if 1293 20 Die Wallfahrt zur heiligen Jungfrau Walburga auf dem Lammberg bei Cham. in Gebet: und Betrachtungsbuch für alle andächtigen Verehrer der heiligen Jungfrau Walburga. Von Xaver Mafil, Stadtpfarrer in Cham. Mit einem lithographirten Kupfer. Cham 1844. Druck und Verlag von J. V. Kugler. 9b 1293 P Univ.- Bibl. Giessen, Vorwort. Die viel wallfahrten, werden selten heilig" sagt der heilige Augustin, und er sagt es nicht deßwegen, daß man gar nicht wallfahrten soll, sondern daß man nicht zu oft aber recht und gut wallfahrte; er sagt es, weil sehr Viele nicht in der Absicht wallfahrten, in der man wallfahrten soll, und nicht in der Art und Weise wallfahrten, in der man muß, wenn man einen Nutzen für das Heil seiner Seele daraus ziehen will. Wallfahrten wurden schon in den ersten Jahrhunderten des Christenthum's angestellt, sobald die Kirche von dem Drucke ihrer Verfolger befreit worden war; sie sind gut und beilsam, wenn sie mit einem gläubigen und bußfertigen Herzen verrichtet werden, und Gott bezeugt es selbst, daß ihm mit einem gläubigen Gemüthe unternommene Wallfahrten angenehm seien, durch viele Wunder, die er durch seine unendliche Liebe und Barmherzigkeit an diesen Orten wirkt, die er an anderen nicht wirkt, und durch die Ertheilung besonderer leiblicher und geistlicher Gnaden und Wohl= thaten, die er an diesen Orten nach seinem Wohlgefallen den Andächtigen zukommen läßt, an andern aber nicht. So wallfahrte denn auch du, mein lieber Christ, aber wallfahrte auf folgende Weiſe: 1) Aus guter Absicht; nicht zum Zeitvertreib, nicht, um dir eine Unterhaltung, einen angenehmen Tag zu verschaffen, nicht um zu Hause von deiner Arbeit wegzukommen, nicht um dem Müßiggange obzuliegen, oder gar eine Gelegenheit zu einem uner IV islaubten Umgange zu finden, sondern shd um dem Heile deiner Seele einen har Nußen zu bringen, Gott zu verherr=" lichen, die Heiligen um ihren Schuß und Beistand anzurufen, dein Herz zu zerknirschen und zur Bekehrung und Buße zu gelangen. ( 2) In der rechten Weise; bereite dich zur Wallfahrt vor, durch fromme Gedanken und gute Vorsätze; gehe nie ohne Wissen und Willen deiner Vorgesetzten, d. i. derer wallfahrten, die um deine Wallfahrt wissen sollen; gehe auf dem Wege mit anständigen und fremmen Personen, die keine ärgerlichen Reden führen, sondern der Andacht obliegen; bringe die Reiſe mit Beten mit geistlichen Reden und Gesprächen zu; zeige überall Singe= zogenheit und Ehrbarkeit in Neden und Gebärden; erwecke reumüthige und bußfertige Gedanken; nimm die VI Beschwerlichkeit der Reise als eine Abtödtung an, und verbinde mit deinem Wallfahrtsgange auch sonst noch irgend ein Werk der Abtödtung und Buße, ein Fasten, ein Almosen und andere gute Werke. Am Wallfahrtsorte selbst sammle dein Gemüth von allen auf dem Wege etwa gehabten Zerstreuungen, stelle dir den Endzweck vor, wozu du hieher gekommen bist, erwecke ein recht lebendiges Vertrauen auf die Güte und Barmherzigkeit Gottes, und pflege deine Andacht mit aller Demuth, mit aller Auferbauung und mit einem bis zum Ende ausdauernden Eifer. Auf dem dist Heimwege führe dich eingezogen und das ehrbar auf, obliege gleichfalls wieder dem Gebete und zeige durch dein Betragen, daß du von dem heiligen Orte, an dem du gewesen bist, auch heilige Sitten mit nach Hause bringest. VII Weil man aber gewohnt ist von dem Wallfahrtsorte, an welchem man gewesen, auch für sich und für Andere ein kleines. Andenken mitzunehmen, so ist dieses kleine Gebet- und Betrachtungsbuch abgefaßt worden, damit die andächtigen Wallfahrter auf dem Lammberg, und alle andächtigen Verehrer der heil. Jungfrau Walburga, neben einer kurzen Lebensbeschreibung der heil. Walburga und einem kurzen Bericht über die Wallfahrt zur heil. Walburga auf dem Lammberge auch zugleich Morgen= und Abendandachten, Andachten bei der heiligen Meße, bei der heiligen Beicht und Kommunion, und andere besonders der Verehrung der heil. Jungfrau Walburga gewidmete Andachten, eine Noven, Tagzeiten und andere für besondere Anliegen geeignete Gebete, beisetzen können, um nicht nur am Wallfahrtsorte selbst, sondern auch zu Hause und zu jeder Zeit die Verehrung der heil. Walburga auf VIII eine heilsame und erbauliche Weise pflegen zu können. 01700111CER Mögen diese Gebete und Betrachtungen Saamenkörner seyn, die auf ein gutes Erdreich, in gute Herzen fallen, damit fie hundertfältige Früchte bringen zum ewigen Leben. Dies wünscht für jeden Leser durch die Fürbitte der heil Walburga Cham, 1844 948 sid and un magalied der Verfasser. the dog slune) to predict and po S Das Leben der heiligen Jungfrau und Abtisin Walburga. I. Walburga, eine königliche Prinzessin aus England, wird nach Deutschland berufen, und widmet sich als eine Braut Christi dem klösterlichen Leben. Die heilige Walburga ist eines jener auserwählten Werkzeuge, deren sich Gott bediente, Deutschland mit dem Lichte des Evangeliums zu erleuchten, und es durch eine Pflanzschule heiliger Seelen zu einem Lande zu machen, in welchem der Glaube an Jesus Christus sogleich auch jene Reinheit der Sitten hervorbringen sollte, welche das Evangelium von seinen Bekennern verlangt. Ihr Leben fällt ja gerade in jenen Zeitraum, in welchem der heil. Bonifazius der Apostel Deutsch. lands, der heil. Willibald, erster Bischof von Eichstädt, der heil. Wunibald, Abt zu Heidenheim, der heil. Solla, Abt zu Sollenhofen, der heil. Willi brod, Bischof zu Utrecht, in Deutschland das Evan1 - 2 - gelium predigten und es aus den Finsternissen des Heidenthumes zum Lichte des Reiches Christi brachten. Die so eben genannten Heiligen selbst waren lauter nahe Anverwandte der heiligen Walburga. Die heiligen Willibald und Wunibald waren ihre leiblichen Brüder, der heil. Bonifazius der leibliche Bruder ihrer Mutter, die mit ihrem königlichen Gemahle, dem heil. Richard, König von England, selbst ein heiliges Leben führte. Die Eltern der heil. Walburga waren also Richard, König von England und Wunna, dessen Gemahlin. Sie hatten außer ihrer Tochter Walburga noch zwei Söhne, Willibald und Wunibald, welche sie in aller Frömmigkeit und Furcht Gottes erzogen. Eine der vorzüglichsten Sorgen der frommen und gottesfürchtigen Eltern war, ihre Tochter Walburga, die sie über Alles, was sie in der Welt hatten, liebten, in aller Unschuld und jungfräulichen Eingezogenheit heranwachsen zu sehen, und übergaben sie deßhalb den Jungfrauen des Klosters Winburn zur Erziehung. So weit sie auch selbst von ihrem Hofe alle Sünde und alles sündhafte und weltliche Leben entfernt hielten, und sich mit ihrer ganzen Hofhaltung einem gar gottseligen Leben ergaben, so hielten sie ihre Tochter doch nicht sicher genug gegen die Eindrücke der Welt und ihrer Reiße, und verschafften ihr daher, um ihr unschuldiges Her als ein reines Gefäß der Gnade zu bewahren, einen sichern Zufluchtsort, in wel chem sie auf nichts anders als auf das denken follte, wie sie dem Herrn Jesu Christo dienen möge. Walburga entsprach auch den frommen Wünschen 3 ihrer gottesfürchtigen Eltern, und es war wunderbar zu sehen, wie sich die königliche Prinzessin durch ihre Liebe zu Gott, durch ihren Gehorsam und ihre Demuth und besonders durch ihre Liebe zum Gebete zur Erbauung aller übrigen Jungfrauen im Kloster auszeichnete. Walburga hatte nicht sobald die Tröstungen eines in Gott verborgenen Lebens kennen gelernt, als sie auch dem Zuge der Gnade folgte, der Stimme des himmlischen Bräutigams gehorchend, alle Ansprüche auf weltliche Hoheit und irdische Größe aufgab, und, ihre Jungfrauschaft Gott gelobend, nur als eine Braut Christi zu leben und zu sterben entschlossen war. Ihre gottesfürchtigen Eltern, statt sie von ihrem Vorhaben abzuhalten, freuten sich vielmehr über einen solchen Entschluß ihrer Tochter, und fahen es als eine besondere Gnade des Herrn an, daß er sie als seine Braut erwählet habe, daher sie unter Danksagung gegen Gott ihre Einwilligung dazu gaben. Indeß hatte König Richard selbst so große Fortschritte in der Liebe zu Gott gemacht, daß er das irdische Reich, Krone und Scepter geringer achtete als die Schäße des Himmels, und, von seinen beiden Söhnen Wunibald und Willibald eingeladen, mit ihnen eine Wallfahrt nach Rom antratt. Dies geschah im Jahre 721 Schon in Luca erkrankte Richard, und entschlief auch einige Tage darauf selig im Herrn, am 7. Februar 722; er wurde wegen der Wunder, welche sich auf ei nem Grabe ereigneten, unter die Zahl der Heiligen gesetzt. Die beiden Söhne setten ihre Reise fort 1* - 4- und kamen nach Nom. Der jüngere, Wunibald blieb daselbst mehrere Jahre in Uebung aller Frömmigkeit, der ältere aber, Willibald, begab sich nach Jerusalem, um dort auf dem heiligen Grabe unsers Herrn seine Andacht zu pflegen. Im Jahre 728 kam der heilige Bonifazius nach Rom, um von Papst Gregor II. mehrere Mitarbeiter zur Ausbreitung des Christenthums in Deutschland zu erhalten, und weil er in Rom Wunibald, seiner Schwester Sohn, antraff, so nahm er ihn sogleich nach Deutschland mit. Einige Jahre darauf kam denn auch Willibald nach Deutschland, nachdem er von dem heiligen Lande nach Rom zurückgekehrt, und dort erfahren hatte, daß sein Bruder mit dem heil. Bonifazius nach Deutschland gegangen sei, und dort an der Bekehrung des deutschen Volkes arbeite. Mit welcher Freude sich da die zwei Brüder wieder gefunden haben, läßt sich wohl denken; beide arbeiteten nun fortan mit rast losem Eifer an der Verbreitung des Reiches Gottes, beide hatte der heil. Bonifazius zu Priestern geweiht, dem Wunibald hatte er sieben Kirchen in Thüringen übergeben, den Willibald aber setzte er als ersten Bischof zu Eichstädt ein, nachdem er Eichstädt zu einem Bischofssige erhoben und eingerichtet hatte. Um diese Zeit war es, etwa um das Jahr 740, als der heitige Bonifazius den sehnlichſten Wunsch in sich fühlte, Deutschland nicht nur durch die Predigt des Evangeliums sondern auch durch die leuchtenden Beispiele klösterlicher Vereine beiderlei Geschlechtes im Glauben zu befestigen und 1 zu den reinen Sitten zu befördern, welche die Früchte des wahren Glaubens an Jesus Christus sevn müßen. Schon hatte Wunibald angefangen sich als Ordensmann aus der Regel des heiligen Benedikt die finstern Wälder in der Gegend von Schwanfelden zu bewohnen, und sie mit andern frommen Männern, die sich ihm beigesellten, urbar zu machen und in einen fruchtreichen Garten umzuschaffen, schon hatte sich unter ihm ein Kloster unter den Namen Heidenheim erhoben; allein der heilige Bonifazius wünschte, daß auch das jungfräuliche Leben des andern Geschlechtes in flösterlichen Vereinen auf deutschen Boden gepflanzt werde, damit auch durch diese liebliche Leuchte im Hause Gottes die Gläubigen zur Liebe der milden Sitten angezogen würden, und daß sich namentlich für die Bildung des weiblichen Geschlechtes in den klösterlichen Vereinen Gott geweihter Jungfrauen die Schulen aller weiblichen Tugenden, der heiligen Zucht und Ehrbarkeit, der Zurückgezogenheit und Frömmigkeit, des Gebeteifers und der Arbeitsamkeit eröffnen möchten. Der heil. Vonifazius wendete sich daher an Tetta, die Abtissin im Kloster Winburn in England, und bat sie, ihm einige Gott verlobte Jungfrauen aus ihrem Kloster zu schicken, welche in Deutschland. den guten Geruch Jesu Christi verbreiten sollten. Mit diesen Jungfrauen wurde denn auch nach dem Willen ihrer beiden Brüder, Willibald und Wunibald, Walburga, die sich in jenem Kloster von Kindheit auf Gott geweiht hatte, nach Deutschland berufen, und langte auch nach einer gefahrvollen Reise, auf der sie einmal durch ihr 6- Gebet einen furchtbaren Meeressturm abgewendet hatte, glücklich mit etwa noch 30 anderen Klosterjungfrauen am 4. August 748 zu Mainz bei ihrem Onkel, dem heil. Erzbischof Bonifazius an. Nach gepflogenem Rathe mit dem Erzbischofe und ihren Brüdern, den Bischof von Eichstädt und dem Abte zu Heidenheim, erbaute dieser ein zweites Kloster nahe bei dem seinigen zu Heidenheim, und Walburga bezog es mit noch mehreren andern Jungfrauen aus ihrem Gefolge, und stand denselben als ihre Oberin und Abtissin vor. II. Walburga leuchtet mit allen Tugenden, wird Abtissin beider Klöster, und stirbt im Geruch der Heiligkeit. Walburga wäre wohl lieber die geringste Schwester des Klosters gewesen, als daß ihr der Stab einer Abtisfin in die Hand gegeben war, Andere zu regieren; da sie aber einmal nach dem Willen ihrer beiden Brüder, des Bischofes in Eichstädt und des Abtes zu Heidenheim die Leitung der übrigen Jungfrauen übernehmen mußte, so wollte się dieselben mehr durch die Macht ihres Beispieles als durch die Macht ihres Amtes regieren, und wie sie die erste dem Range nach war, so wollte sie sich auch von keiner Anderen durch die Tugend und Gottseligkeit übertreffen lassen. Sie war allen Jungfrauen im Kloster ein Spiel aller Tugenden, eines vollkommenen in Jesu Christo verborgenen Lebens, und hielt Keine zur Ausübung einer Tu - gend oder eines guten Werkes an, worin sie nicht selbst schon die ersten und größten Fortschritte gemacht hatte. Alle Reden und Handlungen der heil. Abtissin hatten das Gepräge der Frömmigkeit, der Sanftmuth und der Liebe, und man konnte ihrem Eifer zum Guten, zur klösterlichen Zucht und zur Beförderung eines vollkommen Lebens nicht widerstehen, weil man das Wirken des heil. Geistes, aus dessen Antrieb sie allein handelte, und nie ihren eigenen Willen suchte, nicht mißkennen konnte. Ihr Gebeteifer war unermüdlich und nicht nur oblag sie dem Gebete zu den gewöhnlichen Zeiten, sondern auch des Nachts stand sie auf zum Gebete und zu den Betrachtungen, in welchen sie oft mehrere Stunden verweilte; sie unterhielt eine un abläßige Andacht, welche wie eine unauslöschliche Lampe vor dem Allerheiligsten in ihrem keuschen, jungfräulichen Herzen brannte, deren Flamme sie beständig mit dem Dele der Liebe Gottes und des Nächsten ernährte. In ihrer ungeheuchelten Demuth hielt sie sich für die Magd der übrigen Jungfrauen im Kloster, und sie nahm sich deßhalb auch von keiner Arbeit aus, sondern oblag zum erbaulichen Beispiele der Übrigen allen vorkommenden Arbeiten, um ja in den Stunden, die ihr von ihrem Gebete und von der Uebung anderer Werke der Gottseligkeit übrigblieben, nicht müßig zu seyn; denn als eine von Gott so hoch erleuchtete Seele sah sie wohl ein, daß man dem Versucher keinen Augenblick Zeit geben dürfe, weil er leicht eine Gewalt über eine müßige Seele finde. Den kurzen Schlaf, den sie sich gönte, nahm sie größtentheils — - 8.