucht und stiehlt auch nicht, und ist kein Sabbathschånder, kein Frevler, der die Ehe bricht, kein Mörder, kein Verschwender, kein Freund vom üppigen Geschwäz: so ist dein heiliges Gesez noch damit nicht zufrieden. 4. Es fordert, daß Leib, Seel und Muth sich im Gehorsam üben, und daß wir dich, das höchste Gut, aus allen Kräften lieben, daß wir nach deiner Heilige keit, in lauterer Vollkommenheit uns mehr und mchr erneuern. 5. Kannst 218 Bus- und Beichtlieder. 5. Kannst du, o Mensch! auf diese Art wohl das Gesez erfüllen? Du siehst darin geoffenbart des Allerhöchsten Willen: doch wie verstrikt in Sklaverei, wie trügend matt dein Wille sey, das kannst du wohl empfinden. 6. Gewiß ist's: weil der Fall geschehn; kann nie. mand hier auf Erden vor Gott durch das Gesez bestehn, gerecht und selig werden. Es fodert viel; und du bist schwach: es drauet denen Fluch und Rach, die es nicht völlig halten. 7. Drum eile mit gebeugtem Sinn, mit Reu und Schaam umhüllet, zu deinem treuen Mittler hin, der das Gesez erfüllet. Nimm das, was er für dich gethan, nimm auch sein Leiden glaubig an, zur Tilgung deiner Schulden. 8. Laß aber auch in deinem Geist dir seinen Willen schreiben. Thu alles redlich, was er heißt. Wenn dann schon Mängel bleiben; so rechnet er sie dir nicht an! was du nicht kannst, hat er ge= than, in ihm bist du untadlich. Um göttliche Traurigkeit über die Sünden. Mel. Wer nur den lieben Gott låßt zc. 4.Gott, hilf mir, daß ich Buse thue, weil mich noch deine Stimme lokt. Bewahre mich vor falscher Ruhe, dabei das Herz sich leicht vers stokt, wenn du selbst das Gewissen rührst, und zum Gefühl der Sünden führst. 2. Du willst, nach deiner grosen Güte, nicht eines eing'gen Sünders Tod. Drum wekst du oftmals sein Gemüthe, zu fühlen seine Sündennoth. Wohl dem, der seine Stimme hört, und endlich sich zu dir bekehrt! 3. Den rettest du von dem Verderben, nimmst seine Buse gnådig an; machst ihn zu deinem Kind und Er. ben, Bus und Beichtlieder. 219 ben, daß er frohlokend rühmen kan: Wie gros ist Gottes Vaterhuld; er tilget meine Sündenschuld. 4. Sollt ich die Güte denn verachten, die mir noch Kraft zur Bessrung reicht? Vom Trofte leer muß der verschmachten, von dem, Gott, deine Güte weicht. Sie aber weicht von dem zulezt, der frevelhaft gering fie schåzt. 5. So gib, daß deiner Gnadenlokung, o Gott, mein Herz stets offen sey; damit mich ja nicht die Versiokung, wenn ich mein Leben ohne Neu, im Sündens dienste zugebracht, zu deinem Zorngefäße macht. Drum 6. Sich bessern ist der Weg zum Leben. laß mich in der kurzen Frist, die du zu meinem Heil gegeben, und die für mich so wichtig ist, nur dafür sor. gen, daß mein Geist dem Sündenelend sich entreißt. 7. Verleihe mir dazu die Gnade, die uns vom Eundendienst befreit, und leite mich selbst auf dem Pfade der christlichen Rechtschaffenheit. Wie selig bin ich dann schon hier! wie glüklich einst, mein Gott, bei dir! Um Vergebung der Sünden. Mel. Chriftus, der uns selig: c. 5.off mein Vater! ich dein Kind, falle vor dir nieder. Siehe, was mein Herz empfindt, und erbarm dich wieder! Groß ist meine Sündenschuld, die mich innigft reuet; größer deine Vaterhuld, die mich noch erfreuet. 2. Zwar ich bins nicht werth, zu dir kindlich aufzusehen: doch du bleibst ein Vater mir, du vernimmst mein Flehen, kennst mein Herz, ermunterst mich, es vor dir zu stillen. Du erhörst mich våter. lich noch um Christi willen. 3. Dx 220 Bus- und Beichtlieder. 3. Du bist meine Zuversicht, aufer dir ist keiner. Dein Geschöpf verwirfst du nicht, Gott, dich jammert seiner; der du deinen Sohn für mich in den Tod gegeben, sein Erlöster bin auch ich, theu'r erkauft zum Leben. 4. Dis, dis soll in jedem Schmerz mein Vertrau'n erweken; vor der Sünde soll mein Herz, nicht vor dir erschreken. Trauen will ich, Vater! dir, stets die Sünde haffen, nie vergessen, daß du mir so viel Schuld erlassen. 5. Preis sey dem Allgütigen, der mein Seufzen kennet; der dem Gnadesuchenden freien Zutritt gonnet! Sing es, Seele, vor dem Herrn, fleuß von Freu den über! Gott, dein Gott, verstößt nicht gern, er begnadigt lieber. 6. Ewig bist du so gesinnt, Schöpfer meiner Seele. Ach wenn ich, dein strauchelnd Kind, noch aus Schwachheit fehle: so gedenkst du, der du weißt, daß mein Herz dich ehret, ich sey Staub, und du verzeihst, dem, der wiederkehret. Um göttlichen Beistand zur wahren Sinnesänderung. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt zc. 6. ott! dir gefällt kein gottlos Wesen, wer böse ist, bleibt nicht vor dir. Drum laß von Sünden mich genesen, und schaf ein reines Herz in mir! ein Herz, das sich vom Sinn der Welt entfernt und unbeflekt erhält. 2. Laß mich auf die begangnen Sünden mit innigster Beschämung sehn; durch Christum vor dir Gnade finden, und auf dem Weg der Tugend gehn! Ich will forthin das Unrecht scheun, und deinemDienst mein Leben weihn. 3. O Bus und Beichtlieder. 221 3. stårke mich in den Gedanken! gib meinem Vorfaz Festigkeit! Und will mein schwaches Herz je wanken, so hilf ver Unentschloffenheit! Wie viel vermag ich, Gott, mit dir! Nimm deinen Geist nur nicht von mir! 4. Gib, daß er mir stets Hilfe leiste, und Muth und Kräfte mir verleih, daß ich mit kindlich treuem Geifte dir bis zum Tod ergeben sey! So sieg ich über Fleisch und Welt, und thue, was dir wohlgefällt. 5. Wenn ich indeß aus Schwachheit fehle, mein Vater! so verwirf mich nicht! Verbirg nicht der betrübten Seele, wenn sie dich sucht, dein Angesicht! und mache in Bekümmernis mein Herz von deiner Huld gewis. 6. Erquite mich mit deinen Freuden! Schaff ein getroftes Herz in mir, und stärke mich in allen Leiden! So halt ich mich, mein Gott! zu dir, bis nach vollbrachter Prüfungszeit, der Deinen Erbtheil mich erfreut. Am Morgen, da man beichtet. Mel. Herzlich lieb hab ich dich 2c. 7.3th ch komme, Friedensfürst zu dir! Erbarmend rufst du ja auch mir, den Frieden zu empfangen. Der Sünden Last ist mir zu schwer. O laß mein Herz von Trost nicht leer! laß es die Ruh erlangen! die du dem tiefgebeugten Geist, der zu dir fliehet, selbst verheist. Wer tröstet mich, als du allein? Wer macht mein Herz von Sünden rein? Herr Jesu Christ, mein Trost und Licht!:,: verwirf, verwirf du mich doch nicht. 2. Anbetend steh ich, Herr! vor dir. Dein Antliz neige du zu mir, und sey mir Sünder gnädig. Wenn meine Sünd um Rache schreit, so mache aus Barmherzigkeit mich aller Strafe ledig! Der du am Kreuz ges litten hast, du trugst auch meine Sündenlast, als du zum Heil 222 Bus und Beichtlieder. Heil der Sünder starbst, und ihnen Gottes Huld er. warbst. Herr Jesu Chrift! mein Herr und Gott!$ 1 erldse mich durch deinen Tod. 3. Du, du bist meine Zuversicht! Durch dich ents flieh ich dem Gericht, dem schweren Lohn der Sünden. Durch dich kan ich dem Fluch entgehn, und mich mit Gott vereinigt sehn; durch dich das Leben finden. Dein Tod ist der Verlornen Heil. Gib mir an seinem Segen Theil. Er sey auch mir Beruhigung und meines Lebens Heiligung. Herr Jesu Christ! ich hoff auf dich.:,: In dieser Hofnung stärke mich! 4. Mein ganzes Leben preise dich! Erlöst, mein Mittler! hast du mich, dein Eigenthum zu werden. Wenn ich dein bin, so fehlt mir nichts; nichts einst am Tage des Gerichts; nichts hier auf dieser Erden. Auf dieser Bahn zum Vaterland entzeuch mir niemals dei. ne Hand! zu deinem Dienste stärke mich, und laß mich fiegen einst durch dich! Herr Jesu Christ, mein Herr und Gott!:,: ein Leben sey mir einst dein Tod! * Betrachtung eines Sündens über sich selbst. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte zc. 8. Wie fürcht ich mich mein Herz zu prüfen, mich wer ich bin! Wie blik ich über seine Tiefen nachlässig und leichtsinnig hin! Mich ware net heimlich mein Gewissen: betrug, o Mensch, dich selber nicht! Geneigt, mein Unrecht nicht zu wissen, acht ich auf das nicht, was es spricht. 2. Ich wandle ruhig auf dem Pfade des Leichtsinns und der Eitelkeit. Gott! durch den Misbrauch deiner Gnade, stårk ich mich in der Sicherheit! Nach tausend froh vollbrachten Sünden, denk ein mal ich an Jesum Christ: und hoffe dich versöhnt zu finden, weil er für mich gestorben ist. 3. Nus. Bus und Beichtlieder. 223 3. Ausschweifend bleiben meine Triebe, und unerleuchtet mein Verstand; mein Herz ist leer von deiner Liebe, mit meinen Pflichten unbekannt; mein Glaub ist tod und ohne Früchte, mein Wandel ohne Besserung, und dennoch hoff ich im Gerichte, o Gott von dir Begnadigung! 4. Ich, Unbesonnener! wie lange werd ich mich selber hintergehn? Nah bin ich meinem Untergange; wann werd ich die Gefahr doch sehn! Erweke, Gott, mich aus dem Schlafe! Zeig mir die Größe meiner Schuld! Ach, eile nicht mit mir zur Strafe, und hab, o Vater, noch Geduld! 5. Ob ich mich vor mich selbst verhehle, verhehl ich mich vor dir doch nicht: denn in der Tiefe meiner Seele ist alles deinen Augen Licht. Reiß mich aus meinen Finsternissen! Entdecke du mein Herz vor mir; dann treibe mächtig mein Gewissen zur Buse mich, und, Gott, zu dir! 6. Der du die Herzen prüfft, bekehre, Allwissender, bekehre mich! Führ mich auf ebner Bahn und lehre mich dann getrost vertraun auf dich! Dir laß mich ganz mein Leben weihen! Vor dir sey Herz und- Wandel rein! So werd ich die Gefahr stets scheuen: betrogen von mir selbst zu seyn. In der Kirche. Vor der Beicht. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt zc. 9.શ Ulmächtiger, ich Staub und Sünder, steh hier vor deinem Angesicht! Erbarmer aller Menschenkinder! ach geh nicht mit mir in's Ges richt! Ich bin nicht deiner Gnade werth; doch sie läßt keinen unerhört. 2. Um Trost ist meiner Seele bange! Die Last ge. häufter Missethat liegt schwer auf mir, die dich so lange 224 Bus und Beichtlieder. lange, gerechter Gott, gereizet hat. Weß tröst ich mich, ich Schuldiger, als deiner nur, Barmherzigster! 3. Soll ich an deiner Huld verzagen? ich dein Geschöpf! das willst du nicht. Du, der mich hat bisher getragen, bleibst ewig meine Zuversicht! Du, Gott, durch den ich leb und bin, gibst mich nicht dem Verderben hin. 4. Betrübte Folgen meiner Sünden! Ach meine Schuld! wer tilget die? Du läsfest doch mich Ruhe finden. Ich, sprichst du selbst, ich tilge sie. Hab ich nicht auch an Jesu Heil, nicht auch an seiner Gnade Theil? 5. Er hat auch mir das Recht verdienet, getrost zu dir empor zu sehn; und wenn der Sünder sich erkühnet, durch ihn Vergebung zu erflehn: so bist du, Vas ter, der vergibt, und lieber segnet, als betrübt. 6. Sprichst du zu mir: dir ist vergeben! gestillt ist mein Gewissensschmerz; und will mein zaghaft Herz noch beben, so bist du größer, als mein Herz. Dein Gnadenwort macht alles gut, und schenket selbst zur Tugend Muth. 7. Ich zweifle nicht, ich bin erhöret, mein Glaube sagt's mir, daß ichs bin. Der Trost, der sich im Herzen mehret, der neue dir geweihte Sinn, dies kindliche Vertraun auf dich, bezeugens: du begnas digst mich. Bußlied nach dem 25sten Psalm. Mel. Herzliebster Jefu, was hast du zc. IO. Nach dir verlangt, o Mittler! meine Seele! 10. mein Gott, den ich zu meinem Heil ere wähle! Dir zur Verklärung kamst du, Herr! vom Bösen mich zu erlösen. 2. Daß Bus und Beichtlieder. 225 2. Daß, Heiland! die, die mich verderben wollen, sich meines Falles nicht erfreuen sollen, das hoff ich mit dem freudigen Gemüthe von deiner Güte. 3. Wen hat noch sein Vertrau'n zu dir gereuet? Wen, der dich anrief, hast du nicht erfreuet? Ach! deine Menschen machst du gern aus Sündern zu Gottes Kindern. 4. Du heisest: Gott mit uns! und nicht vergebens. Ach führe mich, mein Heil! den Weg des Lebens. Du kennst allein den Weg zum Vater! zeige, mir diese Steige. 5. Gedenke nicht als Richter meiner Sünden! Laß mein geangstigt Herz Vergebung finden! Du bist das Lamm vom Anbeginn erwürget, für uns verbürget. 3 6. Du bist so gut! so treu! so voll Erbarmen! und lokft mit freundlich ausgestrekten Armen zu dir die Sünder, in den Tod gegeben, damit sie leben. 7. Du bist vom Himmel, Herr! zu uns gekommen, der Sünder Heil zu seyn, nicht nur der Frommen; und hast, daß Glaubige dein Blut entsündigt, uns selbst verkündigt. 8. Ach! giengen wir nur deines Bundes Pfade! denn alle deine Wege, sind voll Gnade, sind Licht und führen, gib, daß ich sie walle, zum Leben alle. 9. Erbarmer! laß denn auch mich Gnade finden, und mache mich auch rein von meinen Sünden. Ach fie sind groß! doch gröser als mein Schade, ist deine Gnade. Bey dem Bewußtseyn einer vorsåzlichen Sünde. Mel. Herr! ich habe misgehandelt 2c. II.Sir allein hab ich gesündigt, Herr, bei dem ich Gnade such! dein gerecht Gesez verkündigt, jedem Uebertretter Fluch. Und was kan vor seinen Schreken, Richter aller Welt! mich deken? Communionb. * 2. Kan 226 Bus- und Beichtlieder. 2. Kan ich deinem Arm entfliehen! Du bist allente halben nah. Flöh ich, dir mich zu entziehen, noch so weit, so bist du da. Du siehst mich auf allen Wegen; wo ich bin ,, bist du zugegen. 3. Herr, ich flieh in deine Hände! auffer dir ist keine Ruh. Dein Erbarmen hat kein Ende: wer ist gnådiger, als du? Du bist Gott und kanst vergeben; ach vergib und laß mich leben! 4. Groß sind meine Sündenschulden, ihre kast ist mir zu schwer. Und wenn, långer mich zu dulden, deine Langmuth müde war; müßt' ich Armer trostlos klagen, und an aller Hülf verzagen. 5. Mich für straflos zu erklären, reicht nicht bloße Neue zu. Und zerflßß mein Herz in Zähren, fånd ich darum doch nicht Ruh. Können eines Sünders Thränen, dich, o Heiliger! versöhnen? 6. Gottversöhner! dein Erbarmen, dein für mich vergoßnes Blut, und dein Tod erlöst mich Armen I heilet mich, und gibt mir Muth. Dein Verdienst ists, was mich deket, wenn mich meine Sünde schreket. 7. Rette mich von meinen Sünden, schaff' ein reines Herz in mir, laß bei dir mich Ruhe finden, zieh mich immer mehr zu dir. Dankbar will ich mich bestreben, mein Erldser! dir zu leben! Bei dem Bewußtseyn mancher Schwachheitssünden. Mel. Alle Menschen müssen sterben 2c. 12. Ach! wann werd ich von der Sünde, Gott, mein Vater, völlig frei, daß ich ganz sie überwinde, ganz dir wohlgefällig sey? Noch nicht, ich gesteh's mit Thränen, kan ich mich von ihr entwöhnen! immer noch ereilt sie mich, und versucht mich wider dich! 2. Långst Bus und Beichtlieder. 227 2. Långst hab ichs mir vorgenommen, die mein Leben ganz zu weihn. Redlich schwur ich, und vollkommen soll vor Gott mein Wandel seyn! Allen Vortheil, alle Freuden, die mich drohn von ihm zu scheiden, will ich mit Verachtung fliehn: denn von Herzen lieb ich ihn! 3. Gott, du sahest, wie ich weinte, wie ich alle Missethat, der ich schuldig war, bereute, und dich um Vergebung bat; welch ein ernstliches Bestreben, meinem Vorfaz treu zu leben, von dem Tag an, immerdar, meiner Buse Wirkung war. 4. Auch hat keine Lust zur Sünde wieder im mein Herz bethört. Ernstlich haß ich sie, und finde täglich diesen Haß vermehrt. Nicht von Leichtsinn hingerissen, that ich wider mein Gewissen; hab auch nicht, so viel ich weiß, mich verfündiget mit Fleis. 5. Aber ach! wie oft emporet sich die Leidenschaft in mir, und verführet mich, und stöhret meine Freudige keit zu dir! Uebereilung, Eigenliebe, des verborgnen Stolzes Triebe, eh' ichs merke, ziehen sie mich zur Sünde; die ich flieh. 6. Weh mir, das ich wider Willen, ja mit to dendem Verdruß, das Gesez der Sünd erfüllen, und dir widerstreben muß. Ach, wer wird mich ganz vom Bösen, von des Todes Leib erlösen! Ich Elender! wer befreit, ganz mich von der Sündlichkeit! 7. Du verzeihst mir die Gebrechen meiner fündigen Natur. Nicht die Schwachheit wirst du rächen: bssen Vorfaz strafft du nur. Hätt ich nicht den Trost, ich würde unter meiner ångel Bürde ganz erliegen, und mich dein, höchstes Gut! nie wieder freun. 8. Stellet mir denn hie auf Erden lebenslang die Sünde nach; kan ich nicht vollkommen werden, bin und bleib ich hier noch schwach: ach so segne mein Be2 streben, 228 Bus- und Beichtlieder. streben, so gerecht ich kan, zu leben, daß ich doch vors Heuchelei und von Bosheit ferne sey. 9. Wenn ich falle, laß michs merken, laß mich streben aufzustehn; eile, mich, dein Kind, zu stärken; lehre selbst mich fester gehn; warne mich; sey mein Begleiter; täglich führe, Gott! mich weiter, bis ich in der Ewigkeit dringe zur Vollkommenheit. Bitte, um Vergebung der Sünden. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 13. Mein Gott, zu dem ich weinend flehe! erbarme dich, erbarme dich! noch einmal sieh von deiner Höhe mit gnadenvollem Blick auf mich! Erbarme dich, und geh noch nicht mit mir, du Nåcher, ins Gericht. 2. Wie oft hast du mir schon vergeben, wann unt Begnadigung ich bat! wie oft verhieß ich dir ein Lez ben, gereiniget von Missethat! wie feierlich war dann mein Eid des Glaubens und der Frömmigkeit. 3. Ach, aber bald ergrif mich wieder die Sünd, und ihre List mir ihr, riß meinen ganzen Vorfaz nieder, und herrschte wie vorher in mir! Zum Widerstande viel zu schwach, floh ich nicht, sondern gab ihr nach! 4. Wie viele sündenvolle Tage durchlebt ich, Vater, als im Traum, und sammlete mir Schmach und Plage, und fühlte dies mein Elend kaum! verwundet blutete mein Herz: betäubt empfand ich keinen Schmerz. 5. Wie nah' bin ich dem Untergange, deu dein Gericht dem Sünder droht. Um Trost wird meiner Seele bange, um einen Retter aus der Noth. Mein richtendes Gewissen wacht: und alles um mich her ist Nacht. 6. 3u, wem, o Vater! soll ich fliehen? wo findet weine Seele Ruh? wer kan sie aus dem Abgrund zie hen, Bus- und Beichtlieder. 229 hen, in dem sie seufzet, als nur du? Mein ganz Vertraun sez ich auf dich: du Freund des Lebens, rette mich! 7. Für meine wiederholten Sünden, floß auch des Weltversöhners Blut! Noch einmal laß mich Gnade finden, durch meinen Glauben an sein Blut! noch einmal, Richter, sage mir: Auch diese Schuld erlaß ich dir! 8. Gott! sey mein Zeuge, da ich schwöre: Mein Herz soll dir gehorsam seyn! Dir, deinem Willen, dei. ner Ehre, will ich mein ganzes Leben weihn! Der Sünde will ich widerstehn, und standhaft deine Wege gehn! 9. Vergiß nicht wieder, meine Seele! wie oft du schon gefallen bist! merk auf die heiligen Befehle des Gottes, der dein Netter ist! ruff ihn im Glauben tåg. lich an: Erhalt mich, Herr, auf ebner Bahn! 10. Ja, ich bin schwach: du wollst mich stärken, mein Helfer in Versuchung seyn, zum Glauben und zu guten Werken mir Kraft und Freudigkeit verleihn, So steh ich fest und wanke nicht, und du bleibst meine Zuversicht. Um ein glaubiges Herz. Mel. Kommt her zu mir, spricht zc. 14.3 weiß und bins gewiß, daß ich erlöst bin, Gottes Sohn; durch dich von aller meiner Sünde. Gelobt sey Gott! ich bins gewiß. Hilf, o Ers retter! daß ich dies bis an mein End empfinde. 2. In dieser lasterhaften Zeit des Leichtsinns und der Sicherheit, wach über meinen Glauben! Du Freund der Menschen, wache du! daß keine Feinde meine Ruh und meinen Trost mir rauben. 3. Den Spott der Frevler über dich, und über deinen Tod laß mich, wie ers verdient, verachten! Mit cesto stärkerer Begier laß meine Seele, Gott! nach pir, und deinem Reiche trachten. P3 4. Wenn 230 Bus und Beichtlieder. 4. Wenn mir die Welt Gelegenheit und Reizung gibt zur Eitelkeit, und zu verbottner Freude: So dámpfe du in meiner Brust die Reizung aller bösen Lust, daß ich sie standhaft meide. 5. Ich möchte sonst, durch sie verführt, die Sünde, die den Tod gebiert, mich überwinden lassen; alsdenn wohl gar entschloß ich mich, vom Glauben abzugehn und dich, nach Art der Welt, zu haffen. 6. Wenn meine Freudigkeit zu dir, mein Glaub und meine Hofnung mir, o Gott! entriffen würde: so würde nichts mein Herz erfreun, nichts meiner Seele tröstlich seyn, fühlt ich des Elends Bürde. 7. Wenn ich von meinem Glauben wich, so würd in meinem Herzen sich bald Angst und Kummer häu fen; und bråche denn mein Tod herein, so würde mich die bångste Pein, Verzweiflung selbst ergreifen. 8. Der du für meine Sünde starbst, und Hofnung mir und Trost erwarbst, laß mich so tief nicht fallen! Erhalte meiner Seelen Nuh, und meinem Wandel lenke du nach deinem Wohlgefallen! Um ein verföhnliches Herz. 15.Der er du, dem Tode nah, für die, die dich erwürgten, batest; der du vor deinem Vater fie, du Menschenfreund, vertratest: wann werd ich dir doch ähnlich seyn, und meinen Feinden gern verzeihn! 2. Ich, Sünder, dem noch Rache glüht im heuch. lerischen Herzen, der noch s in Wohlgefallen fieht an feiner Feinde Schmerzen, ich trete vor dein Angesicht du Gott der Lieb, und jittre nicht! 3. Ich wollte hoffen, Trost im Tod, Huld im Gericht zu finden; zu dir noch fiehen: Richte Gott, mich nicht nach meinen Cünden; und herze nicht die Stimm in mir: Wie du vergiebst, vergibt Gott die! 4. Du Bus und Beichtlieder. 231 4. Du, Stimme Gottes, schalle mir durch meine ganze Seele: Wie du vergibst, vergibt Gott dir; er. wåg es, und dann wähle! Der wählt den Segen, der vergibt, und der den Fluch, der Rache übt. 5. Sey, Seele, werth der Seligkeit, dich selbst zu überwinden! duld und vergib, denn Gott verzeiht, und firaft nicht deine Sünden! Nicht Rache, Segen rufe du, Begnadigte, dem Feinde zu! 6. Auch mein Beleidiger hat Theil, am Heiland aller Sünder; mit Blut erkauft auch ihn zum Heil der Todesüberwinder: An mich und ihn ergeht der Ruf des Gottes, der uns beide schuf. 7. O könnt ihn meine Sanftmuth noch zur Selige keit bekehren! ihn, der mich haßt, das sanfte Joch, die Liebe, tragen lehren; Wie göttlich würd es mich erfreun, der Retter seines Heils zu seyn! 8. Wie würd er mir am Weltgericht mit heisen Chránen danken, mein Freund und Bruder ewig nicht vom meiner Seite wanken, und Gott erhöhen, dessen Hand uns für die Ewigkeit verband! 9. Wie gern will ich, Gott, auf dein Wort, Haß und Verfolgung leiden, wie gern verzeihn, da du mirs dort vergiltst mit solchen Freuden: Wenn mir im Hims mel nur ein Feind dankbare Freudenthrånen weint! * Nach der Absolution. 