96 1491 да ув GB 1421 1 до Gezeichnet v. Joh Ender. t Stahlftich v. Dav. Weil's in Wien HEILIGE ANKLANGE Gebete für katholische Chriſten J. S. ALBACH Priester aus dem Orden des heil. Franz V.. rauge in der Höh, in Freud und Leid vertrauend- Hab ich mit Jefu überall blofs unbedingt das Flehe DEIN Wille, nicht der meinige, foll ftets an mir gefchehen. 2EHNTE nach der vermehrten achten unveränderte Originalauflage. Mit sechs Stahlstichen. PESTH 1848 Aſsisi. BRÜDER 4. am Anfange der Herrengalse, dem Kloster der W.W.E.E.Serviten gegenüber. Schrift Wiedermann in Wien 1 MÜLLER J. & дів 1421 Univ.- Bibl. Giessen Fatb Vorerinnerung. Gegenwärtige Gebete sollen keine Mußvorschriften seyn, die des Geistes heiligen Flug beengen; nur Winke die ihm die Richtung andeuten, und Anklänge die die verwandten Saiten im Menschenherzen anstoßen sollen: damit diese dann forttönen wie es den Verhältnissen, der Gemüthsstimmung und den geistigen Bedürfnissen der Einzelnen entspricht. Hienächst eine zweifache Bitte. Beten heißt mit Gott seyn. Zwar ist Er immer mit uns, doch wir sind nicht immer mit Ihm. Seyen wir es wenigstens, wann wir zu Ihm reden. Nicht der bloße L aut spreche Ihn; dieß ist Entweihung. Unser Sinn, unſer Gefühl, unser Leben sey oben. Der Menge braucht es dabei nicht. Was anklingt, ob noch so wenig, werde dem Ganzen da und dort entnommen, und still zum eigenen Bedarfe verwebt. Eine Minute Gebet vom Herzen ist besser als eine Stunde Lippenwerk. — Beten heißt den Geist erheben. Nicht also die Rede zu Gott benüßen zum Einkaufs1 mittel für flüchtigen Tand, nicht gleich gewinnsüchtigen Mäklern taglöhnern bloß um irdischen Preis und das hohe Geistige herabziehen zum Dienste des Vergänglichen; sondern es den Geist der Unvergänglichkeit bereiten lassen- das sollen wir. Darum Veredlung des Denkens und des Seyns; Erhebung himmelan;. Erinnerung an des Lebens Wichtigstes; Demuth, Vertrauen, Zufriedenheit bei angenehmen und unangenehmen Begegnissen; Stärkung des Glaubens; Befeuerung des Pflichtgefühls- das ist es, was wir im Gebete suchen sollen. Hat es uns diesen Vortheil gebracht, so ist auch desselben schönstes Ziel erreicht, und wir haben uns ein Gut errungen das alles Erdengut- für welches wir ohnedieß bei unserer fargen Einsicht nur Ein Gebet wagen dürfen:" Herr, Dein Wille geschehe!"- weit überwiegt; da es in aller Noth hilft, und der Bestz weniger gefährdet iſt. - Morgengebet. Mein Schöpfer und Erhalter! Du bist der Geber alles Lebens; Du seyest auch mein erster Gedanke an diesem neuen Tage meines Lebens. Deine Güte ließ mich wieder zum Lichte erwachen; Deine Güte bewahrte in den entwichenen Stunden der Bewußtlosigkeit meinen Leib und meine Seele vor jedem Übel; bewahrte mich vor dem plößlichen Hinübertreten in die ernste Ewigkeit. Dank Dir Unendlicher! für den unverdienten Segen. Wie Viele hat Dein Bote in dieser Nacht gerufen! Sie sind vor Dir gestanden ihr Schicksal ist entschieden. Ob Dein Bote sie bereitet traf, ob nicht; ob ihre Werke ihnen zur Seligkeit oder zur Verwerfung gereichten- sie sind vor Dir gestanden gefallen ist ihr Los unwiderruflich für alle Zeiten!.... Mir aber gabst Du einen neuen Tag, um der Pflicht, um der Vervollkommnung, um Dir, und in Dir mir und meinem wahren Wohle zu leben. Mir verliehst Du hiemit wieder Gelegenheit meinen Geisteswerth - 1* zu steigern, und die reichen Verheißungen der Zukunft mir zu erwerben; und machst dadurch jede Klage, als ob es mir für meine fittliche Bildung und zum Wirken meiner Seligkeit je an Zeit gemangelt hätte, für jetzt und einst unmöglich. O laß mich des Geschenkes auf das ich zu rechnen nicht befugt war, werth erweisen! laß mich meinen Pflichten treu nachstreben, und fanft und gut durch die Lebensstunden wallen die mir Deine Milde heute wieder beschied; laß mich meine Erdengeschäfte mit Eifer und Gerechtigkeit vollbringen, und dabei stets der Seele Vortheil mehr als des Leibes Wohl beachten; entferne überhaupt meinen Sinn von allem was Dir und Deinem heiligen Gesetze zuwider ist: damit der Abend mir trostvolles Zeugnis gebe, und ich furchtlos, und Deines Schutzes werth und sicher, mich dem ungewissen Halbtode der Nacht wieder vertrauen könne. Amen. Das heilige Mesopfer. 8 $ 14 Vorbereitung. Erfreulich sind mir Deine Altäre Herr der " Heerscharen, mein König und mein Gott"*)! darum sinke ich demuthvoll an die Stufen derselben hin, um in stiller Rührung das unblutige Andenken dessen zu feiern, was einst blutig auf dem Berge des Opfers für mich geschah. Laß mich Dich anbeten fromm und dankbar, Herr, Du mein Begnadiger! Du bist der Gott meines Herzens; laß mich Dich anbeten im Geiste und in der Wahrheit, in Ehrfurcht und heiliger Versammeltheit! Nicht nur mein Körper, auch meine Seele stehe jetzt vor Dir. Durchdringe mein Innerstes mit den Schauern Deiner Gegenwart und laß mich nicht zum Heiligthume ein Gemüth, mit Unheiligem beschäftigt, bringen. Alles was nicht dem Himmel angehört, bleibe jetzt hinter mir; hinter mir die irdische Freude und die irdische Sorge, und alles was *) 83 Psalm, 2 Vers. 6 nicht Du bist: damit ich nicht der unaussprechlichen Liebe, womit Dein Eingeborner für mich dem Schmerzvollsten Sich geweiht hat, Hohn zu sprechen und bei der Erneuerung des Opfers, wodurch Er mein Heil begründete, des Geopferten und meines Heils zu spotten scheine. In tiefer Verehrung bringe ich Dir dieſes Opfer dar als ein Zeichen meines Glaubens; als eine Anerkennung Deiner Majestät, und " daß Du allein Der seyest der Du bist, und kein Gott außer Dir; allein Der der vernichtet und belebt, und keiner der von Deinen " Händen retten kann"*). Ich bringe es Dir dar als Dankopfer für alles Gute was Du mir bis jetzt verliehen hast, und zugleich als innige Bitte für die Zukunft; als einen Engel des Rufens und des Flehens, der Deine Gnade über mich, über Jene die meiner Seele theuer sind, und über alle meine Menschenbrüder niedertrage. Ich bringe es Dir endlich dar als ein heiliges Friedensopfer zur Vergebung meiner Sünden. 11 Siehe huldvoll nieder auf das was ich Dir entrichte, Ewiger! Dein Sohn ist es, der Sich liebevoll für unser Heil hingegeben hat, den ich Dir hier wiedergebe. In Ihm lege ich *) 5 Buch Mos. 32 Hauptstück, 39 Vers. 7 die Gabe meines Glaubens, meiner Anbetung, meines Dankes, meiner Bitte, und die Gabe zur Versöhnung meiner Miſsethaten mit Vertrauen auf Deinen Altar nieder. Dein Segen über mich und Alle die mir angehören, und Alles was durch Deine Gnade lebt, durch dieses Opfer, Heiliger!, Dir, dem " Könige der Herrlichkeit, dem unsterblichen unsichtbaren einzigen Gotte sey Ehre und " Preis von Ewigkeit zu Ewigkeit"*). Amen. 11 3 um Eingange. Die offene Schuld. Neuig bekenne ich daß ich gesündigt habe, Vater! Drückend lastet es auf mir bei der Erinnerung an so manches, was ich in den vergangenen Tagen meines Lebens gewollt und gethan habe meine Schuld- meine Schuld- meine große Schuld! Nur die Gewißheit, daß Deine Gnade größer sey als unsere Schuld, und die Überzeugung des Apostels, daß wenn einst der Thiere Blut und Asche die Unreinen heiligte um so mehr das Blut Christi, der Sich selbst durch den heiligen Geist untadelhaft Gott dargegeben hat, unser 11 11 *) 1 Brief an Timotheus; 1 Hauptst., 17 Vers. - 8 " Gewissen von todten Werken reinigen müsſe"*), ermuthigt mich zu Dir zu rufen: m Zum Kyrie. Kyrie eleison- Erbarme Dich unser, o Herr! Chrifte eleison- Jesu Mittler, schone unser! Kyrie eleison- Herr, sey den Verirrungen Deiner Kinder gnädig! Nach Deiner großen Barmherzigkeit vergib mir meine Sünden, und nimm mich zur Zahl Deiner Reinen wieder auf. Stehe mir in Beherrschung meiner Leidenschaften bei, und führe mich an Deiner Hand zum Lichte und zur Gnade, das ist, zur Erkenntniß und zur Besserung; damit das Werk des Mittlers nicht an mir verloren gehe. Amen. 3 um Gloria. Worte der Kirche. Ehre sey Gott in der Höhe, und Friede auf Erden den Menschen die eines guten Willens sind! Wir loben Dich, wir benedeien Dich, wir beten Dich an, wir preisen Dich, wir danken Dir ob Deiner großen Herrlichkeit, Gott, *) Brief an die Hebräer; 9 Hauptst., 14 Vers. himmlischer König, Herr, Vater, Allmächtiger! Herr Jesu Christe, Eingeborner Sohn, Herr Gott, Lamm Gottes, Sohn des Vaters, der Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser! Der Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, nimm unser Flehen an! Der Du fizest zur Rechten des Vaters, erbarme Dich unser! Denn Du allein bist heilig, Du allein der Herr, Du allein der Allerhöchste, Jesu Christe, mit dem heiligen Geiste, in der Herrlichkeit Gottes des Vaters. Amen. - " Darin offenbarte sich o Vater! Deine " Liebe, daß Du, bevor wir Dich liebten, " uns Deinen Eingebornen gegeben hast, damit wir durch Ihn das Leben hätten"*). Ehre sey Dir in Deinen Höhen, und Friede hier auf Erden Deinen Kindern- Friede in ihren Wohnungen, Friede in ihren Herzen- jener Friede, den nicht die Welt, den Du nur gibst! Benedeiung sey Dir, daß Du uns dem Erlöser von des Irrthums und der Sünde Banden zum Eigenthume geweiht hast, damit Er uns zum ewigen Frieden in Deines Himmels Reich einführe. Sey o Herr, mit uns und mit unserm Geiste jetzt und in allwege! Amen. — *) 1 Brief Joh. 4 Hauptstück, 9 und 10 Vers. 10 Zur Episte[. Bon Anbeginn sprachst Du Erhabener, durch Deine Werke; die Himmel erzählten Deinen " Ruhm, das Firmament gab Deiner Hände " Walten kund"*). Doch der Sterbliche verstand Dich nicht; oder deutete was Deine Werke riefen, unrecht. Die Spuren die ihn zu Dir führen sollten, verleiteten ihn zum Irrthume; was Du schufft, sette er auf Deinen Schöpferthron, und viel an Grausamkeit und Sünde war im Gefolge seines Wahnes. Danach Tausenden von Jahren erscholl die Stimme Deiner Boten von Aufgang bis zum Niedergange und Licht ward es aus Nacht; und was da weise gerecht und menschlich, was liebevoll und versöhnend, was jeder Kenntniß Krone und jeder Tugend Keim ist, wurde den Seelen Deiner Menschen eingeflößt. - O Dank Allgütiger, daß Du Tag in unsers Gemüthes Dunkel strahltest! Dank, daß Du von Oben Lehrer uns gegeben haft, die Deiner Würdiges und uns Erhebendes in unsern Verstand und unsere Herzen zu senken sich bemühten! Steigere in mir den Eifer, ihrer Sorgfalt und Deiner Gnade zu entsprechen, *) 18 Psalm, 2 Vers. 11 und Dein Geschenk, die überkommene Lehre, je mehr und mehr zu erkennen; damit ich innig überzeugt von ihrer Göttlichkeit, um so bereitwilliger, was sie mich lehrt, auch übe. Amen. 3 um Evangelium. Strahl von Gott- himmlisches Wort des Evangeliums durchdringe mich! Wort des Lebens und des Trostes, indem ich mich da du gesprochen wirft erhebe, sey dieß ein offenbares Geständniß daß ich dich höre, glaube, ehre. Wer vor Menschen mich verläugnet, den verläugne auch Ich vor meinem Vater " einst"*), so sagt mein Heiland. Jeſu, ich erkenne Dein Gesetz. Trotz Frevlerübermuth und Philosophenspuck ist es mir der Menschheit Höchstes, Bestes, Heiligstes. Doch nicht der bloß hört und glaubt, sondern der auch befolgt, wird selig. So ſagt mein Heiland abermal**). Darum siege Strahl von Gott, in mir! daß nicht indem ich glaube, des Glaubens Feind ob meiner That frohlocke.- Vergiß o meine Seele nicht, was Jesus dir im Evangelium verkündiget: - *) Evangelium Matth. 10 Hauptstück, 33 Vers. **) Bei Matth. 7 Hauptstück, 24 Vers ff. 12 Gott anbeten sollst du, und Ihm allein nur dienen." dom s domr Nicht Jeder der zu Gott: Herr, Herr! ruft; sondern der den Willen Gottes thut, wird eingehen in das Himmelreich." " Selig die Friedsamen und Barmherzigen; " auch sie werden Barmherzigkeit erlangen. Wenn " du aber nicht vergibst, wird auch dir nicht ver" geben werden." " Ertraget Einer des Andern Schwächen; " denn wer da meint er sey Etwas, da er doch " Nichts ist, der verführt sich selbst." " Was stehest du den Splitter in deines " Bruders Auge, und den Balken in deinem " eigenen Auge nicht?" " Fürchtet Gott, ehret den König, seyd " euren Gebietern unterthänig." " Was billig ist, bezeuget euren Dienern: " es lebt auch euch ein Richter im Himmel." 11 " 1 " Thue still und eifrig deine Pflicht: wer nicht arbeiten will, soll auch nicht effen." " Der Fluch des Höchsten trifft alle Ungerechtigkeit des Menschen. Wehe, die den Schuldigen für ein Geschenk freisprechen, und " dem Schuldlosen sein Recht entziehen!" " Was ihr wollt daß die Menschen euch " thun sollen, das thuet auch ihr ihnen." - 13 Und:„ Liebe Gott über alles, und " deinen Nächsten wie dich selbst. " In diesen zwei Geboten steht das " ganze Gesez und die Propheten"*). Vergiß die hohe Lehre nicht o meine Seele! Liebe Gott, und dich, und deinen Nächsten: hierin besteht die Summe deiner Pflichten. Verstehe sie; sey standhaft im Glauben und im Treue halten. Die Gnade ist nicht angebunden"**): stößt du sie von dir, so gehst du, während Andere durch sie Leben finden, in der selbstgewählten Finsterniß zu Grunde. Bewahre mich hievor Größter der Großen, Erleuchter der Erleuchtetesten, Quell der Wahrheit und des Heiles, mein heiliger Erlöser! Amen. Lob sey Dir Jesu Christ! Wie Du gewandelt biſt, So lenke meine Schritte. Dein Wort das Weisheit ist, Führ mich durch reine Sitte Einst in der Deinen Mitte, Lob sey Dir Jesu Christ! *) Aus dem Evangelium nach Matthäus und den Briefen der Apostel. **) 2 Brief an Timoth. 2 Hauptstück, 9 Vers. 14 3 um Credo. Worte der Kirche. Ich glaube an Einen Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer Himmels und der Erde und alles Sichtbaren und Unsichtbaren. Und an Einen Herrn Jesum Chriftum Gottes Eingebornen Sohn, vom Vater vor allen Ewigkeiten gezeuget, Gott von Gott, Licht vom Lichte, wahren Gott vom wahren Gotte, geboren nicht erschaffen, mit dem Vater Einer Wesenheit, durch welchen alle Dinge gemacht sind. Der für uns Menschen und um unsers Heiles wegen von den Himmeln herabgestiegen ist, und durch den heiligen Geist aus Maria der Jungfrau Fleisch genommen hat und Mensch geworden ist. Der auch für uns gekreuziget ward, unter Pontius Pilatus gelitten hat, begraben worden, am dritten Tage nach den Schriften wieder auferstanden, und in den Himmel aufgestiegen ist, wo Er zur Rechten des Vaters sitzt, und wieder kommen wird mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Todten; dessen Reiches nie ein Ende seyn wird. Ich glaube an den heiligen Geist, den Herrn und Beleber, der vom Vater und dem Sohne ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohne - 15 zugleich angebetet und verherrlichet wird, der durch die Propheten zu uns gesprochen hat. Ich glaube auch an eine einige, heilige, allgemeine und apostolische Kirche. Ich bekenne eine Taufe zur Vergebung der Sünden, und erwarte die Auferstehung der Todten und das Leben der kommenden Ewigkeit. Amen. 3 um Offertorium. Der Opfer heiligstes beginnt. Stille Reue, frommer Glaube, und Dank für Dein göttliches Licht war bis jetzt Unendlicher, mein Ruf zu Dir. Doch nun hebt sich Brot und Wein bald lebenvolles Fleisch und Blut- vom Altare zu Dir empor. O laß wie das Opfer, so die Opfernden Dir wohlgefällig seyn! Laß dasselbe sowohl uns zur Vergebung unserer vielfachen Nachlässigkeiten, als allen unsern Mitbrüdern, die noch mit uns Dich preisen oder schon von uns geschieden sind, zu des ewigen Lebens Seligkeit gereichen. In inniger Vereinigung mit Deinem Sohne opfere auch ich Dir mein Herr und Gott, mich selbst und alles was ich bin und habe; opfere Dir mein Herz und meine Seele- o möchte beides ohne Makel wie das Brot des Altars seyn!- opfere Dir jeden Augenblick der zwischen 16 meinem ersten und meinem lezten Athemzuge liegt. Jede Kraft die Du mir gegeben hast, verherrliche Dich; jedes Wort bekenne Dich; jedes Werk das ich vollbringe, sey Deinem Ruhme geweiht; mein ganzes Leben spreche die Überzeugung aus, daß ich ganz Dein Geschöpf und Deine Liebe, ohne Dich aberstüßelos, verlassen, ein erloschenes Nichts bin; und in allem was ich genieße oder entbehre, Frohes oder Widriges befahre, Dir und Deinem Willen mit Kindesdemuth angehöre. " Zur angenehmen Gabe hat Dein " Sohn Sich für uns dargebracht"*). Heilige mich o Herr, zu seinem treuen Nachfolger; heilige mir Herz und Hand, wenn jenes jemal Unrecht wollte, wenn diese je zu Bösem sich ausstreckte; laß die Flamme der reinen Liebe die jetzt mein Gemüth erwärmt, nie erkalten! So wird auch meine Gabe Dir eine angenehme seyn; und ich mit Deines Altars Diener stets vertrauenvoll das Bittwort wiederholen: Nimm Herr, dieß Opfer gnädig an Zu Deines Namens Ehre; Amen. Es schwebe fruchtend himmelan, Daß sich mein Heil vermehre.. *) Brief an die Epheser; 5 Hauptstück, 2 Vers. 17 3um Sanctus. Heilig, heilig, heilig bist Du Vater des Alls! Beherrscher der Welten! Gott, Unabsehlicher, Großer! Der Himmel ist Dein Thron, die Erde ist der Schemel Deiner Füße"*). Deine Schöpfungen- zahllos, wie Tropfen des Meeres, strahlen Deine Herrlichkeit wieder. Vor " Dir sollen sich alle Wesen beugen; denn Du sprachst, und sie wurden"**). Im Jubel der Entzückung singen die himmlischen Scharen Lieder der Anbetung Dir, dem Ersten und Letzten in allem was ist, war und seyn wird. Freudig begleite auch ich der Schöpfung begeisternde Hymne, denn Worte der Kirche. Wahrhaft würdig und recht, pflichtmäßig und heilsam ist es Dir immer und überall Dank darzubringen, heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott, durch Christum unsern Herrn. Durch den Deine Majestät die Engel loben, die gebietenden Geister anbeten, und alle himmlischen Kräfte mit den seligen Seraphim im vereinten Wonnerufen preisen. Daß Du mit *) Isaias; 66 Hauptstück, 1 Vers. **) Buch Judith; 16 Hauptstück, 17 Vers. 2 18 ihnen auch unsere Stimmen zulassen mögest, flehen wir Dich an, in ehrfurchtsvoller Demuth den Ruf wiederholend: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Gott Sabaoth! Voll sind die Himmel und die Erde seiner Herrlichkeit! Hostanna in den Höhen! Gebenedeit sey der da kommt im Namen des Herrn Hostanna in den Höhen! — Vor der Wandlung. Vorbereitet wird das heilige Opfer. Der Hohepriester des neuen Bundes weihte beim letzten Abendmahle Sich selbst dazu für Alle, die Ihm durch seine Menschwerdung zu Brüdern gewor den waren. Für alle meine Brüder bringe auch ich Dir meine Bitten dar; Dein Wohlgefallen und Deine Huld sey mit Deiner ganzen Welt, Unendlicher! Laß Dein Erbarmen nie von uns weichen; erhöhe die Freude der Guten, beschirme die Schwachen, gib Kraft den Muthlosen, ertheile Gedeihliches Allen. Leite Alle die geblendet vom Außenglanze der Sünde, oder irregelockt durch nichtige Vortheile von dem Wege Deiner Gesetze abgewichen sind, auf denselben wieder zurück; laß Trost und Ruhe heute Allen erscheinen, die gestern noch mit thränendem Auge nach Erlösung ungewiß umherblickten; rette, die krank sind; labe, die schmachten; verleihe Schuß Denen, die Verfolgung erleiden. Vätern und Müttern, Söhnen und Töchtern, Vorstehern und Dienern erweise Dich einen mächtigen Helfer. Vorzüglich laß Dir Gnadenvoller! das Heil Derjenigen empfohlen seyn, deren meine Seele jetzt im Stillen gedenkt - - 19 Behüte, führe, segne uns Alle im Leben und im Sterben. Amen. Zur Wandlung. Größtes der Wunder des Herrn, in stiller Anbetung sinke ich vor dir zur Erde! Gott vom Vater ohne Mutter, Mensch von der Mutter ohne Vater, ich bekenne Dich! Am Vorabende des Leidens brachst Du das Brot, und sprachst es vertheilend:" Dies ist mein " Le i b"*). Aus meinem Staube rufe ich zu Dir der Du wahr, nicht bloß im Zeichen; wirklich, nicht bloß durch meinen Glauben; in der Wesenheit, nicht bloß durch Deine ferne Kraft unter der Gestalt des Brotes hier gegenwärtig bist: Jesu, Heiland, sey mir — - *) Bei den Evangelisten, und im 1 Briefe an die Korinther, 11 Hauptstück, 24 und 25 Vers. 2* 20 11 gnädig! Du bist Christus, des lebendigen " Gottes Sohn"*); sey mir o Menschgewordener, gnädig! Am Vorabende des Leidens ſegnetest Du auch den Kelch, und sprachst ihn darreichend: " Dieß ist mein Blut zur Vergebung " der Sünden. Das thuet zu meinem " Angedenken"**). Mittler zwischen Tod und Leben, zwischen Sünde und Gnade- Barmherzigkeit mir Sünder! Gnade Deinem Reuigen! Dein heiliges Blut reinige mich; Dein schweres Opfer erlöse mich; der hohe Preis den Du am Todesholze für mein Heil bezahltest, komme über mich zum Leben. Amen. - Nach der Wandlung. Nach dem Rhythmus des h. Thomas v. Aquino. Fromm bete ich Dich hier, erhabne Gottheit, an, Die Du in diesen Formen wahr verborgen bist; In stummer Ehrfurcht beuget sich vor Dir mein Geist, Weil er Dich denkend seines Denkens Grenze trifft. *) Evangelium Matth. 16 Hauptstück, 16 Vers. **) Bei den Evangelisten, und im 1 Korinther, 11 Hauptstück, 24 und 25 Vers. Briefe an die 21 Gesicht, Gefühl und jeder Sinn täuscht sich in Dir, Nur durch das Hören wird hier rein und recht geglaubt. Ich glaube was des Ew'gen Sohn uns kündete, Nichts ist, denn dieses Wort der Wahrheit, wahrer mir. Am Kreuze war es nur die Gottheit die Sich barg, Hier ist es auch die Menschheit die sich uns verhehlt: Ich, beides preisend und bekennend, bitte Dich, Was der, der Dir zur Rechten hing, bereuend bat. Der Wunden Mahle seh ich nicht, wie Thomas einst, Doch rufe ich wie er mein Herr und Gott bist Du!"- - Mach mich Dir immer fester glauben, Himmlischer! Auf Dich mein Hoffen bau'n, Dir höh're Liebe weih'n. 22 O Denkmahl, göttlich groß, des Todes unsers Herrn, Lebendig Brot das uns dem bessern Leben gibt, Mach leben meine Seele stets durch Deine Kraft, Laß Dich mir immer über alles schmackhaft seyn. Erretter, mild und gütig und, wie Keiner, treu, Mich Sündentstellten tauche in Dein heilig Blut, Deß kleinster Theil in seinem hohen Gotteswerth Von ihren Missethaten Welten rein'gen kann. O Jesu den verdeckt des Glaubens Aug' hier schaut, Gewähre meinem Fleh'n des Glaubens Ziel und Lohn: Daß einst in unverhüllter Klarheit ich Dir nahe ſey, Und selig in dem Sehen Deiner Herrlichkeit! Amen. 23 Eingeborner des ewigen Gottes, Anfänger und Vollender meines Heils, der Du einst so segenvoll hienieden für mich wandeltest und wirktest; gerührt erneuert meine Seele das Andenken Deiner Erscheinung auf Erden, und was Du zu meinem Wohle gethan und gelitten haft. Möge Dir mein Herz mit unwandelbarer Anhänglichkeit für Deine hohe Liebe danken; so wie Dich mein Verstand für das womit Du ihn bereichert hast, ehrt. Ohne Schwanken glaube ich an das Wort das mir durch Dich geworden ist; es ist die wohlthätigste und reinste Wahrheit. Ohne Furcht der Täuschung setze ich in Dich mein ganzes Hoffen; Deine Gnade und das Wort an das ich durch Dich glaube, wird mich sicher durch die Dunkelheiten dieses Lebens zur Heimath jener Herrlichkeit die Du uns geoffenbart hast, führen. Mit voller Zuversicht stelle ich Deiner Leitung mein Heil anheim; und mit meinem Heile auch das Heil der Meinigen, und aller Deiner Erlösten, der Lebenden und Todten, besonders Derjenigen die unter den Lettern meiner Liebe zunächst gestanden sind, und deren Andenken jetzt meine Seele in stiller Wehmuth feiert Für sie, für mich und für alle Menschen spreche ich zu Deinem und zu meinem Vater, wie Du es mich gelehret hast, mit Innigkeit: 24 Das Gebet des Herrn. Bater unser der Du bist in dem Himmel: geheiliget werde Dein Name; zukomme uns Dein Reich; Dein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden; gib uns heute unser tägliches Brot; und vergib uns unsere Schulden gleichwie wir vergeben unsern Schuldnern; und führe uns nicht in Versuchung; sondern erlöse uns von dem Übel. Amen. 3 um Agnus Dei. Lamm Gottes das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser! Jesu, für fremde Schuld ein schuldloses Opfer; Jesu, der Du willig unsere Missethaten auf Dich geladen und in Gottergebenheit und Sanftmuth den Kelch von der Hand des Vaters hingenommen hast, um ihn nicht für Dein sondern für unser Heil zu leeren: Dein Thun sey mir ein würdiges Vorbild für das meinige. Es lehre mich ohne Widerseßlichkeit, was ich verschuldet habe tragen; und was mir des Vaters Hand zu meinem Heile sendet, in Freudigkeit und Demuth hinnehmen damit ich mit Dir duldend einst mit Dir mich erfreue. ― 25 Lamm Gottes das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser!- Jesu, unwandelbare Liebe die treu war bis zum Tode; Jesu der Du, die Dich verhöhnten segnetest, die Dich verletzten heiltest, für Jene die nur Fluch und nur des Kreuzes Schrecken für Dich hatten, noch am Kreuze zu dem Vater batest: Dein Thun sey mir ein heiliges Vorbild für das meinige. Es lehre mich das Böse mit Gutem, den Schmerz mit Freude, die Unbilden mit Gerechtigkeit erwiedern damit ich mit Dir Vergebung säend einst durch Dich Vergebung ernte. Lamm Gottes das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, gib uns den Frieden!- Jesu, Bote der Eintracht und der Gnade, der Du die Menschen mit Gott und unter sich selbst durch der Bande reinstes und uneigennüßigstes verbunden hast: Dein Thun sey mir ein edles Vorbild für das meinige. Es lehre mich mein Herz vor Zwietracht mit Gott und mit sich selbst durch Vermeidung alles dessen, was hassenswerth vor Beiden ist, bewahren; lehre mich in Einigkeit unter meinen Brüdern wandeln; nie aus Zorn, Eitelkeit, Neid, Eigennuß oder sonst unwürdiger Begierde ihre Ruhe stören damit ich auf Erden 3 - 26 Frieden haltend auch im Reiche des himmlischen Friedens einst Einbürgerung finde. Deine Lehre Herr war Liebe, Liebe war Dein erst Gesetz, Liebe war Dein schönes Leben, Liebe war Dein schöner Tod. Folgen laß mich Dir in Liebe, 2 Liebe sey mein erst Verdienst, Liebe mir des Lebens Tugend, Liebe Leben mir im Tod. Zur Communi o w. Im tiefsten Gefühle meiner Unvollkommenheit rufe ich: O Herr, ich bin nicht würdig daß Du zu mir eingehst! Wie sollte auch das nichts das nur durch Dich Etwas ward, sich würdig achten Deiner innigsten Gemeinschaft? Wie die Sünde es verdient haben, daß die ewige Heiligkeit Sich mit ihr vereinige? - Dennoch, wessen ich nicht würdig mich bekenne, daß ich mich dessen nie vollends u nwürdig zeige- das verleihe mir, o Herr! Sprich nur ein Wort und meine Seele wird gesund. Univ.- Bibl. Giessen 27 Stärke und erhebe mich mein Erlöser! durch Deine göttliche Lehre; heilige mich in der Furcht des Herrn; laß nur in Deinem Wesen das meinige bestehen damit nichts mich von Dir und Deiner Liebe trenne"*); und wann immer meine Seele nach Dir hinstrebt, wann immer ob in Deinen Tempeln oder auf dem Krankenbette ich unter den Gestalten des Brotes Dich genieße, mir die empfangene Speise nicht durch unwürdigen Genuß zum " Gerichte und zur Strafe gereiche"**). Amen. - - - 3 um Segen. Mit dem Priester. 11 Laß Dir heilige Dreieinigkeit, dieses Streben meiner Verehrung wohlgefällig seyn, und verleihe daß das Opfer welches ich den Augen Deiner Majestät demüthig dargebracht habe Dir, zum angenehmen, und mir und Allen für die ich es Dir geweiht habe, durch Deine Erbarmniß zum heilvollen werde. Durch Christum unsern Herrn. Amen. Der Segen des allmächtigen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes schwebe über uns nieder und bleibe mit uns immer. Amen. *) Brief an die Römer; 8 Hauptstück, 35 Vers. **) 1 Brief an die Korinther; 11 Hauptstück, 29 Vers. 3 28 3um legten Evangelium. Worte der Kirche*). Im Anfange war das Wort( Sohn Gottes), und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Es war im Anfange bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht was gemacht ist. In Ihm war das Leben( Kraft, Wahrheit, Seligkeit), und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtete in den Finsternissen und die Finsternisse haben es nicht begriffen. Es war ein Mensch von Gott gesendet, dieser hieß Johannes( der Täufer). Der kam zum Zeugnisse, daß er Zeugniß gäbe von dem Lichte( vom Messias), auf daß Alle durch ihn glaubten. Er war nicht selbst das Licht, sondern daß er von dem Lichte Zeugniß gäbe. Es war ein wahrhaftes Licht, das alle Menschen erleuchtet die in diese Welt kommen. Er( Christus) war in der Welt, und die Welt ist durch Ihn gemacht worden, und die Welt hat Ihn nicht erkannt. Er kam in sein Eigenthum, und die Seinigen nahmen Ihn nicht auf. Die Ihn aber aufnahmen, denen gab Er Macht Kinder Gottes zu werden; Denen die in seinem Namen glauben, *) Anfang des Evangeliums des h. Johannes. 29 die nicht aus dem Geblüte, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnet, und wir haben dessen Herrlichkeit gesehen, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voll der Gnade und Wahrheit. Schluß. Deinen von Ewigkeit Geliebten habe ich Dir o Vater! in Vereinigung mit dem Priester aufgeopfert, und was einst auf der Stätte der Versöhnung wirklich für mich geschah, im Geiste still erneuert. Höre Unendlicher! meines Her zens freudiges Danken, daß Du mir gestattet hast dieses Opfer darzubringen, und laß es mich stets mit gleicher Frömmigkeit und Ehrfurcht Dir entrichten; denn segenlos bleibt der " der des Herrn Werk nachlässig vollbringt"*). Zum Unterpfande der Seligkeit hast Du uns Deinen Sohn gegeben; Er ist es den Du für Deines Volkes Missethaten ge" schlagen hast"**); o laß mir das blutige Verdienst das Er am Kreuzesholze erworben hat, auch huldvoll zur Seligkeit gedeihen! *) Jeremias; 48 Hauptstück, 10 Vers. **) Isaias; 53 Hauptstück, 8 Vers. 30 Du aber Wort des Vaters, erhalte mir jedes heilige Gefühl das diese Stunde in mir angeregt hat; bewahre meinem Glauben Stärke, meiner Hoffnung Zuversicht, meiner Liebe Innigkeit; kräftige mich zum Recht- und Wohlthun in allen meinen Verhältnissen hienieden; führe mich in die Bahn die Du zuerst gegangen bist ein, und laß mich unermüdet auf derselben schreiten- Dir folgend kann ich nicht irren; erhebe mir des Vaters Willen auch wo er mir Thränen entlockt, und die redliche Berufserfüllung auch wo sie Selbstverläugnung von mir fordert, immer über jede Erdenrücksicht; damit ich Deinem Wirken für mein Wohl auch meinen Eifer zugeselle, und Du in mir nicht einem ganz Werthlosen Dich geopfert habest, und mein Vertrauen auf dieß Opfer nicht übergehe in Vermessenheit; sondern ich im Handeln und im Leiden Dir vereint ruhig ausharre, bis sich durch des Vaters Gnade unsere Tugendsaat auf Erden in Lohn des Himmels umwandeln wird. Amen. 116 Psalm. Lobet den Herrn alle Völ" ker, preiset Ihn alle Geschlechter. Denn seine Barmherzigkeit ist groß geworden über uns, 11 und seine Wahrheit bleibet ewiglich.“ 31 Lobgesang des h. Ambrosius. Dich o Gott loben wir, Dich o Herr bekennen wir. Dich ewiger Vater verehrt der ganze Erdkreis. Dir singen alle Engel, Dir die Himmel und alle Kräfte, Dir die Cherubim und Seraphim mit unaufhörlichen Stimmen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Gott Sabaoth! Voll sind die Himmel und die Erde der Majestät Deiner Herrlichkeit. Dich preisen der Apostel ruhmwürdige Chöre, Dich der Propheten verehrungswerthe Schar, Dich das glänzende Heer der Martyrer; Dich bekennt durch die ganze Welt die h. Kirche, Den Vater unendlicher Erhabenheit, Und Deinen ehrwürdigen wahren und einzigen Sohn, Mit dem h. Geiste dem Tröster. Du König der Herrlichkeit Christus, Du bist des Vaters ewiger Sohn. Du scheutest, um den Menschen zu erlösen, nicht der Jungfrau Schoß. 32 Du öffnetest nach besiegtem Stachel des Todes den Gläubigen die Reiche der Himmel. Du fizest zur Rechten Gottes im Glanze des Vaters. Ein Richter, so glauben wir, wirst Du uns fommen. Darum bitten wir Dich, komme Deinen Dienern zu Hilfe die Du mit Deinem theuren Blute erkauft hast. Laß uns einst Deinen Heiligen zu ewiger Herrlichkeit zugezählt werden. Mache Dein Volk selig o Herr, und benedeie Deine Erbschaft, Und lenke ste und beschirme sie in Ewigkeit. In allen Tagen preisen wir Dich, Und loben Deinen Namen durch Jahrhunderte, und bis zur Ewigkeit der Ewigkeiten. Wollest Herr, an diesem Tage rein von Sünden uns bewahren. Erbarme Dich unser o Herr, erbarme Dich unser! Deine Barmherzigkeit komme über uns so wie wir auf Dich vertrauten. Auf Dich o Herr habe ich gehofft, ich werde nicht zu Schanden werden. Amen. Vor der Verkündigung des Wortes Gottes. Von Dir stammt o Herr das Wort, dem ich meine Seele jetzt bereite. Dein Werk ist es daß wir Dich erkennen, ehren, lieben, und in Deinen Verheißungen Trost, in Deinen Aussprüchen Beruhigung, in Deinen Belehrungen Nahrung für unser inneres Leben finden können. Laß dieß Werk jetzt in Deinem Volke mächtig werden. Segne mich und Alle zu heiwerden ligem Denken hier versammelt. Gib uns zur Klugheit für die Erde auch Weisheit für den Himmel; damit nicht die Hellschauenden im Irdischen, Dunkel für das Ewige umnachte. Wird auch dem Verstande hier nicht immer Neues mitgetheilt rufe das vergessene Alte uns zurück; wecke erloschene Empfindungen, und bringe erstorbene gute Vorsätze wieder zum Leben, damit, was mehr gilt, unser Gemüth bereichert und geheiligt werde, und wir nicht jedem Andrange der Sünde überwältigt weichen. Kraftvolles Thun ist - - 34 mehr als frostiges Wissen: so überragt den grübelnden Verstand ein edles Herz. Schenke mir o Herr! nur Deinen Sinn in das lettere, und Du hast mich hinlänglich geſegnet. Amen. Komm heiliger Geist; des Himmels Licht, Das hell des Irrthums Nacht durchbricht, Und uns die Wahrheit klar und rein Erkennen läßt, strahl uns jetzt ein Komm heiliger Geist zum Geister- Verein! Komm heiliger Geist; des Himmels Rath Gieß uns ins Herz bei jeder That, Die schwankend in das Leben tritt, Theil Weisheit uns in Zweifeln mit Komm heiliger Geist; lenk unseren Schritt! Komm heiliger Geist; des Himmels Kraft, Die auch durch Kleine Großes schafft, Gib uns; daß sie uns aufrecht hält Wenn uns die Sünde Neße stellt— Komm heiliger Geist und stärke die Welt! 35 Komm heiliger Geist; des Himmels Muth Verleih uns in des Leidens Gluth; duble Daß sanft durch Gottes Wort gepflegt od and Der Schmerz empor die Blicke trägt Komm heiliger Geist, und lindre was schlägt! Komm heiliger Geist; des Himmels Heil, Des Gläubigfrommen selig Theil, Bewahr uns: laß uns stark und rein Im Glauben, Hoffen, Lieben seyn Komm heiliger Geist zum Geister- Verein! Nach derselben. - Übung der drei göttlichen Tugenden. Worte der Kirche. Glaube. Ich glaube an Dich, wahrer dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist; der Du alles erschaffen hast, alles erhältst beherrschest und leitest; der Du das Gute belohnest und das Böse bestrafest. Ich glaube daß der Sohn Gottes ist Mensch geworden, um uns durch seinen Tod am Kreuze zu erlösen; und daß uns der 36 heilige Geist durch seine Gnade heiliget. Ich glaube und bekenne alles was Jesus Christus gelehrt hat, was die Apostel verkündiget haben, und was die heilige römisch- katholische Kirche uns zu glauben empfiehlt. Alles das glaube ich weil Du es o Gott, die ewige und unendliche Weisheit und Wahrheit, geoffenbaret haft. O Gott! stärke meinen Glauben. Hoffnung. Ich hoffe und vertraue auf Deine unendliche Güte und Barmherzigkeit o Gott! daß Du mir durch die Verdienste Deines Eingebornen Sohnes Jesu Christi in diesem Leben die Er kenntniß, wahre Reue, und Verzeihung meiner Sünden ertheilen; nach dem Tode aber die ewige Seligkeit geben, und verleihen wirst Dich von Angesicht zu Angesicht zu sehen und zu lieben, und ohne Ende zu genießen. Ich hoffe auch von Dir die nöthigen Mittel dieß alles zu erreichen, weil Du sie verheißen hast, der Du allmächtig, getreu, unendlich gütig und barmherzig bist. O Gott! stärke meine Hoffnung. Liebe. mein Gott, ich liebe Dich aus ganzer Seele über alles, weil Du das höchste Gut, weil Du 37 unendlich vollkommen und aller Liebe würdig, und gegen mich und alle Deine Geschöpfe höchst gütig bist. Ich wünsche daß ich Dich so liebte, wie Deine Treuesten Dich zu allen Zeiten liebten. Mit ihres Herzens Reinheit vereinige ich meiner Liebe Unvollkommenheit; erhebe mich zu Dir o Herr! immer mehr und mehr. Da ich nun innig Dir anzugehören strebe, bereue ich in tiefer Wehmuth, daß ich Dich mein höchstes Gut, Dich meinen Schöpfer, Erlöser und Heiliger beleidigt; daß ich gegen Dich meinen besten Vater, meinen allmächtigen Herrn, meinen strengen Richter gefündiget habe. Ernstlich nehme ich mir vor die Sünde und alle Gelegenheit dazu zu meiden, das Unwürdige derselben öfter zu betrachten, das zugefügte Unrecht gut zu machen, und nicht fürder gegen Deinen heiligen Willen zu handeln. Nimm mich wieder zu Deinem Kinde auf, und gib mir die Gnade zur Erfüllung dieses meines Vorsatzes. Ich bitte Dich darum durch die Verdienste Deines göttlichen Sohnes, unsers Herrn. und Erlösers Jesu Christi. Amen. — Das heilige Sacrament der Buße. Vorbereitung. " Ich will mich erheben, will hin zu meinem " Vater gehen und sprechen: Vater, wider den " Himmel und vor Dir habe ich gesündiget! ich bin es nicht mehr würdig Dein Kind zu " heißen"*); doch Du willst nicht den Tod des " Unfrommen, sondern daß er umkehre von sei" nen Wegen und lebe"**)- darum kehre ich um von meinen bisherigen Wegen, bereuend und um Barmherzigkeit zu Deinem Throne rufend. Kein Sterblicher ist vor Dir gerecht. Willst Du nach Deiner Strenge mit uns rechten, Herr wer wird vor Dir bestehen?! Aber auf ein zerknirschtes Herz siehst Du mit Wohlgefallen hin und schenkst ihm Deine Gnade wieder. *) Evangelium Luk. 15 Hauptstück, 18 Vers. **) Ezechiel; 33 Hauptstück, 11 Vers. 39 Mit zerknirschtem Herzen erscheine ich daher vor Deinem Angesichte, hoffend auf den Reichthum Deiner göttlichen Erbarmniß. Ich habe es erfahren, wie man von Disteln keine Trauben liest so gibt die Sünde keinen Trost. Darum will ich bekämpfen was in mir vom Übel ist, will neu aufstreben zum verlassenen Guten, und Dir mein Gott und Vater wieder gänzlich angehören. Im H. Sacramente der Buße gab mir mein Erlöser das kräftigste Mittel Deine Verzeihung zu erwerben. Um es gehörig zu empfangen und Deiner Verzeihung würdig zu werden, will ich vor allen Dingen mich selber über mich zum ernsten Untersucher seßen, meine Sünden kennen lernen, und dann wie Dein H. Wort es fordert, in mir ausreißen und zerstören was Dir mißfällt, und pflanzen und aufbauen was Dir wohlgefällig ist*). Sey o Gott mit mir und mit meinem Unvermögen! Amen. Um Selbsterkenntniß. Ohne Selbsterkenntniß gibt es keine Selbstveredlung, ohne Selbstveredlung kein wahrhaftes Wiederkehren zu dem Vater. Sprich also mein Gewissen, frei und ungehindert; zeige mir *) Jeremias; 1 Hauptstück, 10 Vers. 40 " 1 ein treues Bild meines innern Zustandes, und halte mir alle meine Vergehen streng und schonungslos vor Augen. Wer behauptet er sey " ohne Sünde, der betrügt sich selbst"*). Bin ich auch nicht so schlecht als ich seyn könnte, so bin ich auch nicht so gut als ich seyn sollte. Darum hinweg Eitelkeit, Leichtsinn, gefällige Bemäntlungssucht! Komme Du, Geist der untrüglichen Wahrheit mir zum Beistande; und laß mich mit so scharfem Blicke die Mängel meines Thuns erforschen, und so unbarmherzig über meine Fehler Urtheil sprechen, als ich dieß oft an meinem Nächsten zu vollbringen Lust und Geschick beweise. Nichts was ich im Gedanken, Worte und Werke, oder durch Unterlassung meiner Pflichten irgendwo gegen Gott, mich und meinen Nebenmenschen verbrochen habe, bleibe mir verborgen auch wenn es mir das unbedeutendste schiene; denn kann vor dem Allerheiligsten was Sünde ist, unbedeutend seyn?!- Gehst Du Geist des Himmels, mir zur Seite, und führeft mich beim Erforschen meines Gewissens; so werde ich bald ermitteln, wo ich geirrt und an welche Güter ich mein Herz gehängt habe; ob ich nicht meine Fehler weil sie meine waren, für gering *) 1 Brief Joh. 1 Hauptstück, 8 Vers. 41 gehalten habe, oder mit schönen Namen belegte um sie im mildern Lichte zu erblicken; ob ich mir nicht was mir gefiel, deßwegen gestattete weil ich es auch Andern gefallen sah; ob ich nicht dem Drange der Umstände zumaß was nur geheimes Wollen meiner Leidenschaft gewesen ist; ob ich nicht dem Nächsten in Gedanken größere Fehler vorwarf, um mich im Vergleiche mit ihm für gut zu halten; ob ich mit Einem Worte nicht häufig meine Gewandtheit darin zeigte, das Straucheln auf der Pflichtbahn vor mir zu rechtfertigen Komm Geist der Wahrheit, Licht von oben, daß ich mich sehe, wie ich bin- ( Stilles Nachdenken) —— Neue. Alwissender! prüfe ich meinen innern Menschen ernst und genau, und stehe ich so enthüllt und bloß vor mir wie Du mich siehst, und wie ich einst vor Deinem Richterthrone stehen werde o wie viele Ursache mein Auge vor Dir mit demüthiger Scham zu senken! Wie wenig geistiges Leben in mir! Wie ungewiß mein Glaube, wie schwankend meine Tugend, wie verdrossen meine Frömmigkeit! Wie häufig der Mangel an Gehorsam und Vertrauen gegen Dich, und an herzlichem Wohlwollen gegen 4 42 meine Erdenbrüder! Wie groß die Unbekümmertheit um meine sittliche Natur; und wie fern ich von der Würde des vernünftigen Geschöpfes, in welchem Du und das Geset vor allem herrschen sollen! Wie viel Strafwürdiges in meinen Gedanken- Unredliches in meinen Worten Verwerfliches in meinen Werfen! Wie viele Stunden die ich der Lust, dem Übermuthe, der Ungerechtigkeit, der Habsucht, dem wüsten Seyn, der Sünde hingeopfert wie wenige, ach wie wenige die ich Dir und der Erfüllung Deines Willens gewidmet habe!! Meine vergangenen Tage stehen vor Dir und klagen mich an. Was gab ich Dir für Deine Liebe? Vergessenheit, Mißtrauen, Undank. Du warst Güte und Wohlthun; ich war Unzufriedenheit und Leichtsinn. Ach wie konnte ich es wagen Dich, von dessen Huld ich nur Gutes empfing, den keine Menschenzunge genug preist und kein Seraph genug liebt, durch meine Misfethaten zu lästern?! Verzeihe mir mein Herr und Gott, verzeihe! Bitter dringt mir das Gefühl meines Unwerthes durch die Seele; doch ich wende mich zu Deiner großen Barmherzigkeit. Jahre kamen, Jahre gingen, ich wandelte die Bahn der Schwachen; und Du warst stets neu an Langmuth und Geduld. Auch 43 jetzt wirst Du den wehmüthig zu Dir Flehenden nicht verwerfen; wirst Vater nicht Dein Kind verwerfen, das es schmerzlich empfindet sich von Dir getrennt zu haben. Jede Kummerthräne des Reuigen wird ja nach Deinem Worte zu einer Freudenperle in den Augen Deiner Seligen*). Siehe daher huldvoll nieder auf die Angst meines Herzens und höre die Seufzer meiner Zerknirschung! Nicht wie ich oft irdisch am Abende bereute was ich am Tage übel gethan hatte, bereue ich vor Dir: nicht wegen der Thorheit die ich dabei bewiesen, oder wegen des Nachtheils, der Schande und der Strafe die ich mir dadurch zugezogen habe ic. 2c. c.; sondern weil ich vor Dir, dem Vater und Wohlthäter von Anbeginn, Unrecht gethan, weil ich Deine Liebe zu mir nicht gewürdiget und meine Würde nicht geachtet, weil ich Etwas über Dich und die Pflicht gestellet habe, und so an dem was aller Welten Höchstes ist meineidig geworden bin. Laß o Vater, meinen tiefen Schmerz Deine Nachsicht mir erwerben und nimm mich in Deine Gnade wieder auf: daß nicht in seiner Sündigkeit des Todes Beute werde, was Dein Erbarmen für das Leben schuf! Amen. *) Evangelium Luk. 15 Hauptstück, 7 und 10 Bers. * 4 44 Vorsaz. Das Gemüth des Neuigen ist gleich einem Acker, dem der Pflug erst Furchen zog. Nur dann erhält es Werth, wenn das Unkraut ausgemerzt, die Saat der Tugend eingestreut, und in guten Thaten aufgegangen ist. Dem zufolge will ich mein Herr und Gott, es nicht beim bloßen Bereuen bewenden lassen; sondern wach und wirksam soll es wieder in mir werden, das entschlummerte Gefühl für Pflicht, Religion und Christentugend; Du o Vater, sollst wieder in meinem Herzen über alles hoch stehen. Und da der erste Schritt zum Guten ist daß man das Böse lasse; soll alles was vom Unfraute ist aus meinem Gemüthe ausgerottet, jedes Unrecht in Gedanken Worten und Werken abgelegt, die Bande der Gewohnheit die mich bisher an die Sünde fesselten gelöst, und das Unsterbliche in mir zu seiner Würde wieder emporgehoben werden. Besserung ist die wahre Buße. Gehe hin und fündige " nicht mehr"*) war Deines göttlichen Sohnes Mahnung, wenn Er von der Sünde losband. Darum rufe ich aus voller Seele: hinweg von *) Evangelium Joh. 5 Hauptstück, 14 Vers; 8 Hauptstück, 11 Vers; 2C. 20. 45 nun an mit allem, was Du o Herr verwirfst! -Betrachte ich die Sünde bloß mit sinnlichem Blicke, so kann sie mir wohl begehrenswerth erscheinen. Aber sehe ich sie mit dem Auge des Glaubens und der Vernunft; sehe ich sie vom Kreuze Jesu aus, der für sie ein blutiges Opfer ward; sehe ich sie in Beziehung auf Dich o Vater und auf Deine Liebe, die sie mit Undank erwiedert; sehe ich sie nach ihren Wirkungen auf meine Seele, die durch sie wieder herabstürzt von der bereits erreichten Stufe sittlicher Veredlung: so wird ihr Vortheil Fluch und ste steht da als eine Scheidewand, die sich stets höher zwischen mir und meiner Seligkeit emporthürmt. Nicht weiter will ich daher mit ihr Gemeinschaft pflegen, und es nicht wagen mit Deiner Gotteslangmuth noch ferner Frevel zu treiben: damit ich nicht fortwährend Unthat streuend mir endlich gerechte Verwerfung sammle. Unterstüße mich hiebei o Vater! Ich selbst bin mir der größte Feind; vor mir bewahre mich!- Wie oft schon gelobte ich Dir Besserung, und die nächste Stunde führte neue Sünde herbei, und mein Versprechen ward wieder Lüge!! Erhalte Du mich daher auf dem Pfade der Besserung; damit der frommen Saat des Wollens durch Dich o Gott und Vater! auch der Segen des Vollbringens werde. Amen. 46 Vor dem Bekenntnisse. Mit tiefer Neue über meine Vergehen und dem heiligen Vorsaße mit sie nicht wieder zu erneuern gehe ich nun hin, mir durch ein offenes Bekenntniß derselben die Vergebung die Du dem Büßenden zugesichert haft zu erwerben. Nichts will ich dabei zurückhalten oder beschönigen. Täuschte ich auch Deinen Stellvertreter; Dich kann ich nicht hintergehen, der Du jeden meiner Gedanken kennst noch ehe er in meiner Seele emporsteigt. Und gern will ich meine Schwächen gestehen. Es ist ja Dein Wort welches uns zuruft: Wenn ihr eure " Sünden bekennet, so ist Gott getreu daß Er sie euch erlasse"*). Verbannt sey demnach von mir jede Regung des Widerwillens und des Stolzes! Wer Dein Erbarmen braucht und zu Dir um Schonung fleht, den kleidet Stolz und Widerwille übel. Verbannt sey auch jede unzeitige Schüchternheit: beim argen Thun, da ist sie angebracht. Wäre es verborgen daß ich vor Dir kein Heiliger bin, auch wenn ich das nicht eingestände? Menschlich ist es fehlen: aber geständig seyn des Fehlers und ihn bessern, himmlisch. Ich erwerbe mir durch kurze - *) 1 Brief Joh. 1 Hauptstück, 9 Vers. 47 Selbstdemüthigung ein langes Heil; durch Selbstdemüthigung die ich verdiente, ein Heil das ich verwirkte. Ja, wenn auch mit heimlichem Erröthen, will ich doch o Vater Dich in Deinem Stellvertreter ehren, und meine Verirrungen unumwunden darlegen. Ich bitte Dich, laß mich in dieser Handlung des Glaubens und der heilsamen Selbstbeschämung Gnade für die Vergangenheit und eine Stüßzkraft gegen die Sünde für die Zukunft finden: daß mein sittliches Leben dadurch erhöht, mein Muth zur Tugend reger angefacht, und mein Haß gegen das Böse vermehret werde. Amen. Aus dem 50. Psalme. Erbarme Dich meiner o Gott, nach Deiner großen Barmherzigkeit. lloumingo nism Sup C Und nach der Fülle Deiner Erbarmnisse tilge meine Missethaten. Denn ich erkenne meine Übertretungen, und meine Sünden stehen immer wider mich. Wende ab Dein Antlitz von meinen Ungerechtigkeiten, und lösche alle meine Übelthaten aus. Erlöse mich von der Last meiner Schulden, damit meine Zunge Deine Gnade preise. Schaffe in mir ein reines Herz, und einen neuen Sinn pflanze in mein Gemüth. 48 Das angenehmste Opfer ist Dir ein zerfnirschter Geist; Du wirst mein reuiges und demüthiges Herz o Gott! nicht verwerfen. Amen.. Nach dem Bekenntnisse. Groß war meine Schuld o Herr! doch Deine Barmherzigkeit war größer. Zitternd kam ich im Gefühle meiner Unheiligkeit zu Dir, dem Allerheiligsten; und Du wardst aus dem ernsten Richter zum Vergebung gewährenden Begnadiger. Als Entsündigter stehe ich nun vor Dir, darf Dich mit trostvollem Gemüthe wieder Vater" nennen, und den Reihen Deiner würdigen Kinder mich wieder ohne Scheu anzuschließen beginnen. Dank Dir mein gnadenvoller Gott! für diesen neuen Beweis, daß Keiner der gebes serten Sinnes zu Dir zurückkehrt, an Deiner Erbarmniß verzweifeln dürfe. Dank Dir durch Jesu Deinen Sohn, der für mich ein Opfer starb, für mich ein Mittler lebt, um den Du Dich der Welt erbarmst. Durch seiner Leiden Fülle bin ich gereiniget worden; aus seinem Sterben ging für meine Seele Leben hervor: möge sein heiliges Verdienst Ergänzung dafür seyn, wenn ich es vielleicht unwissend meinem Bekenntnisse irgendwo an 49 Vollständigkeit, Frömmigkeit oder Demuth mangeln ließ. Möge es mir zugleich den Willen und die Kraft verleihen, die wiedererlangte Reinheit des Gewissens sorgfältig zu bewahren. Amen. Genugthuung. Doch auch mein Bestreben schließe sich an das Opfer meines Mittlers, denn seine Verdienste entbinden mich von keiner Pflicht. Darum sey es mir Ernst mit dem, was ich Dir Unendlicher so eben gelobte: Ernst mit dem Ablassen von jedem Unrechte, und vor allem mit jeder möglichen Genugthuung dafür; sonst ist meine Gewißheit der errungenen Vergebung nur traurige Selbsttäuschung. Ein Anderes ist es die Sünde sagen, und die Sünde meiden; und beichten allein heißt noch nicht büßen. Hieße es das, dann wäre es mehr ein Mittel zur Vermehrung als zur Verminderung der Laster; weil es zur Vergebung nichts als ein schnell vorübergehendes Bekenntniß forderte. Ersatz muß ich demnach leisten für meine Vergehen, und ihre Folgen auslöschen so viel ich kann, nicht bloß beweinen; wenn ich nicht im H. Sacramente nur mich selbst hintergangen haben will. Schon wer wahrhaft Reue fühlt, wünscht das Böse 5 50 nicht gethan zu haben: und wer dieß wa hrhaft wünscht, der macht es gut. Vernachlässige ich also mein Versprechen der Genugthuung zu erfüllen; so bleibe ich in der Sünde, und täuschte zwar im Priester den schwachen Menschen, doch Dich o Herr hinterging ich nicht. Du versagtest dann seiner Lossprechung Deine göttliche Genehmigung.- Nie darf ich daher vergessen: Ohne Erstattung der geraubten Ehre gibt es keine Verzeihung. Ohne Erstattung des fremden Eigenthumes gibt es keine Buße. Ohne Ersaß des zugefügten Schadens gibt es keinen Nachlaß. Ohne Nachholung der versäumten Pflichten gibt es keine Begnadigung. Und nur da wo mir eines oder das andere hievon für je ßt und alle Zeiten unmöglich wird, darf ich den bloßen Willen dazu, die ernste Besserung meiner Fehler, und die Leistung anderer guter Werke die mir möglich sind, als Genugthuung einsetzen und im Übrigen auf Deine Barmherzigkeit vertrauen. Sonst aber bleibe ich ein Schuldner an Deinem unwiderruflichen Gesetze, bin nicht zur Versöhnung aufgenommen, und hinterlege mir nur 51 eine größere Last für den Tag des Zornes und " der Eröffnung Deiner gerechten Gerichte, der " Du einem Jeden nach seinen Werken geben wirst."*) Ja mein Herr und Richter! gut machen will ich daher wo ich geschadet habe; auch es an dem Wenigen nicht genug seyn laffen was mir an der Stätte der Vergebung als Buße zuerkannt worden ist: sondern kein Opfer, möge es mir noch so schwer fallen, zur Ausgleichung meines Unrechts scheuen, damit ich am Tage des Gerichtes nicht vor dem Bestehen zittern dürfe. O leichter ist es die Sünde nicht zu thun, als für sie hinlänglich genugzuthun!- Stärke mich mein Gott, daß ich sie in Zukunft gänzlich meide und so am sichersten der Gefahr entgehe, durch die Unmöglichkeit der Genugthuung auf Erden mir die längere und schwerere Genugthuung der Ewigkeit zuzuziehen. Amen. Rückkehr zum Guten. Und nicht nur durch redliches Abtragen jeder Schuld und Meidung der bisher begangenen Fehler, sondern auch durch allseitige Tugendübung und völlige Rückkehr zum Guten will ich die Spuren des Geschehenen nach Kräften Zum Werke soll endlich zu vertilgen streben. *) Brief an die Römer; 2 Hauptstück, 5 und 6 Vers. 5* 52 auch mein vielfacher Vorsatz der Vervollkommnung werden; und ein neuer, Dir o Herr und dem Gesetze geheiligter Mensch aus mir hervorgehen. Dem besten Freunde und höchsten Wohlthäter gebührt ja meine ganze Liebe. Wo aber lebt mir ein treuerer Freund und Wohlthäter als Du mein himmlischer Vater, der Du stets mir nahe bist und mit Deinem Segen mich umschwebest? Und wie kann ich Dich wahrer lieben, als durch das Streben nach jener Vollkommenheit die uns Dein Gebot zum Ziele macht?- Der Baum der keine " guten Früchte trägt, wird ausgehauen " werden"*) sagt Dein Eingeborner Sohn. Der gute Wille aber und der fromme Vorsatz sind nur Blatt und Blüthe; und das Werk erst ist die Frucht. Todt bleibt also ohne Werk der Baum. 11 War daher mein bisheriges Leben durch Schwachheiten und Übertretungen befleckt, so will ich von nun an jede Gelegenheit die mir gefährlich ist sorgfältig fliehen; dem Naheseyn zur Sünde ausweichen; das Gift schlechter Gesellschaften, seelenmordender Schriften und verführender Beispiele von mir weisen 2c. 2c. und hiedurch nicht nur für meinen ernsten Willen zum Guten Zeugniß geben, sondern *) Evangelium Matth. 3 Hauptstück, 10 Vers. 53 mir zugleich die Erreichung meines Zweckes erleichtern. Denn wer freiwillig in Gefahren weilt und doch gut werden will, handelt eben so vermessen, als wer absichtlich in die Flamme greift und doch die Hand unversengt erhalten will. Falle es mir auch schwer gegen den Drang meiner Begierden fortwährend anzustreben: wer den Kampf mit Leidenschaften scheut, wird nie den Himmel sich gewinnen. Nur durch Sittlichkeit gelangen wir zur Seligkeit. Hierin liegt Grund genug für mich auch das Schwerste zur Veredlung meiner willig zu übernehmen, und wenn ich durch eigene Schuld die Sünde in mir mächtig werden ließ, sie auch durch eigene Anstrengung wieder zu unterdrücken, und dabei auf Deine Gnade o Vater! zu vertrauen. - Auch ist, recht gesehen, das Schwere dabei mehr eingebildet als wirklich, und führt hinlänglichen Lohn schon hier mit sich. Denn was gibt zuletzt die Sünde? Einen franken Körper, eine wunde Seele, ein unruhiges Gewissen: Unzufriedenheit mit sich, Hader mit dem Schicksale, Schrecken vor der Ewigkeit. Zwar ist Freude manchmal ihr Begleiter, aber Elend stets ihr Ausgang. Wer es noch nicht fühlt, er wird es fühlen; denn noch sind wir nicht am Ende. Und wer jetzt in seinen Freveln lacht, 54 er wird einst trauern, denn Du o Herr bist heilig und gerecht. Muß mir dieß nicht alles Schwere erleichtern? Überdieß wer würde Thor genug seyn wollen, um einen Tag Genuß ein Jahr von Freuden hinzugeben? Was aber ist mein Leben als ein Tag? Und was sind Tausende von Jahren gegen die endlose Ewigkeit? Muß mir dieß nicht alles Schwere erleichtern? - Mein Vater und Beseliger! Dein will ich darum von nun an seyn ungetheilt und unverändert. Verwerfung dessen was Du mißbilligst, Treue im Berufe, Ergreifung jeder Gelegenheit zum Guten, überhaupt von Tag zu Tage wachsende Gerechtigkeit des Geistes sey meine Buße bis ans Ziel, und mein Dank für die Gnade der Vergebung die Du mir heute haft angedeihen lassen. Nochmal flehe ich mit Kindesinnigkeit hiezu um Deinen Segen! Und sollte ich o Vater! bei aller meiner Anstrengung dennoch wieder sinken, nur die Liebe zur Tugend und der Haß gegen die Sünde gehe in mir nicht verloren; und mein Sinken wird nur ein Augenblick seyn, stärker wird meine Seele sich wieder erheben, und mit der Liebe zum Guten mir auch Deine Gnade unverloren bleiben. Amen. - SPOR www. INB Nach Tintoretto's grofsem Gemälde in Venedig gez.v.J.Ender, get.v. J. Palbini in Wien hot witfen Se hensch verstel ichung der Wahrheit, die tens befehet f een und an der Vater tion ingen zu halten willig ist, ng versprechen. ) Dentsprüche Salom. 25 Septed, 97 Das heilige Sacrament des Altars. stort 36 Vorbereitung.ae afi Frei aus Thomas von Kempten:» Von der Nachfolge Christi.»> Fliehe, meine Seele, ein neugieriges und nutzloses Begrübeln des heiligen Sacramentes des Altars, wenn du nicht in den bodenlosen Abgründen des Zweifels untergehen willst. " Wer die Majestät des Herrn vorwitzig " erforscht, wird erdrückt werden von ihrer " Herrlichkeit"*). Größeres kann Gott wirken als der Mensch verstehen kann. Nur eine fromme und demuthvolle Untersuchung der Wahrheit, die stets belehrt zu werden und an der Väter richtigen Überlieferungen zu halten willig ist, darf sich Gutheißung versprechen. Gipss *) Denksprüche Salom. 25 Hauptstück, 27 Vers. 56 Selig der Einfache der dem Stolze und der allzugroßen Meinung von seinen Kräften widersteht, und auf der festen Bahn der Gebote Gottes schreitet. Schon Mancher hat die Frömmigkeit verloren, da er sich zur Klügelei erhob. Getroster Muth wird von dir gefordert und ein reines Leben; nicht Hoheit des Verstandes, nicht Tiefe der Geheimnisse des Herrn. Wenn du nicht begreifft was unter dir ist; wie wirst du Dinge die über dir sind, verstehen? Unterwirf dich deinem Gotte und beuge deinen Sinn dem Worte des Glaubens; und Licht der Weisheit wird dir werden, so viel du dessen bedarfst und dir zu Nuß und Frommen ist. Gehe mit fester Zuversicht und heiliger Ehrfurcht zum Altare hin; und was dir nicht anschaulich wird, stelle ruhig der Allmacht deines Gottes heim. Gott täuscht dich nicht; es täuscht sich wer sich selbst zu viel vertraut. Der Allmächtige wandelt mit den Redlichen, offenbart Sich den Demüthigen, und gibt Verstand den reinen Gemüthern; versagt Sich aber dem Hochmuthe und der schaulustigen Begierde. 5.7 Viel Großes und Unerforschliches hat Gott gethan im Himmel und auf Erden, und es gibt kein Erkennen seiner wunderbaren Werke. Könnte der Verstand des Menschen sie so leicht begreifen, so würden sie nicht wunderbar und unaussprechlich heißen. Vor dem Empfange. Geläutert und geheiliget durch Deine Gnade Herr! die meiner Schulden mich entbunden hat, bereite ich nun meine Seele zur innigsten Vereinigung mit ihrem himmlischen Versöhner, damit mein Heil vollendet werde. Wenn ihr " das Fleisch des Menschensohnes nicht effet und sein Blut nicht trinket, so habet ihr das " Leben in euch nicht. Denn mein Fleisch ist " wahrhaft eine Speise, und mein Blut wahrhaft ein Trank: wer davon genießt, der bleibt in Mir und Ich in ihm. Dieß ist das Brot " welches vom Himmel gekommen ist"*): nehmet es auf daß ihr lebet in Ewigkeit. So spricht mein heiliger Erlöser, und will mit seiner Kraft und Herrlichkeit selbst in uns wohnen, damit Er um so stärker unsere Kraft zum Wirken ( 1 *) Evangelium Joh. 6 Hauptstück, 54-59 Vers. 58 unserer einstigen Herrlichkeit erhöhe, und uns durch Sich das Leben ohne Ende gebe. O sey mir daher gesegnet heiliges Mahl des neuen Bundes, in Dir soll ich die Gabe über alle guten Gaben empfangen! Möge meine Seele würdig Dich genießen! Hilf mir mein Heiland! daß ich nicht dazu hintrete, die Gedanken zur Sinnenwelt gewendet; nicht den Vorhof Deiner Herrlichkeit entweihe durch ein Gemüth voll Eitelkeit, eine Brust voll Neid, Flattersucht oder Feindschaft 2c. 2c. 2c. Was Du gelehret und geboten hast, muß in dieser Stunde am lebenvollsten vor mir stehen. Stimme mich zu jener Frömmigkeit und Demuth die der Heiligkeit Deiner hohen Geheimniſse entspricht, und hebe meinen Sinn über alles Vergängliche zu Deinen ewigen Höhen empor: damit ich Dich nicht für gemeine Speise achte und meine Seele Trost, Frieden und ewiges Leben in Dir finde. Ich gehe Himmlischer gehe mit Dir gehe zu Dir. Mit Dir unsichtbar im Herzen zu Dir sichtbar auf dem Throne des Altares. Geleite mich- durchschauere mich vergöttliche mich in Dir! Amen. Hus - 59 bị di nha đi m Stiller Seufzer bei dem Empfange. Nach dem Rhythmus: Anima Christi? c. Geist Jesu heilige mich durch Deinen Geist, Durch Deinen Leib ernähre mich! Dein Blut erhöhe meiner Seele Gluth, Der Seite Fluth bethaue mich, Dein Leiden sey mir Kraft in Noth und Schmerz, In jedem Flehn erhöre mich! Sucht still bei Deinen Wunden Trost mein Herz, Entferne von Dir nimmer mich! Mein Heil beschirme gegen jeden Feind, Bei meinem Ende rufe mich! Dann lebe ich dann preist mein Jubel Dich Mit Deinen Frommen ewiglich. Amen. - Nach dem Empfange. Frei aus Thomas von Kempten: ,, Von der Nachfolge Christi." Wer wird es mir geben Herr, daß ich Dir meines Herzens Innerstes erschließe und Deiner ganz genieße, wie meine Seele es begehrt?! Laß mich Dir völlig angehören, und meine Sehnsucht jetzt bloß bei dem was unvergänglich ist verweilen. Ach wann vergesse ich meiner, versenkt in Dich und Dir vereint? 60 Du in mir und ich in Dir; so laß uns unauflöslich mit einander bleiben. Du allein bist mein Beseliger, in welchem Friede, Labsal, Trost außer welchem Sorge, Trauer und Zerrüttung ist. — Du bist wahrhaft der verborgene Gott, und Dein Rath ist nicht mit Unfrommen; sondern Deine Rede zu den Demuthvollen, und die einfachen Sinnes sind. Wie gnadenvoll bist Du o Herr! Um Dich Deinen Kindern zu erweisen, gibst Du ihnen Lebensbrot vom Himmel. " Es ist kein Volk so groß, das seine Götter " nahe hätte wie unser Gott uns nahe ist"*). Sich gibt Er uns, um uns zu Sich zu bringen. O Gnate, nicht zu nennen o wunderbare Würdigung o Liebe ohne Ende! Was werde ich für dich erstatten? — - Mich, das Einzige was ich habe, opfere ich Dir o Herr! Sey Du ewig mit und in mir, daß ich ewig mit und in Dir sey. Heiliges Frohlocken wird mein Gemüth erfüllen, wenn ich zu aller Zeit vollkommen mit Dir vereinigt bleibe. *) 5 Buch Mos. 4 Hauptstück, 7 Vers. the pie 61 Schluß. Vertrauend auf Deine Güte Herr! ging ich, der Knecht zu dem Gebieter, der Kranke zum Erretter, der Dürstende zum Quell des Lebens hin; und Du kamst und brachtest Gesundheit, Trost und Segen in meine Seele. Woher o Gott, mir diese Gnade! Du der Heiligste der Heiligen, und ich der Sammelplatz der Sünde! Du der Beherrscher aller Welten, und ich ein zerbrechliches Gefäß voll Ohnmacht! Dennoch wolltest Du Dir in mir eine Hütte bauen.