- auf einer harten Lagerstätte, und ihre Nahrung bestand an mehreren Tagen der Woche in nichts andern als in Wasser und Brod. Eine solche Tugend konnte auch unter den Männern des Klosters nicht verborgen bleiben, ihr Ruf breitete sich in der ganzen Umgegend weit und breit aus, und schon ihr Name flößte allen denen, die von ihr hörten, eine besondere Ehrfurcht vor dem Christenthume ein, welches so erhabene Tugenden an den Bekennern desselben offenbar machte; viele wurden durch ihr bloßes Beispiel zum Christenthume bekehrt, viele im Glauben bestärkt, viele wurden durch das weithinstrahlende Licht der Heiligkeit der Abtissin Walburga und ihrer untergebenen Jungfrauen zu einem frömmeren und vollkommeneren Leben auf gemuntert. Im Jahre 760 starb ihr Bruder, der heil. Abt Wunibald in dem Kloster zu Heidenheim, und so groß war die Hochachtung, die man gegen ihre Tugenden und gegen ihre anerkannten Gnaden trug, welche sie von Gott empfing, daß ihr vom heil. Bischof Willibald zu Eichstädt auch die Oberaufsicht über das Mannskloster zu Heidenheim übertragen wurde, dem der heil. Wunibald vorgestanden hatte. So war sie nun Abtissin zweier Klöster, eines Mannskloster und eines Frauenklosters, und während der neun Jahre, als sie beide Klöster unter ihrer Oberaufsicht hatte, rechtfertigte sie durch ihre Weisheit und durch ihre Milde, wodurch sie beide Klöster immer auf der Höhe der reinsten Sitten und der erbaulichsten Frömmigkeit zu erhalten wußte, ihre Erhebung zu dieser Würde. 9 - - Schon zu ihren Lebzeiten verherrlichte Gott seine Dienerin Walburga durch Wunder, von denen ich nur diese zwei anführen will. In der Nähe von ihrem Kloster lebte ein vornehmer Mann auf seinem Landgute; seine einzige Tochter lag in den Zügen. Da pochte es spät in der Nacht an der Thüre; auf die Frage, wer poche, hörte er die Antwort: ,, Ich bin Walburga, wenn du glaubst, daß Gott der höchste Arzt ist, der alle Krankheiten heilet, so wirst du von ihm großen Trost erlangen." Der Mann öffnete voll Schrecken die Thüre, denn er konnte sich nicht denken, wie Walburga aus dem verschlossenen Kloster zu ihm komme. Walburga aber erwiderte ihm es sei nicht ohne Ursache ge schehen, und verlangte sogleich zur Sterbenden geführt zu werden. Sie brachte die ganze Nacht im Gebete bei ihr zu, und des andern Tages brachte sie die am Abende schon in den Zügen liegende Tochter frisch und gesund zu ihren Eltern heraus. Es war im Kloster der heil. Walburga die Sitte, daß bei einbrechender Nacht das Schlafgemach der Jungfrauen erleuchtet werden mußte. Einmal aber verweigerte Grumerandus, der Schaff ner des Klosters, aus Eigensinn den Jungfrauen das Licht. Die heil. Walburga ertrug diese Schmach mit demüthiger Geduld, obwohl sie als Abtissin Mittel gehabt hätte, den Schaffner zur Verabreichung des Lichtes zu vermögen. Sie ermahnte auch die übrigen Jungfrauen, sich ohne Licht zu gedulden, und ruhig ihr Abendmahl einzunehmen; Walburga aber faſtete und begab sich zum Gebete. 2nd sieh, kaum hatte sie eine kurze Zeit gebetet, 2 1 10 so ward der Schlafsaal von einem solchen wunderbaren Lichte erleuchtet, daß der Glanz selbst die Erde zu durchdringen schien, und es wehrte dieses Licht bis zum anbrechenden Tage. Da die Klosterjungfrauen dies sahen, eilten sie voll Freude und voll Verwunderung herbei, Walburga aber gab Gott die Ehre und schrieb dieses Wunder, alle Ehre von sich ablehend, der Fürbitte des heiligen Wunibald zu. Endlich rief sie der Herr in ihrem stebenzigsten Lebensjahre zu sich. Walburga entschlief selig im Herrn im Jahre 770. Schon bei ihrem Tode ließ der Herr offenbar werden, welches Wohlgefallen er an seiner Dienerin gehabt, und zu welcher Herrlichkeit im Himmel er sie erhoben habe; denn sobald sie verschieden war, erschien ihr Leichnam in einer so schönen und jugendlichen Gestalt ( wie es Mehrere sahen, die dieses Anblickes gewürdiget wurden), daß sie das Kleid der Unsterblichkeit auch dem Leibe nach schon angezogen zu haben schien, und ein lieblichsüßer Geruch erfüllte das ganze Haus. Der heil. Willibald Bischof von Eichstädt setzte selbst den Leib der heil. Walburga neben dem Grabe des heil. Wunibald bei, das ganze Volk aber ehrte sie schon als eine Heilige und rief sie um ihre Fürbitte an. III. Von der Verehrung der hl. Walburga nach ihrem Tode. Durch den Verlauf von etwa 90 Jahren fing das Andenken an die zu Heidenheim begra - 11 bene Abtissin Walburga an, abzunchmen, und ihr Grab wurde weniger, als es sich gebührte, in Ehren gehalten, da erschien Walburga dem Otgarius, sechsten Bischof von Eichstädt, und ermahnte ihn, das Kloster zu Heidenheim, das in Verfall zu gerathen anfing, wieder herzustellen und zu vergrößern, ihren Leib aber in ein anderes Ort zu übertragen. Bischof Otgar machte auch sogleich Anstalt zur feierlichen Uebertragung des ehrwürdigen Leibes Walburgä, und sich, als man denselben aus dem Grabe hob, erschienen alle Glieder desselben wie von einem Thau besprengt und wie von einem Dele begossen, alle Anwessenden verspierten einen wunderbaren unaussprechlich süßen Wohlgeruch und alle Stranken und Preßhaften erlangten durch die Ginathmung dieses himmlischen Wohlgeruches - ihre volle Gesundheit. Der Leib der heil Walburga wurde nun unter einem erstaunlichen Zulauf von Menschen in feierlicher Prozession nach Eichstädt gebracht, und in dem Kirchlein zum heil. Freuze, welches nachher in eine prachtvolle Klosterkirche umgebaut worden, beigesetzt. Diese feierliche lebertragung geschah am 12. Oktober 869 und schon im Jahre 870 am 1. Mai versetzte Papst Adrian II. Walburga unter die Zahl der Heiligen. Etwa fünfundzwanzig Jahre nachher erbat sich Liubilla, Abtissin zu Monheim, ron Erchenbold, achten Bischof von Eichstadt, einen Theil der Gebeine der heil. Walburga. Bischof Grchenbold gewährte der Liubilla die Bitte, da sie überdies noch für diese Gnade ihr ganzes Vermögen, welches ihr von ihren Verwandten als Erbtheil zugefallen war, 2* - 12 dem Vischofe zur Verwendung für ein zu erbauendes Kloster für Jungfrauen an der Stätte, wo die ehrwürdigen Ueberreste der heil. Walburga ruheten, zugestellt hatte, und erhob den heil. Leib der Walburga zum zweiten Male, die ehrwürdigen Ueberreste zu zertheilen; auch dießmal fand sich wieder auf den Gebeinen eine wunderbare Feuchtigkeit wie Thau, es blieb aber an den Händen derer, die diese ölige Feuchtigkeit berührten nicht das Geringste kleben. Die Brustgebeine wurden in einen steinernen Sarg gelegt und am Hochaltare feierlich beigesetzt, die übrigen Gebeine wurden an verschiedene Orte zur Verehrung übersendet. Die Verehrung der heil. Walburga verbreitete sich in kurzer Zeit über alle Länder in Europa, und es wurden nicht nur ihre Reliquien an vielen Orten ehrerbietig aufbewahrt, sondern auch Kirchen und Klöster wurden auf ihren Namen und zu ihrer Verchrung erbaut. Reliquien der heil. Walburga befinden sich außer Eichstädt in Bayern noch zu Monheim, in der Klosterkirche auf dem heiligen Berge Andechs, ( wegen der vielen daselbst sich befindlichen heiligen Reliquien heiliger Berg genannt), und zu Windberg in der Klosterkirche am Hochaltare und am Altare des heil. Nikolaus. Außer Bayern befinden sich Reliquien der heil. Walburga zu Prag, zu Cöln, zu Antwerpen, zu Brüssel, zu Arnheim, zu Cadterburg in England, zu Furnes in Flandern, zu Attiniak in Frankreich und an vielen andern Orten. Die vorzüglichsten zur Verehrung der heil. Walburga erbauten Kirchen befinden sich außer 13 Eichstädt, zu Lüttich und Utrecht, zu Trier, zu Furnes, zu Attinak, zu Arnheim, zu Brügge. An den meisten dieser Orte, wird die heil. Walburga an vier Festen des Jahres feierlich verehrt als nämlich: am ersten Mai, als dem Tage der Heiligsprechung; am fünfundzwanzigsten Fe bruar, als am Tage ihres seligen Hinscheidens; am vierten August, als am Tage ihrer Ankunft in Deutschland; am zwölften Oktober, als am Tage der feierlichen Erhebung ihrer Reliquien und der Uebertragung derselben nach Eichstädt, welch letzteres Fest auch gemeinhin das Translationsfest genannt wird. - Wo immerhin die heil. Walburga auf gebührende Weise verehrt wurde, haben sich ihre andächtigen Verrhrer der Erlangung großer leiblicher und geistlicher Wohlthaten zu erfreuen gehabt, und es liegen die glaubwürdigsten Berichte vor, wie auf Fürbitte der heil. Walburga mehrere unbestreitbar wunderbare Heilungen erfolgten, und besonders bei andächtigem Gebrauche des aus ihren heiligen Brustgebeinen fließenden Deles. IV. Von dem heiligen Oele der heil. Walburga. Wir haben schon oben angemerkt, daß sich bei der Erhebung des Leibes der heil Walburga zu Heidenheim, um ihn nach Eichstädt zu überbringen, und wiederhollt bei der Erhebung der heiligen Gebeine zu Eichstädt eine ölige Materie wie in Thautropfen auf den Gebeinen zeigte. Nachdem —4 14. - nun die heiligen Brustgebeine in einen steinernen Sarge auf dem Altare beigesetzt worden, fing dieses Del an fließig zu werden, und den Stein zu durchdringen, von welchem es Tropfenweise in eine untergesetzte silberne Schale zusammenrinnt. Von diesem heiligen Dele hat der gelehrte Jefuite Gretserus im Jahre 1610 eine weitläufige Abhandlung geschrieben, und erwiesen, daß es nicht eine bloße Feuchtigkeit sei, wie sie den Tropfsteinen zukommt, sondern wirklich eine aus den heiligen Brustgebeinen herkommende Feuchtigkeit, eine ölige Materie, durch deren andächtigen Gebrauch schon viele wunderbare Heilungen geschehen seien. Philippus, der neumunddreißigste Bischof von Eichstädt, sagt in seiner Lebensbeschreibung der heil Walburga; Diese Heilungskraft des heiligen Deles, welches vorzüglich aus den Brustgebeinen hervordringt, habe ich an mir selbst erfahren. Als ich nämlich schwer krank darniederlag, kam es mit mir schon bis an das Sterben Da erinnerte ich mich an die Gnabe, welche die heil. Walburga ihren Verehrern erweiset, und ließ mir von dem Oele der wunderbaren Träufung einen guten Theil brin gen. Ich trank eine ganze Schale voll aus, indem ich dabei betete: O heil. Walburga, Jungfrau, aus Achtung für deinen heil. Bruder Willibaldus, dessen unwürdiger Nachfolger ich Philippus, ein Sünder, bin, bitte für mich bei dem Herrn um die Nachlassung meiner Sünden und um die Wiedergenesung von diesem meinen Leiden zur Ehre des allmächtigen Gottes und seiner unbefleckten - Mutter der Jungfrau Maria." Und kurz- an - 15 demselben Tage noch änderte sich meine Krankheit und bald darauf war ich vollkommen gesund. Ich kann mich hier nicht weiter über das Del der heil. Walburga einlassen; aber sie ist nicht die Einzige, bei welcher eine Delbildung aus ihren heiligen Ueberresten vorkommt; die heilige Geschichte kennt viele Heilige des einen wie des anderen Geschlechtes, bei deren heiligen Leibern Delbildungen nachgewiesen werden können. Diese Erscheinung ist immerhin ein Zeichen einer großen Heiligkeit, einer tief innigen Andacht und einer inbrünstigen Liebe Gottes und des Nächsten, worin jene Seelen, denen diese Leiber als Werkzeuge ihrer Tugenden gedient, gelebt haben. Steuartius, ein Niederländer, Nayssius in seinem belgischen Heiligenschaßkaften und Sylvesten Aiossa haben besondere Werke über mehrere Heilige, bei denen Delungen vorkommen, herausgegeben. Anselm Goudin zählt in seinem benediktinischen Weltwunder Walburga mehr als 33 solcher Heilige des männlichen und mehr als 19 des weiblichen Geschlechtes auf mit Angabe der Quellen; auch Raderus in seinem heiligen Bayern macht in der Lebensgeschichte der heil. Walburga mehrere solcher Heilige namhaft. Das Neueste und zugleich Gründlichste über solche Delbildungen findet man in der christlichen Mystik von I. Görres II. Bd S. 37 - 49. 13 - 16- Von der Wallfahrts- Kirche der heiligen Walburga auf dem Lammberge bei Cham. Eine und eine halbe Stunde südöstlich von Cham entfernt steigt der mit frischer und gesunder Waldung bewachsene Lammberg empor, und bietet auf seinem anmuthigen von reinem Aether umströmmten Scheitel eine überaus schöne, Geist und Herz ansprechende, Rundschau dar in das wiesenreiche Regenthal. Da stiegen vor mehreren hundert Jahren fromme Verehrer der heiligen Walburga herauf, und erbauten ihr eine freundliche irdische Raft, eine Kapelle, auf daß sie selbst und Alle, welche diese heilige Braut Christi verehren und sie als ihre Fürsprecherin bei Gott anrufen wollten, einen zu ihrer Ehre geheiligten Ort hätten, wo sie im Gemüthe gesammelt, zur Andacht emporgehoben, ungestört von dem Lärme der Welt, ihre Bitten und Anliegen zu Gott vor dem Bildniße der Heiligen auf dem Altare niederlegen könnten, auf welchem unter der Fürbitte der Heiligen das anbetungswürdige Opfer der heiligen Messe Gnade und Segen erwirken sollte. Nach einer alten Ueberlieferung gewann dieser zu Ehren der heiligen Walburga geweihte Ort auf dem Lammberge in kurzer Zeit ein allgemeines Ansehen nicht nur in der Nähe, sondern auch weit und breit in großer Entfernung, so daß aus den entlegensten Gegenden die andächtigen Wallfahrter herbeikamen, und durch die Fürbitte der 17 heil. Walburga an diesem Orte von Gott Hilfe in ihren Nöthen suchten. Dessen ein Beweis ist, was man noch aus den Zeiten weiß, da die Graf schaft Cham eine Zeitlang dem Lutherthume anheimgefallen war. Wie nämlich an vielen Orten die fanatische Wuth der Anhänger Luthers die Gräber der Heiligen zerstörte, die heiligen Reliquien entehrte, verbrannte, und die Asche in den Wind streute, so unterlag auch dieser der heil. Walburga geweihte Ort und Tempel der Zerstörungswuth der damals in der Grafschaft Cham sich festgesetzten Lutheraner. Allein ob auch Walburgä Rast in einen Schutthaufen zerfallen war, so konnte das doch nicht hindern, daß aus dem angränzenden Bayern die Andächtigen ihre Wallfahrten auf den Lammberg fortsetzten; ja, ob auch die lutherischen Pfleger zu Cham namentlich an den Wallfahrtstagen die Gerichtsdiener hinausschickten, die Katholiken, welche gekommen waren, ihre gewohnte Andacht zu verrichten, mit Gewalt zu vertreiben, so ließen die Verehrer der heil. Walburga doch nicht ab, immer wieder zu kommen, und selbst ihre Opfer auf den Ueberresten. der Mauern niederzulegen. So geschah es einst, daß eine lutherische Näherin zu Chammünster einen der heil Walburga geopferten Flachs auf der zerfallenen Kirchmauer fand; ste nahm ihn mit der spöttischen Aeußerung: der tauge ihr gerade recht zu einem Zwirn. Da sie aber den Flachs abgesponnen, wurde sie kontrakt und am ganzen Leibe aussäßig. Sie erkannte nun ihre That als eine von Gott straffällige Handlung, und schickte so viel Flachs, als sie entwendet mit - 1 18 - noch einem Opfer zurück auf den Lammberg, und in wenigen Tagen erlangte sie ihre vollkommene Gesundheit. Nachdem in Cham der katholische Glaube wieder zu seiner Ehre und Würde gekommen, erhob sich bald durch die reichlichen Opfer der Wallfahrter eine schöne neue Kirche mit einem Chorund zwei Seitenaltären, jener der heil. Walburga, von diesen der eine der heil. Jungfrau und Mutter Gottes Maria, der andere der heil Jungfrau und Martyrin Margaretha geweiht. ,, Wie besucht in kurzer Zeit diese Wallfahrt zur heil. Walburga auf dem Lammberge war, kann man aus einem Briefe abnehmen, welchen der berühmte Jesuite P. Guilielm