16.Vater, wenn die Wehmuths, Zähre aus dem trüben Auge rinnt, und der Schmerz bes gangner Sünden nun mit Neu in uns beginnt; wenn der innre Richter spricht, das Gewissen uns bezeuget: wir sind deine Kinder nicht. 2. O dann ist mit Finsternissen dieser müde Geist umhüllt, und das Herz mit tiefer Trauer und mit Kün. P 4 232 Bus- und Beichtlieder. Kümmernis erfüllt. Das Gesez, ins Herz gegeben, bricht dem Sündigen den Stab, und es gråbt dem innern Leben das Bewußtseyn schon das Grab. 3. Gott, wer kan den Müden stårken, dem Ges funknen Kraft verleih'n.?- der allein vollkommen richtet, kan vollkommen nur verzeih'n. Das bist du, o Gott der Liebe, der in unser Innres schaut, wenn mit reuevollem Triebe dieses Herz sich dir vertraut! - 4. Herr, ich habe dir vertrauet, meiner schwachen Tugend nicht der die Reinheit, die du forderst, ime merdar, o Gott! gebricht. Und du schenktest meiner Seele, deinen hohen Freudengeist; ewig sey von meiner Seele, lieber Vater, sey gepreißt. G. E. f. Seidel. Dankbare Empfindungen zu Hause, nach der Absolution. Mel. Nun lod, mein Seel den 2c. 17.Auf! meine Seele, finge; es finge Gott, was in mir ist, dem Schöpfer aller Dinge! Weh dem, der seinen Gott vergißt. Er hat, er hat verges ben dir deine Misfethat; gerettet dich ins Leben, mit gnadenvollem Rath; beschüttet dich mit Heile, vom Elend dich befreit, und einst wird dir zu Theile die Ruh der Ewigkeit. 2. Er hat uns wissen laffen sein heilig's Recht und fein Gericht; Erbarmung ohne Maffen dem Frommen, der den Bund nicht bricht. Schnell eilt sein Zorn vorüber, straft nicht nach unsrer Schuld; der Herr begnadigt lieber, nimmt lieber auf zur Huld! Wohl dem, der Christo lebet! Gott ist er angenehm. Mit Adlersflügeln schwebet Erbarmung über dem. 3. Wie Våter mit Erbarmen auf ihre schwachen Kinder schaun, so thut Gott an uns Armen, wenn wir nur kindlich ihm vertraun. Gott weiß es, wir sind Sunder; Bus- und Beichtlieder. 233 der; Gott weiß es, wir sind Staub, und der Verwefung Kinder, ein niederfallend Laub! Kaum, daß die Winde wehen, so ist es nicht mehr da! Wir Sterbliche vergehen; stets ist der Tod uns nah. 4. Des Ew'gen Gnad alleine bleibt, gleich als er, in Ewigkeit, bei dir, des Herrn Gemeine, die ganz sich feinem Dienste weiht, und daß fie selig werde, mit Furcht und Zittern ringt. Auf! daß ihr von der Erde schon jezt euch dorthin schwingt. Dort nimmt mit seinen Engeln, auch unsrer Brüderschaar, nun rein von allen Mängeln, siets seines Lobes wahr. 5. Anbetung, Preis und Ehre sey dir, Gott Vater, Sohn und Geist! Wir singens in die Chöre der Schaar, die dich vollkommen preißt. Anbetung, Preis und Ehre, dir, der du warst, und bist! Wir stammelns nur; doch höre, hör uns, der ewig ist! Einst tragen wir auch Palmen, du Gott, auf den wir traun, einst fingen wir dir Psalmen, wann wir verklärt dich schaun. Zur Abendandacht. Mel. Herzlich lieb bab ist dich 2c. 18.Gelobt feyft bu, mein Herr und Gott! gelobt für unsers Mittlers Tod, der uns das Heil erworben! Wie hast du, Gott, auch mich geliebt! Er, der uns ewigs Leben gibt, ist auch für mich gestorben. Mein ganzes Herz frohlokt in mir. O Vater, ich lobfinge dir. Gib, daß ich jeden Tag aufs neu mich deiner Vatertreu erfreu. Gott meines Heils, sey ewig, mein:,: und laß mich dir recht dankbar seyn! 2. Voll froher Ehrfurcht beug ich mich vor dir, Sohn Gottes, der du dich für mich dahin gegeben! Es komme mir nie aus dem Sinn, wie viel ich dir, Herr, schuldig bin. Dein Tod bringt mir das Leben. Durch 234 Bus und Beichtlieder. Durch deines Opfers ew'ge Kraft haft du, o Herr!> auch mir verschaft, was mich vor dem Verderben schůzt, was meinem Geiste ewig nizt. Herr Jesu Chrift! wie liebst du mich!:: Gib, daß ich ewig liebe dich. 3. Mit Inbrunst fleh ich, Herr zu dir: Befördre du doch selbst in mir ein glaubiges Gemüthe! Mich dürstet gleich dem dürren Land, bei deiner Liebe Unters pfand, nach deiner grosen Güte. Ich fühle, Herr! was mir gebricht. O stärke meine Zuversicht, daß du auch mein Erlöster seyst, und mich vom ew'gen Tod befreist. Herr, dieser Trost sey fest in mir!:,: so dien' ich voller Freuden dir. 4. Zur Weisheit und Gerechtigkeit, zur Heiligung und Seligkeit bist du mir ausersehen. Auch mir zum herrlichsten Gewinn, gabst du dein Leben willig hin. Drum hör auch jezt mein Flehen. Mein Heiland zeuch mich ganz zu dir; ja, durch den Glauben wohn in mir: so nimmt in mir die Seelenruh, und meines Herzens Beßrung zu. Mein Herr und Gott verlaß mich nicht,:,: so komm ich einst nicht ins Gericht. 5. Zu deinem Himmel hilf du mir. Die Freudenfülle ist bei dir; laß sie mich einst geniesen. Belebe mich mit Muth und Kraft, so meine ganze Pilgrima schaft zu führen und zu schliesen, daß mir dein Wort stets heilig sey, daß ich, bis in den Tod dir treu, mit Freuden thu, was, dir gefällt, und dich auch ehre vor der Welt. O Herr, mein Heil! sey stets mit mir so komm ich einst gewis zu dir. II. 235 II. Abendm a hI slieder. Morgenlied eines Communicanten. Mel. Jesus meine Zuversicht ic. 19. Tag, ben mir der Herr gemacht! Sey gefegnet, Tag der Freude! Du erhellst des Kummers Nacht und erquikest mich im Leide. Heil und Leben schenkst du mir, Gott, wie dank ich dir dafür! 2. Widerspenstig seinem Ruf, hab ich meinem Gott betrübet, ihn, der mich zum Glük erschuf, und mich fiets so treu geliebet; bin gewichen von dem Pfad, den sein Wort gezeichnet hat. 3. Der ich kühn sein Recht entehrt, der ich seine Macht verkennet, ach! ich bin es nicht mehr werth, daß er noch sein Kind mich nennet. Ich verdiene Fluch und Tod, die sein Mund den Sündern droht. 4. Dennoch nimmt der Güt'ge mich, wieder auf zu seinem Kinde. Heut vergißt er våterlich seines Zorns und meiner Sünde; gibt durch seiner Boten Hand mir der Gnade süsses Pfand. 5. Tag der Bonne, heiligs Mahl! ewig will ich dein gedenken. Meines Jesu Todesqual soll mir Tro im Leiden schenken, und mein Leben soll allein seinem Ruhm gewidmet seyn. Ane 236 Abendmahlslieder. Andacht eines Communicanten zu Hause, vor dem heil. Abendmahl. Mel. Schmüte dich, o liebe Seele zc. 20.Müde, sündenvolle Seele mach dich auf, erlöste Seele! komm, Vergebung zu empfangen: denn dein Licht ich aufgegangen; denn der Herr, voll Heil und Gnaden, hat zu sich dich einges laden! deinen Bund sollst du erneuen, und dich deines Heilands freuen. 2. Eile, wie Verlobte pflegen, glaubensvoll dem Herrn entgegen; daß er dich der Sünd entlade, gibt er heute Gnad um Gnade. Komm! es ist des Mittlers Wille! komm und schöpf aus seiner Fülle! daß er dich der Sünd entlade, gibt er heute Gnad um Gnade. 3. Herr! ich freue mich mit Beben. Laß mich Gnad empfahn und leben, mit der glaubenden Ges meine, daß mit ihr sich Gott vereine, durch des neuen Bundes Speise, auf so wunderbare Weise; o wer darf sich unterwinden, dies Geheimnis zu ergründen? 4. Gottmensch! laß mich würdig nahen, Leben, Leben zu empfahen. Ach! wie pflegt ich oft mit Thranen, mich nach deinem Mahl zu sehnen! Ach! wie hat mich so gedürftet, Gott, nach dir, mein Gott, gedürftet! Laß, Geopferter, mich nahen, Leben, Le= ben zu empfahen. 5. König! Hohepriester! Lehrer! du mein göttlicher Bekehrer! der für meine Schuld Verbürgter! Gott Geopferter, Erwürgter! Hier fall ich zu deinen Füssen: Laß, laß würdig mich geniesen diese deine Himmelsspeise, mir zum Heil, und dir zum Preise. 6. Zum Gedächtnis deiner Leiden, und zum Vorschmak jener Freuden, die du, Gottmensch, mir erftrittest, Abendmahlslieder. 337 strittest, als du unaussprechlich littest; als dich Todesschweise dekten, dich die Schreken Gottes schrek ten; als du blutetest, verlassen, ach! von Gott, von Gott verlaffen. 7. Deines Heils will ich mich freuen, dir will ich mich ewig weihen. Eng ist deines Lebens Pforte: noch schau ich im dunkeln Worte: einst werd ich dich ganz erkennen, ganz in deiner Liebe brennen. Laß sie mich auch hier empfinden; hilf mir, hilf mir überwinden. Stille Andacht eines Communicanten in der Kirche vor dem heil. Abendmahl. Mel. Wer nur den lieben Gott låst zc. 21.Hier bin ich, Jeſu! zu erfüllen, was du in deiner Leidensnacht, nach deinem gnadenvollen Willen, zur Pflicht und Wohlthat mir gemacht. Verleih, zur Uebung dieser Pflicht, mir deines Geistes Kraft und Licht. 2. Es werde mir für mein Gewissen, dein Mahl ein tröstlich Unterpfand; daß ich, der Sündenschuld entrissen, durch dich bei Gott Vergebung fand! so freuet meine Seele sich in deinem Heil, und lobet dich. 3. Bewundernd denk ich an die Liebe, womit du unser Heil bedacht. Wie stark sind deines Mitleids Triebe, die dich bis an das Kreuz gebracht! Es mache, Herr, dein Todesschmerz, izt neuen Eindruck auf mein Herz. 4. Laß mich mit Ernst die Sünden scheuen, für welche du, dich opfernd, starbst: durch schnöden Misbrauch nie entweihen, was du so theuer mir erwarbst. Nie führe mich zur Sicherheit der Trost, den mir Dein Tod verleiht. 5. Ich 238 Abendmahlslieder. 5. Ich übergebe mich aufs neue, o du, mein Herr und Gott, an dich. Ich schwöre dir bestånd'ge Treue bei deinem Mahle feierlich. Dein eigen will ich ewig seyn: Du starbst für mich, drum bin ich dein. 6. Nie will ich mich vor Spöttern schämen des Dienstes, den man dir erweißt! nie mich zu einem Schritt bequemen, den mein Gewissen sündlich heist. O flöse mir den Eiser ein, wie du, o Herr, gesinnt zu seyn. 7. Laß mich mit Ernst den nächsten lieben, und wenn er strauchelnd sich versieht, Versöhnlichkeit und Sanftmuth üben, aus würklich christlichem Gemüth, stets eingedenk der Sündenlast, die du mir, Herr, erlassen hast. 8. Es stårke sich in mir der Glaube, daß meine Seele ewig lebt, und daß einst aus des Grabes Staube mich dein allmächt' ger Ruf erhebt, wenn du dich, gros ser Lebensfürst! den Völkern sichtbar zeigen wirst. 9. Gebeugt lieg ich zu deinen Füsen, mit Dank und Lob, Gebet, und Flehn. Laß neue Gnade auf mich fliesen! Mein Heiland! laß es doch geschehn, daß mir, zur Stärkung meiner Treu, dein Abendmahl gesegnet sey. Mel. Ein Lamm geht hin und trägt zc. komme, Herr! und suche dich, mühselig 22.Jh und beladen. Gott, mein Erbarmer! würdge mich des Wunders deiner Gnaden! Ich liege hier vor deinem Thron, Sohn Gottes und des Menschen Sohn! mich deiner zu getrösten. Ich fühle meiner Sünden Müh, und suche Nuh, und finde sie im Glaus ben der Erlösten. 2. Dich bet ich zuversichtlich an, du bist das Heil der Sünder; du hast die Schulden abgethan, und wir Abendmahlslieder. 239 wir find Gottes Kinder. Ich denk an deines Leidens Macht, und an dein Wort: Es ist vollbracht! Du haft mir heil erworben. Für mich hast du dich dargestellt. Mit sich versöhnte Gott die Welt, da du für fie gestorben. 3. Des freuet sich mein Herz in mir! Du tilgest meine Sünden, und läßt bei deinem Mahle hier mich Gnad um Gnade finden. Du rufft, und er erhört dich schon, spricht liebreich: Sey getrost, mein Sohn! die Schuld ist dir vergeben. Du bist in meinen Tod getauft, und du wirst dem, der dich erkauft, von ganzem Herzen leben. 4. Dein ist das Glük der Seligkeit; bewahr es hier im Glauben, und laß durch keine Sicherheit mir diese Krone rauben. Sieh, ich vereine mich mit dir: ich bin der Weinstok, bleib an mir: so wirst du Früchte bringen. Ich helfe dir, ich stärke dich, und durch die Liebe gegen mich wird dir der Sieg gelingen. 5. Ja, Herr! mein Glük ist dein Gebot; ich will es treu erfüllen, und bitte dich, durch deinen Tod, um Kraft zu meinem Willen. Laß mich von nun an würdig seyn, mein ganzes Herz dir, Herr, zu weihn, und deinen Tod zu preisen! Laß mich den Ernst der Heiligung, durch eine wahre Besserung, mir und der Welt beweisen. * Um würdigen Genuß des heiligen Abends mahls. 23. Selig, wer mit reinem Herzen Theil an deis nem Mahle nimmt; wenn der Andacht heilig Feuer wahr in seinem Innern glimmt: laß mich reines Herzens kommen, schaff es, Vater, selbst in mir; ewig weih mit allen Frommen ich es, mein Erlöser, dir! 2. Se 240 Abendmahlslieder. 2. Selig, wer den sanften Frieden in dem stillen Herzen nährt, und dem Fehlenden Verzeihung, die er selbst wünscht, gern gewährt; der erscheint bei dei nem Tische würdig, und gefället dir. O zum schönen Frieden fertig, sey, mein Gott! dies Herz in mir. 3. Selig, wer mit festem Muthe immer seinem Gott vertraut, und bei deinem Liebesmahle glaubensvoll gen Himmel schaut. Herr, ich nahe voll Vertrauen mich zu dir, und bitte dich: stårke, Vater, meinen Glauben: so erschein ich würdiglich. 4. Selig, wem nach ernster Prüfung reuevoll das Herze schlägt; wer den Vorfaz der Veredlung tief in seinen Innern trägt. Voll von edlen Vorfaz schläget reuevoll dies Herz in mir.- Laß mich würdig, Vater, nahen; ewig, ewig dank ich dir! G. E. f. Seidel. Dankbare Erinnerungen an die großen Leiden Jeju. Mel. Ein Lamm geht hin und trägt 2c. 24. r rhebe vom Geräusch der Welt, o Seele! deine Flügel, hin, wo die Wuth ihr Opfer. hålt. Eil hin zum Leidenshügel! Ihr Himmel, welch ein Mensch ist das! wie drukt ihn seiner Feinde Haß mit höllisch wilden Freuden; er, der die Toden aufers wekt, der muß, mit Wunden überdekt, den Tod der Mörder leiden. 2. Geduldig siehet er sein Blut in vollen Strömen fliefen, fleht für die Frevler, die voll Wuth es im Triumph vergiesen. Schau! izt umhüllt ihn finstre Nacht; er ruft, er ruft: Es ist vollbracht! nun senkt sein Haupt sich nieder. D, meine Seele! freue dich! dir gab, der hier am Kreuz erblich, das Recht zunt Himmel wieder. 3. Er Abendmahlslieder. 240 62. Er, er hat deine Missethat, den Fluch für dich getragen. D Seele! deine Sünde hat den Frommen so zerschlagen. Durch ihn nimmt dich der Vater an; die Wunder seiner Güte kan fein sterblich Lied erheben. Doch hört er unsre Lieder gern; Anbetung, Preis und Dank dem Herrn, der uns sein Heil gegeben. Mel. Freu dich sehr, o meine zele zc. 25.Der am Kreuz ist meine Liebe; meine Lieb ist Jesus Christ. Weich von mir, des Eitlen Liebe, alles, was nicht ewig ist! Was du gibst, ist nicht von Gott, und womit du lohnst, ist Tod. Meine Lieb ist der Erwürgte, der für mich beim Richter bürgte. i doma 507) 394 2. Der am Kreuz ist meine Liebe, Frevler, was befremdet's dich, daß ich Jesum Chrifium liebe? Er, er blutete für mich; dürstend, bleich, ein Fluch gemacht, Hieng er in des Todes Nacht. Meine Lieb ist der Era würgte, der für mich am Kreuze bürgte. Ont 3. Der bis in den Tod mich liebte, der mich ihm nachringen hies; weh mir, wenn ich den betrübte, den, statt meiner, Gott verlies! Kreuzigt ich nicht Gottes Sohn? trât ich nicht sein Blut mit Hohn? Schůze, schůze mich vor Sünden, hilf die Welt mir überwinden. 4. Der am Kreuz ist meine Liebe! Was ist dir noch fürchterlich? ruh Gewissen! Gott, die Liebe, Jesus opfert sich für mich. Schaue, wie er blutend ringt mit der Sünd, und sie bezwingt; den am Kreuz hab ich gefunden, habe durch ihn überwunden. 5. Der am Kreuz ist mein Vertrauen! nichts wie furchtbar es auch ist, keines, keines Todes Grauen reist von dir mich, Jesu Christ! Nicht Gewalt, nicht Gold, nicht Ruhm, Engel nicht, kein Fürstenthum; dir, dir will ich lebend trauen, sterben dir: dich werd ich schauen. Communionb. 6. Det 242 Abendmahlslieder. 6. Der am Kreuz ist meine Liebe! komm, o Tød! du bist mein Freund. Wenn ich, wie ein Staub, vere stiebe, wird mit mir mein Gott vereint. Dann empfah ich seinen Lohn, schaue dann den ew'gen Sohn, den ich dann nicht mehr betrübe: du bist ewig meine Liebe. Mel. Es gewißlich an der Zeit 2c. Ich will das Abendmahl des Herrn, des Mitt26.3 lers, jezt empfahen, von allen Weltgeschäf ten fern, will ich zu ihm mich nahen. O Tag, wie heilig bist du mir, wie soll nicht meine Seel an dir, ihn, meinen Gott, erheben! 2. Nicht die Gewohnheit treibt mich hin, nicht der Betrug der Sünde, daß auch ein lasterhafter Sinn bloß dadurch Gnade finde. Gelobt sey Gott, von Heucheley bin ich entfernt,' auch bin ich frei von Lust zur Uebertretung. 3. Bekennen will ich öffentlich, dein Sterben sey mein Leben; dir, mein Erlöser! hab ich mich zum Eigenthum ergeben: ich wolle, weil ich lebe, dein, und deiner Liebe mich erfreun, mich sterbend deis ner trösten. 4. Demüthig will ich meine Schuld vor meinen Gott gestehen, und, überzeugt von seiner Huld, zu ihm um Gnade flehen. Ich will mit glaubigen Vertraun nach deinem Kreuz, o Jesu! schaun, und frölich Gnade hoffen. 5800 thint 115140 5. Dein Leib und Blut versichre mich von dies ser deiner Gnade: daß meine Sündenschuld durch dich mir nun gewiß nicht schade: daß ich durch deinen Kreuzes. Tod, entsündigt und versöhnt mit Gott, ein Erbe sey des Lebens. 6. Wie werd ich dann, der Sünde feind, dich mein Erretter lieben! wie ernsilich mich, mit dir ver Mit eint, Abendmahlslieder.. 243 eint, in frommen Thaten üben! Wie werd ich dir mein Lebenlang für deine Liebe Preiß und Dank, für bei o mein Erlsfer bringen. 7. Ich steh vor deinem Angesicht, du siehst, daß ich nicht lüge, du siehst auch, daß mein Herz fich nicht mit Vorfaz selbst betrüge. So komm ich denn mit Freudigkeit, voll Hofnung meiner Seeligkeit, zu deinem Abendmahle. drogas 8. O, meine Seele, denke nach! ganz fündlich war dein Leben: und Jesus hat in Kreuzesschmach für dich sich hingegeben, was bist du dem, der dich so liebt, daß er für dich sein Leben gibt, für seine Liebe schuldig? Ueber die lezten Worte des sterbenden Erlösers. SE Mel. Wie wohl ist mir, o Freund 2c. 27.Begleite m mich, o Chrift! wir gehen zum schmerzensvollen Golgatha, auf dessen fürchterlichen Höhen, was nie ein Engel faßt, geschah. Erwag an diesem heilgen Orte des sterbenden Erlösers Sie können Worte, und rufe Gott im Glauben an. dir den Trost im Leben, und einst den Trost im Tode geben, wenn hier dich nichts mehr trösten kan. 2. Schon zeigt der Blutberg sich von weiten. Erschrik und zittre, frommes Herz! Sieh, deinen Rete ter! fieh ihn streiten! und werde ganz Gefühl, ganz Schmerz! Hier hieng, den Mördern übergeben, am Holze Gottes Sohn, dein Leben. Hier trug er unsrer Sünden Schuld; empfand in jenen bangen Stunden! was nie ein Sterblicher empfunden; und bracht uns wieder Gottes Huld. 3. Gedultig bei den größten Schmerzen, nimmt er fich seiner Feinde an. Er ruft mit sanftmuthsvollem Herzen: Sie wissen nicht, was sie gethan. Der gött». Liche, 22 244 Abendmahlslieder. liche, der größte Beter, fleht liebreich noch für Missethäter, Werkzeuge seiner Pein und Schmach! O Mensch, den Rach und Zorn verführen! laß dich durch dieses Beispiel rühren, und bete dem Versöhner nach. 4. Welch Beispiel kindlich frommer Triebe, als unter Leiden ohne Zahl, der Herr, dem Jünger seiner Liebe, die Mutter sterbend anbefahl! Ach! wird mein Aug einst um die Meinen in seiner legten Stunde wei. nen: so soll dies Wort mir Trost verleihn! Der, als der Tod schon um ihn schwebte, die Seinen noch zu schüzen strebte, wird auch der Meinen Vater seyn. Grun HEOS 5. Frolokt, busfertige Verbrecher! Wer glaubet, kommt nicht ins Gericht. Hört, was zu dem gebeugten Schächer der Mund der Liebe sterbend spricht: Du wirst, so ruft er ihm entgegen, noch heute deines Glattbens wegen, mit mir im Paradiese senn. D Herr, las an des Todes Pforte, einst diese frostesvollen Worte auch meiner Seele Trost verleihn! 19:30 6. Wer kan die hohen Leiden fassen, als Christus an dem Kreuze rief: Mein Gott! wie hast du mich verlassen! Wie beuget ihn die Last so tief, die unsre Sünden auf ihn brachten! Vor Angst und Pein müßt er verschmachten, wär Gott nicht seine Zuversicht. Herr, der für mich zum Tod gegangen, für mich vers lassen da gehangen! mein Herr und Gott! verlaß mich nicht. 7. Der Fürst des Himmels und der Erde, von allem, was erquikt, entblöst, wünscht, daß sein Durst gestil let werde. O Mensch, der dich so theu'r erlöst, der Heiland rufet dir noch heute aus tausend Armen, dir zur Seite, die Hunger, Durst und Mangel drukt. O felig, wer den Ruf erfüllet! Denn wer den Durft des Armen stillet, der hat den Heiland selbst erquikt. 8. Nun Abendmahlslieder. 245 8. Nun enden sich die schweren Leiden. Der Heiland spricht: Es ist vollbracht! O Wort des Sieges! Wort der Freuden! du nimmst dem Tode seine Macht. Heil uns, wer darf es nun wohl wagen, uns, die Erlöften zu verklagen, da er für uns genug gethan? Gib, daß am Ende meiner Tage auch ich, o Herr! mit Freuden sage: Vollbracht ist nun des Leidens Bahn! 9: Das lezte Wort aus deinem Munde, Versöhner Gottes, sey auch mein! Laß es in meiner Todesstunde mir Muth und Kraft und Trost verleihn. Du rufest: Vater! ich befehle, in deine Hände meine Seele, die allen Menschen Heil erwarb. Nun war das grose Heil vollendet, wozu der Vater ihn gesendet, da neigt er fanft fein Haupt und farb! Io. Bewein ihn fromm mit stillen Zähren, o Christ! du haft ihn sterben schn. Bald wirst du ihn durch Freuden ehren, und jauchzend seinen Ruhm ers höhn. Den deine Seufzer jezt beklagen, der wird als Held nach dreien Tagen vom Grabe siegreich auferfiehn. Den freche Rotten hier entehrten, den wirst du dort bei den Berklärten, zur Rechten seines Vas ters sehn! Danksagung für das empfangene heilige Abendmahl. Mel. Nun freut euch lieben Christen 2c. 28. Froblokend rühmt rohlokend rühmt mein Danklied dich, Herr, der du mich erquifest! Nun weiß ich, daß du väterlich uns segnest und beglükest. Durch meines Heilands Leib und Blut, kehrt deine Liebe, welch ein Gut! in meine Seele wieder. 2. Ich kam, gebeugt von Sündenschuld, mühselig und beladen, voll Zuversicht auf deine Huld, zu dir, dem Gott der Gnaden. Verschone, rief ich, tode nicht 03 246 Abendmahlslieder. nicht den Sünder, welchen dein Gericht und sein Verderben schreket. 3. Herr! der du das zerbrochne Nohr nicht zu zerstoffen trachtest! was ist der Mensch der dich verlohr, daß du so hoch ihn achtest? Vergebung hast du mir geschenkt, die Sünden, die mich hart gekränkt, durch Christum weggenommen. 4. Er, der für mich am Kreuze starb, gibt mir sich zu genießen. Das Heil, daß mir féin Tod erwarb, beruhigt mein Gewissen. Ich leb in ihm, und er in mir! O welch ein Leben! Gott ist hier! wer will mich nun verdammen? 