- Inniger Dank sey Dir dafür gestammelt mein Vater und Erbarmer! Inniger Dank Dir Sohn des Vaters, Lamm voll Liebe und Hingebung, mein heiliger Erlöser! Erhalte mir das Heil stets unversehrt dessen Du mich heute würdigtest! Schenke mir die beste Frucht desselben: lebendigeres Glauben, freudigeres Hoffen, innigeres Lieben. Laß zuvörderst in dem festen Glauben an Deine Lehre meinen Geist sich unverletzt und rein durch der Welt Irrgänge winden, und unerschüttert Dir anhängen. Stärke dann meine Hoffnung zu Deinen heiligen Verheißungen; stärke vorzüglich meine Hoffnung der Unsterblichkeit. Das Brot des Lebens das ich genossen habe, — 62 sey mir das sicherste Unterpfand derselben. " Wer es ist, sagst Du, den werde Ich erwe" cken am letzten Tage, und er bleibt in Ewig" keit"*). Laß mich mit Entzücken fühlen daß ich mehr bin als vergänglicher Staub; laß mich Achtung haben vor mir selbst, und als Bürger besserer Welten handeln; laß mich der Erde Ungemach mit Fassung tragen, und nie vergessen daß ich einst daheim seyn werde bei dem Herrn. Erhöhe endlich auch meine Liebe, und senke die Flamme die Dich für uns durchglühte, in meine Seele; daß ich von Dir erfüllt und zu Deinen Werken angeeifert bei und in Dir finde was Du allein uns geben fannst, den Vorschmack des Lohnes der Unendlichkeit. - Stärke mich aber durch dieses heilige Mahl der Liebe auch zu brüderlichen Gesinnungen gegen meine Mitmenschen. Hier an dem Tische zu welchem Du, ein gleiches Opfer für uns Alle, uns Alle gemeinschaftlich geladen hast, erinnere mich daß wir auch Alle vor Dir gleich sind; Alle zu Deinem Volke und Eigenthume gehören; und Dir nur dann gefallen wenn wir nicht feindselig uns von einander trennen, und nicht thöricht über *) Evangelium Joh. 6 Hauptstück, 55 und 59 Vers. 63 einander uns erheben. Die gleichen Bedürfnisse und Hoffnungen Aller weisen zu sichtbar auf unsere innere Verwandtschaft hin, als daß der kurze Unterschied der Zeit fie lösen könnte. Ertödte darum in mir jede Empfindung der Kälte, des Übermuthes und der Ungerechtigkeit gegen meine Erdenbrüder; gib mir den Geist der Redlichkeit und Güte gegen sie; gib mir den Geist der Versöhnlichkeit selbst gegen Jene die mich beleidigen. Die Allmacht neigt Sich erbarmenvoll zum gefallenen Menschen hin wenn er reuevoll um Schonung bittet: soll dieser gegen seinen Mitmenschen keine Schomung kennen und rechten stolz und streng, der Sünder mit dem Sünder? Stärke mich endlich auch in der Liebe zu allem Guten und in dem redlichen Weiterstreben auf dem Wege, den Du als Vorgänger uns eröffnet hast. Laß den Geist der Buße, so lange ich athme, nicht in mir ermüden. Wenn gleich nicht das Verbrechen, dauert doch die Schwäche durch das ganze Leben: darum soll auch die Buße durch das ganze Leben dauern. Möge ich demnach stets durch gute Werke von der einen Seite wieder hereinzubringen suchen, was mir von der andern meine Irrthümer und Fehler entreißen; und in dem heutigen Tage eine lange Aufforderung 64 finden keine Anstrengung zu scheuen, die mir das Los einer glücklichen Ewigkeit erwerbe. Hier wo ich mich öffentlich zu Deinem Nachfolger bekenne, den Werth Deines Wirkens und meiner Wiederherstellung inniger als gewöhnlich fühle, und von Dankbarkeit gegen Dich durchdrungen bin; hier wo mich alles ernster mahnt an die Größe des Preises den Du für mich gegeben, und an die Größe des Heiles das Du mir dadurch erworben hast, werden mir die stärksten Verpflichtungen zu einem nach Gott geordneten Leben auferlegt. Gib daher mein Heiland! meinem Leben Deinen Sinn; gib daß Dein Gesetz allein meine Nichtschnur, meine Ruhe, mein Segen über alles sey, so lange mein Geist Dich denken und mein Mund Dich nennen und bekennen kann. Und wenn der Tod einst meine Lippen schließt, dann führe mich und alle meine Miterlösten zum Kreise Deiner Auserwählten in das ewige Leben hin, und mache uns als Deine treuen Nachfolger theilhaft Deiner Herrlichkeit. Amen. dar( mğlzm vildaß dnu Zur heiligen Dreieinigkeit. Gott Vater, Urquell des Lebens, Schöpfer der Welten, Beherrscher und Lenker aller Dinge! in stiller Anbetung sinkt meine Seele vor Dich hin. Dir danke ich daß ich erschaffen bin; Dir daß ich nach Deinem Bilde erschaffen bin, und daß die Bestimmung zu einem endlos seligen Daseyn mich beglückt. Welch hohe Gnade!- Wie unglücke lich, die im Nichts vergessen liegen! Niwerden sie vor Deiner Werke Pracht in heiliger Bewunderung stehen; nie in Deinen Werken Dich erkennen und preisen; nie werden sie sich ewig freuen, und Dich in all Deiner Herrlichkeit von Angesicht zu Angesicht schauen. Gegen mich warst Du überreich an Huld, und warst es ohne mein Verdienst. Nichts habe ich Dir zuvor gegeben, das Du mir wiedergeben mußtest: wer gar nichts war, der konnte nicht verdienstvoll seyn. Nur Deine Liebe war es die mich schuf Dir sey Ruhm und Preis von Ewigkeit zu Ewigkeit! - 6 - 66 Gott Sohn, Erzeugter des Vaters! mit gleicher Demuth verehret Dich mein Geist. Dir danke ich daß ich nicht nur Mensch, daß ich auch menschlich bin; Dir daß die Segnungen des Christennamens mich erfreuen; Dir daß ich vom Irrthume zur Klarheit, von der Sünde zur Gnade gelangt bin. Nichts half mir das erste Leben wenn Du mir nicht das zweite gabst. Aber um vom Himmel uns zu bringen was uns zum Himmel wieder führe, hast Du ein ganzes Erdenleben uns geweiht; haft nicht gescheut des Wahnes Macht und des Lasters Haß, nicht Leibes- und nicht Seelenungemach, nicht des Verräthers Kuß und das Vollenden an dem herben Kreuzesholze. Eine Wunde von der Sohle bis zur Scheitel gabst Du willig Dich für uns hin; und gingst um des gemeinsamen Vaters Erbe uns zu retten, geduldig zum Tode des Verbrechers-Dir sey Ruhm und Preis von Ewigkeit zu Ewigkeit! Gott heiliger Geist, ausgegangen vom Vater und Sohne! auch Dir bringe ich das Opfer meiner Ehrfurcht dar. Dir danke ich es wenn des Sohnes großes Werk an mir nicht verloren geht; Dir daß ich, wenn die Sünde mich verführt, wieder zurückgelange in das Reich der Gnade. Du strahlest Licht in das Dunkel des sündigen Herzens und bringst 67 es zur Erkenntniß. Du schüttelst das schlummernde Gewissen wach und begeisterst es zum Guten. Durch Dich werden wir an Muth verjüngt, wenn Müdigkeit und Unmuth auf dem Pfade zur Vollendung uns beschleichen. Du bist dem Schwachen Kraft und dem Rathlosen Rath auch Dir sey Ruhm und Preis von Ewigkeit zu Ewigkeit! Heilige Dreieinigkeit, Einer und dreifacher Gott! thaue Deiner Allmacht, Deiner Liebe, Deiner Weisheit Segen über mich herab. Sey mit und in mir; leite mein Denken, stärke mein Wollen, ordne mein Thun; daß sich in allem was ich beginne, nie die Ehrfurcht vor Dir verläugne. Obwohl Du nur Einer bist in Dreien, und mir Jeder gab was ich Allen, und Alle was ich Jedem danke; dennoch durch den Vater ward ich Mensch; durch den Sohn ward ich Christ; durch den Geist soll ich einst Bürger des ewigen Reiches Gottes werden. Laß mich daher o Vater! Mensch zu Deiner Ehre seyn, und das irdische Leben nicht mißbrauchen; laß mich o Sohn! Christ nach Deinem Sinne seyn, und das verliehene zweite Leben nicht entweihen: damit ich einst durch des Geistes Gnade zum Lichte des Reiches Gottes aufgenommen werde, und das Ziel voll Herrlichkeit - 6* 68 erreiche, zu dem Du mich Vater, geschaffen, wegen dessen Du mich Sohn des Vaters, erlöst hast, und wozu Du mich Geist vom Vater und Sohne, stärkest und heiligest. Ruhm und Anbetung Dir heilige Dreieinigkeit-Dir o großer, starker, barmherziger Gott- Einer in Dreien, Jeder in Jedem, Alles in Allem! Ehre Dir Vater, Sohn und heiliger Geist, der Du warst im Anfange, jetzt und in allwege, und bis in ewige Zeiten! Amen. Am Feste der Geburt Jesu. " Gelobt sey Gott, der Vater unsers Herrn " Jesus Chriftus, der Vater der Barmherzig" keit und der Gott alles Trostes"*)! Gelobt seyest Du ewige Liebe, die Du die Heere des Himmels und die Seelen der Menschen mit Deinen Gnaden erfüllest, für den hohen Segen des heutigen Tages! In Finsterniß und Schat" ten des Todes"**) saßen die Völker, geschwächt durch der Sünde zerstörende Macht. Da sandtest *) 2 Brief an die Korinther; 1 Hauptstück, 3 Vers. **) Evangelium Luk. 1 Hauptstück, 79 Vers. 69 Du von Deinen heiligen Höhen den Erleuchter und Retter, begleitet von Deiner seligen Geister Frohlocken; und unser Daseyn ward Leben, unsere Schwachheit ward Kraft, unser Jammer Erlösung. Ein neues Geschlecht hast Du Dir auf Erden durch Deinen Eingebornen bereitet. Die Stunde die Ihn uns gegeben hat, ward die Stunde der Wiedergeburt für Deine gefallene Menschheit; die Stunde, in welcher wir Dir o ewiger Vater wieder inniger und fester gehörten. Höre die Stimme unserer Freude an diesem heiligen Dankfeste der Liebe! Gelobt seyest auch Du Begründer unsers Heiles, Erlöser von Sünde und Tod! Gesegnet sey der Tag Deines Erscheinens unter den Kindern der Menschen! Ohne Dich blieben wir versunken in die Nacht des Irrthums; Du führtest uns heraus zum lichtvollen Tage der Gnade. Die Enden der Erde beten Dich an; Nationen sinken heute vor Dir nieder und stimmen ein in das Hallelujah der Engel! Ehre Dir in der Höhe und Friede auf Er" den den Menschen die eines guten Willens " sind"*)! so rufen auch wir. Preis Dir Bote der göttlichen Huld, Führer der Unwissenden, Beseliger unsers Geschlechtes! Mit Dir hat *) Evangelium Luk. 2 Hauptstück, 14 Vers. 700 unser Daseyn wieder Bedeutung und Zweck, unsere Seele wieder Hoffnung des Heils, unser Herz wieder Troft und Beruhigung im Leben und Tode. O mache alle Menschen des Lichtes und der Gnade Deiner Erscheinung theilhaftig! Zerstöre überall die Herrschaft des Irrthums und der Sünde! Lasse den Stern der die Weisen des Morgenlandes zur Anbetung Deiner geführt hat, in dem Leben eines Jeden erscheinen, und dehne die Grenzen des Gottesreiches das Du gegründet hast aus, auf daß sie den Erdball umschließen! Uns aber verleihe, daß wir am Tage Deiner Geburt gleichfalls zu neuen Menschen geboren nun und immer feine größere Weisheit als Deine Lehre, fein heiligeres Bestreben als Deines Beispiels Nachahmung, und kein schöneres Ziel als Dein ewiges Reich kennen und verlangen mögen. Amen. In der H. Fastenzeit. Erinnerung an das Leiden Jesu. Mit Ernst und Wehmuth blicke ich zu Deinem Kreuze empor, für mich in den Tod gegangener Heiland! Die Tage der Luft und des 71 Taumels sind wieder vorüber: irdischer Sinn und Zerstreuung der Seele ist es, was sie gewöhnlich hinterlassen. Aber nicht hiezu bist Du wie der Sterblichen Einer geworden, und hast der Sterblichkeit Schmerz und Wunden getragen. Darum weist unsere Mutter, Deine h. Kirche, in dieser Zeit der Selbstbeschauung meinen Geist mit Recht zurück zu der stillen Einsamkeit Deines Kreuzes; um was Du für mich gethan hast, und wie ich mich dafür dankbar bezeugen soll, fromm zu erwägen. Betrachte ich die Reihe von Drangsalen die Du für mich übernommen haft; woher mir im Gefühle meines Unwerthes Deiner würdige Worte zum Danken?! Laß mich wenigstens bei dem Andenken daran Entschließungen fas sen, wie sie die Größe Deines Opfers und das Heil meiner Seele verlangt. Armuth und Niedrigkeit bezeichneten den Anfang Deines irdischen Lebens; Stall und Krippe waren Wohnung und Lager Desjenigen, in dessen Namen sich jedes Knie beugen soll! Wie wird mein Hochmuth und meine Ehrsucht durch dieses Beispiel beschämt! O möge nie thörichter Stolz auf Rang und Gestalt, auf Reichthum und Macht mich ergreifen; und ich nie die Künste der Eitelkeit zur Schau auszustellen versucht werden, während 72 mein Erlöser für mich Sich bis zur Dunkelheit und Demuth des Stalles erniedrigt! Durch jahrelanges Bestreben suchtest Du Jesu der Welt und mein Heil; säetest unermüdet den Samen Deiner göttlichen Lehre; achtetest nicht Beschwerden und Verfolgung; und bliebst bis zum Tode dem Ziele Deiner Sendung getreu.- Sey es mir mein Erlöser eine Ermunterung, treu und ausdauernd wie Du, und nicht achtend Anstrengung und Widerspruch, das Werk meines Berufes auf Erden zu treiben, damit auch ich das Ziel Deiner Sendung einst glücklich erreiche. Zum Lohne Deiner Freundschaft, und für die Gnade der Auserwählung vor Vielen wardst Du o Jesu von Deinem eigenen Jünger verrathen. Geiz und Treulosigkeit stahl sich ein in die Mitte der Deinen; und nachdem Du Haß und Neid von Feinden getragen hattest, brachte Dir Jener den Du Dich Freund zu nennen gewürdigt, den größeren Schmerz. Um dreißig Silberlinge gab er Dich Preis! Und Du duldetest willig den Kuß! O daß nie auch ich durch die Sünde Dich mein Erlöser verrathe; nie durch Falschheit und List gleich dem verblendeten Jünger, mir vorübergehende Vortheile die bald mit mir und der Zeit schwinden, erschleiche, und um den 72mein Erlöser für mich Sich bis zur Dunkelheit und Deunuch des Stalles erniedrigt! Durch jahrelanges Bestreben suchtest Du Jesu der Welt und mein Hell; fäctest unermibel den Samen Deiner göttlichen Lehre; achtetest nicht Beschwerden und Verfolgung; und bliebst bis zum Tode bem Ziele, Deiner Sentang getren. Sey es mir mein Gelöfer eine Gemunterung freu und ausbauernd wie Du, und nicht achtend Anstrengung und Widerspruch, das Werk meines Berufes auf Esben zu treiben, damit auch ich das Ziel Deiner Sendung einst glücklich erreiche. Zum Lohne Deiner Freundschaft, und für die Gnade der udemedhtung vor Vielen wardſt Dno Jefe von Deinent eigenen Inger verrather Geis und Trenfosigkeit stahl sie ein in die Mitte der Deuen ud nachdem Du Haß und Nefe von Beichen getragen hatteſt, brachte Die Zener der Dich Freund zu be nennen gewürdigt, den gröseren Schmerz, Um breißig Silberling? gabre Dich Preis! Und Du viridetest willig den, Kup! baß nie auch ich durch die Sünde Dich mein Er Töfer verrathe; nie buch Falschheit und Lift gleid hem verblendeten Jünger, mir vorübergehende Bortheile bie bald mit mir und Belt schwinden, erschleidhe, und um ben Joh Ender del: J. Axmann fe. Die Erde ist der Schemel Seiner Füße; Is. 66. 1. Ihr gab Er hin den Eingebornen Sohn; Joann. 3.16. Auf daß der Geist der Wahrheit sie erleuchte. Joann. 16.13. 73 dreißig Silberlingen- Werth der Erde meine Seele verkaufe! Erleuchte mich mein Heiland! damit ich wandle in Geradheit, Gerechtigkeit und Genügsamkeit; ungeblendet bleibe von Eigennuß und Weltsinn; und einst den Theil der Seligkeit, nicht den des Verrathes an Deinem Blute habe! Ohne wider Dich Unrechtes erweisen zu können, vielmehr mit dem Zeugnisse daß Du " wahrhaftig seyest und den Weg Gottes recht „ lehrest"*), wardst Du o Jesu von Richter zu TRUS Richter gezogen, Preis gegeben dem Spotte der Rohheit und Niedrigkeit, und durch Geiseln und Dörner zerfleischt. Selbst die Ungerechtigkeit erwog das Gewicht Deiner Qualen, und führte Dich mit dem Ausrufe Sehet, " ein Mensch!!"**) dem Erbarmen der Menge vor und fand kein Erbarmen. Du litteft, weil Du der Sterblichen Wohlthäter warest; Du littest, und Deine Verräther und Richter bekannten daß an Dir keine Schuld"***) sey. Dennoch trugst Du wie ein geduldig — *) Evangelium Matth. 22 Hauptstück, 16 Vers. **) Evangelium Joh. 19 Hauptstück, 5 Vers. ***) Evangelium Matth. 27 Hauptstück, 4 und 24 Vers. Und Evangelium Joh. 19 Hauptstück, 4 und 6 Vers. 7 74 verstummendes Lamm, Hohn, Mißhandlung und Wunden. Lehre mich mein Erlöser, wenn ich Demüthigung erleide, nicht in Troß und Ungeduld aufflammen; sondern wenn Du für fremde Missethaten Dich hingabst, in dem was mir widerfährt, oft nur die Strafe meiner eigenen Vergehen erkennen, und sie um so geduldiger tragen. Zur Vollendung des furchtbaren Frevels wardst Du endlich, heiliges Lamm Gottes, mit zerrissenem Körper, niedergedrückt von der Last die unser Verderben Dir aufgebürdet hatte, hinausgezogen zum blutigen Galgen des Kreuzes. Die Reinheit ward von der Sünde zum Tode des Verbrechers geführt; in der Stunde der brennendsten Qual für unsere Wollüfte mit Wermuth getränkt; hatte keinen Augenblick ohne Pein, kein Glied ohne Plage! Und im Übermaße des Leidens dennoch das göttliche Wort der Vergebung auf Deinen sterbenden Lippen! O Größe der Hingebung meines Erlösers, wie kann ich dich würdig verehren?! Vater, wie kann ich Deine endlose Barmherzigkeit die um mich selbst den geliebten Sohn nicht verschonte, würdig anbeten?! Er, dem Du einen Namen über alle Namen gegeben, kam in sein Eigenthum, und die Seinigen stießen Ihn aus! Ihn, der von Anbeginn - 75 " Dein Wohlgefallen"*) war, züchtigtest Du für mich und für meine Übertretungen"**): wie kann ich den Fluch der Sünde stark genug fühlen?! Kreuz meines Erlösers, heiliger Altar meines Heils! erneuere und stärke in mir mit aller Macht den Abscheu gegen das Böse. Ich bin, auch wo ich mir am besten erscheine, doch nur Schwachheit, Irrthum und Übertretung. Werde die Lehre des Göttlichen der an dir für mein Heil vollendete, in mir Weisheit und Kraft; werde sein Opfer ein nie endender Antrieb für mich, den Erbarmnissen die Er uns durch dasselbe bewirkte, treu mitzuwirken: damit sein heiliges Leiden und Sterben mir einst die Pforte zum Leben und zur Freude eröffne. Amen. Am Osterfeste. Gelobt sey Gott, der Vater unsers Herrn " Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit durch die Auferstehung Jeſu Dur *) Evangelium Matth. 17 Hauptstück, 5 Vers. **) Isaias; 53 Hauptstück, 5 Vers. Und 1 Brief an die Korinther; 15 Hauptstück, 3 Vers. 7* 76 zur lebendigen Hoffnung wiedergeboren hat"*)! Gelobt sey seine ewige Allmacht und Gnade! Unser Herr und Führer ist nicht unter den Todten geblieben; entstiegen ist Er dem Dunkel des Grabes, um unsern Glauben auf unerschütterlichen Grund zu bauen und ihn zu erheben zur Stärke himmlischer Zuversicht. Auferstanden bist Du mein Erlöser! Gesiegt hat das Leben über den Tod, die Wahrheit über die Lüge, die Schuldloftigkeit über die Macht der Verfolgung. Vergebens bemühen sich Deine Mörder ihr langes Verbrechen fortzusetzen bis über die Schwelle des Grabes; sie können das Göttliche nicht tödten. Du erschütterst die Felsen, zerbrichst die Fesseln der Nacht in der Dich die Wuth Deiner Feinde für immer fest zu halten gewähnt; und ohnmächtig stürzen Deine Hüter, ausgestellt von dem Eigennuße und der Ruchlosigkeit, nieder zur Erde. Als Überwinder gehst Du hervor, und Deine Schmach ist in Ehre, Dein Leiden in Herrlichkeit des Himmels verwandelt. Im Hellsten Lichte strahlet mir nun die Wahrheit Deiner h. Lehre, daß Geister nicht sterben und ich zum Bürger höherer Welten berufen sey. Aus der Dunkelheit des Grabes - *) 1 Brief Petr. 1 Hauptstück, 3 Vers. 77 kehrest Du wieder; auch ich werde dauern jenseit des Grabes! Du bist erstanden; auch ich werde erstehen, auch mein Verwesliches wird das Unverwesliche anziehen"*) wenn meine Seele über Sünde und Geistestod den Sieg errungen haben wird, und ich werde bei Dir seyn und Dich benedeien, der Du mir Verkündiger und Bekräftiger dieser Wahrheit geworden bist. So gewiß Du zur Herrlichkeit eingegangen bist und Dich mit Deinen Jüngern im ewigen Vaterlande erfreuest; so gewiß hast Du auch mich zur Theilnahme am Reiche Deines Vaters berufen, und mir in Vereinigung mit Dir und den Meinigen Wiedersehen und unvergängliche Freude bei Dir bereitet. O habe Dank göttlicher Erlöser, für dieſe große Verheißung, und mache mich und alle Menschen würdig der Erfüllung derselben! Du bist uns vorangegangen, und Herrlichkeit war Dein Ausgang; mache uns Dir Alle zu frommen Nachfolgern, daß auch wir bei unserm Ausgange ohne Widerstand zur Herrlichkeit des höhern Lebens gelangen. Rauh und mühsam ist Dein Pfad gewesen, den unsrigen erhellt der Glanz Deines Beispiels und die Kraft Deiner *) 1 Brief an die Korinther; 15 Hauptstück, 53 Vers. 78 Gnade; lasse uns das eine und das andere redlich benützen, mache uns überall eifrig zum Recht und zum Wohlthun, zum Wirken und Dulden nach Deinem Vorbilde, und wo wir in Fehler hinsinken hilf uns zum Erstehen aus dem Grabe der Sünde: damit wir, jest mit Dir Eins, es einst inniger und unaussprechlicher werden im Reiche Deines himmlischen Vaters. Amen. Am Pfingstfeſte. Mit heiliger Freude begehe ich o Gott und Vater! die Feier des heutigen Tages, an welchem das Senfkorn des Glaubens, von Deinem göttlichen Sohne gepflanzt, die gesegneten Erstlinge trug, und das Erbtheil des Lichtes welches Jesus in den Schoß seiner H. Kirche niedergelegt hat, sich über die Welt zu verbreiten begann. Durchdrungen von der Kraft Deines Geistes treten die Vertrauten des Gekreuzigten als Boten der Welterlösung hinaus, sprechen die Worte des Lebens, und Tausende fühlen sich von denselben begeistert und werden Genossen des Reiches der Wahrheit und Seligkeit. An demſelben Orte der meines Heilandes Schmach 79 und Sieg gesehen hatte, gründet sich Ihm ein neues Geschlecht; aus demselben Boden der mit seinem Blute gedüngt ward, erwächst Ihm zuerst die Frucht der Verherrlichung, und uns die Frucht des Glaubens und Seligwerdens durch Ihn; und von diesem Mittelpuncte strömt die Ehre des Evangeliums aus über das weite Antlitz der Erde, um allen Völkern und Zeiten die gnadenvolle Botschaft des Heiles zu bringen. Groß ist das Wunder des heutigen Tages, an welchem das Reich meines Erlösers auf Erden begründet ward. Dank Dir und Preis allmächtiger Vater! daß Du auch mich zu demselben berufen hast. Nur in dem Wahren und Guten liegt Kraft, Friede und Seligkeit: mache mich immer empfänglicher für alles Wahre und Gute, wie es mich mein Erlöser gelehrt hat; damit ich einst würdig befunden werde aus seinem Reiche auf Erden einzugehen in das Reich Deiner Himmel. Du aber Kraft des Allerhöchsten, Geiſt der Stärke und Heiligung! der Du heute in den schwachen Jüngern mächtig geworden biſt, werde auch in mir mächtig und wirke Deine heutigen Siege auch in meinem Gemüthe. Befestige meinen Glauben wenn Zweifel und Wankelmuth ihn zu erschüttern drohen; erhöhe meine Hoffnung wenn mir das Bewußtseyn 80 meiner Sündigkeit die Zuversicht zu Gottes Erbarmnissen rauben will; entflamme meine Liebe wenn ich, der Wohlthaten des ewigen Vaters vergessend, Unrecht gegen Ihn oder meine Miterlösten zu üben im Begriffe stehe; wende meinen Blick auf das Grab und die Vergeltungen jenseit desselben, wenn die Gefahr zum Bösen mir naht: damit ich, gestärkt zur Reinheit und Gerechtigkeit in allen Verhältnisſen meiner Wanderschaft auf Erden, Dich einst mit dem Vater und Sohne preise und benedeie in Ewigkeit! Amen. Das Vater unser. Rhythmisch umgeschrieben. Erhabner, dessen Antlig ohne Hülle Der Seraph schaut, in heil'gen Wonnen bebend; Allmilder, der Du Deines Segens Fülle Auch auf den Staub der Erde streust; belebend Hoch oben thronft, me Hienieden wohnst- Vater unser" lehre Uns bitten Dir zur Ehre! 11 Wir sinken hin vor Deinem Angesichte, Und preisen Dich, den Gott der Huld und Stärke; Den Blick gewandt zu Deines Himmels Lichte, Ruft unser Geist, betrachtend Deine Werke: " Hochheilig ist", Wie Du es biſt, Von uns Allen " Dein Name!" Soll Ihm stets Ruhm erschallen! — 81 Wo Raum ist, ist Dein Reich. Nicht bloß die Sphären Sind Deiner Herr der Welten! voll. Es lade Das Herz des Menschen Dich, und Du läßt währen Auch dort Dir einen Sit. Wenn Deine Gnade Uns an Sich band, and Sind wir Dein Land: " Dieß Reich laß zu uns kommen", Und zähl uns zu den Frommen. Des Vaters Wille ist der beste Wille. Drum gib nur Vater! was wir thun und lasſen, Daß dieß auch stets Dein Wille sey; und stille Zufriedenheit wird unser Herz umfassen, 82 Und ruhig wir Stets fleh'n zu Dir: " Dein Wille möge werden Im Himmel und auf Erden!" albo on Du bist es der das Feld, die Blume kleidet, Der ohne ihr Bemühn die Welt der Thiere Am Tische seiner Schöpfung täglich weidet. Daß Thätigkeit und Fleiß den Menschen ziere, Hold Ist Dein Gebot. imbat dg, gib ihm Brot" " O sa! Von Teinem Überflusse! në nuk mi dall 118 m Th Und Weisheit zum Genusse. in Voll Sündenschuld vor Dir und vor einander, An nichts so, wie an Fehlern reich, hier. Brüder Thut Schonung uns von Dir und von einander Vor allem Noth. Verdient fie der der Brüder, Der sie begehrt, Und nicht gewährt? sn8 62 " 1 Verzeih uns unsre Schulden, die mir Wie wir verzeih'n und dulden." TUE 83 Und wenn in uns der Hang zum Bösen gähret, Wir bitten nicht: laß ohne Kampf uns stegen. Wir bitten, da nur Kampf den Preis gegewähret: Laß kämpfen uns, doch kämpfend nicht erliegen. Sey uns ein Stab Bis an das Grab; g 301 Führst Du uns in Versuchung", Sey ste zum Heil Berufung! zum Nur Eins ist was als Übel uns umlauert, Es heißt: die Sünde. Was die Sinne leiden, — Vergeht wie sie; die Sünde aber dauert. Drum lehrt uns Jesus, sie nur stets zu meiden. Herr eile zu, Erlös uns Du" 11 isDurch Jesu Geist und Namen Vom wahren Übel! Amen." med 84 Das Vater unser. R 17 In ungebundener Umschreibung. 91 Vater!" obwohl Du Welten ohne Zahl gebietest, lehrte uns doch Dein Sohn in ſeinem H. Gebete Dich bloß einfach Vater nennen, um uns zu Dir der Kinder Zuversicht zu geben. Mit Zuversicht und Andacht nähern wir uns daher Deinem Heiligthume und rufen aus der Tiefe unsers Herzens: Unser" Vater, im imm 2019 „ Der Du bist im Himmel" und auf Erden unser, das ist Aller, nicht ausschlußweise Eines oder Einiger Gott und Vater heißen willst; damit jeder Mensch in jedem Menschen seinen Bruder anerkenne, " Geheiliget werde Dein Name" von uns Allen! Theils durch unsere Worte; damit wir nie durch Fluch, Lüge oder Meineid Dich und mehr noch uns entweihen. Theils durch unsern Wandel; damit nie was unsere Lippen beten, eine stillschweigende Verdammniß für unser Leben sey. " Zukomme uns Dein Reich" des Glaubens; damit sich die Anbetung Deiner bei Denen die Dich noch nicht im Geiste 85 Jesu kennen, immer mehr verbreite. Zukomme uns Dein Reich der Wahrheit und Gerechtigkeit; damit wir die wir bereits zur Er kenntniß Deiner gelangt sind, fern von allem Irrthume wandeln in des Geistes Klarheit, Gewalt niemal für Recht ansehen, und als treue Bürger Deines Erdenreiches einst glückliche Bürger des Reiches Deiner Himmel werden. " Dein Wille geschehe wie im " Himmel, also auch auf Erden" von allen Deinen Kindern stets mit heiterm Muthe und ohne unlautere Absicht, bloß weil er Dein Wille" ist. Was Du willst o Herr! das muß zwar geschehen, auch wenn wir Dich darum nicht bitten: aber Niemand thut gezwungen Gutes, auch wenn es gut ist was er thut. Darum verleihe uns daß wir Dir stets ein freiwilliges, weder aus Noth, noch aus Furcht vor Strafe, noch aus bloßer Scheu vor Menschen, sondern aus reiner Liebe zu Dir und zum Guten hervorgegangenes Tugendopfer darbringen; damit, wenn wir thun was Dein Wille ist, wir Dir dadurch auch wohlgefällig werden.- Und nicht nur daß wir Deinen Willen gern thun, verleihe uns o Gott! sondern auch daß wir ihn immer gern leiden, und uns das Walten Deiner Weisheit Weisheit sey im Un 86 angenehmen wie im Angenehmen. Du meinest es mit uns gleich gut, ob Du unsere Wünsche erfüllest oder zu nichte machst. Möge sich daher auch unsere Seele in beiden Fällen mit gleicher Innigkeit zu Dir erheben: nicht um Deinen Willen nach dem was unser Wille ist, zu stimmen, und selbst im Gebete nur ein Mittel zur Befriedigung der irdischen Leidenschaft zu suchen; sondern um die Gnade, ruhig und unbedingt zu wollen was" Du" willst. Gib uns heute unser tägliches " Brot" nur heute Herr! wer weiß ob wir noch morgen leben und Brot nur, nicht den Überfluß des Lebens; wer weiß ob er uns dienlich wäre. Gib uns aber den Willen und die Kraft auch durch eigene Anstrengung für unsere Bedürfnisse zu sorgen. Sey dann mit unsern Bestrebungen! Segne unsere Felder und den Schweiß der sie düngt, und schenke jeder Bemühung Erfolg, die unser Daseyn redlich fristen soll. Entferne zugleich von uns jede ängstliche Besorgniß für unsere Zukunft, wenn Du eine solche uns bestimmest. Du bist ja unser Gott wie heute so auch morgen. Du kleidest die Lilie des Feldes und nährest den Raben in der Luft, Du wirst auch unser nicht vergessen. Senke uns vielmehr statt Kleinmuth und Besorgniß Genügsamkeit und - 87 den festen Glauben in die Seele, daß Deine weise Liebe gewiß und immer gibt, was und wie es recht ist. Belebt dieser Glaube unsern Geist, reger Fleiß unsere Hände, und Genügsamkeit das Herz, so wird es uns am Nöthigen nie fehlen; und haben wir dann Brot viel oder wenig, nie wird es uns zu wenig scheinen; denn dem Genügsamen ist das Nöthige stets auch das Hinlängliche. Schenkest Du uns aber jemal über den Bedarf der Noth; dann o Vater, lege auch ein Herz in unsere Brust, und laß des Weinenden uns nicht vergessen! Und vergib uns unsere Schul" den gleich wie wir vergeben unsern Schuldnern." Laß uns für unsere Verirrungen Erbarmen bei Dir finden o Herr! und die Schonung die wir von Dir bedürfen, auch uns stets gegen Andere üben. Das Flehen des Unversöhnlichen ist Lästerung, und unser Gebet enthält auch unser Urtheil, wenn wir mit Groll im Herzen bitten, daß Du uns nur so vergeben mögest wie wir dem Beleidiger verzeihen. " Und führe uns nicht in Versu chung"; aber wo Du uns darein gerathen läßt, stärke uns Barmherziger, daß wir ihr nicht erliegen. Erinnere uns an das Beiſpiel Deines göttlichen Sohnes, daß wir wie Er 88 das Böse standhaften Sinnes von uns weisen. Versuchung muß uns hienieden kommen, da das gegenwärtige Leben eine Probeschule ist in welcher wir das Glück der Ewigkeit auch durch eigenes Mitwirken uns erstreben sollen. Es ist aber kein Verdienst gut zu seyn, wo keine Anlockung zum Bösen da ist. Tarum läßt Du uns gereizt werden entweder durch die eigenen Begierden, oder durch Menschen außer uns, oder durch Trübsale aller Art; damit wir in den Stunden solcher Versuchungen durch Standhaftigkeit im Guten uns Verdienste sammeln, und auf diese Weise mitwirken zum Heile in der Ewigkeit. Gnadenvoll und weise das o Herr! Nur mache uns durch Deinen Beistand in der Prüfung stark, und laß uns die Ursache nie vergessen aus welcher wir versucht werden- " Sondern erlöse uns von dem „ Übel" der Sünde, dem einzigen wahren Unglücke, das wenn alles andere Ungemach mit dem Erdenleben endet, uns über das Grab hinaus nachfolgt und vor Deinem Richterstuhle elend macht. Was sonst im Menschenleben Übel heißt, ist oft nur Wohlthat, bestimmt höhere Zwecke in uns zu befördern. Darum bitten wir Dich auch nicht um Befreiung von diesem, da Du uns zu rechter Zeit von selbst davon befreien wirst, und uns alles Glück der Zeit doch nichts 89 nüßt wenn wir Dich und das Heil der Ewigkeit verlieren; sondern nur um Kraft gegen die Sünde und um Festigkeit im Guten: damit wir einst, geläutert und bewährt, in das Reich wo kein Übel mehr ist, aufgenommen werden mögen. " Amen" es geschehe Herr, was wir von Dir, dem Vater des Erbarmens und der Gnade in kindlicher Demuth bitten! Amen. - Erneuerung des Taufbundes. Als ich noch unmündig war, schloß ich durch Andere den heiligen Bund der Tugend mit Dir o Gott und Herr! Kaum zum Erdenleben eingegangen ward ich von Denjenigen die mich zuerst auf Erden liebten, Dir zum Eigenthume übergeben. Dein will ich nun auch durch meinen eigenen Willen seyn und was einst Andere für mich gelobten, bei gereifter Einsicht und Erkenntniß selbst bestätigen. Vor allem habe Dank o Vater! für die Weihe, die Du mir schon an der Schwelle meines Daseyns ertheiltest. Befreiet in der h. Taufe von der Sünde durch Jesus Christus Deinen Sohn, ward ich durch dieses Bad der Wiedergeburt eingeführt in die Gemeinschaft 8 90 seiner Bekenner, und im Namen des dreieinigen Gottes eingesetzt zum Erben Deiner Herrlichkeit und Miterben meines Erlösers Jesu. Nach seinem Namen und durch sein Bestreben Christ sollte ich Theil haben an dem Heile, das Er am Kreuze allen Jenen erworben hat die an Ihn glauben und sein Gesetz befolgen; und der Verheißung mich erfreuen wer sein Wort halte, " werde den Tod in Ewigkeit nicht sehen"*). Ich preise Dich o Gott! daß Du meiner gedacht hast noch ehe ich war, und mich zum irdischen Leben berufen hast. Ich preise Dich noch mehr für die Berufung zum zweiten bessern Leben zum Lichte und zur Gnade des wahren Glaubens. Feierlich erneuernd was einst Andere für mich beschworen haben, bekenne ich Dich meinen Gott, den Vater, Sohn und h. Geist. Ich bekenne Jesum Christum, der unser Geschlecht Deiner göttlichen Gerechtigkeit wieder versöhnt hat. Ich bekenne alles was Er und seine Apostel gelehrt haben, und was uns die h. katholische Kirche zu glauben darstellt. Ich widersage von ganzem Herzen der Sünde, dieser Empörerin gegen Dich und meine Seligkeit, und allen Einflüsterungen des Hochmuthes und der Üüppigkeit *) Evangelium Joh. 8 Hauptstück, 51 Vers. 91 die zu ihr verlocken. Ich bin entschlossen, nicht nur den Namen sondern auch die Tugenden eines Christen an mir zu tragen, und meines Heilandes zu seyn wie im Worte so im Wandel. Stärke mich o Gott und Vater! in meinem Vorsage durch Deine Gnade. Bin ich bisher abgewichen von dem Bunde mit Jesu, gedenke meiner Missethaten nicht um Deines Sohnes willen. Reinige in Zukunft meinen Sinn durch seine Lehre, und gib mir Deines göttlichen Geistes Licht und Stärke zu Begleitern bis an das Grab: damit ich, schon im Anfange meines Lebens im h. Sacramente Dir geweiht, bis an desselben Ende Dir ein wohlgefälliges Opfer bleibe, und nach der Verheißung Jesu den Tod in Ewigkeit nicht sehe." Amen. Verehrung der seligsten Mutter unsers Erlösers. Hochgebenedeite, sey gegrüßt! Durch dich ließ Gott das Heil seiner Welt erscheinen, und die Völker denen durch deinen Eingebornen neues Leben ward, ehren in Ihm dich, in dir deine Tugenden, und in deinen Tugenden Gott die Quelle alles Guten. 8* 92 Auch ich komme, dich in deinen Tugenden zu ehren und in dir deines und meines Gottes Größe anzubeten. Doch übel klingt „ das Lob aus des Sünders Munde"*). Darum sey dein Leben mir ein Vorbild für mein eigenes, damit ich dich preisen möge wie es Gott gefäl lig und mir nüßlich ist. Dein Sinn, bereits im Himmel wohnend ehe du zum Himmel eingingst, erhebe mich über der Erde bestandloses Treiben, richte meine Begierden vor allem auf das Unsterbliche das keinem Wechsel unterliegt, und lehre mich bei meinem Thun und Lassen den Vortheil der langen Zukunft stets vor dem der kurzen Gegenwart beachten. Dein sanftes Äußern voll Frömmigkeit und Demuth, als du des Herrn künftige Mutter, dich des Herrn Magd nanntest, zeige mir, wie vermessen es sey sich hochmüthig zu erheben im Angesichte Dessen, vor dem der Größte ein armes Nichts, und der Klügste eitel Thorheit ist; es bewahre mich im Glücke vor Übermuth und vor Verachtung Anderer, und lasse mich wenn Gottes Segen auf mir ruht, nie vergessen wessen Segen auf mir ruhe, daß denselben nicht mein Verdienst herbeigenöthigt *) Buch Ecclesiasticus; 15 Hauptstück, 9 Vers. 14 93 habe, und wenn ich vielleicht stolz sprechen wollte mein Fleiß war der Erwerber", daß ich nicht einmal den Sinn für Fleiß und nicht einmal den Willen zum Erwerben mir verdanke, noch weniger daß ich zum Willen auch die nöthige Kraft besaß, und meinem Fleiße auch Erfolg zu Theil ward. Dein unbeschränktes Gottvertrauen und die innige Ergebung in das Gebot des Allerhöchsten, die du in die Antwort legtest mir " geschehe nach deinem Worte"*)! leite mich an, meinen Willen mit Zuversicht dem Willen Dessen zu unterordnen, der weiser ist als der Sterbliche es fassen kann; und lasse mir sein Gebot immer als das Anbetungswürdigste im Leben erscheinen, dem ich mich wie du mit unbeschränktem Vertrauen hingebe überzeugt, sein Gebot enthalte für mich auch überall das Wohlthätigste und Beste, und sey mir in meinen jedesmaligen Verhältnissen nußbringender als was immer sonst auf Erden. Dein stummes Dulden, als du unter dem Kreuze des Sich für uns Geopferten voll tiefen Schmerzes das Ende seiner Qual erharrtest, senke auch in meine Seele Muth zum Dulden, wenn meine liebsten Hoffnungen sich *) Evangelium Luf. 1 Hauptstück, 38 Vers. 94 von mir trennen und mich das Leben rauh anfaßt; es halte mich aufrecht, wenn ich voll Grames sehe wie die Zeit oft so viel verspricht und so wenig hält, oder wehmüthig auf verklungene Freuden zurückblicke, und nur Entbehrung, Bekümmerniß und Verlassenheit noch vor mir steht. Möge ich dann meinen Schmerz wie du dem Vater darbringen als Opfer der Erde für den Himmel; und wenn gleich mit gebeugtem Herzen, doch mit demüthigem Sinne in demselben ausharren, bis sein Erbarmen ihn oder mich zu Ende bringt. So Mutter! sey jede deiner Tugenden in meine Brust ein Same, der mich an edler Blüthe und reicher Frucht dir ähnlich mache. Du liebst es nicht wenn bloß Worte zu dir sprechen, der Wandel aber deinem Wandel widerspricht; und verwirfst Diejenigen die zwar dich ehren, doch deinen Gott und sein Gebot nicht achten. Darum flehe ich zu dir: laß mich dir folgen in Gottseligkeit, damit mein Preisen deiner würdig sey. Bitte, wie du bei Gott Gnade fandest, auch für mich um Gnade! Bitte daß Er in Glück und Unglück wie dir, mir Geistesgröße schenke, damit ich in dem einen " nicht verzage, in dem andern nicht zum Übermuthe fortgerissen werde; daß Er das Feuer 95 meiner Liebe zu Sich anfache, und das Feuer wilder Leidenschaften in mir dämpfe; daß Er das findliche Vertrauen in mir erhöhe, wenn ich auf des Lebens Pfaden wie dein heiliger Sohn und du, auch dem Pfade des Kreuzes begegne; daß Er, wenn der Trost dieser Welt von mir weicht, mir den Trost besserer Welten gewähre, und meine Gesinnungen stets mehr zu Sich erhebe: damit wenn einst Geist und Staub sich von einander trennen, Ich Ihm mit dir, schwebend in seiner Himmel Seligkeiten, Anbetung stammeln möge von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. An den Festtagen der heiligen Mutter unsers Erlöser s. Mit vertrauenvollem Herzen nähere ich mich dir, Maria Mutter der Liebe und Barmherzigkeit, am Tage deiner heutigen Feier, der uns deine Tugenden und die Kraft deiner Fürsprache in das Gedächtniß zurückruft. Groß bist du und ruhmvoll ist dein Name unter den Getreuen Jesu Christi. Höre und erhöre was meine Seele in stiller Andacht vor dir ausspricht. Ein Bild der Reinheit erscheinest du mir, wenn die h. Kirche die Festlichkeit deiner 96 Empfängniß begeht, zu dem ich mit Ehrfurcht hinanblicke; ein Bild der Unschuld die dich vor dem Herrn würdig machte, vor Tausenden zur Mutter seines Sohnes auserwählt zu werden. O entflamme durch dasselbe in mir den Vorsatz, rein und unsträflich wie du vor Gottes Angesicht zu wandeln, und durch ein Bewußtseyn ohne Schuld mich seiner Gnade stets würdiger zu machen; damit auch ich einst von Ihm zur Seligkeit auserwählet werden möge. - Der Festtag deiner Geburt stellt dich mir dar im Schimmer findlichen Gehorsams und stiller Frömmigkeit, wodurch du den Deinigen zum Segen wurdest.- O laß mich Heilige, mit dir zum Kinde werden, zum Kinde ohne Falsch und Trug, den Stürmen verzehrender Leidenschaften fremd, zum Kinde voll innigen Gehorsams gegen meinen ewigen Vater. Laß mich den Meinigen wie du zum Segen werden, das Glück des innern Friedens mir und ihnen liebevoll bewahren, und durch Anspruchlosigkeit und Herzlichkeit einst die Verheißung mir erwerben, die dein göttlicher Sohn den Kindern, und Allen die ihnen an Unverdorbenheit des Herzens gleichen, gab Solcher ist das " Reich des Herrn“*). *) Evangelium Matth. 19 Hauptstück, 14 Vers. 97 well Am Tage als dir der h. Bote von oben verkündigte zu welcher Hoheit du erforen seyest, stehst du vor mir in allem Glanze der Bescheidenheit und Demuth.- Möge dein Beispiel mich begeistern, meinen Ruhm ebenfalls in Bescheidenheit und meinen Vorzug in Anerkennung der Vorzüge Anderer zu suchen. Du warst so werth der Gnade deines Gottes, ich bin der Missethat so voll; dennoch wird des ewigen Vaters Güte auch über mir mit jedem Tage neu hilf mir du treue Magd des Herrn, mich um so demuthvoller meinem Schöpfer zu unterwerfen, und meine Mitmenschen um so ungeheuchelter zu achten! Das Fest an welchem du nach dem Geseßze deinen Eingebornen in den Tempel brachtest um Ihn dem Herrn darzustellen, erinnert mich welch heilige Angelegenheit dir stets die Befolgung des Geseßes" war; und daß du dem Lichte der Welt welches uns die Kirche durch die feierliche Lichterweihe an diesem Tage versinnlichet, nicht nur zur Mutter sondern auch zur ersten und eifrigsten Jüngerin geworden bist.- O lehre mich ebenfalls, als eifrigen Jünger deines Sohnes die„ Befolgung des Gesetzes" immer höher stellen als jede andere Angelegenheit des Lebens, und die Lehren seiner h. Religion mehr und inniger 9 — 98 achten als alle Menschenmeinung und allen Erdenvortheil: damit Er mich einst vor dem Vater für den Seinigen" erkenne. Der Tag endlich der deine Aufnahme in den Himmel feiert, zeigt mir an dir der Tugend hohen Lohn, und bestätiget die ewige Gewißheit daß nur sie zum Ziele seliger Vollendung führe. Erhaben thronest du nun, Königin der Ehren hinter dir der Erde Gram und Last-hinter dir des Todes bange Schauer der stille Himmel des Vertrauens den du schon hienieden in deines Herzens Heiligthume aufgebaut hattest, ließ dich mit Demuth den Schmerz des Lebens tragen und mit Freudigkeit des Grabes Dunkel überschreiten und du gingst ein zum Frieden deines Gottes und strahlest nun in seinem ewigen Hause, ein Gegenstand der Liebe und Verehrung für Alle, die an den Vater glauben und Sinn für die Tugend und ihre Vergeltungen in sich bewahren. Overklärte Mutter unsers Herrn, siehe nieder auf uns die Bekenner deines Sohnes, die sich heute deiner Mutterhuld empfehlen! Du bist da angelangt, wohin wir noch mit schwankendem Schritte und ungewiß des Ausgangs wandern; werde uns eine Fürsprecherin an des Vaters Throne, daß auch uns wie dich Frömmigkeit und Gottergebenheit auf unserm 099 Erdenwege leite, und der Ausgang unsers Lebens einst dem Ende deiner Laufbahn ähnlich werde. Heilige Maria, bitte für uns! Du Vorbild reiner Andacht und Gottinnigkeit, erleichtere uns durch die Macht deines Beispiels die Erwerbung alles dessen, was einst dich dem Herrn wohlgefällig machte. Heilige Maria, bitte für uns! Bitte für das Heil Aller, die unserm Herzen theuer sind; damit sie durch dein Vermitteln Gnade finden vor dem Herrn, Beistand in ihren Nöthen, Rath in Zweifeln, Hilfe in Gefahren, Stärke in den Tagen des Leidens. Heilige Maria, bitte für uns! Mildes Vorbild kindlicher und elterlicher Tugenden, trage die Wünsche treuer Gatten, frommer Kinder, zärtlicher Väter und Mütter hin vor den Thron des Ewigen, daß sie durch dich Erhörung finden. Heilige Maria, bitte für uns! Bitte für unsere Freunde und Feinde, für Vorgesetzte und Untergebene, für Anwesende und Ferne, für alle unsere Menschenbrüder; daß uns Alle die Bande des Friedens und der Liebe umschlingen, und wir ohne Selbstsucht und Feindseligkeit dem gemeinschaftlichen Ziele unsers Daseyns mit Redlichkeit und Eifer zustreben. 9* 100 Heilige Maria, bitte für uns! Bitte für Gerechte und Sünder: daß die ersteren mit Starkmuth ausharren auf dem Pfade der Tugend; und die letzteren, an Gerechtigkeit todt, durch die Gnade des Vaters wieder zum Leben des Geistes erstehen. Alles was uns am Herzen liegt, empfehlen wir heute für Zeit und Ewigkeit deinem mütterlichen Schutze! Gedenke o Gebenedeite! unser, daß du Gutes für uns sprechest vor Demjenigen der dich verherrlichet hat. Sey dieser Festtag der deinem Ruhme geweiht ist, auch ein Festtag der Gnade für unsere Seelen. Bleibe uns eine Freundin und Mittlerin bis an des Lebens Ende! Und wenn die ernste Stunde erscheint in welcher unsere Lebenskraft versiegen, unser brechendes Auge keinen Tag mehr sehen, unser Ohr keinen Zuruf des Trostes und der Liebe mehr vernehmen wird; dann gedenke der Bitten die wir jetzt zu dir emporsenden, und stehe uns bei im Augenblicke des Scheidens daß, erlöst von allem Übel, unser Antheil sey mit den Getreuen Jesu Christi, den Dienern und Verklärten deines Sohnes, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Der englische Gruß. Rhythmisch. Gegrüßet seyst du, himmlisch Reine! Die vor dem Herrn Gnade fand; Gegrüßet du, durch die uns seine Gnade hat der Herr gesandt. Wo wir vor dir bittend stehen, Wollest Gnade uns erflehen! Gesegnet bist du in des Weibes Kreisen, wie kein Weib es ist; Gesegnet die Frucht deines Leibes, Unser Mittler Jesus Christ. Wo wir vor dir bittend stehen, Mittlers Heil laß uns ersehen! Maria, heil'ge Gottesmutter, Mutter wollefst uns auch seyn; Der Sünde in uns Sündern wehren, Zu Gottes Kindern uns vermehren, Von allem Übel uns befrei'n; Uns retten von der Hölle Schlunde, Uns helfen zu der Sel'gen Bunde, Wenn uns schlägt die Todesstunde! Amen. 101 102 Aufruf zu den Heiligen. Wer der Tugend Werth zu achten weiß, und das wahre Verdienst nicht verkennen will; der ehret euch ihr Heiligen, einst treue Anbeter und jetzt beglückte Freunde Gottes! Streng habet ihr ihn gekämpft, den Kampf des Göttlichen mit dem Irdischen in uns; errungen habet ihr die hohe Siegespalme: und freuet euch nun des Preises eurer Ausdauer und eures Tugendmuthes, den keine Ewigkeit euch mehr entreißen kann. Unbekümmert um den Spott des Weltlings und das nichtige Hohnlächeln der Sünde ginget ihr still und fest den Weg des Geistes; und hingekommen zu den Höhen wo das Geistige nur gilt, sehet ihr nun mit Segen auf des Streitens mühevolle Zeit zurück, die so lange einst dünkte und doch so schnell vorüberging; und preiset den Vater, daß Er in den schwülen Stunden der Prüfung es euch nicht vergessen ließ: Lange sey nicht ewig, doch ewig sey lange. mailed buff O daß doch euer Beispiel mich dahin bestimmte, nicht nur mit Verehrung eurer zu 103 gedenken, sondern auch wie ihr in der Gegenwart nach Kräften Verdienste für die Zukunft zu erwerben. Euch den Freunden Gottes, und durch edelmüthige Thaten der Menschheit bessern Brüdern darf ich ohnedieß Verehrung nicht versagen; denn ich verweigerte sie in euch Dem der, alles Guten Quelle, Sich an euch mächtig und gnadenvoll erwiesen hat. Doch die Verehrung allein verleiht kein Heil. Handeln muß ich bei der Erinnerung an euch, nicht bloß anerkennen; und vor euren Bildern fühlen, nicht bloß sprechen. Möge darum euer Beispiel mich denken, leben und einst selig werden lehren, wie ihr es wurdet. Mögen eure Bilder vor mir daſtehen als Lichtgestalten aus der Ewigkeit; die mich für alles was edel, gerecht und gottgefällig ist, entzünden und begeistern. - - - Was könnte auch meinem ganzen Wesen angemessener seyn? Stets will ja der Mensch sich höher heben, und dem was groß ist, nachklimmen. Wer aber war größer als ihr? Ihr bezwangt nicht Andere, ihr bezwangt euch selbst. Eure Hoheit war nicht auf Demüthigung Anderer gegründet; eure Größe preßte aus feinem Menschenauge eine Thräne; was ihr wirktet, war Veredlung des Geistes, Gerechtigkeit des Wandels, Friede im Leben und 104 Freudigkeit im Sterben. Des Preisens werth war daher das Gepriesene an euch, und Tugenden nicht glänzende Verbrechenbilden den Schimmer eurer Kronen.mlsdy dhoud dau p Euch stellt uns daher auch die Kirche mit Recht als Gegenstände der Nachahmung auf. Euch stellt sie zugleich mit Recht als Beweise auf, wie viel, gestärkt durch Gottes Gnade, des Menschen Kraft vermag; damit unsere Klage weiche, als werde uns zu viel zugemuthet, wenn wir das Höhere in uns auch höher als das Niedrige zu achten ermahnet werden. Eben dadurch wurdet ihr der Sterblichen Wohlthäter, daß ihr durch Sinn und Wandel zeigtet, wie sehr man, was man soll, auch kann. Menschen waret ihr, wie wir; dieselbe Kraft und Schwäche, wie in uns, in euch; dieselbe Gnade Gottes, wie mit euch, mit uns- wie sollte uns, was euch gelang, nicht auch gelingen können wenn unser Bestreben darnach ein ernstliches ist? Aber der Gnade Gottes entsprach mehr euer Eifer ihr wolltet mehr, was ihr gesollt; darum schwand vor dem Muthe eures geistigen die Klage eures körperlichen Menschen. — Ja, möge an dem eurigen sich mein Muth beleben! Lange ist nicht ewig, aber ewig ist lange. Möge ich wie ihr, - 105 den Kampf der Erde standhaft kämpfen; nie dem Rechten das Vortheilhafte, nie die Sinnlichkeit der Sittlichkeit voransetzen. Keiner kommt ans Ziel, er sey denn ehe gegangen. Möge ich wie ihr zum Heile meines geistigen die Begierden meines körperlichen Menschen stets mit Entschlossenheit beherrschen; wie ihr, gerecht, mäßig, bescheiden, wahrhaft, wohlwollend Allen mich erweisen; mitten in den irdischen Geschäften ein reines Gewissen mir bewahren; wirken was ich Gutes wirken kann; und frommer Hoffnung voll im edlen Pflichtgeleiſe ausharren auch unter Drang, Unfall und Beschwerde. So werde ich wie ihr, meine Ansprüche an Gottes heiliges Reich von Tag zu Tage steigern. Bittet felig Vollendete! den Geber alles Guten, daß Er mir hiezu Licht und Stärke werden, und mich dem Ziele das ihr bereits erreicht habet, gnadenvoll zuführen wolle; damit wie ihr einst auf Erden Genossen meiner Mühen waret, ich im Himmel ein glücklicher Genosse eurer Freuden werden möge. Amen. - 106 Abendgebet. Herr und Vater! vergangen ist der Tag den Du mir heute wieder gabst. Eingetragen ist er mit allem seinem Guten oder Bösen in das Buch der ernsten Vergeltung. Er wird mich einst vor Dir, wie alle vorangegangenen, richten. Darf ich am Abende desselben freudig zu Dir ausschauen, oder muß sich mein Auge schamerglühend senken? Darf ich meiner Menschenwürde mit frohem Gefühle denken, oder muß ich fürchten daß Dein Geseß und meine Menschenwürde mir einst den heutigen Tag als Anklage entgegenſtellen werden? dar drier Wie habe ich das Werk desselben begonnen und vollendet? War ich es werth gelebt zu haben? Habe ich die Zeit, zu meiner Veredlung mir von Dir verliehen, nicht mit Pflichtversäumniß und Müßiggang verbracht... nicht mit Ungeduld, Zorn oder Haß erfüllt nicht mit Falschheit und Lügen, oder mit Betrug und Ungerechtigkeiten gebrand markt nicht mit Unmäßigkeiten besudelt nicht durch herzlose Urtheile und ♦ 106 Abendgebet. Herr und Vater! vergangen ist der Tag den Du mir heute wieder gabft. Eingetragen ist er mit allem seinem Guten over Ofen in das Buch der ersten Vergeltung. Er wird mich einst vor Dir, wie alle vorangegangenen, richten. Darf ich om Abende desselben freudig zu Dir aufschatou, ther maß sich mein nge ſcham-. grglühens ſeules Tarf ich meiner Menschenwürde mit froßem Gefühle deufen, ober muß ich fürchten baß Dein Gefund meine Menschenwürde mir einst den heutigen Tag als Anflage entgegenstellen werden? 20- ie habe ich bot Beit desſelben be gonnen und vollenbet? ad es werth. gelebt zu haben? Habe ich die Zeit, zu meiner Veredlung mir von Die verlichen, nicht mit Blichtversäumniß und Müßiggang verbracht nicht mit Ungeduld, Zorn oder Haß erfüllt nicht mit Falschheit und Lägen, oder mit Betrug und Ungerechtigkeiten gebrant marft nicht mit Unmäßigkeiten nicht durch herzlose Urtheile und Beilige Maria, bitte für uns! Gezeichnet von WA. Rieder S 105 Stahlftich von Dav. Weifs in Wien. 1071 Verleumdungen entweiht? That ich keinem meiner Menschenbrüder heute wehe? Von mit welcher Seite bin ich besser geworden.. welcher bösen Neigung habe ich obgesſtegt welcher Treue war ich Dir ergeben? ( Stilles Nachdenken) Overzeihe Vater wenn ich irrte! Mit der Zuversicht eines Kindes komme ich zu Dir, bereuend und Dich um Deine Gnade zur Besserung anflehend. Auf der Wagschale der Ewigkeit wiegt jeder Erdentag Jahrtausende. Viele solcher Erdentage gabst Du mir schon ohne mein Verdienst; aber wie schnell kann ihr Mißbrauch Deine Gerechtigkeit bestimmen den letzten mir zu senden, und auszuhauen den Baum der keine guten Früchte bringen will! O stärke mich daher in Zukunft, daß wenn ich mein Leben bisher nicht so zu Rathe gehalten habe wie es Deine Güte forderte, ich es wenigstens von nun an um so besonnener einleiten, und den Rest desselben desto ernster Dir, der Pflicht und der Selbstveredlung weihen möge: damit mir nicht einst die nußlos versplitterte Zeit mein bloßes Daseyn zu Einem langen Verbrechen mache. Hilf mir mein Vater! daß wenn ich vielleicht bis jetzt oft meinen Vortheil Deiner Ehre, meine Begierde Deinem Gebote, die Erde Deinem Himmel vorgezogen habe, ich es 108 wenigstens in Zukunft nie mehr thue. Gib mir Kraft zur unverdrossenen Erfüllung meines Berufes, und zur weisen Beherrschung meiner Gelüste. Gib mir Demuth im Wohlstande, Geduld in Armuth, Vertrauen in Leiden. Laß Zufriedenheit mit Deinen Fügungen, die nur weise und gut seyn können wie Du selbst es bist, Wohlwollen gegen meine Umgebung, und Frieden mit allen Menschen unter meinem Dache wohnen. Mache mich behutsam im Sprechen, redlich im Handeln, gewissenhaft in meinen Bestrebungen. Erhalte mich bis an mein Ende allem Wahren und Rechten eifrig ergeben; damit jeder meiner künftigen Tage eine Gesinnung oder That aufzuweisen habe die einst gutes Zeugniß für mich ablege, und ich mit ruhigem Gewissen für diese Nacht und für immer Leib und Seele Deinem göttlichen Schuße empfehlen dürfe. Amen. 31 Steat An die Religion. Mit Bezug auf das Titelbild. 3um Himmel winkst du Hehre! fromm den Menschen auf, Dahin kehrt sich dein Blick, woher du segnend kamst: c Weil da nur Wonne ist wo ihr nie folgt in Verderben, Der Liebe nie ein Haß, dem Leben nie ein Sterben. m3 Dich brachte nieder uns vom Quelle alles Heils Er, dessen Schmach und Sieg dein Arm treu umschließt: Sanft solltest du der Erde schwachen Pilger leiten Durch dieser Prüfung Land zu Gottes Seligkeiten. 110 Er ging dahin, du bliebst; und mit dir blieb sein Kreuz, Daß du daran als Jesu Botin kennbar seyst. Nun forschest du, wo Kleinmuth, Noth und Sünde weilen, Und näherst dich, dort mild, hier züchtigend zu heilen. Und streust des Himmels Saat; bekämpfst des Bösen Macht; Zeigst uns der Tugend Weg; und lehrest unfern Geist, Schmerz in Kummer ihn versenken, e Einst, auf's Vaterhaus zu lenken. Wenn Trübsal, Feinde, a sin mot mad Den Blick vom Jeßt auf's me madh Wo ist es Selige, des Vaters Freudenhaus? Sanft zeigt es Hand und Blick: hoch oben!- dort ist Ruh! O Tochter Gottes! laß uns fromm dein Kreuz umfangen; Daß wir durch dich dahin, wo Ruhe winkt, gelangen. — 111 Laß, treu jetzt mit dir Eins, uns ehren dein ni@ Gebot; Durch deinen Trost uns stark und gut seyn is du bis an's Ziel: Bald winkt der Vater! Und verklärten Wesens schwebenba Wir über Zeit und Welten hin zum sel'gen ustion Leben! Anbetung Gottes. And 1011 Unendlich erhabener Gott! im tiefsten Gefühle meines Nichts sinke ich vor Dir in den Staub. Wer bin ich, daß ich mit Dir zu sprechen wage? Angestrahlt von Deiner Herrlichkeit schweben die unzählbaren Welten die Du erschaffen haft, in ewig stiller Ordnung hin; und verkündigen, obwohl stumm, mit Stimmen die Begeisterung in meine Seele tönen, Deine Größe. Die Sonnen die zu 112 Deinen Füßen den Saum der Himmel schmücken, flammen Deine Majestät zu mir herab, und fordern mein Herz auf an ihren Strahlen für Dich und Deine Ehre zu erwarmen. Auch die Erde, gleich allen Himmelsräumen Dein Werk und Dein Tempel, preist laut im Großen und im Kleinen Dein heiliges Schöpferwalten. Belebend weht Dein Hauch durch sie: und der Halm und die Ceder, die Mücke und der Ur, der Thautropf und das Weltmeer nennen gleichermaßen Dich, Unendlicher! Rings um mich ist alles Er habenheit und Allmacht. Im rollenden Donner sprichst Du; im feurigen Blizze winkst Du; aus dem schimmernden Bogen der das feuchte Wolkenzelt umzieht, erglänzt mir Deines Bildes Wiederschein. Überall finde ich Dich bis in die innersten Tiefen meines eigenen Selbst. Überall her erschallt zu mir Dein hoher Ruf: " Mensch bete an- Ich bin!" n dildo Ja Allherrlicher! ich bete an. Unbegreiflich bist Du in Deiner Größe und kein Gott ist außer Dir"*). Der Gedanke versagt mir wenn ich Dich fassen, das Wort wenn ich Dich würdig aussprechen will. Mit der tiefsten Ehrfurcht vor Dir niedersinkend - *) 5 Buch Mos. 32 Hauptstück, 39 Vers. - 113 bringe ich, der Staub, dem Wesen ohne Anfang und Ende, das Nichts, dem UrHeber von Schöpfungen zu tausend Mal tausend, meine schwachen Gefühle der Verehrung dar Dich innig bittend, daß Du in mir bis an das Ende meines Lebens die Erkenntniß meiner grenzenlosen Abhängigkeit von Dir, vereinigt mit den Empfindungen der tiefsten Unterwürfigkeit nie erlöschen, und mich in der Erinnerung an Deine Allmacht meiner Ohnmacht nie vergessen lassen mögest: damit nie der unlautere Geist des Dünkels und der Anmaßung mich ergreife; nie der Gedanke an mein Wissen, mein Besigthum, meine Macht mir Deine Gebote gering erscheinen und mich ste hintanſeßen laſse; oder wahnsinniger Hochmuth mich hinreiße mit Dir zu hadern, und der gerechten Strafe des Empörers Preis gebe. - Dir nur sey ewig jeder Gedanke des Lobes und Ruhmes geweiht! Dir nur ewig Ehre und Anbetung von mir und Allem was war, ist, und seyn wird! Amen. 10 114 Ergebung in Gottes Willen. Bater, was Du willst!.... Du bist der Unendliche; ich der Staub von heute bis morgen. Du bist der Allweise, Ewigkeiten Ermessende; ich der spannenweit Sehende. Du bist der All gütige; ich der Engherzige, nur auf den eigenen Vortheil Bedachte. Ob es Vater, was Du willst! mir recht oder unrecht erscheine was Du verfügeft und sendest Du bist es, der da verfüget und sendet, Du unser Vater! der Vater sendet nur weise und gut. Nicht kann ich der kaum erst geworden ist, jetzt noch begreifen; einst werde ich begreifen, und mit Thränen des Dankes in tiefer Anbetung Deine Weisheit erkennen. Hier ist nur Dämmerung, dort erst ist Tag; hier ist nur Anfang, dort ist Vollendung. Vater, was Du willst! Beschämt steht mein Erdenmensch vor Dir. - 115 Ach er wollte so oft nur, was ihn für die - Glück Erde beglücke! Er fand es und- fand er nicht; sein Sehnen erreichte das Ziel und am Ziele ward ihm keine Ruhe. Nicht hat ihn noch Dein Lichtstrahl von Oben durchdrungen. - Vater, was Du willst!... Mein Erdenmensch beugt sich vor Dir. Sein Denken ist Irrthum, sein Streben ist Tand. Hätte er die Genüsse des ganzen Erdkreises, ein Augenblick sind seine Jahre; er hatte war. Jenseits ist das Bleibende, jenseits die Heimath. und Ja, es erkennet mein Geist das Nichtige alles bloß irdischen Treibens, und daß wahres Gedeihen Du nur uns senden kannst. Es erkennet mein Geist daß der endlosen Liebe nur Liebe, die zum Endlosen liebt, zu entquellen vermöge, ob sie auch für die Endlichkeit oft Vernachlässigung scheine. Darum heute und morgen- in Helle und Dunkel im Leben und Sterben" Vater, was Du willst!" Amen. 10* 116 ist bis drot Erinnerung tho an unsers Geistes Unsterblichkeit. GROE iti Ich werde leben!