FAM Gb 2113 Benutzung Lesesaal UB GIESSEN 61 322 396 дведра за Egenthittir dan Jofoz for Meryris " gbr Tuppeln. Priſtinaz yor 1856. MOY ܕ **** ܢ ܠܝ 2₁ Gg. Fortner inv Maria ohne Sünde empfangen, bitte für uns. die wir zu Dir unsere Buflucht nehmen! J. Kracker sc. Jesus und die Jungfrau. sessie Vollständiges Unterrichts- und Gebetbuch für chriftliche Jungfrauen aller Stände größtentheils in Gesprächen zwischen Jesus und der frommen Seele. 880533 In zwei Abtheilungen: I. Theil. Die in allen Wegen des zeitlichen u. ewigen Heiles wohl unterwiesene Jungfrau. II. Theil. Die fromme u. gottliebende Sungfrau in ihren mannigfachen GebetsNebungen. Mit oberhirtlicher Gutheißung. Sechste Stereotyp- Auflage. Mit einem Stahlstiche und vielen Bildern und Vignetten geziert. 1863. Regensburg, Papier, Druck& Verlag von Friedrich Puftet. Innsbruck, Commiffions- Verlag von Carl Rauch's Buchhandlung. 2113 هنا Statt einer Vorrede. neffen Vom Berufe zum wahren Christenthume. nehighsn 1. Von der gnade des Berufes zum wahren Christenthume. hriftliche Jungfrau! Durch die Gnade Gottes bist du eine katholische Christin; aber weißt du wohl, was dies sagen will und was du als solche bist? Vernimm, welche große Gnaden Gott dir am Tage deiner heiligen Taufe erwiesen hat. Durch die Taufe, welche du empfangen, wurdest du von der Erbsünde durch die Kraft der Verdienste und durch das Blut Jesu Estristi gereinigt. Befreit von dem allgemeinen Fluche, der über das Menschengeschlecht durch die Sünde gekommen war, errettet aus der Gewalt des Teufels, bist du durch die Taufe wieder ein Kind Gottes, eine Jüngerin Jesu Christi, deines Erlösers, geworden. Gott hast du zu deinem Vater, Jesus Christus zu deinem Meister und Lehrer, zum Vorbild und zur Nichtschnur deines Lebens, die heilige Kirche zur Mutter und Jungfrauenbuch. 1 Von der Gnade des Berufes Vormünderin, die Engel zu Beschützern, die Heiligen zu Fürsprechern erhalten. Du wurdest ein Tempel Gottes, der in dir durch seine Gnade wohnt; ein Erbe seines ewigen Neiches, worauf du das Recht und die Hoffnung für immer verloren hattest; und wurdest auf einen Weg gestellt, auf dem du mit Sicherheit dahin gelangen kannst, indem du ein Glied Jesu Christi und seiner Kirche geworden, außer der kein Heil ist; und in dieser Kirche wirst du nun erleuchtet durch das Licht des Glaubens an Jesus Christus, unterrichtet in seiner Lehre, genährt durch sein Fleisch und sein kostbares Blut, unterstützt durch seine Gnade und versehen mit allen zu deinem Heile nothwendigen Mitteln. O Gott, wie erhaben ist der Stand eines Christen!- Wenn du nun, christliche Jungfrau, noch insbesondere erwägest, daß der liebe Gott nicht schuldig war, dir diese Gnade zu erweisen, sondern daß es eine lautere Wirkung seiner Barmherzigkeit und seiner großen Güte gegen dich ist; wenn du betrachtest, daß du ohne diese göttliche Gnade niemals felig werden würdest, andrerseits wieder die vielen Millionen Menschen, welche in ungläubigen Ländern in den Finsternissen der Unwissenheit und Sünde, und wieder jene vielen Irrgläubigen, welche, obwohl getauft wie du, fern von dem wahren Glauben der katholischen Kirche, die eine Säule und Grundfeste der Wahrheit ist," im Irrthume dahinleben; wenn du dies Alles reiflich erwägest, wird sich dir wohl die Frage aufdrängen: Warum hat Gott gerade mich vor allen diesen in einem christlichen Lande und im Schooße der katholischen Kirche, in welcher ich in den göttlichen Geheimnissen und in allen zu meinem Heile nothwendigen Dingen unterrichtet worden bin, geboren und erzogen werden lassen? Wie habe ich diese Gnade verdient? Diese Fragen werden in dir die Gefühle des Dankes und inniger Liebe gegen Gott rege machen; sie werden dich ferner bestimmen, über die Verbindlichkeiten nachzudenken, welche du beim Empfange der heiligen Taufe übernommen. und wozu dein Glaube dich verpflichtet. 2 zum wahren Christenthume. 2. Von den großen Pflichten eines Chriften. hriftliche Jungfrau! du hast nun gesehen, welche große Gnade dir durch den Beruf zum Christenthume zu Theil wurde; lerne nun im Nachfolgenden die Verpflichtungen kennen, die der hohe Stand eines Christen erheischt. 3 1. Das christliche Glaubensbekenntniß verpflichtet dich, Alles fest zu glauben, was uns Gott durch seinen Sohn Jesus Christus geoffenbaret hat, was in vier Hauptstücken enthalten ist, nämlich: die Geheimnisse des Glaubens, die Grundlehren der Tugend, die er geprediget, die Belohnungen der Guten, die Strafen der Bösen. Nur unter dieser Bedingung wurdest du zur heiligen Taufe zugelassen. Ehe noch der Priester dir die heilige Taufe ertheilte, fragte er dich: ,, Glaubst du an Gott den Vater, an Gott den Sohn, unsern Herrn und Heiland, und an den heiligen Geist?" Und du hast durch den Mund deiner Taufpathen geantwortet: ,, Ich glaube." Nun aber erinnere dich, daß dieser Glaube fest, standhaft und wirksam seyn soll: fest, um nichts zu bezweifeln, was du zu glauben hast; standhaft, um ohne Erröthen ihn vor den Menschen zu bekennen; wirksam, um nach den Wahrheiten, die du glaubst, auch zu leben, und deinen Glauben nicht durch deine Handlungen zu verläugnen, wie es so viele Christen machen, welche, wie der Apostel sagt, den Herrn Jefus mit dem Munde bekennen, ihn aber mit ihren Werken vrrläugnen." ( Tit. 1, 16.) 17 2. Das christliche Bekenntniß verpflichtet dich, dem Teufel und allen seinen Werken zu entsagen. Dieß ist die zweite Bedingung, unter welcher du die Taufe empfangen. Ter Priester stellte an dich die Frage: ,, Entsagest du dem Teufel und aller seiner Pracht, und allen seinen Werken?" Und du hast geantwortet: ,, Ich entsage." O christliche Jungfrau, hast du schon jemals an diese Entsagung gedacht; und weißt du wohl, was dieß sagen wollte? Es 1* Von den großen Pflichten ist ein feierliches Bekenntniß, welches du gemacht hast, niemals dem Teufel zu folgen, noch seine Pracht zu lieben, d. h. den falschen Schein der irdischen Güter und Vergnügungen, durch deren Liebe er die Menschen zu verführen und zu verderben sucht; und zu fliehen alle seine Werke, die da sind die Werke der Finsterniß und der Sünde. Dieses Versprechen hast du Gott in die Hände der heiligen Kirche gemacht, im Angesichte der Engel, und haft hiebei, wie sich der heilige Augustin ausdrückt, dieſe Entsagung nicht bloß vor Menschen, sondern vor Gott und den Engeln gemacht, welche die Zeugen und Verwahrer deines gegebenen Wortes sind, und im Himmel sorgfältig darauf Acht haben. Du bist verpflichtet, die gemachte Entsagung zu beobachten. Damals hast du mit Worten dem Teufel entsagt; du mußt ihm nun entsagen durch dein Leben und deine Handlungen, wenn du nicht als treulos und abtrünnig erscheinen willst. O christliche Jungfrau, hast du bisher so gehandelt? Oder wirst du wenigstens in der Zukunft so handeln? Soll es möglich seyn, daß du aufs Neue zu dem Feinde zurückkehrest, dem du so feierlich entsagest hast? ,, Was geht dich die Pracht des Teufels an, dem du entsagt haft? Was geht dich die Pracht des Teufels an, dich, die du Christnm lieb hast!" spricht der heil. Auguſtin. 3. Das christliche Bekenntniß legt dir die Pflicht auf, tugendhaft und unschuldig zu leben, und die Sünde mehr als den Tod zu fliehen. Um dich an diese Pflicht zu erinnern, zieht dir der Priester ein weißzes Kleid an, mit den Worten: Nimm hin das weiße Kleid, das du unbefleckt zum Richterstuhle Gottes tragen sollst." Er will durch diese äußerliche Reinheit und Weiße, sowie durch diese Worte dich erinnern, daß du mit aller Sorgfalt die Schönheit und innere Reinheit, welche deine Seele so eben durch die Gnade der Taufe erhalten hat, zu bewahren trachtest. O christliche Jungfrau! beherzige diese Worte wohl, und bedenke, wie es dir bei dem Gerichte Gottes ergehen wird, 4 eines wahren Christen. wenn du diese Unschuld durch ein fündenvolles Leben befleckest. Dieses weiße Gewand, mit dem man dich bekleioete, wird dich an jenem schrecklichen Tage verdammen; der Priester, der dich taufte, wird wider dich aufstehen, und Gott zur Rache auffordern wegen des Mißbrauchs, den du von der Gnade der heil. Taufe gemacht hast. Ich will dir bei dieser Veranlassung eine merkwürdige Handlung, des Diakon Murita von Karthago gegen den arianischen Richter Elpidophorus, erzählen, der getauft worden war, und in der Folge wieder dem katholischen Glauben entsagt hatte. Als dieser heilige Diakon vor den bösen Richter gerufen wurde, um Rechenschaft von seinem Glaubeu zu geben, nahm er die weißen Kleider mit sich, mit denen er ihn bei der heil. Taufe bekleidet hatte, und sprach, indem er sie ihm im Angesichte Aller vorzeigte, diese Worte, welche alle Umstehenden bis zu Thränen rührten: ,, Sieh, o Elidophorus! Diener des Irrthums, die weißen Kleider, welche dich vor der Majestät Gottes am Tage des Gerichtes anklagen werden. Ich habe sie sorgsam aufbewahrt zum Beweise deines Abfalles vom Glauben; sie werden dich in die Tiefe der Hölle stürzen. Sie dienten dir zum Schmucke, als du unbefleckt aus der heiligen Taufe hervorgingst; einst aber werden sie dienen, deine Qualen zu vergrößern in den ewigen Flammen." - Damit du nun, christliche Jungfrau! das schneeige Kleid, welches dir in der Taufe angethan wurde, unbefleckt einstens vor Gottes Thron bringen mögest, ist nichts geeigneter, als daß du schon in den Tagen deiner Jugend den Entschluß fassest, dich ganz Gott zu schenken; dazu werden dich besonders vermögen die folgenden Punkte: 1. 5 3. Vom Wohlgefallen Gottes am Dienste der jugendlichen Seelen. ie Jugendzeit ist des Lebens Anfang. Nun ist aber gewiß, daß Gott von allen Dingen die Erstlinge verlangt. Deßwegen hatte Er im alten Gesetze an Vom Wohlgefallen Gottes geordnet, daß Ihm von allen Erzeugnissen die Erstlinge zum Opfer dargebracht werden sollten; und zwar von den Früchten, die, welche zuerst eingesammelt worden, wie von den Thieren die Erstgeburten; selbst die erstgebornen Kinder sollten Ihm, nach dem Gefeße, im Tempel zu seinem Dienste geweiht werden, doch so, daß sie die Eltern für eine kleine Gabe wieder ablösen könnten. Durch diese Anordnung gab Gott zu erkennen, daß, obwohl alle Dinge Ihm in gleicher Weise eigen sind, Er doch besonders die Erstlinge derselben in Anspruch nehme, und sie als Beweise der schuldigen Erkenntlichkeit für sich fordere. Hieraus geht deutlich hervor, daß Gott die Jungfrauen als die Erstlinge unsers Lebens vorzugsweise für Sich fordere, und wolle, daß sie seinem Dienste mit unverbrüchlicher Treue geweihet werden. 6 2. Die Zeit der Jugend ist Gott am angenehmsten, denn sie ist, wie man sagt, und gemäß der natürlichen Ordnung der Dinge, der Theil des Lebens, welcher am meisten rein, und am wenigsten sündenbefleckt ist. In diesem Alter mangelt es dem Menschen noch an Kenntniß des Bösen, wie an Gelegenheit und Kraft, Böses zu thun. Die Urtheilskraft ist noch nicht von falschen Grundsätzen der Welt angesteckt, und die Sitten und Neigungen sind nech nicht von dem Besthauche der Lasterhaften vergiftet. Noch mehr: Die erst jüngst in der Tause empfangene Gnade macht dieses Alter Gott noch angenehmer, wenigstens in der Person derjenigen, die diese Gnade nicht mit Füßen tre en, und dieses Kleid der Unschuld nicht durch ein sündhaftes Leben beflecken. Doch merke, christliche Jungfrau! daß, wenn ich sagte, dieses Alter sei am wenigsten fündenbefleckt, ich hier nur im Allgemeinen spreche und nach dem natürlichen Gange der Dinge. Denn es ist nur zu wahr, daß sich oft viele Verdorbenheit unter der Jugend zeigt; aber dieß ist gegen die von der Natur bestimmte Ordnung, welche dieser erſten Lebenszeit Einfalt des Geistes und schuld der Sitten am Dienste der jugendlichen Seelen. zugetheilt hat; daher diejenigen um so strafwürdiger sind, welche durch ihre Bosheit und Entartung das verderben, was die Natur ihnen als Erbtheil mitgegeben hat. So lernen sie dann das Böse, und eilen ihm nach in einem Alter, in welchem die Natur selbst sie Nichts lehrt, als Einfalt und Unschuld. 3. Gott verlangt von dir, o christliche Jungfrau! daß du ihm vorzüglich in deiner Jugend dienest, weil sie die Zeit ist, in der du am meisten Gelegenheit hast, deine Liebe zu Ihm an den Tag zu legen. Sie ist die Zeit der ersten Bersuchungen, wo du zuerst angereizt wirst, der Liebe Gottes und seinem Dienste zu entsagen. Da wirst du versucht durch deine eigenen Leidenschaften, welche zu dieser Zeit in ihrer ersten Heftigkeit sich regen; du wirst versucht von deinen Altersgenossen, die dich oft zum Bösen anreizen, entweder durch ihr Beispiel, oder durch ihre Reden; da wirst du versucht von dem Feinde deines Heiles, der alle seine Kräfte aufbietet, dich vom Dienste Gottes abwendig zu machen, und sich bei Zeiten deiner zu versichern. Daher kann man diese Zeit ganz eigentlich die Zeit des Kampfes und der Prüfung nennen, worin du zeigen sollst, daß du Gott liebest mit treuer und wahrhafter Liebe, indem du tapfer diesen ersten Angriffen widerstehest. Es gehört wenig dazu, zur Zeit des Friedens muthig und beherzt zu seyn, wenn man nicht angegriffen wird; aber dem Bösen widerstehen, die Sünde fliehen in der Zeit der Versuchung und in einem Alter, in dem es so viele Gefahren, zu Grunde zu gehen, gibt; das ist ein zuverlässiger Beweis einer wahrhaften Tugend, und ein sicheres Kennzeichen, daß man Gott über Alles liebe. Diese Gründe, christliche Jungfrau, zeigen dir, daß es Gott besonders lieb ist, wenn du 3hm im jugendlichen Alter dienest, und daß du 3hm das angenehmste Opfer machest, wenn du deine Jugend, die Sünde fliehend, in jeinem Dienste zubringest. Wenn nun Gott den jugendlichen Seelen, die sich seines heiligen Dienstes mit aller Von der Erhabenheit Vorliebe unterziehen, es an seiner zuvorkommenden Gnade nicht im mindesten ermangeln läßt, so haben seines Wohlgefallens und augenscheinlichen Schutzes sich insbesonders Jene zu erfreuen, die ihm unbedingt das Opfer ihres Leibes in jungfräulicher Keuschheit darbringen. Möchten doch du, christliche Jungfrau! und alle deines Geschlechtes die Zierde und den Werth dieser Tugend, welche die Menschen den Engeln ähnlich macht," welche die heil. Väter die Zierde und den Schmuck der Sitten, die Ehre des Leibes, die Grundlage der Heiligkeit, das Unterpfand jeder guten Gesinnung nennen, recht erkennen und hochschätzen; zu diesem Ende folgen einige Bemerkungen. 8 U™ 4. Ueber die Erhabenheit des jungfräulichen Standes. Ensere Mutter, die heilige katholische Kirche, welche alle ihre Kinder in Liebe umfasset und zärtlich besorgt ist, Allen zur ewigen Seligkeit zu verhelfen, hegt und pflegt einen Stand, der so erhaben ist, daß Jesus Christus, die ewige Weisheit, sagte: ,, Nicht alle Menschen vermögen ihn zu fassen, sondern nur jene, denen es von Oben gegeben ist," und dieser erhabene Stand ist der jungfräuliche Stand; ein Stand, bei dessen Antritt der Mensch, Jüngling oder Jungfrau, sich ernst vornimmt oder auch durch ein Gelübde sich verpflichtet, aus Liebe zu Gott den erlaubten Vergnügen des Ehestandes zu entsagen, seinen Leib und Geist vor jeder Sünde der Unlauterkeit in Gedanken, Worten und Werken zu bewahren, Gott allein zum Besitzer des Herzens zu wählen und im sterblichen Fleische das Leben der Engel zu führen. Der jungfräuliche Stand ist jener Stand, welcher vom Sohne Gottes so sehr geliebt wird, daß Er nur im Schooße der heiligsten Jungfrau Maria die menschliche Natur annehmen wollte, nur den durch jungfräuliche Reinigkeit ausgezeichneten Apostel Johannes zu seinem Liebesjünger erwählte, ihn allein bei dem heiligsten Liebesmahl an sei des jungfräulichen Standes. ner Brust ruhen ließ, und ihm seine jungfräuliche Mutter zeitlebens zur findlichen, Pflege übergab. Die Reinigkeit ist also die geliebteste Tugend unsers Herrn und Heilandes Jesu, die glänzendste Tugend der Mutter Jesu, die verdienstlichste Tugend des Liebes- Jüngers Jesu. Darum heißt es im Buche der Weisheit: ,, wie schön ist ein keusches Geschlecht im Tugendglanze, unsterblich ist sein Andenken, denn es ist bei Gott und den Menschen beliebt." Es muß zwar diese Tugend anhaltende und schwere Prüfungen bestehen, viele Verfolgungen und Hindernisse befiegen und Worte können den schrecklichen Kampf nicht beschreiben, den diese Perle unter den christlichen Tugenden auszukämpfen hat, aber welche Krone der Vergeltung, welch unvergleichliche Wonne ist einer keuschen Seele verheißen? Freuden, die alle Glückseligkeit der Seligen übertreffen, Ehren, die ihr besonders eigen sind. Sie werden, sagt der heilige Johannes, der Lieblingsjünger, welcher aus dem Herzen Jesu alle Kenntniß seiner Geheimnisse geschöpft, sie werden ein neues Lied singen. Ein neues Lied, nicht jenes, welches die ganze Erde, die Schaar der Auserwählten ihm anstimmen wird; sondern ein anderes Lied, wie es fein anderer Chor der Seligen zu singen vermag, sondern ein Lied, wie der heilige Augustin lehrt, durch welches sie ihn freudiger loben, weil sie reiner an ihn gedacht haben, durch welches sie die Wonne der ewigen Glückseligkeit in noch höherem Maaße genießen, weil sie ihm eifriger gedient, haben, und durch welches er ein zärtlicheres Wohlgefallen bezeigen wird, weil er glühender von ihnen geliebt worden ist. Ueberdieß werden sie am nächsten bei dem göttlichen Lammi seyn und ihm folgen, wo es immer hingehen wird. Was will wohl dieß sagen, christliche Jungfrau? Jesus will sie dadurch versichern, daß sie mit ihm auf das Innigste werden vereinigt seyn, und weil die Gottheit in sich selbst die Glückseligkeit der Auserwählten ausmacht, so werden sie einen vollkommeneren Genuß haben, als alle anderen; die Reinigkeit ihres Herzens, die sie bewahrt, macht sie einer 9 Von der Erhabenheit größern vertraulichern Gemeinschaft Gottes würdig und dieser entströmt die Fülle der höchsten Glückseligkeit. Sie werden sich also erfreuen in Christus, mit Christus, durch Christus, und an den Freuden Christi Theil nehmen in einer unaussprechlichen und unbegreiflichen Weise. Andere werden zwar auch dem Lamme folgen, aber nur, so weit es ihnen vergönnt seyn wird; die keuschen Seelen hingegen werden ihm nachfolgen, wohin es gehen wird, weil dasselbe auch in der Reinheit der Jungfrauschaft gewandelt, und sie ihm ähnlich geworden sind. Der Stand der jungfräulichen Reinigkeit ist jener Stand, welcher den Menschen über seine Natur erhebt, ihn den Engeln im Himmel ähnlich macht, ihm die Freundschaft Jesu Chrifti in ausgezeichnetem Maaße erwirbt und ihn auch zu besonderer Vertraulichkeit mit den Engeln befähiget. Es ist jener Stand, welcher von allen Christen der ersten Jahrhunderte außerordentlich hochgeachtet, von den heiligen Kirchenvätern mit den größten Lobeserhebungen begrüßt, und von allen Heiligen als eines der ersten Mittel zur Erreichung hoher christlicher Vollkommenheit empfohlen wurde. So hatte der heilige Klemens, Martyrer und dritter Nachfolger des heiligen Petrus auf dem römischen Stuhle, in einem eigenen Briefe die großen Vorzüge dieses Standes empfohlen. Der große Erzbischof von Mailand, der heil. Ambrosius, verfaßte über den jungfräulichen Stand drei Bücher, welche durch ihre Tiefe und Schönheit die zwei Kirchenlehrer, den heiligen Hieronymus und Auguſtinus, in die höchste Verwunderung setzten. Wie groß sind die Lobeserhebungen, welche die heiligen Väter dem jungfräulichen Stande ertheilten! Der heilige Cyprian, Erzbischof von Carthago in Afrika und Martyrer im dritten Jahrhundert, sagt: ,, Die Jungfrauen sind die schönsten und lieblichsten Blumen der Kirche, die auserlesensten Schäflein der Heerde Christi, der vollkommenste Umriß, das schönste Ebenbild seiner Heiligkeit, die höchste Schönheit seiner göttlichen Gnade und das vollendetste Meisterstück derselben."- Der heilige 10 11 des jungfräulichen Standes. 1 Ambrosius lehrt: ,, Die Schönheit und der Glanz der Jungfräulichkeit sind so herrlich, daß der menschliche Verstand dieselbe nicht fassen und begreifen kann." Der heilige Hieronymus erhebt das Lob der Jungfräulichkeit in folgenden Worten: ,, Der Sohn Gottes erschien auf Erden und stiftete eine neue Familie, damit Er auch auf Erden Engel habe, die ihn anbeten, wie Er von den Engeln angebetet wird. Die Jungfrauschaft hat den Sohn Gottes so entzückt, daß Er von einer Jungfrau wollte geboren werden. Er selbst ist Jungfrau, seine ganze Familie ist Jungfrau." Und der heilige Chrysostomus, Patriarch von Konftantinopel, drückt sich folgendermassen aus: Die Jungfrauschaft übertrifft den Ehestand um so viel, als die Engel den Menschen an Vortrefflichkeit übertreffen."- ,, Die jungfräuliche Reinigkeit ist himmlischer Natur, sagt der heilige Augustin, und sie ist das Vorbild des Zustandes der Seelen." Der jungfräuliche Stand ist jener Stand, der, wenn er wegen seiner Erhabenheit nur durch besondere Gnade Gottes gewählt, festgehalten und bewahrt werden kann, dennoch in allen Jahrhunderten der christlichen Kirche von tausend und tausend Christen beiderlei Geschlechts gewählt, in der Welt bei allen Stürmen der Sinnlichkeit, wie in oen Klöstern bei den häufigen Anfällen des bösen Feindes, in der Wüste und in den zügellosesten Städten, in den Hütten der Armen und in den Pallästen der Reichen standhaft bis in's höchste Alter behauptet wurde, und diesen Helden der christlichen Religion die Krone auserwählter Bräute Jesu Christi erwarb, der da ist der Bräutigam der heiligen Kirche, der Bischof unserer Seelen, Gott hochgelobt in Ewigkeit. Amen. Ueber die Menge der Christen beiderlei Geschlechts, welche im ersten und zweiten Jahrhundert der christlichen Kirche sich dem jungfräulichen Stande gewidmet, schreibt der heil. Martyrer Justinian an den römischen Kaiser also: ,, Man sieht viele Christen von sechszig und sieben. 12 Von der Erhabenhett zig Jahren, welche seit ihrem blühendsten Alter die Lehre Jesu Christi stets befolgten und dabei in reiner und Gott geweihter Keuschheit dienten."- Aehnliches meldet der heil. Cyprian, wenn er im Buche von der Zucht sagt: ,, Die Welt ist erfüllt von Menschen, welche die jungfräuliche Reinigkeit beobachten." Der jungfräuliche Stand ist jener Stand, welcher von der heiligen katholischen Kirche als ihre besondere Zierde, als die schönste Perle ihres geistigen Tempels und als die lieblichste Blüthe ihres vom Sohne Gottes gepflanzten und vom heiligen Geiste begossenen paradiesischen Gartens angesehen, sorgfältig gepflegt und gegen die Feinde jungfräulicher Reinigkeit mit heiligem Ernste vertheidigt wurde. So groß und erhaben dieser Stand ist, ist er dennoch an vielen Orten der katholischen Staaten kaum gekannt, und oft wird er dort, wo er gekannt ist, von der bösen Welt geschmäht, verdächtiget und verachtet; denn sittenloſe, von Liebe zum irdischen Vergnügen ganz erfüllte, im Schlamme wüster Sinnlichkeit versunkene Menschen vermögen nicht die Würde dieses Standes zu erkennen. Das geistige Auge dieser Menschen ist frank, wie das körperliche Auge der heulenden Nachtvögel in Bezug auf das Licht des Tages krank ist; denn so wenig die Nachteulen den Glanz der Sonne zu ertragen vermögen und deßhalb in ihre finstern Höhlen sich zurückziehen, so wenig vermögen sinnliche, thierische, den Lüsten des Fleisches ergebene Menschen den himmlischen Glanz, welchen die jungfräuliche Reinigkeit überall verbreitet, zu ertragen, sondern wenden das Auge davon ab, um die Werke der Finsternisse desto ungescheuter vollführen zu können. Die tiefste Verachtung der argen Welt gegen diesen heiligen und erhabenen Stand; ihre große Abneigung gegen religiöse Gesellschaften, in denen Jünglinge und Jungfrauen sich Gott in beständiger Keuschheit widmen; die Menge jener Schriften, in denen theils die Glückseligkeit des ehelichen Lebens, theils die sinnlichen Lüste der Unlau des jungfräulichen Standes. terkeit mit den lebhaftesten Farben geschildert und das Feuer thierischer Liebe entzündet wird; die Seltenheit gediegener Schriften, durch welche die jungfräuliche Reinigkeit in ihrer Schönheit und in den Mitteln zu ihrer unversehrten Bewahrung faßlich dargestellt wird,... dieses sind die Hauptursachen, warum der jungfräuliche Stand seit mehr denn sechzig Jahren weniger gekannt, geliebt, hochgeachtet und verbreitet ward. Eben diesen Ursachen ist es zuzuschreiben, warum jene Jünglinge und Jungfrauen, welche von der Gnade des Herrn wunderbar angezogen, zeitlebens ihren Geist und Leib keusch bewahren und mitten in der Welt wie Engel leben wollten, sich für den jungfräulichen Stand kaum zu erklären wagten, die vorzüglichsten Mittel zur vollkommenen Bewahrung desselben nicht kannten, und wenn sie felbe fannten, dennoch ihrer beraubt wurden. 13 Allein es gefiel dem Herrn, in unsern Tagen den Geist des Gebetes reichlicher über die Gläubigen auszugießen, fie mit größerer Liebe zu seiner heiligen Kirche und allen ihren Anstalten zu erfüllen, durch die heiligen Missionen das Streben nach Vollkommenheit zu erwecken, die Neigung zum jungfräulichen Stande zu befördern, in vielen Familien zu Stadt und Land den Sinn für flösterliches Leben hervorzurufen und mehrere Gemeinden, wie in den ersten Jahrhunderten der Kirche, mit Jünglingen und Jungfrauen zu schmücken, welche Gott ungetheilt angehören und bei allen Beschäftigungen des häuslichen Lebens und bei allem Verkehr mit der Welt die angelobte jungfräuliche Reinigkeit fleckenlos bewahren. Zeugen des erwachten klösterlichen Sinnes und Strebens nach Vollkommenheit sind unter andern das üppige Aufblühen der Institute der armen Schulschwestern, der Frauen vom guten Hirten, der barmherzigen Schwestern, deren segensreiches Wirfen für geistiges und leibliches Wohl bis in die fernsten Welttheile sich schon erstreckt. Darum, christliche Jungfrau! wenn du in deinem Herzen Sehnsucht nach etwas Höherem verspürest, wenn du nur 14 Von der Erhabenheit allein Gott und dem Wohle deiner Mitmenschen dein ganzes Leben weihen möchtest, wenn die erlaubten ehelichen Verhältnisse für dich nur einen untergeordneten Reiz haben, die Liebe zu deinem Heilande aber unwiderstehlich dich zu ihm hinzieht; dann, jugendliche Seele, bist du nicht geschaffen für die Trübsale des Fleisches, sondern für etwas Besseres und Höheres! O laß diese höhere Gabe in dir nicht verkommen, nähre und pflege sie mit Sorgfalt, es wartet ja deiner Seele ein Bräutigam, den auch die zärtlichste irdische Gegenliebe nicht ersetzen kann. Irdische, wenn auch noch so reine heilige Liebe, sie ist nur ein mattes, bald erlöschendes Flämmchen gegen jene Himmelsglut, die Jesus Christus in reinen Seelen entzündet; die irdischen Freuden, sie müssen mit Schmerz erkauft werden, und werden nur zu oft durch Jammer und Trübsale aller Art getrübt; aber die Freuden einer jungfräulichen Seele, die Tröstungen, die sie empfindet, die Aufopferung, mit der sie sich hingibt, die Ungetheiltheit, mit der sie sich dem Himmel weihen kann, weil kein irdisches Verhältniß die Hälfte ihres Herzens in Besitz hat, alle diese Vorzüge und Gnaden des jungfräulichen Lebens, sie entströmen der reinsten, von keinem irdischen Zusatze getrübten Quelle; die Liebe zu Jesus ist der Gegenstand aller Wünsche, die Quelle aller Freuden, das Ende alles Strebens, der Trost in allen Leiden. Daß dieses, christliche Jungfrau, keine fromme Schwärmerei ist, bezeugen die Jahrbücher der katholischen Kirche, beren Glied zu seyn du das große Glück hast; da begegnet man tausend und abermal tausend jungfräulichen Seelen, die nie ein irdisches Band an die Erde gefesselt hatte, die alle ihr Leben ungetheilt ihrem himmlischen Bräutigam gewidmet haben, die, bereichert mit den schönsten geistlichen Gaben und begeistert für alles Gute, ihre Reichthümer an irdischen Gütern zur Gründung von Schulen, Spitälern, Armenhäusern 2c. geopfert, an deren wohlthuenden Spenden da wo der Vandalismus der lettern Jahrhunderte biese Anstalten nicht zerstört hat,- bis zur Stunde unfer - des jungfräulichen Standes. 15 an Jammer, Elend und Noth so reiches Zeitalter sich noch einigermassen erquicken kann. Dieses jungfräuliche Leben hat und kennt nur die katholische Kirche; darum hat auch nur sie die schönsten und rührendsten Erscheinungen in diesem Gebiete aufzuweisen. Sie allein hat jene geistlichen Orden in's Leben gerufen, die ihre Kräfte entweder der Bekämpfung der Ungläubigen, der Einlösung von christlichen Sklaven, der Pflege der Kranken, der Bekehrung der Völfer, dem Unterrichte und der Bildung der Menschheit- deren weiter oben blos einige vorübergebend erwähnt sind, widmeten und nocy widmen. Darum hat nur sie allein das Institut der barmherzigen Schwestern, denen Freunde und Feinde gleich große Bewunderung zollen müssen. Dieses, so wie alle übrigen derartigen Institute der katholischen Kirche gründen sich aber im tiefsten Grunde auf das jungfräuliche Leben; wo dieses fehlt, da gedeiht nie eine folche Pflanze, und deßhalb werden die Bestrebungen außerhalb der katholischen Kirche, das Institut der grauen Schwestern auch auf unfatholischen Boden zu verpflanzen, zwar an sich löblich, aber gerade wegen Geringschätzung und Mangel an dieser edlen Perle, ohnmächtige und erfolglose Nachahmungsversuche bleiben. - * Das bisher Gesagte über die Erhabenheit des jungfräulichen Standes wird dich, christliche Seele, mit hoher Begeisterung erfüllen, vielleicht in dir den Wunsch rege machen, abgeschlossen von der Welt in einem Kloster ebenfalls Jesum, dem Bräutigam der Jungfrauen, dich ganz weihen zu wollen. Da nun einerseits Vielen, mannigfacher Hinderniſſe wegen, der Weg in's Kloster abgeschnitten ist, andrerseits aber wieder manche ohne reifliche Ueberlegung und Selbstprüfung sich dem Klosterleben widmen, später aber diesen zu übereilt gethanenen Schritt bitter zu bereuen Ursache haben, so soll für beide Fälle gezeigt werden, theils welche Eigenschaften das Klosterleben bedinget, theils wie - Vom jungfräulichen Stande. Jungfrauen, die Beruf dazu hätten, jedoch ihren deßfallsigen Wunsch nicht ermöglichen können, auch mitten in dem Gewühle der Welt enthaltsam und gottselig leben können; nicht minder erfordert es die Natur der Sache, jene Jungfrauen dabei zu bedenken, welche in den Ehestand zu treten gesonnen sind und werden selbe über den Beruf hiezu und auf die mit demselben verbundenen schweren Obliegenheiten aufmerksam gemacht, und auch wieder jene berücksichtiget werden, wenn der Wittwenstand später deren Loos wird, 16 wie solche auch da noch, dem Ausspruche des heiligen Paulus( 1 Cor. 40) gemäß, die Tugend der Keuschheit liebgewinnen und pflegen sollen. Alle diese und sonstige noch in dies Bereich gehörende Punkte werden nachfolgend im I. Theil dieses Jungfrauenbuches in erschöpfender Weise abgehandelt; im II. Theile hingegen der christlichen Jungfrau Gebete und Belehrungen für alle Tages- und Festzeiten, für alle Anliegen, Verhältnisse und Bedürfnisse dargeboten, welche nur immer der Andacht suchenden Seele auf den gefahrvollen Pfaden der Unschuld im Ringen und Streben nach Vollkommenheit wünschenswerth und dienlich seyn können. Loreto I. Theil. Die in allen Wegen des zeitlichen und ewigen Heiles wohl unterwiesene Jungfrau. турховом O wie schön ist ein keusches Geschlecht im Tugendglanze, unsterblich ist sein Andenken, denn es ist bei Gott und Buch der Weisheit. Menschen beliebt." ,, Eine Jungfrau ist auf das bedacht, was des Herrn ist, damit 1. Kor. 7, 34. fie an Leib und Geist heilig sei." : 070/9 ( 106 Erster Abschnitt. Von dem Berufe der Jungfrauen. I. Von dem Berufe im Allgemeinen. Was der Jungfrauen Beruf fei. er Beruf der Jungfrauen ist eine göttliche Einsprechung und innerliche Erleuchtung, durch welche der heil. Geist einer unvermählten christlichen Jungfrau den Schluß zu erkennen gibt, welchen Gott von Ewigkeit her gefaßt hat, daß sie entweder im Ehestande, oder in ewiger Keuschheit in einem Kloster, oder in der Welt gottselig lebe, und durch den guten Gebrauch der dazu verordneten Gnaden den Himmel erlange. Einige sind auf diese, Andere auf eine andere Weise von Gott berufen, sagt der Apostel, da er von beiden Ständen redet.( 1. Cor. 7, 7.) Von dem Berufe zum jungfräulichen Stande steht geschrieben: ,, Nicht Alle fassen dieses Wort, sondern diejenigen, denen es von oben herab ist gegeben worden."( Matth. 19, 11.) 2* Vom jungfräulichen Berufe Von dem Ehestande aber spricht die keusche Sara: ,, Vielleicht hast du mich einem andern Manne vorbehalten, denn es stehet nicht in der Gewalt des Menschen, daß er den Schluß verändere, den du gefaßt hast."( Tob. 3, 19.) 20 Eine Jungfrau foll ihrem Berufe nachkommen. s ist zwar kein Gebot, daß du den jungfräulichen Stand erwählest, oder den Ehestand antretest. ,, Den jungfräulichen Stand betreffend," sagt der Apostel, ,, hab' ich keinen Befehi von dem Heren empfangen." ( 1. Cor. 7, 25.) Von dem Ehestande aber spricht er: ,, Eine Jede kann in dieser Sache thun, was sie will: sie fündiget nicht, wenn sie sich in den Ehestand begibt."( 1. Cor. 7, 36.) Jedoch sollst du nicht unüberlegt und unbesonnen, und nur nach deinem Belieben den einen oder den andern Stand antreten, sondern bei demjenigen verbleiben, wozu du berufen bist.( 1. Cor. 7, 17.) Dieß erfordert nicht nur der Gehorsam, den du deinem Gotte zu leisten schuldig bist, sondern auch deine eigene, sowohl zeitliche als ewige Glückseligkeit. Gott gebietet dir zwar nicht, daß du in den Ehestand treteſt, oder daß du eine Jungfrau bleibest, sondern er erleuchtet dich, und zeiget dir sein Wohlgefallen und den Schluß, den er von dir gefaßt hat: Er spricht dir innerlich zu, er ermahnet dich, und treibt dich an, daß du demselben nachkommest. Ist es nicht billig, daß du dich in seinen heiligen Willen ergebeſt? Gott weiß, durch welche Wege und Mittel du sicherer zur Seligkeit gelangen kannst; er hat alle deine Schritte und Tritte ausgemessen; er erkennt, was deine Kräfte, die nicht bei allen Menschen gleich sind, mit seinen Gnaben, die er dir vorbereitet hat, bewirken können. Diese Gnaden aber sind auch nicht gleich bei Allen, sondern fie sind nach Art und Gestalt deines Berufes und dessen Obliegenheiten ausgetheilt worden.( 1. Kor. 12, 4.) im Allgemeinen. Einem Jeden ist eine besondere Gnade gegeben wor= den nach der Austheilung, die da Christus gemacht hat. ( Ephes. 4, 7.) 21 Nicht Alle fassen das Wort, sagt dein göttlicher Lehrmeister, da er von der ewigen Jungfrauschaft redet, sondern diejenigen fassen es, denen es von oben herab ist gegeben worden.( Matth. 19, 11.) So sollst du denn ohne besondern Beruf diesen hohen Stand nicht antreten: und es ist dir in diesem Falle besser, daß du heirathest, als daß du Brunst leideſt. ( 1. Cor. 7.) Und da auch Viele aus denen, die zum jungfräulichen Stande berufen sind, ungeachtet der häufigen und besondern Gnaden ihres Berufes entweder an ihrem Versprechen meineidig werden, oder in die Lauigfeit gerathen, und mit den thörichten Jungfrauen verstoßen werden, wie dürftest du ohne Beruf einen so hohen Stand antreten, und auf besondere Gnaden bauen, die dir Gott nicht versprochen hat? So ist auch der Ehestand ein Joch, das Vielen unerträglich zu seyn scheint, und es sind besondere Gnaden nöthig, daß man die schweren und vielfältigen Obliegen- Ⓡ heiten dieses Standes erfülle, und unter so vielen Sorgen und Geschäften das Heil seiner Seele nicht versäume, und von der Liebe der zeitlichen Sachen das Herz sich nicht bethören lasse.( Luf. 8, 14.) Wenn du aber zu dem einen oder andern Stande berufen bist, so wird dir die göttliche Vorsehung nichts ermangeln lassen an dem, was zur Verrichtung der Pflichten desselben, wie schwer sie auch immer sehn mögen, erfordert wird. Es ist dir also viel daran gelegen, daß ou deinem Berufe nachkommest, aber schwer ist es, diesen Beruf zu erkennen. Mittel, um den Beruf zu erkennen. W enn du nicht weißt, wozu dich Gott berufen hat, oder was er aus dir machen will, oder aber, wenn 22 Vom jungfräulichen Berufe du von deinem Berufe eine so geringe Erkenntniß hast, daß du deinen Wankelmuth nicht stillen, und dir nicht aus dem Zweifel helfen kannst; dann wende folgende Mittel an, um deinen Beruf klarer zu erkennen. 1. Lege ab alle besonderen Erachtungen und nur menschlichen Ursachen, aus welchen du einen Stand vor dem andern erwählen könntest, und suche nichts Anders, als den Willen Gottes zu vollziehen. Was nützt es dem Menschen, sagt der Sohn Gottes, wenn er die ganze Welt gewinnt, und das Heil seiner Seele verabsäumt Erwähle also die ewige Keuschheit nicht nur deßwegen, damit du außer dem Gehorsame eines Mannes in grösserer Freiheit lebest. Trachte auch nicht nach dem Ehestande nur aus Furcht der Verachtung und Armuth, noch um deinen Eltern zu gefallen, noch wegen frühzeitiger * Liebe, noch aus Antrieb des Fleisches allein, noch in Hoffnung einer kurzen Glückseligkeit, die etwa eine vortheilhafte Verbindung dir verspricht. ,, Du weißt, o Gott," sagte die gottselige Sara, ,, daß ich meine Seele unbefleckt erhalten habe von aller unordentlichen Begierde, und daß ich nicht aus Leichtsinn, nicht aus Antrieb des Fleisches, sondern nur aus deiner Furcht in den Ehestand eingewilligt habe."( Tob. 3, 16.) Den jungfräulichen Stand aber sollst du nur deßwegen vorziehen, damit du ohne Verhinderung deinem Gotte dienest, und in größerer Heiligkeit leben könnest. ( 1. Cor. 7, 35.) 2. In diesen heiligen Gedanken bitte deinen Gott mit aufrichtigem und einfältigem Herzen, daß Er dich durch seinen Geist erleuchte, und dir den Weg zeige, den du wandelst, und in welchem du deine Seligkeit erlangen fannst. Diese Gnade erbitte von Gott besonders zur Zeit, da dein Gott und Heiland nach der heil. Kommunion in dir zugegen ist. Nimm Maria, die Mutter des Herrn, zu deiner Fürsprecherin und Weg im Allgemeinen. weiserin, und hab' in dieser Sache auch ein besonderes Vertrauen auf den heiligen Joseph.. 3. Lebe in aller Gottesfurcht und Frömmigkeit, und liebe die Einsamkeit, in welcher Gott dir zum Herzen redet. Nicht im Getöse, nicht in Gesellschaften und üppigen Freuden wird der Geist Gottes dich erleuchten. 4. Eröffne deine innerlichen Gedanken, Einsprechungen und Erleuchtungen einem erfahrenen und geistreichen Manne, damit er dich in einer so wichtigen Sache, in der man gar bald irren kann, als ein sichtbarer Engel des Herrn bei der Hand führe. Gott wird nicht zulassen, daß er dich einen andern Weg führe, als den dir die göttliche Vorsehung vorgeschrieben hat, wenn du jene Mittel getreulich anwendest, die ich dir angegeben habe. Adso 23 II. Von dem Berufe zur ewigen Keuschheit. I. Eine Jungfrau foll nicht unbedachtsamer Weife ein Versprechen oder gelübde thun. as Gelübde der ewigen Keuschheit ist zwar bei den weltlichen Jungfrauen nicht zu verwerfen, indem es das Verdienstliche und den Werth der Jungfrauschaft vermehret, und das unbeständige Herz des Menschen in seinem Vorhaben fest und dauerhaft macht, und es ist zu allen Zeiten von der Kirche gebraucht, und von den heiligen Vätern und Lehrern gelobt und angerathen worden; doch sollst du dich hüten, daß du ein solches Versprechen oder Gelübde wegen folgender Ursachen nicht ohne die größte Ueberlegung machest: Von dem Berufe 1. Das Herz des Menschen ist von Natur Lleichtsinnig und veränderlich; wenn ein vorübergehender Erfer. eine plötzliche Andacht, in welcher man ein Gelübde gethan hat, berschwindet, dann kommen zuweilen ganz andere Gedanken, und man kann das Versprechen nicht mehr zurückrufen. 2. Es gibt in der Weit viele gefährliche Gelegenheiten und unvorhergesehene Anfechtungen, welche das beste Vorhaben vernichten, und das Herz und die Neigungverkehren, besonders, wenn die Tugend noch schwach ist. 24 3. Ein solches Versprechen gibt einem furchtsamen Gemüthe viel zu schaffen, und stürzt es gar oft in große Bangigkeit und beunruhigende Zweifel, welche die Freiheit des Geistes benehmen, und ein verwirrtes Gemüth zur christlichen Vollkommenheit untauglich machen. 4. Der allzugroße Eifer kann bei den Anfangenden gar bald erlöschen, und sich in die Lau- und Kaltsinnigfeit verkehren, wo sodann das Gelübde der Keuschheit ein unerträgliches Joch zu seyn scheinet. 5. Mit diesem Gelübde mußt du viele Sachen thun und meiden, die dich bei der verkehrten Welt unwerth und verächtlich machen. Wenn du es aber mit der Welt halten willst, wie kannst du eine Braut Christi seyn, und rein verbleiben? 6. Die Besorgniß der Armuth und der Verlaffenheit, in welche du außer dem Ehestande mit der Zeit gerathen fönntest, ist für eine in der Tugend noch schwache Jungfrau eine gefährliche Anfechtung, die ihr den Ehestand als ein verscherztes Glück vorbildet, und vielen Anlaß gibt, das gemachte Gelübde bei sich selbst zu verdammen, was der Jungfrauschaft allen Glanz benimmt, und ein Anfang ist des geistigen Ehebruches. 7. Die sinnlichen Antriebe sind zuweilen so heftig, daß eine in diesem Streite noch unerfahrne Tochter ihr Gelübbe als eine unmögliche Sache erachtet, und entweder sich heimlichen Sünden hingibt, oder, um in den zur ewigen Keuschheit. Ehestand zu treten, sich des gemachten Gelübdes entheben läßt, woraus eine ewige Unruhe des Getwissens und gar oft eine unglückliche Ehe entspringt. Hüte dich also vor einem unzeitigen und unbedachten Gelübde der Keuschheit, und betrachte wohl jene Worte der Weisheit: ,, Gott hat ein Mißfallen an einem meineidigen und närrischen Versprechen, und es ist viel besser, daß du nichts gelobest, als daß du dein Gelübde nicht baltest, da du es gethan hast."( Pred. Sal. 5, 3.) Wenn aber eine innere Stimme dich unaufhörlich ermahnet, deine Jungfräulichkeit Christo zu geloben, so handle mit der höchst nothwendigen Behutsamkeit. 1. Sei deines Berufes wohl versichert, den du aus den weiter unten folgenden Kennzeichen ermessen kannst. 2. Ungeachtet dieser Versicherung, sollst du doch nichts geloben, sondern nur den Vorsatz machen, in ewiger Jungfräulichkeit zu leben, bis du aus der Erfahrung lernest, daß du in dieser Lebensart bis an das Ende verharren kannst. 