తన చలిని Pe 1324 میرا + Stahlst. v. G. Leybold Bischof und Stifter der Versammlung des a. beil. Erlöſers. Heiliggesprochen den 26 May 1859, von Papst Greger den 16. Katholisches Wissions- Büchlein; oder Anleitung z u einem christlichen Lebenswandel. Verfaßt von Franz Kosmacet, Priester der Versammlung des allerheiligsten Erlöfers, Neun und zwanzigste Auflage. Wien, 1854. Druck und Verlag von Karl Ueberreuter, Stadt, Dorotheergasse Nr. 1111. In Commission der Mechitharisten- Congregations Buchhandlung. 8524 Univ.- Bibl. Giessen Vorwort. In Jesu Christo, unserm göttlichen Erlöser, geliebte Seele, die du guten Willens bist! Dieses Büchlein, das dir hiermit übergeben wird, soll für dich eine gedruckte Mission sein; das heißt, es soll dich, wenn du so unglücklich wärest, durch die Sünde von Gott getrennt zu sein, wieder zu ernsten, bußfertigen und heiligen Gesinnungen zurückführen; bist du aber so glücklich, in der Gnade Gottes zu sein, so soll dieses Büchlein hier dir helfen, dich in der Gnade Gottes zu befestigen, damit du sie nimmermehr verlierst, sondern deinem Gotte getreu bleibeft, und einstens im Himmel von ihm gekrönt werdest. Es enthält die nothwendigsten und schönsten Gebete, als da sind: das Morgen, Tisch- und Abendgebet, die heilis gen Meßgebete, die Beicht und Com munion gebete, wie auch zwei sehr nügliche und herzerhebende Andachten, nämlich: jene der Besuchung des allerheiligsten Sa cramentes des Altares und der über ges Vorwort. benedeiten Jungfrau und Mutter Gottes Maria. Du findest auch in demselben einen gründlichen Unterricht über das heilige Bußsacrament, besonders aber über die sogenannte Generalbeicht, und einen ausführlichen und deutlichen Beichtspiegel. Was würde dir aber dieß alles nügen, wenn du in die vorigen Sünden zurückfallen und dich aufs Neue in die schreckliche Gefahr begeben würdest, ewig verdammt zu werden. Darum ist es nicht genug, daß du durch eine wahrhafte Buße dich zu deinem lieben Gott befehrest, sondern du mußt auch in Zukunft in dies sem glücklichen Zustande verharren. Darum, o meine, durch das Blut eines Gottmenschen so fostbar erkaufte Seele! bleibe doch einmal beständig. 4 Auch hierzu kann dir dieses katholische Mis fionsbüchlein dienen, weil es zugleich eine Anleitung zum seligen Leben ist, denn es enthält, nebst einer christlichen Tagesordnung, die schönsten und nothwendigsten Lebensregeln, wie du deine eigene Seele, und auch die Seelen Derer, die dir anvertraut sind, in Sicherheit bringen kannst.. Du findest ferner in 11 du dringen Ueber das Gebet. Unterricht. ,, Bereite deine Seele vor dem Gebete, und sei nicht wie ein Mensch, der Gott versucht."( Syrach, 18.) Beten heißt, sein Gemüth zu Gott erheben. Eine der Hauptpflichten eines wahren Christen ist das Gebet. Zu einem guten und Gott gefälligen Gebete wird erfordert: 1. Ein reines Herz, oder wenigstens die aufrichtige Begierde, ein reines Herz durch die Buße zu erlangen. Der Herr ist fern von den ,, Gottlosen; das Gebet aber der Gerechten"( oder. Derer, die gerecht werden wollen) hört Er an." ( Sprichw. 28.) 11 2. Ein wahrer, lebendiger Glaube. Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen." Hebr. 11.) Unterricht vom Gebete. " 1 3. Ein findliches festes Vertrauen auf Gott, daß Er uns erhören werde, wenn es zu unserm Seelenheile zuträglich ist. Er bitte, aber im " Glauben, und zweifle nicht; denn wer zweifelt, „ der ist den Wellen des Meeres gleich, welche vom Winde bewegt und umhergetrieben werden; darum gedenke ein solcher Mensch nur nicht, „ daß er etwas von dem Herrn erlangen werde." ( Jacob 1.) und äußerlich 4. Innerliche und äußerliche Demuth. ,, Er "( Gott) hat das Gebet der Demüthigen angesehen, und hat ihr Flehen nicht verachtet."( Pf. 101.) 5. Aufmerksamkeit des Geistes auf dasjenige, was man betet. Ich habe aus meinem Herzen gerufen: Erhöre mich, o Herr!"( Pf. 118.) 6. Ausdauernde Geduld. Man muß vom Beten nicht nachlassen, wenn man auch nicht gleich erhört wird., ,, Das anhaltende Gebet eines Ge rechten vermag viel."( Jakob 5.) Morgengebet. 11 Der Weise wird sein Herz erheben, und früh des Morgens zu dem Herrn wachen, der ihn erschaffen hat, und er wird vor dem Angesichte des Allerhöchsten flehendlich bitten, er wird seinen Mund zum Gebete aufthun, und seiner Sünden wegen um Verzeihung bitten."( Sirach 93.) Unterricht. Wenn du den Tag heilig zubringen willst, mußt du ihn auch sogleich heilig anfangen. Erhebe daher, nachdem du erwacht und ohne Zaudern aufgestanden bist, unverzüglich deine Gedanken zu Gott, mache das heilige Kreuz, kleide dich, ohne zu säumen an, falle alsdann vor dem dir gegenwärtigen Gott auf deine Knie nieder, und fange zu beten an. In diesem Gebete 1. Danke Gott, daß Er dich die vergangene Nacht vor allem Uebel beschüßt hat, und dich neuerdings diesen Tag erleben ließ. 2. Bitte Ihn mit kindlichem Vertrauen, daß Er dich diesen heutigen Tag vor jeder Sünde und allen andern Uebel behüten möge. 3. Opfere Jhm Alles das auf, was du diesen Tag hindurch denken, reden, thun und leiden wirst, und vereinige es, in erneuerter Liebe, mit dem Leiden und Sterben Jesu Christi. Morgengebet. 4. Mache den heiligen Vorsag, diefen Tag keine Sünde zu begehen: nimm dir daher besonders vor, dich vor jener Sünde am meisten zu hüten, zu der du, am meisten geneigt bist; betrachte ferner alle Gefahren und Gelegenheiten zur Sünde, die dir etwa aufstoßen können, und denke auf Mittel, wie du denselben entge= hen kannst nimm dir endlich kräftig vor, daß du allen Unreizungen zur Sünde standhaft widerstehen wollest, und bitte dazu Gott um Seine Gnade. 10 Dieß alles kannst du zwar innerlich im Geiste und im Herzen verrichten; willst du es aber auch mündlich thun, so magst du folgende Gebete sprechen. 10um Morgengebet, 1. Danksagung. stand Im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes. Amen. Allmächtiger, ewiger Gott, Schöpfer und Erhalter aller Dinge! ich falle vor Dir auf meine Knie nieder und danke Dir aus dem Grunde meines Herzens, daß Du mich diese Nacht vor aller Sünde und allem Uebel gnädig bewahret hast. 11 Morgengebet. 2. Bitte um die nöthige Gnade. Gütigster Vater! Ich bitte Dich demüthig, verleihe mir in deiner großen Barmherzigkeit die Gnade, daß ich den heutigen Tag und alle Tage meines Lebens ohne Sünde zubringen möge. Beschüße mich wider die Nachstellungen und Versuchungen des bösen Feindes, und bewahre mich vor allen Ulebeln der Seele und des Leibes. 3. Gute Meinung. Alles, was ich heute denken, reden, thun und leiden werde, will ich Dir zu Liebe, o Gott! denken, reden, thun und leiden. Ich opfere Dir alle meine Gedanken, Worte und Werke auf, sie sollen nur zu Deiner Ehre gereichen. Ich vereinige ste mit dem Leiden und Sterben Deines göttlichen Sohnes, unsers Herrn und Heilands, Jesu Chrifti. 4. Vorsat. Ich nehme mir ernstlich vor, diesen Tag keine, auch nicht die geringste Sünde zu begehen. Aber, o Herr! was vermag ich ohne Deine Gnade? Komme mir zu Hilfe, unterstüße meine Schwachheit, kräftige mei 12 Morgengebet. nen schwachen Willen, damit ich Dasjenige, was ich mir jetzt mit Deiner Gnade vornehme, genau halte. Jegt denke nach, was du dir vornehmen, und wie du deine Geschäfte zur Ehre Gottes und zum Heile des Nächsten verrichten wollest. Erinnere dich an die sonst dabei begangenen Fehler, an die Gefahren und Gelegenheiten zur Sünde, und nimm dir kräftig vor, dich an diesem Tage vor jeder Gefahr und Gelegenheit zur Sünde sorgfältigst zu hüten. Sprich zu Gott mit einem aufrichtigen Herzen: Mein Gott! diese Sünde will ich besonders meiden; diese böse Gelegenheit will ich sorgfältig fliehen. Hierauf empfiehl dich der Fürbitte Mariä, aller Heiligen und deines heiligen Schußengels. Heiligste Maria, Mutter Gottes! und alle ihr lieben Heiligen Gottes! bittet für mich bei Gott, daß ich Ihn heute mit feiner Sünde beleidige. O du, von meiner Geburt an mir zugewiesener heiliger Schutzengel! ich übergebe dir heute mein Herz; gib solches meinem Heilande Jesu, dem es allein eigen sein soll. Du bist mein Beschüßer im Leben, sei auch mein Tröster im Tode. Stärke meinen Glauben, befestige meine 13 Morgengebet. Hoffnung, entzünde in mir die göttliche Liebe. Verleihe mir, daß mich das vergangene Leben nicht ängstige, das gegenwärtige nicht beunruhige, das künftige nicht schrecke. Stärke mich im Todeskampfe, erwecke mich zur Geduld, erhalte mich im Frieden, erlange mir, daß meine letzte Speise sei das heilige Brot der Engel; meine letzten Worte: Jesus Maria und Joseph; meine letzten Seufzer die Liebe Gottes, und mein Trost Deine Gegenwart. Amen. Alsdann bete das Vater unser, den englischen Gruß, den Glauben, mit möglich, ster Andacht und Aufmerksamkeit, und erwecke die drei göttlichen Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe. Uebung des Glaubens. Ich glaube Alles fest, was die katholische Kirche zu glauben vorstellt, weil Du, mein Gott! Der Du die untrügliche Wahrheit bist, es geoffenbaret hast. Besonders glaube ich, daß Ein Gott ist, dreifach in den Personen: Vater, Sohn und heiliger Geist Ich glaube, daß der Sohn Gottes durch Mitwirkung des heiligen Geistes Mensch gewor den, und aus Maria, der Jungfrau, ge 14 Morgengebet. boren worden ist; daß Er gelitten hat und am Kreuze für uns gestorben ist; daß Er am dritten Tage von den Todten auferstanden und in den Himmel aufgefahren ist; daß Er am Ende der Welt kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Todten; daß Er den Guten die ewige Herrlichkeit ertheilen, die Bösen aber mit den ewigen Peinen der Hölle bestrafen wird. Dies Alles glaube ich fest, und in diesem Glauben will ich leben und sterben. Nebung der Hoffnung. Mein Gott! weil Du allmächtig und unendlich gütig und barmherzig bist, darum hoffe ich durch die unendlichen Verdienste des Leidens und Sterbens Jesu Christi die Verzeihung meiner Sünden, die Gnade in diesem Leben, in dem andern aber die ewige Seligkeit; Du hast es mir versprochen, wenn ich ein christliches Leben führe, welches ich mit Deiner Gnade zu führen verspreche. Uebung der Liebe. Mein Gott! weil Du das höchste und allervollkommenste Gut bist, liebe ich Dich aus ganzem Herzen und über Alles; und aus Liebe z11 Dir liebe ich auch meinen Nächsten, 13 Morgengebet. und will ihn allezeit wie mich selbst lieben. Mein Gott! weil Du das höchste Gut bist, und ich Dich über Alles liebe, darum schmerzt es mich von ganzem Herzen, daß ich Dich jemals beleidiget habe. Ich nehme mir ja ernstlich vor, mit Deiner Gnade nicht mehr zu fündigen und jede nächste Gelegenheit zur Sünde zu meiden. Papst Benedict der Vierzehnte hat den 11. December 1745 Denjenigen, die diese drei göttlichen Tugenden erwecken, so oft fie dieses thun, einen Ablaß von sieben Jahren und eben so vielen Quadragenen( das ist: sieben Mal vierzig Tagen) verliehen. Wer aber dieselben durch einen ganzen Monat täglich erweckt und in diesem Monat beichtet und communicirt, gewinnt einen vollkommenen Ablaß. Personen, deren Geschäfte es erlauben, sollten nach dem Morgengebete wenigstens eine viertelstündige Betrachtung machen. Sie sollen sich dazu irgend eines Betrachtungsbuches bedienen, oder ein Kapitel aus dem berühmten Buche der Nachfolge Christi von Thomas von Kempen lesen, und dasselbe auf sich und auf ihre besonderen Um stände anwenden. In Ermanglung dieser Bücher sollen sie sich das Leiden Christi vorstellen, oder eine von den, in diesem Büchlein befindlichen Betrachtungen reiflich erwägen und auf sich anwenden. Art und Weise, den Tag heilig zuzubringen. 1. Wandle in der Gegenwart Gottes und bedenke, daß Gott der überall gegenwärtig ist, dich überall sieht und deine geheimsten Gedanken weiß. 11 2. Alle deine Verrichtungen fange mit einer guten Meinung an. Ihr möget effen oder trin, fen, oder etwas Anderes thun, so thuet Alles zur Ehre Gottes;" also lehrt uns der heilige Apostel Paulus.( 1. Cor. 10. 31.) Daher, wenn du arbeiten sollst, so denke, daß Gott diese Arbeit von dir verlange, und sprich: Diese Arbeit geschieht dir zu Liebe, Dir zur Ehre, mein Gott! Geheiliget werde dein Name durch alle meine Schritte und Tritte. Fällt dir deine Arbeit schwer, oder stößt dir etwas Widriges zu, so rufe zu Gott: O Gott! habe Acht auf meinen Schutz! Herr! eile, mir zu helfen! Nimm dein tägliches Kreuz geduldig aus den Händen Jesu an, und sprich: Art und Weise, den Tag heilig zuzubringen. 17 Herr nicht mein, sondern Dein Wille geschehe! Wenn du den Nächten etwas Gutes thust, so denke, daß es Gott uns befohlen hat, den Näch sten zu lieben und ihm Gutes zu erweisen. Gibst du Almofen, so denke dabei, daß Christus Dasjenige, was man auch dem Geringsten der Seinigen thut, so ansieht, als wäre es Ihm Selbst gethan. 3. Wenn dich böse Gedanken oder andere Versuchungen zur Sünde überfallen, so sprich: Cher will ich streben, o mein Gott! als Dich beleidigen! Geh hinweg, Satan! mit allen Versuchungen des Leibes und der Seele! Jesus und Maria! beschüßzet mich! 4. Erhebe öfters des Tages dein Gemüth zu Gott, erinnere dich oft an den Versag, den du in der Früh bei der Morgenbetrachtung gemacht hast, und suche ja, ihn bei allen vorkommenden Gelegenheiten in Ausübung zu bringen. 5. Bete täglich zu Ehren der Reinigkeit Mariä, der seligsten Jungfrau, drei Gegrüßet feist du, Maria!" alsdann sprch: O Jungfrau Maria! meine Mutter und Hoffnung! nimm mich in Deinen Schuß; ich will dort leben und sterben! Befreie mich von der Sünde! 18 Art und Weise, den Lag heilig zuzubringen. Mache dich immer auf ein Kreuz gefaßt; sieh öfters des Tages dein Crucifix mit Liebe an, und erwäge ernsthaft, daß du nicht in diese Welt gekommen bist, um gute Tage zu haben, sondern um zu leiden; nicht um deinen, sondern um Gottes Willen zu thun. Wann zum englischen Gruß geläutet wird. Frühe, Mittags und Abends erinnere dich, während dieses Zeichens, an das große Geheimniß der Menschwerdung des Sohnes Gottes, und bete Folgendes: 1. Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, und Sie empfing von dem heiligen Geiste. Gegrüßet seist Du, Maria u. s. w. 2. Siche, Ich bin eine Magd des Herrn. Mir geschehe nach Deinem Worte. Gegrüßet u. s. w. 3. Und das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnt. Gegrüßet ut. s. w. Bitte für uns, o heilige Gottesgebärerin! Auf daß wir theilhaftig werden der Verheißungen Chrifti. Tischgebet. Gebet Wir bitten Dich, o Herr! gieße Deine Gnade unseren Herzen ein, damit wir, die wir durch des Engels Botschaft, Chrifti, Deines Sohnes Menschwerdung erkannt haben, durch Sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung geführt werden, durch denselben Christum, unsern Herrn! Amen. Wer den englischen Gruß während des Glockengeläutes, alle Tage, durch einen ganzen Monat, betet, und in diesem Monate einmal beichtet und communicirt, erlangt einen vollkommenen Ablaß. Benedict XII. Tischgebete. Vor dem Essen. 19 Aller Augen harren auf Dich, o Herr! Du gibst ihnen Speise zur rechten Zeit, Du öffnest Deine Hand und erfüllst Alles, was da lebt, mit Segen. Die Ehre sei dem Vater u. f. w. Herr! erbarme Dich unser. Christe! erbarme Dich unser. Herr! erbarme Dich unser. Vater unser u. s. w. 2* Tifchgebet. Herr! segne uns und diese Deine Gaben, Die wir von Deiner Freigebigkeit empfangen werden durch Christum, unsern Herrn. Amen. 20 Der König der ewigen Glorie lasse uns an Seinem himmlischen Tische Theil nehmen. Amen. Nach dem Essen. Herr! alle Deine Werke danken Dir! und Deine Heiligen benedeien Dich. Die Ehre sei dem Vater u. s. w. Wir danken Dir, allmächtiger Gott, für alle Deine Gaben. Der Du lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. Vater unser u. s. w. Herr! gib allen unseren Wohlthätern, um Deines Namens willen, das ewige Leben. Amen. Laß auch die abgeschiedenen Seelen der Christgläubigen in Frieden ruhen. Amen. lons Bo Abendandacht. ,, Herr! bleibe bei uns! denn es wird Abend; der Tag hat sich schon geneigt."( Luc. 24, 29) Unterricht. Wie du den Tag heilig angefangen haft, so sollst du ihn auch heilig beschließen. Denke, daß du der Ewigkeit wieder um einen Tag näher bist. Wer weiß, ob Gott nicht noch diese Nacht deine Seele vor den Richterstuhl fordern wird. Das Gebet, wenn es in einer frommen Fa milie gemeinschaftlich verrichtet wird, bringt groBen Segen in's Haus. 11 Wo Zwei oder Drei in meinem Namen versammelt sind," spricht Jesus Christus,„ da bin Ich mitten unter ihnen." 11 Sollte uns ein so liebreiches Versprechen un sers Herrn nicht zur gemeinschaftlichen Andacht vereinigen können? 2** Abendandacht. Dein Abendgebet soll wenigstens aus folgen: den Stücken bestehen: 22 1. Danke Gott für alle, dir an diesem Tag erwiesenen Wohlthaten. 2. Bitte den heiligen Geist um die Er leuchtung deines Gewissens, damit du die Sünden, die du diesen Tag begangen hast, erkennen, bereuen und beffern könneft. 3. Erforsche fleißig dein Gewissen, besinne dich, wie du die Zeit vom Morgen bis auf den Abend zugebracht, worin du gefehlt hast, wie alle deine Gedanken, Worte und Werke beschaffen waren; besonders denke nach, wie du die, des Morgens gemachten Vorsäge in Ausübung gebracht hast. #d 4. Erwecke Reue und Leid über deine Sünden, und über deine Nachlässigkeit in der Haltung der gemachten Vorsäge. 5. Mache auf's Neue den kräftigen Vor fag, dich zu beffern, und bitte Gott dazu um Seine Gnade. Verrichte dies alles so, als wenn heute der legte Abend deines Lebens wäre. Abendgebet. Abendgebet. 1. Danksagung. and dis 23 Im Namen des Vaters u. s. w. O großer und allgewaltiger Gott! Ich falle vor Dir auf meine Knie, und danfe Dir aus ganzem Herzen für Alles, was Du mir diesen Tag hindurch Gutes erwiesen haft; für Speise und Tranf, für die Gesundheit und alle Kräfte meines Leibes und meiner Seele, für alle Deine heiligen Einsprechungen und Erleuchtungen, für Deinen Schuß und Schirm, und für alle andern Gnaden, die ich nicht genug einsehe und begreife. Ich danke Dir dafür, o himmlischer Vater! durch Jesum Christum, Deinen Sohn, unsern Herrn. 2. Bitte um Erleuchtung. O allwissender Gott! Der Du stets auf meinen Wandel Acht hast, und alle meine Tritte zählst, vor Dem kein Gedanke verborgen ist! erleuchte meinen Verstand, daß ich genau erkenne, was ich heute Böses gethan oder Gutes unterlassen habe; bewege meinen Willen, daß ich es herzlich bereue und mich ernstlich bessere. Abendgebet. 3. Erforschung des Gewissens. Wie habe ich mich heute verhalten, beim Aufstehen in der Früh? beim Morgenge- bei der heiligen Messe?- bei der Arbeim Tische? im Umgange mit dem Nächsten, mit dieser oder jener Person?- bei dieser oder jener Gelegenheit? in jener Ge. fahr, Betrübniß und Anfechtung? - - Habe ich nicht gefündigt? 24 bete? beit? - - Al In Gedanken? Habe ich mich niemals in unkeuschen, hoffärtigen, neidischen, rachgierigen, argwöhnischen, kleinmüthigen Gedanken freiwillig aufgehalten, oder in selbe eingewilligt? wie oft? In Worten? Habe ich nicht unreine Gespräche geführt, Verwünschungen, Lügen, Fluchund Scheltworte ausgestoßen? Ist dies unversehens oder mit Bedacht geschehen?- In Werken? War ich nicht faul, träge, ungeduldig in meiner Arbeit?- Habe ich nichts Unehrbares ausgeübt?-War ich nicht ausge= laffen in der Gesellschaft? War ich nicht gegen meine Weltern oder Vorgesegten grob, mürrisch, ungehorsam?- War ich nicht gegen meinen Nächsten hart, trogig, feindselig, unbarm. herzig, ungerecht?- Habe ich nicht die Ehre meines Nächsten verlegt? Habe ich ihm nicht irgend einen Schaden zugefügt? Abendgebet. 25 In Unterlassungen? Habe ich nicht unterlassen meinen Nächsten zu ermahnen, zu belehren, von einer Sünde abzuhalten? Habe ich für das Seelenheit meiner Kinder, meiner Untergebenen geſorgt?- Habe ich nicht unterlassen, gute Werke zu thun? Habe ich nicht vielleicht gar das Beten unterlaffen? 18 - Durch fremde Sünden? Habe ich nicht Wohlgefallen gehabt an der Sünde des Nächsten? - Habe ich nicht Andern Gelegenheit zur Sünde gegeben, besonders meinen Kindern und Dienstleuten? Habe ich die Sünde eines andern verhindert, wo ich konnte, und sollte? and Endlich erforsche dich ganz besonders, wie du den, des Morgens gemachten Vorsag gehalten hast, wie oft du ihn gebrochen, und wie oft du dich überwunden hast. Denke reiflich nach, was die Ursache deines Falles war, und suche die Mittel auf, dich künftig vor dem Falle zu bewahren. Wisse, daß von dieser fleißigen Selbstuntersuchung deine ganze christliche Vollkommenheit abhängt. 4. Reue und Leid. O unendlich gütiger Vater! ich habe Dich heute wieder beleidigt! Ist dies der Dank, den ich Dir für so viele und so große Wohlthaten schuldig bin! Ach! ich erkenne meine Schuld; ich bin nicht werth, Dein Kind zu heißen. Du aber, o Vater, 26 Abendgebet. Du bist unendlich gütig und barmherzig; darum fehre ich mit Vertrauen zu Dir zurück, und bitte dich fußfällig und mit Thränen um Verzeihung aller meiner Sünden, die ich sowohl heute, als auch sonst in meinem ganzen Leben begangen habe. Sie reuen und schmerzen mich von ganzem Herzen, und dies nicht nur, weil ich Deine Belohnung verloren und deine Strafe verdient habe, sondern weil ich dadurch Dich, o mein Gott! Du höchstes und liebenswürdigstes Gut! beleidigt habe. O könnte ich es wieder gut machen! O daß ich Dich doch niemals beleidigt hätte. 5. Vorsak. Ich nehme mir ernstlich vor, alle meine Sünden aufrichtig und bald zu beichten, alle Gelegenheit zur Sünde zu meiden, alle meine Pflichten vollkommen zu erfüllen, und lieber zu sterben, als Dich, meinen liebsten Gott! durch eine Sünde wissentlich zu beleidigen. Zum Behufe meines aufrichtigen Willens will ich alsogleich meine Besserung anfan. gen; besonders will ich jenen Hauptfehler in mir auszurotten recht bemüht sein. Verzeihe mir, o barmherzigster Vater! gleichwie ich raus Liebe zu Dir allen meinen Giessen Abendgebet. 27 Feinden von ganzem Herzen verzeihe, Verleihe mir Deinen mächtigen Beistand, daß ich fromm lebe nnd Dir bis in den Tod getreu verharre. Hierauf empfiehl dich in den Schuß Mariens und aller Heiligen Gottes. Wir bitten Dich, o Herr! suche diese Wohnung heim, und vertreibe alle Nachstellungen des bösen Feindes aus derselben; laß Deine heiligen Engel darin wohnen, damit sie uns den Frieden beschüßen, und Dein Segen allezeit über uns sei, durch Jesum Christum, Deinen Sohn, unsern Herrn, der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zn Ewigkeit. Amen. Seligste Jungfrau! Du, nach Gott unsere größte Hoffnung; heiliger Schußengel, heilige Patrone und alle lieben Heiligen! bittet für uns die ganze Zeit unsers Lebens und in der Stunde unsers Absterbens. Amen.d sinnit me up vodo Bete für die Lebendigen und abgestorbenen. Segne, o Herr! alle meine Verwandten und Bekannten, Gutthäter, Freunde und Feinde. Beschüße alle meine geistlichen 28 Abendgebet. und weltlichen Vorgesetzten und Obrigkeiten. Stehe den Armen, Gefangenen, Betrübten, Reisenden, Kranken und Sterbenden bei; befehre die Sünder und Irrgläubigen; erleuchte die Heiden und Ungläubigen. O Gott der Barmherzigkeit! sei auch den armen Seelen im Fegefeuer gnädig! endige ihre Schmerzen, und führe sie in die ewige Ruhe. Amen. Alsdann be e das Vater unser, den englischen Gruß und den Glauben mit möglichster Undacht. Erwecke die drei göttlichen Tugenden, wie beim Morgengebet. Gehe mit heiligen Gedanken oder mit kurzen h. Liebesseufzern zu Bette, und verharre darin bis zum Einschlafen. Wenn du in der Nacht er wachst, so richte alsogleich die Gedanken zu Gott, und gönne keinem bösen Gedanken den Zutritt in dein Gemüth, sondern rufe alsogleich: O Jesu! o Maria! Nein! Nein! lieber sterben, als so etwas denken, wünschen, oder gar thun. Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Andacht bei der heiligen Messe. MC: Vom Aufgange der Sonne bis zum Niedergange ist Mein Name groß unter den Heiden; an allen Orten werden Meinem Namen Opfer gebracht, und wird ein reines Opfer geopfert; denn Mein Name ist groß unter den Heiden; also spricht der Herr der Heerschaaren.( Malach. I. II.) Unterricht. Unter allen Gaben und Gnaden, welche Jer sus Christus Seiner heiligen Kirche hinterlaffen hat, ist das heilige Meßopfer die größte, kost barste und heiligste. Die heilige Messe ist das Opfer des Leibes und Blutes Jesu Christi, das auf unsern Ultären unter den Gestalten des Brotes und Weines dem himmlischen Vater dars gebracht wird, um das Opfer Jesu Chrifti, welches am Kreuze blutiger Weise geschah, hier, auf dem Altare, auf eine unblutige, geheimnißvolle Weise darzustellen und fortzusegen. Jesus Christus hat Sich Seinem himmlischen Vater für uns am Kreuze sterbend geopfert. Er hat durch Sein vergoffenes Blut und durch Seinen schmerzhaften Tod unsere Sünden getilgt unds mit einem himmlischen Vater versöhnt. 30 Unterricht über die heilige Meffe. Um uns aber ein immerwährendes Denkmal dieser Seiner großen Liebe zu hinterlassen, nahm Er beim legten Abendmale, das Er mit Seinen Jüngern den Abend vor Seinen Leiden genoß, das Brot in Seine heiligsten Hände, dankte Gott, brach es, und gab es ihnen zu effen, indem Er sprach: dies ist Mein Leib, Der für euch hingegeben wird; dies thut zu meinem Undenken." Deßgleichen nahm er auch den Kelch und sprach: Dies ist der Kelch, das neue Testament in Mei,, nem Blute, Das für euch wird vergossen werden."( Luc. 22, 19-20.) 11 Durch diese Worte: Dies thut zu meinem Undenken," gab Jesus Christus Seinen Aposteln und ihren Nachfolgern, den Bischöfen, und durch diese ten Priestern die Gewalt, das Brot in Seinen allerheiligsten Leib, und den Wein in Sein allerheiligstes Blut zu verwandeln. Der Priester segnet, wie es Christus that, Brot und Wein; er spricht dieselben Worte darüber aus, die Chris stus sprach, und so wird am Altare Brot und Wein, wie beim legten Abendmale, in den Leib und das Blut Jesu Christi verwandelt. So wie nun Jesus Christus am Kreuze Sich Seinem himmlischen Vater für unsere Sünden aufopferte, so opfert Er ich hier am Altare durch die Hände des Priesters demselben himmlischen Vater auf. Das Opfer der heiligen Moffe ist also ganz gleich dem Opfer des Kreuzestodes Jesu Christi; nur, was dort am Calvarienberge sichtbarer Weise ge schah, geschieht hier am Altare unsichtbare Weise; was dort blutiger Weise geschah, geschieh hier Unterricht über die heilige Messe. 31 unblutiger Weise. Um Kreuze hat Sich Jesus Christus ohne Dazwischenkunft eines Priesters ges opfert; am Altare aber wird Er durch die Hände des Priesters aufgeopfert. Nach der Wandlung, welche durch dieselben Worte des Priesters geschieht, die Jesus Christus beim legten Abendmale über das Brot und den Wein gesprochen hat, ist nicht mehr Brot und Wein auf dem Altare, sondern der lebendige wahrhafte Jesus Christus, Gott und Mensch zugleich, aber unter den Gestalten des Brotes und Weines. Der Priester opfert dem himmlischen Vater im Namen der heiligen, katholischen Kirche Jesum Christum auf, und das Gebet der Kirche sammt den frommen Wünschen und Bitten der rechtgläubigen Seelen wird mit diesem heiligsten Opfer vereinigt. Jesus Christus Selbst ist es, Der auf dem heiligen Altare für uns bittet und Sich aufopfert, und wir können mit Zuversicht hoffen, daß wir das, was wir allein durch unsere Bitten bei Gott nicht erlangt hätten, bei der hei ligen Messe erlangen werden, wo Jesus Christus Selbst für uns und mit uns bittet. Wohne demnach, wenn du kannst, täglich diesem allerheiligsten Opfer bei, von dem der heilige Augustinus sagt: Wer andächtig die heilige Mesfe bört, wird in feine Todsünde fallen, und Verzeihung der läßlichen Sünden erhalten. Stelle dir vor, als stündest du neben dem Heilande, da Er das legte Abendmal mit Seinen 32 Unterricht über die heilige Messe. Jüngern hielt; oder als stündest du auf dem Calvarienberge unter dem Kreuze, auf dem sich der Heiland für die Sünden der Welt Seinem Vater aufgeopfert hat. Die beste und nüglichste Weise, die heilige Messe mit Undacht anzuhören, ist, wenn man seine Meinung mit der Meinung des Priesters vereint, wobei zu beobachten, daß man: 1. den himmlischen Vater und Jesum Christum anbetet; 2. sich des Leidens und des Todes Jesu Christi dankbar erinnert, die Größe seiner Sünden daraus erkennt und dieselben bereuet, da sie ein so großes, ein so furchtbares Opfer zu ihrer Versöhnung erbeischen; 3. dem himmlischen Vater Seinen göttlichen Sohn vorstellt, Ihm Denselben mit aufopfert, und durch Seine Verdienste um die Vergebung der Sünden bittet; 4. Gott für alle empfangenen Wohlthaten dankt, besonders für die Wohlthaten der Erlösung; 5. seine eigenen, und der Seinigen geistliche und leibliche Anliegen Gott vorträgt; 6. sich der Verstorbenen erinnert, und für fie betet; 7. den Leib des Herrn entweder mit dem Priester empfängt, oder wenigstens geistlicher Weise communicirt. Um der Verdienste des Opfers der heil. Messe theilhaft zu werden, kann man sich frommer Meß Meßgebete. 93 gebete bedienen, oder eine Betrachtung über das Leiden Christi anstellen, oder den Rosenkranz bes ten oder sonst eine, dem Gemüthe gerade zusagende Andachtsübung vornehmen, und dabei, doch ohne sich anzustrengen, und ohne nach der heiligen Meffe darüber ängstlich zu sein, ob man es gethan habe oder nicht, auf die drei Haupttheile derselben: Opferung, Wandlung und Communion, Ucht geben. Meßgebete. Gebet vor der heiligen Messe. O unendlich großer, heiliger Gott! ich armer Mensch erscheine vor Deinem Altare, dem unendlichen Opfer der heiligen Messe beizuwohnen. Dieses Opfer ist allein Deiner unendlichen Majestät würdig, weil es Dein eingeborner, ewiger Sohn selbst ist, Der da geopfert wird. In Vereinigung mit jener vollkommensten Meinung, mit der Sich Dein geliebtester Sohn zu einem Opfer für uns dargegeben hat, opfere ich Dir diese heilige Messe auf, zur Anbetung und Verherrlichung Deines allerheiligsten Namens, zur Danksagung für alle mir bis jetzt erwiesenen Gnaden, zur Genugthuung für alle 34 Meßgebete. von mir begangenen Sünden, zur Erlangung aller mir nothwendigen Gnaden, besonders dieser( Hier kannst du dir eine besondere Gnade vorstellen, um die du heute Gott bitten willst)- zur Hilfe und zum Troste Derjenigen, für welche ich zu beten besonders schuldig bin, besonders dieser Lebenden--- und dieser Verstorbenen. - Bereite, o Gott! mein Herz, reinige meinen Geist, lösch aus meine Sünden! damit ich würdig bei diesem heiligsten Opfer erscheine! Gebet während der heiligen Messe. Wenn der Priester unten am Altare die hei= lige Messe anfängts so mache das heilige Kreuz, bedenke furz deine Sünden; bereue sie und bitte Gott um Verzeihung derselben, sprechend: sise Ich bekenne Gott, dem Allmächtigen, Maria der seligsten Jungfrau, dem seligen Erzengel Michael, dem seligen Johannes dem Täufer, den seligen Aposteln Petrus und Paulus, und allen Heiligen, daß ich viel gesündigt habe, mit Gedanken, Worten und Werken; dies durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine größte Schuld: daher bitte ich die seligste Jungfrau Maria, den seligen Erzengel Michael, den Meßgebete. seligen Johannes den Täufer, die heiligen Apostel Petrus und Paulus, und alle Heiligen, daß sie für mich bei Gott, unserm Herrn bitten mögen. Amen. 35 Der allmächtige Gott erbarme Sich unser, vergebe uns unsere Sünden, und führe uns zum ewigen Leben. Amen. Der allmächtige und barmherzige Herr verleihe uns die Vergebung, Lossprechung und Nachlassung unserer Sünden. Amen. Zum Kyrie eleyson sprich diese fremden Worte in deutscher Sprache: Herr! erbarme Dichunser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme dich unser! Zum Gloria sprich den englischen Lobgefang: Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind. Wir loben Dich, wir preisen Dich, wir beten Dich an, wir verherrlichen Dich, wir danken Dir wegen Deiner großen Herrlichkeit, Herr Gott, himmlischer König! Gott allmächtiger Vater! Herr Jesu Christe, Du eingeborner Sohn! Herr Gott, Dn Lamm Gottes, Sohn des Vaters! Der Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser! Der Du hinwegnimmst 36 Meßgebete. die Sünden der Welt, nimm an unser Gebet! Der Du sigest zur Rechten des Vaters, erbarme dich unser; tenn Du allein bist heilig. Du allein bist Herr, Du allein bist der Allerhöchste, Jesu Christe, mit dem Heiligen Geifte in der Herrlichkeit Gottes des Vaters. Amen. ple 11 Nach dem Gloria wendet sich der Priester zum Volke und spricht den Gegenswunsch: Do. minus vobiscum! Der Herr fei mit euch!" Der Ministrant spricht anstatt des Volkes: ,, Et cum spis ritu tuo! Und mit deinem Geiste!" Der Priester betet: Oremus! Laßt uns beten!" Dadurch gibt uns die heilige Kirche zu verstehen, daß wir unfere Meinung mit der Meinung des Priesters vereinigen sollen. Darauf folgt das Gebet, wel: ches die Collecte heißt, das ist: Sammlung; weil der Priester die Wünsche und Bitten aller Unwesenden zusammen nimmt, und sie als ein Abgeordneter im Namen aller Rechtgläubigen Gott vorträgt. Du kannst Folgendes beten: Allmächtiger, ewiger Gott! erhöre das Gebet Deines Volkes; und wende Dein heiligstes Angesicht nicht von uns ab, wegen unserer Sünden. Erhöre gnädig das Gebet Deines Dieners, des Priesters, der für das Hell Deines Volkes bittet, und gib, daß 37 Meßgebete. wir dasjenige, was wir mit Vertrauen von Dir begehren, von Deiner Barmherzigkeit erlangen, durch Jesum Chriftum, unfern Herrn. Amen. Darauf folgt die Epistel; sie enthält gewöhnlich ein Stück aus den Schriften der Propheten oder Apostel. Du kannst während derselben folgendes Gebet sprechen: Gott O mein Gott! ich bete Dich an, heiliger Geist, welcher aus den Propheten und den Aposteln geredet hat, und jetzt noch immer durch die heilige Kirche redet. Ich nehme mit Ehrfurcht und Demuth alle Lehren und Unterweisungen an, die mir die heilige Kirche durch ihre Priester gibt. Verleihe mir, o Gott! daß ich alle ihre Lehren und Unterweisungen befolge, und nach denselben lebe, durch Jesum Christum, unfern Herrn. Amen. Wenn der Priester das Evangelium liest, sprich folgendes Gebet: Göttlicher Heiland! wie groß war Deine Liebe, daß Du Selbst als Lehrer auf die Erde kommen wolltest, um uns den Weg zum Himmel zu zeigen. Gib mir die Gnade, daß ich jene Wahrheiten, die Du gepredigt hast, mit Demuth anhöre; erleuchte meinen 3 Meßgebete. Verstand, daß ich sie erkenne; erneuere mein Herz, daß ich sie liebe und genau befolge. Verleihe mir Deinen göttlichen Beistand, daß ich mich Deines heiligen Evangeliums niemals schäme, sondern dasselbe sowohl mit Worten als durch Werke bekenne. Der Du lebest und regierest in alle Ewigkeit. Amen. 38 Wenn der Priester das Credo betet, so bete du das apostolische Glaubensbekenntniß: Ich glaube an Gott, u. s. w. Beim Offertorium( Opferung) wird Brot und Wein, welches in den allerheiligsten Leib und in das Blut unsers Erlösers verwandelt werden soll, durch die Hand des Priesters Gott dargebracht. Sprich dabei folgendes Gebet: Nimm an, o unendlicher heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott! dies Opfer, welches Dir der Priester für uns darbringt. Ich glaube fest und unbezweifelt, daß es in den wahren Leib und in das wahre Blut Christi werde verwandelt werden. Nimm dies Opfer an, himmlischer Vater! zur Verherrlichung Deines heiligsten Namens, zur Versöhnung meiner Sünden, zur Danksagung für alle mir verliehenen Gnaden, zur Erlangung Meßgebete. 39 neuer Wohlthaten, und besonders der Mittel, die mir zur Seligkeit nothwendig sind, so auch für alle geistlichen und weltlichen Obrigkeiten, für Freunde und Feinde, für alle lebenden und abgestorbenen Christen. Amen. Der Priester wendet sich zum Volke und spricht: ,, Orate fratres! Betet Brüder!" Er verlangt, daß die Unwesenden mit ihm beten möchten, damit Gott dieses Opfer genehmige. Sprich dabei: Der Herr wolle dieses Ofer von deinen Händen zum Lobe und zur Verherrlichung Seines Namens, wie auch zu unserem und Seiner heiligen Kirche Nutzen annehmen. 11 11 Die Präfation ist gleichsam der Eingang in den Canon oder die stille Messe. Der Priester spricht mit lauter Stimmz: Per omnia fäcula fäculorum;" dadurch drückt er das Verlangen aus, Gott in Ewigkeit loben zu können. Er ruft dann zum Volke: Dominus Vobiscum! Der Herr fei mit euch!" und der Ministrant antwort. anstatt des Volkes:, et sp.cit tuo! Und mit deinem Geiste!" darauf spricht der Priester: Sursum corda! Erhebet eure Herzen." Und es erfolgt die Antwort:„ Wir haben sie zum Herrn erhoben!" Der Priester spricht ferner: Laßt uns Gott, unferm Herrn, Dank fagen." Die Untwort folgt: ,, Es ist würdig und gerecht." 11 " 3* Meßgebete. Dann spricht der Priester folgendes Lobund Dankgebet: 40 Es ist höchst würdig und gerecht, pflichtmäßig und heilsam, daß wir zu allen Zeiten und an allen Orten Dich dankbar preisen, heiliger Herr, allmächtiger Vater! ewiger Gott, durch Jesum Christum, unsern Herrn, durch welchen die Engel Deine Majestät Icben, die Himmelsfürsten sie anbeten, die Mächte vor ihr zittern, die Himmel und die Kräfte des Himmels fammt den seligen Seraphim insgesammt mit Frohlocken sie preisen. Mit diesen laß auch unsere Stimmen zu Dir gelangen, die wir in tiefster Ehrfurcht rufen: Heilig! heilig! heilig ist der Herr Gott Sabaoth! Himmel und Erde sind Seiner Herrlichkeit voll! Hosanna in der Höhe! gebenedeit sei, Der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe! Zum Canon nach dem Sanctus bete Folgendes, es sind beinahe die Worte des Priesters: Wir bitten Dich inständig, o gütigster Vater! wir flehen zu Dir durch Jesum Christum, Deinen Sohn unsern Herrn, daß du diese Gaben, diese Geschenke, diese Meßgebete. heiligen, unversehrten Opfer gnädig annehmen und segnen wolleft. Wir bringen sie Dir vorzüglich dar für Deine heilige, fatholische Kirche, damit Du sie auf dem ganzen Erdboden im Frieden erhalten, beschützen, vereinigen und regieren mögest, mit Deinem Diener, unserm Papste N. unserm Bischofe N. und mit allen rechtgläubigen Befennern des katholischen und apostolischen Glaubens. - 7 41 Erinnere Dich, o Herr! Deiner Diener und Dienerinnen N. N.( Hier denke an jene lebenden Personen, die du besonders heute in dieses heilige Meßopfer einschließen willst) und aller hier Gegenwärtigen, deren Glauben und Andacht Dir bekannt ist, für welche wir Dir dieses Opfer darbringen, für sich und für alle die Ihrigen, zur Erlösung ihrer Seelen, zur Stärkung der Hoffnung ihres Heils und Wohlseins, und um Dir, dem lebendigen, wahren und ewigen Gott, ihre Wünsche vorzutragen. Wir ehren gemeinschaftlich das Andenfen der glorreichen, allezeit unversehrten Jungfrau Maria, der Gebärerin Gottes und unsers Herrn Jesu Christi; dann auch Deiner 42 Meßgebete. seligen Apostel und Martyrer; Petrus und Paulus, Andreas, Jacobus, Johannes, Thomas, Jacobus, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Simon und Thaddäus, Linus, Cletus, Clemens, Xistus, Cornelius, Cyprianus, Laurentius, Chrysogonus, JoHannes und Paulus, Cosmas und Damianus, und aller Deiner Heiligen, durch deren Verdienste und Bitten Du gewähren wollest, daß wir in Allem durch den Beistand Deines Schußes befestiget werden, durch Denselben Christum, unsern Herrn. Amen. Wir bitten Dich also, o Herr! daß Du diese Opfergaben von uns, Deinen Dienern und Deiner ganzen Familie gnädig annehmest, unsere Tage durch Deinen Frieden beseligest, uns vor der ewigen Verdammniß bewahreft, und der Zahl Deiner Auserwählten beigesellest, durch Christum, unsern Herrn. Amen. Laß, o Gott! dieses Opfer in Allem gesegnet, genehmigt und Dir wohlgefällig sein, damit es zu unserem Heile verwandelt werde in den Leib und das Blut Deines geliebten Sohnes, unsers Herrn Jesu Chrifti. Meßgebete. 43 ( 1 Wenn es zur Wandlung kommt, so stelle dir lebendig Jesum Christum vor, wie Er beim legten Abendmale das Brot genommen, es gesegnet und gesprochen hat: Dieß ist Mein Leib, Der für euch hingegeben wird," und wie Er über den Kelch mit dem Weine gesprochen hat: ,, Dieß ist der Kelch Meines Blutes." Halte fest den Glauben, daß Jesus Christus, Der für dich am Kreuze gestorben ist, in der Hostie und in dem Kelche ganz, wahrhaftig und lebendig als Gott und Mensch gegenwärtig ist, wenn der Priester darüber die heil. Einsegungsworte gesprochen hat. Mit festem Glauben und mit tiefster Demuth bete dann deinen Heiland an. Beim Aufheben der Hostie bete also: Ich glaube, o Jesu! daß Du hier, unter der Gestalt des Brotes, als Gott und Mensch wahrhaft gegenwärtig bist; ich bete Dich an als meinen Herrn und Gott in tiefster Ehrfurcht. O Jesu! Dir lebe ich! o Jesu! Dir sterbe ich! o Jesu! Dein bin ich, todt und lebendig! - Beim Aufheben des Kelches bete also: Ich glaube, o Jesu! daß Du Selbst, daß Dein kostbares Blut, welches einst als Versöhnungsopfer für uns Menschen am Kreuze vergossen wurde, unter der Gestalt 44 Meßgebete. des Weines in diesem Kelche wahrhaft und lebendig gegenwärtig ist. Ich bete Dich an, o heiligstes Blut meines Erlösers! wasche und reinige mich von allen Sünden! Nach der Wandlung bete mit dem Priester: Wir erinnern uns, o Herr! an Christum, Deinen Sohn, unsern Herrn, an Sein beseligendes Leiden, an Seine Auferstehung von den Todten, an Seine glorreiche Auffahrt in den Himmel, und bringen vor den Thron Deiner erhabenen Majestät von Deinen Geschenken und Gaben, ein heiliges, reines, unbeflecktes Opfer dar: das heilige Brot des ewigen Lebens, und den Kelch des immerwährenden Heils. Würdige Dich, mit versöhntem und geneigtem Angesichte auf Sie herab zu sehen und Sie wohlgefällig anzunehmen, wie Du mit Wohlgefallen aufgenommen hast die Geschenke Deines Dieners, des gerechten Abels, das Opfer unseres Erzvaters Abraham, und das heilige Opfer und die unbefleckte Gabe, welche Dir Dein oberster Priester Melchisedech dargebracht hat. Meßgebete. Wir bitten Dich flehentlich, allmächtiger Gott! laß Dir diese Opfergaben durch die Hände Deines heiligen Engels auf Deinen erhabenen Altar, vor Deine göttliche Majestät bringen, damit wir Alle, die wir durch die Theilnahme an diesem Altare den heiligsten Leib und das heiligste Blut Deines Sohnes genießen, mit allem himmlischen Segen und mit Gnade erfüllet werden; durch Denselben Christum, unsern Herrn. Amen. 45 Gedenke, o Herr! Deiner Diener und Dienerinnen, welche uns mit dem Zeichen des Glaubens vorangegangen sind, und in Frieden ruhen.( Hier nenne fene Verstorbenen, die du besonders der göttlichen Barmherzigkeit empfehlen willst, damit ihre Schmerzen gelindert, oder sie aus dem Orte der Qualen in den Wohnsig der ewigen Seligkeit geführt werden.) Verleihe, daß diese und Alle, die in Christo ruhen, an den Ort der Erquickung, des Lichtes und des Friedens gelangen mögen; durch Denselben Christum, unsern Herrn. Amen. Auch uns Sündern, Deinen Dienern, die wir auf die Größe Deiner Erbarmnisse Meßgebete. vertrauen, gib einen Antheil an der Gefellschaft Deiner heiligen Apostel und Martyrer, Johannes und Stephanus, Mathias, Barnabas, Ignatius, Alerander, Marcellinus, Petrus, Felicitas, Perpetua, Agatha, Lucia, Agnes, Cäcilia, Anastasia, und aller Deiner Heiligen. Laß uns in ihre Gesellschaft kommen, nicht aus Rücksicht auf unsere Verdienste, sondern durch Deine Gnaden, durch Christum, unsern Herrn, durch Den Dut, o Gott! alles dieses Gute schaffst, heiligst, belebst, segneft und uns austheils.. Durch Ihn, mit Ihm und in Ihm sei Dir Gott, allmächtiger Vater! in Einigkeit des heiligen Geistes alle Ehre und Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 46 - Zum Pater nofter bete mit dem Priester das Vater unser; dann sprich folgendes Gebet: Wir bitten Dich, o Herr! befreie uns von allem vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Uebel, und durch die Fürbitte der seligen, glorreichen und unversehrten Jungfrau und Gottesgebärerin Maria der heiligen Apostel Petrus und Paulus, Andreas und aller Heiligen, gib gnädig Meßgebete. 47 den Frieden in unseren Tagen: damit wir, durch den Beistand Deiner Gütigkeit unter- stüßt, von der Sünde immer frei, und gegen alle Beunruhigungen gesichert bleiben. Durch Denselben Christum, unsern Herrn, Deinen Sohn, Der mit Dir lebet und regieret in Einigkeit des heiligen Geistes von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Wann der Priester die heilige Hostie bricht und einen kleinen Theil derfelben in den Kelch fallen läßt, sprich mit ihm: Die Vermischung des heiligen Leibes und Blutes unseres Herrn Jesu Christi gereiche uns, die wir daran Theil nehmen, zum ewigen Leben. Amen. Zum Agnus Dei klopfe dreimal an die Brust, bitte Jesum, das unschuldige Lamm Gots tes, um Verzeihung deiner Sünden, und sprich jedesmal: O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser! Das dritte Mal sprich statt: Erbarme Dich unser: ,, Gib uns den Frieden!" Dann bete wieder: Meßgebete. Herr Jesus Christus! Der Du zu Deinen Aposteln gesprochen haft:„ Ich hinterlasse euch den Frieden, Ich gebe euch Meinen Frieden!" sich nicht auf meine Sünden, sondern auf den Glauben der Kirche, und erhalte sie nach Deinem Willen in Frieden und in Einigkeit! Der Du als Gott lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. 48 Herr Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes! Der Du nach dem Willen des Vaters und durch Mitwirkung des heiligen Geistes, durch Deinen Tod der Welt das Leben gegeben hast! befreie mich durch Deinen allerheiligsten Leib und durch Dein allerheiligstes Blut von allen meinen Sünden und von allen Uebeln. Gib, daß ich immer Deinen Geboten nachlebe, und daß ich mich niemals von Dir trenne; Der Du mit demselben Gott Vater und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebest und regierest in alle Ewigkeit. Amen. Wenn du während oder nach der heiligen Messe communicirst, so kannst du mit dem Priester noch folgendes Gebet sprechen: Herr Jesus Christus! laß den Genuß Deines Leibes, Den ich Unwürdiger zu Meßgebete. 49 empfangen wage, mir nicht zum Gericht und zur Verdammniß, sondern nach Deiner Gütigkeit zum Schuß für Seele und Leib und zum Heilmittel gereichen; Der Du mit dem Vater und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebeft und regierest in alle Ewigkeit. Amen. So will ich denn das himmlische Brot kosten, und den Namen des Herrn anrufen. Dann sprich drei Mal, jedesmal mit Demuth an deine Brust klopfend, mit dem Priester: Herr! ich bin nicht würdig, daß Du eingehest unter mein Dach; sondern sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund. Wenn du aber nicht communicirft, so kannst du die geistliche Communion verrichten: siehe hierüber den Unterricht, der später nach den Come munion- Gebeten vorkommt. Nach der Communion betet der Priester die Collecte; du sprich also: Allmächtiger ewiger Gott! ich danke Dir aus meinem ganzen Herzen für alle mir erwiesenen Guaden und Wohlthaten, vorzüglich aber dafür, daß Du uns Deinen Sohn zum Versöhnungsopfer, und Seinen 30 Meßgebete. Leib und sein Blut zur Nahrung unserer Seelen gegeben hast. Behüte mich gnädigst, daß ich nie unwürdig dem heiligen Meßopfer beiwohne, und diese allerheiligste Speise niemals unwürdig genieße, durch Denselben Christum, unsern Herrn. Amen. " Zum Ite Misa est," und dem Segen des Priesters sprich: Laß Dir, o allerheiligste Dreifaltigkeit! den vollbrachten Dienst des Priesters gefallen, und nimm das Opfer, das wir Unwürdige Dir gebracht haben, gütig an, damit Es uns Allen, für die es dargebracht wor den ist, zur Versöhnung und zum Heile gereiche Durch Christum, unsern Herrn. Amen. Es segne uns der allmächtige Gott Vater, Sohn und heiliger Geist. Amen. trument 3um legten Evangelium sprich: Jesu! ewiges Wort des Vaters! Du wurdest Mensch aus Liebe zu uns. Ich beteDich an, ich vertraue auf Dich, ich liebe Dich: Du kamst auf die Welt, um uns den Weg des ewigen Lebens zu zeigen. Leite mich, Du wahres Licht der Welt! daß ich in den Finsternissen des Lebens nicht irre, Meßgebete. 31 sondern nach Deinem Lichte heilig lebe und felig sterbe. Gebet nach der heiligen Messe. Gütigster Gott! ich danke Dir, daß Du mich an diesem heiligsten Opfer haft Antheil nehmen lassen. Verzeihe mir alle dabei begangenen Fehler der Lauigkeit und der Zerstreuung. Ich fasse den festen Entschluß, keine Sünde mehr zu begehen, und in Gedanken, Worten und Werken so behutsam zu sein, daß ich die Früchte des heiligen Meßopfers nicht verliere. Segne mich, allmächtiger, ewiger Gott! zu meiner Arbeit. Jesu und Maria! meine Liebe in Ewigfeit! Amen. Vom Anhören des göttlichen Wortes. Wer aus Gott ist, hört Gottes Wort."( Joh. 8. 47.) 11 n t'erricht. Ein wichtiger Gegenstand des christlichen Gottesdienstes ist das Unhören der Predigt, oder des göttlichen Wortes. Niemand dünke sich so weise und so gelehrt, daß er das gepredigte Wort Gottes entbehren könnte. Die Predigt ist das von Gott bestimmte Mittel, durch welches Gott zu unseren Herzen reden will. Wer also die rechts mäßigen, von der fatholischen Kirche gesandten Prediger nicht hören will, der verstopft seine Ohren gegen die Stimme Gottes, der verachtet Jesum Christum, Welcher gesagt hat: Wer euch „ hört, der hört mich; wer euch verachtet, der verachtet Mich." Aber du sagst: Ich kann ja das Wort Gottes selbst in der Bibel lesen, wozu brauche ich die Predigt? Wie, du mit deinem erschaffenen und beschränkten, armseligen Verstande getrauest dich zu sagen, daß du den Sinn des ewigen Gottes verstehst? -O Unglücklicher! du machst deinen eigenen Sinn zum Sinne Gottes! Nur die heilige Kirche Gottes, welche vom heiligen Geiste Selbst erleuchtet und geleitet wird, sie nur erW Vom Anhören der Predigt. Fennt den wahren Sinn der heiligen Schrift, den Sinn Gottes auf eine unfehlbare Weise. Sie läßt uns aber die wahre Lehre Jesu Christi durch die Bischöfe und ihre Mitarbeiter, die Pries fter, verkündigen, und diese sind es, die man hören muß, wenn man nicht als ein hoffärtiger Geist den größten Irrthümern Preis gegeben sein will. 53 Du sagst mir aber: Ich habe selbst zu Hause gute Erklärungen der Evangelien und andere gute Erbauungsbücher, diese dienen mir anstatt der Predigt. Darauf antwortet dir schon der heilige Thomas von Villanova: Sage mir nicht: ich bin gelehrt, ich habe zu Hause die Werke des Augustinus, Bernardus, u. f. w. Der Buchstabe ist todt, die Stimme ist lebendig. Der Prediger ist die lebendige Stimme Gottes." Er ist die Stimme des Rufenden in der Wüste. ,, Der Buchstabe tödtet, der Geist ist's, der lebendig macht," spricht Jesus Christus. Und durch was sonst ist die Welt bekehrt worden, als durch das von den heis ligen Aposteln verkündigte, göttliche Wort? 19 Höre demnach die Predigt mit frommem und demüthigem Geiste an, bekrittle den Prediger nicht, fuche nicht schöne Worte, deute die Predigt nicht auf andere Leute, sondern auf dich selbst, betrachte die Worte des Predigers als eine Stimme Gottes, die zu dem Ohre deines Herzens ertönet, damit du dich bekehrst. Wiederhole daher in deinem Herzen vor und während der Predigt öfters die Worte des heiligen Samuel: Rede, o Herr! denn Dein Diener höret!" Gebet vor and nach der Predigt. be Gebet vor der Predigt. Komm, heiliger Geist, erfülle die Herzen Deiner Gläubigen, und entzünde in ihnen das Feuer Deiner Liebe, Der Du die Völker aller Sprachen in Einigkeit des Glaubens versammelt hast. O Gott, Der Du die Herzen Deiner Gläubigen durch die Erleuchtung des heiligen Geistes gelehrt haft! gib, daß wir in dem selben Geiste das, was recht ist, verstehen, und Seines Trostes uns alle Zeit erfreuen mögen, durch Chriftum, unsern Herrn. Amen. Gebet nach der Predigt. 34 O Herr Jesu Christe! ich danke Dir, daß Du heute den Samen Deines göttlichen Wortes in meine Seele ausgesäet hast. Gib nicht zu, o Herr! daß dieser gute Same von dem bösen Feinde aus meinem Herzen weggenommen, oder von der Hitze unreiner nnd irdischer Begierden verbrannt, oder von den Dornen zeitlicher Sorgen erstickt werde; sondern verleihe, daß Dein Wort durch Deinen Segen in mir hundertfältige Früchte zum ewigen Leben hervorbringe. Amen. Andachtsübungen zur heiligen Beicht. ( Aus den Schriften des heiligen Alphons v. Liguori.) Unterricht. Stelle dir vor, als ob diese Beicht die legte deines Lebens wäre. Bereite dich zu derselben so vor, wie ein Mensch, der sich im Krankenbette, dem Tode sehr nahe, schon am Rande des Grabes befindet. Bitte Gott um die Gnade, deine Gewissenserforschung gut anzustellen, und das nötbige Licht des Verstandes zu erhalten, um deine Sünden recht zu erkennen. Zu diesem Ende sprich: Gebet vor der heiligen Beicht. O Gott und Vater der Lichter, der Du alle Menschen erleuchtest, die in diese Welt kommen! sende auch in mein armseliges Herz einen Strahl des heiligen Lichtes der Liebe und Reue, daß ich im Stande sei, die Sünden, die ich wider Dich begangen habe, recht zu erkennen, zu bereuen und zu befennen. Beichtgebete. Du aber, o Gebärerin meines Gottes, Die Du so liebevoll bist gegen die Sünder, welche wahrhaft ihre Sünden zu bereuen verlangen! steh' mir bei mit Deiner Alles vermögenden Huld und Gnade, Du, meine geliebteste Hoffnung Maria! 36 Mein heiliger Schußengel! hilf mir durch deinen Beistand, alle die Beleidigungen erkennen, deren ich mich wider meinen Gott schuldig gemacht habe. Alle Heiligen und Auserwählten des Himmels! bittet für mich, damit ich würdige Früchte der Buße wirke. Amen. Hierauf kannst du dein Gewissen erforschen. Bei Personen, die eines ängstlichen Gewissens sind, und welche öfters die heiligen Sacramente empfangen, muß diese Erforschung kurz, nicht ängstlich und ohne Scrupel sein. Es ist hinlänglich für solche Seelen, daß sie einen vernünftigen und aufrichtigen Blick auf jene Fehler und Unvollkommenheit werfen, in die sie gewöhnlich zu fallen pflegen. Sie sollen vielmehr besorgt sein, das Sacrament der Buße mit vollkommener ZerEnirschung, Liebesreue und Undacht zu empfangen, woran sie sonst durch unnüße Furcht und leere Ungst am meisten gehindert und gestört werden. Beichtgebete. 37 Wer hingegen selten zu beichten pflegt, ber wende zur Gewissenserforschung so viel Zeit an, als man vernünftiger Weise zu einem so wichtigen Geschäft für hinlänglich erachten kann, um sich die Gattungen und Zahl der schweren Sünden, so viel es sein kann, in's Gedächtniß zurück zu rufen. Nach vollendeter Gewissenserforschung mache die nachstehenden drei kurzen Betrachtungen, um wahre Reue über deine Sünden zu erwecken. Erste Betrachtung. Ueber die Größe einer Sünde. Erwäge, daß alle Sünden, so klein sie immer fein mögen, Gott auf's höchste mißfallen. Sie entehren alle unendlichen Vollkommenheiten Gottes, Der in Sich Gelbft unendlich vollkommen und folglich unendlich geliebt zu werden würdig ist. Wenn du sündigest, so verursachest du Demjenigen ein Mißfallen, Der Dich auf das Zärtlichste liebt. Ist dieß nicht eine Grausamkeit, und eine Sache wieder alle Vernunft! - Ach! dieß werden wir nicht eher begreifen, als bis wir einst im Himmel sind. Nein, in diesem Leben werden wir es nie genug erkennen, was die Sünde für ein Uebel sei, und welche Züchtigung derjenige verdient, der sie begeht. Act der Rene. O mein Gott! o unendlich liebenswürdiger Gott! ich bekenne es, daß meiner Beichtgebete. Sünden mehr sind, als die Zahl der Haare meines Hauptes und der Sandkörner am Ufer des Meeres; und hätte ich auch nur eine einzige begangen, so würde ich dennoch mit dieser einzigen alle Deine unendlichen Vollkommenheiten beleidiget haben. Ach! warum bin ich nicht von unendlicher Reue und von Abscheu durchdrungen, da ich doch unzählige Ursachen dazu habe. Ich habe ein nichtiges Geschöpf, ein wenig eitle Ehre, ein schmutziges Vergnügen, einen elenden Eigennuß Deiner allerhöchsten Majestät vorgezogen, Die ich anbeten, Der ich dienen, Die ich ehren sollte. 38 Ach mein Herr und mein Gott! durch die ewige Liebe, womit Du Dich selbst liebst, verzeihe mir meine Sünden. O unbegreifliche Güte, o unendliche Schönheit! wie habe ich mich entschließen können, Dich zu verachten? Aber es schmerzt und reuet mich dieser wilde und vernunftwidrige Haß. Nein ich will Dich nicht mehr beleidigen; lieber will ich tausend Mal meine Güter, Ehre, Gesundheit, ja selbst mein Leben verlieren, als einem so guten Gott, wie Du bift, mißfallen. 1 Beichtgebete. 39 Zweite Betrachtung. Ueber die Wohlthaten des, durch unsere Sünden beleidigten Gottes. Betrachte, wie Gott der allerhöchste Wohlthäter ist, der uns tausend Wohlthaten im Allge= meinen, Millionen derselben aber insbesondere erwiesen hat. - Er hat uns aus Nichts hervorgebracht! Er hat uns nach einem Ebenbilde, Sich selbst ähnlich erschaffen, ohne unseres Daseins nöthig zu ha ben; Er hat uns erlöst mit dem Blute Seines Sohnes; Er hat uns zu Christen gemacht, indeß Er Millionen andere uns ähnliche Menschen in der Nacht des Unglaubens gelaffen hat; Er hat uns bis auf diesen Augenblick sogar in unsern Sünden und Lastern geduldet; Er hat uns so viele und so leichte Mittel gegeben, um die Seligkeit zu er langen; und wir wir erwiederten Ihm alles diefes mit unserer Undankbarkeit! Er hat alle Geschöpfe für uns geschaffen, und wir wir braus chen dieselben, um Ihn zu beleidigen. Act der Reue. O welch eine gräßliche Undankbarkeit! Nein- es ist und kann keine ähnliche mehr unter der Sonne sein. Ja, mein liebens Beichtgebete. würdigster Heiland! dies ist der John, mit dem ich mich gegen Dich erkenntlich gezeigt habe, weil Du mich aus dem Nichts hervorgezogen hast, in welchem ich ohne Dich bis auf diesen Augenblick geblieben Ach! so- so habe ich bis jetzt das kostbare Blut Deiner Adern geschäßt, Welches Du mit so viel Liebe und mit so vielen Schmerzen zu meinem Besten vergossen haft! wäre. 60 Oich Undankbarer! Wer gibt genug Seufzer meinem Herzen und Thränen meinen Augen, um den Tod meiner Seele zu beweinen, und den Verrath, dessen ich mich gegen meinen Gott schuldig gemacht habe würdig zu bereuen? Ach! Herr, voll der Güte! erbarme Dich meiner! ich habe ein aufrichtiges Verlangen und mache den festesten Vorsatz, Dich nicht mehr zu beleidigen. Ach! war es wohl billig und gerecht, daß, nachdem ich geboren wurde, und zahllose Wohlthaten von meinem Gott empfing, - ich ihn so oft und so schwer beleidigte, wie es leider durch mich geschehen ist. Mußte ich deßwegen, als ich in dem Schooße meiner Mutter von deiner unsichtbaren, all Beichtgebets. 61 mächtigen Hand gebildet wurde, mit Händen, mit Füßen, mit Ohren und mit einem Herzen versehen werden, um alle diese Glieder als eben so viele Werkzeuge zur Mißhandlung und Entheiligung Deiner allerhöchsten Majestät zu gebrauchen?- Ach! unselige Augen! unselige Hände! treuloses Herz!. ihr, ihr seid durch eure Vergehungen Schuld an allen Mühseligkeiten, an allen Qualen, und an dem grausamen Tode, dem der Sohn Gottes am Kreuzesstamme erliegen mußte. Dritte Betrachtung. Ueber die Gegenwart Gottes, vor dessen Augen der Mensch sündigt. Bedenke, daß die allerheiligste Dreieinigkeit der Vater, der Sohn und der heilige Geist der alleinige und der allmächtige Gott, überall zugegen ist; daß Er Alles sieht, Ulles kennt, Ulles hört, und jeden innersten und geheimsten Gedanken unseres Herzens mit einer vollkommensten Erkenntniß und Wissenschaft durchdringet. Vor dieser schreckbaren Majestät, vor der die erhabensten Seraphim zittern, haben wir die Kühnheit zu sündigen, und solche Dinge vor ihren Augen zu thun, zu reden, zu denken, die uns gewiß mit Schande Beichtgebete. bedecken würden, wenn wir sie in Gegenwart des elendesten und geringsten Menschen dieser Welt begingen! 62 Erwäge ferner, daß dieser Gott unser allerhöchster Richter ist, der ganz gewiß und ohne allen Zweifel in der Stunde unseres Todes ein strenges Gericht über alle unsere Gedanken, Worte und Werke halten wird. Act der Rene. Allerhöchster und gerechter Richter der Lebendigen und Todten! Der Du Alles siehst, und mit Deiner vollfemmensten Erfenntniß bis auf den Grund meines Herzens dringst! ist es möglich, daß ich es wage, vor Dir zu erscheinen, nachdem ich Dir so untreu gewesen bin? Aber was soll ich thun? Wohin kann ich vor Dir fliehen, wohin mich verbergen, da Deinem allsehenden Augen nichts verborgen bleibt? Ach! war es nicht ein unerträglicher Muthwille von mir, daß ich mich nicht geschämt habe, vor Deiner höchsten Majestät, vor welcher die Seraphim aus Ehrfurcht ihr Angesicht mit ihren Flügeln bedecken, das zu thun, was ich im Angesichte des allergeringsten und verächtlichsten Menschen Beichtgebete. 63 nicht gethan haben würde? O mein Gott! Erbarmung! Erbarmung! mein Gott! und mein Alles! ich verabscheue meine Sünden von ganzem Herzen, aus Liebe zu Dir, der Du das höchste, liebenswürdigste Gut bist. Nach vollendeter Gewissenserforschung und gehöriger Vorbereitung verfüge dich zu dem heiligen Richterstuhle der Beicht. Mit jenem Anstande, der einer solchen Person ziemt, die sich des Lasters der beleidigten, allerhöchsten Majestät schuldig gemacht hat. in Demuth und Einfalt des Herzens, mit innerlicher Ruhe und festem Vertrauen, ohne dich zu ängstigen, wenn etwas von der Erforschung deinem Gedächtniße entfallen sollte, verrichte vor dem anwesenden Gewissensrichter deine Selbstanklage, und merke mit gelehrigem Herzen auf die Ermahnung des Beichtvaters. Siehe in ihm nur Jesum Christum und betrage dich, so lange du mit ihm redest, gerade so, als ob du mit Christo Selbst redest. Hast du dich etwa einer Sünde anzuklagen, in die du wieder zurückgefallen bist, so mache einen ganz besonderen Vorsag, nicht mehr dareinzufallen, mit dem ernsten Versprechen, auch die Gelegenheiten, ju meiden, und die vom Beichtvater verordneten Mittel, und diejenigen, die du selbst als die wirksamsten zu deiner Besserung erachtest, gewiß anzuwenden. Beichtgebete. Gebet nach der heiligen Beicht. Mein liebster Jesu! wie sehr bin ich Dir verbunden! Durch die Verdienste Deines Blutes hoffe ich heute Verzeihung erhalten zu haben. Ich danke Dir für Alles. Ich hoffe, einst in den Himmel zu kommen, und dort Deine Barmherzigkeit ewig zu preisen. Mein Gott! habe ich Dich auch bis jetzt so oft verloren, so will ich Dich doch künftighin nicht mehr verlieren. Von heute an will ich mein Leben aufrichtig bessern. Du verdienst alle meine Liebe, ich will Dich auch wahrhaft lieben, und will mich nie mehr von Dir getrennt sehen. Ich habe es schon versprochen; doch ich wiederhole abermal mein Versprechen: daß ich lieber sterben, als Dich ferner beleidigen will. Ich verspreche auch, jede Gelegenheit zur Sünde zu fliehen, und um nicht mehr zu fallen, dieses Mittel zu ergreifen.( Hier bestimme wel ches Mittel). Allein Du kennst, mein Jesus, meine Schwachheit! Gib mir die Stärke, daß ich Dir bis zum Tode treu bleibe. O Maria! Du bist die Mutter der Beharrlichkeit: sei meine Helferin; denn auf Dich ist meine Hoffnung nach Gott gerichtet. 64 Heilige Communion. ( Aus den Schriften des heiligen Alphons v. Liguori.) Unterricht. Unter allen heiligen Sacramenten ist das Altarssacrament das Heiligste, Vortrefflichste und Vornehinste. Die andern heiligen Sacramente ent halten die Gnaden und Gaben Gottes; das heiligste Sacrament des Altars enthält Gott Selbst. Daher sagt der englische Lehrer, Thomas von Aquin: Die andern Sacramente sind von Jesu Christo dazu eingeseßt, um den Menschen entweder zum Empfange oder zur Ausspendung dieses allerheiligsten Sacramentes, Welches die Vollendung des geistlichen Lebens ist, weil von diesem heiligen Sacramente alle Bollkommenheit unserer Seelen herkommt, fähig zu machen." Denn die ganze Vollkommenheit des Menschen besteht in der Vereinigung mit Gott, es ist aber kein kräftigeres Mittel, uns mit Gott zu vereinigen, als die heilige Communion, durch welche die Seele mit Jesu Christe gleichsam Eins wird; wie Er Selbst bezogt, indem er spricht: Wer Mein Fleisch ist, und Mein Blut trinkt, der bleibt in mir und Ich in ihm."( Jah. 6, 57.) Die vorzüglichste Wirkung dieses allerheiligften Sacramentes ist: daß es dem Menschen das "} 66 Von der heiligen Communion, Leben der Gnade ertheilt. Deßwegen wird es Brot genannt; weil, so wie das irdische Brot das Leben des Leibes erhält, ebenso dieses himmlische Brot das Leben der Seele, welches die Gnade Gottes ist, erhält. Es ist, nach dem Ausspruche des Tridentinischen Kirchenrathes, das träftigste Arzneimittel ,, welches uns von unsern täglichen Fehlern und " Mängeln befreit, und vor der Todsünde bewahrt." ( Trid. Seff. 13, 2.) Vor Ullem flößt die heilige Communion uns die Liebe gegen Gott ein. Jesus Christus hat es ausdrücklich bezeugt, das Er aus keiner andern Ursache auf die Welt gekommen sei, als um das Feuer Seiner göttlichen Liebe in unsern Herzen anzuzünden. Ich bin gekommen, ein Feuer auf ,, Erden zu senden, und was will ich anders, als „ daß es angezündet werde."( Luc. 12, 10.) Was gibt es aber auf Erden, wodurch das Feuer der göttlichen Liebe in dem menschlichen Herzen mehr entzündet werden könnte, als durch das heiligste Altarssacrament, in welchem der göttliche Heiland Sich uns ganz und gar schenkt? Dieß lehrt uns auch die heilige Kirche durch den heiligen Kirchenrath von Trient, welcher sagt: Unser Heiland have in diesem Sacramente alle Schäße Teiner Liebe gegen uns ausgegossen." ( Seff. 13, 2.) Was sollen also die Menschen wohl mehr und inniger verlangen, als Jesum Christum, so oft als es ihnen nur möglich ist, in der heiligen Tom 11 11 Von der heiligen Communion. 67 munion zu empfangen? Es ist bekannt, daß die ersten Christen, wie es der heilige Lucas bezeugt, täglich zum Tische des Herrn gingen. Sie verharrten täglich einmüthig in dem Tempel, und brachen das Brot in den Häusern."( Act. 2, 46.) 11 Unter dem Brote verstehen insgesammt alle rechtgläubigen Schriftausleger die heilige Communion. Es ist ferner bekannt, daß die heilige Kirche im Tridentinischen Kirchenrathe wünscht, daß die Gläubigen, die dem Opfer der heiligen Meffe beiwohnen, nicht nur geistiger, sondern auch wirklicher Weise communiciren möchten." ( Seff. 22, 6.) Es ist auch bekannt, daß die größten Heiligen sich der öftern heiligen Communion als des Fräftigsten Mittels bedienten, um in der Frömmigkeit und Tugend große Fortschritte zu machen. Was soll man also zu jenen Christen sagen, welche dem Wunsche Jesu Christi und Seiner heiligen katholischen Kirche nicht entsprechen, und den heiligen Seelen nicht nachfolgen wollen? Uch! - ich weiß es, sie entschuldigen sich mit der kah= len Ausrede: Wir sind nicht würdig, so oft zum Tische des Herrn zu gehen. O mein Gett! wenn man auf die Würdigkeit sehen wollte, wer ist denn wahrhaft würdig, zu communiciren? Jesus Christus wäre allein nur würdig gewesen zu communieiren, weil Gott nur allein würdig ist, Gott zu empfangen. Ich sage dir aber, mein lieber Christ! daß, je mehr du dich von der Communion 68 Bon ber heiligen Communion, entfernest, du um so mehr unwürdig sein wirst, sie zu empfangen; denn je seltener du zum Tische des Herrn gehst, um so zahlreicher werden deine Fehler sein, weil dir das Haupthilfsmittel, welches eben die heilige Communion ist, mangelt, um deine Fehler recht zu bessern. Uber, sagst du wieder: Ich weiß nicht, ob ich in der Gnade Gottes bin! darum getraue ich mich nicht, zur heiligen Communion zu gehen. Sage mir aber: was erwartest du, damit du wissen kannst, ob du in der Gnade Gottes feift, oder nicht? Erwartest Du vielleicht, daß ein Engel vom Himmel komme, und es dir sage? Soll es dir nicht genügen, wenn es dein Beichtvater dir erlaubt? Wisse, daß du dich, wenn es dein Beichtvater dir erlaubt, mehr darauf verlassen kannst, als wenn alle Engel es dir sagten, indem uns Jesus Christus nicht an die Engel, sondern an die Priester, als Stellvertreter Gottes, geriesen hat. Aber was werden die Leute sagen, sprichst du, wenn sie mich so oft communiciren sehen? Sie werden es entweder für eine Entheiligung ansehen und tadeln, oder mich gar verspotten und für einen Narren halten. Ich antworte dir darauf: So oft du mit Wissen deines Beichtvaters communicirst, und die gute Absicht hast, in der Tugend größere Fortschritte zu machen, so communicire nur, und laß die Leute sagen, was sie wollen. Der berühmte Johannes Avila sagt: daß Diejenigen das Umt des Teufels vertreten, welche 69 Von der heiligen Communion. Undere tadeln, daß sie öfter communiciren; und du wollest so thöricht sein, und ihnen folgen? Höre, was der heilige Franciscus von Sales sagt:„ Wenn dich die Weltkinder fragen, warum du so oft communicirst, so antworte ihnen: 3wei Gattungen von Menschen müssen oft communiciren, die Vollkommenen nämlich und die Unvollkommenen: die Vollkommenen, damit fie sich in der Vollkommenheit erhalten, die Unvollkommenen, damit sie zur Vollkommenheit gelangen; die Starken, damit sie nicht schwach werden, und die Schwachen, damit sie stark werden; die Kranken damit sie gefund werden, die Ge funden, damit sie nicht frank werden. Und, was dich anbelangt, so mußt du, als eine Unvollkommene, Kranke und Schwach;, öfters communiciren."( S. F. v. Sales, Philiothea, oder: Unleitung zu einem frommen Leben.) O mein Gott! was nügen alle kahlen Uusflüchte und Entschuldigungen? Sage die Wahrheit, fage sie aufrichtig: Deßwegen willst du nicht öfter zur heiligen Communion gehen, weil du dann die Eitelkeiten und fündhaften Vergnügungen der Welt verlassen müßtest; deßwegen liebst du diese Speise der Engel nicht, weil du noch die Geschöpfe mit einer unordentlichen Neigung liebst; deßwegen trauest du dich nicht, Jesum Chriftum oft zu empfangen, weil du die Vorwürfe fürchtest, die dir Jesus Christus, dein Heiland, wegen deines noch unordentlichen und fündhaften Lebenswandels machen möchte, wenn du Ihn öf 70 Von der heiligen Communion. ters im heiligsten Sacramente empfangen wür. dest. Nimm dich aber wohl in Ucht, daß deine sündhafte Lauigkeit dich nicht auf ewig ins Verderben stürze. Fürchte nicht, daß du auf dem Sterbebette dir werdeft jene Communion vorwerfen müffen, die du mit gebührender Undacht empfangen hast; sondern fürchte dich, daß du es, ach vielleicht zu spät!- bereuen wirst, daß du dich so vieler Gnaden beraubt haft, die du durch den öfteren würdigen Genuß der heiligen Communion hättest erlangen können. - Communicire demnach oft, mein lieber Christ! so oft als es dir dein Beichtvater erlaubt. Vernachläsſige wenigstens an den größeren Festtagen nicht, die heilige Communion zu empfangen. Lebe aber so, daß du täglich communiciren könntest; Ulso sagt es der heilige Augustinus, also wünscht es die heilige katholische Kirche. Vorbereitung zur heiligen Communion. Wer zum Tische des Herrn geht, muß: 1. Im Stande der heiligmachenden Gnade sein. Wehe dem, der es wagen würde, mit einem durch die Todsünde befudelten Gewiffen zu dem allerheiligsten Tische des Herrn zu gehen! Einen gräuelvollen Gottesraub, gleich dem Berräther Judas, würde ein solcher frevelhafter Christ bege: Von der heiligen Communion. 71 hen; denn von diesem Unglücklichen steht geschrieben: Nachdem er den Bissen,( die heilige Communion) genommen hatte, fuhr der Satan in ihn." 11 Darum ruft uns der heilige Paulus mit ernsten und ermahnenden Worten zu: Es prüfe sich ,, der Mensch selbst, bevor er von diesem Brote ist, und von diesem Kelche trinkt; denn wer unwürdig ist und trinkt, der ist und trinkt sich selbst das Gericht, weil er den Leib des Herrn nicht un terscheidet."( 1. Cor. 11. 28.) 11 Dieß bedeutet eben so viel, als: wer unwürdig communicirt, der begeht die gräulichste Mißhandlung des Leibes und Blutes Jesu Christi, und macht sich der Strafe der Blutschuld schuldig, wie die Juden. die Jesum Chriftum tödteten. 2. Er muß mit seinem Nächsten in Liebe und Eintracht leben. Communion heißt Vereinigung, weil sie das Sinnbild der vollkommenen Einigkeit und brüderlichen Liebe aller Gläubigen in Chrifto ist. Jesus Christus lehrt, daß man seine Opfergabe nicht auf den Altar bringen soll, wenn man sich erinnert, daß unser Nächster etwas wider uns habe; um wie viel mehr also darf man sich nicht dem Tische des Herrn nahen, wenn man selbst noch eine Feindschaft wider den Nächsten im Herzen trägt. Man muß sich also früher mit seinem Feinde versöhnen. 3. Schon am Vorabende der heiligen Communion soll man sich dazu durch frommes Gebet, 72 Communion Gebete. durch das Lesen eines andächtigen Buches u. s. w. vorbereiten und sich aus Ehrfurcht vor dem heiligften Sacramente aller lärmenden und zerstreuenden Belustigungen enthalten. 4. Man muß den Leib Christi nüchtern empfangen, das ist, von Mitternacht an darf man gar nichts gegessen oder getrunken oder verkostet haben. Davon sind aber die Kranken, die dies heiligste Sacrament als eine Wegzehrung empfangen, frei gesprochen. 5. Man soll am Tische des Herrn eingezogen, ehrbar gekleidet, und ohne allen eitlen oder gar frechen Aufpug erscheinen. Andachtsübungen zur heiligen Communion. ( Aus den Schriften des heiligen Alphons v. Liguori.) Vor der heiligen Communion. I. Uebung des Glaubens. Wohlan denn, meine Seele! bereite Dich, Jesum zu empfangen; bereite dein Herz ernstlich durch den Glauben. Sage zu Ihm: Ach, mein Heiland und mein Erlöser! so wirst Du denn nach wenigen Augenblicken Communion- Gebete. Selbst zu mir kommen. D Du verborgener und von dem größten Theile der Menschen verkannter Gott! ich glaube an Dich, ich bete Dich an in dem heiligsten Sacramente, als meinen Herrn und Heiland. Zur Bestätigung dieser Wahrheit wollte ich gern mein Leben hingeben. Du kommst zu mir, um mich mit Deinen Gnaden zu bereichern, und um Dich mit mir ganz zu vereinigen, O wie groß soll mein Vertrauen auf diese Deine so liebreiche Ankunft ſein! 73 II ebung der Hoffnung. Erweitere mein Herz, meine Seele! Dein Jesus kann dich mit allen Gütern erfüllen. Und weil G. dich so unbegreiflich innig liebt, so hoffe große Dinge von diesem deinen Herrn, Der von Liebe angetrieben, ja ganz in Liebe verwandelt, zu Dir kommt. Ja, mein liebster Jesu! meine Hoffnung! Ich setze all' mein Vertrauen auf Deine Güte, daß Du an dem heutigen Tage, da Du Dich mir schenkst, die angenehme Flamme Deiner heiligen Liebe in meinem armen Herzen entzünden, und daß Du ein wahrhaftes Verlangen, nur einzig Dein Wohlgefallen zu suchen, mir verleihen werdest, damit ich, von nun an, künf5 74 Communion- Gebete. tighin nichts anderes wolle und begehre, als nur Dasjenige, was dir gefällt. III. Ulebung der Liebe. Ach, Du einziger und wahrer Liebhaber meiner Seele! Du, mein Gott und mein Heil! was konntest Du noch mehr thun, um von mir geliebt zu werden! Für mich zu sterben, Du Gebieter meiner Seele! war Dir nicht genug; Du hast dieses Sacrament einsetzen wollen, um Dich mir ganz zu geben, und Dein Herz mit dem Herzen eines so elenden, undankbaren Menschen, als ich bin, vereinigen und enge verbinden zu können. O unendliche Liebe! o unbegreifliche Liebe! o unermessene Liebe! Ein Gott will Sich mir ganz schenken, will Sich mir ganz zur Speise geben! Meine Seele, glaubst du dieses? Und wenn du es glaubst, was thust du, was sagt du dazu? Ach mein Gott! o mein gütigster Gott! o unendlich liebenswürdiges, selbstständiges Wesen! Du einziger Gegenstand, würdig, daß Dir der Himmel und die Erde mit Liebe huldige! Ich liebe Dich aus meinem ganzen Herzen! Ich liebe Dich Communion- Gebete. 