KOK( NOK H. v. T. 27138 TO TRILL 炎 KOXXX Gb 2375 Gb 2375 Aus dem Nachlaß dir selige Jenny 1895. M. Johann Friedrich Heinrich Cramer's weil. Stadtpredigers in Dresden Beichtund Communion- Buch, nach der fünfzehnten Auflage verbessert und zum Theil umgearbeitet von M. Gottfried Erdmann Petri, Kirchen und Schulrathe bei der Königl. Sächs. Oberamts Regierung zu Budiffin. Zittau und Leipzig. In der J. D. Schöpfischen Buch- und Kunsthandlung. 1 8 3 5. ama brand birdsin mundoC MC men vi empiere Gb 2375 tout noin ng aming19 sm IA 8114526-# 61118 bu indiretos Unty, Bibl. Glessen ho Vorrede. Das im Jahre 1793 zum ersten Male erschienene Cramer'sche Beicht- und Communionbuch ist in fünfzehn Auflagen, deren lekte 1828 gedruckt wurde, bis auf wenige unbedeutende Zusäße und Verbesserungen unverändert geblieben. Eine vom Verfasser und nach dessen Tode von dem ebenfalls verstorbenen Stadtprediger Dr. Güldemann in Dresden beabsichtigte Revision des Buchs wurde nicht unternommen, gleichwohl, nach in öffentlichen Beurtheilungen gegebenen Winken, von der Verlagshandlung nöthig befunden und mir übertragen. Den Bedürfnissen der Stände, in welchen dieses Erbauungsbuch die zahlreichsten Freunde gefunden hat, bequemte sich der Verfasser in Ton, Sprache und Gedanken- Ausführung an. Von diesem Vorzuge nichts zu verkümmern, dabei aber doch, so weit es sich ohne Widerspruch mit der Weise des Verfassers thun ließ, Kürze und Bündigkeit, Einklang der dogmatischen Vorstellungen und ascetischen Motiven unter sich und kräftigere Anfassung des Gemüths herzustellen, erachtete ich für die Aufgabe des Bearbeiters und konnte deshalb nicht umhin, mehrere Abschnitte ganz umzugestalten. Einige der * von dem Verfasser aufgenommenen, seit vierzig Jahren in die Gesangbücher mehrerer Stadtgemeinden in der Oberlausitz übergegangenen Lieder habe ich mitanderen, zum Theil minder Bekannten, vertauscht. Was durch diese Revision geschehen ist, die Gemeinnützigkeit des Buchs auf längere Zeit zu sichern, würde bei einer genauen Vergleichung, der gegenwärtigen Ausgabe mit der fünfzehnten zu erkennen, die Zweckmäßigkeit der getroffenen Aenderungen aber am richtigsten von denen zu beurtheilen seyn, welche gewohnt sind, sich in den Horizont der in dem Buche hauptsächlich bedachten Volksclasse hineinzudenken. Zufolge der beibehaltenen Einrichtung des Verfaffers kommt S. 144 eine Fürbitte vor, in der nach Maßgabe des Geschlechts die Personenwörter zu wählen sind. Die Verbesserung der wenigen Druckfehler, welche meine Entfernung vom Druckorte entschuldigen wird, bitte ich zu berücksichtigen. Petri. Inhat t. Einleitung. Seite. 1.) Von der Stiftung und von dem Endzwecke des Abendmahls. 2.) Von dem wahren Nußen des Abendmahls. 3.) Bon der Pflicht eines jeden Christen, an der Feier des Abendmahls Theil zu nehmen. Vorbereitung zum Genusse des heiligen Abendmahles. a) Allgemeine Selbstprüfung. b) Prüfung nach den verschiedenen Verhältnissen und Verbindungen des menschlichen Lebens. c) Besondere Prüfung, die zunächst auf das heilige Abendmahl Beziehung hat. Morgengebet am Beichttage. Unterhaltungen der Andacht vor der Beichte zu Hause. Erste Betrachtung: Lebhaftes Andenken an Gottes Allwissenheit. 3 weite Betrachtung: Ueber die Strafbarkeit und Schåndlichkeit der Sünde. Dritte Betrachtung: Warnung vor dem Aufschube der Buße und Besserung. Vierte Betrachtung: Warnung vor dem Vorurtheile, man bedürfe der Buße und Besserung nicht. Fünfte Betrachtung: Trost aus Gottes Gnaden. in Christo. Gebetsübungen vor der Beichte in der Kirche. Erstes Gebet. 3weites Gebet. Drittes Gebet. Einige Beichtformulare. Einige Sprüche und Verse zum Nachdenken vor der Beichte, deren man sich auch statt einer Beichtformel bedienen kann. Dankgebete nach der Beichte. d) Von dem Ursprunge und von den Absichten der Beichte. Einige Regeln für Christen, die mit Nußen sich der Privat- oder allgemeinen Beichthandlung bedienen wollen. 49 Gebete und Betrachtungen am Beicht- und Vorbereitungstage. Erstes Gebet. 3weites Gebet. Betrachtungen nach der Beichte zu Hause. 1.) feber das Glück des Friedens mit Gott. 2.) Unleitung zur heilsamen Betrachtung des Leidens und Sterbens Jesu.. 3.) Abendgebet am Beichttage. 8 16 73 22 79 80 81 84 89 32 37 43 53 55 57 60 62 64 68 69 70 72 Anweisung zum christlichen Verhalten am Communiontage. 1.) Morgengebet am Communiontage. . 2.) Erweckung zur frommen Freude bei dem Genusse des Abendmahls. 3.) Erweckung zum standhaften Bekenntnisse und zur thätigen Ausübung des Christenthums.. Gebetsübungen in der Kirche vor dem Abendmahle. Erstes Gebet. 99 3weites Bebet. 100 Drittes Gebet. 101 Kurze Gebete bei und nach dem Genusse des Abendmahles selbst. 103 Betrachtungen und Gebetsübungen nach dem Genusse des Abendmahles. 1.) Lobpreisung Jesu für die Stiftung des Abendmahls.. 104 2.) Ermunterung, die bisher bemerkten Fehler abzulegen, und die entgegengeseßten Tugenden auszuüben. 106 3.) Ermunterung zur Wachsamkeit über die gefaßten guten Vorsätze. 112 ● 4.) Das Abendmahl als Erinnerung an den Tod und an die selige Unsterblichkeit. 5.) Abendgebet am Communiontage. ● 1.) Gebet eines Kranken vor dem Abendmahle. 2.) Gebet eines Kranken nach dem Abendmahle. 3.) Fürbitte für einen Sterbenden. Seite. 91 93 95 1.) Erweckung zur Selbstprüfung. 2.) Bitten um Vergebung der Sünde. 3.) Begnadigung durch Christum. 4.) Communion= Lieder. 5.) Abendlied am Communiontage. 6.) Bei der ersten Communion. 7.) Nach dem Abendmahlsgenuffe. Betrachtungen für junge Christen, die das Abendmahl zum ersten Mal genießen. 1.) Dankgebet für die in den Jahren der Kindheit und Jugend genossenen Wohlthaten. 2.) Selbstprüfung und Demüthigung vor Gott. 3.) Wichtigkeit des ersten Abendmahlsgenusses. 4.) Ermunterung für junge Christen, über die Unschuld des Herzens und über die Reinigkeit der Sitten zu wachen. ♦ • ● 5.) Betrachtung für Ueltern, deren Kinder zum ersten Male das Abendmahl genießen. Gebet für Kranke. → . • ● ♦ ♦ ♦ 136 141 144 4.) Einige Sprüche, an die man Kranke erinnern kann. 5.) Einige Segenssprüche am Sterbebette der Christen.. 148 145 Anhang einiger Lieder. 115 119 ♦ ✰ 121 124 127 129 133 149 152 155 157 164 165 166 Von der Stiftung und dem Ende zwecke des Abendmahls. Als Jesus Christus, unser Herr, nach der religiösen Gewohnheit der Juden, mit seinen vertrauten Schülern zum letztenmale das Osterlamm aß, welches im Gesek Mosis, zum Andenken an die ehemalige Auswanderung der Ifraeliten aus Aegypten, verordnet war: so stiftete er ein Mahl zum immerwährenden Gedächtnisse seines Todes, den er zur Er lösung des Menschengeschlechts zu leiden im Begriff war. Die Verfasser der Evangelien und der Apostel Paulus geben davon nur kurze Berichte,*) auf die sich folgende Erzäh lung gründet. In den Abendstunden, mit denen die letzte Nacht seines irdischen Lebens begann, kurz vor seiner Gefangennehmung durch den Vers rath des treulosen Judas, genoß Jesus mit seinen Jüngern, wie alle jüdische Familien, in einem Bürgerhause zu Jerusalem, jene gez seßliche Ostermahlzeit. Die Stimmung seiner Seele dabei zeigt die Anrede an seine Jünger: Mich hat herzlich verlangt, dieß Ofter: lamm mit euch zu essen, ehe denn ich *) Matth. 26, 26. 27. 28. Marc. 14, 22. 23. 24. Luc. 22, 19. 20. 1. Cor. 11, 23, 24. 25. A 2 leide.*) Todesgedanken leiteten ihn zu der heiligen Stiftung, die er an dieses letzte Mahl im Kreise seiner Jünger anknüpfte. Nach dem selben nahm Jesus das noch vorhandene uns gesäuerte Brod, dergleichen die Juden zur Ers innerung an die Eile des Auszuges aus Aes gypten in der Osterzeit essen mußten, verrich tete darüber das gewöhnliche Dankgebet, brach es in Stücke und theilte diese, wie ein Hausvater, unter seine Jünger mit den Wors ten aus: Nehmet hin und effet, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird, solches thut zu meinem Gedächtniß. Hierauf nahm er auch den Kelch, einen mit Wein gefüllten Becher, sprach darüber das Dankgebet und reichte ihn seinen Jüngern mit den Worten dar: Trinket alle daraus: dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergoffen wird zur Vergebung der Sünden; solches thut, so oft ihrs trinkt, zu mei nem Gedächtniß. Damit wollte er sagen: „ Die Zeit ist nun da, wo ich zu euerm Besten ,, meinen Leib hingeben, mein Blut vergießen und am Kreuze sterben soll. Werdet, darum nicht irre an mir. Ich opfere mich auf, um den neuen Bund, die euch mitgetheilte bes fere Religion, feierlich zu bestätigen. Was ich leide, dient zum Heile der Menschen, ,, mein Tod vollendet das Werk ihrer Erlö *) Luc. 22, 15. 3 » sung, damit Alle, die an mich glauben, Ver gebung der Sünden und ewige Seligkeit ers ,, langen können. So oft ihr in Zukunft dieses ,, Mahl wiederholen werdet, so thut es zum ,, Andenken an mich. Denket an meine Lehre, an meine zärtliche Sorgfalt für euch, und an die Leiden, die ich für euch und für alle » Menschen erdulden werde." Christen empfangen daher bei dem Ges nusse des heiligen Abendmahles unter dem gesegneten Brod und Wein Leib und Blut Jesu Christi mit der Versicherung, daß er sich für sie dahingegeben hat in den Lod. Sie sollen nach seiner Anordnung beides genies ßen, sowohl Brod, als Wein, da der Stife ter nicht nur sagt: Nehmet hin und effet, sondern auch, trinket alle daraus; und es ist ein Vorzug evangelischer Christen, das heilige Abendmahl auch in dieser Rücksicht ganz nach dem Willen des Stifters genießen zu dürfen. Die Worte Jesu: das ist mein Leib, das ist mein Blut, bezeichnen die Art der Verbindung seines Leibes und Blutes mit dem Brode und Weine nicht so genau, daß nicht verschiedene Vorstellungen davon gefaßt werden könnten. Nur ist hierbei an eine Vers wandlung des Brodes in den Leib und des Weines in das Blut Christi nicht zu denken, da die Einsegnung an dem Brode und Weine für den äußeren Sinn nichts verändert und 2 2 4 ein Essen irdischer Bestandtheile des Leibes, in dem Jesus am Kreuze litt, veredelten relis giösen Gefühlen eben so sehr widerstrebt, als der Vorstellung des Möglichen. Evangelische Christen erkennen in dem Brode und Weine bei dem heiligen Abendmahle allerdings nicht blos Zeichen oder Sinnbilder der Gegenwart des Leibes und Blutes Christi, sondern auch Mittel, durch welche sie desselben theilhaft werden. Der Apostel Paulus nennt den Kelch, den wir fegnen, die Gemeinschaft des Blutes Christi und das Brod, das wir brechen, die Gemeinschaft des Leibes Christi; er leitet daraus eine Gemeinschaft der Abendmahlsgenossen unter einander ab.*) In eine wirks liche Gemeinschaft mit unserem Herrn und Erlöser soll uns der Genuß des heiligen Abendmahls bringen. Doch wahrnehmen und em pfinden können wir sie nur im Geiste und im Herzen, und auch nur dann, wenn wir bei dieser Feier Brod und Wein als Unterpfän der der Gegenwart Christi mit Gedanken und Ueberzeugungen empfangen, wie er sie in den Worten der Einfeßung fordert. So haben wir denn nicht Ursach zur Unruhe über das Dunkle in der Art der Gemeinschaft des Leibes und Blutes Christi mit dem geseg neten Brode und Weine. Fragst du: wie geht das zu, wie kann Leib und Blut Christi im Abendmahle gegenwärtig sey? so machst *) 1. Cor. 10, 16. 17. 5 du zu einer Aufgabe für deinen Verstand, was zunächst dein Herz angeht und kommst in Gefahr zu zweifeln, wo der Glaube und die gute Gesinnung die Bedingungen alles Segens sind. Statt uns mit solchen Fragen zu ångstigen, durch die uns das Unbegreiflis che in dieser Gegenwart Christi im heiligen Abendmahle doch nie begreiflich werden kann, wie irdische Dinge es sind; wollen wir uns lieber an seine Verheißung halten: Siehe! ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende,*) mit redlichem Herzen seiner Absicht bei dieser Stiftung Folge leisten und ihm vertrauen, er werde Alles erfüllen, was er versprochen hat. Dann werden wir fühlen, daß Jesus Christus bei uns ist. Seine Absicht bei der Stiftung des heiligen Abendmahles spricht Jesus mit den Worten aus: Solches thut zu meinem Gedächtniß! und seine trostvolle Zusage mit den Wors ten: Für euch gegeben, für euch vergoffen zur Vergebung der Sünden. Dieſe Absicht hat er erreicht und diese Zusage erfüllt. Selbst in den finstersten Zeiten der Unwissens heit und des Aberglaubens, wo das Evans gelium Jefu selten oder gar nicht geprediget wurde, erhielt die Feier seines Abendmahls die Erinnerung an ihn unter den Christen. Sie mußten doch fragen, wer ihr Stifter war, was er gelehrt und Großes gethan, wodurch *) Matth. 28, 20. 6 er die Verehrung des Menschengeschlechts verdienet habe. 8 Wenn daher die Christen das Abendmahl Jesu feiern, so sollen sie sich erinnern, daß er der erhabene Sohn Gottes war, der dess wegen Mensch wurde, damit die wohlthätigen Absichten Gottes, Sünder zu begnadigen und zu beglücken, durch ihn ausgeführt würden. Denken sollen die Christen, daß Jesus der größte Lehrer des Menschengeschlechts war, der ihnen den wahrhaftesten, reinsten Unters richt und so herrliche Verheißungen gab, ders gleichen vor ihm kein Lehrer gegeben hatte, und der noch in der Nähe seines Todes gewiß war, daß seine Lehren und Verheißungen wahr und untrüglich wären. Denken sollen die Christen an fein heiliges frommes Leben, an seine fleckenlose Tugend, wodurch er das höchste Muster zur Nachahmung für alle seine Vers ehrer aufstellte. Vornehmlich aber sollen die Christen, bei der Feyer des Abendmahls, sich an den Versöhnungstod Jesu erinnern, den er zum Besten der Welt so großmüthig erdula dete. Denn er hat den Menschen Gnade und Vergebung der Sünden nicht nur durch seine Lehre verkündigt, sondern durch seinen Tod erworben. Durch seinen freiwilligen, unschula digen Tod am Kreuze hat er die Menschen von der Sünde und dem Elende, das ihre ewige Strafe ift, erlöset und ihnen den Weg zur Bes gnadigung bei Gott geöffnet, so daß der reues 7 volle, sich aufrichtig bessernde Sünder nun nicht ängstlich fragen darf: Womit soll ich den Herrn versöhnen? und den Wahn, als könne dieß durch selbsterwählte Bußübungen geschehen, in seiner Nichtigkeit erkennt. Nein, Gott war in Christo, und versöhnte die Welt mit ihm selber.*) Das Abendmahl ist also eine Gedächtnißfeier unserer Begnas digung und unserer Erlösung, es ist ein Denks mahl des Todes Jesu, dessen die Menschheit sich freuen soll bis an das Ende der Tage. Und wie geeignet ist diese Handlung, das Andenken an den heilbringenden Versöhnungstod Jesu in uns zu erhalten! Denn wenn das gesegnete Brod und der gesegnete Kelch auss getheilt werden, so ruft man jedem Commu nicanten zu: Nimm hin, und iß, das ist der Leib Jesu, für deine Sünden in den Tod ge geben! Nimm hin, und trinke, das ist das Blut Jesu, für deine Sünden vergoffen! Bes denke, daß auch du ein Christ bist und seyn sollst. Bedenke, daß Jesus Christus auch für dich gestorben ist, daß er auch dir Vergebung der Sünden schenken, auch dich im Leiden trösten, zum Guten stårken und zur Seligkeit des Himmels geschickt machen will. Dank sey also dir, göttlicher Erlöser! daß du durch die Stiftung des Abendmahls Dein segenvolles Andenken unter den Christen befördert, und bis auf diesen Tag erhalten *) 2. Cor. 5, 19. 8 haft. Sey gepriesen, daß du noch in den letzten traurigen Stunden deines Lebens an uns ges dacht, für unsern Glauben, für unsre Tugend und Beruhigung gesorgt haft. Nie wollen wir vergessen, wie unaussprechlich viel du für uns gethan, gelitten und aufgeopfert hast. Nie wols len wir vergessen, daß wir an dir einen Lehrer und Vorgånger, einen Mittler und Seligma: cher haben, der noch jezo zu unserm Heile im Himmel lebt und herrschet, und der Macht und Gewalt hat, selig zu machen alle, die sich seis ner Führung anvertrauen. Von dem wahren Nußen des Abendmahls. Daß das Abendmahl Jesu einen großen und vielfachen Nuken für seine Verehrer haben müsse, das kann man schon um deswillen er warten, weil er als der Weiseste nichts anord nen konnte, was nicht für das menschliche Ges schlecht wichtig und von heilsamen Folgen ges wesen wäre. Indessen muß doch jedem Chris sten viel daran gelegen seyn, zu wissen, wor in eigentlich der Nußen und Segen bes stehe, den ihm dieses heilige Mahl gewähren soll. Auch ist ein richtiges Urtheil über den Nußen des Abendmahls schon deswegen nothig, weil es Christen genug giebt, die den Werth desselben entweder gar nicht kennen, oder die sich solche Vortheile davon versprechen, die ihnen nicht verheißen sind. Der Leichtsin. 9 nige und Eingebildete betrachtet es blos als eine leere Feierlichkeit, die an sich keinen Werth habe und nur um des Glaubens der Menge willen noch aufrechterhalten werde. Er unter: läßt sie entweder ganz oder geht doch dazu ohne würdige Vorbereitung und mit einer Gleich gültigkeit, die ihn um allen Segen bringt. Der Abergläubische hingegen betrachtet das Abendmahl als die einzige Hauptsache im Chris stenthume; er glaubt, er könne ohne Buße und Besserung, blos durch den Genuß desselben, auf eine wundervolle Art und ohne seine eigene Mitwirkung Vergebung der Sünde erlangen; er bildet sich ein, der öftere Genuß des Abendmahls werde schon für sich allein hinreichen, ihn zu einem frommen, tugendhaften, Gott wohlgefälligen Menschen zu machen. Ja manche Menschen sind so schwach, daß sie recht fest glauben, der Genuß des heiligen Abendmahles könne wohl gar ihre Gesundheit wieder her: stellen, sie vor Gefahren in Sicherheit sehen, oder ihren irdischen Wohlstand gründen und vermehren. Aber sowohl die Leichtsinnigen und Eingebildeten als die Abergläubigen, befinden sich auf gefährlichen Abwegen; beide berauben sich der wahren Vortheile, die nur eine andächtige und vernünftige Feier des Abendmahls verschafft. Und worin bestehen diese Vortheile? was nüßt mir eigentlich das Abendmahl? was ges winne ich dadurch für meinen Glauben, für 10 meine Beruhigung und Tugend? Sehen wir das Abendmahl auch nur für ein Mittel an, wodurch das Andenken Jesu bis ans Ende der Welt unter den Menschen erhalten werden soll, so ist es schon darum unendlich wichtig. Allein es soll mehr seyn, es soll ein Mittel des Heils, ein Mittel der Besserung, ein Mittel zur Veredlung und Glückseligkeit der Menschen werden. Zuförderst soll das Abendmahl unsern Glauben an Jesum üben, stärken und be: festigen. Denn durch den feierlichen Genuß des Abendmahls legt der Christ ein Bekennt niß seiner Religion und seines Glaubens ab. Er giebt sich dadurch öffentlich für einen Chris sten aus, er bekennt, ohne es ausdrücklich zu sagen, daß er Jefum Chriftum für den halte, wofür er sich selbst ausgab, und wofür ihn seine Schüler erklärten; er bekennt, daß er die Lehre Jesu für wahr halte, daß er, sie zu befolgen, redlich entschlossen sey; er bekennt, daß er auf Jesum, den Begründer und Bürgen unsers Heiles in Zeit und Ewigkeit, sein Vertrauen feße, und daß er durch ihn allein hier ruhig und zufrieden, dort aber ewig selig zu werden hoffe. Denkt sich nun der Christ bei der Feier des Abendmahls recht lebhaft alle Wohlthaten Jesu, überlegt er mit ruhigem Nachdenken, wie viel er ihm zu verdanken, und wie viel er noch von ihm zu hoffen hat, wie glücklich er sich schäs ten müsse, zur Zahl seiner Schüler zu gehören: 11 so bekommt sein Glaube an den Heiland der Welt dadurch mehr Festigkeit und Gewißheit, so, daß er freudig sagen kann: Ich weiß, an wen, und was ich glaube. Das Abendmahl wird uns ferner nützlich, indem es uns von der Vergebung der Sünde versichert. Gut machen kann das Abendmahl unsere vorigen Sünden nicht, es ist kein neues Versöhnungsmittel; wohl aber ist es ein Unterpfand von der Vergebung der Sünde, Die wir bei aufrichtiger Buße und bei redlicher Besserung, um des Versöhnungstodes Jesu willen, erlangen sollen. Denn indem wir Brod und Wein im Abendmahl genießen, und dabei des Leibes und Blutes Jesu theilhaftig wer den, so werden wir inne, daß der Tod Jesu auch uns angehe, daß er auch zu unserem Besten denselben erduldet habe, und daß die Früchte desselben auch auf uns übergehen. Auch mich, spricht dann der Christ, auch mich „ hat Gott so sehr geliebt, daß er seinen Sohn für mich sterben ließ; auch mich hat Jesus so werth geachtet, daß er mich mit Aufopferung seines Lebens dem Elende der Sünde entriß; auch ich soll um seinetwillen von Gott begnas » diget werden. Nun darf ich Gott nicht als ,, einen strengen, unerbittlichen Richter fürchten, nun kann ich zu ihm, als einem barmhers sigen Vater, kindliches Zutrauen faffen. Wohl mir, daß ich durch Jesum mit Gott versöhnt 12 werde; wohl mir, denn, nun ich bin gerecht worden, habe ich Friede mit Gott." Das Abendmahl erweckt uns auch zur Gottes und Menschenliebe. Wahre Gots tes- und Menschenliebe sind die schönsten Früch te des Glaubens, sie sind die sichersten Kenns zeichen der christlichen Zugend. Nirgends fins den wir aber zur Gottes und Menschenliebe so viel Ermunterung, als bei der Feier des Abendmahls, und es heißt eben deswegen mit Recht ein Liebesmahl. Kannst du wohl, lieber Mitchrist, zum Abendmahl gehen, ohne an Gottes grånzenlose Liebe zu denken, der mehr als ein Vater that, um dich glückselig zu machen, der seinen Sohn bis zum schmachvollen Tode am Kreuze erniedrigte, um dich zu erlösen? Solltest du, wenn du über das alles nachdenkst, nicht ausrufen: O! welch eine Liebe hat mir der Vater erzeigt! Kannst du zum Abendmahl kommen, ohne die Liebe Jesu zu bewundern, die stärker als der Tod war, die keine Leiden, keine Beschwerden, keinen Undank scheuete, die mehr für dich that, als der treueste Bruder, der redlichste Freund thun konnte? Sollte dieses Nachdenken über die Liebe Gottes und Jesu dich nicht zur innigsten Gegenliebe ermuntern? Sollte nicht der Entschluß dich beleben: Gott hat mich erst geliebet, ich will ihn wieder lieben?*) Ich will ihm willig und freudig gehorchen, ich *) 1. Joh. 4, 19. 11 13 will mit allen seinen Führungen zufrieden seyn, ich will seinen Beifall höher schätzen, als alles, was mir sonst in der Welt lieb und werth ist. O! wer bei dem Abendmahle nicht solche Ents schließungen faßt, der kennt entweder die Liebe Gottes und Jesu nicht, oder er ist in einem hohen Grade fühllos und undankbar. Und nicht weniger erwecket uns das heis lige Abendmahl zur Menschenliebe. Die Mångel und Vorzüge, die Bedürfnisse und Hoffnungen, die Pflichten und Rechte, in des nen alle Menschen einander gleich sind, tres ten uns bei dieser Feier lebhaft vor Augen und stärker als anderswo empfinden wir am Altare des Herrn, was uns mit den Beken nern seiner Religion verbindet. Wir mögen vornehm oder gering, reich oder arm, gelehrt oder ungelehrt seyn, als Abendmahlsgenoss sen vergessen wir den Unterschied der Stände und fühlen uns als Glieder des Bundes der Wahrheit und Liebe, den Jesus gestiftet hat, als Brüder und Schwestern in ihm. Da werden wir inne, daß wir alle Kinder eines Vaters im Himmel und wegen unserer Süns den seiner Gnade bedürftig sind, da trösten wir uns alle der Vaterliebe Gottes in seiz nem Sohne und des Verdienstes Jesu Christi um unser Heil, da theilen wir den Genuß der Segnungen seines Erlösungswerkes und hoffen durch ihn die Seligkeit einer bessern Welt. 14 Sollte die Empfindung dieser innigen Gemeinschaft mit unseren Mitchriften unsere Herzen nicht zu aufrichtiger Menschenliebe erwärmen? Sollte da nicht jeder bei sich selbst denken: ,, Kein Christ kann mir gleichgültig seyn, denn er hat in den Augen Gottes und Jesu einen großen Werth; ich will gern für ihn thun, was ich kann, da Gott so viel für ihn und für mich gethan hat; ich will gern für ihn etwas leiden und auf nopfern, da Jesus für mich und für ihn so viel aufgeopfert hat; ich will keinen haffenund beneiden, sonst würde ich Jesu Lehre verläugnen, die allen Haß und Neid vers wirft; ich will keinen krånken und betrüben, denn die Liebe, die Jesus mir einflößt, trachtet nicht nach Schaden; ich will mit Allen, so viel an mir ist, in Friede und Eins tracht leben, denn die Liebe ist das Band der Vollkommenheit." Endlich verdanken wir einem würdigen Ges nusse des heiligen Abendmahles auch Befesti gung unsers Hoffens auf ein ewiges Heil, denn der hat es uns erworben und verbürgt, der dieses Mahl in seiner letzten Erdennacht stif tete. Wir kommen durch den gläubigen Genuß des Leibes und Blutes Jesu Christi in seine Ges meinschaft, wir nehmen Himmlisches in uns auf und verbinden uns mit unserem verklärten Heiz lande. Gegenwärtig ist uns bei der Feier feines Gedächtnisses der Erlöser selbst, der vom Tode 15 auferstand und auch uns einst auferwecken wird, wie er gesagt hat: Ich lebe und ihr sollt auch leben*). Durch Leiden des Todes mit Preis und Ehren gekrönt und eingegans gen in die Herrlichkeit, die ihm bereitet war von Anbeginn, hat er nun alle Gewalt im Himmel und auf Erden**), hat er auch Macht, seine Verheissungen an uns zu erfülIen und uns zu verklären; kann er nun selig machen immerdar alle, die durch ihn zu Gott kommen***); wird er, wenn wir einst unsere irdische Hülle verlassen müssen, uns aufnehmen zu sich, in sein himmlisches Reich, denn in seines Vaters Hause sind viele Wohnungen.****) Wie er bei uns ist, wenn wir seine Todesfeier begehen, und wir ihn, den wir nicht sehen, doch lieben; sollen wir ihn einst schauen von Angesicht zu Anges sicht, um bei ihm zu seyn und mit seinen vol lendeten Freunden ihn zu preisen ewiglich. Ja, wenn ich dein Gedächtnißmahl, o Jes su, feiere, dann freue ich mich aller der Vors züge und Seligkeiten, die mir das Christenthum verschafft, dann fühle ich, wie unents behrlich mir ein solches Hülfsmittel war, wo durch ich mich im Glauben stårken, zur Gots tes- und Menschenliebe erwecken, und zum fros hen Vorgefühl des bessern Lebens erheben *) Joh. 14, 19.**) Math. 28, 18,***) Hebr. 7, 25. ****) Joh. 14, 2. 16 kann. Ewig will ich dich loben, daß du dich zu meiner Schwachheit und Sinnlichkeit so gue tig herabgelassen hast. So lange ich lebe, soll deine letzte Stiftung mir heilig und ehrwürdig bleiben; denn sie ist mir eine Quelle des Ses gens für Zeit und Ewigkeit. Von der Pflicht eines jeden Chris sten, an der Feier des Abendmahls Theil zu nehmen. Daß Jesus das Abendmahl nicht bloß für feine damaligen Schüler, die bei der ersten Stiftung zugegen waren, sondern für alle künfe tigen Bekenner seiner Religion verordnet has be, das wird Niemand leugnen, der über den Ausspruch Pauli nachgedacht hat: So oft ihr von diesem Brode effet und von die sem Kelche trinket, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen bis daß er kommt.*) Denn hier wird ausdrücklich gesagt, die Christen sols len das Abendmahl feiern, bis daß Jesus kommt, wo alle seine Bekeuner nach den Gese: ten seiner göttlichen Lehre gerichtet, wo die Würdigen belohnt, die Unwürdigen bestraft werden sollen. In der ersten christlichen Kirche war man von der Verpflichtung, das Andenken seines Todes fleißig zu begehen, so sehr überzeugt, daß alle, welche hinlänglich unters richtet waren, so oft sie sich zum öffentlichen Gottesdienst versammelten, das Abendmahl *) 1 Cor. 11, 26. 