25 3. Wenn du aber, um allen widrigen Gedanken zu begegnen, und durch eine größere Liebe dich mit Christo zu vereinigen, vor genugsamer Prüfung ein Gelübde thun willst, so thu' es nur für eine bestimmte Zeit, zum Beispiel für ein halbes, oder für ein ganzes Jahr, und so fort, bis du im Stande bist, mit Christo auf ewig dich zu verbinden. 4. Du sollst auch in diesem Falle ohne Wissen und Willen eines verständigen Beichtvaters eine so wertaussehende Sache nicht unternehmen, und nicht überdrüßig werden, wenn er von einer Zeit auf die andere dich hinweiset. Wisse aber, daß diese gänzliche und ewige Verbindung mit deinem Erlöser von dir große Opfer bedingt. Du mußt der Welt und ihren Eitelkeiten auf ewig entsagen, und bereit seyn, aus Liebe für deinen göttlichen Bräutigam Alles zu leiden, was er immer, um deine 26 Von dem Berufe Liebe zu prüfen, und dich ihm gleichförmig zu machen, über dich verhängen wird. Und weil du in einem Tage oder in einem Jahre zu solcher Vollkommenheit nicht gelangen kannst, so folgt hieraus, daß du das Gelübde deiner Jungfräulichkeit auf eine längere Zeit hinaus verschiebest. Sollest du aber ein Gelübbe der Keuschheit schon gethan haben, so schreite auf diesem Wege fort, mit großem Vertrauen auf die Gnade Jesu Christi. II. Sichere Kennzeichen des Berufes zur emigen Keuschheit. Miſſe, daß der Geiſt Gottes nicht allen Zungfrauen auf gleiche Weise zum redet, ausdrücklichen Worten ihnen sagt, daß sie ihm ihre Jungfräulichkeit geloben sollen. Es gibt andere Wirfungen, die dir den Willen Gottes und deinen Beruf zu erkennen geben. Erstes Kennzeichen. Wenn du neben der Hochschätzung des jungfräulichen Standes von den ersten Jahren an eine heftige Neigung, Liebe, Begierde zum Gebete und zur Einsamkeit verspürest, und die Welt sammt ihrer Pracht und ihren schnöden Freuden verachtest, oder aber, wenn du nach dem Klosterleben von Jugend auf einen unüberwindlichen Hang in deinem Herzen getragen hast. Wenn du auch schon diesen Stand nicht erreichen fannst, so hast du doch ein sicheres Zeichen, daß Gott an deiner Jungfräulichkeit ein Wohlgefallen hat; denn eine solche Anmuthung kann nicht von der Welt und von dem Fleische kommen. Bweites Kennzeichen. Wenn du durch die Gnade Jesu Christi in dir eine heftige und immerwährende Begierde nach christlicher Vollkommenheit verspürst, und einestheils den Ehestand als ein großes Hinderniß, anderntheils aber den jungfräulichen Stand als ein bequemes Mittel betrachtest, dein vorgesetztes Ziel zu erreichen, 27 zur ewigen Keuschheit. so bist du außer allem Zweifel zur ewigen Jungfräulichkeit berufen: denn der Apostel lehrt ausdrücklich, daß eine Jungfrau, die da heirathet, zwischen Gott und der Welt getheilt ist, welche aber eine Jungfrau bleibt, Gott allein zu gefallen, und am Leibe und im Geiste heilig zu werden sich bemühet.( 1. Cor. 7, 34.) Drittes Kennzeichen. Wenn du zuvor eine Zeit lang die Welt geliebet, und nach der Heirath als nach einer grossen Glückseligkeit getrachtet, später aber nach und nach, und zuweilen auf einmal, diese Lust und Meinung verloren, und ganz andere Gedanken gefaßt hast. Es mag diese Veränderung nur aus einem innerlichen Antriebe, oder auch aus andern äußerlichen Ursachen berühren, wenn sie nur beständig anwesend bleibt, so darfst du an dem göttlichen Berufe keinen Zweifel haben. III. 3weifelhafte Beichen des Berufes zur ewigen Keuschheit und wie man sie unterscheiden kann. s gibt Jungfrauen, welche früherhin nach nichts anderm, als nach der Einsamkeit und nach dem Klosterleben sich gesehnet haben; weil sie aber den ersten Eifer verloren, und durch üppige Freuden mit der Welt. sich zu vertraut gemacht haben, ist auch der Geist des Berufes von ihnen gewichen. Andere gibt es, die genugsame Zeichen dieses himmlischen Berufes in sich verspüren, die aber diese Stimme nicht wollen anhören, weil sie der Eigenliebe und der verkehrten Natur, die sie nicht zu bändigen wissen, zuwider ist; oder die aus Zerschlagenheit des Gemüthes, oder aus natürlicher Furchtsamkeit ein so schweres Werk sich nicht zu unternehmen getrauen, wie zum Beispiele die Mägde und arme Töchter; oder die aus Eingebung der falschen Weltflugkeit einen solchen Beruf für eine Einbildung oder Thorheit halten. Von dem Berufe Diese müssen, um ihren Beruf sicherer zu erkennen, die oben angegebenen Mittel anwenden: das heilige Gebet, die Reinigkeit des Herzens, die Einsamkeit, und vorzüglich eine reumüthige, findliche Beicht, und den öftern Gebrauch der heiligen Sakramente. Und wenn alsdann die vorige Neigung und Liebe zum jungfräulichen Stande wieder erwacht, oder wenn die innerliche Einsprechung, die sie nicht anhören wollten, noch stärker sich zu erkennen gibt, so sollen sie des göttlichen Willens oder Berufes der ewigen Keuschheit versichert seyn. Diejenigen aber, welche durch das Gelübde der chheit in der Welt oder in einem Kloster schon wirklich mit Christo verbunden sind, und wegen ihres ausgelassenen oder kaltsinnigen Wandels von dem Geiste der Andacht verlassen sich einbilden, daß sie zu diesem Stande nicht berufen sind,- sollen den erloschenen Effer wieder zu erwecken suchen, und versichert seyn, daß die vorigen Freuden des Geistes nicht ausbleiben werden, wenn sie sich bemühen, sinnliche Lüste durch tägliche Selbstbeherrschung verachten zu lernen. Eine Jungfrau aber, welche die besten Jahre in der Eitelkeit der Welt zugebracht, und vergebens in den Stand der Ehe zu treten gesucht hat, nun aber aus Erkenntniß der ungetreuen Welt die noch übrige Zeit ihres Lebens im Dienste Gottes anzuwenden besondere Neigung fühlet, soll deßwegen nicht meinen, daß ihr spätes Opfer Christo dem Herrn nicht gefalle. Sie kann die in der Eitelkeit verlebte Jugend durch einen desto größern Eifer ersetzen, je mehr sie die Nichtigkeit. der weltlichen Freuden erkennt. 28 Auch diejenigen, welche aus menschlicher Schwachheit gefallen sind, sollen den Muth nicht verlieren, und bedenken, daß sie mit der büßenden Magdalena die Füße des Herrn mit ihren Thränen beneßen, und durch eine demüthige Keuschheit Christo dienen können, wofern sie zu diesem Stande Neigung und Liebe verspüren. zur ewigen Keuschheit. 29 IV. Von der Hochschätzung des Standes der ewigen Jungfräulichkeit. G rfreue dich, o Jungfrau, in deinem Herzen, und danke deinem göttlichen Bräutigam, daß er dich zu dem jungfräulichen Stande berufen hat, der so vortrefflich, glückselig und im Himmel glorreich ist.*) 1. Bortrefflichkeit des jungfräulichen Standes. ie Neigung und Liebe zum Ehestande ist dem Menschen von Natur angeboren: die Neigung und Liebe aber zur ewigen Jungfrauschaft ist eine Gabe des heiligen Geistes, und Niemand kann dieses Wort faffen, er sei denn von oben herab erleuchtet.( Matth. 19, 11.) Die Jungfrauschaft ist um so viel vortrefflicher, als der Ehestand, um wie viel der Himmel mehr zu schätzen ist, als die Erde, und die Engel den Menschen in der Vortrefflichkeit vorgehen, sagt der hl. Chrysostomus. Der heilige Augustin schreibt: ,, die jungfräuliche Reinigkeit ist ein Theil der Natur der Engel, und ein Vorbild der ewigen Unverwesenheit der glorreichen Leiber; denn was diese im Himmel sehn werden, das ist ein jungfräulicher Leib auf Erden." Alle Auserwählten werden in dem Himmel seyn, wie die Engel Gottes; indem sie wie die Engel des Ehestandes nicht gebrauchen werden.( Matth. 22, 30.) Die Engel beten Christum an in dem Himmel; die Jungfrauen aber sind die Engel, die ihm auf Erden dienen, sagt der heil. Cyprian. Derselbe sagt ferner: ,, Es scheint sogar, daß die auf Erden lebenden Jungfrauen in dem Lobe der Reinigkeit den Engeln vorgehen, indem diese von Natur rein sind, weil sie keine Leiber haben; die Jungfrauen aber sind rein durch heldenmüthiges Kämpfen, da sie in dem Fleische das Fleisch überwinden, und nicht nur wider das Fleisch *) Lies über diesen Punkt auch vorne Seite 8-15 nach. 30 Von dem Berufe und die Welt, sondern auch wider die unsichtbaren Geister tapfer streiten, und einen herrlichen Sieg erhalten." ,, Die Jungfrauen sind die schönsten Blumen der Kirche, die auserlesensten Schäflein der Heerde Christi, das vollkommene Ebenbild seiner Heiligkeit, die Schönheit der göttlichen Gnade, und das unbefleckte Meisterstück der Hände Gottes." Der heil. Athanasius sagt: ,, die Jungfrauschaft ist ein unerschöpflicher Schatz; sie ist ein köstlicher Edelstein; sie ist der Tempel Gottes und die Wohnung des heiligen Geistes; sie ist die Besiegerin des Todes; sie iſt das Leben der Engel, und die Krone der Auserwählten." 11 Die Jungfrauschaft ist so vortrefflich, und der Glanz ihrer Schönheit so herrlich, daß kein menschlicher Verstand dieselbe fassen und begreifen kann, sagt der heilige Ambrosius. Ihr Glanz, sagt der heil. Hieronymus, hat den Sohn des Allerhöchsten so eingenommen, daß er aus einer unbefleckten Jungfrau hat wollen geboren werden. Er selbst ist eine Jungfrau, und der Bräutigam der Jungfrauen. 2. Glüdseligkeit des jungfräulichen Standes. Ver Ehestand scheint zwar anfänglich glückselig zu seyn; aber gar bald wird diese Glückseligkeit in Kreuz und Drangsal verändert.( 1. Cor. 7, 28.) Diese Drangsale bestehen aus den einer furzen und armseligen Lust folgenden Unpäßlichkeiten und Schwachheiten des schwangern Leibes; die todesgefährlichen Schmerzen der Kinder- Geburt; die immerwährenden Sorgen, Mühseligkeiten und Kümmernisse, die eine Mutter mit ihren. Kindern in ihrer Unmündigkeit, in ihrer Jugend, und in ihrem erwachsenen Alter tragen muß; die unruhigen Gedanken, ob diese Kinder Leid oder Freude, verursachen, ob sie den Himmel erwerben, oder die Hölle verschulden werden; Kreuz und Betrübniß, Verdruß tind 31 zur ewigen Keuschheit. Unwillen, so diese Kinder verursachen; die ewigen Sorgen des Zeitlichen, und die unaufhörliche Mühe und Arbeit der Hausgeschäfte; die ewige Furcht und Angst, daß man nicht verliere, was man besitzt, und die unausbleibliche Traurigkeit über den Verlust dessen, was man geliebt hat. Es ist das schwere Joch des Gehorsams und der ewigen Unterthänigkeit, so Gott dem Weibe hat aufgebürdet.( 1. Mos. 3, 16.) Die furchtbare Erwartung der betrübten und trostlosen Wittwenschaft, die Furcht des Todes, die Alles zertrennt, und die darauf folgende strenge Rechenschaft über die vielen und schweren Obliegenheiten des Ehestandes, gehören nicht minder zu jenen Drangsalen, von welchen auch der glückseligste Ehestand nicht befreiet iſt. Wenn aber eine Heirath übel ausschlägt, wenn die erste Liebe erlöscht, die Eifersucht einreißt, die Armuth überhandnimmt, Zank und Hader einreißt; wenn man den Kindern nicht helfen, ihre Fehler nicht verbessern, ihr Glück nicht befördern fann; wenn ein herrischer, eigensinniger und grober Mann einer furchtsamen Ehefrau stets an der Seite ist; wenn er durch seine Verschwendung sie und die Kinder in die äußerste Armuth bringt; wenn sie nach seinen Launen sich richten, und gleich einer Magd ihm dienen muß, kann wohl ein unglückseligerer Stand erdacht werden? - Diejenige aber, die eine Jungfrau bleibt, ist von allen diesen Drangsalen des Ehestandes befreit; keine Armuth drückt sie, kein Todesfall betrübt sie, kein Kummer ängstiget sie, kein Mann beherrscht sie. Christus allein ist ihr Bräutigam, ihr Herr und ihr Haupt. In seiner Gesellschaft ist kein Verdruß, in seinem Gespräche keine Bitterfeit, in seinem Versprechen keine Untreue, in seiner Liebe keine Eifersucht, in seinem Besitze keine Furcht, sondern lauter Süßigkeit, eine wunderbarliche Freundseligkeit und Vertraulichkeit,( Worte des heiligen - Von dem Berufe Cyprian,-) daher ist der jungfräuliche Stand glückfeliger.( 1. Cor. 7, 8 u. 40.) 3. Heiligkeit des jungfräulichen Standes. ine Ehefrau sucht ihrem Manne zu gefallen; durch die Sorge für ihre Kinder, ist sie an irdische Dinge gebunden. Aus dieser Liebe und Sorgfalt entspringen tausenderlei unruhige Gedanken, irdische Begierden, unordentliche und ungestüme Gemüthsregungen, die den Glauben verdunkeln, die Liebe Gottes schwächen, den Geist zerstreuen, das Herz zertheilen, und die Tugend beschwerlich machen.( 1. Cor. 7, 24.) 32 Welche aber eine Jungfrau bleibt, die hat Niemand, als ihrem Gotte zu gefallen, und sucht nur durch die Reinigkeit des Leibes und der Seele zur Heiligkeit zu gelangen.( Ebendaselbst.) Sie kann ohne Hinderniß mit Gott reden, und die Stimme des heiligen Geistes in der Ruhe und Einsamkeit, entfernt vom Geräusche weltlicher Sorgen, besser vernehmen, und derselben leichter nachkommen.( 1. Cor. 7, 35.) Daher sagt der heil. Augustin: ,, Sie lobet Gott mit größerer Süßigkeit ihres Herzens; sie hoffet auf ihn mit größerem Vertrauen, sie liebet ihn mit gröfferem Eifer." 4. Besondere Belohnung des jungfräulichen Standes. ie Jungfrauen Christi haben nicht nur eine grössere Belohnung, weil ihre Heiligkeit größer ist, jondern auch eine besondere Krone im Himmel zu erwarten. Selig ist diejenige, die da unfruchtbar und unbeflecket bleibet, und nichts weiß von dem Ehebette; denn sie wird mit den heiligen Seelen belohnt, und ein besonderes Erbtheil wird ihr gegeben werden.( Weisheit Salom. 3, 13.) 50% Eine gottselige Ehefrau ist die Dienerin, eine Jungfrau aber die Braut Christi, welchem sie allein zur ewigen Keuschheit. 33 ihren Leib und ihre Liebe aufgeopfert hat; der Braut aber gebührt eine herrlichere Belohnung, als der Magd. Diese besonders herrlichere Belohnung wird ihr zu Theil werden, wenn sie nach dem rauhen Winter der Versuchung und des Streites zu ihrem Geliebten von hinnen geht. Dann wird sie hören jene liebliche Stimme ihres Bräutigams: Komm, meine Braut, komm, du sollst gekrönt werden.( Hohel. 4, 8.) Hierüber sagt der heil. Ambrofius: ,, Die jungfräuliche Mutter des Herrn, von vielen Jungfrauen begleitet, wird ihr entgegen kommen, und sie zum Throne ihres Sohnes führen, und sprechen:" Mein Sohn! Sieh hier die Tochter, die dir zu Lieb ihre Jungfrauschaft unverletzt bewahret hat."- Und nachdem ihr jungfräulicher Leib im Staube der Erde wird geruhet haben, wird er, von den Todten auferwecket, zum ewigen Leben auferstehen, und durch ungemeine Schönheit alle andern Leiber der Auserwählten, die keine Jungfrauen sind, übertreffen, und von den Engeln Christo entgegen in die Höhen getragen werden. Dann wird sie mit ihrem göttlichen Bräutigam in sein ewiges Reich eingehen, und immer an seiner Seite seyn. Sie wird am Tage ihrer Vermählung, welcher ein ewiger Tag seyn wird, ein neues Lied singen, welches Niemand wird singen können, als solche, welche Jungfrauen sind. Sie wird ihrem Bräutigam nachfolgen, der sie in angenehme Fluren und Gärten führen wird, deren Blumen lauter Freuden sind; nicht solche Freuden, die man in der Welt findet, oder die andere Auserwählte, welche teine Jungfrauen sind, im Himmel finden werden; sondern solche Freuden, die nur den Bräuten Christi vorbehalten sind, ungemeine und ganz besondere Freuden, die ihr Bräutigam selbst genießt, werden auch den Jungfrauen gegeben werden, weil sie seine Bräute sind. In diese endlosen Freuden werden sie eingehen. uz 188 Jungfrauenbuch. 3 III. Von dem Berufe der Jungfrauen zum Klosterleben. 1. Welche Jungfrauen zum Klosterleben berufen find icht alle Jungfrauen Christi sind zum Klosterleben beruen. Mit dem Berufe zum Klo= sterleben gibt die göttliche Vorsehung auch die nothwendgen Mittel, die körperlichen Kräfte, und die innere Beschaffenheit des Gemüthes, Neigung und Liebe. Nun aber gibt es sehr viele Jungfrauen, welche durch sichere Kennzeichen zum jungfräulichen Stande berufen sind, welchen doch die eine oder andere von jenen Eigenschaften fehlet. Einige werden nicht aufgnommen, weil sie die nöthigen Geldmittel nicht haben, Andern fehlt es an der Gesundheit, wieder Andern hat die Natur die zum Klosterleben gehörigen Tugenden und Eigenschaften nicht mitgetheilt; man muß in einem Kloster wie ein Kind sich unter dem Gehorsam beugen; man muß neue Gebräuche und zuvor unbekannte Uebungen des Klosterlebens erlernen, allen 35 Vom Berufe zum Klosterleben. Eigensinn ablegen, sich nach den wunderlichen Launen so vieler Mitschwestern zu richten wissen, und ihre Schwachheiten und Fehler ertragen, was eben nicht Alle thun können, besonders jene nicht, die schon ein gewisses Alter erreicht haben, oder von Natur aus mürrisch sind. So ist auch jenen das Klosterleben nicht anzurathen, die mit Zweifeln und Plagen eines irrenden Gewissens behaftet sind, bei welchen die Gebräuche und Regeln eines Ordens, die Gelübde des geistlichen Standes, und andere besondere Obliegenheiten eine viel größere Unruhe verursachen würden. Denke nicht an das Klosterleben, es sei denn, daß du eine große Neigung und Liebe dazu verspürest. Was du für einen Beruf zum Klosterleben ansiehst, ist gar oft nichts anders, als der Beruf, in der Welt als Jungfrau zu leben. Wenn dir aber nichts von dem fehlet, was eine Klosterjungfrau in der Heiligkeit und zur Verrichtung ihrer Obliegenheiten bedarf, und wenn du zu dieser Lebensart eine starke und beständige Neigung fühlest, dann sollst du diesen Beruf nicht versäumen. 2. Eine Jungfrau soll den augenscheinlichen Beruf zum Klosterfeben nicht verabfäumen. We liefert enn du einen beständigen Antrieb zu einem geistOrdensstande in dir verspürest, und eine innerliche Stimme dir immer zuruft: daß du die Welt gänzlich verlassen, und in der Einsamkeit eines Klosters deinem Gotte dienen sollest, so ergib dich gehorsam in den Willen Gottes, ob auch die Menschen dir darüber ein Bedenken machen, indem du vielleicht nirgends eine wahre Ruhe des Herzens und eine reine Freude des Geistes, als eben in dieser Einsamkeit finden, und in der Welt zu Grunde gehen könnteſt. Wenn man dir sagt, daß du auch in einem Kloster eine verkehrte Welt und große Schwachheiten finden wirst, so gib zur Antwort: daß diese Welt nicht so böse und 3* Von dem Berufe der Jungfrauen verrucht ist; daß die Gefahren nicht so groß, die Gelegenheiten, Böses zu thun, nicht so gemein, die Anfechtung nicht so heftig, der Fall nicht so schwer, und die Mittel, wieder aufzustehen, häufiger und kräftiger sind. 36 Wenn man dir fagt, du fönnest auch in der Welt im jungfräulichen Stande deinem Gotte dienen, so bedenke, daß es dir auch fehlen kann. Das stete Rufen Gottes zeigt dir an, daß dich Gott durch diesen, und vielleicht nicht durch einen andern Weg will zur Heiligkeit führen. Erwähle das Gewissere. 3. Was für ein Kloster eine Jungfrau wählen soll. 3 n dieser Sache sollst du vorzüglich deiner innern Neigung folgen, womit gewöhnlich der Ruf Gottes übereinstimmt. In einem Kloster regiert der Geist des Gehorsams, in einem andern der Geist der Armuth, in einem andern der Geist der Buße, in einem andern der Geist der Mildseligkeit, in einem andern ist man nur seiner eigenen Vollkommenheit, in einem andern aber auch des Heiles des Nächsten beflissen. Zu welchem Geiste du dich am meisten hinneigest, dahin sollst du auch vor allen andern deine Gebanken kehren. Damit du aber nicht irrest, so beobachte folgende Vorschriften: 1. Frage um Rath einen klugen und in dieser Sache wohl erfahrenen Beichtvater, der unparteiisch ist, und nur aus natürlicher Neigung und geistiger Verwandtschaft einen Ordensstand dem andern vorzieht. 2. Erwähle das Kloster, worin die innere Andacht und das Streben nach Vollkommenheit herrschen; denn zu diesem Zwecke hat dich Gott aus der Welt in das Kloster berufen. 3. Geh in jenes Kloster, worin Liebe unter den Schwestern, und die Einhelligkeit der Gemüther regiert; wie kann da der Geist Gottes zugegen seyn, wo Zwie tracht und Uneinigkeit die Herzen trennen! zum Klosterleben. 4. Erwähle nicht ein Kloster, das den Schwestern Thür und Thor öffnet, ihnen den Ausgang in die Welt, und den Weltleuten ohne Unterschied der Geschlechter den Eingang gestattet, wo Vorwitz und weltliche Gespräche das Gemüth fortwährend zerstreuen, beunruhigende Aumuthungen verursachen, und den Geist der innern Andacht auslöschen. 37 5. Erwähle ein Kloster, worin Speisen und Kleider gleichmäßig beigeschafft werden; sonst würden Eigennutz, Sorge für das Zeitliche, Neid und Mißgunst bald überhand nehmen. 6. Wenn es seyn kann, entferne dich aus der Gegend, wo deine Freunde und Blutsverwandte leben, von deren Gemeinschaft du nichts als Zerstreuung des Geistes, unnütze und unruhige Sorgen, Verdruß und Kummer zu erwarten haſt. 4. Wie eine Jungfrau fich in dem Kloster verhalten ſoll. B ilde dir 1. nicht ein, daß du in einem Kloster lauter Engel finden werdest; denn selbst die heiligsten Klöster sind von den weiblichen Schwachheiten und Gebrechen nicht frei. Deßwegen sollst du dich nicht ärgern über die Fehler Anderer, sondern meide, was dir an Andern mißfällt, und mache es wie die Biene, die aus den Blumen nur den Honig sauget. Lerne von einer den Gehorsam, von einer Andern die Demuth, von dieser bie Mildseligkeit, von jener das Stillschweigen, und so fort. 2. Halte mit beständigem Eifer die Regeln und Satzungen deines Ordens; hierin wirst du deine Heiligkeit und die Erfüllung des göttlichen Willens finden. 3. Sei gehorsam deinen Obern, mild und freundlich gegen deine Mitschwestern, doch sollst du gegen keine besondere Neigung und Liebe verspüren lassen, wodurch Eifersucht, Uneinigkeit, Trennung der Gemüther, und manche Sünde veranlaßt wird. Von dem Berufe der Jungfrauen 4. Mische dich nicht in die Angelegenheiten der Andern, als in so weit es dein Amt erfordert. Laß einer jeden ihre Meinung, ihren Wahn, und zanke nicht dagegen. Verlange nicht zu wissen, was in der Welt, der du abgestorben bist, geschieht; liebe die Einsamkeit und das Schweigen, und laß dich nicht ohne Noth an dem Sprechgitter sehen. 5. Ueberlabe dich nicht mit vielen äußerlichen Andachten und mündlichen Gebeten; und wenn du solche aus Gehorsam zu verrichten schuldig bist, so verrichte sie mit möglichster Aufmerksamkeit und guter Meinung. 6. Wähle eine bestimmte Zeit des Tages, in welcher du deinen göttlichen Bräutigam in den heiligen Sakramenten des Altars außerordentlich heimsuchest. Ihm eröffne dein Anliegen, deine Leiden; Er kann dich beffer trösten, als falsche und eigennützige Menschen, welche gar oft nur deiner lachen. 7. Verlange nicht, Obere zu seyn, oder ein anderes Amt zu verwalten. Es ist viel sicherer, gehorchen als befehlen! 8. Meide die geringste Sünde, und bedenke, daß weder das Ordenskleid noch der Chorgesang, sondern nur die Reinigkeit des Herzens, und eine aufrichtige Meinung, Gott zu gefallen, dich selig macht! 9. Gedenke nicht der weitaussehenden Obliegenheiten deines Standes, sondern sei nur darauf bedacht, daß du den Tag, den dir Gott gibt, wohl zubringest! 38 5. Eine Klofter- Jungfrau foll sich selbst und der Welt gänzlich abfterben. u hast durch das Gelübde der Armuth allen weltlichen Gütern und Bequemlichkeiten des Lebens, durch das Gelübde der Keuschheit aller weltlichen Liebe, und durch das Gelübde des Gehorsams deinem eigenen Willen auf ewig entfagt: du bist dir und der Welt durch dein geistliches Versprechen abgestorben. Be 39 zum Klosterleben. gehre nicht mehr zu besitzen, was du aus freiem Willen Jesu Christo zu Lieb verlassen hast! Bedenke, daß du nunmehr die Freundin und Braut Jesu Christi bist. Wie thöricht wärest du, wenn du seiner Liebe und deiner Treue vergessend, in geringfügigen Sachen außer ihm ein Vergnügen suchtest, nachdem du größere Sachen ihm zu Liebe verachtet haſt! Dulde also in deinem Herzen keine Begierde nach weltlichen Dingen, wie unbedeutend sie auch sehn mögen! Und wenn du auch noch keine Freude in deinem gewählten Stande fühlest, so leide wenigstens mit Geduld und Schweigen, wenn dir bald dieß, bald jenes fehlt; wenn man deiner vergißt; wenn man dich verachtet; wenn man dich deiner Fehler wegen züchtiget oder dir Andere vorzieht! Sei gehorsam und unterthänig deinen Vorgesetzten; und murre nicht wider sie, wenn sie dir auch beschwerliche Verrichtungen auftragen, oder deinen Eigensinn zu brechen suchen. Verdamme vor dir selbst den innerlichen Aerger, den du empfindest, wenn man dir etwas aufbürdet, was du nicht gerne trägst! Berläugne dich alle Stunden und Augenblicke; gestatte deinen Sinnen keine Freude, kein Vergnügen, als ein solches, das du ihnen vernünftiger Weise nicht versagen kannst! Streite täglich wider deine unordentlichen Gemüthsregungen; unterwirf deine Sinnlichkeit der Vernunft, und deine Vernunft dem Gehorsam! Alle deine Neigungen sollen sich nach Gott richten; nichts soll dich erfreuen, als Gott und sein göttliches Wohlgefallen, nichts soll dich betrüben, als der Gedanke, ihn zu beleidigen. Auf diese Art wirst du, dir und der Welt abgestorben, Jesu deinem Liebhaber allein leben, und den Kranz deines himmlischen Berufes erlangen! 1888S0 N IV. Von der ewigen Jungfrauschaft im weltlichen Stande enn du, o gottselige Jungfrau, zu dem Stande der ewigen Keuschheit von Gott berufen bist, und aus den bereits genannten Ursachen dich in ein Kloster nicht einschliessen kannst, oder willst, so weihe dich in der Welt der ewigen Jungfrauschaft, und achte wenig, was die falsche Klugheit der Menschen, oder deine eigene Furcht vor dieser Lebensart, mitten in der Welt, dir sagen kann. Man wird dir sagen: die Jungfrauen gehören in das Kloster; man könne in der Welt nicht so heilig leben, wie es dieser heilige Stand verlange; es seien die Jungfrauen in der Welt verachtet, und von Jedermann verlassen; es sei eine gefährliche, ja unmögliche Sache, in der verderbten Welt die jungfräuliche Reinigkeit zu bewahren. Wider diese falsche und furchtsame Klugheit führe folgende Gründe an: Von der Jungfrauschaft im weltlichen Stande. 41 1. Unzählbare Jungfrauen haben außer den Klöstern Chrifto in ewiger Keuschheit gedient. öre, was hierüber nicht nur heilige Kirchenlehrer, von Anzahl der Jungfrauen, die Christo in der Welt dienten, geschrieben haben, und lerne daraus, daß nicht alle Jungfrauen in das Kloster gehören, indem damals nur wenige Klöster bestanden. Der gelehrte Jude Philo, der zur Zeit der Apostel gelebt hatte, schreibt von den ersten Christen: ,, Obwohl diese Gattung von Menschen, die in ewiger Jungfrauschaft leben, schon in der ganzen Welt ausgebreitet ist, und nicht nur in Griechenland, sondern auch unter den wilden Völkern eine so vortreffliche Sitte eingeführt ist, so sieht man doch in Egypten und in der großen Stadt Alexandria eine unglaubliche Anzahl der Männer und Weiber, welche Gott dem Herrn in ewiger Jungfrauschaft dienen, die nicht aus Noth, sondern aus freiem Willen und aus Liebe der Weisheit diesen Stand erwählt haben." Der heilige Martyrer Justinus schreibt um das Jahr Christi 150 an den Kaiser Antonin den Frommen: ,, Sehr viele von den Christen von sechzig, jiebenzig Jahren sind von ihrem blühenden Alter an der Lehre Christi nachgekommen, und leben in unversehrter Reinigkeit des Leibes." Athenagoras, von Justinus angezogen, spricht also: Man findet bei uns sehr viele Männer und Weiber, welche im ledigen Stande zu einem sehr hohen Alter gekommen, und diese Lebensart erwählt haben, weil sie dadurch bessere Gelegenheit haben, dem Gebete obzuliegen, und Gott zu dienen. Der heil. Kirchenlehrer Cyprianus, in seinem Buche von der Zucht der Jungfrauen um das Jahr 250 schreibt: ,, Die Welt ist voll von Menschen, welche die jungfräuliche Reinigkeit halten." Von der ewigen Jungfrauschaft Der heil. Ambrosius in seinem Buche von den Jungfrauen um das Jahr Christi 374 spricht von Asien und Afrika: ,, In jenen großen Ländern ist eine größere Anzahl derer, welche sich jährlich durch die ewige Jungfrauschaft mit Gott verbinden, als hier in unsern Ländern auf die Welt kommen." 42 Und in seinem Schreiben an den Kaiser Valentinian: ,, Die ganze Schatzkammer des römischen Reiches würde nicht genügen, wenn man alle Gottverlobte Jungfrauen daraus erhalten müßte." Der heil. Chrysostomus um das Jahr 400 sagt: ,, Was zuvor unmöglich zu seyn schien, das sehen wir jetzt mit unsern Augen; denn nicht nur im römischen Reiche, sondern auch bei den Schthen, Thraciern, Indiern, Persern und sehr vielen andern Völkern, sieht man ganze Schaaren der Jungfrauen, und sind deren eine größere Anzahl, als von solchen, die im Ehestande leben." Der heil. Hieronymus um dieselbe Zeit, in seinem Sendschreiben an Demetrias, bezeuget, daß in der großen Stadt Rom die vornehmsten Häuser voll waren von Jungfrauen, die Christo ihre Jungfrauschaft verlobt hatten, und daß nicht nur adelige Töchter, sondern auch deren Mägde und Diener die ewige Keuschheit gelobt, und mit ihrer Herrschaft, mitten in der Welt, die Welt überwunden, und wider das Fleisch gestritten haben. In dem Leben der Väter bei Palladius, Helenop, Hieronymus, Ruffinus, Theodoretus und andern, findet man zahllose Beispiele von Jungfrauen, welche theils einsam bei ihren Eltern, theils in Gemeinschaft außer den Klöstern gelebt haben. Und obwohl die große Anzahl der Klöster, die unter den katholischen Kaisern im ganzen Reiche errichtet wurden, eine große Menge Jungfrauen an sich zogen, so sind doch ungleich mehr seit jener Zeit in der Welt geblieben, die sich mit Christo vermählet, und unter den Weltmenschen, wie Engel auf Erden, gelebt haben, deren noch späterhin 43 im weltlichen Stande. weit mehr in der Welt, als in den Klöstern, gefunden wurden. Urtheile hieraus, ob es gerade nöthig ist, daß alle Jungfrauen Christi in das Kloster gehen. 2. Es ist keine gar zu schwere, noch unmögliche Sache, in der Welt in ewiger Keuschheit zu leben. ie ewige Keuschheit hat zwar in der Welt weit mehr Anfechtungen und gefährlichere Gelegenheiten, als in den Klöstern; aber mit der Gnade Gottes kannst du sie überwinden, wie so viele heilige Jungfrauen dieselben überwunden haben. Wie heftig auch immer die Anfechtung, wie gefährlich die Gelegenheit, wie stark auch die Versuchung seyn mag, so können sie deiner Keuschheit nicht schaden, wenn deine Einwilligung nicht hiezu kömmt, besonders wenn du dazu nicht selbst auf eine sträfliche Weise Anlaß gibst. Diese Einwilligung aber in eine Anfechtung kann Niemand von dir erzwingen; selbst die ganze Macht der Hölle ist es nicht im Stande. Durch viele Gefahren und Anfechtungen, denen du nicht entgehen kannst, wird deine Tugend muthiger, deine Reinigkeit bewährter, dein Wandel behutſamer, dein Eifer anhaltender, und deine Krone im Himmel glänzender. Haben nicht auch die Klosterjungfrauen wider die Begierde des Fleisches stets zu streiten? Welche Thore sind so verschlossen, welche Mauern so dicht, daß nicht das Gift der höllischen Schlange sie durchdringen fönnte? Wenn so manche Eheleute mit gegenseitiger Einwilligung, und so viele junge Wittwen in ewiger Keuschheit leben; warum sollte eine Jungfrau mit der angebornen Zucht und Schamhaftigkeit nicht weit leichter die unversehrte Reinigkeit bewahren können? Und wenn so viele ledige Töchter eine gezwungene doch unbefleckte Reinigkeit mit sich in eine späte Ehe, andere in das Grab tragen, soll eine Jungfrau, die aus freiem Wil 14 Von der ewigen Jungfrauschaft len und Christo zu Lieb diesen Stand erwählet hat, Solches für eine schwere oder unmögliche Sache halten? Es ist sohin weder gar so schwer, noch unmöglich, in der Welt die ewige Keuschheit zu bewahren. 3. Eine Jungfrau kann in der Welt wie im Klofter heilig leben. Vie Mauern, das Ordenskleid, der Chorgesang, sind noch nicht hinreichend, eine Jungfrau heilig zu machen, sondern dazu gehört die innige Liebe, die fie für den Erlöſser füblet. Diese Liebe fann aber eine Jungfrau auch außer dem Kloster erwerben. Auch in den Klöstern gibt es thörichte Jungfrauen, welche im Dienste Gottes gleichgültig sind, während man in der Welt Biele findet, die voll eines heiligen Eifers in grof fer Heiligkeit leben. Der Geist Gottes waltet, wo er will, und hat in allen Ständen auserlesene Seelen, welchen er die vortrefflichsten Gaben mittheilet. Man ist zwar in einem Kloster mehr der unruhigen Sorgen des Zeitlichen enthoben; die geistlichen Gelübde, die heilige Regel, die Satzungen eines geistlichen Ordens, die Aufsicht der Obern, die verschlossenen Mauern, die wohl angeordneten geistlichen Uebungen, das Gebet und die stete Betrachtung der göttlichen Dinge, sind sehr behülflich zur Erlangung der Vollkommenheit. Aber auch in der Welt kann eine Jungfrau ein folches Mittel finden. 1. Das Gelübbe der Reuschheit fann fie ersetzen durch ein festes Vorhaben, im jungfräulichen Stande zu verharren, und mit der Zeit nach genugsamer Prüfung und mit Erlaubniß ihres Seelsorgers durch dies Gelübde mit Christo sich verbinden. 2. Sie kann in den geistlichen Dingen ihrem Beichtbater, in den weltlichen aber ihren Eltern, oder einer Herrschaft, Christo zu Liebe, gehorsamen; und wenn sie feinen Meister hat, und ihres eigenen Willens ist, kann im weltlichen Stande. 45 fie mit Rath und Billigung ihres Beichtvaters, sich eine beständige Ordnung und gewisse Lebensart vorschreiben, und derselben nachkommen; oder sie kann einer bescheidenen Jungfrau, die auch ihres Vorhabens ist, in Allem gehorsamen. 3. Sie fann sich aus ihrem Hause ein Klösterlein machen, in demselben allein oder mit andern Jungfrauen in der Arbeit und in der Betrachtung göttlicher Dinge den Tag zubringen, die Gassen und fremden Häuſer meiben, oder wenn sie ihres Amtes ober Standes halber bieß nicht thun fann, so wird sie doch mitten im Geräusche der Welt ihr Gemüth in Gott verſammeln, und in ihrem Herzen mit ihrem Gotte reben. 4. Sie hat auch in der Welt gottfelige Töchter vor Augen, beren schönes Beispiel sie zur Tugend aufmuntern fann. 5. In den Wegen der christlichen Bollkommenheit fann sie sich desto leichter leiten und führen lassen, weil sie nach Belieben einen frommen und wohlerfahrenen Beichtvater unter Vielen wählen kann, was den Klosterjungfrauen nicht allezeit erlaubt iſt. 6. Die zeitlichen Sorgen aber einer einsamen Jungfrau sind nicht so groß, daß sie ihr Gemüth zerstreuen, und von der innerlichen Vereinigung mit Christo könnten abwendig machen. 7. Sind nicht so viele Jungfrauen, obwohl sie in der Welt gelebt haben, zu großer Heiligkeit gekommen? Es kann also eine Jungfrau auch in der Welt, wie in einem Kloster, heilig werden. 4. Die furcht der Verachtung oder der Armuth foll eine Jungfrau nicht verhindern, im ledigen Stande zu verbleiben. G e gibt auch zuweilen in den Klöstern Jungfrauen, die von den weltlich gesinnten und lauen Witschwestern wegen ihrer Frömmigkeit verachtet und verfolgt werden. Unter den Eheweibern aber gibt es beren 46 Von der ewigen Jungfrauschaft 2c. nur zu viele, welche von der Welt und von ihren Männern wenig geschätzt werden, die doch ihr Jech tragen, und die Verachtung ohne Trost leiden müssen. Solltest du aber in der Welt verachtet werden, so weißt du, daß du Solches Christo zu Liebe, und wegen des Vorsatzes deiner jungfräulichen Reinigkeit leidest, und es sollte dir eine Freude seyn, daß die blinde Welt mit dir verfährt, wie sie mit deinem göttlichen Bräutigam und mit allen heiligen Jungfrauen verfahren ist. Was achtest du die Welt, die dich verachtet, wenn dein Gott und Herr dich hochschätzt und liebt? Was kann dir die Welt schaden, wenn du die Gnade Gottes besitzest, und was kann sie dir nügen, wenn dich Christus verachtet? Die Welt wird meinen, daß du keinen Gatten bekommen kannst, oder daß du aus Hochmuth oder aus Liebe zur Freiheit keinen haben willst, und wird darüber lachen. Aber du weißt dein heiliges Vorhaben, die Welt aber soll es nicht wissen bis zum Tage des Ge richtes, da dein Heiland deine verborgene Tugend der ganzen Welt wird fundbar machen. Was wird alsdann die Welt von dir, und was wirst du von der Welt denken? Wenn du aber die Armuth und Verlassenheit in diesem Stande fürchtest, bist du nicht thöricht? Welche Jungfrau, die sich verheirathet, ist versichert, daß ein Mann ihr und ihren Kindern den nöthigen Lebensunterhalt wird verschaffen können? Wie vieler Weiber Heirathgut wird durch des Mannes Unachtsamkeit, Trägheit, Verschwendung oder unbefugte Rechtsstreitigkeiten vergeudet! Sieht man nicht täglich so viele armselige Ehefrauen und Wittwen, welche dem Brode der Thränen gespeiset werden, und die ihren Kindern nicht ein Stück Brod geben können, während es der geringsten Magd nicht mangelt? Laß die Sorgfalt den Heiden, die nichts von Gott wissen. ec V. Negeln oder Satzungen für Jungfrauen, welche allein oder mit Andern in der Welt in ewiger Keuſchheit leben wollen.( Aus den heiligen Vätern.) Grund: Regeln dieser Jungfrauen. u hast, o Jungfrau, die Ehe mit den Menschen verschmäht; so liebe nun aus vollem Herzen denjenigen, der schöner und mächtiger ist, als alle Kinder der Menschen; laß in deinem Herzen keine andere Liebe gedeihen, als die Liebe Jesu, deines göttlichen Bräutigams. ( Heil. Augustin.) Die Jungfrauschaft und das Leben der seligsten Jungfrau Maria soll dir wie ein Spiegel immer vor Augen stehen; nimm von derselben das Beispiel eines heiligen Lebens, und aller Tugenden.( Heil. Ambrosius.) Zu dieser barmherzigen Mutter hab' ein kindliches Vertrauen, und bitte sie, daß sie deine Jungfrauschaft durch ihre Fürbitte unversehrt erhalte. ( Heil. Chrysostomus.) 48 Satzungen für in der Welt Defteres Wiederholen und Erneuern des heiligen Vorhabens. 1. Regel. Erinnere dich an meine Worte, daß du im Anfange deines heifigen Lebens dich mit feinem Gelübde zu diesem Stande verbindest, sondern, daß du nur den Borsatz faffeft, in diesem Stande zu verbleiben. Diesen gefaßten Entschluß, dieses heilige Borhaben, sollst du täglich, oder doch wenigstens wöchentlich durch folgendes Gebet erneuern. 6 eliebtester Jesu! Göttlicher Bräutigam der Jungfrauen! Du hast durch deine Lehre und durch dein heiliges Beispiel die schwachen Menschen unterwiesen, wie sie in dem schwachen Fleische ein Leben der Engel auf Erden führen können, und durch die Kraft deiner Gnade hast du unzählbare Jungfrauen so sehr mit deiner Liebe entzündet, daß sie aus Liebe zu dir alle Liebe der Menschen verschmähen. Ich fühle, daß du, o mildseliger Gott und Heiland, auch zu mir Unwürdigen die Augen deiner Barmherzigfeit gewendet hast. Damit ich nun einer solchen Liebe würdig entgegen komme, fasse ich heute den festen Entschluß, dir zu Liebe in dem jungfräulichen Stande zu verbleiben, damit ich dir vollkommener dienen möge. Ich mache zwar noch fein Bersprechen, denn du willift, bak ich midh prüfe, unb nicht umbehutjamer Weije etwas vollführe, wozu ich vielleicht nicht berufen wäre. Wenn ich aber beine Stimme noch ferner erkennen werde, will ich Alles thun, was mir dein göttlicher Geiſt zeigen wird, Dir angenehm zu sehn. So sei denn, mildester Heiland, sei der Beschützer und Herr meiner Jungfrauschaft, und erhebe mein Gemüth zur Betrachtung beiner unvergleichlichen Schönheit. lebende Jungfrauen. Gib, daß ich alle Freuden und schnöden Hoffnungen der fälschlichen Welt verachte, daß ich nirgends als bei dir Vergnügen finde! Gib mir, o mein Jesu, deine Geduld, deine Demuth, deine Mildseligkeit, deine Liebe zum Kreuz, zu Leiden, sammt allen andern Tugenden, mit welchen meine Jungfrauschaft geschmücket deinen Augen zu gefallen vermag, damit ich, o du Gott der Liebe, dich hier über Alles liebe, und dort dich einst von Angesicht zu Angesicht schauen darf! Anbefehlung in den Schuh Maria. W underbare Jungfrau, liebste Mutter und Fürsprecherin! Dir befehle ich meinen Leib und meine Seele; meinen Leib, damit du in demselben die jungfräuliche Reinigkeit durch deine Fürbitte bewahrest; meine Seele aber, daß du sie mit deinen Tugenden zierest, und mich nach meinem Tode Jesu, deinem göttlichen Sohne, zuführeſt. 49 2. Regel. Reinigkeit des Herzens. as, o Jungfran, eher Leib und Leben, als daß du deinen Himmlischen Bräutigam mit einer fchweren Sünde beleidigest; ja auch von den läßlichen Sünden sollst du feine mit freiem Willen begehen, damit bu den Geist Jefu nicht betrübest! Laß teine unordentliche Begierde, teine ungestüme Anmuthung in dir herrschen, damit Jesus ohne Hinderniß dein Herz besige, und dasselbe mit seinen auserlefenen Gaben beglücke; Alles, was dir die Welt verspricht und geben kann, verschmähe, damit du Christum gewinneft, und ihn allein in dir regieren lassest! ( Heil. Hieronymus.) Jungfrauenbuch. 4 Satzungen für in der Welt 3. Negel. Reinigkeit des Leibes. u sollst 1. weder mit der Zunge noch mit den Ohren, noch mit den Augen, noch mit andern Sinnen, viel weniger mit freiwilligen Gedanken oder Begierden deine geistliche Ehe brechen, sondern deinen Leib als einen heiligen Tempel deinem himmlischen Bräutigam rein bewahren. ( Heil. Bafilius.) 50 2. Hüte dich vor allem Vorwitze, und verlange nicht zu sehen, was der jungfräulichen Schamhaftigkeit zuwider ist! Hasse die geringste Entblößung deines Leibes, damit du dir nicht selbst Aergerniß gebest. Meide die Gesellschaft der Männer und Jünglinge, mit welchen du niemals ohne Nothwendigkeit weder in Gegenwart Anderer, noch allein, reden sollst. Laß dich von keinem Manne, auch nicht einmal an der Hand berühren, einen Kuß aber meide, wie den Biß einer Schlange! ( Heil. Hieronymus und Heil. Bafilius.) Meide die Gassen und fremden Häuser, und mache feine besondere Gemeinschaft mit Ehefrauen! ( Heil. Hieronymus.) 3. Auch eine Wallfahrt sollst du nicht leicht, und nicht ohne große Behutsamkeit antreten; damit du nicht sehest oder hörest unter den Fremden, was du zu Hause nicht sehen oder hören willst. ( Heil. Cyprian.) 4. Als eine Braut Gottes soll man dich nicht finden bei den Hochzeiten, Gastereien, öffentlichen Vergnügungen der Weltkinder, noch bei solchen Bersammlungen, wo Personen beiderlei Geschlechtes zusammen kommen; wo der Geist de: Andacht erlöscht, die Gesellschaft das Gemüth beunruhiget, und viele unreine Gedanken und Einbildungen geschöpft werden.