5. Erweke durch dein Nachtmahl mich, o Herr, zum neuen Leben, durch Fleiß im Guten will ich dich bis in den Tod erheben: Gehorsam, Demuth Lieb und Treu, und Frömmigkeit ohi Heuchelei, so lang ich lebe, übeu. 6. Bin ich ein Geist und Leib mit dir; wie sollt ich von dir weichen? Dein Abendmahl, o Herr, gibt mir das größte Gnadenzeichen. Versöhner meiner Sündenschuld! du schenkst dich mir voll Lieb und Huld, daß ich dein ewig bleibe. 7. Und endlich kommt der Uebergang zu jenem bess ay te fern Leben, wo wir mit Ruhm und Preis und Dank, dich, Herr! verklärt erheben. Dann eß und trink ich neu mit dir,( dein gnädig Wort verheißt es mir) bei deinem Himmelsmahle. Zu Hause nach der Communion. Mel. Fren dich sehr, o meine 2c. KANG 29.Deffentlich in der Gemeine, Mittler! hab ich bekannt. im Brod und Weine deiner Liebe göttlich Pfand. Feierlich war da mein Eid ewiger Beständigkeit. Du, der sich mit mir vereinte, hat gesehen, wie ichs meinte. 2009 2. D! Abendmahlslieder.13 bil2. D! wie ward da deine Güte, Menschenfreund, von mir verehrt!: Wie empfand da mein Gemüthe mächtig ihren ganzen Werth! Als ich dich auf Gol. gatha für mich, Sünder, sterben sah, wie erstaunt ich! wie entzükte mich die Huld, die ich erblikte! 247 3. Laut rief in mir mein Gewissen, bist du würdig Dieser Huld? Siehst du ihn sein Blut vergiesen? wisse! das macht deine Schuld! Schaam und Neu erfüllten mich glaubensvoll blikt ich auf dich. Sünber! sprachst du, du sollst leben! alle Schuld ist dir vergeben. 4. Ja ich weiß es, ich soll leben und des Himmels Erbe seyn Alle Schuld ist mir vergeben: denn dein Blut, Herr! macht mich rein. Du vertrittst mich im Gericht; Gott verurtheilt mich nun nicht, wenn ich standhaft an dich glaube, und auf deinen Wegen bleibe. 5. Und ich will dich nicht verlassen, nicht von deinen Wegen gehn: jede Sünde will ich hassen, und den Lüsten widerstehn. Mein Erretter! ach gieb du Stårt und Freudigkeit dazu, daß ich standhaft an dich glaube, und auf deinen Wegen bleibe. 6. Laß mirs mein Gewissen sagen, wie so schmerz. haft seine Pein, wie so schwer der Sünde Plagen und der Hölle Schreken seyn. Es erinure mich daran, wie viel du an mir gethan; und umsonst sey deine Liebe, wenn ich dir undankbar bliebe! 1 7. Reine Liebe meine Brüder, fey die Frucht der Dankbarkeit! Wie find alle deine Glieder, Erben deiner, Seligkeit. Auch der mich jezt haffet, ist dein ErIdster, Jesus Christ! Dort wird er mich nicht betru ben, sondern ewig wieder lieben. 1917927 24 8. Gott 248 Abendmahlslieder.e 8. Gott, zu dem ich findlich trete! blike! väterlich auf mich! höre gnädig, was ich bete: ganz verlaß ich mich auf dich. Reiche Frucht der. Besserung Wachsthum in der Heiligung, Hofnung auf das ew'ge Leben, laß dein Abendmahl mir geben. Mel. Jefus meine Zuversicht 2c. min? ühme, Seele! dein Gesang triumphire, rühme, singe! heilig sey er, daß dein Dank bis zum Throne Gottes dringe! in der Engel jauchzend Chor hebe sich sein Flug empor. 2. Meine Sünden brohten mir schon mit meinem Untergange ich erbebte, Gott! vor dir, um Erquis kung war mir bange. Ewigkeit, Gefez und Grab schrekten mich, und Gott vergab! hint 3. In der feierlichen Nacht rang für fündige Ges schlechte Jesus Christ, zum Fluch gemacht, daß der Richter schonen möchte. Und der feierlichsten Nacht hat der Richter, Gott, gedacht. ar bi shii 4. Sey getrost! vergeben sind, wenn du glaubest, deine Sünden; ewig bist du Gottes Kind. Wer vermag das zu empfinden? Welche Seligkeit und Nuh! Gott! wo ist ein Gott wie du? 5. Ich empfing ihr göttlich Pfand, seinen Leib für mich gegeben, und sein Blut; ich nahms und fand in dem Blute Heil und Leben. Preis der feierlichsten Nacht, ewig werde dein gedacht!" 6. Mittler, Auserwählter, Freund! Ursprung aller meiner Freuden! Du hast mich mit dir vereint: nichts soll mich von dir je scheiden; ewig, ewig bist du mein, ewig, ewig bin ich dein. 7. Ich, entzükt an deiner Brust, will auf deine Stimme merken. Hohe, himmelsvolle Lust flammt mich Abendmahlslieder. 249 mich an zu großen Werken. Furcht vor Gott und Heiligkeit sey mein Schmuk und Feierkleid. 8. Ich, ein Pilgrim, streke mich nach dem Kleis nod an dem Ziele, sicher, daß ich bald durch dich Got tes Seligkeiten fühle, da, wo stets dein Lob erschallt. Komm, Herr Jesu, komme bald! tid asi Freudigkeit eines Communicanten. Jan Mel. Jesus, meine Freude zc. 31. Wie getroft und heiter, du Gebenedeiter! machst du meinen Geist! Der du, die dir trauen, führst zu grünen Auen, und so gern erfreust! Niemals wird bei dir, o Hirt! Freund und Tröster meiner Seelen, mir Sequikung fehlen. 2. Deinem Rath ergeben, freu ich mich zu leben: was du willst ist gut. Nichts vermag ich Schwacher; da mein Seligmacher, rüstet mich mit Muth. Wann die Welt erbebt und fällt, wenn Gericht und Hölle schreken, willst du mich bedeken. 3. Ich kan ohne Grauen, Gråber vor mir schauen: Mein Erlöser lebt! Ich weiß, wem ich glaube, weiß, daß aus dem Staube mich sein Arm erhebt. Todestag! dein Schreken mag eines Frevlers Herz erschüttern: Was brauch ich zu zittern? 4. Auch in mir ist Sünde: Doch ich überwinde sie, mein Herr! durch dich. Sink ich oft noch nieder: du erhebst mich wieder, du begnadigst mich. Deine Huld tilgt meine Schuld, nie entziehst du deinem Knechte der Erlösten Rechte. m5. Daß ich Gott erkenne, und ihn Vater nenne, und mich evig fein; daß ich hier am Grabe Trost und Hofumy babe: bank ich die allein. Daß dein Geist mich unterweist, und mich führt auf ebnem Pfade, dank ich deiner Gnade. irel 6. Der 250 Abendmahislieder. 6. Der du Blut und Leben für mich hingegeben, daß in meiner Noth ich nicht hilflos bliebe: groß ist deine Liebe, stårker als der Tod! Here, und ich, ich follte mich deiner Huld, nicht dankbar freuen? dir mein Herz nicht weihen? 7. Würdig dir zu leben, dies sey mein Bestreben, meine Lust und Pflicht! Was die Welt vergnüget, o mein Gott! das gnüget meiner Seele nicht. Hab ich dich, wie gern will ich das, wornach die Eiteln trachten, hier in dir verachten. 8. Macht ein Gut der Erde, daß ich glüklich werde, durch Zufriedenheit? Sind nicht auch die Ehren, die die Welt bethören, Traum und Eitelkeit? Dus era freust des Menschen Geist, Herr, du willst, die dich 105 10 You verehren, ewig wieder ehren. 9. Deinen hohen Frieden schmek ich schon hienieden. Und was hoff ich dort? Unbegrängte Zeiten voller Seligkeiten hoff ich. Auf dein Wort sind Sie mein, durch dich allein. Bleib ich dir getreu im Glauben, wer faa fie mir rauben? 10. Boll von deiner Gute, frohlokt mein Gemüthe, Herr, mein Heiland, dir. Dieser Geist der Freuden stärke mich im Leiden, weiche nicht von mir! Laß mich so beherzt und froh einst durchs Thal des Todes drina gen, dort dein Lob zu singen. 01 Um herzliche und beständige Liebe zu Jesu. Mel. Jesu, meines Lebens: c. 32 der mein Gott, wie lieb ich dich! und mit welchen Seligkeiten fåttigt deine Liebe mich! Seel und Leib mag mir verschmachten: Hab ich dich, werd ichs nicht achten. Mir wird deine Lieb allein mehr als Erb und Himmel seyn. 2. Denk Abendmahlslieder. .251 2. Denk ich deiner: o wie freuet meine Seele sich in mir! o wie hoch gebenedeiet fühl ich mich, mein Gott von dir jeder Blik auf deine Werke, wo ich deine Größe merke, wie entledigt er mein Herz von Bekümmernis und Schmerz. 3. Floßen mir aus deiner Fülle, Gott, nicht tausend Gnaden zu? daß ich ward, das ward dein Wille, daß ich noch bin, schaffest du; daß ich denke, daß ich wähle, dafür dankt dir meine Seele: dankt dir, daß fie dich erkennt, und dich ihren Vater nennt. 4. Du erkauftest vom Verderben mich durch deinen Sohn, o Gott! liefest den Gerechten sterben: mir zum Leben ward sein Tod! ewig dort mit ihm zu ieben, hast du Hofnung mir gegeben; ewig deiner mich zu freun und von dir geliebt zu seyn! 5. Sollt ich dich nicht wieder lieben, der du mich zuerst geliebt?: der mit mehr als Vatertrieben, so unendlich mich geliebt. Könnt ich ruhig hier auf Erden ohne deine Liebe werden? könnte ich nach dieser Zeit würdig seyn der Seligkeit? 6. Heil mir! daß ich es empfinde, wie so liebenswerth du bist! daß mein Herz vom Haß der Sünde, die dich schmäht, durchdrungen ist, daß auf dein Gebot ich achte, und es zu erfüllen trachte! Heil mir! du verbirgest nicht einst vor mir dein Angesicht! 7. Noch lieb ich dich unvollkommen: meine Seel erkennt es wohl! dort, im Vaterland der Frommen, lieb ich dich, Herr! wie ich soll. Ganz werd ich dann deinen Willen kennen, ehren und erfüllen. Gib mir dann vor deinen Thron der vollkommern Liebe Lohn. 200 Gång Abendmahlslieder. Gånzliche Ulebergebung an Gott. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt zc. err! mache meine Seele stille. Bei allem 33. und drüft, geſchicht doch nur dein weiser Wille, der nichts zu meinem Schaden schikt. Du bist's, der alles ändern kan, und was du thust, ist wohlgethan. 252 2. Auch auf den allerrauhsten Wegen, führst du uns zur Glüffeligkeit. Dem bringt selbst Trübfal ew'gen Segen, der dir sein ganzes Herze weiht. Ihr Ausgang wird doch herrlich seyn, siehts gleich der blöde Geist nicht ein. 3. Drum laß mich stille seyn und hoffen, wenn du mir Prüfungen bestimmt. Dein Vaterherz steht Jedem offen, der zu dir seine Zuflucht nimmt, wer still in deiner Fügung ruht, mit dem machst du es immer gut. 4. Uns bleibt oft, was uns nújt verborgen, wer hats je ganz genau erkannt? Wie oft sind unsre Wünsch und Sorgen voll Thorheit und voll Unverstand! wer kan, was seinem Wohlergehen, nachtheis lig ist, ganz übersehen? 5. Nur du, du kennst und wählst das Beste. O Vater! mache selbst mein Herz in dieser Ueberzeugung feste: so ehr' ich auch im größten Schmerz dich noch mit der Gelassenheit: was mein Gott will, ge= scheh' allzeit. 9. Die Stunde wird doch endlich kommen, da mich vollkommnes Glück erfreut. Denn einmal führst du doch die Frommen zur völligen Zufriedenheit. Und dann wird jedem offenbar, daß, Gott! dein Rath der beste war. 7. Dann wird von allen meinen Plagen der ew'ge Nußen mich erfreun; dann wird mein Herz statt aller Abendmahlslieder. 253 aller Plagen, voll deines Danks und Lobes seyn: der Herr, der für mein Heil gewacht, hat alles wohl mit mir gemacht. Ruhige Erwartung der Leiden. Mel. Wie wohl ist mir, b Freund 2c. Itspidam. 34. lag nicht mein Herz wenn alle Freuden des Lebens ferne von dir fliehn! nicht, wenn dir Angst und schwere Leiden bisweilen allen Trost ent ziehn. Erhebe dich vom Staub der Erde, umfasse Gott im Geist, und werde, werth jener hohen Herrlich keit, die Jesus, der für dich gestorben, bei seinem Vater dir erworben. Ein Traum doch nur ist diese Zeit! 4 301 1910 2. Wirst du bei deinem festen Glauben bisweilen von der Welt verlacht: sey stark, und laß ihn dir nicht rauben! ein Gott ist doch, der dich gemacht; ein Jesus, der, troz alles Spottes, unsterblich fizt zue Nechten Gottes, und aller Frommen Zuflucht ist; ein Herr und Richter aller Welten, bereit, dirs ewig zu vergelten, wenn bis zum Tode treu du bist. 3. Verachten dich der Tugend Feinde, wenn du in Einfalt Tugend übst! verlachen: dich selbst deine Freunde, weil du mehr Gott als Freunde liebst: sen standhaft! Laß dich nur verachten; vor allen, die dich hier verlachten, wirst du von Gott geehret seyn. Vor Engeln wird er dich bekennen; dich Freund, dich Sohn, dich Bruder nennen; dich ewig lieben und erfreun. adindi and mobil 4. Bemühst du dich, der Deinen Segen, des Vas terlandes Glük zu seyn; steht dir die ganze Welt ent gegen: laß dein Bemühn dich nicht gereun! Laß keine List noch Spott von Sündern, dich je an weisem Wohlthun hindern. Es ist ein Himmel, Seele! dort wird jede 254 Abendmahlslieder. jede Treu, geübt auf Erden, zehntausendfach vergoltent werden; drum sey beherzt und fahre fort! 5. Mußt du mit Leidenschaften ringen, verwunden Satans Pfeile dich; bist du zu schwach, dein Fleisch zu zwingen, empört in dir die Sünde sich: wahr ists, dies ist dem bessern Herzen ein Quell von unzählbaren Schmerzen, doch bete, Gott hilft. Bet und streit! Hier ist der Kampfplaz; streit und leide, ersiege dir des Himmels Freude! Gott hilft, ergreif die Ewigkeit! 6. Wenn Traurigkeit dein Herz erfüllet, und du vor Angst nicht leben machst: wenn Gott sein Angesicht verhullet, dich nicht erhöret, wenn du klagst: wenn für dich jeder Trost des Lebens in deiner Bangigkeit vergebens, und jedes Labsal Wermuth ist: so darfst du dennoch nicht verzagen; dein künftig Schiksal wird dir sagen, daß du noch Gottes Liebling bist. 7- Sey stark, mein Geist! in jedem Leiden, dein Glaube kämpfe ritterlich! sey reblich, Laster steis zu meiden: der größten Trübsal rühme dich. Sey stark! Gott nennt die Ueberwinder an jenem Tage seine Kinder, sezt sie auf seines Sohnes Thron. Kein Engel kan die Freuden denken, die Jesus wird dem Sieger schenken. Sey stark! Gott selber ist dein Lohn. it Abendlied eines Communicanten. In eigener Melodie. 35.Di ie ihr Gottes Heil gesehen, heitre Augen! schliest euch zu. Seht euch winkt, von Gott versehen, schon des Abends stille Ruh. Fürch tet nicht der Nächte Jammer, dem ihr oft sentgegen thránt. Heut grüßt ihr die Ruhekammer und den Schlaf, mit Gott versöhnt. 2. Dank sey dir für deine Speise, Mittler! für des Lebens Trank; für den Balsam meiner Reise, für dein Leiden Abendmahlslieder. 255 Seiden sey dir Dank! Kan mein Herz was größres hoffen? Meine Schuld ich zugedekt. Dich, o Himmel! fah ich offen, und dein Heil hab ich geschmekt. 3. Durch der Nichte Dunkelheiten bringt mein Aug zum Vater hin. Dort, umhüllt mit Holden Freuden, seh ich meine Strone blühn. Ich seh Jea sum, deffen Gute alle Pein von mir entrüft; und mein Aug, das Freude glühte, sanft zum Schlummer zugedrükt! Tägliche Todesbereitschaft. 2.58 35 i 16 In eigener Melodie. no 36. Schließe euch Augen, ſchließt euch zu, the sollt Gottes Frieden sehen. Långer duré stet nicht nach Kuhfeht, sie kommt auf euer Flehen. Wie? ihr thrant? befürchtet nichts! Laßt die trüben Augen brechen; hört den in der Seele spres chen, der der Herr, der Weg des Lichts.d 2. Schauert nicht vor eurem Grab, vor dem Kerker eurer Kummer blitt nur schrekenleer hinab, denn ihn heiligt Jesut Schlummer. Ich bin Jesu Eigenthum! Soll mein Glük im Grab zerstäuben? Nein, ich bin, ich werde bleiben; ewig grünen wird mein Ruhm. 3. Ich des Mittlers holde Braut, eile froh zum Mahl der Freuden. Selbst das Grab soll meine Haut mit dem Hochzeitschmuk bekleiden. Beffre Kleider warten mein; und ein Leib der himmlisch ' glånzet, und ein Haupt mit Heil bekränzet, wird des Grabes Bette seyn. 4. Sel'ges Loos! sey mir gegrüst, du blühst auf des Todes Wegen. Der du andern schreklich bist, Tod! du bist mein schönster Segen. Schließ nur bald des Kampfes Lauf; führe mich zu deinem Raube. 256 Abendmahlslieder. be. Hallelujah! aus dem Staube wacht doch einst ein Engel auf! 5. Herr! ich küsse deine Hand, die dem Tod den Sieg genommen. Ich bin zu- sem Vaterland durch dein Mittlerblut gekommen. Für die Speise, für den Trank, die mich zu dem Himmel leiten, für des Mahe les Seligkeiten, für den Himmel sey dir Dank.m Tägliche Bitte eines Christen. 3511 In eigener Melodie. 37.3 die Welt ch Mensch vom Staub, werf mich zu deinen Füßen, Herr! deffen Majestät nicht mißt; wo Gnadensitome fließen, so weit die Sonne geht. 2. Ich bin so kühn, vor deinem Thron zu treten, Gott, meine Zuversicht! Erhöre mich, erhör mein glaubig Beten, verstoß mich Sünder nicht in 3. Ich bitte nicht um Schåze dieser Erden, des Reichthums Ueberfluß; Laß mir so viel nach deiner Gnade werden, so viel ich haben muß. 4- Ich bitte nicht, womit die Welt sich blähet, deri Ehre schwimmernd Gut; Genügsamkeit, wenn nichts. dem Wunsch entgehet, in meinem Unglük Muth. id bi 5. Ich bitte nicht, einst alt und grau zu sterben, des. Saamens Frucht zu sehn; laß durch den Tod mich Salems Wohnung erben, und selig auferstehn. ofte 6. Herr, lehre mich der weisen Vorschrift Willen, und schenke mir den Geist, der willig ist die Pflichten zu erfüllen, die sie erfüllen heißt.is 7. Und lasse mich mit dem erworbnen Gute der Nothdurft Kind erfreun; dem Ruf der Wahrheit treu, mit kühnem Muthe der Unschuld Retter seyn. a and Mimbal end cin Neue Communionordnung den nebst Liedern die vor und nach den Beichtreden und Communionen gefungen werden. Bei St. Sebald, Lorenzen, im Spital und bei St. Egis dien wird angefangen mit dem Gesang: Wit ir danken dir, o Jesu Christ, daß du für uns gestorben bist, und unsrer Sünden schwere last am Kreuz auf dich genommen haft: 2. Sohn Gottes und des Menschen Sohn, verherrs licht nun nach Spott und Hohn! Sey unfre Zuflucht in der Roth, und unser Trost auch einst im Tod! 3. O reich uns beine starke Hand in diesem unfert Pilgerstand, damit wir auch geduldig seyn, wie du in deiner Kreuzespein! 4. Auf dich steht unsre Zuversicht; verlaß uns, Herr, verlaß uns nicht. Hilf uns der Sünde wie derstehn, und durch den Tod ins Leben gehn! Nach Endigung desselben singt der administrirende Geistlis che die Abendmahls: Collefte aus dem gends buch, 1sten Theil, Seite 130, 131 darauf wird nachstehendes Morgengebet gelesen: Geliebte und andächtige Freunde! Mir sind hier in dieser Morgenstunde versammelt und das Andenken des Todes Chrifti durch den Genuß bes heiligen Abendmahls gemeinschaftlich zu feiern. Laf fet uns demnach alles entfernen, was uns von der Bea trachtung der göttlichen Siebe abziehen und unsere Andacht schwachen könnte. Erhebet eure Herzen zu Gott, und erbittet euch seinen Beistand mit findlichem Vertrauert. Algütiger Gott! liebevoller Vater! mit inniger Ehrfurcht nahen wir uns zu dir, und danfen dir für alle 0 2 Communionordnung. alle unzählbare Beweife deiner Güte, womit du uns von dem ersten Anfang unsers Lebens an bis hieher beglücket hast, für den Schuz der vergangnen Nacht, und für das frohe Erwachen zu diesem Tage, an dem wir das feierliche Andenken des Todes deines Soh nes, unsers Herrn und Heilandes, der durch ihn ge stifteten Erlösung bei seinem Gedächtnißmahl zu er. neuern entschlossen sind. Wie groß, wie anbetungswürdig ist deine Güte, daß du uns Jefum, deinen Geliebten, zum Erretter und Heiland gegeben haft! durch ihn haben wir den vollkommensten Unterricht von deinem Willen und unserer Pflicht, die stärksten Beweggründe zum Haffe der Sünde, die kräftigsten Antriebe zur Heiligung unseres Sinnes und Wandels, die trostvollsten Verheisungen und die erhabensten Hofe nungen zur Beruhigung unsers Herzens erhalten. Sein Beispiel ist uns das vollkommenste Muster der Nachahmung im Leben und im Tode, sein Tod die sicherste Beståttigung deiner erbarmenden Gnade und der Vergebung unsrer Sünden, und seine Auferstehung und sein Hingang zu dir seinem himmlischen Vater, der gewisseste Beweiß deines Wohlgefallens und unferer zukünftigen Seligkeit. Es müsse denn also auch unser ganzes Nachdenken auf diese Beweise deiner unendlichen Güte, und auf die Liebe unsers göttlichen Erlösers, der sich für uns und zu unserer Errettung fo großmüthig aufopferte, gerichtet, und unser ganzes Herz mit den edlen Empfindungen der Freude und des Danks, der Ehrfurcht und der Liebe erfüllt seyn. Seg. ne, o Gott, den Genuß dieses heiligen Mahls, daß wir dadurch von deiner Gnade gegen reuige umfeh. rende Sünder, und von der Vergebung unsrer Ver. gehungen und Fehltritte überzeugt, durch liebe und Vertrauen mit unserm Heiland vereinigt, im herzli. chen Communionordnung. 