- Was ficht mich dieses kurze Daseyn, was desselben Mühen und Beschwerden an... ich werde leben! Ehe ich es ahne ist dieser schnelle Traum verträumt, ich stehe am Rande meines Erdenseyns, und blicke ich dann hinter mich- was war's? * Unaufhaltsam rinnt des Menschen Stundenglas. Schneller als ich's denken mag, wird auch das meine abgelaufen seyn. Und ist die kurze Erdenfrist zu Ende ob des Glückes Sonnenstrahlen meine Tage hie und da vergoldet, oder des Unglücks düstere Schatten sie umwölkt haben, mir dann gleichviel! Ob ein Purpur oder ein Bettlermantel meine Glieder deckte, mir dann gleichviel! Ob ich mit farger Rinde oder leckerer Nahrung meinen Leichnam für die Würmer speiste, mir dann gleichviel! Ob ich in Hütten -- 117 oder in Palästen wohnte, auf hartem oder weichem Lager schlief, ob Kronen meine Scheitel deckten oder der Kummer sie vor der Zeit kahl nagte mir alles dann gleichviel! In Nebel hat sich am Grabe selbst die Erinnerung verloren. Ich werde leben! Was kümmert es mich ob jezzt, was die Sinnlichkeit zum Leben mitverlangt, der Vater mir ertheile oder nicht: es weiß der Vater was Er soll und- möge der sich grämen, dem von jenseits keine Hoffnung, kein Vergelter winkt. Bald schlägt die Stunde der Erlösung; und ich schwinge froh mich himmelan, zum Vater, zum Kreise der Freunde, zur Heimath voll Glückseligkeit. Lächelnd sehe ich dann zurück auf den kleinen Theil des Weltalls, den der Mensch die große Erde nennt; und auf das Pünctchen in demselben das mich, mein kurzes Leid und meine schnelle Freude trug, meine Hoffnungen und meine Klagen, meine getäuschten Wünsche und mein Sehnen nach Errettung sah. Lächelnd sehe ich zurück auf den abgestreiften Staub, den ich Körper nannte und wie ich mit den Gebrechen desselben kämpfen mußte, ſeinen Launen nicht gewähren konnte, und er dafür mir trübe Stunden schuf. Lächelnd sehe ich zurück auf das Durcheinanderwogen meiner — 118 zurückgebliebenen Gefährten, auf ihr rastloses Treiben um nichts, ihre Entwürfe und Unternehmungen für Augenblicke, ihr Zanken und Hadern um eine Scholle Staubes mehr .. und freue mich des Erwachens aus dem unruhigen Taumel; staune überrascht, wie ich so bald und so glücklich überwunden habe; und des neuen Daseyns froh, froh der Befreiung von Täuschungen und Hader entschwebt in ungefesselter Regsamkeit mein Geist zum schönern Vaterlande. Hinter mir bleibt alles Trübe. Heilige Unsterblichkeit! ja du bist mein Trost, mein Stüßpunct, meine Ruhe im Leben und im Sterben. Was läge hier am gan zen Daseyn, wenn es einst kein höheres gäbe! Dank Allgütiger, daß Du uns durch Deinen Sohn die Gewißheit dieser seligsten der Hoffnungen ertheilt haft! Mögen nun des Mißgeschickes schwere Schläge mich schnell aufreiben, oder die stille Trübsal langsam und leise an mir zehren Gott und Unsterblichkeit! hier ist Kraft und Anhalt, hier Beruhigung die nie versiegt. Schmerz und Freude- seyd beide mir, wie euch der Vater schickt, willkommen; denn bald ist Schmerz und Freude einerlei gewesen. — — - Nur das, Du weiser Geber des einen und des andern, ist dann nicht einerlei gewesen, 119 ob ich in Freude und in Schmerz Dein Gebot geehret habe, oder nicht; und im Purpur oder Bettlermantel, bei Armuth und bei Überfluß vor Deinem Angesichte, oder auf des Lasters Bahn gewandelt bin. Was ich will und thue, ist nicht auf die kurze Zeit beschränkt; ich werde leben, und meine Thaten gehen mit mir in die Ewigkeit. Doch darum wird auch die Ewigkeit sie richten. Wehe mir wenn sie ihrer unwerth sind! O gib denn, Vater eines neuen Lebens, daß mir die Unsterblichkeit dereinst zum Segen sey! Was durch Deine Gnade zum Himmel emporschauen und dort sich die wahre Heimath suchen kann, soll nicht am Irdischen festkleben. Gib daß ich das Irdische nie als Zweck, sondern nur als Mittel zu Himmlischem gebrauche. Segne mein Streben nach Vollkommenheit! Mache mich von Tag zu Tage größer an jeder heiligen Gesinnung; damit ich es würdig werde unsterblich geboren zu seyn, und mich schon auf Erden von Tag zu Tage mehr dem Himmel nähere. Amen. 120 * U**>« n]>@_* 07 di& rinnerung an Gottes Allgegenwart. Ein erhebender Gedanke schwingt sich durch meines Geistes Tiefen. Wo ich bin, ich bin mit Gott. Was zagst du meine Seele? Im selben Augenblicke da du dieses denkest, ist Gott um dich. Du siehst Ihn nicht, doch Er blickt auf dich hin; du hörst Ihn nicht, ſein Hauch umweht dich; du fühlst Ihn nicht, Er weilt in deiner Nähe und beschirmt dich. In " Ihm nur leben, weben und sind wir"*). " 1 11 Wo ich bin, ich bin mit Gott. Nähme ich die Flügel der Morgenröthe und führe gegen Himmel auf, oder schwebte ich auf den Fittichen der Finsterniß hinab bis in die Unterwelt"**); überall wäre ich in Gottes Hand. Überall ist Er dem geringsten seiner Erdenkinder gegenwärtig, wie seinen entferntesten Sonnen. Er geleitet uns, wenn *) Geschichte der Apostel; 17 Hauptstück, 28 Vers. **) 138 Psalm, 8 Vers. 121 wir gehen Er kommt mit uns, wenn wir kommen. Könnte ich außer die Weltkreise hingeworfen werden; ich wäre nicht außer dem Bereiche seiner Macht und Güte. Sein Tempel ist das All."? modo milel Ich mit Gott und Du, mein Gott, mit mir welche Beruhigung bei den Wechselfällen dieses Lebens! Du, mein Schutz und meine Hilfe, überall an meiner Seite welcher Grund zu stets unwandelbarer Zuversicht! Dich scheidet keine Welt von Deinen Kindern; an jedem Orte finde ich Dich; und nirgend kann mich treffen- in Ehre und in Schmach, in Lust und in Leid, in Freiheit und im Kerker nicht was Du nicht siehst und nicht gestatteſt. Überall will ich daher auch fromm Dir, Allgegenwärtiger, vertrauen. Wenn mich Gefahren umschweben, wenn mich Verluste bedrohen, wenn die Feindseligkeit hinter mir hereilt und sich zu Gewaltthätigkeiten gegen mich rüstet Du bist an meiner Seite: was Du nicht willst, hat keine Macht über mich und kann mir nicht nachtheilig werden. Muthig wandle ich den Pfad, den Deine Vaterhand mich führt, nach welcher Richtung er auch leiten möge; sicher daß der Pfad, den Du mich leitest, zum guten Ziele führen müsse. 11 — - - - - 122 Nur das Eine bitte ich Dich demuthvoll: laß mich Deiner Gegenwart nie unwürdig werden, laß mich immer vor Deinem Angesichte" wandeln und nie durch sträfliches Wollen oder Thun mein Herz entweihen; damit in jeder Lebenslage der heilige Gedanke mich stärken und erheben dürfe:" Ich mit Dir und Du mein Gott! mit mir." Amen. Erinnerung an Gottes Allwissenheit. Heilige Ehrfurcht durchschauert mich, denke ich daß nichts o allsehender Gott, sich Deinem Blicke zu entziehen vermag. Wo ich bin, ich bin vor Dir- vor Dir, dem die dunkelste Nacht Tagesglanz ist; dem mein Gedanke tönt; der meinen Vorsatz kennt, noch ehe er geboren ist. Wie sollte sich auch Dir verbergen können was ohne Dich nicht war?" Du erfor" schefst die Herzen und die Nieren, um einem " Jeden zu vergelten nach seinem Wege und nach " seinen Thaten"*). Wenn meine Thüre auch verschlossen ist, ich bin nicht ohne Zeugen. Was meine Brust auch mit Grabesschweigen in *) Jeremias; 17 Hauptstück, 9 und 10 Vers. t 123 sich bewahrt, Du weißt es. Jede Regung meines Gemüthes, das stillste Sinnen meiner Seele Dir ist es ein offenes Buch. Heil mir! Sey mein Gutes auch der Welt unbekannt; Du kennest es Allsehender! das ist genug zum Troste. Heil mir! Jede Thräne die in trüben Nächten mein Lager neßte, jeder Seufzer der aus der wehmuthvollen Brust zu Dir emporstieg, jedes meiner Leiden das der Menschen Augen unsichtbar geblieben ist, und jedes kindliche Vertrauen dabei auf Dein väterliches Walten... Du sahest es Allsehender! das ist genug zum Troste.- Du sahest jeden frommen Vorsatz in mir dem Verhältnisse die Reise der That versagten, jeden schweren Kampf den ich für das Himmlische mit dem Irdischen in mir kämpfte, jeden stillen Sieg wodurch ich Dich und meine Menschenwürde ehrte, jede Vergebung die mein Herz dem Feinde angedeihen ließ, jedes Ertragen des Unrechts bei dem Bewußtseyn meines Rechts; und ob auch Menschen mich ver kennen und mich bloß nach dem äußern Scheine richten, ohne in den Grund Du untermeines innern Seyns zu dringen scheidest Schein und Seyn; treu trägt Dein Engel, was Deiner an mir würdig ist, in der Ewigkeit heilig bewahrendes Buch ein; und offen wird es werden wenn einst Du die Siegel brichst. 11* - ― 124 Doch war mein Wollen und Bestreben ftets nur edel?- Wehe mir auch meinen Sünden warst Du gegenwärtig, Richter im Verborgenen! Auch jene Handlungen die ich schuldbewußt in Finsterniß verhüllte, hast Du geſehen hätte ich Berge über sie und mich gewälzt, Du hättest sie gesehen. Auch niedrige Begierden und verbrecherische Wünsche in mir kennest Du, noch ehe sie zu Thaten werden; und läßt auch sie einreihen in das Schuldbuch der Vergeltung. - O Vater, wie werde ich vor Deinem Richterauge einst bestehen?! Mit stillem Beben flehe ich zu Dir: Gib daß kein Vortheil und keine Leidenschaft mich hinreiße vor Deinem Angesichte, was unrecht ist, zu thun! Gib daß ich Deiner Allwissenheit nie vergesse, und wie öffentlich so heimlich nur das liebe was Du liebst, und was Du verwirft, verwerfe. Gib daß durch alle Gefahren und Prüfungen der Erde der Gedanke Gott sieht dich" mich unwandelbar begleite, und zu jedem Guten stärke, von jedem Bösen fern halte. So werde ich mit Deiner Gnade es erreichen, wie Du jetzt mich siehst, einst Dich zu sehen von Angesicht zu Angesicht, und in Deinem Sehen selig seyn durch Ewigkeiten. 11 Amen. — Erinnerung aan Gottes Fürsehung. 1251 Herr der Natur, der Du mit unumschränkter Macht das Weltenganze leitest wie es Deinen erhabenen Zwecken angemessen ist, in tiefer Ehrfurcht blicke ich zu Dir empor. Deiner Schöpfung uferlose Weite- das unsichtbare Band, das ihre Theile fest in Eins verschlingt- das rastlos gleiche Wirken der Gesetze die Du ihr gegeben hast, verkündiget mir laut: Deine Weisheit sey eben so wie Deine Allmacht ohne Grenze. Wohin sich mein Auge wendet, überall strahlt mir aus der Regelmäßigkeit und Übereinstimmung des Erschaffenen Deine Vollkommenheit, heiliger Schöpfer! entgegen. Liebevoll und kräftig waltest Du in allem! lp Mit stillem Frieden beseligt diese Wahrheit mein Gemüth und im frohen Gefühle derselben überlasse ich mich voll innigen Zutrauens Deiner väterlichen Leitung. Wer gut und weise ist im Großen, wird es im Kleinen nicht weniger seyn; und wer das lebenlose All besorgt, das 126 lebenvolle nicht versäumen. Du umfaſſest mit derselben Güte das Feuermeer der Sonne, und den Funken der in der Asche glimmt; den Morgenstern und die Raupe an dem Blatte; den Cherub, und das Thierchen dem ein Tropfen seine Welt ist. So führt auch mich und alle Menschen schüßend Deine Liebe." Ohne " Deinen Willen fällt kein Haar von unserm " Haupte"). Nichts kann durch ein blindes Verhängniß oder durch das wesenlose Ungefähr uns kommen. Du bist es der unsere Tage zählt, unsere Schicksale ordnet, und Jedem auf seinem Lebenspfade sendet was ihm gut ist. Zwar will mich oft in diesem Glauben das Glück der Bösen irre machen.— Aber wie kann ich es wagen Jemand bös zu nennen? Bist es nicht Du allein, der das Innere der Herzen durchschaut?... Und was spreche ich von Glück und Unglück? Ist nicht, von Dir gerecht erfunden werden, des Menschen einziges Glück; und Deines Mißfallens werth seyn, sein einziges Unglück?... Und weiß ich denn ob dem für glücklich gehaltenen Bösen sein Glück auch stets ein Glück und nicht vielleicht oft eine Widerwärtigkeit dünke? Oder hat das Leben für ihn keine Beschwerde weil - *) Evangelium Luk. 21 Hauptstück, 18 Vers. 127 ich, vielleicht durch äußern Glanz geblendet, sie nicht entdecke? Drückt ihn seine Kette minder weil sie etwa eine goldene ist? Hat nicht ohne Ausnahme jeder Mensch neben der Lust auch die Last, neben der Freude auch die Sorge, und neben dem Verbrechen, wenn er sich desselben schuldig macht, das unruhige Gewissen und die geheime Furcht vor den Schrecken des Todes? Noch mehr will mich in meinem Glauben oft der Guten Trübsal irre machen. Meine Eigenliebe zählt mich diesen zu und wähnt, auch meiner Tugend werde nicht gerecht vergolten. Aber was ist denn meine Tugend? Was leiste ich denn Großes, daß ich mich erdreiste von Dir, der Du allein der " Gerechte" bist zu fordern, Du sollest meinen Wünschen, ja oft nur meinen Launen eine Stüße seyn? Wenn ich auch alles thue was ich kann, ich thue doch nur was ich soll, und erfülle nur die schuldige Pflicht. Denn Pflicht ist es, so viel man kann, zu wirken; keinen Theil seiner Menschenkraft einrosten zu lassen; und dabei nie zu vergessen daß nur Du die Fähigkeit und Kraft zum Wirken uns ertheilest, und daher alle unsere Tugend eigentlich Dir angehöre: weßwegen wir auch den Lohn derselben nicht mit AnmaBung von Dir fordern sondern in Demuth 128 von Deiner Barmherzigkeit erwarten sollen. Ja o Gott! von Dir fommt, was immer an uns gut ist: nur unser Böses kommt von uns. Woher mir also die Vermessenheit eine Belohnung für das zu verlangen, was Deine Gnade an mir ist; oder Dich der Ungerechtigkeit anzuklagen, wenn Du in mir das Gute was Dir angehört, mit welchem ich noch dazu so oft das Schlechte was mir angehört, vermenge, nicht zu der Zeit und auf die Art vergiltst wie es mir gefällig ist? Und wäre auch mein Gutes ganz mein Eigenthum, lohnet denn den unvergänglichen Geist nur das Vergängliche? Ist denn keine Ewigkeit vorhanden? Reicht nicht sie hin mich mit dem Leben zu versöhnen, und ist nicht erst sie bestimmt der Erde Knoten zu entwirren? Darf ich daher den blinden Tadel walten lassen?- Ach wie ist der Sterbliche so schnell zum Beurtheilen Deiner Fügungen, und wie so langsam zum Erfüllen Deiner Gebote! — Nein, ich unweises Geschöpf will nicht Dich, den erhabenen Schöpfer, richten. Ich begreife nicht einmal mein eigenes Wesen: wie soll ich Dir, der mich aus dem Nichts hervorgerufen hat und meinem Wesen schon im Keime gegenwärtig war, vorzuschreiben wagen wollen? Ich kenne vom Raume nur 129 einen Punct, von der Zeit nur einen Augenblick, ich weiß am Morgen nicht was mir der Abend bringen wird: wie unaussprechlich frevelvoll, wenn mich des Hochmuths Wahnsinn überreden wollte, daß ich dennoch die Schicksale der Menschen weiser und gerechter anordnen würde als Du! Du lenkst die Schöpfung schon von Anbeginn, und stets war alles darin wohlbestellt; Du siehst mit der Gegenwart zugleich auch alle Zukunft bis zu den fernsten Jahrtausenden; siehst mit Einem Male nicht nur was uns auf Erden, sondern was allen Deinen Welten Noth thut: dem Staube, dessen Blick nicht durch die Wände seiner Stube dringt, der oft nicht seinen kleinen Leidenschaften gebieten und nicht sein enges Haus mit Umsicht leiten kann, der nicht einmal versteht wie die Pflanze wächst und wie die Sonne wärmt, ziemt es daher im Gefühle seines grenzenlosen Nichts mit der ehrerbietigsten Anbetung vor Dir niederzufinken. Darum will ich auch den Glauben an Deine Vatersorge fromm und fest in mir bewahren. Nichts soll mir die Zuversicht entreißen daß Du uns führest, und mild und weise führest. Wenn Du es noch Keinem überlassen haft die Lilie zu kleiden und den Schmetterling zu schmücken; wenn das Gras des - 130 " Feldes das heute ist und morgen in den Ofen kommt, unter Deiner Obhut steht"*); wirst Du um so weniger die Wesen die Du nach Deinem Bilde erschaffen hast, vernachlässigen. Mag immerhin der Sünde scheinbares Glück mir jetzt ein unerklärliches Dunkel seyn: einst strahlt uns Licht wenn sich alle Räthsel des Lebens lösen. Glauben soll ich hier, wissen werde ich dort. Nicht der Anfang sondern die Entwickelung muß befriedigen. Mag immerhin der Tugend Kampf und Leiden mich jetzt beugen: nicht lange währt ihr Kampf und dabei hat sie die Hoffnung eines bessern Jenseits; das Glück der Sünde aber ist schon hier kein wahres Glück und dabei fehlt ihr auch die Aussicht auf das Glück der Zukunft was ist daher von beiden hier schon. segenreicher? Und wäre auch nicht der Tugend innerer Segen schon hier der Tugend hoher Lohn, so darf doch Niemand den Preis der Vollendung verlangen noch ehe er vollendet hat; wie kann es mich daher befremden, wenn hier selbst bei dem Besten vor dem Lohne erst die Prüfung hergeht? Mag endlich auch mein eigenes Schicksal mir oft unwillkommen seyn: ich bin nur ein Theil *) Evangelium Matth. 6 Hauptstück, 30 Vers. li - 131 des Ganzen. Soll sich mir, dem Einzelnen zu Liebe, die Ordnung des Ganzen verkehren? habe ich ein Vorrecht vor den Übrigen, daß ich eine Ausnahme von der allgemeinen Welteinrichtung machen will? weiß ich überdieß, ob meine Wünsche nicht dem Besten meiner Mitmenschen oder meinem eigenen wahren Wohle widerstreben? Und was von Gott kommt das führt zu Gott" liegt am Ende nicht hierin die beste Beruhigung für mich? - Ja o Vater! nichts gibt auf Erden für Geist und Herz Befriedigung, als der feste Glaube an Dich und an die Ewigkeit. Wem dieß fehlt, der verkümmert sich aus eigener Schuld sein Leben, sein Gemüth verödet in sich selbst, in schmerzhafter innerer Entzweiung hat er von sich nicht Rath, von oben keinen Frieden. Fern sey von mir solch eine trostlose Verfassung! Wer innig von Deinem Daseyn und Deinen Vollkommenheiten überzeugt ist, Deine Gebote hält, und nicht zu Jenen gehört die Dich bloß läugnen weil sie Dich in ihren Missethaten fürchten müssen; der zweifelt nicht an Deiner h. Fürsehung. Darum flehe ich um nichts als: nur dem Guten treu laß mich o Vater! seyn, nur nach des Geistes Heiligung vor allem trachten, nur - 132 Deiner Gnade meine Seele sich erfreuen, daß ich mit eben so vorwurfsfreiem als findlichem Gemüthe Dir vertrauen dürfe: und ruhig stelle ich alles Andere Deiner Leitung heim in der Gewißheit, was hier verworren schien, werde sich zur vollsten Zufriedenheit ausgleichen, wenn einst jedes Erdendunkel in Himmelsglanz sich auflöst. Amen. die Erinnerung Aug an unsere Menschenwürde. Herrlich und groß sind Deine Werke auf Erden, allmächtiger Schöpfer im Himmel! doch das größte darunter bin ich selbst. Voll heiligen Dankes erhebt sich meine Seele zu Dir, wenn ich mich erinnere wozu mich Deine Gnade erschaffen hat. Ich will diesen Augenblick benüßen die Vorzüge zu betrachten, die Du mir verliehen hast; damit Dich mein Geist in der Erkenntniß derselben freudig verehre und preiſe. Kraftvoll und kühn ist das Thier: der Mensch, ohne des Thieres Kraft, besiegt und beherrscht es. Groß sind Sonne und Mond: -- 133 näher ist der Mensch an Deine Himmel gestellt. Furchtbar ist der Elemente Empörung: der Mensch lenkt die rohen Gewalten, und schafft sie um zu seines Willens Vollstreckern. Er schwingt sich auf in die Lüfte, er senkt sich nieder in die Tiefen des Meeres; er verfolgt den Lauf der Gestirne, er durchsucht die Eingeweide der Erde. Erhaben steht er über allem was hienieden sein Auge erblickt; denn von allem was sein Auge erblickt, ist es ihm nur gegeben zu denken, zu wollen, zu dauern. Nur ihn erfreuet das Wahre; nur ihn entzücket das Schöne; nur ihm ist das Große groß, das Gute gut, das Heilige heilig. Er nur erforscht das Wirkliche und berechnet das Mögliche, theilt seine Vorstellungen mit, und wird von Geschlecht zu Geschlecht an Einsicht, Erfahrung und Vollkommenheit reicher. Er nur strebt auf zu Deiner Erkenntniß Vater der Welten! steht anbetend da vor den Wundern Deiner Schöpfung; und indem er ihre Größe Der Mensch ermißt, bekundet er seine. nur kann denken. 1 Wo die übrigen Wesen, gezwungen vom blinden Triebe und der Nothwendigkeit des Instinctes gehorchend, müssen, und immer das nämliche müssen, müssen, da wählt er; wählt mit Absicht und Grund; sieht auf 134 Ursache und Wirkung; und handelt mit vernünftiger Freiheit. Willenlos gehorcht das All dem Gesetze; der Mensch gehorcht nur seiner Erkenntniß. Selbst der blinde Trieb in ihm meistert ihn nicht; er will- und der Trieb ist gefesselt: und wunderbar vereinigt der Mensch in sich den Gebieter und Diener. Frei steht ihm das Gute und Schlechte. Frei windet er sich die Strahlenkränze der Tugend; frei flicht er sich die Rachegeißel des Lasters. Der Mensch nur kann wollen. Und wenn einst die Weltsysteme in ihren Gluthen verlodern; wenn der Sonnen Lichtquell verstegt; wenn die ganze Schöpfung zurückkehrt in des Nichtseyns endlose Nacht: dann besteht und lebt und dauert der Mensch. Über den Sternen ist er daheim: endet die Erde sein Leben, er eilt von der Erde zum Beginne des schöneren Lebens. Aus den Trümmern seiner irdischen Hülle schwingt sich sein besseres Selbst zurück in den Schoß des uranfänglichen Seyns von welchem es ausging, und unter des Himmels unsterblichen Kindern sucht er sein Erbtheil. Der Mensch nur fann dauern. 200 — - d Herr Schöpfer Erbarmer mir diese Gnaden?! O wie kann ich die Seligfeit fassen?! Es erzittert in heiliger Wonne — 135 mein Geist! Nur um ein Geringes hast Du " mich kleiner gemacht als Deine Engel, mit " Ehre und Hoheit hast Du mich gekrönt"*). Wäre ich der Geringste auf Erden, dem Größten unter meinen Brüdern stellt mich meine Würde gleich. Gleich habe ich mit Allen den einzig wahren Adel, den eines denkenden unsterblichen Geistes. Gleich rufe ich mit Allen zu Dir Vater unser!" Gleich ist mit Allen meine Ehrensäule der hohe Name Mensch!" 11 11 Owenn ich dieß erwäge, kann ich die Vorzüge die Du Vater mir so gnadenvoll gegeben hast, an mir entstellt werden lassen? Nach Deinem Bilde hast Du meinen Geist erschaffen, darf ich mich je durch Unwissenheit und Rohheit erniedrigen? Zum Kinde des Lichtes hast Du mich erkoren, darf ich in der Finsterniß der Missethat wandeln? Ein Ziel hast Du mir gesteckt von welchem das Thier keine Ahnung hat; darf ich, das Vernünftige, troß meiner Vorzüge mich dem Vernunftlosen in meinem Thun gleichstellen? Je höher mein Standpunct, desto schmählicher wäre mein Fall. Nichts verliert das Thier wenn es thierisch ist, alles verliert der Mensch wenn er entmenscht wird und zur wüsten Thierheit *) 8 Psalm, 6 Vers. - 136 herabsinkt. Selbst hat er dann auf seine Erhabenheit verzichtet; selbst sich des Menschennamens Ehrensäule zur Schand säule umgewandelt. Darum flehe ich inbrünstig zu Dir, ertheile mir zu Deinen vielen Gnaden auch die Gnade sie zu würdigen! Laß mich die angestammte innere Hoheit auch im äußern Leben ausprägen und mich nicht nur groß und erhaben erschaffen worden seyn, sondern auch erhaben denken und groß handeln. Gestatte nicht daß Deines Bildes Glanz an mir je durch unwürdiges Treiben verdunkelt werde, und ich dem höchsten Werthe in mir zugleich den höchsten Unwerth beigeselle. Erhebe meinen Geist über die Herrschaft des Irrthums und der Sünde. Du hast mir die Kraft zu denken gegeben; laß mich vorzüglich nachdenken über Wahrheit und Tugend. Du hast mir die Gnade frei zu wollen ertheilt; laß mich immer nur wollen was gerecht und heilbringend ist. Du hast mich zu ewiger Dauer bestimmt; laß mich das Dauernde auch stets dem Vergänglichen vorziehen: Bringe mich überhaupt in allem Dir und Deiner Vollkommenheit o himmlischer Vater, stets näher; damit mein Denken und Wollen jetzt Dir und so mein Dauern einst mir gefalle! Amen. 137 Demuth bei dem Gefühle unserer Menschenwürde. Herrlich sind zwar Deine Werke auf Erden allmächtiger Schöpfer im Himmel! und das größte darunter ist der Mensch; doch darf er sich dessen nie überheben. Denn ist er nicht Dein Werk? hat er sich seine Vorzüge ertheilt, und steht die Benützung derselben in seiner Gewalt? Nein! sein Leben, sein Wirfen, seine Kraft und die Fähigkeit sie zu benüzen alles ist Deine Gnade." Strebte - er gleich einem Adler empor und nähme er seinen Sie unter den Sternen; Du winkst und vernichtet sinkt er zu Boden"*). Darum ist bei allen seinen Vorzügen Demuth der erste den er beweisen soll; und nie ziemt es ihm, in stolzer Überschätzung seines Wesens Deiner o Gott zu vergessen. Mit innigem Selbstgefühle auf sich zurücksehend seiner erhabenen Würde sich freuen, das darf er und soll er; aber bei sich *) Abdias, 4 Vers. 12 ― 138 stehen bleiben, das darf er nicht. Zu Dir muß er sich wenden, von dem ihm, was er hat, ohne sein Verdienst zu Theil ward. Erinnern soll er sich zugleich daß, hat er auch viel, doch eben so viel ihm noch mangle. Trotz seiner Vorzüge ist er noch fern davon vollkommen zu seyn. Er herrscht zwar durch seine Vernunft über die Welt der vernunftlosen Thiere: doch kann er mit aller Vernunft keinen Schneeflocken bilden, keinen Grashalm schaffen, kein Sandkorn vernichten; kann in sich selbst, der ihm doch am nächsten ist und am meisten zu Gebote steht, nicht ein Fieber besprechen, nicht die Lage eines Muskels verrücken, nicht einem Haare schnelleres Gedeihen gebieten. Erschüttert muß er beim Kleinsten woran er bloß sich versuchen will, im Gefühle seines Nichts vor Deiner Allmacht verstummen. Er verfolgt zwar den Lauf der Gestirne, aber das Buch seines eigenen Schicksals ist ihm verschlossen. Sein Arm zeichnet zwar dem Bliße die Bahn vor, wird aber oft Er von dem Wehen eines Lüftchens gelähmt. denkt zwar, aber er ist nicht vor Irrthum geschützt er will zwar, aber oft 3 nur Thorheit.. er dauert zwar, o wären ihm seine Handlungen stets auch Bürgen für eine selige Dauer! Doch wie manche - —— 139 Sündenschuld ladet er auf sich! wie oft steht er da, ein Aufrührer im Reiche seines Gottes! wie oft muß er in Dir vor seinem Richter erbeben! Wie dürfte er daher sich seiner Eigenschaften überheben? Nein mein Herr und Gott! nie will ich mich den Eingebungen des Hochmuthes überlassen. In tiefer Ehrerbietigkeit beuge ich vor Dir das Knie und erkenne mit der innigsten Überzeugung Dich allein für Jenen, dem Ruhm, Preis und Benedeiung gebührt. Selbst der Größte der Sterblichen ist nur der Staub unter Deinen Füßen. Auch zum letzten Geschöpfe der Erde, geringer als den Wurm der sich vor mir am Boden krümmt, hätteſt Du mich erschaffen können, wenn es Deiner Allmacht so gefallen hätte. Bin ich daher zu Besserem bestimmt, so verdanke ich es nur Deiner unaussprechlich großen Barmherzigkeit. Nur Du bist alles durch Dich selbst: ich aber kann aus eigener Kraft nicht meine Hand bewegen, nicht meinem Fuße sagen gehe hierhin oder dorthin." Nur von Dir hängt es ab, wenn ich heute bin und habe, ob ich auch noch morgen seyn und haben soll: die höchste Anstrengung meiner Thatkraft aber ist verweht wie Spreu im Winde, wenn Du Dein Antlig von mir abkehrst. 12* 140 Nicht mir daher o Herr! sondern Deinem Namen alle Ehre"*). Fern sey es von mir, beim Gefühle meiner Menschenwürde je meiner menschlichen Beschränktheit und Fehlerhaftigkeit zu vergessen; zu vergessen wie viel mir noch zu thun übrig bleibe, wenn ich Deiner Barmherzigkeit nur einigermaßen würdig werden will. Eine Aufforderung vielmehr zu allem Guten, ein Antrieb zur redlichen Anwendung der mir verliehenen Kräfte, und ein stillschweigendes Gebot zur Achtung aller meiner Mitmenschen, die alle die nämlichen Anlagen von Dir empfangen haben das sollen mir meine Vorzüge seyn. So werde So werde ich denken und handeln wie es einem Wesen ziemt, das nicht bloß vernünftig heißen sondern es auch seyn soll; und eben so sehr Deiner bisherigen Gnaden nach meinen Kräften werth werden, als mir einst noch größere bei Dir verdienen. Und wenn mir die Ausführung dieser frommen Vorsäße durch Deinen Beistand gelingt, will ich auch dann aus voller Seele rufen: nur Dir o Herr sey auch hievon die Ehre! Was ich bin und was ich leiste- ich bin überall nur ein Geschöpf Deiner freien Gnade! Amen. *) 113 Psalm, 1 Vers. - Erinnerung an unsere Bestimmung. 141 fi Als Bürger zweier Welten stehe ich da. Auf die eine weist mein Körper hin, auf die andere mein Geist. In welcher liegt mein Ziel? " Die Erde und ihre Lust vergeht"*). In dem aber was vergeht, kann des Unvergänglichen Bestimmung nicht enthalten seyn. Höher also liegt mein Ziel. Auf welche Art erreiche ich es? Gewiß nur durch Emporstreben zu jenem Höheren, das der Unvergänglichkeit würdig mich bereiten soll. Vervollkommnung also meines Geistes und Verähnlichung mit Gott dem Urbilde alles Guten, dieß ist meine Bestimmung wenn ich mein Wesen recht verstehe. " Seyd vollkommen, denn auch euer Vater im " Himmel ist vollkommen"**), spricht bekräftigend auch Jener der uns zur wahren Weißheit führte. *) 1 Brief Joh. 2 Hauptstück, 17 Vers. **) Evangelium Matth. 5 Hauptstück, 48 Vers. 142 Nicht in den Lüsten des Lebens besteht also der 3 weck meines Lebens. Nicht um in der Welt dahinzutreiben als wäre in ihr kein Tod und kein Gericht jenseit des Todes, bin ich vorhanden. Wer nur für den Augenblick da ist, geht mit dem Augenblicke zu Grunde. Auch nicht in Verfolgung anderer Erdenwünsche, nicht im Streben nach Bereicherung und Ehre oder in was immer für einer zeitli chen Glückseligkeit liegt meines Hierseyns Ziel. Was der Zeit gehört, bleibt in der Zeit zurück. Wäre, was sie verleihen kann, unser Ziel, so müßte es auch mehr befriedigen. Gab es aber bei allem Erdenglücke Einen je, der mit dem was die Zeit vermag und gibt, nie unzufrieden war? dem keine Wünsche übrig blieben? dessen Brust Überdruß und Mißmuth nie erfüllte? Dieß ist der h. geheime Zug nach oben, die leiſe Mahnung des Göttlichen in unserer Seele, daß unsere Bestimmung höher deute dorthin, wo jeder Sehnsucht ohne Ende Genüge werden soll.... Die kleinen großen Menschen! Wie streiten sie sich oft über Rang und Schönheit und wer die ersten Pläße haben soll; wie emstg schmücken sie den Körper und gaukeln von der Mattigkeit zur Freude, von Freude zu der Mattigkeit; gähnen in Mitte des Vergnügens; heben sich und stürzen sich; beloben und - 143 belügen, beneiden und verachten sich; und vergessen wie bald das Grab sie zu einander legt und ihr leeres Spielwerk endigt!. Ist das Vollendung? War das des Schöpfers großer Zweck mit uns? Gab er hiezu uns einen Geist und diesem Geiste Unsterblichfeit?!! Auch nicht bloße Bereicherung des Geistes mit Wissenschaft und Einsicht ist meine irdische Bestimmung. Wissen ohne Thun ist Feuer ohne Wärme. Was hilft es auf sich zu den Wolken schwingen und der Himmelslichter Glanz und Größe messen, oder nieder in die Erde steigen um ihre Eingeweide zu durchforschen, und dabei Gottes und der Ewigkeit vergessen vergessen jenes Tages der Früchte der Erkenntniß, nicht die bloße Erkenntniß selbst von uns verlangen wird! Hervorgehen also zum Leben der Sittlichkeit und Tugend, Gottes Bild an mir stets deutlicher erscheinen lassen und auf der Bahn des Guten weiter schreiten das ist in der Zeit mein Ziel, weil nur das der Ewigkeit würdig mich zubildet. Wie im Fruchtkorne die Ernte ruht, so ruht im Menschen die Anlage zu vielen gottgefälligen Thaten und in diesen der Weg zur Vollendung. Diese Anlagen daher in mir entwickeln, von - 144 Tag zu Tage reiner werden in Gesinnungen und reicher an pflichtgemäßen Handlungen dazu nur ist mir die Gegenwart gegeben. Zwar darf ich dabei allerdings auch an vernunftgemäßen Freuden mich erlaben, denn ste geben dem Geiste neue Spannkraft; darf allerdings auch für das Irdische besorgt seyn, denn ohne dieses kann des Geistes Werkzeug, der Körper, nicht erhalten werden; soll auch allerdings meinen Verstand nach Kräften mit Kenntnissen bereichern, denn es gibt kein edles Thun ohne vorhergegangenes Erkennen, und je mehr die Seele wahrhaft ausgebildet ist, desto verehrungswürdiger erscheint ihr das Göttliche; aber nie darf alles das für des Lebens Erstes oder Einziges mir gelten, sondern muß immer nur die Hülle für des Geistes dauerndere Zwecke seyn; und Heiligung des innern Sinnes, und daraus ein Fruchtgewinde edler Thaten bleibt stets des Lebens Hauptaufgabe, wodurch ich Garben für den Tag der Ernte sammeln soll. So sey mir denn o Gott zu meinem hohen Ziele Führer! Ich erkenne es, nur durch das Fortschreiten meines Geistes in Tugend und edler Wirksamkeit kann ich Deiner Vollkommenheit näher rücken und mich für höhere. Welten vorbereiten. Doch groß ist die Macht 145 der Sinnlichkeit und widerstrebt oft meinem besten Willen. Mache daher Du mich durch Deinen Beistand stark! Entreiße mich dem Schlummer geistiger Trägheit, wo ich in denselben versinken will. Erinnere mich kräftig an die Wahrheit:„ wer jetzt für den Himmel keinen Sinn hat, für den hat einst der Himmel keine Freude." Rette mich, wenn ich vielleicht durch lange Gewohnheit des Bösen den Muth zum Guten bereits verloren habe, durch den Gedanken: wer nicht an Deiner Gnade und an sich selbst verzweifle, sondern zum Neuanfangen nur abermal den Willen habe, den " leite, stärke und vollende Deine göttliche Er" barmniß"*). Laß mich zwar jede gute Anlage meines Geistes sorgfältig ausbilden, dabei aber des vernünftigen Geschöpfes höchsten Vorzug: immer reinere Erkenntniß der Religion" auch am höchsten schätzen und mit ihr, der h. Religion, mich alle meine Bildung beginnen und vollenden. Sie nur macht uns ja des Lebens werth, da ein Leben ohne sie das ist ohne Dich o Vater! trauriger ist als keines. Sie nur macht uns auch das Leben werth, da nur sie das Jetzt mit dem Einst verbindet, und erst das Einst dem Jetzt Bedeutsamkeit *) 1 Brief Petr. 5 Hauptstück, 6 und 10 Vers. 13 146 und Würde gibt. Wer sie verwirft, der hat sich selbst verworfen. In ihrem Lichte laß mich daher des Lebens Genüsse, Ziel und Pflichten sehen; in ihrem Sinne wirken, so lange mein Tag auf Erden dauert; nach ihren Grundsätzen gegen Dich überall gehorsam, gegen meine Mitmenschen gerecht, in der Erfüllung meiner Pflichten unverdrossen, und der Welt durch Redlichkeit und Thätigkeit bis an mein Ende ein nützliches Mitglied seyn. So werde ich einst fruchtgeschmückt vor Dir erscheinen und meiner Bestimmung Ziel, Dich mein Herr und Gott! und Deines Reiches Seligkeit erreichen. Amen. In trüben Stunden. 098 Boll tiefen Kummers erscheine ich Allmächtiger! vor Dir. Die Trübsale des Lebens lasten schwer auf mir- erbarme Dich meiner o Allerbarmer! Zu Dir rufe ich, der Du die Liebe bist und Dich gnadenvoll erzeugest allen, die um Hilfe zu Dir flehen"*). Siehe barmherzig *) 85 Pfalm, 5 Vers. 147 auf mich nieder und laß mir Trost und Erleichterung von Deinen Himmeln kommen. Doch darf ich auch mit ruhigem Gewissen Dich um Erleichterung bitten? bin ich nicht vielleicht an meinen Trübsalen selber Schuld? war ich nie Deinen Geboten ungehorsam? Ach wenn ich nachdenke, was ich verdient und was ich empfangen habe, nein mein Vater, Du thust mir nicht Unrecht! Preisen muß ich vielmehr noch Deine Gnade daß sie mir Gelegenheit gibt, durch williges Ertragen meiner Beschwerden für meine Vergehungen genugzuthun. Kein Sterblicher ist ja vor Dir gerecht, auch ich o Vater bin es nicht, bin vielleicht verwerflicher vor Dir als Viele die noch Schwereres zu tragen haben. Wohlthat ist es daher daß Du mich züchtigest: es soll mir meine einstige Rechenschaft vor Dir erleichtern. Darum sey von mir gebenedeiet- und statt um Rettung, nur um die Kraft angefleht, was Du mir auferlegst und was ich ohnedieß auch wider meinen Willen, so lange es Dir gefällig ist leiden müßte, durch unterwürfiges und standhaftes Tragen zu meinem Heile zu benüßen. abhi Sollte es mir aber scheinen als sey meine Trübsal größer, als meine Vergehen sind; dann sey o Vater von mir angefleht, statt meine 13* 148 Lasten zu vermindern, meine Weisheit zu vermehren; und mich nicht in der Trübsal stets nur eine Strafe sehen zu lassen. Trifft denn die Trübsal nicht auch den Frommen? traf ste nicht selbst Deinen Eingebornen Sohn? und darf ich darum in Ihm einen bestraften Sünder sehen? Oder soll vielleicht der Fromme durch den Lohn der Erde für seine Redlichkeit abgefunden werden? Wehe wenn der irdische Lohn unsere Vergeltung wäre! Wie würden wir es in der Ewigkeit bedauern, hier unsern flüchtigen Theil genossen zu haben, und dafür sie die dauernde, lohn- und freudeleer für uns zu finden! Nein mein Vater, nicht die Heimath, nur ein Gang zur Heimath ist das irdische Leben; und ich verliere daher nichts wenn ich der Erde Glück entbehre. Was nützt es dem Sterbli" chen, gewinnt er sich eine Welt, und leidet " dabei Schaden an der Seele"*)?! Nur Ein Unglück gibt es: Dir o Gott mißfalIen. Und eben um uns vor diesem zu bewahren, läßt Du uns oft leiden. Im Taumel der Freude vergessen wir Dein Geseß und unsere Bestimmung nur allzuleicht; darum sendest Du uns zum Lichte auch den Schatten, damit *) Evangelium Matth. 16 Hauptstück, 26 Vers. 149 wir aufmerksam gemacht durch den unwillkommenen Wechsel das Nichtige vom Wahren scheiden, unser Herz nur in Dir festseßen, und nicht über der Erdenwelt die Welten jenseit der Sterbestunde versäumen. Wo wir daher eine Strafe zu finden glauben, gibst Du uns nur Segen, gibst uns Anlaß zu Tugend und Verdienst das auch dem Frömmsten nöthig ist, der so wie jeder andere sich vorzugsweise in des Unglücks Feuerprobe Deiner würdig zeigen, und durch demuthvolles Ausharren sich Glückse ligkeit bei Dir verdienen kann. Wem Du daher die Weihe des Unglücks ertheilest, dem ertheilest Du o Vater die Weihe des Himmels; und nur wer in den vergänglichen Lüsten der Erde sein alles zu suchen gewohnt ist, kann die Wohlthat der irdischen Trübsale verkennen. Sie sind alle nichts anderes als Boten Deiner Liebe, die uns Frömmigkeit im Leben und dafür einst Freudigkeit im Sterben geben sollen. din So will ich denn was Du mir Schweres, zugemessen hast, wo ich mir nicht auf erlaubtem Wege Linderung verschaffen kann, mit kindlicher Ergebung hinnehmen. Scheine es wie immer viel: es ist doch nur Menschliches was ich erdulde, aber Göttliches was ich dadurch erwerbe. Du bist treu, Keinem über 150 fein Vermögen zuzusenden"*) Du erhältst Welten im Gleichgewichte- Du wirst auch mir nicht mehr als ich zu tragen im Stande bin auferlegen, und mir durch Deine Gnade überwinden helfen. 1-1 Darum opfere ich Dir meine Trübsal mit demuthvollem Herzen auf, wie hart ich sie auch fühlen mag. Fühlte ich sie nicht, so hätte ich auch kein Verdienst dabei. Ich opfere sie Dir auf als eine Genugthuung für meine begangenen Fehler, und als einen Beweis daß ich auch in trüben Tagen fest an Dich glaube, fromm auf Dich hoffe, innig Dir vertraue und Dich und meine wahre Wohlfahrt mehr als alles was die Erde bietet liebe. Ich weiß es, keine meiner Thränen geht dabei verloren- sie fällt in Deine Hand barmherziger Vergelter! und die höchste Seligkeit wird einst des schwersten Pfades Ausgang seyn. O Vater! Du bist die Liebe aber eine Liebe, die sich nicht auf Sinnlichkeit sondern auf Weisheit gründet, und uns nie das gibt was wir wollen sondern was uns müßlich ist; aber es dabei, selbst in der Zeit des tiefsten Elendes, nicht an Erleichterung von andern Seiten fehlen läßt. Darum bitte ich Dich auch *) 1 Brief an die Korinther; 10 Hauptstück, 13 Vers. - 151 für meine ganze Zukunft um nichts weiter als: laß mich der Erde Übel stets für das ansehen was sie sind, für Wegweiser zur höheren Vollendung- und stets, wie viel Trübes mir das Leben auch noch bringen möge, soll sich meine Seele an den heiligen Worten stärken: d Blicke zum Himmel, umdüstern dich Schatten, Trau auf der Gottheit erleuchtende Macht; Bald muß das irdische Dunkel ermatten, Tag wird es jenseits- das Leben ist Nacht. Blicke zum Himmel! Vergängliche Leiden Geben der ewigen Palme den Glanz; Freuden, von denen mit Thränen wir scheiden, Wahrt uns der Vater zum herrlichen Kranz. Amen, Vater, es geschehe! In Deine Hände lege ich meine Tage, und meiner Tage Glück und Gram. Amen. Dank für Gottes Wohlthaten. Bind Vater der Liebe und der Gnade! voll innig kindlichen Gefühles nähere ich mich heute Deinem Throne. Ich erwäge Deine zahllosen Wohl 152 thaten gegen mich; und meine Seele findet keinen andern Laut, meine Lippe spricht kein anderes Gebet, als ein langes tiefbewegtes " Dank"!- Laß meiner Anbetung stilles Opfer Dir gefallen! Gering ist der Mund der es Dir darbringt; aber Du stehst ja auch auf die kleinste Gabe, wo sie des Gebers beste ist, mit Güte nieder. So hoffe ich, Du wirst auch mein gerührtes Loblied nicht verwerfen. Ich danke Dir vor allem, daß Du mich zum Daseyn bestimmt und mich zu dieser ersten Bedingung aller möglichen Seligkeit gelangen lassen hast. Du konntest meiner nicht gedenken und mich ewig in des Nichts trostloser Nacht verloren ruhen lassen: aber Du wollteft, unendlicher Erbarmer- und ich ward; Du winktest gnadenvoll- und ich trat ein in die Zahl der Lebenden und konnte des Anblickes Deiner hehren Schöpfung mich erfreuen. Mein Daseyn, und meines Daseyns hohe Ansprüche für jetzt und einst waren der Anfang Deiner Gnaden. Ich danke Dir auch für meines Lebens bisherige Erhaltung. Wenn Du nicht bestehen heißest was Du erschaffen hast, so kann es eben so wenig sein Daseyn fortseßen als es sich dasselbe geben konnte. Ich danke Dir daher, daß Du in den mancherlei Schwächen und 153 Gefahren meiner Kindheit mir schüßend zur Seite standest, und aus dem Muthwillen und den mancherlei Unvorsichtigkeiten der Jugend mich unversehrt herausgeleiteteft; danke Dir, daß Du bisher stets väterlich über meinen Tagen wachtest. Wie für des Lebens Gabe, benedeie ich Dich auch für des Lebens irdische Güter. Sind sie gleich des Menschen Höchstes nicht, so sind ste doch Geschenk von Dir, und stärken den Erdenpilger auf der Wanderung zum Ziele.-- Ich danke Dir daher für die Gabe der Gesundheit und des freien Gebrauches meiner Sinne; danke Dir, daß Du von dem Segen der Erde zur Befriedigung meiner Bedürfnisse mir genug, und oft mehr als genug gegeben hast, und zur Beförderung meiner Geschäfte mir so oft Gedeihen schenktest; danke Dir für jeden Augenblick schuldloser Lust den Du seit meiner Kindheit mich genießen ließest, und für so manche stille Freude meiner spätern Tage die ich nicht verdient hatte. Auch jeder Reiz der Natur der mein Auge entzückt, jeder Laut der mir angenehm zum Ohre spricht, jedes Gefühl das mein Empfindungsvermögen wohlthätig anregt; der Blumen Wohlgeruch und des Geschmacks Annehmlichkeiten. auch dieß alles wodurch Du mein irdisches Daseyn 154 verschönerst, so wie die Empfänglichkeit dafür, ohne welche die Schönheiten Deiner Schöpfung für mich nur halb vorhanden wären, ist Dein Werk, Deine Mittheilung, Deiner Liebe Zeugniß gegen mich. Auch für diese Wohlthaten verehrt Dicho Gott! im dankbaren Genusse derselben mit Innigkeit mein Herz. Noch inniger danke ich Dir für des Lebens geistige Güter: für die hohe Gabe der Vernunft, die mich über die übrigen Geschöpfe des Erdballs erhebt, und für jede mir gegebene Gelegenheit zur Entwickelung und Ausbildung derselben; danke Dir für jedes Talent und jede treffliche Anlage, womit ich von Dir gesegnet ward; für die Wohlthat einer guten Erziehung und für jedes weiche Gefühl, das Du in mein Herz gelegt haft. Ich danke Dir, daß Du den Sinn für Edles und Erhabenes in mir erschlossen hast; danke Dir, daß Du mir die Fähigkeit verliehen hast den Reiz des geistigen Genießens, wo Verstand und Herz beschäftigt werden und sich glücklich fühlen, zu erkennen und zu würdigen; und vor allem, daß Du mir das Vermögen ertheilt haft Dich zu denken, und was was wahr und gut, was Recht und Pflicht ist, zu verstehen und zu achten. Selbst dafür, daß ich 1551 erkenne was Du mir gegeben haft und Dich darum verherrliche, danke ich Dir; denn auch meine Dankenswilligkeit vermehrt nur meine Freude. Sie macht mich hinsehen auf das mannigfache was mir durch Dich geworden ist, und im Betrachten steigert sich desselben Werth. Endlich danke ich Dir auch, Vater der Gnaden, für Deiner Segnungen höchste: für meine Bestimmung zu seliger Unendlichkeit, zu unendlicher Seligkeit. Keine Worte drücken es aus was tief mein Innerstes bewegt, wenn der Gedanke an die Wonnen der Unsterblichkeit, die ewig wie Du selbst mein Antheil und mein Erbe bleiben sollen, mich durchzittert. In feuriger Anbetung wallt dann mein ganzes Wesen zu Dir empor; und in Wehmuth und Entzücken weint Dir, erhabener Schöpfer, Dein an sich so armes und durch Dich so reiches Geschöpf schon hier auf Erden die Thräne der Anerkennung und der Freude für Deinen künftigen Himmel. Auch dafür, daß Du mir die Mittel meine Bestimmung sicher zu erreichen durch Deinen Sohn gegeben hast, sey Dir inniger Dank gestammelt!... Dank o Vater für den hohen Segen der reinen Religion!.. Dank für den fanften Trost, den sie mir ertheilt!... Dank 156 für Deine heiligen Gesetze, die gut und weise sind wie alles was uns von Dir gegeben wird!... Dank auch für jede Stärkung meiner Kraft dieselben zu befolgen, und für jeden Sieg des Guten in, für jede Abweisung des Bösen von mir! Nie soll meine Seele Deiner Wohlthaten Eine vergessen oder Dich zu preisen müde werden! Nie will ich aufhören zu bekennen, daß alles was ich bin und vermag, was ich besitze und hoffe, was für die Zeit und für die Ewigkeit meines Wesens glücklicher Antheil ist, nur ein unverdientes Geschenk Deiner freiwilligen Barmherzigkeit sey. Und nicht nur mein Gebet o Vater, auch mein Leben soll mein Dank seyn. Du hast es mir gegeben: je mehr und mehr will ich es daher nach Deinem Willen einleiten, jede Gesinnung je mehr und mehr in mir veredeln, jede Kraft des Geistes und des Körpers so anwenden wie es Dir gefällig ist; damit ich nie, indem Du mich durch das Leben segnetest, Dich durch nein Leben schmähe. Auch was Du mir von den Gütern der Erde mitgetheilt hast, will ich müßlich für mich und Andere anwenden. Wehe dem Selbstlinge der mit Deinen Wohlthaten gegen Andere karg ist, und nur seinen Sinnen damit Feste gibt! Je mehr wir - 157 von Dir erhalten, desto mehr forderst Du uns auf damit Gutes zu thun. Darum will ich helfen, wie Du mir geholfen haft; will meinen dürftigen Mitmenschen nicht verlassen, wie Du mich nicht verlassen haft; will zum allgemeinen Wohle der Gesellschaft ohne Eigennuß und Widerrede meinen Theil beitragen, wie es die Gerechtigkeit erfordert; und weises Erbarmen haben mit allem was mich umgibt, wie Du gegen mich weise, gütig und erbarmenvoll gewesen bist. So soll es mit meinem Munde auch zugleich mein Thun und Lassen zeigen, wie wirksam ich es anerkenne daß Du Dich an mir so gnadenvoll erwiesen haft; bis die Stunde meiner Geburt für das höhere Leben schlägt und ich in Mitte Deiner Seligen Dich, unser aller erbarmenvollen Schöpfer und Wohlthäter, noch unaussprechlicher preise von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Vertrauen auf Gott. " Jehovah ist mein Erleuchter und meine " Hilfe, wen soll ich fürchten? Jehovah ist 158 meines Lebens Stärke, vor wem soll ich " erzittern"*)? Ist nicht Er der Allmächtige von Ewigkeit? Er will und es geschieht, Er spricht und es steht da. In seiner Hand find Leben und Tod"**). " 1 Ist nicht Er der Allwissende von Ewigkeit? Wo ich mit meiner Verstandeskraft am Ende bin, hat Er noch nicht begonnen. Er kennt allein den besten Ort, die beste Zeit für jedes Ding; denn ihm allein liegt alles unverhüllt vor Augen"***). Ist nicht Er der Allliebende von Ewigkeit? Segnend ruht sein Vaterauge auf den Welten die Er schuf, und wo wir Ihn " am fernsten von uns wähnen, ergreift Er uns " erbarmend"****). Schwaches Herz, was willst du daher zagen? Wenn Er der alles kennt und alles kann, dein Licht und deines Lebens Stärke" ist, wovor willst du erbangen? Fehlt es dir bisher an Zeichen seiner Gnade? O- nahm Er dir auch viel, so ließ Er dir auch viel. Schickte Er den trüben Tag, Er gab dir auch den 26 Psalm, 1 Vers. ** *) Buch der Weisheit; 16 Hauptstück, 13 Vers. ***) Brief an die Hebräer; 4 Hauptstück, 13 Vers. -****) Jeremias; 31 Hauptstück, 3 Vers. 159 heitern. Wie manche Freude hat er dich schon genießen lassen, wie oft aus Trübsalen unvermuthet dich herausgeführt, in Gefahren Nettung dir geſendet ist nicht der schönste Dank Vertrauen? - Dennoch o Allvollkommener! lasse ich es so oft hieran ermangeln. Bei jedem widrigen Ereignisse sinkt mein Muth von neuem und ich vergesse wieder des Helfers in der Höhe. Vergib mein gnadenvoller Vater! es soll nicht mehr geschehen. Welche Zweifel mich auch in Zukunft verwirren, welche Noth mich drücken, welche Verlegenheit mich ängstigen mag: stets will ich Dir mit fester Zuversicht vertrauen. Ich kann ja nicht wissen, vor welchem gröBern Elende Du mich dadurch bewahren oder an welchen Sünden Du mich durch Noth und Trübsal hindern willst! Und sollen wir denn nur das Gute von Deiner Hand annehmen wollen und das Widerwärtige " nicht"*)? Fromm und still, bei redlichem Bewußtseyn, tragen was nicht unser Übermuth herbeirief und unsere Kraft nicht ändern kann, das macht den letzten Schlummer leicht. Wer jeden Erdendorn scheut, wird nie die Himmelsblüthe brechen. - *) Buch Job; 2 Hauptstück, 10 Vers. 160 Und wie bald wandelt sich oft um, was des Menschen Herz mit Traurigkeit erfüllt! Wie Viele drückte gößeres Elend als ich es je erfahren habe, und Du haft sie gerettet! Unerklärlich ist oft Dein Rath, doch alles führest Du am Ende herrlich hinaus; und der blöde Sterbliche der oft so vorschnell Deiner Weisheit Fügungen zu tadeln wagt, steht endlich tief beschämt da, wenn er sieht welch segenvolle Folgen Du aus dem anscheinenden Übel noch auf Erden oft zu ziehen wußteſt! Mein weiser Vater! wie es daher von nun an mit mir kommen mag, in jeder Lebenslage soll das stille, Ruhen in Deinem Vaterwillen" ein Bürge und Beweis meines kindlichen Vertrauens zu Dir seyn. Mag auch rings die Sorge mich umlagern ich bin Deine Sorge, und Du mein Gott, mein Vater. Wer auf Dich baut, hat wohl gebaut! Nie mehr will ich an Dir irre werden, so lange mich Deine Liebe führt und Deine Hand beschüßt das ist: von nun an bis in Ewigkeit! Amen. stad diem - Sul( Lobpreisung Gottes für Freudiges und Trauriges. - 161 Gelobt sey Gott für alles! Er gibt uns Leben und Gedeihen. Mild schwebt sein Schöpferhauch über die Erde hin, entfaltet des Frühlings Blüthen, läßt regnen in der Dürre, und sendet Wind und Sonnenschein zu rechter Zeit gelobt sey Gott für alles! Er lohnt unsern Fleiß mit den Segnungen des Sommers, sieht wie die Augen aller auf Ihn hoffen"*) und läßt alles Theil an seinen Sättigungen haben, schmückt Berg und Thal mit Blumenpracht, theilt uns des Herbstes Reichthum mit, und seine Sonne reift uns Gold und Edelstein- gelobt sey Gott für alles! Sp mit *) 144 Psalm, 15 Vers. Er schenkt uns Stärke und Gesundheit um unsere Pflichten zu vollbringen, gibt uns 162 Sinne um der Schöpfung Reize zu genießen, und verleiht uns Vernunft um seine Gnaden zu erkennen und Ihn dafür zu preisen- gelobt sey Gott für alles! beit Er läßt die Tröstungen der Freundschaft und der Liebe auf dem Lebenspfade uns begleiten, und bereitet uns in mancherlei Gestalt die Freude als Kräftigung nach der Argelobt sey Gott für alles! Doch auch den Tag der Trübsal geſellte Er dem Tage der Freude zu. Diesen lieben, jenen hassen, verdächtigt meine Christentreue: " denn den einen wie den andern hat der Herr " gemacht"*) gelobt sey Gott für alles! - ― Lichter ist das Licht wenn Finsterniß vorherging, freudenvoller die Freude nach dem Kummer. Wer Herbes nie genossen hat, verdient das Angenehme nicht und fühlet es nur halb gelobt sey Gott für alles! Bei jedem widrigen Ereignisse soll ich zuerst nach oben sehen und mich erinnern, dort sey mein Hauptgeschäft; und dann nach unten und erwägen, wie wenig Raum zum baldigen Grabe ich bedarf; und dann um mich her und betrachten, wie Viele mehr noch dulden *) Buch Ecclesiastes; 7 Hauptstück, 15 Vers.**(* — 163 und entbehren als ich; und dankerfüllt wird meine Seele rufen- gelobt fey Gott für alles! poats and nd Im stillen Glauben an den Herrn, mit vorwurfsfreiem Selbstbewußtseyn den Gang durch dieses Leben gehen, und Glück und Unglück Ihm anheimstellen der wahrer als wir selbst uns liebt, das ist das beste Glück gelobt sey Gott für alles! godolog Hat Er nicht Kraft und Last gegen einander abgewogen? steht unsere Weisheit weiter als die seinige? will Er durch Züchtigung nicht zu Sich führen? Wie manches Heilige wird dem Sterblichen erst in der Noth verständlich! Selig daher der Schmerz der uns zum Guten treibt. Was oft des Vaters Wohlthaten, des fremden Beispiels Warnung, des eigenen Gewissens Zuruf nicht vermag, vermag des Mißgeschickes Hammer gelobt sey Gott für alles! - Dort wo die letzte meiner Erdenhoffnungen im Staube liegt, wo Kummer und Verlaffenheit am tiefsten mich zu Boden drücken, verherrliche ich den Vater durch glaubenvolle Zuversicht am höchsten. Nur in Widerwärtigkeit beweiset sich der Christ.„ Glückselig der " den Trübsal prüft, denn groß ist einst sein Lohn"*) gelobt sey Gott für alles! 41 - *) Brief des h. Jakob; 1 Hauptstück, 12 Vers. 14* 164 Ja der gute Tag soll mich erquicken, der böse soll mich bessern. Den einen und den andern schickt der Herr abwechselnd, damit der " Mensch keine billige Klage wider Ihn aufbrin" gen könne"*). Benedeiung Ihm daher für den einen und den andern! Die Stunden eilen schnell zu Ende, und jede bringt uns den Vergeltungen die nie ein Ende haben, näher gelobt sey Gott für alles! Amen. 46196 11 - Um Achtung für die Ehre des Nächsten.nd vided Gedenken will ich o Herr der Ehre meines Nächsten, und Deines heiligen Gebotes „ Richtet nicht, damit ihr nicht auch gerichtet " werdet"**); gedenken, daß Du nicht mich zum Aufseher über das Thun und Lassen Anderer bestellt haft und nicht ich es sey, dem es überlassen ist die Herzen und die Nieren zu erforschen"; gedenken, daß nur Du der *) Buch Ecclesiastes; 7 Hauptstück, 15 Vers. **) Evangelium Matth. 7 Hauptstück, 1 Vers. 165 Menschenbrust verborgene Tiefen und die Absichten der Sterblichen bei ihren Thaten kennest, zugleich nur Du von Parteilichkeit und Leidenschaft nichts wissest, und daher nur Dir das Amt des Richters zusteht, ich aber durch nichts berechtigt bin über den fittlichen Werth Anderer anmaßend zu entscheiden. Wie auch überhaupt dürfte ich es wagen Andere zu verurtheilen, so lange ich noch an mir Verdammungswerthes finde? Bin ich etwa so rein, daß ich der erste nach einem Steine greifen darf? Und wenn ich es nicht bin, soll ich Heuchler nicht zuvor den Balken aus meinem Auge ziehen, ehe ich mich um den Splitter im Auge eines Andern fümmere? Oder werde ich vielleicht von meinen Flecken frei, wenn ich den Nächsten mit Koth bewerfe um rufen zu können: sehet wie der unrein ist!? O daß ich doch mit meinen Mängeln mich befassen wollte; wie wenig Zeit würde mir bleiben mich mit den Mängeln Anderer zu beschäftigen! Und schiene ich mir auch besser als mein Nebenmensch, so mahnt mich doch Dein heiliges Wort nachdrücklich wer da steht, der sehe zu " daß er nicht falle"*)! Wenn ich heute auch — *) 1 Brief an die Korinther; 10 Hauptstück, 12 Vers. 166 noch stände, weiß ich was ich morgen seyn werde? Und bin ich nicht, sobald ich mich der Sünde der Verleumdung schuldig mache, eben dadurch schon gefallen? D, eine schlechte Kunst ist es von Andern schlecht zu sprechen, ein schlechtes Herz genügt dazu. Nicht Verstand, nicht Tugend, nicht Verdienste braucht es; nur ein schlechtes Herz. Und hiebei wollte ich noch von meinem Stehen" sprechen und Den verachten, der vielleicht bei all seinem Sinken noch besser blieb als ich Herzloser je es war? Oum Sinn für meines Nächsten Ehre bitte ich Dich, Du ernster Richter meiner Worte, er thut mir Noth!- Denn wie selten weiß ich mit Gewißheit daß mein Nebenmensch gefehlt hat! Wie oft wird mir das Thun und Lassen Anderer nur aus den Erzählungen ihrer Feinde oder durch den dritten, vierten Mund bekannt, wo stets der Folgende mehr zu sagen weiß als er von dem Vorangehenden gehört hat? Wie oft nehme ich bloßen Argwohn für Wirklichkeit und finde in dem leisesten Verdachte Grund zu den bösesten Muthmaßungen, ohne daß es mir einfiele, wie sehr das Wahrwort mich beschämen und schweigen machen sollte: Niemand suche so gar leicht einen andern da, wo er nicht früher selbst gewesen ist! 167 Ja, um Achtung für meines Nächsten Ehre bitte ich Dich mein himmlischer Vater! Lieben soll ich ja meinen Nächsten wie mich selbst, laß mir also auch seinen Ruf theuer seyn wie meinen eigenen. Wäre es auch entschieden daß er geirrt habe: was weiß ich wie er dazu hingerissen wurde, und wie vieles ihn vor Dir entschuldigen kann. Darum befiehlt mir Dein Gebot mit Recht, wenn ich von meinem Mitmenschen nichts Gutes sagen kann, zu schweigen und Deines Sohnes heilige Lehre zu beherzigen: Was ihr- in gleichem Falle wollet daß Andere euch " thun sollen, das thuet auch ihr ihnen"*). is — Laß mich diese Lehre von nun an ernstlich befolgen. Laß mich weder durch zweideutige Worte, noch durch ein vielsagendes Schweigen, noch mit kühlen Lobpreisungen die durch ein angehängtes aber" nichts als verkleideter Tadel sind, dem guten Namen meines Nächsten zu nahe treten und dadurch mehr mich als ihn erniedrigen. Gib mir so viele Gerechtigkeitsliebe, daß ich Andern weder Böses andichte, noch das vielleicht Wahre geschäftig von Hause zu Hause trage und durch gehässige Entstellungen das Unbedeutende zum Wichtigen *) Evangelium Matth. 7 Hauptstück, 12 Vers. 168 erhebe. Gib mir so viel brüderliches Mitgefühl, daß ich das Vorzügliche eines Jeden gern anerkenne, Keinem sein gethanes Gute schmälere oder ihm dabei eine schlechte Absicht unterschiebe, Keinem die einzelne Handlung ſogleich zur täglichen Gewohnheit mache. Gib mir so viel Zartgefühl, daß ich mich nie bis dahin verirre selbst körperlicher Gebrechen nicht zu schonen, oder über Sonderbarkeiten in der Kleidung und dem Benehmen Anderer zu spotten; sondern wenn ja ich von solchen Mängeln frei seyn sollte, was aber in den Augen Anderer selten Jemand ganz ist, laß mich lieber durch ein wohlwollendes Benehmen gegen Jene die daran leiden, Dir für Deine Gnade gegen mich, auf die ich kein größeres Recht hatte als sie, mich dankbar bezeugen. Das Schlechte ist ja nicht in zufälligen Sitten und Angewöhnungen, sondern nur in einer lasterhaften Denk- und Lebensart zu suchen. Und nur leichtsinnige und unedelmüthige Menschen, bei denen der Kopf eben so leer als das Herz roh ist, und die mit nichts besserem sich zu beschäftigen wissen, können an gemeinen Spöttereien über Leibesfehler und üble Gewohnheiten Gefallen finden. Selbst hören laß mich nicht was Andern nachtheilig ist; damit nicht mein Wohlgefallen dabei dem Erzähler zur 169 Ermuthigung diene, und ich die Laft der Rechenschaft mit ihm einst theile. Wie strafbar müssen vor Dir Gespräche seyn, zu welchen nur die Verirrungen des Nächsten den Stoff liefern; wo man nur das Schlechteste aus seinen Handlungen heraussucht, und seiner Tugenden vergißt; wo Jeder um die Wette sich bemüht am Rufe seines Nebenmenschen zu zerren, und sich glücklich dünkt wenn es ihm gelang ein größeres Stück davon zu reißen! Entferne mich von solchen Versammlungen, bei denen Du mit Deiner Gnade nicht verweilen kannst; laß mich meiner würdiger handelnd einen Fehler meiden, der ob er in Gold und Seide oder im Gewande des Kärners begangen wird, vor Dir und jedem redlich Denkenden stets gleich verächtlich ist. Laß mich ruhigen Gewissens in meine Zukunft schauen können. Wie schwer ist die Verantwortlichkeit, die sich der Verleumder aufbürdet! Wie manche Seligkeit versinkt, von seinem Besthauche angeweht! Er ist ärger als der Dieb, denn er raubt mehr als Geld und Gut. Und vor dem Diebe schüßt doch Schloß und Riegel; aber vor seiner Bosheit schüßt nichts. Er erfaßt, und mordet. Wie will er für so vieles Schlechte genugthun wie den Schaden den er dem guten Namen, 15 - 170 hiedurch vielleicht dem Fortkommen, der inneren Zufriedenheit, ja vielleicht dem Seelenheile seines zur gegenseitigen Sünde aufgereizten Nebenmenschen zugefügt hat, wieder gut machen wie Deinem Gerichte einst begegnen, wenn Du wie er keine Schonung kennen wirst? Verflucht, sagt Dein Wort, sind die " Ohrenbläser und Verleumder! Den Frieden " Vieler haben sie zertrümmert: doch gingen " Andere durch das Schwert zu Grunde, so kommen sie durch ihre Zunge um"*) O rette mich vor einer Strafe, die mich um so verdienter treffen müßte, je leichter ich durch Vermeidung unnöthigen Geschwäßes ihr entgehen kann. Rette mich vor der Verläugnung meines Christennamens! Was hilft es Christ zu heißen, wenn ich nicht christlich bin? Dein Wesen ist Liebe, Dein Gebot ist Liebe, des Christenthumes Grundgesetz ist Liebe. Laß mich diesem Gebote treu meine Zunge von nun an sorgfältig hüten! Nur auf Deinen Richterstuhl gehört es, strenges Urtheil über uns zu sprechen: in das Herz des Menschen aber gehört das Bewußtseyn seiner Sündigkeit, und Nachsicht gegen Jene die nur so schwach sind wie er selbst. Erfülle mich von nun an - 11 *) Buch Ecclesiasticus; 28 Hauptstück, 15 und 22 Vers. 81 171 bis an mein Ende überall mit diesem Bewußtseyn, und laß mich nie des Apostels ernsten Ausspruch vergessen: Nur wer in der " Liebe bleibt, bleibe in Dir, und Du o Gott in ihm"*). Amen. Wenn man verleumdet wird. Was die Besten aller Zeit getroffen hat, was ſelbst Dein heiliger Sohn erfuhr, das widerfährt auch mir o Vater im Himmel! Verleumdung nagt an meiner äußern Ehre und strebt mich zu Schande und Schaden zu bringen. Will ich mich darum auch nicht den Besten" beizählen, so fühle ich doch das mir angethane Unrecht. Aber soll ich dafür Rache suchen; oder gleichgiltig meinen guten Namen zertreten laſsen? soll ich fühn meinen Arm erheben zur Vergeltung; oder kleinmüthig zurücktreten und durch Niedergeschlagenheit meiner Schmäher Schadenfreude noch vermehren?