( Heil. Ambrosius.) 5. Vor allen andern gefährlichen Lustbarkeiten sollst du dem Tanze für immer entsagen, und sogar auch dabei dich nicht sehen lassen. Was hat eine keusche Braut Christi zu schaffen in der Lehrschule des Teufels, bei lebende Jungfrauen. bem Götzendienste der Heiden, an dem Orte der Verführung, wo nichts als ausgelassene Freude, freche Geberde, Trägheit der Seele, Vergessenheit Gottes, und teuflische Leichtfertigkeiten zu finden sind.( Heil. Ambrosius.) 51 6. Meide den Wein wie das Gift. Der Wein und das junge Blut sind ein doppelter Zunder der Wollust. Und wenn du wegen Schwäche des Magens nicht ohne Wein leben kannst, so vermische ihn mit Wasser. ( Heil. Hieronymus.) 7. Wenn dich die höllische Schlange mit unreinen Gedanken anbläst, so gedenke, daß du eine Braut Christi bist. Widerstehe gleich im Anfange, und laß das Gift in dein Herz nicht einschleichen, sondern wende dein Gemüth zu demjenigen, dem du deinen Leib und deine Seele geschenkt hast. Flieh unter den Schutzmantel der unbeflecks ten Jungfrau, die dich zur geistlichen Jungfrau hat auf genommen, und die der Jungfrauen Beschützerin ist. ( Heil. Hieronymus.) 4. Negel. Fleiß im Dienste Gottes. I'S abe eine bestimmte Zeit zum Gebete und zu geistlichen Uebungen, denen du mit geordnetem Gemüthe obliegen sollest, nämlich: wenn du Morgens aufstehest, vor und nach dem Tische, in der Stunde des heiligen Opfers, und wenn du schlafen gehest. ( Heil. Ambrofius.) Nach dem Morgengebete betrachte etwas von dem Leben und Leiden Christi, oder von den Tugenden Mariä. Erforsche ein- oder zweimal des Tages dein Gewissen, und bereue die Sünden, die du wider deinen himmlischen Bräutigam begangen hast. Lies täglich etwas aus einem geistlichen Buche. ( Heil. Hieronymus.) Wenn du allein bist, rede mit Christo deinem Geliebten von dem, was dir sein Geist in das Herz gibt. Ergöße dich mit ihm in deiner Einsamkeit durch inner4* Satzungen für in der Welt liche Gespräche, und heilige geistliche Gesänge! An Sonnund Feiertagen, mit Rath und Willen deines Beichtvaters, empfange den Leib deines Bräutigams, und suche im Dienste Gottes dein Vergnügen!( Heil. Hieronymus.) 52 5. Regel. Liebe zur Arbeit. ID heile den Tag so ein, daß du immer etwas zu thun hast. Bist du reich, so arbeite für die Armen. Viele heilige Jungfrauen haben all' ihr Hab und Gut unter die Armen vertheilt, und sich von dem Ertrag ihrer Hände ernähret, und von dem, was sie gewonnen, einen Theil den Armen gegeben.( Heil. Hieronymus.) Bist du aber selbst arm, so betrübe dich nicht, sondern wisse, daß bessere Güter auf dich warten, welche dir Niemand rauben kann. In Betreff des vierten Gebotes Gottes finde ich mich hier veranlaßt zu bemerken, daß du dir, christliche Jungfrau, besonders angelegen seyn lassest, deinen dürftigen Eltern und Geschwistern mit allem Fleiße zu dienen, sie nach Kräften von dem Erwerbe deiner Händearbeit zu unterstützen und so auch Andern mit einem guten Beispiele voranzuleuchten. Die Wahl deiner Beschäftigungsart anlangend sollst du, wenn deine Kräfte es gestatten, dich der schweren Arbeit nicht leicht entziehen; im entgegengesetzten Falle aber geziemt es einer christlichen Jungfrau ohnehin nicht, aus Gemächlichkeit oder Neigung der Beförderung der Eitelkeit und Hoffart, welche heut zu Tage unter dem weiblichen Geschlechte in erschreckender Weise überhand nimmt, Vorschub zu leisten, da durch diesen Erwerbszweig, welcher erfordert, daß man mit der eitlen Modesucht selbst gleichen Schritt haltet, der fromme demüthige Sinn sehr bald Schiffbruch leidet. Dein göttlicher Bräutigam mit seiner jungfräulichen Mutter hat im Schweiße seines Angesichtes sein Brod gegessen, letztere insbesonders sich nie mit dergleichen Butzarbeiten beschäftigt. lebende Jungfrauen. 6. Regel. Gute Meinung. Sk ll dein Thun und Lassen, dein Kreuz und Leiden, deine Mühe und Arbeit, dein Essen und Trinken, deine Dienst- oder häuslichen Verrichtungen und unschuldigen Freuden, sollst du täglich deinem himmlischen Bräutigam aufopfern und sprechen: Dir zu Liebe, mein Getreuer, thu' ich dieß; weil Du es verlangest, verrichte ich diese Arbeit, leide ich, u. s. w. 53 Was aber deinem göttlichen Bräutigam nicht gefällt, das unterlasse. Bezähme die angeborne Lebhaftigkeit, damit du nicht bloß aus natürlicher Neigung, sondern vielmehr aus Antrieb des heil. Geistes etwas thuest! 7. Regel. Freiheit des Geistes. iene deinem Bräutigam mit fröhlichem Herzen und ungezwungenem Willen, mehr aus Liebe als aus Furcht. Sei für feine Sache so sehr eingenommen, daß du nicht bereit wärest, dieselbe zu verlassen ohne Verdruß und ohne Betrübniß, wenn es der Gehorsam, oder die innere Einsprechung von dir verlanget, oder eine unerwartete Schickung Gottes anordnet! 2. Ueberlade dich nicht mit vielen äußerlichen Andachten und mündlichen Gebeten, noch mit strengen Bußwerken. Thu fein Versprechen noch Gelübde ohne erhaltene Erlaubniß eines klugen Wegweisers. Wähle keinen strengen und eigensinnigen Beichtvater, der dir Furcht und Schrecken einjagt, sondern der dich durch Liebe deines Heilandes zu jeder Tugend leitet; der dich nicht nach seinem besondern Geiste, sondern nach dem Geiste Gottes, der in dir ist, zur Vollkommenheit führet! 3. Laß dich von den Zweifeln und schwermüthigen Gedanken eines irrenden und verwirrten Gewissens nicht einnehmen, bedenkend, daß dein göttlicher Liebhaber ein Gott der Liebe und der Güte ist, und daß er alle deine Satzungen für in der Welt innerlichen Anfechtungen und Qualen dir zum Guten zuläßt oder anordnet. 4. Auch deine bestimmten und gewöhnlichen Andachten, die du dir freiwillig aufgeladen hast, kannst du zuweilen unterlassen, und in etwas Besseres verändern, wenn es die Vernunft, oder die Nothwendigkeit erfordert, oder eine besondere Einsprechung, oder wenn es dein geistlicher Führer von dir verlangt; wenn es nur nicht aus Ueberbruß, Bequemlichkeit oder natürlicher Unbeständigkeit geschieht. Ein behutsamer, bescheidener und geistreicher Beichtvater wird in dir die Freiheit des Geistes stets unterhalten, wenn du ihm nur gehorsam bist, und seiner Leitung folgest. 54 8. Regel. Tracht der Kleider. S ei demüthig, nicht nur in deinen Gedanken, sondern auch in deinen äußerlichen Geberden. Ein geschmücktes und geschminktes Angesicht, ge= zierte Haare, frische und lebhafte Farben der Seide, Gold, Silber, Spigen und dergleichen Eitelkeiten, die eine sterbliche Schönheit erheben, überlaß den Mädchen, die von der Welt wollen gesehen werden. Deine Schönheit aber soll seyn von innenher, und aus Tugenden bestehen, durch welche du deinem göttlichen Bräutigam gefällst. Deine Kleider aber sollen schlecht und einfältig seyn, jedoch sauber und ehrbar, ohne Eitelkeit. ( Heil. Cyprian.) Doch soll Niemand aus deinen Kleidern dein Vorhaben erkennen, wovon nur dein himmlischer Bräutigam und dein gewöhnlicher Beichtvater wissen sollen. 9. Negel. Gemeinschaft mit Andern. u sollst mit Niemand andern, als mit gottseligen Jungfrauen Gemeinschaft haben, und jene Jung 55 lebende Jungfrauen. frauen hiezu vorziehen, welche mit dir gleichen Vorhabens sind, und, wo möglich, mit einer oder mehrern unter einem Dache wohnen, arbeiten, und alles mit ihnen gemein haben. Solche Jungfrauen können deine Dienerinnen seyn, wenn du reich bist. Die reiche Judith war mit ihren Kammermägden im oberen Gemache ihres Hauses verschlossen. ( Judith 8, 5.) Die Häuser der adeligen römischen Jungfrauen waren voll von Mägden, welche mit ihrer Herrschaft in ewiger Keuschheit Christo dienten.( Heil. Hieronymus.) 10. Regel. Ordnung und Eintheilung des Tages. ach Beschaffenheit deiner Geschäfte, deiner Gesundheit und anderer Umstände, mache dir eine Ordnung oder Eintheilung des Tages, der du mit Gutheißen deines Beichtvaters nachleben kannst. Siehe, daß du zu einer gewissen Stunde aufstehest, dein Morgengebet verrichtest, betrachtest, die heilige Meffe hörest, zur Arbeit und zum Tische gehest, und dich wieder zur Ruhe begibst. An Sonn- und Feiertagen kannst du ebenfalls die Stunden eintheilen, in welchen du deine besondern und allgemeinen Andachten, nach dem Gebrauche der heil. Kirche verrichtest. Und nachdem du an diesen Tagen mehr als gewöhnlich mit Christo deinem Bräutigam im Gebete und in heiligen Betrachtungen dich vereiniget, und einen neuen Eifer, ihm zu dienen, geschöpft hast, fannst du auch deinem Leibe ein unschuldiges Vergnügen vergönnen, zum Beispiel einen Spaziergang in Gottes schöner Natur, oder ein erbauliches Gespräch mit deinen Freundinnen. Vor oder nach dem Nachteffen lies etwas aus dem Leben der Heiligen, oder aus einem andern geistlichen Buche. 56 VI. Vom Berufe zum Dienstbotenstande. 1. Beschwerden des Dienftbotenftandes. G s gibt heut zu Tage gar viele Dienstboten, die mit ihrem Stande unzufrieden sind, die immerdar murren und klagen, daß erade sie ein so bechwerliches Leben zu führen hätten, daß es fast allen übrigen Menschen besser ginge, als ihnen u. dgl. Vielleicht haft auch du, christliche Jungfrau, dich gar manchmal schon großer Traurigkeit hingegeben, vielleicht sind deine Augen gar oft schon thränenfeucht geworden bei dem Gedanken, daß du im Dienste Anderer gar hart deinen Lebensunterhalt suchen müssest, und nicht, wie so viele Andere, ein mehr bequemes, sorgenfreies Leben führen könnest. Um dir über diesen Punkt einige Aufklärung und Beruhigung zu geben, wollen wir den Dienstbotenstand etwas näher betrachten. Daß dieser Stand viel Herbes und Bitteres habe, will ich durchaus nicht in Abrede stellen, und du, hastes vielleicht zur Genüge schon erfahren. Aber daß er bei weitem nicht so beschwerlich und drückend und freudenlos sei, wie ihn Viele dafür halten, ergibt sich aus der Natur der Sache; und wenn ihn Manche in der Wirklichfeit so drückend finden, so sind sie größtentheils selbst in der Schuld. Ich will mich darüber näher erklären. 57 Vom Dienstbotenstande. Es ist wahr, du bist als Dienstbote zur Arbeit für deine Herrschaft verpflichtet, und deine Arbeit erfordert oft große körperliche Anstrengung; aber glaube mir, deine Arbeit ist im Grunde nicht mühsamer, als die der andern Menschen. Das Geschäft, das dem Anscheine nach am wenigsten ermüdet, ist gerade oft das mühsamste.\ Du beneidest vielleicht Manche, die fast den ganzen Tag mit leichten Arbeiten beschäftiget, im Zimmer sich aufhalten, mit der Feder in der Hand am Schreibpulte sitzen, oder aus einem Buche lesen und studiren u. dgl. Aber solch' anhaltende sitzende Beschäftigung, solche Anstrengung des Geistes greift die Gesundheit heftiger an, und zehrt das Leben mehr auf, als andauernde, wenn auch starke Bewegung des Körpers. Von jenen, die im Müssiggange ihr Leben zubringen, will ich nicht sprechen; denn diese verfündigen sich nicht nur wider Gott und sich selbst, indem sie die kostbare Zeit, die ihnen zur thätigen Verwendung zum zeitlichen und ewigen Heile gegeben ist, unverantwortlich versplittern, sondern sie werden überdies von einer schrecklichen Langweile geplagt, so daß du bei all deiner Arbeit viel vergnügter und glücklicher seyn kannst, als sie bei ihrem Müssiggange. Es ist wahr, du bist nicht deine eigene Frau, sondern abhängig von deiner Herrschaft; aber diese Abhängigkeit ist im Grunde nicht größer, als die der andern Menschen. Oder gibt es einen Menschen, der ganz unabhängig wäre?- Die Kinder sind abhängig von ihren Eltern, die Ehefrau von ihrem Manne, der Mann von seiner Frau. Der Geselle hat seinen Meister; der Meister hat dem Willen dessen nachzukommen, der ihm eine Arbeit übertragen. Alle Glieder der bürgerlichen Gesellschaft sind in mannigfacher Weise von einander abhängig. Auch in der Kirche sind die Gläubigen ihren Seelenhirten, diese ihren Bischöfen, die Bischöfe dem Oberhaupte der Kirche, dieser den Geboten Gottes, den Vorschriften und Gesetzen der Kirche unterworfen. Vom Berufe Zwar ist es allerdings möglich, daß deine Abhängigfeit durch das harte Benehmen der Herrschaften zur drückenden Last wird. Indeß solche Herrschaften sind doch nur selten, und in der Regel, wenn der Dienstbote ist, wie er sein soll, wissen ihn die Herrschaften auch gehörig zu schätzen, und lassen ihn seine Abhängigkeit nie schmerzlich fühlen. 58 Es ist wahr, du nimmst in der Gesellschaft keinen hohen Rang ein; aber auch hierin unterscheidet sich deine Lage gar nicht von derjenigen der meisten andern Menschen. Oder stehst du als Dienstbote nicht auf der nämlichen Stufe mit der großen Anzahl armer oder doch nicht reicher Leute, die ihren Lebensunterhalt durch Handarbeit verdienen, mit den meisten Landleuten und Handwerksleuten aller Art, welche in der Welt keine glänzendere Stellung als du einnehmen? Und in der That! redlich denkende Menschen wissen den Dienstbotenstand gehörig zu würdigen, und haben Achtung vor tugendhaf ten Dienstboten. Daher, ist dein Stand auch beschwerlich, so sind die Mühen und Leiden des Lebens für dich doch nicht größer als für die übrigen Menschen. Und daß Gott dir gerade diesen Wirkungskreis als Dienstboten angewiesen hat, und feinen andern- willst du deßwegen mit ihm hadern? Doch ich glaube, du wirst mit deinem Stande zufrieden sein, ja denselben lieb gewinnen, wenn du recht beherzigest, was ich dir von den Vortheilen desselben sage. 2. Beitliche Vortheile. er Dienstbotenstand verschafft dir ein sicheres tägliches Brod. Christliche Dienstmagd, beherzige dieses Wort, es sagt dir sehr viel! Statt in einen Dienst zu treten, hättest du dich vielleicht verehelichen, einen Handel übernehmen, oder ein Gewerbe treiben können; vielleicht kannst du es noch immer. zum Dienstbotenstande. Würdest du dein Brod in dem einen oder dem andern dieser Verhältnisse leichter gewinnen, als in deinem wirklichen Stande? Gesetzt, du seiest verehelichet; dein Mann hätte außer einigen kleinen Ersparnissen, so wie du, nichts als seine Arbeit, seine Thätigkeit, um mit dir zu leben, und die Kosten des Hauswesens zu bestreiten. Würde dieses genügen? doub Stelle dir vor, dich umstehen noch mehrere Kinder, und im lauten Geschrei rufen sie:" Liebe Mutter, gib mir Brod!" Würde es nicht dein Herz zerschneiden, wenn du auch nur Ein Mal sagen müßtest:" Liebe Kinder! das Brod ist zu Ende gegangen; geduldet nur, bis wir wieder etwas verdienen, um Brod kaufen zu fönnen? Und das Wenige, was du verdienest, zu dem Arbeitslohne deines Ehemannes gelegt, reicht oftmal nicht hin, um herbeizuschaffen, was Kinder und Eltern bedürfen. In dieser Beklemmniß wären Fasten, Entbehrungen und Thränen dein Antheil. Der Mangel, der heute sich zeigte, würde morgen nicht gehoben, und es dürfte dazu nur eine Krankheit, oder irgend ein Umſtand die Arbeiten deines Mannes, auf kurze Zeit unterbrechen, dann hätte das Elend gar bald auch seinen Gipfel erreicht, das Brod würde im Hause unsichtbar, der Hunger würde sich einstellen, du wärest zum Betteln gezwungen! Ich will es unterlassen, dir in andern Fällen noch zu zeigen, in welchen du als Frau für dich gar leicht in die brückendste Page versetzt werden könntest, sondern ich sage nur, daß du als Dienstbote solche Besorgniß nicht habest. Deine Herrschaft ist dir angemessene Nahrung schuldig, und du kannst jeden Tag ohne ängstliche Beforgniß für deinen zeitlichen Lebensunterhalt anfangen. Ist das nicht ein großer Vortheil, den du im Dienstbotenstande genießest? Doch, du sagst: Wie wird es mir einst in der Zukunft ergehen? Wer wird mir Brod reichen, wenn ein hohes Alter mir nicht mehr gestatten wird, im Schweiße - 59 — Vom Berufe des Angesichte meinen Lebensunterhalt zu verdienen? Darauf antworte ich: Du hast auch die Aussicht auf eine erträgliche Zukunft. 60 Bist du bei ordentlichen christlichen Herrschaften in den Dienst getreten, und bist du tugendhaft und treu in Erfüllung deiner Standespflichten, so wird man dich auch als ein Glied des Hauses betrachten; man wird dich, wenn du jung in dasselbe gekommen, auch im hohen Alter, nachdem bereits deine Kräfte im Dienste deiner Herrschaft abgenommen, nicht aus demselben jagen. Ferner, um nicht weitläufig davon zu erwähnen, daß Herrschaften, entweder schon bei Lebzeiten oder bei ihrem Hinscheiden, ihren treuen Dienstboten oft bedeutende Geschenke machen, die zuweilen hinreichen, um in ihrem vorgerückten Alter unabhängig leben zu können: will ich nur von deinem Lohne sprechen, einer Quelle, die dir für die Bedürfnisse der Zukunst zugesichert ist. Wie leicht geschieht es, daß deine Herrschaft durch anhaltende Trockenheit oder starke Regengüsse, durch Ueberschwemmungen oder Feuer, oder andere Unfälle an ihrem Einkommen großen Schaden leiden, daß ihnen ihre Unternehmungen, ihr Handel mißglückt! Siehe, dies Alles hast du nicht zu fürchten; das Jahr mag fruchtbar oder ungesegnet seyn: du wirst zu seiner Zeit den bedungenen Dienstlohn erhalten. Bist du verständig in deinen Ausgaben, und besorgt, deine Einnahmen an Zins zu legen, so wirst du dir gar leicht einen ziemlich bedeutenden Zehrpfennig für die Zukunft ersparen. Ueberdies hat dein Stand nicht auch viel Angenehmes? Es ist wahr, du arbeitest, aber hat deine Arbeit nicht auch ihre Regel, ihr Maß und die nöthige Erholung? Betrachte die Handwerker und Handarbeiterinnen; gewöhnlich müssen sie mit der Tags- auch die Nachtarbeit verbinden, um gebieterischen Forderungen zu genügen und gute Kunden nicht zu verlieren. Du darfst zum Dienstbotenstande. in der Regel solch' übertriebenen Anstrengungen dich nicht unterziehen, und kannst nach verrichteter gewöhnlicher Arbeit dich ruhig zu Bette legen. 61 Ferner ist dein Leben als Dienstmagd keineswegs ein langweiliges und trauriges. Du bist nicht an eine Bank gleichsam angenagelt in einem ungesunden Winkel, wie diese oder jene Arbeiterin mit ihrem sitzenden Gewerbe. Deine Lebensweise ist voll Bewegung, und bringt dich mit einer Menge von Menschen in Berührung, so wie auch deine Beschäftigungen gar oft wechseln. - Du bist auch nicht gleich vielen Armen verlassen, denn deine Herrschaft wird dich leiten, schirmen, und wie Eltern mit warmer Theilnahme für dich sorgen, wenn du anders tugendhaft bist, und dich ihrer Zuneigung würdig machst. Was könnte ich noch von den Freuden sagen, die du als christliche Dienstmagd in deinen Beschäftigungen selbst genießen kannst! Ist es nicht eine Freude, im Frohfinn und Freundlichkeit vom Frieden Gottes erheitert, mit jedem Tage eifrig sein Tagewerk zu beginnen, und gewissenhaft dasselbe zu vollenden?- nicht eine Freude, den Vorgesetzten treu zu seyn in jeder Lage des Lebens, und das Wohl derselben zu befördern durch Fleiß, Unverdrossenheit und Geschicklichkeit? nicht eine Freude, überall im Hause und auf dem Felde Ordnung und Reinlichkeit zu erhalten, so daß das Auge überall mit Wohlgefallen verweilet?- nicht eine Freude, armen Kranken, Leidenden beizustehen, liebevoll sie zu pflegen, zu bedienen mit christlicher Treue und redlicher Sorgfalt?- Ist es nicht eine große Freude, still und froh, in frommer Eingezogenheit für sich und seinen Beruf zu leben, sein Brod ohne Sorge und Kummer zu essen, durch gute Aufführung, erbauliche Sitten und Ehrbarkeit sich auszeichnen? nicht eine süße Freude, in seinem Gewissen die Ueberzeugung zu tragen, redlich und getreu, gehorsam - Vom Berufe und fleißig gedient zu haben aus Liebe zu Gott, und am Abende seines Lebens fagen zu können:" Ich habe glücklich vollbracht mein Tagewerk mit Gottis Hülie. Siehe da, wie viel des Segens und der Freude liegt in deinem Berufe! 62 Dein Stand, christliche Dienstmagd, gewährt dir aber nicht nur zeitliche, sondern auch 3. geiftliche Vortheile. lle irdischen Vortheile würden dir zuletzt wenig nützen, wenn darüber deine Seele zu Grunde ginge. Wohl zeigt es die Erfahrung, und mit wehmüthigem Herzen muß ich's dir gestehen, daß viele unter den Dienstboten den Weg der Tugend nicht wandeln, daß in heutiger Zeit gerade im Dienstbotenstande das Cittenverderbniß in schauerlicher Weise zu Tage tritt; aber daran, christliche Jungfrau, ist nicht der Stand Ursache, sondern diejenigen selbst, die diesem Stande angehören. Im Gegentheile sage ich: der Dienst botenstand gibt dir vielfach Gelegenheit und Mittel an die Hand, um dein Seelenheil leicht zu wirken; er bewahrt dich vor vielen Gefahren, und gibt die Gelegenheit zur Uebung der schönsten Tugenden. Ein Sprichwort sagt:" Müssiggang ist aller Laster Anfang." Einem Menschen, der sich selbst nicht beschäftiget, gibt der Teufel Beschäftigung, indem er allerlei schlechte Gedanken und Begieden in ihm anzuregen und ihn so auf den Weg des Lasters zu führen sucht. Wie viele Tansende sind lasterhaft geworden, weil sie müssig dahin gelebt! Siehe, christliche Dienstmagd, in deinem Stande bist du dieser Gefahr überhoben! Du bist immer beschäftiget, alle deine Augenblicke sind gezählt, und müssen mit verschiedenen Dienstleistungen ausgefüllt werden. Kommt eine Stunde der Ruhe, so wirst du selbe, wenn du es anders mit dir selbst aufrichtig gut meinst, zu nützlichen 63 zum Dienstboteustande. Dingen verwenden, z. B. deine beschädigten Kleider auszubessern, oder deine Eltern, wenn sie in der Nähe wohnen, oder eine franke Person, oder sonst eine gute Freundin zu besuchen, oder dein Gebet zu verrichten, oder die heiligen Sakramente zu empfangen u. dgl. Wie viele gehen an Leib und Seele zu Grunde, weil ihnen volle Freiheit im Reden und Handeln gestattet ist; denn gar bald artet diese in Zügellosigkeit aus, und stürzt den Menschen in zeitliches und ewiges Verderben. Siehe, als Dienstbote wirst du in den gehörigen Schranken gehalten, du darfst nicht thun, was du willst, du mußt gehorsamen. Die Herrschaft ist verpflichtet, über dein Betragen zu wachen, dich vom Bösen abzuhalten, und zum Guten aufzumuntern. Glaube es mir, christliche Dienstmagd, es ist für dich eine heilsame Unterthänigkeit; denn wozu würdest du größere Freiheit benützen? wie leicht würdest du sie zu deinem Verderben mißbrauchen! Manche Mädchen befinden sich in äußerster Armuth, und da sie nicht zur Arbeit angehalten werden, oder sie felbst keine ordentliche Beschäftigung auf sich nehmen wollen, wodurch sie sich ernähren könnten, nehmen sie nicht selten zu einem liederlichen Leben ihre Zuflucht, und verkaufen Unschuld und Tugend, und damit auch ihr Seelenheil um ein erbärmliches Geldstück, oder suchen wohl auch durch Stehlen, Betrügen u. dgl. sich den nöthigen Lebensunterhalt zu verschaffen. Siehe, christliche Dienstmagb, auch dieser Gefahr bist du nicht preisgegeben, da du in deinem Stande mit den nöthigen Lebensbedürfnissen versehen bist. So wie du durch deinen Stand vielfachen Gefahren deines Seelenheiles( ich habe nur einige aufgezählt) leichter entgehest, so findest du andererseits auch in deinem Stande jeden Augenblick Gelegenheit, an deiner Vervollkommnung vor Gott zu arbeiten, deine Leiden Vom Berufe schaften zu beherrschen, deine Fehler zu verbessern, oder dich in irgend einer Tugend zu üben. Du bist Dienſtbote, also von Gott in eine geringe, abhängige Stellung gesetzt. Du mußt viel gehorchen, häufig niedrige Dienſte verrichten; man redet nicht viel von dir und deinen Arbeiten, du kannst vor der Welt nicht leicht Aufsehen machen u. dgl. Hast du da nicht gar viel Gelegenheit, den Stolz, der gewiß auch deine Gedanken und Gefühle durchziehen und einnehmen will, zu beherrschen, die Eigenliebe, den Dünkei, die Ruhmbegierde zu bekämpfen, und wird dir dieser Kampf nicht um so leichter werden, da du eben schon durch deinen Stand gewissermaßen darniedergehalten wirst? Ja du bist durch deinen Stand dringend angehalten, in der Demuth dich zu üben. Neben der Demuth brauchst du auch Sanftmuth, Geduld, Selbstverläugnung, wenn du deine Standespflichten erfüllen, und die Zufriedenheit und Zuneigung deiner Herrschaft dir erwerben willst. Es soll an dir glänzen der Schmuck der Reinigkeit und eines tadellosen Wandels; denn gewissenlos müßte jener Vater, jene Mutter seyn, die es zugeben würden, daß z. B. ihre Kinder, groß oder klein, mit einer Dienstmagd in Berührung fämen, die sittenlos oder auch nur von verdächtiger Gittlichkeit wäre. Mit Einem Worte: durch deinen Stand bist du ernstlich aufgefordert, durch die Uebung aller Tugenden den Fußstapfen unsers göttlichen Erlösers Jesu Christi zu folgen, seine Demuth, Milde, Langmuth, Armuth, Entsagung, Reinigkeit nachzuahmen, kurz, ein heiligmäßiges Leben zu führen. Und wie Viele sind dir in diesem Stande als Muster der Nachahmung vorangegangen und selig geworden! Betrachte eine heilige Barbara, Digna, Christina, Dulia, Nothburga, Zitka, Verena und viele Andere. In deinem Stande heiligten sich diese Seelen; da gewannen sie, meistens in stiller, der Welt ganz unbekannter Wirksamkeit und demüthiger Pflichttreue die 64 zum Dienstbotenstande. Krone des Lebens. Darum, christliche Dienstmagd, habe Ehrfurcht vor deinem Stande, und Liebe zu demselben, so wie Eifer in der Erfüllung der damit verbundenen Pflichten. 65 4. Noch einige kurze fingerzeige, wie arme Jungfrauen und Mägde Chrifto dem Herrn im jungfräulichen Stande dienen können. M ie sehr wäre es zu wünschen, daß so viele arme Jungfrauen und Mägde, die mit so innigem Verlangen nach dem Ehestande trachten, höhere und vortheilhaftere Gedanken faßten, und freiwillig Christo auf opferten, was sie oft durch die Umstände gezwungen thun müssen! Wenn sie erwägen würden das Kreuz und die vielen Drangsale, die ein Ehestand in der Armuth mit sich bringt, und andrerseits die großen Schätze der Gnade, die sie in einer freiwilligen Jungfrauschaft erwerben könnten, wären sie dann in aller Armuth und Verachtung nicht tausendmal glückseliger, als die reichsten Jungfrauen, die in den Ehestand treten? Weil aber diese Erwägung nicht von der menschlichen Schwachheit, sondern von der Gnade Jesu Christi herkommt, so sollst du, o Jungfrau, die du in der Armuth dem Menschen dienen, und im Schweiße deines Angesichtes dein Brod essen mußt, folgende Lehren wohl beobachten: Wenn du eine Neigung und heilige Liebe zum jungfräulichen Leben fühlest, so bedenke, daß du von Gott dazu berufen bist. Bilde dir nicht ein, daß dich dein Gott wegen deiner Armuth verachtet; die Armen und Reichen sind das Werk des göttlichen Willens, der Preis des. göttlichen Blutes, die Miterben Jesu Christi. Sage nicht: du könnest dein Lebtag nicht eine Magd seyn, und von einem Dienste in den andern herumfahren. Hast du in einem nothdürftigen Ehestande etwas Besseres zu erwarten, worin du vielleicht einem schlechten Jungfrauenbuch, 5 66 Vom Berufe Menschen dein ganzes Leben hindurch gehorchen und dienen mußt, und durch ein unauflösliches Band sowohl an ihn als auch an deine Kinder gebunden bist, wie übel es dir auch ergehen mag? Sage nicht: du werdest in deinem betagten Alter, von Jedermann verstoßen, am Bettelstabe herumgehen müssen. Für eine Magd siehst du hundert Ehefrauen und Wittwen mit Kindern um Brod bitten. Kannst du nicht leichter dich selbst, als mit dir armselige und vom Hunger gequälte Kinder ernähren? Sage nicht: du habest in einem Dienste keine Gelegenheit, Gott zu dienen, und dem Gebete obzuliegen. Mußt du nicht auch im Ehestande Gott dienen, und ein heiliges Leben führen, wenn du selig werden willst? Im Ehestande aber findest du neben großer Mühe und Arbeit noch tausend Armseligkeiten, die dich zerstreuen, und zum Dienste Gottes untauglich machen. So ergib dich denn deinem Gotte und Heilande, der dir ruft; durch folgende Mittel kannst du selig werden, und in jungfräulicher Reinigkeit bis an dein Ende verharren. 1) Gott will, daß du arbeitest, daß du geduldig, und deiner Herrschaft gehorsam und getreu seiest. Kannst du etwas Besseres thun, als daß du den Willen Gottes erfülleft? 2) Du kannst weder lesen, noch betrachten, noch vielem Gebete obliegen; so diene denn Gott in der heiligen Einfalt; opfere ihm, auf deine Arbeit, deine Mühe und Sorgen. Es wird dir weder an guten Gedanken, noch an heiligen Neigungen fehlen, wenn dein Herz rein ist; mit den Einfältigen spricht Gott gerne. 3) Verrichte täglich ein kurzes Gebet, wenn du aufstehest und dich schlafen legest, und erhebe immer deine Gedanken zu Christo, deinem Bräutigam. Er läßt sich mit Wenigem befriedigen, wenn du Viel nicht thun kannst. zum Dienstbotenstande. 67 4) Wenn du zwar den Willen, aber die Zeit und Gelegenheit nicht hast, täglich die heilige Messe zu hören, öfters zu beichten, und deinen Gott zu empfangen, wird Er deinen Willen belohnen. 5) Du kannst täglich mit Christo das Kreuz tragen, indem du mit Freude, wenigstens mit Geduld, die Beschwerden und Mühseligkeiten deines Standes übertragest. 6) Wenn du mit andern Dienstboten zu Hause oder auf dem Felde arbeiten mußt, und in der verlangten Einsamkeit nicht leben kannst, sollst du dir in deinem Herzen eine Einsamkeit suchen, und während andere mit eitlem und ungebührlichem Geschwätze die Zeit vertreiben, fannst du mit Christo in deinem Herzen dich unterhalten, und du wirst wegen der Bösartigkeit Anderer feine Rechenschaft geben dürfen. 7) Doch sollst du, wenn es möglich ist, solche Dienste meiden, wo es viele andere Diener und Nebenmägde gibt, unter welchen Zank und Hader, Eifersucht und Mißgunst zu herrschen pflegt, und ein ewiges Geschwätz den Geist der Andacht verhindert. 8) Es ist dir auch rathsam, daß du, um deine jungfräuliche Reinigkeit zu erhalten, nicht in einem Wirthshause oder sonst wo dienest, wo großer Zulauf von Personen verschiedenen Geschlechtes ist, oder wo erwachsene Söhne und Knechte sich befinden. In dergleichen Diensten gibt es viele Anfechtungen und Gefahren, und es ist viel sicherer, daß du denselben entgehest, als daß du dich auf deine Tugend verlassest. Und wenn du merfeſt, daß eine oder die andere Person in dem Hause zu dir ungebührliche Neigung und Liebe zeiget, sollst du ein solches Haus sogleich, selbst mit Verlust deines Loha, nes, verlassen; denn alles Gold der Welt ist mit dagjungfräulichen Reinigkeit nicht zu vergleichen. bere 9) Der sicherste Dienst einer Magd Christi ist olche Wittwen oder Jungfrauen, oder bei gottseligen Person Apostel, leuten. 5* Von der ewigen Keuschheit Inhalt des gelübdes der ewigen Keuschheit. Dieses Gelübde soll nicht ohne lange Prüfung, und nicht ohne Wissen und Willen eines bescheidenen und wohlerfahrenen Beichtvaters gethan werden. 68 ID allergütigster Jesu, der du mein Gott, mein Leben, meine einzige Hoffnung und Glückseligfeit bist. Ich N. N., deine obwohl ganz unwürdige Dienerin, aber voll Vertrauen auf deine unendliche mir erzeigte Liebe und Barmherzigkeit, und aus großer Begierde, dir allein zu dienen, angetrieben, gelobe dir vor der allerfeligsten Jungfrau Maria und deinem ganzen himmlischen Hofe, daß ich in ewiger Keuschheit die übrige Zeit meines Lebens zubringen will. Deßwegen bitte ich dich durch dein heiliges Blut und Liebebrennendes Herz, du wollest mir mit göttlicher Gnade beistehen, damit ich zu einem glückseligen Ende führe, was ich durch die Einsprechung deines heiligen Geistes angefangen habe. Issx 3usatz von der ewigen Keuschheit im Wittwenstande. n. achdem ich von der ewigen Keuschheit der Jungfrauen gesprochen habe, ist es billig, daß ich auch etwas Besonderes rede von der ewigen Keuschheit der Wittfrauen, oder derer, die ihre Jungfrauschaft durch ein Vergehen verloren haben, und fortan von allen Gelüsten des Leibes Christo zu Liebe sich entfernen wollen. Dieser Stand ist zwar geringer, als der Stand der ewigen iungfrauschaft, aber vortrefflicher als der Ehestand. Den igen Jungfrauen und den Wittfrauen sage ich, daß es auf gute Sache ist, wenn sie in diesem Stande verGeden, sagt der Apostel.( 1. Cor. 7, 8.) mit wiederum: Ein Weib kann nach Ableben ihres kannst. sich verheirathen, mit wem sie will, doch ist sie 69 im Wittwenstande. meinem Rathe nach glückseliger, wenn sie im Wittwenstande verbleibt.( v. 40.) Die keusche Judith, obwohl sie noch jung, äußerst schön und sehr reich war, wollte sich nach dem frühzeitigen Tode ihres Mannes nicht mehr verheirathen, von welcher die Schrift sagt: Weil du die Keuschheit geliebt, und nach deinem ersten Manne keinen andern genommen hast, sollst du in Ewigkeit gebenedeiet ſehn. ( Judith. 15, 11.) Anna, die Tochter Phanuel, hatte nach siebenjährigem Ehestande bis in das achtzigste Jahr fastend und betend als Wittwe ihrem Gotte Tag und Nacht gedient, deßwegen sie auch, von dem Geiste Gottes erleuchtet, den Heiland der Welt in seiner unmündigen Kindheit vor allen Andern erkannt hatte.( Zuf. 2, 36.) Was aber die Lebensart der Wittfrauen betrifft, können sie sich an den genannten zwei heiligen Wittfrauen ein Beispiel nehmen, wovon die erstere mit ihren Nammermägden sich in dem oberen Gemache ihres Hauses verschlossen hielt, und daselbst in einem härenen Kleide alle Tage ihres Lebens fastete, und nur am Sabbath in der Gemeinde sich sehen ließ; die andere aber gleichfalls im Fasten und im Gebete bis in das vier und achtzigste Jahr ihres Alters im Tempel verharrte. Der große Apostel fordert von den Wittfrauen, daß sie den Hausgeschäften emsig obliegen, daß sie ihre Kinder in aller Frömmigkeit erziehen; wenn sie aber keine Kinder haben, sollen sie in ihrer Verlassenheit dem heil. Gebete obliegen, und in Allem einen unsträflichen Wandel führen. Von den Wittfrauen aber, die sich lassen wohl seyn, die mit üppiger Kleiderpracht prangen, die dem Müßiggange sich ergeben, die von einem Hause in das andere laufen, die geschwäßig und vorwitzig sind, und solche Gespräche führen, welche für eine weibliche Person wenig anständig sind, von diesen spricht der Apostel, Von der ewigen Keuschheit daß sie zwar dem Leibe nach leben, aber dem Geiste nach gestorben sind, und rathet ihnen, daß sie sich verheirathen. Im Uebrigen soll eine Wittfrau, die in ewiger Keuschheit zu leben entschlossen ist, sich nicht unbehutfamer Weise durch ein Gelübbe dazu verbinden. Denn weil in diesem Stande die Begierlichkeiten und Anfechtungen des Fleisches gewöhnlich heftiger sind, soll sie um so mehr jene Behutsamkeit anwenden, welche oben den Jungfrauen wegen des Gelübdes der Keuschheit vorgeschrieben wurde. Nicht minder wichtig und ausführlich spricht sich der ausgezeichnete heilige Geisteslehrer Franz von Sales über diesen Stand aus in den nachfolgenden Ermahnungen für Wittwen. er heilige Paulus gibt in der Person seines Timotheus allen geistlichen Hirten diese Ermahnung: " Ehre die Wittwen, die wahre Wittwen sind. Um aber eine wahre Wittwe zu seyn, werden folgende Eigenschaften erfordert: 70 1. Daß die Wittwe nicht blos dem Körper, sondern auch dem Geiste nach Wittwe sei, das heißt, sie muß den unwiderruflichen Entschluß gefaßt haben, in dem Stande einer keuschen Wittwenschaft zu leben; denn Wittwen, die es nur in der Erwartung einer Gelegenheit sind, sich wieder zu verehelichen, sind von den Männern nur der sinnlichen Lust nach getrennt, sind aber bereits dem Willen und dem Herzen nach mit ihnen verbunden. Wenn im Stande der Wittwenschaft sich zu befestigen, die wahre Wittwe Gott ihren Körper und ihre Keuschheit durch die Kraft eines Gelübdes opfern will, so wird sie ihrer Wittwenschaft eine große Zierde geben, und ihren Entschluß in weit größere Sicherheit bringen; denn sieht sie, daß nach dem Gelübde es nicht mehr in ihrer Gewalt steht, ihrer Keuschheit zu entsagen, ohne zugleich dem Himmel zu entsagen, so wird sie so im Wittwenstande. eifrig auf ihren Vorsatz halten, daß sie auch dem leiſesten Gedanken an eine neue Ehe nicht einen Augenblick Raum in ihrem Herzen gestattet. Dieses heilige Gelübde wird demnach zwischen ihrer Seele und allen Entwürfen, die ihrem Entschlusse entgegen sind, ein starkes Bollwerk aufrichten. Dieses Gelübde räth auch der heilige Augustin der christlichen Wittwe sehr an, und der alte und gelehrte Origenes geht noch weiter; denn er räth den verheiratheten Frauen, für den Fall, daß ihre Männer vor ihnen sterben sollten, die Keuschheit der Wittwenschaft zu geloben, damit durch diese vorzeitige Angelobung selbst unter dem sinnlichen Vergnügen ihrer Ehe das Verdienst einer keuschen Wittwenschaft ihnen zu Theil werde. Das Gelübde macht alle daraus entspringenden Werke Gott angenehmer, erhöhet den Muth, sie zu vollbringen, und opfert Gott nicht nur alle Früchte unsers guten Willens, sondern weihet Jhm sogar den Willen selbst, der gleichsam der Baum aller unserer Handlungen ist. Durch die einfache Keuschheit widmen wir Gott unseren Körper, behalten uns aber dabei die Freiheit vor, denselben zu seiner Zeit den sinnlichen Lüsten hinzugeben; durch das Gelübde der Keuschheit aber bringen wir denselben als eine vollkommene und unwiderrufliche Gabe dar, ohne uns die Gewalt vorzubehalten, dieses Versprechen zu widerrufen, und begeben uns hierdurch in eine Knechtschaft, welche glorreicher ist, als jedes Königthum. Gar sehr stimme ich dem Rathe dieser beiden großen Kirchenväter bei, doch wünschte ich zugleich, daß die glückseligen Seelen, die ihn befolgen wollen, auf fluge, heilige und bedachtsame Weise verfahren, vorher ihren Muth genau prüfen, Gott um seine Erleuchtung anrufen, und einen flugen und frommen Beichtvater zu Rathe ziehen; denn so wird Alles mit größerm Nutzen geschehen. 2. Ueberdieß muß die Entsagung einer zweiten Ehe rein und einfach seyn, damit die Wittwe all' ihre Gesinnungen mit höherer Reinigkeit zu Gott fehren, und 71 Von der ewigen Keuschheit ihr Herz mit allen seinen Trieben und Empfindungen mit der göttlichen Majestät vereinigen könne. Denn, wenn das Verlangen, reiche Kinder zu hinterlassen, oder irgend eine andere weltliche Rücksicht sie in der Wittwenschaft zurückhält, so wird sie vielleicht Ruhm davon haben, aber nicht vor Gott, da vor Gott nichts wahren Ruhm verdienen kann, was nicht Gottes wegen geschieht. 72 3. Dazu muß die Wittwe, die wahre Wittwe sehn will, freiwillig von allen eitlen Freuden der Welt sich fern halten. Die Wittwe, die in Lüsten lebt, ist lebendig todt," sagt der heilige Paulus. Die Wittwe seyn will, dabei aber dennoch an Schmeicheleien und Liebkosungen Gefallen hat, auf Bällen, bei Tänzen und Gastgelagen sich einfindet, sich putzt, schminkt und sich eine hübsche Gestalt geben will, ist eine Wittwe, die zwar dem Körper nach lebt, doch der Seele nach todt ist. " Die Zeit ist gekommen, die Bäume zu beschneiden; die Stimme der Turteltaube ist in unserm Lande gehört worden," singt das hohe Lied. Das Beschneiden des weltlichen Ueberflusses wird von Jedem gefordert, der ein frommes Leben führen will; vorzüglich aber ist dies der wahren Wittwe nothwendig, die gleich einer keuschen Turteltaube noch frische Thränen vergießt und den Verluft ihres Gatten beklagt. Als Noemi von Moah nach Bethlehem zurückkehrte, fragten die Frauen der Stadt, die im Anfange ihrer Ehe sie gekannt hatten, einander: " Ist dies nicht Noemi? Sie aber sagte:" Ich bitte euch, nennt mich nicht Noemi( die Liebliche und Schöne), sondern nennt mich Mara( die Bittere), denn der Herr hat mich mit Bitterfeit erfüllt. Dies sagte sie, weil ihr Gatte gestorben war. Also will auch die fromme Wittwe nie weder lieblich noch schön genannt und geachtet werden; denn sie begnügt sich damit, das zu seyn, was Gott will, daß sie sei, nämlich demüthig und gering vor seinen Augen. 73 im Wittwenstande. Die Lampen, die von würzigem Dele brennen, geben einen lieblichern Geruch von sich, wenn ihre Flamme erlischt; also verbreiten auch die Wittwen, deren Liebe in ihrer Ehe rein war, einen lieblichern Wohlgeruch von Tugend und Keuschheit, wenn ihr Licht, nämlich ihr Gatte, durch den Tod erlischt. Den Gatten lieben, so lange derselbe am Leben ist, ist unter denWeibern wohl ziemlich gewöhnlich; aber denselben so sehr lieben, daß man nach seinem Tode keinen andern wolle, dies ist ein Grad der Liebe, der nur wahren Wittwen eigen ist. Auf Gott vertrauen, so lange der ann die Stütze des Hauses ist, dies ist nichts Seltenes; aber auf Gott vertrauen, wenn man dieser Stütze beraubt ist, dies ist fürwahr des Lobes würdig. Daher erkennt man auch im Wittwenstande die Vollkommenheit der Tugenden weit leichter, die man in der Ehe geübt hat. Die Wittwe, welche Kinder hat, die ihrer Sorgfalt und Leitung, vorzüglich in Hinsicht ihrer Seele und ihrer Versorgung bedürfen, kann und darf dieselben auf feine Weise verlassen; denn ausdrücklich sagt der heilige Paulus, daß sie zu dieser Serge verpflichtet ist, um dadurch an ihren Kindern zu vergelten, was sie selbst von ihren Eltern empfing, und weil Derjenige, der nicht für die Seinigen, zumal für seine Familie sorgt, noch schlimmer als ein Heide ist. Bedürfen aber die Kinder ihrer Leitung nicht mehr, dann sammle die Wittwe alle ihrGesinnungen und Gedanken, daß sie dieselbe mit höherer Reinigkeit zu ihrem Fortschreiten in der Liebe Gottes verwende. Neußerliche Geschäfte, z. B. Rechtshändel, soll die wahre Wittwe, wenn sie nicht ganz davon abstehen kann, auf die friedlichste Weise zu ordnen trachten, damit sie nicht dadurch zu sehr in die Schlingen der Welt verstrickt werde. Das Gebet sei die beständige Uebung der Wittwe; denn da sie feine Liebe mehr, außer für Gott allein haben darf, soll sie auch beinahe keine Worte mehr, außer Vom Wittwenstande. für Gott allein haben. Und wie das Eisen vom Magnet sich nicht anziehen läßt, sobald ein Diamant in seiner Nähe ist, nach dessen Entfernung hingegen alsbald demselben Magnet zueilet, so soll auch das Herz der Wittwe, das, so lange der Mann lebte, nicht gänzlich zu Gott sich aufschwingen konnte, nach dessen Tode alsbald dem Wohlgeruch der himmlischen Düfte zueilen, und mit der Braut im hohen Liede sagen:" O Herr! jetzt, da ich ganz mir selbst angehöre, nimm mich ganz als dein Eigenthum auf; ziehe mich zu Dir, dem Wohlgeruch Deiner Salbungen laufen wir zu." Die Tugenden, die einer heiligen Wittwe eigen, sind: daß sie vollkommen sittsam sei, Ehrenstellen, Gesellschaften, Rang und Titeln und jeder andern thörichten Eitelkeit entsage, den Armen und Kranken diene, die Betrübten tröste, die Mädchen in der Frömmigkeit unterrichte und den jungen Frauen als ein vollkommenes Muster aller Tugenden vorleuchte. Bedürfniß und Einfachheit sei der Glanz ihrer Kleidung, Demuth und Liebe der Schmuck ihrer Handlungen, Ehrbarkeit und Höflichkeit die Zierde ihrer Rede, Sittsamkeit und Verschämtheit die Schönheit ihrer Augen, und Jesus Christus der Gekreuzigte die einzige Liebe ihres Herzens. Kurz, die wahre Wittwe ist in der Kirche, was das Veilchen unter den Blumen ist. Dieses verbreitet einen lieblichen Duft. Die Wittwe foll den Wohlgeruch ihrer Andacht verbreiten. Das Veilchen verbirgt sich unter breiten Blättern. Die Wittwe soll in heiliger Demuth vor Gott wandeln. Seine dunkle Farbe deutet die Abtödtung an; es erscheint an fühlen und unangebauten Orten. So soll die Wittwe vor dem Umgang mit den Weltleuten sich möglichst bewahren und ihr Herz gegen die Gluthen sicher stellen, welche die Begierde nach Reichthum, nach Ehre und nach Liebe in ihr erwecken könnte. " Und glücklich wird sie seyn, spricht der heilige Apostel, " wenn sie also verharret.. 