Faber zu Eichstädt von Straubing aus im Jahre 1654 erhalten hat. In diesem Briefe ward ihm berichtet:„ Als sich am Feste der heil. Walburga am ersten Mai Morgens der ganze Himmel mit trüben Wolken umzogen, und der Erzdekan zu Cham befürchtete, es möchte die ganze Feierlichkeit durch ungestümes Wetter vereitelt werden, knieete er vor dem Bildnisse der heil. Walburga nieder, setzte ein Gläslien ihres heiligen Deles in ihre Hände und rief ste an, daß fie von Gott durch ihre Fürbitte einen hellen und klaren Tag erhalten möchte, damit Niemand der Andächtigen abgehalten würde, an ihrem Festtage hieher zu kommen. Und es verzogen sich auch alsbald die drohenden Wolken, so daß der schönste Tag geworden und man selbigen Tages bei 6000 Menschen auf dem Lamberge zählte. Unter jenen Verehrern der heil. Walburga, 19 welche durch ein Verlobniß auf deu Lammberg große Wohlthaten erlangt haben, ist der Domkapitel Kastner zu Cham Johann Wolfgang Heußer zu nennen Aus Unvorsichtigkeit der Kindswärterin fiel dessen zweijähriges Knäblein, Franz Nikolaus, von einer Bank auf die Erde, und biß sich die. Zunge dergestalt voneinander, daß sie in der Mitte völlig entzwei war, auf der linken Seite aber nur ein wenig mehr gehalten. Es schien, daß das Kind nicht mehr zum völligen Gebrauche seiner Zunge kommen werde. Tief bekümmert begab sich eines Tages der Vater des Kindes zur Ruhe, da wärd er durch einen lebhaften Traum ermahnt, sein Kind zur heil. Walburga zu verloben. Er that es, und alsbald heilte die Zunge, so daß man nachher nur eine kleine Mase aber nicht den geringsten Mangel am Reden bemerkte. So erzählt Anselm Goudin, Benediktiner von St. Emmeram in Regensburg, der im Jahre 1723 den damals sechzehnjährigen Franz Nikolaus Heußer selbst gesehen, und von ihm dieses Ereigniß seiner Kindheit gehört hat. Auch Georg Weber, Bauer von der Bürken, hatte der Fürbitte der heil. Walburga die Heilung seines Töchterleins zu verdanken. Dieses hatte von Geburt aus ein Gewächs am Halse, das wie wil des Fleisch aussah, in Zeit eines Jahres war der ganze Hals davon angesteckt, und das Kind konnte den Kopf nicht anders als auf der Achsel gelent tragen. In diesem Anliegen verlobten die Eltern das Kind zur hl. Walburga auf dem Lammberg, und von Stund an ward es mit dem Kinde besser, und das entsetzliche Uebel war über eine Zeit ganz und gar verschwunden. - - 1 20 1 Wie groß noch im andern Jahrhunderte, vor etwa 50 bis 60 Jahre das Vertrauen der ganzen Umgegend zur heil. Walburga gewesen, will ich aus den Kreuz- und Bittgängen nachweisen, die jährlich auf den Lammberg gekommen sind. Von der Stadt Cham aus zogen jährlich drei Kreuzgänge auf den Lamberg: am ersten Mai, am St. Margaretha und am Tage der Kirchweih als am Quatember Sonntag vor Michaeli. Der erste Mai war aber besonders reich an Kreuzgängen, welche von allen umliegenden Pfarreien am Lammberg zusammenzogen. Das sind die Pfarreien, die am ersten Mai mit dem Kreuze auf den Lammberg sich begaben: 1. Cham und Chammünster mit den Filialen Vilzing und Wilting; 2. Pempfling mit den Filialen Grafenkirchen, Tefering und Kaßbergi 3. Moosbach mit den Filialen Harling, Altenransberg, Zandt; 4. Plaibach mit der Filial Weissenregen; 5. Rimbach mit der Filial Zamming; 6. Schorndorf mit Traubenbach; 7. Cammerau mit Mülltach; 8. Kötzting mit Steinbüchel und Hohenwarth; 9. Runding, Bachling; 10. Michelsneukirchen; 11 Sattelpeilnstein.. Die Zeit des Sturmes, der über die Kirche zu Anfang dieses Jahrhunderts ergangen, brachte auch für diese Wallfahrtskirche zur heil. Walburga auf dem Lamberge einen neuen Sturz. Sie wurde 21 im Jahre 1806 ihrer Altäre, ihres Pflasters und aller ihrer inneren Zierde beraubt, und das leere Gebäude an den damaligen Meßner als Entschädigung abgegeben; die der Kirche gehörigen Kapitalien und andere Einkünfte aus Zehenten und Rechten wurden dem Schulfonde der Stadt Cham einverleibt. Der Eigenthümer des leeren Kirchgebäudes ließ dieses gänzlich verfallen, so daß im Jahre 1832 nur mehr theilweise die Ringmauern standen. Aber auch diese Zerstörung konnte das Vertrauen der ganzen weiten Umgegend zur Fürbitte der heil. Walburga an diesem ihren seit vielen Jahrhunderten geweihten Ort nicht zerstören, und es verging kein Jahr, wo nicht Andächtige selbst auf dem verfallenen Gemäuer erschienen und dort knieend ihre Gelübde lösten. - Im Jahre 1832 endlich wurde der in den Herzen vieler Bürger in Cham genährte Wunsch, die Wallfahrtskirche der heil. Wallburga wiederherzustellen, zur That, und es wurde auf den Betrieb des Hrn. Joseph Fleischmann Tuchscherers von Cham Hand an das gottselige Werk gelegt. Es fehlte nicht an Hindernissen; aber unter dem Wahlspruche: Gott mit uns! heilige Walburga bitt für uns!" und unter der thätigen Mitwirkung des Herrn Seits, bürgerl. Färbers und des Herrn Franz Ring bürgerl. Handelsmannes von Cham, kam endlich der Bau glücklich zu Stande. Und wieder wallfahrten viele Hunderte an diesen Ort, den Gott in Gnaden erwählt, an denen, die ihn hier unter dem Schuße und der Fürbitte der heil. Walburga anrufen, Barmherzigkeit zu thun. - 22 - Noch mangelt es wohl an rechter innerer Einrichtung an einem geeigneten Hochaltare und würdigen Seitenaltären und an der Kirchenzierde, wie es für einen solchen Gnadenort erwünschlich wäre; allein auch dieses wird noch die freigebige Hand der andächtigen Verehrer der heil. Walburga schaffen, damit mit der Andacht und dem Vertrauen zur heil. Walburga auch die würdige Ausstattung des ihr gewidmeten heiligen Hauses übereinstimme. Die auf dem Lammberge nun wieder gefeierten Feste sind: Am ersten Mai, das Fest ihrer Heiligsprechung, als das Haupt- und Titularfest. Es wird mit Hochamt und Predigt begangen.. Am 12. Oktober, das Fest der Translation ihrer heiligen Reliquien von Heidenheim nach Eichstädt, und wird auch mit Hochamt und Predigt begangen; und dieses Fest ist zugleich das Kirchweihfest der Wallfahrtskirche auf dem Lammberge. Indem wir diesen kurzen Bericht schließen, empfehlen wir uns und alle andächtigen Verehrer der heil. Walburga ihrer mächtigen Fürbitte und ihrem mächtigen Schuße, unter welchem wir vertrauen, von Gott Erhörung in allen unseren Anliegen und endlich eine glückselige Sterbstunde zu erhalten. I. Morgengebet. 1. Sobald du erwachest, seufze mit David: O Gott, mein Gett! da der Tag anbricht, wache ich zu dir, du bist es, in dem wir leben, in dem wir uns bewegen, in dem wir sind. Oder: Lobet Gott den Herrn, seine Majestät hat weder Ziel, noch Maaß: von seiner Glorie ist erfüllet Himmel und Erde 2. Alsdann bezeichne dich mit dem Zeichen des heil. Kreuzes und sprich: Das Kreuz Christi sei auf meiner Stirne: die Worte Christi in meinem Munde, die Waffen Chrifti in meinem Herzen. Nun will ich aufstehen und suchen den, welchen meine Seele liebt. Ehre fei dem Vater, der mich erschaffen, dem Sohne, der mich erlöset, dem heiligen Geiste der mich geheiliget. Lobet den Herrn, denn er ist gut, und feine Barmherzigkeit währet ewig. - 24 - 3. Wenn du dich aus dem Bette verfügest, küsse dreimal die Erde in Erinnerung, daß Christus dreimal vor seinem himmlischen Vater auf dem Delberge sich gedemüthiget, und bete mit der Kirche also: Würdige dich, o Herr und Gott! König Himmels und der Erde! heute zu richten und zu heiligen, und zu regieren und zu ordnen: unsere Herzen und Leiber, Gedanken, Reden und Thaten nach deinem Gebote, auf daß wir hier und in Ewigkeit durch deine Hilfe selig und frei zu seyn verdienen: o du Heiland der Welt, der du lebest und regierest in Ewigkeit. 4. Wenn du die Kleider anziehest, sprich mit dem heiligen Paulus: Der Herr ziehe mir an einen neuen Menschen, welcher nach Gott erschaffen in der Gerechtigkeit und wahren Heiligkeit. In wirklicher Ankleidung stelle dir vor das Leiden Chrifti! und zwar: 1. Wenn du das Angesicht waschest, erinnere dich des blutigen Schweises. 2. Wenn du dich bindest, wie Jesus gefangen. 3. Wenn du den Rock anziehest, wie dein Heiland mit dem Narrenkleide angethan. 4. Wenn du bein Haupt bedeckest, wie schmerzlich er gekrönet. 5. Wenn du das letzte Kleid über dich nimmst, wie Jesus das Kreuz auf sich genommen. Zulegt sprich: 25 Komm heiliger Geist! gib mir deine sieben Gnaden, wirke in mir die zwölf Früchte, und ziere mich mit den Tugenden Christi, auf daß heute und allezeit Jefus der Gekreuzigte in mir lebe. Amen. - 1 Nachgehends bete knieend folgende Danksagung: Herr der Heerschaaren! du hast mich bewahret und kennest mich, du kennest, wenn ich ruhe und arbeite, du weißt Alles, was sich jüngsthin und vor Alters zugetragen, denn meine Nieren sind in deiner Hand. Daher nehme ich Morgens Frühe meine Flügel, und schwinge mich mit allen Seraphinen bis zu dem Throne deiner Gottheit, mit verhülltem Angesichte, in tieffter Ehrfurcht dich anbetend: denn du hast in der heutigen Nacht meine Feinde nicht über mich stegen lassen; und da sie ihre Fallstricke ausbreiteten, hast du, o Gott! du Kraft meines Heiles! mein Haupt überschattet. Lobet demnach den Herrn, alle seine Werke, lobe ihn meine Seele, weil er allein große Wunder an mir gethan und dich gleichwie einen Sperling aus der Schlinge der Jäger errettete. Wahrlich groß ist unser Herr, und seine Stärke ist groß. Darum will ich vom Herzen danken, und dich 3 26 wegen aller in meinem ganzen Leben, besonders in dieser Nacht verliehenen Gnaden ohne Ende preisen, aus allen meinen Kräften rufend: Gelobet sei Gott der Herr in der Höhe, in der Feste des Himmels, löblich, herrlich und über alle Dinge erhaben ewig. Du aber, o Herr! laß mich Frühe Morgens deine Barmherzigkeit hören, dein guter Geist führe mich auf die rechte Bahn, und dein Angesicht wende nicht von mir ab. Gute Meinung und geistlicher Bund. O allmächtiger Gott! der du weißt mein Verlangen, und vor dem mein Seufzen nicht verborgen ist, sich, ich erkenne die große menschliche Schwachheit, welche nicht gestattet, in beständiger Vereinigung mit dir zu leben. Darum mache ich aus Liebe und Begierde, dich den ganzen Tag ohne Unterlaß zu lieben und zu loben, jetzt in Gegenwart meines heiligen Schußengels, den ich hierüber zum Zeugen nehme, mit dir nachfolgenden Bund: So oft ich heute den Himmel anschauen oder übersehen werde, will ich dir Glück wünscheu, mich mit dir erfreuen wegen deiner unendlichen Glorie, Herrlichkeit und Vollkommenheit, daß du Univ.- Bibl. Giessen - 27bist, der du bist, nämlich derjenige, unter dem sich beugen, die der Erdkreis trägt. So oft ich mein Haupt neigen werde, so viel tausendmal will ich dich mit tiefster Demuth und zerknirschtem Herzen anbeten, und dir mit allen Völkern Dank sagen für alle Wohlthaten, die du mir vor allen Kreaturen jemals erzeiget haft; denn du bist das wahre und höchste Leben, in dem, von dem, und durch den alle Güter sind, welche selig machen. So oft ich werde seufzen, sollen diese Seufzer die heftige, herzliche Neue über meine und aller Welt Sünden ausdrücken, mit welcher Chriftus am Oelberge alle Missethaten verworfen und bereuet, wünschend, daß ich alle mit meinem Blute auslöschen könnte, wie ich wollte. Dir, o Herr! habe ich meine Missethaten bekannt, und meine Ungerechtigkeiten nicht verborgen. So oft ich eine Hand oder einen Fuß be wege, will ich dir das bittere Leiden und Sterben Jesu Chrifti für meine und aller Menschen Sünden, und zur Erlösung aller armen Seelen aufgeopfert haben; hiezu zeige mir, o Herr! den Weg, und lehre mich deine Fußsteige, führe mich richtig in deiner Wahrheit. 3* 28- So oft ich Athem schöpfe, oder der Puls schlagen wird, so viel tausendmal sollst du unendlich auf die vollkommenste Weise gelobt und gebenedeit seyn, weßwegen ich mit dir diesen unumstößlichen Bund eingehe, daß jeder Athemzug und Pulsschlag deine Glorie verkündige und gleichsam singe: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Gott Sabaoth, alle Welt ist seiner Herrlichkeit voll. So oft mir das Herz klopfen wird, soll dieß ausdrücklich so viel bedeuten, als wenn ein jeder. Schlag spräche: Ich liebe dich, o Herr! mein Gott und Alles! und liebe dich aus allen meinen Kräften nunmehr in der Zeit, der du Alles geordnet von Ewigkeit, und bitte zugleich, daß, gleichwie ich diesen Bund vom Herzen mit dir schließe, du ihn auch aufnehmen und vor dir giltig seyn lassen wollest, wenn ich auch den Tag hindurch nicht sollte denken an den Bund, während ich meine Geschäfte verrichte. Daher rufe ich jetzt und für allezeit mit allen Engeln im Himmel und Gerechten auf Erde: Groß ist unser Herr, seine Stärke ist groß, und seine Weisheit ist nicht auszusprechen. Endlich so oft ich denke, sollst du unzählbar gelobt, so oft ich rede, vollkommen geliebt, so oft ich handle, aufrichtig gesucht werden; weßwegen - 29 1 ich Alles in Vereinigung derjenigen Meinung, mit welcher dein eingeborner Sohn dir das geziemende Lob auf Erde abgestattet, nur allein zu deiner Ehre opfere, mit dem unveränderlichen Vorsate, mit deiner Gnade eher tausendmal zu sterben, als dich heutiges Tages absichtlich zu beleidigen; denn mein Herz und Fleisch erfreuen sich in dem leben digen Gott. Damit aber dieser mein Bund um so kräftiger sei, so will ich ihn mit deinen heiligen fünf Wunden verstegeln und mit deinem heiligen Blute unterschrieben haben; o du Gott! gebiete beiner Kraft und bestätige, was du unter uns gewirket hast. Heilige Maria, meine Frau! heute und alle Tage, und in der Stunde meines Abscheidens empfehle ich mich in deinen besonderen Schuß. Dir vertraue ich meine Seele, all' meine Hoffnung, Angst, Leben und Tod. Mach durch deine heilige Fürbitte, daß mein Herz allzeit inbrünstig im Geiste, fröhlich in der Hoffnung, willig in der Demuth, eifrig in der Liebe, fertig im Gehorsame, kindlich in der Furcht ist und stets suche, was oben ist. Alle Heilige und Erzengel, alle Chöre der himmlischen Geister, alle Heilige und Auserwählte Gottes, besonders meine heiligen Patronen wollen für mich bitten, - 30 — daß mir Gott verleihe einen Verstand, der ihn erkenne, eine Weisheit, die ihn finde, einen Wandel, der ihm gefalle. Amen. Tägliche Protestation. Ounbefleckter Gott! vor dem die Sterne des Himmels nicht rein sind, gieß unsern erschaffenen Seelen, als deinen Ebenbildern, ein die Heiligkeit deiner Sitten, und sei das Vorbild meines Lebens; denn ich bitte durch Alles, was du bist, gib nicht zu, daß ich heute fündige: zu diesem Ende widersage ich allen Gedanken, Einflüsterungen, Worten und Werken, welche deiner Heiligkeit zuwider laufen Du, o Herr! dessen Angesicht der unvergleichlichen Gnaden voll ist, wasche mich noch mehr und mehr von meiner Missethat, und reinige mich von meinen Sünden. Amen. II. Nachtgebet. Danksagung. O Herr! du Gott der Heerscharen! bekehre uns, und zeige uns, dein Angesicht, so wird uns geholfen seyn. Du bist groß, und deine Größe — 31 - ist unendlich. Du hast heute abermal dein Licht über mein Haupt scheinen lassen; und hast mich mit deinen Achseln überschattet, deine Wahrheit hat mich mit einem Schild umgeben, und vor dem Pfeile, der im Tage flog, bewahret; da mein Herz in Aengsten war, hast du mich auf einen Felsen erhöhet und geleitet. Du bist meine Zuversicht geworden. Deßwegen hebe ich meine Hände bei der Nacht auf zum Heiligthume und lobe den Herrn: denn es ist gut, seine Barmherzigkeit am Morgen verkündigen, und seine Wahrheit bei der Nacht preisen. Der Herr segne mich, der Himmel und Erde gemacht, und zeige mir seyn Heil, so werde ich unabläßlich fingen: Lobet den Herrn; denn er ist gut, und seine Barmherzigkeit währet ewig. Amen. Bitte. Ich habe zwar meine Erwägung gehabt in allen meinen Werken, und habe die Werke meiner Hände bei mir erwogen, wer wird aber sehen ohne Licht? wer mag's recht erkennen ohne Gnade? Ich bitte also dich, o Vater der Lichter, dem die Gedanken werden zubereitet und durch den die schwachen Feinde entkräftet werden, du wolleft — 32 - durch deine Gnade meine Nieren und mein Herz bewahren, auf daß ich deinem Namen Ehre und Preis singe, mich also durchsuche, damit ich mich finde und in dir ewig ruhe. Amen. Die Erforschung gibt der heilige Bernhard furz, aber gut an die Hand, da er c. 14. de domo int. fagt: Gehe in dich selbst, und frage dich: 1. Woher du gekommen bist. 2. Wohin du gehen willst. 