3 chen Wohlwollen gegen alle unsere Mitbrüder ge stärkt, und im wahren Glauben und ungeheuchelter Dein Frömmigkeit immer mehr befestiget werden. guter Geist unterstüze uns in unserer Schwachheit, er stärke uns in unfern frommen Vorfäzen und Entschlie. Bungen, daß wir das standhaft ausführen, was wir uns redlich vorgenommen haben, daß wir als beffere Menschen, als entschloßnere Freunde der Frömmig. Feit, als treuere Nachfolger Jesu Chrifti, von seiner Todesfeier zurükkehren, und deiner Gnade und liebe immer würdiger werden. Erhöre uns, Gott unfer Vater, um deiner ewigen Güte willen. Amen! Sodann singt die ganze Gemeinde: Meinen Jesum laß ich nicht! weil er sich für mich gegeben, so erfordern Dank und Pflicht, ihn ju lieben, ihm zu leben. Er ist meines Lebens licht: meinen Jefum laß ich nicht. Darauf wird eine von den folgenden Dermabnungen an die Communikanten gelesen: Geliebte Mitchristen! Wir ir haben uns hier vor dem allgegenwärtigen Gott versammelt, um das heilige Abendmahl unsers Herrn und Heilandes Jefu Chrifti, so wie er es mit seinen Jüngern gehalten, und zu wiederholen befohlen hat, gemeinschaftlich mit einander zu feiern. Unser göttlicher Erlöser stiftete es am Ende seines le. bens, das er ganz Gott und der Ausführung seines Willens geweihet hatte, in der Nähe des Todes, dem er zur Rettung und Beglüfung des menschlichen Geschlechts entgegen gieng, und mit einem Herzen boll liebe gegen seine Jünger, von denen er sich nach) wenigen Stunden trennen mußte. Seine Absiche babei war, sein Undenken unter den Menschen zu er. hal. 92 4 Communionordnung. halten, und dadurch Glaube und Vertrauen, Bruders liebe und Gottseligkeit unter ihnen zn nähren und zu befördern. Bei dem Genuß des geſegneten Brods und Weins sollten sich seine Erldfeten alles deffen, was er für sie gethan und gelitten hatte, seines Lebens und feiner Lehre, feiner Verheifingen und Triftungen, fete nes vollkommensten Beispiels in allen gottgefälligen Tugenden, besonders aber feiner für das Menschens geschlecht so wichtigen leiden, feines verföhnenden Tos des und der damit verbundnen wunderbaren Auferstes hung, lebhaft und dankbar erinnern, und zugleich öffentlich das feierliche Bekenntnis ablegen, daß sie ihn für ihren Herrn und Erlöfer, seine Lehre und Vors schriften für den Willen Gottes, und seinen Tod für das von Goft verordnete Mittel ihrer Versöhnung halten. Zu dem Ende nahm er nach der Ostermahfzeit das Brod, betete zu Gott, brachs, und theilte es une ter seine Jünger, mit den Worten: Nehmet, effet, das ist mein keib, der für euch gegeben wird. Sobanne nahm er den Kelch mit Bein, und sprach: Trinket alle baraus, das ist mein Blut des neuen Testaments, das für euch und für viele vergoffen wird zur Verges bung der Sünden. Ich sterbe gewifi, wollte der götts liche Erlöser damit anzeigen, mein Leib wird getödeté und mein Blut vergossen werden, aber ich sterbe uns schuldig, ich sterbe nach dem von Ewigkeit gefaßten Rathschluß meines Vaters, um durch meinen Tod die Begnabigung und Seligkeit der Menschen zu grüne Den, und den neuen Bund zu beståttigen, daß allera Sündern, die von ihren Sünden zum Gehorsam ges gen Gott und seine Gebote zurüfkehren, Gnade und Vergebung wiederfahren soll. Wiederholet das, was ich jest gethan habe, und erinnert euch dabei aller meiner Lehren und Verheisungen, besonders aber der Lies Communionordnung. Liebe, mit der ich mich für euch, für eure Rettung, für eure Beruhigung und Glüffeligkeit, einem gewaltfamen Tode aufopfere. Effet und trinket, und ver. fichert euch dabei, daß ihr an meiner Aufopferung für Die Sünder, und an allen von mir erworbenen Wohlthaten, Antheil habt, und mit mic, eurem Herrn und Heiland, in der genauesten Verbindung stehet. Mit solchen und feinen andern Gesinnungen woollen auch wir dieses Gedächtnismahl feiern, und uns nach Pauli Vorschrift aufrichtig prüfen, ob wir auch fo beschaffen find, wie es bie heiligen Absichten des Stifters erfordern. Wer Jefum nicht für seinen Herrn und Erlöser, und seine Lehren und Vorschriften nicht als den Willen Gottes und den Weg zur wahren Geligkeit annimmt, wer die Sünde nicht verabscheuet und heilig zu leben entschloffen ist, der hat keinen Un. thell an den Wohlthaten seines Todes, und keine Hof kung, daß ihm Gott vergeben und gnädig seyn werde. Saffet uns also prüfen, ob wir die Sünde als unfer größtes Unglük ansehen, und ernfilich entschioffen Find, fie aus allen Kräften zu meiden, und in allem, was wir thun oder unterlaffen, dem Billen Gottes und dem Beiſpiel unfers Erlösers mit findlichem Ge Borfam zu folgen. affet uns nntersuchen, ob wir überzeugt sind, daß J fus für unsere Sünden ge. ftorben, und jur Gewißheit unserer Begnadigung wieder aufermedet ist, und ob wir ihn, der uns bis in den Tod geliebet und sein Leben für uns gelaffen hat, als unsern höchsten Wohlthäter wieder von ganzem Herzen lieben. affer uns erforschen, ob wir, von allem Haß und aller Rachbegierde ent fernt, unferm nächsten vergeben, wie uns Gott durch Chriftum bergeben hat, und ihn so aufrichtig und tha. tig lieben, wie wir uns selbst zu lieben gevohnt sind. 43 Sind 6 Communionordnung. Sind wir so gesinnet, so können wir mit getroffen Muth zu des Herrn Tisch nahen, und in der Gemeins schaft mit Jefu, der Gnade Gottes und Vergebung aller unfrer Sünden gewiß seyn. Ihr also, die ihr diesen Seegen begehret, betet mit mir mit andächtigem und glaubigem Herzen: Barmherziger, gnädiger Gott und Vater! Wir danken dir von ganzem Herzen, daß du uns Jesum Chriftum, deinen geliebten Sohn, zum Heiland und Erretter geschenfet, und durch seinen Tod die gewiffe Versicherung der Vergebung unsrer Sünden, und durch seine Auferwekung die fröliche Hofnung einer feligen Unsterblichkeit gegeben hast. laß uns diese Gnade, deinen Absichten gemäß, zum rechten Ge brauch deiner Wohlthaten antreiben. Wirke durch den Genuß des heiligen Abendmahls, das wir ieße empfangen wollen, in uns allen einen neuen Eifer, die Sünde zu meiden, und an unfrer Besserung unermüdet zu arbeiten, und stärke uns in Ehrfurcht und Gehorsam gegen dich und deinen Sohn, und in un geheuchelter Menschenliebe. Befestige in unsern Her zen den Trost der Vergebung unfrer Sünder, der Ge wißheit deiner Gnade und unsrer zukünftigen Seligs Feit, und laß uns in diesem liebevollen Vertrauen zu dir, unserm erbarmenden Vater, und in unwandelbas rer Treue gegen Jesum, unsern erhöheten Heiland, bis an das Ende unsrer Tage standhaft und unerschüt tert verharren, um deiner ewigen Liebe willen. Amen. Zweite Vermahnung. Geliebte in Christo Jesu! Weil wir nun das heilige Abendmahl unsers Herrn Jefu Chrifti, zum Gedächtniß seines erlittenen Todes und zur genauesten Vereinigung mit ihm und allen Communionordnung. 7 allen Glaubigen, halten wollen, so erinnern wir uns billig der Ermahnung Pauli: der Mensch prüfe sich felbst, und alsdann effe er von diesem Brod und trinke von diesem Kelch. Wenn wir uns aber aufrichtig průs fen, so werden wir finden, daß wir oft und viel mit Gedanken und Begierden, mit Worten und Werken, gefündigt, und uns dadurch strafbar und der liebe Gottes unwürdig gemacht haben. Gott aber hat sich über uns erbarmet, und uns seinen eingebohrnen Sohn geschenkt, damit wir durch seinen Unterricht belehret und zu wahrer Heiligung unsers Herzens und Wans dels erweket, und durch sein leiden und Sterben von der Strafe unserer Sünden befreiet und der Gnade Gottes wieder versichert würden. Zu dessen Bestät tigung, und zum Andenken seiner liebe, nahm er nach dem Abendmahl das Brod, dankete, brachs und sprach: Nehmet hin und effet, das ist mein leib, der für euch gegeben wird, das ist: Alles, was ich thue und leide, ist euer eigen, für euch und euch zu gut geschehen, zu deffen Versicherung gebe ich euch diese Speise. Des gleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abend. mahl und sprach: Trinket alle daraus, das ist der Kelch des neuen Testaments in meinem Blut, das für euch und für viele vergoffen wird, zur Vergebung der Sünden. Das ist: weil ich von Gott zum Er. löser der Welt bestimmt bin, so will ich mich aufopfern, und mein Blut vergiesen, um euch eine ewige Erldfung zu erwerben, zu dessen Bestättigung gebe ich euch diesen Trank. Wer von diesem gesegneten Brod ißt, und von diesem Kelch trinket, dabei feftiglich glaubt: daß ihm Jesus Gnade und Vergebung der Sünden erworben habe, und des festen Vorfaßes ist, nach dem Beispiel seines Erlösers alle Sünden zu meiden, und Gott von ganzem Herzen gehorsam zu seyn, der bleis @ 4 8 Communionordnung. bleibet in Chrifto und Christus in ihm, und hat sich, in Verbindung mit seinem Heilande, alles Segens frommer Kinder Gottes zu erfreuen. Kein Unglaus biger und Lasterhafter, fein Heuchler und Unbußfersiger, kann sich der Vergebung der Sünden trösten, und dieses heilige Mahl zu seinem Gegen genießen. Saffet uns also mit bußfertigen und glaubigen Herzen Hinzu nahen, und dabei die Erbarmung unsers Gottes und die Liebe unsers Erlöfers, der für unsre Sunden gestorben ist, dankbar verkündigen. Saffet uns, Da wir als Christen alle einen Gott und Heiland ver. ehren, und einerlei Hofnung und Beruf haben, auch babei zu reiner Bruderliebe uns erweken, damit wir als Glieder eines Leibes auch einerlei Gesinnung des Vertrauens und der Liebe haben mögen. Bereite du selbst unfre Herzen, allgütiger Vater, durch deis men Geist, und erhebe sie zu den reinen und frommen Gesinnungen, wozu uns deine unendliche liebe verpflichtet. Laß uns alle durch den Genuß des heiligen Abendmahls von deiner Gnade und Erbarmung und bon der ewig daurenden Siebe unsers Erlösers versig thert, in dem Haß gegen die Sünde, die uns von dei ter Gemeinschaft trennt, befefliget, und zu einem neuen Sinn und Wandel, zu einem fortgefeßten Gehorsam gegen deinen heiligen Willen, erweket werden, um Jefus Chrifti, unsers hochgelobten Erlösers willen. Amen. - Dritte Vermahnung. Geliebte und andächtige Freunde! 100 d Mir sind hier in der frommen Absicht vereiniger, das heilige Abendmahl zu halten, das unser hodgelobter Heiland zum Gedächtniß feiner liebe, zur Stärkung unsers Glaubens, und zur genauern Vers bins Communionordnung.. 9 bindung mit ihm und allen Glaubigen verordnet und eingesehet hat. In der Nacht vor seinem Tode nahm er das Brod, dankte, brachs und gab es feinen Juna gern und sprach: Nehmet hin und effet, das ist mein Seib, der für euch gegeben wird. Hierauf nahm er den Kelch, dankete und gab ihnen den, und sprach: Dies ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch und für viele vergoffen wird zur Vergebung der Sünden. Solches thut zu meinem Gedächtniß. Dies war also die liebevolle Absicht unsers theuersten Eridsers, das Andenken seines Todes, und der damit verbundenen Erlösung des menschlichen Geschlechts, unter seinen Bekennern beständig zu erhalten, und sie badurch zu den Gesinnungen zu erwefen, die sie Gott und ihrem Erlöser schuldig find. Entfernet denn also alle fremde Gedanken, und richtet sie ganz auf Jefum, auf seine göttliche heilige lehre, und auf sein unschuls biges Leiden, und auf seinen versöhnenden Tod. Pri.. fet euch, ob ihr so gefinnet send, daß ihr an diesem Mahl gefegneten Antheil nehmen könnet. Ihr tonmet es aber nicht zu eurem Heil genießen, wenn ihr nicht der Sünde von Herzen entfaget, und den ernstlichen Vorfaz habt, ein heiliges gottgefälliges leben zu führen, wenn ihr nicht Gott aufrichtig liebet, und ihm willig gehorchet, wenn ihr nicht Jefum für euren von Gott gefendeten Erlöser und Seligmacher haltet, und ihm in allen chriftlichen Tugenden, besonders auch in Der liebe zu allen Menschen, selbst zu euren Feinden, nachzufolgen bereit seyd. Der Unglaubige, der laterhafte, der Heuchler, hat keinen Untheil on der Gnade Gottes, feine Hofnung der Vergebung der Günben, feinen Genuß der Wohlthaten, die Jesus feinen glaubigen Verehrern mittheilet. Wenn euchy aber euer Herz das Zeugniß giebt, daß ihr gegen Gote und IO Communionordnung. und euren Heiland redlich gefinnet fend, dann könne ihr getroft zu dem Tisch des Herrn nahen, und euch in der Gemeinschaft eures Erfdfers alles Seegens erfreuen, den er vom Himmel auf die Erde gebracht hat. Der Genuß des gesegneten Brods und Weins bringt uns in die genaueste Verbindung mit unserm Heiland. Er giebt uns feinen Leib und sein Blut, er schenkt uns alle Wohlthaten seiner Erlösung, die Gewißheit der Vergebung unfrer Sünden, die Kindschaft Gottes und die frohe Hofnung einer ewigen Seligkeit, damit aber auch zugleich neue Kraft zur Liebe Gottes und zu einem gottfeligen Wandel. Laffet uns denn also folche Gesinnungen und Entschlies fungen faffen, wie sie diese wichtige Handlung fordert, und Gott um seinen Beistand bitten. Barmherziger Gott und Vater, du hast uns geliebet, ehe der Welt Grund gelegt ward, du haft uns aus liebe deinen Sohn zum Erlöser und Heiland gegeben, daß wir durch ihn, von dem Elend der Sünde befreiet, Vergebung und Gnade erlangen sollen. Hochgelobter Erlöser, du hast dich um unfertwillen bis zu dem Tode am Kreuze erniedrigt, und dein Leben willig aufgeopfert. Erfülle unfer aller Herzen mit den Gefins nungen der Ehrfurcht, Dankbarkeit und liebe, die wir der gnädigen Erbarinung unsers himmlischen Vaters, und deiner unbegränzten Treue und Güte schuldig sind. Laß uns den Genuß deines heiligen Abendmahls in dem Troft befestigen, daß wir dir angehören, und an allen deinen Wohlihaten Theil haben. Befestige aber auch bei uns allen den ernstlichen Vorsatz, dir getreu zu bleis ben, aus liebe zu dir allem Bösen zu entfagen, und dir unser Herz und unsern Wandel in wahrer Frömmigkeit zu heiligen, damit wir im Besit deiner Liebe und deis nes Wohlgefallens bleiben, und hier und dort dadurch glüklich) werden mögen. Amen! Viers Communionordnung. 11 Vierte Vermahnung. Das Mahl, zu dem ihr euch hier versammelt habt, ist das Gedächtnißmahl Jefu Chrifti, eures Erlösers, dem ihr alle Anweisung und Kraft zur Tugend, allen Trost im Leiden, alle frohen Aussichten in die Emig keit, eure ganze zeitliche und ewige Wohlfart zu vers danken habt. Er verordnete es in der Nacht vor seis nem Tode, um seine bekümmerten Jünger auf sein Scheiden vorzubereiten, und über seinen Verlust zu trös sten. Thut es, sagte er liebreich, so oft ihr diese feierliche Handlung wiederholt, zu meinem Gedächtnis. Verlichrt denn also auch ihr, die ihr zu diesem Mahl nahet, diesen Hauptzwek nicht aus den Augen, haltet im Gedächtnis Jefum Christum, der gestorben und auferstanden ist von den Todten. Denket an Jesum, wie er während seines Lebens umbergieng und wohl that, wie er durch Lehre und Beispiel, durch Leiden. und Tod, die Seligkeit der Menschen zu gründen bemůhet war. Denket an Jefum, an sein heiliges, ganz Gott und der Tugend geweihtes Leben, an seine Ehr furcht gegen seinen himmlischen Bater, an sein Ver trauen auf seinen Beistand, an seine Ergebung in seinen Willen, an seinen standhaften Gehorsam bis zum Tode, und erwekt euch zu dem heiligen Vorfaz: Auch wie wollen gesinnt seyn, wie es Jesus war, und unserm Vater im Himmel getreu seyn bis in den Tod. Denket an Jesum, wie er sich vor allen Sünden bewahrte, wie er seine Pflichten unermüdet erfüllete, wie er bei allem Undank der Menschen nicht ermüdete, sie zu unterrich ten und zur Frömmigkeit zu ermahnen, und gelobt es Gott, mit redlichen Herzen, das zu thun, was euch befohlen ist, und den Pflichten eures Berufs nie untren zu werden, so groß auch die Versuchung dazu seyn möchte. Denket an Jesum, an seine unermeßliche Liebe, mit der er sich zu Rettung der Sünder aufopferte, an seine Großmuth gegen seine Feinde, und entschließet euch bei diesem Andenken, die Sünde zu meiden, um des ren willen er starb, und alle Menschen, auch selbst eure Feinde, zu lieben, wie er es befahl, und durch sein Beis spiel bekräftigte. Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott und Gott in ihm. Dens 12 Communionordnung. Denket an Jefum, an die Hingebung seines Leibes, an bie Vergiefung seines Bluts zur Bestättigung der Ver? gebung der Sünden, und beruhiget euer Gewiffen mit dem großen Trost, daß Gott den reuigen und umkehs tenden Sünder zu begnadigen bereit ist. Er ist, wie ber Apostel sagt, die Versöhnung für unsere und der ganzen Welt Sünde. Denket endlich an seine troftvolle Verheisung: Vater ich will, daß wo ich bin, auch die bei mir feyn, die du mir gegeben hast; an den glorrei chen Ausgang feiner Leiden, an seine Auferstehung aus dem Grabe, an seinen Hingang zu seinem himmlischen Bater, und an seine Erhebung zur höchsten Majestát, zum Herrn und Regenten, zum Richter und Vergelter aller Menschen, und stärkt euch dadurch im Vertrauen auf seine Hülfe, in der Trene eures Gehorsams, in dem Kampfe gegen die Sünde, und in der großen Hof mung einer seligen Unsterblichkeit. Wer an ihn glaubet, and thm nachfolgt, wer ihm bis in den Tod getren bleibt, der wird die Krone des ewigen Lebens empfan gen. Seine Lehre, sein Leben und Leiden ser euch ims mer gegenwärtig, um euren Glauben zu befestigen, euren Muth zu beleben, eure Heiligung zu befördern. eure Hofnung zu stärken. Segne du selbst, o Gott! baju den Genus dieses beiligen, von ihm verordneten Sabls, daß das Andenken an ihn, unsern Herrn und Erlöser, immer lebendiger und wirksamer in unsern Herzen werde, daß es uns von allen Sünden reinige amd zu allem, was recht und dir gefällig ist, erwecke.. Stärke uns, unsere guten Vorfäße gewissenhaft zu er füllen, und dem erhabenen Vorbilde immer ähnlicher zu werden, das er uns im Leben und im Tode gegeben hat. Bergieb uns unsere Sünden, und verleib uns Muth und Standhaftigkeit, ihnen ganz zu entfagen, und alle Versuchungen zum Bösen zu überwinden. Mache uns immer treuer in Befolgung deines Willens, immer eifriger in der Nachfolge Jefit, immer thatiger in unserm Beruf, bis du uns einst in deinem himmlischen Reich zu höherer Bollkommenbeit erheben wirst. Dir sey Preis und Anbetung in Ewigkeit. Amen. Dann werden die Worte der Einfezung gefungen: ht Unser Herr Jesus in der Nacht, da Er 20.20 Nach Communionordnung. 13 Nach diesem wird von den Chorschülern und der Gee meinde einer von den folgenden Liederversen, die alphabetisch geordnet sind, gesungen. Dank, o Jesu, dank sey dir, für dein schweres Seiden Denn dadurch erwarbst du mir deines Himmels Freuden. Nunmehr weiß ich, daß im Tod ich nicht ewig terbe; denn ich bin versöhnt mit Gott, bin des Himmels Erbe. Darum allein auf dich, Herr Chrift! verlaß ich mich Jezt kan ich nicht verderben, dein Reich muß ich ererben; denn du hast mirs erworben, da du für mich) gestorben. Dich, Jefum, laß ich emig nicht; dir bleibe mein Herz ergeben. Du fennst dies Herz, das rede lich spricht: nur einem will ich leben; du, du allein, du sollst es seyn, du sollst mein Trost auf Erden, mein Glük im Himmel werden. Gebeugt lieg ich zu deinen Füßen, mit Dank und Job, Gebet und lehn. Laß neue Gnade auf mich fliefe fen, mein Heiland, laß es doch geschehn, daß mir zue Stärkung meiner Treu, dein Abendmahl gefegnet fey. Halt im Gedächtnis Jefum Chrift, o Seele, der auf Erden vom Himmelsthron gefommen ift, ein Heiland dir zu werden! Vergiß sein nicht! denn die zu gut, verband er sich mit Fleisch und Blut. Dank ihm für diese Liebe! Herr dein Friede sen mit mir! und auf meins Gewissen, wann es zaget, laß von dir Troft und Freude fließen! Ruh ergießt in jedes Herz sich aus deinem Herzen; auch den bångsten Seelenschmerz heis len deine Schmerzen. Herr, was bin ich, daß du mein dich so anges nommen? laß die Frucht von deiner Pein uns zu stata ten kommen! Gib mir Weisheit, gib mir Kraft, denn Du 14 Communionordnung. du hafts in Hånden, was du mir zum Heil verschaft, glaubig anzuwenden. Ja, für alles, was mich frånket, schaffen deine Wunden Rath; wenn mein Geift an sie gedenket, geh ich frisch den schmalen Pfad. Mich erschreket keine Müh: denn der Trost erleichtert fie, daß du, Herr, als du gestorben, mir ein ewig Heil erworben. Ja Herr, mein Glük ist dein Gebot; ich will es treu erfüllen. Verleihe mir durch deinen Tod, die Kraft zu diesem Willen. Laß mich von nun an eifrig fenn, mein ganzes Leben dir zu weihn, und deinen Tod zu preifen. Saß mich den Ernst der Heiligung durch eine wahre Besserung, mir und der Welt beweisen. Ich übergebe mich aufs neue, o du, mein Herr und Gott an dich; ich schwöre dir bestånd'ge Treue bei deinem Mahle feierlich. Dein eigen will ich ewig seyn. Du starist für mich; drum bin ich dein. Jesu! du hast weggenommen meine Schulden durch dein Blut. Laß es, o Erlöfer! fommen, meis ner Seligkeit zu gut; und dieweil du so zerschlagen, haft die Sünd am Kreuz getragen, en, so sprich mich endlich frey, daß ich ganz dein eigen sey. Jesu! laß mich würdig nahen, Heil und Leben zu empfahen. Deine Liebe heißt mich kommen; und, wer fommt, wird angenommen. Tilgung aller meiner Sünden soll ich Urmer bei dir finden: Laß, ach laß mich würdig nahen! Heil und Leben zu empfahen. Laß mich über alles schätzen dein mir theu'r ers worbnes Heil, und nie aus den Augen fezen, daß nur der daran hat Theil, der auf deine Stimme hört, mit Gehorsam dich verehrt, und in deinem Dienst auf Er den immer besser sucht zu werden. D Communionordnung. 15 Dhilf Christe, Gottes Sohn! durch dein bitter Leiden, daß wir dir stets unterthan, all Untugend meiden: Deinen Tod und sein Ursach fruchtbarlich bedenken, dafür, wie wohl arm und schwach, dir Dankopfer schenken. lamm Gottes, unschuldig, am Stamm des Kreuzes geschlachtet! allezeit erfunden gedultig, wie sehr du wurdest verachtet! All' Sünd hast du getragen: sonst müßten wir verzagen. Gib uns deinen Frieden, o Jesu! Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen gewissen Geist. Verwirf mich nicht:,: von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Schreibe deine blut'ge Wunden, mir herr! in das Herz hinein, daß sie mögen alle Stunden bei mir unvergessen seyn. Du bist doch mein höchstes Gut, da mein ganzes Herze ruht. Laß mich hie zu deinen Füffen, deiner lieb und Gunst genieffen. So lang ich lebe will ich dein, o Jesu stets ge. denken; mein Herz soll dir geweihet seyn, ganz will ich dir es schenken. Nur dir gefallen, fey mein Ruhm; ich will mich dir zum Eigenthum auf ewig übergeben. Nur du bist meine Zuversicht; und wenn mein Aug im Tode bricht, bist du auch dann mein Leben. Was fan für solche liebe dir, Herr Jesu! ich wohl geben? Ich weiß und finde nichts an mir; doch will, weil ich werd' leben, mich eigen dir, hier nach Gebühr, zu dienen ganz verschreiben, auch nach der Zeit, in Ewigkeit, dein Diener seyn und bleiben. 16 Communionordnung. Alsdann singt der Geistliche auf dem Altar: Laßt uns beten: Vater unser der du bist im Hima mel ic. bis erlös uns vom Uebel. Worauf das Schülerchor antwortet: Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und bie Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen. Der Geistliche fingt ferner: Der Friede des Herrn sen mit euch allen! Das Chor antwortet: Amen! Nach diesem werden die Communifanten, nach der einges führten Weise, zugelassen, und ihnen das Abendmahl mit den Worten gereicht: Nimm hin und iß, das ist der Leib Jefu Chrifti, der für dich in den Tod gegeben ist. Nimm hin und trink, das ist das Blut Jefu Chrifti, das für deine Sünden vergoffen ist. Während der Austheilung des Heil. Abendmahls wird eins von den im folgenden Anhang befindlichen neuen Abendmahls und Passionsliedern gesungen. Zum Beschluß fingt der Kirchendienet eine Danksas gungskollekte; sodann das Benedicamus Domino. und die Chorschüler antworten: Deo dicamus gratias! Dann wird mit einem Kirchensegen die ganze Handlung beschlossen. wnunununu Neue 17 Bus- und Beichtlieder, die vor und nach den Beichtreden gesungen werden. Mel. Schwing dich auf zu deinem 2c. eines Gottes freue dich, dank' ihm, meine See le! Sorget er nicht väterlich, daß kein Gut dir fehle? Echüßt dich seine Vorsicht nicht, wenn Ges fahren drauen? Ift's nicht Seligkeit und Pflicht, feiner sich zu freuen? 2. Wenn ich dich, mein Herr und Gott, kindlich scheuend liebe, wenn ich redlich dein Gebot und mit Freuden übe; o wie ist mir dann so wohl! wie ist mein Gemüthe feliger Empfindung voll, voll von Deiner Güte! 3. Dann darf ich mit Zuversicht auf zum Himmel blicken; meine leiden fühl ich nicht, wie sie mich auch drücken. Hofnung und Zufriedenheit wohnen mir im Herzen, trösten und erhöhn mich weit über alle Schmerzen. 