17 empfingen, um sich in der Treue gegen Jesum und in der gegenseitigen Bruderliebe zu stårs ken. Aber auch heut zu Tag ist es noch für jes den Christen Pflicht, oft an der Feier des Abendmahls Theil zu nehmen. Denn er ist das seinem Erlöser, er ist es seinem Mitchristen, er ist es sich selbst schuldig. Dem Erldser ist er es schuldig, er mag ihn entweder als seinen Oberherrn, oder als seinen Wohlthäter betrachten. Man hat sichs ja von jeher zur Pflicht gemacht, den letzten Willen solcher Personen aufs pünktlichste za erfüllen, die uns entweder zu befehlen, oder die sich um uns verdient gemacht hatten. Man hat von jeher Bedenken getragen, in ihren letzs ten Anordnungen etwas eigenmächtig zu äne dern, weil man sie als etwas heiliges und ehrwürdiges ansahe, das man nicht angreis fen, nicht verlegen dürfte. Wer nun Jesum für seinen Herrn, für das Oberhaupt der christlichen Kirche erkennt, wer es weiß, daß von ihm unser Glück auf Erden, unsere Se ligkeit im Himmel abhångt, sollte der nicht den letzten Befehl dieses seines Herrn: Solches thut zu meinem Gedächtniß, gern vollbringen? Sollte er sich nicht freuen, durch die Theilnahme am Abendmahle eine sichts bare Probe seines Gehorsams abzulegen? Und ist er es etwa nicht werth, daß wir ihm zu Ehren ein besonderes Fest feiern? War er nicht der großmüthigste Freund und höchste B 18 Wohlthäter der Menschen? War nicht ſeine Menschenliebe die reinste und segensvollste? Hat er nicht alles aufgeopfert, alles gedul det, und selbst den Kreuzestod gelitten, um dem sündigen Menschengeschlechte Hülfe zu leisten? Wäre es also nicht schimpflicher Un dank, wenn wir sein Andenken nicht ehren, uns an seine Wohlthaten nicht erinnern woll ten? D, wer sich von der Feier des Abend: mahls ausschließt, der sage nicht, daß er ein Christ sey, der gebe sich nicht für einen Schüler Jesu aus; denn die Geringschåßung des Abendmahls bleibt allemal ein Ungehor sam gegen Jesum, ein Beweis, daß man ihn nicht so schätzt, liebt und ehrt, wie man soll. Wenn ein Vater in seinem letzten Willen verordnet hatte, daß seine Kinder zu ges wissen Zeiten ein Familienfest zu seinem Andenken feiern sollten, weil er überzeugt war, daß dieses Fest zur Veredlung seiner ganzen Familie viel beitragen würde; wäre es nicht unverzeihlicher Undank, wenn seine Nachkom men über diese Verordnung nicht hielten? Jesus Christus ist uns aber mehr, als Vas ter, Freund und Wohlthäter; sein letzter Wille muß uns also wichtiger seyn, als alle menschlichen Anordnungen, und es muß uns stets eine heilige Pflicht bleiben, das gern zu thun, was er befohlen hat. Gulf Doch, wir sind die Theilnahme an der Feier des Abendmahls auch unsern Mit 19 christen schuldig, wir sind verpflichtet, ih nen dadurch ein gutes nachahmungswürdiges Beispiel zu geben. Denn wenn du, lieber Christ, das Abendmahl feierst, so legst du ein öffentliches Bekenntniß deines Glaubens und deiner Ehrfurcht gegen Jesum ab, du giebst deine Freude über das Glück, ein Christ zu seyn, zu erkennen. Deine Theilnahme am Abendmahl erweckt den Zweifler, über den großen Werth desselben nachzudenken; dein Ernst und deine Andacht rühren den Leichts sinnigen, der unvorbereitet und mit sichtbas rer Zerstreuung dabei erscheint; deine Ges genwart am Tische des Herrn beruhigt den ångstlichen Christen, der über das Zurückblei ben so Vieler sich im Stillen betrübt. Kömmt hierzu noch, daß du durch deinen Stand, durch dein Amt, durch deine Einsichten über Viele erhaben bist: so stiftet deine Gegenwart bei dem Abendmahle noch weit mehr Gutes. Dein Ansehn, die gute Meinung, die andere vor dir hegen, wird ungemein viel Eindruck auf andere Christen machen, die sich gern nach dir richten, und sie kräftig zur Nachahmung reis zen. Bleibst du aber aus Leichtsinn, aus Nachlässigkeit und Bequemlichkeit, aus Zerstreuungssucht oder aus Unglauben, von der Feier des Abendmahls zurück, sprichst du ohne alle Achtung und ohne ehrerbietigen Anstand von dieser heiligen Handlung: dann bist du Schuld, wenn die Geringschätzung derselben immer alle 32 20 gemeiner wird, wenn noch mehrere sich von derselben zurückziehn, und ihre Nachlässigkeit mit deinem Beispiele entschuldigen. as Endlich sind wir die Theilnahme am Abendmahl auch uns selbst schuldig, weil es für uns in mehr als einer Rücksicht wah res Bedürfniß ist. Denn, wird nicht oft uns ser Glaube schwach? ermüdet nicht oft unser Eifer im Gutesthun? werden wir nicht oft genug in der Gottes und Menschenliebe kalt? brauchen wir nicht oft Beruhigung? bedarf unsere Hoffnung auf ein ewiges Heil nicht von Zeit zu Zeit neue Belebung und Befes stigung? Mancher denkt zwar wohl: ,, ich kann zu jeder Zeit und an jedem Orte durch stille Betrachtung das Andenken Jesu feiern, und mich dadurch im Glauben, in der Liebe und in der Hoffnung stårken." Aber, thust du denn dies auch wirklich und recht oft, wie es nach dem Willen Jesu bei dem öffentli chen Genusse des Abendmahls geschehen soll? Bedarfst du etwa keines solchen sinnlichen Ers innerungsmittels? Brauchst du keine besondes. ren Erweckungen und rührenden Feierlichkeis ten, die doch immer Gewalt über das mensch liche Herz haben? Willst du weiser seyn als Jesus, der als der größte Kenner des mensch lichen Herzens dieses einfache Mittel zur Ers haltung seines Gedächtnisses für nöthig und nüglich erklärte? Sollte denn die öffentliche Feier des Abendmahls für dich allein une 21 fruchtbar seyn? O! versuche es nur, und du wirst bald erfahren, wie groß der Segen ist, den dir Jesus durch das heilige Abendmahl mittheilen will. Willst du mit immer fes sterer Ueberzeugung Jesum und seine Lehre bekennen; willst du in christlichen Gesinnun gen und Tugenden täglich wachsen; willst du deine Christenpflichten immer treuer erfüllen; willst du mit glücklichem Erfolge an deiner Veredlung arbeiten; willst du dich bei dem reuevollen Andenken an deine Fehler kräftig beruhigen; willst du, bei dem Gefühle deis ner Schwachheit, dir neue Kräfte sammeln; willst du, unter dem Drucke zeitlicher Leiden, dir eine Quelle des Trostes für deine Seele öffnen; willst du dich deiner Bestimmung zu einer seligen Unsterblichkeit recht innig freuen, und ist dir das alles ein wahrer Ernst; o! so erscheine oft mit redlichen Herzen bei dem Gedächtnißmahle Jesu, und du wirst bald ges wahr werden, daß es eine stårkende Nahrung für deine Seele ist, du wirst es als ein wirks sames Beförderungsmittel des Glaubens, der Tugend und Beruhigung schäßen lernen, und es wird deinem Herzen Freude, ja, ein heis liges Bedürfniß seyn, Jesu letzten Befehl zu vollbringen: Solches thut zu meinem Ge dächtniß. Hat übrigens Jesus dir auch keine bestimmte Vorschrift gegeben, wie oft du sein Abendmahl genießen sollst; so hat er das, ganz dem Geiste des Christenthums gemäß, 22 der durchaus keinen Zwang in Beobachtung äußerlicher Gebräuche kennt, deinem eigenen Gefühle, deiner Liebe und Dankbarkeit ges gen ihn überlassen. Und ist dein Herz voll von Liebe und Dank gegen ihn, so wirst du es aus eigenem Antriebe oft genießen, und nie wirst du von diesem Mahle ohne großen Gewinn für deine Tugend und Beruhigung zurückkehren. Von der Vorbereitung zum Abendmahle. a) Allgemeine Selbstprüfung. Die allgemeine Prüfung, die sich auf das ganze Verhalten und auf den ganzen sittli chen Zustand des Menschen bezieht, muß von jedem Christen oft und umständlich mit aller möglichen Aufmerksamkeit geschehen, weil er ohne dieselbe keine glücklichen Fortschritte in seiner Besserung machen kann. Versäumt man nun diese Prüfung ganze Monate und Jahre, ohne darnach zu fragen, was man in der Zeit Gutes oder Böses gethan? ob man seinen Pflichten Genüge geleistet hat, oder nicht? Bringt man sein Leben in bes ständigen Zerstreuungen zu, ohne zu unters suchen, wie es um Glauben, Tugend und 23 Hoffnung stehe? o! dann ist es hohe Pflicht, das Geschäft der umständlichen Selbstprůz fung wenigstens zu der Zeit vorzunehmen, wenn man das heilige Abendmahl genies ßen will. Hast du nun diese Prüfung bisher vers absäumt, bist du mit dir selbst noch unbe kannt, nun so säume nicht länger, diese ernsts liche, unpartheiische Untersuchung vorzunehmen. Untersuche aber deine Gesinnungen und dein Verhalten nicht blos nach den sogenann ten zehn Geboten, die nur die ersten Anfangsgründe des göttlichen Gesetzes enthal ten. Lies vielmehr die bekannte Bergpredigt, die du im 5ten, 6ten und 7ten Kapi tel Matthai findest, und in welcher jene Gebote vollständiger erklärt sind; lies das 12te und 13te Kapitel des Briefes Pauli an die Römer und ähnliche Stellen, wo die vor nehmsten Pflichten des Christenthums faßlich vorgetragen sind. Vergleiche mit diesen Vorschriften deine Gesinnungen, und siehe zu, ob dein Verhalten damit übereinstimmt. Denke dir alle die Pflichten, die du gegen Gott, gegen deine Mitmenschen und gegen dich selbst ausüben sollst, und frage dich vor Gott, dem Allwissenden, ob und wie du sie beobachter haft? Gehe bei dieser ganzen Průs fung aufrichtig zu Werke, denn du hast es nicht mit kurzsichtigen Menschen, sondern mit dem allwissenden Gott zu thun, vor dem 24 durchaus keine Verstellung gilt, der dich nicht nach der täuschenden Aussenseite, sondern nach der innern Güte und Rechtschaffenheit deines Herzens beurtheilt. Er siehet nicht auf das, was vor Augen ist, sondern er stehet das Herz an; er prüft das Herz, und nur Aufrichtigkeit ist ihm angenehm.*) Frage dich alsdann: Welche Sünden was ren es, die ich bisher am liebsten und häufigsten beging? Welche Versuchungen und Reis zungen zum Bösen hatten die meiste Gewalt über mein Herz? Wo ließ ich mich am leichtes sten zur Verlegung des Gewissens und meiner Pflicht hinreißen? Welches sind die Begierden und Leidenschaften, die am geschwindesten bei mir heftig wurden? Welches sind meine ges wohnten Lieblingssünden? Welches sind die bösen Gewohnheiten, die durch eine lange Ues bung mir so natürlich geworden sind, daß ich sie fast gar nicht mehr bemerke? Jedoch, als Christ mußt du nicht blos das Bose meiden, sondern auch das Gute thun. Frage dich also, wie weit du es, seit der letz ten Abendmahlsfeier, in der Ausübung des Guten gebracht hast? War es mir innige Freu de, an Gott zu denken, mir ihn als den Urheber alles Guten, als meinen Vater vorzuz stellen; oder lebte ich gedankenlos, ohne Gott, *) 1 Chronic. 30, 17. 25 gleichsam als wenn ich seiner nicht bedürfte? Liebte ich ihn mehr als alles, was sonst mir schäßbar ist, und achtete ich seinen Beifall höher, als die Gunst der Menschen: oder hing mein Herz zu sehr an irdischen Gütern, oder ließ ich mich durch Menschenfurcht und Mens schengefälligkeit verleiten, ihm mißfällig zu werden? Hegte ich stets eine tiefe Ehrfurcht ges gen den großen und erhabenen Gott, der gar nicht seines Gleichen hat? sprach ich stets von ihm, von seinen Anstalten und Werken mit wahrer Ehrerbietung, oder war ich leichtsinnig genug, mir Spottereien, Entweihungen des göttlichen Namens, Geringschätzung der Religion und Mißbrauch des Eides zu ers lauben? Gehorchte ich Gottes Geboten gern und willig, oder geschahe es nur aus Scheu vor dem Urtheile der Menschen und mit Widers willen? Befolgte ich seine Vorschriften auch im Verborgenen, wo mich Niemand sahe, gewissenhaft, oder geschahe das blos vor den Augen der Welt, die mich beobachtet und richtet? Fürchtete ich das Urtheil der Mens schen mehr, als das Urtheil Gottes? War ich für jede Wohlthat, die ich em pfing, für jede Freude, die ich genoß, für jede Arbeit, die mir gelang, für jeden Ses gen, den ich spürte, von Herzen dankbar, oder vergaß ich leichtsinnig, daß Gott es ist, der 26 das alles an mir thut? Fühlte ich bei dem Genusse der göttlichen Wohlthaten meine Uns würdigkeit? sahe ich ein, daß ich gar nichts von Gott fordern könne, daß alles ein un verdientes Gnadengeschenk seiner Güte sey, oder bildete ich mir stolz ein, das alles müsse so seyn, als Folge meiner Verdienste? War ich stets mit Gottes Führungen, mit meinen Schicksalen und mit meiner Lage in der Welt zufrieden, oder tadelte ich Gots tes Regierung, sobald mirs einmal nicht nach Wunsche ging, so bald etwa meine Hoffnung fehl schlug und Gott meine oft eigensinnigen Wünsche nicht erfüllte? Sette ich stets auf den allmächtigen und allgütigen Gott mein ganzes Vertrauen? suchte und erwartete ich nur von ihm Hülfe, oder betrachtete ich blos Menschen als die Urheber und Beförderer meines Glücks? Suchte ich in meinen Gesinnungen und Handlungen täglich Gott ähnlicher zu werden? war ich barmherzig, wie mein Vater im Himmel? hatte ich mit den Fehlern an derer Geduld, wie Gott mit den meinigen Nachsicht hat? that ich auch meinen Feinden und Gegnern Gutes, so wie Gott seine Sonne aufgehen läßt über Böse und Gute? oder ließ ich mich blos durch meine Begierden und durch die herrschende Mode leiten? Bes hielt ich immer das Beispiel Jesu vor Au Unty, Biol. Glessen 27 gen, oder wendete ich mich von dem Wege seiner Nachfolge ab? Machte ich mirs zur Pflicht, den öffents lichen Gottesdienst regelmäßig abzuwarten, und suchte ich denselben zu meiner Belehrung und Besserung sorgfältig zu benußen? oder brachte ich die Tage, die zur öffentlichen Ers bauung und Gottesverehrung bestimmt sind, ohne Nachdenken über die Religion, mit uns nöthigen Geschäften, in sündlichen Zerstreuun gen und üppigen Lustbarkeiten zu? Beschäftigte ich mich fleißig mit dem Lesen des göttlichen Worts, oder ließ ich mich durch das Lesen von Unterhaltungsschriften, die nur die Neugier und Sinnlichkeit reizen, so verwöhnen, daß dieses göttliche Buch mir nicht mehr zusagen will? Sprach ich oft und gern mit Gott im Ges bete, und betrachtete ich die als die seligsten Stunden, wo ich mit dem Herrn des Him mels reden, ihm meinen kindlichen Dank und meine bescheidenen Bitten vortragen konnte, oder versäumte ich diese wohlthätigen Uebuns gen der Andacht ganz? $ Sorgte ich ernstlich für das Wohl meiner unsterblichen Seele? Benußte ich darges botene Gelegenheiten, meinen Verstand aufs zuklären, und mein Herz zu bessern? Gab ich mir Mühe, in christlicher Erkenntniß und Gesinnung zu wachsen? Wachte ich sorgfäl tig über meine Begierden und Leidenschaf 28 ten, und ließ ich mich weder vom Stolze, noch von der Habsucht, weder vom Zorne, noch vom Neide, weder von der Wollust, noch von der Ueppigkeit beherrschen? Bewahrte ich stets die Unschuld meines Herzens, die Reinigkeit meiner Sitten, oder ist beides schon längst verloren vergangen? Habe ich meinen Leib, dieses Wohnhaus meines unsterblichen Geistes, nie durch die Sünden der Unkeuschheit entweiht, und meine Gesundheit nie durch Unmäßigkeit zerrüttet? Bin ich in dem Berufe, den Gott mir angewiesen hat, immer treu und fleißig ges wesen? Habe ich immer so viel gethan und gearbeitet, als ich konnte? Beobachtete ich in allen meinen Geschäften die nöthige Orde nung und Sorgfalt und kann ich zu jeder Stunde von der gewissenhaften Abwartung meines Amtes Rechenschaft ablegen? Ja könne te ich jetzt freudig und ohne Vorwurf von der Stelle abtreten, auf der ich eben stehe? Wendete ich für keine meiner Neigun gen mehr auf, als meine Umstände erlaus ben und ließ ich mich nie durch eitles Nach ahmen verleiten, über meinen Stand hinauss zugehen? Behauptete ich stets den Ruhm eines unbefleckten Gewissens und die Würde unerschütterlicher Rechtschaffenheit, oder muß ich mich über den Verlust dieser großen Vors züge vor Gott und Menschen schämen? 29 Freue ich mich, so oft ich etwas Gutes gethan habe, ohne mich dessen stolz zu übers heben, ohne das Gute an andern zu verkens nen? Und suche ich jeden Fehler, den ich an mir bemerke, sogleich abzulegen und aus genblicklich zu verbessern? Und wie war ich bisher gegen meine. Mitmenschen gesinnt? wie habe ich mich gegen diese betragen? liebte ich sie alle als meine Brüder und Kinder meines Gottes! Liebte ich meine Mitchristen als Genossen meis nes Heiles in Christo Jesu, meinem Herrn, als Zöglinge seines Geistesund meine Gefährs ten auf dem Wege zur ewigen Seligkeit? Empfand ich bei dem Glücke anderer Menschen Mitfreude oder Verdruß, bei ih ren Leiden und Unfällen Mitleid oder Schas denfreude? Erbarmte ich mich auch meines Feindes in seiner Noth, war ich gütig auch gegen Undankbare, gerecht auch gegen Las sterhafte? Ich wurde in Streit verwickelt; kam der Anlaß dazu nie von mir und bot ich selbst die Hand zur Aussöhnung, oder trug ich erlittenes Unrecht nach und verfolgte den, der mich beleidigte? Wie oft ist die Sonne untergegangen über meinem Zorne, wie oft hat der Beleidiger, der Verirrte umsonst Milde und Nachsicht bei mir gesucht? Wie oft habe ich ein Herz, dem ich wehe that, durch neue Kränkungen erbittert und ems 30 port, wie oft Güte und Sorgfalt mit Uns dank und Haß vergolten? Ich hielt wohl streng auf mein Recht und Eigenthum, waren mir aber auch des Nächsten Recht und Eigenthum heilig? Vers griff ich mich nie an fremden Gute, suchte ich nie Vortheil auf Kosten und zum Schaden Anderer, benußte ich nie ihre Unwissens heit, Noth und Verlegenheit, um mich zu bereichern? Ich erwartete wohl Hülfe und Theilnah me in meinen Trübfalen, ging aber auch mir fremde Noth zu Herzen? War ich nicht blos im Ueberfluß ein fröhlicher Geber, brachte ich zur Linderung des menschlichen Elendes auch Opfer von meinem Vergnügen, von meiner Bequemlichkeit? Wußte ich Genüsse zu ent behren, um Hungrige zu sättigen und Naks kende zu kleiden, und eilte ich zur guten That auch dann, wenn sie keinen Lohn durch Dank und Lob der Menschen versprach? Ich forderte wohl Wahrheit, Aufrichtige keit und Wohlmeinen von Jedermann, fand es aber auch Jedermann bei mir? Habe ich Keinen belogen oder getäuscht, nirgend ges heuchelt oder geschmeichelt und nie den bes spottelt oder verläumdet, der auf meine Freundschaft, auf meine Schonung rechnen durfte? War ich redlich, wahrhaft, gerecht und billig auch gegen Menschen, die mir nicht gefallen? 31 Und was haben die Meinigen, die Ges fährten meines Lebens an mir gesehen und von mir erfahren? Kam da nur Erbauliches und Schickliches, aber nie Anstößiges und Unlautres vor? Hat mein Beispiel Keinen verführt und meine Unvorsichtigkeit in kein jugendliches Herz den Saamen der Sünde geworfen? D! lieber Mitchrist; wenn du dir alle diese Fragen in der Stunde der ernsten Prü fug, vorlegst, dann eile nicht flüchtig und leichtsinnig darüber hin, sondern verweile bei einer jeden, und siehe, was dein Gewissen dazu sagt. Täusche und hintergehe dich nicht selbst, halte dich, um Gottes willen, nicht für besser, als du bist. Scheue dich nicht, deine Fehler und Sünden zu bemerken; schäme dich nicht, zu gestehen: hier habe ich etwas Gutes unterlassen, dort etwas Böses gethan; hier habe ich eine Pflicht verabsäumt, dort eine Tugend nicht ausgeübt; hier habe ich mit Wissen und Willen, dort aus Mangel an Nachdenken gesündigt. Heuchle also ja nicht mit dir selbst, denn vor Gott, dem Allwissenden, kannst du doch nichts verhehlen, und über lang oder kurz mußt du es ganz ers fahren, wie du gelebt und gehandelt hast. Vor Gott mußt du einst Rechenschaft ablegen, und da gilt keine Verstellung, keine Verheimlichung, da wirst du es erfahren, daß es dem durchaus nicht gelingt, der seine 32 Misfethat leugnet, sondern daß nur der Barmherzigkeit erlangt, der sie bekennt und läßt. Lerne dich also in Zeiten selbst recht kennen; denn das ist der erste Schritt zur Besserung. Fange an, dich ernstlich zu prüfen, und schiebe dieses wichtige Geschäft nicht länger auf, sonst sinkst du immer tiefer in den Betrug und das Elend der Sünde. b) Selbstprüfung nach den verz schiedenen Verhältnissen und Verbindungen des menschlis chen Lebens. Willst du, lieber Mitchrist, recht genau erfahren, ob und wie du bisher deine Pflichten nach ihrem ganzen Umfange erfüllt haft: so mußt du dich auch nach den verschiedes nen Verbindungen, in welchen du stehst, prüfen, und auf das Alter und auf den Stand Rücksicht nehmen, in welchem du dich befindest. Denn jeder Stand und jedes Alter hat seine eigenthümlichen Pflichten, und hier mußt du besonders zusehen, ob du in der Beobachtung derselben recht treu und pünktlich gewesen bist. Dies wird zur heils samen Erkenntniß deiner selbst viel beis tragen. 33 J Bist du noch in den Jahren der Jugend, so frage dich, ob du als Jüngling oder Jungfrau deine Jugendjahre in Unschuld des Herzens zugebracht, ob du dich zu dei ner künftigen Bestimmung gehörig vorbereis tet haft? Ob du mit solchen Personen um gehst, die sich durch Tugend, gute Sitten und Frömmigkeit auszeichnen, oder ob du der Eitelkeit, dem Leichsinne ergeben bist? Ob du mehr dem Vergnügen, als einer nüks lichen Geschäftigkeit nachhängst? Ob du biss her allen Verführungen standhaft widerstans den, oder ob du dich von bösen Beispielen hast hinreißen laffen? Ob du ehrerbietig, folgsam und dankbar gegen deine Aeltern gewesen, oder ob du durch deine Aufführung ihnen, statt der gehofften Freude, Kummer und Gram verursacht hast? Gehörst du aber schon zu den ältern Pers sonen, hast du schon den größten Theil deis nes Lebens zurückgelegt, und bist du deis nem Abschiede aus der Welt näher: so siehe zu, ob du dich durch bewährte Tugend auss zeichnest? Ob du durch reife Weisheit und Erfahrung andern recht lehrreich und nüks lich wirst? Oder ob du noch im Alter ein Sclave deiner Lüste und Ausschweifungen bist, und ob du dich nicht selbst um die Achtung bringst, die man dir sonst gewiß unaufgefordert erweisen würde? Bist du eine obrigkeitliche Person, ein 34 Richter oder ein Sachwalter, so lege dir ja die Fragen vor: Habe ich nie mit Wissen und Willen die heiligen Gesetze der Gerechtigkeit und Billigkeit übertreten? Habe ich die Verwaltung der Gerechtig keit, die mir anvertraut war, nie gewiss senlos vernachlässigt? Habe ich mich nie durch Drohungen, Versprechungen, durch Em pfehlungen und durch Gunst oder Ungunst zur Partheilichkeit verleiten lassen? Habe ich mich nie einer strafbaren Nachsicht ges gen Uebertreter schuldig gemacht? Habe ich den Armen und Geringen eben so eifrig und eben so treu gedient, als den Reichen und Vornehmen? Habe ich durch mein Anfehn Fleiß, Ordnung und Sittlichkeit unter meinen Mitmenschen zu befördern gesucht? Bist du hingegen ein Unterthan, so prüfe dich, ob du deiner Obrigkeit und deinen Vorgesetzten die schuldige Ehrerbietung bes wiesen? Ob du ihre Gesetze und Verordnungen willig befolgt? Ob du über ihre Anstalten bescheiden geurtheilt? und ob du das Glück, unter einer gerechten und mil den Regierung zu leben, auch dankbar ges schäßt haft? Bist du ein Lehrer, so siehe zu, ob du mit anhaltender Treue an der Belehrung, Besserung und Beruhigung deiner Mitchris chen gearbeitet? Ob du stets die Verants wortlichkeit deines Berufes gefühlt? Ob du 35 überall mit Weisheit zu Werke gegangen? Ob du durch ein frommes Beispiel andere erbauet, und dich stets als ein Vorbild aller christlichen Tugenden gezeigt? Ob du nicht sowohl deinen eigenen Ruhm und Vors theil, als vielmehr das Heil der dir anvers trauten Seelen gesucht? und ob du die ses ligen Wirkungen des Christenthums an dir selbst wahrgenommen haft? Bist du Hausvater oder Hausmutter, so frage dich: Habe ich für das Glück meis ner Familie recht eifrig gesorgt? Habe ich mit meinem Ehegatten in Friede und Eins tracht gelebt? Habe ich ihm sein Leben froh und angenehm, und die unvermeidlichen Bes schwerden desselben erträglich zu machen ges sucht? Habe ich für die Erziehung meiner Kinder, durch frühe Bildung ihres Verstans des und durch Gewöhnung zur Gottesfurcht gesorgt? Habe ich meine Untergebenen scho nend und menschenfreundlich behandelt, und nicht mehr von ihnen verlangt, als sie leis sten konnten? Habe ich sie belohnt, wie sie es verdienten? Habe ich sie nicht blos zur Arbeit, sondern auch zur Gottesfurcht durch mein Beispiel und durch meine Ers mahnungen angehalten? Habe ich in Kranks heiten und bei andern Gelegenheiten, wo sie meiner Hülfe bedurften, mich ihrer liebs reich angenommen? Bist du aber ein Untergebener, ein Diensts € 2 36 bote, mußt du für andere arbeiten, so denke nach, ob du in deinem Dienste treu und ehrlich, willig und unverdroffen, höflich und bescheiden gewesen bist? Ob du deine Ars beiten als einen Dienst betrachtet hast, den du nicht blos Menschen, sondern Gott, deis nem Herrn, leisten sollst? Gehörst du zu den Vornehmen und Reis chen der Erde, so merke ja darauf, ob du von diesen deinen Vorzügen einen gus ten Gebrauch gemacht? Ob du den Armen und Geringen vergessen und verachtet, oder ob du ihm geholfen, ihm wohlgethan, und seine Lage zu verbessern gesucht hast? Merke darauf, ob dich dein Rang, dein Reichthum etwa stolz und übermüthig machte? oder ob du stets in den Grenzen der Bescheidens heit bliebest? Lebst du aber selbst in Ars muth und in niedrigem Stande, so frage dich: ob du nicht bisweilen durch Unzufries denheit und Murren dich an Gott verfüns digt? ob du die Glücklicheren der Erde nicht heimlich beneidet? ob du die Wohlthaten, die jene dir zufließen ließen, gut angewens det? ob du dich dankbar oder unbescheiden gegen sie bewiesen haft? Hast du als Kaufmann, als Künstler, als Handwerker das, was zu deinem Bes rufe gehört, brav gelernt? bist du wirklich ein nüßliches, brauchbares Mitglied der Ges sellschaft? Hast du nie mit Wissen und 37 Willen andere bevortheilt? warst du mit einem erlaubten Gewinne zufrieden, oder hat Habsucht dich zu unerlaubtem Wucher vers leitet? Hast du nie aus Neid den Ges schickteren zu verkleinern, oder aus Selbsts sucht Aermere und Schwächere zu unters drücken gesucht? Hast du gern die Früchte deines Fleißes mit den Dürftigeren getheilt? Bist du im Kleinen, wie im Großen treu gewesen? Hast du stets dich redlich und ehrlich genährt? Hast du bei der Menge Deiner Geschäfte nie die Sorge für deine Seele vergessen, und die nöthigen Uebungen der Andacht verabsäumet? Auf alle diese Fragen muß jeder seine Aufmerksamkeit richten, der sich nach den verschiedenen Verhältnissen seines Lebens průs fen und kennen lernen will. Zieht der Ernst Dieser Prüfung dein inneres Verderben ans Licht, bricht die Gewalt der Wahrheit deis nen Stolz; wohlan, so nimm die bittere Ars zenei, um zu genesen, ergieb dich dem Schmerze gerechter Vorwürfe, um aus dem Kampfe der Busse als ein neuer Mensch hervorzugehen, dem Gott Gnade, Frieden und Kraft zur Besserung schenkt. c) Besondere Prüfung, die zunächst auf das heilige Abendmahl Bezies hung hat. Der allgemeinen Prüfung des sittlichen 38 Zustandes, in dem wir uns befinden, muß bei der Vorbereitung auf das heilige Abendmahl die besondere folgen, die der Apostel in den Worten empfiehlt: Der Mensch prüfe sich selbst, und also esse er von diesem Brod, und trinke von diesem Kelch.*) Dazu gehört die Prüfung der Absicht meiner Theilnahme am heiligen Abendmahle und der Gemüthsverfassung, in der ich mich dazu anschicke. Warum will ich das Abendmahl feiern? Was bestimmt mich gerade jetzt dazu? Ich kann eine bestimmte Zeit im Jahre festges setzt haben, in der ich diese Handlung zu begehen pflege. Tadel verdient eine solche Ordnung nicht; es giebt Verbindungen und Anstalten, deren Genossen verpflichtet sind, sie zu beobachten, weil eine gemeinschaftliche Feier des Abendmahls zu den Mitteln ges hört, das Band der Eintracht und Liebe zu befestigen, das sie zusammenhalten soll. Håtte ich aber weiter keinen Grund, als nur die Beobachtung einer gewohnten Ord nung, würde ich ohne diesen Antrieb mich vielleicht gar nicht bewogen fühlen, am Tische des Herrn zu erscheinen, so wäre meine Würdigkeit dazu und der Segen des Abenda mahlsgenusses für meine Seele sehr zweifels haft. Denn was man nur aus Gewohnheit thut, geschieht meist gedankenlos und eine *) 1 Cor. 11, 28, 39 Entweihung des Heiligen ist eine Abendmahlsfeier ohne Andacht und Theilnahme des Herzens. Doch wen nur gewohnte Ordnung dazu bestimmt, der wird immer weniger verhindert seyn, bei seinem Hinzutreten zum Altare des Herrn auf heilsame Gedanken zu kommen, als der Weltkluge, der sich dazu nur aus Rücksicht auf das Urtheil der Leute bequemt. Um bei der Menge nicht etwa den Namen eines guten Christen und damit die Vortheile zu verlieren, die das Vertrauen seiner Mits bürger ihm verschaffen kann, entschließt er sich, endlich einmal wieder unter den Com municanten zu erscheinen; er will dabei von den Anwesenden gesehen und wegen seines Haltens auf Gottesfurcht und Christenthum gerühmt werden. Ginge ich bei meinem Abendmahlsgenusse darauf aus, so beschäfs tigte mich diese unedle Absicht zu sehr, um fromme Gedanken und Vorsäge aufkommen zu lassen. Dann würde ich am Altare des Herrn nicht seine Ehre und das Heil meis ner Seele, sondern nur meine Ehre und zeits lichen Vortheil suchen. Wehe mir, wenn mich nichts Besseres zur Todesfeier meines Erlösers führt! Suche ich aber wirklich Frieden für meine Seele im Genusse des heiligen Abendmahls, so bleibt mir noch zu fragen übrig, ob ich etwa meine, schon die Handlung selbst, auch 40 ohne Busse und Besserung, sey für mich ein Mittel der Versöhnung mit Gott, das bloße Essen und Trinken des gesegneten Brodes und Weines reiche hin, meine Süns den wieder gut und mich Gott wohlgefällig zu machen. Hegte ich diesen Irrthum, hielte ich, unbekümmert um den Zustand meiner Seele, meine persönliche Gegenwart und das äußers liche Mitbegehen dessen, was die übrigen Communicanten thun, für genug, um mir den Segen des heiligen Abendmahls zuzueignen; Dann hätte ein gefährlicher Aberglaube mich bethört, mein unfruchtbarer Abendmahls: genuß wäre sündlicher Mißbrauch dieser Handlung, nicht versöhnt mit Gott und ges Bessert, sondern nur sicherer in meinen Suns den würde ich dadurch und mich tråfe das Urtheil des Apostels: Welcher unwürdig iffet und trinket, der isset und trinket ihm selber das Gericht.*) Nur solchen Christen wird durch das heilige Abendmahl Vergebung der Sünden zu Theil, die wahre Buße thun, an Jesum Christum glauben, und ihr Herz und Leben gründlich bessern. Kannst du aber mit Wahrheit und ohne Widerspruch deines Gewissens sagen: Ich will das Abendmahl genießen, um dadurch meine Liebe und Dankbarkeit gegen Jesum, meinen Heiland an den Tag zu legen; ich will dadurch öffentlich ein Bekenntniß meis *) 1 Cor. 11. 