3. Wie du lebest 4. Was du thuft. 5. Was du unterlassest. 6. Wieviel du täglich zunimmst. 7. Wieviel du abnimmſt. 8. Mit was für Gemüths- Neigungen du zum öftern angegriffen wirst. 9. Wer du im Leben bist. 10. Wer du nach dem Tode seyn wirst. Lobspruch. Du hast Acht genommen auf alle meine Wege, du hast gemerket auf die Fußstapfen meiner Füße. Rene und Vorsat. König, höchste Majestät! der du wirst vor allen Augen die Thorheit der Sünder kund machen, was werde ich anfangen am Tage der Heimsuchung? Es wird der Gerechte schier verzagen, und zu wem soll ich gehen? indem meine heutigen Gedanken, 33 - Worte und Werke im Angesichte des Herrn sich abermal unvollkommen finden: ich habe dich, o mein Gott! durch meine Sünden wie zu einem Ziele der Pfeile gesetzt, und zu einem Zeichen, dem man widersprechen sollte. Du hast mich mit immerwährender Liebe geliebet und ich habe dich umsonst gehafset: weil mein ganzes Leben in Bosheit begraben liegt. Aber nun reuet es mich vom Herzen, nur wegen deiner, weil du das licbwertheste Gut bist, welches alle Könige der Erde sollen anbeten, dem alle Völker sollen dienen. Darum follen aus meinen Augen immerwährende Thränenbäche hervorquellen, weil ich einer irrenden furcht samen Taube gleich geworden bin. O Gott! jetzt ist es beschlossen, gleichwie ich zuvor meine Glieder habe angewendet zur Sünde, also will ich fic hinfür anwenden zu deinem Dienste; mein Fuß soll forthin nicht abweichen von dem Wege der Gerechtigkeit, ich will meinem Munde eine Wache stellen und meine Ohren werde ich mit Dörnern umzäunen. Herr! straf mich nicht in deinem Grimme, und züchtige mich nicht in deinem gerechten Zorne, reiß mich aus dem Wuste heraus. O Gott! mein Erretter! Amen. 4 - 34 - Empfehlung vor dem Schlafe. Herr! Vater Himmels und der Erde! wenn ich in meiner Liegerstatt an dich denke, muß ich unter dem Schatten deiner Flügel frohlocken, denn meine Seele hänget dir an, und dir ist daher mein Seufzen nicht verborgen; daher will ich heute Nachts schlafen in Vereinigung derjenigen Ruhe, die du, mein liebster Jesu! deiner heiligen Menschheit haft zugelassen, nicht zu meinem Vergnügen, sondern zu deines heiligen Willens Erfüllung. Du, o mein Gott! bist würdig, alle Augenblicke geliebt zu werden; nimm also barmherzig auf, daß dich während meines Schlafes statt meiner dein eignes hl. Herz, deine heilige Mutter, alle Engel und Heiligen lieben und loben; ach gestatte, daß miran deinem Herzen mit Johannes zu ruhen erlaubt sey, und gieb mir, daß ich den Athem von deinem hönigfließenden Herzen an mich ziehe, und dein heiliger Geist in meine Seele also einfließe, auf daß fie ganz trunken und versenkt unzertrennlich mit dir vereiniget bleibe, der unvollkommene in den Vollkommenen sich verwandle, und dein ,. nicht mein Geist in mir lebe.. Zudem opfere ich dir auf alle meine Ahem - 35 - züge, Herz- und Pulsschläge, alle Leibes- und Gemüthsbewegungen, durch welche dein heiliger Name vollkommen soll geehret und gepriesen werden. Ich mache auch mit dir den Bund, daß durch jeden so viel föll verstanden werden, als wenn ich spräche: Gebenedeiet sey der Herr Gott Israel von Ewigkeit zu Ewigkeit. Ich widersage auch allen mir vorkommenden Gedanken, Einflüsterungen und Vorstellungen, ja Allem, was nur im geringsten, eine Sünde seyn oder deinem göttlichen Auge mißfallen könnte, und mache jetzt den Ent schluß, eher tausendmal zu sterben, als dich absichtlich zu beleidigen; auf dich hoffe ich, laß mich nicht zu Schanden werden. O Maria! in deinen mütterlichen Schuß empfehle ich mich und Alles, was in mir ist, bittend, du wollest mich von den Nachstellungen des Feindes beschüßen. Mein, heiliger Schußengel sammt allen heiligen Patronen bewahre und exhalte mich, und ertheile mir seinen heiligen Segen; so will ich im Frieden hierüber einschlafen und ruhen. Gott der Herr erleuchte meine Augen, auf daß ich nicht im Tode entschlafe, und meine Feinde sich nicht rühmen, daß sie wider mich ob sieget. Zeig auch, o Herr! das Licht deines An4* 36 gesichtes auf uns, so will ich dir Lob und Dank sagen ewig! L Der Segen. Es segne mich, o Jesu! deine Allmacht, es unterrichte mich deine Weisheit, es erfülle mich deine Süßigkeit, es ziehe mich an und vereinige mich mit dir deine Güte. Der Friede unsers Herrn Jesu Chrifti, die Kraft des heiligen Leidens, das Zei chen des heiligen Kreuzes, die unbefleckte Empfängniß und Reinigkeit Mariä, der Schuß der heiligen Engel, die Fürbitte der Auserwählten feien zwischen mir und allen meinen sichtbaren und unsichtbaren Feinden jegt und in der Stunde des Todes! Amen. III. Meßgebete. Beim Anfange der heiligen Messe. Groß bist du, o Gott! und deiner Größe ist mirgends ein Ende. Deßwegen sey dir Ehre in der Höhe; wir loben dich, wir benedeien dich, wir beten dich an, wir verherrlichen bich, wir 37 1 fagen dir Lob mit den Seraphinen ohne Aufhören: Heilig, heilig, heilig bist du o Gott! Herr Sa baoth, voll sind Himmel und Erde von der Majestät deiner Glorie. Wenn wir dich auch ver herrlichen, so viel wir können, so viel wir wün schen, so übersteigest du doch alle unsere Lobsprüche; denn deine Größe ist wunderbarlich. Du bist das höchste, alleinige Gut, und außer dir kann wirklich kein wesentliches Gut seyn. Sieh, ich stelle dir dar denjenigen, an dem du dein einziges Wohlgefallen hast, ich bringe vor dein heiliges Ange sicht denjenigen, der sich für uns zum Opfer des guten Geruches gegeben Ich opfere dir jenes allgemeine Opfer, von welchem du selbst gesagt haft: vom Aufgange der Sonne bis zum Niedergange ist mein Name groß unter den Heiden und an allen Orten wird mir geopfert und ein reines Opfer von euch gebracht. So sey denn dir Ehre, heiligste Dreifaltigkeit, einige Gottheit, jetzt und in Ewigkeit. Amen. Bei dem Offertorium. O Vater der Barmherzigkeit! ich habe ge fündiget vor dem Himmel und vor dir, und bin forthin nicht mehr werth, daß ich bein Kind ge 38 nannt werde. Aber verwirf mich nicht von deinem Angesichte! Denn in der Hölle, wer wird dich loben? Herr! um deines Heiligen Namens willen sey gnädig meinen Missethaten! denn sie sind sehr groß und häufig. Verzeih mir die Sünden meiner Jugend, und sey nicht eingedenk meiner Missethaten. Ach Herr! daß ich erkennen möchte meine geheimen und fremden Sünden! reinige mich o Herr! von selben und schone deines Dieners ( Dienerin). Den Leib Jesu Christi, der für mich hingegeben worden zur Vergebung meiner Sünden, und das Blut des neuen Testamentes, welches geflossen zur Nachlassung meiner Missethaten, wollest du, himmlischer Vater! an mir armen Sünder nicht verloren gehen lassen. Himmlischer Vater, ewiger Gott! nimm dieß unbefleckte Opfer, welches ich, dein allerunwürdigster Knecht, dir als meinem wahren lebendigen Gott für meine unzählbaren Sünden, Laster, Missethaten und Versäumnisse opfere, damit es deinem heiligsten Angesichte gefallen möge. Amen. Bei Aufhebung des allerheiligsten Leibes Christi D Herr Jesu Christe! an dich glaube ich als die ewige Wahrheit, auf dich hoffe ich als - 39 — die unendliche Güte, dich liebe ich als das höchste Gut, in deine Hände befehle ich meinen Geist. Bei Aufhebung des heiligen Kelches. Das Blut Christi tränke mich, das Wasser der Seiten Christi wasche mich, das Leiden Christi stärke mich. O gütigster Jesu! erhöre mich. Nach der Wandlung. Himmlischer Vater! weil dein eingebørner Sohn, unser Herr Jesus Christus, uns all' dasjenige, was wir bitten sollen, im heiligen Vater unser in den Mund gelegt, so bitte ich denn durch jenes mit Blut und Zähren vermischte Gebet, welches er selbst bei seinem blutigen Opfer am Stamme des heiligen Kreuzes für uns verrichtet und das gnädig erhöret worden, laß mich deinen heiligen Namen ewig heiligen, erfülle meinen Mund mit deinem Lobe, damit ich dir Lob singe. Ja alle meine Gebeine sollen dein Lob und deine Ehre verkündigen Himmlischer Vater! zukomme uns dein Reich, sowohl hier in der Gnade, als dort in der Glorie. Ach wie lange ziehet sich hinaus meine Pilgerschaft! meine Seele hat ja schon lange genug in mir gewohnet, führe fle ein 40 mal hinaus aus diesem Kerker! Laß sie wohnen in jenem Hause, wo man dich ewig lobt: welches ihre einzige Bitte ist. Himmlischer Vater! dein Wille geschehe! O Herr! lehre mich handeln nach deinem Willen: denn zu dir habe ich meine Seele erhoben. Leite, o Herr! meine Schritte nach deinen Geboten und laß keine Sünde über mich herrschen. Führe mich in der Geduld und Liebe Christi, damit ich möge Gott lieben vom ganzen Herzen, aus ganzer Seele und aus allen Kräften, meine Nebenmenschen aber wie mich selbst. Ich opfere mich dir auch im Kreuze und Wiederwärtigkeiten, thu mur und schaffe, was gut ist in deinen Augen, wie dein Wille ist im Himmel, also geschehe es. Sorgfältiger Vater! gieb uns heute unser tägliches Brod; denn es wartet Alles auf dich, daß du ihnen Speise gebeft zu seiner Zeit. Mein Herr! gieb deinen Segen reichlich ringsherum dem Jahre, damit die Felder erfüllet werden mit Fruchtbarkeit. Gott und Herr! Armuth und Reichthum gieb mir nicht, sondern allein meine Nahrung und Nothdurft. Barmherziger Vater! Vergieb uns unsere Schulden, wie wir vergeben unsern Schuldigern! Erbarme dich meiner nach der Menge beiner Erbarmniffe, lösche aus meine Missethaten. - 41- 1 Getreuer Vater! führe uns nicht in Versuchung: denn die Hoffärtigen haben Fallstricke gelegt, und ſuchen meine Seele in das Netz zu bringen! ja ich wandle unter lauter Scorpionen. Gnädigster Vater! erlöse uns vom allem Itebel, denn wir haben sonst keine andere Hilfe, als dich allein Neiche uns deine Hand, und erlöse uns von den Fluthen der Sünden! Setze mich zu dir, dann möge Alles wider mich streiten! Endlich lasse mich von dir nimmermehr geschieden werden in alle Ewigkeit! Das bitten wir durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Geistliche Kommunion O gütigster Jesu! du bist hier unter den Gestalten des Brodes und Weines wahrhaft zugegen mit Gottheit und Menschheit. Mit demüthigem und festem Glauben bete ich dich an als meinen Gott und Herrn; denn du haft gesprochen: Mein Fleisch ist wahrhaftig eine Speise, und mein Blut ist wahrhaftig ein Trank, und der mein Fleisch ist, und mein Blutt trinkt, bleibt in mir, und ich in ihm." Ueberbieß hast du noch andere große Gnaden dem Genießenden versprochen; sieh, meine Seele ist gleich einem Scherben ausgeborret 11 - 42 und seufzet allein zu dir, dem wahren Brunnen des Lebens. Allein weil ich mich wegen meiner Sünden und unvollkommenheiten gänzlich unwürdig befinde und bekenne, also bitte ich dich, o liebster Jesu! daß du doch wenigstens meine arme Seele mit deinen göttlichen Gnaden speisest. Es reuen mich vom Grunde meines Herzens alle begangenen Sünden; ich nehme mir auch kräftig vor, dich nicht mehr zu beleidigen; und weil du gesprochen: ,, Kommet alle zu mir, die ihr mit Mühe und Arbeit beladen seid, ich will euch erquicken," so komme denn, o Jesu! erquicke meine Seele mit dem Gnadenthaue des himmlischen Trostes; denn wen solltest du mehr erquicken, als eine hungrige und durstige Seele? Die meinige aber ist trocken und leer an Tugenden, faul und träge zum Guten; komm denn, ach komme, gütigster Jesu! laß fließen in mein Herz den Himmelthau deiner göttlichen Gnaden, wovon meine Seele gestärket, einen Abscheu vor allen Sünden, Lust und Freude zum Guten, Stärke und Kraft, in den Tugenden zuzunehmen, bekomme. - Zu Ende der heiligen Messe. Allmächtiger Gott! wie soll ich dir vergelten Alles, was du mir gegeben hast, besonders, daß du 43 - die Welt( und mit der Welt auch mich Allerunwürdigsten) also geliebet; daß du deinen eingebornen Sohn gegeben und mit ihm uns Alles geschenkt, auf daß wir Erben Gottes und Miterben Jesu Christi geworden, und zwar damals, als wir noch Sünder waren? Was für einen Lohn denn kann ich dir geben, oder was mag würdig seyn deiner Wohlthat, indem ich durch dich mit allen Gütern bin erfüllet worden? Mein Herr und Gott: dein ist der Reichthum und die Glorie, du herrschest über Alles, in deiner Hand stehet Kraft und Macht, und in deiner Hand liegt Jedermanns Größe. Nun denn, Herr unser Gott! danken wir dir und preisen deinen heiligen Namen, und es ist alles dein, was wir von deiner Hand empfangen haben; ich danke dir, o Herr und König! und lobe dich, Gott meinen Heiland, deinem Namen will ich jederzeit Dank sagen, denn du bist mein Beschirmer und Helfer geworden, und hast mich errettet vom Verderben. Du hast mir gegeben durch die Erschaffung die Natur, durch die Erlösung die Gnade, durch die Heiligmachung das Pfand des ewigen Lebens: denn aus dir, durch dich und in dir ist Alles. Deßwegen ist es billig und recht, würdig und heilsam, daß wir allezeit und an allen 44 Orten Dank sagen. O heiliger Gott! o allmächtiger Vater! o ewiger Gott! durch Jesum Chriftum unsern Herrn. Amen. - Zulegt bei dem heiligen Segen. So segne mich deine Allmacht, es unterrichte mich deine Weisheit, es erfülle mich deine Süffigkeit, es ziehe mich an und vereinige mich mit dir deine unendliche Gütigkeit! Amen. IV. Beichtgebete. Zur Anrufung des heiligen Geistes. Odu Richter der Lebendigen und der Todten! der du die Welt richten wirst und urtheilen nach Recht und Billigkeit! Ach Gott! gib mir, daß ich mich selbst richte, damit ich nicht erst von dir ge richtet werden muß! Hilf mir mein sündiges Herz mit deinem Lichte durchforschen, auf daß du daſſelbe nicht an jenem Tage erst an das Tageslicht bringen müßest! Zünd' an die Kerze meines Verstandes, damit ich meinen verlornen Groschen recht suchen und finden möge. Verleih mir, daß ich alle Win 45 kelchen meines Gewissens emsig durchsuchen könne: damit ja der böse Geist in mir keinen Platz mehr finde, sondern mein Herz zum würdigen Tempel * des heiligen Geistes werde. