19 60 Lifesto Broche, IC Rincklake del: IN RI JH Frencke sculp Verlag der Ezzzenrathahen Beck und Sumilhandlung in Münster. UNTERHALTUNGEN mit Soff ein e Sebeth und Erbauungsbuch katholische Christen F. DARUP r Pfarrer zu Sendenhorft für von Dritte Vermehrte Auflage S D D Münster Coppenrathsche Buchhandlung 1819. Seb. Mansfeld se Wien, 142 vint Gb 825 Univ.- Bibl. Giessen. Unterhaltungen mit Got t. Gb 825 Das Buch: Unterhaltungen mit Gott, ein Gebeth- und Erbauungsbuch für katholische Christen, von Fr. Darup, Pfarrer zu Sendenhorst, ist mit den Glaubens- und Sitt nlehren der christkatholischen Kirche völlig übereinstimmend, und mit herzlicher Kraft zur Beförderung wahrer Andacht und Erbauung ge= schrieben. Münster den 23. Novbr. 1810. J. H. Brokmann, Prof. der Pastoraltheol. und Exam. Syn. Imprimatur. Monasterii 24ta Novembris 1810. Clemens 1. B. Droste ex Vischering, Vic. gen. in spirit. 100 sim 200x116dsint of C ** 38 170 ms file sunt salone perbal ostida d 1000 de dade S de dadm³, 35 SOREL NO LATV 6181 automine 10 STA orasinds and as#bjantu 30 setsdoms duu pe and in onstuime dd 400 bin med and groeid om 20 Vorrede. 11 asidest Gegenwärtiges Gebethbuch ist zunächst für Christen in den mittlern Stånden bestimmt, welche nur an Sonn- und Feyertagen einige Zeit zum Gebethe verwenden können. Ensaiof 1500 Ich habe mich bey Bearbeitung der Gebethe nach den Fähigkeiten und Bedürfnissen derselben zu richten gesucht, und sowohl auf Unterricht, als auf Erbauung Rücksicht genommen, weil eigentlich das Gebeth auch als ein Mittel zu diesem doppelten Endzweck angesehen werden muß. Da ich bey Verfertigung dieser Gebethe vorzüglich für solche schrieb, welche an den VI gewöhnlichen Werktagen mit Arbeit und andern Berufsgeschäften zu thun haben, so sind die Morgens und Abendgebethe kurz geworden, damit für jene an den Sonnund Feyertagen, ben Empfahung der hh. Sakramente und bey dem öffentlichen Gottesdienste u. s. w. desto mehr Raum blieb. Möchten diese Gebethe zur Beförderung der Religion und des christlichen Wandels etwas beytragen! möchte durch sie der Geist des Gebeths in jedem Bethenden geweckt und genährt werden! ad di bod E 201 N Thajes se Hold Der Verfasser. odstopno bagno in Quanitisjus( 8) C Unterricht vom Gebethe. Ein kleiner Unterricht vom Gebethe, oder einige Erinnerungen über's Bethen, stehen hier wohl nicht am unrechten Orte. Wir werden in der heiligen Schrift, und vorzüglich von unserm Heilande, oft und nachdrücklich zum Bethen aufgefordert. Es muß also ein heiliges und heilsames Geschäft seyn, wenn wir durch's Gebeth uns mit Gott unterhalten. Wenn wir aber wünschen, und wer daß Gott unser Gebeth gefalle, wünschte das nicht?- so müssen wir uns oft daran erinnern, was Bethen heisse, und wie wir bethen müssen. Das weiß nun freylich ein jeder gut unterrichtete Christ, aber es wird dennoch gut seyn, oft daran zu PO - VIII denken, und besonders dann, wenn man bethen will. Daher folgende kurze Erinnerungen. I. Was bethen heisse? Bethen heißt: sein Gemüth zu Gott ben bi erheben, sich im Geiste durch Gedanken und Empfindungen mit Gott unterhalten. Jeder Gedanke an Gott, wenn er mit Hochachtung gegen Gott begleitet wird, ist schon Gebeth. Wenn wir den schönen Himmel anschauen, an welchem bey Tage die Sonne glänzet, bey Nacht der Mond und die Sterne leuchten, und wir dann den Gedanken hegen: was muß es doch ein mächtiger Gott seyn, der alles das gemacht hat! so preisen wir Gott, so bethen wir. Wenn wir zur schönen Sommerzeit oder im Herbste die Früchte der Erde auf den Weckern oder in den Gärten sehen, und wir dann in unserm Sinne denken: wie gütig ist doch unser Gott, der uns das alles gibt, und so für Menschen und Thiere sorgt! so loben wir Gott und preisen seine Güte; so bethen wir. Und so bey IX allen Dingen, die wir sehen, und bey allem, was uns begegnet, wenn wir dabey an Gott mit Ehrfurcht denken, so bethen wir. Hieraus können wir nun leicht abnehmen, wie leicht es sey, zu bethen, und daß es ja nicht eine so beschwerliche Sache sey, zu bethen, sondern daß es im Gegentheile sehr leicht, und für einen Christen, der seinen Gott lieb hat, auch sehr angenehm seyn müsse, zu bethen. Denkt doch ein Freund gern an seinen Freund, und unterhält sich gern mit ihm; denkt ein gutes Kind gern an seinen lieben Vater, und äußert gegen denselben seine Gesinnungen; wie sollte dann der Christ nicht gern an Gott, seinen Vater, an Jesum, seinen Erlöser denken, und mit Freude seine Empfindungen der Ehrfurcht, der Dankbarkeit und Liebe u. s. w. gegen denselben äussern, und im Vertrauen ihn um seine Hülfe und Gnade anflehen? und siehe! das und nichts anders ist ja das Gebeth, als Erweckung und Neußerung solcher heil. Gesinnungen gegen Gott. X Viele unter den Christen sind auch darum keine Freunde vom Gebethe, weil sie glauben, es gehöre viel Zeit dazu, und ihr Beruf und ihre Geschäfte lassen ihnen nicht viel Zeit übrig. Solche haben nun einen irrigen Begriff vom Gebethe, wie aus dem Vorhergehenden erhellet, und wie es unser Heiland im Evangelium deutlich bestätigt; indem er die langen Gebethe der Pharisäer, die nur viel Worte machten, und wenig Andacht daben hatten, ganz verwarf, und seine Jünger selbst ein kleines aber kräftiges Gebeth lehrte. Auch können ja Leute in geringern Ständen, welche viel arbeiten, und durch ihrer Hände Arbeit sich ernähren müssen, nicht viel Zeit erübrigen. Es mogen also jene Christen, deren Beruf es fordert, oder welche Zeit genug dazu verwenden können, sich långere Zeit mit dem Gebethe beschäftigen. Christen aus geringern Stånden sollen nur kurze Gebethe verrichten, und dann zu Zeiten und bey gewissen Veranlassungen ihr Gemüth zu Gott erheben, und zu dessen Ehre ihre Urbeit verrichten. XI Aber wozu dann die vielen und langen Gebethe in den Gebethbüchern? Ich antz wortete: Es wäre zu wünschen, daß sie entbehrlich wären, und daß ein jeder Christ nach seiner Lage und nach seinen Bedürfnissen aus dem Herzen bethen könnte, daß er selbst Gedanken und Empfindungen des Vertrauens, der Liebe, der Dankbarkeit u. s. w. gegen Gott in sich erwecken und ausdrucken könnte. Aber weil es bey so vielen der Fall ist, daß sie solches aus sich nur mühsam vermögen; so sollen die Gebethbücher ihnen das erleichtern, sie sollen ihnen dazu Anleitung geben, und gleichsam wie in einem Spiegel vor Augen halten, an was sie denken sollen, um die heiligen Empfindungen gegen Gott in sich zu erwecken. Siehe! dazu sind die Gebethbücher; und die oft langen Gebethe darin sind dazu da, um sich an den Tagen, welche der Gottesverehrung ganz gewidmet seyn sollten, wie auch an den Bußtagen, und in andern Stunden der Andacht damit zu beschäftigen. Es kommt aber alles nur darauf an, daß - XIV Mittel seyn, ihn dazu zu verhelfen. Ueberhaupt muß das Gebeth den Menschen besser machen; wenn wir diese wohlthätige Kraft und Wirkung des Gebeths an uns gewahr werden, so können wir glauben, daß wir gut bethen. silins Endlich müssen wir im Glauben, im Vertrauen und in Demuth bethen. Der Glau= be muß uns daran erinnern, daß Gott auf unser Gebeth merke. Vertrauen müssen wir haben, daß Gott, der alles in seiner Macht hat, der uns wie ein Vater liebt, auch une sere Bitten erhören und nach seinem Worte erfüllen werde, wenn es mit seinen heiligen Absichten und unserm Besten übereinstimmen wird. Die Demuth aber muß unser Gebeth begleiten durch die lebhafte Erinnerung unserer Schwachheiten und Fehler, und daß wir nicht unserer Verdienste wegen, sondern bloß durch Gottes Güte und durch die Verdienste Jesu Christi Erhörung hoffen. Noch muß ich die Warnung hinzufügen: daß es einem guten Christen nicht anstehe, seine Bittgebethe XV fast immer oder größtentheils zur Erhaltung zeitlicher Gaben und Güter zu verrichten, ( um diese dürfen wir ohnehin nur bedingt bitten, wenn sie nemlich mit dem heiligen Willen Gottes und unserm Seelenheile übereinstimmen), sondern daß sie vorzüglich um die Gaben und Gnaden des Heils zu erlangen, eingerichtet seyn sollen; nemlich um Vergebung der Sünden und Besserung des Lebens, um die Erfüllung unserer Pflichten und Ausübung jeder Tugend, um dadurch in der Vollkommenheit zuzunehmen, und des ewigen Heils theilhaftig zu werden. Suchet zu= erst das Reich Gottes und die Gerechtigkeit, spricht unser Heiland, und das Uebrige wird euch schon gegeben werden. Matth. VI. Ich schließe diesen kleinen Unterricht über's Gebeth mit der Erinnerung: Wem es recht Ernst ist, mit Andacht, ohne Zerstreuung und gottgefällig zu bethen, der bethe nie ohne Vorbereitung, das heißt: Er denke zuvor, was er zu Gott bethen wolle. Er XVI wähle dazu ein Gebeth, was für seine Lage und Umstände passend ist, oder was der Stimmung seiner Seele angemessen ist. Er nehme sich vor, die Gedanken an andere Sachen für diese kleine Zeit, die er zum Gebez the bestimmt hat, zu meiden. Er denke sich dann in der Gegenwart seines Gottes, und lasse sein Herz so zu Gott reden, wie die Worte seines Gebethes lauten, daß er auswendig weiß, oder aus dem Buche lieset. 149/30 01 Inhalt. Erste Abtheilung. Morgens und Abendsgebethe. Morgensgebeth. 3wentes Morgensgebeth. Långeres Morgensgebeth." Drittes Morgensgebeth. Abendsgebeth. 3weytes Abendsgebeth. Drittes Abendsgebeth. Långeres Abendsgebeth. Zweyte Abtheilung. Sonntags- Undacht. Morgensgebeth am Sonntag. Gebethe während der h. Messe. 3weyte Meßandacht, nebst Meßgesången. Dritte Meßandacht, oder Gebethe bey einer stillen Messe. teks Erste Vesperandacht. 3weyte Vesperandacht. 12460A37 I 2235 21 37 51 Nachmittägige Gebethe an den Sonn- und Fevertagen. 63 72 X II Dritte Vesperandacht. Sonntägige Hausandacht. Dritte Abtheilung. Beicht und Communiongebethe. Anweisung und Gebethe zur Empfahung des heil. Bußsakraments. Anweisung zur Erforschung des Gewissens Anweisung zur Reue über die Sünden Erinnerungen in Betreff des Vorsages. Erweckung der Reue und des Vorsages. Erinnerungen in Betreff der Beichte. Gebeth nach der Beicht. Anweisung und Gebethe zur Empfahung des heil. Altarssakraments. Gebethe vor Empfahung des heiligen Ultarssakraments. Gebethe nach der h. Communion, Fortgesette Busübungen. Erste Busübung. Ueber die Trägheit. 3 weyte Bußübung. Ueber die Unmäßigkeit. Dritte Busübung. Ueber den 3orn. Vierte Bußübung. Ueber die Hoffart. Fünfte Bußübung. Ueber das Laster der Unzucht. Sechste Busübung. Ueber den Neid. 81 92 100 IOI 109 113 112 117 119 123 124 129 134 137 140 143 147 151 Siebente Busübung. Ueber den Geiz und die Sünden der Uingerechtigkeit. Uchte Busübung. Ueber liebloses Urtheilen, Zadelsucht und Verlaumbung. Neunte Bußübung. Ueber die kleinen Fehler oder sogenannten läßli-chen Sünden. Vierte Abtheilung. Gebethe zur h. Adventszeit. Gebethe am h. Chriftfeste. Um letzten Sonntage des Jahrs. Um Neujahrstage. Um h. Dreykönigsfeste. Um Feste der Darstellung des Herrn im Tepel. Gebethe zu verschiedenen Seiten des Kirchenjahrs. Gebethe zur h. Fastenzeit. Sieben Bußgebethe. Die sieben Bußpfalmen. Sieben Betrachtungen über das Leiden und den Tod Jesu, nebst Gebethen. Gebethe in der Charwoche. III Um Palmsonntag. Um grünen Donnerstag. Um h. Charfreytag. Um Samstag in der Charwoche. 154 157 161 166 169 IZI 173 176 178 180 191 204 224 226 233 239 IV Um h. Ofterfeste. Gebethe. Um Oftermontage. Um Sonntage nach Ostern. Un den übrigen Sonntagen nach Ostern. Um Himmelfahrtsfeste. Um heil. Pfingstfeste. Um h. Pfingstmontage. Um Fefte der heil. Dreyfaltigkeit. Um heil. Frohnleichnamsfeste. Um Tage einer feyerlichen Procession. Ermunterungen und Gebethe zur Erfüllung der christlichen Pflichten I. Hochachtung und Ehrfurcht gegen Gott. 2. Unbethung Gottes. 3. Glaube an Gott. 4. Hoffnung auf Gott. 5. Liebe gegen Gott. 6. Gehorsam gegen Gott. 7. Furcht Gottes 8. Vertrauen auf Gott. 241 245 246 Un den Sonntagen nach dem Feste der heil. Dreyfaltigkeit. 247 248 12. Gebeth um christliche Selbstliebe. 13. Gebeth um christliche Weisheit. 14. Gebeth um standesmåßige Keuschheit. 15. Gebeth um Nächstenliebe. 16. 3weytes Gebeth um Nächstenliebe. 250 252 253 255 258 260 260 261 262 263 264 266 267 268 9. Geduld und Ergebung in den Willen Gottes. 269 10. Dank gegen Gott. 271 II. 3ufriedenheit mit Gott. 273 274 276 277 279 280 282 17. Gebeth um Sanftmuth und Friedfertigkeit. 18. Gebeth um Bescheidenheit und Behutsamkeit im Denken, Urtheilen und Reden über andere Menschen. 19. Gebeth um Demuth und Geduld bey zugefügten Beleidigungen. 20. Gebeth um Feindesliebe. 21. Gebeth um Klugheit und Rechtschaffenheit im Umgange mit bösen Menschen. 288 283 285 286 22. Gebeth um christliche Duldung gegen fremde Religionsverwandte. 23. Gebeth um Ausbreitung der Religion und Tugend. 24. Gebeth am jährlichen Gedächtnißtage der Kirchweihe. 290 Litaneyen. 1. Litaney von Gott und dessen hohen Eigenschaften. 2. Litaney von der göttlichen Vorschung. 3. Litaney von Jesus unserm Heilande. 4. Litaney vom heiligsten Namen Jesus. 5. Litaney vom heil, Geiste. 6. Litaney zu Jesu in dem hh. Sakramente des Altars. 292 294 Um Schlusse des Kirchenjahrs oder an an: dern feyerlichen Dankfesten. Dich, o Gott! loben wir u. s. w. 296 299 302 306 313 316 322 Fünfte Abtheilung. Die Verehrung der Heiligen. Die Verehrung Marid, der Mutter unsers Heilandes, Allgemeines Gebeth zu Maria, der Mutter unsers Heilandes. Un den Festen der Empfängniß und Geburt Maria. Um Tage der Aufopferung Maria. Um Tage der Verkündigung Maria. Um Tage der Heimsuchung Marià. Um Tage der Reinigung Mariå, oder Marià Licht: mes. Un dem Feste der Schmerzen Marid. 327 328 329 331 332 333 335 337 VI Um Tage der Aufnahme Maria in den Himmel. Litaney von der h. Jungfrau Maria. Die lauretanische Litaney von der heilig. Jungfrau Maria. Gebeth zum h. Joseph. Gebeth am Fefte des h. Joannes des Taufers. Gebeth am Fefte der heiligen Apostel Petrus und Paulus. Gebeth am Feste des h. Stephanus, Gebeth zum bh. Namenspatron. Gebeth am Fefte der by. Engel. Gebeth zum h. Schußengel. Gebeth am Fefte aller Heiligen. Litaney von allen Heiligen. Sechste Abtheilung. Gebethe für Christen in verschiedenen Stånden. I. Allgemeines Gebeth um Gnade zur Erfüllung der Standespflichten. 2. Gebeth eines Ehegatten. 3. Gebeth eines Vaters( einer Mutter), um die Gabe einer weisen Erziehung. 4. Gebeth eines Kindes für das Wohl seiner Els tern. 5. Gebeth eines Christen in den Jahren der Jugend. 6. Gebeth eines Lehrers( Lehrerinn). 7. Gebeth eines Christen in seinen alten und bes taaten Jahren. 8. Gebeth eines Hausvaters( Hausmutter). 9. Gebeth eines Dienstbothen. 10. Gebeth eines Wohlhabenden oder Reichen. II, Gebeth eines Armen. 12. Gebeth eines Vorgefesten. 13. Gebeth eines Unterthanen. 14. Gebeth eines Handwerksgesellen, der auf Reisen ist. 15. Gebeth eines conscribirten Soldaten. 339 340 344 348 350 352 353 355 356 358 359 362 371 373 374 376 377 379 381 383 384 386 388 390 39⁰ 392 394 16. Gebeth der Eltern oder Ungehörigen für solche, die durch Conscription oder sonst in der Fremde sich befinden. 17. Gebeth einer Wittwe, oder sonst verlassener Person, Siebente Abtheilung. 1. Gebeth ben allgemeinen Landplagen. 2. Gebeth zur Zeit des Krieges oder kriegerischer Unruhen. ( 10) AUSA Gebethe zu verschiedenen 3eiten und bey verschiedenen Anlåssen. 3. Gebeth zur Zeit ansteckender Krankheiten, 4. Gebeth zur Zeit der Theurung oder Hungersnoth. 5. Gebeth zur Zeit schwerer und gefährlicher Ge witter. 6. Troftgebeth nach einem erfolgten Hagelschlag, einem Brande oder anderm Schaden. 7. Dankgebeth nach einer guten Erndte, 8. Gebeth zur Zeit der Krankheit. 9. Dankgebeth nach hergestellter Gesundheit. 10. Troftgebeth beym Tode unserer Freunde. 11. Troftgebeth beym Tode geliebter Eltern. 12. Troftgebeth für Eltern beym Tode eines geliebten- Rindes. VII 13. Gebeth in Kreuz und Leiden. 14. Dankgebeth nach überstandener Noth, und Be freyung vom Leiden. 15. Christliches Gebeth für das gemeine Anliegen der ganzen Christenheit. 396 397 401 402 404 405 406 408 410 411 413 414 416 417 419 422 424 Uchte Abtheilung. Gebethe bey Kranken und Sterbenden. Gebethe in der Krankheit, Gebethe ben Sterbenden, Nach dem Hinscheiden. 427 440 445 VIIL Neunte Abtheilung. Gebethe für Abgestorbene. Allgemeines Gebeth für die verstorbenen gläubigen Christen. Gebeth für abgestorbene Eltern. Gebeth für abgestorbene Freunde. Um Gedächtnißtage aller abgestorbenen christgläubigen Seelen. Gebethe bey dem heiligen Meßopfer für die Abge= storbenen. 447 449 450 451 452 Erste Abtheilung. Morgen- und Abendgebethe. Morgensgebeth. Der erste Gedanke, die erste Empfindung des Herzens beym kommenden Tage soll billig zu Dir gerichtet seyn, o Gott und Herr! denn Du bist Herr unsers ganzen Lebens. Jeder Tag, den wir wieder erleben, ist dein Geschenk. Darum will ich Dir auch danken, daß Du deine Güte an mir erneuert, und mich zum Leben wieder hast erwachen lassen. Aber wozu gab mir Gott das Leben, und wozu soll ich es gebrauchen? Dvergiß meine Seele diese Frage nicht, wiederhole sie dir bey jedem wiederkommenden Tage. Ein jeder Tag ist ein wichtiger Theil deines Lebens, und Gott läßt dir ihn zu wichtigen Absichten erleben. Heil dir, wenn du jeden Tag nach den Absichten Gottes gut und nützlich zubringst. Der Herr ist mein Schöpfer, der Urheber meines Lebens. Ihm soll es also auch gewidmet A 2 R seyn, zu seinem Dienste, zu seiner Ehre. Er hat uns seinen Willen bekannt werden lassen. Er hat einem Jeden in seinem Stande seine Arbeit, seine Geschäfte angewiesen. Wohl mir, wenn ich sie treulich verrichte, und meine Pflichten treulich erfülle. Dieses Leben ist meine Vorbereitungszeit zur Ewigkeit, zu einem zukünftigen besseren Leben. Wohl mir, wenn ich mit jedem Tage mich mehr vorbereite, und mich des bessern Lebens würdig mache, wenn ich mit jedem Tage mehr von Fehlern frey, dem Guten mehr ergeben werde. Das soll also mein Bestreben seyn immerdar, und auch den heutigen Tag will ich ganz nach dem Willen Gottes zubringen. Sch will durch sorgfältiges Verhüten jeder Sünde, und durch treue Erfüllung meiner Pflichten meinem Gott zu gefallen suchen, und dadurch meiner zukünftigen hohen Bestimmung näher zu kommen mich bestreben. Stärke mich Du, o mein Gott! dazu mit deiner Gnade, und laß mich dieselbe bey allen meinen Unternehmungen und Geschäften begleiten. Amen. Zweytes Morgensgebeth. S02 Gott, mein Gott! zu Dir erwache ich beym kommenden Tage. Du hast mich die Nacht über bewahrt vor allem Uebel am Leibe und 3 an der Seele, Du hast durch einen wohlthätigen Schlaf meine Glieder erquickt, und meine Seele gestärkt zu neuen Geschäften, die ich in meinem Berufe verrichten soll. Dafür dank ich Dir, o mein Gott! und bitte Dich, bewahre mich auch diesen Tag. Ich will die Arbeiten, die Geschäfte, die Du in meinem Stande von mir forderst, heute treulich verrichten. Du hast den Menschen zur Arbeit, zur Thätigkeit erschaf fen, dadurch soll er Dir dienen, und sein Heil wirken. Stårke mich, o Herr! daß ich meine Berufspflichten nach deinem heiligen Willen würdig verrichte. Alles, was ich heute denke, rede, thue, leide, laß es zu deiner Ehre gereichen, und zum Heile meiner Seele. Uber, o Gott! ein jeder Tag hat seine Ge fahr zum Bösen. Ich bitte dich, laß mich in keine Gelegenheit oder Versuchung zur Sünde gerathen, und wenn ich in Gefahr zu fündigen gerathen sollte, so stärke du mich mit deiner kräftigen Gnade, daß ich dem Bösen widerstehe, und in keine Sünde willige. Laß mich auch stets über mein Herz wachen, daß ich mich vor kleinen Fehlern hüte, und Dir im Kleinen wie im Großen getreu bleibe. Erleuchte und stärke meine Seele zu allem Guten, damit ich diesen Tag zu deiner Ehre und zum Heil meiner Seele ganz nach deinem göttlichen Willen zubringen möge. Amen. 21 2 4 K Långeres Morgensgebeth. 3um Gebrauche in Häusern, wo man nach alter christlicher Gewohnheit gemeinschaftlich das Morgens= gebeth verrichtet. Der Vorbether. Im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des heil. Geistes. Amen. $ 16 Unsre Hülfe ist im Namen des Herrn. Die Uebrigen. Der Himmel und Erde gemacht hat. Borb. Wir danken Dir, o gütigster Gott! daß Du uns alle erhalten und bewahrt haft bis zu dieser Stunde. Du hast diese Nacht uns gnädig beschützt vor aller Gefahr, und hast abgewendet alles Uebel des Leibes sowohl, als der Seele. Du hast uns gesund und munter zu unfren Geschäften wieder erwachen lassen. Wir danken Dir dafür, und preisen deine Macht und Güte. Wir bitten Dich aber auch, o Gott! laß deine Gute fortfahren, auch über uns zu wachen, und uns zu beschützen diesen angefangenen Tag. Du hast uns, o Herr! zur Arbeit bestimmt, und dadurch sollen wir Dir dienen, und Dich ehren. Wir folgen deinem heiligen Willen, und gehen zur Arbeit, die unser Stand von uns fordert. Möchten wir nur Dir dadurch gefallen, und Dich dadurch verherrlichen. Alles gescheh zu deiner Ehre, o Gott! und zum Heile unserer Seelen. Wir können vielleicht diesen Tag in manche Gefahr des Leibes und auch der Seele kommen: wende sie doch gnådig ab, o Gott! 5 und bewahre uns. Stärke unfren Leib und unfre Glieder zur Arbeit, stårke unfre Seele wider das Böse, und stehe uns bey in aller Versuchung und Gelegenheit zur Sünde, damit wir den Tag glücklich vollenden, und am Ende des Tages Dir wieder danken und deine Güte preisen mögen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Vorb. Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft. Ueb. Und sie empfing vom heil. Geiste. Gegrüßet u. f. w. Borb. Siehe ich bin eine Dienerinn des Herrn. Ueb. Mir geschehe nach deinem Worte. Gegrüßet feyst du Maria u. s. w. V. Und das Wort ist Fleisch geworden. Ueb. Und hat unter uns gewohnt. Gegrüßet seyst du Maria u. s. w. Lasset uns bethen. Verleihe unsren Seelen deine Gnade, o Herr! damit wir, die wir durch die Verkündigung des Engels die Menschwerdung Jesu Christi, deines Sohnes, erkannt haben, durch desselben Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung gelangen mögen: durch denselben. Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Der Beystand und die Hülfe des Herrn sey stets mit uns. Umen. Cu 6 Der Engel des Herrn begleite uns auf allen unsern Wegen, und beschüße uns vor aller Gefahr, vor aller Sünde und vor allem Bösen. Amen. Wir empfehlen uns, o Gott! heute und allezeit deinem heiligen Schuß, und wünschen aller der Gnaden und des Gegens theilhaftig zu werden, welche Du dem Christenpolke durch das h. Opfer des neuen Bundes bereitet hast. Laß uns, o Herr! die wir diesem Opfer nicht beywohnen können, dennoch der Früchte desselben theilhaftig werden, durch Jesum Christum unfern Herrn. Amen. Drittes Morgensgebeth. Meine eine Seele preise den Herrn, der Dich wieder zu einem neuen Leben erwachen ließ. Seine Liebe, seine Güte, seine Wohlthaten gegen Dich, find mit jedem Tage erneuert, erneuere auch Du den Dank, der Ihm dafür gebührt. Der Herr hat deiner nicht vergessen, vergesse auch Du, meine Seele deines Gottes und Baters nicht, der Dich bewahrt, beschützt, erhalten hat. Ja, Herr! Deine Güte ist es, daß ich diesen Tag wieder erlebe, Du hast våterlich über mich gewacht, da ich schlafend von mir selber nichts wußte, Du hast alle Gefahren, alles Uebel von mir abgekehrt, und läsfest mit Gesundheit und heiterem Sinn mich wieder erwachen. Wie 47 K leicht hätte es geschehen können, daß ein Unfall mich oder die Meinigen getroffen hatte. Aber Du bist mein Hüter und Wächter, mein Be schüher und Erhalter gewesen. Auch vor Sünde und Schande, vor Furcht und Schrecken, vor Krankheit und Tod, vor allem Uebel Leibes und der Seele hast Du mich gnädig bewahrt. Was soll ich Dir wieder vergelten für alles, das Du mir erwiesen hast? Alles, was ich bin, und was ich habe, o Gott, ist Dein. Aber eine freiwillige Aufopferung meines Herzens, meines Willens unter deinem Willen forderst Du von mir, das einzige Opfer, was Dir gefällt, und sich, ich will es Dir bringen. Ja, ich verheiße Dir bey diesem angehenden Tag alle meine Gedanken, Gefinnungen, Neiz gungen und Wünsche meines Herzens, nach deinem heiligen Willen zu ordnen. Dir soll mein Herz ergeben seyn auf allen meinen Wegen. Alle meine Handlungen sollen zu deiner Ehre verrichtet werden; meine Berufsgeschäfte will ich mit Treue verrichten; alle Mühe und Arbeit will ich aus Gehorsam gegen Dich, o Gott und Bater! unternehmen. Auch die Widerwärtigkeiten und Leiden, die mir etwa deine Vaterhand heute aufzulegen nöthig oder nüßlich finden möchte, will ich mit Demuth von Dir annehmen, und deinen Namen preisen. Aber von Dir, o Gott und Vater! hoffet und flehet meine Seele um Stärke und Gnade. Bewahre mich 8 vor allen Gefahren Leibes und der Seele, leite, führe mich auf allen meinen Wegen, und laß mich stets, wie ein gutes Kind unter den Augen seines Vaters, so in der Erinnerung an deine Allgegenwart, in deinem heil. Angesichte, nach deinem heil. Willen wandeln. Göttlicher Heiland, der Du der Weg, die Wahrheit und das Leben bist! Sey Du heute wiederum das Vorbild und Beyspiel meines Verhaltens. Du hast uns den Weg gezeigt, worauf wir Dir folgen sollen zum Bater! Laß mich diesen Weg der Weisheit und Tugend stets wahlen, und unwandelbar darauf verharren! Laß mich keine Verführung, keine Sündenlust davon ableiten. Du bist die Wahrheit! Deine Lehren, Deine Verheißungen, Deine Drohungen sind Wahrheit. Deine Lehren sollen heute die Richt= schnur meines Lebens seyn, deine Verheißungen sollen mich ermuntern, dieselben zu befolgen, deine Drohungen sollen mich abschrecken vom Bösen, wenn die Sünde es wagen sollte, mich zu versuchen. Aber stärke mich dann auch, 0 mein Heiland! daß ich nach deinem Beyspiel wider die Versuchung kämpfe, und über sie siege. Besonders will ich jene Fehler und Schwachheiten zu bekämpfen suchen, die mich noch zu oft und zu leicht überraschen. Du, o Heiland der Menschen! bist unser Leben! Ohne Dich, ohne in deiner Liebe zu wandeln, sind wir unnütze, todte Geschöpfe. Darum erhalte mich doch in 9 K deiner Liebe! Laß mich heute und allezeit durch nichts Vergångliches und Irdisches von deiner Liebe getrennet werden. In Dir laß mich heut und allezeit leben, so werde ich einst ewig in Dir leben. Gott heiliger Geist! Du Licht, und Stärke, und Tröster der Seelen! Stehe mir heute wiederum mit deiner göttlichen Kraft bey. Erleuchte meine Seele, daß ich in allen Umständen, worin ich mich befinde, und worin ich gerathen kann, immer den Willen meines Gottes, und meine Pflicht erkenne; stärke dann aber auch meinen schwachen Willen, daß ich treu befolge, was mir Religion und Gewissen als Pflicht vorzeigen. Durch deine Gnade gestärket, o Geist der Wahrheit und der Stärke! werde ich heute allen Gefahren des Heils ausweichen, oder, wenn sie wider Vermuthen entstehen, mit Muth und Kraft Widerstand leisten, und im Guten beharren. Und ich werde dann mit frohem Herzen am Abend dieses Tages wieder zu Dir, o Dreyeiniger Gott, meine Seele erheben, Dir danken und deinen Namen preisen. Auch zu Dir erhebt sich mein Geist, beym Anfang dieses Tages, o heilige Jungfrau und Mutter meines Heilandes Jesu Christi! Dein Beyspiel sey heute das Muster meines Lebens! Deine Fürbitte erhalte mir die Gnade von dem Herrn, Dir in Deinen schönen Tugenden nachzufolgen. 10 K Und Du mein Schußgeist, Gottes Engel! führe mich durch alle Gefahren des Tages hindurch, und begleite mich auf allen meinen Wegen! Warne mich, wenn ich in Gefahr der Sünde bin, beschüße mich, bewahre mich vor allem Uebel Leibes und der Seele, damit ich am Abend des Tages mit frohem Herzen zu dem Herrn meis nem Gott meine Seele erheben, Ihm danken, und seinen Namen preisen möge. Amen. Abendsgebeth. Mit Dank erfülltem Herzen erscheine ich vor Dir, o Gott! am Abende dieses Tages. Du hast mich erhalten, und gestärkt in allen meinen Geschäften, Du hast mich bewahrt in allen Gefahren, Du hast mir viel Gutes genießen lassen. Herr! wie billig danket Dir mein Herz für alles dieses. Aber habe ich auch diesen Tag ganz nach deinem heil. Willen zugebracht? habe ich durch keine Sünde Dich beleidigt?- 1 Gewissenserforschung am Abend. Wie hab' ich mich heute verhalten? Hab' ich keine sündhafte Gedanken freywillig zuges laffen; keine sündhafte Neigung oder Begierde unterhalten? Hab' ich solchen immer nach Möglichkeit widerstanden? Hab' ich auch gegen - 11 Hab' ich meinen Nächsten durch keinen lieblofen Gedanken, nicht durch liebloses Urtheil gefehlt? keinen Neid, keine Abneigung, keinen Haß ge= gen jemand im Herzen gehabt?- Hab' ich heute kein Wort zu bereuen? Hab' ich im Zorn Keinen beleidigt, gekränkt? Hab' ich nichts Uebels von andern geredet? Hab' ich kein leichtsinniges Wort gesprochen, und dadurch Andere geärgert? Hab' ich keinen zur Sünde gereißt, oder Anlaß und Gelegenheit dazu gegeben durch Worte oder Beyfpiel? 11 - Wie verhielt ich mich in meinem Thun und Lassen? Hab' ich nichts Uebeles gethan? Hab' ich gegen meine bösen Gewohnheiten gekämpft? Hab' ich mich bemüht, immer gute Gedanken zu haben, auch zuweilen an Gott gedacht, und zu Gott gebethen? Geschah es auch mit Undacht? Wie hab' ich mich gegen meine Vorgesetzten verhalten? War ich treu und fleißig in meiner Wie Arbeit? war ich friedsam, vertragsam? verhielt ich mich gegen meine Untergebenen? Wie gegen meine Hausgenossen und Angehörige? Wie that ich die Pflichten meines Standes? Wohnt in meinem Hause gute Zucht, Frömmigkeit, Ordnung, Tugend, Eintracht und Friede? - Hab' ich, so viel ich konnte, dazu beygetragen? D Gott! ich erkenne es, daß ich auch heute wieder in vielen Stücken gefehlet; und vor Dir gefündigt habe. Ach, ich bereue von ganzem 12 Herzen alle mir bekannte und verborgene Fehler, die ich begangen habe. Wie undankbar habe ich dadurch gegen Dich, meinen gütigen Gott, gehandelt, der mir so viele Wohlthaten heute und immer erwiesen hat? Ach! verzeihe mir doch alle meine Schwachheiten und Fehler, die ich begangen habe. Ich will am morgigen Tage, und in der Zukunft mich sorgfältiger hüten vor aller Sünde, und bitte Dich um Beystand und Gnade. Diese Nacht empfehle ich mich deinem Schute, o Gott! Wache Du über mich und alle die Meinigen, daß uns kein Leid widerfahre. Wende alle Gefahren Leibs und der Seele gnádig ab, und laß mich am Morgen wieder zu Dir erwachen, daß ich ferner Dir diene, und deinen Willen vollbringe. Amen. Zweytes Abendsgebeth. Gott! ich danke Dir, daß ich diesen Tag un ter deinem Schuhe glücklich erlebt habe. Wie gütig hast Du mich bewahrt vor jedem Unfalle, wie våterlich hast Du mich beschützt in allen Gefahren? und wie viel Gutes habe ich von deiner Vaterhand empfangen und genossen? Sey gepriesen, o Herr! für alle deine Güte und Liebe. Aber habe ich auch als ein gehorsames Kind ge= gen Dich, meinem besten Vater, mich verhalten? war ich Dir nie ungehorsam? hab' ich meine 13 Pflichten mit wahrem Eifer treu erfüllt? hab' ich Dir in allem zu gefallen gesucht? hab' ich meinen Nächsten nicht beleidigt u. s. w. Uch Gott! in wie vielen Stücken hab' ich dennoch heute wieder gefehlt? Verzeihe, o verzeihe deinem Diener, der es von ganzem Herzen jest bereuet, was er übels gethan. Ich verabscheue jeden Fehler, den ich aus Leichtsinn oder Schwachheit begangen habe, weil ich Dich, meinem höchsten Gott, dadurch verachtet und beleidigt habe. Ich bitte Dich, o Gott! verzeihe mir, und stårke mich mit deiner Gnade, daß ich am morgigen Tage forgfältiger auf mich wache, und jede Sünde meide. Und nun, wenn Du mir vergeben hast, o Gott! so nimm mich auch diese Nacht wieder in deinen heiligen Schuß. Bewahre mich vor allem Uebel. Laß mich in Dir ruhen, und zu Dir wieder erwachen. Umen. - Drittes Abendsgebeth. In deiner Gegenwart, vor deinem heil. Angesichte will ich mein Gemüth erheben am Abend dieses Tages, o Gott und Vater! Danken und preisen will ich Dich für alles Gute, welches Du mir heute wiederum so vielfältig erwiesen haft; abbitten will ich vor Dir, o Gott! alle Schwachheiten und Fehler, die ich dennoch wiederum begangen habe. 14 Ja, Herr! Du bast deine Güte heute an mir wiederum erneuert. Ich habe den Tag un ter deinem Schute glücklich verlebt. Du hast mich bewahret vor allem Unglück und Uebel; hast mich gestärkt in meinen Berufsgeschäften, in meinen Arbeiten, die ich aus Gehorsam gegen Dich unternommen und ausgeführt habe. Verleihe ihnen auch deinen Segen für Zeit und Ewigkeit. Du hast mich und die Meinigen erquickt und gestärkt durch Speise und Trank; hast uns durch Gesundheit und frohen Sinn die Gaben des Lebens genießen, und bes Lebens uns freuen lassen. Dank Dir dafür, o ewiger Gott und Vater! Auch die Beschwernissen und Lasten des Tages hast Du uns tragen geholfen; auch in den vorkommenden Leiden und Widerwärtigkeiten hast Du uns wieder getröstet und gestärkt. Gott, ich falle vor Dir nieder, und danke für alles Gute, welches Du an diesem Tage wieder am Leibe und an der Seele mir und den Meinigen erwiesen hast. Aber ich bin mit dem Ende dieses Tages wiederum dem Ziele meiner Bestimmung näher gerückt. Wie hab' ich diesen Tag zu meiner Vervollkommnung, zu meinem ewigen Heil angewendet? Wie hab' ich meine Vorsäge, meine Verheißungen erfüllet, die ich Dir, o Gott, am Morgen dieses Tages gemacht habe? Hab' ich Dir heute gelebt, oder der Welt? Hab' ich der Tugend, oder der Sünde gelebt? Hab' ich meine 15 Pflichten treu und redlich erfüllet? Hab' ich keine derselben übertreten, oder nachlässig, unvollkommen erfüllet? Hab' ich auch an Dich, meinem Herrn und größten Wohlthäter, zu Zeiten ge= dacht? Hab' ich beym Genusse deiner Gaben auch zu Dir, dem Geber aller guten Gabe, mit Dank mein Gemüth erhoben? Hab' ich deine Gaben nicht mißbraucht? Und wie hab' ich mich gegen meine Mitmenschen verhalten? Hab' ich Keinen gekrånkt, Keinen durch meinen Zorn oder Unwillen beleidigt? War ich behutsam im Urtheil und Reden über andere? Und wie verhielt ich mich im gesellschaftlichen Leben? Hab' ich keinen unanständigen Gedanken in mir unterhalten? Hab' ich kein schlüpferiges, zweideutiges Wort meinen Lippen entfallen lassen, oder sonst anderen ein Nergerniß gegeben? Und wie hab' ich gegen meine Gewohnheitsfehler gekämpft? Hab' ich sie heute gebeffert? Uch Herr! lehre mich meine Fehler erkennen, daß ich sie bereue und vor Dir Vergebung erlange, bevor ich mein Auge schließe zur Ruhe. Ich möchte vielleicht nicht wieder zum Leben erwachen, und in meinen Sünden vor Dir erscheinen. - Ja, Herr! ich erkenne meine Schwachheiten und Fehler, die ich ungeachtet der heiligsten Versicherungen, sie zu meiden, dennoch wieder begangen habe. Ach! wie leid ist es mir, daß ich dennoch wieder in deinem heiligsten Ungesichte gesündigt habe. Ich habe dein heiliges Geset 16 an diesem Tage in vielen Stücken dennoch wieder übertreten, in andern Stücken dasselbe nicht vollkommen beobachtet. Durch diese meine Uebertretungen hab' ich mir dein gerechtes Mißfallen, deine Ungnade zugezogen. Deine gerechte Strafe hätte ich verdient, wenn Du mit mir nach deiner Gerechtigkeit verfahren wolltest. Aber Du bist ein Gott der Erbarmung, und hast, wie ein gütiger Bater, Mitleid mit den Schwachheiten deiner Kinder, darum will ich dennoch auf Dich Vertrauen und Vergebung hoffen. Ich verabscheue von ganzem Herzen meine Sünden, wodurch ich so viele von Dir empfangene Wohl= thaten mit Undank vergolten habe. Uch, daß ich doch Dich, meinen gütigsten Vater und höchsten Wohlthäter, durch meinen Ungehorsam nicht beleidigt, Dich den heiligsten, vollkommensten Gott, durch meine Fehltritte nicht verachtet und verunehrt hätte! verzeihe mir doch, o Gott, nach deiner unendlichen Barmherzigkeit! Fest soll der Vorsatz stehen, Dir am morgigen Tage und die künftige Zeit meines Lebens mit mehr Treue, mit vollkommnerem Gehorsam zu dienen, und stets und in allem deinen heiligen Willen zu erfüllen. o verzeihe mir denn, o Gott, und ftc a Entschluß, Dir hinführo von gan= zem.. eben zu seyn. Hast Du mir meine begangenen Fehler vergeben, o Gott und Vater! dann nimm mich nun auch wieder in deinen väterlichen Schuh! Wache 17 über mich in dieser Nacht, daß nichts Böses mir widerfahre. Bewahre mich vor aller Gefahr und allem Uebel Leibes und der Seele, und laß mich beym wiederkehrenden Tage zu Dir wieder erwachen, daß ich Dir danken, Dich loben und preifen möge für deine Güte, und Dir dienen möge nach deinem heiligen Willen. Unter deinen Schuß und Schirm empfehle ich mich, heilige Jungfrau und Mutter meines Heilandes, Maria! erflehe mir durch deine Fürbitte bey deinem Sohn, meinem Heilande, die Gnade, daß Er mir meine Sünden verzeihe, im Guten stårke und erhalte, und vor allem Uebel Leibes und der Seele bewahre. Bitte für mich, o Mutter meines Herrn! jetzt und in der Stunde meines Todes. Mein heiliger Schußgeist! wache über mich, wenn ich schlafe. Wende ab alle Nachstellungen und Gefahren des Bösen, auf daß ich unbeschädigt am Leibe und an der Seele wieder erwache. Bittet für mich ihr heil. Engel und Außerwählten Gottes, daß ich möge im Frieden ruhen, und zu Gott eurem und meinem Herrn möge wieder erwachen, Ihm ferner zu dienen, Ihm zu gefallen, und mein Heil zu wirken. Amen. Långeres Abendsgebeth. 3um Gebrauche in Häusern, wo man noch nach alter christlicher Gewohnheit das Abendsgebeth gemeinschaftlich verrichtet. B 18 Der Vorbether. Im Namen u. s. w. Unsre Hülfe ist im Namen des Herrn. Alle. Der Himmel und Erde gemacht hat. Vorb. Wir fallen vor Dir nieder, o Gott, und danken Dir für alles Gute, das Du an uns heute gethan hast. Du hast unfren Geist und unsre Glieder zur Arbeit gestärkt, Du hast uns erquicket durch Speise und Trank, Du hast uns auf allen unsren Wegen und in allen Gefahren beschüßt. Wir preisen dafür deinen h. Namen, und danken Dir. Aber, o Gott! haben wir auch den ganzen Tag Dir so gedient, wie Du von uns forderst, und wie wir billig håtten thun sollen? haben wir durch keine Sünde Dich beleidigt? Gott! wie leicht fehlen wir schwachen Menschen, und welcher Mensch erkennt und merket, wann und mie oft er fehlet? Wir bitten Dich daher, ver= zeihe uns unsre Schwachheit, und unsre Fehler, die wir gegen Dich, gegen unsren Nächsten und gegen das Heil unsrer Seele begangen haben. Wir bereuen von ganzem Herzen alles, was wir heute und unser ganzes Leben hindurch vor Dir übels gethan, weil wir dadurch von Dir, unfrem gerechten Richter, Strafe verdient, weil wir Dir, unfrem gütigsten Vater und Wohl= thåter, undankbar gewesen, weil wir Dich, uns fren höchsten Gott und Herrn, dadurch verachtet und beleidigt haben. Wir entschließen uns ernstlich und fest, unser Herz in Zukunft vor aller 19 R Sünde zu bewahren. Stärke uns dazu mit deiner Gnade, und verzeihe uns alle Sünden, durch Jesum Christum, unfren Herrn. Wir bitten Dich ferner, o Gott! daß Du uns Ulle in deinen Schuß nehmen, und vor ale lem Uebel am Leibe und an der Seele bewahren wollest. Beschütze unser Haus, und alles, was darin ist. Entferne von demselben alles Böse, laß deine heil. Engel in demselben wohnen, die uns im Frieden bewahren, und dein Segen sey über uns immerdar! Laß uns in Ruhe und Frieden diese Nacht vollbringen, damit wir mit dem morgigen Tage Dir wieder danken, und deine Güte preisen mögen. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Wir bitten Dich auch, o Herr! für unfre Freunde und Ungehörigen, für alle Menschen, für Gesunde und Kranke. Tröste, stårke und beschüße sie. Auch wollen wir Dich bitten für alle abgestorbenen Freunde und Mitchristen. Gieb ihnen, o Herr! die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. Herr erbarme Dich unsrer, Christe erbarme Dich unsrer, Herr erbarme Dich unsrer. K Vater unser u. s. w. Gegrüßet u. s. w. Herr! der Du der Schöpfer und Erlöser aller Menschen bist, verleihe den Seelen der Abgestorbenen Vergebung aller ihrer Sünden, damit sie die Nachlassung, die sie immer gewünscht haben, durch andächtige Fürbitte von deiner B 2 20& Güte erlangen, durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Der Engel des Herrn u. s. w. Wir flehen auch zu euch, ihr Heiligen Gottes! und besonders zu dir, o h. Jungfrau und Mutter unsers Heilandes Jesu Christi. H. Maria bitte für uns, H. Schußengel- bitte für uns, Alle h. Engel und Auserwählten Gottes bittet für uns. Bittet für uns, und erhaltet uns durch eure Fürbitte die Gnade und den Schutz des Allerhöchsten. - pormity Laffet uns bethen. O Gott! der Du durch die Verehrung deiner Heiligen verherrlicht wirst, verleihe uns, daß wir die Fürbitte derselben im Leben und Tode erfahren mögen, durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Zum Beschluß kann eine von den in diesem Buche vor= kommenden Litaneyen gebethen werden; und zwar zur Abwechselung: Um Sonntag, die Litaney von Gott und dessen hohen Eigenschaften. Am Montag, die Litaney von der göttl. Vorsehung. Um Dienstag, die Litaney vom heil. Namen Jesus. Um Mittwochen, die Litaney vom heiligen Geiste. Um Donnerstag, die Litaney von dem heil. Sacras ment des Ultars. Um Freytag, die Litaney von Jesus, unserm Heilande. Um Samstag, die Lauretanische Litaney von der heiligen Jungfrau Maria, Ina 21 & Zweyte Abtheilung. Sonntagsandacht. Morgensgebeth am Sonntage. Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat. O daß ich an diesem Tage den Herrn meinen Gott würdig verehren, und denselben zu meinem ewigen Heile heilig zubringen möchte. Allmächtiger, ewiger Gott! Du bist der Urheber aller Zeiten und aller Tage. Du hast sie alle erschaffen, daß wir sie zu deiner Ehre zubringen sollen: aber diesen Tag hast Du besonders dazu gewählt, daß wir Dich an demselben verehren und verherrlichen sollen. Du selbst haft nach der Erschaffung des Himmels und der Erde am siebenten Tage geruhet, aus der geheimnißvollen Absicht, daß auch die Menschen am sies benten Tage von ihrer Arbeit ruhen sollten, um sich an diesem Tage ganz mit dem Heile ihrer Seele zu beschäftigen. Deswegen feyerte im alten Bunde dein auserwähltes Volk den siebenten Tag, den Sabbath. Im neuen Bunde hast Du 22 uns nun durch deine Kirche befohlen, den ersten Tag, den Sonntag, zu feyern, weil an demselben unser Heiland Jesus Christus vom Tode erstanden ist, und auch die Sendung des heil. Geistes an diesem Tage sich ereignet hat, wodurch die Welt gleichsam neu erschaffen wurde. Un diesem Tage nun sollen wir nach deis nem Gebothe, o Herr! von aller körperlichen Arbeit ruhen, damit wir uns mit dem Heile unsrer Seele desto mehr beschäftigen können. Wie gütig ist doch diese deine Einrichtung, o Gott! welcher Dank gebührt Dir dafür? o daß ich doch diesen Tag nach deinen h. Absichten zu deiner Ehre und zum Heile meiner Seele würdig zubringen möchte. Ich will mich hüten, denselben durch Müssiggang oder irgend eine Sünde zu entheiligen, sondern mich bestreben, ihn ganz nach deinem h. Wohlgefallen zuzubringen. Dazu helfe und stärke mich mit deiner Gnade, durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Gebethe während der heil. Messe. Vorerinnerung. Es kann dem katholischen Christen nichts heiliger und ehrwürdiger seyn, als das h. Mesopfer. Es ist das Opfer des neuen Bundes, wovon die Opfer des alten Gefeßes nur Vorbilder waren, weswegen sie auch aufs hören mußten, sobald derjenige geopfert war, den sie vorbildeten, nemlich Jesus Christus, das Lamm Gottes, 23 welches hinwegnimmt die Sünden der Welt. Nun hat zwar unser Heiland Jesus Christus am Kreuze das Opfer für unsre Sünden vollbracht, indem er sein Blut und Leben für uns hingegeben. Allein er wollte, daß dieses Opfer auf eine geheimnisvolle Weise fortgefest, und unblutiger Weise täglich erneuert werden sollte in feiner Kirche, und unter seinen Christen bis ans Ende der Welt. Daher feste er am Abende vor seinem Leiden das heil. Sakrament des Altars, und zugleich dieses Opfer ein, welches nach der Weissagung des Propheten Malachias dem Namen Gottes an allen Orten darge= bracht werden, und welches, nach 109. Pf. Davids, Jesus Christus selbst nach Melchisedechs- Weise( in Brod und Wein) zu allen Zeiten verrichten sollte. Das Opfer also und der Opfernde ist Jesus Christus, dessen Stelle der Priester vertritt. Wer sich mit lebhaftem Glauben daran erinnert, dem wird die Messe eine heilige Verrichtung seyn, der er nicht anders als mit Ehrfurcht und Undacht beywohnen wird. Gebeth vor der Messe. Ich erscheine vor deinem h. Ungesichte in dies sem Tempel, o Gott! wo das große Opfer des neuen Bundes wieder verrichtet wird; wo dein ewiger Sohn, welcher einst für uns Mensch geworden, und seinen Leib für uns in den Tod gegeben, und sein Blut für uns vergossen hat, dieses große Geheimniß unsichtbar und unblutiger Weise erneuern will. Möchte ich doch, o Gott! dieser h. Handlung, welche der Priester verrichtet, würdig beywohnen. Ich will mein Gemüth erheben, und die Gedanken an alles 24 Irdische entfernen. Ich will mein Gebeth mit jenem der Kirche, und des Priesters vereinigen, und will Dich preisen, Dir danken, Dich anbe: then, Herr, großer Gott! und will Dich bitten, daß Du mir, durch dieses h. Opfer deines Sohnes versöhnet, alle Schwachheit und Sünde verzeihest, und mir Barmherzigkeit und Gnade erzeigest, durch J. C. unsern Herrn. Amen. Beym Anfange der Messe. Wir werfen uns vor Dir nieder, o Gott! und bekennen, daß wir Sünder sind, wir haben gefehlt und gefündigt oft, und auf vielerley Weise, durch Gedanken, Worte und Werke, und durch Unterlassung unserer Pflichten. Du aber, o Gott! bist bereit zur Vergebung, wenn wir unsre Sünden bereuen, und unser Leben bessern. Du willst uns alsdann durch den VersöhnungsTod Jesu Christi, deines Sohnes, unsers Mitlers und Heilandes, begnadigen, und uns Vers zeihung aller Sünden angedeihen lassen. Wir bereuen daher von ganzem Herzen, daß wir vor Dir gefündigt haben, und durch unsre Sünde Dich unfren Gott und Herrn verachtet, unfren besten Vater beleidigt haben. Wir wollen uns ernstlich bemühen, deinem h. Willen in Zukunft treuer zu gehorchen, und bitten Dich um Verzeihung und Gnade, durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. - 25 Zum Gloria. Ehre sey Gott in der Höhe, und Friede den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind. Wir bethen Dich an, o Gott! unser Schöpfer und Herr! wir preifen Dich, wir danken Dir für deine Güte und Liebe, Herr, Gott, König des Himmels und der Erde, allmächtiger Vater. Auch Dir, Du eingeborner Sohn des Baters: Jesu Christe! gleicher Gott mit dem Bater! Lamm Gottes! welches Du hinwegnimmst die Sünde der Welt, erbarme Dich unsrer! der Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, nimm gnådig auf unser Flehen um Gnade, der Du zur Rechten des Vaters sikest, erbarme Dich unsrer! Denn Du allein bist heilig, Du allein der Herr, Du allein der Höchste, Jesu Christe, in Einigkeit des h. Geistes, in der Herrlichkeit Gottes des Vaters. Amen. Während der Epistel. Sott! ott! Du hast uns durch die Lehren der h. Schrift erleuchtet, Dich und deinen H. Willen zu erkennen. Du bist der menschlichen Unwissens heit und Schwachheit durch deine Offenbarung zu Hülfe gekommen. Für diese Wohlthat und Liebe sey ewig gepriesen. Gib, daß wir dein h. Wort immer hochachten, daß wir das, was es lehrt, recht verstehen, und das, was es von uns fodert, treu und standhaft erfüllen, damit 26 wir in diesem Leben Dir gefallen, und im zukünftigen Leben die Glückseligkeit erlangen, die Du uns verheißen hast. Amen. Während des Evangeliums. Du hast uns, o Gott! deinen Willen, und die ewigen Wahrheiten des Heils nicht nur durch Menschen bekannt gemacht, sondern auch durch deinen eingebornen Sohn, unsern Herrn und Heiland Jesum Christum. So sehr hast Du uns Menschen geliebt, daß Du uns selbst durch deis nen Sohn gelehrt hast, wie wir an Dich glauben, Dich lieben, Dir dienen, und dadurch der großen Verheissungen theilhaftig werden sollen, die Du uns gegeben hast. Erzeig uns doch, o Herr! dein Licht und deine Gnade, damit wir das Evangelium deines Sohnes, welches in deiner Kirche ohne Unterlaß verkündet wird, nach Würde schätzen, daß wir unser Leben darnach einrichten, und jene große Seligkeiten, die es verheißt, in diesem und dem zukünftigen Leben erlangen mögen, durch denselben Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Zum Credo. Durch deine heil. Offenbarung unterrichtet, glaube und bekenne ich, o Gott! daß Du der einzige, wahre Gott bist, der allmächtige Schöpfer Himmels und der Erde, und daß Jesus Christus Univ.- Bil Giessen 27 K der Eingeborne des ewigen Vaters ist, dem Bater gleich nach seiner Gottheit, ewig, allmächtig und unveränderlich, wie Er, durch den alles gemacht ist, was da ist. Der um uns Menschen willen, und unsers Heils wegen vom Himmel gekommen, und Mensch geworden, vom heil. Geiste empfangen, und aus Maria der Jungfrau geboren ist. Der für uns Sünder gelitten hat und gestorben ist. Der nach seinem Tode abges stiegen ist zur Vorhölle, zu trösten und zu er= freuen die Seelen der Vorzeit. Der am dritten Tage wieder auferstanden ist von dem Tode. Darnach aufgefahren gen Himmel, wo Er fizet zur Rechten seines Vaters. Von wo er wiederkehren wird, zu richten alle Menschen, die guten und bösen. Ich glaube auch an den heil. Geist, der vom Vater und Sohne ausgeht, und gleich dem Vater und Sohne unser Gott und Herr ist, und den wir mit dem Vater und Sohne gleicher Weise anbeten und verherrlichen. Auch glaube ich eine heilige, allgemeine und apostolische Kirche, worin eine Gemeinschaft der Heiligen und Nachlassung der Sünden ist, und endlich glaub und erwarte ich einst eine Aufers stehung vom Tode, und ein ewiges Leben. Umen. 10/200 28 Zum Offertorium. Nimim imm gnädig auf, o Herr! diese Opfergabe von Brod und Wein, welche der Priester iht darbringt Dir, dem lebendigen und wahren Gott für unsre Sünden und Beleidigungen, um von Dir Nachlassung zu erslehen für alle Christgläubige, Lebendige und Abgestorbene. Laß dieses Opfer Dir wohlgefallen, und mir und allen gegenwärtigen und abwesenden Mitchriften zum ewigen Heile gereichen, durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Ich opfre Dir zugleich mein Herz und meinen Willen auf. Vereinige Du denselben stets mit deinem allerheiligsten Willen, daß ich nichts wünsche, nichts begehre, nichts suche, als was, und weil es Dir gefällt. Amen. Zum Orate Fratres: d. i. Bethet mit mir Brüder, damit mein und euer Opfer Gott gefalle. Der Herr nehme dieses dein Opfer gnädig von deiner Hand an, zum Preis und zur Ehre seiz nes h. Namens, wie auch zu unsrem zeitlichen und ewigen Heile, und zum Heile seiner ganzen heiligen Kirche. Umen. Wir rufen Dich an, und bitten Dich, o Herr! siehe gnädig herab auf dieses Opfer, welches wir deinem h. Namen darbringen, wodurch wir Dich als unsern Herrn und Gott erkennen, 29 Dich um Verzeihung unsrer Sünden anflehen, wodurch wir Dir für alle erhaltenen Gaben und Wohlthaten danken, deine Güte und Liebe ana flehen, uns ferner alles Gute am Leibe und an der Seele zu erzeigen, durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. 21542 3ur Práfation. Unsere Seele und unser Herz soll sich erheben zu dem Herrn unfren Gott. Ihm lasset uns danken, denn das ist billig und recht. Ja wahrlich ist dies billig und recht, und heilsam, daß wir Dir zu aller Zeit und an allen Orten Dank sagen, heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott! durch Christum unsern Herrn, durch welchen deine Majestät die Engel preifen, die Herrschaften des Himmels anbethen, die Mächte desselben vor Dir zittern, den die Himmel und die Kräfte des Himmels, die Cherubim und Seraphim mit gemeinsamem Frohlocken verehren. Wir flehen Dich an, daß auch wir unsre Stimme mit denselben vereinigen dürfen, indem wir mit demüthigem Bekenntniß sagen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Gott Sabaoth. Himmel und Erde sind voll deiner Herrlichkeit. Hosanna in der Höhe. Gebenedent, der da kommt im Namen des Herrn, Hosanna in der Höhe. 30 K Zum Canon und Memento: d. f, wenn der Priester das Andenken an die Heili # 117 gen begeht, und der Lebendigen, besonders der Gegenwärtigen, eingedenk ist. U Zu dir also, o gütigster Vater! flehen wir durch Jesum Christum unsern Herrn, daß Du diese Opfergaben gnädig aufnehmen und segnen wollest, die wir Dir aufopfern für deine heilige und allgemeine Kirche, welche Du gnådig regieren und erhalten wollest, mit ihrem Oberhaupte, deinem Diener, unserm Pabste NN., auch unserm Vorsteher und Bischof NN., wie auch unserm erwählten Kaiser und König NN., und allen rechtgläubigen Bekennern des wahren Glaubens. Wir empfehlen auch deiner Gnade, o Herr! deine Diener und Dienerinnen, die noch im ge= genwärtigen Leben sind: Unsere Eltern, Brüder und Schwestern, unsre Angehörigen und Freunde, und alle unsre Mitchristen, deren Glauben und Gottseligkeit Du kennst, für welche wir auch dies Opfer Dir darbringen, mit der Bitte, Du wollest selbes zu unsrem und ihrem Heile gereichen lassen. Auch wünschen wir die Gemeinschaft und das Andenken deiner Heiligen bey Verrichtung dieses Opfers zu begehen, und zwar vorzüglich der glorreichen Jungfrau und Mutter unsers Heilandes Jesu Christi, und der heil. Apostel Petrus und Paulus, Andreas, Jakobus, Joan 31 und nes, Thomas, Jakobus, Philippus, Bartholomaus, Matthaus, Simon, Thaddäus: aller deiner Heiligen, durch deren Verdienste und Fürbitte Du verleihen wolleft, daß wir in allen Dingen deinen Schutz und deine Hülfe erhalten mögen. Suso Wir bitten Dich also, daß Du diese unfre Aufopferung gnädig aufnehmest, und unsre Tage im Frieden leitest, uns von der ewigen Verdammniß erretten, und in die Zahl deiner AusDurch Jesum erwählten aufnehmen wollest. Christum unsern Herrn. Welcher am Tage vor seinem Leiden das Brod nahm in seine h. Hände, und mit gen Himmel gehobenen Augen zu Dir, seinem allmächtigen Vater, Dir dankte, dasselbe segnete und brach, und seinen Jüngern gab; indem er fagte: Nehmet hin und esset: dies ist mein Leib, der für euch wird gegeben werden. Auf gleiche Weise nahm er den Kelch in seine h. Hände, dankte wieder, segnete ihn, und sprach: Trinket alle daraus, denn dieses ist der Kelch meines Blutes, des neuen und ewigen Bundes, das für euch und viele wird vergossen werden zur Vergebung der Sünden. So oft ihr dies thut, so thut es zu meinem Gedächtnisse. Zur Elevation. Wir glauben Dir und bethen Dich an, unser Herr und Heiland Jesus Christus! der Du hier 32 als Gott und Mensch auf dem Altare unter den Gestalten des Brodes und Weines zugegen bist. Dein Wort versichert uns, und wir glauben fest, daß dies dein Leib ist, den Du einst für uns und alle Menschen in den Tod gegeben; daß dies dein Blut ist, das einst für uns vergessen worden zur Vergebung der Sünden. Wir preisen Dich, und danken Dir, daß Du deinen Leib und dein Blut für uns hingabst, und noch täglich für uns hingibst zu unserer Versöhnung mit dem Vater, und zur Vergebung unserer Sünden. Nach der Elevation. Daber wollen wir an diese Liebe stets uns era innern, o Gott! und bey dem Gedächtnisse des Leidens deines Sohnes, wie auch seiner Aufers stebung und seiner glorreichen Himmelfahrt, opfern wir diese reine, heilige und unbefleckte Opfergabe, das h. Brod des ewigen Lebens, und den Kelch des ewigen Heils. Siehe doch gnädig auf dieselben herab, und nimm sie mit Wohlgefallen auf, gleichwie Du gnädig aufgenommen die Gaben des gerechten Abels, und das Opfer des Abrahams, und was Dir darbrachte dein Hohepriester Melchisedeck. Wir bitten Dich demüthig, allmächtiger, ewiger Gott! lassen deine h. Engel dieses Opfer vor den Thron deiner Herrlichkeit bringen, und laß uns Alle, die von diesem Altare an dem h. 33. Leibe und Blute deines Sohnes Theil nehmen, mit deinem Segen und deiner Gnade erfüllt werden. Durch eben denselben Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Wir empfehlen auch deiner Gnade, o Herr! die Seelen deiner Diener und Dienerinnen, welche uns mit dem Zeichen des Glaubens vorangegangen sind, und im heil. Frieden ruhen. Besonders empfehlen wir Dir die Seelen unsrer lieben Eltern, Brüder, Schwestern, Freunde NN. Diese und alle in Jesu Christo Gestorbene wollest Qu doch zum Orte des ewigen Lichtes und der Seligkeit gelangen lassen: darum bitten wir Dich durch eben denselben Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Aber auch uns Sündern, die wir auf deine Erbarmung hoffen, wollest Du gnädig seyn, und Theil nehmen lassen an deiner Barmherzigkeit, und an der Gemeinschaft deiner h. Apostel und Märtyrer: Joannes, Stephanus, Matthias und Barnabas, und aller Heiligen, zu deren Mitgenossen Du uns aufnehmen wollest, nicht unserer Verdienste wegen, sondern durch Verleihung deiDurch Jesum ner Vergebung und Gnade. Christum unsern Herrn. Amen. Zum Pater Noster. Durch deinen ewigen Sohn unterrichtet, und von demselben gelehrt, dürfen wir Dich, o Gott! C 34 unsern Vater nennen, und sagen: Bater unser, der Du in den Himmeln bist, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme zu uns, dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden. Gib uns heut unser tägliches Brod, und vergib uns unsre Schulden gleichwie wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Uebel. Amen. Befreye uns doch, o Herr! von allen Uebeln, den vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen, und durch die Fürbitte der seligen und glorreichen Jungfrau Maria, und der H. Apostel Petrus und Paulus und Andreas, und aller Heiligen. Verleihe uns gnådig den Frieden in unsern Zagen, damit wir, durch deine Gnade unterstützt, von aller Sünde frey, und vor allem Ungemach sicher seyn mögen, durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. mir Zum Agnus Dei. Sesus Christus, Du Lamm Gottes! welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt. Erbarme Dich unsrer. Du Lamm Gottes Du Lamm 20. erbarme Dich unsrer. verleihe uns den Frieden. Jesu Christus, unser Heiland und Herr! der Du zu deinen Aposteln gesagt haft: Meinen Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch: Siehe nicht auf unsre Sünden, sondern - - 35 Z auf den Glauben deiner Kirche, und erhalte die felbe in Einigkeit und Frieden. Amen. Herr Jesu Christe! der Du gemäß dem Willen deines Vaters durch Mitwirkung des h. Geistes durch deinen Tod die Welt erlöset hast, befreye uns durch diesen deinen h. Leib und Blut, welches auf diesem Altare zugegen ist, von allen Sünden und von allen Uebeln. Amen. Zur heil. Communion. Du hast, o Herr, unser Heiland! dein heil. Fleisch uns Menschen zur Speise, dein Blut uns zum Tranke bereitet. Wer ist aber würdig, diese h. Speise und diesen h. Trank zu genießen. Wir bekennen daher alle mit Demuth des Hers zens: o Herr! ich bin nicht würdig, daß Du eingehest unter mein Dach, sondern sprich nur ein Wort, so wird meine Seele rein. Der Leib und das Blut meines Herrn Jesu Christi be= wahre meine Seele zum ewigen Leben! Nach der Communion. Wir danken Dir, allmächtiger Gott! daß Du uns haft Theil nehmen lassen an dem großen Opfer des neuen Bundes, an dem Opfer deines Sohnes, unsers Heilandes Jesu Christi. Wir bitten Dich, erhalte uns ferner in deiner Gnade, und laß uns der Früchte dieses h. Opfers zu unfrem zeitlichen und ewigen Heile immerhin 2 36 mehr und mehr theilhaftig werden. Durch Jefum Christum unsern Herrn. Amen. Wir danken Dir, Herr Jesu Christe, unser Heiland und Seligmacher! daß Du dich gewürdigt hast, auch heute zu uns herabzukommen, und dich auf unsrem Altare deinem himmlischen Bater für uns aufzuopfern. Ach laß uns doch diese Aufopferung von unfren Sünden reinigen, in unsrer Schwachheit stärken, und in allen Ge fahren der Welt beschützen. Laß durch dies Opfer den Lebendigen und Abgestorbenen Nachlassung aller ihrer Sünden zu Theil werden. Der Du lebst und regierst mit Gott dem Vater in Einigkeit des h. Geistes in Ewigkeit. Umen. Zum Segen des Priesters. Es fegne uns der allmächtige Gott, der Vater, Sohn und h. Geist. Amen. Evangelium, Joh. 1. K. Im Anfange war das Wort, und das Wort war bey Gott, und Gott war das Wort: Das selbige war im Anfange bey Gott. Ulle Dinge sind durch dasselbige gemacht, und ohne dasselbige ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen, und das Licht leuchtet in die Finsterniß, und die Finsternisse haben es nicht begriffen. Es war ein Mensch von Gott S 37 gefandt, der hieß Johannes, derselbe kam zum Zeugniß, daß er von dem Lichte Zeugniß gebe, Er war damit sie Alle durch ihn glaubten. nicht das Licht, sondern daß er 3eugniß gebe von dem Lichte. Es war ein wahrhaftiges Licht, weiches erleuchtet einen jeden Menschen, der da fommt in diese Welt. Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbe gemacht, und die Welt hat es nicht erkannt. Er kam in sein Eigenthum, und die Seinigen nahmen ihn nicht auf. Welche ihn aber aufnahmen, denen gab er Gewalt, Gottes Kinder zu werden, denen, die da glauben an seinen Namen, welche nicht aus dem Geblüte, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, son= dern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnet, und wir haben gesehen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit, als des Eingebornen vom Bater, voller Gnade und Wahrheit. Zweyte Meßandacht, nebst Meßgesängen. Singet dem Herrn einen neuen Gesang; sein Lob erschalle in der Gemeinde der Heiligen: denn der Herr hat ein Wohlgefallen an seinem Volke. Pf. 149, 1. 4. 38 Gebeth vor der heil. Messe. Numächtiger Gott! himmlischer Bater! hier in diesem dir geheiligten Tempel fallen wir vor Dir nieder, und bethen deine unendliche Majestät an. Hier auf diesem Altare wird das große Opfer deines Sohnes, unsers Erlösers, erneuert, und zur Versöhnung für unsere Sünden unblutiger Weise verrichtet. O laß uns diesem h. Opfer mit wahrer Undacht und heiligen Gesinnungen beywohnen. Jefu, du Sohn des lebendigen Gottes! zu dir soll sich unsre Seele erheben, dich wollen wir anflehen: Erbarme dich deiner Erlös'ten, und laß uns der Früchte deiner Erlösung theilhaftig werden. Opfere dich für uns unfrem himmlischen Vater in diesem h. Opfer, wie du dich demselben am Kreuze für uns aufgeopfert haft. Denn wir haben an dir immerwährend einen Fürsprecher beym Vater. Oh. Geist! erleuchte, rühre und erwärme unsere Herzen mit deiner Gnade, damit wir bey dem erneuerten Gedächtnisse des Leidens und Todes Jesu, der uns bis an sein Ende geliebt hat, an den Früchten seiner unermeßlichen Liebe, und an seinen Verdiensten Theil nehmen mögen zum ewigen Leben. Nimm gnädig auf, o Gott! dieses heil. Opfer, welches dir die h. Kirche darbringt. Wir 39 bringen es dar, um dir die gebührende Unbethung zu erweisen, um Gnade und Vergebung unsrer Sünden zu erlangen, um dir für alle empfangene Wohlthaten zu danken, um neue Gaben und Wohlthaten für Leib und Seele zu erflehen. Wir bringen es dar für uns und die ganze Christenheit, für den Oberhirten, daß er in seinem Hirtenamte die ihm von der Kirche anvertrauten Schafe glücklich weide, für die geistlichen und weltlichen Obrigkeiten und Regenten, daß fie das geistliche und zeitliche Wohl ihrer Unter- thanen stets befördern, für die Wohlfahrt der christlichen Kirche und unsers Vaterlandes, für unsre Freunde und Feinde, für die liebe Bürgerschaft und den guten Ackersmann, daß du, o Gott! alle ihre Gewerbe und Arbeiten segnest; für alle Stände, für Gerechte und Sünder, für Lebendige und Abgestorbene. Laß die, barmherziger Gott und Vater! diese unsre aufrichtige Meinung gefallen, und erhöre das Gebeth deiner Kinder, durch unsern Herrn Jesum deinen Sohn, welcher mit dir in Einigkeit des h. Geistes lebet und regieret, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 1016 ning Der Priester steht am Fuße des Altars, und bethet das Staffelgebeth, mit dem Bekenntnisse, daß wir Sünder sind. Die Gemeinde singt mit De muth und Reue im Herzen. EMO C 40 Das Kyrie. Hier ier liegt vor deiner Majestát Im Staub die Christenschaar; Das Herz zu Dir, o Gott! erhöht, Die Augen zum Altar. Schenk uns, o Vater! deine Huld, Vergib uns unsre Sündenschuld, O Gott! von deinem Ungesicht Verstoß uns arme Sünder nicht! Verstoß uns nicht! Verstoß uns Sünder nicht. - I. 2. Wir haben, Herr! dein Gut verschwend't, Wie der verlorne Sohn; Die Sünde hat uns so verblend't, Doch schau von deinem Thron Mitleidig her auf unsren Schmerz, Verwirf nicht dein zerknirschtes Herz; Entzieh' die Vaterhuld uns nicht, Und sende uns dein Gnadenlicht, Dein Gnadenlicht, Dein göttlich Gnadenlicht. 3. Wir sind ja deiner Hände Werk, Dir, Schöpfer, unterthan. O gib uns Schwachen, Kraft und Stärk', Sieh uns in Gnaden an! 41 Hier bringen wir auf dem Altar Dir ein Versöhnungsopfer dar. O Gott! der Werth des Bluts ist groß, Das einst dein Sohn für uns vergoß, Für uns vergoß, Um Kreuz für uns vergoß. Zum Gloria. Der Priester singt das Gloria, und die Gemeinde singt das Lob Gottes. Gott soll gepriesen werden, Sein Nam' gebenedeyet, Im Himmel und auf Erden, Jetzt und in Ewigkeit, Lob, Ruhm, und Dank und Ehre Sey der Dreyeinigkeit! Die ganze Welt vermehre Gott! deine Herrlichkeit. Oder: I. Ehre sey Gott in der Höhe Friede den Guten auf Erden, Lob Dir und Preis und Anbethung, Dank Dir, Du großer Begnad'ger, König des Himmels, allmächtiger Vater, Herr, eingeborner Jesus, Gesalbter, Gott! Du Lamm Gottes! des Vaters Sohn! 2. Mächtiger Tilger der Sünden, Gnådig erbarme Dich unser, 42 12 Sihend zur Rechten des Vaters, Hör uns, wir flehen um Gnade; Denn in der Herrlichkeit Gottes des Vaters, Jesu! bist Du mit dem heiligen Geiste, Heiligster! mächtigster Herr und Gott! Hierauf singt der Priester die Collecten und die Epistel. Dann das Evangelium. Gebeth. Erhöre, e, o himmlischer Vater! gnädig das Gebeth deiner heil. Kirche, durch welches sie deiner göttlichen Majestät im Namen unsers Herrn Jesu Christi demüthig anfleht, und um deine Hülfe, deinen Beystand in allen Nöthen für ihre Kinder bittet. Wende dein väterliches Angesicht von uns nicht ab, sondern sieh uns mit gnädigen Augen an, auf daß wir von allen Uebeln Leibs und der Seele befreyet, dir gefällig leben, selig sterben, und zu deinem Reiche und deiner Herra lichkeit gelangen mögen. Durch Jesum Christum unsern Herrn. Umen. - Sendschreiben des heil. Paulus an die Romer. XI. 33. welch ein tiefer Reichthum der Weisheit und Wissenschaft Gottes! wie unbegreiflich sind seine Rathschlüsse, und wie unerforschlich seine Wege? denn wer hat den Sinn des Herrn gekannt, oder wer ist sein Rathgeber gewesen? oder wer hat 3 43 ihm zuvor etwas geliehen, wofür er Vergeltung erwarten könnte? denn von ihm, und durch ihn und in ihm sind alle Dinge. Ihm sey Ehre in Ewigkeit. Amen. Herr! du bist gepriesen, der du in die Tiefe hinabsichft, und über die Cherubim deinen Thron hast. Du bist gepriesen, Herr! am Firmamente des Himmels, und lobwürdig und glorreich in Ewigkeit. Alleluja, du bist gepriesen, o Herr, Gott, unser Vater! und sollst gepriesen werden ewig. Alleluja. Vor dem Evangelium. Reinige unsre Herzen und unsre Lippen, o Gott! damit wir dein Wort, das du uns verkündigen läßt, in einem guten Herzen empfangen und aufnehmen, und dein Lob würdig verkündigen, durch Jefum Christum unsern Herrn. Amen. Evangel. Matth. 28, 18. In der Zeit sprach der Herr Jesus- zu seinen Jungern: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Gehet also hin, und lehret alle Völker, und taufet sie im Namen des Vas ters, und des Sohnes, und des heil. Geistes, und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und sehet, ich bin bey euch bis ans Ende der Welt. Lob sey Dir, Christe. 44 Zum Credo. I. Numächtiger!- vor Dir im Staube Bekennt Dich deine Kreatur! Gott und Vater! ja ich glaube Un Dich, Du Schöpfer der Natur; Auch an den Sohn, der ausgegangen, Von Dir geboren, ewig war, Und den, vom heil'gen Geist empfangen, Die reinste Jungfrau uns gebar. 2. Und Jesus Christus ist gekommen, Daß Er verföhnte uns mit Gott; Er hat die Schuld auf sich genommen, Und litt für uns den Kreuzestod. Dadurch besiegt' Er Tod und Hölle, Fuhr zu des Vaters Rechten auf, Und wird als Richter jeder Seele Einst prüfen unsren Lebenslauf. 3. Ich glaube, Gottes Geift regieret Die wahre Kirch' und Christenheit. Ein búßend Schaaf, das sich verirret, Flieht hin zu der Barmherzigkeit Um großen Tag wird's Fleisch erstehen. Jeßt, Heilige, helft uns gemein, Daß wir mit euch zum Leben gehen, Miterben Christi ewig seyn. 45 局 Zum Offertorium. Der Priester opfert Brod und Wein, die Gemeinde singt: THEHEN I. Nimm an, o Herr, die Gaben Aus deines Priesters Hand, Wir, die gesündigt haben, Weih'n Dir dies Liebespfand, Für Sünder hier auf Erden. In lengsten, Kreuz und Noth, Soll dies ein Opfer werden Von Wein und reinem Brod. 32. Nimm gnädig dies Geschenke, Dreyeinig großer Gott! Erbarm' dich unsrer; denke Un Christi Blut und Tod. Sein Wohlgeruch erschwinge Sich hin zu deinem Thron; Und dieses Opfer bringe Uns den verdienten Lohn. Zur Práfation. Gebeth. 3u dir, o Gott! erheben wir unsre Herzen, und danken deiner göttlichen Majestát. Wahrlich ist es würdig und gerecht, billig und heilsam, daß wir jederzeit und überall dir, o Herr! himmlischer Bater! allmächtiger, ewiger Gott! Dank 46 sagen. Durch Jesum Christum unsern Herrn, durch den die Engel deine Majestät loben, die Herrschaften anbethen, die Mächte zittern, die Himmel und alle Kräfte der Himmel, und die feligen Seraphim mit vereinigtem Frohlocken dich loben, verherrlichen und preisen. Wir bitten, daß auch mit ihne nunsre Stimme zu dir komme, die wir in tiefster Ehrfurcht bekennen und sprechen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Gott Sabaoth. Himmel und Erde sind voll deiner Herrlichkeit. Hosanna in der Höhe. Gebenedeyet sey, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe. Zum Sanctus. I. Singt heilig, heilig; heilig Ist unser Herr und Gott! Singt mit den Engeln: heilig Bist Du, Gott Sabaoth! Im Himmel und auf Erden Soll deine Herrlichkeit Gelobt, gepriesen werden. Jetzt und in Ewigkeit. 2. Wir singen froh zusammen, Von ganzer Seel' erfreut: Der kommt ins Herren Namen, Der sey gebenedèyt! 47 Hosanna in der Höhe! Gepriesen fen der Herr! Dem großen Gott geschehe Sein Lob von Meer zu Meer. Zur Wandlung. had Der Priester wandelt Brod und Wein in den Seib und in das Blut Jesu Christi. Bey Aufhebung der heil. Hoftie. Herr! du bist Jesus Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, wahrhaftig gegenwärtig als Gott und Mensch, mit Fleisch und Blut. Ich glaube an dich, mein Heiland! ich bethe dich in tiefster Ehrfurcht und Demuth an, Jesus meine Zuversicht, meine Hoffnung, meine Liebe! du bist mein Gott und alles. An dich glaube ich, auf dich hoffe und vertraue ich, dich liebe ich über alles. O laß deine Liebe in mir wirken zu einent frommen und heiligen Leben. Amen. Bey Aufhebung des heil. Kelches. du wahres, lebendiges Blut Jefu Chrifti, in diesem Kelch wahrhaftig zugegen! du bist für mein Heil vergossen zur Vergebung der Sünden. O wasche meine Seele von allen Sünden, und stärke mich zum ewigen Leben. Amen. 48 LUTO Nach der Wandlung. [. Sieh Bater! von dem höchsten Throne, Sich gnädig her auf den Altar! Wir bringen Dir in deinem Sohne Ein wohlgefällig Opfer dar. Wir fleh'n durch Ihn, wir deine Kinder, Und stellen Dir sein Leiden vor: Er starb aus Liebe für uns Sünder, Noch hebt Er's Kreuz, idad Noch hebt Er's Kreuz für uns empor.al 2. Er hat für uns sich dargegeben, Für alle Menschen insgesammt. Beym Vater, daß wir alle leben, Vertritt er jetzt das Mittleramt. Jesu! höre unsre Bitte, Steh unsrer Schwachheit immer bey, Auf daß dein Leben, deine Güte An uns niemal, An uns niemal verloren sey. Zum Agnus Dei. Betrachtet Ihn im Schmerzen, Wie Er sein Blut vergoß; Denkt, wie aus Jesu Herzen Der letzte Tropfen floß. 49 K Er nahm hinweg die Sünden, Er trug all' unsre Schuld, and Bey Gott läßt Er uns finden di Den Frieden, seine Huld. 1911 19 Zur Communion. poten Herr! ich bin nicht würdig, Zu deinem Tisch zu geh'n; Du aber mach' mich würdig, Erhör' mein kindlich Fleh'n. Med sin Ostille mein Verlangen, Du Seelen- Bräutigam! Im Geist Dich zu empfangen. Dich wahres Osterlamm. Während der letzten Collecten. Gebeth. S gütigster, liebreichster Sesu! erbarme dich deines Christenvolkes und aller Stånde der gan= zen Christenheit, für welche dies heil. Opfer verrichtet ist. Sey unser Mittler bey dem Vater, so wie du ein wahres Versöhnopfer für unsre Sünden bist. Wende alles Unheil, alle Gefahren und verdienten Strafen gnädig von uns ab. Erleuchte und stärke alle christliche Fürsten und Obern, daß fie allezeit das allgemeine Wohl befördern. Verleihe uns allen Gnade, daß wir unsrem Berufe, unsern Standespflichten jederzeit genug thun, daß wir Undren mit der Tugend stets ein gutes Beyspiel geben; unsern Nächsten deinetwegen auf 50 R richtig lieben, und daß wir mit reinem Gewissen dir bis an das Ende wohlgefällig dienen mögen. Um dieses bitten wir durch deine heil. Verdienste, durch dein bitteres Leiden und Sterben, und durch die Fürbitte Mariá, deiner heil. Mutter, und aller Heiligen. Der du mit dem Vater und dem heil. Geiste gleicher Gott lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. ME Der Herr bewahre und beschüße uns vor allem Uebel, und ertheile uns seinen Segen Gott der Vater, der Sohn und der heil. Geist. Umen. C Zum Beschlusse der Mesſe. Nun ist das Lamm geschlachtet, Das Opfer ist vollbracht; Wir haben jetzt betrachtet, Gott! deine Lieb' und Macht. Du bist bey uns zugegen; Uus deinem Gnadenmeer Strom' uns dein Vatersegen Durch dieses Opfer her. The estisd Gebeth nach der Messe. S himmlischer Vater! nimm dieses Opfer, wel ches wir deiner Hoheit und Heiligkeit dargebracht haben, gnädig auf, und laß uns nun der Früchte desselben zur Wohlfahrt des Leibes und der Seele theilhaftig werden. Erhalte uns im Guten, und segne uns in unfren Geschäften. Alles, was wir denken, reden, thun oder leiden, ge= 55 schehe zu deiner Ehre und zum Heile unsrer Seele. Amen. ARE Dritte Meßandacht, oder Gebethe bey einer stillen Messe. $ 3 Vorbereitungsgebeth. Ich erscheine vor dir, o Gott! in deinem heil. Tempel, um dem großen Opfer des neuen Bundes beyzuwohnen, welches nach der Weissagung der Propheten an allen Orten und zu allen Zeiten deinem heil. Namen dargebracht werden soll, und welches dein Sohn, unser Heiland Jesus Christus, eingesetzt hat und selbst verrichtet. Mit festem Glauben an das blutige und unblutige Opfer Jesu Christi, mit Ehrfurcht gegen dasselbe will ich zu dir, o Gott! mein Herz erheben. Dich will ich bey diesem Opfer anbethen als meinen höchsten Gott und Herrn. Dir will ich durch dieses Opfer danken als meinem höchsten Wohlthåter und Vater. Vor dir will ich bei diesem Opfer meine Sünden bereuen, und meine guten Vorfäße erneuern, und dann hoffe ich mit demůthigem und, festem Vertrauen auf die Verdienste Jesu Christi, daß du mir verzeihest alle Sünden, und alles Gute am Leibe und an der Seele erzeigen wollest. Durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. D 2 52 Beym Anfange der Messe. Ich ch werfe mich vor dir nieder, o Gott! und bethe dich an. Ich bekenne, daß ich oft und viel gefündigt habe durch Gedanken, Worte und Wer= ke, und durch Unterlassung meiner schuldigen Pflicht. Dies reuet mich von ganzem meinem Herzen, weil ich dich, meinen gerechten Gott, dadurch beleidigt, und die Strafen deiner Gerechtigkeit verdient habe, meil ich dir, meinem gütigsten Vater und Wohlthäter, dadurch so undankbar gewesen bin, und weil ich dich, den höchsten, vollkommensten und liebenswürdigsten Gott, dadurch verachtet und beleidigt habe. Uch verzeihe mir meine Sünden, o Gott! die mir nun so leid find. Ich wiederhole vor dir das Versprechen, daß ich nie mit Vorsatz wieder fün= digen, und dich meinen Gott beleidigen wolle. Ertheile mir dazu deine Gnade und deinen Beistand. Durch Jesum Christum unsern Herrn. Umen. Herr erbarme dich unsrer, Christe erbarme dich unsrer, Herr erbarme dich unsrer. Zum Gloria. Ehre sey Gott in der Höhe, und Friede den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind. Ja Ehre, und Preis, und Anbethung und Dank sey dir, o Gott, du ewiger Schöpfer! für alles Gute, was du für uns Menschen er schaffen haft, erhältst und gibst.. Ehre, und Preis, und Anbethung und Dank sey, dir, Jesus comoure 53 Christus, du ewiger Sohn! für deine Erlösung, die du aus Liebe für uns Menschen vollbracht haft.