29. 41 nes Glaubens an ihn ablegen; ich will das Andenken der Liebe Jefu feiern, der für mich und alle Menschen so viel that und duldete; ich will mich zum standhaften Bekenntnisse seiner Lehre, zum willigen Gehors sam gegen seine Vorschriften verpflichten; ich will mich im festen Vertrauen auf seine Verheißungen stårken, und mir alles das lebhaft und freudig zueignen, was er mir und allen Menschen durch sein Verdienst ers worben hat. Giebt dir dein eignes Herz das Zeugniß, daß du in dieser und keiner andern Absicht das Gedächtnißmahl Jesu feierst: dann bist du würdig und geschickt, daran Theil zu nehmen, dann ist es gewiß, daß du weißt, warum der Christ das Abendmahl gebrauchen soll. Doch das ist nicht genug; du mußt dich auch ferner prüfen: wie man das Abend: mahl genießen müsse? Kömmst du mit einem zerstreuten Gemüthe zum Tische des Herrn, ist dein Herz nicht gerührt durch die Betrachtung der Wohlthaten Jesu, herrscht in demselben noch Liebe zur Sünde, regt sich in demselben noch Haß, Neid und Unvers föhnlichkeit gegen deine Mitchristen; ach! dann fehlt dir die gute Gemüthsverfassung noch ganz, die zum würdigen Genuß des Abendmahls erfordert wird. Kommst du aber mit reuevollem Herzen und mit aufrichtiger Bekümmerniß über deine 42 Sünden zum heiligen Mahle Jesu; thut es dir leid, daß du Gott, deinem Wohlthäter, mißfällig geworden; wünschest du ernstlich, daß du deine Vergehungen ungeschehen mas chen könntest; bist du redlich entschlossen, allen Sünden und bösen Gewohnheiten ohne Ausnahme zu entsagen, sollte es dir auch gleich viel Mühe, viel Anstrengung kosten; schätzest du die Gnade, die dir Gott in feis nem Sohne Jesu erwiesen hat, recht hoch; siehest du ein, daß du ohne Jesu Lehre und Versöhnungstod ein troftloser, unglückseliger Mensch seyn würdest; fühlst du in deinem Herzen eine so dankbare Liebe zu ihm, daß du sagen kannst: Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, daß ich dich lieb habe; bist du allen deinen christlichen Brüdern mit wahrer herzlicher Liebe zugethan; hast du dich mit deinen Feinden aufrichtig versöhnt, ohne im geringsten weiter auf Rache gegen sie zu denken: hast du den redlichen Vors satz gefaßt, unter Gottes gnådigem Beistans de an deiner Besserung unaufhörlich zu arbeiten, von nun an immer. mehr Gutes, und nie wissentlich Böses zu thun; bist du dir aller dieser Gesinnungen und Entschließun gen deutlich bewußt, nun so bist du recht geschickt und wohl vorbereitet zum Genuß des Abendmahls. Komm alsdann freudig, iß von dem gesegneten Brode, und trinke aus dem Kelche des Herrn. Gesegnet wird 43 der Genuß des Abendmahls für dich seyn; der Tag, an welchem du es feierst, wird ein Tag des Segens und des Trostes für dich werden. Von dem Ursprunge und von den Absichten der Beichte. Die in der christlichen Kirche eingeführte Beichte ist nach der gegenwärtigen Einrichs tung nichts anderes, als ein Bekenntniß der Sünde, welches man vor einem Prediger ablegt, ehe man zum heiligen Abendmahle geht, und worauf man Belehrung, gute Rathschläge und Beruhigung bekommt, je nachdem das jedesmalige Bedürfniß des Beichtenden beschaffen ist. Diese Beichtans stalt ist nicht ausdrücklich in der heiligen Schrift befohlen, sie ist nicht von Jesu und seinen Aposteln verordnet; sondern sie ist nach und nach in der christlichen Kirche entstans den und eingeführt worden. Wenn nämlich in den ältesten Zeiten, namentlich im 3ten Jahrhunderte, manche Christen von dem Bekenntnisse der Religion abtrünnig gewors den waren, und hernach doch wünschten, daß sie in die Gemeinschaft der christlichen Kirche wieder möchten aufgenommen wer den, so mußen sie vor der Gemeinde ein öffentliches Bekenntniß ihrer Vergehungen 44 ablegen, um Verzeihung und Wiederaufs nahme bitten, und sich so lange gewissen, oft harten Bußübungen unterwerfen, bis man sichere Merkmale ihrer Reue und Sins nesänderung an ihnen gewahr wurde. In der Folge fand man aber für gut, das öf fentliche Sündenbekenntniß in ein geheimes vor einem Lehrer zu verwandeln, wobei sich freilich viele Mißbräuche einschlichen. Erst im 13ten Jahrhunderte fing man an, die Beichte von allen und insbesondere von des nen, die das Abendmahl gebrauchen wollten, zu fordern, und man führte die soges nannte Ohrenbeichte auf Befehl des Papstes Innocentius des 3ten als ein förmliches Gesetz ein. Jedoch fand diese Ohrenbeichte sehr viel Widerspruch, theils weil die Geists lichkeit sich dadurch eine unumschränkte Ges walt über die Gewissen der Menschen an maßte, theils weil in derselben jeder alle Sünden erzählen sollte, welches nicht nur an sich unmöglich ist, sondern auch jenen schrecklichen Gewissenszwang vermehrte. Diesen Zwang der Ohrenbeichte schaffte Luther zur Zeit der Reformation ab, behielt aber doch eine Art von Beichte bei, die er als eine nähere Vorbereitung zum Abendmahle und besonders zur Belehrung, Warnung und Beruhigung für Unwissende und Bes kümmerte angesehen wissen wollte. Und in dieser Rücksicht kann sie auch heilsam seyn, 45 wenn der Christ seinen Seelenzustand durch seine eigenen Worte und Gedanken darstellt, und wenn er die ihm alsdann ertheilten Belehrungen sorgfältig benutzt. Da übrigens die Beichthandlung eine menschliche Anordnung ist; so darf man sich nicht wundern, wenn es damit in unserer Kirche sehr verschieden gehalten wird. In einigen Ländern muß jeder, der zum Abendmahle gehen will, eine eigene Beichte hersas gen; in andern Gegenden hingegen ist es Gewohnheit, daß der Prediger den Com municanten vor dem Abendmahle eine Erz mahnungsrede hålt, und ihnen alsdann die Beichte und Absolution vorlieset. Dies nennt man die allgemeine Beichte. Der vernünftige und gute Christ richtet sich in dieser Sache nach der Gewohnheit jedes Landes, und läßt sichs auch gern gefallen, wenn seine Obrigkeit solche Aenderungen macht, die auf eine wahre christliche Ers bauung abzielen. Im Ganzen genommen soll die Beichte, sie mag nun die besondere, oder die gemeinschaftliche seyn, folgendes bewirken: Erstlich soll dadurch verhütet werden, daß leichtsinnige Menschen nicht ganz gedankenlos, und also unwürdig, das Abendmahl genießen. Dies ist leider, auch bei dem Gebrauche der Beichte, sehr oft der Fall; aber er würde noch viel häufiger 46 seyn, wenn nicht durch jene Einrichtung dem Ulebel vorgebeugt würde. Denn da die meis sten Menschen in häufigen Zerstreuungen les ben, da sie sich selten Zeit nehmen, über ih ren Seelenzustand aufmerksam nachzudens ken; so ist es gewiß sehr gut, daß es Zeits punkte und Gelegenheiten giebt, wo sie står ker dazu veranlaßt werden, als sonst. Oft macht daher an solchen Tagen der Sünder einen Stillestand in seinen gewöhnlichen Süns den, er beschäftiget sich wenigstens da mit gewissen Uebungen der Andacht; er wird zur Aufmerksamkeit erweckt, er wird durch irgend etwas gerührt, zur sorgfältigeren Prüfung seines Lebens hingeleitet, und wer kann es wissen, ob nicht ein solcher Tag bei Vies len der glückliche Zeitpunkt war, wo sie den Anfang zur ernstlichen Besserung machten. Durch die Beichte sollen aber auch in nachdenkenden und frommen Christen heilsame Empfindungen und Entschlies fungen erweckt und genährt werden. Das durch soll jeder Christ auf manche Betrach tungen hingeleitet werden, auf welche er, bei eigenem Nachdenken, nicht gleich würde gekommen seyn. Auch der bessere Christ wird oft durch seine Geschäfte, durch uns vermeidliche Zerstreuungen, von der so nós thigen Sammlung des Gemüths und von der heilsamen Aufmerksamkeit auf sich selbst abgehalten. Die Gewohnheit aber, vor dem 47 Genusfe des Abendmahls ein Bekenntniß der Sünde vor dem Prediger abzulegen, oder eine Erweckungsrede zu hören, vers anlaßt einen jeden, der nicht ganz leichtsin nig ist, über sich selbst und sein bisheriges Verhalten nachzudenken; sie giebt ihm Ges legenheit, gute Gesinnungen und Entschliess sungen zu fassen, oder zu befestigen. Theilt nun der Christ seine Empfindungen, Gefins nungen und guten Vorsäße einem Prediger, als seinem Freunde, mit: so erhålt das als les durch die mündliche Mittheilung und Eröffnung nicht nur mehr Wärme und Leb haftigkeit, sondern der Christ hat auch einen Grund und eine Verbindlichkeit mehr, seis nen Entschließungen getreu zu bleiben, weil er sie einem Lehrer mitgetheilt hat, von dem er nicht als veränderlich und wankelmüthig in seinen Entschließungen angesehen seyn will. Vornehmlich aber soll durch die Beichte dem Christen die Verheißung des Evangelii von Gortes vergebender Gnade in Christo, unter einer besondern Zueignung, verkündiget werden. Hier sollen dem Herzen des Christen, der über seine Vergehungen bekümmert ist, die großen Verheißungen der Religion nahe gelegt werden; die Verheißungen: Gott will nicht den Tod des Sünders.*) Gott will, daß allen Menschen geholfen werde.**) An *) Ezech. 33, 11.**) 1 Tim. 2, 4. 48 Christo haben wir die Erldsung durch sein Blut, nehmlich die Vergebung der Sünden.*) Auch der beste Christ denkt und empfindet die Wahrheiten seines Glaus bens nicht immer in ihrer vollen Stärke und Gewißheit, wie sie für seinen jedesma ligen Gemüthszustand am eindringlichsten und beruhigendsten seyn könnten. Hört er aber von seinem Lehrer, von dem Vertraus ten seines Christenthums, eine rührende Vorstellung der göttlichen Verheißungen, wird ihm gezeigt, wie sie auch ihn angehe, in wiefern auch er daran Antheil habe: so wird das gewiß einen tröstenden Eindruck auf sein Herz machen, er wird es lebhafter als sonst fühlen, daß die Religion den besten Trost bei dem Andenken an die Sünde und bei dem Gefühle einer mangelhaften Tugend giebt. Findet sich nun bei dem Beichtens den. Der ernstliche Vorsatz, daß er sich durch Hülfe der Gnade Gottes ernstlich bessern will, so kann er sich die Ankündigung der Vergebung der Sünden, welche ihm der Lehrer ertheilt, mit gutem Gewissen zueigs nen. Hat aber der Beichtende die Gefins nungen nicht, die er mit dem Munde bes kennet; so kann er sich auch die Versiches rung, die ihm der Lehrer ertheilt, nicht zueignen, weil ohne Besserung durchaus keine Vergebung der Sünde statt findet. *) Ephef. 1, 7. 49 Werden nun diese Absichten durch die Beichtanstalt erreicht, so bleibt sie immer eine nügliche Handlung, die ihren entscheiz denden Werth hat, wenn sie nur so gebraucht wird, wie sie ihrer Bestimmung gemäß ges braucht werden soll. Einige Regeln für Christen, die mit Nußen sich der Privat: oder allgemeinen Beichthandlung bedienen wollen. Soll die Beichthandlung, mein Christ, die nüglich werden, so muß sie dich erstens zu einer sorgfältigen Prüfung deiner Gesinnungen und deines Verhaltens vers anlassen. Denn Niemand kann ein aufriche tiges Bekenntniß seiner Sünden ablegen; Niemand kann wahre Reue und Besserungsz begierde äußern, wenn er seine eigenthüme lichen Fehler und ihre Quellen nicht genau kennt, wenn er nicht einsieht, wo er etwas verabsäumt oder vernachlässigt hat. ernstlicher, je unparthenischer nun eine solche Prüfung ist, jemehr du dabey auf deine jez desmaligen persönlichen Umstände, auf deine besondern Verhältnisse Rücksicht nimmst; desto aufrichtiger wirst du deine Sünden bereuen, desto sehnlicher wirst du wünschen, Je D 50 von Gottes Gnade versichert zu werden, desto angelegentlicher wirst du suchen, deine Fehler wieder gut zu machen, wenn es nur irgend noch in deiner Gewalt steht. Fins dest du zum Beispiel, daß du jemandem Unrecht gethan hast, so wirst du es ihm aus genblicklich vergüten; findest du, daß du jemanden beleidiget hast, so wirst du dich ohne alle Verzögerung mit ihm aussöhnen. Komm also nie ohne sorgfältige Prüfung zur Beichte oder Vorbereitung, sonst hilft dir diese Handlung gar nichts, sonst bleibst du mit dir selbst unbekannt, es feh len dir alsdann alle die Gesinnungen und Entschließungen, die jeder Beichtende haben muß, wenn sein Bekenntniß aufrichtig seyn, wenn sein Gebet erhöret werden soll, und wenn er des Trostes fähig seyn will, den die Religion allen Bußfertigen verheißt. Richte, für's zweite, deine Beichte nach deinen jedesmaligen Umständen und Bedürfnissen ein. Denn so wie jes des Gebet mit unsern Bedürfnissen übereins stimmen muß, wenn es erhörlich und Gott angenehm seyn soll: eben so muß auch das Bekenntniß der Sünde, welches man vor dem Prediger ablegt, und welches gemeinig lich ein Gebet zu Gott ist, zu unsern je desmaligen Umständen passen. Es ist also gar nicht rathsam, daß du immer eine und eben dieselbe Beichtformel brauchst, 51 weil sie unmöglich deinem jedesmaligen Zustande angemessen seyn kann. Ja wenn du immer bei einerlei Formel bleibst, so wird sie dir nach und nach so geläufig, daß du sie hersagst, ohne etwas dabei zu dens ken und zu empfinden, und dann ist sie, wie jedes gedankenlose Gebet, unnüß und vergeblich. Hast du dich nur einigermaßen zum Nachdenken gewöhnt, so kannst du leicht ein Bekenntniß deiner Sünden mit eigenen Gedanken und Worten ablegen, wie es deine jedesmalige Lage mit sich bringt. Wer aber zum eigenen Beten zu blöde, zu furchtsam ist, der braucht sich deswegen doch nicht ängstlich an seine gewöhnliche Beichts formel zu binden, er kann sich ja zur Abwechslung eines kurzen biblischen Spruches, oder eines verständlichen Verses aus einem erbaulichen Liede bedienen, welcher auf seine Umstånde paßt. Dadurch kann er sein Bes kenntniß ablegen, dadurch kann er Gott feine Bitten und Wünsche vortragen. Ein solcher Spruch, ein solcher Liedervers, wenn er gut gewählt ist, wenn er mit Andacht und mit Theilnehmung des Herzens ges braucht wird, ist weit besser, als eine weits läuftig auswendig gelernte Beichte, die man ohne Empfindung des Herzens herbetet und in der man Sünden bekennt, die man viels leicht gar nicht begangen hat. Nicht deswegen sollen wir vor Gott ein D2 52 Bekenntniß der Sünden ablegen, weil sie Gott sonst unbekannt blieben: Nein der Allwissende weiß ja alles besser, als wir es ihm sagen können. Sondern dies Bekennt niß soll um unsertwillen geschehen, damit wir zur lebhaften Erkenntniß unsrer Fehler ges langen und uns keinen derselben verbergen. Soll also die Beichthandlung für dich nüglich werden, nun so gehe mit Ueberlegung und Nachdenken dabei zu Werke, richte dich dabei nach deinem Stande und Berufe, nach deinem Alter und Verhältnisse in der Welt; dann kann sich auch der Lehrer nach deinen Bedürfnissen richten, er kann dir alsdann, nach seinen besten Ueberzeugune gen, in den Angelegenheiten deines Gewis sens rathen, er kann dir zu deiner Beruhigung und Aufmunterung gerade das sagen, was dir in der gegenwärtigen Lage deines Lebens am nůßlichsten und tröstlichsten ist. Endlich, wenn die Beichthandlung nüßlich seyn soll, so darf man nicht verges sen, was man dabei versprochen und angelobet hat. Denn mit dem Bekennt niß der Sünde, welches der Christ entwes der selbst, oder der Prediger im Namen aller Beichtenden ablegt, ist ein Versprechen der Besserung verbunden, in welchem man sich anheischig macht, die bisherigen Fehler abzulegen, und die bis dahin vernachlässigten Tugenden auszuüben. Aber dieß Ver 53 sprechen allein ist nicht die Besserung, sons dern nur der Anfang dazu und dieser bleibt ganz nuklos, wenn man seine guten Vors såße wieder vergißt und in den vorigen Sünden fortlebt. Vergiß also dein Gelübde und deine Zusagen nicht, o Christ, sondern beßre wirk lich dein Leben und werde ein neuer Mensch, der nach Gott geschaffen ist in recht schaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Gott, der das Wollen in dir wirkte, der wird auch das Vollbringen wirken; und wenn deine Bemühungen ernstlich sind, so wird seine Gnade in deiner Schwachheit mächtig seyn. Gebete und Betrachtungen am Beicht und Vorbereitungstage. Morgengebet am Beichttage. Preis und Dank bringe ich dir, himms lischer Vater, in der Stille dieses Morgens. Deine Huld würdigte mich, sein Licht zu sehen. Tiefer als sonst empfinde ich heut die Größe deines Erbarmens. Hättest du mit mir handeln wollen nach meinen Sün den und mir vergelten nach meiner Misses that, so wäre ich långst in die Nacht des Todes gesunken. Aber, obwohl ich deiner so oft vergessen und wider deine Gebote ges 54 sündiget habe, zogst du doch deine Vaters hand nicht von mir, wurdest du nicht müde, mir wohl zu thun. O, laß deine Güte mich zur Busse leiten, daß mein Leben der Dank für deine Barmherzigkeit sey. Erwacht bin ich durch deine Macht und Gnade, um nun aufzustehn vom Schlaf der Sünde. Du hast meinem Leben diesen Tag zugeseßt, damit ich eile und meine Seele rette. So hilf mir, meine Gedanken sammeln zur Einkehr in mich selbst. Mich selbst zu erkennen, wie ich bin und wie du mich kennst, dazu schenke mir das Licht deines Geistes. Stelle mir vor Augen Alles, was in meiner Brust verborgen ist, auch die ges heimste böse Neigung, auch die fündliche Begier, die ich mir selbst nicht gestehen will. Erwecke mich zu aufrichtiger Reue über meine Fehler und zu Entschliessungen, die dir wohlgefallen. Gieb dem Saamen deis nes Wortes reiche Frucht in meinem Herz zen. Und wenn ich dich suche im Schmerz über meine Verwerflichkeit vor dir, wenn ich dich anrufe in der Bangigkeit vor deis nen Gerichten, so laß dich finden von meis nem Glauben an deine Gnade in Christo Jesu, mache mich gewiß, daß er mich an nimmt und ich an ihm habe die Erld: fung durch sein Blut, nemlich die Vergebung der Sünden. Erhöre mich, All 55 barmherziger, um deiner ewigen Liebe wil len. Amen. Unterhaltungen der Andacht vor der Beichte. Erste Betrachtung. Lebhaftes Andenken an Gottes Allwissenheit. 1 Gott! ich glaube und bekenne, daß du der Allwissende bist, der alles weiß und sieht, der die geheimsten Gesinnungen und die verborgensten Thaten bemerkt, und den durchaus Niemand täuschen und hinterges hen kann. O! möchte doch das Gefühl deiner Allwissenheit besonders heute in mir recht lebhaft seyn, da ich im Begriff bin, mich zu prüfen, und vor dir ein Bekenntniß meiner Vergehungen abzulegen, damit ich nicht als ein Heuchler vor dir erfunden werde. Könnte ich auch meine Vergehungen mir selbst verhehlen, blieben sie auch allen meinen Mitchristen verborgen: so könnte ich doch vor dir meine Sünden nicht leugnen, und nicht entschuldigen. 7795 Leider habe ich mich oft genug vor Men schen mehr gescheut als vor dir. Was ich in ihrer Gegenwart nicht zu thun wagte, 56 das that ich ungescheut, wenn sie mich nicht sahen, ob ich gleich wußte, daß es dir, dem unsichtbaren Zeugen aller meiner Handlun gen, nicht verborgen bleiben konnte. O! dieses verkehrten Benehmens muß ich mich schämen; schämen muß ich mich, daß das Urtheil der Menschen mehr Einfluß auf mein Verhalten hatte, als das Deinige, welches doch allein das Richtige und Untrügliche ist. Ja Gott, der du Herzen und Nieren prüfft, du kennst alle meine Fehler weit besser, als ich selbst; du kennest jede böse That, die ich beging, jede Pflicht, die ich verabsäumte, jede gute Rührung, die ich leichtsinnig uns terdrückte, jeden heilsamen Entschluß, den ich nicht ausführte, jede Gelegenheit zum Guz testhun, die ich vernachlässigte, jede Stunde, die ich übel anwendete. Das alles weißt du, und ich würde thöricht handeln, wenn ich es nicht gestehen wollte; ich würde dop pelt strafwürdig werden, wenn ich mich für besser halten wollte, als ich wirklich bin. Nein, vor dir, dem Allwissenden, will ich mich unpartheiisch prüfen; ich will meine Fehler und bösen Gewohnheiten nicht ents schuldigen, wie ich so oft schon gethan habe. Decke du mir selbst mein Herz recht auf und zeige mir mein Verderben, damit ich mir nicht aus strafbarer Eigenliebe meinen ins nern Zustand verberge. Wenn ich mich selbst recht kennen lerne, so wird auch meine 57 Reue desto aufrichtiger seyn, so werde ich mich vor dir mit der vollen Empfindung meiner Unwürdigkeit demüthigen und nicht aufs neue dir mißfällig werden. Zweite Betrachtung. Ueber die Strafbarkeit und Schånds lichkeit der Sünde. Mein Gewissen sagt es mir laut, daß ich oft und viel gesündiget habe, und ich fühle jetzt mehr, als jemals, wie schåndlich und strafbar jede Sünde ist, die ich mir erlaubte. Ich wußte, was ich thun und lassen sollte, denn du, o Gott, hattest es mir in deinem Worte gesagt, was gut und böse ist; aber ich hörte nicht immer auf die Stimme deines Worts, sondern ließ mich oft von bösen Begierden hinreißen, und vergaß die liebreichen Warnungen, die du mir gegeben hattest. Ich kannte deine Vorschriften, ich wußte, daß sie Beförderungsmittel meiner Glückseligkeit sind, und doch befolgte ich sie nicht mit der Willigkeit und Pünktlichkeit, wie ich es hätte thun sollen, und wie du, mein Herr und Wohlthäter, es von mir forderst. Ich bin dein Geschöpf, ein Werk deiner Weisheit und Liebe, ich sehe deine Macht und Gnade in Allem, was du ges schaffen hast, ich erfahre sie täglich an mir selbst. Du hast Leben und Wohlthat 58 an mir gethan und dein Aufsehen be wahret meinen Odem.*) Sollte ich dir nicht danken durch kindliche Folgsamkeit ges gen deinen Willen und heiligen Wandel nach deinen Geboten? Diesen Dank vers langst du ja von mir, wenn dein Wort mir zuruft: Gehorsam ist besser denn Opfer.**) Trete ich nun mit der Rechnung meines Lebens vor dein Angesicht, überschaue ich Alles, was ich gedacht, gethan und unters lassen habe, im Lichte deiner Wahrheit; welche Menge von Vergehungen zeugt dann wider mich! wie verschwinden die Dankges bete meines Mundes vor der Zahl und Größe meiner Uebertretungen deiner Gebote! Mich trifft der Vorwurf schnöden Undanks gegen dich: Dankest du also dem Herrn, deinem Gott? Ist er nicht dein Bater und Herr? Ist er es nicht, der dich bes reitet hat?***) D, Gott, deine Barmhers zigkeit und Treue ist groß, aber ich muß mich schämen. Als du mich ins Leben riefft, stellteft du mich unter das Gesetz der Ordnung, die dein Reich zu sammenhält und seine Glies der segnet. Sie besteht dadurch, daß Alles, was lebt, deinem Willen gehorcht und deine Rathschlüsse vollbringt. Dabei ist auch auf meine Folgsamkeit gegen dein Wort, auf meine Treue in dem, was du mir anvers *) Hiob 10, 12,**) 1 Sam. 15, 22.***) 5. Moses 32, 6. 59 trautest, auf meinen Eifer in Ausführung deiner Absichten gerechnet. Aber habe ich nicht durch meine Sünden diese heilige Ord nung gestört und mich der Vollziehung dei ner Rathschlüsse widersetzt? Durch meine Schuld wurde ja manches Gute gehindert, manches Böse unterstützt. Das Beispiel meines Leichtsinnes und meiner Pflichtvers gessenheit hat andere Menschen irre geleitet und mich als Verführer ihrer Seelen frem der Sünden schuldig gemacht. Erschrecken muß ich bei der Warnung des Herrn: Wehe dem Menschen, durch welchen Aerger: niß kommt!*) Gott und Vater, wie groß und schwer ist meine Schuld, wie strafbar jede meiner Uebertretungen! Ich habe gesündiget vor dir und bin nicht mehr werth, daß ich dein Kind heiße. Hörtest du auf, mir wohlzuz thun, liesfest du mich büssen, was meine Thaten werth sind; Herr, du wärest nur gerecht und ich dürfte nicht klagen. Aber du willst mein Heil und meine Rettung. So überführe mich von der Strafbarkeit meiner Sünden, laß mich mein Unrecht ganz empfinden, erfülle mein Herz mit Abs scheu gegen alles Böse und mit aufrichtiger Reue, daß ich den Weg des Heils wies derfinde durch Jesum Christum. *) Matth. 18, 7. 60 Dritte Betrachtung. Warnung vor dem Aufschube der Buße und Besserung. Unzählige Menschen sehen zwar die Nothwendigkeit einer aufrichtigen Buße und Bes serung des Lebens ein; allein sie schieben dieses wichtige Geschäft leichtsinnig von eis ner Zeit zur andern auf, ohne die Gefahr zu erwägen, der sie sich dadurch aussehen. Gehörst du nun auch zu diesen Leichtsinnis gen, so achte auf die ernsten Warnungen des göttlichen Wortes. Du schmeichelst dir mit der Hoffnung eines langen Lebens, du hoffft auf einen günstigen Zeitpunkt, wo es dir leicht würde werden, das Werk der Buße und Besserung vorzunehmen. Aber wahrlich, da handelst du sehr thöricht. Denn wer weise und klug ist, der wird eine Sache von Wichtigkeit nicht aufschieben, sondern sie sobald als möglich zu Stande zu brins gen suchen. Nun ist aber ja nichts wichs tiger, als Buße und Besserung, weil davon nicht nur die Zufriedenheit des Menschen auf Erden, sondern auch seine Glückseligkeit in jener Welt abhångt. Was der Mensch säer, das wird er erndten.*) Buße und Besserung wird dir um schwerer, je långer du sie aufschiebst, je ties fer, in dein Herz die Wurzel des Bösen *) Sal. 6, 7. 61 eindringt, die sich endlich nicht mehr aus rotten läßt. Ja, du kommst vielleicht gar nicht dazu, da das Leben so rasch dahin eilt und weder Jugend, noch Gesundheit und Kraft vor einem frühen, schnellen Tode sichert. Tausende haben sich, wie du, von der Hoffnung eines langen Lebens täuschen lassen, und sind vom Tode unvorbereitet überrascht worden. Aber gesetzt auch, du erreichtest ein hohes Lebensziel, gesetzt, du hättest im Alter noch Zeit zur Buße und Besserung: ist es schon genug, wenn du deine Sünden bereuest und Gott abbittest? Ist deine ganze Buße dann nicht ein Werk der Furcht vor Gott und vor seinem Ges richte? Ist es nicht schimpflicher Undank, wenn du Gott und Jesu nur die letzten Au genblicke deines Lebens widmen willst, nach: dem du dein ganzes Leben im Dienste der Eis telkeit und Sünde zugebracht haft? Glaubst du etwa, du könntest die Schuld eines ges mißbrauchten Lebens durch Seufzer der Ges wissensangst wieder gut machen und in der letten Noth noch Früchte der Besserung bringen? O! überdenke doch die Gefahr recht ernstlich, die dir bevorsteht. Schon oft bist du vielleicht an Buß- und Beicht tagen gerührt und erweckt worden; schon oft hat dich Gottes wohlthuende Güte zur Buße geleitet; schon oft hast du Besserung angelobt, und aufs feierlichste versprochen, 62 und doch hast du noch keine ernstlichen Anstalten dazu gemacht. D! säume nicht låne ger; spare deine Buße nicht, bis du alt und krank wirst, sondern beßre dich, weil du noch fündigen kannst. Vierte Betrachtung. Warnung vor dem Vorurtheile, man bedürfe der Buße und Besses rung nicht. Nichts wäre für dich, christlicher Freund, gefährlicher und schädlicher, als wenn du glauben wolltest, du hättest gar nicht nöthig, Buße zu thun, und an deiner Besserung zu arbeiten. Du bist vielleicht frei von groben Sünden, die allgemeine Verachtung verdienen; aber das ist nicht genug. Du haft freilich Niemanden auf eine gewalts same Art das Leben geraubt; aber hast du nicht Manchen zum heftigen Zorne gereizt, oder ihm sonst einen tödtenden Kummer vers ursacht, der an seinem Leben nagt? Du hast vielleicht die eheliche Treue nicht gebrochen; aber nährtest du nicht heimlich bisweilen unerlaubte Begierden? und warst du stets ein sanfter, gefälliger Ehegatte? Du hast viels leicht Niemanden öffentlich bevortheilt und betrogen; aber hast du es nicht auf eine 63 heimliche und liftige Art gethan, oder wenigstens da, wo du es mit unwissenden und unerfahrnen Personen zu thun hattest? Und wenn man dir gleich keine von alle den Sünden, die man Verbrechen zu nennen pflegt, vorwerfen kann; giebts nicht viele andere Sünden, die eben so strafbar sind, wenn sie gleich Menschen nicht ahnden? Du bist vielleicht undankbar gegen deine Wohlthåter, nachlässig in der Erziehung deiner Kinder, sorglos in der Abwartung deines Berufs, undienstfertig gegen deine Mitchris sten. Sind diese Vernachlässigungen der Pflicht nicht auch strafbar, ob sie gleich die Welt nicht richtet? Du glaubst, der Buße und Besserung nicht zu bedürfen, weil du einige Tugenden ausübst, die dir vielleicht wenig Mühe und Anstrengung kosten; aber bist du deswegen schon vollkommen? Fehlt dir etwa weiter nichts? Du bist wohlthätig gegen Arme, warum bist du es nicht auch gegen deine Feinde? Du bist froh und danks bar im Glück, warum bist du nicht auch ges lassen und geduldig im Unglück? Du bist dienstfertig, wenn es darauf ankommt, Andern zu helfen, warum bist du nicht auch großmüthig, eine unverdiente Beleidigung zu ertragen? Du sollst ja nicht nur einige Pflichten, sondern alle erfüllen, nicht nur einige Tugenden, sondern alle ausüben. Denn es heißt: So jemand das ganze Gesetz A 64 hält, und fündiget an einem, der ists ganz schuldig.