- Nichts von alle dem mein Vater! Zu Dir komme ich auch in dieser Widerwärtigkeit! Du wirst *) 1 Brief Joh. 4 Hauptstück, 16 Vers. 15* 172 mir helfen auch hier jenen Weg zu wandeln, der vor Dir der rechte ist; wirst mich davor behüten Böses mit Bösem zu erwiedern, und mich in richtigen Begriffen über wahre Ehre und Unehre jene Geistesstärke finden lassen, die den Redlichen über das Treiben liebloser Widersacher erhebt. Wer ist es auch der mich zu brandmarken sucht? O es sind nur Diejenigen, von denen Dein eigenes Wort sagt daß sie ihre Zungen " gleich einer Schlange schärfen"*)! Wie sollte ich daher auf Rache sinnen, wo ich nur Ursache habe zu bemitleiden und Dich um Besserung pflichtvergessener Herzen anzuflehen! Und vor wem streben ste mich zu brandmarken? O nur vor Menschen, die oft das preisen was Du verwirfst, und was Dir gefällig ist verhöhnen. Wie sollte ich mich hiedurch betrüben lassen? Nein mein Vater! so schwach will ich nicht seyn. Hängt denn mein Werth bloß von den Urtheilen Anderer ab; und von den Aussprüchen die sich oft nur der Neid, die Bosheit und der Eigennuß erlauben? Nein; nur ich ehre oder entehre mich durch meine Gesinnungen und Handlungen. Und nur Du, der Du auch in unser Inneres stehst, bist Richter - *) 139 Psalm, 4 Vers. - 173 über meinen wahren Werth. Darum darf es mich nicht muthlos machen, wenn man meine Unbescholtenheit feindselig angreift. Hätte ich die bösen Gerüchte die über mich verbreitet werden, durch einen sträflichen Wandel verdient; so müßte ich wohl verstummen, die Folgen meines Betragens stillschweigend hinnehmen und sie mir zur Besserung dienen lassen. Aber wo nicht mein Verhalten sondern nur die Verkehrtheit Anderer die Schuld trägt, was sollte ich mich grämen? Finde ich nur Ehre vor Dir und vor mir selbst, so bin ich genug geehrt! Besser ist ja Dein Wohlgefallen und das stille Zeugniß des Gewissens, als alle preisenden Stimmen der Menschen. Und alles Lob der Welt kann mich ja doch nicht erheben, wenn mein eigenes Herz mich tadelt. So darf mich auch aller Welten Tadel nicht betrüben, wenn mein Bewußtseyn mich rechtfertigt. Doch will ich mich hiedurch nicht so weit führen lassen, die Achtung meiner Mitmenschen muthwillig zu verscherzen; denn Ehre und rechtlicher Name sind gleichfalls ein von Dir verliehenes Gut, das wir nicht bloß für uns sondern auch für unsere Angehörigen besitzen, und das ich daher nicht sorglos verschleudern darf. Aber wenn troß meines redlichen Bestrebens 174 mir Anerkennung oft versagt wird, nicht darauf sehen ob ich den Mehreren gefalle, sondern ob den Besseren; der Welt Urtheile nicht zählen sondern wägen, und mich mit der Freundschaft der Verständigen begnügen da die der Thoren ohnedieß nicht rühmlich ist das soll und will ich. Und wenn selbst die Besseren mich verkennen, mich fest und zufrieden in mein Bewußtseyn hüllen und auf alles, außer auf Dich allein o Gott, verzichten können das soll und will ich. Nur so gibt es dabei für mich ein Verdienst. Denn keine Achtung fordern wo ich keine verdiene, gewährt darauf noch keinen Anspruch. Aber was mir gebührt entbehren können, das macht mich vor Dir wohlgefällig. Wer seine Tugend sich mit Menschenlob bezahlen läßt, gibt Großes hin für Kleines; und indem er nach irdischem Lohne strebt, verliert er die Vergeltungen des Himmels. ----- Kann ich daher mein Vater! die Verleumdung durch rechtmäßige Mittel hindern oder unkräftig machen, so werde ich es allerdings, um die Pflicht der Aufrechthaltung meiner äußern Ehre zu erfüllen. Kann ich es aber nicht, so werde ich mich darum noch nicht unglücklich wähnen, oder zu unwürdigen Mitteln greifend und nach Rache strebend Verleumdung 175 mit Verleumdung vergelten; damit ich nicht, was ich früher schuldlos litt, nun schuldig leide: sondern das leere Geschwäß der Menschen am besten durch mein Leben zu widerlegen suchen. Der verdient nicht ein Christ zu seyn der nichts erdulden kann, und sorgt zugleich schlecht für seine Ruhe, wenn er sich von jedem Gerede müßiger und verkleinerungssüchtiger Menschen, denen ohnedieß was man auch immer thun mag doch nie etwas recht geschieht, wie ein Rohr im Winde beugen läßt, und nicht in Dir Ersatz für alles Andere finden fann. Darum bitte ich Dich bloß: laß meine Schmäher einſehen, daß sie durch ihr unwürdiges Treiben schon vor redlichen Menschen mehr sich als mich entehren; vor Dir aber, bei dem einst jedes unserer Worte schwerer in die Wagschale sinken wird als es jetzt der Leichtsinn ahnen mag, nur Verwerfung sich bereiten.- Wende hiedurch ihr Gemüth zum Besseren, daß fie ihr Unrecht gegen mich erkennen und nach Möglichkeit gut machen; damit sie aufhören durch ihre Zunge sich selber zu verderben. Was mich betrifft: nur Du o Herr! sey mein Freund, dann mag immerhin alles andere mir Feind seyn. Wenn Du für mich bist, wer wird etwas wider mich 176 " vermögen"*)? Wie ich, so sind auch meine Feinde in Deiner Hand; und so sehr ihre lieblosen Umtriebe meine irdische Wohlfahrt bedrohen mögen, was Du nicht willst, das werden sie nie an mir vollbringen. In diesem festen Vertrauen stelle ich meine Rechtfertigung Dir, der Du alles Verborgene zu seiner Zeit ans Licht bringen wirst, anheim; und Dir auch hier aufopfernd was ich schuldlos leide, harre ich in Ehre und Verachtung ruhig aus überzeugt, was Du mir kommen läßt, sey alles zu meiner ewigen Glückseligkeit. Amen. Um Achtung für fremdes Eigenthum. Ich weiß o Gott daß nicht, der bloß zu Dir Herr Herr!" ruft- sondern, der Dein Gebot erfüllt, einst in Deine Himmel eingehen wird.**) Dein Gebot aber sagt mir: du sollst nicht stehlen. Darum flehe ich zu *) Brief an die Römer; 8 Hauptstück, 31 Vers. **) Evangelium Matth. 7 Hauptstück, 21 Vers. 177 Dir um Kraft, meine Hände immer rein von fremdem Gute zu erhalten. Erfülle mich mit Abscheu nicht nur gegen das Verbrechen meines Nächsten Habe geradezu anzutaften, sondern auch gegen jeden feineren Betrug, der ihn wie immer zu Schaden bringen könnte. - Denn nicht nur der offenbare Dieb, sondern auch Jene die durch schlaue Reden bevortheilen die sich falschen Maßes und Gewichtes bedienen die das zum Leben Nothwendige verfälschen- die schlechte Waare für gute geben oder für die gute übermäßigen Preis verlangen die mit Anvertrautem gewissenlos haushalten die die Verlegenheit ihrer Mitmenschen zu herzlosem Wucher benützen- die den Ruf ihres Kunstgenossen eigennüßig zu schmälern streben 2c. 2c. 2c., gehören zu den Dieben. Auch der Richter der das Recht nach Geld zumißt der Diener der statt Fleiß und Achtsamkeit Sorglosigkeit und Leichtsinn zeigend sein Tagewerk nachläsſig verrichtet der Herr der seinen Untergebenen das Mark entsaugt, und ihnen von keiner Seite ein angemessenes Glück vergönnt- der Vormund der des Waisen Gut verwahrlost oder zu seinen Zwecken anwendet- der Spieler der sein ehrloses Glück auf Kniffe baut-- der heuchlerische Erbschleicher und Jeder der - - - - - 178 gefundene Sachen nicht zurückerstattet, gemachte Schulden abläugnet, entwendete Gegenstände aufbewahrt, verhehlt, oder wissentlich an sich fauft 2c. 2c. 2c., gehört zu den Dieben,... In tausend Larven hüllt sich der verächtliche Betrug; er ist vor Dir darum nicht weniger Verbrechen. Was nicht auf Wegen die ich Jedem ohne Furcht vor Schande enthüllen und worauf ich Dich zum Zeugen nehmen darf, mein werden kann, ist unrechtmäßiges Eigenthum. Vergebens strebt die falsche Weltklugheit sich vor ihrem Gewissen zu entschuldigen; schon daß sie dieses muß, ist die lauteste Anschuldigung. Vergebens spricht der Eigennuß: ich bevortheile nur den Reichen der ohnedieß genug hat- oder: ich nehme nur ein weniges. Denn Dein Gebot o Herr! sagt einfach du sollst nicht stehlen", und setzt nicht hinzu: ausgenommen ein weniges oder den Reichen zu betrügen sey erlaubt. dan tielt 11 Durchdringe mich daher mit Haß gegen jeden Wunsch nach unrechtmäßigem Gute. Beffer " ein weniges mit Recht als viel mit Unrecht"*). Es harrt meiner das Grab, und hinter demselben der Strafengel der Gerechtigkeit. Senke mir den Geist der Zufriedenheit mit dem, was - *) Denksprüche Salom. 16 Hauptstück, 8 Vers.hand 179 redlich mein ward und worauf daher Dein Segen ruht, in die Seele; lehre mich mein Vermögen durch Fleiß und Arbeit vermehren; laß mich meine Bedürfnisse so einrichten daß meine Mittel zur Befriedigung derselben stets hinlänglich seyen, und hilf mir Leichtsinn und Verschwendung immer fliehen- so werde ich fremdes Gut nicht nöthig haben, und meinen Lohn schon in mir selber findend nie vergessen: reich seyn sey gut, doch ehrlich seyn sey besser.ibid 11 Was würde es mir auch helfen wenn ich mir eine Welt gewinnen könnte, und dabei Schaden an der Seele litte"?! Würde aller Reichthum mich einst retten, wenn ich beladen mit den Seufzern betrogener Mitmenschen vor Deinem Angesichte erschiene? Gibt es eine gröBere Thorheit als wenn der Sterbliche, uneingedenk daß auch ihm ein Grab bereitet iſt, die ernste Zukunft dem leichten Vortheile der Gegenwart hinopfert? Vielleicht ist ihm ein früheres Grab bestimmt als er es denken mag und seines Raubes froh werden kann. Wird man dann das Zusammenbetrogene ihm in den Sarg mitgeben? und thäte man es, nützte es ihm? Oder wird für seine Kinder Segen ruhen auf dieser Frucht und Freude seines Lebens", von welcher jeder Pfennig 180 vor dem Angesichte des strengen Richters nur ein Gewicht mehr in die Schale verderbenvoller Vergeltung senken muß?!...... O, die kurze Lebenszeit hier in ungerechter, mit fremdem Jammer erkaufter Luft durchschwelgen, und dabei sich dennoch nie zur Gemüge vollfüllen können, und den Genuß nie ohne Furcht vor Entdeckung oder doch ohne Gewissensbisse haben können, und obendrein dafür das Heil der endlosen Ewigkeit verscherzen! Wo ist eine Selbstverblendung die schrecklicher wäre?!- Nein mein Gott und Herr, fern bleibe von mir solch eine erschütternde Aussicht! Mein Geseßz sey Redlichkeit, mein Troft ein vorwurfsfreies Bewußtseyn, mein Reichthum Deine Gnade. Und sollte ich vielleicht schon bisher Jemanden etwas ungerecht entzogen haben, so sey es mein erstes Geschäft dieß nach Kräften wieder gut zu machen; damit ich es nicht einst länger und schmerzlicher dort gut machen müſse, wo wir alles bis auf den letzten Heller ab" bezahlen werden"*). Möge es mir auch hart fallen ich leide nur was ich mir selber zugezogen habe, und will lieber jetzt einen Theil meines ohnedieß unrechtmäßigen irdischen 80 *) Evangelium Matth. 5 Hauptstück, 26 Vers.d - 181 — Glückes als einst meine Seligkeit einbüßen. Möge auch die gewissenlose Habsucht ihre Ungerechtigkeiten durch bloßes Beten und Opfern vergüten zu können glauben- ich weiß, verachtet sind von Dir die Opfer die aus Sündengut gebracht werden, und Du hasfest ein Gebet das aus einem räuberischen Herzen aufsteigt. Mein Gesetz sey daher Gerechtigkeit, das ist: Zurückerstattung, und Ersatzleistung für jeden zugefügten Schaden. Dieß allein ist das Opfer, das in solchem Falle vor Dir gilt. So lange aber noch an meinen Händen klebt was nicht mein ist, bleibe ich ein Dieb, wenn ich auch Tag und Nacht vor Dir auf meinen Knien läge. Wie Zachäus rufe ich demnach: siehe " Herr, so ich Jemanden übervortheilt habe, " gebe ich es ihm vierfach wieder"*)! Und somit von nun an Reinheit in mein Herz, Freudigkeit in meine Seele, Dein Segen über mich, und jedem habsüchtigen Gedanken Fluch nun und immer! Amen. *) Evangelium Luk. 19 Hauptstück, 8 Vers. 182 Um Genügsamkeit. Was Du thuft Vater, das ist wohl gethan. Gibst Du mir auch nicht Überfluß; o gib mir nur Genügsamkeit und ein schuldloses Herz, und ich bin hinlänglich begabt! Nur wer viel fordert, dem mangelt viel. Und mehr die Unnöthigkeiten als die Bedürfnisse des Lebens sind es, die uns oft das Leben schwer machen. Zwar nennt die Habsucht Denjenigen beneidenswerth, der stets das hat was er verlangt: aber wenn ich stets nur das verlange was ich haben kann, so bin ich so benetdenswerth. Und bin zugleich auch weise. Denn nicht viel besigen, sondern an dem seinigen genug besitzen, hierin besteht die wahre Wohlfahrt. Wem diese Weisheit mangelt, der darbt auch mitten im Überflusſe. Will ich nicht bloß das was Andern, sondern auch was mir gegeben worden ist, betrachten, und die manchen Freuden, die 183 Du o Herr auch auf meinem, wie auf des Ärmsten Pfade sprießen läßt, nicht eigensinnig von mir stoßen, oder bei dem Angenehmen Anderer auch das Mißliche in ihrer Lage nicht verkennen; so werde ich mit Dankbarkeit und Demuth rufen: was Du thust das ist wohl gethan. Wie Viele sehen auf mich beneidend hin! Wenn ich auf der Straße bei Jedem der mir aufstößt, mich im Stillen fragte: möchtest du Dieser oder Jener feyn und deine Umstände mit den seinigen vertauschen?" wie oft würde meine eigene Antwort mich beschämen?! Vergib mir mein Vater, und lehre mich Genügsamkeit! Gibt denn der Reichthum Zufriedenheit? Dann müßte nie ein Reicher unzufrieden seyn. Oder gibt er Edelmuth und Tugend? Das noch weniger, wenn er nicht beides nimmt. Was aber hilft zuletzt alles Gut der Erde, wenn die Seele vor Dir arm ist?- Nicht der Reichthum macht uns ja vor Deinem Angesichte reich, sondern nur die edle Anwendung desselben. Kann ich aber sagen wie ich ihn angewendet hätte, wäre er mir beschieden worden? Wohl machen wir oft in der Dürftigkeit die besten Vorfäße, aber mit den Umständen ändern sich auch meistens unsere Entschließungen. Das siehest Du vorher o Vater! Darum spreche - 184 ich zufrieden: was Du thuft das ist wohl gethan. Blicke ich fromm zu Deinem Himmel auf, so muß vollends aller Mißmuth, wenn mein Los auch das ärmste und meine Entbehrungen die größten wären, aus meiner Seele schwinden. Denn da wir o Gott, vor Deinem Angesichte nur gelten was unser Herz, nicht was unser Vermögen werth ist; kann ich nicht mein wichtigstes das. Ziel zu dem Du mich ins Leben riefft erreichen, wie ich nun im Zeitlichen daran bin? Und was will ich mehr, wenn das Ewige mein ist? - Wie schnell, und des Lebens kurzer Traum ist ausgeträumt- Groß und Klein, Arm und Reich sind gleicher Staub alles Wünschen das die Brust der Menschen hier bewegte, ist, ob errungen ob verfehlt, erloschen- und Der dem Welten jetzt zu eng sind, hat dann genug an einer Handbreit Erde! Lohnt es sich daher der Mühe, wegen flüchtiger Augenblicke die vielleicht gerade mir wer weiß wie sparsam noch beschieden sind, mich in Unruhe zu verzehren und den Antheil Glück, den Deine Güte Herr auf meine Tage streute, statt des selben dankbar froh zu werden, mir thöricht zu verkümmern? — 185 O Vater, nur Genügsamkeit! was Du thust das ist wohl gethan. Den Geist ersättiget nichts irdisches. Stets lehrt es die Erfahrung: wer viel hat, will noch mehr. Darum ist das Ergebniß aus alle dem für mich kann ich meine irdische Lage durch redliche Mittel verbessern, so mag ich's immerhin kein Gesetz verwehrt es mir. Kann ich es aber nicht; Dir Herr sey es befohlen! Der Weg des Kreuzes der Weg des Heils. Bald winkt der Engel der Vergeltung, und meine Entbehrungen sind Wonnen. Nur Dich gib daher o Vater! mir bis an das Ende meines Lebens. Wenn mir auch alles andere mangelt, bist Du und ein zufriedenes Herz mein, so habe ich dennoch alles. Amen. Um Wahrhaftigkeit. - Es spricht o Herr Dein ernstes Gebot: " Enthaltet euch der Lügen, und redet Jeder " die Wahrheit mit seinem Nächsten*); denn die *) Brief an die Epheser; 4 Hauptstück, 25 Vers. 16 186 " lügenhafte Lippe ist vor mir ein Gräuel"*). Was daher der Irrthum und der Leichtsinn mit der Benennung unbedeutend" zu beschönigen pflegt die Lüge kann vor Dir nicht unbedeutend seyn; sonst wäre sie Dir nicht ein Gräuel. - -- Wie auch, bist Du nicht selbst die ewige Wahrheit? wirst Du, was der Wahrheit Hohn spricht, lieben?... Bist Du nicht Licht und Klarheit? wirst Du die Finsterniß der List und Lüge billigen?... Nein! So wenig Du felbst lügen kannst, so wenig kann Dir das an mir gefällig seyn. Das Zartgefühl des Rechten wird dadurch in mir geschwächt; Dein heiliges Schöpferbild an meiner Seele verunstaltet; ich bin dann Dein Kind, das Kind der ewigen Wahrheit, nicht mehr. Ich bezeuge mit jeder Lüge, daß ich mich nicht achte, Dein Gesetz ver achte, und zu gleicher Zeit Dich nicht wohl aber die Menschen scheue. Wie viele Aufforderung hierin für mich zur Tugend der Wahrhaftigkeit! Und wie viele Aufforderung dazu auch in meinem eigenen Gefühle! Warum erröthe ich denn, wenn ich über Doppelzüngigkeit betroffen werde? warum zürne ich denn, wenn man mich der Lügen *) Denksprüche Salom. 12 Hauptstück, 22 Vers. 187 straft? Weist das nicht eben so unverkennbar auf das Entehrende der Sache selbst, als auf die Übereinstimmung meines eigenen Gefühls mit Deinem heiligen Gebote hin? Zeigt es nicht, daß Du den Sinn und die Achtung für die Wahrheit uns angeboren werden ließest, und daß ich folglich wenn ich sie verläugne, wie Dich so auch mich selbst verläugne? Und gefällt mir denn die Lüge an Andern? Will ich nicht lieber mit wahrhaften als mit trugvollen Menschen zu verkehren haben? Warum also bin nicht ich so, wie ich mir Andere wünsche; und erlaube mir gegen meinen Nächsten, was ich hasse wenn er es an mir thut? a ich betrüge zwar durch meine Falschheit Andere, doch stets zuerst mich selbst! Denn selten hat der Lügner einen Freund. Er verliert die Achtung und das Zutrauen seiner Mitmenschen je mehr ste seinen Fehler kennen lernen, die Anhänglichkeit und Eintracht flieht aus seiner Nähe, los lösen sich von ihm die Herzen zum Räthsel wird zuletzt sein ganzer Menschenwerth. Man glaubt ihm am Ende nicht selbst wann er Wahrheit spricht. * Nichts kann daher die Untugend des Lügens rechtfertigen. Lache der Leichtsinn immerhin, es geschehe oft nur aus Scherz: soll ich auch selbst 16 - 188 aus Scherz zum Irrthume verleiten, und meinen Nächsten zum Thoren herabwürdigen? wünschte ich Andern zum Spielzeuge ihrer Laune und ihres Muthwillens zu dienen? und gibt nicht nach und nach der Scherz im ernstlichen Lügen Fertigkeit? Auch der Vorwand einer wohlgemeinten Absicht entschuldigt dabei nicht. Denn soll ich Böses thun, um Gutes zu erringen? Das Gute kann fehlschlagen, während das Böse schon geschehen ist. Und schlüge es auch nicht fehl, so heiligt doch selbst der beste Zweck nie ein schlechtes Mittel. Sonst müßte ich auch den Räuber meines Eigenthumes loben wenn er davon Almosen geben will. Noch weniger statthaft ist die Nothlüge, da keine Noth auf Erden eine Sünde gebieten kann. Ginge mein und aller Menschen Glück durch die Noth zu Grunde, so bedeutet dieß noch unaussprechlich weniger als die geringste Verlegung Deines Willens o Gott, der Du mich und alle Menschen schufft bedeutet eben so unaussprechlich weniger, als wir selbst unendlich weniger sind denn Du. Und wer das verkennen kann, der verkennt in Dir den über alles Erhabenen, vor welchem jede andere Rücksicht schweigen soll, wie sehr er Dich auch mit dem Munde ehren mag. Überdieß wirst Du mir eher aus der Noth helfen wenn 189 ich Dir und der Wahrheit getreu bleibe, als wenn ich mir mit Hintanseßung Deines Gebotes selber Rettung suche. Hilfst Du mir aber nicht, so ist das nur ein Zeichen daß ich die Noth geduldig tragen, und demuthvoll dasjenige geschehen lassen soll was ich vielleicht nur selber verschuldet habe, und was auch hier nur zu meinem und anderer Besten dienen kann.- Am verabscheuungswürdigsten aber ist die boshafte Lüge, die durch Entstellung der Wahrheit auf die Unehre oder den Schaden Anderer ausgeht; denn indem sie mit der Falschheit zugleich den Haß verbindet, ist sie nichts als die Kunst des Teufels im Paradiese. Darum fasse ich vor Deinem Angesichte Herr! den ernstlichen Vorsatz, mir von nun an die Lüge in keiner Gestalt, zu keinem Zwecke, und unter keinem Vorwande jemal zu erlauben; und in solchen Fällen, wo ich eine Sache nicht gestehen will, und mir keine Pflicht sie zu gestehen gebietet, die Wahrheit höchstens zu verschweigen, nie aber selbe zu verläugnen. Wenn ich daher auch nicht immer alles was wahr ist, sage; soll doch immer alles was ich sage, wahr seyn. 190 Erhalte mich o Vater alles Guten, bei dieser tugendhaften Gesinnung! Laß mich stets berücksichtigen, was Dir entspricht, und meiner Würde gemäß ist! Wohne auf meinen Lippen und beherrsche jedes meiner Worte bis an das Ende; damit wenn Du einst die Rechnung mit mir schließest, ich nicht vor dem Throne Deiner ewigen Wahrheit, ein an Dir und ihr meineidiger Verräther, zu Schanden werde. Amen. Um Liebe gegen Feinde. Vater der Barmherzigkeit und Vergebung! Dein H. Wille fordert, daß wir nicht nur unsere Freunde sondern auch unsere Verfolger lieben sollen. Kaum fällt irgend ein Gebot meiner Leidenschaftlichkeit so schwer wie dieſes. Doch wenn ich erwäge, daß die Beleidigungen von feindseligen Menschen eben so wie andere Prüfungen der Erde zu unserer sittlichen Ausbildung bestimmt sind, und ertragen werden sollen um dadurch unsere Selbstbeherrschung und den den Sieg Deines - 191 Gesetzes in uns über die wilden Regungen des Zornes und der Rachsucht zu beweisen, und so vor Dir jetzt verdienstlich einst aber einigen Lohnes werth zu werden; wenn ich ferner erwäge, daß uns Demüthigungen oft nothwendig sind um unsern Stolz zu beugen, und uns von dem Wahne als wären wir vollkommene Wesen abzubringen, da Feinde oft an Fehler uns erinnern welche Freunde uns verschweigen; wenn ich endlich erwäge, daß häufig die größten Zwistigkeiten nicht in der Bösartigkeit Anderer sondern nur in Mißverständnissen ihren Grund haben, und daß ich vielleicht selber an den mir widerfahrenen Unannehmlichkeiten nicht ganz ohne Schuld bin: so finde ich, daß mir die Befolgung Deines h. Gesetzes um vieles erleichtert werde. Noch mehr erleichtert wird es mir wenn ich bedenke, worin eigentlich das Gebot der Feindesliebe besteht. Nirgends forderst Du o weiser Vater Unmögliches von uns, so auch hier nicht. Du befiehlst nicht daß wir die uns zugefügten Unbilden vergessen sollen, denn das vermögen wir oft beim besten Willen nicht; wohl aber daß wir das Geschehene uns nicht selber in das Gedächtniß zurückrufen, es nicht stets mit frischen Farben ausmalen, uns so das Vergessen erschweren und unsern 192 Hang zur Rache nähren sollen: und das steht sehr wohl in unserer Macht. Du befiehlst nicht daß wir an Denjenigen, die uns durch Übelthaten zurückstoßen, mit eben den zärtlichen Empfindungen hängen sollen, wie an den Geliebten unserer Seele oder an unsern Wohlthätern; wohl aber daß wir die Übelthaten nicht mit Übelthaten vergelten, sondern wo es uns möglich ist und der Beleidiger es bedarf, großmüthig selbst mit Gutem erwiedern sollen: und das können wir sehr wohl. Nur über Gefühle ist es uns nicht möglich zu gebieten, so wenig wie über den Umlauf unsers Blutes, obwohl wir auch Gefühle durch entgegengeſetzte Vorstellungen nach und nach beschwichtigen können; aber über die Äußerungen derselben sind wir mit Deiner Gnade gänzlich Herr. Wie die Bewegungen unserer Hand, stehen auch die Bewegungen der Augen und der Zunge in unserer Willkür. Wir können es daher verhüten daß Groll und Haß in unserm Herzen sich festseßen, und in böse Blicke, Worte und Handlungen ausbrechen; wir können es verhüten dem Feinde zu fluchen, ihm Böses nachzureden, seinem Emporkommen oder sonstigen Angelegenheiten zu schaden, und können im Gegentheile in der Noth ihm Hilfe leisten und das allein ist es wozu Du uns 193 verbindest. Wenn ich es demnach unmöglich nenne den Feind auf diese Art zu lieben, so zeige ich nur meine Trägheit und wenige Geübtheit in Beherrschung meiner selbst, und offenbare nur die Gewalt meiner rohen Begierden. Ist mir denn der Haß so sehr Bedürfniß? O ich darf auch hassen; aber nur die That des Feindes wenn sie eine schlechte ist, weil Du o Gott! dadurch beleidigt wirst: doch nie den Menschen, der noch besser werden kann. Möge ich doch diesen Haß stets nähren! er ist nicht nur kein sündhafter, sondern obendrein ein sehr heilsamer; denn er sagt mir, daß ähnliche Thaten auch an mir hassenswerth seyen und ich sie folglich meiden soll.- Oder wünsche ich bloß Mißhandlungen mich zu entziehen? Ich darf auch das auf jedem gerechten Wege, darf Vertheidigung und Nothwehr üben; dieß ist sehr verschieden von Rache und Vergeltung. Denn wenn uns Dein göttlicher Sohn empfiehlt: schlägt dich Jemand auf die rechte " Wange, reiche ihm auch die linke dar"*), so will Er dadurch nicht daß wir unsere Ehre und unsere Rechte nicht verwahren sollen; sondern nur daß wir zur Erhaltung oder Herstellung des Friedens auch Opfer nicht zu schwer 11 *) Evangelium Matth. 5 Hauptstück, 39 Vers. 17 194 finden sollen, wenn sie zum Ziele führen können. Worüber also kann ich mich hiebei beschweren?... So findet meine Leidenschaft nir• gends eine Ausflucht. Mag ich Dein Gebot o Herr! wie immer betrachten; es befiehlt nur Großes, nicht Unmögliches. Was wäre aber eine Tugend, die nicht Anstrengung und Selbstüberwindung forderte? Endlich wenn ich o Gott erwäge, daß ich schon auf Erden mit allem Haß und Zorne nicht nur nichts gewinne, sondern mir mein Leben noch erschwere; wenn ich erwäge daß die Vergeltung nur Dir zusteht, der Du allein unparteiisch und gerecht ermessen kannst, in welchem Grade die Handlung eines Menschen strafbar sey; ja wenn ich erwäge, daß Du Erhabener! von mir, der so unermeßlich tief unter Dir steht, nur allzuoft beleidiget wirst, und doch Langmuth gegen mich übest und Deine Sonne über mich aufgehen läßt wie über den Gerechten, und meine Felder segneft wie die des Besten; mein Nebenmensch aber, über den ich mich beklage, ganz meines Gleichen, ja vielleicht vor Dir besser ist als ich; und wenn ich noch hiezu beherzige, daß ich durch Scho= nung gegen meine Feinde Deinem göttlichen Sohne ähnlich werde in seinem erhabensten Siegesaugenblicke, da wo Er die von keinem 195 Sterblichen in solchen Umständen je gehörten Worte sprach Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie thun!"*) so müßte ich erröthen ein Christ und Jesu Nachfolger zu heißen, wenn ich nicht jede rachgierige Gesinnung starkmüthig in mir unterdrücken wollte. Das Erdenleben ist so kurz und eng; desto größer soll der Mensch darin stehen, und sich nicht die ihm hier zum Heile vergönnte Spanne Daseyns durch kleinliche Feindseligkeiten für jetzt und einst verderben.siber - Mit aller Kraft will ich daher o Vater! in Zukunft mich bestreben, Deinem eben so gerechten als nur mein eigenes Beste bezweckenden Gebote Genüge zu leisten. Hilf mir zur redlichen Ausführung meines Entschlusses! Laß es nie geschehen, daß ich durch Mienen, Worte oder Thaten Vergeltung des mir angethanen Unrechts suche! Senke den Geist der Versöhnlichkeit in mein Herz, daß ich überall gern den ersten Schritt zur Eintracht thue und durch Gutes das Böse zu überwinden strebe! Laß mich immer lieber meiner vielfachen Vergehungen gegen Dich gedenken, als der Vergehungen Anderer gegen mich, schwache Sünder sind wie ich. die nur *) Evangelium Luk. 23 Hauptstück, 34 Vers. 17* 196 In diesem Geiste und im Sinne Jesu schließe ich mein Gebet mit dem aufrichtigen Flehen gib Denen Deinen Segen Vater, die mir fluchen! gib ihnen die Gnade sich zu bessern und von üblen Handlungen abzustehen, nicht weil sie mich sondern weil sie Dich dadurch beleidigen! gib ihnen auch zeitliches Wohlergehen, so viel sie dessen nach Deiner Weisheit zu ihrem Heile bedürfen! Und sollten sie auch in Zukunft fortfahren sich an mir unedel zu erweisen; nur mich o Vater! laß ihr Unrecht durch Erwiederung niemal theilen, damit wenigstens ich einst in der ernsten Todesstunde mit ruhigem Gewissen sagen könne " vergib mir, so wie ich vergeben habe"! Amen. Um Beachtung der Folgen unsers Thuns. wall 301 Wenn es wahr ist o Allgerechter! daß Du einst prüfen wirst und richten wirst, genau und vollständig, das Kleinste wie das Größte, die Ursachen und ihre Wirkungen- mit einer Unparteilichkeit wie Du nur, der alles sieht 197 und kennt, es kannst, wie sollte ich etwas für wichtiger halten als den möglichst oft wiederholten Hinblick auf die Folgen meines Thun und Lassens? Wie aber kann ich, wenn ich einen Gott erkenne, zweifeln daß er einst prüfen wird und richten wird! Und wie kann ich, bin ich nicht von Wahnsinn befanJa gen, einen Gott verkennen wollen! Ewiger, Du bist! Die Sonnen am Himmel und das Wunderleben selbst der unscheinbarsten Pflanze auf Erden zeigen es mit gleichem Nachdrucke und gleicher Unwidersprechlichkeit Jedem, der des Leibes Auge zu geistigem Verständnisse benüßen kann und will. Und bist Du, so richtest Du auch: denn Redlichkeit und Schlechtigkeit, schon dem schwachen und selber so oft strauchelnden Menschen nicht einerlei, können Dir, dem Heiligsten, gewiß noch minder Eines seyn. Dennoch gedenke ich so selten der Folgen meines Thuns. Und doch ist nichts hienieden ohne solche. Nicht nur das große Laster wirket Unheil, auch meine geringern mir so oft verzeihlich scheinenden Fehler üben ihren Einfluß sowohl auf mich und die Richtung meines Gemüthes, als auf meine Umgebung. Und nicht nur der Reiche und Gewaltige hat seinen Wirkungskreis; auch ich kann unter den Genoffen meines Hauses, meiner Familie und - 198 den ob Vielen oder Wenigen, mit denen ich verkehre, durch Wort und That guten oder bösen Samen streuen. Es bedarf ja nicht immer langen Wirkens; oft genügt der Funke die Rede eines Augenblicks, um in der fremden Bruft zu zünden und allmählig aus geringem Anfange die mächtige Flamme zum Guten oder Schlechten auflodern zu machen. Auch bedarf es zum Verderben Anderer nicht der bösen Absicht; Unbedachtsamkeit vertritt oft nur zu erfolgreich deren Stelle und macht uns zu fittlichen Feinden unserer Brüder. Ja selbst wenn ich nur schweige, wo mir zu reden Pflicht wäre; nur versäume, was mir zu thun obliegt; nur einmal Streitiges nicht streng nach Wahrheit und Gerechtigkeit entscheide, schwäche ich bei Denen die um mich sind und mich beobachten, den Sinn für Recht und Pflicht, und gebe ihnen Muth und Vorwand sich ihrerseits ein andermal das Gleiche zu gestatten. Und wie oft wirkt der Keim den ich so durch Thun oder Unterlassen säe, im Stillen fort, theilt sich von Einem dem Andern mit, geht aus meiner Nähe in weitere Kreise über, entwickelt sich und wuchert bis in mir unbekannte Fernen, und ich war zuletzt, auch wenn ich es nicht weiß und nicht beabsichtigte, der Veranlasser einer Masse von schlechten Gesinnungen oder Übelthaten, die lägen fie 199 aufgehäuft und mit Einem überschaubar vor mir, mich mit Schreck erfüllen würden! Überdieß wie selten läßt sich auch beim besten Willen die böse Folge bösen Thuns wieder aufheben! Übles Gerede und Beispiel findet ja leider bei Menschen meist einen empfänglicheren Grund als das entgegengesetzte gute: für die wißige Verleumdung sind sie von selbst Neugier, Entgegenkommen und Ohrenluft; für die edle That hingegen Mißtrauen und Ungläubigkeit. Hat daher ein unbedachtes Wort den Frieden einer glücklichen Ehe einmal gestört, den Argwohn gegen einen Schuldlosen aufgeregt, die Ehre eines Redlichen verdächtigt, die Versöhnung zwischen Feinden gehindert, die Verstimmung zwischen Eltern und Kind genährt 2c 20 fruchtlos ist oft das spätere Bereuen, fruchtlos das Zurücknehmen, das Böse hat gewurzelt, und die Narbe der geschlagenen Wunde bleibt bei allem Ausglättungsbemühen unvertilgbar wie der Rostfleck auf dem Stahle. Und selbst im besten Falle kann ich wenigstens die über mich vielleicht geweinten Thränen nicht mehr unvergossen, die zugefügte Kränkung nicht mehr ungefühlt und unerduldet machen; und das im Herzen Derer die ich traf, gegen mich vielleicht hervorgerufene Gefühl der Erbitterung, und die Begierde sich an — 200 mir zu rächen und mir das Böse mit Böserem zu vergelten, und jede sfittliche Verschlechterung in ihnen... auch dieß ist endlich mein Werk, das Werk eines leichtsinnigen Winkes, einer unerwogenen Äußerung. alusas Ja alles hat seine Folgen, sowohl an sich und in der Außenwelt als in der innern Welt der Gemüther, auch wenn sie mir nicht immer oder nicht sogleich sichtbar werden; hat Folgen die sich oft bis ins Unabsehbare erstrecken; und es bedarf keines ausgedehnten Wirkungskreises, um viel Übles zu stiften und viele Verantwortlichkeit auf sich zu laden. O mein Gott und Richter, wehe mir wenn Du alles das einst streng für mich in Anschlag bringst! In welch furchtbar ernster Gestalt zeigt mir diese Überlegung die Wirkungen meines Thun und Lassens! Wie schwer sinkt mir dabei das Wort auf mein Gewissen: was du säetest Mensch, das wirst du ernten! Bei Deinen ewigen Erbarmnissen flehe ich zu Dir, laß mich in Zukunft den Folgen meiner Handlungen mehr Aufmerksamkeit zuwenden, und mich öfter als bisher darauf hinsehen wie unausbleiblich es sey, durch alles was man thut und selbst nicht thut, auf Andere einzufließen ja wie bei der mannigfachen Verkettung unserer Angelegenheiten 201 und der innigen Wechselwirkung menschlicher Dinge, wo jedes Wort und jede That nur der Keim zu neuen Worten und neuen Thaten wird, eine vollkommen gleichgiltige Rede oder Handlung beinahe zu den Unmöglichkeiten gehöre. Mit scham- und reuevoll gesenktem Blicke bitte ich Dich, vergib mir das Böse das ich vielleicht schon veranlaßt habe, und laß mich den Folgen desselben wenigstens so viel ich noch vermag, kräftig und gewissenhaft entgegentreten. Mit fromm gefalteter Hand spreche ich zugleich vor Dir den festen Entschluß aus, von nun an hierin nicht mehr zu den Schuldigen gehören zu wollen. Bei jedem Gedanken und Gefühle das in mir aufsteigt, will ich in Zukunft ernstlich nach dessen Richtung forschen; jede Rede ehe ich sie ausstoße, erwägen; jedes Urtheil ehe ich es abgebe, mit den Forderungen der Wahrheit und Nächstenliebe streng vergleichen; jedes Gespräch ehe ich daran theilnehme nach seiner Rechtlichkeit oder Verächtlichkeit bemessen; bei jeder Handlung mich nicht bloß fragen: wird sie mir angenehm oder vortheilhaft seyn? sondern auch, welche Folgen wird fie haben und welche Folgen nicht nur für mich sondern auch für Andere- und welche Folgen sowohl für ihr zeitliches Glück als für ihre Seligkeit? Und alles das will ich um so 202 weniger für gering halten, je größer vielleicht wirklich der Kreis ist in welchem ich Einfluß übe, je zahlreicher somit Die denen ich Heil oder Elend geben kann; und je weiter die Folgen meines Thuns sich verzweigen können, je schwerer daher auch meine ganze einstige Verantwortlichkeit vor Dir. and almos Segne o Erbarmenvoller! diesen meinen Entschluß, stärke den frommen Willen dieses Augenblicks daß ich der gefaßten bessern Richtung nie mehr treulos werde, und wie Du zu allem Guten Helfer bist, so bitte ich Dich demuthvoll, laß auch mir Deine Vatergnade ohne welche ich nichts vermag, kräftigend zur Seite seyn, damit von nun an meine Aussaat in allen Dingen eine gute werde, und ich nicht der Todesstunde und mit ihr dem Rufe vor den Richterstuhl wo Du wägen wirst und prüfen wirst, genau und vollständig, das Kleinste wie das Größte, die Ursachen und ihre Wirkungen"- mit Zittern und durch mein Bewußtseyn schon in vorhinein verurtheilt, entgegensehen müsse. Amen. Um Beachtung in der stillen Mahnungen Gottes. 203 dail Oft o Gott läßt Du Deine stille Mahnung an mein Herz ergehen, und wenn Dich auch mein Auge nicht erblickt und mein Ohr feinen Laut vernimmt, sprichst Du dennoch durch mancherlei Ereignisse, die theils mit Andern theils mit mir vorgehen, so zu meinem Innern, daß Dich mein Geist verstehen kann. Möge ich Deine väterliche Stimme nie verkennen, nie überhören. Wenn, der auf bösen Wegen wandelt, durch Unglück plößlich gedemüthigt wird und in Jammer die gerechte Frucht seiner Thaten erntet, wenn das Gute nach vielen Kämpfen doch zuletzt den Sieg gewinnt, wenn in meiner Nähe der kaum erblühte Jüngling unvermuthet aus dem Erdenleben abgerufen wird, wenn Menschen liebloses Gericht über ihresgleichen halten: so sind das eben so viele stille Weisungen für mich, durch welche Du o ewiger 204 Warner mir zurufft: Schreite nie auf un-gerechtem Pfade, denn nur unsichern und unlautern Gewinn gibt die Sünde, aber lange und bittere Vergeltung ist ihr so gewiß als ich kein Gott des Lasters bin!- Harre aus auf dem Wege des Guten und Gemeinnützigen wenn auch unter Mißkennung und Bedrängniß, denn kann ich nicht auch dir zur rechten Zeit Gelingen geben? und winkt dir nicht durch mich ein Lohn, befriedigender als ihn dir Menschenohnmacht und Menschenwandelbarkeit bieten kann? Verschmähe nicht die Mahnung der Todtenglocke, halte Ordnung in deinen Erdenangelegenheiten und sey stets bereit zur Rechenschaft, denn bist du gesicherter gegen meinen Todesboten als Jeder der schon abgerufen ist? Noch stellte ich dir keine Anwartschaft auf eine bestimmte Anzahl Jahre aus.- Hüte dich so viel an dir liegt bösen Zungen Stoff zu geben, und bist du empört über das Treiben der Klatschsucht, die sich den Schein des Gerechten anverleumden oder die eigene Nichtigkeit durch Scheltung fremder Blößen überdecken will, so fühle solchen Treibens Verächtlichkeit und sey nie daran Theilnehmer; spricht aber die böse Zunge manchmal Wahres, obwohl sie auch das nie thun sondern im Gefühle ihrer Unvollkommenheit demüthig an die eigene Brust 205 schlagen sollte, so sehe schon hierin den Anfang jenes Gerichtes das gegen Echlechtthun keine Schonung hat." past til Durch diese und ähnliche Anlässe, deren jeder Tag die seinen bringt, sprichst Tu o Herr in fremden Begegnissen zu mir. Möge ich Deine väterliche Stimme nie verkennen, nie überhören. que Aber auch durch das, was ich in oder an mir selbst erlebe, willst Du mich unterrichten. Wenn mich unverschuldetes Mißlingen trifft und meine schönsten Erwartungen zertrümmert werden, so ist es Deine Stimme die mir hierin sagt: wer in Erdendingen auf Bestand rechnet, ist dem Thoren gleich der im Wasser Furchen ziehen will; sey gefaßt auf Unstetigkeiten aller Art, und sie werden deinen Geist nie zu sehr erschüttern. Wenn ich von übermäßigen Sorgen nicht gedrückt in Gesundheit und Zufriedenheit Dich für manchen stillvergnügten Tag zu preisen habe, so bist Du es der mir dadurch zuruft: erkenne hierin die Milde des Erbarmers, die um den Sterblichen zur Erleichterung seiner Erdenmühen oft schon auf seiner ersten Lebensstufe, wo er doch erst werden, streben und Segnungen verdienen soll, durch ihre Gnaden ein stilles Edensbild herbreitet; und ahne daraus, was sie dem einst Gewor 206 denen im Vaterhause aufbewahre. Wenn mir in bangen Sorgen oder in unvermutheter Gefahr plötzlich Rettung wird, ermahnt mich hierin Deine Stimme: werde fest im Glauben, und benüße die gute Erfahrung zur Stärfung deines Geistes für die trübe, damit du dann nicht dem windbewegten Rohre gleid im Gottvertrauen schwankest. Wenn mich Krankheit heimsucht und Leiden meinen ruhigen Gang durchs Leben unterbrechen, tröstet mich hinwieder Deine Stimme: verzage nicht! der Sturm muß oft Kräfte wecken, Kräfte reifen, die ohne ihn ungekannt und unaufgerüttelt müßig lagen; und der schmerzvolle Weg führt oft kürzer und sicherer zum Freudenziele, als der versuchungsvolle des ungestörten Wohlseyns. Wenn ich manchen Redlichen um mich preisen höre, der statt ängstlich seine Geldsummen zu bewahren und überall keinen Sinn als für sein Ich zu zeigen, vielmehr für frommes Wohlthun eine offene Hand hat, das Seine zu allem Nüßlichen gern beiträgt, bei allgemeinen Aufrufen nicht als bei Dingen die ihm keine Zinsen tragen taub bleibt, und jedem edlen Unternehmen sich nach Kräften anschließt, so sagt mir Deine Stimme: gehe hin und thue deßgleichen. Wenn mancher Weise bei Menschen unter der Hülle von Glanz und feinen Gewändern 207 den Menschen sucht, und wo ihm dieser im Gotteslichte des Biedersinns und Nüßlichseyns wenn auch aus abgenüßtem Kleide entgegenblickt, freudig Achtung zollt, wo aber auf ihn wenn auch aus goldenem Rahmen moralische Werthlosigkeit niedersieht, sich keinen Bückling abgewinnen kann, so sagt mir Deine Stimme: wundere dich deß nicht; freue dich vielmehr daß wieder einer deiner Brüder das Wesen nicht den Schein sucht, und will es dich bedünken als zolle man dir selbst zu wenig Anerkennung, frage dich was mehr dein Streben sey: bloß äußere Scheinesnichtigkeit oder innere Achtbarkeit und Tüchtigkeit. Wenn ich im h. Tempel der Natur, umgeben von Deinen Wundern Gott! Deine Herrlichkeit erkenne, und mein Geist hingerissen von der Weisheit in Deinen Werken sich zur innigen Anbetung gehoben fühlt, o so bist es Du mein Vater der mir fagt: that ich für das was fühllos ist so viel, soll ich weniger thun für mein vernunftbegabtes Ebenbild? drum harre still und wandle redlich und vertraue in allen Dingen meiner Leitung. Und so ist es Deine Stimme Herr! wenn mich ein treuer Freund zum Guten mahnt, ein bekümmerter Vater vor Abwegen warnt, ein edles Wort auf rechter Bahn erhält, ein 208 theilnehmendes Gemüth in kummervoller Stunde aufrichtet, ein Feind mir meine Fehler zeigt, ein beschämender Vorwurf mich von Krumm wegen zurückschreckt, ein gutes Buch zu mehr als bloßem Sinnenstreben aufruft 2c. 2c. 2c.: durch Freund und Feind, durch Buch und Menschenmund hast Du o Herr! zu mir gesprochen. Ja, viele Boten an das Menschenherz hast Du, die uns oft in Zweifeln lautlos und dennoch hörbar das Rechte andeuten, bei verwerflichen Vorhaben unser Gewissen anstoßen, und darauf hinweisen, uns überhaupt aus allem was mit und um uns geschieht, die stille Lehre für das Leben" abzuziehen. Ich bitte Dich daher um Einsicht solche Mahnungen immer recht zu deuten, ohne in Aberglauben zu verfallen. Wenn sie Gutes und mit Deinen H. Gefeßen Übereinstimmendes von mir verlangen, wenn sie vor allem nicht bloß zeitliches Glück, Wohlergehen und irdischen Gewinn, sondern den Gewinn meines Geistes an edlen Gesinnungen und verdienstvollen Thaten bezwecken, dann o Gott! sind sie gewiß von Dir, und ich darf nicht besorgen in ihnen des Aberglaubens Täuschungen zu verfallen. Ich bitte Dich ferner um die Gnade diese Mahnungen nicht erfolglos an mir abgleiten zu 209 lassen, sondern in ihnen Deinem väterlichen Rufe stets ein bereitwilliges Herz entgegenzubringen; damit, wie immer einförmig oder wechselreich mein Erdenwallen sey, ich von Dir geleitet in allen Dingen den„ bessern Theil" erwähle und beim Anbruche meines Lebensabends sagen könne: ich sah, und " dachte nach, und zog aus Beiſpiel Unterricht"*) und vertraue nun, daß mich der Herr der Ernte nicht als unnüßen oder treuLosen Knecht verwerfen wird. Amen. 11 Um den Geist wahrer Frömmigkeit. Das heilige Wort der Schrift sagt uns: nahet dem Herrn und er wird euch nahen"**). Dem zufolge nähere ich mich Dir mein Herr und Gott, Dich um den Geist der wahren Frömmigkeit anzuflehen. Meine Seele sehnt *) Denksprüche Salom. 24 Hauptstück, 32 Vers. **) Brief des h. Jakob; 4 Hauptstück, 8 Vers. 18 210 sich nach der Übereinstimmung mit Deinen göttlichen Geboten, ste kann und will ohne das kindliche Vertrauen auf Dich und Deine Gnade nicht leben, will all ihr Denken und Bestreben innig in Deinen H. Willen versenken um in allem mit Dir eins zu seyn; doch bedarf sie dazu Deiner Erleuchtung und Hilfe, damit sie beim Streben nach Frömmigkeit nicht auf Irrwege gerathe, sondern überall die Wahrheit vom Scheine unterscheidend das Rechte erkenne und wähle, und es bis an das Ende mit Treue und Ausdauer befolge. Darum lehre mich vor allem mein ewiger Vater! fromm zu seyn nicht etwa bloß in Hoffnung auf irdischen Lohn, oder in der stillen Erwartung Du werdest dafür meine zeitlichen Absichten und Wünsche immer befördern. Denn ein irdisch eigennüßiges Betragen ist mit der Unterwerfung eines wahrhaft frommen Gemüthes in Deinen höheren und weisern Gotteswillen nicht vereinbar. Sondern aus Liebe und Dankbarkeit gegen Dich, aus Streben nach meiner geistigen Vervollkommnung, aus Überzeugung von Deiner unendlichen Erhabenheit und Deinen vielfachen Erbarmnissen gegen uns laß mich Dir meine Seele weihen. 211 Stärke mich ferner, daß ich die Frömmigfeit nicht bloß in einer finstern Miene und mürrischen Außenseite suche nicht darin, daß ich mir und besonders Andern die von mir abhängen, jede schuldlose Erholung versage; oder daß ich von Jedermann verlange, um fromm zu seyn müsse er mein Benehmen nachahmen, Jene aber die dieß nicht thun und auf andern Wegen nach Vollkommenheit streben, unbedingt für unfromm oder lasterhaft erkläre. Denn Keiner von uns soll ja seinen Nebenmenschen verdammen, da wir allzumal nicht ohne Sünden sind; und kein Sterblicher soll sich für ein allgemeines Musterbild halten. Wir haben eines, Deinen Sohn und unsern Heiland Jesus Christus, und wenn wir den Göttlichen eben sowohl bei Gastmahlen und Hochzeiten als in Deinen Tempeln treffen, so sehen wir daß ein frommes und ein frohes Gemüth sehr wohl zusammen bestehen können, und Fröhlichkeit nicht immer in Sünde ausarten müsse. Auch sagt ja Dein heiliges Wort daß Du einen freudigen Geber liebest*), und ist es überhaupt nicht die Außenseite die das Wesen einer Sache ausmacht, sondern überall das Herz, worauf Du siehst, und welches auch in der Freude ein Dir geheiligtes bleiben kann und bleiben soll.. - *) 2 Brief an die Korinther; 9 Hauptstück, 7 Vers. 18 212 Stärke mich dann mein Himmelsvater! daß auch wenn ich nach einem wahrhaft frommen Gemüthe strebe und es mir unter allen Verhältnissen zu erhalten suche, ich darin nicht etwa mir im Stillen wohlgefalle; oder gar vor Menschen fromme Geberden und Worte ausbreite, um ihre Aufmerksamkeit auf mich zu lenken oder ihren Beifall zu gewinnen, und so mich zu geistlichem Stolze, der gefährlichsten Klippe für die Frömmigkeit, verleiten lasſe. Denn nur durch Deine Gnade ist der Mensch, wenn er auch wirklich etwas ist, und Du entziehst sie dem Hochmüthigen. Und nicht für fromm gehalten zu werden sondern es zu seyn, daß will der wirklich Fromme und daran ge nügt ihm auch. Die echte Gottseligkeit prunkt nicht mit Verdiensten, weder vor Andern noch in thörichter Eitelkeit vor sich selbst; sie gleicht dem farbengeschmückten Himmelsbogen, er ist schön und weiß es nicht. Sie bedarf des äußern Zuthuns nicht um als Frömmigkeit zu erscheinen, ja sie will gar nicht " erscheinen"- ihr genügt Dein Blick o Gott! und die Billigung des Richters in der eigenen Brust, der ohnedieß bei unparteiischer und aufmerksamer Selbsterforschung die Verdienste oft nur eingebildet und daneben häufig noch mehr Flecken als Tugendschimmer findet. 213 Möge dieser strenge Richter mich mein Gott! bewahren, daß ich nicht wie der selbstgefällige Pharisäer ungesegnet aus Deinen Tempeln in mein Haus hinabgehe.*) den asinis Endlich stärke mich o Herr! daß ich die wahre Frömmigkeit nie bloß in Andachtsübungen und Gebete seßze. Zwar ist das fromme Ausblicken zu Dir uns in allen Lebenslagen unentbehrlich, um unser Wollen und Thun stets in rechtem Gleise zu erhalten und uns überall zu einem frommen Handeln zu begeistern; aber eben darum ist es nur ein Mittel, wodurch wir dem wichtigeren Ziele eines überall und in allen Dingen von Dir erfüllten Lebens zugeführt werden sollen, denn im Christenthu" me gilt nur der Glaube, der thätig ist " durch Liebe"). Wer daher aus Andacht zu arbeiten vergißt oder den Forderungen seines Berufs nur saumselig und halb genügt, der macht die Andacht zu einem Ruhekissen der Pflichtvergessenheit und Trägheit, und der Träge welcher betet, spottet. Oder wer Dich o Gott! verehrt, Deine Kinder aber- die Menschen theilnahmlos betrachtet und behandelt und in ihrer Noth für sie kein Herz - *) Evangelium Luk. 18 Hauptstück, 11-14 Vers. **) Brief an die Galater: 5 Hauptstück, 6 Vers. 214 hat, der bringt auf Deinen Altären stets mur Worte dar wo er durch gute Werke beten follte, und kann vor Deinen Augen unmöglich Gefallen finden, denn wie der Leib ohne Geist " todt ist, so ist auch der Glaube ohne Werke " todt"*). Wer wohl gar im Tempel mit Inbrunst die Hände faltet, aber außer demselben sich ungescheut Lüge und Betrug, Hochmuth und schonungslose Urtheile, Ungerechtigkeit und Bedrückungen des Geringern, Veruntreuungen und Wucherei 2c. 2c. 2c. erlaubt, und so durch Andachtsübungen seine Verbrechen gegen die Menschheit zu vergüten glaubt, der zeigt nur daß man ein fleißiger Kirchengeher und doch ein verworfener Mensch seyn kann, und ihm gilt was Dein, göttliches Wort besagt:" eure Sabbathe sind mir verhaßt und euer Opferwerk ist mir ein Gräuel, denn ihr ehret mich nur mit dem Munde, doch euer Herz ist fern von " mir."**) 11 Vor allen diesen Feinden wahrer Frömmigkeit, die uns durch den Schein derselben um ihr Wesen betrügen, bewahre mich daher nun und immer mein Vater und Erbarmer! Dein eigenes H. Wort verwirft sie als Abwege *) Brief des h. Jakob; 2 Hauptstück, 26 Vers. 米米 **) Isaias; 29 Hauptstück, 13 Vers. Evangelium Matth. 15 Hauptstück, 8 Vers. 215 und Verirrungen erhalte mich rein davon in meinem Bestreben Dir mein Herz ganz und vollkommen zu heiligen. Läutere meinen Verstand und erleuchte mich überall zu Dem, was vor Deinen Augen wahrhaft fromm und wesentlich fromm ist. Laß sich meine Seele nie wegen irdischen Gewinnes sondern immer aus Rücksicht für mein geistiges Wohl zu Dir erheben. Laß mich durch Reife und Er fahrung duldsam gegen Andere werden und im Sinne wahrer Frömmigkeit Strenge gegen mich, gegen meinen Nächsten Milde üben. Erhalte in mir den Gedanken stets in voller Lebendigkeit, daß wir ohne Dich nichts sind und nichts vermögen, und Du von Demjenigen dem Du mehr gegeben haft, auch mehr fordern werdest; damit ich der Frömmigkeit auch die Demuth zugeselle und vor geistiger Überhebung meiner selbst bewahret bleibe. Vor allem aber stärke mich, daß ich das Göttliche nie bloß auf fromme Gefühle und Worte beschränke: denn wahre Frömmigkeit ist Redlichkeit des Lebens, Redlichkeit zu jeder Stunde, an jedem Orte und in jeder Angelegenheit; Redlichkeit der Gesinnung die fie vorwurfsfrei, des Wortes das sie wohlwollend, der Handlungen die sie gerecht und menschenfreundlich macht. Nicht der Mund - 216 sondern das Leben ist ihr Maßstab und ihr Probestein. Nach diesem Maßstabe laß mich denn mein Gott! den Werth meines Strebens nach wahrhaft frommem Sinne stets bemessen; damit Du nicht einst, ein strengerer Beurtheiler meines Verdienstes und Unverdienstes als ich, trotz des Guten das meine blinde Selbstliebe vielleicht von sich halten möchte, zu mir sagen mögest: ich habe dich ge" wogen und zu leicht befunden"*). Amen. - Um Kraft gegen die Leidenschaft des Zorns. " Jedermann sey schnell zum Hören, und lang" sam zum Reden und zum Zürnen; denn der " Zorn des Menschen wirkt nichts was Gott " gefallen könnte."**) Diese Mahnung Deines h. Apostels erinnert mich mein himmlischer Vater! an eine meiner größten Schwächen, gegen welche ich Dich demüthig um Deinen göttlichen Beistand bitte. Daniel; 5 Hauptstück, 27 Vers. **) Brief des h. Jakob; 1 Hauptstück, 19, 20 Vers. 217 Ich erkenne meine Reizbarkeit und meine Geneigtheit zu zornigem Auflodern. Um so mehr muß mir die Nothwendigkeit einleuchten dem Bösen immer gleich im Anfange zu widerstreben, folglich die ersten Negungen zu heftigen Ausbrüchen zu unterdrücken. Obgleich sie uns oft unvermuthet überraschen, sind doch sie stets in unserer Gewalt. Leichter wird ja der Funke als die Flamme gelöscht. Laß mich daher o Gott! es nie versäumen der Leidenschaft, sobald sie ihr Aufwallen ankündigt, ohne Zaudern nach Kräften entgegenzuwirken; damit sie nicht durch meine Nachgiebigkeit wachse, mir die Herrschaft über mich selbst entreiße, und mich endlich zu Worten oder Handlungen verleite die Dir nicht gefallen können.“ 11 Zwar ist nichts häufiger bei Zornmüthigen als die Entschuldigung der Zorn liege schon in ihrer Natur; und sie seyen nicht Schuld an der Heftigkeit ihres Wesens, da ihnen diese angeboren sey." Aber so wahr dieß auch seyn mag, so wenig liegt darin Entſchuldigung. Denn jeder Mensch hat in seinem Wesen irgend einen Feind seiner Seligkeit; hat ihn aber um ihn zu bekämpfen, nicht um ihn toben zu lasſen. So ist der Eine mehr zur Trägheit, der Andere zum Geize, der Dritte zur Verleumdung, ein Anderer zu anderm 19 218 Unrechte geneigt: doch Jedem soll sein Fehler sein Weg zur Seligkeit werden dadurch, daß er ihn fortwährend bekämpfend sich Verdienste sammelt für die Ewigkeit. So wie Du o gerechter Gott! nicht strafen kannst wo keine Sünde ist; so wirst Du einst nicht lohnen wo keine Tugend ist: und wahre Tugend liegt nur im Kampfe mit dem Laster. Wäre das bloße Haben eines Fehlers auch die Ent schuldigung dafür, so gäbe es auf Erden nichts Schlechtes und nichts Strafbares. Nur für das Thier liegt in seinem Wesen eine Entschuldigung; denn es hat nichts, wodurch es seine Leidenschaften zügeln könnte. Es muß gleichsam dahin, wohin die blinde Wuth es reißt. Wozu aber hast Du mir o Gott! Vernunft und religiöse Erkenntniß geschenkt, wenn ich mit diesen hohen Gaben nicht besser seyn will als die Geschöpfe, die auf Vieren vor mir gehen?! Schmach über mich, kann ich dadurch den Ausbruch meiner Empfindungen nicht hindern! Wie sehr verdiene ich dann das Elend, das der Zorn schon hienieden in seinem Gefolge hat! Und wie mannigfach ist dieß! Nicht nur zerrüttet diese Leidenschaft nach und nach den Körper und„ kürzt so des Lebens Tage"*); *) Buch Ecclesiasticus; 39 Hauptstück, 26 Vers. 219 sondern sie zerrüttet auch, und mehr, die Seele. Denn immer sieht der Zorn alles von der schwärzesten Seite; die Überlegung, das klare Bewußtseyn seiner, die Gerechtigkeit verlassen ihn; in seiner Hitze erscheint ihm gewöhnlich alles recht, was seiner Leidenschaft recht ist. Darum übt er oft so vieles Unrecht gegen Andere, das hinterdrein mit aller Reue kaum mehr gut zu machen ist. Darum wird er oft zu den schwersten Verbrechen, zu Verlegungen der heiligsten Naturbande, ja zu Mord und Todtschlag hingerissen. Auch ich kann dazu hingerissen werden! Denn Niemand kann vorherbestimmen wie weit er gehen werde, hat er sich der Wuth einmal überlassen. Und bald ist gethan, was lange schmerzen kann. Ja vollbringt der Zorn auch nicht immer dieses äußerste, so frevelt er doch immer gegen die Gesundheit Jener, die er in seiner Leidenschaft durch Worte oder That mißhandelt, und kann an ihrem Leben zum allmähligen Mörder werden ohne einen Tropfen Blutes vergossen zu haben. Darum wird er zuletzt den Menschen eben so lästig und verhaßt, wie vor Dir o Gott! mißfällig und strafwürdig. Laß mich daher alles dieß erwägen und darin eine Arznei gegen meine Krankheit finden; 19* - 220 damit ich zu Dir, dem Vater nicht des Zornes sondern der Liebe, als Kind aufschauen dürfe! Vergib mir was ich bisher durch meine Leidenschaft gesündigt habe, hilf mir davon gut machen was sich noch gut machen läßt, und erhöhe in Zukunft meinen Eifer zur Unterjochung des Feindes den ich in mir trage. Ich selbst erkenne es daß es vermessen wäre, wenn sich der Schiffer in der Heftigkeit des Sturmes ohne Noth auf das offene Meer hinauswagte. Laß mich daher nie mehr in dem Augenblicke, wo es in meinem Innern wogt und schäumt, sondern erst wenn Ordnung und Ruhe in meine Brust zurückgekehrt ist und die Gerechtigkeit in mir wieder eine Stimme hat, das Nöthige sagen und verfügen. Erhalte mich zwar bei dem Bestreben die Fehler Anderer nicht gleichgiltig zu dulden, wo Entgegenwirken meine Pflicht ist; aber gib mir stets dabei so viele Besonnenheit, daß ich nicht durch Ausbrüche der Wuth statt Andere, mich selbst bestrafe. Am wenigsten laß mich durch Schmähreden und Lästerungen Denjenigen gleich werden, die durch ausgesuchte Fluchworte sich gefürchtet machen wollen, im Grunde aber nur verächtlich machen. Und sollte der Sturm je in mir zu mächtig werden und mich zu überwältigen drohen; laß mich in 221 der Flucht Rettung vor der Sünde suchen, und im Stillen wieder in das Gleichgewicht zu kommen streben. In diesem Kampfe ist Flucht keine Schande sondern Ruhm, da auch sie oft Überwindung genug kostet. Erinnere mich endlich oft an meine eigenen vielen Jrrthümer und Unvollkommenheiten, damit ich meine Seele in der Demuth übe; denn verletzter Stolz ist die gewöhnlichste Ursache des Aufbrausens, und nur der Eingebildete sieht überall Beleidigungen. So Vater! stärke mich in dem Streite mit mir selbst; damit, wenn ich auch mit Deinem Diener rufen muß ein fortwährender " Kampf ist mein Leben auf Erden!"*) ich ihn doch mit Deiner Gnade standhaft kämpfe, und am Ende den Lohn des Ausdauerns mir erwerbe. Amen. *) Buch Job; 7 Hauptstück, 1 Vers. 222 Um Kraft gegen den Leichtsinn. Unter die mancherlei Schwächen, deren ich vor Dir Allwissender! mich in Demuth schuldig bekennen muß, gehört auch der Leichtsinn, der mich so oft hinreißt rasch zu wollen und zu handeln, und hinterdrein so oft in Verlegenheiten stürzt und den scharfen Urtheilen und oft noch schärferen Zurechtweisungen Anderer bloßstellt. Wobei ich nicht einmal über Unrecht klagen kann. Denn ja o mein Gott! ich fühle in nüchternen Augenblicken selber das ganze Häßliche und Sträfliche meines Fehlers, fühle daß er eben so sehr meinen Verstand entwürdigt als meinem Herzen und Gewissen verderblich ist. Denn der Leichtsinnige, indem er alles Nachdenken und alle Überlegung scheut, handelt eben deßwegen nie nach reif erwogenen und festbestimmten Grundsäßen, sondern ist flatterhaft in Gesinnung und Empfindung, 223 ungleich in Wort und That, und eben so oft in Widerspruch mit sich selbst als mit seinen Pflichten. Er grämt sich heute, freut sich morgen, ohne da und dort oft recht zu wissen, worüber und warum. Er lobt hier und tadelt dort aus bloßem Einfall des Augenblicks. Was ihm in einer Stunde wichtig ist, wirft er in der andern weg; und den er gestern mit Wohlwollen überschüttete, verlacht er heute. Überall nur über die Oberfläche der Dinge weggleitend wird er von jeder Sache ergriffen und verweilt bei keiner. Der erste Anblick bestimmt sein immer fertiges Urtheil. Von einem Worte schließt er auf den ganzen Lebenslauf eines Menschen. Im Fluge einer Minute spricht er über Werke ab, denen durch halbe Jahrhunderte die besten Kräfte gewidmet waren. In seinem Betragen ist nichts Stetes, nichts Folgerichtiges, nichts Achtbares- seine Freundschaft ist eben so sein unsicher als seine Feindschaft grundlos ganzes Wesen unreifer Wankelmuth des Kindes" darum die Vernunft sein bitterster Feind, und er der ärgste Spott auf den Namen Mensch." bhat artmplek Dieß ist von einer Seite das Wesen des Leichtsinnigen; wie sollte es den menschlichen Verstand nicht tief herabwürdigen!- Dennoch ist andererseits sein Fehler für Herz - 224 und Frömmigkeit noch weit gefährlicher. Denn wie über Nichtswürdiges spottet der Leichtsinn auch oft genug über das Heiligste des Menschen, über Tugend und Religion. Er zerreißt mit derselben Fühllosigkeit den guten Ruf sei nes Nebenmenschen, wie er ein Kleid hinwirst das ihm zu gefallen aufgehört hat. Weisheit und Gewissen sind ihm abgeschmackte Dinge, und über das Wort" Sünde" fordert es sein " guter Ton" zu lächeln. Kleinere Leiden scherzt er hinweg, größere erdrücken ihn und reißen ihn da oft in den Abgrund der Verzweiflung, wo die besonnene Gottergebenheit bestanden wäre. Undank gegen Wohlthäter, Vergessen des von ihnen empfangenen Guten, Ungehorsam gegen Jene denen er Achtung und Verehrung schuldig wäre, ungemessener Haß gegen Vorgesetzte die sein Benehmen tadeln müssen, leichtfertiges Spiel mit der Gefahr, Verachtung göttlicher und menschlicher Gesetze, und dadurch zuletzt nicht selten Umsturz seines ganzen Lebensglückes und obendrein die Aussicht in eine schreckenvolle Ewigkeit das sind die Folgen, zu welchen dieser Fehler, wenn ihn keine Bande zügeln, führen kann.... Wie sollte er daher nicht dem Gewissen und der Seligkeit noch weit verderblicher seyn, als er der Vernunft zur Schmach gereicht! 