-Ehre, und Preis, und Anbethung und Dank sey dir, o heil. Geist! für deine Heiligmachung und Gnaden, die du uns fündigen und schwachen Menschen so vielfältig ertheilst. Ehre und Preis, und Anbethung und Dank sey dir, dreyeiniger Gott! Vater, Sohn und heil. Geist in alle Ewigkeit. Amen. - Gebeth. Wir bitten und flehen zu dir, o Gott, erzeige uns deinen Schuß und deine Hülfe in allen Ungelegenheiten des Leibes und der Seele. Du Allmächtiger und Gütiger! haft uns zu erhören verheissen, wenn wir dich mit Vertrauen anrufen. Darum vereinigen wir unser Flehen mit dem Flehen deiner heil. Kirche, und wollen, o Herr! die Erfüllung unserer Bitten mit Vertrauen erwarten. Durch Jesum Christum unsern Herrn. Umen. Zur Epistel. Du haft uns, o Gott! durch Propheten, Upos stel und Lehrer dein Wort und deinen heil. Willen verkünden lassen. Du hast dafür gesorgt, daß diese Lehren aufgeschrieben, und in deiner unfehlbaren Kirche bewahrt und erhalten sind. Wir danken dir für diese deine gnädige Obsorge und für deine Offenbarung; laß uns dieselbe stets erkennen und schätzen, und stårke uns, daß wir 54 nach den Lehren derselben stets unser Leben einrichten und dir gefallen. Amen. Zum Evangelium. So sehr haft du, o Gott! die Welt geliebt, daß du uns Menschen deinen Sohn gegeben hast zum Lehrer und zum Erlöser, auf daß Alle, die an ihn glauben und seine Lehren befolgen, selig werden. O laß mich die Lehren, die uns dieser unser Heiland in seinem Evangelium gegeben, stets lieben und schätzen. Erleuchte meinen Verstand, o Herr! daß ich selbe recht verstehe; rühre ich felbe mein Herz, daß ich sie lieb gewinne; stärke meinen Willen, daß ich sie vollbringe. Stehe mir überall und in allen Umständen meines Lebens mit deiner Gnade bey, daß ich mein Leben dar nach einrichte, dir gefalle und selig werde. Amen. Zum Credo. Ich glaube an dich, den allmächtigen, den dreyeinigen Gott, den Vater, Sohn und heil. Geist, der du erschaffen haft und erhältst alle Dinge, der du zum ewigen Leben uns Menschen erschaf fen hast, und durch mannigfaltige Gnade uns benstehst, es zu erreichen. Durch deinen ewigen Sohn hast du uns erlófet, o Gott! und heiligst uns durch die Gnade des heil. Geistes in deiner heil. Kirche. Laß uns in dieser heil. Kirche, die du regierst und vor Irrthum bewahrst, in deinem Glauben und deiner Liebe wandeln. Alles, was 55 sie lehrt, ist dein Wort! was sie befiehlt, ist dein Wille. Darum, erhalte uns, o Gott! in diesem Glauben, der dir, wahrhafter, allwissender Gott gebührt, und führe uns durch denselben zum ewigen Leben. Umen. Zum Offertorium. Nimm an, o Herr! diese Opfergabe von Brod und Wein, die dir gemäß der Einsetzung und dem Befehle Jesu Christi der Priester opfert. Er opfert sie für alle und auch für mich. Sie wird bestimmt, verwandelt zu werden in den Leib und das Blut Jesu Christi. Laß dir also diese Opfergabe gefallen, und laß uns Ullen dieses Opfer des neuen Bundes gereichen zur Vergebung der Sünden und zum ewigen Leben. Amen. Heiliger, dreyeiniger Gott! nimm gnädig auf dieses Opfer, welches wir darbringen zum Gedächtnisse des Leidens, des Todes, der Auferstehung und Himmelfahrt Jefu Chrifti. Wobey wir zugleich auch das Andenken der heil. Jungfrau und Mutter Jesu Christi, und der heil. Upostel und aller Heiligen begehen, die durch die Gnade und durch die Verdienste dieses Opfers gestärkt, selig vollendet haben, und bitten dich, o Herr! laß auch uns, durch die unendlichen Verdienste dieses h. Opfers gestärkt, selig vollenden. Amen. Zur Práfation und zum Sanctus. Herr! dich loben und preisen billig alle Geschöpfe im Himmel und auf Erden. Engel und 56 Menschen müssen deine Ehre verbreiten, und dein Lob verkündigen, denn du bist heilig, heilig, heilig. O daß wir würdig dich loben und verherrlichen möchten, und daß wir, von dir gestärkt, auch heilig leben und dir gefallen möchten. Umen. Zum Canon. Jetzt flehen wir zu dir, allmächtiger, gütiger Gott! durch Jesum Christum deinen Sohn unsern Herrn, daß du diese Opfergaben segnen und gnädig aufnehmen wollest, die wir dir durch den Priester darbringen zum Heile der ganzen Kirche und Christenheit, für das Oberhaupt und die Vorsteher deiner Kirche, für alle christliche Könige und Fürsten, für uns und alle Christglaubigen. Besonders empfehlen wir dir in diesem heil. Opfer unsre Brüder, Freunde und Angehörige NN. Laß uns und diese Alle theilhaftig werden der Früchte desselben, und der unendlichen Verdienste unsers Herrn und Erlösers Jesu Christi, welcher aus Liebe zu uns Menschen am Abend vor seinem Leiden dies unblutige Opfer, welches er am folgenden Tage blutig am Kreuze vollbrachte, einfette, indem er das Brod nahm in seine heil. Hände, dankte, und dasselbe mit gen Himmel gewandten Augen segnete, und seinen Jüngern hingab, und sprach: Effet, dies ist mein Leib, der für euch wird hingegeben werden. Desgleichen nahm er den Kelch, segnete denselben, 57 R und sprach: Trinket alle daraus: bies ist mein Blut des ewigen Bundes, welches wird vergossen werden zur Vergebung der Sünden. Thuet dies, so oft ihr es thut, zu meinem Gedächtnisse! Zur Elevation. Ja Herr! ich glaube dir, du bist mit Gottheit und Menschheit hier unter den Gestalten des Brodes zugegen. Ich bethe dich an, Jesus Christus! du Sohn des lebendigen Gottes! Erbarme Dich meiner, und verzeihe mir meine Sünden. Du bist mit Gottheit und Menschheit hier auch unter den Gestalten des Weines zugegen, Jesus Christus, du Sohn des lebendigen Gottes! Erbarme dich meiner, und verzeihe mir meine Sünden. Nach der Elevation. Und nd nun wollen wir uns nach deinem Befehle an deine große Liebe erinnern, womit du für uns in den Tod gingest, und diesen Leib einft für unser Heil zum Schlachtopfer hingabst, und dieses Blut einst für uns am Kreuze vergoffen hast. Herr! wie können wir dir würdig danken für solche Liebe! Aber du standest herrlich von Tode auf, und fuhrst mit Herrlichkeit gen Himmel auf, wo du unser immerwährender Mittler beym Vater bist. Da wollest du also unsrer dich erbarmen, auf uns deinen Segen und deine Gnade herabkommen lassen. Uch um diese Gnade flehen wir auch für 58 R unsre abgestorbene Mitchristen, Eltern, Brüder, Freunde, Angehörige NN., und für Alle, die im Glauben an dich gelebt, in dir gestorben sind, aber dennoch nicht rein genug find, in das Reich) deiner Herrlichkeit aufgenommen zu werden. Laß du, o Herr! ihnen die Verdienste dieses heiligen Opfers zu Theil werden, und nimm sie gnädig auf in deine Herrlichkeit. Uns armen Sündern aber, die wir noch in diesem zeitlichen Leben wandeln, wollest du gnådig verzeihen die Sünden, die wir begangen haben, und mit deiner Gnade uns stärken, daß wir hinführo im Guten beharren, und zu dir und der seligen Gesellschaft aller deiner Auserwählten gelangen mögen. Zum Pater noster. Auch wollen wir bitten zu dir, o ewiger Vater! daß du uns alles Nothwendige und Gute am Leibe und an der Seele in diesem Leben erzeigen wolleft. Um dies wollen wir dich bitten durch das Gebeth, welches uns dein ewiger Sohn, unser Heiland, selbst gelehrt hat: Vater unser, der du bist in den Himmeln, geheiligt werde dein Name, zu uns komme dein Reich, dein Wille geschehe, wie im Himmel also auch auf Erden. Gib uns heut unser tägliches Brod, und vergib uns unsre Schuld, gleichwie auch wir vergeben unfren Schuldigern, und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Uebel. Amen. 59 R Erfülle, o Herr! diefe Bitte an uns, und befreye uns von allen Uebeln des Leibes und der Seele. Helfet uns die Erfüllung dieser Bitte erflehen, ihr Heiligen Gottes! Maria, du Mutter unfres Herrn, ihr heil. Apostel, und alle Seligen, die ihr bey dem Herrn seyd. Erhaltet uns durch eure Fürbitte seine Huld, und Gnade und Wohlfahrt am Leibe und an der Seele. Ertheile uns vorzüglich den Frieden, o Herr! den Frieden, den die Welt nicht geben kann. Ja, der Friede des Herrn sey mit uns, und mit dem= felben alles Gute in der Zeit und in Ewigkeit. Amen. Zum Agnus Dei. Herr! der du willig als ein kamm dich zum Schlachtopfer für unsere Sünden hingegeben hast, Jesus Christus, du Lamm Gottes! erbarme dich unsrer! erbarme dich unsrer, und gib uns den Frieden. Zur Communion. Jesus Christus, du Sohn des lebendigen Gottes! der du mit Leib und Seele, mit Fleisch und Blut, mit Gottheit und Menschheit auf diesem Altare zugegen bist, an dich will ich immer glauben, auf dich will ich hoffen und vertrauen, und dich, der du mich so sehr geliebt hast, daß du diesen Leib und dieses Blut einst für mich in den Tod gabst, will ich von ganzem Herzen lie ben. Erhalte in mir diesen Glauben, diese Hoff 60 nung und diese Liebe, und laß mich niemals durch eine Sünde von dir, o mein Heiland! ges trennt werden. O daß ich es würdig wäre, dich meinen Heiland auch jetzt zu empfangen, und mit dem Priester dein heil. Fleisch, dein heil. Blut zu genießen. Aber, o Herr! ich bin nicht würdig, daß du zu mir kommst! ich bin nicht würdig, dich zu empfangen. Aber meine Seele verlangt würdig zu seyn, und im Geiste wünsche ich dich zu empfangen. Der Leib und das Blut unsers Herrn Jesu Christi bewahre unsre Seele zum ewigen Leben. Nach der Communion. Das Opfer ist vollbracht. Laß uns nun, o Gott! der Früchte dieses Opfers theilhaftig werden. Verzeihe uns durch die Verdienste Jesu Christi unfre Sünden, ertheile uns deine Gnade zur Erfüllung unsrer Pflichten, gib uns das Nothwendige für Leib und Seele in allen Umständen unfres Lebens. Durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Ertheile uns deinen Segen, o Herr! behüte und bewahre uns vor allem Uebel, Vater, Sohn und heil. Geist. Amen. Schlußgebeth, am Ende der Messe. Ich danke dir, o mein Gott! daß du mich auch heute bey dem großen Opfer des neuen Bundes hast lassen gegenwärtig seyn. Laß mich nun dei 61 K nen Segen und deine Gnade begleiten ben allen meinen Unternehmungen und Geschäften. Erhalte mich im Glauben und Vertrauen auf dich, und laß mich stets in deiner Liebe wandeln, damit ich dir wohlgefällig lebe, und einst zu dir gelange im ewigen Leben. Amen.nicop doil Erinnerung zur Anhörung der un Predigt. 30911 1910 ex/ ks Es ist dem Christen nothig, sich selbst oft an die Wahre heiten des ewigen Heils zu erinnern, oder daran erinnert zu werden, um zum Glauben, zum Vertrauen auf Gott, zur aufrichtigen Liebe Gottes und des Nächsten aufgewecket, in seinen Pflichten unterrichtet und dazu ermuntert zu werden. Daher sind an allen Sonn- und Feyertagen zweckmäßige Predigten nach dem Hochamte angeordnet. Der wahre Christ betrachtet diese als einen Theil der öffentlichen Gottesverehrung, und unterläßt nie anders, als durch sehr dringende Umstånde gendthigt, denselben beyzuwohnen. Er hört der Predigt mit Ehrfurcht und Aufmerksamkeit zu, weil es lehren aus dem Worte Gottes und aus dem Evangelium seis nes Heilandes sind. Er sucht das Gehörte auf sich ane zuwenden, um sein Leben darnach einzurichten, seine Fehler zu erkennen und zu bessern, und seine Pflichten getreuer zu erfüllen. Selig, die das Wort Gottes hören und dasselbe bewahren, sagt unser Heiland. Luc. XI. Gebeth vor der Predigt. Laß uns, o Herr! nun auch durch dein Wort Deine Dies unterrichtet und gestärkt werden. ner verkünden es in deinem Namen und auf deinen Befehl: daher will ich es mit Aufmerk me 62 R samkeit und Ehrfurcht anhören, und auf mich anwenden. Begleite du, o Herr! dasselbe mit deinem Segen und deiner Gnade. Erleuchte unsern Verstand, daß wir alles recht fassen; rühre unsre Herzen, daß wir die Lehren unsers Heils lieb gewinnen, und in dem Glauben, in der Hoffe nung und Liebe zu dir und unsern Nächsten immer mehr gestärkt werden, und unser Heil erlangen. Durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Gebeth nach der Predigt. Du hast uns, o Gott! durch dein Wort unter= richten lassen, gib nun auch deine Gnade, daß wir ausüben, was du befohlen hast. Laß uns zur rechten Zeit, in allen Umständen unsers Lebens, auch zu Hause und bey unsern Geschäften in Erinnerung kommen, was dein Gesetz von uns fordert, und hilf uns dann, daß wir es getreu erfüllen. Deine heil. Religion, die du den Mena schen offenbaret, die dein ewig geliebter Sohn die Menschen gelehrt hat, und die bis ans Ende der Zeiten den Menschen wird verkündigt werden, sey unser Licht, unser Trost und unsre Starke im Leben und Tode. Umen. Nachmittägige Gebethe fou an den Sonn- und Fevertagen. 2 Borerinnerung. RII Der gute Christ macht es sich zur Pflicht, an den Sonn- und Feyertagen auch am Nachmittage mit Be 63 fung eines guten Buches oder mit andern Undachts: übungen sich zu beschäftigen. Denn der Tag soll ja der Verehrung Gottes und dem Seelenheil gewidmet seyn. Er wohnt also der nachmittågigen Vesperandacht in der Kirche bey; oder, wenn er zu weit entfernt oder vers hindert ist, macht er sich selbst eine Hausandacht. Dazu mogen folgende Pfalmen und Gebethe dienen. 100 150 29 Erste Besperandacht. Herr err eröffne unsern Mund, zu loben deinen heiligen Namen. 30 an Und laß unser Herz sich erheben zu preisen deine Größe. d Ehre sey dem Vater, und dem Sohne, und dem heiligen Geiste. Wie es war im Anfang, so sen es auch ist und immer, und in Ewigkeit. Umen. 1. Pf. Macht und Größe Gottes. Groß ist der Herr, und groß sind seine Werke: Himmel und Erde sind Zeugen seiner Ullmacht. Er rief aus dem Nichts sie hervor: Er sprach, und sie waren geschaffen. Er wies der Sonne, dem Mond und den Sternen ihren Lauf: und sie begannen die anges wiesene Bahn, die sie fortsetzen immerdar. Der Erde geboth er Kräuter und Gewäch se zu tragen: zur Nahrung für Thiere und Menschen. Die Vögel der Luft und die Fische im Wasser: Er schuf sie, der mächtige Schöpfer d 64 Jene sangen in den Lüften den Preis ihres Schöpfers: diese verkünden wimmelnd im Wasser seine Ullmacht. Die Thiere der Erde mannigfaltig und ohne Zahl: Er schuf sie, der mächtige Schöpfer. Mint Aber zuletzt, und nach allem diesem schuf er den Menschen: und setzte ihn über alle seine Werke. Und was er im Anfang erschuf erhält er noch immer: immer verbreitet er Leben und Sea gen durch seine gütige Ullmacht. Immer verkünden die Himmel die HerrlichFeit Gottes: immer ist die Erde voll von den Werken seiner Ullmacht. dan Herr! wer muß nicht staunend bewundern deine Werke: und preisen deine Macht und deine Größe? Ehre und Preis fey dir, allmächtiger großer Gott: Vater, Sohn und heil. Geist! 2nfang be Wie vom Anfang der Schöpfung, so nun und immer und in Ewigkeit. Amen. II. Ps. Gottes Güte und Barmherzigkeit. Preise den Herrn, meine Seele! denn er ist gütig: und seine Barmherzigkeit währt ewig. Er ist die Liebe: und Wohlfahrt und Güte verbreitet er über alle seine Geschöpfe.nl Er hat sie geschaffen zur Glückseligkeit alle: den Menschen zur unsterblichen Glückseligkeit. 65 Große und viele Kräfte gab er demselben: am Leib und an der Seele. Die Seele schuf er nach seinem Bilde: zum unsterblichen Leben hat er sie erschaffen. Aber der Mensch hatte durch Sünde das Bild der Gottheit entehrt: er hatte verloren das Recht zur unsterblichen Seligkeit. Da erbarmte sich der Herr der verlornen Menschen: Er versprach und fandte einen Heis land und Erlöser. Er sandte herab den ewigen Sohn: daß er errette und selig mache den Menschen. Der kam herab und hat es vollbracht: hat Erlösung und Seligkeit wieder erworben für die Nachkommen Adams. sd Nun schadet Adams Sünde uns nicht: wenn wir nur dienen dem Herrn in Gerechtigkeit und Heiligkeit. Und wenn wir fehlen, hat er Vergebung verheissen: wenn wir nur búßen und bessern den Fehler. Und wenn wir im Guten vollenden hienieden: will er uns aufnehmen in seine ewige Freude. Preise den Herrn, meine Seele! denn er ist gütig: und seine Barmherzigkeit währt ewig. Ehre und Preis und Dank sey dir allgutiger, barmherziger Vater, Sohn und heiliger Geist! ard Wie vom Anfang, so nun und immer: und in Ewigkeit. Umen. 66 III. Pf. Gottes Weisheit. Wer ist, wie der Herr unser Gott: dessen Weisheit aus allen seinen Werken hervorleuchtet? Die Erinnerung der Schöpfung, die Ordnung der Gestirne, die Abwechslung der Zeiten: Herr! alles dieses zeugt von deiner unendlichen Weisheit. Die Erhaltung und Fortpflanzung der leblofen und lebenden Geschöpfe: bezeugen die tiefe Weisheit des mächtigen Schöpfers. Über mehr als alles ist der Mensch: das vortreffliche Werk göttlicher Weisheit. Die Einrichtung seines Leibes, die Fähigkeiten seiner Seele: verkünden die Weisheit des Schöpfers, der beyde geschaffen. Groß ist unser Herr, groß ist seine Macht: unermeßlich seine Weisheit. Kla Er hat bey allem, was er gethan, und noch thut, die weisesten und besten Absichten: Er ordnet zu allem die weisesten und besten Mittel an. Auch deine Offenbarung, o Herr! wodurch du den unwissenden schwachen Menschen zu Hülfe kommst: zeugt von deiner unermeßlichen gutigen Weisheit. Und das Werk der Erlösung, welches du durch deinen ewigen Sohn vollbrachtest: wer fas set dies unerforschliche Werk deiner Weisheit und Güte? Wer muß nicht staunend dich preisen, anbe 67 then und lieben: Du mächtiger, weiser, gütiger Gott und Herr? nas Ehre und Preis und Unbethung sey dir, allweiser: Vater, Sohn und heil. Geist. Wie im Anfang, so nun und immer: und in Ewigkeit, Amen. IV. Ps. Gottes Allwissenheit und Allgegenwart. Herr, err, unser Gott! wie wunderbar: wie unerforschlich ist dein Wesen uns Menschen! Kein Körper umgibt dich, du bist ein Geist: Kein Ort schränkt dich ein, keine Zeit bestimmt dein Daseyn. Du bist der, der ist, und war, und seyn wird: ewig, unendlich, zugegen an allen Orten. Daher weißt du alle Dinge: und nichts ist dir verborgen von allem, was ist, und vorgeht, und vorgehen wird. Auch die geheimsten Gedanken und Regungen des Herzens, du kennst sie: Du bist's, der die Herzen und Nieren durchschauet. Wer muß dich nicht fürchten, du Allwissender: wer muß nicht heilig wandeln vor dir, du Ullgegenwärtiger. DAC Aber meine Seele soll auch auf dich hoffen und vertrauen, Herr! du kennst alle meine Noth und mein Anliegen. Du weißt Mittel zu helfen immerdar: und bist mächtig und gütig. € 2 68 R Herr! wie selig ist der Mensch, der dich fürchtet und liebet: er kann auf dich vertrauen, und wird nicht verderben. Ehre und Preis und Anbethung sey dem Ewigen, Unendlichen; dem Allwissenden, Allge= genwärtigen: dem Vater, Sohn und heil. Geist. Wie es war im Anfang, so nun und immer: und in Ewigkeit. Amen. V. Pf. Die Vorsehung Gottes. Der Herr beherrscht die Erde, was fürchtet ihr Völker: der Herr wacht über euch, ihr Menschen: warum send ihr kleinmüthig? Kann auch ein Vater, eine Mutter ihres Kindes vergessen: Wie würde der Herr der Seinen vergessen, die er in seiner Hand geschrieben? Sein Auge sieht und bemerkt dich, wo du immer magst seyn: seine Hand beschüßt dich auf allen deinen Wegen. Er kennet und weiß die Noth der Armen: er sieht die Thränen der Weinenden: den Kummer und die Angst der Nothleidenden weiß er. Kein Unfall, keine Plage begegnet dir ohne sein Geheiß: kein Haar fällt von deinem Haupt ohne den Willen des Vaters im Himmel. Und mächtig ist der, dir zu helfen: und gütig und gnädig und barmherzig. Uber du klagst ihm vergebens, vergebens hoffst du schon lange: und wartest auf Hülfe. 69 Du feufzeit am Morgen, am Abend flehst du zu ihm: und dein Kummer erwacht mit dem kommenden Morgen. Wie lange verweilst du, o Herr! und zögerst zu retten die Deinen: die auf dich hoffen und vertrauen? Er wird kommen und helfen, ihr Guten: harret und vertrauet auf den Herrn, euren Vater. Aber noch ist die Stunde nicht da: der Vater weiß, was den Kindern nüzet. Und würden eure Wünsche nicht erfüllet, er hat eure Thränen gezählt: Er hat bessere Güter, als die, um welche ihr flehet. Die hier weinen, sollen getröstet werden: ihre Traurigkeit soll verwandelt werden in Freude, die niemand stören wird. Hoffe dann auf den Herrn, meine Seele! und vertraue: denn er ist gütig, gnådig und barmherzig. Ehre und Preis und Unbethung sey dem Herrn: dem Vater, Sohn und heil. Geist. Wie es war im Unfang, so sey es nun und immer: und in Ewigkeit. Umen. Kapitel. Lob, Ehre, Weisheit, Dank, Preis, Macht und Stärke sey unfrem Gott in Ewigkeit. Umen. Offenb. Joh. 7. K. 70 K Lobgesang.. te 330 11 1. Wenn ich, o Schöpfer! deine Macht, Die Weisheit deiner Wege, Die Liebe, die für alle wacht, Unbethend überlege, So weiß ich von Bewundrung voll Nicht wie ich dich erheben soll, Mein Herr, mein Gott und Vater! 2. Mein Auge sieht, wohin es blickt, Des Schöpfers große Werke. Der Himmel prachtig ausgeschmückt Preißt dich, den Gott der Stärke. Wer hat die Sonn' an ihm erhöht? Wer kleidet sie mit Majestát? Wer schuf das Heer der Sterne. 3. Wer mißt dem Winde seinen Lauf? Wer heißt die Himmel regnen? Wer schließt den Schooß der Erde auf, Mit Vorrath uns zu segnen? Gott der Macht und Herrlichkeit! acht und Gott! deine Güte reicht so weit, So weit die Wolken reichen. 012 20 Mirand 4. Dich predigt Sonnenschein und Sturm, Dich preist der Sand am Meere. Bringt, ruft auch der geringste Wurm, Bringt unserm Schöpfer Ehre. 71 Mich, ruft der Baum in feiner Pracht, Mich, ruft die Saat, hat Gott gemacht. d Bringt unserm Schöpfer Ehre. 5. Der Mensch, ein Leib, den deine Hand, So wunderbar bereitet, Der Mensch, ein Geist, den sein Verstand Dich zu erkennen leitet. Der Mensch, der Schöpfung Ruhm und Preis, Ist sich ein täglicher Beweis Von deiner Güt' und Größe. 6. Erheb' ihn ewig, o mein Geist! du Erhebe seinen Namen, Gott, unser Vater sey gepreift, da Und alle Welt sag' amen. Und alle Welt fürcht' ihren Herrn, Und hoff' auf ihn und dien' ihm gern. Wer wollte Gott nicht lieben? Saya poten Das Magnificat. ( Der Lobgesang Maria.) Meine Seele erhebet den Herrn. Und mein Geist frohlocket in Gott, meinem Heiland. Weil er auf seine geringe Magd gnädig herabsah: Gewiß von nun an werden mich selig nennen alle Geschlechter. Denn er hat große Dinge an mir gethan, der Mächtige: Heilig ist sein Name. 72 R Und seine Barmherzigkeit verbreitet sich von Geschlecht zu Geschlecht: auf die, so ihn fürchten. Er hat die Kraft seines Urms gezeigt: Die Unschläge der Stolzen hat er zernichtet. Die Mächtigen hat er von ihren Thronen gesetzt und die Geringen hat er erhoben. Die Hungrigen hat er gesättigt mit Gü tern: und die Reichen hat er leer ausgehen laffen. Ifraels feines Knechtes nahm er sich an: eingedenk seiner Barmherzigkeit. Wie er den Våtern verheissen hat: dem Abraham und seinen Nachkommen ewig. Ehre sey dem Vater, und dem Sohne: und dem heil. Geiste. Der da war im Unfang, und jetzt ist, und immer: und in Ewigkeit. Amen. Gebeth. Laß dir, o Herr! unser schwaches Lob gefallen, wodurch wir deine Größe, deine Ullmacht, Weisheit und Güte preisen, und laß uns durch die Erkenntniß dieser deiner Eigenschaften im Vertrauen zu dir gestärkt und in deiner Liebe erhalten werden, durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Zweyte Vesperandacht. Sott merke auf meine Hülfe. Eile Herr! mir zu helfen. 73 Ehre sen dem Vater und dem Sohne: und dem heil. Geiste. du Der da war im Anfang, und jetzt ist, und immer: und in Ewigkeit. Amen. I. Pf. Gottes Heiligkeit. Heilig ist der Herr unser Gott: Heilig, heilig, heilig der Herr, der Gott Sabac Sein Wohlgefallen ruht auf denen, so Gutes thun: seine Ungnade aber liegt schwer auf denen, welche Böses begehen. Denn Gutes nur liebt und wirkt er, der Herr: darum will er, daß auch nur das Gute lieben und thun seine Kinder. Heilig bin ich, spricht der Herr: und auch ihr sollt heilig seyn, die ihr mein Volk seyd. Vollkommen ist der Vater im Himmel, spricht der ewige Sohn: und auch ihr sollt vollkommen seyn, die ihr seine Kinder seyd. Herr! du heiliger vollkommener Gott: Wie mag der schwache fündige Mensch würdig dir nachahmen? C Wie wird er gelangen zu jener hohen Bestimmung, wozu du geschaffen den Menschen. Jedoch bey dir ist Macht und Stärke: der Schwache vermag alles, durch den, der ihn stårket. Die Unheiligen hast du gereinigt und geheiligt: und hast ihnen vergeben ihre Sünden. da Und die, so auf dich vertrauen: wirst du erhalten in Gerechtigkeit und Heiligkeit. 74 R du Ehre und Preis und Anbethung sey dem Heiligen: dem Vater, Sohn und heil. Geiste. Der da war im Anfang, und jetzt ist, und immer: und in Ewigkeit. Amen. II. Pf. Gottes Gerechtigkeit. Gerecht bist du, o Gott! und gerecht sind deine Gerichte: Gerecht sind alle deine Anordnungen und Rathschlüsse. Den Guten willst du Gutes ertheilen, und Boses den Bösen: Jedem willst du vergelten nach seinen Werken. Oft strafft du den Sünder hienieden: den Gerechten belohnst du mit zeitlichem Glück und Segen. Aber nicht immer machst du es so: die Bosen sind glücklich oft, die Guten prüfst du durch Leiden. pind Nach Vollendung des irdischen Lebens aber wirst du die geprüften Guten belohnen: die Bófen aber verwerfen und ewig bestrafen. Herr Gott, gerechter und heiliger Richter! wer follte dich nicht fürchten, und verfluchen das Böse? Wer sollte nicht lieben und üben das Gute: dem du den Lohn ertheilst in Ewigkeit? Erhalte uns, o Herr! in deiner Furcht: daß wir nie, übertreten deine Gebothe. Erhalte uns, Herr! in deiner heil. Liebe: daß wir stets wandeln auf dem Wege deiner Gebothe. ORTH 75 Ehre und Preis und Anbethung dem Allgerechten! dem Vater, Sohn und heil. Geiste. Der da war im Anfang, und jetzt ist und immer: und in Ewigkeit. Amen. III. Pf. Gottes Langmuth und Barmherzigkeit. Groß, Herr! find deine Erbarmungen gegen die Menschen: groß und unerforschlich deine Langmuth und Barmherzigkeit. Du könntest, wenn wir fehlen und sündigen, uns strafen und verderben: aber du schonest und wartest auf Buße. Mitleid hast du mit unserer Schwachheit: und biethest Gnade und Vergebung uns, wenn wir dich wieder suchen. Wie ein Vater sich erbarmet über seine Kinder: so erbarmt sich der Herr über den büßenden Sünder. Ein reumüthig und gebessertes Herz: das will er nicht verwerfen. Vergeben will er dem Sünder seine Missethaten alle: wenn er umkehrt von seinen bösen Wegen und Buße thut. Herr! Gott! langmüthig, gnädig und barmherzig: Dir wollen wir danken, dich preisen und anbethen. Sotton Deine Langmuth und die Zeit der Gnade: wollen wir weise und heilsam gebrauchen.s Daß uns der Tod nicht überrasche in un R 76 fern Sünden: und wir nicht sterben in unsern Missethaten. Damit wir begnadigt von dir: aufgenommen werden in deine Herrlichkeit. Ehre und Preis und Unbethung dem langmüthigen Erbarmer der Menschen: dem Vater, Sohn und heil. Geiste. Der da war im Anfang, und jetzt ist und immer: und in Ewigkeit. Amen. IV. Pf. Gottes Unfehlbarkeit und Wahrhaftigkeit. Herr! deine Worte sind Wahrheit: unfehlbar und wahr sind die Aussprüche deiner Offenbarung. Denn allwissend, unfehlbar bist du: und nichts ist verborgen deinem Geiste. Über unwissend und schwach ist der Verstand des Menschen: Du, Herr! hast ihm Gränzen ge= fetzt, die er nicht überschreitet. Forschen und fassen will er die Geheimnisse der Natur: und sinkt in Schwachheit und Ohnmacht dahin. Forschen und fassen will er die Geheimnisse deines Wesens: und deiner Offenbarung. Aber ihm schwindelt sein Verstand: und sein stolzer Geist will verwerfen, was er nicht fasset. Nicht so der bescheidene Mensch: der weiß, daß ein endlicher Verstand nicht faßt den Unendlichen, Ewigen. 77 Der weiß, daß unzählbare Dinge verborgen: und unerforschlich sind dem Verstande des Menschen. Aber was du, Herr! offenbarest dem Menschen, deß ist er gewiß: denn er weiß es von dir, dem Allwissenden und Wahrhaftigen. med Denn trügen kannst du nicht, du Heiliger! und fehlen nicht, du Alwissender! dusic Herr! deine Worte sind Wahrheit: und wahr sind die Aussprüche deiner Offenbarung. haig Ehre und Preis und Unbethung dem Allwissenden, Wahrhaftigen: dem Vater, Sohn und heil. Geiste. Der da war im Anfang, und jetzt ist und immer und in Ewigkeit. Amen. v. Ps. Gottes höchste Vollkommenheit und Seligkeit. bet tie Wer er ist, wie der Herr, unser Gott: dessen Vollkommenheiten ohne Gränzen, dessen Seligkeiten unermaßlich sind? Was sind die Schönheiten der Natur: die Vollkommenheiten sterblicher Menschen? Was ist die Schönheit des vortrefflichsten Seraphs: was die Vollkommenheiten der unsterbs lichen Geister des Himmels? Briun dan Strahlen von Urquell des Lichtes sind sie: empfangene Gaben vom unerschaffenen Geber.3 Aber er, der Geber alles Guten, der Urquell alles Schönen, Guten, Vollkommenen: wie reich 78 2 Vollkommenheit, wie voll der so on tard Allmächtig ist er, weise und gütig: Preis ihm dem Ullmächtigen, dem Weisen und Gütigen. od Alwissend ist er und allgegenwärtig: ein unendlicher, ewiger Geist. muß er seyn an Seligkeit. Preis ihm, dem Ewigen, Unendlichen: dem Allwissenden, Allgegenwärtigen. Er herrscht über Himmel und Erde: Er regiert und erhält die geschaffenen Wesen. sid Preis ihm, dem Beherrscher der Schöpfung: dem Erhalter seiner Geschöpfe. Jur Er sorgt für die Vögel des Himmels und Thiere der Erbe: aber mehr für den unsterblichen Menschen. Preis ihm, dem Allgütigen: dem Vater der Menschen. Aber heilig ist er, und will: daß auch heilig seyn wir, seine Kinder. Preis ihm, dem heiligen Gott: o waren auch heilig wir Menschen. Gerecht ist er, und ertheilt nach Verdiensten: Belohnung oder Strafe. 6620 Preis ihm dem Gerechten: O wäre Belohnung mein Antheil. Langmüthig ist er und gnädig: barmherzig und gütig. fe Preis ihm dem Langmüthigen: dem großen Erbarmer der Menschen. ASOC Untrüglich ist er und wahrhaftig: alle seine Aussprüche sind Wahrheit. 7.9 Preis ihm, dem Untrüglichen, Allwissenden: dem wahrhaftigen Offenbarer der Wahrheit. Unendlich vollkommen und selig bist du: o höchstes, vollkommenstes Wesen... Preis dir, und Unbethung und Liebe: du höchstes, vollkommenstes Wesen. Die Ehre, und Preis, und Anbethung: dem Vater, Sohn und heil. Geiste. Der da war im Anfang, und jetzt ist und immer: und in Ewigkeit. Umen. ging- fac Kapitel: Dem ewigen König, dem uns vergånglichen, unsichtbaren, allein weisen Gott sen in alle Ewigkeit Ehre und Ruhm. Amen. 1. Tim. I. 1510 naisit#gynded uč Bittgesang. che sapied Sollevadot Heilig bist du, Gott! gerecht und gut, get- 19 Stoff molla nii 755902 Liebst nur den, der wie du Gutes thut. pi Nicht der Sünder wird vor dir besteh'n, m Darum höre, Vater! unser Fleh'n: 100 Gut und heilig möchten seyn auch wir, Hilf uns, Herr! daß wir gefallen dir. 2. Nach Verdienst der Werke richtest du, Ruch Du theilst jedem die Vergeltung zu, Gutes oder Böses, wie er that, f, and 3000. Wie im Leben er gehandelt hat, bilged and So wird einst vor deinem Richterthron Seyn die Strafe, oder ew'ger Lohn. spl) KS 80 3. Uch! wer wollte d'rum nicht fürchten dich Allgerechter! ach bewahre mich, Daß ich immer meiner Pflicht getreu, Immer dir, mein Gott! gehorsam sey. Oft will ich im Geiste dich anfleh'n, Würd'ge mich, mein Gott, mir beyzusteh'n. 4. Aber, wenn ich doch aus Schwachheit fehl', Schone gnädig, Batér! meiner Seel'; Wenn sie aufwacht, und die Sünd' bereu't, Ach erzeig' ihr dann Barmherzigkeit. Gib ihr neue Kraft zu dienen dir, 3u beharren stets im Guten hier. 5. Ueber alles deiner uns zu freu'n, Dir in allem stets ergeben seyn, Jeden Weg, den du uns führst, zu geh'n, Dich um Gnade kindlich anzufleh'n, Immer suchen zu gefallen dir, 190 bir Höchstes Gut! o das geloben wir. 6.mar Dann erzeigest du uns deine Gnad' Und vergibst gebüßte Missethat. Nimmst uns nach vollbrachtem Lebenslauf Einst zu dir in deine Frende auf. Läßt uns schauen deine Herrlichkeit, Und beglückst uns dann in Ewigkeit. Das Magnificat. 190 ( Siehe Seite 71.) do 1011 aid mess K Gebethen ma Heiliger, gerechter Gott! gütiger und barmherziger Vater! wir preisen deine Heiligkeit und Gerechtigkeit, und flehen dich an, erzeige uns deine Güte und Barmherzigkeit. Laß uns in unserm Leben nach deinem heil. Wohlgefallen wandeln, beym Tode in deiner Gnade sterben, und in der Ewigkeit deine Herrlichkeit schauen, und selig seyn. Durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Soft! 81 Dritte Vesperandacht. ott! merke auf meine Hülfe. Herr! eile mir zu helfen. Ehre sey dem Vater, und dem Sohne, und dem heil. Geiste. Der da war im Anfang, und jetzt ist und immer: und in Ewigkeit. Amen. I. Ps. Glaube an Gott. Auwissend und wahrhaft bist du Herr, unser Gott! darum glauben wir deinem Worte. Gütig hast du dem Menschen dich offenbaret: und deinen Willen ihn gelehret. Daß er erkenne und liebe dich, seinen Schöpfer und Herrn: und erreiche die hohe Bestimmung, zu der du ihn geschaffen hast. Darum hast du gesandt den ewigen Sohn: daß er uns zeige und führe die Wege zu dir. 3 820 K Denn unwissend waren durch Sünde ge worden die Menschen: verirrt und verloren sie alle. Da kam er vom Himmel, der verheissene Erretter: der suchte und errettete die verlornen Kinder Adams. Er gab ihnen Lehren des Heils: und durch sein Beyspiel erweckte er sie zur Nachfolge. Er gab sein Blut und Leben für sie: durch seine Wunden sind wir geheilet. So liebtest du, Gott! Erlöser! die Seelen: daß du willig für sie in den Tod gingest. Aber dich hielt nicht der Tod und das Grab: Verwesung durfte dich nicht berühren. Du erwachtest am dritten Tage zum Leben: und gingst herrlich hervor aus dem Grabe. Da glaubten und freu'ten sich die Deinen: da sie dich auferstanden erblickten. Aber du kehrtest nun bald zurück zu dem Bater: der dich gesandt hatte in diese Welt. 1900 Vor deinen Jüngern fuhrst du hinauf; da standen und staunten die Jünger: Du aber be fahlst ihnen zu verkünden deine Lehre. Doch sollten sie warten der Ankunft des Trösters, des heil. Geistes: der vom Vater und Sohne ausgeht. Der sollte sie erleuchten und stärken: und bey seiner Kirche bleiben. dar Daß sie nicht irre noch abweiche: von der Lehre, die du den Menschen gebracht hast. Wie gütig und liebreich hast du gesorgt 83 für deine Kirche: Herr! Gott! Erlöser der Menschen! Laß uns doch heilig wandeln im Glauben dieser h. Kirche: und ihre h. Lehren befolgen. Laß uns geheiligt und gestärkt werden: durch die h. Sakramente dieser Kirche. #ts Dann werden wir einst beym Tod und bey der Auferstehung: nicht fürchten den Richter der Lebenden und der Todten. ond Sondern voll Freude werden wir stehen vor dir: und eingehen mit dir zum ewigen Leben. Herr Gott! Alwissender, Wahrhafter: laß uns würdig wandeln und vollenden in diesem Glauben. Ehre sey dem Vater und dem Sohne: und dem h. Geiste. Der da war im Anfang, und jetzt ist und immer: und in Ewigkeit. Amen. II. Ps. Hoffnung auf Gott. Ich Ich will auf den Herrn hoffen, und nicht fürch= ten: denn er ist mächtig, und treu in seiner Ver= heissung. Und gütig und gnädig ist er: und seine Er barmungen sind unendlich. Und gütig und gnädig ist der ewige Sohn: der heilige Versöhner der Sünder. Durch ihn ist hinweggenommen die Sünde: durch ihn versöhnt, verzeiht sie der Bater. F2 S 84 25 Und erzeigt seine Gnade und Huld: dem. wahrhaft zerknirschten und büßenden Sünder. So hast du vergeben uns oft: o Bater! Erbarmer der Menschen! Durch deine erbarmende Güte: und durch das Verdienst deines Sohns unsers Erlösers. Aber im Guten zu bleiben, zu erfüllen stets deinen Willen: sind ach! wir Schwachen zu schwach. 40956 Ohne dich, Herr! vermögen wir nichts: durch dich erleuchtet, gerührt und gestärket vers mögen wir alles. Und o wie gütig bist du auch diese Gnade hast du verheissen den Flehenden um Gnade. O möchten wir treulich mitwirken: dir die: nen in Gerechtigkeit und Heiligkeit. Dann würden wir eingehn zum Leben: das du verheissen hast denen, so dich lieben. NOU! Dann würdest du nach diesem Leben: uns ewig belohnen mit seliger Freude. Ich hoffe, o Herr! und vertraue auf dich: Erhalte und stärke die Hoffnung in mir. Ehre sey dem Vater, und dem Sohne: und dem h. Geiste. Der da war im Anfang, und jetzt ist und immer: und in Ewigkeit. Amen. III. Ps. Liebe gegen Gott. Dich lieben soll mein Herz, o Gott! denn du, Herr! bist selbst die Liebe. 85 Wer zählt die Gaben und Wohlthaten alle: die du erzeigst den Menschen deinen Kindern. Nach deinem Bilde schufst du uns: und bes stimmtest uns zum ewigen Leben in deinem Reiche. Vernunft und freyen Willen gabst du uns: Verstand, Gedächtniß und Streben nach Glückfeligkeit. Große Fähigkeiten hast du ertheilt auch dem Leibe: die Sinne und die verständliche Sprache dem Menschen. Erkennen und lieben sollen wir durch diese Fähigkeiten dich: und preisen dich unsern Schöpfer und Vater. Auch unfres Lebens uns freu'n follen wir: darum schufst du zu unserm Gebrauch und Vergnügen so vieles. Und willst des Guten noch mehr uns geben: nach diesem Leben bey dir. Gott! wie gutig und liebreich bist du? wer follte dich nicht lieben und willig dir dienen? Aber wer faffet würdig die Liebe: daß du zu uns fandtest den ewigen Sohn, unsern Heiland? Der erschien im sterblichen Fleische auf Erden: zu erretten und erlösen die gefallenen Menschen. Der ward unser Bruder hienieden: um uns zu erheben zu Gottes Kindern. Der ging mit mehr als Bruderliebe für uns in den Zod: damit wir leben möchten. 86 Wo ist eine größere Liebe: wo je eine solche gefunden? Wie können wir würdig vergelten solche Liebe: wie würdig wieder lieben unfern Erretter? Dir danken wollen wir, dich preisen, o Gott! und wandeln nach der Lehre und dem Beyspiel unsers Erretters. Dadurch werden wir gefallen dem Vater, und theilhaftig werden der Erlösung des Sohnes. Lieben wollen wir den Herrn unsern Gott immerdar: denn er ist unserer Liebe unendlich würdig. Allmächtig ist er, und weise und gütig: heilig und gnädig und barmherzig. Der ewige, unendliche, vollkommenste Geist: der alle Schönheit in sich begreifet. Dich lieben soll mein Herz, o höchstes Gut! erhalte und vermehre diese Liebe stets in meiner Seele. Ehre sey dem Vater und dem Sohne: und dem h. Geiste. Der da war im Anfang, und jetzt ist und immer: und in Ewigkeit. Amen. IV. Ps. Nachahmung Gottes. Du schufft, o Gott! nach deinem Bilde den Menschen: dir ähnlich ward er erschaffen. Dir ähnlich werden mehr und mehr: soll sein Bestreben seyn hienieden. F 87 R Mit dir vereinigt seyn im Himmel: foll CRG: 40) dann sein Lohn seyn ewiglich. Clehre mich: wie werd' ich ähnlich dir? und helfe dann mir Schwachen. Heilig bin ich, und ihr sollt beilig seyn, so spricht dein Wort: o faff es, meine Seele! und meid' und flieh' das Böse. Gerecht ist auch der Herr, und liebt Gerechtigkeit an seinen Menschenkindern: d'rum sey gerecht, mein Herz! und lieb' und üb' Gerechtigkeit. Wahrhaft ist der Herr, und liebt die Wahrheit: Verstellung, Lug und Trug sind Greuel in seinen Augen. So lieb' auch du Wahrhaftigkeit: sey arglos und aufrichtig. Und wer liebt so wie er? wie groß ist seine Güte! Sollt' ich nicht lieben auch wie er: und lie10 ben alle Menschen? Sollt' ich nicht helfen, wo ich kann: und gütig seyn und liebreich? Und Gnade und Barmherzigkeit: erzeigst du Herr uns Sündern. Auch ich will gern verzeih'n, o Herr! und will vergeben denen, so mich beleidigt haben. So lehrt' und that auch Jesus Christus, da er auf Erden wandelte: dein ewiger Sohn, unser Heiland, unser Lehrer und Vorbild. Ihm nachzufolgen wollen wir uns bestreben: ihm ähnlich zu werden, wie dem Vater. 88 K No Erhalte und stärke in uns diese Gesinnung, o Gott! und hilf uns vollbringen. vid Ehre sey dem Vater und dem Sohne: und dem h. Geiste.. Der da war im Anfang, und jetzt ist und immer: und in Ewigkeit. Amen. T V. Ps. Freude an Gott. Es ist ein köstlich Ding, in Gott sich er freun: an ihn zu denken mit Wonne und Freude der Seele. Mit Freude denkt ein Kind an seinen guten Vater: sollte nicht auch der Mensch mit Freude denken an Gott, seinen himmlischen Vater? Er ist die Liebe selbst, die Lieb' und Güte ist er: Mit Segen erfüllt er alles, was da lebet. Und seine Güte reicht so weit, so weit die Himmel reichen: wer sollte sich daher in dir, o Gott! nicht freuen? Du gibst, erhältst, versorgst uns alles, was wir für Leib und Seel' bedürfen: wer sollte sich daher in dir, o Herr! nicht freun. Wenn wir nur thun, was dir gefällt, wenn wir nach deinem Willen wandeln: so ist uns wohl, so können wir in dir uns freun.pd Dann siehst du, Herr! auf uns mit Wohlgefallen: dann können wir auf dich vertraun, an dir uns freun. Wenn wir aus Schwachheit fehlen, und bald den Fehler pur bereun: alsdann verzeihst 89 uns unsre Fehler du, und wir erfreun uns wieder deiner Gnade. Wenn wir zu leiden haben, und klagen dir, kommt Trost in unsre Seele: Wir hoffen Hülf' von dir, und harren in Geduld. Denn eure Traurigkeit, sagst du, wird einst verwandelt werden in Freud' und Herrlichkeit: die Niemand von euch nehmen wird. So können wir in dir uns freun in guten und in schlimmen Tagen: Wenn wir dich lieben, Herr! so können wir in dir uns freun. Kommt selbst der Tod zu uns, wir haben nichts zu fürchten: er führt uns hin zu dir, zu dir dem besten Vater. Er führt uns hin zum Leben, zu jener ewigen Wonne, die du verheissen Allen, die dich aufrichtig lieben. Da werden wir dich schauen, dich schau'n und selig seyn: da werden wir bey dir, in dir uns ewig freun. Ehre sey dem Vater, und dem Sohne: und dem h. Geiste. 18 Der da war im Anfang, und jetzt ist und immer: und in Ewigkeit. Amen. Kapitel. Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. 1. Joan. 4. netben, 90 Lobgesang. I. In Demuth will ich alles glauben, Was du, o Herr! selbst zu uns sprachst, Nichts soll mir je die Wahrheit rauben. Die du durch Schrift und Kirche sagst; Denn du, o Gott! wahrhaftig bist, Und deine Kirch' unfehlbar ist. 2. Kann auch der Wiß es nicht ergründen, and Wie es der Glaube uns gelehrt, Kann es der Sinn auch nicht so finden, So sey dennoch dein Wort geehrt. id D Herr! ersetze durch dein Licht, Was dem Verstande oft gebricht. 3. Auf dich, o Gott! will ich vertrauen Und hoffen, was du zugesagt: Dich ewig einst im Licht zu schauen. Durch deine Gnad' und deine Macht Werd' ich erringen dieses Ziel, Wenn ich nur dir, o Gott! gefiel! 4. ON Ja deine Allmacht kann uns geben, Was deine Güte uns verspricht, Wenn wir uns nur mit Ernst bestreben, Fehlt's dir, o Gott! an Treue nicht. O Herr! ich harre fest auf dich, In dieser Hoffnung stärke mich. 91 5. Wer ist, der dich, o Gott! erkennet, Und dich nicht liebt, o höchstes Gut? Wer, der dich seinen Bater nennet, Und nicht froh deinen Willen thut? O Schöpfer! Bater! du allein Sollst immer meine Liebe seyn. 6. Ja du hast uns so sehr geliebet, Daß du uns gabeft deinen Sohn, Der uns, da wir die Sünd' verübet, Versöhnt mit dir auf deinem Thron. Wer sollte d'rum nicht lieben dich, in der Lieb' erhalte mich. Das Magnificat. ( Siehe Blatt 71.) Gebeth. Gott! dem wir durch Glaube, Hoffnung und Liebe gefallen, zu dem wir durch würdige Nachahmung und heiligen Wandel uns nahen; stärke und vermehre in uns den Glauben, die Hoffnung und Liebe, stehe uns durch deine Gnade ben, daß wir uns ernstlich bestreben, durch ein heiliges Leben dir auf Erden ähnlich zu werden, damit wir einst mit dir in der Ewigkeit mögen vereinigt werden. Durch Jefum Christum unsern Herrn. Amen. 92 Sonntägige Hausandacht. Uebungen des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe zu Gott. Vorerinnerung. Der Chrift soll sich oft in seinem Leben, und besonders an den Gott geheiligten Tagen, angelegen seyn lassen, sich in den vornehmsten Tugenden des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe zu Gott zu stårken. Sie heissen die drey göttlichen Tugenden, weil sie unmittelbar auf Gott zielen, d. h. Got: zum unmittelbaren Gegenstand haben. Sie sind aber auch benebens das Fundament und die Quellen aller übrigen Tugenden. Daher die öftere Erweckung oder Uebung dieser Zugenden die se ligsten Folgen haben muß. Uebung des Glaubens. Ich glaube an dich, mein Herr und Gott! und bekenne alles, was du uns durch deine h. Religion offenbaret hast. Ich glaube, daß du der einzige wahre Gott bist, der Schöpfer und Erhalter Himmels und der Erde. Ich glaube, daß dein ewiger Sohn für uns Mensch geworden, und durch sein Leiden und seinen Tod uns erlöset hat. Ich glaube, daß dein h. Geist die Kirche regiert, und durch seine Gnade unsre Seelen von Sünden reinigt und heiligt. Ich glaube, daß unfre Seele unsterblich ist, und daß du, o Gott! nach diesem Leben das Gute belohnen, das Böse bestrafen werdest. Endlich glaube und bekenne ich alles, was die einige, heilige, allgemeine, apo 93 R ftolische Kirche lehrt, welche Jesus Christus auf' einem Felfen gebauet hat, und welcher er seinen Beystand und den Beystand des h. Geistes bis ans Ende der Zeiten verheissen bat. Alles dieses glaube ich darum, weil du allwissender und wahrhaftiger Gott es offenbaret hast, der du alle Dinge weißt, und der du nicht trügen kannst. Erhalte und stärke mich, o Herr! in diesem Glauben. Uebung der Hoffnung. Ich hoffe und vertraue fest auf dich, o mein Gott! Ich hoffe, nach Vollendung dieses Lebens von dir aufgenommen zu werden zu jenem ewig seligen Leben, wozu du uns erschaffen, und welches du uns verheissen hast. Aber auch Verge= bung meiner Sünden hoffe ich, und deine Gnade und deinen Beystand zur Erfüllung jeder Pflicht, um des ewigen Lebens theilhaftig zu werden. Dies alles hoffe ich fest von dir, o Gott! weil du es verheissen, weil Jesus Christus unser Heiland uns alles dieses erworben hat. Du bist der Allmächtige und Gütige, und bist getreu in deinem Versprechen: darum will ich fest auf dich hoffen und vertrauen. R Uebung der Liebe. Dich will ich lieben, o mein Gott! über alles von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit allen Kräften; denn du, o Gott! bist selbst die Liebe gegen uns, und hast mich mit ewiger Liebe ge= 94 K liebt. Du hast mich nach deinem Bilde erschaffen, und zum ewigen Leben bestimmt: durch deinen eingebornen Sohn, meinen Heiland, hast du mich erlöset, durch deinen h. Geist hast du mich gereinigt von Sünden, und geheiligt. Du hast mir am Leibe und an der Seele unzählbare Wohl= thaten erwiesen: darum will ich mit dankbarem Herzen dich lieben. Aber du bist auch der Mächtigste, Weifeste, Gütigste, das vollkommenste und liebenswürdigste Gut: darum will ich über alles dich lieben, und dir von ganzem Herzen ergeben seyn. Erhalte und vermehre in mir diese Liebe. Gewissenserforschung am Sonntag. Borerinnerung. Vielen Christen lassen es ihre zeitlichen Berufsgeschäfte nicht zu, an den Werktagen des Abends eine lange Prüfung ihres Verhaltens vorzunehmen. Solche sollen billig an den Sonntagen eine långere Erforschung des Gewissens anstellen über die Fehler und Sünden, die sie in der Woche etwa begangen, um selbe vor Gott zu bereuen, und sich durch einen kräftigen Vorsag in der folgenden Woche dawider zu stärken. Vielleicht wäre dies eine der besten Undachtsübungen, die sie am Sonne tag unternehmen können. Denn auf Besserung unsers Lebens müssen doch alle unsre Undachten und Gebethe vorzüglich zielen. Wen das Gebeth nicht besser, nicht tugendhafter macht, der bethet nicht recht, schreibt der h. Augustin. Vorbereitungsgebeth. Ich will, o Herr! an diesem Tage, welcher deiner Ehre und meinem Seelenheil besonders ge 95& widmet ist, mein Herz vor dir prüfen und untersuchen, worin ich in der verflossenen Woche bes sonders gefehlt habe. Erleuchte mich bey dieser Prüfung des Herzens durch deine Gnade; laß mich aufrichtig bey dieser Untersuchung zu Werke gehen, damit ich meine Fehler recht erkenne. Und wenn ich dieselben vor deinem h. Angesichte bekenne und bereue, ach dann verzeihe doch du meinem reumüthigen Herzen, und stärke meine schwache Seele in ihren Entschlüssen, dir hinführo treuer zu dienen. Durch Jesum Christum unsern Herrn. Umen. 150 Wie habe ich denn die verflossene Woche zu: gebracht? wie habe ich mich gegen Gott, gegen meinen Nächsten, gegen mich selbst verhälten? habe ich mich verfündigt. a) wider Gott? Man verfündigt sich gegen Gott vorzüglich durch die Fehler wider den Glauben, die Hoff= nung, die Liebe. ( 1) Wider den Glauben: durch Gottesver= gessenheit; durch 3weifel gegen die Wahrheiten des Glaubens; durch Aberglauben; durch Lesung irreligiöser Bücher; durch Spott über Gegenstände der Religion; durch Vernachlässigung des Gottesdienstes, des Gebethes; durch Gleichgültigkeit oder Zerstreuung bey demselben; durch Mißbrauch des Namens Gottes bey unnügen oder falschen Betheurungen. Welche von diesen Fehlern habe ich mir zu Schulden kommen lassen? 96 K 2) Wider die Hoffnung verfündigt man sich durch Mißtrauen auf Gottes Gnade; durch freventliches Vertrauen auf dieselbe, indem man auf Gottes Gute und Barmherzigkeit sich verlassend fündigt, durch Unzufriedenheit mit Gottes Anordnungen. Habe ich auch hierin gefehlt? 3) Wider die Liebe: durch Undank gegen Gott für seine Wohlthaten; durch Mißbrauch derselben; durch Trägheit im Guten; durch Menschenfurcht, weßhalb man sich des Guten schämt, zum Bösen schweigt oder es gutheißt; durch unterlassung der guten Meynung bey seinem Thun und Lassen; durch Mangel an guten Absichten bey den guten Werken. Welche von diesen Fehlern habe ich begangen? b) Wider den Nächsten. Man versündigt sich gegen den Nächsten 1) durch Gedanken. Durch Abneigung, Haß, Neid, Feindschaft; durch Argwohn; durch frea ventliches Urtheil; durch Verachtung, Geringschätzung. Welche von diesen Fehlern, und gegen welche von meinen Nebenmenschen habe ich sie begangen? 2) Durch Worte. Durch Tadeln; übeles Nachreden; Verläumden, wie auch durch begieriges Unhören desselben; durch Klatschereyen und sogenanntes Ohrenblasen; durch Schmähen und Schelten im Zorne oder aus übeler Laune; durch Verwünschungen u. s. w. Worin habe ich hier gefehlet? 97 R 3) In Werken. Durch Betrug oder Ungerechtigkeit; durch Zank, Streit, Schlägerey; durch Schaden zufügen; durch Aergerniß, böses Beyspiel, oder gar Verführung zum Bösen u. s. w. Habe ich auch von diesen Fehlern mir zu Schulden kommen lassen? 4) Durch Unterlassung dessen, was man dem Nächsten schuldig ist. Durchgehe hier die Obliegenheiten und Pflichten deines Standes, die du als Ehegatte, Vater, Mutter oder Kind, als Vorgefester, Untergebener, Dienstbothe u. f. w. zu erfüllen hast. Denke nach, ob du nicht dagegen gefehlet hast. M c) Wider sich selbst. Man versündigt sich gegen die Liebe zu sich selbst: 1) Durch Gedanken: durch freywillig unterhaltene unreine Gedanken und Vorstellungen; durch unreine Begierden; durch Lesung schlüpfri= ger unzuchtiger Bücher; durch Betrachtung unehrbarer Gemählde; durch zornige, neidische Gesinnungen u. s. w. Worin habe ich hier gefehlt? 2) In Worten. Durch zweydeutige unehr: bare Reden, Scherze, Gespräche; durch begieriges Anhören derselben; durch unehrbare Lieder u. s. w. Worin fehlte ich hier? 3) In Werken. Durch Handlungen wider die Ehrbarkeit und standesmäßige Reinigkeit; durch unsittliches Betragen im Umgang mit Andern; durch unanständige Kleidertracht; durch S 98 die Sünden der Unzucht mit Undern, oder mit sich selbst, worüber die Schamhaftigkeit erröthet, und die, wie der h. Paulus sagt, unter den Chris sten nicht einmal genennt werden sollten. Ueber welche derselben klagt mich mein Gewissen an? 4) Durch Unterlassung. Habe ich auch das Gute unterlassen, das ich thun konnte und sollte? habe ich die Zeit mißbraucht durch Müßiggang oder zu viele Zerstreuungen, Ergöglichkeiten und Thorheiten der Welt? war ich lau im Guten, gleichgültig gegen das wichtige Geschäft des ewigen Heils? habe ich mir Mühe gegeben, meine bösen Gewohnheiten abzulegen? Reue und Vorsag. mein Gott und Herr! wie oft habe ich gesündigt vor dir? wie oft dein Gesetz übertreten durch Gedanken, Worte und Werke, und durch Unterlassung meiner Pflicht! Uch wenn du mich nach Verdienst strafen wolltest, Herr! was würde mein Schicksal seyn? aber du bist gnädig und barmherzig, und willst nicht den Untergang des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe. D so siehe dann auf mein reumüthiges und bußfertiges Herz. Es reuet mich von ganzem Herzen, daß ich dich so oft beleidigt habe. Nicht nur um der Strafe willen, die ich dadurch verdient habe, sind mir meine Sünden leid; sondern auch besonders darum, weil ich dich, meinen lieben Gott und Vater, meinen höchsten Wohlthå= 99 K ter, mit meinen Sünden so undankbar beleidigt babe: und weil ich dich, meinen höchsten, vollkommensten und liebenswürdigsten Gott und Herrn dadurch verachtet und beleidigt habe. D daß ich doch nicht gesündigt, sondern dich treuer geliebt hätte! Siehe, Herr! ich nehme mir fest vor, von nun an alle Sünde zu meiden. Ich will mehr über mich selbst wachen, und dem Bósen in Zukunft ernstlicher widerstehen. Stårke mich doch dazu mit deiner Gnade, und verzeihe mir meine Sünden. Durch Jesum Christum unfern Herrn. Amen. Dritte Abtheilung. Beicht- und Communiongebethe. Borerinnerung. Die wichtigsten Religionshandlungen eines katholischen Christen sind die Beicht und Communion. Durch die D Empfahung des Bußsakraments nahet er sich wieder zu Gott, von dem er sich durch Leichtsinn und vorsägliche Günde entfernt hatte; durch das h. Sakrament des Altars wird er mit seinem Erlöser wieder aufs innigste vereiniget. Durch Einsehung dieser beyden Sakramente hat also unser göttlicher Heiland seinen gläubigen Nach: folgern die größte Wohlthat erzeigt: Er will ihrer Schwachheit zu Hülfe kommen, er will sie wieder auf. nehmen, wenn sie sich verirret haben, und zurückkehren 2 100 wollen; er will sie wieder mit sich vereinigen, damit sie in ihm leben und ihr Heil wirken können. Möchten nur die Gläubigen diese Wohlthat zu erkennen und zu schågen wissen! und möchten sie nur von derselben den rechten und wahren Gebrauch machen! Alles kommt hier auf die wahre Stimmung des Geistes und die Vorbereitung an. um jene zu erwecken und diese zu leiten, seyen folgende Unweisungen und Gebethe. I. Anweisung und Gebethe zur Empfahung des h. Bußsakraments. Indem unser göttliche Heiland seiner Kirche die Gewalt, Sünden zu vergeben, anvertrauet hat, so hat er zugleich gewollt, daß seine Stellvertreter, die Priester, diese Gewalt weise gebrauchen, und nur denen Vergebung 1 Theil werden lassen sollten, die sich durch wahre Bekehrung und Buße derselben würdig gemacht haben. Es muß daher, um Bergebung im Sakramente der Buße zu erhalten, wahre Bekehrung und Buße vorhergehen. Diese besteht nun a) in der Erkenntniß der Sünden. b) In der Reue über dieselben. c) Im Ent= schlusse, die Sünde, und alles, was zur Sünde verleiten kann, zu meiden. Dann erst folgt das Bekenntniß der Sünden und die Lossprechung vom Priester. Die Erkenntniß der Sünden ist eines Theils nothwendig, um dieselben gehörig bereuen zu können, andern Theils auch, um das nothwendige Bekenntniß bey dem Priester abzulegen. Da= her ein büßender Christ darauf vorzüglich sein 101 Nachdenken und seinen Fleiß verwenden soll Er bittet daher zuerst Gott um seine Gnade, und ruft den h. Geist um Erleuchtung an, und als= dann fängt er die Erforschung des Gewissens an. Gebeth vor der Erforschung des Gewissens. Gott! Barmherziger und Gütiger! der du nicht willst den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe; ich wende mich mit Vertrauen zu dir, um bey dir Gnade und Verzeihung meiner Sünden zu erlangen. Aber, o Gott! hilf mir doch, daß ich dieser Gnade würdig und theilhaftig werden möge. Erleuchte und rühre mein Herz, damit ich alle meine Sünden recht erkennen, sie von Herzen bereuen, und Vergebung derfelben erhalten möge. Durch Jefum Chriftum unsern Herrn. Amen. Komm, o h. Geist, der du den Geist des Menschen erleuchtest, sein Herz erweichest und rührest! erleuchte doch auch meine Seele, rühre und erweiche mein Herz, damit ich recht erkenne, wie und wodurch ich meinen Gott beleidigt habe, damit ich einen wahren Abscheu gegen alle Sünde, und herzliche Reue empfinde und Vergebung er= halte. Durch Jesum Christum unsern Herrn. Umen. Unweisung zur Erforschung des Gewissens. NGA Wem es Ernst ist, durch das heil. Sakrament der Buße von Sünden gereinigt und besser zu 102 werden, der muß zuerst sich selbst, seine Schwachheiten und Fehler recht erkennen. Ohne diese Er kenntniß wird nicht allein die zum Sakrament der Buße erforderliche Beichte unvollständig, sondern auch selbst die Reue und der Vorsatz über die Sünden nur oberflächlich und mangelhaft seyn; indem man ja keinen wahren Abscheu, keine Reue über Fehler und Sünden haben kann, die man nicht einmal erkennt, begangen zu haben. Der wahre Büßer wendet daher auf dieses Geschäft allen möglichen Fleiß an. Er frågt sich aufrichtig und strenge: wie und wodurch habe ich gefündiget gegen die Gebothe Gottes und der Kirche? wie durch Gedanken? wie durch Worte? wie durch Werke, und wie durch Unterlassung meiner Pflicht? Er erinnert sich hier, wie ihm die Gebothe Gottes und der Kirche erklärt worden sind, und frågt dann sein Gewissen, wie er dagegen gefehlt habe. Er prüft sich selbst, zu welcher Sünde er aus Gewohnheit oder aus Schwachheit am geneigtesten seye. Er überdenkt die Derter, die Gesellschaften, die Gelegenheiten, worin er sich befunden, und wie er sich darin verhalten habe. Vorzüglich untersucht er auch, ob er die Pflichten seines Standes genau erfüllet oder dagegen gefehlet habe, das heißt: ob er als Vater, oder Mutter, in der Erziehung der Kinder nicht gefehlt habe, ob er als Hausvater, oder Hausmutter, gehörige Aufsicht auf die Dienstbothen gehabt habe, ob er denselben gehörig be 103 2 gegnet seye oder nicht, ob er als Taglöhner oder Dienstbothe seine Arbeit treu verrichtet habe u. f. Folgender Entwurf mag hierbey zur Uebersicht dienen. w. - Sünden wider das erste Geboth. Man sündigt wider das erste Geboth durch Thun oder Unterlassen wider eine der drey göttlichen Tugenden, Glaube, Hoffnung, Liebe. Wie auch wider eine der sittlichen Tugenden, die aus denselben entstehen, und zur Verehrung Gottes gehören. Wider den Glauben fündigt man, wenn man I. den Unterricht in der Religion versäumt, 2. in einem kalten Glauben gleichgültig dahin lebt, 3. seinem eigenen Dunkel oder den Meynungen anderer Menschen mehr Glauben beymißt, als dem Worte Gottes, 4. sich in Glaubenszweifeln freywillig aufhält; 5. sich seines Glaubens schämt, oder nicht da, wo es nöthig ist, selben öffentlich bekennt; 6. sich der Gefahr ausseßt,( z. B. durch Lesung irreligiöser Bücher, durch Umgang mit irreligiösen Menschen) in Glaubenszweifel zu gerathen, im Glauben kalt zu werden, oder gar davon abzufallen; 7. sich mit Aberglauben abgibt. Wider die Hoffnung fündigt man, I. wenn man keine Hochachtung und kein Verlangen nach den himmlischen Gütern in sich zu unterhalten sucht, und daher das Zeitliche mehr als das Ewige verlangt; 2. wenn man kein festes Vertrauen auf Gott in feinem Herzen zu bewahren sucht, und daher in Mißtrauen oder gar in Verzweiflung fällt; 3. wenn man ein vermessenes Vertrauen auf Gott segt; 4. wenn man auf sich selbst oder auf andere mehr vertraut, als auf Gott. 104 Man fündigt wider die Liebe I. durch Gottesvergessenheit, 2. durch Nachläßigkeit in Erweckung der Liebe, 3. durch unordentliche Weltliebe, 4. durch Widerwillen oder Haß gegen Gott. Man sündigt ferner gegen Gott, I. wenn man sich nicht vor ihm demüthigt, und das Gute, was man hat, sich und seinen Verdiensten zuschreibt; 2. wenn man Gott für seine Wohlthaten nicht danket; 3. wenn man Gott nicht kindlich fürchtet, 4. wenn man mit den Anordnungen Gottes unzufrieden ist, 5. wenn man Gott nicht willig, fertig und treu gehorsam ist, 6. wenn man im Gebeth und andern guten Werken lau und tråge ist. Sünden wider das 2te Geboth. Man sündigt wider das zweyte Geboth durch eine jedwede äusserliche Verunehrung Gottes, besonders I. durch Heucheln, 2. durch unehrerbietiges Verhalten beym öffentlichen Gottesdienst, 3. durch Berunehrung der Gott gewidmeten Sachen, Serter, Personen, 4. durch unehrerbietigen Gebrauch der heil. Namen Gottes, Jesu u. s. w., 5. durch Gotteslästerung in Worten oder Werken, 6. durch falsches oder leichtsinniges Schwören, und besonders durch Meineid, 7. durch Verlegung oder Nichterfüllung des gethanen Gelübdes. Sünden wider das zte Geboth. Man sündigt wider das dritte Geboth: I. wenn man an den Sonn- und Feyertagen der h 105 Messe durch seine Schuld gar nicht, oder nicht ganz oder nicht andächtig beywohnt; 2. wenn man den christlichen Unterricht versäumt, 3. wenn man ohne Noth knechtliche Werke verrichtet, 4. wenn man die h. Tage mit zu vielen Zerstreuungen und Lustbarkeiten zubringt, 5. wenn man diese Tage durch sündliche Werke oder Lustbarkeiten entheiligt. Sünden wider das 4te Geboth. Erforsche dich vr über deine Pflichten, die du als Vater oder Mutter gegen deine Kinder, als Hausherr, Hausfrau gegen deine Hausgenossen, als Vorgefester gegen deine Untergebenen zu erfüllen hast, und frage dich, wie du dagegen gefehlt habest; Oder wie du dich als Kind gegen deine Eltern, als Dienstbothe gegen deine Herrschaft, als Unterges bener gegen deine Vorsteher verfündigt hast, durch Ge danken, Worte, Werke, oder Unterlassung deiner Pflicht.. Sünden wider das 5te Geboth. Man versündigt sich wider dies Geboth a) an sich selbst, 1. wenn man Ungeduld, unmäßigen Zorn wider sich selbst, oder Verzweiflung in seinem Herzen zuläßt, 2. wenn man sich selbst in Gedanken oder mit Worten Uebeis wünscht, 3. wenn man sich ohne Noth in Gefahr des Lebens wagt, 4. wenn man sich selbst vorsäglich am Leibe schadet, 5. wenn man für das Wohl der Seele nicht alle mögliche Sorge trågt. b) Un dem Nächsten, I. wenn man dem Neid, Zorn, Haß, der Nachbegierde sich überläßt, 2. wenn man dem Nächsten Uebels wünscht, oder sich über dessen Schaden freuet, 106 R 3. wenn man ihn durch bittere, harte, anzügliche Worte frånkt, 4. wenn man mit ihm in 3ank, Streit, Uneinigkeit lebt, 5. wenn man ihm am Leibe strafbarer Weise schadet, 6. wenn man ihm durch ergerniß oder Verführung an der Seele schadet, 7. wenn man unterläßt, ihm in den Gefahren des Leibes oder der Seele zu Hülfe zu kommen. Sünden wider das 6 Geboth. Man fündigt wider das sechste Geboth I. durch Gedanken, wenn man sich unehrbare Dinge freywillig vorstellt, oder freywillig ben solchen Vorstellungen verweilt; 2. durch Begierden, wenn man freywillig begehrt, unehrbare Dinge zu sehen, zu hören, zu wissen, zu thun; 3. durch Reden, wenn man unehrbare, garstige, zwey= deutige Worte redet, Lieder singet; 4. durch) Hören, wenn man solche Reden, Lieder geneigt anhöret; 5. durch Werke, wenn man entweder Unzucht wirklich begeht, z. B. Hurerey, Unzucht mit sich selbst oder andern, Ehebruch u. s. w., oder sich solche Handlungen erlaubt, wodurch man zur Unzucht gereizt wird, z. B. unehrbahre Blicke, Küsse, Spiele, u. s. w., auch Lesung unkeuscher Schriften; 6. durch Unterlassung, wenn man freywillig etwas Unehrbares an sich geschehen läßt, oder die Anlässe und Gelegenheiten zu den Sünden wider die Keuschheit nicht meidet, oder die Mittel zur Bewahrung der Keuschheit vernachläßigt. Sünden wider das 7te Geboth. Man fündigt wider das siebente Geboth, I. wenn man dem Nächsten das Seinige nicht gón 107 R net, ihm von dem Seinigen etwas zu entwenden, oder ihm daran zu schaden wünscht; 2. wenn man ihm wirklich etwas davon entwendet, durch verdeckten oder offenbaren Diebstahl, Raub oder Ungered) tigkeit, wie auch durch ungerechte Schadenzufügung, 3. wenn man das ungerechte Gut nicht zurückstellt, den zugefügten Schaden nicht ersetzt; 4. wenn man auf irgend eine Art an der Ungerechtigkeit anderer Theil nimmt, z. B. gestohlene Sachen annimmt, ankauft u. s. w., den Schaden nicht nach Vermögen abwendet; 5. wenn man seine eigene Sachen verschwendet oder vernachläßigt, und Schulden macht, die man nicht bezahlen kann. Sünden wider das 8te Geboth. Man sündigt gegen das achte Geboth, I. durch jede Lüge; 2. durch jedes falsche Zeugniß wider den Nächsten, sey es vor Gericht oder außer Gericht; 3. durch Argwohn, freventliches Urtheil über den Nächsten; 4. durch Tadeln, Klatschen, Ehrabschneiden, Verlaumden; 5. wenn man die schuldige Ehrenersegung nicht leistet. Sünden wider das 9te und 1ote Geboth. Man sündigt wider diese zwey Gebothe, I. wenn man unerlaubte Gedanken oder Begierden wider das 6te und 7te Geboth freywillig erwecket, zuläßt, darin bewilligt; 2. wenn man sich nicht angewöhnt, gute Gedanken und Gesinnungen zu haben. Sünden wider die Gebothe der Kirche. Die Sünden wider das erste und zweyte Kirchen 103 geboth sind schon beym dritten Gebothe Gottes angeführt. Man sündigt wider das zte Geboth der Kirche, I. wenn man an den gebothenen Fasttagen sich nicht des Fleischessens enthält, 2. wenn man sich nicht gehörig abtödtet, d. i. wenn die, so dazu verbunden sind, mehrmalen des Tages fatt effen. Man sündigt wider das vierte Geboth, I. wenn man die jährliche Beicht ganz unterläßt, 2. wenn man dieselbe ungültig verrichtet. Man sündigt wider das fünfte Geboth, I. wenn man die öffentliche Communion ganz unterläßt, 2. wenn man selbe unwürdig empfångt. Dieser Entwurf wird für diejenigen, welche nur selten, und vielleicht nur einmal im Jahr zur h. Beicht gehen, nicht überflüßig und auch nicht zu weitläuftig seyn. Daß diejenigen, welche sich nach guter Christen Gewohnheit monatlich oder öfter durch das Sakrament der Buße von ihren Fehlern zu reinigen suchen, und mehr auf ihre Fehler Ucht geben, eines so weitläuftigen Entwurfs nicht bedürfen, braucht wohl kaum erinnert zu werden. Wer aber in langer Zeit keine Rechnung mit sich selbst geführt hat, und wem es nun Ernst ist, durch das h. Bußsakrament von Gott Vergebung zu erhalten, der nehme Zeit zu einer gewissenhaften Selbstprüfung. Nur nach einer solchen ernsten und genauen Průfung wird man den ersten Grund legen können zur Bekehrung und Buße, und dieser Grund ist - 109 die Erkenntniß der Sünden, und die daraus entstehende Demuth und Furcht Gottes. Dann kann und wird der Christ denken und sagen: mein Gott! wie habe ich gefehlt, wie viel und groß sind meine Sünden vor dir. Wie habe ich deine h. Gebothe so oft übertreten, und Uebels gethan. Du hattest meine Seele nach deinem Ebenbilde erschaffen, und mich zu einem heiligen Leben berufen; aber wie habe ich meine Seele, das Bild der Gottheit, durch ein unheiliges Leben verunstaltet! Du hattest mir dein Gesetz gegeben, und Vernunft und freyen Willen, es zu erfüllen; aber wie habe ich dieses mißbraucht, und wider dein Gesetz gehandelt! wie oft habe ich durch Gedanken, wie oft durch Worte, wie oft durch Werke gesündigt, und wie oft habe ich meine schuldigen Pflichten unterlassen! Gott! wenn du mit mir zu Gerichte gehen wolltest, wie würde ich bestehen? Aber du bist gütig, bist gnådig und barmherzig, und willst nicht den Untergang des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe. Uch so hilf mir doch, daß ich mich auf richtig und von Herzen zu dir kehren und leben möge. Anweisung zur Reue über die Sünden. Die Reue über die Sünden besteht nicht in schönen Worten, nicht in künstlichen Formen oder Neuegebethen, sondern in einem reumüthigen 110 Herzen. Das Herz muß gerührt seyn, es muß Leid tragen, daß es gesündigt hat. Und wie kann dieses Leidwesen, diese Traurigkeit entstehen, wenn du nicht weißt und erkennest, welch ein Uebel die Sünde seye, und was es seye, durch die Sünde den Herrn deinen Gott beleidigen. Daher überdenke zuvor, was die Sünde seye, und wer es seye, den du dadurch beleidigt haft. 1. Was ist die Sünde? Sie ist Ungehorsam gegen Gott; Verachtung seines heil. Willens und Gefeßes; Uebertretung der Gebothe Gottes in seiner Gegenwart, in seinem Angesichte; Zuwiderhandeln gegen unsere hohe Bestimmung und Glückseligkeit. 2. Wer ist es, der dadurch beleidigt wird? a) Gott mein Schöpfer und Herr, von welchem ich Daseyn und Leben habe, und dem ich also auch zu dienen und zu gehorchen schuldig bin. Gott mein allwissender Richter, der eine jedwede sündhafte That, Wort und Gedanken zu richten und zu strafen gedrohet hat. b) Gott mein Vater und Wohltháter, der mich nach seinem Bilde schuf, und als sein Kind angenommen, und mir an Leib und Seele so viele vortreffliche Eigenschaften und Fähigkeiten gegeben; der mir in diesem Leben so viel Gutes bereitet hat und gibt, und der nach diesem Leben eine Glückseligkeit ohne Ende versprochen hat und geben wird. c) Gott der heiligste, der mächtigste, weiseste und gütigste, der vollkommenste, den ich seiner Voll III kommenheit wegen über alles achten und lieben follte, und den ich durch meine Sünden verachtet, verunehret habe. Wer das überdenkt und tief zu Herzen nimmt, daß er durch seine Sünde einen solchen Gott verachtet und beleidigt hat, der wird im Herzen Reue fühlen, und dieselbe so ausdrücken können: Reue über die Sünden. mein Gott! was habe ich gethan, da ich gefündigt habe vor dir! In deinem heil. Angesichte bin ich dir ungehorsam geworden, und habe deinem Gefeße, deinem h. Willen zuwider gehandelt; dich meinem heiligsten Gott und Herrn, dem ich zu gehorchen und zu dienen schuldig war, bin ich untreu geworden, und habe dein Gesetz übertreten. Wenn du mir nach meinen Verdiensten vergelten wolltest, o Gott! was würde mein Schicksal seyn? Verstoßen, verworfen werden von dir auf ewig, das würde meine gerechte Strafe seyn für die vielen und großen Sünden, die ich begangen habe. In ewiger Entfernung von dir, meinem höchsten Ziel und Ende, Strafe leiden, das wäre mein verdientes Schicksal. Jedoch das ist nicht dein Wille, du willst vielmehr, daß ein Mensch, der gesündigt und Uebels gethan, sich von seinem bösen Wege bekehre und dann lebe. Du willst, daß er in sich gehe, seine Sünden erkenne, bereue und bessere, und dann willst - 112 du seiner Sünden nicht mehr gedenken. So gutig bist du, o Gott! und mit dieser Güte hast du auch mich erwartet, auch mich zur Buße eingeladen. Wenn ich gleich fündigte, so hörte deine Güte gegen mich dennoch nicht auf. Vom ersten Augenblicke meines Dafeyns warst du mein Schöpfer und Erhalter. Nach deinem Ebenbilde haft du mich erschaffen, und mich, da ich verloren war, durch deinen eingebornen Sohn wieder erlöset. Hast mich als dein Kind angenommen, da ich durch das Wasser und den h. Geist wiedergeboren wurde zum Reiche Gottes. Mit unzählbaren Fähigkeiten und vortrefflichen Eigenschaf ten an Leib und Seele von dir begabt, hast du mir der Gnaden und Wohlthaten in meinem Leben so viele erzeigt, und hast nach diesem Leben mir eine Glückseligkeit bereitet, die kein Mensch in diesem Leben fassen kann. O Gott! wie groß ist deine Güte und Liebe! Und einen so gütigen Gott konnte ich beleidigen? so viel Güte und Liebe konnte ich mit Sünden und Unbank begegnen? Ach wie schäme ich mich vor dir, o Gott! und wie leid ist es mir, daß ich dich, meinen liebenswürdigsten Gott und Vater, durch so viele Sünden beleidigt habe, dir meinem höchsten Wohlthäter durch ein so sündiges Leben undankbar gewesen, und deiner Güte und Liebe mich so unwürdig gemacht habe. Uch Gott und Vater! verzeihe mir doch meinen Ungehorsam und meine 113 Undankbarkeit, verzeihe mir meine Sünden, die ich von ganzem Herzen jetzt verabscheue. Aber o mein Gott! du bist nicht nur der mächtigste, weiseste und gütigste Vater der Menschen, du bist auch der Heilige, der Unendliche, der Ewige, das vollkommenste Wesen. Alle Engel und Auserwählte preisen und ehren dich; preisen deine Vollkommenheit und bethen dich an. Und ich habe dich so sehr verachtet und verunehret, habe ein vergångliches irdisches Gut, einen zeitlichen Gewinn, eine schnöde Lust mehr geachtet und geliebt, als dich, mein höchstes Gut, das ich über alles lieben und hochachten sollte! Uch wie verabscheue ich alle und jede Sünde! Könnte ich fie doch ungeschehen machen, hätte ich doch niemals gesündigt! Nimm sie doch von mir die Sünde, o Gott! tilge aus meine Missethaten, und ich will alsdann einen neuen Lebenswandel anfangen; ein Leben will ich führen, wodurch ich dich meinen Gott verherrlichen, und dir zu gefallen aus allen Kräften mich bestreben will. Erinnerungen in Betreff des Vorsatzes. Der Vorsatz ist: der ernstliche Wille, sich zu bessern. Er fließt aus der Neue zwar von selbst schon hervor; aber soll er seine gehörige Wirkung thun, so muß er 1) ein allgemeiner und 2) ein besonderer Borsak seyn. Ein allgemeiner, d. i. er soll sich über alle Sünden erstrecken. Ein S 114 besonderer, d. i., er soll sich besonders über dies jenigen Sünden erstrecken, die die schwersten sind, die du am öftersten begangen hast, und worin du aus Schwachheit, aus Gewohnheit, oder we= gen besonderer Gelegenheit und Gefahr am leichtesten wieder zurückfallen könntest. Auch muß dies fer Vorsatz den ernstlichen Willen in sich fassen, den Schaden, welchen man durch einige Sünden dem Nebenmenschen zugefügt, an seiner Ehre, seinem Gute u. s. w. zu ersetzen, und die nothwendigen Mittel zur Besserung, die die Natur der Sache oder der Rath des Beichtvaters vorschreibt, treu zu gebrauchen. Suche also diesen Vorsatz in dir ernstlich zu erwecken, und dann verspreche deinem Gott Besserung deines Lebens. Vorsak. S mein Gott! du siehst und kennest mein Herz, du weißt, wie sehr ich meine begangenen Sünden bereue und verabscheue, und nun hoffe ich, wirst du nach deinem Worte mir vergeben. Siehe ich bin von nun an fest entschlossen, mein fündiges Leben zu bessern. Ich will mit willigem Gehorsam alle deine Gebothe halten, und dir in Zukunft treu dienen. Nichts soll mich trennen von dir; nichts soll mich je wieder verleiten, dir untreu zu werden. Ich will meiden alle und jede Sünde, besonders will ich wachen über mein Herz, daß ich nicht zurückfalle in die.... Sünde, wodurch ich leider so oft dich beleidigt habe. Jede 115. Gefahr und Gelegenheit zur Sünde will ich sorgfåltig meiden. Gegen meine bösen Neigungen will ich kämpfen, und die bösen Gewohnheiten will ich abzulegen mich ernstlich bestreben. Allen Schaden, den ich durch meine Sünden angerich= tet, will ich suchen nach Möglichkeit wieder gut zu machen. Alle nöthigen Heilsmittel, um im Guten standhaft zu seyn, will ich fleißig und treu gebrauchen. Aber, o Gott! helfe und stärke du mich zu allem diefem mit deiner Gnade, und ver= zeihe mir meine Sünden, durch Jesum Christum. Amen. Erweckung der Reue und des Vorsages, für solche, welche glauben, nur durch kleine Fehler( sos genannte låßliche Sünden) gesündigt zu haben. Vorerinnerung. Viele Christen, und auch sogar viele unter solchen, welche oft zur h. Beicht und Communion gehen, achten die kleinen Fehler, die läßlichen Sünden, nicht gar viel, und würdigen selbe kaum einiger Aufmerksamkeit, um sich mit Ernst angelegen seyn zu lassen, sie zu bessern. Solche bedenken wohl nicht, daß die läßlichen Sünden so leicht den Weg bahnen zu großen. Sie bedenken wohl nicht, wie unvollkommen der noch in der Liebe zu Gott ist, der kein Bedenken trågt, mit vielen( wenn auch nur kleinen) Sünden ihn vielleicht täglich, vielleicht vorsäglich zu beleidigen. Nur aus Mangel einer Herzlichen Reue und eines ernstlichen Vorsages kann eine solche Gleichgültigkeit herrühren, woher es denn auch kommen mag, daß bey so vielen im Christenthum auf die öfteren Beichten so selten wahre Besserung folgt. 