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Zur Erweckung der Reue und Leid. Ach mein Herr und Gott! ich bin ganz verwirret, und schäme mich, meine Augen zu dir in den Himmel aufzuheben; denn meine Sünden sind gar zu viel geworden, ja sie sind geschwollen bis in den Himmel. O mein Gott! ich habe gesündiget; ich habe übel gethan, ich habe boshaft gehandelt. Ich habe meinen Vater, der mich erschaffen und erhalten, beleidiget. Ich habe den Heiligsten in Israel entrüstet. Ich habe den heiligen Geist be trübet. Ich bin nicht mehr werth, o Gott! daß ich dein Kind genannt werde. Ach! wer gibt denn Wasser meinem Haupte, und eine Quelle meinen Augen, daß ich genugsani meine Sünden beweine. O mein Gott! jetzt habe ich mir vorgenom men und geschworen, daß ich deine Gebote jederzeit fleißig halten wolle. Ja, jetzt ist es beschlossen, und dieses Wunderwerk meiner Bekehrung foll allein deiner gnadenreichen Hand zugeschrieben - 46 werden. Ich will dich lieben, und zwar vom ganzen Herzen, aber du sollst meine Stärke seyn. Vor der wirklichen Beicht. O Vater der ewigen Erbarmniß! nun will ich mit dem verlornen Sohne aufstehen, wiederum zu dir gehen. Ach! ich habe gesündiget wider den Himmel und vor dir; ich habe das köstliche Erbtheil, das du mir mittelst deiner göttlichen Gnade haft anvertraut, so unverantwortlich verschwendet; ich bin nicht werth, daß ich dein Sohn genannt werde; darum lasse mich bei dir seyn, wie den allermindesten aus deinen Taglöhnern. O Gott! gedenke, daß ich nur Staub bin und wie das Gras verwelke. Ach! wenn die Himmel nicht rein sind vor deinen Augen, wenn du auch in deinen Engeln Bosheit gefunden hast, wie darf dann ich vor dir erscheinen, der ich in Sünden empfangen, geboren als ein Kind des gerechten Zornes, von Jugend auf dem Bösen angehangen; ja noch jetzt in mir ein boshaftes Herz trage. So laß mir denn meine Sünde nach, weil selbe Niemand kann nachlassen, als du allein, und der Priester in deinem Namen. Nun will ich meine Sünden beichten und bekennen, weil ich wohl weiß, daß diese Be -47 schämung mir nur zur Glorie vor deinen Augen gedeihe, und dieses bitte ich durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Nach der Beicht. Gütigster Vater! ich falle nieder mit jenem dankbarem Aussäßigen im Evangelium, und sage dir Dank, daß du mich von dem schweren Aussaße meiner Sünden so gnädig haft geheilet. O meine Seele! steh, wie er bir deine Sünden verzeiht, wie er deine Missethaten weiter von sich geworfen, als der Aufgang vom Untergange abstehet; wie er alle deine Krankheiten wiederum geheilet, wie er dein Leben von dem Untergange bewahrt, wie er dich gekrönet hat in Barmher zigkeit, wie er deine Kräfte erneuert, wie die des Adlers, wie er sich rbarmet, wie ein Vater über seine Kinder, der gütige, gnädige und barmherzige Gott. Ich will dieser großen Gnaden und Gutthaten nicht mehr vergessen, ja ich will meine Sünden beständig bereuen in Bitterfeit meiner Seele. Nur halte mich, daß ich nicht mehr, wie der Hund zu dem Ausgeworfenen, und die Schweine zu dem Kothe zurückkehre. Ich bekenne auch, daß ich dir über hunderttausend Thaler schuldig bin, aber habe 48- Geduld mit mir, ich will dir Alles bezahlen bis auf den letzten Heller, nicht zwar aus meinem Säckel, worin nicht einmal zwei Heller sind, wie bei der armen Wittwe, sondern aus dem Schatzkasten deines bittern Leidens und Sterbens, wie auch aller deiner lieben Heiligen und aus den apostolischen Gnaden und Ablässen, um welche ich mich fleißig bewerben will. So soll auch mithin allen meinen Schuldnern vom Herzen Alles nachgelassen seyn, was sie mir schuldig sind, zumal aber verzeihe ich denjenigen, welche mich schwer beleidiget, meine Ehre mir abgeschnitten, unschuldig verläumdet oder mich um das Meinige gebracht zc. Herr verzeih ihnen, denn sie wissen nicht, was fie thun, und dieses durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. V. Kommuniongebete. Meinung vor der Kommunion Liebreichster Heiland! der du aus unbegreiflicher Liebe in diesem Hochwürdigsten Sakramente dein heiligstes Fleisch und Blut so wunderbarlich - 49 zur Seelenspeise hast dargegeben, auch mich so gnädig dazu einladest, damit durch unsern Genuß derselben meiner Seele eine dankbare Erinnerung an das bittere Leiden eingedrückt würde, und um mein Fleisch mit dem Deinigen innig zu vereinen; ich bitte dich, verleih mir die Gnade, daß ich nach deinem göttlichen Wohlgefallen heute mein Herz möge gebührend dazu vorbereiten, und also würdig seyn, diese kostbaren Früchte deiner Gegenwart zu empfangen In dieser Zuversicht komme ich hiemit und opfere deinem himmlischen Vater auf diese Kommunion zu deinen höchsten Ehren, zur Gedächtniß deines bittern Leidens und Sterbens, zur Danksagung für alle Wohlthaten, zu mehrerer Versöhnung und Tilgung der Strafen, welche ich durch meine vielfältigen Sünden verdienet habe, zur Erhaltung kräftiger Gnade wider alle Anfechtungen und Widerwärtigkeiten, endlich damit ich in wahren Tugenden zunehme, mit dir, o Jesu! in Liebe vereiniget lebe, und also auch in deiner Gnade sterben möge. Reinige denn, o Herr, meinHerz von allem Unflathe der Sünden, erleuchte meinen Verstand, bekleide meine nackte Seele mit der himmlischen Zierde deiner Gnaden, damit ich deines allerheiligsten Angesichtes möge würdig 5 50 seyn, stärke in mir den Glauben, vermehre meine Hoffnung, nimm hinweg alles Mißtrauen meines verzagten Herzens, zünde an in meinem Herzen einen Eifer der wahren Andacht, wie ein so hochwichtiges Geheimniß erfordert. Amen. Verschiedene Tugend- Uebungen vor der heiligen Kommunion. Demuth. O Gott! wer bist du? wer bin ich? du bist unerforschlich in deiner Weisheit, groß in deiner Gnade, unbegreiflich in deiner Allmacht. Vor dir müssen sich die himmlischen, irdischen und unterirdischen Kräfte beugen. Ich hingegen bin elend, unverständig, arm, schwach, ein Sünder, ein Abgrund des Nichts. Ist es also nicht ein überaus großes Wunder, daß du des Menschen nicht nur gedenkest, der vom Mutterleibe an schlecht, seinem Leben nach kurz, vor und in dem Tode voll von Mühseligkeiten ist, sondern überdieß in ihn einzu. gehen dich würdigeft? O unermeßliches Wesen! weil ich weder vich, noch deine Vollkommenheit fassen kann, so umfasse du mich. 51 Reine Meinung. Ich bin zwar unwürdig aller Gaben, noch unwürdiger Deiner selbst. Alles, was ich kann, bin, habe, lege ich in deine Hände, mit dieser einzigen Absicht, daß ich Diener im heiligen Sakramente nur darum genieße, weil es dir gefällt, und mir müzet. O Gott! wenn ich dich habe, habe ich Alles. Du allein bist genug, erklecklich, überflüßig; alle Völker sind vor dir, als wenn sie Nichts wären, und sie gelten vor dir als ein lauteres Nichts und als Eitelkeit. Glaube. Du, o Jesu! bist die ewige Wahrheit und sagest: Dieß ist mein Leib. Deßwegen glaube ich fest und kräftig, daß du in der heiligen Hostie mit Leib und Seele, mit Fleisch und Blut, mit Gottheit und Menschheit, und zwar ganz glorreich, als der Herr der Herrschaaren, der über die Cherubine herrscht, zugegen seiest. Ja ob ich schon die Bundmalen nicht sehe, noch die Hand in deine Seite lege, bekenne ich doch, daß du mein Herr und Gott bist. Die allein sei Ehre Lob und Preis in Ewigkeit. 52 Hoffnung. Der Herr ist gnädig und barmherzig, er ist geduldig und von großer Erbarmniß, er kann mir alles geben, weil er unendlich mächtig, und will mir Alles geben, indem er unendlich gütig ist. Ich hoffe also von meinem verborgenen Gott alle Mittel zur Seligkeit, Verzeihung meiner Sünden, Beistand in allen Nöthen, die sieben Gaben des heiligen Geistes, und endlich das ewige Leben Gott, und Herr! du bist gütig gegen Jedermann, und deine Erbarmungen gehen über alle deine Werke. Liebe. Oliebreichster Jesu! aus Liebe zu dir seufzet meine Seele, schmachtet mein Geist; in dir ruhet mein Herz. Dich liebe ich aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, aus allen Kräften, weil du mein Erschaffer und Vater, mein Erlöser und Heiland, mein Gott und höchstes Gut, ja weil du bist, was du bist, und dieses von dir selbst bist! Ich liebe dich über Alles, über mich selbst, folgs lich nicht wegen meiner, sondern wegen Deiner! O Gott! damit ich aber ganz göttlich liebe, verwandle mich in dich. - 53 - Reue. O ich elender Erdwurm! wie habe ich dich, o höchstes Gut, so oft und schwer beleidigen können? O Gott! ich habe gesündiget wider den Himmel und vor dir; ich habe mich verfehlet wieder dich, meinen Nächsten, wider das Heil meiner Seele. Ich bin wie ein irrendes Schaf abgewichen, von nun an aber schäßze, liebe, umfange ich dich als mein einziges höchstes Gut, hasse auch die Sünde über alle Itebel, mit der Bitte: verwirf mich nicht vor deinem Angesichte, und deinen heiligen Geist nimm nicht von mir! Du, o Herr! kennest meine Thorheit, und meine Sünden sind dir nicht verborgen; laß deine Erbarmungen über mich ausgehen, und ich werde dir ewig anhängen! Ueberga be. Du mein Gott und Alles! Du höchste Majestät! da ich dich im tiefsten Abgrunde meines Nichts anbete, schenke ich mich dir ohne Ausnahme, dir übergebe ich mein ganzes Herz, mit der Bitte; daß du mir selbes entweder gar nicht mehr zurückgebest, oder besser heimstellest; dir händige ich ein die Schlüssel meines eigenen Willens, Mache, daß durch dieses heilige Sakrament mein - 54 Wille dem Deinigen gleichförmig werde, deine Gnade allein in mir wirke, deine Obsorge mich ganz erhalte. Nichte und schlichte Alles nach deinem heiligen Wohlgefallen, wie du kannst und willst; denn ich weiß, daß du mich lieb hast. Begierde. Komm denn, mein Geliebter! nach welchem ich mit voller Begierde seufze, ohne welchen ich nicht lebe, in dem ich völlig absterbe! Komm, erfülle mich ganz! Du allein kannst mich segnen, beseelen, heiligen. Das allein bedaure ich bei deiner Ankunft, daß ich nur ein einziges Herz habe, und zwar ein so enges und kleines, da du unendlich liebenswürdig bist. Gieb mir also ein großes, welches dich inniger liebe! Ehrfurch t. O Gott! du bist der unendliche Inbegiff aller Güter, von welchem, durch welchen und in welchem alles sein Wesen erhielt, was immer ein Wesen hat. Deine Ewigkeit ist unbegrenzt, beine Allwissenheit ist durchdringend, deine Majestät ist unbegreiflich. Und ich elendes, sündhaftes, schlechtestes Geschöpf wage es mich dir so freundschaft 55 lich zu nähern. Vor dir versenke ich mich in mein Nichts, und verlange dich in meiner Nichtigkeit in diesem heiligen Sakramente zu loben, mich erfreuend, daß du ein solcher Gott bist, dem nichts abgehet, nichts im Willen und Werke, nichts in Wesen und Eigenschaften. Alle Menschen hingegen sind Erde und Asche. - Bitte. Ungeachtet meiner Armseligkeit vertraue ich ganz auf dein Versprechen, daß jede Bitte in deinem Namen erfüllet werde. Durch den heilligen Namen Jesus bitte ich dich also, du wollest dasjenige ergänzen, was mich wegen mangelhafter Vorbereitung könnte unwürdig machen. Ich bitte für mich und die Meinigen, Bekannte, Freunde und Feinde. Laß mir dieses heilige Geheimniß werden zur Reinigung, Erleuchtung, zum Heile der Seele und zur Heiligung des Leibes. Laß mir dasselbe gereichen zur Besserung meines Lebens, zur Vermehrung der Tugend und Vollkommenheit, zur Wegzehrung für das ewige Leben. Gib, was mir müßlich, nothwendig, heilsam und deinem göttlichen Willen angenehm sei; ich denn schätze tausendmal höher Deinen Willen, als meine Freiheit. 56 Beschluß. Endlich, o ewiger Gott! trete ich zu dem heiligsten Altars- Sakramente deines eingebornen Sohnes, als ein Kranker zu dem Arzte des Lebens, ein Unreiner zu dem Quell der Barmherzigkeit, als ein Blinder zu dem Lichte der ewigen Klarheit, als ein Armer zu dem Herrn Himmels und der Erde, mit demüthigster Bitte: Verleih mir nicht allein zu empfangen das heiligste Sakrament, sondern auch die Wirkung; gieb mir dich selbst und mach, daß mein Gedächtniß Deiner allein gedenke, mein Verstand dich einzig erkenne, mein Wille dich zärtlich umfange und ich von dir weder in der Zeit, noch in Ewigkeit getrennt werde. Amen. - - Andächtige Seufzer vor der heiligen Kommunion. Jesu! ich bete dich an; und was ich nicht fassen kann, glaube ich dennoch. Ich glaube, daß dein Leib, dein Blut im heiligen Sakramente gegenwärtig ist, daß unter den Brod- und Wein Gestalten Gott und Mensch, Jesus Christus genossen wird. Weil du mich denn = 57 41 unendlich liebest, da du dich mir zur Speise giebst, so ist auch keine Liebe in meinem Herzen, als gegen dich, mein Gott! — O Gott! liebevollster Gott! wie schmerzlich reuet es mich, daß ich dich beleidigt habe. Nimmermehr will ich sündigen, sondern dich lieben, beine Gebote halten, die dienen. Sei mir, Jesu! durch dein Leiden und deinen Tod gnädig! denn meine Hoffnung bist du, mein Gott! dein Blut soll an mir nicht verschwendet sein, unendlich gütigster Gott! Jesu! ich liebe dich, und wenn ich es taufendmal sage, so sage ich: Jesu ich liebe dich aus ganzem Herzen. Vermehre die Flammen dieser Liebe, daß mein Herz zu dir, wie der durstige Hirsch zur Quelle eile. Ich liebe dich, Jesu! wenn auch kein Himmel, keine Belohnung wäre. Mein Herz schenke ich dir, o Jesu! komme zu mir, bleibe bei mir, ewig laß mich bei dir sein! Was dir an mir mißfällt, Herr! verzehre durch das Feuer deiner Liebe. Negiere meinen Willen, daß ich will, was du willst. Komm, o Jesu! dich suche ich: freilich bin ich unwürdig: jedoch komm unter mein Dach, sprich ein Wort, so ist meine Seele gesund! 