225 Dennoch, obwohl ich mit Schaudern erkenne daß mehr als ein Zug dieses Bildes auf mich Anwendung findet, und ich schon mehr als einmal Vorsätze zum Besseren gefaßt habe, ist meine Schwäche sehr oft stärker als ich. Vielleicht weil meine Vorsätze eben nur so flüchtig waren wie mein ganzes Wesen, und nicht ernster gemeint als jedes andere Spiel des Augenblicks. O sey Du daher mein Gott und Vater! in mir Kräftiger des schwachen Willens und Helfer zum endlichen Vollbringen. Führe Du mich zur Besonnenheit und Festigkeit in Gesinnungen und Handlungen. Gib mir zu diesem Zwecke so viel Kraft, daß ich mich wenigstens dahin bringe, manchmal willig eine Stunde dem stillen Nachdenken über einen Fehler zu widmen, welcher des vernünftigen Menschen so durch und durch unwürdig ist, und mir als Gewinn nur Unzufriedenheit mit mir selbst gibt. Laß mir dann in solchen Stunden die abschreckende Gewißheit in ihrer vollen Bedeutung und Schwere vorschweben, daß oft Ein leichtsinniger Schritt ein halbes Leben bitter machen und überdieß das längere Leben der Ewigkeit gefährden kann, und mich hiedurch bestimmt werden meine böse Eigenheit von nun an strenger zu bekämpfen, der Unbesonnenheit und Raschheit meines We 226 sens die nöthige Fessel anzulegen, nicht mehr wie ein vernunftloser Thor vor Menschen dazustehen, und wie in einer Art blinden Taumels, ohne Rücksicht auf Gegenwart und Zukunft, in den Tag hineinlebend meine Menschenwürde zu verläugnen. Lasse es mich fühlen, aft fühlen o mein Gott! wie edel und beglückend es sey, wenn der Feste und überall mit Umsicht Redliche auch überall Achtung und Vertrauen findet, und wie dagegen niederschlagend wenn meinem Leichtsinne- mit Recht Niemand trauen mag. Lasse noch lebhafter es mich fühlen, wie der Leichtsinn selber auf sich nicht bauen kann, und bei seinen Träumen für sein eigenes Glück Niemanden mehr zu fürchten hat als eben sich. Damit ich hiedurch aufgeschreckt und ermuntert in meine Lebensweise endlich mit Kraft den nöthigen Umschwung bringe, und wie meine Flatterhaftigkeit Dir bisher mißfallen mußte und mir schon manchen Unsegen brachte, so künftig es mein angestrengtestes Bestreben sey, durch ein meiner würdigeres Betragen Dein Wohlgefallen und besserer Menschen Beifall zu verdienen. Deine allvermögende Gnade o mein himmlischer Vater! möge mich barmherzig unterstüßen daß der Wille endlich zum Werke werde; möge mich auf der Bahn der Besserung 227 vor Rückfällen bewahren, und wenn ich dennoch zu solchen hingerissen werde, mich nur nie den Muth verlieren lassen den Kampf immer wieder zu beginnen, und mit Geduld und Ausdauer an der schwierigsten aber schönsten und lohnendsten Aufgabe des Menschen hienieden, meiner Selbstveredlung, zu arbeiten. So wird mir, durch Deine göttliche Kraft gehoben und gestärkt, das segenvolle Be streben zuletzt gelingen, und ich nebst der stillen aber innigen Befriedigung die jeder besiegte Fehler schon an sich gewährt, nach Dir mein Gott! mir selbst in Zeit und Ewigkeit endlosen Dank dafür wissen. Amen. Um Kraft gegen den Reiz des bösen Beispiels. Gott, der Du mir Dein heiliges Gesetz und meine Vernunft dazu gegeben hast, um mich durch beide in meinen Handlungen selber zu bestimmen, schüße mich gegen den Reiz des bösen Beispiels der auf mich oft allzumächtig einwirkt. Laß mich nie die Entschuldigung des Schwachsinnigen vorwenden: Andere thun dieß und jenes auch, warum sollte ich mir es nicht gestatten? Denn welche Antwort könnte ich 228 Demjenigen geben der mir auf dieſe Ausflucht sagte:" Hängt denn des Gesetzes Kraft von der Befolgung desselben ab; und wenn es nicht befolgt wird, ist es auch kein Gesetz mehr und hat keine Verbindlichkeit mehr? Und der Wille Anderer oder die Übertretungen Anderer gelten dir also mehr, als der Wille Gottes der das Gesetz gegeben hat? Soll dir denn was Menschen zu thun beliebt, Vorschrift seyn, nicht was dir dein Schöpfer zu thun befiehlt? hängt etwa von Menschen deine ewige Seligfeit einst ab? werden dich Tiejenigen dort glücklich machen deren Thorheiten dir hier zur Richtschnur dienten, und nicht der Allentscheidende den du doch zu Gunsten der Menschen jetzt verläugnest? Wenn du Gott und Gewissen hintanſeßest um menschlicher Meinungen Knecht zu seyn, o so lasse doch diese Menschen dir einst auf dem Sterbebette Trost geben; sage ihnen, daß sie dich vor den Richterstuhl des Ewigen begleiten und dich gegen die Allmacht dort vertheidigen!.... Siehe demnach wie es mehr als thöricht, wie es grausam gegen dich selbst ist, dein Heil an menschliche Verkehrtheiten zu knüpfen. Wenn es eine hinlängliche Rechtfertigung wäre zu sagen Andere thun es auch, warum sollte ich es nicht", so gäbe es auf Erden kein Gesetz mehr das du — 229 zu befolgen hätteft, und kein Verbrechen das du nicht begehen dürftest; denn wo ist ein Gesetz das nicht übertreten wo ein Verbrechen das nicht begangen wird? Und warum, wenn das Beispiel zu allem berechtigt, schauderst du denn in deinem Innern vor z. B. Brand, Raub und Mord zurück? du darfst dir ja dieß alles und noch ärgeres gestatten, denn Andere thaten es ja auch? Freilich wenn du es darfst, so darf es auch der Dritte und der Vierte gegen dich, darf daher auch dich berauben, dein Haus in Flammen legen, dein Kind verführen, dich ermorden 2c. 2c. 2c., denn das Beispiel .. Findest du nun entschuldigt ja alles!.... aber dieses recht? oder wenn du sagst das seyen große gemeinschädliche Verbrechen, willst du die Grenze des Schädlichen angeben? behaupten, dein Haus in Flammen legen sey schädlicher als dein Gewissen in den Schlaf des ewigen Todes lullen? Erkennest du demnach zu welch furchtbaren Folgen jener Lieblingsspruch des Leichtsinnes und der Geistesleerheit führen müßte, wenn er statthaft wäre?" Ja o mein Gott! ich erkenne es. Erkenne, daß wenn Vernunft und Gewissen so zu mir sprechen, ich nichts darauf erwiedern kann. Dennoch stehe ich nur allzuoft in Gefahr von meiner Schwäche hingerissen zu werden, und 230 flehe eben deßwegen mit erhöhter Innigkeit zu Dir, mich gegen den Verführungsreiz des bösen Beiſpiels stark zu machen. Möge Deines Geistes Beistand es in mir bewirken daß ich nie mehr erröthen müsse, die Fähigkeit Gutes und Böses zu erkennen und zwischen beidem frei zu. wählen, von Dir vergebens empfangen zu haben! Sey Du mir o mein Gott! Helfer, daß ich in Zukunft in keiner bedeutenderen Sache mehr blindlings Andern folge, und in meinem Betragen nicht wieder vor allen Dingen frage was werden Welt und Menschen dazu sagen", mich auch nie damit beruhige daß ich Andere nicht ganz sondern nur zum Theile nachahme, wenn ich nicht vorher streng geprüft habe ob der Gegenstand meiner Nachahmung und diese selber vor Dir erlaubt sey; denn ich weiß nicht, wie schnell meine erste Nachgiebigkeit mich zu weiteren und verwerflicheren Schritten verleiten könnte. Laß überhaupt das Beispiel Anderer, auch wenn es kein sittlich schlechtes ist, nie meine außschließliche Richtschnur seyn. Auch der Weiſeste kann ja irren, der Angesehenste fündigen, und der Beste seine Schwächen haben. Nur einer kann nie irren und nie sündigen- Du o Gott! und Dein ewiges Geseß; dieses laß daher meine Leuchte durch der Erde Dunkel- 231 heiten seyn. Und brauche ich ein Beispiel, o so wende mein Auge auf das meines göttlichen Erlösers, ihm folgend folge ich Deinem Willen, und wandle einen Weg der nur zu gutem Ziele führen kann. Im vollen Vertrauen auf den Beistand Deiner in uns alles vermögenden Gnade fasse ich denn den festen Entschluß, von nun an nicht mehr ein einsichts- und willenloser Nachtreter jedweder fremden Willkür zu seyn. Mögen Andere thun was sie wollen, ich will von nun an thun was ich vor Dir soll. Mögen ihre Urtheile über mich wie immer lauten, Menschenurtheile werden nur zu oft von Unverstand und Leidenschaft geleitet- nie mehr soll ihr Loben und ihr Tadeln mir höher als Lob und Tadel von Dir gestellt seyn. Denn an jenem Tage, wo Jeder für sich und ohne fremde Stüße seine Thaten zu Gerichte bringen wird, könntest Du, war ich nur ein feiger Weltanbeter, zu mir sprechen: gehe hinweg von mir, ich habe dich nie für den meinigen erkannt! Und vor diesem einzig wahren Übel- diesem aller Unglücke unabsehlichsten und schwersten bewahre mich mein Gott und Herr! durch alle Ewigfeiten. Amen. 232 Tre Um Erhörung in stillen Wünschen. Sehnsuchtsvoll blicke ich zu Deinen Himmeln auf, Vater des Wohlthuns und der Seligfeiten und in findlicher Demuth sende ich die stillen Wünsche meines Herzens zu Dir empor. Erhöre o Erbarmenvoller! was ich vor Dir nicht erst aussprechen darf. Du hast was unser Glück vermehren kann, in Deinen Händen. Erfülle mein demüthiges Verlangen, und in dankbarer Anbetung sinke ich vor Dich, meinen himmlischen Wohlthäter hin. Zwar weiß ich daß das irdische Gut mir nicht das höhere Gut seyn soll; weiß daß ich mir vor allem des Geistes Heil erflehen soll; weiß daß oft thörichtes Begehren zu Dir aufsteigt! Doch weiß ich auch daß der Sterbliche nicht bloß Geist sondern zugleich Körper ist, und daher um beides, was des Geistes und des Körpers ist, Dich anrufen darf; weiß daß oft der Leib die Seele unterstützt, und seine Freude ihrem Streben regern Schwung 233 gibt; und daß Du nicht verdammend niedersiehst auf das was irdisch uns beglückt, wenn wir dabei in Reinheit vor Dir wandeln, und das Gewünschte uns nicht Zweck sondern nur Mittel ist, das höhere Leben in uns zu stärken; weiß endlich daß, wenn meine Bitte mit meinem ewigen Wohle im Widerspruche steht, Du mich Allgütiger nicht durch Erhörung strafen wirst. Auch weiß ich ferner daß Du von selbst mein Verlangen kennst, und von selbst gibst was Jedem Noth thut, der langen Bitte nicht bedürfend; doch weiß ich auch daß es mir dennoch ziemt zu bitten: nicht um Dich von meinen Wünschen zu unterrichten, oder Deinen heiligen Willen zu leiten; sondern um damit Deine oberste Macht und Herrlichkeit zu bekennen, und im Gefühle meiner Abhängigkeit von Dir die innige Überzeugung auszudrücken daß ich ohne Dich und den Segen Deiner Gnade ein hilf- und segenloses Nichts bin. Auch mein Erlöser ertheilet mir die Weisung bittet und ihr werdet empfangen, pochet an und man wird euch aufthun"*). 11 Ich bitte Dich daher mit Innigkeit o Vater, laß Deine Gnadenpforte sich mir *) Evangelium Matth. 7 Hauptstück, 7 Vers. 20 234 aufthun. Zu Dir, durch den ich bin, in dem die Welten athmen und die Wesen glücklich sind, strebt mein kindliches Flehen empor mit dem Entschlusse, Deiner Barmherzigkeit mich würdig zu beweisen, und die Erfüllung meines Wunsches mir nicht zur Sünde und zum Vergessen meines höhern Heiles gereichen lassen zu wollen. Sollte mir aber Deine Weisheit das Erbetene, als unersprießlich, dennoch nicht verleihen: dann bitte ich Dich mit gleicher Innigkeit um Muth und Kraft zur frommen Unterwerfung. Dann laß o Vater! meine Seele lebhaft sich erinnern, daß Du oft gerade da am meisten für uns seyest wo Du uns zuwider scheinest; und Deine Barmherzigkeit sich oft mehr in Vereitelung als in Ge währung dessen offenbare, was Du nur weil es uns schädlich wäre, nicht verleihest. Dann laß mich nicht vergessen, daß Dich haben besser sey als alles andere haben; und meinen Geist in dem Gedanken Ruhe finden, daß wenn mir Nichterhörung zur Seligkeit nothwendig ist, vor dieser Rücksicht jede andere verstummen müsse: damit ich die Zertrümmerung selbst meines liebsten Wunsches ohne Erschütterung meines Vertrauens zu Dir sehe, und mit gleicher Ergebung 235 und Zufriedenheit als hättest Du mir alles gewährt, rufe: nicht mein Wille o Vater! sondern der Deinige geschehe"*). Amen. 11m Geduld. Woher o mein Gott! die häufigen Ausbrüche der Ungeduld in mir- und die Aufwallungen der üblen Laune, durch die ich so oft mir selbst und Andern schwer werde? Besorgt um meines Geistes Heiligung rufe ich zu Dir um Rath und Beistand! Laß mich den Grund meines Übels entdecken, damit ich unter dem Drucke des Mißmuthes nicht erliege. Vielleicht bin nur ich die Quelle aus der dasselbe herfließt, und könnte es bezwingen wenn es mir ernstlich darum zu thun wäre. Schenke mir daher den Geist der aufrichtigen Selbstprüfung; damit ich einsehen möge was mir Noth thut, und meinem Gemüthe Zufriedenheit erwerbe. *) Evangelium Luk. 22 Hauptstück, 42 Vers. 20* 236 Ist es vielleicht die Nichterfüllung mancher irdischen Wünsche, die mein Herz mit Bitterkeit erfüllt? Aber dann habe ich ja weder Dich noch meine wahre Wohlfahrt bisher begriffen; dann lebt ja kein fester Glaube und kein inniges Vertrauen zu Deiner Weisheit in meinem Herzen; ich erkenne noch nicht den Zweck meines Daseyns, der über alles Irdische erhaben liegt; lasse sinnlicher Begierden voll die Lehren der heiligen Religion leer an mir vorüberschallen, und- flechte also selber mir die Geißel die mich schlägt. Sind es die Verfolgungen des sogenannten Schicksals, die mich zum Grolle aufreizen? Aber was soll das todte Wort Schicksal"? In Deinen Händen ruht ja unser Los; und wie Du verfügst so ist es ja recht verfügt?! 11 Kränkt es mich daß Menschen mich verletzen? Aber ohne Deinen Willen krümmt mir ja der Sterbliche kein Haar auf meiner Scheitel?! Und sind nicht die Kränkungen vielleicht bloß eingebildete? oder daher rührende, daß ich in der Eitelkeit auf meine irdischen * Vorzüge meine Forderungen übertreibe? Aber der irdische Vorzug verleiht ja keinen wahren Werth. Stand und Reichthum, Wohlgestalt und körperliche Geschicklichkeiten sind ja, wie alles — 237 ähnliche Vergängliche, nie etwas wirklich Großes; da man theils dabei vor Deinen Augen der Verwerflichste seyn kann, theils dieß alles Deine Gabe ist, auf welche wir um so weniger hochmuthvolle Ansprüche gründen dürfen, je mehr wir sie ohne unser Verdienst von Dir empfangen haben. Hinweg daher mit der thörichten Empfindlichkeit der Selbstliebe, und die Übellaune wird mich minder plagen! Oder betrübt es mich daß man den Werth und die Tugenden meines Geist es nicht hinlänglich anerkennt? Aber wenn ich zu meiner Zufriedenheit der Anerkennung der Menschen bedarf, und mich nicht mit Deinem Wohl-. gefallen o Gott begnügen kann, so ist ja mein Geisteswerth in Wahrheit nur ein sehr geringer! Und wenn meine Tugenden nur in Ungeduld und Klagen bestehen, und jene Sanftmuth die viel tragen und lange tragen kann, von mir fern ist; so ist ja meine Tugend eine sehr zweideutige! Wie kann ich also unzufrieden werden, wenn man an mir nicht schäßen will was ich nicht einmal habe?! Oder bin ich mißmuthig weil Kränklichfeit meinen Körper reizbar macht? Aber durchf Ungeduld verschlimmere ich ja nur noch meinen Zustand; und ermüde nur zugleich die Dienste willigkeit Derjenigen, die mir die nöthige 238 Hilfe leisten müssen. Auch beweise ich damit nicht, daß mir Dein Wille theurer sey als der meinige; und gebe nicht die Überzeugung des frommen Menschen zu erkennen, daß Du uns nur zu unserm Heile heimsuchest, und wir uns daher auch in Leiden an Selbstbeherrschung und Mäßigung gewöhnen sollen. Oder ist es Neid über das Glück Anderer, was mich unzufrieden macht? Aber dann gehöre ich ja vollends unter die Verkehrtesten auf Erden, und bin nicht zu retten, so lange ich nicht kräftig Hand an mich lege, und das eben so Unverständige als Unnüße des Neides mit Beharrlichkeit ins Auge fassend ernstlich erwäge, daß auch meine Mitmenschen Deine Kinder sind, denen ich daher das ihnen verliehene Gute nicht mißgönnen darf; und daß Du, obgleich wir bald alles was uns jetzt beneidenswerth erscheint, mit dem Grabe vertauschen werden, dennoch auch mir vielleicht mehr als Andern, wenigstens mehr als ich verdient habe, zugetheilt hast. Wehe mir, wenn ich meinen innern Menschen durch ähnliche Betrachtungen zu heilen versäume! Ich habe es dann nur mir zuzumessen, wenn ich nirgends Freude finde. Denn der Neidische so lange er ein solcher bleibt, würde selbst im Himmel keinen Himmel haben. 239 bod Oder beschwere ich mich daß mir feindselige Menschen meine Ehre rauben? Aber die wahre Ehre geben und nehmen ja nicht Menschen. Oder daß mich der Verrath umlauert, die Ungerechtigkeit drückt, der Haß bedroht, die Habsucht mir meine Erdenwohlfahrt rauben will 2c. 2c. 2c.? Aber wer mit Dir ist Vater! und auf reinen Wegen wandelt, was hat der zu fürchten? wie oft soll ich es meiner Seele wiederholen: Vertrauen auf den Ewigen! Er zählt unsere Tage; von Ihm kommt uns Wohl und Weh. Gegen seinen Willen kann eben so wenig eine Blüthe aus dem Freudenkranze unsers Lebens fallen, als eine Welt voll Feinde uns nur dem Schatten eines Übels nahe rücken. Was aber mit ſeinem Willen geschieht, das ist uns auch gut. Oder erbittert es mich daß so oft der Schlechtere mir zu befehlen hat und in seinem Übermuthe verächtlich auf mich niederblicken kann, während ich bei aller Redlichkeit mühsam durch kärgliche Verhältnisse mich winde? Aber wie kann ich mich auf meine Redlichkeit berufen und meiner tausend Schwachheiten daneben vergessen? Ja leistete ich auch wirklich manches Gute, und wäre meine Absicht dabei noch so rein; so gibt doch Deine Gnade, nicht ich, mir die Kraft und die Gelegenheit, und - - 240 selbst den Willen dazu. Mein ist nur das geringe Verdienst, das jedem Menschen bei allem seinem Guten allein übrig bleibt, daß ich Deine Gnade nicht zurückgestoßen habe. Und dennoch wollte ich auf meine Thaten als auf die meinigen blicken- Wunder glauben was ich damit Großes that dafür Lohn fordern murren wenn mir dieser nicht groß genug scheint- hiemit auch den letzten Werth meiner Thaten vernichten und bei alle dem noch Jene die mir zu befehlen haben, schlechter nennen?... O Herr, einst richtest Du uns wie wir gerichtet haben! Vergib mir Unbesonnenem, und lehre mich Bescheidenheit! Worüber also klage ich? Über die Launen der mich Umgebenden, oder das Unangenehme was ich von ihren üblen Angewöhnungen zu dulden habe?- O wer keinen Fehler ertragen kann, der gehe aus der Welt! So lange Menschen Menschen bleiben, wird auch Unvollkommenheit ihr Antheil seyn. Ja wer keinen Fehler ertragen kann, der scheide von sich selbst; denn bei seiner Ungeduld wird, und wenn er in eine Wüste zieht, er selber sich zur Last seyn. Erröthen sollte ich daß so Geringfügiges mein Gemüth verstimmen kann. Jeder Mensch ist schwach, darum sollen wir Alle - - - 241 mit einander Nachsicht haben. Hast sie doch Du o Gott mit mir; wie sollte ich nicht tausendfach dazu verpflichtet seyn? Und bin ich nicht ebenfalls Andern durch meine Fehler schwer? wie, wenn wenn man meine Unvollkommenheiten aufzählen und mir sagen wollte, wie oft ich den ersten Anlaß zu Kränkungen gegeben oder dieselben durch meine Schuld vergrößert habe; würde ich nicht häufiger mich als Andere unverträglich nennen müssen, und vielleicht Den hassenswerth finden der sich auf meine Art benähme? Entschuldige mich meine Eigenliebe immerhin- gegen seine Fehler ist ja gewöhnlich Jeder blind; doch Andere sehen schärfer. Und wenn ich sie befragen will, werde ich bald eines besseren belehret werden. Bedarf ich nicht von einer Seite Schonung, so bedarf ich sie gewiß von der andern. Wie gerecht demnach die Mahnung des Apostels ertraget " einander gegenseitig; so werdet ihr Christi " Gesetz erfüllen"*)! 11 Mein ewiger Vater! so sehe ich denn, wenn ich alles reif erwäge, daß ich zur Ungeduld nirgends ein Recht habe. Wie könnte ich auch ein Recht haben zur Sünde! Verleihe mir daher daß die Gesetze der Religion und *) Brief an die Galater; 6 Hauptstück, 2 Vers. 21 242 Vernunft, die mir zu meinem eigenen Vortheile Sanftmuth und Beherrschung meiner selbst empfehlen, in mir auch wirksam werden! Alle sind wir Sünder und ermangeln des Ruhmes, " den wir vor Dir haben sollen"*)- laß michy dieser Wahrheit oft gedenken, und ich werde nie in stürmischer Ungeduld aufbrausen. Laß mich Strenge üben gegen mich: sind Andere erst mit mir glücklich, so werde ich es mit ihnen seyn. Entferne mich vom Müßiggange und die üble Laune wird mich fliehen; wer alle Theile seines Berufes in Acht nehmen will, dem mangelt es an Zeit mißmuthigen Gedanken nachzuhängen. Befestige mich vor allem in dem Glauben an Dich und Deine Weisheit, die weil uns Ungemach zur Tugend wie der trübe Regentag zur Ernte unentbehrlich ist, nicht jedes unserer Gelüste befriedigt. So werde ich weder mir noch Andern ferner schwer seyn; und die Liebe der Menschen hier, und Dein göttliches Wohlgefallen dort mich für die Anstrengungen zur Überwindung meiner selbst belohnen. Amen. *) Brief an die Römer; 3 Hauptstück, 23 Vers. 1103001 and on sad ale ning is indoma, gn2 Am Geburtstage. 243 d " Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen"*). Zugenommen an Alter habe auch ich; um ein Jahr bin ich in meiner Lebensbahn vorwärts geschritten; bin ich auch um ein Jahr älter an Weisheit und Gnade vor Dir, o ewiger Vater? Mein Körper reiste seinem Ziele entgegen; habe ich auch der Reife meines Geistes gedacht, und mich dem Ziele seiner Vollendung genähert? Was ich auf Erden bin, weiß ich; was that ich um auch mein Schicksal jenseit der Erde zu wissen? *) Evangelium Luk. 2 Hauptstück, 52 Vers. 21* Der heutige Tag fordert mich auf zu stiller Betrachtung über meine Vergangenheit; zu inniger Dankbarkeit gegen Dich mein Schöpfer! in der Gegenwart; und zu frommen Vorsägen für die Zukunft. Ich will seiner Bedeutung 244 entsprechen, will meinen Geist sammeln im Herzlichen Gebete vor Dir, und das woran mich dieser Tag mahnt zu meinem Heile benüßen. Es ist der Tag an welchem Du mich einst in das irdische Daseyn eingeführt hast. Dank Dir vor allem o himmlischer Vater! für die Berufung zum Leben, diese so oft vergessene und doch so unaussprechlich große Wohlthat, ohne welche keine andere möglich war. Dank auch für alle Gnaden, welche Du bisher über mein Daseyn ausgegossen hast, und für den Schutz und die Sorge mit welcher Du mich bis zu diesem Augenblicke erhielteft. Oft haft Du mir die Stunden des Lebens zu Stunden der Freude gemacht; Ruhm und Preis sey Dir Erbarmer! der keines seiner Geschöpfe vergißt. Der Tag meines Eintrittes in die Welt war aber auch der Tag meiner Bestimmung zu einer glückseligen Ewigkeit, der Tag an welchem ich die Ansprüche auf Deiner Himmel unvergängliche Freuden empfing. O laß mich dieser noch höheren Gnade in allen Zeiten gedenken; laß mich ewig anbeten vor Dir im Gefühle dieser unverdienten Erbarmniß! Stärke mich zugleich, daß ich meine Ansprüche auf das Heil der Zukunft nicht durch eine 245 schlecht angewendete Gegenwart verscherze! Oft habe ich vor Dir gethan was Dir mißfällig war verzeihe unendlich Barmherziger, verzeihe! gib daß ich nie wieder Deine Liebe mit Undank vergelte!-Dir bin ich heute zum Kinde, Du allen meinen Tagen zum Vater geworden; möge ich von nun an auch in allen meinen Tagen Dich kindlich verehren und Deine Gebote mit frommem Herzen befolgen. Gib mir mein Schöpfer! Kraft und Gedeihen für das Daseyn, zu welchem Du mich heute berufen hast. Dir empfehle ich an diesem mir so feierlichen Jahrestage meines Eintretens in die Reihe vernünftiger Geschöpfe mich und alle meine irdischen Angelegenheiten, Dir empfehle ich alle Diejenigen die meinem Herzen theuer sind. Sey Du überall unser Führer und Schutz bis an das Ziel. Schenke uns nach Deiner Weisheit auch ferner die Dauer des Lebens, und laß es uns an Zufriedenheit und Liebe zu einander in keinem Verhältniſſe mangeln. M - - Da aber nicht in der Dauer sondern in der Art unsers Lebens unser einstiges Schicksal beruht, so bitte ich Dich vor allem: laß nicht nur das Zunehmen an Alter, sondern auch das Zunehmen an Weisheit und Gnade vor Dir, in Zukunft mein erstes und ernstes 246 Streben seyn! Verleihe mir Kraft zum gut Wollen und Handeln, daß ich meine irdische Bestimmung mit Redlichkeit und Eifer erfülle, in Gerechtigkeit unter meinen Mitmenschen wandle, und mit den Jahren stets auch an Tugenden wachse; damit kein Tag meines Daseyns mir ohne himmlische Aussaat entschwinde, und der letzte mir einst wirklich zum Geburtstage für eine selige Ewigkeit werde. Amen. Dank des Zufriedenen beim Jahresbeginne. Ein Jahr floß hin mein himmlischer Vater und Wohlthäter! und ich habe darin mehr der Beglückung als des Mißgeschickes, mehr Tage der Gesundheit als Krankheit, mehr heitere als bittere Stunden zu zählen. O nimm dafür meinen innigsten Dank- nimm die lautlosen aber tief anbetenden Gefühle eines bewegten Herzens für Deine Gnaden Ewiggütiger! der Du all Deiner Werke Dich erbarmeft, unserer Jahre Lauf mit Weisheit ordnest, und keines Deiner Kinder ungesegnet läsfest. 247 Drei Bitten lege ich heute am Throne Deiner Barmherzigkeit nieder.go@ tod Laß mich auch in diesem Jahre" Dein Kind" seyn, Dein Kind in der wahren und durch einen vollen Bedeutung des Wortes- Sinn ohne Verzagtheit, ohne Übermuth und ohne Ungenügsamkeit; durch ein Bestreben ohne Falschheit, ohne Neid und ohne Habsucht; durch ein Wandeln in Redlichkeit, Verträglichkeit und Gottvertrauen. Denn nur Derjene kann wahrhaft glücklich seyn in dieser Welt, der mit einem Herzen ohne Falsch, einem Munde ohne Trug und einem Wandel ohne Vorwurf die Hoffnung nähren darf, in jener selig zu werden. In Bewahre mich dann vor Wechselsucht, dem gefährlichsten Feinde menschlicher Ruhe, der auch mit einem glücklichen Zustande am Ende unzufrieden machen kann. Je mehr Du im vergangenen Jahre mir gnädig gewesen bist, desto leichter wird mir die Pflicht mit meinem Geschicke zufrieden zu seyn. Doch auch die Sorge für meinen Seelenfrieden fordert mich hiezu auf. Denn Thorheit ist es im Wünschen keine Schranken zu kennen, und alles für besser und genügender zu halten als was man eben ſelber hat; Thorheit, sich aus der Hütte nach dem Palafte zu sehnen und im Palaste 248 nach dem Frieden der Hütte. Jeder Zustand hat seine Doppelseite, Wechselsucht aber gibt nur Unzufriedenheit mit jedem Zustande. Selten wird durch sie was man will, erreicht; immer aber das Behagen an dem was man hat, vermindert. Und so liegt in der unerfüllten Sehnsucht nach dem Fremden, und in dem wenn auch noch so guten doch durch Geringschätzung unschmackhaft gewordenen Eigenen ein zweifacher Unsegen. Laß mich Dir daher für alles danken was mir Deine Güte, die am besten weiß was Jedem taugt, ertheilt; und Deine guten Gaben nie durch den Gedanken schmähen daß sie noch besser seyn könnten. Sid Endlich mein ewiger Vater! laß mich des Wohlthuns in keiner Zeit und bei keiner Gelegenheit vergessen. Der Beglückte dem ein zufriedenes Jahr zu Theil geworden, ist hiezu doppelt aufgefordert. Vielen meiner Mitmenschen ward es nicht so wohl, Viele zählen heute nur um ein Jahr des Kummers und der Entbehrung mehr, und sehen vielleicht abermal nur einem langen Zeitraume der Sorge und des Leidens entgegen; während ich gesättigt und gekleidet mich Deiner Gaben mit fummerlosem Herzen freue. Aus mancher Brust steigt heute statt des frohen Glückwunsches nur der stille Seufzer der Noth der oft unverschul- 249 deten Noth auf; und doch wohnt auch in der Brust des so oft aus dem Wege gestoßenen Armen ein warmes, fühlendes, zum Frohsinne berechtigtes und darnach sich sehnendes Herz. Ihm unter seinen vielen trüben Stunden auch die heitere zu schaffen, ist daher des Glücklicheren Beruf; er soll der Gottheit Stelle vertreten, die ihm gab damit auch er gebe. Laß mich denn mein himmlischer Wohlthäter! das Edle dieses Berufes verstehen und erfüllen, je nach meinem Maß und Können überall gern mittheilen, und dabei der H. Wahrheit nie vergessen:" gib wenn du kannst, weil du kannst, und danke hiedurch dafür daß du kannst. Nicht wegen des lohnenden Bewußtseyns, nicht wegen des Dankes der Betheilten 2c. 2c. gib, denn derlei könnte deiner Eitelkeit gefährlich seyn und dich zur stillen Selbstschmeichelei verleiten; sondern gib aus dem einfachen Grunde weil es deine Pflicht ist, Pflicht um so mehr je weniger du von dem Deinigen gibst, sondern von dem womit ein Höherer dich und dein Streben segnete."- Ja mein Gott! so laß mich denken und thun, geben laß mich einfach weil es Pflicht ist, Pflicht jedem Menschen überhaupt und dem Beglückten doppelt, und auf diese Weise für Deine vergangenen Gnaden mich dankbar und künftiger nicht unwerth seyn. dol 250 Für meine sonstigen Erdenverhältnisse mein Glück und meines Glückes Dauer zc. 2c. 2C. spreche ich vor Dir o ewig Gütiger und Gnadenvoller, kein Verlangen aus; meine Zufriedenheit und mein Vertrauen sey meine beste Bitte! Du der alles ewig denkt und lenket, Du der alles um mich wohlgemacht, 11r Dank und unter Freudenthränen dog Sey mein Herz zum Opfer Dir gebracht! Du siehst welch Bedürfen in uns wohnet, Du wählst weiser unser Heil als wir, Du hast oft das Kleinste mir gelohnet, d Rufft dadurch mit Macht: Vertraue mir!" Darum hab ich keinen Wunsch zu stammeln, Der um Glück und Erdenfreuden fleht. Du gabst... Du wirst geben... sollt' ich flehen? Herr! mein Flehen wird zum Dankgebet. Amen. Vor Geschäften. " Jede gute und vollkommene Gabe kommt von " oben"*); Erkenntniß, Rath und Stärke find von Dir mein Gott und Herr! Darum flehe *) Brief des h. Jakob; 1 Hauptstück, 17 Vers. dir 251 ich, bevor ich meine Geschäfte beginne, um Deinen väterlichen Beistand. Nichts will ich ohne Dich vornehmen. Deine Kraft ist es, die uns zum Anfange Muth verleiht; Deine Huld, die zum Fortgange Gedeihen gibt; Deine Gnade, die den Ausgang segnet.rardzo duu Schenke mir Du daher o Gott! Erkenntniß, daß ich mein Werk weise einleite; Rath vom Himmel, daß ich es einsichtsvoll fortführe; Kraft, daß ich es fruchtbringend vollende. Laß mich dann gnadenvoll mein Ziel erreichen, wenn es Deinem Willen wohlgefällig ist. Ich bin Dunkel, Du bist Licht. Nicht unbedingt flehe ich zu Dir um das Gelingen meines Strebens; sondern mit jener kindlichen Gesinnung, die Dir die höhere Einsicht zutraut und an Deine weise Liebe wahrhaft glaubt, spreche ich in Demuth bloß: erfülle meine Plane wenn es mir zum Heile ist, erfülle sie nicht wenn es mir zum Heile nicht ist. Ich werde Dir in beiden Fällen danken, denn in beiden gibst Du mir das beste. Und so wie jetzt o Vater, sey stets mit meinem Thun und Lassen. Laß mich stets den Fortgang meiner Geschäfte mit frommem Sinne Deiner Weisheit unterordnen, und ruhig erwarten welchen Ausgang ihnen Dein Wille 252 verleihen wird. Mache mir die Erfüllung meines Menschenberufes, und das Gute was durch mich geschehen kann, bei jeder Angelegenheit zum obersten Augenmerke. Bewahre mich überall vor bloßem Trachten nach Menschengunst und Erdenvortheil, und laß mich Dir und der Pflicht zu Liebe thun was ich thue. Besonders bewahre mich bei jedem Unternehmen vor Ungerechtigkeit und Bevortheilungen des Nächften denn einst wirst Du uns messen wie wir gemessen haben." Amen.d par o't -- Nach einem frohen Tage.it Wenn Noth da ist o Herr, so ruft man zu Dir; in der Freude vergißt der Leichtsinn Deiner. Er ist zur Lust sich selbst genug, glaubt sie werde immer dauern, und findet für Dich keine Zeit. Fern sey von mir solch ein verabscheuungswerther Undank. Du haft mir heute unendlich Barmherziger! einen frohen Tag gegeben. Nicht bloß wann ich Beistand und Rettung brauche, will ich niedersinkend Dein Erbarmen anflehen; 253 auch jetzt hebt sich mein Auge kindlich zu Dir empor und benedeiet Dich mit Innigkeit für Deine heutige Gnade. Mit weiser Milde läßt Du Angenehmes und Unangenehmes auf Erden wechseln, damit wir überzeugt werden daß Du Derjenige seyest, der wo es nöthig ist demüthigen, aber auch zur rechten Zeit wieder aufrichten kann. Ich preise Dich dafür; preise Dich für die Freude des heutigen Tages; preise Dich für jede Kraft womit ich mir und Andern zum Nußen oder zum Vergnügen bin, und für jedes günstige Geschick das zur Erheiterung meines irdischen Lebens beiträgt. Bleibe auch in Zukunft mit mir mein gnadenvoller Vater! und laß mich nach Deiner Weisheit an den Erquickungen des Lebens Theil haben. Laß mich dabei, wie jetzt, so auch in Zukunft nie der heiligen Pflicht der Dankbarkeit vergessen. Durch sie unterscheide ich mich vom Thiere, das obwohl von Dir geſättigt dennoch nie zu Dir emporschaut; erfülle was dem Kinde fülle was dem Kinde gegen den väterlichen Wohlthäter ziemt; erhalte zugleich durch die Erinnerung an Dich den jedesmaligen Genuß mir rein, und eines künftigen mich werth. Laß mich dabei auch Andern von Deinem Segen immer gern mittheilen und öffne mein Herz mit der Freude zugleich den edlen Gefühlen 254 des Wohlthuns, damit je mehr Du mich beglückest, ich desto williger zur Freude meiner Nebenmenschen beitrage. Dieß ist der Dank der Dir am besten gefällt. Sollte ich hierin auch nicht so viel vermögen als ich will, laß mich nur immer thun so viel ich kann. Wenn ich es gern thue, wird vor Dir das was ich konnte, für jenes was ich wollte, gelten. bje Laß mich auch, o Vater, immer mäßig genießen was mir Deine Gnade schenkt; damit ich die Freude nie mißbrauche, und was nur des Lebens Würze seyn soll, für desselben Wesen nehme. So wird bei aller Freude mein innerer Mensch nie im äußern Glücke untergehen, und mir mit den Segnungen der Zeit auch die Seligkeit der Zukunft zu Theil werden. Amen. be th Um Erleuchtung SPAD bei der Wahl eines Berufes. Wenn es etwas wichtiges für das ganze Leben und mehr noch nach dem kurzen Erdenleben für uns gibt, so ist es die Wahl 255 eines Berufes. Und wenn irgendwo o Gott! Deine Erleuchtung und Gnade dem schwachen Menschen nöthig ist, so ist es hier. O so gib mir denn was ich bedarf; sende mir was ich nicht entbehren kann, ohne in der bedeutendsten meiner Lebensangelegenheiten in Dunkel und Unsicherheit zu schweben- sende mir Deinen göttlichen Lichtstrahl von oben. Ich stehe auf dem einflußreichen Puncte der Entscheidung für meine Tage, ich soll mit eigener Hand das Los werfen über meine Erdenzukunft, und bin beim aufrichtigsten Willen eine geeignete Wahl zu treffen doch nur ein beschränktes dem Irrthume unterworfenes Wesen, das selber nicht weiß was ihm das wahrhaft Bessere sey, und nicht vorhersagen kann auf welchem Lebenspfade ihm mehr Befriedigung und Glück erwachsen werde. Laß mich daher mein himmlischer Vater! wenigstens darauf sehen worauf es auch hier vor allem ankommt, daß nämlich meine Wahl nicht meinem einstigen Selig werden hinderlich sey. Laß mich nicht nur fragen, wie gewinn- oder ehrenvoll dieser oder jener Stand für mich seyn könne, und welche Aussichten auf Versorgung und Bereicherung, auf Emporkommen und Verbindungen, auf" Wenigthun und Vielgenießen" er mir biete; sondern - 256 vor allem laß mich fragen, ob ich als redlicher und gewissenhafter Mensch darin bestehen werde können, und ob das Heil jener Zukunft, in welcher ich mit Deiner Gnade länger zu leben und zu wirken bestimmt bin, für mich dabei nicht in Gefahr komme. Zwar soll und will ich hiebei allerdings auch meine Neigungen zu Rathe ziehen, und nicht unerwogen lassen welchem Stande ich mit mehr Vorliebe zugethan bin; denn sowohl Religion als Vernunft billigen es daß wir, wo uns die Möglichkeit gegeben ist, lieber in einen Wirkungskreis treten, dessen Geschäfte wir mit Freudigkeit und Fleiß besorgen, als uns ein Joch auflegen, an welchem wir nur mit Verdros senheit und Unlust und so mit Nachtheil für unsere sittliche Vervollkommnung zögen. Aber bei alle dem laß mich o Gott! gleichwohl auch streng prüfen, ob meine Anlagen mit meinen Neigungen in Einklang stehen, und ob ich auch die Fähigkeiten besize, welche der Beruf den ich am liebsten wählen möchte fordert, denn wer bloß nach Lust wählt, wählt nur zu oft sein Unglück; ferner ob ich die damit verbundenen Pflichten kenne, da es keinen Stand gibt der nur Vortheile hätte und nicht auch Leistungen verlangte; und ob ich den Willen in mir finde diese Pflichten 257 ernstlich zu erfüllen, um nicht eine Drohne im Bienenkorbe der Menschheit zu seyn, und als ein unnüßes oder gar schädliches Mitglied der Gesellschaft, das nur einem besseren den Plaß wegnimmt, mir und Andern bloß zum Verderben zu leben. Leite mich denn o ewiges Licht! bei dieser Prüfung, bewahre mich bei meiner Wahl vor allem Irregehen, und habe ich sie nach besonnener und vollständiger Erwägung alles dessen was dabei zu berücksichtigen ist getroffen, dann mein Gott! möge Deine Vaterhand sie ſegnen, dann flehe ich innigst zu Dir, geleite mich mit Deiner Kraft und Gnade auf meiner neuen Laufbahn, sichere und stärke meine ersten Schritte auf derselben, sey meiner Unerfahrenheit ein Führer, meiner Schwachheit eine Stüße, und in zweifelhaften Fällen mein Rath und Trost; hilf mir bei den Mühen und Anstrengungen die sich auch auf meiner Laufbahn finden werden wie auf jeder, laß mich Schwierigkeiten überwinden, unter Lasten nicht verzagen, gute Erfolge nicht mißbrauchen; schütze mich gegen Leichtſsinn und Treulosigkeiten jeder Art, gegen Geringanschlagen und Halberfüllen der neu übernommenen Obliegenheiten; erhalte mir überhaupt ein Gewissen, das sich ohne Selbstvorwurf immer und überall mit 22 258 kindlichem Vertrauen zu Dir wenden dürfe, und lenke meinen Lebensgang unter emsigtreuer Wirksamkeit und Pflichterfüllung einst in den Hafen einer alles redliche Bemühen reich aufwiegenden und selig vergeltenden Ewigkeit. Amen. Bei Beschwerden im Berufe. Daß Du die Schicksale vertheilest Herr, laß es mich nicht vergessen!... Daß wir bei mancherlei Berufen Alle doch nur Einem End berufe zueilen, und auf verschiedenen Pfaden zu demselben Ziele wandern Herr, laß es mich nicht vergessen!... Daß Anderer Wege oft noch rauhere Wege seyn mögen, ob auch der Dorn mir verborgen bleibt der ihre Füße wund rigt Herr, laß es mich nicht vergessen! - - Aber sey mit mir auf jedem Wege, daß ich auf keinem mein Heil verfehle; dieß ist es allein, um was ich Dich in Demuth bitte. Stärke mich daß ich sorgsam den Beruf erfülle, der nicht ohne Dein Zulassen der meinige 259 geworden ist; und die Beschwerden desselben, deren kein Beruf ermangelt, standhaft trage. Laß mich nicht ungeduldig werden wenn meine Anstrengungen sich häufen, und nicht verdrossen wenn bei aller Emsigkeit meinen Mühen kein Erfolg zu Theil wird. Dein ist das Gedeihengeben, unser nur das Säen. Thun wir dieses redlich, so ist alles gethan was von uns gefordert wird; denn Du siehst auf das was wir wollen, nicht was wir bewirken. Und wenn sich mir in meinem Berufe Hindernisse entgegenstellen, Menschen die Erfüllung meiner Pflichten mir erschweren, Versuchungen mich zur Selbstvergessenheit und Chrlosigkeit reizen sollten; dann o Vater erhöhe meine Kraft, daß ich nicht abweiche von dem Pfade des Rechtes und der Treue, und es nie vergesse daß nur das reine Gewissen überall den freien Blick um sich und in die Ewigkeit behalte. Auch die kleinen doch stündlich wiederholten Opfer, Herr! die oft mehr sind als Ein in augenblicklicher Begeisterung vollbrachtes großes, und all die einzelnen Sorgen und Bemühungen, die jeder Tag von neuem fordert, und die der Tag doch selten vergilt und die Welt selten anerkennt, laß Dir in meinem Berufe wohlgefällig seyn. Stärke mich auch zu diesen durch 22* 260 die Erinnerung, daß nichts gering ist was den heiligen Namen Pflicht trägt; daß kleine Leistungen die nöthigsten sind, sowohl weil man ihrer am häufigsten bedarf als weil ohne sie keine größeren möglich wären; und daß Du bei allem was wir thun, nie auf des Werkes äußere Größe, sondern auf die innere Gesinnung mit der wir es vollbringen stehst; welche wenn sie eine tugendhafte ist, vor Dir auch das kleinste Werk zum großen macht. and ind Ja, zum kleinsten wie zum größten gib mir daher o Herr den Beistand Deiner göttlichen Gnade! Und wenn mein stilles Walten einst vollendet ist, und Du aus Deinem Weinberge den Müden abgerufen hast, dann o Vater gib mir den Lohn Deiner ewigen Liebe! Amen. matogios ni ni lo dn 11 m Um 89 191] nad Bordit Ausdauer in der Thätigkeit. Herr! laß mich wirken so lange es hienieden Tag für mich ist, und dem Zwecke meines Erdendaseyns würdevoll entsprechen. Gib mir 261 Willen und Luft zur Thätigkeit; damit ich nie den Müßiggang liebe. Gib mir Kraft zur Thätigkeit; damit mein Wille nicht ein fruchtloser bleibe. Gib meiner Thätigkeit ſtets die rechte Richtung; damit ich nie anderes als das Erlaubte und Nußvolle mir zum Ziele stecke. Und wenn mich je Trägheit oder Unmuth übermannen und mein Eifer erkalten wollte, wo in der Pflichtübung beharrt, das Nüßliche vollbracht, das Schwere getragen, oder Deinem H. Willen das Opfer eines gehorsamen Herzens gebracht werden soll; belebe mich wieder durch die Kraft Deines göttlichen Geistes; damit ich Dir lebe, Dir sterbe, und meine Werke mir einst vor Dein Angesicht folgen zur Seligkeit! Amen. chi edgars Suro timão mú? 11: 5 Um das zeitliche Bedürfen. Herr! wenn nicht Du das Haus begründest, arbeiten vergebens, die daran bauen.*) Und wenn uns nicht Du, was wir in der Zeit *) 126 Psalm, 1 Vers. Bloodhund, sun 262 ' bedürfen, gewähreft, zersinnen wir uns vergebens nach Mitteln uns zu helfen. Mit vollem Vertrauen bitte ich Dich daher um meines Leibes Nothdurft. Da Du uns auf Erden mancherlei Bedürfnisse nothwendig gemacht hast, so darf ich auch hoffen Du werdest mein Flehen darum gnädig hören. Es preisen Dich Millionen Deiner Geschöpfe die Du alltäglich sättigest, laß mich nicht von Deiner Milde ausgeschlossen seyn. Ich bitte Dich nicht daß Du mir zu Liebe Wunder thuest, oder mich ohne Arbeit nährest und kleidest; aber um Kraft und Gesundheit zum Wirken, um Luft an meiner Arbeit, und um gnadenvolles Gedeihenlassen und lohnende Vergeltung derselben flehe ich zu Dir. Möge es Dir gefällig seyn auch auf mich einen Strahl Deiner Barmherzigkeit zu senken, und an Deines Füllhorns reichen Gaben mich theilnehmen zu lassen. Selbst Dein göttlicher Sohn wies uns ja an, Dich um unser täglich Brot" zu bitten, und zeigte uns hiemit nicht nur die einzige Quelle an, aus der uns segenvolle Wohlfahrt strömen kann, sondern zeigte zugleich daß ein frommes und bescheidenes Flehen auch um irdische Bedürfnisse vor Dir wohlgefällig sey: denn warum lehrte er uns bitten, als weil eine demuthvolle Bitte von Dir erhöret wird. 263 Erhöre mich daher o gnadenvoller Schöpfer! beseitige meine Sorgen um das Irdische und laß mir was ich nöthig habe zukommen, damit ich vom Kummer um meine Erhaltung nicht niedergedrückt meinen Geist um so freier und fesselloser zu dem, was ewig währt, erheben und Deine nie endenden Gnadenbezeugungen in höhern Welten mir um so ungestörter sichern könne. Amen. Wenn Gefahren drohen. Aus dem 24 Psalme. Zu Dir o Herr werhebe ich meine Seele. Auf Dich " mein Gott! vertraue ich." „ Gedenke Deiner Erbarmnisse " die von Anbeginn gewesen sind, und siehe gnädig auf mich nieder." Auf Dich hoffe ich; laß mich nicht zu Schanden werden!" and Gott der Barmherzigkeit, dessen Blicke meine Sorgen sehen und meine Seufzer zählen, der sich an mir schon so oft gnadenvoll erwiesen hat; zu Dir rufe ich heute abermal 264 aus der Tiefe meiner Seele. Gefahren ziehen sich über mir zusammen; ohne Rath und Hilfe irre ich umher, und sehe der Zukunft mit Bangigkeit entgegen. Aber bei Dir ist Barmher" zigkeit, und der Erlösung viel"*). Darum erscheine ich vor Deinem Angesichte, da um Rath und Hilfe zu flehen von wo allein uns Rath und Hilfe kommen kann. Du kannst alles hinwegnehmen Herr! was mich bekümmert, in Deiner Hand liegt mein Schicksal- Du winkst, und die größte Gefahr wird zur Sicherheit, der schwerste Kummer zur Freude. Höre daher meine Stimme und laß mein Rufen zu Dir gelangen; damit ich dem mir drohenden Übel nicht zum Raube werde! Solltest Du mich aber demselben preisgeben, so laß mich Vater! dann nicht muthlos werden. Laß mich erwägen daß Du die unendliche Weisheit bist, und daß Deiner Weisheit nichts gleich komme als Deine ewige Liebe zu uns; und hiedurch mein Vertrauen gleich stark bleiben in Leid wie in Freude. Erinnere mich daß, wenn ich die Gefahr durch eigene Schuld herbeigezogen habe, ich in der gerechten Strafe dafür bloß die nöthige Genugthuung leiste, die wenn jetzt or *) 129 Psalm, 7 Vers. si 265 nicht, einst gewiß schwerer und schmerzlicher von mir gefordert werden würde; wenn sie mich aber ohne meine Schuld trifft, dieß eben so gewiß nur zur Vermehrung meines ewigen Heiles sey, und ich Dir in beiden Fällen noch Dank und Verehrung schuldig bin.- Was Du sendest Vater! ist ja immer Wohlthat wie schwer es uns auch scheinen mag, und oft selbst Wohlthat für das irdische Daseyn. Oft läßt Du uns scheinbar finken, nur um uns desto höher zu heben; und führest uns gerade aus Angst und Gefahr des Lebens schönere Freude herbei. Darum erwarte ich denn mit Zuversicht was Du mit mir geschehen lassen wirst, in der Überzeugung daß ich mir nicht nüßlicher wollen, nicht richtiger rathen, und meine Angelegenheiten nicht besser leiten werde als Du; und daß Denen die Dich lieben, alle Dinge zum Guten gedeihen müs" sen"*). tabi ato Deswegen aber Vater! will ich nicht in Unthätigkeit versinken und alles nur von Dir erwarten. Denn Du forderst nicht ein todtes Vertrauen von uns, sondern willst daß wir durch die Kräfte des Verstandes und *) Brief an die Römer; 8 Hauptstück, 28 Vers. 23 266 des Körpers, die Du uns zu diesem Zwecke gegeben haft, selbst zu unserer Rettung mitwirken und so Deiner Hilfe um so würdiger werden. Dem zufolge will ich anwenden, was mir Weisheit und Erfahrung in meiner Lage anrathen; und so viel ich kann selber dazu beitragen, mich aus meinen Bedrängnissen herauszuwinden. Kein schlechtes Mittel soll mir jedoch dabei helfen; denn noch nie war die Sünde eine Mutter des Segens. Auch meine übrigen Pflichten will ich dabei treu und eifrig, keiner Niedergeschlagenheit Raum gebend erfüllen; denn nur ein Gewissen das seinen Pflichten überall treu ist, kann auch in allen Bedrängnissen freudig Dir vertrauen. Das weitere aber was nicht in meiner Gewalt steht, stelle ich dann mit kindlicher Ergebung Deiner Leitung heim, ohne mir durch übertriebene Vorherbefürchtungen die Gegenwart unnütz zu verbittern, und das Kommende schrecklicher vorzustellen als es vielleicht durch Deine Gnade seyn wird. Recht thun, auf Dich hoffen, und selber streben dieß vereinigt sey daher sowohl in meiner gegenwärtigen, als in jeder künftigen ähnlichen Lage meine Richtschnur. Wenn alles mich verläßt, Du o Vater! wirst mich nicht verlassen. In dieser Gewißheit liegt meine - 267 Beruhigung, und mit dieser Zuversicht im gestärkten, Dir o Herr! jetzt wie immer fest zugewendeten Herzen gehe ich der Zukunft getrost entgegen. Demuthvoll werde ich Dich preisen wenn sie mir Befreiung bringt; demuthvoll Dir ergeben bleiben wenn sie mir Befreiung weigert, und meine Seele dann an dem frommen Worte aufrecht halten: Eine Himmelsgabe ist das Leben, Seine Tage stehn in Gottes Hut; Von der ew'gen Liebe dir gegeben, Mußt du ehrfurchtsvoll es zu bewahren streben, Aber nimmer sey's dein höchst es Gut. Glück und Unglück kann der Himmel wenden, Und für beides gab er dir Gefühl; Manche Freude wird dein Gott dir senden, Nimm sie treu und dankbar an aus seinen Händen, Aber nie sey ste dein letztes Ziel. Siehst du dich umrungen von Gefahren, Gläubig schau empor zu seiner Höh! Steigst du, sinkst du- Gott läßt dich nicht fahren, Wenig nimmt Er um dir Vieles zu bewahren, Nie sey Erdenweh dein größtes Weh. 23* 268 Nur ein Kampfplatz ist für uns die Erde; Heil Demjenen der zu kämpfen weiß! Scheue nicht den Streit, nicht die Beschwerde, Daß auch dir die heil'ge Himmelskrone werde; Aber kämpfe nur um diesen Preis. Ja mein Vater! fämpfen, und nur um diesen Preis kämpfen will ich redlich und gern, und in jeder Gefahr gläubig emporschauen zu Dir. Wo frommer Eifer und gute Gesinnung ist, bist Du; und wo Du bist, ist überall wie es auch komme nur Gnade und Heil! Amen Vater! Dir vertraue ich, Du wirst mir gnädig seyn zu rechter Zeit. Amen. Zur Zeit der Versuchung. Nur Mensch bin ich o Herr! ein schwaches fehlerhaftes Geschöpf, das verloren geht wenn nicht Deine Hand es aufrecht hält. 269 Der Sünde Lockungen umringen mich und bedrohen meine Seele mit Verderben. Zu Dir fliehe ich mein Gott und Vater! Rette mich von den Verstrickungen der Leidenschaft, rette mein Bewußtseyn von Befleckung; damit ich Dich auch ferner mit unentweihtem Herzen " Vater" nennen könne! Jetzt ist der Augenblick da, wo ich mit Deiner Hilfe beweisen kann was meine Tugend werth ist. Jetzt kann ich zeigen, ob Du o Gott mir mehr bist, als die Gewährungen der Zeit; Dein Gebot mir mehr, als das unwürdige Gebot der Sünde. Jetzt laß meine Religion ihren heiligsten Triumph feiern und mich den edelsten Kampf auf Erden, den mit mir selbst, standhaft kämpfen: damit ich jene Lehren nicht durch die That verläugne, die ich mit dem Munde bekenne; und das Lafter nicht höher achte als Dich, der mir das Leben- nicht zum Laster gegeben, und die Seligkeiten der Zukunft- nicht durch das Laster erreichbar verheißen hat. Stark ist des Bösen Macht, doch stärker Deine Gnade. Sey Du o Gott! jetzt und immer mein Schuß gegen alles, was mich vor Dir verwerflich machen könnte. - - Stände ich morgen am Ausgange meines Lebens, würde ich wohl heute der Versuchung 270 unterliegen? würde nicht das Andenken an Deine nahen Gerichte mich von Schlechtem zurückschrecken? Kommt aber dieses Morgen nicht gewiß und bald? und ist es nicht das selbe, ob ich heute oder in zehn Jahren mit der begangenen Sünde vor Dein Gericht hintrete? Laß Allheiliger mich auch Deiner Gerechtigkeit denken, die durch jede auch die geringste Übertretung nur zu vermehrtem Strafen herausgefordert wird. Meine Begierden verlangen zwar das Unrechtmäßige; aber in meiner Seele ruft die Stimme Deines Gesetzes, und die Sehnsucht nach der Erhaltung Deines Wohlgefallens. Kann ich zweifeln welchem Rufe ich zu folgen habe? Der Körper mit seinen Begierden vergeht, die Seele aber bleibt und eilt ihrer höheren Bestimmung zu. Wie ohne Grenzen elend wenn sie diese verfehlt! O soll das Nichtige auf Kosten des Unsterblichen sich jetzt freuen und sich auf Augenblicke wohl seyn lassen, damit der Geist durch alle Zukunft ohne Freude sey? Wozu haben wir den Segen der Vernunft, wenn sie uns nicht hilft zur Unterdrückung unrechtmäßiger Wünsche? wozu die Himmelsgabe Religion, wenn wir sie nicht brauchen in der Stunde der Gefahr?! 271 Nein, o nein mein Gott, ich will der Sünde nicht zur Beute werden! Weiche von mir Satan! für dich habe ich keinen Altar und keine Opfer. Es steht geschrieben„ Gott anbeten soll ich und Ihm allein nur " dienen"*)! — Lüge ist der Vortheil den das Verbrechen mir verheißt; neue der Ausgang zu dem es immer führt: furz was ich dadurch erwerbe; ewig was ich dadurch verschulde. Dein o ewiger Vater! will ich seyn und bleiben. Muthig überwinde ich, durch Deinen Beistand unterstüßt. Muthig fasse ich den Vorsaß, auch fernerhin nie das zu thun was Dein Gesetz und mein Bewußtseyn verdammen müssen. Deine Gnade mit Demuth von mir angefleht wird mir auch fernerhin zur Seite stehen: daß nichts nicht Trübsal noch Gefahr, " nicht Gegenwärtiges noch Zukünftiges, nicht " Leben noch Tod mich von Dir und Deiner " Liebe trenne"**). Lehre mich Allheiliger! meine schwachen Seiten immer deutlicher erkennen. Lehre mich *) Evangelium Matth. 4 Hauptstück, 10 Vers. **) Brief an die Römer; 8 Hauptstück, 35, 38, 39 Vers. 272 die Versuchung fern halten, wenn ich ihr nicht mit Unerschrockenheit in das Antlig sehen kann. Lehre mich mit Ernst meinen Pflichten leben, und durch anhaltende Beschäftigung dem Gedanken an das Böse feinen Raum gestatten. So werde ich mitten unter den Lockungen zur Habsucht, Ungerechtigkeit, Rachgier, Sinnlichkeit, Unmäßigkeit und ähnlichem meine Seele Dir erhalten, und am Ende mit dem Apostel freudig rufen können: Einen guten Kampf habe ich gekämpft; nun erwartet mich die Krone der " Gerechtigkeit, die mir der Herr am Tage seiner Ankunft reichen wird"*). Amen. 11 11 11 Zur Zeit der Krankheit. dolla Bater, zu Dir rufe ich aus der Tiefe meiner Leiden: ( 1 Noth"**)! Verlasse mich nicht in meiner Meine körperliche Kraft liegt *) 2 Brief an Timotheus; 4 Hauptstück, 7, 8 Vers. **) 26 Psalm; 9 Vers. 273 gebrochen nieder, stehe mir gnädig bei daß nicht auch meiner Seele Kraft gebrochen werde! Um mich in meiner Krankheit zu stärken, will ich in dieser Stunde meinen Blick auf Dich, auf das Leben der Zukunft, auf die Ursachen aus welchen Du uns oft durch Krankheiten heimgesucht werden. läßt, richten. Schenke meinem Geiste richtige Erkenntniß, und hiedurch meinem Herzen Beruhigung und Trost! Oft ist die Krankheit nichts als eine wohlthätige Anstrengung der Natur, schädliche Stoffe aus unserm Körper hinwegzuräumen und die gestörte Ordnung ihres Wirkens in uns wieder herzustellen. Für manchen Menschen ward eine kurze Krankheit die Veranlassung zu langer Gesundheit. Da ist sie also nur Segen, selbst für den Leib. Noch öfter ist die Krankheit Läuterung unserer Seele; und da ist sie daher noch größerer Segen, ist Wohlthat für den Geist. Der Stillstand nämlich den sie in unsere Freuden bringt, die nächtliche Einsamkeit die fie herbeiführt, das sind Deine Stunden Vater, wo Du über unser Inneres uns Licht. ertheilen willst. Ungestörter als unter dem Geräusche der gesunden Tage sollen wir da prüfen, ob wir unsere Leiden nicht selbst verschuldet 274 haben, und die Ursachen dazu künftig meidensollen uns fragen, mit welcher Freudigkeit wir jetzt die Erde verlassen würden, und einen Blick in den Zustand unsers Gewissens thun- sollen sanft und demüthig werden lernen, wenn wir in Schmerzen dahinliegend erfahren, wie wir so ganz nur von dem Mitleide und den Dienstleistungen Anderer abhängen; und den Stolz, die Eitelkeit, die gebieterische Härte die uns in gesunden Tagen so oft eigen ist ablegen- sollen endlich an unsere Vergänglichkeit erinnert werden, wenn wir bei größern Übeln fühlen wie bald es mit uns aus seyn kann. So ist der Zweck jeder Krankheit nur neue Kräftigung unsers Körpers, oder Heiligung unserer Seele. Sey denn angebetet von mir Vaterhand meines Gottes! Du schlägst mich zwar von der einen Seite, aber nur um mich zu retten von der andern; Du überläßt mich dem Schmerze, aber um mich zur Erkenntniß meiner selbst zu bringen; Du sendest mir scheinbares Übel, aber um es in wirklichen Segen für mich zu verwandeln. Sey angebetet, Liebe meines Schöpfers! Du bist mit mir in den Beschwerden der Krankheit, wie im Vollgenusse der Gesundheit. Nicht um Genesung will ich ungeduldig zu Dir rufen; nur um die Gnade der frommen Ausdauer in meiner Trübfal.- Schenke mir Muth und Kraft, für meine ewige Seligkeit alles willig zu ertragen was Du dazu für Erinnere mich daß es nothwendig hältſt. uns nicht befremden darf, wenn wir hier im Lande der Vorbereitung auch Unangenehmes erfahren müssen.- Stärke mich in der Tugend der Geduld, ohne welche jedes Leiden doppelt schwer fällt, mit welcher jedoch keines unerträglich ist. Hätte ich auch keine Geduld, ich würde dennoch leiden müssen; nur das Verdienst des Leidens würde mir verloren gehen. Bewahre mich vor Klagesucht und Eigensinn gegen meine Umgebung, und gib mir Kraft zum still Tragen, damit ich nicht Denen, die sich ohnedieß meinetwegen so manche Bequemlichkeit versagen müssen, ihre Pflichten noch erschwere. Nimm dann das Opfer meiner kindlichen Ergebung gnädig auf! Oft züchtigest Du uns Vater, nur für unsere Sünden. Laß mir in diesem Falle meine Leiden zur Genugthuung für meine Verirrungen bei Dir gereichen. Oft sind Krankheiten nicht eine Strafe für unsere Sünden, sondern selbst bei bessern Menschen nur eine Prüfung ihres Glaubens und Gehorsams. - 275 — 276 Laß mir in diesem Falle das ruhige Ertragen meiner Leiden ein Mittel zu einstiger erhöhter Seligkeit in Deinem Reiche werden.- Dir opfere ich dieselben auf o Vater! Dir opfere ich auf jeden Seufzer meiner einsamen Nächte, jede Angst meines Geistes, jede Qual meines Körpers. Von Dir erwarte ich mit kindlichem Gehorsam, welchen Ausgang Du über mich verhängen wirst. Schenkest Du mir Genesung, so will ich Dich freudig preisen und sie dankbar Dir zuschreiben! Denn von uns kommt oft das Übel; aber von Dir kommt immer die Errettung. Und kein Arzt hilft, wenn ihm nicht Deine Hilfe Allmächtiger, zur Seite steht. Daß jedoch, wenn Du mir die Wiederkehr meiner körperlichen Kräfte zubestimmtest, Deine Absicht durch mich befördert werde, will ich aus Ehrfurcht für Dich und für das Gebot der Selbsterhaltung dem Arzte streng in allem Folge leisten, und dann die wiedererlangte Gesundheit zu meinem Heile anwenden. Verweigerst Du, o Vater, mir für jetzt Genesung und läßt Du mich noch länger leiden, Dein heiliger Wille geschehe! Über mein Vermögen wirst Du, Gott der Liebe, mir nichts widerfahren lassen. Rufest Du mich aber dießmal von der 277 Erde ab Dir lebe ich, Dir sterbe ich, Dein Name sey gebenedeit! In der Hoffnung Deiner großen Barmherzigkeit, die auch den reuigen Missethäter am Kreuze nicht verstieß, vertausche ich willig das Irdische mit dem Ewigen und gehe dem Grabe entgegen, von welchem ich jetzt doch nur zurückkehren könnte, um in wenigen Jahren wieder dazu hinzukommen. Um jedoch für diesen Fall meinen Geist völlig mit Dir vereinigen und meine Angehörigen getroft Teiner väterlichen Obhut empfehlen zu können, will ich mich vorher aller zeitlichen Sorgen entledigen und mein Haus mit Umsicht und Gerechtigkeit bestellen; damit mir dieß nicht ſpäterhin unmöglich werde, und ich mit einer vernachlässigten Pflicht vor Dir erscheine, wenn ich meine Angelegenheiten ungeordnet hinterlasse und etwas zu thun versäume, das wenn es geschehen ist, mein Gewissen nur beruhigen kann und mein Ende nicht um einen Augenblick schneller herbeiführt. Habe ich dieß vollbracht, dann lasse Vater wann immer meine Stunde schlagen; freudig eile ich zu Dir, Quelle eines neuen Lebens, Geber der heiligen Unsterblichkeit! - Ja, welcher nun der Ausgang meiner Krankheit seyn mag, ich lege ihn mit Ergebung. in Deine Hände nieder, überzeugt daß alle: 278 Deine Wege, wie unbegreiflich sie uns auch jetzt oft bleiben mögen, nur Weisheit und Wohlwollen sind, und daß Du auch mit mir in meiner gegenwärtigen Lage alles so hinausführen wirst, wie es zu meinem wahren Besten dient. Darum wiederhole ich nur die Bitte: stärke mich o Vater! zum Leiden im Leben, auf daß ich lebe im Sterben! Amen. 129 Psalm. Aus der Tiefe rufe ich, o Gott, zu Dir, Herr, höre meine Stimme! Laß Deine Ohren gnädig merken Auf mein inbrünstig Flehn. So Du die Sünden willst nachhalten Herr, Wer wird vor Dir bestehen?! Allein Vergebung ist bei Dir, Und aufrecht hält mich Dein Gesetz. Auf Dein Wort bauet meine Seele, Auf Deine Hilfe steht mein Geist. Denn bei Dir ist Barmherzigkeit, Und der Erlösung viel. Und Du Wirst retten, welche auf Dich harren, Von ihrer Missethaten Schuld. Amen. Nach erlangter Gesundheit. 279 Im Heiligthume Deines Hauses erscheine ich mit tief gerührter Seele mein Vater und Erretter! Dir zu danken für die Gnade meiner Genesung. Zu Dir lenke ich zuerst meinen Schritt, der Du mein erster Helfer gewesen bist, und erfülle meine Pflicht vor allem gegen Dich, ohne den keine Menschenhilfe an mir wirksam werden konnte. Schwer lagen Schmerz und Abspannung auf mir; vielleicht, ohne daß ich es ahnte, stand mir der Todesengel nahe; Du hast ihn zurückgewinkt, hast meinen Leiden ein Ziel gesteckt, und die Thränen meiner Lieben für dießmal versiegen gemacht. Nach Deinem weisen Willen sollte ich mich des Lebens auf Erden noch erfreuen; sollte meinen Angehörigen noch Trost und Stüße seyn, hienieden noch Gutes wirken und genießen, und für das Unvergängliche an Verdiensten reicher werden können. Ohabe Dank für Deine Barmherzigkeit! Verschmerzt sind die Beschwerden, die 280 mich drückten; neue Kraft strömt durch meine Glieder; schön erscheint mir wieder Deine Welt; gestärkt und froh kehre ich zu meinen Geschäften zurück, und vollbringe sie wieder mit heiterm Muthe Dank, o mein Erretter, inniger Dank für Deine Gnade! Dank, daß Du mein Herz durch so manche Beweise der Liebe und Treue der Meinigen erfreut hast! Dank, daß Du mir so manchen wohlwollenden Menschen an die Seite gestellt, und mir durch ihn Erleichterung geschickt haft! Dank für alles Gute, was Du mir durch Deine Geschöpfe in dieser Trübsal haft zufließen lassen! Laß mich nie vergessen und nach Kräften erwiedern, was sie an mir Gutes gethan! Verzeihe mir zugleich erbarmenvoll, wenn es vielleicht während Deiner Heimsuchung mir manchmal an Gelassenheit und kindlicher Ergebung mangelte! Rechne nicht meiner Seele zu, was oft wider ihren Willen nur der zerrüttete und schwache Körper fündigte! Gewähre meinem Geiste allen Segen, den Du für uns in jede Krankheit legest! Laß mich, durch sie gewarnt, Dir von nun an treuer und meiner Umgebung liebevoller und gerechter werden; laß mich der Ewigkeit öfter denken als es vielleicht bisher geschah, und die edlen Vorsätze die ich in der Zeit der Trübsal und Gefahr im Stillen faßte, nicht in den Tagen der — 281 Gesundheit undankbar vergessen! Laß mich Deine Fügungen von nun an stets zufrieden ehren; mit redlicher Thätigkeit auf Erden weiter walten und wirken, so lange es Dein Wille ist; der wiedergegebenen Körperkraft mäßig mich erfreuen; und in Zukunft mit Umsicht, was mir Schaden bringen kann, vermeiden. Vielleicht zog nur ich, wenn auch nicht aus sündhaftem Übermuthe, doch aus Unvorsichtigkeit und Übermaß an Selbstvertrauen mir mein Übel zu: laß mich durch Erfahrung weiser werden, und erkennen daß es doppelt meine Pflicht sey, gegen mein Leben, jetzt Dein zweifaches Geschenk, nicht unachtsam zu freveln. Ja o Vater! der beste und zugleich mir der nüßlichste Dank, den ich Dir für meine Genesung in dieser Stunde, wo noch das erste Gefühl Deiner Wohlthat mich durchströmt, geloben kann, ist eine Zukunft dem Rechten geweiht"; denn nur das Rechte ist in allwege auch das Nützliche. Diesen Dank laß mich Dir denn darbringen willig und unwandelbar bis an mein Ende; damit einst meine Seele lebe auch im höhern Leben. Amen. - 24 282 In selbstverschuldeten Leiden. Du schlägst mich o Gott! aber mit zerknirschtem Herzen bekenne ich, nur nach meinem Verdienste. Ich traute nicht dem Warnungsrufe:„ seyet " wachsam und nüchtern, denn der böse Feind " wandelt umher wie ein Löwe, suchend wen er #verschlinge"*); ich vernachlässigte die Erinnerungen der Weiseren und Bessergesinnten, achtete nicht der Mahnungen meines eigenen Gewissens und büße nun, büße herb und streng, was meine Thorheit und Ungläubigkeit verschuldet haben. Dennoch rufe ich auch jetzt zu Dir rufe aus der Tiefe meiner Nöthen rufe mit zerrissenem Herzen: hilf mir o mein Gott, hilf! ich bin ja bereits doppelt geschlagen, durch mein Unglück selbst, und dadurch daß ich es nur mir zuzumessen habe- und o! dieses peinigende Selbstbewußtseyn ist der bitterste *) 1 Brief des h. Petrus; 5 Hauptstück, 8 Vers. — - 283 Theil meines Leidenskelches, ist noch unerträglicher als die durch meine Schuld herbeigezogene böse Folge. Laß mich daher unter der Dauer Deines Zornes nicht vollends erliegen! Verzweifeln müßte ich ja unrettbar verzweifeln, wüßte ich nicht, daß Du auch den Schuldvollen wieder zur Versöhnung aufnimmst; verzweifeln, wärest Du nur Strenge und nicht auch Schonung, nur ein Gott der Gerechtigkeit und nicht auch der Barmherzigkeit. Darum wage ich es wenn auch mit schuldbeflecktem Gewissen, die Hände ängstlich zu Dir emporzustrecken und zu bitten: laß mich nun Deiner furchtbaren Gerechtigkeit genuggethan haben! laß mich nach dem Ernste des Richters auch wieder die Milde des Vaters erfahren! hilf mir o mein Gott! nur noch diesesmal; errette mich, der Du allein mich retten, allein mir helfen kannst errette mich von den weitern Folgen meiner Sünde! Wenn Du mit einer Hand verwundet hast, o hebe die andere wieder zum Verzeihen und zum Wohlthun auf! Du hassest ja nichts von dem was " Du erschaffen hast, und vergibst um der Buße " willen den Menschen ihre Sünden"*). Höre daher die Seufzer meiner Reue! höre mein feierliches Gelöbniß, vor des Lasters Schlingen in *) Buch der Weisheit; 11 Hauptstück, 24 u. 25 Vers. 24* 284 Zukunft mich zu hüten. Ich erfuhr es nun, mit welcher Strenge die Vergeltung das Böse oft noch auf Erden ereilt; erkenne nun daß der Mensch unausbleiblich erntet was er säete, erkenne daß ich Dir noch Dank schuldig bin dafür, daß Du meine Missethat schon hienieden gezüchtigt hast, statt sie in ihrer ganzen Größe den schreckficheren Vergeltungen der Ewigkeit zu überantworten, und will, gewißigt, mit allem Eifer meine Thorheit in Weisheit, die Fehler meines Wandels in Tugenden umzukehren streben, und wenn ich auch nicht mehr ein vorwurfsfreies Gewissen erlangen kann, will ich doch ewig ein reuiges bewahren. Nur verwirf mich nicht für immer von dem Throne Deiner Barmherzigkeit, wende Dich nicht ab von dem Flehen Deines zermalmten Geschöpfes, erhebe mich wieder nachdem Du mich gedemüthigt hast, und nimm mich als Dein zwar verirrt gewesenes aber durch fein Irren auch besser gewordenes Kind in Deine Gnade wieder auf, damit Dein heiliges, Dein trostvolles Wort sich an mir erfülle:" Es umgab " mich Angst des Todes, Schmerzen der Hölle umgaben mich, aber in meiner Drangsal rief ich zu dem Herrn auf, und Er erhörte von seinen heiligen Höhen meine Stimme"*). Amen. *) 17 Psalm; 5, 6, 7 Bers. Bitte des Armen. 