2 श्र 116 K Bestrebe dich also, wenn du glaubft, nur låßlich ge= fündigt zu haben, dennoch durch eine herzliche Reue und ernstlichen Vorsag dich der Verzeihung deiner Fehler theilhaftig zu machen, und zur Besserung des Lebens zu stärken. Die Reue. So habe ich denn wieder, o mein Gott! feitdem du mir vergeben hast, dennoch so oft gefehlt und vor dir gefündigt. Zwar wirft mir mein Ges wissen keine große Vergchungen vor, aber die gewöhnlichen kleinen Fehltritte sind auch nicht seltener geworden. Ich habe dennoch täglich gefehlt vor dir, o mein Gott! und habe häufig gefehlt. Wie weit bin ich noch von der Liebe entfernt, die dir, o höchstes Gut, gebührt! Wie wenig erkannte ich noch immer deine Güte und Liebe gegen mich, da ich täglich von dir Wohlthaten empfing, die ich täglich mit Sünden und Undank vergalt! Dwie reuet es mich, daß ich dich, o Gott! so oft mit meinen Sünden verachtet und beleidigt habe. Ja, auch die kleinste Sünde muß dir, o Heiligster! mißfallen; auch die kleinste Uebertretung deines Gesetzes mußt du, Gerechtester! strafen. Auch das kleinste Unrecht, der ges ringste Flecken an der Seele vermindert deine Gnade, und macht uns untüchtig für dein Reich, wo nicht für immer, dann doch, bis der Fehler gebessert, bis der Flecken abgewaschen ist. Nichts Unreines kann ja ins Himmelreid) eingehen. Darum will ich auch die kleinsten Fehler S 117 K verabscheuen und meiden; möchte ich nur nicht so leichtsinnig und ach! zum Theil so vorsätzlich folche begangen haben! Ja, möchte ich dich, D höchstes, vollkommenstes Gut! das ich von Hers zen und über alles zu lieben schuldig bin, doch nicht so oft mit meinen Sünden verachtet und beleidigt haben. Der Vorsat. Siehe, Herr! von nun an ist der Vorsatz gemacht, auch die kleinen Fehler mit allem Ernst zu meiden. Vorsichtig und behutsam will ich wandeln auf allen meinen Wegen, sorgfältig will ich wachen auf mein Herz, meine Neigungen und Gesinnungen. Die ersten Unfälle der Versuchung will ich im Entstehen bekämpfen. Vorfichtig will ich werden im Reden, daß mir nie aus Uebereilung oder Unbehutsamkeit ein Wort entfalle, das sündhaft wäre. Meine sündhaften Gewohnheiten will ich mit jedem Tage mehr ab zulegen suchen, und im Kleinen wie im Großen dir treu zu seyn mich bestreben. Stårke meinen schwachen Willen mit deiner Gnade, o Herr! daß ich an der Besserung meines Lebens mit Ernst arbeite, und von Tag zu Tag im Guten zunehme, darin beharre, dir mehr und mehr gefalle und selig werde. Amen. Erinnerungen in Betreff der Beichte. Wenn dein Herz von Reue durchdrungen, und der Entschluß zur Besserung des Lebens gefaßt 118 ist, dann lege das Bekenntniß deiner Sünden beym Priester ab. Sey bey diesem Bekenntniffe aufrichtig, demüthig und bescheiden. Lasse nicht leicht eine Sünde vorsätzlich zurück, in der Meynung, selbe seye von keiner Bedeutung. Die Eis genliebe kann uns leicht verführen, etwas für gering zu halten, was dennoch groß ist. Suche deine Fehler nicht zu entschuldigen oder nur halb darzustellen, sondern bekenne aufrichtig und ganz, wie du gefehlt hast. Laß dich auch keine falsche Scham oder Furcht vor dem Priester abschrecken, aufrichtig zu beichten. Dieser hat seine Pflicht, dir mit Sanftmuth und Liebe zu begegnen und dich aufzunehmen, so wie Jesus die Sünder aufs nahm, und derselbe wird dir auch gewiß wie ein liebreicher Arzt und wie ein schonender Vater begegnen, wenn er nur wahre Bekehrung des Herzens und ernstliches Bestreben zur Besserung bey bir wahrnimmt. man Gebeth vor der Beichte. Jetzt will ich hingehen zum Nichterstuhl der Buße, welchen du, o Gott! ben deiner Kirche angeordnet hast. Ich will hingehen, um allda gerichtet zu werden, und alsdann Gnade von dir zu erlangen. Du hast es so veranstaltet, daß wir Menschen, wenn wir gesündigt haben, dem Pries ster unsere Sünden bekennen sollen. Dieser soll uns in deinem Namen vergeben, und wieder in Gnaden aufnehmen. Denen ihr die Sünden ver= 119 R gebet, denen sind sie vergeben, so sprach dein ewiger Sohn, Jesus Christus, unser Heiland, und gab dadurch den ersten Jüngern und allen ihren Nachfolgern die Gewalt, die Sünden zu vergeben, uns aber auch den Befehl, die Sünden dem Priester zu bekennen. Ich folge deinem Befehl, o Gott! und bitte dich: begleite mich mit deiner Gnade, damit ich meine Sünden aufrichtig und demüthig bekenne und Nachlassung derfelben erlange, durch J. Ch. unsern Herrn. Umen. B Gebeth nach der Beicht. Ich ch danke dir, o Gott! daß du mir durch den Priester Nachlassung meiner Sünden ertheilt hast. Deine Güte und Barmherzigkeit sey ewig gepriefen! Ich will von nun an mit Treue und Gea horsam auf deinen Wegen wandeln, und deine Gebothe erfüllen immerdar. Mit neuem Muthe will ich gegen das Böse kämpfen. Nichts soll mich in Zukunft von deiner Liebe trennen. O wie wohl ist es mir nun, da ich fest hoffe, bey Dir Vergebung gefunden zu haben, wie freuet sich meine Seele, bey Dir wieder in Gnade zu seyn. Unruhe und Angst verfolgten mich auf allen meinen Wegen, da ich noch in der Sünde lebte; jest foste ich wieder den süßen Frieden der Gerechten. Sa, Herr! ein Tag bey Dir ist besser, als tausend von Dir entfernt, bey der Sünde. O ich will Dir danken, und deine Güte preisen; kein irdisches Gut, keine Sündenlust soll mich 120 jemals wieder verleiten, diese Ruhe und deine Gnade zu verlieren. Uber, o Gott! was ist der Mensch, wenn Du ihn nicht stårkest? ohne deine Gnade vermögen wir nichts. Darum bitte ich Dich, stehe mir bey, daß ich, meinem Vorsake getreu, nur Dir anhange, Did) über alles achte und liebe, und nach deinem heiligen Wohlgefallen mein Les ben einrichte! Sch will in Zukunft forgfältig auf die Neigungen meines Herzens wachen, jede Gelegenheit zum Bösen will ich fliehen. Aber, o Herr! die Welt ist voll der Gefahren, ich werde dennoch in manche Gelegenheit zur Sünde gerathen, die Versuchung zum Bösen wird wieder ers wachen, und wie werde ich im Kampfe bestehen ohne Dich? Uch so verlaß mich nicht, Herr! mit deinem Beystand, deine alles vermögende Gnade begleite mich immer und stårke mich! Darum bitte ich Dich durch deinen Sohn unsern Heiland Jefum Christum, der mit Dir lebt in Einigkeit des h. Geistes zu ewigen Zeiten. Umen. Auch bitte ich Dich, o Gott! nimm gnådig auf das Bußgebeth, und die Bußwerke, die mir der Priester aufgelegt hat, um die Sündenstrafen zu tilgen, welche nach der Vergebung noch abzubüßen erfordert werden. Nimm ferner gnådig auf alles, was mir zu leiden von Dir aufgelegt wird in meinem Leben, und alles, was ich Gutes verrichte. Laß mir alles dieses zur Tilgung und Nachlaffung der zeitlichen Strafen gereichen, und lasse 121 . bann, was an meiner Abbüßung und Genugthuung mangelt, durch die Verdienste Jesu Christi deines Sohns, unsers Herrn und Heilandes, erfetzt werden. Der Name des Herrn, und seine Barmherzigkeit und Güte sey gepriesen in Ewigkeit. Amen. Der 102. Psalm. Preise, meine Seele! den Herrn, und alles, was in mir ist, lobe seinen heiligen Namen. Preise meine Seele den Herrn, und vergiß nicht alle seine Wohlthaten. Er ist allen deinen Uebertretungen gnädig, Er heilet alle deine Schwachheiten. Er errettet dein Leben vom Untergang, und überhäuft dich mit Barmherzigkeit und Erbarmungen. Dein Verlangen nach dem Guten erfüllt Er, deine Jugend wird wie die eines Udlers erneuert werden. Der Herr schaffet Barmherzigkeit und Ge richt: allen, die Unrecht leiden. Er hat seine Wege bekannt gemacht dem Mofes, und den Kindern Israels seinen Willen. Gnädig und barmherzig ist der Herr: langmüthig und sehr gütig. Er wird nicht zurnen immerdar; Er wird nicht drohen ewiglich. Er hat uns nicht gethan nach unsern Sunden: hat uns nicht vergolten nach unfern Miffethaten. K Denn so hoch der Himmel über der Erde ist; hat Er seine Barmherzigkeit befestiget über die, so Ihn fürchten. 122 So weit Sonnen Aufgang vom Untergang entfernt ist: so weit hat Er unsere Misserhaten von uns entfernet. Wie ein Vater sich seiner Kinder erbarmet: so hat der Herr sich derer erbarmet, die ihn fürch= ten: denn Er erkennet unfre Schwachheit. Er weiß es, daß wir Staub sind: der Mensch ist in seinen Lebenstagen wie das Heu, er verz blüht wie eine Feldblume. Wenn der Wind darüber geht, so verwelket fie, und man erkennet ihre Stätte nicht mehr. Uber die Barmherzigkeit des Herrn ist von Ewigkeit; und währet in Ewigkeit über die, so Ihn fürchten. Und seine Gerechtigkeit wird fortwähren auf die spätesten Nachkommen: für die, so seinen Bund halten. Und die an seine Gebothe sich stet3 erinnern: um felbe in Erfüllung zu bringen. Der Herr hat seinen Thurm im Himmel bereitet: und sein Reich erstreckt sich über alle Geschöpfe. Preiset den Herrn alle seine Engel, die ihr mächtig send an Kraft: ihr, die ihr sein Wort ausrichtet, daß man höre die Stimme seiner Rede. Preiset den Herrn alle seine Heerschaaren: ihr feine Diener, die ihr seinen Willen thut. 123 R Preiset den Herrn alle seine Werke: an allenDr= ten seiner Herrschaft. Preise den Herrn meine Seele. Ehre sey dem Vater und dem Sohne: und dem heiligen Geiste. Der da war im Anfang, und jetzt ist, und immer, und in Ewigkeit. Amen. II. Anweisung und Gebethe zur Empfahung des h. Altars- Sakraments. Das Sakrament des Altars oder des heiligen Leibes und Blutes Jesu Chrifti, ist eines der größten Geheimnisse der christlichen Religion, und gibt uns einen der größten Beweise der Liebe Gottes und unsers Erlösers gegen uns Menschen. Unser Heiland will sich in demselben auf eine geheimnißvolle Weise mit uns vereinigen. Er will dadurch das Undenken an seine Liebe in uns ers neuern, indem Er uns seinen Leib, den Er für uns in den Tod gegeben, sein Blut, das Er für uns vergoffen, zur Speise und zum Trank für unsre Seele gibt. Er will durch seine Vereini gung mit uns unsre Seele stärken, daß sie Ihm treu anhange, im Kampfe wider das Böse ausharre, und das ewige Leben erreichen möge. Die se Absichten des Heilandes soll der Christ, der sich in diesem heil. Sakramente zu ihm nahet, wohl erwägen; und dann soll ferner sein Bestreben seyn, den Leib und das Blut seines Herrn recht würdig zu empfahen. Nicht nur rein von aller schweren Sünde und von jeder überwies 124 genden Neigungen zu irgend einer Sünde, sons dern auch von kleinen Fehlern durch das h. Bußsakrament gereinigt, soll seine Seele seyn. Er soll ferner durch solche Gesinnungen und Empfindun gen sein Herz bereiten, welche dieser wichtigen Religionshandlung angemessen sind. Diese sind: ein lebhafter Glaube an die Gegenwart seines Erlösers in diesem Sakramente; Hoffnung und Vertrauen, daß er in demselben seiner versprochenen Gnade theilhaftig werde: Wahre aufrichs tige Liebe durch das Undenken an Jesu Liebe ers wecket: Demuth und Anerkennung seiner Unwürdigkeit, sich mit dem Allerheiligsten zu vereinis gen: Endlich ein heiliges Verlangen nach dem Heiland in diesem heiligen Sakramente. Solche Gesinnungen zu erwecken und zu stärken, seyen folgende Gebethe. Gebeth vor Empfang des h. Altarssakraments. Du hast uns, o Gott! nachdem wir von Sün den gereinigt sind, eine Speise und einen Trank bereitet, in der Genießung des Fleisches und Blutes deines ewigen Sohnes, unsers Erlösers Jesu, welchen wir, unter den Brodsgestalten ver borgen, in dem heil. Altarssakrament empfahen. O laß mich dies recht erkennen und zu Herzen nehmen, und mache mich würdig, da ich mich diesem heiligen Geheimnisse zu nahen wünsche, mache mich würdig, dasselbe zu empfahen. K 125 Betrachtung. Ich gehe also jetzt hin, das h. Fleisch und Blut meines Heilandes und Erlösers zu empfangen, der in diesem Sakramente wahrhaft zugegen ist mit seiner Gottheit und Menschheit. Denn Er felbst, Jesus Christus, gibt uns davon die deutlichste Versicherung, da Er spricht: Mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise, und mein Blut ist wahrhaft ein Trank. Wer mein Fleisch ist, und trinkt mein Blut, der bleibt in mir und ich in ihm, der wird leben ewig. So sprach Jesus unser Heiland, als Er lange vor der Einsegung des heil. Abendmahls zum ersten Mal Meldung von diesem Geheimniß that. Aber bey seinem letzten Abendmahle, das er am Abend vor seinem Leiden mit seinen Jüngern hielt, da erfüllte Er, was Er lange vorher versprochen hatte, und da erkannten seine Jünger, was Er ihnen so lange dunkel gelassen hatte. Nachdem Jesus mit ihnen zu Abend gegessen, und nach dem Gesetze das Ofterlamm mit ihnen genossen hatte, fing Er zuerst an, allen seinen Jüngern die Füße zu waschen, dann sette Er sich wieder mit ihnen zu Tische, und nun nahm Er das Brod in seine Hände, und mit Augen gen Himmel gewandt dankte Er seinem himmlischen Vater, segnete es, brach es, und gab es seinen Jüngern, und sprach: nehmet hin und effet, denn dies ist mein Leib, der für euch wird gegeben werden. Darauf nahm Er den Kelch, dankte, und segnete ihn, und gab 126 K ihn seinen Jüngern, und sprach: trinket alle daraus, denn dies ist der Kelch meines Blutes, das für euch wird vergossen werden zur Vergebung der Sünden. Nach dieser klaren und deutlichen Versicherung unsers Herrn nahmen die Jünger mit Ehrfurcht unter den Gestalten des Brodes den Leib unsers Herrn, tranken aus dem Kelche unter den Gestalten des Weins sein Blut. Und was sie thaten, sollten auch wir thun; darum befahl Er ihnen, ein gleiches zu thun: So oft ihr das thuet, thuet es zu meinem Gedächtnisse. Er gab ihnen mithin auch die Gewalt, zu thun, was Er that, und diese Gewalt mußte allen ihnen in ihrem Umte nachfolgenden Priestern zu Theil werden. Denn da sein Wille war, daß alle, die an ihn glauben würden, sein Fleisch effen und sein Blut trinken sollten, indem Er beym Joh. 6. spricht: wer mein Fleisch nicht ist und mein Blut nicht trinkt, der wird das ewige Leben nicht er= halten; so müssen auch zu allen Zeiten machthabende Priester seyn, welche das Brod verwandeln in den Leib Christi, und den Wein in sein Blut. Gebeth. In Erwägung dieser Gründe glaube ich fest, daß Du mein Herr und Heiland Jesus Christus in dem heiligsten Altarssakramente unter den Gestalten des Brodes und Weines zugegen bist.- — Ja mein Herr und Heiland, mein Erlöser und Seligmacher Jesus Christus! ich glaube dei 127 nem Worte. Du gibst mir die Versicherung: dies sey dein Leib, dies sey dein Blut, was ich unter Brodes- und Weines Gestalten empfange. Was auch immer bey diesem Geheimnisse mein Verstand nicht fassen kann, meine Sinne nicht erreichen können; Du hast die Worte der Wahrheit und des ewigen Lebens. Sch glaube Dir, denn Du bist der Sohn des wahrhaften allmächtigen Gottes, dessen Weisheit nicht fehlen und dessen Wort nicht trügen kann Erhalte und stärke in mir noch mehr diesen Glauben! Ich nahe mich also zu Dir, mein Heiland und Seligmacher! um mich mit Dir in dem hei ligen Sakramente zu vereinigen. Ich hoffe und vertraue fest, daß Du an mir erfüllen wirst, was Du denen verheissen hast, die dein heiliges Fleisch und Blut genießen werden. Wer mein Fleisch ist und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm, der wird leben ewig. Dies sind deine Worte, o Herr! ach möchten doch diese seligen Verheissungen an meiner Seele erfüllet werden, möchte ich in diesen heiligsten Sakramente aufs innigste mit Dir vereinigt werden, daß ich hinführo nur suche und liebe, was Dir gefällig, und mit Dir immer gleichen Sinn, gleiche Neigung und gleiches Streben habe. Möchte die Genießung dieses heiligen Sakraments für mich das Unterpfand des ewigen Lebens seyn, welches Du denen verheissen hast, die es genießen. Herr! ich hoffe und vertraue 128 auf dein Wort, auf deine Macht und Güte. Erhalte und vermehre in mir diese Hoffnung und dieses Vertrauen! SEARCHEO Ja was kann ich von Dir nicht hoffen und erwarten, der Du mich so sehr geliebet hast, und noch immer fortfährst, mir neue Beweise der Liebe zu geben. Du, mein Erlöser! bist aus Liebe zu mir Mensch geworden, bist aus Liebe zu mir für mich gestorben, und jetzt kommst Du auch zu mir, Dich mit mir zu vereinigen, und gibst mir den Leib, den Du für mich in den Tod gegeben, das Blut, das Du für mich vergossen hast, zur Speise und zum Tranke für meine Seele. O daß ich diese Liebe recht erkennen und dich würdig wieder lieben möchte! O daß ich doch recht würdig Dich empfangen möchte!- COMMER Uber, o Herr! welcher Mensch wäre dessen würdig? Du der heiligste Sohn Gottes, und wir arme Sünder; Du, an dem der ewige Vater Wohlgefallen hat, und ich, der ich ihn mit Súnden so oft beleidigt habe. 3war hast Du mir vergeben, o Herr! aber dessen bin ich dennoch nicht würdig, daß Du zu mir kömmst, Dich mit mir zu vereinigen. Ich bekenne mit dem evangelischen Hauptmann: D Herr! ic) bin nicht würdig, daß Du einkehrest ben mir, sondern sprich nur ein Wort, so wird meine Seele geheilt von Sünden, und selig. Ullein Du willst es, o Herr! Du befiehlst es, wir sollen zu Dir kommen, wir sollen sonst 129 keinen Untheil an deinem Reiche haben, keinen Theil an der Seligkeit, die Du uns erkauft hast. Sieh also, ich komme mit dem Gefühle meiner Unwürdigkeit, aber aus Gehorsam gegen Dich, und mit dem Verlangen, deiner Gnade theilhaftig zu werden, aus heiliger Begierde, mit Dir vereinigt zu werden. Ja, mein Heiland und Seligmacher! meine Seele verlanget nach Dir, komm und vereinige Dich mit mir! Komm Du Freund der Menschen, Du Versöhner der Sünder! Komm und reinige meine Seele von allen Sünden und von aller Neigung zum Bösen! Komm Du Urzt der Seelen, heile und stärke meine Seele! Komm mein Gott und Heiland, mein Erlöser und Seligmacher! mach mich, den Du erlöset hast, auch selig für die Ewigkeit! Bey der Communion. Sieh das Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt. O Herr ich bin nicht würdig u. f. w. Der Leib des Herrn Jesu Christi bewahre meine Seele bis zum ewigen Leben.- Nach der Communion. Ich habe ihn gefunden, den meine Seele lieb hat, ich will ihn behalten und nicht entlassen. Dich meinen Heiland umfasse ich im Innersten meines Herzens, Dich besitze ich. Laß doch meine Seele die Kraft deiner Gegenwart fühlen! Laß I 130 mich kosten, wie süß der Herr ist, damit meine Seele durch deine Liebe eingenommen, nichts außer Dich suche, nichts liebe als um deinetwillen. Du bist mein König, komm meinen Bedürfnissen zu Hülfe! Du bist mein Richter, schone meiner Sünden! Du bist mein Arzt, heile meine Seele! Du bist mein Gott und mein Alles: laß mich in Dir und durch Dich selig seyn! Die Seele Christi heilige mich! Der Leib Christi beselige mich! Das Blut Christi tránke mich! Das Wasser der Seite Chrifti wasche mich! Das Leiden Christi stårke mich! O gütigster Jesu erhöre mich. In deine Wunden verberge mich. Von Dir lasse mich nimmer scheiden.n Von allem Bösen beschütze mich. In meiner Todesstunde berufe mich. Und laß mich zu Dir kommen, Mit deinen Heiligen Dich zu loben Von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Ich danke Dir, o mein göttlicher Heiland! daß Du Dich gewürdiget haft, zu mir zu kommen, und Dich mit mir zu vereinigen. Uch Herr! bleibe doch nur durch deine Gnade immer bey mir. Erfülle dein Wort an mir, welches Du gesagt haft: wer mein Fleisch ist, und trinkt mein Blut, der bleibt in mir und ich in ihm. Laß den Genuß deines heil. Fleisches und Blutes meine Seele erquicken und stärken zur Erfüllung deines 130 K heil. Willens, damit ich hinführo deinem Worte und deinem Beyspiele in allem getreu folgen, und einst mit Dir vereinigt werden möge in jenem ewigen Leben, welches Du uns verheissen und durch deinen Tod erworben hast. Aber was soll ich Dir vergelten, mein Heiland! für alles, was Du heute an meiner Seele gethan hast? Du hast mir meine Sünden vergeben, und hast mich aufgenommen an deinem h. Tische, um an dem Mahle deiner Liebe Theil zu nehmen, was Du den Deinigen bereitet hast. Dein h. Fleisch, Dein h. Blut, Dich selbst hast Du mir hingegeben zum Unterpfand des ewigen Lebens. O wie vergelte ich solche Liebe? Siehe, mein Heiland! ich opfere Dir mein Herz, meinen Willen, meine Seele mit allen ihren Neigungen, Wünschen und Gesinnungen auf. Nur Dich soll hinführo mein Herz lieben über alles, und alles Uebrige nur um Deinetwillen. Mein Wille soll stets mit dem Deinigen vereinigt seyn. Du allein sollst das höchste Ziel aller meiner Neigungen, Wünsche und Gesinnungen seyn. Reinige Du immer mehr und mehr mein Herz, heilige meine Seele, leite meine Neigungen, Wünsche und Gefinnungen zu Dir, und zu allem Guten. Bleibe stets bey mir, Herr! laß mich in Dir leben, in Dir sterben. Ja nur Dir, o mein Heiland! wünsche ich in Zukunft zu leben, und der Sünde und allen böfen Neigungen immer mehr und mehr abzu$ 2 132 sterben. Gib, daß ich die Eitelkeit und den Hochmuth durch Bescheidenheit und Demuth besiege, den Geiz und jeden Hang zum Irdischen durch Achtung und Liebe zum Ewigen; den Zorn, Neid und jede Lieblosigkeit, durch Wohlwollen, Friedfertigkeit und wahre Nächstenliebe, die Sinnlichkeit durch Abtödtung und Einschränkung der Begierden, die Lauigkeit und Trägheit durch einen h. Eifer im Gebeth und in deinem Dienste muthig bekämpfe und besiege. Hilf mir; mein Heiz land! da ich mit Dir vereinigt worden, ein neues Leben zu führen nach deiner Lehre, nach deinem Beyspiel, nach deinem h. Wohlgefallen. Du hast Dich, o göttlicher Heiland! gewürdigt, zu mir zu kommen und bey mir einzukehren. Da Du mir diese höchste Gnade erzeigt haft, so darf ich Dich auch um fernere Gnaden bitten. Ich empfehle Dir also alle meine zeitlichen und geistigen Angelegenheiten, allen meinen Kummer, meine Sorgen und alles Leiden. Tröste doch meine Seele ben allem diesem, was von der menschs lichen Unvollkommenheit unzertrennlich, und von deiner göttlichen Vorsicht mir aufzulegen zu meinem Heile nothwendig und dienlich geachtet ist. Stärke meine Seele, daß sie bey allen vorkom= menden Umständen dieses Lebens standhaft beharre, und auf Dich vertraue, der Du alles zu unserm Besten ausführen wirst. Ich empfehle Dir auch die lieben Meinigen, meine Eltern, Brüder, Ungehörige u. f. w., alle Christen, Recht= 133 gläubige und Irrgläubige, ja alle Menschen, welche der ewige Vater nach seinem Ebenbilde erschaffen, und Du, o ewiger Sohn! durch deine Mensch. werdung und deinen Tod erlöset hast. Laß ihnen allen doch die Früchte deiner Erlösung zu Theil werden, der Du lebest und regiereft mit Gott dem Vater in Einigkeit des h. Geistes von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Herr! nun entlasse deinen Diener in Frie: den; durch Dich gestärkt und getröstet gehe ich wieder an meine Geschäfte: aber deine Gnade begleite mich. Und du, meine Seele! vergesse nie, was der Herr heute an dir gethan hat, der dich von deinen Sünden geheilet und sich aufs innigste mit dir vereinigt hat. Fortgesette Bußübungen. Borerinnerung. Es ist dem büßenden Christen nothwendig und heilfam, daß er die Buße auch nach der Vergebung seiner Sünden fortsege; daß er die Reue über seine begangenen Sünden und den Abscheu gegen dieselben oft erneuere und unterhalte, und sich in dem Vorfahe der Besserung stårke. Dies ist vorzüglich dazu nothwendig, um ihn vor dem Rückfalle zu bewahren, und im Guten standhaft zu bleiben. Dazu mögen folgende Bußübun, gen dienlich seyn, welche besonders auf diejenigen Sünden eingerichtet sind, aus denen leicht andere entstehen. Dein Gewissen oder dein Gewissensrath wird dir die Unweisung geben, welche von folgenden Bußübungen für dich nüglich und heilsam seyen. 134 ste Bußübung. Ueber die Trägheit. Lehre mich, Herr! meine Fehler immer mehr erkennen, um sie zu verabscheuen und zu meiden. Laß mich besonders diejenigen recht erkennen, denen ich bishero leider so sehr ergeben war. Trågheit in deinem Dienste war mein besonderer Fehler. Ich will das Unrecht dieses Fehlers, und die schlimmen Folgen, die daraus entstehen, erwägen. Erleuchte mich durch deine Gnade, daß ich es einsehe, wie beleidigend dieser Fehler vor Dir, und wie schädlich und gefährlich er für mich sey, damit ich ihn von ganzem Herzen verabscheue und bessere. Umen. Betrachtung. Gott ist unser Schöpfer und Herr: wir find Ihm zu dienen schuldig, weil wir seine Geschópfe, die Werke seiner Hände sind, und weil er uns mit Vernunft und Fähigkeiten dazu begabet hat. Wir sind Ihm zu dienen schuldig, weil Er unser Wohlthäter und Vater ist, der uns mit jedem Tage neue Wohlthaten erzeigt. Ach! wie unrecht und wie undankbar gegen Gott beträgt sich also ein Mensch, der auf seinen Gott vergißt; der viele Tage hinlebt, ohne an seinen Gott zu denken, ohne zu ihm zu bethen, ohne ihm zu danken. Wozu muß aber diese Vergessenheit Gottes 135 führen? Er wird bald gleichgültig werden gegen alles, was Gottes ist; gleichgültig gegen den öf fentlichen Gottesdienst, kalt und lau im Glauben und in guten Werken, kalt in der Liebe gegen Gott, und zuletzt gleichgültig gegen die h. Religion. An den Gott geheiligten Tagen wird ihm die öffentliche Gottesverehrung immer zu langweilig, und er wird suchen, sich aus der Gemeinde der Gläubigen baldmöglichst zu entfernen. Das Gebeth, welches der schönste Trost und die ange= nehmste Unterhaltung guter Christen ist, wird ihm zur Last, und die Empfahung der Heilsmittel der Kirche( der h. Sakramente) wird immer hin= ausgesetzt, und höchstens einmal im Jahre, wenn die Kirche Alle ohne Ausnahme dazu anhält, wird er sie empfangen. Auf solche Art beraubt er sich der wohlthätigsten Gnadenmittel, welche unser Heiland seiner Kirche anvertrauet, und für die Gläubigen angeordnet hat. Und ach! wohin muß ein solches tråges, laues Christenthum endlich führen? muß es nicht den Weg bahnen zu allen Thorheiten und Lastern? O wie schädlich und gefährlich ist die Trägheit, die Lauigkeit! wie unrecht gegen Gott, wie schlimm und gefahrvoll für den Christen! Wie nahe schwebt ein lauer Christ an seiz Weil du wenem Untergang und Verderben!- der kalt noch warm bist, sondern lau, so will ich anfangen dich zu verwerfen, spricht der Geist Gottes in der Apokalipse 3. Kap. ISTRE 136 Gebeth. mein Gott! in welchen gefährlichen Fehler war ich gesunken, wie weit hatte ich mich von dir entfernt! Wie kann sich der Mensch weiter von seinem Gott entfernen, als wenn er denſelben beynahe ganz vergißt? Seiner in langer Zeit beynahe nicht gedenkt, oder nur obenhin an ihn gedenkt, wenn er an den geheiligten Tagen nach Vorschrift in seinem Tempel erscheint? Uch so war ich eine lange Zeit gegen dich, o mein Gott! ich gedachte deiner selten und ungern. Du wach= teft über mich, und trugst meiner Sorge; du liebtest und suchtest mich, und hast mich wieder von meinen gefährlichen Wegen zurückgeführt zu dir. So liebest du, Gott! die Menschen, wenn sie dich gleich nicht lieben noch achten. Uch Herr! wie leid ist es mir, daß ich dich bisher so wenig ge achtet habe, daß ich so gleichgültig und träge in deinem Dienste war. Dich will hinführo mit desto größerm Eifer dir dienen. Un dich denken, zu dir bethen soll in Zukunft für mich eine hei lige Freude seyn. Ich will die Heilsmittel deiner Kirche( die h. Sakramente) öfterer und treu gebrauchen, und meinen Glauben durch gute und verdienstliche Werke ausüben. Auf solche Art hoffe ich in dem Guten, worin ich nun angefangen, mit deiner Gnade zu beharren. Stehe mir ferner mit deiner Gnade bey, o Herr! und erhalte meine Seele in deiner Freundschaft und Liebe, und im heiligen Eifer zu allem Guten. Umen. 1988 do 137 Zweyte Bußübung. pos Ueber die Unmäßigkeit. Erleuchte mich, o Gott! daß ich es immer mehr einsehe und erkenne, wie sehr dir die Unmäßigteit in Speise und Trank mißfallen müsse. Laß mich auch die schlimmen Folgen recht beherzigen, die dieser Fehler nach sich zieht für Leib und Seele. Laß mich die Gefahr merken, worin ein Mensch sich befindet, der diesem Fehler ergeben ist; und flöße mir dann, o Gott! durch deine Gnade einen immerwährenden Haß und Abscheu gegen dieses Lafter ein. Amen. Betrachtung. Gott, unser Schöpfer und Erhalter, hat den Leib des Menschen so eingerichtet, daß er Speise und Trank bedarf zu seiner Erhaltung. Er hat deshalb in der Natur einen immerwährenden Vorrath von Speise und Trank für die Menschen bereitet. Von diesem soll er zur Nothdurft für seine Erhaltung, aber måßig, gebrauchen; das ist der Wille Gottes. Wer nun die Gaben Gottes überflüßig, unmäßig gebraucht, wer sie bloß zur Befriedigung seiner Sinnlichkeit genießt, wer sich durch Speise und Trank gar übernimmt, der handelt offenbar wider den Willen Gottes, und wider die Absichten, wozu er sie verordnet hat. Speise und Trank, die nur Mittel zur Erhaltung feyn sollen, sind einem Solchen Zweck, sind ihm 138 sein höchstes Gut, worin er feine höchste Glückfeligkeit sucht. Wie unanständig der Würde eines Menschen, und besonders eines Christen!- Allein er wird seine Glückseligkeit nicht darin finden. Unmäßigkeit bestraft sich selbst; sie zerrůttet den Körper, zerstört die Gesundheit, und bereitet ein frühes Grab. Menschen, die sich die Unmäßigkeit zur Gewohnheit gemacht haben, sind also langsame Selbstmörder. Und welche Vorwürfe muß sich nicht ein Solcher am Ende seiner Tage machen, wenn er die 3errüttung seines Körpers, die Abnahme seiner Kräfte fühlt, und die Herannabung seines frühen Todes sieht, wovon er selbst die Ursache durch seine Unmäßigkeit gewesen. Und wie, wenn er sogar durch einen solchen Tod seine Kinder zu Waisen, sein Weib zu einer verlassenen Wittwe macht? Jedoch, wenn auch das alles nicht wäre, so ist und bleibt die Unmäßigkeit noch in mancher andern Hinsicht ein schlimmer und gefährlicher Fehler, der die schlimmsten Folgen nach sich zieht. Verschwendung ist gar leicht damit verbunden, und Zurückkommen des Hauswesens, und wohl gar Urmuth sind gar oft die Folgen. Und dann was ist ein Mensch, der sich durch UnmåBigkeit besonders im Trunke übernimmt, oft bis zur Betäubung, und des Gebrauchs seiner Vernunft nicht fähig ist. Zu welchen Thorheiten und Lastern ist ein Solcher nicht fähig? welche Albernheiten spricht und begeht er? in welche Händel CO 139 K und Streitigkeiten geråth er? wie viel Kummer und Verdruß verbreitet er über die Seinigen? Ha! die abscheuliche Unmäßigkeit! Wer muß sie nicht von ganzem Herzen verabscheuen? Gebeth. Ich falle vor dir nieder, o Gott! mit Scham und Reue im Herzen. Wie konnte ich einem so niedrigen, jedem vernünftigen Menschen, und besonders dem Christen so unanständigen Fehler ergeben seyn? Wie konnte ich deine Gaben so unmåßig gebrauchen, die du uns verleihest, um sie zur Nothdurft und mit Mäßigkeit zu genießen! Wie konnte ich in der Befriedigung meiner Sinnlichkeit meine höchste Glückseligkeit suchen, und durch Unmäßigkeit mich verfündigen? Ich erkenne meinen Fehler, o Herr! und bereue ihn noch stets, wenn ich daran denke, wie ich mich so vergessen, und mich so herabwürdigen konnte; besonders wenn ich dem Laster der Trunkenheit mich ergab. Uch Herr! was ich alsdann Uebels gesagt oder gethan haben mag, was ich selber nicht weiß, auch das, bitte ich, verzeihe mir doch. Verzeihe mir doch alles ergerniß, das ich in der Trunkenheit gegeben. Ich werde diesen Fehler hinführo von ganzem Herzen verabscheuen. Ich will mich von der bösen Gewohnheit mit Gewalt los= reiffen. Vielleicht ist es nun noch Zeit, den bösen Folgen, die dieses Laster nach sich zieht, zuvorzu= kommen. Helfe mir doch, o Gott! durch deine 140 K alles vermögende Gnade, daß ich ein Laster meide, das dir so sehr mißfällt, und welches denjenigen, der sich demselben ergibt, so unglücklich macht; ja unglücklich an Leib und Seele, für Zeit und Ewigkeit. O stårke meinen Vorsak, Herr! und hilf mir, ihn in Erfüllung zu bringen. Amen. 3te Bußübung. Ueber den 3orn. Laß mich, o Herr! erkennen und recht einsehen, wie sehr man sich durch Zorn verfündige gegen dich und gegen den Nächsten. Laß mich einsehen, welche übele Folgen ein Fehler habe, den ich bisher so wenig geachtet habe, und zu welchen Sünden derselbe die Menschen so leicht verleite, die sich vom Zorne überwältigen lassen. Laß mich das heute recht erkennen und zu Herzen nehmen, und helfe du mir, den auffahrenden Zorn zur rechten Zeit zu merken und zu mäßigen. 2901 Betrachtung. sin Der Herr unser Gott ist ein Gott des Friedens und der Liebe. So wie er alle Menschen liebt, so will er auch, daß wir wie Brüder uns lieben, daß wir wie Kinder eines Vaters in Eintracht und Frieden leben. Nichts stört diesen Frieden und diese Liebe mehr, als der Zorn. Ein Mensch, der dieser Leidenschaft eine Herrschung über sein Herz eingeräumt hat, ist oft der Ruhestörer eines ganzen Hauses, verbreitet Kummer O 141 und Verdruß über die Seinigen, und beleidigt unbesonnen seine Mitmenschen, womit er umgeht. Er fündigt dadurch nicht nur gegen den Gott der Liebe, nicht nur gegen die wichtige Pflicht der christlichen Nächstenliebe, sondern auch gegen die Pflicht der christlichen Selbstliebe. Er beraubt sich selbst der Zufriedenheit, schadet durch unmäßigen 3orn selbst seiner Gesundheit, und nicht selten ist eine tödtliche Krankheit eine Folge des gewal= tigen Zorns. Uch wie sehr haben wir also nicht Ursache, diesen Fehler zu hassen und zu vermeiden. Uber in welche andere Fehler kann er nicht auch den Menschen stürzen? wohin reißt nicht oft der ungestüme 3orn den 3ornmuthigen? Bank, Streit, Haß, Rachsucht, Verfolgung sind leider oft die traurigen Folgen dieses Lasters; oft gar Verwundung und Mordthat. Ach wohin kann doch der Mensch gelangen, wenn er nicht auf feine Leidenschaften wacht, und die gefährlichen Ausbrüche derselben nicht frühzeitig hemmet? In welches Elend kann er sich und andere stürzen? Der Zorn gehört unter die gefährlichsten Leider schaften, und daher soll mein Herz von nun an diesem Fehler entgegen arbeiten, und Mäßigung und Sanftmuth sich eigen zu machen suchen. Möge nur der Herr mich dazu helfen und stärken. Gebeth. Ich flehe zu dir, o Gott! und bitte um Beystand und Gnade: helfe du mir einen Fehler be 142 kämpfen, dem ich leider schon zu viel Gewalt über mein Herz eingeräumt habe. Uch wie oft habe ich gegen dich, den Gott des Friedens und der Liebe, durch meinen Zorn gefündigt, wie oft habe ich meine Nebenmenschen gefränkt, beleidigt, mißhandelt; wie viel Kummer und Elend vielleicht verbreitet. Uch ich will in mich gehen, und einen Fehler verabscheuen, wodurch ich mich und andere nur unglücklich mache. Verzeihe mir doch nur, o Gott! die bisherigen ungerechten Aufwallungen des Zornes, und alle Kränkungen und Beleidi= gungen, die ich dadurch irgend einem meiner Mits menschen zugefügt habe. In Zukunft will ich sorgfältig über mein Herz wachen, und den aufkoma menden Zorn in seinem ersten Entstehen unters drücken. Oft will ich diesen Vorsatz erneuern, und besonders ben solchen Gelegenheiten, wo ich leicht gereißt werden könnte, frühzeitig daran denken, um mich gefaßt zu halten, und vom Zorne nicht übereilt zu werden. Aber o Gott! du mußt mir helfen und beystehen, sonst möchte ich mich dennoch wieder vergessen, und zürnen. Lehre du mich Sanftmuth und Liebe nach deinem Beyspiele, 0 Gott der Langmuth und Geduld! Lehre du mich sanftmüthig seyn, und demüthig von Herzen, nach deinem Beyspiele, Jesus Christus, mein Heiland und Erlöser! Du, der du beleidigt wurdest, und nicht wieder beleidigtest; der du gescholten wurdest, und nicht wieder schaltest; der du die größten Unbilligkeiten schweigend, geduldig und sanft -143 müthig ertrugest, o flöße du mir auch Gesinnungen der Sanftmuth und Geduld ein, gib mir den Geist des Friedens und der Liebe. Amen. 4te Bußübung. Ueber die Hoffart. 9100 Herr! du liebst an deinen Menschenkindern die Demuth, die Hoffärtigen aber sind in deinen Augen ein Gräuel. Bewahre mein Herz vor diesem Laster, und laß uns erkennen, wie viel Ursache wir Menschen haben, demüthig zu seyn. Segne dazu diese Betrachtung, und lasse mir die wichtigen Beweggrunde einer christlichen Demuth stets vor Augen schweben, daß ich mich nie durch Stolz erhebe, sondern bescheiden und demüthig sey. Amen. Betrachtung. Es ist wohl kein Laster, was dem Menschen we= 3 niger ansteht, als Stolz, Hochmuth oder Hoffart; sey es, daß die hohe Meynung von sich selbst wegen Eigenschaften des Geistes, oder wegen Borzüge der Geburt, Naturgaben oder Güter her: rühre. Ist doch alles, was wir sind und was wir haben, Gottes Gabe; wie kann man denn damit groß thun?- Was rühmst du dich dessen, was du empfangen hast, schreibt Paulus, und verachtest den, der nicht empfangen hat? Und dennoch wie leicht lassen sich Menschen von Eitelkeit und Stolz einnehmen, und eignen sich selbst zu, was Gottes ist, und erheben sich dann mit Verachtung 144 über Andere, die das nicht sind oder haben, wie sie. Lächerlicher Stolz! wirst du diese Vorzüge und Gaben denn auch immer behalten? Vielleicht bis zum Tode; und dann wirst du Rechenschaft geben müssen, wie du sie gebraucht hast. Deine Wissenschaften, deine Geistesgaben, deine Schönheit, deine vornehme Geburt, deine Güter, alles, wodurch der Mensch hier ausgezeichnet war, wird dann eines Theils aufhören, und andern Theils wird der Knecht von diesen Talenten seinen guten Gebrauch vorzeigen müssen; und wenn er sie ungenutzt gelassen oder mißbraucht hat, zur Strafe gezogen werden. Uch wie thòricht handeln sie also, die auf ihre Vorzüge groß thun! und zu welchen Thorheiten lassen sie sich von ihrem Stolze verleiten! Ueppigkeit, Verschwendung und übertriebene Kleiderpracht sind gewöhnlich das Gefolge dieses Lasters. Verachtung und Geringschägung anderer Menschen, Eigendünkel und Selbstruhm, Zurücksetzung und Verläumdung derer, die ihm beynahe gleichzukommen scheinen, Hårte und Druck geringerer Menschen erlaubt sich ein Stolzer ohne Gewissensrüge. Und so geht er also daher in seinem eitlen Prunk, von sich selbst und seinen Schmeichlern angestaunt, aber vor Gott leer und arm, und nur reich an Thorheiten und Fehlern. Jedoch die sieht er nicht, und das ist sein Unglück. Würde er seine Schwachheiten und Fehler erkennen, o wie leicht würde ihm die Demuth werden! Würde er über die Gebrechlichkeit und 145 Schwachheit des Menschen, über die Kürze dieses Lebens, nach welchem wir vor Gott alle wieder gleich sind, über die Eitelkeit und Vergänglichkeit aller irdischen Dinge nur zuweilen ernstlich nachdenken, so würde er die Thorheit einsehen, daß ein Mensch auf Kleinigkeiten groß thun könne, die nicht sein sind, die ihm nur gegeben sind, und die ihm bald wieder genommen werden, und seine Schwachheiten und Fehler würden ihn ermahnen, an seine Brust zu schlagen, und zu sagen, wie der Zöllner im Evangelio: Herr! sey mir Sünder gnädig. Gebeth. Gott! wir sind nur schwache Menschen, und Sünder vor dir. Wie eitel und thöricht ist es, wenn wir uns erheben, und auf irgend eine Sache groß thun. Alles, was wir sind und haben, ist ja deine Gabe, wofür wir dir in Demuth danken, die wir nach deinem h. Willen anwenden sollen, und von deren Gebrauch wir einst vor dir Rechenschaft zu geben haben. Ach wie wenig Urfache haben wir also, darauf stolz zu seyn, wenn wir mehr empfangen haben, als andere. Wie thö: richt war es von mir, wenn ich je zuweilen mir in den Sinn kommen ließ, auf die äußern Glücksgüter, die du mir zu Theil werden ließest, oder auf irgend einen kleinen Vorzug vor andern Menschen eitel zu werden! Wie leid ist es mir, wenn ich aus Uebermuth oder Eitelkeit je vor dir geK & 146 fündigt, und meine Nebenmenschen verachtet habe, die vor dir vielleicht besser sind, als ich! Ich will mich in Zukunft stets an meine Unwürdigkeit vor dir, und an meine Fehler und Schwachheiten erinnern, um mich in der Demuth zu erhalten. Du, o Gott! verabscheuest die Hochmüthigen und liebst die Demüthigen. Du willst der Demüthigen dich erbarmen und sie aufnehmen, sagt dein Wort, aber die Hoffärtigen wirst du einst erniedrigen und leer ausgehen lassen. Darum will ich mich bestreben, demüthig zu seyn von Herzen. Hat mich deine Vorsehung mit mehr Gütern geseg net, als andere, so will ich bedenken, daß ich darum nichts besser, als sie, bin, und daß ich über den Gebrauch derselben auch mehr zu verantwor= ten habe. Hat mich deine Vorschung über andere erhöhet durch Stand, Geburt oder Umt, so will ic) bedenken, daß solche keine eigentliche Vorzüge geben, und daß nur ein Leben in Weisheit und Tugend wahrhaft edel und groß mache, und daß besonders diejenigen, die eine Würde und Umt bekleiden, solches nach deinem h. Willen zum Wohl ihrer Untergebenen verwalten müssen, und über diese Verwaltung bey dir einst Rechenschaft zu geben haben. Die Erinnerung meiner Schwachheiten und Fehler soll mir immer vor Augen schweben und mich Demuth lehren. Durch solche Gesinnungen will ich mich in der Demuth erhalten. Stårke du mich, o Gott! und erhalte in mir die Ge sinnungen einer ungeheuchelten Demuth. Amen. R 147 5te Bußübung. Ueber das Laster der Unzucht. Ich wende mich zu dir, o Gott! und flehe um Licht und Gnade, um recht einzusehen und zu Herzen zu nehmen, wie schåndlich für jeden Men= schen, aber besonders für den Christen, das Laster der Unzucht sey. Laß mich dies aus deinem Worte recht erkennen, flöße du meiner Seele einen Abscheu ein gegen ein Laster, welches das gefährlichste und verderblichste aus allen ist. Flöße mir eine Hochachtung und Liebe gegen die Reinigkeit des Leibes und der Seele ein, und stärke mich zur Beobachtung einer standesmäßigen Keuschheit. Betrachtung. STIAL Gott hat aus weißen Ursachen dem Menschen sinnliche Triebe gegeben, welche theils zu seiner Erhaltung theils zur Fortpflanzung des Menschengeschlechts nöthig sind. Er hat ihm aber auch Vernunft gegeben, wodurch er diese sinnlichen Triebe, wenn sie ausarten und nach unerlaubten Lusten streben, in Schranken halten und unter= drücken soll. Dies hat er ihm zur Pflicht gemacht. Und was Gott jedem Menschen zur Pflicht ge= macht hat, das hat sein ewiger Sohn, unser Heiland, bestätigt, und in seinem Evangelium vollkommener erklärt. Dieser hat uns gelehrt, daß nicht nur die Werke der Unzucht, sondern auch solche Neigungen und Begierden des Herzens, K2 148 wenn sie freywillig unterhalten würden, vor Gott Sünde wären. Denn aus dem Herzen gehen alle Laster hinaus, sprach er, und jede Sünde nimmt da ihren Anfang. Es ist daher Reinigkeit der Seele sowohl als des Leibes eines jeden Christen Pflicht. Denn Gott ist ein Geist, der nicht nur die Werke beobachtet, sondern Herzen und Nieren durchschauet. Gleichwohl ergibt sich der Mensch so leicht dem Laster der Unkeuschheit; und auch so mancher Christ, dessen Leib dennoch seit der Taufe nach Pauli Lehre, ein Tempel Gottes, dessen Glieder, Glieder Jesu Christi sind, befleckt diese Glieder, diesen Leib und seine Seele durch Thaten oder Begierden der Unzucht. Aus Leichtsinn zuerst und aus Schwachheit läßt er sich von seiner bösen Luft oder von andern verführen zu Sünden, welche bald sein ganzes Herz verderben. Hat einmal dieses Lafter Gewalt über sein Herz, ist es ihm zur Gewohnheit geworden, dann wehe dem Unglücklichen. Er wird tausendmal seine Sünde erkennen, tausendmal sein Unglück einsehen, und dennoch, von seiner bösen Lust gefesselt, sich nicht losreiffen. Er wird von dem einen Laster in das andere noch schändlichere, von dem einen Abgrund in den andern noch schrecklichern stürzen. Und was wird das Ende seyn? Wofern er nicht frühzeitig seine Zuflucht zu Gott und zu den Mitteln der Religion nimmt, und durch Gebrauch derselben, und durch Gottes Gnade gestärkt, mit 149 Gewalt fich losreißt, so wird endlich die böse Leidenschaft ihn ganz beherrschen. Er wird alles aufopfern, um seine schåndlichen Lüste zu befriedigen. Er wird sogar Scham und Ehrgefühl unterdrücken, die Rechte der Ehe mit Füßen treten, und einem Laster sich Preis geben, welches seinen Körper entkräftet, seinen Geist niederschlågt, seine Säfte verdirbt, und ihn in eine Krankheit stürzt, die wie eine Pest um sich greift, und die sein Leben unter den schrecklichsten Schmerzen und Zuffungen endigen wird. Dies sind nicht selten die Folgen der Unzucht in diesem Leben, und welche werden die Folgen und Strafen dieses Lasters im zukünftigen Leben seyn vor dem allsehenden und allwissenden Gott und Nichter? Gebeth. Gott! auf welchen gefährlichen Wegen habe ich gewandelt, da ich mich den sinnlichen Lüften era geben, und meine Seele und meinen Leib durch unerlaubte Befriedigung der Fleischeslust beflecket habe? Ach ich sehe es ein, wie unrecht und schåndlich ich dadurch gehandelt habe vor dir, der du alle Unreinigkeit aus so weisen Ursachen verbothen hast; der du willst, daß ein Christ besonders seinen Leib und feine Seele unbefleckt erhalten soll von allen innern sowohl als äußern Sünden des Fleisches. Ich sehe es ein, wie unrecht und schåndlich ich gehandelt habe gegen mich selbst, da ich mich einem solchen Laster ergeben, welches den 150 Leib und die Seele schåndet, und welches für mich die schrecklichsten Folgen in diesem und dem zufünftigen Leben nach sich zieht. Ich sehe es ein, wie unrecht ich gehandelt habe gegen meinen Nächsten, da ich vielleicht die Unschuld verführt und andere zu Mitgenossen meines Lasters gemacht habe, und Urheber geworden bin fremder Sünden, und fremden Elends und Verderbens. Uch Herr! wie bereue ich meine Vergehungen und Sünden! Ich hoffe zwar, du hast meine Reue und Buße gnådig angesehen und aufge= nommen, und mir durch deine Barmherzigkeit und die Verdienste Jesu Christi vergeben. Aber ich werde dennoch nicht aufhören, dieselben zu bereuen, und dich immer zu bitten mit dem bůBenden König David: wasche mich mehr und mehr von meiner Missethat, und reinige mich von meiner Sünde, auch von den geheimen verborgenen Sünden reinige mich, und wegen fremder Sünden schone meiner. D ich will mich hüten vor einer Sünde, die dir so sehr mißfällt, und mich und andere so unglücklich macht. Ich will auf mein Herz sorgfältig wachen, und die ersten aufsteigenden bösen Neigungen gleich unterdrükken. Ich will meine Sinne bewahren, und auch in meinen Reden behutsam werden, um keinen Unstoß gegen die Ehrbarkeit zu geben. Die bösen Gelegenheiten und Gesellschaften, die mich so oft zur Sünde verführt haben, will ich gänzlich meiden, auch will ich allen Schaden, den ich durch 150 meine Sünde etwa angerichtet haben möchte, wie auch alles gegebene Nergerniß wieder gut zu ma= chen suchen. Alle Mittel des Heils, die mir meine Religion und aus derselben mein Gewissensrath vorschlägt, will ich treu und fleißig gebrauchen, um nicht wieder in einen so gefährlichen Fehler, woraus du mich errettet haft, zurückzufallen. Und dann hoffe ich, Herr! wirst du meine Schwachheit stårken, und mit deiner Gnade mich auf allen meinen Wegen begleiten. Amen. 6te Bußübung. 709 Ueber den Neid. giong Du willst, o Gott! daß wir alle Menschen wie uns selbst lieben sollen. Das Glück unsers Nebenmenschen soll uns erfreuen, und sein Unglück uns betrüben. Alles Gute sollen wir ihm wünschen und gönnen. Wie schwach sind wir Menschen oft in dieser Pflicht! O lehre mich, Herr! die Billigkeit dieser Pflicht erkennen, und bewahre mein Herz vor Neid und Schadenfreude! Betrachtung., ne Gott über alles und den Nächsten wie uns selbst lieben, ist das ganze Geset, lehrt Jesus Christus. Die Pflicht der Nächstenliebe ist der Pflicht der Gottesliebe gleich; und fällt die eine dieser Pflichten, so fällt auch die andere. Darum sollte ein Christ auf beyde gleich sorgfältig Ucht haben, und sie zu erfüllen suchen. Es ist aber ein Fehler 152 gegen die Nächstenliebe, der von vielen oft wenig geachtet wird, und dieselbe dennoch ganz untergråbt; und dies ist der Neid, und die mit demfelben gewöhnlich verbundene Schadenfreude. Das Glück und Wohlergehen des Nebenmenschen, feine Talente, Vorzüge, Güter, oder auch wohl sein Unsehen oder Ehre bey den Menschen, sind ihm zuwider. Ben dessen Unglück aber, oder bey irgend einer Kränkung, die ihm begegnet, spürt der Neider eine geheime Freude. Wie unedel und niederträchtig! Aber woher mag der Fehler entstehen? Geheimer Stolz und Selbstsucht müssen nothwendig die Quelle seyn. Der Neider glaubt sich selbst besser und größer, als andere, und des Guten würdiger oder eben so würdig zu seyn; und da er desselben vom Glück oder von der Vors sehung nicht theilhaftig wird, oder weniger als andere empfängt, so wird er unzufrieden, und sieht seinen Bruder mit schalkhaftem Auge an; gråmt sich selbst und beneidet andere. Ullein auch dieser Fehler straft sich selbst. Ein Neider quält sich selbst, fein Nächster bleibt darum, wer er ist, der Glückliche, der Ungesehene u. s. w. Jedoch sucht der Neidische auch gern seinem Nächsten wirklich zu schaden. Er sucht dessen Glück, wenn er kann, zu hindern oder zu zerstören; und wo er anders nicht kann, so sucht er denselben zu tadeln, bey andern zu verachten und zu verläumden. Sein Herz wird wohl endlich gar mit bitterem Hasse gegen denselben er 153 füllt, der ihm bey gewissen Unlassen und Gele: genheiten, wie den Brudermörder Cain, und die Brüder Josephs, zu großen Ungerechtigkeiten und Lastern verleiten könnte, ja selbst zum Morde. Was war es, was den König Saul zu Mordanschlägen gegen David verleitete? Der Neid. Was erfüllte die jüdischen Hohenpriester mit Haß und Mordsucht gegen Jesum? Der Neid. D wie ge= fährlich kann der Neid werden, wenn ihm nicht früh und ernstlich entgegen gearbeitet wird! Gebeth. Bewahre doch mein Herz, o Gott! daß ich mich nicht wieder von einem Fehler verleiten lasse, der sich bisher noch unbemerkt in meine Seele eingeschlichen hatte. Uch ich beneidete meine Mitmenschen des Guten wegen, das sie von dir, o Herr! empfangen, des Glückes wegen, womit du sie gefegnet. O wie unrecht war dies! Bist du nicht der Herr, und kannst thun, was du willst? und ist mein Nächster nicht dein Kind, wie ich? und wenn du dem einen Menschen mehr als dem andern verleihest, so wirst du dazu deine heiligen und guten Ursachen haben. Nein, ich will mich nie vom Neide wieder einnehmen lassen. Mein Herz soll über des Nächsten Wohl in Zukunft sich freuen, und nur über sein Unglück sich betrüben. Ist er glücklicher als ich, so will ich den= ken, vielleicht hat er es mehr als ich verdient, oder ein solches Glück könne mir nicht dienlich 154 seyn, oder du, Herr! habest andere mir verbor= gene Ursachen, warum es so seyn müsse; denn alles, was du thust, ist wohlgethan. Flöße du mir, Herr! den Geist der Liebe ein, daß ich alle Menschen stets wie mich selbst liebe; daß ich über des Nächsten Glück mich freue, über sein Unglück mich betrübe, ihm stets wohlwolle, und auch, wenn ich kann, sein Glück befördere! Laß mich, Herr! dich stets lieben über alles, und meinen Nächsten wie mich selbst. Amen. 7te Bußübung. Ueber den Geiz und die Sünden der Ungerechtigkeit. Die zeitlichen Güter, o Gott! hast du uns zu unserm Gebrauche verliehen, aber unser Herz dürfen wir dennoch nicht an dieselben hangen. Du hast uns zu höhern Gütern erschaffen, o Herr! und du selbst bist unser höchstes Gut, wornach wir streben sollen; lehre mich daher die zeitlichen Güter mäßig lieben, dieselben nur mit Recht erwerben, und davon einen weisen Gebrauch machen nach deinem h. Willen. Amen. Betrachtung. Gott hat die Einrichtung unter den Menschen getroffen, daß sie sich um die zeitlichen Dinge, die sie zu ihrem Unterhalte und zu ihrer Bequemlichkeit nothwendig gebrauchen müssen, bemühen, und durch Sorge und Fleiß sich dieselben eigen 155 R zu machen suchen sollen. Ohne diese Einrichtung würde keine Thätigkeit, kein Fleiß unter den Menschen seyn. Aber dieses Streben nach den zeitli chen Gütern kann übertrieben werden, und in Geiz ausarten. Die Begierde nach denselben kann unersättlich werden, und anstatt die Güter dieser Erde als Mittel zur Erhaltung anzusehen, macht der Geizige sie zum Zwecke seines Dafeyns. Er denkt nur an fie, er liebt nur sie, er fucht nichts, als sie. Denn wo dein Schatz ist, sagt unser Heiland, da ist auch dein Herz. Sein Schatz, sein Reichthum, ist ihm sein höchstes Gut, sein Gott und alles. Siehe! das ist der Geiz. Eine wahre Abgötterey im Herzen, wie Paulus lehrt. Aber wohin verleitet diese unordentliche Begierde nach Geld und Gut den verblendeten Geizigen? Er wird kein Bedenken tragen, durch unbarmherzigen Druck der geringern Mitmenschen sich zu bereichern, die Noth der Wittwen und Waisen sich benutzen, um deren Sachen für halben Preis an sich zu ziehen, und selbst durch Wucher und Ungerechtigkeit seine Güter zu mehren suchen. Gegen die Armen und Bedürftigen wird er ein hartes Herz haben, und wenn ihn jemand um Hülfe anspricht, wird er ihn ohne Hülfe entlassen, oder mit farger Gabe den Unglücklichen von sich zu entfernen suchen. Religion, Gottes= dienst, Gebeth, Tugend wird er wenig achten, und als Nebenfache ansehen; denn seine größten Sorgen und Bemühungen sind darauf gerichtet, 156 Reichthum und Güter zu häufen. War nicht der Geiz die Ursache der größten Sünde auf Erden, der Berrätherey des Judas? Siehe! das wirkt der Geiz bey dem Menschen, der sich von dems felben beherrschen läßt, und dessen Dichten und Trachten darauf gerichtet ist, zeitlichen Reichthum zu besitzen. Aber auch jede Ungerechtigkeit im täglichen Handel und Wandel hat größtentheils ihren Ursprung aus diesem Laster, und ist Verletzung der Menschenrechte und Menschenliebe. Dem einen wie dem andern, dem Ungerechten wie dem Geizigen ist der Eintritt in Gottes Reich abgesprochen. Und ach! was nüßt es dann dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewonne, aber an feiner Seele Schaden leiden, und diese in's ewige Verderben stürzen würde? Gebeth. Gott! ich wende mich zu dir, reisse du doch mein Herz von dem Irdischen los! Ach zu sehr hing dasselbe bisher an den zeitlichen Gütern, und die ewigen, die unvergänglichen Güter: deine Gnade, Tugend und Gerechtigkeit achtete ich wenig. Und dennoch was hilft mir alles, wenn ich das Heil meiner Seele verliere im fünftigen Leben? Nein, so soll es nicht mehr seyn. Es ist mir leid, daß ich so lange von der übermäßigen Liebe zu den irdischen Gütern mich habe blenden laffen; für die Zukunft soll mein höchstes Stre 157 K ben seyn nach andern Schätzen, die keine Diebe stehlen, keine Motten fressen und kein Rost verzehrt, nach Schänzen deiner Gnade, o Gott! und meines Heils im Himmel. Habe ich Unrecht begangen oder meinem Nächsten Schaden zugefügt, siehe Herr! so will ich wie der büßende Zachaus alles ersehen, und went ich nicht, wie er, die Hälfte meiner Güter den Urmen ertheilen kann, und vielfältig denen er sehen kann, welchen ich Unrecht zugefügt habe; so will ich dennoch gewissenhaft zurückgeben alles fremde Gut, und allen Schaden, welchen ich angerichtet habe, will ich ersehen. Und dann will ich in Zukunft sorgfältig vor aller Ungerechtigkeit mich in Acht nehmen, auch will ich den Armen und Bedürftigen nach Möglichkeit mittheilen von den Gütern, die du mir durch deine Vorsehung zu Theil werden läsfest. Mit Dank gegen dich will ich sie måßig genießen, weise gebrauchen, und nur mit Recht erwerben und besigen. Erhalte, o Gott! in mir diesen Sinn, und laß mich stets darnach verfahren. Amen. 8te Bußübung. Ueber liebloses Urtheilen, Tadelsucht und Verläumdung. Du bist die Liebe, o Gott! und nach deinem Beyspiel, und nach deines Sohnes Lehre und Beyspiel sollen auch wir stets in der Liebe wan: 158 R deln, in der Liebe gegen dich und gegen einander. Alles, was diese Liebe stören kann, das haft du, Bater! uns Kindern verbothen. Weder durch Thaten, weder durch Worte noch durch Gedanken. sollen wir die Liebe verlegen, die wir Menschen gegen einander haben sollen. O laß mich dieses D laß dein liebreiches Geboth der Liebe recht verstehen, und die Fehler, wodurch die wechselseitige Nächstenliebe so oft verletzt wird, erkennen, verabscheuen und meiden. Amen. Betrachtung. Unser Heiland hätte wohl keine schönere und leicht faßlichere Vorschrift in Ansehung der Nächstenliebe geben können, als diese, die er gab: Was du nicht willst, das dir geschehe, das thue keinem Andern; was du aber wünschest, daß dir's ges schehe, das thue auch Undern. Welcher Mensch wünscht nicht, daß Andere gut von ihm denken, wer wünscht nicht, daß Andere gut, wenigstens nicht übel von ihm sprechen! Siehe, das wünscht jedermann; denn was krånkt mehr das Herz, als wenn uns andere verkennen, schlecht von uns denken, unsere Handlungen unrecht beurtheilen, und selben böse Absichten unterlegen; wie weh thut es uns, wenn wir erfahren müssen, daß sie ihre lieblosen Urtheile auch andern mittheilen, uns tadeln, unsere Fehler aufsuchen und vergrößern, oder gar uns Verbrechen andichten, und uns verlaumden! Und wir, die wir das Unrecht finden, 159& wenn es uns geschieht, sollten es dennoch Andern thun? wie lieblos und ungerecht ware das! Ein jeder Mensch hat Recht auf ſeine Ehre und guten Namen, und selbst die Fehler, die ein Christ an seinem Bruder sieht, die soll er mit dem Mantel der Liebe bedecken. Er soll an feine eigenen Fehler denken, die vielleicht größer sind, als die seines Bruders. So råth uns Jesus Christus, unser Lehrer und Heiland. Richtet nicht, so werdet ihr nicht gerichtet, spricht er Luc. 8, verdammet nicht, so werdet ihr nicht verdammet, und wenn du einen Fehler bemerkest an deinem Bruder, der vielleicht klein ist, wie ein Splitter, so siehe auf dich selbst, und du wirst Fehler finden, groß, wie ein Balken. Will man die Ursache, die Quelle untersu chen, woraus das freventliche Urtheilen, die Tadelsucht, das Verläumden entsteht, so ist es ein geheimer Stolz, Eigenliebe, Neid, Mangel an Nächstenliebe, die dazu Anlaß geben. Sieht man aber auf die Folgen und Wirkungen dieser Fehler, so sind es Beraubung der Ehre und des gu ten Namens, des kostbarsten Gutes, welches der Mensch oft besigt; Kränkungen und Unbilden, die dem Nebenmenschen äußerst wehe thun, und nicht selten schaden an seiner Beförderung und an seinem zeitlichen Glücke. Es ist daher dieser Fehler nicht nur große Verfündigung gegen den Gott der Liebe, welcher will, daß wir einander aufrichtig lieben sollen, nicht nur Verfündigung 160 gegen die Liebe, die wir dem Nächsten schuldig find, sondern sogar gegen die Gerechtigkeit, indem man seinem Nebenmenschen sein kostbarstes Gut raubt, seine Ehre, seinen guten Namen. Und wenn jeder Ungerechte, wenn er Vergebung seiner Ungerechtigkeit hoffen will, nebst einer aufrichtigen Buße und Besserung des Lebens, auch das ungerechte Gut zurückstellen, den zugefügten Scha den ersehen muß; so wird auch der Ehrabschneider und Verläumder verbunden seyn, die geraubte Ehre nach Möglichkeit zu ersehen, wofern er bey seiner Buße Vergebung von Gott hoffen will. Gebeth. Ich sehe es ein, o mein Gott! welch' ein liebloses und ungerechtes Betragen es sen, welches ich mir bisher gegen meine Nebenmenschen so oft erlaubet habe. Ach wie leid ist es mir, daß ich so manchen Menschen durch mein unbesonnenes Urtheil, und Tadeln bey Undern, die Achtung genommen, und wenn sie's erfahren haben, dieselben dadurch gekrånkt habe. Wie unrecht habe ich gehandelt, und, o wie unrecht, da ich sogar Fehler und Laster meinem Nächsten angedichtet, oder die geheim waren und geheim hätten bleiben kön, nen, bekannt gemacht oder gar vergrößert habe. Und wenn diejenigen, denen ich das Geheimniß anvertrauet habe, solches dennoch weiter verbreitet haben, wer ist die erste Ursache aller der Sün den und Uebel, als ich?- Gott! ich bitte 161 尽 dich, verzeihe mir meine Ungerechtigkeit, die ich von ganzem Herzen bereue. Ich will den zugefügten Schaden nach Möglichkeit wieder gut zu machen suchen. Ich will den verlegten guten Namen und die geraubte Ehre suchen wieder herzustellen, so gut ich kann. Und dann will ich in Zukunft mich sorgfältig in Acht nehmen, daß ich nicht durch Leichtsinn oder Lieblofigkeit von meinem Nächsten Arges denke oder rede. Ich will an meine eigenen Fehler denken, um die Fehler meines Nebenmenschen zu bedecken. Ich will keinen Theil nehmen an den lieblofen Urtheilen und Reden, die ich von Undern hören werde. Ich will ihren Aussagen keinen Glauben beymessen, wenn die Sache noch irgend einem 3weifel unterworfen ist, und wo ich kann, will ich mich des abwesenden Unschuldigen annehmen, und denselben vertheidigen. Herr! wenn ich mich so nach deinem Gesetze betrage, dann hoffe ich, wirst du mir, was ich bisher gefehlt habe, verzeihen. Stärke mich aber auch mit deiner Gnade, daß ich in dies sem wie in allen andern Stücken das Geboth einer aufrichtigen Nächstenliebe getreu erfülle. Amen. 9te Bußübung. Ueber die kleinen Fehler, oder soge= nannten läßlichen Sünden. Lehre mich, mein Gott! auch die kleinen Sunden, die wir Menschen oft so wenig achten, vera L 162 abscheuen und meiden. Laß mich einsehen, wie sehr dir dieselben mißfallen, und wohin sie endlich den Menschen führen können, der sich densels ben leichtsinnig ergibt. Laß mich einsehen, daß diejenigen dich als ihren Vater noch sehr unvollkommen lieben, die dich so oft durch kleine Sünden beleidigen, und daß solche in Gefahr stehen, auf dem Wege des Heils immer mehr zurückzukommen, die nicht im Guten voranschreiten. Seg ne dazu diese Betrachtung, Herr! und bewahre mich durch deine Gnade doch auch vor geringen Sünden. Umen. Betrachtung. Es ist Pflicht des Menschen, immer zu streben nach seiner Vervollkommnung; denn das ist seine Bestimmung hienieden, und dadurch soll er seine höhere Bestimmung im zukünftigen Leben erreichen. Dazu ist nöthig, daß er nicht nur die groben Ausbrüche des Lasters meide, sondern auch sich vor den kleinen Fehltritten hüte. Er soll dem Gefeße treu feyn im Kleinen, wie im Großen. Du sollst den Herrn deinen Gott lieben, sagt das Evangelium Jesu Christi, aus ganzem deinem Herzen, aus ganzer Seele, aus allen Kräften. Wie erfüllt der dies Geboth der Liebe, der zwar vor großen Sünden sich bewahrt, aber auch aus kleinen sich wenig oder gar nichts macht? Was soll man von der Liebe eines Kindes halten, das zwar seinem Vater in wichtigen Dingen gehorcht, 163 K aber auch in vielen kleinen ihn täglich durch sei= nen Ungehorsam beleidigt? Und was soll man dann von der Liebe eines Christen gegen seinen Gott halten, der es sich erlaubt, die Fehler, die nach seiner Meinung nur kleine Sünden sind, ungescheuet und oft vorsäglich zu begehen? 3war fehlen wir Menschen alle, und auch der Gerechte fållt siebenmal im Tage in kleine Schwachheiten, fagt der weise Mann im Buche der Weisheit. Uber fehlen wir so oft aus Leichtsinn, aus Uebere eilung und Schwachheit, wenn wir auch mit Sorga falt uns in Ucht nehmen; warum sollten wir denn sogar aus Geringschäßung oder mit Vorsatz die kleinen Sünden begehen? Jedoch du glaubst, sie schaden dir wenig, und sie würden dir leicht erlassen. Wie? sie scha=, den dir wenig? wornach berechnest du diesen Schaden? Nach den Strafen Gottes in diesem oder dem zukünftigen Leben? Sind diese zwar gegen die ewigen Strafen für die Todsünden für gering zu halten, so sind sie dennoch an und für sich immer noch groß und schrecklich genug, um fie aus allen Kräften zu meiden. Werden sie dir auch leicht vergeben, so wirst du doch noch viel zu thun und zu leiden haben, die zurückgebliebene Strafe in diesem und dem zukünftigen Leben völlig zu tilgen. Nichts Unreines wird ins Reich Gottes eingehen, lehrt das Evangelium.- Und was das Schlimmste ist, ist dieses: Wie mancher hält aus Irrthum oder Eigenliebe das für klein, £ 2 164 was groß und wichtig ist? und wie manchem bahnt ein kleiner Fehler den Weg zu großen? Eine kleine Wunde, die nicht geachtet, und vernachlässigt wird, kann endlich gånzliche Zerrüttung und den Tod zuwegebringen. Oft wiederholte kleine Diebereyen haben sehr oft einen groz Ben Dieb erzogen. Und auf gleiche Weise mit allen Sünden. Nein, wem es Ernst ist, ein guter Christ zu werden, oder zu seyn und zu bleiben, der achtet nichts geringe, was seinem Gott mißfallen kann, was seine Seele beflecken kann, und was ihn auf dem Wege des Heils in seinen Fortschritten hindern kann. Gebeth. Ja, o mein Gott! ich erkenne es, daß auch die geringen Fehler dennoch verabscheuungswürdig sind. Bist du zwar so gütig, uns dieselben leicht zu verzeihen, so wäre es doch unrecht von uns, dieselben darum leicht und ungescheuet zu bege= hen, und dich damit zu beleidigen. Wirst du sie zwar nicht mit ewigen Strafen züchtigen, so wird deine Gerechtigkeit sie dennoch strenge genug bestrafen in diesem oder dem zukünftigen Leben. Und o wie unvollkommen ist noch unsere Liebe zu dir, wenn wir nichts daraus machen, dich tåglich mit kleinen Sünden zu beleidigen, und dies so oft, und oft so vorsäglich! Uch Herr! es reuet mich von ganzem Herzen, daß ich so oft durch meine Sünden, die ich immer für klein und un 165 bedeutend gehalten, dich beleidigt habe. Nein, das soll nicht mehr seyn. Ich will auch die klei nen Sünden hinführo verabscheuen und meiden. Ich will sorgfältiger auf mein Herz Ucht haben und mit Vorsak dir nie, auch im Kleinen nicht, untreu werden. Ich will mich bemühen, immer vollkommner und besser zu werden, und auf dem Wege des Heils voranzuschreiten. Aber du weißt es, o Gott! wie schwach der Mensch ist, und wie viele Gefahren und Veranlassungen zu allerley Fehlern uns täglich begegnen. Ach darum flehe ich zu dir, stehe du mir mit deiner Gnade bey. Beschüße und leite du mich auf allen meinen Wegen, damit ich immer nach deinem h. Wohl= gefallen wandele, dir im Kleinen wie im Großen treu bleibe, dich von ganzem Herzen liebe und fuche, bis ich dich in deiner Herrlichkeit finde und schaue, und selig sey. Amen. 107 Vierte Abtheilung. Gebethe zu verschiedenen Zeiten des 833 Kirchenjahrs. Borerinnerung. Die Kirche feyert zu verschiedenen Zeiten des Jahres das Andenken an die wichtigsten Begebenheiten, welche sich zum Heil der Menschen durch Gottes Gute ereignet haben. So feyert sie zur Adventszeit die Verheissungen श्र 166 Gottes, einen Erlöser zu senden, der die Menschen leh ren, erlösen und beseligen sollte. 3ur Weihnachtszeit die wirkliche Erscheinung und Geburt dieses Heilandes. 3ur h. Fastenzeit das h. Leben, Leiden und den Tod dieses Heilandes. 3ur Osterzeit seine Auferstehung vom Tode, und seine Himmelfahrt. 3ur Pfingstzeit die Seudung des h. Geistes u. s. w. Der gute Chrift erinnert sich zu diesen Seiten mit heiliger Freude und mit Dank an solche wohlthätige geheimnisvolle Begebenheiten seiner Religion; und ermuntert sich, durch ein heiliges Leben sich der Früchte und des Segens folcher Begebenheiten theilhaftig zu machen. 1 Gebethe zur h. Adventszeit. Gott! wie groß und unbegreiflich ist deine Güte und Liebe zu den Menschen. Da du ihn erschaf fen hattest nach deinem Ebenbilde, und durch die Sünde dies Ebenbild verunstaltet war, da wir alle Hoffnung zu jener Glückseligkeit, wozu wir erschaffen waren, verloren hatten, hast du den Menschen einen Heiland verheiffen, der sie von dem Sündenfalle wieder aufrichten, ihnen deine Gnade wieder erwerben, und die Fähigkeit wieder verschaffen follte zu ihrer ewigen Seligkeit. Wie sehr verlangten die Menschen der Vorzeit nach der Ankunft dieses Heilandes, welche jedoch nach deinen h. Absichten lange verzögerte. Dem auserwählten Volke ward diese Verheissung oft durch deine Gesandten und Propheten wiederholt. Und viele unter denselben sehnten sich mit den heiffesten Wünschen darnach, und feufzten: Thauet ihn herab, den Gerechten, ihr Himmel! und Erde 167 K grüne ihn hervor, der da kommen soll, uns zu reinigen von der Sünde, uns zu heiligen zu einem gottgefälligen Volke. Endlich haft du, o Gott! Zeit und Ort bestimmt, wo er geboren werden follte, und wo er den Menschen jene Lehren des Heils und jene Erlösung bringen sollte, wodurch fie selig werden könnten. Wir danken und preisen dich, o Gott! für diese deine Güte, womit du dich der armen und fündigen Menschen erbar= met hast. Uch möchten wir dieser deiner Güte würdig seyn, und möchten wir den Segen und das Glück, welches unser Heiland bey seiner Anfunft in die Welt den Menschen bereitet hat, zu schågen wissen, und uns desselben theilhaftig zu machen uns bestreben! Gebeth der Kirche. Erwecke, o Herr! deine Macht, und komme, das mit wir von den bevorstehenden Gefahren der Sünde durch deinen Schuß befreyet, und durch deine Befreyung selig werden mögen. Der du lebest und herrscheft mit Gott dem Vater in Einigkeit des h. Geistes durch alle Ewigkeit. Umen. Gebeth am 2ten Sonntag im Advent. Du haft, o Gott! einst deinen Sohn in die Welt gefandt, die Menschen zu erlösen, und du wirst ihn wieder senden, uns alle zu richten. Diese zweyte Ankunft unsers Heilandes erwarten wir alle. Nicht nur am Ende der Zeiten, wenn 168 er alle Menschen im allgemeinen Weltgerichte richten wird, sondern auch bey unserm Scheiden aus diesem Leben wird er richten einen jeden aus uns, und vergelten, je nachdem wir gehandelt haben in unserm Leben, Gutes oder Böses. D Gott! möchte ich bey diesem Gerichte bestehen, und ein gnådiges Urtheil hoffen können; möchte ich freudig vor meinem Richter stehen, wenn ich vor ihm erscheinen werde. Gott! du bist gerecht und heilig, auch deine Gerichte sind gerecht; aber auch bist du gnädig und barmherzig gegen alle, die deine Gnade zeitig suchen und gebrauchen. Ich will mich daher zu dir, meinem Gott, wenden, und dich anflehen: verzeihe, was ich jemals Uebels gethan, bewahre mich vor neuen Fehltrita ten. Komme meiner Schwachheit zu Hülfe, und stårke und erhalte meine Seele im Guten; damit ich bereit seyn möge, wenn du mich von hier abforderst, und wenn du erscheinen wirst, mich zu richten. Den Tag und die Stunde weiß ich nicht, darum will ich nach Jefu Lehre stets wachen und mich bereit halten. Du aber, o mein Gott und Richter! sey gnådig und barmherzig, wenn ich vor dir erscheine; und nimm mich auf unter die Zahl deiner treuen Diener, und laß mich in deine Freude eingehen. Amen. Gebeth der Kirche. Erwecke, o Herr! unsere Herzen, deinem einges bornen Sohne die Wege zu bereiten, damit wir 0169 K durch die Feyer seiner Ankunft mit gereinigten Herzen dir dienen mögen. Der mit dir lebt und herrschet in Einigkeit des h. Geistes in alle Ewigkeit. Umen. Joyas Gebethe am h. Christfeste. Wie groß ist das Geheimniß, welches du uns heute feyern läsfest, o Gott! und wie groß ist deine Güte und Liebe gegen uns, die darin enthalten ist! Du sendest zu uns deinen ewiggeliebten Sohn herab: er wird Mensch, uns gleich, um uns zu dir wieder zu erheben, da wir von unserer ersten Größe gefallen waren, und deine Gnade verloren hatten. Das Wort ist Fleisch ge= worden, und hat in uns gewohnt, damit er uns Gewalt geben könne, Kinder Gottes zu werden. So sehr hast du die Welt, die Menschen, gelies bet, daß du deinen Sohn in die Welt fandtest, damit alle, die an ihn glauben würden, nicht ver= loren gehen, sondern das ewige Leben haben möch ten. Wer mag genug dieses Geheimniß und diese Liebe fassen? Ich falle vor dir nieder, o Gott! und preise und danke dir. Ehre, Preis und Dank sey dir, Gott in der Höhe, und Friede den Menfchen auf Erden, die eines guten Willens sind, dieses Geheimniß zu verehren, und solche Gnade zu ihrem Heile zu benutzen. Gib uns, o Gott und Bater! der du uns deinen Sohn gabst zum Heiland und Erlöser, gib uns doch auch deine Gnade, daß uns die Menschwerdung und Erlös 170 fung deines Sohnes zu unserm Heile gereiche. Laß uns durch ein wahrhaft christliches Leben der Früchte dieser Menschwerdung deines Sohnes theilhaftig werden; dazu stärke und helfe uns durch eben diesen deinen Sohn, unsern Herrn Jesum Christum, welcher mit dir lebt und herrs fchet in Einigkeit des heil. Geistes von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Ich falle auch nieder vor dir, mein Heiland und Erlöser, Jesus Christus! wahrer Gott und Mensch! ich danke und preise dich an diesem Tage deiner menschlichen Geburt. Du kamst einst an diesem Tage zu uns, wurdest von einer h. Jungfrau geboren, welche vom h. Geiste empfangen hatte. Die Engel sangen bey deiner Geburt, die Hirten beteten dich an. Nimm auch meine Unbethung und meinen Dank gnädig auf, welchen dir mein Herz darbringt für deine Liebe, womit du dich erniedriget hast, zu uns Menschen herabzukommen, unser Bruder zu werden, damit du uns zu Miterben deines Reiches machen könntest. Uch möchte ich dieser deiner Liebe würdig werden! Ich will mich bestreben, dir ähnlich zu werden, und nur das zu achten und darnach zu trachten, was du geschätzt und geliebet hast, das was Gott gefällt, Reinheit des Herzens und jede Tugend. Die Welt, und alles, was sie Großes hat, haft du verachtet schon bey deiner Geburt. Urm und in einem Stalle wurdest du geboren, du wolltest alle Bequemlichkeit entbehren. Ich will nach dei 171 K nem Beyspiele auch gern entbehren den Reich thum der Welt, und alles, was die Vorsehung in meinem Stande mir zu entbehren auflegt. Die Sinnlichkeit will ich nach deinem Beyspiele un terdrücken, damit sie die Seele nicht verderbe. Dir will ich suchen durch jede Tugend gleich zu werden, der du mir durch deine Menschwerdung gleich geworden bist. Helfe mir dazu, o mein Heiland und Erlöser! damit ich der Früchte deiner Menschwerdung und Erlösung theilhaftig werde. Umen.