*) Du glaubst der Buße und Besserung nicht zu bedürfen, weil du den öffentlichen Gottesdienst, die Uebungen der häuslichen Andacht ordentlich und pünktlich abwartest; aber das macht ja nicht die wahre Fröms migkeit aus, das alles sind ja nur Beförs derungsmittel dazu. Du hörst den öffents lichen Religionsunterricht fleißig an: wirst du aber auch dadurch weiser und frömmer? Du betest oft und viel; arbeitest du aber auch so fleißig in deinem Berufe? Du gehst zum heiligen Abendmahle; aber macht es dich auch treuer in der Nachfolge Jesu? vers spürst du auch jedesmal nach dem Genusse desselben eine merkliche Aenderung in deis nen Gesinnungen und deinem Wandel? Wenn du, lieber Christ, das alles übers legst, so wird dir dein Herz sagen, daß du noch lange nicht von allen Fehlern frei, daß du bei weitem noch nicht vollkommen bist, daß dir noch viel zu bereuen, viel zu vers bessern übrig bleibt, daß du noch lange nicht Gott und Jesu Christo ähnlich bist. An jedem Tage deines Lebens hast du nos thig, Buße zu thun, weil kein Tag ohne Fehler dahin geht. Immer werden sich dir neue Gelegenheiten zum Gutesthun darbies ten. Höre also niemals auf, an deiner Bes *) Jacobi 2, 10. 65 serung zu arbeiten, hûte dich sorgfältig vor allem Stolze auf eigene Vollkommenheit; denn dieser würde dich sicher machen, und wohl gar verleiten, Andere neben dir zu verachten. Prüfe dich vielmehr oft mit ernster Strenge, dann wirst du sehen, wie viele Mängel dir noch ankleben, und welche Tugenden dir noch fehlen. Du wirst dich in heilsamer Unzufriedenheit mit dir selbst erhalten und bei dem Wahlspruche christlis cher Demuth bleiben: Nicht daß ich's schon ergriffen hätte, oder schon vollkommen sey; ich jage ihm aber nach, ob ich es auch ergreiffen möchte, nachdem ich von Christo Jesu ergriffen bin.*) Fünfte Betrachtung. Trost aus Gottes Gnade in Chrifto. Es sind meine besten, segensvollsten Stun den, in denen ich meine Verwerflichkeit vor dir, Allwisserder, erkenne. Zwar schärft der Ernst, mit dem ich mich wieder zum Guten wende, in mir das Gefühl der Größe und Strafbarkeit meiner Sünden, und je mäch tiger die Ehrfurcht vor deinen Geseßen mich durchdringt, je eifriger ich nach der Heiligung trachte, ohne die Niemand den Herrn sehen wird; desto tiefer beugt mich das Bes wußtseyn meiner Schuld. Doch eben diese *) Philipp. 3, 12. 66 Unruhe meines Herzens, dieses Sehnen nach Heilung meines verwundeten Gewissens führt mich zu dir, barmherziger Vater im Him mel. Da erkenne ich am lebhaftesten den unaussprechlichen Werth deiner Gnade in Chrifto, da ergreiffe ich im Glauben den himmlischen Trost, mit dem deine Huld die reuigen Sünder erquickt. Ja, Herr, Herr Gott: du bist barmherzig und gnådig, ge duldig und von großer Güte, du vergiebst Missethat, Uebertretung und Sünde. Du haft selbst deines einigen Sohnes nicht ver schonet, sondern ihn für mich und alle Menschen dahin gegeben, du hast ihn lassen die Strafen der Sünde leiden, als das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trågt; du haft den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, an unserer Stelle als einen Sünder behandelt, damit wir durch ihn würden die Gerechtigkeit, die vor dir gilt. Nun darf ich bei dem Gefühle meiner Sünden nicht verzagen, denn Gott will nicht, daß jemand verloren werde. Ich kann getrost mich ihm nahen, Gnade und Hülfe bei ihm suchen. Nun darf ich nicht ängstlich fragen: Womit soll ich den Herrn, meinen Gott, versöhnen? Wie soll ich der Strafe meines Richters entgehen? Nein, Gott war in Christo, und versöhnte die Welt mit ihm selber.*) Nun darf ich nicht fragen: *) 2 Cor. 5, 19. 67 wo finde ich einen Fürsprecher, der sich meis ner bei Gott annimmt? Nein, ob jemand fündiget, so haben wir einen Fürspres cher bei dem Vater, Jesum Christum, der gerecht ist, und der ist die Versöh: nung für unsere und für der ganzen Welt Sünde.*) Auch mir läßt der gnås dige Gott noch täglich im Namen Jesu pres digen Buße und Vergebung der Sünde, auch mir läßt er noch zurufen: Lasset euch versöhnen mit Gott. Thue ich also wahre Buße, fange ich ernstlich an, mein Leben zu bessern, seße ich auf Gottes Barmherzigkeit und auf Jesu Verdienst mein festes, unges theiltes Vertrauen: nun so wird mir Gott meine Sünden vergeben, er wird mir die Schuld und Strafe erlaffen. So gewiß Jesus gestorben und auferstanden ist; so ges wiß darf ich mich der Gnade meines Vas ters im Himmel getrösten, so gewiß kann ich Nachsicht und Schonung von ihm hoffen. Ja, freue dich, meine Seele, und sey fröhlich in dem Schöpfer deines Heils! Nun hast du Friede mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christum, nun wird kein verdammens des Urtheil über dich ergehen. *) 1 Joh. 2, 1. F 2 68 Gebetsübungen vor der Beichte in der Kirche. Erstes Gebet. Barmherziger Gott! ich muß es mit inniger Betrübniß meiner Seele bekennen, daß ich seit meiner letzten Abendmahlsfeier wies der viel Unrecht begangen habe. Von neuem habe ich mich deiner Gnade und Huld unwürdig gemacht, und ob ich mir es gleich ernstlich vornahm, frömmer als sonst zu leben, so blieb doch abermals mein guter Vorsak unausgeführt. Ich vergaß zu ges schwind mein Versprechen, das ich in jenen Stunden des ernsthaften Nachdenkens gethan hatte: ich war zu wenig aufmerksam auf mich selbst, ich wurde wieder nachlässig in den Uebuns gen der Andacht, und so geschahe es, daß ich bald aufs neue in meine ehemaligen Fehler fiel. Mit gehäufter Schuld, mit einem von neuent verleßten Gewissen nahe ich mich hente zu dir, der du so gern verzeihest. Du hast mich durch deinen Sohn Jesum von deiner väs terlichen Erbarmung versichert, du hast ihn, den Unschuldigen und Heiligen, für mich sterben lassen, damit ich die Früchte seines Versöhnungstodes genießen möchte. Zwar kann ich nicht verlangen, daß du die naturs lichen Folgen der Sünde, die mich bereits getroffen haben, oder in Zukunft noch tref 69 fen werden, gånzlich aufheben sollteft; aber das darf ich von dir bitten, daß du sie für mich in Besserungsmittel verwandeln möchtest. Ich bin zufrieden, wenn du mir deine Gnade und dein Wohlwollen wieder schenkst, und wenn du mir den erquickenden Trost giebst: Gehe hin, dir sind deine Sünden vergeben. Erzeige mir diese große Gnade um dessenwillen, der uns allen Gnade erwarb, als er für die Sünder starb, und laß dir meine Buße und Rene wohlgefals len. Amen. Zweites Gebet. Auliebender Vater, du hast mich je und je geliebt und mich zu dir gezogen aus laus ter Güte. Bald ermahnte mich dein Wort, bald warnte mich die Stimme eines Freun des, bald erinnerten mich deine Wohlthaten, deiner zu gedenken, bald demüthigten mich deine Züchtigungen. Aber wie wenig hat dieses Alles bei mir gefruchtet, wie oft habe. ich mir Ausnahmen vom Gehorsam gegen deine Gebote erlaubt! Nun zeugen meine wiederholten Sünden gegen mich und mein Gewissen klagt mich der Untreue und des Undanks gegen den Herrn meines Lebens an. Heiliger Gott, wie soll ich vor dir bestehen! Wolltest du mit mir ins Gericht gehen, so müßte ich verstummen vor deinem Angesichte, so hätte ich nicht eine Entschuldigung auf 70 die tausend Vorwürfe meines Gewissens. Darum werfe ich mich vor dir nieder, barm herziger Gott, und bete: Schone meiner, o Herr, und sey mir gnädig! Erlaß mir die Strafen, die ich durch meine Sünden verdient habe. Du willst ja nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe; du bleibst ja der liebreiche Vater, der das Gebet und Flehen derer nicht vers wirft, die zu dir voll Vertrauen auf Jesu Verdienst ihre Zuflucht nehmen. Nun so laß mich seines Heils theilhaftig werden, und vergieb mir um seinetwillen alle meine Uebers tretungen, denn bei dir ist viel Vergebung. Damit ich aber deiner Gnade desto fähiger werde, so segne besonders mein Nachdenken in diesen Tagen dazu, daß ich meine Sün den immer mehr verabscheuen lerne, und im Guten immer mehr befestigt werde. Mache mich stark gegen jede Versuchung zur Sünde und gieb, daß ich bis an das Ende meiner Tage auf dem Wege des Glaubens und der Tugend standhaft beharre. Thue das, mein Vater, um Jesu, meines Heilandes, willen! Amen. Drittes Gebet. Gott! ich bin ein Sünder, wie alle meine Våter; auch mir mangelt der Ruhm, den ich vor dir haben sollte. Nicht immer bin ich den Befehlen deines Wortes und den Ers 71 weckungen meines Gewissens gefolgt, wohl aber oft meinen unordentlichen Begierden. Du hast mir von Sugend auf viel Gutes erwiesen, mich mit Vorzügen vor vielen meis ner Mitmenschen ausgezeichnet, du hast mich, wie ein Vater sein Kind, stets geleitet, mich treulich vor der Sünde gewarnet, und zum Guten ermahnet. Wie weit könnte ich im Guten vorgeschritten, wie glücklich könnte ich im Genusse deiner Gnade seyn, wenn ich im mer dir kindlich gehorcht und mich zu dir allein gehalten hätte. Aber ich liebte die Welt mehr als dich, ich ließ mich öfter durch den Willen meines Fleisches und die Rathschläge schwacher Menschen leiten, als durch deinen Willen; selbst die Warnungen, die ich durch schmerzliche Folgen meiner Fehltritte empfing, nahm ich nicht zu Herzen. Mit bitterer Neue werde ich nun inne, wie tief mein Verderben ist, und rufe dich an: Herr, vergieb mir meine Sünden, tröste mich wieder mit deiner Hülfe um Jesu willen. Ich verabscheue die Sünde, die mich deiner Liebe unwerth und elend macht. Ein neuer Mensch will ich werden und durch Treue in Erfüllung meiner Pflichten beweis fen, daß meine Besserung mir heiliger Ernst ist. Nimm mich wieder zu deinem Kinde an, verleihe mir Kraft, in deiner Furcht zu wandeln und dir treu zu bleiben, laß mich an der Hand meines Erlösers nur dir leben und durch ihn meine Seligkeit finden! 72 Allmächtiger Gott, du wirst selbst das gute Werk vollenden, das du in mir angefangen haft zum Preise deines Namens. Amen. Einige Beichtformulare. Barmherziger Gott, mit Schaam und Neue gedenke ich jetzt der vielen Vergehungen, durch die ich dir den schuldigen Gehorsam versagt und deine Wohlthaten mit Undank vergolten. habe. Ich wåre trostlos im Bewußtseyn meiner Schuld, wenn das Wort von der Versöhnung durch Jesum Christum mich nicht wieder aufrichtete. In freudiger Zuversicht auf dieses Wort der Gnade demüthige ich mich vor deinem Throne und bitte dich, laß auch mir den Tod deines Sohnes, Jesu Chrifti, zum Segen gereichen und schenke mir durch ihn Vergebung aller meiner Sünden. Ich gelobe dir willigen Gehorsam ges gen deine Gebote, treue Nachfolge des Beispiels Jesu, meines Herrn und strenge Ges wissenhaftigkeit in allen meinen Pflichten. Damit ich aber dieses Gelübde nie wieder verlege, erinnere mich täglich daran durch deinen heiligen Geist und gieb mir Kraft, es redlich zu erfüllen. Amen. Gott! ich habe nach angestellter Prüfung meines Lebens gefunden, daß ich viel Gutes 73 unterlassen und viel Böses begangen habe. Ich fühle meine ganze Strafbarkeit, und ich sehe es ein, daß ich deines väterlichen Wohlwollens unwürdig geworden bin. Aber Herr, der du die Güte und Liebe selbst bist, habe Geduld mit mir, deinem schwachen, fehlers haften Geschöpfe, und vergieb mir alle meine Sünden um des Versöhnungstodes Jesu willen. Ich will in Zukunft mit neuem Eifer an der Ablegung meiner Fehler und an der Vesserung meines Herzens und Lebens ar beiten! ich will immer so leben, denken und handeln, daß du mich als dein folgsames Kind lieben und segnen kannst. Befestige du selbst diese guten Vorfäße in meiner Seele, und hilf sie mir durch den wohlthätigen Beistand deines Geistes glücklich ausführen. Segne zu dem Ende meine Theilnahme am heiligen Abendmahle, und laß es mich so genießen, daß es mir bleibenden Segen bringe für meine Seele, in Zeit und Ewigkeit. Amen. Einige Sprüche und Verse zum Nachdenken vorder Beichte, deren man sich auch statt einer Beicht formel bedienen kann. Herr, gehe nicht ins Gericht mit deinem Knechte, denn vor dir ist kein Lebendiger ges recht. Gedenke nicht der Sünden meiner Ju gend und meiner Ulebertretungen, gedenke 74 aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, um deiner Güte willen. Lehre mich thun nach deinem Wohlgefallen, denn du bist mein Gott, dein guter Geist führe mich auf ebner Bahn. Vater, ich habe gesündiget, im Himmel und vor dir, und bin hinfort nicht werth, daß ich dein Kind heiße. Luc. 15, 21. So wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. So wir aber unsre Sünde bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünde vergiebt, und reiniget uns von aller Untugend. 1 Joh.1,8.9. Gott! sey mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich wohl von meiner Missethat, und reinige mich von meiner Sünde. Denn ich erkenne meine Missethat, und meine Sünde ist immer vor mir. Pf. 51, 3. 4. 5. Herr, wer kann merken, wie oft er fehle! vers zeihe mir die verborgenen Fehler. Pf.19, 13. Wer seine Missethat leugnet, dem wirds nicht gelingen. Wer sie aber bekennet und läßt, der wird Barmherzigkeit erlangen. Spr. Sal. 28, 13. 75 Das ist je gewißlich wahr, und ein theuer werthes Wort: Daß Jesus Christus kommen ist, die Sünder selig zu machen. 1 Tim. 1, 15. Nun wir sind gerecht worden durch den Glauben, haben wir Friede mit Gott, durch unsern Herrn Jesum Christum. Rom. 5, 1. So ihr den Menschen ihre Fehler vers gebet, so wird euch euer himmlischer Vater eure Fehler auch vergeben. Wo ihr aber den Menschen ihre Fehler nicht vergebet, so wird euch euer Vater eure Fehler auch nicht vergeben. Matth. 6, 14. Es werden nicht alle, die zu mir sagen, Herr Herr, in das Himmelreich kommen, sons dern die den Willen thun meines Vaters im Himmel. Matth. 7, 21. Beschämt, o Gott, erkenn' meine Sünden, Laß, Vater, mich Erbarmung vor dir finden. Willst du auf Schuld und Ulebertretung sehen, Wer wird bestehen? Bei dir allein, Herr, steht es, zu vergeben: Du willst nicht, daß wir sterben, sondern leben. Uns soll die Größe deiner Liebe lehren, Dich treu zu ehren. Verzeihe, Herr, mir alle meine Fehle, Dein harret, Vater, meine müde Seele. 76 Laß Trost und Ruh, um des Versöhners willen, Mein Herz erfüllen. Herr! ich flich in deine Hände, Außer dir ist keine Ruh. Dein Erbarmen hat kein Ende. Wer ist gnådiger als du? Du, du kannst allein vergeben, Ach vergieb, und laß mich leben. Herr und Heiland, dein Erbarmen, Dein für mich vergoßnes Blut Und dein Tod erlöst mich Armen, Rettet mich, und giebt mir Muth. Dein Verdienst ists, was mich decket, Wenn mich dein Gerichtstag schrecket. Rette mich von meinen Sünden, Schaff ein reines Herz in mir. Laß mich bei dir Ruhe finden, Zieh mich immer mehr zu dir. Dankbar will ich mich bestreben, Mein Erlöfer, dir zu leben. Mein Gott, zu dem ich weinend flehe: Erbarme dich, erbarme dich! Noch einmal sich von deiner Höhe Mit gnadenvollem Blick auf mich! Erbarme dich und geh noch nicht Mit mir, du Richter, ins Gericht, Für meine wiederholten Sünden Floß auch des Weltversöhners Blut! Noch einmal laß mich Gnade finden, Durch meinen Glauben an sein Blut! Noch einmal, Richter, fage mir: Auch diese Schuld erlaß ich dir! 77 An dir, o Gott, an dir hab' ich gesündigt Und übel oft vor dir gethan: Du siehst die Schuld, die meinen Fluch vers kündigt, Sieh nun auch meinen Jammer an. Dir ist mein Flehn, mein Seufzen nicht verborgen Und meine Thränen sind vor dir; Ach Gott, mein Gott, wie lange soll ich sorgen, Wie lange bist du ferne mir? Herr handle nicht mit mir nach meinen Sünden, Vergilt mir nicht nach meiner Schuld. Ich suche dich, laß mich dein Antlik finden, Du Gott der Langmuth und Geduld. Früh woll'st du mich mit deiner Gnade füllen, Gott, Vater der Barmherzigkeit: Erfreuen mich um deines Namens willen, Du bist ein Gott, der gern erfreut. Laß deinen Weg mich wieder freudig wallen Und lehre mich dein heilig Recht, 78 Laß stets mich thun nach deinem Wohlgefallen, Du bist mein Gott, ich bin dein Knecht. Herr, eile våterlich mir beizustehen Und leite mich auf ebner Bahn! Wie du gesagt, erhöre nun mein Flehen Und nimm dich meiner Seele an. Wo ist ein solcher Gott, wie du, Der Sündern gern vergiebt? Der selbst beim' Strafen unsre Ruh Und unser Wohlseyn liebt? Dem Sünder, der sich zu dir naht, Wird Stark und Troft zu Theil. Du tilgest seine Missethat, Und krönest ihn mit Heil. Gieb mir, mein Sohn, dein Herz, sprichst du; Hier, Vater, geb ichs dir. Durch deinen Geist wirk Muth und Ruh Und Heiligkeit in mir. Umfange mich mit deinen Vaterarmen Laß meiner dich noch diesesmal erbarmen; Nimm das verirrte Schaf in Gnaden auf Und lenke nun zum Heil des Sünders Lauf, Daß über mich im Himmel Freude werde, Ein Weg dahin mein Leben auf der Erde, Ein Schritt zur Heiligung der Rene Schmerz Und seines Heils gewiß mein hoffend Herz. 79 Dankgebet nach der Beichte. Mit gerührten und dankbarem Herzen preiſe ich dich, gnådiger Gott und Vater, daß du mein reuvolles Gebet erhöret, und mich nicht trostlos von dir zurück gewiesen hast. Du willst meines Undanks und meines Ungehors sams nicht weiter gedenken; du willst, auch in Rücksicht auf mich, Gnade lassen vor Recht ergehen. Mit Recht war ich über meinen bisherigen Zustand bekümmert, und ich hatte sehr viel Ursache mit mir selbst unzufrieden zu seyn. Ueber mir hatte ich einen Gott, dessen Mißfallen ich fürchten mußte; in mir ein unruhiges Gewissen, daß sich nicht immer betäuben ließ; und vor mir sah ich eine Ewigkeit, die dem Sünder nie anders als schrecklich seyn kann. Aber gelobt sey Gott, es ist nun ganz anders mit mir worden. Gelobt sey Gott, daß ich nun zu mir selbst saz gen kann: Wohl dem, dem die Lebertre: tungen vergeben sind; wohl dem, dem der Herr die Missethat nicht zurechnet.*) Deine Gnade, o Gott! gab allen Menschen, und auch mir, einen Erlöser, der durch sein unschuldiges Leiden und durch sein vers dienstliches Sterben eine ewige Erlösung gründete. Um seinetwillen hast du auch mich begnadiget und mir meine vielen, oft schon Bereuten Sünden vergeben. Mein ganzes Les *) Ps. 32, 1. SO ben soll der Dank für diese unverdiente Gnade seyn. Mit lebendigem Eifer will ich nun an meiner Besserung arbeiten. Nie will ich vergessen, was deine Gnade an mir gethan, was mein Herz und Mund dir heut versprochen hat. Es wäre mir ja besser, zu sterben, als in die vorigen Sünden zurückzukehren. Stärke und befestige du selbst diesen Ent schluß in meiner Seele; stehe mir bei in meiner Schwachheit, und laß es mir nie an Kraft feh: len, das zu thun und zu werden, was ich dir versprochen habe. Und wenn es mir gelingt, so laß mich demüthig bekennen: Von Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen.*) Amen. Dankgebet nach der Beichte. Meine Seele erhebe den Herrn, und mein Geist freue sich Gottes meines Heilandes, denn er hat mir die trostreiche Versicherung ertheilen laffen: Sey getrost, mein Sohn,( meine Tochter,) dir sind deine Sünden vergeben. Wohl mir, daß mein Gewissen mir erlaubt, dieses Trostwort auf mich anzuwenden. Ja, mein Gott, ich traue den untrüglichen Verz heißungen fest, die du mir durch deinen Sohn Jesum Christum gegeben hast, und freue mich, daß ich Antheil an den Früchten seines Versöh nungstodes habe. Nun kehret Ruhe und Zus *) 1. Cor. 15, 10. 81 friedenheit in mein Herz zurück, ich gehe gerechtfertiget und von dir begnadiget in meine Wohnung. Froh kann ich ausrufen: Sey wieder zufrieden, meine Seele, denn der Herr thut dir Gutes. An mir selbst erfahre ich nun, wie freundlich der Herr ist und wie ernsts lich er will, daß Keiner verloren werde. Mein Herz sagt es mir, daß du, mein Gott, nicht durch leibliche Opfer versöhnt wirst, sondern die Sünde vergiebst um Jesu willen, der das Lamm Gottes war, das der Welt Sünde trug. Denn die Zuversicht, in deiner Gnade zu stehen, die mich nun erquickt, habe ich nicht durch körperliche Büffungen verdient, sondern aus dem unerschöpflichen Reichthume Deiner Liebe empfangen als eine Frucht meiner aufrichtigen Neue, meiner ernsten Vorsäge und meines Glaubens an Jesum, meinen Ers löser. Diese Zuversicht wird mir bleiben, wenn ich nun standhaft in meiner Befferung forts schreite und meinem Heilande immer ähnlicher werde. Hilf meiner Schwachheit auf und uns terstüße mich mit deinem Geiste, daß dieses heilige Werk mir gelinge. Amen. Betrachtungen nach der Beichte zu Hause. Ueber das Glück des Friedens mit Gott. Gedenke ich der trüben Stunden, da mei ner Sünden Schuld in ihrer ganzen Größe F 82 vor meine Seele trat und die Vorwürfe meis nes Gewissens mich quälten, so kann ich dir, mein Gott, nicht genug danken, daß dein Gnadenwort die Last und Pein dieser Uns ruhe nun von meiner Seele genommen hat. Wie wohl ist mir in dem Bewußtseyn der Vergebung meiner Sünden! Ich erkenne in dir nicht mehr den furchtbaren Richter, der mich verdammen will, sondern den liebreichen Vater, der mir die Schuld und Strafe meis ner Sünden erläßt. Von dir kann ich nur Gutes erwarten. Bei redlichem Bestreben, deines Wohlgefallens immer würdiger zu wer den, darf ich auf den ganzen Segen deiner Liebe hoffen. Ruhig kann ich nun unter deiner Aufs sicht den Weg des Lebens gehen, so wie ein Kind, an der Hand seines guten Vaters ges leitet, keine Gefahr fürchtet und keinen Unfall scheuet. Mag mir begegnen, was da will, so werde ich es als eine liebreiche Schickung von dir betrachten, weil ich fest überzeugt bin, daß du es gut mit mir meinest, und daß denen, die dich lieben, alle Dinge zum Besten dienen.*) Dir kann ich nun im Gebete alle meine Anliegen getrost vortragen; vor dir kann ich alle meine Wünsche, Klagen und Seufzer ausschütten. Ohne Blödigkeit, ohne ångstliche Zurückhaltung darf ich dir alles ents decken, was ich selbst meinem besten Freunde nicht sagen würde. Freudig darf ich hoffen, *) Römer 8, 28. 83 du werdest meine bescheidenen Bitten erhören, meine sehnlichsten Wünsche erfüllen, weil es dir, o du Vater der Menschen! Freude und Wonne ist, die Bitten deiner Kinder zu ers hören. Aber wenn du mir auch manches vers fagst und abschlägst, so soll und wird mich das doch nicht befremden, weil du es besser als ich weißt, was mir nüßlich ist. Ja, nun ich mit dir ausgeföhnet, von dir begnadiget Bin, nun weiß ich, daß es dir nicht mißfällt, wenn ich eine fromme Freude über meinen jeßigen glücklichen Zustand äußere, wenn ich ausrufe: Es ist nichts Verdammliches an mir, da ich in Christo Jesu bin. Wer will mich beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht: Ift Gott für mich, wer mag wider mich seyn?*) Und wie glücklich fühle ich mich, wenn ich an meinen Ausgang aus der Welt denke, wenn ich mirs vorhalte, daß ich hier keine bleibende Ståtte habe. Stehe ich mit dir, mein Gott, in einem guten Verz nehmen; o dann kann ich nicht nur ein neues besseres Leben nach dem Tode hoffen, sondern ich kann mich auch meiner künftigen, seligen Unsterblichkeit freuen. Denn ich gehöre zu des nen, welchen Jesus zuruft: Ich gebe den Meinigen das ewige Leben; sie werden nimmermehr umkommen, und Niemand wird sie aus meiner Hand reißen.**) Nie darf ich nun meinen Abschied aus der Welt *) Römer 8, 1. 31, 33,**) Joh. 10, 28. F 2 84 fürchten, denn er ist ein Ulebergang in jenes Beffere Leben. Getrost verlasse ich die Welt, so bald Gott es haben will, so bald er mich, sein Kind, zu sich ruft. Denn sind wir Kinder Gottes, so sind wir auch Erben, nemlich Gottes Erben, und Miterben Christi.*) Dank, inniger Dank sey dir, o Gott! daß ich sagen kann: Ich habe Gnade gefunden, ich werde ewig selig seyn. Wahrlich, nun beneide ich keinen Sünder, er mag noch so glücklich scheinen, er mag noch so viel in dies ser Welt genießen; er hat doch nichts in jener zu hoffen. Wohl mir, daß ich Vergebung der Sünde erlangt habe, nun ist mein Herz ruhig und stille. Nun wird alles gut gehen, alles gut werden, denn Gott ist mir gnådig. Zwar werde ich, wie jeder andere, mein Antheil an menschlichen Leiden haben; aber Gottes Kraft wird mich unterstüßen, und seine Tröstungen werden mich erquicken. Ich werde zwar einst sterben, aber auch im Tode werde ich noch Gott meinen Vater nennen, und in der letz ten Noth ihm meine Seele freudig und hoffnungsvoll empfehlen. Amen. Anleitung zur heilsamen Be trachtung des Leidens und Sterbens Jesu. Wenn du, lieber Chrift, dich heute recht würdig zum morgenden Genusse des heiligen *) Römer 8, 17. 85 Abendmahls vorbereiten willst: so kannst du dich in den stillen Stunden deiner häuslichen Andacht mit nichts Besserem, als mit der Betrachtung der Leiden Jesu, deines Herrn, beschäftigen. Dieß ist ganz der Absicht dieser heiligen Handlung angemessen. Daher sagt er auch: Solches thut zu meinem Gedächtniß; und daher gab Paulus den Christen zu Corinth die Ermahnung: So oft ihr von diesem Brod esset, und von diesem Kelch trinket, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen, bis daß er komint.*) Willst du nun Jesu Leiden dir recht lebhaft vergegenwärtigen, so lies die Geschichte seiner Leiden, wie sie das Evangelium erzählt, aufmerksam durch, und stelle dir im Geiste Alles recht lebhaft vor, was er in den letzten Stun den seines Lebens erduldete. Viel, sehr viel hatte der Heiland schon gethan und gearbeitet, um die Sünder selig zu machen, um die Welt durch seine Lehre zu beglücken; aber das war noch nicht genug. Um das ganze große und wohlthätige Erlösungswerk zu vollenden, war noch das größte Opfer nöthig; er mußte auch freiwillig leiden und sterben; Er, der so heilige so unschuldig war, daß seine Feinde ihm nichts mit Recht vorwerfen, nichts wieder ihn aufs bringen konnten. Das Andenken an die Leiden des Herrn führt auf die Fragen: Wie hat er gelitten *) 1. Cor. 11, 26. 86 und den Tod erduldet? und warum hat er gelitten, wofür ist er gestorben? Liefest du die Geschichte seiner Leiden aufs merksam, so wirst du bald sehen, daß er ganz unschuldig litt und starb. Sein untadelhaftes, heiliges Leben, die Verlegenheit seiner Feinde um einen Grund der Anklage gegen ihn, das Zeugniß seines Richters: ich finde keine Schuld an ihm! und das Bekennt niß seines verzweifelnden Verräthers: ich habe unschuldig Blut verrathen! Dieß Alles muß dich überzeugen, daß Jesus sein trauriges Schicksal nicht im Geringsten verschuldet hatte. War er sich aber gleich feiner Unschuld im höchsten Grade bewußt, so litt und starb er doch freiwillig. Er konnte sehr wohl den Nachstellungen seiner Feinde entgehen; aber er that es nicht. Freiwillig ging er seinen Feinden entgegen, überließ er sich ihrer Gewalt, schwieg er zu allen ihren Anklagen und schalt nicht wieder, da er gescholten wurde, drohete nicht, da er litte, sondern er stellte es dem heim, der da recht richtet.*) Er litt und duldete alles, was Gott, sein himmlischer Vater, über ihn kommen ließ, mit einer Standhaftigkeit und Seelengröße, die nicht ihres Gleichen hat. Und was bewog ihn, mit einer solchen Willigkeit zu leiden und zu sterben? Nichts, als seine Liebe zu Gott und zu dem ganzen *) 1 Petr. 2, 23. 87 Menschengeschlechte, eine Liebe, die in der Ges schichte der Menschheit einzig ist. Denn Nie. mand hat größere Liebe, denn die, daß er sein Leben lässet für seine Freunde.") Doch wenn du die Geschichte der Leiden Jesu betrachtest, so bemerkst du nicht blos wie, sondern auch warum Jesus gelitten hat und gestorben ist. Er litt und starb nicht blos, um seine Lehre zu bestätigen und die Wahrheit derselben mit seinem Blute zu besiegeln. Er litt und starb nicht blos als ein Märtyrer der Zugend, nicht blos, um uns ein Beispiel der Geduld und Standhaftigkeit zu geben, nicht blos, um aus eigner Empfindung des Leidens zu wissen, wie seinen leidenden Brüdern zu Muthe sey, nicht blos um dem lästigen Opferdienste ein Ende zu machen; sondern er litt und starb, um uns Sündern Begnadigung und Vergebung der Sünde zu erwerben. Darum sagt die Bibel von ihm: Er habe unsere Sünden auf sich genommen, und die Strafen der selben erduldet; er habe die Sünden der Menschen versöhnet, und dafür gebüßet. Findest du also Jesum in seinen Leiden am Delberge zittern und beben; hörst du ihn klagen: Meine Seele ist betrübt bis in den Tod; hörst du ihn am Kreuze ausrufen: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlaffen? so denke dir Jes *) Joh. 15, 13. 