6 - 58- Uach der heiligen Kommunion. Sei gegrüßt, o mein Jesu! o mein so lange gesuchter, inbrünstig verlangter Bräutigam! Meine Seele, woher kommt mir diese Gnade, daß du o Heiland der Welt zu mir kommeft? Wer bist du, und wer bin ich, daß du dich würdigest, mich sogar mit deinem kostbaren Fleische und Blute zu speisen? Lobe meine Seele den Herrn, und Alles, was in mir ist, preise seinen heiligen Namen. O Herr und Gott, laß mich doch kosten die Früchte deiner allerheiligsten Gegenwart! laß mich dich einmal loben und preisen, wie dir gebührt! Du bist mein Gott; darum will ich dich anbeten von ganzen Herzen; du bist mein Heiland; darum will ich bich preisen aus allen Kräften; du bist mein Jesus, darum, will ich deinen Namen rühmen in Ewigfeit! Oihr Cherubine und Seraphine! stimmet an, mit mir Gott zu loben und zu singen: Ehre fei dem Vater ze. Alles, was nur Leben hat im Himmel und auf Erde, soll für mich danken und einhellig fingen: Gelobt und gebenedeit sei Jesus im hochwürdigsten Sakramente: mein ein ziges höchstes Gut, die Liebe meines Herzens, 59 das Leben meiner Seele, mein Heil und Theil in Ewigkeit! Amen. - Erster Akt. Die Verwunderung. Woher kommt mir, o Gott! die Gnade, daß du, der Allerhöchste, eingegangen zu dem Allermindesten, der Allerheiligste zu dem Gottlosesten, die Ewigkeit zu dem Augenblicke, Gott zu einem Menschen, der Schöpfer zur Kreatur, daß den, welchem weder Himmel, noch Erde begreifen können, mein sterblicher Leib, meine nichtige, arme, schwache, zum Untergange geneigte Seele umfasset? Zweiter Akt. Die Anbetung. Vor dir, o Gott! als demjenigen, vor dem auch die Engel zittern, und die Himmel unrein sind, werfe ich mich auf mein Angesicht nieder und preise bich mit allen heiligen englischen Gei stern, Heiligen und Kreaturen. Und anstatt aller, die dich nicht anbeten, will ich in meiner Nichtigfeit vergraben dir als meinem Gott die Anbetung entrichten, eben in jener Gestalt, wie du am 6* 60 Stamme des Heiligen Kreuzes als wahrer Gott und Mensch gehangen und für mich aus lauter Liebe gestorben ist. Dritter Aft. Aufopferung seiner selbst. Sich, meine Liebe! du bist am Stamme des heiligen Kreuzes für mich gestorben, so sollen denn sterben meine eitlen, müßigen Gedanken; das Gedächtniß soll absterben allen sündhaften Vorstellungen, der Wille aller unordentlicher Liebe, die fünf Sinne allem dem, was bisher für meine verdorbene Natur Gelegenheit zur Sünde gewesen. Ich widersage, gleichwie in der heiligen Taufe, der Welt, dem Fleische und dem Satan, sammt allen ihren Eingebungen. Dir aber, o Gott! schenke ich mich auf ein neues mit Allem, was ich bin, habe und durch deine göttliche Gnade vermag, Verstand, Gedächtniß und Willen, meine fünf Sinne, alle Leibes und Seelenkräfte, welche ich ganz zu deinem göttlichen Dienst und zu deiner Ehre anwenden will. Ich erneuere auch meine gemachten Vorsätze, und opfere dir auf, was du immer Widriges über mich verhängen wirst ,, mit ber Bitte um die Gnade, Alles zu meiden, was 2 61 dir mißfällt, und dasjenige zu erfüllen, was du verlangest. Vierter Akt. Die Bitte. Sieh, mein Gott! ich habe dir Alles geschenkt, was ich bin, habe und vermag. Ich weiß zwar wohl, daß ich ohnehin sammt allem, was ich dir aufgeopfert, zugehöre, ohne daß du mir etwas schuldig bist. Nichtsdestoweniger glaube ich, daß du dich von der Freigebigkeit deiner Kreaturen überwinden lasseft, und mir auch noch mehr, als ich verlangen mag, geben kannst und wirst. Also opfere ich dir diese heilige Kommunion noch einmal auf nach meiner Schuldigkeit, um Genüge zu leisten, und bitte dich, du wollest sie annehmen als eine vollkommene Danksagung für alle Gaben, Gnaden und Gutthaten, die du mir von Ewigkeit erzeiget, und noch, wie ich hoffe, in Ewigkeit erzeigen wirst, auch zur Erlangung einer wahren vollkommenen Verzeihung aller meiner Sünden und eines wahren Abscheues vor allen Lastern, damit ich dir, o Gott! anhänge. Ich bitte über dieß um ein glückseliges Ende und eine gnädige Aufnahme in die ewige Freude, daß ich ein from 62 mes auferbauliches Leben führe, die Gebote Gottes und der Kirche genau halte und von allen Missethaten frei sterbe. Wenn ich eine heimliche mir unwissentliche Sünde auf mir haben sollte, o Herr! so erleuchte mich, um solche zu erkennen, zu bereuen, zu beichten, und Alles, was dir wohlgefällig ist, zu erfüllen. Ich bitte dich auch kindlich für das Anliegen der ganzen heiligen katholischen Kirche, für alle Gefangene, Betrübte oder Verlaffene, für alle Ungläubige um ihre Bekehrung, für alle Sünder um wahre Besserung, für alle Gottselige um Beständigkeit und Wachsthum in Tugenden, für meine Eltern, Geschwisterte, Freunde, Feinde und Gutthäter, ja für alle Menschen auf der ganzen Welt, für alle armen Seelen im Fegfeuer um ihre Erlösung, für alle Lebendige und Todte, welchen mein armes Gebet vielleicht kann verhiflich seyn, für Alle, die der heiligen Mutter Gottes und meinen heiligen Patronen am liebsten find. Endlich bitte ich dich, daß du mich gänzlich wollest reinigen und heiligen, in mir als in deinem Throne herrschen, regieren, und mir die göttliche Weisheit ertheilen - 1 63 — Fünfter Akt. Die Danksagung. Zur Danksagung für solche unendliche Gutthaten opfere ich mich selbst mit Allem, was ich bin, habe und vermag. Dir, o Gott! will ich ewig eigen seyn, und begehre Dich durch alle Gedanken, Worte und Werke, durch Alles, was ich den ganzen Tag thun, leiden und zulassen werde, ja durch mein ganzes Leben zu loben, und dir Dank abzustatten. Weil ich aber nicht im Stande bin, dir die schuldige Danksagung abzustatten, opfere ich dir auf Christum sammt allen seinen Verdien sten, und bitte dich, an meinem Danke durch deine Gnade zu ersehen, was meinen Kräften mangelt. Die heilige Jungfrau Maria, alle Engel und Heiligen mögen bir statt meiner würdig danken, dich loben und preisen. Beschluß. Endlich opfere ich dir auf diese heilige Kommunion zur Gewinnung des vollkommenen Ablaffes, bittend, dieselbe mit deinem heiligen Leiden zu vereinigen und dir wohlgefällig zu machen. Ich bitte dich auch demüthig um Verzeihung, für das, was 64 ich in mir vor der heiligen Kommunion oder nach derselben wider dich, o Gott! verschuldet, daß dut mich nicht allein der Früchte derselben nicht berauben, sondern auch mit ihnen mitzuwirken Gnade ertheilen und zugleich mich am Leibe und der Seele dir gänzlich heiligen wolleft. Der allerheiligsten Dreifaltigkeit empfehle ich mich nochmals ganz; Gott dem Vater meine Seele mit ihren Kräften, Gott dem Sohne mein Herz mit allen Gedanken, Worten und Werken, Gott dem heiligen Geiste meinen Leib mit den fünf Sinnen in alle Ewigwigkeit. Amen. 14 1 Ablagebet für das allgemeine Anliegen der Christenheit. Allmächtiger, ewiger Gott! gütigster Vater! fieh an mit den Augen deiner grundlosen Barmherzigkeit den Jammer und die Noth deiner heiligen Firche. Erbarme dich über alle Christgläubige, für welche dein eingeborner Sohn, unser lieber Herr, Jesus Christus! sich so bereitwillig in den Tod gegeben und sein kostbares Blut am Stamme des heiligen Kreuzes so häufig vergossen hat. Durch 65 diese große Liebe deines göttlichen Sohnes wende ab, barmherzigster Vater! die wohlverdiente Strafe sowohl gegenwärtiger, als bevorstehender Gefahren, schädlicher Kriegesempörungen, Theuerung, Krankheiten und betrübter Zeiten. Erleuchte auch und stärke in Allem geistliche und weltliche Fürsten und Regenten, damit sie alles treulich befördern, was zu deiner göttlichen Ehre, zu unserm Heile und zum gemeinsamen Frieden und zur Wohlfahrt der christlichen Kirche gedeihen mag. Verleihe uns, o Gott des Friedens! rechte Vereinigung im uralten, rechten Glauben, ohne alle Spaltung und Zertrennung. Bekehre unsere Herzen zur wahren Buße und Besserung unsers Lebens. Zünde in uns das Feuer der Liebe an. Gib eine eifrige Begierde nach Gerechtigkeit, damit wir als gehorsame Kinder im Leben und im Tode dir angenehm und wohlgefällig seyn mögen. Ich bitte auch, wie du uns zu bitten befohlen hast, für unsere Freunde und Feinde, für Gesunde und Kranke, für Gefangene und Betrübte, für Lebendige und Abgestorbene. Dir sei noch einmal anbefohlen unser Handel und Wandel, unser Leben und Sterben. Laß uns jetzt deine Gnaden allezeit genießen, und dort ewig mit allen Auserwählten dich loben und preisen. Amen. - 66 1 Dreifache Verehrung vor dem allerheiligsten Altars- Sakramente, um eine besondere Gnade durch die Verdienste der heiligen Walburga zu erlangen. Erste Verehrung. O allerheiligste Dreifaltigkeit! ich bete dich vor diesem allerheiligsten Geheimnisse des Leibes und Blutes unsers Herrn Jesu Chrifti fußfällig an, und mit Drangsalen beschweret bitte ich dich durch jene Gnadenwahl, mit welcher du die außerwählte Seele deiner großen Dienerin Walburga, zu so hoher Gnade und Glorie erhoben hast, daß du mich erhören und mit der Fülle deines Trostes erfüllen wollest, auf daß ich in dieser meiner Trübfal und Noth N. N erlange, was du in deiner grundlosen Barmherzigkeit denen, welche dich lieben väterlich aufbewahret hast. Vater unser, Ave Maria. Bweite Verehrung. O unaussprechliche und unerschöpfliche Güte der göttlichen Vorsehung! ich bete dich vor dem 67 Throne des allerheiligsten Altars- Sakramentes demüthig an! in der Trostlosigkeit meines Herzens fliche ich zu dir und bitte dich mit zerknirschtem und demüthigem Geiste durch jene kräftige Gnade deiner göttlichen Berufung, mit welcher die heilige Walburga zu so hoher Stufe der Nachfolge des gebenedeitesten Erlösers Jefu Chrifti erhoben wurde, du wollest meine wehmüthigen Seufzer nicht verschmähen, auf daß ich in diesem meinen Anliegen N. N. von dem Throne deiner Glorie mit Troste dasjenige erhalte, was du in dem Schaße deiner Gnaden denen, welche dich suchen, freigebig vorbereitet hast. Vater unser, Ave Maria. Dritte Verehrung. D unendliche herrliche Majestät des Allerhöchsten! seufzend und weinend wende ich mein betrübtes Gemüth zu dir und bitte durch jente un erschöpfliche Fülle deiner Vergeltung, mit welcher du die heldenmüthigen Tugenden und vollkommenen Verdienste Walburgas sowohl in der triumphirenden, als streitenden Kirche belohnest, sich mein demüthiges Flehen gnädig an, auf daß ich in dieser meiner Noth R. N., im Angesichte des himm 68lischen Heeres einen Theil jener Herzensfreuden finden möge, welche du in dem Lichte deiner göttlichen Herrlichkeiten denen, welche dich gefunden, vollständig mitgetheilt haſt Vater unser, Ave Maria. V. Gott hat sie erwählet vor Andern. R. Und nahm sie auf in seine Wohnung. — Schlußgebet. Allmächtiger, barmherziger Gott! der du alle unsere Schwachheiten heilest! verleihe uns, wir bitten dich, in Ansehung der Verdienste deiner großen Dienerin Walburga, daß wir, die wir in allen unsern Aengsten und Nöthen zu ihrem Schuße und ihrer Fürbitte fliehen, von allen Uebeln des Leibes und der Seele durch deine Barmherzigkeit erlediget werden. Barmherzigster Jesu! der du die heilige Jungfrau Walburga mit dem immerwährenden Glanze der Wunder verherrlichest, verleihe uns gnädig, daß wir das, was wir durch ihre Verdienste redlich begehren, durch ihre Fürbitte wirklich erlangen; der du lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen -69 VI. 3 Neuntägige, oder auch neun Wochen dauernde Andachtsübung zur heiligen Walburga. Erste Novenne.*) Ueber die Tugenden der heiligen Walburga. Erste Woche oder erster Tag. Walburga, die Weise, lehrt uns, Gott allein und das ewige Seelenheil zu suchen. Denn eines ist nöthig. Luk. 10. 1. Zu diesem Ende trachte nach einer reinen Meinung in allen Werken; 2. nach Abscheu vor *) Novennen halten beißt: das Gebet in besondern Anliegen neun Tage, oder neun Wochen wiederholen, wie Christus am Delberge dreimal zum Vater gerufen. Dieses kann folglich auf zweierlei Weise gescheben, neun Wochen, oder neun Tage. Im ersten Falle beichtet und kommunizirt man in der ersten und neunten Woche; im lesten Falle am ersten und lepten Tage.. - - 70- der Sünde und dessen Gefahren; 3. nach Hochschäßung aller Gnaden und Mittel, die dir Gott in deinem Stande gegeben; 4. nach einem großen Fleiße, diese Mittel zu gebrauchen. Uebung dieser Woche. Streben nach einer reinen Meinung. Allmächtiger ewiger Gott! der du Alles zu deinem Dienste und zu deiner Ehre erschaffen hast, und nicht nur wegen des Lohnes des ewigen Lebens, sondern auch wegen deiner unendlichen Güte würdig bist, von Allen, auf ewig gelobt und geehret zu werden: von diesem Augenblicke an opfere ich mich gänzlich auf zu deinem Dienste und zwar: 1. alle meine Gedanken, Worte und Werke. Alle Uebungen meiner Leibes und Seelenkräfte sollen gerichtet sein zur Ehre deines heiligsten Namens. Du allein bist aller Anbetung würdig. 2. zur Danksagung für alle mir an Leib und Seele erwiesenen Gnaden, indem ich Alles von dir habe. 3. zur Erhaltung deiner Gnade und Liebe, ohne welche ich nichts kann. 4. zur Geungthuung für meine Sünden und 71 für die armen Seelen im Fegfeuer; du allein kannst die Sünden vergeben. - 5. zur Vermehrung meiner Verdienste für die Ewigkeit, weil mich dorthin nichts, als die mit einer guten Meinung verrichteten Werke be gleiten. Nimm mich den auf, und alle meine Werke. In Vereinigung mit jener heiligsten Meinung, mit welcher sich Christus vom ersten Augenblicke bis auf den letzten seines Lebens für mich hat aufges opfert, opfere ich mich durch die Hände der seligsten Mutter Gottes, der heiligen Walburga und aller Heiligen. Erhalte mich, o Herr! im diesem Entschlusse. Durch Christum unserm Herrn. Amen. Zweite Woche. Walburga die Engelreine, lehret die Reinigkeit des Herzens. Vor allem bewahre fleißig dein Herz. Sprichw. 4. 1. Erwäge demnach, wie die eitlen WeltCATOIR finder für die Schönheit des Leibes sorgen, selben auf alle mögliche Weise zieren, jedoch als ein -72 - Gräuel vor Gott erscheinen; 2. daß der Leib sammt aller seiner Schönheit ein verächtliches Wesen, und bald eine Speise der Würmer werden muß; 3. hingegen, daß die Seele ein unsterblicher, ewiger, edler Geist, ein Ebenbild Gottes ist. So lange wir die Reinigkeit erhalten, werden wir den. Engeln gleich seyn. Uebung dieser Woche. Streben nach Reinigkeit des Herzens. Christe Jesu! du keuscher Liebhaber der rei nen Herzen, weil ich weiß, daß ich ohne deine Gnade in der Welt nicht rein und unschuldig leben kann, so bitte ich dich, schaff' in mir ein reines Herz, und erneuere in mir den wahren Geist, stärke meine Schwachheit durch deine Gnade, bewahre meinen zum Bösen geneigten Willen durch deine mächtige Hand, durchstich mein Fleisch mit deiner heiligen Furcht, damit ich mein Thun und Lassen nach deinem heiligen Wohlgefallen anstelle, durch keine Sünde von dir abweiche, nichts außer dir begehre. O Gott! nimm weg aus meinem Sinne, was dir nicht gefällt! Amen. 73 — Dritte Woche. Walburga, die Gottselige, führet zur Liebe des Gebetes Bittet, so werdet ihr empfangen. Joh. 16. Gia tim 1. Bete, wenn es dir wohl ergehet, und gedenk, daß alles Gute von Gott sei; darum sollst du ihm danken. 2. Wenn es dir übel ergehet, so sollst du zu Gott rufen, weil dir Niemand helfen kann, als er. 3. Bete so, daß du verdienest, erhört zu werden, nämlich in Vergegenwärtigung Gottes mit lebhaftem Glauben, mit wahrer Demuth, findlichem Vertrauen und Beharrlichkeit. 