74 VII. Von dem Berufe einer Jungfrau zum Chestande Der Beruf zum Eheftande muß von gott kommen. bwohl der Beruf zur ewigen Keuschheit eine besondere Gnade Gottes ist, so muß doch der Beruf zum Ehestande auch von Gott herrühren. Christus, da Er von dem unzertrennlichen Bande der Ehe redet, sagt: daß der Mensch nicht trennen solle, was Gott hat zusammengefügt( Mark. 10, 9.), und der Apostel sagt: daß die Einen auf diese, Andere auf eine andere Weise berufen find.( 1. Cor. 7.) Der Ehestand ist heilig, und ein großes Sakrament in Christo und in der Kirche, und folglich bringt es auch besondere Gnaden mit sich, denen, die dazu berufen sind.( Ephes. 5, 32.) Denn diese Gnaden sind mit dem Berufe vorbereitet. Das Weib wird selig werden, sagt der Apostel, durch die Geburt der Kinder, wenn sie in Vom Berufe dem Glauben, in der Liebe und in der steten Beflissenheit die Heiligkeit zu erlangen verharret, und mit Mäsfigkeit das gebrauchet, was ihr Stand ihr zuläßt. ( 1. Tim. 2, 15.) Deßwegen soll eine Jungfrau ohne Bedenken diesen Stand antreten, wenn sie dazu berufen ist, und sie soll versichert seyn, daß Gott, der sie dazu berufen hat, ihr häufige Gnaden mittheilen werde, damit sie die großen Beschwerden, die vielfältigen Drangsale und Widerwärtigkeiten ertrage, und ungeachtet der Zerstreuungen des Gemüthes und aus den zeitlichen Sorgen entspringenden Unruhen, die auf dem Herzen lasten, selig werde. Das sicherste Kennzeichen des Berufes zum Ehestande ist eine keusche Liebe und innerliche Lust zu diesem Stande, nachdem man zuvor durch ein eifriges Gebet von Gott das Licht und die nothwendige Erkenntniß seines Berufes erbeten, und im Gewissen sagen kann, daß man nichts anders verlange, als den Willen Gottes zu erfüllen, und den Himmel zu gewinnen. Wie sich eine Jungfrau zu verhalten hat, die heirathen will. 1. ffenbare deine Gedanken und dein Vorhaben einem verständigen Beichtvater, oder einem andern, in dieser Sache erfahrenen und unparteiischen Geistlichen, oder besonders einer vernünftigen und gottseligen Hausmutter, die dir aus Erfahrung die Beschaffenheit des mühevollen Ehestandes erklären, und einen guten Rath geben kann. 76 2. Zeige feine unruhige oder unmäßige Begierde, diesen Stand anzutreten; viel weniger noch sollst du unter den üppigen Freuden des Tanzes, und bei andern schlüpfrigen Gelegenheiten einen Gatten suchen. Ausgelassene und freche Geberden, verliebte Gespräche, auffallende Pracht der Kleider entfernen von dir vielmehr diejenigen, welche zu dir einige Neigung gefaßt haben. Wer sich in dem Herrn verheirathen will, sucht gewöhnlich eine tugendhafte und eingezogene Jungfrau. Setze 77 einer Jungfrau zum Ehestande. auf Gott dein Vertrauen, der dir gewiß denjenigen zuführen wird, mit dem du im Frieden leben, und den Himmel erlangen kannst. 3. So viel es seyn kann, halte dich an den Willen und das Gutachten derjenigen, die dich geboren oder erzogen haben; doch bist du nicht schuldig, ihnen zu gehorchen, wenn die von ihnen dir angetragene Partie nach der Meinung unparteiischer Personen dir nicht an ständig, oder deiner Neigung gänzlich zuwider ist. 4. Laß dich von den liebkosenden Schmeichelworten. eines Jünglings oder Mannes, weder von der Verheißung eines großen Vortheiles, noch von dem Scheine der Gestalt, noch von einem plötzlichen Gefühle der Liebe so einnehmen und verblenden, daß du dich in ein unbesonnenes Versprechen einlassest, sondern erbitte dir eine schickliche Bedenkzeit, die bei einer so wichtigen Angelegenheit nöthig ist. Unterdessen erkundige dich bei rechtschaffenen Leuten nach den Sitten, und den zu einem glückseligen Ehestande nothwendigen Tugenden, so wie endlich nach dem Nahrungsstande dessen, der sich dir anträgt, oder von Andern dir angetragen wird. Ein Müßiggänger, ein Spieler, ein Zecher, ein wollüstiger Mensch, ein seltsamer und mürrischer Kopf würde für dich nicht passen, und ein solcher Ehestand kein gutes Ende nehmen. 5. Wer durch leichtfertige Gespräche, durch ungestüme Zubringlichkeit von dir etwas begehret, was der Reinigkeit zuwider ist, den sieh an für einen Mörder deiner Seele. Halte sein Eheversprechen für einen Meineid. Wie kannst du glauben, daß er dir werde, getreu seyn, da er an seinem Gotte meineidig handelt? 6. Die beste Heirath ist jene, worin der Segen Gottes regieret; dieser Segen ist nicht bei den gottlosen, sondern bei den frommen Eheleuten zu finden. Die Frömmigkeit ist das Band, welches alle andern Tugenden zusammenhält und bewahrt. Nicht Gold und Güter, 78 Vom Berufe nicht hohe Ehren und Würden, sondern ein zufriedenes Herz, ein friedliches Leben, wechselseitige Geduld, llebereinstimmung der Gemüther machen einen glücklichen Ehestand; die Furcht Gottes aber bringt alle diese Güter mit sich. 7. Neben der Gnade muß auch die Natur das Ihrige beitragen. Dieser Beitrag besteht in einer beiderseitigen keuschen Liebe und Neigung. Damit aber diese Liebe und Neigung von Dauer sei, erfordert sie gewöhnlich eine Gleichheit und Einförmigkeit der Sitten, der Gemüther, des Alters, des Herkommens, der Güter und des Standes. Erwählest du dir einen, der vornehmer und reicher ist, als du, so hast du zu fürchten, daß er dich mit der Zeit, wenn deine Schönheit verwelket, oder wenn das erste Feuer der Liebe verlöscht, geringschätzt, und dir deine Armuth oder dein geringes Herkommen vorwerfen werde. Bist du reicher als er, so kann es dir begegnen, daß er nicht dich, sondern deinen Reichthum suchte, den er vielleicht in furzer Zeit verschwenden, oder wider deinen Willen zu unbefugten Ausgaben gebrauchen würde. 8. Bereheliche dich nicht, da du noch jung bist, mit einem Manne von betagtem Alter; du hast die Qualen der Eifersucht, und dann vielleicht bald den Stand der Wittwenschaft zu erwarten, und wirst ungeliebt und ohne Liebe zu fühlen, die schönste Zeit deines Lebens vertrauern. Wenn du aber in deinen schon verblühten Jahren mit einem jungen Menschen in die Ehe trittst, so wirst du von ihm verachtet werden, und nur zu bald über seine Untreue dich zu beklagen haben. 9. Es ist auch nicht rathsam, daß du einen Wittwer mit vielen Kindern heirathest, die zuvor keine gute Erziehung genossen haben; damit du nicht wie eine Magd für andere arbeitest, und dich, von den Stieffindern gehaßt, in Zank und unangenehme Rechtshändel verwickelst. Die Pflichten einer rechten, gottgefälligen Stief- 79 einer Jungfrau zum Ehestande. mutter sind so groß und schwer, daß nur ein frommes und starkes Gemüth sie rédlich zu erfüllen im Stande ist. 10. Wenn du nach gehörig abgeschlossenen Ehebedingnissen in die Verbindung eingewilliget hast, sollst du, um aller Gefahr der Beleidigung Gottes zu entgehen, dich niemals allein mit deinem Bräutigam befinden, oder unter einem Dache mit ihm wohnen, bis du das Sakrament der Ehe durch die priesterliche Einſegnung empfangen hast. 11. Folge nicht dem bösen Beispiele leichtfertiger und mannsüchtiger Töchter, welche durch Unkeuschheit sich den Weg zur Ehe bahnen, in der falschen Meinung, daß dieß nach versprochener Ehe erlaubt sei. Auch die geringste Ungebührlichkeit und unschickliche Liebelei ſollst du nicht gestatten; sondern bringe einen unversehrten Leib und ein reines Gewissen in die Kirche, wo dich der Priester mit deinem Bräutigam vereiniget, damit du den göttlichen Segen und die Gnade des heiligen Saframentes der Ehe vollkommen empfangest, womit du die schwere Bürde dieses Standes ertragest, und dessen vielfältige Obliegenheiten erfüllest, ohne unter so vielen weltlichen Sorgen, die dein Herz bestürmen, das Heil deiner Seele zu versäumen. Obliegenheit einer Jungfrau, die den Ehestand angetreten hat. ())) iffe 1., daß in diesem Stande nicht Alles erlaubt ist, wozu eine unordentliche Begierde anreizet. Der Apostel fordert, daß die Eheleute in Allem die Zucht und Ehrbarkeit beobachten, und die Schranken der Mässigkeit nicht übertreten.( Hebr. 13, 4.) Diejenigen, welche in diesem Stande, wie das unvernünftige Vieh, der Geilheit sich ergeben, schließen Gott aus ihrem Herzen aus, und gerathen in die Gewalt des Bösen.( Tob. 6, 17.) Von diesen gibt es leider eine große Anzahl unter den Eheleuten. Vom Berufe 2. Gleichwie der Mann das Weib liebet, so muß auch das Weib den Mann lieben, dessen Mängel und Untugenden mit Geduld ertragen. 3. Das Weib soll dem Manne gehorsamen, als seinem Haupt und Meister, und in seiner Person Christum ansehen.( Ephej. 5, 22.) 4. Sie ist schuldig, alle Gelegenheit zu meiden, die ihre Liebe und Treue bei dem Manne in Verdacht bringen, und seine Eifersucht wecken könnte. 5. Sie soll ihren Hausgeschäften obliegen, über ihre Dienstboten ein wachsames Auge haben, ihre Kinder in aller Gottesfurcht aufziehen, und denselben mit einem heiligen Lebenswandel vorangehen. 6. Damit sie aber unter so vielen Geschäften, unter jo vielen Sorgen, unter so vielen Widerwärtigkeiten und Drangfalen das Heil ihrer Seele nicht versäume, foll sie durch eine gute Meinung und heilige Begierde, Gott zu gefallen, all ihr Thun und Laffen, ihr Kreuz und Leiden heiligen und verdienstlich machen. 80 7. Sie soll, um ihren Geist von den zeitlichen Sor gen abzuwenden und in Gott zu versammeln, niemals das Morgen- und Abendgebet vergessen. Sie soll, wenn es seyn kann, alle Tage die heilige Messe anhören, zu den verordneten Zeiten beichten, und das heilige Abendmahl empfangen, und ihrem Herrn und Gotte ihr Kreuz und Anliegen klagen, nicht aber gefühllosen Menschen, die unter dem Scheine des Mitleidens über ihre Leiden vielleicht nur lachen würden. Gebet einer Jungfrau, die in den Ehestand treten will. u weißt, o mein Gott, daß deine heilige Furcht und das Verlangen, deinen Willen zu vollziehen, mich bewegen, in den Ehestand zu treten! Sollte ich mich aber betrügen, und im Ehestande Dich nicht lieben, einer Jungfrau zum Ehestande. so vernichte alle meine Anschläge, und zeige mir einen andern Weg, auf welchem ich dir dienen und die Seligkeit erlangen werde. Kommt aber mein Verlangen nach dem Ehestande von deiner heiligen Einsprechung, so gib mir einen Mann, mit welchem ich dich liebe, als meinen Gott und Vater. 81 Gib, daß ich in aller Zucht und Ehrbarkeit, im Frieden und christlicher Einhelligkeit mit ihm lebe, und bie Kinber, welche bu mir geben wirjt, Ôriftlidh aufer= ziehe, durch Jesum Chriftum, deinen eingebornen Sohn, der mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit! Amen. - Jungfrauenbuch. Zweiter Abschnitt. Von der wahren Andacht und Heiligkeit der Jungfrauen. er eine lange Reise auf unbekannten Straßen, durch nie betretene Wälder unternimmt, dem wird ein treuer und erfahrener Wegweiser großen Vortheil bringen. So ist es auch mit den Seelen, die den Weg der wahren Andacht oder christlichen Vollkommenheit antreten wollen, auf welchem Wege es viele Gefahren und Irrwege gibt. Dergleichen Wegweiser aber gibt es wenig, und gleichwie man einen Freund aus Tausenden wählet, soll man einen Wegweiser der Seele, einen Beichtpater, aus zehn Tausenden sich wählen, wenn man den Weg der Vollkommenheit antreten will, wie der heilige Franziskus Salesius sagt. Weil aber die Wahl eines solchen geistlichen Wegweisers Vielen nicht erlaubt, und Andern unmöglich ist, so geschieht es oft, daß viele, zu aller Tugend geneigte Von der Andacht und Heiligkeit der Jungfrauen. 83 Seelen, mit einem nur gemeinen Wandel sich begnügen, und nur mit äußerlicher Andacht sich trösten müssen. Eben so können auch die Bücher, welche von der Vollkommenheit handeln, nicht jede Seele hinlänglich belehren, sowohl wegen ihrer Weitläufigkeit, als wegen der verschiedenen Wirkungen des heil. Geistes, welcher eine Seele auf diesem, eine andere auf einem anderen Wege zur Vollkommenheit führt, je nachdem eine Seele innerlich beschaffen ist. Um diesen Mangel der äußerlichen Anleitung zu ersetzen, wird dir, geliebte Tochter, die wesentliche und natürliche Eigenschaft der wahren Andacht und Heiligkeit, aus den vortrefflichsten geistlichen Büchern in Kürze zusammengezogen, so deutlich vorgestellt, daß du auch dann, wenn du den gewünschten Wegweiser nicht haſt, die sonst so schwere und wenig gekannte Wissenschaft der Heiligen ohne Mühe begreifen, und durch leichte Mittel in Wirkung setzen kannst. I. Von der Eigenschaft und Nothwendigkeit der wahren Andacht und innerlichen Heiligkeit oder Vollkommenheit der Jungfrauen. 1. Von dem Wefen oder der Eigenschaft der wahren Andacht oder Heiligkeit. er Herr. Meine geliebte Tochter! Die Andacht ist die eigentliche Tugend der Jungfrauen, die Zierde des weiblichen Geschlechtes, die reiche Quelle der himmäischen Gaben, ein köstlicher Edelstein, der den inneren Menschen zieret. Gleichwie aber unerfahrene Menschen sich leicht betrügen lassen, und den falschen Edelstein für einen echten halten, so pflegt man sich auch oft zu täuschen, indem man die falsche Andacht für eine wahre Andacht hält. 6* Von der wahren Andacht und Heiligkeit Die wahre Andacht ist nichts Anderes, als die Liebe Gottes, die nicht nur auf den Lippen, sondern auch im Herzen ist. Aber auch nicht jede Liebe, die im Herzen ist, kann für eine Andacht gehalten werden, sondern nur die innige, eifrige Liebe. Die Liebe ohne Andacht ist schwach, lau, unbeständig, wankelmüthig; wenn aber die Andacht hinzukommt, dann wird die Liebe stark, innig und fähig, Alles zu leiden und zu beginnen. Unter vielen Mägden, die in einem großen Hause dienen, sind manche träge und langsam, andere sind zwar bereit und dienstwillig, aber nur so lange sie vergnügt und zufrieden sind. Andere aber sind zu jeder Zeit fleißig und unverdrossen, und vollziehen schnell und gerne die Befehle ihrer Herrschaft, um ihr angenehm und wohlgefällig zu seyn; und diese sind es, welche in ihrem Dienste vollkommen sind. 84 Eine gleiche Beschaffenheit hat es mit den Jungfrauen, welche mir dienen. 1) Es gibt Jungfrauen, welche üppig und ausge= lassen sind in ihren Geberden, widerspenstig gegen ihre Eltern und Vorgesetzte, feindselig und rachgierig gegen den Nächsten; die ihren Sinnen nichts versagen, ihre bösen Neigungen nicht bezähmen, einer gefährlichen Freundlichkeit nicht entsagen, und mit großer Begierde allen weltlichen Lustbarkeiten nachlaufen. Und weil das Innerliche verkehrt ist, und das Gewissen sie stets beunruhiget, fuchen sie mit äußerlicher Andacht sich zu trösten. Sie sind stets in den Kirchen und andächtigen Versammlungen, sie verrichten lange Gebete, fie faſten und wallfahrten, und wollen den frommen Seelen in dem äußeren Gepränge der Andacht gleich scheinen. Dieß ist aber eine falsche Andacht und eine Scheinheiligkeit, womit sie Andere und sich selbst betrügen. 2) Andere Jungfrauen gibt es, welche sich zwar auf eine lange Zeit überwinden, und meine Gebote halten, so lange ich sie innerlich antreibe; sobald aber biefer 85 der Jungfrauen. Eifer verschwindet, und eine Versuchung oder Widerwärtigkeit sich nahet, fallen sie wieder in schwere Sünden. Dieß ist keine wahre Andacht; denn die Andacht ist eine beständig eifrige Liebe. 3) Andere Jungfrauen hüten sich zwar vor schweren und tödtlichen Sünden, aber sie fühlen keinen Abschen vor läßlichen Sünden; sie sind lau und träge im Dienste Gottes, saumselig in Verrichtung ihrer Pflichten, unbeständig in den täglichen Uebungen eines Christen; sie lieben die weltlichen Freuden und Lustbarkeiten; sie suchen ihrem Leibe zu gefallen; sie verunreinigen ihre guten Werke durch weltliche Absichten, durch eitle Gedanken und freiwillige Zerstreuungen des Gemüthes. Auch diese haben keine wahre Andacht; denn die Andacht ist keine schwache, sondern eine starke, innige Liebe. Wer aber innig liebet, der gibt sich Mühe, mir sowohl in kleinen als großen Sachen zu gefallen. 4) Andere Jungfrauen bilden sich ein, daß sie andächtig sind, weil sie von Gott hohe Gedanken haben. Sie fühlen immer heilige Neigungen; sie machen einen guten Vorsatz nach dem andern, ohne einen auszuführen; sie können Andere zu allen Tugenden aufmuntern, während sie ihr eigenes Herz nicht zu Gott wenden. Dieß ist keine wahre Andacht; denn die wahre Andacht besteht nicht bloß in den Worten oder heiligen Gedanfen, sondern auch in den Werken. 5) Andere Jungfrauen suchen vielmehr sich selbst, als Mir zu gefallen; sie nehmen aus ihren, dem Scheine nach guten Werken, eine willkommene Gelegenheit, ihren Nächsten zu verachten, und als Gerechte über Andere sich zu erheben; sie fassen einen zornmüthigen Eifer, und können keine Untugend bei Anderen dulden. Die wahre Andacht ist aber nicht aufgeblasen, sondern geduldig und demüthig. 6) Andere Jungfrauen suchen Gott mit aufrichtigem Herzen, und befleißen sich, ihm nach Möglichkeit Von der wahren Andacht und Heiligkeit zu gefallen; aber sie sind noch schwach und wankelmüthig in der Tugend, ungeduldig bei Verfolgungen, empfindlich gegen Schmach und Unbill, zaghaft in der Betrübniß, kleinmüthig in Versuchungen; sie streiten und sind kaum im Stande, den Feind zu überwinden und ihre noch lebhaften Neigungen zurück zu halten; diese sind zwar auf dem guten Wege, aber sie haben die vollkommene Andacht noch nicht erreicht; denn die wahre Andacht widersteht standhaft dem Bösen, und übet die Tugend mit Freude und Eile. Wenn der Geist der Andacht tiefe Wurzeln in dem Herzen gefaßt hat, so lehret er die Seele mit Geduld und Sanftmuth alle Drangfale und Widerwärtigkeiten ertragen, dem Willen Gottes sich ergeben, seiner Vorsehung Alles anheimstellen, mit gleichem Gemüthe das Gute und Böse von der Hand Gottes annehmen, mit Freude und Lebhaftigkeit dasjenige thun, was Andern schwer und unerträglich zu seyn scheint. Hierin besteht die wahre und echte Andacht, und der heilige Eifer, den ich von dir, geliebte Tochter, verlange. Die Jungfrau. Du allein, o gnadenreicher Erlöser, fannst in meinem Herzen diesen Eifer entzünden. Meine äußerste Schwachheit und meine armselige, zu allem Bösen geneigte Natur gibt mir allerdings zu erkennen, daß ich ohne besondere Hilfe, die ich allein von dir erwarte, zu diesem so hohen Stande der Vollkommenheit und wahren Andacht nicht gelangen werde. 86 2. Eine Jungfrau foll unaufhörlich sich bemühen, die wahre Andacht zu erlangen. er Herr. Meine Tochter! die dankbare Erkennt niß und dein eigener Nutzen erfordern, daß du unaufhörlich nach der wahren Andacht und nach einem vollkommneren Leben strebest. 1) Ich habe dich von ewigen Zeiten her geliebet, und aus lauter Güte hab' ich mich dir durch den wahren Glauben zu erkennen gegeben.( Jerem. 31, 3.) der Jungfrauen. Da ich so viele Andere im Unglauben, im Irrthume und in ihrer Eitelkeit zu Grunde gehen lasse, ist es viel, wenn du mich liebest die kurze Zeit, so du zu leben hast? 87 Ich habe dich erschaffen, und vor so vielen Tausenden auserlesen, damit du heilig und unbefleckt vor mir wandelst.( Ephes. 1, 4.) Dein Leib und deine Seele mit allen ihren Kräften, und was du immer besigest und noch ferner hoffest, sind meine Gaben. Ist es nicht billig, daß du sie zu meiner Liebe und zu meiner Ehre anwendest?( Mart. 12, 30.) Du bist nicht dein eigen, sondern du gehörest mir zu; denn ich habe dich erkauft mit meinem Blute.( 1. Cor. 6, 20.) Du weißt, wie viele Drangsale, Widerwärtigkeiten und Schmerzen ich gelitten habe, weil ich dich lieb hatte. Ist es nicht billig, daß du mir Gegenliebe erzeigeſt? ( 1. Joh. 4, 10.) Zur Erkenntniß begehre ich, daß du mir dein Herz schenkest; fannst du es mir versagen, oder etwa nur einen schlechten Theil davon geben, da ich es ganz haben will?( Sprüche 23, 26.) Meine Liebe zu dir ist so groß, daß ich dir mein Fleisch und Blut zur Speise gebe; was ich habe und besitze, ist dein, und dieß gebe ich dir mit dieser Speiſe. Ist es also zu viel, wenn du mir dein Herz schenkest? Und was suche ich, daß ich dein Herz begehre? Nicht meinen, sondern deinen Nutzen, nicht meine, sondern deine Glückseligkeit suche ich. 2) Warum laufest du nach solchen Sachen, die dein Herz nicht vergnügen können? Wie kannst du dich glückselig schätzen, da du liebest, was du mit Furcht befizest und mit Schmerzen verlieren mußt?( Pfal. 4, 3.) Was wird dir übrig bleiben von der Menschen Freundschaft, von der schnöden Schönheit, von dem Reichthume, von der eitlen Ehre, von aller Wollust, wenn du sterben mußt?( Luc. 12, 20.) Von der wahren Andacht und Heiligkeit Wenn du aber mich liebest, der ich dein Herr und Gott bin, so liebest und besitzest du denjenigen, den dir weder die Welt noch der Tod, noch die ganze Macht der Hölle kann aus den Händen, noch aus dem Herzen reißen.( Röm. 8, 35.). 98 3) Wenn die Stunde heranrücket, da dich die Welt und die Menschen verlassen werden, zu wem willst du alsdann deine Zuflucht nehmen? Ist ein Anderer, als ich, der dir dann helfen kann, oder ist ein Anderer, als ich, der dich dann verdammen würde?( Röm. 8, 34.) So du aber in deinem sterblichen Leben mich geliebet hast, was hast du zu fürchten von der ewigen Verdammniß! Diese Strafe ist meinen Feinden vorbereitet, nicht Jenen, die mich lieben.( Röm. 8, 1.) Auch die schwere Pein des Fegfeuers ist nicht für Jene, die mit Gold und Edelsteinen der vollkommenen Liebe und eines heiligen Eifers gebaut haben; Stroh und Stoppel der unvollkommenen Werke werden durch das Feuer geprüft werden.( 1. Cor. 3, 12.) 4) Wie herrlich wird deine Seele vor mir erscheinen, und dein Leib am Tage des Gerichtes von der Erde auferstehen! Wie eine Braut mit Gold und Kleinodien geschmückt, wirst du von mir empfangen werden. Als meine Freundin und Braut wirst du mit mir in meine Freude eingehen. Daselbst werde ich dich auf meinen Thron setzen, nachdem du ritterlich gestritten und deine Feinde wirst überwunden haben, gleichwie ich überwunden habe, und auf dem Throne meines Vaters site. ( Offenb. 3, 21.) 5) Ja schon in diesem Leben kannst du unaussprechliche Freuden genießen, wenn du mich vollkommen liebest. Der heilige Geist wird mit der Liebe alle seine Schätze in dein Herz ausgießen; der Friede Gottes, die Ruhe des Gewissens, die glückselige Hoffnung des Himmels, die Wonne des Herzens, und tausend andere 89 der Jungfrauen. ad h Güter, die alle Sinne und Gedanken übertreffen, werden dir zu Theil werden.( Phil. 4, 7.) Ich selbst werde mit meinem Vater zu dir kommen; dort werde ich mit dir reden, wie ein Freund mit seinem Freunde zu reden pflegt. Ich will dich solche Wahrheiten lehren, die den Gelehrten der Welt verborgen sind. Ein einziger Anblick meiner Augen, eine Ausgießung meines Herzens, eine Erklärung meiner Gegenwart wird dir erwünschter seyn, als alle Freuden und Wollüste der armseligen Welt.( Joh. 15, 11.) 6) Gottes eigene Glückseligkeit ist in deinen Händen; du wirst mich und meinen Geist besitzen. Durch diesen Geist will ich dir immer neue Schönheiten Gottes entdecken; die unergründlichen Schätze seiner Weisheit werden dir eröffnet werden.( Ephef. 3, 17.) So liebe mich denn, meine Tochter, so viel du lieben kannst, und bemühe dich, daß du die wahre Andacht erlangest, und du wirst fühlen, was das sei, seinen Gott lieben, dessen Schätze nicht zu erschöpfen sind. Verweile dich nicht, die Zeit ist kurz; fange an, den Weg der wahren Andacht anzutreten, und so du schon hast angefangen, werde nicht müde; du hast noch eine lange Reise vor dir, und so du schon liebest, liebe noch mehr. Wer gerecht ist, soll noch gerechter, und wer heilig ist, soll noch heiliger werden. Die Zeit ist nahe, da ich kommen werde, um einem Jeden seinen Lohn zu geben.( Offenb. 22, 11.) Lauf, so viel du laufen kannst, damit du das Kränzlein beines himmlischen Berufes erreichest.( 1. Cor.9,24.) Die Jungfrau. Mein Gott und Herr! Welche Schätze der Gnade habe ich verscherzet durch mein laues und üppiges Leben! Erbarme dich meiner, der du mein Bater bist! Ich will nach der wahren Andacht streben; noch heute, und nicht morgen, will ich anfangen. Meine irdischen Neigungen werden dagegen streiten; die Welt wird mich auslachen; die Hölle wird rasen; aber dieß Von der wahren Andacht und Heiligkeit Alles achte ich nicht, wenn ich nur dich, meinen Gott und Herrn, vollkommen liebe. 90 Der Herr. Du wirst freilich im Anfange deines trommen Lebens große Hindernisse finden. Man wird dir sagen: du sollst in der Welt den gemeinen Weg gehen, und nichts Besonderes anfangen; die Vollkommenheit sei für geistliche Ordensleute; es sei unmöglich, in der Welt so zu leben; ein solches Unternehmen sei vielmehr ein Hochmuth des Geistes, der sich über Andere erheben will, als die Wirkung einer aufrichtigen Andacht; auch Andere wollen selig werden, obschon sie nicht so hoch fliegen; man wird dich als eine Scheinheilige, als eine Gleißnerin ausrufen, und deine Andacht für eine Schwachheit halten. So reden die Weltfinder, und selbst unter denen, die Andern sollen den Weg zeigen, gibt es zuweilen Einige, die dein Vorhaben nicht ganz billigen werden, welche, weil sie selbst diesen Weg der Andacht nicht antreten wollen, auch Andere davon abhalten. Du aber laß dich von deinem heiligen Vorhaben nicht abwendig machen, und bedenke, daß alle diejenigen, welche meiner Lehre nachkommen wollen, viel Verfolgung werden dulden müssen.( 2. Tim. 3, 12.) 3. Alle Menschen, welche felig werden wollen, müſsen fromm feben, und nach Vollkommenheit trachten. er Herr. Meine geliebte Tochter! Höre an meine Worte, die dich in deinem heiligen Vorhaben aufmuntern, und wider die bösen Zungen der Weltkinder stärken werden. Die Welt betrügt sich, da sie sagt: die Vollkommenheit sei nur für einige auserlesene Seelen. Ich verlange zwar nicht, daß alle meine Auserwählten eine gleiche Heiligkeit erwerben, sondern ein Jeder soll sich bemühen, heilig zu werden nach seinem Berufe, nach seinen Kräften und nach dem Maße der Gnaden, die ich nicht auf gleiche Weise Allen und Jedem mittheile: 91 der Jungfrauen Einem gebe ich weniger, einem Anderen mehr.( Matth. 25, 15.) In dem Hause meines Vaters sind viellerlei Wohnungen.( Joh. 14, 2.) Und gleichwie unter den Sternen einer mehr glänzet als ein anderer, so gibt es auch unter meinen Dienern deren, die in der Tugend mehr glänzen, und die folglich im Himmel Anderen werden vorgezogen werden.( 1. Cor. 15, 41.) Jedoch ist es mein Wille, daß Alle nach der wahren Heiligkeit trachten.( 1. Theffal. 4, 3.) Ich habe meinen himmlischen Vater gebeten, daß er alle diejenigen in der Wahrheit wolle heilig machen, die an mich glauben werden.( Joh. 17, 17.) Und alle diejenigen, welche die Seligkeit zu erlangen beslissen sind, sollen sich bemühen, daß sie heilig werden, wie Gott heilig ist.( 1. Joh. 3, 3.) Ich habe Allen befohlen, daß sie vollkommen seien, gleichwie mein himmlischer Vater vollkommen ist. ( Matth. 5, 48.) So müssen also alle Menschen den möglichen Fleiß anwenden, auf daß sie heilig und vollkommen werden, wie es von ihnen ihr Stand und Beruf erfordert. Die Jungfrau. Worin besteht denn diese Heiligfeit und wahre Andacht, die du, mein göttlicher Lehrmeister, von mir und allen Menschen verlangest? Der Herr. Sie besteht in dem großen Gesetze der Liebe, welches allen Menschen ohne Ausnahme ist gegeben worden:" Du sollst Gott deinen Herrn lieben aus ganzem Herzen, aus ganzem Gemüthe, aus ganzer Seele, und aus allen Kräften des Leibes und der Seele.( Matth. 22, 37.) Wer aber Gott also liebt, der thut mit großem Fleiße alles dasjenige, was Gott von ihm nach seinem Stande und nach seinen Kräften verlanget. Gott aber will, daß Jeder das Böse meide, und das Gute thue, Von der wahren Andacht und Heiligkeit das er nach seinem Stande zu wirken schuldig ist. ( Röm. 12, 3.) 92 Ich habe allen Menschen geprediget, daß sie aller Bosheit und allen weltlichen Begierden entsagen, daß fie in der Frömmigkeit gegen Gott, in der Gerechtigkeit gegen den Nächsten und in der Mäßigkeit gegen sich selbst wandeln.( Tit. 2, 12.) Ich habe zu Allen gesagt: Wer mir nachfolgen will, der muß sich selbst verläugnen, sein Kreuz auf sich nehmen, und mir nachfolgen.( Luc. 9, 23.) Welche aber ihren unbändigen Neigungen und bösen Begierden den Zaum lassen, die werden sich umſonst berufen auf ihren leeren Glauben, auf ihre langen Gebete, auf ihre, freiwilliger Weise angenommenen, äußerlichen Werke und Andachten; umsonst werden sie den Gebrauch der Welt, ihre großen Schwachheiten, ihre Beschwerden und Anfechtungen vorwenden. Ich werde zu ihnen sagen: Packet euch fort, ihr Alle, die ihr Böses gethan habt!( Luc. 13, 27.) Nicht Alle, welche berufen werden, sind auserwählt, sondern welche durch gute Werke ihren Beruf versichern. ( 2. Petr. 1, 10.) Diese Werke aber sind nicht diejenigen, die sich ein Jeder nach seinem Gutdünken aufladet, sondern die er nach seinem Stande und Berufe zu verrichten schuldig ist.( Tit. 2. im ganzen Capitel.) Alle müssen üben die heiligen Tugenden der Geduld, der Güte, der Sanftmuth, der Langmuth, der Keuschheit.( Gal. 5, 22.) Nicht Alle, welche da sagen: Herr! Herr! werden in das Himmelreich eingehen, sondern welche den Willen thun meines himmlischen Baters.( Matth. 7, 21.) Wer aber diesen Willen vollzieht, der hat die wahre Andacht und Heiligkeit erreicht. Siehe nun, liebe Tochter, wie alle Menschen verpflichtet sind, nach der wahren Andacht und Heiligkeit 93 der Jungfrauen. zu trachten, wenn sie das Reich der Himmel erobern wollen. Von den Jungfrauen aber verlange ich eine vollkommnere Heiligkeit, eine innigere Andacht, und einen größeren Eifer. 4. Eine Jungfrau foll nach einer vollkommneren Heiligkeit streben, als der gemeine Haufe der Christen. K er Herr. Ich habe dir schon gesagt, meine Tochter, die wahre Andacht sei eine vollkommene Liebe, ein brennender Eifer, eine lebhafte Eile, dasjenige zu thun, was Gott wohlgefällig ist, und zu meiden, was ihm mißfällt.( Röm. 12, 11.) Alle sind zu dieser Mahlzeit eingeladen, damit sie trunken werden von dem Weine der göttlichen Liebe. ( Sprüche 9, 2. u. folg.) Aber der große Haufe der Menschen entschuldiget sich; sie berufen sich auf den müheseligen Ehestand, welcher das Herz zwischen Gott und dem Menschen theilet; sie wenden vor die vielfältigen Sorgen des Zeitlichen, welches ihre Gedanken zerstreuet, das Gemüth beunruhiget, ungestüme Regungen und Begierden erwecket.( 1. Cor. 7, 34.) Und wie groß auch immer der Eifer, Gott zu dienen, bei den Eheleuten seyn mag, wird er doch durch die Drangsale, Armseligkeiten, irdischen Anmuthungen und viele andere Beschwerden gehemmet, zertheilet und verhindert.( Ebendaselbst V. 26.) Du aber, meine Tochter, kannst keine solche Entschuldigung vorbringen. Nichts verhindert dich, daß du mir dein Herz ganz und gar schenkest, und mich aus allen Kräften deiner Seele liebest, und am Leibe und an der Seele heilig seiest.( Ebendafelbst V. 34.) Die Jungfrauen sind größeren Gefahren von Außen, und größeren Schwachheiten von Innen unterworfen, welchen eine nur gemeine Andacht keinen hinlänglichen Von der wahren Andacht und Heiligkeit Widerstand leistet. Die Begierde, den Menschen zu gefallen, die Sorge für eitle Schönheit, das unruhige Verlangen nach zeitlichem Wohlstande, der Vorwitz, Hochmuth in Kleidern und Geberden, die reizenden Annehmlichkeiten des Geschlechtes, sind Versuchungen, welche schon manche jungfräuliche Reinigkeit in das Verderben gestürzt haben. 94 Eine geringe Sache kann ihr schwaches Herz einnehmen, und den schwachen Geist der Andacht auslöschen. Du hast also eine größere Andacht und eine innigere Liebe nöthig, wenn du in diesem ewigen Kampfe siegen willst. Von dieser Liebe erleuchtet und entzündet, wirst du leicht die schnöde Ueppigkeit der Welt und ihre Freuden verachten. Die Liebe der Keuschheit ist das Werk des heiligen Geistes, welcher dieselbe nach dem Maße deiner Andacht und der in dir wohnenden Liebe wecken wird; von diefer Liebe entflammt, haben so viele heilige Jungfrauen zur Bewahrung ihrer Reinigkeit bis in den Tod geſtritten. Den Jungfrauen gebe ich gewöhnlich häufigere Gnaden und stärkere Begierden und Ermuthigungen zur Tugend und Heiligkeit. So müssen sie denn mit gröfserem Fleiße diese Gaben gebrauchen; denn welchem ich viel gegeben habe, von dem werd' ich auch viel fordern. ( Buc. 12, 28.) Dessen ungeachtet bin ich von so vielen Jungfrauen verlassen, die meine Liebe und meine, ihnen stets zurufende Stimme verachten, und lieber dem Schatten der weltlichen Eitelkeit folgen wollen. Du kannst mich trösten in meiner Verlaffenheit, wenn du mich um so inniger liebest, und durch deinen Eifer ersetzest, was so viele untreue Herzen mir, ihrem Gotte und Heilande, versagen. Dieses Zeichen deiner Gegenliebe erwarte ich von dir. Die Jungfrau. Mein göttlicher Erlöser! Wenn mein armes und noch irdisches Herz würdig ist, von 95 der Jungfrauen... beiner Liebe entzündet zu werden, so nimm es hin und besitze es. Wie beschwerlich auch der Weg seyn mag, den du mir zeigest, so bin ich doch fest entschlossen, ihn standhaft zu betreten. 5. Die Vollkommenheit und wahre Andacht ist für eine Jungfrau keine schwere, fondern eine leichte Sache. Lea der Herr. Meine Tochter! deine verkehrte Natur und die lügenhafte Welt sagen dir, es sei schwer, oder gar unmöglich, die Heiligkeit zu erlangen. Ich aber sage dir, daß mein Joch süß und meine Bürde leicht ist.( Matth. 11, 30.) Diese Heiligkeit ist schwer, ja unmöglich denen, die zugleich auch die Welt und sich selbst lieben wollen; denn Niemand kann zwei Herren dienen.( Matth. 6, 24.) Sobald du aber den festen Entschluß wirst gefaßt haben, dich und die Welt zu verlassen, so wird alle Beschwerde vor deinen Augen verschwinden. Meine Gnade wird dir Alles leicht und süß machen. Eine Magd ist früh und spät beschäftiget; sie leidet Hunger und Durst, Hitze und Kälte; sie erträgt mit Geduld das rauhe Verfahren einer strengen Hausfrau, in der Hoffnung eines geringen Lohnes. Du aber, selbſt wenn du mir auf das Vollkommenste dienest, hast nicht so viel auszustehen, und wirst aufgemuntert von der glückseligen Hoffnung ewiger Freuden. Betrachte die Mühe und Sorgen, den Kummer und die Drangfale des Ehestandes; du darfst in meinem Dienste nicht so viel leiden und ertragen. Und wenn die Liebe eines sterblichen Menschen dieß von sich selbst schwere Joch leicht und gering macht, wie viel mehr wird meine Liebe, was schwer ist, leicht, was bitter ist, süß, und was jetzt unmöglich dir zu seyn scheint, erträglich und angenehm machen! Du darfst nicht bis auf das Blut wider die Sünde streiten, wie so viele heilige Jungfrauen gestritten haben; du darfst nicht in Kerfern, Von der wahren Andacht und Heiligkeit nicht in Wüsteneien, und nicht in den Höhlen der Berge deine Tage zubringen; du darfst nicht in Hunger und Durst, in Hitze und Kälte, in Schmerzen und Trübfal dein Leben enden. Du darfst nur lieben, und aus Liebe dasjenige thun, was man alle Tage thut aus Begierde, den Menschen zu gefallen, um einen eitlen Gewinn zu erhaschen, um einer Strafe zu entgehen. 96 Du hast vor dir und um dich herum die schönsten Beispiele unzählbarer Jungfrauen, die nach der Vollkommenheit trachten; warum solltest du nicht auch thun können, was jene thun oder gethan haben? Die Jungfrau. Meine Armseligkeit ist so groß, o Herr! daß ich das Wenige, was du von mir verlangest, als eine große Mühe ansehe, während du aus Liebe zu einer verächtlichen Sünderin so viele Beschwerden, so viel Kreuz und Drangsal auf dich genommen hast. Mein Entschluß ist gefaßt, mein geliebter Jesu! von nun an will ich dein seyn, dich will ich vollkommen lieben, bis an das Ende meines Lebens. 6. Das Vorhaben, nach der Vollkommenheit zu streben, foll nicht aufgeschoben werden. er Herr. Meine Tochter, was du dir zu thun vorgenommen hast, das sollst du nicht von einem Tage zum andern aufschieben. Und wenn du schon angefangen hast, so verweile nicht auf deiner Reise; der Weg ist lang und die Zeit ist kurz; so fange also an zu laufen, und höre nicht auf, bis du das Kränzlein deines himmlischen Berufes erobert hast.( 1. Cor. 9, 24.) Du weißt nicht, wann ich, dein Bräutigam, kommen werde. Möchtest du mit leerer Lampe vor mir erscheinen?( Matth. 25, 13.) Je länger du wartest, desto größer wird die Beschwerlichkeit, die dich zurückhält. Und je mehr du der verfehrten Natur nachgibst, desto mehr wird sie von dir fordern. Da du noch jung bist, sollst du dein Herz der Jungfrauen. und dein Gemüth zur Tugend wenden, und in deiner Jugend das Joch des Herrn tragen.( Klagl. 3, 27.) Jetzt, da ich dir rufe, da ich dich innerlich ermahne, da ich zu dir spreche, ist die Stunde der Gnaden. Wenn du sie übersiehst, so kann es sehn, daß sie dir morgen fortgenommen, und Andern gegeben werden, die sie beſser benützen. Wo wäre die Heiligkeit so vieler auserlesener Seelen, wenn sie ihre Bekehrung und das weitaussehende Werk der Vollkommenheit aufgeschoben hätten? Welche große Schätze der Verdienste verscherzest du alle Stunden und Augenblicke durch dein laues und kaltsinniges Leben! Wo ist die Freude des Geistes, das Vergnügen des Herzens, die Ruhe des Gewissens, der innerliche Trost deiner Seele, die ich dir zu geben bereit wäre, wenn du mich von ganzem Herzen liebtest, und deren du dich durch deine Eitelkeit beraubest! Bin ich denn heute nicht dein Gott und Herr, dem du alle Augenblicke zu dienen schuldig bist? Warum willst du denn erst morgen anfangen, und mit einem fruchtlosen Versprechen, das du vielleicht niemals erfüllen wirst, deine Besserung hinhalten? Sage also nicht: ,, Morgen will ich anfangen;" denn heute noch, in dieser Stunde, verlange ich dein Herz zu besitzen. Die Jungfrau. Nach deinem Willen soll es geschehen, geliebtester und langmüthiger Beschützer meiner Seele. Du hast nur zu lange mit mir Geduld getragen; so zeige mir nun den Weg, der mich zur wahren Andacht und Vollkommenheit führe. Jungfrauenbuch. 97 7 - 98 II. Von der Neinigung des Herzens. 1. Die Reinigung des Herzens ist der Anfang oder die erste Stufe zur Vollkommenheit. er Herr. Meine Tochter, die wahre Andacht ist eine eifrige und innige Liebe, die in dem Herzen brennt. Denn die Liebe Gottes ist in unsere Herzen ausgegossen durch den heiligen Geist, der uns gegeben ist.( Röm. 5, 5.) Gott aber ist ein Geist der Reinigkeit, der da reine Herzen liebet.( Weish. Salom. 7, 27.) Er geht nicht hinein in eine boshafte Seele, und wohnet nicht in einem Leibe, welcher der Sünde unterworfen ist.( Ebendaselbst 1, 4.) Sondern, wo er ein reines Herz und ein gutes Gewissen findet, daselbst entzündet er die Flamme seiner Liebe.( 1. Tim. 1, 5.) So mußt du also anfangen, dein Herz zu reinigen, damit du diesem göttlichen Gaste eine angenehme Wohnung und Herberge zubereitest. Mein heiliger Geist ist der erste Lehrmeister und Wegweiser derer, die nach einem vollkommenen Leben trachten. Wie kannst du aber seine Stimme hören, da das Herz zerstreuet, und von irdischen Anmuthungen, unbändigen Gemüthsregungen und ungestümen Begierden beunruhiget wird?( 3. Kön. 9, 11.) Unreine und von irdischer Liebe eingenommene Seelen wohnen in der Tiefe; reine Seelen aber schwingen sich empor mit den Flügeln der göttlichen Liebe, und wohnen auf dem Berge des Herrn, wohin Niemand gelangen kann, als der reinen Herzens ist.( Psal. 23, 31.) 99 Von der Reinigung des Herzens. Niemand kann meine besondere Freundschaft genießen, als wer die Reinigkeit des Herzens erhalten hat.( Sprüche 22, 11.) Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.( Matth. 5, 8.) Bemühe dich also, dein Herz zu reinigen, und erbitte von mir diese Gnade ohne Aufhören! 2. Wovon das Herz soll gereiniget werden. ie Jungfrau. Von welchen Dingen, mein göttlicher Lehrmeister, soll ich mein Herz reinigen? Der Herr. Du mußt zuerst dein Herz von den schweren Sünden reinigen, die dich meiner heiligmachenden Gnade berauben, und meinen Geist aus seiner Wohnung vertreiben, und dich zum Kinde des Zornes und der Verdammniß machen. Und wenn diese Sünden aus einer bösen Neigung oder angenommenen Gewohnheit entspringen, mußt du auch diese böse Neigung oder sündhafte Gewohnheit ablegen. Wenn du von den schweren Sünden los bist, mußt du auch vor den läßlichen, die man freiwillig begehet, dich hüten, dann auch von den täglichen Gebrechen und argebornen Schwachheiten dein Herz reinigen. Du mußt streiten wider alle verkehrten Anmuthungen, Neigungen und Regungen des Gemüthes, die dich stets beunruhigen, allerlei Begierden, unmäßige Traurigteit, ausgelassene Freude, Unwillen und Verdruß, Neid und Mißgunst, und dergleichen andere Unordnungen und Zerstreuung des Geistes in dir verursachen. Die Jungfrau. Wie werde ich Armselige so viele angeborne böse Neigungen, tief eingewurzelte Gewohnheiten, irdische Begierden, die unendlichen Schwachheiten der Eigenliebe, die ein Ursprung aller meiner Gebrechen sind, aus dem Herzen reißen können? Der Herr. Meine Tochter, laß dich von dieser vermeintlichen Beschwerlichkeit nicht kleinmüthig machen. 