** Gebeth der Kirche. Verleihe uns, wir bitten dich, allmächtiger Gott! daß die neue Geburt deines eingebornen Sohnes im Fleische uns befreye, die wir unter dem Joche der Sünde in der alten Dienstbarkeit gehalten werden. Durch ebendenfelben Jesum Christum unsern Herrn u. f. w. Amen. Um letzten Sonntage des Jahrs. Das Jahr ist bereits wieder verflossen, welches du mich haft erleben laffen, o Herr! Wie viel Gutes habe ich in demselben von deiner Baters hand empfangen und genossen. Wie undankbar wäre es, wenn ich am Ende desselben nicht einen Blick in dasselbe zurückthåte, und dir für alles Gute dankte. Du hast mich und die Meinigen in diesem Jahre erhalten und gestartet. Leben und Gesundheit, und Muth und Kraft zur Urbeit hast 1172 局 du uns verlichen. Du hast unsere Felder und Arbeit gesegnet, hast uns das Nothwendige zum Lebensunterhalte zufließen lassen; du hast uns vor besondern Zufällen und Uebeln bewahrt, und so vieles gegeben, wodurch wir un des Lebens freuen konnten. Gott! ich danke dir für alles, was du an uns gethan hast in diesem Jahre. Die guten Tage waren aber auch zuweilen mit trüben Stunden oder Tagen vermischt. Jedoch auch diese sind dem Menschen oft heilsam und haben ihren Nutzen. Wir lernen dadurch das Gute mehr erkennen und schätzen, unsere Seele wird dadurch von dem Frdischen und den sinnlichen Dingen dieser Welt abgezogen, und an ihre Bestimmung für die Zukunft erinnert: und sie sind überstanden alle Leiden, die mir in diesem Jahre zu Theil wurden. Auch dafür danke ich dir, o Gott! du hast mich getröstet und gestärkt, und durch alle Mühseligkeit, Leiden und Kummer durchgeholfen. Dein Name sey gepriesen ewiglich. Aber wie habe ich mich gegen dich verhalten, o Gott! in diesem Jahre? War mein Verhalten gegen dich auch immer recht, war mein Leben nach deinem h. Willen immer eingerichtet? Habe ich nie durch vorsätzliche Sünde dich beleidigt? Uch Herr! ich flehe um BVergebung für je: den Fehler, den ich aus Schwachheit oder mit Borsatz gegen dich begangen. Ich hoffe zwar, du hast sie mir vergeben, da ich sie nach meinen Kräften bereuet, und nach der Vorschrift deiner 173 h. Religion gebüßt habe. Aber, o Gott! wie vieles mag ich übersehen, nicht erkannt oder nicht geachtet haben; und wie mangelhaft mögen meine Reue und Vorsätze gewesen seyn. Ich bitte dich daber, o mein Herr und Gott! verzeihe mir alles, was ich in diesem Jahre Uebels gethan, und welches ich nochmal von ganzem Herzen be reue. Verleihe mir für die Zukunft deine Gnade zum Guten. Durch Jesum Christum unsern Herrn. Umen. Danklied für empfangene Wohlthaten. Herr, err, großer Gott! dich loben wir, Dich benedeyen und danken wir u. f. w. ( Siehe am Schlusse des Kirchenjahrs.) Am Neujahrstag. Durch deine Güte beginne ich wieder ein neues Jahr, o Gott! und was werde ich in demselben erleben? Alles ist unsern Augen verborgen, aber dir ist nichts verborgen. Du hast alles in deinen ewigen Rathschlüssen bestimmt, was mir, was allen Menschen widerfahren soll. So wenig wir aber davon wissen, so hast du uns doch durch deine h. Religion beruhigen lassen, welche uns lehret, daß du alles nach deiner Weisheit und Gute einrichtest, leitest und ausführest, und daß denen, die dich lieben, alles zum Besten gereiche. Ich will also auf dich vertrauen und hoffen, o Herr! alle meine Schicksale und Ungelegenheiten 174 für die Zukunft will ich deiner h. Fürsorge an vertrauen. Mache mit mir nach deinem h. Wohlgefallen. 3war wünscht mein Herz, und ich darf zu dir flehen: Gib mir, o Gott! auch in diesem angehenden Jahre wieder deinen Segen, erhalte mir Leben und Gesundheit, erhalte mich und die Meinigen, bewahre uns vor Krieg und schlimme Zeiten, und allen jenen Uebeln, wodurch die armen Menschen so oft gezüchtiget werden. Aber ich unterwerfe mich dennoch deinem göttlichen Willen, der bey allem, was geschieht, nur unser es el wahres Beste, unser ewiges Heil zur Absicht hat. Nur das bitte ich, stärke und tröste uns in schlim men Tagen, und bewahre uns vor Uebermuth und Sünde beym Glück und in guten Tagen. Uber auch an diesem ersten Tage des neuen Jahres will ich meinen Vorsatz erneuern, dir meinem Gott und Herrn treu zu dienen. Die Fehler der verflossenen Jahre will ich sorgfältig meiden. Dich will ich zu verherrlichen suchen durch ein Leben nach deinem h. Gefeße. Dich will ich fürchten und lieben von ganzem Herzen; und aus Liebe zu dir will ich meine Geschäfte und Pflichten, die mir mein Stand auflegt, getreu erfüllen, und jede Last und Beschwerde, die mir vorkommt, standhaft ertragen. Auch will ich, weil es dir so gefällt, meinen Nächsten aufrichtig lieben wie mich selbst, und diese Liebe in Werken beweisen, wo ich kann; und wo ich nicht durch Thaten vermag, durch gute Gesinnungen. Sorgfältig will GEO 175 ich alles meiden, was den Frieden stören könnte in meinem Hause, unter Nachbarn und andern Menschen. Denn du, o Gott! bist ein Gott des Friedens und der Liebe, und willst, daß alle Men= schen sich lieben wie Brüder, wie Kinder eines Vaters, welcher du bist. Endlich will ich auch fleißig an dem Heile meiner Seele arbeiten, durch Enthaltung von allem Bösen, durch Ausübung jeder Tugend, durch Wachsamkeit und Gebeth. Ich weiß ja nicht, ob ich dieses Jahr vollenden werde, oder ob du, Herr über Leben und Tod! mich in demselben abfordern wirst. Darum will ich stets wachen und mich bereit halten. Aber, o Gott! was ist der Mensch, und was sind seine Vorsäge, wenn du ihn nicht stärkest. Wie groß find die Gefahren der Welt, wie viel und man= nigfaltig die Versuchungen zum Bösen, und wie groß die Schwachheit des Menschen! Ohne dich vermogen wir nichts, aber alles vermögen wir durch dich, durch deine Gnade. Darum flehe ich am heutigen Tage um diese Gnade besonders dich an. Erleuchte du mich, Herr! in allen meis nen Unternehmungen, damit ich bey denselben überall deinen Willen und deine Pflichten erken= ne. Leite du mich auf allen meinen Wegen, das mit ich immer vor dir nach deinem h. Wohlge= fallen wandle. Stårke du mich, damit ich deinen h. Willen immer vollbringe, und meine Pflichten getreu erfülle. Beschüße mich vor allen Gefahren, stehe mir bey in den Versuchungen zur Sún 176 de, und erhalte meine Seele in deiner göttlichen Gnade. Gib, daß ich mich mit jedem Tage mehr und mehr vorbereite zur Ewigkeit, und meiner künftigen Bestimmung würdig werde. Erfülle diese Bitte, o Gott! an mir und allen den Meinigen, und gib uns deinen Segen zu diesem neuen Jahre. Durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Gebeth der Kirche. Gott! der du uns den achten Tag der Geburt unsers Erlösers feyern läsfest; verleihe uns, daß wir durch die Gottheit desjenigen befestigt wer den, durch dessen unerforschliche Menschwerdung wir sind erlöset worden. Der mit dir lebet u. s. w. Amen. Am H. Dreykönigsfeste. Wunderbar und groß ist deine Güte, o Herr! womit du die Menschen zu dir ziehest, womit du sie zu deiner Erkenntniß und zu deinem Dienste führst, und dadurch zu ihrem ewigen Heile. Bey der Geburt deines Sohnes, unsers Heilandes, leuchtet diese deine Güte recht hervor. Den Hirten, die auf dem Felde wachten, hast du durch einen Engel die Geburt des Heilandes verkünden lassen, und sie kamen und fanden das Kind in dem Stalle in der Krippe liegend, fielen nieder und betheten es an. Die Weisen im Morgenlande aber hast du gerufen durch einen sonderbaren Stern: Sie kamen und suchten das Kind zu 177 Jerusalem, und fanden es zu Bethlehem. Sie fielen vor ihm nieder, und opferten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen. Uns, o Gott! hast du gerufen, und zu deiner Erkenntniß geführt durch das Licht der Religion. O daß wir diesem Lichte immer treu folgen und die dienen möchten. Die Weisen aus dem Morgenlande, obgleich Heiden, die nicht deine alte Offenbarung kannten, noch bein h. Geset, welches du deinem Volke gegeben, wurden dennoch zur Erkenntniß des Heilandes geführt. Dadurch gabst du zu erkennen, Herr! daß Jesus ein Heiland und Erlöser aller Menschen seyn würde. Daß du durch ihn ohne Unterschied alle zur Erkenntniß und zur Seligkeit rufen würdest. Daß Jesus das Heil der Welt seyn würde für alle, die an ihn glauben und nach seiner Lehre leben würden. Wir danken und preisen dich, o Gott! für deine Güte, womit du auch uns erleuchtet und gerufen hast. Gib, daß wir unserm christlichen Berufe immer treu bleiben, nach dem Glauben deines Sohnes unsers Erldsers wandeln, und endlich nach diesem Leben zu deiner vollkommenen Erkenntniß und Anschauung gelangen mögen. Durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. 9801 Gebeth der Kirche. Gott! der du an diesem Tage den Heiden durch Leitung des Sterns deinen eingebornen Sohn offenbaret hast, verleihe gnådig, daß wir, die wir M 178 dich ist durch den Glauben erkannt haben, bis zur Anschauung deiner Herrlichkeit gelangen mogen. Durch eben denselben unsern Herrn u. s. w. Umen. Am Feste der Darstellung unsers Herrn im Tempel. Jesus, das Licht der Welt, ward heute Gott seinem himmlischen Vater dargestellt im Tempel, und dabey ward das Opfer gebracht nach Vorschrift des Gesetzes. Wir erkennen, o Herr! ben dieser Begebenheit, daß wir uns in allen Stüke ken nach den h. Gebräuchen der Religion richten und bequemen müssen. Du bist zwar ein Geist, o Gott, und willst im Geiste und in der Wahrheit angebethet seyn. Aber wir sind Menschen, und daher hast du in deiner Religion gewisse ausserliche Gebrauche festgesetzt, um uns durch das Neusserliche und Sinnliche an das Geistige und Unsichtbare zu erinnern, und unsern Geist dahin aufzurichten. Heilig sollen mir daher alle Ges brauche der Religion und der Kirche seyn: heilig der äusserliche Gottesdienst und jede öffentliche Undacht. Der Mensch besteht aus Leib und Geist, und daher soll er dich seinen Gott auch innerlich und äusserlich verehren. Wenn ich aber dich, meinen Gott und Herrn, durch äusserliche Religionshandlungen verehre, so soll dabey mein Geist vorzüglich auf dich gerichtet seyn. Dir will ich mich ganz zum Opfer darbringen. Alle meine Ge-* 179 danken, Gesinnungen, Worte und Werke, möchten sie zu deiner Berherrlichung gereichen und dir gefallen. Amen. Kirche. No: 2 Gebeth der Kirche. der Allmächtiger ewiger Gott! wir bitten demüthig deine Majestát, daß gleich wie dein eingeborner Sohn an diesem Tage in unserm sterblichen Fleis sche dir im Tempel dargestellt wurde, wir also durch deine Gnade mit gereinigtem Herzen dir dargestellt werden mögen. Durch denselben unsern Herrn Jesum Christum u. s. w. Umen. de us Gebethe zur h. Fastenzeit. Vorerinnerung. Die Fastenzeit soll dem Christen besonders wichtig seyn. Sie ist vorzüglich eine Zeit der Buße, und soll von ihm als eine Zeit der Vorbereitung zur würdigen Empfa hung der h. Sakramente angesehen und dazu angewandt werden. Auch ist sie die Zeit, wo man besonders das Undenken an das Leiden und den Tod des Erlösers bez geht. In beyder Hinsicht wird ein guter Christ diese Zeit zu seinem Heile zu benußen suchen. 3war sind die zu dieser Absicht angeordneten Fasten in unsern Zeiten von der Kirche sehr gemildert; desto, eifriger soll aber der Christ in andern Bußübungen und Werken der Liebe sich befleißen, seine Seele zu reinigen bon allen sündlichen Neigungen, und vorzüglich ist desto mehr dem Ge bethe obliegen, um sich zu seinem Gott zu nahen.48 dine. sted 07 1900 M 2 chan Sieben Bußgebethe. Erstes Bußgebeth. Erwägung und Erkenntniß, daß wir Sünder sind vor Gott. Heiliger, gerechter Gott! ich will mein Herz zu dir erheben zu dieser h. Zeit der Buße. Du bist heilig, Herr! und willst, daß auch wir heilig seyn sollen. Aber wo ist der Mensch, der nicht gesün= digt hat, und wer mag vor deinem h. Angesichte bestehen? Wenn ich zurückblicke auf mein geführtes Leben, wie viele Fehltritte werde ich gewahr! von meiner Jugend an bis auf diese Stunde, wie viele Sünden! Oft waren es Schwachheitsfùnden, oft aber auch vorsätzliche Fehler und Laz ster. Wie oft war ich gleichgültig und kalt in der Liebe zu dir! mein Glaube wie schwach; meine Hoffnung und mein Verlangen, zu meinem letzten Ziel und Ende zu gelangen, wie gering war es, und wie groß meine Nachlässigkeit im Gebethe und Gottesdienste. Uch Herr! wie kann doch der Mensch so leicht nachlassen von seiner Achtung und Liebe zu dir. Aber wenn ich weiter denke, wie oft fehlte ich auch wider die Liebe, die ich meinem Nächsten erzeigen sollte? Habe ich demselben auch keine große Ungerechtigkeit zugefügt, wie manchen habe ich dennoch vielleicht beleidigt und betrübt, bald durch übereilten Zorn und Mißhandlung, bald durch übeles Nachreden und Verachtung, oder 180 GEB # 03 181 durch übeles Denken und freventliches Urtheilen! Und dann wie beleidigte ich so oft meine Vors gesetzten durch meinen Ungehorsam, oder meine Untergebenen durch lieblofes Begegnen! D Gott! wenn du aller der Sünden gedenken wirst, wer wird bestehen? Aber auch in Unsehung der Liebe, die ich gegen mich selbst beobachten sollte, wie oft fehlte ich dagegen? die sinnliche, unordentliche Eigenliebe ließ ich so oft herrschen über mich felbst, folgte so oft meinen bösen Neigungen und Leidenschaften, und verwahrlosete das Heil meiner Seele! Wie viel Gutes habe ich versäumt, und wie nachläßig die Mittel gebraucht zu meiner Besserung und Vervollkommnung! Gott! ich will meine Missethaten vor dir bekennen, und dich bitten, daß du sie hinwegnehmest. Erzeige mir Zeit und Gnade, sie zu büßen, und sey mir gnådig und barmherzig. Amen. Zweytes Bußgebeth. Erwägung der Bosheit und Undanks barkeit der Sünde. Ich habe gefündigt vor dir, o Gott! ich habe Uebels gethan und dein Gesetz übertreten. Wie werde ich vor dir bestehen? Wie wenig bedenkt es der Mensch, was es sey: Sündigen und den Herrn seinen Gott beleidigen! Du bist unser Herr und Schöpfer, wir deine Geschöpfe und Diener. Du hast uns geschaffen und das Leben gegeben, dir zu dienen, und wir, ach! entsagen dir 182 den schuldigen Dienst, und verachten deine Bes fehle. Du bist der Allmächtige, der Ewige, der Unendliche, und wir Staub und Asche, und doch empören wir uns gegen dich und deinen h. Willen. Die Engel in deinem Reiche und die Ge schöpfe in der ganzen Schöpfung vollziehen deine Befehle, und der Mensch allein widersetzt sich ge gen den Allerhöchsten. Gott! o Gott! welcher Frevel ist die Sünde! und die begeht der Mensch in deinem Ungesichte; denn wohin könnte er sich wenden, wo sich verbergen, wo du ihn nicht er= blicktest, wo du nicht um ihn wäreft? Vor dir, in deinen Augen begeht er seine Thorheiten und seine Laster. Und du erhältst uns, wenn wir gleich. fündigen, und könntest uns zernichten, könntest auf der Stelle uns züchtigen und strafen, und thust es nicht, und wartest, ob wir in uns gehen, haft Mitleid mit unserm Leichtsinn und unserer Schwachheit. Wie ein Vater mit den Fehlern seiner Kinder Nachsicht hat, so du mit uns Menschen. icht hat Denn ach! wo ist ein Vater auf Erden, der so seine Kinder liebt, wie du deine Menschenkinder? Du hast sie nach deinem Bilde geschaffen; haſt sie bestimmt, mit dir in deiner Herrlichkeit und Freude zu leben ewig; hast uns, da wir verloren waren, wieder errettet durch Hingebung deines Sohnes zum Erlöser; erhältst und hilfst, und gibst mit jedem Tage alles, was wir bedürfen für Leib und Seele. Und dich, o Gott und Vater! können die Menschen beleidigen? und auch ich 183 war so oft der Undankbare, der alle diese Wohlthaten nicht achtete, und Böses that in deinen Augen! Ach Herr! wie schäme ich mich meiner Undankbarkeit und Sünden. Tilge doch aus meine Missethaten, die ich von ganzem Herzen verabscheue und bereue, und die ich verabscheuen und bereuen werde, so lange ich lebe. Drittes Bußgebeth.. Erwägung der schlimmen Folgen der Sünde und ihrer Strafen. Gott! ich bekenne meine Missethaten vor dir, denn ich bin elend und unglücklich worden durch sie. Ich war von dir erschaffen nach deinem Bilde. Ein Kind deiner Gnade war ich, und bestimmt, mich hier zu vervollkommnen und einst ein Erbe des Himmels zu seyn. Aber ach! wie habe ich durch meine Sünden meiner ganzen Bestimmung zuwider gehandelt. Die Seele, das Ebenbild Gottes, ist verunstaltet, das Kleid der Gnade ist verloren, verloren die Huld und das Wohlgefallen des Vaters, und verloren das Recht zum Erbtheil des Himmels. Dies alles verloren durch die Sünde, und hingegeben für eine schnöde Lust der Sinne, oder für ein zeitliches irdisches Gut. Dich, den Quell des lebenden Wassers, haben sie verlassen, und in der Wüste sich Cisternen gegraben, die nicht Wasser halten. Wie thöricht handelt doch der Mensch, wenn er fündigt! Sa Herr! ich fühle dies, und wende in meinem Elen 184 de mich zu dir. Unruhe und Angst haben michumgeben, seitdem ich dich verlassen habe. Scham und Furcht begleiten mich immerdar. Sonst wandelte ich in deiner Liebe; Ruhe und Zufriedenheit wohnte in meinem Herzen, sicher und freudig stand ich überall unter deinem Schuße. Mit Freude dachte meine Seele an dich, mit Freude sprach mein Herz mit dir, wenn ich bethete; mit Freude verrichtete ich alle meine Geschäfte. Aber wie ist alles dieses so ganz anders, da ich Sünde gethan. Diese ganze Ruhe und Glückseligkeit ist dahin, und Furcht, Scham und Unruhe find an ihre Stelle getreten. Denn ach! so sehr auch die Sünde für einige Augenblicke bethoren mag, das Gewissen erwacht doch wieder. Ja es erwacht, Herr! und stellt dem fündigen Herzen seine Schuld vor, und erinnert die Seele an die Strafen deiner Gerechtigkeit, die du dem Sünder gedrohet hast, und die seiner warten in der Ewigkeit, wenn er ungebessert und ohne Buße von hier scheidet. Schrecklich wird es alsdann seyn, in der Sünde vor deinem Gerichte zu er= scheinen. Schrecklich die ewige Verwerfung von dir, schrecklich die ewigen Strafen der Hölle. O Gott! ich falle nieder vor dir! gehe nicht zu Gericht mit mir, ich erkenne meine Strafwürdigkeit. Aber sey gnådig und barmherzig, und schone deines Dieners, der es nun von Herzen bereuet, daß er durch seine Sünden die Strafen deiner Gerechtigkeit verdient hat. Erzeige mir wieder श्र 185 deine Huld und Gnade. Reinige meine Seele von ihren Sünden, und nimm mich wieder an zu deiner Freundschaft und Liebe, so will ich deinen Namen preisen ewig. Amen. Viertes Bußgebeth. Erwägung der Bereitwilligkeit Got tes, die Sünden zu vergeben. Wie groß ist deine Güte, o Herr! gegen die fündigen Menschen. Haben wir gleich durch Sünde dich verachtet und beleidigt, so bist du dennoch bereit zum Bergeben. Du willst nicht den Tod und Untergang des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe. Dies hast du uns durch die Propheten, deine Gesandten, verkündigt. Und dein Sohn, unser Heiland Jesus Christus, betheuert es, daß er gekommen sey, vorzüglich die Sünder zu rufen. Er sagt es, daß im Himmel Freude sey über einen Sünder, der Buße thue, mehr dann über 99 Gerechte. Ja er versichert uns, daß du, o Herr! den verirrten Sünder wieder aufnehmen wollest, wenn er zurückkehrt, gleichwie ein liebender Vater seinen Sohn, den er verloren gehabt, mit Freude wieder aufnimmt, wenn er zurückkehrt, und seinen Fehler vor seinem Bater gesteht und bereuet. Wer mag diese deine Güte genug fassen, o Herr! und welcher Sünder sollte nun nicht mit völligem Vertrauen zu dir kommen und Gnade und Vergebung holen! Ja Herr! du bist gnådig und barmherzig, und deine Erbarmungen 186 44 sind unermäßlich, das sagt uns dein Wort. Darum hast du auch deinen ewig geliebten Sohn für uns hingegeben zum Söhnopfer, damit du uns verschonen könntest; und du ladest alle, die ges fündigt haben, ein, durch dieses Söhnopfer Vergebung zu erhalten. O meine Seele, wie wohl ist dir bey dieser Versicherung! Mach dich auf von deinem Sündenfalle, suche deinen Gott wieder, den du verlassen hast. Er ruft dich, er ladet dich ein, Vergebung zu holen; er erwartet dich, und ist bereit, dich wieder aufzunehmen in die vorige Gnade und Liebe. Ja, ich will mich mit Vertrauen und Hoffnung zu dir wenden, o mein Gott! da du mir so große Versicherungen der Gnade und Vergebung gemacht hast. Ich will mit Reue und zerknirschtem Herzen dich anrufen, und du wirst mir meine Sünden verzeihen, mich zu Gnaden wieder aufnehmen. Erfülle dein Wort an mir, o Gott! durch Jesum Christum deinen Sohn unsern Herrn. Amen. Fünftes Bußgebeth. Reue und Vorsak. Ich komme zu dir, o Gott! und flehe: nimm doch hinweg meine Sünden, und erzeige mir wieder deine Gnade. Ich bekenne vor dir: ich habe gefündigt, und Uebels gethan vor dir und dem Himmel, und bin nicht werth, dein Kind genannt zu werden. Dich, meinen Gott, meinen Schö pfer und Herrn, habe ich verachtet und beleidigt, 187 dein h. Geseß habe ich freventlich übertreten in deinem Ungefichte. Wenn du mir nach meinen Sünden hättest vergelten wollen, wo wire ich? und was wäre mein Theil, wenn du mich noch nach meinen Verdiensten strafen wolltest? Aber, o Herr! bey dir ist Vergebung und Barmherzigkeit. Du hast den Sündern Vergebung verheissen, die sich zu dir kehren und ihr Leben bessern wollen. Gott, wie gütig bist du! wie gütig und langmüthig! Wie lange hast du mich schon ertragen, da ich sündigte, wie lange meine Rückkehr und Buße erwartet! Du hast nicht aufgehört, mir Wohlthaten und Liebe zu erzeigen, wenn ich gleich Uebelthaten und Beleidigungen beging. Ach wie konnte ich doch einen so gütigen Gott beleidigender mich von jeher so geliebt und so viel Gutes erzeigt hat!, der mich nach seinem Ebenbilde er= schaffen, und als sein Kind aufgenommen, der mich mit Wohlthaten überhäuft hat an Leib und Seele, und der mich noch zu einer so hohen Glückseligkeit nach diesem Leben bestimmt hat! O der Undankbarkeit, welcher der Mensch fähig ist, wenn er fündigt. Ich verabscheue von ganzem Herzen. die Undankbarkeit, die ich durch meine Sünden begangen, o Herr! und bitte dich, verzeihe mir meine Sünden, womit ich dich, meinen höchsten Wohlthäter und Vater, so undankbar beleidigt habe. Nie soll mein Herz dir wieder undankbar werden. Nichts soll mich je wieder verleiten, etwas zu thun, wodurch ich dir mißfallen und dich J 188 beleidigen könnte. Jede Sünde will ich sorgfältig meiden, und auch jede Gelegenheit, die mir zur Sünde Unlaß geben kann, will ich meiden. Meine böfen Gewohnheiten will ich suchen abzuändern; willig und gern will ich alle Mittel ergreifen, die zu meiner Besserung nöthig sind, und selbe standhaft gebrauchen. Auch will ich jeden Schaden wieder gut zu machen suchen, den ich etwa durch meine Sünde angerichtet. Sen mir dann doch gnädig, o Gott und Vater! und verzeihe mir meine Sünde. Hilf mir aber auch, o Gott! durch deine Gnade, daß ich meine Vorfäße erfülle, und deinen Willen stets vollbringe. Amen. Sechstes Bußgebeth. Reue aus vollkommener Liebe zu Gott. Was habe ich gethan, o Gott! was habe ich gethan, da ich fündigte vor dir! Gott! du höchftes Wesen, du Urquelle alles Guten, du vollkommenstes, höchstes Gut! wer sollte dich nicht über alles hochachten und lieben? Was sind alle Geschöpfe im Himmel und auf Erden gegen dich, du Schöpfer Uller? Was ist aller Verstand und alle Weisheit der Engel und Menschen gegen deine alles umfassende Weisheit? Was alle Vortrefflichkeit und Schönheit erschaffener Wesen gegen deine Vortrefflichkeit und Hoheit? Was ist alle Güte und Liebe gegen dich, der du die Liebe felbst bist? Und dich, o Gott! unser höchstes Gut, dich, das allervollkommenste und liebenswürdigste 189 K Wesen, konnte ich verachten und beleidigen durch meine Sünden! dich konnte mein Herz ausschlie ßen von seiner Liebe, und den elenden, nichts. wertyen Dingen seine Liebe schenken! Uch wie bereue ich meinen Unsinn und meine Thorheit! Wie leid ist es mir, o Gott! daß ich dich veta kannt, dich nicht geachtet, dich nicht geliebt, fone dern durch Thaten und Gesinnungen, die deiner Heiligkeit mißfallen müssen, beleidigt habe. Verzeihe mir doch, o Gott! was ich bisher gefehlt habe, und nimm das Versprechen, das ich dir mit den aufrichtigsten Gesinnungen meines Herzens darbringe, gnädig auf. Du allein, o Gott! sollst forthin der Gegenstand meiner Hochachtung, meiner Liebe und meiner Wünsche seyn. Dich, o höchstes Wesen! du Urquelle alles Guten, vollkom menstes und höchstes Gut! dich will ich lieben über alles, und alles Uebrige will ich nur lieben wegen dich. Nichts soll mich aber je wieder trennen von der Liebe zu dir. Ach erhalte und stärke mich in dieser Liebe zu dir, o Gott! und wenn du mich wieder aufgenommen haft in deine Liebe, so laß mich darin beharren, bis ich deine Herrlichkeit und Schönheit schaue, und dich ewig liebe, und dadurch selig sey. Umen. med Siebentes Bußgebeth. Aufopferung der Leiden und guten Werke, um dadurch das Bußgeschäft zu vollenden. ENEO Selig ist der Mensch, dem der Herr seine Misſethaten vergeben, den er wieder zu Gnaden und 190 Le zu feiner vorigen Liebe aufgenommen. Nie werde ich diese Güte und unverdiente Liebe vergessen, o Gott! immer werde ich dir danken und dich preisen für deine Gnade und Güte. Aber ich will auch nicht aufhören, durch fortgesette Buße noch mehr meine verdienten Sündenstrafen zu tilgen. Nicht als wenn ich zweifelte an deiner Güte, o Gott! oder am deinem Worte, wodurch du mir Vergebung verheiffen; auch nicht, als wenn ich zweifelte, daß mein Erlöser meine Sünden getragen und getilgt habe durch sein Leiden und seiz nen Versöhnungstod; nein, Herr! dies alles glaube ich fest, und vertraue auf deine Güte und die Verdienste Jesu Christi meines Erlösers. Aber fortsetzen meine Buße will ich, um nicht wieder in Sünden zu fallen; darum will ich wie der büßende König David immer meine Sünden vor Augen halten, und selbe beweinen. Auch weiß und glaube ich, o Herr! daß der Mensch, wenn du ihm auch seiner Buße wegen durch deine Barmherzigkeit die Sündenschuld nachläsfest, ihn wieder zu Gnaden aufnimmst, und von der ewigen Strafe befreiest; dennoch durch zeitliche Strafen gereini get werden müsse, um dir ganz zu gefallen, und mit dir, dem reinsten und heiligsten Gott, vera einigt zu werden. Du hattest deinem Knechte David vergeben, Herr! da er Buße that, aber dennoch hörte deine Hand nicht auf, ihn zu züchtigen, und durch Leiden und Trübsale aller Urt noch mehr zu reinigen. Darum seufzte er auch 191 ohne Unterlaß: wasche mich noch mehr und mehr von meiner Missethat, und reinige mich von mei ner Sünde! Auch wir müssen daher fortfahren, so zu seufzen und für unsere Sünden zu büßen. 3war weiß und glaube ich fest, o Herr! daß unser Heiland Jesus Christus für unsere Sünden gebüßt, und völlig genug gethan; aber ich weiß auch, daß wir der Verdienste und Genugthuung Jesu nur durch unsere Mitwirkung theilhaftig werden; daß wir also mit ihm büßen, mit ihm leiden, mit ihm wirken müssen, um der Früchte feines Todes theilhaftig zu werden. Ich opfere dir daher alles auf, was ich leide und was ich Gutes wirke: alle meine Beschwernisse und Widerwärtigkeiten, alle meine Werke der Nächstena liebe, alles Gute, was ich verrichte. Ich vereinige solches alles mit dem Leiden und den Werken 780 Jesu. Nimm es auf, Herr! zur völligen Genugthuung für meine Sünden, und laß sie um Jesu Christi willen dir gefallen, und mir völlige Scho= nung ben dir erwerben. Durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. ( 1 Die sieben Bußpsalment di Vorerinnerung. Die sieben Bußpfalmen sind die Ausbrücke eines von Abscheu gegen die Sünde und Reue über dieselben durch drungenen Herzens. Mögen einige Neußerungen in den selben vorkommen, die sich auf die besondere Lage des büßenden Königs David beziehen, so werden dieselben dennoch auch den Umständen mancher Sünder unserer 192 Zeit angemessen seyn, und vielleicht buchstäblich genoms men werden können. Die Folgen der Sünde, welche oft dem Leibe sowohl als der Seele Verderben bereitet, zeitliches und ewiges Unglück nach sich ziehet, sind darin mit Nachdruck dargestellt; und wer noch nicht so tief gefunken ist, daß die Sünde und das Laster bey ihm folche Wirkungen hervorgebracht hätten, der wird sich dabey der Gefahr erinnern, worin er sich befindet, wenn er noch långer in der Sünde beharren, und den Weg des Basters, der zum Verderben führt, noch långer fort segen würde. Wohl dem, auf welchen sie die gewünsch te Wirkung machen, daß sie seine Seele mit Abscheut gegen seine Sünde erfüllen, und ihn bewegen, sein sünd. haftes Leben zu bereuen und zu bessern; ihn aufmuns tern, zu Gott ein kindliches Vertrauen zu haben und unaufhörlich um Verzeihung zu flehen: daß sie ihm ei nen Abscheu wider die Sünde einflößen, und seinen Vors sag so starken, daß er weder durch Drohungen und Ge fahren, noch durch Trübsal und Verfolgung abgeschreckt werde, Gott und dem Guten getreu zu bleiben. San Erster Erster Bußpfalm.( Nach Pf. 6.) Herr! err! strafe mich nicht in deinem Unwillen, und züchtige mich nicht in deinem 3orne. Erbarme dich meiner, o Herr! denn siehe, ich bin schwach und elend: heile mich, Herr! denn meine Gebeine sind zerschlagen. Und meine Seele ist voll Ungst wegen meiner Sünden: du aber, o Herr! wie lange verweilst du mit deiner Gnade und Hülfe? named Kehre dich wieder zu mir, o Herr! und er rette meine Seele: um deiner Güte willen erret te und erhalte mich. 193 K Denn die zu Grunde gehen, gedenken deiner nicht, dich zu preisen: und in der Hölle wer wird dich loben? Ich bin abgemattet von allem Seufzen: ganze Nächte hindurch beneße ich mein Lager mit Thränen. Mein Auge ist trübe geworden wegen des Weinens über deine Ungnade: und ich werde alt von dem Kummer, den mir zur Strafe meiner Sünden meine Feinde machen. Weichet von mir alle, die ihr Böses thut: denn der Herr hat die Stimme meines Weinens erhört. Ja ich hoffe es, der Herr hat meine Abbitte erhört: Er hat mein Flehen gnädig aufgenommen. Darum werden auch alle meine Feinde sich schamen, und mit Schrecken erfüllet werden: mógen sie sich eilig wieder zu dir wenden, und sich ihres Unrechts schämen. Zweyter Bußpfalm.( Nach Pf. 31.) Wohl denen, welchen ihre Missethaten vergeben sind, und deren Sünden zugedeckt sind. Wohl dem Menschen, dem der Herr keine Sünde mehr zurechnet, und in dessen Geiste keine Arglist ist. donn Wehe aber mir, weil ich viele meiner Missethaten verschwiegen habe: darum sind meine Gebeine verdorret, da ich ohne Unterlaß schreie zu dir, o Herr! N 194 Denn deine Hand ist schwer geworden über mich, und hat mich gezüchtigt Tag und Nacht: In meinem tiefsten Kummer, der mein Herz wie ein Dorn zernagt, habe ich mich wieder zu dir gekehrt. Ich habe dir nun mein Vergehen bekannt: und habe meine Ungerechtigkeit nicht länger verborgen. be Denn ich sagte zu mir: Ich will dem Herrn meine Ungerechtigkeit mit Unwillen wider mich selbst bekennen: und nun hast du mir auch die Bosheit meiner Sünde vergeben. für diese Güte werden dich alle Heiligen preisen: zur Zeit, wenn sie's erfahren. Aber wenn die Strafen Gottes schnell wie die Sündfluth hereinbrechen, dann werden die Sünder sich nicht zu Gott nahen. Du indessen bist meine Zuflucht, Herr! in dem Elend, worin ich mich befinde: Du meine Freude! errette mich von allem Bösen, das mich umgibt. Ich will dir Verstand geben, sprichst du, und will dich die Wege lehren, die du wandeln soust: und meine Augen sollen stets auf dich ge= richtet seyn. Oso betraget euch doch nicht, ihr Menschen! wie die unvernünftigen Thiere, die keinen Verstand haben. Bezwinge sie gleichsam mit Gewalt, Herr! die nicht willig zu dir sich nahen wollen. 195 Ja dem Sünder sind Geissel und Strafen in Menge bereitet: aber wer büßend auf den Herrn vertraut, dem wird Barmherzigkeit widers fahren. Freuet euch und frohlocket in dem Herrn, ihr Gerechten! seyd frohen Muthes alle, die ihr aufrichtig und rechtschaffen von Herzen seyd. Dritter Bußpsalm.( Nach Pf. 37) Herr! strafe mich nicht in deinem Unwillen, und züchtige mich nicht in deinem Zorne. Schon stecken deine Pfeile in mir, und du hast deine Hand über mich ausgestreckt. Uch! es ist nichts Gesundes an meinem Fleis sche wegen deines 3ornes, noch Friede in meinen Gebeinen wegen meiner Sünden. Denn ich bin versunken in Missethaten bis über's Haupt: und wie eine schwere Last haben sie mich niedergedrückt. Die Wunden meiner Seele sind gefährlich und fast unheilbar geworden: durch meinen Une sinn, womit ich sie verursachte. Elend und niedergedrückt bin ich bis zur Erde: den ganzen Tag gehe ich traurig umher. Denn Verachtung ist mein Theil geworden, und an meinem Fleische ist nichts Gesundes. Ich werde gequält und hart gedemüthigt: und heule oft vor lauter Wehmuth des Herzens. Uch Herr! all mein Verlangen liegt ja vor dir: und meine Seufzer sind dir nicht verborgen. N 2 J 196 K Mein Herz ist ohne Ruhe, alle Kraft hat mich verlassen: und selbst das Licht meiner Augen ist erloschen. Meine Freunde und Bekannten haben sich wider mich vereinigt, und stehen wider mich. Und die sonst um mich waren, stehen jetzt von ferne: Feinde, die meine Seele suchen, brauchen Gewalt. Und die mir Bófes zuzufügen trachten, ſprechen unsinnige Dinge: und sinnen den ganzen Tag auf mein Verderben. Bey dem allem aber bin ich wie ein Tauber, der nicht hört, und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht aufthut. Ich bin gleich einem Menschen, der keine Widerrede in seinem Munde hat. Denn auf dich allein, Herr! hoffe ich: du wirst mich erhören Herr, mein Gott! Meine Feinde sollen nicht wieder über mich frohlocken: denn da meine Füße strauchelten, has ben sie sich hoch gerühmt wider mich. Jetzt aber bin ich bereit zu allen Leiden: und der Schmerz über meine Sünden soll stets vor mir schweben. Denn ich will meine Missethat bekennen: und stets an meine Sünde denken. Meine Feinde aber mögen leben, und wider mich ihre Kraft zeigen: sie mögen sich mehren, die mich mit Unrecht hassen. Die da Böses vergelten für Gutes: und 197 meiner spotten, da ich nun dem Guten nachtrachte. Du, o Herr mein Gott! verlaß mich nicht: weiche du nicht von mir. Sende mir deine Hülfe: Herr! du Gott meines Heiles. Vierter Bußpsalm.( Nach Pf. 50.) Erbarme dich meiner, o Gott: nach der Größe deiner Barmherzigkeit. Und nach der Volle deiner Erbarmungen: tilge aus meine Missethat. Wasche mich mehr und mehr von meiner Ungerechtigkeit: und reinige mich von meinen Sünden.. Denn ich erkenne meine Missethaten: und meine Sünden schweben immer vor mir. Dir allein habe ich gesündigt, und vor dir Boses gethan: Verzeihe es mir, Herr! damit du gerechtfertigt werdest in deinen Zusagen, und die, so dich richten, zu Schanden werden. Denn sieh, in Sünden ward ich gebohren, und in Sünden empfing mich meine Mutter. Doch siehe, du liebst eine wahrhaftes Gefrándniß: die verborgenen Geheimnisse deiner Weisheit hast du nir offenbart. Besprenge mich mit Ysop, und meine Seele wird gereinigt werden: wasche mich, und ich werde weisser, als Schnee. Laß mich die Stimme der Freude und des 198 Trostes hören: und meine zerschlagenen Gebeine werden frohlocken. Wende dein Angesicht von meinen Sünden hinweg, Herr! und tilge aus alle meine Missethaten. Schaffe in mir ein reines Herz: und erneure in meinem Innersten den Geist der Aufrichtigkeit. Verwirf mich nicht von deinem Angesichte, und nimm deinen b. Geist nicht von mir. Gib mir wieder die Freude deines Heils: und befestige in mir den Geist der Vollkoms menheit. Dann will ich die Ungerechten deine Wege Lehren: und die Gottlosen werden sich zu dir bekehren. Befreye mich von den Blutschulden, o Gott, du Gott meines Heils: so soll meine Zunge deine Barmherzigkeit preisen. Herr! öffne meine Lefzen: und mein Mund foll dein Lob verkündigen. Hattest du für meine Uebertretungen ein Versöhnopfer gewollt, gern hätte ich es darge= bracht: aber du haft keinen Gefallen an Brandopfern. Das Opfer, was dir wohlgefällt, ist ein reus müthiger zerschlagener Geist: ein zerknirschtes, demüthiges Herz wirst du, o Gott! nicht verwerfen. Siehe gnädig, o Herr! herab auf Sion( auf 199 K deine Kirche): befestige fie, wie deine Stadt Jerufalem, mit Mauern. Dann wirst du die herrlichsten Opfer des Dankes, des Lobes und der Liebe erhalten: dann werden dir opfern alle deine Diener. Fünfter Bußpsalm.( Nach Pf. 101.) Herr! erhöre mein Gebeth, und laß mein Geschrey zu dir kommen. Wende dein Angesicht nicht von mir hinweg: wenn ich in Noth bin neige dein Ohr zu mir. Und wenn ich dich anrufe, Herr! ach so erhöre mich doch schleunig. Denn meine Lebenstage verschwinden, wie der Rauch: und meine Gebeine verdorren wie das Brennholz. stiedo Zerschlagen wie Heu bin ich; und mein Innerstes ist vertrocknet: weil ich vor Schmerz zu effen unterlasse. Vom steten Seufzen und Klagen hängt mein Gebein nur noch an meiner Haut. Ich bin geworden wie ein Pelikan in der Einsamkeit: und wie eine Nachteule in dem Ges måuer. *** Die Nächte brachte ich mit Wachen zu: und bin gleich einem Sperling, der einsam auf dem Dache sitzt. Mein Feinde schmähen mich unablässig, und die mich vorhin lobten: stoßen nun nichts als Flüche wider mich aus. K Weil ich vor aller Speise einen Ekel empfin de, und meinen Trank mit Thränen vermische. 200 Durch das stete Weinen um deiner Ungnade willen: der du mich erhoben, und wegen meiner Sünden mich zurückgestoßen haft. For Meine Tage sind wie ein Schatten vorüber in mole ein Scho gegangen: und ich bin verdorret, wie das Heu. Du aber, o Herr! bist ewig: und dein Andenken bleibt von Geschlecht zu Geschlecht. Du wirst dich aufmachen, und über Sion erbarmen: weil noch die Zeit der Erbarmung da ist; ja Herr! sie kommt, diese Zeit. Denn deine Knechte haben Wohlgefallen an deinem Gebäude auf Sion: und werden sich des felben annehmen. Und dann werden die Völker deinen Namen fürchten, Herr! und alle Könige der Erde deine Herrlichkeit. Denn der Herr hat Sion wieder aufgebauet, und hat seine Herrlichkeit gezeigt. Er hat auf das Fleben der Demuthigen gnädig herabgesehen: und ihre Bitten nicht verworfen. Möge das den folgenden Geschlechtern überliefert werden: so werden künftige Völker den Herrn preisen. Denn er sieht von seinem heiligen Throne herab: der Herr schauet vom Himmel auf seine Erde. bun sis S 201 K Er horcht auf die Seufzer der Gefangenen: Er wird die Söhne der Getödteten erretten. Dann werden sie in Sion seinen Namen verkündigen: und sein Lob in Jerusalem. 200 Die Völker werden sich versammeln zu seis ner Verehrung, und die Könige werden dem tug dim Herrn dienen. 21 Der Mensch, der auf dem Wege der Tugend wandelt, seufzt zu dir: Lehre mich doch die Wenigkeit meiner Tage erkennen. Rufe mich doch nicht ab in der Mitte meis ner Tage: deine Jahre, Herr! währen von Geschlecht zu Geschlecht. Im Anfange der Zeit hast du, Herr! die Erde gegründet: und die Himmel sind die Werke deiner Hände. Sie werden vergehen, du aber wirst bleiben, fie werden alle veralten, wie ein Kleid. Du wirst sie umåndern, wie ein Gewand; und sie werden verwandelt werden: Du aber bist immer der nemliche, und deine Jahre nehmen nicht ab. Alle deine Diener und ihre Kinder werden ben dir wohnen: und ihre Nachkommen ewig in deinem Reiche. Sechster Bußpsalm.( Nach Pf. 129.) Aus der Tiefe meines Elends rufe ich, Herr! zu dir: Herr! erhöre meine Stimme. 202 Mit deiner geneigten Güte merke auf die Stimme meiner Abitte. Wenn du der Sünden gedenken wirst: Herr! wer wird vor dir bestehen? Aber bey dir ist Erbarmung: und wegen der in deinem Gesetze verheissenen Gnade verlasse ich mich auf dich, Herr! Meine Seele verläßt sich auf sein Wort: meine Seele hoffet auf den Herrn. Von der Morgenwache bis zur Nacht: foll Israel auf den Herrn hoffen. Denn bey dem Herrn ist Barmherzigkeit und überflüßige Erlösung. Und er wird Israel erlösen von allen seinen Sünden. Siebenter Bußpsalm.( Nach Pf. 142.) Herr err erhöre mein Gebeth, vernimm mein Fle hen nach deiner wahrhaften Verheissung: Erhöre mich nach deiner gerechten Güte. inte Und gehe nicht zu Gericht mit deinem Knechte: denn kein lebender Mensch wird gerechtfertigt befunden vor deinem Ungesichte. Stehe mir bey! denn siehe, der Feind verfolgt meine Seele: tief hat er mein Leben ers niedrigt. Er hat mich gezwungen, im Finstern zu wohnen, gleich den Todten auf Erden: und mein Geist ist in großer Angst, und mein Herz in mir ist voll der Verwirrung. 203 K Ich habe mich der alten Tage erinnert, und über alle deine Werke Betrachtungen angestellt: Ich habe erwogen alles, was deine Hand ges than hat. Ich habe meine Arme zu dir ausgestreckt: meine Seele sehnet sich nach dir, wie durres Erdreich, das nach Wasser dürstet. Erhöre mich doch bald, Herr! meine Lebensa geister haben abgenommen. Wende dein Untlig nicht von mir ab: damit ich nicht werde wie jene, die ins Grab sinken. Laß mich doch früh deine Barmherzigkeit erfahren: denn ich hoffe auf dich ohne Unterlaß. Lehre mich die Wege, auf welchen ich wandeln soll: denn zu dir habe ich meine Seele erhoben. Errette mich von meinen Feinden, Herr, meine Zuflucht! Lehre mich deinen Willen, denn du bist mein Gott. Dein h. Geift führe mich auf rechter Bahn: um deines Namens willen mache mich selig, Herr! nach deiner Güte. Errette meine Seele von ihrer Trůbsal: und nach deiner Barmherzigkeit zernichte die Un= schläge meiner Feinde. Züchtige alle diejenigen, die meine Seele plagen: denn ich bin dein Knecht. K Sieben Betrachtungen über das Leiden und den Tod Jesu, nebst Gebethen. 204 Borerinnerung. Coll die Betrachtung über das Leiden und den Tob Jesu Gott gefällig und uns heilsam seyn, so müssen wir dadurch geweckt werden zum Danke gegen Gott und Jesu für die durch ihn vollbrachte Erldfung, zur eifris gen Liebe gegen Gott, zur Nachfolge Jesu, zur Buße und Besserung unsers Lebens und Ausübung jeder Zus gend. Bringen die Betrachtungen des Leidens und To des Jesu solche Wirkungen in uns hervor, dann sind fie gesegnet. Der Herr gebe seinen Segen, daß folgende Betrachtungen und Gebethe diesem 3wecke entsprechen. Erste Betrachtung. Jefus am Delberge. Vorbereitungsgebeth. Sie ist da die heilige Zeit, wo wir uns befon: ders mit der Betrachtung deines Leidens befchäf= tigen, o du unser Heiland und Erlöser Jesus Christus! du wolltest leiden, o Gott- Mensch! zum Wohle der Menschheit, um die Menschen zu vermitteln mit deinem himmlischen Vater, und den Menschen ein Beyspiel zu geben, wie sie dir nachfolgen sollen, darum gingst du auch deinem Leiden und selbst dem Tode willig entgegen. Laß uns doch dieses Leiden und deinen Tod würdig beherzigen, damit wir dadurch zu guten Ents schließungen mögen erweckt werden. Amen. 205 Betrachtung. Dirig Nachdem unser Heiland mit seinen Jüngern das letztemal zu Abend gegessen, ihnen aus De= muth die Füße gewaschen, und ihnen seinen h. Leib zur Speise, sein b. Blut zum Tranke gegeben; ging er mit ihnen zum Delberg, um allda fich seinem himmlischen Vater für das Heil der Menschen darzustellen, und ihn um Stárke anzuflehen. Er entfernte sich von seinen Jüngern, ging einsam unter den Bäumen hin, und fiel auf seine Knie und bethete. Er wußte, daß seine Stunde nun gekommen war, und daß nun alles an ihm müsse erfüllt werden, was durch die Propheten von ihm war geschrieben worden. Alle die Leiden der kommenden Nacht und des folgenden Tages schwebten ihm vor Augen, die Sünden einer ganzen Welt lagen auf ihn. Seine Menschheit entsetzte sich, seine Seele ward betrübt, seine Glieder zitterten. Er bethet zu Gott seinem Va= ter: Uch wenn es möglich ist, Vater! so nimm doch diesen Kelch des Leidens von mir; jedoch nicht wie ich will, sondern wie du willst, Vater! so geschehe. Dreymal bethete er so, und dreymal ging er zu seinen Jüngern, sie zu ermahnen, auch zu bethen. Bethet doch und wachet, sprach er zu ihnen, damit ihr nicht in Versuchung fallet. Endlich sprach er: Steht jetzt auf, und laßt uns ge= hen, denn sehet, mein Verräther nahet heran. Er hatte es gesagt, und Judas sein untreuer 206 Jünger rückte heran mit einer Menge Kriegsknechte, ihn gefangen zu nehmen. Er nahete sich ihm, und durch einen Kuß der Freundschaft verrieth er ihn, und überlieferte ihn in die Hände seiner Feinde. Leicht hätte der Heiland sich retten können durch ein Wunder seiner Ullmacht, wie einst, da sie ihn vom Felsen des Berges stürzen wollten zu Nazareth, wo er unsichtbar mitten durch seine Feinde ging, oder wie im Tempel, wo sie ihn steinigen wollten, und er ihren Augen entwich. Aber er wollte es nicht, seine Stunde war gekommen. Er fragte: wen sucht ihr? und sie antworteten: Jesum von Nazareth. Ich bins, sprach er, und sie stürzten zur Erde. Er ließ sie wieder aufstehen, und both nun freywillig seine Hände dar, ihn zu binden, und ließ sich wegführen wie ein Lamm, das man zur Schlachtbank führt. Gebeth. Jesus, mein Heiland und Seligmacher! wer erstaunt nicht über deine Entschlossenheit und Bereitwilligkeit, womit du dein Leiden erwartest, und demselben entgegen gehst. Nur der Gehorsam gegen deinen himmlischen Vater, und die Liebe zu den Menschen, die du dadurch erlösen wolltest, konnten diese Bereitwilligkeit hervorbringen. Ach möchte ich nach deinem h. Beyspiele auch dem Willen Gottes, meines himmlischen Vaters, mich stets unterwerfen, und von seiner Hand 207 annehmen, was er, mir aufzulegen, für gut befindet! Möchte ich immer so gehorsam und Gott ergeben seyn ben allem, was mir durch Gottes Fügung und Vorsehung begegnet! Möchte ich, wie du, bey allen Widerwärtigkeiten und Leiden auf das Ende und die seligen Folgen derselben hinblicken, und dadurch Muth und Ergebung in den Willen Gottes erhalten! Leite und stärke mich, mein Heiland! dir nachzufolgen, und mich in allem, was mir auf diesem Erdenleben begeg= net, dem Willen Gottes meines Baters zu untere werfen. Amen. Zweyte Betrachtung. Jesus zu Jerusalem vor den Hohenpriestern Annas und Kaiphas. Vorbereitungsgebeth. Laß mich dir im Geiste nachfolgen, o mein Heiland! wohin dich die Menschen, die dich verkannten, führten, und laß mich von dir lernen, wie man sich verhalten müsse, wenn man von Andern verkannt, verläumdet oder mißhandelt wird. Von dir will ich lernen Demuth, Sanftmuth und Geduld. Du warst demüthig und sanftmüthig von Herzen. Erwecke du mich durch dein Beyspiel zu einer würdigen Nachahmung. Amen. Betrachtung. Der Heiland wurde in der finstern Nacht nach Jerusalem geführt, um allda von den Hohen 208 priestern und dem Volke zum Tode verurtheilt zu werden. Man führte ihn zuerst in das Haus des Hohenpriesters Unnas, wo ihn ein Kriegsknecht mit verwegener Hand ans Haupt schlug, weil er nicht nach Wunsch geantwortet hatte. Bald darauf führte man ihn zum Hohenpriester Caiphas. Hier hatten sich die 72, die zum jüdischen Rathe gehörten, versammelt. Caiphas saß in seiner hohenpriesterlichen Kleidung auf seinem Throne, die 72 auf ihren Stühlen. Jesus ward hineingeführt. Er wurde aufgefordert, Rechenschaft zu geben von seiner Lehre und von seinen Thaten. Ich habe, sprach er, immer öffentlich gelehrt und gehandelt, und davon kann ein Jeder Auskunft geben. Endlich ward er gefragt, wer er sey und wofür er sich ausgebe. Ich beschwöre dich durch den lebendigen Gott, sprach der Hohepriester, daß du uns sagest, ob du Christus seyest, der Sohn des lebendigen Gottes. Da antwortete Jesus: Der bin ich. Ihr werdet aber diesen Christus, der ist gefangen vor euch steht, einst kommen se hen in den Wolken mit Macht und Herrlichkeit. So sprach er, und nun redete der Hohepriester die Versammlung an: Shr habt es gehört, wofür er sich ausgibt. Was brauchen wir mehr für Zeugniß, als diese Gotteslästerung? Er hat Gott gelåstert, riefen alle, er ist schuldig des Todes. Die Versammlung ward aufgehoben, Jesus ward hinausgeführt und der Wache übergeben, ihn zu bewahren bis am Morgen, wo er zum Landpfleger 209 geführt werden sollte. Während dessen, als dieses vorgegangen, hatte Petrus im Vorhofe bey den Umstehenden seinen Meister und Herrn dreymal verläugnet. Uber durch einen Blick des Heilandes von ferne, gerührt, ging er hinaus und weinte bitterlich. Jesus wird indessen von der Bache bewahrt und mißhandelt. Man verbindet ihm sein Untlik, schlägt ihn mit Fäusten oder mit Stöcken, und frågt ihn spöttisch: Prophet! wer hat dich geschlagen? Andere spieen ihm ins Gesicht, andere verspotteten ihn sonst noch. Zu dem allem schwieg Jesus still, wie ein Lamm, das seinen Mund nicht aufthut vor seinem Scherer. Gebeth. mein Heiland! welche Sanftmuth und Geduld zeigst du bey deinen Leiden! Zu den größten Verläumdungen und falscher Unklagen vor den jüdischen Richtern schweigst du, und bey den größten Verspottungen und Mißhandlungen des Volkes thust du deinen Mund nicht auf. Alle Untreue deiner Jünger, die dich verlassen oder verläugnen, alle Verachtung und Verspottung des Volkes, alle Mißhandlung deiner Feinde erträgst du mit gleich ruhiger stiller Seele, mit Sanftmuth und Geduld. Denn du wußtest, daß sie verirrt, und durch Irrthum und Leidenschaft verblendet waren. O möchte ich dir stets nachfolgen! möchte ich, wie du, sanftmüthig und geduldig seyn, wenn ich von den Menschen verachtet und D 210 mißhandelt werde! Möchte ich wie du gesinnet seyn, und Mitleid mit der Verirrung und Schwachheit der Menschen haben, die mich beleidigen und mir Unbild zufügen! Hilf mir, o mein Heiland! dir in solchen Vorfällen nachzufolgen, und Sanftmuth und Geduld zu üben. Amen. Dritte Betrachtung. Jesus vor dem Landpfleger und Richter Pilatus und dem Könige Herodes. Vorbereitungsgebeth. Du wolltest, o mein Heiland! auch der Gewalt und den Händen der Heiden überantwortet werden, und ein ungerechtes Urtheil von selben über dich fållen lassen. Ich will von dir lernen, Herr! wie man das Unrecht, das die Welt, das die Men= schen uns zufügen, ansehen und ertragen müsse. Deine Gesinnungen und dein Beyspiel sollen mich stets an die wichtige Christenpflicht erinnern, das Unrecht, wenn es seyn muß, mit Gelassenheit und Muth zu ertragen. Betrachtung. Die Juden hatten keine Gerichtsbarkeit mehr, denn der Scepter war von Juda genommen, sie standen unter der Gewalt der Römer, und hatten einen römischen Landpfleger zu Jerusalem, der alles richten, und vorzüglich über Leben und Tod das Urtheil sprechen mußte. Zu diesem führten also die Juden unsern Herrn und Heiland hin. 211 K Früh Morgens standen sie schon auf seinem Vorhofe, und da Pilatus erschien, fragte er, was für Klagen sie gegen diesen Menschen hätten. Nach vielen ungegründeten Beschwerden gaben sie ende lich vor, Jesus sey ein Verführer des Volkes, und habe sich zum Könige der Juden, ja für den Sohn Gottes, erklärt. Jesus aber schwieg still: da nahm Pilatus ihn allein. Er fragte ihn, woher und wer er wåre? ob er wirklich ein König der Juden sey? Jesus sprach: Ein König bin ich, aber mein Reich ist nicht von dieser Welt. Ich bin in die Welt gekommen, daß ich Wahrheit lehre, und von der Wahrheit Zeugniß gebe. Alle, die die Wahrheit lieben, sind Bürger meines Reiches. Da sprach Pilatus: Wahrheit, was ist das? und stand auf und ging zu den Juden, und be= kannte vor ihnen öffentlich: er finde keine Schuld an ihm, er wolle ihn indessen nach Herodes schicken, weil er aus Galiláa, eine Landschaft, welche Herodes verwaltete, gebürtig sey. Jesus wird dahin geführt, und weil Herodes ihn nach vielem fragte, woben er nicht die rechten Absichten hatte, so schwieg Jesus zu allem still. Da er endlich Jesum aufforderte, vor ihm ein Wunder zu thun, und auch der Heiland dieses stillschweigend ausschlug, fing er an, ihn zu verachten, ließ ihm ein weisses Kleid anlegen, und seinen ganzen Hof zusammen kommen, um ihn zu vers spotten. Jesus duldete alle diese Verachtung und Verspottung mit stiller Geduld, und man führte 02 212 ihn zurück nach Pilatus, der nun noch einmal vor den Vorstehern und dem Volke Jesum für unschuldig erklärte, aber dennoch befahl, ihn zu geisseln. Gebeth. Wie groß, o mein Heiland! war die Standhaftigkeit und Geduld, womit du gegen alles Unrecht, was die Welt dir zufügte, ausharretest. Die ungerechtesten Anklagen vor dem heidnischen Richter, die Verspottungen an dem Hofe des Herodes, du ertrugst sie alle mit Muth und Seelengröße. Uch möchte ich deinem Beyspiele stets folgen, wenn die Welt, wenn die Menschen mir Unrecht zufügen! Möchte ich es immer dem anheimstellen, der da recht richtet, und der einst ans Licht bringen wird, was verborgen war! Auch die Verachtungen oder Verspottungen, die ich etwa um der Religion und Tugend willen zu leiden habe, will ich nach deinem Beyspiele mit stiller Geduld ertragen. O flösse du mir deine Gesinnung ein, und stehe mir bey, nach deinem Beyspiele das Unrecht, wenn es seyn muß, mit Muth zu ertragen, und mit Bewußtseyn meiner Unschuld alle Verachtung der Welt und Ungerechtigkeit der Menschen mit stiller Geduld zu überste= hen. Amen. Vierte Betrachtung. Die Geiffelung und Krönung Sesu. 213 Vorbereitungsgebeth. Deine Leiden mehren sich, o mein Heiland! und nach überstandenen großen Unbilden und Kränkungen der Seele folgten bald die schweren Leiden, die man deinem heil. Leibe zufügte. Auch diese ertrugst du mit Geduld und Standhaftigkeit. Lehre mich, o Herr! auch die körperlichen Leiden, die mir entweder die Vorsehung auflegt, oder die Bosheit der Menschen zufügt, nach deinem Beyspiele mit Geduld und Standhaftigkeit ertragen. Amen. Betrachtung. Pilatus hatte Jesum für unschuldig erklärt, und dennoch ließ er ihn geisseln, welcher Widerspruch! Vielleicht geschahe es, um den ungestümen Forderungen der Juden einiges Genüge zu leisten, und dann den Unschuldigen zu entlassen. Jesus ward also hinausgeführt: man zog ihm seine Kleider aus, und band ihn an eine Säule, und nun wurde er mit Ruthen geschlagen. Da ward erfüllt, was in den Propheten von ihm geschrieben stand: Vom Haupte bis zu den Fußsohlen ist kein gesunder Ort an ihm. Und nun ward er aufgelöst von der Säule, und man sette eine von scharfen Dornen geflochtene Krone auf sein Haupt. Dann hingen sie einen zerrissenen Purpurmantel um seine Schultern, und gaben ihm ein Rohr in die Hände, und grüßten ihn spöttisch als einen König. Den Landpfleger aber jammerte 214 K der Unblick, da er den zerschlagenen und überall vom Blut triefenden Unschuldigen erblickte. Er nahm ihn in dieser Gestalt zu sich, führte ihn nochmals heraus, und zeigte ihn dem Volke, in der Hoffnung, es würde sich durch diesen Anblick erweichen, und zum Mitleiden bewegen lassen. Seht, sprach er, welch ein Mensch! aber da war kein Erbarmen. Alles schrie: hinweg mit ihm, ans Kreuz mit ihm. Gebeth. du, der du unschuldig für fremde Sünden für uns bist zerschlagen und verwundet worden, mein Heiland und Erlöser Jesus Christus! durch dessen Wunden wir sind geheilt worden! o wie vergelte ich würdig so große Liebe? Mein ganzes Herz, meine ganze Seele soll dir danken, dich lieben, und durch Befolgung deiner Lehren dir ergeben feyn. Aber auch will ich nach deinem Beyspiele mich allen körperlichen Leiden mit Geduld und Standhaftigkeit unterwerfen, die mir vers dient oder unverdient die göttliche Vorsehung zu schickt, oder die mir von den Menschen zugefügt werden durch die Zulassung Gottes meines himmlischen Vaters, welcher denen, die ihn lieben, alles zum Besten gereichen läßt. Ich flehe nur um Gnade und Beystand, mich bey denselben ohne Bitterkeit des Herzens, mit Geduld nach deinem h. Benspiele und nach dem Wohlgefallen Gottes zu verhalten. Amen. - 215 Fünfte Betrachtung. Jesus auf dem Wege zum Richtplake sein Kreuz tragend. Vorbereitungsgebeth. Ich komme in der Betrachtung des Leidens, o Herr! bis an die Stunde, wo dein Todesurtheil gesprochen, und du hinausgeführt wirst zum Richtplaß. Lehre mich, o mein Heiland! durch deine willige Unterwerfung, durch deinen Gehorsam bis zum Tode, auch gehorsam und ergeben in Gottes Willen, mich dem Urtheile des Todes zu unters werfen, wenn meine Stunde kommt, die mir der Herr über Leben und Tod bestimmt hat. Amen. Betrachtung. Nachdem der Landpfleger zu Jerusalem mehrmalen versucht hatte, Jesum, den er für unschuldig erklärte, zu befreyen; machte er noch einen Versuch. Es war Gebrauch, um Ostern einen Missethäter aus dem Gefängnisse zu lassen, und diesen konnte das Volk wählen. Er nahm also einen sehr berüchtigten Mörder, Barrabas mit Namen, einerseits, und andrerseits Jesum, welchen, wie er glaubte, das Volk liebte, und nur die Schriftgelehrten und Priester hasfeten. Aber dieſe hatten das Volk schon aufgewiegelt, und vorbereitet, welchen sie wählen sollten. Nun fragte Pilatus: Welchen von diesen beyden soll ich euch auf das Fest loslassen, Barrabas oder Jesus? 216 Uber alle Stimmen erschollen: Nicht diesen, sondern Barrabas. Da fragte Pilatus: Was soll ich denn mit Jesus machen? Und sie riefen wiederum Alle: Uns Kreuz, ans Kreuz mit ihm. Da wusch Pilatus öffentlich seine Hände, und sprach: Dann will ich unschuldig seyn an dem Blute des Gerechten. Sie aber riefen: Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder! Und wenn du diefen freyläsfest, setzten sie hinzu, so bist du kein Freund des Kaisers, denn er hat sich zum Könige aufgeworfen, und ist des Todes schuldig. Diese Drohung mit der Ungnade des Kaisers that große Wirkung auf das feige Herz des Landpflegers. Er gab ihnen Barrabas los, und sprach das Todesurtheil über Jesus, und übergab denselben alsbald, daß er gekreuziget würde. Schnell benutten die Juden Zeit und Umstånde, um das Todesurtheil in möglichster Eile auszuführen. Es wurden die nöthigen Anstalten gleich getroffen. Und nun führte man Jesum, den Unschuldigen, hinaus zum Gerichtsplat. Man legte den schweren Kreuzbalken auf seine verwundeten Schultern, und so ermattet von Schlägen und Wunden er war, mußte er dennoch das Kreuz, woran er bluten follte, felbst tragen. Frohlockend führten nun die Juden ihn durch die Straßen Jerusalems. Frohlockend folgte alles Volk, das sonst seine Lehre gehört und bewundert, seine Wunder gesehen, ja sogar Hosanna ihm gerufen, ihm nach zum Richtplat, um ihn sterben zu se 217 R hen. Nur einige Weiber, Freundinnen und Jungerinnen Jesu, weinend und schluchzend hinter dem Kreuze. Jesus hörte sie jammern, da sprach er: Weinet nur nicht über mich, ihr Tochter Jerusalems! weinet vielmehr über euch selbst und über eure Kinder; denn wenn dies am grünen nen Holze geschieht, was wird am dürren geschehen? d. h. wenn das am Unschuldigen geschieht, was wird an den Sündern geschehen? Und Jesus fepte, gehorsam gegen den Rathschluß seines himmlischen Vaters, seinen schweren Gang zum Richtplage weiter fort. Gebeth. Ich falle vor dir nieder, o Jesus mein Heiland! in dieser deiner tiefsten Erniedrigung vor den Menschen, da du selbst dein Kreuz tragend als cin Missethäter hingeführt wirst zu sterben. Freywillig und gehorsam unterwirfst du dich dem Rathschluffe Gottes deines Baters, und du gehst gern und willig hin, um für das Heil der Welt zu sterben. O möchte mein Herz dir würdig danfen können! Uber möchte ich dir auch würdig nachfolgen, wenn nach dem ewigen Rathschlusse Gottes auch mein Todestag und meine Sterbstunde heranrückt! Möchte ich dann ergeben in Gottes Willen und gehorsam bis zum Tode mich unterwerfen dem Rathschlusse Gottes meines Vaters, der einem Jeden seine Zeit und Stunde bestimmt hat! O ich will frühzeitig mein Gewissen 218 K reinigen und rein erhalten, damit ich dereinst mit ruhiger Ergebung mein Ende erwarten könne. Stårke du mich dazu, o Herr! und laß mich be= reitwillig und getröstet, wie du, meinem Tode entgegen sehen. Amen. Sechste Betrachtung. Der Tod Jesu. Vorbereitungsgebeth. Den Zod meines Herrn will ich heute betrach. ten, und mir zu Gemüthe führen deinen Tod, o mein Heiland! den du einst gelitten am Kreuze für mich, für alle Menschen. Uch laß mich darin erkennen deine Liebe, womit du uns bis in den Tod geliebt hast! Laß mich erkennen und würdigen das Opfer, das du für meine und aller Welt Sünden dargebracht hast! Und damit ich an diesem großen Opfer Theil nehme, laß mich, wie du, in der Liebe deines Vaters bis zum Ende ausharren und sterben. Amen. Betrachtung. Nach langem und mühsamen Tragen, und nachdem man einen Menschen gezwungen, das Kreuz nachzutragen, langt Jesus endlich an dem Berg Golgatha an, wo er bluten und sterben sollte. Er legt sein Kreuz hin, man zieht die Kleider von seinem blutigen Leibe, und nun wird er, wie ein Schaf zur Schlachtbank, so aufs Kreuz hins geworfen. Die Urme werden ausgestreckt, und 219 K mit starken Någeln durchbohrt ans Kreuz geschlagen, so auch seine Füße: Und nun wird unter großem Geschrey das Kreuz aufgerichtet, und Jefus, der Gottes und Menschen Sohn hångt blutend am Kreuze. Welcher Unblick für Himmel und Erde! welcher Unblick für die Feinde Jesu, und für seine Freunde! Diese verstummen, und vergehen vor Schmerz und Wehmuth; jene frohlocken und lästern. Siehe da, der Wunderthäter und Zerstörer des Tempels! sagen sie, siehe der König Israels, der Sohn Gottes! warum steigt er nicht vom Kreuze, wenn er kann, damit wir alle an ihn glauben? Diese Låsterreden muß er hören am Kreuze, aber sie ermüden seine Geduld und Sanftmuth nicht. Er hebt seine matten Uus gen auf, und bethet zu Gott: Verzeihe es ihnen, Vater! fie erkennen und wissen nicht, was sie thun. Sogar von den Mórdern, die mit ihm gekreuzigt wurden, stimmte der Eine in folche Lästerungen ein. Der Undere, durch die Geduld und Sanftmuth Jesu gerührt, erkanna te ihn für seinen Heiland und Herrn, und sprach: Hear! gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst; und Jesus gab ihm vom Kreuze die Versicherung: Heute noch wirst du bey mir. seyn im Paradiese. Jetzt kamen einige aus feinen zerstreueten und unter dem Volke stehenden Jüngern näher. Johannes nahete sich dem Kreuze, und ach die Mutter! die Mutter, die ihn zu Bethlehem gebahr, die Begnadigte, die 220 vom Engel begrüßt ward, da sie ihn empfing, diese sah ihn am Kreuze hangen und bluten, ihn, der auf dem Throne Davids sitzen, und herrschen sollte, ewig; sie sah ihn hangen und bluten, den ihre Seele hochschätte und liebte. Die Mutter Jesu und Johannes standen unter dem Kreuze. Jesus sah sie stehen, er tröstete sie, und empfahl dem Johannes, sie in seinen Schuß zu nehmen als Mutter, und Maria den Johannes als ihren Sohn aufzunehmen. Siebe deinen Sohn! Siehe deine Mutter! Nach langen schweren Leiden lechzte seine trockene Zunge nach Labung. Er klagte über Durst. Mich dürftet, sprach Jesus, und man reichte ihm Galle und Effig, ihn in dem heissen Durst zu tránken. Noch waren seine Todesqualen nicht zu Ende, die fürch= terlichsten von allen war noch nicht gekommen. Es war das Gefühl, von Gott verlaffen zu seyn. Denn von Gott verlassen werden mußte der, der die Strafe der Sünden auf sich genommen, für Sün= der leiden und sterben wollte. Jesus, obgleich der ewig geliebte Sohn des Vaters, mußte daher, als er für unsere Sünden litte, auch diese fürchterlichste aller Strafen leiden; die Verlassung von Gott. Sie nahete heran die fürchterliche Stunde, der Himmel ward mit einer dicken Finsterniß umhüllt, die ganze Natur trauerte, und Jesus rief nun mit starker Stimme: Gott! mein Gott! wie hast du mich verlassen! Aber nun kehrte bald wieder Trost in seine, Seele zurück. 221 Er fühlte sein nahes Ende, und sprach: Nun ists vollbracht, und hob dann noch einmal seine matten Augen auf, und sprach: O Vater! in deine Hände empfehle ich meinen Geist. Jest neigte er sein Haupt, und starb. Gebeth. Ich bethe dich an, o Jesus, mein Erlöser! der du durch deinen Tod am Kreuze die Welt erlöfet hast. Das Opfer ist vollbracht, wir sind erlöset, errettet vom ewigen Verderben, durch dich, durch deinen Tod. So liebtest du, Erlöser! die Menschen, daß du für sie in den Tod gingst, und starbst, damit sie ewig leben möchten. O wie dan= ket dir würdig mein Herz? was kann ich dir vergelten für so große Liebe? dich wieder lieben, dir von ganzem Herzen ergeben seyn, ist der Dank, den du erwartest. Durch ein Leben nach deiner h. Lehre dir und dem Vater zu gefallen, soll mein Bestreben seyn, damit deine Erlösung an mir vollendet werde. Stärke mich, o mein Heiland! zu diesem Entschlusse, den ich heute von ganzem Herzen fasse. Laß mich dir in meinem ganzen Leben getreu bleiben, und dann, wenn auch meine letzte Stunde herannaht, dann fey mein Ende wie dein Ende. Laß mich, ergeben in den Wile len Gottes und gehorsam bis zum Tode, mit Ruhe der Seele und im Vertrauen auf Gott meine Augen schließen, und meine Seele in die Hande meines himmlischen Baters aufgeben. Amen. - 222 Siebente Betrachtung. Das Begräbniß Jesu. Vorbereitungsgebeth. Auch dein Begräbniß, o Heiland der Menschen! ist lehrreich und tröstlich für uns. Es zeigt uns, daß du uns in allem gleich geworden. Auch unser Leib wird einst, wie der deinige, im Grabe ruhen, um den Tag der Auferstehung zu erwarten. Dein Begräbniß sey also mein Troft und meine Hoffnung. In dir laß mich sterben, und im Grabe laffen meine Gebeine ruhen, bis du den Leib wieder aufwecken, und mit der Seele vereinigen, und bende selig machen wirst. Umen. Betrachtung. Nach dem Tode Jesu wünschten seine Freunde den todten Leib vom Kreuze abzunehmen, um ihn zu begraben. 3wey vornehme jüdische Männer, welche heimlich seine Jünger waren, Nikodemus und Joseph von Arimathia, gingen zum Pilatus, und bathen um die Erlaubniß, den Leib vom Kreuze abnehmen und begraben zu dürfen. Pilatus ertheilte ihnen diese Erlaubniß. Sie gingen also hin, den Leib vom Kreuze abzunehmen. Ei ner der Soldaten aber, um sicher zu seyn von seinem Tode, stach mit einer Lanze in die Seite des Herrn, und es floß Blut und Wasser heraus; ein Zeichen des Todes. Da nahmen sie den Leib herab, legten ihn in weisse Leinwand, und trugen 223 ihn nahe dabey in ein neues Grab, welches sich Jofeph von Urimathia in seinem Garten hatte ausmauern, und für sich bereiten lassen. Alsbald kamen die Freundinnen Jesu mit köstlicher Salbe, den Leib des Gestorbenen zu falben. Aber nicht lange, da kam der Befehl, das Grab zu schließen und zu versiegeln, weil die Juden fürchteten, der Leib möchte von seinen Jüngern gestohlen, und dann gesagt werden, er sey vom Tode erstanden. Sie wußten nämlich, daß Jesus gesagt hatte, am dritten Tage würde des Menschen Sohn vom Tode wieder auferstehen. Sie schlossen also das Grab, versiegelten es, und wälzten einen großen Stein vor des Grabes Thüre. Auch wurde eine Wache gesetzt dem Grabe gegenüber, den Todten zu bewachen, um eine erdichtete Auferstehung zu verhüten. Gebeth. Ich werde sterben und begraben werden, o mein Heiland, gleich dir. Das ist das Schicksal aller Adamskinder, das ist die zurückgebliebene Strafe der Sünde. Wir sind aus Staub, und werden wieder zu Staub werden. Allein wenn auch mein Leib und meine Gebeine im Grabe vermodern, so werden sie dort dennoch ihre Verwandlung und Auferstehung erwarten. Du hast uns diese Berheissung gethan, o mein Erlöser! und mit diesem Troste in dieser Erwartung will ich die finstere Gruft nicht fürchten. Laß mich nur in 224 K dir sterben, und dann mag mein entseelter Leibim Grabe ruhen oder vermodern, bis du denselben wieder auferwecken, mit der Seele wieder vers einigen, und beyde selig machen wirst. Amen. Gebethe in der Charwoche. Am Palmsonntage. Deine Kirche, o mein Heiland! feyert in dieser Woche das Undenken an die wichtigen Begebenheiten in den letzten Tagen deines Lebens auf Erden. Auch ich will im stillen Nachdenken mich daran erinnern, und dich preisen und dir danken für deine Erlösung, die du für das Menschengeschlecht vollbracht hast. Sechs Tage vor deinem Tode hältst du deinen feyerlichen Einzug unter deinem Volke; du erscheinst als ihr König. So wenig du auch diese öffentliche Ehre suchtest, so forgfältig du auch sonst auswichest, wenn sie dich für ihren König erklären wollten, so låsfest du es dennoch heute geschehen, weil du doch einmal vor deinem Tode dich öffentlich für denjenigen ausgeben wolltest, der als König der Juden und Heiland der Menschen kommen sollte; und damit die Weissagungen der Propheten an dir erfüllet würden: Saget der Tochter Sion: siehe, dein König kommt. Damit alles Volk es wisse, wofür du selbst dich ausgabst, und daß du seyest Christus, der Sohn Davids, und der Sohn des lebendigen श्र 225 K Gottes. O wie diefes feyerliche Bekenntniß heute erscholl auf Jerusalems Straßen und in Jerusalems Tempel! So erschallt es auch jetzt noch nach beynahe 1800 Jahren unter uns und in unfern Tempeln. So wie Jerusalems Einwohner dich mit Palmzweigen begleiteten, so bringt auch noch heute dein Christenvolk die Palmzweige. So wie dein Volk an diesem Tage einst Hosanna dir rief, so rufen auch wir heute Hosanna dir, Hosanna dem Sohne Davids, Hosanna dem Sohne Gottes, Hosanna unserm Erlöser. Gebenedeyet, gepriesen fey er, der da kam im Namen Gottes, vom Vater in die Welt gesandt, Hosanna in der Höhe. O möchte dir unsere Unbethung und Verehrung gefallen, die wir dir, um jenes Volk nachzuahmen, darbringen! Möchte dir unser schwaches Lob und unser Dank gefallen, welchen wir dir, unserm König und Herrn, unserm Erretter und Beglücker darbringen! Jesus Christus du Sohn Gottes und Menschensohn aus dem Geschlechte Davids! an dich glauben, dich bekennen wir, Jes Jesus unser Erretter und Heiland! auf dich hof fen und vertrauen wir. Jesus Christus unser Beglücker und Seligmacher! dich lieben, dich preisen, dir danken wir, dich bitten wir, mache uns selig, die du durch dein Kreuz und deinen Tod erlöfet hast. Amen. 2n merk. Unter der Passion können die vorstehen: Howden Betrachtungen über das Leiden und den Tod Jesu gelesen werden, P श्र 226 di Gebeth der Kirche. Numächtiger ewiger Gott! der du dem Mens schengeschlechte ein Beyspiel der Demuth zu ge= ben, unsern Heiland die Menschheit anzunehmen und das Kreuz aufzunehmen verordnet hast; vers leihe gnådig, daß wir die Belehrungen seiner Geduld annehmen, und seiner Auferstehung theils haftig werden mögen. Durch denselben Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Am grünen Donnerstage. Am Tage vor deinem Leiden hast du, o mein SING Heiland! in Gegenwart deiner Jünger geheimnißvolle Handlungen verrichtet. Ich will sie heute am Undenken dieses Tages beherzigen. Gib mir dein Licht und deine Gnade, daß ich das Heilige, das Lehrreiche, das Wichtige in diesen Handluns gen recht fasse und zu Herzen nehme. Erste Betrachtung. Jesus isset mit seinen Jüngern das Osterlamm. Da Jesus wußte, daß der Tag und die Stunde seines Leidens und seines Todes nahe war, wollte er noch zulegt ein Liebesmahl mit den Jüngern halten. So wie ein liebender Vater, der sich von seinen geliebten Kindern entfernen und trennen muß, noch einmal alle um sich versammelt, mit ihnen ſpeiset, sie tröstet, fie ermahnet; dann von ihnen scheidet; so Jesus mu seinen Jüngern. 