4. Dich, du Trost der Sterblichkeit, Heil des beffern lebens, himmlische Vollkommenheit, such' ich nicht vergebens! Wenn mein lauf vollendet ist, und vollbracht mein Leiden, ruft mein Heiland Jesus Christ, mich zu feinen Freuden. 5. Meine Lust an dir, mein Gott, wird dann ewig währen. Noch so furchtbar sey der Tod, er wird sie nicht stören. Willig werd ich mein Gebein der Vers wefung geben; denn sie macht mich frey von Pein, führt zum neuen leben. b 6. Gieb 38 Bus- und Beichtlieder. 6. Gieb mir nur, so lang ich hier in der Fremde walle, das Bewußtseyn, daß ich dir, Herr, mein Gott, gefalle! Diese fanfte Freudigkeit, die ich zu dir habe, fey mein Heil zu dieser Zeit, und mein Trost am Grabe! 7. Laß die Lust zur Sünde nie dieses Heil mir raus ben! Rüste felbst mich wider sie mit entschloßnem Glauben. Gieb mir deinen Geist, der mich und mein Thun regiere, daß ich mein Vertraun auf dich ewig nicht verliere. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt se. er du so oft mir schon vergeben, wenn ich zu dir um Gnade bat, wie oft versprach) ich dir zu les ben, zu meiden jede Misfethat! wie feierlich war dann mein Eid des Glaubens und der Frömmigkeit! 2. Ach, aber bald ergriff mich wieder die Sünd' und ihre Lust mit ihr, riß meinen ganzen Vorsak nieder und herrschte, wie vorher, in mir! zum Widerstande, viel zu schwach entfloh ich nicht, und gab ihr nach. 3. Wie viele fündenvolle Tage durchlebt' ich, Vater, wie im Traum, und häufte selbst mir Plag' auf Plage, und fühlte dieß mein Elend faum; verwundet blutete mein Herz, betäubt empfand ich keinen Schmerz. 4. Vom Leichtsinn mächtig hingeriffen, nur stolz auf meine schwache Kraft, taub für das warnende Gewiffen, das mich so treulich warnt und straft, entriß mir oft ein Augenblick der Tugend und der Unschuld Glück. 5. Vergiß nicht wieder, meine Seele, wie oft du schon gefallen bist! vergiß nicht mehr des Herrn Befeh le, nicht mehr, daß er dein Retter ist. Ruf ihn im Glaus ben täglich an:" erhalt mich Herr auf ebner Bahn!", 6." Ich bin so schwach, wer kann mich stärken, mein Helfer in Versuchung feyn? zum Glauben und au guten Werfen mir Kraft und Freudigkeit verleihn? DH Bus- und Beichtlieder. 19 Du kannst es, meine Zuversicht! wenn du mich stärkst, so wank' ich nicht. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt zc. u, Vater deiner Menschenkinder, der du die liebe selber bist, und dessen Herz auch gegen Sünder noch gütig und voll Mitleid ist! laß mich von ganzem Herzen dein; laß michs mit allen Kräften seyn. 2. Gieb, daß ich als dein Kind dich liebe, da du mich als ein Vater liebst, und so gesinnt zu seyn mich übe, wie du mir dazu Vorschrift giebst. Was dir gefällt, gefall auch mir. Nichts scheide mich, mein Gott, von dir. 3 Bewahre mich durch deine Liebe, wenn bdses Beispiel mich verführt, und gieb, daß ich Verläugnung übe, wenn Sinnenluft zu sehr mich rührt. Wie sollt ich je die Creatur, dir vorziehn, Schöpfer der Natur? 4 laß mich um deines Namens willen gern thun, was mir dein Wort gebeut. Kann ichs nicht, wie ich soll, erfüllen, so sieh auf meine Willigkeit, und rechne mir nach deiner Huld die Schwachheit, Va. ter! nicht zur Schuld. 5. Der liebt dich nicht, der noch mit Freuben das thut, was dir, o Gott! mißfällt. Drum laß es mich mit Ernst vermeiden, gefiel es auch der ganzen Welt. Die kleinste Sünde selbst zu scheu'n, laß, Vater! mich behutsam seyn. 6. Aus Liebe laß mich alles leiden, was mir dein weifer Rath bestimmt. Auch Trübfal führt zu ew'gen Freuden. Wer ihre last gern übernimmt, geduldig trågt und weislich nůzt, wird mächtig von dir unterstüze. 7 In deiner Liebe laß mich sterben. Dann wird der Tod selbst mein Gewinn. Dann werd ich deinen Himmel erben, wo ich dir ewig nahe bin. Da lieb ich in Vollkommenheittich, Vater der Barmherzigkeit. ba Mels Bus- und Beichtlieder. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt ic. Erbarmer deiner Menschenkinder, du, der allein bea gnad'gen kann, o sieh auch mich gebeugten Sünder mit Schonung und Erbarmung an! Ich fühle reuend meine Schuld, den Mißbrauch deiner Vaterhuld. 20 2. Wie oft hab ich dir nicht versprochen, zu fliehn der Uebertrettung Schmach! Und doch hab ich so oft ges brochen, was ich dir feyerlich versprach. Anstatt der Sünde Reiz zu fliehn, ließ ich doch in ihr Nez mich ziehn. 3. Wie beugt dieß mich! wie ist mir bange um Trost in dieser meiner Noth! Wer rettet mich vom Untergan ge, den dein Gesez den Sündern droht? Mein ganz Vertrau'n fez' ich auf dich, du Freund des lebens! reta te mich! 4. Es flos ja auch für meine Sünden des Welterlösers theures Blut. Olaß mich durch ihn Gnade fins den, und mache mich gerecht und gut! Sprich, mein Era barmer! sprich zu mir: die ganze Schuid erlaß' ich dir. 5. Ich schwör' es dir, mein Gott, aufs neue: mein Herz soll dir gewidmet seyn: dir will ich nun mit Ernst und Treue hinfort mein ganzes Leben weihn; der Süns de will ich widerstehn, und standhaft deine Wege gehn. 6. Doch bin ich schwach; wer wird mich stärken? wer Helfer in Versuchung fenn? wer mir zum Fleiß in gue ten Werken Kraft und Beständigkeit verleihn? Du fannst es, meine Zuversicht! Ostärke mich, so wank ich nicht. Mel. Gott des Himmels und der Erden ze. Fern ern vom Ziel, wornach ich ringe, fleh' ich, o mein Gott, zu dir. Hilf, daß ich den Lauf vollbringe! wirke Muth und Kraft in mir. Mache täglich Ernst and Treu, mich zu beffern, in mir neu. 2. Nch Bus- und Beichslieder. 21 2. Ach, ich irr in Finsternisfen, Geist der Wahre heit, ohne dich. Von Begierden hingeriffen täusche oft meine Seele fich, suchet Ruh', und findet sie in ber Erde Gütern nie. 3. Hilf mir nach dem Himmel streben, der den John mir aufbehält; Gott und Jesu laß mich leben, nicht den Lüften dieser Welt. Lehre mich von Süne den rein, eifrig nur im Guten seyn. 4. Leite du mich auf dem Pfade, deines Lichts zum Seben hin; und mich stärke deine Gnade, wenn ich schwach und muthlos bin, daß ich näher jeden Tag meinem Ziele kommen mag. 5. Gieb zur Uebung guter Werke mir Erfenntnis, Kraft und Luft; und im Kampfe flöße Stärke mir in die verzagte Brust; gieb mir Trost in jeder Noth hilf mir treu feyn bis zum Tod. 6. Sey mein Beistand, wenn ich sterbe; zeige meinem Geist von fern das mir aufbehaltne Erbe in der Herrlichkeit des Herrn. Dann gestärkt durch deine Kraft, end' ich froh die Pilgrimschaft. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt sc. Gott, deine Gnad ist unser Leben, sie schaft uns Heil und Seelenruh Dein ists, die Sünde zu verges. ben, und willig ist dein Herz dazu. Du nimmst die Sünder gnädig an, die sich voll Reue zu dir nahn!{ 2. Uns, uns Verlohrne, zu erretten, gabst du für uns selbst deinen Sohn. Er litt, damit wir Friede hatten, für uns den Tob, der Sünde John. Gott! wie Hast du uns geliebt! Welch ein Erbarmen ausgeübt! 3. Dank, ewig Dank sey deiner Treue, die niemand, gnug erheben fan! Nun nimmst du jede wahre Neue mit Vaterliebe gnädig an. Wohl dem, der sich zu bir bekehrt, und gläubig seinen Heiland ehrt! 63 CIVA 4. Ent. 22 Bus und Beichtlieder. 4. Entladen ist er aller Plagen, die dem Gewiffen furchtbar sind; er fan getroft und freudig sagen: Gott ist für mich, ich bin sein Kind; hier ist der, welcher für mich litt, und mich noch jezt bei Gott vertritt. 5. Herr, wie felig ist die Seele, die so sich bei ner Gnade freut! Geseßt, daß irdisch Glük ihr fehle, fehlt ihr doch nicht Zufriedenheit. Dein Friede übers wieget weit die Welt und ihre Herrlichkeit. 37 d 6. Dein Friede stårkt mit frohem Muthe das Herz auch in der größten Noth; giebt Hofnung zu dem ew'gen Gute. und macht getroft selbst in dem Tod. Er ist schon in der Pilgerzeit ein Vorschmak künft'ger Seligkeit. 27. Laß, Vater! laß auch michs empfinden, wie köfte lich dieser Friede sey. Auch mich sprachst du von meinen Günden und ihren Strafen völlig fren. Denn der, der alle Sünden trug, ward sterbend auch für mich ein Fluch. 8. Olaß mich dieß im Glauben faffen, und, Vater, mich voll Zuversicht auf deine Treue stets verlaffen! Wenn alles wankt, wankt sie doch nicht. Wohl dem, der sich auf dich verläßt! Sein Heil steht unbeweglich feft. 9. Lobsingend will ich dich erheben, mich ewig deiner Gnade freu'n, und deinem Dienst mein ganzes leben in findlichem Gehorsam weih'n. Herr, du vergabst mie meine Schuld; nie, nie vergeß ich diese Huld! Mel. Sey Lob und Ehr mit hohem Preiß sc. Herr err Jesu Christ, du höchstes Gut, du Zuflucht der Erlösten! ich komme mit gebeugtem Muth zu dir, mich dein zu trösten; durch dich zum Vater mich ju nahn, von ihm Vergebung zu empfah'n, und Kraft zum neuen leben. 2. Wie drüft mich meiner Sünden Last! nimm fie von meinem Herzen, der du für mich gebüffet haft am Kreuz mit Todesschmerzen; damit ich nicht vor Angst und Bus- und Beichtlieder. 23 und Weh in meinen Sünden untergeh'; nicht ohne Trost berzage. 3. Denn ach)! denk' ich mit Ernst zurük an mein ges führtes Leben, an das von mir verscherzte Glük, was foll dann Trost mir geben? Trost gibt mir dein Vers dienst allein; ich würde ganz verlohren seyn, wenn ich Dein Wort nicht hätte. 4. Dieß ewig theure Wort verheißt Heil allen, die beklommen von Reu' und Schmerz, mit bangem Geist im Glauben zu dir kommen; und dann, vom Sündena joch befrent, aus wahrer frommer Dankbarkeit, zu dei. ner Ehre wandeln. 5. Zu dir flich' ich auf dein Gebet, Versöhner meiner Sünden! Ach, laß bei dir in meiner Noth mich Trost und Rettung finden! ErbarmeHerr, dich über mich! ver gieb mir, was ich wider dich von Jugend auf begangen. 6. O schenke mir die Seligkeit, mein Herz vor dir zu stillen; getrosten Muth, Entschlossenheit, zu thun nach Deinem Willen. O leite mich auf ebner Bahn, daß, bir gehorsam, ich fortan nur dir zu Ehren lebe. 7. Stårt mich mit deinem Freudengeist in mefa nen leßten Stunde, wenn sich mein Geist der Erd entreißt, gieb Trost aus deinen Wunden. Und nimm mich dann, wenn dirs gefällt, in wahrem Glaubens aus der Welt zu deinem Auserwählten. Hier Mel. Was mein Gott will, gescheh' allzeit, zc. ier ist mein Herz, Herr nimm es hin; dir sey es gang ergeben. Was hat die Seele für Gewinn vom schnöden Sündenleben? Der Weltlust Tand hat nicht Bestand, und statt den Geist zu nähren, füllt er das Herz mit Reu und Schmerz; wie sollt' ichs so beschweren? 2. Nur du, Gott, bist das höchste Gut; nach dir steht mein Verlangen. Erfülle mich mit Kraft und 64 Muth, 24 Bus und Beichtlieder. Muth, allein dir anzuhangen. O hätt' ich doch dein fanfres Joch nur stets auf mich genommen! so war auch ich schon längst durch dich zur wahren Ruh' gekommen. 3.Kan auch das größte Glük der Welt das Herz vor Kummer schüßen? fan es, wenn Trübfal uns befällt, mit Troft uns unterstüßen? Sein Glang verschwindt', wie Rauch vom Wind, und schnell fliehn seine Freuden; nut deine Treu wird täglich neu, und gibt auchRuh imleiden. 4. Wer dich zu seinem Troft erwählt, sein Herz zum Guren neiget, das Arge haßt, und, wenn er fehlt, bea schämt sich vor dir beuget; der schmekt schon hier, ets freut in dir, der Seele wahren Frieden; und volles Heil ist einst das Theil, das du ihm haft beschieden. 5. Wie thöricht irrt' ich doch umher! fern von dem Sinn des Chriften, fucht ich, an wahrer Freude leer, Ruh in der Erde Lüften. Welch ein Betrug! es fen genug, mich so getauscht zu haben. Richt meinen Sinn, o Gott forthin nach wünschenswerthern Gaben. 6. Hilf, daß ich mein Gemüth zu dir in Undacht oft erhebe, und mit der eifrigften Begier nach deiner Gnas de strebe; dir folgfam sen, und dein mich freu, du meis ner Seele leben! Denn, Gott, nur du fannst wahre Ruh und Trost dem Herzen geben. 7. Bei dir ist bis in Ewigkeit der reinsten Freude Fülle, des Wohlfeyns größte Sicherheit, vollkommne Ruh und Stille. Nie reize mehr die Lust und Ehr der Erde mein Verlangen! bis in den Tod soll dir, mein Gott, getrost mein Herz anhangen Mel. Wer nur den lieben Gott läßt ic. Ich armer, tief gebeugter Sünder, steh' hier vor deis nem Angesicht. Erbarmer, aller Menschenkinder, Gott, geh mit mir nicht in's Gericht! bin ich es gleich vor dir nicht werth, daß mir noch Gnade wiederfährt. 2. Um Bus und Beichtlieder. 25 2. Um Troft ist meiner Seele bange; die fast ge Haufter Miffethat liegt schwer auf mir, die mich so lange von dir, mein Gott, entfernet hat. Weß tröst ich mich, ich Schuldiger? als deiner nur, Barmherzigster. D 3. Soll ich an deiner Huld verzagen? ich dein Ge schöpf? das willst du nicht. Du, der du mich bis jetzt ertragen, bleibst ewig meine Zuversicht. Du Gott, durch den ich) leb' und bin, gibst mich nicht dem Verderben hin. 4. Du siehst die Folgen meiner Sünden; und denk ich: wer vertilget die? so låffest du mich Ruhe finden, und sprichst: ich, ich vertilge sie! Du schenkest mir an Jesu Heil, zur Stiftung meiner Unruh, Theil. 5. Uuch mir hat er das Glük erworben, getroft zu bir empor zu seh'n; auch ich soll, da er ist gestorben, durch ihn Begnadigung erflehn bey dir, dem Gott, der gern vergiebt, und lieber fegnet, als betrübt. 6. Sprich denn zu mir: dir ist vergeben! und stille des Gewissens Schmerz; und will mein zaghaft Herz noch) beben: so sprich du fråft'ger, als mein Herz. Dein Gnadenwort mach' alles gut, und schenke selbst zur Behrung Muth. 7. Ich zweifle nicht: ich bin erhöret; mein Glaube fagt's mir, daß ich's bin. Der Trost, der sich im Herzen mehret, der neue dir geweihte Sinn, mein findliches Vertrau'n auf dich bezeugen's: du begnabigst mich. Mel. In dich hab ich gehoffet Herr ic. Ich freue mich, mein Gott! in bir. Du bist mein Trost; und was fan mir bei deiner Liebe fehlen? Du, Herr! bist mein; und ich bin dein; was mangele meiner Seelen? 2. Du hast mich von der Welt erwählt, und deinen Kindern zugezählt. Mag mich die Welt doch haffen! Du 26 Bus und Beichtlieder. Du liebst mein Wohl; wirst gnadenvoll mich nimmers mehr verlaffen. 3. Du trägst mich liebreich mit Geduld, vergiebst in Christo mir die Schuld, wenn ich aus Schwachheit fehle. Du giebst mir Theil an seinem Heil. Dies tröstet meine Seele. 4. Du bist mir der bewährte Freund, der es aufs befte mit mir meynt. Wo find ich deines gleichen? Du stehst mir bei, und bleibst mir treu, wenn Berg und Hügel weichen. 5. Du bist mein Leben, Trost und licht, mein Fels und Hell, drum frag ich nicht nach Himmel und nach Erde; Herr! ohne dich ist nichts für mich), das mir ers freulich werde. 6. Du bist mein allerhöchstes Gut, darauf mein wahres Wohl beruht. In dir leb ich zufrieden. So dort, als hier, Herr! bleiben wir in Siebe ungeschieden. 7. Du fegnest mich, wenn man mir flucht; und wer hier mein Verderben fucht, dem wirds doch nicht gelingen. Mit deiner Treu stehst du mir bey; so kan ich frölich fingen. 8. Du läßt mirs ewig wohlergehn. Einst werd ich bich noch näher fehn, du Ursprung aller Freuden. An dir wird sich dann ewiglich mein Herz recht völlig weiden. 9. Noch hats kein menschlich Ohr gehört, was uns dein Himmel einst gewährt: doch seh ichs schon im Glauben. Vollkommnes Heil ist da mein Theil. Das wird mir niemand rauben. Mel. hilf Christe, Gottes Sohn x. Liebster Vater, ich dein Kind, falle vor dir nieder. Du weißt, was wir Menschen sind, und erbarmst dich wieder. Groß ist meine Sündenschuld, die mich innigst reuet; größer deine Vaterhuld, die mich noch erfreuet. 2.3war Bus und Beichtlieder. 27 2. Zwar ich bins nicht werth, ju dir findlich auf. zusehen. Doch du bleibst ein Vater mir, du vernimmſt mein Flehen, kennst mein Innres, siehest mich, wenn ich vor dir weine; und vergiebst mir väterlich, wenn ichs redlich meyne. 3. Dieß, dieß soll in jedem Schmerz mein Bertrau'n erwecken. Vor der Sünde soll mein Herz, nicht vor die erfchrefen. Trauen will ich, Vater, dir, stets die Sünde haffen; nie vergessen, daß du mir so viel Schuld erlaffen. 30 4. Preis sey dem Allgütigen, der mein Seufzen fennet! der den Gnadesuchenden freien Zutritt gonnet. Sing es, Seele, vor dem Herrn, fleuß vor Freuden über! Gott, dein Gott, verstößt nicht gern, er begnadigt lieber. 5. Ewig bist du so gefinnt, Schöpfer meiner Seele! Auch wenn ich, dein strauchelnd Kind, noch aus Schwachheit fehle, so gedenkst du, der du weißt, daß mein Herz dich ehret, meiner Schwachheit und verzeihst dem, der wiederkehret. Mel. Wer nur den lieben Gott láßt walten ic.' Mein Gott! ach lehre mich erkennen den Selbstbe trug und falschen Schein, daß viele, die sich Chriften nennen, mit nichten Christi Glieder seyn. Wirk in mir selbst zu deinem Ruhm, mein Gott, das wahre Christenthum. 2. Hilf, daß ich dir allein ergeben, der Sünde aba gestorben sey; um fromm, wie dir's gefällt, zu leben, steh mir mit deiner Gnade bei, und wirke selbst zu deis nem Ruhm in mir das wahre Christenthum. 3. Gieb, daß, da ich für diese Erde nicht blos von bir geschaffen bin, ich himmlisch hier gesinnet werde, und gieb mir meines Heilands Ginn. Mein Gott, wirk selbst zu deinem Ruhm in mir das wahre Chris fienthum. 4. Rea 28 Bus und Beichtlieder. 4. Regiere du selbst meine Seele, damit ich Christo folge nach, und standhaft seine Wege wähle, wenn mich auch tráfe Spott und Schmach. Denn bei dem wahren Christenthum hier leiden, bringt dort Freud und Ruhm. 5. Gieb mir zum Streite Muth und Kräfte, damit ich Christo ewig treu, in meiner Heiligung Geschäfte nie trage und verdroffen sey. Gott wirke selbst zu deinem Ruhm in mir das wahre Christenthum. 6. So hab ich schon auf dieser Erde, was mich bes ruhigt und erfreut; so sieg ich einst im Tod und werde dich schaun in jener Herrlichkeit; so front mich einst mit Preiß und Ruhm mein hier geführtes Christenthum. Mel. Nun lob mein Seel den Herren sc. Gott! du bist die Liebe; uns wohlzuthun ist dei ne lust. Drum preist mit frohem Triebe dich unfre Danferfüllte Brust. Wie so gar ohne Gränzen ist deine Gütigkeit! So weit die Himmel glänzen übst du Barma herzigkeit. Du siehst mit Wohlgefallen auf das, was bu gemacht; und hast auch uns, uns allen, viel Gua tes zugedacht. 2. Uns ewig zu beglüfen erschufst du uns und deine Welt, die hier schon zum Entzüken so viele Wunder in fich hålt; noch größrer Güte Proben hat für uns deine Hand im Himmel aufgehoben, der Wonne Vaterland. Dahin uns zu erheben fand'st du den Sohn herab, der Huldreich selbst sein Leben für uns Verlohrne gab. 3. Mit jedem neuen Morgen ist immer deine Güte neu, und allen unsern Sorgen famst du zuvor mit Vatertreu. Du, Ursprung aller Gaben, du weißt, was uns gebricht; und was wir nöthig haben, versagst du Feinem nicht. Wie sind doch unsre Tage von deinem Wohlthun voll! felbst ihre Last und Plage lenkst du zu unserm Wohl. 4. Wer Buß- und Beichtlieder. 29 4. Wer sollte dich nicht lieben? Du hast uns ja zuerst geliebt, und bist stets treu geblieben, wie viel wir wider dich verübt. Mit Gnaden uns zu segnen ist ewig deine Lust; mit Dank dir zu begegnen, fey stets auchy unfre luft! Zu ehren deinen Willen uns selbst zum Glück und Heil, ihn freudig zu erfüllen, sey unsee bestes Theil! 5. Wer hier auf seinen Wegen dein Wort vor Aus gen hat und hält, den sezest du zum Segen in dieser und in jener Welt. Du schaffft ihm selbst aus leiden den herrlichsten Gewinn, und führest ihn zu Freuden, die ewig währen, hin. Wie groß ist deine Güte! michy ihrer stets zu freu'n, laß, Gott! auch mein Gemüthe voll Liebe zu dir seyn. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt zc. welch ein Troft für meine Seele, daß, Gott, bei dir Vergebung ist, und daß du, wenn ich Schwacher fehle, mir nicht ein strenger Richter bist. Wie könne' ich sonst vor dir bestehn, und der verdienten Straf' entgehn? 2. Ja, deine Gnad' ist für mich leben; aus ihr fließt Heil und Trost mir zu. Wer ist zum Schonen und Vergeben, o Vater, williger als du? Du, den raur unser Wohl erfreut, erzeigst uns gern Barmherzigkeit. 3. Mit Zuversicht darauf zu hoffen, ermuntert uns dein eigner Sohn. Durch ihn steht uns der Zutritt of fen zu deinem ew'gen Gnadenthron, wenn wir uns rede lich nur bemüh'n, der Sünden schnöden Dienst zu flieh'n. 4. Wohl mir! wenn deine Gnad und Treue mein Herz zu deiner Liebe rührt, mich über mein Vergehn zur Reue, zur Sorgfalt in der Beßrung führt; dann hat mein Glaub' in deiner Huld gewiß Verzeihung meiner Schuld. 5. lind 30 Bus- und Beichtlieder. 5. Und o wie wohl ist meiner Seele, wenn ihr bein Friede nicht gebricht! ob dann auch auß'res Glük mir fehle; fo fehlt mir wahre Ruh doch nicht; und diese ist ja viel mehr werth, als was die Welt für Glük erklärt. 6. Dann bin ich froh und gutes Muthes bei jeder Furcht, in jedem leid; dann hoff ich von dir lauter Gus tes für meine Zeit und Ewigkeit. Des Himmels Vorschmack hab ich hier, hab ich nur Frieden, Gott, mit dir. 7. Gieb, daß ich dieß zu Herzen faffe, und mich zum Fleiß der Heiligung durch deine Gnade leiten laffe, fo fehlt mir nie Beruhigung; und tröstest du mein Herz, o Gott! so halt ich treulich dein Gebot. 8. Dann komm ich auch zum ew'gen Frieden, den nie ein Fehltritt unterbricht; und freue mehr noch, als hienieden, mich in des höhern Lebenslicht des groffen Glüks, im Herzen rein, und dir, Gott, angenehm zu seyn. Mel. Herr Jesu Christ, du höchstes Gut ic. D Vater der Barmherzigkeit, ich falle dir zu Fuße, bu und thu' noch in der Gnadenzeit von ganzem Her zen Buse. Was ich nicht recht gethan vor dir, Erbar. mer, das verzeihe mir, nach deiner großen Güte! 2. Du Geber wahrer Seelenruh', nimm von mir, was mich quålet: durch deine Gnade wirke du, woran es mir noch fehlet. Gieb mir den Geist der Heiligung, daß ich in meiner Besserung mit jedem Tage wachse. 3. Und du, o Jesu, der du dich für uns dahin gegeben, du haft aus freyer Huld auch mich erlöst zum ew'gen Leben. Mein Seligmacher und mein Gott, erbarm' dich meiner Seelennoth, und gieb mir deinen Frieden. 