7* Von der Reinigung des Herzens. Vielleicht bist du solchen Armseligkeiten noch nicht unterworfen, und mehr zum Guten als zum Bösen geneigt. Dann hast du nichts anders zu thun, als daß du mir Dank sagest, und dich bemühest, dieser tugendhaften Neigung zu folgen; und wenn du nur die eine oder andere Untugend verspürest, so kannst du dieselbe desto leichter überwinden und entfernen. Solltest du aber auch allen Armseligkeiten unterworfen seyn, so bedenke, daß bir durch meine Gnade Alles möglich ist. 100 Alsdann mußt du nach und nach meine Lehre befolgen. Ein hohes Gebäude wird nicht auf einmal, noch an einem Tage aufgeführt; man kann nicht an einem Tage einen Lustgarten machen aus einem Acker, der mit Disteln und Dornen überwachsen ist. Durch eine beständige Arbeit läßt sich Alles erreichen. Wende nur jene Mittel an, die ich dir vorschreibe. 3. Allgemeines Mittel, um das Herz von den begangenen Sünden zu reinigen. Die heilige Beicht. er Herr. Meine geliebte Tochter, eine reumüthige und offenherzige Beicht ist das allgemeine und träftigste Mittel, womit du dein Herz von den begangenen Sünden reinigen kannst. Von den läßlichen Sünden aber kannst du zwar durch viele andere Mittel befreit werden, doch ist die Beicht das allerkräftigste. Diese Gewalt habe ich den Priestern gegeben, und folglich mußt du denselben deine Sünden beichten, wenn sie tödtlich sind. Gleichwie aber ein großer Herr von seinem Hausmeister bald eine besondere, bald eine allgemeine Rechenschaft fordert, so verlange auch ich von meinen Dienern bald eine besondere, bald eine allgemeine Rechenschaft ihres Lebens, und ein reumüthiges Bekenntniß aller während der Zeit ihres Lebens begangenen Sünden. Diese allgemeine Rechenschaft ist Jenen nothwendig, die lange Zeit in Von der Reinigung des Herzens. großer Unordnung gelebt, viele schwere Sünden begangen, und nach der besondern Beicht kein Zeichen einiger Besserung haben verspüren lassen. Jenen aber, die nach einem lauen Wandel den Entschluß fassen, den Eifer der wahren Andacht zu ergreifen, ist diese allgemeine oder kindliche Beicht sehr nützlich. Jedoch soll sie nicht ohne Bewilligung eines geistreichen und wohlerfahrenen Beichtvaters geschehen. 101 4. Besonderer Nutzen der kindlichen Beicht für Jene, welche den Weg der Vollkommenheit betreten wollen. der Herr. Meine Tochter, die Vorbereitung zur findlichen Beicht ist eine lange und genaue Erforschung des Gewissens über alle Sünden des verflossenen Lebens. Durch diese Erforschung erkennst du die innere Beschaffenheit deiner Seele; du entdeckest deine bösen Neigungen, deine angebornen Schwächen und besondern Hauptlaster, aus welchen deine vielseitigen Sünden entsprungen sind. Diese Erkenntniß seiner selbst iſt der Grund, auf welchem das Gebäude der christlichen Vollkommenheit aufgeführt werden muß. Dann kannst du mit größerem Vortheile wider einen Feind streiten, den du vor Augen hast, und bequeme Mittel wählen, nicht nur um den Rückfall zu meiden, sondern auch um eine nunmehr bekannte böse Neigung oder Gewohnheit abzulegen. In Ansehung aller deiner Sünden wirst du sowohl meine große Geduld und unendliche Güte, als auch deine Undankbarkeit erkennen, und eine innigere und herzlichere Reue und Leid erwecken. Dein Vorhaben wird fester und beständiger seyn, nach dem Maße des innerlichen Schmerzes, den dir das Andenken aller deiner Sünden verursachen wird. Du wirst einen innerlichen Trost und eine süße Ruhe des Herzens nach der Beicht empfinden, was dich aufmuntern wird, mir desto eifriger zu dienen, und die verlorne Zeit durch größeren Eifer Von der Reinigung des Herzens. einzubringen. Insbesondere aber wirst du deinem Beichtvater den inneren Stand deiner Seele entdecken, damit er dich durch schickliche Mittel zum Ziele führen könne. 102 Wenn du aber dein verflossenes Lebn durchgehest, um alle deine Armseligkeiten zu erkennen, ist es rathfam, meine Tochter, daß du einige Tage in der Einsamkeit, fern von der Gemeinschaft der Menschen, dem heiligen Gebete und der Betrachtung der ewigen Wahrheiten obliegest, und während dieser Zeit die begangenen Sünden zu erkennen dich bemühest. Der besondere Nutzen aber, den du, meine Tochter, aus der findlichen Beicht schöpfen solleft, besteht darin, daß du aus Erkenntniß deiner Sünden und der unendlichen Güte Gottes dir vornehmest, mich, deinen Gott und Erlöser, nicht mehr, auch nur in einer läßlichen und geringen Sache, mit freiem Willen zu beleidigen. Dieser Vorsatz ist die Einleitung zu der wahren Andacht, welche sich dadurch äußert, daß du mir in allen Dingen zu gefallen, und, was mir mißfällt, zu meiden bemüht feieſt. 5. Die meidung der läßlichen Sünden ist nicht nur zur Er. langung der Vollkommenheit, sondern auch zur Verficherung der Seligkeit nothwendig. er Herr. Die Weltmenschen pflegen zu sagen: es habe nicht viel zu bedeuten, wenn man geringe und läßliche Sünden begeht, es sei genug, wenn man die schweren meidet. Ich aber, dein Gott und Herr, fage dir, daß derjenige, der ohne Scheu und vorsätzlicherweise läßliche Sünden begehet, nicht nur die vollkommene Andacht niemals erreichen, sondern auch die Seligkeit allem Anscheine nach nicht erlangen werde; denn wer im Kleinen treu ist, ist auch im Großen treu; und wer im Kleinen ungerecht ist, ist auch im Großen ungerecht.( Luk. 16, 10.) Und wer kleine Dinge ver Von der Reinigung des Herzens. achtet, der wird nach und nach in größere Fehler gerathen.( Pred. Salam. 19, 1.) Aus vielen läßlichen Sünden, die man ohne Scheu begeht, entspringt eine böse Gewohnheit, welche Blindheit und Verstockheit des Herzens nach sich zieht. Du wirst gar oft eine schwere Sünde für eine läßliche halten; auf diese Weise haben sich schon Viele bethören lassen, die mit den läßlichen Sünden angefangen haben; denn Niemand wird auf einmal gottlos. Wenn du heute deinen Leib verzärtelst und ihm ungebührliche Freuden gewährest, so wird er morgen noch größere von dir verlangen. Ein unbehutsamer Anblick kann zum Räuber an deiner Seele werden, und schlüpfrige Gedanken und Begierden in dir erwecken.( Klagl. 3, 51.) Eine augenblickliche Nachgiebigkeit kann dir auf lange Zeit die heiligmachende Gnade entziehen. 103 Wie viele Jungfrauen haben in einer Gesellschaft, bei einer Ergötung, durch zu große Freundlichkeit mit dem andern Geschlechte ihre Unschuld und die jungfräuliche Reinigkeit verloren. Wer die Gefahr liebet, wird in der Gefahr zu Grunde gehen.( Pred. Sal. 3, 27.) Wenn du nur die schweren Sünden zu meiden dir vorgenommen hast, die geringeren aber wenig achtest, so bist du weder falt noch warm. Du bist nicht warm, weil du keinen Eifer hast, mir zu gefallen; du bist auch nicht falt, indem du die schweren Sünden meidest. Weil bu aber lau bist, und weder kalt noch warm, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde. ( Offenb. 3, 16.) Den Feigenbaum, der nur Blätter trug, aber feine Frucht, habe ich verflucht.( Matth. 21, 19.) Wie wird es denn dir ergehen, die du durch deine Trägheit in den geistlichen Uebungen, durch deine freiwillige Zerstreuung im Gebete, durch deine Unachtsamkeit in den Geschäften, durch deine Ungeduld in der Widerwärtigkeit, durch deine Begierde, nur den Menschen Von der Reinigung des Herzens. zu gefallen, durch stete Vergnügungen deiner Sinne, alle deine Werke fruchtlos machest oder verdirbst. 104 Jetzt bildest du dir ein, es stehe wohl mit dir, weil dir dein blindes Gewissen keine schweren Sünden vor wirft; aber wie wird dir um das Herz seyn, wenn du auf deinem Todbette die äußerste Armuth deiner Seele sehen wirst? Du sprichst: ich bin reich, habe die Fülle und bedarf nichts; und weißt nicht, daß du die Elende und Jammernswerthe, und arm und blind und bloß bist.( Offenb. 3, 17.) Jetzt sagst du: es seien nur geringe Sünden, die du begehest; aber du wirst eine ganz andere Meinung haben, wenn der helle Tag der Ewigkeit dir in die Augen leuchten wird. Wie viele von diesen vermeintlichen läßlichen Sünden werden dir dann in ihrer wahren, furchtbaren Gestalt erscheinen; in welche Verwirrung wirst du gerathen, wenn ich an so viele gute Gedanken und Einsprechungen dich erinnern werde, denen du nicht gefolget bist, an so viele Mittel und Gelegenheiten, heilig zu leben, die du verscherzet, an so viele Gnaden und Wohlthaten, die du mißbraucht, an so viele Jahre und Tage, die du in der Eitelfeit verlebt, an so viele köstliche Gaben des Leibes und der Seele, die du zu meiner Kränkung benützt hast? Du wirst, wie eine thörichte Jungfrau, mit leerer Lampe vor mir erscheinen! Welche Hoffnung wird dich dann in deinem Kleinmuthe trösten? Sage also nicht: Es seien nur kleine Sünden, die du begehest; du siehst nun, in welches Unheil sie dich stürzen werden, wenn du sie nicht meidest. Die Jungfrau. Mildseligster Erlöser! habe Mitleiden mit mir armseligen Sünderin, und siehe mit deiner göttlichen Gnade auf meinen festen Entschluß, dich nie mehr, auch nicht durch die geringste Sünde, freiwillig und vorsätzlich zu beleidigen. Und gleichwie ich bekenne, daß ich dieses mein Vorhaben deiner heiligen Einsprechung verdanke, so wollest auch du durch deinen himmlischen Segen in der Ausführung mich stärken. 105 111. Mittel wider die freiwilligen läßlichen Sünden. K 1. Von dem Unterschiede der Sünden. achfolgende Mittel sind sowohl gegen schwere, als auch gegen läßliche Sünden anwendbar; von den läßlichen Sünden ist nur deßwegen hier allein die Rede, weil die meisten Jungfrauen, welche nach einem vollkommenen Le ben trachten, gewöhnlich noch keine schwere Sünde begangen haben. Es ist hier auch nicht von jenen läßlichen Fehlern und Sünden die Rede, welche aus Unachtsamkeit, Unbesonnenheit, Lebhaftigkeit, und aus menschlicher Gebrechlichkeit begangen werden, z. B.: Jähzorn, Verdruß, ein unbedachtsames Wort u. dgl., welche zwar die Seele beunruhigen, aber die wahre Andacht nicht schwächen. Auch von jenen Sünden ist hier keine Rede, welche furchtsame und zweifelhafte Gemüther für solche halten, und die in der That keine Sünden sind; gegen die schweren Anfechtungen, die den Glauben oder die Reinigung, oder die Hoffnung und Zuversicht auf Gott angreifen, werden bei einer andern Gelegenheit besondere Mittel, vorgeschrieben; hier sind sie weggelassen. Es ist hier von solchen Sünden die Rede, die man als Sünden kennt, und gleichwohl freiwillig und vorsätzlich begeht. Diese freiwilligen Sünden werden begangen theils aus gemeiner Schwachheit und aus einer, allen Menschen angebornen bösen Neigung, theils aus einer besondern Neigung zu einer gewissen Sünde, oder aus einer bösen Gewohnheit, irgend eine besondere Sünde zu begehen, z. B.: ein böser Zorn, in den man fast immer ausbricht, wenn Mittel wider die freiwilligen etwas nicht nach dem Willen geht; oder wenn man gerne schwätzt, oder wider die Ehre des Nächsten spricht, oder öfters unmäßig ist und trinkt. Freiwilligen Sünden aus Schwachheit sind alle Menschen unterworfen, die nicht auf dem Wege der Vollkommenheit wandeln. Dagegen gibt es viele auserlesene und von Gott gesegnete Seelen, die vielmehr zur Tugend, als zu einem Lafter geneigt zu sehn scheinen, oder die eine frühere böse Neigung unterdrückt, und durch die Hilfe Gottes abgelegt haben. 106 Von den meisten Menschen kann man sagen, daß sie einer bösen Neigung unterworfen sind. Die Einen sind zu diesem, die Andern zu einem andern Easter geneigt; aus dieser Neigung entspringen viele Sünden, aus diesen Sünden entspringet endlich eine böse Gewohnheit, die man nach einiger Zeit nicht ohne große Anstrengung überwinden fann Unter diesen bösen Neigungen und den daraus entspringenden bösen Gewohnheiten, findet sich hie und da eine, welche der Seele einen größeren Schaden zufüget. Diese starke Neigung oder böse Gewohnheit heißt man das Hauptlaster, wider welches man besondere Mittel anwenden muß. Wenn du wissen willst, ob deine begangenen täglichen Sünden aus der allgemeinen bösen Neigung zum Bösen, das ist: aus der menschlichen, tir angebornen Schwachheit, oder aus einer besondern Neigung und bösen Gewohnheit entspringen, so richte dich nach folgenden Kennzeichen: 1) Wenn du nur dann und wann nach Art der Gelegenheit oder der Versuchung bald in die eine, bald in eine andere Sünde fallest, die nicht von einerlei Gattung oder Natur ist, so sündigest du aus menschlicher Schwachheit; 2) wenn du aber eine gewisse Sünde öfter begehest, zu welcher du einen besonderen Antrieb fühlest, so sündigest du aus böser Gewohnheit. Je nachdem nun die Sünde ist, muß auch das rechte Mittel dagegen angewendet werden. 107 läßlichen Sünden. 2. Mittel wider die freiwilligen Sünden aus Schwachheit. 1. Oft wiederholtes festes Vorhaben. n deinem Morgengebete, in der heiligen Messe, und einigemal des Tages fasse einen festen Entschluß, niemals freiwillig etwas zu denken, zu reden, zu thun oder zu unterlassen, was du für eine Sünde erfennest. Bekenne deine Fehler, wenn du wider dein Vorhaben gefündiget hast. Verzage deßwegen nicht; du kannst nicht auf einmal alle läßlichen Sünden ablegen, sondern erneuere wieder den zuvor gefaßten Entschluß, und worin bu heute gefehlet hast, das verbessere morgen. 2. Das heilige Gebet. Verlaß dich in der Ausübung deines guten Vorhabens nicht auf deine Kräfte, noch auf den gegenwärtigen Eifer, der gar bald schwächer wird, und dann verschwindet; sondern auf die Gnade und Barmherzigkeit deines Erlösers, und auf die Fürbitte der heiligsten Jungfrau Maria und anderer Schutzheiligen. 3. Stete Aufsicht und Wachsamkeit. Dein Heiland sagt dir: du sollst beten und wachen, damit du nicht in Versuchung gerathest. Sobald du eine innere Neigung zu einer Sache spürest, die eine Sünde ist, so widerstehe gleich anfangs der verkehrten Neigung, und laß dich nicht von dem Widerwillen gegen eine Beschwerlichkeit überwinden, womit die Ausübung eines guten Werkes verbunden ist. 4. Verwahrung der fünf Sinne. Der Tod steigt durch die Fenster in die Seele hinein. Durch die äußerlichen Sachen, die man sieht, höret, fostet, fühlet, wird innerlich eine unordentliche Begierde erwecket, und weil diese Begierde zu einer Sache gewöhnlich Verwirrung und Blindheit mit sich bringt, läßt man sich gar leicht verführen. 108 Mittel wider die freiwilligen läßlichen Sünden. Durch den Vorwitz der Augen wird innerlich eine große Unruhe verursacht; das Gemüth wird zerstreuet, der Geist beunruhiget und das Herz durch eitle Liebe gefangen. Du darfst dich also nicht verwundern, daß du fallest, wenn du diese Fenster nicht wohl verwahrest und dem Feinde den Eingang verschließest. Die Zunge ist ein Werkzeug aller Sünden. Es ist viel sicherer, zu schweigen, als ein eitles Gespräch ohne Verletzung des Gewissens anzufangen. Laß dich vom Geschmacke der Speisen und von der Annehmlichkeit des Weines nicht einnehmen, sondern mäsfige hierin täglich deine Sinnlichkeit; denn so du diesen irdischen Feind nicht überwinden kannst, wie willst du dann die innerlichen und unsichtbaren Feinde überwinden? Aus der Unmässigkeit im Essen und Trinken entsteht Trägheit des Geistes, Zerschlagenheit des Gemüthes, Müssiggang und unmässiger Schlaf, Untauglichkeit zu den geijilichen Uebungen, ausgelassene Freude oder zu große Traurigkeit; die jungfräuliche Reinigkeit kann nur bei Mässigkeit bestehen. Mach' dich nicht gemein mit deinem Leibe und gestatte ihm feine ungebührlichen Sachen, damit er nicht widerspenstig werde. 5. Tägliche Erforschung des Gewissens. Erforsche wenigstens einmal des Tages dein Gewissen und siehe, ob du den Tag hindurch nicht irgend eine Sünde vorsätzlich begangen hast. Laß einen solchen Fehler nicht ungestraft, noch ohne heilsame Buße vorüber gehen und bemühe dich, am folgenden Tage diesen Fehler nicht mehr zu begehen. 6. Gebrauch der heiligen Sakramente. Die heilige Beicht ist das kräftigste Mittel gegen deine Sünden. Wähle einen geistreichen Beichtvater, der dir den Weg und die Mittel zu deinem Heile zeiget. Besondere Mittel wider die Neigungs- oder Gewohnheitssünden. 109 Dadurch wird die Gnade in dir vermehret, und das Fleisch und Blut Jesu, das du empfangest, wird dich stärken zur Ueberwindung deiner sündhaften Neigungen, und einen heiligen Eifer zu jeder Tugend in dir entzünden. 7. Die Gegenwart Gottes. Deinen Gott und Herrn habe stets vor Augen und wandle in seiner Gegenwart, gedenkend, daß er dich sieht und die geheimsten Gedanken deines Herzens erforschet. Würdest du es wohl wagen, eine freiwillige Sünde zu begehen, wenn er sichtbar vor dir zugegen wäre? 8. Eine findliche Liebe und Zuversicht zu Maria, der Jungfrau. Nimm die gnadenreiche Mutter zu deiner Wegweiserin und Fürsprecherin, und verehre sie, so viel es dir möglich ist. Folge ihr nach und stelle dein Vorhaben mit findlichem Vertrauen unter ihren heiligen Schutz und Schirm. IV. Besondere Mittel wider die Sünden, welche aus böser Neigung oder Gewohnheit entspringen. Erstes Mittel, eine böse Neigung oder angenommene Gewohnheit abzulegen. Max er Herr. Meine liebe Tochter, du mußt zuerst eine böse Neigung oder sündhafte Gewohnheit erkennen, und wissen, was für ein Hauptlaster du hast. Wie könntest du wider einen Feind streiten, den du nicht vor Augen hast, oder wie könntest du die Besondere Mittel wider die nöthigen Mittel anwenden, wenn du nicht weißt, worin deine Krankheit beſteht? 110 Die Jungfrau. Ach Gott! du weißt ja, wie groß meine Blindheit ist. Ich erkenne die Fehler Anderer und ihre vermeintlichen Untugenden, während ich meine eigene Sündhaftigkeit nicht erkennen will. Ich weiß die Gebrechen meiner Nächsten hervorzuheben, und sehe in ihren Augen den kleinsten Splitter, aber den großen Balken in meinen eigenen Augen entdecke ich nicht. Du aber, mein göttlicher Lehrmeister, kannst mich erleuchten, urd meine verborgenen Schwachheiten mir zu erkennen geben. Der Herr. Meine Tochter! man erkennt den Baum aus den Früchten, und eine in der Erde verborgene Wurzel aus dem Gewächse, das sie hervortreibt. Diese bösen Wurzeln sind bei den Jungfrauen gewöhnlich der Vorwitz, die Begierde, den Menschen zu gefallen, die Geschwähigkeit, der Jähzorn, die Trägheit, die Liebe des Bauches, Neid und Mißgunst, der Eigensinn, der Hochmuth, und so weiter. Ich will dir die Zeichen angeben, woraus du erkennen kannst, welche von den Untugenden in dir herrschen. 1. Zeichen des Vorwißes. enn du nicht gern allein bist, sondern dich stets in Gesellschaften befindest; wenn du Alles sehen, Alles bören, Alles wissen, Alles erfahren willst, was dich nicht angehet; wenn du das Thun und lassen anderer Menschen erforschest, in fremde Geschäfte ohne Ursache dich einmischest, so ist der Vorwig dein Hauptlaster. 2. Zeichen des Hochmuths. Wenn du gerne dein eigenes Lob, aber ungerne das Lob Anderer hörest; wenn du Andere wegen ihrer Gebrechen und Schwachheiten verkleinerst, sie verachtest, und gegen die Sünder einen bittern Eifer zeigest; wenn du wegen Vorzüge des Verstandes, des vornehmen Herkom Neigungs- oder Gewohnheitssünden. mens, der körperlichen Schönheit, eines anmuthigen Benehmens oder wegen einer tugendhaften Neigung und eingebildeten Frömmigkeit, dich über Andere erhebest; wenn du eigensinnig und widerspenstig bist gegen die Vorgesetzten, ihre Ermahnungen mit Unwillen anhörest; wenn du unfreundlich und stolz bist mit deines Gleichen, rauh und herrisch gegen deine Untergebenen; wenn du eine eingebildete Unbill nicht ertragen fannst; wenn du mit Kleidern prangest, die deinem Stande nicht angemessen sind, und dabei vornehm auf die andern Leute herabsiehst, und lange Zeit vor dem Spiegel mit deinem Putze beschäftiget bist, so denke, daß der Hochmuth in deinem Herzen verborgen ist. 111 3. Zeichen der Geschwähigkeit. Wenn du kein Geheimniß behalten kannst, sondern Alles, was du dir einbildest, was du gehört, gesehen und erfahren hast, unbedachtsam wieder erzählest; wenn du durch eitles und unnützes Geschwätz deine Zeit verlierest; wenn du die Fehler deiner Mitmenschen aufdeckest; wenn du durch Ohrenblasen bald da, bald dort Zank und Zwietracht anspinnest, so denke, daß die Geschwätigkeit dein Hauptlaster iſt. 4. Zeichen der Trägheit. Wenn du im Dienste Gottes saumselig und in deiner gewöhnlichen Andacht unbeständig bist; wenn du die Mühe und Arbeit hasfest, die Pflichten deines Standes und Berufes vernachlässigest, der Bequemlichkeit des Leibes dienest, bei jeder Beschwerlichkeit Verdruß und Unwillen äußerst, so ist die Trägheit dein Hauptlaster. 5. Zeichen der Liebe des Bauches. Wenn du stets an das Essen und Trinken denkest, von demselben redest, nach demselben trachtest, wenn du 112 Besondere Mittel wider die zu aller Zeit isfest, und den Magen mit leckerhaften Bissen überladest; wenn du wider die aufgetragenen Speisen stets murrest, weil sie dir nicht gut genug sind; wenn du dich betrübest, wenn dir eine gewünschte Speiſe fehlet, wenn du, obgleich dürftig, vor deinen Achtern und übrigen Gf hwistern auf Grund deines besseren Verdienstes eine Bevorzugung in Speise oder Trank ansprichst; wenn du bei besondern Anlässen über die köstlichen Speisen eine übermäßige Freude zeigest, so sei versichert, daß du eine Magd deines Bauches biſt. 6. Zeichen des Jähzorns. Wenn du dich leicht über die geringste Sache erzürnest, in Schelt- und Schimpfworte ausbrichst, und mit der Stimme des Zornes die Farbe des Angesichtes sich verändert, und das Gemüth in eine peinliche Verwirrung geräth, so ist der Zorn dein Meister. Zweites Mittel wider eine böse Neigung oder Untugend: wohl zu bedenken, was für ein großer Nachtheil aus einer allzu lebhaften und unbändigen Neigung entspringet. der Herr. Meine Tochter! wenn du in der wahren Andacht und in dem Eifer der Liebe wenig zunimmst, so denke nur, daß gewöhnlich eine von den Untugenden, welchen du zu viel nachgibst, dich zurück hält. Die vielen Sünden, die du begehest, und die aus diesen bösen Neigungen und Gewohnheiten herrühen, schwächen die Liebe, stürzen dich in Lauigkeit und Kaltsinn, und machen dich unwürdig größerer Gnaden, die ich dir vorbereitet habe, und je mehr du diesen unbändigen Neigungen gestattest, desto stärker und heftiger werden sie, und desto schwerer wirst du mit ihnen zu kämpfen haben. Eine Sünde zieht eine andere nach sich, und von den kleinsten wirst du nach und nach in größere Fehler gera Neigungs- und Gewohnbeitssünden. then; die Verblendung und Verstockung des Herzens nimmt überhand, und stürzt dich endlich in das ewige Verderben. 113 Eine einzige böse Neigung, der du nicht widerstehest, ist wie eine Schlange, die du an deinem Busen erwärmest und nährest. Du kannst die Stimme des heiligen Geistes, der immer zu deinem Herzen spricht, nicht wohl anhören, wenn dein Herz nicht still und ruhig ist. Und wenn du diese Stimme auch hörest, so wirst du ihr doch nicht nachkommen, so lange dein Gemüth von einer bösen Neigung an die Erde gefesselt ist. Eine böse Neigung aber, die den Meister über dich spielet, erwecket in dir eine ewige Unruhe und Zerstreuung, und ist mit einer Kette zu vergleichen, womit du an die Erde geschmiedet bist, und welche dich von dem Wege zur Vollkommenheit zurückhält. Sage nicht, deine Neigung sei nicht so mächtig und sündhaft, daß sie dir schaden könne; was liegt daran, ob eine Kette oder ein Faden ein Vöglein an den Boden bindet, denn die Kette wie der Faden wird es verhindern, sich empor zu schwingen. Um so mehr sollst du dich bemühen, deine Bande zu zerbrechen, so lange sie noch schwach sind, und eine Neigung aus dem Herzen zu reißen, da sie noch keine tiefen Wurzeln gefaßt hat, damit du nicht in Zerschlagenheit des Gemüthes und in Kleinmüthigkeit zu einer Zeit geratheſt, in welcher du gegen einen mächtigen und versteckten Feind zu kämpfen hast. Die Jungfrau. So will ich denn anfangen, mein göttlicher Lehrer, wider meine bösen Neigungen und Laster zu streiten, und bitte dich, du wollest deine Dienerin nicht verlassen, sondern mich lehren und unterweisen, wie ich in diesem Kampfe mich zu verhalten habe, um deiner göttlichen Gnade nicht unwürdig zu seyn. Jungfrauenbuch. 8 114 Besondere Mittel wider die Wie man gegen eine böse Neigung streiten soll. er Herr. Wenn du, meine Tochter, deine bösen Neigungen und Untugenden erkannt hast, sollst du denselben einen ewigen Krieg erklären. Und weil du nicht auf einmal gegen alle streiten kannst, so fange bei derjenigen an, die dich in größere Sünden stürzt, und die mehr als andere von dem Wege zur Vollkommenheit dich zurückhält. 1) In deinem Morgengebete mache den festen Vorsatz, dieser bösen Neigung nicht mehr zu folgen, und bei nächster Veranlassung dich zu überwinden. 2) An demselben Tage hüte deine Gedanken und die Regungen des Gemüthes, und widerstehe gleich Anfangs diesem innerlichen Feinde, so zwar, daß du weder in die Gedanken, noch in die Begierden willigest, welche eine böse Neigung in dir erwecken. 3) Uebe jene Tugend, welche dieser bösen Neigung gerade zuwider ist, nicht bloß im Augenblicke der Versuchung, sondern auch sonst ein paar Mal des Tages, so wird diese böse Neigung durch eine bessere vertrieben. 4) Schreibe es auf, oder merke es dir sonst an, so oft du in die alte Gewohnheit fällst, und begehre alle Abende von dir selbst Rechenschaft hierüber; hast du dich überwunden, so sage mir Dank, bist du aber wieder gefallen, so bereue deine Schwäche, und erneuere wieder dein gutes Vorhaben. Verzage aber nicht; du kannſt eine tief eingewurzelte böse Gewohnheit oder Neigung nicht an einem Tage aus deinem Herzen tilgen. Ich verlange aber, daß du dich täglich in etwas überwindeſt, und wenn du eine Untugend nicht so bald ablegen kannst, so suche wenigstens die Zahl der Sünden zu vermindern, die aus dieser Untugend entspringen. Je stärker die böse Gewohnheit ist, desto länger hast du dagegen zu streiten. Neigungs- und Gewohnheitsfüinden. 115 5) Wenn du einen Feind überwunden hast, so kehre deine Waffen gegen einen andern, und streite wie zuvor, bis du dein Herz von diesen unbändigen und verkehrten Regungen reinigest, oder ihnen wenigstens nicht mehr folgest. Denn so lange du lebst, wird dieser innerliche Streit nicht gänzlich aufhören. Was überwunden ist, richtet sich wieder auf; was getödtet ist, wird wieder lebendig. Aber der Krieg ist nicht mehr so lange dauernd, das Streiten nicht mehr so schwer gegen einen Feind, den du schon einmal überwunden hast. Bedenke, daß Niemand wird gekrönt werden, als wer tapfer gestritten hat. Mittel gegen besondere böse Neigungen. 1. Mittel gegen den Vorwitz. u möchtest gerne sehen, was in dieser oder jener Gesellschaft vorgeht, wie diese oder jene Person aussieht, u. s. w.; laß es bleiben und bezähme deinen Vorwitz, es könnte für dich üble Folgen haben. Du möchtest hören, was diese oder jene sprechen, was man von diesem oder jenem spricht; laß es bleiben; gewöhnlich wird bei solchen Gesprächen das Gewissen verunreiniget und der Geist zerstreuet. Du möchtest wissen, wie diese oder jene Sachen sich zugetragen, wie man gegen dich oder Andere geneigt ist, wie diese oder jene sich verhalten. Es geht dich nichts an, und du wirst deßwegen mir keine Rechenschaft geben müssen: laß es bleiben, meide das unnütze Gespräche der Menschen, laß jeden schalten und walten, und kümmere dich nicht um die Geschäfte anderer Menschen. Bleibe gern zu Hause, einsam in deiner Kammer, arbeite und bete; dieß ist die Tugend, die den Vorwitz heilet, und dich mit Gott vereiniget, in welchem du alle Freuden finden wirst. 2. Mittel gegen den Hochmuth. Wenn der Geist der Hoffart dir sagt, daß du Andern an Verstand, an Schönheit, an Frömmigkeit over 8* 116 Besondere Mittel wider die andern Gaben vorgehest, so verachte diese Gedanken, und sage bei dir selbst: Mein Gott! ich bin nichts als Echwachheit, und von mir selbst hab' ich nichts als böse Neigungen; ich habe gesündiget, und verdiene die Verachtung aller Menschen. Alles Gute aber, so in mir ist, hab' ich von dir empfangen. Wie darf ich mich also über Andere erheben! Siehst du Andere sündigen, so denke, daß auch du fallen fannst, wenn ich meine Hand von dir abziehen sollte; denke an deine Sünden, an deine Untreue, an den Mißbrauch meiner Gnaden und Gaben, denke an den Tod und an mein strenges Gericht, und der Geist des Hochmuthes wird von dir weichen. 3. Mittel gegen die Geschwätzigkeit. 1) Rede niemals von dem, was die Ehre und den guten Namen des Nächsten verletzen kann, es mag nun bekannt seyn oder nicht, wichtig oder gering. 2) Meide den Umgang mit bösen und geschwätzigen Menschen, besonders fliehe jene Freundschaften, die nicht auf die Furcht Gottes gegründet sind. 3) Hüte dich vor unnützem Gespräche. 4) Rede selten und behutsam. 5) Rede meistens von Gott und von Dingen, die dich und deinen Beruf betreffen, und mische dich nicht in die Geschäfte anderer Menschen. 6) Besinne dich zweimal, ehe du einmal redest, und sei gerne allein bei deiner Arbeit oder im Gebete. 4. Mittel gegen die Unmäßigkeit im Essen und Trinken. 1) Jß und trink niemals so, daß du den Magen überladest, und der Gesundheit schadest. 2) Sei so mäßig, daß dein Gemüth nicht beschweret und zum Gebete untauglich werde. 3) Rede wenig vom Essen und Trinken. 4) Vermische den Wein, wenn du ihn nicht ganz meiden kannst, mit Wasser. 5) Mäßige die Begierde, Neigungs- und Gewohnheitssünden. 117 zu essen. 6) Begnüge dich mit gewöhnlicher Kost. 7) JIß nicht außer der bestimmten Zeit. 5. Mittel gegen den Jähzorn. Dieser wilden Aufregung des Gemüthes mußt du gleich anfangs widerstehen. 1) Schweige still, bis sich der Zorn verloren hat. 2) Laß kein böses Wort aus deinem Munde kommen. 3) Begegne deinen Feinden mit gemäßigten Worten. 4) Sogar auch die innerliche Regung des Zornes sollst du bei dir selbst verdammen und bereuen. 5) Es ist nicht rathsam, daß du alle Gelegenheiten zum Zorne meidest; denn dieser Fehler will durch die Uebung der Mildseligkeit überwunden werden; wie kannst du aber diese Tugend üben, wenn dir nichts Widerwärtiges begegnet? 6. Mittel gegen Trägheit. Hüte dich wohl, mit freiwilligen Andachten dich zu überladen, die oft einen Widerwillen in dir erregen können: dagegen unterlaß nicht ein kurzes Morgenund Abendgebet, die tägliche Erforschung des Gewissens, die tägliche Anhörung der heiligen Messe, das tägliche Lesen in einem geistlichen Buche, und thue jedes zu einer bestimmten Zeit. Unterbrich die gewöhnlichen Uebungen der Andacht nicht, wenn du dich ohne Trost, ohne Andacht, ohne Eifer und ohne fromme Gedanken im Gebete befindest, sondern sei getreu deinem Gotte und Herrn, der dich prüfet, und demüthige dich in der Erkenntniß deiner Unwürdigkeit. Wenn weltliche Geschäfte dich ermüden, so wechsle mit denselben ab, wenn du es thun kannst, meide aber den Müßiggang als den Ursprung aller Laster. Außer diesen hast du noch einen Feind zu überwinden: die Eigenliebe, oder die Liebe, die du zu dir selbst fühlest, und welche allen Menschen angeboren ist. 23 foul 118 Besondere Mittel wider die Gewohnheitssünden. Die Jungfrau. Herr! Du bist der Erforscher meines Herzens, und kennest alle Schwächen, die in mir herrschen, und die meinen Augen verborgen sind. Du weißt, was mich verhindert, dich vollkommen zu lieben. Lehre mich also, mein Heiland, wie ich auch diesen Feind aus meinem Herzen vertreiben kann. Von der Eigenliebe, ihren Wirkungen, und von den Mitteln gegen dieselbe. der Herr. Die Eigenliebe ist ein innerlicher Antrieb der verkehrten Natur, welche stets nach demjenigen trachtet, was ihr ähnlich, und den Sinnen angenehm ist, dasjenige aber verabscheuet, was schwer und mühsam ist. Aus dieser Eigenliebe entspringen unruhige Gedanken, unnütze Begierden, irdische Anmuthungen, unmäßige Sorgen, ungestüme Gemüths- Regungen, Sehnsucht nach eitlen Freuden, immerwährende Furcht und Unruhe, und andere böse Früchte, womit eine Seele niemals zur vollkommenen Liebe Gottes gelangen kann. Die heiligsten Werke werden durch diese Eigenliebe entweihet, und wo sie die Herrschaft ausübet, da kann teine Liebe rein, kein Eifer beständig, kein Sieg versichert sehn. So lang ich dich tröste, wird dein Eifer lebendig seyn; so lang sich keine Beschwerlichkeit dir entgegen stellt, wirst du fortschreiten, so lange dich die Menschen nicht verfolgen, wirst du andächtig seyn. Sobald ich mich aber vor dir verberge, sobald eine Beschwerlichkeit eintritt, sobald eine zeitliche Absicht zu erreichen ist, sobald die Menschen sich dir widersetzen, sobald die Macht der Hölle wider dich die Waffen ergreift, wirst du traurig, verwirrt, verzagt und wankelmüthig, und stehest von deinem guten Vorhaben ab. Du mußt also auch diesen Feind angreifen und überwinden. Die Jungfrau. Mein Gott und Herr! Ich erfenne, was für unendlichen Schwächen ich noch unterLudwig Es Zweite Stufe der wahren Andacht. 119 worfen bin, woran meine Eigenliebe Schuld ist. Lehre mich also, mein Heiland, wie ich diesen Feind in mir bezwingen und deine vollkommene Liebe verdienen kann. V. 3weite Stufe der wahren Andacht und christlichen Vollkommenheit, oder Reinigung des Herzeus von der Eigenlicbe durch die Webung der hohen Tugenden des Christenthumes. 1. gute Meinung in feinem Thun und Laffen. er Herr. Meine Tochter, die erste Wirkung der Eigenliebe besteht darin, daß der Mensch immer seinen eigenen Nutzen, seine eigene Ruhe, sein eigenes Bergnügen sucht. Wo diese Eigenliebe ist, da geht es auch mit den geistlichen Uebungen zuweilen nicht gar wohl. Man will getröstet, man will versichert und vergnügt sehn; solche Seelen haben aber keine Beständigkeit in ihrem guten Vorsatze. Deßwegen sollst du in all deinem Thun und Lassen, in deinen Freuden und Leiden, nicht deine Behaglichkeit, sondern meine Ehre und mein Wohlgefallen suchen, indem du sprichst: Mein Gott, dir zu Lieb, und um dir zu gefallen, verrichte ich diese Arbeit, dieses Werk; dir zu Lieb leide ich dieſe Schmach, diese Schmerzen 2c., Alles, was du thust, mag * s auch andern Menschen noch so gering scheinen, sollst du durch eine gute Meinung heiligen und verdienstlich machen. Diese gute Meinung erwecke nicht nur einmal des Tages, sondern, wenn es möglich ist, bei jeder Arbeit, zu jeder Zeit, und übe dich hierin so oft und so lang, bis dir diese Uebung zur Gewohnheit wird. Alois Ess ே 120 Zweite Stufe der wahren Andacht 2. Thue und leide, was gott will, wie es gott will und wann es gott will. er Herr. Damit deine gute Meinung zu meiner Ehre und zu deinem Verdienste gereiche, muß dasjenige, was du mir zu Lieb thust, meinem Willen gemäß seyn; es muß mit einem Fleiße gethan werden, der mein Wohlgefallen verdient, und weil jede Sache ihre eigene Zeit hat, so mußt du in deinen Verrichtungen eine solche Ordnung beobachten, daß du irgend eine Sache nicht zu einer Zeit thust, in welcher ich von dir etwas anderes verlange. Diese Lehre, welche deiner Eigenliebe ganz entgegen ist, kannst du nur durch Ueberwindung der Wirkungen dieser Eigenliebe befolgen. 3 Verläugne dich selbst und bekämpfe deine Sinnlichkeit. er Herr. Die Wirkungen meiner Gnade und die Wirkungen deiner Eigenliebe können nicht nebeneinander bestehen. Meine Gnade führet dich immer zu dem, was gut, was löblich und heilig ist, und erhebt dein Gemüth über Alles, was zeitlich und vergänglich ist. Deine Eigenliebe aber neiget sich zu solchen Dingen, die deinen Sinnen schmeicheln. Um die vollkommene Andacht zu erreichen, mußt du deine Sinnlichkeit bekämpfen und deiner Eigenliebe stanchaft widerstreben. Du möchtest dieß oder jenes sehen, hören, wissen oder reben; aber die Vernunft, die innerliche Einsprechung oder der Gehorsam verlangen von dir, daß du es bleiben lassest. Du mußt also deinen Willen aufgeben. Du möchtest gern in diese Gesellschaft, zu jener Lustbarkeit gehen, wo du nichts Auferbauliches sehen und hören willst; bleibe zu Hause oder geh' in die Gesellschaft frommer Jungfrauen. Du möchtest ein gutes Werk verrichten, einer Andacht obliegen, wo du deine Eitelkeit oder Eigenliebe befriedigen könntest; ich aber will, daß du zu derselben Zeit thust, was der Gehorsam von dir begehrt: du mußt dich überwinden. C 121 und christlichen Vollkommenheit. Dein Leib hat einen Widerwillen gegen die Arbeit, gegen die Einsamkeit und gegen andere heilige Bußwerke; er sucht Vergnügungen, liebt den Müßiggang, die Ruhe, köstliche Speisen, schöne Kleider 2c. Du mußt deinem Leibe nicht mehr vergönnen, als was Vernunft und Nothwendigkeit erfordern und ihm feine Sünde gestatten. Selbst in den Andachten und geistlichen Uebungen willst du getröstet und meiner Gnade versichert seyn; du wirst betrübt und kleinmüthig, wenn du nicht einen heiligen Eifer empfindest. Dieß sind nicht die Wirkungen der Andacht, sondern deiner Eigenliebe, der du gänzlich entsagen mußt, um dich von meinem Willen leiten zu lassen. Vom Morgen bis zum Abend, und vom Abend bis zum Morgen hast du wider dich selbst zu streiten. In den weltlichen Geschäften deines Standes und Berufes sei fleißig, und was Andere aus Hoffnung eines Gewinnes oder eines menschlichen Lobes zu thun pflegen, das thue, um mir zu gefallen, und einen besseren Lohn im Himmel zu verdienen. In den geistlichen Uebungen sei ordentlich und beständig. Laß dich von feinem Verdruß, von feiner Schwermüthigkeit davon abwendig machen. Sammle dein Gemüth und bezähme deine Sinne und Gedanken. Sei mäßig im Essen, Trinken und Schlafen und in andern Sachen, welche du der Natur nicht versagen fannst, und in deinen erlaubten Vergnügungen sollst du fein anderes Ziel kennen, als meinen göttlichen Willen. Sobald deine Sinnlichkeit etwas von dir verlanget, was dem Gehorsam oder meiner Einsprechung entgegen ist, so widerstrebe der bösen Neigung; und kannst du dich anfangs nicht einen ganzen Tag lang bezwingen, so versuche es zuerst eine Stunde lang, dann zwei Stunden, dann den ganzen Vormittag, dann den ganzen Tag, und zuletzt die ganze Woche hindurch, und du wirst in kurzer Zeit im Geiste der wahren Andacht zunehmen. Die Jungfrau. Mein göttlicher Lehrer, wie kann Zweite Stufe der wahren Andacht ich die Regungen der Eigenliebe, welche in mir verborgen ist, erkennen, und von den Eingebungen deiner Gnade unterscheiden? 122 Der Herr. Bete und wache und liebe die Einfamkeit; dort rede ich dir zum Herzen, dort erleuchte ich dich, bort lehre ich dich alle Wahrheit. Damit aber die Sorge für das Zeitliche, und die daraus entspringende Begierde, den Menschen zu gefallen, dich nicht verwirren und unfähig machen, meine Stimme zu hören, ist es nöthig, daß du auf meine väterliche Vorsehung ein kindliches Vertrauen habest. 4. Habe ein kindliches Vertrauen und vollkommene 3uversicht auf meine göttliche Vorsehung. er Herr. Sieh, meine Tochter, wie jene Jungfrauen, die mehr die Welt, als mich lieben, den Menschen zu gefallen suchen, und all' ihr Thun und Lassen nach der falschen Klugheit der Welt richten, um die Gunst derselben und ein zeitliches Glück zu erhaschen, woraus nur unnütze Sorgen, leere Furcht, unvernünftige Neigungen, unmäßige Freuden oder Beunruhigungen entspringen. Du aber seße auf mich dein ganzes Vertrauen und überlaß mir Alles, was dich und dein zeitliches Glück betrifft. Ich bin derjenige, der allein dir helfen kann und der alle deine Wege ausgemessen hat; die Herzen aller Menschen sind in meinen Händen, und wie ich will leite ich fie zu deinem Nutzen. Ich speise die Vögel in der Luft, und kleide die Blumen auf dem Felde; werde ich also deiner vergessen, wenn du mich liebest und auf mich all' dein Vertrauen setzest? Kein Vater meint es so gut mit feiner Tochter, wie ich es mit dir meine. Warum bist du gar so besorgt wegen deines zeitlichen Berufes? Suche vor allen Dingen das Reich Gottes; alles Uebrige überlaß meiner Versehung und Barmherzigkeit, und wenn du meinetwegen etwas leiden mußt, so erfreue dich dessen. 123 und christlichen Vollkommenheit. 5. Sei geduldig und fanftmüthig. er Herr. Wer es nicht mit der Welt hält, meine Tochter, wird von der Welt verachtet und verfolgt. So ist es auch mir und meinen Freunden ergangen. Deine Freunde und Bekannte werden sich deinem Vorhaben widersetzen; man wird über dich lachen, dein Thun und Lassen übel auslegen, beine geringsten Fehler vergrößern. Der böse Geist wird alle Mittel und Wege ersinnen, um dich in Verdruß und Kleinmüthigkeit zu stürzen. Ich selbst pflege die Meinigen zu prüfen und züchtige sie, wie ein Vater sein Kind züchtiget, das er liebt. Du aber, meine Tochter, habe Geduld; bitte für deine Widersacher, verachte die Versuchungen des Bösen und bete meine Vorsehung an, die Alles zu deinem Besten anordnet. 6. Sei demüthig. Gaben. abe kein Wohlgefallen an dir selbst, wenn man dich lobt wegen deiner leiblichen und geistlichen Ich habe dir Alles aus Güte gegeben, und kann dir Alles mit Gerechtigkeit wieder nehmen. Schätze dich unwürdig meiner Gnaden, mit denen ich bisweilen dich überhäufte; halte für gering deine Frömmigkeit und die guten Werke, die du verrichtest. Was bist du, wenn ich meine Hand von dir zurückziehe? Nichts, als Schwachheit und Armseligkeit. Unterwirf dich dem Gehorsame und freue dich, wenn man deiner vergißt, wenn man dich verachtet und Andere mehr schätzt als dich. Baue nicht viel auf deine Kräfte noch auf deinen gegenwärtigen Eifer, sondern bete zu jeder Zeit, daß ich dir beistehe und dein gutes Vorhaben zu einem glückseligen Ende führe. 7. Bete und betrachte. as Feuer pflegt gar bald zu erlöschen, wenn man ihm nicht immer Nahrung gibt. So wird auch dein Eifer zur Vollkommenheit gar bald sich verlieren, wenn du ihm nicht durch die tägliche Betrachtung der göttlichen Dinge eine neue Nahrung gibst. 124 VI. Dritte Stufe der Vollkommenheit, oder von der vollkommenen Liebe Gottes. 