73 über Alles! O könnte ich es bewirken, daß Dich aller Menschen Herzen so liebten, wie Du geliebt zu werden verdienest. Ich liebe Dich, o liebenswürdigster Gott! Ich vereinige mein armseliges Herz mit den heiligen Seraphim, mit dem liebevollen Herzen der allerfeligsten Jungfrau Maria, und mit dem allerheiligsten Herzen Jesu, Deines allerliebsten Sohnes. Ich liebe Dich demnach, o Abgrund der Güte! mit aller der heißen und inbrünstigen Liebe, mit welcher Dich alle Heiligen, Maria und Jesus, lieben. Ich liebe Dich allein darum, weil Du würdig bist, über Alles im Himmel und auf Erden geliebt zu werden. IV. Uebung der Demuth. Meine Seele! du gehst nun hin, dich mit dem allerheiligsten Fleische Jesu zu speisen. Bist du aber dessen auch würdig? O mein Gott! wer bin ich, und wer bist Du? mein Gott! ich erkenne Deine allerhöchste Majestät, und zugleich mein äußerstes Elend. Ich möchte gern aus Ehrfurcht mich von Dir entfernt halten; allein, wenn ich mich von Dir entferne, wohin soll ich gehen? 5* 76 Communion- Gebete. zu wem meine Zuflucht nehmen? was wird aus mir werden? Nein, mein Gott und mein Herr! niemals will ich von Dir weichen. Ganz gedemüthigt und wegen meiner Sünden mit Schamröthe bedeckt, komme ich diesen Morgen zu Dir. Bei allen dem aber bin ich voll des festen Vertrauens auf Deine Güte und unbegränzte Liebe, die Du gegen mich zu tragen Dich würdigst. V. Ulebung der Rene. O Gott meiner Seele! wie schmerzt es mich, daß ich Dich bisher nicht geliebt, ja vielmehr, anstatt Dich zu lieben, meine Lüste und unordentlichen Neigungen befriedigt, und Deine unendliche Güte so oft be. trübt und beleidigt habe. Ich hasse und verabscheue über Alles alle Beleidigungen, sowohl die großen, als auch die kleinen, die ich Dir zugefügt habe, weil Du dadurch bist beleidigt worden, Der Du die unendliche Güte Selbst bist. Ich hoffe zwar, o mein Gott! daß Du mir meine Missethaten schon verziehen hast, sollte dieses aber noch nicht geschehen sein, so bitte ich Dich mit verdemüthigtem und zerknirschtem Herzen: Laß mir die Gnade Deiner väterlichen Verzei Communion- Gebete. hung zukommen, noch ehe ich Dich empfange; wasche zuvor mit Deinem Blute meine Seele, in welche Du nun bald eingehen willst, um darin zu wohnen. 77 VI. Hebung des Verlangens. So erhebe denn deine Begierden, meine Seele! Jene glückseligste der Stunden deines Lebens ist herangerückt, in welcher dein Jesus kommen will, um in dein Herz aufgenommen zu werden. Sieh, der König des Himmels! steh, dein Gott und Erlöser kommt wirklich schon zu dir! Stehe bereit, Ihn mit Liebe aufzunehmen; rufe und seufze nach Ihm mit heftigem Verlangen; sage Ihm: Komm, o mein Jesu! komm in meine Seele! denn sie verlangt nach Dir. Che aber Du Dich mir schenkst, will ich Dir ein Geschenk und Opfer von meinem armseligen Herzen machen; siehe, ich übergebe es Dir wirklich. Nimm von mir diese, zwar geringe, aber dennoch meine allerbeste Gabe an; komm und säume nicht, Besig davon zu nehmen. O allerheiligste Jungfrau und meine Mutter Maria! sieh, ich nähere mich schon Communion- Gebete. 78 dem Altare, Deinen allerliebsten Sohn zu empfangen. Ach! könnte ich Deine Reinigfeit und Liebe haben, mit welcher Du Ihn in diesem Sacramente empfangen hast. O Mutter der Barmherzigkeit! reiche mir die sen Morgen Deinen Sohn Jesus, so wie Du Jhn einstens den Hirten und den Weisen aus dem Morgenlande dargereicht hast. Aus Deinen allerreinsten Händen will, begehre und verlange ich Ihn heute zu empfangen. Sage Ihm, daß ich einer aus Deinen Dienern sei: dann bin ich versichert, daß Er mich mit weit liebreicheren Augen ansehen, und mich weit inniger bei Seiner Ankunft mit Sich vereinigen werde. Wann der Priester die heilige Hoftie zeigt, so sprich mit ihm folgende Worte, drei Mal: O Herr! ich bin nicht würdig, daß Du eingehest unter mein Dach, sondern sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund. Dann schlage die Augen sittsam nieder, öffne den Mund, halte die Zunge etwas weniges her. aus, empfange darauf, ohne hastige Bewegung mit dem Munde, das allerheiligste Sacrament, und lasse die heilige Hostie, ohne sie zu käuen, bloß mit Hilfe der Zunge, hinab. Communion- Gebete. 79 Da Christus, unser Heiland, nach der heiligen Communion so lange in uns bleibt, bis die Gestalten verzehrt sind, und da man fich dabei vorstellen kann, als hörte man aus dem Munde Jesu Christi Selbst jene Worte, die Er zu Seinen Jüngern gesprochen hat: Mich aber habt ihr nicht immer bei euch; so soll man nicht sogleich nach der heiligen Communion in einem Buche lesen; es ist weit beffer, wenn man sich, wenigstens eine kurze Zeit, nach der heiligen Communion in hei ligen Unmuthungen und Liebesseufzern übt, und einige Augenblicke in einem einsamen und vertraulichen Gespräche mit Jesu Christo zubringt, Der eben Selbst im Herzen gegenwärtig, und als Gott und Mensch zugegen ist. O was für Schäße der Gnaden kann eine fromme Seele erlangen, wenn sie nach der heiligen Communion wenigstens eine halbe Stunde sich mit dem guten Jesu im Geifte unterhält; denn Fein Gebet ist Gott angenehmer als jenes, welches man als Danksagung für dieselbe verrichtet. Nach der heiligen Communion. I. Uebung des Glaubens. O unbegränzte Güte! o unbeschränkte Barmherzigkeit! o unendliche Liebe! Ein Gott kommt, um Sich mit mir zu vereinigen, um mich ganz Sein zu machen. Meine Seele! die du jetzt mit Jesu so enge verbunden und mit Ihm Eins geworden bist, 80 Communion- Gebete. was wirst Du thun? Wirst du Ihm nichts sagen? wirst du dich mit deinem Gott nicht unterreden? Bedenke, daß dich unzählige Engel umgeben, und ihren Gott, Der jetzt in deinem Herzen wohnt, anbeten. So bete auch Du diesen deinen Herrn in dir an, ziehe dich in dich selbst zurück, sammle deine Geisteskräfte, vertreibe alle fremden Gedanken aus deinem Herzen. 1 II. Hebung der Begrüßung. Mein Jesu! mein Gebieter! mein unendliches Gut! mein Alles! gelobt und gebenedeit sei von mir und von allen Deinen Geschöpfen Deine Aukunft in die armselige Hütte meiner Seele! III. Uebung der Danksagung. Mein Gott und mein Herr! ich danke Dir für die Gnade, die Du mir diesen Morgen erwiesen, daß Du Dich gewürdigt hast, zu mir zu kommen, und in meinem Herzen zu wohnen. Ich wünschte, Dir eine, der Größe jener, mir durch Dich erzeugten Gnade würdige und angemessene Dankbarkeit zu erstat Communion= Gebete. 81 ten! aber wie kann ich Armseliger Dir je. mals würdig genug danken? IV. llebung der Aufopferung. Ich opfere und übergebe Dir heute, mein göttlicher Heiland! Alles, was ich habe, und Alles, was ich bin: meine Anmuthungen, meine innern und äußern Sinne, meine Gedanken, meine Begierden, meine Vergnügungen, meine Neigungen, meine ganze Freiheit, die Glieder meines Leibes, jeden Tropfen meines Blutes; kurz Alles, Leib und Seele lege ich als ein Opfer zu Deinen allerheiligsten Füßen nieder. Komm, o verzehrendes Feuer! o göttliche Liebe! Verzehre Alles in mir, was unrein ist, und Deinen allerreinsten Augen mißfällt; damit ich von heute an Dir ganz angehöre, und nur darum lebe, um nicht bloß Deine Gebote und Deine Räthe, sondern auch alle Begierden Deines göttlichen Herzens und Dein heiliges Verlangen zu befolgen und zu erfüllen. Amen. V. Ulebung der Bitte. Meine Seele! die gegenwärtigen Augenblicke der Zeit sind die allerkostbarsten in 82 Communion: Gebete. der Reihe deines Lebens. Laß keinen vorübergehen, ohne ihn nüßlich angewendet zu haben. Keine Gnade ist in dem unübersehbaren Schatze der Reichthümer Gottes zu finden, die du jetzt nicht erhalten könnteft. Siehe, wie freundlich der ewige Vater auf dich herablickt, indem Er in dir Seinen geliebten Sohn sieht, diesen allerangenehmsten Gegenstand Seiner allmächtigen Vaterliebe. Jesus Selbst spricht zu dir: Was verlangst du, daß Ich dir geben soll? Ich bin gekommen, um dir von Meinen Reichthümern mitzutheilen, und deine Bedürfnisse zu befriedigen. Begehre von mir mit Vertrauen, du sollst sicher Alles erhalten, was du verlangst. ( Halte ein wenig still, und begehre von Jesu eine besondere Gnade, besonders aber jene, daß du deine Hauptleidenschaft überwindest. Bergiß nicht um die Bekehrung der Sünder und um die Erlösung der Seelen im Fegfeuer zu bitten.) Ewiger Vater! weil Jesus Chriftus, Dein eingeborner Sohn, uns Selbst die Versicherung gegeben hat: Wahrlich, wahrlich sage ich euch, wenn ihr den Vater 11 Geistliche Communion. 83 11 in Meinem Namen um etwas bitten werdet, wird Er es euch geben"( Joh. 16), so erhöre aus Liebe gegen diesen Deinen Sohn, Den ich jetzt in meinem Herzen trage, meine Bitte, und ertheile mir und Allen, für welche ich heute mein Gebet vor Dir ausgieße, Dasjenige, was ich von Dir begehre. Amen. Jesus und Maria, Ihr angenehmsten Gegenstände meiner Liebe! Aus Liebe für Euch will ich leiden, und aus Liebe zu Euch will ich sterben. O daß ich doch Euch ganz angehören und keinen Theil an mir selbst haben möchte! Hochgelobt und gebenedeit sei zu allen Zeiten das allerheiligste Sacrament des Altares; gebenedeit sei die heiligste und unbefleckte Empfängniß der allerseligsten Jungfrau Maria! Die übrige Zeit des Tages soll eine fromme Seele oft an jenen großen Gast denken, Den sie in der Communion empfangen hat. Geistliche Communion. Die geistliche Communion, welche unglückli. cher Weise unter den Christen unserer Tage so sehr außer Uebung gekommen, ist ein so vortrefflicher 84 Geistliche Communion. Schaß der Undacht, daß sie, nach der Meinung mehrerer Heiligen, gewissermaßen eben dieselben Gnaden in der Seele. hervorbringen kann, wenn sie gut verrichtet wird, als der wirkliche Genuß des allerheiligsten Altarsfacramentes, wenn nämlich derselbe den gottliebenden Herzen nicht möglich ist. Um die heilige Communion geistlicher Weise zu verrichten, ist nichts weiter nothwendig, als daß man den sehnlichsten Wunsch im Herzen erwecke, sie wirklich, wenn es sein könnte, zu em= pfangen. Der heilige Thomas von Uquin lehrt, daß die geistliche Communion in einen brennenden Verlangen, Jesum Christum im heiligsten Sacramente zu empfangen, und in einer liebevollen Um-: armung im Geiste, als wenn man ihn wirklich empfangen hätte, bestehe. Der heilige Kirchenrath von Trient erhebt die geistliche Communion mit ganz besonderen Lobsprüchen, und muntert alle Gläubigen dazu auf; besonders bei der heiligen Messe, wenn sie nicht wirklich communiciren. Wer demnach von Gott große Gnaden erlangen will; wer Jefum Chriftum, den liebevollsten Heiland, gern in der Wirklichkeit empfangen möchte, und oftmal nicht kann, der verrichte die geistliche Communion. Man kann sie sehr oft, zu jeder Stunde, in jedem Augenblick und an allen Orten verrichten. Man kann sie verrichten, ohne von Jemand bemerkt zu werden, ohne nüchtern sein zu müssen, ohne die Erlaubniß des Beichtvaters dazu zu haben. Form der geistlichen Communion. 85 Nur muß man noch bemerken, daß Derjenige, der sich in einer Todsünde wiffentlich befände, diese heilige Uebung vergeblich verrichten würde, ja sogar eine schwere Sünde, eine Art von Gottesraub beginge, wenn er sich erfrechen wollte, in einem solchen Zustande geistlicher Weise Jefum Christum zu empfangen. Daher ist es sehr rathsam, jedesmal eine vollkommene Reue über feine Sünden zu erwecken, ehe man geistlicher Weife communicirt. Form der geistlichen Communion. Anbetungswürdiger Jesu! ich glaube fest, daß Du in dem heiligsten Sacramente des Altars wesentlich zugegen bist.- Ich liebe Dich über Alles.- Aus Liebe zu Dir bereue ich alle meine Sünden. In Ewigfeit will ich nicht mehr fündigen. Meine Seele verlangt, Dich zu empfangen. Weil ich Dich aber gegenwärtig wesentlich im Sacramente nicht empfangen kann, so komme geistlicher Weise, und kehre mit Deiner Gnade in mein Herz ein.( Hier erwecke die Begierde, Jefum im allerheiligsten Sacramente zu empfangen.) Ich umarme Dich, o Jesu! als schon wirklich gegenwärtig. Ich vereinige mich ganz mit Dir; lasse nicht zu, daß ich mich jemals von Dir trenne. nustomer Besuchung des allerheiligsten Altarsfacraments. Ein ganz besonderes Wohlgefallen verursachst du Jesu Christo, unserm liebenswürdigsten Hei lande, wenn du Ihn oft mit heiliger Andacht und reiner Inbrunft des Herzens an jenen Orten be suchst, wo er im heiligsten Altars sacramente un ter der geheiligten Brotsgestalt zugegen ist. Bediene dich dabei der nachfolgenden, eben so, wie die vorstehende Form der geistlichen Communion, aus dem allgemein geschäßten Buche: Besuchungen des heiligsten Altarsfacraments vom beiligen Alphons Maria von Liguori, entlehnten. Betrachtung. Wo findet ein von Widerwärtigkeit gebeugtes, von Kummer zerrissenes, von Verfolgung betrübtes Herz süßern Trost, stärfendere Erquickung und gewissere Erleichte. rung, als da, wo es sich vor einem aufrichtigen Freunde ganz ausschütten kann; und der Betrübniß, in dem Lande der Verweisung wohnen, und sollte es nicht tröstlich sein, die Gesellschaft des allerbesten, Besuchung des allerheiligsten Altarssacraments. 87 des aufrichtigsten und unwandelbarsten Freun des zu genießen, Der uns alles Gute erweisen kann? eines Freundes, Der uns so herzlich, so inbrünstig liebt, daß Er unaufhörlich unter uns sich aufhalten will? Sehet, wir können uns mit Sesu in dem allerheiligsten Altarssacramente nach Belieben unterreden; wir können vor Ihm unser ganzes Herz ohne alle Zurückhaltung ausgieBen; wir können Ihm unser Anliegen, was es immer für eines sein möge, vortragen, unsere Bedürfnisse eröffnen, unsere Bitten anbringen, und um Gnade anhalten; mit Einem Worte: Wir können mit dem höchsten Könige des Himmels und der Erde hier in den geheimnisvollen Gestalten mit aller Vertraulichkeit, ohne die mindeste Schen, Umgang pflegen. Wie glücklich war ehemals Joseph, der Sohn des Erzvaters Jacob, da Gott mit Seiner Gnade, zu ihm in die Cisterne und dann wieder in den Kerker hinabgestiegen ist, um ihn darin nicht ohne Trost zu lassen. Sie( die Gnade der ewigen Weisheit) hat den Gerechten nicht verlassen, sondern ihn von der Sünde errettet. Sie ist auch 88 Besuchung des allerheiligsten Altarssacraments. mit ihm in die Grube hinabgestiegen, und hat ihn in den Banden nicht verlassen, bis Sie ihm den Reichsscepter und die Gewalt über Diejenigen gab, welche ihn unterdrückt hatten."( Buch der Weisheit, 10, 13-14.) Wie weit glücklicher sind wir, da wir unsern vermenschten Gott in diesem Jammerthale allezeit bei uns haben, Welcher mit Seiner wesentlichen Gegenwart alle Tage unseres Lebens in unbegreiflicher Liebe und Herzlichen Mitleid uns beisteht!, Welcher Troft für das Herz eines unglücklichen Gefangenen, einen aufrichtigen Freund gefunden zu haben, der ihm täglich im Kerfer Gesellschaft leistet, Troft zuspricht, seine Hoffnung aufrichtet, seine Bedürfnisse aus eigenen Mitteln befriedigt, und bedacht ist, ihn aus der harten Gefangenschaft zu befreien, oder dieselbe wenigstens zu erleichtern? Sehet, einen so aufrichtigen Freund haben wir an dem liebenswürdigsten Jesu, Welcher in diesem Sacramente zu uns fommt, um uns Trost zu ertheilen und immer neu aufzumuntern, indem Er spricht: „ Sehet, Ich bin alle Tage bei euch." ( Matth. 38.) Besuchung des allerheiligsten Altarsfacraments. 89 Ich bin in dieses euer Gefängniß vom Himmel herabgekommen, bloß um euretwillen, um euch darin zu trösten, euch zu helfen, und aus eurem Elende zu retten. Nehmet mich also auf, ihr Seelen! die Ich mit meinem Blute erkauft habe; bleibet mir zugethan; werfet euch in meine Arme; haltet und drücket euch fest an Mich: und ihr werdet bei einem solchen Verhalten in eurem Elende, in eurer Verweisung, in Eurer Gefangenschaft nicht sinken: alsdann werdet ihr Mir in mein Reich folgen, wo Ich euch vollkommen glücklich machen will." O gütigster Gott! o unbegreifliche Liebe! Du bist so gütig mit uns, Du erniedrigest Dich so sehr, daß Du sogar den Himmel verlasseft und auf unsere Altäre herabsteigst, um mit uns einen vertraulichen Umgang zu pflegen und immer per. sönlich bei uns zu sein. So will ich von nun an Deinen heiligsten Absichten zu entsprechen mich befleißen. Ich will mich künftighin öfter bei Dir einfinden; ich will mich nach allen Kräften bemühen, Deiner Gegenwart zu genießen, so oft es mir nur 6 90 Besuchung des allerheiligsten Altarefacraments. immer möglich sein wird, jener entzückenden Gegenwart, welche die Fülle der Glückseligkeit der Auserwählten im Himmel ausmacht. O könnte ich alle Augenblicke meines Lebens in Deiner Anbetung zubringen! Weil aber die Hinfälligkeit meiner Kräfte es nicht zuläßt, daß ich Dich unaufhörlich ehre und dir mündlich die Betheuerung meiner Liebe erneuere; so wecke Du, o. Gott meines Herzens! meine Seele, so oft sie durch Trägheit, durch Lauigkeit, oder durch weltliche Geschäfte verleitet, Dich zu besuchen unterlassen sollte. Gib, daß ich in der genauen Befolgung der Pflichten meines Standes, meines Amtes und meines Berufes Deiner Majestät eine immerwährende Anbetung leiste, und auch durch die Erfüllung der, allen Menschen gemeinen, und sonst gleichgiltigen Handlungen Dir wohlgefällig diene. Entzünde in mir das Verlangen, allezeit nahe bei Dir im hochwürdigsten Sacramente zu sein, und leite mein Gedächtniß, daß es sich auch dann mit Deiner Gegenwart beschäftige, wenn der Verstand und die Glieder des Leibes den Berufsund Standesgeschäften obliegen. - Liebesseufzer zu dem heiligsten Herzen Jesu. 91 Ach, liebevoller Jesu! Hätte ich Dich allezeit geliebt! Hätte ich jederzeit auch in meinen Arbeiten Dein Wohlgefallen gesucht! Ach, wie viel hätte ich bis jetzt gewinnen können, wie viel für den Leib und wie viel für die Seele; wie viel für die Zeit und wie viel für die Ewigkeit! Ich tröste mich damit, daß ich durch Deine Gnade noch Zeit haben werde, meine Nachlässigkeit zu verbessern. Ich will Alles ersetzen; ich will Dich wahrhaft lieben, Dich, mein allerhöchstes Gut, meinen kostbaren Reichthum, mein Alles! Mein Gott! laß mich Dich lieben. Liebesseufzer zum heiligsten Herzen Jesu. O barmherzigster Jesu, erhöre mich. Die Gnade Deines Herzens bekehre mich. Der Schmerz Deines Herzens zerknirsche mich. Der Glanz Deines Herzens erleuchte mich. Das Wasser Deines Herzens reinige mich. Das Blut Deines Herzens heilige mich. Das Kreuz Deines Herzens stärke mich. Die Dornenkrone Deines Herzens schmücke mich. Die Wunde Deines Herzens verschließe mich. Der Geift Deines Herzens belebe mich. Die Gluth Deines Herzens entzünde mich. 6* 92 Liebesseufzer zu dem heiligsten Herzen Jesu. Die Flamme Deines Herzens verzehre mich. Die Liebe Deines Herzens entzücke mich. Die Glorie Deines Herzens verkläre mich. Die Anschauung Deines Herzens verwandle mich. Die Freude Deines Herzens beselige mich. Der Besiß Deines Herzens ersättige mich. In Dein süßes Herz versenke mich. Laß leben dort und sterben mich. Auf daß ich stets mehr liebe Dich. Hier zeitlich und dort ewiglich. Amen. O süßestes Herz Jesu! gib, Daß ich stets mehr und mehr Dich lieb'! Wer der Ablässe, die dem Herz- Jesu- Vereine verliehen sind, theilhaft werden will, muß täglich ein Vater unser, ein Gegrüßet seist Du, Maria! und den Glauben mit dem obigen Gebetlein andächtig verrichten. Ich N. N., aus Dankbarkeit gegen Dich, und um meine Untreue gegen Dich zu ersetzen, schenke Dir mein Herz, und opfere mich ganz Dir, mein liebenswürdigster Jesus! und nehme mir mit Deiner Gnade vor, nicht mehr zu sündigen. Umen. Wer diese Ergebung an das göttliche Herz Jesu tåglich vor einem Bildniße desselben reumüthig spricht, erlangt des Tages einmal einen Ablaß von 100 Tagen monatlich aber einen vollkommenen, wenn er beichtet, communicirt und nach der Meinung Seiner päpstlichen Heiligkeit betet.( Pius VII, am 9. Juni 1807.) Den nämlichen Ablaß( Pius VI., am 24 Mai 1776) erlangt, wer täglich betet: Gelobt und gebenedeit sei ohne End' Das allerheiligste und göttliche Sacrament. Andacht zur allerseligsen Jungfrau Maria, der Mutter Gottes. - 1. Maria hat uns Jesum Christum, unsern Heiland, geboren; Sie ist also eine wahrhafte Mutter Gittes. Bedenke mein Christ! nur dies einzige Wort recht: Maria ist die Mutter Gottes! Könnte Gott wohl noch einen höheren Namen und eine größere Würde Jhr geben? Und mit welchen Augen wird Jesus einst Diejenigen anschauen, welche Seine allerheiligste Mutter nicht ehren wollten, Der Er Selbst eine so große Ehre erwies? Gibt es wohl ein Geschöpf, welches von Gott mehr geliebt wird als Maria; und du wolltest Jene nicht lieben die Gott so besonders liebt? 2. Maria ist unsere Hoffnung. Die heilige katholische Kirche begrüßet Šie: Unsere Hoffnung! sei gegrüßt!" Ihr versagt Gott nichts, wenn sie um ets was bittet, weil Er Ihr Sohn ist. Sie wird auch 6** W 94 Berehrung der allerfeligsten Jungfrau. uns nichts versagen, wenn wir sie um etwas bitten, weil Sie unsere Mutter ist. Jesus gab Sie uns zur Mutter mit den Worten:" Weib! sieh Deinen Sohn!" Sie ist die zärtlichste, eifrigste, mitleidvollste und liebreichste unter allen Müttern. Bist du ein großer Sünder, o so verzweifle nicht an deinem Heile; bitte Mariam, die Zuflucht der Sünder, und du wirst in den stürmischen Wellen dieses Lebensmeeres nicht untergehen. Willst du in der Tugend wachsen, bitte Mariam, die Königin der Heiligen, und sie wird dir diese Gnade gewiß erbitten. Bist du betrübt, rufe Mariam an, die Trösterin der Betrübten, und du wirst sicher erheitert werden. 11 Erinnere Dich, o mitleidige Jungfrau! daß es in der Welt nicht erhört worden, daß Jemand seine Zuflucht zu Dir genommen, und von Dir wäre verlassen worden!" so ruft der heilige Alugustinus. 3. Die heilige Kirche Gottes lehrt dich selbst die Undacht zu Maria. Wie viele Kirchen und Altäre hat Sie nicht zu Ihrer Ehre errichtet, wie viele Feste zu Ihrer Verherrlichung eingesegt, wie viele Bruderschaften und geistliche Orden unter Ihrem Namen versammelt, wie viele Gnadenschäge und Ablässe mit Ihrer Verehrung vereinigt. Hat nicht Gott unzählige Wunder auf Ihre Fürbitte gewirkt, wie es noch so viele Gnadenorte bezeugen? Haben nicht Könige und Fürsten ihre Staaten unter Ihren mächtigen Schuß gestellt? Er Verehrung der allerfeligsten Jungfrau. 95 heben nicht auch jest alle wahren Verehrer Jesu Christi ihre Stimme zu Verehrung Mariä? Denn wie kann man den Sohn ehren, ivenn man die Mutter verachtet. Bemühe dich demnach, mein lieber Christ, mit der Besuchung des allerheiligsten Ultarssacraments die Begrüßung der allerfeligsten Jungfrau und Mutter Gottes Mariä zu vereinigen. Du kannst selbe vor einem Bilde der Mutter Gottes, entwe= der in der Kirche oder zu Hause verrichten, und sei verfichert, daß Maria Demjenigen große Gnaden erbittet, der ihr den geringsten, auch noch so unbedeutenden Dienst leistet. Begrüßung der heiligsten Jungfrau Maria. Gebet des heiligen Ephrem, eines Syriers, im dritten christlichen Jahrhunderte; gezogen aus seiner vortrefflichen Rede vom Lobe der göttlichen Mutter. O überselige und ganz unbefleckte Jungfrau! Mutter meines Gottes! Königin des Lichtes! Du bist sehr mächtig und gütig; erhabener als alle englischen und menschlichen Geister, reiner als die Strahlen der Sonne; ehrwürdiger als die Seraphim; ohne Vergleich glorreicher als alle Chöre des Himmels. O heilige Frau! Du Hoff 96 Verehrung der allerfeligsten Jungfrau. nung der Altväter, Du Verlangen der Propheten, Du Zierde der Apostel und Ehre der Martyrer, Du Freude der Gerechten, Du Krone der Jungfrauen! Durch Dich, o erhabene Fürstin des Himmels und der Erde! durch Dich sind wir mit der furcht= baren Majestät der ewigen Gerechtigkeit Deines und unsers Schöpfers ausgeföhnt worden. Göttliche Mutter! nimm uns auf, und bewahre uns durch Deine Güte und durch Deinen Schuß. Erbarme Dich unser, die wir elende Sünder, und mit dem Unflathe der Laster, womit wir Jesum Christum, unsern Gott und Richter, beleidigt haben, besudelt sind. Nach Gott, unserm Heilande, haben wir keine andere Hoffnung als auf Dich, o heiligste Jungfrau! Du bist der allersicherste Hafen in dem Sturmgewitter dieses Lebens! Du bist die Schußwehr und der Zufluchtsort, wo wir gefahrlos ruhen können. Mit inbrünstiger Begierde unserer Herzen, und beneßten Wangen werfen wir uns zu Deinen Füßen, Dich um Beistand anzuflehen, um durch Deine Fürbitte von Jesu Christo, Deinem Sohne, welcher der Urheber unsers Verehrung der allerfeligsten Jungfrau. 97 Lebens ist, die Gnade zu erhalten, daß Er uns nicht unserer Sünden wegen verstoße. O Maria, Du Ursache unserer Fröhlichkeit, bitte für uns! Gebet um den Schuß und die Fürbitte Mariä. Heiligste, unbefleckte Jungfrau, meine geliebteste Mutter Maria! Du bist die Mutter meines Herrn und Heilandes, die Königin der Welt, Fürsprecherin, Hoffnung und Zuflucht der Sünder. Ich eile zu Dir heute und immer meine Zuflucht zu nehmen. Vor Deinen Füßen, o große Königin! lege ich mit gebührender Ehrfurcht meine demüthigste Huldigung ab, und danke Dir für so viele, bis auf diese Stunde mir erwiesenen Gnaden, besonders aber dafür, daß Du mich durch Deine liebevolle Verwendung von der, wegen meiner Sünden so oft verdienten Hölle errettet haft. Dich liebe ich, o liebenswürdigste Frau und Herrscherin! und aus der reinsten Liebe zu Dir mache ich den ernstlichen Vorsatz, Dir allezeit zu die 98 Verehrung der allerfeligsten Jungfrau. nen, und nach Möglichkeit zu bewirken, daß Dir auch Andere dienen. Auf Dich setze ich nach Jesu, Deinem Sohne, alle meine Hoffnung, das ganze Heil meiner Seele. Nimm mich zu Deinem Diener auf, o Mutter der Barmherzigkeit! und behalte mich in Deinem mächtigen Schuße. Weil ich weiß, daß Du bei Gott Alles vermagst, darum seufze ich zur Dir, und rufe mit beängstigtem Herzen: Rette mich von allen Versuchungen, oder erhalte mir wenigstens hinlängliche Stärke, über sie bis an mein Lebensende immer zu siegen. Von Dir begehre ich eine wahre Liebe zu Jesu! Durch Dich hoffe ich einst selig zu sterben. O meine liebreichste Mutter! ich bitte Dich durch Deine Liebe zu Gott, stehe mir allezeit bei, besonders aber in dem letzten Alles entscheidenden Augenblicke meines Lebens. Verlaß mich nicht, so lange Du mich noch nicht unter den Seligen im Himmel siehst; dort werde ich Dich preisen, dort werde ich Deiner Barmherzigkeit ewiges Lob singen. Also hoffe ich, also sei es! - 99 Gebet zum heiligen Herzen Maria. Gebet zum heiligen Herzen Mariä. O süßes Herz Mariä, der Mutter Gottes und unserer Mutter! Liebenswürdigstes Herz, Gegenstand des Wohlgefallens der anbetungswürdigsten Dreieinigkeit, würdig aller Verehrung und Zärtlichkeit der Engel und Menschen; o Herz! welches am meiſten dem Herzen Jesu gleicht, dessen Vollkommenste Ebenbild Du bist; Herz voll der Güte und des innigsten Mitleides gegen unser Elend! O würdige Dich, die kalte Eisrinde unserer Herzen zu zerschmelzen und mache, daß sie sich gänzlich hinneigen, zum Herzen des göttlichen Erlösers. Flöße denselben die Liebe Deiner Tugenden ein, entflamme sie mit jenem heiligen Feuer, wovon Du beständig aufloderst. Verschließe die heilige Kirche in Dein Herz, beschüße sie, und bleibe stets ihre süße Zuflucht und unüberwindliche Veste gegen jeden Anfall ihrer Feinde. Sei Du unsere Hilfe in der Noth, unsere Erquickung in Trübsalen, unsere Stüße bei Versuchungen, unsere Zuflucht bei Vers folgungen, unser Beistand in allen Gefah 100 Lobsprüche zu den H. h. Herzen Jesu und Mariá. ren, und besonders in dem legten Kampfe unseres Lebens, zur Zeit des Hinscheidens, wo die ganze Hölle gegen uns sich bewaffnen wird, in diesem fürchterlichen Augenblicke unsere Seele zu rauben, in dem schrecklichen entscheidenden Punkte, von dem unsere ganze Ewigkeit abhängt. O so laß uns dann verkosten, Du gütigste Jungfrau! die süße Milde Deines mütterlichen Herzens, und erfahren die Größe Deiner Vermögenheit bei dem Herzen Jesu, indem Du uns in dieser Quelle der Barmherzigkeit eine sichere Zuflucht eröffneft, auf daß wir einst dahin gelangen mögen, Ihn mit Dir im Himmel von Ewigkeit zu Ewigkeit zn preisen. Amen. Lobsprüche zu den h. h. Herzen Jesu und Mariä. Erkannt, geliebt, gelobt und gebenedeit, geehret und verherrlichet sei allezeit und überall das göttliche Herz Jesu, und das unbefleckte Herz Mariä. Amen. Wer dieses Gebet sammt Lobspruch täglich betet, erhält für jeden Tag einen Ablaß von 60 Tagen; einen vollkommenen aber Jener, der an den Festtagen: der Geburt, Himmelfahrt, und des h. Herzens Mariä( ersten Tagzeiten z. Ehre d. unbefleckten Empfängnis. 101 Sonntage in Juni) beichtet, communicirt, einen der se ligsten Jungfrau geweihten Altar oder Kirche besucht, und dort auf die Meinung des Papstes betet; welche, für ewige Zeiten, auch für die armen Seelen im Fegefeuer gelten.( Pius VII. 26. Sept. 1817.) Tagzeiten zur Ehre der unbefleckten Empfängniß der allerheiligsten Jungfrau. I. 3ur Mette. Gegrüßet seift Du, Maria!( Die Du, über alle Geschöpfe, zur höchsten Freude erhoben bist) Du bist voll der Gnade, der Herr ist mit Dir, 2c. Priest. Eja, von meinen Lippen nun ertöne. Volk. Der reinsten Jungfrau Herrlichkeit und Schön. P. O Jungfrau, sei zur Hilfe mir bereiti B. Beschirme mich in meiner Feinde Streit! der Die Ehre sei dem Vater 2c. Lobgefang. Weltgebieterin, gegrüßet Seift du Jungfrau aller Jungfrau'n, Königin des Himmels, süßer Morgenstern, zu dem wir schau'n; Sei gegrüßt in Gnadenfülle, Und vom Himmelslicht verkläret; Aller Welt sei Deine Hilfe, Große Herrscherin, gewähret. 102 Tagzeiten z. Ehre d. unbefleckten Empfängniß. Schon vom Anfang hat der Vater Seinem Wort, Ihm eingeboren, Wodurch alle Ding' erschaffen, Dich zur Mutter auserforen. Drum Er herrlich Dich geschmückt, Und als Braut Dich hochgeehret, Du allein von Adams Sünde Frei Du bliebst und unversehret. Untiphon. Der Ullerhöchste hat Seine Wohnung geheiligt. Der Herr ist in Ihr, Sie wird nicht erschüttert werden.( Pf. 45.) P. Wie schön bist Du, meine Freundin! wie schön bist Du. V. Deine Augen sind gleich den Augen der Taube. Gebet. Heilige Maria, Königin der Himmel, Mutter unsers Herrn Jesu Christi und Gebieterin der Welt! Die Du Niemanden verlaffest und Niemanden verachtest! wende gnädig Dein gütiges Auge auf mich, und erlange mir bei Deis nem geliebten Sohne die Nachlaffung aller Sünden; damit ich, der ich heute Deine unbefleckte Empfängniß inniglich verehre, den Preis der ewigen Seligkeit erstreite. Durch unsern Herrn Jesum Christum, Den Du als Jungfrau geboren, und Der mit dem Vater und dem heiligen Geiste ewig lebt und waltet. Umen. P. Jungfrau! bringe vor den Herrn mein Gebet. B. Und laffe mein Rufen zu Ihm gelangen. P. Laffet uns den Herrn loben. V. Dank und Ruhm sei Gott. Tagzeiten z. Ehre der unbefleckten Empfängniß. 103 P. Und der Gläubigen Seelen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes in Frieden. V. Amen. II. Zur Prim. Gegrüßet seist Du, Maria!( Die Du, in jungfräulicher Hoheit, allen Chören der Engel und Menschen vorangehst,) Du bist voll der Gnade zc. O Jungfrau! sei zur Hilfe mir bereit zc. wie oben. Lobgefang. Sei gegrüßt, o weise Jungfrau, Haus, dem Höchsten eingeweihet, Mit dem Opfertisch und Säulen Siebenfältig angereihet;- Von der Erbschuld gift'gem Keime Durch die Vorsicht ausgenommen, Schon im Mutterschooß geheiligt, Eh' Du auf die Welt gekommen; Pforte zu dem Heiligthume, Stern, aus Jacobs Haus erschienen, Aller der Lebend'gen Mutter, Fürstin, der die Engel dienen; Schrecklich unserm Feind und furchtbar, Wie ein Heer in festen Reihen! Sichern Port und offne Zuflucht Mögst den Christen Du verleihen! Antiph. Wer ist diefe, die hervortritt gleich der aufgehenden Morgenröthe, schön wie der Mond, auserwählt wie die Sonne, furchtbar wie ein geordnetes Kriegsheer?( Hohel. 6.) P. Ganz schön bist Du, meine Freundin! V. Und kein Makel ist an Dir.( Hohel. 4.) Gebet und das Uebrige wie oben. 104 Tagzeiten z. Ehre der unbefleckten Empfängniß. III. Zur Terz. Gegrüßt seist Du, Maria,( Die Du, einen Sonne gleich, mit dem Lichte Deiner Glcrie der Himmel erfreueft,) Du bist voll der Gnade zc. P. O Jungfrau zc. wie oben. Lobgefang. Sei gegrüßt, Thron Salomonis Und belebte Bundeslade, Flammend Derngesträuch von Horeb, Himmelsbogen, Bund der Gnade; Aronstab mit grünem Keime, Gedeon's Vließ am Segensorte, Honigros', Samson's Geheimniß, Stets verschloss'ne Gottespforte! Denn wohl ziemt es dem erhab'nen Sohn, Der Deine Brust gesogen, Vor der Makel Dich zu wahren, Die uns Eva zugezogen; Drum Er Dich, Die Er zur hohen Gott'sgebärerin erwählet, Daß kein Uebel in Dir wohne, Ganz mit Gnade hat beseelet. Untiph. In die Sonne hat Er Seine Woh. nung geseßt, und er gehet hervor, wie ein Bräutigam aus seiner Kammer.( Pf. 18.) P. In den höchsten Räumen ist meine Wohnung. V. Und mein Thron in der Wolkensäule. ( Eccl. 24.) Gebet. u. d. Uebr. wie oben. IV. 3ur Sext. Gegrüßt seist Du, Maria!( Die Du von allen Ueberirdischen als Mutter Gottes und Kö Tagzeiten z. Ehre d. unbefleckten Empfängniß. 105 nigin des Himmels geehrt wirst,) Du bist voll der Gnade zc. P. O Jungfrau zc. wie oben. Lobgesang. Sei gegrüßt, Jungfrau und Mutter! Tempel Gottes, des Drei- Einen, Siß der makellosen Tugend, Lust der Engel und der Reinen! Troft für allen Gram hiernieden, Lustgefild in Edens Mitte, Palme der Geduld, des Friedens, Hohe Ceder keuscher Sitte! Erdreich, wunderbar gesegnet, Land der priesterlichen Würde, Ganz geheiligt, unbeschweret Von der Erbschuld harter Bürde! Stadt des Herrn, des Allerhöchsten, Pforte, die gen Aufgang führet! Dir vor allen einz'ge Jungfrau! Aller Gnaden Preis gebühret. Untiph. Die Grundfesten Sions sind auf den heiligen Bergen: der Herr liebte die Thore Sions mehr, denn alle Wohnungen Jakobs. ( Pſ. 86.) P. Herrliche Dinge, o Stadt Gottes, find von Dir gesagt. V. Der allerhöchste hat sie gegründet.( Pf. 86.) Gebet u. d. Uebr. wie oben. V. Zur Non. Gegrüßt seist Du, Maria!( Die Du mächtig bist, durch Deine Fürbitte Alles zu erlangen,) Du bist voll der Gnade zc. P. O Jungfrau zc. wie oben. 106 Tagzeiten z. Ehre d. unbefleckten Empfängniß Lobgefang. Sei gegrüßt, o Zufluchtstätte, Davids Thurm auf Felsengrunde, Mit den Zinnen wohl versehen, Und mit Waffen in der Runde! Du, o Jungfrau ohne Makel, Ganz in Gotteslieb' entzücket, Hast die Macht des alten Drachen Nieder in den Staub gedrücket. Starke Frau und Zier des Weltalls, Heldin Judith, unbeweget, Und holdselige Abifai, Die den wahren David pfleget! Rachels Sohn war von der Vorsicht Für Aegyptens Heil erkoren; Der die ganze Welt erlöset, Aus Maria ward geboren. Antiph. Du bist die Ehre Jeruſalems, Du bist die Freude der Auserwählten, Du bist die Glorie unseres Volkes.( Judith 15.) P. Wie eine Lilie unter den Dornen. V. So ist meine Freundin unter den Töchtern.( Hohel. 2.) Gebet u. d. Uebr. wie oben. VI. Zur Vesper. Gegrüßt seist Du, Maria,( Die Du allen Deinen Verehrern eine Führerin zur Glorie sein willst,) Du bist voll der Gnade zc. P. O Jungfrau zc. wie oben. Lobgesang. Sei gegrüßt, o Stundenzeiger, Wo die Sonne rückgegangen, Um zehn Linien ihres Kreises, Als der Gottmensch ward empfangen! Tagzeiten z. Ehre d. uubefleckten Empfängniß. 107 Um den Menschen aus dem Abgrund Zu dem Höchsten zu erschwingen, Wird der Höchste eine Stufe Uuter Engel Sich verringen, Und mit neuem Glanz verschönet Durch der Gnadensonne Strahlen, Schimmerst Du als Morgenrothe Ueber dunklen Erdenthalen! Du, die Lilie unter Dornen, Hast des Drachen Haupt zertrümmert! Wie der Mond, so Deine Schönheit Dem Verirrten hilfreich schimmert. Untiph. Ich werde Feindschaft segen, sprach der Herr zur Schlange, zwischen dir und dem Weibe; und Sie wird dein Haupt zertreten. ( Gen. 3.) P. Gebenedeit bist Du unter den Weibern. V. Und gebenedeit ist die Frucht Deines Leibes.( Luc. 1.) Gebet u. d. Uebr. wie oben. VII. 3ur Complet. Gegrüßt feist Du Maria!( Deren Verehrung auf Erden beständig wachsen und zunehmen wird,) Du bist voll der Gnade zc. P. Durch Deine Fürbitte, o Jungfrau! vers föhnt, bekehre uns Dein göttlicher Sohn. V. Und wende Seinen Zorn von uns ab. P. O Jungfrau 2c. wie oben. Lobgefang. Sei gegrüßt, o reinste Mutter! Jeffe's 3weig mit Himmelsblüte, Mit dem Sternenkranz umwund'ne Königin der Mild' und Güte! 108 Tagzeiten z. Ehre d. unbefleckten Empfängniß. Frei von jeter Mafel stehest Du in goldenen Gewanden, Ueber alle Engel herrlich, Zu des Königs rechten Handen! Gnadenmutter, süße Hoffnung Aller, die vom Weg geschritten, Lichter Stern auf Meereswogen, Port für die, so Schiffbruch litten! Himmelsthor, für uns erbauet, Heil und Helferin der Kranken! Hilf uns, Deinen Sohn einst schauen! Ewig Seiner Gnade danken! Amen. Antiph. Bei mir ist alle Gnade des We ges und der Wahrheit: bei Mir ist alle Hoffnung des Lebens und der Tugend.( Eccl. 24.) P. Tretet zu mir, Alle, die ihr nach Mir verlanget. 2. Und ersättiget euch an meinen Früchten. Gebet u. d. Uebr. wie oben. Beschluß. Dieses Lob in Demuth wir Dir, o Jungfrau! bringen, Deiner Hoheit für und für Ruhm und Preis zu singen. Auf dem fernen Pilgergang Mütterlich uns leite! Schirm' uns unser Leben lang, Und im letzten Streite. Unterricht vom betrachtenden Gebete. Die Betrachtung der ewigen Wahrheiten ist eines der fraftigsten Mittel, wodurch die Seele im Guten gestärkt und vor der Sünde bewahrt wird. O wie Viele von den Verdammten wären selig geworden, wenn sie sich dieses leichten Mittels zur Seligkeit bedient hätten! Wie viele Sünder würden ein frommes Leben ergreifen, wenn sie betrachten wollten: Denke an deine letzten Dinge," ( o Mensch!) sagt die heilige Schrift: ,, und du wirst in Ewigkeit nicht sündigen."( Eccl. 7, 40.) Der heilige Apostel Paulus ermahnt uns auch, daß wir allezeit im Geiste beten sollen.( Eph. 6, 18..) Ist dir nun, mein geliebter Christ! dein Seelenheil wirklich lieb, willst du dich vor jedem Rückfalle in die Sünde wirklich verwahren, willst du endlich christlich und fromm leben, o so fasse den Entschluß, wenigstens alle Tage eine halbe Stunde, oder wenn es deine Geschäfte gar nicht zulassen, wenigstens eine Viertelstunde der Betrachtung zu widmen. Durch diese heilige Uebung wirst du das Gesetz Gottes besser kennen lernen; du wirst deine Fehler in demselben, wie in einem Spiegel anschauen und erkennen, besonders aber deine Hauptleidenschaft, die dir auf dem Wege zur Tugend am meisten im Wege steht, unterdrücken Iers nen; ja du wirst auch in der Betrachtung die Gefah7 110 Art und Weise zu betrachten. ren deines Seelenheils und die tauglichsten Mittel dagegen entdecken, und von Gott Licht und Stärke empfangen, Seine Gebote beffer halten zu können. Das Betrachten ist keine so schwere Sache, wie man sich es gewöhnlich vorstellt. Kannst du über deine weltlichen Geschäfte Betrachtungen anstellen, so magst tu über deine ewigen Angelegenheiten auch ein paar Augenblicke nachdenken. Du kannst auf folgende Weise betrachten: Art und Weise zu betrachten. 1. Rufe den heiligen Geist um seine Erleuchtung inbrünstig an: erwecke dann den Glauben, daß Gott bei dir gegenwärtig ist, oder schaue Jesum Christum im Glauben lebendig an. Vor Seiner allerheiligsten Gegenwart sprich dann zu Ihm mit findlichem Vertrauen: ,, Rede, o Herr! denn Dein Knecht höret!" Lies dann langsam und mit Aufmerksamkeit einen Punct der Betrachtung. 2. Darauf bleibe still, und besinne dich in heiligem Ernste, ob du das Gelesene wirklich glaubeft. Ist dein Glaube an diese Wahrheit stark, so danke Gott für die Gnade, und bitte Ihn innigst um die Beharrlichfeit. Ist dein Glaube an diese Wahrheit schwach, so er= neuere ihn auf der Stelle öfter, und bitte alsogleich mehrere Male vom Innersten des Herzens: ,, Herr, vermehre meinen Glauben." 3. Hast du auf diese Art deinen Glauben an die Wahrheit des gelesenen Punctes gestärkt, so befrage dich: Was soll ich thun? Warum soll ich es thun? Wie soll ich es thun? Wann soll ich es thun? Was wird erfolgen, wenn ich es thue? Was wird erfolgen, wenn ich es nicht thue? Art und Weise zu betrachten. 111 Oder befrage dich, wie folgt: Was lehrt mich diese Wahrheit? Was kann ich mir Lehrreiches davon abnehmen? Welche besondere Tugend kann ich daraus lernen? Wozu kann mich diese Wahrheit aufmuntern? Wie stimmt denn mein bisheriges Leben mit dieser Wahrheit überein? Erforsche dich dann weiter: Warum bin ich so schwach in dieser Tugend? Welche Hauptleidenschaft hindert mich noch meiftens daran? Welcher ist mein Hauptfehler, in den ich am öftesten zu fallen pflege? Darf ein Christ, der an diese geoffenbarte Wahr heit glaubt, diesen Hauptfehler begehen? 3. B. Der gelesene Punct der Betrachtung wäre: Jesus Christus ist für dich, o Sünder, gestorben; so stelle dann folgende Fragen an dich: Was lehrt mich der Tod Jesu Christi, den Er für mich Sünder erlitten hat?- Gin Gott stirbt des schimpflichsten Todes, um uns Sünder zu retten. O wie schrecklich, wie abscheulich muß nicht die Sünde sein, weil sie einen Gott an's Kreuz geschlagen hat. Was lehrt mich also der Tod Jesu Christi? Den Haß der Sünde. Habe ich denn aber bisher die Sünde recht gehasfet? Habe ich, Unglückseliger! sie nicht vielleicht gar geliebt? besonders die und die( hier erwäge deine Hauptleidenschaft oder deinen Hauptfehler, den auszurotten der einzige Zweck deiner Betrachtung sein soll). Thut das ein Christ, welcher glaubt, daß sein Gott für ihn am schmählichen Kreuzesstamme des schmerzlichsten Todes starb?- welch eine Undankbarkeit, O 112 Art und Weise zu betrachten. o welch eine Beschämung! ein Gott stirbt wegen meiner Sünden;- die ganze Natur weint, und ich Glender, ich kann noch fortsündigen; besonders durch diese Sünde Jesum auf's Neue freuzigen? Nimmermehr, o mein Jesu! u. s. w. 4. Erwecke dann sogleich in deinem Herzen innige Reue und Leid über diesen deinen bisherigen Hauptfehler, und mache sogleich in deinem Gemüthe einen kräftigen Vorsaß, dich zu bessern, diesen deinen Hauptfehler immerwährend zu bekämpfen; erneuere in Gedanken diesen deinen guten Vorsatz öfter, und bedenke zugleich, wie du heute Gelegenheit haben wirst, diesen deinen Vorsatz ins Werk zu setzen, welche Hindernisse dir dabei ausstoßen werden, und welche Mittel du anwenden willst, um den Vorsatz nicht so leicht zu brechen. Mache den Vorsatz immer auf eine einzelne, besondere Handlung, in der du dich überwinden oder wie du in diesem oder jenem besondern Falle deine Hauptleidenschaft bekämpfen willst; und laß dir ja nicht an einem allgemeinen Vorsaße genügen. 3. B. Dein Hauptfehler wäre die Ungeduld; so wäre dir wenig damit geholfen, wenn du nur in Gedanken zu dir sagtest: Ich will nicht mehr ungeduldig sein; sondern du mußt in Gedanken den Vorsatz machen und zu dir sprechen: Diesen oder jenen überlästigen Menschen, um dessen Willen ich am meisten in die Ungeduld zu fallen pflege, will ich mit Geduld übertragen, ja heute noch, wenn er zu mir kommt, will ich ihm viele sanfte Worte geben, ihm ein freundliches Gesicht zeigen n. s. w. 5. Kräftige deinen Vorfaß durch die Vorstellung, wie nüßlich, wie vortrefflich, wie angenehm, wie nothwendig diese deine Selbstüberwindung in diesem einzelnen besonderen Falle sei. Sehr gut wirst du auch thun, wenn du, zur Bekräftigung beines Vorfaßes, kurze Anmuthungen- Art und Weise zu betrachten. 113 Stoßgebetlein-- und Liebesseufzer zu Gott öfters erweckft; wenn du Ihn dann recht inständig um Seine Gnade bittest, und wenn du dabei deinen Vorsaß öfter erneuerst. Du wirst eine gute Betrachtung machen, wenn du mehr auf die Bewegung des Willens, als auf SüBigkeit in der Empfindung, und auf schöne Gedanken des Verstandes bedacht bist. 6. Kannst du den ersten Punct der Betrachtung nicht recht passend für dich brauchen, so nimm den zweiten Punct der Betrachtung vor. 7. Sei nicht ängstlich, und fürchte dich nicht viel vor der Zerstreuung; denn wenn du dich eine Zeit lang in der Betrachtung wirst geübt haben, so wird dir das Betrachten leicht und angenehm vorkommen. 8. Endige deine Betrachtung mit einem andächtigen Vater unser, und Gegrüßt seist Du, Maria! und mit der Bitte zu Gott, daß dir deine Betrachtung gute Früchte bringe. Behalte den ganzen Tag irgend einen Spruch aus der Betrachtung im Gedächtniße; erinnere dich unter deinen Tagesgeschäften öfter dieses kleinen Spruches, und zugleich deines gefaßten guten Vorfaßes. Laß diesen deinen guten Vorsaß ja nicht allein in Worten bestehen, sondern suche ihn bei jeder Gelegenheit auch wirklich auszuüben. Bedenke mit Ernst, was dein Heiland sagt: Nicht ein Jeder welcher sagt: Herr! Herr! ,, wird eingehen in das Himmelreich; sondern nur der, ,, welcher den Willen meines Vaters thut." 9. Merke es dir auch, daß du nicht blos betrachtest um des innern Trostes willen; sondern wenn dieser dir auch ganz mangelt, so unterlasse die Betrachtung nicht. Trage das heilige Kreuz mit Jesu auch im Gebete, und du wirst große Schritte auf dem Wege der christlichen Bollkommenheit machen. 10. Solltest du so unglücklich sein, wieder in deinen Hauptfehler zu fallen, so verliere den Muth nicht; bereue auf der Stelle zu den Füßen des Gekreuzigten dei 114 Betrachtungen. nen Rückfall, und erneuere abermal deinen guten Vorfaß; bitte aber Gott um so inniger um Seinen Beistand. 11. Vertraue standhaft auf Gott, mißtraue auf dich selbst, und werde nicht gleich verzagt, wenn es nicht gleich vorwärts geht; denn jede Tugend kostet Streit und Mühe, und wird nur durch anhaltendes Gebet und stete Uebung erlangt. Die kürzeste Art zu betrachten ist in folgenden vier Fragen enthalten: Man ruft den h. Geist an, liefet in einem guten Betrachtungsbuche etwas, und frägt sich dann ernsthaft: 1. Was sagt mir hier der heilige Glaube? 2. Was soll ich also nach diesem heiligen Glauben thun? 3. Was habe ich aber bisher gethan? 4. Was will ich aber von jegt än in der Zukunft thun? Dann ruft man Gott durch Mariam um Seinen Beistand an, und erneuert beim Kreuze Jesu Christi öfter den gemachten Vorfaß. Betrachtungen auf alle Tage der Woche. ( Aus den Schriften des heil. Alphons Maria ven Liguori.) Betrachtung für den Sonntag. Von dem Ziele des Menschen. I. Betrachte, meine Seele, wie dir Gottdieses Dasein, welches du hast, gegeben, indem Er tich nach einem Ebenbilde, ohne dein Ver Betrachtungen. 115 dienst, erschaffen, und dich durch die heilige Taufe an Kindesstatt angenommen hat. Er hat dich mehr geliebt als ein Vater, und dich erschaffen, damit du Ihn liebest, und Ihm in diesem Leben dieneſt, um dann Seiner im Paradiese ewig zu genießen. So bist du nun nicht geboren, und mußt nicht leben, um hier zu genießen, um reich und mächtig zu werden, um nur zu effen, zu trinken und zu schlafen, wie die Thiere: sondern allein, um deinen Gott zu lieben und ewig selig ju werden. Und die erschaffenen Dinge hat dir der Herr zum Gebrauche gegeben, damit sie dir helfen, dein großes ewiges Ziel zu erreichen. O ich Unglückseliger, der ich an alles andere*( Z. B. an das oder das hier erforsche dich) ge= - dacht habe, nur nicht an mein einziges 3iel! Mein Vater! um der Liebe Jesu willen, mache, daß ich ein neues, ganz heiliges und Deinem göttlichen Willen ganz gleichförmiges Leben anfange**.( Hier erwecke die innigste Reue, und mache den kräftigsten Vorsag- besonders an dieses oder jenes schlechte und eitle Ziel nicht mehr zu denken, sondern vielmehr an's Gegentheil.) Anmerkung. Wo ein Sternlein ist, dort erforsche deinen Hauptfehler. Wo zwei Sternlein** sind, bort erweck e eine innige Reue, und mache einen kräftigen Vorsaß, wie beim ersten Punkt. II. Betrachte, wie du im Augenblicke des Todes große Gewissensbisse empfinden wirst, wenn du nicht darauf bedacht warst, Gott zu dienen. Welche Pein, wenn du am Ende deiner Tage sehen wirst, daß dir in jener Stunde von allen 116 Betrachtungen. den Reichthümern, Ehren, Herrlichkeiten und Freuden nichts übrig bleibe, als eine Handvoll Staub! Du wirst staunen, wie du für Eitelkeiten und nichtige Dinge die Gnade Gottes und deine einzige, unsterbliche Seele verloren hast, ohne das Uebel mehr gut machen zu können, und es wird für dich auch keine Zeit mehr sein, denn guten Weg einzuschlagen*. O Verzweiflung! o Marter! Du wirst alsdann sehen, wie viel die Zeit werth ist, aber zu spät; du wirst sie mit deinem Blute erkaufen wollen, aber o Unglücklicher! du wirst es nicht mehr können. O bitterer Tag für Denjenigen, der Gott nicht gedient und Ihn nicht geliebt hat**! - III. Betrachte, wie man dieses große Ziel vernachlässigt. Man denkt daran, Reichthümer aufzuhäufen, man denkt daran, zu effen, Unterhaltungen anzustellen, und sich einen guten Tag anzuthun!- aber Gott zu dienen, daran denkt man nicht. Man ist gar nicht darauf bedacht, seine Seele zu retten; das ewige Ziel hält man für eine Kleinigkeit. O Mensch, wie viele Mühe gibst du dir, um verdammt zu werden; aber um felig zu werden, willst du nichts thun.-- Und so rennt der größere Theil der Christen, schmausend, singend, tanzend und spielend der Hölle zu. O wenn sie doch wußten, was die Hölle sagen will. O Mensch! wie viel bemühest du dich, um verdammt zu werden, und willst nichts thun, um selig zu werden. Es starb der Geheimschreiber eines Königs, und sagte sterbend: Ich Elender! ich habe so Betrachtungen. 117 viel Papier verbraucht, und habe nicht ein einzi ges Blatt verwendet, um mich meiner Sünden zu erinnern und Ein Mal eine gute Beicht abzulegen. Aber wozu dienen alsdann diese Seufzer, diese Wehklagen? Sie dienen meistens nur zur größeren Verzweiflung. O lerne du, durch Un= derer Schaden Flug gemacht, um dein ewiges Heil bekümmert leben, wenn du nicht in Ver= zweiflung verfallen willst. Und wiffe, daß Ulles, was du nach Deinem Willen und nicht nach dem Willen Gottes thust, sagst und denkst, verloren ist*. Wohlan, schon ist es Zeit, daß du Dein Les ben änderst. Wie? willst du den Zeitpunkt des Todes erwarten, und erst an den Pforten der Ewigkeit, am Rande des höllischen Abgrundes aus deiner Täuschung erwachen? Da ist weder Zeit noch Gelegenheit, den Irrthum zu verbessern. Mein Gott, verschone mich! Ich liebe Dich über Ulles. Es reuet mich mehr als alles Ulebel, daß ich Dich beleidiget habe. Maria, meine Hoffnung! bitte Jesum für mich**! Betrachtung für den Montag. Von der Wichtigkeit dieses Zieles. I. Betrachte, o Mensch! wie viel daran gelegen ist, daß du dein großes Ziel erreichst. Es liegt Ulles daran; denn wenn du es erreichst, ſo bist du gerettet, wirst ewig selig sein, und an der Seele und am Leibe alles mögliche Gute ewig genießen; wenn du es aber verfehlst, wirst du Seele und Leib, das Paradies und Gott ver 118 Betrachtungen. lieren, wirst ewig elend, wirst auf immer verdammt sein. Es ist also das Geschäft aller Geschäfte, das einzige wichtige, das einzig nothwendige Geschäft: Gott dienen, und seine Seele retten. Sage daher, mein Christ! nicht mehr: Jest will ich noch nach meinen Lüsten leben, hernach werde ich mich Gott schenken, und hoffe doch, selig zu werden. Diese falsche Hoffnung, o wie Biele hat sie schon in die Hölle gestürzt, welche eben so sprachen, und nun verdammt sind und für welche jest keine Rettung mehr ist. Wel cher Mensch wollte denn jemals gern verdammt werden? Aber Gott verflucht Denjenigen, welcher fündigt in der Hoffnung auf seine Barmherzigs keit. Verflucht ist der Mensch, der in der Hoffs ,, nung fündigt." Du sagst: Ich will diese Sünde thun, und sie dann beichten. Und wer weiß, ob du Zeit dazu haben wirst? Wer versichert dich, daß du nicht gleich nach der Sünde sterben wirst? Unterdessen verlierst du die Gnade Gottes, und was wird werden, wenn du sie nicht mehr findest? Gott erzeigt Barmherzigkeit Demjenigen, der Ihn fürchtet; nicht aber dem, der Ihn verachtet. Und Seine Barmherzigkeit ist für Dieje, nigen, die Ihn fürchten."( Luc. 1.) Sage nicht mehr: Es ist gleichviel, ob ich zwei oder drei Sünden beichte. Nein! denn zwei Sünden wird dir Gott verzeihen, aber drei vielleicht nicht. Gott erträgt lange, aber Er erträgt nicht immer. In der Fülle der Sünden wird Er strafen."( 2. Mach. 6.) Wenn das Maß voll ist, verzeiht Gott nicht mehr, sondern straft den Sünder plöglich 11 - Betrachtungen. 119 mit dem Tode und mit der Verwerfung, so daß er von einer Sünde zur andern, bis in die Hölle geht, eine Strafe, welche ärger ist, als der Tod selbst. O mein Bruder, merke doch auf das, was du jest liefest. Höre endlich auf; ergib Dich Gott! Fürchte dich, daß nicht vielleicht dieses die letzte Warnung sei, welche dir Gott zuschickt. Genug an dem, womit du Ihn bereits beleidigt haft; Er hat dich lang genug ertragen. Zittre, daß nach der ersten Todsünde, die du begehen wirst, Gott dir nicht mehr verzeihen werde. Siehe, es handelt sich um Deine Seele, es handelt sich um tie ganze Ewigkeit. Wie viele hat der große Gedanke an die Ewigkeit bewogen, der Welt ganz zu entsagen, und in Klöstern, in Wüsteneien und in Höhlen zu leben. O ich Elender! der ich schon so viele Sünden begangen habe*. Das Herz ist betrübt, die Seele beschwert, die Hölle verdient, Gott verloren! Uch mein Gott und Vater! verbinde mich mit Dir durch Deine Liebe**! II. Betrachte, wie dieses einzige Hauptgeschäft am meisten vernachläffigt wird. Un Alles denkt man, nur nicht daran, selig zu werden. Für Ulles hat man Zeit, nur nicht für Gott. Sage einem Weltmenschen, daß er sich der heiligen Sacramente öfters bedienen, daß er eine halbe Stunde des Tags der Betrachtung widmen soll, wird er dir nicht antworten: Ich habe Kinder; ich habe Verwandte; ich habe eine Wirtschaft; ich habe Geschäfte. O mein Gott! hast du aber nicht auch eine Seele? Brauche Deine Reichthümer, berufe - deine Kinder und Verwandte, werden sie dir 11 - - 120 Betrachtungen. wohl beistehen in der Stunde des Todes, oder dich aus der Hölle reißen, wenn du verdammt bist? Schmeichle dir nicht, du könnteft Gott und die Welt, das Paradies und die Sünde miteinander vereinigen. Das Geschäft des Heils ist keine Sa: che, die du nach Belieben abthun kannst; du mußt dir Gewalt anthun, um die Krone der Unsterblichkeit zu gewinnen*. Ach! wie viele Chris sten schmeichelten sich, daß sie noch fern in der Zukunft Gott dienen und selig werden würden, und jeßt sind sie bereits in der Hölle! Welche Thorheit! immer nur an das zu denken, was so bald ein Ende hat; und gar so wenig an das, was niemals enden wird. O Christ! gedenke an dein wahres Heil; gedenke, daß du bald von diefer Erde wandern, und in das Haus der Ewigkeit eingehen wirst. O wie elend, wie arm wirst du sein, wenn du verdammt wirst! Siehe! dann ach, dann kann dir nicht mehr geholfen werden**. III. Betrachte, o Christ! und sprich: Ich habe eine einzige Seele, wenn ich diese verliere, habe ich Alles verloren, ich habe eine einzige, unsterbliche Seele; wenn ich zum Schaden dieser unsterblichen Seele eine ganze Welt gewänne, was nüßte es mir?- wenn ich ein großer Mann würde, und meine einzige Seele verlöre, was hälfe es mir?- Wenn ich Reichthümer aufhäufte, wenn ich mein Haus vergrößerte, wenn ich meine Kinder gut versorgte, und dabei meine einzige Seele verlöre, was nügte es mir?- Was haben die Herrlichkeiten, die Unterhaltungen, die Eitelkeiten so Vielen geholfen, die in der Welt 121 Betrachtungen. lebten, und jeßt Staub der Erde,- und ein Raub der Hölle sind? Wenn also die Seele mein ist, wenn ich nur eine einzige Seele habe, welche, wenn ich sie Ein Mal verliere, für immer und ewig verloren ist; so muß ich wohl mit Ernst daran denken, selig zu werden. Dieß ist ein Gegenstand, an welchem ungemein viel gelegen ist. Es handelt sich darum, entweder ewig felig, oder ewig unglückselig zu sein. O mein Gott! ich bekenne es, ganz von Scham gedrungen, daß ich bisher wie ein Blinder gelebt habe, und ferne von Dir gewandelt bin. Ich habe nicht daran gedacht, diese meine einzige Seele zu retten. Rette mich, o mein Vater! um Jesu Christi willen. Ich bin zufrieden, wenn ich auch Alles verliere, wenn ich nur Dich nicht verliere, o mein Gott!- Maria, meine Hoffnung! rette mich durch deine Fürbitte**. Betrachtung für den Dienstag. Von der Todsünde. 1. Betrachte, daß dich Gott erschaffen hat, damit du ihn liebst; daß aber du dich mit einer höllischen Undankbarkeit gegen Ihn empört, daß du Ihn als einen Feind behandelt, daß du Seine Gnade und Seine Freundschaft verachtet hast. Du wußtest, daß du Jhm durch jede Sünde ein Mißfallen verursachst, und doch hast du sie begangen. Was thut Derjenige, welcher fündigt? Er kehrt Gott den Rücken zu! er verliert die Ehrfurcht vor Ihm, er hebt gleichsam die Hand auf, um Ihm einen Schlag zu geben; er betrübt 122 Betrachtungen. 11 das Herz Gottes. Und sie haben Seinen heili gen Geist betrübt."( Jf. 63.) Wer fündigt, sagt zu Gott durch die That: ,, Entferne Dich von mir, ich will Dir nicht gehorchen, ich will Dir nicht dienen, ich will Dich nicht als meinen Herrn anerkennen, ich will Dich nicht für meinen Gott halten. Diese Wolluft, dieser Vortheil, diese oder jene Sache soll gleichsam mein Gott sein." So sprachst du in deinem Herzen, als du das Geschöpf deinem Gott vorgezogen haft. Die heilige Maria Magdalena von Pazzis konnte nicht recht glauben, daß ein Christ mit offenen Augen eine Todsünde begehen könne. Und du, der du dies liefest, was sagst denn du dazu? Wie Viele hast du schon begangen*? Mein Gott! verzeihe mir und habe Barmherzigkeit mit mir. Ich habe Deine unendliche Güte beleidigt; ich haffe meine Sünde, ich liebe Dich, und es reuet mich, Dich beleidigt zu haben, o unendlich liebenswürdiger Gott**! II. Betrachte, wie Gott zu dir sagte, als du fündigtest:" Mein Kind! Ich bin dein Gott, Der dich aus dem Nichts erschuf, und dich mit Meis nem Blute erkaufte. Ich verbiete dir, diese Günde zu thun, unter der Strafe Meiner Ungnade." Aber du sagtest zu Gott, als du fündigtest: Herr! ich will Dir nicht gehorchen, ich will mir dieses Vergnügen verschaffen, und es liegt mir nichts daran, daß es Dir mißfällt, und daß ich) Deine Gnade verliere. Du hast gesprochen: ich will nicht dienen." 11 Uch mein Gott! und dieses habe ich öfters ges than*! Wie hast du mich ertragen können? O wäre 123 Betrachtungen. ich doch eher gestorben, bevor ich Dich beleidigte! Ich will Dir ferner kein Mißfallen verursachen; ich will Dich lieben, unendliche Güte! Gib mir Beharrlichkeit! Gib mir Deine heilige Liebe**! " 1 III. Betrachte, wie die Sünden, wenn sie eine gewisse Zahl erreichen, es bei Gott Lewirken, daß Er den Sünder verläßt. Der Herr wartet geduldig, damit Er, wenn der Tag des Gerichtes herangekommen ist, in der Fülle der Sünden strafe."( 2. Mach. 9.) Wenn du also, mein Bruder, neuerdings versucht wirst zu fündigen, so sage nicht mehr,„ Ich werde es schon wieder beichten." Wie, wenn dich Gott sterben ließe? wenn Gott dich ganz verließe? Was wird aus dir werden durch die ganze lange Ewigkeit?- Uch auf diese Weise sind schon viele zu Grunde gegangen! Auch sie hofften Verzeihung, aber die Stunde des Todes kam, und sie wurden verdammt. O zittre, daß dir nicht das Nämliche widerfahre. - Derjenige verdient keine Barmherzigkeit mehr, der sich der Güte Gottes nur bedienen will, um Ihn zu beleidigen. So viele Sünden hat dir Gott bereits verziehen*. Du mußt also mit Recht fürchten, daß dir Gott die nächste Todsünde, die du begehen wirst, ach! vielleicht nicht mehr verzeihen werde. Danke Ihm, daß Er bisher so gnädig auf dich gewartet hat, und fasse in diesem Stücke einen festen Entschluß, daß du eher den Tod leiden, als ferner eine Sünde begehen willst. s Von heute angefangen sage immer: Herr! es ist genug! ich will das mir noch übrige Leben nicht 124 Betrachtungen. mehr dazu verwenden, Dir wieder zu mißfallen; nein, das verdienst Du nicht. Ich will es allein dazu anwenden, Dich zu lieben, und die Beleidigungen zu beweinen, die ich Dir schon angethan habe. Ich bereue sie von ganzem Herzen. Mein Jesu! Dich will ich lieben, gib mir Kraft! Maria! meine Mutter! gib mir Kraft und hilf mir!- Umen**! Betrachtung für die Mittwoche. Von dem Tode. I. Betrachte, daß dieses Leben einmal enden muß. Schon ist das Urtheil ergangen! Du mußt sterben." Der Tod ist gewiß, aber du weißt nicht wann? Wie viel braucht es, um zu sterben? Eine Uder, die in der Brust zerspringt; ein Ersticken am Husten; ein Blutsturz, ein giftiges Thierchen, welches dich beißt, ein Fieber, ein Stich, eine Wunde, eine Ueberschwemmung, ein Erdbeben, ein Blig ist hinreichend, dir auf der Stelle das Leben zu nehmen. Der Tod wird dich überfallen, wenn du es am allerwenigsten vermuthest. Wie Viele wurden des Morgens unversehens todt ge= funden? Kann dieß nicht etwa auch dir wiederfahren? So viele sind plöglich gestorben, ohne es als möglich zu denken; und wenn sie sich in der Sünde befanden, wo sind sie jetzt? und wo werden sie durch die ganze Ewigkeit sein? Aber dem. sei, wie es wolle, so viel ist gewiß, daß einst eine Zeit kommen muß, wo es für dich Nacht wird, und kein Tag mehr für dich anbricht, oder es wird der Tag für dich anbrechen, und - Betrachtungen. 125 d: wirst die darauf folgende Nacht nicht mehr sehen. Ich werde kommen, wie ein Dieb, unversehens und im Geheim," sagt Jesus Christus; Er warnt dich bei Zeiten, weil Er dein Heil liebt. Entsprich dem gütigen Gott; benüge die Warnuna, bereite dich vor, gut zu sterben, bevor noch der Tod kommt. ,, Seid bereit! denn alsdann ist es nicht mehr Zeit, sich vorzubereiten, sondern man muß bereit sein". Es ist gewiß, daß du ster. ben mußt. Das Schauspiel dieser Welt muß für dich enden, und du weißt nicht wann?-- Wer weiß, ob du binnen einem Jahre, binnen einem Monate, wer weiß, ob du morgen noch leben wirst? Mein Jesu, erleuchte mich, und verzeihe mir**! II. Betrachte, wie du in der Todesstunde dich befinden wirst: auf ein Bett hingestreckt; ein Pries ster bei dir, um dich im letzten Kampfe zu stärken; deine Angehörigen dir zur Seite, welche dich. beweinen; das Crucifir zu deinem Haupte, die Kerze zu deinen Füßen, und du schon nahe an der Ewigkeit. Dein Kopf wird voll Schmerz, die Uugen verdunkelt, die Zunge verbrannt, die Kehle geschloffen, die Brust beschwert, das Blut erkaltet, das Fleisch abgezehrt, das Herz durchbort sein, Alles wirst du verlassen, und arm und nackt in ein Grab geworfen werden, um darin zu faulen. Dort werden Würmer und Insekten dein Fleisch zernagen, und von dir wird nichts anders übrig bleiben, als verdorrte Gebeine, und ein wenig Staub, und weiter nichts. Deffne ein Grab, und siehe, was aus jenem Reichen, aus jenem Geizigen, aus je nem eitlen Weibe geworden ist? 8 Betrachtungen. So endet das Leben! in der Todesstunde wirst du von bösen Geistern umgeben sein, welche dir alle, seit deiner Kindheit begangenen Sünden vorhalten. Jegt verdeckt und entschuldiget der Teufel deine Schuld, um dich zum Sündigen zu verleiten: er sagt zu dir, daß diese Eitelkeit, dieſe Wollust, diese Vertraulichkeit, dieser Groll, keine große Sünde sei: daß du bei diesem Umgange keine schlechte Absicht hast; aber im Tode wird er die ganze Schwere deiner Sünden aufdecken*. Und beim Lichte der Ewigkeit, in welche du eingehen wirft, wirst du erkennen, welch' ein Uebel es war, einen unendlichen Gott beleidigt zu haben. Jegt, gleich, bei Zeiten noch, da du noch kannst, heile das Uebel, weil es später nicht mehr Zeit sein wird**. 126 III. Betrachte, wie der Tod ein Augenblick ist, von welchem eine ganze Ewigkeit abhängt. Da liegt der Mensch, schon nahe dem Tode, und folglich nahe Einer von den zwei Ewigkeiten; einer feligen oder einer unglückseligen Ewigkeit: und sein ewiges Leben hängt an dem legten Uthemzuge, nach welchem die Seele entweder für immer selig, oder verdammt sein wird. O legtes Ende! o lester Uthemzug! o letzter Augenblick! von welchem eine Ewigkeit abbängt!- eine Ewigkeit der Glorie, oder eine Ewigkeit der Pein; eine immer glückſelige, oder eine immer unglückselige Ewigkeit; eine Ewigkeit voll der Freuden, oder eine Ewigkeit voll der Verzweiflung; eine Ewigkeit alles Guten, oder eine Ewigkeit alles Uebels; eine Ewigkeit im Paradiese, oder eine Ewigkeit in der Hölle. Das Ul les heißt: wenn du in diesem legten Augenblicke 127 Betrachtungen. selig wirft, wirst du kein Leid mehr haben, du wirst immer zufrieden und glücklich sein; aber wenn du dein Heil verfehlst und verdammt wirst, wirst du immer unglücklich sein und voll Verzweiflung; und das, so lange Gott- Gott sein wird. Im Tode wirst du erkennen, was das sagen will: Himmelreich, Hölle, Sünde, ein beleidigter Gott, Berachtung des Geseges Gottes, im Beichtstuhle verschwiegene Sünden, ein nicht zurückgestelltes Gut. O ich Elender! wird der Sterbende sagen, so muß ich nun in wenigen Augenblicken vor Gott erscheinen? und wer weiß, welches Urtheil mich treffen wird? wohin werde ich kommen, in das Paradies oder in die Hölle? Werde ich mich mit den Engeln erfreuen, oder mit den Verdammten brennen? Werde ich ein Kind Gottes oder ein Sclave des Teufels sein? Wehe mir, bald werde ich es wissen, und wo ich das erste Mal wohnen werde, dort werde ich auch in Ewigkeit bleiben. Ach! was wird in wenigen Stunden, in wenigen Augenblicken aus mir werden? was wird aus mir werden, wenn ich nicht dieses Vergerniß gut machen wenn ich nicht dieses fremde Gut. diesen guten Ramen zurückstelle? wenn ich nicht vom Herzen meinen Feinden verzeihe? wenn ich nicht gut beichte*? Alsdann wirst du tausendmal jenen Tag verfluchen, an welchen du sündigtest, jenes Vergnügen, jene Rache verwünschen, welche du ausübtest, aber zu spät und ohne Nugen; weil du es aus bloßer Furcht vor der Strafe, hne Liebe zu Gott thun wirst. Uch Herr! sieh, von diesem Augenblicke an bekehre ich mich zu - 8* 128 Betrachtungen. Dir; ich will nicht erst den Tod erwarten; von jegt an liebe ich Dich! Ich umarme Dich, und in Deiner Umarmung will ich sterben!- Meine Mutter Maria! laß mich unter Deinem Schuße sterben! hilf mir in jenem Augenblicke! Umen**. Betrachtung für den Donnerstag. Von dem letzten Gerichte. I. Betrachte, wie die Seele im Augenblicke, wo sie aus dem Körper fährt, sogleich vor den Richterstuhl Gottes geführt werden wird, um gerichtet zu werden. Der Richter ist ein allmächtiger, von dir mißhandelter, auf's höchste erzürnter Gott. Die Unkläger sind die bösen Geifter, deine Feinde. Der Gegenstand des Gerichtes deine Sünden. Das Urtheil ist unwiderruflich. Die Strafe: eine Hölle. Dort hast du keine Gefährten, keine Weltern, keine Freunde mehr- du wirst allein sein, und Niemand zwischen dir und Gott stehen. Alsdannwirst du die ganze Abscheulichkeit deiner Sünden gewahr werden, und wirst sie nicht mehr entschuldigen können, wie du es jest thust. Es werden alle Sünden der Gedanken, der Worte, des Wohlgefallens, der Werke, der Unterlaffung und des Nergernißes untersucht werden*. Alles muß gewogen werden auf jener großen Wage der göttlichen Gerechtigkeit, und wofern du in einem einzigen Stücke schuldig befunden wirst, wirst du ewig verloren sein. Mein Jefu und mein Richter! verjeife mir, bevor Du mich richteft**! - II. Betrachte, wie die göttliche Gerechtigkeit alle Völker im Thale Josaphat richten wird, wenn Betrachtungen. 129 am Ende der Welt die Leiber auferstehen werden, um zugleich mit der Seele die Belohnung oder die Strafe, je nachdem ihre Werke beschaffen sind, zu empfangen. Erwäge, daß, wenn du verdammt wirst, du diesen deinen Leib wieder annehmen mußt, welcher sodann der unglücklichen Seele zum ewigen Gefängniße dient. Bei dieser bitteren Begeg. nung wird die Seele den Leib, und der Leib die Seele verfluchen; so daß Leib und Seele, welche jegt sich im Aufsuchen verbotener Lüfte vereinigen, nach dem Tode mit Gewalt sich verbinden werden, um sich einander selbst zu martern. Im Gegentheile, wenn du selig bist, wird dieser dein Leib ganz schön, des Leidens ganz unfähig und glänzend auferstehen, und an der Seele und am Leibe wirft du würdig sein des ewigen Lebens; und so wird der Schauplaß dieser Welt enden. Alsdann werden alle Herrlichkeiten und Freuden, und die Pracht dieser Erde ein Ende nehmen; Alles ist auf immer geendiget; dann bleiben nur zwei Ewigkeiten, eine Ewigkeit der Herrlichkeit, die andere der Strafe; eine selige und eine unglückselige Ewigkeit; eine Ewigkeit der Freuden und eine Ewigkeit der Peinen. Im Paradiese sind die Gerechten,- in der Hölle die Sünder*. Urmselig ist dann Ders jenige, welcher die Welt geliebt, und für die elenden Lüste dieser Erde Alles verloren hat; Ulles, die Seele, den Leib, das Paradies und Gott**. - - III. Betrachte den ewigen Urtheilspruch. Christus als Richter wird Sich gegen die Verworfenen wenden, und zu ihnen sagen: Es ist aus mit euch, ihr Undankbaren! Es ist aus! Meine Stunde 8** 130 Betrachtungen. ist schon gekommen, die Stunde der Wahrheit und der Gerechtigkeit, die Stunde des Bornes und der Strafe. Hinweg ihr Lasterhaften! ihr habt den Fluch geliebt, er komme nun über euch. Seid verflucht jegt und in die ganze Ewigkeit! Gehet fort aus meinem Angesicht! gehet, beraubt aller Güter, und mit allen Beinen beladen, in das ewige Feuer. Gehet hinweg von Mir, ihr Verfluchten! - in das ewige Feuer."( Math, 5.*) Dann wird Jesus Sich zu den Auserwählten wenden und sprechen: ,, Kommet, meine gesegneten Kinder! kommet, das Himmelreich zu besigen, welches euch bereitet ist; kommet, nicht mehr das Kreuz Mir nachzutragen, sondern zugleich mit Mir gekrönt zu sein. Kommet, um Erben Meiner Reichthümer, Gefährten meiner Herrlichkeit zu werden; kommet, Meine Barmherzigkeit in Ewigkeit zu preisen; kommet aus der Verbannung in's Baterland; kommet von dem Elende zur Freude; kommet von den Thränen zur Fröhlichkeit; kommet von den Peinen zur ewigen Ruhe! Kommet, ihr Gebenedeiten Meines Vaters! besiget das Reich, welches euch bereitet ist." Mein Jesu! auch ich hoffe einer dieser Gebenedeiten zu sein. Ich liebe Dich über Ulles! segne mich von dieser Stunde an. Segne auch Du mich, meine Mutter, Maria**! - Betrachtungen für den Freitag. Von der Hölle. I. Betrachte, wie die Hölle ein höchst unglückseliges, mit Feuer gefülltes Gefängniß ist, wo die Verdammten ewig gepeinigt werden. In dieses Betrachtungen. 131 Feuer sind die Verdammten, wie in einen See, ganz versenkt. Alle Sinne haben ihre eigene, namenlose Qual, und das in Ewigkeit. Daher weinen, heulen, zähnklappern und verzweifeln diese ewig eingekerkerten Unseligen, von allen Qualen ewig und unaussprechlich gepeinigt;- aber es ist Niemand, es wird Niemand sein, der sie ihnen je erleichterte, oder sie je tröste. O Hölle! Hölle! Einige wollen dich nicht glauben, bis sie selbst in dich hineinfallen. Was sagst denn du, der du dieses liefest? Wenn du jeßt sterben müßtest, wohin würdest du kommen?- Du getrauest dich nicht einen Funken auf deiner Hand zu tragen, und du willst dich getrauen, in einem ganzen FeuerSee zu wohnen, welcher dich aufzehrt, und wo du ganz trostlos und von Allen verlassen sein wirst durch eine ganze endlose Ewigkeit**! II. Betrachte nun die Qual, welche die Seelenkräfte ausstehen werden. Das Gedächtniß wird immer von Gewissensbiffen gemartert werden; dieß ist jener Wurm, welcher immer an den Verdammten nagt, indem sich dieser vorstellt, daß er fo freiwillig für einige Augenblicke der Wollust vers dammt worden ist. O Gott! wie werden ihm dann jene Augenblicke der Lust vorkommen, nach hundert, nach tausend Millionen Jahren der Hölle. Dieser Wurm wird ihn an die Zeit erinnern, welche Gott ihm zum Heil gegeben, an die Gelegenheiten, welche Er ihm verschafft hat, selig zu werden; an die guten Beispiele seiner Freunde, an die gemachten, aber nicht ausgeführten Vorsäge*. Und alsdann wird er sehen, daß es kein - - 132 Betrachtungen. Mittel mehr gibt, ihm aus seinem ewigen Untergange zu helfen. O Gott! o Gott, welche dop= pelte Hölle wird dies sein? Dem Willen wird immer widersprochen werden, und er wird nie et= was von dem haben, was er wollen wird, und immer wird er Dasjenige haben, was er nicht wollen wird, nämlich alle nur möglichen Qualen.—— Der Verstand wird das große Gut erkennen, das er verloren hat, nämlich das Paradies und Gott! O Gott! Gott! verzeihe mir, um der Liebe Jefu Chrifti willen**! - III. Sünder! der du jegt unbekümmert bist, ob du das Paradies und Gott verlierst oder nicht, du wirst deine Blindheit erkennen, wenn du die Seligen triumphiren und im Himmelreiche sich erfreuen sehen, du aber gejagt werden wirst aus diesem heiligen Vaterlande, von dem schönen Angesichte Gottes, aus der Gesellschaft Mariä, der Engel und aller Heiligen. Alsdann wirst du ganz rasend schreien: 0 Paradies! o Ort der Freuden! o Gott! Du unendliches Gut! Du bist nicht für mich, wirst auch niemals für mich sein! Thue Buße! ändere auf der Stelle dein Leben*.- Warte ja nicht, auf daß nicht auch für dich keine Zeit mehr sein möchte! Schenke dich ganz Gott. Fange an, Ihn wahrhaft zu lieben. Bitte Jesum, bitte Mariam, daß Sie Sich deiner erbarmen möchten**! Betrachtung für den Samstag. Von der Ewigkeit der Strafe. I. Betrachte, wie die Hölle kein Ende nimmt, wie man dort alle Peinen, und alle ewig leidet. Betrachtungen. 133 Es werden hundert, es werden tausend Jahre in diefen Peinen vergehen, und die Hölle fängt erst an. Es werden hundert tausend, hundert Millionen und tausend Millionen von Jahren und Jahrhunderten vergehen, und die Hölle wird erst von Neuem anfangen. Wenn in dieser Stunde ein Engel einem Verdammten die Nachricht brächte, daß Gott ihn aus der Hölle befreien wollte, aber wann? höre! wann so viele Millionen Jahrhunderte vergangen sein werden, als Tropfen im Waffer, Zweige an den Bäumen, Sandkörner im Meere und auf der Erde sind; du würdest darüber erschrecken. Aber doch ist es wahr, daß diese Nachricht dem Verdammten eine größere Freude verursachen würde, als du hättest, wenn du die Nachricht erhieltest, daß du König eines großen Reiches geworden bist; denn der Verdammte würde sagen: Es ist wahr, daß viele, viele Jahrhunderte vergehen werden, aber es muß doch endlich einmal ein Tag kommen, an welchem sie enden werden. Ja wohl merden alle diese Jahrhunderte einmal vergehen, aber die Hölle wird immer nur wieder vem Neuen anfangen; alle diese Jahrhunderte werden sich so viele Mal vervielfältigen, als Sandkörner, Tropfen, Zweige sind, und die Hölle wird nur von Neuem wieder anfangen. Jeder Verdammte, wenn es möglich wäre, würde mit Gott diesen Vertrag schließen: Herr! vermehre, so viel es Dir gefällt, meine Pein; Herr! verlängere sie, so lange es Dir gefällt; es ist mir genug, daß du einmal ein Ende festgesest hast, und ich bin damit zufrieden." Aber - - 134 Betrachtungen. nein dieses Ende wird niemals eintreten,- niemals! Uber vielleicht wird wenigstens der arme Verdammte sich selbst täuschen und schmeicheln können, indem er bei sich sagt: Wer weiß, vielleicht wird Gott ich doch eines Tages meiner erbarmen und mich aus der Hölle befreien. Nein, der Verdammte wird immer das Urtheil seiner ewigen Verdammniß vor seinem Gesichte ge schrieben sehen, und sagen: Ach, niemals also wer. den diese Peinen, welche ich jetzt leide, dieses Feuer, diese Traurigkeit, dieses Verzweiflungs Geschrei enden! Nimmer, nimmer, o nimmer! Ewig: F ke it! O Hölle! wie ist es nur möglich, daß der Mensch an dich glaube und doch fündige*, und doch fortfahre in der Sünde zu leben**? II. Mein Bruder! merke auf und bedenke, daß die Hölle auch für dich da ist, wenn du fündigst. Schon brennt unter deinen Füßen dieser schauerliche Ofen, und ach! in diesem Augenblicke, da du dies liesest, ach! wie viele Seelen fallen hinein! Bedenke es, daß du einmal dorthin ges langest, wohin du es verdienst, und von wo du nimmermehr herauskommen kannst. Und wenn du nur Ein Mal schon die Hölle verdient hast, o so danke Gott, daß Er dich noch nicht dahin verstoßen hat, und gleich, gleich mache die Sache gut, so viel du kannst; beweine deine Sünden, und wende, so viel es dir nur möglich ist, die tauglichen Mittel an, um selig zu werden. Beichte oft; lies täglich etwas aus diesem oder jenem geistlichen Buche; und wenn es sein kann, so bete täglich einen Rosenkranz zu Ehren Mariens; er Betrachtungen. 