4. Für Sünder floß dein theures Blut zur Rettung vom Verderben. So komm' es denn auch mir zu gut im Leben und im Sterben! Es schrecke von des Lasters Pfad, pon jeder unerlaubten That mich immerdar zurücke. 5. Geift Bus- und Beichtlieder. 31 5. Geist Gottes, meiner Seele licht, Regierer der Ges banfen, erinnre mich an's Weltgericht, beginnt mein Herz zu wanken; damit ich jede Sünde flieh', und Ehra fucht, Geiz und Wollust nie mein Herz beflecken mdge. 6. Und schlägt die lezte Stunde mir; so hilft mir überwinden! laß meine Seele Trost bey dir, du, Gott des Trostes, finden! Belehre mich, daß Schmerz und Noth, und selbst der lezte Feind, der Tod, mich doch zum Leben führe. Mel. Mach's mit mir Gott nach deiner sc. W er Gottes Wort nicht hält, und spricht: ich kenne Gott, der trüget; in solchem ist die Wahrheit nicht, die durch den Glauben sieget. Wer aber sein Wort glaubt und hält, der ist von Gott nicht von der Welt. 2. Der Glaube, den fein Wort erzeugt, muß auch die liebe zeugen. Je höher dein Erkenntniß steigt, je mehr wird diese steigen. Der Glaub' erleuchtet niche allein; er stärkt das Herz und macht es rein. 3. Durch Jefum rein von Missethat, sind wir nun Gottes Kinder. Wer solche Hofnung zu ihm hat, der flieht den Rath der Sünder; folgt Chrifti Beispiel als ein Christ, und reinigt sich, wie er rein ist. 4. Alsdann bin ich Gott angenehm, wenn ich Ge horsam übe. Wer die Gebote hält, in dem ist wars lich Gottes Liebe. Ein täglich thätig Christenthum, das ist des Glaubens Frucht und Ruhm. 5. Der bleibt in Gott, und Gott in ihm, wer in der liebe bleibet. Die lieb ist's, die die Cherubim, Gott zu gehorchen treibet. Gott ist die Lieb; an seis nem Heil hat ohne Liebe niemand Theil. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt zc. Mie theuer, Gott, ist deine Güte, die alle Miffe that vergiebt, so bald ein reuendes Gemüthe die 32 Bus- und Beichtlieder. die Sünden, die es sonst geliebt, erfennt, verdamme, und ernstlich haßt, und Zuversicht zum Mittler faßt! 2. Doch laß mich ja nicht sicher werden, weil du fo reich an Gnade bist! Wie kurz ist meine Zeit auf Ers den, die mir zum Heil gegeben ist! Gieb, daß sie mit recht wichtig sey; daß ich sie meiner Beß'rung weih. 3. Zwar deine Gnade zu verdienen, sind Reu und Beß'rung viel zu klein. Doch darf sich auch ein Mensch erkühnen, zu glauben, dir versöhnt zu seyn, wenn er noch liebt, was dir mißfällt, und nicht dein Wort von Herzen hält? 4. Nie kanst du dem die Schuld erlaffen, der wissent. lich in Sünden lebt. Der kan kein Herz zu Jefu fassen, der sein Verdienst zwar hoch erhebt, doch in der Sünde noch beharrt, dafür der Herr ein Opfer ward. 5. Drum fall ich dir, mein Gott, zu Füssen: vers gieb mir gnädig meine Schuld, und heile mein verwunde Gewissen mit Troft aus deiner Vaterhuld. Ich will mit Erast die Sünde scheun, und willig dir gehorsam seyn. 6. Daß mit Gerechtigkeit auch Stärke zur Tugend mir geschenket sen, laß mich durch) Uebung guter Bera te beweisen; mache selbst mich treu, Herr, in der Liebe gegen dich! fie dringe stets und leite mich)! 7. Laß mich zu deiner Ehre leben, der du die Miffes that vergiebst; das haffen, was du mir vergeben, das lieben, was da selber liebst. Laß, Vater! mein Gewiss fen rein, und meinen Wandel heilig seyn. Come 33 Communionlieder auf einige festliche Tage. Am Adventsfest. Mel. Nun kommt der Heyden ic. ott fen Dank in aller Welt, der sein Wort beståns dig hält, und der Sünder Trost und Rath zu uns her gesendet hat. 2. Was der alten Våter Schaar sehnsuchtsvolles Wünschen war, und noch mehr, als sie erbat, ward erfüllt nach Gottes Rath. ( Din 3. Hier ist mehr als Davids Sohn; feines ird'schen Reiches Thron. Licht der Seelen, ew'ges Heil ward durch Jesum uns zu Theil. 4. Menschenfreund, wie dank ichs dir! schenke dies fes Heil auch mir, das du unter vieler last für die Welt bereitet haft! 5. Deiner Hülfe mich zu freu'n, laß mein Herz dein eigen senn. Mach es, wie du gern es thust, rein von schnöder Sündenluft. 6. Wie du huldreich, als du kamst, unsre Rettung übernahmst: also sey auch deine Treu mir mit jedem Morgen neu! 7. Deine Wahrheit leuchte mir bei dem allen was ich hier zur Befördrung meiner Ruh denke, wünsche wähl und thu! 8. Tröste fråftig meinen Sinn, wann ich voller Kummer bin; hilf zum treuen Tugendlauf meiner Schwachheit machtig auf. 9. Daß ich, wann du, lebensfürst, herrlich wieder kommen wirst, froh dir mög entgegen sehn und gerecht vor dir bestehn. Ami Communionlieder. Am Weihnachtsfeste. Mel. Ich finge dir mit Herz 2c. Also hat Gott die Welt geliebt, daß er aus freyen Trieb, uns seinen Sohn zum Heiland gibt. Wie hat uns Gott so lieb! 34 2. Was sein erbarmungsvoller Rath schon in der Ewigkeit zu unserm Heil beschlossen hat, vollführt er in der Zeit. 3. Er, unser Freund und bestes Gut, der alle segnen kan, des Höchsten Sohn nimmt Fleisch und Blut, doch ohne Günde, an. 4. Ich freue mich, mein Heil, in dir! du wirst ein Mensch, wie ich, daß ich mit Gott sey, Gott mic mir. Wie sehr beglüfst du mich. 5. Du, Sohn des Allerhöchsten, wirst auch mir durch Rath und That ein Helfer, und mein Friedefürst auf dieses Lebens Pfad. 6. Was mir zum Seligseyn gebricht, schaft deine Sieb auch mir: Versöhnung, leben, Trost und licht. Wie viel hab ich an dir! 7. Dein Mangel wird mein reiches Theil; dein Leiden stillt mein Leid. Durch deine Demuth, Herr, mein Heil, gewinn ich Herrlichkeit. 8. Gelobt sen Gott! Gelobt sein Sohn, durch den er Gnad erweißt. lobt Engel, ihn vor seinem Thron! Erheb ihn auch, mein Geist! Am lesten Tage des Jahrs. Mel. Nun danket alle Gott ic. Mit dieſem Tag geht nun auch dieses Jahr zu Ende! voll brünstigen Gefühls erheb ich meine Hände mit meinem Geist zu dir, getreuer Gott, empor, und trage mein Gebet und meinen Dank dir vor. 2. Wo ist ein einziger der schnellsten Augenblife, die mir auf einige festliche Tage. 35 mir vorüber flohn, der nicht von einem Glüke, von ei nem Gut für mich durch dich bezeichnet war? Hier Wohlthat ohne Zahl! dort Rettung aus Gefahr! 3. Du warest über mir; du gabst dem Körper Stats ke und meinem Geiste Kraft zu jedem guten Werke. Und welche Freuden fand ich auf des Lebens Pfad für Sinn und Herz, wenn ich mit Unschuld ihn betrat! 4. Du schenktest mir Verstand, das Gute zu erken. nen; durch dich fühlt' ich mein Herz vom frommen Ei. fer brennen, es treulich zu vollziehn! und that ich es ja nicht: so giengst du doch mit mir, mein Gott! nicht ins Gericht. 5. Mit jedem neuen Tag erneute sich dein Segen; mich leitete dein Aug auf meines Lebens Wegen; mein Leben frontest du mit Unmuth und Gedeih'n; und jeden Tag konnt ich mich deiner Güte freu'n. 6. So gieng dieß Jahr vorbei und jeder meiner Tas ge! voll Proben deiner Huld, sanft, lieblich, ohne Klage. Nimm dafür meinen Dank in schwachen Liedern an; Preiß ewig dir, o Gott! der dieß an mir gethan. Am Neujahrsfeste. Mel. Aus meines Herzens Grunde zc. elft Gottes Güte preifen, stimmt, Christen, mit mir ein! Uns dankbar zu erweisen, soll unsre Freude feyn. Er ist der Herr der Zeit, hat ihren Lauf regieret, bisher uns gut geführet, und jezt das Jahr erneut. Helfe 2. Mit Ernst laßt uns betrachten den Reichthum feiner Gnad, das nicht geringe achten, was seine Treue that. Er wars, der Stadt und Land, der unser Leben schůzte; er gab uns, was uns nůzte, mit väterlicher Hand. 3. Erhat sein Wort erhalten, der Kirche Schuz gewährt; die Jungen samt den Alten gepfleget und genährt; ( 2 36 Communionlieder. nährt; hat stets mit milder Hand viel Freuden ausgea spendet, viel Unfall abgewendet, viel Segen zugesandt. 4. Er hat uns noch verschonet aus unverdienter Huld! und hat uns nicht gelohnet nach unsrer Sünden Schuld. Es ist Erbarmen bloß, daß wohl verdiente Strafen uns nicht vorlängst betrafen, denn unsre Schuld ist groß. 5. Er gönnt mit Vatertreue uns noch zur Beß'rung Frist. Und wenn bei wahrer Reue wir traun auf Jes sum Christ, ihm uns zum Dienste weih'n: so will er uns vergeben, und zum rechtschaffnen Leben selbst unser Beistand seyn. 6. Sey, Vater, hochgepriesen für alle Gütigkeit, die du an uns bewiesen in der verfloßinen Zeit. Sen ferner unser Gott, versorg uns und bewahre uns auch im neuen Jahre, und hilf aus aller Noth! Am Osterfest. Freyr Mel. Es ist das Heil uns kommen ze. reywillig hast du dargebracht für uns, o Herr, dein les ben. Du hattest, es zu lassen, Macht, Macht wieder dirs zu geben. Und darum liebte dich dein Gott, weil du, gehorsam bis zum Tod, dich haft für uns erniedrigt. 2. Du warst nur eine kleine Zeit von deinem Gott verlaffen. Er fronte dich mit Herrlichkeit, die Sterbliche nicht fassen. Das Kreuz, daran man dich erhöht, verwane delt sich in Majestät; denn du giengst aus dem Grabe. 3. Nun irren mich nicht Schmach und Spott, noch deines Kreuzes Schanden. Du bist mein Herr, du bist mein Gott; denn du bist auferstanden. Du bist mein Heil, mein Fels, mein Hort, der Herr, durch dessen machtig Wort auch) ich einst ewig lebe. 4. Wir sind nun göttlichen Geschlechts, durch dich des Himmels Erben. Dieß ist die Hofnung deines Knechts; in dieser will ich sterben. Wie du nun auf erstane auf einige festliche Tage. 37 erstanden bist, so werd auch ich, Herr Jesu Christ, durch dich einst auferstehen. Am Pfingstfest. 10 Mel. Warum sollt ich mich denn gråmen ze. Seift des Vaters fomm hernieder! sey nicht fern, Geist des Herrn, segne Jesu Brüder! Gibst du uns nicht licht und Stärke, so gebricht Kraft und licht uns zum schwersten Werke. 2. Herr, wir fallen dir zu Fuße, leite doch, heute noch uns zur wahren Buße! zeig uns selbst den Greul der Sünde, daß das Herz Angst und Schmerz, Reu und Schaam empfinde. 3. Jehr auf Jefum uns vertrauen, in der Noth seinen Tod glaubensvoll anschauen. Wenn das Auge reuvoll thrånet, rufe du dann uns zu: ihr seyd Gott versöhnet. 4. Geist der Weisheit, gib uns allen durch dein Licht Unterricht, wie wir Gott gefallen! Lehr uns findlich zu ihm tretten; Zuversicht mangl' uns nicht, wenn wir zu ihm beten. 5. Hilf den Kampf des Glaubens kämpfen; gib uns Muth, jede Gluth böser Luft zu dámpfen!{ aß uns nie Gefahr, noch leiden, keine Noth, nicht den Tod, je von Jesu scheiden. 6. Hilf uns nach dem Besten streben; schenk uns Kraft, tugendhaft und gerecht zu leben! Gib, daß wir nicht stille stehen; treib uns an, froh die Bahn deines Worts zu gehen. 7. Sen in Schwachheit unfre Stüze; fteh uns bei, mach uns treu in der Prüfungshize; Hilf, wenn Gott nachy furzem Leiden, unfern Geist kommen heist, hin zu seinen Freuden.campin € 3 JASTUS Xm Communionlieder. Am Reformationsfest. Mel. Ach Gott und Herr! 2C. Gott ott ist mein Hort! und auf sein Wort soll meine Seele trauen. Ich wandle hier, mein Gott, vor dir im Glauben, und im Schauen. 2. Dein Wort ist wahr; laß immerdar mich seine Kräfte schmeken. Laß keinen Spott, o Herr, mein Gott, mich von dem Glauben schreken. 38 3. Wo hätt ich licht, wofern mich nicht dein Wort die Wahrheit lehrte? Gott, ohne fle verstund ich nie, wie ich dich würdig ehrte. 4. Dein Wort erklärt der Seele Werth, Unsterbliche keit und Leben; daß diese Zeit zur Ewigkeit mir sey von bir gegeben. no 5- Den ew'gen Rath, die Misfethat der Sünder zu verföhnen; den kennt ich nicht, war mir diß Licht niche durch sein Wort erschienen. 6. Nun darf mein Herz, in Reu und Schmerz, der Sünden nicht verzagen. Nein, du verzeihst, lehrst meinen Geist im Glauben, Vater! sagen. 7. Mich zu erneu'n, mich dir zu weih'n, ist meines Heils Geschäfte. Durch meine Müh vermag ichs nie; dein Wort gibt mir die Kräfte. 8. Herr, unser Hort, laß dieses Wort mir licht und Freude geben. Es sey mein Theil, es sey mein Heil und Kraft zum ew'gen leben. VITV nun Communionlieder, die bei der Communion gesungen werden. Mel. Wer nur den lieben Gett läßt zc. Ach, sieh ihn dulden, bluten, fterben; o meine Seele, fag ihm Dank! sieh Gottes eignen Sohn und Erben, wie mächtig ihn die Liebe drang! Ja, Dank dir, treuster Menschenfreund, der dus so gut mit mir gemeint! 2. Wie Communionlieder. 39 2. Wie dunkel waren jene Stunden, und welche Lasten drüften dich! wie quoll das Blut aus deinen Wunden! und ach, es floß zum Heil für mich, und ruft auch jezt mir trostvoll zu: du liebst mich, frommer Dulder, du. 3. So sollt es seyn: du mußtest leiden. Dein Tod macht Gottes Huld mir fund. Er ist für mich ein Quell der Freuden, ein Siegel auf den Friedensbund. So wahr dich Gott zum Heiland gibt, so feste stehts, daß er mich liebt. eu 4. Dein bin ich nun, und Gottes Erbe werd ich gewiß im Glauben seyn. Wenn ich auch leide, wenn ich sterbe; find doch der Zukunft Freuden mein. Wann Erd und Himmel untergeh'n: bleibt Gottes Gnade ewig steh'n. 5. Bestättigt ist nun deine Lehre; mein Glaube hält fich fest an dich. Denn mir zum Trost und dir zur Ehre gabst du dich in den Tod für mich. Dein ist nun lob und Preiß und Ruhm, und mein der Unschuld Eigenthum. 6. Gib, daß ich deine Stimme höre, gernthu, was mir bein Wort gebeut. Durch frommen Wandel dich verehre, dir folge in der Prüfungszeit. Die Dankbarkeit bringt mich dazu; ach, wer verdient fie mehr, als du! 7. Nie will ich mich an Feinden rächen; auch dieß lern ich, mein Heil, von dir; nie Gottes Schikung wider.. sprechen, war sie auch noch so dunkel mir. Auf Dornen giengst du hin vor mir; und ich, bein Jünger, folge dir. 8. Was fürcht ich noch des Todes Schreken? Du schliefft auch einst im Grab, mein Freund! Mag Staub auch meine Glieder deken, wann nun des Todes Nacht erscheint! Der dir das leben wieder gab, ruft einst auch mich aus meinem Grab. 9.Nimm hin denDank für deine Plagen, mein Retter, den die Liebe bringt! Einft will ich dir's noch besser sagen, wann dir mein Geist dort oben singt. Der Himmel selbst soll Zeuge seyn, und alle Sel'gen stimmen ein. c4 Mel. Communionlieder. Mel. Wer nur den lieben Gott låst walten zc. Seele, nimm des Glaubens Flügel, und eile mit nach Golgatha! dein Jesus geht zum Todeshügel, und pflanzet deine Wohlfahrt da. Er geht für dich zusterben hin, fomm, Seefe, und begleite ihn. 2. Ihn drüket schwer die Kreuzesburde; noch schwe rer meine Missethat, die er, daß ich verföhnet würde, zu tragen übernommen hat. Erwache, Seele, werd erweicht, da Jefum deine Laft fo beugt. 3. Betrübte Bahn, Bahn voller Schmerzen, wo Jefus blutend, wanfend, matt, für uns mit liebesvol. lem Herzen des Kreuzes Last getragen hat. Geduldig Lamm für diese Pein, kan ich dir nicht gnug dankbar feyn. 4. Fürwahr, du trågest unfre Plagen, um uns das Jeben zu verleihn; du läsfest dich als Bürge schlagen, um uns, die Schuldner, zu befreyn; du bist es, der uns Glük ertheilt, und uns durch seine Wunden heilt. 5. Laß deinen Weg zur Schädelståtte mir ſtets, und dann auch tröstlich seyn, wann ich des Todes Weg betrete! bann flöße mir diß Wort noch ein: daß ich durch Deine Sterbensbahn den Weg zum Leben finden kan. 6. Euch fliehe ich, ihr eitlen Gänge, worauf der Sünder thöricht lacht! soll ich mit Jefu durchs Ges drange der Trübfal und der Todesnacht; so folg ich gern, und weiß, als Christ, daß dies der Weg zum Leben ist. 40 Mel. Wer nur den lieben Gott läßt zc. ank, Dank sey dir für dein Erbarmen, o mein Er loser, Jefu Chrift, du, der du einst auch für mich Armen den Tod am Kreuz gestorben bist! Nur deine Leiden trösten mich; was war ich, Mittler, ohne dich? 2. Du hast mir deinen Leib geschenket, nun weiß ich, ich bin ewig dein. Ich ward mit deinem Blut getränket; diß Blut macht meine Seele rein, befrente mich von Fluch und Schuld, erwarb mir Gottes Vaterhuld. 3. Nun Communionlieder. 41 3. Nun laß mich sterben oder leben: Herr, wie du willst, ich folge gern; von Schmerz gequält, mit Angst umgeben, freut meine Seele fich des Herrn. Durch dich versöhnt, erschrökt mich nicht des Grabes Graun, nicht das Gericht. 4. Im Glauben will ich dich umfassen; gewiß, daß du mein Retter bist. Du wirst mich Schwachen nicht verlaffen, mir geben, was mir nůzlich ist. Ein Wink von dir; so endet sich mein Jammer, und ich preise dich. 5. Und kommt sie denn, die ernste Stunde, die mich) dem Jrdischen entreißt; wohl mir auch dann! Aus deinem Munde erwartet mein erlößter Geist ein frohes Urtheil; ewigs Heil ist deiner Auserwählten Theil. Mel. Jesu meines Lebens Leben 2c. Denkt mein Geist an jene Stunden, da du, Jefit, für mich starbst, und durch deine Todeswunden Heil und Leben mir erwarbst; denk ich, was du noch gesprochen, eh dein liebend Heez gebrochen: dann bet idy bewundernd an. Möchtich thun, was du gethan! 2. Der du unter Schmach und Schmerzen noch für deine Feinde batst, laß mich mit verföhntem Herzen auch verzeihen, wie du thatst. Gott die Rache überlaffen, denen wohlthun, die mich haffen: folche Tugend lernt der Christ. Selig, wer dir ähnlich ist. 3. Bes'rung laß mich nicht verschieben bis zum Jezten Lebenshauch. Laß mich leben, dich zu lieben; dann du liebst im Tod mich auch. Meiner wirst du Dann gedenken, Freudigkeit zum Sterben schenken, und mich mit dem Troft erfreun, ewig dort bei dir zu seyn. 4. Eitter Sinnlichkeiten Reize feffeln meine Seele nicht; mir wird unter deinem Kreuze leicht und füffe jede Pflicht. Dein Erempel soll mich lehren, Schwas chen Hülfe zu gewähren, die Betrübten zu erfreu'n, der Verlaß'nen Schuz zu seyn. 3. Ach, 42 Communionlieder. 5. Ach, wer kan dein leiden faffen, als du riefft: mein Gott, mein Gott, warum haft du mich verlassen? Doch, mich tröstet deine Noth. Nun eilt Gott, mir beizustehen, und erhört mein leztes Flehen, wann die bange Seele spricht: Gott, mein Gott, verlaß mich nicht! 6. In des lezten Durstes Schmachten, ach, wie schwer war deine Pein! Aber deine Feinde brachten dir zum labsal Eßigwein. Einft, wann Durst und Angst mich qualen, will ich dir mein Leid befehlen. Du erbarmest meiner dich; denn du dürftetest für mich. 7. Doch in deinen Todesschmerzen ward dir Hülfe zugedacht. Endlich sank dein Haupt zum Herzen, und du riefft: Es ist vollbracht! Vater, Vater, ich befehle deinen Händen meine Seele! Sanft und freudig war dein Tod, und du giengest hin zu Gott. 8. Einst naht auch, von Gott gesendet, der Erlösung Stunde mir. Dann ruf' ich: Es ist vollendet! meinen Geist befehl ich dir: Und du ftillst mein leztes Sehnen, stillst auf ewig meine Thränen, führst mich nach des Lebens Pein, zu des Himmels Freuden ein. Mel. O Haupt voll Blut und Wunden ic. er du voll Blut und Wunden für uns am Kreuze ftarbst, und unsern lezten Stunden den größten Troft erwarbst! Der du dein theures Leben noch, eh' ich war, auch mir zur Rettung hingegeben, mein Heil, wie dank ich dir! 2. Wie viel hast du erduldet, erhabner Menschen föhn! als du so unverschuldet empfiengst der Sünder John. Da folgte Schmerz auf Schmerzen, da traf dich Schmach auf Schmach; da lag auf deinem Herzen Angst, die das Herz dir brach. 3. Entblößt von allem Reize, der Menschen wohl gefällt, hiengst du an deinem Kreuze, ein Fluch vor aller Communionlieder. 43 aller Welt. Dich flohen deine Freunde; du warst der Leute Spott; dich höhnten deine Feinde: wo ist denn nun sein Gott? 4. Mein Heil, was du erbuldet, das war auch meine Last. Ich habe mit verschuldet, was du getragen hast. Sieh gnädig aufmich Armen, der Zorn verdienet hat, und hilf mir aus Erbarmen von meiner Missethat. 5. Auf dich will ich stets sehen mit Glaubens Zue versicht. Wohin sollt ich sonst gehen? Verwirf nur du mich nicht! Wo sollt ich Ruhe finden, wenn du mich, Herr, nicht liebst? Wo Reinigung von Sünden, wenn du sie mir nicht gibst? 6. Du hast uns durch dein Leiden, zur Tugend Muth und Kraft, in Trübsal Trost und Freuden der Ewig. keit verschaft. Ogib an dieser Gnade auch mir im Glauben Theil; so wird mein Seelen. Schade durch dich, Erlöser, heil. 7. Es dient zu meinen Freuden, was du am Kreuz empfandft, der du nach deinem Leiden für mich auch auferstandst. Ach, mocht ich einst mein leben begnadigt, Herr, von dir, in deine Hände geben, wie wohl geschehe mir! 8. Ich danke dir von Herzen, o du mein bester Freund, für deines Todes Schmerzen. Wie gut hast du's gemeint! O gib, daß ich mich halte zu dir und deiner Treu, und wann ich einst erkalte, ganz, ganz der Deine sey. 9. Soll ich, o Herr, einst scheiden, o, so verlaß mich nicht! sen du in Todes Leiden, mein Trost, mein Heil, mein Licht. Wann mir am allerbängsten wird um das Herze seyn, dann laß mich in den lengsten der nahen Hülfe freun. 10. Dann laß mein ganzes Hoffen in die Erfül. lung gehn; und mich im Geiste offen, Herr, deinen Hime 44 Communionlieder. Himmel fehn. Mit freudigem Entzücken will ich dann glaubensvoll, mein Heiland! nach dir blicken, Wer so stirbt, der stirbt wohl! Mel. Was Gott thut, das ist zc. S ich, Jefum, laß ich ewig nicht; dir bleibt mein Herz ergeben. Du kennst diß Herz, das redlich spricht; nur Einem will ich leben; du, du allein, du sollst es seyn: du sollst mein Trost auf Erden, mein Gluß im Himmel werden. 2. Dich, Jefum, laß ich ewig nicht; ich halte dich im Glauben. Nichts fan mir meine Zuversicht und deine Gnade rauben. Der Glaubensbund hat festen Grund: du läsfest dir nicht nehmen, die deiner sich nicht fdämen. 0 3. Dich, Jesum, laß ich ewig nicht: aus göttlichem Erbarmen giengst du für Sünder ins Gericht, und büß. teft für die Urmen. Uus Dankbarkeit will ich allzeit, um deines Leidens willen, die Pflicht der Treu erfüllen. 4. Dich, Jefum, laß ich ewig nicht; du stårkest mich von oben. Auf dich steht meine Zuversicht, wenn meine Feinde toben. Ich halt an dir; du bist bei mir. Wenn mich die Feinde haffen, wirst du mich nicht verlaffen. 5. Dich, Jesum, laß ich ewig nicht, dich, Gottes größte Gabe. Ich weiß, daß mir fein Gut gebricht, Herr, wenn ich dich nur habe. Sucht mich die Welt, durch Gut und Geld, dir ungetreu zu machen; so will ich ihrer lachen. 6. Dich, Jefum, laß ich ewig nicht: nichts foll mich von dir scheiden. Es bleibet jedes Christen Pflicht mit ſeinem Herrn zu leiden. Doch all mein leid währe kurze Zeit; bald ist es überstanden, und Ruh ist dann vorhanden. 