1. Was ist die vollkommene Liebe oder wahre Andacht? er Herr. Die wahre Andacht und vollkommene Liebe Gottes, meine Tochter, besteht darin, daß du mit geneigtem Willen und heiligem Eifer dasjenige verrichteſt, was ich von dir verlange, dagegen aber Alles vermeidest, was mich auch nur im Geringsten betrüben und beleidigen kann. Die Jungfrau. O mein Erlöser, wie weit bin ich Armselige von dieser vollkommenen Liebe entfernt! Ungeachtet des geneigten Willens und heiligen Eifers, den du mir gibst, um dir zu dienen, beleidige ich dich fast in jeder Stunde, in jedem Augenblicke. Wie oft ist mein Wille allem Guten zuwider, und mein Eifer, der plötzlich vor mir verschwindet, läßt mir nichts übrig, als die Traurigkeit des Gemüthes. Der Herr. Deine täglichen Fehler und die Traurigkeit des Gemüthes, meine Tochter, in welche du zuweilen gerathest, sind der vollkommenen Liebe nicht immer entgegen. Wie vollkommen auch immer deine Liebe sehn mag, so wirst du doch bisweilen aus menschlicher Gebrechlichkeit geringe Sünden begehen. Auch dein Eifer kann nicht immer gleich groß seyn. Selbst in den vollkommenen Seelen gibt es eine Zeit der Prüfung, eine Zeit der Dunkelheit, eine Zeit des Streitens, eine Zeit, da Alles schwer und bitter scheint, was zuvor leicht und angenehm war. Du mußt also nicht nach dem, was zuweilen geschieht, sondern nach dem, was du gewöhnlich in dir empfindest, über den Von der vollkommenen Liebe Gottes. 125 Stand der Vollkommenheit urtheilen, und ungeachtet deiner furchtsamen Bedenklichkeiten auf dem Wege der Vollkommenheit fortschreiten, den du betreten haſt. Die Jungfrau. Ach, Herr, der du meine innersten Gedanken und die geheimsten Regungen meines Herzens kennest, wie kann ich mir einbilden, daß ich dich vollkommen liebe, da ich Ursache genug habe, zu zweifeln, ob ich auch nur angefangen habe, dich zu lieben! Wie oft werde ich verwirrt, zaghaft und wankelmüthig! Mein gutes Vorhaben verkehrt sich in Verdruß, mein Eifer in eine unüberwindliche Unempfindlichkeit. Ich höre in mir felbst eine Stimme, die mir zuruft und sagt:" Warum willst du dich umsonst bemühen? Gott hat an deiner Arbeit kein Wohlgefallen!" Ich sehe nichts vor mir, als Fehler und Sünden, und in der Angst meines Herzens weiß ich nicht, wohin ich mich wenden soll, um Trost zu suchen. Der Herr. Es kann zwar sehn, meine Tochter, daß du noch nicht vollkommen bist: aber aus diesem Zei chen kannst du es nicht erkennen, weil auch die vollkommenste Jungfrau, und zwar weit mehr als die laue und unvollkommene, solchen Gebrechlichkeiten unterworfen iſt. Höre also mich und nicht dein furchtsames Herz, und nicht die Einsprechung des Bösen! Ich will dir sichere Zeichen angeben, aus welchen du erkennen kannst, ob du in der Vollkommenheit zunimmst oder wie weit du darin schon vorangeschritten bist. Die Jungfrau. Sprich, mein göttlicher Lehrer; deine Worte sind wie Thau, welcher die dürre Erde labet und fruchtbar macht. 2. Von den Zeichen der heiligmachenden gnade und von der in einer Seele wohnenden Liebe gottes. Zeichen der anfangenden Liebe. er Herr. Man erkennt den Baum aus den Früchten. Wer meine Gebote hält, der liebt mich. Wenn dich dein Gewissen keiner schweren Sünde anklagt, Dritte Stufe der Vollkommenheit, so habe ein festes Vertrauen; dein Gewissen gibt dir das Zeugniß, daß du ein Kind Gottes bist. Hast du aber schwere Sünden begangen, sie aber bereut und aufrichtig gebeichtet und dich gebessert, so hoffe, daß du wieder zu Gnaden aufgenommen worden bist; denn ein zerknirschtes Herz werde ich nicht verwerfen. 126 Sei nicht zweifelhaft wegen der Beichte, die du gethan hast; es ist genug, wenn du die Sünden bekennest, die bir nach erforschtem Gewissen bekannt sind. Ob aber deine Reue und Leid giltig gewesen, kannst du daraus beurtheilen, wenn du sowohl diese Sünden als auch die Gelegenheit zu denselben meidest, wider deine bösen Neigungen streitest, und wenn du lieber sterben willst, als eine schwere Sünde begehen. Dieß sind die Zeichen, daß du wenigstens angefangen hast, zu lieben. Zeichen der zunehmenden Liebe. B Ju hast in der Liebe Gottes schon große Fortschritte gemacht, wenn du deine erste Unschuld noch immer mit der größten Sorgfalt bewahrest oder in der Buße beständig verharrest; wenn du, um mir zu gefallen, auch die läßlichen Sünden fürchtest; wenn du in deinem Thun und Lassen eine aufrichtige Meinung hast, mir zu dienen und mit Sorgfalt verrichtest, was dein Stand und Beruf von dir fordern; wenn du gegen deinen Nächsten dich so benimmst, wie du gern hättest, daß er gegen dich sich benehmen soll; wenn du den gefährlichen Freuden der Welt entsagest, die Einsamkeit, die Arbeit und das Gebet liebest; wenn du deine Augen, deine Zunge und andere Sinne zur Zeit der Versuchung zu bezähmen und die verkehrten Neigungen und unordentlichen Regungen des Herzens zu unterdrücken dich bestrebeſt; wenn du Schmerzen, Widerwärtigkeiten, Verfolgungen, böses Nachreden, und was dir mißfällt, mit Gebulb ertragest und mit Gott in Allem zufrieden bist; oder von der vollkommenen Liebe Gottes. wenn du zu mir, deinem Gott und Erlöser, zuweilen eine innige, herzliche Liebe, und nach dem Genusse meines heiligen Leibes, der eine Speise der Engel ist, fromme, heiligmachende Regungen fühlest; wenn du gerne von Gott redest, das Wort Gottes mit aller Andacht hörest und den Umgang mit frommen und gottesfürchtigen Seelen liebest; 127 wenn du solche und noch andere heilige Wirkungen empfindest, so sei getröstet und danke mir; deine Liebe ist dann groß und hat schon tiefe Wurzeln in deinem Herzen gefaßt. Fahre dann auf diesem Wege fort und trachte nach einer immer noch größeren Liebe. Zeichen der vollkommenen Liebe. 1. Die Reinigkeit des Herzens. er Herr. Meine Tochter, die vollkommene Liebe ist ein Feuer, das alle Unreinigkeiten und irdischen Anmuthungen des Herzens verzehret.( Hebr. 12, 29.) Wenn du allen irdischen Begierden und unnützen Werken entsagest: wenn dich irdische Dinge weder übermäßig erfreuen noch betrüben können; wenn du Alles für Schaden hältst gegen die Alles übertreffende Erkenntniß Jesu Christi, deines Herrn, um deßwillen du Alles gerne verlierest und es für Unrath achtest, damit du Christum gewinnest; wenn es ferne ist von dir, dich zu rühmen, als allein des Kreuzes unsers Herrn Jesu Christi, durch welchen dir die Welt gekreuziget ist und du der Welt, so muß ein großes Feuer der göttlichen Liebe in deinem Herzen brennen.( Phil. 3, 8. Gal. 6, 14.) - 2. Tiefeste Demuth. Der Herr. Je größer und inniger deine Liebe iſt, desto mehr wird sie dich erinnern an deine vielfältig begangenen Sünden, an dein unempfindliches und untreues Gemüth, an deine täglichen Fehler und Schwachheiten, an bein eitles und unnützes Leben. Wenn dich dann die Dritte Stufe der Vollkommenheit, immerwährende Erinnerung an deine Sünden peiniget wenn du im Geiste und in der Wahrheit dich aller Gnaden und Wohlthaten Gottes unwürdig schätzest; wenn du Alles, was du aus Liebe zu Gott thust und gethan hast, für gering achtest im Vergleiche mit seiner unendlichen Güte; wenn du Alles gethan hast, was dir befohlen war, und du sprichst: Ich bin eine unnütze Magd, ich habe nur gethan, was ich zu thun schuldig war, so sei getröstet. Solche Gedanken haben nicht die gottlosen, nicht die lauen, nicht die unvollkommenen Seelen.( Luk. 17, 10.) 128 - 3. Mildseligkeit und beständige Gleichheit des Gemüthes. Der Herr. Mein Geist ist füß und mildselig; die Frucht meines Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Langmuth.( Gal. 5, 22.) Wenn du dahin gekommen bist, daß dich die widrigen Zufälle des menschlichen Lebens nicht verwirren, und nicht in unmäßige Traurigkeit stürzen; daß du das Böse und das Gute mit gleichem Gemüthe von mir hinnimmst, und mir dafür dankest; daß du dich über die Bosheit der Menschen nicht erzürnest, sondern vielmehr ein herzliches Mitleiden mit ihnen fühlest; daß du in allen Widerwärtigkeiten immer fröhlich und mit deinem Gotte zufrieden bist, und ihn nach seinem heiligen und unergrüntlichen Willen mit dir schalten und walten laſſeſt, so glaube, daß solche Dinge eine nur gemeine Liebe nicht bewirken könnte. 4. Eifer zur Ehre Gottes. Der Herr. Wenn du, meine Tochter, in der Welt feine größere Freude hast, als wenn du siehst, daß ich von dir und den Menschen geliebt werde, und wenn du über nichts anderes dich betrübest, als über deine Sünden, und über die Blindheit der Menschen, die mich verlassen, und nur nach den bösen Gelüsten ihres ver 129 oder von der vollkommenen Liebe Gottes. kehrten Herzens leben; wenn du immer nach dem verlangest, was vollkommener ist, und für die Sünder um, Gnade und Barmherzigkeit bittest, und nach deinen Kräften zu ihrer Besserung durch Belehrung und Beispiel mitwirkest, so hast du den Eifer Gottes, welcher nichts Anderes ist, als eine brennende Liebe.( 2. Cor. 5, 14.) 5. Begierde, dich mit Christo zu vereinigen. Der Herr. Wenn du Tag und Nacht an mich denkest; wenn du außer mir weder Freude noch Ruhe findest; wenn du hungerst nach dem Brode des Lebens, das dir im Sakramente meiner Liebe dargereicht wird; wenn du den Tod als eine Wohlthat betrachtest, die dich im Himmel auf ewig mit dir vereiniget, so ist diejes eine Wirkung deiner innigen Liebe, denn die Liebe will sehen, genießen, und sich mit dem vereinigen, was sie liebt. Diese keuschen und heiligen Empfindungen findet man nicht bei den lauen, nicht bei den unvollkommenen, nicht bei den eitlen Freundinnen der schnöden Welt. 6 Heldenmüthige Standhaftigkeit in der Traurigkeit des Herzens und Gemüthes. Der Herr. Das sicherste Zeichen einer vollkommenen Liebe, meine Tochter, ist das beständige Verhärren auf dem Wege des Herrn, wenn die Zeit der Versuchung anrückt. Denn wie das Geld im Feuer, so muß die Liebe durch Trübsale geprüft und geläutert werden. ( Sir. 2, 5.) Wenn dann die Menschen dich verfolgen, wenn böfe Gedanken vich beunruhigen, wenn Verdruß und. Schwermuth auf dir lasten, wenn nichts als deine Feh ler und Schwachheiten dir vor Augen schweben, wenn aller Trost und Eifer verschwindet, und Furcht dich überfällt, dann gedenke, daß du mir getreu bleibest. Dieß ist das wahre Zeichen einer aufrichtigen Liebe. Jungfrauenbuch. 9 Dritte Stufe der Vollkommenheit, 3. Troftreiche Gedanken in der Verfaffenheit und Kleinmüthigkeit, und bei heftigen Anfechtungen. 130 OD edenke 1., daß ich dir eine große Gnade erweise, wenn ich eine solche Versuchung über dich verhänge. Alle diejenigen, die mich lieben, müssen diesen Weg wandeln, und durch viele Trübsale in mein Reich eingehen.( Apost. 14, 21.) Führe wohl zu Gemüth die tiefe Traurigkeit, die Angst und Verlassenheit, in welche ich selbst, dein Herr und dein Gott, auf dem Delberge und am Kreuze gefallen bin. Meine Seele war betrübt bis zum Tode. ( Mart. 14, 33.) Glaube, daß eine glänzende Krone deiner im Himmel wartet, wenn du tapfer streitest; denn ich bin versichert, daß dich dann weder Tod noch Leben, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Höhe noch Tiefe, noch irgend ein anderes Geschöpf zu scheiden vermag von der Liebe Gottes.( Röm. 8, 38.) Die Jungfrau. O mein Heiland, wenn ich versichert wäre, daß du mir, um meine Liebe zu prüfen, solche Versuchungen und Drangsale zuschickest, dann wäre ich getröstet, und bereit, Alles zu leiden. Da ich aber nichts anderes vor Augen sehe, als meine Eitelkeit, meine unnützen Werke, meine Fehler und Sünden, was kann ich da Anderes glauben, als daß du, o meine einzige Hoffnung, mich von deinem Angesichte verstoßen, und der Gewalt meiner Feinde überliefert hast? Ach du weißt, o mein Gott, von welcher Angst dann meine Seele überfallen wird! Der Herr. Deine Liebe ist deßwegen in dir nicht erloschen, sondern meine Güte hat sie nur vor deinen Augen verborgen, damit diese nagende Pein den Rost deiner Sünden verzehre, und dich fähig mache, größere Gnaden zn empfangen. Gedenke dann jener Zeit, wo 28 dir wohl war, und wo man dir solche Dinge nicht vorgesagt hat. Erinnere dich der großen Gnaden, die oder von der vollkommenen Liebe Gottes. ich dir erwiesen, und an dasjenige, was du durch meine Gnade mir zu Liebe gethan und gelitten hast. 131 Die Jungfrau. Ach Herr, meine Schwermuth und Angst ist oft so groß, daß es scheint, als wenn alle Gnaden, die du mir zuvor erwiesen hast, leere Einbildung und Täuschung der Sinne wären. Bald kommt es mir vor, als hätte ich meine Sünden niemals recht gebeichtet; bald fürchte ich, es möchte vielleicht eine schwere Sünde in mir unerforscht verborgen liegen. Der Herr. Auch in diesem Stande der Verlassenheit und der Versuchung, hast du, meine Tochter, innerliche Zeichen, daß du mich liebest, und daß ich dich liebe. Laue Christen, gottlose Menschen, empfinden keine solche Schwermuth und Angst; sie leben in der schädlichen Meinung, daß es mit ihnen wohl stehe. So ist denn diese reine Unruhe und Schwermuth nur eine Versuchung der Sinne, welche dich vom Wege der Vollkommenheit abwendig machen wollen. Ich aber lasse es zu, lediglich zu deinem Nutzen. 2. Zuweilen ist dir zu Muthe, als habest du den Glauben, die Hoffnung und die Liebe verloren; und gleichwohl rufest du zu Gott; du fürchtest nichts so sehr, als die Beleidigung seiner göttlichen Majeſtät. Ist diese Furcht nicht auf den Glauben und die Liebe gegründet? 3. Welche Meinung hast du von der Welt und ihren eitlen Freuden? Du erkennest ihre Nichtigkeit, und doch bist du so betrübt und voll Angst? Kommt es nicht daher, weil du fürchtest, daß du mich nicht von ganzem Herzen liebest, weil du dir einbildest, du sciest deßwegen in meiner Ungnade? Sind diese gottgefälligen Empfindungen nicht ein augenscheinliches Zeichen, daß du mich liebest? 4. Möchtest du nicht lieber tausendmal sterben, als eine freiwillige schwere Sünde begehen? Wer gibt dir diese Gedanken? Wer hilft dir, wenn du streitest? Wer 9* 132 Dritte Stufe der Vollkommenheit, lehret dich überwinden, wenn du auf allen Seiten an gefallen wirst? Bin ich nicht derjenige, der dich auf muntert, der dich in deiner Dunkelheit erleuchtet, der dich vor dem Falle schützt? Sei also getröstet, und wenn du deine Angst nicht los werden kannst, so leide mit Geduld, und bedenke, daß du mit mir das Kreuz tragest, an welchem ich von den Menschen und von meinem Vater verlassen war. Besonders aber laß dich von der heiligen Beicht und von der Kommunion nicht abwendig machen, wie groß auch immer beine Schwermuth seyn möge. Du thust zwar wohl, wenn du dich einer so großen Gnade unwürdig schätzest, und mit heiliger Furcht zu meinem Tische hingehest; doch soll deine Furcht mäßig und vernünftig seyn; es steht wohl mit dir, so lange dir dein Gewissen keine besondere und augenscheinlich schwere Sünde vorwirft. Trachte nicht nach ungemeinen und außerordentlichen Wirkungen meines Geistes, womit ich zuweilen reine Seelen begnadige, und die ich zur Zeit der Versuchung wieder zurückziehe. 4. Von den besonderen Wirkungen des heiligen Geistes. er Herr. Wenn du zuweilen liefest oder höreſt, meine Tochter, was für große Dinge der Geist Gottes in den Seelen zu wirken pfleget, und wenn du von diesen Wirkungen nichts empfindest, oder derselben auf einmal beraubt wirst, sollst du deßwegen nicht glauben, daß ich dich gering achte oder daß ich dich verlassen habe. Ich ertheile solche Gnaden, wem ich will, nicht des Verdienstes wegen, sondern aus besondern Absichten, die fein menschlicher Verstand zu erforschen vermag. Einem gebe ich die Gabe der Thränen, einem Anbern eine seltene Neigung zu strengen Bußübungen; wieder Anderen erwecke ich eine Stimme in ihren Herzen, welche sie freundlich ermahnet, lehret und unterweiset, was sie reden, thun und bitten sollen; Anderen oder von der vollkommenen Liebe Gottes. 133 offenbare ich Dinge, welche menschliche Klugheit nicht erreichen könnte, und wodurch der menschliche Geist jene großen Fortschritte macht, welche die Welt bewundert und benüßet; Andern theile ich die Kraft mit, bie Seelen auf den Weg der Vollkommenheit zu leiten, oder Sünder auf den Pfad des Heiles zurückzuführen; wahrhaft andächtigen und frommen Seelen, welche Gott über Alles lieben und den Nächsten wie sich selbst, gebe ich schon auf dieser Welt ein Vorgefühl der himmlischen Wonne, wodurch sie geneigt und fähig werden, die größten Leiden mit frommer Ergebung in meinen heiligen Willen zu dulden und zu tragen. Diese besonderen Wirkungen sind die Ausgießungen meines Geistes. Wenn du also diese Gnaden nicht empfangen, oder sie nach dem Empfange eine Zeitlang wieder verlierest, so werde nicht kleinmüthig. Alle diese Gaben sind tausendmal geringer, als die Gnade meiner Menschwerdung und deiner Erlösung, welche dir zu Theil geworden ist. Ich speise dich mit meinem Fleische, und tränke dich mit meinem Blute; diese ist aus allen Gnaden die allergrößte; diese Gnade steht in deinen Händen, du kannst dich derselben theilhaftig machen, so oft du willst. Ohne jene Gnaden fannst du mich lieben und mir gefallen, und wenn du mich liebst, so hast du mich und mein Herz zum Eigenthume. Es ist sogar sicherer, wenn du auf dem gewöhnlichen Wege des Glaubens wandelst, wo du keinen Betrug des Bösen zu fürchten hast. Denn wisse, daß der Geist der Lüge oft in der Gestalt eines Engels des Lichtes erscheinet, und seine Einflüsterungen mit den Einsprechungen Gottes, und seine Werke mit den Werken Gottes so vermischet, daß unerfahrne Seelen die einen von den andern nicht leicht unterscheiden können. Wie viele gerathen, von dem Scheine des Guten verführet, auf Irrwege, oder werden von einer allzulebhaften Einbildungskraft betrogen. Selbst die Dritte Stufe der Vollkommenheit, göttlichen Wirkungen können oft Gelegenheit geben, daß man vem Hochmuthe oder Eigensinne hingerissen wird, und Dinge begeht, an welchen der Geist Gottes feinen Theil hat. 134 Die Jungfrau. Wenn es sich so verhält, mein göttlicher Lehrer, wäre es dann nicht besser, wenn du diese besondern Gnaden den Menschen entziehen würdest? Der Herr. Diese Gaben, meine Tochter, sind gut und nützlich, und können eine Seele auf dem Wege zur Vollkommenheit voran bringen, wenn man sie mit Demuth empfängt, und mit Behutsamkeit gebraucht, auch von dem Gutachten eines wohlerfahrnen und geistreichen Seelsorgers sich leiten läßt. Weil aber solche Männer nicht überall und immer gleich zu finden sind, so will ich selbst dich unterweisen, wie du meine Wirkungen von dem Betruge des Geistes der Lüge, den Antrieb der Natur von dem Antriebe der Gnade, und das Licht von der Finsterniß unterscheiden kannst. 5. Von den Beichen, woran die Wirkungen des heiligen geiftes zu erkennen find. er Herr. Wenn dir oder Anderen, die dich um Rath fragen, oder deiner Aufsicht übergeben sind, solche besondere Dinge widerfahren, und wenn du im Zweifel bist, ob mein Geist, oder der Geist der Lüge dieselben bewirket, so richte dich nach folgenden Zeichen: 1) Wenn diese Wirkungen einen süßen Trost, innerlichen Frieden und Ruhe des Herzens mit sich bringen, so fommen sie von mir. 2) Wenn sie dich erleuchten, so, daß du deine Schwachthheiten mehr als zuvor erfennest, deine Sünden inniger als zuvor bereuest, wenn du von dir selbst eine geringe Meinung faffest, so ist diese Wirkung vom Geiste Gottes. 3) Wenn dir nach solchen Gnaden die eitlen Freuden der Welt gleichgültig vorkommen, die Einsamkeit hingegen dir lieb wird, so ist es ein gutes Zeichen. oder von der vollkommenen Liebe Gottes. 135 4) Wenn du nach solchen Gnaden einen größern Eifer empfindest, die Pflichten deines Standes und Berufes zu erfüllen, deine Schwachheiten zu überwinden, den Hochmuth durch den Gehorsam zu demüthigen, so sei versichert, daß der Geist Gottes in dir lebt. 5) Wenn du nach selchen Gaben dein Gemüth leichter sammelst, zum Gebet eine heiligere Neigung fühlest, so zweifle nicht an meiner Heimsuchung. 6. Von dem, was in folchen Wirkungen zu thun ist. er Herr. Wenn ich dich, meine Tochter, auf irgend eine Art heimsuche, so nimm diese Gnade in tiefster Demuth an, und mit Erkenntniß deiner Unwürdigkeit. 1) Höre schweigend, was ich dir zum Herzen rede, und denke auf keine Antwort; denn mein Geist wird dir eingeben, was du denken oder reden sollst. 2) Habe kein eitles Wohlgefallen an dir selbst, wenn ich dir folche Gnaden erweise; verweile nicht bei dem äußerlichen Troste, und bei der süßen Empfindung deines Zustandes, sondern bemühe dich, daraus den Nutzen zu ziehen, den ich zu derselben Zeit von dir verlange; nämlich die Erweckung einer Tugend, die Uebung eines guten Werkes, die Verstärkung deines noch schwachen Eifers, die Vollendung einer guten Einsprechung. 3) Wenn dich diese Wirkung Gottes zu etwas ermahnet und antreibt, was deinem Stande und Berufe gemäß ist, so säume nicht, damit mein Geist deiner nicht müde werde, und Anderen gebe, was beine Trägheit nicht verdienet. 4) Fühlest du aber einen innerlichen Antrieb zu einer weit aussehenden Sache, die für deinen gegenwärtigen Stand nicht nothwendig, und an sich selbst schwer zu erfüllen ist, so kannst du diese Regung deines Geistes zwar überlegen, aber ohne Bestimmung eines recht Dritte Stufe der Vollkommenheit, d schaffenen Seelsorgers sollst du kein gutes Vorhaben faffen, sie zu bewerkstellig n. 5) Thu auch niemals ein Gelübde, wie groß auch immer dein Eifer seyn mag, es sei denn mit Einwillig ung eines flugen und vorsichtigen Beichtvaters, der den gegenwärtigen Stand deiner Seele erkennt, und dieses Vorhaben lange und reichlich überlegen wird. 6) Wenn der Beichtvater erachtet, ein Gelübde sei nothwendig, um deinen wankelmüthigen Willen und dein unbeständiges Gemüth zu stärken, so sollst du doch Felgendes beobachten: 1) Gelobe eine Sache nur für einige Tage oder Wochen, oder von einer Kommunion zur andern. 2) Verbinde dich nicht unter einer Todsünde, sondern nur unter der Strafe eines Bußwerkes, das du selbst bestimmen fannst. 136 Hieraus ziehst du einen vierfachen Nußen: Erstens: Du sündigest nicht, wenn du dein Verspre chen nicht hältst. Zweitens: Du fallest nicht in jene Angst des Gemüthes, in welche ein übereiltes und unzeitiges Gelübbe schwache Seelen zu stürzen pflegt. Drittens: Du hast ein Verdienst, indem du das Bußwerk verrichtest, welches doch nicht zu schwer seyn soll. Viertens: Auf solche Weise kannst du dich selbst prüfen, ob du die Sache, welche du für immer zu geloben gesonnen bist, verrichten fannst. 3) Bringe dein Gelübde zu Papier mit allen seinen Umständen, damit du nicht mit der Zeit zweifelst, ob du diese oder jene Sache unter diesen oder jenen Umständen, versprochen haſt. 4) Täglich, oder wenigstens wöchentlich, sollst du bas Gelübde, welches du gethan hast, erneuern, damit du nicht aus Vergessenheit oder leichtsinniger Unbeständigkeit dagegen handelst. oder von der vollkommenen Liebe Gottes. 137 5) Versprich niemals unter einem Gelübde, du wollest ein vollkommneres Leben führen, oder eine Tugend üben, die deine gegenwärtigen Kräfte übersteige. 7) Wenn du zweifelst, ob der Geist Gottes oder der Geist der Lüge in dir wirket, und wenn du feinen Menschen findest, der dir aus dem Zweifel helfen könnte, so entsage allen diesen Dingen, und wandle auf dem großen und sichern Wege des Glaubens, und thu, was dir die gewöhnliche Lehre der Kirche, was dir der Ge horsam, und dein Stand und Beruf zu thun gebieten, und was alle gottseligen Jungfrauen zu thun schuldig sind. Auf diese Art wirst du den Geist der Lüge zu Schanden machen, wofern jene Wirkungen sein Werk find; sollten sie aber aus meinem Geiste entspringen, so werde ich dich deßwegen nicht verlassen, sondern zu einer Zeit dir meinen Willen offenbaren, wenn du nur unterdessen dein Herz reinigest, dich täglich verläugneſt, deine unordentlichen Neigungen bekämpfest, und in deinem ganzen Thun und lassen durch die Erfüllung meiner heiligen Gebote mir zu gefallen suchest. 7. Beichen der Wirkung des geiftes der Lüge, und wie du dagegen streiten follst. er Herr. Du hast einen starken und arglistigen Widersacher, meine Tochter, der wie ein brüllender Löwe herumgeht, und dich zu verschlingen sucht. ( 1. Petr. 5, 8.) Er war im Anfange ein Seelen- Mörder, und hat durch seine Lüge deine ersten Eltern, und mit ihnen das ganze Geschlecht der Menschen in den Fall geſtürzt. ( Joh. 8, 44.) Von derselben Zeit an höret er nicht auf, die Meinigen zu versuchen.( 1. Thess. 3, 5.) Es ist kein Stand so vollkommen, keine Heiligkeit so groß, um der Beunruhigung dieses erbitterten und hartnäckigen Feindes zu entgehen; und nachdem du über 138 Dritte Stufe der Vollkommenheit, Fleisch und Blut wirst gesieget haben, hast du noch zu streiten wider die Fürsten der Finsterniß( Eph. 6, 12.), welche bald öffentlich dich zur Sünde reizen, bald heimlich unter dem Echeine als Engel des Lichtes dich in den Fall zu stürzen suchen.( 2. Cor. 11, 14.) Aus fol genden Zeichen wirst du diese Feinde erkennen: 1) Nachdem du durch beständige Verläugnung deiner er selbst deine unordentlichen Neigungen bezwungen haſt, ohne Mühe die Tugend übest und zu den göttlichen Dingen einen heiligen Eifer fühlest, so geschieht es zuweilen, daß ohne deine Schuld all' dein Eifer auf einmal verschwindet und dir nichts als die Traurigkeit des Gemüthes übrig bleibt. Dieß ist die Wirkung des Bösen; bleibe mir dann getreu und verrichte deine gewöhnlichen Uebungen und Andachten, wie es dir möglich ist. 2) Bald wird eine dunkle Nacht dich überfallen; alle nd guten Gedanken werden verschwinden; du wirst nichts vor deinen Augen sehen, als Sünden und Schwachheiten; dieß ist die Wirkung meines Geistes, der sich vor dir verbirgt, um dir zu zeigen, wie wenig du bist, wenn du dir selbst überlassen bleibst. Sobald du dir aber einbildest, daß Gott dich verlassen habe und daß du dich umsonst bemühest, mir zu gefallen, so sei versichert, daß der Geist des Bösen dich in Versuchung führen wolle. Tann beweise mir, daß du nicht deinen Vortheil, sondern nur mein Wohlgefallen suchest. In so schwerer Anfechtung wende dich an einen gottesfürchtigen Beichtvater um Trest und Belehrung. 3) Auch dann ist dieser Geist geschäftig, wenn plötzlich Zweifel deinen Geist verwirren und dein Glaube zu wanken beginnt. Verachte diese Versuchungen. 4) Biel gefährlicher sind die heftigen und wiederholten Anfechtungen beiner sinnlichen Natur, besonders wenn du selbst keinen Anlaß dazu gegeben hast, oder 139 oder von der vollkommenen Liebe Gottes. wenn sie dich in der Vorbereitung zur Andacht überfallen. Verzage nicht; denn nicht die Heftigkeit der Anfechtung, sondern nur die Einwilligung in diefelbe ist eine Sünde. Verschließ dein Herz jedem unreinen Gedanken, und quäle dich nicht mit der Besorgniß, ob du in solche Gedanken eingewilliget habest oder nicht; denn durch solche Nachforschung würdest du dich nur immer noch mehr in diese Verfuchungen vertiefen. Verabscheue sie und eröffne jeden Zweifel, ob du gesündiget habest oder nicht, deinem Seelsorger; denn in einer so schlüpfrigen Sache kann ein furchtsames Gemüth kein guter Richter seyn. Die Jungfrau. Ach, Herr, wann wirst du die Bande meiner Sterblichkeit auflösen, und meine Seele aus ihrem Kerker führen! Wäre es nicht besser für mich, früh zu sterben, als in der beständigen Furcht, dich zu beleidigen, fortzuleben? Der Herr. Ich will nicht, daß du sterbest, sondern daß du streitest. Was kann dir die ganze Macht der Hölle schaden, wenn ich bei dir bin und dich beschütze? Die Versuchungen des Bösen, welche dich zur Sünde anreizen, sind Jenen, die nach der Vollkommenheit trachten, nicht so gefährlich, als seine Verführungen unter dem Scheine eines Engels des Lichtes. Diese erkennst du aus folgenden Zeichen: 1) Wenn du zu solchen Dingen angetrieben wirst, die dem Gehorsame, beinen dir vorgeschriebenen Satzungen und den gewöhnlichen Pflichten deines Standes und Berufes entgegen sind, so kommt diese Einsprechung von dem Geiste der Züge. Der Geist Gottes wird durch den Gehorsam geprüft. 2) Wenn du äußerliche Andachten oder freiwillige Bußwerke unternimmst, während du unterdessen saumselig oder gar nicht verrichtest, was dir zu thun befehlen ist, so bist du von dem Geiste der Lüge verblendet. Dritte Stufe der Vollkommenheit, 3) Wenn du zur Betrachtung der hohen Geheimnisse Gottes einen Antrieb verspürest, bevor du dein Herz von den Sünden und bösen Begierden gereiniget hast, To so mißtraue einer solchen Wirkung; der Geist Gottes fängt damit an, das Herz zur Buße zu bewegen. 4) Glaube nicht einem Geiste, der dich zu strengen Bußwerken antreibt, die der Gesundheit schaden und dich zur Verrichtung deiner Geschäfte untauglich machen; solche unbehutsame Bußwerke bringen gewöhnlich Hochmuth des Geistes oder Schwermuth mit sich, die dir den Weg des Herrn als eine unmögliche Sache darstellen. 140 5) Wenn du nach einem begangenen Fehler in un mäßige Traurigkeit gerathest, so ist dieß eine Wirtung deiner Eigenliebe, die sich nicht demüthigen will und eine Wirkung des Bösen, der dich in Verzweiflung zu stürzen sucht. Der Geist Gottes will, daß du aus Erkenntniß deiner Armseligkeit behutsam werdest, dich gering schätzest und mit größerem Vertrauen auf seine Barmherzigkeit wieder aufstehest, und muthig fortwandelst auf dem Wege des Herrn. 6) Wenn ein außerordentlicher Zustand deines Geistes dich gleich anfangs verwirret, ängstiget, dein Herz leer und trostlos läßt, die Uebung der Tugend dir erschweret, so ist dies eine Wirkung des Bösen; denn der Geist Gottes ist mild und großmüthig. 7) Wenn du nach solchen Wirkungen an dir selbst eine Wohlgefallen, gegen deinen Nächsten aber einen bit tern Eijer fassest, wenn du die Fehler desselben nicht ertragen kannst, so ist es das Werk des bösen Geistes. Der gute Geist ist ein Geist der Milde, der Demuth, der Barmherzigkeit, und du darfst überzeugt seyn, daß deine eingebildete Heiligkeit vielmehr eine Gleißnerei als eine Tugend ist, die von einer natürlichen Neigung und nicht von dein Geiste Gottes feinen Ursprung hat. oder von der vollkommenen Liebe Gottes. 141 8) Wenn du nach diesen. Wirkungen eigensinnig wirst und ohne Rücksicht auf die Lehren und Meinungen der Gottesgelehrten dir selbst ein Gewissen machest, und bald zu Zweifeln, bald zu ausgelassenen Meinungen in Gewissenssachen dich hinwendest, so bist du von dem Geiste der Lügen verblendet. Die Freiheit des Geistes, die Ruhe des Gewissens, die Reinigkeit des Herzens, die Milde, die Demuth, der Gehorsam, die Bescheidenheit, die beständige Sorgfalt, die Obliegenheiten deines Standes und Berufes zu erfüllen und die heilige Einfalt sind die Früchte des Geistes der Wahrheit. Fliehe alle außerordentlichen Wirkungen, welche diese Tugen= den in dir nicht befördern. 8. Kurzer und sicherer Weg zur Vollkommenheit. er Herr. Meine Tochter, thu' immer, was ich will und wie ich will; hierin besteht die vollfommene Liebe. Die Jungfrau. Was soll ich also thun, mein Erlöser? Der Herr. Das lehret dich die Vernunft, der Glaube, der Gehorsam und die innerliche Einsprechung des heiligen Geistes. Die Vernunft oder dein Gewissen zeiget dir, was mir lieb ist oder nicht; weil aber die Vernunft durch die Eigenliebe sich gar leicht verblenden läßt, so muß der Glaube dich erleuchten durch die Lehrer, welche dir meine Diener auf der Kanzel, im Beichtstuhl und in geistlichen Büchern verkünden. Der Gehorsam zeiget dir, was du besonders zu thun oder zu meiden hast, durch den Befehl derjenigen, welchen du freiwillig over gezwungen gehorchen mußt. Die Einsprechung zeiget bir, wie du diese Sachen verrichten sollst und wie du dich in jeder Angelegenheit zu verhalten haft. Auf diese Art thust du immer, was ich will; und weil ich reine Seelen stets innerlich lehre und ermahne, wie sie in Er Dritte Stufe der Vollkommenheit. füllung meines Willens sich zu benehmen haben, so wirst du mit allem Fleiße dasjenige verrichten, was meinem Willen gemäß ist. Du wirst in deinen geistlichen Uebungen, in deinen weltlichen Geschäften, nicht bloß einen zeitlichen Gewinn, ein menschliches Lob, nicht deine eigene Lust, sondern meine Ehre und mein Wohlgefallen vor Augen haben. Die Jungfrau. Mein Gott, deine Lehre umfaßt so große Dinge, daß sie meine Schwachheit weit übersteigen. 142 Der Herr. Meine Tochter, denke nicht an die Zukunft, die du vielleicht nicht erlebest, sondern sei nur darauf bedacht, daß du die gegenwärtige Stunde wohl anwendest; von einer Stunde komm zu der andern, und wähle für deine Gedanken niemals ein weites Ziel. Bilde dir auch keine solchen Beschwerlichkeiten ein, welche dir vielleicht niemals begegnen werden. Damit du aber zu einer heiligen llebung durch den innerlichen Antrieb meiner Liebe aufgemuntert werdest, will ich dir ein kräftiges Mittel vorschreiben. VII. Von dem Gebrauche der Gegenwart Gottes für jene Seelen, welche ein vollkommenes Leben führen. 1. Die gegenwart gottes ist das kräftigste Mittel, in der Voll kommenheit zu verharren, und darin täglich voranzuschreiten. ' n der Gegenwart Gottes wandeln ist nichts Anderes, als Gott stets vor Augen haben, mit ihm freundlich reden, und seine heiligen Einsprechungen mit andächtiger Aufmerksamkeit anhören. Die Uebung der Gegenwart Gottes wird auch großen Sündern vorgeschrieben, um Von dem Gebrauche der Gegenwart Gottes. 143 sich nach gethaner Buße vor dem Rückfalle zu hüten, sie ist jedoch das eigenthümliche Mittel derjenigen, die schon einigermaßen die Vollkommenheit erreicht haben, und welchen sich Gott wegen der Reinigkeit des Herzens mit größerer Mühe zu erkennen gibt. Selig sind, bie reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.( Matth. 5, 8.) Wandle vor mir und sei vollkommen, sagte Gott zu Abraham.( 1. Moj. 17, 1.) Auch der königliche Prophet David hat es durch die Gegenwart Gottes dahin gebracht, in seinem Vorhaben beständig zu verharren.( P₁. 15, 8.) Diese heilige Uebung macht eine Seele wachsam, um nicht nur große Sünden, sondern auch die geringsten Fehler zu meiden; sie bezähmet die allzu raschen Gemüthsregungen, welche eft aus einer angebornen Lebhaftigkeit entstehen; sie erhebt das Gemüth von den sichtbaren zu den unsichtbaren Gütern; sie gibt große Kraft wider heftige Anfechtungen, worin oft andere gute Gedanken wegen der Verwirrung des Geistes teinen hinlänglichen Schutz geben. Die Gegenwart Gottes ist besonders die Beschützerin der jungfräulichen Reinigkeit. Wenn eine weibliche Person aus natürlicher Schamhaftigkeit vor den Augen der Menschen nichts Ungebührliches thun darf, wie vielmehr wird sich eine gottselige Jungfrau vor aller Unehrbarkeit hüten, wissend, daß Gott zugegen ist! ,, Es ist mir viel besser, daß ich ohne Sünde sterbe, als daß ich vor den Augen Gottes fündige, sagte die keusche Susanna." ( Daniel 13, 23.) So ermahnet auch der Apostel die Christen, daß sie in aller Zucht und Ehrbarkeit vor allen Menschen wandeln wegen der Gegenwart des Herrn. ( Phil. 4, 5.) Es ist also sehr nützlich, daß du in der Gegenwart Gottes wandelst, wenn du in der wahren Andacht verharren, und in der Vollkommenheit täglich zunehmen willst. 337340 dolo 144 Von dem Gebrauche der Gegenwart Gottes. 2. Von den verschiedenen Stufen der gegenwart gottes. u kannst, o Jungfrau, auf zweifache Weise in der Gegenwart Gottes wandeln. Erstens: wenn du Christum den Herrn in seiner menschlichen Gestalt dir gegenwärtig vorstellst, als sei er an deiner Seite oder in deinem Herzen anwesend, gleichwie er im Himmel oder im heiligen Sakramente zugegen ist. Zweitens: fannst du die allgegenwärtige Gottheit, von welcher du überall umgeben bist, dir vor Augen stellen, und mit derselben deinen Geist und dein Herz vereinigen. Mache mit der leiblichen Gegenwart Jesu Christi den Anfang. Diese Gegenwart gibt reinen und Jesum liebenden Seelen, besonders den Jungfrauen einen süßeren Antrieb zur Liebe, indem dieser göttliche Freund der jungfräulichen Reinigkeit nicht nur geistlicher, sondern auch leiblicher Weise mit seinen Dienerinnen sich also vereiniget, und ihr ganzes Wesen mit seinem Bilde erfüllet, daß sie ihn gleichsam sichtbar vor ihren Augen erblicken, oder seine Gegenwart im Herzen empfinden, wo Er sie erleuchtet, aufmuntert, unterweiset, und zuweilen durch eine innere Stimme zu ihnen spricht. Auf diese Weise verbleibe bei deinem Geliebten und wandle in seiner Gegenwart, bis Er dich in die tiefste Erkenntniß der ewigen Gottheit einführet, und mit derselben alle Kräfte der Seele vereiniget, welcher Stand vollkommener ist als der erste. 3. Wie eine Jungfrau Chriftum als gegenwärtig sich vorstellen soll. enn du die Gestalt Jesu dir vormalen willst, so denke nur, daß der Allerschönste, der Allerholdfeligste, der Allerfreundlichste vor dir steht, daß er dich fieht und die innersten Gedanken deines Gemüthes, die geheimsten Regungen deines Herzens erforscht. Denke Von dem Gebrauche der Gegenwart Gottes. 145 auch nicht an das, was du vor ihm denken oder reden sollst; die Liebe wird dir Alles eingeben; die Liebe wird deinen Verstand, dein Herz, deine Zunge lenken. Eine Tochter, die ihren Vater liebt, will ihn vor Augen sehen; sie ist betrübt, wenn er sich entfernt, sie sucht ihn mit ihren Gedanken, mit ihrer Sehnsucht; sie freuet sich, wenn er wieder zurückkommt, sie bemüht sich, ihm zu gefallen. Du darfst also nur Jesum lieben, der dein bester Vater ist, und du wirst ohne Mühe an ihn denfen, nach ihm verlangen, an seiner Gegenwart dich erfreuen, ihn sprechen, und all dein Thun und Lassen nach seinem Willen richten. Und was deine Liebe noch nicht thun kann, das wird seine Liebe zu dir in dir auswirken. Dein einziger Gedanke sei also, daß der Freund deiner Seele vor oder in dir zugegeben ist. Jedoch ist es rathsam, daß du ein gutes Bildniß Jesu bei dir tragest oder in deinem Kämmerlein hangend vor Augen habest, damit du durch öftere Anschauung seiner Gegenwart dich erinnerst. 4. Von dem, was die Gegenwart gottes dir entziehen oder was fie verhindern kann. Bef esus pflegt gar bald sich zu verbergen, wenn er ein unreines oder ungetreues Herz findet. Hüte dich also, daß dir dein Gewissen keine vorsätzlich begangene Sünde vorhalte, sondern beichte sie mit reumüthigem Herzen! Dulde auch nicht, daß eine weltliche Liebe mit unordentlicher Neigung in dir herrsche; denn Christus will ein reines Herz besitzen. Der Geist Jesu liebt die Ruhe und Stille, Alles, was eine Unruhe, eine Verwirrung des Gemüthes, eine ungestüme Regung verursacht, verhindert, daß seine Stimme in dein Herz bringe. Hüte dich vor leeren Zweifeln, vor der Beängstigung eines zu furchtsamen Gewissens, vor unmäßiger Freude und Traurigkeit, vor zu großer Lebhaftigkeit, vor Jähzorn Jungfrauenbbuch. 10 146 Von dem Gebrauche der Gegenwart Gottes. und andern dergleichen Schwachheiten, die gewöhnlich große Unruhe und Zerstreuung des Geistes mit sich bringen. Auch die freiwillige Ueberladung mit mündlichen Gebeten und äußerlichen Andachten, die gewöhnlich ohne innerliche Aufmerksamkeit verrichtet werden, sind keineswegs geeignet, dich in der Gegenwart Gottes zu befördern. Wenn dich der Geist Jesu oft und wiederholt ermahnet, daß du diese oder jene Sache verrichtest oder meidest, so sei gehorsam, denn nur dann wird dir seine Gegenwart Freude und Vortheil bringen. Zuweilen kann selbst ein auch nur geringer Fehler, den du wider die innerliche Einsprechung begehst, dir die Gegenwart Jesu entziehen. 5. Von dem, was die gegenwart Jefu befördern und vermehren kann. 102 eben der Reinigkeit des Herzens, der Ruhe, des Gewissens und der Freiheit des Geistes, können folgende andächtige Uebungen zur Beförderung der Ge genwart Jesu dir viel nützen. 1) Wenn du schlafen gehest und aufstehest, so gebrauche kurze, zweckmäßige Gebete. 2) Erwecke öfters des Tages eine gute Meinung in deinen Geschäften und Verrichtungen. 3) Besuche täglich, wenn es seyn kann, die heilige Messe, und rede daselbst mit deinem Gott und Erlöser in der Einfalt deines Herzens. 4) Betrachte stets ein Bildniß deines Heilandes ober seines gebenedeiten Herzens. 5) Widme eine bestimmte Zeit der Betrachtung und dem Lesen eines geistlichen Buches. 6) Empfange, so oft es dir erlaubt wird, das heilige Sakrament des Altars. Durch diese Speise des Lebens werden alle Kräfte deiner Seele geheiliget und mit Jesu vereiniget. Von dem Gebrauche der Gegenwart Gottes. 147 7) Gebrauche täglich einige Schußgebete, deren du hin und wieder in diesem Gebetbuche viele finden wirst, und welche dir das Leiden und Sterben Jesu, seine große Herrlichkeit, seine mildselige Liebe und Güte vor Augen stellen. 6. Von der Gegenwart gottes oder Vereinigung der Seele mit der ewigen Gottheit. iese Gegenwart ist die höchste Stufe der Vollkommenheit, von welcher Christus redet, da er spricht: Selig sind, die reinen Herzens sind, benn sie werden Gott schauen.( Matth. 5, 8.) Niemand aber kann aussprechen, was diese innige Vereinigung der Seele mit der ewigen Gottheit fei, und was für große Wirkungen sie in reinen Seelen hervorbringe. Nur diejenigen werden es fassen, die dereinst in diese Geheimnisse Gottes eingehen werden.- Diese werden die allerreinsten Freuden des Geistes, das wahre Vergnügen des Herzens, die aus der Erkenntniß und Betrachtung der allgegenwärtigen und vollkommensten Gottheit entspringen, und wovon die Seele gänzlich durchdrungen, im reichsten Maaße genießen. Eine un überwindliche Geduld und Sanftmuth, die heiligste Andacht zur Ehre Gottes und des Heils der Seele, eine gänzliche Ergebung in den Willen Gottes, eine tiefe Erfenntniß der eigenen Sünden und Schwachheiten, Gleichgültigkeit gegen dieses sterbliche Leben, und eine innige Sehnsucht nach der Anschauung Gottes, sind die Vorbereitung und zugleich die Früchte dieser Vereinigung Gottes. Und weil die göttliche Gemeinschaft nichts dulden kann, was auch nur im Geringsten unrein ist, so müssen. diese Seelen durch das Feuer der Versuchung geprüft und gereiniget werden. Werde also nicht kleinmüthig, wenn dein Leib von Krankheiten und Schmerzen immerwährend gequält, wenn deine Seele, im tiefen Meere 10* 148 Von dem Gebrauche der Gegenwart Gottes. der Bitterfeit versenkt, von Gott verlassen, aller trostreichen Gedanken beraubt, und eine Beute der schrecklichsten Anfechtungen wird. Wenn sich dein Geist verfinstert, wenn dein Herz vor Trostlosigkeit vergehen möchte, dann steht es gut mit dir. Harre standhaft aus in deinem heiligen Vorhaben, und wandle im Lichte des Glaubens, welches auch in der größten Dunkelheit die verborgenste Tiefe deiner Seele erleuchtet! Suche Rath und Trost bei einem geistreichen und gottesfürchtigen Beichtvater, und lies, was über einen solchen Zustand in diesem Buche geschrieben steht! San 1506 Dritter Abschnitt. Unterricht über das Gebet. 