227 R Zugleich nahete auch das Passahfest beran, auch das wollte er noch vor seinem Ende mit seinen Jüngern feyern, und dann wollte er das wichtige, geheimnißvolle Liebesmaht einsehen, welches er lange schon verheissen hatte, und welches bis ans Ende der Zeiten in seiner Kirche fortgeſetzt werden sollte. Er fandte also zween seiner Jünger voraus nach Jerusalem, daß sie alles bereiten möchten in einem Hause, das er ihnen bedeutete. Er selbst mit den übrigen folgte nach. Sie kamen in einen Saal, wo alles bereit war. Jesus setzte sich mit feinen 12 auserwähltesten Jüngern zu Tische; sie aßen, und zuletzt wurde auch das Lamm aufge= tragen, das nach Vorschrift des alten Gesetzes mußte gegessen werden, zum Andenken, wie Gott einst die Israeliten in Aegypten durch das Blut des Lammes von der letzten Plage, womit er Legypten bestrafte, befreyet, und dann sie aus Aegypten geführt hatte. Schon lange habe ich mit Sehnsucht verlangt, sprach Jesus, dies Passah mit euch zu feyern, bevor ich stürbe. Die Jünger hörten es und trauerten. Er fuhr fort, ihnen sein nahes Ende noch deutlicher zu bedeuten. Einer aus eurer Mitte, sprach er, wird mich vers rathen. Und da sie alle über diese Rede betroffen waren, und fragten: bin ich es? Meister! spricht er: wer jetzt die Hand mit mir in der Schüssel ich bie hat, der ist es; aber wehe dem Unglücklichen! Des Menschen Sohn wird zwar hingehen und P2 A 228 K sterben, wie es geweisfagt und vom Vater be stimmt ist, aber wehe dem Unglücklichen, durch den er verrathen wird! So sprach er, um seinen Jünger, den Judas, der ihn verrathen wollte, zu warnen und abzuschrecken. Auch die übrigen Jünger warnte er, und gab ihnen ihre Schwachheit zu erkennen: Er bedeutete dem Petrus, daß er seinen Meister und Herrn verläugnen, allen, daß sie ihn verlassen würden. Gebeth. and monis of mein Heiland! wer kann deine Liebe fassen, womit du die Deinen bis ans Ende geliebt hast. Wie ein Vater unter seinen Kindern, so sizest du noch heute am Abend vor deinem Tode unter ihnen, sagst ihnen dein Leiden und deinen Tod vor, um sich dazu gefaßt zu halten, diese wichtige Begebenheit zu ertragen. Du warnest sie vor ihren Fehlern, um sie davon abzuschrecken; du gibst ihnen noch die letzten väterlichen Ermahnungen, Lehren und Tröstungen. O sey doch auch unser Vater, unser Lehrer und Tröster bey allen Begebenheiten unsers Lebens! Erhalte uns sern Muth, gib uns Sanftmuth und Geduld, damit wir unsere eigenen Schicksale und die Schicksale der Unsrigen mit Vertrauen auf dich und den Vater ertragen! Lehre und stärke uns, daß wir uns weise und standhaft bey denselben verhalten nach deinem und des Vaters Wohlgefallen! Amen. fare 08: 2 R Zweyte Betrachtung. Jesus wascht den Jüngern die Füße. Nach dem Abendessen und nachdem das Passah gegeffen war, steht Jesus vom Tische auf, und umgürtet sich, läßt Wasser bineinbringen, und fångt an, seinen Jüngern die Füße zu waschen. Welche Demuth! der Meister und Herr wascht seinen Dienern die Füße; der Lehrer den Jungern; der Gottmensch sterblichen, schwachen und noch fündigen Menschen. Petrus erkannte dieſe Herablaffung Jesu so sehr, fühlte so sehr seine Unwürdigkeit, daß er es nicht zulassen wollte. Da ihn aber Jesus bedrohete, daß er keinen Theil an ihm haben würde, wofern er nicht gehorchte, so unterwarf er sich dem Willen seines Meisters. Nach der Vollendung dieser Fußwaschung erklärte ihnen Jesus die Bedeutung und die Absicht. Er wollte ihnen nämlich ein Beyfpiel der Demuth und der Herablassung geben, und den gefährlichen Hang nach Vorzug und irdischer Hoheit, wovon sie noch nicht ganz befreyet waren, indem ein jea der in seinem Reiche noch immer der erste zu werden wünschte, ganz vertilgen. Darum, sprach er, habe ich dies gethan, um euch zu zeigen, wie der Größte unter euch des andern Diener werden ch bes an muß, so sollet ihr auch einer dem andern die geringsten Dienste leisten, und nicht nach Hoheit streben; dann send ihr meine Jünger, die mir nachfolgen. 229 230 Gebeth. mein Heiland! ich bethe dich an in dieser Erniedrigung vor deinen Jüngern. Auch uns, die wir dieses heute in deinem Evangelium lesen, auch mir hast du dieses Beyspiel gegeben, damit ich demüthig werde, nicht nach Vorzug und Ho heit unter meinen Mitmenschen strebe; und wenn deine Vorsehung mich erhöhen sollte, damit ich dennoch klein und gering bleibe in meinen Augen. Dhelfe und stärke du mich, daß ich auch mit Demuth und Bereitwilligkeit meinen Mitmenschen Liebesdienste erzeige, und mich gern erniedrigé, wenn Pflicht oder Umstände es erfordern. Das Beyspiel deiner Erniedrigung schwebe mir besonders dann vor Augen, wenn meine Seele auf ihre kleinen oder eingebildeten Vorzüge eitel zu werden und sich zu erheben beginnt. Erhalte und stärke mich, Herr! in der Demuth und in der Bereitwilligkeit, meinem Nächsten zu dienen; da mit ich dir nachfolge, und stets demüthig und fanftmüthig sey von Herzen nach deiner Lehre und deinem Beyspiele. Amen. Dritte Betrachtung. Jesus reicht feinen Jüngern seinenleib zur Speise, sein Blut zum Tranke. Smmer heiliger und geheimnisvoller wirds beym letzten Abendmahle. Nach der geschehenen Fußwaschung setzt sich Jesus wieder zu Tische. Jetzt 231 K nimmt er von neuem wieder Brod in seine Hände. Er bricht es, er fegnet es mit gen Himmel gehobenen Augen. Die Jünger sehen es, und staus nen. Jeht reicht er es seinen Jüngern, indem er spricht: Nehmet hin und esset, dies ist mein Leib, der für euch wird gegeben werden. Die Jünger nehmen und essen. Darnach nimmt er den Kelch mit Bein, und segnet ihn, reicht ihn den Jungern, und spricht: Trinket alle daraus, dies ift der Kelch meines Blutes, welches für euch und für viele wird vergossen werden zur Vergebung der Sünden: Und die Jünger nehmen und trins fen. Das thuet nun auch ihr, sprach Seſus ferner, fo oft ihr es thut, zu meiner Gedächtniß. Feyert so das Undenken an meine Liebe, an meinen Tod, indem ihr den Leib esset, das Blut trins ket, das ich für euch hingebe. So erfüllte Jesus heute zum erstenmal, was er lange vorher verheissen hatte: Ich will euch ein anderes Himmelbrod zu effen geben. Ich selbst bin das lebendige Himmelbrod. Mein Fleisch ist wahrhaftig eine SpeiWer fe, mein Blut wahrhaftig ein Trank. mein Fleisch ist, mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm, der wird leben ewig. D mit welchem Erstaunen wohl die Jünger zum erstenmal heute diese geheimnißvolle Speise, diesen ges heimnißvollen Trank nahmen; den Leib und das Blut ihres Heilandes: aber auch mit welcher heiligen Ehrfurcht, Dankbarkeit und Liebe! Com - 232 inando Gebeth.sin Ende mein Heiland! auch wir faffen nie genug die Liebe, womit du uns dein h. Fleisch und Blut. in dem geheimnisvollen Sakramente darreichst. Denn auch für uns hast du diese h. Speise, die sen h. Trank bereitet, und in deiner Kirche auf bewahrt. Du hast deinen Jüngern und ihren Nachfolgern befohlen, ein Gleiches zu thun, und ges sagt: So oft ihr es thut, so thuet es zu meiner Gedächtniß. Ja allen, die an dich glauben, haft du befohlen, zu effen dein Fleisch, zu trinken dein Blut. Daher wissen wir, daß auch uns diese geheimnisvolle Speise und Trank aufbewahrt ist, die du heute angeordnet, und deinen Jüngern gereicht hast. O wie danken und preisen wir dich würdig für solche Liebe? Deine Freude ist, bey uns Menschen zu seyn. O daß wir dir doch je derzeit in unseren Herzen eine würdige Wohnung bereiten möchten! daß alle Christen in dieser h. Osterzeit sich ernstlich angelegen feyn ließen, ihre Seele zu reinigen, und dich würdig zu empfangen! Stehe mir mit deiner Gnade bey, o mein Heiland! daß ich mich recht würdig vorbereite, daß ich mich aufrichtig selbst prüfe, bevor ich von diesem geheimnißvollen Brode esse. Gib mir Gnade zur wahren Buße und Besserung meines Lebens. Tilge in mir jede Neigung und Schwachheit, die dir mißfällt. Stärke mich im Glauben, im Vertrauen, in der Liebe zu dir, daß ich mich würdig hinzunahen, und dich meinen 233 Heiland mit reinem Herzen empfangen möge. Amen. smmite GIẢI CH moll 10 bil Um h. Charfreytages 2013 Im stillen Nachdenken will ich den Todestag meines Herrn feyern; denn er starbe für mich; er starb nach vielen und großen Leiden den schimpf lichsten und schmerzlichsten Tod. D laß mich dieß heute würdig beherzigen, mein Gott und Heis land, mein Erlöser und Seligmacher! damit meine Seele dir danke, dich verehre und tebe, und das Heil erlange, welches du durch deinen Tod mir erworben han. Amen. 20 jest p Erste Betrachtung d VISITA Wer ist es, der einst an diesem Tage starb? lu Warum trauert heute die ganze Christenheit? wessen Todesfeyer begeht das Christenvolk? wer ist es, den sie beweinen, um dessen Tod sie trauern? Ach es ist der, welchen der himmlische Bater in die Welt gefandt hatte, die Menschen, die vers loren waren, wiederzusuchen, zu erretten vom Verderben der Sünde, sie alle zu beglücken und selig zu machen. Es ist der ewig geliebte eingeborne Sohn des ewigen Gottes, den er für seinen ges liebten Sohn selber erklärt hat: am Flusse Jordan zuerst, wo er sich von Joannes taufen ließ, und die Stimme aus den Wolken erscholl: dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Wohls 234 K gefallen habe; dann auf dem Berge Thabor, wo 18010 er vor seinen Jüngern verklärt wurde, und enda lich vor allem Volke im Tempel; als die Stimme erscholl: Ich habe ihn verklärt und ich werde ihn verklaren. Es ist der Gerechte, der Unschuldi ge, der Heilige, wie keiner ihm gleich. Es ist der göttliche Lehrer, der durch seine Weisheitslehre und Glückseligkeitslehre das Menschengeschlecht erleuchtet, unterrichtet; uns die Wege Gottes ges lehrt, und durch eigenes Beyspiel gezeigt hat. Es ist der Freund der Menschen, der Wohlthäter aller Hilfsbedürftigen, der durch seine Wunderkraft die Hungrigen speisete die.ranken heilte, die Todten erweckte; der die Traurigen tröstete, den Sündern ihre Sünden vergab, den armen Menschen Evangelien, fröhliche Bothschaften, selige Aussichten in die Zukunft verfündigte. Es ist der Heiland, der Erretter, der Seligmacher Aller: Jesus Christus, unser Erlöfer und Herr. Der ewige Sohn ist es, der im Schoße des Va= ters war, ehe die Engel um Gottes Thron sans gen; er, durch den alles gemacht ist, was gemacht ist; der in der Zeit vom Himmel kam, und Mensch ward, um uns Menschen zu seinen Brüdern und zu Gotteskindern zu erheben. Dieser, dieser geliebte Sohn des Vaters, der Gottes und Menschen Sohn; dieser Heiland und Erlöser, nach dessen Erscheinung die Welt Jahrtausende mit Sehnsucht verlangt hatte; dieser Gerechte, Hei lige; dieser göttliche Lehrer, dieser Freund und 235 K Wohlthäter der Menschen; dieser Heiland, Erlde fer, Seligmacher- leidet und stirbt. Indian 4 Gebeth. minis sias 5107 10 bin hin des 19 Oni ingi ich bethe dich an in deinem Leiden, in deia nem Tode; Gottmensch, Erlöser, Seligmacher! ich falle vor dir nieder und bethe dich an. Jesus Christus, mein Herr und Gott, du bist uns in allen Dingen gleich geworden, die Sünde ausges nommen, aber auch im Leiden, aber auch im Tode bist du uns gleich geworden. Wie billig hättest du leben sollen, wie billig hättest du Seligkeit und Freude haben sollen aber du wähltest Leiden und Tod. So war es der Wille des Ewigen, deines Vaters, und willig unterwarfst du dich feinem Willen, und gingst freywillig in den Tod; und warst gehorsam bis zum Tode, weil es so in den Rathschlüssen des Ewigen beschlossen war, weil es so das Heil der Menschheit erheischte. Zweyte Betrachtung. 00 Wie stirbt Jesus? Erhebe dich, meine Seele! um deinen Heiland sterben zu sehen: erhebe dich, mein Geist! auf Golgatha. Nach vielen und großen empfangenen Unbilden, Kränkungen, Verspottungen, nach einer schmerzlichen Geisselung und schimpflichen Kronung mit Dornen wird er mit einem schweren Kreuzbalken beladen, und muß das Holz, woran er bluten soll, selbst zum Richtplag tragen. Er 236 kommt beran. Er legt sein Kreuz hin. Man ents blößt ihn, man wirft ihn auf das Holz nieder, wie ein Lamm, das man auf die Schlachtbank legt, und er thut seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm. Seine Urme werden ausgestreckt, und feine Hände mit Nägeln durchbohrt, dann auch die Füße. Und nun wird er am Kreuze hangend aufgerichtet, zur Schau des Volkes, zur des Bel Schau der Welt. Und ach! in feinen höchsten Leiden fpotten und låstern noch seine Feinde, und das von selben verführte Bolk. Uber er bittet zu Gott feinem Vater: Bergib es ihnen doch, Vater! sie erkennen es nicht, was sie thun. Selbst die Låsterung eines feiner Mitgefreuzigten erträgt er mit Geduld! Den zweyten büßenden Mitgekreuzigten tröstet er mit der Vergebung seiner Sunden, und der Verheissung des Paradieses. Seine Mutter, die ihn zur Welt gebar, steht unter dem Kreuze und versinkt in Jammer. Er tröstet sie, empfiehlt sie seinem geliebten Jünger zur Obsors ge. Und nun ach! nach drey heissen Stunden in der Todesqual dürftet ihn, und man reicht dem Sterbenden Galle und Essig. Endlich, ach! wer faßt die geheimnißvolle Klage, die nur einzige ben allen seinen Leiden, die nun seinem Herzen, seinem Munde entfällt: Mein Gott, mein Gott! wie haft du mich verlassen. Jedoch die finstere Stunde geht vorüber! Licht und Trost kehrt in seine Seele zurück. Nun ists vollbracht, spricht er. Vater nimm auf meine Seele! in deine F 237 K Hände empfehle ich meinen Geist! Er neigt sein Haupt, und stirbt. Sollconiemid Catmand 156 dan aphos foite Gebeth. DOUDOUNE 110X Ich falle vor dir nieder, o mein Heiland! ich bethe dich am Kreuze hangend an. Schauerlich war dein Tod vor den Augen der Menschen, aber wie schön in den Augen Gottes. Denn gerecht, heilig und unschuldig starbst du, und mit welcher Sanftmuth und Liebe, mit welcher stillen Geduld, mit welcher Ergebung in Gottes Willen, mit welcher heiligen Fassung der Seele gingst du in den Tod, und stirbst ihn am Kreuze. So stirbt der Gerechte. O möchte mein Ende seyn, wie dein Ende! O du, der du mein Lehrer und mein Beyspiel geworden bist im Leben und im Tode, laß mich heilig wie du leben, und laß mich wie du sterben. Laß durch deine Verlassung am Kreuze, die du an meiner Statt, die du an aller sündigen Menschen Statt erdulden mußtest, laß, ach! durch diese deine Verlassung meine Seele im Tode Trost und Beystand von dir und dem Vater erlangen, und laß mich ruhig und selig in dir sterben. Amen. dine - Dritte Betrachtung. odulinidal Warum stirbt Jesus? du Was war die eigentliche Ursache seines Todes? warum wurden so viele und so große Leiden auf ihn gelegt? warum mußte der Gerechte einen sol 238 then Tod sterben? Uch wer faffet ganz diese geheimnißvolle Ursache? Der Herr hatte unser aller Misfethaten auf ihn gelegt, fagt die Schrift, und um unserer Sünden willen ist er verwundet, durch seine Wunden sind wir geheilet worden. Isaias 52. Sa für uns, für alle ist Christus gestorben, so lehrt uns sein Apostel, der h. Paulus. Also auch für mich litt und starb er. Auch für meine Sünden ist er in den Tod gegangen: damit ich ewig leben möchte, ist Jesus gestorben. Welche Liebe! ja eine größere Liebe hat keiner, als daß er sein Leben gebe für seine Freunde. Ach so hast du also uns, so hast du mich geliebet, Jesus Chris stus, mein Erlöser und Gott! Die Strafe, die wir leiden mußten, hat er getragen; die Sünden, die wir büßen mußten, und dennoch nicht tilgen konnten, hat er gebüßet und getilget: gestorben ist er, damit wir ewig leben sollten. Er hat uns versöhnt mit dem Vater. Heil und Leben ist unser, wir sind errettet, wir sind erlöset durch ihn, befreyet sind wir von der Sünde und ihren Stra= fen, denn das Lamm, welches geopfert worden, hat alle Sünden hinweggenommen. Jedoch auch ich muß nun die Sünde von ganzem Herzen verabscheuen, und keine Sünde wieder auf mich laden. Und o! wie unwerth sind auch die seiner Erlösung, die nun noch freywillig sündigen kons nen. Nein, das sey fern von mir. Nie will ich freywillig wieder durch Sünde meinen Gott beleidigen, und so die Erlösung meines Heilandes - 239 R vereiteln. Standhaft will ich gegen das Böse kämpfen, und jede Tugend lieben und üben, das mit ich der Früchte und Wirkungen der Erlösung meines Heilandes theilhaftig werde. 9411197 sid not D Gebeth. ONIL mein Heiland! wie soll meine Seele dir würbig danken, wie kann ich würdig dich wieder lieben für so große Liebe, die du gegen mich bewiesen hast? Durch dich, durch deinen Tod bin ich erlöfet; durch dich bin ich versöhnt mit dem Bater; durch dich habe ich Bergebung der Sünden und ewiges Leben. O meine Seele soll dich mit allen ihren Kräften wieder lieben: dir soll sie standhaft anhangen, und durch nichts sich trennen lassen von der Liebe zu dir. Un dich will ich glauben, auf dich will ich stets hoffen und vertrauen, dich und den Vater will ich über alles lieben. Nach deiner Lehre will ich mein Leben einrichten, das mit ich dir und dem Vater gefalle. Stárke du mich, o mein Heiland, damit ich der Früchte deines Leidens und Todes theilhaftig werde. Amen. Am Samstag in der Charwoche.. Um Grabe meines Erlösers. Am. Lm. Grabe meines Erlösers soll heute meine Seele verweilen. Nach dem schmählichen und qualvollsten Tode wurde der Leib vom Kreuze genommen, und in ein Grab gelegt. Der Tod ist das Ende aller Leiden auf Erden, das Grab der Ort 240 K Ruhe für die Leidenden. Auch der Leib meines Erlösers ruhete nach vollendeten Leiden, nach volls brachtem Werke der großen Erlösung im Grabe. Hier versammelten sich um die Leiche des Gelieba ten die zerstreuten Jünger, hier standen seine treuen Freunde, und die noch treuern Freundinnen um den geliebten Todten, und trauerten und weins ten. O wie trauerte und weinte die Mutter des Todten, die schon unter dem Kreuze gestanden, und den am Kreuze blutenden und sterbenden Sohn gesehen hatte! Jetzt steht sie, und weint um den Todten, der in weisse Leinwand einges hüllt im Grabe liegt. Mit köstlicher Salbe und Kräutern salben die Traurigen die Leiche ein, und Thränen der Liebe, der edelsten heiligsten Liebe rinnen, darunter. Auch ich will trauern am Grabe meines Erlösers. Die ganze Kirche trauert um ihn; vom Aufgange der Sonne, bis wo sie uns tergeht, trauert die Christenheit. Traurige Stille herrscht in den Tempeln; die feyerlichen Gesänge der Kirche sind in Klage und Trauergesången vers wandelt. Denn er ist gestorben, der ihre Freude, ihre Größe, ihre Wonne war. Er ruhet im Gra be, ihr Erretter und König, ihr Heiland und Ses ligmacher. Der Gerechte, der Heilige, der Göttliche ruhet im Grabe. O Jesu! auch im Tode, auch im Grabe bethet dich meine Seele an. Deine Seele hat sich zwar vom Leibe getrennt, sie ist hingegangen zu trösten, zu erfreuen die Seelen der Våter der Vors 241 zeit, die auf deine Erlösung warteten. Sie wird aber wieder zurückkehren in diesen Leib, der die Verwesung nicht sehen wird. So wird auch meine Seele einst zurückkehren in ihren Leib, und ich werde in meinem Fleische einst erstehen, und dich meinen Erlöser sehen. So fürchte denn, meine Seele! den Tod nicht, fürchte nicht das Grab. Mögen meine Gebeine ruhen, möge mein Leib verwesen: du wirst leben, und auch der entschlafene Leib wird wieder erwachen. Jesus, meine Hoffnung im Tode und im Grabe! laß mich nach einem christlichen guten Leben in dir sterben, in dir ruhen; dann wird meine Seele dennoch in dir und bey dir leben, und mein entschlafener Leib wird im Grabe seine glorreiche Auferstehung erwarten. Amen. Am heiligen Osterfeste. Erstes Gebeth. Aleluja! er ist auferstanden, Jesus, mein Herr und mein Gott! mein Erlöser und Seligmacher! wie herrlich ist der Ausgang deiner Erlösung! Die Menschen hatten dich getödtet; deine Freunde. hatten deinen Leib ins Grab getragen; die Juden hatten das Grab geschlossen und versiegelt, einen Stein vor des Grabes Thüre gewälzt, und eine Wache, den todten Leichnam zu bewahren, hingestellt. Allein der dritte Tag bricht an, und deine Seele kehrt in den Leib zurück. Die Erde bebt, das Grab öffnet sich, und du gehst mit Majestät 2 242 umgeben aus demselben hervor. Die Wache erschricht vor deiner Herrlichkeit, und eilend verkünden die Wächter in Jerusalem deine Auferstehung. Den Deinigen läsfest du deine Auferstehung zu erst durch einen Engel verkünden, dann erscheinst du ihnen felbst. Preis und Anbethung dir, du Sieger auf Golgatha! du Todesüberwinder! du Sieger über Tod und Sünde! du bist auferstanden vom Tode. Wie fest steht nun unser Glaube an dich; an dich, daß du bist Christus, der er= wartete Heiland der Welt, der Sohn des lebendigen Gottes. Diese deine Aussage hast du durch unzählbare Wunder bestätigt; mit dieser feyerlichen Aussage bist du in den Tod gegangen, und haft selbe mit deinem Blute und Tode bekräftigt, und nun hast du diefe Wahrheit durch das größte Wunder, durch deine Auferstehung versiegelt. Sesus Christus! Sohn des lebendigen Gottes! wahrer Gott und Mensch! ich glaube dir, ich bethe dich an, und preise das Werk deiner Erlösung, welches du zum Heile der Menschen so glorreich vollendet hast. Amen. 3 weytes Gebeth. Aleluja! er ist auferstanden, Jesus meine Hoffnung, meine Zuversicht! Gott wollte ihn im Grabe nicht lassen, und seinen Heiligen die Verwesung nicht sehen lassen; und auf gleiche Weise wird er auch alle, die an ihn glauben, gleich ihm, auferwecken zum Leben. Welche tröstliche Aussich 243 ten für die Zukunft haben nun wir erlösten Menschen. Deine Auferstehung, o Heiland der Men= schen! ist für uns ein neuer Grund unsrer Unsterblichkeit, und zugleich eine Versicherung unsrer zukünftigen Auferstehung. Sch lebe und ihr sollt auch leben, sprichst du nach deiner Auferstehung zu deinen Jüngern, und auch zu uns: Alle, die an mich glauben, werden nicht sterben, sagst du zu Martha, und wenn sie auch gestorben sind, werden sie dennoch leben, und ich will sie am jüngsten Tage wieder auferwecken. Joh. xi. So sprachst du; und durch deine Auferstehung vom Tode hast du diese Verheissung bestätigt und bes gründet. Möchte ich nur durch ein Leben nach deinem Worte zu einer glorreichen Auferstehung mich vorbereiten. Stets will ich auf deinen Wegen wandeln, und dann hoffe ich in dir zu leben, wenn ich sterbe, und einst wie du glorreich aus dem Grabe zu erstehen. Amen. Drittes Gebeth. Aleluja! er ist auferstanden, Jesus, meine Liebe, meine Freude, meine Seligkeit! Ja Herr! auch bey deiner Auferstehung warst du die Liebe. Die Engel am Grabe mußten deine Auferstehung verkündigen, als die frommen Freundinnen beym Aufgange der Sonne zum Grabe kamen, noch einmal den Todten zu falben. Fürchtet euch nicht, sprachen sie, ihr suchet Jesum von Nazareth: Er ist auferstanden. Sie eilen mit dieser Freuden22 244 Bothschaft nach Jerusalem zu den Jüngern, indessen die Maria aus Magdala, die nur das leere Grab gesehen, nicht hineingegangen, nicht die Worte des Engels gehört hatte, traurig in Josephs- Garten geht. Wie liebreich erscheinst du der trauernden und weinenden Jüngerinn! Maria! sprachst du mit der Stimme des Lehrers und Freundes, und sie fällt nieder, und bethet dich an, und kann vor Freude nur stammeln: Meister! Gehe hin, sprichst du, verkündige es den Jüngern und Petrus, daß ich auferstanden bin und lebe. Aber auch Petrus und die Jünger erfreutest du noch an diesem Tage mit deiner Erscheinung, und standest in ihrer Mitte, sagend: Der Friede sey mit euch. Uch Herr! so wirst du auch uns erfreuen, wenn wir dich sehen, wir, die wir an dich glauben, wiewohl dich nicht sehen, die wir auf dich hoffen, die wir dich lieben, wiewohl nicht ſe= hen; wir werden, o wir werden dich- sehen, Jesus! unsre Liebe, und uns freuen und selig seyn. Amen. Gebeth der Kirche. Gott! der du an diesem Tage durch deinen eingebornen Sohn nach überwundenem Tode uns den Zutritt zur Ewigkeit wieder geöffnet hast; wir bitten dich, du wollest unsre Wünsche, die du zuvorkommend in uns erweckest, durch deine Hülfe unterstügen. Durch denselben unsern Herrn u. s. w. Amen. 245 品 Um Ostermontage. Immer näher, aber langsam, offenbarst du dich deinen Jüngern nach deiner Auferstehung, Herr! denn du wolltest ihre Herzen zu so großer Freude erst vorbereiten. Darum verkündest du erst durch Engel, dann erscheinst du selbst. Wie liebreich war nicht deine Erscheinung bey den zween Jungern zu Emaus. Du gesellest dich zu ihnen auf dem Wege, sie kennen dich nicht; sie trauern, du tröstest sie; sie zweifeln und lassen den Muth sinken, du richtest sie auf, und unterrichtest und stårkest fie. Sie gewinnen dich lieb, obschon sie dich nicht kennen. Sie laden dich ein zum Nichtmahl, und du folgest ihrer Einladung. Sie sitzen mit dir zu Tische, und du brichst ihnen das Brod. Und ach! so pflegte Jesus das Brod zu brechen, denken sie, so pflegte der Meister zu danken und zu segnen das Brod. Sie sehen und erblicken dich; welche Freude, welche Seligkeit empfand ihr brennendes Herz! Aber sie war vorübergehend diese Freude, denn du verschwandest bald wieder aus ihren Augen. In diesem Pilgerleben auf Erden darf keine vollkommene, dauerhafte Glückse= ligkeit uns beglücken, aber wenn wir dort in jea nem Leben dich schauen, Herr! dann werden wir ewig dich schauen und selig seyn. O daß meine Seele hier so rein werden, und sich so vervollkommnen möchte, daß sie nach vollbrachtem Leben hier auf Erden dich, Herr! in deiner Herrlichkeit anschauen, und aus dieser Anschauung jene Se 246 ligkeit genießen möchte, die hier kein Auge gefehen, kein Ohr gehört, keines Menschen Herz empfunden hat, und die du denen bereitet hast, die dich lieben. Amen. Gebeth der Kirche. Gott! ott! der du durch die österliche Feyer der Welt deine Heilsmittel verliehen hast, wir bitten dich, verleihe deinem Volke ferner deine himmlischen Gaben, damit dasselbe die vollkommene Freyheit erlangen, und zum ewigen Leben gelangen möge. Durch unsern Herrn u. f. w. Amen. Am Sonntage nach Ostern. Jesus! du warst die Liebe auch nach deiner Auferstehung. Die Zweifel und Fehler deiner Jünger, wie ertrugst du sie? Du hattest ihnen ge sagt: am dritten Tage würdest du vom Tode wieder auferstehen, und doch wie Wenige glaubten deinem Worte? Und da du auferstanden warst, und nun die, denen du dich offenbart hattest, es verkündeten, wie schwach war dennoch ihr Glaube, bis sie dich selbst sahen. Wer aber war ungläubiger, als Thomas, der nicht eher glauben wollte, als bis er nicht nur gesehen, sondern mit seinen Händen deine Wundmaalen gefühlt hätte. Und doch erbarmest du dich seiner, und erscheinst abermal den Jüngern, und sprichst zu Thomas: lege deine Finger in meine Bundmaalen, und deine Hand in meine Seite. Mein Herr und mein Gott! ruft nun Thomas, da er deine Wund 247 maalen sieht und fühlt. Er sieht und glaubt. Uber selig sind, sprichst du, die nicht sehen und Darf ich hoffen, Herr! daß ich doch glauben. unter diese Seligen einst gehören werde? ja, wenn meine Werke mit meinem Glauben übereinstimmen werden. so helfe und stärke mich doch, mein Herr und mein Gott! daß ich meinen Glauben an dich durch ein Leben nach deinem h. Evange: lium bekenne und beweise, und so mein Glaube mich selig mache. Umen. Gebeth der Kirche. Verleihe, wir bitten dich, allmächtiger Gott! daß, die wir die Osterfeyer vollendet haben, wir durch deine Hülfe in unsern Handlungen und in unserm Leben derselben gemäß uns immer betragen mögen. Durch unsern Herrn Jesum Christum u. s. w. Amen. An den übrigen Sonntagen nach Ostern. Nach deiner Auferstehung, o Heiland der Menschen! wolltest du noch 40 Tage auf Erden verweilen, bevor du zu deinem Vater gehen und Be= fit nehmen wolltest von deinem Reiche. Du of fenbartest dich in dieser Zeit noch mehrmalen deinen Jüngern, und endlich der ganzen Heerde, die an dich glaubte, 500 an der Zahl auf dem Berge in Galiläa, wohin du sie beschieden hattest. Herr! wie gütig und liebreich erfreuetest und stärktest du die Deinen im Glauben, in der Hoff 248 nung und in ihrer Liebe. Ståärke doch auch uns in unserm Glauben an dich, in unserer Hoffnung und Liebe zu dir. Uber deine vertrautesten Juna ger, die du erwählt hattest, deine Lehre zu verkündigen allen Völkern, diesen ertheiltest du noch in diesen letzten Tagen deinen Unterricht, erklärtest ihnen den Sinn der Schrift und deiner Lehre, daß sie verstanden, was ihnen sonst dunkel war. Du tröstetest ihre Seelen, und bereitetest fie vor zu deinem nahen Abschiede. Herr! tröste auch uns, wenn wir das Leere und Unvollkommene dieses Lebens fühlen, und in jeder Traurigkeit. Erleuchte und lehre auch uns, damit wir den Sinn deiner Lehre immer mehr und besser verstehen, helfe uns, damit wir selbe immer vollkommner befolgen, und selig werden. Amen. Gebeth der Kirche. Gott! der du die in Sünde versunkene Welt durch die Demuth deines Sohnes wieder aufgerichtet hast, verleihe deinen Gläubigen stets eine h. Freudigkeit, und mache die, welche du vom ewigen Tode errettet hast, der ewigen Freuden theilhaftig. Durch denselben unsern Herrn u. f.w. Amen. Am Himmelfahrts- Feste. Heute erblicke ich dich, mein Heiland! in deiner ganzen Majestät und Herrlichkeit. Der Tag deiner Verherrlichung ist da. Deine Jünger sollten deine Herrlichkeit sehen, wie du ihnen verheissen hattest. Du versammelst sie also zum lestenmale M 249& zu Tische, und isfest mit ihnen, um sie von dei ner wirklichen Gegenwart und Auferstehung noch einmal zu überzeugen, und nun begibst du dich mit ihnen zum Delberge: da, wo sie den Anfang deiner Erniedrigung und Leiden gesehen, sollten fie auch deine Herrlichkeit sehen. Da stehst du unter deinen Süngern, wie ein liebender Vater una ter seinen Kindern, gibst ihnen noch die letzten Ermahnungen und die letzten Befehle, zu erwarten die Ankunft des h. Geistes, und dann zu verkündigen das Evangelium allen Menschen. Und welcher Unblick! erhebst du dich vor nun, o ihren Augen, und fährst mit Majestät hinauf gen. Himmel, nimmst Besig von deinem Reiche, und sizest zur Rechten deines Vaters. Die Jünger stehen und staunen dir nach, ihr Auge sucht dich in den Wolken, ihre Herzen sehnten sich, dir zu folgen. Aber sie erhalten Befehl durch deine Engel, zu erfüllen deine Befehle, und dann zu erwarten dein Wiederkommen. Auch wir wünschen und sehnen uns oft nach dir, Herr! und nach den Freuden deines Hauses. Auch meine Seele wünscht und hofft, einst deine Herrlichkeit zu sehen, und in dein Reich aufgenommen zu werden; denn ich weiß, daß wir hier keine bleibende Ståtte haben, sondern das Bukünftige suchen wir. Aber für die Zukunft sollen wir uns hier erst vorbereiten, durch Wirken und Leiden sollen wir uns erst unsrer Bestimmung würdig machen, und dadurch wie du in unsre Herrlichkeit eingehen. daß meine Seele - K 250 dies stets erkennen, und ihrer künftigen Bestim mung nach leben möchte! daß ich alle Hindernisse des Heils muthig überwinde, und im Guten bis ans Ende beharren möchte! Durch deinen Bey= stand, Herr! durch deine erleuchtende und stärkende Gnade vermag ich dies. Um diese Erleuchtung, um diese Gnade bitte ich dich; du hast gesagt: Wenn ich von der Erde erhöht seyn werde, so werde ich Alle zu mir ziehen: so ziehe dann auch mich durch deine mächtig wirkende Gnade zu dir, daß ich dir stets treu nachfolge, und nach diesem Leben von dir aufgenommen werde in dein Reich. Umen. Gebeth der Kirche. Verleihe, wir bitten dich, allmächtiger Gott! daß, die wir glauben, daß dein eingeborner Sohn an diesem Tage gen Himmel aufgefahren sey, auch wir mit unserm Geiste in dem Himmlischen wohnen mögen. Durch denselben unsern Herrn u. f. w. Umen. sch Um h. Pfingstfeste. wie getreu erfülltest du deine Verheissung, Erlöser der Menschen! da du am heutigen Tage den h. Geist auf deine Jünger herabsendest, der in der Gestalt feuriger 3ungen über sie sich ausgoß, und ihren Verstand erleuchtete, ihre Herzen erwärmte. Schicke deinen h. Geist auch auf uns herab, o Herr! und du wirst die Gestalt der Erde erneuern. Die Apostel wurden ganz andere Menschen, da sie den h. Geist empfingen. Sie ver श्र 251 standen nun alle Wahrheit, und hatten Muth und Kraft zur Ausführung ihrer Pflichten. Gott! auch wir bedürfen Erleuchtung und Beystand, um dich und unsre Pflichten recht zu erkennen und zu vollbringen. Ohne dich, ohne den Beystand deiner Gnade vermögen wir nichts, durch dich aber und durch deinen h. Geist erleuchtet und ge stärkt vermögen wir alles. Wir bitten dich also, laß das Licht und die Kraft deines h. Geistes auch auf uns herabkommen. Durch ihn laß meine Seele, das Wahre und das Gute stets erkennen, lieben und vollbringen. Dein Geist lehre mich jede Wahrheit; er leite mich auf den Weg der Tugend; er erhalte mich in der Furcht Gottes; er tröste mich zur Zeit der Trübsale; er sey mir ein Beschützer in den Gefahren; er stärke mich in den Versuchungen der Sünde; er richte mich auf, wenn ich aus Schwachheit fallen sollte; er regiere mich in allem meinem Thun und Lassen. Komm, o h. Geist! du Geist des Vaters und des Sohnes, komm zu uns unwissenden und schwachen Menschen. Führe du durch deine Kraft und Gnade in uns das große Werk des Heils aus, welches der Vater uns auf= gelegt, und der Sohn uns gelehrt hat. Schicke deinen h. Geist herab, Herr! und du wirst die Gestalt der Erde erneuern. Amen. Gebeth der Kirche. Gott! der du am heutigen Tage die Herzen der Gläubigen durch die Erleuchtung des heil. Gei 252 stes gelehrt hast, gib, daß wir in demselben Geiste. das, was recht ist, verstehen, und seines Trostes uns allezeit erfreuen. Durch unsern Herrn Jesum Christum u. s. w. Amen. Am h. Pfingstmontage. Durch deinen h. Geist erleuchtet und gestärkt, o Herr! fingen deine Jünger an, deine h. Lehre zu verkündigen, und verbreiteten dieselbe unter Heiden und Juden. Wie wunderbar und herrlich ist diese Ausbreitung deiner Lehre! Tausende nahmen dieselbe auf, und bekannten sich zum Glauben an dich, mein Heiland, den die Menschen noch vor Kurzem als einen Missethäter gekreuzigt hatten. Die Juden verließen das Gesetz des alten Bundes, der nun nach Gottes Anordnung auf hören sollte, und nahmen das Gesetz des neuen Bundes auf, welchen du mit den Menschen ge= macht hast, o Gottmensch! und welcher ewig be stehen wird. Die Heiden verließen ihre Götter, und glaubten an den einzigen Gott, den Schöpfer Himmels und der Erde. Alle ließen sich taufen auf den Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des h. Geistes. Sie nahmen eine Religion an, welche dem menschlichen Verstande größtentheils unbegreifliche Wahrheiten, und den verderbten menschlichen Neigungen ganz widersprechende Pflichten lehrte. Wer sieht da nicht dein Werk, Herr! Seit 18 Jahrhunderten ist diese Religion in der ganzen Welt verbreitet, und ungeachtet so 253 vieler Widersprüche und Verfolgungen dennoch von den meisten Völkern und Nationen der Erde angenommen. Wer sieht da nicht deine Hand, Herr! die alles dieses leitete und ausführte? Auch wir haben diese deine göttliche Religion, auch bis auf uns ist deine Lehre fortgepflanzt durch deine Apostel und ihre Nachfolger. Du haft sie in deiner Kirche, die du auf einem Felsen gebauet hast, daß die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen können, und welcher du den Beystand deines h. Geistes verheissen hast, unverletzt erhalten, und wirst sie erhalten bis ans Ende der Zeiten. Preis und Dank sey dir, o Herr! für deine Obsorge und Güte! Dank für die Berufung zum Christenthume, zur wahren Kirche! Erhalte uns in derselben, o Herr! und gib, daß wir die Lehren deiner h. Religion befolgen, und durch ein wahrhaft christliches Leben unsere Religion verherrlichen, und unser ewiges Heil erreichen. Amen. Gebeth der Kirche. Gott! ott! der du deinen Aposteln den h. Geist gegeben, verleihe deinem Volke die Erfüllung seiner Bitten, damit die, denen du den Glauben gege= ben, auch den Frieden erhalten. Durch unsern Herrn u. s. w. Umen. Am Feste der h. Dreyfaltigkeit. Sott! du bist unbegreiflich in deinem Wesen! Bater, Sohn und h. Geist! Aber welcher endliche Verstand konnte auch den Unendlichen fassen? Ist 254 K doch so vieles in der Schöpfung, in der ganzen Natur uns verborgen und unbegreiflich; wie vielmehr dein Wesen, du Schöpfer der Natur! Du haft uns aber durch deinen Sohn, durch deine Gesandten offenbart, daß drey sind, die Zeugniß geben im Himmel, der Vater, der Sohn und h. Geist, und daß diese drey Eins sind. Dein Sohn hat uns gelehrt und betheuert: Ich und der Vater sind Eins; und daß der h. Geist von beyden ausgehe. Dieses soll mir genügen, und ich will meis nen eingeschränkten Verstand einem Geheimniß unterwerfen, welches der Mensch nicht ergründen wird, so lange er im sterblichen Fleische wandelt. Da, wo wir einst dich schauen werden von Untlig zu Antlig, wird uns vieles hell werden, was hier dunkel uns bleiben muß. Dich hier ganz fassen soll also der Mensch nicht, aber dich anbethen, dir dienen, deinen Willen erfüllen, das ist seine Pflicht, und das soll mein Bestreben seyn. Ja Gott und Vater! dir danke ich, dich liebe ich, weil du mich nach deinem Ebenbilde erschaffen, mir Vernunft und Unsterblichkeit gegeben, und meinen Leib und meine Seele mit so vielen Fåhigkeiten begabt hast. Dir danke ich, dich liebe ich, Sohn des ewigen Vaters! weil du aus Liebe für die Menschheit und auch für mich in die Welt gekommen, eine menschliche Natur angenommen, den Menschen die Lehren ihres Heils verkündet, und zu ihrer Erlösung für sie als Mensch gestorben bist. Dir danke ich, dich liebe ich, o göttlicher 255 & Geist! weil du auch dich den Menschen mittheilst, fie heiligst, erleuchtest und stärkest, damit sie das Geschäft ihres ewigen Heils vollbringen, und zu ihrer Bestimmung gelangen. Gelobet und gepriesen sey der dreyeinige Gott, der Vater, Sohn und h. Geist. Amen. Gebeth der Kirche. Almächtiger ewiger Gott! der du deinen Dienern die Gnade verliehen, bey dem Bekenntniß des wahren Glaubens die Herrlichkeit der ewigen Dreyeinigkeit zu erkennen, und in der Macht deiner Majestät einen einigen Gott anzubethen; verleihe, daß wir durch die Kraft dieses Glaubens von allen widrigen Schicksalen stets befreyet bleiben. Durch unsern Herrn u. s. w. Amen. Am h. Frohnleichnams- Feste. Groß ist das Geheimniß, Herr! und groß deine Liebe, deren Gedächtniß heute deine Kirche feyert. Deine Gegenwart in dem h. Altarssakramente wie geheimnißvoll und wie liebevoll! Dein Aufenthalt auf Erden war von kurzer Dauer, aber du wolltest bey uns bleiben bis zum Ende der Zeiten. Deine sichtbare Gegenwart mußtest du den Menschen entziehen, da du gen Himmel fuhrst, aber deine Weisheit und deine Liebe bereiteten ein Mittel, auf eine geheimnisvolle Weise unsichtbar unter den Gestalten des Brodes und Weis nes verborgen unter uns gegenwärtig zu bleiben, 256 gegenwärtig nach deiner Gottheit und Menschheit. Ja du wolltest mit einem jeden, der an dich glauben würde, auf das innigste vereinigt werden. So lieb hast du die Menschen! Da gabst du ihnen die Verheissung: Mein Fleisch wird euch wahrhaft eine Speise, und mein Blut euch wahrhaft ein Trank seyn; und wer mein Fleisch isset und mein Blut trinket, der wird in mir, bleiben und ich in ihm, und der wird leben ewig. Wie liebreich erfülltest du dieses dein Versprechen, o mein Heiz land! als du beym legten Abendmahle wirklich zum erstenmal deinen Jüngern deinen Leib und dein Blut zur Speise und zum Tranke gabst. Du nahm das Brod in deine Hände, danktest und segnetest es, und sprachst: Nehmet hin und esset, dieses ist mein Leib. Dann nahmst du den Kelch und sprachst: Trinket daraus alle, dieses ist das Blut des neuen Bundes, das für euch und viele wird vergossen werden zur Vergebung der Sünden. Dies thuet, so oft ihr es thut, zu meinem Gedächtniß. Preis und Dank dir, Heiland der Menschen! für die liebevolle Einsehung dieses Geheimnisses, worin du uns allen nun deinen h. Leib und dein h. Blut mittheilst, deine Gottheit und Menschheit unter den Brodes- und WeinesGestalten verborgen. Ich bethe dich an, o du in diesem h. Sakramente verborgener Gottmensch! Meine Augen sehen dich nicht, aber mein Glaube sieht dich, und ich bekenne: Du bist mit Gottheit und Menschheit hier in diesem Sakramente zugegen. I 257 K So oft ihr dies thut, so thuet es zu meinem Gedächtniß. So sprachst du zu deinen Jüngern, Herr! und befahlst ihnen, ein Gleiches zu thun, und gabst ihnen und ihren Nachfolgern die Ge walt, zu thun, wie du, zu wandeln das Brod in deinen Leib, den Wein in dein Blut. Heilig und ehrwürdig soll mir immer die Handlung seyn, Herr! wobey dies Geheimniß vorgeht: wenn das Opfer des neuen Bundes verrichtet, Brod und Wein geopfert, und in den Leib und das Blut meines Erlösers verwandelt wird. Heilig und ehrwürdig jede Feyerlichkeit, wobey du in diesem Sakramente verborgen herumgeführt wirst, um dir als unserm Könige und Herrn unsre Huldigung und Ehre zu erzeigen. Heilig und ehrwürdig soll mir jeder Ort und jeder Tempel seyn, wo dieses Geheimniß aufbewahrt wird. Heilig und ehrwürdig soll mir besonders jene Handlung seyn, wenn ich mich zu dir in diesem h. Geheimnisse nahe, und den Leib und das Blut meines Herrn empfange. Laß mich dann doch würdig hins zutreten, o Herr! denn, welche unwürdig diese Speise essen, und aus diesem Kelche unwürdig trinken, ach! die werden sich selber das Gericht essen und trinken. Bewahre mich, Herr! vor sol= cher Sünde, und laß doch, was du zu unserm ewigen Heile angeordnet und eingesetzt hast, nicht durch unsre Schuld uns zum Verderben und zur Verdammniß gereichen. Nein, Herr! ich will mit Sorgfalt mich prüfen, bevor ich von dieser heil. R L 258 Speise effe. Ich will, wenn mich mein Gewissen. einer Sünde anklagt, mich zuvor durch aufrichtige Buße von der Sünde reinigen; ich will mich nach meinen Kräften vorbereiten, und dann, Herr! will ich noch unwürdig dich bitten: mache du mich würdig zu deinem Tische zu gehen. Im Vertrauen auf deine Güte will ich dann hingehen, und nehmen den Leib meines Herrn, der meine Seele bewahren wird zum ewigen Leben. Amen. Gebeth der Kirche. Gott! der du uns in dem wunderbaren Sakramente das Gedächtniß deines Leidens hinterlassen haft, verleihe gnädig, daß wir die h. Geheimnisse deines Leibes und Blutes also verehren, daß wir der Früchte deiner Erlösung stets theilhaftig werden mögen. Der du lebst u. f. w. Amen. Am Tage einer feyerlichen Procession. Herr! err! dir gebührt Ehre und Unbethung von den Menschen. Du bist unser Gebiether, unser König und Herr; du unser Erretter und Seligmacher, Jesus Christus. Wie billig ist es, daß wir vor den Augen der ganzen Welt dies bekennen, und dir auch öffentlich die Ehre erzigen, die wir in deinem Tempel dir erweisen. Du bist in demfelben unter uns zugegen, und wohnest unter uns, wie ein König unter seinem Volke. Dein Volk wünscht dich aber auch in einem feyerlichen Zuge zu verehren, wie man es den Königen und Fürsten bey gewissen Gelegenheiten zu thun pflegt. 259 尽 Laß dir also unsre Verehrung gefallen, Herr! die wir heute dir darbringen, indem wir dich gleichsam im Triumphe herumführen, wenn wir dir Blumen streuen, wie einst die Einwohner Jerus falems Palmen dir streueten, wenn wir dir Lobund Danklieder fingen, wie jene Hosanna dir fangen. Laß dir, Herr! unsre Unbethung und unser schwaches Lob gefallen. Wir wollen forgfältig alle eitte Berstreuung dabey entfernen, und zwar auf ferlich aber auch im Geiste und in der Wahrheit dich anbethen. Dir von Herzen danken wollen wir für deine Güte und alle deine Wohlthaten, und bitten wollen wir um deine Gnade und jede gute Gabe; dich lobpreisen wollen wir durch Ge fang und Gebeth. Siehe mit gnädigem Wohlge= fallen auf dein Volk, Herr! und laß unsre Undacht dir wohlgefällig, uns aber gesegnet seyn. Amen. Gebeth nach der Procession. Nimm gnädig auf die öffentliche Ehre und Un= bethung, Herr! die wir dir dargebracht haben. Sie ist zwar viel zu geringe, Herr! für deine Größe und Majestát; allein wir sind schwache Menschen, und du bist mit unserm schwachen guten Willen zufrieden. Erhalte uns ferner in deinem Schuße, o Herr! und wir wollen, so lange wir leben, deinen Namen preisen, und auch vor der Welt bekennen, daß du unser Herr und Gott bist, der du lebest und herrschest mit dem Vater und h. Geiste zu ewigen Zeiten. Umen. R 2 260 An den Sonntagen nach dem Feste der h. Dreyfaltigkeit. Ermunterungen und Gebethe zur Erfüllung der christlichen Pflichten. LA Borerinnerung. Der Christ hat wichtige Pflichten zu erfüllen gegen seis nen Gott, gegen sich selbst, gegen seine Mitmenschen. Wünscht er diese Pflichten, von deren Erfüllung sein ewiges Heil abhängt, zu erfüllen, so muß er dieselben. genau fennen, und nicht nur kennen, sondern er muß sich auch selbe oft in Erinnerung bringen, er muß sich ermuntern, sie zu erfüllen; er muß Gott oft und herzlich bitten um Beystand und Gnade, sie gehörig zu ers füllen. Dazu mögen folgende Ermunterungen und Gebethe dienen, besonders für solche, denen es ihre häuslichen Umstånde oder andere Hindernisse nicht zulassen, dem Unterrichte in der Kirche benzuwohnen. 1. Hochachtung u. Ehrfurcht gegen Gott. Groß und heilig ist der Herr unser Gott, und ein Wesen, das kein endlicher Verstand ergründen kann. Forsche ich nach deinem Unfang, Herr! so warst du immer und bist von Ewigkeit. Will ich deine Größe ermessen; so bist du überall, und erfüllst Himmel und Erde. Will ich deine Macht erkennen; so rufen mir alle Geschöpfe zu: Der Herr hat uns gemacht: Die Himmel verkündigen deine Herrlichkeit, und das Firmament die Werke deiner Hände. Herr! wer ist dir gleich? 261 K wer muß dich nicht über alles achten und ehren? Du Ewiger, du Mächtiger, du Unendlicher! Die Geister des Himmels ehren und preisen dich vor deinem Throne, wo du ihnen deine Herrlichkeit offenbarst; wir Menschen aber sehen dich nicht, wiewohl du um uns bist, wiewohl wir in dir- leben, in dir uns bewegen und in dir sind. Aber ehren und preifen soll dich dennoch meine Seele, denn du kennst die leisesten Gedanken und Ge finnungen, die in mir vorgehen. Dich meinen Gott und Herrn, meinen Schöpfer und Erhalter, will ich über alle Dinge, die ich erkenne und scháze, hochachten, dich will ich über alles fürch= ten und ehren. Erhalte du stets in mir das ehra furchtsvolle Undenken an deine Größe, Macht und Herrlichkeit, und laß mich immer auf deinen Wes gen wandeln, damit ich einst deine Herrlichkeit schaue, und selig sey. Amen. 2. Anbethung Gottes. ott! du bist der Ursprung aller Dinge! Ulles, was da ist, und lebt, hat sein Daseyn und Leben von dir. Du erhältst oder zerstörst; du machst lebendig oder tödteft, wie es dir nach deinem heiligen und gerechten Willen gefällt. Alles hångt von dir ab, alles ist dir unterworfen. Darum foll auch meine Seele fich dir unterwerfen, und in dem tiefen Gefühle ihrer Niedrigkeit dich anbe= then. Die Engel bethen dich an in deinen Himmeln und die Menschen auf Erden. Diese höchste Ehre, die ein Geschaffener erzeigen kann, gebührt 262 nur dir, unserm Schöpfer. Möchte dir unfre schwache Unbethung gefallen! Sch unterwerfe mich dir mit Leib und Seele. Alle Kräfte meiner Seele sollen nur dir und deiner Ehre gewidmet seyn, und alle Sinne meines Leibes, alle Fähigkeiten und Vorzüge, die du mir verliehen hest, ich will fie nur zu deinem Dienste, zu deiner Ehre anwenden und gebrauchen, und dann bitte ich, laß bir meine Unbethung und meinen schwachen Dienst gefallen, welchen ich dir, meinem höchsten Herrn und Gott, darzubringen mich bestrebe. Umen. 3. Glaube an Gott. Wahrer Gott! ich glaube dir. Nicht nur, daß du bist, glaube ich, weil die ganze Schöpfung dich verkündigt, sondern auch weil du dich selbst offenbart hast, und alle die Wahrheiten, die du durch deine Gesandten zuerst, und endlich durch deinen eingebornen Sohn offenbart hast, glaube und bekenne ich fest. Du bist der Allwissende, und kannst nicht irren; du bist der Wahrhafte, und kannst nicht trügen. Darum soll mein Glaube an dich, und alles, was du den Menschen offenbart hast, nicht wanken. Mein endlicher Verstand kann nicht alles fassen, was dein Wesen, und die Urt und Weise betrifft, wie du die Menschen leiten und zu dir führen willst. Aber das kann ich bes greifen und einsehen, daß der Menschen Weisheit gegen deine Weisheit nur Stückwerk ist; daß es Stolz wäre, wenn wir deine Offenbarungen nur nach unserm eingeschränkten Verstande und Eigen 263 K dunkel würdigen wollten. Nein, Herr! ich glaube dir, und halte alles für wahr, was du uns durch deine h. Offenbarung bast wissen lassen. Du, der Einzige und Dreyeinige, der Vater, Sohn und b. Geist. Dein Sohn, der Ewige, der bey dir war, ehe noch die Engel um deinen Thron sangen, und der zu unsrer Erlösung Mensch ward, starb, auferstand von dem Tode, gen Himmel fuhr, und wiederkommen wird, uns zu richten, und zu vergelten, je nachdem wir gehandelt haben, Gutes oder Böses. Der h. Geift, der von dir und dem Sohne ausgeht, uns erleuchten, trösten und stårken wird. Un dich, den einzigen und dreyeinigen Gott, glaube ich, und alles glaube und bekenne ich, was die einige, heilige, allgemeine, durch unfern Heiland Jesus Christus gestiftete und durch seine Apostel verbreitete Kirche uns lehrt, welche Jesus unser Heiland auf einem Felfen gebauet, und welcher er, um nie zu fehlen, den Beystand des h. Geistes verheissen hat. Erhalte und stärke mich du, o Herr! in diesem Glauben. Amen. 4. Hoffnung auf Gott. Aumächtiger, gütiger Gott! auf dich will ich hoffen und vertrauen. Was du verheissen hast. kannst du erfüllen, denn du bist die Numacht; was du verheissen hast, willst du gern erfüllen, denn du bist die Liebe; was du verheissen hast, wirst du erfüllen, denn du bist wahrhaft und getreu in deinem Versprechen. Darum will ich hof fen und vertrauen auf dich. Du hast die Menschen 264 R erschaffen zur Unsterblichkeit, und zu einem ewig_ feligen Leben bey dir. Du wirst dein Wort erfüllen, und nach diesem Leben mich aufnehmen bey dir, das wünsche, das ich hoffe. Du hast uns Vergebung versprochen, wenn wir fehlen und es bereuen. Du hast mir oft vergeben, und wirst mir vergeben, wenn ich aus Schwachheit fehle und aufrichtig büße, das hoffe ich. Du hast uns in unfrer Schwachheit und unter den mannigfaltigen Gefahren und Versuchungen zum Bösen deine Hülfe, deine Gnade versprochen, um dem Bösen zu widerstehen und im Guten zu beharren. Diese Gnade, diesen Beystand hoffe ich von dir. Dein göttlicher Sohn, unser Heilaud, hat uns, da wir alles dessen durch die Sünde unwürdig geworden waren, solches durch das große Werk seiner Erlösung wieder erworben, wenn wir nur durch ernstliche und treue Mitwirkung seiner Verdienste uns theilhaftig machen: so ist unsre Hoffnung gegründet. D so helfe und stärke mich doch zu einem guten christlichen Leben, mein Herr und mein Gott! damit ich hier deine Gnade genießen, und nach diesem Leben aufgenommen werde zu jener Seligkeit, die hier kein Auge gesehen, kein Ohr gehört, keines Menschen Herz empfunden hat, und welche du denen bereitet hast, die dich lieben. Amen. 5. Liebe gegen Gott. Sott! du bist die Liebe, wer sollte dich nicht lieben? Alles, was du gemacht hast, ist gemacht zu deiner Verherrlichung zuerst, und dann zum Ge 265 K brauche, zum Nutken und zur Glückseligkeit deiner Geschöpfe und vorzüglich der Menschen. Wer zählt all das Gute, was du in der Schöpfung für uns zu unsrer zeitlichen Wohlfahrt hervorge: bracht hast; und wer ist im Stande, das zu fassen und zu würdigen, was du zu unserm ewigén Heile gethan haft? D Herr! deine Wohlthaten sind unermeßlich und unzählbar. Auch an mir, Herr! hat sich deine Güte erwiesen. Du gabst mir Da= seyn und Leben, Gesundheit, Muth und Kraft' zu meinen Geschäften, und gabst mir so vieles, was ich für Leib und Seele bedurfte; und hast verheissen, des Guten mir mehr zu thun, wenn ich dir treu bliebe; haft verheissen, mich ewig zu beglücken, und als dein Kind in dein Reich auf zunehmen. Herr! wer sollte dich nicht lieben?- Aber könnten wir ganz dich fassen, könnten wir deine Klarheit, deine Schönheit schauen, du vollkommenstes Wesen! dann würde unser Herz würdig dich lieben. Allein du bist ein unsichtbares Wesen, und wir erkennen dich hier nur wie in einem Spiegel; deine Schöpfung ist dieser Spiegel, und deine h. Offenbarung ist das Licht, das uns erleuchtet. Durch diese aber erkennen wir so große und vortreffliche Eigenschaften von dir, Herr! daß dieselben uns zur vollkommensten Liebe auf: fordern. Du der Mächtigste, Weiseste, Gutigste! du der Heiligste, Vollkommenste, Liebenswürdigste! du, ein Wesen, das alles, was edel, schön und vollkommen ist, in sich begreift, und darum aller 266 Liebe unendlich würdig ist. Dich meinen Herrn und Gott soll daher mein ganzes Herz lieben, und aus Liebe zu dir soll meine Seele sich bestres ben, stets deinen Willen zu thun, edel zu handeln und gut gefinnt zu seyn, damit ich dir gefallen möge. Umen. 6. Gehorsam gegen Gott. Herr! wer sollte dir nicht gehorchen und deinen Wilen thun? Du bist unser Schöpfer, und aabst uns Daseyn und alle Kräfte und Fähigkeiten, die wir haben: was ist billiger, als daß wir selbe nach deinem h. Willen gebrauchen? Alles, was wir haben, ist von dir, wir selbst dein Eigenthum mit Leib und Seele. Sollten wir dir denn nicht auch dienen, und in allem, was du befiehlst, gehorchen? Uber, was du befiehlst, o Gott! befiehlst du eigentlich nicht deinetwegen. Dir kann kein Vortheil, kein Dienst erwiesen werden, denn du bist der feligste. Nur zu unserm eignen Wohl gibst du uns deine Befehle. Dein Gesetz will unsre Heiligung, unsre Vervollkommnung, und dadurch willst du unser ewiges Heil befördern. O Gott! wer wollte denn dir nicht gehorchen in allem, was du dem Menschen zu gebiethen noths wendig und gut gefunden hast? Laß es immer seyn, daß uns manches in deinem Gefeße beschwerlich scheine. Ein weiser und gütiger Vater gibt ja oft seinen Kindern Befehle, die ihnen schwer scheinen, aber er weiß am besten, was seinen Kindern nitke. Laß es seyn, daß es Zeiten und श्र 267 R Gelegenheiten gebe, wo es Ueberwindung kostet, deinen Willen zu thun, wo wir versucht werden, dir untreu und ungehorsam zu werden: so foll dennoch meine Seele sich stets erinnern: dein Wille ist beilig und gerecht; ihn erfüllen macht mein Glück, meine Seligkeit; ihn übertreten, mein Uns glück. Dir meinem Gott und Herrn, meinem Vater und Beglücker, will ich stets gehorchen: nicht nur aus Furcht der Strafe, wenn ich ungehorsam gegen dich würde, sondern aus kindlicher Liebe, und weil ich weiß, daß dein Wille stets heilig, gerecht und gut ist, will ich dir gehorchen in allen deinen Befehlen, die mir deine h. Religion lehrt. Unterstütze und stärke, Herr! meinen Gehorsam. Umen. 7. Furcht Gottes. Ich ch will den Herrn meinen Gott lieben, aber ich will ihn auch fürchten, nicht wie ein Knecht seinen strengen Herrn fürchtet, sondern wie ein Kind seinen geliebten Vater fürchtet, um ihn nicht zu beleidigen und zu mißfallen. So will ich dich fürchten, Herr! ängstlich und sorgfältig will ich wachen, und bey jeder Gefahr, dir untreu zu wers. den, mit Furcht mein Herz erfüllen, damit ich behutsam wandele, und auf dem Wege des Heils nicht falle. Auch die Furcht vor deinem Gerichte und vor deinen Strafen laß mich erschüttern, Herr! wenn meine Seele in der Versuchung zum Bösen je wieder wanken sollte, dir untreu zu werden, und wenn die Liebe zu dir nicht mächtig 268 R genug seyn sollte, mich zurückzuhalten vom Bófen. Derfülle mich dann, Herr! mit Schrecken, daß ich zurückbebe vor dem Unrecht, wozu ich im Begriff stehe, mich zu entschließen. Deine Gerech tigkeit, dein strenges Gericht, deine Drohungen, deine Strafen lasse dann vor meiner Seele schweben, daß sie sich entsetze, und das Unrecht von sich weise, wozu sie von Leidenschaft verblendet, oder vom Versucher gereißt, sich entschließen will. Erweckte, o Herr! in mir diese Furcht in den Stun: den der Versuchung, und laß mich durch Furcht und Liebe vom Böfen stets abgehalten werden. Laß mich in meinem Leben mit heilsamer Furcht dir dienen, damit ich im Tode und in der Ewigkeit dich nicht fürchte, sondern auf dich vertrauen und dich lieben möge. Führe mich zwischen Furcht und Hoffnung auf dem Wege deiner Gebothe, damit ich desto sicherer mein Heil wirke. Amen. 8. Vertrauen auf Gott. Herr! du weißt ja alle Dinge, du weißt und kennst ja auch meine Bedürfnisse, kennst und weißt alle Angelegenheiten, worin ich mich in Ansehung meines zeitlichen und ewigen Wohls befinde. Bey dir ist Macht, o Gott! und Güte. Wenn du willst, so kannst du mir helfen, und mich aus jeder Noth und Verlegenheit erretten. Denn du bist zu allen Zeiten und an allen Orten ben mir. Und wenn es mein wahres Beste erfordert, so ist deine Liebe, deine Güte auch immer bereit zu helfen. Dies hast du uns durch deine Offenbarung versichert; 269 darum will ich auch fest auf dich vertrauen. Alles steht ja unter deiner Aufsicht, Leitung und Un= ordnung, und nicht einmal ein Haar fällt von unserm Haupte ohne deinen Willen: so hat uns dein göttlicher Sohn gelehrt. Warum sollte ich denn nicht auf dich hoffen und vertrauen, Herr? möchte ich nur deiner Güte und Liebe mich würdig machen durch ein Leben nach deinem Wohlge: fallen! Das soll daher immer mein Bestreben seyn: Dich fürchten und lieben, und deinen Willen thun. Alsdann kann meine Seele auf dich, meinen Herrn, vertrauen, dann kann ich alle meine Sorgen auf den Herrn werfen, der mich erretten und aushelfen wird aus jeder Noth und Trúbfal, der meine Zuflucht und Hülfe seyn wird in jeder Ungelegenheit, der mich beschützen und leiten wird auf allen meinen Wegen. Erhalte und stårke mich, Herr! in diesem Vertrauen auf dich; denn die auf dich vertrauen, werden nicht zu Schanden werden. Amen. 9. Geduld und Ergebung in den Willen Gottes. Herr, mein Gott! deine Wege mit den Menschen sind unerforschlich, und deine Rathschlüsse find ein tiefer Abgrund. Du theilst Glück und Unglück, Freude und Leid unter den Menschen aus nach deinem h. und gerechten Willen, und welcher Mensch darf mit dir rechten? Aber klagen vor dir, und bey dir Trost suchen, das hast du deinen Kindern erlaubt, o Bater der Menschen! 270 wenn du sie auch heimsuchst und züchtigest. Alle Leiden kommen von dir, dies lehrt uns dein Wort, und du hast bey allem, was du thust, deine heiligen, gerechten und gütigen Absichten. Du willst durch Leiden und Trubsale die Menschen läutern und reinigen von ihren Fehlern, willst die Bösen dadurch bessern, die Guten dadurch prüfen und noch mehr vervollkommnen, willst sie dadurch vom Bösen abhalten und im Guten erhalten. Du willst sie von dem Irdischen, wovon sie sich so leicht einnehmen lassen, abziehen, und zu dir, dem Ewigen, Unvergånglichen, hinziehen. Und ach! welcher Mensch könnte alle die guten und heiligen Absichten ergründen, aus welchen du den Menschen Leid und Trübsal zuschickst? Sollte daher meine Seele Gott nicht unterthan seyn? Ja Herr! ich will mich dir ganz ergeben, und deinem h. Willen in allem mich unterwerfen. Alles, was du thust, ist recht, ist weise und gut. Wenn ich einst zu dir ins bessere Leben hinüberschreite, dann werde ich dies vollkommen erkennen, und dich preisen für alles, auch für das Unangenehme, was du in diesem Leben mir zutheiltest. Dann werde ich die Nothwendigkeit und den Nußen der Leiden und Trůbsale einsehen. Alles Leid wird dann in Freude verwandelt werden, wie unser Heiland lehrt; in Freude, die nie von uns ge= nommen wird, und was hier in Thránen gefået ward, davon werden wir dann die Garben tragen, und in Freuden die Früchte sehen. O Gott! 271 so stårke mich denn, und bilf mir die Leiden tragen, die deine heilige und gütige Vorsicht mir aufzulegen für gut findet. Tröste und stärke du meine Seele, daß ich nicht in Kleinmuth und Un= geduld falle. Erhalte mich vor allen Dingen in deiner Gnaden und Liebe, so wird mir alles zu meinem ewigen Heile gereichen. Denn denen, die dich lieben, gereichen alle Dinge zum Guten. Amen. 16: 10. Dank gegen Gott. OT roß und viel ist das Gute, o Gott! das du an den Menschen und auch an mir gethan hast. Wer könnte sich dessen erinnern, und dir nicht dafür den Dank erzeigen, der dir gebührt? Daseyn und Leben ist von dir, und diese vortrefflichen Eigenschaften des Leibes und der Seele sind deine Gnaden. Eine Seele nach deinem Bilde, ähnlich mit deinem Geiste, belebet unsern Körper. Du hast ihr Kraft zu denken verliehen, Kraft zu wollen, zu empfinden; ein Gefühl fürs Gute und Wahre; ein Gedächtniß zur Aufbewahrung des Nützlichen; die Sinne am Leibe zur Auffaf= fung äußerer Dinge; die Sprache zur Mitthei= lung ihrer Kenntnisse und Gedanken. Gott! was ist der Mensch, daß du seiner gedenkest, und des Menschen Sohn, daß du ihn so würdigest? Uber deine Liebe hört nicht auf, für uns zu sorgen immerdar. Die ganze Schöpfung ist poll der Gaben für den Menschen. Ihm scheint die Sonne, und erwärmt und belebet die Natur, um jene 272 K Früchte hervorzubringen, die er zu seinem Unters halte bedarf; ihm leuchten der Mond und die Sterne zur Nachtzeit, ihm bringt die Erde ihre Früchte, und solche nicht nur zur Nothdurft, sondern auch zur Erquickung und zum Vergnügen. Alle Thiere sind da, ihm zu nutzen und zu dies nen. Die Meere, die Wasser, die Flüsse dienen zur Erleichterung des Handels und der Geschäfte. Herr, großer Gott! wie hast du zum Nußen und zur Bequemlichkeit der Menschen so vieles gethan! Allein was du an unsrer Seele gethan hast, und zu unserm ewigen Heile, das übersteigt alle Be= griffe. Du hast sie unsterblich geschaffen, und zu einem andern Leben bestimmt, nach diesem, zu einem Leben voll Freude und Seligkeit bey dir, das ewig, nie aufhören wird. Und da wir, ach! durch die Sünde dieser Seligkeit einst verlustig wurden, kam dein ewiger Sohn zu uns herab, wurde Mensch, litt und starb für uns, um uns in unsre vorigen Rechte wieder einzusetzen. Herr, großer Gott! wie vermögen wir würdig dir zu danken? Und was thust du noch ohne Unterlaß an uns für Leib und Seele! Du erhältst uns und alle andere Dinge zu unserm Besten; du ernährst und belehrst uns; du schüßest uno bewahrst uns; du züchtigest uns zu unserm Heile; du heilest und befreyest uns; du vergibst uns unsre Sünden und heiligest uns; und leitest und regierest uns; du wohnest unter uns, und hilfst uns in allen Una ternehmungen und Geschäften. Herr, großer Gott! 273 K wer vermag würdig dir zu danken? Und nun, was hast du vorzüglich an mir gethan, o Herr! wie mich beschützt von meiner Kindheit an bis jest? wie mich bewahrt in so mancher Gefahr des Heils? wie mich geweckt in so mancher Sorg losigkeit der Sünde? wie mir so oft vergeben, wenn ich fehlte, wie mich so oft erleuchtet und gestärkt auf dem Wege des Heils? O Gott! wie kann mein Herz dir würdig danken? Preisen will ich deinen Namen und deine Güte, und dann will ich suchen, dir zu gefallen; das ist der würdigste Dank, der dir gefällt. Meine Seele soll nie vergessen, was du Großes und Gutes an mir gethan hast, und ich will dich hier dafür preisen und danken mit schwachen unvollkommenen Empfindungen; einst werde ich würdiger und ewig dir danken und dich preisen im zukünftigen Leben. Amen. II. Zufriedenheit mit Gott. Herr! du theilst deine Gaben hier auf Erden verschieden und oft sehr ungleich aus. Dem Einen gibst du Reichthum, dem Undern wird Urmuth zu Theil. Diesem ertheilst du eine dauerhafte Gesundheit, und Jenem eine anhaltende Krankheit. Der Eine verlebt seine Tage hienieden in ungestörter Ruhe und im Genusse des Glücks, dem Undern begegnen Unglücksfälle mancher Art. Dürfen aber deswegen die, so wenig von deiner Baterhand empfangen, oder denen du deine Ga 274 ben in einiger Hinsicht entziehst, mit dir rechten?- bist du nicht Herr, und wir deine Knechte? Nein, Herr! ich will von dir annehmen, was dir ge= fällt; derjenige Theil vom Erdenglück, den du mir zutheilst, wird mir auch wohl nur dienlich seyn. Du weißt am besten, was einem jeden nůhet, viel oder wenig, Glück oder Unglück. Darum will ich mit dem, was du mir zutheilst, zufrieden seyn, und das Wenige oder Mehrere, was du mir gibst, will ich nach deinen h. Absichten anwenden und gebrauchen. Aber das soll stets meine Sorge seyn, daß ich nicht durch eigene Schuld mir Unglück oder Leiden zuziehe, daß ich nicht durch Verschwendung oder Trägheit in Armuth, oder durch Unmåßigkeit oder Ausschweifungen in Krankheit, nicht durch irgend eine Sünde ins Elend mich stürze; welchen Trost würde ich alsdann haben, wenn mein Gewissen mich selbst als den Urheber meines Unglücks anklagte! Über kommt es von dir, Herr! so kann und will ich ruhig und zufrieden seyn, denn ich weiß, daß du denen, die dich lieben, alles zum Besten gereichen läsfest; daß du mit weiser und heiliger Güte alles anordnest, und einem jeden zutheilst, was ihm nüglich und heilsam ist. Erhalte und stärke mich, Herr! in dieser Gesinnung. Amen. - 12. Gebetb um christliche Selbstliebe. Es ist dein Wille, o Gott! daß der Mensch sich felbst lieben soll; und welcher Mensch sollte nicht 275 K willig und gern diesem Befehle Folge leisten, da die Liebe zu uns selbst so tief in unsre Herzen gelegt ist? Uber, o mein Gott! wie leicht verfehlt sich hierin der Mensch, und handelt gegen deinen h. Willen. Der edelste, vornehmste Theil, den wir lieben sollen, ist doch wohl die Seele, die dein Bild, und zur Unsterblichkeit geschaffen ist. Der Leib ist nur ihre Wohnung; er wird sterben und verwesen. O laß mich dieses doch stets vor Augen halten, Herr! und den unsterblichen Geist hochachten. Laß mich vor allen übri gen Dingen denselben zu bilden, ihn durch nükliche Kenntnisse und durch gute Gesinnungen zu vervollkommnen suchen, damit er zu jenem Glücke gelange, wozu du ihn bestimmt hast. Hilf mir, daß ich meine Seele bewahre vor Sünde, wodurch sie vor deinen h. Augen verunstaltet, gleichsam verwundet, das geistliche Leben deiner Gnade verlieren, und ihren großen Zweck verfehlen würde. 3war willst du, Herr! daß ich auch hier für den Leib Sorge tragen soll, ich will daher auch für mein zeitliches Glück und Wohl sorgen; aber diese Sorge und Liebe soll untergeordnet seyn. Das Fleisch soll nicht Herr seyn über den Geist, die Sinnlichs keit nicht über die Seele. Und dennoch wie oft sind diese im Streit gegen einander! Herr, wie nöthig ist uns bey solchen Kämpfen deine Gnade! Du weißt es, Herr! wie willig oft der Geist ist, und dennoch wie schwach der Mensch. O nur in dir und durch dich kann der Mensch siegen! Ich 52 276 & Fann alles durch den, der mich stårket, sprichtdein großer Apostel. Auch ich werde alles vermo: gen, wenn du mich stärkest, Herr! Durch dich erleuchtet und gestärkt, werde ich die große wichtige Pflicht einer vernünftigen und christlichen Selbstliebe in ihrem ganzen Umfange recht erken= nen, und stets treu erfüllen. Amen. 13. Gebeth um christliche Weisheit. Soft! ott! der du die höchste Weisheit bist, lehre auch mich wahre christliche Weisheit. Du siehst und erkennest alle Dinge; du hast bey allem, was du anordnest, die weisesten und besten Absichten, wählst die besten Mittel, und führest alles zu den heiligsten Zwecken aus. O möchten wir Menschen dir nachahmen, und weise seyn, wie du, und stets weise und klug handeln! Lehre mich darum, Herr! alle Dinge nach ihren wahren Werth erkennen und schätzen. Bewahre mein Herz, daß ich nicht nach dem Scheine urtheile; daß ich den Gütern der Erde, der Ehre und weltlicher Größe und den sinnlichen Vergnügungen nicht zu hohen Werth beylege; daß ich in allen diesen Dingen meine höchste Glückseligkeit nicht suche, die nur allein in dir zu finden ist. Erleuchte und regiere mich, Herr! daß ich die zeitlichen Dinge immer mit Mäßigkeit liebe und suche, dieselben mit Recht besitze, und nur auf erlaubte Art und Weise genieße. Laß mich die Welt gebrauchen nach deines Apostels Lehre, als wenn ich sie nicht gebrauchte, 277& nemlich zur Nothdurft, erlaubt und mäßig. Mein letztes Ziel und Ende müsse mir stets vor Augen schweben, und alles Irdische, Vergångliche dem. Ewigen, Unvergånglichen untergeordnet feyn. Lehre. mich erkennen die Wenigkeit und Ungewißheit mei ner Tage hienieden, und dieselben zu meiner Bes ferung und Vervollkommnung anwenden. Erhebe und- stårke meine Seele, daß ich immer vor allen übrigen Dingen strebe und trachte nach dem, was droben ist, nach der ewigen Glückseligkeit. Solche Gesinnungen erhalte in mir, Herr! und laß mich immer mehr in der Erkenntniß deines Willens wachsen, und in der Liebe, selben zu erfüllen. Dich lieben und dich fürchten, das ist der wahren Weisheit Anfang. In dieser Weisheit erhalte und befestige mich, damit ich all mein Thun und Lassen nur auf dich, mein letztes Ziel, mein höchstes Gut richte, und dich einst besike und selig sey. Amen. 14. Gebeth um standesmäßige Keuschheit. Du bist ein Geist, o Gott! dem Menschen aber hast du einen Leib bereitet, der mit der Seele vereinigt, in der engsten Verbindung mit derselben steht. Dem Leibe gabst du Sinne, Neigungen und Triebe; der Seele Vernunft, um selbe zu ordnen, und zu lenken nach deinem h. Willen. Olehre und stårke meine Seele, daß sie stets mit Weisheit und Tugend über die Sinnlichkeit wache und herrsche. Das Fleisch streitet so oft wider den Geist im Menschen: hilf mir in diesem Kampfe 278 局 dem Unerlaubten, dem Bösen widerstehen.- Dein h. Gesetz, Herr! sey stets die Richtschnur meiner Handlungen, meiner Reden und Gedanken. Hilf mir wider die Unfälle der bösen Lüste kämpfen, die sich im Menschen so oft erregen. Dein Wort fagt es: sie führen zum Verderben, und die Erfahrung bestätigt es. Darum bewahre mein Herz, o Herr! daß ich den unerlaubten sinnlichen Trieben keine Bewilligung einräume, sondern denselben stets mit Nachdruck widerstehe. Der Christ ist ja durch die Taufe ein Tempel deines h. Geistes geworden, wir sind, wie dein Upostel lehrt, Glieder Jesu Christi. Wehe mir! wenn ich deinen Tempel entehrte, wenn ich durch unerlaubte Wollust meine Glieder zu Gliedern der Sünde machte. Du willst es, o heiligster, reinster Gott! wir follen rein seyn am Leibe und an der Seele. Oso helfe und stärke dann in allen Umstånden, worin ich mich befinde, meine Seele, daß sie die Reinigkeit liebe, und zu allen Seiten eine meinem Stande angemessene Keuschheit beobachte. Sorgfältig will ich jeder Gefahr, die dieser Tugend drohet, ausweichen, behutsam will ich seyn im Umgange mit den Menschen. Ueber meine Sinne will ich mit Sorgfalt wachen; schlüpfrige Reden sollen mir stets ein Abscheu seyn, wie auch das Lesen schlüpfriger Bücher, welche so leicht das Herz verderben. Jeden aufsteigenden bösen Gedanken, jede Neigung zum Laster will ich beym ersten Entstehen unterdrücken. Aber wenn ich dennoch 279 unvorgesehen und ohne meine Schuld in Gefahr komme, ach Herr! dann sey du mein Schirm und meine Stärke. Der Gedanke an dich, den Ullmächtigen, den Allgütigen, den Allgerechten, den Allgegenwärtigen flöße mir dann einen Abscheu gegen die Sünde ein, daß ich spreche, wie einst der keusche Joseph in Aegypten: Wie könnte ich ein folches Uebel thun, und sündigen im Ungesichte meines Herrn! deine Gnade helfe mir dann kampfen und siegen. Amen. say 15. Gebeth um Nächstenliebe. Du willst, Herr! ich soll meinen Nächsten lieben, wie mich selbst. Wie billig und gerecht ist dieser Befehl, da wir dir nachahmen sollen, der du selbst alle Menschen so sehr liebest. Ich will daher ljeben, die du liebst; die du nach deinem Bilde erschaffen hast, die du durch deinen Sohn erlöfet hast, die du durch deinen h. Geist gehei= liget hast, denen du täglich so viele Wohlthaten am Leibe und an der Seele erzeigst.- Ja Herr! wir sind ja alle deine Kinder, Brüder und Schwes stern, also eine Familie, Kinder eines allgemeinen Baters, der im Himmel ist, geschaffen und bestimmt zu einer und derselben großen Glückseligkeit, alle durch ein und dasselbe Blut Jefu Christi deines Sohnes, unsers Heilandes, erlöset. Ja, Herr! ich umfasse alle Menschen mit allgemeiner Liebe. Wer Mensch ist, ist groß, ist ein Bild der Gottheit, ist ein Kind Gottes, bestimmt zum ewi 280 gen Leben; wer Mensch ist, der ist durch den theus ren Preis, das Blut des göttlichen Sohnes, erlöset. Daher will ich ihn hochachten und lieben. Mögen viele aus ihnen auch anders gesinnt seyn, anders denken wie ich, mögen sie sogar fehlen, und auf Lasterwegen gehen, so sind sie dennoch edel und groß als Menschen, und ich kenne die Wege nicht, auf welchen du, o Gott! fie zu dir führen kannst. Ich will sie daher achten und lieben. Und diese Liebe soll nicht bloß in guten Wünschen und Worten beruhen, auch in Thaten soll sie übergehen. Wo ich einem etwas Gutes leisten kann durch Rath oder That, durch Trost oder Hülfe, durch Worte oder Werke, da will ichs thun, und darum thun, Herr! weil es dir so sehr gefällt, was wir um deinetwillen unsern Nächsten thun. Dein göttlicher Sohn Jesus Christus, da er als unser Heiland auf Erden wan delte, soll mir hierin das vortrefflichste Beyfpiel feyn. Nach seiner Lehre und nach seinem Beyspiele will ich, Herr! dich über alles lieben, und meinen Nächsten wie mich selbst. Erhalte du, o Gott! in mir diesen Entschluß, und die Gesinnungen einer wahren, aufrichtigen und allum= faffenden Nächstenliebe. Umen. 16. 3weytes Gebeth um Nächstenliebe. Du forderst Liebe gegen meine Mitmenschen von mir, o Gott! lehre mich auch, was diese Liebe von mir fordert, und hilf mir, es zu erfüllen. 