135 greife die Undacht zu Ihr, und faste Ihr zu Ehren jeden Samstag; wiederstehe den Versuchungen, indem du oft Jesus und Maria anrufeft. Fliehe die Gelegenheit zu fündigen! und wenn Gott dich beruft, sogar die Welt ju verlassen, o so thue es, thue es! Uch! Alles, was man thut, um eine Ewigkeit von Peinen zu vermeiden, ist zu wenig, ja fast gar nichts. Es gibt keine zu große Sicherheit, wo die Ewigkeit in Gefahr steht." So spricht der heil. Bernardus. Um sich für die Ewigkeit sicher zu stellen, gibt es keine Bor sicht, welche hinreichte. Siehe, wie viele Einsiedler, um der Hölle zu entfliehen, in Höhlen und Wüsteneien gegangen sind, um allda zu leben! Und was thust du? was thust du, nachdem du so vielmal die Hölle verdient? was thust du*? Siehe ju, daß du nicht verdammt wirst. Schenke dich endlich einmal Gott und sage Ihm: Herr! sieh, ich will nun alles das thun, was Du von mir willst. O Maria! steh' mir bei**! 1910 Pflichten und Verhaltungsregeln für einige Stände. I. Pflichten der Eheleute gegen einander. 1. Da ein jeder Mensch von Gott darum erschaffen ist, damit er Gott erkenne, Jhm diene, Ihn lobe, und damit er selig werde: so sind auch die Eheleute in den Ehestand getreten, um Gott mit einander zu dienen, zu loben, und ewig felig zu werden. Sie sollen alfo Sorge tragen, daß fie einander mit Worten und durch gute Beispiele jum Lobe Gottes, zur Haltung einer Gebote, zum Frieden, zu jeglicher Tugend und zur Gerechtigkeit aufmuntern. 2. Der Ehemann betrachte seine Ehefrau als feine Gehilfin, und nicht als seine Dienstmagd. Er ist zwar das Haupt des Weibes, aber so wie das Haupt den übrigen Leib niemals beschädigt, Verhaltungsregeln. 137 so soll auch der Mann seinem Weibe nie Unrecht thun, noch weniger sie schlagen, oder sonst auf eine andere Art grausam mit ihr verfahren.„ Mann und Weib sind ein Leib; Niemand aber hat je,, mals sein eigenes Fleisch gehaßt." Uebrigens ftellt ja der Mann im Ehestande die Person Jesu Christi vor; Jesus Christus aber vergleicht sich mit einem Lamme. Der Mann soll also seine Ehegattin sanftmüthig behandeln, er foll sie lieben, wie Christus Seine Braut, die Kirche geliebt hat. Und wir wissen ja, daß Jesus Christus für Seine Kirche die mühseligsten Arbeiten, die bittersten Schmerzen, ja den Tod selbst, den schimpflichsten Tod des Kreuzes ausgestanden hat. 11 3. Die Ehefrau soll hingegen ihrem Ehemann in allem Guten gehorsam sein. Die Weiber sol= len ihren Männern unterthänig sein, wie dem Herrn; denn der Mann ist des Weibes Haupt, so wie Christus das Haupt der Kirche ist. Gleich wie aber die Kirche Chrifto unterworfen ist, also sollen auch die Weiber ihren Männern in allen Dingen unterworfen sein."( Ephes. 5, 22-23.) Merkt es euch wohl, ihr christlichen Weiber! in allen Dingen sollt ihr euern Männern unterworfen sein( die Sünde versteht sich von selbst, ausgenommen). Wem ist es unbekannt, daß die heilige Kirche viele Kreuze und Trübsale, ja die blutigsten und grausamsten-Verfolgungen für ihren göttlichen Verhaltungsregeln. Bräutigam Jesum Christum gelitten hat und jegt noch leidet? Eben soll auch das Weib alle Widerwärtigkeiten dieses Lebens, bis in den Tod für ihren Mann mit christlicher Geduld ertragen. 138 4. Beide christliche Eheleute sollen einander aufrichtig lieben, gut von einander denken und reden. Der Eine soll die Handlungen des Andern nicht viel ausforschen und dieselben immer lieber gut auslegen, besonders keinen Argwohn im Herjen julaffen; vorzüglich aber sollen sie alle Zuträger und Ohrenbläser als giftige Schlangen fliehen, und denselben in ihr Haus feinen Eingang gestatten. Spotts und Schimpfwörter sollen im Ehestande nie gehört werden. Alles soll in christlicher Güte und Sanftmuth verrichtet werden; denn ein zorniger Mensch, wenn er auch Wunderwerke übte, ist Gott nicht wohlgefällig. Der Mann wird sein böses Weib leichter durch freundliche Worte, als mit Schlägen und Fluchen bessern. Das Weib wird den bösen Mann eher mit Stillschweigen und Geduld, als mit Zanken und bissigen Worten überwinden. Sieht man, daß man durch einen Verweis das Uebel noch ärger machen würde, so warte man ab, bis der andere Theil wieder ein ruhiges Gemüth hat, dann erst gebe man ihm eine liebevolle christliche Ermahnung. Und weil von dem Frieden und der Einigkeit der Ehe der Segen Gottes und die theure Erbschaft Jefu Christi abhängt, so soll eines dem Undern Verhaltungsregeln. 139 Friedens halber gern weichen und nachgeben, Eines des Undern Gebrechen und Fehler sanftmüthig tragen, mit christlicher Standhaftigkeit bis zum Tode in dem heiligen Ehestand ausharren, und jur Zeit der Trübsale gedenken: Gott sieht das unordentliche Leben meines Mannes( oder meines Weibes) und bleibt geduldig; ich bin ja doch nicht mehr als Gott. Gott leidet mich als Sünder schon so viele Jahre in der Welt; so will ich denn auch alle Gebrechen meines Mannes( meines Weibes) geduldig ertragen! " Jesus Christus hat die Welt erlöst mit der „ Geduld, also will ich selig werden durch die Geduld." 11 11 5. Wofern Gott den Eheleuten keine Kinder beschert, oder dieselben wieder aus der Welt nimmt, so sollen sie nicht unmäßig trauern, sondern sich standhaft mit dem Willen Gottes vereinen Was Gott thut, ist recht gethan: Herr! Dein Wille geschehe!" Es ist besser, keine Kinder zu haben, als folche, die, statt zum Troste der Weltern, nur zu ihrer großen Betrübniß aufwachsen würden. 11 6. Endlich sollen sie den Stand der Ehe nie zum Aergerniße Underer, am allerwenigsten zum Nergerniße ihrer eigenen Kinder mißbrauchen. Es soll bei ihnen der Ehestand ehrbar sein, und das Ehebett unbefleckt."( Hebr. 13, 4.) Es soll auch Eines dem Andern in allen ehelichen Schuldigkeiten und Pflichten gehorsam sein. Diese follen sie aber nie anders brauchen, als nur nach der Unordnung Gottes.- Web ihnen, wenn sie das heis 140 Verhaltungsregeln. lige Biel, zu dem der Ehestand hauptsächlich eingesegt ist, nämlich die Fortpflanzung des Menschengeschlechtes, sogar zu verhindern suchen würden! In der heiligen Schrift nennt der heilige Geist einen. Mann( er hieß( Onan), der dieses that, einen Bösewicht, und strafte ihn mit dem augenblicklichen Tode. Die vor Gott fo feierlich versprochene Treue sollen sie gegen einander bis in den Tod unverlegt erhalten. Denn gleichwie Christus nur eine einzige Braut, die Kirche, die Kirche aber nur einen einzigen Bräutigam, nämlich Jesum Christum hat; so soll auch im heiligen Ehestande ein christlicher Ehegatte bloß seinen Ehegatten als solchen lieben. Wahrhafter Ehebruch ist es also schon, sobald man einer andern Person das Herz zuwendet, oder mit unreiner Luft ihrer( wenn auch nur innerlich in Gedanken) begehrt. Die Hurer aber und Ehebrecher wird Gott richten."( Hebr. 13, 4.) 11 - II. Pflichten der Hausväter und Hausmütter. Wie soll der Hausvater das Gute in seinem Hause befördern. Ein christlicher Hausvater soll die, in seinem Hause befindlichen Kleinen aus dem Katechismus, oder aus dem vorliegenden Büchlein ausfragen. Er soll alle ihm untergebenen Leute an den Sonnund Feiertagen fleißig zur heiligen Messe und zur christlichen Lehre schicken. Falls aber einer oder der Undere, um das Haus zu hüten, zu Hause bleiben müßte, so soll der Hausvater denselben Verhaltungsregeln. 141 ein anderes Mal mit sich in die Kirche und zur Christenlehre mitnehmen. Zur Zeit des Gottes= dienstes soll Keiner etwas verkaufen, damit Niemand von dem Lobe Gottes und von der Unhörung des göttlichen Wortes abgehalten werde. Denn wer so zuerst das Reich Gottes sucht, dem wird seine ganze Wirthschaft von Gott gesegnet werden.( Math. 6, 33.) Dieses sollen alle Wirthe, Schänker, Fleischhacker, Handwerker, Handelsleute und Krämer, besonders aber alle Obrigkeiten beherzigen, weil sie am Tage des Gerichtes insbesondere deßhalb dem gerechten Richter eine stren= ge Rechenschaft werden ablegen müssen. Sie sollen es gewiß glauben, daß jener Gewinn ganz unglückselig sei, den man zur Zeit des Gottesdienstes zum Verderben unsterblicher Seelen sammelt. Es ist auch ein lobwürdiger Gebrauch in manchen christlichen Häusern, daß sie an Sonn- und Feiertagen vor dem Mittagessen die Epistel und das Evangelium von einem ihrer Kinder vorlesen lassen. Ein christlicher Hausvater pflegt die Seinigen zu fragen, was sie in der Predigt oder Christenlehre gehört haben. Er wiederholt mit ihnen, was sie von ihren Seelsorgern gelernt haben. In einem wahrhaft christlichen Hause pflegt man auch an Sonn- und Feiertagen Nachmittags ein geistreiches, frommes katholisches Buch zu lesen, andächtige Lieder zu singen, und from. me Gespräche zu führen. Ein solches Leben zieht häufigen Segen Gottes nach sich, laut dem gött Verhaltungsregeln. göttlichen Versprechen: An einem jeden Ort, wo „ das Undenken meines Namens sein wird, will ich zu dir kommen, und dich segnen."( Exod. 20, 24.) 142 Der christliche Hausvater lehre auch seine Kinder, Dienstboten, oder andere Untergebene, während des Ankleidens und unter Tages folgende kurze, christliche Acte zu erwecken, und zwar: 1. Vor allem: das Zeichen des heiligen Kreuzes zu machen, und dann den schönen Spruch: " Jesus, Maria, Joseph! Euch schenke ich mein Herz und meine Seele," zu sprechen. Er lehre fie ferner beten: 2. Mein Gott, ich glaube Dich hier gegen=wärtig, ich bete Dich an, und liebe Dich aus ganzem Herzen; ich danke Dir für alle Wohl,, thaten, die Du mir verliehen hast, Ich opfere Dir alle Gedanken, Worte und Werke dieses Tages auf." 11 11 - 11 11 3. Ich nehme mir vor, alle heiligen Abläffe zu gewinnen, die ich heute gewinnen kann, und opfere sie zur größeren Ehre Gottes auf." Hierauf gewöhne er sie zu beten: 4. ,, Drei Ave Maria zu Ehren der Reinigkeit der seligsten Jungfrau; und alsdann:, Jungfrau Maria, meine Mutter und meine Hoffnung! ,, ich begebe mich unter Deinen Schuß, und will darunter leben und sterben. Befreie mich von der „ Sünde, und gib mir Deinen heiligen Segen." ( Eben dasselbe Abends.) Verhaltungsregeln. 143 5. Nachdem man sich zu Bette gelegt hat, spreche man mit Freuzweis über einander gelegten Armen: Ich muß sterben, und weiß nicht wann, und weiß nicht wie, und weiß nicht wo." 6. Wenn einer dem Undern begegnet, ſo grüße er ihn mit dem bekannten schönen Gruße: Ge. lobt sei Jesus Christus," oder: Gelobt sei Jes sus und Maria." 7. Im Augenblicke des Zornes spreche man: ,, Verflucht sei die Sünde," oder:„ Mein Herr " Jesu Christe! gib mir Geduld," oder: ,, Meine ,, Mutter Maria! behüte meine Zunge." 8. Bei bösen Gedanken und unreinen Versuchungen rufe man sogleich: Jesus und Maria!" und wenn es sein kann, so besprenge man sich mit Weihwasser. 11 9. Vor jeder Verrichtung, oder wenn die Uhr schlägt, bete man: Mein Herr! Alles geschehe für Dich." Vor einer Mahlzeit:„ Mein Herr! segne diese Speise und mich armen Sün" der."— Nach derselben: ,, Herr! ich danke Dir für diese Speise, die Du mir, Deinem undank ,, barsten Geschöpfe, gegeben hast." - 10. Vor dem Schlafengehen erforsche dein Gewiffen, bereue die Tünden, und bitte Gott um Verzeihung derselben. Bete auch gern für die armen Seelen! Der christliche Hausvater möge auch die Seinigen zu einer immerwährenden Verehrung des 144 Verhaltungsregeln. heiligen Kreuzes aneifern. Ist in tem Orte oder in der Kirche ein heiliger Kreuzweg, so ermuntere er die Seinigen zu dieser schönen, an den heiligen Abläffen so fruchtbaren Andacht des heiligen Kreuzweges. Wenn aber auch im Orte oder in der Kirche kein heiliger Kreuzweg wäre, so ist doch in einem jeden Orte, in einer jeden Kirche, ja in einem jeden chriftlichen Hause ein heiliges Crucifix, ja sogar auf den Feldern und Straßen sieht man öfters ein heiliges Kreuz. Er ermuntere also die Seinigen, nach einem jeden Fehltritte, oder in einer Trübfal, wo uns unser Kreuz zu schwer wird, geschwind auf das heilige Kreuz zu sehen, sich durch Jesum den Gekreuzigten wieder zu trösten und zu stärken. Darum wird es eine eben so schöne, als heilsame Gewohnheit sein, wenn der Hausvater hierin Allen selbst mit einem guten Beiſpiele voranginge, und täglich vor einem heiligen Kreuze spräche:, O mein aus Liebe zu mir gekreuzigter " Jesu! auch ich will Dir zu Liebe mein tägliches " Kreuz gern tragen, weil es der einzige Weg zu Dir ist.- O mein gekreuzigter Jesu! ich will diesen oder jenen Vorsag- künftighin besser hal" ten. Befestige ihn nur an Deinem heiligen Kreu11 uze. O mein gekreuzigter Jesu! Dir zu Liebe 11 „, keine keine Sünde mehr! O mein gekreujigter Jesu! Dir zu Liebe will ich gern leiden."- - 1 - Eine schöne und nüßliche Undacht ist es, zu Ehren der heiligen fünf Wunden Jesu Christi, fünf ,, Vater unser" und fünf Gegrüßet seist du Maria!" recht andächtig vor einem Kreuze zu beten. Verhaltungsregeln. 145 Wie soll ein chriftlicher Hausvater das Böse in seinem Hause ausrotten? Als christlicher Hausvater mußt du den Deinigen mit einem guten Beispiele selbst vorangehen. Wenn du selbst eine böse Gewohnheit z. B. die des Fluchens, an dir hast, wie wirst du die Deinigen beffern können, wenn sie an dir selbst noch diefelben Fehler sehen, die du an ihnen bessern willst!- Hast du also selbst eine böse Gewohnheit an dir, so mußt du dir selbst so lange eine kleine Buße, z. B. etwas zu beten, aufgeben, bis du dir die böse Gewohnheit wieder abgewöhnt hast. Löblich handelt der Hausvater, der strenge darauf hält, daß die Seinigen monatlich Einmal, wie auch alle hohen Fest- und Feiertage beichten und communiciren, weil dieses das kräftigste Mittel ist, alle Laster und bösen Sitten im Hause auszurotten. Er soll zusehen, daß Alle ihr Morgengebet vers richten, und wenn die Arbeit sehr dringend wäre, wenigstens ein kurzes, statt gar keines. Das Abendgebet aber sollen Alle zusammen verrichten, und ihr Ger wiffen dabei erforschen, wie sie nämlich den Tag zugebracht haben. Es soll ja teiner ohne wahre Reue und wahres Leid über seine Sünden zur nächtlichen Ruhe sich begeben. Das Gebet vor und nach dem Effen geschehe gemeinschaftlich. Es ist ein schö ner christlicher Gebrauch, der den Segen Gottes herabzieht, alle Samstage und an Vorabenden von den Mutter- Gottes- Festen nebst dem Abends - - 146 Verhaltungsregeln. gebete die Lauretanische Litanei und den heiligen Rosenkranz zu beten, und ein frommes Lied zu singen. 11 Ein christlicher Hausvater soll die Seinigen oft väterlich daran mahnen, wie wir Ulle einst sterben müssen, und es niemand wiffe, wann?- wo? und in welchem Stande?" Er erinnere ferner: wie die gegenwärtige Zeit nur dazu von Gott bestimmt sei, um unser ewiges Heil zu wirken, und wie schnell diese Zeit vergehe. Und daß wir sogar von einem jeden unnügen Worte,( ge= schweige erst von einem unkeuschen!) ja von einem jeden schlecht verwendeten Augenblicke strenge Rechenschaft werden ablegen müssen." Er toll ihnen oft die ewige Wahrheit vor Augen stellen; wie fo gar abscheulich die Sünde sei; daß es beffer fei, tausendmal zu sterben, als mit einer einzigen, auch nur läßlichen Sünde den heiligsten Gott freiwillig zu beleidigen; und daß man seine Sinne, besonders die Augen, Ohren und die Zunge recht im 3aum halten müsse, um nicht in eine Sünde zu fallen; wie herrlich aber derjenige werde gekrönt werden, der herzhaft allen bösen Einsprechungen auf der Stelle wiedersteht," - - Das müßige Herumschweifen, das Schwäßzen vor dem Hause, besonders des Abends, soll er den Seinigen nicht gestatten. Er soll wissen, wer sein Haus besucht, mit wem er redet, und was er in seinem Hause zu schaffen habe. Er soll nicht gestatten, daß Zwei oder mehrere zusammen eine Lagerstätte haben, auch nicht einmal Kinder, fobald sie das achte oder zehnte Jahr erreichen; aber Brüder und Schwestern durchaus nie. Berhaltungsregeln. 147 In einem wahrhaft christlichen Hause soll kein den guten Sitten gefährliches Spiel oder derlei Tanz geduldet werden. Die Tochter soll nie ohne ihre Mutter oder eine verlässige und bejahrte Person auf eine Hochzeit gehen, und von einer jeden erlaubten Lustbarkeit zeitlich zurückkommen. Sie soll auf keine Weise von einem Manne zur Nachtzeit nach Hause begleitet werden. Zu sittengefährlichen, gautlerischen Spielen laffe er die Seinigen nicht gehen. siednu#storasi Der Hausvater verbanne alle kegerischen und abergläubischen Bücher, Romane, Liebesgeschichten, unflätige Gemälde und Statuen aus seinem Hause. Er warne die Geinigen vor allem Uberglauben, und dulde kein abergläubisches Mittel Er soll in Seinem Hause wissentlich keine Sünde leiden, als nämlich: den Müssiggang, das Fluchen, Schwören, Uebelnachreden, unzüchtige Gespräche u. f. w. Er soll überall nachsehen, oder wenigstens Jemand haben, auf den er sich verlassen fann; er soll gegen alle im Hause ganz liebreich sein, aber nicht zu fremden Sünden schweigen; und ein solcher Hausvater wird bei dem strengen Gerichte Gottes sicher bestehen können. Er soll keis ne Feindschaften unter den Seinigen dulden, viele mehr soll er bemüht sein, daß sie die Liebe stets untereinander halten. Wenn christliche Weltern ihren Sohn oder ihre Tochter verehelichen wollen, so sollen sie mehr auf die christliche Tugand und den echten Glauben der Braut oder des Bräutigams sehen, als auf ihre Reichthümer. Nie sollen sie es erlauben, daß 9* -- 148 Verhaltungsregeln. die Verlobten vor der geschlossenen Heirath zu= sammen wohnen, oder allein ohne die Gegenwart der Weltern zusammenkommen. Die Mütter oder die Säugammen follen niemals die kleinen Kindlein in ihr Bett nehmen, damit sie durch eine folche Unvorsichtigkeit nicht etwa die Schuld an ihrem Tode haben. Wie soll sich der christliche Hausvater gegen die Dienstboten verhalten? Er soll ihnen das nächtliche Ausbleiben auf feine Weise gestatten noch auch, daß sie mit Perfonen des andern Geschlechtes allein zusammen wohnen, oder zusammenkommen. Er soll des Nachts das Haus wohl verschließen, und die Schlüffel zu sich nehmen. Er soll die Dienstboten, welche den Nebendienstboten, oder den Kindern des Hauſes gefährlich oder zum ergerniße werden können, aus dem Hause entfernen. Der Hausvater oder die Hausmutter sollen manchmal bei der Nacht nachsehen, ob alle Dienstboten, der erwachsene Sohn, die erwachsene Tochter, der Gesell, und überhaupt alle ihre Untergebenen zu Hauſe sind. Seid hierin lieber etwas zu strenge als zu nachsichtig, und gestattet überhaupt kein nächtliches herumschwärmen. Denn in diesem Falle ist jede Nachsicht ein Schwert, welches unsterbliche Seelen ermordet. O wie viele Kinder werden ihre Weltern, und wie viele Dienstboten ihre Herren und Frauen ewig in der Hölle verfluchen, weil fie gegen sie in diesem Punkte zu nachsichtig gewe sen sind. Verhaltungsregeln. 149 Der christliche Hausvater behandle alle seine Untergebenen mit gleicher Liebe, verfahre mit Allen als ein Vater, und nicht als ein Tyrann. Er halte sie nicht so übermäßig streng zur Arbeit an, daß er ihnen weder Morgens und Abends zu beten, noch an Sonn- und Feiertagen das Wort Gottes zu hören vergönne. Er forge in einer Krankheit für sie wie ein Vater. Er gebe ihnen immer zu der Zeit, als es ihnen gehört, ihren bedungenen Lohn, er gebe ihnen hinreichende Speise, und was sonst ihnen nothwendig ist; er sei überhaupt hierein mehr freigebig, als zu farg, so wird er sich immer treuer Dienstboten zu er freuen haben. Endlich soll auch ein christlicher Hausvater bei den Seinigen dahin trachten, daß sie die heiligen Abläße hochschäßen, und selbe den armen Seelen im Fegfeuer gerne zueignen; daß sie die katholischen Priester in Jesu Christo ehren, und von ihren Seelsorgern eine heilsame Ermahnung willig annehmen; endlich, daß sie die heilige, katholische, allein wahre und allein feligmachende Kirche als ihre theuerste Mutter lieben, und eher sterben, als ihrer heiligen Mutter untreu werden, die unser Herr Jesus Christus ihnen sterbend zum Testamente hinterlassen hat. Wie soll sich der christliche Hausvater gegen seine Nachbarn verhalten? Er menge sich nicht ohne Noth in ein fremdes Geschäft, das ihn nicht angeht. Er zeige gegen 150 Verhaltungsregeln. feinen nothleidenden nächsten ein mitleidiges Herz, und erzeige Allen eben dasselbe, was er sich und den einigen felbst wünscht. Er trachte immer, den Frieden zu erhalten, und gebe immer nach, fo lange es nur möglich ist; er vergleiche sich gern mit seinem Widerfacher, laffe lieber etwas fahren, und vermeide, so viel möglich, alle Rechtsstreite. Wie soll sich ein chriftlicher Hausvater gegen sich selbst betragen? Zähme alle deine unordentlichen Neigungen und Begierden. Glaube nicht starrsinnig deinem eigenen Kopfe und deiner eigenen Meinung. Berathe dich in zweifelhaften und in wichtigen Dingen mit einem erfahrnen und frommen Manne. Ergib dich weder dem Spiele, noch dem Trunke, vermeide darum, fo viel möglich, das Wirthshaus, sonst bringst du dein ganzes Haus in Schaden und Verwirrung. Sei in deinem Thun und Wandel herzhaft und beständig; laß dich von deiner Arbeit, die du lobwürdig angefangen hast, durch keine Beschwerniffe abschrecken. Liebe das Gebet. Urbeite, bete, leide gern aus Liebe zu Gott für dein und der Deinigen Heil, und der Gegen des Himmels wird mit dir sein! Wie soll sich eine christliche Hausmutter gegen ihre Kinder verhalten? 1. Als eine christliche Hausmutter mußt du auf das zeitliche und einige Wohl deiner Kinder möglichst bedacht sein. Du mußt ernstlich dafür sorgen, Verhaltungsregeln. daß die Frucht, die du unter deinem Herzen trägst, zur heiligen Taufe gelange. In dem Sustande der Schwangerschaft hebe keine schweren Lasten, bewege dich nicht unmäßig, effe und trinke nicht, was dir schaden könnte, enthalte dich aller heftigen Gemüthsbewegungen, als: des Zorns, der Traurigkeit u. f. w. und bedenke, daß es sich um die Erhaltung eines Menschen handelt, der zur ewigen Seligkeit von Gott erschaffen ist. Die kleinen Kinder nehme nicht in das Bett zu dir, wenn du schlafen willst. Viele Mütter haben es durch ihr ganzes Leben beweint, daß sie ihr kleines Kind zu sich in das Bett genommen, und dadurch an dessen Tode Schuld geworden sind; eben so wenig lasse aber auch die schon etwas herangewachsenen Kinder bei dir ihm Ehebette liegen. Es sollen aber auch die kleinen Geschwister, sobald sie über sieben und acht Jahre alt sind, nicht bei einander liegen; da durch wirst du vorbeugen, daß deine Kinder keinen Unfug mit einander treiben. Siehe auch öfters unbemerkt nach, was die Kinder in den Kam mern, Ställen und anderen heimlichen Winkeln treiben, damit du durch diese Sorgfalt manches Böse verhinderst. 151 2. Sobald du ein Kind zur Welt geboren hast, fage Gott Dank dafür, opfere es Ihm auf, und verspreche ernstlich, daß du es christlich zu einem Dienste erziehen wollest. Legit du das Kind in die Wiege, oder hebst du es von derselben auf, so bezeichne es mit dem heiligen Kreuze, und besprenge es mit heiligem Verhaltungsregeln.. Weihwasser. Sobald das Kind zu reden anfängt, so fange auch an, es beten zu lehren. Lehre es das heilige Kreuz machen, das Vater unser und den englischen Gruß beten. Lehre es:„ daß nur ein Gott fei in drei Personen; daß der Sohn Gottes für uns Mensch geworden ist, und uns durch Seinen Tod erlöst hat; daß Gott ein gerechter Richter sei, Der das Gute belohnt und das Böse bestraft." Sorge als eine christliche fromme Mutter, daß deine Kinder beim Aufstehen und Schlafengehen, vor dem Effen und nach demselben beten. Führe sie zeitlich in die Kirche, und gestatte ihnen dort kein unanständiges Betragen. Sage ihnen oft vor, was die heilige Königin Blanca ihrem kleinen Sohne Ludwig gesagt hat:" Mein Kind, ich wollte dich lieber sterben sehen, als daß du Gott mit einer einzigen schweren Sünde beleidigst." 3. Sind deine Kinder boshaft, ungehorsam, halsstörig, so fluche und schimpfe nicht wider fie, damit sie nicht von dir das Fluchen und das Zürnen lernen; sondern ermahne sie mit Ernst und beffern sie sich nicht, jo strafe sie mit der Ruthe, aber nicht im Zorne, sondern wenn du im Gemü the ruhig geworden bist. Wer die Ruthe spart, der liebt sein Kind nicht;" dies lehrt Gott in der heiligen Schrift. Wirst du deine Kinder in der Furcht Gottes und in guter Zucht auferziehen, so werden sie zu deinem Trofte zur Ehre Gottes und zur Freude der heiligen Engel aufwachsen. 11 4. In der Erziehung deiner erwachsenen Kinder mußt du deinem Mann helfen und gewissenhaft beistehen. 152 Verhaltungsregeln. Erlaube deinen Töchtern keine Bekanntschaften mit Personen des andern Geschlechts, keine Uusgänge zur Abends- oder Nachtzeit, keine Spaziergänge auf einfamen Wegen; laffe sie niemals mit Mannspersonen allein, und suche ihnen jede Ge legenheit zum Bösen abzuschneiden. Erziehe deine Töchter nicht zur Eitelkeit; und wenn du sie auch sauber und ihrem Stande gemäß kleidest, so ge= statte ihnen doch niemals einen frechen und lergerniß gebenden Anzug, wodurch du an der Verführung deiner Kinder und an dem Untergange vieler anderer Seelen Schuld sein könnteft. Du mußt deiner Tochter nie gestatten, daß sie mit einer Mannspersen ohne dein Wissen ein Eheversprechen eingehe. Hat aber deine Tochter einen Bräutigam, den sie mit deinem Wissen und Willen heirathen will, so gestatte dennoch nie, daß dieselbe mit ihm ganz allein zusammenkomme. 153 Was du gegen deine Töchter zu befolgen haft, ist auch von den Dienstmägden zu verstehen. Du mußt über sie ein sehr wachfames Auge haben und ihnen nichts gestatten, was ihren Seelen schädlich sein könnte. Uleberhaupt, geliebte Hausväter und Hausmütter, Ueltern und Vorgesetzte! merkt es euch wohl: Für eben so viele Seelen, als eurer Aufsicht und Obhut anvertraut sind, müßt ihr auch treulich wachen und sorgen, und einst Rechenfchaft ablegen bei Gott; also lehrt der h. Apostel Paulus an die Hebräer.( 13, 17.) Ihre Seelen sind also erkauft durch das theure Blut Jesu Christi. Kann eine Verhaltungsregeln. Verantwortung größer sein, als dieſe ist, sich verantworten müssen über den Mißbrauch des theuren Werthes des Blutes Jesu Christi? 154 III. Pflichten der Kinder gegen ihre Aeltern ,, Ehre Bater und Mutter, auf daß du lange lebest und es dir wohlgehe auf Erden, also spricht Gott."( Exod. 20. 12.) 1. Du bist als Kind deinen Weltern christliche Ehrfurcht schuldig. Kein Stand, kein 2mt, in dem du stehst, kann dich von dieser Pflicht entschuldigen. Gib deinen Ueltern immer gute und höfliche Worte, auch wenn sie ungerecht gegen dich handeln; fahre sie niemals mit gros ben, trogigen, nurrenden Reden an; gib ihnen nie Spottnamen; verachte sie nicht, schäme dich nie ihrer Unwissenheit oder ihrer Armuth, oder ihres geringen Standes. Hat Sich ja doch der Sohn Gottes Seiner armen Mutter und Seines armen Nährvaters nicht geschämt, warum ſolltest du dich deiner armen Ueltern schämen, oder sie gar verachten? 2. Du bist deinen Weltern den pünktlichsten Gehorsam, und zwar in allen Dingen schuldig, die nicht wider den Willen Gottes sind. Folge ihnen ganz besonders, wenn sie dir befehlen, was für dein Seelenheil gut ist, und dir verbieten, was deiner Seele schädlich ist. Du weißt es ja, mein liebes Kind! welch' eine Verantwortung bei Gott sich jene Weltern zuziehen, Verhaltungsregeln. 155 die ihre Kinder nicht zum Guten anhalten; warum wolltest du es also deinen lieben eltern übel nehmen, wenn sie ihre Schuldigkeit, die ihnen ihr Gewiffen befiehlt, thun, und dich zum Guten anhalten? Wolltest du denn, daß deine deinetwegen ihre Seelen auf ewig in der Hölle büßen müßten? eltern verlieren und 3. Du bist deinen Weltern die zärtlich ste Liebe schuldig. Nach Gott sind deine Weltern deine größten Wohlthäter. Wie viel Ungemach, Krankheiten und Schmerzen hat nicht deine Mutter deinetwegen ausgestanden, noch bevor sie dich zur Welt gebracht hat? Wie lange hat sie dich nicht auf den Armen getragen, mit ihrer Milch ernährt, mit Mutterliebe gepflegt und besorgt, und wie viele Nächte hat sie nicht deinetwegen durchwacht? Wie viele Mühe und wie viele Sorgen hast du nicht deinem Vater gekostet, damit er dich ernähren, kleiden und erziehen konnte? Sieh! Gott Selbst ruft dir in der heiligen Schrift zu( Eccl. 7, 29.); Ehre deinen Vater von ganzem Herzen, und vergiß nicht der Ceufzer deiner Mutter. Gedenke, „ daß du ohne sie nicht geboren wäreft, und vergilt ihnen, was sie an dir gethan haben." Mein liebes Kind! bedenke, daß der Fluch Gottes über dich und deine Kinder herabkommt, wenn du deine Ueltern lieblos behandelst, etwa gar schlägst, oder sie vollends verstoßest, und dich ihrer Noth nicht erbarmest. Denke an die Beispiele der Heiligen; stelle dir einen frommen Tobias, einen ägyptischen Joseph und andere Heilige, als Beis 156 Verhaltungsregeln. spiele der findlichen Liebe vor Augen, und behers zige es wohl, daß Gott alle frommen Kinder, wegen ihrer kindlichen Liebe, hiernieden reichlich ge= fegnet und jenseits ewig beglückt hat. 4. Ohne Wiffen und Gutheißen der Weltern tritt ja keinen Stand an, am wenigsten den Ehes stand, es müßten nur sehr wichtige Gründe dich bewegen, anders zu handeln. Hilf deinen Ueltern, so viel du kannst, in ihrer Haushaltung, greife ihnen unter die Urme, verringere ihre Sorgen, verlaffe sie nicht im Alter, und wenn sie mühselig und elend sind, entziehe ihnen nichts, was du ihnen aus besonderer Vers pflichtung schuldig bist im Gegentheile, versorge ste mit ihren Bedürfnissen, so viel du vermagst, auf das Reichlichste, damit dich Gott segne. Stehe ihnen in jeder Krankheit bei, warte ihrer mit möglichster Liebe, rufe den Arzt zu Hilfe, und versäume ja nicht, sie bei Zeiten mit den heili. gen Sterbe: Sacramenten versehen zu lassen. Nach ihrem Tode laffe sie ihrem Stande gemäß ehrbar begraben, und sorge dafür, daß ihren armen Seelen durch Gebet, heilige Messen und Almosen geholfen werde. Vollziehe genau ihren legten Willen, bete täglich für sie, besuche zuweilen ihr Grab, um dort für sie zu beten, und befleißige dich, durch ein frommes Leben deine guten Neltern auch im Grabe zu ehren. Verhaltungsregeln. 157 IV. Pflichten der Dienstboten und aller Untergebenen. 11 11 - 11 " 1. Ihr Knechte und Diener! feid euren Herren gehorsam mit Furcht und Zittern, in Einfalt eures Herzens, wie Jesu Christo; mit gutem ,, Willen, gleichwie dem Herrn; weil ihr wisset, daß ein Jeder, je nachdem er Gutes thut, auch von dem Herrn empfangen wird."( Ephes. 6, 5.) Da= her, wenn du, mein christlicher Dienstbote, oder du Untergebener, bei eurem Herrn oder Frau, bei eurer Herrschaft oder Obrigkeit auch augenscheinliche Laster sehen würdet, so thuet doch Ulles, was fie euch befehlen, aber nach ihren fündhaften Wer= Een thuet nicht. Ihr Knechte, seid den Herren mit aller Furcht unterthan, nicht allein den guten und bescheidenen, sondern auch den unbescheidenen."( 1. Petr. 2, 18.) Sollten sie euch aber etwas Sündhaftes befehlen, oder euch zum Bösen anhalten, so folget ihnen nicht, sondern widersteht allem Bösen; denn Menschengunst dauert von heute bis morgen, aber Gottes Gnade dauert in Ewigkeit. Fürchtet euch nicht von denen, die den Leib tödten, die Seele aber nicht tödten können, sondern fürchtet euch vielmehr vor Dem, der " Seele und Leib in den ewigen Untergang werfen kann."( Matth. 10, 13.) Berlaffe lieber sobald als möglich einen solchen gefährlichen Dienst, und denke, was nügt es mir, wenn ich die ganze Welt gewänne, aber meine unsterbliche Seele verlöre. 11 11 11 Verhaltungsregeln. 2. Vergeffet nicht, daß die Menschen, als Kinder Adams und Eva, zur Arbeit geboren find. Lasſet euch also gern zu aller Arbeit brauchen. Wer fleißig arbeitet, hat nicht viel Zeit zum Sündigen, und ist voll des himmlischen Segens, wenn er bei der Arbeit öfters sich denkt oder sagt: ,, Dieſe Arbeit Gott zu Liebe!" Wer so arbeitet, mit einer solchen guten Meinung, der betet immer. Ein schöner lobwürdiger Gebrauch wäre es, wenn ihr eure Ar. beiten durch fromme Lieder versüßet; aber um euer Seelenheil willen, nur nicht durch unkeusche! 158 Kein übles Nachreden, keine Klätscherei follet ihr je befördern, kein falsches Zeugniß soll aus eurem Munde kommen. Um Gottes willen untersteht euch nicht, einem Undern, besonders einem Kinde vom Hause, oder einem Nebendienstboten oder Mitdienenden zur Unkeuschheit, oder zum Diebstahl, oder irgend einer andern Sünde zu helfen, oder zu rathen, oder dazu zu schweigen; sonst werdet ihr einst als wahre Seelenmörder von dem lebendigen Gott gerichtet werden. Bewahret euch selbst vor diesen Lastern, und meidet daher ſorgfältig alle Gelegenheiten oder gefährlichen Zusamn= menkünfte. Meidet alle Trunkenheit, sonst wers det ihr bald zeitlich und ewig verderben. - Heiliget besonders die Sonn- und Feiertage und erwäget öfters ein bischen ernstlich bei euch, was es einem armen Dienstboten, Gesellen oder Diener helfe, wenn er auch wöchentlich, sauer genug, etwas weniges Geld gewinnt, wofern er, besonders an Sonn- und Feiertagen, durch aus Verhaltungsregeln. 159 gelassene und unzüchtige Reden, durch Spiel und Trunk, durch Tanz und Muthwillen, oder sonst durch andere Sünden die theure Freundschaft Jesu Christi, das Himmelreich, und den so nothwencigen Segen Gottes verscherzen würde? V. Betragen lediger Personen. „ Das ist der Wille Gottes, eure Heiligung; daß ihr euch von der Unzucht enthaltet, und daß ein Jeder unter euch sein Gefäß in Heiligung und Ehren zu besigen wisse, nicht aber in un geziemenden Lüften, wie die Heiden, die von Gott nichts wiffen."( Thessal. 4. 3. 5.) 1. Nichts entehrt den ledigen Stand so sehr, als das Laster der Unkeuschheit. Nach den Grundsägen der Weltkinder wird dieses Laster entweder für gar keine Sünde, oder für etwas Unbedeutendes oder gar nur für eine Schwachheit der Natur gehalten. Ganz anders aber lehrt uns der heil. Blaube, die heil. Religion Jesu Christi. Sie lehrt uns, daß dieses thierische Lafter Gott als unsern höchsten Herrn, entehrt, Jesum Christum, als unsern Erlöser und unser Haupt, schändet, daß es den heiligen Geist, als unsern Heiligmacher, entweiht. Der Unteusche entert Gott, seinen höchsten Herrn; denn er macht aus dem Gegenstande feiner Leidenschaft einen Gößen oder Abgett, den er gleichsam anbetet; der Unfeusche opfert feiner schändlichen Leidenschaft seine Ruhe, seine Gesundheit, seine Ehre, sein Vermögen, die Gnade Gottes und das Leben seiner Seele auf Gott ist nicht mehr Herr seines Herzens; 160 Verhaltungsregeln. sondern ein Geschöpf ist es, dem er alle seine Ge danken und Begierden aufopfert. Ist dieß nicht ein großes Laster, ein abscheulicher Undank gegen Gott? Der Unkeusche entehrt Jesum Christum, Der unser Haupt und Erlöser ist. ,, Wiffet ihr nicht daß eure Leiber Glieder Christi sind? Darf ich ,, denn die Glieder Christi nehmen und sie zu Hurengliedern machen?" also schreibt der Welt. apostel.( 1. Corinth. 6. 15.) Sind wir nicht durch die Taufe Kinder Gottes, Brüder Jesu Christi, Miterben des Reiches Seines himmlischen Vaters und Glieder Seines Leibes geworden? Wie abs scheulich handelt also der Unkeusche mit den Gliedern Jesu Christi? - 11 Die Sünde der Unkeuschheit entehrt endlich den heiligen Geist. Wisset ihr nicht," spricht der Upostel( 1. Corinth. 6, 16.), ,, daß eure Glieder ein Tempel des heiligen Geistes sind, Der in euch ist?" Ein Christ aber, der eine Sünde wider die Keuschheit begeht, der verstößt den heiligen Geist aus seinem Herzen, und räumt den unreinen Geiste einen Plaß ein. 2. Damit du aber, o Jugend! die Schwere dieser Sünde noch deutlicher einsehest, betrachte die Züchtigungen, mit denen Gott die Sünde der Unreinigkeit bestraft. Eröffne die Bücher der heis ligen Schrift, und du wirst finden, wie Gott eine allgemeine Ueberschwemmung über die Erde geschickt hat, und wie alle Menschen, mit Ausnahme der einzigen Familie des Noe, von den Wässern verschlungen worden sind, und daß die Unkeusch Verhaltungsregeln. 161 heit jenes entfeßliche Laster war, dessen sich die Menschen schuldig gemacht hatten, und weßwegen sie Gott so scharf bestraft hat. Du wirst ferner finden, wie einige Zeit nach diesem schrecklichen Ereigniße, durch Feuer und Schwefelregen alle Häuser und alle Einwohner der Städte, Sodoma, Gomorrha und noch drei anderer verbrannt und in Asche verwandelt wurden. Und welches Lafter haben die Einwohner von Sodoma und Gomorrha begangen, daß sie die göttliche Strafe auf so furchtbare Weise gereizt haben? Das Lafter der Unkeuschheit. Vierzig Tausend Ifraeliten fanden auf Befehl Gottes in der Wüste den Tod, weil sie mit den Töchtern der Moabiter sich verfündigt hatten.( 4. Buch Mof. 5.)- Her und Onan wurden ihrer Unenthaltsamkeit wegen mit dem Tode bestraft.( 1. Buch Mos. 38.)- Die sieben Männer der Sara wurden zur Strafe dieser Sünde von dem Teufel erwürgt.( Tob. 3.) Kann man also eine Sünde, die mit so vieler Strenge von einem unendlich heiligen, gerechten Richter bestraft wird, noch als eine Kleinigkeit oder eine ganz verzeihliche Schwachheit ansehen? Aber alle diese Strafen, so schrecklich sie auch sind, können doch nicht mit jenen in Vergleich ge= stellt werden, welche Gott den Unzüchtigen für das andere Leben aufbewahrt hat. Daher legte auch die h. Kirche in allen Zeiten auf die Sünde der Hurerei eine siebenjährige Buße, und eine fünfzehnjährige auf einen Ehebruch. 10 Verhaltungsregeln. 3. Diese Sünde ist aber auch deßhalb sehr gefährlich, weil Alles, was wider die Reinigkeit geschieht, wenn es mit Ueberlegung geschieht, gleich eine Todsünde ist. Wenn du z. B. eine kleine Lüge begehst, oder dich etwa erzürnteft u f. w., so ist das nicht gleich eine Todsünde; sobald du aber wider die Reinigfeit freiwillig fündigt, und wäre dies auch nur mit einem einzigen Gedanken, so ist dies schon eine schwere Sunde. Das Herumreißen, Scherzen, Untasten zwischen Personen verschiedes nen Geschlechtes ist fast nie chne Todsünde. 162 4. Bedenke es demnach, liebe Jugend! wie viele Cünden wider die Reinigkeit in Gedanken und Begierden be angen werden können, wenn Personen verschiedenen Geschlechtes in einem Zimmer, in einer Kammer oder an irgend einem abs gesonderten Orte sich bei einander aufhalten. Was geschieht nicht bei dem nächtlichen Heimgehen vom Tanje, oder aus den Wirthshäusern? -Was geschieht nicht im emmer auf den Weis den und in einsamen Wäldern? Uber Gott sieht Alles und richtet. - M Selbst wenn du ganz allein bist, so bedenke, taß Gott dich sieht, und daß dein Leib ein Tempel Gottes ist, den du heilig halten sollst. Endlich, liebe Jugend mache ja niemals blindlings ohne Wissen und Willen deiner Ueltern ein Eheversprechen. Wie verdammlich vor Gott und den Menschen ist nicht ein solches Winkelvers sprechen? Was sind die traurigen Folgen dessel Berhaltungsregeln. 163 ben? Man kommt unter dem Vorwande künftiger Ehe oft zusammen, und wird vertraulich, keck, frech, und endlich erlaubt man sich unter dem Vorwande der künftigen Ehe, Ulles zu thun. Lediger Jüngling! lediges Mädchen! Willst du den Ehestand antreten, so tritt ihn christlich an: 1. Bitte Gott, Er möchte dich in der Wahl deines künftigen Gatten oder deiner Gattin erleuchten. 2. Siehe nicht so viel auf das Vermögen, wie auf die gute Aufführung. 3. Frage deine Weltern oder andere erfahrene Personen um Rath. 4. Selbst nach gethanem Eheversprechen, so lange du nicht vermählt bist, entferne jede böse Gelegenheit und jeden unreinen Gedanken von dir. 5. Vor deiner Vermählung verrichte eine gute Beicht, und wenn du kannst und es sich leicht thun läßt, so verrichte eine Generalbeicht, damit du den Ehestand recht heilig antretest. Ueberhaupt suche, o liebe chriftliche Jugend! dein Herz und deinen Leib rein zu halten.„ Glückfelig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott anschauen;" also sagt Jesus Christus. 11 Wie sollen sich besonders chriftliche Jungfrauen verhalten? Die Unschuld ist dein edelster Schaß, o Jungfrau, hier auf Erden. Du sollst lieber sterben, als 10* 164 Verhaltungsregeln. diesen kostbaren Schaß verlieren wollen. Damit du ihn nicht verlierest, meide jegliche Gefahr, die dich um dieses dein höchstes Gut bringen könnte. Kämpfe wie eine Heldin in jeder Ges fahr, der du nicht ausweichen kannst, für die Gr haltung deines keuschen Sinnes. Wende alle mög lichen Mittel an, um deine Keuschheit stets rein und unversehrt zu erhalten. Ich will dir die Gefahren deiner Unschuld zeigen.. Die gefährlichsten Feinde deiner weiblichen Tugend, die du besonders meiden mußt, sind: 1. Eitelkeit oder übertriebene Begierde, der Welt zu gefallen. Laß es dein erstes Streben sein, Gott zu gefallen. Gefällst du Gott, so gefällst du dem gan zen Himmel und allen guten Menschen. Suche als eine edle Jungfrau in den Augen Gottes und nicht vor den Menschen schön zu sein. 2. Eitelkeit im Anzuge. Die Zierde des weiblichen Geschlechts," schreibt der h. Apostel Petrus( 1. Brief, 3.), muß nicht fein gekräufeltes Haar, goldner Schmuck, prächtige Kleidung fein, sondern der innere verbor" Gene Herzensmensch, in dem unverrückt stillen und bescheidenen Geiste, der im Auge Gottes reich ist." Ein frommes Mädchen will nicht durch die Farbe und Schönheit ihres Gewandes die Augen auf Verhaltungsregeln. 165 sich ziehen, und sucht nicht durch eitlen Pug, neue Mode, durch halbe Bedeckung des Leibes sich Achtung und Versorgung zu verschaffen. Die Holdfeligkeit ist betrüglich, und die Schönheit ist eitel; aber das Weib, das den Herrn fürchtet, foll gelobt werden;" also lehrt der heil. Geist.( Sprichw. „ 3, 30.) Geliebte Jungfrauen! seid ihr hierin zu weit gegangen, ſo laßt euch ermahnen und bessert euch. Hört, was selbst im Heidenthume die Sittsamkeit der Weiber in der Kleidung für einen schönen Erfolg satte: 3u Crotona, einer Stadt in Italien, hatte um das Jahr 529 vor Christi Geburt tas Sittenverderbniß so überhand genommen, daß der gänzliche Verfall dieser Stadt sehr nahe war. Pythagoras, ein weifer Lehrer jener Zeit, stellte den Einwohnern die nahe Gefahr so lebhaft vor Augen, daß sie sich zur Besserung entschlossen. Den ersten Schritt dazu machten die Frauen. Sie legten alle miteinander an einem Tage ihre Kostbarkeiten und die mit Gold durchwirkten Kleider ab, gingen in den Tempel und gelobten feierlich, sich in sitt ames Gewand ju kleiden, und ihren wahren Schmuck in der Keuschheit und Tugend zu suchen. Da kehrte Häuslichkeit und Ordnungsliebe in die Familien zurück; dies legte den Grund zur beffern Kinderzucht, und der Staat war gerettet. Seht, was Frauentugend vermag, und wie wichtig für gute Sitten die Ehrbarkeit der Frauen im Unzuge ist. 10** Verhaltungsregeln. 3. Unvorsichtigkeit in Blicken, in Geberden und Worten. 166 Halte dicho Jungfrau! an das Muster, das der heilige Umbrosius von der seligsten Jungfrau Maria aufstellt. Er sagte:„ Sie hat nichts Un freundliches in den Augen, nichts Freches in den Worten und nichts Ausgelassenes in ihren Handlungen." Dein Auge sei fittsam. Nicht umsonst betete David( Psalm 118, 37.): ,, Herr! wende meine Augen ab, damit sie nicht Eitles sehen." Der heilige Jüngling Aloisius war Jahre lang zunächst um die Königin von Spanien und wußte nicht, wie sie aussah. men de Deine Rede sei sparsam und ehrbar. Viel Reden" sagt Salomo, geht nie ohne Sünde ab." 4. Böse Gesellschaften. Böse Gesellschaften verderben gute Sitten, und wer Pech anrührt, wird davon besudelt." ( Syrach, 13, 1.) Tänze, Bälle, Schauspiele sind für eine Jungfrau gefährlich und verderblich. Bei dem üppigen Tanz stirbt die Unschuld, im Heimführen wird sie begraben. Der erste Schritt auf den Tanzboden ist -bei den Meisten der erste Schritt zur Verführung. Gehe, o Jungfrau! des Abends nicht allein aus, meide jene Gesellschaften, Zusammenkünfte und 71 Verhaltungsregeln. 167 Unterhaltungen, wo deine Schamhaftigkeit errö then muß, wo es unehrbar zugeht. 5. Leichtfertiger Umgang mit dem andern Geschlechte. Schnell wird ein Funke in das Herz geworfen, der Funke wird zur Flamme, und die Flamme brennt und verzehrt. Traue nie einer blinden Neigung für eine Person; denn sie ist blind und macht blind. Nur die Flucht kann dich retten. Sei ohne Noth nicht allein mit einer Mannsperson. Traue nicht; denn: wer die Gefahr liebt, kommt darin um."( Syrach, 3, 72.) Nimm keine Geschenke von einem Manne, verkaufe nie den kostbaren Schaß deiner Unichuld, man möge dir was immer anbieten. Bedenke, daß Gott reicher ist, und dir etwas Schöneres im Himmel geben wird. Wehre dich, wenn deiner Tugend Gefahr dreht, wie eine Heldin; rufe und schreie um Hilfe. Laß dich lieber umbringen, als daß du in eines Verführers boshaftes Begehren einwilligest. Und sollte er dir drohen, daß er dir oder sich das Leben nehmen wolle, so fürchte dich nicht, und sage ihm herzhaft in's Gesicht, du wolltest nicht seiner wegen ewig verdammt werden. - Bist du in deiner Weltern Hause vor einer darin wohnenden Mannspersen nicht sicher, so fage es ihnen, damit eine solche Person aus dem Hause entfernt werde. Bist du im Dienst, und stellt Jemand deiner Unschuld nach, so klage es deinem Dienstherrn; hilft er nicht ab, so gehe aus 168 Verhaltungsregeln. dem Dienste. Es ist besser, du leidest jegliche Nachrede, Armuth und Verfolgung, als daß du als eine strafbare Sünderin in die Hände des lebendigen Gottes fallest. Zur Nachtszeit verschließe deine Kammer, gib keiner verführerischen Stimme Gehör, und gedenke in deinem Herzen: O Jesu, bleib bei mir! Dir will ich leben und sterben." Bewohnest du deine Kammer mit einer andern Weibsperson, welche deines Wissens mit Personen des andern Ges schlechtes eine unerlaubte Bekanntschaft hat, so ermahne sie, und wenn nichts hilft, so zeige es deinem Dienstherrn an, damit nicht etwa auch du selbst durch sie verführt werdest. Denke an die Zufunft und an die späte Reue, der dich ein unkeu. sches Leben zuführen würde. Ueppige Jugend bringt ein trauriges Alter. Trachte dahin, daß du als eine Jungfrau, würdig des Jungfrauenfranzes, an deinem Ehrentage vor dem Ultare Jesu Christi erscheinen könnteft, oder wenn du ledig bleiben willst, daß du den jungfräulichen Schaß mit in's Grab nehmest, und dich des Jungfrauenkranzes ewig im Himmel erfreueſt. Da 8 heilige Sacrament der Buße. Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist Er( Gott) getreu und gerecht, daß Er uns unsere Sünden vergebe, und uns von aller Ungerechtigkeit reinige.( 1. Joh. 1.) Gott, welcher reich an Erbarmung ist und die Schwachheit der menschlichen Natur kennt, ist immer bereit, den Sünder, der sich aufrichtig bekehren will, in Seine Gnade aufzunehmen. Aus diesem Grunde Seiner unendlichen Barmherzigkeit hat Gott das heilige Sacrament der Buße eingesegt, um denjenigen das Leben der Gnade wieder zu geben, die es nach der Taufe verloren haben. Dieses Sacrament ist für den, nach der Taufe wieder in die Todsünde gefallenen Menschen das einzige Rettungsinittel von dem ewigen Tode. Bei jedem Sacramente ist zu berücksichtigen: 1: Das äußere sichtbare Zeichen, 2. die unsichtbare Gnade, 3. der Ausspender, und 4. die Einsegung Jefu Chrifti. Das äußere sichtbare Zeichen der un sichtbaren Gnade bei dem heiligen Buße Sacra2 170 Das heilige Buß- Sacrament. mente sind die Worte der Lossprechung, die der Priester über den Beichtenden spricht: Ich spreche dich los von deinen Sünden im Namen des Va,, ters, des Sohnes und des heiligen Geistes;" dann die äußerlichen Zeichen des innern Schmerzes des Büßers über seine Sünden. 2. Die unsichtbare besondere Gnade dieses Sacraments ist die Nachlassung der Sünden. 3. Nur die Priester allein sind die Aus spender dieses heiligen Sacramentes; sie müssen aber vom Bischofe eine eigene Bestimmung dazu oder die geistliche Gerichtsbarkeit erhalten. 4. Den Aposteln, und folglich auch ihren Nachfolgern, den Bischöfen und ihren Gehilfen, den Priestern, gab Jesus Christus die Gewalt, Sünden nachzulaffen, mit folgenden Worten: Nehmet hin den heiligen Geist! denen ihr die Sünden nachlaffet, denen sollen sie nachgelaffen sein; denen ihr sie vorbehaltet, denen sollen sie ,, vorbehalten sein."( Joh. 20. 22.) 11 Mit diesen Worten hat Jesus erklärt, daß Er den Vposteln und ihren rechtmäßigen Nachfolgern im Upostelamte die Gewalt durch den heiligen Geist ertheile, ein richterliches Amt über die Sünden der Menschen auszuüben. Jene, die sie lossprechen würden, sollten auch von ihm losgez sprochen sein; denen sie aber die Lossprechung vorbehalten würden, denen sollten ihre Sünden auch vorbehalten sein. Das heilige Buß- Sacrament. 171 Das Erlassen der Sünden und das Vorbehalten derselben kann aber nicht in der Willkür des Priesters sein; sondern der Priester muß den Zustand des Sünders kennen, wenn er einen Richterspruch über ihn fällen soll; denn wie könnte er sonst eine richterliche Entscheidung machen, wenn er nicht einmal wüßte, was der Sünder verbrochen hat. Der Sünder ist also, kraft dieser Worte Jesu Christi, verbunden, seine Sünden dem Priester zu erkennen geben, das heißt: zu beichten, und sich von ihm nach deffen priesterlicher Vollmacht richten zu lassen. Die Beicht ist also einer der wichtigsten und wesentlichsten Theile des heiligen Buß Sacramentes. Wirkungen dieses heiligen Sacramentes. Die Wirkungen und Vortheile dieses heili gen Sacramentes sind fast nicht zu berechnen. Man kann mit dein römischen Katechismus sagen, daß wir fast alle Frömmigkeit, Heiligkeit und Re: ligiösität, die durch die Barmherzigkeit Gottes im Christenthume ist, der sacramentalischen Beicht zu danken haben. Insbesondere wirkt es: 1. Die Nachlassung der Sünden.- Wenn der Büßer seine Bergehungen aufrichtig und reumüthig gebeichtet hat, und der Priester über ihn die Hand ausstreckt und sagt:" Ich spreche dich los von deinen Sünden;" so sind von diesem Augen 172 Das heilige Buß- Sacrament. blicke bei Gott alle Misfethaten des Sünders für die ganze Ewigkeit verziehen. O welch' ein Trost im Tode und am jüngsten Gerichtstage für einen Gün: der, welcher seine Vergehungen recht gebeichtet hat! 2. Es ertheilt dem Sünder die heiligmachende Gnade, die Feundschaft Gottes und das Recht auf das Himmelreich wieder. Wie schmerzlich ist nicht den Menschen wohl der Verlust der Gunst eines Großen, der Mangel irdischer Güter, die Feindschaft mit einem Mächtigen? Wie kann man denn also den Verlust Gottes und des Himmels mit unbekümmerten Augen ansehen? - 3 Wirkt dieses Sacrament die Nachlaffung der ewigen Strafe.- ,, Un Jenen, die in Christo sind"( die durch die Gnade Gottes wieder geboren sind), ist nichts Berdammliches mehr," lehrt der heilige Paulus. 4. Es wirkt, daß die Verdienste der vorigen guten Werke, die man im Stande der Gnade vers richtet, wieder aufleben.- O welch' ein Gnadenschag ist die Wiedererlangung aller vorigen guten Werte! Wie viel Mühe wendet man nicht an, um verlorne zeitliche Güter wieder zu erhalten; was soll uns also schwer fallen, um die Güter des ewigen Lebens zu erringen? 5. Es ertheilt die Stärke und göttliche Kraft, uns vor dem Rückfalle in die Sünde zu bewahren, und macht uns in der Tugend beharrlich.- 0 wie viele Sünder haben nicht in diesem Sa Das heilige Buß- Sacrament. 173 cramente die sicherste Schußwehr gegen ihre Lei. denschaften, und die beste Heilung ihrer geistigen Wunden gefunden! 11 6. Es ertheilt dem Menschen den verlornen Seelenfrieden und die Ruhe des Gewissens wie= der. Der heilige Geift bestätigt es, daß die ,, Gottlosen keinen Frieden haben, und daß ihr Leben voll von Mühseligkeiten und Schmerzen sei." Wie viele haben es nicht an sich erfahren, daß sie indem sie vor der Beicht wie in einer Hölle der Angst und Verirrung lebten, nach ertheilter Loss sprechung einen so großen Trost empfanden, daß sie glaubten, im Paradiese zu sein. - 7. Es ist auch von unaussprechlichem Nugen für die ganze menschliche Gesellschaft, um darin Ruhe, Frieden und Gerechtigkeit zu erhalten. Wie viele Sünden der Ungerechtigkeit, der Unlauterkeit, wie viele Feindschaften werden da nicht unterdrückt, Wenn in einem Jahrhunderte große Lafter die Menschheit verwüsten, so ist es gemeiniglich dann der Fall, wenn die heilige Beicht, verachtet und schlecht verrichtet wird. Ueber welche Gemeindeglieder haben eifrige Seelsorger am meisten wegen ihrer Lafter zu klagen? Ge= meiniglich über jene, welche sehr selten, oder gar nicht zur Beichte gehen. Diejenigen Scheinchriften, welche kaum im Jahre ein Mal, und da mit eiskaltem Herzen zur Beichte geben, sind gewöhnlich auch sehr lasterhaft und gottlos. Dominicus Soto, Beich tvater des Kaisers Earl V., deffen Zeugniß man nicht in Zweifel ziehen kann, erzählt: - - - 174 Das heilige Bußs Sacrament. daß die Stadt Nürnberg, nachdem sie zu der Pars tei der Ukatholischen übergegangen waren, eine Gefandtschaft an den Kaiser abschickte, durch welche ihre Bewohner ihn baten, vermöge eines kaiſerlichen Befehls die Ohrenbeicht bei ihnen wieder einzuführen; weil, wie sie sagten, die Erfahrung Elar beweise, daß, seitdem die Beicht bei ihnen aufgehoben sei, so ungeheure Lafter begangen werden, daß man noch niemals dergleichen Gräuelthaten gesehen habe. Um dieses heilige Sacrament gehörig zu empfangen, werden folgende Stücke erfordert: 1. Die Erforschung des Gewissens. 2. Die Reue und der Vorsaß. 3. Die Beicht. 4. Die Los iprechung des Priesters. 5. Die Genugthuung. 1. Von der Gewissenserforschung. Inte Das Haupthinderniß einer wahren Bekehrung ist die Nichtkenntniß feiner selbst. Man kennt fich selbst nicht, man sucht sich selbst zu täuschen, indem man sich einbildet, dies oder jenes sei keine Sünde. Viele Christen leben in einer sträflichen Unwissenheit der Gebote Gottes und der Pflich ten ihres Standes, leben wie in einem Taumel zwischen niedrigem Suchen und Gelüsten; in einer ekelhaften Lauheit und Sorglosigkeit gegen Alles 175 Das heilige Buß- Sacrament. Geistliche und Göttliche, so, daß sie alle ErFenntniß Gottes und ihrer selbst verlieren; und sind sie gerade feine Mörder und Diebe, haben sie etwa noch eine natürliche( auch den Heiden eigenthümliche) Tugend, und wenn sie sich auch den schönen Namen rechtschaffener und untadelhafter Leute beilegen, so sind sie doch nichts we= niger, als Gott wohlgefällige Leute oder gute Christen. Solche wissen, wenn sie beichten sollen, sich keiner Sünde schuldig. Vielleicht sind sie unschuldig und fündenlos? 2ch nein!- Es fehlt ihnen nur an der wahren Erkenntniß ihrer selbst, weil sie die aufrichtige Erforschung ihres Gewissens gänzlich außer Acht lassen. Und welche sind denn gewöhnlich jene Christen, die in ihren eigenen Augen so rechtschaffen sind? Meistens solche, welche immer nur einmal im Jahre beichten, oder vielleicht gar seit mehreren Jahren nicht gebeichtet haben, und die in völliger Vergessenheit ihrer Pflichten dahin leben; ja auch wohl Andere noch mit den Worten verführen:„ Ei, das und das ist keine Sünde!"- oder:„ Ich will es schon auf mich nehmen;" oder:„ Ich muß es auch verstehen." Alle diese, wenn sie der Beichtvater durchforscht, und sie redlich sein wollen, sind ein Grab voll Sünden! Die Kenntniß seiner selbst ist eine Gabe Gottes, um welche der heilige Augu stin also betete: Herr! gib, daß ich Dich und mich erkenne." Willst du daher, lieber Chrift! dich felbft recht erkennen, so bitte den heiligen Geist um Licht und Beistand. # 1 - 176 Das heilige Bus Sacrament. Wie viele Zeit soll man zur Gewissens. erforschung anwenden? 1. Man muß so viele Zeit und so viele Sorge darauf verwenden, als man auf ein höchst wichtiges Geschäft zu verwenden pflegt. Was thäte nicht ein Mensch, der einen Proceß hätte, deffen Verlust ihn um sein ganzes Vermögen bringen würde? Wie sorgfältig würde er nicht alles aufsuchen, was ihm helfen könnte? Hast du aber, o Mensch, nicht durch den Fall in eine Todsünde das Recht auf den Himmel verloren, und die Hölle verdient? Deine jegige Beicht und die Gewissenserforschung, die vorhergehen muß, entschei det vielleicht für den Himmel oder für die Hölle; denn sie ist vielleicht die legte in deinem Leben. 2. Die Zeit die du zu dieser Erforschung brauchst, kann nicht genau bestimmt werden. Wer ein jartes und ohnehin ängstliches Gewissen hat, kann sich leicht beruhigen, indem er sich gewiß der schweren Sünden erinnern wird; die läßlichen Sünden aber, wenn er auch einige vergißt, ist er ohnehin nicht schuldig zu beichten. 3. Jener Mensch aber, welcher in Laftern versunken dahinlebr, der kaum einmal im Jahre beichtet, der fast bei jeder Gelegenheit das Gefeß Gottes übertritt, dem sollen nicht einige flüchtige Blicke in sein Gewissen genügen. Ein solcher foll einige Tage vor der Beicht dieses wichtige Geschäft vornehmen, in sich selbst zurückkehren, im Geiste jene Orte durchgehen, wo er sich befand, - Das heilige Bus Sacrament. 177 - jene Personen, mit denen er Umgang hatte, jene Gewerbe, die er betreibt, in Betracht zies hen u. s. w.; sonst würde nur ein verworrener Wuft von Sünden ohne Unterschied der Zahl, der Gattung und Umstände herauskommen. 4. Viele aber gehen dabei nur oberflächlich zu Werke; daher kommt es, daß sie sich über ſo wenige Sünden im Beichtstuhle anzuklagen wissen. Wie viele Geschäfts- und Gewerbsleute würden, wenn sie bis an den Grund ihres Gewissens gingen, manche verderbliche Lüge, manchen Betrug und Wucher, unerlaubte und ungerechte Verträge finden? Allein würden sie so in ihr Gewiffen hin= einsehen, so müßte das fremde, ungerechte Gut zurückerstattet, so müßte ihr Vermögen geschmälert werden; darum wollen sie die Sünden ihres Herzens nicht erblicken. Jene schamlosen Weichlinge und Wollüstlinge wollen ihre Schändlichkei ten nicht durchsuchen, weil sie ihr Leben nicht ändern wollen, und geben sich alle Mühe, um sich nur überzeugen zu können, daß das, was sie thun, keine Sünde sei. - Willst du, mein lieber Chrift! dieses heilige Sacrament nicht mißbrauchen, sondern es recht und zu deinem eigenen Heile verrichten, so gehe bei deiner Gewiffenserforschung so zu Werke, als wenn schon Jesus Christus am allgemeinen Ges richtstage dich richten würde. Stelle dir deinen Heiland lebhaft im Glauben vor, und richte dich felbst, damit du einst nicht gerichtet werdest. Wer sich selbst richtet, wird nicht gerichtet werden." 11 178 Das heilige Buß- Sacrament. Von der Reue und dem Vorsage. Die Reue ist ein inner'icher Schmerz, daß man Gott beleidigt hat, mit dem festen Vorfaße, Ihn nie wieder zu beleidigen. Jedoch besteht dieser Schmerz nicht nothwendig in einer schmerzlichen Empfindung, sondern in einem übernatürli chen Abscheu vor der Sünde. Die Reue ist eine wesentliche Bedingung zur Buse, so war, daß der Priester niemals einen Sünder lossprechen kann, der gar keine Merkmale einer wahren Reue von sich gibt. Die Lossprechung, welche ein Sünder ohne alle Reue empfan= gen würde, wäre daher ungiltig und gottesräuberisch. Ein Beichtvater würde sich erschrecklich an dem heiligen Bußsacramente verfündigen, wenn er sich nicht vernünftiger Weise von der Reue des Sünders versicherte. Daher beklagen sich jene mit Unrecht, denen ein fluger und gottesfürchtiger Beichtvater deßhalb die Lossprechung versagt, weil er gar keine Neue an ihnen bemerkt. 11 11 Der heilige Gregorius sagt: Wer sich nicht von Herzen bekehrt, hat keinen Nugen, wenn er auch seine Sünden beichtet." Unzählige Christen legen ungiltige Beichten ab, weil sie keine wahre Reue über ihre Sünden haben. Die Unwissenheit und der Mangel an Reue sind es, die dem Priester, deffen Pflicht nicht blos in Anhörung der Beicht und in der Lossprechung besteht, sein Umt so erschrecklich erschweren. O Gott! welche Unruhe und Angst empfindet der Beichtvater bei so 179 Das heilige Buß- Sacrament. vielen Sündern, die mit einem gleichgiltigen und kalten Herzen, wie es sich schon in ihrem Neußern zeigt, im heiligen Richterstuhle erscheinen, ihre Sünden, wie eine jede ander unbedeutende Sache ganz leicht erzählen, und durch ihr ganzes Betragen zu erkennen geben, daß sie gar keine Reue über ihre Sünden fühlen. So wie der Schmerz über die Sünde, als eine Beleidigung Gottes, wesentlich zur Reue gehört, so ist auch ein fester Vorfag, Gott nicht mehr zu beleidigen, ein wesentliches Erforderniß ders felben. Gott fordert von dem Menschen ein neues Herz und einen neuen Geist; Er fordert, daß der Gottlose seine bösen Wege, und der Ungerechte sine verderblichen Gedanken verlaffe." Gott kann auch unmöglich dem Sünder verzeihen, wenn er noch den Willen hat, Ihn zu beleidigen, fein Borsag muß unerschütterlich und aufrichtig sein, und nicht etwa in einem bloßen Versprechen, oder in einer augenblicklichen Rührung des Herzens bestehen. It wohl der Vorsag des Menschen aufrichtig zu nennen, der zu Gott sagt, daß es ihn von ganzen Herzen reue, Ibn beleidigt zu haben der aber gleich nach erhaltener Lossprechung wieder in die alten Sünden zurückfällt; die bösen Gelegenheiten aufsucht; die Personen, die ihn zur Sünde verführen, nicht meidet; den verursachten Schaden nicht ersegen, seinem Feinde nicht verzeihen will; der, unwissend in den Religionswahrheiten, sich doch darin nicht unterrichten läßt; der 180 Das heilige Buß- Sacrament. überhaupt ohne alle lenderung, das vorige sünd. hafte Leben wieder fortführt. Was mußt du also thun mein Chrift! um eine wahre Reue über die Sünde, um einen festen Vorsag, in Zukunft sie nicht mehr zu begehen, in dir zu erwecken? 1. Betrachte die Abscheulichkeit jeder Tod= sünde. Bedenke, daß du vor dem allwiffenden Gott, Der in das Verborgenfte sieht, gefündigt; daß du dir durch deine Sünden den Zorn und das Strafs gericht des lebendigen Gottes zugezogen haft; und daß Gott in einer gerechten Strafe furchtbar und schrecklich sei; daß er die heiligen Engel, die zum ersten Male wider Ihn sich empörten, auf ewig in die Hölle verworfen hat; daß, ach! vielleicht viele Verdammte in der Hölle jegt schon in ihrer ewigen Pein seufzen, die keine so großen oder so viele Sünden, wie du, begangen haben; daß die Gefahr deiner ewigen Verwerfung, ach! vielleicht nicht mehr fern ron dir sei, und nur die unendliche Langmuth des barmherzigen Gottes noch auf deine Bekehrung wartet! 2. Betrachte, daß die Todsünde eine Läfterung der unendlichen Majestät Gottes, und eine Verachtung Seiner herrlichen Vollkommenheiten fei; daß sie Jesum Christum, deinen Gott und lieb vollsten Heiland, gekreuzigt und deine unsterbliche Seele getödtet hat. 3. Betrachte, wie zärtlich, wie väterlich dich dein Gott liebt! aus Liebe hat Er dich erschaffen Das heilige Buß- Sacrament. 181 und mit welcher Liebe hat er Dich nicht am Kreuze erlöst? Mit welchen namenlosen Wohlthaten an Leib und Seele hat Seine Liebe und Güte dich nicht überhäuft? Welche Seligkeiten hat Er dir endlich nicht für die Ewigkeit verheißen und bereis tet? welch ein Undank ist es daher, Ihn bes leidigen, und sein Gebot verachten! Beherzige die zärtliche Klage Gottes bei dem Propheten Michäas( 6. Cap.): Mein Volk, was habe Ich dir zuwider gethan? Worin bin ich dir beschwerlich " gewesen? Antworte Mir; daß Ich dich aus „ Aegypten geführt, dich aus der Knechtschaft erlöset habe? u. f. w. 11 4. Sieh auf deinen liebevollen Heiland am Kreuze; betrachte Geine entseglichen Leiden, Sein mit Dornen gekröntes, königliches Haupt u. s. w., und frage dich selbst: Wer ist denn Derjenige, Den ich in einem so traurigen Zustande erblicke? Was ist denn die Ursache dieses Seines grausamen Tos des? Für wen erduldete Er, der Allerheiligste, diese unaussprechlichen Leiden? Uch! verfluchte Sünde! wie konnte ich so graufam mit meinem liebenswürdigsten Erlöser umgehen? Wer wird meinen Augen Thränenbäche geben, sie zu beweinen? Ach, ich habe meinen Erlöser wieder gekreuzigt; denn so sagt der Aposteľ:„ Von Neuem kreuzigen und verspotten sie durch ihre Sünden den Sohn Gottes."( Hebr. 6, 6.)- Frage dich darnach: Wer ist es denn, Den ich beleidigt habe? Wie habe ich Ihn beleidigt? Warum habe ich Ihn beleidigt? 11 182 Das heilige Bus Sacrament. 5. Bitte um eine wahre Reue, bitte um einen wahren, festen Borsaß zu deiner Besserung; denn die wahre Reue ist eine der größten Gaben Gottes, die sich der Mensch nicht selbst geben kann. Bemerkungen. 1. Wiffen mußt du, mein Christ! daß die Reue über deine Sünden immer der Lossprechung vorangehen müsse, und daß du alsogleich, nachdem du deine Sünden erforscht hast, diefelben bereuen sollst, mit der Meinung, daß heilige Bußsacrament zu empfangen. Denn würdest du die Reue gar nicht, oder erst nach der Lossprechung erwecken, so wäre das heilige Sacrament ungiltig. 2. Hüte dich aber vor übertriebener lengstlichkeit, als wäre dir bei Gott die Sünde nicht vergeben, weil du keine wahre Reue fühlst. So wie der gute Baum aus seinen guten Früchten erkannt wird, so wird aus den Früchten deiner Besserung deine wahre Reue erprobt. Daher sei dir zum Troste gesagt, daß du mit Zuversicht hoffen kannst, deine Reue sei wahrhaft und echt wenn du dein früheres böses Leben wirklich geändert und gebessert haft. 61 3. Von der Beicht. Die Beicht als das dritte wesentliche Stück des heiligen Buß: Sacramentes, ist eine Anklage über alle begangenen Sünden vor einem hierzu vers ordneten Priester, um durch ihn von denselben losgesprochen zu werden. Um dir das Beichten zu erleichtern, kannst du Folgendes thun: Das heilige Buß- Sacrament. 183 1. Stelle dir in der Person des Beichtvaters lebendig Jesum Christum vor. 2. Wähle dir einen Priester zum beständigen Beichtrater, der große Sanftmuth, Elugen Eifer und wahre Liebe zu den Sündern hat. 3. Stelle dir unter der heiligen Beicht nicht eine Gewissensfolter vor, wie sie Ungläubige, Keger und Spötter verschreien, sondern eine demüthige Unklage eines Kindes, welches die liebreiche Barmherzigkeit seines Vaters kennt, mit jedem Worte neuen Trost schöpft, und versichert ist, daß der Bater nicht zürnen, sondern gewiß vergeben werde. 4. Laß niemals eine lange Zeit ohne die heilige Beicht verstreichen, so wirst du das Beichten leichter finden, und sicher mehr Nugen daraus schöpfen. 5. Um dir die Gewissenserforschung zu erleichtern, so untersuche täglich vor dem Schlafens gehen, was du den Tag hindurch könntest begangen haben. 6. Wenn du das Unglück gehabt hast, in eine schwere Sünde zu fallen, so ruhe und raste nicht eher, bis du sie gebeichtet hast. Um dich vor der falschen Scham zu hüten, eine schwere Sünde zu verschweigen, oder zu verEleinern, so erwäge: 1. Daß du durch Verschweigung deiner Sünden dich einer neuen Sünde schuldig machst. 11* Das heilige Buß- Sacrament. 2. Wenn du auch dem Beichtvater etwas verhehlst, so kannst Du es Gott doch nicht verhehlen. 184 3. Durch solches Berschweigen würdest du die Unruhe deines Gewiffens nur noch vergrößern; zudem mußt du die verschwiegene Sünde dennoch früher oder später beichten, wenn du anders darin nicht sterben und ewig zu Grunde gehen willst. 4. Die Sünde verdient eine wahre Beschämung; deßwegen verräth es eine wahre Unbußfertigkeit, dieser Beschämung sich nicht unterwerfen zu wollen. 5. Ein solches Verschweigen segt dich in Gefahr, vor allen Geschöpfen am Tage des Gerichtes beschämt zu werden, und auf ewig in den höllischen Flammen zu brennen. Ach, wenn ein Verdammter der Hölle entkommen, und zu einem Priester gelangen könnte, würde er sich wohl schä men, zu beichten? 6. Sage mir, mußt du nicht dem leiblichen Urzte die geheimsten Wunden deines Leibes zeigen, wenn du geheilt werden willst? um wie viel mehr bist du schuldig, dem geistlichen Arzte die Krankheiten deiner Seele zu entdecken, wenn du nicht des ewigen Todes sterben willst. 7. Wisse, daß der Beichtvater dich um so mehr lieben wird, je mehr er die Gnade der Bekehrung und die Aufrichtigkeit deines Herzens wahrnimmt; daß er die menschliche Schwachheit und Armseligkeit nur zu wohl kennt, und folglich auch mit dir Das heilige Bus Sacrament. 185 Mitleid zu haben wissen wird; und daß er unter der größten, zeitlichen und ewigen Strafe zur im mernährenden, allerstrengsten Verschwiegenheit verbunden ist. Was mußt du beichten? 1. Alle Todsünden. Wenn du eine Todsünde in der heiligen Beicht freiwillig verhehlest, würdest du auch keine Verzeihung der andern erhalten; sondern dich eines Gottesraubes schuldig machen. Wenn du von mehreren Jahren her zu beichten hättest, fo ängstige dicht nicht, wenn du dich nicht mehr an alle Sünden erinnern könnteft. Ein aufrichtiger Wille und eine nicht nachlässige Prüfung ist hinlänglich; was deine Kräfte nicht vermögen, ersegt das heilige Buß- Sacrament selbst. Die läßlichen oder geringen Sünden ist man zwar nicht schuldig zu beichten, jedoch ist es rathsam und nüglich, weil man nicht immer mit Gewißheit unterscheiden kann, was eine läßliche oder schwere Sünde ist. Hast du Zweifel, ob du eine Todsünde begangen, oder ob du sie schon gebeichtet hast, fo trage diesen Zweifel sammt der Sünde dem Priester vor. 2. Die Umstände, welche die Gattung der Todsünde ändern, oder die Todsünde sehr vergröBern. 3. B. Wer mit einer verheiratheten Person eine Sünde der Unlauterkeit begeht, macht sich auch noch des Ehebruches schuldig. Es ist ein sehr 186 Das heilige Buß- Sacrament. vergrößernder Umstand, z. B. wenn Jemand vor einer großen Gesellschaft eine Verleumdung vorbringt, als wenn es nur vor wenigen Menschen geschieht; oder wenn er eine große Summe Geldes stiehlt, als wenn es nur etwas Weniges beträgt; oder wenn er eine kleine Summe nur Ein Mal oder ein Paar Mal, als wenn er eine kleine Summe sehr oft nimmt. 3. Die Zahl der Todsünden muß man ange= ben, wie man sie weiß. Beiß man keine bestimmte Sahl, so sage man: ungefähr so und so viele Male. Legt man eine Beicht von mehreren Jahren ab, und kann man sich nicht genau erinnern, wie oft man gefündigt hat, so muß man wenigstens die Zeit angeben, wie lange die Gewohnheit gedauert hat, wie oft man beiläufig im Tage, in der Woche oder im Monat in die Sünde gefallen sei, und ob die Gewohnheit auf eine Zeit nicht unterbrochen worden. Bemerkung. Laß alle fremdartigen Erzählungen und Umstände, die nicht zur Beicht gehören, aus; nenne niemals die mitschuldige Person; ist es aber zur Erklärung der Gattung der Sünde nothwendig, so bezeichne den Stand derselben, oder dein Verhältniß zu ihr bloß mit allgemeinen. Worten, damit der Beichtvater, so viel als es nur immer möglich ist, die mitschuldige Person ja nicht erkenne. 3. 3. Ich habe die Sünde der Unkeuschheit begangen mit einer blutsverwandten Person im ersten oder zweiten Grade; oder mit einer Pers 11 Das heilige Buß- Sacrament. 187 son, die sich durch ein Gelübde Gott geschenkt hat," und hiermit ist genug gesagt; alles Andere ist überflüßig. Von der Art zu beichten. 1. Wenn du zum Beichtstuhle kommst, so dränge dich Undern nicht vor. Zerstreue dich, wäh rend der Zeit bis die Reihe an dich kommt, nicht durch herumschauen und Schwägen, sondern flehe in Zerknirschung deines Herzens und mit Vertrauen um Verzeihung deiner Sünden zu Gott. Wenn du etwa länger warten müßtest, so lese aus deinem Undachtsbuche etwas zur heiligen Beicht Gehöriges, oder bete den Rosenkranz, oder betrachte sonst etwas Geistliches. 2. Stelle dich nicht so nahe an den Beichts stuhl, daß du die Beichten Derer, die vor dir sind, hören kannst; wenn du von ungefähr eine Sünde hören solltest, so bist du unter einer Sünde zum Stillschweigen verbunden. Wer aus Neugierde zuhorchte, würde sich ebenfalls versündigen. - 3. Wenn du im Begriffe bist, vor dem Beichte vater niederzuknien, so erwecke nochmals eine wahre Reue und Leid über deine Sünden; stelle dir in der Person des Beichtvaters lebendig Jesum Christum vor.- Beobachte während der Beicht allen Unstand in Worten und Geberden, rede nicht so laut, daß dich die Umstehenden hören, aber auch nicht so leise, daß dich der Beicht 188 Das heilige Buß- Sacrament. vater nicht verstehen kann; verstehst aber du selbst ihn nicht gut, so laß nicht umsonst zu dir reden, sondern gib es sogleich zu erkennen, daß du ihn nicht verstehest. 4. Im Unfange der Beicht mache das heilige Kreuzzeichen und sprich zum Beichtvater: Ich bitte Euer Hochwürden um den heiligen Segen, damit ich meine Sünden recht und vollständig beichten möge. Dann bete die offene Schuld: Ich armer, fündiger Mensch beichte und bekenne Gott dem Allmächtigen, Mariä, Seiner jungfräulichen Mutter, allen lieben Heiligen, und Euer Hochwürden an Gottes Statt, daß ich seit meiner letzten Beicht, welche vor Chier gib die Zeit an, wann du zum legten Mal gebeichtet hast, z. B. vor einem Monat, einem Vierteljahre u. s. w.) geschehen ist, oft und viel mit Gedanken, Worten und Werken gesündiget habe; insbesondere aber. gebe ich mich schuldig, daß ich u. s. w. Jeßt beichte deine Sünden. 5. Hast du in der letzten Beicht, oder auch in den vorhergehenden, eine Todsünde ausgelas fen, so mußt du es gleich sagen und angeben, ob Das heilige Buß- Sacrament. 189 es aus Vergessenheit oder aus Schamhaftigkeit ge= schehen ist. Hast du vorsäglich in früheren Beichten Sünden verschwiegen, so mußt du alle dieſe früheren Beichten wiederholen, und auch angeben, wie viele Beichten und Communionen du feit derjenigen Beicht verrichtet hast, wo du eine Sünde verschwiegst. 6. Hast du in der letzten Beicht keine Lossprechung erhalten, so mußt du es gleichfalls fa= gen und die Ursache angeben, warum sie dir verweigert wurde. 7. Eben so, wenn du die auferlegte Buße nicht verrichtet, das fremde Gut nicht zurückerstattet, die verlegte Ehre nicht wieder hergestellt, oder die Aussöhnung mit deinem Feinde und die Abschaffung der sündhaften Gelegenheit unterlassen hast. day 8. Beichte demüthig, reumüthig, kurz und aufrichtig, ohne Bemäntelung der Sünden und ohne falsche Entschuldigungen. 9. Wenn dir der Beichtvater die Lossprechung auf einige Zeit verschieben muß, so unterwirf dich mit Demuth seinem Urtheile; denke billig und bescheiden, daß er wohl nach seinem Gewissen und feiner priesterlichen Pflicht handeln wird, und laufe nicht zu einem andern Beichtvater hin, um etwa die Lossprechung leichter zu bekommen. 10. Hast du einst schon eine gute Generalbeicht verrichtet, und durch Gottes Gnade feit dieser Zeit aller schweren Sünden dich enthalten, oder 190 Das heilige Buß- Sacrament. hast du den frommen Gebrauch, öfters zu beichten, und weißt du gerade seit deiner legten Beicht keine schwere Sünde, so schließe zulegt in die gegenwärtige Beicht eine der vergangenen Sünden im Allgemeinen ein, welche dich sehr reuet, z. B. sage: auch schließe ich ein von meinem ver: gangenem Leben Alles, was ich gegen die Keuschheit begangen habe; oder: allen Zorn; oder: alle Ungerechtigkeiten meines Lebens u. s. w. 11. Beschließe die Beicht mit folgenden Worten: Diese und alle meine anderen wissentlichen und unwissentlichen Sünden, welche ich entweder selbst begangen habe, oder wodurch ich Ursache war, daß sie von Andern sind begangen worden, sind mir von Herzen leid, weil ich Gott, das allerhöchste und liebenswürdigste Gut und meinen gerechten Richter dadurch beleidigt habe. Ich nehme mir ernstlich vor, nicht mehr zu sündigen, und alle Gelegenheit zur Sünde zu meiden. Ich bitte Euer Hochwürden um die priesterliche Lossprechung, und um eine heilsame Buße. 12. Rede ohne Noth nicht mit Andern aus der Beicht, selbst wenn es nichts anderes wäre, als eine gute Lehre, die dir der Beichtvater gegeben hat; denn was der Beichtvater für dich gesagt Das heilige Buß- Sacrament. 