4. Bete nicht nur eifrig, sondern auch rein, und Gabriks demüthig. Der wohl zu beten weiß, weiß auch wohl zu leben. Uebung dieser Woche. Streben nach der Gnade der Andacht. O Vater der Gnaden, und Gott alles Trostes! der du uns zu beten befohlen, und uns unterwiesen haft, dich im Geiste und in der Wahrheit anzubeten; wie werde ich bei dir bestehen, der ich mich niemals des Gebetes und der Andacht befließen habe? Auf dem Altare meines Herzens ist leider alles Feuer des wahren Eifers erloschen: meine 7 - 71 Gedanken sind ganz hingerissen auf die Geschäfte, und kaum vergeht ein Augenblick ohne Zerstreuung: überdieß ist meine Seele mit Sünden also bemackelt, daß ich mich schämen muß, vor dir zu erscheinen. Was soll ich denn thun, um von aller Trägheit frei zu werden, um mein schuldiges Gebet, woran mein zeitliches und ewiges Heil hängt, nach Ge bühr abzuſtatten? Du Gott der Liebe und Geber aller guten Gaben, nimm hin mein fündiges Herz, säubere und salbe es mit deiner allmächtigen Gnade, reinige mein Gedächtniß, erleuchte den Verstand, entzünde den Willen, auf daß ich dich im Geiſte und in der Wahrheit, das ist: mit lebhaftem Glauben, findlichem Vertrauen und reiner Liebe anbeten möge, und also meine schuldige Andacht wie ein liebliches Rauchwerk zu dem Throne deiner Majestät aufs steige. Durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen Vierte Woche. Walburga, die Eingezogene, ladet alle ein zur Einsamkeit und heiligen Beschäftigung mit Gott. nisk Der die Gefahr liebet, wird darin zu Grunde gehen. Eccl. 3. ung 1. Liebe ein vor der Welt verborgenes Leben; jemehr du dich den Geschäfteu und unnöthiger 75 Ansprache der Welt entziehest, desto fähiger wirst du dich machen, mit Gott zu reden. 2. Liebe die Eingezogenheit nicht nur in äußerlichen LeibesGeberden, sondern auch der innerlichen Versammlung des Gemüthes nach; nichts nüßet die Absonderung von der Welt, wenn man den Weltgeist herumträgt. 3. Suche dein Inneres recht zu ordnen, führe deine Seele in die Einsamkeit und laß Gott zum Herzen reden. pong bid extstung Uebung dieser Woche. Streben nach Einsamkeit und Abtödtung böser Neigungen. Himmlischer Bräutigam, mein Gott und Alles! du begehrest meine Vollkommenheit; durch dein liebliches Herz bitte ich dich, mach' an mir wahr jene Worte des Apostels:„ Ihr seid gestorben, und euer Leben ist mit Christo in Gott verborgen." Ach wann werde ich dieses verborgene Leben in mir verspüren, wann meiner eigenen Liebe absterben, daß ich nach deinem Geiste lebe, und mich nicht mehr so thöricht verführen lasse? O erwünschter Seelentod in Christo! Ich weiß zwar wohl, daß meine große Nachläßigkeit und meine vielen Sünden keine Gnade verdienen: allein wenn du meine Unvollkommenheit hättest 7* - 76 ansehen wollen, wo wäre ich? Du erhältst mich väterlich und gibst mir täglich neue Mittel an die Hand, in deiner Erkenntniß und Liebe zuzunehmen. Und da mir denn so viele unverdiente Gnaden zufließen, so darf ich auch um jene bitten, welche du mir ohnehin zu verlangen besonders anbefohlen hast. Komm o Heiland! und verwunde mein Herz mit jener Liebe, welche die heilige Walburga an dich gezogen und zu der Verläugnung ihrer selbst angetrieben hat. Dir allein ist bestens bekannt, an was für Tugenden es mir ermangle, und wie sehr ich dich deßwegen betrübt habe: verleih mir also deine kräftige Gnade, meine bösen Neigungen auszurotten und mir Tugenden einzupflanzen, welche meinem Stande angemessen sind. Um dieses bitte ich durch die Liebe, mit der du am Kreuze gestorben und das hl. Sakrament des Altars eingesetzt haft: o Jesu, entlasse mich nicht ohne deinen Segen! Amen. 36 Fünfte Woche. Walburga, die Behutsame, erinnert uns, in der Gegenwart Gottes zu wandeln. Wandle vor mir, und seiv ollkommen Gen. 17. 1. Bedenke wohl, was für eine Chrfurcht 77- du der höchsten Majestät schuldig bist, die ihr Auge allezeit auf dich wendet. 2. Fürchte Gott als dei nen Vater, und hüte dich, etwas zu thun oder zu reden, was seinem Auge mißfallen möchte. 3. Solltest du in cine Sünde fallen, säume nicht dich vor sein Angesicht innerlich zu stellen, und um Verzeihung zu bitten. Uebung dieser Woche. Streben nach einem vollkommenen Wandel vor den Augen Gottes. 129 Verleih mir, o barmherziger Gott, alles dir Gefällige zu suchen, zu erkennen und zu deinem Lobe zu erfüllen. Lenke meine Schritte und treibe mich mit deiner Gnade an, alles, was meiner Seele heilsam ist, zu vollziehen. Gieb, o Herr! daß ich mich im Glücke nicht erhebe, im Unglücke nicht unterliege, daß mich nichts betrübe, als was mich von dir abwendet! Gieb, daß ich keinem zu gefallen suche, keinem als dir zu mißfallen fürchte. Laß mir zeitliche Dinge zuwider, und deine Güter allein angenehm sein. Gieb, o Gott! daß ich mein Herz oft zu dir erhebe und meine Gebrechen mit Schmerzen bereue. Mach mich gehorsam ohne Widerrede, arm und keusch im Geiste, aufrichtig in der Demuth. Gieb mir ein gerades Herz ohne - 78 böse Absicht, ein freies Herz ohne üble Begierde, einen Berstand, der dich erkenne, einen Eifer der dich suche, eine Weisheit, die dich finde, einen Willen, der dir gefalle, ein Vertrauen, das dich umfange. Gib, daß ich durch ein heiliges Leben Buße übe, deine Gnaben hier gebrauche und dort der Herrlichkeit genieße! Amen. — * Sechste Woche. Walburga, die Großmüthige, lehrt das Vertrauen auf Gott. Ich habe an den Herrn gedacht, und bin erfreuet worden. Psalm. 76. 1. Laffe dich nicht durch den bösen Feind oder durch eigene Aengstlichkeit zur Kleinmüthigkeit verleiten, als seien deine Sünden gar zu viel, sondern wisse, daß Gottes Barmherzigkeit unendlich größer ist. 2. Wenn dich Gott nicht gleich er höret, so lasse den Muth nicht sinken; bedenke, daß Gott allerlei Wege habe, uns zu helfen, er weiß, wann und wo uns seine Hilfe am dienlich sten ist. 3. Setze deine Hoffnung nicht auf menschliche Gunst oder eigene Klugheit, hoffe auch nicht deßwegen etwas von Gott; denn er hilft nur denen, -79 die bei ihm Zuflucht nehmen und glauben, daß sie ohne seine Hilfe nichts vermögen. Uebung dieser Woche. Streben nach Vertrauen. O Jesus, wenn ich an die Sünden meines Lebens, an die übel angewendete Zeit und an die mir erwiesenen, aber mißbrauchten Wohlthaten denke, so erschrecke ich und werde ganz mit Recht kleinmüthig. Allein was soll ich thun in diesem Zustande? Soll ich denn an deiner Hilfe, welche mir deine gnadenreiche Hand darbietet, verzweifeln? Das sei ferne von mir; dir will ich zu Füßen fallen, und mit dem verlornen Sohne seufzen: Vater, ich habe gesündiget wider den Himmel und vor dir, und bin nicht mehr würdig, dein Kind genannt zu werden. Dieses tröstet mich, daß du mein Vater bist, dessen Eigenschaft ist sich zu erbarmen. Deine unendliche Güte ist weit größer als meine Sünden. Dein verwundetes Herz, deine am Kreuze ausgestreckten Arme sammt so vielen liebreichen Versprechungen geben mir die Zuversicht, du werdest mich nicht verstoßen. Fürchten will ich dich aber mit einer findlichen Furcht, die mich behutsam machet vor deinem Angesichte, fleis siger in deinem Dienste, muthvoller wegen deiner - 80 Güte. Sollte mir der Satan ferner meine Sünden oder das strengste Gericht vorhalten, so will ich meine Augen auf dich wenden, dem himmlischen Vater dein heiliges Blut, deine Wunden und deinen Tod aufopfern und seufzen: Auf dich, o Herr, habe ich gehoffet, in Ewigkeit werde ich nicht zu Grunde gehen. Heilige Maria, heilige Walburga, stärket mich in diesem Vertrauen, daß ich wider alle Versuchungen muthig streite, Gott mit voller Zuversicht diene und bis in den Tod verharre. Durch Jesum Christum unsern Herrn Amen. Jimunid Siebente Woche. Walburga, die Demüthige, strafet den hochmüthigen Weltgeist. Alle Zierde der Königstochter ist von innen. Psalm. 44. 1. Erwäge, daß du vor deiner Geburt nichts gewesen, jetzt noch nichts bist, und villeicht gar bald zu nichts werden müssest. 2. Dein Leib ist nichts anders, als Staub und Asche, und den Würmern zur Speise bestimmt. 3. Deine Seele ist zwar ein edler Geist und Gottes Ebenbild, wurde aber durch die Sünde ein Gräuel der Ver - 81 - wüstung. 4. Bedenke, wie du bei dem überaus demüthigen Jesu bestehen wirst, dem du in der heiligen Taufe versprochen, aller Pracht abzusagen, und ihm in Demuth nachzufolgen. Uebung dieser Woche. Streben nach Erkenntniß der wahren Demuth. O Jesu! du hast uns die Demuth so nachdrücklich anbefohlon, als den Grund aller Tugenden Du hast dich selbst uns als Muster vorge stellt; du hast dich gedemüthigt und bist gehorsam geworden bis zum Tode am Kreuze. Schamroth muß ich werden bei der Betrachtung, wie weit mein Geist von dieser Tugend entfernt ist; mit Furcht und Zittern klage ich mich an, daß ich deine Gutthaten zu der Hoffart mißbrauchet und mich eben in dem erhoben habe, worin ich mich hätte demüthigen sollen Verzeih, o Herr! diese meine Thorheit, und weil ich noch nicht erkenne mein Elend, so habe doch Mitleid mit meiner Blindheit; verleih mir einen Strahl deines göttlichen Lichtes, daß ich sehen möge, wie armselig ich vor deinen Augen bin, da ich durch meinen thörichten Hochmuth von deiner Lehre und deinem Beispiele abgewichen bin. Amen. 8 82 - Achte Woche. Sing Walburga, die Standhafte, d Ichret uns auf dem Tugendwege zu streiten und zu leiden. Sich an, und thue es nach dem Beispiele. Crod. 25. 1. Du wirst auf dem Tugendwege mit dir selbst zu streiten haben, denn deine Natur und Sinnlichkeit werden dir Alles beschwerlich machen.. 2. Die Welt wird deiner spotten, und ihr Wohlleben mit einem verführerischen Scheine schmücken, daß du leicht in Gefahr gerathen kannst; Gott felbst wird dich durch Leiden, wie das Gold im Feuer, auf die Probe stellen. Was wirst du da anfangen? Du mußt bei deinem gekreuzigtem Erlöser in die Schule gehen, und die Worte des hl. Augustin deinem Herzen eindrücken, der da sagt: " In Allem habe ich keine kräftige Hilfe gefunden, als in den Wundmalen meines Heilandes; sein bitteres Leiden versüßet alle Bitterfeit dieses Lebens." Uebung dieser Woche. Streben nach dem Geiste der christlichen Vollkommenheit. Christe Jesu! du starke Triebfeder der keuschen Seclen, der du durch deine Liebe so viele tausend 83 Heilige an dich gezogen, und ihnen Kraft verliehen, daß sie dir auf dem Kreuzwege beständig nachgefolget und dir zu Liebe das strengste Leben geführt und die herrlichsten Tugenden geübet haben; ach! laß mich einmal verspüren die Kraft dieſer deiner Liebe, damit ich einmal mit dir gänzlich vereiniget lebe. Verwunde mein Herz mit jenem: Liebes- Pfeile, der das Herz Walburgä und vieler anderer verwundet hat. Verein'ge meinen Geist mit dem deinigen, daß ich allezeit dir anhange, nach dir seufze, dich finde, bei dir verharre, in Allem mit dir mich berathschlage, nach deinem Rathe m't höchster Demuth, Liebe und Lust all mein Thun und Lassen anordne, und du allezeit mein einziges Gut bleibest, an welchem mein Herz ewig angeheftet bleibe. Amen. Neunte Woche. Walburga, die Liebreiche, lehret, wie wir uns gegen den Nächsten: verhalten sollen. Aber die Liebe ist größer unter ihnen. Korinth. 1. 10. 1. Gegen Gott verhalte dich, wie ein Kind gegen seinen Vater, mit findlicher Ehrfurcht, mit 8* 84 welcher du ihm zu gefallen suchest, und mit Liebe, weil du von ihm alles Gute hast. 2. Gegen Deinesgleichen sei freundlich, übertrage etwas von ihm, daß er auch dich übertrage, hüte dich vor Allem, was Mißverständniß oder Verdruß verur sachen möchte, halte es für den größten Gewinn, wenn du sein Herz gewinnen kannst. 3. Gegen Untergebene sei nicht stolz, noch zu gebieterisch; betrachte sie als Kinder Gottes 4. Gegen die Nothleidenden zeige dich liebreich, nicht nur in Worten, sondern auch in Werken; erweise ihnen ,. was du selbst wünschest, daß dir geschehe.. Un - - Uebung dieser Woche. Streben nach Liebe des nächsten Gott der Liebe und Einigkeit, der du be fohlen, daß wir ohne Unterschied dich unsern Vater nennen sollen, weil wir alle Kinder sind von deinem väterlichen Hause entsprossen; du willst miraber die schönste Gelegenheit an die Hand geben, das Heil meines Nächsten mit Rath und That zu befördern; wie werde ich bei dir bestehen, wenn du mit mir verfahren wirst nach dem Maße meiner geringen dem Nächsten erwiesenen Liebe? Wie viele hätte ich vom Bösen können ab und zu F - 85 - deinem Dienste anhalten? Wie viele habe ich betrübt durch meine Handlungsweise? Verzeihe mir, o Herr! daß ich deiner göttlichen Liebe so böse widerstrebet und hiedurch dein licbvolles Herz be trübet habe. Es ist mir herzlich leid, weit sollen von mir seyn aller Haß und alle Mißgunst; Freunde und Feinde will ich zugleich in dir lieben. Alles Uebel, alles Nachtheilige soll in deinem verwundeten Herzen vergraben werden; o gütigster Jesu! stärke mich, in deine Seite verberge mich. Amen. Schlußgebet. Gütigster Heiland, vor dem Throne deiner göttlichen Majestät opfere ich dir fußfällig auf diese Andachts- Nebungen, die ich unter Anleitung und Fürbitte der heiligen Walburga, meiner werthesten Patron'n, verrichtet habe; aus Liebe und Begierde in deiner Liebe und Erkenntniß zuzunehmen. Ich vereinige Alles, was hiebei Gutes geschehen, mit deinen unendlichen Verdiensten, wie auch mit dem Guten, das die heilige Wal burga zu deiner Ehre verrichtet hat. Sieh an alles dieses und erhöre mein Gebet, gib mir jene Gnade, um welche ich bisher durch die heilige Walburga bei dir gebeten habe. Vor allem mach' es nach deinem heiligen Willen, welcher allzeit heilig, gerecht und weise ist. Sei mir ein gütiger Gott, in deiner Hand liegt mein Loos. 86 Die zweite Novenne. Meinungs- Gebet, vor der Novenne täglich zu wiederholen. Allmächtigster Gott, barmherzigster Vater! der du wunderbar bist in deinen Heiligen, besonders in Walburga, unserer wunderthätigen NothHelferin, und durch ihre vielfältigen Wunderwerke uns genug zu erkennen gibst, wie angenehm dir ihre Verehrung und Anrufung sei: steh, ich deiner Gnade zwar unwürdig, aber durch deine unermeßliche Güte angetrieben, falle dir heute zu Füssen unter dem Schuße dieser deiner erhabenen Dienerin, und bitte dich demüthig, du wollest in Ansehung ihrer großen Verdienste mich fündigen Menschen von deinem Angesichte nicht verstoffen, sondern meine Andachts- Uebung, welche ich jetzt entrichten will, dir angenehm und gefällig sein lassen. Mein Gebet und Alles, was hierbei Gutes verrichtet werden soll, opfere ich dir durch die Hände der Heiligen Walburga auf, zu deinen höchsten Ehren, zur Danksagung für alle Wohlthaten, die du jemals durch sie uns erwiesen, wie auch zur Era langung jener Gnade von der du weißt, daß sie mir am nothwendigsten ist. - 87 - O gütigster Vater! verleih mir deinen götte lichen Segen hiezu, damit ich diese Andacht nach deinem Wohlgefallen möge mit geneigtem Herzen anfangen, und in gewünschter himmlischer Tröstung vollenden. Tagzeiten von der heiligen Walburg a. Zur Matutin. Vater unser. Ave Maria. Ich glaube ic V. Serr! eröffne meine Lippen! R. Mein Mund wird dein Lob verkündigen! O Gott! merk auf meine Hilfe! R. Herr! eile mir zu helfen. V. V. Ehre sei dem Vater, dem Sohne, und dem heiligen Geiste: os And Als er war im Anfange, jeßt und allezeit und zu ewigen Zeiten. R. Amen. Lobgesang. Sich, heilige Walburga! mich In diesem Elend an, Hilf mir im Jammer mütterlich, Zeig mir die wahre Bahn, Daß ich vom Sünden Druck befreit, Auf Gottes Wegen eil' 16 Q - 88 - Zum Himmel hin, wo Herrlichkeit Und Gott nebst dir mein Theil. me mall Antiph. Früh Morgens laffet uns dieser Jung frau süße Loblieder singen. V. Bitt für uns, o heilige Walburga. R. Auf das wir würdig werden der Verhei Bungen Christi. Gebet. D Gott! der du unter deinen unzählbaren Gaben deine großen Wunderthaten auch in dem weiblichen Geschlechte wirkest, verleih uns gnädig, daß wir bei deiner Barmherzigkeit genießen die Fürbitte deiner Jungfrau Walburga, welche uns nicht allein mit dem Beispiele der Keuschheit leuchtet, fondern auch mit glorwürdigen Wunderzeichen erfreuet. Durch unsern Herrn, Jesum Christum, beinen Sohn, der mit dir und dem heiligen Geiste lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. 