281 Was fordert sie von mir, diese Liebe? was will sie, und was will sie nicht? Dein göttlicher Sohn, unser Heiland! hat uns darüber in deinem Namen belehrt, o Herr! gib doch, daß wir es verstehen und erfüllen. Was du wünscheft, das dir geschehe von Undern, siehe, das thue auch ihnen, ſpricht er, was du wünschest, das dir nicht geschehe von Undern, siehe, das thue auch keinem. Herr! wie göttlich ist diese Lehre deines Sohnes! wie faßlich, wie leicht anwendbar. Schlechtes Denken und Urtheilen von mir, schlechtes Reden von mir, jede Verachtung und Beleidigung thut mir wehe, ich wünschte, daß es nicht geschähe. Uch, so will ich auch keinem von meinen Nebenmenschen, keinem von deinen geliebten Kindern, Herr! damit wehe thun. Aber wenn andere Menschen. gut gegen mich gefinnet sind, billig und gut von mir denken, mir freundlich und liebreich begeg nen, das liebe ich, das wünsche ich: o so will ich auch andern Menschen damit Freude machen, und will meine Brüder erfreuen, wo ich kann. Gerechtigkeit, Billigkeit, Wohlwollen gegen mich wünsche ich von Andern, o so soll auch meine Seele gerecht, billig, wohlwollend gegen meine Mitmenschen gefinnet seyn. Wäre ich in Noth, ich würde von ihnen Hülfe wünschen, und vielleicht auch Edle unter ihnen finden, die mir zu Hülfe kámen. Du, o Herr! würdest ihre Herzen wecken, daß sie mir Hülfe leisteten. Nun so will ich auch thun, was ich wünschte, daß Undere an 282 mir thun möchten, wäre ich in ihrer Lage. Trósten und Thränen abtrocknen will ich, wo ich kann; belfen will ich, so viel ich kann. Erleuchte du, o Herr! stets meine Seele, und rühre mein Herz zu den Gesinnungen einer aufrichtigen Liebe. Umen. Struz 17. Gebeth um Sanftmuth und Friedfertigkeit. Gott! du hast uns Menschen zu einem gesellschaftlichen Leben vereinigt, und willst, daß wir in Liebe, Einigkeit und Frieden unter einander leben. Wie billig und gerecht ist dieser dein Wille, da wir alle deine Kinder, alle Brüder und Schwestern unter einander sind. Aber ein jeder muß auch dazu mitwirken, um den lieben Frieden zu erhalten. Wie vieles ist von uns Menschen zu beobachten, wenn wir nach deinem h. Willen in Einigkeit und Frieden zusammen zu leben wünschen. Der Eine muß des Undern Schwachheit und Fehler ertragen. Das Aufwallen des Zorns muß unterdrückt werden, alle Beleidigung muß sorgfältig vermieden werden, und selbst muß man Beleidigungen mit Geduld ertragen. Wie nothwendig ist uns dazu Sanftmuth und Friedfertigkeit! Herr! lehre du mich, fanftmuthige Gefinnungen mir eigen zu machen, Nachgebung und Liebe zu üben. Laß mich oft erwägen und einsehen, welch ein kostbares Gut der Friede sey für den Menschen, und daß Liebe und Friede unter 283 den Menschen dir so sehr gefallen. Laß mich oft auf meine eigenen Fehler und Schwachheiten fes hen, damit ich demüthig werde von Herzen, und mit den Schwachheiten und Fehlern anderer Menschen Mitleid habe. Ja Herr! ich will meiner Seits alle Kräfte anwenden, um stets im Frieden zu leben mit denen, womit ich umgehe, untér- welchen ich lebe. Meinen Vorgesetzten will ich treu und gehorsam seyn, meine Untergebenen will ich mit Schonung und Liebe behandeln. Vorsichtig und behutsam will ich seyn im Umgange mit Undern, damit ich keinen mit Vorsatz beleidige, keinen aus Uebereilung tránke. Wachen will ich) über mein Herz, damit es sich nicht vom 3orne überwältigen lasse, wenn ich etwa von Undern' aus Uebereilung oder Versehen beleidigt werde. Laß mich alles dieses aus den Lehren und dem Beyspiele meines Heilandes, welcher demüthig und sanftmüthig war von Herzen, lernen, und stärke du meinen Willen, damit ich, meinem Vorfage getreu, solches stets in Ausübung bringe, und mit meinen Mitmenschen, womit ich im tåglichen Leben umgehe, unter denen ich mein Leben hienieden zubringe, im Frieden und in Einigkeit lebe. Amen. 18. Gebeth um Bescheidenheit und Be= hutsamkeit im Denken, Urtheilen und Reden über andere Menschen. Du willst, o Herr! wir sollen alle Menschen wie Brüder lieben. Alles, was diese Liebe unter 284 gråbt, sie mindert oder verleget, sollen wir sorgfåltig meiden. Lehre mich und hilf mir daher diese wichtige Pflicht in ihrem ganzen Umfange erfüllen. Nicht nur die Werke wider die Liebe meines Nächsten mißfallen dir, o Gott! sondern auch die Gedanken, Urtheile und Reden dawider. Und dennoch wie leichfsinnig sind wir Menschen oft hierin! Dein göttlicher Sohn, unser Heiland, hat uns gelehrt und gewarnt, ohne hinlänglichen Grund nichts Urges von Undern zu denken, nicht zu urtheilen, nicht zu richten. Er ermahnt uns: Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Wie billig und gerecht ist dieses Verboth, da wir Menschen oft nur nach dem Scheine urtheilen, oft nur nach den Aussagen anderer trüglicher oder gar boshafter Menschen. O bewahre meine Seele, Herr! daß ich durch freventliches Nichten und Urtheilen über meinen Nächsten nicht wider ihn und wider dich mich verfündige. Aber bewahre mich auch, o Herr! daß meine Zunge ihn nicht låstere, tadele oder verläumde. Lehre doch mich, meine eigenen Fehler immer mehr erkennen, um nicht auf die Splitter meines Nebenmenschen zu sehen; und flöße mir einen Abscheu ein gegen das abscheuliche Laster der Ehrabschneidung und Verlaumdung. Meine Seele komme nie in den Rath ( in die Versammlung) solcher Menschen, die ihre Freude oder ihren Zeitvertreib darin suchen, andere Menschen durchzuziehen. Nein, Herr! du Gott der Liebe! nie will ich solche Reden mit 285 Beyfall anhören, und wo ich kann, will ich die Unschuld des Abwesenden nach Kräften verthei= digen. Hilf du mir diese Pflicht der Nächstenliebe gehörig erfüllen, und leite mich durch dein Licht und deine Gnade, daß ich immer bescheiden und behutsam mich betrage im Denken, Urtheilen und Reden über andere Menschen. Umen. 19. Gebeth um Demuth und Geduld bey zugefügten Beleidigungen. Ich komme zu dir, Herr! und klage, um bey dir Trost zu holen. Die Kränkungen und Beleidigungen, die mir zugefügt sind, thun meinem Herzen wehe: aber ich weiß es, daß sie von dir zugelassen sind, um mich zu demüthigen und zu prüfen. Oso lehre du mich denn Demuth und Geduld bey diesen und allen Beleidigungen, die mir je von Menschen zugefügt sind, und noch zugefügt werden, sollen. Unsere Demuth, unsere Geduld müssen geprüft werden, wenn sie vor dir, Herr! bestehen und dir gefallen sollen; daher sind Prüfungen und Demüthigungen uns nöthig. Ich bin ein fündiger Mensch, und habe vielleicht durch meine Sünden solche Züchtigung verdient. Die Menschen, die sie mir zufügen, sind nur deine Werkzeuge, Herr! wodurch du mich demüthigst und züchtigst. Wohl mir, wenn ich sie durch meine Schuld nicht gereizt habe, mich zu beleidigen! Aber auch, wenn sie mir Unrecht thun, will ich sie nicht hassen, und ihnen vergeben. Vielleicht 286 K sehen sie früh oder spät ihr Unrecht ein, und be=- reuen ihren Leichtfinn oder ihre Uebereilung, wodurch sie mich gekränkt haben. Gib mir nur Ge duld, Herr! und tröste meine Seele, so will ich nach der Lehre und dem Beyspiele meines Heilandes alles dir anheim stellen, und schweigen und dulden, bis sie ihren Frrthum einsehen und sich befinnen. Ihre Uebereilung und Beleidigung soll mir eine Warnung seyn, mich desto sorgfäl tiger zu hüten, andere nicht zu krånken und zu beleidigen. Erhalte mich, o Herr! ben solchen Gesinnungen, und stärke meine Seele, daß ich mich jederzeit den Kränkungen und Beleidigungen der Menschen, die du zulässfest, eben sowohl mit Geduld unterwerfe, als andern Leiden und Widerwärtigkeiten, die von deiner Hand herkommen, und wodurch du mich zu prüfen, zu reinigen, zu bessern, zu vervollkommnen suchst zu meinem ewigen Heile. Amen. 20. Gebeth um Feindesliebe. Deine Befehle sind strenge, Herr! und die Beobachtung derselben wird dem Menschen oft hart und schwer. Du willst, wir sollen auch unsere Feinde lieben. Ein schweres Geboth, Herr! wenn du es nicht erleichterst und erfüllen hilfft. Wir sollen vergeben denen, die uns Böses zufügen. Wir sollen sogar lieben die, so uns hassen. Das forderst du, das fordert dein göttlicher Sohn un= ser Heiland von denen, die ihm nachfolgen, die 287 seine Jünger seyn, und Anspruch an den großen Verheissungen machen wollen, die er den Seinigen verheissen hat. Lehre mich, und hilf mir diese wichtige Christenpflicht erfüllen. Lehre mich die Billigkeit dieses Gebothes, und die Ursachen einsehen, warum du, o Gott! dies befiehlst, damit mein Herz geneigt werde, eine Pflicht zu erfüllen, die ihm beynahe unmöglich scheint. Du willst, wir sollen dir nachahmen, und du läsfest deine Sonne scheinen über die Guten und Bösen; låſsest Thau und Regen fallen auf die Felder der Gottlosen, die dich beleidigen, wie auf die Felder der Gerechten, die dich lieben. Und so willst du auch, daß wir ohne Unterschied lieben sollen die, so uns gut sind, und die, so uns beleidigen. Aber auch wir selbst beleidigen dich so oft mit unsern Sünden, und erhalten so oft und so leicht von dir Vergebung. Was ist also billiger, als daß auch wir vergeben denen, die uns beleidigen; da du solches von uns forderst, und unter dem Be= dingnisse uns Vergebung ertheilen willst, daß auch wir vergeben sollen? Ja, Herr! ich will gern vergeben meinen Beleidigern, damit ich auch von dir Vergebung meiner vielen und großen Sünden erlange. Aber ich soll auch lieben meine Feinde! Ja, Herr! ich will sie lieben, weil du sie liebst, weil sie deine Kinder sind, weil du sie nach deinem Bilde erschaffen hast, wie mich, weil sie dein göttlicher Sohn erlöset hat, wie mich, weil sie durch deinen h. Geist geheiligt sind, wie ich, - 288 weil sie zum ewigen Leben bestimmt und berufen. sind, wie ich, und weil du es willst, daß ich fie lieben soll. Mag mir diese Pflicht auch immerhin schwer werden, mag sie mir Ueberwindung kosten; ich will vergeben und lieben um deinetwillen. Darin soll ja auch die Größe und Vollkommenheit des Christenthums bestehen, nach der Lehre und dem Beyspiele unsers Heilandes. Wenn wir nur die lieben, die uns lieben, was thun wir dann mehr als die Heiden? Nein, auch die, so uns hassen und verfolgen, sollen wir lieben. So lehrte, und so liebte Jesus unser Heiland, der seinem Feinde immer vergab und wohlthat; und noch am Kreuze bethete er für seine Spotter und Feinde, und sprach zu dir: Bater! vergib es ihnen, sie wissens nicht, was sie thun. O laß mich, großer Gott! diese schönen Beyspiele meines Heilandes bewegen, ihm stets nachzufolgen. Erleuchte und stärke mich mit deiner Gnade, daß auch ich denen vergebe, die mich beleidigen, und die liebe, welche meine Feinde sind. Umen. 21. Gebeth um Klugheit und Rechtschaffenheit im Umgang mit bösen Menschen. Herr! du läsfest aus weisen und gerechten Ur410 sachen auf deiner Welt gute und böse Menschen unter einander wohnen, und sogar in deiner Kirche steht Unkraut und Weißen durch einander. Lehre mich Weisheit und Klugheit im Umgange mit bösen Menschen. Bewahre mein Herz, daß 289 ihre Reden und ihr Beyspiel mich nicht verder= ben, sondern erhalte mich immer in der Recht= schaffenheit, und in deiner Furcht und Liebe. Du hast, o Herr! einem jeden. Menschen die Tugend zur Pflicht gemacht, bast ihm Vernunft und freyen Willen gegeben, biethest ihm Unterricht und deine Gnade an, die Tugend zu üben. Wenn es aber Dennoch Menschen gibt, welche Bernunft und freyen Willen muthwillig mißbrauchen, deine Religion und deine Gnade verwerfen, so soll mich das nicht irre machen; du låsseft dem Menschen seine Freyheit, und hast oft unerforschliche Ursa= chen, das Böse zuzulassen. Vielleicht sollen durch die Guten die Bösen gut werden: vielleicht sollen durch die Bösen die Guten geprüft werden. Vielz leicht bringst du die Bösen zu seiner Zeit noch zur Erkenntniß, und sie werden dann so viel ei frigere Verehrer der Religion und Tugend, als sie jetzt ihre Feinde sind. Genug, Herr! daß wir wissen, daß du bey allem, was du zuläsfest, deine guten und heiligen Absichten hast. Darum will ich auch keinen verdammen, der Böses thut; aber bemitleiden soll ihn mein Herz, weil er sein Uns glück nicht erkennt, das er sich bereitet. Ich will ihn nicht verachten und über ihn mich nicht er= heben, sondern in Demuth zu dir flehen: Herr! bewahre mich doch vor Sünde und Laster, ent= ziehe mir doch deine Gnade nicht. Und wenn ich den Frrenden und Fehlenden durch mein 3ureden bessern kann, so will ich willig und gern nach K 290 meinen Kräften thun, was ich kann, und ihn zu dir, Herr! zurückführen. Aber wo ich das nicht kann, da will ich den Umgang mit den Bösen meiden, damit ich nicht mit verderbt werde. Denn du haft uns durch dein Wort gewarnt, Herr! und gesagt: Mit den Guten wirst du gut, mit den Bösen wirst du verkehrt werden. Sorgfältig will ich mich also vor ihrem Umgang huten. Wenn ich aber dennoch durch Zufall oder aus Pflicht in ihren Kreis gerathe, dann, Herr! gib mir Muth und Kraft, daß ich ihren Reden und Unschlägen mit Nachdruck widerstehe, daß ich ihren Spottereyen über Religion und Tugend mit Verachtung begegne, und mich nicht scheue, mich für dich und deine Ehre, für deine h. Religion und die Tugend zu bekennen. Amen. 22. Gebeth um christliche Duldung gegen fremde Religionsverwandte. Herr! du bist ein unbegreiflicher Gott bey Zulaffung so vieler und so verschiedener Religionsmeynungen und Gottesverehrungen. Die Wahrheit ist und kann nur Eine fenn, und der Meynungen sind dennoch so viele und so verschiedene. O lebre mich, Herr! wie ich, der ich bey deiner unfehlbaren Kirche die wahre Religion erkenne und besige, gegen die, so ausser dieser Kirche sind, und gegen alle, die das Glück der wahren Religion nicht besitzen, gesinnet seyn, wie ich mich gegen sie nach deinem h. Willen betragen soll. 70 291 K Du hast deine Absichten, Herr! warum du unter den Menschen so verschiedene Religionssysteme zulásfest, und wer mag diese ergründen? Uber ferne sey es von mir, daß ich jene, die nicht meines Glaubens sind, deshalb verachten, krånken oder beleidigen sollte. Sind doch alle Menschen deine Kinder, Herr! und wir wissen nicht, auf welchen Wegen du sie zu dir führen kannst. Wie sollte ich deine Kinder, wenn sie auch auf Irrwegen gehen, deshalb verachten, und meine irrenden Brüder kränken oder beleidigen können wegen ihres Irrthums, den sie größtentheils selbst nicht einsehen oder erkennen? Der Glaube ist eine Gabe von dir, Herr! wofür wir dir unendlichen Dank schuldig find; aber wir haben keine Ursa= che, die zu verachten, die diese Wohlthat von dir nicht erhielten. Und ach! der wahre Glaube fordert auch von uns ein heiliges Leben nach dem Glauben, und wofern unser Leben nicht mit den Vorschriften des Glaubens übereinstimmt, so wird er uns vor dir nichts nugen, ja er allein wird uns nicht selig machen. In Demuth will ich daher vor dir wandeln in meinem Glauben, Herr! und auf denselben allein nie groß thun. Wie viele gute Menschen in andern Religionen be schämen mich vielleicht durch ihren ordentlichen Lebenswandel. Was würden sie seyn und thun, wenn sie in der wahren Religion lebten? und ich sollte sie verachten? Sie sind in Srrthum, aber vielleicht ohne ihre Schuld. Geboren und erzogen 22 292 in ihrer Religion sehen sie den Srrthum nicht ein, und dienen dir, Herr! nach ihrer Ueberzeugung mit dem besten Willen; und ich sollte sie verachten? Nein, Herr! ich will hochachten und lieben alle Menschen ohne Ausnahme, ohne Unterschied der Religion und des Kirchenthums. Das ist dein Wille, das ist das Gesetz des Evangeliums deines Sohnes. Für sie bitten will ich, daß du sie ers leuchtest und zur Erkenntniß führest, und daß du uns und alle Christen und alle Menschen deine Wege lehren, und uns alle zu deiner Unschauung und zur ewigen Seligkeit führen wollest. Durch Jesum Christum deinen Sohn unsern Herrn, welcher mit dir lebet in Einigkeit des h. Geistes zc. Amen. 23. Gebeth um Ausbreitung der Religion und Tugend. ( Nach dem Gebethe des Herrn.) Gott! aller Menschen Vater! der du im Hima mel deinen Thron hast, wo die vollendeten Seligen deine Herrlichkeit schauen, dich vollkommen erkennen und lieben, und in dieser Erkenntniß und Liebe so selig sind; der du aber auch auf uns Menschen auf Erden schaueft, und unter uns, wiewohl unsichtbar zugegen bist. O möchtest du von allen Menschen erkannt und verehret werden! möchte dein Name überall verherrlicht und geheiligt werden! Dein Reich, das Reich der Wahrheit und des Guten, das Reich der Religion und Tugend laß doch immer mehr verbreitet werden, 293 daß alle Menschen barin aufgenommen, auch Miterben deines erigen Reiches im Himmel werden. Verleihe uns dein Licht und deine Gnade, Herr! daß wir auf Erden deinen h. Willen stets erkennen, und so willig treu gehorsam vollbringen, wie die auserwählten Engel und Seli gen im Himmel. Dann gib aber auch, Herr! was wir für Leib und Seele bedürfen, um dir dienen zu können. Gib uns vorzüglich die nöthige Speise der Seele! Dein Wort, die Lehre deines Sohnes unsers Heilandes laß uns immer verkündigt und erklärt werden, daß wir sie immer mehr lieb gewinnen, und im Guten dadurch ge= stärkt werden. Uber wenn wir dennoch aus Schwachheit fehlen, ach so verzeihe, Batér! wenn wir den Fehler vor dir bereuen, büßen und bef sern. Nach deinem Beyspiele und nach deinem Willen wollen auch wir gern vergeben, wenn unfere Mitmenschen gegen uns gefehlt haben. Dann bewahre und erhalte uns aber, Herr! in der Wahrheit und im Guten, in deiner Gnade und Liebe. Und wenn du es zu Zeiten für nöthig achtest, daß unser Glaube und unsere Tugend verfucht, geprüft werden; so stärke uns, Herr! daß wir muthig kämpfen, und in der Gefahr, in der Prüfung ausharren und fest stehen, und durch nichts uns trennen lassen von dir. Bewahre und befreye uns, Herr! von allem Uebel Leibes und der Seele, damit wir dir in Ruhe und Frieden ferner dienen, dich verherrlichen u. unser Heil wirken. Um. 294 24. Gebeth am jährlichen Gedächtniss tage der Kirchweihe. Du bist ein Wesen, Herr! das nicht in Häusern, von Menschenbänden gebauet, eingeschränkt wohnet. Dein ist der Himmel und die Erde, und aller Himmel Himmel kann dich nicht umfassen. In dir leben wir, in dir bewegen wir uns, in dir sind wir, wo wir immer sind. Ueberall siehst und bemerkst du uns, überall vernimmst du unser Fleben und die leisesten Wünsche unsers Herzens. Aber du hast dennoch deinem Namen und deiner Verehrung Tempel bauen lassen unter den Men= schen. Da foilen deine Kinder sich versammeln, und gemeinschaftlich dich ihren Vater verehren. So hattest du es schon im alten Geset verordnet, und durch deinen Knecht Salomon dir einen Tempel bauen lassen zu Jerusalem, wo nur allein deinem Namen geopfert werden sollte. Aber in der Folge sollten diefe alttestamentische Opfer auf hören, nachdem das Opfer, das sie vorbildeten, verrichtet war, das Opfer, welches dein göttlicher Sohn unser Heiland für das Heil aller Menschen am Kreuze vollbrachte. Von nun an sollte deinem Namen überall vom Aufgange der Sonne, bis wo sie untergeht, ein reines Opfer, die Wiederholung, die Erinnerung oder Fortsetung jenes Opfers am Kreuze dargebracht werden: Ein Opfer, nach Melchifedechs Weise, in Brod und Wein, welches gemäß der Einsehung des Heilandes beym letzten Abendmahle in sein allerheilig 295 K ftes Fleisch und Blut verwandelt wird. Dieses Opfer wird verrichtet und deinem Namen dargebracht, Herr! in den Tempeln der ganzen Chris stenheit. O wie ehrwürdig muß mir dies jeden h. Tempel, jedes Bethhaus der katholischen Religion machen. Du, o Gott! der Schöpfer, Erhalter und Vater der Menschen! wirst in demfelben von deinen Kindern gemeinschaftlich durch Unbethung, Gebeth und Gesang verehrt; dein ewiger Sohn, das Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt, wird in demselben, wie einst blutig auf Golgatha, so nun unblutiger Weise geopfert für unsere Sünden. Er selbst dieser göttliche Sohn, unser Heiland, wohnt auf unfern Ultåren immerwährend unter uns. Er vers gibt uns hier in dem Richterstuhl der Buße una fere Sünden; er speiset uns hier an seinem Tische mit seinem heiligsten Fleische und Blute; er heis ligt uns hier durch die Gnade seines h. Geistes in den Sakramenten. Welche Ehrfurcht muß nicht dies alles mir einflößen, Herr! wenn ich in deinem h. Tempel erscheine! und welcher Dank gebührt dir, Herr! für so viele Gnaden und Wohls thaten, welche du deinen Gläubigen an diesem Orte erzeigeft! O ich will heute am Gedächtnißtage der Einweihung dieses Hauses zu deiner Unbethung und Verehrung mich daran erinnern, und dir danken für alle Gaben des Heils, die du bey den Geheimnissen der Religion uns hier zu Theil werden läsfest. Ich will aber auch jederzeit U 296 Undacht und Ehrfurcht in diesem Hause erschei nen, und dich, Herr und Gott! darin anbethen im Geiste und in der Wahrheit. Mit Hochachtung und Ehrfurcht will ich hier stets den Geheimnissen der Religion beywohnen, besonders dem geheimnißvollen h. Meßopfer; mit Aufmerksamkeit will ich die Lehren des Heils anhören, die hier gege= ben werden; mit Undacht will ich hier meinen Geist erheben im Gebeth zu dir, o mein Gott! und will mein Gebeth vereinigen mit dem Gebethe deiner h. Kirche, dich zu preisen, zu loben, zu danken, zu verherrlichen. Großer Gott, der du lebest und herrschest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebeth der Kirche. Sott! der du uns jährlich den Tag der Einweihung dieses deines h. Tempels erneuerst, und uns bey den h. Geheimnissen unbeschädigt låssest gegenwärtig seyn, erhöre gnådig die Bitten deines Volkes, und verleihe, daß ein jeder, der in diefen Tempel hineintritt, Wohlthaten von dir zu erflehen, sich der Gewährung seiner Bitten erfreuen möge. Durch unsern Herrn Jesum Christum ic. Amen. Um Schlusse des Kirchenjahrs, oder au andern feyerlichen Dankfesten. Te Deum laudamus. Dich, o Gott! loben wir: dich, o Herr! bekennen wir. 297 K Dich ewigen Vater bekennet der ganze Erdfreis. Dir fingen alle Engel: dir die Himmel und alle Kräfte. Dir singen die Cherubim und Seraphim den unaufhörlichen Lobgefang: Heilig, heilig, heilig ist der Herr, Gott Sabaoth! Himmel und Erde sind voll der Herrlichkeit beiner Majeståt. Dich preiset die glorreiche Schaar der Apostel, Die ansehnliche Zahl der Propheten, Das schimmernde Heer der Märtyrer. Dich bekennet die h. Kirche durch die ganze Belt: Einen Vater der unermessenen Herrlichkeit, Deinen anbethungswürdigen wahren und einigen Sohn, Und auch den h. Geist, den Tröster. Du König der Herrlichkeit, Jesu Christe! Du bist der ewige Sohn des Vaters. Um den Menschen zu erlösen, hast du dich gewürdigt, in dem jungfräulichen Leib empfangen zu werden. Du hast nach überwundenem Stachel des Todes den Gläubigen das Himmelreich eröffnet. Du sigest zur Rechten Gottes in der Herrlichkeit des Vaters. Wir glauben, daß du kommen wirst, uns zu richten. 298 K Darum bitten wir dich: komme deinen Dies nern zu Hülfe, die du mit deinem kostbaren Blute erlöſet haſt. Mache, daß sie sich in der ewigen Herrlichkeit mit deinen Heiligen erfreuen. Mache dein Bolk selig, o Herr! und segne uns, dein Erbtheil. Regiere und erhebe die Teinen in das Reich der Ewigkeit. Mit jedem Tage loben und benedepen wir dich. Und preifen deinen Namen in der Seit und in der Ewigkeit. Herr! würdige dich, uns an jedem Tage vor aller Sünde zu bewahren. Erbarme dich unser, o Herr! erbarme dich unser. Deine Barmherzigkeit komme über uns, wie wir auf dich gehoffet haben. Auf dich, Herr! hab' ich gehoffet, ich werde in Ewigkeit nicht zu Schanden werden. v. Lasset uns loben den Vater und den Sohn und den h. Geist. R. Lasset uns ihn preisen und hoch erheben in Ewigkeit. Gebeth. Gott! dessen Barmherzigkeit ohne Gränzen, und dessen Güte in ihrem Reichthum unerschöpflich ist; wir danken deiner gütigsten Majestät für die er ५ 299 尽 theilten Gnaden. Wir werden nicht aufhören, deine Milde anzuflehen, daß du, der du den Bittenden ihr Begehren gewährst, dieselben nie ver= lassen, und zu den künftigen Belohnungen vor: bereiten wolleft. Durch Jesum Chriftum unsern Herrn. Umen. Litaneye n. Vorerinnerung. Litaneyen sind bey der katholischen Kirche gebräuchliche Gebethe, welche eigentlich dazu eingerichtet sind, gemeinschaftlich von der christlichen Gemeinde oder von meh reren verrichtet zu werden. Der oder die Vorbether machen die Anrede zu Gott; die übrigen segen die Bitte hinzu. Da die gemeinschaftlichen Gebethe vorzüglich daz zu geeignet sind, zu erbauen, die Undacht und das Vers trauen zu erheben, so haben in dieser Hinsicht die Litaneyen ihren besondern Werth. Möchten selbe nur immer mit Langsamkeit und religiösem Unstand gebethen werden! I. Litaney von Gott und dessen hohen Eigenschaften. Borbether. Herr, erbarme dich unsrer! Ulle. Herr, erbarme dich unsrer! 2. Christe, erbarme dich unsrer! 2. Christe, erbarme dich unfrer! 2. Herr, erbarme dich unsrer! 2. Christe, erbarme dich unsrer! Gott Vater von den Himmeln! dich an, erbarme dich unsrer. - Wir bethen 300 Gott Sohn Erlöser der Welt! Gott h. Geist! H. Dreyfaltigkeit, ein einiger Gott! Gott, du ewiges unbegreifliches Wesen! Gott, du allmächtiger Schöpfer Himmels und der Erde! Gott, du allweiser Beherrscher der ganzen Natur! Gott, du allgütiger Erhalter aller erschaffenen Dinge! Gott, du liebender Vater der Menschen! Gott, du Heiliger und Gerechter! Gott, du Alwissender und Ullgegenwärtiger! Gott, du Langmüthiger und Barmherziger! Gott, du Unendlicher und Unermeßlicher! Gott, du Ewiger und Unveränderlicher! Gott, du vollkommenster Geist! Gott, du seligstes Wesen! Gott, du höchstes vollkommenstes Gut! Gott, du Vater deines eingebornen ewigen Sohnes! Sohn Gottes, du Eingeborner des Vaters! Geist Gottes, ausgesandt vom Vater und Sohne! Dreyeiniger, unbegreiflicher, großer Gott! Sey uns gnådig. Verschone uns, Herr! Sey uns barmherzig. Erhöre uns, o Herr! Von allem Uebel, befreye uns, o Herr! Von aller Sünde, befreye uns, o Herr! Wir bethen dich an, erbarme dich unsrer. K ვი 1 Von den Strafen deiner Gerechtigkeit, befreye uns, o Herr! Wir Sünder! Daß du uns in deiner Erkenntniß immer erhalten und stärken wollest, Frook Daß du in uns die Hochachtung und Ehr furcht gegen dich stets vermehren wollest, Daß du in uns den Glauben, die Hoffnung und Liebe zu dir erhalten und vermehren wollest, Daß du unser Herz zum Dank gegen dich er wecken wollest, Daß du uns in deiner Furcht erhalten, und vor Sünde bewahren wollest, Daß du uns im Vertrauen auf deine Güte und Barmherzigkeit erhalten wollest, Daß du uns ben allen Begebenheiten dieses Lebens in der Demuth, Geduld und Zufriedenheit mit dir erhalten wollest, Daß du uns in der Nachfolge deiner Heiligkeit, Gerechtigkeit und Liebe beystehen wolleft, Daß du unsere Seele, die ein Bild deiner Gottheit ist, zu allem Guten erwecken und stårken wollest, Daß du unsere Herzen zu einer aufrichtigen Liebe unsers Nächsten, der dein Ebenbild ist, erwecken wollest, Wir bitten dich, erhöre uns! Daß du in uns den Eifer, dich unser höchstes Gut zu suchen und zu besigen, erwecken und stärken wollest, 2014 Mar TIGE 302 K Gott, unser Schöpfer, unser Gebiether und Herr! Wir bitten dich, erhöre uns! Gott, unser Erretter und Wohlthäter! Wir bitten dich, erhöre uns! Gott, unser Beschüßer und Seligmacher! Wir bitten dich, erhöre uns! du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! du Lamm 2c.- Erhöre uns, o Herr! du Lamm zc. Erbarme dich unsrer! Christe höre uns! Christe erhöre uns! Herr erbarme dich unsrer! Christe erbarme dich unsrer! Herr erbarme dich unfrer! Bater unser u. s. w. 11 - 25 2 Lasset uns bethen. Sott! ott! der du groß und unbegreiflich bist in deinem Wesen, unergründlich in deinen Rathschlüssen, und anbethenswürdig in deinen Eigenschaften, gib uns und allen Menschen Licht und Gnade, daß wir dich immer vollkommner erkennen, dich hochachten, fürchten und lieben; daß wir stets auf dich vertrauen, und durch ein Leben nach deinem heil. Willen dir würdig dienen und dir gefallen mögen, damit wir einst in deiner Herrlichkeit dich schauen und lieben, und ewig selig seyn mögen. Amen. 2. Litaney von der göttlichen Vorsehung. Herr, erbarme dich unsrer! Chrifte erbarme dich unsrer! Herr erbarme dich unsrer! 303 K haid had Christe höre uns!- Christe erhöre uns! Gott Vater von den Himmeln! Gott Sohn, Erlöser der Welt! Gott h. Geist! H. Dreyfaltigkeit, ein einiger Gott! Gott unser Schöpfer und Herr! Du Beherrscher der ganzen Natur! Du Geber aller Gaben! Du allwissender, allwaltender, weisester Gott! Der du die Schicksale der Menschen ordnest und leitest! Der du aus den besten obwohl unergründlichen Absichten Glück oder Unglück über die Menschen kommen låssest! Der du denen, die dich aufrichtig lieben, alles zum Besten gereichen läsfest! Du starker allmächriger Gott! Gott, bey dem in allen Gefahren und Nöthen immer Hülfe zu finden ist! Gott, ohne dessen Hülfe und Beystand alle Hülfe und Macht der Menschen vergebens ist, Du heiligster gerechtester Gott! Der du die Sünden der Menschen nicht kannst ungestraft lassen! Der du uns wegen unsrer Sünden hier auf Erden oft mit Trůbsal heimsuchst! - Du gütiger, langmüthiger, barmherziger Gott Der du durch Trubsale die Sünder zur Besserung einladest! Erbarme dich unser! 304 K Der du durch die Sünde beleidigt, doch durch die Buße besänftigt wirst! Der du durch Trubsale auch die Gerechten heimsuchst und prüfft! Du wahrhaftester, getreuester Gott! Der du diejenigen, welche dich in Trubsal und Ungst mit Vertrauen anrufen, zu erhören versprochen hast! Der du deine Verheissungen immer erfüllet hast! Gott, unfre einzige Hoffnung und Zuflucht! Gott, unser Vater unser Erlöserund Seligmacher! Sen uns gnådig! Verschone uns, o Herr! Sey uns barmherzig! Erhöre uns, o Herr! Von allem Uebel, Bon aller Sünde, Von allem Mißtrauen gegen deine göttliche Vorsehung, Bon aller Ungeduld, Bon aller Kleinmüthigkeit im Leiden, Von allem Murren und aller Unzufriedenheit gegen deine h. Anordnungen, Von allen übermäßigen Sorgen für zeitliche Dinge, - branding homi Erbarme dich unsrer! befreye uns, o Herr! Wir Sünder! Wir bitten dich erhöre uns! Daß du in uns ein kindliches Vertrauen auf deine göttliche Vorsehung erwecken und erhalten wolleft! Wir bitten dich, erhöre uns! 305 Daß wir im Glück und Unglück stets auf dich vertrauen mögen, Daß wir alle gute Gaben von deiner Vaterhand mit Erkenntlichkeit und Dankbarkeit annehmen, mit Mäßigkeit und Weisheit genießen mögen, Daß wir in allen Widerwärtigkeiten mit Ge duld und Standhaftigkeit auf dich vertrauen mögen, Daß wir unsern Willen jederzeit mit deinem h. Willen vereinigen mögen, Daß du uns mit deiner Gnade dazu stärken wollest, Daß du uns erhören wollest, du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o - - Wir bitten dich, erhöre uns! Herr! du Lamm 2c.-- erhöre uns, o Herr! O du Lamm 2c. erbarme dich unsrer! Christe höre uns!- Christe erhöre uns! Herr erbarme dich unsrer! Christe erbarme dich unsrer! Herr erbarme dich unsrer! Vater unser 2c. Vorb. Gott, merke auf unsere Hülfe! Ulle. Herr, eile uns zu helfen! V. Errette, mein Gott, deine Diener! 2. Die auf dich hoffen. V. Verfahre, o Herr! nicht mit uns nach unsern Sünden, 24 U 306 2. Und vergelte uns nicht nach unsern Missethaten! V. Erbarme dich unsrer, o Herr! 2. Erbarme dich unsrer! V. Deine Barmherzigkeit komme über uns! 2. Wie wir auf dich gehoffet haben. V. Herr, auf dich haben wir gehoffet! 2. Du wirst uns in Ewigkeit nicht zu Schanden werden lassen. V. Herr, erhöre unser Gebeth! 2. Und laß unser Flehen zu dir kommen! Lasset uns bethen. Au Umächtiger ewiger Gott! der du nach deiner Ullmacht, Weisheit und Güte alles anordnest und ausführst zu deiner göttlichen Ehre und zum Heile der Menschen; verleihe gnädig, daß wir uns ben allen Ereignissen der Welt und der Natur, wie bey allen Begebenheiten unsers Lebens, stets deinem h. Willen unterwerfen, daß wir in guten wie in schlimmen Tagen dich fürchten, lieben und ehren, auf dich hoffen und vertrauen, weil du denen, die dich lieben, alles willst zum Besten gereichen lassen. Durch Jesum Christum deinen Sohn unsern Herrn 2c. Amen. 3. Litaney von Jesus unserm Heilande. Herr, erbarme dich unfrer! Christe erbarme dich unsrer! Herr, erbarme dich unsrer! 307 R Christe erhöre uns! Christe höre uns! Gott Vater von den Himmeln! Gott Sohn, Erlöser der Welt! Gott h. Geist! C H. Dreyfaltigkeit, ein einiger Gott! Jesus, du versprochener Heiland! Jesus, du Sohn des lebendigen Gottes! Jefus, du Sohn der Jungfrau Maria! Jesus, der du für uns bist Mensch geworden, Jesus, der du zu Bethlehem in einem Stalle bist gebohren, Jesus, der du bey deiner Geburt von den Hirten bist erkannt und angebethet, Jesus, den die Weisen aus Morgenland ge= sucht, gefunden und angebethet, Jesus, der du im Tempel dem himmlischen Vater dargestellt und aufgeopfert bist, Jesus, vom König Herodes zum Tode gesucht, aber vom Himmel beschützt, Jesus, zu Nazareth auferzogen, und deinen Eltern unterthan, Erbarme dich unsrer! Jesus, der du im 12ten Jahre mit Maria und Joseph nach Jerusalem gereiset bist, und den himmlischen Vater im Tempel verehret hast, Jesus, von deinen Eltern verloren, drey Tage mit Schmerzen gesucht, und wiedergefunden, Jesus, der du bis ins 30ste Lebensjahr einf stilles verborgenes Leben gefüht hast im Wachsthum an Weisheit und Tugend, 11.2 308 Jefus, der du im 30sten Jahre dich der Welt als Lehrer und Heiland gezeigt hast, Jesus, der du, um uns ein Beyspiel zu geben, bist versucht worden, Jesus, der du vom Joannes bist getauft worden, 180 Jesus, der du von Gott deinem Vater als der geliebte Sohn bist öffentlich erklärt worden, Jesus, der du die Menschen in Judda so gottlich gelehrt haft, Jesus, der du deine Lehre für die Lehre Gottes deines Baters ausgegeben hast, Jesus, der du deine Sendung und deine Lehre durch unzählbare Wunder bewiesen hast, Jesus, der du die Blinden sehend, die Tauben hörend, die Stummen redend, die Lahmen gehend durch deine Wunderkraft gemacht hast, Jesus, der du durch dein Wort die Todten zum Leben erweckt hast, Jesus, der du mehrere tausend Menschen mit wenigem Brode und wenigen Fischen ge fåttigt hast, Jesus, der du ein Leben ohne Fehler in Unschuld und Heiligkeit geführt hast, Jesus, der du jede Tugend die Menschen nicht allein gelehrt, sondern auch selbst ausge übet hast, Erbarme dich unfrer! 309 Jesus, der du die Sünder liebreich aufgesuchtf und gnådig aufgenommen hast, Jesus, der du von deinem Volke oft bist verkannt, oft geliebt und oft verachtet worden, Jesus, der du von den Vorstehern der Juden: den Hohenpriestern und Schriftgelehrten, bist gebasset und unschuldig verfolgt worden, Jefus, der du diese Verachtung, Haß und Verfolgung geduldig und sanftmüthig ertragen hast, Jesus, der du dich aus Gehorsam gegen Gott deinen himmlischen Vater, und aus Liebe für die Menschen zu großen Leiden und ei nem bittern Tode willig ergeben hast, Jesus, der du dein Leiden und deinen Tod deinen Jüngern oft vorhergesagt, und sie darüber getröstet hast, Jesus, der du in der Nacht vor deinem Leiden mit deinen Jüngern das Osterlamm gegesſen hast, Jesus, der du beym legten Abendmahle deinen Jüngern die Füße gewaschen, und darauf unter den Gestalten des Brodes und Weines deinen Leib und dein Blut ihnen zur Speise und zum Tranke gereichet hast, Jesus, der du nach dem Abendmahle mit deinen Jüngern zum Delberge gegangen, und deinem Vater dich zum Opfer für die Erlofung der Menschen dargestellt haft, Jesus, der du um Abwendung des bittern LeiErbarme dich unfrer! 310 尽 dens Kelches dreymal den Vater gebethen, aber dich dennoch seinem Willen ergeben haft, Jesus, der du von deinem Jünger Judas treulos verrathen, und von ihm in die Hände deiner Feinde geliefert bist, Jesus, der du gefangen nach Jerusalem ge führt, und vor den Hohenpriestern fälschlich angeklagt bist, Jesus, der du von deinem Jünger Petrus dreymal verläugnet bist, Jesus, der du von den Juden geschlagen, verfpottet und mißhandelt bist, Jesus, der du zum römischen Landpfleger Pilatus geführt, und von ihm für unschuldig erkannt bist, Jesus, der du vom König Herodes in einem weissen Kleide verspottet bist, Jesus, der du gegeisselt und mit Dornen ge krönt bist, Jesus, der du vom Pilatus unschuldig zum Tode verurtheilt bist, Jesus, der du dein Kreuz zum Richtplah selbst getragen hast, Jesus, der du ans Kreuz geschlagen, und an demselben zur Schau aufgerichtet bist, Jesus, der du am Kreuze von den Juden verspottet und gelàstert bist, Jesus, der du am Kreuze für deine Feinde um Verzeihung zum Vater gebethet hast, Erbarme dich unsrer! 311 Jefus, der du am Kreuze über Verlassung von deinem Vater geklagt hast, Jesus, der du, deine Seele Gott deinem Va ter empfehlend, am Kreuze gestorben bist, Jesus, der du nach deinem Tode vom Kreuze abgenommen, und in ein Grab gelegt bist, Jesus, der du nach deinem Tode die Seelen Ser Vorwelt in der Vorhölle besucht und er freuet haft, Jesus, der du am dritten Tage von dem Tode auferstanden bist, Jesus, der du nach deiner Auferstehung deinen Jüngern mehrmalen erschienen bist, Jesus, der du am 40sten Tage nach deiner Auferstehung vor den Augen deiner Jünger zum Himmel aufgefahren bist, Jesus, der du deinen Jüngern den heil. Geist versprochen und auch gesandt hast, Jesus, der du vom Himmel wiederkommen wirst, zu richten die Lebendigen und die Todten, Verschone uns, o Jesu! Sen uns gnådig! Sey uns barmherzig! Von allem Uebel, Bon aller Sünde, Von Gleichgültigkeit und Undank gegen deine Menschwerdung,- erlöse zc. Vom Mißbrauch deines heil. und großen Leidens, erlöse uns, o Jesu! Wir Sünder!-Wir bitten dich, erhöre uns! Daß du uns im Glauben an dich und deine Er C Ouranio 1 - Erhöre ic. erlöse uns, o Jesu! erlöse uns, o Jesu! Erbarme dich unfrer! - 312 Idfung erhalten und stärken wollest,- Wir bitten dich, erhöre uns! Daß du uns im Vertrauen auf dich und deinel Erlösung erhalten und stärken wollest, Daß du uns in der Liebe zu dir, unserm Erlöſer, erhalten und stärken wollest, Daß du uns zu einer treuen Nachfolge deines Lebens erwecken und beystehen wollest, Daß du uns bey den Leiden dieses Lebens in Geduld und Ergebung in den Willen Got tes nach deinem Beyspiele stärken wollest, Daß du uns der Früchte deiner Erlösung theilhaftig machen wollest, Daß du uns bey unserm Tode durch deine Gnade beystehen und durch deinen Tod står ken wollest, Daß du uns nach dem Tode in dein Reich aufnehmen wollest, Daß du uns am großen Tage der Auferstehung zu einer glorreichen Auferstehung auferwekken wollest, Daß du am Tage deines Gerichtes uns gnådig seyn, und mit Leib und Seele in deine Herrlichkeit einführen wollest, Du Sohn Gottes! du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone unsrer, o Jesu! du Lamm 2c. erhöre uns, o Jesu! du Lamm 2c. erbarme dich unsrer, o Jesu! Christe höre uns! Christe erhöre uns! Wir bitten dich, erhöre uns! Con 313 Herr erbarme dich unfrer! Chrifte erbarme dich unsrer! Herr erbarme dich unsrer! Vater unser u. s. w. 1000) No Lasſet uns bethen. Gottmensch! unser Erlöser und Seligmacher Jesus Christus! wir preisen dich, und danken dir für deine Menschwerdung um unsers Heils willen, für alle deine Leiden, die du für uns fündige Menschen willig auf dich genommen; für deinen Gehorsam bis zum Tode, den du für uns gelitten, um uns zu versöhnen mit dem Vater, und uns zu erlösen von der Sünde und dem ewigen Tode. Wir flehen zu dir, der du vom Tode erstanden bist, und lebst und sizest zur Rechten des Vaters, siehe gnädig auf deine Erlöseten, ziehe uns durch deine mächtige Gnade zu dir, daß wir hier auf Erden dir treu nachfolgen, stets auf deinen Wegen wandeln, die uns durch deine Lehre und dein Beyspiel gezeigt hast, und nach diesem Leben von dir aufgenommen werden in deine Herrlichkeit. Der du mit dem Vater und h. Geiste lebest und herrschest in Ewigkeit. Amen. 4. Litaney vom heiligsten Namen Jesus. Herr err erbarme dich unsrer! Christe erbarme dich unsrer! Herr, erbarme dich unsrer! Jesu Christe höre uns! Jesu Christe erhöre uns! 314 K Gott Vater in dem Himmel! Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott h. Geist! H. Dreyfaltigkeit, ein einiger Gott! Jesu, du Sohn des lebendigen Gottes! Jesu du Sohn der Jungfrau Maria! Mächtigster Fesu! Heiligster Jesu! Vollkommenster Jesu! Liebenswürdigster Jesu! Glorwürdigster Jesu! Anbethungswürdigster Jesu! Demüthigster Jesu! Sanftmüthigster Jesu! Geduldigster Jesu! Gehorsamster Jesu! Jesu, du Freund der reinen Seelen! Jesu, du Freund des Friedens! Jesus, du Spiegel des Lebens! Jesus, du Muster der Tugenden! Jesus, unsere Liebe! Jesus, unsere Hoffnung und Zuflucht! Jesus, du Vater der Armen! Jesus, du Troft der Betrübten! Jesus, du Schatz der Gläubigen! Jesus, du guter Hirt! Jesus, du wahres Licht!** Jesus, du ewige Weisheit! Jesus, du unendliche Gütigkeit! Jesus, du Freude der Engel! Erbarme dich unsrer! श्र 315 Jefus, bu Hoffnung der Patriarchen! un ra Jesus, du Eingeber und Erleuchter der Propheten! Jesus, du Herr und Meister der Apostel! Jesus, du Lehrer der Evangelisten! de Jesus, du Stärke der Märtyrer! Jesus, du Licht deiner Bekenner! Jesus, du Bräutigam keuscher Seelen! Jesus, du Krone und Seligkeit aller Hei ligen! Curambatt Sey uns gnädig! Verschone uns, o Sesu! Sey uns barmherzig!- Erhöre uns, o Jesu! Von allem Uebel, Von aller Sünde, Von deiner Ungnade, Bon teuflischen Nachstellungen, Von Pest, Hunger und Krieg, Von Uebertretung deiner Gebothe, Von dem Anfalle aller Uebel, Durch deine Menschwerdung, Durch deine Geburt, Durch deine Schmerzen, Durch deine Geisselung, Durch deinen Tod, Durch deine Auferstehung, Durch deine Himmelfahrt, Erbarme- dich unsrer! Durch deine ewige Herrlichkeit, Durch die Fürbitte deiner heil. Mutter und Jungfrau Maria, Durch die Fürbitte aller Seiner Heiligen, du Lamm ic. Verschone unsrer, o Jesu! befreye uns 1 10 Sesu! 316 du Lamm zc. Erhöre uns, o Jesu! du Lamm ic. Erbarme dich unsrer, o Jesu! Jesu Christe höre uns! Jesu Christe erhöre uns! Herr erbarme dich unfrer! Christe erbarme dich unsrer! Herr erbarme dich unsrer! Vater unser u. f. w. Vorbether. Der Name des Herrn sey gebenedent, Alle. Von nun an bis in Ewigkeit. S Gebeth. Gott! der du deinen eingebornen Sohn zum Heiland des Menschengeschlechtes bestimmt, und Jesum zu nennen befohlen haft; verleihe gnädig, daß, die wir seinen h. Namen auf Erden vers ehren, seiner Anschauung im Himmel uns ewig erfreuen mögen. Durch eben denselben unsern Herrn zc. Umen. Litaney vom h. Geiste. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Oh. Geist, höre uns! Oh. Geist, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel! unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt! unser! Doutore GUID and one Erbarme dich Erbarme dich 317 K Gott, heiliger Geist! Heilige Dreyfaltigkeit, ein einiger Gott! Oh. Geist, du Geist der Weisheit! h. Geist, du Geist des Verstandes! spill Oh. Geist, du Geist der Stärke! Oh. Geist, du Geist der Gottseligkeit! Oh. Geist, du Geist des guten Rathes! Oh. Geist, du Geist der Wissenschaft! Oh. Geist, du Geist der Furcht des Herrn! Geist der Wahrheit! O Geist des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe! Geist der wahren Freude, und des Friedens D Geist der Sanftmuth und Geduld! Geist der Güte und Barmherzigkeit! Geist der Reinigkeit und Heiligkeit! Geist der Einigkeit und der Liebe! Geist der mannigfaltigen Gnade! Geist Gottes, der du vom Vater und Sohne ausgehest! Geist Gottes, durch dessen Ueberschattung der ewige Sohn Gottes von der heiligsten Jungfrau Maria empfangen worden! Geist Gottes, der du bey der Taufe des Hei landes in Taubengestalt über Jesum herabgekommen bist! Geist Gottes, der du über die Jünger des Herrn in Feuergestalt herabgekommen bist! Geist Gottes, der du Zufolge den BerheissunErbarme dich unfrer! 318 gen des Heilandes bey der Kirche Gottes ewig bleiben, und sie regieren wirst! Geist Gottes, der du durch die unfehlbare Kirche uns alle Heilswahrheiten lehrest! Geist Gottes, der du durch deine Alwissenheit und Allgegenwart die Herzen und Nieren der Menschen durchschauest! Geist Gottes, der du die Seelen der Gläubibigen erleuchtest, und ihre Herzen mit deinen siebenfachen Gnaden erfülleft! Oh. Geist, du Freude der Engel! Oh. Geist, du Erleuchter der Patriarchen! Dh. Geist, du Einsprecher der Propheten! Oh. Geist, du Lehrer der Apostel! Oh. Geist, du Stärke der Märtyrer! Oh. Geist, du Licht der christlichen Bekenner! Oh. Geist, du Reinigkeit keuscher Seelen! Oh. Geist, du Seligkeit aller Heiligen! Sey uns gnädig! Verschone uns, o h. Geist. Sey uns gnådig! Erhöre uns, o h. Geist. Von allem Uebel, Von aller Sünde, Von allen Versuchungen und Nachstellungen des Teufels, Von Vermessenheit und Verzweiflung, Von Widerstrebung der erkannten Wahrheit, Von Widerstrebung und Mißbrauch deiner h. Gnaden, Von allem Neid und Schadenfreude, Von aller Verstockung und Unbußfertigkeit, Erbarme dich unsrer! Erlöfe uns, o h. Geist! 319 Bon allem Irrthum und Frrglauben, Vom Geist der Zweifelsucht und des Unglaubens, Vom Geist der Unzucht, Von aller Unreinigkeit des Leibes und der Seele, Von Trägheit im göttlichen Dienste, Von einem jähen und bösen Tode, Durch deine wunderbare Kraft bey der Empfängniß Jesu Christi, Durch deine wunderbare Erscheinung über Je fum, da er getauft ward, Durch deine wunderbare Ausgießung über die Jünger Christi, Um Tage des Gerichtes, Erlöse uns, o heiliger Geist! Wir armen Sünder, Daß du unser verschonen wolleft, Daß du die Kinder der wahren Kirche durch deine Gnade im wahren Glauben erhalten wollest, Daß du alle Glieder der Kirche lebendig machen und heiligen wolleft, Daß du alle Irrthümer und Frrlehren unter dem Christenvolke ausrotten wollest, Daß du alle christliche Fürsten und Herrn vereinigen und in beständigem Frieden erhalten wollest, Daß du die heilige katholische Kirche erhöhen und weiter ausbreiten wollest, Wir bitten dich, erhöre uns! 320 Daß du uns mit deiner kräftigen Gnade jeder-| zeit zuvorkommen, begleiten und nachfolgen wollest, Daß du uns die Gnade der wahren Gottesfurcht, der Gottseligkeit und der Andacht mittheilen wollest, Daß du alle unsere Gedanken, Worte und Werke zu deiner Ehre und zu deinem göttlichen Wohlgefallen richten wolleft, Daß du uns den Geist der Demuth, der Ge duld und Sanftmuth einflößen wollest. Daß du unser Herz zur wahren christlichen Liebe und Barmherzigkeit anregen wollest, Daß du ein reines Herz in uns erschaffen, und den Geist der Aufrichtigkeit in uns erneuern wollest, Daß du uns zur Zeit der Trůbsal trösten, und in Leiden und Widerwärtigkeit stärken wolleft. Daß du unsern Herzen wahren Frieden und wahre Ruhe verleihen wollest, Daß du uns in deiner Gnade bestätigen wollest, Daß du uns auf dem rechten Wege zum Lande der Lebendigen führen wollest, Daß du uns in die Zahl der Auserwählten aufnehmen wollest, Oheil. Geist, der du von dem Vater und dem Sohne von Ewigkeit ausgegangen bist. Wir bitten dich, erhöre uns! 321 O heiliger Geist, der du mit dem Vater und Sohne einer unzertheilbaren göttlichen Natur bist,- Wir bitten dich, erhöre uns! O heiliger Geist, der du dem Vater und dem Sohne in allem gleich bist,- Wir bitten 2c. - O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt: Gieße über uns aus den heil. Geist. O du Lamm Gottes u. f. w. Sende uns den verheissenen Geist des Vaters. O du Lamm Gottes u. f. w. Gib uns den Geist des Friedens. heiliger Geist höre uns! Oheiliger Geist erhöre uns! Herr erbarme dich unser! Christe erbarme dich unser! Herr erbarme dich unser! Bater unser u. s. w. Gegrüßt feyst du u. s. w. V. Herr, durch die Gnade des h. Geistes, A. Erleuchte unsere Sinne und unsere Herzen. Gebeth. S Gott, der du die Herzen der Gläubigen durch die Erleuchtung des h. Geistes gelehrt hast, gib, daß wir in demselben Geiste, das, was recht ist, verstehen, und seines Trostes uns allzeit er freuen mögen. Durch Jesum Christum, unsern Herrn, deinen Sohn, welcher mit dir in Einig€ 322 K feit desselben heil. Geistes lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Litaney zu Jesu in dem hh. Sakramente des Altars. Herr erbarme dich unsrer! Christe erbarme dich unsrer! Herr erbarme dich unsrer! Christe höre uns! Christe erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, Gott Sohn, Erlöser der Welt! Gott h. Geist! H. Dreyfaltigkeit, ein einiger Gott! Jefus, in dem heiligsten Sakramente des Ultars unter uns zugegen, Jesus, der du diese deine Gegenwart felbft verheissen und versichert hast, Jesus, der du gesagt: Ich bin das lebendige Brod, das vom Himmel gekommen ist, Jesus, der du gesagt: Mein Fleisch ist wahrhaftig eine Speise, mein Blut wahrhaftig ein Trank, Jesus, der du gesagt: Wer mein Fleisch ist und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm, Jesus, der du gesagt: Wer mein Fleisch ist und mein Blut trinkt, der wird leben ewig, Jesus, der du beym letzten Abendmahle das Erbarme dich unsrer! 3.23 K Brod genommen, gesegnet, gebrochen und deinen Jüngern gegeben, sprechend: dies ist mein Leib, Jesus, der du den Kelch genommen, gesegnet, und deinen Jüngern gegeben, sprechend: dies ist der Kelch meines Blutes, Jesus, der du deinen Jüngern den Befehl und die Gewalt ertheiltest: Ein gleiches zu thun, Jesus, der du allen, die an dich glauben, den Befehl gegeben, zu essen dein Fleisch, zu trinken dein Blut, Jesus, du verborgener Gott und Heiland, Jesus, du immerwährendes Opfer, Jesus, du unbeflecktes Lamm! Jesus, du Brod der Engel, Jesus, du Speise der Gläubigen, Jesus, du Band des Friedens und der Liebe, Jesus, du Quell der Gnaden, Jesus, du Sättigung der Hungrigen, Jesus, du Labung der Durstigen, Jesus, du Urzney der Kranken, Jesus, du Wegzehrung der Sterbenden im Herrn, Jesus, du Pfand der zukünftigen Glorie, Sey uns gnädig! Verschone uns, o Jesu! Sen uns barmherzig! Erhöre uns, o Jesu! Von unwürdiger Empfahung deines h. Fleisches befreye uns, o Jesu! Von Begierlichkeit des Fleisches, und Blutes, befreye uns 2c. OFFEES Erbarme * 2 dich unsrer! 324 Von Begierlichkeit der Augen, Von Hoffart des Lebens, Von aller Gelegenheit und Gefahr zu fün K digen, Bon aller Sünde, Von Gleichgültigkeit und Undank gegen deine Menschwerdung, Vom Mißbrauch deines heiligen und großen Leidens, Von allem Mißbrauch des allerheiligsten UltarsSakraments, Durch die Begierde, womit du in dieser Speise das Passah mit deinen Jüngern zu halten gewünscht hast, Durch die höchste Demuth, womit du den Jungern zuvor die Füße gewaschen hast, d Durch die innigste Liebe, womit du deinen Jüngern dein Fleisch zur Speise, dein Blut zum Trank gegeben hast, Durch die göttliche Güte, womit du auch für uns dieses heil. Sakrament eingesegt hast, Durch die fünf Wunden heiligsten Leibes, Wir arme Sünder! höre uns! Durch dein heil. Fleisch und Blut, welches du uns in diesem heil. Sakramente hinterlaffen hast, diefes deines allerWir bitten dich, ers 76 befreve uns, o Jesu! 325 Daß du in uns den Glauben, die Ehrerbiethung und Undacht gegen dies hochheilige Sakrament erhalten und vermehren wollest, Daß du uns von dem Tode der Sünden zum ewigen Leben auferwecken wollest, Daß du alles, was in uns lasterhaft ist, tödten und ausrotten wollest, Daß du uns in deiner Gnade bestätigen und . stärken wolleft, Daß du uns von den Nachstellungen des bo sen Feindes beschützen wollest, Daß du unser Gemüth mit deiner Gnade er: leuchten und reinigen wollest, Daß du das Feuer deiner Liebe in uns an zünden wollest, Daß du uns oft mit dieser himmlischen Speise ernähren und stärken wolleft, Daß du uns zur Vorbereitung, dich wür dig zu empfangen, helfen und beystehen wollest, Daß du in der Stunde unsers Todes mit die ser himmlischen Wegzehrung uns versehen und stärken wollest, Daß du uns zum Nachtmahle des ewigen Le bens führen wollest, Wir bitten dich, erhöre uns! Du Sohn Gottes, O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt! Verschone uns, o Jesu! du Lamm ic. Erhöre uns, o Jesu! O du Lamm 2c. Erbarme dich unser, o Jesu! 326 R Christe höre uns! Chrifte erhöre uns! Herr erbarme dich unsrer! Chrifte erbarme dich unsrer! Herr erbarme dich unfrer! Oh. Gastmahl, in welchem Christus genof sen, das Gedächtniß seines Leidens gefeyert, die Seele mit Gnade erfüllt, und das Pfand der künftigen Glorie uns ertheilt wird. V. Du hast ihnen das Brob vom Himmel ertheilt. 2. Welches alle Süßigkeit in sich begreift. Gebeth. Gott! der du uns in dem wunderbaren Sakramente das Undenken deines Leidens hinterlassen hast; wir bitten dich, verleihe, daß wir die Ge heimnisse deines h. Leibes und Blutes also verehren, daß wir die Früchte deiner Erlösung in uns stets empfinden. Der du lebst und regierst u. f. w. Umen. Fünfte Abtheilung. Die Verehrung der Heiligen. Die Verehrung der Heiligen wird von der katholischen Kirche gebilligt und empfohlen; und wenn selbe von der Urt ist, wie sie es nach dem Sinne dieser Kirche seyn soll, so muß jeder vernünftige Christ sie billigen, 327 R und so kann sie sehr nüglich und erbaulich seyn. Die Peiligen Gottes sind wegen ihrer Tugenden von Gott in seine Herrlichkeit aufgenommen; und wenn wir fo gar gute Menschen hier auf Erden ihrer Tugenden und guten Eigenschaften wegen ehren und schågen, warum denn nicht vielmehr die, welche glücklich im Guten vollendet haben, und bey Gott sind? Sollen wir nicht bilaber auch lig diesen Ehre erweisen, sie verehren? dieselben anrufen kann nicht anders als billig und recht feyn. Wir rufen sie an um ihre Fürbitte bey Gott, dessen Freunde sie sind. Und wenn hier auf Erden, nach Pauli Lehre, der eine für den andern bitten, und Fürbitten thun soll, und diese Gemeinschaft der Glieder der Kirche Gott gefällt; warum sollten nicht auch die, welche bereits in der triumphirenden Kirche sind, für die bitten, welche noch auf Erden in der streitenden Kirche sind? und warum sollten wir dies nicht wünschen, und sie darum anflehen? Ullein die beste und gottgefälligste Verehrung der Heiligen besteht in der Nachfolge ihres Lebens und ihrer Zugenden. Darauf soll daher der katholische Christ vorzüglich Bedacht nehmen; und dazu sollen ihn die Verehrung der Heiligen und die Gebethe zu denselben vorzüglich ermuntern. - -- Die Verehrung Mariá, der Mutter unsers Heilandes. Borerinnerung. Die Kirche hat der h. Jungfrau Maria, der Mutter anfers Heilandes, unter allen Heiligen billig den ersten Rang zuerkannt, theils wegen ihrer besondern Heiligkeit, indem sie sogar von dem Engel als voll der Gnade begrüßt ward, theils wegen ihrer vortrefflichen Tugenden, deren das Evangelium Meldung thut, theils und besonders wegen ihrer Würde, wozu sie als Mutter 328 des Welterlifers erhoben ist. 3um Andenken der wichtigsten Begebenheiten ihres Lebens sind daher auch Festtage angeordnet, an welchen sich der Christ an diese Begebenheiten erinnern soll, welche mit den Begebenheiten der Menschwerdung und Erlösung Jesu Christi in so naher Verbindung stehen. Er wird an diesen Tagen reichen Stoff zum Nachdenken, Beweggründe zum Dank gegen Gott, und zur Nachahmung Marià finden, wozu er sich ermuntern und erbauen kann. Allgemeines Gebeth zu Maria, der Mutter unsers Heilandes. Heilige Jungfrau und Mutter unsers Heilandes, Maria! dich soll meine Seele ehren und preisen, weil du vor allen Töchtern der Erde von Gott erwählet bist, denjenigen zu gebåren, durch den die Erlösung und das Heil der Menschen zu Stande gebracht ist. Du warst es, welche Gott felbst zur Mutter seines Sohnes, unsers Heilandes, erwählte, da er aus Liebe zu uns Mensch ward, um für uns das Erlösungsgeschäft aufzunehmen. Du warst es, welcher ein Engel diefe Bothschaft bringen mußte, der dich, voll der Gnade, mit Ehrfurcht begrüßte. Du warst es, die den Heiland der Welt auf übernatürliche Weise vom heil. Geiste empfangen und geboren hat. Du hast ohne Beyspiel die Jungfrauschaft mit der Mutterwürde vereinigt, und denjenigen zur Welt geboren, durch welchen allein den Menschen Heil widerfahren ist. Wie billig verehren und preisen dich selig alle Geschlechter der Men 329 尽 fchen, dich, an der der Herr, der Mächtige, fo große Dinge gethan hat. Deiner Tugenden wegen bist du so hoch begnadigt von Gott, und dieſe verdienen unsere Hochachtung und Verehrung. Deine engelreine Unschuid in der Jugend, deine forgfältige Liebe gegen das göttliche Kind, deine Demuth bey deiner Größe, dein standhaftes Vertrauen bey so vielen Prüfungen des Himmels, dein Ausharren in allem Guten bis ans Ende, verdienen unsere Bewunderung und Verehrung; aber sie fordern uns auch auf zur Nachfolge. D möchte ich dich würdig verehren und getreu dir nachfolgen! Erhalte mir durch deine Fürbitte von Gott die Gnade, o mächtige Jungfrau, daß ich, wie du, in allen Umständen meines Lebens mich treu und fest an Gott halte, auf ihn vertraue, und durch eine genaue Erfüllung meiner Pflichten, die mir meine Religion, mein Beruf und mein Stand auflegen, Gott gefallen, und mein ewiges Heil wirken möge. Amen. An den Festen der Empfängniß und Geburt Marià. Wir Christen erfreuen uns an dem Tage deiner Empfängniß( Geburt), o h. Jungfrau und Mutter unsers Heilandes, Maria! denn wir wissen, wer uns durch dich gegeben und aus dir geboren ist: Jesus Christus unser König, unser Erretter und Heiland. Deine Geburt war gleichsam die Morgenrothe, die den kommenden Tag, den Tag 33⁰ K des Heils, ankündigte, an welchem die Sonne der Gerechtigkeit erschien, Jesus Christus, unfer Gott und Heiland, der den Fluch hinwegnahm und Segen uns brachte; der den Tod zu Schanden machte, und Leben uns brachte, ein Leben für eine glückselige Ewigkeit. Mit Dank gegen Gott erinnern wir uns heute an jene Zeit, da Gott anfing, dies große Werk unserer Erlösung auszuführen, wozu deine Geburt die erste Vorbereitung war. D erhalte du uns durch deine Fürbitte bey Gott die Gnade, daß wir diese große Wohlthat unserer Erlösung durch deinen Sohn, unsern Herrn Jesum Christum, stets erkennen und schätzen, und durch ein Leben nach der Lehre unsers Heilandes derselben würdig und theilhaftig werden. Amen. Gebeth der Kirche. R$ Almächtiger ewiger Gott! der du den Leib und die Seele der glorreichen Jungfrau und Mutter Maria zu einer würdigen Wohnung deines Sohnes durch Mitwirkung des heil. Geistes bereitet hast, verleihe gnädig, daß, die wir uns wegen ihrer Empfängniß( Geburt) erfreuen, durch ihre gütige Fürbitte von den bevorstehenden Uebeln und vom ewigen Tode mögen befreyet werden. Durch unsern Herrn Jesum Christum 2c. Amen. ON 33 Am Tage der Aufopferung Mariá. Mit heiliger Freude erinnern wir uns heute an jene Begebenheit deines Lebens, o h. Jungfrau Maria! da du als Kind nach den Vorschriften des alten Bundes dem Herrn dargestellt, und durch ein Opfer gelöset wurdest. Der Ewige, der dich zu einer großen Würde für die zukünftigen Zeiten bestimmt hatte, sahe gewiß mit Wohlgefallen auf dich herab, und nahm gnädig die Gebethe und Opfer auf, die deine frommen Eltern für dich verrichten. Ach erhalte uns du, die du jetzt bey dem Herrn bist, durch deine Fürbitte die Gnade, daß auch wir dem Herrn gefallen, daß die frommen Wünsche und Gebethe der Eltern für ihre Kinder erhört werden, und durch eine gute christliche Erziehung die christlichen Kinder in Gottes Gnade aufwachsen und zunehmen in allem Guten. Erflehe uns allen bey Gott die Gnade, daß wir durch eine treue Mitwirkung uns feiner vielfältigen Verheissungen würdig mas chen, und in der Gnade unsers Herrn wandeln in den Jahren der Kindheit, der Jugend und des Alters. Amen. Gebeth der Kirche. Gott! ott! der du die selige Jungfrau Maria, die Wohnung des h. Geistes, am heutigen Tage im Tempel dir hast darstellen lassen; verleihe gnå= dig, daß wir durch ihre Fürbitte dir im Tempel deiner Herrlichkeit mögen dargestellt werden. S 332 Durch unfern Herrn Jesum Christum deinen Sohn u. s. w. Amen. Um Tage der Verkündigung Maria. ey gegrüßt, o h. Jungfrau! an diesem Tage, an welchem einst der Engel Gottes dich grüßte; du bist voll der Gnade, mit dir ist der Herr. Du haft Gnade gefunden bey Gott, mehr denn alle Töchter der Erde, du bist die Gesegnete unter allen Weibern. Der Herr hat dich erhoben zu ei ner Würde, welche die höchste war im Himmel und auf Erden. Zur Mutter desjenigen wurdest du erwählt, welcher der Sohn des Allerhöchsten war von Ewigkeit, und als Mensch in der Zeit durch Ueberschattung des h. Geistes in dir em= pfangen, und von dir sollte geboren werden. Wir freuen uns, o h. Jungfrau! an diesem Tage über deine Würde, und über dies Geheimniß, wodurch das Heil des ganzen Menschengeschlechts gegründet ist. Danken und preisen wollen wir den Ewigen, der an dir und uns allen so große Dinge gethan hat, durch Jesum Christum unsern Herrn. Aber auch von dir lernen wollen wir, o h. Jungfrau, wie man bey Gottes Gnade demüthig seyn und demüthig verbleiben müsse; und daß nur die, so den Willen Gottes thun, und seine treuen Diener sind, ihm gefallen, und zum ewigen Leben eingehen werden. Bey aller der Größe, wozu du, o Mutter des Herrn! von Gott er 333 wählet wurdeft, warst und bliebst du doch demůthig in deinen Augen. Siehe, ich bin eine Dienstmagd des Herrn, sprachst du zum Engel, mir geschehe nach deinem Worte. O dein Beyspiel lehre auch mich, demüthig seyn, und nur darin meine Ehre suchen, daß ich ein Diener Gottes sey. Möchte ich nur, wie du, ein würdiger Diener- Gottes seyn, seinen Willen stets treu erfüllen, und dadurch seiner Gnade und seines Wohl= gefallens theilhaftig werden! Amen. Gebeth der Kirche. Gott! der du deinen Sohn von der b. Jungfrau Maria nach der Menschheit hast lassen geboren werden; erhöre, wir slehen zu dir, daß, die wir sie als eine Gottesgebährerinn verehren, wir durch ihre Fürbitte bey dir geholfen werden. Durch denselben unsern Herrn Jesum Christum 2c. Amen. Um Tage der Heimsuchung Marià. Wir erinnern uns heute an deinen Besuch, o heil. Jungfrau! welchen du deiner Verwandtinn Elisabeth gemacht hast, bald darnach, als dir der Engel die frohe Bothschaft gebracht hatte, die Mutter des Heilandes zu seyn. Dieser Besuch war heilig und geheimnißvoll. Maria und Elifabeth die Mutter Christi und die Mutter des Joannes, die Mutter des Königs und die Mutter des Borläufers, des Verkündigers desselben. Vom - 334 Geiste Gottes erleuchtet, erkennt Elisabeth beym- ersten Anblick in dir die Mutter ihres Herrn. Und du, erfüllt vom h. Geiste, erhebst den Herrn durch jenen feyerlichen Lobgesang, womit seitdem die Kirche den Herrn verherrlicht alle Tage, und verherrlichen wird bis ans Ende der Zeiten. Meine Seele preiset den Herrn, und mein Geist frohlocket in Gott meinem Heile. Denn er hat die Niedrigkeit seiner Dienstmagd angesehen, und siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter. Denn er hat an mir große Dinge gethan, der Mächtige, heilig ist sein Name; und seine Barmherzigkeit wird währen von Geschlecht zu Geschlecht, für die, so ihn fürchten. Er hat die Macht seines Arms gezeigt, und die Stolzen in ihrem Herzen hat er zerstreuet. Die Mächtigen hat er von ihrem Stuhhle gesett, und die Demüthigen erhoben. Die Dürftigen hat er bereichert, und die Reichen leer ausgehen lassen. Er hat Ifrael seinen Diener gnädig aufgenommen, gemäß seiner verheissenen Barmherzigkeit. So verkündigtest du, vortreffliche Jungfrau! das Lob des Herrn an diesem Tage. So priefest du die Macht, die Güte, die Barmherzigkeit Jehovas. O möchten wir nach deinem Beyspiele den Herrn unsern Gott immer würdig preisen und loben! möchten wir bey all dem Guten, das er uns an Leib oder Seele erzeigt, immer dem Herrn würdig danken, wie du! Möchten wir aber auch in unsern guten und glücklichen Tagen den 335 Herrn unfern Gott immer für den Urheber unsers Glückes erkennen, und ihm von ganzem Herzen ergeben seyn. Amen. Gebeth der Kirche. Gott! der du die gegenwärtige Feverlichkeit zur Verherrlichung Jefu Chrifti deines Sohnes, und der h. Jungfrau Maria feiner Mutter bestimmt hast, verleihe gnådig, daß, die wir die Demuth dieser beil. Jungfrau und ihre Freuden bey der Heimsuchung Elisabeths feyern, wir an diesem Andenken und diesen Freuden stets Theil nehmen mögen. Durch denselben unsern Herrn Jesum Christum 2c. Umen. Am Tage der Reinigung Mariá, oder Maria Lichtmeß. Mit welcher Freude gingest du heute in den Tempel, o heil. Jungfrau und Mutter meines Herrn! heute, da du denjenigen, dessen Empfäng niß und Geburt dir der Engel verkündigt hatte, der der Sohn des Allerhöchsten war, und den du als Menschensohn vom h. Geiste empfangen und zur Welt geboren hattest, auf deinen Urmen in den Tempel trugest, und dem himmlischen Vater darstelltest. Mit welchem Dank, mit welchen Gefinnungen begleitete deine Seele das Opfer, das du nach Vorschrift des Gesetzes darbrachtest! D möchten auch wir dem Herrn unserm Gott stets ein würdiges Opfer des Dankes und der Unbes 336 thung darbringen, wenn wir in seinem Tempel zur öffentlichen Anbethung erscheinen, oder im Geheimen ein Opfer des Gebethes ihm darbrinAber wie wurde deine Seele erfreuet gen. und dein Glaube gestärkt, als Simeon der Gerechte in dem Kinde seinen Heiland erkannte, und Gott pries und dankte für die nahe Erlöfung Israels. Da frohlockte dein Geist wieder in Gott deinem Heile. Uber, o h. Mutter meines Herrn! wie bald wurde die Freude dieses Tages in Leid verkehrt, als dir Simeon im prophetischen Geiste die künftigen Schicksale des göttlichen Kindes verkündigte, weswegen der Schmerz deine Seele wie ein Schwert durchdringen würde; jedoch du bliebst standhaft und unerschütterlich im Vertrauen auf Gott. Uch möchte auch ich in guten sowohl als schlimmen Tagen, bey Glück und Unglück stets unwandelbar an Gott mich halten, im Glück mich nicht erheben, im Unglück den Muth nicht sinken lassen, sondern stets auf Gott vertrauen und standhaft in seinem Dienste beharren. Erhalte mir, o h. Jungfrau und Mutter meines Herrn! durch deine Fürbitte diese Gnade von Gott. Bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unsers Todes. Amen. 1 Gebeth der Kirche. Allmächtiger ewiger Gott! wir bitten demüthig deine Majestät, daß, gleichwie dein eingeborner Sohn an diesem Tage im sterblichen Fleische dir 337 K im Tempel dargestellt ist, wir also mit gereinigter Seele dir dargestellt werden mögen. Durch den-= felben unsern Herrn Jesum Christum u. s. w. Amen. An dem Feste der Schmerzen Mariá. Dein Leben, o h. Jungfrau und Mutter meines Herrn! war unschuldig und heilig, und dennoch ein Leben voll Trubsal und Schmerzen, wie das Leben deines Sohnes. Ach welcher Sterbliche kann daher in diesem Leben vollkommene dauerhafte Glückseligkeit hoffen? Freude und Leid wechselten in deinem Leben immerdar. Kaum hattest du das göttliche Kind, durch welches alle Menschen beglückt werden sollten, zur Welt geboren, und hattest mit den Hirten und Weisen, die es anbetheten, deine Freude getheilt, so fing auch schon die traurige Weissagung des gerechten Simeons an, in Erfüllung zu gehen. Ein grausamer König strebt dem Kinde nach dem Leben, und du mußt mit demselben in ein fremdes Land in Aegyp= ten fliehen. Zwar nach einigen Jahren kehrst du auf Geheiß des Himmels mit Joseph und dem Kinde zurück, und wohnst zu Nazareth, und genießest da die süße Freude, das Kind aufwachsen und zunehmen zu sehen an Gnade bey Gott und den Menschen. Im 12ten Jahre seines Alters gehst du mit heiliger Freude mit demselben nach Jerusalem, um im Tempel den Almächtigen anzubethen. Hier aber verlierst du das göttliche Kind, und mußt es Y 338 K brey Tage mit Schmerzen suchen, bis du es wiederfindest. Jedoch was war dieser Kummer gegen jene dein Herz durchbohrende Schmerzen, als du deinen göttlichen Sohn in seinen legten Lebenstagen von seinem Volke gehaffet und verkannt, von den Juden in Ketten und Banden gewor= fen, fälschlich verklagt und mißhandelt, unschuldig zum Tode verurtheilt, und endlich mit dem schweren Kreuze auf seinen Schultern hingehen sahst zum Richtplag! Als du ihn da am Kreuze hangend erblicktest, und unter dem Kreuze stehend seine blutenden Hände und Füße, seinen zerschlagenen Leib anschautest, und ihn am Kreuze mit dem Tode ringen sahst; ihn, der auf dem Throne Ifraels siken und herrschen sollte ewig. Und dennoch blieb deine Seele standhaft, unerschüttert im Glauben und Vertrauen auf Gott. O daß auch meine Seele standhaft im Glauben und Vers trauen auf Gott, ausbarrend in Geduld, bleiben möchte ben allen Leiden und Widerwärtigkeiten, welche die Vorsehung mir auflegt in diesem irdischen Leben! Erflebe mir diese Gnade von Gott, du hoch begnadigte, und doch so tief erniedrigte, so hart geprüfte Mutter meines Herrn! daß ich nach deinem Beyfpiele in den trüben Tagen dieses Lebens mich stets an Gott halte, in ihm meinen Trost suche, mich im Glauben und Vertrauen auf Gott seinen Anordnungen in Demuth unterwerfe, bis ich von ihm erhört und errettet Goccan श्र 339& werde, und wie du mit Freude und Seligkeit ge-= krönt werde. Amen. 1 14. duit Gebeth der Kirche.amb Gottmensch! bey dessen Leiden, nach Simeons Weissagung, ein Schwert des Schmerzens die Seele der glorreichen Jungfrau und Mutter Mas ria durchdrungen; verleihe gnädig, daß, die wir die Schmerzen derselben verehren, wir durch die glorreichen Verdienste und Fürbitte aller Heili gen, die unter dem Kreuze standen, die selige Wirkung deines Leidens erfahren mögen. Der du lebst und regierst u. f. w. si priditled that Am Tage der Aufnahme Mariá in den Himmel. Nach einem Leben voll Unschuld und Heiligkeit, nach vielen überstandenen Leiden und geprüften Tugenden, ertheilt dir heute der Herr, an den du geglaubt, auf den du fest vertrauet, den du treu geliebt und gedient hast, den Lohn für deine Tugenden, o heil. Jungfrau und Mutter unsere Heilandes, Maria! der ewige Vater nimmt dich auf in jene Herrlichkeit, von welcher der Sohn des Ewigen und dein Sohn Besitz genommen, und worin er nun auch dich über alle Engel und Auserwählten erhoben, Theil nehmen läßt an den Seligkeiten, die hier auf Erden kein Auge gesehen, fein Ohr gehört, und keines Menschen Herz empfunden hat, und die er denen bereitet Y 2 34⁰ K hat, die ihn lieben. O du liebtest ihn bis ans- Ende, und warst die treue Magd des Herrn in seinem Dienste, wie du des Herrn Mutter warst. Darum bist du auch jetzt bey dem Herrn so hoch erhoben, so selig. Uch möchtest du, allerfeligste Jungfrau und Mutter unsers Herrn! dich unsrer bey ihm annehmen, und durch deine Fürbitte in allen Angelegenheiten unsers Lebens uns zu Hülfe kommen! Möchtest du besonders die Gnade uns erlangen, daß wir dem Herrn unsern Gott immer getreu bleiben, ihm stets dienen, und im Guten bis ans Ende beharren möchten, damit auch wir nach Vollendung dieses irdischen Lebens von Gott aufgenommen werden zu jener Seligkeit, zu welcher du, o h. Jungfrau! an diesem Tage aufge= nommen bist, und die Gott allen verheissen hat, die ihn lieben! Umen. Gebeth der Kirche. Verzeihe, o Herr! gnädig deinen Dienern ihre Sunden; damit wir, die wir durch unsre Handlungen dir nicht gefallen, durch die Fürbitte der Gebährerinn deines Sohnes unsers Herrn unser Heil erlangen. Der mit dir lebt und regiert u. f. w. Amen. CHE ASPIC 1804 Litaney von der h. Jungfrau Maria. Herr, erbarme dich unsrer! u. s. w. Christe höre uns! u. s. w. moguigna 29d 341 K Gott Vater von den Himmeln! Erbarme dich unfrer! u. f. w. Maria, du heilige Jungfrau, Maria, du Mutter unsers Heilandes, Maria, die du vom Engel voll der Gnade bist begrüßt worden, Maria, die du von Gott zur Mutter des Welt heilandes bist auserwählt worden! Maria, die du den Heiland der Menschen vom h. Geiste empfangen und geboren hast, Maria, die du das göttliche Kind zu Bethlehem in einem Stalle geboren, Maria, die du die Anbethung deines Sohnes von den Hirten mit Freuden gesehen, Maria, die du das göttliche Kind im Tempel dem Herrn aufgeopfert hast, Maria, die du durch die Ankunft der Weisen aus Morgenland, die das göttliche Kind anbetheten, erfreuet wurdest, Maria, die du, um den Nachstellungen des Herodes zu entgehen, mit Joseh und dem Kinde nach Aegypten geflüchtet bist, Maria, die du auf Geheiß Gottes aus Aegypten zurückgekehrt, und mit dem Kinde zu Nazareth gewohnt hast, Maria, die du im 12ten Jahre mit dem Kin de nach Jerusalem gereiset, und mit demfelben im Tempel den Herrn angebethet hast, du Bitte für uns, Maria! do 34² Maria, die du das göttliche Kind zu Jerusa lem verloren, und 3 Tage mit Schmerzen gesucht hast, Maria, die du nach dreyen Tagen das Kind im Tempel wiedergefunden hast, Maria, die du das göttliche Kind zu Nazareth mit aller Sorgfalt auferzogen haft, Maria, welcher der Sohn des Ewigen als Menschensohn unterthan war, Maria, auf deren Fürbitte der göttliche Sohn sein erstes Wunder verrichtet auf der Hochzeit zu Cana, Maria, die du den göttlichen Sohn bey seinen Lehren zugehört hast, Maria, die du zur Zeit des Leidens deines Sohnes in tiefe Trauer bist versetzet worden, Maria, die du den göttlichen Sohn in Ban den und in der Gewalt seiner Feinde ge fehen, Maria, die du Jesum deinen Sohn mit einem schweren Kreuze zum Richtplatz führen geſeben, Meria, die du Jefum deinen Sohn, unfern Herrn, am Kreuze hangend und für das Heil der Welt sterben gesehen, Maria, die du den Todten im Grabe noch besucht und beweint hast, Maria, die du am dritten Tage deinen Sohn vom Todten erstanden gesehen, und mit himmlischer Freude erquicket bist, Bitte für uns, Maria! 343 K Maria, die du ben Göttlichen am 4often Tage) nach seiner Auferstehung zum Himmel auf fahren gesehen, Maria, die du durch die Unkunft des heiligen Geistes mit den Jüngern des Herrn erfreuet bist, Maria, die du bis ans Ende deines Lebens in Unschuld und Heiligkeit beharret, und nach einem feligen Tode zum Himmel auf genommen bist, Maria, du heilige Jungfrau und Mutter unfers Herrn, D du Lamm Gottes ic. Bitte für uns, Maria! 1 Christe höre uns! Christe erhöre uns! Herr erbarme dich unsrer! Christe erbarme dich unsrer! Herr erbarme dich unsrer! v. Bitte für uns, o h. Gottesgebährerinn! R. Auf daß wir würdig werden der Verheissun: gen Christi. Lasset uns bethen. Numächtiger ewiger Gott! der du durch deine Gnade die h. Jungfrau und Mutter deines Sohnes, Maria, zu so großer Würde erhoben, und sie zu so großer Heiligkeit in diesem Leben gestärket hast, daß sie in deine Herrlichkeit vor allen Auserwählten erhoben und belohnt worden; verleihe gnådig, daß wir derselben in allen Tugenden nachfolgen, und ihre Fürbitte bey dir im Le 344 K ben und im Tode erfahren mögen. Durch JesumChriftum unsern Herrn. Amen. Die lauretanische Litaney von der heil. Jungfrau Maria. Vorerinnerung. Die lauretanische Litanen ist eine alte, unter den kas tholischen Christen in allen Ländern gebräuchliche Lita: nen, und hat wahrscheinlich ihren Namen von Loreto, einem Orte in Italien, wo ein berühmtes Gnadenbild Marià ist, und von wo diese Litaney in die weitere Christenwelt verbreitet seyn mag. Sie hat ausdrücke, diese Litaney, welche vielen anstößig, vielen unverstånd: lich sind. Dies rührt hauptsächlich daher, weil zu den Seiten, da sie verfaßt wurde, der Gebrauch war, in den religidsen Reden und Gebethen mystische Ausdrücke einfließen zu lassen. Vielleicht ließe sich durch eine Erkldrung dieser Ausdrücke das scheinbar Anstößige und Un verständliche in dieser Litaney heben. Daher ein Versuch bieser Erklärung über Die lauretanische Litaney von der heil. Jungfrau Maria. Herr, erbarme dich unfrer! Chrifte erbarme dich unsrer! Herr, erbarme dich unsrer! Gott Vater von den Himmeln! Erbarme dich unfrer! Gott Sohn, Erlöser der Welt! Erbarme zc. Gott h. Geist! Erbarme dich unsrer! H. Dreyfaltigkeit, ein einiger Gott! Erbarme zc. 345 H. Maria! 