285 Der Du nährest den Vogel in der Luft und fleideft die Blume auf dem Felde, mein Gott und Vater! ich bitte Dich mit kindlicher Demuth nicht um Reichthum; sondern um lebendigen Glauben an Deine Barmherzigkeit und Weisheit. Wer so viel hat, um sein Leben von einem Tage zum andern nicht mit Bequemlichkeiten auszuschmücken, sondern nothdürftig zu erhalten, ist noch nicht arm. Ich bitte Dich um den Willen und die Kraft, mit unermüdeter Selbstanstrengung für meine Bedürfnisse zu forgen. - * Gehörte Reichthum nothwendig zur Glückseligkeit des Lebens, Deine Liebe o guter Weltenvater! ließe keinen Menschen arm seyn. Aber nöthiger ist uns ein reines Gewissen.- Ich bitte Dich: laß Mißmuth, Neid, Unredlichkeit im Handel und Wandel, Streben nach fremdem Gute, und jede Begierde die mein 286 Gewissen beflecken könnte, immer von mir fern feyn. Viele sprechen, sie seyen mit Wenigem zufrieden, und wollen keinen Reichthum sondern nur dieß oder das, was ihnen zu einem beschei denen Glücke nothwendig scheint. Aber haben fie es, so streben ihre Wünsche dennoch weiter; und es ist bald ein neues Dieß oder Das, was ihnen zu ihrem sogenannten bescheidenen" Glüce noch nothwendig scheint. So geht es fort, und sie sind oft lange mit Überfluß gesegnet, den sie aber weil sie sein bereits gewohnt sind nicht erkennen, während sie noch immer nicht den Reichthum wollen sondern stets nur dieß oder das." So spricht der Undank und die Unersättlichkeit. Ich bitte Dich o Vater! um Seelenstärke, meine Gelüste zu beherrschen; und um Zufriedenheit mit der mir von Dir angewiesenen Lage. Andere sprechen, sie wollen nur ein standesmäßiges Auskommen. Aber was ist des Menschen Stand? Du hast uns o Herr! erschaffen jetzt arbeitsam, genügsam und gerecht, und einst glückselig zu seyn. Das ist unser Stand. Alles übrige was man sonst so nennt, ist vor Deiner ewigen Weisheit ohne Werth, und bringt vor Deiner Gerechtigkeit oft nur Vermehrung der Verantwortlichkeit 287 ein. Ich bitte Dich o Vater! um die Kraft, meinen Geist über das Vergängliche zu erheben; und um die Überzeugung, daß sich der wahre Stand" des Menschen oft besser bei geringem Gute als im Wohlleben behaupten läßt. — Drückt mich auch oft Mangel und Entbehrung, Dein Eingeborner war hierin meln Vorbild von der Krippe bis zum Kreuze. Er hatte nicht wo Er sein Haupt hinlege, und war darum nicht elend; denn Er war von Dir geliebt. Wohl Allen, die Ihm im Bewußtseyn Deiner Liebe still auf seinem Pfade folgen. Deine Liebe aber wird nur durch Vertrauen und Rechtthun erworben: darum will ich recht thun und vertrauen. Lastet auch die Arbeit schwer auf mir, und läßt mich oft die Sorge kaum zu Athem kommen; mehr als mein Erlöser trage ich dennoch nicht. Er sey meine Beruhigung und mein Trost. Rastlose Thätigkeit ist, wie Deiner ganzen Schöpfung, so auch unser Tagewerk hienieden; und Ruhe und Lohn harrt unser erst in einem höhern Daseyn. Ich bitte Dich, laß mich nie vergeffen daß die Gegenwart nur der kleine Anfangspunct einer unabsehlichen Fortsetzung ſey, und daß es nicht darauf ankomme ob unsere Erdenlage eine überall uns angenehme, sondern - 288 ob unser Verhalten darin ein überall Dir wohlgefälliges sey. Deiner Allmacht wäre es ein leichtes, mich mit allem was der Sinnlichkeit wünschenswerth erscheint, zu begaben; aber was uns zuträglich sey, weißt nur Du allein. Wenn uns Deine Güte nicht gibt wonach wir streben, so verweigert sie uns damit oft nur die Gelegenheit zur Sünde. Ist es Dir daher gefällig o Vater, ſo helfe mir aus meiner Armuth. Jede Gabe werde ich dankbar aus Deiner Hand annehmen; doch nach keiner werde ich mich je ungeduldig sehnen. Vielmehr bitte ich Dich: gib mir nie was meine Sinnlichkeit sich wünscht, wenn es meiner Selbstvollendung für die Ewigkeit nachtheilig wäre! Versage es mir, auch wenn ich in meiner Eingebildetheit auf meine bessern Vorsätze mich verließe: richtiger kennst Du unsere Stärke und Schwäche als wir selbst! Nimm mir auch das was ich habe, wenn es mir je Anlaß zum Mißbrauche werden sollte; nimm mir alles Vater! und gib mir nur Dich, und die unerschütterliche Zuversicht zu Deiner Barmherzigkeit und Weisheit. So lehrte mich mein Erlöser beten; und so, nicht anders, will ich beten: will beten, wie der arme Christ, und jedes Deiner Kinder, 289 das in Dir den Vater, und in dem Vater die höchste aller denkbaren Seligkeiten erkennt, in den Dunkelheiten dieses Prüfungslebens beten soll. 33 Ja mein Helfer und Erbarmer! nur um Vertrauen zu Dir flehe ich, nur um Zufriedenheit mit Deinen Fügungen, nur um die Einsicht daß kein Erdengut uns selig mache, und überall nur um Gerechtigkeit des Herzens dieß sind die ersten Güter; was mir sonst noch nöthig ist, wird mir Deine Gnade bei eigener gewissenhafter Kraftanstrengung von selbst zulegen. Amen. - Bitte des Wohlhabenden. en Geber jeder guten Gabe, mein Vater und Erbarmer! ich sage Dir kindlichen Dank für die mannigfachen Wohlthaten die Du mir erwiesen hast; und darunter auch für die hinlängliche Betheilung mit irdischem Gute, die es mir möglich macht ohne drückende Nahrungssorgen, die den Dürftigen oft prüfend heimsuchen, 25 290 durch das Leben zu gehen. Nach Deiner Weisheit ergießen sich Reichthum und Armuth über uns; damit beides bestimmte Tugenden in uns entwickle, und jedes Dem der es empfing, in seiner Art ein Weg zum Heile werde. Du ertheilest nichts bloß für vergängliche Absichten. Wenn der Mangel unsern Glaubensmuth und unsere Gottergebenheit erproben soll, so soll der Überfluß unsern Sinn für manches andere Preiswürdige bewähren. Zu meinem Danke füge ich daher die demuthvolle Bitte: laß mich den Wohlstand zu jenen Tugenden benüßen die er in uns entfalten soll, und aus den Prüfungen die er, wie ihrerseits die Dürftigkeit, veranlaßt, als Sieger hervorgehen. 23 Da vor allem der Reichthum nicht ein Lohn unserer Verdienste ist, sondern uns oft ohne unser Zuthun, ja oft dem Unwürdigsten zu Theil wird; so liegt in ihm kein Grund zum Hochmuthe. Hochmuth ist Sünde, und zur Sünde kann nirgends ein Grund vorhanden seyn.- Ich bitte Dich daher o Vater! laß mich Dir immer zuschreiben was von Dir gekommen ist, und mich durch Demuth Deiner Gnaden würdig werden. Da im Reichthume kein Grund zum Hochmuthe liegt, und nichts was uns von außen zufällt, sondern nur die innere Hoheit uns 291 ehrwürdig macht; so darf ich den weniger Besigenden nicht verachten, noch minder ihn herrisch und launenhaft mißhandeln. Sonst müßte auch ich von Dem, der von Deiner Huld noch mehr empfangen hat, verachtet und mißhandelt werden. Ich bitte Dich daher um den Geist der Menschenachtung und Bruderliebe; laß mich auch in dem Ärmsten Dein Kind erblicken, er kann vor Dir an wahren Vorzügen weit höher stehen als ich. Da größere Gaben auch größere Pflichten auferlegen, so ist es unverzeihlich wenn Der den mächtigere Mittel unterstüßen, sich über Gesetz und Pflicht hinaussetzt, den Schwächeren unterdrückt und im Reichthume nur eine Straflosigkeit für Schlechtes sucht. Entferne von mir o Gott! den Geist des Übermuthes und der Anmaßung, laß mich die allgemeinen Lasten nach Maßgabe meiner Kräfte redlich mittragen, jedem Geseße Gehorsam wie der Geringste bezeugen, jedem Menschen sein Recht willig geben, und Übertretungen auch an andern Vielhabenden nie parteiisch billigen; damit nicht Mißbilligung von Dir, vor dessen Augen der Reiche und der Arme ein gleiches Nichts sind, einst mein verdienter Antheil werde. Da Geld und Gut an sich keinen Werth haben, sondern ihn nur durch den Gebrauch er25* 292 -- langen, so soll kein Reicher der Flamme gleichen die alles verzehrt und nichts wiedergibt, ja nur um so gieriger emporschlägt je mehr in sie geworfen wird, und niemal spricht: es ist genug! Behüte mich o Gott! vor dem Lafter des Geizes das den Wohlhabenden am meisten schändet; laß meine Habe mir, nicht mein Herz ihr angehören, und mich dasjenige gebrauchen, was Du uns nur damit wir es gebrauchen mögen, verleihest. Da jeder Gebrauch ein besonnener seyn soll wenn wir den Geber und die Gabe ehren wollen, so soll auch niemand dem unvernünftigen Thiere gleichen, das im Überflusse sein Futter ohne Zweck aus dem Bauer schleudert. Behüte mich o Gott! vor nußloser Verschwendung, und laß mich nicht ohne Ziel und Absicht dasjenige versplittern was Du meiner Vernunft und meinem Gewissen anvertraut haft. Nicht nur kann auch der tiefste Brunnen sich erschöpfen und den muthwilligen Entleerer gerade in der Zeit des Bedürfens durch Trockenheit bestrafen, sondern Deine Gabe ist alles was wir unser nennen, und Dir werden wir auch für den kleinsten Theil desselben Rechnung legen. - Da selbst der besonnenste Gebrauch nur dann zugleich ein lobenswerther ist, wenn er 293 auf lobenswerthe Zwecke gerichtet wird, so ist jede Anwendung des von Dir gegebenen Vermögens zu unrechtmäßigen Dingen der beklagenswürdigste Mißbrauch. Stärke mich mein Vater! daß ich Deine guten Gaben zu guten Dingen benüße, nicht bloß thörichte Gelüste damit befriedige, nicht eine Stütze für den Müßiggang oder ein bloßes Werkzeug zur Verweichlichung und zu äußerem Prunke darin suche, vorzüglich daß ich nicht in Unmäßigkeiten, des Reichthums gefährlichste Klippe, dadurch gerathe, sondern durch weise Mäßigkeit auch meine Würdigkeit über Mehreres von Dir gesetzt zu seyn beweisend, es stets zu dem was Dir gefällig und mir und andern wahrhaft müßlich ist, anwende. Da unter allem nüßlichen dasjenige was immer bleibt, den höchsten Rang behauptet, und Reiche so wie Arme nur in so fern achtungswerth sind, als ihres Wesens besserer Theil ihr Geist der Vollendung näher rückte; der Wohlhabende aber, vor Mangel mehr geschüßt, auch für geistige Vollendung mehr Zeit und Mittel hat: so wird mit Recht höhere Erkenntniß und eine geläutertere Sittlichkeit von ihm gefordert. Ich bitte Dich o Gott! laß mich die reichlichere Muße die mir Deine Güte zu Theil werden ließ, nicht mit - - — 294 Werken der Eitelkeit, mit bloßem Streben nach Vergnügungen, oder nuglosem Geschwätze in Kreisen die nur für die Schadenfreude und Verkleinerung des Nächsten eine Zunge haben, tödten; sondern meinen Geist anbauen, ihn von Unwissenheit dem größten Vorwurfe für den Reichen, und von Vorurtheilen reinigen, andern durch edle Kenntnisse nützlich werden, und ihren Einfluß an mir selbst dadurch bethätigen daß ich Jedermann ein Beispiel nachahmungswerther Tugenden aufstelle.bist and t Da unter allen Tugenden dem Wohlhabenden keine näher liegt und leichter wird als die himmlische Tugend der Barmherzigkeit, und Du o Gott! von jedem das vorzüglich forderst was Du ihm vorzüglich möglich machtest; so ist Wohlthun vor allem eine Pflicht des Reichen. Wie der Arme durch gottergebenes Entbehren, soll er durch freudiges Mittheilen sich Verdienste sammeln. Folgte auch kein Lohn darauf, es wäre reine Pflicht der Menschlichkeit, daß Der dem oft ohne Verdienst und ohne Mühe ein mehreres zu Theil geworden ist, oder der seine Anstrengungen durch günstige Umstände reichlicher gesegnet sieht, an andere die ebenfalls ohne ihre Schuld weniger empfingen, oder erfolglos sich bemühen, den heiligen Zoll der Bruderliebe abtrage. 295 Da Du aber ewiger Erbarmer! auch den Lohn himmlischer Vergeltung daran knüpfest, gibst Du damit selbst den Fingerzeig, auf welchem Wege sich der Begüterte zunächst sein Heil erwerben soll. Ich bitte Dich daher, gib mir Sinn für den Mangel meiner Brüder, und wenn ich mein und der meinigen Bestes gewissenhaft besorgt habe, laß mich auch des Besten meiner Mitmenschen nicht vergessen. Will ich mir manchmal das Überflüssige entziehen, so wird mir für fremde Noth immer etwas übrig bleiben; und das süße Bewußtseyn erfüllter Menschenpflicht mich schon hier, jenseits aber die Gewißheit daß wir alles was wir dem " geringsten Deiner Kinder thaten, Dir erwiesen haben"*), reichlich lohnen. Du hast mir mehr als Tausenden gegeben; laß mich dafür in Zukunft nebst den gewöhnlichen Anläsſen zum Wohlthun, besonders solche Tage die mir vorzüglich merkwürdig sind als: den Tag an dem Du mich ins Leben riefft, zum Danke für die unaussprechliche Gnade daß Du mich erschaffen haft den Tag des Jahreswechsels, zum Danke daß Du mich wieder einen bedeutenden Zeitabschnitt in Wohlhabenheit verleben ließest den Tag an dem mein Erlöser am *) Evangelium Matth. 25 Hauptstück, 40 Vers. in L - - 296 Kreuze vollendete, als welcher uns am dringendsten zur Theilnahme an fremden Leiden auffordert durch fromme Gaben feiern. Laß mir überhaupt jeden Zeitpunct der meinem Herzen durch wohlthätige Ereignisse vor andern theuer und denkwürdig gemacht worden ist, in Zukunft nicht hingehen ohne ihn durch Werke des Mitleids gegen wahrhaft hilfebedürftige Mitmenschen in ein Fest für meine Seele zu verwandeln. - Ja o Vater! stärke mich in diesen Vorsäßen der Barmherzigkeit, und in allem Guten das mir meine Stellung zur Pflicht macht. Gib mir zu dem verliehenen irdischen Segen auch den höhern Segen des Geistes! Laß mich bei allem Wohlstande immer gegen Dich demü thig, gegen andere achtungsvoll und gütig, den bürgerlichen Gesetzen gehorsam, und in Anwendung Deiner Geschenke weder karg noch verschwenderisch seyn, am wenigsten aber sie zur Unmäßigkeit und Sünde mißbrauchen; sondern die Veredlung meines Herzens dadurch befördernd, mich diese in einem fittlichen Wandel und besonders in Werken der thätigen Nächstenliebe kund geben: damit ich Dir hiemit jenen Dank darbringe an dem allein Du Wohlgefallen hast, und als ein treuer Verwalter Deiner Gnaden der höhern Güter der Ewigkeit einst nicht unwerth erfunden werde. Amen. Bitte für Angehörige. 297 Die sanften Gefühle des Wohlwollens und der Zärtlichkeit, die uns zu Denen welche wir Angehörige nennen, hinziehen, legteſt Du o Herr! in unsere Seele. Von Dir sind jene heiligen Bande die die Herzen der Menschen aneinander knüpfen, und ihnen die gegenseitige Sorge für ihr Glück zur Freude machen. Voll jener Liebe auf die Du mit Wohlgefallen niedersiehst, flehe ich daher zu Dir um das Heil der Meinigen. Wem auch könnte ich dasselbe besser anvertrauen als Dir, der meine Theuren liebte noch ehe ich von ihrem Daseyn wußte! Darum bitte ich Dich Vater! befördere ihre Wohlfahrt, geleite ste auf allen ihren Wegen, gib ihnen was ersprießlich ist für Geist und Körper. Mögen sie stets zuerst Dein Reich und seine Gerechtigkeit" suchen, und dann auch das nöthige für die Erde finden. Möge Dein Engel wachen über sie am guten 298 Tage daß sie Deiner Liebe nie unwürdig werden, und der feste Glaube an Dich ihnen eine Stüße in Kummer und Bedrängniß seyn. Stehe o ihr und mein Erhalter! im Lächeln und im Weinen gleich erbarmenvoll an ihrer Seite, lenke überall ihre Bestrebungen, und wenn das Verderben ihnen schmeichelnd nahen will, stärke fie daß sie Deiner und der Tugend nicht vergessen; sondern Deinen Geboten überall gehorsam, erreichen was sie jetzt beglückt und einst vollendet, und so hier und dort zu Deiner Verherrlichung gedeihen. Erhalte auch in ihnen o Gott! jede Empfindung der Herzlichkeit und Liebe gegen mich; mir aber gib fortwährend den Willen und die Kraft meine Pflichten gegen ste redlich zu erfüllen, und ihnen in allen Verhältniſſen hienieden Anhänglichkeit und Treue zu beweisen: damit wir gegenseitig der Eintracht und des Edelfinnes schöne Blüthen auf unsere Pfade streuen, und fromm im unzertrennten Seelenbunde durch das Leben wallen, bis wir einst vor Deinem Throne stehen und Dich vereint durch Ewigkeiten preisen. Amen. Wenn Angehörige gefahrvoll erkranken. 299 Schöpfer und Erhalter Deiner Kinder! demuthvoll erhebe ich meine Stimme zu Dir und rufe zu dem Throne Deiner Gnade, daß Du dem theuren Kranken den Deine Vaterhand jetzt prüft und dessen Leiden mich so nahe mitbetrifft, erbarmenvoll beistehen wolleft. Deiner Allmacht ist nichts unmöglich was Deine Huld für gut erachtet, wenn auch Menschen * alle Hoffnung aufgegeben haben. Ist es daher Deiner Weisheit die allein das Beste kennt, und Deiner Liebe die auch überall das Beste will, gemäß, so bitte ich Dich innig, lenke die Gefahr die meines Kranken Tage bedroht, einem günstigen Ausgange zu und schenke ihm barmherzig Leben und Gesundheit wieder. Und sollte der Ausgang nicht so schnell als mein schwaches Herz es wünscht, ob des Übels Schwere sich erwarten lassen, erleichtere ihm dieses durch den vertrauenvollen Ausblick zu Dir! Stärke ihn durch Deine Kraft, 300 11 wenn seine Beschwerden ihn zu überwältigen drohen! Besonders laß ihn erkennen daß Krankheiten keine Strafe seyen, sondern ein Mittel zur Genugthuung für begangene Fehler, ein Antrieb zur Besserung, und so ein Weg zum Seligwerden." Erinnere ihn, daß es leicht sey fromm und gottergeben zu seyn wenn uns alles nach Wunsch und Willen geht, aber daß Verdienste für die Ewigkeit vorzüglich zur Zeit der Trübsal gesammelt werden. Gib ihm durch dieſe H. Trostgründe der Religion die nöthige Ergebung und Geduld in seinem Leiden; damit er, wenn die Prüfung anhält, nicht in Zaghaftigkeit versinke. Mir aber o Vater! verleihe ebenfalls Bereitwilligkeit und Kraft meine Pflicht gegen ihn treu zu erfüllen, und ihm überall mit unverdrossener Pflege beizustehen. Stärke, wie ihn, so auch mich und alle die Du ihm zur Seite gestellt haft; damit wir ausdauern in der Liebe und es nicht vergessen, daß wenn von dem Kranken Geduld gefordert wird, der Gesunde doppelt dazu verpflichtet sey. Erfülle, wie sein, so auch mein Herz mit ruhiger Ergebung; damit ich keiner übertriebenen Ängstlichkeit Raum gebe und den Leidenden dadurch betrübe und verwirre. Und wenn Du Deine Heimsuchung vollendet hast, führe ihn durch Schmerz geläutert und bewährt, in meine - 301 Arme zurück, und schenke mir in ihm den Trost und die Hoffnung meines Erdenlebens wieder. Solltest Du aber in der Tiefe Deiner Erkenntniß anderes über ihn beschlossen haben o Vater! Du weißt was ihm und mir das Nüßlichste ist, ich weiß es nicht, und kein Sterblicher kann es sagen;- stehe mir dann bei daß ich nicht in Trostlosigkeit versinke! Laß mich kein mögliches Mittel zur Hilfe versäumen; aber mache mich gefaßt auf alles was da kommen kann, auch auf den Gedanken Du haft gegeben, Du kannst nehmen!" damit ich ohne Verzweiflung ie den Ausgang erwarte, und in der Stunde wo vielleicht mich die Prüfung treffen soll, nicht vertrauenlos mein Auge von Dir abwende, sondern den h. Rath Deiner Fürsehung in jedem Schicksale ehrend, Dir jedes auch das schwerste Opfer mit gehorsamem Herzen bringe, und in der Gewißheit Deiner sich ewig gleich bleibenden Liebe auch die Gewißheit des Ersatzes für alles was ich auf Erden verlieren kann, finden möge. So bitte ich Dich o Gott! mit Innigkeit und Demuth; Dich der Du verwundest und heilest, und durch beides wohlthust; Dich der Du lebest und regierest, ein weiser, gütiger und erbarmenvoller Vater von Ewigkeit zu Ewigfeit. Amen. - 302 Dank, wenn ihre Gesundheit wiederkehrt. Vater der Gnaden! Du hast meines Herzens Wunsch und meiner Stimme demuthvolles Rufen erhört! Kam ich vorher mein banges Gemüth vor Dir auszuschütten, und Dich um Rettung aus fummervollen Umständen anzuflehen; so erscheine ich jetzt mit freudeerfüllter Seele Dich zu loben und zu preisen, daß Du meinem theuren Kranken die Gesundheit des Körpers und mir dadurch die Gesundheit und Heiterkeit des Geistes wiedergegeben hast. Ja o Vater! ich danke Dir mit tief bewegtem Herzen für Deine große Barmherzigfeit! Ich danke Dir für allen Trost und alle Stärkungen die Du mir in den vergangenen trüben Tagen hast angedeihen lassen! Ich erfenne darin abermal daß Du zu prüfen, aber auch wo es zu unserm Heile ist die Prüfung zu endigen weißt, und uns nichts über unsere Kräfte auferlegeft. O verzeihe wenn mich 303 vielleicht bei aller Zuversicht zu Deiner weisen Güte dennoch manchmal Augenblicke des Unmuthes und der Zaghaftigkeit anwandelten; und laß durch die gemachte Erfahrung mein Vertrauen für die Zukunft um so gestärkter werden, und die Überzeugung sich in mir desto unerschütterlicher feststellen daß Du es immer und überall wohlthätig mit uns hinausführst. Verleihe dem Geretteten die Gnade vollends an Leib und Seele zu erstarken, für seinen Beruf wieder froh und kräftig zu werden, und dankbar seine künftigen Tage der Redlichkeit und Thätigkeit zu weihen. Mir aber o Gott! stehe bei daß ich meine Pflichten auch ferner gegen ihn erfülle. Du hast mir Kraft gegeben zur Ausdauer an dem Lager des Kranken; laß mich die mildere Stimmung, die zartere Geduld, die innigere Treue, die ein Krankenlager in mitfühlenden Gemüthern erzeugt, auch gegen den Gesunden fortsetzen, damit unser beider Daseyn zu einem Dir wohlgefälligen werde und wir in Segen vor Deinem Angesichte wandeln auf daß wenn Du uns einst aus der Gegenwart, wo bei allem Gedeihen des Körpers und seiner Angelegenheiten mit der Freude doch stets die Trübsal wechselt, in jene Zukunft die keinen Wechsel der Seligkeit mehr kennen wird, abrufst, wir, wohnend in 304 dem Glanze Deiner Herrlichkeit, Dich der Du im Leben und im Sterben unser gütiger und erbarmenvoller Vater bist, preisen und benedeien mögen von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Bitte der Eltern th am Geburtstage ihrer Kinder. Wenn ich Dir o Vater im Himmel! am heutigen Tage, an welchem Du mich an Deine Stelle auf Erden treten zu lassen und mir einen Menschen, ein Ebenbild Deines Geistes, zur Pflege und Ausbildung anzuvertrauen Dich gewürdiget hast, für Deine Gnade danke; so erkenne ich zugleich lebhaft die Größe der Pflichten die Du mir damit auferlegt haft, und fühle wie vieles ich zu leisten habe, wenn ich des mir geschenkten Elternnamens würdig seyn, und zugleich meine Hoffnungen für die Zukunft des mir anvertrauten Geschöpfes verwirklicht sehen will. Denn ist ein Beruf eben so in seinem Wesen heilig als in seinen Folgen wichtig, so ist es 305 vor allen der: Diejenigen die Deines Reiches Bürger auf Erden seyn und im Himmel werden sollen, zu diesem großen Zwecke weise und Dir wohlgefällig heranzuziehen. Da Du aber die Quelle aller Gnaden bist, und wir Dich nie vergebens bitten wenn wir Dich um wahrhaft Gutes bitten, so flehe ich auch in dieser Angelegenheit zu Dir um die nöthige Einsicht und Kraft, meine Pflichten immer richtig zu erkennen und redlich zu erfüllen; und lege vorzüglich heute als am Jahrestage der mir gewordenen ehrwürdigen Elternbestimmung, das Heil meines Kindes, so wie aller die mir Deine Liebe übergeben hat, mit Demuth und Vertrauen in Deine Hände nieder. Du haft sie erschaffen, o mein und ihr gnadenvoller Vater! laß sie auch wohlthätig gedeihen und ihnen das verliehene Leben nach Deiner weisen Barmherzigkeit heiter und erfreulich werden. Bewahre sie vor jedem Unfalle, und gib ihnen ſegenvolles Fortschreiten in allem wodurch sie sich jetzt noch für ihre künftigen Tage vorbereiten, oder was sie späterhin rechtlich unternehmen werden, damit sie als thätige und brauchbare Glieder der menschlichen Gesellschaft ihrem Berufe entsprechen mögen, und mit Zufriedenheit im Innern auch Achtung und 26 306 Fortgang von außen ihr glücklicher Antheil werde. Du haft ihnen aber auch eine vernünftige Seele gegeben und sie zur Unsterblichkeit bestimmt. Mehr als an allem irdischen laß sie daher gedeihen am Geiste, heranreifen zur Erkenntniß und Tugend, und im Guten mit jedem Tage vollkommener werden. Gib ihnen ungeheuchelte Frömmigkeit gegen Dich und Ehrfurcht gegen Deine heilige Religion. Gib ihnen Sittenreinheit, und die Kraft sich stets zu beherrschen, daß sie nie in den wilden Ausschweifungen der Sünde ihr Vergnügen suchen und finden. Entferne sie von verderblichen Verbindungen, daß sie nie mit dem Strome schwimmen und Deine Gebote frevelnden Muthes hintanseßen lernen. Mache sie wahrhaft und treu, daß nie ein hinterlistiges Benehmen und was die Welt ,, Gewandtheit", Dein Wort aber und der Richter in der Brust Schlechtigkeit nennen, sie verdienter Verachtung bloßstelle. Mache sie genügsam und redlich, daß sie nie die Wege der Ungerechtigkeit, der Bedrückung oder des Betruges einschlagen. Lehre sie arbeitsam seyn, daß sie nicht an Werth hinter dem fleißigen Taglöhner zurückstehen und ihnen Gesundheit und Kraft nur zum Vorwurfe diene. Führe sie zur Mäßigkeit, daß sie nie durch 307 Überfüllung Leib und Seele zugleich verderben und vor dem nüchternen Thiere erröthen müssen. Gib ihnen Zufriedenheit in jeder Lage, daß sie nie durch Mißmuth und Ungeduld sich ihr Daseyn selbst verbittern. Sollten sie in Trübsal gerathen, laß sie nie an Deiner Gnade und an sich selbst verzweifeln, sondern auf Deinen Beistand hoffend muthig ihre Kräfte zur Bestegung der Noth anstrengen, und wenn es ihnen nicht gelingt, sich damit beruhigen daß es Dein Wille nicht war, und bei allen irdischen Entbehrungen das ewig Dauernde ihnen unverloren bleibe. Sollten sie zu großem Wohlstande oder ausgezeichneter Ehre und Macht gelangen, dann sey vorzüglich mit ihnen himmlischer Erbarmer! bewahre sie vor Eingebildetheit und Hochmuth, daß sie nie an dem was bei allem ihrem Streben doch nur Deine Gnade ist, als am eigenen Strahlenglanze erblinden; und erfülle ste mit wahrem Wohlwollen gegen ihre Nebenmenschen, daß sie keinen derselben geringschätzen weil ihm etwa von dem was doch an sich vergänglich ist und der Seele keinen Werth gibt, weniger als ihnen zu Theil ward. Hätten sie auch ihren Fähigkeiten noch so viel zu danken, laß sie nie vergessen" groß und klein sey der Mensch groß, so oft er sich gegen die vernunftlose Schöpfung betrachtet; 26 - * 308 ein Nichts, so oft er sich gegen Dich o Gott ansteht. Gegen die vernunftlose Schöpfung sey ihm aber jeder Mensch gleich, als ein vernünftiges Wesen wie er, darum dürfe er keinen verschmähen; und gegen Dich sey ihm jeder Mensch gleich, als Dein Kind wie er, darum solle er jeden lieben." Dieser Wahrheit durch Deine Gnade eingedenk laffe meine Theuren auch bei den glücklichsten Erfolgen von allem Übermuthe fern sich erinnern, daß Du nur in uns seyest was immer an uns gut ist. So mache sie Dir o Vater zu wohlgefälligen und Deiner Welt zu segenvollen Geschöpfen, die ihrer Umgebung überall Liebe mit Ernst und Gerechtigkeit mit Sanftmuth beweisen, Dich und die Pflicht über alles achten, ihrem Vaterlande nüßlich und ihrem häuslichen Kreise wohlthätig werden; damit ihr Leben rühmlich und ihr Ende selig sey. Mich aber laß auch fernerhin der Heiligfeit meines Elternberufes eingedenk seyn, für ihr geistiges und körperliches Wohl sorgen, auf ihre Neigungen Acht haben, und ihnen überall mit eigenem guten Beispiele vorleuchten, damit ſo lange sie um mich sind, sie an meinem Thun und Lassen ebenfalls eine kräftige Ermunterung zur Tugend finden, und wenn sie einst von mir getrennt werden, noch die Erinnerung 309 an mich sie zu allem Edlen sporne und vor allem Schlechten schamroth mache. Verleihe mir dann den Trost zu sehen daß ich meine Sorgfalt nicht an Unempfängliche verschwendet habe, sondern die Saat meiner Liebe in ein gutes Erdreich" gefallen sey und zu„ hundertfältiger Frucht" aufkeime; damit ich sie einst in Deinen Himmeln wiederfinden möge, und des ehrenvollen Elternnamens nicht unwürdig ge wesen mit Deinem Sohne sagen könne siehe " Herr, die Du mir gegeben hast, keinen dersel" ben habe ich durch meine Schuld verloren"*). 11 Ja o Gott! Dir der Du der rechte Vater aller Wesen bist, empfehle ich mich und die mir anvertrauten Geschöpfe Deiner Hand. Ihr Blühen ist mein Lohn- in ihrer Ehre beruht mein Ruhm in ihrer Freude meine Zufriedenheit Dein Segen sey mit ihnen und durch sie mit mir in aller Zeit. Amen. - *) Evangelium Joh. 18 Hauptstück, 9 Bers. matpla 90 Sop 310 Bitte der Kinder für ihre Eltern. Allgütiger Vater im Himmel! die erste Deiner Wohlthaten: das Leben und die Pflege meines Körpers- und die größte Deiner Wohlthaten: die Ausbildung und Vervollkommnung meines Geistes, hast Du mir durch meine Eltern angedeihen lassen. Nach Dir gibt es für mich niemand, dem ich mehr als ihnen zum Danke verpflichtet wäre. Nie kann ich die Sorgen und Bemühungen hinlänglich anerkennen, womit sie mich von der ersten Stunde meines Lebens an Tag für Tag vor jedem Unfalle zu beschüßen suchten; nie die kummervollen Augenblicke zählen, die sie hatten wenn ich erkrankte; ihre schlaflosen Nächte, wenn sie mich in Gefahr sahen; ihr bereitwilliges Verzichten auf Bequemlichkeiten und Vergnügungen, wenn sie mir damit einigen Beistand leisten konnten. Noch weniger kann ich ihre Geduld und Nachsicht mit der Unwissenheit meiner Kinderjahre, ihre unermüdeten Zurechtweiſungen 311 meiner Fehler, ihr Bestreben mich zu einem gottesfürchtigen und verständigen Menschen zu erziehen, mir oft genug in das Gedächtniß zurückrufen. Sie wachten nicht nur für meinen Leib und meine Gesundheit; sondern was unendlich mehr ist, sie strebten auch meiner unsterblichen Seele jene Kenntnisse zu ertheilen oder ertheilen zu lassen, durch welche ich mich vor Dir des empfangenen Lebens würdig machen könnte, und scheuten dazu keinen Aufwand, ja versagten sich oft selbst vielleicht manches, nur um es mir an dem gehörigen Unterrichte nicht fehlen zu lassen. Auch jetzt noch sparen sie keine Mühe meine Ausbildung zu vollenden, und für mich die in der Zukunft nöthigen Bedürfnisse nach Möglichkeit zu sammeln. Ihrer Zärtlichkeit habe ich daher mehr zu danken, als allen andern Menschen auf Erden. Darum fühle ich auch tief die Pflicht o Gott! meine theuren Eltern vor allen andern Menschen auf Erden zu verehren und zu lieben. Diese Liebe aber soll ich nicht bloß durch Worte, sondern so wie die Liebe zu Dir, vorzüglich durch ein Betragen das Dir und ihnen wohlgefällig ist, beweisen. Um dieß zu erfüllen, will ich daher vor allen Dingen den Unterricht den sie mir geben lassen, treu und eifrig benüßen, damit mein 312 Geist die zu einem tugendhaften und nüßlichen Leben nöthigen Kenntnisse erlange, und ich nicht später durch Unwissenheit, nebst dem Verluste der Zeit, der Mühe und der Ausgaben, auch ihnen und mir nur Unehre mache. Nebstdem will ich o Gott, in allen Dingen die nicht wider Dein Gebot sind, meinen Eltern stets gehorsam seyn, und zwar gern und schnell, ohne Einwendungen, Verschieben oder Murren. Denn ein unwilliger Gehorsam ist eben so schlecht als feiner, macht meinen Eltern wenig Freude, und zeigt von meiner Seite wenig Liebe. Sie sind erfahrener als ich, und wissen also besser was mir nüßlich ist, auch haben sie es bisher genug bewiesen daß sie überall nur mein Glück wollen; ihre liebevolle Absicht verdient daher von meiner Seite auch überall die dankbarste Folgeleistung. Ja selbst wenn sie mich wegen meiner Fehler strafen sollten, will ich nicht auf hören sie zu lieben. Sie leiden gewiß mehr dabei wenn sie mich fehlerhaft sehen und züchtigen müssen, als ich bei der Strafe leide. Auch sind sie es Dir o Gott! schuldig mich durch strenge Mittel zum Guten zu bringen, wenn ich durch vernünftige Vorstellungen nicht dazu zu bringen bin; denn wollten sie meine bösen Handlungen dulden, so würdest Du sie dafür strafen. Ich kann aber nicht verlangen - 313 daß sie, um meinen Eigensinn, meine Trägheit oder sonstigen üblen Eigenschaften zu schonen, mich und sich zugleich in Deine Ungnade stürzen sollen. Ferner o Gott! will ich, um das vierte Gebot treu zu erfüllen, meinen Eltern auch vor andern Menschen immer mit gebührender Ehrerbietung begegnen, ihnen nie unziemliche Antworten geben oder hartnäckig widersprechen; sondern mit der größten Behutsamkeit alles meiden was sie fränken könnte, und mit der größten Bereitwilligkeit, ohne mich erst durch Befehle dazu nöthigen zu lassen, alles thun was ihnen Vergnügen machen kann. In ihrer Abwesenheit will ich stets mit findlicher Achtung von ihnen reden; und wenn ich Schwachheiten an ihnen bemerken sollte, nie darüber spotten oder dieselben weiter erzäh len; damit ich nicht den Fluch des ruchlosen Cham auf mich lade. Wenn es nicht erlaubt ist von fremden Menschen schlecht zu sprechen, so ist es das unnatürlichste und verabscheuungswürdigste Verbrechen, wenn ein Kind es von Jenen thut die seine ersten Freunde, Beschüßer und Wohlthäter auf Erden waren, von denen es nur Liebes und Gutes empfangen hat. Auch wenn ich erwachsen seyn und mich verständiger dünken, oder größere Ehren und 27 314 einen höhern Stand erreicht haben sollte als meine Eltern, will ich immer die zartefte Ehrfurcht für sie bewahren. Dadurch daß ich größer geworden bin, sind ihre einstigen Wohlthaten gegen mich nicht kleiner geworden. Und wenn ich verständiger bin oder mehr Ehre und Ansehen erworben habe als sie, so ist mir das nur durch ihre Bemühungen und durch die Mittel, die sie dazu hergegeben haben, möglich geworden. Auch Dein h. Sohn o Gott! obwohl er an Weisheit und Gnade mit jedem Tage zunahm, zeigte doch immer dabei jene Tugend die eines jeden Kindes schönstes Lob ist: er " war seinen Eltern unterthan"*). Ich der ich weder an Weisheit noch an Gnade ihm gleichkomme, bin daher um so mehr zu dem verbunden was mir schon die natürliche Dankbarkeit zur heiligen Pflicht macht. og din sist Endlich o Gott! wenn Du mir die Gnade schenken solltest meine Eltern noch in spätern Jahren zu besigen, will ich diese Gelegenheit freudig ergreifen einen Theil meiner großen Kindesschuld an sie abzutragen, und nach allen Kräften ihnen ihre letzte Lebenszeit versüßen; will mit kindlicher Geduld ihre Altersschwächen tragen, wie sie einst die Schwächen meiner *) Evangelium Luk. 2 Hauptstück, 51 Vers. 315 Jugend trugen; mit beharrlicher Liebe sie in Krankheiten pflegen, wie sie einst mich in meinen Leiden pflegten; und überall wo und wie ste es nur bedürfen, auf ihre Unterstützung bedacht seyn. Glücklich die Kinder, die Du in den Stand gesetzt haft ihren Eltern noch ein sanftes Sterbekissen zu bereiten! Der Segen derselben begleitet sie dafür durchs Leben, und befestigt nach der Verheißung Deines Wortes ihre Häuser*). So, o himmlischer Vater! will ich mich bestreben zu zeigen, daß ich guter und liebevoller Eltern nicht unwerth gewesen bin, und daß ihre weisen Lehren bei mir nicht auf einen schlechten Boden gefallen sind; was Dir und ihnen stets der angenehmste Dank bleibt. Da aber ein Kind auch bei dem besten Willen die Aufopferungen der uneigennüßigsten und treuesten Liebe die es auf Erden gibt der heiligen Elternliebe nie vollkommen vergelten kann, so bitte ich schließlich: trete Du himmlischer Vater! für alles übrige an meine Stelle; sey Du der Vergelter ihrer Bemühungen; segne die theuren Pfleger meines Lebens für jeden Gedanken den sie zu meinem Besten faßten, für jeden Schritt den sie mir zu Liebe thaten, - - *) Buch Ecclesiasticus; 3 Hauptstück, 11 Vers. 27* 316 für jeden Schmerz den sie meinetwegen erduldeten, für alles was sie mir an Leib und Seele Gutes thaten. Belohne sie dafür mit allem Wohlergehen in Zeit und Ewigkeit, mich aber stärke in den Vorsätzen frommer Kindestreue bis an das Ende ihrer Tage; damit sie einst, in Liebe hier von mir geschieden, mich mit Liebe vor Deinem Throne wieder empfangen mögen. Amen. Erwägungen des Gatten. Gott! Du hast mich die älteste und ehrwürdigste Verbindung die es auf Erden unter Menschen gibt, schließen lassen; indem Du ein Wesen meiner Liebe und meinem Schußze zugeführt hast, durch das ich nach Deiner Einsetzung Zufriedenheit und Freude, in allen meinen Angelegenheiten liebevolle Theilnahme, im Kummer Mitgefühl und Trost, und bis zum Grabe den Segen treuer Freundschaft finden soll: dem ich aber auch meinerseits alles schuldig bin was die Tage desselben, so viel es bei mir steht, 317 ruhig und zufrieden machen kann. Das wird nur geschehen, wenn wir einstimmig Dein h. Gesetz über alles ehren, den Engel des Friedens in unserer Mitte walten lassen, uns einander Hochachtung und Nachsicht bezeigen, und uns vor jenen Fehlern hüten die das Glück der Ehen zu zertrümmern pflegen. Darum will ich diese Fehler fromm erwägen, damit ich mit Deiner Gnade die Feinde unsers gemeinschaftlichen Wohles sorgfältig vermeiden könne. Es ist vor allem ein großer Fehler an dem Gatten, wenn er an sich keinen Fehler erkennen will sondern sich von allen Mängeln frei glaubt. Nur Du allein o Gott! bist gut"*); der Mensch, der dasselbe von sich sagt, ſagt eine Lüge. Noch größer wird das Unrecht, wenn der Gatte seine Mängel kennt und doch um Ablegung derselben nicht bekümmert ist. Er soll der Vorsteher und das Beispiel der Seinigen seyn: von einem Vorsteher aber fordert man daß er nicht selbst jener Fehler voll sey, Lenke daher die er an Andern bessern will. o Gott! meinen Blick oft mit Strenge in mein Herz; damit ich vor allem erkenne was mir nöthig ist, und nicht von Andern Vollkommenheiten verlange die ich selber nicht erwerben mag. *) Evangelium Luk. 18 Hauptstück, 19 Vers. - + 318 Es ist ferner ein großer Fehler an dem Gatten, wenn er sich herrschsüchtig und rauh benimmt. Von einem Vorsteher fordert man auch Weisheit und Geduld. Du gabst das Weib dem Manne zur Gehilfin, nicht zur Sclavin, und es ist schändlich das rohe Recht des Stärkern zu seinem einzigen Rechte zu machen. Selbst wo Schwächen vorhanden sind, die Liebe weiß sie zu ertragen, und allmählig und mit Sanftmuth zu entfernen. Bewahre mich daher o Gott! für immer vor einem gewaltthätigen Betragen, wodurch Gemüther nur erbittert, nicht gewonnen werden; und laß mich die größere Kraft die Du mir gabst, dazu, wozu Du sie ertheiltest, zur Vertheidigung, nicht zur Kränkung meiner schwächern Gefährtin anwenden; damit sie, die Leib und Leben meinem Wohle gewidmet hat und der ich einst vor Deinem Angesichte Liebe zugeschworen habe, mich nicht für ihren ersten Feind ansehen müsſe. Es ist eben so ein großer Fehler an dem Gatten, wenn er in allen Dingen rücksichtslos Gehorsam fordert. Das kannst nur Du o Gott! denn nur Dir ist es unmöglich zu irren, und nur Du gebietest immer das Gerechte. Der Mensch aber ist dem Menschen Gründe und Überzeugung schuldig. Du hast, wie mir, so auch meiner Gefährtin einen vernünftigen Geist + 318 * Gs i ferner ein großer Fehler an be Gatten, wenn er sich herrschfüchtig und rauh nit. Von einem Vorsteher fordert man ope Weisheit und Geduld. Du gabst das Welt Sanne zur Gehilfin, nicht zur Sclavin, es ist schändlich das rohe Recht des Stack zu feinem einzigen Rechte zu machen. S wo Schwächen vorhanden sind, die Liebe fie zu ertragen und allmählig und nut muth zu entfernen. Bewahre mich vo Gott! für immer vor einem gerdaltthänge tragen, wodurch Gemüther muy erbittert, gewonnen werden; und faß mich die Kraft bie nie gabft, dazu,' wozu, ertheilteft, zur Bertheidigung, nicht zur kung meiner schwächern Gefährtin anwen damit sie, die Beib und Leben meinem S gewidinet hat und der ich einst vor De Angesichte Liebe zugeschworen habe, nicht für ihren ersten Feind ansehen a Es ist eben so ein großer Fehler an Gatten, wenn er in allen Dingen rückſichte Gehorfam fordert. Das fannst nur Duo Gut dett nur Dir ist es unmöglich zu irren, nur Du gebletest immer das Gere Der Mensch aber ist dem Menschen Gründe und Überzeugung schuldig. Du hast, wie mir, je an meine Gefährtin einen vernünftigen Be + . Nach den Statuen auf dem, von Patr. u. Erzb. Ladisl. v. Pyrker neu erbauten. Dome zu Erlau gezeichnet von Rieder geflochen von D. Weiss in Wien. 319 und mit demselben die Fähigkeit zu erkennen und zu prüfen gegeben, damit site, wie ich, dieselbe brauche und anwende und sich nicht vielleicht zu Forderungen bequeme, denen Deine höheren Gebote zu gehorchen verwehren. Laß mich daher meine Gattin nie für ein blindes Werkzeug meiner Launen ansehen; sondern wo ich das Recht des Hauptes übe und Anordnungen treffe, ihr die Gerechtigkeit und Nüßzlichkeit derselben so anschaulich machen, daß sie meinen Willen mit Übereinstimmung und Freudigkeit vollziehe. - Es ist auch ein großer Fehler an dem Gatten, wenn er Geheimnisse hat und seine eigenen Wege wandelt. Innige Anhänglichkeit und Theilnahme sind des Ehebundes größtes Glück; und wenn draußen Verfolgung, Haß und Neid noch so sehr stürmen, der stille Schoß der Häuslichkeit soll dem Gatten Entschädigung für alles geben. Dieß wird aber nicht geschehen, wenn er durch eine Handlungsweise voll zweideutiger Heimlichkeiten das Gemüth der Gattin sich entfremdet, und der erste Mißtrauen und Argwohn in den Ehebund fäet. Erhalte es mir daher o Gott! stets erinnerlich, daß wir uns am Altare verheißen haben denselben Weg zu gehen, und unsere Vortheile nicht auf einſeitigen, geheimnisvollen Pfaden zu betreiben, - 320 sondern unser Lebensglück bis zum Tode zu einem einzigen zu machen; und laß mich dem gemäß Kummer und Freude redlich mit meiner Gattin theilen: damit der Bund der Liebe auch zu einem Bunde wahrer gegenseitiger Wohlfahrt für uns werde. sur Es find endlich große Fehler an dem Gatten, wenn er von seiner Gehilfin unveränderliche Kraft, Jugend und Wohlgestalt fordert; wenn sein Geiz das Nöthige ihr nicht gewährt; wenn er sich der Trägheit und Schwelgerei hingibt, und alles was Sorge und Mühe heißt, leichtsinnig ihr anheimstellend nur die Beschwerden der Ehe ihren Antheil am Lebensbunde seyn läßt; oder wenn er zum Schlechtesten herabsinkend, das h. Gelübde der Treue frech verleßt. Das erste ist eben so offenbare Unvernunft, als alles andere offenbares und erniedrigendes Laster. Stärke mich daher mein Gott! daß ich mir keine dieſer Unwürdigkeiten je zu Schulden kommen lasse. Viele Hilfen, viele frohe Stunden habe ich meiner Gattin schon zu verdanken, vielleicht manches Unrecht ihr im Stillen abzubitten; lohne sie dafür mit der Fülle Deiner Gnaden, vergib mir meine Unbilden gegen sie, und mache mich in Zukunft um so thätiger für ihre Zufriedenheit und Wohlfahrt. - 321 Überhaupt bitte ich Dich o Vater, lasſe Deinen Segen auf unserm Vereine ruhen! Leite unsere Herzen überall zu heiliger Eintracht; damit wir Augenblicke der Schwäche oder der voreiligen Leidenschaftlichkeit von einander mit Schonung und Sanftmuth ertragen, und unser Unrecht immer bald erkennend mit erneuter Herzlichkeit einander die Freundesrechte reichen. Führe uns zu gemeinschaftlichen und friedlichen Berathschlagungen über die Erziehung unserer Kinder, damit wir mit Einem Sinne und Einem Herzen an ihrem Wohle arbeiten. Stehe uns in allem unserm Wollen und Bestreben gleichermaßen bei, daß wir unsere beste Hilfe und unsern höchsten Trost nach Dir in einander finden, unsern Kindern ein unvergeßliches Beispiel der Tugend werden, und unserer Umgebung ein edles Vorbild der Einigkeit und des Glückes aufstellen. So wird unser Bündniß nach der Würde zu der es durch das Christenthum erhoben ward, als ein wahrhaft großes Sacrament"*) nicht bloß in sinnlicher Gemeinschaft sondern in der dauernderen Vermählung der Geister bestehen, und uns mit der Freude auf Erden einst auch Seligkeit im Himmel geben. Amen. *) Brief an die Epheser; 5 Hauptstück, 32 Vers. 11 322 Erwägungen der Gattin. Allgütiger Vater im Himmel! Du hast mich in den Stand und Beruf der Gattin eingeführt, und mir in dem h. Bunde der Ehe zu meinem Antheile die Pflicht zugewiesen Zufriedenheit und Glück in meinem Kreise zu verbreiten. Wo der Mann mit Sorgen zu kämpfen hat, soll ich sie ihm durch Freude zu erleichtern suchen. Dankbar bitte ich Dich daher um die nöthige Einsicht und Kraft, mir dasjenige immer mehr eigen zu machen was mir die Zuneigung eines edlen Mannes auf die Dauer sichern kann, und alles entgegengesetzte mit Sorgfalt zu vermeiden. Hat der Gatte sich vor manchen Fehlern zu hüten in die er nach den Eigenthümlichkeiten seines Wesens leichter verfallen kann, so hat die Gattin nicht minder auf vieles Rücksicht zu nehmen was die Achtung und somit die Liebe gegen sie vermindern, in Folge dessen aber die gemeinschaftliche Zufriedenheit beider nothwendig untergraben muß. Was dieses sey will auch ich ernstlich erwägen; damit wir mit vereinten 323 Kräften um so leichter das Ziel gegenseitiger Beglückung erreichen. Es ist vor allem ein großer Fehler an der Gattin, wenn sie eingebildet und anmaßend auch in vernünftigen und rechtmäßigen Dingen dem Willen des Hauptes sich zu unterordnen weigert, vielleicht bloß weil der erste Anstoß zu irgend etwas nicht von ihr ausgegangen ist; oder wenn sie, statt sich weise auf ihren weiblichen Wirkungskreis zu beschränken, sich in alles mengen will, auch wozu sie die erforderlichen Kenntnisse nicht erwerben konnte, und überall entgegengesetzte Meinungen behauptet bloß um Widerspruch zu üben. Du hast o Gott! das Glück eines Herzens in meine Hand gelegt; durch Widerspruch aber wird es nicht begründet. Verleihe mir daher statt deſſen jene Eigenschaften in denen des Weibes höchster Schmuck und schönste Siege liegen: Nachgiebigkeit und Sanftmuth. Es ist ferner ein großer Fehler an der Gattin, wenn sie eitel und gefallsüchtig Anderer Blicke auf sich ziehen will, für Andere sich schmückt, nach Schmeicheleien aus fremdem Munde gierig ist, und Triumphe außer ihrem Hause sucht. Sie wird auf solche Weise sehr bald in ihrem Hause nur Elend geben und Elend finden. Präge es mir innig ein o - 324 Gott! daß strenge Sittsamkeit das erste Erforderniß bei jedem Weibe sey welches dauernde Achtung und Zuneigung sich erwerben will, und mache mich vorsichtig, daß ich alles fliehe was gerechte Unruhe über mein Betragen erwecken könnte; damit ich nicht den Untergang sowohl meines Glückes, als der Ruhe dessen der sein Lebenswohl mir anvertraut hat, meiner Schuld zuzumessen habe. Es ist eben so ein großer Fehler an der Gattin, wenn sie von Vergnügungssucht getrieben dasjenige leichtsinnig vergeudet was des Hauses Ernährer mit Mühe erworben hat, oder wenn sie nur für des Körpers Zierde sorgend und den wechselnden Geboten des Geschmackes zu huldigen bemüht, die Zeit wichtigeren Angelegenheiten raubt; die Geschöpfe denen Gott durch sie das Daseyn schenkte, unbekümmert Miethlingshänden überläßt; Ausgaben vielleicht über Stand und Vermögen zur Befriedigung ihrer Lüste fordert, und wo diese nicht bewilligt werden sich mißmuthig und erbittert zeigt. Sie verläugnet auf solche Weise zugleich der Gattin und der Mutter ehrwürdige Bestimmung. Lenke meinen Sinn o Gott! oft auf die große Wahrheit, daß der Stand der Ehe nicht ein Stand der Lustbarkeiten, sondern ein Stand der Pflichten sey; daß Du mich 325 zur ersten und natürlichen Pflegerin meiner Kinder bestimmt hast, und der Gefährte meines Lebens mich zur Gehilfin, nicht zur Verderberin seiner häuslichen Wohlfahrt erkoren habe: damit ich nicht für nußlose Dinge dasjenige verschwende was zur Befriedigung ernsterer und höherer Bedürfnisse dienen soll. Es ist auch ein großer Fehler an der Gattin, wenn sie unter dem Vorwande der größeren Schwächlichkeit ihres Geschlechtes sich dem Müßiggange hingibt, zur Befestigung und Erweiterung des gemeinschaftlichen Wohlstandes nichts beitragen will, und für jede Nothdurft. oder Bequemlichkeit nur den Erwerber sorgen läßt. Gebührt es dem Manne zu erwerben, so gebührt es dem Weibe zu erhalten. Das kann aber nur geschehen, wenn sie selbst mit wacht und sorgt, und nicht gemächlich jeder Arbeit sich entzieht. Gib mir daher o Gott! den Geist der Thätigkeit, daß ich nicht nur die Früchte, sondern auch die Mühe des Erwerbes nach Maßgabe meiner Kräfte treu mit meinem Gatten theile. Gib mir den Geist der Sparsamkeit, daß ich dasjenige zu Rathe halte womit Deine Gnade unsere Anstrengungen lohnt, und worüber ich nicht bloß meinem Gatten sondern auch Dir zur Rechenschaft verpflichtet bin. Gib mir den Geist der Regelmäßigkeit und - 326 Ordnung, daß ich meine Stunden weise eintheile; so werde ich für alles Zeit gewinnen, und auch auf das Geringste Rücksicht nehmen können. Stärke mich dazu durch die Erinnerung, daß das Große aus vielem Geringen bestehe, und daß Unachtsamkeit und Verwirrung im Haushalte nicht nur schon an sich mißfalle, sondern auch vieles noch Brauchbare versplittert werden lasse, während Ordnungsliebe ein zweifacher Segen wird, der da zugleich " gefällt und erhält." Gib mir zu alle dem auch Sinn für Reinlichkeit und erhalte mich ausdauernd dabei; damit ich in keiner Zeit für das Auge meines Gatten weniger Sorgfalt als für fremde Blicke, zeige. Vernachlässigung meiner selbst oder meiner Umgebung beweist Unzartheit und Gleichgiltigkeit, wandelt die Zuneigung allmählig in Widerwillen um, und ist die ungeahnte Ursache manches verwelkten Eheglückes. Es sind endlich große Fehler an der Gattin, wenn sie sich launenhaft, eigensinnig und zanksüchtig benimmt, geschwäßig gemeinschaftliche Angelegenheiten weiter trägt, oder dem Rufe ihres Gatten durch lieblose Mittheilungen über ihn nachtheilig wird. Bewahre mich hievor o mein Gott! Eigensinn und Launen vertragen sich ja nicht mit der herzlichen Einigkeit der 327 Liebe. Verleihe mir Verschwiegenheit wo sie nothwendig ist, und erfülle mich mit Achtung für den Namen meines Gatten. Seine Ehre ist ja meine Ehre, und ich schände mich selbst wenn ich Denjenigen bloßstelle, dem ich mich zu Schmach und Ruhm unzertrennlich verbunden habe. Laß mich meine Fehler nie damit entschuldigen daß ich nur ein schwaches Weib" bin. Schwächer ist bloß mein Körper, meine Seele aber hat wie die des Mannes Vernunft und Überlegungskraft empfangen, um Unvollkommenheiten an mir zu erkennen und auszurotten.- Mache mich meinem Gatten nicht nur in nothwendigen sondern auch in gleichgiltigen Dingen, sobald sie nur nicht wider Dein Gesetz sind, stets willfährig; damit er nicht daheim im Schoße der Freundschaft mehr Widerwärtigkeiten erfahre, als er draußen in den Reibungen des Geschäftslebens findet. Verbanne auch von mir den so häufigen Irrthum, daß bloße Wohlgestalt des Körpers dem Gatten für alles andere Ersatz seyn müsse. Alles Gewohnte wird gleichgiltig sobald es nur die Sinne beschäftigt. Gesellen sich überdieß böse Eigenschaften des Herzens dazu, so verschwindet der äußere Reiz völlig vor der innern Häßlichkeit und gibt dem Gatten nur Reue, daß er sich durch selben zu seinem Un- — — 328 glücke habe bethören lassen. Laß mich vielmehr in der Überzeugung, daß jeder Eindruck der bloß von außen kommt allmählig schwinden muß, durch Vorzüge des Geistes deren Werth unveränderlich und ewig ist, bei Zeiten auf Ersatz für das Vergängliche an mir bedacht seyn. Ja o Vater! auf Eigenschaften des Geistes auf Sanftmuth, Treue, liebevolles Entgegenkommen, häusliche Thätigkeit und Ordnung 2c. 2c. c. laß mich den Bestand unsers ehelichen Glückes gründen. Darum bitte ich Dich schließlich, nicht nur den Beschüßzer meiner Tage in seinen Anstrengungen zu segnen, seine Kräfte für das Wohl der Seinigen zu vermehren, und ihm jede treue Bemühung wodurch er Leiden, Gefahr und Mangel von mir abzuwenden und meinen Lebensweg mir eben und bequem zu machen sucht, gnadenvoll zu vergelten; sondern auch mich zu stärken, daß ich seine Eigenheiten stets mit jener Schonung ertrage, die auch er troß meiner Bestrebungen zum Bessern mit vielen meiner Mängel haben muß. Laß mich ihm überall als Vertraute seines Herzens, als Mutter seiner Kinder, als Lenkerin seines Hauswesens so untadelhaft zur Seite stehen, daß er in mir finde was er suchte- die Beförderin seiner - 329 Zufriedenheit und Freude und es nie bereuen müsse mich zur Gefährtin seines Lebens gewählt zu haben. Amen. Erwägungen der unvermählt Gebliebenen. Lenker unserer Schicksale! durch Deine göttliche Anordnung sind meine Verhältniſſe ſtets von der Art gewesen, daß sie es mir nicht erlaubten den H. Bund der Ehe zu schließen und dem Berufe des Weibes hierin nachzukommen. Doch ist dieß nur der kurze irdische Beruf des Weibes; und es gibt noch einen höhern allgemeinen Menschenberuf, der wichtiger als alles was uns auf Erden winkt, Dich o Gott! und die unvergängliche Seligkeit kommender Welten zum Gegenstande hat. Mit Freuden fühle ich es daß mir dieser Beruf unverloren bleibt, und finde schon hierin allen Trost dessen ich in meiner Lage bedarf. Aber auch sonst mangelt es mir nicht an Gründen zur frommen und frohen Ergebung in Deinen väterlichen Willen. 28 330 Wie kein Glück auf Erden, ist auch das Glück der Ehe nicht vollkommen; sonst gäbe es nicht so viele weinende Vermählte. Wäre ich den Bund der Ehe eingegangen, vielleicht hätte ich später der Stunde nur mit Schmerz gedacht die bloß ein Anfang der Enttäuschung und der Trübsal für mich geworden wäre.- Ich bin jetzt vielleicht ärmer als ich es dann hätte seyn können; aber ich habe dennoch für dringende Bedürfnisse genug. Ich danke Dir dafür Wohlthäter Deiner Geschöpfe! Ist es nicht eben so gut, weniger bestzen aber es sich verdanken und dabei unabhängig seyn; als sich oft der Kargheit und der Härte eines andern fügen müssen, oder das Seinige zum gemeinschaftlichen Wohle thätig beitragen und dafür, wo statt eines Erhalters ein eigenmächtiger Zersplitterer an des Hauses Spiße steht, wenig Anerkennung und Dank finden, ja vielleicht nicht einmal hinlänglich theilnehmen dürfen an den Früchten die das eigene redliche Bemühen herbeifördern half? Ich bin jetzt ohne den Schuß eines Gatten, aber wie oft wird der Schüßer zum Verfolger! und bleibst nicht Du mein bester Schutz?- Ich kenne jetzt nicht die gegenseitigen Hilfleistungen der Ehe; aber auch nicht ihre gegenſeitigen Reibungen, nicht die aus der Gewohnheit des Beisammenseyns oft ― 331 entspringende Gleichgiltigkeit, nicht die Entzweiung sich fremd werdender oder nie verwandt gewesener Gemüther, nicht das betrogene Vertrauen und den Schmerz den entweihte Treue veranlaßt. Ich kenne im bessern Falle nicht den Kummer der sich eines liebenden Gemüthes bei den Unglücksfällen eines achtungswerthen Gatten bemächtigt, oder die Trostlosigkeit die es am Sarge desselben befällt. Von alle dem bin ich frei, kann ungehinderter Dein o Gott! und mein seyn, und habe hierin vielfache Entschädigung für den durch Deine Fügung mir zubestimmten Verluft; wenn da gleichwohl von Verlust zu reden ist, wo man auf das Ungewisse ein Los sich ziehen muß, aus welchen unter tausenden nach aller Erfahrung die bei weitem größere Mehrzahl zu unbefriedigenden oder völlig segenlosen wird. Wie selten ist für das Weib die Möglichkeit vorhanden frei und aus einem großen Kreise wählen zu dürfen! wie noch seltener ist eine weise Wahl! was ist vor derselben unergründlicher und nach derselben wechselvoller, als das schwache leidenschaftliche Gemüth des Sterblichen, aus welchem gleichwohl in der Ehe ein Anker der Glückseligkeit hervorgehen soll! wie selten sind deßwegen auch Diejenigen die ihre Wahl in feiner Stunde ihres Lebens stillschweigend 28* - 332 bereuten! Ach wer seine Hoffnung bloß auf Menschenherzen baut, der hat zumeist auf Sand gebaut! Zwar entbehre ich auch den Trost und die reinen Freuden einer Mutter; aber es drücken mich auch nicht ihre Sorgen, nicht die Verantwortlichkeit für eine rechtliche Erziehung der Kinder, nicht die Befürchtungen am Krankenlager derselben, nicht das Herzleid wenn sie sterben, oder das noch größere wenn sie lasterhaft werden, worüber es auf Erden kein Elend gibt. Wie vielen Eltern gruben ihre eigenen Kinder ein vorschnelles Grab und machten sie mit Gram vom Leben scheiden!- Nein! in keinem Geschöpfe, nur in dem Schöpfer gibt es Zufriedenheit. Darum bitte ich Dich um nichts mein Vater! als nur auch ferner um die Weisheit mich nicht unzufrieden über etwas zu grämen, was viele bloß preisen weil sie es nicht fennen! Stärke mich nur zum fortwährenden Vertrauen auf Deine Güte! Trifft auch meinen Stand oft der Spott unwürdiger Menschen; laß mich, vernünftiger als ste, darüber hinweggehen. Nur der Rohe spottet, und was an Unrecht dabei ist fällt auf ihn zurück. Soll mich das kränken, wodurch ein anderer sich Schande zufügt? Wer den Wehrlosen - 333 verwunden kann, dessen Lage bloß durch Verhältnisse herbeigeführt wurde, die nicht er sondern Du o Gott! bestimmtest, der hat über sich selbst das schärfste Urtheil ausgesprochen. Kein Stand ist an sich ehrwürdiger als der andere; jeder wird es nur durch die Erfüllung der damit verbundenen Pflichten. Auch mein Stand hat wie seine Vorzüge, so seine Pflichten. Laß mich nur die letzteren o Herr! getreu erfüllen, nach Kräften in meinem Kreise wohlthun, vor Mißgunst, übler Nachrede und andern Fehlern mich ſorgsam hüten: und mein Stand wird achtungswerth, wie jeder, seyn. Dieß ist aller Edlen stille Überzeugung; dieß sey auch meine Beruhigung. Gewiß, wenn mein Los in der Ehe ein segenvolles und mir zum Heile dienendes gewesen wäre, Du hättest Vater der Liebe! mir es zugetheilt. Konnte es aber meiner ewigen Bestimmung nur Nachtheil bringen, so habe ich Dir ja für die Abwendung desselben nur zu danken. Hiemit will ich mich denn zufrieden stellen, und wie in allem übrigen so auch hier mit der findlichsten Ergebenheit und in der vollen Überzeugung, was Du anordnest könne nicht besser angeordnet seyn, sprechen: Dein h. Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden! Amen. 334 Erwägungen der Witwe. Heilig bist Du Gott, mein Vertrauen und mein Trost! und heilig ist alles was Du thust. Obwohl durch Deine Fügung der Tod denjenigen von mir getrennt hat, mit dem ich vor Deinem Angesichte den Bund für's Leben knüpfte, und diese Trennung mein Gemüth mit Traurigkeit und Kummer füllt, weiß ich doch daß die Verheißung eure Traurigkeit wird wieder Freude werden" im Evangelium auch mir gegeben wurde. Du wäreft nicht von Ewigkeit der Weiseste und Beste, wenn Du schmerzliche Ereignisse nicht bloß darum sendetest, um daraus höheres Heil für uns hervorgehen zu lassen. Darum erhebe ich mein Herz zu Dir o Vater! Was mich getroffen hat, haben Tausende vor mir erfahren, und sind darum nicht zu Grunde gegangen. Es ist nur das allgemeine Gesetz der Erde daß weder Schmerz noch Freude auf ihr dauernd 335 seyn soll, was sich auch an mir erfüllt hat. Ich bin nicht besser als Andere, die durch ähnliches vielleicht weit schwerer getroffen und in weit mißlichere Umstände versetzt worden sind als ich; und darf so wenig als irgend ein Sterblicher vergessen, daß wir alle durch die Unfälle der Erde nur kräftiger an das Ewige erinnert werden sollen, da hienieden selbst das Glück des Glücklichsten, so wie bald er selbst, vergehen muß. Ja, zu Dir erhebe ich daher mein Herz. Habe ich in meinem Ehebunde zufrieden gelebt, so will ich Dir danken für das gehabte Glück und denken: ich habe meinen Antheil Gutes empfangen; ich soll auch meinen Antheil Prüfung willig tragen." Habe ich aber unzufrieden gelebt, so will ich Dir doppelt danken; sowohl für die Befreiung von Erdenungemach, als für die Verminderung der Hindernisse meines Heils. Genau genommen gibt es ja auch wirklich keine Ehe, die nie mißvergnügte Stunden zählte! Selbst die besten Gatten haben Augenblicke wo sie über ihre gegenseitigen Unvollkommenheiten seufzen, sich einander schwer, vielleicht oft unerträglich finden; und erst der Tod läßt sie dann dabei Verluſte ſehen. Wenn dem aber so ist, wie ungerecht da alles Klagen! Heißt es nicht unzufrieden seyn in — 336 einer Zeit, daß man sich hat; und in einer andern Zeit, daß man sich nicht mehr hat? Fern sey von mir solch Unrecht fern die Klage, stets nur eine Ausgeburt der Ungenügsamkeit und des mangelhaften Glaubens! Auch ich werde wieder Freude finden oder habe sie schon gefunden. Auch an mir wird die Erfahrung sich nicht Lügen strafen, daß die Zeit endlich jedes Mißgeschick mit weit mehr Gleichmuth betrachten läßt als man im ersten Augenblicke für möglich hielt, wenn man nur nicht durch eigensinniges Festhalten an dem Schmerze aus eigener Schuld ihren milden Einfluß hemmt. - Mit ungeschwächter Hoffnung sehe ich demnach zu Dir empor o Gott; Du wirst mein Beistand seyn! Du wirst bei meinen jetzt vermehrten Sorgen auch meine Kräfte vermehren, und mir verleihen daß ich mich und die meinigen redlich nähre, mein Hauswesen gehörig leite und meine Kinder zu Deiner Ehre erziehe. Somit erhöre nur mein inniges Flehen für das Heil des Hingegangenen, und nehme ihn erbarmenvoll in den Schoß Deiner Gnade auf, mich und mein weiteres Schicksal stelle ich in Demuth Deinem weisen Willen heim! Ich bin in meiner Verlassenheit nicht verlassen; denn ich habe Dich, - 337 ohne den kein Sterblicher, wäre er auch der wohlwollendste, mächtigste und mit den innigsten Banden an uns geschlungen, uns das geringste Gute leisten kann. Amen. Eines in Vielem. 