191 hat, könnte leicht von Undern mißverstanden und mißbraucht werden. Von der Lossprechung. Die Lossprechung ist ein Ausspruch, den der Priester anstatt Gottes macht, um dem Sünder, der gebeichtet hat, die Sünden nachzulaffen. Er thut es so, als ob es Jesus thun würde, wenn Er noch auf Erden wäre. Denn der Priester ist von Jesu, dem Sohne Gottes, mit eben der Gewalt die Sünden nachzulassen, gesandt, wie Jesus Selbst von Seinem himmlischen Vater gesandt ward. Die Priester sind aber nicht unumschränkte Gewalthaber des heiligen Bußsacramentes, so daß sie bloß nach ihrer Willkür handeln können; die Gesetze Gottes und der heiligen Kirche müs sen ihnen zur Richtschnur dienen. Wenn der Priester einen Sünder losspricht, der sich nicht aufrichtig beffern will, der nicht so beschaffen ist, wie er als wahrer Büßer beschaffen sein soll, so bestätigt Gott eine solche Lossprechung nicht. Warum dringen also einige Christen in den Priester, daß er ihnen die Lossprechung ertheile? warum quälen sie ihn um dieselbe zu ihrem eigenen Schaden? oder warum begegnen sie ihm mit Grobheit und Trog, und suchen ihn deßhalb überall ju lästern, wenn er ihnen die Lossprechung verschiebt? Solche Lästerzungen tragen noch überdies ihre eigene Schande offenbar zur Schau. Soll aber der Priester ihrer wegen die vorgeschriebenen 192 Das heilige Buß- Sacrament. Gefeße Gottes und der heiligen Kirche übertreten? Soll er sich und das Beichtkind auf ewig verdammen? Was soll die Lossprechung nügen, wenn sie vor den Augen Gottes nicht gilt? Einen eitlen und falschen Frieden erzwingen sich dergleichen Ungestüme, welcher furchtbarer ist, als jede Unruhe. Welche Personen sind der sacramentalischen Lossprechung unfähig? 1. Jene, die in der Gewohnheit einer Todsünde, z. B. der Trunkenheit, der Unkeuschheit, des Fluchens, der Uebertretung des Fastengebotes oder der Entheiligung des Sonntags u. f. w. leben. Die Lossprechung ist der Preis des Blutes Jesu Chrifti; die heilige Communion ist das Ullerheiligste und Höchste in der Religion. Soll denn ein Mensch, der schon mehrere Jahre in einer bösen Gewohnheit lebt, welcher schon mehrmals ermahnt worden ist, soll der auf einmal sich aufrichtig bekehren wollen, oder soll der Priester ihm sogleich glauben, wenn er bloß mit Worten verspricht, sich zu bes sern, oder wenn er nur aus Gewohnheit zu Ostern kommt, um sein Gewissen ein wenig einzuschläs fern? wahrlich, außerordentliche Zeichen zur Reue müßten hier an dem Sünder sichtbar ſein, damit der Priester eine Ausnahme machen dürfte. 2. Jene, welche die nächste Gelegenheit zur Sünde nicht meiden wollen, wie z. B. solche, die mit Personen des andern Geschlechtes einen gefährlichen und fündhaften Umgang haben, oder gar Das heilige Buß- Sacrament. 193 mit selben beifammen wohnen; oder welche Undern folde sündhafte Gelegenheiten erlauben, die sie doch verhindern könnten und sollten; oder jene, welche, wiederhohlter Ermahnungen ungeachtet, schlechte, verderbliche Bücher lesen, oder Undern dieselben aus Gewinnsucht oder falscher Freundschaft verschaffen; ferner jene, welche sich nicht abhalten lassen, solche Zusammenkünfte zu besuchen, oder zu gestatten, wo wider die Religion und die guten Sitten gesprochen wird; dann alle jene Weibs= personen, welche allen Erinnerungen trogend, durch ibre unanständige, freche Kleidung Undern zum Aergerniße dienen; alle Wirthe, die zur Zeit des Gottesdienstes, und mit Verabsäumung desselben oder über die gesegmäßige Zeit bis in die Nacht hinein Zusammenfünfte gestatten u. f. w. 3. Jene, welche den Schaden, den sie dem Nächsten an seinem Leibe oder an seiner Seele, an feinen Gütern oder an seinem guten Namen zuges fügt haben, nicht ersetzen wollen; so wie auch jene, die ihre Schulden, wenn sie auch können, nicht be zahlen wollen. 4. Jene, die sich mit ihren Feinden nicht ausföhnen, und diejenigen. gegen die sie stets etwas im Herzen haben, weder sehen noch begrüßen wollen. 5. Diejenigen, welche eine von jenen Sünden begangen haben, deren Lossprechung sich bloß der Bischof vorbehalten hat. 6. Endlich jene, welche in dem heiligen Glau ben, und besonders in den, zur Seligkeit nothwendigen Artikeln nicht genugsam unterrichtet sind. 194 Das heilige Buß- Sacrament. 5. Von der Genugthuung oder den Buß werken. Genugthun heißt, die Unbild, welche man Gott durch die Sünde zugefügt, oder das Unrecht, wodurch man dem Nächsten geschadet hat, wieder gut machen. Man ist streng verpflichtet, dem beleidigten Gott genugzuthun, und obgleich die Schuld der Sünde und die ewige Strafe durch die Losspres chung nachgelassen wird, so hat man doch noch eine zeitliche Genugthuung entweder in diesem, oder in jenem Leben zu leisten. Die alten Bußgefeße der Kirche Gottes waren sehr strenge, aber doch nicht mehr als gerecht, indem die Kirche, als eine zärtliche Mutter, gewiß nicht mehr Buße auferlegt hat, als Gott fordert. Wer in der Kirchenbuße war, mußte öffentlich das Bußkleid tragen, wenigstens drei Tage in der Wo che bei Wasser und Brot fasten, und wurde nicht jur heiligen Communion zugelassen. Wer z. B. einen falschen Eid geschworen hatte, mußte vierzig Tage bei Wasser und Brot fasten. Wer an einem Sonn- oder Festtage eine knechtliche Arbeit verrich tete, mußte drei Tage bei Wasser und Brot Buße thun. Wer sich während des Gottesdienstes in ein Gespräch einließ, mußte zehn Tage bei Wasser und Brot fasten. Eine Weibsperson, die, um ihre Sünde zu verhehlen, ihr Kind umgebracht hatte, mußte zehn Jahre bei Wasser und Bret für selbe Das heilige Buß- Sacrament. 195 büßen. Für einen jungen Menschen, der sich mit einem Mädchen verfündiget hatte, war ein Jahr; für den Ehebruch aber drei, und zuweilen fünfzehn Jahre Fasten auferlegt. Wer seinen Weltern geflucht hatte, sollte vierzig Tage, wer sie geschlagen, sieben Jahre bei Wasser und Brot fasten. Als der Eifer und der Glaube der Chriſten abnahm, hat die heilige Kirche- diese gute und järtliche Mutter sich zu ihrer Schwäche herabgelaffen, um sie nicht größtentheils dem schrecklichen Verderben Preis zu geben, und die Bußen, die jest auferlegt werden, sind äußerst gelinde. Sie empfiehlt aber den Sündern, daß sie sich freiwillig gute Werke als Buße auflegen, und sich bestreben sollen, die heiligen Ablässe zu gewinnen. - Jedoch sollen die Beichtväter, wie der heilige Kirchenrath von Trient sagt, nach der Beschaffenheit der Sünde, und nach dem Vermögen des BüBers", heilsame und schickliche Bußen auflegen, sonst würden sie sich, wenn sie die Sünder mit zu vieler Nachsicht behandelten, und kleine Bußwerke für große Sünden auflegten, fremder Sünden schuldig machen. Wenn dir die ohnedies leichte Buße, die dir dein Beichtvater auferlegte, zu groß scheint, so wiffe, daß Gott gerecht ist, daß du ungleich grö Bere Peinen im andern Leben leiden müßtest, und daß du bei einer andern leichtern Buße bald wie der in die alte Sünde fallen könnteſt. 196 Das heilige Buß- Sacrament. in Die Genugthuungswerke sind: das Gebet, Fasten und Almosen; welche Bußwerke Alles in sich einschließen, was der verderbten Natur des Menschen zuwider ist. Man kann aber auch genugthun, durch das Leiden, welches uns Gott zuschickt, wenn man es im Geiste der Buße geduldig erträgt, z. B. Krankheiten, Armuth, Unglücksfälle, Verfolgungen u. f. w. Das Beichtkind ist verbunden, die Buße, die ihm der Beichtvater auferlegt, anzunehmen. Sollte diese ihm jedoch zu schwer fallen, entweder der schwächlichen Gesundheit wegen, oder Vrmuthshalber, oder aus Mangel an Zeit, oder aus andern Ursachen, so soll es diese Ursache dem Beichtvater vorstellen, und um Abänderung der Buße bitten. Hat ein Beichtkind keine Lossprechung erhalten, so soll es dennoch die auferlegte Buße getreu verrichten, weil es sonst zeigen würde, daß es kein ernstliches Verlangen habe, sich zu bessern. Wenn aber das Beichtkind die Lossprechung erhalten, und die auferlegte Buße angenommen hat, aus Nachlässigkeit aber entweder die ganze Buße oder einen beträchtlichen Theil derselben unterläßt, so begeht es eine neue Sünde, und nur ein wichtiger Grund, z. B. eine eintretende Krankheit, könnte es davon freisprechen; denn die Buße ist eine Ergänzung des Sacramentes, folglich eine der nothwendigsten und wichtigsten Verrichtungen eines wahren Büßers. Man muß die Buße ganz, zur bestimmten Zeit und andächtig verrichten. Das heilige Buß- Sacrament. 197 Wie oft soll man beichten? Das göttliche Gebot ju beichten verpflichtet: 1. Wenn man eine Todsünde begangen hat, und zwar sobald als möglich. Denn selbst die Vernunft befiehlt uns, daß man sich sogleich aus einer so gefährlichen Lage, in welche uns die Sünde bringt, retten soll. Welcher Frevel ist es daher nicht von einem Christen, im Zustande der Ver werfung eine lange Zeit unbekümmert zu bleiben? Daher verfündigen sich Jene auf's Neue und schwer, welche Monate und Jahre vorbeigehen lassen, ohne ihre Todsünden zu beichten. 2. Wenn man in einer Todesgefahr schwebt. Die Kirche befiehlt auch den Aerzten, die Kranfen, welche gefährlich krank sind, vor allem zu ermahnen, eine Beicht abzulegen. Weltern, Vorgesegte, Freunde, Wärter, haben auch eine schreckliche Verantwortung vor Gott zu befürchten, wenn sie zu spät für die Beicht des Kranken sorgen, oder durch ihre Schuld die Kranken ohne Beicht hinsterben lassen. 3. Die Kirche verpflichtet die Gläubigen unter einer schweren Sünde, wenigstens Ein Mal im Jahre zu beichten. Sehr nüglich und rathsam ist es aber, oft ju beichten, weil dies die Reinigkeit des Herzens sehr befördert, der Schwachheit unserer verderbten Natur zu Hilfe kommt, uns demüthiger macht, und 12 198 Das heilige Buß- Sacrament. weil dadurch die Furcht und der Abscheu vor der Sünde in uns vermehrt wird. Du solltest aber auch deßhalb oft beichten, um öfters communiciren zu können. Denn es ist der Wunsch der heiligen Kirche, die von dem heiligen Geiste geleitet wird, daß die Gläubigen bei der heiligen Messe nicht nur geistlicher Weise, sondern auch durch den wirklichen Genuß, an dem heiligen Sacramente Untheil nehmen möchten, wie aus dem Kirchenrathe von Trient,( Seff. 22. Cap. 6), zu ersehen ist. Daher erinnert auch der römische Katechismus, welcher diesen Wunsch des Kirchenrathes erklärt, alle Pfarrer, daß sie ihre Gläubigen zur öfteren, ja auch zur täglichen Communion ermahnen möchten, weil, so wie der Leib zu seiner Erhaltung täglich der Nahrung bedarf, also auch die Seele zu ihrer Erhaltung die geistliche Nahrung täglich nöthig hat. Ist es aber auch nicht möglich, täglich zu communiciren, so ist es doch gewiß möglich, häufiger zu communiciren, als es von den meisten Christen gewöhnlich geschieht. Die sieben Bußpfalmen. Wenn man nicht Zeit hat, alle zu beten, ist unter diesen der vierte- unter den sämmtlichen Psalmen vorzüglich auszuwählen. Davids der 50. - Erster Bußpfalm, Pfalm 6. Furcht vor dem göttlichen Gerichte und demüthige Bitte um Versöhnung. Herr! strafe mich nicht in Deinem Grim1. me, und züchtige mich nicht in Deinem Zorne. 2. Erbarme Dich meiner, o Herr! denn ich bin kraftlos; heile mich o Herr! denn meine Ges beine sind zerschlagen. 3. Und meine Seele ist überaus betrübt; Du aber, o Herr! wie lange verzögerst Du Deine Erbarmung? 4. Wende Dich zu mir, o Herr! und errette meine Seele; sichere mein Heil um Deiner Barm= herzigkeit willen. 12* Die sieben Bußpsalmen. 5. Denn von den Todten ist Niemand, der auf Erden Dich lobe; in der Hölle aber, wer wird dort Dich preisen? 200 6. Erseufzend habe ich mich bemühet, noch fernerhin werde ich die Nächte durchweinen, mit meinen Thränen mein Lager beneßen. 7. Von der Gewalt des Grames ist mein Auge verdunkelt; veraltet bin ich unter allen meinen Feinden. 8. Weichet endlich vor mir, ihr Alle, die ihr Ungerechtigkeiten übet: denn der Herr hat die Stimme meines Weinens erhöret. 9. Erhöret hat der Herr meine flehentlichen Bitten; der Herr hat mein Gebet aufgenommen. 10. Beschämet und verwirret werden alle meine Feinde; zurückweichen müssen sie und jählings zu Schanden werden. Die Ehre sei dem Vater zc. Bweiter Bußpfalm, Psalm 31. Glückseligkeit des Büßers, Unseligkeit des unbußfertigen Sünders. 1. Selig diejenigen, deren Ungerechtigkeiten nachgelassen, deren Sünden bedeckt sind*). 2. Selig der Mann, welchem der Herr die Sünde nicht zugerechnet hat, und in dessen Geiste keine Falschheit ist. *) Denn die göttliche Liebe bedeckt die Menge der Sün. den."( 1. Br. Petri, 4.) Die sieben Bußpsalmen. 201 3. Weil ich geschwiegen habe( meine Sünden nicht bekennend), sind meine Gebeine veraltet und kraftlos geworden, während ich in meinem Herzen immerfort wehklagte. 4. Denn Tag und Nacht lag Deine Hand schwer auf mir; ich habe in meinem Elende mich hin und her gewendet, da der Stachel( des Gewissens) in mir haftete. 5. Ich habe meine Sünde vor Dir kund gemacht, und meine Ungerechtigkeit nicht länger verborgen. 6. Ich habe gegen mich gesagt: ich will meine Ungerechtigkeit dem Herrn bekennen; und Du hast die Gottlosigkeit meiner Sünden nachgelassen*). 7. Darum wird nicht der Sünder allein, sondern auch jeder Heilige Dich bitten, zur schicklichen Zeit, um Deine Gnade zu finden. 8. Und wer Dich anruft, wird sicher sein in der Ueberschwemmung vieler Gewässer; denn Deine Strafgerichte werden zu ihm nicht herandringen. 9. Du bist meine Zuflucht in der Trübfal, die mich umgeben hat; der Du meine Freude bist, errette mich von den Feinden, die mich umringen. 10. Du hast zu mir gesprochen**):„ Ich werde dir Einsicht geben, und dich unterweisen in *) ,, Meine Stimme war noch nicht in meinem Munde, aber Dein Ohr war in meinem Herzen."( S. Augustin). **) Die Worte dieses Verses sind Worte, mit welchem der Herr redend angeführt wird. 202 Die sieben Bußpsalmen. dem Wege, den du wandeln sollst. Ich werde über dich mein wachendes Auge halten." ind 11. Wollet also, ihr Sünder! nicht werden wie Pferde und Maulthiere, welche ohne Erkennt: niß sind. 12. Mit Zaum und Gebiß, o Herr! bezwinge das Kinn derjenigen, die sich so geberden, die nicht demüthig zu Dir sich nahen.a 13. Denn wahrlich, viele Geißeln kommen über den Sünder; der aber sich wendet, und auf den Herrn hofft, den wird Barmherzigkeit umgeben. 14. Darum erfreuet euch im Herzen und frohlocket, ihr Gerechten! und rühmet euch in Ihm ihr Alle, die ihr aufrichtigen Herzens seid. Die Ehre sei dem Vater 2c. Dritter Bußpfalm, Psalm 37. Leiden der Seele, als Folgen der Sünde, Liebesreue im Geifte der Ergebung und des Vertrauens. 1. Herr! strafe mich nicht mehr in Deinem Grimme, und züchtige mich nicht in Deinem Zorne. 2. Dennoch haften Deine Pfeile in mir, und Deine rächende Hand hältst Du über mich ausgestreckt. 3. Nichts Gesundes ist in meinem Leibe vor dem Ungesichte Deines Zornes; kein Friede ist in meinen Gebeinen vor dem Unblicke meiner Sünden. 4. Denn meine Missethaten haben mein Haupt Die sieben Bußpsalmen. 203 überstiegen und gleich einer schweren Bürde lasten sie auf mir*). ONDE 5. Meine Wundmale sind in Fäulniß übergegangen und in Verderbniß, um meiner Thorheit willen. 6. Elend ward ich, und auf's Tiefste gebeugt, den ganzen Tag ging ich betrübt einher. 7. Denn meine Lenden sind mit schmählichen Täuschungen erfüllt; nichts Gesundes ist an meinem Fleische**). 8. Betrübt bin ich', und überaus erniedrigt; stöhnen mußte ich vor Bangigkeit meines Herzens. 9. Herr! nach Dir ist alle meine Sehnsucht; mein Seufzen ist vor Dir nicht verborgen. 10. Siehe, mein Herz ist verwirrt, meine Kraft hat mich verlassen und das Licht meiner Augen ist von mir gewichen. 11. Meine Freunde und Nächsten auch haben sich gegen mich vereinigt und wieder mich sich aufgestellt. 12. Und die sonst mir nahe waren, sind ferne gestanden, während jene Gewalt übten, die meine Seele anfeindeten. 13. Die mir Böses wollen, haben Falsches geredet; den ganzen Tag waren sie auf Trug bedacht. *) D. h. indem ich mich den Sünden ergab, die Buße aber aufschob.( Ein ganzes Jahr beinahe hatte David in Unbußfertigkeit zugebracht.) **) ,, Fleischlich bin ich, verfauft an die Sünde: in mir( in meinem Fleische) wohnt nicht das Gute."( Röm, 7, 14. und 18.) 204 Die sieben Bußpsalmen. 14. Ich aber, einem Tauben ähnlich, hörte nicht darauf; wie ein Stummer war ich, der seis nen Mund nicht aufthut. 15. Und ich ward wie ein Mensch, der kein Gehör hat; und wie einer, deffen Mund sich nicht zu vertheidigen weiß. 16. So that ich, weil ich auf Dich, o Herr! gehofft habe. Erhören wirst Du mich, Herr, mein Gott. 17. Damit, so sprach ich zu mir, meine Feinde sich nicht über mich erfreuen*); denn da meine Füße wanken, haben sie Großes über mich verabredet. 18. Denn zu den Geißeln des Herrn bin ich bereit; der Schmerz über meine Sünden ist alle= zeit mir gegenwärtig. 19. Und ich werde meine Misfethat anzeigen und für meine Sünde an Sühnung denken. 20. Inzwischen leben meine Feinde, und sind über mich mächtig geworden; zahlreich sind sie geworden, die ungerecht mich haffen. 21. Die Gutes mit Bösem vergelten, redeten mir übel nach, weil ich dem Guten nachstrebe. 22. Berlaffe mich also nicht, o Herr, mein Gott! weiche mit deiner Hülfe nicht von mir. 23. Wende Deine Hülfe mir zu, o Herr, mein Gott! Du allein der Urheber meines Heiles. Die Ehre sei dem Vater zc. *) D. i. im Falle ich ungeduldig werden, und Böses mit Bösem vergelten würde, weil mich dann Gott verließe. Die sieben Bußpsalmen. Vierter Bußpfalm, Psalm 50. Zerknirschung des Herzens ob begangener Sünde, inniges Fles hen um Verzeihung, und um Wiederherstellung in die Gnade des heiligen Geistes, mit Beziehung auf das Sühnopfer Christi und die Würde der heiligen Kirche. Spok met OF 205 1. Erbarme Dich meiner, o Gott! nach Deiner großen Barmherzigkeit. 2. Und nach der großen Menge Deiner Erbarmungen tilge meine Ungerechtigkeit. HE 3. Mehr und mehr wasche mich von meiner Missethat und von meiner Sünde mache mich rein. 4. Denn meine Misfethat erkenne ich und meine Sünde ist allezeit wider mich. 5. Dir allein habe ich gesündiget, und Böses vor Dir gethan; damit Du gerecht befunden werdest in Deinen Worten, und überwindest, wenn über Dich geurtheilt wird. 6. Denn siehe, in Ungerechtigkeit bin ich gezeugt, in Sünden hat meine Mutter mich empfangen. 7. Siehe, Du hast die Wahrheit geliebt, die unbekannten und verborgenen Dinge Deiner Weis heit hast Du mir geoffenbaret. 8. Du wirst mit Hysop mich besprengen, und ich werde gereiniget werden; Du wirst mich waschen, und ich werde weißer werden als Schnee. 9. Du wirst meinem Gehör Trost und Freude verleihen, und frohlocken werden die gedemüthigten Gebeine. Die sieben Bußpsalmen. 10. Wende ab Dein Angesicht von meinen Sünden und alle meine Miſſethaten tilge. 11. Ein reines Herz erschaffe in mir, o Gott! und einen aufrechten Geist erneuere in meinem Innern. 206 12. Verwirf mich nicht vor Deinem Ungesicht, und Deinen heiligen Geist nimm nicht mehr hinweg von mir. 13. Gib mir wieder die Freude Deines Heils, und mit dem vornehmen Geiste befestige mich. 14. Dann will ich die Ungerechten Deine Wege lehren, und die Gottlosen werden zu Dir sich wenden. 15. Errette mich von den Blutschulden, o Gott, meines Heiles! und meine Zunge wird freudig Deine Gerechtigkeit rühmen. 16. Du wirst, o Herr! meine Lippen eröffnen und mein Mund wird dein Lob verkünden. 17. Denn hättest Du Schlachtopfer gewollt, so würde ich sie dargebracht haben; nach den Brandopfern wird Dein Wohlgefallen nicht sein*). 18. Ein Opfer vor Gott ist ein betrübter Geist, ein zerknirschtes und demüthiges Herz wirst Du, o Gott, nicht verachten. di 19. Handle gnädig, o Herr! in Deinem gütigen Willen mit Ston; damit die Mauern Jerus falems erbauet werden. *) Die Schlacht- und Brandopfer, als bloße Schatten und Borbedeutungen bes wahren Sühnopfers Chrifti, fonnten feine Sühnung für die Sünden vermitteln. Die sieben Bußpsalmen. 207 20. Alsdann wirst Du das Opfer der Gerechtigkeit annehmen, und Gaben und Brandopfer; alsdann werden sie auf Deinem Altare Dir Opfer*) darbringen. Die Ehre sei dem Vater zc. Fünfter Bukpsalm, Psalm 101. Gebet in Trübfal und Bedrängniß, im Getste der Buße und vollkommener Hingebung: mit Hinblick auf das Heil und die Freiheit der Kirche durch Christum. 1. Herr! erhöre mein Gebet und lasse mein Rufen zu Dir gelangen. bir 2. Wende Dein Untlig nicht von mir; an welchem Tage immer ich bedrängt werde, neige zu mir Dein Ohr. 3. Un welchem Tage ich immer Dich anrufen werde, wolle alsdann mich anhören. 4. Denn wie ein Rauch gehen meine Tage dahin; meine Gebeine verdorren, wie abgebranntes Gereisig. 5. Zerschlagen bin ich, wie abgemähtes Gras, und mein Herz wie verdorrt; vor Betrübniß vers gaß ich mein Brot zu essen. 6. Und vor der Stimme meines steten Erfeufs zens ist mein Gebein an meine Haut angeklebt. 7. Ich bin dem Pelikan ähnlich geworden, dem Bewohner der Wüste; ich bin wie eine Nacht*) Im Texte heißt es: Kälber, welche nämlich die vorzüglichsten Opfer darstellen. Der geistige Sinn der zwei letzten Verse veutet auf das neue Jerusalem oder die katholische Kirche, und das Eine Opfer, das auf ihren Altären bargebracht wird. 208 Die sieben Bußpsalmen. eule geworden, scheu und trauernd in der zerfallenen Wohnung. 8. Ich bin schlaflos geblieben, ich bin geworden, wie ein junger Sperling, verlassen und einsam auf dem Dache. 9. Den ganzen Tag schmähten mich meine Feinde; die vorher mich gepriesen hatten, haben sich wieder mich verschworen. 10. Ich aber habe Usche mit Brot gegessen und meinen Trank mit Thränen vermischt. 11. Also that ich vor dem Angesichte Deines Zornes und Unwillens: denn nachdem Du mich erhoben hast, hast Du mich wieder zu Boden geschmettert. 12. Darum sind meine Tage wie ein Schats ten dahin geschwunden, und wie ein abgemähtes Gras bin ich hingedorrt. 13 Du aber, o Herr! bleibst in Ewigkeit und Dein Gedächtniß von einem Geschlechte zum andern. 14. Erheben wirst Du Dich und Sion's Dich erbarmen; denn die Zeit des Erbarmens ist schon, die Zeit ist schon gekommen. 15. Denn Deinen Knechten gefallen die Steine Sion's: sie werden ihres verlaffenen Erdreichs sich annehmen*). *) Wörtlich bezieht sich dies anf die Rückkehr aus der babilonischen Gefangenschaft, und auf die Wiedereroberung des Tempels Sion; im geistigen Sinne gilt hier die Mei nung für die Aufnahme und den Flor der heiligen Kirche durch eifrige Christen. Die sieben Bußpfalme n. 209 16. Dann werden die Völker Deinen Namen fürchten, o Herr! und alle Könige der Erde Deine Herrlichkeit verehren. 17. Denn sie werden sehen, daß der Herr Sion wieder erbauet hat; und in Seiner Herrlichkeit wird Er sichtbar werden*). 18. Er hat auf das Gebet der Demüthigen gesehen, und ihre Bitten nicht verschmäht. ald 19. Geschrieben werde dieß für das nachfolgende Geschlecht, damit das Volk, das erschaffen werden wird, den Herrn lobpreiſe**). 20. Denn Er hat herabgesehen von Seiner heiligen Höhe, der Herr hat vom Himmel auf die Erde gesehen. 21. Um das Seufzen der Gefangenen zu hören, um die Kinder der Erschlagenen loszubinden. 22. Damit sie verkünden in Sion den Namen des Herrn und Sein Lob fingen in Jerusalem. 23. Wenn die Völker daselbst( in der Kirche) sich versammeln und vereinen, und ihre Könige, um dem Herrn zu dienen. 24. Und zu Ihm, auf dem Wege Seiner Kraft, rufet der Urme: Mache, o Herr! die geringe Zahl meiner Tage mir kund. 25. Rufe mich nicht hinweg in der Mitte meiner Tage, Du, Dessen Jahre von Geschlecht zu Geschlecht fortdauern. *) ,, Und wir haben Seine Herrlichkeit gesehen voll der Gnade und Wahrheit." **) Nämlich die christlichen Völker von heidnischer Abfunft. 1 Die sieben Bußpsalmen. 26. Denn Du, o Herr! haft im Anfange die Erde gegründet; die Werke Deiner Hände sind die Himmel. 210 27. Sie werden vergehen, Du aber bleibst; sie werden alle wie ein Gewand veralten. 28. Und wie eine Decke wirst Du sie umwenden, und sie werden verändert werden; Du aber bleibst, wie Du bist, und Deine Jahre werden. nicht abnehmen. 29. Die Söhne Deiner Knechte werden das Land der Verheißung bewohnen, ihre Nachkommen werden zum ewigen Heile geführt werden. Die Ehre sei dem Vater 2c. Sechster Bußpfalm, Pfaim 129. Aufruf zu Gott aus dem Elend der Sünde, mit Vertrauen auf Seine Barmherzigkeit; Hinblick auf die fünftige Erlösung*). 1. Aus den Tiefen habe ich, o Herr! zu Dir gerufen: Herr! erhöre meine Stimme. 2. Ucht haben wolle Dein Ohr auf die Stimme meines Flehens. mad mu 3. Zwar, wenn Du die Ungerechtigkeit ahnden wolltest, o Herr, Herr! wer wird alsdann bestehen? 4. Uber bei Dir ist verzeihende Güte; und um Deiner Verheißungen willen harre ich auf Dich. *) Daher ist dieser Psalm auch der gewöhnlichste, der in der Kirche für die Seelen im Fegefeuer gebetet wird; weil Alles, was er enthält, durchaus paffend ist, wenn er gleichsam im Namen und der Person eines Jenseits noch Leidenden gesprochen wird. Die sieben Bußpsalmen. 211 5. Meine Seele verharret in Seinem Worte; meine Seele hofft auf den Herrn. 6. Von der Morgenwache bis in die Nacht hoffe jeder Gläubige auf den Herrn. 68 7. Denn bei dem Herrn ist Barmherzigkeit, und bei ihm ist überreiche Erlösung. 8. Und er wird Israel erlösen von allen seinen Sünden. in Die Ehre sei dem Vater zc. Siebenter Bußpfalm, Psalm 142. Vertrauungsvolle Anrufung göttlicher Hilfe in Leiden und Todesgefahr. Läßt sich, nach den heiligen Vätern, auch auf Christi Leiden beziehen. 1. Herr! erhöre mein Gebet, vernimm mein Flehen um Deiner Wahrheit willen; erhöre mich in Deiner Gerechtigkeit. 2. Und gehe nicht ins Gericht mit Deinem Knechte; denn vor Deinem Angesichte wird kein Lebender gerechtfertigt erscheinen. 3. Erhöre mich; denn der Feind hat meine Seele verfolgt, und mein Leben zu Boden getreten. 4. Er hat in Finsterniß mich verfeßt, wie die Todten der Vorzeit; und mein Geist ward über mich geängstigt, und mein Herz in mir beklommen. 5. Da ward ich eingedenk der alten Tage, und ich betrachtete alle Deine Werke; über die Werke Deiner Hände, über die Erweisungen Deiner Erbarmungen habe ich nachgesonnen. Die sieben Bußpfalmen. 6. Und ich breitete meine Hände zu Dir aus; wie Erdreich ohne Wasser lechzte meine Seele zu Dir. 212 7. Ich sprach: Erhöre mich schleunig, o Herr! denn mein Geist verschmachtet. 8. Wende Dein Untlig nicht von mir, da mit ich nicht Jenen gleich werde, die hinabsteigen in die Grube. # 9. Laffe frühzeitig Deine Barmherzigkeit mich hören, weil ich auf Dich gehofft habe. 10. Mache mir den Weg bekannt, auf welchem ich wandeln soll; denn zu Dir habe ich meine Seele erhoben. 11. Errette mich von meinen Feinden, o Herr! denn zu Dir bin ich geflohen; lehre mich Deinen Willen thun, denn mein Gott bist Du. 12. Dein gütigster Geist wird in das Land der Wahrheit mich führen; um Deines Namens willen, o Herr! wirst Du, in Deiner Milde, mich lebendig machen. 13. Herausführen aus der Trübsal wirst Du meine Seele, und in Deiner Barmherzigkeit meine Feinde zu Schanden machen. 14. 3u Schanden machen Alle, die meine Seele bedrängen, weil ich Dein Knecht bin. Die Ehre sei dem Vater zc. sind de mi Andachtsübungen des Kreuzweges. Die Undachtsübung des Kreuzweges ist an die Stelle der Wallfahrten getreten, welche die Gläus bigen vormals nach Jerusalem zu machen pflegten, um daselbst die, durch die Erfüllung der Geheimniffe unserer Erlösung geheiligten Stätten zu bes suchen. Mit diesen Wallfahrten waren häufige Ablässe verbunden, die späterhin von den Päpsten auch Denjenigen verlichen wur ben, welche zu Rom oder anderswo die dazu bestimmten tid Kirchen besuchen, und die Stationen halten würden, welche man zu Jerusalem zu halten verbunden ist. Erdlich haben sie sogar gnädigst bewilligt, daß jene Personen, welche, wenn sie in jene bestimmten Kirchen zu kommen gehindert sind, für sich allein in ihrer Wohnung diese Andachtsübung verrichten, dieselben Ablässe gewinnen, wie Diejenigen, welche bie in gewissen Kirchen vorgestellten Stationen öffentlich besuchen. Nur soll man in diesem Falle am Ende der Andachtsübung fünf Vater unser, fünf: Gegrüßet feist Du, Maria! und fünf: Ehre sei dem Vater 2c. und eines für den Papst hinzusetzen. Diese Ablässe können bittweise auch den Seelen im Fegefeuer zugewendet werden. Man fängt diese Undachtsübung mit der Erweckung der Reue an, welche auf die folgende oder auf eine ähnliche Art geschehen kann: Der heilige Kreuzweg. Mein Gott! Mein Erlöser! Du stehst mich hier zu Deinen Füßen. Ich bereue von ganzem Herzen alle von mir begangenen Sünden, weil ich dadurch Dich, das höchste und unendlich liebenswürdigste Gut, beleidigt habe. Ich will lieber sterben, als Dich je wieder beleidigen. Dann wird die Undachtsübung auf folgende Weise fortgeseßt. 214 Erste Station. Jesus wird zum Tode verurtheilt. Wir beten Dich an, o Jesu! und preisen Dich; denn durch Dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst. Betrachte, wie Pilatus den unschuldigen Je sus zum Tode verurtheilt, und wie Dein Heiland dieses Todesurtheil annimmt, damit du von dem Urtheile des ewigen Todes befreit würdest. O Jesu! ich danke Dir für diese große Liebe, und bitte Dich, nimm das Urtheil des ewigen Todes, welches ich durch meine Sünden verdient habe, zurück, damit ich würdig werde, das ewige Leben zu besitzen. Vater unser. Gegrüßet seist Du, Maria! Die Ehre sei dem Vater zc. Der heilige Kreuzweg. Bweite Station. Jesus wird mit dem Kreuze beladen. Wir beten Dich an, o Jesu! c. wie oben. 215 Betrachte, wie Jesus das Kreuz, das deine vielen Sünden so schwer gemacht haben, auf Seine Schultern ladet. Jesu! gib mir die Gnade, daß ich Dein Kreuz durch neue Sünden nicht noch schwerer mache, und daß ich das meinige mit einem aufrichtigen Bußgeiste herzhaft trage. Vater unser. Gegrüßet zc. Die Ehre 2c. Dritte Station. Jesus fällt das erste Mal. Wir beten Dich an, o Jesu! xc. Betrachte, wie Jesus, da er die Laft, mit der Er beladen ist, nicht mehr tragen kann, von Ermüdung und Schmerz niedergedrückt, unter dem Kreuze fällt. O Jesu! meine Fehltritte sind die Ursache Deines Falles. Verleihe mir die Gnade, daß ich Deinen Schmerz durch den Rückfall in die Sünde nie erneuere. Vater unser. Gegrüßet zc. Die Ehre zc. Der heilige Kreuzweg. Vierte Station. Jesus begegnet Seiner heiligsten Mutter. Wir beten Dich an, o Jesu! c. Betrachte, welcher Schmerz das Herz Jesu zerreißt, als er Mariam gewahr wird; und das Herz Mariä, als Jesus Ihr begegnet. Deine Sünden sind an der gegenseitigen Betrübniß des Sohnes und der Mutter Schuld. 216 O Jesu! erwecke in mir, durch die Fürbitte Mariä, einen lebhaften Schmerz über meine Sünden, damit ich sie mein ganzes Leben hindurch beweine, und in der Stunde meines Todes vor Dir Gnade finde. Vater unser. Gegrüßet zc. Die Ehre zc. Fünfte Station. Simon von Cyrene wird genöthigt, das Kreuz Chrifti zu tragen. Wir beten Dich an o Jesu! c. Betrachte, wie die Juden, als sie bemerken, daß Jesus nicht mehr die Kraft habe, daß Kreuz zu schleppen, Ihm mit verstelltem Mitleid das Kreuz abnahmen. mamince di ind O Jesu! mir steht es zu, das Kreuz zu tragen, weil ich gesündiget habe. Gestatte Der heilige Kreuzweg. daß ich Dich wenigstens auf dem Kreuzwege begleite, und das Kreuz der Widerwärtigfeiten aus Liebe zu Dir trage. Vater unser. Gegrüßet ic. Die Ehre zc. 217 Sechste Station. Jesu Angesicht wird von der heiligen Veronika abgetrocknet. Wir beten Dich an, o Jesu! 2c. Betrachte, wie diese heilige Frau bemüht ist, Jesu Leiden zu lindern, und wie dagegen Jesus daran denkt, sie zu belohnen, indem er Sein Ungesicht dem Schweißtuche, das sie in den Händen hatte, eingedrückt läßt. O Jesu! verleihe mir die Gnade, meine Seele von allen Flecken zu reinigen; drücke Dein heiliges Leiden tief in meinen Geist und in mein Herz ein. Vater unser. Gegrüßet zc. Die Ehre zc. Siebente Station. Jesus fällt zum zweiten Male. Wir beten Dich an, o Jesn! xc. Betrachte die Leiden, welche Jesus bei dies sem zweiten Fall empfindet. Du verursachst sie Ihm durch deine öftern Rückfälle in die Sünde. 13 Der heilige Kreuzweg. O Jesu! wie beschämt stehe ich vor Dir! Gib mir die Gnade, von meinen Sünden so aufzustehen, daß ich nie wieder in dieſelben zurückfalle. Vater unser. Gegrüßet 2c. Die Ehre ic. 218 Achte Station. Jesus begegnet den Frauen von Jerusalem. Wir beten Dich an, o Jesu! c. Betrachte, wie Jesus diese Frauen ermahnt, nicht über Ihn, sondern über sich selbst zu weis nen, um dich auf diese Weise zu belehren, daß du mehr über deine Sünden, als über Seine Leiden weinen sollst. Jesu! gib mir Thränen einer wahren Reue, damit das Mitleid, welches ich über Deine Schmerzen trage, mir verdienstlich sei, Vater unser. Gegrüßet zc. Die Ehre zc. Nennte Station. Jesus fällt zum dritten Male. Wir beten Dich an, o Jesu! 2c. Betrachte, wie Jesus zum dritten Male eben so schmerzlich, als die beiden ersten Male fällt. Der heilige Kreuzweg. 219 Daran ist deine Verstocktheit, durch welche du stets in neue Sünden fällst, Schuld. O Jesu! ich bin nun fest entschlossen, meinen Sünden auf immer ein Ende zu ma chen, um Dir bei Deinen Leiden Linderung zu verschaffen. Stärke mich in meinem Entschluße, und mache ihn durch Deine Gnade wirksam. Vater unser. Gegrüßet zc. Die Ehre zc. Behnte Station. Jesus wird entkleidet und mit Galle getränkt. Wir beten Dich an, o Jesu! c. Betrachte die Beschämung, die Jesus aussteht, da man Ihn seiner Kleidung entblößt; und die Bitterkeit, die Er empfindet, da man Ihm Wein mit Myrrhen und Galle vermischt, reicht. So büßt Er deine Unverschämtheit und deine Leckerhaftigkeit. O Jesu! ich bereue die sündhaften Freuden, die ich mir erlaubt, und die Unmäßigkeit, der ich mich ergeben habe. Ich fasse den festen Entschluß, mittelst Deines Beistandes Deine Beschimpfung und Qual nicht mehr zu erneuern, und mein fünftiges Leben in Sittsamkeit und Mäßigkeit zuzubringen. Vater unser. Gegrüßet zc. Die Ehre zc. 13* 220 Der heilige Kreuzweg. Cilste Station. Jesus wird an das Kreuz geheftet. Wir beten Dich an, o Jesu! c. Betrachte die außerordentlichen Schmerzen, welche Jesus erleidet, als die Juden Seinen, von Blut schon ganz triefenden Leib auf dem Kreuze ausstrecken, und mittelft der Durchbohrung Sei ner heiligsten Hände und Füsse diesen heiligen Leib mit Nägeln darauf befestigen. O Jesu! Du leidest dies alles für mich und ich soll Deinetwegen nichts leiden? Hefte meinen wiederspenstigen Willen an Dein Kreuz. Ich nehme mir ernstlich vor, Dich nicht mehr zu beleidigen, und aus Liebe zu Dir Alles zu leiden. Bater unser. Gegrüßet zc. Die Ehre zc. Bwölfte Station. Jesus stirbt am Kreuze. Wir beten Dich an, o Jesu! c. Betrachte, daß dein Erlöser, nach einer dreistündigen Todesangst, am Kreuze stirbt, um dein Heil zu wirken. O Jesu! nachdem Du Dein Leben hingegeben haft für mich, so ist es wohl billig, daß ich den Ueberreft des meinigen für Dich Der heilige Kreuzweg. verwende. Dies ist auch mein fester Vorsatz. Nur um die Gnade, diesen Vorsatz vollständig in's Werk zu setzen, bitte ich Dich, durch die Verdienste Deines heiligen Todes. Vater unser. Gegrüßet zc. Dir Ehre zc. Dreizehnte Station. Der Leichnam Christi wird vom Kreuze abgenommen. 221 Wir beten Dich an, o Jesu! c. Betrachte die Betrübniß der Mutter Gottes, als Sie den Leichnam Ihres göttlichen Sohnes, erblaßt, mit Blut überronnen, und des Lebens beraubt, in ihre Arme nimmt. Oheiligste Jungfrau! erbitte mir die Gnade, daß ich Jesum nicht mehr durch neue Sünden kreuzige, sondern Ihn durch die Uebung christlicher Tugenden in mir stets lebend erhalte. Vater unser. Gegrüßet zc. Die Ehre zc. Vierzehnte Station. Der Leichnam Jesu wird zu Grabe getragen. Wir beten Dich an, o Jesu! c. Betrachte, wie der heiligste Leichnam Jeſu mit der tiefsten Ehrfurcht in das neue Grab, welches für Ihn bereitet worden war, gelegt wurde. Der heilige Kreuzweg. O Jesu! ich danke Dir für Alles, was Du gelitten haft, um mich zu erlösen. Ich bitte Dich, gib, daß ich mich vorbereite, durch das heilige Abendmal den Leib, Den Du für mich hingegeben hast, würdig zu empfangen. Schlage Deine Wohnung für immer in meiner Seele auf. Bater unser. Gegrüßet 2c. Die Ehre zc. 222 Schluß der Andacht. Erbarme Dich unser o Herr! erbarme Dich unser. Gott, der Du die Fahne des Kreuzes durch das kostbare Blut Deines Sohnes haft heiligen wollen, wir bitten Dich, verleihe, daß wir Alle, so wie wir uns der Ehre Deines heiligen Kreuzes, eben so auch Deines Schußes erfreuen, durch Christum, unsern Herrn. Amen. Die Seelen der verstorbenen Gläubigen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes in Frieden. Amen. Sechs: Vater unser; sechs: Gegrüßet seist Du Maria! fechs: die Ehre sei dem Vater 2c. Allgemeine oder Generalbeicht. Unterricht. 1. Zur wahrhaft aufrichtigen Bekehrung oder Begründung eines frommen, christlichen Lebens ist es manchen Christen nothwendig, andern aber fehr nüßlich, eine Generalbeicht zu verrichten. Die allgemeine oder Generalbeicht ist eine solche Beicht, in welcher der Sünder auf richtig und reumüthig sich aller jener Sünden anElagt, die er entweder von Jugend auf begangen hat, oder seit der ersten Todsünde, oder seit jener Zeit, in welcher er zum ersten Mal entweder wirklich und wiffentlich falsch beichtete, oder doch mit Grunde glauben kann, eine ungiltige Beicht verrichtet zu haben. Der heilige Franciscus von Sales, diefer große Heilige und liebenswürdige Lehrer des geift, lichen Lebens, sagt, daß zur Sicherstellung dejs Von der Generalbeicht. Seelenheiles bei den meisten Menschen eine allgemeine Beicht nothwendig sei. Sie,( die allgemeine Beicht nämlich)," spricht er,„ verschafft uns eine vollkommenere Erkenntniß unserer selbst; fie erfüllt uns mit einer heilsamen Scham beim Unblicke aller unserer Sünden; sie befreit den Geist von vieler Unruhe, und ertheilt dem Gewissen den wahren Frieden; sie erweckt in uns gute Entschließungen; sie zeigt uns, wie bewunderungswürdig die Barmherzigkeit Gottes ist, die uns mit so großer Langmuth erwartet hat; fie segt unsern Beichtvater in den Stand, uns pas sende Ermahnungen zu geben; sie öffnet unser Herz, daß wir in Zukunft mit mehr Vertrauen beichten." 224 2. Der größte Nugen einer Generalbeicht zeigt sich besonders in der Todesstunde. Wer wünschte nicht, wenn er auf dem Punkte steht, vor Gottes Gericht zu erscheinen, in jenem schrecklichen Augenblicke, der für eine ganze Ewigkeit entscheiden soll, eine allgemeine Lebensbeicht aufrichtig und reumüthig abgelegt zu haben? welchen Trost muß nicht ein Sterbender fühlen, der, ehe er von feiner Todeskrankheit befallen worden, die Ungelegenheiten seines Gewissens in Ordnung ge= bracht hat! Oder soll wohl Jemand, sorglos und vermesfentlich, das Heil seiner Seele aufs Neußerste ankommen lassen, und dann erst die Augen, welche er bald auf ewig schließen soll, über fein ganzes vergangenes Leben aufthun wollen? Unser Heiland sagt: ,, Wachet und seid be denn es kommt der Herr des Knechtes reit! 225 Von der Generalbeicht. an einem Tage, da es dieser nicht vermuthet; und zu einer Stunde, da er es nicht weiß." ( Math. 24, 42.) Ein vornehmer Mann kam einst zu einem Missionär, und bat ihn, seine Generalbeicht anzuhören. Der Priester fragte ihn, warum er denn solche verrichten wolle. ,, Ach, hochwürdiger Herr!" erwiederte der Edelmann, muß ich denn nicht sterben? Wie werde ich aber nach einem, in Sünden jugebrachten Leben sterben können, wenn ich nicht jegt schon eine allgemeine Beicht ablege? Ich sehe ein, daß, wenn ich bis zur Stunde des Todes warte, ich alsdann diese Obliegenheit nicht gehörig erfüllen kann. Meine Gattin, meine Kinder, der Schrecken vor dem legten Augenblicke, die Leiden, werden mir die erforderliche Geistesge= genwart nicht lassen, und ich werde die stille Ruhe, die zu einem so wichtigen Geschäfte nöthig ist, nicht mehr finden. Es wäre also eine große Thorheit von mir, wenn ich hierzu den legten Augenblick meines Lebens abwarten wollte." Dieser gottesfürchtige Edelmann beachtet also wohl die Worte, welche unser Heiland im Evangelio spricht: ,, Glückselig die Diener, welche der Herr bei Seis ner Ankunft wachend und bereit finden wird." ( Luc. 12, 37.) 3. Verachte demnach nicht, lieber Chrift! sofern es für dich nothwendig oder nüglich ist, den Rath, dich zur Ablegung einer allgemeinen Beicht zu entschließen. Heute Abends noch, wenn du dich zur Ruhe begibst, stelle dir bei deiner tägli 226 Von der Generalbeicht. chen Betrachtung vor, als ob die kommende Nacht deine legte sein sollte, und sprich zu dir selbst: „ Was werde ich wünschen, gethan zu haben, wenn ich auf dem Todtenbette liegen werde?" Wenn dir dann der Gedanke kommt, daß es dir nüglich sein würde, eine allgemeine Beicht verrichtet zu haben, o so verschiebe dieselbe nicht länger. Laß dich durch den bösen Feind nicht täuschen, der dich durch die eitlen Vorspiegelungen: Du habest nicht Zeit" oder Es wäre zu beschwerlich," wird einzuschläfern suchen. Tausend Hindernisse, tausend Geschäfte wird er dir vormalen; heute dieses, morgen jenes, das im Wege steht; und dies geht so fort und so weit, bis der Mensch weder Zeit noch Gelegenheit, und zulegt auch die Gnade nicht findet, zu thun, was zu seinem ewigen Heile dient. Nimm dich also vor der Täuschung dieses Lügengeistes wohl in Ucht. Sei versichert, daß es noch Niemand bereuet hat, eine allgemeine Beicht abgelegt zu haben, und daß Viele, ohne dieses Mittel, in ihren Sünden gestorben und auf ewig zu Grunde gegangen wären. Welchen Personen ist diese Beicht nöthig? 1. Allen Jenen, deren vorhergehende Beichten ungiltig waren. Wenn der Beichtvater ein Beichtkind fragt, ob es nicht in Betreff der vorhergehenden Beichs ten sich an etwas erinnere, das ihm Unruhe und Beängstigung verursacht, so gibt es größtentheils ohne Bedenken schnell Untwort, indem es sagt: Von der Generalbeicht. 227 Ich habe jedes Mal Alles gebeichtet." Fragt aber der Eluge und sorgfältige Beichtvater über eine besondere Sünde, hauptsächlich über die Sünde der Unkeuschheit, welche die meisten Seelen in der Beicht stumm macht, so wird er finden, wie vielen Seelen eine Generalbeicht nothwendig sei, und wie viele ihr ganzes Leben hindurch gottes= räuberisch gebeichtet haben.- Wer also aus Scham, Bosheit oder Leichtsinn irgend eine Tod sünde verschwiegen, oder einen wesentlichen Umstand freiwillig nicht angegeben hat, oder wer aus großem Leichtsinne und sträflicher Unwiffenheit Todsünden nicht beichtete, weil er sich's nicht so hoch anrechnete,- dem ist die Generalbeicht, von der Zeit an, als er die Sünde zu verschweigen angefangen hat, unter einer schweren Sünde und unter der Strafe der ewigen Verdammniß nothwendig. - 2. Jenen, die stets leichtsinnig, ohne hinlängliche Gewissens erforschung gebeichtet, und sich der großen Gefahr ausgesetzt haben, durch Uebergebung schwerer Sünden eine ganz unvollständige Beicht abzulegen. 3. Jenen, die zwar gebeichtet und die Lossprechung empfangen haben, aber in den Hauptgeheimnissen des Glaubens ganz unwissend sind; oder jenen, welche durch ihre eigene Schuld das apostolische Glaubensbekenntniß, die Gebote Gottes und der Kirche, das Wesentliche von den heiligen Sacramenten, die sie empfingen, und die nothwendigen Pflichten ihres Standes nicht wußten. Von der Generalbeicht. 4. Jenen, welche bloß aus Gewohnheit oder Zwang, ohne wahre Reue über ihre Sünden, und ohne festen Vorsag, sie nicht mehr zu begehen, ge= beichtet haben. Ferner Jenen, welche aus böser Absicht einen Beichtvater gesucht haben, der entweder nicht recht hörte, oder ohne sie weiter zu prüfen und zu fragen, ohne ihnen ernstliche Ermahnungen zu geben, ihnen allezeit, selbst wenn sie in einer sündhaften Gewohnheit oder Gelegenheit verblieben, die Lossprechung ertheilte. 228 5. Jenen, welche in der nächsten Gelegenheit zur Sünde, oder in ihren bösen Gewohnheiten zu leben fortfuhren, die sie doch hätten verlassen. können und sollen. 6. Jenen, welche fremdes Gut, oder geraubten guten Namen wieder zu erseßen schuldig waren, und in der heiligen Beicht hierzu nicht den ernstlichen Vorsag hatten, oder welche es zwar immer versprachen, aber aus eigener Schuld niemals thaten. 7. Jenen, die in Feindschaft mit ihrem Nächsten lebten, ohne sich mit ihm ausgeföhnt zu haben oder ernstlich ausföhnen zu wollen. Alle diese waren der Lossprechung damals unwürdig, und wenn sie selbe empfangen haben, so ist sie vor Gott ungiltig gewesen; und deshalb ist allen diesen die Generalbeicht nothwendig. Welchen Personen ist sie sehr nüklich? 1. Für Viele ist sie der Unfang eines heiligen Wandels. Die Erfahrung lehrt, daß Mehrere, nach Von der Generalbeicht. 229 einer allgemeinen Beicht, in ihre vorigen, besonders in schwere Günden nicht mehr zurückfielen. Deswegen ermahnt der heilige Ignatius Lojola dringend alle diejenigen dazu, welche sich vollkommen zu Gott bekehren wollen. 2. Für Jene, welche an eine Standesverän. derung denken, oder ein wichtiges Amt übernehmen, oder eine gefährliche Reife unternehmen wollen. 3. Bei herannahender Todesgefahr ist sie die beste Vorbereitung für eine glückselige Ewigkeit, und das sicherste Mittel zur Beruhigung des Gewissens. Viele Heilige, wie z. B. der heilige Elzearius, die heilige Margarita, u. 2. verrichteten vor ihrer legten Stunde in der größten Zerknirschung ihres Herzens eine Generalbeicht. Bemerkung. Für die ängstlichen Seelen, welche ihre Sünden schon gebeichtet haben, die aber aus ungegründeten Gewissenszweifeln die Generalbeicht ablegen wollen, könnte sie schädlich werden. Sie sollen lieber die Uebung der Reue oft erwecken, und ihrem Beichtvater unbedingt folgen. Wie kann man die Generalbeicht auf eine leichte Art verrichten? Es gibt Menschen, die schon bei dem bloßen Worte: Generalbeicht, von Schrecken überfallen nrden; und zwar, weil sie sich bei derselben Schwierigkeiten vorstellen, die dabei gar nicht find. Wie könnte ich mich", sagen sie, an alle 230 Von der Generalbeicht. Sünden meines ganzen Lebens erinnern?" Auf diese Weise laffen sie sich, durch die List des bösen Feindes betrogen, von diesem heilsamen Werke abhalten. Erschrick aber nicht, lieber Chrift! vor der Generalbeicht; denn bald wirst du sehen, daß alle diese Schwierigkeiten verschwinden, wenn du sie mit Beihilfe des Beichtvaters verrichtest. 1. Bitte Gott, daß er dich einen guten und verständigen Beichtvater finden lasse, der dich unterstüge, dich gleichsam an der Hand führe, und dir durch Fragen die allgemeine Beicht erleichtere. 2. Da du zur Generalbeicht nicht nöthig hast, dich über läßliche Sünden anzuklagen, so erforsche also dein Gewissen nur über die schweren oder Todsünden. Denke besonders nach, wider welche Gebote du dich am meisten versündigt hast. 3. Hast du eine Sünde durch längere Zeit begangen, das ist, eine Gewohnheit darin gehabt, und kannst du keine genaue Zahl solcher Sünden angeben, so erinnere dich, in welchem Alter ungefähr du die töfe Gewohnheit angenommen hast; wie oft du beiläufig des Tags, der Woche oder des Monats u. f. w. diefelbe Sünde begangen haft. Erinnere dich auch, ob diese Gewohnheit fortdauerte, oder ob und wie lange fie unterbrochen wurde. Hierauf bekenne es vor dem Beichtvater so, wie du es nach deinem besten Wiffen meinst. 3. 3. Ich habe mich von meinem zwanzigsten bis zum vierzigsten Jahre der Unmäßigkeit im Trinken ergeben, alle Monate Von der Generalbeicht. 231 ungefähr dreimal.-- Oder: ich habe wider die Tugend der Keuschheit mit einer ledigen Person gefündigt durch fünf Jahre, ungefähr jede Woche drei Mal. Während dieser Zeit habe ich eine Reise gemacht, und diese Sünde durch sechs Monate nicht begangen. Auch habe ich durch diese Zeit fast täglich zwei oder drei Mal in unkeusche Begierden eingewilligt. Oder z. B. ich habe beiläufig von meinem zwölften Jahre bis jetzt in mein dreißigstes Jahr täglich Fluchwörter ausgestoßen, manchmal fünf Mal, fast immer ein paar Male des Tags u. s. w. 4. Das, was du als gewiß weißt, mußt du als gewiß, und was dir zweifelhaft scheint, mußt du als zweifelhaft angeben. 5. Die Unklage fange mit jener Sünde an, die dich am meisten ängstigt: z. B. mit der Sünde gegen die Keuschheit, mit der Sünde des Diebstahls, u. dgl.; überhaupt mit jener, deren du. dich am öftesten schuldig gemacht hast. 6. Hast du deinen Stand schon ein oder das andere Mal verändert, warst du. B. früher les dig, dann verehelicht, dann im Witthumsstande, so erforsche dich zuerst, wie viel Mal du in dem einen, und dann erst, wie viel Mal du im andern Stande wider dasselbe Gebot gesündigt hast. 7. Es ist sehr unbequem, dich über alle Gebote von einem einzigen Lebensstande insbesondere anzuklagen, und dann bei dem zweiten Lebensstande wieder von vorne anzufangen. Beſser ist es, du nimmst ein Gebot, und gehst über 232 Von der Generalbeicht. dieses einzige Gebot, dein ganzes Leben, nach alien den verschiedenen Ständen und Verhältnissen desfelben durch. 8. Es ist nicht nöthig, daß du deine Beicht zu Papier bringest; es ist auch nicht rathsam, we gen der Gefahr, daß sie Jemand finden und lesen Fönnte. 9. Enthalte dich aller unnüßen Erzählungen, und gib nur die nöthigen Umstände der Sünden mit ehrbaren und bescheidenen Worten an. 10. Frägt dich der Beichtvater über deine Sünden, so antworte gehörig auf seine Fragen, und trage dann dasjenige nach, wornach er nicht gefragt hat, das dir aber dennoch auf dem Ge= wiffen liegt. Du siehst hieraus, daß Gott von dir nicht mehr begehrt, als du leisten, daß du folglich die Generalbeicht auf eine leichte Urt verrichten kannst, wenn du auf die angegebene Weise, und mit Hilfe des nachfolgenden Beichtspiegels dein Gewissen erforschest. Veichtspiegel oder Gewissenserforschung. Ueber die zehn Gebote Gottes. 1. Ich bin der Herr, dein Gott; du sollst keine fremden Götter neben Mir haben; du sollst dir kein geschnittes Bild machen, dasselbe ,, anzubeten." Man muß, um Gott würdig anzubeten, an Ihn glauben, auf Ihn hoffen, Ihn von ganzem Herzen lieben, und Ihm die höchste Ehrerbietung bezeigen. 1. Befrage dich also in Betreff des Glaubens: Habe ich allezeit Alles geglaubt, was Gott geoffenbaret hat, und was die heilige, katholische Kirche zu glauben lehrt? Habe ich nicht über die Geheimnisse des Glaubens vermessentlich gegrübelt? Habe ich mich nicht vorwitzig und freiwillig wider den einen oder den andern Glaubensartikel in 14 234 Beichtspiegel. 3weifeln aufgehalten, oder sogar jemand Undern auf dergleichen Zweifel gebracht? Habe ich nicht vielleicht der erkannten christlichen Wahrheit widerstrebt? Habe ich mich nicht etwa aus Menschenfurcht geschämt, meinen Glauben zu bekennen oder meine Undacht vor Undern zu äußern, und deshalb eine schuldige Pflicht meiner Religion unterlassen, als z. B. am Sonntage die heilige Messe zu hören, an Fasttagen kein Fleisch zu effen? Habe ich nicht bei verschiedenen Gelegenheiten unterlaffen, den Glauben gegen Spötter, Keßer, oder Ungläubige zu vertheidigen, wo es doch leicht hätte geschehen können, und wo es meine Pflicht war, selbes zu thun? Habe ich nicht so irrig und gleichgiltig ge dacht und gesprochen, als wäre es ein und diefelbe Sache, dieses oder eines andern Glaubens zu sein, in diesem oder jenen Glauben zu bleiben? Habe ich nicht meine Mitchristen ihrer Frömmigkeit wegen verspottet und verachtet? Habe ich nie die Abschaffung einiger Glaus benspunkte, als z. B. der Ohrenbeicht u. f. w. oder eine Abänderung der Kirchenanordnungen, als z. B. der Fastengebote u. f. w. aus Gering. schägung derselben im Ernste gewünscht, diesen Wunsch bei mir genährt, oder sogar deutlich aus gesprochen? Bin ich nicht an meiner Unwiffenheit in den Hauptgeheimnissen meiner Religion durch Versäu Beichtspiegel. 235 mung und Geringachtung des christlichen Unterrichtes selbst Schuld? Habe ich nicht kegerische Bücher, in denen Spöttereien und verderbliche, dem katholischen Glauben entgegengeseßte Lehren enthalten waren, ohne Erlaubniß gelesen, bei mir behalten oder verkauft, verschenkt oder andern gegeben? habe ich nicht, auch sogar mit Gefahr meines Glaubens, die Kirchen der Keßer besucht, oder ihre Predigten angehört? Habe ich nicht mit Gefahr meines eigenen Glaubens mit Regern, Ungläubigen, Religionsspöttern, Schwärmern, besonders solchen, die hartnäckig nur an ihre eigenen eingebildeten Erscheinungen oder Erleuchtungen glauben, ohne Noth, fondern freiwillig, näheren Umgang gepflogen? oder habe ich nicht sogar ihren Zusammenkünften beigewohnt? Habe ich nicht verdächtige Bücher mit falschen Undächteleien, falschen Abläffen und sogenannten Wundergebeten, welche die katholische Kirche nicht gutgeheißen hat, im Besige? und verharre ich nicht hartnäckig auf dem Gebrauche derſelben? Habe ich nicht die nothwendige öftere Erweckung der drei göttlichen Tugenden, des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe wiffentlich unterlassen, besonders in gef hrlichen Anfechtungen zur Sünde, und in Gefahr des Todes? 14* Beichtspiegel. 2. In Betreff der christlichen Hoffnung: Habe ich nicht bei Widerwärtigkeiten an der Hilfe und Borsehung Gottes gezweifelt, und gedacht oder gesprochen: Gott kann oder will mir nicht helfen? 236 Habe ich nicht in der Trühsal gegen Gott gemurrt, oder Ihn einer Ungerechtigkeit beschuldigt, da Er mir viele Leiden zugeschickt hat, und gedacht oder gesagt: Gott weiß nichts von mir? Habe ich nicht auf die Gnade Gottes zur Bekehrung meines Lebens, oder zur Verzeihung meiner Sünden ein Mißtrauen gesegt, oder fast schon verzweifelt? Oder im Gegentheile: Habe ich nicht das Vertrauen auf die Barmherzigkeit Got tes zu weit getrieben, in diesem vermeffentlichen Vertrauen vielleicht sogar fortgefündigt und die Buße und Besserung meines Lebens immer auf weitere Zeiten verschoben, eben deshalb, weil Gott gütig ist? Habe ich nicht vielleicht sogar mit dem Ge danken, wieder beichten zu können, absichtlich und freier gesündigt, indem ich z. B. dachte, es gilt gleichviel, ob ich beichte, daß ich fünf Mal oder zehn Mal gesündigt habe; es geht in einem hin? -- 3. In Betreff der Liebe zu Gott: Habe ich öfters gegen Gott die Dankbarkeit für die zeitlichen und geistlichen Wohlthaten in mir erweckt? Habe ich immer, wenigstens des Morgens, eine gute Meinung gemacht, Alles zur Ehre Gottes zu thun und zu leiden? Beichtspiegel. Habe ich nie gegen Gott einen offenbaren Haß und Widerwillen im Herzen getragen, oder fogar meine Bosheit und meinen Zorn gegen Ihn äußerlich in Handlungen gezeigt? 237 Bin ich nicht vielleicht in der Unbußfertigkeit lange und vorsäglich verharrt? 4. Ueber die Pflicht der Gottesverehrung: Habe ich nicht das Gebet oft freiwillig versäumt, oder nachläsſig verrichtet? Habe ich nicht irgend einen Gottesraub begangen, z. B. durch ungiltiges Beichten, unwürdige Communion, oder durch den Empfang irgend eines Sacramentes in der Todsünde? oder durch einen Diebstahl von Kirchensachen? Habe ich mich nicht in der Kirche leichtsinnig betragen, durch Herumschauen, Lachen, Schwägen; oder unsittlich, durch unanständige Kleidung, Geberden, Reden? Habe ich nicht Bilder, Reliquien und Ge bräuche der Kirche, Predigten, so wie andere Unterweisungen verachtet oder verlacht? Habe ich nicht die Priester, oder andere Gott geweihte Personen oder heilige Orte auf irgend eine Urt entehrt? Habe ich nicht Aberglauben getrieben, d. h. gewisse Mittel, als Sprüche, Zeichen u. s. m. zu einem Zwecke gebraucht, zu dem sie von Gott nicht bestimmt, und von der heiligen Kirche nicht gutgeheißen sind, z. B. zur Abwendung eines Unglücks oder einer Krankheit? 14** Beichtspiegel. Habe ich nicht auf eine abergläubische Weise z. B. durch Kartenaufschlagen, zukünftige oder verborgene Dinge, wie gestohlnes oder verlornes Gut oder andere Dinge, die man durch natürliche Mittel nicht erfahren kann, erfragen wollen, und der Entscheidung Glauben beigemessen? 238 Habe ich mir nicht wahrsagen, oder Träume auslegen lassen, oder es gar selbst gethan? Brauchte ich nicht abergläubische Mittel vielleicht sogar gewisse abergläubische Gebete, um die Zukunft zu erforschen, Krankheiten zu heilen, Unglück von mir und den Meinigen abzuwenden, oder reich zu werden? 2. Du sollst den Namen Gottes, deines Herrn, nicht vergeblich im Munde führen." Man übetritt dieses Gebot durch die Gotteslästerung, durch den Mißbrauch des Eidschwurs, und durch die Brechung der Gelübde. 1. Frage dich über die Gotteslästerung: Habe ich nicht wider Gott, wider Seine Vollkommenheit, Seine Vorsehung, Gerechtigkeit und Güte, wenn auch nur im Zorn, lästerungen ausgestoßen? Habe ich nicht oft die heiligen Gegenstände, z. B. das Sacrament, Crucifix, das Kreuz, den Himmel u. dgl. zu Fluchworten und Verwünschungen gebraucht? oder ist mir dieses nicht etwa schon zur Gewohnheit geworden? Beichtspiegel. 239 Habe ich nicht den Namen Jefu, oder der Heiligen, unehrerbietig gebraucht, z. B. im Zorne oder bei Erlustigungen? Habe ich nicht sogar das heilige Kreuz oder andere heilige Sachen auf eine andere Art ver= unehrt? Habe ich nicht die Worte der heiligen Schrift zu unanständigen Scherzen mißbraucht? Habe ich nicht den Verstorbenen geflucht? 2. Ueber den Eidschwur: Habe ich nicht ohne Noth einen Eid abgelegt, oder Gott, oder meine Seele u. dgl. wegen unbedeutender Sachen zu Zeugen genommen oder ist es mir nicht schon zur Gewohnheit geworden, öfters zu schwören? Habe ich nicht einen falschen Eid, d. h. gegen die sogar gewiß anerkannte oder von mir wenigstens noch bezweifelte Wahrheit abgelegt? Waren nicht diese meine Schwüre vielleicht von Verwünschungen gegen mich selbst, oder gegen meinen Nächsten begleitet? Haben nicht meine falschen Eide für meinen Nächsten nachtheilige Folgen gehabt? Habe ich nicht jenen Eid, welchen ich von Umtswegen geschworen habe, durch Untreue und Webertretung gebrochen? Habe ich nicht irgend ein Eheversprechen ge= macht, und dasselbe leichtsinnig, ohne einen vor Gott giltigen Grund, aus eigener Schuld nicht gehalten? Beichtspiegel. Habe ich nicht Undere zu unnügen, oder gar falschen, ungerechten Schwüren verleitet? 240 3. Ueber die Gelübde: Habe ich nicht ein Gelübde leichtsinnig gemacht oder mich leichtsinnig zu irgend etwas oder irgend wohin verlobt? Habe ich nicht mein Gelübde gebrochen, oder das, wozu ich mich verlobt habe, eigenmächtig abgeändert, oder dessen Ausübung ohne rechtmäßige Ursache auf lange Zeit verschoben? Habe ich mich nicht zu irgend etwas Ungerechtem verpflichtet? z. B. etwas Böses zu thun oder etwas Gutes zu unterlassen? Jemand ein Unrecht zuzufügen? oder mich zu rächen? oder einen sündhaften Umgang zu schließen? oder an fremden Sünden Theil zu nehmen? 3. ,, Gedenke, daß du den Sabbath heiligest." Den Gott geheiligten Tag entheiligt man durch schwere, verbotene Urbeit; man heiligt ihn durch Unhörung der heiligen Messe, und durch andere gottselige Uebungen. 1. Frage dich bezüglich der Entheiligung: Habe ich nicht an Sonn- und Feiertagen ohne Noth oder gesegliche Erlaubniß schwere Urbeiten verrichtet, oder andere dazu verhalten, etwa gar mit Versäumung des öffentlichen Gottesdienstes und zum Wergerniße Underer? Beichtspiegel. 241 Habe ich nicht ohne Noth, mit Kauf und VerEauf oder mit unnöthigen Reisen, an solchen Tagen die Gott geheiligte Zeit verschwendet? Habe ich nicht den Sonn- und Feiertag durch nächtliches Herumschwärmen, durch verderbliche Tänze, langwierige Spiele, unmäßiges Trinken, oder sündhaften Umgang entweiht? 2. In Bezug auf die Heiligung: Habe ich nicht aus eigener Schuld die heilige Messe zu hören unterlassen? oder mich freiwillig in die Gefahr begeben, keine zu hören, z. B. wegen einer Luftreise, oder Besuchung des Wirthshauses, u. s. w. Bin ich nicht aus eigener Schuld in die Messe zu spät gekommen? oder war ich nicht während derselben freiwillig zerstreut? Habe ich nicht aus Nachlässigkeit oder Geringschägung die Predigten und Christenlehren versäumt, besonders da ich in der Religion wenig unterrichtet war? 4. Du sollst Vater und Mutter ehren." Dieses Gebot umfaßt alle Pflichten gegen Weltern und Vorgesepte. 1. Erforsche dich über die Pflichten gegen die Weltern: Habe ich nicht den Gehorsam gegen meine Ueltern übertreten, und in welchen Stücken? besonders z. B. durch verbotenen Umgang, böfe Gesell 242 Beichtspiegel. schaften, nächtliches Auslaufen, Lesen schädlicher Bücher? Habe ich sie nicht mit rauhen Worten angefahren oder erzürnt? Habe ich nicht sogar ihnen geflucht, oder sie verwünscht? Habe ich nicht etwa mich ihrer geschämt, oder sie gar verachtet? Habe ich ihnen nichts Böses nachgeredet, oder sie gar verleumdet? Habe ich sie nicht in ihrer Noth und Armuth hilflos gelassen? Habe ich nicht die Hand wider sie aufgehoben, oder sie gar geschlagen? Habe ich nicht den Weltern unter dem Vorwande, daß sie böse sind, und ich ihnen in bösen Sachen nicht zu folgen schuldig sei, die schuldige Ehrerbietung versagt? Wünschte ich ihnen nicht ein Unglück, oder wohl gar den Tod? Habe ich sie nicht boshafter Weise gekränkt? Habe ich nicht ohne ihr Wissen ein Eheversprechen eingegangen? Habe ich ihren legten Willen treu vollzogen? Betete ich auch für meine Weltern? 2. Ueber die Pflichten gegen die Vorge segten: Habe ich nicht die schuldige Pflicht der Ehrerbietung und des Gehorsams gegen meine geistlichen und weltlichen Lehrer und Vorgesetzten vernachläffigt? Beichtspiegel. 243 Habe ich nicht irgend eine Pflicht gegen den Landesherrn und die Obrigkeiten verlegt? Tadelte ich nicht die Gefeße und Anordnungen derselben? Widerseßte ich mich nicht ihren Befehlen? Habe ich nicht Böses von ihnen geredet, sie verachtet oder beleidigt? Habe ich nicht sogar Undere zum Murren und Ungehorsam wider sie verleitet? Habe ich mich nicht mit geheimen, verbotenen Gesellschaften verbunden? 5. Du sollst nicht tödten. Die Sünden gegen dieses Gebot werden ents weder in Handlungen, oder im Herzen, oder in Worten, ferner durch 2ndern ge= gebenes ergerniß, endlich durch Theilnahme an fremden Sünden, begangen. 1. Erforsche deine Handlungen: Habe ich nicht vorsäglich, durch mich selbst oder durch Undere, Jemand getödtet? Habe ich nicht mir selbst oder Undern das Leben verkürzt, oder an der Gesundheit geschadet, durch Raufen, Schlagen, Verwundungen, oder durch schädliche Speisen und Getränke, durch Anreizung zu großem Zorn, durch Erbitterung, lang, wierige Kränkung u. s. w.? Beichtspiegel. Habe ich nicht Mittel angerathen, verkauft, oder selbst gebraucht, um der empfangenen Leibesfrucht zu schaden? 244 Habe ich nicht mir selbst das Leben nehmen, oder es verkürzen wollen? Habe ich nicht Mörder oder Räuber vertheidigt oder gar beherbergt? Habe ich mir nicht durch unmäßiges Essen und Trinken, durch Unkeuschheit, das Leben verkürzt? Habe ich nicht mich selbst oder Undere mit schwerer Arbeit überhäuft und mir oder Undern dadurch an der Gesundheit geschadet? Erforsche dein Herz: Wünschte ich nicht mir oder Undern den zeitlichen oder gar den ewigen Tod, oder ein anderes großes Unglück? Habe ich nie Feindschaft mit meinem Nächsten gehabt, und wie lange Zeit? Habe ich nie Jemand den Gruß versagt? Bin ich nie Jemand, gegen den ich eine Abneigung im Herzen hatte, ausgewichen? Habe ich nicht gewünscht, Jemand, auf den ich böse war, nie mehr zu sehen? Trug ich nicht einen großen Zorn gegen meinen Nächsten, suchte ich nicht ihm sogar zu schaden, oder mich an ihm zu rächen? Habe ich mich nicht über das Unglück eines Undern erfreut, oder mich über sein Wohlergehen betrübt? Beichtspiegel. 245 War ich nicht Willens, Jemand ein Unglück zuzufügen, ihn zu mißhandeln, oder gar zu tödten, wofern ich Gelegenheit dazu gehabt hätte? Wollte ich aufrichtig meinem Feinde verzeihen, ihn lieben und ihm Gutes thun? Habe ich getrachtet, mich mit ihm auszuföhnen? Habe ich nicht großen Haß wider meinen Unkläger im Herzen gefaßt und geglaubt, ein Recht dazu zu haben? 3. Erforsche deine Worte: Habe ich nie Jemand geschmäht, verflucht oder verspottet? Habe ich nie Jemanden mit großen Unbilden gedroht? Habe ich nie Jemanden zur Rache und zu Beleidigungen gerathen? 4. In Bezug auf ergerniß Underer: Habe ich nie durch meine Worte oder Handlungen Undern, besonders Unschuldigen, ein Hergerniß gegeben, oder sie gar zu fündigen verleitet? und bei wie vielen Personen? 5. Wegen Theilnahme an fremden Sünden: War ich nie Schuld an fremden Sünden, indem ich dazu rieth, oder sie befahl, oder sie lobte, oder dazu stillschwieg, oder die Sünde nicht strafte, oder dieselbe begehen half, oder selbe sogar vertheidigte? und bei wie vielen Personen? 246 Beichtspiegel. 6. und 9. ,, Du sollst nicht ehebrechen. Du sollst ,, nicht begehren deines Nächsten Weib." Wisse, daß ein jeder freiwillige Gedanke, und eine jede freiwillig zugelassene Begierde gegen dieses Gebot schon eine Todsünde sei, und daß du nicht allein schuldig bist, dasjenige zu beichten, was du wirklich gethan hast, sondern auch, was du hättest thun wollen, wenn du nur die Gelegenheit dazu gehabt hätteſt. Erforsche dich also: Habe ich nicht mit Wohlgefallen in unreinen Gedanken freiwillig verveilt, oder in dieselben wirklich eingewilligt, wie auch in unreinen Begierden und Empfindungen? Habe ich mir nicht die vorherbegangenen Sünden gegen dieses Gebot, oder unreine Träume mit Wohlgefallen freiwillig vorgestellt? Habe ich mich nicht freiwillig in die nächste Gefahr begeben, zu unlautern Begierden versucht zu werden, als z. B. durch Beiwohnen oder Mitmachen unanständiger Tänze, durch Unschauen fittenloser Schauspiele, unehrtarer Bilder und Statuen; oder durch Unmäßigkeit in Effen und Trinken, durch Lesung von Romanen und Theaterstücken, durch nächtliches Herumschwärmen, durch Besuchung gefährlicher Gesellschaften, durch öfteres Alleinsein mit Personen des andern Geschlechtes? Betchtspiegel. 247 Habe ich nicht unkeusche Reden geführt, dabei gelacht, selbe mit Wohlgefallen von Andern gehört, oder gar meinen Untergebenen sie gestat: tet? Und in wessen Gegenwart? Habe ich nicht unkeusche Lieder gesungen, abgeschrieben, Undern gelehrt, oder mit Wohlgefallen angehört, und in wessen Gegenwart? Habe ich mich nicht vielleicht gar meiner uns keuschen Handlung gerühmt? Schrieb ich nicht aus unreiner Absicht Briefe? bekam oder brachte ich derselben nicht andern? Habe ich nicht durch freche Geberden oder unanständige Kleidertracht Andere zur Unkeuschheit gereizt, oder absichtlich reizen wollen? Ist dies nicht vielleicht sogar in der Kirche geschehen? Gab oder erlaubte ich nicht Liebkosungen mit unreiner Empfindung? Nahm ich mir nicht an mir selbst, oder an Undern unerlaubte Freiheiten? Habe ich nicht Undere zu diesem Laster verleitet? Habe ich nicht eine sündliche Bekanntschaft? und wie lange? Bin ich nicht Nachts bei Personen des andern Geschlechts gewesen? Habe ich da nichts gegen die Keuschheit gethan? Waren nicht die Personen, mit denen ich mich einließ, noch Unschuldige, und habe ich sie nicht durch Schmeicheleien oder Ge schenke zu etwas Unehrbarem verleitet, oder habe ich sie vielleicht gar gewaltsam dazu gebracht? Waren es Ledige oder Verheirathete?- oder Vers 248 Beichtspiegel. wandte? Waren es vielleicht gar Gott geweihte, oder durch ein Gelübde zur Keuschheit verbun dene Personen? Ist die Sünde der Unkeuschheit nicht an einem geheiligten Orte geschehen? War die Sünde nicht von besonderen Umständen begleitet, welche die Abscheulichkeit noch vermehrten, und das Lafter vergrößerten? That ich nichts, was ich mich ganz besonders zu sagen schämen muß? Waren nicht etwa sogar unvernünftige Thiere der Gegenstand meiner Leidenschaft? Was haben diese Sünden für üble Folgen gehabt? Habe ich auch den daraus entstandenen Schaden gut zu machen gesucht? Ueberhaupt, was du mit einem jeden deiner fünf Sinne, entweder an dir selbst, oder an andern Personen desselben oder des andern Geschlechtes gegen die Keuschheit gesündiget hast, was du selbst gethan, oder auch nur zugelassen hast; das Alles mußt du beichten. 7. und 10. ,, Du sollst nicht stehlen. Du sollst ,, nicht begehren deines Nächsten Haus, Acker, noch etwas, was ,, Knecht, Magd, Ochsen sein ist." 1 2 1. Erforsche dich, ob du nichts ungerechter Weise genommen haft: Habe ich nicht Jemand, Geld, Getreide, Ge räthschaften, Kleidungsstücke u. f. w. genommen, und zwar entweder heimlich oder gar mit Gewalt? Beichtspiegel. 249 Habe ich nichts Gott Geheiligtes, oder etwas von einem heiligen Orte genommen, welches ein Gottesraub ist? Habe ich nicht durch öftere kleine Diebstähle eine beträchtliche Summe entwendet? Habe ich nicht ungerechte Zinsen von meinem Gelde genommen, und Wucher damit getrieben? Habe ich nicht beim Kaufen und Verkaufen, habe ich nicht in Gewicht, Elle oder Maß betrogen, unter dem Vorwande, daß Undere es auch so thun? auf Borg genommen oder gekauft, wohl wissend, daß ich es nicht zurücks zugeben, oder zu zahlen im Stande sein werde? Habe ich nicht etwas 2. Erforsche dich, ob du nichts ungerechter Weise behalten hast: Habe ich gefundenes Geld oder gefundene Sachen dem Eigenthümer wieder zurückgestellt? Habe ich mir die gehörige Mühe gegeben, den Eigenthümer aufzufinden? Habe ich entwendete Sachen oder Geld dem Eigenthümer wieder zurückgestellt? Habe ich Geld oder Sachen von Personen angenommen und behalten, welche keine rechtmäßigen Eigenthümer derselben waren, z. B. von Kindern, Dienstboten? Habe ich geliehene Sachen oder Gelder zur bestimmten Zeit zurückgegeben? Beichtspiegel. Habe ich nicht gestohlene Sachen gekauft oder angenommen, oder bei mir gar aufbewahren laffen? 250 Habe ich nicht ohne Noth Almosen begehrt? Habe ich nicht unterlaffen, Jemanden zu helfen, der in der größten Noth schmachtete? Habe ich nach meinem Vermögen Almosen gegeben? Habe ich nicht Jemanden sogar seinen verdienten Lohn ohne alles Recht zurückbehalten? Habe ich mich nicht durch Verschwendung, Wohlleben, oder durch einen andern freiwilligen Fehler in einen Stand versetzt, wo es mir unmöglich war, meine Schulden zu zahlen? Habe ich nicht den Zehent, Zins oder andere rechtmäßige Abgaben für mich behalten, oder nicht bezahlt, oder das Schuldige in schlechterem Maße oder schlechterer Gattung abgeliefert? 3. Erforsche dich, ob du Niemanden einen Schaden verursacht hast: Habe ich nicht ein mir vertrautes Geschäft schlecht oder gar nicht besorgt? Habe ich mich nicht für eine schlecht verfertigte Sache gut bezahlen lassen? Oder für meinen Dienst und Arbeit Geld angenommen, und dieselbe nicht wohl getreu verrichtet? Habe ich nicht Weinberge, Fruchtfelder, Wiesen durch das Vieh, oder auf sonst eine Weise verdorben? Beichtspiegel. 251 Habe ich nicht junge, jarte Bäume in einem fremden Walde oder Garten, oder auf den Feldern verdorben, oder entfremdet? Habe ich nicht mit Vorwiffen eine fehlerhafte Sache für eine gute verkauft? oder den Käufer auf den verborgenen Fehler aufmerksam zu machen unterlassen? Habe ich nicht falsches Geld ausgegeben oder falsche Wechselbriefe? Habe ich nicht einen ungerechten Rechtsstreit angefangen, fortgeführt, unterhalten oder gar dazu gerathen? Bestach ich nicht sogar die Richter, um einen solchen Rechtsstreit zu gewinnen? Habe ich den Schaden, welcher der andern Partei daraus entstanden ist, ersegt? Habe ich nicht einen Urmen, oder in große Verlegenheit Gerathenen beim Kaufe oder Verkaufe gedrückt? Oder bei was immer für einem andern Vertrage? Habe ich nicht, zu Gunsten der unehelichen Kinder, die ehelichen Kinder an ihrem rechtmäßi gen Untheil verkürzt? Habe ich nicht meiner Familie durch Spielen, Müßiggang, Trägheit, Unmäßigkeit, durch übertriebenen Aufwand in Kleidern und Einrichtung, und durch Unterhaltungssucht geschadet? habe ich nicht bei Umtsrechnungen, bei Verwaltung einer Vormundschaft, oder andern öffentlichen Geldern, Jemand unrecht gethan? Beichtspiegel. Habe ich nicht bei Vertheilung des gemeinschaftlichen Erbvermögens meine Geschwister, Verwandte beeinträchtigt? 252 habe ich nicht ein wiffentlich ungerechtes Gut geerbt und es dem Eigenthümer nicht erstattet? Habe ich nicht ein rechtmäßiges Testament unterdrückt oder nicht befolgt?. Schadete ich nicht Jemanden aus fträflicher Unwissenheit meiner Pflichten, oder aus Bernachläffigung derselben? Habe ich nicht unterlassen, den nächsten vor Schaden zu warnen oder zu behüten, da ich es doch konnte und sollte? Brachte ich nicht Jemanden ungerechter Weise um sein Umt, oder um seinen Dienst? Habe ich nicht einem Unwürdigen oder Unfähigen zum Schaden Underer zu einem Amte oder Dienste geholfen? 4. Erforsche dich, ob du nicht einen Antheil an fremder Ungerechtigkeit gehabt haft: Habe ich nichts Ungerechtes befohlen, gerathen, gutgeheißen? Habe ich nicht sogar zur Vertübung einer Ungerechtigkeit mitgeholfen? Habe ich das Unrecht, das einem andern witerfahren ist, ihm auch entdeckt, oder es unters sucht, und einen treuen Bericht darüber abgeftattet, wo ich es zu thun schuldig war? Beichtspiegel. 5. Erforsche dich, ob du nicht in Gedanken oder Begierden dich über dieses Gebot verfündiget haft: 253 Habe ich nicht den Wunsch gehabt, Jemand etwas zu stehlen? Habe ich nicht Jemand betrügen, oder ihn nicht bezahlen wollen? Habe ich nicht Jemand überreden wollen, mir sein Vermögen zum Nachtheile seiner rechtmäßigen Erben zu vermachen? Habe ich nicht mehrere kleine Diebstähle gemacht, in der Absicht viel zu nehmen? Bemerkungen. 1. Vergiß nicht, gewissenhaft nachzudenken, ob du das zugefügte Unrecht wieder gut gemacht haft. Diese Sünde wird nicht verziehen, wenn man das unrechte Gut nicht erseßen will. Hast du es nicht mehr, so ersege es auf irgend eine andere Urt. Hast du nicht so viel, so erfege, so viel du kannst. Kannst du es gar nicht, so mußt du wenigstens stets den ernstlichen Willen haben, es alsogleich zu thun, wenn du es einst zu thun im Stande sein wirst. 2. Man kann noch auf tausenderlei Urt sich der Ungerechtigkeit schuldig machen, deren jede man hier nicht anführen kann. Indessen befolge die weise Vorschrift: Was du nicht willst, daß dir geschehe, Das thu' auch keinem Andern. 15 Beichtspiegel. Hast du diese Regel vernachläffigt, und einen Andern irgend etwas gethan, das dir selbst unangenehm oder schädlich wäre, so wiffe, daß du eben dadurch gegen die Gerechtigkeit dich verfündigt und eines dieser beiden Gebote übertreten baft. 254 8. Du sollst kein falsches Zeugniß geben wi„ der deinen Nächsten." 1. Erforsche dich über das falsche Zeugniß: Habe ich nicht vor geistlicher oder weltlicher Obrigkeit ein falsches Zeugniß abgelegt? Habe ich nicht falsche Zeugen beigebracht? Habe ich nicht falsche Urkunden ausgestellt, oder Briefe und Schriften, Zeugnisse und Siegel verfälscht? Habe ich nicht wahre Urkunden zum Schaden eines andern verheimlicht? Habe ich mich nicht geweigert, die Wahrheit öffentlich zu gestehen, wo ich es schuldig war? 2. Erforsche Dich über das Lügen: Habe ich mich nicht einer sogenannten Nothlüge bedient? Habe ich nicht die üble Gewohnheit, im Scherze öfters zu lügen? Oder habe ich nicht vielleicht gar in der Beicht gelogen? Habe ich nicht durch Lügen Jemanden geschadet, oder schaden wollen? Beichtspiegel. 255 Habe ich nicht Verleumdungen über andere Personen erdichtet? besonders über geistliche oder weltliche Gemeinden? Habe ich nicht Jemand- öffentlich verleumdet? und vor wie vielen Personen? Verfündigte ich mich nicht durch Verstellung und Gleißnerei? Habe ich Niemand aus Falschheit geschmeichelt? Habe ich mich nicht der Ohrenbläserei schuldig gemacht, d. h. heimlicher Weise, chne alles Recht, ausgeſagt, was ein Mensch wider den Undern ausgesagt oder gethan hat,- und vielleicht oft große Uneinigkeit dadurch verursacht? Habe ich nicht mir anvertraute Geheimnisse entdeckt? oder ohne Recht Briefe aufgefangen, aufgebrochen, geleſen? 3. Erforsche dich über das Ehrabschneiden: Habe ich nicht Schmähschriften gegen Einzelne oder sogar gegen geistliche oder weltliche Gemeinden verfaßt? Habe ich nicht ehrenwidrige Lieder gefungen? Habe ich nicht schmähliche Briefe geschrieben? Habe ich nicht die Fehler meines Nächsten ohne Noth erforscht, und sie gern entdeckt? Habe ich nicht Andern durch vorsätzliche Offenbarung ihrer Fehler, Mängel und Sünden, auch wenn sie wahr waren, an ihrer Ehre geschadet? 15* Beichtspiegel. Waren es grobe oder nur unbedeutende Fehfer? waren sie den Undern schon bekannt, oder noch unbekannt? 