3 ur Brim. oms V. D. Gott merk auf meine Hilfe. R. Herr! eile mir zu helfen. V. Ehre sei dem Vater ze. Lobgesang. Die Welt versprach dir Herrlichkeit, Sie bot dir selbst die Fron': Doch du kennst ihre Eitelkeit, Und suchst den Himmelsthron. Drum setzt dir Gott die Krone auf, Die ewig glänzen wird. 89 So steh mir bei in meinem Lauf, Der mich zum Himmel führt. - Antiph. Dein Name ist voll Wohlgeruch, wie ausgegoßenes Del. R. Zieh mich nach dir, der Wohlgeruch deines Lebens soll uns zum Wegweiser dienen. Bitt für uns. 2c. V. Gebet wie oben Seite 88. Zur Terz. V. O Gott merk anf meine Hilfe. R. Herr! eile mir zu helfen. V. Ehre sei dem Vater, 2c. Lobgesang. Wie einst des Sturmes wilde Wuth Auf dein Gebet entwich, Und wie des Meeres stürm'sche Fluth Der Herr gestillt durch dich; So hilf mir durch den Strom der Zeit, Wo Stürme stets mir droh'n; Führ' mich zur schönen Ewigkeit, Wo Seligkeit mein Lohn. Antiph. Leuchte uns in deinem Tugendglanze. R. Beschüße uns ferner in deiner Herrlichkeit. Bitt für uns 2c. V. Gebet wie oben Seite 88. 3 ur Sert. V. O Gott merk auf meine Hilfe! R. Herr! eile mir zu helfen. V. Ehre sei dem Vater, 2c. WO & - 90 142 Lobgesang. In Deutschlands Auen leuchtet baldin In 2 Dein Tugendruhm hervor: Dein Beispiel ziehet mit Gewalt Zur Tugendbahn empor. So sei auch mir ein Tugendstern Auf meiner Lebensbahn, Vom Lafter halte mich stets fern, Zur Tugend führ' mich an! Antiph. Du hast die Gerechtigkeit geliebet und gehaffet die Bosheit. R. Darum hat dich Gott gesalbet mit dem Del der Freude. V. Bitt für uns 2c. Gebet wie oben Seite 88. fub sit 3 ur non. V. O Gott! merk auf meine Hilfe. R. Herr! eile mir zu helfen. V. Ehre sei dem Vater 2c. Lobgesang. Der klugen Jungfrau'n Musterbild Zu folgen nur bedacht, Hast du, die Lamp' mit Del gefüllt, Getreulich stets gewacht; O Jungfrau, sei mir stets geneigt, Hilf, daß ich wandle fromm, Daß, wenn der Bräutigam sich zeigt, Zum Hochzeitmahl ich komm'. - - 91- Antiph. Ihr weise Jungfrauen haltet eure Lampen bereit! R. Sehet, der Bräutigam kömmt. Bitt für uns 2e. V. Gebet wie oben Seite 83. Zur Vesper. R. O Gott! merk auf meine Hilfe. R. Herr! eile mir zu helfen. V. Ehre sei dem Vater, 2c. Lobgesang. Einst leuchtete in deiner Zell, Vom Himmel abgesandt, Zur Nachtszeit eine Flamme hell, Von Gottes Huld ein Pfand. Ich bitte, daß die finstre Nacht, Die meine Seel' umhüllt, Erhellet wird durch Jesu Macht, Mit Gnadenlicht erfüllt. Antiph. Sie ist eine weise Jungfrau. R. Ihrem Beispiele werden Jungfrauen nachfolgen, und mit Freude und Frohlocken dem Könige zueilen. V. Bitt für uns 2. V Gebet wie oben Seite 88. Zur Komplet. V. R. Bekehre uns, o Herr, unser Heiland! Und wende deinen Zorn von uns ab. V. O Gott! merk auf meine Hilfe. 92 R. Herr! eile mir zu helfen. V. Ehre sei dem Vater, 2c. Lobgesang. Stets war dein Herz von Lieb' erglüht Für deines Nächsten Wohl; Zu helfen warst du stets bemüht Den Kranken mitleidsvoll. - - So steh' auch mir, Walburga, bei, Hilf mir in meiner Noth, Daß ich von allen Sünden frei Stets wandle bis zum Tod! Antiph. Komm, du Braut Chrifti! R. Mimm hin die Krone, welche der Herr dir von Ewigkeit bereitet hat. V. Bitt für uns 2c. 03310 Gebet wie oben Seite 88. Aufopferung. Walburga, ich ergeb' mich dir Als dein getreues Kind; Sei meine Leit'rin für und für, Bewahr' mich vor der Sünd'! Und wenn mein Auge einstens bricht, Verlaß dein treues Kind dann nicht! Herr! erbarme dich unser. Christe! erbarme dich unser. Herr! erbarme dich unser. duro tie Litanei zu der heiligen Walburga. do di J Christe! höre uns. Christe! erhöre uns. 93 Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser. Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser. Gott heiliger Geist, erbarme dich unser. Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme dich unser. a mai dur e vai d d Heilige Maria, bitt für uns! Heilige Gottes Gebärerin, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Heilige Walburga, = sim o apmi# Du wunderthätige Nothhelferin, Du allgemeine Zuflucht der Bedrängten, Du Hilfe der Kranken, me Du Trost der Betrübten, Du mächtige Fürsprecherin Aller, die Dich verehren, Du Spiegel der englischen Reinigkeit, Du Zierde der Jungfrauen, Du auserwähltes Gefäß der christlichen Vollkommenheit, Die du aus Liebe Jesu die königliche Krone fammt aller weltlichen Pracht verlassen hast, Die du dein Leben hindurch mit vielen Wuns derwerken geleuchtet hast, Die du beständig von Gott durch Wunder und durch den Delfluß aus deinen Brustgebeinen verherrlichet wirst, Bitt für uns! Heilige Walburga, unsere auserwählte Patronin Herr, sei uns gnädig, verschone uns, o Jesu! Herr, sei uns gnädig, erlöse uns, o Jesu! Von aller Ungeduld und Kleinmüthigkeit, erlöse uns, o Jesu! 94 Von den Versuchungen des bösen Feindes, Vom unglückseligen Tode, Oni modo toki Durch die Fürbitte der heiligen Walburga, Durch ihre heldenmüthige Verachtung aller Ehre und Freuden, Durch ihre ausgezeichnete Demuth, Geduld und Liebe zum Kreuze, Durch ihre zarte Andacht zum Sakramente des Altars, Erlöse uns, o Jesu! hochwürdigen Bitte coll Durch ihre unversehrte englische Jungfrauschaft, Durch ihr strenges Fasten und andere heilige Andachts Uebungen, = Durch alle ihre Verdienste, Daß du uns verschonest, wir bitten dich erhöre uns. Daß du uns unsere Sünden verzeiheft, wir bitten dich, erhöre uns. Daß du uns die verlangte Gesundheit verleihen wolleft, wir bitten dich, erhöre uns. Daß du uns als wahre Schußkinder Walburgens segnen und bewahren wolleft, wir bitten dich, erhöre uns. Daß du Allen durch die Fürbitte Walburgens ein glückseliges Ende verleihen wolleft, wir bitten dich erhöre uns. O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmſt die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr, O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser, o Herr! 395 Christe, höre uns. Christe, erhöre uns. Herr, erbarme dich unser. Christe, erbarme dich unser. Herr! erbarme dich unser. V. R. Vater unser 2e. Bitt für uns, o heilige Walburga! Auf daß wir würdig werden der VerheiBungen Christi. Gebet. O Herr! laß die Hilfe deiner heiligen Jungfrau Walburga uns zu Theil werden, damit wir durch ihre Fürbitte erlangen, was wir durch unsere Verdienste nicht vermögen! Durch Jesum Christum, unsern Herrn, der mit dir lebt urd regieret in Einigkeit des heiligen Geistes Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Schlußgebet nach verrichteter Andacht. Sieh, o heilige und wunderthätige Jungfrau Walburga, meine vorgenommene Andacht habe ich mun vollendet. Dir ist bekannt, mit welchem Vertrauen ich mein Herz vor dir, ausgegossen. Zeige nun, liebe Mutter, daß dieß mein Vertrauen und Gebet dir angenehm gewesen. Höre mich in meiner Bitte, gleichwie du so viele andere erhöret und ihnen auch sogar durch Wunderwerke bist zut Hilfe gekommen: ich weiß, deine Verdienste bei Gott sind groß, deine Fürbitte mächtig, deine Liebe, die du gegen alle Bedrängte trägst, ist unauslöschlich: 96 deßwegen hoffe und vertraue ich fest, von dir erhört zu werden. Sollte aber das, was ich begehre, dem göttlichen Willen zuwider, oder zu meinem Seelenheile nicht dienlich seyn, so bitte ich dich, erlange mir von Gott anstatt dessen eine Gnade, von der du erkennest, daß sie mir nothwendiger oder müßlicher ist; denn mein einziger Wille ist, nach göttlicher Anordnung in Allem zu leben. So sei denn und verbleibe meine Fürbitterin bei Gott! Beschüße und Bewahre mich auf dem Wege christ licher Gerechtigkeit; wende von mir ab alle Gelegenheit zur Sünde; laß nicht zu, daß ich Gott meinen Herrn in einer einzigen Sache beleidigen möge; sondern vielmehr auf dem Wege des Heiles täglich fortschreite, in seiner Erkenntniß und Liebe beständig zunehme, und also endlich einmal würdig seyn möge, zur ewigen Glückseligkeit aufgenommen zu werden, und mit dir und allen Auserwählten Gott meinen Herrn zu loben und zu preisen. Durch Christum unsern Herrn. Amen. — VII. Gebete auf die vier Festtage der heiligen Walburga. dise 1. Am 25. Februar, als am Tage ihres Ablebens Ich erinnere mich heute an die Herrlichkeit, welche dir, o heilige Jungfrau Walburga, zu Theil wurde, als du am heutigen Tage zur Anschauung Gottes gelangteft, und im Glanze der Reinheit zu 97 den Freuden des Himmels eingehen durfteft. O wie sehr sehne ich mich, auch einst in deine Gesellschaft zu kommen! Aber wie sehr muß ich bes fürchten, von Gott wegen meiner vielen Sünden verstoßen zu werden! Darum nehme ich zu dir, heilige Walburga, meine Zuflucht; ich flehe dich an um deine Fürbitte und Hilfe. Erwirb meinen Herzen wahren Bußgeist und meinen Augen eine Quelle der Thränen! Erlange mir die Gnade, daß ich Gott bis in den Tod treu verbleibe, durch deine Nachfolge mich zu einem seligen Ende bereite und endlich mit dir Jesum, deinen und meinen Geliebten, von Angesicht zu Angesicht schauen möge!' O Gott! der du unter demen unzählbaren Gaben deine großen Wunderthaten auch in dem weiblichen Geschlechte wirkest, verleih gnädig, daß ich deiner Barmherzigkeit stets, besonders in meiner Sterbstunde genieße, und der Fürbitte deiner heiligen Jungfrau Walburga, welche nicht nur durch das Beispiel der Keuschheit, sondern auch durch große Wunder leuchtet, mich erfreuen möge! Durch unsern Herrn Jesum Chriftum Amen. 3 Vater unser und 3 Ave Maria. - 2. Am 1 Mai, als am Tage ihrer Heiligsprechung. Gott und Herr! durch die Verdienste der heis ligen Walburga, wegen welcher sie am heutigen Tage gewürdigt wurde, als eine edle Zierde der Kirche in die Zahl der Heiligen eingeschrieben zu werden, bitte ich dich, du wolleft mir verleihen einen so lebhaften Glauben, daß ich stets meine Gedanken, Worte und Werke so ordne, als ob 9 98 ich dich mit leiblichen Augen vor mir sehen würde. Gib, daß ich dem frommen Lebenswandel der heiligen Walburga stets nachfolge und in Allem mur dir zu gefallen suche!. O Gott! der du die heilige Jungfrau Walburga gelehret hast, dem himmlischen Reiche das irdische nachzusetzen, verleih durch ihre Fürbitte, daß ich die zeitlichen Güter so gebrauche, daß ich die ewigen nicht verliere! Durch Christum unsern Herrn. Amen. ten opa bowlan 3 Vater unser und 3 Ave Maria. - - 3. Am 4. August, als am Tage ihrer Ankunft aus England. Himmlischer Bräutigam, Jesus Christus! gib mir jene Liebe in das Herz, welche deine reine Braut, die heilige Walburga, gegen dich bezeigte, als sie ihr Vaterland, Krone und Wohlstand verließ und durch Ungemach und Beschwerden dich zu suchen bemüht war. Gieb mir die Kraft, daß ich alles vergänglichen Weltglückes mich entschlage, nach dem Beispiele der heiligen Walburga die Bande, womit die Welt mein Herz umstricket, starkmüthig zerreiße, alle Lauigkeit und Bequemlichkeit aus meinem Herzen verscheuhe, nur bir lebe und endlich auch in dir sanft ruhen möge! Würdige mich, o Herr! die Gnade beines Segens durch die Fürbitte deiner heiligen Jungfrau Walburga zu erhalten, auf daß ich ihren glorreichen Namen preisen und ihre mächtige Hilfe in allen meinen Nöthen erfahren möge. Durch Christum unsern Herrn. Amen 3 Vater unser und 3 Ave Maria 99 4. Am 12. Oktober als am Feste ihrer Erhebung Der heutige Tag erinnert mich an die vielen Gnaden, welche Gott bei der Erhebung deiner heiligen Reliquien, o heilige Walburga gewirket, indem so viele durch deine Fürbitte das Wohlsein des Leibes und der Seele erhielten. Darum bitte ich dich, du mögest auf meine franke Seele einen einzigen Tropfen deines Gnadenöles herabfließen lassen, damit mein Herz gereinigt werde von sündhaften Gedanken und verkehrten Neigungen, damit es gestärkt werde gegen Trübfalle und Verführungen, damit es Gott allein fürchte und treu liebe! D Gott! der du durch den wunderbaren Del fluß den Namen der heiligen Walburga als ein süßes Del in die Herzen deiner Gläubiger eingegoßen haft, verleih gnädig, daß ich von dem fostbarem Brunnen deiner Gnaden in diesem Leben erquifet werde, und in dem andern von dir das ewige Heil erlange! Durch Jesum Chriftum unsern Herrn. Amen. 3. Vater unser und 3 Ave Maria. VIII. Bittgebet zu der heil. Walburga in besondern Anliegen. Heilige Walburga, nebst Jesus und Maria, treue Zuflucht und Zuversicht meiner Seele! et laube mir heute, mit kindlichem Vertrauen mein Herz vor dir auszuleeren und mein bewußes An liegen demüthigst dir vorzutragen! Umwürdig bin ich zwar aller deiner Hilfe und Fürbitte, weil ich dich bisher so wenig geehret und durch viele Sünden 100 den Brunnen der himmlischen Gnade selbst verstopset habe; dennoch tröstet mich dein mütterliches Herz, welches noch keinen verlassen hat, und so wohl das Heil der Sünder als das Wohl deiner Gnaden Kinder sich angelegen sein läßt. Wenn du noch bei uns auf der Welt wäreft, und mit leiblichen Augen ansehen würdest meine betrübte Lage, so würde es deiner königlichen Milde unmöglich sein, mich in meinem Leide ungetröstet zu lassen; wieviel mehr wirst du jetzt dich meiner annehmen, da du nicht allein mein Kreuz in Gott flar siehst, sondern auch viel mächtiger und ge neigter bist, allen Bedrängten zu helfen. Bin ich ein unwürdiger Sünder, so weißt du dennoch genug Mittel, mich als ein irrendes Schäslein wiederum zu dem Wege des Heils zu führen. Habe ich zu deiner Ehre bisher nichts würdiges ver richtet, so ist doch dieses mein fefter Entschluß, hinfür dich als meine wertheste Mutter täglich zu ehren, und meinen Lebenswandel also einzurichten, daß ich möge würdig werden, den schönen Namen eines Walburgischen Schuß Kindes zu führen. Sei mir denn, o liebreiche Jungfrau, rine treue hilfreiche Mutter! Bedinke, was du während deines irdischen Lebens selbst uns gelehret, wie man in der Vedrängniß von ganzem Herzen sich zu Gott wenben, und mit kindlichen Vertrauen den gewünschten Trost erwarten soll. Sieh! von ganzen Herzen vertraue ich auf Gott und deine Fürbitte und werde nicht ablassen zn bitten und zu hoffen, bis Gott endlich die erfreuliche Gnade seines himmlischen Segens über mich sendet und ich in schuldiger Danksagung deine mächtige Fürbitte beständig preisen möge. Amen. 〃 hazy entrofe Amaben banci Inches 1 Centimetres Blue 2 13 4 Cyan 21 ¹6 7 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 9 110 11₁1 Red 12 LO 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black CO