88 sum als den Erlöser und Versöhner der Mens schen, der nach den ausdrücklichen Versiches rungen der Schrift für die Sünden der Welt litt. Auch um deinetwillen empfand der Heis land die tiefste Seelenangst; auch für dich gab er sich willig als ein Opfer hin. Seiner großmüthigen Aufopferung hast du es allein zu verdanken, daß du nun bei redlicher Bes ferung und bei lebendigem Glauben an ihn, wegen deiner begangenen Sünden nicht vers zagen, und die Gewissensangst nicht empfin den darfst, welche dich sonst bei dem Andenken an Gottes Strafgerechtigkeit beståns dig quälen, und dir allen Muth zur Besse: rung benehmen würde. O! preise Gott, der die Güte und Liebe selbst ist, dem nichts zu theuer war, um dich glückselig zu machen, der selbst seines Sohnes nicht verschonte, sondern ihn für dich dahin gab. Preise Jes sum Christum, der alles für dich gethan und gelitten hat, um dich dem Elende der Sünde zu entreißen, der keine Erniedrigung, keine Schande, selbst den schimpflichsten Tod nicht scheute, um dir Trost, Hoffnung und Seligs keit zu verschaffen. Wenn du nun so vor dem Genusse des heiligen Abendmahls über die Wichtigkeit und Wohlthätigkeit des Leidens und Sters bens Jesu nachdenkst; wenn dadurch die Ems pfindungen des Danks, der Freude und des willigsten Gehorsams gegen Gott in dir ents 89 stehen; so verkündigst du den Tod Jesu recht, so feierst du das Abendmahl zu seinem Ges dächtnisse. Halte also Jesum Christum, den Gekreuzigten, im Gedächtnisse. Begleite ihn Schritt vor Schritt auf seinem Leidens und Todeswege, sieh ihn kämpfen, leiden und sterben, und vergiß nicht, daß das alles für dich und zum Besten des ganzen Men schengeschlechts geschah. Gewiß, du wirst bei dieser Betrachtung nicht ungerührt bleis ben; du wirst voll Dank dich morgen zum Gedächtnißmahle Jesu hinzu nahen, du wirst ausrufen: Nimm hin meinen Dank, o Jesu: denn du hast Großes an mir gethan, das erkennet meine Seele wohl. Und wenn ich dir jetzt nicht so danken kann, wie ich es wünsche, so will ich es dann thun, wenn ich einst zu dir kommen, und in deinem Reiche ein himmlisches Freudenfest mit dir feiern werde. Abendgebet am Beichttage. Senn ich jemals am Abend eines Tages Ursache gehabt habe, dich, o du guter Gott und Vater! für deine Güte demüthig zu preisen; so fühle ich mich besonders heut dazu ermuntert. Dank sey dir, daß du dies sen Tag mir so nüglich für meine Seele ges macht hast. Dank sey dir für alle die guz ten Rührungen und Vorsätze, die du heute durch dein Wort in mir gewirket und bes festiget hast. Dank sey dir für die neuen 90 wiederholten Versicherungen deiner Gnade, die du mir an diesem Tage durch den Vers trauten meines Christenthums und meines Seelenzustandes haft ans Herz legen lassen. O wie froh bin ich, daß ich dich als einen gnädigen Vater kenne, der Gnade vor Recht ergehen läßt, und der auch mir um Christi, meines Erlösers, willen, Vergebung meiner bisherigen Sünden verkündigen ließ. Danks bar muß ich ausrufen: Wie sich ein Vas ter über seine Kinder erbarmet, so hat sich Gott über mich erbarmet.*) Nun ist mir nicht mehr um Trost bange, denn ich bin begnadigt, ich stehe mit Gott in Fries den. Gern möchte ich nun zeigen, daß du deine Gnade, o Gott! nicht einem Unwür digen erwiesen haft; gern möchte ich Beweise meiner Dankbarkeit gegen dich öffentlich ges ben. Doch da ich dir nichts vergelten kann, will ich wenigstens mein heut abgelegtes feierliches Versprechen redlich halten, meinen Sünden gänzlich entsagen und mich hüten, daß ich nicht wieder fündige. Von nun an will ich mich als ein Eis genthum Jesu, meines Herrn, betrachten, und immer so leben, denken und handeln, daß ich mich zu seinen Freunden zählen darf, die gerne thun, was er geboten hat. Schenke mir Lust und Kraft, diesen redlichen Vors satz auszuführen; ziehe deine Hand nicht von *) Psalm 103, 18. 91 mir ab, denn ich bedarf viel Gnade, viel Leitung und Aufmunterung zur Führung meiner Seele. Mit der süßen Versicherung deiner Vaterliebe will ich mich nun zur Ruhe niederlegen, und wenn deine Güte mir mein Leben fristet, wenn ich am morgenden Tage gefund wieder erwache, so laß mich das Ges dächtnißmahl Jesu mit christlicher Freude ges nießen, recht lebhaft empfinden, wie selig ich als Christ in dieser und jener Welt werden kann. Erhöre mich um Jesu, meines Fürs sprechers, willen. Amen. Morgengebet am Communion, Tage. Ich will dem Herrn am frühen Morgen Der Kindesliebe Opfer weihn; Er schließt in seine Batersorgen Auch mich mit Leib und Seele ein, Er schenkt mir heut das höchste Gut In seines Sohnes Leib und Blut. Bereite mich zu deinem Mahle, Herr Jesu Christ, ich suche dich; Ogieße mit dem Morgenstrahle Den Geist der Andacht über mich, Und würd'ge mich, von Herzen dein, Dein Jünger, Gast und Freund zu seyn. Segne mir Gott den Tag, an welchem ich das Gedächtnißmahl Jesu, meines Heis landes, mit andern Christen genießen will. 92 Du hast mein gestriges demüthiges Gebet erhört, und mich an diesem Morgen gesund erwachen lassen. Du hast von neuem Leben und Wohlthat an mir gethan, und dein Aufsehen hat meinen Odem bewahret. Ja, ich freue mich meines fortdauernden Lebens, das du mir bisher erhalten hast, damit ich es gut anwenden, und mich so zur seligen Ewigs keit recht geschickt machen könne. Ich freue mich, daß ich ein Christ bin und heut das von ein öffentliches freudiges Bekenntniß in Gegenwart meiner Mitchriften ablegen soll. Gieb, o Gott, mir den Ernst, meine Ges danken zu sammeln und sie ganz dem Andenken an Jesum zu widmen. Sein heiliges Bild schwebe mir vor Augen und erinnere mich, daß du ihn auch mir gemacht hast zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Hei ligung und zur Erlösung.*) Dabei werde ich stärker als sonst den Sinn der Worte empfinden: Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen einge bornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.**) Mit Dank, mit Freude, mit Ehrfurcht und An betung werde ich bei dem heiligen Mahle erscheinen. Hilf mir, es recht würdig ges nießen, damit mein Glaube an Jesum neue Festigkeit bekomme, damit mein Eifer in der *) 1 Cor. 1, 30.**) Joh. 3, 16. 93 Tugend vermehret und die Hoffnung des ewigen Lebens in mir immer freudiger werde. Segne, o Gott! die Feier des heutigen Tages für meine Seele, und laß die heiligen Uebungen der Andacht, die ich anstellen werde, für mich ermunternd und tröstlich werden. Amer Ern b 3u das wenn zu ge die Tode Sün ten, recht Schn dem eine( erheb Dacht Freu überi 3 Eine Viertelstunde vor dem heiligen Sakramente. esuche mich, mein liebes Kind, oft im heiligen Sakramente des Altars. Es ist nicht nötig, daß du lange da verweilst und viel weißt, um mir wohlgefällig zu sein: es ist genug, wenn du mich liebst. 1 C n 12 12 17 t Fr D le ay may may die Größe der Liebe bedenke, mit der Gott den eingebornen Sohn dahin gab in den Tod für die Sünden der Welt, der Liebe, mit 92 Du hast mein gestriges demüthiges Gebet erhört, und mich an diesem Morgen gesund erwachen lassen. Du hast von neuem Leben und Wohlthat an mir gethan, und dein Aufsehen hat meinen Odem bewahret. Ja, ich freue mich meines fortdauernden Lebens, das du mir biskgut anwen keit recht mich, daß von ein of Gegenwart Gieb, 1 danken zu denken an Bild schw mich, daß Weisheit ligung ur Dabei Sinn der die Welt bornen E an ihn gla sondern d Dank, mit betung we Rede in Einfalt mit mir, als ob du mit deinem vertrautesten Freunde redeteſt. ... Hast du nicht jemanden, den du mir empfehlen willst? Wie heißen deine Eltern, deine Brüder, deine Schwestern, deine Freunde? Bei jedem Namen füge bei, was du willst, das ich für sie thun soll.. Fordere viel, sehr viel: ich liebe die großmütigen Herzen, die sich ſelbſt vergessen um der andern willen.... Nenne mir Arme, denen du helfen möchtest, und Kranke, welche du hast leiden sehen, Sünder, die du bekehren möchtest, Personen, welche dir abgeneigt sind und die du versöhnen möchtest. Für sie alle sprich ein andächtiges Gebet. Erinnere mich daran, daß ich versprochen habe, jedes in meinem Namen verrichtete Gebet zu erhören. Hast du nicht einige Gnaden, die du gerade für dich erbitten möchteſt? Mache eine lange Liste aller Bedürfnisse deiner Seele und komm', komm' und ließ sie mir vor. 2 erscheinen. wwtory y nießen, damit mein Glaube an Jesum neue Festigkeit bekomme, damit mein Eifer in der *) 1 Cor. 1, 30.**) Joh. 3, 16. 93 Tugend vermehret und die Hoffnung des ewigen Lebens in mir immer freudiger werde. Segne, o Gott! die Feier des heutigen Tages für meine Seele, und laß die heiligen Uebungen der Andacht, die ich anstellen werde, für mich ermunternd und tröstlich werden. Sage mir einfach, wie sinnlich, stolz, empfindlich, eigenliebig, lieblos, feige und träge du bist, und bitte, daß ich dir helfe in allen Anstrengungen, die du machst, davon loszukommen. Ärmes Kind, scheue dich nicht: im Himmel sind viele Auserwählte, viele Heilige, die mit Fehlern behaftet waren, wie du. Sie haben zu mir gefleht und nach und nach dieselben abgelegt. Ebenso wenig auch scheue dich, leibliche und geistige Güter zu erbitten, Gesundheit, Verstand, Gedächtniß, Erfolg.... Ich kann alles geben und gebe es immer, wenn es zu deinem ewigen Heile ersprießlich ist. Was willst du jetzt, mein Kind? Känntest du doch mein Verlangen, dir Gutes zu thun! Hast du jetzt keine Wünsche? Erzähle sie mir ausführlich... Woran wohl denkst du nun? Was möchtest du? Willst du etwas thun für deinen Bruder, deine Schwester, oder andere? 3 Freude [ bend: mich an, bedenken, Abendmahl ter Leiden, fach seines halten den reuz brach er und ges sich in den emüth bei 1 ergreift, dische Leid neiner An ine, heilige unendlich Do you by my my freuen, wenn ich die Größe der Liebe bedenke, mit der Gott den eingebornen Sohn dahin gab in den Tod für die Sünden der Welt, der Liebe, mit 92 Du hast mein gestriges demüthiges Gebet erhört, und mich an diesem Morgen gesund erwachen lassen. Du hast von neuem Leben und Wohlthat an mir gethan, und dein Aufsehen hat meinen Odem bewahret. Ja, ich freue mich meines fortdauernden Lebens, das du mir bisher r gut anwen keit recht mich, daß von ein of Gegenwar Gieb, danken zu denken an Bild schw mich, daß Weisheit ligung u Dabei Sinn der die Welt bornen( an ihn gl sondern Dank, mit betung we Denkst du auch an mich? Willst du nicht etwas Gutes thun für die Seelen derjenigen, die du liebst, und die meiner nicht gedenken? Sage mir nur, was dir zumeist am Herzen liegt; welche sind die Mittel, die du anwenden willst?... Kommst du nicht zum Ziele, so sage es mir, ich will dir dann die Ursache davon angeben. Wen gedenkst du für dein Unternehmen zu gewinnen? Ich bin Herr über die Herzen, und lente sie sanft, wohin ich will. Ich werde dir die zur Seite stellen, welche dir nötig sind, darüber kannſt du ruhig sein. Hast du auch Feinde? O mein Kind, erzähle mir ausführlich deinen Kummer! Wer hat dich beleidigt, wer deine Eigenliebe verletzt, wer dich verachtet? Sage mir alles und du wirst am Ende verzeihen, alles verzeihen.. Und ich werde dich segnen! Fürchtest du irgend ein Unglück? Hast du eine unbestimmte Besorgnis ... erscheinen. nießen, damit mein Glaube an Jefum neue Festigkeit bekomme, damit mein Eifer in der *) 1 Cor. 1, 30.**) Joh. 3, 16. 93 Tugend vermehret und die Hoffnung des ewigen Lebens in mir immer freudiger werde. Segne, o Gott! die Feier des heutigen Tages für meine Seele, und laß die heiligen Uebungen der Andacht, die ich anstellen werde, für mich ermunternd und tröstlich werden. Alman in deiner Seele, die zwar unbegründet ist, dich aber quält? Vertraue dich gänzlich meiner Vorsehung an. Ich bin da, ich sehe alles und werde dich nicht verlassen. Hast du Leute um dich, deren Herz dir nicht mehr so zugethan ist, wie früher, und die Gleichgültigkeit und Kaltsinn von dir zu entfernen scheint, ohne daß du ihnen Anlaß gegeben haft? Bete für sie alle zu mir, und ich werde sie mir dann wieder zuführen, wenn dieses zu deiner Heiligung dienlich ist. Hast du nichts Freudiges mir mitzuteilen? Warum solltest du mich an deinem Glücke nicht teilnehmen lassen? Sage mir, was seit gestern dein Herz mit Freude erfüllt hat. War es ein unerwarteter Besuch, der dich erfreut, cine Furcht, die so plößlich zerstreut ward, ein Brief, ein Andenken, das du erhalten, eine Prüfung, die du kräftiger bestanden, als du erwarteteſt? Das alles, mein Kind, habe ich dir bereitet. Warum solltest du dich 5 Freude ( bend: mich an, bedenken, Abendmahl ner Leiden, esach seines halten den Preuz brach fer und ges sich in den Bemüth bei u ergreift, rdische Leid meiner An eine, heilige t unendlich , wenn ich die Größe der Liebe bedenke, mit der Gott den eingebornen Sohn dahin gab in den Tod für die Sünden der Welt, der Liebe, mit 92 Du hast mein gestriges demüthiges Gebet erhört, und mich an diesem Morgen gefund erwachen lassen. Du hast von neuem Leben und Wohlthat an mir gethan, und dein Aufs sehen hat meinen Odem bewahret. Ja, ich freue mich meines fortdauernden Lebens, das du mir bisher erhalten haft. Damit ich o gut anwent keit recht g mich, daß von ein off Gegenwart Gieb, o danken zu denken an Bild schwe mich, daß i Weisheit, ligung un Dabei Sinn der 2 die Welt bornen S an ihn gla sondern da Dank, mit betung wer erscheinen. nießen, dann mein Grauve au Jefum neue Festigkeit bekomme, damit mein Eifer in der *) 1 Cor. 1, 30.**) Joh. 3, 16. dafür nicht dankbar zeigen und mir jagen: Besten Dank, mein allerliebster Jesus! Dankbarkeit erzeugt Wohlthun, und der Wohlthäter hört es gern, wenn man ihn an seine Wohlthaten erinnert. Hast du mir nicht ein Versprechen zu machen? Ich lese, wie du weißt, in der Tiefe deiner Seele. Menschen kann man hintergehen, Gott aber niemals: sei also aufrichtig. Bist du entschlossen, jene Gelegenheit, zu fündigen, gänzlich zu meiden, jene Sache von dir zu entfernen, die dich leicht zum Böjen verleitet, jenes Buch nicht mehr zu lesen, welches deine Phantasie erregt, und alle Verbindung mit jener Person aufzuheben, die den Frieden deiner Seele stört? Willst du alsbald freundlich und liebreich sein gegen alle jene, die dich beleidigt haben? Verrichte jetzt die geistige Kommunion. Sie ist das Wichtigste bei jedem Besuche, den du mir machst. Sprich also mit Herz und Mund zu mir: 6 93 Tugend vermehret und die Hoffnung des ewigen Lebens in mir immer freudiger werde. Segne, o Gott! die Feier des heutigen Tages für meine Seele, und laß die heiligen Uebungen der Andacht, die ich anstellen werde, für mich ermunternd und tröstlich werden. Amen. ,, Anbetungswürdigster, hier in dem heiligsten Sakramente gegenwärtiger Heiland, Dich, meinen besten Vater, meinen größten Wohlthäter, meinen liebsten Freund, liebe ich über alles. Es thut mir herzlich leid, Dich so sehr beleidigt zu haben. Meine Seele verlangt, Dich zu empfangen. Da ich aber jetzt nicht würdig bin, Dich wirklich in mein Herz aufzunehmen, so komme doch geistigerweise mit Deiner Gnade in dasselbe. Vereinige mich ganz mit Dir und laß nicht zu, daß ich mich je wieder von Dir trenne." Gut, mein Kind.... Gehe jetzt wieder an deine Arbeit, so schweigsam, züchtig, ergeben, unterwürfig, liebreich und habe ble heil. Jungfrau retht tieb... Und dann komm' morgen und bring' mir ein noch ergebeneres und liebevolleres Herz. Morgen werde ich neue Gnaden und neuen Segen für dich haben. Doch meine Liebe zu dir treibt mich, dir noch Eins ganz besonders ans Herz zu legen. Ich wünsche 7 n Freude Abend: h mich an, h bedenken, Abendmahl iner Leiden, Irfach seines rhalten den Kreuz brachefer und ges sich in den Gemüth bei su ergreift, irdische Leid meiner An eine, heilige It unendlich en, wenn ich bie Große der Liebe bedenke, mit der Gott den eingebornen Sohn dahin gab in den Tod für die Sünden der Welt, der Liebe, mit 92 Du hast mein gestriges demüthiges Gebet erhört, und mich an diesem Morgen gesund erwachen lassen. Du hast von neuem Leben und Wohlthat an mir gethan, und dein Aufsehen hat meinen Odem bewahret. Ja, ich freue mich moinod farthanernden Cehens. Das du gut keit mic Ge dat der Bi mi V lig die bo an for Da bet so sehnlichst, nicht bloß geistigerweise, sondern auch wirklich in der heiligen Kommunion in deine Seele einzukehren. Erfülle darum mein Verlangen und komme recht oft zu meinem Tische und iß mein Brot und trinke den Wein, den ich dir bereitet habe. Laß dich durch nichts abhalten, komm', so oft es deine Verhältniſſe nur gestatten( hierüber nimm Rat mit deinem Beichtvater) und deine Liebe zu mir dich treibt. Bereue aufrichtig deine Sünden und dann empfange mich mit lebendigem Glauben, fester Hoffnung, mit dankbarer und aufrichtiger Liebe. Wenn du mein Fleisch isfest und mein Blut trinkeſt, so werde ich in dir bleiben und dich auferwecken am jüngsten Tage. Mit geistlicher Genehmigung. Nachdruck verboten. Geseß v. 11. Juni 1870. Dülmen i. W. A. Laumann'sche Buchhandl. u. Buchdruckerei Verleger des Hl. Apostol. Stuhles. es igs eue Das in oll. Bes Ins ges tere zur deia den ott ge: die cn, Mit Ans thle erscheinen. uf mir, es recht wurdig ges nießen, damit mein Glaube an Jesum neue Festigkeit bekomme, damit mein Eifer in der *) 1 Cor. 1, 30.**) Joh. 3, 16. 93 Tugend vermehret und die Hoffnung des ewigen Lebens in mir immer freudiger werde. Segne, o Gott! die Feier des heutigen Tages für meine Seele, und laß die heiligen Uebungen der Andacht, die ich anstellen werde, für mich ermunternd und tröstlich werden. Amen. Erweckung zur frommen Freude bei dem Genusse des Abend: mahls. 3u u einer Todesfeier schicke ich mich an, das Ende des Gerechten soll ich bedenken, wenn ich zum Altare gehe, das Abendmahl zu genießen. Die Bitterkeit seiner Leiden, die Härte seiner Schmach, die Ursach seines Todes und was in meinem Verhalten den Sünden ähnlich war, die ihn ans Kreuz brachten, das Alles stimmt mich zu tiefer und ges rechter Trauer. Dennoch mischt sich in den Schmerz, der jedes mitfühlende Gemüth bei dem Andenken an den Tod Jesu ergreift, eine Empfindung, die über jedes irdische Leid erhebt; dennoch mildert den Ernst meiner An dacht am Tische des Herrn eine reine, heilige Freude, die jede Lust dieser Welt unendlich überwiegt. Denn soll ich mich nicht freuen, wenn ich die Größe der Liebe bedenke, mit der Gott den eingebornen Sohn dahin gab in den Tod für die Sünden der Welt, der Liebe, mit 94 der mein Heiland sein Leben ließ, um mich vom Verderben zu erretten? Soll ich mich nicht freuen, wenn ich die unaussprechlichen Segnungen erwäge, die dieser Tod dem gans zen Menschengeschlechte gebracht hat und brin gen wird bis an das Ende der Tage? Soll ich mich nicht freuen, wenn ich die Fülle des Heils, das er auch mir erwarb, die Vorzüge, die ich durch ihn genieße, das Ziel, dem er mich zuführt, ins Auge fasse? Und meines Herrn, der durch Leiden des Todes mit Preis und Ehren gekrönt worden und zu der ewigen Herrlichkeit eingegangen ist, die er einst mit mir theilen will, des Bürgen meiner Seligs keit sollte ich mich nicht freuen, nicht mit Ents zücken die Unterpfänder meines Heiles und meiner Gemeinschaft mit ihm in seinem Leibe und Blute empfangen? Ja ganz will ich mich heut dieser from men Freude überlassen, öffentlich bezeugen will ich, wie hoch ich das Glück schäße, ein Christ, ein Erlöseter Jesu zu seyn. Und ers wärmt mich dabei die heilige Empfindung der Gegenliebe gegen Gott und meinen Erlöser, so werde ich ihm auch danken wollen durch Gehorsam gegen seine Gebote, durch freudis ges Fortschreiten auf der Bahn seiner Nachfolge, durch strenge Enthaltung von Allem, was ihm mißfallen würde. So komme ich wirklich in die Gemeins schaft seines Geistes und seiner Gesinnungen, 95 so werde ich schon jetzt der Seligkeit gewiß, in der ich ihn einst sehen und mich seiner freuen werde mit heiliger, unaussprechlicher Freude, die Niemand von mir nehmen kann. Amen. Erweckung zum standhaften Be: kenntnisse und zur thätigen Aus übung des Christenthums. Deffentlich will ich heute durch die Feier des Abendmahls mich für einen Schüler und Verehrer Jesu erklären. Ich will vor aller Welt durch die Theilnahme an dieser heilis gen Handlung beweisen, daß ich die Religion Jesu für wahr halte, und daß ich mirs zur Pflicht mache, ihre Vorschriften zu befolgen. Ich schäme mich nicht zu gestehen, daß ich Jesum Christum als den Sohn Gottes, als den Erlöser, Versöhner und Seligmacher aller Menschen verehre; denn ich habe geglaubt, und erkannt, daß er ist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, daß er ist die Versöhnung für meine und für der ganzen Welt Sünde.) Ich bekenne ihn öffentlich als den Geber und Erwerber meis ner Seligkeit: denn es ist in keinem andern das Heil, es ist auch kein anderer Name dem Menschen gegeben, darinnen sie könnten selig werden, als allein in dem Namen Jesu. Ich schäme mich seines Evans *) Joh, 6, 69, 1 Joh. 2, 2. 96 gelii nicht; denn es enthält Worte des ewigen Lebens, und seine Lehre ist durchgångig eben so befriedigend für Geist und Herz, als wahr. Ich halte es für meine größte Ehre und für mein größtes Glück, ein Christ zu seyn; weil ich einsehe, wie viel ich verlieren, wie unwissend, wie trost: und hoffnungslos ich seyn würde, wenn ich Jesu Lehre entbehren müßte. Und bei dies sem standhaften Bekenntnisse des Christenthums will ich beharren bis ans Ende meis nes Lebens. Nichts soll mich in diesem meis nem Glauben irre machen. Ich will mich nicht an die Meinungen der Menschen kehren, und weder der Leichtsinn, noch die Spottsucht, noch der Unglaube anderer Menschen sollen mich abhalten, Jesu Lehre überall freimüthig zu bekennen. Am meisten aber will ich durch die tha: tige Ausübung des Christenthums mich als einen ächten Bekenner dieser Religion beweis sen. Ich will nicht blos den schönen, ehrwürdigen Nahmen eines Christen führen, sondern auch durch meine Gesinnungen und durch mein ganzes Verhalten dem Christennahmen Ehre machen. Vor allen Dingen will ich suchen, von der Herrschaft der Sünde immer mehr frei zu werden. Es soll keine Sünde über mich herrschen; denn sonst könnte ich nicht mit Jesu Gemeinschaft haben, weil es ausdrücklich heißt: Es trete ab von der 97 Ungerechtigkeit, wer den Namen Christi nennet.*) Gern und mit Freuden will ich das thun, was Jesus, mein Herr, mir als göttliches Gebot vorgeschrieben hat, weil nur die seine åchten Schüler sind, die den Willen thun seines Vaters im Himmel. Denn wie könnte ich ein wahrer Christ seyn, ohne den himmlischen Vater, der mich durch Jes sum zu seinem Kinde annimmt, mit unges theilter Liebe und Dankbarkeit zu verehren, meine Ehrfurcht vor ihm in öffentlicher und häuslicher Andachtsübung zu bekennen, mich seinen Führungen, auch wenn sie duns kel und unbegreiflich sind, vertrauensvoll zu unterwerfen und den Verlust seines Wohl gefallens mehr zu scheuen, als die härtesten Entbehrungen und Trübsale, die mir drohen mögen? Wie könnte ich ein wahrer Christ seyn, ohne meine Mitmenschen so zu lies ben, wie mich mein Heiland liebt? Müßten nicht Kränkungen und Beleidigungen dersels ben, Handlungen der Härte und des Ulebelwollens gegen sie, Gleichgültigkeit bei dent Wechsel ihrer Schicksale, Versagen meiner Hülfe zur Linderung ihrer Leiden mich von Jesu scheiden und seiner Liebe unwürdig machen? Dürfte ich Vergebung meiner Süns den hoffen, wenn ich mich weigerte, denen zu verzeihen, die sich an mir verfündigten? Wie mein Erlöser that, will ich segnen und wohls *) 2 Tim. 2, 19. G 98 thun, wo ich es vermag, und selbst meinen Feinden Gutes erweisen. Nur so übe ich die Selbstverläugnung, die Willigkeit und Hin gebung im Dienste Gottes, die Treue in meinem Berufe und in der Nachfolge Jesu, die mich dem Ziele meiner ewigen Bestim mung entgegenführt und meine Seele des Genusses himmlischer Seligkeit fähig macht. Nur so werde ich ein wahrer Christ und einst ein Miterbe der Herrlichkeit meines Herrn. Mit diesem Tage des Heils, wo du, mein Erlöser, mich wieder in deine Gemeinschaft aufnimmst, beginne das Werk meiner Heis ligung. Unter deinem Schuße und Segen schreite es unablässig fort. Wende gnådig ab, was mich über meine Kräfte versuchen und mich wieder auf den Weg der Sünde verlocken könnte. Immer schwebe mir das Wort vor Augen, in dem du mir Segen und Fluch vorgelegt haft: Wer mich be kennet vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Bater. Wer mich aber verläugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Bater.*) Leite mich nun so, mein Herr, daß ich einst unter die Seligen komme, die du bekennen wirst. Amen. *) Matth. 10, 32. 33. 99 Gebetsübungen in der Kirche vor dem Abendmahle. Erstes Gebet. Herr! hier bin ich, mit Dank und Freude dein Abendmahl zu genießen, welches du in der letten Nacht deines Lebens zum Andenken deis nes blutigen Versöhnungstodes gestiftet hast. Mit gerührtem Herzen danke ich dir, daß du auch in den letzten Stunden deines Lebens noch an mich gedacht, daß du mir durch deinen Tod Gnade, Heil und Seligkeit erworben hast, jetzt komme ich, um mir die Früchte deiner Erlösung durch die Gedächtnißfeier deines Todes zuzueignen. Dabei fühle ich mich ums schlungen und aufgerichtet aus der Ernies drigung meines sündlichen Wesens von den Armen deiner Liebe, die das Leben für mich dahin gab. Ich vernehme aber auch den Donner des Gerichts in den inhaltsschweren Worten: Welcher unwürdig isset und trinket, der iffet und trinket ihm selber das Gericht, damit daß er nicht unter: scheidet den Leib des Herrn.*) Ach nicht ganz sicher bin ich vor diesem Gerichte, denn nur zu leicht zerstreut mich ein fremdartiger Eindruck, ein eitler Gedanke, nur zu schwach ist mein im Dienste der Sünde verwöhntes Herz gegen neue Versuchungen, nur zu schnell *) 1 Cor. 11, 29. G2 100 erkalten in mir die besten, heiligften Vors säße, nur zu oft habe ich nach lebhaften Rührungen der Andacht an deinem Tische mich deiner Liebe wieder unwerth gemacht. Doch du erwarbst mir nicht nur. Vergebung der Sünden, du willst mich auch durch deinen Geist im Besite dieser Gnade erhalten und in der Treue gegen dich befestigen. So bleibe bei mir in dieser heiligen Stunde und stehe mir bei in jeder Gefahr meiner Seele. Wer stårket mich, als du allein, Wer macht mein Herz von Sünden rein? Herr Jesu Christ, mein Troft und licht, Berwirf mein kindlich Flehen nicht. Zweites Gebet. Göttlicher Erlöser! du willst, daß ich dein Abendmahl würdig genießen soll, um des großen Segens recht gewiß und froh zu wers den, den du mir dadurch zugedacht hast; ach! mache du mich selbst recht geschickt zu dieser wichtigen Handlung, und erwecke in mir alle die Gesinnungen, die dir wohlgefallen. Laß mir jetzt die erbarmende Liebe Gottes, meis nes Vaters, laß mir deine großmüthige Auf opferung zu meinem Besten recht gegenwärtig seyn. Laß mich bedenken, wie groß das Elend war, aus welchem du mich errettet hast, und wie herrlich die Seligkeit ist, zu der du mich führen willst, wenn ich mich deiner Leis tung ganz anvertraue. Ja, dir verdanke ich 101 die Gewißheit meiner Begnadigung, die Ruhe meiner Seele, den Frieden meines Gewissens, die Kraft zur Heiligung, und die Hoffnung im Leben und im Sterben. Dieß alles laß mich jetzt recht fühlen, und, voll Dank und Freude, mich dir ganz übergeben. So lange ich noch lebe, will ich dich für meinen Mittler und Herrn bekennen, und jederzeit will ich dich durch Vertrauen und Gehorsam ehren. Deine Lehre soll mein Führer, dein Sinn das Nors bild meines Lebens, dein Tod der Trost meiner Seele, deine Auferstehung die Hoff nung meines ewigen Lebens seyn. O laß mich nur treu vor dir erfunden werden und schenke mir einen recht frommen, kindlichen, dir ganz ergebnen Sinn! Amen. Drittes Gebet. Herr Jesu! du lebteft die Deinen, die in der Welt waren, und liebtest sie treu bis ans Ende. Auch mich hast du geliebt, und dein Leben für mich in den Tod dahin ges geben; auch mir hast du eine Ståtte in den Wohnungen der Seligen bereitet. Daran läßt mich das Gedächtnißmahl deines Leis dens und Sterbens nicht zweifeln. So ges wiß ich jetzt das gesegnete Brod essen, und aus dem gesegneten Kelche trinken werde; so gewiß darf ich mich auch der Vergebung der Sünden, deiner Gnade, deiner fort dauernden Liebe und der frohen Hoffnung 102 des ewigen Lebens getrösten. Und mit mir trösten sich dieser Wohlthat alle diejenigen, welche jetzt als Tischgenossen bei deinem Liebesmahle erscheinen. Sie sind alle Kinder meines Vaters, sie sind alle deine Erlöfte, sie alle schmachten nach Gnade und Verges bung, an ihrer aller Herzen arbeitet unaufs hörlich dein Geist, sie alle laufen nach einem Ziele, nach dem Ziele des ewigen Lebens. Ihnen allen mill ich also wahre Bruderliebe erweisen, wie du ste mir, mein Herr, geboten haft. Ihre Fehler will ich dulden und vers zeihen, ihnen will ich helfen und dienen, wo ich weiß und kann; ihre Schwachheiten will ich schonend tragen, ihnen zum Besten will ich gerne meinen Vortheil und meine Bez quemlichkeit, sobald es nöthig ist, aufopfern. Mit ihnen will ich gemeinschaftlich den Weg des Lebens gehen, mit ihnen will ich mich der Vaterliebe Gottes und deiner Gnade, mein Heiland freuen, bis wir endlich alle in unser rechtes Vaterland kommen, wo wir in deiner Gemeinschaft ewig ein Herz und eine Seele seyn werden. Dazu verpflichte ich mich jetzt aufs neue an deinem Tische. O Jesu, du mein Herr und Gott! stärke mich von deinem Throne, und hilf mir diesen meinen Vorsak standhaft ausführen. Amen. 30/ 103 Kurze Gebete bei und nach dem Genusse des Abendmahls selbst. Gelobet fey Jesus Christus, der seinen Leib für mich freiwillig in den Tod gab, um mir den unentbehrlichen Trost der Vergebung der Sünde zu erwerben. Von nun an will ich als sein Eigenthum leben, denken und han deln. Nie will ich es vergessen, daß ich ihm meine ganze Glückseligkeit schuldig bin, und daß er meinen immerwährenden Dank vers dient. Hier bin ich, Jesu, zu erfüllen, Was du in deiner Leidensnacht, Nach deinem gnadenvollen Willen, Zur Pflicht und Wohlthat mir gemacht. Verleih zur Uebung dieser Pflicht Mir deines Geistes Kraft und Licht. Dank sey dir, göttlicher Heiland! daß du dein Blut zur Vergebung meiner Sünden vergossen hast. Von nun an will ich dir ganz angehören, stets will ich dein Verehrer seyn und bleiben; treu will ich dir folgen, und mit Freuden thun, was du geboten hast. Ich lebe nun und will mich Gott ergeben, Doch soll nicht ich, nein, Christus in mir leben. So lebe denn in mir, daß Alle sehen, Was an mir Urmen durch dich, Herr, geschehen. 