256 - Habe ich nicht mit Wohlgefallen unbillige, die Ehre des Nächsten kränkende Reden angehört? 3u solchen Reden selbst Anlaß gegeben, oder denfelben beigestimmt? Habe ich nicht unterlassen, solche Reden, welche die Ehre des Nächsten verleBen, zu verhindern, wo ich doch konnte und sollte? Hatten diese Ehrabschneidungen schädliche Folgen? Und welche? Habe ich diese Folgen vorausgesehen? Habe ich nicht Jemand gröblich beschimpft? Habe ich den Beschimpften schon um Verzeihung gebeten? Habe ich die durch mich verlegte Ehre des Nächsten wieder herzustellen gesucht? Habe ich nicht auf eine beschimpfende Weise, aus Berachtung, Neid oder Leichtsinn über Undere gescherzt oder gespottet, oder ihnen sonst wohl gar schändliche oder häßliche Namen gegeben? Habe ich nicht ohne alles Recht fremde, geheime Schriften untersucht? 4. Erforsche dich über das vermessentli che Urtheilen und den falschen Argwohn: Habe ich nicht ohne hinlänglichen Grund auf Jemand einen Verdacht gehabt? Habe ich nicht diesen Argwohn chne Noth auch gegen Andere geäußert? Habe ich nicht meinen Nächsten durch sol Beichtspiegel. 257 chen Argwohn gekränkt, oder ihm auf irgend eine Art geschadet? habe ich nicht einzelne Personen oder gar ganze geistliche oder weltliche Gemeinden böse beurtheilt, oder deren Thun und Lassen vermeffentlich als böse ausgelegt? Habe ich den durch mein falsches Urtheil oder meinen Argwohn entstandenen Schaden gutge= macht? Uleber die fünf Gebote der Kirche. 1. Du sollst die gebotenen Feiertage halten." 2. 11 Du sollst die heilige Messe an Sonn- und Feier,, tagen mit gebührender Andacht hören." Die Urt und Weise, sich über diese zwei Gebote zu erforschen, findest du bei dem dritten Gebote Gottes. 3. Du sollst die gebotenen Fasttage halten, als da sind: die Quatembertage, die vierzehntägige Fasten; „ auch ſollst du am Freitage und Samstage vom Fleischessen dich enthalten." Unter Fasten wird nach dem jegigen Gebrauche der Kirche, die Enthaltung von allen Fleischspeisen, und nur eine einzige Sättigung des Ta ges verstanden; doch wird Abends eine kleine Mahlzeit oder Collation erlaubt. Die gewöhnli. chen Freitage und( wo keine bischöfliche Dispens Statt hat) auch die Samstage verbinden nur zur Enthaltung von Fleischspeisen, nicht aber zum Fasten Junge Personen unter dem 21. Jahre, dann sechzigjährige Greise, schwangere Frauen, Beichtspiegel. Säugammen, kränkliche, schwer arbeitende Perfonen, und Alle, denen das Fasten einen wirklichen Schaden zufügen könnte, sind davon ausgenommen, doch sind sie zur Enthaltung vom Flei. sche verbunden, wenn sie davon nicht rechtmäßig disvensirt sind. Sind die Ursachen der Dispens nur vorgeblich und falsch, so gilt eine solche Dispens nicht. Auch die Dispensirten dürfen nach der Bulle Benedicts XIV. nicht am Abende Fleisch effen, außer im Krankheitsfalle, und niemals Eine jede bedeuFleisch und Fische zusammen. tendere Ulebertretung dieses Gebotes ohne erhebliche Ursache ist eine schwere Sünde. 258 - Erforsche dich also, ob du dieses Gebot genau befolgt haft oder nicht; ob du nicht vielleicht fogar deine Untergebenen zur Uebertretung des Fastengebotes verleitet, ja verhalten hast; ob du nicht etwa die verordnete Fasten getadelt, ja dieselbe vor andern mißbilligt hast u. f. w.? 4. Du sollst jährlich wenigstens ein Mal dem verord,, neten Priester beichten, und um die österliche Zeit „ das heil. Sacrament des Altars empfangen." Erforsche dich: Habe ich jedes Jahr wenigstens ein Mal gebeichtet? Habe ich nicht gottesräuberisch gebeichtet? ( Wer schlecht beichtet, irgend eine schwere Sünde vorsäglich, oder aus sträflicher Nachlässigkeit verschweigt, oder keine wahre Reue hat, oder die auferlegte Buße nicht erfüllt, oder nicht losgesprochen Beichtspiegel. 259 wird der hat dem Gebote noch nicht genug gethan). Habe ich in der von dem Bischofe festgesetzten österlichen Zeit die heilige Communion empfangen? und dadurch zugleich dem vierten Kirchengebote nicht genuggethan? ( Wer in der österlichen Zeit nicht communiciren konnte, ist verbunden, es nach derselben zu thun; die Kranken müssen sich während dieser Zeit die heilige Communion in's Haus bringen lassen.) Jede Uebertretung dieses Gebotes ohne sehr wichtige Ursache ist eine schwere Sünde. 5. Du sollst an verbotenen Zeiten keine Hochzeit halten.“ Diese verbotenen Zeiten sind: die Adventund Fastenzeit; auch gibt es andere Buß- und Bettage, wo solche und ähnliche Lustbarkeiten untersagt sind. Erforsche dich, ob du an solchen Tagen den lärmenden Luftbarkeiten, als Tänzen und manchen Spielen beigewohnt, oder dazu Gelegenheit gegeben haft? Ueber die fieben Hauptsünden. 1. In Betreff der Hoffart erforsche dich: Bin ich nicht auf meine Leibesgestalt, meinen Verstand, oder auf meine Geschicklichkeit eitel gewesen? Beichtspiegel. War ich nicht stolz auf meine vermeinte Schönheit, auf meine Reichthümer, mein Umt, meine Kleider u. dgl. mehr? 260 Habe ich mich nicht für beffer, frömmer und tugendhafter als andere gehalten? Habe ich nicht vielleicht blos das Lob und die Ehre der Menschen gesucht? Habe ich nicht bei meinen vermeinten Vor: zügen Andere verachtet? Habe ich mich nicht anderer wegen ihres niedrigen Standes geschämt? War ich nicht gegen verdiente Vorwürfe und billige Ermahnungen widerspenstig und unduldsam? Oder habe ich vielleicht gar gegen heilsame Ermahnungen ein verstocktes Herz gehabt? 2. Ueber den Geiz erforsche dich: Liebe ich nicht die Reichthümer leidenschaftlich? Habe ich nicht über den Verlust derselben einen übermäßigen Schmerz getragen? Habe ich mich nicht einer Lüge, oder gar eines ungerechten Schwures bedient? habe ich nicht die Sonn- oder Feiertage entheiliget, den Gottesdienst bintangeseßt, um etwas zu gewinnen, oder doch um nicht etwas zu verlieren? War ich nicht gefühllos gegen Urme? Habe ich nicht unterlassen, sie nach Kräften zu unterstügen? War ich nicht im Gegentheil verschwenderifch? Habe ich nicht unnöthiger Weise viel Geld Beichtspiegel 261 auf Pug, Wohlleben, Unterhaltungen, auf Spiele verwendet? Habe ich nicht mir oder meiner Familie dadurch einen großen Schaden verursacht? Habe ich nicht Hazardspiele gespielt, oder Glückspiele oder die Lotterie zu leidenschaftlich geliebt? 3. Uleber die Sünde der Unkeuschheit wurde schon im sechsten Gebote Gottes die Gewissenserforschung angestellt. 4. Ueber den Neid erforsche dich: Habe ich nicht gegen Jemand einen gebeimen Groll getragen, weil ihm Alles besser glückt, weil er reicher ist, mehr Verstand und Geschicklichkeit besigt, oder vielleicht gar, weil er tugendhafter ist, als ich? Habe ich mich nicht sogar erfreut, wenn Jemanden ein Unglück oder eine Schande widerfahren? Habe ich nicht meinem Nächsten sogar die göttliche Gnade mißgönnt, und ihn darum beneidet? War ich nicht traurig, wenn ein Underer zu Glück oder zu Epren gekommen ist? Habe ich nicht Jemanden aus Neid sogar einen Unfall gewünscht? Habe ich nicht Jemanden aus Neid sogar geschadet, oder ihn verkleinert? 5. Ueber Fra ß und Völlerei erforsche dich: Habe ich nicht gar zu köstliche und leckerhafte Speisen gesucht? War ich nicht unmäßig im Effen und Trinken? Beichtfpiegel. Habe ich nicht während des Gottesdienstes, oder zur Nachtzeit ohne Noth die Schenke besucht? Habe ich nicht daselbst zum Nachtheile meiner Familie Geld verschwendet? 262 Habe ich nicht durch meine Unmäßigkeit im Trinken Nergerniffe gegeben? Habe ich nicht sogar Andere zu unmäßigem Trinken verleitet? Habe ich mich nicht durch die Trunkenheit segar in die Gefahr begeben, andere schwere Sünden zu begehen, oder in derselben wirklich gesündiget? und wie? 6. Uleber den 3orn erforsche dich: - Habe ich nicht im Zorn sogar wider Gott oder den nächsten Lästerungen ausgestoßen? Habe ich nicht im Zorne meinem Nächsten Uebles gewünscht? und welcherlei? Habe ich ihn nicht vielleicht im Zorne miß handelt? Habe ich nicht Jemanden im Zorne verleumdet? Habe ich mich nicht im Zorne an Jemanden rächen wollen? Habe ich nicht einen Groll wider meinen Nächsten im Herzen getragen, und wie lange? Habe ich nicht durch meinen Zorn ein großes Nergerniß gegeben? Habe ich mich nicht aus Zorn geweigert, mich mit meinem Nächsten zu versöhnen? Beichtspiegel. 7. Ueber die Trägheit erforsche dich: Habe ich nicht aus sträflicher Nachlässigkeit das tägliche Gebet, die so ersprießliche Lesung geistlicher, Gemüth und Herz erbauender Bücher, j. B. das Leben der Heiligen, geistlicher Betrachtungen, die Anhörung des Gottes- Wortes, die Undacht der heiligen Messe, die Besuchung des allerheiligsten Altarssacramentes, die Beicht und Communion unterlaffen? 663 Habe ich nicht die mir obliegende schuldige Urbeit nachlässig verrichtet, oder gänzlich außer Ucht gelassen? Habe ich nicht zu viele Zeit beim Spielen verloren? Habe ich mich nicht dem Müssiggange ergeben? Habe ich nicht durch dieses Laster der Trägheit meinem Hauswesen geschadet? Ueber die Standespflichten. 1. Als Obrigkeit befrage dich: Habe ich nicht für die zeitlichen Bedürfnisse meiner Untergebenen zu sorgen unterlassen? Habe ich ihnen nicht aus Bosheit oder Nachläffigkeit sogar geschadet? Habe ich auch für das Seelenheil derselben gesorgt, und über ihre Sitten und Aufführung gewacht? Habe ich auch unter ihnen die Gelegenheit zu Unordnungen, zu Ausgelaffenheiten und Verführungen zu verhindern gesucht? Beichtspiegel. Habe ich auch ihre Laster bestraft, und ihre Tugenden belohnt? 264 War ich auch in meiner Amtshandlung ge gerecht? war ich nicht hartherzig? Habe ich mich auch der Armen und Unschuldigen angenommen? Habe ich nicht vielleicht die Urmen, Witwen und Waisen unterdrückt? Habe ich nicht vielleicht die Bösen vertheidigt? 2. Als Unterthan befrage dich: Bin ich meiner Obrigkeit gehorsam gewesen? Habe ich mich zu keinem sündhaften Dienste gebrauchen lassen? Habe ich meiner Obrigkeit die schuldige Ehrerbietung erwiesen? Habe ich nicht wider sie gemurrt, sie falsch beurtheilt, geringgeschägt, oder sogar Andere wi der sie aufgehegt? Habe ich ihr auch den gebührenden Zehent oder andere rechtmäßige Abgaben entrichtet? 3. Als Vater oder Mutter befrage dich: Habe ich für das Leben und die Gesundheit meiner Kinder die nothwendige Gorge getragen? Habe ich sie nicht vor der Geburt schon der Gefahr eines Unglücks ausgefest? Habe ich sie nicht, bevor sie noch ein Jahr, oder nachdem sie schon über das sechste Jahr alt waren, zu mir in's Bett genommen, mit der Ge Beichtfpiegel. fahr sie zu erdrücken, oder ihnen ein ergerniß zu geben? 265 Habe ich nicht meine erwachsenen Kinder ohne alle Vorsicht mit einander im Bette liegen lassen? Sorge ich auch dafür, daß sie stets eingezogen bekleidet waren? Habe ich für ihre Erhaltung, Nahrung, Kleis dung, Erziehung und künftige Versorgung Sorge getragen? Habe ich sie eine Hantirung, Kunst, Gewerbe oder Wissenschaft lernen laffen, womit sie in der Zukunft ihren Unterhalt verdienen können? Habe ich nicht das Eine dem andern ungerechter Weise vorgezogen? Habe ich sie nicht zu einem Stande gezwungen, zu welchem sie keinen Beruf in sich fühlten? Habe ich sie nicht in ihrem Berufsstande ungerechter Weise gehindert? Habe ich auch für ihre Seele durch chrift: liche Erziehung geſorgt? Habe ich nicht versäumt, ihnen die heilige Taufe und die übrigen heiligen Sacramente zu gehöriger Zeit ertheilen zu lassen? Habe ich sie auch gehörig in die Schule und in die Kirche geschickt? zur häuslichen Andacht, zum öfteren Gebrauche der heiligen Sacramente angehalten, und bin ich ihnen hierin mit gutem Beispiele vorangegangen? Habe ich sie auch angemessen bestraft, wenn sie es verdienten? Beichtspiegel. Habe ich ihnen nicht durch Schelten, böses Nachreden, oder durch ungebührliche Werte und Handlungen Uergerniß gegeben? 266 Habe ich sie nicht den ganzen Tag ohne alle Aufsicht herumlaufen laffen? oder ihnen böse Gesellschaften, verderbliche Spiele, nächtliche Aus gänge, verdächtige Bekanntschaften geſtattet? Habe ich sie nicht im wilden Zorne grausam mißhandelt? Bin ich auch darauf bedacht gewesen, ihnen einiges Vermögen zu erwerben? 4. Die Pflichten der Kinder gegen ihre Weltern sind schon bei dem vierten Gebote Gottes vorgekommen. 5. Ulls Hausherr oder Hausfrau frage dich: Bin ich besorgt gewesen, fremme Dienstboe ten zu haben? Habe ich für das Seelenheil derselben gesorgt? Habe ich sie zum täglichen Gebete, zum ges botenen Gottesdienste, zur Anhörung des Wortes Gottes, zum öftern Gebrauche der heiligen Sacramente verhalten? Habe ich ihnen nicht etwas Böses zu thun befohlen, oder auch nur erlaubt? Habe ich sie nicht mit Arbeit überladen? oder ihnen nicht an Sonn- und Feiertagen unerlaubte Arbeiten auferlegt? Habe ich sie nicht zu hart und schimpflich ges halten? Beichtspiegel. 267 Habe ich ihnen nicht sogar gefährliche Zusammenkünfte, nächtliches Herumschwärmen, verdächtige Bekanntschaften und Ausgänge gestattet, oder zu wenig Aufsicht über sie gehalten, und dadurch Anlaß zu ihrem Verderben gegeben? Habe ich ihnen allezeit die nöthige Nahrung verschafft? Habe ich sie im Falle einer Krankheit mit Liebe verpflegt und sie nicht hilflos verlassen? Habe ich sie nicht ohne recht gültige Ursache vor der Zeit aus dem Dienste entlassen? Habe ich sie nicht, ungeachtet ihres ärgerlichen Wandels, dennoch im Dienste behalten? Habe ich ihnen, wie auch den Taglöhnern, den verdienten Lohn ganz und nach ihrem Bedürfniße gleich bezahlt? Habe ich nicht sogar in meinem Hause ärgerliche Leute gehegt und strafbare Zusammenkünfte geſtattet? 6. Als Dienstbote erforsche dich: Habe ich meinen Dienstherren die schuldige Ehrfurcht erwiesen? Habe ich nicht Böses von ih nen geredet? Habe ich nicht die Fehler derselben Undern geoffenbart? Habe ich nicht im Hause beshafter Weise sogar Uneinigkeit gestiftet? Habe ich ihnen treu und fleißig gearbeitet? Habe ich mich nie von ihnen zu einem sündbaften Dienste gebrauchen lassen, obwohl ich es 268 Beichtspiegel. wußte, daß man Gott mehr als den Menschen gehorchen soll? Ist nicht durch meine Schuld ihnen ein Scha: den widerfahren? Habe ich ihnen nicht sogar et. was entfremdet oder zurückbehalten, unter dem Vorwande, wegen eines zu geringen Lohnes mich fchadlos zu halten? Habe ich nicht beim Einkaufen immer etwas weniges zurückbehalten? Habe ich nie einen meiner Mitdienstboten aus dem Hause verdrängt? Habe ich nicht etwa zum Diebstahle, oder zur bösen Aufführung meiner Mitdienstboten stillge schwiegen? Oder vielleicht gar mitgehalten nnd Theil genommen? 7. Bist du verheirathet, so erforsche dich: Bin ich nicht aus Absichten in den Ehestand getreten, die eines Christen unwürdig sind? Habe ich nicht mein Herz und meine Liebe Un dern jugewendet? Nicht sogar die Ehe gebrochen? Habe ich nicht durch Umgang mit verdächtigen Gesellschaften Ursache zur Eifersucht gegeben? War ich nicht, zum großen Aergerniß meiner Kinder oder der Nachbarschaft, mit meinem Gat ten uneins? wollte ich ihn nicht, ohne rechtmäßige Ursache und Erlaubniß der Behörde, verlaffen? verließ ich ihn nicht sogar wirklich? Habe ich nie den heiligen Ehestand misbraucht? mißHabe ich nie die christliche Ehrbarkeit im Ehestande verlegt? Beichtspiegel.. 269 Habe ich nicht meinen Kindern hierin ein Nergerniß gegeben, oder betrug ich mich nicht so, daß ein ergerniß für die Kinder hätte entstehen Fönnen? 8. Als Ehegatte erforsche dich insbesondere: Habe ich nicht meine Ehefrau rauh oder hart behandelt? Habe ich sie auch besonders in Ucht genommen, wenn sie mit einer Leibesfrucht gesegnet war? Habe ich sie nicht verleitet, Gott zu beleidigen? Habe ich ihr nicht unnüße und kränkende Vorwürfe gemacht? Habe ich nicht Güter, welche sie in's Haus gebracht hat, verschwendet? Habe ich nicht vielleicht auf ihr Eigenthum ohne ihre Einwilligung Schulden gemacht? 9. Als Ehegattin denke insbesondere nach: Habe ich nicht ohne des Mannes Wissen das Geld unnüş verwendet, oder von seinem Vermögen an Freunde, Verwandte, oder an die Kinder erster Ehe, ohne erhebliche Ursache und zu seinem Schaden angewendet? War ich gegen meinen Ehemann auch nach giebig, und in allen gerechten Forderungen auch gehorsam? Habe ich ihn nicht verleitet, Gott zu beleidigen? 10. Als Handelsmann erforsche dich: Habe ich nicht manchmal in Maß und Gewicht betrogen? oder die Waaren über den gebührenden Preis verkauft? 16 Beichtspiegel. Habe ich nicht falsche Waaren für echte zum Nachtheil des Nächsten verkauft? 270 Habe ich nicht dabei mein Teelenheil ganz vernachläffiget? 11. Als Handwerker erforsche dich: Habe ich nicht ohne außerordentliche Verans lassung, blos nur aus Eigennug und Gewinnsucht, an Sonn- und Festtagen gearbeitet? Habe ich mir nicht etwa fremdes Eigenthum von der Arbeit zurückbehalten? Habe ich nicht aus Neid oder durch böse Kunstgriffe Andern die Kundschaften entzogen? Habe ich nicht, einem gemachten Vertrag zuwider, die Arbeit mit Trug und Hinterlist vollendet? Habe ich mich nicht zu theuer bezahlen lassen? Habe ich nicht Gegenstände verfertigt, von denen ich gut wußte, daß sie zu Bösem gebraucht werden? 12. Als Schenk- oder Gast- Wirth frage dich: Habe ich nicht die Getränke verfälscht? Habe ich nicht den Gästen über die Schul digkeit angerechnet? Habe ich nicht Trunkenbolden so lange einge schenkt, bis sie berauscht wurden? Habe ich nicht solchen Leuten eingeschenkt, von welchen ich wußte, daß sie durch ihr Schwelgen ihr Hauswesen zu Grunde richten? Beichtspiegel. Habe ich nie Hazardspiele erlaubt? Habe ich nicht jungen Leuten, die noch unter der älterlichen Zucht und Erziehung stehen, das Zechen und Spielen gestattet? 271 Habe ich nicht liederlichen Personen bei mir Aufenthalt gegeben? War mein Haus nicht der Ort zu schändlichen Verführungen? Habe ich nicht zu Gotteslästerungen, Flüchen, Schimpfen, Zoten stillgeschwiegen, und sie sogar geduldet? Habe ich nicht unreine Scherze, Lieder, gefährliche Musik und Tänze geduldet? oder sogar veranstaltet? 13. Als Landmann erforsche dich: Habe ich nicht den Feldern meiner Nachbarn böslich Schaden zugefügt? Habe ich nicht über die Obrigkeit, die Nachbarn, über die Steuern oder das Wetter u. s. w. geflucht? Habe ich nicht das Bieh Kindern anvertraut, die es zu hüten nicht im Stande waren? Habe ich nicht zur Ernte oder Weinlesezeit zugelassen, daß junge Personen beiderlei Ges schlechtes an demselben Orte ohne alle Aufsicht schließen? 16* Kleiner Katechismus in Fragen und Antworten, worin die nothwendigsten christlichen Wahrheiten enthalten sind. Erinnerung für Aeltern und Hausväter. Aeltern und Bormünder, überhaupt alle Jene, welche die Stelle dieser vertreten, haben die unerläßliche Pflicht, die Kinder so frühzeitig als möglich zum Christenthum anzuhalten. Man lehre daher die Kinder, sobald sie zu reden und zu begreifen beginnen, die heiligen Namen Jesu und Maria, ehrerbietig aussprechen und verehren; man lehre sie, unsern liebreichsten himmlischen Vater fammt Seinem eingebornen Sohne und dem heiligen Geiste, so wie die göttliche Mutter erkennen. Man lehre sie das heilige Kreuz machen, und bete ihnen täglich das Bater unser, den englischen Gruß und den Glauben langsam und andächtig vor. Katechismus. I. Von dem chriftkatholischen Glauben. F. Was ist der Glaube eines katholischen Christen? 273 2. Der Glaube eines katholischen Christen ist ein übernatürliches Licht, eine Gabe Got tes, eine von Gott eingegoffene Tugend, wodurch der Christ alles fest und unbezweifelt für wahr hält, was Gott geoffenbaret hat, und was ihm die heilige katholische Kirche zu glauben vorstellt, es sei nun in der Bibel enthalten oder nicht. F. Wer ist ein katholischer Christ? 2. Derjenige ist ein katholischer Christ, wel her nach empfangener heiliger Taufe die Lehre unseres Herrn Jesu Christi so bekennt und glaubt, wie sie ihm von der heiligen katholischen Kirche, welche unfehlbar ist, vorgestellt wird. F. Warum glaubt der katholische Christ Alles fo fest und unbezweifelt, was Gott durch Seine Kirche geoffenbart hat? 2. Der katholische Christ glaubt blos deßwegen Alles so fest und unbezweifelt, was Gott durch Seine Kirche geoffenbart hat, weil Gett die ewige Wahrheit und Weisheit Selbst ist, welche weder betrügen, noch betrogen werden kann. F. Was muß ein katholischer Christ, sobald er zum Gebrauche feiner Vernunft gekommen, nothwendig wissen und glauben, um selig zu werden? 2. Er muß folgende Grundlehren der christlichen Religion wissen und glauben: 1. daß ein 16** 274 Katechismus. Gott ist; 2. daß Gott ein gerechter Richter ist, der das Gute belohnt und das Böse bestraft; 3. daß es drei göttliche Personen Einer Wesenheit gibt: den Bater, den Sohn und den heiligen Geist; 4. daß die zweite göttliche Person, Jesus Christus, Mensch geworden, um uns durch seinen Tod am Kreuze zu erlösen, und ewig selig zu ma chen; 5. daß die Seele des Menschen unsterblich ist; 6. daß die Gnade Gottes zur Seligkeit nothwendig ist, und daß der Mensch ohne diese Gnade nichts Verdienstliches zum ewigen Leben wirken kann. F. Wo ist das, was ein katholischer Christ glauben muß, vorzüglich enthalten? A. Das, was ein katholischer Christ glauben muß, ist in dem apostolischen Glaubensbekenntniße enthalten. F. Uus wie viel Glaubensartikeln besteht das apostolische Glaubensbekenntniß? 2. Das apostolische Glaubensbekenntniß besteht aus zwölf Hauptartikeln. Von dem ersten Glaubensartikel. F. Wie lautet der erste Glaubens artikel? 2. Er lautet: Ich glaube an Gott den Vater, allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde. F. Gibt es mehr als Einen Gott? U. Es gibt nur Einen Gott. Katechismus. 275 F. Was ist Gott? 2. Gott ist aus Sich Selbst das allervollkommenste Wesen, oder das in Sich Selbst einzig wahre und höchste Gut, welches aus Sich Selbst alle guten Eigenschaften im höchsten Grade besigt. F. Welche Haupteigenschaften Gottes sollen wir uns besonders merken? A. Wir sollen uns folgende Eigenschaften Gottes besonders merken: 1. Gott ist ewig; denn Er war immer, ist und wird immer sein. 2. Gott ist unveränderlich; denn Er war immer, ist und bleibt immer derselbe. 3. Gott ist ein purer Geist, welcher den vollkommensten Verstand und den besten Willen, aber keinen Leib hat. 4. Gott ist höchst gütig; weil alles Gute, daß Seine Geschöpfe haben, von Ihm kommt 5. Gott ist allwissend; denn er weiß Alles, Er weiß das Verborgenste. 6. Gott ist höchst weise; denn Er hat Alles nach Seinem höchsten Verstande sehr gut angeordnet. 7. Gott ist allmächtig; denn Ihm ist gar nichts unmöglich. 8. Gott ist allgegenwärtig; Er ist überall zugegen, im Himmel und auf Erden. 9. Gott ist höchst wahr. haft und getreu; Er kann durchaus nichts Unwah. res sagen und versprechen. 10. Gott ist höchst heis lig; Er liebt alles Gute und verabscheuet alles Böse auf's Höchste. 11. Gott ist höchst gerecht; Er belohnet ewig das Gute, und bestraft ewig das Böse. 12. Gott ist höchst barmherzig; denn Er verzeihet uns gerne alle unsere Sünden. Katechismus. F. Ist Gott nur einfach in der Person? 2. Gott ist dreifach in der Person und einfach in der Wesenheit. 276 F. Wie heißen die drei göttlichen Personen? 2. Sie heißen: 1. der Vater, 2. der Sohn, 3. der heilige Geist. Der Vater ist aus Sich Selbst, der Sohn ist von dem Vater von Ewigkeit gezeugt, der heilige Geist geht von dem Vater und Sohne zugleich von Ewigkeit aus. Dem Bater wird die Schöpfung, dem Sohne die Erlöfung, dem heiligen Geiste unsere Heiligung beson= ders zugeschrieben. Diese drei göttlichen Personen haben alle Eigenschaften Gottes miteinander gemein, d. h. Sie haben eine und dieselbe göttliche Natur und Wesenheit. F. Wie nennt man die drei göttlichen Perfonen zusammen? 2. Die drei göttlichen Personen zusammen nennt man die allerheiligste Dreifaltigkeit, oder Dreieinigkeit, oder den dreieinigen Gett. F. Wie bekennt man den dreieinigen Gott, oder die heiligste Dreieinigkeit? 2. Man bekennt die allerheiligste Dreieinigkeit durch das Zeichen des heiligen Kreuzes, in= dem man mit der rechten Hand die Stirne, den Mund und die Brust bezeichnet, und sagt: Im Namen Gottes des Vaters+ und des Sohnes und des heiligen Geistes †. Amen. Katechismus. 277 Von der Schöpfung. F. Wer hat Ulles erschaffen? A. Gott hat Simmel und Erde, und Alles, was da ist, erschaffen, d. h. aus Nichts hervorgebracht. F. Welche sind die vorzüglichsten Geschöpfe Gottes? 2. Dle vorzüglichsten Geschöpfe Gottes sind die Engel und die Menschen. F. Was sind die Eng- 1? 2. Die Engel sind pure Geister, welche Verstand und Willen, aber keine Leiber haben. F. Woraus besteht der Mensch? U. Der Mensch besteht aus einem Leibe und einer unsterblichen Seele, welche nach dem Ebenbilde Gottes erschaffen ist. F. Warum hat Gott die Menschen erschaffen? 2. Gott hat die Menschen erschaffen, damit sie Ihn ehren, lieben, anbeten, Ihm dienen, gehorsamen, und selig. werden. F. Sind die Menschen Gott immer gehorsam geblieben? 2. Schon die ersten Menschen, Adam und Eva, waren Gott ungehorsam, haben im Paradiese die Frucht eines Baumes gegessen, die ihnen Gott verboten hatte, und dadurch geiündigt. F. Hat diese Günde blos den ersten Menschen geschadet? 2. Diese Sünde hat nicht allein den ersten Menschen, sie hat auch uns geschadet, die wir 278 Katechismus. von ihnen abstammen; sie ist auch auf uns übergegangen. F. Sind die Menschen auch, wie die hoffärtigen Engel von Gott auf ewig verworfen worden? 2. Die Menschen sind nicht so wie die hoffärtigen Engel auf ewig von Gott verworfen worden, sondern er gab ihnen einen Erlöser, und dieser ist Jesus Christus. Von dem zweiten Glaubensartikel. F. Wie lautet der zweite Glaubensartikel? 2. Er lautet: Und an Jesum Christum, Seinen eingebornen Sohn, unsern Herrn. F. Wer ist Jesus Christus? U. Jesus Christus ist der eingeborne Sohn Gottes des Vaters, von Ewigkeit von Ihm gejeugt: Er ist die zweite göttliche Person; Er ist wahrer Gott. F. Warum heißt Er Jesus, und warum Christus? U. Er heißt Jesus, weil Er unser Heiland ist; und Er heißt Christus, weil Er der Gesalbte Gottes ist. F. Warum heißt Er unser Herr? 2. Er heißt unser Herr, weil Er uns durch Sein Blut aus der Sclaverei des Satans für Sich erkauft hat. Katechismus. Von dem dritten Glaubensartikel. F. Wie lautet der dritte Glaubensartikel? 2. Er lautet: 279 Der empfangen ist von dem heiligen Geifte, geboren aus Maria, der Jungfrau. F. Welche göttliche Person ist vom Himmel herabgekommen? 2. Die zweite göttliche Verson ist vom Himmel herabgekommen, um die Menschen von ihren Sünden zu erlösen, und diese Person ist Jesus Chriftus, unser Herr. F. Auf welche wunderbare Weise geschah dieses? 2. Jesus Christus ist durch die Mitwirkung des heiligen Geistes Mensch geworden, und aus Maria, einer unbefleckten Jungfrau, in Bethlehem geboren. Deßwegen wird auch Maria mit Recht die Mutter Gottes genannt. Von dem vierten Glaubensartikel. F. Wie lautet der vierte Glaubensartikel? U. Er lautet: Gelitten unter Pontio Pilato, gefreuziget, gestorben und begraben. F. Warum hat Jesus Christus gelitten? 2. Jesus Christus hat den schmählichsten Tod am Kreuze gelitten, um uns von unsern Süns den zu erlösen. Katechismu 8. F. Konnte Jesus Christus leiden? 2. Jesus Christus konnte leiden, weil Er auch Mensch war. F. Konnte Er uns auch von der Sünde und dem ewigen Tode erlösen? 2. Er konnte uns auch von der Sünde und dem ewigen Tode erlösen, weil er zugleich Gott war. Von dem fünften Glaubensartikel. 280 F. Wie lautet der fünfte Glaubensartikel? U. Er lautet: Abgestiegen zu der Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Todten. F. Wer stieg in die Vorhölle hinab? U. Die Seele Jesu, vereinigt mit der Gottheit, stieg in die Vorhölle hinab, wo die Altväter und jene frommen Seelen waren, die auf Seine Erlösung harrten; indeß Sein heiligster Leichnam vereinigt mit der Gottheit im Grabe ruhte. F. Bann und durch wessen Kraft stand Jesus Christus von den Todten auf? A. Um dritten Tage vereinigte sich die Seele wieder mit dem Leibe, und Jesus Christus stand aus eigener Kraft aus dem Grabe auf. Von dem sechsten Glaubensartikel. F. Wie laute der sechste Glaubensartikel? U. Er lautet: Aufgefahren in den Himmel, sizzet zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters. Katechis mus. F. Wann ist Jesus in den Himmel aufgefahren? 2. Um vierzigsten Tage nach einer Auferstehung ist Jesus auf dem Delberge in Gegenwart Seiner Jünger in den Himmel aufgefahren. 281 F. Was heißt das: Jesus Christus sizet zur Rechten des allmächtigen Vaters? 2. Es heißt: Jesus ist in der Glorie Seines Vaters, erhöht über alle Geschöpfe, im Besige der höchsten Gewalt und Herrlichkeit. Von dem siebenten Glaubensartikel. F. Wie lautet der siebente Glaubensartikel? 2. Er lautet: Von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Todten. F. Wird Jesus Christus einst kommen? 2. Er wird einst am jüngsten Tage als Gott und Mensch, sichtbar für alle Menschen von dem Himmel herab kommen, und wird Gericht halten über alle Menschen. F. Wie wird Jesus die Menschen richten? U. Er wird die Guten in dem Himmel ewig belohnen, und die Bösen in der Hölle ewig bestrafen. Von dem achten Glaubensartikel. F. Wie lautet der achte Glaubensartikel? 2. Er lautet: Ich glaube an den heiligen Geist. Katechismus. F. Wer ist der heilige Geit? U. Der heilige Geist ist die dritte göttliche Person: Er geht von dem Vater und dem Sohne zugleich von Ewigkeit aus; Er ist wahrer Gott, und muß von uns angebetet werden. F. Wie heiligt uns der heilige Geist? U. Er heiligt uns besonders in den sieben heiligen Sacramenten, und durch Seine sieben Gaben. F. Welche sind die sieben Gaben des heiligen Geiſtes? 282 A. Diese sieben Gaben sind: 1. die Gabe der Weisheit. 2. Die Gabe des Verstandes. 3. Des Rathes. 4. Der Stärke. 5. Der Wissenschaft. 6. Der Gottseligkeit. 7. Der Furcht des Herrn. Von dem neunten Glaubensartikel. F. Wie lautet der neunte Glaubensartikel? 2. Er lautet: Eine heilige, allgemeine, christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen. F. Was ist die Eine, heilige, allgemeine, christliche Kirche? 2. Die Eine, heilige, allgemeine, christliche Kirche ist die sichtbare Versammlung aller recht gläubigen Christen unter einem sichtbaren Obers haupte, dem römischen Papste, welche einerlei Lehre bekennen, einerlei Sacramente gebrauchen und von rechtmäßigen Bischöfen regiert werden. F. Wen hat denn Jesus Christus zum wirks ichen Oberhaupte Teiner Kirche bestellt? A. Jesus Christus hat den heiligen Petrus Katechism ut 8. 283 zum wirklichen Oberhaupte Seiner Kirche bestellt; und weil der heilige Petrus in Rom lebte und starb, so ist der römische Bischof, oder Papst, der wahre Nachfolger des heiligen Petrus, und also der wahre Statthalter Jesu Christi auf Erden. F. Welcher Mensch ist also in der wahren Kirche? 2. Nur Derjenige ist in der wahren Kirche Gottes, welcher sich der Leitung ihres wahren Oberhauptes unterwirft, und alles glaubt, was die katholische Kirche zu glauben vorstellet, es sei geschrieben oder nicht. F. Wer ist aber ein Irrgläubiger? 2. Derjenige ist ein Irrgläubiger, welcher die wahre Kirche nicht hören will; oder, wie die heiligen Väter sagen: Derjenige hat Gott nicht jum Bater, der die Kirche nicht zur Mutter hat." F. Was für eine Gemeinschaft haben die rechtgläubigen Christen auf Erden unter einander? 2. Sie haben unter einander Gemeinschaft, wie die Glieder eines Leibes. Ein jeder Rechtgläubige nimmt Theil an den geistlichen Gütern der übrigen Rechtgläubigen. F. Haben wir auch mit den Heiligen im Himmel eine Gemeinschaft? U. Wir haben auch mit den Heiligen im Himmel eine Gemeinschaft. Die Heiligen im Himmel bitten nämlich für uns bei Gott, indeß wir auf Erden sie verehren, und um ihre Fürbitte anrufen. Katechismus. F. Haben wir auch mit den armen Seelen im Fegefeuer eine Gemeinschaft? 284 2. Ja; denn die armen Seelen im Feges feuer erhalten durch unser Gebet und unsere guten Werke Hilfe, und sie bitten wieder aus Dankbarkeit und Liebe für uns bei Gott. Von dem zehnten Glaubensartikel. F. Wie lautet der zehnte Glaubensartikel? U. Er lautet: Ablaß der Sünden. F. Wem hat Jesus Christus Gewalt gegeben, die Sünden nachzulassen? 2. Jesus Christus hat seinen Aposteln Ge walt gegeben, die Sünden nachzulaffen. F. Wer sind die Nachfolger der Apostel? 2. Die Nachfolger der Apostel sind die Bis schöfe, die Priester, deren Gehilfen. Diese allein haben also die Gewalt, Sünden nachzulassen. Von dem eilften Glaubensartikel. F. Wie lautet der eilfte Glaubensartikel? 2. Er lautet: Auferstehung des Fleisches. F. Wann werden alle Menschen vom Tode auf erstehen? 2. Am jüngsten Tage werden alle Menschen mit ihren Leibern aus den Gräbern auferstehen. Katechismus. 285 Die Seelen werden sich mit den Leibern, von welchen sie durch den Tod getrennt waren, wieder vereinigen. F. Wozu werden die Menschen mit ihren Leibern auferstehen? 2. Die Menschen werden mit ihren Leibern auferstehen, damit sie mit denselben entweder ewig belohnt, oder ewig bestraft werden. Von dem zwölften Glaubensartikel. F. Wie lautet der zwölfte Glaubensartikel? 2. Er lautet: Und ein ewiges Leben. Amen. F. Wie vielfach ist das ewige Leben? 2. Es ist zweifach: ein ewig glückseliges, und ein ewig unglückseliges Leben. Das ewig selige Leben, welches eigentlich allein das ewige Leben heißt, besteht, nebst den Freuden des Himmels, vorzugsweise in der beseligenden Anschauung Gottes. Das ewig unglückselige Leben besteht in den Peinen der Hölle, welche die Teufel und die Gottlosen wegen ihrer Sünden leiden müssen, und welches eigentlich kein ewiges Leben, sondern ein ewiger Tod ist. F. Was bedeutet das Wörtlein: Amen? 2. Das Wörtlein: Amen( es ist wahr), bedeutet, daß wir fest und unbezweifelt Alles glauben, was in dem ganzen apostolischen Glaubensbekenntniße enthalten ist. Katechismus. II. Von der christlichen Hoffnung. F. Ist es zur Seligkeit genug, daß man nur christlich glaube? 286 2. Es ist zur Seligkeit nicht genug, daß man nur glaube, was Gott geoffenbaret hat; man muß auch christlich hoffen. F. Was ist die christliche Hoffnung? 2. Die christliche Hoffnung ist eine von Gott eingegoffene, übernatürliche Tugend, durch welche ein Christ mit sicherem Vertrauen von Gott das ewige Leben, und die Mittel, solches zu erlangen, erwartet, weil Er, der höchst wahrhafte und getreue Gett, es ihm versprechen hat. F. Bodurch wird die christliche Hoffnung geübt? U. Die christliche Hoffnung wird hauptsächlich durch das Gebet geübt. F. In welchem Gebete ist denn Alles enthalten, um was wir bitten sollen? A. Alles, um was wir bitten sollen, ist im Vater unser enthalten, welches uns Jesus Christus gelehrt hat, weßhalb es auch das Ge bet des Herrn genannt wird. F. Wie lautet das Vater unser? 2. Es lautet also: Vater unser, Der Du bist im Himmel! Geheiliget werde Dein Name; zukomme uns Dein Reich; Dein Wille geschehe wie im Katechismus 287 Himmel, also auch auf Erden. Gib uns heute unser tägliches Brot; und vergib uns unsere Schulden, als auch wir vergeben unsernSchuldigern, und führe uns nicht in Versuchung; sondern erlöse uns von dem Uebel. Amen. F. Woraus besteht das Vater unser? 2. Es besteht aus einer Vorrede und sieben Bitten. F. Warum sagen wir in der Vorrede: Bater unser? 2. Wir sagen in der Vorrede: Vater unser! weil Gott unser Vater ist, indem wir durch Jesum Christum Kinder Gottes geworden sind. Dieses mahnt uns auch, daß wir mit kindlichem Vertrauen uns Gott nähern können, indem wir Ihn unsern Vater nennen dürfen. F. Warum sagen wir: Der Du bist im Himmel? 2. Wir sagen es, weil, obschon Gott überall ist, Er dennoch besonders in dem Himmel wehnt, wo ErSich Seinen Heiligen zu genießen gibt. F. Was enthält die erste Bitte? 2. Die erste Bitte enthält den Wunsch, daß die Erkenntniß, Ehre, Furcht und Liebe Gottes allenthalben vermehrt werde. Gute Kinder wollen vor allem Undern, daß ihr Vater geehrt und gelobt werde; um so mehr also sollen wir dieses unserm himmlischen Vater wünschen. F. Was begehren wir in der zweiten Bitte? U. Wir begehren: 1. daß die heilige Kirche, welche das Reich Gottes auf Erden ist, ausges 288 Katechismus. breitet und befestiget werde; 2. daß sich das Reich der Gnade, welches die tugendhaften Menschen und die wahren Verehrer Gottes sind, erweitere; 3. daß Gott in uns die Tugenden vermehren, und uns in den Himmel aufnehmen wolle. F. Was verlangen wir in der dritten Bitte? 2. In der dritten Bitte verlangen wir die Gnade von Gott, daß wir seinen heiligsten Willen so auf Erden vollziehen, wie die Heiligen im Himmel, und daß wir Gott niemals durch eine Sünde beleidigen. F Was begehren wir in der vierten Bitte? 2. In der vierten Bitte begehren wir alles, was zur Erhaltung des Leibes und der Seele nothwendig ist, nämlich: Sveise und Kleidung, das Wort Gottes und die heiligen Sacramente, befons ders aber das allerheiligste Sacrament des Altars. F. Was begehren wir durch die fünfte Bitte? 2. Wir begehren durch diese Bitte Verzei hung unserer Sünden, und versprechen, daß auch wir unsern Beleidigern verzeihen werden. F. Was verlangen wir in der sechsten Bitte? 2. Durch diese Bitte verlangen wir, daß wir durch den göttlichen Beistand gestärkt werden, das mit wir den Versuchungen der Welt, des Fleisches und des Teufels nicht unterliegen. F. Was bitten wir in der siebenten Bitte? U. Wir bitten Gott, daß er uns von allen Uebeln der Seele, besonders aber von der Sünde, Katechismus. 289 und von allen Mühseligkeiten des Leibes befreien möchte, wenn diese nicht zu unserem Seelenheile sind. F. Was heißt das Wörtlein: Amen? U. Umen heißt hier so viel, als: es geschehe. F. Was betet die heilige Kirche noch nebst dem Gebete des Herrn? 2. Die heilige Kirche betet noch den englis schen Gruß zu Ehren der seligsten Jungfrau Maria. F. Wie lautet der englische Gruß? 2. Er lautet also: mit Gegrüßet seist Du, Maria! voll der Gnaden; der Herr ist mit Dir; Dir; Du bist gebenedeit unter den Weibern, und gebenedeit ist die Frucht Deines Leibes, Jesus! Heilige Maria, Mutter Gottes, bitt' für uns arme Sünder jetzt, und in der Stunde unsers Absterbens. Amen. F. Uus welchen Theilen besteht der englische Gruß? 2. Der englische Gruß besteht aus drei Theilen. Die ersten Worte: Gegrüßet seist Du, Maria voll der Gnaden, der Herr ist mit Dir; Du bist gebenedeit unter den Weibern!- sind der Gruß des Erzengels Gabriel; dann folgt der Gruß der heiligen Elisabeth. Die heilige Elisabeth wiederholte nämlich die legten Worte des Erzengels: Gebenedeit bist Du unter den Weibern; und feste noch hinzu: und gebenedeit ist die Frucht Deines Leibes. Die Worte: Heilige Maria! u. f w. bis zum Ende hat die heilige Kirche hinzugefegt. - 17 Katechismus. F.Wer hat also den englischen Gruß uns gelehrt? 2. Der englische Gruß ist ein, vom heiligen Geifte eingegebenes, und von der heiligen Kirche festgesegtes, sehr heilsames Gebet. F. Un was erinnert uns der englische Gruß? 2. Er erinnert uns: 1. Un die Menschr dung des Sohnes Gottes. 2. Wir bitten darin un. die Fürbitte der mächtigsten Jungfrau Maria. 3. Wir bekennen auch jene Glaubenswahrheit, daß Maria die Mutter Gottes fei. F. Zu welcher Zeit soll man nach dem Wunsche der heiligen Kirche den englischen Gruß beten? 2. Die katholische Kirche wünscht, daß man Morgens, Mittags und Abends, wenn zum Ge bete geläutet wird, den englischen Gruß bete. 290 III. Von der Liebe und den zehn Geboten Gottes. F. Ist es für den katholischen Christen hin reichend, christlich zu glauben und zu hoffen? 2. Nein, er muß auch christlich lieben. F. Was ist die christliche Liebe? 2. Die christliche Liebe ist eine von Gott eins gegoffene Tugend, durch welche wir Gott, weil Er das einzige wahre und höchste Gut ist, wegen Sei ner selbst, den nächsten aber wegen Gott lieben. F. Wie viele Gebote der Liebe gab uns Jesus Christus? 2. Jesus Christus, unser Herr, hat uns zweiGebote der Liebe gegeben, nämlich: Katechismu 6. 291 1. Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, aus ganzem Gemüthe, und aus allen Kräften. Das Andere aber ist, diesem gleich: 2. Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst. In diesen zehn Geboten besteht das ganze Geseg und die Propheten. F. Wer liebt also Gott? " 1 U. Derjenige liebt Gott, der diese zwei Gebote der Liebe hält. Denn Christus sagt: Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der " Mich liebt."( Joh. 14, 21.) F. Wo sind die zwei Gebote der Liebe ausführlicher enthalten? 2. Die zwei Gebote ber Liebe sind ausführlicher in den zehn Geboten Gottes enthalten. F. Welches sind die zehn Gebote Gottes? U. Die zehn Gebote Gottes sind folgende: 1.Du sollst allein an Einen Gott glauben. 2. Du sollst den Namen Gottes nicht. eitel nennen. 3. Du sollst den Feiertag heiligen. 4. Du sollst Vater und Mutter ehren, auf daß du lange lebest, und es dir wohl. gehe auf Erden. 17* Katechismus. 5. Du sollst nicht tödten. 6. Du sollst nicht Unkeuschheit treiben. 7. Du sollst nicht stehlen. 8. Du sollst kein falsches Zeugniß ge= ben wider deinen Nächsten. 9. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hausfrau. 292 10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Gut. F. Was enthalten die drei ersten Gebote Gottes? 2. Die drei ersten Gebote enthalten die Pflichten gegen Gott. F. Was enthalten die andern sieben Gebote Gottes? 2. Die sieben andern enthalten die Pflichten gegen den nächsten. F. Was befiehlt das erste Gebot? 2. Es befiehlt, an Einen Gott zu glauben, auf Ihn zu hoffen, Ihn zu lieben, und Ihn anzubeten. F. Was verbietet das erste Gebot? 2. Es verbietet den Unglauben, den Aberglauben, die Abgötterei, Keßerei, Zauberei, Wahrsagerei, den Haß Gottes, und eine jede, der Heiligkeit Gottes widersprechende Gottesverehrung. F. Ist es erlaubt, Engel und Heilige zu verehren? 2. Es ist erlaubt, weil wir ihnen keine göttliche Ehre erweisen, sondern nur, weil sie Freunde Gottes sind, ihre Fürbitte bei Gott verlangen. Katechismus. 293 F. Ist es erlaubt, Bilder der Heiligen zu verehren? 2. Die Verehrung der Bilder von Heiligen ist erlaubt, weil sich diese Verehrung nicht eigentlich auf das Bild, sondern auf das bezieht, was dadurch vorgestellt wird. F. Ist es erlaubt, die Reliquien der Heiligen zu verehren? 2. Die Verehrung der Reliquien oder Ueberbleibfel von den Körpern der Heiligen ist auch erlaubt, weil sich diese Verehrung auf Gott bezieht, Der in seinen Heiligen verherrlicht wird. F. Was befiehlt das zweite Gebot? 2. Es befiehlt, den Namen Gottes ehrers bietig zu gebrauchen, Gott freimüthig zu bekennen, anzurufen, und Seine Ehre zu befördern. F. Was verbietet es? 2. Es verbietet das Fluchen, die Gotteslästerung, den Meineid und jeden Mißbrauch des göttlichen Namens. F. Was befiehlt das dritte Gebot? 2. Das dritte Gebot befiehlt an Sonn- und Feiertagen dem Gottesdienste beizuwohnen, und gottselige Werke zu verrichten. F. Was verbietet es? 2. Es verbietet alle schweren Arbeiten ohne Noth und rechtmäßige Erlaubniß, welche die Ruhe und die Andacht des Gott geheiligten Tages stören könnten. Katechismus. F. Was befiehlt das vierte Gebot? 21. Es befiehlt, daß wir Jenen, von welchen wir, nach Gott, unser Leben empfangen haben, Ehrerbietigkeit, Gehorsam und Hilfe leisten sollen. Es befiehlt auch, allen, sowohl geistlichen, als weltlichen Obrigkeiten zu gehorsamen, und ihr Unsehen in Ehren zu halten. # F. Was verbietet es? . Es verbietet allen Ungehorsam, Haß, Verachtung, Fluch und Spottworte gegen eltern und Obrigkeiten. F. Was befiehlt das fünfte Gebot? 2. Es befiehlt die Nächstenliebe, die Feindesliebe, den Frieden, die Einigkeit und das gute Beispiel. F. Was verbietet es? 294 2. Es verbietet jede äußerliche Gewaltthätigkeit, den Todtschlag und jede andere Verlegung des Leibes des Nächsten. Es wird ferner auch der Haß, der Zorn, die Feindschaft, und jede Beleidigung des Nächsten verboten. F. Was befiehlt das sechste Gebot? 2. Es befiehlt die Reinigkeit des Herzens in Gedanken, Worten und Werken, und die Vermeidung aller gefährlichen Gelegenheiten. F. Was verbietet es? 2. Es verbietet alle unkeuschen Werke, Geberden, Worte, die freiwilligen unreinen Gedanken und Begierden, und alles, was zur Unkeuschheit verleitet. 295 Katechismus. F. Was befiehlt das siebente Gebot? 2. Es befiehlt, Jedem das Geinige zu lassen und zu geben, und allen zugefügten Schaden wieder gut zu machen. F. Was verbietet es? U. Es verbietet den Raub und Diebstahl, den Betrug, die Zurückhaltung des fremden Gutes, den Wucher, unbillige Verträge, und jede Beschädigung des Nächsten, an seinem Vermögen und an seinen Rechten. F. Was befiehlt das achte Gebot? 2. Es befiehlt die Aufrichtigkeit in allen unsern Reden und Handlungen, die Vertheidigung des guten Namens des Nächsten und die Ersegung des gemachten Schadens an der Ehre. F. Was verbietet es? 2808 U. Es verbietet das falsche Zeugniß, die falsche Unklage, den Meineid, die Lüge, die Verleumdung, die Ehrabschneidung, den falschen Urgwohn, die Lästerung und das Ohrenblasen. F. Was wird im neunten und zehnten Gebote befohlen? 2. Es wird befohlen, die Reinigkeit des Herzens, und die Bezähmung aller bösen Lüste. F. Was wird durch sie verboten? U. Es wird jede freiwillige Begierde nach einem fremden Weibe oder einem fremten Gute verboten. F. Was lehren uns noch ferner diese zwei legten Gebote? 2. Diese zwei Gebote lehren uns, daß wir auch unsere Begierden bezähmen müssen, und daß 296 Katechismus. Gott, der in unser Herz sieht, auch die verbergensten Begierden desselben richten wird. F. Gibt es für uns Christen außer den zehn Geboten Gottes keine andern Gebote mehr? 2. Es gibt außer den zehn Geboten Gottes noch andere Gebote, nämlich die Gebote der Kirche. F. Warum ist ein Christ schuldig, die Kir chengebote zu halten? 2. Er ist schuldig, die Kirchengebote zu halten, weil die heilige Kirche von Gott die Gewalt hat, Gefeße zu geben, und weil sie unsere Mutter ist, welcher wir, als ihre Kinder, den pünktlichsten Gehorsam schuldig sind. F. Wie viele Kirchengebote zählt man ge wöhnlich? A. Man zählt gewöhnlich fünf Kirchengebote. Sie lauten also: 1. Du sollst die gebotenen Feiertage halten. 2. Du sollst die heilige Messe an Sonnund Feiertagen mit gebührender Andacht hören. 3. Du sollst die gebotenen Fasttage halten, als: die vierzigtägige Fasten, die Quatemberzeiten, und andere gebotene Fasttage. Auch sollst du dich an Freitagen und Samstagen vom Fleischessen enthalten. 4. Du sollst deine Sünden dem verordneten Priester jährlich zum wenigsten Ein Katechismus. 297 Mal beichten, und um die österliche Zeit das hochwürdigste Sacrament des Altars empfangen. 5. Du sollst an verbotenen Zeiten keine Hochzeit halten. Von der Gnade. F. Was hat Gott denjenigen verheißen, die Seine Gebote halten? 2. Gott hat denjenigen, die eine Gebote halten, das ewige Leben verheißen. ,, Willst du zum Leben eingehen," heißt es in der heiligen Schrift, so halte Seine Gebote." Matth. 19, 17. F. Kann der Mensch ohne die Gnade Gottes die Gebote halten? U. Der Mensch kann ohne die Gnade Gottes die Gebete nicht halten. Ohne Mich könnet ihr nichts thun," sagt Jesus. Joh. 15, 5. Unfer Vermögen ist aus Gott." 2. Cor. 3, 5. F. Was muß also der Christ, als zur Seligkeit unumgänglich nothwendig, glauben? U. Ein katholischer Christ muß glauben, daß die Gnade Gottes zur Seligkeit nothwendig ist, und daß kein Mensch ohne die Gnade Gottes etwas Verdienstliches zum ewigen Leben wirken könne. F. Was ist denn also die Gnade Gottes? 2. Die Gnade Gottes ist eine innerliche übernatürliche Gabe, welche Gott den Menschen ohne ihr Verdienst verleiht, um Gutes zu thun, heilig und selig zu werden. Katechismus. F. Welches sind denn die Hauptquellen, durch welche uns Christen die Gnaden Gottes zufließen? 2. Die Hauptquellen, durch welche uns Christen die Gnaden Gottes jufließen, sind die sieben heiligen Sacramente. IV. Von den heiligen Sacramenten. 298 F. Was ist ein Sacrament? gd 2. Ein Sacrament ist ein sichtbares Zeichen der unsichtbaren Gnade, von Jefu Chrifto Selbst zu unserer Heiligung eingesegt. Wir sehen dabei etwas Neußeres; das Unsichtbare, das Geistige empfangen wir. Wir sehen z. B. das Wasser bei der Taufe, aber die Gnade( nämlich die Nachlaffung der Erbsünde) sehen wir nicht. F. Wie viel gibt es heilige Sacramente, und wie heißen sie? 2. Es gibt sieben heilige Sacramente, und diese sind: 1. Die Taufe. 2. Die Firmung. 3. Das Sacrament des Altars, 4. Die Buße. 5. Die letzte Delung. 6. Die Priesterweihe. 7. Die Che. F. Warum muß man die heiligen Sacramente hoch in Ehren halten? 2. Man muß die heiligen Sacramente hoch in Ehren halten, weil sie von Christo Selbst ein gefegt und weil sie die Quellen sind, durch welche uns die heiligmachenden Gnaden zufließen. 299 Katechismus. Von dem Sacramente der Taufe. F. Was ist die Taufe? U. Die heilige Taufe ist das erste und zur Geligkeit nothwendigste Sacrament( ohne welches kein Mensch selig werden kann), in welchem der Mensch durch das Wasser und das Wort Gottes von der Erbsünde und allen andern Sünden, die er etwa vor der Taufe begangen hat, gereiniget, und in Christo Jesu als ein neues Geschöpf zum ewigen Leben wieder geboren, und zur Kindschaft Gottes angenommen wird. F. Wer kann taufen? U. Im Nothfalle kann jeder Mensch taufen. F. Wie taufet man? U. Man begießt die Person, die getauft werden soll, mit natürlichem Wasser auf das Haupt, und spricht dabei zugleich die Worte: Ich taufe dich im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes. Amen. Von dem Sacramente der Firmung. F. Was ist die Firmung? U. Die Firmung ist ein Sacrament, in welchem der getaufte Mensch durch den heiligen Chrysam, mit welchem er auf die Stirne gesalbet wird, und durch das göttliche Wort, welches der Bischof über ihn spricht, indem er ihm die Hände auflegt, von dem heiligen Geiste in Gnaden gestärkt wird, damit er seinen Glauben standhaft bekenne, und nach solchem lebe. 300 Katechismus. Von dem Sacramente des Altars. F. Was ist das Sacrament des Altars? U. Das Sacrament des Altars ist das allerheiligste Sacrament, es ist der wahre Leib und das wahre Blut unsers Herrn Jesu Christi unter den Gestalten des Brotes und Weines. F. Was ist von diesem Sacramente besonders zu merken? 2. Von diesem Sacramente ist besonders zu merken: 1. Daß, wenn der Priester die von Jesu Christo eingesetzten heiligen Worte über das Brot und den Wein gesprochen hat, das Brot nicht mehr Brot ist, sondern der wahre Leib Jesu Christi; der Wein nicht mehr Wein, sondern das wahre Blut Jesu Christi. 2. Daß man dieses Sacrament anbeten muß, weil Jesus Christus als Gott und Mensch in Demselben wie im Himmel lebendig gegenwärtig ist. 3. Daß man schuldig ist, dieses Sacrament zu empfangen, weil es Jesus Christus als eine Speise eingesegt hat, um uns zum ewi gen Leben zu nähren. Die heilige Kirche wünscht, daß es ihre Kinder öfters empfangen möchten, weil es ihre Seelen geistig stärkt, und zum ewigen Leben nährt. 4. Daß, wer dieses Sacrament empfängt, und sich einer schweren Sünde bewußt ist, sich seine Verdammniß ist, und sich des Leibes und Blutes Jesu Christi schuldig macht.( 1. Cor. 11.) 5. Daß man vor dem Genuße dieses hochheiligen Sacramentes ganz nüchtern sein muß. Katechismus. 301 F. Warum heißt dieses Sacrament das Sacrament des Altars? 2. Es heißt das Sacrament des Altars, weil auf dem Ultare, bei der heiligen Messe die Wandlung geschieht, wodurch Jesus Christus in der Gestalt des Brotes und Weines gegenwärtig wird. Von der heiligen Messe. F. Was ist denn die heilige Messe? U. Die heilige Messe ist das unblutige Opfer des neuen Bundes; das immerwährende Denkmal des blutigen Opfers, welches Jesus Christus am Kreuze dargebracht hat. F. Wem wird dieses allerheiligste Opfer dargebracht? U. Dem allmächtigen Vater wird der Leib und das Blut seines Sohnes auf dem Altare dargebracht. F. Wie geschieht denn dieses Opfer? 2. Es geschieht auf eine unblutige, unsichts bare, aber wirkliche Weise. F. Unter welchen Gestalten, und wie ist Jesus Christus auf dem Altare nach der Wandlung ge= genwärtig? en unter der bed U. Der Leib Cbristi ist unter der Gestalt des Brotes, das Blut unter der Gestalt des Weines gegenwärtig; jedoch ist Jesus Christus unter einer jeden Gestalt ganz und ungetheilt, und in jedem, auch dem kleinsten Theile zugegen. F. Warum ist das Opfer der heiligen Messe eingesetzt? 2. Es ist zum Andenken des Leidens Christi eingesegt; das Opfer, welches Jesus am Calva 302 Katechismus. rienberge blutiger Weise vollbracht hat, wird jedes Mal erneuert, so oft eine heilige Messe gelesen wird, jedoch unblutiger Weise. Von dem Sacramente der Buße. F. Was ist das Sacrament der Buße? 2. Das heilige Sacrament der Buße ist ein Sacrament, in welchem der dazu verordnete Priester an Gottes Statt, dem Sünder die, nach der Taufe begangenen Sünden nachläßt, wenn er sie reumüthig und vollständig beichtet, und den ernstlichen Willen hat, sich zu bessern, und wahre Buße zu wirken. F. Was wird zur wahren Buße erfordert? 2. Zur wahren Buße wird erfordert: 1. Die Erforschung des Gewissens. 2. Reue und Leid. 3. Der ernstliche Vorsag. 4. Die Beicht. 5. Die Genugthuung. F. Wie muß die Erforschung des Gewissens beschaffen sein? 2. Sie muß über alle Gedanken, Begierden, Worte, Werke, die Zahl und die wesentlichen Umstände der schweren Sünden angestellt werden. shi F. Wie müssen Reue und Leid beschaffen sein? 2. Sie müssen übernatürlich sein, das heißt, aus übernatürlichen Beweggründen hervorgehen, als da sind: weil man die Hölle verdient und den Himmel verloren, oder weil man Gott, das höchste Gut, beleidiget hat. Katechismu 6. 303 F. Bestehen Reue und Leid nothwendig in einer schmerzlichen Empfindung? 2. Reue und Leid bestehen nicht nothwendiger Weise in einer schmerzlichen Empfindung, sondern sie bestehen nothwendig in einem übernatürlichen Abscheu vor der Sünde, den man daraus erkennt, daß man entweder aus Liebe oder aus Furcht gegen Gott nicht wollte gesündigt haben, und fernerhin nicht sündigen will. F. Wie erweckt man Reue und Leid? 2. Man erweckt Reue und Leid mit folgenden Worten: Ich bereue von ganzem Herzen alle meine Sünden, weil ich durch sie Gott, mein höchstes Gut und meinen ewigen Richter, beleidiget habe. F. Wie muß der Vorsaß beschaffen sein? 2. Er muß so beschaffen sein, daß man sich aufrichtig bessern, und auch jede nächste Gelegenheit zur Sünde meiden will. F. Wie muß die Beicht selbst beschaffen sein? 2. Die Beicht, oder das Bekenntniß der Sünden muß aufrichtig, vollständig und mit ehrbaren Worten geschehen. F. Wann ist die Beicht ein Gottesraub? 2. Wenn der Sünder in der Beicht aus Furcht oder Schamhaftigkeit eine schwere Sünde verschweigt; denn eine solche Beicht ist ungiltig, und er begeht eine neue schwere Sünde, oder 304 Katechismu 8. einen Gottesraub, weil er das heilige Sacrament entheiliget. F. Wie oft soll man beichten? 2. Man soll oft beichten, weil man oft fündigt; weil auch das öftere Beichten den Menschen wider die Gefahren der Sünden bewahret, und die Reinigkeit des Gewissens befördert. F. Was ist die Genugthuung? 2. Die Genugthuung ist eine zeitliche Strafe für die Sünden. Sie geschieht durch Beten, Fasten, Ulmosengeben, und andere Bußwerke. F. Was ist der Ublaß? U. Der Ublaß ist die Nachlassung der zeitlichen Strafe, welche wir nach verziehener Schuld der Sünde im gegenwärtigen Leben oder nach dem Tode zu leiden hätten. F. Was wird erfordert, um Ablässe zu gewinnen? 2. Um Abläffe zu gewinnen, muß man: 1. Im Stande der Gnade sein. 2. Die vorgeschriebenen Bedingnisse genau erfüllen. Von dem Sacramente der letzten Delung. F. Was ist die legte Delung? 2. Die legte Delung ist ein Sacrament, in welchem der Kranke durch die Salbung mit dem heiligen Dele, und durch das vorgeschriebene Gebet des Priesters die Gnade Gottes zur Wohlfahrt der Seele, und öfters auch des Leibes empfängt. Katechismus. Warum soll ein Kranker sie ja nicht versäumen? A. Der Kranke soll sie nicht versäumen, wegen der vielen Gnaden, die er dadurch erlangt. 305 F. Welche Gnaden wirkt die legte Delung? 2. Sie wirkt: 1. Die Vermehrung der heis ligmachenden Gnade. 2. Die Nachlaffung der läßlichen und auch jener schweren Sünden, welche der Sünder nicht beichten konnte, oder zu beichten vergessen hat. 3. Die Befreiung von den Folgen der Sünde. 4. Stärke wider die Versuchungen. 5. Hilfe wider die Ungst des Todes. 6. Defters auch die leibliche Gesundheit. Von dem Sacramente der Priesterweihe. F. Was ist das Sacrament der Priesterweihe? 2. Das Sacrament der Priesterweihe ist ein Sacrament, wodurch denen, die zu Priestern geweiht werden, sowohl die Gewalt, Brot und Wein in den wahren Leib und das wahre Blut Jesu Christi zu verwandeln, als auch die Macht in Seinen geistlichen Leib ertheilt wird, welche die Gläubigen sind. F. Was für eine Gewalt bekommen die Priester durch das heilige Sacrament der Weihe? 2. Die Priester bekommen durch dasselbe die Gewalt: 1. Brot und Wein in den wahren Leib und in das wahre Blut unseres Herrn Jesu Christi zu verwandeln. 2. Den Gläubigen die Süns den nachzulassen. 18 306 Katechismus. Von dem Sacramente der Ehe. F. Was ist das Sacrament der Ehe? 2. Das Sacrament der Ehe ist eine unauslösliche Verbindung, durch welche zwei ledige, christliche Personen, Mann und Weib, sich or dentlicher Weise vereinigen, damit ihnen Gott durch dieses Sacrament bie Gnade gebe, in dem Ehestande bis in den Tod gottselig zu verharren, und ihre Kinder christlich zu erziehen. F. Was müssen Jene thun, welche in den heiligen Ehestand zu treten Willens sind? 2. Sie müssen sich die eheliche Treue, nach vorhergegangener, dreimaliger Verkündigung, in Gegenwart zweier Zeugen, vor ihrem eigenen Pfarrer versprechen und sich einsegnen lassen. F. Welches sind die Pflichten der Eheleute gegen einander? U. Die Pflichten der Eheleute gegen einander sind: 1. Daß fie friedlich und christlich mit einander leben. 2. Daß der Mann sein Weib wie seinen eigenen Leib liebe, nähre und schüße; das Weib aber dem Manne in billigen Sachen gehorsam sei. 3. Daß Keines das Undere in Trübfalen verlasse, sondern beide treu bis in den Tod bei einander verbleiben. 4. Daß sie ihre Kinder christlich erziehen, und für ihr ewiges und zeitliches Wohl sorgen. Katechismus. V. Von der christlichen Gerechtigkeit. F. Was ist die Frucht der Gnaden, die einem katholischen Christen aus den heiligen Sacramenten zufließen? 307 2. Die Frucht der Gnaden, welche einem katholischen Christen aus den heiligen Sacramenten jufließen, ist die christliche Gerechtigkeit. F.Ist es zur Seeligkeit schon genügend, daß wir Alles wissen und glauben, was bisher gelehrt worden? 2. Nein, es ist nicht genügend: wir müssen auch die christliche Gerechtigkeit wirken, denn so spricht der heilige Johannes: Wer die Gerechtigkeit thut, ist gerecht, wer aber die Sünde thut ist aus dem Satan." " 1 F. Worin besteht die christliche Gerechtigkeit? 2. Die christliche Gerechtigkeit besteht darin, daß man das Böse meide und das Gute thue. Von dem Bösen. F. Was ist denn das Böse? 2. Das Böse ist die Sünde. F. Was ist die Sünde? 2. Die Sünde ist eine freiwillige Ulebertretung des göttlichen Gesetzes. F. Wie vielfach ist die Sünde? 2. Sie ist zweifach, nämlich: 1. Die Erbsünde. 2. Die wirkliche Sünde. 18* Katechismus. F. Was ist die Erbsünde? U. Die Erbfünde iſt jene Sünde, welche Adam im Paradiese, und wir in ihm begangen, und die wir von ihm geerbt haben. F. Wo wird die Erbsünde nachgelaffen? 308 U. Die Erbsünde wird in der heiligen Taufe nachgelassen. F. Was ist die wirkliche Sünde? 2. Die wirkliche Sünde ist eine freiwillige Uebertretung des göttlichen Gesetzes, nachdem man schon zum Gebrauche seiner Vernunft gekommen ist; sie wird begangen: mit Gedanken, Worten, und Werken, und mit Unterlassung dessen, was man zu thun schuldig ist. F. Was ist die Todsünde? 2. Die Todsünde ist eine schwere Uebertretung des göttlichen Geseßes. Durch sie wird der Mensch der heiligmachenden Gnade ganz be raubt, er wird ein Feind Gottes, und des ewigen Todes schuldig. Sie ist das größte Uebel, weil sie uns Gott, das größte Gut, raubt und die ewige Verdammniß nach sich zieht. F. Was ist eine läßliche Sünde? 2. Eine läßliche Sünde ist eine geringe Uebertretung des göttlichen Gesetzes. F. Wie werden die Sünden eingetheilt? 2. Sie werden eingetheilt: in die sieben Hauptsünden, in die sechs Sünden gegen den heiligen Geist, in die vier him Katechismu 8. melschreienden Sünden, und in neun fremden Sünden. F. Welches sind die sieben Hauptsünden? 2. Die sieben Hauptsünden, aus denen die andern entspringen, sind: 1. Hoffart, 2. Geiz, 3. Unkeuschheit, 4. Neid, 5. Fraß und Völlerei, 6. Zorn, 7. Trägheit. F. Welches sind die Sünden gegen den hei ligen Geist? 2. 1. Vermeffentlich auf Gottes Barmherzigkeit fündigen. 2. Un Gottes Gnade verzweifeln. 3. Der erkannten christlichen Wahrheit widerstreben. 4. Seinem Nächsten die göttliche Gnade mißgönnen und ihn darum beneiden. 5. Wider heilsame Ermahnungen ein verstocktes Herz haben. 6. In der Unbußfertigkeit vorsäglich verharren. 309 die F. Welche sind die vier himmelschreienden Sünden? 2. 1. Der vorsäßliche Todtschlag. 2. Die stumme oder sodomitische Sünde. 3. Die Unters drückung der Armen, Witwen und Waisen. 4. Den verdienten Liedlohn den Arbeitern und Taglöhnern vorenthalten oder entziehen. F. Welche sind die neun fremden Sünden? U. 1. Zur Sünde rathen. 2. Undere fündigen heißen. 3. In Underer Sünden einwilligen. 4. Undere zur Sünde reizen. 5. Underer Sünden loben. 6. Zur Sünde stillschweigen. 7. Die Sünden nicht strafen. 8. 2n denselben Theil nehmen. 9. Dieselben vertheidigen. 310 Katechismu 8. Von dem Guten. F. Was ist das Gute? 2. Das Gute ist alles das, was dem göttlichen Gefeße gemäß ist. Dem göttlichen Gesetze sind aber die christlichen Tugenden und guten Werke gemäß. 1. Bon der christlichen Zugend. Was ist denn die christliche Tugend? A. Die christliche Tugeud ist eine Gabe, welche Gott der Seele mit der heiligmachenden Gnade eingießt, um den Willen des Menschen zu solchen Handlungen geneigt zu machen, welche dem Gefeße Jesu Christi gemäß, und des ewigen Lebens würdig sind. F. Wie vielfach sind die christlichen Tugenden? 2. Zweifach: die göttlichen und sittlichen Tugenden. F. Welche sind die göttlichen Tugenden? 2. Die göttlichen Tugenden sind jene, wel che Gott zum unmittelbaren Beweggrund haben, nämlich 1. Glaube, 2. Hoffnung, 3. Liebe. F. Ist der Christ schuldig, sich in den drei göttlichen Tugenden zu üben, und wann? A. Er ist unter einer Todsünde schuldig, sich in den drei göttlichen Tugenden zu üben, und zwar: 1. Wann er zum Gebrauche des Verstan des kommt. 2. Defters im Leben. 3. Zur Zeit einer Katechismus 311 heftigen Versuchung wider diese Tugenden. 4. In Lebensgefahr und auf dem Todbette. F. Wie kann man kurz und gut diese drei göttlichen Tugenden erwecken? 2. Man kann diese drei göttlichen Tugenden auf folgende Weise erwecken: Mein Gott! ich glaube Alles fest, was Du durch Deine heilige katholische Kirche uns geoffenbaret haft, weil Du die ewige Wahrheit bist. Mein Gott! ich hoffe von Dir die ewige Seligkeit, weil Du sie mir versprochen hast, Der Du in Deinen Versprechen höchst wahrhaft und getreu bist. - Mein Gott! ich liebe Dich aus meinem ganzen Herzen über Alles, und berene aus Liebe zu Dir alle meine Sünden, weil Du das einzig wahre und liebenswürdigste Gut biſt. Man erweckt auch die göttliche Liebe, wenn man alle seine Gedanken, Worte und Werke dem lieben Gott aufopfert, mit dem kurzen, aber schönen Sprüchlein: Gott zu Liebe. F. Welche sind die fittlichen Tugenden eines Christen? 2. Die sittlichen Tugenden eines Christen sind jene, welche Gott zu einem unmittelbaren Beweggrunde haben, und durch welche die Sitten des Christen so eingerichtet werden, daß sie Gott wohlgefällig sind. Katechismus. F. Welche sind unter den sittlichen Tugenden die vier Haupttugenden? U. Die vier Haupttugenden sind: 1. Die Klugheit, 2. Die Mäßigkeit, 3. Die Gerechtigkeit, 4. Die Starkmüthigkeit. F. Wie heißen die, den sieben Hauptsünden entgegengesegten sieben Tugenden? U. Sie heißen: 1. Die Demuth. 2. Die Freigebigkeit. 3. Die Keuschheit. 4. Die Liebe. 5. Die Mäßigkeit. 6. Die Geduld. 7. Der Eifer. 312 F. Welche sind die Pflichten, welche Jesus Christus besonders befohlen hat, und die auch zur christlichen Gerechtigkeit gehören? 2. Diese sind folgende: 1. Zuvörderst das Reich Gottes und Seine Gerechtigkeit suchen. 2. Sich selbst verläugnen. 3. Sein Kreuz tragen. 4. Christo nachfolgen. 5. Sanftmüthig und demüthig sein. 6. Die Feinde lieben; denen wohlthun, die uns haffen; für jene beten, welche uns beleidigen und verfolgen. Welches sind die acht Tugenden, welche Jesus auf dem Berge gelehrt hat? 2. Die acht Tugenden, welche Jesus Christus auf dem Berge gelehrt, und wegen welcher Er den Menschen die Seligkeit versprochen hat, die daher auch die acht Seligkeiten heißen, find folgende: 1. Selig sind die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich. 2. Selig sind die Sanftmüthigen, denn sie werden das Erdreich besigen. 3. Selig sind die Trauernden, denn sie wer. den getröstet werden. 4. Selig sind, die nach der Katechismus. 313 Gerechtigkeit hungert und dürftet; denn sie werden gesättigt werden. 5. Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. 6. Se lig sind, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott anschauen. 7. Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Kinder Gottes genannt wers den. 8. Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen Verfolgung leiden, denn ihrer ist das Himmelreich. II. Von den guten Werken. F. Sind die guten Werke zur Seligkeit nothwendig? 2. Die guten Werke sind zur Seligkeit nothwendig, denn der Glaube ohne gute Werke ist todt. F. Kann der Mensch aus eigener Kraft gute und zum ewigen Leben verdienstliche Werke thun? 2. Solche gute Werke, die zur Seligkeit nothwendig und bei Gott verdienstlich sind, kann der Mensch nur mit dem Beistande Gottes thun. F. Wie müssen die guten Werke beschaffen sein? 2. Sie müssen: 1. im Stande der Gnade, 2. freiwillig, 3. nicht blos aus natürlichen, sondern aus übernatürlichen Beweggründen, vorzüglich wegen Gott, verrichtet werden. F. Welche sind die vornehmsten guten Werke? 2. Die vornehmsten guten Werke sind: Beten, Fasten und Ulmofengeben. F. Was versteht man unter Almofengeben? 2. Unter Ulmosengeben versteht man alle, sowohl leiblichen als geistlichen Werke der Barmherzigkeit. Katechismu8. F. Welche sind die leiblichen Werke der Barmherzigkeit? 2. Die leiblichen Werke der Barmherzigkeit sind: 1. Die Hungrigen speisen. 2. Die Durstigen tränken. 3. Die Fremden beherbergen. 4. Die Nackten bekleiden. 5. Die Kranken besuchen. 6. Die Gefangenen erlösen. 7. Die Todten begraben. F. Welches sind die geistlichen Werke der Barmherzigkeit? A. Die geistlichen Werke der Barmherzigkeit find: 1. Die Sünder bestrafen. 2. Die Unwissen. den belehren. 3. Den Zweifelhaften recht rathen. 4. Die Betrübten trösten. 5. Das Unrecht mit Geduld leiden. 6. Denen, die uns beleidigen, vom Herzen verzeihen. 7. Für die Lebendigen und für die Todten Gott bitten. 314 F. Welche guten Werke hat uns Jesus Christus als eine ganz besondere Vollkommenheit angerathen? 2. Die drei evangelischen Räthe, nämlich: 1. Die freiwillige Urmuth. 2. Die ewige Keuschheit. 3. Den beständigen Gehorsam unter einem geistlichen Obern. Anhang. Von den vier letzten Dingen. F. Was für ein Gedanke ist im Stande, dem Menschen die heilige Furcht Gottes so einzuflößen, daß er die christliche Gerechtigkeit nicht mehr verlegt? A. Der ernste Gedanke an die vier legten Dinge. Gedenke, o Mensch in allen deinen Wer11 Katechismus. 315 ,, ken der legten Dinge, und du wirst in Ewigkeit ,, nicht fündigen. F. Welches sind die vier legten Dinge? 2. Die vier legten Dinge sind: Der Tod, das Gericht, die Hölle und das Himmelreich. F. Was ist der Tod? 2. Der Tod ist eine Strafe der Sünde. Hätten die ersten Menschen im Paradiese nicht gefündigt, so wären wir auch dem Leibe nach unsterblich geblieben. F. Was folgt auf den Tod? 21. Gleich nach dem Tode wird Jesus Chris stus die Seele eines Jeden besonders richten: am Ende der Welt aber, wird Er alle Menschen zusammen mit Leib und Seele richten. F. Was folgt auf das Gericht? U. Nach dem besondern Gericht kommt die Seele entweder ins Fegfeuer, oder in die Hölle, oder in den Himmel. F. Was ist das Fegfeuer? A. Das Fegfeuer ist der Ort, wo die Seelen zeitliche Strafen für jene Sünden leiden, welche sie im Leben nicht abgebüßt haben. F. Welche Seelen der Rechtgläubigen befin den sich im Fegfeuer? A. Jene Seelen, welche zwar in der Gnade Gottes gestorben sind, aber noch einige Unvoll* kommenheiten oder läßliche Sünden an sich haben, 316 Katechismus. oder welche im Leben noch nicht hinlängliche Buße für ihre Sünden gewirkt haben, und deswegen Peinen leiden, welche die Gerechtigkeit Gottes über sie bestimmt hat. F. Wie kommt man den armen Seelen im Fegfeuer zu Hilfe? 2. Man kann ihnen zu Hilfe kommen: 1. Durch das Gebet. 2. Durch das heilige Meßopfer. 4. Durch andere gute Werke. F. Was ist die Hölle? A. Die Hölle ist der unglückliche Ort, wo die Verdammten ewig gepeinigt werden.- Derjenige kommt hinein, der in einer Todsünde stirbt. F. Was ist der Himmel? 2. Der Himmel ist der glückselige Aufenthalt der Heiligen, wo Sich Gott Selbst Seinen getreuen Dienern ewig zu genießen gibt.- Derjenige kommt in den Himmel, welcher in der Gnade Gottes stirbt. Von dem alleinfeligmachenden Glauben und der alleinfeligmachenden Kirche. I. Nur eine Religion ist die wahre. 1. So lange die Welt steht, hat es immer und an allen Orten Religion, Gottesdienst, Priester. Opfer und gottgeweihte Derter gegeben. Bei jedem Volke in der ganzen Welt hat man, seit die Welt steht, immer eine tiefe Ehrfurcht vor der Gottheit bemerkt; hingegen hat man immer solche Menschen, die von der Religion, vom Gottesdienste, von Opfern nichts wissen wollten, als wahrhaft verabscheuungswürdige Menschen angesehen, und sie daher gottlose Menschen, d. h. Menschen ohne Gott, genannt. 2. Was geschah aber? Als die Menschen nach und nach immer mehr und mehr den Lastern, und besonders der Unkeuschheit sich ergaben, überließ fie der heiligste Gott aus gerechter Strafe ihren eigenen Einbildungen und Gedanken, so wie der Weltapostel Paulus spricht: Sie gaben sich für Weise aus, und sind Thoren geworden. Sie verwandelten die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes in Bildnisse vergänglicher - 318 Alleinfeligmachender Glaube. Menschen, Vögel, vierfüßiger und friechender Thiere." Sie erfannen sich Religionen nach dem Verlangen ihrer verdorbenen Herzen, die aus einer Menge von Albernheiten, Aberglauben und Irrthümern bestanden. Daher kam es, daß so viele Menschen irregeführt wurden, und nur daher, nämlich aus den Lastern der Menschen und ihrem gottlosen Stolze, entstanden die vielen falschen Religionen in der Welt. 3. Wer nun sagt, daß vor Gottes Augen alle Religionen in der Welt gut sind, und daß man in einer jeden Religion selig werden könne, der weiß weder, was Gott, noch was die Religion ist. Es gibt Einen Gott, also gibt es auch Eine Religion. Es gibt nur Einen einzigen wahren Gott, also gibt es auch nur eine wahre Religion. 3wei Menschen, die sich in einer und der nämlichen Sache widersprechen, können doch nicht beide Recht haben; also können auch zwei einander widersprechende Religionen nicht beide zugleich wahr sein. Also die vielen Religionen auf der ganzen Welt widersprechen einander, selbst in den wichtigsten Dingen; also kann unter ihnen allen nur Eine Religion die wahre sein. 4. Gott ist immer und an allen Orten, immer und für alle Menschen, derselbe ewig unveränderliche Gott, Welcher immer dieselbe Wahrheit redet, und nie lügen oder betrügen kann. Gott kann also auch an allen Orten und zu allen Seiten nur immer dasselbe reden, was wahr ist, und muß an allen Orten und zu allen Zeiten immer alle Lügen und alle Irrthümer verwerfen und verabscheuen. Es kann also unmöglich beides wahr sein, daß man z. B. in ter türkischen Religion den Mahumed für den großen Propheten Gottes, in der christlichen für ein Werkzeug des Satans hält; es kann unmöglich beides wahr sein, daß man in der katholischen Religion den Papst für den Stellvertreter Jesu Christi, in einer andern für den Antichrist hält,- und der Gott der Wahrheit kann doch nicht wollen, daß die einen Menschen das, und die andern Menschen gerade das Enigegeugeseßte glauben und für wahr halten. 319 Alleinfeligmachender Glaube. 5. Gott ist der Allerheiligste und der Allerweiseste; folglich kann Er die ter und Thorheiten der Menschen nicht gut heißen. Wenn also Gott alle Religionen gut heißen würde, so müßte Er haben wollen, daß ich unter den Gößendienern als ein Gößendiener, unter den Türken als ein Türke, unter den Juden als ein Jude, unter den Christen als ein Christ leben soll. So etwas von dem allerheiligsten Gott denken, ist schrecklicher, als an gar keinen Gott glauben, weil es die abscheulichste Entheiligung des allerheiligsten und allerweisesten Gottes ist. II. Diese eine wahre Religion ist die Religion Jefu Chrifti. 1. Gott ist überall und zu allen Seiten derselbe Gott, und Gott fordert überall und von allen Menschen dieselbe Berehrung. Gott kann nur durch eine Religion geehrt werden, die ganz wahr, ganz heilig und also Seiner ganz würdig ist. Diese Gine wahre und heilige Religion muß uns von Ihm selbst gegeben sein, denn den ewigen Gott erkennt Niemand, als Er Selbst, und dem Er Sich offenbaren will; denn Gott wohnt iu einem unzugänglichen Lichte." Darum ist auch Niemand der Weg, die Wahrheit und das Leben, als Gott allein, und darum wandelten auch alle Menschen so lange in der Finsterniß, bis das Licht, nämlich das Wort kam, Welches vom Anfange bei Gott, und Gott Selbst war, und das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnt." Sein allerheiligster Name ist Jeſus Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. 11 2. Noch kein Lebender hat jemals Gott gesehen; sagt der heilige Apostel Paulus, der eingeborne Sohn, der im Schooße des Vaters ist, Dieser war's, Der Ihn ( den himmlischen Vater) uus zu erkennen gab. Wer von oben herabkommt, der ist über Alle. Wer aber von der Erde kommt, der ist irdisch und redet wie ein Irdischer. Wer aber vom Himmel herunterkommt, der 320 Alleinfelig machender Glaube. ist über Alle. Darum sprach Jesus Christus Selbst zu den Schaaren der Juden:„ Ich nehme kein Zeugniß von einem Menschen, sondern Ich sage es nur, damit ihr gerettet werdet. Die Thaten die Ich wirklich thue, geben Mir Zeugniß, daß Mich der Vater gesandt hat. Ihr aber habt weder Seine Stimme je gehört, noch je Ihn von Angesicht gesehen. Wer Meine Lehre befolgt, der wird inne werden, daß fie aus Gott ist," ( Joh. Ev.) - 3. Und die Welt ist inne geworden, daß die Lehre Jesu Christi aus Gott, d. h. daß Jesus Christus Selbst der ewige Sohn des ewigen Vaters, und Seine Religion die einzig wahre, heilige, alleinseligmachende sei, als am heiligen Pfingstfeste, der heilige Geist in Gestalt feurtger Zungen über die kleine Zahl Seiner getreuen Apostel kam. Da treten plößlich zwölf einfache und ungelehrte Fischerleute muthig vor das gesammte Judenvolk, und predigen: daß Jesus Christus, der gekreuzigte, ver: spottete, wie ein Mörder hingerichtete Jesus Christus der Sohn des lebendigen Gottes sei und von den Todten auferstanden, nun im Himmel throne; daß in Dessen Namen allein Vergebung der Sünden zu hoffen ist; daß wer da glaube und sich taufen laffe, selig werde, wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden von Ihm, vor Dessen Richterstuhle einstens alle Menschen, Könige und Bettler werden zu erscheinen haben. - Und sehet! was geschieht?