1934 9th on and 7. Dich, Jesum, laß ich ewig nicht: nie soll mein Glaube wanken: noch wann des Leibes Hütte brichs, flerb Communionlieder. 45 flerb' ich mit dem Gedanken: mein Freund ist mein und ich bin sein; er ist mein Schuz, mein Tröster, und ich bin sein Erlöster, Mel. Meinem Jefum laß ich nicht zc. Die ihr Chrifti Jünger send, theure, miterlöste Brüs der, alle feinem Dienst geweiht, alle feine Leibes Glieder! Kommt, Versöhnte, kommt, erneut euren Bund der Seligkeit. 2. Nehmt und eßt; das ist sein leib, in den Tod für euch gegeben. Nehmt und trinkt! das ist sein Blut, er vergoß es euch zum Leben. Schmeft und fehet hocherfreut eures Mittlers Freundlichkeit, 3. Die mit voller Zuversicht, Jefu, deines Heils fich freuen, laß fie stets in diesem Sicht wandeln, ewig dir sich weihen. Laß ihr Herz vom Stolze rein, voll von deiner Demuth seyn. 4. Tröste, die in Traurigkeit über ihre Seele was chen. Hilf du, Herr der Herrlichkeit! Herr, sie glaus ben: hilf den Schwachen! Die gebeugt von ferne stehn, können unerhört nicht flehn. 5. Nehmt und eßt; das ist sein Leib, in den Tod für euch gegeben. Nehmt und trinkt: das ist sein Blut, er vergoß es euch zum Leben. Schmekt und fehet hocherfreut eures Mittlers Freundlichkeit. 6. Hoherpriester, Jesu Christ, du bist einmal einta gegangen in das Heiligthum; du bist, als ein Fluch), am Kreuz gehangen; doch giengst du durch Schmach und Tod hin, mit Preiß gekrönt, zu Gott! 7. Hoherpriester, ja du bist, bist für sie auch einge. gangen; stark' in ihnen, Jesu Christ, wann sie nurs dein Mahl empfangen, ihres Glaubens Zuversicht, daß fie frey find vom Gericht. 8. Nehmt und eßt: das ist sein leib, in den Tod für 46 Communionlieder. für euch gegeben. Nehmt und trinkt: das ist sein Blut, er vergoß es euch zum Leben. Schmeft und fehet hocherfreut eures Mittlers Freundlichkeit. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt ic. D u hast uns, Jesu, vor dem Scheiden beim Anbruch deiner lezten Nacht, mit einem Denkmahl deiner Leiden, mit einem Bundesmahl bedacht, das deinen Freunden Proben gibt, wie ungemein du uns geliebt. 2. So oft wir dieses Mahl genieffen, wird dein Ge. dächtnis bei uns neu. Man kan aus neuen Proben schliessen, wie groß, Herr, deine Liebe sey, und welch ein Heil du uns erwarbst, da du für uns am Kreuze starbst. 3. Es werden hier gebeugte Herzen aufs neue mit dem Trost erfreut, daß du durch deine Todesschmerzen uns von der Sündenlast befrent, daß du für jeden hast verschaft Vergebung, Gnad und Behrungskraft. 4. Du läßt, wenn wir diß Mahl genieffen, mit Dank und Besserungsbegier, stets neue Gnade auf uns flieffen, belebst mit neuem Muth uns hier, im Herzen und im Wandel rein, und so, wie du, gesinnt zu seyn. 5. Hier wächst die Hofnung, und die Liebe, die zu der Tugend Kraft gibt, steigt; es wird durch dankbar frohe Triebe das ganze Herz dahin geneigt, in deiner Huld fich stets zu freun, das ganze leben dir zu weihn. 6. Hier, wo wir alle ein Brod effen, aus einem Be. cher trinken, hier, wo wir mit frohem Dank ermessen, daß jedes sey erlöst von dir: hier wird zum Freundschaftsbund vereint der Herr und Knecht, der Freund und Feind. 7. Hier lernen wir Geduld im Leiden, wenn wir auf dein Erempel schaun; hier lernen wir zu allen Zeiten, auf Gottes Gnade zu vertraun. Denn was ists, daß uns ferner frånkt, da Gott, mit dir, uns alles schenkt? 8. Bei Communionlieder. 47 8. Bei diesem Mahl stärkt sich der Glaube, daß du der Toden Schaaren einst erwefft aus der Verwesung Staube, und näher uns mit dir vereinft, uns, die wir dir geglaubt, gelebt, auf deiner Bahn dir nachgestrebt. 9. So sen denn, Jesu, stets gepriesen für dieses Denkmal deiner Treu. Gib, daß so oft wir es genies fen, es unsers Glaubens Stärkung fen: das Menschen. liebe, Freud und Ruh in unsern Seelen nehme zu. Mel. Es ist das Heil uns kommen 2c. Ha alt im Gedächtniß Jesum Chrift, o Seele, der auf Erden vom Himmelthron gekommen ist, ein Heiland dir zu werden! Vergiß sein nicht! denn dir zu gut verband er sich mit Fleisch und Blut. Dank ihm für diese Liebe! Er hat für 2. Halt im Gedächtniß Jefum Chrift! dich gelitten, und dir, da er gestorben ist, am Kreuz das Heil erstritten. Errettung von der Sündennoth erwarb er dir durch seinen Tod. Dank ihm für diese Liebe! 3. Halt im Gedächtniß Jesum Chrift! der von dem Tod' erstanden, nunmehr zur Rechten Gottes i, un von des Todesbanden die Seinigen auch fren gemacht, und ew'ges leben wiederbracht. Dank ihm für diese Liebe. 4. Halt im Gedächtniß Jefum Chrift! Er wird einst wieder kommen, zu richten, was auf Erden ist, die Sünder und die Frommen. Drum forge, daß du dann bestehst, und mit ihm in den Himmel gehst, ihm ewiglich zu danken. 5. Mein Heiland, den der Himmel preißt, dich will ich ewig loben. O stärke dazu meinen Geist mit neuer Kraft von oben. Dein Abendmahl vermehr in mir des Glaubens Kraft, auf daß ich dir mit neuer Treue diene! Mel. Communionlieder. Mel. Herr Jesu Christ meins ic. Herr, der du willig, als ein Lamm, am martervola len beschwert mit unsrer Sünden last, dich selbst für uns geopfert hast. 2. Hier feyr, ich deinen Mittlertoed; hier nährst du mich mit Himmelsbrod: hier ist das unscházbare Gut, das du mir gibst, dein Leib und Blut. 48 3. D liebe, welcher feine gleicht! Wunder, das fein Wiz erreicht! mir unbegreiflich, und doch wahr: du sagst es, und dein Wort ist flar. 4. O Gottmensch, hilf mir, daß ich ja mit größter Ehrfurcht dir mich nah! Herr, mein Mund empfahe nicht dein heilig Mahl mir zum Gericht! 5. Hier deinen liebevollen Tod verkündigen, ist dein Gebot. So preise denn mein ganzes Herz dich izt für deinen Todesschmerz. 6. O wie so großen Seegen gibt dein Leib und Blut dem, der dich liebt! Jhm ists ein Pfand der Seligkeit, ein Siegel der Gerechtigkeit. 7. Ach, wie so reich ergießet sich hier meines Got tes lieb in mich! Hier sehmek ich voll Zufriedenheit. des besten Vaters Freundlichkeit. 8. Wie brünstig du, mein Jesu, liebst, bezeugt dieß Pfand, das du mir gibst. Nichts scheidet ferner dich und mich. Mich liebest du; ich liebe dich. 9. Ja, Herr, dich lieb ich unverrüft, wenn Weltlust loft, wenn Drangsal drüft. Verschmachtet Leib und Seele mir; doch lieb ich dich, und bleib in dir. 10. Herr, dieses heil'gen Mahles Kraft stärkt michy in meiner Pilgerschaft, den Feinden stark zu widerstehn, die mir nach meiner Seele stehn. 11. Es steuert allem Stolz und Neid: vermehret Lieb und Einigkeit; gibt Troft, der nie das Herz verläßt; und macht den guten Vorfaz fest. 12. Num Communionlieder. 49 12. Nun, Jesu, führ ihn selbst zur That, und leite mich nach deinem Rath; fo bring ich in gelaßner Ruh die Tage meiner Wallfahrt zu. 13. Und wenn du mich, du Sebensfürst, zur Se. ligkeit einst führen wirst; so nehm ich noch vollkommner Theil an deinem uns erworbnen Heil. Her Mel. Schmücke dich, o liebe Seele zc. err! ich falle vor dir nieder, danke dir, und singe lieder: wer, o Tilger meiner Sünden, wer kan beine Lieb' ergründen? O mit welch erhabnem Herzen wolltest du die tiefsten Schmerzen, Schmach und Spott für meine Schulden, ja des Kreuzes Tod erdulden? 2. Meine Sünden willst du defen, willst mich, Toden, auferwefen, willst ein ewig fel'ges Leben mir, wenn ich dir glaube, geben. Wenn ich Heiland, hier im Staube, dich anber' und an dich glaube, fan ich Theil an deinen Gaben, Theil an deinem Himmel haben. 3. Nun so sen der Bund erneuet; ganz sey dir mein Herz geweihet! Wie du hier gelebt, zu leben, will ich) täglid) mich bestreben. Dir gelob ich: deine Glieder, Jesus Christ, als meine Brüder, immer mit den reinsten Trieben, immer, wie dich selbst, zu lieben. 4. Ich gelobe dir von Herzen, meiner Brüder Noth und Schmerzen täglich brüderlich zu lindern; Elend, wo ich fan, zu mindern. Ich gelobe dir mit Freu. den, auch das Unrecht still zu leiden: ungeduldig nie zu klagen, an dir niemals zu verzagen. 5. Was du hasfest, will ich hassen, ganz von dir mich leiren laffen; nie, mit Vorfaz dich betrüben; alles, was du liebest, lieben. Welt und Zand, und alle Gu. ter eitler fündlicher Gemüther, sollen nie mein Herze lofen; mein Gewissen nie verstoken. 6. 3war ich kenne meine Schwäche, Jesu, da ich dir's verspreche. Morgen hab' ich oft gebrochen, was D ich 50 Commumionlieder. ich heute bir versprochen. Darum hilf du mir, und stärke mich zu jedem guten Werke! Komm, und eile, mid) vom Bösen, das ich thun will, zu erlöfen! 7. Hilf den ersten Reiz der Sünden, hilf ihn zeitig überwinden! Laß mich Aug' und Herze schließen, eh bet Geist wird hingeriffen! Laß mich ihre Folgen schrea fen; des Gewiffens Freuden schmeken; die mein Herz fo oft empfunden, wenn ich Sünden überwunden. 8. Gib, daß ich und alle Christen sich auf deine Zukunft rüsten, daß, wenn heut dein Tag schon fame, feiner, Herr, vor dir sich schäme! Schaff, o Heiland aller Sünder, dir viel Jünger, viele Kinder, die die leben, leiden, sterben, deine Herrlichkeit zu erben. 9.- Großes Abendmahl der Frommen, Tag des Heils, wann wirst du formen? daß wir mit der Engel Chia ren, Herr dich sehn und ewig ehren! Halleluja! Ewig leben alle, die sich dir ergeben! Halleluja! welche Freuden sind die Früchte deiner Leiden! Biot Mel. Herr Jesu Christ meins 20. err Jefu, wahrer Mensch und Gott, du littest wila lig Angst und Spott, als du für mich am Kreuje starbst, und mir des Vaters Huld erwarbst. Herr 2. Um deiner Seiden willen sey mir gnädig, Herr, und steh mir bei im lesten Kampf, in Sterbensnoth wenn ich einst ringe mit dem Tod. 3. Wenn dann mein sterbend Auge bricht, und meine Zunge nicht mehr spricht, mein stofend Blut sich kaum bewegt, und kaum das matte Herz mehr schlägt; 4. Wenn mein Verstand sich nicht besinnt, und Menschenhilfe ganz zerrinnt; ach! so verkürze meine Qual, und führ mich aus dem Jammerthal. 1 5. Ich gebe meine Seele dann in deine Hände: uimm sie an! Der leib ruht in der finstern Gruft, bis einst dein großer Tag ihn ruft. 1502 310 6. Dann Communionlieder. 51 si 6. Dann laß ihn frölich auferstehn, in deinen Him. mel einzugehn. Gedenk, o Heiland, im Gericht an meine Misfethafen nicht. 7. Wes du in deinem Worte mir verheißen hast, das glaub ich dir: fürwahr, fürwahr euch sage ich), wer mein Wort hält und glaubt an mich); 8. Der kommt dereinst nicht ins Gericht, und schmekt den Tod auch ewig nicht; und ob er gleich hier zeitlich stirbt, mit nichten er drum ganz verdirbt. 20 9. Onein! mit meiner starken Hand reiß ich ihn aus des Todes Band, und nehm ihn zu mir in mein Reich); da herrscht er dann mit mir zugleich. 10. Nun, Herr, mein Gott, ich trau auf dich; an dein Wort hålt mein Glaube sich. Vergib mir meine Sündenschuld! Schenk mir zum Kampf Muth und Geduld 11. Mach meinen Glauben stark und fest, wann mich die ganze Welt verläßt, und bricht des Todes Schlaf herein, so laß ihn sanft und selig seyn. Mel. Allein Gott in der Höh sey zc. ch preife dich, o Herr, mein Heil, für deine Todesa an ihren Früchten Theil, was fehlt dann meinen Freuden? Du wardst ein Opfer auch für mich; o gib, daß meine Seele sich des ewig freuen moge! 2. Du läsfest mich in deinem Tod das wahre Leben finden. Erlösung aus der größten Noth, Vergebung aller Sünden. Gewissensruh, zur Bef'rung Kraft: das hast du, Herr, auch mir verschaft, da du am Kreuze starbest.. 3. Dein Abendmahl ist mir ein Pfand von dieser großen Güte. Wie viel hast du an mich gewandt! O starcfe mein Gemüthe zum gläubigen Vertraun auf dich, daß ich, so lang ich lebe, mich an deine Gnade halte. 1973 8 D 2 4. Jh 52 Communionlieder. 4. Ich fühle, Herr, voll Neu und Schmerz die Last von meinen Sünden. Laß mein vor dir gebeugtes Herz den großen Troft empfinden, daß du, aus Got. tes Vaterhuld, auch mir Vergebung meiner Schuld auf Buße haft erworben. 5. Der Trost, den mir dein Tod verschaft, werd ewig mir zum Segen. Erstärke mich mit neuer Kraft euf allen meinen Wegen nur das zu thun, was dir gefällt, und alle Furcht und lust der Welt stand. haft zu überwinden. 6. Die liebe, die du mir erzeigt, ist gar nicht zu ermessen; Omache selbst mein Her; geneigt, fie nim. mer zu vergessen; daß ich aus ächter Gegentreu dir bis zum Tod ergeben sey, und dir zur Ehre lebe! nied 7. Laß deines Leidens großen Zwek mir stets vor Augen lehen; nimm alle Hinderniffe weg, die ebne Bahn zu gehen, die mir dein heilig Vorbild weißt, und die einst den erlößten Geist zu deiner Freude führet.: 8. Zum ew'gen Leben hast du dich für mich dahin ge. geben; dein Abendmahl erweke mich, mit Ernst darnach zu streben. Herr, mache mich dazu geschikt; und werd ich einst der Welt entrükt: so sey dein Tod mein Leben. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele zc. Jefu Christ, durch deine Wunden, deinen marter. vollen Tod, hab ich Heil bei Gott gefunden, Kraft zur Tugend, Trost in Noth. Fällt mir etwas Urges ein, denk ich, Herr! an deine Pein; die verbietet meinem Herzen, mit der Sünde je zu scherzen. 2. Schmachtet nach verbotnen Freuden mein ver. derbies Fleisch und Blut, o so blik ich auf dein Leiden: schnell verlischt die wilde Glut. Streb ich eitler Ehre nach, und ich denk an deine Schmach; schnell erniedrigt fie mich wieder und schlägt meinen Stolz darnieder.and 3. Rei Communionlieder. 53 3. Reizen, Herr! mich manche Plagen, während meiner Prüfungszeit, oft zu mürrifd) bangen Klagen, und zur Unzufriedenheit, o so denk ich an die Pein, die du uns zu gut allein, unverschuldet haft ertragen; und dann schám ich mich zu klagen. 4 Wenn mein schrekendes Gewiffen mir mit Fluch und Strafe droht; o! in diesen Kümmernissen denk ich, Herr, an deinen Tod, und wie du auch meine fast an dem Kreuz getragen haft: dieß kan mein Gewissen stillen, und mein Herz mit Troft erfüllen. 5. Ja, für alles, was mich frånket, schaffen deine Wunden Rath; wenn mein Geist an sie gedenket, geh ich frisch den schmalen Pfad. Mich erschreket feine Müh: denn der Trost erleichtert fsie, daß du, Herr! als du gestorben, mir ein ewig Heil erworben. Add 6. Auf dich fez ich mein Vertrauen, du bist meine Zuversicht: felbst der Tod macht mir fein Grauen; du befreist mich vom Gericht. Durch dein mir erworb nes Heil hab ich an dem Himmel Theil: warlich, Herr! ein ewigs leben wirst du nach dem Tod mir geben. Mel. Schmike dich, o liebe Seele ic. Jeft Refu, Freund der Menschenkinder, Retter der gefallnen Sünder! Auch für mich hast du dein Leben willig in den Tod gegeben! Deinen Tod will ich jest feiern und mit dir den Bund erneuern. Tief gerührt von deiner Güte, preift dich dankbar mein Gemüche. 2. Herr, du haft auch mir bereitet, was zum wahren Wohl mich leiter: licht, den Weg des Heils zu finden; Troft bei dem Gefühl der Sünden; Kraft, der Begrung nachzujagen; Much des Lebens( aft zu tragen, und die Hofnung behrer Zeiten in dem Reich der Ewigkeiten. 3. Dwie sehnt sich mein Gemüthe, Menschenfreund, nach deiner Güte! Ewig währet deine Treue, und du fennst D 3 54 Communionlieder. Fennst mein Herz voll Reue! Uch, so wollst du meinen Zahren deine Tröftung auch gewähren, meiner Schuld nicht mehr gedenken, und mir deinen Frieden schenken. 4. Ja, ich hoffe, deine Gnade wird auf dieses Lebens Pfade mit erneuter Kraft zu Werken meiner Heiligung mich stärken; wird mic) beffern, leiten, trösten, und zum Erbtheil der Erlöften, zu des Himmels Seligkeiten gründen, stårken, vollbereiten. anis 5 Deine Huld ist unermeßlich! Here! fie fey mie unvergeßlich! Täglich will ich mich befireben, folgfam deinem Wort zu leben; deiner will ich stets mich freuen, ganz mich deinem Dienste weihen, gern von dir mich leiten laffen, und, wie du, das Böse haffen. bir di 6. Du, dem die verklärten Schaaren, die schon hier dein Heil erfahren, Dank und Preiß und Jubel singen, daß fie es schon hier empfiengen; laß uns alle dahin kommen, wo mit den verklärten Frommen wir dein Antlig ewig fehen, ewig deine Lieb erhöhen! AG Mel. Schwing dich auf zu deinem zc. Refu, meiner Seeten licht! Ursprung meiner Freuden! meines Herzens Zuversicht ist allein dein Leiden. Nimm dafür den Dank ist an, ist es fdyon ein Jallen; ba ich nicht mehr geben kan, wird dirs doch gefallen. 2. Ich erwag es oft und viel, was bichy angetrieben, Sünder ohne Maaß und Ziel, wie du thatst, zu lieben; da du, uns nur zu befreyn, Spott und Hohn in Banden! Geiffeln, Martern, Todespein, willig ausgestanden. 3. War es unfre Würdigkeit? Nein! des Vaters Gure, deiner Siebe Innigkeit und dein treu Gemüthe. Dieß hat dich ans Kreuz gebracht, daß kein Mensch verzagte, wenn der Sünden Meng' und macht das Gewissen nagte. 4. Ddu wunderbarer Rath, den man nie ergründet! I du unerhörte That, als man nirgends findet: Süns Communionlieder. 55 Simden, deren Gott zum Hohn, Menschen sich erfrechen, die läßt Gottes eigner Sohn an sich strenge rächen. 5. Meine schwere Sünden Schuld traf den treuen Burgen. Er ließ sich aus großer Huld gar für mich erwürgen. So hat er uns heil gebracht! Sollt uns nicht geziemen, seiner Liebe starke Macht ewiglich zu rühmen? 6. Herr, dein Friede sen mit mir! und auf mein Gewiffen, wann es zaget, laß von dir Trost und Freude fließen! Ruh ergießt in jedes Herz sich aus deinem Herzen; auch den bångsten Seelen- Schmerz heilen Deine Schmerzen. 7. Laß, sobald mein Herz erschrift über seine Sünden, wenn auf dich mein Glaube blikt, mich, Herr, Gnade finden. Sieh, ich fall, zerknirscht von Neu, mit wahrhafter Buße, und dem Vorfaz beßrer Treu, Jesu, dir zu Fuße. 8. Nun ich weiß, woraufich bau, und bei wem ich bleibe: weffen Fürsprach ich vertrau, und an wen ich glaube. Jesu, du, du bists allein, welcher mich bea schirmet, wenn gleich alle Höllenpein auf mich dringt und stürmet. 9. Hier bin ich dein Eigenthum; soll dort mit die erben. Drum will ich) bloß deinem Ruhm leben und auch) sterben; daß auch ich einst rühmen mag, aus dem Grab erstanden: meines Jesu großer Tag, Heil mir! ist vorhanden! Mel. Jesu meine Freude zc. Jefus Refus ist mein Hirte! als ich mich verirrte, ich ver. lohrnes Schaaf: fam er mir entgegen, eh auf meinen Wegen mich) ein Unfall traf. Siech war ich; doch er trug mich zu der Heerde voll Erbarmen! selbst auf seinen Armen. 2. Jefis D4 56 Communionlieder. 2. Jesus ward mein Leben, will mir alles geben, was das Herz erfreut. Keine wahre Freude mangelt feiner Weide; keine Seligkeit. Voll und hell ist auch sein Quel, der mich, wenn ein Kreuz mich drüfet, stårket und erquitet. 3. Er, daß ich nicht falle, hält mich; und ich walle sicher seine Bahn. Folasam seinen Rechten stößt in finstern Nächten nie mein Fugtritt an. Schröft und droht mir selbst der Tod; du, wann Furcht und Angst mid) fröken, bist mein Stab und Steken. d 4. Jch bei meinem Freunde fürchte keine Feinde, ich, von ihm beschůzt. Darb ich, er hat Gaben, gibt mir, mich) ju laben, was mit ewig nůzt. Trost und Lust durchströmt die Brust; denn ich bete nie vergebens zu dem Herrn des Lebens. 5. Seine lieb und Gnade folgt mir auf dem Pfade feines Beispiels hier. Wenn ich ihn vodende, reichet er am Ende seine Krone mir. Ich, verneut zur Seligfeit, bin dann ewig mit den Frommen herrlich und vollkommen. Bekannte Melodie. Meinen Jefum laß ih nicht! weil er sich für mich gegeben, so erfordern Dank und Pflicht, ihn zu lieben, ihm zu leben. Er ist meines Lebens Licht: meinen Jefum laß ich nicht. 2. Jesum, Jefum laß ich nicht! hier in meinem ganzen Leben. Ihm hab ich voll Zuversicht mich zu eigen übergeben. Weil mir nichts bei ihm gebricht, laß ich meinen Jefum nicht. 3. Wann mein Auge schon verlischt, und die Lippen sich entfärben, mich) kein Sabfal mehr erfrischt, alle Sin nen mir ersterben, und das matte Herz nun bricht, laß ich meinen Jefum nicht. 4. Auch im Himmel ist er mir Seligkeit und Trot und Communionlieder. 57 und Freude: dort belohnt er, was ich hier ihm zu Eh. ren willig leide. Dort feh ich sein Angesicht: meinen Jefum laß ich nicht. 5. Weder Welt, noch Weltluft ists, was des Her. zens Wünsche ftillet; du allein, mein Jefu, bists, der mein ganzes Herz erfüllet. Du vertrittst mich im Ges richt: dich, o Jefu, laß ich nicht. 6. Dich, o Jefu. halt ich fest, und von dir foll mich nichts scheiden. Wehe dem, der dich verläßt! Er beraubt sich ew'ger Freuden. Selig, wer vom Herzen spricht: meinen Jefum laß ich nicht. Mel. Schwing dich auf zu deinem zc. Bein Erlöser! auch für mid) giengst du hin zum Leiden, und begabst dich williglich aller deiner Freuden. Du sahst Bande, Schmerz und Hohn. fahst den Tod von ferne: doch ertrugst du, Gottes Sohn, alle leiden gerne. 2. Du entflohst nicht der Gefahr, die dir, Heiland, drohte; als die Stunde kommen war, giengst du froh zum Tode. Willig übergabst du dich in der Feinde Hände, und bliebst unveränderlich treu bis an das Ende. 3. lehre mich, wie du so still, und geduldig leiden; wenn es einst dein Rathschluß will, sanft und selig fdheiden. Stärke mich, wenn ich einmal sterbend zu dir flehe, daß ich durch des Todes Thal ohne Schre. fen gehe. 4. Dank, o Jefu, Dank sey dir für dein schweres. Leiden; denn dadurch erwarbst du mir deines Himmels Freuden. Nunmehr weiß ich, daß im Tod ich nicht ewig flerbe: denn ich bin versöhnt mit Gott; bin des Himmels Erbe. Mel. Gott du meines Herzens ic. Mein Erlöfer, Gottes Sohn, der du für mich litteſt, und auch auf des Himmels Thron, jezt noch für 58 Communionlieder. für mich bittest! Welche Wohlthat ist für mich dein verföhnend leiden! o mie preiß ich würdig dich, Ursprung meiner Freuden! 2. Unbegränzte Herrlichkeit konntest du genießen: doch du wolltest in der Zeit für die Sünder büßen. O bewundernswürd'ge Huld! daß ich selig würde, übernahmst du in Geduld, schwerer Leiden Bürde. 3. Nun kan meine Misfethat noch Vergebung finden, denn du starbst, nach Gottes Rath, auch für meine Sünden. Unfre Strafe trugeft du, uns vom Fluch zu retten; daß wir im Gewiffen Ruh, mit Gott Friede hätten. 