2 Nach Papst Clemens XI. mas Ich glaube Herr, doch möge ich fester glauben; ich hoffe Herr, doch möge ich lebendiger hoffen. Ich liebe Herr, doch möge ich vollkommener lieben; ich bereue Herr, doch möge ich inniger bereuen. Ich bete Dich an als das uranfängliche Seyn; ich verehre Dich als aller Dinge Ziel; ich preise Dich als meinen himmlischen Wohlthäter; ich vertraue Dir als meinem mächtigen Beschützer. In Deiner Weisheit führe mich; durch Deine Gebote belehre mich; durch Deine Liebe tröste mich; durch Deine Kraft beschirme mich. 29 338 Ich weihe Dir mein Denken, es sey zu Dir; mein Sprechen, es sey von Dir; mein Handeln, es sey nach Dir; mein Dulden, es sey mit Dir. urip 20 Ich will, was Du willst; ich will, weil Du willst; ich will, wie Du willst; ich will, so lange Du willst. Erleuchte meinen Verstand; leite meinen Willen; entsündige meinen Körper; heilige meine Seele. Laß mich jedes vergangene Unrecht bessern; jede künftige Lockung zurückweisen; jede Leidenschaft beherrschen; jeden Keim zur Tugend nähren. Gib mir Liebe zu Dir; Strenge gegen mich; Eifer für des Nächsten Wohl; Standhaftigkeit in den Versuchungen zur Sünde.d Stärke mich dem Vorgesetzten zu gehorchen, dem Unterthan hilfreich zu seyn, dem Freunde treu zu rathen, dem Feinde zu verzeihen. Hilf mir die böse Lust durch Ernst, die Kargheit durch Wohlthun, den Zorn durch Sanftmuth, die Geisteslauigkeit durch Andacht überwinden. Ertheile mir Einsicht in Geschäften; Entschlossenheit in Gefahren; Demuth im Glücke; Ergebenheit in Leiden. 339 Laß mich fromm seyn im Gebete; mäßig in der Nahrung; thätig im Berufe; fest in guten Vorsägen. Richte mein Bestreben auf Schuldlosigkeit im Innern; Sittsamkeit im Äußern; Rechtlichkeit im Umgange; Geordnetheit im Leben. Lehre mich, wie hinfällig was die Erde gibt; wie wichtig was des Himmels ist; wie vorübergehend die Zeit; wie dauernd die Unendlichkeit. Verleihe daß ich im Tode bereit sey; im Gerichte bestehe; der Strafe entweiche; die Freude erreiche. add dromisa n Durch Christum unsern Herrn. Amen. takes Hinblick auf des Lebens Scheidestunde. Auch deiner, Grab, will ich gedenken. Die Erinnerung an dich soll mein Gemüth nicht mit Schauer erfüllen- Gott im Herzen kann ich ohne Angst auf dich hinsehen. 29* 340 Was würde es auch helfen das Auge von dir abzuwenden? eilen wir nicht unaufhaltſam dir entgegen? ist nicht auch dieser Augenblick, der mir dein Andenken vor die Seele führt, ein Schritt mehr zu meiner baldigen Vollendung? Sey es! Er, der uns liebend durch das Leben leitet, wird uns nicht im Tode verlassen; der auf der Bahn uns schützt, uns am Ziele nicht preisgeben. - Und führt nicht erst der Tod zum wahren Leben? ist nicht das Grab die Schwelle zur Heimath, und Sterben zur Unsterblichkeit der einzige Weg? Was in uns stirbt, sind ja nicht wir selbst: wir sind höheren Sphären anverwandt, nur unsere Hülle stirbt.- Warum also sollte ich muthlos werden daß ich Vergänglichkeit bin, und meine Tage sind wie ein vorübergleitender Schatten"*)? Was wollten wir auf Erden ewig? Vollkommene Seligkeit finden wir hienieden nicht. Oft pocht mit schwerem Schlage der Jammer an unsere Thüre; oft schwebt die Klage um Hilfe rufend zu Gott auf: welcher Trost, welche Hoffnung bliebe uns, gäbe es nicht endlich einen Retter aus der Noth? *) 143 Psalm, 4 Vers. 341 Ja! nur der Todesengel ist der wahre Friedensengel ist Dein Bote Vater! der jedem Drucke der Erde uns entnimmt; uns erlöst von den Täuschungen, in die uns die Welt oft einwiegt um uns daraus nur zu größerem Grame zu erwecken; der uns scheidet von den Wünschen die wir hier vergebens nährten von den Erwartungen deren Ausgang Lüge war;- der unsers Herzens Sehnen nach Besserem endlich stillt- Diejenigen befreit die mit Bekümmerniß und Thränen den Gang durch das irdische Seyn gingen- und uns Alle aus Nacht zu Deinem lichten ewigen Tage führt. - Gesegnet feyst Du also Vater, daß Du uns von hier hinwegnimmst und uns zu einer höheren und seligeren Daseynsstufe führst. Wenn irgendwo, strahlt Deine Liebe hier im höchsten Lichte; und der Tod darf in irdischer Hinsicht für mich keine Schrecken haben. Vom rechten Puncte aufgefaßt ist er vielmehr unser wahrster Freund, der unsere täglich gebrechlicher werdende Hülle sanft in den Schoß der Mutter Erde hinlegt, und unsern Geist den Freuden eines bessern Lebens zuführt. Darum bitte ich Dich Vater! nur, ertheile mir die Gnade daß der Tod auch in ewiger Hinsicht sein Grauenvolles für mich 342 verlieren und mich einst wirklich den Freuden, nicht den Strafen eines künftigen Lebens übergeben möge. Verleihe mir hiezu daß mich das einstige Sterben jetzt leben lehre; denn nur wer treu die Pflicht am Tage that, darf ruhig seyn am Abende. Verleihe mir daß ich immer so spreche und handle, wie ich im Augenblicke des Todes gesprochen und gehandelt zu haben wünschen werde, und wenn ich das bisher versäumte mich ohne Aufschub bessere; nicht in sittlicher Entnervung das Heute stets der Sünde opfere und die Frömmigkeit auf morgen spare. Denn unvermuthet kommt Dein Tag Mancher vergeudete leichten Sinnes das Heuein te bis ihm kein Morgen anbrach undurchdringliches Geheimniß ist uns das Wann der letzten Stunde darum nur, daß wir in jeder Stunde Deinem Rufe zu folgen bereitet seyen. Ohne Verzug laß mich daher mein Leben regeln; in Glauben und Gerechtigkeit vor Deinem Angesichte wandeln; und so viel nur meine Verhältnisse gestatten mir an Veredlung des Herzens, an Heiligung des Geistes und an guten Werken zu erwerben suchen. So werde ich auch in Rücksticht meines Gewissens ruhig auf des Lebens Scheidestunde blicken können. himig glans - 343 - Und wenn dann einst Dein Engel winkt, wenn Welt und Menschen hinter mir zurückbleiben, und nichts mehr vor mir steht als Dein Gericht und die hehre Ewigkeit- dann sey mit mir Allbarmherziger! Stärke meinen Geist zum Erscheinen vor Dir, und scheuche von mir jede Angst über das Schicksal meiner Zukunft. Dann sey o Herr, auch mit meinen Hinterbleibenden! Erbarme Dich Derjenigen die meiner Seele theuer sind! Sey Du an meiner Statt ihr Vater und Versorger! Lehre Du sie Deinen Willen ehren, und das thun was ihnen heilsam ist! Auf Dich vertraue ich allein und ganz! Vermessenheit wäre es ja nicht volles Vertrauen Dir zu schenken, da es bei mir die Meinung voraussetzte daß ich zur Erziehung oder Beglücung meiner Angehörigen Dir hienieden nöthig sey. Nein o Vater! Du kannst und wirst sie weiser führen und kräftiger beschützen als ich in meiner Schwachheit und Beschränktheit. Siehe auf die demuthvolle Bitte gnädig nieder die hiefür aus meinem Herzen zum Throne Deiner göttlichen Erbarmnisse emporwallt! Mich aber laß wenn mein Lauf vollendet ist, im Bewußtseyn eines Dir gefälligen Wandels und der Hoffnung seligen Wiedersehens voll von Dem, was ich auf Erden liebte, scheiden; - 344 und nimm wenn der Körper zum stillen Frieden des Sarges eingeht, meinen Geist zum ewigen Frieden in Deines Heiles Wohnung auf. Amen. Wer in eines Vaters Schoß entschläft, dem ist nicht bange um ein glückliches Erwachen. Hallelujah! schöner aufzublühen Werden wir im Erdenthal gesä't; Hallelujah! dieses Lebens Mühen Folgt ein Lohn, den hier kein Sinn versteht. od Am Grabe entschlafener Lieben. Mit gebeugtem Herzen sinke ich vor Dir nieder o Gott und Schöpfer! Hingegangen sind Diejenigen, an die ich meines Lebens Freude knüpfte; geschieden von mir, die meiner Tage Hoffnung und Erquickung waren. Vereinsamt und verwaist blickt ihnen mein Auge in die Ferne nach, trifft nur auf Grab 345 und Verwesung, und das schmerzliche Gefühl der Verlassenheit wird dadurch in mir geschärft. Stehe mir in meiner Wehmuth bei o Vater aller Wesen! Laß meinen Geist sich durch heilige Betrachtungen aufrichten, das Leben richtig beurtheilen, und sowohl des wahren Zweckes als der Fortsetzung desselben in seligeren Welten nicht vergessen; damit ich Dich und Deine Liebe in keiner Deiner Fügungen verkenne, und mir jene Zufriedenheit erwerbe die die Überzeugung von der Weisheit Deines Willens überall verleiht. - Habe ich denn Ursache mich bei dem Sterben sterblicher Geschöpfe zu betrüben? wußte ich nicht, daß ihr Erdenleben ein Ende nehmen müsse sobald es einen Anfang hatte? Und preist nicht Dein heiliges Wort Diejenigen " selig die in dem Herrn entschlafen sind"*); und mahnt uns zugleich liebevoll nur wenig um sie zu trauern, denn sie seyen zur Ruhe eingegangen"**)? lis dar suviniste " 1 Ja meine Theuren sind von mir gegangen, doch hin zur Heimath; hin wo keine Sorge mehr nagt, kein Haß mehr kränkt, keine Lästerung mehr verfolgt; wo Neid Hab*) Offenbarung Joh. 14 Hauptstück, 13 Vers. **) Buch Ecclesiasticus; 22 Hauptstück, 11 Vers. 346 sucht und Betrug, Thränen, Sünde und alles was Übel heißt, des Daseyns Freude nicht mehr trüben. Vertauscht haben sie die Stürme der Erde mit dem seligen Frieden des Himmels sind hingesunken an das Herz Deiner ewigen Liebe o Vater! Wie unweise und eigensüchtig daher über ihren Heimgang zu trauern! heißt das nicht, ihnen ihre Glückseligkeit mißgönnen weil meine Erdenfreude dadurch vermindert ward? Und darf ich denn was Du o Herr! verfügtest, jemal unrecht finden? Wie, ich wage es durch meine Klagen anzudeuten, daß ich es besser zu ordnen verstanden hätte was mir und meinen Lieben gut gewesen wäre?- O vergib mein himmlischer Erbarmer, wenn meine Seele im Übermaße ihres Schmerzes sich zu weit verirrte! Kein warum" und " wozu", kein zu früh!" und wie kann das ein Vater!" soll mehr mein Mißtrauen und meinen Unverstand verkündigen. Du stehst weiter, als ich das Geschöpf eines Tages; Du erkennest deutlicher, was mir und meinen Angehörigen für die Zukunft gut war, als ich der nur eigennüßig hadern kann, wo er in Demuth vor Dir niedersinken sollte, und nur selbstisch sich beklagen, wenn seine Freude geringer ward ob dieß auch die Freude 347 anderer vermehrte. Dein waren sie von Anbeginn, die ich die Meinen nannte; zu Dir sind sie zurückgekehrt. Wäre ihnen bei mir wohler gewesen? hätte meine Kraft und Weisheit ihr Bestes mehr besorgt, oder ihnen größere Liebe und höheres Glück als Du, gegeben? Verzeihung Herr, dem Schwachen der nicht weiß was er thut! Du hast sie gege ben, " Du hast sie genommen; Dein Name sey " gebenedeit"*)! sio and sign " 1 ** Schiene es mir auch als seyen sie zu früh von der Erde abgerufen worden: wer gut gelebt hat, der hat lange gelebt. Nicht um zu leben, leben wir; sondern um zum Ziele zu gelangen. Erreichen wir dieß nur, gleichviel dann wie früh oder spät es geschieht. Du bringst Jeden da zu Ende, wo es, wenn auch wir Deine Wege jetzt noch nicht begreifen, sowohl für sein als seiner Hinterbleibenden wahres Beste am wohlthätigsten gewesen ist. st Oder glaube ich auch daß sie hienieden noch manche Freuden hätten genießen können; was weiß ich ob sie durch den Tod nicht noch mehr Schmerzen als Freuden entnommen wor den sind! Und sind es nicht bessere Freuden, *) Buch Job; 1 Hauptstück, 21 Vers. 348 die unser im bessern Vaterlande harren? Was will ich Thor Denjenigen bemitleiden der vom Verweslichen zur Unverweslichkeit, vom Besize des Unsichern und Geringen zur wandellosen Herrlichkeit gelangt ist? Wie wir am Morgen nach dem Schlafe mit verjüngter Kraft erstehen, so gehen wir auch durch das Grab einem blühenderen Seyn entgegen. Unendlich ist o Vater Deine Huld, wie Du selbst und wie das Daseyn unserer Seele.„ Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr gehört, kein Men" schenherz es je geahnet, wie viel Du Dennjenigen bereitest die Dich lieben"*). Vergebens wähnt der Sterbliche, es sehnen sich die Geister der Vollendeten zurück nach der verlassenen Erde. Sie fühlen nicht mehr irdisch; sie finden ihre Seligkeit nur in Dir, der in höhern Welten an Freuden nicht ärmer seyn wird als Er es schon auf Erden war; und wir tragen umsonst die Empfindungen unse rer schwachen Sinnlichkeit auf die geläuterten Bewohner eines bessern Vaterlandes über. Vergebens glauben wir, es sey ihr Tod für ihre Hinterbleibenden ein Unglück. Waren die Geschiedenen auch noch so einsichtsvoll und mächtig, sie waren doch nur Wesen die ohne Deinen *) 1 Brief an die Korinther; 2 Hauptstück, 9 Vers. 349 Beistand nichts vermochten und sammt ih ren Angehörigen bloß durch Deine Kraft erhalten werden konnten. Deine Kraft aber wird auch ohne sie das Nöthige verfügen können; und nur betrüben kann die seligen Geister, die jetzt im Lichte eines höhern Lebens die Größe Deiner Weisheit inniger erkennen, unser Mißtrauen gegen Dich und unsere beschränkten Begriffe von der Vollkommenheit Deiner Liebe. Nur dann weilt ihr verklärter Blick mit Wohlgefallen auf uns, wenn wir uns gleicher Seligkeit mit ihnen werth zu machen streben; was nicht durch unthätigen Gram über ihren Verlust und Unzufriedenheit mit Deinen Fügungen, o Herr, geschieht. Mit Zuversicht unterwerfe ich mich daherder Anordnung Deines H. Willens. Du warst unser Gott noch ehe wir gewesen sind; Du wirst es seyn in Ewigkeit. Deine Gnade, und die stille Kraft die Du in die Zeit gelegt hast, wird auch mich wieder Trost und Ruhe finden lassen, und meinen Schmerz mit jedem Tage geringer machen bis er am Ende ganz versiegt. Nimm die ruhige Ergebenheit mit der ich ihn ertragen will, als einen Beweis meines Vertrauens zu Dir, und zugleich als eine stille Buße für so manchen Augenblick des Mißmu 350 thes und der zu heftigen irdischen Begehrlichkeit gnädig auf! Wie bald und ich habe meine Theuren wieder! Sie sind mir nicht entrissen, sie sind mir nur vorangegangen. Pflanzen der Erde für den Himmel sind wir alle. Nahmen wir auf Erden zu an Gerechtigkeit wie an Jahren; so finden wir uns auch in Deinem ewigen Vaterhause wieder alle. Schon hier hast Du o Gott! selber die endlos höchste Liebe, uns Liebe gegen einander zum obersten Gesetze gemacht; mit Vernichtung dieses Geseßzes kann das herrlichere Daseyn nicht beginnen. Schon hier läßt Du verwandte Seelen sich oft einander finden und beglücken; Du wirst auch in der Heimath sie nicht trennen. " Im Reiche meines Vaters werde Ich Mich mit euch wieder erfreuen"*); so sprach mein Heiland zu seinen bangen Freunden als Er von ihnen schied, und sagte hierin auch mir das höchste Wort des Trostes. id or Ja, sey mir gesegnet heilige Hoffnung des Wiedersehens! Durch dich wird alle Trennung auf Erden nur ein Scheiden für eine kurze Nacht. Kaum sinken ihre Schatten auf den Müden nieder, so glänzt ihm auch der Ewig*) Evangelium Matth. 26 Hauptstück, 29 Vers. 351 keit hehrer Morgen entgegen; und bald findet und umfaßt sich ohne Unvollkommenheit und Schwäche, gehüllt in der Verklärung Lichtgewand und aufgelöst in namenlosere Wonne, was sich hienieden angehörte; und im vereinten Hauche schweben die vereinten Geister durch Deine Himmel, Vater, von Seligkeit zu Seligkeit. Wozu die Klage denn um Unverlorne? Warum schleicht der Gedanke gramvoll um Ihr Grab, in glaubenlosem Leid zerfließend? Sie leben! Herrlich leben sie ein Leben, Auf Erden unentzündet, unbegriffen; Und aus dem Aug' voll Liebe träufelt mir Ihr himmlisch Mitleid; mir, mit größerm Rechte Den Todten beigezählt. O Vater, schenke mir daher nur Deine Gnade zu einem tugendhaften Wandel! Standhaft will ich in allem übrigen ausharren, bis Du es auch mich einst erfahren läßt, wie sehr die Herrlichkeit der Zukunft jeden Trennungsschmerz der Zeit vergüte. Amen. Opm arbin no di gode und 352 Beim plötzlichen Verluste theurer Angehörigen. Wenn auch mein Auge sich in Thränen auf löst, und meine erschütterte Seele kein Gefühl hat als das des lautlosen Schmerzes, und jede Freude des Lebens mir für immer vernichtet zu seyn scheint; dennoch preise ich Dich Herr, mein Gott und Erbarmer! und vertraue Deiner unendlichen Gnade. Du lebst starb auch mein Glück und meine Hoffnung dahin.... Du lebst; und bin ich nicht Dein Geschöpf, für das Du eben so wie für Deine übrigen Wesen mit Weisheit und Barmherzigkeit sorgest? Von allem Irdischen entblößest Du mich, das Theuerste meines Herzens nimmst Du von meiner Seite hinweg: doch nur um mich desto fefter an Dich zu ziehen. Ich hatte verges sen.... o Gott! o ewiger Vater!- ich hatte vergessen, daß ich an nichts was vergänglich ist mein Gemüth zu sehr heften - 353 soll; vergessen, daß alles was lebt Staub zu werden bestimmt ist. Du erinnerst mich daran, Du läßt mich den Unbestand des Irdischen an mir selbst erfahren, daß ich um so inniger Dir und dem Ewigen angehören möge. And Ich will es o Vater! mit aller Ergebung eines gehorchenden Kindes will ich es; nur flehe ich zu Dir, stärke mich bei dem plößlichen Verluste den Du über mich verhängt hast, und laß meinen Glauben daß Du auch für mich mit Weisheit und Barmherzigkeit sorgest, immer mehr gerechtfertigt werden. Verleihe meinen Heimgegangenen das ewige selige Leben, und mir gib Kraft mich wie jetzt so bis zu meinem letzten Hauche geduldig Deinem heiligen Willen zu fügen. Sende meinem zerrissenen Herzen von Deinem Himmel Labsal und Trost! Viel habe ich verloren, und schwer fällt der Verlust meiner Schwachheit zu tragen; einsam und trüb werden meine Tage dahinfließen; wie ein Stamm der seiner Krone beraubt ist und dessen Äste abgedorrt sind, werde ich stehen im verödeten Leben: o gib mir daher mein Schöpfer und Gott, um so erbarmenvoller Deine ewige Liebe; und sey Du mir anstatt Derjenigen die Du von meiner Seite 30 354 abgerufen hast, in meiner Bedrängniß eine Stüße, in meiner Verlassenheit ein Tröster und Führer! Nur Du bist mir übrig nur an Dir halte ich noch fest in der Nacht meines Kummers; Du wirst auch mit mir alles bald und weise vollenden. Wer weiß wie vielen Drangfalen des Lebens, wie vielen Hindernissen zur Seligkeit Du meine Geliebten durch ihre Abberufung von der Erde entnommen haft; wer weiß wie schnell Du in der Heimath des bessern nie mehr versiegenden Lebens mit ihnen mich wieder zusammenführst ich preise und benedeie Dich! Du nahmst hinweg was Du mir gegeben haft; Du wirst mir wieder geben was Du mir genommen haft vollkommener, besser, unaussprechlich glückseliger wieder geben! Dieß o ewiger Vater, ist meine Beruhigung! Du wirst mein Beschützer im Leben, mein Helfer im Sterben seyn. Amen. - 3193 sim@ydir sdot spions the nuhu wou - he splisin nom Für Verstorbene. 355 th 0 Allmächtiger ewiger Gott, der Du herrscheft über die Lebendigen und Todten, und Dich aller erbarmest die Du nach ihrem Glauben und Thun für die Deinigen erkennest; sey gnädig wie den Lebendigen so auch den Todten! Erhalte Jene denen Du ihr Erdenleben noch verlängerst, in Deiner Treue; und laß Die deren Tagen Du ein Ziel geſetzt haft, im Glauben und Vertrauen an Dich vollendet haben. Gib allen Hingeschiedenen durch Deine Gnade Ruhe; gib ihnen Verherrlichung durch Jesu Deinen Sohn! Gehörten sie zu den Guten, führe fie zum Lohne Deiner Guten ein; schlossen sie sich an die Übelthäter, verzeihe ihnen ihre Misſethaten. Errette sie vom Tode der Sünde, und verwandle ihnen des Grabes Finsterniß zum lichten Heiligthume der Vergebung und des 30* 356 Friedens; daß sie sich Dir nähern und an Deinem ewigen Throne wohnen. Reiche ihnen, gereinigt von den Schlacken der Erde, die Palme Deiner Auserwählten dar; daß ste Theil haben an dem Erbe Deiner Kinder und in Gemeinschaft Deiner Seligen sich erfreuen. Versammle auch uns im Reiche Deiner Herrlichkeit einst zu ihnen wieder! Laß sie uns auf dem Wege zu Deinen Himmeln nur vorangegangen seyn; damit wir Dich einst in Vereinigung mit ihnen ohne Ende benedeien. Sey uns und allen Entschlafenen nun und in Ewigkeit barmherzig! Amen. Auf dem Friedhofe. 119 Wie Wehmuth und leise Schauer weht es hier. Alles so still um mich, so feierlich. Gefühle für die der Ausdruck fehlt, ziehen halb beengend halb erhebend durch die bewegte Brust. Als ob mit dem Schritte hieher von selbst sich eine Schranke zöge zwischen dem 357 Nichtigen draußen und dem Ernstbedeutenden hier, so schweigt hier unwillkürlich jedes Gelüfte der Welt und nur für höhere Stimmungen wird das Gemüth empfänglich.molly Sey mir gegrüßt Schlummerstätte meiner Menschenbrüder, Schlummerstätte so manches meiner heimgegangenen Lieben! Seyd mir gegrüßt, die ihr der Menschheit Kampf und Wahn bestanden, des Lebens Bürde abgelegt und eure Erdensendung vollendet habet. Ihr ruhet hier, die Ruhe, die nicht mehr unterbrochen wird. Ausgequält hat hier die Leidenschaft, die Redlichkeit hat ausgekämpft, die Willkür kann euch nicht mehr drücken. Vollbracht ist was die Erde von euch forderte, der Gram ist überwunden, die Arbeit ist geleistet, die Schmerzen sind ertragen. Viele von euch wandelten durch Tage des Kummers und Nächte der Thränen, hier umfing euch der Frieden der Erlösung. Manches Dulders langer Weheruf dem im Leben nie Erhörung ward, fand hier erst eine Antwort vom Throne liebender Vergeltung; mancher bange Zweifel für den das Leben keine Lösung hatte, schwand hier erst vor der Klarheit höhern Lichtes; mancher stille Seufzer über des Geschicks Mißhandlungen oder des Menschenherzens Härte verhallte hier erst vor den - 358 Tröstungen einer milden und begütigenden Ewigkeit. Heil euch, ihr habt mit unaussprechlichem Gewinne des Daseyns höhere Stufe erklommen! dist) pa dit ope Viele auch von euch wurden dem Kreise der Freundschaft und Liebe, wurden frohen Hoffnungen der Ihrigen, wurden dem kräftigsten und edelsten Wirken entrissen. Auch ihr habet nur den Schauplaß geändert und sehet nur seliger fort auch ihr beim Tausche nicht verloren. Selig die in dem Herrn entschlafen sind, denn ihre Werke folgen ihnen nach"*) Und hierin, und in dem Gedanken an einstiges Wiedervereintwerden findet die Sehnsucht eurer Zurückgelassenen ihren Trost, die unmäßige Klage ihre Mißbilligung. " 1 41 Erhebe mich Grab, das auch mich und vielleicht eher als ich es ahnen mag, erwartet! Zeige mir vorwärts auf den Gewinn, nicht zurück auf die Verluste. Der verliert nicht der aus Verweslichem Unverwesliches wird, und das alte abgemüßte Menschenkleid mit seinen Gebrechlichkeiten und Unvollkommenheiten zurückläßt, wäre es auch mit Gold verbrämt gewesen. Der verliert nicht der aus der Nacht des Irrthums und der Unwissenheit zum *) Offenbarung Joh. 14 Hauptstück, 13 Vers. - 359 Verstehen, aus dem rastlosen Anstrebenmüsſen gegen eigene Leidenschaft und fremdes Mißwollen zum Einklange mit sich und mit ſeinen geläuterten Mitgeschöpfen kommt. død at hi Wohl mir daß ich nicht auf Erden unsterblich bin! Es hieße mich für immer zur Unmündigkeit und Plage verdammen, hieße Unbefriedigtheit des Geistes und der ungeftillten Sehnsucht Schmerz verewigen, hieße ohne Ziel und ohne Lohn die Kämpfe mit dem Bösen in und außer sich fortsetzen müssen. Wohl mir daß ein weiteres Seyn, ein freudigeres Wirken, ein ungetrübteres Lieben mir beschieden ist! Wie ganz anders deutet sich mir auf dieser heiligen Stätte der Werth so vieler Erdendinge! Mit welcher Wahrheit ruft das Grab mir zu: Überschätze nie, was seiner Bestimmung nach vergehen muß. Das meiste was jetzt des Menschen Wahn vergöttert, ist nicht was es scheint und leistet nicht was es verheißt. Es scheint dich immer beglücken zu wollen, und ist dir oft treulos geworden ehe du die Hälfte deiner Lebensbahn vollendet hast. Es verheißt dir oft vollgenügende Freude, und später findest du deine Begierde gleichwohl größer und dazu die Freude oft mit einem reichen Leidenmaß vermengt. Stüße darum dein Glück nicht bloß auf Vergängliches- nicht auf 360 vieles Haben; denn jeder Tag macht irgendwo einen Reichen zum Bettler, und wer gab dir die Gewißheit daß eben du dieß nimmer zu befürchten habest? Nicht auf den Ruhm deiner Thaten; wie Welle die Welle, so drängt auf der Laufbahn des Ruhmes einer den andern hinweg. Nicht auf die Zahl deiner Freunde; sie sind veränderlich wie du, sie sind sterblich wie du. Nicht auf deines Körpers Kraft und Wohlseyn; das Rohr ist nicht gebrechlicher als des Erdensohnes Stärke, wenn das Schicksal sie brechen will. Bist du daher weise, so sey dir was die Welt nun einmal„ Glück" zu preisen pflegt, nie der Götze dem du all deine Mühen weihest, sondern lasse noch Sinn und Kraft in dir übrig auch für höhere Bestrebungen und gewisseren Lohn. Zu spät würdest du sonst einsehen, deine Anstrengung war Verschwendung, dein Göße eben nur ein falsches Bild und deine ihm gebrachten Opfer nur Verluste. Ja wenn es unverlierbar sicher wäre, wenn es ewig dauerte, wenn es jeden Drang befriedigte, was dir die Erde bieten kann! Aber wie weit ist sie hievon! Darum- nur mäßige Anstrengung verdient das Wankende, nur untergeordnete das Unbefriedigende, nur getheilte das was selbst im besten Falle nicht über die zehn Schritte bis zum Grabe hinaus dein ist. 361 Und mehr als die Begierde nach dem was du noch nicht hast, liege dir die treue und ungesäumte Anwendung dessen was du bereits besigest, am Herzen. Bemüße deine Kräfte so gering sie dir auch scheinen mögen. täglich zur gewissenhaften Pflichterfüllung, und warte nicht bis mehr Kraft dir auch mehr zu thun gestatten wird: denn vielleicht wird dir ein größeres Maß davon nie zu Theil. Wende deine Habe fortwährend zu deinem und deiner Mitmenschen Besten an, und geize nicht damit jetzt wo du säen sollst: denn vielleicht ist sie in kurzem nicht mehr dein. Schiebe keine gute That hinaus, verzögere nicht die Ausführung edler Entschlüsse, vernachlässige keine Gelegenheit zum Recht- und Wohlthun: denn vielleicht ist dir eine weitere nicht mehr zubestimmt. Gebrauche überhaupt dein Leben täglich dazu, wozu es dir dein Gott gegeben -zur Vorbereitung auf ein höheres Leben: denn du weißt nicht ob du morgen das noch thun können, noch die Pflichten deines Lebens erfüllen und für den Zweck deines Hierseyns wirken können wirst. Dann wirst du, statt ruhe- und segenlos nach sogenanntem, Glück" gejagt zu haben, bescheiden und deines bessern Strebens froh an Glück der Zufriedenheit gewonnen, dann 31 362 zugleich nichts nutzlos gehabt haben; sondern eben das Wesentliche der Erdendinge was denselben einen Werth ertheilt, und der einzige wahre Vortheil der sich aus ihnen ziehen läßt, wird dir ewig bleiben, denn du wirst sie betrachtet und behandelt haben wie du solltest: nicht als Zweck, sondern als Mittel zu werthvolleren und dauernderen Zwefen. Dann mag immerhin Zeit, Leben und du selber unaufhaltsam schwinden, du wirst in dem Augenblicke des Sterbens wo du dem gemüthleeren Weltlinge am meisten zu verlieren scheinest, am meisten gewonnen haben, denn für den Guten ist das Ende des Lebens nur das Ende der Mühen und der Anfang des Lohnes." So spricht das Grab zu mir. Und ich höre deine Mahnung, geweihte Stätte unserer Umbildung zur höheren Daseynsstufe, heilige Wiege wo der Mensch zur zweiten besseren Geburt empfangen wird! Ich erkenne mit welcher Wichtigkeit und Wahrheit es deinen ernsten Räumen zu mir so erklingt weiß, so würden meine um mich ruhenden Erdenbrüder mit der Weisheit der Erfahrung zu mir sprechen, könnte ihr Geist wiederkehren in den verlassenen Staub. D 363 Darum o Du dem ich jeden Augenblick meines Daseyns, jede Kraft meines Wesens und jede Hoffnung meiner Seele verdanke, mein Gott und mein Erbarmer! Dir nahe ich auch hier wo Deiner Schöpfung Odem mich umweht, mit aller Hingebung deren ein von Ahnungen der Ewigkeit ergriffenes Gemüth fähig ist, mit aller Innigkeit die des Grabes hohe Bedeutung in diesem Augenblicke in mir aufregt, und flehe zu Dir, laß meine noch übrigen Tage, wie viele oder wie wenige ihrer auch seyn mögen, Deines Wohlgefallens würdig seyn; vergib dem Schwachen was die Schwachheit bisher in ihm gefehlt vergib mir und allen hier um mich Schlummernden unsere Schulden! halte uns empor an dem h. Stabe der Hoffnung der Hoffnung auf Deine grenzenlose Barmherzigkeit! Sey den Heimgegangenen ein milder Richter und reicher Lohner, und mir für die Zukunft ein gnadenvoller Führer! Laß unter den Freuden und Sorgen der Zeit mich nie vergessen, wie bald auch was an mir der Zeit gehört dem Grabe verfallen werde, und die kurze Erdenfrist mir vorzüglich als Zeit der Aussaat und der Vorbereitung für den Tag der Ernte wichtig werden; laß die feierliche Stimmung die mich hier 31* - - 364 ergriff in mir nachhaltig seyn, mich für immer vor Thorheit und Schlechtigkeit bewahren, zu jedem Guten spornen, in jedem Leiden stärken, und so die Weisheit des Grabes mich als besten Segen von den Gräbern meiner Brüder mit mir durch das Leben nehmen. Amen. Am Ende des Jahres. " Der Mensch ist gleich einem zerrinnenden Schaume, seine Tage sind wie ein vorüberziehender Schatten"*). So sagt o Herr Dein heiliges Wort; so bestätigt es die Er fahrung. Ein Jahr ist wieder dahin, mit allem was an Freude und Kummer, an Tugend und Sünde für mich darin lag. Schnell schwand es, schnell werden die übrigen folgen. Wo *) 143 Psalm, 4 Vers.mi - 365 sind nun die tausend entwichenen Stunden desselben? welche Spuren haben sie für mich zurückgelassen? sind meine Wünsche erfüllt worden, und hat die Erfüllung meiner Sehnsucht genügt? ist nicht das meiste davon, hinfällig wie der Tag der es brachte, schon vergessen? ist von dem übrigen mir jetzt mehr als eine schwache Erinnerung übrig? blieb meinem Herzen bis zum Ende des Jahres wichtig was mir beim Anfange so schien? ward keine meiner befriedigten Begierden für mich bloß zu einer Quelle des Schmerzes? So wechselt das Irdische; aber das Ewige bleibt. Wie unwürdig wollte ich heute, am Ende eines so bedeutenden Abschnittes meiner irdischen Laufbahn, meine Gedanken nicht vor allem auf das Bleibende richten! Wie oft bereitet sich der Sterbliche erst zum vollen Genusse des Lebens und steht bereits an der Stunde die ihn in andere Welten zur Rechenschaft abruft! Was haben ihm dann Gesundheit, Ehre und Reichthum geholfen, wenn er der kommenden Welten zu denken vergaß? was hat ihm alles irdische Streben in einem Augenblicke geholfen, wo er nichts mit sich nimmt als das Bewußtseyn recht gethan zu haben?! - 366 O Vater! zu Dir hebe ich daher meinen Geist empor und denke des Ernstes der Zukunft. Danksagungen und Bitten bewegen heute abwechselnd meine Seele: ich will beides so vor Dir aussprechen, wie es einem Wesen ziemt das, für die Ewigkeit erschaffen, diese mehr als alles was vergeht beachten soll.roň Ich danke Dir vor allem für die Gnade daß Du mich wieder ein Jahr hast vollenden lassen. Hätte ich es doch besser verlebt und mehr Gutes in demselben gethan! Aber nicht so würdig und rein wie ich sollte, stehe ich am Ende desselben vor Dir. Herr der Erbarmniſſe, gehe nicht nach der Strenge Deiner Gerechtigkeit mit mir ins Gericht! Ich weiß, so kurz unser Leben an sich ist, so lang ist es in seinen Folgen. Ich weiß, jedes Jahr ist nur ein großer Schritt zum Grabe. Vielleicht ist das nächste, mein letztes, vielleicht bin ich in demselben schon vor Dir gestanden und habe den Lohn meiner Thaten empfangen. O stärke mich durch diesen Gedanken zur kräftigen Besserung meiner Fehler und zur eifrigen Erfüllung meiner Pflichten, daß ich von nun an der Folgen meiner Thaten bei allem was ich thun oder lassen will, nie mehr vergeffe. 367 In meinen irdischen Angelegenheiten hast Du mich in diesem Jahre weise und wohlthätig geführt. Oft mein barmherziger Vater! habe ich die Spuren Deiner Güte gesehen; ich danke Dir dafür mit Innigkeit und Demuth. Abermal gehe ich einer Nacht entgegen deren Dunkel mein schwaches Auge nicht durchdringt; auch hier sey Deine Liebe mein Vertrauen, und das Bestreben sie durch einen gerechten Wandel zu verdienen, meine Sorge. Du hast mir zwar nicht jedes meiner Begehren gewährt, aber ich danke Dir unendlich Weiser! oft habe ich erfahren, gerade das Nichtgewähren war es was mein Vortheil heischte. Auch in Zukunft wirst Du mir nicht alles gewähren, ich danke Dir! Was Du beſtimmest, ist immer Segen; mit Gelassenheit will ich es empfangen, überzeugt daß Du bleibest, wie Du es warst, mein Gott und Beschützer. Auch Widriges hast Du an mir vorüberziehen lassen; ich danke Dir unendlich Gnadenvoller! es war die Mahnung und das Unterpfand der bessern Heimath. Dir opfere ich auf alle schweren Stunden dieses Jahres; und in Demuth und Ergebenheit will ich auch fünftige hinnehmen- nur sey Dein göttlicher Beistand stets mit mir! 368 und Aus voller Seele vergebe ich heute allen meinen Widersachern. Gott des Friedens und der Schonung! erhöhe in Zukunft meine Strenge gegen mich, und meine Geduld mit den Schwächen anderer. In Deine Hände empfehle ich heute alle meine Freuden und Leiden. In Deine Hände empfehle ich alle die mir angehören, und ihre geistige und körperliche Wohlfahrt. Laß o Vater! bei allen Veränderungen die uns nach Deinem Willen noch hienieden treffen werden, nur daß was wir bald allein mitnehmen werden- das Bewußtseyn recht gethan zu haben, nie aus unsern Herzen weichen, und wir werden damit alles haben was uns in Zeit und Ewigkeit beglücken kann. In Deine Hände empfehle ich heute die Nationen und ihre Hirten, das Glück und den Frieden der Reiche, und die Wohlfahrt meiner Heimath. Breite Deinen Segen aus über unsern theuersten Landesfürsten und über das Oberhaupt unserer Kirche, sey Du ihr Schild und ihr Lohn. Gib Gedeihen jedem Stande und jedem Alter: daß alle Deine Liebe erkennen, Deine Gebote befolgen, und Dich kindlich und dankbar verehren. Alles woran unsere Ruhe und unser Heil hängt, sey Dir o Vater! heute und immer 369 empfohlen. Du kennst unsere Bedürfnisse und die Ohnmacht unserer Kräfte; Du weißt und fannst uns geben was uns zum wahren Vortheile gereicht. Auf Dich, Herr unser Gott! vertrauen wir. Dein Licht erleuchte die in der Finsterniß der Sünde liegen; Dein Wohlgefallen erfreue die nach Deinem Reiche und seiner Gerechtigkeit streben; Deines Sohnes göttlicher Sinn fomme über uns alle und mache uns in Zukunft zu besseren Menschen, daß wir zu dem Segen unserer Jahre auch den Segen unserer Thaten legen. Verleihe uns überall Gehorsam gegen Dich, Achtung gegen uns selbst, und Gerechtigkeit gegen andere damit wenn unsers leßten Jahres Ende uns erscheint, wir freudig zu Dir ausschauen und selig zu Dir kommen, Du unser Vater und Erbarmer! Amen. 370 Glaube. Hoffnung. Liebe. Unerschaffener, Urbestehender, Der Du bist und warst und seyn wirst, am Ich glaube Dich! Dir beginnt in glühender Andacht Der Morgen sein preisvolles Lied; Vor Dir sinkt die Abendsonne In Ehrfurcht und Anbetung hin; Vor Deines Donners Stimme bebt die Erde; Im Angesichte Deines Sturmes Verhüllen selbst die Himmel ehrerbietig sich- Erhabener, ich glaube Dich! Du bist! Es redet Dich mein Herz, Es spricht Dich das Gericht der Zeiten, Der Untergang des Bösen, Die Freude des Gerechten. Es redet Dich Der kleinen Biene Häuschenbau, Es reden Dich die Sternenwelten Am Himmel Deiner Mitternacht. Des Schnees Silberflocke Und des Pols Eisberge, Der Gischt des wilden Waldstroms, Und der blinkende Juwel Der an des Grashalms Spiße zittert Sie bekennen Dich. stundas Du Ernster, 371 Du Mächtiger, Ich glaube Dich! - Der die Natur in ihren Angeln hält, Du bist es! B Dessen Anklang Ordnung tönt und Leben Bis an des Alls entfernteste Enden, Du bist es! Ich schaue Deine Herrlichkeit Im Staub und an des Himmels Feste- 372 Allherrschender, Urkräftiger, Ich glaube Dich! Dein Eingeborener verkündigte Im Worte und in Thaten Dich; In seinem Leben lebtest Du, Dein Wirken war sein großes Wirken, Sein Anfang und sein Ende waren Deine Botschaft, d Deine Gnade, Deine Offenbarungend no 2 An den verirrten Erdensohn. Durch Jesu mir Geoffenbarter, Schöpfer und Begnadiger, Ich glaube Dich! Ich glaube Dich- ich glaube Dich! Veröden muß das Menschenherz, Das Dich nicht in sich aufnahm. Der Menschenkraft und Menschentugend Fehlt die haltbare Unterlage, Wenn Du o Weltenherr! ihr fehlst. Selbst daß das Erdenleben uns 373 Gelebt zu werden werth erscheint, Kann nur der Glaube in uns machen. O stärke mich daher mein Gott, Daß ich des Glaubens heilig Kleinod Mir immer fest und rein bewahre! Laß jedem Irrthum, jeder Lüge Mich treu und standhaft widerstehen, Die der Zeiten Flattergeist, Bloß mit dem wechselvollen Nichts Der Neuheit lockend übertüncht, Zur Welt, uns zu bethören, schickt. O stärke auch mein Gott und Herr, Zum thätigen Bekennen mich! Ein Glaube, welchem es genügt Nur im Verstande da zu seyn, Oder der nur Worte hat Und nie zum edlen Werke wird, 159 Ist ein unnüßer, todter Glaube. " Wirket dieweil es für euch tagt"*); *) Evangelium Joh. 9 Hauptstück, 4 Vers. 374 So mahnt der Menschheit Retter mich. Du lebest, ein Vergelter, uns, Suchst Früchte einst an unserm Daseyn; Osey mir Antrieb, sey mir Kraft, Daß ich auch mit dem Wandel glaube! Zum edlen Thun, Gott! bitte ich Um Stärkung Dich erhöre mich! - Von Ewigkeit erbarmenvoller, Gütiger, wahrhaftiger Schöpfer, auf Dich hoffe ich! Die höchste der Verheißungen Hast Du mir schon dadurch ertheilt, Daß Tu aus Nichts zum Seyn mich riefft. Stillschweigend gabst Du Dich dadurch Zum Vater meines Lebens mir; Stillschweigend legtest Du mir da Die heilige Pflicht des Kindes auf, Und fügtest zu der Kindespflicht Das selig große Kindesrecht, Die Anwartschaft auf Deiner Himmel Unversiegbar hohes Heil. Du wirst nicht unerfüllet lassen, Was Deine Allmacht geben kann Und Deine Gnade geben will; Auf Dich, auf Dich Unendlich Milder! hoffe ich. 375 Das leise Ahnen meiner Seele Von unvergänglichem Bestehen, Und daß mein Geist einst fähig sey Dir ohne Schranke nah zu seyn; Der stille Hinblick meiner Sehnsucht Zum Heiligthume Deines Hauses, Und zu der Unermeßlichkeit Der Wonnen die es in sich faßt, Bekräftigt meinen Anspruch. Durch Dich o Herr, ward alles dieß In meines Geistes Tiefen wach; Du wirst nicht unbestätigt lassen, Was Du in mir entzündet hast. Kein Leben hätte ohne Dich, Kein Ziel des Lebens ich gekannt; Keine Ahnung daß noch etwas Über uns vorhanden ist, Hätte mich bewegt, und keine Sehnsucht mich darnach ergriffen. Von Deiner Hand hervorgerufen Lebt all' dieß nun in mir, und ist An sich schon sichere Gewähr Der einstigen Verwirklichung. 376 Wie solltest Allbarmherziger! Du Dich an Dem verläugnen können, Was nur durch Dich ins Daseyn trat, Durch Dich allein darin besteht, Und nun mit seinem ganzen Wesen Ewig Deiner väterlichen Huld anheimgegeben ist?! Dein Werk bin ich; Gott preisen Dich Die Engel und die Welten: O Auf Dich, auf Dich O Gott und Vater! hoffe ich. - Was das Unsterbliche in mir Zu seinem Ziele führen kann, Und was des Geistes sterblichere Gefährte auf dem Weg hier braucht, Du bist es mächtig zu gewähren, Vor dessen Hauch die Berge schmelzen, Auf dessen Wink sich Welten bau'n. Du bist auch treu es zu gewähren, Der, so wie Er den reinen Geistern Seiner Himmel Wonne schenkt, Auch des Schöpfers milden Segen Für des Blattes Raupe hat. Du schaffest nicht um zu verlassen; 377 Am kleinsten Werke Deiner Hand Gehst Du nicht gnadenlos vorüber! Darum, ob auch ein Nichts vor Dir, Sieht doch mein Geist mit Hoffnung auf Zu Dir, der Dinge mächtigem Anfänger und Vollender! - Du wirst von dem was jetzt und einst Zu meinem wahren Besten dient, Nach Deiner Huld mir nichts versagen. Auch mein Erlöser spricht zu mir: " Keinen Vater sucht auf Erden, " Einer ist es der im Himmel " Der, wessen ihr bedürfet, weiß; " Der weise, reich und gnadenvoll, Wenn er des Feldes Gras beschirmt, " Den Sperling in den Lüften nährt, " An euch Sich mehr bezeugen wird. 11 " Sein im Leben, 174 " Sein im Tode, " Sein in der Unendlichkeit, 3000 Seyd immer eines Gottes ihr; " Was wollet ihr noch ängstlich seyn?! " Sey Rechtlichkeit nur euer Ziel, " Das Reich des Herrn euer Streben; " Und dieß, und alles was euch sonst " Noch nöthig ist, wird Er nach seiner 32 - 378 " Gottesweisheit euch zulegen"*). So stärkte Er auch mein Vertrauen: Und an des Glaubens Lebensbaum Den unter uns sein Wort gepflanzt, e Band Er der Hoffnung Himmelsblüthe, Daß Dich bekennen Und Dich haben Und durch Dich Vater, alles haben, Von nun an bis in Ewigkeit In deinem Volk nur eines sey. Ja o Herr! Ich harre Dein Treu und unerschütterlich. Sind auch die Gleise die Du einschlägſt, Oft nicht die meinen, quält mich auch Das Dunkel Deines Nathes oft Ich bin der Finsterniß Gefährte; Du aber haft Dem Lichte seine Bahn gemessen, *) Evangelium Matth. 23 Hauptstück, 9 Vers. Ebendas. 6 Hauptstück; 32, und 26 bis 31 Vers. Brief an die Römer; 14 Hauptstück, 7, 8 Vers. Evangelium Joh 6 Hauptstück, 39, 40 Vers. Evangelium Luk. 12 Hauptstück, 31, 32 Vers. 20. 20. 20. - Führst über mir die Sonnenheere Von Anbeginn Mit Sicherheit, Bist ewig in und von Dir selbſt Die Tiefe aller Weisheit. Wie wenig wärest Du o Gott, Wenn Menschen Dich begreifen könnten! Auf Dich, auf Dich Unendlich Weiser! hoffe ich. Bei aller Macht nichts ohne Dich Bin ohne Macht ich mit Dir alles, Bin glücklich, stark, zufrieden, reich: Wer etwas mir anhaben will, Zerschellen muß an Deinem Willen Ohnmächtig sein Beginnen, wie An eh'rner Mauer dünnes Rohr. 379 O nur der Hoffnung Himmelsstrahl Laß nie mir Herr, hienieden schwinden! Wie elend, dem ihr Anker fehlt!.. Wie elender noch, der da kühn Auf seine Kraft vertrauend glaubt, Er könne Dein entbehren, Herr! 32 380 Klomm er bis zu den Wolken auf Du siehest hin, - Er wehklagt in der Tiefe. Ermorscht in seinen untersten Grundlagen ist sein ganzes Glück, Wenn er nur durch die arme Stüße Der eignen Kraft es stüßen will. Auf Dich will ich darum vertrauen. O laß es durch straflosen Wandel Mich auch vor Dir stets dürfen, Herr! Entferne mich von bösen Pfaden; Daß nicht all meine Hoffnung bloß Verwegenheit des Sünders sey, Und mir, als Übermuth, vor Dir Nur Züchtigung einst bringe. Tipyls ndid Vollkommener, Allliebender, ani ingle 31.03 ng Ich liebe Dich! 10 381 Wer ist wie Du Der höchsten Liebe würdig? Wenn mir schon an dem Sterblichen Des Geistes Reinheit wohlgefällt, Das sittlich Große mich ergreift, Das Gute meine Achtung hat; Muß nicht für Dich mein Herz entbrennen, Von dem, was gut am Menschen heißt, Nur ein geringer Ausfluß ist- Für Dich, der unaussprechlichsten Vollkommenheit, wie sie der Staub Nicht fassen kann, vollkommenste Und wandellose Wirklichkeit? Wer ist wie Du de Zugleich auch uns Ein himmlischer Wohlthäter? Zu Deinem großen Schöpfungsbuche Gab unser Erdenaufenthalt Nur einen kleinen Buchstaben her; Und wie hast Du mit milder Hand Für Deine Kinder ihn geschmückt! O Vater, der Du eben so In Deinen lebenlosen Werken Wunderbar und herrlich bist, Als gegen das was Leben hat, 382 An Huld und Wohlthun unerreicht, Nur der Bedauernswürdige Der Dich nicht denket, liebt Dich nicht. Du bist das höchste Gut an sich, Du bist das höchste Gut für mich, Allliebender! ich liebe Dich. Ob wir es auch verkennen mögen, Gibst Du so manches Gute hier; Und es erscheint zur rechten Zeit " Stets Dein Erbarmen in der Noth, " Wie Regenwolken in der Dürre"*). Ob sie auch jetzt falt lassen mag, Gibst Du endlose Freude dort; Erfaffest, wenn wir sinken, uns; Und ziehst uns an Dein Herz einst hin: Damit wir bei Dir selig wohnen Im Glanze jenes ewigen Lichtes, Vor dem die Sonne Nacht ist. O gnadenvoller bist Du, Herr, Als wir es ahnen und verdienen! Der Undank nur kehrt sich von Dir, Nur was bloß Menschen form trägt, Und hat so der Vernunft und Pflicht *) Buch Ecclesiasticus; 35 Hauptstück, 26 Vers. Und aller Hoffnung, allem Heile Moor Den Scheidebrief gegeben. Leben Deiner Erdenkreise, Segen Deines Geisterreiches, Liebe die nur Liebe ist, " Du hast mich zuvor geliebt"*); Mit tiefem Danke sinke ich Vor Deinem Angesichte nieder Stammelnd: Herr ich liebe Dich! 383 Du gibst nur Heil was Du auch gibst, Du führst nur recht wie Du auch führst, So rufen alle die Dich kennen; Auch in mir hallt es preisend nach. Und scheinest Du auch manchmal Dich Von unsern Seufzern abzuwenden Und unsers Grames nicht zu denken, Fort von mir doch der Ungedanke Daß Du nicht unser Vater" bleibst! Durch Freude suchst Du uns zu rühren, Damit, erkennend deine Güte, Wir um so fester Dir gehören. Durch Unglück aber rufest Du Das schlummernde Gewissen wach, *) 1 Brief Joh. 4 Hauptstück, 19 Vers. 384 Daß wir der Sünde Pfad verlassen Und thust daher durch beides wohl. Ja Du liebest wenn Du lächelst, Ja Du liebest wenn Du züchtigst; Deß lebe ich, deß sterbe ich, Und liebe Dich Allvater! Doch wer ist Dir wahrhaft treu? " Der liebe Dich, So sagt Dein Wort, " Der Dein Gebot bewahret"*). That ich es stets? indi)# 2 O Gott, vergib18 Was ich vor Dir gefündigt! Verschließ Dein Ohr nicht meinem Flehn, Sieh meiner Reue Wehmuth an! Schwer drückt es mich, dnff sind Daß gegen Dich, An sich die höchste Heiligkeit, Für uns den gnadenvollen Vater, Deß mannigfache Huldbeweise Nicht diesen Dank von uns erheischen, Ich oft durch Übertretungen So pflichtvergessen mich bezeugt. *) Evangelium Joh, 14 Hauptstück, 21 Vers. 385 Du bist zwar Liebe ohne Ende, Doch bist Du auch Gerechtigkeit, Und sprichst als Richter hehr und ernst Das Weltenwort" Vergeltung" einst, Dem Treubefundnen Sphärensang, Doch Dem der treulos Dich verlassen, Ein Schreckwort der Verwerfung. O Gott! o Gott! Der Du nicht willst den Tod des Sünders, " Sondern daß er demuthvoll " Und besser zu Dir wiederkehre“*); Verstoße mich Verirrten nicht, Der nur auf Dich und Dein Erbarmen In seinem Nichts noch hoffen kann! Höre gnädig mein Gelübde: Lassen will ich was Du hasfest, Dir mich weihen, und nie wieder Mit der Sünde mich verbünden; Verzeih nur was vergangen ist, Was ich jetzt nicht mehr ungeschehen, Noch weniger, beim besten Willen, Gut geschehen machen kann! Durch Ihn, der einst am Kreuze auch Für meine Schuld um Gnade bat, Nimm wieder mich zum Kinde auf; Und für die Zukunft stärke mich, *) Ezechiel; 33 Hauptstück, 11 Vers. 33 386 Daß nun und stets Dich nicht nur mein Gefühl und Wort, Daß Dich auch meine Thaten lieben! Alliebender, Zur Gnade ruft die Reue auf: Erbarme Dich! Und rette vom Verderben mich! Ja, o Gott und Vater unser: Der fromme Glaube, Die feste Hoffnung, Die treue LiebeDieß sey das helle Dreigestirn, Das meinen Erdentag umleuchte, Das meines Strebens Inhalt werde, Das mir zum Ziele Führer sey. Aus voller Seele rufe ich: Unendlicher erhöre mich! Dem reinen Wollen gib Vollbringen; Durch dieser Dreizahlin ttliches Sey ewig mein Und ich Dein ewig! Amen. Stellen aus Thomas von Kempen: " Von der Nachfolge Christi." Frei übertragen. Über die Vortheile der Einsamkeit. Suche dir gelegene Zeit, um dir zu leben und die Wohlthaten deines Gottes zu erwägen. Willst du dich von überflüssigen Gesprächen und von müßigem Umherschwärmen zurückziehen, so wird dir für dich genug Muße übrig bleiben. Es sagte Jemand: so oft ich unter Menschen war, kam ich, ein kleinerer Mensch, zurück. Wir finden das bestätigt wenn wir viel schwaßen. Leichter ist es schweigen als im Worte nicht ausschweifen. 33* 388 Um dir den Frieden des Gemüthes zu bewahren, rette dich aus dem Geräusche der Welt. Daheim wirst du finden was du drauBen nur verlieren kannst. In Stille und Einsamkeit gedeiht der Geist. Wer sich vom Drange der Zerstreuungen losreißt, dem tritt Gott nahe. Besser ist es verborgen seyn und Sorge tragen über sich, als draußen Wunder wirken und sich dabei versäumen. Wohl treibt manchmal die Begierde hinaus; doch ist die Stunde nun vorüber, trägst du oft was anderes zurück als ein wüstes Herz und ein schweres Gewissen? 12 Der frohe Ausgang wird oft ein trüber Heimgang, und der freudenvolle Abend bringt oft einen unangenehmen Morgen. So zieht alle fündige Luft schmeichelnd ein; doch zuletzt verwundet sie und tödtet. Glaubst du je durch sie ersättiget zu werden? Das wirst du nicht erreichen! Den Eitlen laß daher das Eitle; du aber gehorche dem Gebote deines Gottes. Hättest du dem Neuen nicht nachgeſpürt und nicht das Nußlose erforscht, so wärest du ruhiger geblieben. Tritt in deine Kammer und sey mit dem Herrn: nirgends findest du so vielen Frieden. 389 In Euch ist das Reich Gottes, sagt der Erlöser. Wende dich also mit ganzem Herzen von außen ab und nach innen zu, und das Reich Gottes wird in dich kommen. Über Verträglichkeit. Erhalte dich in Frieden mit Andern und mit dir selbst. Nur der Leidenschaftliche wandelt auch das Gute um zum Schlechten. Wer duldsam ist, argwohnt von Keinem Böses. Der Unzufriedene und Vielbewegte aber wird immer von Verdacht gepeinigt; hat selbst nicht Ruhe und läßt Andere nicht ruhen; sagt oft was er nicht sagen sollte; betrachtet was Der und Die thun sollten, und vergißt was er zu thun schuldig sey Wache also vorerst mit Eifer über dich, dann kannst du Eifer gegen deinen Nächsten zeigen. Du verstehst wohl deine Thaten zu bemänteln und zu vertheidigen, aber die Rechtfertigung Anderer willst du nicht hören. Gerechter wäre es dich beschuldigen, ehe du den Bruder anklagest. Willst du ertragen werden, ertrage selbst. 390 Wie fern bist du noch von wahrer Demuth und Liebe, die Niemanden zürnen kann als sich selbst. bon das AD Wenn du dich nicht so haben kannst wie du willst; wie kannst du Andere ganz nach deinem Wohlgefallen verlangen? Bei Andern dringst du streng auf Bes serung, selber aber willst du davon nichts hören. Die Ungebundenheit Anderer mißfällt dir, doch dir willst du nichts verweigert wissen wonach dich gelüſtet. So zeigt sich wie selten man dem Nächsten so viel Recht, als man selber begehrt, widerfahren läßt. Wären Alle vollkommen, was hätten wir von Andern für Gott zu leiden?* 19 Schwer ist der Unverträgliche Andern, doch schwerer noch sich selbst. Wer mehr dulden kann, der hat mehr Frieden. Er ist Sieger über sich, Herr über die Verhältnisse, ist zugleich Jesu Freund und des Himmels Erbe. 391 Über Selbst genügsamkeit. Baue nicht auf dich und nicht auf Menschen; dein Hoffen sey auf Gott. Thue was bei dir steht; der Herr wird deinen guten Willen unterstützen. Vertraue deinem Wissen nicht und nicht der Klugheit irgend eines Lebenden; vertraue aber der Gnade des Ewigen, die der Demuth hilft und den Übermuth erniedrigt. thin Brüste dich mit Reichthum nicht und nicht mit mächtigen Freunden; Gott ist es der alles gibt. Erhebe dich nicht wegen der Größe oder Schönheit deines Körpers; Ein Unfall kann sie zerstören. Gefalle dir nicht in deiner Geschicklichkeit; damit du nicht Gott, dessen alles ist was du an dir hast, mißfallen mögest. Scheine dir nicht edler als Andere; daß du nicht vor Gott dadurch schlechter werdest, der da weiß was in dem Menschen ist. Hast du Gutes an dir, glaube das Bes sere von Andern; daß du die Demuth dir bewahrest. 392 Es schadet nicht wenn du Allen dich nachseßest; viel kann es aber schaden wenn du nur Einem dich vorsetzest. Stäter Friede ist mit dem Demuthvollen; im Herzen des Hochmüthigen aber ist Unruhe und häufige Erbitterung. Über das Erforschen fremden Thuns. Sey nicht neugierig, und belade dich nicht mit überflüssigen Sorgen. Was geht dich dieß und jenes an? Schaue auf Gott, und sein Gebot befolge. Ob Dieser ein solcher oder solcher ist, und Jener so oder anders spricht und handelt, was kümmerst du dich darum? Du brauchst der Antwort nicht für Andere; aber für dich wirst du Rede stehen. Was also denkest du an Andere? Gott nur kennt uns alle, und alles was unter der Sonne ist, und Er nur weiß, was jeder will und wohin die Meinung eines jeden zielt.d Ihm also stelle alles anheim; du aber bewahre dir die Ruhe des Gemüthes, und laß die Treibenden treiben so viel sie mögen. 393 Es kommt über sie wie sie gesprochen und gethan haben werden; denn Gott können sie nicht überlisten. ou dist Kehre deinen Blick zurück auf dich. Andere richten ist vergebliche Sache und nicht von Irrthum frei; sich aber untersuchen ist stets nußvolle Arbeit. Über Gleichmuth in der Trübſal. Viele hat Jesus, die die Herrlichkeit seines Reiches sich ersehnen; aber Wenige, die die Last seines Kreuzes tragen mögen. Viele hat Er die Trost und Erquickung, aber Wenige die Widerwärtigkeiten verlangen. Viele die mit Ihm zum Mahle gehen wollen; Wenige die in Enthaltsamkeit und Nüchternheit seine Gefährten seyn wollen. Jeder will sich mit Ihm freuen; nur selten Einer für Ihn leiden. Viele folgen Ihm bis zum Brechen des Brotes; Wenige bis zum Trinken des Kelches der Schmerzen. Viele verehren seine Wunder; Wenige find bereit die Schmach der Verachtung mit Ihm zu theilen. 394 di Viele lieben Jesu so lange sie von Ihm erfreuet werden; verbirgt Er sich aber, so brechen sie in Kleinmuth und in Klagen aus. Wer aber Jesu wegen Jesu und nicht we gen seines Vortheils liebt, benedeit ihn nicht nur in der Freude sondern auch in Angst und Traurigkeit. Nimm also dein Kreuz auf dich und folge Ihm nach; stirbst du mit Ihm, so wirst du mit Ihm leben. Wandle wohin du willst, und suche was du willst; du wirst kein Heil und keine bessere Sicherheit als in dem Kreuze finden. Ordne alles nach deiner Einsicht und nach deinem Willen; du wirst nichts anderes bemerken als daß du immer etwas leiden mußt, ungern oder gern; und so wird es an Kreuz dir auch nie mangeln. Entweder wirst du Schmerz im Körper fühlen, oder Mißmuth und Unruhe des Gei stes wird dich plagen. Manchmal wirst du scheinbar von Gott verlassen, manchmal von deinem Nächsten gerüttelt werden; und oft wirst du selbst dir eine Last seyn. Kreuz wartet also deiner überall. Du kannst nicht ausweichen; denn wo du immer hingehest, trägst du dich mit dir und hast damit genug Beschwerde. 395 Trägst du das Kreuz willig, so wird es dich hinwieder tragen und zum erwünschten Ziele führen. l day lond mus@, Trägst du es aber unwillig, so vermehrst du dir die Bürde und mußt dabei doch tragen. Wenn du auch ein Kreuz abwirfst, so findest du ein anderes, und vielleicht wird es dir schwerer seyn. Glaubst du vermeiden zu können was noch kein Sterblicher vermied? wer war auf Erden ohne Drangsal? bu d Selbst Jesus Christus unser Herr mußte leiden, und so in seine Herrlichkeit eingehen, was willst du einen bessern Weg? for you Wenn du auf dich zurücksiehst, wirst du durch deine Kraft nicht tragen können. Hast du aber Zuversicht zum Herrn, so wird Er dir Kraft vom Himmel verleihen. Dulde darum gern ein Weniges um Christus; Viele leiden Drückenderes für die Welt. Gott will es so, damit du dich Ihm ganz ergibst und in der Trübsal Demuth lernst. Gut ist es uns wenn wir oft Widerspruch erfahren, damit wir unsere Hoffnung nicht auf Menschen richten. Gut ist es wenn man oft übel von uns denkt, auch wo wir es wohl meinten. Es hilft 396 zur Bescheidenheit und sichert gegen eitle Ruhmsucht. Denn damal wenden wir uns mehr zu Gott und zu unserm Selbstbewußtseyn, wenn man von außen uns verkennt und verkleinert. Da finden wir, daß uns Gott nöthig sey und daß die Welt den wahren Frieden nicht ertheilt. Hätten wir nicht so viel mit unsern Leidenschaften und mit dem Vergänglichen zu thun, wir würden auch nicht so viel zu klagen haben. Rotteten wir alle Jahre nur Einen Fehler aus, wir würden bald zur Vollkommenheit gelangen. Hart ist es zwar das Gewohnte zu lasſen; aber die Gewohnheit wird durch eine andere Gewohnheit überwunden. Wenn du das Kleinere nicht bestegen fannst, wie wirst du einst gegen das Schwerere bestehen? unts Besser ist es sich jetzt von Sünden reinigen, als die Reinigung der Zukunft überlassen. Jetzt also brauche Mühe und Sorge, damit du am Tage des Gerichts gesichert sevest. Denn da wird der Demüthige Freudigkeit haben, den Hochmüthigen von allen Seiten Angst umringen. Moor 397 Da wird Der als Weiser erscheinen, der jetzt um Christus willen den Thoren zugezählt wird. Da wird der beherrschte Sinn mehr frohlocken, als wenn er jetzt in Luft erzogen würde. Da wird ein reines Gewissen mehr Ruhe geben, als jetzt alle Kenntniß und Gelehrfamkeit. Da wirst du froher seyn daß du jetzt geschwiegen, als daß du viel unnüße Dinge gefabelt hast. Da werden gute Werke mehr beglücken, als jetzt alles Vergnügen und alle Herrlichkeit der Welt. Lerne also nun ein Kleines leiden, daß du dann von Größerem befreiet werdest. Versuche jetzt, was du einst wirst können. Hättest du bis heute ftets in Ruhm und Üppigkeit gelebt, was würde dir das sammt und sonders nützen wenn du nun im nächsten Augenblicke sterben solltest? Alles also eitel und bestandlos, außer Gott lieben und Ihm zu allen Zeiten dienen. 398 Über das gute Gewissen. Der Ruhm des Tugendhaften beruht in dem Zeugnisse eines guten Gewissens. Habe ein unsträfliches Selbstbewußtseyn, und du wirst immer getroft seyn. Ein gutes Gewissen kann viel ertragen, und ist heiter auch in Widerwärtigkeiten. Ein schlechtes Gewissen hingegen ist stets voll Unruhe und Besorgniß. Dein Schlummer wird sanft seyn, wenn dein Herz dir nichts vorzuwerfen hat. Freue dich nicht, außer wenn du gut gehandelt hast. Die Ehre der Gerechten ist in ihrem Gewissen, und nicht in dem Munde der Menschen. Es ist eine kurze Ehre, die von Menschen gegeben und genommen wird. Derjenige hat großen Seelenfrieden, den weder Lob noch Tadel allzuviel kümmert. Du wirst nicht heiliger wenn du gelobt wirst, und nicht schlechter wenn man dich unverdient tadelt. 399 Wenn du sorgfältig darauf siehst was du innerlich bist, so wirst du dich nicht beunruhigen über das was man äußerlich von dir spricht. Der Mensch sieht nur das Angesicht, Gott aber das Herz. Nicht Derjenige der sich selber lobt, ist sagt der h. Paulus- sondern den bewährt Gott lobt. - Richte also deine ganze Zuversicht auf den Herrn und fürchte nicht die Urtheile der Menschen, wenn dich dein Gewissen schuldlos nennt. Es ist heilsam so zu leiden, und fällt Demjenigen nicht schwer, der demüthig ist und Gott mehr als sich vertraut. Allen genugthun ist nicht möglich. Obwohl Paulus Jedem in dem Herrn zu gefallen strebte und Allen alles ward, wurde er dennoch beurtheilt. Doch war ihm dieses das Geringste. hon Er überließ es Gott, und antwortete nur darum manchmal, damit die Schwachen an seinem Schweigen sich nicht stoßen möchten. Warum solltest du vor einem sterblichen Menschen zittern? Heute ist er und morgen erscheint er nicht mehr. nd Fürchte Gott, und du wirst vor keinen Drohungen der Menschen beben. 400 bo Was vermag Jemand gegen dich durch Worte und Lästerreden? Er schadet mehr sich als dir; denn er wird dem Gerichte Gottes nicht entgehen, wer er immer ist. Habe daher Gott vor Augen und laß dich deßwegen nicht in Zank und Hader ein. Wem Gott und ein gutes Gewissen hilft, dem kann keine menschliche Bosheit schädlich werden. Über die Betrachtung des Todes. Bald wird es mit dir geschehen seyn. Siehe wie du dich bereitest. Heute ist der Mensch und morgen ist er nicht mehr. Und wenn er von den Augen hinweggenommen ist, wird er auch bald aus dem Gedächtnisse verwischt. Daß wir doch bloß an der Gegenwart hängen! Wenn wir ein reines Gewissen hätten, würden wir das Sterben wenig fürchten. Besser ist es die Sünde fliehen als den Tod. Wenn du heute nicht bereitet bist, wie wirst du es morgen seyn? und weißt du ob du das Morgen haben wirst? 401 Was hilft es lange leben und doch nicht vollkommen werden? Das lange Leben vermehrt oft nur die Sünden. Viele berechnen die Jahre ihres Daſeyns, aber klein ist oft die Frucht der Besserung. Wenn es fürchterlich zu sterben ist, vielleicht ist es gefährlich zu leben. Selig der des Scheidens Stunde stets vor Augen hat, und im Geiste täglich stirbt. Wenn die letzte Stunde erscheint, wirst du ganz anders über dein vergangenes Leben urtheilen. Wie weise und glücklich, der jetzt ſo ist, wie er im Tode wünschen wird gewesen zu ſeyn. thin Viel Gutes kannst du wirken da du gesund bist; erkrankt weiß ich nicht was du vermögen wirst. Idem Durch Krankheit wird nicht Jeder gebes ſert; und die viel wallfahrten, werden selten viel geheiligt. Vertraue nicht auf Freunde. Wenn du selber für deine ewige Zukunft nicht sorgst, wie soll für dich ein anderer sorgen? Jetzt sind die Tage des Heiles, jetzt iſt die annehmbare Zeit, so lange du auf Erden bift. 34 402 in G8 kann einst geschehen daß du dir nur eine Stunde zur Besserung wünschen wirst; und wer weiß ob sie dir gegeben werden wird! Jetzt stirb der Sünde, auf daß du einst mit Christus lebeft. Nicht die nächste Stunde ist dir sicher, was hoffst du noch auf viele Jahre? Wie Viele täuschten sich hierin und wurden unvermuthet hingerafft?! asgutt ver Der Eine sank durch das Schwert, der Andere in den Fluthen; Dieser bei dem Gastmahle, Jener bei dem Spiele; Den tödteten Räuber, Jenen zerschlug ein Fall.- So scheiden wir oft plöglich. Am Morgen also steh nicht nach dem Abende aus, und am Abende versprich dir nicht den Morgen. Aber wende deine Zeit wohl an, und halte dein Herz immer zu Gott gerichtet. So wird dein Geist einst zu ihm gelangen. Amen. Anhang. Litaneien, Gebete und gewöhnliche Kirchengesänge. dvisitanei zu Gott und seiner göttlichen Fürsehung. Herr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christe Jesu, höre uns! Christe Jesu, erhöre uns! Gott Vater im Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott, heiliger Geist, Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Gott, unser Schützer, Gott, unser Herr und Beherrscher, Gott, unsere Hoffnung, Gott, unsere Zuflucht, Gott, erhabener Gegenstand unserer Liebe, Gott, unser Schöpfer, Gott, unser Erhalter und Versorger, Gott, unser Vater, Heiliger, vollkommener Gott, Heiliger, allmächtiger Gott, Heiliger, unsterblicher Gott, Heiliger, unermeßlicher Gott, Allwissender und weiser Gott, Gütiger und barmherziger Gott, Gott, der Du alles was unser Blick auf Erden erschaut, zum Gebrauche des Menschen bestimmt hast, erbarme Dich unser! 