- Die ganze prachtvolle mächtige Heidenwelt stürzt vor diesen zwölf Fischern znsammen: Alles fällt nieder und betet den Gekreuzigten an, und das Kreuz Jesu Chrifti wird in der ganzen Welt aufgepflanzt. In der That, kaum beginnt der Apostelfürst Petrus seine erste Predigt, und schon stürzen Tausende zu seinen Füssen und rufen: Was sollen wir thun, um das ewige Leben zu erlangen? Der Ruf dieser apostolischen Posaune erfüllt den Erdenkreis, die Synagogen, die Rathsversammlungen, die Lehranstalten, die Schriftgelehrten, die Hohenpriester und die - Alleinfeligmachender Glaube. 321 mächtigen Beherrscher der Welt, Alles ergrimmt und vereinigt sich, um dieses Werk der zwölf armen Fischerleute zu zerstören; da erscheint Petrus zu Rom, der ge= bildetsten Stadt, der Beherrscherin der Welt, und predigt vor Nero, dem stolzesten Tyrannen; dieser verbietet bei Todesstrafe, Petrum, diesen Fremdling, zu hören; aber umsonst wüthen Könige und Völker wider Jesum, den Gefalbten des lebendigen Gottes, Jesus wird Man dennoch selbst am Hofe des Nero angebetet! wirft die Apostel in Ketten und Bande, man verurtheilt sie zur peinlichsten Tortur und zu entsetzlichen Martern, man taucht sie in siedendes Del; man zerreißt sie, man durchbohrt sie mit Lanzen, sie werden lebendig geschunden, und sie erleiden für Jesum mit Freuden den grausamsten Tod, dies einzige Ziel ihrer Wünsche und ihres glühenden Verlangens; aber sehet, gerade dieses Blut wird ein Same, der über der ganzen Erde Tausende von Christen erweckt! Troß der Wath der Tyrannen, durch dreihundert Jahre, sah man die gelehrtesten und edelsten Menschen sich für Jesum Christum, den Gekreuzigten, freudig erklären, und mit Aufopferung ihres Blutes freudig es bekennen, daß die Lehre der zwölf Fischer wahr und göttlich sei. Endlich sah man Kaiser und Könige, Senatoren und heidnische Oberpriester, vornehme Frauen und ganze Völkerschaften Jesum, den Gekreuzigten anbeten und an die unergründlichen Geheimnisse Seiner Religion glauben; einer Religion, die einen gekreuzigten Gott predigt, und das Fleisch mit allen seinen Gelüsten zu kreuzigen befiehlt; einer Religion, die mit dem ewigen furchtbaren Feuer droht; einer Religion, die sich die einzig wahre, heilige, alleinfeligmachende Religion nennt; einer Religion, welche uns gebietet, sogar unsere Feinde zu lieben, welche gänzliche Unterwürfigkeit des Verstandes fordert. Und dennoch Alles beugt den stolzen Sinn und-glaubt.- Sehet, das kann nur das Werk des allmächtigen Gottes, das kann nur die Religion des Gottmenschen Jesu Chrifti, das kann nur das Werk des heiligen Geistes, das kann nur das - - 322 Alleinfeligmachender Glaube. Werk des dreieinigen Gottes sein, das kann einzig nur die Gine, wahre, heilige, alleinfeligmachende Religion fein! Wie verblendet sind also jene stolzen Menschen unserer Zeit, die an einer Religion zu zweifeln wagen, welche Gott durch so viele Weisfagungen und Wunder bestätigt hat; die so viele ruhmgekrönte Menschen mit ihrem Blute bestegelt, die so viele tiefdenkende Geister behauptet, die so viele Fürsten und angesehene Personen angenommen, die so viele Völker und Helden mit ihrem Leben vertheidigt haben. Wahrlich die Wahrheit der christlichen Religion ist so klar, daß man mit dem königlichen Propheten David auszurufen genöthigt wird: Deine Zeugnisse( o Gott!) sind überaus glaubwürdig." Aber, obwohl das Licht des heiligen Glaubens heller als die Sonne leuchtet, so bleibt dennoch der heilige Glanbe auf immer dunkel für dieje nigen, welche das Göttliche nur nach ihren niedrigen Leidenschaften und ihrem thierischen Sinn beurtheilen. Darum sagt die heilige Schrift: Der thierische Mensch versteht diejenigen Dinge nicht, die von dem Geiste Got tes sind; denn sie sind ihm eine Thorheit, und er ver mag nimmermehr, sie zu erfaffen."( 1. Cor. 2.) III. Der einzig wahre Grund des Glaubens ist, daß der Glaube von Gott kommt, Welcher die ewige Wahrheit ist. 1. Nimmermehr erfaßt der Mensch, der von der Erde ist, aus eigener Kraft seines Verstandes dasjenige, was himmlisch ist. Darum nennt der heilige Apostel Paulus den Glauben eine Gabe Gottes, weil er weder durch irgend eine Wissenschaft, oder ein Buch, oder durch ein noch so langes und tiefes Nachgrübeln erlangt wird. Alleinfeligmachender Glaube. 323 Der Glaube ist ein Licht, weil er uns mit untrüglicher Klarheit jene Wahrheiten zeigt, welche uns Gott geoffenbart hat. Er ist ein übernatürliches Licht; weil man nicht durch irgend eine natürliche Kraft, nicht durch Studiren, nicht durch Lesen, nicht durch Gespräch mit andern, noch so gescheidten Menschen, nicht durch Disputiren, zum Glauben gelangen kann, und weil dieser Glaube Wahrheiten enthält, die all' uusern ganzen Menschenverstand so weit übertreffen, so weit der Himmel über die Erde erhaben ist, und weil wir aus gar keinem andern Grunde diese Wahrheiten glauben, als allein deßhalb, weil die ewige Wahrheit, Gott selbst, fie geoffenbart hat. 2. Solche Menschen, die also nur das in der Religion glauben, was sie zu sehen, oder zu verstehen meinen, solche Menschen, die nur einem gedruckten Buche oder einem Menschen nur auf sein Wort glauben, solche Menschen haben keinen wahren, gottgefälligen, seligmachenden Glauben, weil sie nicht glauben aus dem einzigen wahren Grunde, der da allein macht, daß unser Glaube ein wahrer göttlicher Glaube ist, nämlich darum: weil es die ewige Wahrheit, der allein untrügliche Gott, Selbst gesagt hat. Wie bin ich aber versichert, daß Gott zu mir redet? IV. Der wahre Glaube ist der, welchen der heilige Petrus mit den Aposteln gelehret hat. 1. Ich bin versichert, daß Gott zu mir redet, wenn ich jene höre, die Gott eingesetzt hat, daß ich sie hören soll. Gott hat schon im Anfange der Zeiten durch die Patriarchen, durch Moses und die Propheten zu den Menschen gesprochen; als aber die Fülle der Zeiten fam, hat Er mit uns durch Seinen eingebornen Sohn selbst gesprochen, Den Er, nach den Worten des Weltapostels, zum Erben aller Dinge einsetzte, und durch Den Er die Welt erschuf; Dieser war es, Dem Er aus einer Wolfe das Zeugniß gab: Das ist mein geliebter Sohn, Den sollt ihr hören." Bevor aber unser Herr 324 Alleinfelig machender Glaube. Jesus Christus dorthin ging, woher Er gekommen war, um Besitz zu nehmen von der Herrlichkeit, die Gr bei dem Vater hatte, ehedem die Welt war, sprach er zu Seinen zwölf geliebten Jüngern, die Er zu Seinen Aposteln Sich Ich erwählte:„ Ich verlasse euch nicht wie Waisen. bleibe bei euch bis an das Ende der Welt. Ich will euch den Tröster, den heiligen Geist, senden, Derselbe wird euch Alles lehren. Gehet hin, lehret alle Völker, und taufet sie im Namen des Vaters. Lehret sie Alles halten, was Ich euch befohlen habe. Ich bleibe bei euch bis an das Ende der Welt. Wer da glaubt und getauft ist, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.- Nehmet hin den heiligen Geist; denen ihr die Sünden nachlasset, denen sind sie nachgelassen, und denen ihr sie vorbehaltet, denen sollen ste vorbehalten bleiben. Wer euch hört, der hört Wie Mich! wer euch verachtet, der verachtet Mich. Mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch." Und zu Petrus, einem aus diesen 3wölfen, sprach Er:„ Du bist Petrus,( d. i. ein Felsenmann), und auf diesen Felfen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen; und dir will ich die Schlüs sel des Himmelreiches geben, und was du auf Erden lösen wirst, das soll auch im Himmel gelöset sein, und was du auf Erden binden wirst, das soll auch im Himmel ge bunden ſein; weide Meine Lämmer, weide Meine Schafe." Und zu Allen sprach Er wieder: ,, Daran wird man erkennen, daß Ihr Meine Jünger seid, wenn ihr euch unter einander liebet, so wie Ich euch geliebt habe." 3u Seinem himmlischen Vater aber betete Gr: ,, Heilige fie in der Wahrheit. Deine Rede ist Wahrheit. Wie Du Mich in die Welt gesandt hast, so sende ich sie in die Welt. Ich bitte aber nicht nur für sie allein, son: dern auch für jene, die durch Ihre Reden an mich glanben werden, auf daß sie alle Eins sind, wie Du, o Va ter, in Mir und Ich in Dir; auf daß sie alle in Uns Gins sind, damit die Welt glaube, daß Du mich gesandt hast. Ich habe ihnen die Klarheit gegeben, die Du Mir 1 1 - - -- Alleinseligmachender Glaube. 325 gegeben haft, auf daß fie Alle ins sind, so wie Wir Gins find." Matthäus 10, 40. 16, 18. Joh. 14, 16-26. und 17. 11-26, Marc, 16, 15-16. - 2. Wie verblendet und beshaft müßte nicht derjenige sein, de in diesen klaren und gewichtigen Worten Jeſu Christi es nicht erkennen sollte, daß unser Herr Jesus Christus, bevor er uns noch verließ, Seine göttliche Gewalt Seinen zwölf getreuen Aposteln übergeben habe; daß er dem heiligen Petrus auf eine ausgezeichnete und ganz besondere Weise die göttliche Gewalt übergeben, und ihn statt Seiner zuin Oberhirten aller Seiner Schafe eingesetzt habe; daß Er ferner es wollte, und es auch vom himmlischen Vater Sich erbat, daß dieselben zwölf Apostel einig in der Wahrheit und in der Liebe unter einander verharren, und daß selbst jene, die durch sie an Ihn glauben werden, mit ihnen in einer unzertrennten Einigkeit verbleiben, und so ein wahrhaftes, aber geistliches Reich Gottes auf Erden bilden möchten, welches dauern sollte bis ans Ende der Tage, regiert durch den heiligen Geist; bei welchem auch Er Selbst zu bleiben versprach bis an das Ende der Welt; ein Reich, das selbst die Pforten der Hölle zu überwältigen nicht wers den im Stande sein. Dieses geistliche Reich Jesu Christi wird in der heiligen Schrift die Kirche Gottes genannt, von der Jesus Christus Selbst spricht: Wer aber die Kirche nicht höret, den achtet gleich einem Heiden und öffentlichen Sander;" das ist eben jene Kirche, von welcher der Weltapostel spricht, daß sie eine Säule und Grundfeste der Wahrheit sei. V. Der wahre Glaube ist derjenige, welchen der römische Papst mit den katholischen Bischöfen lehrt 1. Soll aber das Reich Jesu Chrifti, das Gr mit Seinem Blute errichtet hat, bis an das Ende der Tage fiegreich gegen die Pforten der Hölle bestehen, 19 326 Alleinfelig machender Glaube. so muß es jetzt im neunzehnten Jahrhunderte gerade dass felbe Reich sein, welches Er vor achtzehn Jahrhunderten S: lbst errichtet hat. Also muß es auch jest noch im neunzehnten Jahrhunderte wahre Nachfolger der Apostel Jesu Christi und einen wahren Nach folger des heiligen Petrus haben, und es muß auch jetzt in der Einheit der Wahrheit und der Liebe eben so unverändert schön und unfehlbar bestehen, so wie es damals bestand, als es unser Herr Jesus Christus Selbst auf Erden ers richtet hat. Aber unter allen geistlichen Reichen oder Kirchen auf Erden gibt es keine einzige, welche sich ruhmen könnte, wahre Nachfolger der Apostel Jesu Christi, und zugleich einen wahren Nachfolger des heiligen Petrus zu haben, als einzig die römische, katholische, apostolis sche Kirche. Denn, wo lebte, wo lehrte, wo verblutete Petrus, dieser Felsenmann, sein kostbares Leben, als in Rom? wo ruhet die heilige Asche dieses Für sten der Apostel Jesu Christi, als in Rom? wo ist also der wahre Nachfolger Petri, dieses Felsenmannes, die Schlüssel des Himmels übergeben sind? Nirgends anders, als in Rom. dem - - 2. Die Geschichte beweis't es klar, daß die gesammte rechtgläubige Christenheit immer nur den römischen Bischof für den wahren Nachfolger des heiligen Petrus hielt. Noch bei Lebzeiten des heiligen Johannes des Evans geliften schlichtete schon der heilige Elemens, der dritte Nachfolger des heiligen Betrus auf dem apostolischen Stuhle zu Rom, die Streitsachen der Corinther, da doch der heilige Johannes, der Evangelist, zu Ephesus war, und die Corinther also den Streit viel fürzer durch diesen Apostel, der die Kirchen Aftens regierte, hätten schlichten können, wenn sie nicht den Clemens zu Rom als den wahren Nachfolger des heiligen Petrus, und also als das sichtbare Oberhaupt der gesammten christlichen Kirche ans erkannt hätten. Alleinfeligmachender Glaube. 327 Von den unmittelbaren Schülern der Apostel Jesu Christi hat man deutliche und echte, schriftliche Nachrichten, daß sie in wichtigen Angelegenheiten der Kirche die lepte Entscheidung immer vom römischen Bischofe, als dem wahren Nachfolger des heiligen Petrus, verlangten. Dorthin reisete aus Asien sogar ein heiliger Polycarpus, Schüler des heiligen Johannes, wegen der Streitfrage über die Osterfeier: dorthin begab sich ein heiliger Irenäus in wichtigen Angelegenheiten der Kirche von Gallien; dorthin wandte sich ein heiliger Cyprianus, ein heiliger Athanafius, ein heiliger Chrisostomus. Und was spricht ein heiliger Augustinus von Rom? Er spricht: Von Nom ist das Sendschreiben gekommen, der Streit ist geendigt." Selbst die ältesten, ersten, allgemeinen Kirchenversammlungen haben von Rom aus ihre Bestätigung erlangt; und die dritte allgemeine Kirchenverz sammlung nennt Cölestin I., den damaligen Bischof von Rom, den Vater der allgemeinen Kirchenversammlung. Ja, es stimmen alle allgemeinen Kirchenversammlungen, alle heiligen Väter aus der ganzen rechtgläubigen Chri stenheit überein, daß in Rom der wahre Nachfolger des heiligen Betrus seinen apostolischen Sitz hat; und daß dieser jedesmalige Nachfolger des heiligen Petrus und Bischof von Rom mit eben derselben Gewalt, die Kirche Gottes zu regieren, ausgerüstet sei, wie es der heilige Petrus selbst war. - 3. Diese wahren Nachfolger des heiligen Betrus folgen nun einander in ununterbrochener Aufeinanderfolge vom Tode des heiligen Petrus an bis auf den jetzt lebenden Papst Pius IX. Nie ist diese wahre Nachfolge unterbrochen wors den; nie ist dieser heilige Stuhl Petri auch mitten unter den größten Stürmen der Zeit und den gewaltigsten Umwälzungen aller Reiche jemals untergegangen; ja fogar, je mehr sich der Weltgeist mit aller fei ner Macht und Schlauheit, je mehr sich der Geist der Spaltung und der Keßerei wider diesen heiligen 19* 328 Alleinfeligma chender Glaube. Stuhl Petri erhob und ihn zu stürzen suchte, desto glänzender nur und siegreicher erschien er in allen Jahrhunderten; damit alle Welt sonnenklar es erkenne, daß der Herr Jesus Christus Seine wahre Kirche auf Petrus ge baut hat, unerschütterlich bis an's Ende der Welt, so wie Gr es Selbst versprach, als Er sagte:„ Du bist Petrus auf dir will Ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen." 4. Auf gleiche Art, so wie die Bischöfe von Rom ( oder Päpste) wahre Nachfolger des heiligen Petrus sind, so find auch die übrigen katholischen Bischöfe wahre Nachfolger der übrigen Apostel Jesu Christi. Denn wir lesen selbst in der heiligen Schrift, daß schon zu den Zeiten der Apostel andere fromme Männer zu demselben Apostel. So amte von ihnen gewählt und geweihet wurden. weiheten sie den heiligen Paulus und Barnabas zum Apostelamte, wie es in der Apostelgeschichte steht, indem sie fafteten und beteten und ihnen die Hände auflegten. Der heilige Paulus weihete wieder den heiligen Timotheus und Titus durch das Händeauflegen zum Apostelamte, und zu den Weltesten von Ephesus spricht er:„ Gebet Acht auf euch und die ganze Herde, über welche euch der heilige Geist als Bischöfe aufgestellt hat, die Kirche Gottes zu regieren, die Er mit Seinem Blute Sich erworben hat." - So wie also die Apostel ihre wahren Nachfolger einfeßten und weiheten, so thaten es diese wieder, und weis heten und setzten wieder andere wahre Nachfolger ein, die man Bischöfe oder Hirten nannte; und auf diese Art wurden die wahren Nachfolger der Apostel in den Bischöfen bis auf unsere Zeit fortgesetzt und erhalten. 3. So sieht denn ein jedes offene Auge ohne Schalk heit und Falschheit, wo denn im neunzehnten Jahrhundert das wahre geistliche Reich Jesu Christi auf Erden anzutreffen sei, welches unser Herr und Meister auf Erden gründete. Nämlich dort ist es, wo seit neunzehn Jahrhunderten die wahren Nachfolger des heiligen Alleinfelig machender Glaube. 329 Petrus, und die wahren Nachfolger der heiligen Apoftel in einer ununterbrochenen Aufeinanderfolge sich befinden, und wo man diese wahren Nachfolger der heiligen Apostel mit dem wahren Nachfolger des heiligen Petrus in demselben Geiste der Wahrheit und der Liebe seit neunzehn Jahrhunderten immer vereinigt erblickt, in welchem die heiligen Apostel Jesu Christi mit dem heiligen Petrus durch den Beistand des heiligen Geistes immer zu Einer heiligen Gesellschaft vereinigt waren. Aber wer sieht nicht auf der Stelle, daß auf dem ganzen Erdboden seit neunzehn Jahrhunderten, das ist, seit der Gründung des geistlichen Reiches Jesu Christi auf Erden, die einzige römische, katholische Kirche es ist, die in dem Papste oder dem römischen Bischofe den wahren Nachfolger des heiligen Petrus, und in ihren übrigen Bischöfen die wahren Nachfolger der übrigen heiligen Apostel erblickt, welche katholische Bischöfe mit dem römischen Papste noch immer seit neunzehn Jahrhunderten durch dasselbe heilige Band der Wahrheit und der Liebe vereiniget sind, welches die heiligen Apostel mit dem heiligen Petrus selbst verband. Ja, dieses Band der heili: gen Vereinigung, welches die Bischöfe mit dem Papste in Gins verbindet, ist das schönste, sicherste und glänzendste Zeichen des wahren geistlichen Reiches Jesu Christi, das ist: Seiner Einen und wahren Kirche, und Seiner immerwährenden wahren Apostel bis an das Ende der Welt. Daher sprach Jesus Christus zu allen Seinen Aposteln: Daran wird man erkennen, daß ihr Meine Jünger seid wenn ihr euch unter einander liebet." Und zu Petrus sprach Er besonders: ,, Ich aber habe für dich gebeten, daß dein Glaube nicht schwach werde; du, stärke deine Brüder." Und zum himmlischen Vater Letete Er, wie wir schon in frühern Stellen anführten:„ Auf daß sie alle Eins seien, wie Wir Ging sind." - 6. Sonnenflar ist es daher, daß selbst ein Bischof, der nicht mit dem Papste und den übrigen Bischöfen in der Wahrheit und in der Liebe vereinigt ist, mit Recht 330 Alleinfeligmachender Glaube. entweder als ein Irrgläubiger oder ein Abtrünniger ans gesehen wird. Und in der That hält man in der heiligen Kirche Gottes feit neunzehn Jahrhunderten immer nur jene Pischöfe für echte Nachfolger der heiligen Apostel, welche mit dem wahren Nachfolger des heiligen Petrus, d. i. dem Papste, im Glauben und in der Liebe wahrhaft vereinigt waren; die andern nannte man immer entwe der Irrgläubige( Keßer) oder Abtrünnige( Schismatiker). " 1 Alle katholischen Bischöfe mit dem römischen Papste vereinigt, machen also durch diese heilige Vereinigung nur Eine heilige Gesellschaft aus, die man: das apostolis sche Lehramt, oder: die lehrende Kirche nennt, und von der unser Herr Jesus Christus sagt:„ Wer die Kirche nicht hört, den baltet für einen Heiden und öffentlichen Sünder."-" Ich bleibe bei euch, bis an das Ende der Welt." Wer euch hört, der hört Mich: wer euch verachtet, der verachtet Mich." Diese lehrende Kirche ist es, von welcher der h. Baulus schreibt, daß sie eine Säule und Grundfeite der Wahrheit ist, und daß sie gebaut ist auf den Grundfesten der Apostel und der Propheten, wovon Jesus Christus Selbst der Eckstein ist. Diese Kirche ist also die einzig wahre, die man hören soll, die in ihren Aussprüchen unfehlbar ist, und uns also nicht betrügen kann, weil die Pforten der Hölle fie nicht überwältigen können, und weil Jesus Christus bei ihr bleibt bis an das Ende der Welt. Jener Mensch nur ist also ein wahrer Christ, und hört die unfehlbare Wahrheit Gottes, hört die wahre Lehre Jesu Christi, hört Jes fum Chriftum Selbst noch immer durch Petrus und Seine wahren Apostel redeu, der den römischen Papst und die mit ihm vereinigten fatholischen Bischöfe, d. i. die lehrende Kirche Jesu Christi, hört; wer anders denkt, wer anders lehrt, der ist ein Irrgläubiger, ein Keßer, weil er das einzig wahre, von Jesu Christo Selbst eingesetzte apoftolische Lehramt verachtet. 1 - 381 Alleinfeligmachender Glaube. VI. Wie vernimmt aber selbst der einfältigste katholische Christ dieses hohe apostolische Lehramt? Der einfältigfte katholische Christ hört entweder die Bischöfe selbst, oder einen katholischen Priester, als den Abgesandten seines Bischofes, das Evangelium Jesu Chris fti verkündigen. Hört der katholische Christ seinen Bischof, so hört er ihn als einen solchen, von dem er weiß, daß er im Glauben und in der Liebe mit dem Oberhaupte der Kirche, dem römischen Papste, und durch denselben mit den übrigen katholischen Bischöfen vereinigt ist: er hört also wirklich von seinem Bischofe kein Menschenwort, sondern die wahre, unfehlbare, lehrende Kirche Jesu( Shrifti, d. i. Jesum Christum selbst. Hört der katholische Christ einen katholischen Priester das Evangelium Jeſu Chrifti verkündigen, so hört er ihn blos als einen wahe ren Abgesandten, oder als einen wahren Stellvertreter seines Bischofes, der also mit seinem Bischofe in der Lehre und in der Liebe vereinigt ist, und steht also mit Recht in ihm die Person seines Bischofes.. Sollte ein katho: lischer Priester im Glauben irren, und diese Irrthümer predigen, so ist der katholische Christ versichert, daß der Bischof über seine Herde wachen, und sie von einem jeden Wolfe zu befreien wissen wird.- Sollte aber selbst der einzelne katholische Bischof irren so weiß jeder katholis sche Christ, daß der römische Papst, als wahrer Nachfolger des heiligen Petrus, mit allen übrigen katholischen Bischöfen immer wacht, damit kein Irrthum in der Kirche Gottes W rzel faffe. Und so wird immer das apostolische Lehramt entweder einen solchen Bischof zurechte weisen, oder ihn für seine Herde ganz unschädlich machen. So ist es denn also flar erwiesen, daß selbst der eins fältigste fatholische Christ nicht einem betrüglichen Mens schenwerte, sondern einzig dem untrüglichen lebendigen Worte Gottes glaubt, welches durch das wahre, im 332 Alleinfeligmachender Glaube. mer lebende apostolische Lehramt in allen Orten, in allen Theilen der Welt, zu allen Zeiten seit neunzehn Jahrhunderten, zu allen Zungen und Völkern ertönet, wo es nur immer einen katholischen Bischof oder einen katholischen Priester gibt. VII. Wem glaubt der wahre katholische Chrift nicht? 1. Nimmermehr glaubt also auch selbst der einfäl tigste katholische Christ eine so genannte unsichtbare Kirche, welche nur in der Einbildung einiger schwärmerischen Köpfe besteht, die sich die Auserwählten Gottes, und die von dem heiligen Geiste Erleuchteten nennen, im Grunde aber nur ihren abergläubischen Träumereien oder ihren starrsinnigen Köpfen folgen. 2. Nimmermehr glaubt auch der einfältigste katholische Christ irgend einem Buche, und wenn es auch das allergescheidtefte wäre, weil er weiß, daß es bloß ein betrügliches Menschenwort ist,- und wenn der katholische Christ der Bibel glaubt, so glaubt er nur deßwegen, daß dieses gedruckte Buch ein heiliges, ein göttliches, von dem heiligen Geiste Selbst geschriebenes Buch sei, weil es ihm die Gine, lebendige, seit neunzehn Jahrhunderten untrügliche, apostolische, heilige, katholische Kirche sagt: daß dieses Buch wirklich die Bibel sei. Der katholische Christ nimmt also die Bibel nur aus den Händen feines katholischen Bischofes oder eines katholischen Priesters an, von denen er weiß, daß sie im Glauben und in der Lehre mit dem römischen Papste und mit den übrigen katholischen Bischöfen vereinigt sind; nur mit ihrer geiftlichen Erlaubniß liest er die Bibel, die sie untersucht haben, und für die Eine, wahre, unverfälschte, katholische Bibel erkennen, und einer andern Ribel traut er durchaus nicht, und wenn sie auch einen noch so katholischen Titel hätte, und recht schön geschrieben - - Alleinfeligmachender Glaube. 333 wäre; weil er nur zu gut weiß, daß nicht Alles schon deswegen wahr ist, weil's gedruckt ist, oder weil's Viele so meinen. Ja eben, weil sogar auch der einfältigste katholische Christ es recht gut weiß, welches denn die Gine wahre, unverfälschte Bibel, das Eine, wahre, ge= schriebene Wort Gottes ist, so hat der wahre, katholische Christ so viel Ehrfurcht vor der heiligen Bibel, daß er sich ja nicht getraut, das, was er in der heiligen Bibel liest, selbst zu erklären, auszulegen, und sich dann einzubilden, es recht zu verstehen; denn er weiß nur zu gut, daß das, was in der heiligen Bibel steht, kein Menschenwort, sondern das Wort des lebendigen Gottes Selbst ist, aber daß eben deßwegen auch kein einziger Mensch das Recht habe, die heilige Bibel eigenmächtig und nach seinem Sinne zu erklären und auszulegen, da allein zur katholischen Kirche in ihren Bischö fen und deren wahren Abgesandten, den katholischen Priestern, Jesus Christus gesprochen hat: ,, Gehet hin, und lehret alle Völker." - 3. Der wahre katholische Christ traut auch daher in Glaubenslehren nimmermehr seinem eigenen Verstande und Urtheile, und wenn er auch noch so gescheidt wäre: er verläßt sich ja nicht auf seine eigenen Grundfäße und Meinungen, und wenn sie auch noch so schön wären; er traut durchaus nicht irgend einem Lehrer, der nicht von der Einen und wahren Kirche Gottes gesandt ist, ja er hört ihn gar nicht an; er läßt sich nimmermehr von solchen Menschen verführen, welche, besonders an öffentlichen Orten, vortrefflich mit leeren Worten streiten, Andere überschreiten können, und durch Scheingründe wie durch blendenden Wiß sich vor andern Menschen ein Ansehen geben, und den heiligen Glauben lächerlich machen:- sondern der wahre katholische Chrift, ganz versichert und gewiß, daß nur er den einzig wahren Glauben des lebendigen Gottes habe, flieht die Gesellschaft der Gottlosen und verachtet ihre Weiss heit, die vor Gott nichts als Thorheit ist. 334 Alleinfelig machender Glaube. 4. Der wahre katholische Chrift glaubt also nim mermehr eitlen Menschenworten, nimmermehr falschen Lehrern, nimmermehr dem eigenen Verstande, nimmers mehr einem bloßen Buche, nimmermehr einem sogenann ten innern Geiste, sondern: er glaubt allein dem heiligen Geiste, der durch die lehren, de Kirche Jesu Christi, das ist: durch den Papst und die Bischöfe, zu ihm spricht, und also ihn auf keinen Fall je betrügen fann. Das allein ist der wahre Grund des christlichen Glaubens, und der katholische Christ ist es also einzig und allein, der einen wahren, unerschütterlichen Grund seines heiligen Glaubens angeben kann; mithin ist also kein Glaube weiser und vernünfs Und tiger, als der Glaube eines katholischen Christen.. wer immer einen andern Grund hegt, der bant nicht anf die wahren Apostel, nicht auf den wahren Eckstein Jesus Christus, der hat einen falschen Glauben, eine falsche Lehre, die Jesus Christus nicht gelehrt, welche die Apo ftet Jesu Christi nicht geprediget haben,- er ist ein 3rr: gläubiger, ein B'inder, der in dem Schatten des Todes sigt, ausgeschlossen von dem Reiche Jesu Chrifti;- denn nur die Wahrheit macht selig, der Irithum aber führt zum Untergange! - VIII. Der katholische Glaube ist der alleinfeligmachende Glaube. Jesus Christus ist allein der Weg, die Wahrheit und das Leben; und von ihm predigt Petrus, daß einzig Er allein es ist, in Dem wir Heil finden köns nen; Jesus Chriftus Selbst aber drohet denjenigen, die Seinen Aposteln nicht glauben, die ewige Ver dammniß, indem Gr, bevor Er noch in den Himmel fuhr, zu Seinen geliebten Aposteln sprach: ,, Gehet hin in die ganze Welt, und prediget das Evangelium a's len Geschöpfen. Wer glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der - - Alteinfeligmachender Glaube. 385 er ,, wird verdammt werden.". Wer also den wahren Aposteln nicht glaubt, der glaubt Jesu Christo nicht, macht also Jefum Christum zu einem Lügner; er theilet Jesum Christum, weil er nicht die ganze Lehre Jesu Christi, weil er nicht den Aposteln Jesu Chrifti, m.d ihren wahren Nachfolgern, weil er nicht der Einen wahren Kirche Jesu Chrifti glaubt. Er ist daher ein wahrer Feind Jesu Christi, und, nach dem eigenen Ausspruche des heiligen Johannes des Evangelisten, ein wahrer Antichrist, der feinen Theil hat an dem ewigen Leben, sondern der schon gerichtet ist, weil er nicht wahrhaft glaubt an Jesum Christum, den Sohn des lebendigen Gottes, der ihm durch Seine wahren Abgeder - lische Glaube der einzig wahre ist, so ist auch er nur der allein seligmachende Gaube. Darum spricht der groBe heilige Cyprianus: Sie( die Irrgläubigen und Abtrünnigen) mögen immerhin in Feuer und Flammen für ihre Religion brennen, sie mögen den wilden Thieren vorgeworfen werden, fie können getödtet,- aber nicht gekrönet werden." Die heilige Kirche ist der Leib Christi; wer vom Leibe abgeschnitten ist, hat kein Leben mehr Der fann Gott nicht zum Vater haben, der die Kirche( Seine Braut) nicht zur Mutter hat."( Cypr. de unitate.) " 1 4 - IX. Widerlegung gew ser Irrthümer unserer Beit. Wer alles das, was wir bisher gesagt haben, mit einem aufrichtigen Herzen und ohne Leidenschaft reiflich erwäget, dem muß es hell und flar einleuchten, wie falsch, gottlos und höchst verderblich die, schon selbst unter den ungebildetsten Menschen verbreiteten Irrthümer und Grundsätze unserer Zeiten sind. Wie falsch und gottlos ist es nicht, wenn man zu fagen sich erfrecht:„ Wenn ich nur nach meinem Gewissen handle, ob ich dann ein Christ oder ein Türke bin, 336 Alleinfelig machender Glaube. das gilt gleich." Wie falsch und gottlos ist es nicht, wenn man sagt:„ Ich kann jain einer jeden Religion ein rechtschaffener Mensch sein, und also in einer jeden Neligion selig werden, man muß also einen jeden glauben lassen, was er will." Wie falsch und gottlos ist es nicht, wenn man zu sagen sich erfühnt: ,, Wenn nur Gin Glaube selig machte, so müßten ja die meisten Menschen verdammt werden, was können diese denn aber dafür?" Wie falsch und gottlos ist es nicht, wenn man sagt: ,, Gin jeder soll fein in dem Glanben, in dem er geboren ist, bleiben;- der seine Religion wechselt, auf den halte ich nichts." - - 1 - Oder Gottlosigkeit und Blindheit unserer Zeit, die vom Vater der Lügen, dem Satan verführt, solche Lügen und Gotteslästerungen zu sagen sich erfrecht! Heißt es nicht, die Apostel Jesu Christi, und also Jesum Chris stum Selbst, zum Lügner machen, wenn man sagt, daß alle Religionen gleich sind und selig machen, da doch die Apostel Jesu Christi von Jesus Christus Selbst den Befehl bekamen, allen Völkern den Einen christlichen Glauben zu verkündigen, und da diese heiligen Apostel in alle Theile der Welt sich zerstreuten, um alle Völker, Juten und Heiden, in Einem heiligen Glauben, nămlich in dem Glauben an Jesus den Gekreuzigten, zu ver einigen? Warum hätten denn also die heiligen Apostel, warum hätten denn also alle die Millionen heiligen Martyrer ihr kostbares Blut vergoffen, wenn es ohnehin ganz Gins und ganz gleichgiltig wäre, was Jemand für einen Glauben habe? Also hätten die Apostel etwa unrecht gethan, da sie selbst aus Juden erst Christen ge worden sind, und noch unrechter, da sie auch den andern Juden und den Heiden predigten, ihren Glauben zu wechseln, und mit dem Einen Glauben an den Ges freuzigten zu vertauschen, da fie selbst die Gemeinschaft der Keßer flohen, und zu fliehen befahlen, und da sie sogar den Juden und Heiden mit dem ewis gen Feuer droheten, wenn sie nicht den Glauben, in - Alleinfeligmachender Glaube. 337 dem ste geboren waren, verlassen, und den Glauben an den Gekreuzigten annehmen würden? Nimmermehr! Es waren also die Apostel Jesu Christi von der Wahrheit ganz durchdrungen, daß nur Gin Herr, Eine Taufe, Ein allein seligmachender Glaube sei. Daraus folgt aber noch gar nicht, daß, wer ohne seine Schuld in einer irrigen Religion ist geboren wor den, auch deshalb schon zu Grunde gehen müsse. Denn, so wahr Jesus Christus das wahre Licht ist, das in die Welt fum, um alle Menschen zu erleuchten, so gibt Er auch einem jeden Menschen, der zum Gebrauche seiner Vernunft kommt, das nöthige Licht, um die Eine, wahre, allein seligmachente Religion zu finden. Wer also zu Grunde geht, der geht nur durch seine eigene Schuld zu Grunde! X. Ermunterung zur Beharrlichkeit in dem katholischen Glauben. Geliebte in Jesu! laffet euch also nicht täuschen durch alle die schön-, weise- und süßklingenden Schlangenreden unserer ungläubigen Zeit. Brüfet, so rufe ich euch mit dem heiligen Apostel Johannes zu, prüfet die Geister, ob sie aus Gett sind, denn es sind viele falsche Propheten in die Welt ausgegangen. Darum haltet euch fest an die Gine, sichtbare, heilige, apostolische, römisch- katholische Kirche, von der ihr nun wisset, daß sie die einzig wahre, die einzig seligmachende sei, welche euch niemals irre führen kann, weil der heilige Geist es ist, Der sie regieret und mit Jesu Christo bei ihr verbleibt bis an das Ende der Welt. Sieh," spricht Jesus in der geheimen Offenbarung:„ halt' auf das, was du hast, damit dir Niemand deine Krone raube." Herr Jesu Christe! ich bleibe ein getreues Kind Deiner Ginen, heiligen, unbefleckten Braut, der heiligen, rös misch- katholischen Kirche. Amen! Amen! 17 - - - Geistliche Lesung in Geschichten und Erwägungen. Die ewigen Wahrheiten. erzählt uns die Kirchengeschichte, wie eine große Anzahl heiliger Büßer, von der Erkenntniß der Nichtigkeit alles Irdischen, und von der Hoheit der ewigen Wahrheiten durchdrungen, sich in die Einsamkeit zurückzog, um sich dort ungestört der Betrachtung jener heiligen Wahrheiten hingeben zu können. Von einander getrennt, in Höhlen wie in Gräbern verborgen, beschäftigten sie sich mit nichts anderem, als mit dem Gedanken, daß der Tod gewiß ist, daß aber kein Mensch weiß, wann, wo und wie er sterben wird, und daß jeder Augenblick der letzte unseres Lebens sein kann;- daß jeder Mensch in dem Augenblicke, da er stirbt, von Gott gerichtet werden wird, und genaue Rechenschaft über alle seine Gedanken, Worte und Werke, die er allein mit hinübernimmt, wird geben müssen; daß nach diesem Leben, das so schnell vorübergeht, die Ewigkeit eintritt, die kein Ende hat, und die entweder ewig glückselig oder ewig unglückselig sein wird; daß wir nur darum auf der Welt sind, um unser Heil zu wirken, und daß, wenn wir dies unser Biel verfehlen, es in Ewigkeit nicht mehr gutge - - - Geistliche Lesung. 389 macht werden kann; daß eine einzige Todsünde uns auf ewig unglückselig zu machen im Stande ist, und daß die Sünde das einzige wahre Uebel, das einzige Une glück ist, das wir zu fürchten haben. Durchdrungen von diesen tiefen Gedanken wachten sie ganze Nachte, fasteten, trugen härene Gewande; alle Werkzeuge der Buße mußten ihnen helfen, ihren Leib der Dienstbarkeit des Geistes zu unterwerfen. Sie nährten sich blos von Wurzeln und Kräutern, oder höchstens von Brot, das sie mit ihren Thränen befeuchteten. Bleich und entstellt, gleich lebenden Todtengerippen, brachten sie ein Leben zu, das nur ein langsamer Tod schien, und waren sie nach zwanzig, dreißig, vierzig so durchlebten Jahren endlich am Ziele ihrer Laufbahn angelangt, da noch fragte Giner den Andern zagend und voll heiliger Furcht, mit zitternder Stimme: Meinst du, ach! meinst du wohl, daß Gott meiner Seele barmherzig sein, und mir meine Sünden verziehen haben werde? Meinst du wohl, daß mir im Tode einiger Trost werden, daß der ewige Richter die Strenge Seines Gerichtes gegen mich mildern wird? Darf ich endlich hoffen, den Schrecknissen einer unglückseligen Ewigkeit zu entgehen, und Antheil zu haben an der Glückseligkeit der Auserwählten? .. - Welche Gesinnung! welch ein Beispiel! Aber auch, welch Verdammungsurtheil vielleicht für uns! Erwägen wir dies recht. Denn sind wir auch nicht zu solchen außerordentlichen Dingen, zu denen ein besonderer Antrieb der Gnade gehört, berufen, so sind wir doch Alle ohne Ausnahme zum Bußgeiste berufen, ohne den es kein Heil gibt; denn wenn ihr nicht Buße thut" sagt die ewige Weisheit ,, so müsset ihr Alle zu Grunde gehen." Wir sind dazu berufen, zuerst das Reich Gottes zu suchen, unser Herz nicht an die Welt zu hängen, unsern Leib zu karteien, ihn der Herrschaft des Geistes zu unterwerfen, und unser Heil mit Furcht und Zittern zu suchen. Warum aber thun wir von all dem nichts? 340 Geistliche Lesung. Und jene heiligen Büßer, die wir nun verehren, thaten Dinge, die man von uns gar nicht fordert, ohne daß sie ein anderes Evangelium zu befolgen hatten, als wir; eine andere Religion auszuüben, als wir; einem andern Gott zu dienen, eine andere Ewigkeit zu hoffen oder zu fürchten, als wir.- Was ist also die Ursache eines so seltsamen Unterschiedes? Jene Heiligen besaßen den Glauben, der uns fehlt, und darum erwogen sie das Heil ih rer Seele, und wir vernachlässigen es. Sie erwogen unablässig die Größe Gottes, die Abscheulichkeit der Sünde, die Ungewißheit unserer Todesstunde, die furcht: bare Tiefe der Urtheile Gottes, die mit jedem Augenblicke herannahende, entweder ewig glückiclige, oder ewig unglückselige Zukunft; und wir wir tragen Scheu, uns mit so hohen Gegenständen zu beschäftigen; mit einem Worte fie lebten als Heilige, und wir leben als Weltlichgesinnte. -- - - Erwägen wir es, weil es noch Zeit ist. Was haben wir zu erwarten, wenn wir es nicht erwägen? Welchen Trost wird es uns einst gewähren, es erwogen zu haben! Erwägen wir es! Beschäftigen wir uns lieber jetzt damit, auf daß wir nicht, weil wir es zu er wägen vernachlässigten, in Ewigkeit verzweifeln müssen, sondern, damit wir vielmehr ewiglich die Früchte so heilsamer Erwägung ernten mögen. Das Seelenheil. Brops Ein Mann, der seine ganze Lebenszeit im Dienste eines vornehmen Herrn zugebracht hatte, fiel in eine tödtliche Krankheit. Sein Herr, der ihn sehr liebte, besuchte ihn, und fand den Kranken in größter Ge fahr; beinahe in den letzten Zügen lag er da, nahe daran, den legten Athemzug zu thun. Gerührt von die sem Anblicke sprach der Herr zu ihm: Könnte ich doch etwas für dich thun! Begehre mit Vertrauen von mir, was Du immer willst, und fürchte feine abschläs gige Antwort. Mein Herr und Gebieter! erwis Geistliche Lesung. 341 derte der Kranke, in diesem meinem Zustande weiß ich nichts als Eines zu bitten: verlängere mein Leben nur um eine einzige Viertelstunde!- Dies, sprach der Herr, tieß steht leider nicht in meiner Macht. Begehre etwas Anderes, das ich dir gewähren kann. Sehet, iprach der Sterbende, fünfzig Jahre habe ich diesem meinem Herrn gedient, und nun kann er mir das Leben nicht um eine einzige Viertelstunde verlängern. Ach! daß ich meis nem Gott also treu gedient hätte! Er würde mir jegt nicht nur eine Viertelstunde eine ganze glückselige Ewigkeit würde er mir nun schenken! Bald darauf gab er seinen Geist auf. Glücklich, wenn er sich die Ermahnung, die er Andern über die Nichtigkeit der irdischen Dinge, und über die Nothwendigkeit an dem Heile seiner unsterblichen Seele zu arbeiten, gab, selbst zu Nußen gemacht hätte. ben? Werden wir nicht einst das nämliche Schicksal haWir erschöpfen und verzehren uns im Dienste der Welt; ja wir opfern uns für sie auf, und kommt dann unsere Stunde, wae wird die Welt für uns thun? und was wird uns von dem, was wie um ihretwillen gethan haben, übrig bleiben, wenn wir den Dienst Gottes und das Heil unserer Seele vernachlässigen! Erwägen wir dies, und sagen wir aufrichtiger und ent schlossener als vordem: Ich will heilig werden, und die übrige Zeit meines Lebens hieran arbeiten! ich muß es als ein großes Glück ansehen, daß mir Gott noch Zeit und Gnade schenkt, ernstlich daran zu denken. 3 Die Sünde. Arkadius, der kezzerische Kaiser von Constantinopel war wider den heiligen Johannes Chryfoftomas wür thend aufgebracht. Ginst sagte er im äußersten Zorn 20 342 Geistliche Lesung. vor einigen seiner Hofleute: O könnte ich doch an diesem Bischofe Rache nehmen! Die Hofleute waren so gleich mit Rath bereit. Der Erste sprach: Schicke ihn in die Verbannung, daß er dir nimmer unter die Augen komme! Ein Anderer sprach: Zieh' seine Güter ein! Ein Dritter: Wirf ihn mit Ketten beladen ins Gefängniß! Der Vierte fragte den Kaiser, ob er denn nicht der Herr sei? Laß ihn tödten, sprach er, und befreie dich durch den Tod von ihm! Giner endlich, der mehr Verstand als die übrigen hatte, sagte: Ihr irret euch, dies Alles sind keine Mittel, an ihm Rache zu nehmen. Wohin wollt ihr ihn verbannen? Die ganze Erde ist seine Heimath. Ziehet ihr seine Güter ein, so nehmet ihr sie den Armen, nicht ihm. Werfet ihr ihn in den Kerker, so wird er seine Ketten füffen, und sich glücklich preisen. Verdammt ihr ihn zum Tode, so öffnet ihr ihm den Himmel. Nein, mein Fürst! Willst du dich rächen, so zwinge ihn, eine Sünde zu begehen. Ich kenne diesen Mann, nichts in der Welt fürchtet er, als die Sünde. - Erwägen wir dies, und vergessen wir es nie, daß wir mit der Sünde nimmermehr in den Himmel, unser wahres Vaterland, eingehen können. Als Sünder können wir den Urheber unseres Daseins, Gott, nie schauen. Durch die Sünde, und zwar durch eine einzige Todsünde, welche nicht gebüßt ist, werden wir ewiglich den höllischen Peinen und einer ewigen Berzweif lung Preis gegeben. Erwägen wir dies, und wenn es Noth thut, vergessen wir alles Uebrige, um dies zu ers wägen. ,, Fliehet die Sünde, wie eine giftige Schlange." Eccl. 21. ,, Vater! ich habe gesündiget im Himmel und vor Dir." Luc. 15." Ich erkenne meine Sünde, und sie ist ohne Unterlaß wider mich." Ps. 50. , Wende ab Dein Angesicht, o mein Gott! von meinen Sünden, und wasche meine Seele rein von aller Misſethat." Pf. 30. 11 - - Geistliche Lesung. - 348 Der Cod. Eine junge Dame von vielem Verstande, und be gabt mit allen Eigenschaften, die ihr Geschlecht zieren, befand sich viel früher, als sie es vermuthet hatte, am Ende ihrer Laufbahn. Im Anfange ihrer Krankheit verbarg man ihr die Gefahr, in der sie sich befand, wie es leider nur allzu oft geschieht; als das Uebel aber zunahm, war man gezwungen, es ihr anzudeuten, und sie zu erinnern, ihr Gewissen in Ordnung zu bringen. Diese Nachricht verursachte ihr im ersten Augenblicke Schrecken und Entseßen; bald aber gewann durch die Gnade Gottes die Gesinnung des Glaubens in ihr erneuerte Kraft; fie brachte Gott großmüthig das Opfer ihres Lebens, und begehrte sogleich selbst die heiligen Sterbfacramente. Nachdem sie sich zu deren Empfang vorbereitet hatte, ließ sie einige ihrer Freundinnen bitten, zu ihr zu kommen. Diese erschienen, eben als sie die heilige Wegzehrung empfangen sollte; da sprach sie zu ihnen mit sterbender Stimme und durchdringendem Tone: Meine Freundinnen! ich habe Sie zu mir bitten lassen, um Ihnen die Nichtigkeit der menschlichen Dinge zu zeis gen. Sie sehen meinen Zustand, und sind davon gerührt; ziehen Sie Nußen daraus, und erkennen Sie die Erbärmlichkeit dieser Welt. Ach meine Theuren! könnten Sie doch die Dinge in jenem Lichte sehen, in welchem ich sie jetzt sehe; alle Eitelkeit und Täuschung dies ses Lebens würde vor Ihren Augen schwinden, und sie würden erkennen, daß es nichts Echtes gibt, als: Gott dienen. Meine Stunde ist nun da; auch die Ihrige wird kommen; erwarten Sie sie nicht, um dann erst sich dazu vorzubereiten. Zum letzten Mal in diesem Leben sehe ich Sie zum letzten Mal spreche ich zu Ihnen, und bitte Sie, für mich zu beten; wenn ich, wie ich von den Verdiensten Jesu Christi hoffe, Barmherzigkeit erlange, werde auch ich Ihrer bei Gott nicht vergessen. 20* 344 Geistliche Befung. Alsdann empfing fie die heilige Wegzehrung, und bald darauf verschied fte. Tiefe ihre leßten Worte gruben sich tief in die Geraüther derer, die sie gehört hatten, und brachten Früchte des Heils. Möchten Sie doch auch bei uns heilsame Erwägungen veranlassen! - Die Ewigkeit. in berühmter Maler im Alterthume ward einst von einem andern Maler besucht, und dieser stellte ihm folgende Frage: Wie kommt es, daß du, der du ein so großer Künstler bist, so wenige Gemälde verfertigeft, indeß ich, der ich dir toch so weit an Kunstfertigkeit nachstehe, in kurzer Zeit so viele zu Stande bringe? Das will ich dir sagen, sprach jener: du malst für die Zeit, ich für die Ewigkeit. Eine schöne Lehre! Alle, wie wir sind, haben wir ein Bild zu malen; denn als Christen müssen wir, wollen wir anders zu den Auserwählten gehören, das Bild Jesu Christi, und die Aehnlichkeit mit Ihm, Der das Urbild und das Muster aller Auserwählten ist, in uns vorstellen. Täglich können wir daran arbeiten! Gin Gebet, zu Gott gesandt: ein Almosen, um Gottes wil len dargebracht: eine Abtödtung, durch den Geift der Buße geheiligt: Alles dies sind eben so viele Pinsel striche, die wir führen, eben so viele Aehnlichkeiten mit dem göttlichen Muster, das uns gegeben ist. Erinnern wir uns aber allezeit, daß dies Gemälde für die Ewigs feit verfertigt werden muß. Aby - Durchbrungen von dieser großen Wahrheit wollen wir in Zukunft als solche Menschen leben und handeln, die ganz von dem Gedanken an die Ewigkeit erfüllt, die durch den Glauben an die Ewigkeit gestärkt, die von der Hoffnung auf die Ewigkeit ermuthigt, mit Einem Worte, als Menschen, die für die Ewigkeit bestimmt sind. O, daß sie für uns ewig glückselig sein möge! Geistliche Lesung. 343 Grwäge dies wohl, und sage ohne Unterlaß zu dir selbst: Es gibt eine Ewigkeit! Ich bin bestimmt für die Ewigkeit! Vielleicht bin ich an den Pforten der Ewigkeit! Was wird mein Loos in der Ewigfeit sein? Die Zeit ist mir nur dazu gegeben, dies zu erwägen; diesem will ich die Zeit, die mir noch übrig ist, weihen. Der Verschub der Bekehrung. -- - Verschiebe deine Bekehrung nicht von einem Tag auf den andern." Eccl. 5. Jederzeit sieht man Sünder, die in der Sünde leben, die in der Sünde verharren, und dabei immer sagen, sie werden sich schon einmal bekehren; denn sie meinen, es wird ihnen nie an Zeit dazu fehlen. Dies ist aber eine Täuschung, eine Verblendung, die schon eine unzählbare Menge Seelen in's Verderben gestürzt hat, und noch stürzen wird. Täusche dich nicht, o Sünder! Verschiebst du es, dich gleich zu befehren, so seßest du dich der Gefahr aus, daß du dich nie bekehren, und als Verworfener sterben wirst. In den Grundsäßen des Glaubens wenigstens findest du nichts, was dich in deiner bösartigen Hoffnung bestärfen köunte; im Gegentheile, es ruft alles dir zu, daß du in der äußersten Gefahr bist. Ja, alles in dem Glauben muß einen Sünder, der seine Bekehrung verschiebt, in Schrecken und Angst verseßen. Schrecklich sind die Aussprüche, Drohungen, die Vergleichungen, die Bilder, die Gleichnisse, die Beispiele alles in dem Glauben ist wie Sturmgeläute für ihn, alles schreiet ihm im Namen Gottes zu: Verschiebe es nicht! Verschiebe es nicht!- Höre dies Wort, und erwäge es wohl. Schrecklich sind die Aussprüche; nichts ist furchtbarer, als die Stellen der heiligen Schrift hierüber: „ Suchet den Herrn, da Er noch gefunden werden fann." Is. 44. Wandelt, da ihr noch das Licht „ habt, damit euch die Finsterniß nicht ergreife. Wer 11 20** 346 Geistliche Lefung. in der Finsterniß wandelt, der weiß nicht, wohin er geht." Joh. 12.„ Seid bereit, denn des Menschen Sohn wird kommen, da ihr es nicht vermuthen werdet." Luc. 12. Heute, da ihr Seine Stimme höret, ,, verhärtet eure Herzen nicht." Ps. 94. FP " weigert, da ich euch gerufen enter fpotten, wenn Schrecklich sind die Drohungen:„ Ihr werdet Mich suchen und nicht finden." Joh. 7. ,, Weil ihr euch ge will eu ,, rem Untergange lachen, und über euch kommt, was ihr befürchtet; wenn plößlich „ das Unglück hereinbricht, wenn der Untergang wie ein Ungewitter über euch fommt, wenn Bein und Augst euch ergreifen. Alsdann werden sie mich anrufen, Ich aber werde sie nicht erhören." Sprichw. 7. „ In euren Sünden werdet ihr sterben." Joh. 8. " 1 Schrecklich sind die Vergleichungen: Der Tag bes Herrn wird kommen, gleichwie ein Dieb in der „ Nacht; denn da sie sagen werden: Es ist Frieden, ,, es ist Frieden! da wird sie unversehens das Ver„ derben überfallen." 1. Theff. 3. Wie man die Fische mit der Angel und die Vögel mit dem Neße fängt, also werden auch die Menschen gefangen zur bösen Beit, wenn selbe plößlich über ste kommt." Eccl. 9. Schrecklich sind die Bilder: ,, Einen Augenblickleuch tet der Bliß, dann ist er vorbei und verschwunden." Das ist das Bild deines Lebens, heute bist du auf die: ser Welt, morgen in der Ewigkeit. Auch: Wie der „ Bliß vom Anfange ausgeht und bis zum Niedergange leuchtet, also wird die Ankunft des Menschen17 Sohnes fein." Matth. 24. ,, Schon ist die Art an die Wurzel des Baumes gelegt, und jeglicher, der nicht gute Früchte bringt, wird umgehauen und in das Feuer geworfen werden." Luc. 3. 11 Schrecklich sind die Gleichnisse: Die thörichten Jungfrauen schlafen ein, da sie den Bräutigam erwarten; in der Mitte der Nacht kommt er; ste eilen herbei werden aber abgewiesen: Ich kenne euch nicht " 1 FF " 1 - Geistliche Lesung. 347 Der Knecht, den die Ankunft seines Herrn überrascht, wird ergriffen, gebunden und in die äußerste Finsterniß geworfen: Werfet den unnüßen Knecht hinaus in die äußerste Finsterniß, da wird Heulen und Zähnflappern fein." Matth. 24. 11 Schrecklich sind die Beispiele: Esau verkauft das Recht seiner Erstgeburt. Er will es wieder haben, aber es ist zu spät; der Segen ist für immer verloren. Der sterbende Antiochus bittet, stöhnt und ächzt; der Unglückliche! Sein Herz war nicht aufrichtig, sagt die Schrift von ihm; er will Verzeihung, doch er erhält sie nicht: 8 bat dieser Schalk den Herrn, „ von dem er doch keine Barmherzigkeit zu erlangen hatte." Mach. 9. 11 O verblendeter Sünder! sage, was verkünden alle diese Donnerworte jenen, die ihre Bekehrung bis zu ihrem Ende verschieben? Was können sie erwarten nach diesen Aussprüchen, jene Unglückseligen, die während ihres Lebens sich gegen die Stimme Gottes taub erzeigt, die der göttlichen Gnade hartnäckig widerstanden, die die Stimme, welche sie zur Buße einlud, erstickt, die den heiligen Geist in ihrem Herzen betrübt, die das anbetungswürdige Blut der Erlösung verunehrt, die sich gegen alle Bisse ihres Gewissens verhärtet haben? Was können sie erwarten, als daß ste, da fie ihre Bekehrung verschieben, nie Buße thun, oder daß ihre Buße nicht aufrichtig sein wird, und daß fie unbußfertig sterben, und der Verdammung anheim fallen werden. Wehe dem, der sich dies nicht zu Gemüthe führt Man wird vielleicht sagen: Aber haben nicht auch die Arbeiter, die um die letzte Stunde zur Arbeit in den Weinberg gekommen sind, den ganzen Lohn erhalten? Das ist wahr; doch diese Arbeiter standen auf dem Plage; sie wünschten, sie verlangten Arbeit; die Sünder hingegen, welche immer die Buße verschieben, • 348 Geistliche Lesung. wo sind diese zu finden? Beim Spiele, bei Unterhals tungen, mitten in Lastern, und haben sie da ein Verlangen nach ihrer Bekehrung? Oder wird man sagen: Der fromme Schächer hat sich erst im Tode bekehrt, wir können also immer hoffen. Mehr ein Wunder ist dies, als ein Beispiel, sagt der heilige Augustinus; und darfst du, o Sünder! ein solches Wunder der Gnade, ein solches Wunder Verdienst du es? der Bekehrung erwarten? Ja! der gute Schächer hat sich im Tode bekehrt; doch dies ist das einzige Beispiel der Art, das in der heiligen Schrift zu finden ist. Und wo hat er sich bekehrt? Zur Seite des sterbenden Jesu, mit Seinem heiligsten Blute besprengt. Doch wende, o Sünder! wende dein Auge hinüber auf die andere Seite, und sieh und- erzittere, wie der böse Schächer stirbt, wie er stirbt in Verzweiflung im Angesichte Jesu Christi. Sieh es! und statt dich in eine trugvolle Ruhe einzuwiegen, - erbebe, und bleibe in der Furcht die ganze Zeit deines Lebens. - - - - - Es ist also wahr: Der Sünder, der seine Bekehrung verschiebt, setzt sich der Gefahr aus, fich nie zu bekehren, und da er sich mit dem Gedanken einer eingebildeten, zukünftigen Buße beschwichtigt, stürzt er sich in den Abgrund der wirklichen und ewigen Strafe! Erwäge dies! Sprich zu dir, was der heilige Geist Be= Selbst Dir zuruft: Verschiebe es nicht! ginne es heute, morgen ist's vielleicht zu spät. 1 - - Der Tod des Sünders. Da sehen wir nun den Sünder, den Sünder, so wie wir ihn eben geschildert haben, der immer in der Sünde fortgelebt, der seine Bekehrung von einem Tage auf den andern verschoben; der sich immer geschmeichelt hat, er werde sich, noch auf dem Todtbette, bekehren;- da sehen wir ihn nun von einer gefährlichen Krankheit auf Geistliche Lesung. 349 alles das Lager hingestreckt. Die ersten Tage beruhigt man fich. Es heißt: Es wird nichts sein; es wird nichts zu bedeuten haben. Indessen nimmt das lebel zu, es wird ernsthaft. Was geschieht alsdann? Es werden Aerzte gerufen, aller Art Heilmittel angewendet, wird aufgeboten, dem Leibe zu Hilfe zu kommen. Und was geschieht für die Seele? Das hat noch Zeit; das ist noch nicht so dringend. Man muß den Kranken nicht erschrecken; wir wollen warten bis morgen; sollte die Krankheit zunehmen, so wird man ihn schon erinnern. Die Krankheit nimmt wirklich zu, und endlich erklären sie die Aerzte für tödtlich. sieht im Hause Eines das Andere an; Traurigkeit ist auf allen Gesichtern zu lesen; man lispelt unter einander; Keines will sich vor dem Kranken zeigen; Alle find verzagt; Niemand weiß, wie man es ihm beibrin= gen soll. D heillose Liebe! unglückselige Schonung! Nun Endlich geht es mit dem Kranken zu Ende; Todesschwäche befällt ihn; da liegt er ohne Bewußtsein, sprach- und gefühllos. Einen Beichtvarer, einen Beichtvater! schreit man nun in größter Bestürjung. Einen Beichtvater! Giligst wird fortgesendet, aber o heiligste Vorsehung! o furchtbare Gerechtigfeit Gottes! kein Priester ist zu finden! man sendet auf's Neue, man wartet indessen stirbt der Kranke. In euren Sünden werdet ihr sterben! Doch vielleicht findet man gleich einen Priester, er kommt eiligst herbei, aber in dem Augenblicke, da er eintritt, haucht der Kranke seinen Geist aus, und dem Priester schallt entgegen: Er ist gestorben- in der Sünde! - - - Doch vielleicht findet er den Kranken noch am Leben; aber welch ein Leben ist dies! Ift's für sein Sees lenheil nicht beinahe eben so viel, als wäre er schon gestorben? Das schwache Haupt ift tief herabgebeugt; die unsteten Augen haben kein Licht mehr; mit Tod= tenbläffe ist das Antlig umzogen; die Glieder sind er 330 Geistliche Lesung. starrt; schwer und laut Athem holend, streitet er in seiner Schwäche mit den furchtbaren Aengsten des To: des. Der Priester spricht ihm zu, doch, fein Zeis chen der Reue erfolgt. Wie soll er auch nun sich bekehren, in diesem Zustande? in der Sünde! Doch gestatten wir dem Kranken, was man nur immer will. Nehmen wir an, er sei zu rechter Zeit erinnert worden, der Beichtvater sein zu rechter Zeit gekommen, der Kranke habe noch Bewußtsein und Freiheit; ist er bei alle dem in Sicherheit? Stellen wir uns hin im Geiste an sein Sterbelager, seien wir Zeugen eines Schauspieles, das äußerlich zwar rührend und erbauend scheint, im Grunde aber eines der schrecklichsten und entseßlichsten ist; sehen wir nämlich, in welcher innern Verfassung jene auf ihrem Todtbette gewöhnlich sind, die ihre Bekehrung bis dahin verschoben haben. Schrecklich sind die Gerichte Gottes! Gewöhnlich sehe ich da nur unbußfertige Sünder! Verschieden ist zwar einer von dem andern, doch gleich unbußfertig sind sie alle. Sclaven der Sünde waren fie in ihrem Leben! Sühnopfer des Zornes Gottes sind fie nun in ihrem Tode in der Sünde! L D des unbußfertigen Sünders, der alles Zuspres chen nur mit Gleichgiltigkeit, mit todtenähnlicher Gefühllofigkeit erwidert. Nichts ergreift, nichts rührt ihn mehr. Nur zu deutlich sieht man an diesem tödtlichen Efel vor allen göttlichen Dingen, daß Gott ihn nun auch verlassen, daß Er sich entfernt habe von dem Kranten in der Sünde! - Dunbußfertiger Sünder! der du, nun im Todbette, Gott nur als furchtbaren Richter, als unerbitt lichen Bestrafer schauend, dich in die Untiefe der Hoffnungslosigkeit und der Verzweiflung stürzest; der du bei dem Anblicke deiner Verbrechen und Schandthaten nun glaubst, es sei für dich keine Verzeihung, keine Erbarmung mehr; der du dem Herrn nur im Sturm und Blizz stehst, dich selbst verdammst, und durch deine Geistliche Lesung, 331 heillose Verzweiflung dir selbft dein ewiges Urtheil in die Seele drückst in deine Seele- in der Sünde! - Dunbußfertiger Sünder! der du in einen andern Abgrund fällst, tich einem vermeffentlichen Vertrauen hingibst; der du dir einbildeft, der Gott, der dich erschaffen, sei ja reine Liebe, er könnte ja Sein auf zigkeit sei ja unendlich, alle Sünde werde ja von selbst verziehen. Dein Vertrauen erscheint tir zwar schön doch es ist teuflische Vermessenheit, die dich deinem verworfenen Sinn überliefert, und das Zeichen der Verwerfung auf deine Seele drückt, auf deine in der Sünde! Seele - Dunbußfertiger Sünder! der du sogar den Glanben in deinem Herzen erstickt, und es in dem Laster bis zum Unglauben und zür Gottseligkeit gebracht hast; nicht hören willst du von Bekehrung, nicht hören von Religion, von den Sakramenten. Allem schließest du Ohren und Augen, stirbst so dahin zum Schrecken und Entsetzen Aller, die um dich sind, und vollendest die Gräuel eines gottlosen und ärgernißvollen Lebens mit dem unseligsten und heillosesten Tode in der Sünde! - Es ist vorbei. Zum letzten Male athmet der Sterbende. Er ist nicht mehr. Schon erschallt der wehmüthig trauernde Ton der Glocken. Was verkündeu sie? Ein Mitglied weniger in einer Familie, ein Mensch weniger in der Welt, in der Hölle ein Verworfener mehr in der Sünde! - - - -- Welch ein Tod! Kann man hieran ohne Schaudern denken? Dies ist gewöhnlich der Tud, ich fage nicht aller aber doch der meisten Sünder, welche die Buße bis auf das Sterbebett verschieben. Dies ist die Stimmung ihres Herzens, das sie verhärtet haben, oder vielmehr, 352 Geistliche Lesung. dies sind die Schläge der strafenden Hand Gottes, die fie ergreift. Als Sünder gelebt, als Verdammter ge= storben! dann folgt eine Ewigkeit der Pein, eine Ewigkeit der Verzweiflung. In euren Sünden werdet ihr sterben! Die Gerichte Gottes. Balthafar, der gettlose Balthasar, saß trunken bei einem ausschweifenden Gastfeste, umgeben von seinen Hofleuten. Gleichsam untergegangen in den Wollüsten der Völlerei, lästerte er den Herrn, mißbrauchte die Barmherzigkeit Gottes, ja er ging so weit, daß er so: gar die geheiligten Gefäße des Tempels verunehrte. Er betrachtete diesen Tag als einen Tag der Freude und der Lust! Unglücklicher! es ist der Tag deiner Verurtheilung! Plößlich fah man eine furchtbare Hand, welche an eine Wand die Worte schrieb: Mane, Thekel, Phares! Ich habe gezählt, Ich habe ge= wogen, Ich habe getheilt! Ich habe deine Tage gezählt, sie sind zu Ende; Ich habe deine Handlungen gewo gen, fie verdammen dich; Ich habe Dein Reich getheilt und überliefere dich deinen Feinden. Dies war der Ausspruch und das über ihn gefällte Urtheil. Dies selbe Nacht noch ward es vollzogen; er starb als Verworfener, wie er als Ruchloser gelebt hatte. Fürchten wir die undurchdringlichen Gerichte Gots tes; denken wir Tag und Nacht daran, seien wir alle: zeit bereit; zittern wir vor Gottes mächtigem Arm, und vergessen wir es niemals, daß Gott, gleichwie Er ein Gott der Barmherzigkeit ist, eben so auch ein Gott der Gerechtigkeit sei, Der heilige Hieronymus war einer der größten Büßer in der Kirche Gottes. Des Lärmens und der Größe Noms überdrüssig, zog er nach Palästina und vergrub sich, so zu sagen, in die Einsamkeit. Unbeschreiblich ist die Strenge seiner Lebensart, seine Buße; unbeschreiblich 1 Geistliche Lesung. 353 sind die Peinigungen, die Kafteiungen und die heilige Härte, die er gegen sich selbst übte. Mit einem Steine zerschlug er sich die Brust, immer war sein Körper wund und mit Blut überronnen. Bei all diesem betrachtete er ohne Unterlaß, zitternd und in Furcht, die Strenge der Gerichte Gottes. Hingerissen von diesem unergründlichen Gedanken schrie er bebend auf: Je= den Augenblick bäucht mich, als ob ich den schrecklichen Ton jener furchtbaren Posaune höre, die uns einst Alle zu Gericht rufen wird. Tag und Nacht erschallt sie vor meinen Ohren, und meine geängstigte Seele kann keine Ruhe finden, wenn sie der ernsten Majestät Gottes gedenkt, Die sie einst richten wird. So brachte er sein Leben in Furcht und in der Erwartung des Gerichtes Gottes zu. Wohl ihm, weil er den( ben durch eine so ausdauernde und strenge Buße zuvorgekommen ist. - Lernen wir das Gericht Gottes betrachten, weil wir einst vor demselben erscheinen werden. Lernen wir es fürchten, weil es über unser ewiges Schicksal entscheiden wird. Lernen wir uns dazu vorbereiten, weil unser ewiges Glück oder Unglück von dieser Vorbereitung abhängt. Richten wir uns selbst strenge, auf daß uns Gott nach Seiner Barmherzigkeit richten möge. Erheben wir uns über das eitle Urtheil der Menschen, wenn es uns von dem Geseße Gottes ab: lenken will. Bitten wir endlich Gott, Er wolle uns gnädig sein an diesem schrecklichen Tage des Gerichts. -- Die Beit der Gnade. Sehr merkwürdig ist die Stelle im Evangelium: Als Jesns die Stadt Jerusalem sah, da weinte Gr über sie. Unglückliche Stadt! sprach Er, hättest du Mein Vorhaben voll der Erbarmung und Güte gegen dich erkennen wollen, welche Gnaden wären dir zu Theil geworden! Deine Feinde würden dich gefürchtet, deine Bewohner würden die Süßigkeit des Friedens 354 Geistliche Lesung. und verkostet, in Ruhm und Glanz würdest du bestanden haben. Undankbare und schuldvolle Stadt! wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie die Henne ihre Küchlein unter ihre Flügel versammelt, und du hast meinem zärtlichen Rufe nicht gefolgt, du hast nicht gewollt. Siehe, zur Strafe dieser dei: ner Treulosigkeit wird großes Unglück über dich kommen, deine Feinde werden dich rings umgeben: sie werden deine Felder verwüsten, deine Wälle einstürzen, deine Bewohner erwürgen, und kein Stein von dir wird auf dem andern bleiben! Und darum wird all dies Elend über dich kommen, weil du die Zeit meiner Heim suchung, weil du die Zeit Meiner Erbarmung gegen dich, nicht erkannt haft. Alle diese Weissagungen wurden erfüllt; der Untergang, die Verwüstung, das Unglück des treulosen Jerusalems erfüllen die Welt noch heut zu Tage mit Entfeßen! - Wie viele Seelen sind ein trauriges Ebenbild die: ser schuldvollen Stadt! Wie viele ziehen durch ihren hartnäckigen Widerstand gegen die Gnade ein Glend über sich herab, das darum defto größer ist, weil es ewig währt. Erwäge dies! Die Gnade drängt dich, fet ihr getreu!- Nichts ist so schrecklich, als der Mißbrauch der Gnade. - - 1 Die Leiden. H Man erzählt, es habe der heilige Petrus, als er fich, während der ersten Christen- Verfolgung zu Rom, aus dieser Stadt entfernen wollte, unsern Herrn Jesus Christus begegnet, und Diesen, der das schwere Kreuz auf Seinen Schultern trug, gefragt, wohin er in diesem traurigen Sustande gehe? worauf ihm der Herr antwortete: Ich gehe nach Rom, um mich abermals für dich freuzigen zu lassen, weil du dich weigerst, für mich zu leiden. Alsobald kehrte der heilige Betrus, beschämt über seine Schwäche, und von lebhaf Geistliche Lefung. 333 ter Neue durchdrungen, wieder nach Nom zurück, wo er das Glück hatte, für den Namen und die Ehre seines göttlichen Meisters den Martertod zu leiden. Wir haben den heiligen Petrus in seinen Schwachen nachgeahmt; wann werden wir ihn in seiner Großmuth nachahmen? Ach, wie oft hätte unser Herr Jesus Christus zu uns sagen können: Ich gehe hin, Mich neuerdings für dich in den Tod zu geben, weil du dich weigerst, Mein Kreuz zu tragen! Wir wollen nichts leiden; bei der geringsten Trübsal klagen und murren wir. Das bloße Wort: Leiden, ja, nur der Gedanke daran, macht uns zittern. Heißt dies ein Christ, heißt dies ein Schüler eines, am Kreuze sterbenden Gottes sein?- Leidender Heiland! lehre uns leiden, hilf uns leiden; heilige uns durch unsere, mit dem Deinen vereinigten, und dadurch verdienstlichen Leiden! Erwäs gen wir dies, und statt uns über unsere Leiden zu beklagen, preisen wir Gott, der uns die Mittel an die Hand gibt, unsere Sünden zu büßen. Eine Seele, welche nicht leiden kann, kann auch nicht lieben. Die wahre Liebe gibt sich nur im Leiden zu erkennen. Jesus Christus hat das Kreuz aufge. pflanzt, um den Weg zum Himmel zu bezeichnen: Gr hält es der Seele vor, um ste dahin zu führen. Viele Heilige würden ohne Leiden verworfen, und viele Verworfene würden durch Leiden große Heilige geworden sein. Es ist besser weinen, als fündigen. Weine jeßt mit den Büßern, damit du einst mit den Auserwählten dich freuen fannst. 11 - - Die Nächsten- und die Feindes- Liebe. Ein Bruder des heiligen Johannes Gualbertus ward ermordet. Der Mörder, ganz waffenlos, begegnete einst und zwar an einer Stelle, wo er nicht mehr ausweichen konnte- dem Johannes Gualbertus, der 356 Geistliche Lesung. " wohl bewaffnet war. Da nun der Mörder sah, daß er verloren sei, fiel er auf die Knie, und bat seinen Feind, mit freuzweis über die Brust gelegten Armen, im Namen des am Kreuze gestorbenen Jesus Christus, er wolle ihm das Leben schenken. Gualbertus, von diesen Worten gerührt, vergab ihm, und umarmite ihn. Dann ging er in eine nahe Kirche und betete vor einem Crucifir. Von diesem Augenblicke an legte er die Kriegskleider ab, entsagte der Welt und begab sich in ein Kloster. In der Folge ward er der Stifter des Ordens zu Valombreuse. Welch ein Beispiel und welche Gesinnung! erwäge dies, und sieh, ob auch deine Gesinnung so christlich sei. Verzeihst du aufrichtig und von Herzen deinen Feinden? Liebst du deinen Nächsten wie dich selbst? Betrachtest du Jesum Christum in ihm? Erwäge dies und richte dich vor Gott. 1 Christen! Kinder Eines Vaters! lieben wir uns unter einander! Lieben wir in Gott und für Gott! Lieben wir aufrichtig, fräftig, getreu! Lieben wir ein ander in dieser Welt, auf daß wir in jener für immer vereint werden mögen. Die Pflichten der Aeltern gegen ihre Kinder. Der Hohepriester Heli hatte zwei Söhne, welche durch ihr lasterhaftcs Leven, durch ihre Ungerechtigkeiten und Ruchlosigkeiten sein heiliges Priesterthum entehrten, und ein Gegenstand der Klage und des Aergers für ganz Israel waren. Dem Vater kamen häufige Klagen zu; aber eine an's Aeußerste grenzende Schwäche und eine schuldvolle Nachgiebigkeit benahmen ihm den Muth und die Stärke, ihnen Einhalt zu thun! Endlich sandte der erzürnte Gott den Propheten Samuel zu ihm, und ließ durch Geistliche Lesung. 987 diefen ihm ankündigen, daß ein furchtbares Unglück über ihn hereinbrechen werde, so daß Jeder, der es hörte, mit Schauber erfüllt werden solle. Und so geschah es! Der Augenblick der Strafe Gottes erschien. In einem, zwischen den Jeraeliten und den Philistern entstandenen Kriege wurde eine Schlacht geliefert, in welcher zwanzig tausend Israeliten todt auf dem Schlachtfelde bli ben; die Bundeslade fiel in die Hände der Feinde, und Cptni und Thienes, die beiten Söhne des Hohenpriesters, wurden in ihrem Blute schwimmend unter den Erschlagenen gefunden. Bitternd brachte man dem Vater diese Nachricht, und da er sie hörte, stürzte er rücklings über, brach das Genicke und starb augenblicklich. Co ging in einem Tage diese unglückliche Familie, zur Strafe der schuldvollen Feigheit des Vaters und des lasterhaften Wandels ter Söhne fast ganz zu Grunde. Väter und Mütter! erwäget dies, und lehret es auch eure Kinder erwägen. - Während einer heftigen Verfolgung, die sich in Japan gegen die christliche Lehre erhoben hatte, erwartete ein christliches Ehepaar tagtäglich den Martertod, und bereitete durch eifriges Gebet sich dazu vor. Sie hatten einen Sohn, der noch klein war, um deffentwillen sie sehr bekümmert waren. Da sie einmal beisammen saßen, sprachen sie darüber, und der eine Satte sagte zu dem andern: Wir hoffen wohl mit der Gnade Gottes den Martertob für unsere heilige Religion zu leiden, was aber wird aus diesem armen Kinde werden? wird es die Kraft haben, die Peinen zu erdulden? Oder sollte es der Qual unterliegen, und jeinen Glauben verläugnen! Das Kind, welches während dieses Gespräches zu spielen und auf ihre Reden nicht Acht zu geben schien, machte in dem Feuer, bei wel chem ste saßen, ein Eisen glühend, zog dasselbe, als es durch und durch roth war, heraus, und legte es sich mit helbenmäßiger Standhaftigkeit auf die Hand. Die Geistliche Lesung. erschrockenen Aeltern fragten es, was, und warum es dies thue? Was ich mache? eiwiedeite das Kind unerschrocken, ich will euch zeigen, daß auch ich den Muth habe, lieber den Martertod zu leiden, als von weinem Glauben abzufallen. Die Aeltern staunten, sie umarmten es zärtlich, zerflossen in Thränen, und dankten Gott, Der ihuen dies Kind geschenkt hatte. Alle Drei hatten daun das Glück, die Marterkrone zu erringen. 358 Glückselig ist die Belohnung zu preisen, die diesen Aeltern für die Sorgfalt, mit der sie dies ihr lie: benswürdiges Kind erzogen hatten, zu Theil geworden ist! Glückselig sind die Früchte zu preisen, die diesem Kinde ans der Benutzung seiner guten Erziehung entsprossen sind! Die Gefühle der Andacht sind bei neubekehrten Völkern zuweilen eben so lebhaft und innig, als sie es nur immer bei den ersten Christen gewesen sind. In einem fernen neuentdeckten Lande befand sich eine angesehene christliche Familie. Vater und Mutter lebten als Heilige, sie waren einzig mit der Sorge für ihr Heil und die Pflichten ihres Standes beschäftiget. Täglich versammelten sie ihr ganzes Haus, und hielten eine geistliche Lesung. Als eines ihrer Kinder, ein Knabe von etwa fünf oder sechs Jahren, von den Leiten unsers Herrn Jesu Christi lesen gehört hatte, wurde er so davon gerührt, daß er, aus Verlangen, Jesum nachzuahmen, und aus Liebe zu Ihm etwas zu leiden, alle Tage mit bloßen Füßen so lange auf Nesseln herumging, bis die Füße blus teten. Auch machte er sich eine kleine Krone von spißigen Dornen, auf die er sich Nachts mit dem Haupte zu Chren der dörnenen Krone Jesu Chrifti legte. Als seine Weltern dieses inne wurden, verboten sie dem Kinde, es ferner zu thun; erkannten aber dabei wohl, daß Gott besonders gnadenreiche Absichten mit diesem Kinde habe, und wirklich trat es, da es erwachsen war, in den geistlichen Stand, ward Priester, widmete sich den Geistliche Lesung. 359 Missions- Arbeiten in fernen Landen, brachte mit der Gnade Gottes außerordentliche Dinge zu Stande, und beschloß endlich seine Laufbahn in diesen heiligen Verrichtungen. In unsern Zeiten haben Aeltern freilich mehr darauf zu sehen, daß sie ihre Kinder vom Bösen abhalten, als daß sie den Eifer der Frömmigkeit in ihnen zu beschräns fen hätten, und überhaupt geschieht es nur selten, daß die Gnade Gottes schon im frühesten Alter solche wunderbare Erscheinungen wirket. Aber besondere Neigung zum Gebete, Liebe zu den unsichtbaren göttlichen Dins gen, und ein noch unverstandener Drang, Jefu nachzufolgen, werden doch auch gegenwärtig öfter in zarten Kinderfeelen gefunden. Leider! werden aber diese schönen Keime der Heiligkeit häufig durch schlechte Grundfäße, böse Beispiele, oder durch die falte, verstandlose Meinung erstickt, daß Alles übertrieben und fehlerhaft sei, was nicht alle Tage vorkommt, und nicht nach dem gewöhnlichen Leisten zugeschnitten ist. Darum geliebte Meltern! habt ihr ein Kind, das einen außerordentlichen Hang zur Frömmigkeit verräth, so danket Gott dafür; und damit ihr einerseits nichts thut, was diesen Anlagen schaden, andererseits aber auch nichts -duldet, was unter dem Scheine des Guten gefährlich werden könnte, so besrrecht euch über euer Kind mit frommen, gelehrten Priestern, welche die Wege Gottes gründlich verstehen. Die Pflichten der Kinder gegen ihre Aeltern. Giner der lasterhaftesten und unglücklichsten Väter, tie es vielleicht jemals gegeben, hatte einen Sohn, der eben so böse war, wie er. Versenkt in alle Art Laster, einer wie der andere, stürzten sie einander immer tiefer in den Abgrund. Der Sohn war ungehorsam, unbeugsam, auffahrend, heftig und zornig bis zur 360 Geistliche Lesung. Raferei. Immer lebten fie in 3ank und Hader, in unaufhörlichem Streit.- Einer verfluchte den andern.-- Ginst wollte der Vater dem Sohne einen Verweis geben und warf ihm seine schlechte Aufführung vor; da packte der unglückliche Sohn den Vater, der schon im Alter vorgerückt war, wüthend an, warf ihn zu Boden, und schleppte ihn bei den Haaren die Treppe hinab, um ihn aus dem Hause zu werfen. Als er so mit ihm an eine gewisse Stelle gekommen war, da erhob der Vater seine Stimme und schrie: Halt, Unglücklicher! ich habe meinen Vater auch nicht weiter geschleppt, da ich in deinem Alter war! Es erkannte da der schuld: volle Bater die Gerechtigkeit Gottes, welche es zuließ, daß sein Sohn ihn eben so behandelte, wie er einst mit feinem Vater verfahren war. 11 Wie schrecklich seid ihr, o ihr Urtheile Gottes! doch wie strafbar seid auch ihr, o ihr unnatürlichen Kinder!- Shret eure Aeltern, wie böse fie auch immer ſeien. Ich weiß wohl, daß so schreckliche Gräuel nur bei Leuten ohne alles Gefühl, und gewöhnlich nur in den niedrigsten Ständen gefunden werden; aber fällt auch der Frevel der Kinder in den höheren Ständen nicht so sehr in die Augen, so find ihre Verbrechen, obgleich minder entfeßlich vor den Augen der Menschen, doch auch in den Augen Gottes eben so gräuelvoll.-- Kinder! erwäget dies! Gott erwartet euch, und wird euch richten! Die Liebe zu Gott, - Welche hohe Lehre gab uns einst eine Fran in Ales randria. Sie erschien eines Tages auf dem Plaße dieser großen Stadt und hielt in der einen Hand ein Gefäß mit Wasser, und in der andern eine brennende Fackel, und da man sie fragte, was sie hiemit wolle? gab fie zur Antwort: Mit dieser Fackel möchte ich den Himmel verbrennen, und mit diesem Wasser das Feuer der Hölle auslöschen, damit man hinfort Gott nicht aus Hoff Geistliche Lesung. 361 nung einer Vergeltung, noch aus Furcht vor der Strafe liebte, sondern einzig und allein um Seiner Selbst willen, und wegen Seiner anbetungswürdigen Vollkommenheit. Welch schöne Gesinnung! würdig einer großen Seele, die da erkennt, was Gott ist, und wie sehr Er um Seiner Selbst willen unsere Liebe verdient. Man erzählt von den Japanesern, daß, wenn ihnen das Evangelium verkündigt wurde, wenn man sie von der Schönheit; Größe und unendlichen Liebenswürdigkeit Gottes unterrichtete, wenn insbesondere von den großen Geheimnissen der Religion und von dem, was Gott für die Menschen gethan hat, gesprochen ward, wenn man ihnen vorstellte, wie dieser Gott aus Liebe zu uns und um unseres Heiles willen habe Mensch werden und sterben wollen, sie in süßem Entzücken ausriefen: O wie groß ist Gr! wie gut, wie liebenswürdig ist der Gott der Christen! Wenn sie dann hörten, daß es ein eigenes Gesetz gebe, welches befiehlt Gott zu lieben, welches dem, der Ihn nicht liebt, mit Strafe droht; da staunten sie, und konnten sich von ihrem Erstaunen nicht erholen. Wie? fagten sie, warum dies? Bedarf es denn für vernünftige Menschen eines Befehles, Gott zu lieben, Der uns so sehr geliebt hat? Ist denn nicht das größte Glück, Ihn zu lieben? nicht das größte Unglück, Ihn nicht zu lieben? Wie! liegen denn die Christen nicht immer am Fuße der Altäre ihres Gottes, durchdrungen von Seiner Güte, entflammt von Seiner heiligen Liebe? Und wenn sie dann hörten, daß es Christen gebe, die nicht nur Gott nicht lieben, sondern Ihn beleidigen, Ihn lästern, da riefen sie entrüstet aus: O ungerechtes Volk! o undankbare Herzen! Ist es möglich, daß Christen eines folchen Gräuels fähig seien? Und auf welchem verfluhenswerthen Boden wohnen denn diese gefühl- und vernunftlofen Menschen?