149 I. Von dem Wesen und der Nothwendigkeit des heiligen Gebetes. 1. Was das heilige gebet fei. er Herr. Meine geliebte Tochter, höre meine Worte, die Geist und Leben sind, und bemühe dich ihnen nachzukommen. Die Jungfrau. Rede zu deiner Dienerin, mein angebeteter Heiland, du bist die Weisheit Gottes; du bist das Licht der Menschen; du bist der Weg, der zum Himmel führet; du bist das ewige Leben und das wahre Heil meiner Seele. Ich will deine göttliche Lehre hören, und nach derselben mein Thun und Lassen richten. Der Herr. So höre also: du sollst das Gebet lieben und mehr schätzen, als dein eigenes Leben; denn das Gebet ist die Speise der Seelen und die reiche Quelle der himmlischen Güter; es ist der Schlüssel zur Schatzkammer meiner Gnaden. Von dem Wesen und der Nothwendigkeit Die Jungfrau. Um das heilige Gebet zu lieben, wie du es verlangest, lehre mich, mein göttlicher Lehrmeister, was das heilige Gebet sei! 150 Der Herr. Das Gebet ist eine innige Erhebung des Gemüthes zu Gott deinem Herrn, es ist die Sprache des Herzens, das mit Gott redet; das Gebet ist aber feineswegs eine bloße Bewegung des Mundes und der Lippen. Indem du Glauben, Hoffnung, Liebe, Reue und Leid in deinem Herzen erweckest, so betest du. Eben so betest du, wenn du mir Dank sagest, oder mich um eine Gnade bittest, wenn du meine Liebe und Güte dir zu Gemüthe führest, oder sonst durch heilige Gedanken dich zu mir wendest. Wenn du mir während des Tages deine Mühe und Arbeit aufopferst und in meiner Gegenwart wandelst, so betest du, und so oft du immer beinen Geist, von den irdischen Dingen wegwendend, zu den ewigen erhebest, betest du. Wenn du aber in deinem vermeintlichen Gebete nur mit dem Munde redest, während deine Gedanken und Begierden mit zeitlichen Dingen beschäftiget sind, so ist es vielmehr ein leeres Geschwätz, als ein Gebet zu nennen. Sorge also, daß dein Geist im Gebete sich versammle, und das Gemüth fasse, was der Mund ausspricht. Die Jungfrau. So lehre mich also, mein göttlicher Erlöser, wie ich mein Gemüth im Gebete sammeln und zu dir erheben soll. 2. Von der verschiedenen Art des heiligen gebetes und derer, die beten. er Herr. Du wirst ohne Mühe dein Gemüth zu Gott erheben, wenn du gottselig lebst. Wie das Leben ist, so ist auch das Gebet. Gleichwie unter den Vögeln einige niemals, andere bisweilen und nicht 151 des heiligen Gebetes. weit von der Erde, andere aber oft und bis in die Wolken mit ihren Flügeln sich emporschwingen, so gibt es auch unter den Jungfrauen und andern Christgläubigen einige, welche niemals, andere, die bisweilen und nicht ohne Beschwerlichkeit, und wieder andere, welche fast immer ihr Gemüth zu Gott erheben. a) Zu denjenigen, welche im Gebete niemals ihre Gedanken zu Gott erheben, gehören jene Jungfrauen, die mit weltlicher Liebe an die Erde gebunden sind, und von dem leeren Dunste eines vergänglichen Glückes verblendet, in der Eitelkeit ihre Tage verleben. Diese beten zwar zu bestimmten Zeiten, und sagen bisweilen lange Gebete aus dem Gedächtnisse oder aus einem Gebetbuche her; aber sie wissen nicht, was sie sagen. Während ihr Mund mit göttlichen Dingen beschäftiget ist, hänget ihr von Gott entferntes Herz an irdischen Sachen. Das Gebet dieser Jungfrauen ist wegen der freiwilligen Zerstreuung des Gemüthes vielmehr sträflich, als nützlich und verdienstlich. b) Jene Jungfrauen, welche von dem fündhaften Wesen weltlicher Begierden nicht in solchem Grade durchbrungen sind, oder die eben anfangen, denselben zu entsagen, und den Weg des Herrn zu betreten, diese beten bisweilen auch mit dem Herzen. Ihr Gebet ist zwar noch mühselig und durch äußere Gedanken stets unterbrochen, weil ihre unordentlichen Begierden noch lebhaft, und ihr Gemüth dem Irdischen allzu geneigt ist. Da sie aber mit dem möglichsten Fleiße sich bemühen, die zerstreuten Gedanken zu sammeln, so ist ihr, obwohl noch unvollkommenes Gebet dennoch nicht ohne Nutzen. c) Jungfrauen, welche ihr Herz von den Sünden und fündhaften Anmuthungen gereinigt haben, beten mehr mit dem Herzen als mit dem Munde; weil der Geist Gottes, der in ihren Herzen wohnet, ungehindert für sie zu Gott ruft. 152 Von dem Wesen und der Nothwendigkeit id Diese beten ohne Mühe, weil bei ihnen die Worte aus einem überfließenden Herzen kommen; sie sprechen von Gott mit Vertrauen und Zuversicht, und finden im Gebete himmlische Wonne. Und wenn sie auch bisweilen aus einer besondern Zulassung in eine Zerschlagenheit des Gemüthes gerathen, so rufen sie doch mit bittender Stimme zu Gott. Und gewöhnlich ist das Gebet um so vortrefflicher, je größer die Reinigkeit des Herzens ist. Bemühe dich also, geliebte Tochter, einen gottseligen Wandel zu führen, und du wirst ohne Beschwerlichkeit, ja vielmehr mit einer großen Leichtigkeit, dein Gemüth zu Gott erheben! 3. Von der Nothwendigkeit des heiligen gebetes. er Herr. Durch das heilige Gebet, meine liebe Tochter, mußt du anfangen, heilig zu werden; durch das heilige Gebet mußt du fortfahren, und durch das heilige Gebet mußt du vollkommen werden. Wenn du den Weg des Herrn antreten willst, so mußt du meine Gebote halten, dem fündhaften Wesen entsagen, deine Begierden bezähmen und in der Tugend beständig verharren. Ohne Beihilfe meiner Gnaden kann dieß nicht geschehen. Diese Gnaden aber mußt du burch das Gebet erhalten. Daher ist das heilige Gebet allen meinen Gläubigen nöthig, besonders aber den Jungfrauen; 1) denn ich verlange, daß eine Jungfrau am Leibe und im Geiste heilig sei; diese Heiligkeit aber besteht in einer größeren Vereinigung mit Gott deinem Herrn; diese Vereinigung aber ist nichts anders, als eine fortwährende Gemüthserhebung, und ein eifriges Verlangen des Herzens, Gott zu gefallen; und damit die Jungfrauen desto leichter zu diesem Glücke kommen, hab' ich ihnen eine größere Neigung und Liebe zu dem heiligen Gebete gegeben, bem fie um so leichter obliegen können, des heiligen Gebetes. 153 weil sie von vielen Sorgen und Mühseligkeiten befreit sind, wodurch Andere vom Gebete zurückgehalten werden. 2) Die Jungfrauen haben gewöhnlich größere Schwachheiten, gegen welche sie das heilige Gebet anwenden müssen. Sie sind der Eitelkeit ergeben; eine geringe Sache kann ihr Herz einnehmen und bethören. Sie wollen sehen und gesehen werden, woraus schädlicher Vorwitz, eitler Hechmuth, unmäßige Freude oder Traurigkeit, Mißgunst und Eifersucht mit noch vielen andern weiblichen Schwächen entstehen, welche den Eifer der Andacht nach und nach auslöschen, und größere Uebel nach sich ziehen. 3) Das heilige Gebet aber ist das kräftigste Mittel, sie von diesen Schwächen zu befreien. In dem heiligen Gebete und in der Betrachtung der ewigen Wahrheiten erkennest du die Eitelkeit der Welt, die Nichtigkeit der irdischen Freuden, die furze Glück feligkeit derjenigen, welche nichts lieben, als die Welt. Durch das Gebet wird dein Glaube erleuchtet, deine Hoffnung gestärkt, deine Liebe entzündet, dein Herz gereiniget und deine Seele mit göttlichen Gaben geschmücket. Das heilige Gebet macht dir die Einsamkeit lieb, in welcher alle frommen Jungfrauen große Schätze der Gnaden gefunden haben. 4) Ein großer Kampf steht besonders den Jungfrauen bever, um das fostbare Kleinod der jungfräulichen Reinigkeit zu bewahren, wider die eigenen Begierden, wider die Versuchungen der Welt; sie müssen ihre Sicherheit im heiligen Gebete suchen; wie sie streiten und siegen sollen, lehre ich sie im heiligen Gebete. Du siehst also, wie nothwendig es sei, daß du das heilige Gebet liebest. Die Jungfrau. Mein Gott und Erlöser! Hilf mir, daß ich dem heiligen Gebete mich gänzlich ergebe, und lehre mich die nöthige Beschaffenheit meines Gebetes! 154 11. Von der Beschaffenheit des Gebetes der Jungfrauen. 1. Das gebet foll von Herzen gehen. er Herr. Damit ich Wohlgefallen finde an deinem Gebete, meine Tochter, und damit es zu meinem Angesichte emporsteige, muß es aus dem Innern des Herzens kommen; denn im Herzen ist der Glaube, die Liebe, die Hoffnung, die Demuth, Reue und feid, mit allen andern heiligen Anmuthungen, die das Gebet begleiten müssen. In dem Herzen ist die Wohnung des heil. Geistes, der da für heilige Seelen aus dem Herzen zu Gott rust. Aus dem guten Schatze des Herzens bringt ein guter Mensch das Gute hervor. Das mündliche Gebet aber, wenn das Herz nicht dabei ist, kann dir wenig nützen. Denn wie kann ich dein Gebet erhören, wenn du selbst nicht weißt, was du begehrest? Halte nicht viel auf lange Gebete, und bilde dir nicht ein, daß du durch vieles Geschwätz wirst erhört werden. Du sollst zwar auch beten mit dem Munde und den Lippen; denn auch dieses Opfer bist du der höchsten Majestät Gottes schuldig; aber bete mehr mit dem Herzen und mit dem Gemüthe. Du sollst das mündliche Gebet, wozu dich deine besondere Andac; t, oder der Gebrauch meiner Kirche, oder der Gehorsam ver bindet, nicht verachten, noch aus Trägheit unterlassen; aber dieß Gebet sollst du durch eine gute Meinung hek ligen, und was der Mund ausspricht, das muß das Herz hervorbringen. Wenigstens sollst du dein Gemüth imme in Gott sammeln, and die äußerlichen Geschäfte, so vid es dir möglich ist, vergessen. Wenn du dir aber selbs viele mündliche Gebete aufgeladen hast, und merkest, daß fie deine innerliche Andacht wenig befördern, und vielleich Von der Beschaffenheit des Gebetes der Jungfrauen. 155 auch von der Ausübung der Pflichten deines Berufes dich zurückhalten, so mache dir kein Bedenken, sie zu unterlassen. Gebrauche auch nicht solche Bücher, die mit langen Gebeten und leeren Worten weder den Geist, noch das Herz erheben. Und wenn sie dir auch große Dinge versprechen, glaube es nicht. Niemand wird selig werden, als wer meine Gebote hält und den Willen meines Vaters thut. Daher wähle solche Gebetbücher, die durch rechte Lehre und Anweisung den Geist erleuchten, durch gründliche Wahrheiten das Genüth erheben, das Herz rühren und die Furcht Gottes in dir erhalten. 2. Das gebet foll aus reinem Herzen kommen. er Herr. Dein Gebet, meine Tochter, soll nicht nur aus dem Herzen, sondern aus einem reinen Herzen und aus einem guten Gewissen kommen. Dein Gebet kann weder verdienstlich noch in deinen eigenen Augen erbaulich seyn, wenn dein Gewissen mit schweren Sünden beladen ist. Was für eine Freude fannst du im Gebete finden, wenn dein unruhiges Gewissen deiner Seele den Spiegel vorhält und dich immer erinnert, daß du ein Feind Gottes bist. Doch sollst du in diesem armseligen Stande das heilige Gebet nicht unterlassen, sondern nur um so mehr zu Gott rufen; aber begehre nichts anders, als daß ich dir zu Hilfe komme und höre nicht auf zu rufen, bis du von deinem Falle wieder aufstehest. Und wenn auch keine schwere Sünde auf deinem Gewissen lastet, so denke doch nicht, daß du deßwegen gerechtfertiget bist, sondern erwecke immer vor und in deinem Gebete eine findliche Reue und Leid über beine bewußten und unbewußten Sünden. Auch die freiwilligen läßlichen Sünden verhindern die vortrefflichsten Wirkungen des heiligen Geistes, löschen aus den Eifer der Andacht, benehmen das kindliche Vertrauen, berauben die Seele der innerlichen Freude und Zufrie Von der Beschaffenheit denheit, welches reine Seelen im Gebete fühlen; das Gebet wird schwer und lästig, wenn das Herz lau und kaltsinnig ist. 156 3. Das gebet foll demüthig fegn. er Herr. Wenn du betest, meine Tochter, so bedenke, wer derjenige ist, mit dem du redest und wer du bist. Das Gebet einer demüthigen Seele durch dringet die Wolken und kehret nicht zurück, als bis es erhöret ist. Diese innere Erkenntniß deiner Nichtigkeit soll auch durch die äußerliche Demuth in der Andacht ausgedrückt werden; daher sollst du in meiner Gegenwart in der Kirche, oder wenn du zu gewissen Zeiten in der Einsamkeit betest, beine Kniee beugen, dein Gemüth sammeln und weder zu sehen noch gesehen zu werden verlangen; auch geziemt es sich nicht, daß du mit den Menschen schwätzest oder ihr Geschwäß anhörest, wenn du mit deinem Gott und Herrn redest. Hüte dich aber vor aller Heuchelei und Scheinheiligteit in den äußerlichen Geberden, wovon dein Herz nichts weiß!- 4. Das gebet foll unaufhörlich seyn. er Herr. Meine Tochter, bete immer und ohne Aufhören; suche mich überall mit deinen Gedanken. Die erste Regung deines Herzens wende zu mir, wenn bu erwachest. Preise meinen himmlischen Vater und danke ihm zu aller Zeit; opfere mir auf all' dein Thun und Lassen, deine Geschäfte und Verrichtungen; wandle stets in meiner Gegenwart, und Alles, was du thust mit Wort oder That, das thu' Alles in meinem Namen und danke Gott dem Vater durch mich. 5. Das gebet foll wirksam feyn. er Herr. Was bu, meine Tochter, im Gebete sagest, das sollst du auch ausführen. Was nützt es mir, wenn du sagest, daß du an mich glaubest, daß des Gebetes der Jungfrauen. 157 du auf mich hoffest, daß du mich liebest, wenn du nicht thust, was dieser Glaube von dir fordert, wenn du nicht bemüht bist, durch ein gottseliges Leben deine Hoffnung zu befestigen und durch Erfüllung meines Willens deine Liebe zu beweisen? Du erkennest vor mir deine Schwachheit und begehrest, daß ich dir zu Hilfe komme, während du indessen deine Sinne nicht bewachest und dich muthwillig in die Gefahr begibst. Sei also nicht wie ein Mensch, der Gott versucht, sondern thue, was du kannst. Wenn dir aber etwas zu schwer oder unmöglich zu seyn scheint, so bitte, daß du es durch meine Gnade verrichten mögest und höre nicht auf zu beten, bis du es erlangest. Fruchtlose Wünsche und leere Seufzer fönnen dir nicht zum Vortheile, sondern nur zu einer noch schwerern Verantwortung dienen; denn nicht diejenigen, welche nur beten, sondern die meinen Willen thun, werden in das Himmelreich eingehen. 6. Vereinigung des gebetes mit dem gebete Chrifti und Beförderung desselben durch die Fürbitte der Heiligen. er Herr. Meine Tochter, wenn du meinen himmlischen Vater anbetest, ihm Dank sagest, von ihm begehrest, was dir nothwendig ist, so thue es durch mich und in meinem Namen, der ich sein eingeborner liebster Sohn bin, und er wird dich ohne Zweifel erhören. Wenn du aber von mir eine Gnade begehrest, begehre sie durch die Güte meines Herzens, in welchem du alle Schätze der Gnade finden wirst. Besonders aber vertraue findlich auf meine geliebte Mutter, durch deren Fürbitte ich große Gnaden austheile. Rufe auch meine Heiligen an, daß sie für dich bitten; denn wenn das Gebet eines Gerechten, der auf Erden ist, viel vermag, wie vielmehr werden meine Freunde, die bei mir im Himmel sind, für dich bittend erhört werden!- 158 III. Das Gebet einer Jungfrau soll vorzüglich nach der Liebe Jesu streben. 1. In der Liebe Jefu ift Alles enthalten, was du im gebete gott vorbringen kannst. er Herr. Gleichwie das Gebet meiner Gläubigen verschieden ist, so ist auch dasjenige, was in ihrem Gebete zu Gett enthalten ist, verschieden, je nachdem sich ein Jeder vom inneren Geiste angetrieben fühlet. Einige bitten um die Furcht Gottes, Andere um Geduld, Andere um die Erkenntniß ihrer selbst, Andere um eine selige Sterbstunde, und so fort. Du aber, meine Tochter, bitte um nichts anders in deinem Gebete, als daß du mich liebest, der ich dein Herr und dein Gott bin; dahin sollen alle deine geistlichen Uebungen, alle deine Andachten und alle deine Neigungen gerichtet seyn! Denn in meiner Liebe findest du alle bir nothwendigen Tugenden, alle Schätze der Gnade, jedes Vergnügen des Herzens, allen Ueberfluß der geistlichen Güter, alle Reichthümer Gottes und Alles, was dich hier und dort glückselig machen kann. Mit meiner Liebe wirst du geduldig sehn und gehorsam, du wirst deine Begierden bezähmen und wider deine unbändigen Gemüthsregungen täglich streiten; du wirst mit zerfnirschtem Herzen deine begangenen Sünden immer beweinen. Wo die Liebe ist, da ist auch die Einhelligkeit der Herzen und der Gemüther, und deßwegen wirst du stets nach dem trachten, was mir wohlgefällig ist und meine Liebe in dir vermehren kann. Dieß aber findest du überall, in der Armuth und im Ueberfluß, in Leiden und Freuden, im Trest und in der Trübsal, in Wohlfahrt und Widerwärtigkeit. Und weil weder die Das Gebet einer Jungfrau soll nach der Liebe Jesu streben. 159 Bosheit der Menschen noch die Gewalt der Hölle meine Liebe dir aus dem Herzen reißen kann, so wirst du immer zufrieden und glücklich seyn. In meiner Liebe findest du alle Schätze der Gnaden und der himmlischen Güte. Wenn du mich liebest, wirst du von meinem himmlischen Vater geliebt; ich und mein Vater werden zu dir kommen und bei dir wohnen, und wir werden unsern Geist in dir ausgießen. Dieser Geist wird deinem Geiste ein Zeugniß und eine trostreiche Versicherung geben, daß du ein Kind Gottes und eine Miterbin meiner Freuden bist, die dir im Himmel be reitet sind. Dieser Geist der Liebe wird in dir einen heiligen Eifer entzünden; er wird dir Freude, Frieden, Geduld, Gutherzigkeit gegen deinen Nächsten, Nachsicht, Sanftmuth und Liebe der Keuschheit geben. Wo die Liebe ist, da ist nur ein Geist und ein Herz; wenn du mich liebest, so hast du meinen Geist und mein Herz, und alle Schätze meines Geistes und meines Herzens. Und was du noch nicht hast, das begehret mein Herz für dich, und was es begehret, das gibt er dir, weil er mit unaussprechlichen Worten, die Jenen allein bekannt sind, die mich lieben, zu Gott ruft. Erfüllt von diesem Geiste darfst du nicht lange dich besinnen, was du im Gebete mit Gott zu sprechen hast; dieser Geist der Liebe wird dir Alles eingeben und wird dich Alles lehren, was mir angenehm und für dich ersprießlich ist. 2. Um was eine Seele, die Jefum liebet, im gebete gott bilten wird. er Herr. Meine Tochter, laß Diejenigen, die mich wenig oder gar nicht lieben, um solche Dinge bitten, die den Leib und die zeitliche Wohlfahrt betreffen. Du aber, die du von meiner Liebe entzündet bist, wirst dich anderen Gedanken hingeben; du wirst alle irdischen und vergänglichen Sachen gering schätzen und nach vortrefflicheren Gütern trachten. Das Gebet einer Jungfrau Du wirst wünschen, daß ich von dir und allen Menschen erkannt und geliebt werde; diese Liebe wirst du in bir durch ein eifriges Gebet und heilige Betrachtungen, und in Andern durch ein auferbauliches Leben, durch das schöne Mittel eines guten Beispieles, zu befördern suchen. Wenn du diese Liebe beförderst, so wirst du eine innerliche Freude empfinden, doch wenn du hierin saumselig bist, so wird auch dein Herz traurig seyn. Du wirst bitten, daß das Reich dieser Liebe in allen Herzen gegründet, und daß mein göttlicher Wille auf Erden wie im Himmel erfüllet werde. Du wirst dich um die Zufunft nicht unmäßig bekümmern, da du wohl weißt, daß ich die Lilien auf dem Felde kleide und für die Vögel in der Luft sorge; du wirst deine zeitlichen Bedürfniſse mir anheimstellen und täglich mit Dank empfangen, was ich dir gebe. Eingedenk meiner unendlichen Liebe wirst du stets deine begangenen Sünden, dein untreues Herz, dein laues und eitles Leben vor Augen haben, und unaufhörlich um Gnade und Barmherzigkeit bitten und bereit seyn, denen zu verzeihen, die dich beleidiget haben. In Erkenntniß deiner äußersten Schwachheit und bösen Neigung wirst du mich bitten und anrufen, daß ich dich nicht in die Versuchung, mich zu beleidigen und meinen Geist zu betrüben, gerathen lasse. Die Sünde allein. wirst du für das einzige und größte Uebel halten, welches bich von meiner Liebe trennen kann. Auf diese Art, meine Tochter, beten diejenigen, dich mich lieben. 160 Die Jungfrau. Mein geliebtester Jesu! Wer wird mir diese deine Liebe geben, damit sie mein irdisches Herz bekehre und mein träges Gemüth belebe, und meine Kälte mit dem Eifer der Liebe entzünde? 3. Die Liebe Jefu muß durch das gebet erhalten werden. er Herr. Meine Tochter, es ist meine Liebe eine von den größten Gnaden, welche ich dir geben kann. Um eine solche Gnade mußt du beständig soll vorzüglich nach der Liebe Jesu streben. 161 bitten, und du wirst sie erhalten. Der Anfang meiner Liebe ist eine schmerzhafte Reue über deine Sünden, ein festes Vorhaben, meine Gebote zu halten und dich selbst zu verläugnen; dieß Alles wird dir durch das Gebet gegeben. Der Fortgang meiner Liebe ist ein beständiges Verharren in deinem Vorhaben und eine fleißige Uebung und Nachforschung meiner Tugenden. Diese Uebung kannſt du erwerben durch stete Betrachtung meines Lebens, meines bittern Leidens und Sterbens und alles dessen, was dich zu meiner Liebe führen kann. Du wirst mich lieben, wenn du bedenkest, wer ich bin, was ich dir zu Lieb gethan und gelitten habe, was für große Gnaden ich dir alle Stunden und Augenblicke erweise, und welche herrliche Belohnung ich dir im Himmel vorbereite. Durch das heilige Gebet wirst du mir danken, durch das heilige Gebet wirst du dich vor meinen Augen demüthigen, durch das heilige Gebet wirst du in meiner Gegenwart wandeln und dich wohl hüten, daß du nichts denkest oder thust, was mir mißfallen könnte. Durch das Gebet wirst du mir dein Thun und Lassen aufopfern, woran ich erkennen werde, daß du mich liebeſt. So ist es also nothwendig, daß du durch das Gebet meine Liebe erwerbest. Und nun denke nach, wie du dich bisher verhalten hast! Wie viele Jahre, wie viele Tage und Stunden hast du in der Eitelkeit, in unnützem Geschwätz, in üppigen Freuden verlebt, eine schöne Zeit, die du dem Gebete, dem innerlichen Leben, der sittlichen Besserung hätteſt weihen und dadurch meine Liebe vergrößern können. Die Jungfrau. Ach, mein Jesu, mein Leben und meine Glückseligkeit! ich befcnne meine Thorheit und schätze mich unwürdig all' deiner Liebe und Langmuth; aber voll des Vertrauens auf deine unerschöpfliche Geduld und Parmherzigkeit wende ich mich zu dir und werfe mich zu deinen Füßen mit der dich liebenden Büßerin, und will künftig dem heiligen Gebete mit größerer Andad: mich hingeben, damit ich deiner Liebe mich würdiger mache. Jungfrauenbuch. 11 - 162 IV. Kurze Unterweisung über das innerliche Gebet. esmo 1. Die Betrachtung oder das innerliche gebet ift jenen nothdig, welche nach der Vollkommenheit ftreben. er Herr. Gleichwie die Weltkinder Tag und Nacht nur darüber nachdenken, wie sie der Armuth entgehen, Ehre und Reichthum erwerben, und die Gunst der Menschen gewinnen können, so sei auch du, meine Tochter, stets darauf bedacht, daß du bei mir in Gnaden stehest, und dir ewige Schätze für den Himmel ſammelst; dieß aber kann ohne Betrachtung nicht geschehen! Wie kann dir die Welt und die Gunst der Menschen gleichgültig seyn, wie kannst du schnöden Freuden entsagen, wenn du nicht stets an die Unbeständigkeit der zeitlichen Dinge, an die kurze Zeit deines Lebens und an die ungewisse Stunde denfest, in welcher ich kommen werde? Wie kannst du wider die unordentlichen Neigungen deines Fleisches, wider die Verführung der Welt, wider die Anfechtung des Bösen, täglich streiten und siegen, wenn du dir nicht zu Gemüthe führest, sowohl das traurige Ende derjenigen, die sich von diesen Feinden überwinden lassen, als die ewig leuchtende Krone der siegreichen Streiter? Wie kannst du Kreuz und Leiden, Verfolgung und Widerwärtigkeit, Schmerz und Drangsal, mit Ergebung in meinen göttlichen Willen, geduldig ertragen, in Demuth ausharren, und beständig in der Selbstverläugnung leben, wenn du nicht durch die tägliche Betrachtung jener irdischen Leiden, die ich zu deiner Erlösung ausgestanden habe, mit Standhaftigkeit leiden lernest? Wie kannst du mich, deinen Gott und Herrn lieben, und immer dasjenige thun, was mir wohlgefällig ist, Kurze Unterweisung über das innerliche Gebet. 163 wenn du nicht betrachtest, wer ich bin, was ich durch mein Kreuz und Leiden dir erworben habe? Wie kannst du den Eifer der Andacht und der vollfommenen Liebe in dir entzünden und erhalten, wenn du nicht dein Herz und dein Gedächtniß durch heilige Anmuthungen mit Gott vereinigest, und dessen unendliche Güte und ewige Majestät dir vorstellest? Es ist auch nicht genug, daß du über diese Sachen nur dann und wann nachdenkest; denn weil das Herz des Menschen sich immer zu den irdischen und sinnlichen Gegenständen neiget, so mußt du täglich dasselbe durch heilige Gedanken zu den unsichtbaren Dingen wenden; daher ist es nothwendig, daß du täglich etwas betrachtest. In der heiligen Betrachtung wird dein Gemüth gesammelt, und von den äußerlichen Sachen zurückgezogen. In dieser heiligen Einsamkeit rede ich dir zum Herzen, and lehre dich die verborgenen Wahrheiten des Glaubens; oort entdecke ich dir deine täglichen Fehler und Schwachheiten, damit du dich erkennest und demüthigest; ich uncerweife dich in deinen Pflichten, ich stärke dich in deinem Kreuz und Elende, ich muntere dich auf in deinem Wankelmuthe, ich öffne dir den Schatz meiner Gnaden. In diesem innerlichen Gespräche entzündet sich deine Andacht, da mein Geist aus deinem Herzen zu Gott ruft, wodurch du mit Gott und Gott mit dir vereiniget wird. Versäume also nicht ein so kräftiges Mittel, die heiligen Tugenden zu erlangen, die nach und nach das Irdische aus deinem Herzen verdrängen, und dieses der göttlichen Heimsuchung würdig machen. Die Jungfrau. Mein göttlicher Lehrer und Führer, warum hab' ich denn eine so heilige und nützliche Uebung unterlassen, und dadurch auf eine leichtsinnige Weise so große Schätze der Gnade versäumet! Ach, mein Gott, steh' mir bei, daß ich mein festes Vorhaben ausführe, und täglich dasjenige betrachte, was zu deiner Ehre und zu meinem Heile nützlich ist! 11* Kurze Unterweisung 2. Was eine Jungfrau betrachten ſoll. er Herr. Deine Betrachtung, meine Tochter, foll dem innerlichen Zustande deiner Seele angemessen seyn. Wenn dich viele und schwere Sünden drücken, wenn viele böse Gewohnheiten und Neigungen dich beherrschen, und wenn du in das eitle Wesen dieser Welt deine ganze Glückseligkeit setzest, so bedenke den Zweck, wozu du erschaffen bist, die unbestimmte und unausbleibliche Stunde des Todes, das strenge Gericht Gottes; bedenke, wie thöricht es ist, in eine so große Gefahr dich zu wagen; erwäge die unendliche Güte, die große Geduld Gottes, und vergiß nicht, wie sehr dein unchristliches Leben mich schmerzet. Diese Betrachtung wird Licht in die Nacht deiner Seele bringen, wird dein Herz erweichen, und es zur reumüthigen Beichte und Buße führen. Dann wirst du deinen Fehltritt durch heilige Bußwerke bestrafen, und durch wirkliche Besserung wieder gut machen; dann wirst du die Gelegenheit zur Sünde meiden, die bösen Gewohnheiten ablegen, und gegen unerlaubte Neigungen standhaft streiten. 164 Wenn dich aber meine Gnade vor einem so traurigen Zustande bewahrt hat, oder wenn du durch wahre Buße von dem Falle wieder aufgestanden bist, und die Sünde verabscheuest, so fange an, meine Lehre, mein bitteres Leben, mein Leiden und Sterben, meine Liebe zu dir zu betrachten; diese Letrachtung wird eine heilige Sehnsucht in dir erwecken, meiner Lehre nachzukommen, mein Kreuz zu tragen und mir nachzufelgen; und wenn dein nech irdisches Herz und deine lebhaften Neigungen dir einen vollkommenen Lebenswandel zu führen nicht zulassen, so wirst du dich wenigstens bemühen, mich nicht vorsäglich zu beleidigen; du wirst wenigstens durch eine gute Meinung dein nech unvollkommenes Werk zu heiligen suchen; du wirst wenigstens mit Geduld dein Kreuz tragen, dem bösen ange widerstehen und mir nach Möglichkeit zu gefallen trachten. über das innerliche Gebet. 165 Aber auch selbst auf dem Wege der Tugend wirst du noch viele allgemeine Schwachheiten und Beschwerlichkeiten zu überwinden haben; dann sollst du in der Betrach tung stets über deine unnützen Werke, über deine Unvollkommenheiten, Eigenliebe, Untreue, Versäumniß, und über jene anderen Schwachheiten nachdenken, die dich von der vollkommenen Liebe zurückhalten. Wenn du auf dieser Bahn täglich fortschreitest und dein Herz reinigest, dann wird mein Geist dein Lehrer seyn, und dich über wunderbare, zuvor nie gekannte Bahnen führen; dann wird die Dunkelheit verschwinden, und im hellsten Lichte wirst du immer mehr und mehr die unerforschlichen Geheimnisse Gottes anbeten lernen, und deine Andacht sich vergrößern fühlen. Die Jungfrau. Aus deiner heiligen Lehre, mein Erlöser, erkenne ich zwar das Heilsame einer täglichen Betrachtung; allein mein geringer Verstand ist wenig tauglich zu einer so heiligen Uebung. Kaum beginne ich ein kurzes Gebet, und schon zerstreuen mich andere Gebanken; wie werde ich also eine längere Zeit zur Erwägung jener Dinge anwenden können, die vor meinem irdischen Verstande verborgen sind? Lehre mich, mein gütiger Erlöser, wie ich in der heiligen Betrachtung mich zu verhalten habe! 3. Wie eine Jungfrau betrachten und im innerlichen gebete mit gott sich unterhalten soll. er Herr. Bevor du deine Betrachtung anfangeft, liebe Tochter, wähle dir eine Sache, über welche du eine Betrachtung anstellen willst. Wenn du die Betrachtung anfängst, so gedenke, daß Gott, mit dem du reden willst, zugegen sei, bete ihn an in tiefster Demuth, erwecke über die Glaubenswahrheit, die du betrachten willst, einen feften Glauben und bitte um die Gnade, daß du diese Wahrheit wohl zu Gemüthe führest. Bilde dir ein, du ſehest das Geheimniß vor Augen, das du betrachten willst! Kurze Unterweisung Wenn du die Bestimmung, wozu dich Gott erschaffen hat, betrachtest, kannst du dir vorstellen: du seiest eine Magd in dem Hause eines großen Herrn, damit du in demselben arbeitest, und für deine treuen Dienste den versprochenen Lohn empfangest; oder bilde dir ein, du feiest in einem fremden Lande, aus welchem du in dein Vaterland zurückkehrest. Frage dich selbst, ob du dem Herrn dienest, oder ob alle deine Schritte und Tritte nach deinem Vaterlande gerichtet sind. Wenn du siehst, daß du den Dienst Gottes versäumest, daß du der Welt mehr zu gefallen suchest, als ihm, daß du an den eitlen Freuden der Welt mehr Vergnügen findest, und lieber den schnöden Gelüsten deiner verkehrten Natur folgest, als ihm, dann erfenne mit reumüthigem Herzen deine Thorheit; demüthige dich in Ansehung deiner Sinnesart; danke deinem Gotte für seine lange Geduld; mache den Vorsatz, dich zu bessern; bitte um Stärkung, dein Vorhaben auszuführen, sinne nach über die Mittel, welche du anwenden willst; auf diese Art kannst du eine geraume Zeit im Gebete zubringen. Wenn du den Tod betrachtest, so bilde dir ein, bu liegest wirklich auf dem Todbette; denke nach, was in diesem Falle dein Herz mit Furcht erfüllen könnte, und ob du bereit wärest, vor deinem Richter zu erscheinen. Bereue deine Thorheit, nimm dir vor, dich zu bessern; erkenne die große Geduld und Langmuth Gottes; fage ihm Dank und bitte um die Gnade der christlichen Wachsamkeit! 166 - Wenn du in deiner Betrachtung nicht weißt, was du mit Gott reden sollst, so nimm ein Buch, das von dieser Sache handelt, lies es langsam und mit Aufmerksamkeit; verweile bei den guten Gedanken und heiligen Anmuthungen, die du in dir fühlest; und wenn du kein Buch haft, auch sonst keine innerlichen Regungen in dir erwachen, so bleibe in der Gegenwart Gottes, wie ein unmündiges Kind, demüthige dich vor deinem Gotte, erfenne deine Untauglichkeit zu allem Guten; diese Er 167 über das innerliche Gebet. fenntniß deiner Schwachheit, dieses beständige Verharren in der göttlichen Gegenwart ist oft besser und verdienstlicher als das Gebet selbst! Wenn du mein Leben oder mein Leiden und Sterben betrachtest, so bilde dir ein, als wenn du mich sichtbar unter den Menschen wandeln eder unter meinen Feinden leiden sähest. Führe zu Gemüth meine Geduld, meine Demuth, meine Mühseligkeit, meine Liebe und Barmherzigkeit, meine Lehre und göttlichen Werke, und frage dich selbst, wie du meiner Lehre und meinem Beispiele nachfolgest, welchen Dank du mir erstattest; erwecke Reue und Leid; mache einen festen Vorsatz. Wenn du dir vornimmst, dich zu bessern und des Bösen dich zu enthalten, so mache ein solches Vorhaben niemals im Allgemeinen oder überhaupt; du würdest hieraus einen geringen Nutzen schöpfen; sondern nimm dir vor, eine besondere Tugend zu üben oder einen besondern Fehler zu meiden. Fange bei dem Laster an, das dich am meisten von dem Fortgange zurückhält, oder bei der Tugend, welche dir vor andern nothwendig ist. Dieſe Tugend sollst du eine Zeit lang üben. Während dieser Zeit sollen alle deine Betrachtungen dahin zielen, daß du durch erhebliche Ursachen zur Uebung dieser Tugend dich aufmunterst, daß du die Gelegenheit benützest, die nothwendigen Mittel ergreifest und dich täglich erforschest, ob bu in dieser Tugend zunehmest und die dagegen streitende Untugend meidest. Nach Gestalt der Sachen sage Dank oder bitte um Verzeihung; fahre auf diese Art fort, bis du nicht nur diese Untugend, sondern selbst auch die Neigung dazu ablegest und die Tugend ohne Mühe übest! Nach dieser Vorschrift kannst du die Zeit der Betrachtung recht nützlich anwenden. Wenn du auch dieser bösen Neigungen los geworden bist und dir die entgegengesetzten Tugenden erworben hast, so bleiben dir doch noch viele Fehler zu verbessern, viele Schwachheiten abzulegen, viele sinnliche Begierden zu Kurze Unterweisung bezwingen. Forsche dann nach, worin du meinen Einsprechungen widerstrebest, wie du dich in deinen täglichen Geschäften, im Gottesdienste und bei den gewöhnlichen Andachten verhältst. Betrachte, wie du gegen deinen Nach ar gesinnt bist; ob du deinen Einnen nicht zu viel gestattest, ob du in deinem Thun und Lassen nichts Anderes suchest, als meine Ehre und mein Wohlgefallen! Erforsche dich, woher deine Freude, deine Traurigkeit, deine Vervirrung, deine Zerstreuung entspringet! Demüthige dich, erwecke eine kindliche Reue und Leid, erneuere dein gutes Vorhaben, bitte Gott um Gnade, erwecke auch andere heilige Gedanken; auf diese Art kannst du lange mit Gott reden. Wenn sich nach dieser sorgfältigen Mühe das Herz von den irdischen Dingen entfernet und der Eifer der Liebe sich zu entzünden beginnt, dann laß meinen Geist in dir walten und denke nicht darüber nach, was du zu reden oder zu bitten hast. Dieser Geist wird dir Alles eingeben und wird dich zu allem Guten anleiten, wenn du ihn nur anhörest und seine Wirkung nicht verhinderst. 168 Wenn aber mein Geist zuweilen sich vor dir verbirgt und du dich der Schwermuth überläßt, so sollst du nicht verzagen, auch nicht mit vergeblicher Mühe in dir eine Andacht zu erwecken suchen; mein Geist läßt sich nicht zwingen; sondern demüthige dich, betrachte wieder deine Schwachheiten und Gebrechen, stelle dir vor Augen meine Lehre, mein bitteres Leiden und Sterben, folge dem Lichte des Glaubens, der in dir ist, reinige dein Herz und warte mit Geduld, bis ich dich wieder heimsuche! Und wenn du auch auf diese Weise nicht betrachten kannst, und aus Niedergeschlagenheit des Gemüthes und aus Zerstreuung des Geistes keine guten Gedanken fassen kannst, so bleibe gleichwohl in meiner Gegenwart und verkürze nicht die Zeit deiner Betrachtung. Die Jungfrau. Walte und schalte mit mir, o Herr, wie du weißt, daß es zu deiner größeren Ehre über das innerliche Gebet 169 gereichet! Und wenn ich die Gnade nicht habe, mit meinem göttlichen Freunde so zu sprechen, wie ich es wünsche, so laß mich wenigstens in aller Demuth dir dienen; lehre mich auch, wann und wie lange ich der heiligen Betrachtung obliegen soll! 4. Wann und wie lange eine Jungfrau des Tages betrachten ſoll. er Herr. Wenn du vollkommen wärest, meine Tochter, und wenn dein Herz frei seyn würde von aller weltlichen Liebe, so würdest du den ganzen Tag betrachten und mit mir reden wollen; weil du aber so hoch nicht gestiegen bist, so begehre ich von dir nicht mehr als etwa ein halbes Stündchen, wenn es dein Stand nicht anders erlaubt. Diese bestimmte Zeit sollst du aber nicht abkürzen, und wenn Unmuth dich befällt oder der Geist des Bösen unter dem Echeine des Guten dein innerliches Gebet auf andere Art zu hindern sucht, so bete nur fort und laß dich von der unruhigen Lebhaftigkeit, die dich an einen Ort rufet, nicht verführen. In der Frühe, wenn du erwachest und Alles um dich herum still und ruhig ist, und die Sorgen der weltlichen Geschäfte das Herz noch nicht eingenommen und zerstreuet haben, kannst du besser, als zu einer andern Zeit, dein Gemüth zu Gott erheben. Zur bestimmten Zeit fniee nieder in deinem verschlossenen Kämmerlein und rede in Geheim mit deinem himmlischen Vater und mit mir, deinem Erlöfer; und wenn du vermuthest, daß du zu dieser Zeit durch die Geschäfte deines Berufes abgehalten werden könntest, so stehe früther auf, um das Gebet nicht zu versäumen. Hast du einen erfahrenen geistreichen Beichtvater, so richte deine Betrachtungen nach seiner Vorschrift ein und gib ihm jederzeit Rechenschaft von dem, was sich mit dir in der Vetrachtung zuträgt, damit er dich nach dem innerlichen Antriebe des beiligen Geistes zu leiten wisse. Heilig bist Du empfangen und geboren, und nie hat die Sünde einen Theil an Dir gehabt. Bei mir ist alle Gnade des Weges und der Wahrheit: bei mir ist alle Hoffnung des Lebens und der Tugend. Eccl. 24. 188 Vierter Abschnitt. Tugendspiegel für Jungfrauen. 171 hristliche Jungfrau! Mit Recht nennt die heilige katholische Kirche, Maria, die göttliche Muter unsers Herrn Jesu Christi, die Königin der Jungfrauen; denn, von Ewigkeit im Rathschluße Gottes zur Mutter des Erlösers auserforen, wurde deren Seele im ersten Augenblicke ihrer Erschaffung und in der Vereinigung mit dem Körper mit der Gnade des heiligen Geistes erfüllt und von der Erbsünde bewahrt,.*) welch' hoher Vorzüge sie sich durch ihr reines, unschuldiges und tugendvolles Leben auf ganz ausgezeichnete Weise würdig machte ,indem sie, die Erste ihres Geschlechtes im jüdischen Volke, *) Unser heil. Vater Pius IX. hat das was bisher bloß durch fromme Meinung der heiligen katholischen Kirche war die Bulle Ineffabilis Deus vom 8. Dezember 1854 für die ganze Kirche als Glaubenswahrheit aufgestellt, nachdem Er zuvor in einer sehr zahlreichen Versammlung der höchsten und gelehrtesten Kirchenfürsten aus fast allen Theilen der Welt unter feierlicher Anrufung des heiligen Geistes sich darüber berathen, und somit die heißesten Wünsche, welche seit den ältesten Zeiten der Kirche in diesem Betreffe an den heiligen apostolischen Stuhl gestellt wurden, erfüllt, und dadurch in die Ehrenkrone Mariä die letzte Blume eingefügt, gleichsam in beschließender Fülle Ihre Weisfagung bestätigend: „ Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter." Lut. 1, 48. - 172 Tugendspiegel für Jungfraueu. Gott ihre Jungfräulichkeit gelobte und selbst, wie der hl. Erzengel Gabriel ihr die frohe Botschaft brachte, sie sei zur Mutter des Erlösers auserwählt, dann erst gleichsam ihre Einwilligung dazu gab, als sie vom heiligen Geiste erleuchtet, einsah, daß durch diese so hohe Würde ihre Jungfräulichkeit nicht verletzt würde. Deshalb haben die heiligen Bäter die unbefleckt empfangene Gottesmutter nicht nur überhaupt allen katholischen Christen als eine Fürsprecherin und Beschützerin in den gefahrvollen Wirrsalen dieses irdischen Jammerthales anempfohlen, sondern ganz vorzüglich den Jungfrauen als hellleuchtenden Spiegel zur Nachahmung vorgestellt; so z. B. ermahnt sie der heil. Erzbischof und Kirchenlehrer Ambrosius mit folgenden Worten:" Es bleibe euch wie ein Bild vor euern Augen die Jungfräulichkeit und das Leben Mariens, in der uns ein Beispiel aller Tugenden hervorleuchtet; betrachtet sie als Muster eures Wandels und erkennt an ihr, was ihr verbessern, was ihr fliehen, was ihr behalten sollt. Ebenso empfiehlt der heil. Bonaventura den Jungfrauen," alle Mühe und Sorgfalt aufzuwenden, um die vollkommene Reinigkeit, deren Mutter Maria ist, getreu zu bewahren und durch Demuth, durch wahre Gottes- und Nächstenliebe, durch Unterwerfung in den Willen des Herrn und eifriges Gebet auf der von ihr vorgezeichneten Tugendbahn getreu zu wandeln. Zu diesem Behufe nun will ich dir nachfolgend das Leben der allerfeligsten Jungfrau vor Augen stellen, und zwar zuerst deren Jugendzeit, wie sie laut glaubwürdiger Tradition eine alte Schrift erzählt; dann aber auch in zwölf Betrachtungen, zur Begründung eines vollkommenen Lebens, stufenweise ihre Haupttugenden dir darlegen. Kies und betrachte daher oft in diesen Fundgruben wahrer Tugend und Gottseligkeit! nel 1. Jugendzeit der allerfeligsten Jungfrau Maria. тездом rwähnte Schrift aus alter Zeit erzählt: Mit drei Jahren brachten die Eltern der seligsten Jungfrau, Joachim und Anna, ihr Kind ( wie sie es gelobet hatten) zum Tempel, damit es daselbst bleibe und erzogen würde. Schon war dasselbe so erstarkt, daß es wie eine erwachsene Person die hohen Stufen zum Tempel hinanstieg; auch geistig war dasselbe bereits so entwickelt, insbesondere so ausdauernd im Gebete, daß es nicht ein Kind, sondern volljährig zu sein schien. Alles Volk erstaunte über dasselbe. Ueber seinen Aufenthalt im Tempel heißt es sodann in derselben Echrift: Von früh bis Morgens neun Uhr lag Maria dem Gebete ob; von da bis Nachmittags drei Uhr beschäftigte sie sich mit Weben; von drei Uhr an widmete sie sich wieder dem Gebete, bis ein Engel des Herrn erschien und ihr Speise brachte; Jugendleben Mariens. wogegen sie jene Speise, die sie vom Tempel empfing, den Armen schenkte. Sie wurde in Allem, was einem Jungfräulein wohl ansteht, unterrichtet, stand aber feiner der älteren Jungfrauen nach im frommen Wachen, in Kenntniß des göttlichen Gesetzes, in der Demuth, in der Liebe, in dem heiligen Gesange, in der jungfräulichen Keuschheit, oder in irgend einer Tugend. Niemand hörte sie je Scheltworte aussprechen, Niemand sah sie je zornig. Gebet, Lesung und Erforschung der heiligen Schrift war ihre angenehmste Beschäftigung. Auf ihre Gespielinen war sie aufmerksam, daß keine im Reden fündige, ein lautes, unjungfräuliches Gelächter aufschlage, oder Unziemliches wider ihre Aeltern rede. Ohne Unterlaß pries sie Gott, und den an sie gerichteten Gruß erwiderte sie mit: Dank Gott! womit sie dem Spruche: Deo gratias feine Entstehung gegeben habe. Oft sah man Engel mit ihr reden und mit zarter Aufmerksamkeit ihr dienen. 