104 Betrachtungen und Gebetsübun gen nach dem Genusse des Abendmahls. Lobpreisungen Jesu für die Stif tung des Abendmahls. Erhebe dich, mein Geist, zum frohen Danke, und beschäftige dich nun ganz mit der Lob preisung Jesu, deines Heilandes, den selbst erhabne Engel Gottes anbeten, und der auch dein Lob nicht verschmähet, wenn es aus einem redlichen, ihm völlig ergebnen Herzen kommt. O Jesu, ewig gepriesen sey die Güte und Großmuth, die dich bewog, zu meiner Rets tung den schmerzhaftesten Tod zu sterben. So lange die Erde stehet, müsse man an allen Enden dich preisen für den Segen, den du durch deine Erlösung über das ganze Menschengeschlecht verbreitet hast, und noch in jener Welt müssen deine vollendeten Vers ehrer dir danken für die unendlichen Wohl thaten deines Verdienstes! Dir allein habe ich es zu danken, daß ich. Friede mit Gott habe, daß ich die Strafen meiner Sünden nicht fürchten, daß ich der zukünftigen Se ligkeit mich schon jetzt rühmen und freuen darf. Ich bin darum begnadiget, weil du für mich gestorben bist; ich kann mich blos darum zu Gottes Kindern zählen, weil du mir seine Baterliebe verschafft haft. Ich 105 werde einst blos darum ein Erbe der Ses ligkeit im Himmel werden, weil du, mein Herr! im Himmel bist und mich einst das hin abrufen wirst. Du bist es allein, der noch jetzt für mein Heil sorget, und für meine Seligkeit unermüdet arbeitet. Und heute hast du mich abermals recht lebhaft versichert, daß ich an jenen Segnun gen und Wohlthaten Antheil haben soll, so, daß alle Zweifel, alle Bedenklichkeiten vers schwunden sind, und mein Herz nun völlige Beruhigung gefunden hat. Aus Herzens Grunde rufe ich daher aus: Meine Seele erhebe den Herrn, und mein Geist freue sich Gottes, meines Heilandes. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Doch nicht nur heute will ich dich loben, wo alles mich dazu auffordert, und wo meine Seele durch so viele Anregungen stärker als sonst gerührt worden ist; nein, ich will es auch alle künftigen Tage meines Lebens thun; denn der Segen deines Todes ist zu groß, das, was du für mich gethan und an mich gewandt hast, ist zu wichtig, als daß ich es jemals vergessen sollte. Ja, ich will dich nicht blos durch meine Lobgesänge preisen, ich will dich nicht nur mit meinem Munde rühmen, sondern preisen will ich dich durch ein reines edles Herz, das dem deinigen ähnlich ist. Preisen will ich dich durch stes 106 tes Kämpfen wider die Sünde, die mir noch anhångt; preisen will ich dich durch willige Befolgung deiner Vorschriften; preisen will ich dich durch bescheidne Demuth im Glücke, durch stille Gelassenheit im Unglücke; preis sen will ich dich durch die immerwährende Nachahmung deines Beispiels. So will ich dich mein ganzes Leben hindurch preisen, und wenn du mich einst mit der Schaar deiner Verehrer in jener bessern Welt vereinigen wirst, dann soll ewig dein Lob meine Freude seyn. Ermunterung, die bisher bemerk. ten Fehler abzulegen, und die entgegengeseßten Tugenden auszuüben. Wenn enn dir, lieber Mitchrist! der Genuß des Abendmahls recht heilsam seyn soll, so darfst du es nicht dabei bewenden lassen, daß du in diesen Tagen zur gründlichen Erkenntniß und Bereuung deiner Fehler gekommen bist, daß dich die erbarmende Liebe Gottes und Jesu mehr, als zu einer andern Zeit, rührte, und daß du mancherlei gute Vorsäße und Entschließungen gefaßt haß. Nun mußt du erst durch deinen ganzen Wandel zeigen, wie geſegnet, wie ermunternd diese heilige Hand lung für dich war. Laß es also nicht bei dem Versprechen, ich will mein Leben 107 bessern und frömmer werden, bewenden; sondern halte es auch gewissenhaft. Schränke deine Frömmigkeit und dein Besserwerden ja nicht blos auf die Beichts und Commu niontage ein, wie es leider von so Vielen geschiehet. Denn was an solchen Tagen sünd. lich ist, das ist allemal strafbar; was an solchen Tagen deine Schuldigkeit war, das ist es auch zu jeder andern Zeit; was du dir an solchen Tagen zur Pflicht machst, davon darfst du nie abweichen. Ja, du sollst eben in den künftigen Tagen beweisen, daß deine Buße und Besserung nicht Heuchelei war, und daß es dein redlicher, ernstlicher Wille sey, immer frömmer zu werden. Allen den Fehlern, welche du in diesen Tagen des stillen Nachdenkens und der Selbstprůs fung an dir bemerkt hast, mußt du gånzlich entsagen, und die entgegengesetzten Tugenden, die dir fehlten, eifrig ausüben. Gabst du dir sonst wenige oder gar keine Mühe, deine Religionskenntnisse zu erweitern und zu berichtigen, fandest du keinen Geschmack an stillem Nachdenken über die Religion, an fleißigem Lesen des göttlichen Worts; nun so wende jetzt mehr Fleiß an, den einigen wahren Gott und den, den er gesandt hat, Jesum Christum, so wie dessen vortreffliche Lehre, besser und vollständiger kennen zu lernen. Hast du sonst ein zerstreutes Leben geführt, bei welchem du selten zu dir selbst 108 kamft, felten über deinen Seelenzustand nach: dachtest; so ziehe dich nunmehr von deinen allzuhäufigen Zerstreuungen nach und nach. zurück, suche in stiller Eingezogenheit dich selbst beffer kennen zu lernen, und daran zu gewöhnen, die Uebungen der Andacht fleißiger abzuwarten. Hast du bisher die Ausübung des Christenthums blos als Nebensache behandelt, hast du sie auf Beten und Singen, auf Abwartung des öffentlichen Gottesdienstes eingeschränkt; so laß dein Leben nun einen beständigen Gottesdienst, eine immerwährende Erfüllung aller deiner Pflichten werden. Mache die Religion zu deiner beständigen Führerin und Leiterin, richte dich überall, du magst thun und vors nehmen was du willst, nach ihren Vorschrif ten, und dein äußerliches Bekenntniß müsse mit deinem ganzen Wandel übereinstimmen. Hast du bisher Gottes Gebote nur aus Zwang und aus Furcht vor seinen Strafen beobachtet: so gehorche ihnen nun aus Liebe und Dankbarkeit, daß man sehe, es werde dir nicht schwer, es koste dir gar keine Ulebers windung. Hast du bisher bei deinen Unternehmungen dich mehr auf deine Geschicklichs keit, Klugheit, und auf die Unterstüßung der Menschen, als auf Gott verlaffen, haft du den glücklichen Erfolg deiner Arbeiten nur dir selbst zugeschrieben: so sey in Zus kunft dankbarer gegen Gott, und erkenne, 109 daß alles Glück und aller Segen von ihm kommt. Hast du sonst die Sorge für das Wohl deiner Seele, für die Bildung deines Verstandes und für die Veredlung deines Herzens vernachlässiget; so laß es dir von nun an recht ernstlich angelegen seyn, das in dieser Hinsicht Versäumte nachzuholen. Hast du bisher deine Mitmenschen lieblos behandelt, hast du sie wegen ihrer Vorzüge beneidet, hast du dich der Ungerechtigkeit gegen sie schuldig gemacht, und sie durch harte Urtheile, oder durch Verläumdung ges kränkt: so mußt du nicht nur dieser rohen Selbstsucht entsagen, sondern dich auch der wahren Menschenliebe befleißigen und jene Fehler wieder gut zu machen suchen. Von nun an muß dir die Ehre, der gute Ruf und jedes Eigenthum deines Nächsten heiz lig seyn; du mußt ihm das alles zu erhals ten suchen, und dich über sein Glück und seinen Wohlstand freuen. Nie sollst du dich über Andre stolz erheben, sondern einen jes den bescheiden und herablassend behandeln, du sollst immer sanftmüthig, immer zum Berzeihen willig und bereit seyn. Hast du sonst dem Elenden, dem Nothleidenden gar keine Wohlthaten erwiesen, oder ihm blos Deswegen einige Erleichterung verschafft, um nicht von andern für hartherzig gehalten zu werden; so mußt du nun barmherzig seyn mit Lust, wie Gott, dein Vater, es ist; du 110 mußt gerne helfen und dienen, wie Jefus Christus, dein Herr, es that. Hast du dich sonst der Welt und ihren verderbten Sit ten gleich gestellt, und dich blindlings nach der Mode des großen Haufens gerichtet; so mußt du nun nur nach dem streben, was chrbar, was gerecht, was keusch und lieblich ist. Unterhieltest du sonst einen vertrauten Umgang mit schlechten Menschen, die durch ihre verderblichen Grundsäße und Beispiele dich verführten: so fliehe nun ihre Gesellschaft und suche die Freundschaft from mer, gutgesinnter Menschen, die dir auf dem Wege der Tugend forthelfen können. Warst du sonst der Wollust, dem Geize, dem Stolze, der leppigkeit oder andern sinnlichen Lüften ergeben: so erniedrige und entehre dich nicht mehr durch solche Laster, sondern kreuzige dein Fleisch sammt den Lüften und Be gierden.*) Warst du sonst in der Erfül lung der Pflichten, die dein Stand, dein Amt, dein Beruf dir auflegten, nachlässig, hast du da viel Gutes unterlassen, viel Bo ses gethan oder veranlaßt: nun so sey in Zukunft desto treuer, emsiger und gewissenhafter in alle dem, was dein Beruf von dir fordert, und denke immer, daß du ein Werks zeug in der Hand der Vorsehung bist, und daß du von den dir anvertrauten Kräften und Fähigkeiten einst mußt Rechenschaft ab. *) Gal. 5, 25. 111 legen. Hast du sonst wenig an Tod, Grab und Ewigkeit gedacht, waren dir das ganz fremde und unangenehme Dinge: nun so mache dich von Stund an bekannter und vertrauter mit ihnen, und lerne die große Weisheit, so zu leben und so zu handeln, wie du einst in den letzten Stunden deines Lebens gewiß wünschen wirst, gelebt und gehandelt zu haben. Arbeitest du so an der Ausrottung deiner Fehler, übst du dich so in christlichen Tugenden, daß in deinem Sinne und Wandel des Bösen immer weniger und des Guten immer mehr wird; o dann wirst du wirklich besser und frömmer werden, dann wirst du Gott ges fallen, und er wird mit deinen Schwach heiten Geduld haben; dann wirst du mit Jesu, deinem Heilande, in der seligsten Ges meinschaft stehen. Laß dich übrigens deine oft gefühlte Schwäche nicht abschrecken, mit unwandelbarem Eifer an der Ausführung deiner guten Vorsäße zu arbeiten. Ist nur guter, redlicher Wille bei dir da, so wird dich Gott mit seiner Gnade mächtig unters stüßen, und dir alle Hindernisse glücklich überwinden helfen. Denn Gottes Kraft ist auch in den Schwachen mächtig. 112 Ermunterung zur Wachsamkeit über die gefaßten guten Vorsäge. Gott! ich habe bei dem Genuß des Abendmahls dir und deinem Sohne, Jesu Christo, neue Treue gelobt; ich habe abermals die besten Entschließungen für die Zukunft ges faßt. Es ist mein ernstlicher Wille, nach den Vorschriften und nach dem Muster Jesu zu leben, und stets gewissenhaft meine Pflich ten zu erfüllen. Aber ich erschrecke, wenn ich an meine Schwachheit denke, wenn ich überlege, wie leicht, wie bald ich wieder zur Sünde hingerissen werden kann. Ich fühle jetzt mehr als jemahls die Wahrheit des Wortes Jesu: Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.*) Traurige Erfahrungen haben mich furchtsam gemacht, und ich fürchte mich vor meinem eigenen Herzen, das seine schwache Seite schon so oft zu meiner Demüthigung gezeigt hat. Auch kann ich mir leicht vorstellen, daß es mir in Zukunft keinesweges an mancherlei Reis zungen zum Bösen fehlen wird, da ich in einer Welt lebe, in der ich von allen Seis ten mit bösen Beispielen umgeben bin und deren, oft unbemerkten, schädlichen Einfluß schon erfuhr. Ach Gott!-nur deine Gnade ist mein Trost, diese muß mich unterstüßen, Matth. 26, 41. 113 wenn das angefangene Werk meiner Besses rung einen glücklichen Fortgang haben soll. Doch, ich will auch auf meiner Seite alles redlich thun, was in meinen Kräften stehet; ich will die wahre Klugheit und Lebensweis heit lernen, welche zur sichern Führung des Christenthums so nöthig ist. Vor allen Dins gen will ich die guten Eindrücke, welche mein Gemüth in diesen Tagen empfing, sorgfältig bewahren; denn sie sind der erste zarte Keint zum Wachsthum im Guten. Fromme Ges danken, heilsame Entschließungen will ich sorge fältig nähren, damit sie immer fester werden, und nicht wieder verschwinden, sondern in gute Gesinnungen und Neigungen übergehen. Nie will ich die Ausführung eines guten Vors sages wieder aufschieben, denn die Erfahrung hat mich schon gelehrt, daß sie dann leicht ganz unterbleibt. Entstehen in meiner Seele böse Gedanken, erwachen in mir fündliche Bes gierden, deren ich mich vor Gott und Mens schen schämen muß: so will ich sie gleich uns terdrücken, damit sie nicht noch mehr Gewalt bekommen und dadurch gefährlicher für mich werden. Waren manche Gesellschaften und manche Derter mir sonst schädlich, lernte und sahe ich da nichts Gutes; so will ich alle diese Gelegenheiten zum Sündigen fliehen, ich will mich von allen den Menschen entfernen, die schlechte Grundsäße hegen, die die Religion gering schäßen und ein sittenloses H 114 Leben führen. Nie will ich mir, wie sonst, zu viel zutrauen, immer will ich denken, wer da stehet, der sehe zu, daß er nicht falle.*) Ich will mirs täglich vorhalten, daß derjes nige gemeiniglich dem Fallen am nächsten ist, der sich einbildet, es habe mit ihm keine Noth, er sey in der Tugend schon fest und geübt genug. Gern will ich von redlichen Christen guten Rath, Warnung, Ermahnung und Zus rechtweisung annehmen. Ich will mir ihre långere Erfahrung zu Nuße machen, ihnen will ich mein Herz öffnen; und wenn sie mich auf meine Fehler aufmerksam machen, so will ichs ihnen Dank wissen, und ihre fromme Treue mit williger Folgsamkeit belohnen. Ja selbst den gegründeten Tadel meines Gegners will ich nicht übersehen, sondern mir ihn zur Bes serung dienen lassen. Oft will ich mich mit dem aufmerksamen Lesen des göttlichen Wors tes beschäftigen, um mich dadurch im Guten zu befestigen. Jede Ermahnung, jede Wars nung, die mich rührt, soll mir den ganzen Tag über gegenwärtig bleiben, soll mich als Schußengel bei allem, was ich thue, und überall wo ich hingehe, begleiten. Mit glei chem anhaltenden Eifer will ich täglich die Uebung des Gebets vornehmen; ich will mir gern eine Stunde von meinen Geschäften ab. brechen, um das selige Vergnügen, mit Gott umzugehen, genießen zu können. Da will ich *) 1 Cor. 10, 12. 115 mich vor den Augen des Allwissenden prüfen da will ich mich täglich in meinen guten Ents, schließungen stärken, und vorzüglich immer aufmerksam darauf sehen, ob ich im Guten abs oder zunehme. Wenn ich so stets auf mich selbst aufmerksam bin, wenn ich so tåge lich die Uebungen der Andacht fortsetze: dann wird mir unter Gottes gnådigem Beistande das Werk meiner sittlichen Besserung gewiß gelingen. Der Saame zum Guten wird ime mer tiefer Wurzel schlagen, und das Werk Gottes in meiner Seele wird glücklich forts gehen. Nicht leicht werde ich dann die ges rade Bahn der Tugend und Glückseligkeit verlassen: nicht leicht werde ich auf die krums men Wege der Sünde und des Verderbens übertreten. Ach Herr! lehre du mich selbst deine Wege, leite mich deine Steige, erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Stehe mir bei im Kampfe wider die Sünde; hilf mir alles meiden, als les ablegen, was dem Geiste des Christens thums zuwider ist. Hilf mir, dir getreu zu bleiben bis in den Tod. Siehe, Herr! ich lasse dich nicht, du segnest mich denn! Amen. Das Abendmahl, als ein Erin: nerungsmittel an den Tod und an die selige Unsterblichkeit. Der heutige Tag, an welchem ich das Ge dächtnißmahl Jesu gefeiert habe, ist mir von H2 116 vielen Seiten wichtig und erwecklich gewesen, und ich kann ihn mit Recht als einen Tag des Heils für meine Seele betrachten. Aber, wer weiß, ob ich noch viel solche Tage werde feiern können, da alles um mich herum eben so hinfällig und vergänglich ist, als ich selbst bin. Wer weiß, ob ich noch lange lebe, ob das Ziel meiner irdischen Wallfahrt nicht nahe ist? Jetzt bin ich zwar noch gesund und muns ter, aber wer kann mich vor Krankheit schüßen? Jetzt führe ich noch ein frohes zufriedenes Les ben, aber wer ist mir Bürge dafür, daß in Zukunft gar keine Leiden mich treffen wers den? Jetzt kann ich zwar dem Anscheine nach noch auf ein långeres Leben hoffen, aber wer weiß, ob nicht die letzte Stunde meines Les bens bald und plößlich schlagen kann? Nun, es gehe, wie du, mein Gott! willst, und es für gut befindest; meine Zeit, und alle meine Schicksale, stehen ja in deinen Händen. Deine Weisheit, die am besten einsieht, was mir nüßlich ist, hat mir auch Glück und Unglück, Freude und Traurigkeit zugewogen. Wohl mir, daß ich mit dir, dem Herrn meines Les bens und aller meiner Schicksale, in Frieden stehe, und daß ich heute durch den Genuß des Abendmahls noch mehr davon versichert worden bin. Nun weiß ich, daß denen die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen. Sollten mich in Zukunft Leiden und Widers wärtigkeiten treffen, sollte meine Ruhe, meine 117 Zufriedenheit durch kummervolle Tage ge stört werden; nun Herr! dein Wille geschehe. Schenke mir nur Geduld und Gelassenheit, schenke mir nur festes Vertrauen auf deine Vaterliebe, und flöße mir selbst die stille Zufriedenheit mit allen deinen Führungen ein, durch die selbst jedes Leiden leichter wird. Soll ich vielleicht nicht lange mehr leben, soll ich das Abendmahl Jesu nicht mehr mit meinen Brüdern auf Erden feiern: mohl mir, daß ich es heute noch habe thun können. Nun weiß doch die Welt, daß ich ein Christ bin, der sein Vertrauen auf Jesum setzt, nur von ihm seine Glückseligkeit erwartet, daß ich mich nicht geschämet habe, ihn für meinen Heiland und Herrn, für meinen Mittler und Selige macher öffentlich zu bekennen. Wohl mir, daß ich mich heute von neuem in der Hoff nung des ewigen Lebens habe befestigen können. Gott mag mich nun abrufen, wenn er will, ich fürchte den Tod nicht, denn Jesus hat ihm die Macht genommen. Mir ist nicht bange vor dem künftigen Schicksale meiner unsterblichen Seele. Ich will sie dir, mein Vater! in Zeiten befehlen, und im letzten Augenblicke noch Jesu, meinem Herrn, die Worte nachsprechen: Bater, in deine Hände befehle ich meinen Geist. Mir ist nicht bange bei dem Anblicke des Grabes, und bei den Gedanken an die Verwesung, denn Jesus ist die Auferstehung und das Leben. Er 118 wird auch meinen sterblichen Leib einst in einen unsterblichen verwandeln und ihn so seinem verklärten Leibe ähnlich machen. Mir ist nicht bange vor dem Scheiden aus dieser Welt, denn ich komme in eine beßre Welt, wo mein rechtes ewiges Vaterland ist. Mir ist nicht bange vor der Trennung von meinen Lieben, denn ich komme zu Jesu, und der wird sie einst zu mir versammeln und mich auf eivia wieder mit ihnen vereinigen. D barmherziger Gott! laß diese Hoffnung mich stets beleben, und mich stets antreiben, durch tugendreichen Glauben, durch ein frommes Herz und durch ein heiliges Leben zur Se ligkeit immer fähiger zu werden. Laß michs nie vergessen, daß ohne Glauben, Tugend und Heiligkeit keine Seligkeit für mich möglich ist, daß ich hier Christo, meinem Herrn, nach folgen, und ähnlich werden muß, wenn ich dort an seiner Herrlichkeit Antheil nehmen will. Soll ich also nach Gottes Willen das Gedächtnißmahl Jesu, das Fest meiner Uns sterblichkeit, nicht mehr auf Erden feiern; nun wohlan, mein Wandel ist im Himmel. Ich kenne den Weg, der dahin führet. Ja, ich bin schon selig hier im Glauben. Nichts wird mir meine Krone rauben. Ich werde dort, mit Herrlichkeit umgeben, Einst ewig leben. Amen. 119 Abendgebetam Communiontage. Noch einmal, guter Gott! bringe ich dir heute die Opfer des Danks, da sich der Tag zu Ende neiget, an welchem du mich mit so viel Gnade und Segen beglückt haft. Du haft Großes an mir gethan, deß bin ich fröhs lich, und mit Freuden widme ich vir noch die letzten Augenblicke dieses Tages, um dir für alle deine Gnade demüthig zu danken. Vorüber ist der Tag der frommen Freude, an welchem ich das Liebesmahl Jefu genoß, an welchem ich neue Versicherungen von der Vergebung meiner Sünden empfing, an wel chem mein Glaube gestärkt, meine Gottes: und Menschenliebe vermehrt, und meine Hoff nung auf das bessere, ewige Leben gegrüns deter wurde. O möchte dieser Segen recht dauerhaft seyn: möchte er mich ins Grab und in die Ewigkeit begleiten! Gewiß, ich würde meine Schuld und meine Verantwors tung an jedem Tage vermehren, wenn ich den Segen dieses Tages nicht in mir zu ers halten suchen wollte. Stärke und befestige nur alle die guten Rührungen und Empfins dungen, die heute und diese Tage über durch den Vortrag deines Wortes, durch Gebet und Gesang in mir rege geworden sind, und gieb ja nicht zu, daß die guten Eindrücke wies der verlöschen. Laß mich vielmehr nun mit 120 neuer Kraft hingehen, und das thun, was du mir befohlen hast; gieb, daß ich alle meine ges faßten Entschließungen standhaft ausführe. Laß mich stets so leben, wie es einem Christen geziemt, der behauptet, daß er dich und deinen Sohn, Jesum Christum, von ganzem Herzen liebe und ehre; der vorgiebt, daß er mit dir und Deinem Sohne in Gemeinschaft stehe. Dir, o du Vater meines Lebens, übergebe ich mich mit allen meinen Schicksalen aufs neue: denn ich habe ja doch keinen bessern und treuern Freund im Himmel und auf Erden, als dich. Führe mich nun ferner an deiner Vaterhand durch dieses Leben hindurch, und verlaß mich nicht, so lange ich hier in der Sterblichkeit walle. Dir will ich leben, dir will ich sterben; und so werde ich mich sterbend und lebend deiner Gnade freuen und trösten können. Amen. 121 Betrachtungen für junge Chris sten, die das Abendmahl zum ersten Male genießen. Dankgebet für die in den Jahren der Kindheit und Jugend ge noffenen Wohlthaten. Gott! deine Güte hat mich nun die Jahre erleben lassen, wo ich anfange, über mich selbst nachzudenken, wo ich im Stande bin, die vielen Wohlthaten recht schätzen zu lernen, die du mir von dem ersten Augenblick meines Lebens, bis auf diese Stunde, erwiesen hast. Du warest es, der mir das Leben, die erste und größte aller Wohlthaten, gab, und du hast es mir bis hierher gefristet, da doch so viele Kinder, die mit mir von gleichem Alter waren, schon lange ein Raub des Todes geworden sind. Du hast mir so manche Krankheit, die mich in meinen Kinderjahren traf, glücklich überstes Hen helfen, ohne daß sie mir schädlich wurde, ohne daß sie nachtheilige Folgen für meine Ges sundheit zurück ließ. Recht eigentlich muß ich also von dir rühmen: Du, o Gott, haft Le ben und Wohlthaten an mir gethan, und dein Aufsehen hat meinen Odem bewahret. Tausendmal hätte ich aus Unvorsichtigkeit, 122 oder Leichtsinn, oder durch Nachlässigkeit ans derer Menschen Schaden an meinem Körper oder an meiner Gesundheit nehmen können, wenn deine Vorsehung nicht über mich ges wacht, nicht manche Gefahr, die ich selbst nicht kannte und bemerkte, von mir abges wandt hätte. Ja, Gott! es ist ganz dein Werk, daß ich noch lebe, daß ich mich mit fro her Munterkeit meines Daseyns freuen kann, Du hast mich lassen von christlichen Aeltern geboren werden, die mich innig liebten, die keinen Fleiß, keine Mühe, selbst keine Kosten sparten, um mich gut zu erziehen, um aus mir ein recht brauchbares, nüßliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft zu machen. Du haft mir Kräfte und Fähigkeiten gegeben, daß ich den Unterricht, den man mir gab, leicht fassen, und so immer einsichtsvoller wers den konnte. Was würde aus mir gewors den seyn, wenn der Tod mir früh meine Aeltern geraubt, und wenn ich Niemanden gehabt hätte, der sich um meine Erziehung und Bildung bekümmert hätte. O wie lieb hast du mich gehabt, wie våterlich haft du für mich geforget! Bisher hat es mir an nichts gefehlt, was ich zur Erhaltung meines Les bens und zur Bildung meiner Seele brauchte. Ich weiß noch nicht, was Sorge und Kummer ist, von dem allen habe ich bisher wenig oder nichts erfahren, das sind Dinge, die ich blos dem Namen nach kenne. Am meis 123 sten aber muß ich dich preisen, daß du mich schon von Kindheit an zu einem Christen gemacht hast. Bald nach meiner Geburt bin ich durch die Taufe unter die Zahl der Christen aufgenommen worden. Schon da habe ich Antheil an deiner Gnade, Antheil an dem ganzen Segen des Christenthums erlangt. Frühzeitig wurde ich mit den Lehren der Religion bekannt gemacht; frühzeitig lernte ich Jesum, meinen und aller Menschen Ers löser, kennen, der einst auch ein so großer, liebevoller, herablassender Kinderfreund war, und der so viel für mich und alle Menschen gethan und gelitten hat; frühzeitig wurde mir schon der Weg zur Tugend durch Lehre und Beispiel gezeigt, da wurde mir schon ges sagt, daß ein frommes Leben bei Gott und Menschen angenehm macht. Und nun bin ich durch deine Güte, o Gott! so weit heran gewachsen, und so weit in meinen Religions kenntnissen gekommen, daß ich nun selbst ein öffentliches Glaubensbekenntniß ablegen, daß ich nun selbst mit Uleberzeugung diejenigen Versprechungen wiederholen kann, die ehes mals meine Taufzeugen an meiner Stelle gethan haben. Gott wie soll ich dir für alle diese Wohlthaten danken? wie soll ich dich demüthig genug dafür preisen? Herr, wer bin ich, daß du mich bis hieher gebracht hast? ich bin viel zu geringe aller Barmherzigkeit und Treue, die du an mir gethan haft. Gewiß, 124 ich wåre deiner Huld und Vaterliebe nicht werth, wenn meine Seele nicht gerührt, wenn sie nicht des innigsten Dankes gegen dich voll wåre. Ja, ich fühle es, wie viel ich dir schuldig bin, dir, von dem alle gute Gabe kommt. Ich fühle es besonders jetzt, wo ein neuer wichtiger Abschnitt meines Lebens angeht, und wo ich nun unter die erwachsenen Christen treten soll. Nun, ich will mich in Zukunft durch ein frommes Leben und durch die gute Anwendung meiner Jugendjahre recht dankbar beweisen. Ich will zeigen, daß ich Gott, meinen ersten und größten Wohlthäter recht kindlich liebe, und daß es mir Freude ist, seinen Geboten eben so willig als pünklich zu gehorchen. Selbstprüfung und Demüthigung vor Gott. Herr, err, mein Gott! gedenke nicht der Sünden meiner Jugend, noch meiner Uebertretungen. So muß ich mich heute vor Dir demüthigen, da ich über mich selbst, über meine bisherige Aufführung im Stillen nachdenke; da ich mich vor Dir und meinem Gewissen prüfe. Zwar habe ich nur erst wenig Jahre in der Welt gelebt: und doch habe ich auch in diesem Zeits raume schon sehr viele Sünden begangen, die ich mir selbst nicht verhehlen kann, und deren Strafbarkeit ich lebhaft genug fühle. An Uns terricht, an guten Ermahnungen haben es 125 meine Aeltern und Lehrer nie fehlen lassen; aber ich habe diese Wohlthaten, die so viele entbehren müssen, nicht immer genug geschätzt. Ich bin nicht immer so aufmerksam und folg sam gewesen, als ich hätte seyn sollen. Du o Gott! hast mich viel Gutes genießen lassen, Du hast mir viel frohe Stunden geschenkt; und doch habe ich Dir, guter Vater! nicht immer kindlich gedankt, Dich nicht immer herz lich geliebt. Oft beging ich Böses, ob ich gleich schon wußte, daß es unrecht und sünd: lich war; und wenn ich mich ja dabei vor Menschen schämte und scheute, so fehlte es mir doch an wahrer Ehrfurcht gegen Dich. Oft habe ich meinen Aeltern Kummer und Vers druß gemacht, ich habe ihnen das ohnedem mühsame und beschwerliche Geschäft meiner Erziehung noch mehr erschweret. Bald habe ich aus Eigensinn, bald aus Leichtsinn, bald aus Ungehorsam sie beleidiget, und so ihre vorzügliche Liebe und Sorgfalt mit Undank vergolten. Meinen Geschwistern und Ges spielen habe ich mehrmals ein böses Beispiel gegeben; bald habe ich sie wegen einiger Vors züge beneidet, bald sie zu verkleinern gesucht. Gegen alte Personen, die mir wegen ihrer Jahre und wegen ihrer größern Erfahrung hätten ehrwürdig seyn müssen, bin ich bei weitem nicht so ehrerbietig gewesen, als ich håtte seyn sollen. Oft habe ich ihre gutges meinten Warnungen nicht geachtet, und ihre 126 liebreichen Erinnerungen in den Wind ges schlagen. Wahrscheinlich würde ich noch mehr und noch öfterer Böses gethan haben, wenn ich nicht immer wåre beobachtet worden, wenn man mich