10 H. Gottesgebährerinn! K ( H. Gebährerinn desjenigen, der nach seiner göttlichen Natur dem Vater gleich von Ewigkeit Gott war!) 5. Jungfrau unter allen Jungfrauen! ( Vortrefflichste unter allen Jungfrauen!) Mutter Christi! Mutter der göttlichen Gnade! ( Mutter desjenigen, durch welchen uns Gottes Gnade wieder erworben ist!) Du reineste Mutter! Du keuschefte Mutter! Du ungeschwächte Mutter! Du unbefleckte Mutter! Du liebliche Mutter! Du wunderbare Mutter! ( Mutter, die auf eine wunderbare, übernatürliche Weise empfangen und geboren hat!) Mutter des Schöpfers! ( Mutter desjenigen, der nach seiner Gottheit unser Schöpfer ist!) Mutter des Erlösers! Du weiseste Jungfrau! Du verehrungswürdige Jungfrau! Du preiswürdige Jungfrau! Du mächtige Jungfrau! ( durch deine Fürbitte bey Gott.) Du gütige Jungfrau! Du getreue Jungfrau! 113 S Bitte für uns! K 346 Du Spiegel der Gerechtigkeit! ( Beyspiel der Gerechtig- und Heiligkeit!) Du Sit der Weisheit! ( Besigerinn der Klugheit und Weisheit!) Du Ursache unserer Freude! ( Miturfache unserer Freude in Jesu Christo!) Du geistliches Gefäß! ( Du, in der die Fülle der geistlichen Gaben ist!) Du ehrwürdiges Gefäß! ( Du wegen dieser Fülle der geistlichen Gaben ehrwürdige Jungfrau!) Du vortreffliches Gefäß der Undacht! ( Jungfrau voll der Liebe und Undacht zu Gott!) Du geheimnisvolle Rose! ( Die du in der Tugend wie eine Rose auf blühetest!) Du Thurm Davids! ( Du erhabene Sproffe vom Geschlechte Davids, standhaft und unerschütterlich in der Tugend, wie ein Thurm!) Du elfenbeinerner Thurm! ( Du im Guten standhafte Jungfrau, rein und unbefleckt, wie Elfenbein!) Du goldenes Haus! ( Du Bohnung der Tugenden, kostbar, wie Gold!) Du Urche des Bundes! Bitte für uns! 347 ( Du Mutter des Urhebers des alten und neuen Bundes!) Du Himmelspforte! ( Du, die du denjenigen geboren, der uns den Himmel geöffnet!) Du Morgenstern! ( Du, die der Welt die nahe Erlösung an deutete, wie der Morgenstern den kommen den Tag!) Du Heil der Kranken! ( Du, die den geboren, der die Kranken heilte, und der auf deine Fürbitte auch unsern Kranken Heilung verleiht!) Du Zuflucht der Sünder! ( Du, die den geboren, der die Sünder auf nahm, und der auf deine Fürbitte auch uns Sündern gnädig ist!) Du Hülfe der Christen! ( Du, die du durch deine Fürbitte bey Gott den Christen Hülfe erflehest!) Du Königinn der Engel! ( Du, die du als eine Königinn über die En gel erhoben bist!) Du Königinn der Patriarchen! Du Königinn der Propheten! Du Königinn der Apostel! Du Königinn der Märtyrer! Du Königinn der Beichtiger! Du Königinn der Jungfrauen! Du Königinn aller Heiligen! Bitte für uns! 348 D du Lamm Gottes zc. 8 so13) v. Bitte für uns, o h. Gottesgebährerinn! R. Auf daß wir würdig werden der Verheissungen Christi. odio sg Lasset uns bethen. Verleihe uns, deinen Dienern, o Gott! eine immerwährende Wohlfahrt an Leib und Seele, und befreye uns durch die Fürbitte der glorrei= chen Jungfrau Maria von gegenwärtigen Leiden, und gib uns die ewige Freude. Durch Jesum Christum unsern Herrn. Umen. Gebeth zum h. Joseph, dem Náhrvater unsers Heilandes. Heiliger Joseph, du Bräutigam der Jungfrau Maria und Nährvater unsers Heilandes Jeſu Christi! dich verehret heute die christliche Kirche, und feyert das Andenken deines h. Lebens. Du warst ein treuer Diener Gottes, und hast das Amt, wozu die Vorsehung dich erwählte, mit hei liger Treue erfüllet. Groß und heilig war dies Umt, der Nährvater und Erzieher desjenigen zu feyn, den Gott in die Welt gesandt, die Erlösung der Menschen zu vollbringen. Aber groß und viel waren auch die Prüfungen, die du in diesem Umte erfahren mußtest. Der Herr hatte dir durch feinen Engel offenbaret, daß Maria vom heil. Geiste empfangen habe, und gebåren würde den Heiland, der sein Volk erretten und selig machen K 349 würde von seinen Sünden. Du hattest die Freude gleich nach der Geburt dieses Kindes, zu sehen, daß es von den Hirten und von den Weisen als der künftige Erlöser erkannt und angebethet wurde; aber wie wurde dein Glaube und dein Vertrauen geprüft, als du bald darauf mit Maria und dem Kinde nach Aegypten fliehen mußtest, um den Nachstellungen des Herodes zu entgehen. Jedoch du wanktest nicht, und warst gehorsam den Befehlen des Himmels, in trüben sowohl als heitern Tagen. Auf Geheiß Gottes kehrest du bald darauf nach Nazareth zurück, und nährst und erziehst das göttliche Kind im stillen Leben, du gehst mit ihm und seiner Mutter nach Jerufalem, im Tempel anzubethen: und noch einmal prüfte der Herr dein Vertrauen. Das Kind wird verloren, du und die Mutter suchen es drey Tage mit Schmerzen, und finden es endlich im Tempel unter den Lehrern, die es anhörte und fragte. In stiller Demuth kehrst du mit demselben nach Nazareth zurück, und trägst seiner Sorge bis zu den Jahren seines Lehramtes, wo der Herr dich von der Erde abrief, um dich für deine Treue zu belohnen. O möchte ich nach deinem h. Beyspiele stets auf Gott und seine h. Vorsehung vertrauen! möchte ich in allen glücklichen oder unglück= lichen Begebenheiten dieses Lebens unverändert auf Gott schauen, und seinen h. Anordnungen, die am Ende unser Heil bezwecken, mich demůthig fügen! möchte ich zu jeder Zeit treu in meis 35⁰ K nem Umte und meinen Pflichten seyn, damit ich am Ende meines Lebens von Gott meinem Herrn als ein treuer Diener befunden werden, und, wie du, in meines Herrn Freude eingehen möchte! Bitte für mich, o h. Joseph! und erflehe mir von Gott diese Gnade. Amen. Gebeth der Kirche. Wir bitten dich, o Herr! daß uns durch die Verdienste des Bräutigams deiner heiligsten Gebårerin geholfen werde, damit, was unser Vermögen nicht erhalten kann, durch seine Fürbitte uns geschenkt werde. Der du lebst und regierst mit Gott dem Vater in Einigkeit des h. Geistes in Ewigkeit. Amen. Gebeth am Feste des h. Joannes des Täufers. Heiliger Joannes, du Vorläufer und Täufer unsers Herrn! dich verehrt heute die ganze Christenheit, und auch ich will mit ehrfurchtvollem Herzen dich verehren, und anflehen in deiner Herrlichkeit. Auf Erden warst du demüthig, und gering in deinen Augen. So groß und heilig auch dein Umt war, Jesum zu taufen, und ihn als den erwarteten Messias zu verkündigen und dem Volke zu zeigen, so streng und heilig auch dein Leben war, daß Jesus selbst von dir Zeugniß gab: unter allen von Weibern Geborenen ist niemand größer, dann Joannes der Täufer; so 35⁰ warst und bliebst du dennoch der Demüthige, der sich nicht würdig hielt, dem Heiland der Men= schen die Schuhriemen aufzulösen. O dein Bey= spiel soll mich lehren, demüthig seyn! Was sind wir Sünder und eitle schwache Menschen voll Fehler gegen dich? und was sind wir also vor Gott? was sind alle die kleinen irdischen Vorzuge, womit einige Menschen über die andern hervorragen, gegen jene Würde, wozu du von Gott bestimmt warst, der Verkünder und Täufer des= jenigen zu seyn, welchen Gott selbst bey der Taufe im Jordan für seinen geliebten Sohn erklärte, an dem er sein Wohlgefallen hatte? Allein auch wie viel anderer Tugenden erwähnt das Evangelium von dir, die uns zur Nachfolge auffordern! Dein Eifer für Gottes Ehre, dein Bestreben, die Menschen zu bessern und zu ihrem Heile zu führen, soll auch mich erwecken, Gottes Ehre nach meinen Kräften zu befördern, und auch für das Heil meines Náchsten nach Möglichkeit zu sorgen. Aber dein Ende, o heiliger und vortrefflicher Mann Gottes! wie heilig und glorreich! Du bist ein treuer Zeuge der Wahrheit bis in den Tod; du scheuest dich nicht, auch den Großen dieser Welt, und selbst dem Könige Herodes seine öffentliche Schandthat vorzurücken. Jedoch Wahrheit bringt Haß, und der Kerker war dafür dein Lohn zuerst, und bald darnach auch der Tod im Kerker. Uber bep Gott besteht jetzt dein Lohn in Ewigkeit. D laß 352 K auch uns,( wir bitten um deine Fürbitte bey Gott) laß auch uns, durch Gottes Gnade gestärkt, der Wahrheit und dem Guten immer treu bleiben! Laß uns auch selbst die Verfolgung oder Verspottung der Welt nicht wankend machen im Glauben und in der Tugend. Erflehe dazu für uns den Beystand des Allerhöchsten, heiliger Joannes. Umen. Gebeth der Kirche. Gott! der du den heutigen Tag uns durch die Geburt des h. Joannes ehrwürdig gemacht hast, verleihe deinem Volke die Gnade geistiger Freuden, und richte die Gemüther aller Gläubigen auf den Weg des ewigen Heils. Durch unsern Herrn 2c. Amen. Gebeth am Feste der heiligen Apostel Petrus und Paulus. Ihr seyd die Grundfesten der Kirche, Petrus und Paulus, darum ehrt euch auch vorzüglich die Kirche. Petrus, der Fels, auf den der Heiland seine Kirche gebauet, Paulus, der große Lehrer, der diese Kirche besonders unter den Heiden ausgebreitet. Und was ihr für die Kirche Jesu Christi gethan und gelitten, was ihr gelitten und gethan aus Liebe zu demjenigen, den du, o Petrus! ach zuvor aus Schwachheit verläugnet, den du, o Paulus, vorhin aus Unwissenheit verfolgt haft, was ihr hernach bis ins hohe Alter zur Verherr 353 K lichung seines Namens gethan und ausgestanden, das kann selbst die Geschichte nur schwach erzáhlen. Aber bey dir ist es aufgezeichnet im Buche des Lebens. Der alle unsere Schritte bemerket, alle unsere Handlungen und auch die Gesinnungen unsers Herzens weiß, der hat auch die vie: len und großen Thaten, die ihr in eurem Apostelamte verrichtet habt, aufbewahrt; der hat euch, da ihr für ihn euer Blut und Leben hingabt, aufgenommen in seine Herrlichkeit. D in dieser Herrlichkeit verehren wir euch, und rufen euch an, erhaltet uns durch eure Fürbitte die Gnade Jesu Christi, die so mächtig war in euch; damit auch wir, dadurch gestärkt, unsern Glauben immer standhaft bekennen, und denselben in den Werken stets ausüben, und dadurch der Verheissungen. dieses Glaubens theilhaftig werden mögen! Umen. Gebeth der Kirche. Gott! der du den heutigen Tag durch den Märtyrertod deiner Apostel Petrus und Paulus geheiligt hast, verleihe deiner Kirche die Gnade, in allem den Vorschriften derjenigen zu folgen, durch welche der Unfang der Religion gegründet ist. Durch unsern Herrn u. f. w. Umen. Gebeth am Feste des h. Stephanus. Erster Märtyrer und Blutzeuge Jesu Christi, h. Stephanus! billig verehrt dich die Kirche Jesu 3 354 Christi. Du warst es, der bey ihrer ersten Gründung und Ausbreitung durch deinen heil. Eifer und durch unwiderlegbare Gründe die Wahrheit der christlichen Religion vor den Juden vertheidigtest, aber auch ihren Haß und ihre Verfolgung dir zuzogefst. Mitten in ihrer Versammlung strahlte dein Antliß, wie das eines Engels; und du sahst die Himmel eröffnet, und Jesum zur Rechten des Vaters. Du sahest und bezeugtest das, und nun wurdest du von ihnen in voller Wuth hingerissen, um gesteinigt zu werden. Aber du gingest hin mit Muth und Standhaftigkeit, den Tod zu empfangen für die Ehre deines Herrn. Knieend ließest du dich steinigen, und batheft für deine Feinde: Herr! rechne es ihnen doch nicht zur Sünde. So hatte dich der gelehrt, der für seine Feinde am Kreuze bath: Bater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun! O daß wir nach deinem Beyspiele immer bereit und standhaft seyn möchten, für die Ehre Jesu und seiner Religion, wenn es die Umstände erfordern, Spott und Verfolgung zu leiden, daß auch wir in der großen und wichtigen Pflicht der Feindesliebe dir nachfolgen, und, wie unser Heiland und du nach seinem Beyspiele, unsern Beleidigern und Feinden gern verzeihen, und für sie bethen möchten. Bitte für uns, o h. Stephanus! daß wir dazu durch Gottes Gnade gestärkt werden, und durch die Erfüllung dieser und aller Christen 355 尽 pflichten Gott gefallen und unser ewiges Heil erlangen mögen. Umen. Gebeth der Kirche. Verleibe uns, o Herr! die Gnade, nachzufolgen, was wir verehren; damit wir lernen, auch unsere Feinde lieben, weil wir dessen Gedächtniß feyern, der auch für seine Verfolger bitten konnte unsern Herrn Jesum Chriftum, der mit dir lebt und regiert in Einigkeit des h. Geistes in Ewigkeit. Amen. Gebeth zum h. Namenspatron. Heiliger NN., dessen Name mir beygelegt ward bey der h. Taufe, dich soll meine Seele verehren wegen deiner vortrefflichen Tugenden, wegen deines h. Lebens, wodurch du Gott gefiehlst, als du auf Erden lebtest. Jetzt bist du bey dem Herrn, und die Kirche zählt dich unter ihre Heiligen. O daß ich dich würdig nachahmen möchte durch ein Leben nach dem heil. Willen Gottes, durch standhaftes Kämpfen wider alle Versuchung zum Bösen, durch sorgfältige Vermeidung aller Sünde, durch treue Erfüllung aller Pflichten, und durch einen unermüdeten Eifer im Dienste Gottes! Dein Beyspiel soll mir jederzeit vor Augen schweben, wenn mein Herz anfångt im Guten lau zu werden, oder zu wanken. Deine Tugenden sollen mich an meine Pflicht erinnern, dir zu folgen. Deine Seligkeit und Glorie soll meinen Geist er32 356 wecken, auch zu erringen die Krone, die nur dem Wirkenden und Leidenden, dem Kämpfenden und Siegenden verheissen ist. Aber sie kann nur errungen werden durch Gottes Gnade und Beyburch Gott stand. O so helfe du mir bitten um diese Gnade, erflehe für mich diesen Beystand, auf daß ich durch ein wahrhaft christliches Leben dir nachfolge, meinem Gott diene und gefalle in diesem Leben, und im zukünftigen Leben der Glückseligkeit theilhaftig werde, die Gott seinen treuen Dienern verheissen hat. Bitte für uns heiliger NN. Auf daß wir würdig werden der Verheissungen Christi! Gebeth der Kirche. Sott! ott! der du in deinen Heiligen geehrt wirst, verleihe gnådig, daß, da wir ihre Verdienste verehren, ihre Fürbitte bey dir uns zu Theil werde im Leben und Tode. Durch Jesum Christum un= fern Herrn. Amen. Gebeth am Feste der hh. Engel. S ihr vortrefflichen Geister des Himmels, die ihr zur Verherrlichung Gottes, aber auch zum Schut und Dienst der Menschen vom Schöpfer bestimmt find! Engel und Erzengel, Cherubim und Seraphim, Thronen und Herrschaften, Mächte, Fürsten und Kräfte des Himmels! euch verehren wir Menschen, sterblich nach dem Fleische, aber dem 357 Geiste nach unsterblich wie ihr. Dwir sind zu derselbigen Glückseligkeit bestimmt, die ihr besiket, und wodurch ihr so selig seyd; aber ach! wir müssen sie erst erringen. Ihr habt sie errungen durch eure standhafte Treue und Liebe gegen euern Schöpfer und Herrn. Eure Liebe kann nun in Ewigkeit nicht mehr wanken, und eure Glückseligkeit ist ewig, wie eure Liebe. D erhaltet uns schwachen Menschen durch eure Fürbitte bey dem Herrn die Gnade, daß auch wir im Guten feststehen, und den Herrn in diesem Leben aufrichtig lieben, ihm treu und standhaft dienen. Ihr, die ihr zum Schuße und Dienst der Menschen bestimmt send, beschüßet uns in allen sichtbaren und unsichtbaren Gefahren unsers Heils. Leitet uns auf dem Wege der Tugend, daß wir nicht fallen oder abweichen. Vereiniget eure Gebethe mit den unsrigen, und bringet sie vor den Thron des Allerhöchsten. Führet uns durch alle Umstände dieses Lebens glücklich hindurch, daß wir nach vollendeter irdischer Laufbahn unsere große Bestimmung glücklich erreichen, und mit euch vereia nigt den Ewigen in seiner Herrlichkeit loben und preisen in Ewigkeit. Amen. Gebeth der Kirche. Sott! der du durch wunderbare Unordnung die Dienste der Engel und Menschen bestimmest, verleihe, daß die seligen Geister, die im Himmel deinen Thron umgeben und dir dienen, auch auf 358 R Erden uns in unserm Leben beschützen. Der du lebst und regierst in Ewigkeit. Amen. Gebeth zum h. Schußengel. du heil. Engel, himmlischer Geist! dessen Schuß mich der allgütige Vater der Menschen anvertrauet hat; leite mich durch die Gefahren dieses Lebens, und führe mich hinauf zu Gott. Der Allmächtige, der wunderbar die Dienste der Engel und Menschen bestimmt, hat deiner Fürforge mich empfohlen. So lehrt uns des Herrn Wort: Er hat seinen Engeln befohlen, daß sie uns gleichsam auf ihren Händen tragen, und wir auf dem Wege des Heils nicht etwa an einen Stein stoßen, und fallen. Wie gütig ist der Herr! und wie gütig send ihr seine dienstbaren Geister, denen der Herr an seiner Güte und Liebe gegen Menschen Theil nehmen läßt! ich will diese gütige Anordnung Gottes immer dankbar erkennen. Ich will mich stets daran erinnern, daß ich überall unter der Aussicht meines Gottes und auch unter der Aufsicht eines heil. Engels stehe. Der Gedanke soll mich zurückhalten vom Bösen, und zu meiner Pflicht mich antreiben. Wenn keines Menschen Stimme mich warnet, wenn keine Stimme des Vaters oder der Mutter, keine Stimme des Freundes mich warnet, o dann warne du unsichtbarer Geist meine Seele! sprich leisfe zu meinem Herzen, daß es aufwache und das Unrecht verabscheue, wozu die böse Lust oder die 359 L Verführung mich verleiten will. Ftöße mir stets eine Hochachtung gegen mich selbst und eine Liebe zur Tugend ein. Stehe mir durch deinen sorgfältigen Schuß und durch deine Fürbitte bey Gott in allen Gefahren Leibes und der Seele bey; begleite mich auf allen meinen Wegen; stehe mir bey in der Stunde meines Todes, und führe dann nach glücklich vollbrachter Pilgerreise dieses Lebens meine Seele ins bessere Vaterland zu deinem und meinem Gott, daß ich denselben, wie du, schaue, besige und liebe in Ewigkeit. Amen. Gebeth der Kirche. Soft! ott! der du durch wunderbare Vorsehung mich würdigst, deine heil. Engel zu unserer Beschütung herabzusenden; erhöre gnädig unser Flehen, damit wir durch die Beschügung derselben immer bewahrt werden, und in ihrer Gesellschaft uns ewig bey dir erfreuen. Der du lebst und regierst 2c. Amen. Gebeth am Feste aller Heiligen Gottes. Ihr Auserwählte des Herrn, Engel und Menschen! die ihr bey dem Herrn seyd, und ewig bleiben werdet in seiner Herrlichkeit und Seligkeit. Euch verehren wir heute, die wir noch hie: nieden sind, und im sterblichen Leibe wandeln. Ihr habt euern Glauben gehalten, euern Kampf und euer Leiden vollendet, und genießet ist den Lohn für eure Treue und Liebe, für eure Thaten 360 und Leiden zu ewigen Zeiten. Wir aber, ach! wir befinden uns noch auf der irdischen Laufbahn des Lebens, ungewiß des künftigen Heils, weil wir nicht wissen, ob wir selig vollenden.. Uch darum flehen wir stets zu dem Herrn, zu euerm und unserm Herrn, um Gnade und Beystand. O flehet auch ihr, wir biten euch, mit uns und für uns um diese Gnade, daß wir, wie ihr, dem Unfänger und Vollender unsers Glaubens Jesu Christo treu anhangen und nachfolgen, und jene Seligkeit erreichen, die ihr besitzet, und die auch uns verheissen ist; welche hier kein Auge gesehen, kein Ohr gehört, und keines Menschen Herz empfunden hat. Wir flehen zu euch, ihr h. Engel und himmlischen Geister, die ihr euerm Gott getreu geblieben; zu euch ihr h. Patriarchen und Propheten, und treuen Diener Gottes im alten Bunde! Wir flehen zu euch ihr Heiligen des neuen Bundes! ihr heil. Apostel und Jünger des Herrn! zu euch, ihr h. Mårtyrer! zu euch, ihr h. Bischöfe und treuen Vorsteher der Kirche! zu euch, ihr h. Bekenner und Diener des Herrn in allen Ständen! Wir flehen zu euch, ihr keuschen Jungfrauen, h. Wittwen und treuen Dienerinnen Gottes! zu euch, ihr Seligen alle, die ihr bey dem Herrn seyd! Uch es hat euch allen auf Erden viele Mühe, viele Kämpfe, viele Leiden gekostet, diese Seligkeit zu erringen, die ihr nun besitzet; denn ihr waret Menschen, wie wir; ihr hattet die nämlichen Schwachheiten, wie wir; ihr hattet - 361 K mit den nemlichen Beschwernissen und Hinderniffen zu kämpfen, womit wir zu kämpfen haben. Aber ihr habet selbe durch den Beystand und die Gnade des Herrn, mit der ihr treulich mitgewirket habet, glücklich überwunden, und euer Heil erreicht. Uch möchten wir nach euerm Beyspiele auch über alle Schwachheit und Beschwerniß glücklich siegen! Wir haben die nämlichen Heilsmittel, die ihr hattet; die nämliche Gnade, den nämlichen Beystand, den euch der Herr verliehen, will er auch uns verleihen, wenn wir nur darum bitten, und treu mitwirken. O so helfet ihr uns bitten, ihr, die ihr nun als seine treuen Freunde bey dem Herrn seyd! bittet mit uns und für uns, daß er uns seine alles vermögende Gnade verleihe, und daß er unsern Geist erleuchte, er= muntere und stärke, mit dieser Gnade treu zu wirken, damit wir in seinem Dienste stets standhaft beharren, und zu jener Seligkeit gelangen, die er euch verliehen, und auch uns verheissen hat. Durch Jesum Christum unsern Herrn. Umen. Gebeth der Kirche. Allmächtiger ewiger Gott! der du uns die Verdienste aller Heiligen an diesem Tage feyerlich verehren låssest; wir bitten dich, daß du uns auf die Fürbitte der großen Schaar der Auserwählten den reichen Schatz deiner Gnade und Erbarmungen wollest zu Theil werden lassen. Durch Jesum Christum unsern Herrn u. s. w. Amen. 362 R Litaney von allen Heiligen. Herr, erbarme dich unsrer! Christe, erbarme dich unsrer! 575 Herr, erbarme dich unsrer! Christe höre uns! Christe erhöre uns! Gott Vater von den Himmeln! erbarme dich unfrer! Gott Sohn, Erlöser der Welt! Erbarme zc. Gott h. Geist! Erbarme it. H. Dreyfaltigkeit, ein einiger Gott! Erbarme zc. H. Maria, H. Petrus, H. Paulus, H. Undreas, H. Jacobus, H. Johannes, - H. Gottesgebärerinn, H. Jungfrau aller Jungfrauen, H. Michael, H. Gabriel, H. Raphael, Alle h. Engel und Erzengel, bittet für uns! Alle h. Chöre der seligen Geister! bittet 2c. H. Joannes der Täufer, bitte für uns! H. Joseph, bitte für uns! Alle h. Patriarchen und Propheten, bittet für uns! H. Thomas, H. Jacobus, in 201 Bitte für uns! MYSTA Bitte für uns! H. Philippus, H. Bartholomäus, H. Matthaus, H. Simon, 363 V H. Thadddus, H. Matthias, H. Barnabas, H. Lukas, H. Markus, Alle h. Apostel und Evangelisten, bittet zc. Alle h. Jünger des Herrn, bittet für uns! Alle h. unschuldigen Kinder, bittet für uns! H. Stephanus, bitte für uns! H. Laurentius, bitte für uns! H. Vincentius, bitte für uns! H. Fabianus und Sebastianus, bittet 2c. H. Joannes und Paulus, bittet 2c. H. Cosmas und Damianus, bittet 2c. H. Gervasius und Protasius, bittet 2c. Alle H. Märtyrer, bittet 2c. H. Sylvester, H. Gregorius, H. Ambrofius, H. Augustinus, H. Hieronymus, H. Martinus, H. Nikolaus, H. Ludgerus, ED Alle h. Bischöfe und Beichtiger, bittet zc. Alle h. Kirchenlehrer, bittet zc. swo bitte für uns! 20 bitte für uns! 364 局 5. Antonius, H. Benedictus, H. Bernardus, H. Dominicus, H. Franciscus, Alle h. Priester und Leviten, bittet für uns! Alle h. Mönche und Einsiedler, bittet zc. H. Maria Magdalena, H. Agatha, H. Lucia, H. Agnes, H. Cacilia, H. Katharina, H. Anastasia, Alle h. Jungfrauen und Wittwen, bittet 2c. Alle Heiligen Gottes, bittet ic. Sey uns gnädig! Verschone uns, o Herr! Sen uns gnädig! Erhöre uns, o Herr! Bon allem Uebel, Von aller Sünde, Von deinem 3orne, Von dem jähen und unversehenen Tode, Von den Nachstellungen des Teufels, Von Zorn, Haß und allem bösen Willen, Vom Geiste der Unkeuschheit, Bom Schaden des Blitzes und Ungewitters, Von dem ewigen Tode, Durch das Geheimniß deiner heiligen Menschwerdung, Durch deine Ankunft, bitte für uns! bitte für uns! befreye uns, o Herr! 365 K Durch deine Geburt, Durch deine Taufe und dein h. Fasten, Durch dein Kreuz und Leiden, Durch deinen Tod und deine Begräbniß, Durch deine h. Auferstehung, Durch deine wunderbare Himmelfahrt, sid Durch die Unkunft des heiligen Geistes, des Trösters, Um Tage des Gerichtes, Wir Sünder! Wir bitten dich, erhöre uns! Daß du unsrer verschonest, Daß du uns die Sünden verzeiheft, Daß du uns zur wahren Buße bekehren wollest, Daß du deine h. Kirche regieren und erhalten wollest, s Daß du den apostolischen Oberhirten und alle geistliche Vorsteher in der h. Religion er halten wollest, Daß du die Feinde der h. Kirche demüthigen wollest, Daß du den christlichen Königen und Fürsten Frieden und wahre Einigkeit verleihen wollest, befreye uns, o Herr! Daß du uns in deinem heil. Dienste stärken 976-5113 und erhalten wollest, Daß du unsere Gemüther zu himmlischen Be gierden erhebest, Daß du alle unsere Wohlthäter mit ewigen Gütern belohnest, Wir bitten dich, erhöre uns! 366 Daß du unsere und unsrer Brüder Freunde und Gutthåter Seelen vor der ewigen Verdammniß bewahrest, Daß du die Früchte der Erde geben und erhalten wollest, Daß du allen gestorbenen Gläubigen die ewige Ruhe verleihen wollest, Wir bitten dich, erhöre zc. Daß du uns erhören wollest, Du Sohn Gottes, O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt! Verschone unsrer, o SIG - Herr! O du Lamm 2c. Erhöre uns, o Herr! du Lamm 2c. Erbarme dich unsrer! Christe höre uns! Chrifte erhöre uns! Herr erbarme dich unsrer! Christe erbarme dich unsrer! Herr erbarme dich unsrer! Vater unser 20. Der 69. Psalm. Gott! merke auf meine Hülfe: Herr! eile mir zu helfen. Schamroth und zu Schanden müssen wer den: die meiner Seele nachstellen. Sie müssen zurückweichen und in Schanden stehen: die mir Uebels wollen. Sie müssen bald schamroth sich entfernen: die meiner Trüvfal spotten. Aber alle, die dich suchen, müssen frohlocken und sich in dir erfreuen: und die dein Heil lie: 367 K ben, müssen immerdar fagen; hochgelobt sey der Herr! Ich aber bin elend und arm: o Gott stehe mir bey! Denn du bist mein Helfer und Erretter: S Herr! säume mit deiner Hülfe nicht! Ehre sey dem Vater und dem Sohne: und dem h. Geiste. Wie im Unfang, jetzt und allezeit: und zu ewigen Zeiten. Amen. Borb. Mache deine Diener selig, Alle. Die auf dich hoffen. V. Sen uns, Herr! ein starker Schuß, d 2. Wider unsere Feinde. V. Laß den Feind nichts vermögen wider uns! 2. Und der Gottlose wage es nicht, uns zu schaden. V. Herr, verfahre mit uns nicht nach unsern Sünden, 2. Und vergelte uns nicht nach unsern Miffe= thaten. V. Lasset uns bitten für unsern obersten Hirten N. N. 2. Der Herr erhalte ihn, verlängere sein Leben, mache ihn selig auf Erden, und übergebe ihn nicht der Macht seiner Feinde. V. Lasset uns bitten für unsere Wohlthäter! 2. Herr! du wollest allen unsern Wohlthätern um deines Namens willen das ewige Leben er= theilen. hodn 368 R V. Lasset uns bitten für alle abgestorbene Christgläubige! 2. Herr! gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. V. Laß sie ruhen im Frieden! U. Amen. 097 V. Lasset uns bitten für unsere abwesenden Brüder! 2. O mein Gott! mache deine Diener selig, die auf dich hoffen. V. Herr! sende ihnen Hülfe von deinem Heiligthume, 2. Und von Sion beschüße sie. V. Herr! erhöre mein Gebeth, 2. Und laß mein Flehen zu dir komen. Lasset uns bethen. Soff! ott! dem es eigen ist, dich allzeit unsrer zu erbarmen und zu schonen, siehe auf unser flehentliches Bitten, damit wir und alle deine Diener von den Banden der Sünden durch deine erbarSHU mende Güte aufgelöset werden. Erhöre, wir bitten, o Herr! diejenigen, die in Demuth zu dir flehen, und verschone sie der Sünden wegen, die sie vor dir bekennen; damit wir durch deine Güte die Nachlassung und zugleich den Frieden erlangen. Beweise an uns gnådig, o Herr! deine unaussprechliche Güte, damit wir durch dich von der Schuld aller unsrer Sünden, und auch von 369 R der Strafe, die wir für dieselben verdient haben, befreyet werden. Gott! der du durch die Sünde beleidiget, aber durch die Buße versöhnet wirst, siehe gnådig auf das Gebeth deines demüthigen Volkes, und wende ab die Geissel deines Zorns, welche wir für unsre Sünden verdienen. -Allmächtiger ewiger Gott! erbarme dich deines Dieners N., unsers obersten Hirten, und leite ihn nach deiner Milde auf dem Wege des ewigen Heils: daß er durch deine Gnade, was dir ge= fällig ist, suche und mit Kraft vollbringe. Gott! von dem jede heilige Begierde, jeder gute Rath und jede gerechte Unternehmung herkommt; gib deinen Dienern jenen Frieden, den die Welt nicht geben kann, damit wir unsere Herzen deinen Gebothen ergeben, und frey vom feindlichen Schrecken unter deinem Schuße unsre Tage in Ruhe und Frieden vollbringen. Entzünde, o Herr! unsre Nieren und Herzen mit dem Feuer des h. Geistes, daß wir mit keuschem Leibe dir dienen, und mit reinem Herzen dir gefallen mögen. O Gott! du Schöpfer und Erlöfer aller Gläubigen! verleihe den Seelen deiner Diener und Dienerinnen Verzeihung aller Sünden, da= mit sie die gnådige Nachlassung, welche sie allezeit gewünscht haben, durch gottfelige Fürbitten erlangen. Wir bitten dich, o Herr! du wollest allem A a 37⁰ unsern Thun und Lassen mit deiner Gnade zu vorkommen, und dasselbe durch deinen Beystand fortsegen, daß all unser Bitten und Thun von dir jederzeit anfange und durch dich vollendet werde. Allmächtiger ewiger Gott! der du über Sebendige und Todte herrschest, und dich aller derer erbarmest, die, wie du weißt, durch Glauben und gute Werke dein seyn werden; wir bitten dich demüthig, du wollest diejenigen, wofür wir zu bethen wünschen, und welche entweder noch in dieser Welt leben, oder davon abgeschieden sind, auf die Fürbitte aller deiner Heiligen nach deiner Gute Nachlassung aller ihrer Sünden verleihen. Durch unsern Herrn Jesum ic. V. Herr erhöre mein Gebeth! 2. Und laß unser Flehen zu dir kommen. V. Es wolle uns erhören der allmächtige und barmherzige Herr! 2. Amen. V. Und die Seelen der abgestorbenen Gläubigen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes im Frieden. 2. Amen. 371 Sechste Abtheilung. Gebethe für Christen in verschiedenen Ständen. Vorerinnerung. Jeder Stand hat seine besondern Pflichten, die man nebst den allgemeinen Pflichten der Religion erfüllen muß. Undere Pflichten hat der Vater, andere das Kind; andere Pflichten liegen dem Hausvater ob, andere den Dienstbothen u. s. w. Wünscht der Christ diese Pflichten seines Standes gehörig zu erfüllen, so muß er dies felbe nicht nur erkennen, sondern auch ihre Wichtigkeit fühlen, sich zur Erfüllung derselben oft ermuntern, und dazu Gott um seinen Beystand anrufen. Möchten folgende Gebethe dazu geignet seyn, und möchte der Herr dazu seinen Segen geben. Allgemeines Gebeth um Gnade zur Erfüllung der Standespflichten. Deine Weisheit, o Gott! hat unter den Menschen die Verschiedenheit der Stånde angeordnet, die zur Erhaltung und zum Wohl Aller so nothwendig, als für jeden Einzelnen vortheilhaft ist. Ich will diese deine Einrichtung dankbar erkennen, und mich in dem Stande, worin mich deine Vorsehung gesegt hat, nach deinem h. Willen zu 2 a 2 372 尽 verhalten bestreben. Alle Menschen in allen Stån= den sind deine Diener, und müssen ihre Pflichten, die ihr Stand ihnen auflegt, treu erfüllen. Das ist dein Wille, und auch mir hast du durch deine h. Religion die Pflichten meines Standes ange= wiesen. Lehre mich doch, dieselben stets zu erkennen, und hilf mir, dieselben treu zu erfüllen! Viel und groß sind die Pflichten meines Standes in mancher Hinsicht, viel und groß die Beschwerden derfelben, viel und groß die Gefahren und Hindernisse des Heils, die mir so oft begeg= nen, und mich in der Treue gegen dieselben wan= kend machen wollen. Wie werde ich ben allem diesem standhaft ausharren, und meiner Pflicht jederzeit getreu seyn, wenn du, o Gott! mir nicht beystehest? Darum flehe ich zu dir, o Gott! erleuchte du mich stets durch das Licht deiner Gnade, daß ich bey allen Umständen und Er eignissen immer deinen Willen und meine Pflicht erkenne. Stårke mich aber auch durch deine Gnade, daß ich stets meine Pflicht getreu erfülle. Era wecke meine Seele, o Herr! wenn ich in meinen Pflichten nachlasse oder tråge und lau werde; stärke mich, wenn ich ermůde oder wanke; rathe und leite mich, wenn ich unschlüssig oder zweifelhaft bin; tröste mich, wenn ich bey den Beschwernissen muthlos oder traurig werde; erhalte mich in der Standhaftigkeit und Treue, wenn ich sie erfülle. Dann will ich, durch deine Gnade gestärkt, meine angewiesenen Geschäfte und Pflich& 373 ten zu deiner Ehre und zum Heile meiner Seele sowohl, als zum Wohle meines Nebenmenschen treu und fleißig verrichten, damit ich dir gefalle, der du einen jeden treuen Diener, der hier über Weniges treu gewesen, einst über Vieles sezen, und in deine Freude eingehen lassen wirst. Umen. 2. Gebeth eines Ehegatten. Gott! du haft bey Erschaffung der Menschen den Ehestand eingesett, zur Erhaltung und Fortpflanzung des Menschengeschlechts, und auch mich hast du berufen zu diesem Stande. Du hast mir eine Gattinn gegeben, an deren Seite ich meine Lebenstage zubringen soll. Sie soll mir die Gebülfinn, die Trösterinn, die Freundinn meines Lebens seyn. In wechselseitiger Liebe und Treue, in Eintracht und Frieden sollen wir einander das Leben erheitern, die Lasten des Lebens erleichtern, einander vervollkommnen, und gemeinschaftlich die großen und heiligen Pflichten erfüllen helfen, die du in diesem Stande von uns forderst. Wie nöthig haben wir dazu deinen Beystand, deine Gnade! Wie schwach ist oft unser bester Wille, und wie leicht wird zu Zeiten durch Unvorsichtigkeit und Uebereilung der Friede gestört, und mit ihm das Glück und die Ruhe des Lebens! Uch darum bitte ich dich, Herr! leite und ziehe du unsere Herzen, daß wir gegen einander stete Liebe und Treue üben; lehre uns in Uebereinstimmung der Gemüther alles besorgen, den einen des an 374 dern Schwachheit tragen, nachgeben und verge ben, wo es seyn muß. Gib uns Sanftmuth und Klugheit, daß wir nie mit Vorfag oder aus Uebereilung einander beleidigen! Gib uns Geduld bey vorfallenden Uebeln und Widerwärtigkeiten, daß wir einander trösten, und eine friedliche Ehe bis ans Ende zusammen erleben! Aber auch die große wichtige Pflicht der Erziehung lehre uns in ihrem ganzen Umfange erkennen, und hilf uns dieselbe genau erfüllen. Laß uns in den Beschwernissen derselben nicht ermüden, und die Lasten unfers Standes treulich theifen, damit alles mit dem besten Erfolge geschehe, was du von uns forderst. Gib uns, o Herr! fortwährend deinen Segen und deine Gnade, vereinige unsere Herzen in steter Liebe und Treue, und laß uns nach dei nem Wohlgefallen wandeln immerdar. Amen. 3. Gebeth eines Vaters( einer Mutter), um die Gabe einer weisen Erziehung zum Wohl der Kinder. Vernimm, o Herr! das Gebeth und die Wünsche - eines Vaters( einer Mutter), der zu dir flehet für das Wohl seiner Kinder. Du hast unsere Ehe gesegnet, o Herr! und uns durch das Geschenk gesunder Kinder erfreuet. Dank und Preis dir für alle Baterfreuden, die du meinem Herzen haft zu Theil werden lassen. Aber wie vieles habe ich auch nun von dir zu bitten, Herr! wie vieles ist zu thun, damit aus diesen Kindern gute Men 375 fchen werden, und ihr zeitliches und ewiges Wohl begründet werde! wie vielen Gefahren des Leibes und der Seele sind sie ausgesetzt von Kindheit an, die sich mit den Jahren ihres Ulters mehren und zunehmen. Auch das sorgfältigste Baterauge, auch die zärtlichste Wachsamkeit der Mutter sind nicht im Stande, jede Gefahr zu bemerken oder ihr zuvorzukommen. Uch Herr! ich empfehle sie daher deinem Schuhe, begleite du unsere Bemůbungen, unsere Sorgen mit deinem Segen, und erhalte die, so du uns gegeben hast, im Leben und in Gesundheit an Leib und Seele. Sende deinen Engel, daß er über sie wache, sie beschütze. Laß sie zu deiner Ehre und zu unserer Freude aufwachsen in Weisheit und Tugend, und laß gute und nützliche Menschen aus ihnen gebildet werden. Die Lehren und Ermahnungen, die wir und ihre Lehrer ihnen einflößen, die präge du tief in ihre Herzen, damit sie darin bewährt werden, und einst die erwünschten Früchte des Guten bringen. Leite fie früh auf deinen Wegen, und laß sie stets darauf fortwandeln. Bewahre und beschüße sie in allen Gefahren des Leibes und der Seele, und führe sie durch deinen Schutz durch die Klippen und Gefahren dieser Welt glücklich in jenes bessere Vaterland, wo wir bey dir unferm besten Vater uns alle versammeln, und an den Freuden deines Hauses Theil nehmen werden. Amen. 376 4. Gebeth eines Kindes für das Wohl seiner Eltern. Gott! du haft uns gebothen, Vater und Mutter zu ehren. Wer sollte nicht willig und gern diesem Gebothe gehorchen, da die Eltern uns so sehr lieben, und so viel Sorge und Mühe auf unser Wohl verwenden? Welchen Dank und wel che Liebe sind wir ihnen nicht schuldig! Aber, o Gott! ich kann ihnen keinen Dank dafür bringen, als mein dankbares Herz und meinen willigen Gehorsam. Du aber, o Herr! hast Mittel genug, sie dafür zu segnen und zu belohnen. Um dieses bitte ich dich, o Gott und Vater! gib ihnen doch ein langes und glückliches Leben in Gesundheit und Zufriedenheit. Erhalte sie uns doch lange im Leben, o Herr! denn ach was würde aus uns werden, wenn du sie durch einen frühen Tod von uns hinwegnåhmest! wie verlassen und unglücklich wären wir da! Wer würde dann für uns sorgen und unsere Erziehung befördern? Tröfte und stärke sie, Herr! bey allen Leiden und Beschwerden, die sie mit uns Kindern haben. Erleichtere ihnen die Mühe, die sie sich geben, uns zum Guten zu erziehen. Uch wie leid ist es mir, daß ich sie so oft betrübet habe durch Eigensinn und Ungehorsam, oder durch schlechte Aufführung. Verzeihe es mir doch, o lieber Gott und Bater! in Zukunft werde ich mich sorgfältig hüten, selbe nie zu beleidigen; und will immera 377 hin darauf bedacht seyn, ihnen durch meine gute Aufführung Freude zu machen. Ich will ihnen in allem, was sie mir befehlen, willig, fertig und demüthig gehorchen, weil du es so befohlen haft; ich will sie ehren, o Gott! als diejenigen, die deine Stelle vertreten an mir, um mich zum Guten zu ziehen. Ich will sie lieben, weil sie mir so gut sind, und weil es meine lieben Eltern sind. Helfe mir, o Gott! mit deiner Gnade, daß ich diese Pflichten treu erfülle, und verleihe meinen Els tern ein recht langes Leben, und erhalte sie in deiner Gnade, Freundschaft und Liebe. Amen. 5. Gebeth eines Christen in den Jahren der Jugend. Du hast mich, o Herr! bis zu den Jahren der Jugend heranwachsen lassen. Dank und Preis sey dir für deine Erhaltung, für deinen Schuß und jede gute Gabe, besonders für die Gabe der Erziehung, die ich durch meine guten Eltern, durch meine Lehrer oder Erzieher erhalten habe. Aber, o Herr! ich befinde mich jetzt in den gefährlichsten Jahren. Die Jugend soll viele Gefahren haben, sagt man, und wer in der Jugend verdorben wird, bleibt gewöhnlich für sein ganzes Leben verdorben und unglücklich: unglücklich für Zeit und Ewigkeit. Wer kann mich davor- bewahren, als du, o Gott! Meine guten Eltern warnen mich ohne Unterlaß vor den Freyheiten und Ausschweifungen, denen sich so viele in den jun 378 gen Jahren ergeben. Ich selbst sehe so oft ihre bösen Beyfpiele, höre so oft ihre leichtsinnigen oft bosen Reden, und wie sie über die Guten und Tugendhaften spotten. Aber, o Gott! ich habe es immer noch mit Widerwillen gesehen und gehört. Erhalte in mir doch stets diesen Widerwillen und Abscheu gegen das Böse! Bewahre mein Herz vor Verderbniß! 3war will ich mich sorgfältig hüten, mit Solchen umzugehen, und alle böse Gesellschaften zu meiden; aber unvorgesehen und zufällig kommt man doch oft hinein. Darum flehe ich zu dir, o Gott! bewahre du mein Herz vor Verderben. Lehre mich auch, Herr! über mich selbst zu wachen, auf meine bösen Neigungen Acht zu haben, und helfe mir, dieselben frühzeitig zu unterdrücken. Helfe mir, den bösen Gedanken und Begierden in ihrem ersten Erwachen und Entstehen Widerstand zu leisten, damit ich meine Seele und meinen Leib unbefleckt erhalte; denn wir Christen sind ja ein Tempel deines h. Geistes, der durch seine Gnade feit der Taufe in uns wohnet, und diesen Tempel dürfen wir ja nicht durch Fleischeslust verunehren. Erhalte mich daher, ich bitte dich, in Unschuld und jeder Tugend. Erhalte in mir die Schamhaftigkeit und die Liebe zur Ehrbarkeit, diese beyden Gefährtinnen der Keuschheit. Immer soll sich meine Seele bey vorkommenden Gefahren und Versuchungen zum Bösen an dich, an deine Gegenwart erinnern, und ich will zu mir selbst sagen, wie einst 379 jener vortreffliche Jüngling in Aegypten, da er zur Sünde gereizt wurde: wie könnte ich solch ein Uebel thun, und in den Augen meines Got: tes fündigen? Ach Herr! noch einmal bitte ich: erhalte mich in deiner Furcht und Liebe, und führe du mich durch alle die Gefahren hindurch, die meine Jugend umgeben, so werde ich immer ein ruhiges Gewissen und ein fröhliches Herz behalten, so werde ich in meinem Alter noch mit Ruhe und Freude an meine Jugendjahre zurück= denken; und ich werde, wenn du früh oder spät mich von dieser Erde abforderst, mit reiner Seele zu dir gehen, und dich meinen Gott schauen, und in dir selig seyn. Amen. 6. Gebeth eines Lehrers oder einer Lehrerinn. Zu einem wichtigen Umte hast du mich berufen, o Gott! in welchem ich viele, große und wichtige Pflichten zu erfüllen habe. Lehre und stärke mich, Herr! sie getreu zu erfüllen. Denn du weißt es, o Herr! mit welchen Mühseligkeiten das Umt verbunden ist, worin du mich durch deine Vorsehung gesetzt hast! mit wie vielen Hindernissen man zu kämpfen hat, welche Unannehmlichkeiten zu ertragen sind, welche Sorge und welchen Fleiß man anwenden muß, um aus den Kindern gut unterrichtete und gut gefinnte Menschen und Christen zu machen. Dir, Herr! ist alles dieses bewußt. Aber eben deswegen will ich auf deine 9 380 Hülfe, auf deinen Benstand desto sicherer vertrauen. Ohne dich vermag ich nichts Gutes auszurichten, durch dich aber vieles und alles. So erleuchte mich dann, Herr! daß ich deine Lehre und deinen Willen selbst recht verstehe; helfe und stårke mich, daß ich selbe recht deutlich vortrage, und präge du sie tief in die Herzen der Kinder, daß sie sie hochachten, lieben und befolgen. Gib mir, o Herr! Sanftmuth und Geduld bey den Fehlern der Kinder, damit ich ihnen im Geiste der Liebe Verweise und Strafen ertheile. Gib meinen guten Ermahnungen Nachdruck, daß sie fie tief zu Herzen nehmen und befolgen. Bey den Beschwernissen meines Amtes erhalte in mir den Muth und die Geduld. Erhalte in mir immer den Gedanken: Es sind ja deine Kinder, die du mir anvertrauet hast; du hast sie nach deinem Bilde erschaffen, dein göttlicher Sohn unser Heiz land hat sie durch sein Blut erlöset, dein h. Geist hat sie geheiligt, und sie sind bestimmt zu einem ewigen Leben. Dazu soll ich sie erhalten und vor bereiten helfen, dazu sind sie mir übergeben. D Gott! wie sollte ich nicht gern und mit Freude an deinen Geliebten meine Mühe verwenden, und dazu beytragen, daß sie dich kennen lernen, dich fürchten und lieben, daß fie deine- Gebothe ken= nen und halten lernen, wodurch sie dir gefallen und dienen, und zeitlich und ewig glücklich werden? Ja Herr! ich will muthig und unverdrossen in meinem Umte fortfahren. Aber ach! so oft 381 K stört mich der Gedanke, ob ich es auch immer recht mache; und wenn ich sehe, daß meine Lehren und Ermahnungen bey vielen oft so wenig fruchten, so werde ich muthlos; und wenn ich sehe und höre, daß Einige, wenn sie aus den Schulen sind, sich schlecht aufführen, alle guten Lehren und Ermahnungen wieder vergessen zu haben scheinen, und ein böses Leben führen! ach dann denke ich oft: Es ist doch alles umsonst, was man an den Kindern thut, oder wer weiß, ob man auch genug seine Pflicht gethan? Ach Herr! deswegen bitte ich dich, verzeihe mir, wenn ich aus Versehen oder Nachlässigkeit etwa gefehlt habe. Erneuere und belebe du in mir den Eifer, wenn er anfängt zu erschlaffen, und gib mir im-= mer Kraft, Muth und Stärke, meine Pflichten zu thun. Laß mich immer mit Klugheit und Liebe zu Werke gehen; und segne dann du meine Sorgen und Bemühungen an den Seelen deiner Kinder. 7. Gebeth eines Christen in seinen alten und betagten Jahren. Du haft die Jahre meines Lebens zu einer hohen Unzahl heranwachsen lassen, o Herr! und mir ein Alter verliehen, das wenigen Menschen zu Theil wird. Das ist deine Gabe, o Gott! und ich will dir dafür danken; denn viel Gutes habe ich in meinem Leben von deiner Vaterhand empfangen; und wenn auch zu Zeiten einige 382 trübe Tage mitunter kamen, so hast du mich auch diese überstehen geholfen, und ließest nach dem Regen immer wieder Sonnenschein erfolgen. Ja, Herr! du warst immer gut, und ich will dir danfen für alles Gute, was ich in meinem Leben genossen habe. Auch an meiner Seele hast du viel Gutes gethan, o Gott! du hast mich bewahrt vor großen Sünden und Lastern, und wenn ich aus Schwachheit fehlte, so hast du mir vergeben. Du hast mich in deiner h. Religion, die du den Menschen gegeben hast, immer viel Troft und Freude gegeben, und haft mir bis in mein Alter ein ruhiges und gutes Gewissen erhalten. O das ist jetzt meine größte Freude! Uber dennoch habe ich in meinem Leben oft gefehlt, und welcher Mensch weiß und beobachtet es, wie oft er fehlet? darum will ich die Ruhe meines Ulters zur bessern Prüfung meiner vorigen Lebenszeit anwenden, und oft zu dir flehen: Gedenke nicht an meine Unwissenheiten, und vergib mir die Sünden meiner Jugend! Dann will ich aber fest auf dich hoffen und vertrauen, daß du mir vergeben hast. Ich bin nun am Abend meines Lebens; meine Tage sind zwar vorübergegangen wie ein Schatten, aber wie freue ich mich, daß ich sie nützlich zugebracht habe. Nun kann ich meine Zukunft ruhig erwarten; ich will mich dazu gefaßt und bereit halten. Ich habe vielleicht nur noch wenige Tage zu leben! Diese wenigen will ich nun noch gut anwenden, und dann, hoffe - 383 ich, wirst du mich an meinem Ende stärken und trösten, und mich eingehen lassen in die Ruhe und in deine Freude. Amen. 8. Gebeth eines Hausvaters oder einer Hausmutter. Lehre mich, o Herr! die Pflichten recht erkennen, die ich als Hausvater( Hausmutter) zu erfüllen habe, und helfe mir selbe genau zu beobachten. Nicht nur eine gute Aufsicht auf meine Kinder, sondern auch eine gehörige Aufsicht auf die Dienstbothen und auf die ganze Familie forderst du, o Gott! von einem christlichen Hausvater. Er soll, nach deines Apostels Lehre, Sorge tragen für alle seine Untergebenen, Sorge für das zeitliche und ewige Wohl derselben. Er soll mit Liebe befehlen, mit Sanftmuth ermahnen und beffern, mit Bescheidenheit und Klugheit jede Unordnung verhindern, und selbst mit gutem Beyspiele vorleuchten. Es gehört vieles dazu, o Herr! dieses alles recht zu beobachten, darum flehe ich zu dir, o Gott! um Hülfe und Bey= stand. Gib mir einen recht christlichen Sinn, und den Geist des Friedens und der Liebe; bewahre mein Herz, damit ich mich nie durch Zorn oder Ungeduld überwältigen lasse. Flöße mir den Geist der Demuth ein, damit ich nie mit Stolz befehle, nie mit Hårte verweise, wenn etwas ver= sehen wird. Laß mich stets gedenken, daß du unsrer aller Herr bist, und wir alle deine Knechte 384 K sind, daß wir vor dir alle gleich sind, damit ich in Demuth und Liebe regiere. Aber wo es seyn muß, Herr! wo du verunehrt oher beleidigt wirst, sey es durch Worte oder Thaten, da gib mir Muth zu sprechen, da ergreife mich der Eifer für deine Ehre und die Jugend, daß ich belehre, strafe und bessere. Gib aber auch den Untergebenen meiner Familie einen gelehrigen folgsamen Sinn, damit sie meinen wohlgemeinten Ermahnungen Folge leisten, damit auch sie mit gewissenhafter Treue ihre Pflichten thun, und alles in Frieden und Eintracht geschehe. Erhalte und stärke uns alle zu einem guten christlichen Wandel: dann wird dein Segen über uns ruhen. Umen. 9. Gebeth eines Dienstbothen. Die Verschiedenheit der Stände auf Erden haft du, großer Gott! aus weisen und heiligen Absichten beschlossen und eingeführt. Die wechselseitige Hülfe und Dienstleistung, die sich Men= schen einander erzeigen müssen, würde ohne diese Einrichtung nicht geschehen. Du, o Herr! hast alles weise und gut eingerichtet auf Erden, und hast jedem Stande seine Pflichten angewiesen. Mich hat deine Vorsehung zum Stande eines Dienstbothen berufen; und da du mich dazu bestimmt hast, Herr! so wird dieser Stand auch für mich derjenige seyn, worin ich dir am sichersten dienen, und mein ewiges Heil wirken werde, wenn 385 ich nur meine Pflichten, die er mir auflegt, getreu erfülle. Darum flehe ich also zu dir, Herr! lehre mich meine Pflichten stets einsehen und era kennen, stårke mich, selbe zu erfüllen. Gehorchen will ich meinen Vorgesetzten, und ihre Befehle thun mit willigem und fertigem Gehorsam. Lieben will ich sie, und nie mit Vorsag beleidigen; büfen will ich mich, ihnen Verdruß zu machen durch Klatscherey und Reden aus dem Hause; gegen alle Hausgenossen will ich vertragsam und friedfertig seyn, und mich hüten vor 3ank und Neid. Meine Arbeit will ich auch ungesehen mit Fleiß und gewissenhafter Treue verrichten; die Sachen meiner Herrschaft will ich in Ucht nehmen, als waren es die meinen. Und dies alles will ich thun, nicht nur, damit meine Vorgesetzten mit mir zufrieden seyn, sondern auch, weil es dir, o großer Gott! so gefällt, und du es von mir forderst. Aber der Stand, worin ich mich befinde, hat oft viele Unannehmlichkeit und Beschwerniß; tröste und stärke mich, Herr! selbe zu ertragen. Der Gedanke an dein Wohlgefallen, und die Hoffnung eines ewigen Lohnes bey dir, sollen die Beschwerden meines Standes erleichtern, wenn sie mir zu schwer scheinen, damit ich mit Standhaftigkeit und Geduld meine Arbeit und Mühe ertrage. Das Beyspiel deines Sohnes, meines Heilandes, soll mir stets vor Augen schweben. Er kam auf Erden, nicht um bedient zu werden, sondern um zu dienen; sein Stand 3 b 386& war dem meinigen gleich das soll mich ermuns tern und trösten. Erhalte, o Gott! in mir diefen Sinn, damit ich alles thue mit Hinblick auf dich und mein künftiges Leben, so wird mir mein Dienst leicht, so werden mir meine Werke verdienstlich werden, und ich in meinem Stande dir Umen.or mad gefallen und mein Heil wirken. Amen. 10. Gebeth eines Wohlhabenden oder Reichen. TOM Du hast mich gesegnet, Herr! mit Glück und Reichthum. Wie undankbar wäre ich, wenn ich nicht stets daran dachte, daß es deine Gaben sind, die ich besitze und genieße; und wenn ich nicht den Gebrauch davon machte, den du von mir ers wartest. Wie unglücklich aber würde ich mich selbst machen, wenn ich mich von den Reichthümern. und Gütern der Erde verblenden und verderben ließe. Uch Herr! wer hat mehr Ursache, dich zu bitten, als ein Reicher, ein Wohlhabender! Dein göttlicher Sohn, Jesus Christus unser Heiland, hat uns unsere Gefahr recht vor Augen gestellt in der Parabel vom reichen Manne, und hat uns bedeutet, daß es so schwer seyn würde für einen Reichen, in den Himmel zu kommen. Aber wenn ich denn nun meinen Reichthum máßig genieße, den Urmen, Bedürftigen gern mittheile, vor Stolz, Habsucht und Wollust mich hüte, und christlich lebe, werde ich dann nicht dennoch Hoffnung has ben, dir zu gefallen und einst in dein Reich auf: F 387 K genommen zu werden? Ja, Herr! unter folchen Bedingungen hast du auch den Reichen und Wohl= habenden die Aufnahme in dein Reich verheissen. Uber, o mein Gott! wer bilft uns, so zu seyn? wer steht uns bey, allen den Gefahren des Heils, die mit dem Reichthume verbunden sind, zu entgehen? wer, als du? Darum bitte ich dich, Herr! lehre mich, das Vergängliche und Gefährliche der Güter dieser Welt oft bedenken und einsehen, bea wahre mein Herz, daß es in denselben nie seine größte Glückseligkeit setze, und denselben mit unmäßiger Liebe anhange, und mache mich geneigt, den armen nothleidenden Brüdern gerne zu Hülfe zu kommen. Bewahre, o Herr! mich und die Meinigen vor jedem Mißbrauch deiner Güter, womit uns deine Vorsehung begabt hat. Laß uns ihre Vergånglichkeit, Ungewißheit und kurze Dauer doch oft bedenken und tief fühlen, indem ja, wie dein Sohn unser Heiland uns lehrt, und die Erfahrung bestätigt, ein Unglück sie uns nehmen, die Diebe sie stehlen, das Feuer sie verzeha ren kann, und endlich der Tod sie gewiß uns nehmen wird. Laß uns dieselben weise und mäßig gebrauchen, und oft bedenken, daß wir einen noch größern Schaß im Himmel haben, den weder die Diebe stehlen, noch das Feuer verzehren, noch die Motten und der Rost fressen, noch selbst der Tod uns rauben kann. Nach diesem laß uns tine gen und streben, und durch gute Anwendung der B ba 388 irdischen Güter laß uns der ewigen theilhaftig werden. Amen. 11. Gebeth eines Armen. Ich bin arm, o Gott! du weißt es, ich bin arm. Aber ich darf doch zu dir kommen und be then, denn du hörst die Urmen so gern wie die Reichen; ja dein göttlicher Sohn, unser Heiland, war ein rechter Freund der Urmen, und war freywillig felbst ein Armer, da er auf Erden war; und doch hatte er alles haben können, was er wollte. Aber das wollte er nicht, er wollte in Urmuth geboren werden, in Armuth leben und arm sterben. Er war so arm, daß er nicht hatte, wo er sein Haupt hinlegen konnte. Wenn ich daran denke, o Gott! dann trößte ich mich recht, und dann gebe ich mich ganz zufrieden, daß du mich auch haft arm werden lassen. Uber, o Gott! es ist doch oft so schwer, arm zu seyn. Keine Uchtung bey den Menschen haben, Hunger und Durst leiden, keine warme Kleidung im Winter haben, kaum so viel, daß man sich bedecken kann, und dann so viele andere Noth, die man ausstehen muß, das Allmosen, das oft so ungern gegeben wird, die Verlassenheit, wenn man krank ist! und was mich oft am meisten drückt, die hungrigen nackten Kinder! O Gott! du weißt es am besten, wie es den Armen zu Muthe ist. Aber du willst es ja so haben, und du mußt deine guten Ursachen haben, daß du einige MenG 389 fchen so arm seyn läsfest. Vielleicht wären fie verdorben, wenn sie glücklicher und reicher wären. Und es dauert ja alles hier nur eine kurze Zeit, und nach diesem Leben willst du ja die Armen in Lazarus Schoos zu dir in den Himmel nehmen, wo sie keine Noth mehr haben, und ewig glückselig seyn sollen. Uch möchte ich nur in meis ner Noth und Armuth mich allzeit recht verhalten, wie du es haben willst! Möchte ich mich nur immer vor Ungeduld hüten, und mit deinem Willen zufrieden seyn! dazu helfe und stärke mich doch, o Gott! Was mich am meisten freuet, ist, daß ich nicht durch eigne Schuld arm geworden bin; das würde mich immer krånken, wenn ich daran denken müßte, daß ich mich und Weib und Kinder unglücklich gemacht hätte. Aber nun kann ich meine Urmuth viel leichter tragen, da sie mir, o Gott! von dir aufgelegt ist. Gib mir nur Ges duld, und helfe mir meine Armuth still und ruhig tragen. Bewahre mich auch vor jeder Sünde, und laß mir nie den Gedanken in den Sinn kommen, daß ich durch Unrecht in meiner Noth mir zu helfen suchen wolle; ach davor bewahre mich, o Gott! Nein, ich will immer auf dich vertrauen, du hast mich noch nie ganz verlassen. Wenn ich recht in Noth war, dann hast du mir allzeit noch durch Mitleid und Hülfe guter Men= schen geholfen. Dann dachte ich oft: das muß Gott gethan haben, der die Herzen der Reichen gerührt hat. Ja, unter den Reichen gibt es viele 390 R gute Menschen, die ein rechtes Mitleid mit den Armen haben, und vieles thun. O Gott! gib ihnen doch dafür viel Gutes hier auf dieser Welt, und gib ihnen dafür hernach die ewige Seligkeit. Darum bitte ich dich, o Gott! für alle meine Wohltház ter, für mich, mein armes Weib und meine armen Kinder. Amen. 12. Gebeth eines Vorgesetzten, der in einem öffentlichen Umte steht. Deine Vorsehung hat mich zu einem Umte berufen, o Herr! in welchem ich das Wohl meiner Mitmenschen befördern soll. Ein hoher und wichtiger Beruf! aber auch wichtige Pflichten, die mir in demselben aufgelegt sind. Einem Jeden Recht verschaffen, die Klagen eines jeden hören, ohne Unterschied der Personen urtheilen und handeln, Ruhe und Ordnung befördern; wie nöthig ist nicht zu allem diesem Weisheit, Geduld und Starkmuth! und wer kann solche geben, als du? Darum bitte ich dich also, o mein Gott! verleihe mir Licht und Kraft von oben, um meinem Umte würdig vorzustehen. Erhalte in mir immer Gerechtigkeitsliebe und Unpartheilichkeit, damit ich nie aus unedler Absicht oder aus verwerflichen Bes weggründen bandle, sondern immer nach den Gefehen der Billigkeit und Gerechtigkeit. Erhalte in mir die wahre allgemeine Menschenliebe, da mit ich den Geringen nicht zurücksete, weil er gering ist, und den Vernehmern seines Standes 39⁰ R und Ranges wegen nicht vorziehe. Gib mir Ge duld bey vorkommenden Beschwernissen; laß mich, wenn ich verkannt werde, und wenn ich, um meiner Pflicht getreu zu seyn, beleidigen muß, den Muth nicht fallen lassen, sondern um der Gerechtigkeit willen das Mißfallen einiger Menschen mit Gelassenheit ertragen. Möge mich doch nur immer ben allen meinen Handlungen das Be wußtseyn eines guten Gewiffens begleiten, und mir das Zeugniß geben: Recht gethan zu haben nach den Vorschriften meines Amtes und nach deinem heiligen und gerechten Willen! Dazu helfe und stärke mich, großer Gott! durch deine Gnade. Amen. 13. Gebeth eines Unterthanen. Es ist keine Obrigkeit, als von dir, o Gott! so Tehrt uns deine heil. Religion, und befiehlt uns, daß wir der Obrigkeit gehorchen sollen, und sols ches sollen wir thun, nicht nur um der Strafe willen, sondern auch um des Gewissens willen, weil du es von uns forderst. Ich will deinem heil. Willen gehorchen, o Gott! und will meine Vorsteher auf Erden ansehen als deine Stellvertreter, denn sie regieren und befehlen in deinem Namen. Ohne obrigkeitliche Regierung, was wäre unser Leben? wo wäre Ruhe, Ordnung, Sicherheit? wie würde die Unschuld beschüßt, wie dem Laster und dem Unrecht Schranken gesetzt? Darum ist es Weisheit und Güte von dir, o Gott! 392 daß du deine Menschenkinder durch Obrigkeiten regieren läsfest. Ich will diese deine weise Eins richtung stets dankbar erkennen, und denen ge= horchen, dir deine Borsehung als unsre Vorsteher anordnet. Ich will sie ehren und ihnen Folge Leisten, und was ich ihnen schuldig bin, entrichten. Auch die Abgaben, welche zur Erhaltung des Staats nothwendig sind, will ich treu entrichten, weil ja dein göttlicher Sohn, unser Heiland, und gelehrt und befohlen hat, zu geben dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Erhalte doch, o Herr! in allen christlichen Unterthanen eine stete Liebe, Treue und Gehorsam gegen ihre Vorgesetzten, welche für uns wachen, sorgen, und das allgemeine Beste befördern müssen. Erleuchte auch und stärke alle Obern und Regenten, damit sie immer mit Weisheit und Liebe regieren, und alles das befördern, was zu deiner Ehre und zum Wohl der Menschen nöthig und dienlich ist. Erhöre, o Gott! dieſe meine Bitte, und schenke uns und allen Menschen Einigkeit, Liebe, Ruhe und Frieden. Umen. 14. Gebeth eines Handwerksgesellen, der auf Reisen ist. Ich ch bin von den Meinigen entfernt, aber dir bin ich doch immer nahe, o mein Gott! denn in dir leben wir, in bir bewegen wir uns, und in dir sind wir Menschen, wo wir uns immer be 393 finden. Darum soll meine Seele auch stets und überall auf dich vertrauen. Du wirst mich leiten auf allen meinen Wegen. Wenn ich nur recht thue, und vor dir wandle nach deinem heiligen Gefeße; wenn ich nur die Pflichten meiner Neligion und meines Standes treu und standhaft erfülle, so wirst du, o Gott! mich nicht verlassen, so wirst du mit mir seyn auf allen meinen Wea gen, und mich nach vollendeter Wanderschaft, wenn es dir so gefällt und meinem ewigen Heile dienlich seyn wird, zurückführen zu meinen Eltern und Freunden. Aber viel und groß sind die Ges fahren, unter denen ich wandle, o Herr! wenn du mich nicht hindurchführst, wie werde ich selben entgehen? Auf meinen Reifen, im Umgange mit so manchen mir ganz unbekannten Menschen, in fremden Ländern und Städten, Herr! wenn du mich nicht beschüßest, wohin werde ich gelangen? Laß mich doch, o Gott! nicht in große Noth kommen, nicht in schwere Krankheit fallen, oder gib, wofern es dir so gefällt, bald Rettung und Hülfe. Vorzüglich aber, o Herr! bitte ich dich, beschüße mich in den Gefahren des ewigen Heils. Wie mannigfaltig sind die Gelegenheiten zur Sünde, die Versuchungen zum Bösen! Die bösen Reden der Spotter der Religion, der Verführer zur Unzucht und zum Unrecht, die bösen Beyspiele der Gottlosen umgeben mich so oft von allen Seiten. Uch Herr! beschüße und bewahre mich doch, daß ich an ihren Lastern keinen Uns 394 R theil nehme. Erhalte in meinem Herzen die Hochachtung gegen deine h. Religion, die Liebe zur Reinigkeit und Keuschheit, die Liebe zur Ge= rechtigkeit und zu jeder Tugend. Sende deinen Engel, Herr! der mich begleite und beschüge in allen Gefahren, der mich, wie einst den jungen Tobias, auf allen meinen Wegen leite, und zu den lieben Meinigen mich unbeschädigt und glücklich zurückführe. Amen. 15. Gebeth eines conscribirten Soldaten. Du hast mich, o mein Gott! durch die Fügung deiner Vorsehung von den Meinigen getrennt. Hart und schwer war diese Trennung meinem und ihren Herzen. Aber du, o Gott! hast es ge= wollt und gefügt, und alle deine Unordnungen find gerecht, sind weise und gut, wenn wir es nach unsern menschlichen Begriffen auch nicht immer erkennen. So hat uns deine Religion, so hat uns selbst dein Sohn, unser Heiland Jesus Christus, gelehrt. Ich will mich daher deinen h. Unordnungen unterwerfen, und dem Berufe fols gen, wozu du mich bestimmt hast. Wenn ich die Pflichten dieses neuen Standes treu erfülle, wenn ich diesem meinem Berufe treu folge, so werde ich dir dadurch eben so dienen und gefallen, und auf deine Verheissungen eben den Anspruch haben, als da ich meine vorigen Standespflichten zu erfüllen hatte. Du führst die Menschen durch verschiedene Stände und auf verschiedenen Wegen 395 zum ewigen Heil, wenn sie dir nur treu bleiben und ihre Pflicht thun. Uber, o Gott! ein jeder Stand hat seine besondern Beschwerden, ein jeder feine besondern Gefahren. Wie nöthig sind mir in jenen und in diesen dein Beystand und dein. Schuh! Du weißt und kennst, o Herr! die Beschwernisse des Standes, worin ich mich ist be finde, du weißt und kennst seine Gefahren, Ges fahren des Lebens und Gefahren des Heils. D erhalte in mir Geduld und Standhaftigkeit bey den nöthigen Waffenübungen, auf den beschwerlichen Märschen und bey allen Verrichtungen meines Berufes. Beschüße mich in den Gefahren, erhalte mich im Kampfe, wenn ich fürs Vaters land kämpfen muß; aber, o Herr! erhalte mich vor allem übrigen doch vorzüglich in deiner Gnade, in deiner Liebe. Laß mich durch kein Unrecht, durch keine Sünde dir untreu werden; bewahre mein Herz vor Verführung zum Bösen; flöße mir stets einen Abscheu gegen das Laster der Unzucht ein, der sich ach so viele meiner Waffenbrüder ergeben. Ich habe mich fest entschlossen, daß weder ihre unverschämten Reden, noch ihre bösen Beyspiele auf mein Herz Einfluß haben sollen; aber du, o Herr! mußt mich stärken. Wie könnte ich, wenn ich mich auch zum Bösen entschließen würde, mehr auf dich vertrauen, wie könnte ich den Gefahren und selbst dem Tode, wenn meine Pflicht mich ruft, ruhig und unerschrocken entgegen gehen, wenn ich dich, o mein 396 Gott! durch Sünde und Laster verlassen hätte, und du mich, wie ich verdiente, verlaffen würdest. Nein, Herr! dir will ich treu bleiben auf allen meinen Wegen; dich will ich kindlich fürchten, dich kindlich lieben; so werden mir alle Dinge zu meinem Besten gereichen. Dann werde ich felbst in den Gefahren des Todes nicht verzagen. Stürbe ich dann, so stürbe ich für dich und für das Vaterland; bliebe ich beym Leben, so fehrte ich nach vollendetem Dienst mit Ehre und Freude zu meinen lieben Eltern und den Meinigen zurück. Erhalte in mir, o Gott! diese Gesinnungen, erhalte mich in deiner Gnade. Schüße, bewahre, stårke mich auf allen meinen Wegen, und leite mich nach deinem h. Wohlgefallen auf denselben zu meinem ewigen Heile. Amen. 16. Gebeth der Eltern oder Angehörigen für solche, die durch Conscription oder sonst in der Fremde sich befinden. Ich erhebe mein Herz zu dir, o mein Gott! und flehe dich an um deinen Schuß für meinen Sohn( Bruder u. s. w.), welcher durch deine Fügungen von uns getrennt ist. Er ist von uns entfernt, aber unserm Herzen immer nahe. Jedoch wo er immer seyn mag, du bist um ihn: das glaube ich, das nur kann mich trösten und beruhigen. Möchte er nur auch auf dich stets vertrauen und dich vor Augen halten bey den mannigfaltigen Gefahren des Leibes und der Seele, 397 die ihm auf seiner Wanderschaft und in seinen Umständen begegnen. Ach Gott! erhalte ihn doch) immer auf deinen Wegen, auf dem Wege der Religion und Tugend. Bewahre sein Herz vor dem ansteckenden Verderben der Sünde; schůze ihn ben allen Gefahren des Leibes und der Seele. Tröste ihn zur Zeit der Widerwärtig= keit und Trübfal; stärke ihn bey den Beschwerlichkeiten seines Standes und Berufes, damit er dir und seiner Pflicht immer getreu bleibe. Sende deinen h. Engel, o Herr! der ihn auf allen sei= nen Wegen begleite, und ihn auf seinen Reisen an allen Orten beschüge, gleichwie du einst den jungen Tobias durch deinen Engel geleitet und beschützet hast. Und wenn es dir gefallen, und seinem und unserm Seelenheile dienlich sein möchte, dann, Herr! führe ihn nach vollendeter Wanderschaft( nach vollendeten Dienstjahren) gesund und glücklich zu mir und allen den Seinigen zurück. Erhöre, o Herr! dieses mein Flehen, und erfülle unsre Wünsche, die wir im Vertrauen auf deine Macht und Güte zu dir für denselben aufschicken. Wir bitten dich darum durch Jesum Christum unsern Herrn, der mit dir in Einigkeit des h. Geistes herrschet in Ewigkeit. Amen. 17. Gebeth einer Wittwe, oder sonst verlassener Personen. Du hast mich, o Gott! durch das Schicksal in traurige Verlaffenheit gerathen lassen. Von der 398 K Welt, von den Menschen, von den Meinigen vera lassen, wohin könnte ich mich wenden, wenn du nicht aller Menschen Vater, Trost und Helfer wärest, und wenn du nicht besonders der Verlassenen und Bedrångten dich anzunehmen, in deinem Worte verheissen, und zu dir sich zu wenden, ihnen befohlen hättest? Siehe denn, o Gott und Bater! ich erscheine vor dir, vor deinem h. Ungesichte will ich mein Herz zu dir erheben. Du weißt und kennest meine Umstände, weißt und kennest meine Verlassenheit, und den Kuma mer meines Herzens. Du selbst hast in die Umstände, worin ich mich befinde, mich gesetzt. Denn vor dir ist kein Ungefähr, kein Zufall. Alles, was den Menschen, deinen Kindern, bez gegnet, ist von deinen ewigen Rathschlüssen angeordnet: und alles, was du über jeden einzelnen Menschen fügeft und anordnest, das hast du mit Weisheit und Güte angeordnet. So hat uns dein ewiger Sohn, unser Heiland Jesus Christus gelehrt, der uns versichert, daß auch die kleinste Begebenheit ohne deinen Willen uns nicht bea gegne, daß sogar die Haare unseres Hauptes von dir gezählt sind, und keins derselben ohne deinen Willen herabfalle. Er hat uns ferner versichert, daß du, Bater! die Deinen liebest, und in all' ihrer Noth und Verlassenheit auf sie herabsiehest, und mit ihnen alles zu ihrem Besten ausführen werdest. So will ich denn auf dich hoffen und vertrauen. Deine weise und gütige Vorsehung 399 hat mich in die traurigen Umstände gesetzt, worin ich mich befinde. Vielleicht wären bessere Glücks= umstände mir gefährlich und schädlich in Unfe= hung meiner Tugend und meines ewigen Heiles. Du Vater! weißt am besten, was deinen Kindern nuke. Daher geschehe an mir dein heil. Wille Uber bitten darf ich dich, o Gott! daßt du meine Seele tröstest und stårkest, daß ich in der Geduld und Ergebung in deinen h. Willen standhaft beharre. Du weißt es, Allwissender! wie finster und traurig es so oft in meiner Seele wird. Du weißt es, wie oft mir Kleinmuth und Niedergeschlagenheit anwandelte, und wie sehr ich zu kämpfen habe gegen Ungeduld und Unzufriedenheit. Uch in den trüben Stunden der Traurigkeit, dann tröste meine Seele durch deine Religion und deine Gnade! Dann richte meinen niedergeschlagenen Geist auf, durch die Tröstungen und Verheissungen deines h. Wortes, durch die Versicherungen deines göttlichen Sohnes, der da spricht: Selig sind, die da trauern, denn sie follen getröstet werden, und wiederum: Ulle eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden, die nie von euch wird genommen werden. Erinnere mich doch, o Gott! durch den Tröster, den heil. Geist, an solche tröstliche Wahrheiten, und drücke sie in den Stunden der Traurigkeit besonders in mein Herz, daß meine Seele Muth fasse, und in dir Trost und Ruhe finde. 210 Erhalte mich auch ferner, o Gott! unter dei 400 K nem Schuß und Schirm in allen meinen Angegelegenheiten des Leibes und der Seele. Laß mich stets auf deinen Wegen wandeln, und laß mich nie die Aussicht zu einem besseren Glücke, oder die Hoffnung besserer Umstände verleiten, etwas Boses zu thun, wodurch ich dich, mein höchstes Gut, und mein ewiges Heil verlieren würde. Erhalte mich in deiner Gnade, in deiner Liebe, so wird mir alles zu meinem Besten gereichen. Umen. 112 Siebente Abtheilung. Gebethe zu verschiedenen Zeiten und bey verschiedenen Anlassen. ning pro Borerinnerung. Es gibt Zeiten, wo der Christ vorzüglich Vertrauen, Trost und Stärke bedarf, um sich christlich zu betragen. In diesen soll er sich auch vorzüglich durchs Gebeth zu Gott wenden. Solche sind die Zeiten allgemeiner Land: plagen, Seiten der Theurung und Krankheiten, Zeiten des Krieges und der Unruhe, Zeiten der schlimmen Witterung u. f. w. Nur der gläubige Hinblick auf eine göttliche Vorsehung, welche alles anordnet, und zum Besten der Menschheit alle Dinge leitet und ausführt, kann bey solchen Vorfällen beruhigen und trösten. Dazu mogen dann folgende Ermunterungen und Gebethe dienen, 401 1. Gebeth bey allgemeinen Landplagen. Gerechter und heiliger Gott! deine Hand ist schwer geworden über uns, du züchtigest und strafest deine Kinder. Die Menschen seufzen unter den Uebeln, womit du sie heimsuchest. Uch wir haben Uebels gethan, und deine Strafen verdient. Aber wenn wir unsere Sünden erkennen, büßen und bessern; dürfen wir, Herr! dann nicht wie: der auf dich hoffen und vertrauen? Ja, Herr! du bist und bleibst unser Vater, wenn du auch strafeft; du willst nur unsere Besserung, unser Heil, darum wollen wir uns zu dir wenden in unfrer Noth. Wir wollen bekennen vor dir und dem Himmel: wir haben gefehlt, wir haben Uebels gethan. Aber ach! siehe gnädig auf unser zerschlagenes Herz; ein demüthiges und zerknirschtes Herz willst du ja nicht verwerfen. Siehe auf unsere Thränen, auf die Buße deines Volkes, und erbarme dich unfrer! erzeige uns wieder deine Barmherzigkeit und Gnade! wende ab die wohlverdienten Strafen, befreye uns von den Uebeln, womit du uns nach deiner Gerechtigkeit gezüchtiget hast! laß uns doch die vorigen glücklichen Tage wieder aufleben sehen, damit wir uns des Lebens freuen, und dir in Ruhe dienen! Wenn es möglich ist, o Gott und Vater! wenn es mit deinen gerechten, heiligen und ewis gen Rathschlüssen vereinbar ist, so nimm doch diesen Kelch des Leidens von uns! so fleben wir 402 zu dir mit den Worten deines ewigen Sohnes, unsers Heilandes, jedoch wir setzen, wie er, hinzu: nicht, wie wir wollen, sondern wie du willst. Hast du, o Herr! nach den Absichten deiner großen und heiligen Vorsehung es anders beschlos sen, müssen, um diese Absichten zu erreichen, die Leiden noch länger fortdauern, Herr! so geschehe dein Wille. Nur bitten wir, tröste und stärke unsere Seelen; gib uns Geduld und Standhafe tigkeit, bewahre uns vor Kleinmuth und Trostlosigkeit, hilf uns die Uebel tragen, die du uns aufzulegen für nöthig und gut findest; und laß uns ausharren bis zur Stunde der Erlösung, wo wir dir danken und deinen Namen preisen wollen. Umen. 2. Gebeth zu Zeiten des Krieges, oder kriegerischer Unruhen. Allmächtiger ewiger Gott! unter dessen Gewalt und Gebieth alle Menschen stehen; wir werfen uns vor dir nieder, und flehen: komm uns doch zu Hülfe bey gegenwärtigen Unruhen, tröste uns und rette uns von den leidigen Uebeln eines verderblichen Krieges. Du, o Gott! weißt es, was wir leiden, was die ganze Menschheit leidet in so vielen Ländern unter deiner Sonne, wo Menschenblut in Strömen vergoffen wird, wo die schrecklichsten Verwüstungen geschehen, da Menschen, die Brüder sind, einander sich würgen. Herr! wie unerforschlich sind deine Rathschlüsse, 403 K da du solches auf Erden unter deinen Kindern geschehen läsfest! Jedoch deine Gerichte sind ge= recht und heilig. Können wir auch nicht immer deine Absichten ergründen, warum du so manches, was mit unsern Begriffen nicht übereinstimmt, geschehen läsfest, so hast du uns doch durch deine h. Religion gelehrt: daß alles zu großen, guten und heiligen Zwecken geschehe, daß du aus den Uebeln selbst Gutes hervorbringen könnest, und endlich alles zu deiner Verherrlichung und zum Besten der Menschen gereichen müsse. Nur dieser. Gedanke kann uns beruhigen und trösten. Aber bitten dürfen wir dich doch auch, Herr! tröste du uns, und hilf uns die Leiden des Krieges tragen. Kürze die traurigen Tage ab, Herr! und. gib uns den Frieden. Du, der du die Herzen der Könige und Fürsten in deinen Händen hast, und sie, wie du uns in deinem Worte versicherst, wie Wasserbäche leitest, du, o Herr! flöße ihnen friedfertige Gesinnungen ein. Rühre ihre Herzen, daß sie das Elend erwägen, das sie verbreiten, und daß sie sich bald entschließen, einander die Hände zum Frieden zu reichen, und dafür deinen Beyfall und den Dank und Segen ihrer Völker und aller guten Menschen erhalten. Herr erfülle doch bald diese unsere sehnlichen Wünsche, gib uns den Frieden, und wir wollen mit Freude erfülltem Herzen dir danken und deinen Namen preisen. Amen. Sc 2 R 3. Gebeth zu Zeiten ansteckender Krankheiten. Traurig und finster ist es um uns her, o Gott! da du unsere Freunde und Brüder durch eine verheerende Krankheit so häufig aus unserer Mitte nimmst. Zwar sterben müssen wir alle; denn wir sind Sünder, und müssen uns dem Urtheile des Todes einst unterwerfen. Aber wenn du der Menschen so viele sterben läsfest, Herr! wenn Leiche auf Leiche binausgetragen wird, und wir alle gleichsam unter den Todten wandeln; wenn wir die jammernden Brüder täglich vor Augen sehen, täglich selbst mit banger Furcht den Unfall der verheerenden Seuche erwarten müssen; ach Gott, welch ein Leben! Erbarme dich, Bater! erbarme dich! Haben wir gesündigt, o so siehe, wir bereuen es, wir sind bereit zu büßen, und durch Besserung des Lebens uns deiner Schonung würdig zu machen. Gib uns nur Gnade, und Zeit zur wahren Buße und Besserung unsers Lebens; dann soll diese Prüfung uns eine Warnung seyn, uns selbst desto ernstlicher zum Tode Erbarme dich dann doch, o Herr! vorzubereiten. und nimm diese schwere Geissel deiner Strafe von uns. Wenn es möglich ist, Gott und Vater! so laß diesen Kelch vorübergehen. Oder ist es nach deinen weisen und heiligen Absichten beschlossen, daß sie noch långer fortdauere, diese traurige Zeit, so gib Geduld, und erhalte unsern 1 404 405 R Muth. Erleichtere und stärke die kranken Brüder und Schwestern, tröfte die Sterbenden, stärke die Gesunden, daß sie in der Wartung und Pflege der Kranken nicht ermüden, und führe dann doch bald die Stunde der Erlösung von diesem Uebel herben, damit wir dir danken, und mit frohem Herzen in Ruhe dir wieder dienen mögen. Amen. 4. Gebeth zur Zeit der Theurung oder Hungersnoth. Herr! wie viel und mannigfaltig sind die Stras fen, womit du deine Menschenkinder heimsuchen kannst! Bald find es Kriege, bald Krankheiten, bald andere Landplagen; und jetzt find es theure schlimme Zeiten, die eine nahe Hungersnoth bea drohen. Uch Herr! wohin können wir uns wens den, als zu dir? Du weißt und kennst unser Elend. Menschen und Thiere schmachten, und sehnen sich nach Nahrung, und sie ist nicht zu finden. Der Urme darbet, und die Reichen selbst leben in banger Besorgniß, den nöthigen Unterhalt zu erhalten. Die Eltern trauern und hungern, ihre Kinder schreien um Brod, und ist keiner, der es ihnen reichen kann. Du allein, Herr! kannst uns helfen, und erretten aus dieser Noth! wie und auf welche Art, das überlassen wir deiner weisen Vorsehung. Um offenbare Bunder dürfen wir dich nicht bitten, denn wir dürfen dir den Weg nicht vorschreiben; nicht: daß du Brod vom Himmel fallen låsfest, wie einst den Båtern 406 K in der Wüste, oder: daß du mit Wenigem eineMenge von mehrern Tausenden speisest, wie einst dein göttlicher Sohn, unser Heiland. Über deine Vorsehung hat tausend andere, auch natürliche, uns unbekannte Mittel und Wege. So komm uns denn doch zu Hülfe, o Gott! du, der du die Vögel der Luft ernährst und den Raben ihre Speise gibst. Erleuchte die Obern und Regenten, daß sie zweckmäßige Anstalten treffen, der Noth ihrer Völker abzuhelfen. Segne den Schoos der Erde, daß sie bald wieder reiche Früchte hervorbringe; rühre und erweiche die Reichen, daß sie von dem, was sie entbehren können, ihren geringern Brüdern leihen oder mittheilen; lehre uns alle sparsam und mäßig mit dem Wenigen umgehen, damit Vielen damit geholfen werde. Tröste und stärke uns, Herr! und helfe uns bald aus dieser Noth, damit wir dir mit frohem Herzen danken, und deine Gaben mit dankbarem Herzen genießen mögen. Umen. 5. Gebeth zur Zeit schwerer und gefährlicher Gewitter. Herr! du bist groß und voll der Majestät; wer sollte dich nicht ehren und fürchten? auch der Sturm und der Donner verkünden deine Herrlichkeit. Alle Elemente stehen unter deinem Befehle; aber wie fürchterlich sind sie auch, wenn sie toben. 