406 Der Du die Thiere des Waldes, der Meere und der Luft mild erhaltest und ernährest, Der Du der Lilie ihren Schmelz gibst, und des Feldes Blumen mit Farbenpracht bekleideft, Der Du der Erde Früchte segnest, daß sie uns zur Sättigung gedeihen, Der Du alles zum Besten unserer Seele ordnest und verfügest, Der Du durch Trübsal Besserung, durch zeitliches übel ewige Vollkommenheit, durch kurze Prüfung unvergängliches Wohlseyn wirkest, Der Du, die sich völlig Deiner heiligen Leitung anvertrauen, in Mitte ihrer Drangsale väterlich) beschirmest, Der Du, die auf Dich hoffen, niemal zu Schanden werden läsfest, Sen uns gnädig; verschone uns o Herr! Sen uns gnädig; erhöre uns o Herr! Bon allem Übel, befreie uns o Herr! Von aller Sünde, Von Übertretung Deiner heiligen Gebote Von allem Mißtrauen auf Deine göttliche Fürsehung, Von aller Ungeduld, Von aller Zaghaftigkeit im Leiden, Von sträflichem und nuglosem Klagen gegen die Anordnungen Deiner Gottesweisheit, Von Seelenschuld und Gewissensbangigkeit in der ernsten Todesstunde, Wir Sünder; wir bitten Dich, erhöre uns! erbarme Dich unser! befreie uns, o Herr! 407 Bater, schone unſer, is des find a Erfülle uns mit kindlichem Vertrauen auf Deine göttliche Macht und Güte, Laß uns in Glück und Unglück gleichermaßen Deine Huld verehren, Laß Gutes und Böses, Armuth und Reichthum, Leben und Tod mit innigem Danke uns von Deiner Hand hinnehmen, wir bitten Dich, erhöre uns! Laß unsern Willen stets Deinem vollkommeneren Willen sich gehorsam unterordnen, Laß Deiner vielfachen Barmherzigkeit, die von Unbeginn mit uns gewesen ist, unsere Seele nie vergessen, fid Sen am Tage der Trübsal unser Trost, und erbarme Dich in der Nacht der Bekümmerniß unser, wie ein Vater i feiner Kinder sich erbarmt, id DINE D Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt; verschone uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt; erhöre uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt; erbarme Dich unser, o Herr! ser Christe Jesu, höre uns! Christe Jesu, erhöre uns! Herr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Vater unser 2c. 408 V. Herr! erhöre mein Gebet; 2. Und mein Rufen laß zu Dir gelangen! Gebet. hing Gott! alles was mir an Glück und Unglück widerfährt, ist Deines Willens Fügung oder Zulassung Deiner Weisheit. Ich erkenne das und bete Dich in frommer Demuth an. Ich preise Deine heilige Fürsehung bei jeder Schickung meines Lebens. Deine Allmacht schütze mich, Deine Einsicht leite mich, Deine endlose Barmherzigkeit erhalte mich und bringe segnend mich zum Ziele! Du bist mächtig, Du bist treu, Du bist gütig, mir zu helfen. Habe ich meinen Sinn je von Dir gewendet, habe ich je meine Zuflucht außer Dich gesetzt, innig bereut es meine Seele. Du sorgst für mich, Du bist mein Gott und Vater, Du trägst mit Liebe meine Schwachheit- o ſenke Gesinnungen eines Kindes in mein Gemüth, daß die Freude mich nicht zum Übermuthe verführe und die Trübsal mich nicht niederschlage; daß überall und immer sich mein Hoffen nur auf Dich richte; daß ich in der Gegenwart mein ganzes Wirken und Leiden nach Deinem Gebote einrichte, und einst in der Herrlichkeit der Zukunft Deine milde Fürsehung preisen möge von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. NES Litanei von dem h. Namen Jesu. Herr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Jesu Christe, höre uns! Jesu Christe, erhöre uns! Gott Vater im Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott, heiliger Geist, Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Jesu, Du Sohn des lebendigen Gottes, Jesu, Du Sohn der Jungfrau Maria, Jesu, Du Heiligster, Jesu, Du Mächtigster, Jesu, Du Stärkster, Jesu, Du Vollkommenster, Jesu, Du Glorwürdigster, Jesu, Du Demüthigster, Jesu, Du Sanftmüthigster, Jesu, Du Geduldigster, Jesu, Du Heiland der Welt, Jesu, Du Mittler zwischen Gott und den Menschen, Jesu, Du treuer Hirt, Jesu, unsere Zuflucht, Jesu, Du Freund reiner Seelen, Jesu, Du wahres Licht der Welt, 409 Q 13 Wha Jesu, Du ewige Weisheit, Jesu, Du unendliche Güte, Jesu, Du Spiegel der Vollkommenheit, 35 erbarme Dich unser, 410 Jesu, Du Vorbild aller Tugenden, Jesu, Du Vater der Armen, Jesu, Du Tröster der Betrübten, Jesu, Du Freude der Engel, Jesu, Du König der Patriarchen, Jesu, Du Erleuchter der Propheten, Jesu, Du Meister der Apostel, Jesu, Du Lehrer der Evangelisten, Jesu, Du Stärke der Martyrer, Jesu, Du Licht der Beichtiger, Jesu, Du Bräutigam der Jungfrauen, Jesu, Du Krone aller Heiligen, Sey uns gnädig; verschone uns, o Jeſu! Sey uns gnädig; erhöre uns, o Jeſu! Von aller Gefahr, erlöse uns, o Jesu! Von aller Sünde, Von den Nachstellungen des Feindes, Von Pest, Hunger und Krieg, Von Übertretung Deiner Gebote, Von dem Anfalle aller Übel, Durch Deine Menschwerdung, Durch Deine Geburt, Durch Deine Schmerzen, Durch Deine Geißelung, Durch Deinen Tod, Durch Deine Auferstehung, Durch Deine Himmelfahrt, Durch Deine Verherrlichung vom Vater, Durch die Fürbitte Deiner jungfräulichen Mutter, erbarme Dich unser! erlöse uns, o Herr! Durch die Fürbitte aller Deiner Heiligen, Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt; verschone uns o Jesu! 411 O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt; erhöre uns o Jesu! O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt; erbarme Dich unser o Jesu! Jesu Christe, höre uns! Jesu Christe, erhöre uns! Herr, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Vater unser 2. V. Der Name des Herrn sey gebenedeit, A. Von nun an bis in Ewigkeit! Sebet. 1 O Gott! der Du den glorwürdigsten Namen Jesu Christi Deines Sohnes unsers Herrn Deinen Gläubigen anmuthvoll und liebenswürdig, den bösen Geistern aber furchtbar und schrecklich gemacht hast, verleihe gnädigst, daß Alle, welche diesen Namen fromm auf Erden verehren, die Innigkeit heiliger Tröstungen in diesem Leben empfangen, und im künftigen die ewige Freude und unendliche Seligkeit erhalten und genießen mögen. Durch denselben Jesum Christum unsern Herrn, der mit Dir lebet und regieret, in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 35* 412 Litanei zum h. Sacramente des Altars. Herr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater im Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott, heiliger Geist; Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Jesus Retter, als Gott und Mensch im h. Saeramente des Altars wahrhaft gegenwärtig, gleich. Du Brot der Engel, Du lebenvolles Brot, das uns vom Himmel gekommen ist, miditeit Du Brot, das alle Annehmlichkeit in sich enthält, Du Brot, das hingegeben worden ist für das Heil der Welt, Du Nahrung unserer Seele, Du verborgener Gott und Heiland) Du Manna des neuen Bundes, Du Erquickung der Gerechten, Du Frucht des Baumes des Lebens, Du Quell der Gnaden, Du Kelch des Segens, Ou Lamm sonder Makel, Du immerwährendes Opfer zur VersöhVIC nung, erbarme Dich unser! 1. Gedächtniß Gottes, Du erfreutiches Geheimniß unſerer Ultäre, Du hohes Denkmal des Werkes unserer Seligkeit, 413 Du Gabe über alle gute Gaben, Du Band des Friedens und der Liebe, Du wiederkehrende Gerechtigkeit der Sünder, Du Stärke der Schwachen, erbarme Dich unser! Du Hoffnung der Betrübten, Du Sättigung der Hungernden, Du Heil der Kranken, Du Begzehrung der Sterbenden, Du Unterpfand der kommenden Herrlichkeit, Sen uns gnädig; verschone uns, o Herr! Sey uns gnädig; erhöre uns, o Herr! Vom unwürdigen Genusse Deines h. Leibes und Blutes, erlöse uns, o Herr! Von jeder unlauteren Gesinnung, Vom Hochmuthe des Lebens, Von der allzugroßen Begierde nach Vergänglichem, Von der Gefahr zur Sünde, Vom ewigen Tode, Durch die tiefe Demuth, mit der Du zu Deiner Jünger Füßen Dich herabgelassen hast, Durch die himmlische Liebe, mit der Du dieses Sacrament eingesetzt hast, Durch Dein heiliges Fleisch und Blut, das Du uns hier hinterlassen hast, Durch Dein inniges Verlangen nach unferer ewigen Vereinigung mit Dir, Wir Sünder; wir bitten Dich, erhöre uns! erlöse uns, o Herr! 414 Daß Du uns in dem lebendigen Glauben an dieses h. Sacrament erhalten wollest, Daß Du unsere Ehrfurcht und Andacht gegen Dich vermehren wollest, Daß Du in uns die Begierde nach Dir stets teget anfachen wollest, Daß Du uns vom Tode der Sünde zum ewigen Leben erwecken wollest, Daß Du den Willen und die Kraft, das Böse zu besiegen, in uns erhöhen wollest, Daß Du uns in allem Guten stärken wolleft, Daß Du in Deiner Gnade uns befestigen wollest, Daß Du uns vor allen Nachstellungen des Feindes beschirmen wollest, Daß Du unsere Gemüther durch die Macht Deiner Heimsuchung zu Dir lenken wollest, Daß Du die Flamme Deiner Liebe in uns nähren wolleft, Daß Du uns zu aller Zeit in Dir erfreuen wollest, Daß Du uns Alle mit den Banden der brüderlichen Liebe an einander schließen wollest, Daß Du uns in der Stunde des Todes mit dieser Himmelsspeise laben wollest, Daß Du uns zum Mahle des ewigen Lebens führen wollest, Du Sohn Gottes, wir bitten Dich, erhöre uns! O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt; verschone uns, o Herr! 415 O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt; erhöre uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt; erbarme Dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Herr, erbarme Dich unser! sijais Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Vater unfer 2c. Gebet. Gott, der Du uns in dem wunderbaren Sacramente des Altars das Undenken Deines Leidens hinterlassen haft; wir bitten Dich, verleihe uns die heiligen Geheimnisse Deines Leibes und Blutes also zu verehren, daß wir die Frucht Deiner Erlösung kräftig in uns empfinden. Der Du lebest und regierest mit Gott dem Vater, in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Lauretanische Litanei. Herr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater im Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich unser! 416 Gott, heiliger Geist, erbarme Dich unser! Heilige Dreieinigkeit, ein einiger Gott, erbarme Dich unser! Heilige Maria, bitte für uns! o8 13 2 Heilige Gottesgebärerin, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Mutter Christi, Mutter der göttlichen Gnaden, Du allerreinste Mutter, Du allerkeuschefte Mutter, Du ungeschwächte Mutter, Du unbefleckte Mutter, Du liebliche Mutter, Du wunderbarliche Mutter, Du Mutter des Schöpfers, Du Mutter des Erlösers, Du weiseste Jungfrau, Du ehrwürdige Jungfrau, Du lobwürdige Jungfrau, Du mächtige Jungfrau, Du gütige Jungfrau, Du getreue Jungfrau, Du Spiegel der Gerechtigkeit, Du Sit der Weisheit, Du Ursache unserer Fröhlichkeit, Du geistliches Gefäß, Du ehrwürdiges Gefäß, Du vortreffliches Gefäß der Andacht, Du geistliche Rose, Du Thurm Davids, Du elfenbeinerner Thurm, Du goldenes Haus, Du Arche des Bundes, Du Himmelspforte, plas bitte für uns! 50 417 Du Morgenstern, Du Heil der Kranken, Du Zuflucht der Sünder, Du Trösterin der Betrübten, Du Hilfe der Christen, Du Königin der Engel, Du Königin der Patriarchen, Du Königin der Propheten, Du Königin der Apostel, Du Königin der Martyrer, Du Königin der Beichtiger, Du Königin der Jungfrauen, Du Königin aller Heiligen, O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt; verschone uns, o Herr! ODu Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt; erhöre uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt; erbarme Dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Herr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! bitte für uns! Gegrüßet seyft du, Maria 2c. Unter Deinen Schuß und Schirm fliehen wir, heilige Gottesgebärerin! verschmähe nicht unser Gebet in unsern Nöthen, sondern erlöse uns jederzeit von aller Gefahr, o du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau, unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin! Versöhne 418 uns mit deinem Sohne, stelle uns dar deinem Sohne, empfehle uns deinem Sohne! V. Bitte für uns, heilige Gottesgebärerin! A. Daß wir würdig werden der Verheißungen Chrifti. Gebet. Wir bitten Dich, o Herr! gieße Deine Gnaden in unsere Herzen aus; damit wir, die wir durch die Verkündigung des Engels die Menschwerdung Christi, Deines Sohnes, erkannt haben, durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung gebracht werden. Durch Christum, unsern Herrn. Amen. V. Bitte für uns, seligster Joseph! A. Daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Gebet. Wir bitten Dich, o Herr! daß uns durch die Verdienste des Bräutigams Deiner heiligsten Gebärerin geholfen werde; damit, was unser Vermögen nicht erhalten kann, durch seine Für bitte uns geschenket werde. Der Du lebest und regierest mit Gott dem Vater, in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.binadas Litanei zu Ehren aller Heiligen. Herr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christe, höre uns! 419 Christe, erhöre uns!? solled Gott Bater im Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme Dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme Dich unser! Heilige Maria, bitte für uns! Heilige Gottesgebärerin, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Heiliger Michael, Heiliger Gabriel, Heiliger Raphael, uns! bitte für Alle heiligen Engel und Erzengel, bittet für uns! Alle heiligen Chöre der seligen Geister, bittet für uns! Heiliger Johannes der Zäufer, bitte für uns! Heiliger Joseph, bitte für uns! Alle heiligen Patriarchen und Propheten, bittet für uns! Heiliger Petrus, Heiliger Paulus, Heiliger Andreas, Heiliger Jacobus, Heiliger Johannes, Heiliger Thomas, Heiliger Jacobus, Heiliger Philippus, Heiliger Bartholomäus, Heiliger Matthäus, Heiliger Simon, Heiliger Thaddäus, Heiliger Mathias, Heiliger Barnabas, bitte für uns! 420 Heiliger Lucas, bitte für uns! Heiliger Marcus, bittee für uns! Alle heiligen Apostel und Evangelisten, bittet für uns! Alle heiligen Jünger des Herrn, bittet für uns! Alle heiligen unschuldigen Kinder, bittet für uns! Heiliger Stephanus, bitte für uns! Heiliger Laurentius, bitte für uns! Heiliger Vincentius, bitte für uns! Heilige Fabianus und Sebastianus, bittet für uns! Heilige Johannes und Paulus, bittet für uns! Heilige Cosmas und Damianus, bittet für uns! Heilige Gervasius und Protasius, bittet für uns! Alle heiligen Martyrer, bittet für uns! Heiliger Silvester, Heiliger Gregorius, Heiliger Ambrosius, bitte für uns! Heiliger Augustinus, Heiliger Hieronymus, Heiliger Martinus, Heiliger Nicolaus, Alle heiligen Bischöfe und Beichtiger, bittet für uns! Alle heiligen Lehrer, bittet für uns! Heiliger Antonius, Heiliger Benedictus, uns! bitte für Heiliger Bernardus, Heiliger Dominicus, Heiliger Franciscus, Alle heiligen Priester und Leviten, bittet für uns! Alle heiligen Mönche und Einsiedler, bittet für uns! 421 Heilige Maria Magdalena, Heilige Agatha, Heilige Lucia, Heilige Agnes, Heilige Cäcilia, Heilige Katharina, Heilige Anastasia, Alle heiligen Jungfrauen und Witwen, bittet für uns! Alle Heiligen Gottes, bittet für uns! Sen uns gnädig; verschone uns, o Herr! Sen uns gnädig; erhöre uns, o Herr! Von allem Übel, erlöse uns, o Herr! Von aller Sünde, Von Deinem Zorne, Vom unversehenen und plötzlichen Tode, Von den Nachstellungen des Feindes, Von Zorn, Haß und allem bösen Willen, Von dem Geiste der Unlauterkeit, Von Blitz und Ungewitter, Vom ewigen Tode, Durch das Geheimniß Deiner heiligen Menschwerdung, Durch Deine Ankunft, Durch Deine Geburt, Durch Deine Taufe und Dein heiliges Fasten, Durch Dein Kreuz und Leiden, Durch Deinen Tod und Dein Begräbniß, Durch Deine heilige Auferstehung, Durch Deine wunderbare Himmelfahrt, Durch die Ankunft des heiligen Geistes, des Trösters, Am Tage des Gerichtes, bitte für uns! erlöse uns, o Herr! 422 Wir Sünder; wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du uns verschonest, Daß Du uns verzeihest, Daß Du uns zur rechten Buße bringen wollest, Daß Du Deine heilige Kirche regieren und beschüßen wollest, Daß Du den obersten Hirten und alle Stände der Kirche in Deiner heiligen Religion erhalten wollest, Daß Du die Feinde der heiligen Kirche demüthigen wollest, Daß Du den christlichen Königen und Fürsten Frieden und wahre Einigkeit verleihen wollest, Daß Du dem ganzen christlichen Volke Eintracht und Ruhe geben wollest, Daß Du uns in Deinem heiligen Dienste stärken und beleben wollest, Daß Du unsere Gemüther zu himmlischen Begierden erheben wollest, Daß Du alle unsere Wohlthäter mit den ewigen Gütern belohnen wollest, Daß Du unsere und unserer Brüder, Freunde und Wohlthäter Seelen vor der ewigen Verdammniß bewahren wollest, Daß Du Die Früchte der Erde geben und erhalten wollest, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du allen abgeschiedenen Gläubigen die ewige Ruhe verleihen wollest, Daß Du uns erhören wollest, D Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt; verschone uns, o Herr! 423 O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt; erhöre uns, o Herr! Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt; erbarme Dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Herr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Vater unser 2c. Pfalm 69. O Gott, merke auf meine Hilfe: Herr, eile mich zu retten! Beschämt und zu Schanden sollen werden, die meiner Seele nachstellen. Erröthend sollen zurückweichen, die mir übles wollen. Abtreten sollen mit Schmach, die meiner Trübsal spotten. Aber frohlocken und sich in Dir erfreuen sollen Alle, die Dich suchen; immer sollen, die Dein Heil lieben, sagen: Gebenedeiet sey der Herr! Ich aber bin arm und bedürftig; o Gott, stehe mir bei! Du bist mein Retter und Erlöser; o Herr, fäume nicht mit Deiner Hilfe! Ehre sen dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste! Wie sie war im Anfange, jetzt und in allwege und bis zu ewigen Zeiten. Amen. 424 V. Mache Deine Diener selig, 2. Die auf Dich hoffen, mein Gott! V. Sey uns Herr, ein starker Thurm A. Wider unsere Feinde! V. Laß den Feind nichts wider uns vermögen; Ã. Und das Kind der Bosheit uns nicht schaden! V. Herr, handle nicht mit uns nach unsern Sünden! 2. Und vergilt uns nicht nach unsern Mis ſethaten. V. Lasset uns beten für unsern obersten Hirten N. 2. Der Herr erhalte und belebe ihn, mache ihn glückselig auf Erden, und liefere ihn nicht in die Hände seiner Feinde! V. Lasset uns beten für unsere Wohlthäter. A. Ertheile Allen, Herr, die uns Gutes thun um Deines Namens willen, das ewige Leben! V. Lasset uns beten für die abgeschiedenen Gläubigen. A. Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen! V. Laß sie ruhen in Frieden! A. Amen. V. Lasset uns beten für unsere abwesenden Brüder. 2. O mein Gott, mache Deine Diener, die auf Dich hoffen, selig! V. Sende ihnen Hilfe von Deinem Heiligthume; A. Und von Sion schirme sie! 425 V. Herr, erhöre mein Gebet; 2. Und mein Rufen laß zu Dir gelangen! Gebete. Gott! dessen Eigenschaft ist, Sich stets erbarmen und verschonen, nimm unser Flehen gnädig auf, und laß uns und alle Deine Diener, die von den Banden der Sünde umschlungen sind, durch den Beistand Deiner göttlichen Hilfe gnädig davon erledigt werden. Wir bitten Dich, o Herr! erhöre unser demüthiges Gebet, und verzeihe Denen, die reuig ihre Schuld vor Dir bekennen; damit wir durch Deine Milde mit der Nachsicht zugleich den Frieden erlangen. O Herr! erzeuge uns gnädig Deine unaussprechliche Barmherzigkeit; daß wir von unsern Sünden erlöst, und auch von der Strafe, die wir für selbe verdienen, errettet werden. O Gott! der Du durch die Sünde beleidiget und durch die Buße versöhnet wirst, siehe gnädig auf das Bitten Deines demüthigen Volkes nieder, und wende von uns die Geißel Deines Zornes ab, die wir für unsere Missethaten verdienen. Allmächtiger, ewiger Gott! erbarme Dich Deines Dieners, unsers obersten Hirten N., und leite ihn nach Deiner Barmherzigkeit auf den Weg des ewigen Heiles; damit er durch Deine Hilfe, was Dir gefällig ist, begehre, und mit aller Kraft vollbringe. O Gott! von dem uns heiliges Verlangen, redliches Wollen und gerechtes Wirken 36 426 kommt, gib Deinen Dienern jenen Frieden, den die Welt nicht geben kann; damit die Herzen Deinen Geboten hingegeben, und die Zeiten, vor Feindes Furcht gesichert, unter Deinem Schuße friedlich seyen. Entflamme, Herr, mit dem Feuer Deines heiligen Geistes unsere Nieren und unser Herz; daß wir Dir reinen Körpers dienen und lautern Sinnes gefallen mögen. O Gott, Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen! verleihe den Seelen Deiner Diener und Dienerinen die Vergebung aller Sünden; damit fie Deiner ersehnten Gnade durch frommes Flehen theilhaftig werden. Wir bitten Dich, o Herr! komme unsern Handlungen mit Deiner Gnade zuvor, und begleite sie mit Deiner Hilfe; daß all unser Beten und Wirken von Dir beginne, und mit Dir angefangen, auch durch Dich vollendet werde. Allmächtiger, ewiger Gott: der Du herrschest über die Lebendigen und Todten, und Dich Aller erbarmest, die Du nach ihrem Glauben und Thun für die Deinen erkennest, demüthig flehen wir zu Dir, Du wollest Die, für welche wir Dich bitten, und die entweder noch dieses Leben festhält, oder das künftige schon, entkörpert, aufgenommen hat, mittels der Fürbitte aller Deiner Heiligen nach Deiner unendlichen Güte zur Vergebung aller ihrer Sünden gelangen lassen. Durch unsern Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn, der mit Dir lebet und regieret, in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigfeit. Amen. V. Herr, erhöre mein Gebet; A. Und mein Rufen laß zu Dir gelangen! V. Es höre uns der allmächtige und barmherzige Herr! 2009) U. Amen. V. Und der Gläubigen Seelen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes in Frieden. A. Amen. & itanei für die Verstorbenen. Perr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! 427 Gott Vater im Himmel, erbarme Dich aller Abgeschiedenen! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich aller Abgeschiedenen! Gott, heiliger Geist, erbarme Dich aller Abgeschiedenen! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme Dich aller Abgeschiedenen! Heilige Maria, bitte für die Abgeschiedenen! bitte für die Heilige Gottesgebärerin, Heilige Jungfrau aller Jung- Abgeschiefrauen, denen! Heiliger Michael, Alle heiligen Engel und Erzengel, die Abgeschiedenen! me 36* bittet für 2 bu 428 Heiliger Petrus, Heiliger Paulus, Heiliger Johannes, bitte für die Abgeschiedenen! Alle heiligen Apostel und Evangelisten, bittet für die Abgeschiedenen! Heiliger Stephanus, bitte für die Abgeschiedenen! Heiliger Laurentius, bitte für die Abgeschiedenen! Alle heiligen Martyrer, bittet für die Abgeschiedenen! Heiliger Gregorius, bitte für die Abgeschiedenen! Heiliger Ambrosius, bitte für die Abgeschiedenen! Alle heiligen Bischöfe und Beichtiger, bittet für die Abgeschiedenen! Heilige Maria Magdalena, bitte für die Abgeschiedenen! Alle heiligen Jungfrauen und Witwen, bittet für die Abgeschiedenen! Alle heiligen Gottes, bittet für die Abgeschiedenen! Sey ihnen gnädig; verschone sie, o Herr! Sey ihnen gnädig; erhöre sie, o Herr! Von allem Übel, erlöse sie, o Herr! Von Deinem Zorne, Von der Gewalt des Feindes, Von dem Schatten des ewigen Todes, Durch Deine unbefleckte Empfängniß, Durch deinen trostvollen Namen, Durch die Fülle Deiner Erbarmnisse, Durch Dein schmerzliches Leiden, Durch Deine heiligen Wunden, erlöse sie, o Herr! 429 Durch Deinen schmachvollen Tod, in welchem Du, sterbend, unsern Tod zerstört hast, erlöse sie, o Herr! Wir Sünder; wir bitten Dich, erhöre uns! Der Du Marien hast verz ehen und dem Mörder Heil verliehen, Der Du Erlösung zu ertheilen mächtig bist, Daß Du unsere Eltern, Verwandten, und Wohlthäter den Strafen der Hölle entziehen wollest, Daß Du alle hingeschiedenen Gläubigen von der ewigen Verwerfung erretten wollest, Daß Du ihre Sehnsucht erfüllen wollest, Daß Deiner Engel Schar ihnen glänzend entgegenkomme, Daß Du aller Verstorbenen, deren auf Erden keine Erinnerung mehr ist, Dich erbarmen wollest, Daß Du ihnen Allen Nachsicht und Vergebung angedeihen lassen wollest, Daß der Apostel ruhmwürdiger Chor sie empfange, Daß der Martyrer siegreiches Herr frohlockend sie umgebe, Daß der heiligen Bekenner Menge sie Dir zuführe, Daß Deiner reinen Jungfrauen Kranz freudig sie geleite, Daß sie zu ihrem Schöpfer, der vom Staube der Erde sie gemacht hat, zurückkehren mögen, Daß ihnen Dein Anlit Jesu, sanft und freundlich erscheine, wir bitten Dich, erhöre uns! 430 Daß Du sie zu Deiner Rechten in die Verbin dung Deiner Auserwählten aufnehmen wolleft; wir bitten Dich, erhöre uns! Sohn Gottes, Quell der Güte, König der Erhabenheit, der Du den Eingang zu Tod und Hölle offen haft; wir bitten Dich, erhöre uns! O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt; schenke ihnen den Frieden! Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt; schenke ihnen den Frieden! O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt; schenke ihnen den ewigen Frieden! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Es ist ein heiliger und heilsamer Ge,, danke, für die Verstorbenen zu beten, damit fie von ihrer Sündenschuld erlöset werden."*) V. Herr, erhöre mein Gebet; 2. Und mein Rufen laß zu Dir gelangen! Sebet. Wir bitten Dich, o Herr! Du wollest unser demüthiges Flehen den Seelen Deiner Diener und Dienerinen ersprießlich seyn lassen. Reinige fie von allen Sünden, und mache fie Deiner Erlösung theilhaftig; der Du lebest und regierest mit Gott dem Vater, in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. *) 2 Buch der Machabaer; 12 Hauptstück, 46 Vers. Todtenhymne. Dies irae etc. Rechtstag, deine Schreckensfülle Deckt die Welt mit Feuerhülle; David spricht es und Sybille. Schaurig wird die Schöpfung zittern, Kommt der Richter in Gewittern, Die Gewissen zu erschüttern. Auf der Klagposaune Schallen Müssen aus der Grüfte Hallen Leichen zum Gerichte wallen. Tod, Natur im Widerstreben, Seh'n den Staub ersteh'n und leben, Strenge Rechenschaft zu geben. Aus dem Buch verletzter Pflichten Wird der Herr die Menschheit sichten, Und mit scharfer Wage richten. Hat Er seinen Stuhl bestiegen, Wird Verborgnes offen liegen, Kein Verbrechen bleibt verschwiegen. Worte werden mir entgehen, Einen Schüßer anzuflehen, Wo Gerechte kaum bestehen. König, furchtbar und erhaben! Ohn' Entgelt sind Deine Gaben; Laß an Deiner Huld mich laben. Jesu, Retter, sey beschworen, Auch für mich bist Du geboren, Schone gib mich nicht verloren! - 431 1432 War ich Endzweck Deines Strebens, Theil am Opfer Deines Lebens, Sey Dein Aufwand nicht vergebens. Höre meiner Seufzer Stöhnen, Laß durch Neue Dich versöhnen, Eh' Dein Urtheil wird ertönen. Schwer bin ich mit Schuld befangen, Scham bedecket meine Wangen; Gott, laß Gnade mich erlangen! Der Marien hat verziehen, Der dem Mörder Heil verliehen, Läßt für mich noch Hoffnung blühen. Muß ich unwerth mich bekennen, Darf ich doch Dich Mittler nennen, Laß mich dort nicht ewig brennen. Weit von Böcken, weit von Schlechten, Mit den Schafen, mit Gerechten, Stelle mich zu Deiner Rechten. Hast Du, die Dir widerstreben, Höllenflammen preisgegeben, Winke mir zum bessern Leben. Laß mich mit erhob'nen Händen Herzzerknirschet zu Dir wenden, Laß versöhnt mich selig enden. Tag, wo Thränen nicht versiegen, Wo der Mensch, dem Grab entstiegen, Wird vor Gott als Sünder liegen! Herr, erbarme Dich und schone, Bei'm Erlöser Deinem Sohne, Ew'ge Ruhe gib zum Lohne! Amen. 433 Für den Landesfürsten. Gott! Du Beschützer aller Reiche und besonders des christlichen Kaiserthums; verleihe Deinem Diener, unserm Kaiser N., daß er Deine Macht, durch welche er siegt, erkenne und verehre, damit weil er durch Deine Anordnung Landesfürst geworden ist, er auch durch Deinen Schutz allezeit mächtig sey. Durch unsern Herrn Jesum Christum Deinen Sohn, der mit Dir lebet und regieret, in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Kirchengebete. Für alle Glieder der Kirche. Aumächtiger ewiger Gott! durch dessen Geist der ganze Körper der Kirche geheiliget und geleitet wird, erhöre unser Flehen für die sämmtlichen Stände derselben; daß mit Deiner Gnade Beistand von allen ihren Gliedern Dir treu gedient werde. Durch Christum unsern Herrn. Amen. Für das Kirchenoberhaupt. Gott, Du aller Gläubigen Lenker und Beschützer, siehe gnädig nieder auf Deinen Diener N., den Du Deiner Kirche als Hirt vorgesetzt hast, gib ihm daß er im Worte und im 37 434 Werke Denen, über die Du ihn gestellt hast, zum Heile sey, damit er zugleich mit den ihm anvertrauten Scharen zum ewigen Leben gelangen möge. Durch Christum unsern Herrn. Amen. Für den König. Wir bitten Dich, allmächtiger Gott, verleihe Deinem Diener, unserm König N., der durch Deine Erbarmniß des Reiches Zügel übernommen hat, daß er auch in allen Tugenden wachse; damit er mit denselben geschmückt das Laster meiden, und zu Dir, der Du der Weg, die Wahrheit und das Leben bist, gnadeerfüllt gelangen möge. Durch Christum unsern Herrn. Amen. Für Freunde.. Gott, der Du die Gaben der Liebe durch des heiligen Geistes Gnade den Herzen Deiner Gläubigen eingegossen hast, gib Deinen Dienern und Dienerinen, für die wir Deine Barmherzigkeit anrufen, Heil des Leibes und der Seele; daß sie mit aller Kraft Dich lieben, und mit aller Liebe, was Dir gefällig ist, vollbringen. Durch Christum unsern Herrn. Umen. Für Feinde. Gott, Beschützer des Friedens und der Einigkeit! gib allen unsern Feinden Frieden und wahre Eintracht, erlasse ihnen alle ihre Sünden, und uns entziehe ihren Anschlägen mit starker Hand. Durch Christum unsern Herrn. Amen. 435 Für Kranke. Aumächtiger, unendlicher Gott, Du ewiges Heil Uller die an Dich glauben, erhöre uns, da wir für Deine kranken Diener zu Deiner Barmherzigkeit um Hilfe rufen; damit sie, genesen, im Angesichte Deiner Kirche Dir ihre Danksagungen demuthvoll darbringen. Durch Christum unsern Herrn. Amen. Für Reisende. Sey unfern Bitten gnädig, Herr, und ordne die Wege Deiner Diener in Deiner Weisheit zu ihrer Freude; daß sie bei allem Wechsel der Pfade und des Lebens stets durch Deine Macht beschirmt werden. Durch Christum unsern Herrn. Amen. Um Vergebung der Sünden. Gott, der Du keinen Reuigen verwirfst, sondern auch den Sündern durch Buße barmherzig Dich versöhnen läßt, siehe nieder auf das Ge= bet unserer Zerknirschung, vergib uns unsere Missethaten, und erleuchte unsere Herzen, daß wir von nun an Deine Gebote treu erfüllen. Durch Christum unsern Herrn. Amen. Um Demuth. Gott, der Du den Hochmüthigen widerstehst und den Unterwürfigen Gnade angedeihen läßt, verleihe uns die Tugend der wahren Demuth, deren Bild den Gläubigen Dein Eingeborner 37* 436 an Sich aufgestellt hat; damit wir nie durch Stolz Deinen Zorn wider uns herausfordern, sondern durch Demuth der Geschenke Deiner Gnade würdig werden. Durch Christum unsern Herrn. Amen. Um Stark muth. Gott, der Du durch Deines Eingebornen Geduld des alten Feindes Ungestüm zermalmt haft; wir bitten Dich, gewähre uns, was Er standhaft für uns gelitten hat, oft würdig zu erwägen, und so durch seines Beispiels Einfluß alles Widerwärtige gelassen zu ertragen. Durch denselben Christum unsern Herrn. Amen. Um die Gnade wohl zu sterben. Almächtiger und barmherziger Gott! der Du dem menschlichen Geschlechte sowohl die Mittel zum Heile als auch des ewigen Lebens Lohn verheißen hast, schaue mit Huld auf uns Deine Diener nieder, und stärke die Seelen die Du erschaffen hast, damit sie in der Stunde ihres Ausgangs frei von aller Makel der Sünde Dir ihrem Schöpfer, durch Deiner heiligen Engel Hände zugeführt werden mögen. Durch Christum unsern Herrn. Amen. In jedem Anliegen. Gott, unser Schuh und unsere Kraft! höre Deines Volkes frommes Flehen, Selber aller Frömmigkeit Uranfang; und verleihe, daß was wir mit Vertrauen bitten, von Dir mit 437 Erfolg gesegnet werde. Durch Christum unsern Herrn. Amen. 3 ur Zeit der Hungersnoth. Laß o Herr! unser andachtvolles Gebet vor Dir wirksam seyn, und entferne von uns gnädig alle Hungersnoth; damit die Herzen der Sterblichen erkennen mögen, daß wenn Deine Gerechtigkeit solche Geißeln sendet, Dein Erbarmen sie auch zu Ende bringen könne. Durch Christum unsern Herrn. Amen. 3ur Zeit wiederholten Erdbebens. Allmächtiger ewiger Gott! vor dessen Angesicht die Erde erzittert, schone der Geängstigten und versöhne Dich den Flehenden, damit Diejenigen, die Deinen Zorn, der den Erdkreis in seinen Grundfesten erschüttert, mit Schreck erkannten, auch Deine Gnade, die der Bertrümmerung Einhalt thut, erfahren mögen. Durch Christum unsern Herrn. Amen. In Kriegeszeit. Gott, der Du die Kriege zerstörest, und die Widersacher Derjenigen die Dir vertrauen, durch die Kraft Deiner Vertheidigung zurückwirfst, sey Deinen Dienern die Deine Erbarmnisse anrufen, zu Hilfe; damit wir Dich, nach unterdrückter Wuth der Feinde, mit unaufhörlichem Danke preisen. Durch Christum unsern Herrn. Amen. ● 438 Um Frieden. Gott, des Friedens Geber und Bewahrer, Den kennen leben, Dem dienen herrschen ist, beschirme uns gegen alle Gewaltthätigkeiten der Feinde; damit uns, die wir Zuversicht zu Deinem Schuhe haben, vor den Waffen der Streitsucht nicht bange sey. Durch Christum unsern Herrn. Amen. 3ur Zeit der Dürre. Gott, in dem wir leben, uns bewegen und sind, sende uns fruchtbaren Regen; damit wir, mit zeitlichen Bedürfnissen hinlänglich versehen, uns um so emsiger um das Ewige bestreben können. Durch Christum unsern Herrn. Amen. Um Trockenheit. 3u Dir rufen wir, erhöre uns, o Herr! und lasse den Bittenden Deinen Himmel heiter werden; damit uns, die wir mit Recht für unsere Sünden gezüchtigt werden, durch Deine zuvorkommende Barmherzigkeit auch Deine Gnade fühlbar werde. Durch Christum unsern Herrn. Amen. Für alle Lebende. Unterstüße o Herr! Alle die an Dich glauben, mit Deiner mächtigen Hand; daß sie Dich von ganzem Herzen suchen, und was sie fromm von Dir begehren, stets zu erhalten würdig seyen. Durch Christum unsern Herrn. Amen. Gesänge zur heiligen Messe. 1. 3um Eingange. Wir werfen uns darnieder Vor Dir Gott Sabaoth! Erhöre unsre Lieder, Da wir nach dem Gebot Dir dieses Opfer bringen: Verleihe uns, daß wir Es andachtsvoll besingen, Und wohlgefallen Dir. Den Tag vor Jesu Leiden, Beim letzten Abendmahl, Indem Er wollte scheiden Aus diesem Jammerthal, Hat Er das Brot gebrochen, Und ausgetheilt den Wein, Gesegnet und gesprochen: Dieß thut und denket Mein. 439 Er sprach: Nehmt hin und esset, Dieß ist mein Fleisch und Blut; Damit ihr nicht vergesset, Was meine Liebe thut. Mich opfernd will Ich sterben Am Kreuz zum Heil für euch; Wer an mich glaubt, soll erben Mit Mir das Himmelreich. 440 O Herr! dieß Opfer steige 3u Dir mit Wohlgeruch, Damit Dein Herz Sich neige Zu Deines Volks Gesuch. Wir opfern nicht mehr Kälber, Wie Aaron hat gethan; Doch Jesum Christum selber, Der uns versöhnen kann. 3um Gloria. Gott Vater! Dir gehöret Lob, Ruhm und Dank und Ehr'; Was unsre Ruhe störet, Verstatte nimmermehr. Auf Erden laß uns grünen Den Frieden jederzeit, Daß wir Dir fröhlich dienen, Von Furcht und Angst befreit. Der Du der Menschen Sünden Gebüßt am Kreuzesstamm, Laß uns Erbarmung finden, O Jesu, Gotteslamm! Gelobt mit Mund und Herzen Seyst Du auch, heil'ger Geist! Der Du in Angst und Schmerzen Den Frommen Trost verleihst. 3um Evangelium. Aus Gottes Munde gehet Das Evangelium; Auf diesem Grunde stehet Das wahre Christenthum. Gott selbst hat es gelehret, Der nicht betrügen kann; Wohl dem, der's gerne höret, ad Und es nimmt willig an. Sein Wort zeigt uns die Wege Zum Himmelreiche an; Es weiset uns die Stege, 3u gehen sichre Bahn. Herr! drücke Deine Worte Tief in die Herzen ein, Daß wir zur Himmelspforte Zu kommen würdig sey'n. 3um Credo. Wir glauben und bekennen, Daß aus höchst weisem Rath Gott, den wir Vater nennen, Die Welt erschaffen hat. Von Ihm ist ausgegangen Sein Sohn der Jesus heißt; Der ward als Mensch empfangen Durch Gott den heil'gen Geist. Maria hat geboren Als Jungfrau dieses Kind, Sonst wären wir verloren, Wir, die wir Sünder sind. Er litt an Leib und Seele, Schloß sterbend seinen Lauf, Stand aus des Grabes Höhle Am dritten Tage auf. 441 Dann ward Er aufgenommen Zu Gottes rechter Hand: 442 Wann Er wird wieder kommen, Ist uns zwar nicht bekannt; Doch kommt Er einst zu rächen, Und wird von seinem Thron Ein billig Urtheil sprechen Zur Strafe und zum Lohn. Wir glauben nicht alleine, Daß eine Kirche sey; Wir stimmen der Gemeine Der Heiligen auch bei. Die Sünde wird vergeben Durch Christi Diener hier; Der Leib steht auf zum Leben, Geht ein zur Himmelsthür. 3um Offertorium. O Herr! laß diese Gaben Dir wohlgefällig seyn, Die wir geopfert haben; 3war ist's nur Brot und Wein, Doch wird's verwandelt werden In Christi Fleisch und Blut; Das ist uns hier auf Erden Und den Verstorbnen gut. Wir opfern Dir den Willen, Herz und Gedanken auf; Hilf uns, daß wir erfüllen In unserm Lebenslauf, Was Du uns, Deinen Kindern, 3u thun befohlen hast; Nimm weg, was uns kann hindern, Nimm weg die Sündenlast. Wir legen Dir zu Füßen Auch unser Hab und Gut, Und was wir hier genießen, Das Leben, Leib und Blut. Gib was wir brauchen, Regen, Thau oder Sonnenschein, Und laß durch Deinen Segen Die Felder fruchtbar seyn. 3um Sanctus. Laßt uns gen Himmel schwingen 3um Helfer in der Noth, Und drei Mal heilig singen Dem Herrn Gott Sabaoth. Herr! Himmel und die Erde Sind voll von Deinem Ruhm; Hilf, daß bekehret werde Das blinde Heidenthum. Damit wir dann zusammen Dir unsre Herzen weih'n, Und voll von Liebesflammen Dir ein Hosianna schrei'n. Herr, der in Deinem Namen Kommt, sey gebenedeit! Die Engel sagen: Amen, Jetzt und in Ewigkeit! Nach der Wandlung. 443 Hier bet' ich auf den Knien, Verborgner Gott, Dich an, Ich will mich nicht bemühen, Das, was Du hier gethan, 444 Durch Sinne zu begreifen; Dein Wort muß mir allein, Um hier nicht auszuschweifen, Der Grund des Glaubens seyn. Die Gottheit war bedecket Allein am Kreuzaltar: Hier aber ist verstecket Die Menschheit auch sogar. Dieß Denkmahl Deiner Güte, Dieß wahre Himmelsbrot Erinnert mein Gemüthe, O Herr, an Deinen Tod. Wasch' mich von meinen Sünden, Jesu! durch Dein Blut, Und laß mich Gnade finden, Du allerhöchstes Gut. Laß bald den Vorhang fallen, Erschein' in vollem Licht, Und zeige mir und Allen Dein glänzend Angesicht. 3um Agnus Dei. Erfreut euch, fromme Seelen, Ein Wunder ist gescheh'n; Der Herr will Sich verhehlen, Kein Auge kann Ihn seh'n. In Brot- und Weinsgestalten Ist Jesu Fleisch und Blut Auf dem Altar enthalten, Dieß größte Seelengut. Verdeckt ist hier zu finden Das wahre Gotteslamm, Das aller Menschen Sünden Getilgt am Kreuzesstamm. Es ist der Seelen Speise, Wie uns der Glaube lehrt; Sie nährt uns auf der Reise, Und wird doch nicht verzehrt. Wenn wir das Leben schließen, Und dieses Himmelsbrot Recht wohl bereit genießen, So kann der nahe Tod Uns Christen nicht erschrecken: Es ist ein Unterpfand, Daß Gott uns wird bedecken Mit seiner starken Hand. Herr Jesu! Deiner Liebe Sey Ehre, Lob und Dank, Weil Du, nach ihrem Triebe, Zur Speise und zum Trank Dein Fleisch und Blut gegeben In Brot'sgestalt verhüllt, Daraus für uns das Leben Und reine Freude quillt. Entzünd' in uns Verlangen Nach diesem Sacrament; Herr! laß es uns empfangen, Wenn sich die Seele trennt. Laß uns in Frieden fahren, Von allen Sünden rein, Zu Deinen Engelscharen, Und ewig bei Dir seyn. 445 446 3um Schlusse. Da wir nunmehr gehöret Die Messe, wie man soll, So sey auch Gott geehret; Er mach uns segensvoll, Und laß es Sich gefallen, Was wir allhier gethan, Er bleibe bei uns Allen, So sind wir wohl daran. Gott wolle uns behüten, Daß uns an diesem Tag Des bösen Feindes Wüthen C Nicht schädlich werden mag. Er laß uns ohne Sünden Einst stehen vor Gericht, Damit wir Gnade finden Vor seinem Angesicht. Gesänge zur heiligen Messe. 2. 3um Eingange. Hier liegt vor Deiner Majestät Im Staub die Christenschar, Das Herz zu Dir, o Gott! erhöht, Die Augen zum Altar. Schenk uns, o Bater! Deine Huld, Vergib uns unsre Sündenschuld, O Gott, von Deinem Ungesicht Verstoß uns arme Sünder nicht; Verstoß uns nicht, Verstoß uns Sünder nicht! Wir haben, Herr! Dein Gut verschwend't, Wie der verlorne Cohn; Die Sünde hat uns so verblend't! Doch schau von Deinem Thron Mitleidig her auf unsern Schmerz, Verwirf nicht ein zerknirschtes Herz, Entzieh die Vaterhuld uns nicht, Und sende uns Dein Gnadenlicht; Dein Gnadenlicht, Dein göttlich Gnadenlicht! Wir sind ja Deiner Hände Werk, Sind, Herr! Dir unterthan, O gib uns Schwachen Kraft und Stärk', Sieh uns in Gnaden an! Hier bringen wir auf dem Altar Dir ein Versöhnungsopfer dar. 447 O Gott! der Werth des Blut's ist groß, Das einst Dein Sohn für uns vergoß; Für uns vergoß, Um Kreuz für uns vergoß. 3um Gloria. Gott soll gepriesen werden, Sein Nam' gebenedeit Im Himmel und auf Erden, Jetzt und in Ewigkeit! Lob, Ruhm und Dank und Ehre hmi Sey der Dreieinigkeit, 448 Die ganze Welt verehre, Gott, Deine Herrlichkeit! Zum Evangelium. Aus Gottes Munde gehet Das Evangelium; Auf diesem Grunde stehet Das wahre Christenthum. Gott selbst ist's, der uns lehret, Der Weis- und Wahrheit ist; Der seine Lehren höret, Wie glücklich ist der Christ! 3um Credo. Allmächtiger! vor Dir im Staube Bekennt Dich Deine Creatur. Gott und Vater! ja, ich glaube Un Dich, Du Schöpfer der Natur! Auch an den Sohn, der ausgegangen Von Dir, geboren ewig war, Den, von dem heil'gen Geist empfangen, Die reinste Jungfrau uns gebar. Und Jesus Christus ist gekommen, Daß Er versöhne uns mit Gott; Er hat die Schuld auf Sich genommen, Und litt für uns den Kreuzestod, Erstand, besiegte Tod und Hölle, Fuhr zu des Vaters Rechten auf, Und wird als Richter jeder Seele Einst prüfen unsern Lebenslauf. Ich glaube, Gottes Geist regieret Die wahre Kirch' und Christenheit; Ein büßend Schaf, das sich verirret, Flieht hin zu der Barmherzigkeit. Um großen Tag wird's Fleisch erstehen. Jetzt, Heilige! helft insgemein, Daß wir mit euch zum Leben gehen, Miterben Christi ewig sey'n. 449 3um Offertorium. Nimm an o Herr! die Gaben Aus Deines Priesters Hand; Wir, die gesündigt haben, Weih'n Dir dieß Liebespfand. Für Sünder hier auf Erden, In Ängsten, Kreuz und Noth, Soll dieß ein Opfer werden Von Wein und reinem Brot. Nimm gnädig dieß Geschenke, Dreieinig großer Gott! Erbarm' Dich unser, denke An Christi Blut und Tod. Sein Wohlgeruch erschwinge Sich hin zu Deinem Thron, Und dieses Opfer bringe Uns den verdienten Lohn. 3um Sanctus. Singt: Heilig, heilig, heilig Ist unser Herr und Gott! Singt mit den Engeln: Heilig Bist Du, Gott Sabaoth! Im Himmel und auf Erden Soll Deine Herrlichkeit Gelobt, gepriesen werden Jeht und in Ewigkeit. 38 450 Wir singen froh zusammen Von ganzer Seel' erfreut: Der kommt in's Herrn Namen, Der sey gebenedeit! Hosianna in der Höhe, Gepriesen sey der Herr! Dem großen Gott geschehe Sein Lob von Meer zu Meer. Nach der Wandlung. Sieh, Bater, von dem höchsten Throne, Sieh gnädig her auf den Altar! Wir bringen Dir in Deinem Sohne Ein wohlgefällig Opfer dar. Wir fleh'n durch Ihn, wir Deine Kinder, Und stellen Dir sein Leiden vor; Er starb aus Liebe für uns Sünder, Noch hebt Er's Kreuz für uns empor. Er hat für uns Sich dargegeben, Für alle Menschen insgesammt; Beim Vater, daß wir ewig leben, Vertritt er jetzt das Mittleramt. Jesu! höre unsre Bitte, Steh unsrer Schwachheit immer bei, Auf daß Dein Leiden, Deine Güte An uns niemal verloren sey. 3um Agnus Dei. Betrachtet Ihn in Schmerzen, Wie Er sein Blut vergießt; Seht, wie aus Jesu Herzen Der letzte Tropfen fließt! Er nahm hinweg die Sünden, Er trug all' unsre Schuld; Bei Gott läßt Er uns finden Den Frieden, seine Huld. 3ur Communion. O Herr! ich bin nicht würdig Zu Deinem Tisch zu geh'n; Du aber mach mich würdig, Erhör' mein kindlich Fleh'n. stille mein Verlangen, Du Seelenbräutigam! Im Geist Dich zu empfangen, Dich wahres Osterlamm. Zum Schlusse. Nun ist das Lamm geschlachtet, Das Opfer ist vollbracht; Wir haben jetzt betrachtet, Gott! Deine Lieb' und Macht. Du bist bei uns zugegen; Aus Deinem Gnadenmeer Ström' uns dein Vatersegen Durch dieses Opfer her. Gesänge zur heiligen Messe. 3. 451 3um Eingange. Hier wirft vor Dir im Staub sich hin, O Gott! die Christenschar; 38 452 Zu Dir erhebt sich Herz und Sinn, Das Auge zum Altar. blick auf uns mit Baterhuld, Vergib uns die bereute Schuld, Verstoß von Deinem Angesicht, Gott! uns arme Sünder nicht: Verstoß uns nicht, Verstoß uns Sünder nicht! 3um Gloria. Gott soll gepriesen werden Auf seinem höchsten Thron; Ruh, Friede sey auf Erden Der guten Menschen Lohn. Wir loben, ehren Alle Dich, o Dreieinigkeit! Und unser Dank erschalle Bis an das End' der Welt. 3um Evangelium. Es kommt aus Gottes Munde Das Evangelium; Und nur auf diesem Grunde Steht wahres Christenthum. Herr! laß uns niemal kehren Durch Deiner Feinde List Das Ohr zu falschen Lehren, Dieß fleht der wahre Christ. 3um Credo. Almächtiger! vor Dir im Staube Bekennt Dich Deine Creatur; Gott und Vater! ja, ich glaube Un Dich, Du Schöpfer der Natur; Un Deinen Sohn, den, rein empfangen, Die heil'ge Jungfrau uns gebar; Und an den Geist, der ausgegangen Von Beiden, stets mit Beiden war. 3um Offertorium. Nimm an, o Herr! die Gaben Von Deines Priesters Hand; Die Dich beleidigt haben, Versöhne dieses Pfand. Bald bleiben nur Gestalten Von diesem Brot und Wein; Und das, was sie enthalten, Wird Seelenspeiſe seyn. Bewegt von dem Geschenke, Dreieinig großer Gott! Erbarme Dich und denke, Wer Sich für uns erbot; Der Sich zum Opfer bringet Vor Deinem Gnadenthron, Zum Vaterherzen dringet, Ist Dein geliebter Sohn. 3 um Sanctus. O finget: dreimal heilig Ist Er, Gott Sabaoth! Dreieinig, unzertheilig Ist unser Herr und Gott, Es glänzet seiner Ehren 453 Die ganze Schöpfung voll; 454 O daß uns Engel lehren, Wie man Ihn preisen soll! Um Engel nachzuahmen, Singt unser Geist erfreut: Der kam in Gottes Namen, Der sey gebenedeit. Hosianna schallt es oben, Hosianna singen wir, Und beten an und loben, Und staunen, Herr! vor Dir. Nach der Wandlung. Sieh Vater! von dem höchsten Throne Sieh gnädig her auf den Altar; Wir bringen Dir in Deinem Sohne Ein wohlgefällig Opfer dar. Wir fleh'n durch Ihn, wir, Deine Kinder, Und stellen Dir sein Leiden vor; Er starb, des Todes Überwinder, Stand auf und fuhr zu Dir empor. Er hat für uns Sich dargegeben, Für alle Menschen insgesammt; Vertritt, damit wir ewig leben, Bei'm Vater jetzt das Mittleramt.. O Jesu! laß uns Huld erwerben, Steh unsrer Schwachheit immer bei; Damit Dein Leiden und Dein Sterben Ja nicht an uns verloren sey. 3um Agnus Dei. Betrachtet Ihn in Schmerzen, Wie Er sein Blut vergießt; Seht wie aus Jesu Herzen Der lette Tropfen fließt! Er fließt, uns anzukünden Das wahre Gotteslamm, Das liebreich alle Sünden Von unsern Seelen nahm. 3ur Communion. Wie soll, o Herr! ich's wagen, Un Deinen Tisch zu geh'n; Du darfst ein Wort nur sagen, Um mich gesund zu seh'n. stille mein Verlangen, Du einzig Seelengut! Im Geiste zu empfangen 455 Dein wahres Fleisch und Blut. Zum Schlusse. Nun ist das Lamm geschlachtet, Das Opfer ist vollbracht; Nun haben wir betrachtet, Gott, Deine Lieb' und Macht. Die bleib' uns stets zugegen, Aus Deinem Gnadenmeer Ström' uns Dein Vatersegen Durch dieses Opfer her. 456 3um Segen mit dem Allerheiligsten. Segne, Jesu! Deine Herde, Welche Dir zu Füßen fällt, Und die Güter dieser Erde Nur von einer Gnad erhält. Herr, Dein theures Fleisch und Blut Ist das größte Seelengut, Welches würdig zu empfangen Wahre Christen stets verlangen. Den die Brotsgestalt bedecket, Der Du unser Heiland bist, Den die Liebe hier verstecket, Gib uns Segen, Jesu Christ! Mach verstockte Herzen weich, Und an wahrer Zugend reich; Stärk' uns auch mit dieser Speise Endlich zu der Himmelsreise. Der Du haft für uns gelitten, Und von Schuld uns machtest frei; Uch gewähre, was wir bitten, Segne, Herr! und steh' uns bei; Daß wir in der Todeszeit, In dem allerschwersten Streit Alle Feinde überwinden, Und durch Dich das Leben finden. Zur Predigt. In Gott des Vaters und des Sohn's Und seines Geistes Namen Sprecht hier am Fuße seines Thron's O Christen! freudig Amen. Sprecht Amen, und bereitet euch Nach eures Meisters Lehren Den Vater in dem Himmelreich Mit Bitten zu verehren. Vater unser! der Du bist Im Himmel und auf Erden! Dein Name, der so liebvoll ist, Soll stets geheiligt werden. Dein Reich, von Unbeginn der Welt Bereitet allen Frommen, Das laß, wenn dieser Staub zerfällt, Für uns auch einstens kommen. So wie auf jeden Wink von Dir Die Himmelsgeister sehen, So soll auch unter Menschen hier Dein Wille stets geschehen! Das Brot, das unsre Seele nährt, Um Dir, o Gott zu leben, Auch jenes, das der Leib begetrt, Sen täglich uns gegeben! 457 Vergib uns, Vater! jede Schuld, Die wir vor Dir bereuen, So wie wir Alle mit Geduld Den Schuldigern verzeihen, 39 458 Ersticke, wann Versuchung droht, In uns des Bösen Samen! Erlös' uns jetzt und einst, o Gott! Von allem Übel. Amen. 3 um h. Sacramente des Altars. nok me IN 100 Kommet, lobet ohne End' Das heiligste Sacrament: Den Welches Jesus eingesetzt hat Uns zum Testament. Hier ist Jesu Fleisch und Blut, Hier das allerhöchste Gut, Keine Seele geht verloren Unter seiner Hut. Inadaph Sey gelobt, gebenedeit, Trost in Widerwärtigkeit! Allen, die sich Dir vertrauen, Wahre Sicherheit! Gib uns Segen, großer Gott! Wundervolles Himmelsbrot! Hilf den Deinen, und bewahre Sie vor aller Noth! Gib uns wahre Buß und Reu", Mache uns von Sünden frei, bads Daß nach Glauben, Hoffen, Lieben Unser Trachten sey! Ist dann uns're Pflicht gethan, he Und vollend't des Lebens Bahn, O so nimm zu Deinen Freuden Uns're Seelen an! Sen gelobt, gebenedeit, Heiligste Dreieinigkeit; Jesu Preis im Sacramente Bis an's End der Zeit. Vom Leiden Jesu. 459 Laß mich Deine Leiden singen, Dir des Mitleids Opfer bringen, Unverschuld'tes Gotteslamm! Das von mir die Sünde nahm. Jesu drücke Deine Schmerzen Tief in aller Christen Herzen; Laß mir Deines Todes Pein Trost in meinem Tode seyn! 39 460 In's Gericht vor Menschen treten, 3um erzűrnten Vater beten Seh' ich Dich, mit Blut bedeckt Auf den Delberg hingestreckt. Jesu, drücke Deine Schmerzen u. s. w. Dich zu binden und zu plagen, 3u beschimpfen und zu schlagen, Nähert sich der Feinde Schar, Und Du gibst Dich willig dar. JARE Jesu, drücke Deine Schmerzen u. s. w. Von den Richtern die Dich hassen, Wilden Kriegern überlassen, Strömet Dein unschuldig Blut Unter frecher Geißeln Wuth. Jesu, drücke Deine Schmerzen u. s. w. Unter lautem Spott und Hohne Seh' ich eine Dornenkrone, Die mein Heiland! scharf gespitzt, Deine Stirne schmerzlich rigt. Jesu, drücke Deine Schmerzen u. f. w. Wundenvoll, erblaßt, entkräftet, Un das Opferholz geheftet, Seh' ich wie ein Gottmensch stirbt, Und den Sündern Heil erwirbt. Jesu, drücke Deine Schmerzen u. s. w. Heiland, meine Missethaten Haben Dich verkauft, verrathen, Dich gegeißelt und gekrönt, phop An dem Kreuze Dich verhöhnt! Ach es reuet mich von Herzen; Laß mein Heiland, Deine Schmerzen, Deines Mittlertodes Pein Nicht an mir verloren seyn! RACHE 3 um Osterfeste. 461 Der Heiland ist erstanden, Befreit von Todesbanden, Der als ein wahres Osterlamm Für mich den Tod zu leiden kam. Hallelujah! Nun ist der Mensch gerettet, Und Satan angefettet. Der Tod hat keinen Stachel mehr, Der Stein ist weg, das Grab ist leer. Hallelujah! Der Sieger führt die Scharen, Die lang gefangen waren, net In seines Vaters Reich empor, Das Adam sich und mir verlor. Hallelujah! 462 wie die Wunden prangen, Die Er für mich empfangen; Wie schallt der Engel Sieg'sgefang Dem Starken, der den Tod bezwang! Hallelujah! Mein Glaube darf nicht wanken, O größter der Gedanken! Ich werde durch sein Aufersteh'n Gleich Ihm aus meinem Grabe geh'n- Hallelujah! Die Nacht, die mich dort decket, Bis mich der Engel wecket, Ist kurz; dann ruft mein Heiland mich In's Reich, wo niemand stirbt, zu Sich. Hallelujah! Meer der Seligkeiten! Den Ort mir zu bereiten Ging mein Erlöser hin vor mir: Erstandener, ich folge Dir! Hallelujah! Ja, durch ein neues Leben ne Will ich zur Höhe streben, Wo Du mit Deinem Vater thronst, ne Und jede gute That belohnst. Hallelujah! Dann werd' ich im Gerichte Vor Deinem Angesichte, 463 Von Deinem Blute glänzend, steh'n, Und zu des Lammes Hochzeit geh'n. Hallelujah! Hallelujah! Hallelujah! Hallelujah! Wie Du vom Tod' erstanden bist, Laß uns ersteh'n, Herr Jesu Christ! Hallelujah! 3um Pfingstfeste. Komm, heiliger Geist, o dritte Person! Von Einer Natur mit Vater und Sohn; Der Du von seiner Sündenlast So manches Herz befreiet hast; Komm, heiliger Geist! erwünschter Gast. Komm, heiliger Geist! auf uns jetzt herab, So wie Dich einst Gott den Gläubigen gab, Als ihre noch geringe Zahl, Versammelt im verschloss'nen Saal, Sich sehnte nach Dir, Du göttlicher Strahl! Komm, heiliger Geist! ein Tröster genannt; Es werde durch Dich der Kummer verbannt, Der uns jest stört in unserer Pflicht; Die Trägheit überwind't uns nicht, Wenn Du uns entflammst, o mächtiges Licht! 464 Komm, heiliger Geist! Du Lehrer der Welt; Die Straße des Heils wird niemals verfehlt, w Wenn man sich nicht an Secten kehrt, Die Kirche, die Dein Einspruch lehrt, Mit kindlicher Treu als Mutter verehrt. Komm, heiliger Geist! vom himmlischen Thron; Dir werde zugleich mit Vater und Sohn In unzertheilter Wesenheit, Von nun an bis in Ewigkeit Anbetung und Dank und Jubel geweiht! Vom Leiden der h. Mutter Jesu. TESPRES Christi Mutter stand voll Schmerzen, Trauernd, mit beklommnem Herzen Bei dem Kreuz, an dem Er hing, Er, ihr Sohn, ihr Trost, ihr Leben. Ach, wer kann durch Worte geben, Welch ein Schwert durchs Herz ihr ging? um$ 19 Herber Schmerz hat sie durchdrungen, Von dem Simeon gesungen; O, ein tief verwundend Schwert Hat ihr Mutterherz durchschnitten, Als ihr heil'ger Sohn gelitten; Wer begreift des Leidens Werth? Wer soll bei so großen Peinen, Keine Mitleidsthräne weinen? Wer nicht fühlen ihre Noth? Wer erwäget ohne Schauer Der verwaisten Mutter Trauer über ihres Sohnes Tod? Ihn für freche Sünder büßen, Ströme Bluts aus Wunden fließen, Hilflos sterben sah sie Ihn; Sah den Sohn am Kreuz, verlassen, Überhäuft von Schmach erblassen, Und sein Leben von Ihm flieh'n. Heil'ge Mutter, Quell der Liebe; Daß ich mich, wie du, betrübe, Weine so um Ihn, wie du; Daß ich Jesu Lieb erkenne, Gegen ihn vor Liebe brenne, S, erbitt mir Kraft dazu; Möcht ich Schmerz und Reu vereinen, über meine Sünden weinen, Für sie büßen lebenslang; Oft im Geist zum Kreuze gehen, Mit Dir unterm Kreuze stehen, Ganz erfüllt von Lieb und Dank! Hilf mir flehen, Gnad' erwerben, Daß mir, wenn es kommt zum Sterben, Heil und egen widerfährt; 40 465 466 Daß Gott mein, als Richter, schone! can Was kannst du von deinem Sohne be Bitten, das Er nicht gewährt? Hilf nach überstandnen Leiden Mir zu jenen Himmelsfreuden, Wo die auserwählte Schar Deines Sohnes Thron umringet, Ihm ein ewig Loblied singet. Amen! dieses werde wahr! THEE Der Lobgesang des heiligen Ambrosius. Großer Gott, wir loben Dich; Herr, wir preisen Deine Stärke! Vor Dir neigt die Erde sich, Und bewundert Deine Werke. Wie Du warst vor aller Zeit, So bleibst Du in Ewigkeit. Alles, was Dich preisen kann, Cherubim und Seraphinen, 3 Stimmen Dir ein Loblied an; Alle Engel, die Dir dienen, Rufen Dir stets ohne Ruh' Heilig, heilig, heilig zu. Heilig, Herr Gott Sabaoth! Heilig, Herr der Kriegesheere, ag Starker Helfer in der Noth! med Himmel, Erde, Luft und Meere Sind erfüllt mit Deinem Ruhm, Alles ist Dein Eigenthum. Der Apostel Christi Chor, Der Propheten große Menge Schickt zu Deinem Thron empor Neue Lob- und Dankgesänge; Der Blutzeugen große Schar Lobt und preist Dich immerdar. Auf dem ganzen Erdenkreis Loben Große, loben Kleine Dich, Gott Vater! Dir zum Preis Singt die heilige Gemeine. Sie ehrt auch auf seinem Thron Deinen Eingebornen Sohn. Sie verehrt den heil'gen Geist, Welcher uns mit seinen Lehren Und mit Troste kräftig speist; 467 Der, o König voller EhrenDer mit Dir, Herr Jesu Christ, Und dem Vater ewig ist. Du, des Vaters ew'ger Sohn, Hast die Menschheit angenommen; Bist von Deinem hohen Thron Zu uns auf die Welt gekommen; Gnade hast Du uns gebracht, Uns von Sünde frei gemacht. Nunmehr steht das Himmelsthor Allen, welche glauben, offen; 468 Du stellst uns dem Vater vor, Wenn wir findlich auf Dich hoffen; Endlich kommst Du zum Gericht- Tag und Stunde weiß man nicht. Steh, Herr! Deinen Dienern bei, Welche Dich mit Demuth bitten, Die Dein Blut dort machte frei, Als Du für uns hast gelitten; Nimm uns nach vollbrachtem Lauf Zu Dir in den Himmel auf. Sieh Dein Volk in Gnaden an, Hilf uns, segne, Herr! Dein Erbe; Leit' es auf der rechten Bahn, ck Daß der Feind es nicht verderbe; Hilf, daß es durch Buß' und Fleh'n Dich im Himmel möge seh'n. Alle Tage wollen wir Dich und Deinen Namen preisen, Und zu allen Zeiten Dir Ehre, Lob und Dank erweisen; Gib, daß heut und allezeit Wir von Lastern sey'n befreit! Herr, erbarm', erbarme Dich! Über uns, Herr, sey Dein Segen, Deine Güte zeige fich So wie wir zu hoffen pflegen. Auf Dich hoffen wir allein, Laß uns nicht verloren seyn! Inhalt. Morgengebet Das h. Meßopfer Vorbereitung. Zum Eingange Zum Kyrie Zum Gloria Zur Epistel Zum Evangelium Zum Credo.. 3um Offertorium Zum Sanctus. Vor der Wandlung. Zur Wandlung Nach der Wandlung Das Gebet des Herrn Zum Agnus Dei Zur Communion Zum Segen Zum letzten Evangelium Um Selbsterkenntniß Reue Vorsatz Vor dem Bekenntnisſe ● 469 Schluß. Lobgesang des h. Ambrosius 31 Vor der Verkündigung des Wortes Gottes 33 Nach derselben. Übung der drei göttlichen Tugenden Das h. Sacrament der Buße. Vorbereitung 41 Seite 3 5 5789 8 10 11 14 15 17 18 119 20 24 24 26 27 28 21 29 35 88 38 39 44 46 38 41 470 Nach dem Bekenntniſſe Genugthuung Rückkehr zum Guten Das h. Sacrament des Altars Vorbereitung Vor dem Empfange Stiller Seufzer bei dem Empfange Nach dem Empfange Schluß. Zur h. Dreieinigkeit Um Feste der Geburt Jesu In der h. Fastenzeit. Leiden Jesu Erinnerung an das Um Osterfeste Um Pfingstfeste. Das Vater unser. Nhythmisch. Das Vater unser. In ungebundener Umschreibung ● Erneuerung des Taufbundes Verehrung der seligsten Mutter unsers Erlösers An den Festtagen der heiligen Mutter unsers Erlösers. Der englische Gruß. Rhythmisch. Aufruf zu den Heiligen Abendgebet. Un die Religion Anbetung Gottes Ergebung in Gottes Willen. Seite 48 49 51 55 55 57 59 59 61 65 68 70 75 78 80 84 89 91 95 101 102 106 109 111 114 471 Seite Erinnerung an unsers Geistes Unsterblichkeit 116 Erinnerung an Gottes Allgegenwart 120 122 Erinnerung an Gottes Allwissenheit Erinnerung an Gottes Fürsehung.. 125 Erinnerung an unsere Menschenwürde. 132 Demuth bei dem Gefühle unserer Menschenwürde.. Erinnerung an unsere Bestimmung In trüben Stunden. ◆ Um Achtung für fremdes Eigenthum Um Genügsamkeit Um Wahrhaftigkeit Um Liebe gegen Feinde ● Dank für Gottes Wohlthaten Vertrauen auf Gott.. Lobpreisung Gottes für Freudiges und ● • Trauriges 161 Um Achtung für die Ehre des Nächsten 164 Wenn man verleumdet wird. 171 ♦ 176 182 185 190 Um Beachtung der Folgen unsers Thuns 196 Um Beachtung der stillen Mahnungen 137 141 146 151 157 Gottes... Um den Geist wahrer Frömmigkeit. Um Kraft gegen die Leidenschaft des Zorns.. Um Kraft gegen den Leichtsinn Um Kraft gegen den Reiz des bösen Beiſpiels.. 203 209 216 222 227 472 Um Erhörung in stillen Wünschen Um Geduld Um Geburtstage. Dank des Zufriedenen beim Jahresbeginne ♦ Vor Geschäften Nach einem frohen Tage Um Erleuchtung bei der Wahl eines Berufes. Bei Beschwerden im Berufe. Um Ausdauer in der Thätigkeit Um das zeitliche Bedürfen. Wenn Gefahren drohen. Zur Zeit der Versuchung Zur Zeit der Krankheit. Nach erlangter Gesundheit. In selbstverschuldeten Leiden Bitte des Urmen.. Bitte des Wohlhabenden Bitte für Ungehörige ♦ ♦ ♦ ● Seite 232 235 243 ● 246 250 252 ♦ 254 258 260 261 263 268 272 Wenn Angehörige gefahrvoll erkranken Dank, wenn ihre Gesundheit wiederkehrt Bitte der Eltern am Geburtstage ihrer Kinder.. Bitte der Kinder für ihre Eltern Erwägungen des Gatten Erwägungen der Gattin 322 Erwägungen der unvermählt Gebliebenen 329 279 282 285 289 297 299 302 304 310 316 Erwägungen der Witwe. Eines in Vielem. Hinblick auf des Lebens Scheidestunde Um Grabe entschlafener Lieben Beim plößlichen Verluste theurer Angehörigen Für Verstorbene Auf dem Friedhofe. Am Ende des Jahres Glaube. Hoffnung. Liebe. Stellen aus Thomas von Kempen Über die Vortheile der Einsamkeit Über Verträglichkeit Über Selbstgenügsamkeit. Über das Erforschen fremden Thuns über Gleichmuth in der Trübfal Über das gute Gewissen Über die Betrachtung des Todes A n ha n g. Litaneien, Gebete und gewöhnliche Kirchengesänge. 473 Seite 334 337 339 344 Litanei zu Gott und seiner göttlichen Fürsehung 405 Litanei von dem h. Namen Jesu 409 Litanei zum h. Sacramente des Altars 412 Lauretanische Litanei. 415 Litanei zu Ehren aller Heiligen 418 Litanei für die Verstorbenen 427 Todtenhymne. Dies irae etc. 431 4 352 355 356 364 370 387 387 389 391 392 393 398 400 · 474 Für den Landesfürsten Kirchengebete Wir werfen Gesänge zur h. Messe. 2. Hier liegt vor Deiner Majestät zc. Gesänge zur h. Messe. 3. Hier wirft vor Dir im Staub sich hin 2c. Gesänge zur h. Messe. 1. uns darnieder 2c. 3um Segen mit dem Allerheiligsten Zur Predigt 3um h. Sacramente des Altars Vom Leiden Jesu 3um Osterfeste 3um Pfingstfeste Vom Leiden der h. Mutter Jeſu Der Lobgesang des h. Ambrosius. Rhythmisch.( Großer Gott, wir loben Dich). Seite 433 433 439 446 451 456 457 458 459 461 463 464 466 Inches Centimetres Blue 2 3 2 Cyan 5 ¹6 7 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 9 4 10 Red 15 11 12 13 Magenta il 14 6 15 White 116 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8