nicht von schlechten Gesellschaften abgehalten håtte. Oft war ich unzufrieden über jede mir nützliche Einschränkung; oft murrte ich, wenn meine eigensinnigen kindis schen Wünsche unerfüllet blieben; oft tadelte ich insgeheim meine Aeltern und Lehrer, wenn sie meinen Eigenwillen beugten, ob ich gleich nun wohl einsehe, daß alles dieses für mich sehr gut war. Gott! was würde aus mir geworden seyn, wenn ich unter keiner Zucht, unter keiner Aufsicht gewesen, wenn ich wie ein wilder Dornstrauch aufgewachsen wäre. Oft, sehr oft habe ich also gesündigt, und bin nicht werth, daß ich dein Kind heiße. O Gott! höre nicht auf, meiner erbarmend zu schonen, da ich als dein reuvolles Kind zu dir zurücks kehre. Wehmüthig bitte ich dich um Verges bung aller meiner Sünden, die ich theils mit Vorsatz, theils aus Mangel an Ueberlegung begangen habe. Sen mir gnädig um Jesu willen, der auch für mich gestorben und auferstanden ist. Und wenn ich nun das erstemal ein öffentliches Bekenntniß meiner Sünden ablege; so laß michs mit inniger Reue und Wehmuth thun. Laß dir aber auch meine Reue und Buße wohlgefallen; höre mein kindliches Flehen um 127 Gnade, die ich so sehr bedarf, und laß mich die Kraft des Verdienstes Jesu recht zur Beruhigung meines Herzens empfinden. Und da ich nun mit andern Christen das Abendmahl meines Erlösers genießen soll, so laß mich mit redlichem Herzen dir und deinem Sohne neue Treue, neuen Gehorsam anges loben; und lehre mich in Zukunft das mit Freuden thun, was dir wohlgefä/ 4. Amen. Die Wichtigkeit des ersten Abendmahlsgenusses. Du nahst dich heut zum ersten Male dem Altare des Herrn, um mit andern Christen sein Abendmahl zu genießen. Dieser Schritt hat die größte Wichtigkeit für dein Leben vor Gott und unter den Bekennern Jesu. Bisher lerntest du, daß Gott dein Schöpfer und Vater, der Herr deines Lebens und der höchste Richter über deine Gedanken und Hand lungen ist, daß er Jesum, seinen Sohn, auch dir zum Heiland und Erlöser geschenkt hat, daß sein Geist dein Herz regieren und dich seiner Gnade würdig machen soll. Die Größe der Wohlthaten, mit denen Gott dich segnete, das heilige Leben Jesu und sein unaussprechlicher Verdienst um dein Heil, die Wahrheit seiner Lehre und der Ernst seiner Gebote ist dir bekannt. Du weißt es, nur der Glaube an Jesum und die Folgsamkeit gegen den 128 Willen Gottes, den er verkündigt hat, kann dich selig machen. Diese Erkenntniß soll nur That und Leben werden. Deine Ueberzeugung von ihrer ewigen Wahrheit, deinen Entschluß, Gott in Chrifto zu verehren, zu lieben und ihm kindlichen Ges horsam zu leisten, deine Willigkeit, dich in allen Dingen seiner Führung zu unterwerfen, erklärst du efentlich, indem du mit seiner Ges meinde das heilige Abendmahl feierst. Du empfängst in dem Leibe und Blute des Herrn das Unterpfand deiner Herzensgemeinschaft mit ihm und allen seinen wahren Bekennern. Welche große, entscheidende Veränderung geht also bei dieser heiligen Handlung mit dir vor! du wirst dadurch ein Kind Gottes, ein Erbe seiner Gnade in Christo, ein Glied seiner Ges meinde auf Erden und im Himmel. Duübers nimmst und gelobst die Pflicht der unverbrüchs lichen Treue gegen ihn und sein Wort. Empfindest du auch den hohen Werth der Segnungen, die dir zu Theil werden, die Würde und Seligkeit deines Gnadenstandes in Chris sto? Hast du Kraft und Ernst genug, die übers nommenen Pflichten gewissenhaft zu erfüllen? O, siehe auf Jesum, den Anfänger und Vollender unsers Glaubens! Gehe ihm nach in Unschuld und Frömmigkeit! Bemühe dich, ihm in deinen Gesinnungen und Handlungen immer ähnlicher zu werden! Liebe ihn über Alles, um die Kraft seines Geistes an dir selbst 129 zu erfahren! In ihm liebst du Gott, durch ihn kommst du zu Gott, mit ihm wirst du ein Genosse aller wahren Christen und ein Freund der Menschen. Nun willst du ihnen dienen, wie sie bisher dir geholfen und wohl gethan haben. Nun leistest du gern, was die Pfleger und Führer deiner Jugend von dir Gutes erwarten. Nun freu'st du dich, tåglich zuzunehmen an Weisheit und Gnade vor Gott und den Menschen. Ist dein Herz so bereitet zum Abendmahle des Herrn, so wirst du es würdig und zum Segen deiner Seele genießen. Der Geist Gottes wird dich regieren und dir diesen Tag zu einem Bürgen deines Heiles machen, dessen du dich noch im Alter mit Dank und Freude erinnern kannst. Ermunterung für junge Christen, über die Unschuld des Herzens und über die Reinigkeit der Sitten zu wachen. Nachdem du, lieber junger Mitchrift, nun öffentlich das heilige Abendmahl genoffen hast, und unter die Zahl der erwachsenen Christen aufgenommen bist; so mußt du nun auch dem Christenthume durch einen frommen und tus gendhaften Wandel Ehre machen. Du wirst nun nicht mehr, wie in den verfloßnen Jahren, J 130 unter der beständigen Aufsicht deiner Aeltern und unter der Leitung deiner Lehrer stehen; du wirst mehr dir selbst überlassen seyn; du wirst mit verschiedenen Arten von Menschen umgehen müssen, denen du nicht immer ganz trauen kannst; du wirst mehreren Reizungen zur Sünde, und stårkern Versuchungen zum Laster, als bisher, ausgesetzet seyn. Dieß alles muß dich antreiben, stets über die Uns schuld deines Herzens und über die Reinig keit deiner Sitten zu machen. Du hast jetzt zwei Wege vor dir: den Weg der Tugend und den Weg des Lasters. Wähle ohne Bedenken den erstern, und fliche mit der größ ten Sorgfalt den lettern, der endlich alle die, welche darauf wandeln, in unausbleibliches Verderben stürzt. Bedenke also ja, was zu deinem Frieden dienet, und laß dich nicht vers führen. Laß dich nicht durch die vielen Beiz spiele lasterhafter Personen hinreißen. Fliehe jede Sünde als eine Feindin deiner Glück seligkeit, sollte sie dir auch anfänglich noch so viel Freude versprechen! Traue ihren Lockuns gen nicht, denn sie ist einem süßen Gifte gleich, das seine schädlichen Wirkungen nicht gleich, aber in der Folge desto empfindlicher äußert. Erzittre vor dem ersten Schritte, mit ihm sind schon die andern Tritte, zu einem nahen Fall gethan. Fliehe besonders die Lüste und Fehler, die der Jugend eigen, die desto vers derblicher sind, je weniger sie gemeiniglich ges 131 achtet werden. Fliehe den Leichtsinn, den Müssiggang, die Eitelkeit, und besonders die Sünden der Unkeuschheit, welche Leib und Seele zu Grunde richten. An Reizungen, selbst an gefährlichen Versuchungen zu diesen Sünden, wird es dir wahrscheinlich nicht fehlen. Aber weiche ihnen aus, so lange du kannst, und traue ja deinen schwachen und ungeübten Kräften nicht zu viel zu. Verabscheue jede That, jede Regung deiner Sinnlichkeit, deren du dich vor Gott und Menschen schämen mußt, sollte sie auch gleich verborgen und unbekannt bleiben. Unterhalte sorgfältig in deinem Hers zen die edle Schaam und Scheu vor allem, was böse, was schåndlich, was unanständig ist; denn diese Schaamhaftigkeit wird die Wächterin und Beschüßerin deiner Unschuld seyn. Befleißige dich in deinem äußern Wans del überall der Ehrbarkeit, und meide alles, was anstößig ist, was deinem guten Rufe schaden und dich um die Achtung guter Menschen bringen könnte. Strebe aus allen Kräf ten nach dem, was wahrhaftig, was ehrbar, was gerecht, was keusch, was lieblich ist; ist etwa ein Lob, so suche es zu erlangen, ist etwa eine Tugend, so übe sie aus. Denn Tugend ist die Zierde des Menschen und der Seele ewiges Glück. Meide stets den vers trauten Umgang mit lasterhaften Menschen, mit solchen Personen, die Gottes leichtsinnig vergessen, die frevelhaft über die Religion J2 ♥ 132 spotten, die mit frecher Stirne die Tugend lächerlich machen und darauf ausgehen, ans dern den Trost im Leben und die Hoffnung der ewigen Seligkeit zu rauben. Schließe dich hingegen an fromme gute Menschen an, höre auf ihre Warnungen, befolge ihre Ers mahnungen, und benuße ihren guten Rath, den sie dir aus eigner langer Erfahrung zur Führung deines Christenthums geben. Vor allen Dingen aber habe stets Gott vor Aus gen, und hüte dich, daß du in keine Sünde willigest. Ohne Gottes Gnade und Segen kannst du nie glücklich werden, nie zufrieden leben. Suche also stets die Freundschaft des Ewigen, die wird dir weit mehr nüßen, als die Gunst der Menschen, ob du gleich auch diese nicht vernachlässigen darfst. Mache Got tes Wort zur Nichtschnur deines Lebens und Wandels, denn nur alsdann gehet ein Jungs ling seinen( eine Jungfrau ihren) Weg uns sträflich, wenn er( wenn sie) sich hålt nach Gottes Wort. Verabsäume nie das auf merksame Lesen des göttlichen Wortes, die stille Uebung des Gebets, und die Abwartung des öffentlichen Gottesdienstes; laß vielmehr Dieß alles die tägliche Nahrung deiner Tus gend und Frömmigkeit seyn, und wähle dir oft ruhige Zeitpunkte, um dich ernstlich mit diesen Uebungen zu beschäftigen. Wirst du so alles thun, was in deinen Kräften steht, um die Unschuld deines Herzens und die Reins 133 heit deiner Sitten zu bewahren; so wird Gott gewiß mit Wohlgefallen auf dich herabsehen, und dich segnen. Sein Geist wird dich leis ten und führen auf der Bahn der Tugend, er wird dich im Kampfe wider die Sünde stärken, und dir jede Uebung deiner Pflicht durch seinen heiligen Beistand erleichtern. Gottes Segen wird alsdaun auf dir ruhen, und niemals von dir weichen. O darum bleibe stets fromm, und halte dich recht, so wird dirs wohl gehen. Freue dich deiner Jugend, genieße froh und unschuldsvoll dein Leben; vergiß aber nicht, daß dich Gott um Alles wird vor Ge richte bringen. Betrachtung für Aeltern, deren Kinder zum erstenmal das Abendmahl genießen. Für ür dich, christlicher Vater! für dich christ liche Mutter! ist der heutige Tag, an wels chem dein Kind zum ersten Male das Ges dächtnißmahl Jesu genießet, ein recht wichtiger, feierlicher Tag, ein Tag, der dir zu den heilsamsten Betrachtungen Veranlassung geben kann. Du hast dieses Kind schon ehemals, bald nach seiner Geburt Gott und seiz nem Erlöser, Jesu, in der Taufe zum Eigen thum dargebracht, du hast dich schon da mals anheischig gemacht, dieses Kind zur 134 Ehre Gottes, und im Glauben an den Ers löser der Welt, gut und christlich zu erziehen. Unter Gottes gnådigem Beistande, unter viel Sorge und Mühe, aber auch unter dem Ges nuffe mancher häuslichen Freude hast du es groß gezogen. Dankbar wirst du also heut ausrufen: bis hierher hat der Herr gehol fen; dankbar wirst du Gott preisen für den Segen, womit er bisher deine Bemühungen beglückt hat. Wohl dir, wenn diese Pflanze unter deiner Aufsicht erwünschtes Gedeihen hatte; wohl dir, wenn du bei der Erziehung und Bildung deines Kindes nichts versäumet, nichts unterlassen hast, was du jetzt nicht mehr nachholen kannst. Wohl dir, wenn die Seele deines Kindes noch rein und unverdorben ist, wenn es die Sünde und das Lafter noch nicht aus eigner Erfahrung kennt. O danke Gott, daß er dir Kraft und Weisheit zur glücklichen Erziehung deines Kindes gab, daß er deine Bemühungen segnete, daß er dich nicht allein arbeiten ließ. Hast du aber hie und da, bei der Erziehung deines Kindes etwas vers sehen, hast du durch dein Beispiel, durch uns vorsichtige Reden, durch Mangel Auf merksamkeit, hast du durch allzugroße Strenge, oder durch übertriebene Nachsicht selbst zur Verschlimmerung deines Kindes etwas beis getragen, o dann hast du allerdings Ursach, mit dir selbst unzufrieden zu seyn, dir selbst Vorwürfe zu machen, und dich deswegen heut 135 reuvoll vor Gott zu demüthigen! Willst du aber das, was du bisher versäumet hast, wieder gut machen, nun ſo thue in Zukunft deine Pflicht desto eifriger. Glaube nicht, christlicher Vater oder Mutter! daß nun die Sorge für die Ers ziehung deines Kindes aufhöre, wenn es das Abendmahl genoffen hat. Nein, deine Bemü hungen für sein Wohl müssen sich nun verdops peln. Betrachte dein Kind auch jetzt noch als einen Anfänger im Christenthume, der stets einen Führer und Leiter nöthig hat, wenn er nicht straucheln und fallen soll. Siehe sorgfältig darauf, daß es seine Religionskenntnisse von Tage zu Tage erweitere und berichtige, daß es sich immer mehr an christliche Gesins nungen und Tugenden gewöhne. Lege ihm ja keinen Anstoß in den Weg, laß es nichts sehen und hören, was üble Eindrücke auf dasselbe machen und seine Frömmigkeit schwächen könnte. Theile ihm täglich deine Einsichten mit, sey ihm stets Freund und Rathgeber, und leuchte ihm durch dein Beis spiel vor. Verwahre es vor dem vertrauten Umgange mit schlechten Personen, damit es nicht von dem herrschenden Strome der Laster und Thorheiten hingerissen werde, und damit die Liebe zu Gott, zu Jesu, zur Tugend in seinem Herzen nicht erkalte. Bete aber auch für dein Kind zu Gott, daß er es durch seinen Geist leite, daß er es vor Verführung bewahre, und in der Stunde der Versuchung 136 kräftig an die Wahrheit erinnere: O! das fromme Gebet der Aeltern für ihre Kinder hat eine große Kraft; es vermag viel, wenn es ernstlich ist. Gewiß; deine Kinder wers den es dir in den Jahren der reifen Uebers legung Dank wissen, wenn sie einsehen wers Den, wie viel du an ihnen gethan, und du wirst das größte Glück auf Erden genießen, man wird dir zurnfen: Wohl dem, der Freude an seinen Kindern erlebt! Ja, du wirst einst in ihrer Gesellschaft froh vor Gott, deis nem und ihren Richter, hintreten, und sas gen: Siehe, Herr! hier sind die, die du mir gegeben hast. Gebet für einen Kranken vor dem Abendmahle. Du u Heil der kranken Seelen, Die dich zum Arzte wählen, Wo ist dein Lebenstrank Und deine Himmelsspeise, Daß Leib und Seel' dich preise? Der, den du lieb haft, lieget krank. Ich bitte dein Erbarmen, Leg' deine Hand mir Armen Aufs Haupt und sprich zu mir: Mein Kind, dir ist vergeben, Nimm hin ein neues Leben; Dein Glaube hat geholfen dir. Für mich hast du gelitten Und mit dem Tod gestritten: Das komme mir zu gut! Sonst mach's mit mir in Allem Nach deinem Wohlgefallen, Nur reinige mich durch dein Blut. 137 Allmächtiger Gott! Du hast bisher Leben und Wohlthat an mir gethan, du hast mir eine lange Reihe von Jahren mein Leben und meine Gesundheit gefristet: aber nun hat es deiner Weisheit gefallen, mich aufs Krans kenlager zu legen, und ich weiß nicht, ob ich wieder genesen werde. Die stille Einsamkeit, in welcher ich mich jetzt befinde, kann ich nicht besser anwenden, als wenn ich über mich selbst und über meinen Seelenzustand nachdenke. Vielleicht willst du mich gerade durch diese Krankheit zum Nachdenken wecken, vielleicht willst du mich dadurch zur heilsamen Erkenntniß und Bereuung meiner Sünden bringen. Und wie sehr habe ich Ursache, mich vor dir zu demüthigen, wenn ich einen aufmerksamen Blick auf mein verflossenes Leben werfe. Ach wie viel Böses habe ich gethan, das ich nun gerne ungeschehen machen möchte! Wie viel Gutes habe ich unterlassen, das mir jetzt Kums mer verursachet; wie vieles sehe ich jetzt mit 138 ganz andern Augen an, was mir sonst gleich gültig war. Ich freue mich, wenn ich hier und da in meinem Leben eine gute That wahrnehme; aber ich betrübe mich auch, wenn ich an das viele Böse gedenke, was ich ges than habe. Oft hättest du Ursache gehabt, mir deine Wohlthaten zu entziehen, und mich dein Mißfallen fühlen zu lassen; aber immer hast du mich mit schonender Geduld und Nache ficht getragen; und selbst das ist Güte und Erbarmung, daß du mich jetzt noch auf das Heil meiner Seele aufmerksam machst. Ach laß doch deine heilsamen Absichten an mir erreicht werden; gieb, daß ich deine Gnade ernstlich suche, alle meine Sünden leb haft verabscheue, und daß ich mich ernst lich entschließe, mein Leben zu bessern. Vers wirf meine Reue nicht, sondern vergieb mir alle meine Sünden um deines Sohnes, Jesu Christi, willen, der mich durch seinen freis willigen und unschuldigen Tod von den Stras fen der Sünde befreiet hat. Um dieses Vers föhners und Mittlers willen sey mir, deinem ungehorsamen Kinde, gnädig, und schenke mir die Beruhigung, die meinem Herzen jetzt doppelt nöthig ist. Versichre mich von meinem Antheil an der Erlösung Jesu durch den Genuß des heis ligen Abendmahls, das ich jetzt hier in meis ner Krankenstube feiern will, da ich es nicht mit andern Christen öffentlich und gemeins schaftlich, wie ich wohl wünschte, genießen kann. 139 Laß mich die ganze Handlung mit heiliger Andacht verrichten, damit alle Anwesende Zeugen meines Glaubens, meiner Reue und meiner Hoffnung werden mögen. Laß mich aber auch von nun an mein ganzes Leben nur dir widmen, laß mich mit ruhiger Er gebung in deinen Willen den Ausgang meis ner Krankheit abwarten. Willst du mir mein Leben långer fristen, so will ichs mit Dank von dir annehmen, und es immer besser anz zuwenden suchen; hast du aber mein Ende beschlossen, so mache mich selbst fertig und geschickt zu dem wichtigen Schritte, den ich aus der Zeit in die Ewigkeit thun soll. Lehre du mich selbst freudig und christlich sterben, und laß mich Gnade und Barmherzigkeit vor dir finden zu einer Zeit, wo mich Alles verz läßt, wo ich deine Hülfe so nöthig habe. Bis dahin gieb, daß ich mein Leiden geduldig und gelassen ertrage, und stärke du selbst mich in jedem Kampfe, der mir vielleicht noch bevors stehet. Laß deine stärkende, tröstende Gnade auch in mir Schwachen mächtig seyn; denn du bist der treue gute Gott, der niemanden versuchen låsset über sein Vermögen, du bist der Gott, der Lasten aufleget, der sie aber auch tragen hilft. Amen. Ach könnt' ich, mit der Kirche Gliedern Vereint, o Jesu, dich erhöh'n, Und freudenvoll mit meinen Brüdern, 140 Herr, deines Todes Mahl begehn! Wie traurig, daß zu dieser Pflicht Es jetzt an Kräften mir gebricht! Ach hier, wo ich im Stillen bete, Genieße ich dein Mahl allein; Doch, Herr, ich weiß, an jeder Stätte Hast du verheißen nah zu seyn: Wo nur ein Frommer seufzt und weint, Da bist du, großer Menschenfreund. Um Trost ist meiner Seele bange, Ich suche, Herr, dein Angesicht: Wie lange schon, ach Gott, wie lange Ruf' ich und du erhörst mich nicht! Ach stårke bei des Leibes Schmerz Mein banges und verzagtes Herz! Vielleicht, o Herr, erquickt mich heute Zum letzten Mal dein Leib und Blut; Noch einmal gieb dem Herzen, Freude Und der gebeugten Seele Muth; Noch einmal, fleh ich, höre mich, Am Rand des Grabes höre mich. Laß das Gedächtniß deiner Leiden Mir Schwachen Trost und Kraft verleih'n, Auf Himmelsauen laß mich weiden Im Geist um dich, Verklärter, seyn. Des bessern Lebens Morgenroth Erhebt mich über Angst und Noth. 141 Erscheint der Tod mit seinen Schrecken: Ich bin getroft und zage nicht. Vom Tode wirst du mich erwecken, Ich komme nicht in das Gericht: Ich bin getrost, dein Leib und Blut Giebt auch im Tode hohen Muth. Gebet eines Kranken nach dem Abendmahle. Unendlic dlich gütiger Gott! deine Erbarmung hat keine Grenzen, deine Güte hat kein Ende, sondern sie wird mit jedem Tage neu. Auch mir hast du jetzt einen neuen Beweis von deiner Liebe gegeben, du hast mich durch den Genuß des Abendmahls von deiner Gnade und von der Vergebung der Sünde versichern laffen. Hätte ich diesen Trost nicht, so würde inir mein Leiden doppelt schwer werden, und der Gedanke an den Tod, an den vielleicht mir nahen Tod, würde meine Seele mit Angst, Unruhe und Furcht erfüllen. Aber nun kehrt Ruhe, Zufriedenheit und Hoffnung in mein Herz zurück, da ich weiß, Gott will mir um seines Sohnes Jesu willen gnädig seyn, da ich weiß, er will mich wieder zu seinem Kinde aufnehmen. O lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat, der dir alle deine Sün den vergiebt. Habe Dank! mein Erlöser! daß du meine Sünden getragen, daß du mich 142 jetzt auf meinem Siechbette durch die Kraft deiner Verheißungen bei dem Genusse des Abendmahls gestärket und erquicket hast. Nun wird es mir leichter, die Leiden zu tragen, die mich aufs Krankenlager geworfen haben; nun fehlt es mir nicht an Muth, wenn es dir auch gefallen sollte, mir noch härtere Průs fungen aufzulegen. Ich werde sie als heils same Schickungen meines Vaters im Himmel ansehen, der mir sie auf mehr als eine Art erträglich machen kann. Willst du, gütiger Vater! mich långer leben lassen, so kannst du es wohl möglich machen, denn du thust oft überschwenglich mehr, als wir bitten und vers stehen, und deine Rechte kann leicht alles ån dern. Indessen laß mich meine Leiden mit stiller Gelaffenheit, mit festemt Vertrauen auf deine Hülfe ertragen, bis die Stunde kommt, wo du mich von allem Ulebel erlösen und in dein himmlisches Reich einführen wirst. Ja, Vater, ist es dein Wille, daß ich bald sters ben soll, nun so erhalte mich in der Vers sicherung deiner Gnade, erhalte in meinem Herzen das Andenken an deinen Sohn Jes sum, meinen Heiland, der auch durch Leiden und Tod zur Herrlichkeit eingegangen ist, und befestige mich immer mehr in der Hoffnung des ewigen Lebens. Gieb mir Kraft, alle meine Angelegenheiten bei Zeiten in Ordnung zu bringen, damit ich noch vollenden kann, was zum Besten der Meinigen dient und jes 143 der Ungewißheit oder Zwietracht unter ihnen vorbeugt. Verleihe, daß ich mich zu jeder Stunde und in jedem Augenblicke zu der wichtigen Veränderung, die mit mir im Tode vorgehet, bereit halte. Dir befehle ich meine Seele, sie wird zu dir, ihrem Schöpfer, zurück kehren, denn Jesus hat sie erlöset; dir befehle ich meinen Leib, er wird unter deiner Auf sicht ruhig im Grabe schlafen, und Jesus wird ihn einst auferwecken; denn er lebt, und ich werde auch leben. Laß mein Ende allen den Meinen rührend, erbaulich und lehr reich werden, damit sie sehen, nur der bes gnadigte Christ könne ruhig sterben, nur der könne sagen: Ich verlasse die Welt, ich gehe zum Vater; ich sterbe, und Gort wird mit euch seyn. Ja, ewiger unvers ånderlicher Gott, das wirst du thun, du wirst für sie sorgen, und dich ihrer annehmen. An dir werden sie einen bessern Freund und Vers forger, als an mir haben, einen Freund, der ihnen nie abstirbt, der sie nie verläßt, wenn sie dich nicht selbst verlassen. Erhalte und leite sie daher stets auf dem Wege der Frömmigkeit, damit ich einst mit ihnen die frohe Stunde des Wiedersehens genießen möge. Und wenn dann endlich die letzte Stunde meis nes Lebens schläågt, so stehe mir bei in dem Kampfe, den ich noch zu kämpfen habe; ers leichtere mir meinen Ulebergang aus dieser in 38662 144 jene Welt, und laß mich einst die Stimme meines Heilandes hören: Komm her, du Gesegneter meines Vaters, ererbe das Reich, das dir bereitet ist. Ja, Herr Jesu, Stark' in mir das Vertrauen Auf deine heil'gen Wunden, Laß mich darauf fest bauen In meinen letzten Stunden, Und hilf mir selig sterben, Das Himmelreich ererben. Gieb mir deinen Frieden, o Jesu! Fürbitte für einen Sterbenden. Herr err Gott! Barmherzig und gnädig, ges duldig und von großer Güte, wir flehen mit vereinigter Andacht zu dir um Hülfe für diesen unsern kranken Mitchristen,( Mitchris stin,) der sich nun seiner Auflösung nähert. Ohnmächtig stehen wir hier, und fühlen, daß wir ihm nicht helfen können; aber du Allmäch tiger kannst ihm helfen. Wir können nicht mehr mit ihm sprechen; aber du hörst seine vers borgenen Seufzer, seine stillen Gebete, die er nicht mehr auszusprechen vermag. Ach! stårke und erfülle feine Seele mit Trost und Hoffnung, und erleichtre ihm seinen letzten Kampf durch die erquickenden Tröstungen deines Wortes. Der Abend seines Lebens ist gekommen, darum so bleibe mit deiner Hülfe bei ihm, und führe ihn, deinen müden 145 Knecht, ein zu seiner Ruhe. Herr Jesu, du Sohn Gottes, erhöre unser thrånenvols les Gebet, bitte für diesen deinen Erlösten, damit sein Glaube nicht schwach werde, das mit er Gnade und Barmherzigkeit finde am Tage des Gerichts. Du haft auch für ihn dein Blut vergossen, haft für ihn dein Leben am Kreuze gelassen; laß ihn dir als dein theures Eigenthum empfohlen seyn, und führe ihn hin in das Haus deines himms lischen Vaters, daß er deine Herrlichkeit sehen und dich dort in deinem Reich ewig anbeten könne. Gott heiliger Geist, höre nicht auf, in diesem Schwachen mit deiner Gnade zu wirken, flöße ihm Troft ein und erfülle sein Herz mit recht freudiger Hoffnung. Erbarme dich, dreieiniger Gott! über diesen Sterbens den, sen ihm freundlich im Tode, erlöse ihn bald von allem Uebel, leite ihn über Grab und Tod zu den reinen Freuden des Hima mels und schenke auch ihm die Seligkeit, die du uns allen zugedacht hast. Amen. Einige Sprüche, an die man Kranke erinnern kann. Nahum 1, 7. Der Herr ist gütig, und eine Beste zur Zeit der Noth, und kennet, die auf ihn trauen. K 146 1 Sam. 3, 17. Er ist der Herr, er thue, was ihm wohlgefällt. Psalm 42, 12. Was betrübst du dich, meine Seele, und bist unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein Gott ist. Hebr. 10, 35. Werfet euer Bertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Hiob 2, 10. Haben wir Gutes empfangen von Gott, und sollten das Böse nicht auch annehmen? Pf. 41, 4. Der Herr wird den Gerechten er#quicken auf seinem Siechbette. Pf. 78, 20. 21. Gott legt uns eine Laft auf, paber er hilft uns auch. Wir haben einen Gott, der da hilft, und einen Herrn Herrn, der vom Tode errettet. Pf. 37, 5. Befiehl dem Herrn deine Wege, und hoffe auf ihn; er wirds wohl machen. Rom. 8, 28. Denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen. 1 Cor. 10, 13. Gott ist getreu, der euch nicht läßt versuchen über euer Vermögen, sondern macht, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß ihr es könnet ertragen. 2 Cor. 4, 17. 18. Unfre Trübfal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige, und über alle Maßen wichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. 2 Tim. 4, 18. Der Herr wird mich erlösen von allem Uebel, und mir aushelfen zu seinem himmlischen Reiche. Philipp. 1, 23. Ich habe Luft abzuscheiden, und bei Christo zu seyn. Pred. Sal. 12, 7. Der Staub muß wieder zur 147 Erbe kommen, wie er gewesen ist, und der Geist zu Gott, der ihn gegeben. 2 Cor. 5, 1. u. 8. Wir wissen, so unser irdisches Haus dieser Hütte zerbrochen wird, daß wir einen Bau haben, von Gott erbauet, ein Haus, nicht mit Hånden gemacht, das ewig ist, im Himmel. Darum sind wir getrost, und haben vielmehr Luft, außer dem Leibe zu wallen, und daheim zu seyn bei dem Herrn. Luc. 23, 43. Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese seyn. Luc. 20, 35. 36. Welche würdig seyn werden, jene Welt zu erlangen, die können hinfort nicht sterben, denn sie sind den Engeln Gottes gleich und Gottes Kinder. Joh. 17, 24. Bater! ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seyn, die du mit gegeben hast, daß sie meine Herrlichkeit sehen. Joh. 10, 28. Ich gebe den Meinen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und Niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Jac. 1, 12. Selig ist der Mann, der die Anfech tung erduldet; denn nachdem er bewähret ist, wird er die Krone des Lebens empfahn, welche Gott verheißen hat denen, die ihn lieben. Matth. 25, 21. Ei du frommer und gefreuer Knecht, du bist mir über wenigem getreu gewesen, ich will dich über viel sehen, gehe ein zu deines Herrn Freude. Matth. 25, 34. Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bes reitet ist vom Unbeginn der Welt. Offenb. Joh. 21, 4. Gott wird abwischen alle Thränen von ihren Augen, und der Tod wird K 2 148 nicht mehr seyn, noch leid, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr seyn. 1 Joh. 3, 2. Wir sind nun Gottes Kinder, und ist noch nicht erschienen was wir seyn werden; wir wissen aber, wenn es erscheinen wird, daß wir ihm gleich seyn werden: denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Einige Segenssprüche am Sterbebette der Christen. Der er Herr, dein Gott und Vater, ist bei dir, darum fürchte Dich nicht im Leben und im Tode! Er stärke dich mit Kraft und Muth in der schwerften Stunde der Schwachheit und der Schmerzen! Er geleite dich sicher durch den Weg des Todes in die Wohnungen der ewigen Wonne! Im Tode, wie im Leben, sen Gott dein Vater und dein Freund! Wenn Leib und Seele bir verschmachten, dann bleib er deines Herzens leßzter höchster Trost! Wenn Zeit und Welt nicht mehr seyn werden, ewig dein seligstes Theil! Gelig bist du, wenn du im Herrn entschläfft. Geh fröhlich ein zu deiner Ruhe, aus welcher keine Noth hinfort dich weckt! Und freue deiner Werke dich, die du vor Gott gethan haft: sie folgen dir ins ewige Leben. Im Namen Jesu Christi sprich getrost: es ist vollbracht! Rufe ihm nach: Bater, ich befehle meine Seele in deine Hände! 