3war sind solche Ausbrüche der Elemente zu Seiten nothwendig in der Natur; sie entfernen die 407 82 schädlichen Dünfte, sie reinigen die Luft, sie brins gen Fruchtbarkeit der Erde; aber ach! sie richten auch an den Früchten der Erde und an den Wohnungen der Menschen zu Zeiten schreckliche Verheerung an. Laß doch, o Herr! wir bitten dich, dieſen Sturm, dieses Gewitter gnädig vorüberziehen. Bewahre uns vor Feuer, vor Hagelschlag und verderblichen Ueberschwemmungen. Zerstöre doch nicht die Hoffnungen des Landmannes, und die schönen Früchte, welche Menschen und Thiere dieses Jahr ernähren müssen. Herr, gnädig und barmherzig! wir flehen, deine Kinder, wir seufzen' und bitten, laß es gnädig vorübergehen, diefes Wetter, beschüße unsere Stadt und Häuser, beschüße unsere Felder, beschüße die Menschen, die draussen sind, daß ihnen kein Leid widerfahre. Ach möchten sie doch bald sich vertheilen, die schwarzen Wolken, daß wir wieder den hei= tern Himmel sehen, und daß wir mit dankbarer Freude die Früchte der Felder, durch deinen Regen erquickt, erblicken, und uns freuen, daß du uns und unsere Sachen beschützt und erhalten haft! Erfülle doch bald diese unsere Wünsche und dies Flehen, und wir wollen bey wiederkehrender Ruhe und Heiterkeit dir danken und deinen Namen preisen. Umen. Unmerk. Bey lang anhaltendem Gewitter kann die Litaney von der göttlichen Vorsehung, S. 302, ge= bethen werden. 408 6. Trostgebeth nach einem erfolgten Hagelschlag, einem Brande oder anderem Schaden. Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen; so sprach der hart geprüfte und doch gerechte Job in seinem Leiden, und so wollen auch wir denken, o Herr! bey dem Unglück, womit du uns gegenwärtig heimsuchest. Alles, was wir haben, sind deine Gaben; du hast es gege= ben, und nun hast du es wieder genommen. 3war ist unser Geist tief gebeugt bey dem Schickfal, das uns widerfahren ist; wir fühlen den großen Verlust, den wir gelitten, und unsere Herzen sind voll Kummer und Besorgniß, wenn wir in die Zukunft blicken, wo wir noch lange die schlimmen Folgen dieses Unfalls fühlen werden. Aber, o Herr! wir wollen dennoch nicht murren gegen deine Anordnungen. Alles, was geschieht und uns widerfährt, kommt von dir; kein Zufall, kein Unglück ohne deinen Willen. Alle Begebenheiten der Natur sowohl, als jene, welche selbst von Menschen verursacht werden, find dennoch alle unter deiner Gewalt, Herr! und sie würden sich nicht ereignen, wenn du es nicht wolltest. Und so wolltest du denn auch dies Schicksal, das uns in diesen Tagen getroffen hat. Möchten wir es nur nicht durch unfre Sünden verdient haben, o Herr! möchten wir auch unschuldig, wie einst der gerechte Job, von dir ges R prüft werden, so würde auch uns dies Bewußt seyn eines reinen Gewissens der süßeste Trost in unsern Leiden seyn. Aber ach, Herr! wer mag sich auf seine Unschuld berufen? wem hält nicht sein Gewissen Fehler genug vor, weshalb er Züchtigung verdiente? Und wenn wir uns auch keiner großen Vergehungen schuldig finden; wie lau und tråge sind wir nicht oft im Guten, wie gleichgültig gegen das Ewige und Unvergångliche, wie anhänglich an das Zeitliche, Irdische und Vergängliche dieser Welt! Vielleicht achteten und liebten wir die zeitlichen Güter zu sehr, und du wolltest unsere Herzen davon abziehen, und fie zum Ewigen hinziehen, wir sollten einsehen und erkennen, was dein Sohn, unser Heiland, lehrt, daß unser höchstes Streben nicht seyn solle nach irdischen Gütern, die das Feuer verzehrt, die Motten verderben, die Diebe stehlen; sondern nach jenen Gütern, die ewig dauern, nach Tugend und Gerechtigkeit, die mit uns hinübergehen ins bessere Leben; und wir befolgten vielleicht zu we nig diesen wohlmeinenden Rath unsers Erlösers. Darum war es vielleicht nöthig, daß deine Prüfung uns traf, um uns weiser und für das Ewige uns thätiger zu machen. Wir wollen uns da her deinem heil. Willen unterwerfen, und deine Weisheit und Güte anbethen. Aber vertrauen wollen wir auf dich, Herr, daß du uns wieder aushelfen wolleft. Du hast uns geschlagen, du fannst uns auch wieder heilen. Mit festem Ver409 410 trauen auf dich wollen wir uns ermuntern, durch Thätigkeit, Urbeit, Fleiß und Sparsamkeit das Verlorne wieder zu erwerben. Segne du, o Herr! unsere Bemühungen, und gib unsern Unternehmungen Glück und Gedeihen. Amen. 7. Dankgebeth nach einer guten Erndte. Eine der größten Wohlthaten, die du den Menschen im Verlaufe ihres Lebens erzeigst, o Herr! ist eine gute gesegnete Erndte; Nahrung und Unterhalt für ein ganzes Jahr hängt davon ab für Menschen und die den Menschen nüglichen Thiere. Du hast uns in diesem Jahre diese Wohlthat wieder erzeigt, o Herr! du hast die Früchte unserer Felder gesegnet und erhalten; du hast die Hoffnungen des Landmannes völlig erfüllt, und ihm bey erwünschter Witterung die schönen Früchte in seine Scheuren bringen lassen. Er wird nun die Seinigen davon ernähren und kleiden, seine Abgaben entrichten, und auch dem Bürger für billige Preise davon mittheilen können. Was ist nun billiger, Herr! als daß wir dir dafür den Dank entrichten, der dir gebührt? Alles ist ja deine Gabe. Wir pflegen und wir streuen wohl den Saamen auf das Land, doch Wachsthum und Gedeihen steht nicht in unserer Hand. Thau, Regen und Sonnenschein, das Wachsen und das Reifen der Früchte bringt die Natur auf dein Geheiß hervor. Du stärkst dem fleißigen Landmanne den Muth, und die Glieder boa S 41[ zur Arbeit, beym frühen Morgen, beym heissen Mittag, beym späten Abend. Und nun erfreuest du ihn und uns alle durch eine gesegnete Erndte, die uns die frohesten Aussichten in die Zukunft eröffnet. Herr, großer Gott! sey gelobt und gepriesen für deine Güte. Wir wollen nun deine Gaben mit Freude und Mäßigkeit genießen, und auch den armen Brüdern gern mittheilen von dem reichen Vorrathe, womit du uns gesegnet hast. Dadurch werden wir dir gefallen, und deiner Gute uns ferner würdig machen. Laß uns auch stets ein frommes Leben führen, damit wir ferner auf deine Batergüte hoffen und vertrauen können. Amen. 8. Gebeth zur Zeit der Krankheit. Alle unsere Schicksale, o Gott! stehen in deiner Hand. Du bist Herr über Leben und Tod, von dir kommt Gesundheit und Krankheit. Du hast es nach deinen h. Rathschlüssen für gut gefunden, mich durch eine Krankheit heimzusuchen. Ich unterwerfe mich deinem Willen, Herr! aber was ist deine Absicht? Willst du mir etwa mein herannahendes Ende ankündigen? Uch ich bitte mit dem frommen Ezechias: Rufe mich doch nicht ab in der Mitte meiner Jahre; vielleicht bin ich den Meinigen noch nüglich, noch nöthig; vielleicht mir selbst noch nöthig, um mit mehrerm Ernst für mein ewiges Heil zu arbeiten. Jedoch, Herr! nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe; 412 du weißt am besten, wann es dem Menschen gut sey, hier zu vollenden. Erleuchte, tröste und stärke du meine Seele, wenn mein Ende herannahen soll. Laß mich auch ja nicht aus Vorliebe zum Leben mich selbst täuschen und die Gefahr verbergen, sondern gib mir Gnade, daß ich mich frühzeitig zu dir wende, und zu meinem Tode mich bereite. Oder willst du durch diese Krank heit nur meine Geduld prüfen, Herr! und mich fühlen lassen, welche Wohlthat es sey, wenn du Leben und Gesundheit erhältst? oder mich von meinem Leichtsinne wecken, und näher an dich ziehen? Uch Herr! was du immer für Absichten hast, du bist gütig, du bist die Liebe. Wohl mir, daß mir mein Gewissen keine Vorwürfe macht, mir selbst diese Krankheit durch eigene Schuld zugezogen zu haben. Jetzt will ich sie von deiner Hand annehmen, und mit Geduld tragen. Auf dich will ich hoffen und vertrauen, daß du mich von meinem Lager bald wieder aufrichten werdest. Dann will ich dir danken, Herr! und mit mehrerm Eifer dir dienen, und meine fünftigen Lebenstage ganz nach deinem heil. Wohlgefallen zubringen. So erhöre dann mein Flehen, Herr! und tröste und stärke mich bey den Schmerzen der Krankheit, und schenke mir bald wieder die vorige Gesundheit. Amen. peticipe 413 9. Dankgebeth nach hergestellter Gesundheit. ygdo Du hast mich errettet, Herr! da ich in Gefahr war; du hast mich aufgerichtet von meiner Kranke heit; du hast meine matten Glieder wieder ge= stärkt, und mir Genesung und Gesundheit vers liehen, und jetzt will ich dir danken und preisen für alles, was du an mir gethan hast. Selbst für diese Krankheit, die du mir auflegtest, danke ich dir, Herr mein Gott! Sie ist wahre Wohlthat, weil der Mensch dadurch weiser und besser wird. Wie wenige Menschen erkennen es gehörig, welch eine Wohlthat eine dauerhafte Gesundheit und ein ruhiger Genuß des Lebens sen! Wie viele lassen sich vom Leichtsinne und vom Irdis fchen ganz einnehmen, bis sie durch eine schwere Krankheit plòglich geweckt werden. D Herr! wie gütig bist du, wenn du zu Zeiten den Menschen beunruhigst, daß er mit mehrerm Ernst sich zu dir wende, ben dir Trost und Hülfe suche! wie gütig, daß du ihm zu Zeiten das Gute, das er nicht mehr erkennt, nimmst, und es ihm dann wieder gibst, damit er es höher schäße und besser anwende! Du hast mir die Gesundheit verliehen, haft mir das Leben gefristet, jetzt will ich es weise und nützlich gebrauchen, jest will ich die übrigen Tage meines Lebens ganz nach deinem h. Wohlgefallen zubringen, und getreu die Pflichten er füllen, die mir die Religion und mein Stand 414 R auflegt. Dann werde ich, wenn du mich bald oder spåt wieder an meine Sterblichkeit erinnerst, nicht fürchten, sondern ruhig in die Urme deiner Borsehung legen. Ruhig werde ich dann in mein geführtes Leben zurückblicken, getroft werde ich dann die Zukunft erwarten, wo ich nach meiner Vollendung hienieden ins bessere Leben aufgenommen werde. Umen. 10. Trostgebeth beym Tode unserer Freunde. Er ist nicht mehr, mein Freund! Du haft ihn von meiner Seite weggenommen, Herr! ach wie tief ist mein Herz verwundet, wie sehr fühle ich diesen Verlust! Sie sind dahin, die seligen Stunden, die wir in Eintracht, in Liebe und Freundschaft verlebten. Ich werde nun keinen Trost, keinen Rath, keine freundschaftliche Unterhaltung mehr im Umgange mit ihm genießen. Uch Herr! was ist dies Leben, wie vergänglich sind alle Freuden und Seligkeiten dieser Unterwelt! Auch die unschuldigen Freuden der reinsten Liebe und Freundschaft gehen zu Ende, und werden oft mitten im seligsten Genusse derselben zerstört und gehemmt; aber bey dir, Herr! ist unzerstörbare ewige Wonne und Seligkeit. Und zu dieser Seligkeit hast du ihn bereits aufgenommen, meinen Freund; o das hoffe ich, und nur der Gedanke, den mir deine h. Religion lehrt, kann mich trösten. Er ist bey dir, mein Freund... 415 er genießt bereits jene Ruhe und Seligkeit, die du deinen getreuen Dienern verheissen hast. Herr! dieser Glaube, diese Hoffnung allein soll mich trösten. Aber auch ich werde vielleicht bald folgen; und wenn ich mein Leben nach deinem h. Wohlgefallen fortsege, wirst du auch mich zu dir aufnehmen in jene selige Freude, die du den Deinigen bereitet hast. Da werde ich dich und alle Lieben sehen, die vorangegangen sind, und da werde ich auch den geliebten Freund wiedersehen, um dessen Verlust ich jest trauere und weine. Dann wird meine Traurigkeit in Freude verwandelt werden. Wiedersehen werde ich ihn dann, und nie von ihm getrennt werden. Da werden wir zusammen, und in der Gesellschaft aller Guten vor dir in deiner Liebe wandeln, und jene Seligkeit genießen, Herr! die du uns durch deine h. Religion verheissen hast, die hier kein Auge gesehen, kein Ohr gehört, und kein Herz empfunden hat, und die du denen, die dich lieben, bereitet hast. Uch Herr! wie göttlich beruhigt und tröstet deine heil. Religion, erhalte mich stets in derselben, und laß mich würdig in derselben wandeln, damit ich hier in diesem Leben stets ihre Tröstungen genieße, und dort im künftigen Leben ihrer verheissenen Belohnungen theilhaftig werde. Amen. 416 R II. Trostgebeth beym Tode geliebter Eltern. Wohin soll ich mich wenden bey dem traurigen Schicksal, das mir widerfährt, als zu dir, mein Herr und Gott! Du hast mir den geliebten Bater ( die geliebte Mutter) genommen. Ach wie schlägt, wie verwundet ein solcher Tod die Herzen der Kinder! Er ist uns genommen der geliebte Baz ter( Mutter), der mit so viel Liebe und Sorgfalt über uns wachte, der nur für unser Wohl seine Kräfte und sein Leben verwendete, der mit Weisheit und Liebe unsere Erziehung beförderte. Uch der Geliebte ist nicht mehr! Was kann uns trosten, o Gott! wenn du uns nicht tröstest. Jedoch deine h. Religion, die du uns gegeben, soll uns. trösten und stärken, dieses Schicksal zu tragen, das du uns auflegst. Es kommt von dir, o Gott! und was du thust, ist recht und wohlgethan, wenn wir es auch nicht einsehen. Du hast einem jeden Menschen die Zahl seiner Jahre bestimmt, nach deren Vollendung du ihn ins bessere Leben rufft. Zu diesem hast du auch unsern geliebten Vater( Mutter) aufgenommen, nachdem er das Ziel erreicht hatte, das du seinem Leben gesetzt hast. Da willst du ihn jetzt belohnen für alle seine Berufs- und, Vaterpflichten, die er mit so vieler Treue erfüllet hat. Ja, Herr! er ist bey dir, nur der Gedanke kann mich trösten. Er ist bey dir, dafür bürgt mir deine h. Religion, und 417 das gute christliche Leben desselben nach den Vorschriften dieser h. Religion. Sollte er( sie) aber noch kleiner Fehler wegen zurückgehalten werden, und an dem Orte der Reinigung noch verweilen müssen, ach Herr! so bitte ich um deiner heil. Barmherzigkeit und Liebe willen, tilge sie bald aus die Flecken, die noch seiner Seele ankleben, damit er dich, den Reinsten und Heiligsten, bald schauen, und in deine ewige Freude eingchen möge. Tröste und stärke nun auch, o Gott! mich und die Meinigen, damit wir uns in diesen Todesfall christlich fügen. Sey du unser Vater, der uns bey allen Vorfällen und Umständen leitet, und uns durch seinen Beystand und seine Gnade beschüßt, damit wir in allen Angelegenheiten des Leibes und der Seele dich stets fürchten und lieben, und am Ende unsers irdischen Lebens in deinem Reiche uns alle wiedersehen, und bey dir uns ewig erfreuen mögen. Amen. 12. Trostgebeth für Eltern beym Tode eines geliebten Kindes. Im m tiefsten Gefühle meines Schmerzens komme ich zu dir, o Gott! um vor dir zu klagen und zu weinen. Warum nimmst du mir doch, Herr! den geliebten Sohn( Tochter), der die Freude meines Lebens, die Hoffnung meines künftigen Alters war? Warum mußte er( sie) so früh, in der Blüthe seines Lebens schon, ein Opfer des Todes werden? Uch wie hast du alle Baterfreu 418 den auf einmal in Leid und Traurigkeit verwandelt! wie hart prüfest und züchtigest du den Bater( die Mutter), dem du durch einen frühen Tod ein geliebtes Kind nimmst. Jedoch wer darf dich fragen, und wer darf mit dir rechten? Sind wir doch alle deiner Gewalt unterworfen, und vermögen nicht einzusehen, was für Absichten und Ursachen du hast ben allem, was du thust. Recht, gut und heilig sind sie immerdar, wie du gerecht, gut und heilig bist; das lehrt uns deine h. Religion. Und ach! nur darin kann ich einige Linderung meines Sammers finden, wenn ich daran denke. Wenn ich denke: du wirst doch wohl deine guten Ursachen gehabt haben, warum du den kleinen Unschuldigen so früh hinwegnahmst. Sahst du vielleicht vor, daß er nicht so unschuldig und gut geblieben wäre, wenn er aufgewachsen und ein höheres Alter erreicht hätte? daß er dann nicht unsere Hoffnungen erfüllt, unsere Freude nicht geblieben wäre? Ach Herr! wenn das wäre, so wäre es ja Güte, wahre Wohlthat von dir, daß du ihn in seiner Unschuld zu dir genommen, so mußte ich dir ja danken und preisen. Oder sahst du etwa vor, daß seine künftigen Tage für ihn keine glücklichen Tage seyn würden? daß er durch irgend ein Mißgeschick oder Unglück nur Leid und Trübsal auf Erden erleben würde? Uch Herr! so wäre es wiederum eine Wohlthat von dir, daß du ihn durch einen frühen Tod vor gröBern Leiden bewahrt hättest. Jedoch, was deine 419 R Ursachen immer seyn mögen, sie sind heilig und gerecht; denn du bist heilig, gerecht, weise und gütig in allen deinen Unordnungen. Und was mich mehr als alles beruhigt und tröstet, ist der Gedanke: Herr! er ist bey dir, den meine Seele so lieb hatte; er ist beym Vater im Himmel. D da wird es ihm wohl seyn! Auch das größte Glück auf Erden, das nach unserer Meinung ihm blühen könnte, ist ja Schatten nur, und nichts zu achten gegen jene Seligkeit, die er bey dir, o Gott und Vater! in deinem Hause genießt und ewig genießen wird. Nun so soll sich auch mein Herz beruhigen, und sich fügen in die Unordnungen des Allerhöchsten. Sey du nur ferner mein Trost und meine Hoffnung, o Gott! und erhalte mich auf deinen Wegen, so werde ich bald nach vollendetem Leben auch von dir aufgenommen werden, und mein geliebtes Kind, und alle die Lieben, die mir vorangegangen sind, da wiedersehen, und mit ihnen bey dir und in die mich ewig erfreuen. Amen. 13. Gebeth in Kreuz und Leiden. Mit niedergebeugtem Herzen erscheine ich vor deinem heil. Ungesichte, o Gott! vor dir will ich klagen, und die Trauer meines Herzens ausschürten: denn du hörest, wie ein liebender Vater, die Klagen der traurenden Kinder, die dich fürchten, und du willst, wenn nicht immer Hülfe, doch immer Trost verleihen denen, die dich anDd2 420 K rufen. Rufe mich an in der Noth, so sprichst du in deinem Worte, und ich will dich erretten, und du sollst meinen Namen preisen. Dein ewiger Sohn, unser Heiland aber ruft alle Bedrängten und Unglücklichen zu sich, und spricht: Kommet zu mir alle, die ihr mit Müh und Last beladen seyd, ich will euch erquicken, und euch Ruhe ge= ben für eure Seelen. Siehe, Herr! ich komme daher zu dir auf dein Wort, auf deinen Zuruf komm' ich; um bey dir Hülfe oder Trost zu hohlen. Du weißt und kennest, o Herr! meine Noth. Der Jammer, das Elend, das mich niederdrückt, ist deinen h. Augen offenbar. Ist es möglich, o Gott und Vater, ist es mit deinen höheren heil. Absichten vereinbar, ist es meinem ewigen Seelenheil nicht zuwider, so bitte ich um Rettung und Hülfe von dir. Dir sind alle Dinge möglich, Vater! Darum bitte ich, wie einst dein geliebter Sohn, mein Heiland, nimm, wo möglich, diesen Leidenskelch von mir hinweg. Uber nach seiner Lehre und seinem Beyspiel füge ich hinzu: Wenn es in deinen ewigen Rathschlüssen anders beschlossen ist, wenn es deine Weisheit anders fordert, so geschehe an mir dein H. Wille. Du wirst alsdann durch Kreuz und Leiden mich zu dir führen, das glaube, das hoffe ich. So wie dein geliebter Sohn durch Kreuz und Leiden in ſeine Herrlichkeit eingegangen ist; so hoffe auch ich durch treue Nachfolge im Kreuz und Leiden 421 R ihm auch zu folgen, zur Herrlichkeit des künftigen, ewig seligen Lebens. Snow 2071 g 8900 Aber, o Gott! wie lang ist noch der Weg, auf welchem ich das mir aufgelegte Kreuz tragen soul? Uch, wenn ich auf dem Wege ermatte, dann bitte ich, Vater! stärke mich, so wie du deinen geliebten Sohn stårktest, wenn er nach der Mensch= heit ermattete. So wie du Shn durch einen Ens gel stårktest, da Er den Leidenskelch, den du Ihm darreichtest, annahm, so stärke auch mich durch die Lehren und Tröstungen deiner heil. Religion, durch die Erleuchtungen und Tröstungen deiner h. Gnade; damit ich stets mit Gehorsam und Geduld mich deinem h. Willen unterwerfe, und standhaft mein Kreuz und Leiden ertrage, so lange es dir gefallen wird. Die Ueberzeugung, der feste Glaube: daß du alles mit den Menschen, deinen Kindern, zu ihrem Besten ausführest, diesen Glauben belebe, und stärke du, o Gott! in mir mehr und mehr, daß er mir ein Licht sey in den dunfeln Wegen meines Leidens. Die Hoffnung, daß einst Leid in Freude, Traurigkeit in selige Fröhlichkeit verwandelt werden soll, diese Hoffnung soll mich ermuntern auf dem dornichten Pfade der Trübfal, den ich wandern muß. Stårke du mich in dieser Hoffnung. Die Liebe zu dir, die heilige göttliche Liebe, vereint mit dem Wunsche, dir in allem, was dir gefällt, zu gehorchen, soll mir mein Kreuz und Leiden erleichtern. Fache diese Liebe in meiner Seele mehr und mehr an, 422 o Gott! alsdann werde ich im Stande seyn, alles zu tragen, was du, o Gott! über mich zu fügen, dienlich erachtet hast. Erhalte mich mur, o Gott! in dieser Liebe, in deiner Gnad und Freunds schaft, so wird all mein Kreuz und Leiden mir zum ewigen Heil gereichen. Amen. 14. Dankgebeth nach überstandener Noth, und Befreyung vom Leiden. Klagend, seufzend, und weinend erschien ich so oft vor dir, o Gott! mit beklommenem Herzen, zur Zeit meiner Leiden und Noth, und flehete dich um Rettung, Hülfe und Trost an. Jetzt komme ich zu dir mit frohem, dankerfülltem Herzen, dir, meinem Erretter, zu danken. Sa Herr, du hast mein Flehen erhört, du hast mir Hülfe gesandt von oben herab. Deine Hand ist es, die mich errettet hat aus der Noth, die mich befreyet hat von dem Leiden, welches deine Baterhand für eine kleine Seit, mich zu prüfen, mir aufgelegt hatte. Sie sind überstanden diese Leiden, sie ist vorüber jene Noth: was ist billiger, als daß ich dir nun auch den Dank entrichte, der dir gebührt, und deinen Namen preise für deine gütige Befreiung? Deiner Aufforderung zufolge hab' ich bey dir Hülfe gesucht. Du hast mich erhört, und dein Versprechen erfüllet. Was ist billiger, als daß ich auch meine Pflicht erfülle, dich dafür zu preisen, wie du es in deinem Worte befohlen, wo es heißt: Rufe mich an in deiner 423 Noth, und ich will dich erhören, und du sollst meinen Namen preisen! Aber wie danke, wie preise ich dich würdig? Was kann ich dem Herrn vergelten für alles, was er mir erwiesen hat? wie vergelten die gütige Erhörung meiner Bitten? Ach was können wir schwachen unwürdigen Menschen dem Herrn darbringen für seine unendliche Erbarmung und Güte? Alles, was wir sind und haben, ist dein Geschenk. Aber eine freywillige Aufopferung unseres Herzens, die willst, die forderst du von uns, und diese ist ein dir wohlgefälliges Opfer. Ich will dies Opfer dir bringen, Herr! Ich opfere dir mein Herz mit allen feinen Gesinnungen, Neigungen und Wünschen: dir soll es von nun an ergeben seyn, dich will ich lieben aus ganzer meiner Seele, aus ganzem meinem Gemüthe, aus allen meinen Kräften. Mein Leib, wie meine Seele, soll dir zu deinem Dienste geweihet seyn. Möchte dann dies Opfer des Dankes dir gefallen! Stets will ich auf deinen Wegen wandeln, und deinen Willen suchen in allem zu erfüllen. Stårke mich aber auch, o Gott! in diesem meis nem Versprechen, daß ich demselben in allen Gefahren und Umständen des Lebens treu verbleibe. Bewahre und beschüße mich auf dem Wege des besseren Glückes, auf welchen mich deine Güte nun geführt hat, daß ich nicht, wie so viele, vom Glück mich blenden lasse, und deiner, o mein Gott! vergesse. Erhalte mich in deiner Furcht 424 und Liebe. Verzeihe mir auch, o Gott und Vater! wenn ich dich in den Tagen meines Unglüdes durch Kleinmuth, Mißtrauen, oder Ungeduld beleidigt habe. Bewahre mein Herz in den Tagen der Ruhe und des Glückes vor Uebermuth und jeder Sünde. Und wenn es deine Vorsehung nöthig erachten sollte, mich abermal auf einige Zeit durch Leiden zu prüfen, so erweise mir wieder deine Tröstungen, deine Stärke und Hülfe: so erhöre mich wieder, wenn ich zu dir flehe, und ich werde alsdann nach überstandener Noth und Trübsal wieder deinen h. Namen preisen. Amen. 15. Christliches Gebeth für das gemeine Anliegen der ganzen Christenheit. Aumächtiger, ewiger Gott! Herr, himmlischer Bater! siehe an mit den Augen deiner unendlichen Barmherzigkeit unsere gegenwärtige Gefahr. ( Jammer, Elend und Noth.) Erbarme dich über alle Christgläubige, für welche dein eingebohrner Sohn, unser Herr und Heiland Jesus Christus in die Hände der Sünder willig gekommen ist, und auch sein heil. Blut am Stamme des heil. Kreuzes vergoffen hat. Durch diesen Herrn Jesum Christum wende ab, gnädigster Bater, die wohlverdienten Strafen, gegenwärtige und zukünftige Gefährlichkeiten, schädliche Empórung und Kriegesrüstung, Theurung und Krankheiten, und betrübte armselige Zeiten. Erleuchte auch und stärke in allem Guten geistliche und weltliche 425 Obere und Regenten, damit sie alles fördern, was zu deiner göttlichen Ehre, zu unserm Heil, und gemeinem Frieden, und Wohlfahrt der Christenheit gedeien mag. Verleihe uns, o Gott des Friedens! rechte Vereinigung im Glauben ohne alle Spaltung und Zertrennung. Bekehre unsere Herzen zur wahren Buße und Besserung unseres Lebens. Zünde an in uns das Feuer der Liebe, gib einen Hunger und Eifer zu aller Gerechtigkeit, damit wir als gehorsame Kinder im Leben und Sterben dir angenehm und wohlgefällig seyn mögen. Wir bitten auch, wie du willst, daß wir bitten sollen, für unsere Freunde und Feinde, für Gefunde und Kranke, für alle betrübte und elende Christen, für Lebendige und Abgestorbene. Dir sey einmal befohlen, o Herr! all' unser Thun und Lassen, Handel und Wandel, Leben und Sterben. Laß uns nur deine Gnade hier genießen, und dort mit allen Auserwählten erlangen, daß wir in ewiger Freude und Seligkeit dich los ben und ehren mögen. Das verleihe uns, Herr, himmlischer Vater! durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn und Heiland, welcher mit dir und dem h. Geiste, gleicher Gott, lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. 18 ASTE Thomas Ta K 426 K *** Achte Abtheilung. 9100 ny Gebethe ben Kranken und Sterbenden. Vorerinnerung. Wir Menschen sind der Schwachheit, den Krankheiten und dem Tode unterworfen. Wohl uns, wenn wir alle diese Uebel mit christlichem Auge ansehen und mit chrift: lichen Gesinnungen uns denselben unterwerfen, wenn die göttliche Vorsehung, die die Zeit unserer Tage bestimmt hat, selbe herbeykommen låst. Sie führen uns zu dem Herrn. Wie tröstlich ist es daher nicht, wenn wir bey denselben uns mit Vertrauen zu dem Herrn wenden. Der Schwache, der Kranke und besonders der Sterbende hat aber selten Fassung, daß er selbst seine Seele gehörig zu Gott erheben könne. In diesen Umstånden nun thut ein Freund oder Christ, der das edle Bestres hut ei ben hat, alle seine Mitmenschen, und besonders seine: Mitchristen, wie Brüder zu lieben, das, was der Kranke selbst nicht vermag. Er tröstet, er ermuntert ihn, und hilft ihm, seinen Geist zu Gott erheben, und von dem Herrn Trost, Hülfe und Gnade zu erflehen. Er spricht ihm heilige Empfindungen zu, oder lies't ihm solche aus einem Buche vor. Schönes, edles und heiliges Geschäft! möchten doch Viele, wenn die Gelegenheit sich darbiethet, es willig übernehmen! Der Kranke, der Sterbende wird ihn dafür segnen und danken, und der 427 Ewige wird mit Wohlgefallen auf ein solches Werk der Liebe herabsehen, und gemäß seiner Verheissungen dasfelbe belohnen. Gebethe in der Krankheit. a) Beym Anfange der Krankheit. Wohin soll ich meine Zuflucht nehmen, als zu dir, o mein Gott! denn du allein bist es, der mich trösten und mir helfen kann; und du bist es, der mich auffordert, zu dir meine Zuflucht zu nehmen in jeder Noth. Rufe mich an, sprichst du in deinem Worte zu uns, rufe mich an in der Noth, und ich will dich erhören. Ich wende mich daher in meiner Krankheit mit Zuversicht zu dir, und rufe dich an um Trost und Hülfe. Ach Herr! du weißt und kennst meine Leiden, denn sie kom men von dir. Willst du mich durch diese Krankheit prüfen, oder willst du mir mein nahes Ende ankündigen? Was du immer für Absichten hast, o Gott! alle deine Rathschlüsse sind gerecht, sind gut und heilig. Laß mich nur nach deinem heil. Wohlgefallen dabey betragen. Gib mir Geduld, o Herr! und Ergebung in deinen Willen. Tröste meine Seele, und erleichtere mir durch deine Gnade die Schmerzen der Krankheit, die du mir auflegst, daß ich sie zu deiner Ehre, zu meinem Heile, und zur Erbauung meiner Nebenmenschen, die um mir sind, überstehe. Mit Vertrauen auf deine Macht und Güte will ich die Mittel brau chen, die du durch die Natur zur Heilung der 428 Krankheit hervorbringen låsfest. Gib, o Herr! wenn es dir also gefällt, und solches zu meinem Besten ist, deinen Segen und dein Gedeihen dazu; und ich will dir nach wiederhergestellter Gesundheit danken, und deinen Namen preisen. Amen. b) Bev zunehmender Krankheit. Du verweilest, o Herr! mit deiner Hülfe, die Schmerzen meiner Krankheit mehren sich, die Gefahr nimmt zu. Laß mich, o Herr! erkennen, was zu meinem Heile ist. Du bist vielleicht mit deiner Ankunft nahe, und willst mich aus diesem Irdischen abrufen. Ich bin dein Knecht, Herr! wenn du es so beschlossen hast, will ich mich deinem Willen unterwerfen. Aber laß mich doch zuerst noch einmal vor meinem Ende die Fehler und Schwachheiten meines Lebens beweinen. O Herr! ich habe oft und viel gefehlt vor dir, ich håtte mit viel größerm Eifer dir dienen sollen, und habe es nicht gethan. Ach wie leid ist es mir ist, daß ich so lau und gleichgültig in deinem Dienste war, daß ich so oft durch Sünde dich verachtet und beleidigt habe. Zwar habe ich dieselben nach deinen heil. Vorschriften gebüßet, und ich hoffe, du haft sie mir vergeben, aber ich bitte dich immer noch mehr um Vergebung. Wasche mich doch immer noch mehr von meinen Misfethaten, und von meinen Sünden reinige mich. Denn ich erkenne meine Missethaten, und 429 meine Sünden schweben immer vor mir: Dir allein habe ich gesündigt, und vor dir Uebels gethan. Jedoch bey dir ist Barmherzigkeit, und meine Seele hoffet auf deine Güte. Verleihe mir nun deine Gnade, und ich werde mich durch keine Sünde je wieder von dir trennen lassen. Helfe und stärke meine schwache Seele, daß ich mich von ganzem Herzen zu dir wende, und im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe zu dir bis ans Ende beharre. Amen. c) Vorbereitung zur Empfahung der hh. Sakramente in der Krankheit. Dein h. Geist, o Gott! erleuchte mich, daß ich alle meine Sünden möge recht erkennen; rühre mein Herz, daß ich dieselben von ganzem Herzen bereuen und aufrichtig dem Priester bekennen möge, und laß mich die Verzeihung derselben erhalten durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Erforschung des Gewissens.- Erweckung der Neue. Gott! ich erkenne, daß ich gefündigt habe. Viel Uebels habe ich gethan in meinem ganzen Leben, und auch, nachdem du mir das letztemal durch das Sakrament der Buße vergeben haft, habe ich wieder gesündigt vor dir. Du hast mir so oft vergeben, und ach! ich habe dich dennoch 645200 43⁰ K immer von neuem beleidigt. Uch Herr! wenn du mir nach meinen Verdiensten vergelten wolltest, so würde ich nur Strafe von dir zu erwarten haben. Aber du bist gütig, gnädig und barmherherzig; du bast mir so oft vergeben, und wirst es auch jetzt thun, dies hoffe ich fest von dir. Es ist mir nur leid, daß ich einen so gütigen Gott so oft beleidigen konnte, der mich immer so geliebt, und mir in meinem ganzen Leben an Leib und Seele so viele und so große Wohlthaten erzeigt hat. Uch hätte ich dich doch mehr ge= liebt, und dir treu gedient! hätte ich dich, mein höchstes Gut, doch würdiger geliebt! Wie leid ist es mir, daß ich dich so oft verachtet und belei bich foo digt habe. Verzeihe mir doch alle meine Schwachheiten und Sünden, die ich von ganzem Herzen ist verabscheue, und die ich nun mit dem ernstlichen Willen immer zu meiden entschlossen bin. Ich will dir, wenn du mir mein Leben fristen willst, mit verdoppeltem Eifer und Treue hinführo dienen. Jedoch mache es nach deinem Wohlge= fallen, verzeihe mir nur meine Sünden durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Verrichtung der Beicht. Gebeth des Kranken nach der Beicht. mein Gott! ich danke dir, daß du mir noch einmal meine Sünden vergeben hast durch den Priester, welchem Jesus Christus die Gewalt ge 431 geben hat, in deinem Namen zu vergeben. Meine Seele ist nun getröstet und beruhigt, denn ich habe bey dir Gnade gefunden. D erhalte mich nun in dieser Gnade, erhalte mich bis ans Ende in deiner Freundschaft und Liebe. Nimm auf, o Gott und Vater! das Bußgebeth, das mir der Priester aufgelegt hat, zur fernern Tilgung meiner Sündenstrafen; und nimm dann ferner auf alle Leiden und Schmerzen meiner Krankheit. Ich vereinige sie mit dem Leiden meines Heilan= des, und bitte dich, du wollest sie gnädig aufnehmen zur fernern Genugthuung und Nachlaffung der zeitlichen Strafen. Laß durch die Buße und Genugthuung Jesu Chrifti für uns dasjenige ersetzt werden, was an meiner Buße mangelt. Amen. Verrichtung des Bußgebeth 6. Vorbereitung zur H. Communion. Gott, mein Heiland Jesus Christus! du willst also in meiner Krankheit zu mir kommen! wie gütig bist du doch gegen uns! Du hast mir meine Sünden vergeben, und jetzt willst du meine Seele auch stärken durch den Genuß deines hei!. Fleisches und Blutes. Diese Speise soll denen, die in dir leben und sterben, eine stärkende Wegzehrung seyn auf den Hinweg zur Ewigkeit. Mache mich würdig, o Gott und Heiland! diesen deinen Leib zu empfangen. 432 K Ich glaube fest, daß mein Herr und Heiland Jesus Christus in dem h. Altarssakramente wahrhaftig zugegen ist, mit Gottheit und Menschheit, mit Leib und Seele, mit Fleisch und Blut. Dies glaube ich, o mein Gott! weil es dein ewiger Sohn, unser Heiland, selbst so deutlich gesagt hat: Mein Fleisch ist wahrhaftig eine Speiſe, und mein Blut wahrhaftig ein Trank. Und am letzten Abendmahle nahm Jesus das Brod, brach es, und gab es feinen Jüngern, und sagte: Effet, dies ist mein Leib. Desgleichen den Kelch, und ſprach: Trinket, dies ist mein Blut, und so be fahl er seinen Süngern ein Gleiches zu thun; und allen Christen hat er befohlen, zu essen sein Fleisch, zu trinken sein Blut. Darum glaube ich fest, daß auch ich den Leib und das Blut meines Herrn unter den Brodsgestalten verborgen in dem allerheiligsten Sakramente empfange. Stårke mich, o mein Gott! in dieſem Glauben. Mein Herr und Heiland, Jesus Christus! der du dich erniedrigst, in dem heiligsten Sakramente zu uns zu kommen, und auch jetzt in mei ner Krankheit zu mir kommen willst. D ich glaube an dich in diesem geheimnißvollen Sakras mente, und bethe dich an; aber ich will auch fest auf dich hoffen und vertrauen. Ich hoffe, du wirst in diesem Sakramente dich mit mir vereinigen, und mich in deiner Gnade und Liebe erhalten. Du hast gesagt: wer mein Fleisch ist und trinkt mein Blut, der bleibt in mir und ich in 433 ihm, der wird leben ewig. Mit fester Hoffnung und festem Vertrauen auf diese deine Berheissung wünsche ich dein heil. Fleisch und Blut in dem heiligsten Altarssakramente zu empfangen. Erhalte und stärke in mir diese Hoffnung und dies Vertrauen auf dich meinen Gott und Heiland. Mein Herr und Heiland, Jesus Christus! an- dich glaube ich, auf dich hoffe und vertraue ich, und dich will ich auch von ganzem Herzen lieben, und mit Liebe jetzt empfangen. Du bist mein Heiland und Seligmacher; du hast mich geliebt, und bist für mich Mensch geworden; du hast mich geliebt und bist für mich gestorben; und jetzt willst du auch in meiner Krankheit zu mir kommen, und dich mit mir vereinigen. D daß ich dich doch recht würdig empfangen möchte! Aber ach, ich bin ein Sünder! Du hast mir zwar vergeben, aber wer ist dennoch rein und würdig genug, dich zu empfangen? D Herr! ich bin nicht würdig, daß du zu mir kommst, aber mache du mich würdig, und dann komm, mein Heiland! und vereinige dich mit mir, und bleibe bey mir bis zur Ewigkeit. Umen. Gebeth nach der h. Communion. Ich danke dir, mein Heiland! daß du dich gewürdiget hast, in meiner Krankheit zu mir zu baft, kommen. Was kann ich dir wiedervergelten für alles, was du an meiner Seele gethan hast? Du haft mir meine Sünden vergeben, und hast meine Ee 434 Seele gestärkt durch dein h. Fleisch und Blut. Dich will mich ferner dir anvertrauen, und alles Gute von dir hoffen und erwarten. Ich hoffe, du wirst an mir dein Wort erfüllen, das du ge sagt haft: Wer mein Fleisch ist, und trinkt mein Blut, der bleibt in mir und ich in ihm. Ich bitte dich daher, bleibe bey mir, besonders wenn mein Ende herannahen sollte, dann laß mich mit dir vereinigt bleiben und in dir sterben, damit ich ewig in dir leben möge. Amen. Die Seele Christi heilige mich, Der Leib Christi mache mich selig. Das Blut Christi tránke mich, Das Wasser der Seite Christi wasche mich. Dein Leiden, o Jesu! stårke mich. O gütiger Jesu erhöre mich! In deine h. Wunden, o Jesus! verberge mich! Von dir laß mich nimmer scheiden! Vor allem Bösen beschüße mich! In meiner Todesstunde berufe mich! Und zu dir laß mich kommen, Dich mit deinen Heiligen zu loben ewig! Amen. Der Name des Herrn sey gebenedent, Bis in Ewigkeit. Amen. ned 2 Gebeth vor der H. Delung. Sütigster Heiland! du haft deinen Uposteln befohlen, die Kranken mit h. Del zu falben, und 435 R die Priester deiner Kirche sollen über sie bethen, und hast verheissen, das Gebeth des Glaubens folle die Kranken erleichtern, und noch mehr von ihren Sünden reinigen. Ich folge deinem Befehle, und verlange in meiner Krankheit das Sakrament der heil. Delung zu empfangen, welches du eingesest hast; und bitte dich, du wollest durch dieses h. Sakrament mich noch mehr von aller Sünde reinigen, meine Seele erleichtern und tro: sten, und mir, wenn es dir also gefällt, die vorige Gesundheit wieder verleihen; oder wenn es dein Wille ist, daß ich sterbe, mich zu meinem Ende stårken, daß ich in deiner Liebe sterben und ben dir ewig leben möge. Amen. Gebeth nach der h. Delung. 50M Ich danke dir, mein Heiland! daß du mich in meiner Krankheit auch durch die h. Delung ges stårkt haft; und bitte dich, nimm mich nun ganz in deinen b. Schuß. Bewahre meine Seele vor aller Ungeduld, vor allem Kleinmuth, vor aller Furcht, und laß mich im Glauben, in der Hoff nung und Liebe zu dir und dem Vater bis ans Ende beharren. Amen. d) Gebethe bey anhaltender Krankheit. Morgengebeth. Ich erwache auf meinem Krankentager zu dir, o mein Gott! du hast mich die Nacht hindurch e2 436 getröstet und gestärkt, und zu Zeiten meine matten Glieder durch einen kurzen Schlummer ers quickt. Dank, o Bater! für alles Gute, das du mir haft zu Theil werden lassen. Bewahre mich nun auch diesen Tag, und hilf mir durch deine Gnade die Schmerzen meiner Krankheit mit Ge duld zu ertragen. Alles, was ich heute denken, empfinden und leiden werde, sey dir aufgeopfert zu deiner Ehre und zum Heil meiner Seele. Amen. big im din f scr Abendgebeth. 119 Ich danke dir, o mein Gott! daß du mich den Tag über wieder gestärkt haft, und meine Leiden haft tragen helfen. Dank für allen Trost, für alles Gute, das mir durch Hülfe und Beystand guter Menschen zu Theil geworden. Über habe ich dich heute durch irgend eine Ungeduld oder Schwachheit beleidigt, o Gott! so bereue ich solches von ganzem Herzen, und bitte dich um Verzeihung. Ich will in Zukunft sorgfältiger auf mich Ucht haben, und mich deinem Willen mit mehr Geduld und Vertrauen ergeben; stårke du mit deiner Gnade meinen schwachen Willen. Diese Nacht empfehle ich mich dir, o Gott! nimm mich in deinen Schuß. Erquicke meine Glieder durch einen sanften Schlaf, und tröste meine Seele in den Stunden, die ich schlaflos zubringen muß. Ich will nicht vergessen, wenn alles um mich her still ist und schläft, daß du 437 noch über mich wachest und bey mir bist. Umen. Gebeth zur Stunde der Ungeduld oder schwerer Leiden. Die Leiden, die du mir auflegst, o Herr! find schwer; ich erliege unter denselben, wenn du mich nicht stärkest. Ach so lange hofft meine Seele auf Hülfe von dir, wie lange verweilest du? Oder hast du meine Auflösung beschlossen, mein Herz ist bereit, o Gott! mein Herz ist bereit, meine Seele verlangt aufgelöst zu werden und bey Christo zu seyn. Jedoch ich will mich nach deinem heil. Willen unterwerfen, meine Stunde ist noch nicht gekommen. Uch Herr! wenn du mich nur beystehest und tröstest in meinen Schmerzen, und dieselben durch deine Gnade ers leichterst, so will ich ausharren. Die Leiden dieser Zeit sind ja nichts zu achten gegen die zukünftige Herrlichkeit, die an uns offenbart werden wird, so lehrt uns dein Apostel, und diese hat hier kein Auge gesehen, kein Ohr gehört, kein Mensch empfunden. Nun so will ich denn gern und willig ausharren, so lange es dir gefällt. Du willst meine Seele hier durch Trübfal und Leiden reinigen, damit sie würdig werde, nach ihrer Auflösung dich, den reinsten und heiligsten Gott, zu schauen. O so starke mich, Gott! durch deine Gnade, durch die Gnade Jesu Chris 438 sti, deines Sohnes, durch die Gnade des heiligen Geistes. Amen. e) Gebethe bey einem Kranken, der von einem plönlichen Zufalle befallen ist. Vorerinnerung. Es ist wichtig und heilsam, wenn einer der Gegenwärtigen einen solchen liebreich anredet, und seine Seele zum Vertrauen auf Gott und zur Reue über seine Sünden verhilft, damit er bey Gott Gnade erhalte, wenn er bey solchem Zufall sterben sollte. Wer diese Liebespflicht unternimmt, der spreche langsam und deuts lid) zu demselben: Bruder!( Freund!) u. f. w. vertraue auf den Herrn, der alle Menschen will selig haben, be reue deine Sünden und merke auf die Worte, die ich dir vorsage, denke sie in deinem Herzen mit, und Gott wird dir gnädig seyn. mein Gott und Herr! ich flehe zu dir in meiner Noth, erhöre mich! Es ist mir leid, daß ich in meinem Leben gesündiget habe, weil ich dich, meinen höchsten Gott und Herrn, den ich über alles schätzen und lieben sollte, durch meine Sünden verachtet und beleidigt habe. Ich verabscheue von ganzem Herzen alle meine Sünden, und nehme mir fest vor, dich niemal wieder zu beleidigen. Ich bin bereit, meine Sünden dem Priester aufrichtig zu beichten, wenn du mir, o 439 Gott! Zeit und Gelegenheit geben, und mich dazur fähig machen wirst. Ich bitte dich durch deine unendliche Barmherzigkeit, durch die Verdienste Jesu Christi, unsers Heilandes, sey mir gnå= dig und barmherzig, und verzeihe mir meine Sünden. Gott! ich glaube an dich, und bekenne alles, was du uns durch deine heil. Offenbarung und durch die unfehlbare Kirche zu glauben vorstellest; denn du bist die ewige Weisheit und Wahrheit. O Gott! ich hoffe und vertraue auf dich, ich hoffe von dir Vergebung meiner Sünden, die mir nun so leid sind. Ich hoffe Gnade und Barmherzigkeit von dir, und die ewige Seligkeit; denn du bist gütig, gnädig und barmherzig, und getreu in deinem Versprechen. Gott! ich liebe dich von Herzen und über alles, weil du mein höchstes Gut, der allervollkommenste und liebenswürdigste Gott bist. Es ist mir leid, daß ich dich nicht mehr geliebt, dir nicht treuer gedient habe. Verzeihe mir, o Gott und Vater! alle meine Sünden. Jesus, mein Heiland! an dich glaube ich, auf dich hoffe und vertraue ich, dich liebe ich, der du mich so sehr geliebet hast, und für mich gestorben bist. D ich hoffe, du wirst mich auch aufnehmen und selig machen. 440 Sey mir gnädig, o Gott! sey mir barmher: zig und verzeihe mir meine Sünden. f) Gebethe bey Sterbenden. Vorerinnerung. Es ist ein heiliges, verdienstliches Werk der chriftlichen Liebe, dem Sterbenden berstehen, und ihm das Ster: ben erleichtern. Wer dieses Liebeswerk übernimmt, der fpteche langsam und leise dem Sterbenden Muth und Bertrauen ein, und suche seine Seele in heiligen Empfindungen des Glaubens, der Hoffnung und Liebe ge gen Gott und seinen Heiland zu erhalten bis zu dem Augenblicke seiner Auflösung. Möchte folgende Anleitung dazu dienlich seyn! Bruder!( Freund!) NN. u. s. w.- Es ist allen Menschen gesetzt, einmal zu sterben. Aber ein wahrer Christ stirbt eigentlich nicht, sagt unfer Heiland, sondern er wird, wenn er auch gestorben ist, dennoch leben. Fürchte dich also nicht, du gehst zum Leben. Unterwerfe dich dem Willen des Allerhöchsten, aber vertraue auch auf ihn, er wird dir aushelfen und in seine Herrlichkeit führen. Du hast deine Sünden gebüßt, und sie sind durch die Verdienste Jesu Christi vergeben. So erwarte dann getrost deinen Heiland, der dich nun aufnehmen wird in sein Reich. Erinnere dich, so gut du kannst, stets an Gott, und folge mit deinen Gedanken demjenigen nach, was ich dir vorsage. HO 44[ 品 Gott! mein Gott! ich will auf dich hoffen und nicht fürchten. Du rufft mich, ich komme, ich bin bereit zu dir zu gehen, denn ich gehe zu meinem Vater. Du hast mich geschaffen zum ewigen Leben, und nun ist meine Stunde da, daß ich eingehen soll zu diesem Leben. D Gott! helfe und stärke meine Seele, daß ich nur noch eine kleine Zeit ausharre, und dann dich meinen Gott sehe. on SUA 190 Jesu, mein Erlöser! ich hoffe und vertraue auf dich, du hast mich erlöset durch dein Leiden. und durch deinen Tod, und nun wirst du mich auch selig machen. Auf deine Verdienste vertrauend, will ich nicht fürchten, denn du hast mir Versöhnung beym Vater erworben, und hast mir meine Sünden vergeben. O mein Heiland! laß mich jetzt in dir sterben, damit ich ewig ben dir lebe. 200 Meine Seele verlangt nach dir, o Gott! ich wünsche aufgelöst zu werden und bey Christo zu seyn. Errette mich doch bald aus dieser Qual, o Herr! und laß mich eingehen in jene selige Ruhe, die du den Deinigen verheissen hast. Herr Jesus! nimm meine Seele doch bald zu dir, und laß mich dich und den Vater sehen, und selig seyn. 442 Vater, wenn es möglich ist, so gehe doch der Kelch bald vorüber, jedoch nicht wie ich will, fondern wie du willst, Vater! Ich will nach dem Beyspiele deines Sohnes, meines Heilandes, ausharren, so lange es dir gefällt; stärke und tröfte nur meine Seele, o Gott! und erhalte mich in deiner Liebe. 30% S Gott! ich glaube fest an dich, ich hoffe und vertraue auf dich, ich liebe dich von ganzem Herzen. Olaß mich in diesem Glauben und Vertrauen standhaft beharren, und in dieser Liebe mein Leben schließen, damit ich dich meinen Gott in deiner Herrlichkeit sehe, und dich ewig loben und preisen möge! Erbarm rbarme dich meiner, o Gott! erbarme dich meiner nach deiner großen Barmherzigkeit! Errette mich doch von der Qual des Todes, und nimm meine Seele zu dir! Meine Seele verlangt nach dir, Herr! laß mich eingehen in deine Ruhe und Seligkeit! Jefus, mein Heiland! der du für mich gestorben bist, o stårke mich durch dein Leiden und Sterben! Dein Leiden, o Jesu, stärke mich! o gütiger Jesu erhöre mich! in deine Wunden, o Jesu, verberge mich! in meiner Todesstunde be 443 rufe mich! und laß mich zu dir kommen, und dich und den Vater preisen in Ewigkeit! Ich habe meinen Lauf vollendet, ich habe meinen Glauben gehalten, o Herr! du haft mir meine Sünden vergeben und in deiner Liebe aufgenommen; nun hoffe ich, du wirst mir auch die Krone der Gerechtigkeit geben, die du denen verheissen hast, die dich lieben. 151 Vater! in deine Hände empfehle ich meinen Geift! in deine Wunden empfehle ich meine Seele, o Jesu! Nimm mich auf, mein Herr und Gott! mein Heiland und Seligmacher! Jesus Christus sey mein Trost und meine Hülfe in meinem Tode. Gott Vater! der du mich nach deinem Ebenbilde erschaffen hast, erbarme dich meiner! Gott Sohn! der du mich durch dein Blut erlöfet hast, erbarme dich meiner! Gott heiliger Geist! der du mich durch deine Gnade gehei= liget hast, erbarme dich meiner! Heiliger dreyeiniger Gott! ich glaube an dich, ich hoffe auf dich, ich liebe dich. Laß mich in dir sterben und selig seyn! and pavicams PRENS 444 113 mare? Maria, du Mutter Jesu! bitte für mich jetzt in Deilige der Stunde meines Todes! Mein heiliger Schutzengel stehe mir bey! Shr heiligen Engel und Auserwählten Gottes bittet für mich! Erhaltet mir durch eure Fürbitte ein feliges Ende und eine gnådige Aufnahme bey dem Herrn! 29 90 and 201012 Herr Jesus! komm, nimm meine Seele zu dir! Nimm auf meinen Geist, o Gott! Jesus dir lebe, dir sterbe ich! Jesus nimm mich auf in dein Reich! laß mich dich und den Bater sehen, und selig seyn! Es ist vollbracht, o Gott! es ist vollbracht! Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist! Nimm mich auf in deine Freude, o Gott! Jesus mache selig deinen Diener, der an dich ge= glaubt, auf dich hoffet, dich liebet. Laß mich nun dich und den Vater schauen, und selig seyn ewig! Amen. 240 Cand shied dood thin Lasset uns bethen. Nimm auf, o Herr! die Seele deines Dieners, damit er, der Welt gestorben, dir lebe, und was er durch menschliche Schwachheit gefehlt hat, das wollest du durch deine Barmherzig 445 keit und durch die Verdienste deines Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi, austilgen. Umen. Er ruhe im Frieden! Umen. C Nach dem Hinscheiden. Gott! nimm auf die Seele deines Dieners, und laß ihn an den Freuden deiner Herrlichkeit Theil nehmen. Durch Jesum Christum unsern dan majlis dis p Herrn. Amen. mod sip Gud Husdied us inandsoffan da pid 3847 dus on spinist Herr erbarme dich unfrer! Christe erbarme dich unsrer! Herr erbarme dich unsrer! Vater unser ic. is de oploss 3210 348 Von der Pforte der Hölle Errette, o Herr! seine Seele. Herr, gib ihm die ewige Ruhe! Und das ewige Licht erleuchte ihn. Er ruhe im Frieden! Amen. Herr erhöre unser Gebeth! saying$ 100 Und unser Flehen komme zu dir! au m 18h30 284 Ansiste vro adigins fer Bedst 1, 058056 and some spie Du s *** m # 01 30 g SC 446 er Neunte Abtheilung. med pol Gebethe für Abgestorbene. distbilsss 39misd asdust mad mo Borerinnerung. 9102 IRIT Es ist ein heilsamer und heiliger Gedanke, für die Abgestorbenen zu bethen, daß sie von ihren Sünden gereinigt werden, sagt die Schrift des alten Bundes 2. Buch der Machab. Cap. 12. Dieses stimmt mit den Lehren des neuen Bundes in der katholischen Kirche genau überein. Wir glauben, daß es nach diesem Leben, nebst dem Orte der ewigen Belohnung und der ewigen Strafe, auch einen Ort der zeitlichen Strafe gebe, wo die Seelen derjenigen, welche zwar nicht in großen, jedoch in kleinen Sünden gestorben sind, oder welche zwar durch aufrichtige Buße in den hh. Sakra: menten Vergebung ihrer Sünden und Nachlassung der ewigen Strafen erhalten, die zeitlichen Strafen aber noch nicht hinlänglich abgebüßt haben, noch eine zeit: lang verweilen, und gereinigt werden müssen, bevor sie zu Gott gelangen und den Ewigen schauen können; welchen nur diejenigen schauen können, die eines reinen Herzens sind. Vermöge der christlichen Gemeinschaft der Heiligen aber können sich alle Glieder der Kirche einander durch Gebethe und gute Werke zu Hülfe kommen. Die Seligen im Himmel bitten für die Lebendigen auf Erden, die Lebendigen für die Abgestorbenen im Fegfeuer.( So nennt die Kirche den Ort der Reinigung nach diesem Leben, weil an demselben die Seelen, 447 wie das Gold im Feuer, geläutert und gereinigt wer den.) Es können also, gemäß den Lehren unsrer heiligen Religion, unsere Gebethe und guten Werke den Abgestorbenen nüglich und heilsam werden. Die Pflicht der christlichen Liebe, der Dankbarkeit, und die Pflichten der Freundschaft fordern uns daher auf, für unsere verstorbenen Freunde und Bekannten, und für alle ver: storbene gläubige Christen zu Zeiten zu bethen. stie Allgemeines Gebeth für die verstorbecaigh nen gläubigen Christen. Gott! der du uns gebothen hast, alle Men= schen wie Brüder und Schwestern zu lieben. Du hebst dieses Geboth auch selbst nach dem Tode unserer Mitmenschen nicht auf, denn wir sind durch ein ewiges Band der Liebe vereinigt.- Unser Daseyn dauert länger als auf dieser Welt, und darum auch långer unsre Liebe. Wir vereis nigen uns einst alle bey dir, wenn wir dir in diesem Leben treu find. Aber welche Menschen sind dir so vollkommen treu, daß sie bey ihrem Scheiden von hier gleich aufgenommen zu werden verdienten in deine Herrlichkeit. Nichts Un= reines kann ja in dein Reich eingehen, so haft du uns in deinem Worte offenbart; darum müsa sen so viele unserer Mitmenschen, wenn sie von hier scheiden, und noch nicht rein genug von kleinen Fehlern sind, noch erst gereiniget werden. Sie müssen büßen, was sie hier zu büßen ver 448 K fäumt haben. Durch die Verdienste deines Soh nes, unsers Herrn und Erlösersefu Chrifti, hätten sie völlig gereiniget werden können, aber fie haben nicht gehörig mitgewirkt. Ml'müssen fie leiden, warten und büßen, bis sie gehaug geläutert sind, und zugelassen werden können zu ihrer Seligkeit. Aber unser Flehen für sie willst du dennoch gnädig erhören, o Gott! darum bitten wir dich, o Gott und Vater der Barmherzig= keit! Wir flehen zu dir, o ewiger Sohn, Erlöser der Menschen! Auch zu dir, o heil. Geist! Erbarme dich, großer Erbarmer der Menschen! erbarme dich derer, die ihrer Fehler und Schwachheit wegen zurückgehalten werden, vor dir zu erscheinen, die am Orte der Reinigung seufzen, und verlangen nach dir, und leiden und büßen. Ach sie haben an dich geglaubt in diesem Leben, fie haben gehoffet auf dich und dich geliebet. War ihre Liebe zu Zeiten unvollkommen, ihr Glaube, ihre Hoffnung schwach, haben sie gesündigt vor dir: ach Herr! so ist ja Barmherzigkeit ben dir und überflüßige Erlösung; so hat ja dein ewiger Sohn, unser Heiland Jesus Christus, für die Sünde der ganzen Welt gelitten und Ge nugthuung geleistet. Haben sie diese Genugthuung in ihrem irdischen Leben sich nicht durch treue Mitwirkung zugeeignet; ach so laß sie ih= nen doch jetzt zu Theil werden, da sie solches nun bereuen, und da sie nach ihrer Befreyung so sehnlich verlangen! Erhöre unser Gebeth, o 449 Gott! und nimm gnädig auf alle Werke der christlichen be, die dir von deiner Kirche und ihren Gliedern dargebracht werden für die Ruhe der gef henen Gläubigen. Schenke ihnen, o Herr! doch bioie ewige Ruhe, und laß ihnen das ewige Licht leuchten im ewig seligen Leben. Umen. Gebeth für abgestorbene Eltern. Du hast uns gebothen, o Gott! unsere Eltern zu ehren und zu lieben, und diese Pflicht kann mit dem Tode unsrer Eltern nicht aufhören. Auch nach dem Tode gebührt guten Eltern Dank und Liebe von ihren Kindern, auch nach dem Tode sollen christliche Kinder für ihre Eltern bethen. Denn vielleicht sind sie noch nicht bey dem Herrn, vielleicht werden sie noch zurückge= halten an dem Orte der Reinigung, um auch von den kleinsten Flecken der Sünde, die ihrer Seele noch ankleben, vollkommen rein zu wer= den. Wenn das wäre, o Gott! wenn sie noch zu leiden, zu büßen hätten, ach wie gern möchte ich ihnen zu Hülfe kommen! Was kann ich aber, als dich bitten, großer Gott! Erlöse sie doch bald aus dem Orte ihres Leidens, und laß sie zu dir kommen. Haben sie in ihren großen und wichtigen Pflichten zu Zeiten gefehlt, haben sie aus Schwachheit gesündiget, und noch nicht gehörig gebüßet; ach so siehe doch gnädig auf die Reue, die ihre Seele jetzt empfindet, und laß ihnen 450 vollige Vergebung zu Theil werden. Darum bitte ich dich um deiner unendlichen Barmherzige keit willen, und durch die Verdienste deines Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi, der mit dir und dem heiligen Geiste lebet und herrschet in Ewigkeit. Amen. Gebeth für abgestorbene Freunde. Nicht bloß für diese Unterwelt schließt sich das Band der christlichen Freundschaft und Liebe, nein es bleibt auch jenseits des Grabes noch ge= schlossen; und darum folgen meine Wünsche, meine Seufzer und Gebethe meinem Freunde nach zu dir, o mein Gott! um Vergebung und Barmherzigkeit zu erflehen für ihn, wenn er etwa noch nicht völlige Vergebung erhalten haben möchte. Zwar macht mir sein Leben nach deinem h. Gesetze, seine Achtung für Religion und Tugend, sein fittlich guter Wandel gegründete Hoffnung, daß er in deiner Gnade und Liebe gestorben sey, und ewig in dir, o Gott! leben werde. Aber welcher Mensch ist ohne Fehler? und welcher Mensch mag, wenn er von hier scheidet, rein genug seyn, sogleich in deine Herrlichkeit einzugehen? wer muß nicht noch im andern Leben zuvor geläutert werden? Uch Herr! wenn dir unser Flehen, wenn dir das Gebeth der Zurückgebliebenen auf Erden für ihre gestorbenen 451 Brüder und Freunde gefällt; so bitte, so flche ich für sie, für alle, aber besonders für den Freund, der in diesem Leben so oft an meiner Seite war, Leid und Freude mit mir theilte, und mich durch treue Freundschaft und Liebe er. freuete. Ach laß ihn, da du ihn von dieser Welt hinweggenommen hast, doch bald eingehen in deine Freude. Tilge die kleinen Fehler und Flecken, die noch seiner Seele ankleben, durch deine Barmherzigkeit, und durch die Berdienste deines Sohnes, unsers Erlösers, aus, und dann ver= leihe ihm ewige Ruhe, und ewiges Licht er leuchte ihn, und ewige Freude mache ihn selig. Amen. Um Gedächtnißtage aller abgeschiedenen christgläubigen Seelen. Gebeth. Deine Kirche, o Herr! läßt heute Opfer und Gebethe verrichten für die Ruhe und Erlösung derer, die in ihr gestorben, aber noch nicht bey dir sind, weil sie noch zuvor am Orte der Reinigung müssen geläutert werden. Ich will heute meine Seufzer und Gebethe vereinigen mit denen deiner heil. Kirche, und will dich anflehen, o Gott! um Barmherzigkeit und baldige Erlöfung der abgeschiedenen christgläubigen Seelen Ff2 452 K im Fegfeuer. Erbarme dich ihrer, o Gott! erbarme dich ihrer nach deiner großen Barmherzigkeit, und durch die Verdienste Jesu Christi deines Sohnes, unsers Erlösers, reinige sie von ih= ren Sünden, und laß sie eingehen in deine Ruhe und Seligkeit. Amen. Gebethe bey dem H. Meßopfer für die Abgestorbenen. dion sid, sub made Beym Eingang der Messe. Ewige Ruhe verleihe ihnen, o Herr! und ewiges Licht leuchte ihnen. Dir gebührt Lobgesang in Sion, und dir follen Opfer verrichtet werden in Jerusalem, alles Fleisch wird zu dir kommen.( Ps. 64.) Ewige Ruhe verleihe ihnen, o Herr! und ewiges Licht leuchte ihnen. Zum Kyrie. Herr err erbarme dich! Christe erbarme dich! Herr erbarme dich! Gebeth der Kirche. Gott! du Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen! verleihe den Seelen deiner Diener und Dienerinnen Vergebung aller Sünden, damit sie die 453 Nachlassung, welche sie immer gewünscht, durch andächtige Fürbitte erlangen. Der du lebest und regierest mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott in alle Ewigkeit. Amen. Epistel des h. Paulus zu den Cor. 15. Brüder! ich sage euch ein Geheimniß: Wir werden alle auferstehen, aber nicht alle verherrlichet werden. Plößlich, in einem Augenblick, bey dem letzten Posaunenschalle( denn die Posaune wird ertönen) werden die Todten unverwelklich auferstehen, und wir werden verwandelt werden. Denn das Verwesliche muß das Unverwesliche anziehen, und das Sterbliche das Unsterbliche. Wenn aber dies Verwesliche das Unverwesliche, und das Sterbliche das Unsterbliche angezogen haben wird, dann wird der Ausspruch der Schrift in Erfüllung gehen: der Tod ist verschlungen, besiegt. Wo ist dein Stachel, Tod? wo ist dein Sieg, Hölle? Der Stachel des Todes ist die Sünde; die Kraft der Sünde aber das Gesek. Gott aber sey Dank, der uns durch unsern Herrn Jesum Christum den Sieg gegeben. Am Begräbnißtage eines Gestorbenen. Epist. des h. Paulus zu den Thef. 4. Cap. Brüder! in Betreff der Gestorbenen wollen wir euch nicht unwissend lassen, auf daß ihr nicht so 454 trauert, wie diejenigen, die keine Hoffnung haben. Denn, wie wir glauben, daß Jesus gestor ben und auferstanden ist, so wird auch Gott diejenigen, die in Jesu gestorben sind, mit ihm her: beyführen. Dies aber sage ich euch im Worte des Herrn, daß wir, die wir leben, und auf die Ankunft des Herrn warten, jenen, die gestorben find, nicht zuvorkommen werden. Denn der Herr selbst wird auf die Stimme des Engels und auf den Posaunenschall vom Himmel herabsteigen, und die Todten, die in Christo sind, werden zu: erst auferstehen, dann werden auch wir, die wir noch leben und zurückgeblieben sind, zu Christo geführt werden, und sodann werden wir immer bey dem Herrn seyn. Tröstet euch also einander in diesen Worten. Un anderen Tagen. Lection aus dem Buche der Offenbar. 14. Cap. In jenen Tagen hörte ich eine Stimme vom Himmel zu mir redend: Schreibe: Selig find die Todten, die in dem Herrn sterben; von nun an, spricht der Geist, sollen sie ruhen von ihren Urbeiten, und ihre Werke folgen ihnen nach. WEDD Trauergesang der Kirche. An des Gerichtes großem Tage,* nach Davids und Sibillens Klage,* versinket einst in Usche 455 * diese Welt.* O welch ein Schrecken wird ent= stehen, wenn wir den Richter kommen sehen, der nun Gericht von unserm Leben hált! Wann der Posaune Schall erklinget,* der in die tiefsten Gråber bringet,* wird kein GeDer Tod schöpf des Richters Aug' entgehen.* und die Natur wird beben, wenn alle Menschen zu dem Leben und zu der strengen Rechenschaft erstehen. * Dann wird ein Buch von allen Tagen, von allen Werken aufgeschlagen,* nach dem der Erdenkreis gerichtet wird.* Dies wird auch die geheimsten Thaten* vor feinem Richterstuhl verrathen;* nichts bleibet ungerächt, nichts unberührt. * Was werd' ich dann, ich Armer, sagen,* * zu wem werd' da die Gerechten selber zagen? ich um Schuß und Beystand flehn?* Furchtbarer König! Quell der Gnaden!* der nur aus Güte mich geladen,* Erbarmer, laß mich nicht zu Grunde gehn! Jesu! denk', daß du das Leben* für mich empfangen und gegeben,* verdamme mich Du saßest müde, doch nicht zur Höllenpein.* mich zu suchen:* du ließest dir am Kreuze fluchen;* laß diese Mühe nicht verloren seyn! Gerechter Richter unsrer Sünden!* laß uns bey dir Vergebung finden noch vor dem Tag der strengen Rechenschaft. Ich seufze, von 456 K der Schuld geschrecket, das Angesicht mit Scham bedecket,* verschon', o Gott! gib meinen Bitten Kraft. Du haft der Sünderinn verziehen,* dem Schächer Gnad' am Kreuz verliehen;* dies ist, was mir auch Trost und Hoffnung bringt.* Ich bins zwar unwerth, weh mir Urmen!* doch mach, o Herr! durch dein Erbarmen, daß mich nicht einst der Hölle Glut verschlingt. Laß mich zu deiner Rechten gehen,* mich unter deinen Schafen stehen,* und stelle mich nicht zu den Böcken hin!* wenn wider sie dein 3orn entflammet, dein Urtheil sie zur Pein verdammet.* Gib, daß ich bey den Auserwähl= ten bin! * Zerknirscht, mit reuigem Gemüthe* fleh' ich zu deiner Batergúte: laß dir mein End', o Gott! empfohlen seyn. Und führe, die im Glauben starben, die Seligkeit noch nicht erwarben,* zur Himmelsfreud' und ew'ger Ruhe ein. Um Gedächtnißtage aller abgeschiedenen christgläubigen Seelen. Evangelium Joannis am 5. Kapitel. In der Zeit sprach Jesus zu den Schaaren der Juden: Wahrlich, wahrlich sage ich euch: Es kommt die Stunde und sie ist da, daß die Tod 457 R ten die Stimme des Sohnes Gottes hören, und die sie hören werden, sollen leben. Denn gleichwie der Vater das Leben in sich selber hat, so hat er auch dem Sohn gegeben, das Leben in sich selber zu haben; und er hat ihm Gewalt gegeben, Gericht zu halten, weil es des Menschen Sohn ist. Wundert euch nicht darüber; denn es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und sie werden hervorkom: men, die Gutes gethan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Böses gethan haben, zur Auferstehung des Gerichtes. Um Begräbnißtage eines Gestorbenen. Evangelium Joannis am II. Kap. In der Zeit sprach Martha zu Jesus: Herr! wärest du hier gewesen, so wäre mein Bruder nicht gestorben. Aber ich weiß auch nun: alles, was du von Gott bitten wirst, wird Gott dir gewähren. Jesus sagte ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Martha sprach: Ich weiß es, daß er auferstehen wird am jüngsten Tage. Jesus sagte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird, wenn er auch gestorben ist, dennoch leben: und ein Jeder, der lebt, und an mich glaubt, der wird in Ewigkeit nicht sterben. Glaubst du dies? Sie 458 sprach zu ihm: Ja, Herr! ich glaube, denn du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. 1 en Un andern Tagen. Evangelium Joannis am 6. Kap. In der Zeit sprach Jesus zu den Schaaren der Juden: Ich bin das lebendige Brod, der ich vom Himmel gekommen bin. Wenn jemand von diesem Brode essen wird, der wird leben in Ewigkeit; und das Brod, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt. Die Suden aber stritten unter einander, und sprachen: Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben? Jesus aber sprach zu ihnen: Fürwahr ich sage es euch: wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohnes essen und sein Blut trinken werdet, so werdet ihr das Leben in euch nicht haben. Wer mein Fleisch isset und mein Blut trinket, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn wieder auferwecken am jüngsten Tage. Zum Offertorium. Herr err Jesu Christe! befreye die Seelen aller abgestorbenen Gläubigen von der Hölle. Laß sie nicht ins ewige Feuer gerathen, sondern dein h. Engel führe sie zum heiligen Lichte, welches du einst dem Abraham und seinen Nachkommen ver K heiffen hast. Wir bringen dir Opfer und Gebethe für die Seelen, deren Undenken wir heute bege, hen; laß sie, Herr! vom Tode eingehen zum Leben, welches du einst dem Abraham verheissen haft und seinen Nachkommen. 2007 459 Zum Sanctus. Heilig, heilig, heilig bist du, Herr, Gott Sabaoth! darum kann nichts Unheiliges zu dir kommen. Nichts Unreines kann in dein Reich eingehen. Ach so reinige doch durch das Blut deines Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi, welches dir auf diesem Altare dargebracht wird, die Seelen der abgestorbenen Gläubigen, damit sie würdig werden vor deinem allerheiligsten Ungesichte zu erscheinen. du unser Heiland, Jesus Christus! der du unsre Seelen so sehr geliebt hast, daß du dein Blut und Leben zur Erlösung derselben hingegeben hast, ach wir bitten dich durch dieses heil. Opfer, welches du am Kreuze für uns alle dargebracht hast, und welches hier auf dem Altare unblutiger Weise erneuert wird, du wollest die Früchte dieses h. Opfers den Lebendigen und Abgestorbenen zu Theil werden lassen, und die Seelen der gestorbenen Gläubigen dadurch waschen und reinigen von aller Sünde, und aufnehmen in dein Reich. 460 Bey der Elevation. SORGA Jesus, du Sohn Gottes! der du hier auf dem Ultare unter den Brodesgestalten zugegen bist, erbarme dich meiner, und erbarme dich aller Seelen der abgestorbenen Gläubigen, die noch am Orte der Reinigung auf ihre Erlösung warten. Jesus, du Sohn Gottes! der du hier auf dem Ultare unter den Gestalten des Weines zu gegen bist, wasche mich durch dein h. Blut von aller Sünde, und wasche die Seelen der abges storbenen Gläubigen, daß sie, von allen Sünden gereinigt, mögen zu dir gelangen, und zur ewigen Freude aufgenommen werden. Nach der Elevation. Wir ir bitten dich, Jesus Christus, unser gütiger Heiland! erbarme dich gnädig. Der du gekommen bist, uns zu erlösen, wir kommen zu dir, mache uns auch selig. Der du gekommen bist, zu erlösen, wir kommen zu dir und flehen für deine Erlös'ten, so im Glauben an dich gestor= ben sind, aber dennoch nicht vollkommen genug nach deinem Gefeße gelebt haben, und daher in dein Reich noch nicht aufgenommen sind. Uch tilge aus ihre Fehler und Sünden; laß ihnen dies Söhnopfer zu Theil werden, welches wir heute für sie aufopfern. Gib allen abgestorbenen 461 K christgläubigen Seelen die ewige Ruhe, und ewiges Licht erleuchte sie. Zum Pater noster. sist Vater unfer u. f. w. Boniso und führe uns nicht in Versuchung, sondern er= löse uns von dem Uebel. Erlöse und befreye uns, o Herr! von allem Uebel und von aller Sünde. Erlöse und befreye auch die Seelen der Abgestorbenen von aller Sünde, und den Strafen der Sünde. Verleihe ihnen durch die Verdienste Jesu Christi, deines Sohnes, und auf die Fürbitte der seligen und glorreichen Jungfrau Maria und aller Heiligen den Frieden, und laß sie gelangen zu deiner Unschauung und Seligkeit, wo sie, frey von allem Uebel, dich ewig preisen werden. Zum Agnus Dei. Du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt! Verleihe ihnen Ruhe! Du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt! Verleihe ihnen Ruhe! Du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt! Verleihe ihnen die ewige Ruhe. 462 signs die Herr err Jesu Christe! der du nach dem Willen deines Vaters durch Mitwirkung des heiligen Geistes die Welt erlöset hast durch Hingebung deines Leibes und Blutes, befreye durch diesen deinen heiligen Leib und dein heiliges Blut mich und alle lebendige und abgestorbene Christgläu bige von allen Sünden und allem Uebel; und laß alle, die an dich glauben, ewig mit dir vereiniget werden. 31 nagibuitylind Zur Communion. 1612 69m Die Genießung dieses heiligen Sakraments, an welchem die verstorbenen Gläubigen in ihrem sterblichen Leben so oft Theil genommen, lasse ihnen, o Herr! auch nach ihrem Tode zu gut kommen, und laß sie der Früchte desselben theilhaftig werden. Nach der Communion. Das Opfer ist vollbracht. Laß es, o Herr! den Lebendigen und Abgestorbenen zum Heile gereichen. Laß uns, die wir noch im Leben sind, dadurch Vergebung und Gnade, und neue Stärke zum Guten erlangen. Laß aber besonders den abgestorbenen Gläubigen dieses Opfer zur Erquickung und Erlösung gereichen, und laß sie, dadurch gereinigt und geheiligt, eingehen ins ewige Leben. 463 Lose auf, o Herr! die Seelen deiner Diener von allen Banden der Sünden, damit sie bey der glorreichen Auferstehung unter deinen Heili 8 mite ma gen gezählet werden. IMAL 25/010 Die ewige Ruhe verleihe ihnen, o Herr! Und das ewige Licht leuchte ihnen! damit sie bey der glorreichen Auferstehung unter deinen Heiligen gezählt werden.o 350 met 30-001 Gebeth der Kirche. id Laß, o Herr! wir bitten dich, den Seelen deia ner Diener und Dienerinnen unser flehentliches Bitten zu gut kommen, auf daß du sie von allen Sünden befreyest und deiner Erlösung theilhaf tig machest. Der du lebest und regiereft mit Gott dem Vater in Einigkeit des h. Geistes, Gott in Ewigkeit. Amen. Alle abgestorbene christgläubige Seelen lassen durch die Barmherzigkeit Gottes ruhen im Frie: den. Umen. Evangelium des h. Joannes am 1. Kap. Im Anfang war das Wort, und das Wort war ben Gott, und Gott war das Wort, dies war im Anfang bey Gott. Alles ist durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen, und 464 das Licht leuchtet in die Finsterniß, und die Finsternisse haben es nicht erkannt. Es war ein Mensch von Gott gefandt, der hieß Joannes, dieser kam zum Zeugniß, daß er Zeugniß gebe von dem Lichte, auf daß alle durch ihn glaubs ten. Er war nicht das Licht, sondern daß er Zeugniß gebe von dem Lichte. Es war ein wahrhaftiges Licht, welches erleuchtet einen jeden Menschen, der da kommt in diese Welt. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht, und die Welt hat ihn nicht erkannt. Er kam in sein Eigenthum, und die Seinigen nahmen ihn nicht auf. So Viele ihn aber aufgenommen haben, denen hat er Gewalt gegeben, Kinder Gottes zu werden, denen, die in seinem Namen glauben, welche nicht aus dem Geblüte, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden, und hat in uns gewohnt. Und wir haben gesehen seine Herrlichkeit, die Herrlichkeit als des Eingebornen vom Vater, voll der Gnade und Wahrheit. no nches Ty 2 3 11 Centimetres Blue 4 Cyan 2 5 3 14 7 ¹6 A Farbkarte# 13 Green Yellow 4 10 Red 11 12 5 13 Magenta 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 8 B.I.G. Black