4. Nun kan ich, wann dirs gefällt, froh von hinnen gehen, überzeugt in jener Welt, Herr, dein Heil zu fehen. Muth auch in der lezten Noth, hast du mir errungen, und durch) deinen Kreuzestod meinen Tod bezwungen. 5. Herr, was bin ich, daß du mein dich) fo angenom men? daß die Frucht von deiner Pein uns zu statten fommen! Gib mir Weisheit, gib mir Kraft, denn du hasts in Händen, was du mir zum Heil verschaft gläubig anzuwenden. 6. laß das Wort von deinem Kreuz mich mit Muth beleben, siegreich jedem Sündenreiz hier zu widerstreben. Treib mich dadurch mächtig an, Gottes Zorn zu scheuen, was ich Böses je gethan, innig zu bereuen. 7. Drüft mich meine Sündennoth, schrekt mich mein Gewissen; o dann laß durch deinen Tod mich den Trost genieffen, daß du auch für meine Schuld an dem Kreuz gestorben, und Vergebung, Gnad und Huld nur bei Gott erworben. 8. Stärke mich durch deinen Tod auf die lezten Stunden. Wie du deine Todesnoth siegreich überwun. ben, o fo hilf dazu auch mir; laß mich fröhlich scheiden! Herr, so dank ich ewig dir für dein bittres leiden. Mel. 59 Communionlieder. and Mel. Wer nur den lieben Gott läßt sc. un habe Dank für deine Liebe, du großer Mittler Jefu Chrift! Gib, daß ich dich ja nicht betrübe, der du für mich gestorben bist. Laß deines Leidens Angst und Pein mir immerdar vor Augen seyn. 2. Wie kan id) didy genug erheben? Ich, der ich Fluch und Tod verdient, ich soll nicht sterben, sondern leben, weil du mich) filbft mit Gott verföhnt. Ach! du, sein Sohn, du starb für mich)! Wie preiß ich, Herr, dis) on wie preiß ich dich? 3. Heil mir! ich hab den leib genoffen, der für mich an dem Kreuze starb. Ich trank das Blut, das einft gefloffen, da Jefus mir das Heil erwarb. Herr, ew'ge Treue schwör ich dir, schenk du nur deine Gnade mir.n 04. Laß stets mich dankbar, Herr, ermessen, was du für mich gelitten hast, und deine Liebe nie vergessen, die so viel Seegen für mich) faßt. Laß meinen Glauben thätig seyn, und mir zum Guten Kraft verleihn. 5. Im Streite hilf mir überwinden, und stärke mich zu meiner Pflicht; bewahre mich vor neuen Sunden; verlaß mich in Versuchung nicht, und dein für mich) vergoßnes Blut schenk mir im Todeskampfe Muth. 56.Und euch, ihr feinesleibes Glieder, die Jesu Heil, wie mich), erfreut, euch lieb ich stets als seine Brüder, als Ers ben seiner Herrlichkeit. Wir haben Einen Herrn und Gott; uns speist und trånkt Ein Bein, Ein Brod. 7. Wie izt in seines Heilands Namen fein Volk vor ihm verfammlet mar: fo fommen wir noch einft zusam. men vor ihm, mit seiner Engel Schaar, und preifen, als fein Eigenthum, dann ewig seines Namens Ruhm. 8. Hier will ich mich mit euch vereinen; die ihr ihre ewiglich erhöht, und wann wir einst vor ihm erscheinen im Glange feiner Majestät, dann geh ich im Triumph mit euch, ihr Auserwählten in sein Reich. mide 9 So 60 Communionlieder. 9. So soll denn weder Spott noch leiden, noch Ehre, Freud und lust der Welt, mich, Herr, von deiner Liebe scheiden, die ſelbst im Tode mich erhält. Du bist und bleibest ewig mein; olaß mich deiner würdig seyn. Mel. Es ist das Heil uns kommen 2c. Gott, mit froher Dankbarkeit gedenket mein Gemüthe an deiner Huld Unendlichkeit, an deine große Gülte Dein Sohn hat uns in unfrer Noth er. löfet, und selbst in den Tod für uns sich hingegeben, sig 2. Er nahm sich unfrer grådig an, trug unfer aller Sünden; ward dem Geseze unterthan, vom Fluch uns zu entbinden, den es den Uebertrettern draut; erwarb uns die Gerechtigkeit, durch sein verföhnend leiden. 3. Er ließ, zur Büßung unsrer Schuld, von Gott fich willig straffen. So wußte Gott, voll weiser Huld, durch ihn uns Heil zu schaffen; da es, uns Sündern offenbar nach dem Gesez unmöglich war, die Sache gut zu machen. 4. Die Strafe, die er Sündern drauf, fiel uns zu schwer zu tragen; wir müßten bis in Ewigkeit, wenn fie uns träf, verzagen. Der Heiland trug fie uns zu gut. Mit Willigkeit und starkem Muth hat er sie überstanden. 5. Wir konnten auch, als Sünder, nicht des Schi. pfers heil'gen Willen, in allem Werk, in aller Pricht, untadelhaft erfüllen. Auch hierinn half der Heiland uns. Gott schåzt die Redlichkeit des Thuns, durch ihn, nun für vollkommen. 6. Wer nun in seiner Seelennoth auf diesen Hei lond schauet, mit Reu und Leid auf Jesu Tod und sein Verdienst vertrauet! der ifs, den Gott gerecht erklärt, der ists, der jenes Glük erfährt, das Jesus uns er. worben. 7. Dem 61 Communionlieder. 7. Dem schenket er Gerechtigkeit um feines Heilands willen; der wird von Schuld und Straf befreyt, und fan fein Herz nun stillen. Denn Jesu, des Versöh ners Blut, kommt zur Vergebung ihm zu gut, macht rein von allen Sünden. 8. So, so begnadiget der Herr uns sonst verlohrne Sünder: voll Huld und Liebe nennet er hinfort uns ſeine Kinder. Sein Vaterherz ist uns nicht fern, verzeiht uns unfre Fehler gern, da wir noch täglich straucheln. 9. Er schenkt uns auch zur füßten Ruh das Recht zum ew'gen leben, sagt uns dies große Erbtheil zu, das er uns einst will geben. Sein Geift belebet unser Herz mit diesem Trost in allem Schmerz: ihr send des Himmels Erben! 10. Erfennet Gottes gnåd'gen Rath, sablagt in euch, sichre Sünder! froloft, die er begnadigt hat, ihr feine frommen Kinder! dient ihm mit Freuden, dient ihm gern; bleibt von den Sündenwegen fern: folgt seiner Zucht zum Himmel! Mel. In allen meinen Thaten: c. Jefu, mir zum Segen, gehſt du dem Tod entge. gen mit göttlich hohem Sinn. Du gehst, daß ich nicht sterbe, noch ewiglich verderbe, zum allerschwer. sten Tode hin. 2. Mich hast du theu'r erworben, da du für mich gestorben, ich bin dein Eigenthum. Mich dankbar zu erweisen, foll Seel und leib dich preisen, und dir ge. horchen sen mein Ruhm.. 3. Es soll dein Tod und leiden, bis leib und Seele scheiden, mich trösten und erfreu'n; er soll von meinen Pflichten mich täglich unterrichten, und Kraft zur Tu gend mir verleih'n. 4. Dein Beispiel foll mich lehren, den Rath des Höchsten ehren, und thun, was er gebeur. Nicht mel. 62 Communionlieder. meinen eignen Willen, nur seinen zu erfüllen, ist meine Pflicht und Seligkeit. 5. Als Christ will ich mich üben, die Feinde felbst zu lieben, wie du, der für sie bat. Ich will des de. bens Plagen getroft und willig tragen, und thun, wie mein Erlöfer that. 46. Nie will ich wieder schelten; nie pott mit Spott vergelten, nie, wenn ich leide, drau'n! wie du, gelaffen dulden; dem Nächsten seine Schulden, wie du, von Herzensgrund verzeih'n. 7. Von Sünden will ich lassen, und fortan alles haffen, was, Jesu, dir mißfällt! nur dir, Herr, will ich) leben, so wirst du einst mir geben die Freuden jener beffern Welt. Mel. Nun ruhen alle Wälder ic. S Welt sich hier dein Leben am Kreuze hingegeben, für didy in deinen Tod. Der große Fürk der Ehren läßt willig sich beschweren mit Banden, Schlä gen, Hohn und Sport. 2. Tritt her und schau mit Fleiße; mit Blut und Todesschweiße ist ganz fein leib bedekt. Und unnennbare Schmerzen fühlt er in seinem Herzen, da er den Kelch des Todes schmeft. 3. Wer hat dich so zerschlagen? Wer ist's, der diese Plagen auf did) geleget hat? Du bist ja nicht ein Sunder, wie andre Menschenkinder; du bist ganz rein von Mifferhat. 4. Ach, ich und meine Sünden, die sich so zahllos finden, als wie der Sand am Meer, die haben dich geschlagen; die brachten diese Plagen und diese Mars tern auf dich her. 5. Ich bin's, ich sollte büßen, was du haft leiden müssen, und gern gelitten haft; was ou von Schmiers erduka Communionlieder. erbuldet, ach)! das hab ich verschuldet: was du ertrugst, war meine last. 6. Du stellst dich dar zum Bürgen, ja läsfest dich. erwürgen für mich, für meine Schuld; für mich läßt du dich) frönen mit Dornen, die dich höhnen, und leidest alles mit Geduld. 157. Du gehst auch meinetwegen der Todesnacht enta gegen mit wahrem Heldenmuth; du stirbst, mir vom Verderben Errettung zu erwerben, und leideft alles mir zu gut. 8. Hoch bin ich dir verbunden, mein Heil, zu allen Stunden zur riefflen Dankbarkeit. Dir fey mein gans zes Leben zum Opfer hingegeben, dir, Jesu, leib und Seel geweiht. 9. Es soll dein Tod und leiden, bis Seib und Seel sich scheiden, mich) trösten und erfreu'n! Es soll von meinen Pflichten mich täglich unterrichten, und mir zur Tugend Kraft verleih'n! 10. Wie strenge Gott Verbrechen an denen werde råchen, die seine Huld verschmäh'n: wie schwer die werden leiden, die nicht die Sünde meiden: will ich aus deinen leiden seh'n. 11. Dein Beispiel soll mich lehren, des Höchsten Rath zu ehren, zu thun, was er gebeut. Nicht meinen eignen Willen, nur seinen zu erfüllen, sey meine Pflicht und Seligkeit. 12. Nie will ich wieder schelten; nie pott mit Spott vergelten, nie wenn ich leide, drau'n. Selbst Unrecht will ich dulden, dem Nächsten seine Schulden, wie du, von Herzen gern verzeih'n. 13. Berührt von deinen Plagen will ich mit Ernst entfagen dem, was dir nicht gefällt; was deine Augen haffen, das will ich flieh'n und laffen, gefiel es auch Der ganzen Welt. 14. Soll 64 Communionlieder. 14. Soll ich dann endlich sterben: so laß dein Reich mich erben, mich so gerrost, wie du, in deines Vaters Hände den Geist an meinem Ende befehlen zu der ew'gen Ruh. Mel. Jesus meine Zuversicht 2c. rufe dich, o Seele, wohl, prüf dich mit geschärftent Bliken, wann des Mittlers Mahl dich soll mit wahrhaftem Trost erquifer. Wer's genießt und prüft sich nicht, ist und trinkes sich zum Gericht. 2. Kommen sollst du nicht mit Qual, nicht mit zitterndem Gemüthe. Der es dir gewährt, diß Mahl, ist so reich an Huld und Güte, daß er Fromme gern erfreut, gern auch Reuigen verzeiht. 3. Aber heilig ist das Mahl, heilig der, zu dem du nahest! sieh, daß du, durch eigne Wahl, nicht für Segen, Fluch empfahest. Denk, was dir dies Mahl verspricht, und wozu es dich verpflicht. 4. Zum Gedächtnis seiner Huld, zum Gedächtnis feines Tedes, der der Menschen Straf und Schuld tilgre im Gerichte Gottes, halten wir, wie er befahl, dieses heil'ge Bundesmahl. 5. Dich von Sünden zu befrey'n, hat der Herr sich tödten laffen; und du wolltest sie nicht scheu'n, sie nicht ernfilich flieh'n und haffen? ach mit heil'ger Sorgfalt flieh, fliehe und bestreite fie! 6. Liebe, die sich thätig zeigt, diefe uns ins Herz zu gieffen, wird dies Mahl uns dargereicht; um es würdig zu genieffen, laß dein Herz von Sünden rein, voll von wahrer Liebe seyn! 7. Wahre Liebe zu dem Herrn ist befliffen, ihm zu leben: folgt dem großen Beispiel gern, das der Herr uns selbst gegeben; ließt, erforscht sein Wort mit Fleiß, und that willig sein Geheiß. 8. Wah. Communionlieder. 65 8. Wahre Liebe zu dem Herrn lehret jeden Mens fchen lieben; lehrt selbst an Beleidigern Sanftmuth, so wie er, zu üben; tröstet, beffert und erfreut, schonet, duldet und verzeiht. 9. Ift, o Seele, dies dein Sinn, dies dein Vorfaz und Bestreben? willst du jede Sünde fliehn? denkeſt du, dem Herrn zu leben? sehnst du dich von Sünden rein, und wie er gefinnt zu seyn? 10. Ist dir deine Besserung ein recht ernstliches Gea fchäfte? wünscheft du, zur Heiligung, Wachsthum, Fortgang, luft und Kräfte? willst du lieben, wie der Herr? Feinden gern verzeih'n, wie er? 11. Dann, o Seele, wird der Herr durch sein Mahldich sanft erquifen; er, der Herzenskündiger, huld, reich auf dich niederbliken; dann hast du an seinem Heil, an des Himmels Erbe Theil. Mel. Schmike dich, o liebe Seele ic. chike dich, erlößte Seele, glaubig nach des Herrn Befehle, feinen Mittiertod zu feyern, deinen Dank ihm zu erneuern! Auch für dich hat er sein leben, in Den bängsten Tod gegeben, die auf Zeit und Ewigkei. ten Heil und Seegen zu bereiten. 2. Zum Genuffe seiner Gnaden wirst du von ihm eingeladen: Eil ihm demuthsvoll entgegen, und nimm Theil an seinem Segen! Komm, es ist des Mittlers Wille; fomm und schöpf aus seiner Fülle neuen Muth und neue Triebe, zur Verehrung seiner Liebe. 3. Herr, ich freue mich mit Beben; laß mich Gnad empfahn und leben, mit der glaubenden Gemeine, daß mit ihr sich Gott vereine, durch des neuen Bundes Speise auf so wunderbare Weise! O wer darf sich uns terwinden dies Geheimnis zu ergründen. 4. O! wie sehnt sich mein Gemüthe, Menschen. freund, nach deiner Güte! Ewig währet deine Treue; und € 66 Communionlieder. und du siehst mein Herz voll Reue. Drum, so wollst du meinen Zähren deine Tröstung auch gewähren, meiner Sünden nicht gedenken, und mir deinen Frieden schenken. 5. Jesu, laß mich würdig nahen, Heil und leben zu empfahen. Deine Liebe heißt mich kommen; und wer fommt wird angenommen. Tilgung aller meiner Sünden soll ich Armer bei dir finden: laß, ach! laß mich würdig nahen, Heil und leben zu empfahen. 6. König, Hoherpriester, Lehrer, du mein mächtiger Befehrer, du für meine Schuld Verbürgter, Gort Geopa ferter, Erwürgter! Hier fall ich zu deinen Füssen, laß mich würdig doch genießen diese deine Himmelsspeise mir zum Heil und dir zum Preise. 7. Deiner will ich stets mich freuen, ganz mich deinem Dienste weihen, nur nach deinem Willen leben, und dich dankbar froh erheben. Deine Huld ist unermeßlich: Herr, sie sen mir unvergeßlich, daß ich dich auf alle Weife herzlich lieb und thätig preiſe. 8. Herr, dem die verklärten Schaaren, die, wie wir auch Sünder waren, ewig Dank und Jubel singen, daß sie hier dein Mahl empfingen; laß auch mich einst dahin kommen, daß ich mich mit allen Frommen ewig deiner Huld erfreue und die meinen Jubel weihe. Mel. Wie schön leuchtet der Morgenstern ic. ohn Gottes und des Menschen Sohn! du, hier mein Trost, und dort mein lohn, des Himmels großer König! Von ganzem Herzen lieb ich dich: hab ich nur dich, so rühret mich, das Glük der Erde wenig. Soß mich, bitt ich, Quell des Lebens, nicht vergebens dich verlangen! Laß mich Heil und Trost empfangen! 2. Ich fireb, o Jefu, himmelwärts! entzünde du boch selbst mein Herz mit Flammen reiner Liebe, daß ich dir gang ergeben sen, und dich, in deinem Dienst ges creus Communionlieder. 67 treu, burch Undank nicht betrübe! Laß mich! laß mich, ach! mich Schwachen, beten, wachen, und dich fassen, ewig, Jesu, dich nicht lassen! 3. Noch seh ich zwar dein Angesicht, o göttlicher Er. löfer! nicht; dort werd ich's einst erbliken. Du bist schon hier mein höchstes Gut: dein Wort, dein Geist, dein leib und Blut kan mich allein erquifen. Jeſu, hilf mir, daß mein Glaube hier vom Staube mich ers hebe, mir des Himmels Vorschmak gebe. 4. Du, großer Vater, hast mich schon von Ewigkeit in deinem Sohn aufs innigste geliebet. Dein Sohn hat mich mit dir vereint, er ist mein Bruder und mein Freund; wo ist, was mich betrůbet? Welche Wonne! Ewigs leben wird er geben seinen lieben, die ihm hier getreu geblieben. 3. Ihm, welcher Höll und Tod bezwang, ihm, ihm foll unfer Lobgefang mit jedem Tag erschallen: dem Samme, das geopfert ist, dem Freunde, der uns nie vergißt, wird unfer Dank gefallen. Singet, finget, Jesu Brüder, Freudenlieder! Gottes Kinder, fingt dem großen Ueberwinder! 6. Wie freu' ich mich, o Jesu Christ, daß du der Erst und lezte bist, der Anfang und das Ende! Du schlieffest felig meinen Lauf, und nimmst mich einft zu dir hinauf: ich eil' in deine Hände! Amen! Amen! ja ich werde von der Erde freudig gehen, und dein Antliz ewig sehen. 210 Mel. Jesu deine tiefe Wunden 2c. Voller Ehrfurcht, Dank und Freuden, komm ich, Herr, auf dein Gebot, zu dem Denkmal deiner Leiden, und gedenk an deinen Tod. Mittler, der du für mich starbst, mir ein ewig Heil erwarbsi, dir zur Ehre stets zu leben, sey mein eifrigftes Bestreben. e 2 2. Jh 68 Communionlieber. 2. Ich empfind es izt aufs neue, was ich dir, Herr schuldig bin. Du, du gabst mit großer Treue ganz dich mir zum Dienste hin; weisest mir den Weg zu Gott, und ertrugst den schwersten Tod, mir im Leben und im Sterben sichre Tröftung zu erwerben. 3. Durch dich ist zu Gottes Gnade freyer Zutritt und die Kraft auf der Tugend fel'gem Pfade fest eins her zu gehn verschaft; und du rufft aufs neue mir durch dein Nachtmahl, daß ich hier Theil an deinem Segen nehme, und mich deiner niemals scháme. 4. Sollt ich, Jefu, denn vergebens diefe deine Huld empfahn? nicht zur Beß'rung meines Lebens mich zu deinem Tische nahn? Ja, mit neuem Ernst will ich mich vor Günden scheun, und dich durch ein dir gehei ligt Leben mit vermehrtem Fleiß erheben. 5. Diesen Vorfaz, den ich habe, thatig dankbar dir zu seyn, prag ihn, Jesu, bis zum Grabe tief in meine Seele ein. Gieb mir Kraft, ihn zu vollziehn, lehre mich mit Vorsicht fliehn, was ihn könnte bei mir schwachen, was mich reizt, ihn gar zu brechen. 6. laß mich über alles scházen dein mir theur erworb nes Heil, und nie aus den Augen sezen, wie nur der daran hat Theil, der auf deine Stimme hört, mit Gehorfam dich verehrt, und in deinem Dienst auf Erden immer beffer fucht zu werden. 7. Geh mir, wo ich bin und wandle, immer fort mit Hülfe nach, daß ich als ein Christ stets handle; und wird ja mein Glaube schwach: o fo hilf mir liebreich auf, daß ich in dem Tugendlauf nimmer wanke, nie ermüde. So erquife mid; dein Friede. 8. Ewig will ich dir es danken, daß du so barmherzig bist, daß auch, wenn wir Schwache wanken, deine Freu beständig ist. Herr, ich hoff es froh und fest, daß sie mich auch nicht verlast. Zu des Himmels Seligkeiten wird sie mich gewiß auch leiten. 69. Communionlieder. Mel. Fren dich sehr o meine Seele je. Ditternd, doch voll fanfter Freuden, komm ich), Herr, auf dein Gebot, und gedenk an deine Leiden, und an deinen Martertod, Mittler, der du für mich starbst, mir ein ewig Heil erwarbst, ach, mocht ich mich würs dig nahen, und das leben hier empfahen! 2. Ich will vor dein Untliz kommen, dein Gedächt. nis zu erneun!{ aß mich heut mit deinen Frommen deie nes Todes Zeuge seyn! Herr, ich schau nach Golgatha, wo dein Opfertod geschah, sehe dich in deinem Blute, wie du littest mir zu gute. 3. Jesu, laß mich nicht vergebens hin zu deinem Kreuze nahn! Laß mich dieses Mahl des Lebens nicht mir zum Gericht empfahn! Ah, es stärke kraftig mich, Mittler, im Vertraun auf dich! Ach, es lenke meinen Willen, dein Gesez, Herr, zu erfüllen! 4. Dieser Vorfaz, den ich habe, mich nicht wieder zu entweihn, laß ihn, Jesu, bis zum Grabe, stark in meiner Seele feyn! Vor der drohenden Gefahr, der zu werden, der ich war, beb' ich zaghaft und empfinde schon von fern die Macht der Sünde. 5. Wenn sie mich von deinen Wegen schmeichelnd abzuführen droht, laß mich ernstvoll überlegen: welch ein Tod war Jesu Tod! Als vor Gott er im Gericht, zagend stund, was litt er nicht! Könnt ich ihn so leiden fehen, und ihn noch durch Sünden schmähen? 6. Wenn ich in der Irre wandle, geh du mir, Er. barmer, nach; zeig mir, wo ich unrecht handle, stärke mich, denn ich bin schwach! und ertrage mit Geduld meine Schwachheit, meine Schuld! Sage: du sollst Gnade finden; ich, ich, tilge deine Sünden! 7. Dir will ich es ewig danken, daß du so barmherzig bist. Laß mich nur nicht wieder wanken, mein Erretter, Jesu Christ! Hilf mir, daß ich dir getreu, und mein Vors faz standhaft sey, jede Sund, und ihre Freuden, bis an meinen Tod zu meiden. 70 Register der Bus- Beicht und Abendmahlslieder, die jest bei den Beichtreden und Communionen gefungen werden. Ach, sieh ihn dulden, bluten, sterben Also hat Gott die Welt geliebet Auf Seele, nimm des Glaubens Flügel Dank, Dank sey dir für dein Erbarmen Deines Gottes freue dich Denkt mein Geift an jene Stunden Der du so oft mir schon vergeben Der du voll Blut und Wunden Dich, Jesum, laß ich ewig nicht Die ihr Chrifti Jünger seyd Du hast uns, Jesu, vor dem Scheiden Du Vater deiner Menschenkinder Erbarmer deiner Menschenkinder 1 - — - BOGE E Seite 38 34 40 III — QUE 45 17 18424544 4 20 40 46 19 Fern NB. Die einzelnen Verse der Lieder, die während den Communionen gefungen werden, hat man in der Communionordnung selbst nach alphabetischer Ordnung gestellt, wo sie jedermann nach dem' era sten Wort leicht finden wird. Auch die Lieder, so in den Beichtreden und Communionen gesuna gen werden, stehen zum bessern Auffinden in al phabetischer Ordnung. Register Fern vom Ziel, wornach) ich ringe Freiwillig hast du dargebracht Gelft des Vaters femm hernieder Gott deine Gnad ist unser Leben Gott ist mein Hort! und auf sein Wort Gott sen Dank in aller Welt Halt im Gedächtnis Jesum Christ Helft Gottes Güte preisen Herr, der du willig, als ein Samm Herr! ich falle vor dir nieder Herr Jesu Christ du höchstes Gut Herr Jesu wahrer Mensch und Gott Hier bin ich, Jesu, zu erfüllen Hier ist mein Herz, Herr, nimm es hin C Ich armer tiefgebeugter Sünder Ich freue mich, mein Gott, in dir Ich preise dich, o Herr, mein Heil Jefu Christ durch deine Wunden Jefu, Freund der Menschenkinder Jefu meiner Seelen licht! Jesus ist mein Hirte! als ich mich GIPS 1 - O CARTO 1 CRED ARRED liebster Vater, ich dein Kind, falle Meinen Jesum laß ich nicht Mein Erlöser! auch für mich Mein Erlöser Gottes Sohn Mein Gott! ach lehre mich erkennen Mit diesem Tag geht nun auch dieses Jahr Nun habe Dank für deine liebe 11 1111 B 71 Seite 20 36 COO 9 1 III GORE 6 1 BOD 37 21 b 38 33 47 35 48 49 22 50 237 23 NASSSSS 24 + SEA tots 25 51 Sa 53 54 55 26 56 57 57 27 34 SSSA3 59 O Gote Register. D Gott! du bist die Liebe! uns wohlzuthun O Gott, mit froher Dankbarkeit D Jefu, mir zum Segen O Vater der Barmherzigkeit O welch ein Troft für meine Seele O Welt sich hier dein Leben 72 LILY I ur Seite - 28 60 61 ZONE Prüfe dich, o Seele, wohl Schife dich erlöste Seele Sohn Gottes und des Menschen Sohn Voller Ehrfurcht, Dank und Freuden Wer Gottes Wort nicht halt Wie theuer, Gott, ist deine Güte Wir danken dir, o Jesu Christ, daß du fürBitternd doch voll fanfter Freuden OCH III 1 Nürnberg, zu finden bei G. P. I. Bicling. gravd - - 1 30 29 62 64 65 66 67 3D 31 Bod I 69 ches 1 entimetres Blue 2 ¹3 4 Cyan I. MOL 3 21/0 4, ³ 17 L 6 Farbkarte# 13 Green ¹8 Yellow 9 *.1812* 4 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 17 3/ Color 18 19 8 B.I.G. Black