149 Neige getroft dein Haupt und entschlafe zum Erwachen des ewigen Lebens! Du fåetest mit Thränen, gehe hin, um mit Freuden zu erndten. Gehe hin zu deinem Gott und Vater, den du in kindlichem Gehorsam verehret haft! Gehe ein zur seligen Vergeltung des ewigen Lebens, die er bereitet hat denen, die ihn lieben. Deine Seele dürftet nach Gott, dem ewig lebenden Gott. Er erquicke sie, wenn dich kein Labsal mehr auf Erden erquickt! Er fåttige sie bald überschwenglich mit Freuden des ewigen Lebens! Erweckung zur Selbstprüfung. Mel. Eins ist Noth, ach Herr 2c. Herr, wie mancherlei Gebrechen mußt du stets an mir noch sehn! Täglich hörst du mein Versprechen, täglich siehst du mein Bergehn. Ach, daß ich doch erst unerschütterlich stände, nicht mehr das ermattende Wanken empfände! Ach, würd ich im Glauben ein christlicher Held, ein Sieger im Kampf mit dem Fleisch und der Welt. Noch will Feind mit Feind verbunden meiner Seele Sieger seyn; ist ein Unfall überwunden, bald stellt sich ein andrer ein. Sie wissen stets dahin die Waffen zu kehren, wo ich noch am schwächsten bin, ihnen zu wehren: und wähnt' ich, ich wäre dem Einen entflohn, so war ich verwundet vom Anderen schon. 150 Muß sich denn mein Herz nicht scheuen, so zum Gnadenstuhl zu gehn, da des innern Nichters Drauen mir versagt ein kindlich Flehn? Ich strebe und ringe, doch, eilend zum Siege, erbangt meine Seele, daß ich erliege. Die Feinde sind mächtig, der Kampf ist zu schwer, bald hoffe ich Beistand und Rettung nicht mehr. Zu der Welt mag ich nicht treten, sie gewährt mir keine Ruh. Darum, Herr, mit Flehn und Beten sag' ich neuen Eruft dir zu; schon regen im Herzen sich eblere Triebe, mich ziehet zur Busse die ewige Liebe, ich wage von Neuem, zum Vater zu gehn und Gnade um Gnade von ihm zu erflehn. Wie beschämt mich dein Erbarmen, daß du mich noch immer liebst, mich umfångst mit Vaterarmen und mir so viel Schuld vergiebst; D nimmermehr kann ich die Langmuth vergessen, die immer aufs Neue mir Fristen gemessen. Du hast mich gewonnen, unendliche Huld, dir Früchte zu bringen in Lieb' und Geduld. Dein, o Vater, stets zu bleiben, darauf ist mein Sinn gestellt; möge nur dein Geist mich treiben, daß ich thu, was dir gefällt! Ach), gründe, bes festige, stárke, vollende mich unter dem Kampfe zum seligen Ende: gieb du mir aus göttlicher Fülle die Kraft, die endlich die Krone des Sieges mir schafft. Mel. D. Gott, du frommer. Gott, du erforscheft mich, die kann ich nichts verhehlen; du sieheft jede That, du kennst den Rath der Seelen. Ich nahe mich zu dir, und fleh in Demuth dich: entdecke mir mein Herz; du weißt, leicht tauscht es mich. Ich bin ein Chrift, getauft, mein Gott, auf deinen Namen, Erfüllt ich jede Pflicht des Chris 151 stenthums, und kamen die Werke, die ich that, aus Glauben und aus Pflicht? Bin ich ein Heuchler nur; so kennt mich Christus nicht. Hab ich dich, Gott, geliebt und durch ein frommes Leben mich deinem Dienst geweiht, mein Herz dir ganz ergeben? Hat mich dein heil'ges Wort gebessert und erfreut? War ich, was es befiehlt, auch stets zu thun bereit? Vertraut ich standhaft dir im Kummer, Gram und Leiden? Verdankt ich dir mein Glück? Blieb ich bei meinen Freuden der Tugend treu? War ich aufs Ewige bedacht? Und hab ich jeden Tag zu meinem Heil vollbracht? Gebraucht ich meinen Geist mit allen seinen Kräften, den Willen und Verstand zu nüßlichen Geschäften? Hab ich für meinen Leib mit Weiss heit fiets gewacht? Und keine böse Luft genährt und angefacht? Hab ich die, die du mir zu Aufsicht anvertrauet, burch eignes Beispiel gern gebessert und erbauet? Gorgt' ich stets für ihr Wohl, für ihre Seligkeit? Und straft' ich ihr Vergehn mit lieb und Freundlichkeit? Blieb ich der Wahrheit treu? War ich voll Menschenliebe? Und regten sich in mir des Mitleids edle Triebe bei meiner Brüder Noth? Floh ich des Stolzes Keiz? Verschloß ich Aug' und Herz der Habsucht und dem Geiz? Hab ich, wie Jesus that, gesegnet die mir fluchten? Hab ich auch die geliebt, die mir zu schaden suchten? Bezwang ich meinen Zorn? Zeigt' ich Versöhnlichkeit? Erregte andrer Glück niemals in mir den Neid? War ich der Unschuld Trost, und hab ich sie vertheidigt? Hab ich durch Härte nie den Dürf 152 tigen beleidigt? Brach ich den Hungrigen mein Brod? Und that ichs gern? War Uebermuth und Troß und Herrschsucht von mir fern? Allwissender, wer kann, wie oft er fehlet, mere ken? Sen gnådig, handle nicht mit mir nach meinen Werken; Vergebung ist bei dir. Laß ihren Trost auch mein, und mich dadurch gestärkt zum Fleiß der Beßrung seyn. Bitten um Vergebung der Sünde. An dir allein hab ich gesündigt und übel oft an dir gethan; du siehst die Schuld, die mir den Fluch verkündigt, sieh, Gott, auch meinen Jammer an. Dir ist mein Fehn, mein Seufzen nicht verbors gen und meine Thránen sind vor dir; ach Gott, mein Gott, wie lange soll ich sorgen? Wie lange bist du fern von mir? Herr handle nicht mit mir nach meinen Sünden, vergilt mir nicht nach meiner Schuld: ich suche dich, laß mich dein Untlig finden, du Gott der Langmuth und Geduld. Früh wollst du mich mit deiner Gnade füllen, Gott, Vater der Barmherzigkeit: erfreue mich um deines Namens willen, du bist ein Gott, der gern erfreut. Laß deinen Weg mich wieder freudig wallen und lehre mich dein heilig Recht; laß stets mich thun nach deinem Wohlgefallen, du bist mein Gott, ich bin dein Knecht. Herr, eile nun, mir machtig beizustehen, und leite mich auf ebner Bahn. Er höret mich, der Herr erHört mein Flehen und nimmt sich meiner Seelen an. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. Wie theuer, Gott, ist deine Güte, die alle Misfethat vergiebt, sobald ein reuendes Gemüthe die 153 Sünden, die es sonst geliebt, erkennt, verdammt und ernstlich haßt, und Zuversicht zum Mittler faßt. Doch laß mich ja nicht sicher werden, weil du so reich an Gnade bist. Wie kurz ist meine Zeit auf Erden, die mir zum Heil gegeben ist! Gieb, daß sie mir recht wichtig sey, daß ich sie meiner Behrung weih. Zwar deine Gnade zu verdienen, sind Reu und Beßrung viel zu klein; doch, darf sich auch ein Mensch erkühnen, zu glauben, dir versöhnt zu seyn, wenn er noch liebt, was dir mißfällt, und nicht dein Wort von Herzen hålt? Nie kannst du dem die Schuld erlassen, der frevelnd Schuld auf Schulden häuft. Der kann kein Herz zu Jesu fassen, der zwar auf sein Verdienst sich steift, doch in der Sünde noch beharrt; dafür er selbst ein Opfer ward. Drum fall ich dir, mein Gott, zu Füßen, vers gieb mir gnädig meine Schuld, beruhige doch mein Gewissen, mit reichem Trost aus deiner Huld. Ich will mit Ernst die Sünde scheun, und willig dir gehorsam seyn. Daß mit Gerechtigkeit auch Stärke durch Chriftum mir geschenket sey, will ich durch Uebung gus ter Werke beweisen; mache selbst mich treu, Herr, in der Liebe gegen dich. Die dringe stets und leite mich. Laß mich zu deiner Ehre leben, der du die Missethat vergiebst, das hassen, was du mir vergeben, das lieben, was du selber liebst. Laß, Vater, mein Gewissen rein, und heilig meinen Wandel seyn. Mel. Schlage, Jesu, an mein Herz zc. Liebster Bater, ich, dein Kind, falle vor dir nieder! Du weißt, was wir Menschen sind, und er 154 barmst dich wieder. Groß ist meine Sündenschuld, die mich innigft reuet; größer deine Vaterhuld, die mich noch erfreuet. Zwar bin ichs nicht werth, zu dir kindlich aufzusehen. Doch du bleibst ein Vater mir, du vers nimmst mein Flehen, kennst mein Innres, siehest mich, wenn ich vor dir weine, und vergiebst mir våterlich, wenn ichs redlich meine. Dies, dies soll in jedem Schmerz mein Vertraun erwecken. Vor der Sünde soll mein Herz, nicht vor die erschrecken. Trauen will ich, Bater, dir, stets die Sünde hassen, nie vergessen, daß du mir so viel Schuld erlassen. Preis sey dem Allgútigen, der mein Seufzen kennet, der dem Gnadesuchenden freien Zutritt gon= net! Rühm' es, Seele, vor dem Herrn, fließ von Freuden über! Gott, dein Gott verstößt nicht gern; er begnadigt lieber. Ewig bist du so gesinnt, Retter meiner Seele! Auch wenn ich, dein strauchelnd Kind, noch aus Schwachheit fehle; so gedenkst du, der du weißt, daß mein Herz dich ehret, meiner Schwachheit, und verzeihst dem, der wiederkehret. Mel. Jesu, der du meine Seele zc. Ach, wann werd ich von der Sünde, Gott, mein Bater, völlig frei, daß ich ganz sie überwinde, ganz dir wohlgefällig sey? Noch nicht, ich gestehs mit Thränen, kann ich mich von dir entwöhnen; immer noch ereilt sie mich, und verführt mich wider dich. In der Andacht sel'gen Stunden, wo mein Geist die Wahrheit hört, hab ich oft das Glück empfunden, das die Frömmigkeit gewährt, habe nichts so sehr hienieden mir gewünscht, als innern 155 Frieden, als ein Herz, dir ganz geweiht, als der Tugend Seligkeit. Voll von heiligen Entschlüssen, schwur ich dann, dir treu zu seyn, und mit wachendem Gewissen meiner Unschuld mich zu freun; willig wollt ich da mein Leben dir, mein Gott, zu Dienst ergeben, aller Sünde widerstehn, standhaft deine Wege gehn. Aber, ach! zu schnell empöret sich der Leidenschaften Macht, sie verdunkelt, schwächt und störet, was ich sonst so gut bedacht. Plößliche Versuchungszeiten, Beispiel, Reiz der Eitelkeiten, deren Menge mich umringt; das ist's, was zum Fall mich bringt. Du verzeihst, Gott, die Gebrechen meiner fündigen Natur. Nicht die Schwachheit wirst du rachen; bösen Vorsaß strafst du nur. Hått' ich nicht den Trost, ich würde unter meiner Fehler Bürde ganz erliegen, und mich) bein, höchstes Gut, nie können freun. Stellet mir denn hier auf Erden lebenslang die Günde nach; kann ich nicht vollkommen werden, bin und bleib ich immer schwach; o so segne mein Bestreben, so gerecht ich kann, zu leben, daß ich doch von Heuchelei und von Bosheit ferne sey. Wenn ich falle, laß michs merken; laß mich streben aufzustehn; eile, mich dein Kind, zu stárken; lehre mich selbst fester gehn; warne mich; sen mein Begleiter, täglich führe, Gott mich weiter, bis ich in der Ewigkeit bringe zur Vollkommenheit. Begnadigung durch Christum. Mel. Vom Himmel hoch, da ic. Wohl dem, dem seine Missethat vergeben ist, dee Gnade hat, den Gott, weil er zu ihm sich kehrt, für schuldlos und gerecht erklärt. 156 Welch eines Heils darf der sich freun! Denn Gott will selbst sein Vater seyn; er, wenn er ihm vergiebt, nimmt dann mit voller Huld zum Kind ihn an. Und liebt ihn mehr, als Bater, mehr, als eine Mutter liebt, liebt er, und will durch seine Güte ihn zu hoher Seligkeit erziehn. Er lehrt ihn väterlich, er zeigt ihm, was ihm heilsam ist, und neigt sein Herz dazu, und stärkt und pflegt den Schwachen, den er schont und trägt. Daß er zum Jüngling und zum Mann erwachse, der selbst wandeln kann. Und strauchelt er denn auch im Lauf, o wie so gern hilft er ihm auf! Nun hat er Friede, Herr, mit dir. Die Ruh kommt ihm zurück, mit ihr die Hoffnung jener Seligkeit, der er sich schon im Glauben freut. Der Hochbeglückte darf auch fühn zu seinem Bater nahn, darf ihn um Nachsicht anflehn, und um Licht, um Kraft zur Uebung seiner Pflicht. Dich nicht zum Richter, nicht zum Feind, Allmächtiger, dich nur zum Freund, an deines Sohnes Liebe Theil, o Gott, zu haben, welch ein Heil! Was wirst du, Herr, für ihn nicht thun? die ganze Welt verwandelt nun, für den Begnadigten durch dich, in deines Himmels Vorhof sich! Weil du der Sünden nicht gedenkst, genießt er alles, was du schenkst, als Gaben, die ein Vater giebt, der zärtlich seine Kinder liebt. Frei, wie ein Erbe Gottes, geht der Pilgrim auch durch Sturm, und steht an dessen Hand, der Welten trågt, wenn alles einstürzt unbewegt. O Jesu, Preis und Dank sey dir! durch dich ward dieses Heil auch mir. Ich weiß, daß, der so hoch mich liebt, auch mir dich gab, auch mir vergiebt! 157 Mel. Es ist das Heil uns kommen 2c. Dein bin ich, Herr, dir will ich mich zum Opfer übergeben; lebendig, heilig, rein will ich vor deinen Augen leben. Wie könnt ich eines Andern seyn? Bin ich nicht durch die Schöpfung dein, nicht dein durch die Erlösung? Ich fiel und wandte mich von dir, zur Finsterniß vom lichte; doch wandtest du dich, Gott, zu mir mit deinem Angesichte. Erbarmen war dein Ungesicht, mich von der Finsterniß zum licht, zu dir zurück zu rufen. Dein, dein ist die Barmherzigkeit, du liebst und suchst die Sünder; seyd, rufft du, heilig, mir geweiht und meiner Gnade Kinder! Laßt euch erneuern, werdet gut; für euch floß der Versöhnung Blut, euch rein und fromm zu machen. Also versöhnt und, dir zum Ruhm, erkauft durch Chrifti leiden, will ich mich, Gott, dein Eigenthum, von dir nie wieder scheiden; gekreuzigt werde mir die Welt, getödtet, was dir nicht gefällt, damit ich dir nur lebe. Dieß wirke deines Geistes Kraft, mir wird es nicht gelingen. Nur deine Gnad' in Chrifto schafft das Wollen und Vollbringen. Hier ist mein Herz, nimm ganz mich hin und gieb mir einen neuen Sinn, daß ich dein Heil ererbe. So werd ich frei von Sünd und Schuld, und froh in deinem Lichte, bestehe einst, durch deine Huld begnadigt, im Gerichte, frohlocke dir und lobe dich, daß deine Baterliebe mich gerecht und selig machte. Communion Lieder. Mel. Jesu, deine tiefen Wunden ze. Voller Ehrfurcht, Dank und Freuden komm ich, Herr, auf dein Gebot, zu dem Denkmal deine 158 Leiden, und gebenk an deinen Zod. Mittler, der du für mich starbft, und ein ewig Heil erwarbst, ach möcht ich mich würdig nahn und das leben hier empfahn. Ich empfind es jetzt aufs neue, was ich dir, Herr, schuldig bin. Du, du gabst mit großer Treue ganz dich mir zum Heile hin, wiesest mir den Weg zu Gott, und ertrugft den schwersten Tod, mir im Leben und im Sterben sichre Tröftung zu erwerben. Durch dich ist zu Gottes Gnade freier Zutritt, und die Kraft, auf der Zugend fel'gem Pfade feft einher zu gehn, verschafft. Und du rufft aufs neue mir durch dein Nachtmahl, daß ich hier Theil an deinem Segen nehme, und mich deiner niemals fcbame. Sollt ich, Jesu denn vergebens diese deine Huld empfahn? Nicht zur Beßrung meines Lebens mich zu deinem Tische nahn? Ja, mit neuem Ernst will ich mich vor Sünden scheun, und dich, durch ein dir geheiligt leben, mit vermehrtem Fleiß ers heben. Laß den Borsaß, den ich habe, nie der Sünde mich zu weihn, unbeweglich bis zum Grabe, stark und immer thätig seyn. Wohl mir, wenn mein Herz nicht weicht! doch der Rückfall ist so leicht; den nur fürcht ich, und empfinde schon von fern die Macht der Sünde. Wenn sie mich von deinen Wegen abzuführen reizt und droht, laß mich ernstlich überlegen, welch ein Tod war Jesu Tod! Jesu, trage mit Geduld meine Schwachheit, meine Schuld. Sage: du sollst Gnade finden! ich, ich tilge deine Sünden. Geh mir, wo ich bin und wandle, immerfort mit Hülfe nach, daß ich als ein Christ stets handle; und wird ja mein Glaube schwach, o so 159 hilf mir liebreich auf, daß ich in dem Zugendlauf nimmer wanke, nie ermüde, so erquicke mich dein Friede. Ewig will ich dir es danken, daß du so barma herzig bist, daß auch, wenn wir Schwache wanken, deine Treu beständig ist. Herr, ich hoff es froh und fest, daß sie mich hier nicht verläßt. Zu des Himmels Seligkeiten wird sie mich gewiß einst leiten. Mel. D Gott, du frommer Gott zc. Ich will, mein Jesu, dich und deinen Tod bekeite nen: o laß mein ganzes Herz von Lieb' und Dank entbrennen. Ich hoffe glaubensvoll bei deinem Abendmahl auf Kraft zur Heiligung und Segen ohne Zahl. T Haue Des Himmels Güter sind mein innigstes Vers langen, o mocht ich sie doch stets in größerm Maaß empfangen, o náhme nur der Trieb mich immer stärker ein, für deine lieb' und Treu dein eigen ganz zu seyn. Aus Liebe kamst du, Herr, und haft dein theus res Leben für meine Seligkeit zum Opfer hingegeben; aus Lieb' erwarbst du mir das allerhöchste Gut, gabst deinen Leib für mich, vergossest mir dein Blut. Sollt ich dich denn dafür nicht herzlich wieders lieben und mich zu aller Zeit dir zu gefallen üben! Dein Vater will es ja, der so in die mich liebt, daß er mir alle Schuld durch deinen Tod vergiebt. Ja dir will ich hinfort mich und mein ganzes Leben und alles, was ich bin, zum Opfer wiedergeben. Nimm, mein Erlöser, mich zum Eigenthume hin, da in so hohem Preis ich dir erworben bin. Laß wahre Liebe mich an meinem Nächsten üben und wie du mich geliebt, auch meine Feinde lieben. 160 Wir Alle find ja, Herr, zu einem Leib getauft und Alle durch dein Blut zu deinem Dienft erkauft. Wir trinken einen Kelch, dein heilig Blut, und essen von einem Brode nur, das laß uns nie vergessen. Laß uns nur einen Leib und deine Glieder seyn, an dir, Herr, unserm Haupt, je mehr und mehr gedeihn. Mel. Sey Lob und Ehr' dem zc. Ich preise dich, o Herr, mein Heil, für deine Todesleiden. Hab ich an ihren Früchten Theil; was fehlt dann meinen Freuden? Du wardst ein Opfer auch für mich, o gieb, daß meine Seele sich deß ewig freuen möge. Ich werde nun durch deinen Tod den größten Segen finden. Erlösung von der Seelennoth, Vergebung aller Sünden, Gewissensruh, zur Beßrung Kraft, das haft du, Herr, auch mir verschafft, der bu am Kreuze litteft. Dein Abendmahl ist mir ein Pfand von dieser großen Güte. Wie viel hast du an mich gewandt! Oftárke mein Gemüthe zum gläubigen Vertrau'n auf dich, daß ich, so lang' ich lebe, mich an deine Gnade halte. Ich fühle, Herr, voll Keu und Schmerz, die Last von meinen Sünden. Laß mein vor dir gea beugtes Herz den großen Trost empfinden, daß du, nach deines Vaters Huld, auch mir Vergebung meiner Schuld auf Buße haft erworben. Der Trost, den mir dein Tod verschafft, werd' ewig mir zum Segen. Er stårke mich mit neuer Kraft auf allen meinen Wegen, nur das zu thun, was dir gefällt, und alle Furcht und lust der Welt getroft zu überwinden. 161 Was du, o Herr, an mir gethan, das ist nicht zu ermessen; mich treiben Dank und liebe an, es nimmer zu vergessen; daß ich aus åchter Gegentreu dir bis in Tod ergeben sen, und dir zu Ehren lebe. Laß deines Leidens großen Zweck mir stets vor Augen stehen; nimm alle Hindernisse weg, die ebne Bahn zu gehen, die mir dein heilig Vorbild weißt, und die einst den erlösten Geist zu deiner Freude führet. Zu meiner Rettung hast du dich, Erlöser, hins gegeben; dein Abendmahl erwecke mich, nach Heiligung zu streben. Herr, mache mich dazu geschickt. Und werd' ich einst der Welt entrückt; so sey dein Tod mein Leben. Met. Herr Jesu Christ, wahr it. Herr, der du als ein stilles kamm am martervollen Kreuzesstamm zur Tilgung meiner Sündenlast dich auch für mich geopfert haft: Hier feir' ich deinen Mittlertod, hier nährst du mich mit Himmelsbrod, hier ist das unschäßbare Gut, daß du mir giebst, dein Leib und Blut. D, liebe, welcher keine gleicht! O Wunder, das kein Sinn erreicht! mir unbegreiflich, und doch wahr; du sagst es und dein Wort ift klar. Erlöser hilf mir, daß ich ja mit tieffter Ehr furcht die mich nah'. Ach, Herr, mein Mund empfange nicht das Brod des Lebens zum Gericht. Gieb, daß, von wahrer Reu beschwert, mein Herz im Glauben dein begehrt, die Größe deiner Huld ermißt und deiner Wohlthat nie vergißt. Hier deinen liebevollen Tod verkündigen, ist dein Gebot. So laß ihn mir vor Augen stehn, sein Heiliges Geheimniß sehn: Den Fluch, den hier die Unschuld trug, die 162 Wunden, die die Sünde schlug, den Gnadenquell in deinem Blut, aus bittern Zod das höchste Gut. Mit Gott versöhnst du sterbend mich und schenFeft meinem Glauben dich. Ich glaube fest und harre dein, du wirst mir Freund und Retter seyn. Ift's Erd' und Asche auch nicht werth, daß so viel Heil ihr widerfährt: du willst, Erhabner nicht verschmähn, zu meinem Herzen einzugehn. Es steht dir offen; richte du dir's selbst zu deiner Wohnung zu; wirf Sünd' und laster ganz hinaus, mit jeder Zugend schmück es aus. Du kommst, o sey gesegnet mir! o bleib' in mir, wie ich in dir! Bollent' ich einft in dir den lauf, so weckst du mich vom Tode auf. Denn Segen ohne Ende giebt dein Leib und Blut dem, der dich liebt; ihm ist's ein Pfand der Seligkeit, das Siegel der Gerechtigkeit. Da schwindet aller Zweifelmuth, ich hab' Erlösung durch dein Blut, erlassen ist mir meine Schuld und sicher Gottes Vaterhuld. Ein Strom der Lieb' ergießet sich am Tische meines Herrn in mich, da schmeck ich seine Freundlichkeit, frei wird mein Herz, gesund und weit. Ich fühle ja wie du mich liebst, mein Herr, an dem, was du mir giebst. Aus Liebe wirft und bleibst du mein, ich bin von ganzer Seele dein. Dich lieb' ich treu und unverrückt, wenn Wolluft lockt, wenn Drangsal drückt; verschmachtet Leib und Seele mir, doch lieb' ich dich und bleib' an dir. So starkt mich deines Mahles Kraft auf meiner ganzen Pilgerschaft, den Feinden stets zu widerfehn, die mir nach meiner Seele stehn. Es båndigt allen Stolz und Neid, verknüpft zu Lieb' und Einigkeit, giebt Troft, der nie das Herz verläßt und macht den guten Borsaß feft. 163 Nun, Jesu, führ' ihn selbst zur That und leite mich nach deinem Rath, so bringe ich in heitrer Ruh die Tage meiner Wallfahrt zu. Und wenn du mich, o Lebensfürst, zur Seligkeit erheben wirst; erquickt mit Freuden ohne Zahl mich dort dein ewig's Abendmahl. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. Nun habe Dank für deine Liebe, du großer Mitts ler, Jesu Christ! Gieb, daß ich dich nicht mehr betrübe, der du für mich gestorben bift! Laß deines Leidens Angst und Pein mir immerdar vor Augen seyn. Wie kann ich dich genug erheben, ich, der ich Fluch und Tod verdient, ich soll nicht sterben, son= dern leben, weil du mich selbst mit Gott verfühnt. Ach! du, sein Sohn, du starbst für mich, wie preis ich, Herr, wie preis ich dich? Heil mir! mir ward das Brod gebrochen; ich trank, Herr! deines Bundes Wein! Voll Freuden hab' ich dir versprochen, dir, treuster Jesu! treu zu seyn. Ich schwör' es nun noch einmal dir; schenkst du nur deine Gnade mir! Laß stets mich dankbar, Herr, ermessen, was du für mich gelitten haft, und deine Liebe nie vergessen, die so viel Gegen in sich faßt. Laß meinen Glauben thätig seyn, und mir zum Guten Kraft verleihn. Im Streite hilf mir überwinden, und stärke mich zu meiner Pflicht, bewahre mich vor neuen Sünden; verlaß mich in Bersuchung nicht, und dein für mich vergoßnes Blut schenk mir im Todeskampfe Muth. Und euch, ihr, seines Leibes Glieder, die Jesu Heil, wie mich erfreut, euch lieb ich stets als seine 164 Brüder, als Erben seiner Herrlichkeit! Wir haben einen Herrn und Gott! uns speift und trånkt Ein Wein, Ein Brod. Wie jetzt in unsers Heilands Namen sein Volk vor ihm versammelt war: so kommen wir noch einst zusammen vor ihm mit seiner Engelschaar, und preifen, als sein Eigenthum, dann ewig seines Namens Ruhm. Hier will ich mich mit Euch vereinen, die ihr ihn ewiglich erhöht; und wann wir einst vor ihm erscheinen, im Glanze seiner Majestát: dann geh ich im Triumph mit euch, ihr Auserwählten, in sein Reich. Se soll denn weder Spott noch leiden, noch Ehre, Freud und Luft der Welt, mich Herr! von deiner Liebe scheiden, die selbst im Tode mich erhält. Du bist und bleibeft ewig mein; o laß mich deiner würdig seyn! Abendlied am Communiontage. In eigner Melodie. Die le ihr Gottes Heil gesehen, heitre Augen, schließt euch zu. Seht, euch winkt, von Gott versehen, schon des Abends stille Ruh. Fürchtet nicht der Nächte Jammer, dem ihr oft entgegen thránt. Heut grüßt ihr die Ruhekammer und den Schlaf, mit Gott versöhnt. Dank sey dir für deine Speise, Mittler! für des Lebens Trank! für den Balsam meiner Reise, für dein Leiden sey die Dank! Kann mein Herze größres hoffen? Meine Schuld ist zugedeckt. Dich, o Himmel! sah ich offen, und dein Heil hab' ich geschmeckt. Durch der Nächte Dunkelheiten dringt mein Aug' zum Vater hin. Dort, umringt mit ew'gen Freu 165 den, seh' ich meine Krone blühn. Ich seh Jesum, dessen Güte alle Pein von mir entrückt; und mein. Aug, das Freude glühte, wird zum Schlummer zugedrückt! Bei der ersten Communion. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. Herr! dir gelob ich feste Treue, und ernsten Fleiß im Christenthum. Dir, Jesu, geb ich mich aufs neue zu deinem ew'gen Eigenthum. Von deinem guten Geist allein, will ich hinfort geleitet seyn. Nimm hier, o Gott, von deinem Kinde den theuern Eid der Treue hin. Versuchet mich hinfort die Sünde, so will ich ihre Neße fliehn, will jung mich schon der Tugend weihn. Sieh, dieser Tag soll Zeuge seyn! Gott, regiere du mein Leben, und mache selbst mein Herz dir treu, daß dir mein Wandel ganz ergeben, und deinem Willen folgsam sey; denn ohne dich ist immerbar mein Herz verkehrt und wandelbar, Einst werd' ich, Herr, vor deinem Throne mich dieses Tags des Bundes freu'n; geschmückt mit jener Siegeskrone, werd' ich dann ewig selig seyn. O welch ein Heil! Wie freu ich mich! Herr, nimm mich hin; dein, t bin ich! Mel. Sey Lob und Ehr dem zc. Die hier vor deinem Antlig stehn, sind Jefu Chrifti Glieder. Blick, da vereint wir für sie flehn, erbarmend auf sie nieder. Gieb ihnen, Vater, Sohn und Geist, das Gute, das dein Wort verheißt, im Leben und im Sterben. Sie kennen, Bater, deinen Sohn und seine heil'gen Lehren. Ift Freude, Gott, vor deinem 166 Thron; wenn Sünder sich bekehren: wie groß ist unsre Freude nun, da diese ihr Gelübde thun, dir treulich anzuhangen. O laß sie nimmer zum Gericht dein heilig Mahl empfahen! Laß sie in Glaubenszuversicht sich stets demselben nahen! Dies stårte sie in aller Noth: dies reize fie, des Mittlers Tod zu preisen durch ihr Leben. Lacht ihnen bei dem edlen Lauf die falsche Welt entgegen, hilf ihrem schwachen Glauben auf; und wenn sich Lüste regen; laß sie hinauf auf Jesum sehn, die Welt mit ihrer Lust verschmähn, beharren bis ans Ende. Zeig ihnen, daß sie allezeit das thun, was sie geloben, den hohen Lohn der Ewigkeit, die Herrlichkeit dort oben. Der Blick müss' ihnen Kraft verleihn! Herr, segne sie, denn sie sind bein! erhalt sie in der Wahrheit. Nach dem Abendmahlsgenusse. Mel. Werde munter mein Gemüthe zc. Lobe Gott, o meine Seele, der dir Zeit und Troft verleiht, der mit seinem Freudenóle dich zum Gnadenkinde weiht, dich erfüllt mit frischer Kraft, Muth und Hoffnung in die schafft und dir zu dem neuen Leben, seinen Geist ins Herz gegeben. Nun hat dich dein Gott verjünget, daß du wie ein Adler bist, der sich an die Sonne schwinget, die dir Jesus selber ift. Seiner Gnade heil'ger Zug lenket deinen Glaubensflug aus der Eitelkeit Getümmel in des ew'gen Friedens Himmel. Was der Glaube jetzt empfangen, das ist Jesu Leib und Blut; kannst du mehr von ihm verlangen, als ihn selbst, dein höchftes Gut? Alles, was am 167 Kreuzesstamm das erwürgte Gotteslamm aus des Vaters Huld verliehen, ist auch dir nun angediehen. So bin ich in Gott genesen, der mich gnådig angeblickt; was noch todt in mir gewesen, wird belebet und erquickt. O der großen Mildigkeit, die mir alle Schuld verzeiht, meiner Seele Wunden heilet und mir Kindesrecht ertheilet! Jesu laß in dir mich leben, laß aus dir mich fruchtbar seyn; wie der Weinstock trågt die Reben, senke mich in dich hinein. Bleib' und lebe stets in mir und erhalte mich in dir, daß, im Scheiden von der Erde, ich dein Himmelserbe werde. Mel. Jesus, meine Zuversicht zc. Hier ist nur mein Prüfungsstand; hier ist nicht mein bleibend Erbe. Dort, dort ist mein Vatera land, das erreich' ich, wenn ich sterbe! Preis und Dank für meinen Tod, bring' ich dir, o Herr, mein Gott. Gottes Stadt, die droben ist, wo der Unsichts bare wohnet, wo mein Mittler, Jesus Christ, seinen Freunden herrlich lohnet, nie gedenk ich ernstlich dein, ohne deiner mich zu freu'n. Er, dein König, der mich hier auf der Bahn des Friedens leitet, er, mein Heiland, hat in dir meine Ståtte mir bereitet; und an allem deinen Heil hat auch meine Seele Theil. Nahe sen mir oder fern, dieses Heil, das ich verlange; ringen will ich, daß vom Herrn ich, was er erwarb, empfange. Freudig seufzet dann mein Geist: Bande der Natur, zerreißt! O wie wohl wirds dann mir seyn, wenn ich dich einst in der Nähe, da du kommst, mich zu befrei'n, Stunde meiner Heimfahrt, sehe. Wenn 168 den Leib des Grabes Gruft, und die Seel' ihr Schöpfer ruft. Todesschrecken, ihr sollt dann meinen Glauben nicht erschüttern. Nur der Uebertreter kann froh nicht sterben, er muß zittern. Gottes Kinder zittern nicht; denn sie dringen durchs Gericht. Daß ich diese Freudigkeit einst in meinem Tod empfinde, mache siegreich mich im Streit, Jesu, wider Welt und Sünde. Stärke mich im Kampf und lauf; nimm mich endlich gnädig auf. Ende. Verbesserungen. S. 19. 3. 11. von unten lies von statt vor. 49. 31 - 3. von oben I. entschiedenen st. entscheidenden. 4. von oben I. Lobpreisung st. Lobpreisungen. 104. 128. in der untersten Zeile l. Deiner st. Deine. 204 16950 EXOX- XOX EXOXOX XO Inches 1 Centimetres Blue 2 3 2 Cyan 15 6 17 Farbkarte# 13 Green 3 XOX= X ¹8 Yellow H. v. T. 1844 9 4 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8