- 21 Geistliche Lesung. Christen! nur allzusehr verdienen wir diese gerech ten Vorwürfe, und es wird einst dies Volk zum Zeugniße gegen uns aufgerufen werden, uns anklagen und uns vor Gott verdammen. 362 Grwägen wir dies. Die Lehre von der Liebe zu Gott ist die erste, ist die wesentlichste aller Lehren. Die Liebe ist die Erfüllung des ganzen Geseßes. Ers wägen wir dieß recht und thun wir in dieser Welt so viel es uns möglich ist, eben das, was die Heiligen im Himmel thun, und was auch wir, wie wir hoffen, in Ewigkeit dort thun werden: Lieben wir Gott von ganzem Herzen. Vielleicht haben wir bis jetzt Gott noch nie auf eine Seiner würdige Weise geliebt!- o betrübender Gedanke! Widmen wir wenigstens den Rest unsers Lebens der heiligen Liebe. Der Himmel. Als der König Ahasverus den Mardochäus für die wichtigen Dienste, die er dem Staate geleistet hatte, belohnen wollte, ließ er ihn mit dem königlichen Ge wande bekleiden, ihm eine Krone auf das Haupt seßen und ihn so geschmückt, mit aller Majestät und Pracht der königlichen Würde umgeben, einen Triumphwagen besteigen: einer der vornehmsten Hofherrn mußte ihn dann im Triumphe durch die ganze Kaiserstadt führen, und ein Herold ging voraus, der mit lauter Stimme dem herbeiftrömenden Volke verkündete: Also wird der geehrt, den der König ehren will!- Wenn in diesem Augenblicke Gott unsere Augen eröffnete, und uns Seine Auserwählten zeigte, mit allem Glanze und mit aller Glorie, die sie im Himmel nmgibt, und wir alle die Freude und Wonne erfens Geistliche Lesung. neten, mit der die Heiligen im himmlischen Vaterlande überströmt sind, wie würden wir durch diesen Anblick entzückt sein, und was würden sie uns sa gen, die Auserwählten des Herrn? ,, Sehet und „ staunet, ihr Sterblichen!" würden sie uns zurufen: also ehret Gott, also belohnet Gott die Heiligen in „ ihrer Glorie." Ihr Ehrfüchtigen! was sind all die fleinlichen Ehren der Welt gegen die Ehre und Glos rie, die wir nun genießen? Ihr Geizigen! was sind all eure vergänglichen Güter, eure bestandlosen Reich thümer gegen jene unermeßlichen und unzerstörbaren Schäße, die den Auserwählten im Himmel bereitet find? Ihr Sinnlichen und Wüstlinge! was find alle diese schädlichen Freuden, die Ihr einen Augenblick genießt, gegen jene reinen und unaussprechlichen Wonnen, deren tie Auserwählten für alle Ewigkeit sich erfreuen! Ach! wie würde eine solche Erkenntniß uns einen Ekel vor all den falschen und betrügerischen Gütern dieser Welt beibringen?- welche Sehnsucht würde sie in uns nach den immerwährenden und dauernden Gütern der glorreichen Unsterblichkeit entzünden? Was wir mit den Augen des Leibes nicht zu sehen vermögen, zeigt uns der Glaube; wenigstens läßt er es uns hoffen. Machen wir uns durch ein heiliges Leben eines unsterblichen würdig.- Der Himmel erwarWir tet uns, reißen wir uns los von der Erde!- haben hier keine bleibende Stätte, der Himmel ist unser wahrhaftes Vaterland. - Grwägen wir dies, und unser einziges Bestreben sei, ihn zu verdienen. Glücklich, wer sein ganzes Leben darnach gestrebt haben wird! Wohin gehen wir, wenn wir sterben? Was wird unser Schicksal sein? -Der Himmel oder die Hölle?- Schöner Himmel, ich werde dich niemals sehen! sagte der Urheber einer Keßerei, als es mit ihm zum Sterben kam. Welch ein Tod! Mein Sohn! betrachte den Himmel!" sagte die Mutter zu ihrem Schne, der den Martertod erduldete. Die Kirche ruft es uns Allen zu: 21* " 1 W 63 www. 363 -- Geistliche Lesung. Betrachtet den Himmel! machet euch würdig, in denselben einst einzugehen, und sehet wohl zu, daß euer Wandel euch zu ihm führe. 364 Die Nachfolge Jesu. Eine Witwe, welche wenig Vermögen, aber um so mehr Frömmigkeit und Eifer für die Erziehung ihrer Kinder besaß, hatte eine Tochter von zehn Jahren, welche Dorothea hieß. Dies Kind war lebhaft und zur Zerstreutheit geneigt, darum besorgte die Mutter, es möchte unter seinen Gespielinnen verdorben werden; und da sie nicht im Stande war, so viele Zeit, als nöthig gewesen wäre, auf die Erziehung dieses Märchens zu verwenden, so gab sie es, ungeachtet ihrer Armuth, zu einer frommen Schullehrerin in die Kost, damit dieſe es zur Frömmigkeit anleite und erziehe. Zwei Jahre blieb die kleine Dorothea bei ihrer Lehrerin, und machte während dieser Zeit wunderbare Fortschritte in der Frömmigkeit. Sie behielt zwar alle Lehren ihrer liebvollen Lehrerin in ihrem Herzen; vor Allem aber blieb ihr tief eingedrückt: daß man fich bei allen seinen Handlungen den Herrn Jesus Christus zum Vorbilde nehmen soll. Da Dorothea nun wieder zu ihrer Mutter nach Hause kehrte, war sie das Muster und der Trost des ganzen Hauses. Geduldig, fanftmüthig, gehorsam, beflagte sie sich nie über etwas; sie sprach wenig, doch stets zur rechten Zeit; immer war sie zufrieden; bei ihrer Arbeit, bei allen Widerwärtigkeiten, die ihr bes gegneten, blieb sie immer in gleicher Gemüthsstim. mung; sie war keusch und eine Feindin aller Eitelkeiten; gegen Jedermann betrug sie sich ehrerbietig, redete von Niemanden Böses, bezeigte sich gegen Alle dienstfertig, und jederzeit war sie versammelt und mit Gott vereinigt. Geistliche Lesung. 365 Diese ihre Aufführung verschaffte ihr in furzer Zeit die Hochschäßung des ganzen Pfarrsprengels; doch auch der Neid blieb nicht müßig und brachte ihr Feindinnen zuwege. Einige ihrer Gefährtinnen, vom Neide verführt, fingen an, sie zu verschwärzen, und schrien sie als eine Heuchlerin und Andächtlerin aus. Dorothea trug schweigend alles dieses aus Liebe zu Jesu Christo, und hörte nicht auf, Alle, die ihr so übel nachredeten, auf das Freundschaftlichste zu behandeln. Am. Ende sahen auch die Leute die Unschuld Dorotheens ein, und die verleumderischen Reden ihrer Feindinnen fielen auf diese selbst zu ihrer größten Schande zurück. Der Pfarrer des Orts, der mit Bewunderung an diesem Mädchen die Wirkungen der Gnade fah, wie auch die guten Früchte, die sie bei allen denen, die mit ihr Umgang hatten, hervorbrachte, sprach einst zu ihr: Sage mir im Vertrauen, Dorothea, wie bringst du den Tag zu, und wie beträgst du dich im Umgange mit deinen Gefährtinuen! Und Dorothea antwortete: Euer Hochwürden! es scheint mir, ich thue sehr wenig im Vergleiche mit dem, was ich sollte. Nie habe ich jenes Rathes vergessen, den mir einst, da ich erst eilf Jahr alt war, meine Lehrerin gegeben hat. Sie sagt mir oft: Ich folle mir bei allen meinen Handlungen und in allen meinen Leiden, Jesum Christum zum Vorbilde nehmen. Dies nun bemühe ich mich zu thun, und ich mache es so: Wenn ich erwache und aufstehe, so stelle ich mir das Kind Jesus vor, wie es sich bei Seinem Erwachen Gott, Seinem himmlischen Vater, zum Opfer dargebracht hat. Wenn ich bete, so stelle ich mir den be. tenden Jesus vor, wie Er zu Seinem himmlischen Vater flehete, und vereinige mich in meinem Herzen mit Seiner göttlichen Andacht. Wenn ich arbeite, fo denke ich, wie Jesus Christus für mein Seelenheil so 14 366 Geistliche Lesung. viel Schweiß vergoffen, so viel Mühe und Arbeit auf Sich genommen hat, und, weit entfernt, daß ich flage, vereinige ich in Liebe und Ergebung meine Arbeit mit der Seinigen. Wenn man mir etwas Schweres und Mühevolles befiehlt, denke ich sogleiche wie Jesus Christus Sich aus Liebe zu mir dem Too am Kreuze unterzogen hat, und dann nehme ich Alles, was man mir befiehlt, wie schwer es auch immer sei, gutwillig an. Redet man Uebels von mir, oder sagt man mir harte und beleidigende Worte, so antworte ich nichts; ich leide es schweigend, und er innere mich, wie Jesus Christus schweigend alle Verleumdungen, Peinen und die grausamste Schmach erduldet hat; ich bedenke, daß Jesus unschuldig war, daß Er nicht verdiente, was man Ihm Böses that, daß hingegen ich eine Sünderin bin, und weit mehr Ulebels verdiene, als man mir je zufügen kann. Wenn ich effe, so stelle ich mir Jesum Christum vor, mit welcher Eingezogenheit und Mäßigkeit Gr, um für die Ehre seines himmlischen Vaters arbeiten zu können, Nahrung zu sich nahm. Esse ich etwas Uebelschmeckendes, so denke ich an die Galle, die Jesus Christus am Kreuze verkostet hat, und bringe ihm meine Sinnlichkeit zum Opfer.- Wenn ich hungrig bin, und nichts habe, meinen Hunger zu stillen, so werde ich darüber nicht mißmuthig, denn ich bedenke, daß Jesus Christus vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet, und daß Er aus Liebe zu mir, und um die Unmäßigkeit der Menschen zu büßen, den schmerzlichsten Hunger gelitten hat. Wenn ich bei einer Unterhaltung oder in einer Gesellschaft bin, so stelle ich mir vor, wie sanftmüthig, freundlich und heilig Jefus Christus mit Seinen Aposteln umging. Höre ich böse Reden, oder gewahre ich etwas Sündhaftes, so bitte ich sogleich Gott deshalb um Verzeihung, und stelle mir vor, wie schmerzlich das heiligste Herz Jesu verwundet wurde, wenn Er Seinen himmlis schen Vater beleidigen sah.-Denke ich an die zahllosen Sünden, die in der Welt begangen werden, und - - 1 Geistliche Lesung. 367 wie sehr Gott auf Erden beleidiget wird, so seufze ich trauernd darüber, und vereinige mich mit der Wehmuth, die Jesus Christus fühlte, da Er in Thränen zu Seinem himmlischen Vater sprach: Heiligster Vater! die Welt fennt Dich nicht. Wenn ich zur Beicht gehe, so stelle ich mir Jesum Christum vor, wie Gr betrübt war, wie Gr im Delgarten und am Kreuze geweint hat. Wenn ich die heilige Messe höre, so vereinige ich meinen Geist und mein Herz mit den heiligsten Absichten Jesu, mit denen er Sich auf dem Altare zur Ehre Seines himmlischen Vaters, zur Sühnung unserer Sünden und für das Heil aller Mens schen aufopfert. Singe ich ein Lied, oder höre ich das Lob Gottes singen, so erfreue ich mich im Herzen und stelle mir jenes glorreiche Lied, jenen heiligen Lobgesang vor, den Jesus Christus mit Seinen Aposteln nach der Einseßung des allerheiligsten Sa: cramentes gesungen hat. Begebe ich mich zur Ruhe, so stelle ich mir Jesum Chriftum vor, der Sich nur Ruhe gestattete, um neue Kräfte zur Ehre Seines himmlischen Vaters zu sammeln, oder ich stelle mir vor, auf wie verschieden mein Bett von dem Kreuze ist, das Er Sich gleich einem Lamm hinstreckte, und Gott Vater Seinen Geist und Sein Leben aufopferte; dann schlafe ich ein, und spreche in meinem Herzen die Worte meines gekreuzigten Jesu: Vater! in Deine Hände empfehle ich meinen Geist und meine Seele! - Der Pfarrer staunte, so große Erleuchtung bei einem jungen und armen Dorfmädchen zu finden und fagte zu ihr: O Dorothea! wie glücklich bist du! Welch großen Trost genießest du in deinem Stande! Es ist wahr, erwiderte Dorothea, ich erfreue mich großen Trostes im Dienste Gottes; doch darf ich es Ihnen nicht verhehlen, daß ich auch Leiden und Kämpfe auszuhalten habe. Ich muß mir große Gewalt anthun, um die Spöttereien derer, die sich über mich lustig machen, ertragen, und meine äusserst lebhaften Leiden 368 Geistliche Lesung. schaften überwinden zu können. Gott erweiset mir freilich Gnaden, doch läßt er es auch zu, daß häufige und beschwerliche Versuchungen über mich kommen; zuweilen bin ich wie versenkt in Bitterfeit, zuweilen in Trockenheit und in einem Zustande des Ueberdrußes, der mich zu erdrücken scheint. Und was thust du da, fragte der Pfarrer, um den Ueberdruß und die Versuchungen zu überwinden? Und Dorothea antwortete aufrichtig: Wenn ich tro: den, traurig und mißvergnügt bin, da stelle ich mir meinen niedergeschlagenen, traurigen und bis in den Tod betrübten Heiland auf dem Delberge vor, oder ich stelle Ihn mir vor am Kreuze, verlassen und ohne Trest, und da vereinige ich mich mit Ihm, und spreche in mei nem Herzen die Worte, die Er Selbst so oft im Oelgarten gesprochen hat: Mein Vater! Dein Wille geschehe! In meinen Versuchungen mache ich es so: Fühle ich einige Neigung in gewisse Gesellschaften zu gehen, oder zu abendlichen Zusammenkünften, zu Tänzen, oder andern gefährlichen Unterhaltungen; sehe ich, daß ja selbst ehrbare Mädchen derlei Gelegenheiten nicht mei den; laden solche sogar mich ein, mit ihnen zu gehen; wenn eine heftige Sehnsucht mich reizt, in eine Sünde einzuwilligen; mir ein wenig mehr Freiheit zu gönnen; da stelle ich mir sogleich Jesum Christum vor, als spräche Er zu mir: ,, Wie, meine Toch ter! willst du denn Mich verlassen, um dich der Welt und ihren Freuden hinzugeben? Willst du dein Herz Mir wegnehmen, um es der Eitelkeit und dem bösen Feinde zu geben? Sind denn derer nicht schon nur allzu Viele, die Mich beleidigen? Willst du dich denn auch zu ihnen gesellen, und Meinen Dienst ver: laffen?" und alsbald antworte ich Ihm auf das Allerherzlichste: Nein, mein Gott! nie, nie will ich Dich verlassen. Ich will Dir getreu bleiben bis in den Tod. Wohin sollte ich gehen, o mein Herr! wenn ich Dich verließe, Der Du allein Worte des Lebens haft?- Geistliche Lesung. 369 Und dieser Gedanke gibt mir auf der Stelle Muth und Kraft. Und der Pfarrer fragte sie weiter: Von was redest du mit deinen Gefährtinnen, wenn du mit ihnen zusammen bist? Ich rede mit ihnen von eben den Dingen, antwortete Dorothea, von denen Ener Hochwürden so gütig waren, mich anzuhören. Ich sage ihnen: Sie sollen sich unsern Herrn Jesus Christus zum Vorbilde ihrer Handlungen nehmen; sie sollen sich beim Gebete, bei Tische, bei der Arbeit, in Gesellschaft und in den Leiden dieses Lebens erinnern, wie Jesus Christus sich in diesen Gelegenheiten benommen hat, und sich mit Seiner göttlichen Meinung vereinigen. Ich sage ihnen, daß ich mich dieser heiligen Uebung befleiße und mich wohl dabei befinde, daß es nichts Größeres, nichts Herrlicheres gibt, als einem Gott nachfolgen, einen Gott nachahmen und nichts Lieblicheres, als einem so guten Herrn dienen. Und der Pfarrer sprach zu ihr: Wohlan, Dorothea! benüße die Gnaden, die der Himmel dir zu Theil werden läßt; der Herr waltet über Dir in großen AbGlücklich fichten der Erbarmung und der Heiligung! die Seele, die Jesum Christum also nachahmt! - Christkatholisches Handbüchlein für Kranke und Sterbende. „ Wachet, weil ihr nicht wisset, zu welcher Stunde euer Herr kommen wird." Matth. 24, 42. I. Unterricht für Kranke. Wenn du erkrankst, mein lieber Chrift! so sei 1. es deine erste Sorge, daß du dein Gemüth zu Gott erhebst, von dem diese Krankheit, als eine Prüfung für dich, herkommt. Sprich im Herzen mit dem geduldigen Job: Die Hand des Herrn hat mich getroffen( 19). Nimm die Krankheit von Golt, dem himmlischen Vater, als eine besondere Gnade an, so wie Jesus Christus den bittern Kelch des Leidens aus den Händen Seines himmlischen Vaters annahm. Sprich mit deinem göttlichen Heiland: Nicht mein, sondern Dein Wille geschehe, o himmlischer Vater!" Vereinige auf solche Art deinen Willen mit dem göttlichen, und bitte Gott um die Gnade der Geduld in deinem Leiden. 11 Handbüchlein für Kranke und Sterbende. 371 2. In Hinsicht deines Seelenheiles sei also besorgt. als wenn diese Krankheit die lette deines Lebens wäre. Suche bei Zeiten durch eine gute, reumüthige Beicht, und wenn es dein Beichtvater für gut erachtet, durch eine allgemeine Lebensbeicht dich mit Gott auszuföhnen. Verschiebe diese Beicht nicht von einem Tage auf den andern: damit nicht etwa, wenn die Krankheit zu sehr überhand nähme, dir das Beichten entweder zu beschwerlich oder gar unmöglich würde. Empfange das heiligste Altars Sacrament als die beste Arznei für. deine Seele und deinen Leib, und als eine Wegzehrung auf die Reise in die Ewigkeit. Empfange Jeſum mit inniger Liebe, als den besten Freund und Helfer deiner Seele. Empfängst du die lette Delung, so erschrick nicht, als müßtest du schon sterben; sondern es sei dir vielmehr ein Trost, dieses heilige Sacrament zu empfangen, welches deine Seele von Sünden reinigt, sie im Kampfe gegen die bösen Anfechtungen stärkt und dir endlich auch die Gesundheit des Leibes, wenn sie zu deinem Heile ist, verschaffen kann. Selbst der Kirchenrath von Trient( Seff. 22, Cap. 2.) versichert, daß man zu weilen, wenn es zum Seelenheil ersprießlich ist, durch dieses heilige Sacrament die leibliche Ge sundheit erlangt. Es wäre also ein großer Leichtsinn, wenn du nicht bei Zeiten trachteft, bieses so wichtige, für Leib und Seele so ersprießliche heilige Sacrament zu empfangen. 3. Hest du auf diese Art dein Gewissen bestellt, so besorge au) das Zeitliche. Mache ein gesetzlich ordentliches Testament, oder sonst eine klare Verfügung über deinen teßten Willen, und bringe mit Vorsorge alle deine Sachen in Ordnung. Ziehe dieses Geschäft nicht in die Länge, damit du nicht in den leßten Augenblicken deines Lebens, wo du nur für deine Seele sorgen solltest, die so kostbaren Augenblicke mit zeitlichen Geschäften zubringen müsfest. Bedenke, daß dich der Tod auch plößlich überfallen kann, und daß du vor dem Richterstuhle Jesu Christi es verantworten 372 Handbüchlein für Kranke und Sterbende. müßtest, wenn durch deine Sorglosigkeit Jemanden ein Unrecht zugefügt würde. Wie viele Unordnungen und Feindschaften entstehen nicht oft aus der Vernachläffigung dieser leßten Willenserklärung des Kranken. Hast du ein ungerechtes Gut, so erstatte es; hast du Schulden, bezahle sie. Wehe dir, wenn ein ungerechtes Gut auf deiner Seele lastet, und du mit dem Be wußtsein, diese Schuld nicht entrichtet zu haben, in die Ewigkeit eingeheft. Vergiß nicht bei deinem Testamente auch für deine Seele durch fromme Legate und wohlthätige Schenkungen zu sorgen; denn deine Kinder oder andere Erben werden sich, wenn du gestorben bist, deiner vielleicht wenig durch fromme Werke erinnern. 4. Berathe dich mit einem verständigen Arzte, und brauche die von ihm vorgeschriebenen Arzneimittel; denn der Allerhöchste schuf ihn, und gab den Arzneimitteln die Kraft. Seße aber dein ganzes Vertrauen auf Gott, der den Arzt erleuchten, und die Arzneien wirksam machen muß. Hilft dir die Arznei nicht, so murre und flage nicht über den Arzt und seine Mittel. Erschwere deinen Wärtern ihr ohnehin schweres Geschäft durch Ungeduld nicht; sondern füge dich ganz in den Willen Gottes, ohne dessen Zulassung kein einziges Haar von deinem Haupte fällt. - 5. Bringe die Zeit deiner Krankheit nicht mit unnüßen Gesprächen oder mit einer übertriebenen Sorgfalt für die Gesundheit deines Leibes zu; sondern bedenke, daß von der guten Benüßung deiner Krankheit dein ewiges Seelenheil abhängt. Du kannst zu gewisſen Zeiten des Tages gewisse Gebete und Andachtsübungen verrichten, als: den Rosenkranz oder die Buß psalmen oder eine Litanei beten, oder du kannst ein geistliches Buch lesen, oder dir vorlesen lassen, besonders, welches von dem Leiden Jesu Christi handelt; oder du kannst auch durch fromme und heilige Gespräche dein Herz erquicken. Kannst du dich nicht mit vie 373 Handbüchlein für Kranke und Sterbende. lem Beten oder Lesen anstrengen, so erhebe oft dein Gemüth zu Gott durch heilige Seufzer und fromme furze Schußgebetlein. Nimm das Crucifir in die Hand, drücke es oft an dein Herz und an deinen Mund, und sprich im Herzen:„ O mein Jesu! diese Schmerzen vereinige ich mit deinen Schmerzen! ich will sie gern ertragen zur Abbüßung meiner Sünden." Hänge ein Bild der seligsten Jungfrau vor dein Bett und faffe eine große Zuversicht zu Ihr. Wende dich zu Ihr, wie zu einer geliebten Mutter, die dich zur Zeit der Trübsale nicht verlassen wird. Berehre auch die Engel und die Heiligen Gottes, besonders jene, zu denen du ein besonderes Zutrauen haft. 64 Hält deine Krankheit durch längere Zeit an, so bitte deinen Beichtvater, daß er dich zuweilen besuchen, und dir von Zeit zu Zeit die heilige Communion zur Stärkung deiner Seele reichen möchte. 6. Betrachte in deiner Krankheit nebst dem Leiden Chrifti, welches der Hauptgegenstand deiner geistigen Betrachtungen sein soll, auch die Leiden der Heiligen und ihre Geduld. Wie geduldig litt nicht ein heiliger Job, dem man deshalb den Beinamen des Geduldigen gab? Wie geduldig war nicht der alte Tobias in seiner Blindheit? Der heilige Franciscus Xaverius rief in den Trübsalen aus: Noch mehr, o Herr! Das Sprichwort der heiligen Theresia war: Leiden oder sterben! Die heilige Jungfrau Lidwina litt durch acht und dreißig Jahre eine so schmerzliche Krankheit, daß kein Glied an ihr gesund war, und doch bewahrte sie dabei die größte Geduld und Heiterfeit der Seele. Unzählige solche Beispiele findest du in dem Leben der Heiligen. II Unterricht für Sterbende. 1. Wenn deine Krankheit so zunimmt, daß der Tot immer näher heranrückt, so werde nicht kleinmü 374 Handbüchlein für Kranke und Sterbende. thig und verzagt; sondern entschließe dich, diese Welt, die nicht unsere bleibende Stätte ist, zu verlassen, um in das himmlische Vaterland zu gehen. Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben."( Hebr. 9.) Wir sind hier als Fremdlinge, und es soll uns nicht schwer fallen, zu unserm Vater im Himmel, und zu unserm göttlichen Erlöser zu gehen. Durch den Tod wirst du von deinen Armseligkeiten und von der Gefahr, fernerhin zu fündigen, befreit. Der Tod ist der Eingang zum Himmel, der Tod ist die beste Genugthuung für deine Sünden, wenn du ihn mit Ergebung in den Willen Gottes annimmst. Der Tod macht dich deinem göttlichen Erlöser ähnlich; denn auch Jesus ist für dich gestorben. 2. Hast du noch etwas auf deinem Gewissen, das dich ängstigt oder drückt, so verhehle es nicht; sondern laß deinen Beichtvater kommen, und erschließe ihm dein ganzes Herz in einer reumüthigen Beicht, damit dann feine angstigende Vorstellung deine Gewissensruhe störe. 3. Hast du einen Feind, so suche dich mit ihm zu versöhnen; verbanne jede feindliche Gesinnung aus deinem Herzen. Die letzten Worte deines göttlichen Hei landes waren ja ein Gebet für Seine Feinde.- Hast du Weib und Kinder, die du verlassen mußt, und die dir schwer am Herzen liegen, so ermuntere dich mit dem Gedanken: Gott werde für sie am besten sorgen, und du werdest vor dem Throne Gottes für sie bitten können. 4. Hast du dein Gewissen und deine zeitlichen Dinge in Ordnung gebracht, so ängstige dich nicht mit dem Gedanken, wie es dir etwa nach dem Tode gehen werde, und ob du selig werden wirft. Ueber: lasse dich gänzlich der unendlichen und liebreichen Barmherzigkeit Gottes, und verlange nichts anderes, als daß die Ehre Gettes an dir verherrlicht, und Sein heiligster Wille vollbracht werden möchte. Dieß ist die beste Weise, gottselig zu sterben, und sich seines ewigen. Heils zu sichern; denn es ist unmöglich, daß eine Handbüchlein für Kranke und Sterbende.: 37 Seele, die sich Gott auf eine so vollkommen Weise übergibt, ewig zu Grunde gehen sollte. Sprich oft mit dem am Kreuze verlassenen und bedrängten Heiland: Vater! in Deine Hände empfehle ich meinen Geist. 5. Streite wider alle Anfechtungen und Versuchungen der Hölle mit Muth und Standhaftigkeit. Dringt sich dir ein Glaubenszweifel auf, so grüble nicht, und laß dich in keinen Streit mit dem Feinde deiner Seele ein, sondern sprich:„ Ich glaube, was die katholische Kirche glaubt, und in diesem Glauben will ich sterben!" Kommt dir die Versuchung der Kleinmüthigkeit und des Mißtrauens auf Gott, und zwar entweder deßhalb, weil du unzählig viel Sünden begangen hast, oder weil du jetzt keine Buße mehr thun kannst, oder weil es dir vorkommt, es sei zu schwer in den Himmel zu gelangen, weil der Weg dahin schmal und die Pforte eng, die Anzahl der Auserwählten gering ist, und deiner guten Werke sehr wenig seien, oder beunruhigen dich deine vorige Lauigkeit und dein Undank gegen die Barmherzigkeit Hottes, und mehr dergleichen andere ängstigende Vorstellungen, so schlage diese Aengstlichkeiten aus, überlege lies ber die unermeßliche Liebe und Barmherzigkeit Gottes, und die unendlichen Verdienste Jesu Christi; ergib dich mit der größten Ruhe und Heiterkeit des Gemüthes in den göttlichen Willen und sprich vom Herzen:„ Va ter im Himmel! in Deine Hände empfehle ich mich ganz! mein Leben, mein Sterben, meine Seele, mein Heil, mein irdisches und mein ewiges Leben! Thue mit mir was du willst! Dein bin ich todt und lebendig." 6. Beschäftige dich in deinem Herzen meistens mit den Uebungen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, der Neue über deine im ganzen Leben begangenen Sünden, und der Ergebung in den göttlichen Willen. Wisse, daß ein jeder Mensch auf dem Sters bebette schuldig ist, die vollkommene Liebe gegen Gott und eine vollkommene Reue über seine Sünden zu ers 376 Handbüchlein für Kranke und Sterbende. wecken. Laß dir die Leidensgeschichte Jesu Christi vortesen oder mache sonst andere fromae Betrachtungen, wenn es dich nicht anstrengt. Nimm das Crucifir oft an deixen Mund, und küffe es mit Inbrunst. Sorge dafür, daß du den Sterbablaß auf dein Kreuz erhältst. Blicke oft auf das Bild der allerfeligsten Jungfrau Maria, und empfiehl dich Ihrem mächtigen Schuße.- Der Name Jesus und Maria möge auf deinen sterbenden Lippen schweben, und die brennende Sterbekerze möge dir in die Ewigkeit hinüber das Zeugniß geben, daß du den heiligen Glauben, den du in der Taufe empfan, gen, auch bis ans Ende treu bewahrt haft. III. Unterricht für Jene, die den Kranken und Sterbenden beistehen. 1. Von allen Werken der christlichen Nächstenliebe ist keines so verdienstlich, und Gett so angenehm, als wenn man seinem Nächsten zu einem glücklichen Tode verhilft. Durch diese christliche Liebe kann manche Seele, die auf ewig zu Grunde gegangen wäre, gerettet wer: den; ja Jesus Christus verspricht denjenigen das Hims melreich, die sich Seiner kranken Brüder annehmen, inden Er zu ihnen am Tage des allgemeinen Gerichts sprechen wird: Kommet her, ihr Gebenedeiten Mei,, nes Vaters, besitzet das Reich, das euch von Anbe: ginn ist zubereitet worden; denn ich bin frank gewe,, sen, und ihr habt Mich besucht."( Matth. 25.) " 1 Der heilige Philippus Nereus nennt die Krankenzimmer geistliche Goldgruben, wo man sich unendlich große Schäße von Verdiensten für den Himmel erwerben kann. Darum sollen die Hausleute und Nachbarn des Kranken es sich angelegen sein laffen, in Abgang eines Priesters, der dem Kranken zuspricht, selbst auf eine echt christlich: Weise den Kranken zu beschäf tigen. Laß es dich nicht verdrießen, den Kranken zu 17 Handbuchlein für Kranke und Sterbende. 377 „ besuchen; denn dadurch wirst du in der Liebe bestärkt werden, also spricht der weise Syrach.( 7). 2. Bei einem Sterbenden müssen alle unnüßen, eitlen, leeren und ganz weltlichen Gespräche vermieden werden. Der Sterbende soll für die Reise in die Ewigkeit unterrichtet, gestärkt und getröstet werden. Deßwegen sind alle vorwizigen Zuschauer zu entfernen, die durch ihr unnützes Geplauder das Gemüth des Kranken zerstreuen und belästigen. Man laffe nur einige Personen, die zur Wartung nothwendig sind, bei dem Sterbenden, und beschäftige ihn mit frommen Seufzern und heiligen Be gierben. Die übrigen Leute, die etwa herbeikommen, sollen, in einem Nebenzimmer oder in einiger Entfernung, die Litanei der Sterbenden, oder den heiligen Rosenfranz, oder andere Gebete für den Sterbenden beten. 3. Alle diejenigen Personen, die durch ihre Gegens wart dem Sterbenden Gelegenheit zu neuen Versu chungen geben, oder die Ruhe seines Herzens stören könnten, als da sind jene Personen, mit denen vielleicht der Sterbende bei Lebzeiten in einer unerlaubten Bekanntschaft gelebt hat, oder jene, die ihm große Kränkungen und Beleidigungen zugefügt haben, oder jene Verwandten, an denen sein Herz besonders hängt, und die ihren Schmerz nicht mäßigen können und mit den lauten Neußerungen desselben den Sterbenden beunruhigen würden, sollen vom Sterbebette entfernt werden. 4. Man frage den Sterbenden, ob er noch ein Anliegen auf seinem Gewissen habe, und wenn er es bes jahet, so rufe man ihm ohne alles Zaudern einen Seelforger, daß er sein Gewissen beruhige. Wenn der Sterbende in die Büge greift, so bete man die Sterbegebete, die am Ende dieses Büchleins stehen, und wenn es leicht sein kann, rufe man einen Priester. 5. Die frommen Gebete und Uebungen sollen seinem Zustande angemessen sein. Besonders soll man 22 378 Handbuchlein für Kranke und Sterbende. in ihm die Acte des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe, der Reue, der Ergebung in den göttlichen Wil len, und des Verlangens nach dem Himmel erwecken. Beim Vorbeten oder Vorlesen soll man nicht zu laut reden, um dem Sterbenden nicht beschwerlich zu fallen. Man lese nicht zu schnell und nicht zu viel auf ein Mal, sondern langsam, und unterbreche von Zeit zu Zeit das Lesen: damit der Sterbende Zeit habe, das Gehörte zu überlegen. Man erinnere ihn, daß es genug sei, wenn er im Herzen, in Gedanken nachbetet, und daß er nicht nöthig habe, mit dem Munde nachzubeten. 6. Bei den verschiedenen Geschäften der Krankenpflege kann man dem Kranken verschiedene fromme Erinnerungen geben, als z. B. wenn man ihm das Bett zubereitet, kann man sagen:„ Sieh! du hast doch ein sanftes Lager, auf dem du ruhst; aber unser Erlöser hatte nicht, wo Er Sein Haupt niederlegen konnie." Wenn der Kranke Speise oder Trank, oder eine andere Labung genießt, so kann man sagen: ,, O wie gütig ist der liebe Gott, der uns mit Speise und Trank erquickt, Jesus, der Sohn Geites, hat uns zu Liebe keine andere Labung gehabt, als Galle und Effig." Wenn sich der Kranke von einer Seite zur andern wendet und nirgends Ruhe findet, so kann man sagen:„ In Gott allein ist wahre Ruhe und die wahre Erquickung zu finden. Auf dieser Welt können wir nirgends Ruhe finden, als wenn wir uns dem heiligsten Willen Gottes übergeben." Wenn der Kranke hustet und ausspuckt, ſo kann man sagen: Siehe! wie unser göttlicher Erlöser mit dem abscheulichen Speichel in Sein göttliches Angeficht ist angespien worden." Auf solche Weise kann man den Kranfen immer in Vereinigung mit Gott erhalten. " 1 11 - 7. Man sorge dafür, daß der Kranke ein Crucifir öfters betrachte und küffe; man stelle auch ein Bild der allerfeligsten Jungfrau Maria vor seine Augen, damit der Kranke zu Ihr seine Zuflucht nehme; man entferne alle weltlichen Gegenstände, als. B. Waffen, freche Handbüchlein für Kranke und Sterbende. 379 Bilder, eitle Kleidungsstücke aus dem Krankenzimmer, damit dessen Gemüth dadurch nicht zerstreut werde. Man halte die Sterbekerze in Bereitschaft, besprenge öfters das Zimmer und das Bett des Sterbenden mit geweihtem Wasser, und wenn der Sterbende in die letzten 3üge greift, so spreche man ihm noch die letzten Seufzer der Sterbenden vor, besonders aber nenne man oft die heiligen Namen Jesus und Maria. IV. Einige Mittel wider die verschiedenen Anfechtungen der Sterbenden. Als Hauptmittel wider alle Versuchungen diene die Anrufung der heiligsten Namen Jesus und Maria, dann das heilige Kreuzzeichen.&& ist jedoch sehr nüglich, für einzelne Versuchungen die besonderen Mittel zu wissen. 1. Wider die Anfechtung im Glauben. Damit du im Glauben siegst und alle 3weifel verscheuchst, mußt du dich in keine Grübelei, noch in eine Grörterung über den Glauben einlassen, sondern sprich unerschütterlich mit Herz und Mund: Ich glaube, was die heilige, römisch- katholische Kirche glaubt!" Danke Gott, daß Er dich zu diesem wahren Glauben berufen hat und sprich: „ Ich will leben und sterben als ein Kind der katholischen Kirche! Wende dein Gemüth von dieser Versuchung ab, erwecke lieber andere fromme Acte, ale: der Hoffnung, der Liebe; und grüble nicht nach, selbst wenn dir schöne Erleuchtungen und helle Gründe vorkommen sollten; denn der Satan kleidet sich oft in das Gewand des Lichtes. Denke an den Ausspruch Jesu Christi:„ Selig find diejenigen, die nicht sehen und doch glauben."( Joh. 20, 29.) 2. Von der Versuchung wider die Hoffnung. Diese Versuchung ist eine der stärksten und gefährlichsten. Der Kranke ängstigt sich oft über die Menge 380 Handbüchlein für Kranke und Sterbende. seiner begangenen Sünden; er meint, seine Beichten wäz ren schlecht und unzulänglich, er fürchtet sich zu viel vor dem zukünftigen Gerichte und der ewigen Verdanimniß. ten. Damit du nun über diese Versuchung fliegst, so mußt du oft an die unbegränzte und unermeßliche Barmher: zigkeit Gottes denken. Der heilige Paulus( 2. Cor. 1. 3.) nennt Gott den Vater der Barmherzigkeit. Gott sucht mehr unser Heil, als wir es suchen. Gr sucht uns, wie ein guter Hirt sein verlornes Schäflein. Er liebt und mehr, als eine zärtliche Mutter ihren geliebten Säugling. Er will den Tod des Sünders nicht, sondern daß er sich bekehre und lebe."( Szech. 31, 21.) Wenn der Gottlose Buße thut, so will Ich," spricht Gott, aller seiner Vergehungen nicht mehr gedenfen."( Czech). 18, 21.) Gin inniger, reumüthiger und aufrichtiger Seufzer aus dem Herzen des Sünders ist im Stande, Verzeihung der größten Sünden zu erlangen, wenn der Sünder den ernstlichen Willen hat, sich zu bessern und seine Sünden nach Möglichkeit zu beichDer Publican, von dem das heilige Evangelium meldet, hat kaum aus einem reumüthigen Herzen die Worte gesprochen: Herr! sei mir armen Sünder gnädig!" so ward er sogleich vor Gott gerechtfertiget. Der verlorne Sohn ist kaum seinem Vater zu Füßen gefal len, und sogleich umarmte ihn sein Vater und verzieh ihm seine Schuld. So handelt der himmlische Vater ge= gen uns, wenn wir bußfertig zu Ihm zurückkehren. Gin Hanptbeweggrund der Hoffnung auf die Barmher: zigkeit Gottes ist das Leiden Jesu Christi. Wer eines guten Willens ist, darf sich nicht fürchten, ewig verdammt zu werden, da Jesus Sich zum Tode des Kreuzes hingegeben, um uns von dem ewigen Tode zu retten. Unsere Hoffnung wird ferner gestärkt durch das VerspreChen Jesu Christi, dağ Er uns Alles geben werde, um was wir Ihn bitten.„ Wahrlich, wahrlich! Ich sage ,, euch," sprach Jesus, um was ihr den Vater in „ Meinem Namen bitten werdet, das wird Gr euch geben."( Joh. 16, 23.) Dieses Versprechen gilt auch Handbüchlein für Kranke und Sterbende. 381 von den Sündern; denn Jesus spricht:„ Ein Jeder „ der bittet, der wird erhalten."( Math. 7.) Wer also mit einem aufrichtigen Herzen um sein Seelenheil bittet, der wird auch gewiß jene Gnaden und Mittel von Gott erhalten, die er nöthig hat, um sein Seclenheil wirken zu können. ,, Gütig ist Gott einer Seele, die Ihn sucht." ( Chr. 3, 25.) Endlich erwecke auch ein großes Vertrauen auf die Fürbitte Mariä, der Mutter Gottes, und auf die Hilfe der Heiligen und Engel, die für dich streiten. Die heilige Kirche nennt Mariam eine Zuflucht der Sünder, unser Leben, unsere Hoffnung, Maria nimmt Sich auch der Verlassensten an, und Niemand hat zu Ihr seine Zuflucht genommen, der nicht erhöret worden wäre. Auch die übrigen Heiligen Gottes bitten vor dem Throne Gottes um unser Heil; sie helfen uns in leßten Streite. Rufe besonders den beil. Joseph, den beil. Erzengel Michael, deinen heil. Schußengel und jene Heiligen an, die du ganz besonders in gesunden Tagen verehrt haft. 3. Bei der Versuchung zur Ungeduld über die lange Dauer deiner Krankheit, die Größe der Schmerzen u. f. w. mußt du erwägen, was die heiligen Marthrer für Jesum Christum erleiden mußten, wie sie ent weder gebrannt, oder lebendig geschunden oder gefreuziget wurden. Besonders überlege, was der unschuldige Jesus aus Liebe zu uns gelitten hat. Bedenke ferner, daß du durch deine Ungeduld in deinem Leiden nichts anderst, und daß, wenn du mit Ungeduld leidest, du hier in diesem und dort im anderen Leben wirst leiden müssen. Wenn du aber mit Geduld leideft, so wirst du dir dein Leiden erleichtern, du wirst die Peinen tes Fegfeuers hier abbüßen, und im Himmel eine viel größere Belohnung erhalten. ,, Eure Traurigkeit wird in Freude verwandelt werden," spricht Jesus.( Joh. 16.) Das Kreuz ist das Zeichen unserer künftigen Auserwählung zum Himmel. Gott pflegt hier in diesem Leben Seine Freunde durch Kreuz und Leiden zu reinigen. Bedenke, welche Leider und 22** 382 Handbüchlein für Kranke und Sterbende. wie langwierige Krankheiten Gott oft über die Heiligen verhängt hat. Die heilige Clara hat volle acht und zwanzig Jahre in Leiden zugebracht; die heilige Lidwina war durch acht und dreißig Jahre krank, und wurde von unbeschreiblichen Leiden gepeinigt. Wir sollten mit dem heiligen Apostel Paulus ausrufen:„ Es sind nicht zu vergleichen die Leiden dieser Zeit mit jener fünftigen Herrs lichkeit, die an uns soll geoffenbart werden."( Röm. 8, 16.) Endlich bitte Gott oft um Geduld; denn auch sie ist eine Gnade Gottes. Grgib dich daher in den göttlichen Willen, wenn es dir scheint, daß dein Arzt dich nicht gehörig behandelt, oder deine Krankenwärter dir nicht mit dem gehörigen Fleiße dienen. Nimm auch dies im Geiste der Buße an; es ist Gott sehr angenehm. -3 4. Es gibt Ginige, die sehr versucht werden, zu denken, daß der Tod zu frühe komme, da sie noch im blühendsten Alter sind. Diese sollten bedenken, daß das irdische Leben immer voll von Gefahren, Trübsalen und Kümmernissen ist: daß auf den Menschen stets neue Gelegenheiten zur Sünde warten, und daß, je länger man lebt, desto größer die Gefahr ist, ewig verdammt zu werden. Daher haben sich die Heiligen so begierig nach dem Tode gesehnt. Die heilige Theresia hat bei jedem Schlage der Uhr sich erfreut, daß wieder ein Theil der Zeit vorüber sei, wo sie in Gefahr war, ihren Gott zu verlieren. Die heiligen Marthrer sind mit Freuden, oft in der schönsten Blüthe ihres Lebens, dem Martertode entgegen gegangen. Höre, was der heilige Geist sagt: ,, Selig sind die Todten, die in dem Herrn ,, starben, sie ruhen aus von ihren Arbeiten."( Apoc. 14, 13.) Wir sind hier als Wanderer im Thränenthale, und haben hier keine bleibende Stätte."( Hebr. 13, 24). Danke Gott, daß Er dich nicht sterben ließ, als du in der Todsünde warst, und daß Er dir die Gelegenheit gab, deine Sünden zu beichten und die heiligen Sterbfacramente zu empfangen. Du wollteſt vielleicht noch länger leben, um mehr Buße thun zu 383 Handbüchlein für Kranke und Sterbende. können; aber glaube es, daß kein Bußwerk Gott angenehmer ist, als wenn du den Tod mit bußfertiger Ge finnung aus Seiner Hand annimmst. 5. Einige Kranke ängstigen sich vor dem Tode, weil sie ihren Ehegatten, oder Kinder, oder Verwandte verlassen müssen. Diese sollen erwägen, daß Gott der beste Vater ist, und für die Hinterlassenen am besten sorgen wird. Suche deine Seele zu retten, und wenn du im Himmel bist, so kannst du Deinen geliebten Hinterlaffenen durch dein Gebet vor dem Throne Gottes sehr nüßlich werden. Dort im Himmel findest du bessere Freunde noch, als hier auf Erden; dort findest du Jefum, deinen göttlichen Erlöser; Maria, deine zärtliche Mutter und alle lieben Engel und Heiligen Gottes. Sind deine Angehörigen arm, so wisse, daß Gott, Der die Vögel der Luft speist, auch für sie die nöthige Nahrung haben werde. ff 6. Wenn Jemand von der Versuchung der Feindschaft und der. Unversöhnlichkeit angefochten wird, so erwäge er, daß Jesus befiehlt: ,, Liebet eure Feinde!" daß derjenige keine Verzeihung von Gott zu hoffen hat, der seinem Nächsten nicht verzeiht. Verzeihet, so wird euch auch verziehen."( Luc. 6, 37.) Hat dich dein Feind be leidigt, erwäge, wie oft du Gott beleidigt haft. Be= trachte das Beispiel der Heiligen. Der heilige Jacobus hat vor seinem Tode seinen Ankläger umarmt. Der heilige Stephanus hat für seine Mörder gebetet. Der heilige Ambrofius hat seinem Verräther durch lange Zeit die Nahrung gereicht. Betrachte besonders das Beispiel Jesu Christi, Der für Seine Feinde und Lästerer am Kreuze zu Seinem himmlischen Vater inbrünstig gebetet hat. 384 Handbüchlein für Kranfe und Sterbende. V. Uebung verschiedener christlicher Tugenden, gezogen aus der heiligen Schrift; sehr nützlich für Kranke und Sterbende. Anrufung der göttlichen Hilfe. O Gott! merke auf meine Hilfe! Herr, eile mir zu helfen! Pf. 69. Meine Seele ist betrübt, aber Du, mein Herr! wie lange? Ach, wende Dich zu mir und rette meine Seele! Hilf mir und mache mich selig nach Deiner Barmherzigkeit! Pf. 6. Auf Dich vertraue ich, mein Gott! hilf mir und errette mich! Pf. 7. Uch Herr entferne Deine Hilfe nicht von mir, denn die Angst nahet, und es ist kein Helfer hier, als Du. Pf. 21. Meine Kräfte sind verdorret, wie ein Scherben. Pf. 21. Uber Du, o Herr! bist meine Stärke! Pſ. 42. Mein Helfer und mein Erlöser! ach, verweile nicht zu lang! Pſ. 60. Meine Seele ist traurig in mir und will sich nicht trösten lassen. Pf. 76. Sei du mein Trost, o Gott alles Trostes! 2. Cor. 1. Ich bin arm und leide Schmerzen, die Wäsfer der Trübfale sind gedrungen bis auf meine Seele. O Gott hilf mir und verschaffe, daß ich Heil bei Dir finde. Ps. 68. Hantbüchlein für Kranke und Sterbende. 385 Stärke mich jetzt und in meiner legten Stunde, o Herr, Gott Israels! auf daß ich vollbringen möge, was ich geglaubt und gedacht habe, daß durch Dich ausgerichtet werden könne! Judith, 13. Uebung des Glaubens. Ich glaube an Dich, o Herr! vermehre meiGlauben. Luc. 17. nen heit O Herr! ich glaube an Dich, Du ewige Wahrund wenn ich auch für Dich sterben sollte, so will ich Dich doch nicht verläugnen. Matth. 26. Ich glaube, daß mein Erlöser lebt, und daß ich am jüngsten Tage aus der Erde auferstehen und meinen Gott und Heiland sehen werde. Ich selbst werde Ihn sehen, meine Augen werden Ihn anschauen, ich und kein anderer. Joh. 20. Ich glaube, o Jesu! daß Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, Welcher in diese Welt gekommen ist. Joh. 11. Nicht um uns zu verderben, sondern selig zu machen. Luc. 9. Herr! Dein Wert bleibt in Ewigkeit. Pf. 118. Ich glaube und bekenne, was die christkatholische Kirche glaubet und bekennet. In diesem Glauben will ich leben und sterben. Ich glaube an Gott den Bater, der mich nach einem Ebenbilde erschaffen hat, ich glaube an Jesum Christum, Der mich mit Seinem Blute erlöst hat; ich glaube an den heiligen Geist, der mich geheiligt hat. Verleihe mir, o Gott! die Gnade, daß ich im wahren Glauben und mit einem guten Gewissen sterbe! 386 Handbüchlein für Kranke und Sterbende. Uebung der Hoffnung. Auf Dich hoffe ich, o Herr! laß mich nicht zu Schanden werden. Keiner wird zu Schanden, der auf den Himmel vertraut. Pf. 24. Erbarme Dich meiner, o Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes! 2. Cor. 1. Erbarme Dich meiner, denn auf Dich vertraut meine Seele, und unter den Schatten Deiner Flügel habe ich meine Zuflucht. Pf. 56. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, wen soll ich fürchten? Der Herr ist der Beschirmer meines Lebens, vor wem soll ich zittern? Pf. 26. Wenn ich auch mitten in den Schatten des Todes wandle, so werde ich kein Uebel fürchten, weil Du mit mir bist, o Herr! Ps. 22. Der Herr ist mein Helfer und mein Beschüger; auf Ihn vertrauet mein Herz und es wird ihm geholfen werden. Pf. 27. Wir haben einen Fürsprecher bei dem himmlischen Vater, Jesum Christum, den Gerechten, der die Versöhnung ist für unsere und der ganzen Welt Sünden. 1. Joh. 2. Der Herr ist gnädig und barmherzig, langmüthig und von großer Erbarmung. Pf. 102. Wie sich ein Vater erbarmt über seine Kin der, also erbarmt sich der Herr über diejenigen, die Ihn fürchten; denn Er weiß wohl, was für gebrechliche Geschöpfe wir sind. Pf. 102. Handbüchlein für Kranke und Sterbende. 387 So wahr ich lebe!( spricht der Herr), Ich will nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe. Ezech. 33. Kommt alle zu mir, die ihr mit Mühe und Arbeit beladen seid, und ich will euch erquicken ( also spricht Jesus). Matth. 11. Was bist du kleinmüthig, meine Seele? offenbare dem Herrn deine Wege und hoffe auf Ihn; Er wird alles gut machen. Er wird dich selig machen, weil du auf Ihn vertraut hast. Pf. 36. Meine Seele! wirf alle deine Sorgen auf den Herrn, er wird dich erhalten. Pf. 54. Uuf Ihn vertrauend wirst du das Land der Auserwählten besigen, und den heiligen Berg Gottes, den Himmel, zum Erbtheile einnehmen. Jf. 57. Verlangen nach Gott und dem Himmel. O Herr! ich verlange aufgelöst zu werden und bei Christo zu sein. Philipp. 1. So wie der Hirsch sich sehnt nach dem frifchen Waffer, also sehnt sich meine Seele nach Dir, Du starker und lebendiger Gott! Pf. 41. Uch! wann werde ich kommen und erscheinen vor dem Ungesichte des Herrn! Ps. 41. Meine Seele dürftet nach Dir, o Gott! Mein Gott, ich habe ein großes Verlangen nach Dir! Pf. 62. Ich habe mich erfreut, als zu mir geſagt wurde: wir werden in das Haus des Herrn eingehen. Pf. 121. 388 Handbüchlein für Kranke und Sterbende. Ach, mein Gott! führe meine Seele aus dem Kerker dieses Leibes, Deinen Namen zu loben, in's himmlische Vaterland! Pf. 14. O wie lieblich sind Deine Tabernakel, Du Herr der Heerscharen! meine Seele hat ein Verlangen und wird kraftlos nach den Vorhöfen des Herrn. Pf. 83. Ein einziger Tag in den Vorhöfen des Herrn ist besser als tausend Jahre in allen erdenklichen Lustbarkeiten dieses Jammerthales. Pf. 83. O, wie ekelt mich die Erde an, und alles, was auf Erden ist, wenn ich den Himmel anschaue! Heil. Jgnat. Uebung der Liebe zu Gott. Ich liebe Dich, o Herr! meine Stärke, meine Zuflucht und mein Erlöser! Ps. 17. Ich habe Ihn gefunden, Den meine Seele liebt; ich will Ihn festhalten und nicht mehr von mir lassen. Hotel. Laßt uns Gott, den Herrn, von ganzem Her zen lieben; denn Er hat uns zuvor geliebt. 1. Joh. 4. Meine Liebe ist Jesus, der Gekreuzigte, Der mich geliebt und Sich selbst für mich dargegeben hat. Gal. 2. O, daß ich ganz und gar von Dir entzündet würde, unendliches Wesen! wesentlich lebendige Liebe! O, daß ich aus ganzem Herzen und aus allen Kräften Dich allein liebte, und nichts liebte Handbüchlein für Kranke un Sterbende. 389 außer Dir, was ich nicht liebe wegen Dir. Heil. Augustin. O göttliche Liebe! die allezeit brennet, und niemals erlöscht! O Gott, eine ganz pure, lautere Liebe! erwärme mich, entzünde mich, verbrenne mich. Heil. Augustin. Mein Gott und mein Herr! Joh. 20. Mein Gott und mein Alles! H. Franc. Ser. Oliebster Gott! verhüte dies allein, daß ich nicht zu jenen unglückseligen Geschöpfen gehöre, welche Dich nicht lieben, noch in alle Ewigkeit lieben werden, und welche Du in alle Ewigkeit nicht lieben wirst. Heil. Franc. Sales. O Jesu! ich liebe Dich, weil Du mich geliebt hast. Ich liebe Dich über Alles und vor Allem allein; weil Du mein Herr, mein Gott, mein König, mein Alles und mein einziges höchstes Gut bist. Heil. Franc. Xav. lebung der Rene. O Herr! sei mir armen Sünder gnädig. Luc. 18. Mein Gott! erbarme Dich meiner nach Deiner großen Barmherzigkeit, und nach der Menge Deiner Erbarmungen lösche aus meine Sünde. Pf. 50. O Herr! wasche mich immer mehr und mehr von meinen Sünden und reinige mich von meinen Missethaten. Pf. 50. Handbüchlein für Kranke und Sterbende: Vater ich habe gesündigt vor Dir und dem Himmel! ich bin nicht werth, Dein Sohn zu heißen. Luc. 15. 390 Oich Unglücklicher! ich habe mir in allerhand Sünden und Eitelkeiten gebrochene und stin= kende Cisternen gegraben, und Dich, meinen Gott! den Brunnen des lebendigen Wassers, habe ich verlassen. Jerem. 2. O Herr! Deine Barmherzigkeit komme über mich! ich will Dein Gesez allezeit bewahren von nun an bis in Ewigkeit. Pf. 118. Nichts mehr soll mich scheiden von der Liebe Chrifti. Röm. 8. Uebung der Geduld. Den der Herr liet hat, den züchtigt Er; Er geißelt jeden Sohn, den Er aufnimmt. Hebr. 12. Meine Seele! nimm alles an, was dir be gegnet, trage es im Schmerz und habe Geduld dabei; denn Gold und Silber wird im Feuer bewährt, die Menschen aber, die Gott angenehm sind, in dem Ofen der Trübsale. Ecc. 2. Es sei weit von mir, daß ich mich in etwas anderem rühme, als in dem Kreuze Jesu Christi. als in bem Gal. 6. Alle Leiden dieser Welt find für nichts zu rechnen gegen die zukünftige Glorie, die an uns wird offenbar werden. Röm. 8. Wenn wir mit Chrifto weinen, so werden wir mit ihm verherrlicht werden. Nöm. 8. Handbüchlein für Kranke und Sterbende. 391 Uebung der Ergebung in den göttlichen Willen. Vater! ist es möglich, so gehe dieser Kelch von mir; doch nicht mein, sondern Dein Wille geschehe. Matth. 26. Wie es dem Herrn gefällt, so geschehe es. Der Name des Herrn sei gebenedeit. Joh. 1. Vater! Dein Wille geschehe wie im Himmel, also auch auf Erden. Matth. 6. Haben wir das Gure von der Hand des Herrn empfangen, warum sollen wir nicht auch das Böse annehmen? Joh. 2. VI. Verschiedener Gattungen. Seufzer eines Kranken. Der Kranke kann oft nicht viel Zusammenhängendes beten; aber er kann oft zu Gott seufzen, und Gott nimmt diese Seufzer statt des Gebetes an. Siehe, mein Gott! wie armselig ich auf meinem Bette liege, und wie viel ich um Deinets willen leide. Mein Leib ist voll der Traurigkeit; mein Geist aber ist bereit, zu leiden nach Deinem göttlichen Wohlgefallen. Ich opfere Dir, o Jesu! meine Schmerzen, zu Ehren der Schmerzen, so Du für mich am Kreuze gelitten hast. Handbüchlein für Kranke und Sterbende. In Deine heiligen fünf Wunden versenke ich alle meine Schmerzen und vereinige sie mit Deinem bitteren Leiden. 392 Gleichwie Du, o Jesu! alle Deine Leiden mit größter Geduld gelitten hast, also will auch ich meine Krankheit mit größter Geduld leiden. Gleichwie Du, o Jesu! Deinem himmlischen Bater für die Dir zugeschickten Leiden gedankt hast, also danke ich auch meinem himmlischen Bater für die mir zugeschickte Krankheit. Gleichwie Du, o Jesu! Dein Leiden zur Abbüßung der Sünden der ganzen Welt angenommen hast, also will auch ich mein Leiden für meine vielfachen Sünden annehmen. O himmlischer Vater! laß Dir mein Leiden wohlgefallen, und nimm es zu Deiner höchsten Ehre auf. O Jesu Christe! vereinige mein Leiden mit Deinem bitteren Leiden, und opfere es dem himm= lischen Vater zu einem ewigen Wohlgefallen auf. O heiliger Geist verleihe mir Deine göttliche Gnade, daß ich diese Krankheit mit Geduld übertrage. O Mutter Gottes! Die Du mit Deinem gekreuzigten Sohne ein so großes Mitleid gehabt hast, habe auch Mitleid mit mir, Deinem armen Kinde. Handbüchlein für Kranke und Sterbende. 393 O mein heiliger Schußengel! wache Tag und Nacht bei mir, und verlaß mich nicht in meiner Noth. O 3hr Heiligen Gottes! besonders Thr, meine heiligen Schuppatrone! bittet für mich, daß mir der gütige Gott gnädig und barmherzig ſei! Morgengebet eines Kranken. Allmächtiger ewiger Gott! ich danke Dir vom Grunde meines Herzens, daß Du mich diese Nacht haft leben lassen. Ich empfehle mich heute neuerdings unter Deinen väterlichen Schuß, ich übergebe mich ganz Deinem göttlichen Willen; möge ich noch länger leben oder sterben. Ich opfere Dir alles Ungemach, alle Leiden und Schmerzen auf, welche ich diesen Tag über ausstehen werde. Dir zu Liebe, mein Gott! will ich Ulles leiden, und ich vereinige mein Leiden mit dem Leiden und Sterben Jesu Chrifti. So oft ich heute seufzen, meine Augen bewegen, reden, Uthem schöpfen, oder eine Urznei, Speise oder Trank nehmen werde, so oft verlange ich, o mein liebster Gott! Dich anzubeten, Dich zu loben, Dich zu preisen und Dich zu lieben. Nimm meinen Willen, o gütiger Herr! für das Werk an, wenn ich von der Größe der Schmerzen, oder von meiner Schwachheit überwältigt, nicht daran denken sollte, Dir Alles aufzuopfern. 394 Handbüchlein für Kranke und Sterbende. Willst Du, o allmächtiger Gott! mir diesen Tag noch schenken, so sei Dein heiligster Name gepriesen. Ist es Dir aber gefällig, mich diesen Tag von der Welt abzurufen, so geschehe Dein heiligster Wille. O Maria! Du Heil der Kranken! nach Gott meine einzige Zuflucht! ich bitte Dich, sei meine Fürsprecherin bei Deinem liebsten Sohne, damit ich durch Deine alles vermögende Fürbitte entweder die leibliche Gesundheit, oder eine glückselige Sterbestunde erhalte. Beschüße mich vor dem Feinde meines Heils; gib mir die Gnade, daß ich als Dein getreues Pflegekind Dich einst in dem Himmel anschauen möge. O allerliebste Mutter! Dir übergebe ich die Sorge für meinen Leib und meine Seele. Unter Deinem Schuße, o mächtigste Frau und zärtlichste Mutter! hoffe ich gewiß mein Heil zu finden. O mein heiliger Schußengel! ich danke Dir, daß Du mich diese Nacht so sorgfältig bewacht haft. Ich bitte Dich sammt allen andern heiligen Engeln, wachet bei mir diesen Tag und bis zum Ende meines Lebens! Und Jhr, Heiligen Gottes! besonders Ihr, meine heiligen Schuppatrone! Helfet mir durch eure Fürbitte auch an diesem Tage, und verlaßt mich nicht, wenn jener Augenblick kommen sollte, von dem die ganze Ewigkeit abhängt. Bittet für mich bei dem göttlichen Richter, daß ich ein Kind der Seligkeit werde! Amen. Handbüchlein für Kranke und Sterbende. 395 Abendgebet eines Kranken. Heiligste Dreieinigkeit! Gott Vater, Sohn und heiliger Geist! Dir sei unendlicher Dank ge= fagt für alle Wohlthaten und Leiden, die Du mir heute zugeschickt haft. Wenn ich meine Leiden nicht mit der gehörigen Geduld ertragen habe, so bitte ich demüthig um Verzeihung. Ich empfehle mich diese Nacht Deinem göttlichen Schuße. Alle meine Sünden sind mir herzlich leid, weil ich Dich, o höchstes Gut! Welches ich über Alles liebe, beleidigt habe. Ach! hätte ich Dich nicht beleidigt! Ich nehme mir ernstlich vor, mein Leben zu bessern. Ich opfere Dir, o himmlischer Bater! für meine Günden die unendlichen Verdienste Deines göttlichen Sohnes Jesu Christi auf. Laß doch den theuren Werth Seines Leidens und Sterbens an mir nicht verloren gehen. Jesu! Dir wache ich! Jesu! Dir schlafe ich! Jesu! Dir lebe ich! Jesu! Dir sterbe ich! Jesu! Dein bin ich todt und lebendig. Amen. Allerheiligste Jungfrau und Mutter Gottes Maria! Lindere diese Nacht meine Schmerzen. Sei meine Beschüßerin in der Stunde der Unfechtung, fei meine mächtige Fürsprecherin bei Jesu, Deinem göttlichen Sohne. O heiliger Schußengel, und alle Ihr Heiligen Gottes! beschüßet mich diese Nacht und bes wahret mich vor allem Uebel! Handbuchlein für Kranke und Sterbende. Barmherziger Gott! erbarme Dich der ar men Seelen im Fegefeuer, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen. Herr! laffe sie ruhen in Frieden! Amen. 396 Verlangen nach der heiligen Communion als Wegzehrung. Uch unendlich barmherziger Jesu! eine große Reise steht mir bevor aus dieser Welt in die Ewigs keit. Dein heiligster Wille geschehe, mein Herz ist bereit. Ich will hingehen und von hier scheiden, weil es Dir so wohl gefällt. Aber wie kann ich, ohne Dich, Der Du der Weg, die Wahrheit und das Leben bist? Ohne Dich müßte ich vor Hunger und Durst am Wege verschmachten. Komm denn, o barmherziger Jesu! ehe ich sterbe. Komm, und säume nicht! Stärke mich durch das allerheiligste Sacrament des Altars! stärke mich mit Deinem allerheiligsten Fleische und Blute, auf daß ich durch die Kraft dieser starken Engelsspeise bis zur Höhe der himmlischen Anschauung Deines göttlichen Angesichts gelange. Gleichwie der Hirsch verlangt nach dem fri schen Quellwasser, also verlangt meine Seele nach Dir, o mein Gott, dem lebendiger Brunnquell alles Guten. O wann werde ich kommen und erscheinen vor Deinem Ungesichte, o Gott! in Deinen wunderbaren Tabernakeln, in dem Haufe meines Herrn? Handbüchlein für Kranfe und Sterbende. 397 Warum bist du se traurig, meine Seele, und warum betrübst du dich? Hoffe auf Gott! Siehe, es Fommt dein Geliebter. Er wird kommen, Er wird dich stärken, Er wird dich aus der Wüsle dieses Lebens hinauf in's himmlische Vaterland ju Sich nehmen. Uch! so komm, mein Heiland! komm, mein liebster Jesu! komm und verweile nicht zu lange! Ich verlange Dich als das wahre Osterlamm zu genießen, bevor ich hingehe und sterbe. Komm, o süßester Jesu! komm und gehe in mein Herz ein, vereinige Dich mit mir, und bleibe bei mir, bis ich Alles überstanden und den Tod überwunden habe. Komm, o Jesu! and balte das heilige Abendmahl mit mir, und führe mich ein zur hiumlischen Mahlzeit in Deines Vaters Haus! bereite mir dort eine Wohnung, wie Du es versprochen hast, damit ich ewig bei Dir jein und mich ewig mit Dir erfreuen möge. Amen. Nach empfangener heiliger Communion als Wegzehrung. Halte dich eine Zeit lang still in der süßen Vereinigung mit deinem göttlichen Erlöser. Erwecke einen le= bendigen Glauben an Seine persönliche Gegenwart, erwecke viele Seufzer des Dankes und der Liebe gegen Ihn für die Wohlthaten des Leibes und der Seele, die Er dir durch dein ganzes Leben erwiesen hat, besonders aber dafür, daß Er dich oft mit Seinem heiligsten Leibe ge= speiset hat, und daß Er segar diese Gnade dir geschenkt 23 398 Handbüchlein für Kranke und Sterbende. hat, daß Er deine Speise und Wegzehrung auf dem Wege in die Ewigkeit sein will. O mein theuerster Jesu! ich besige nun Alles, um meine Pilgerschaft hier auf Erden glücklich zu vollenden; denn ich besige Dich, Der Du der Weg, die Wahrheit und das Leben bist. Du bist der Weg, und führest mich sicher in das himmlische Vaterland. Du bist die Wahrheit und erleuchtest die Finsternisse und die Schatten des Todes. Du bist das Leben und führeft mich zum ewigen Leben. Wenn ich auch mitten in dem Schatten des Todes wandle, so fürchte ich kein Uebel, denn Du bist bei mir, mein Helfer und mein Beschüßer. O gekreuzigter Jesu! der Du dies allerhei ligste Sacrament jum Denkmal Deines bittern Leidens eingesetzt hast, laß den Werth dieses Dei nes Leidens an mir nicht verloren sein. Vergeber der Sünden! reinige mich von jeder Makel der Sünde, damit ich ganz rein ver Dir erscheinen möge! Lebendiges Himmelsbrot! unterstüße meine Schwachheit mit Deiner Gnade, daß ich im letzten Kampfe nicht erliege, daß mein Glaube nicht wanke, meine Hoffnung nicht sinke und meine Liebe nicht erkalte. O mein liebreichster Heiland! laß diese heilige Wegzehrung ein Unterpfand meiner ewigen Seligkeit sein! O Herr! laß mich, Deinen Diener, im Frieden fahren; denn meine Augen haben Dich, den Handbüchlein für Kranke und Sterbende. 399 Heiland der Welt, gesehen, und mein Herz Dich empfangen. Segne mich o Jesu! ich entlasse Dich nicht, bis Du mir nicht den heiligen Gegen auf den Weg in die Ewigkeit gibst. Du, o Jesu! bist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn! O Jesu! meine Liebe, mein Gott, mein Verlangen, mein Alles! Das Gebet des heiligen Ignatius nach der heiligen Communion. Die Seele Christi heilige mich! Der Leib Christi bewahre mich! Das. Blut Christi tränke mich! Das Waffer der Seitenwunde Christi wasche mich!- Das Leiden Christi stärke mich! O guter Jesu, erhöre mich! In Deine heiligen Wunden verberge mich! Und laß von Dir nicht scheiden mich!-Vor dem bösen Feind beIn der Stunde meines Todes rufe mich! Und zu Dir laß kommen mich!-- Daß mit Deinen Heiligen und Engeln ich möge loben Dich in alle Ewigkeit. Amen. schirme mich! - - Vorbereitungsgebet zur letzten Delung. Allgütigster Herr und mein liebreichster Heiland, Herr Jesu Christe! Du hast uns in diesem Sacramente die tröstliche Berheißung gegeben: " Ist Jemand unter euch frank, der rufe zu sich die Priester der Kirche, und laffe über sich beten, 23* 400 Handbüchlein für Kranke und Steibende. # 1 und sich falben mit dem Dele, im Namen des ,, Herrn, und das Gebet des Glaubens wird dem ,, Kranken helfen; der Herr wird ihn aufrichten, ,, und wenn er Sünden auf sich hat, werden sie ihm vergeben werden."( Jacob. 5.) Durch Deine unendliche Güte nun, o Jesu! durch welche Du dies heilige Sacrament eingefegt hast, bitte ich Dich, Du wollest mich von meinen Sünden reinigen, vor dem bösen Feinde beschügen, in den Versuchungen stärken, und mir ein glückfeliges Ende verleihen, oder mir, wenn es zu meinem Seelenheil ersprießlich ist, die vorige Ge: sundheit wiedergeben. Dieses bitte ich durch Deine unendlichen Verdienste, Der Du mit Gott deni Vater und dem heiligen Geiste gleicher Gett lebeft und regierest in Ewigkeit Umen. Bei der Salbung cines jeden der fünf Sinne bitte im Innersten deines Herzens, daß dir Gott die Sünden verzeihen möge, welche dn mit diesem Sinne begangen hast, und opfere für deine Sünden jenes Leiden Christi auf, welches Er mit diesem Sinne für deine Sünden aufgeopfert hat. Gebet nach der heiligen letzten Delung. Gütigster Jesu! nun habe ich dieses heilige Sacrament empfangen, das Du jum Troste und Heil der Kranken eingesegt haft. Ich danke Dir für dieses so mächtige Heilmittel meiner Seele und meines Leibes. Laß mich die Wirkung dieses heiligen Sacramentes genießen, auf welches ich meine Hoffnung und mein Vertrauen gründe. Amen. Handbüchlein für Kranke und Sterbende. 401 Litanei zum leidenden und sterbenden Heilande um eine glückselige Sterbestunde. Herr erbarme Dich unser! Chrifte erbarme Dich unser! Herr erbarme Dich unser! Christe, höre uns! Christe erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme Dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme Dich unser! Jesu! Der Du Dein Leiden in der Traurig-, Feit, Ungst und Furcht angefangen, Jesu! Der Du am Delberg dreimal im Gebete zur Erde gefunken bist, den Willen Jesu! Der Du mit blutigem Angstschweiß übergoffen, Dich gänzlich in Deines himmlischen Baters ergeben hast, Jesu! Der Du um dreißig Silberlinge ver kauft und durch den falschen Judaskuß verrathen worden bist, Jesu! Der Du von Deinen Jüngern verlasfen, von Deinen Feinden wie ein Mörder gefangen, mit Stricken und Ketten gebunden worden bist, Jefu, Der Du vor Annas und Caiphas geführt und fälschlich angeklagt worden bist, Jesu! Der Du mit einem Backenstreich schmählich und schmerzlich geschlagen, für einen Gotteslästerer erklärt und ungerechterweise des Todes schuldig erkannt worden bist, erbarme Dich meiner in meiner Sterbestunde! 402 Handbüchlein für Kranke und Sterbende. Jesu! Der Du gebunden dem Pilatus überantwortet, und von den Juden zum Tode angeklagt worden bist, Jesu! Der Du von Herodes mit einem weißen Kleide angethan, verachtet und verspottet worden bist, Jesu! Der Du nackt an eine Säule gebunden und auf das Grausamste gegeißelt worden bist, Jesu! Der Du mit Dörnern schmachvoll gekrönt und von den Juden verspottet worden bist, Jesu! Der Du mit einem Purpurmantel ange than und dem Volke vorgestellt worden bist, ë Jesu! Der Du mit den Worten: Sehet ei nen Menschen dem Volke zur Schau aus. gestellt worden bist, Jesu! Der Du zum Tode des Kreuzes von s den Juden begehrt worden bist, Jesu! Der Du zum Tode des Kreuzes von dem/ ungerechten Richter verdammt worden bist, Jesu! Dem die schwere Kreuzlaft und die Last unserer Sünden auferlegt worden ist, Jesu! Der Du von der schweren Kreuzeslast zu Boden gedrückt, und wie ein Schaf zur Schlachtbank geführt worden bist, Jesu! Der Du auf dem Calvarienberge aller Deiner Kleider entledigt, und mit Händen und Füßen an das Kreuz geheftet worden bist, Jesu! Der Du, zwischen zwei Missethätern am Kreuze hangend, gelästert, geschmäht und verspottet worden bist, Jefu! Der Du in Deinem brennenden Durst mit Galle und Effig getränkt worden bist, erbarme Dich meiner in meiner Sterbestunde! 403 Handbüchlein für Kranke und Sterbende. Jesu! Der Du mit geneigtem Haupte Deinen Geist am Kreuze aufgegeben hast, erbarme Dich meiner in meiner Sterbstunde! Sei mir gnädig, o Jefu in meiner Sterbftunde! Verschene mich o Jesu in meiner Sterbstunde! Von Versuchung und der Verzweiflung, Von den Banden der Sünde und des ewigen Todes, Von den Nachstellungen des bösen Feindes, Von aller Qual und Ungst des Gewissens, Von aller Bedrängniß, Verwirrung und Kleinmüthigkeit, Von aller Schuld und Strafe der Sünden, Von der unglückseligen Verlassenheit von Gott, stunde, o Jesu! erlöse mich in meiner Sterb- stärke mich in meiner Sterbftunde, oJesu! Von dem unglückseligen Tode der Sünder, Von dem ewigen Tode, Durch Deine, bis in den Tod betrübte Seele Durch Dein dreifaches Gebet am Delberge, Durch Deine bittere Todesangst, Durch Deine unüberwindliche Geduld, Durch Dein bei der Geißlung vergoffenes Blut, Durch Deine schmerzliche Krönung mit Dornen Durch Deine Verspottung und Beschimpfung, Durch die Schmerzen der Backenstreiche, Durch Deine blutige Kreuztragung, Durch Deine grausame Kreuzigung und Ausdehnung aller Deiner Glieder, Durch Deine 3 stündige schmerzliche Todesangst, Durch Deinen lesten Herzstoß, Durch Dein heiliges Kreuz, als die Siegesfahne über alle Feinde, 404 Handbüchlein für Kranke und Sterbende. Durch Dein heiliges Kreuz, als Dein Zeichen unferes Glaubens, stärke mich in meiner Sterbstunde, o Jesu! Durch Dein heiliges Kreuz, als den Grund un serer Hoffnung, stärke mich in meiner Sterbstunde, o Jesu! Durch Dein heiliges Kreuz, als den Brennpunkt unserer Liebe, stärke mich in meiner Sterbftunde o Jesu! O Jesu! mein leidender und sterbender Heiland! daß ich in Deiner Gnade und Liebe mit vollkommen zerknirschtem Herzen glückselig von dieser Welt scheide,- verleihe mir durch Dein Kreuz und Deinen Tod! O Jesu! höre mich! O Jesu! erhöre mich! Vater unser sc. Gegrüßet seist Du, Maria 2c. Gebet. O Herr Jesu Christe! Der Du durch Deinen Kreuztod die Welt, die Hölle und den Tod überwunden hast, ich bitte Dich, Du wollest durch Dein bitteres Leiden und Sterben mir sowohl im Le: ben als auch ganz besonders im Tode, den Sieg über alle meine Feinde ertheilen, ein glückseliges Sterbstündlein verleihen, und endlich meine Seele aus diesem elenden Jammerthale durch Deine heiligen Engel in das himmlische Vaterland zu den ewigen Freuden einführen. Amen. Handbüchlein für Kranke und Sterbende. 403 VII. Die letzten Seufzer eines Sterbenden. Ich bete Dich an, o ebendiger wahrer Gott! - Ich glaube an Dich, o ewige Wahrheit!- Ich hoffe auf Dich, o unendliche Barmherzigkeit! Ich liebe Dich, o unendliche Güte! Aus Liebe zu Dir, o Jesu! will ich sterben, der Du aus Liebe zu mir gestorben bist.- O gütiger Gott! laß nicht zu, daß ich Dich verliere! O unendliche Güte! ich liebe Dich aus ganzem Herzen.- Aus Liebe zu Dir, o unendlich gütiger Gott! reuet es mich, daß ich Dich jemals beleidiget. habe. In alle Ewigkeit will ich nicht mehr fündigen. O Jesu! in wenigen Augenblicken stehe ich vor Dir als meinem Richter; ach! erbarme Dich meiner! - Jesu! sei mein Erlöser und erlöse mich!- O Jesu! Dir lebe ich, Dir sterbe ich, Dein bin ich todt und lebendig. Amen.- In Deine Hände empfehle ich meinen Geift! Ich sterbe, e Jesu! damit ich Dich sehe. Maria, o Mutter Gottes, bitte Jesum für mich! Wende, o Jungfrau Maria Deine barmherzigen Augen auf mich, und zeige mir Jesum, die gebenedeite Frucht Deines Leibes. O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria, bitte für mich! O Maria! erzeuge Dich als meine Mutter! O Maria! verlasse mich, Dein Kind, nicht in der größten Noth! O schöner Himmel mein ewiges Vaterland! wann werde ich Dich sehen? O herrlicher Gott! wann werde ich Dich vollkommen lieben und anschauen von Angesicht zu Angesicht?- O Jesu! wann - - - 406 Handbüchlein für Kranke und Sterbende. werde ich mich in der Sicherheit befinden, Dich nicht mehr verlieren zu können? Mein Gott und mein Alles! ich verliere gern Alles, wenn ich nur Dich, meinen Gott, gewinne!-- O mein Gott! habe Barmherzigkeit mit mir wegen Jefu, meinem Erlöser. Ich will gern Alles leiden, auch das Fegfeuer will ich annehmen, wenn ich nur Dich, meinen Gott in Ewigkeit lieben kann. Erbarme Dich, o Jesu! Deines Dieners, den Du mit Deinem kostbaren Blute erlöset hast. Meine Liebe ist der Gekreuzigte. Herr! merke auf meine Hilfe! Herr! eile mir zu helfen.- Ach! ich hoffe, bald in den Himmel zu kommen.- Jesu! Dir empfehle ich meine Seele, die Du erlöset hast. -Heiliger Erzengel Michael! streite für mich. Heiliger Joseph! stehe mir bei.- Heiliger Schußengel! verlaß mich nicht. Alle Ihr Heiligen Gottes! stehet mir bei und bittet für mich! O Jesu! ich sterbe im Vertrauen auf Deine unendlichen Verdienste.- O Jesu! ich bereue meine Sünden! -O Jesu! in Deinen göttlichen Urmen will ich sterben. Jefu! in Dein heiligstes zärtlichO stes Herz schließe meine arme Seele ein.- Komm, o Jesu! erlöse mich. Komm, o Jesu! stärke mich. Komm, o Jesu! und führe mich in den Himmel ein. O Jesu! Maria und Joseph! ste= het mir bei, und erbarmet Euch meiner armen Seele! Ich will sterben, o Jesu! aus Buße für meine Sünden.- Ich will sterben, o Jesu! weil Du für mich gestorben bist.- Ich will sterben, o Jesu! damit ich Dich sehen und ewig lieben könne. Jesus, Maria und Joseph! allezeit 11 - - - - Handbüchlein für Kranke und Sterbende. 407 in meinem Herzen.- Jesus, Maria und Joseph! allezeit in meinem Gedanken.- Jesus, Maria und Joseph, allezeit auf meiner Zunge.- Jesus, Maria und Joseph! mein legter Gedanke, mein legter Seufzer. Jesus, Maria und Joseph! Euch lebe ich. Jesus, Maria und Joseph! Euch fter be ich. Jesus! ich glaube an Dich! Jesus! ich hoffe auf Dich! Jesus! ich liebe Dich über Alles! Jesus! sei mir armen Sünder gnädig! Jesus, Jesus, Jesus! in Deine Hände empfehle ich meinen Geist. Jesus! Maria und Joseph! in Eure Hände empfehle ich meinen Geist. - VIII. Gebete für Sterbende. Nach dem Gebrauche der heiligen katholischen Kirche. Nach dem römischen Breviere. Herr erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christe höre uns! Christe erhöre uns! Heilige Maria, Alle heiligen Engel und Erzengel, Heiliger Abel, Alle heiligen Chöre der Gerechten, Heiliger Abraham, Heiliger Johannes der Täufer, Heiliger Joseph, Alle heiligen Partiarchen und Propheten, Heiliger Petrus, Heiliger Paulus, Heiliger Andreas, Heiliger Johannes, ( oder bitte( oder bittet) für ihn sie)! Handbüchlein für Kranke und Sterbende. 408 Alle heiligen Apostel und Evangelisten, Alte heiligen Jünger des Herrn, Alle heiligen unschuldigen Kinder, Heiliger Stephanus, Heiliger Laurentius, Alle heiligen Märtyrer, Heiliger Sylvester, Heiliger Gregorius, Heiliger Augustinus, Alle heiligen Bischöfe und Beichtiger, Heiliger Benedictus, Heiliger Franciscus, Alle heiligen Mönche und Einsiedler, Heilige Maria Magdalena, Heilige Lucia, Alle heiligen Jungfrauen und Witwen, Alle Heiligen und Auserwählten, bitte( oder bittet) für ihn( oder fie)! Sei ihm( ihr) gnädig, verschone ihn( sie,) o Herr! Sei ihm( ihr) gnädig, erlöse ihn( sie) o Herr! Von Deinem Zorne, Von der Gefahr des Todes, Von einem bösen Tode, Von den Strafen der Hölle, Von allem Ulebel, Von der Gewalt des bösen Feindes, Durch Deine Geburt, Durch Dein Kreuz und Leiden, Durch Deinen Tod und Begräbniß, Durch Deine herrliche Auferstehung, Durch Deine wunderbare Himmelfahrt, Durch die Ankunft des h.Geistes des Trösters, Um Tage des Gerichts, erlöse ihn( sie), 0 Herr! Hant büchlein für Kranke und Sterbende. 409 Wir arme Sünder, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du ihn( sie) verschonest, wir bitten Dich, erhöre uns! Herr erbarme Dich seiner( ihrer)! Christe, erbarme Dich seiner( ihrer)! Herr erbarme Dich seiner( ihrer)! Gebet. Fahre hin, christliche Seele! aus dieser Welt, im Namen Gottes, des allmächtigen Vaters, Der dich erschaffen hat, im Namen Jesu Christi des Sohnes des lebendigen Gottes, Der für dich gelitten hat, im Namen des heiligen Geistes, Der über Dich ist ausgegessen worden; im Namen der Engel und Erzengel, im Namen der Thronen und Herrschaften; im Namen der Fürstenthümer und Mächte; im Namen der Cherubim und Seraphim; im Namen der Patriarchen und Prepheten; im Namen der heiligen Apostel und Evangelisten, im Namen der heiligen Martyrer und Beichtiger; im Namen der heiligen Mönche und Einsiedler, im Namen der heiligen Jungfrauen und aller Heiligen Gottes. Heute ist dein Ort im Frieden und deine Wohnung in dem heiligen Sion durch eben denselben Christum, unsern Herrn. Amen. Barmherziger Gott! gütiger Gott, o Gett, Der Du durch die Menge Deiner Erbarmungen die Sünden der Büßer auslöschest und die Stras fen der begangenen Sünden durch Nachlassung 410 Handbüchlein für Kranke und Sterbende. und Verzeihung hinwegnimmst, sieh Deinen Die ner( Deine Dienerin) gnädig an, und erhöre sein ( ihr) Flehen; da er( sie) aus ganzem Herzen alle seine( ihre) Sünden bekennet, und Dich um Vergebung derselben bittet. Erneure in ihm( ihr), gütigster Bater! Alles, was durch irdische Schwachheit entstellt, oder durch die Lift des Satans verlegt worden ist; und schließe dieses, durch das Blut Deines Sohnes erlöste Glied an die Einigkeit des Leibes der Kirche an. Erbarme Dich, Herr, seiner( ihrer) Seufzer; erbarme Dich seiner( ihrer) Thränen, und weil er( sie) nur auf Deine Barmherzigkeit Vertrauen segt, so laß ihn( sie) zur Gnade Deiner Versöhnung gelangen. Liebster Bruder( liebste Schwester) ich em pfehle Dich dem allmächtigen Gott und übergebe Dich den Händen Deines Schöpfers, damit du, wenn du durch den Tod die Schuld der Natur wirst bezahlt haben, zu deinem Urheber, Der dich aus dem Lehm der Erde gebildet hat, zurückkehreft. Die glänzende Schaar der Engel komme deiner Seele tgegen, wenn sie von dem Leibe scheidet; die Versammlung der Apostel, welche die Welt richten werden, finde sich dabei ein; das siegreiche Heer der Martyrer begegne dir; die mit Lilien gezierte Menge der Beichtiger umgebe dich; der Cher frohlockender Jungfrauen nehme dich auf; das liebevolle Umarmen im Schooße der seli gen Ruhe verbinde didy mit den Patriarchen; fanft und herrlich zeige dir Jesus Sein Angesicht; Er nehme dich unter Diejenigen auf, Handbüchlein für Kranke und Sterbende. 411 die stets um ihn sind. Die schrecklichen Finsterniffe, die prasselnden Flammen, die peinigenden Qualen sollen dir ganz unbekannt bleiben. Der fürchterliche Höllengeift mit seinem Anhange weiche von dir; er zittre und fliehe in die entsegliche Verwirrung der ewigen Nacht, wenn er dich, von Engeln begleitet, ankommen sieht. Gott stehe auf, und eine Feinde sollen zerstreut werden, und Alle, die ihn hassen, sollen vor einem Ungesichte fliehen! Wie der Rauch vertrieben wird, so sollen sie vertrieben werden; wie Wachs vor dem Feuer zerfließt, so sollen die Ruchlosen vor Gottes Ungesicht vergehen. Die Frommen aber sollen vor Gott frohlocken und jauchzen. Alle Schaaren der Hölle sollen zu Schanden werden und sich schämen und die Diener des Satans sollen dir kein Hinderniß in den Weg legen. Christus, der für Dich gekreuzigt worden ist, befreie Dich von aller Qual. Christus, Der Sich gewürdigt hat, für dich zu sterben, befreie dich von dem ewigen Tode. Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, führe dich zum Besig der ewigen Freuden des Paradieses. Dieser wahre Hirt erkenne an dir Eines Seiner Schafe. Er spreche dich von allen deinen Sünden los, und stelle dich zu seiner Rechten unter die Zahl Seiner Auserwählten. Mögest du deinen Erlöser von Angesicht zu Angesicht sehen! Mögest du stets gegenwärtig um Ihn sein, und die hellste Wahrheit mit glücklichen Augen anschauen! Mögest du, in der Gesellschaft der Seeligen, die Süßigkeit der göttlichen Anschauung in Ewigkeit genießen! Amen. 412 Handbüchlein für Kranfe und Sterbende. Herr, nimm Deinen Diener( Deine Dienerin) in die Wohnung der Seligkeit auf, die er( sie) von Deiner Barmherzigkeit hoffet. Amen.. Herr, befreie die Seele Deines Dieners ( Deiner Dienerin) von allen Gefahren der Hölle, von den Banden der Hölle, von den Banden der Strafen und von allen Qualen. Amen. Herr, befreie die Seele Deines Dieners( Deiner Dienerin), wie Du den Henoch und den Elias von dem allgemeinen Tode der Menschen befreiet haft. Amen. Herr, befreie die Seele Deines Dieners( Deiner Dienerin), wie du den Noe von der Sündflut befreiet haft. Umen. Herr, befreie die Seele Deines Dieners( Deiner Dienerin), wie Du den Abraham aus der chaldäischen Stadt Ur befreiet hast. Umen. Herr, befreie die Seele Deines Dieners( Deiner Dienerin), wie Du den Loth aus Sodoma und den Feuerflammen desselben befreit hast. Amen. Herr, befreie die Seele Deines Dieners( Deiner Dienerin), wie Du den Isaak aus der Hand Abrahams, seines Vaters, befreiet haft. Amen. Herr, befreie die Seele Deines Dieners( Dainer Dienerin), wie Du den Moses aus der Handbüchlein für Kranke und Sterbende. 413 Hand des ägyptischen Königs Pharao befreiet hast. Umen. Herr, befreie die Seele Deines Dieners( Deiner Dienerin), wie Du den David aus der Hand des Königs Saul und des Goliaths befretet hast. Amen. Herr, befreie die Seele Deines Dieners( Deiner Dienerin), wie Du den Job von seinen Leiden befreiet haft. Amen. Herr, befreie die Seele Deines Dieners( Deiner Dienerin), wie Du den Daniel aus der Lö wengrube befreiet haft. Amen. Herr, befreie die Seele Deines Dieners( Deiner Dienerin), wie Du die drei Knaben aus dem glühenden Ofen und von der Hand des gottlosen Königs befreiet haft. Amen. Herr, befreie die Seele Deines Dieners( Deiner Dienerin), wie Du die Susanne von der Strafe und der Schande des angedichteten Lasters befreiet hast. Amen. Herr, befreie die Seele Deines Dieners( Deiner Dienerin), wie Du den Petrus und Paulus aus dem Kerker befreiet haft. Amen. Wie Du endlich, o Herr! die selige Jungfrau und Martyrin Thecla von den drei schrecklichen Peinen befreiet hast, so befreie gnädigst die Seele dieses Deines Dieners( dieser Deiner Dienerin) 24 414 Handbüchlein für Kranke und Sterbende. und laß ihn( sie) mit Dir die himmlischen- Güter genießen. Amen. Wir empfehlen Dir, o Herr! die Seele Deines Dieners N.( Deiner Dienerin N.), und bitten Dich, Herr Jesu Christe! Erlöfer der Welt, laß diese Seele, für welche Du aus BarmherzigFeit in die Welt gekominen bist, in den Schooß Deiner Patriarchen tragen. Erkenne, o Herr! Dein Geschöpf; es ist nicht von fremden Göttern, sondern von Dir allein, Du wahrer, lebendiger Gott erschaffen worden; denn es gibt keinen Gott außer Dir, und nichts kommt Deinen Werfen gleich. Erfülle ihn( sie), Herr! durch Deine Gegenwart mit Freuden. Gedenke nicht mehr seiner( ihrer) Ungerechtigkeiten und Verirrungen, zu welchen ihn( sie) die Gewalt der bösen Lust verleitet hat. Er( sie) hat zwar gefündiget, aber den Glauben an den Vater und den Sohn und den heiligen Geist hat er( sie) doch nicht verläugnet, sondern er( sie) hat den Glauben bewahrt; er( sie) hat Eifer für die Ehre Gottes gehabt, und Gott, den Schöpfer aller Dinge, getreu angebetet. Herr! gedenke nicht der Sünden seiner( ihrer) Jugend, und seiner( ihrer) Unwissenheit, sondern gedenke seiner( ihrer) in Deiner glänzenden Herrlichkeit nach Deiner großen Barmherzigkeit. Die Himmel sollen sich ihm( ihr) öffnen, die Engel sich mit ihm( ihr) erfreuen. Nimm, Herr! Deinen Diener( Deine Dienerin) in Dein Reich auf. Der heilige Michael, der Erzengel Gottes, Handbüchlein für Kranke und Sterbende. 415 welcher verdient hat, Fürst des himmlischen Heeres zu werden, nehme ihn( sie) auf. Die heiligen Engel Gottes wollen ihm( ihr) entgegen kommen und ihn( sie) in die himmlische Stadt Jerusalem führen. Es nehme ihn( sie) der heilige Petrus auf, welchem Gott die Schlüssel zum Himmelreiche übergeben hat. Ihm( ihr) helfe der heilige Paulus, welcher würdig war, ein auserwähltes Gefäß zu sein. Der heilige, auserwählte Apostel Gottes, Johannes, welchem himmlische Geheimnisse sind geoffenbart worden, bitte für ihn( sie). Alle heiligen Apostel, denen der Herr die Macht ju binden und zu lösen anvertraut hat, sollen für ihn( sie) bitten. Alle Heiligen und Auserwählten Gottes, die für den Namen Christi in dieser Welt Martern ausgestanden haben, wollen seine( ihre) Fürbitte sein, damit er( sie), von den Banden des Fleisches befreit, zur Herrlichkeit des Himmelreiches zu gelangen verdiene. Das verleihe ihm ( ihr) unser Herr Jesus Christus, Der mit dem Vater und dem heiligen Geiste lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. Nach dem Verscheiden. Kommet zu Hilfe, ihr Heiligen Gottes, kommet entgegen, ihr Engel des Herrn! Nehmet seine( ihre) Seele auf, und bringet sie vor das Ungesicht des Allerhöchsten. Christus, Der dich berufen hat, nehme dich auf, und Seine Seele tragen dich in den Schooß Abrahams. 24* Handbüchlein für Kranke und Sterbende. Herr, erbarme Dich seiner( ihrer)! Christe, erbarme Dich seiner( ihrer)! Herr, erbarme Dich seiner( ihrer)! Vater unser u. f. w. 416 Herr, gib ihm( ihr) die ewige Ruhe; und das ewige Licht leuchte ihm( ihr). Von der Pforte der Hölle- rette ihn( ſie), o Herr! Laß ihn( sie) ruhen in Frieden. Amen. Herr! erhöre mein Gebet, und laß mein Geschrei zu Dir kommen. Gebet. Wir empfehlen Dir, o Herr! die Seele Deines Dieners( Deiner Dienerin), damit sie, weil sie nun von dieser Welt abgeschieden ist, Dir allein Tebe, und Du ihr die Sünden, die sie aus menschlicher Gebrechlichkeit in ihrem Lebenswandel begangen hat, aus Deiner unendlichen Güte und Barmherzigkeit verzeihest. Um dies bitten wir Dich, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Umen. Kirchliche Gebete bei der heiligen Messe für Verstorbene. ( Aus dem Missale.) Eingang. Herr! gib ihnen die ewige Ruhe, und das immerwährende Licht leuchte ihnen. ( Ps. 64.) Dir, o Gott, gebühret der Lobgesang in Sion: und Dir wird geopfert werden in Jerusalem. Erhöre mein Gebet; alles Fleisch( jeglicher Mensch) wird zu Dir kommen.- Herr! gib ihnen u. f. w. Collect. O Gott, allec Gliubigen Schöpfer und Erlöser, verleihe den Seelen Deiner Diener und Dienerinnen die Verzeihung aller Sünden, auf daß sie die gnädige Nachlaffung, welche sie allezeit gewünscht haben, durch fromme Fürbitte erlangen. Der Du lebest und regierest mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes, glei cher Gott in Ewigkeit. Umen. Epistel.( 1. Cor. 15.) Brüder, ich sage euch ein Geheimniß: Wir werden zwar Alle wieder auferstehen, aber wir werden nicht Alle verwandelt werden. Urplöglich wird es geschehen, zur Zeit der letzten Posaune; denn die Posaune wird er tönen, und die Todten werden unverweslich auferstehen, und wir werden verwandelt werden. Denn dies Verwesliche muß die Unverweslichkeit anziehen, und das Sterbliche die Unsterblichkeit. Alsdann wird das Wort vollzogen werden: Der 24** 418 Gebete für die Verstorbenen. Tod ist verschlungen in dem Sieg. Dank sei Gott, der uns den Sieg gegeben hat, durch unsern Herrn Jesum Christum. Gradual. Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, u. f. w. 2.( Pf. 111.) In ewigem Undenken wird der Gerechte sein: er wird nicht llebles zu hören fürchten. Erledige, o Herr, die Seelen aller Christgläubigen von allen Banden der Sünde, auf daß sie durch Mitwirkung Deiner Gnade dem Gerichte der Vergeltung entgehen, und der Seligkeit des ewigen Lichtes genießen mögen. Sequenz.( Dies irae.) - Tag des Zornes, Tag der Zähren,— Wird die Welt in Asche kehren, Wie Sibyll' und David leh: ren. Welch Entsetzen, welch Erbeben! Wird herab der Richter schweben, Alles strenge zu erheben! - - Hehr wird die Posaun' erschallen, Rufend durch der Gräber Hallen, Vor den Thron zu kommen Allen. Tod, Natur wird staunend sehen, Das Geschöpf hervor nun gehen, Vor dem Richter Red' zu stehen. Auch das Buch wird sich entfalten,- Worin Alles ist enthalten, D'raus das Urtheil zu gestalten. Wird nun das Gericht beginnen, Kommt an's Licht des Herzens Sinnen, Wird der Strafe nichts entrinnen. - - - - - - - - Was will dann ich Armer sagen, Wen soll ich als Gönner fragen, Wenn selbst die Gerechten zagen? König, hehr und furchtbar schaltend, Gnaden spender, zwanglos waltend,- Mich beleb' auch neu gestaltend. - Den für Denk des Weges voll Beschwerden, mich Du gingst auf Grden;-Laffe d'rum mir Gnade Gebete für die Verstorbenen. 419 Suchtest mich mit müden Schritten, Haft für mich am Kreuz gelitten;- Nicht umsonst sei so gestritten! werden. Richter der gerechten Sache! Deiner Huld mich theilhaft mache, Vor dem Tage Deiner Rache. Meine Schuld macht mich erbangen, Roth der Scham deckt meine Wangen; Laß mein Fleh'n zu Dir gelangen! Der Maria's Herz gewendet,- Und dem Räuber Heil gespendet, Mir auch süße Hoffnung sendet. Ist mein Fleh'n nicht Dir zur Ehre, gütig wehre, Gütigster! doch Daß nicht Flamme mich verzehre. Bei den Schafen, Deinen Knechten, Laß mich steh'n, nicht bei den Schlechten; Stelle mich zu Deiner Rechten. —- Wenn dann Flammen den VerEngel Deiner Schaar begegnen, Wolle mich mit dieser segnen! weg'nen, Vor Dir flehend ich mich neige Und zerknirscht im Staub mich beuge; Meinem Ende Huld erzeige! - Tag der Thränen nie gesehen, Da der Mensch wird auferstehen, Zum Gerichte schuldvoll gehen. Gott! verschon'; zur Gnad' sie weihe! Milder Jesu! Herr! verzeihe. Ihnen Fried' und Ruh' verleihe, Amen. - - Com 1 - - 1- - - - Evangelium( Joh. 5): Wahrlich, wahrlich, sag' Ich euch: es kommt die Stunde, und ist schon jetzt, da die Todten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden; und die sie hören werden, werden leben. Denn gleichwie der Bater das Leben in Sich Selber hat, also hat Er auch dem Sohne gegeben, das Leben in Sich Selbst zu haben; und hat ihm Macht gegeben, das Gericht zu halten, weil er des Menschen Sohn ist. Wundert euch dessen nicht; denn es kommt die 420 Gebete für die Verstorbenen. Stunde, da Alle, die in den Gräbera sind, die Stimme des Sohnes Gottes hören werden; und die Gutes gethan haben, werden hervorgehen zur Auferstehung des Lebens; die aber Böses gethan, zur Auferstehung des Gerichtes. Offertorium. Herr Jesu Christe, Du König der Glorie! erlöse die Seelen aller abgeftorbenen Christgläubigen aus den Peinen des Fegfeuers und aus der Tiefe der Grube; errette fie vom Rachen des Löwen, daß die Hölle sie nicht verschlinge; daß sie nicht in die Finsternisse fallen; sondern Dein Zeichenträger, der heilige Erzengel Michael, führe sie zum seligen Lichte, das Du ehemals dem Abraham verheißen haft und seinen Nachkommen. V. Herr! wir bringen Dir dies Lobopfer und Gebet dar, nimm es gnädig an für diejenigen Seelen, deren Gedächtniß wir heute halten. Laffe sie, o Herr! vom Tode zum ewigen Leben. U. eingehen. 2. Das Du ehemals dem Abraham. verheißen und seinen Nachkommen. - Nach der Communion. Das ewige Licht leuchte ihnen, o Herr! mit Deinen Heiligen in Ewigkeit, weil Du gütig bist. Leste Collect. Wir bitten Dich, o Herr! Du wollest unser demüthiges Gebet den Seelen Deiner Diener und Dienerinnen zu Nugen gedeihen lassen, auf daß Du selbe von allen Sünden erledigeft, und Deiner Erlösung theilhaftig machest. Der Du lebest und regierest u. s. w. V. Sie mögen ruben in Frieden.- U. Umen. Gebete für die Verstorbenen. 421 Andere kirchliche Gebete. Für verstorbene Aeltern. O Gott, der Du uns geboten haft, Vater und Mutter zu ehren, erbarme Dich gnädiglich der Seelen meines Vaters und meiner Mutter, verzeihe ihnen ihre Sünden, und verleihe mir, sie wieder zu sehen in der Freude der ewigen Klarheit. Durch unsern Herrn Jesum Christum u. ſ. m.*) Für Freunde, Geschwister, Gutthäter u. i. w. O Gott! Du Ausspender der Gnade und Liebhaber des menschlichen Heils! Wir bitten Deine Gütigkeit, Du wollest unsere Brüder, Unverwandten und Wohlthäter, die aus dieser Welt geschieden sind, durch die Fürbitte der seligsten Jungfrau Maria und aller Heiligen, zur Gemeinschaft der ewigen Seligkeit gelangen lassen. Durch unsern Herrn Jesum Christum u. s. w. Für einen fremden Verstorbenen. O Herr! neige Dein Ohr zu unserem Gebete, womit wir Deine Barmherzigkeit anflehen: daß Du die Seele Deines Dieners N., welchen Du aus dieser Welt abgerufen, in das Land des Frie*) Wem nur der Vater oder nur die Mutter gestorben ist, der erwähnt in diesem Gebete nur dieses Ginen. 422 Gebete für die Verstorbenen. dens und des Lichtes aufnehmen, und der Gemeinschaft Deiner Auserwählten theilhaft machen wollest. Durch unsern Herrn Jesum Christum u. f. w. Für eine fremde Verstorbene. O Herr! wir bitten Deine Gütigkeit, erbarme Dich der Seele Deiner Dienerin N., und wolle fie, die von der Sterblichkeit erledigt ist, in den Antheil der ewigen Seligkeit einsehen. Durch unfern Herrn Jesum Christum u. f. w. Für einen Priester. Wir bitten Dich, o Herr! verleihe, daß die Seele des Priesters N., Deines Dieners, welchen Du im irdischen Leben mit heiliger Würde geziert hast, auf dem Siße der himmlischen Glorie ewig sich erfreue. Durch unsern Herrn Jesum Christum u. s. w. Für mehrere Verstorbene. Wir bitten Dich, o Herr! Du wollest den Seelen Deiner Diener und Dienerinnen ewige Barmherzigkeit erzeigen, damit es ihnen zum ewigen Heile gereiche, daß sie auf Dich gehofft, und an Dich geglaubt haben. Durch unsern Herrn Jesum Christum u. s. w. Kirchengebete und Lieder. Aller Heiligen Litanei, sammt den dazu gehörigen Gebeten. Herr erbarme Dich unser!- Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christe, höre uns!- Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme Dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme Dich unser! Heilige Maria, Heilige Gottesgebärerin, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Heiliger Michael, Heiliger Gabriel, Heiliger Raphael, Alle heiligen Engel und Erzengel, Alle heiligen Chöre der seligen Geister, Heiliger Johannes der Täufer, Heiliger Josef, Alle heil. Patriarchen und Propheten, Heil. Petrus, Heil. Paulus, Heil. Andreas, Heil. Jakobus, Heil. Johannes, Heil. Thomas, Heil. Jacobus, Heil. Philippus, Bitte für uns. Heil. Bartholomäus, Heil. Matthäus, Heil. Simon, Heil. Thaddäus, Heil. Mathias, Heil. Barnabas, Heil. Lucas, Heil. Marcus, 24** bitte,( bittet) für uns. 424 Aller Heiligen Litanei und Gebete. Alle heiligen Avostel und Evangelisten, Alle heiligen Jünger des Herrn, Alle heiligen unschuldigen Kinder, Heiliger Stephanus, Heiliger Laurentius, Hiliger Vincentius, Heiliger Fabianus und Sebastianus, Heiliger Johannes und Paulus, Heiliger Cosmas und Damianus, Heiliger Gervasius und Protafius, Alle heiligen Martyrer, Heiliger Silvester, Heiliger Gregorius, Heiliger Ambrofius, Heiliger Augustinus, Heiliger Hieronymus, Heiliger Martinus, Heiliger Nikolaus, Alle heiligen Bischöfe und Beichtiger, Alle heiligen Lehrer, Heiliger Antonius, Heiliger Benedictus, Heiliger Bernardus, Heiliger Dominicus, Heiliger Franciscus, Alle heiligen Priester und Leviten, Alle heiligen Mönche und Einsiedler, Heilige Maria Magdalena, Heilige Agathe, Heilige Lucia, Heilige Agnes, Heilige Gäcilia, Heilige Katharina, Heilige Anastasia, Alle heiligen Jungfrauen und Witwen, Alle Heiligen Gottes, Sei uns gnädig, verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig, erhöre uns, Herr! 8 bitte( bittet) für uns! Aller Heiligen Litanei und Gebete. 425 Von allem Uebel erlöse uns, o Herr! Von aller Sünde, Von Deinem Zorne, Vom jähen und uvorhergesehenen Tode, Von den Nachstellungen des Teufels, Von Zorn, Haß und allem bösen Willen, Von dem Geifte der Unlauterkeit, Von Blig und Ungewitter, Von Best, Hunger und Krieg, Von dem ewigen Tode, Durch das Geheimniß Deiner heil. Menschwerdung, Durch Deine Ankunft, Durch Deine Geburt, Durch Deine Taufe und heilige Fasten, Durch Dein Kreuz und Dein Leiden, Durch Deinen Tod und Dein Begräbniß, Durch Deine heilige Auferstehung, Durch Deine wunderbarliche Auffahrt, Durch die Ankunft des heil. Geistes, des Trösters, Am Tage des Gerichtes, Bir armen Sünder, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du unser verschonest, Daß Du uns verzeihest, Daß Du uns zur wahren Buße bringen wollest, Daß Du Deine heilige Kirche regieren und erhalten wollest, Daß Du den apostolischen obersten Hirten und alle Stände der Kirche in Deiner heiligsten Religion erhalten wollest, Daß Du die Feinde der h. Kirche demüthigen wollest, Daß Du den christlichen Königen und Fürsten Frieden und wahre Einigkeit geben wollest, Daß Du dem christlichen Volke Frieden und Einigkeit verleihen wollest, Daß Du uns selbst in deinem heiligen Dienste erhalten wollest, Daß Da unsere Gemüther zu himmlischen Begierten erhebest, erlöse uns, o Herr! wir bitten Dich, erhöre uns! 426 Aller Heiligen Litauei und Gebete. Daß Du alle unsere Gutthäter mit den ewigen Gütern belohnest, wir bitten Dich, erhöre uns! Das Du unsere und unserer Brüder, Freunde und Gutthäter Seelen von der ewigen Verdammniß erledigest, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du die Früchte der Erde geben und erhalten wollest, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du allen abgestorbenen Chriftgläubigen die ewige Ruhe verleihen wollest, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du uns erhören wollest, wir bitten Dich, erhöre uns! O Du Lamm Gottes, welches Du hinnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, u. s. w. Erhöre uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, u. s. w. Erbarme Dich unser! v Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Herr, erbarme Dich unser! Christe erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Vater unser ic. Pfalm. 69. O Gott! merk' auf meine Hilfe. Serr! eile mir zu helfen. Schamroth und zu Schanden sollen werden, die meiner Seele nachstellen. Sie sollen zurückweichen und in Schanden stehen, die mir Mebles wollen. Sie sollen bald schamroth abtreten, die mir sagen: da, da! recht auf ihn.- Aber Alle, die Dich suchen, sollen frohlocken und sich in Dir erfreuen; und die Dein Heil lieben, sollen immerdar sagen: Hochgelobet sei der Herr! Ich aber bin beDenn Du dürftig und arm; o Gott! stehe mir bei. bist mein Helfer und Erlöser! O Herr! verweile nicht zu lang. 11 - Chre sei dem Vater und dem Sohne, und dem heiligen Geiste.- Wie es war vom Anbeginne, jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen. Priester. Mache selig Deine Diener.- Volk. Die auf Dich hoffen, mein Gott! P. Sei uns, Herr! ein starker Thurm.- V. Wider unsere Feinde. Aller Heiligen Litanei und Gebete. 427 P. Lasse den Widersacher nichts vermögen wider V. Und der Böse schade uns nicht. uns! P. Herr! handle nicht mit uns nach unsern SünV. Und vergelte uns nicht nach unsern Uebel- den. thaten. P. Lasset uns beten für unsern obersten Hirten N. V. Der Herr erhalte ihn, mache ihn lebendig und felig auf Erden; und übergebe ihn nicht in die Hände seiner Feinde. P. Lasset uns beten für unsere Wohlthäter. B. O Herr! Du wollest allen unsern Wohlthätern, um Deines Namens willen, das ewige Leben geben. P. Lasset uns beten für alle abgestorbenen Christe gläubigen. V. Herr! gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. P. Laffe sie ruhen in Frieden. V. Amen. P. Lasset uns auch beten für unsere abwesenden Brüder. V. O mein Gott! mache Deine Diener selig, die auf Dich hoffen. P. O Herr! sende ihnen Hilfe von den Heiligen. V. Und von Sion beschüße fie. P. Herr! erhöre mein Gebet.- V. Und lasse mein Geschrei zu Dir kommen. -- - Gebet. O Gott! dem das Erbarmen und Schonen immer eigen ist, nimm an unser flehentliches Gebet! damit uns und alle Deine Diener, die wir mit Ketten der Sünde stark gebunden sind, die Erbarmung Deiner Gütigkeit gnädig auflöse. Wir bitten Dich, o Herr! erhöre unser demüthiges Gebet, und verschone uns, die wir unsere Sünden bekennen, damit wir zugleich Verzeihung und den Frieden nach Deiner Güte erlangen. Herr! erzeige uns gnädig Deine unaussprechliche Barmherzigkeit, burch welche wir zugleich von 423 Aller Heiligen Litanei und Gebete. allen Sünden befreiet, und von der Strafe, die wir für solche verdienen, errettet werden. O Gott! der Du durch die Sünde beleidigt, und durch die Buße versöhnt wirst, fieh' gnädig auf das Gebet Deines demüthigen Volkes, und wende ab die Geißel Deines Grimmes, welche wir für unsere Sünden verdienen. Allmächtiger, ewiger Gott! erbarme Dich Deines Dieners N., unsers obersten Hirten, Deines Statthalters auf Erden, und leite ihn nach Deiner Milde auf dem Wege des ewigen Heils, damit er, durch Deine Hilfe, was Dir gefällig, begehre und kräftig vollbringe. O Gott! von welchem die heiligen Begierden, guten Anschläge und gerechten Werke entspringen, gib Deinen Dienern einen solchen Frieden, welchen die Welt nicht geben kann; auf daß unsere Herzen Deinen Geboten ergeben, und gegenwärtige Zeiten, durch Deinen Schuß, vor des Feindes Furcht versichert und friedsam seien. D Herr! entzünde unsere Nieren und Herzen mit dem Feuer Deines Geistes; auf daß wir Dir mit keuschem Leibe dienen und mit reinem Herzen gefallen mögen. O Gott! Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen, verleihe den Seelen Deiner Diener und Dienerinnen Verzeihung aller Sünden, auf daß sie die gnädige Nachlaffung, welche sie allezeit gewünschet, durch die gottfe lige Fürbitte erlangen. O Herr! wir bitten, Du wollest unserm Thun und Lassen mit Deiner Gnade vorkommen, und selbe durch Deine Hilfe fortseßen, damit alle unsere Gebete und Werke von Dir zu jeder Zeit anfangen, und durch Dich angefangen, also auch durch Dich geendigt werden. Allmächtiger, ewiger Gott! der D1 über die Lebendigen und die Todten herrschest, und Dich Aller erbarmest, welche Du aus dem Glauben und Werken für die Deinen erkennest! wir bitten Dich demüthiglich, Aller Heiligen Litanei und Gebete. 429 daß die, für welche wir uns vorgenommen, unser Sebet zu verrichten, die entweder noch in dieser Welt im Leben, oder schon von ihr geschieden sind, durch die Fürbitte aller Deiner Heiligen nach Deiner Gütigkeit, Verzeihung aller ihrer Sünden erlangen mögen. Durch unsern Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn, der mit Dir lebet und regicret in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebet für den Landesfürsten. O Gott! Du Beschützer aller Reiche, und besonders des christlichen Kaiserthums, verleihe Deinem Diener, unserm Kaiser N., daß er Deine Macht, durch welche er steget, erkenne und verehre, damit er durch Deinen Schuß allezeit mächtig sei; durch unsern Herrn Jefum Christum, Deinen Sohn, Der mit Dir lebet und regieret in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebet für das allgemeine Anliegen der ganzen Christenheit. Allmächtiger, ewiger Gott, Herr, himmlischer Vater! siehe an mit den Augen Deiner endlosen Barmherzigkeit unsern Jammer, Elend und Noth, erbarme Dich über alle Christgläubigen, für welche Dein eingeborner Sohn unser Herr und Heiland, Jesus Christus, Sich in die Hände der Sünder freiwillig überliefert, und auch Sein kostbares Blut am Stamme des heiligen Kreuzes vergossen hat. Durch diesen Herrn Jesum wende ab, gnädigster Vater! die wohlverdiente Strafe, gegenwärtige und zukünftige Fährlichkeiten, schädliche Empörung, Kriegsrüstung, Theuerung, Krankheiten und betrübte armselige Zeiten. Erleuchte auch und stärke in allem Guten geistliche und weltliche Obrigkeiten und Regenten, damit sie alles befördern, was zu Deiner göttlichen Ehre, zu unserm Heil, zum gemeinen Frieden und 430 Lauretanische Litanei und Gebete. zur Wohlfahrt der Christenheit gedeihen mag. Verleihe uns, o Gott des Friedens! rechte Vereinigung im Glauben, ohne alle Spaltung und Zertrennung. Betehre unsere Herzen zu wahrer Buße und Besserung unsers Lebens. Zünde in uns das Feuer Deiner Liebe an. Gib uns ein eifriges Verlangen nach Allem, was recht ist, damit wir als gehorsame Kinder im Leben und Sterben Dir angenehm und wohlgefällig seien. Wir bitten auch, wie Du willst, o Gott! daß wir bitten sollen, für unsere Freunde und Feinde, für Gesunde und Kranke, für alle betrübten und leidenden Christen, für Lebende und Abgestorbene. Dir sei einmal auf immer empfohlen, o Herr! all' unser Thun und Lassen, unser Handel und Wandel, unser Leben und Sterben. Laß uns nur Deine Gnade hier genießen und dort mit allen Auserwählten erlangen, daß wir in ewiger Freude und Seligkeit Dich loben und ehren mögen. Das verleihe uns, o Herr! himmlischer Vater, durch Jesum Christum, Deinen lieben Sohn, unsern Herrn und Heiland, welcher mit Dir und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebt und regieret in Ewigkeit. Amen. Für die allgemeinen Bedürfnisse: fünf Vater unser! fünf Ge grüßet seist Du, Maria! und den Glauben. Lauretanische Litanei sammt den dazu gehörigen Gebeten. Herr, e err, erbarme Dich unser!- Christe, erbarme Dich unser!- Heir, erbarme Dich unser! Christe, höre uns! Christe! erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme Dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme Dich unser! Lauretanische Litanei und Gebete. 431 Heilige Maria, Heilige Gottesgebärerin, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Mutter Christi, Mutter der göttlichen Gnaden, Allerreinste Mutter, Allerkeuschefte Mutter, Du ungeschwächte Mutter, Du unbefleckte Mutter, Du liebliche Mutter, Du wunderbarliche Mutter, Du Mutter unsers Schöpfers, Du Mutter unsers Erlösers, Du allerweiseste Jungfrau, Du ehrwürdige Jungfrau, Du lobwürdige Jungfrau, Du mächtige Jungfrau, Du gütige Jungfrau, Du getreue Jungfrau, Du Spiegel der Gerechtigkeit, Du Siß der Weisheit, Du Ursache des Heils, Du geistliches Gefäß, Du ehrwürdiges Gefäß, Du vortreffliches Gefäß der Andacht, Du geistliche Rose, Du Thurm Davids, Du elfenbeinener Thurm, Du goldenes Haus, Du Arche des Buntes, Du Pforte des Himmels, Du Morgenstern, Du Heil der Kranken, Du Zuflucht der Sünder, Du Trösterin der Betrübten, Du Hilfe der Christen, Du Königin der Engel, Du Königin der Patriarchen, bitt" für uns! 432 Lauretanische Litanei und Gebete. Du Königin der Propheten, Du Königin der Apostel, Du Königin der Märtyrer, Du Königin der Beichtiger, bitt' für uns, Du Königin der Jungfrauen, Du Königin aller Heiligen, O Du Lamm Gottes, u. s. w. Verschone uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, u. s. w. Erhöre uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, u. s. w. Erbarme Dich unser, o Herr! Vater unser. Gegrüßet seist Du, Maria! Unter Deinen Schuß und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin! verschmähe nicht unser Ges bet in unsern Nöthen, sondern erlöse uns jeder Zeit vor aller Gefährlichkeit. D Du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau! unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin! versöhne uns mit Deinem Sohne, empfiehl uns Deinem Sohne, stelle uns Deinem Sohne vor! Priester. Bitt' für uns, o heilige Gottesgebärerin! Volk. Damit wir theilhaft werden der VerheiBungen Christi. P. Wir bitten Dich, o Herr! Du wollest Deine Gnade in unsere Herzen eingießen: damit wir, die wir durch die Botschaft des Engels, Christi, Deines Sohnes, Menschwerdung erkannt haben, durch Sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit und Glorie der Auferstehung geführet werden. Durch Denselben Christum, unsern Herrn. Amen. V. Damit P. Bitte für uns, o heiliger Joseph! wir theilhaft werden der Verheißungen Christi. P. Wir bitten Dich, o Herr! daß uns durch die Verdienste des Bräutigams Deiner heiligsten Gebärerin geholfen werde, damit, was unser Vermögen nicht erhalten kann, uns durch Seine Fürbitte geschenkt werde. Der Du lebest und regierest mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Die drei göttlichen Tugenden. 433 Salve Regina. Gegrüßet seist Du Königin! Mutter der Barmherzigkeit, des Lebens Süßigkeit, und unsere Hoffnung, sei gegrüßet! 3u dir schreien wir elende Kinder Eva's, zu Dir seufzen wir Trauernde und Weinende in diesem Thale der Zähren. Eja! unsere Fürsprecherin! wende Deine barmherzigen Augen zu uns, und nach diesem Elende zeige uns Jesum, die gebenedeite Frucht Deines Leibes, o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria! P. Bitte für uns, o heilige Gottesgebärerin! V. Auf daß wir theilhaft werden der Verheißungen Christi. Allmächtiger, ewiger Gott! Der Du den Leib und die Seele der heiligen Jungfrau und Mutter Maria zu einer würdigen Wohnung Deines Sohnes, durch Mitwirkung des heiligen Geistes vorbereitet hast, gib daß wir, die wir uns ihrer Gedächtniß erfreuen, durch Ihre milde Fürbitte von den bevorstehenden Uebeln und von dem ewigen Tode befreiet werden. Durch Denselben Christum, unsern Herrn. Amén. Hierauf wird noch gebetet: Das Gebet für den Landesfürsten, das Gebet für das allgemeine Anliegen der ganzen Christenheit, fünf Vater unser, fünf Gegrüßet seist Du, Mariá! und der Glaube, für die allgemeinen Bedürfnisſe. Die drei göttlichen Tugenden. Glaube, Hoffnung und Liebe. An den Quatember- Sonntagen und vor dem ausgesetzten hochwürdigsten Altarssacramente. Ich glaube an Dich, wahrer dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! Der Du alles erschaffen hast, Der Du alles erhältst und regiereft, Der Du das Gute belohneft, und das Böse bestrafeft. Ich glaube, daß der Sohn Gottes Mensch geworden ist, 25 434 Die drei göttlichen Tugenden. um uns durch Seinen Tod am Kreuze zu erlösen, und daß der heilige Geist durch Seine Gnade uns heiligt. Ich glaube und bekenne Alles, was Du, o Gott, geoffenbaret haft, was Jesus Christus gelehret hat, was die Apostel geprediget haben, und was die heilige römische, fatholische Kirche uns zu glauben vorstellt. Dieses Alles glaube ich, weil Du, o Gott! die ewige Wahrheit und unendliche Weisheit bist, Welche weder betrügen, noch betrogen werden kann. O Gott! vermehre meinen Glauben. Ich hoffe und vertraue auf Deine unendliche Güte und Barmherzigkeit, o Gott! daß du mir durch die unendlichen Verdienste Deines eingebornen Sohnes Jesu Christi, in diesem Leben die Erkenntniß meiner Sünden, wahre Reue und Verzeihung ertheilen, nach dem Tode aber die ewige Seligkeit geben und verleihen wirst, Dich von Angesicht zu Angesicht zu sehen, zu lieben und ohne Ende zu genießen. Ich hoffe auch von Dir die nöthigen Mittel, dieses Alles zu erlangen. Ich hoffe es von Dir, weil Du es versprochen hast, Der Du allmächtig, getreu, unendlich gütig und barmherzig bist. O Gott! stärke meine Hoffnung. O mein Gott! ich liebe Dich aus meinem ganzen Herzen über Alles, weil Du das höchste Gut, weil Du unendlich vollkommen und aller Liebe würdig bist! Auch darum liebe ich Dich, weil Du gegen mich und alle Geschöpfe höchst gütig bist. Ich wünsche von ganzem Herzen, daß ich Dich eben so lieben möchte, wie Dich Deine treuesten Diener lieben und geliebt haben. Mit ihrer Liebe vereinige ich meine unvollkommene Liebe. Vermehre sie in mir, o gütigster Herr! immer mehr und mehr. Weil ich nun Dich aufrichtig und innig zu lieben wünsche, und es zu thun mich ernstlich bestrebe, so ist es mir vom Herzen leid, daß ich Dich, mein höchstes Gut, welches ich über Alles liebe, Dich meinen Schöpfer, Erlöser und Heiligmacher, erzürnt habe. Es schmerzt mich, daß ich gesündigt, daß ich Andacht des Rosenkranzes. 435 Dich meinen allmächtigen Herrn, meinen besten Vater, beleidiget habe. Ich nehme mir ernstlich vor, alle Sünden sammt allen bösen Gelegenheiten zu meiden, die begangenen Missethaten mehr und mehr zu bereuen, und niemals gegen Deinen heiligsten Willen zu handeln. Nimm mich wieder zu Deinem Kinde auf und gib mir die Gnade zur Erfüllung dieses meines Vorsatzes. Darum bitte ich Dich durch die unendlichen Verdienste Deines göttlichen Sohnes, unsers Herrn und Erlösers, Jesu Christi. Andacht des Rosenkranzes. Gebet vor dem Rosenkranze der heiligsten Dreieinigkeit. Gott Vater im Himmel! erbarme Dich unser. Gott Sohn, Erlöser der Welt! erbarme Dich unser. Gott heiliger Geist! erbarme Dich unser. Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott! erbarme Dich unser. unaussprechlicher Gott, Allmächtiger, ewiger, Vater, Sohn und heiliger Geist, Du unzertheilte Dreifaltigkeit, höchster Herr des Himmels und der Erde, vor dem alle Cherubim und Seraphim, so alle Mächte der Engel mit Furcht und Zittern stehen; wenn wir bedenken Deine göttliche Herrlichkeit und unsere Nichtigkeit, so erschrecken wir billig. Denn, o mein Gott! was sind wir doch anders, als zum Bösen geneigte Geschöpfe? Und wir sollten Dich, den König aller Könige, den ewigen Gott, das höchste Gut anreden, und mit allen Engeln anbeten? Wir fallen demnach nieder vor Dir, als arme Sünder vor ihrem Richter, als schuldige Unterthanen vor ihrem Fürsten ja als Staub und Asche vor ihrem Erschaffer. Sieh" an die Herzen Deiner Diener und Dienerinnen, mit welchen sie Dich auf Erden so loben und preisen möch25* 436 Andacht des Rosenkranzes. ten, wie es alle Engel und Heiligen im Himmel thun. Du aber, o seligste Jungfrau und Mutter Gottes, Maria! sammt allen Heiligen Gottes, helfet uns unfern großen Gott und Herrn anbeten, auf daß wir auch einmal, in Eurer Gesellschaft, Seiner Herrlichkeit und der Frenden in dem Himmel theilhaft werden. Amen. Lasset uns loben den Vater und den Sohn mit dem heiligen Geiste! Lasset uns Ihn loben und erhöhen zu allen Zeiten! Allmächtiger, ewiger Gott! Der Du Deinen Die nern die Gnade gegeben hast, durch das Licht des wahren Glaubens die Herrlichkeit der ewigen Dreieinigkeit zu erkennen, und in Derselben die Einheit Deiner höchsten Natur anzubeten; gib, daß wir durch feste Anhänglichkeit an diesen Glauben in allen Widerwärtigkeiten jeder Zeit gestärkt werden. Erbarme Dich auch, allerheiligste Dreieinigkeit! Deines Dieners, unsers Kaisers, der ganzen katholischen Kirche und aller Deiner Diener und Dienerinnen. Erhöre sie in ihren Anliegen, verzeih' ihnen alle ihre Sünden, strecke Deinen göttlichen Arm aus, sie zu beschüßen und selig zu machen. Durch unsern Herrn Jesum Christum, Deinen eingebornen Sohn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Geheimnisse des Rosenkranzes. Die fünf Frendenreichen. 1. Den Du, o Jungfrau! vom heiligen Geiste empfangen haft. 2. Den Du, o Jungfrau! zu Elisabeth getragen hast. 3. Den Du, o Jungfrau! geboren hast. 4. Den Du, o Jungfrau! im Tempel aufgeopfert haft. 5. Den Du, o Jungfrau! im Tempel gefunden hast. Andacht des Rosenkranzes. Die fünf Schmerzhaften. 1. Der für uns Blut geschwitzt hat. 2. Der für uns gegeißelt worden ist. 3. Der für uns mit Dörnern gekrönt worden ist. 4. Der für uns das Kreuz getragen hat. 5. Der für uns gefreuzigt worden ist. Die fünf Glorreichen. 1. Der von den Todten auferstanden ist. 2. Der in den Himmel aufgefahren ist. 3. Der den heiligen Geist gesandt hat. 4. Der Dich, o Jungfrau! in den Himmel aufgenommen hat. 5. Ter Dich, o Jungfrau! im Himmel gekrönet hat. Gebet nach dem Rosenkranze. 437 O Gott! Der Du unsere Zuflucht und Stärke bist, höre gnädig an das gottselige Bitten und Flehen Deiner Kirche, Du, Der Du sie diese Andacht zu halten angetrieben hast, und verleihe uns durch Deine Barmherzigkeit, daß wir dasjenige erlangen, um was wir Dich mit einem lebendigen Glauben bitten. Durch unsern Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn, Welcher mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Mekgesang. Zum Introitus. Wir werfen uns darnieder- Vor Dir, Gott 1. Sabaoth! Erhöre unsere Lieder,- Da wir, nach dem Gebot,- Dir dieses Opfer bringen. Verleihe nun, daß wir- Ge andachtsvoll besingen,- Und wohlgefallen Dir! - - - Lieder. 2. Den Tag vor Jesu Leiden,- Beim letzten Abendmahl, Indem Er wollte scheiden- Aus diesem Jammerthal,- Hat Er das Brot gebrochen- Und ausgetheilt den Wein, Gesegnet und gesprochen: thut und denket Mein. Dies - - 1 3. Er sprach: Nehmt hin und esset,- Das ist Mein Fleisch und Blut, Damit ihr nicht vergesset, Was Meine Liebe thut;- Mich opfernd, will Ich Wer an sterben, Am Krenz zum Heil für euch; Mich glaubt, soll erben Mit Mir das Himmelreich. - - - 1 4. O Herr, dies Opfer steige- Zu Dir mit Wohlgeruch, 3ut Damit Dein Herz sich. neige Deines Volks Gesuch.- Wir opfern nicht mehr Kälber, Wie Aaron hat gethan; Nein, Jesum Christum Selber, Der uns versöhnen kann. Meßgesänge. Zum Gloria. 1. Gott Vater, Dir gehöret- Lob, Ruhm und Was uns're Ruhe störet, Ge= Dank' und Ehr'; statte nimmermehr. Auf Erden laff' uns grünen Den Frieden jederzeit,- Daß wir Dir fröhlich dienen Von Furcht und Angst befreit. 2. Der Du der Menschen Sünden Gebüßt am Kreuzesstamm, Lass' uns Erbarmung finden, Jesu, Gotteslamm! Gelobt mit Mund und Herzen Sei'st Du, Gott heil'ger Geist!- Der Du in Angst und Schmerzen- Den Frommen Trost verleih'st. - - - - - Zum Evangelium. - 1. Aus Gottes Munde gehet- Das Evangelium;- Auf diesem Grunde stehet- Das wahre Christenthum. Gott Selber hat's gelehret,- Der nicht betrügen fann; Wohl dem, der's gerne höret,- Und es nimmt willig an. 2. Dein Wort zeigt uns die Wege- 3um Himmelreiche an; Es weiset uns die Stege, Zu gehen Herr, drücke Deine Worte, diese Bahn. die Herzen ein, fommen würdig sei'n. Tief in Daß wir zur Himmelspforte- 3u - - - Zum Credo. 1. Wir glauben und bekennen, Daß aus höchst weisem Rath, Gott, Den wir Vater nennen, Die Welt erschaffen hat. Von Ihm ist ausgegangen Sein Sohn, der Jesus heißt; Er ward als Mensch empfangen- Durch Gott, den heil'gen Geist. - 439 - - - 13 2. Maria hat geboren Als Jungfrau dieses Kind,- Sonst wären wir verloren, Wir, die wir Sünder sind. Er litt an Leib und Seele, Schloß sterbend Seinen Lauf,- Srand aus des Grabes Höhle Am dritten Tage auf. - Meßgesauge. 3. Er ward hinauf genommen Zu Gottes rechter Hand,- Wann Er wird wieder kommen, Ist uns zwar nicht bekannt; Doch kommt er einst, zu rächen, Und wird von seinem Thron Ein billig Urtheil sprechen,- 3ur Strafe und zum Lohn. 440 - - 4. Wir glauben nicht alleine,- Daß eine Kirche Wir stimmen der Gemeine Der Heiligen ſei, auch bei. Die Sünde wird vergeben- Durch Christi Diener hier; Der Leib steht auf zum Leben, Geht ein zur Himmelsthür. - - - Zum Offertorium. 1. Herr! laß doch diese Gaben- Dir wohlgefällig ſein, Die wir geopfert haben. Es ist zwar Brot und Wein; In Doch wird's verwandelt werden. Christi Fleisch und Blut;- Dies ist uns hier auf Erden Und den Versterb'nen gut. 11 - - - 2. Wir opfern Dir den Willen, Herz und Gedanken auf! Hilf uns, daß wir erfüllen- In diesem Lebenslauf, Was Du uns, Deinen Kindern, 3u thun befohlen hast. Nimm weg, was uns fann hindern,- Nimm weg die Sündenlast. - - - 3. Wir legen Dir zu Füßen- Auch unser Hab' und Gut, Und was wir hier genießen, Das Leben, Leib und Blut. Gib uns bald kühlen Regen, Bald warmen Sonnenschein, Und laß durch Deinen Segen Die Felder fruchtbar sein. - - - Zum Sanctus. - 1. Laßt uns gen Himmel schwingen Zum Helfer in der Noth,- Und dreimal Heilig fingen- Dem Herrn Gott Sabaoth. Herr! Himmel und auch Erde Sind voll von Deinem Ruhm.- Hilf! daß bekehret werde- Das blinde Heidenthum. - Meßgefänge. 441 2. Daß wir hernach zusammen- Dir uns're Herzen weih'n, Und, voll von Liebesflammen, ein Hosanna schrei'n. Dir Herr, der in Deinem Namen Kommt, sei gebenedeit! Die Engel sagen: Amen. Jetzt und in Ewigkeit. - Nach der Wandlung. 1. Hier bet' ich auf den Knieen,- Verborg'ner Gott, Dich an, Ich will mich nicht bemühen, Das, was Du hier gethan, Durch Sinne zu begreifen;- Dein Wort muß mir allein, Um hier nicht auszuschweisen, Der Grund des Glaubens sein. - - -- 2. Die Gottheit war bedecket Allein am Kreuzaltar;- Hier aber ist verstecket- Die Menschheit auch fogar. Dies Denkmal Deiner Güte, Dies wahre Himmelsbro Erinnert mein Gemüthe,- O Herr! an Deinten Tod. - - Jesu, 3. Wasch' mich von meinen Sünden durch Dein Blut; Und laß mich Gnade finden, Du allerhöchstes Gut!- Laß bald den Vorhang fallen, Erschein' im vollen Licht,- Und zeige mir und AlDein glänzend Angesicht. len - - - - Zum Agnus Dei. 1. Erfreut euch, fromme Seelen! ist gescheh'n. Ein Wunder Der Herr will Sich verhehlen; Kein Auge fann Ihn seh'n.- In Brots- und Weinsgestalten Ist Jesu Fleisch und Blut Auf dem Altar enthalten,- Dies größte Seelengut. - - - - - 11 2. Verdeckt ist hier zu finden Das wahre Gotteslamm, So aller Menschen Sünden Getilgt am Kreuzesstamm. Es ist der Seelen Speise, Wie uns der Glaube lehrt, Es nährt uns auf der Reise, - Und wird doch nicht verzehrt. - - Meßgesänge. Recht wohl bereit' genießen, 3. Wenn wir das Leben schließen, Himmelsbrot kann der bitt're Tod Uns Christen nicht erschrecken; Es ist ein Unterpfand,- Daß Gott uns wird bedecken- Mit Seiner starken Hand. - 442 - - - 4. Herr Jesu, Deiner Liebe- Sei Ehre, Lob und Dank!- Weil Du nach ihrem Triebe, Zur Speise und zum Trank Dein Fleisch und Blut gegeben, -In Brotsgestalt verhüllt, Daraus für uns das Leben Und reine Freude quillt. - - - - Wann 5. Entzünd' in uns Verlangen- Nach diesem Sacrament! Herr! laß Gs uns empfangen, sich die Seele trennt. Von allen Sünden rein, Und ewig bei Dir sein. - - - - - Und dieses So Zum Segen des Priesters. 1. Da wir nunmehr gehöret Die Messe, wie man soll, So sei auch, Gott! geehret! uns segensvoll! O mach Was Und laß es Dir gefallen, wir allhier gethan;- O bleibe bei uns allen, sind wir wohl daran. So - Laß uns in Frieden fahren ,Zu Deinen Engelschaaren, - 2. Gott! wolle uns behüten,- Daß uns an dies sem Tag Des bösen Feindes Wüthen- Nicht schädlich werden mag! Olaß uns ohne Sünden- Ginst stehen vor Gericht, Damit wir Gnade finden- Vor Deinem Angesicht. - - Bum Segen mit dem hochwürdigsten Gute. 1. Segne, Jesu! Deine Heerde,- Welche Dir Nur zu Füßen fällt, Und die Güter dieser Erde von Deiner Gnad' erhält.- Herr! Dein theures Fleisch - Meßgefänge. 443 und Blut- Ist das größte Seelengut,- Welches würdig zu empfangen- Wahre Christen stets verlangen. 2. Den die Brotsgestalt verdecket,- Der Du unser Heiland bist,- Den die Liebe hier verstecket,- Gib uns Segen, Jesu Christ! Mach' verstockte Herzen Stärk' uns weich, Und an wahrer Tugend reich, auch mit dieser Speise Endlich zu der Himmelsreise. 3. Der Du haft für uns gelitten, Uns von Sünden machtest frei, Ach gewähre, was wir bitten, Segne Herr! und steh' uns bei, Daß wir in der Todeszeit, In dem allerschwersten Streit, Alle Feinde überwinden, Unddurch Dich das Leben finden. - - - - - - 3 weiter Mekgesang. - Zum Kyrie. 1. Hier liegt vor Deiner Majestät- Im Staub' die Christenschar,- Das Herz zu Dir, o Gott! erhöht, Schenk' uns, o Vater! Vergib uns unsre Sündenschuld, Die Augen zum Altar. Deine Huld; O Gott, von Deinem Angesicht Sünder nicht! Verstoß' uns arme - pfung untecthan; Stärk', - - - - 2, Wir haben, Herr! Dein Gut verschwend't, Wie der verlorne Sohn;- Die Sünde hat uns so verblend't, Doch schau von Deinem Thron Mitleidig her auf unsern Schmerz,- Verwirf nicht ein zerknirschtes Herz; Entzieh' die Vaterhuld uns nicht, Und sende uns Dein Gnadenlicht! - - 1 3. Wir sind ja Deiner Hände Werk,- Der SchöO! gib uns Schwachen Kraft und Sieh' uns in Gnaden an!- Hier bringen - wir auf dem Altar- Dir ein Versöhnungsopfer dar. - 444 Meßgefänge. O Gott, der Werth des Blut's ist groß,- Das einst Dein Sohn für uns vergoß. Zum Gloria. 1. Gott soll gepriesen werden,- Sein Nam' gebenedeit, Im Himmel und auf Erden, Jetzt und in Ewigkeit! Lob, Ruhm und Dank und Ehre, Sei der Dreieinigkeit!- Die ganze Welt vermehre, Gott! Deine Herrlichkeit! - Zum Evangelium. 1. Aus Gottes Munde gehet- Das Evangelium: Auf diesem Grunde stehet- Das wahre Christenthum. Gott Selbst ist's, Der's uns lehret, Der Weisund Wahrheit ist; Der Seine Lehren höret, Wie glücklich ist der Chrift! - - - Zum Credo. 1. Allmächtiger! vor Dir im Staube- Bekennt Dich Deine Creatur!- O Gott und Vater! ja ich glaube An Dich, Du Schöpfer der Natur!- Auch an den Sohn, Der ausgegangen.- Von Dir geboren ewig war,-Den, von dem heil'gen Geist empfangen,- Die reinste Jungfrau uns gebar. - 2. Und Jesus Christus ist gekommen, Daß Er versöhne uns mit Gott; Er hat die Schuld auf Sich genommen, Und litt für uns den Kreuzestod;- Er starb, besiegte Tod und Hölle, Fuhr zu des Vaters Rechten auf, Und wird als Richter jeder Seele, inst prüfen unsern Lebenslauf. - - - - - - :- 3. Ich glaube, Gottes Geist regieret Die wahre Kirch' und Christenheit; Ein büßend Schaf, das sich verirret, Flieht hin zu der Barmherzigkeit. Am gro ßen Tag wird's Fleisch erstehen; Jest, Heilige! - - Meßgesänge. 445 helft insgemein- Daß wir mit Euch zum Leben gehen, Miterben Christi ewig sei'n. 1 Zum Offertorium. 1. Nimm an, o Herr! die Gaben Aus Deines Priesters Hand, Wir, die gesündigt haben, Weih'n Dir dies Liebespfand. Für Sünder hier auf Erden, Soll In Aengsten, Kreuz und Noth, dies ein Opfer werden- Von Wein und reinem Brot! - 2. Nimm gnädig die Geschenke,- Dreieinig großer Gott!- Erbarm' Dich unser; denke- An Christi Blut Sein Wohlgeruch erschwinge- Sich hin Und dieses Opfer bringe und Tod! zu Deinem Thron, Uns den verdienten Lohn. - - - - Zum Sanctus. und Gott! Bist 1. Singt: heilig! heilig! heilig!-Ist unser Herr Singt mit den Engeln: Heilig Du, Gott Sabaoth!- Im Himmel und auf Erden Soll Deine Herrlichkeit Gelobt, gepriesen werdenJeßt und in Ewigkeit! - - 2. Wir fingen froh zusammen- Von ganzer Seel' erDer fei Der kommt in's Herren Namen freut: Hosanna in der Höhe! Gepriesen sei gebenedeit! der Herr! von Meer zu Meer. Dem großen Gott geschehe,- Sein Lob - - - - 1 Nach der Wandlung. - 1. Sieh, Bater! von dem höchsten Throne- Sieh gnädig her auf den Altar!- Wir bringen Dir in Deinem Sohne, Gin wohlgefällig Opfer dar. Wir fleh'n durch Ihn, wir, Deine Kinder, Und stellen Dir Sein Leiden vor; Er starb aus Liebe für uns Sünder; Noch hebt Er's Kreuz für uns empor. Vredigilied. 2. Er hat für uns sich hingegeben,- Für alle Menschen insgesammt, Beim Vater, daß wir ewig leben, Vertritt Er jetzt das Mittleramt. O Jesu! höre unsre Bitte,- Steh' unsrer Schwachheit immer bei;Auf daß Dein Leiden, Deine Güte- An uns niemals verloren sei. 446 -- Zum Agnus Dei. 1. Betrachtet Ihn mit Schmerzen,- Wie Er Sein Blut vergießt! Seht! wie aus Jesu Herzen Der legte Tropfen fließt. Er nahm hinweg die Sünden,- Er trug all' unsre Schuld; Bei Gott läßt Er uns finden Den Frieden, Seine Huld. - Zur Communion. 1. O Herr! ich bin nicht würdig, Zu Deinem Tisch zu geh'n! Du aber mach' mich würdig, Erhör' mein findlich Fleh'n! Seelenbräutigam! Dich wahres Osterlamm! O stille mein Verlangen.- Du Im Geist dich zu empfangen, - - - Zum letzten Segen. 1. Nun ist das Lamm geschlachtet,- Das Opfer ist vollbracht.- Wir haben jetzt betrachtet Gott! Deine Lieb' und Macht! Du bist bei uns zugegen: Aus Deinem Gnadenmeer Ström' uns Dein Vatersegen- Durch dieses Opfer her! - - Predigtlied. 1. In Gott des Baters und des Sohns- Und Seines Geistes Namen, Sprecht hier am Fuße Seines Throns,- - O Christen, freudig Amen!- Adventlied. Sprecht Amen, und bereitet euch, sters Lehren, Bitten zu verehren. - 2. O Vater unser! Der Du bist Im Himmel und auf Erden! Dein Name, Der so liebvoll ist, Soll stets geheiligt werden! Dein Reich vom Anbeginn der Welt Bereitet allen Frommen, Das laß, wann dieser Staub zerfällt, Für uns auch einstens kommen! - 447 Nach eures MeiDen Vater in dem Himmelreich- Mit 3. So wie auf jeden Wink von Dir Die Himmelsgeister sehen:- So soll auch unter Menschen hier Dein Wille stets geschehen! Das Brot, das uns're Seele nährt, Um Dir o Gott! zu leben, Auch jenes, das der Leib begehrt, Sei täglich uns gegeben! - verfluchten Gründen Sünden, - 4. Vergib uns, Vater! jede Schuld, Die wir vor Dir bereuen;- So wie wir alle mit Geduld- Den Schuldigern verzeihen. Ersticke, wann Versuchung droht, In uns des Bösen Samen! Erlös uns jetzt und einst, o Gott! Von allem Uebel. Amen. - - Heiles Erb' empor. - - Adventlied. Thauet Himmel! den Gerechten,— Wolken! 1. regnet Ihn herab! Also rief in langen Nächten Einst die Welt, ein weites Grab! In von Gott - - - - Herrschten Satan, Tod und Fest verschlossen war das Thor- Zu des 2. Doch der Vater ließ Sich rühren,- Daß Er uns zu retten sann, Und den Rathschluß auszufühGabriel Trug der Sohn Sich freudig an. flog schnell hernieder,- Kehrte mit der Antwort wieren, 448 Adventlied. der: Sieh, ich bin die Magd des Herrn! will, erfüll' ich gern. Jungfrau, Gottes Geift wird Dich 3. Dein Gehorsam ist mein Leben, demuthsvoll und keusch! beschweben, Und des Vaters Wort wird Fleisch. Menschen! betet an im Staube!- Weh' der Höll' und ihrem Raube! Aber Adamskindern wohl! Weil ein Heiland kommen soll. - hatten! Waffen an. - 4. Ginen Zuruf hör' ich schallen: Brüder! wacht vom Schlummer auf! Denn es naht das Heil uns Allen, Nacht ist weg, der Tag im Lauf. O dann fort mit allen Thaten, Die die Nacht zur Mutter Künftig ziehe Jedermann Nur des Lichtes - - - 6. Welterlöser! ich erfülle tes Rath; Komm in meines Wie Dein Bot' verkündet hat. mir den Frieden! Menschen Welche guten Willens find; göttlich Kind. - - - 5. Laßt uns wie am Tage wandeln, Nicht in Fraß und Trunkenheit; Nicht nach Fleischbegierden Handeln; Weit verbannt sei Bank und Neid; Jenem gänzlich nachzuarten,- Dessen Ankunft wir erwarten, Dieses ist nun unsre Pflicht; So wie Sein Apostel spricht. - 15 Was Er - Deines treuen KnechFleisches Hülle, Komm' und bringe ist er nur beschieden ,Komm', ich bin es, Adventlied. Zur Rorate. Maria 1. sei gegrüßet, Du lichter Morgenstern! Der Glanz der Dich umfließet, Verkündet uns den Herrn. Von jeder Mafel rein, Sollst Du, zum Menschenheile, Des Höchsten Mutter sein. - Befehl; Gabriel. unter Weibern! Adventlied. 2. Dein Gott zu Dir gewendet, 449 Ertheilet den Es eilt, von ihm gesendet,- Der Engel Er spricht: O Gnadenvoll! Gesegnet Der Herr bedenkt dein Wohl. - 2. Dies konntest Du nicht fassen Ihn dabei, Dich recht versteh'n zu lassen, diese Botschaft sei. Maria! zitt're nicht! Denn Du hast Huld gefunden- Bor Gottes Angesicht. - 1 - - 1 4. Er will: Du sollst empfangen, Gebären einen Sohn! Der wird durch Ihn gelangen Auf David's Vaterthron. Des Höchsten Sohn zugleich Und Jesus soll Er heißen,- Unendlich ist Sein Reich. - 5. Wie soll denn dies geschehen?- Ich kenne keinen Mann.- O Jungfrau! Du wirst sehen Was Gottes Allmacht kann.- Er sendet Seinen Geist; Der wird Dich überschatten, Damit Du Mutter sei'st. 7. Da sprachst Du tief geneiget: Höchsten Magd; sei, wie Du gesagt. Bote Gottes eilet - 6. In ihren alten Tagen Kann auch Elisabeth Von Seinen Wundern sagen, Die nun gesegnet geht. Sie hieß zwar unfruchtbar; Doch Dem ist nichts unmöglich,- Der sein wird, ist, und war. 1 - 9. Den Schatz, Den Du - - - - - Ich bin des Was Du mir angezeiget,- Das - O freudenvolles Wort! Mit seinem Auftrag fort. Der 8. Von Seines Vaters Freuden Kam jetzt das Wort herab, Für Sünder hier zu leiden,- 3u suchen Tod und Grab. Mit Fleische sich zu kleiden, Es wählte Deinen Leib, Gebenedeites Weib! Und batest - Was - - - 31 - Ihn bald zur Welt! Denn Er ist jener Held, Der un'fre Bande bricht Und aus des Todes Schatten Uns rufet in das Licht. empfangen, O, bring' Wir warten mit Verlangen, - 26 Weihnachtslied. 10. Dieß Lied sei Dir gesungen Des Heils Ge Mit Der bärerin! Mit Dir ergeb'nen Zungen, ergeb'nem Sinn.- Dein hochgelobtes Pfand- Führ' uns auf deinen Fürspruch- Hinauf in's Vaterland. 450 Weihnachtslied. 1. Ich ist der Tag von Gott gemacht, will mich herzlich freuen; Auch mich hat heut' der Herr Sedacht; Das Heil, Ich will Ihm Lieder weihen! das aus der Jungfrau Schooß, Heut' allen AdamskinVor Seidern sproß, Ist auch für mich geboren. ner Krippe sing' ich dann Und bete meinen Heiland ant, In Wonne ganz verloren. 2. In meiner Bildung liegt Gr hier, Namen nennen. Den keine O Gott! o Kind! geläng' es mir, Du steigest von Die Gutthat ganz zu kennen! dem Thron herab, Den Dir mit Sich Dein Vater Du wählest gab, Um hier für mich zu leiden! mir zu nüßen heut' Für Ueberfluß in Dürftigkeit Den Stall für Himmelsfreuden. 1 - - - - 1 - - - 1 - - O gna3. Du weinst, mein Jesu! Sei gegrüßt, denreiche Zähre!- Sei mir mit Ehrfurcht aufgeküßt, O Tropfen aus dem Meere, Das einstens blutig strömen soll Für mein und aller Sünder Wohl; auch für mich geweinet!- Erwärme kalter Christen Herz, Nicht zu emDas ihres Heilands ersten Schmerz pfinden scheinet. - - - - 4. Das Meine soll Dein Wohnplaß sein,- Gez liebtester aus Allen! Es soll, wie neugeschaffen, rein, Von Engeltrieben wallen. Komm aus der Krippe, komm zu mir,-- Bring' echte Frömmigkeit mit Dir, Und wahre Christenfitten! O! noch nicht Richter, - Fastenlied. 431 noch ein Kind! Dieß macht mich hoffen; Kinder find Ja leichter zu erbitten. 5. Du fehrest einst in Majestät, Vom Engelheer umringet, Wenn diese Welt zu Trümmern geht, Der Staub aus Gräbern dringet; Dann muß auch ich hin in's Gericht,- Allweiser! vor Dein Angesicht, Mit Furcht und Angst durchdrungen; O, sprich dann: Ich erkenne dich, Du hast vor meiner Krippe Mich Mit Inbrunst einst besungen. - - - Fastentie d. Laß 1. mich Deine Leiden singen, Dir des Mitleids Opfer bringen, Unverschuld'tes Gottes= lamm! Das von mir die Sünden nahm.- Jesu. drücke Deine Schmerzen, Tief in aller Christen Herzen! Laß mir Deines Todes Pein- Trost in meinem Tode sein! 2. In's Gericht für Menschen treten, zürnten Vater beten, Seh' ich dich deckt, Auf den Delberg hingestreckt. Deine Schmerzen, u. s.' w. - Kriegern überlaffen, - - - - - - 3. Dich zu binden und zu schlagen, Zu beschimpfen und zu plagen, Nahet sich der Feinde Schaar, Und Du gibst Dich willig dar. Jesu! drücke Deine Schmerzen, u. s. w. - 4. Von den Richtern, die Dich haffen, Blut Unter frecher Geißeln Wuth. Deine Schmerzen, u. s. w. — L - 3um ermit Blut beJesu! drücke Wilden Strömet Dein unschuldig Jesu! drücke 5. Unter lautem Spott und Hohne- Seh' ich eine Dörnerkrone, Die, mein Heiland! scharf gespitzt 26* 452 Bußgesang. Deine Stirne schmerzlich rigt. Jesu! drücke Deine Schmerzen, u. s. w. 6. Wundenvoll, erblaßt, entkräftet,- An das Opferholz geheftet, Seh' ich wie ein Gottmensch stirbt, Und den Sündern Heil erwirbt. Schmerzen, u. s. w. Jesu! drücke Deine - - 7. Heiland! meine Missethaten Haben Dich verfauft, verrathen, Dich gegeißelt und gekrönt, An dem Kreuze Dich verhöhnt!- Ach, es reuet mich von • Herzen! Laß, mein Heiland! Deine Schmerzen, Deines Mittlertodes Pein,- Nicht an mir verloren sein. Bukgesang. Im Tone des Fastenliedes:„ Laß mich Deine Leiden singen." Selig, himmlisch ist das Leben 1. Deffen, dem die Sünd' vergeben; Der nun Gott zum Vater hat Nach getilgter Missethat.- Herr! verschon' dann meiner Sünden, Laß mich wieder Gnade finden! Des bedrängten Gnade ruft in Reu' und Schmerz Sünders Herz. 17 - — 2. Nur zu oft bin ich gefallen, alle Zahlen, Sünden über Mehr als Haare auf dem Haupt, Herr! verschon' Hat sich Dein Geschöpf erlaubt. dann meiner Sünden u. 1. f. - - 3. Wehmuth drückt mich nun darnieder,- Furcht erschüttert meine Glieder, Und seitdem ich Sünder bin, Ist die Fröhlichkeit dahin. Herr! verschon' dann meiner Sünden, u. s. f. 11 Den ich Daß ich von dem Fluche frei, Herr! verschon' dann 4. Jener Trost ist mir verschwunden, einst hierin gefunden, Eines Deiner Kinder sei. meiner Sünden u. s. f. Osterlied. 453 - 5. Willst Du mich, o Gott! verlassen, Wenn von nun die Sünd' zu hassen,- Büßend meine Seel' verspricht- Hier vor Deinem Angesicht?- Herr! verschon' dann meiner Sünden, n. s. f. 6. Aufzusuchen nicht den Frommen- Bist Du, Gott! zur Welt gekommen; Nur für den verlornen Sohn- Stiegst Du von dem Himmelsthron.- Herr! verschon' dann meiner Sünden, u. s. f. Wirft sich wei Sünden 7. Magdalena kommt zu büßen, nend dir zu Füßen, Und Du nimmst die hin- Von der frommen Büßerin. Herr! verschon' dann meiner Sünden, u. s. f. - 8. Wenn wir herzlich nun bereuen,- Werden Engel sich erfreuen, Kennen wieder ihren Freund Jauchzend, wenn der Sünder weint. Herr! verschon' dann meiner Sünden, u. f. f. - - 9. Lang genug hab' ich gebrochen, Was ich Dir getreu versprochen, Lang bedroht von Deinem Grimm' Hör' ich Deines Fluches Stimm'.- Herr! verschon' dann meiner Sünden, u. s. f. - - 10. Heute ist der Tag der Gnaden, Heute haft Du mich geladen, Heute ruf' ich dann zu Dir: Gott! verzeih', verzeihe mir! Herr! verschon' dann meiner Sünden, u. s. f. - 14 Oferlied. 1. Der Heiland ist erstanden, Befreit von Todesbanden, Der als ein wahres Ofterlamm,- Für mich den Tod zu leiden kam! Alleluja! 2, Nun ist der Mensch gerettet, Und Satan ans gefettet; Der Tod hat keinen Stachel mehr,- Der Stein ist weg, das Grab ist leer. Alleluja! 26** 1 Pfingstlied. - 3. Der Sieger führt die Schaaren, gefangen waren, Die lang In Seines Vaters Reich empor, Das Adam sich und mir verlor.- Alleluja! Die Er für 4. O wie die Wunden prangen, mich empfangen; Wie schallt der Engel Siegsgefang, Dem Starken, der den Tod bezwang.- Alleluja! 454 - - 5. Mein Glaube darf nicht wanken;- O tröstlicher Gedanken! Ich werde durch Sein Aufersteh'n, Gleich Ihm aus meinem Grabe geh'n!- Alleluja! 6. Die Nacht, die mich dort decket,-Bis mich der Engel wecket, Ist kurz, dann ruft mein Heiland mich In's Reich, wo Niemand stirbt, zu Sich.- Alleluja! 7. O Meer der Seligkeiten!- Den Ort mir zu beErstande reiten,- Ging mein Erlöser hin vor mir. Alleluja! ner! ich folge Dir. - 11 - 8. Ja! durch ein neues Leben- Will ich zur Höhe streben, Wo Du mit deinem Vater thron'st, jede gute That belohn'st.- Alleluja! Und 18 Vor Deinem 9. Dann werd' ich im Gerichte, Angesichte, Von Deinem Blute glänzend steh'n - Alleluja! Und zu des Lammes Hochzeit geh'n. - - Wie du vom 10. Alleluja! Alleluja! Alleluja! Tod erstanden bist. Laß uns ersteh'n, Herr Jesus Christ! Alleluja! - - - Pfingslied. Komm, heiliger Geist, o dritte Person, 1. Von einer Natur mit Vater und von Sohn!- Der Du von seiner Sündenlast So manches Herz befreiet hast. Komm, heiliger Geist, erwünschtester Gast! 2. Komm, heiliger Geist! auf uns jetzt herab, So wie Dich einst Gett den Gläubigen gab, Alg_ihre Frohnleichnamslied. noch geringe Zahl, Versammelt im verschloß'nen Saal, Sich sehnte nach Dir, Du göttlicher Strahl! Der 3. Komm, heiliger Geist! ein Tröster genannt; Es werde durch Dich der Kummer verbannt, uns verstört in unserer Pflicht. Die Trägheit übers wind't uns nicht, Wenn Du uns entflammst, o mächtiges Licht! - 4. Komm, heiliger Geist, Du Lehrer der Welt, Die Straße des Heils wird niemals verfehlt, Wenn man sich nicht an Secten fehrt,- Die Kirche, die Dein Einspruch lehrt. Mit findlicher Treu' als Mutter verehrt. - - 5. Komm, heiliger Geist, vom himmlischen Thron! Dir werde zugleich mit Vater und Sohn In un zertheilter Wesenheit, Von nun an bis in Ewigkeit, Anbetung und Dank und Jubel geweiht! - - - 4 Frohnleichnamslied. 1. Engel Gottes, eilt hernieder- Und menget euch in uns're Lieder, Der Tag ist festlich uns und Guch. Das Himmelsbrot, das wir heut' ehren, Mit Dem sich uns're Seelen nähren,- Dies Brot macht Mensch und Engel gleich. ― - 1 2. O kommit, so wie Ihr einst im Saale, Bei Jesu lettem Abendmale, Erstaunungsvoll zugegen war't; Ihr sahet dort das Brot Ihn brechen, Ihr hörtet Ihn mit Liebe sprechen: Meiner Himmelfahrt.. Dies nehmt vor 455 - - --3. Dies ist mein Leib, Den will Ich schenken, Es sei zu meinem Angedenken. So oft ihr, Freunde, dieses thut, So oft ihr dies Geheimniß handelt Wein wie jetzt verwandelt- In Guund Blut. Wird Brot und res Meisters Fleisch -- Frohnleichnamslied. 4. O Abgrund unbegriffner Güte!- War's nicht genug, in einer Hütte- Für uns das Licht der Welt zu ſeh'n? Die Zeit von mehr als dreißig Jahren, Mit Undankbaren Verachtet, arm und in Gefahren, umzugeh'n? 456 - 5. Die Kranken nicht genug zu heilen,- Trost, Rath, Gesundheit zu ertheilen, Der Weisheit Lehrer uns zu sein, Für uns in frecher Henker Händen Das Leben und die Qual zu enden, Uns von der Hölle zu befrein? - - 6. O nein, es wallen neue Triebe- Der ewig uns verheiß'nen Liebe In unsers Heilands treuer Sich Brust; Die lehren Ihn das Mittel finden, Bei Menschenkindern uns noch enger zu verbinden; sucht Er Lust. - - 7. Gr läßt bis an das End' der Zeiten- Bei uns Sich einen Siß bereiten, Uns Seine Neigung darzuVerPhun. Der Gottheit Schimmer einzuhalten, hüllt Er Sich in Brotsgestalten, Und will in unsern Herzen ruh'n. - - - - Und 8. O Christen! laßt uns Blumen pflücken, Tempel und Altäre schmücken, Das Rauchfaß hauche süßen Duft, Die Priesterschaft im Feierkleide Verkündige der Kirche Freude,- Die Glocke schalle froh zur Luft! - - Der 9. Laßt uns mit Dank- und Jubelliedern Liebe Wunderwerk erwidern, Dem dieser Tag geheiligt ist. Preis, Ehre Dir im Sacramente, Der Du zu Nach dem sich einst die Vorwelt sehnte, uns gekommen biſt. - - Dem 10. Laßt Heilig, Heilig, Heilig! schallen Menschenfreunde, Der vor Allen Bei Seinem Christenvolke wohnt, Dem Lamme, Das in Broteshülle, Mit aller Seiner Gnadenfülle, Auf unsern Prachtaltären thront. - - 11 Lied v. d. allerh. Altars sacramente. 457 11. Du bist es, Herr, Gott uns'rer Väter, Du bist's Du Brot der Starken, unser Retter! in Deines Priesters Hand;- Wir fallen, beten an im Staube;- Das Aug' ist blind! doch sieht der Glaube; - Dein Wort ist ihm ein Unterpfand. Wenn 12. Erbarmer! laß uns nicht erröthen, wir in Leibs- und Seelennöthen Zu Deinem Tabernakel flieh'n. Gib heut und immer Deinen Laß Fürst und Volk auf ihren Wegen Vor Dir in Deinem Frieden zieh'n! Segen, - 1 Geprüfter 13. Sei stets auf dieser Lebensreise Christen Seelenspeiſe,- Gebenedeites Himmelsbrot! Und dann in Deinem Friedensfuße, In Deinem seligen Genuße, Vollend' uns einstens unser Tod! - Lied vor dem allerheiligsten Altarsfacramente. - - Wirf dich 1. Komm, o fromme Christenschar, nieder am Altar;( Denn es stellt in Brotsgestalten Sich dein Heiland dar.) - - - - 2. Hier ist Jesus Fleisch und Blut,- Hier das allerhöchste Gut.( Keine Seele geht verloren Unter Seiner Huth.) - 1 3. Sei geehrt, gebenedeit, Trost in Widerwärtigkeit!( Allen, die sich Dir vertrauen, Sicherheit!) Wahre - 1 - 4. Gib uns Segen, großer Gott! Wundervolles Himmelsbrot!( Hilf den Deinen und bewahre Sie vor aller Noth.) 5. Gib uns wahre Buß' und Reu',- Mach' uns von den Sünden frei:( Daß nach Glauben, Hoffen, Lieben Unser Trachten sei.) 458 Lied zur allerseligsten Jungfrau. 6. Ist nun unsre Pflicht gethan, Und vollendt' des Lebens Bahn:( D, dann nimm zu Deinen Freu: den- Unfre Seelen an.) 7. Sei gelobt, gebenedeit, Heiligste Dreifaltigkeit!( Jesu Preis im Sacramente- Bis an's End". der Beit!) 1. beständig fließt, Jungfrau, sei gegrüßt. - Lied zur allerfeligsten Jungfrau. Im Tone: Komm o fromme Christenschar!" Snatenquelle! sei gegrüßt,- Quelle, die Trost der Christen! o Maria - - 2. Sei gegrüßt zu jeder Stund'- In dem Herzen, mit dem Mund; Alles mache Deine Würde, Deine Gnade fund. 1 3. Liebste Mutter! wir sind Dein, Zeig' Dich, Mutter stets zu sein; Schreib' uns Alle Deinem Herzen Unauslöschlich ein. - - - - 4. Du warst noch zu jeder Zeit- Ursach' unsrer Sei es bis zum Lebensende Und Fröhlichkeit; in Ewigkeit. - Lebens jeder Noth, Der verföhnte Gott. - 5. Mutter! es ist unerhört, Daß Dein Sohn Was Du Deinen treuen Dienern Dir nicht gewährt, - Gütig hast begehrt. - 6. Wenn Gefahr der Seele droht, In des Rettet uns in Deinem Namen - Sei zu 7. Schreckt der Sünden schwere Last, Dir Vertrau'n gefaßt, Die Du Dich der Sünder Zuflucht Stets gezeiget hast. - 8. Wer Dich in Betrübniß bat,- Fand bei Dir, Maria! Rath; Trost, wer immer Dir als Mutter - Sich empfohlen hat. Glaube, Hoffnung und Liebe. 459 9. Auch zu streiten bis auf's Blut- Um des Himmels großes Gut,- Bringst Du Reinste! den VersuchNeue Kraft und Muth. - ten 10. Groß ist unsrer Feinde Zahl- Hier in diesem Thränenthal; Rette, Mutter! Deine Kinder- Von dem Sündenfall. 11. Und wann Seel' und Leib sich trennt,- Nur noch schwach das Herz Dich nennt, O dann bitte, Mutter! bitte. Um ein selig End'. 12. Nach vollbrachtem leßten Streit, uns in die Ewigkeit; Sesum -- 11 - - Glaube, Hoffnung und Liebe. 1. Herr! err! ich glaube; Herr! ich hoffe; Herr! vem Herzen lieb ich Dich! Rede Herr! und ich will hören; Laß die Welt mich nicht bethören; Denn Du hast mir Geist und Leben- Ans Barmherzigkeit gegeben. In dem Glauben, in der Hoffnung,- In der Liebe stärke mich. Führ Milde Jungfrau! Zeig' uns in der Herrlichkeit! - 2. Herr! ich glaube; Herr! ich hoffe; Herr! vom Herzen lieb' ich Dich! Sollten alle Menschen lügen, So kannst Du mich nicht betrügen;- Nichts ist Dir, o Gott! verborgen, Dein Wort glaub' ich ohne Sorgen. In dem Glauben, in der Hoffnung, In der Liebe stärke mich. - - - - 3. Herr! ich glaube; Herr! ich hoffe;- Herr vom Herzen lieb' ich Dich!- Einen Gott in drei Personen, Welche in dem Lichte wohnen,- Gleich im Wesen, Macht und Stärke, Wunderbar sind Ihre Werke!- In dem Glauben, in der Hoffnung,- In der Liebe stärke mich. Glaube, Hoffnung und Liebe. 4. Herr! ich glaube; Herr ich hoffe; Herr! vom Herzen lieb' ich dich!- Vater in den Himmelsauen! Du wirst doch Auf Dich will ich fest vertrauen, mich nicht verlassen, Wenn auch Welt und Höll' mich hassen.- In dem Glauben, in der Hoffnung, der Liebe stärke mich. In - 460 5. Herr! ich glaube: Herr! ich hoffe;- Herr! vom Herzen lieb' ich Dich! Gottes Sohn, Dein Kreuz und Sterben- Rette mich von dem Verderben;- Durch Dich steht der Himmel offen, Dieses will ich freudig hoffen. In dem Glauben, in der Hoffnung, der Liebe stärke mich. C In - 6. Herr! ich glaube; Herr! ich hoffe; Herr! vom Herzen lieb' ich Dich! O Gott heil'ger Geist! Meinen verleihe, Daß ich mich vor Niemand scheue, Glauben zu bekennen- Und mich Christi Glied zu nennen. In dem Glauben, in der Hoffnung, Liebe stärke mich. In der - - 1 1 - - 7. Herr! ich glaube; Herr! ich hoffe;- Herr! som Herzen lieb' ich Dich!- An Dir will ich mich erge-. Dir o Gott! Ben, Und Dich über alles schäßen. In Meinen Werken nur gefallen. will ich in allen dem Glauben, in der Hoffnung, In der Liebe stärte mich. - - - - Herr! 8. Herr! ich glaube; Herr! ich hoffe; vom Herzen lieb' ich Dich! Nichts soll mich von Dir mehr trennen!- Droht die Welt mich zu verbrennen, Um zur Untreu mich zu zwingen, Will ich dennoch fröhlich fingen: Herr! ich liebe; Herr! ich liebe;Ja, vom Herzen lieb' ich Dich! - - - Herr! 9. Herr! ich glaube; Herr! ich hoffe; vom Herzen lieb' ich Dich! Wann ich in den letzten Wann 3ügen, Und im Grabe werde liegen, Soll man noch im mein Körper wird verwesen, Herr, ich liebe! Herr, ich liebe! Herzen lesen: Ja, vom Herzen lieb' ich Dich! - - - Christenlehrlied. Christenlehrlied. Vor dem Anfange. Heil eil'ger Geist! fomm zu verbreiten- Ueber uns Dein Gnadenlicht, Daß wir immer weiter schreiten Mache uns zum Lers nen Lust, Hilf, daß wir in unsrer Brust, Das Erlernte wohl behalten Und im Guten nie erkalten. Im Erlernen uns'rer Pflicht; Am Ende der Christenlehre. - - - - - Gott! o segne diese Lehren Die des Katecheten Mund, - Deinen Uns zum Heil und Dir zu Ehren, Kindern machet kund. Präge sie durch Deinen Geist Tief in's Herz, daß wir im Leben Stets zu handeln uns bestreben,- Wie es Dein Gebot uns heißt. - 1 Te Deum laudamus. - - - Großer 1. roßer Gett! wir loben Dich;- Herr! wir preisen Deine Stärke!- Vor Dir neigt die Erde sich, - Und bewundert Deine Werke; Wie Du warst zu aller Zeit, So bleibst Du in Ewigkeit. - - 2. Alles, was Dich preisen kann, Cherubim und Seraphimen, Stimmen dir ein Loblied an, Alle Engel, die Dir dienen, Rufen Dir stets ohne Ruh': Heilig, heilig, heilig! zu. 461 - - - 3. Heilig, Herr! Gott Sabaoth!- Heilig, Herr der Kriegesheere! Starker Helfer in der Noth Himmel, Erde, Luft und Meere, Sind erfüllt mit Deinem Ruhm, Alles ist Dein Eigenthum. 1 4. Der Apostel Christi Chor,- Der Propheten große Menge- Schickt zu Deinem Thron emvor- Neue - 462 Lob und Dankgesänge; Te Deum laudamus. Lobt und preis't Dich immerdar. 5. Auf dem ganzen Grdenkreis'- Loben Große und auch Kleine, ch, Gott Vater! Dir zum Preis Singt die heilige Gemeine; Sie ehrt auch auf Seinem Thron Deinen eingebornen Sohn! - - 6. Sie verehrt den heil'gen Geist, Welcher uns mit Seinen Lehren- Und mit Troste kräftig speis't, Der, o König, voller Ehren! Der mit Dir, Herr Jesu Christ, Und dem Vater ewig ist. - - - Der Blutzeugen große Schar 7. Du, des Vaters ew'ger Sohn, Haft die Menschheit angenommen! Du bist auch von Deinem Thron Zu uns auf die Welt gekommen;( Gnade hast du uns gebracht, Von der Sünd' uns frei gemacht. 8. Nunmehr steht das Himmelsthor Allen, die da glauben, offen; Du stellst uns dem Vater vor, Wenn wir findlich auf dich hoffen.- Endlich kommst Du zum Gericht; Zeit und Stunde weiß man nicht. 9. Steh', Herr! Deinen Dienern bei,- Welche Dich mit Demuth bitten,- Die Dein Blut dort machte frei, Als Du für uns hast gelitten! Nimm uns nach vollbrachtem Lauf Zu dir in den Himmel auf! 10. Sieh' Dein Volk in Gnaden an Hilf uns; segne Herr! Dein Erbe; Leit' es auf der rechten Bahn, - Daß der Feind es nicht verderbe; Hilf, daß es durch Buß' und Fleh'n Dich im Himmel möge seh'n. - - 1 - - - - - 11. Alle Tage wollen wir. Dich und Teinen Namen preisen Und zu allen Zeiten Dir- Ehre, Lob und Dank erweisen; Gib, daß wir von Sünden heut Und von Lastern sei'n befreit. - - - Ueber uns, 12. Herr, erbarm', erbarme Dich! Herr! sei Dein Segen;- Deine Güte zeige sich, So wie wir zu hoffen pflegen. Auf Dich hoffen wir allein, Laß uns nicht verloren sein! Inhalt. Vorwort Unterricht vom Gebete Morgenandacht: Unterricht Morgengebet Art und Weise, den Tag heilig zuzubringen Tischgebet. Abendandacht: Unterricht Abendgebet Unterricht Meßgebete Vom Anhören des göttlichen Wortes Gebet vor der Predigt nach der Predigt Andachtsübungen zur heiligen Beicht: Gebet und Betrachtungen vor dersel ben nach Heilige Communion: Unterricht Vorbereitung zu derselben Andachtsübung vor nach Geistliche Communion Form derselben 11 + + Seite 3 7 + 9 10 . 16 . 19 . ● • + 83 85 Besuchung des allerheiligsten Altarssacramentes . 86 Liebesfeufzer zum heil. Herzen Jeſu. . 91 Andacht zur allerfeligsten Jungfrau Maria, der Mutter Gottes 93 21 23 29 33 52 54 55 64 65 70 72 79 464 Inhalt. 95 Begrüßung der heiligsten Jungfrau Gebet um deren mächtigen Schuß 97 99 zu dem heiligen Herzen Mariä Tagzeiten zur Ehre der unbefleckten Jungfrau 101 Von dem betrachtenden Gebete 109 110 114 ♦ I. Von der Gewissenserforschung II. Von der Reue und dem Vorsatze III. Von der Beicht. IV. Von der Lossprechung V. Von der Genugthuung Art und Weise zu betrachten Betrachtungen auf alle Tage der Woche Pflichten und Verhaltungsregeln für einige Stände: I. Betragen der Eheleute gegen einander. 136 140 II. Pflichten der Hausväter und Hausmütter. III. Pflichten der Kinder gegen ihre Aeltern 154 IV. Pflichten der Dienstboten und Untergebenen 157 V. Betragen lediger Personen Das heilige Sacrament der Buße 159 169 174 178 182 191 194 199 Die sieben Bußpsalmen Andachtsübung des Kreuzweges Allgemeine, oder Generalbeicht Beichtspiegel oder Gewissenserforschung Katechismus in Fragen und Antworten Von dem alleinseligmachenden Glauben Geistliche Lesung Christkatholisches Handbüchlein für Kranke und + Seite ◆ + Sterbende. 1. Unterricht für Kranke II. Unterricht für Sterbende III. Unterricht für Jene, die den Kranken oder Sterbenden beistehen IV. Ginige Mittel wider die verschiedenen Anfechtungen der Sünden. V. Uebung verschiedener christlicher Tugenden. ( Aus der heiligen Schrift.). 213 223 233 272 317 338 370 373 376 379 384 Inhalt. VI. Verschiedene Krankengebete VII. Die letzten Seufzer eines Sterbenden VIII. Kirchengebete für Sterbende, nach dem Gebrauche der heil. fatholischen Kirche Fastenlied Bußgefang Pfingstlied Frohnleichnamslied Lied vor dem allerheiligsten Altarssacramente Lied zur allerfeligsten Jungfrau Lied: Glaube, Hoffnung und Liebe Gebete beim Mesopfer Andere kirchliche Gebete Anhang verschiedener Gebete und Lieder. Litanei von allen Heiligen sammt den dazu gehörigen Gebeten Lauretanische Litanei und die dazu gehörigen. Gebete Die drei göttlichen Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe 433 Andacht des Rosenkranzes 435 Meßgefang. Erster 438 Lied zum Segen mit dem hochwürdigsten Gute 442 Meßgesang. 3weiter 443 Predigtlied 446 Adventlied 447 Adventlied zur Norate 448 Weihnachtlieb 450 451 453 454 455 457 458 Christenlehrlied Das Te Deum laudamus 465 . Seite 391 405 407 417 421 423 430 459 461 461 In Carl Ueberreuter's Verlagshandlung in Wien, Stadt, Dorotheergaffe,( Eckhaus der Neuburgergaffe) Nr. 1111, fint zur Auswahl von Weihnachts-, Oster-, Pfingst-( als Firmungs-), und Neujahrs- Geschenken zu haben: Christliches Angedenken: Gott die Liebe. Vollständiges katholisches Gebet- und Andachtsbuch für Christen aller Stände, sowohl zum firchlichen, als auch zum häuslichen Gebrauche eingerichtet. 2. verbesserte und vermehrte Ausgabe; ungeb. 36 fr., geb. 45 fr. Dasselbe auf Velinpapier mit 7 Bildern, br. 1 fl. Gedächtniß Deines Sterbetages. Erzbruderschaft zum Troste der armen Seelen im Fegefeuer. Von der Pflicht und den Mitteln, deu leidenden Seelen aller abgestorbenen Gläubigen zu helfen. Mit 1 Bild. 2. vermehrte Ausgabe, br. 8 fr. Herz Jesu und Mariä. Ein Lese- und Gebetbuch ungeb. 20 fr., geb. 24 fr. Die heilige Stunde. Verschiedene Arten, die Todesangst Jesu Christi zu verehren. 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Uus dem Französischen. br. 20 kr. Psalmen zum Namen Maria. br. 2 fr. Humbert, Gedanken über die wichtigsten Wahrheiten unserer heiligsten Religion und über die vorzüglichsten Pflichten eines Christen. 9. Aufl. geb. 48 kr. Paradies des Christen. ungeb. 30 fr. Die heilige Philomena; historischer Bericht mit einer neuntägigen Andacht. ung. 8 fr. Beherzigungen für christliche Hausväter. Ein Andenken an die Mission; ungeb. 10 fr. geb. 15 ft. Beherzigungen für christliche Frauen. Ein Andenken an die Mission; ung. 10 fr., geb. 15 fr. Beherzigungen für christliche Jünglinge. 5. Auflage, ungeb. 10 fr. geb. 15 fr. Beherzigungen für christliche Jungfrauen. 6. Aufl. ungeb. 10 fr., geb. 15 fr. Leonhard, Joh. Mich. Gebetbuch. ungeb. 20 fr. Hohenlohe, Alex.,( Fürst), Erinnerung für Seelforger am Krankenbette. 12. in Umschl. br. 36 fr. Hohenlohe, Vergißmeinnicht für meine Geistesverwandten. 12. in Umschl. br. 24 fr. Ministrirbüchel. 3 fr. Katholisches Missionsbüchel, oder: Anleitung zu einem christlichen Lebenswandel.( Mit 1 Stahlstiche.) 18. Aufl. 28 fr. Andenken an die Mission. Das 100 zu 30 fr. Heiligsprechung des heil. Alphons Maria v. Liguori. br. 1 fl. Giattini, Leben des heil. Alphons Maria v. Lignori. br. 40 fr. Kurzgefaßtes Leben des heil. Alphonsus Maria v. Liguori; sammt einer Beschreibung von der Heiligsprechungsfeier und neuntäg. Andacht. br. 20 kr. Verehrung der heil. Theresia.. ungeb. 18 fr. Gebetbuch auf die Festtage des Herrn, der allerfeligst. Jungfrau Maria und der Heiligen. ungeb. 20 fr. geb. 24 fr. Das Gebet als Hauptmittel. Ein Lehr- und Ges betbuch. ungeb. 10 fr., geb. 15 fr. Große Besuchungen des allerh. Altarssacramentes, für jeden Tag des Monats. 2. Aufl. ungeb. 36 fr., geb. 45 fr. Kleine Besuchungen des allerh. Altarssacramentes, für jeden Tag des Monats. Mit den gewöhnlichen Andachtsübungen und den vier Evangelien, und Gebete bei der Frohnleichnamsprozession, als auch beim vierzigstündigen Gebete und Lieder. Verm. Aufl. ungeb. 12 fr., geb. 15 fr. Der vollkommene Christ. 10. Aufl. br. 48 fr. Die Braut Christi. 3. Aufl. ungeb. 20 fr.. geb. 24 fr. Kreuzweg unsers Herrn Jesu Christi. br. 6 fr. Kreuzweglied. 1 fr. Bücher in böhmischer Sprache: Katolická Missionárnj Knjika.; 11. Wydánj. 18. ungeb. 26 fr. geb. 30 fr. Duchowni Budce nebo Krátký Wýtach miſsionárn Knižky. 2. Wydánj. ungeb. 6 fr., geb. 8 fr. Skrejs Duchownich pokladů. 2. Wydánj, ungeb. 24 fr., geb. 30 fr. Nawsstewowánj neyswětěgssi Swátofti oltářnj, a po wssechny časy nedosstwrněné Panny Marie na každý den w měsicí. 5. rozmnožene Wydánj, ungeb. 24 fr., geb. 30 fr. Pobožnosti k neyswětěgssim srdcjm Ježisse Krista a Marie. 3. westrze aprawene a rozmnozene wydanj. ungeb. 20 kr., geb. 24 fr. Pobožnosti k neyswětěgffim frecjm Ježisfe Krista a f swatému Srdci Panny Marie, brosch. 8 fr. Humberta, Myslenky o neyduležitěgffich prawdách naffeho swatého náboženstwj, a o neypředněgsſich powinnostech křestana. br. 48 fr. Wyswětleni Swátosti Biřmowánj. br. 2 fr. Tankimin TEANE Inches 1 Centimetres Blue ¹2 ¹3 4 Cyan 2 5 To ¹47 6 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 19 10 Red 11 12 LO 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8