174 Man wird das, was hier von Maria erzählt wird, als etwas ansehen, was eben an ihr- der Einzigen ihres Geschlechtes, gefunden worden; und in der That ist gewiß Vieles davon einzig: dennoch ist die Hauptsache der Art, daß sie an jeder christlichen Jungfrau gefunden werden soll. Es wird nicht schwer jehn, dieses nachzuweisen. I. 8 wurde gesagt, wie Maria von früh bis neun Uhr dem Gebete obgelegen habe, eben so des Abends, und daß das Lob Gottes beständig in ihrem Munde gewesen sei. Das ist aber in der Hauptfache bei jeder tief christlichen Jungfrau eben so. Die Frömmigkeit ist ihr Leben, im Gebete liegt ihre Seligkeit. Nicht als ob sie gerade stundenlang betete, das ist nicht erforderlich, und ihr häuslicher Beruf würde 175 Jugendleben Mariens. das auch nicht erlauben. Aber doch ist beim Erwachen Gott ihr erster Gedanke und die Liebe zu Jhm ihre erste selige Empfindung. Eben so ist auch den weiteren Tag hindurch das Gebet ihre Speise. Wie oft sendet sie im Laufe desselben liebende, lobpreisende, demuthvolle Empfindungen zum Himmel empor! Besonders liegt ihr an, daß sie, wenn immer möglich, jeden Tag die Kirche besuche und dem heiligen Meßopfer anwohne. Und was sie dann je heute erlebt, gestrebt, erwirkt, unterlaſsen, gefehlt oder genossen hat, das Alles geht sie im Geiſte, da sie sich zur Ruhe legt, noch einmal durch- dankend, preisend, bittend und bereuend. So schläft sie ein, harmlos und findlich im Herrn, behütet vom Herrn, und geschützt von seinem heiligen Engel zum findlich- frommen Wiedererwachen. Solches scheint zwar der Tochter, die sich dem weltlichen Sinne hingegeben, eine unerschwingliche Sache, langweilig, unerquicklich, betschwesterisch. Allein da erfüllt sich, was die Schrift sagt:" Der fleischliche Mensch faßt nicht, was des Geistes ist. Wie der weltlich gesinnten Tochter solches gebetreiche fromme Leben unfaßlich erscheint, so der gottgeheiligten Jungfrau das fade Leben eines Weltfindes. Die Frage ist nur, welche von Beiden den bessern Theil erwählt habe? Betrachten wir, wie es mit der Seele der Tochter beschaffen sei, die vor dem Gebete Scheu und beim Gebete Langeweile hat! Siehe, das Herz des Menschen, von Gott erschaffen, hat einen natürlichen Zug nach Gott hin erhalten, und weil alle Größe, Liebe und Seligkeit, furz alles Gute in Gott ist, so fühlt sich dieses Herz groß, liebereich und liebeselig, wenn es bem inwohnenden Zuge folgt, an Gott sich hingibt und in Ihm lebt und bleibt. Die fromme Jungfrau befindet sich also in ihrer Frömmigkeit keineswegs etwa in einem mühlichen, freudelcsen Zustande, vielmehr lebt sie in ihrer Frömmigkeit ihr eigentliches wahres Leben und fühlt sich erhoben, groß und selig. Aber die Andere, welche hieran 176 Jugendleben Mariens. nicht Geschmack findet, vielmehr davon halb angewidert wird, ist außer Gemeinschaft mit dem Quelle, dem Geber und Segner ihres Lebens, und steht gerade so tief, als die Weltgüter stehen, denen sie gehört. Wenn sich daher, du Arme! all dein Leben und Lieben etwa im Putze bewegt, in der Unterhaltung über Theater, Tanz und Lustpartien, oder im Denken an, und im Schauen auf Diese und Jene, oder in eitel Haussorgen, in Neid und Klatscherei: Gott, wie tief stehst du! Meinst du etwa, du feiest nicht eben so fromm und könnest eben nicht immer so beten wie Diese und Jene: ach das ist es nicht! Das viele Beten macht es auch nicht aus. Manche betet weniger in Worten, desto mehr in Arbeiten, Mühen und Leiden, die sie Gott opfert. Du aber betest weder in Worten noch in Werken. Du bist gemein, kalt und( wenn man's genau untersucht) herzlos und freudlos, denn Alles, wozu du dich erhebst, ist Tand, Sinnlichkeit, Gefallsucht, Genußsucht und Neuigfeit des Tages. Was gibt das deinem Herzen für einen Abel, für eine Weihe und für einen Frieden? Was das Leben der heiligsten Jungfrau, so ist demnach das Leben jeder christlichen Tochter ein frommes, ein gebetreiches, ein innerliches und bei Gott verborgenes. Aber ist es darum ein abgeschlossenes, düsteres und unmittheilsames? O nein! Die ächte Frömmigkeit iſt nicht düster, und die fromme Jungfrau ist wie innerlich freudig, so auch, ja eben darum nach Außen lebensheiter, herzlich zugethan guten Menschen und im findlich liebenden Verkehre mit ihnen, mittheilsam, theil. netmend, anspruchslos, ergeben. Unfehlbar ist sie namentlich die liebendste, gehorsamste, dienstwilligste Tochter und Schwester. Nech mehr: Wie in kindlich heiterem Verkehre mit den Menschen, so steht sie auch in sinnigem, füblenden Umgange mit der Natur. Die Größe, der Reichthum, die Schönheit, die Dacht und Weisheit in der Natur ergreifen sie in innerster Seele - Jugendleben Mariens. 177 und erfüllen sie mit Bewunderung und heiliger Freude. Aber eigentlich nicht die Natur thut das, sonst müßte jede Beschauerin dieselbe Empfindung haben; ihre Frömmigkeit thut das, indem die fromme Seele nicht eine in Weltinteressen bereits versunkene und darum unempfindliche, vielmehr eine den großen Eindrücken der Natur offene ist, und weil die fromme Seele in den Naturerscheinungen zart das herausfindet und herausfühlt, was sie selbst liebend im Herzen trägt- die Größe nämlich, Güte und Weisheit ihres Schöpfers. Woher kommt das launenhafte, herbe, verdrossene Wesen Vieler?- Ach sie sind innerlich kalt, von allerlei Wünschen beunruhigt, von Neid oder Langweile gequält. Das macht sie wunderlich, herb und ungenießbar. Und warum fein eigentlicher Sinn für Natur und Kunst, vielmehr Empfindelei und affektirte Bewunderung? Ach, sie sind nicht fromm, darum, wo sie nicht gedantenlos vorübergehen, bewundern sie zwar das Erhabene und Schöne, aber ihrer Bewunderung fehlt die heilige Liebe, und damit die eigentliche Freudigkeit, Herzlichfeit und Tiefe. Aber gibt es nicht auch Fromme, die nichts weniger als heiter, mittheilsam, dienstfreundlich und für Menschen und Natur offen sind?- Allerdings. Aber ihre Frömmigkeit ist keine gesunde; ihr fehlt das Merkzeichen der Aechtheit- die Liebe. - II. on Maria wird in der erwähnten alten Schrift ferner erzählt, sie sei in Allem, was die Jungfrau schmückt, wohl unterrichtet worden, sei Keiner, auch der älteren Jungfrauen, in der heiligen Erkenntniß nachgestanden, und Lesung und Erforschung der heiligen Schrift sei ihre liebste Beschäftigung gewesen. Auch dieses finden wir bis heute mehr und weniger bei Jungfrauenbuch.. 12 178 Jugendleben Mariens. jeder christlichen Jungfrau. Je nach Stand und Vermögen wird gerne Alles auf Ausbildung der Tochter verwendet. Was muß sie nicht lernen: Geschichte, Geographie, Zeichnen, Musik, Sprachen, feines Benehmen in Gesellschaft u. s. w. und alle feine weibliche Arbeit! - Gut. Man trägt nicht schwer an Kunst und Wissenschaft. Und gewiß übt die christliche Jungfrau auch hiervon dies und das nach Geschick und Neigung. Aber ihr Liebstes oder ihr Alles ist es nicht. Sie übt Gesang, auch weltlichen, aber innerlich vergnügt ist sie beim Vortrag heiliger Psalmen und Lieder. Sie liest auch Geschichte, Reifen, Erzählungen u. s. w., aber weit mehr Herzensgenuß gewähren ihre Lesungen in den Evangelien und in den Werken erleuchteter gottseliger Seelen. Und will sie sich nach gethaner Arbeit und erfüllten Haus- und Berufsgeschäften etwas recht Angenehmes verschaffen, so geht sie zum Gebet, zu frommer Lesung, zu heiligem Gesang, oder zu gottseligen Freundinnen. Wie das nun aber ihre Lust ist, so hinwiederum auch ihre stetige Fortbildung. Dieser Umgang mit eblen Seelen, diese unterrichtende und alle höheren Seelenkräfte anregende Lesung, dieses heilige Nachdenken, dieser fromm begeisterte, lobpreisende, dankende, bittende Gesang das Alles veredelt die Jungfrau mehr und mehr und gibt ihr eine hohe geistige Weihe. - - - Es darf hier eine schwere Täuschung und Verirrung nicht unerwähnt bleiben. Unsere Töchter nämlich lernen, wie oben gesagt, Geschichte, Geographie, Sprachen, Zeichnen, Musif, allerlei feine Arbeit u. f. w. und die Regeln des Umganges. Wenn sie von alldem mehr oder weniger inne haben, so heißen sie gebildet, sehr gebildet, fein gebildet, und gewiß halten sie sich auch selbst dafür. Aber das ist grober Irrthum. Es kann eine Tochter in all' bem unterrichtet sehn und ist innerlich dennoch roh; sie kann von allem dem wissen und ist Jugendleben Mariens. dennoch ohne allen Adel in Empfindung und Gesinnung, ganz alltäglich, wenn nicht selbst gemein. Das zeigt sich meist am deutlichsten, wenn die Tochter Gattin wird, und das durch Dressur theils, theils durch den geschlechtlichen Zug hervorgebrachte süß- geschmeidige Wesen ablegt, erscheinend rückhaltlos und ohne Hehl, wie sie eigentlich ist. Da sieht man sie nicht selten herrisch, grob, eigensinnig, launisch, verdrossen, träg, schwathaft, sinnlich, neidisch, böszüngig, der Putzsucht dienstbar u. s. w. Ach, wo ist jetzt die gerühmte feine Bildung?! Und was gibt ihr Gatte um all die feinen Arbeiten, die fremden Sprachen, das Geklimper auf den Tasten und den schmelzenden Gesang! was auch um die unerfüllbaren Erwartungen und leeren Empfindeleien eines durch weichliche Leserei überreizten Herzens! Was er bewußt oder unbewußt gesucht hat, was seiner männlichen Seele wohlthut und täglich neu wohlthut, das findet er nicht, nämlich die Herzensreinheit, die Herzensgüte, den fremmen Glauben, die stille Demuth, die Selbstverleugnung und stumme Erdultung, die Aufopferung für Andere, die Gewandtheit in Rath, Trost und Hilfe, die Milde, sowie den gemessenen Ernst gegen die Hausgenossen 2c. Oihr verblendeten Aeltern, was habt ihr euern Töchtern gegeben, wenn sie nichts durch euch empfangen haben, als was die Welt Bildung nennt! Jhr besonders, ihr Mütter, die ihr mit der Bildung euerer Töchter Staat machet, und die dressirten Puppen in die Gesellschaften führet, damit sie dort gesehen, und um ihrer Schönheit, Artigkeit und Kunstfertigkeit willen bewundert werden: euer Staat ist Flitter. Aber ihr bringet außerdem euere Kinder eurer eigenen Eitelkeit zu Opfer, denn was die gütige Natur denselben gegeben haben mag an reiner Weiblichkeit, jugendlicher Schüchternheit, jungfräulicher Demuth, innerem stillem religiösem Sinn, an Zufriedenheit und Freude an Gott und Gebet, 12* - 179 180 Jugendleben Mariens. das treibet ihr aus, da ihr eure Kinder zur Schau stellet. Dennoch lacht euch das Herz im Leibe, wenn eure Töchter von jungen und alten Gecken gehätschelt und in die unendliche Täuschung eingelullt werden, als feien sie etwas. Und wie steht es mit der Lektüre? Man sieht es aus dem von dem Evangelisten Lukas aufbewahrten Lobgesange ,,, Magnifikat" genannt, daß Maria die heiligen Schriften des alten Bundes nicht nur gelesen hatte, sondern theilweise auswendig kannte. Dieſe Schriften waren also ihre beständige theilnahmsvolle Lesung. Wie anders ist das bei uns! Kennst du diese Novelle, diese Erzählung, dieses Gedicht, diesen Roman, fragt die Gespielin, hast du jene schon gelesen? Und du willst dich fast schämen, wenn du mit Nein! antworten mußt. Hast du aber die heiligen Evangelien vor dir, oder ein Erbauungsbuch, so ist es dir, als solltest du es verbergen, denn das fällt auf, und du fürchtest ein Nasenrümpfen. Und doch macht letztere Lesung die Seele groß, edel, start, während erstere( wenn nicht mit großer Auswahl und Mäßigung gepflegt) die Seele entnervt und entsittlicht. Wie? die viele und ungesichtete Lesung von Novellen, Romanen u. dgl. soll entfittlichen und entnerven? So ist es. Muß denn die immerwährende Beschäftigung der Seele mit geschlechtlichen Bildern und Gefühlen den Trieb nicht unordentlich aufregen? muß nicht der geistige Umgang mit lauter Liebeslust und Liebesjammer das Herz überreizen und gänzlich verweichlichen? muß nicht das fürdauernde Leben in einer Phantasiewelt über das wirk liche Leben grauenhaft täuschen, und für letzteres völlig unbrauchbar, und in demselben mißvergnügt, ja unglücklich machen?- Nichts ist unfehlbarer. Und doch vergiften sich Hunderte und Tausende Tag für Tag mit der süßen Leserei. O wüßten sie doch, wie leer von aller hohen würdigen Empfindung, von aller schwung—— Jugendleben Mariens. 181 haften Regung, von aller heiligen Begeisterung, von allem jungfräulichen Adel, von aller achtunggebietenden Tugend sie sind: seicht, schaal, sentimental, lüstern, fleischlich, unbrauchbar für Haus und Feld!- Leget die vergiftende Nahrung weg! Glücklicher jene Frauen und Jungfrauen der alten Zeit, die weder lesen noch schreiben konnten! Unter ihnen fand sich manches starke Weib; unter euch wohl feines. III. M₁ paria, heißt es, blühte vor Allen in jungfräulicher Keuschheit. Ja, so ausgebildet war ihr Zartgefühl, daß sie ein lautes grelles Lachen ihrer Gespielinen nicht leiden mochte. In der That war und ist sie gerade in der Tugend der Keuschheit das große Vorbild, welches von jeher vor dem gesammten jugendlichen Geschlechte aufgestellt worden, und die katholische Kirche nennt sie die Jungfrau der Jungfrauen. Möchte sie als Königin das ganze junge - zumal weibliche Geschlecht um sich versammeln können, und in dessen Mitte glänzen, die Reinste unter den Reinen! Welch ein blühendes, hochherrliches Reich der Reinen, und sie dessen Königin! Verweilen wir betrachtend bei dieser größten der weiblichen Tugenden! Du hast, o Jungfrau! die Schamhaftigkeit und Züchtigkeit schon von der Natur empfangen. Wenn man den Namen" Jungfrau" spricht, so denkt man sich dabei unwillkürlich eine schüchtern eingezogene und schamhafte Persönlichkeit. Die Züchtigkeit ist der Jungfrau natürlicher Schmuck, und ihre Ehre bei allen Völkern, die irgend einen Sinn für Tugend und weibliche Würde hatten und haben. Alles, was du in der Welt bist und giltst, ist am Ende doch blos deine Jungfräulichkeit. Hast du diese getrübt oder 182 Jugendleben Mariens. gar verletzt, so sinkst du augenblicklich in dem Maße, als du es gethan, in der öffentlichen Meinung, und bist nichts mehr. Aber du bist nichts mehr nicht blos in der öffentlichen Meinung, sondern in dir selbst. Ach, fühltest du doch, du rein herangewachsene Jungfrau! den Schatz, welchen du in deiner Reinigkeit besitzest! Man kann ihn nicht aussprechen, nur empfinden. Stehst du neben einer Unreinen, so glänzest du hoch, und indem man auf diese mit Wegwerfung oder Mitleid hinschaut, huldigt man dir und deiner keuschen Unverfehrtheit mit unwillkürlicher Hochachtung. Das ist es auch, warum alle Geschlechter und Zeiten zu der Jungfrau der Jungfrauen mit lobpreisender Verehrung hinaufgeschaut haben, und hinaufschauen. In der Keuschheit verschwistert sich alle Tugend der Jungfrau. Mit der Unkeuschheit ist alle Tugend in Frage gestellt. Darum ist es nicht, als wäreſt du, wenn du von der Keuschheit weichest, blos in einem Stücke vom Guten abgewichen; du bist mit diesem Abfall insgemein durch und durch eine andere Person geworden. Es gibt wohl Keuschgebliebene, die im übrigen der Fehler genug haben: die Keuschheit ist nicht alle Tugend; wohl aber ist die Unkeuschheit die Erschütterung aller Tugend. Wie gern z. B., und wie herzlich, als du noch rein warst, mochtest du beten, wie froh war dir zu Muth, und wie fonnte dich Alles freuen, wie hingest du findlich an den Eltern, wie herzlich war dein Umgang mit deinen Geschwistern, wie freundlich und harmlos verkehrtest du mit deinen Gefpielinen und Nachbarn, wie schlicht und gerade, wie wahr und treu war all dein Wesen! Aber seitdem du unrein geworden, bist du viel in dich gefehrt, mürrisch und launisch, verstellt und lügenhaft, tobt für all die fleinen Dinge, die dich sonst erfreut. Du bist neidisch, eifersüchtig über Alle, die deiner Leidenschaft in den Weg kommen, aufgebracht, grob und trotzig. Du bist den Jugendleben Mariens. 183 Eltern, Geschwistern und Gespielinen fremder, und an Gott und Gebet findest du nicht Geschmack noch Luſt. Siehe, du bist eine andere geworden; du bist nicht blos in Einem, sondern durch und durch herabgekommen. Die Eine Leidenschaft, der du dich ergeben, hatte diese Veränderung zur Folge. Darum, du gute Tochter, nimm zu Herzen, was du in deiner jungfräulichen Harmlosigkeit bist, und vergeude nicht unbedacht und dumm deinen würdigen und seligen Zustand an einen entwürdigten und grauenvollen! Es gibt nichts Höheres, als den Umgang mit Gott, dem höchsten, dem allvollkommenen Geiste. Mit irdischen Fürsten umgehen, ist wenig. Was kann man an Bielen derfelben bewundern, verehren, lieben? Oder um was wird man durch diesen Umgang besser?- Anders verhält es sich mit dem Umgange mit Gott. Was ist es schon für eine Auszeichnung, dem allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde nahen zu dürfen! Was ist es für eine Erhöhung, Jhn- den Geist der Geister, den Allheiligen, Allfegnenden, den Majestätvollen und Bater anbeten, lobpreisen, lieben, Jhm sich für Leben und Sterben hingeben und opfern zu können! In und mit dieser Anbetung, Lobpreisung, Liebe und Hingebung wird die Seele des Beters erhoben, selbst groß und liebreich. Selig, wer sich oft und mit ganzem Gemüthe betend zu Gott erheben fann und erhebt! Nun, wer ist dieser Glückliche, der es kann, und der es recht vorzugsweise fann? Es ist die keusche Jungfrau. Der hl. Geist, dessen Tempel sie ist, hebt ihren Geist, ihre innerste Seele empor, und wandelt ihr Athem und Leben zur glühendsten Andacht. Mit unendlicher Lust, mit tiefster Innigkeit wendet sie Blick und Hände hinauf zu ihrem Gott und Heiland, eine Magd des Herrn lobpreifend, dankend, vertrauend, ergeben, demuthvell, reuig, muthvoll, zum Wirken und Leiden bereitet. Ja, wenn die alte Urkunde von der heiligsten Jungfrau erzählt, - Jugendleben Mariens. daß Engel mit ihr umgegangen seien und ihr täglich Speise vom Himmel gebracht haben, so erneut sich das, wenn auch nicht in sichtbarer Weise, so doch unsichtbar bei jeder reinen, tief innig betenden Jungfrau. Engel umschweben sie. Und was sie aus tiefstem Herzensgrund, in feligster Liebe und Hoffnung fühlt und redet, stammt nicht aus ihr, sondern ist ihr von Oben gegeben: es ist eine Speise ihrer Seele vom Himmel. 184 Aber nun in dem angegebenen Zusammenhang mit der Frömmigkeit, welch' eine Würde ist in der Keuschheit des Herzens! Die Keuschheit erscheint so als zusammenfallend mit dem höchsten Adel der weibli chen Seele. Alles, wozu diese sich erheben, entwickeln, emporschwingen kann, ist entwickelt und erschwungen von der keuschen, in Unversehrtheit und Ungetheiltheit zu Gott erhobenen Jungfrau. Darum beglückwünschen wir dich, du Reine! Bewahre treu den Schlüssel zum Himmel, den du befizeſt!... IV. ie ganze Zeit des Tages, die Maria nicht dem Gebete widmete, brachte sie, wie wir oben lasen, mit Weben, also mit nützlicher Arbeit zu. So jede brave Jungfrau, weß Standes sie auch sei. Sie ist ein Glied der Familie; sie hat Kräfte: also muß sie auch die Stelle, welche ihr angewiesen ist, werkthätig ausfüllen. Es ziemt der Jungfrau Demuth, und demüthig liebevoller Gehorsam. Wie wohlthuend ist ihr Anblick, wenn man sie früh und spät mit heiterem Muthe geschäftig sieht, dienend den Eltern und Geschwistern, den eigenen Angehörigen und den Fremden! Für Andere zu leben, zu sorgen und zu arbeiten ist nun einmal ihr Beruf; aber nicht genug, es ist, wenn sie es in Demuth und Herzlichkeit thut um Christi willen, auch ihr Adel, und vor Gott und Menschen ihr Ruhm. Es gibt müh 185 Jugendleben Mariens. fame Arbeiten, harte, widrige, auch gemeine und be schmutzende: die brave Jungfrau scheut deren feine; sie müssen gethan seyn, warum soll sie sich also derselben weigern? Im Gegentheil, je nothwendiger und nützlicher das Geschäft, desto williger übernommen. Küche und Waschbank, Hacke und Besen werden nicht geschent. Es ist ein lächerliches Vorurtheil, als ob Arbeit, nothwendige und nützliche Arbeit irgend Jemanden je herunter setzen könnte. Leider begegnen wir hier einer großen Zahl von Jungfrauen, welche uns die Frage abnöthigen, wofür fie denn eigentlich dazuseyn glauben. Spät aufstehen, und Stunden brauchen zum Anziehen, dann etwas Vergnügliches, liebe Gefühle Unterhaltendes, die Phantasie Aufregendes lesen, und in Gedanken umherschweifen, oder eine Spielerei, ein Stück Putz u. dgl. als Arbeit vornehmen, sofort zum Befuche gehen oder Besuch empfangen, mit den Gespielinen von tausend leeren und müßigen Dingen plaudern oder die stillen Interessen des Herzens austauschen, mitunter Langeweile haben, launisch seyn, und Melancholie treiben, hier und dort eine Luftpartie machen, auf dem Schauplatz der Gesellschaften produzirt werden, etwa auch in die Kirche gehen und sehen und gesehen werden: das kann doch keine Menschenbestimmung seyn, das kann doch keinen Werth haben und kein Beruf heißen. Und doch ist das die Lebensund Tagesordnung Vieler. Gewiß kann man nur mit dem tiefsten Bedauern diese jugendlichen Seelen in ihrer unendlichen Verflachung und Leerheit, und ihrer frankhaften Ueberreizung und lügenhaften Weltanschauung betrachten. Sie verlieren so schnöde ihre schönen Jahre, sie sind so unnütz auf Gottes Welt, sie taugen so wenig jemals einem Hauswesen vorzustehen, das Leben in seinem prosaischen Ernste zu fassen, und glücklich zu werden oder Jemand zu beglücken. Ja, sie sind so unendlich leer, leer nämlich von Allem, was der jungfräu 186 Ingendleben Mariens. lichen Seele Gehalt, Adel und Werth gibt, voll freilich von müßigen Gedanken, süßelnden Empfindungen, schaalen Worten, liebeleeren Urtheilen, thörichten Hoffnungen, und voll von Eitelkeit, Launen und sinnlichem Wesen. Um wie viel ehrenwerther steht die Tochter des Bauern, des Taglöhners, des gemeinen Bürgers da, um wie viel nützlicher und würdiger die geringste sittsame und fleißige Magd, als die verbildete, verweltlichte, sentimentale, putz- und lustsüchtige, aber arbeitsscheue und Arbeit blos als Spiel treibende Jungfrau! Die Töchter der Vornehmen und Reichen, die Töchter emsiger, alle Arbeit selbst verrichtender Hausfrauen sind vielfach schwer zu beklagen, weil sie durch Standesvortheil, durch Mutterblindheit und Mutteremsigkeit ein müssiges, und darum werthloses Leben zu führen verurtheilt sind. Gott ist der ewig Thätige. Arbeit ist des Menschen Vorzug und Ehre. Ist irgend eine Müssiggängerin für ein arbeitsames Leben zu vornehm, wenn es Gott nicht ist? Oder ist das etwa Standessache oder Mutterliebe, die das Kind dazu gewöhnt, nicht wie ein Mensch zu arbeiten, sondern wie ein Thierlein zu spielen und sich füttern zu lassen? Die heiligen Jungfrauen, Frauen und Wittwen der Kirche, insbesondere viele aus den höchsten Ständen, haben Kranke gepflegt, für Arme Kleider verfertigt, Unwissende unterrichtet u. s. w. Diesen folge nach! II. 3wölf Betrachtungen Aber die herrlichen Tugendbeispiele der unbefleckten Jungfrau Maria. moso Wie eine Jungfrau die nachfolgenden Betrachte ungen nützlich gebrauchen kann. u darfst nur mit Bedachtsamkeit lesen oder lesen hören, was in den zwölf Betrachtungen von der Vollkommenheit dir zum Nußen gesagt iſt. 1) Folge der Ordnung dieser Betrachtungen und nimm nicht eher eine andere vor, bis du dasjenige gethan, und eine Zeit geübt haft was dir in der vorhabenden Betrachtung vorgeschrieben ist. 2) Nach Art und Gestalt der Sachen sollst du mehr oder weniger bei einer Betrachtung verweilen. Wenn du eine Untugend hast, wider welche die Betrachtung handelt, so halte dich auch länger bei derselben auf, damit du Zeit habest, wider diese Untugend zu streiten. 3) Eine Betrachtung ist für die Anfangenden, eine andere für jene, die schon lange Zeit sich in der Tugend üben, eine andere ist für die Bollkommenen. Nach Be 188 Betrachtungen über die herrlichen schaffenheit des Standes soll auch deine Betrachtung seyn, und gewöhnlich sollst du dich öfters jener Betrachtung bedienen, aus welcher du einen größern Nußen und Fortgang zu ziehen glaubeſt. 4) Berrichte deine Betrachtung an einem stillen Orte, in deinem Kämmerlein oder in der Kirche, und zur Zeit, wenn dein Gemüth am ruhigsten ist, am Besten in der Frühe, wenn es sehn kann. 5) Vor der Betrachtung rufe den heil. Geist an, damit er dich erleuchte, und zur Uebung der Tugend, die dir in der Betrachtung vorgestellt wird, aufmuntere. 6) Lese die Betrachtung langsam und aufmerksam. Unterbrich das Lesen mit heiligen Gedanken und Gemüthserhebungen zu deinem Erlöser, zu der Mutter deines Erlösers, deren Tugend dir als Beispiel vorgestellt wird, und sieh, wie du diese Tugend übest. Erwecke Neue und Leid über das, was du wider diese Tugend sündigest, demüthige dich, mache einen festen Vorsatz. dich zu bessern, und diese Tugend zu üben; bitte um die Gnade von Jesu durch Maria, oder bitte Maria selbst, daß sie dir diese Gnade erhalte durch das Gebet, welches du nach jeder Betrachtung finden wirst; dann Lese wieder fort wie zuvor. 7) Es ist nicht nothwendig, daß du dich genau an die Worte deiner Betrachtung bindest, sondern rede von dem, was du durch die Erleuchtung und innerliche Regung in dir fühlest. Sei getreu der Stimme des Herrn in Verrichtung dessen, was Er von dir verlanget. 8) Wenn du dich von einer größeren Andacht plötzlich entzündet fühlest, so thue deswegen kein Versprechen oder Gelübde. 9) Der ganze Zweck der nachfolgenden Betrachtungen gehet dahin, daß du Maria hochschätzest, daß du sie liebest, auf sie ein findliches Vertrauen setzest, und ihrem heiligen Tugendwandel nachfolgest. Tugendbeispiele Mariens. 189 10) Fange bei den ersten Betrachtungen an, die durch die Reinigung des Herzens den Grund legen, auf welchen du das hohe Gebäude der Vollkommenheit and der wahren Audacht aufführest. передди I. Von den Tugenden Mariens für die Anfangenden. Erste Betrachtung. Von dem lebendigen glauben Mariens. Gelig bist du, daß du geglaubt haft; denn es wird Alles in Erfüllung gehen, was dir vom Herrn verkündiget worden. Luc. 1, 45. edente 1) daß ein fester und lebendiger Glaube der Grund ist, auf welchem das hohe Gebäude der christlichen Vollkommenheit, wozu alle Menschen berufen sind, aufgeführt werden muß. Ohne Glauben ist es nicht möglich, daß du Gott gefallest und selig werdest. Der Glaube muß dich in deiner Blindheit erleuchten, und muß dir zeigen, was du auf dieser Welt hochschätzen, was du suchen, was du lieben sollst. Der Glaube muß in dir einen heiligen Eifer erwecken, damit du durch Ueberwindung aller Hindernisse nach demjenigen trachteſt, was Gott und das Heil deiner Seele von dir verlanget. Und wenn du dennoch die eitlen Dinge der schnöden Welt liebest, und in denselben deine Glückseligkeit findest, so denke, daß du feinen festen, feinen lebendigen Glauben hast! Hier demüthige dich, erkenne deine Blindheit, bitte Gott um die Gnade des Glaubens durch die Fürbite Mariens. 2) Bedenke, daß Maria durch einen festen und lebendigen Glauben zu jener hohen Vollkommenheit ge Betrachtungen über die herrlichen stiegen ist, welche sie der göttlichen Mutterschaft würdig gemacht hat. Wie wenig schätzte sie die vergänglichen Freuden dieser Welt, wornach die Menschen so begierig sind. Ihr von dem Lichte der Gottheit erleuchtetes Gemüth zeigte ihr weit wünschenswerthere Freuden, vortrefflichere Güter, beständigere Lust, die sie in der Betrachtung der ewigen Schönheiten Gottes fand. Nichts, was außer Gott war, fonnte ihren Verstand vergnü gen, ihr Herz einnehmen, ihre Wünsche erfüllen. 190 Jesu, das Licht der Welt, war in leiblicher Gestalt dreiunddreißig Jahre lang vor ihren Augen; was für erhabene Gedanken, welche tiefe Erkenntnisse der ewigen Wahrheiten, was für unbeschreibliche Freuden wird sie aus diesem geliebten Sohne geschöpfet haben! Hier freue dich über das Glück der heiligen Jungfrau, bitte sie um einige Strahlen dieses göttlichen Lichtes, und weil du zu so hoher Erkenntniß nicht geiangen kannst, so betrachte jene Wahrheiten, welche dir die Freuden der Welt in ihrer Eitelkeit zeigen, und dein Gemüth zu den göttlichen Dingen erheben. 3) Bedenke, daß du deswegen bist erschaffen worden, damit du Gott dienest, und durch einen heiligen Wandel selig werdest. Du bist also nicht blos deswewegen auf der Welt, damit du zu Reichthümern und Ehren gelangest, damit du bei den Menschen wohl daran seiest, sondern damit du deinem Gotte dienest und den Himmel gewinnest. Was helfen dir denn alle Güter der Welt, alle Ehren und Freuden, wenn du deinen Gott und deine Seele verlierest? Hier demüthige dich vor Gott, erkenne deine Blindheit, mache einen festen Vorsatz, Gott allein zu dienen, bitte um die Gnade, und erwecke andere heilige Gedanken, nach Art der innerlichen Erleuchtung. 4) Bedenke, daß du sterben mußt, und daß du Alles wirst verlassen müssen, was du so hoch schätzest, und so begierig verlangest. Warum prangest du denn mit einer Nüa Est. 191 Tugendbeispiele Mariens. sterblichen Schönheit, die der Tod verwüstet? Warum verzärtelst du deinen Leib, der den Würmern zur Speise wird? Warum hänget dein Gemüth an solchen Dingen, die der Tod dir raubet? Wo sind alle diejenigen, die vor dir gestorben sind, und denen du nachfolgen mußt? Heute an mir, morgen an dir! Trachte also nach solchen Gütern, welche der Tod dir nicht nehmen kann, und thue dasjenige, was du alsdann möchtest gethan haben, wenn du auf dem Todbette liegest und sterben mußt; und wenn du ein heiliges Verlangen fühlest, Gott zu dienen, so fange heute an, und warte nicht bis morgen; du weißt ja nicht, ob du nicht vielleicht noch heute sterben mußt. Möchtest du in diesem deinen eitlen Wandel, in einem solchen Zustande deiner Seele vor Gott deinem Richter erscheinen? Bereue dein fruchtloses laues Leben, nimm dir vor dich zu beffern, bitte um die Gnade u. s. w. 5) Bedenke, daß du nach dem Tode einen strengen Richter zu fürchten hast, dem du über jedes unnütze Wort Rechenschaft geben mußt. Wie wirst du dich verantworten wegen der unzähligen bösen Gedanken, Begierden, Worte, Werke, Unterlassungen des Guten, wegen der versäumten Pflichten? Wie wirst du dich verantworten, wenn Er dir vorhalten wird so viele Gnaden und Gutthaten, die du mißbraucht, so viele heilige Mittel, die du verachtet, so viele heilige Einsprechungen, welchen du keine Folge gegeben haſt? Erkenne deine Thorheit, die große Geduld und Langmuth Gottes, bitte um Verzeihung u. s. w. 6) Bedenke, wie es dir ergehen würde, wenn du vor dem ewigen Richter nicht bestehen solltest, welche Strafe du zu fürchten hättest! Wie wäre es, wenn du auf ewig von dem Angesichte Gottes verstoßen würdest? Wie könntest du eine ewige Strafe ausstehen, da du ein geringes Uebel nicht ertragen kannst? Ist es nicht Nonvio Es Betrachtungen über die herrlichen die größte Thorheit, wegen einer schnöden, vergänglichen Lust das ewige Leben verlieren zu wollen? 192 Hier gehe in dich, siehe, wohin der Weg dich führet, den du wandelst, bereue deine Sünden, mache einen Vorsatz der Besserung, bitte um die Gnade u. f. w. 7) Bedenke hingegen, was dir versprochen ist, wenn du aus ganzem Herzen deinem Gotte dienest. Gott selbst will deine Belohnung seyn; ewige Freuden sind dir bereitet. Soll dich diese Hoffnung nicht aufmuntern? Solltest du nicht Alles thun und Alles leiden, um den Himmel zu erwerben? 8) Von der Hoffnung wende dich zur Liebe; bedenke, was der Sohn Gottes für dich gethan und gelitten hat. Denke an sein verwundetes Herz, betrachte dessen bittere Schmerzen; sieh, wie dein geliebter Heiland sich ganz und gar dir schenket; zur Erkenntniß begehret er nichts anderes von dir, als dein Herz; kanns du es ihm versagen? Hier mache einen festen Vorsatz, dich der Liebe Jesu gänzlich zu ergeben, bitte um die Gnade u. s. w. Zum Schlusse kannst du bedenken, wie nützlich es sei, daß du diese großen Wahrheiten immer betrachtest, und durch einen lebendigen Glauben zu Gemüth führest; bitte um diesen Glauben deinen Heiland durch Maria. Gebet zur Mutter des Herrn um Erlangung eines lebendigen Glaubens. T eilige Jungfrau, die du das Licht der Welt in deinem jungfräulichen Leibe getragen, und so viele Jahre lang vor Augen gesehen hast, was für große Dinge, was für tiefe Geheimnisse des Glaubens hat dir diese hellleuchtende Sonne der Gerechtigkeit ent decket! deswegen hast du auch in Erkenntniß der ewigen drach 193 Tugendbeispiele Mariens. und unsichtbaren Dinge, die sichtbaren und vergänglichen Güter der schnöden Welt so gering geschätzt. Stehe mir bei, o heilige Jungfrau, daß ich, von diesem Lichte des Glaubens erleuchtet, nichts schätze und verlange als Gott, und was zu Gott mich führen kann! Wie eine Jungfrau durch diese Betrachtung den Weg der Vollkommenheit antreten foll. er Zweck der ganzen Betrachtung ist: daß du ein Agroßes Verlangen fühlen, und den festen Entschluß fassen sollst, dich über die Eitelkeit der Welt zu erheben, und aus allen Kräften deiner Seele das Ewige zu suchen. Hiezu sollst du ungefähr acht Tage anwenden. 1) Drei oder vier Tage nacheinander Vormittags betrachte den lebendigen Glauben Mariens, Nachmittags aber dasjenige, was( oben Seite 83) von der Nothwendigkeit der wahren Andacht gesagt worden ist. 2) Wenn du einen heiligen Eifer der Tugend in dir fühlest, und nach der Vollkommenheit zu streben dich entschlossen hast, so betrachte Vormittags, was von der Reinigkeit be Herzens in der folgenden Betrachtung vorgetrag wird; Nachmittags lies und betrachte, was ( oben S. 102) von der läßlichen Sünde gelehrt wird. Den Tag darauf betrachte das gefreuzigte Leben Mariens; Nachmittags aber, was von dem guten Gebrauche der Zeit und von der guten Meinung( zu Anfang des II. Theils dieses Buches) gesagt wird. Am folgenden Tage betrachte die Liebe Mariens zu Jesu; Nachmittags aber nimm die Betrachtung vom Mittwoche( siehe den II. Theil dieses Buches). Am letzten Tage betrachte den öftern Gebrauch der Beicht und Kommunion; Nachmittags mache dir eine gewisse Ordnung oder Eintheilung des Tages. Jungfrauenbuch. 13 Betrachtungen über die herrlichen 3) In diesen acht Tagen kannst du eine kindliche Beicht schriftlich aufsetzen, und sie vor deinem Beichtvater mündlich ablegen. 194 4) Während dieser Zeit meide alle nicht nothwendigen Geschäfte, die den Geift zerstreuen; meide auch die Gesellschaften, und bleibe in der Einsamkeit. 5) Nimm Maria, die seligste Jungfrau, für deine Fürsprecherin und Wegweiserin; bete täglich die Tagzeiten von der unbefleckten Empfängniß. 6) Höre täglich die heilige Messe und bitte Jesus um die wahre Bekehrung deines Herzens.. Bweite Betrachtung. Von der Reinigkeit des Herzens Mariens. Du bist ganz schön, meine Geliebte, und in dir ist kein Makel. Hohel. 4. Nachdem du durch einen lebendigen Glauben die Eitelkeit der weltlichen Dinge erkannt, und Gott allein zu dienen dir vorgenommen hast, mußt du anfangen, dein Herz nicht nur von den schweren, sondern auch von den läßlichen Sünden zu reinigen. Die Sünden zwar, die du schon begangen hast, mußt du durch eine aufrichtige und reumüthige Beicht auslöschen; zugleich mußt du aber einen festen Borsatz fassen, künftig nicht mehr zu sündigen, und deßwegen alle die vorgeschriebenen Mittel anwenden, wozu das schöne Beispiel der allerreinsten Jungfrau Maria dich aufmuntern soll. OB etrachte also, daß zwar reichere Jungfrauen auf der Welt waren, als Maria, aber unter Allen war sie die Allerreinste, und wegen dieser Reinigkeit hat sie verdient, die Mutter Gottes zu werden. Sie war durch eine besondere Gnade von der Erbsünde befreiet und durch den Ueberfluß der Gnaden, wozu sie selbst getreulich mitgewirkt, hat sie niemals eine auch nur läßliche Sünde begangen. Diese Meinung von der großen Tugendbeispiele Mariens. 195 Reinigkeit Mariens hat die heilige Kirche zu allen Zeiten gehabt, wie es die heiligen Väter und die Kirchenväter bezeugen. Hier freue dich, und wünsche deiner himmlischen Fürsprecherin Glück; bitte sie, daß sie dir diese Gnade von Gott erhalte; bekenne deine Armseligkeit, deinen ungleichen Lebenswandel, den du bisher geführt hast; nimm dir vor, Ihr nachzufolgen. Sage nicht, du habest keine so große Gnade von Gott empfangen, daß du Jhr in der Reinigkeit nachfolgen könntest; Gott weiß deine Schwachheit und deine bösen Neigungen, die dir nicht zulassen, eine so große Reinigkeit zu erlangen; und da Maria von den geringsten Fehlern und Unvollkommenheiten rein geblieben ist, verlanget dein Gott und Heiland von dir im Anfange deines geistlichen Lebens nichts Anderes, als daß du freiwillig keine läßliche Sünde begehest. Daher betrachte, daß Gott wegen seiner unendlichen Vollkommenheit über Alles zu schätzen und zu lieben ist, und daß sein göttliches Wohlgefallen aller irdischen Glückseligkeit der Geschöpfe vorgezogen werden soll, und daß es besser wäre, wenn alle Geschöpfe zu Grunde gingen, als daß Gott auch nur mit einer geringen Sünde beleidiget würde. Wo ist denn die Liebe, welche du Gott erzeigest, wenn du vorsätzlich sein Gebot übertrittst, und eine schnöde Freude und menschliches Ansehen höher achtest, als sein göttliches Wohlgefallen? Demüthige dich, erwecke Reue und Leid u. s. w. Sage nicht, dies oder jenes sei nur eine geringe Sache, die dich seiner heiligmachenden Gnade nicht berauben könne; bist du nicht strafbar, daß du wegen einer geringen Sache einen solchen Gott beleidigest? Heißt dies deinen Gott hochschätzen und über Alles lieben? Betrachte die Güte Gottes. Der Herr der Majestät ist dein Freund, dein Vater; alle seine Schätze hat Er dir mitgetheilt, indem Er dir seinen eingeborenen 13* 196 Betrachtungen über die herricheln Sohn und den heiligen Geist gibt, und dich zum Erben seines Reiches eingesetzt hat. Einem solchen Freunde bist du untreu, und verübest wider ihn, was du einem sterblichen Menschen, den du liebest, nicht zu Leid thun möchtest? Ist dieß nicht ein Frevel, der seinen Geist betrübet und seine göttliche Majestät beleidiget? Erkenne deine Untreue u. f. w. Bedenke, wie schrecklich seine Gerechtigkeit eine auch nur geringe Sünde zuweilen schon hier auf dieser Welt, gewiß aber jenseits strafet. Würde Er so streng verfahren mit einer Seele, die Er liebet, wenn die Sünden, die du so wenig fürchtest, Ihn nicht beleidigten? Hier bekenne deine Untreue, ewecke eine kindliche Reue und Leid, nimm dir vor, diese Sünden zu meiden, bitte um die Gnade u. s. w. Bedenke, daß die freiwilligen läßlichen Sünden dich in das größte Unheil, nämlich in die Todsünde stürzen werden. Wer in kleinen Sachen untreu ist, wird auch in größeren Sachen untreu werden. Durch deine Untreue in kleinen Sachen wird die Liebe geschwächt, der Zufluß der Gnaden verhindert, die böse Neigung gestärkt; alle großen Sünder haben bei den kleinen Sünden angefangen. Zur Vermeidung eines solchen Unheiles mache einen Entschluß, die läßlichen Sünden zu meiden. Bedenke, daß diejenigen, welche täglich viele läßliche Sünden freiwillig und ohne Furcht begehen, schon wirklich in die Lauigkeit gerathen sind. Dieser Zustand ist aber oft gefährlicher, als der Zustand eines großen Sünders, der bisweilen aus Entsetzen über seine schrecklichen Sünden zur Buße und Besserung schreitet; eine Seele aber, die lau ist, wird sich selten bessern, weil sie zu einem festen Vorsate keine Kraft haben will. Wollte Gott, du wärest warm oder falt; weil du aber Tugendbeispiele Mariens. lau bist, will ich dich aus meinem Munde speien, sagt der Heiland. 197 Nimm deine Zuflucht zur allerreinsten Jungfrau, damit du durch ihre Fürbitte die Gnade erlangest, die läßlichen Sünden zu meiden. Gebet zur Mutter des Herrn, um die Reinigkeit des Herzens von den läßlichen Sünden zu erhalten. Allerheiligste Jungfrau, holdseligste Mutter und Fürsprecherin, die du alle Geschöpfe an Reinigfeit übertroffen hast, wunderbare Mutter ohne Sünde und ohne Makel, bitte für mich schwache, zu allem Bösen geneigte Sünderin, damit ich meinen Entschluß, deinen göttlichen Sohn durch keine läßliche Sünde fretwillig zu beleidigen, getreulich ausführe! Dritte Betrachtung Von dem gekreuzigten Leben Mariens. Mein Geliebter ist für mich, wie ein Strauß von Myrrhen. Hohel. 1. Wenn du dir vorgenommen hast, die läßlichen Sünden zu meiden, mußt du anfangen, das Kreuz zu tragen, dich täglich zu verläugnen, und wider deine bösen Neigungen muthig zu streiten. Alle deine Sinne und Gedanken sind von Jugend auf zum Bösen geneigt. Dein Fleisch streitet wider den Geist, und will der Vernunft und der göttlichen Einsprechung nicht gehorchen. Die Eitelkeit, der Hochmuth, die Trägheit und andere Fehler sind dir angeboren, und werden dich in viele Sünden stürzen, wenn du nicht dagegen streiteſt. Setrachte also, daß der Sohn Gottes, welcher der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, von dir verlanget, daß du dich täglich verläugnest, daß du dein 1 1 Betrachtungen liber die herrlichen Fleisch bezähmest, und den bösen Begierden desselben widerstehest. Was hältst du von dieser Lehre, wie hast bu sie bisher befolgt? 198 Bereue deine Sinnlichkeit, deine Widerspenstigkeit, deine Eigenliebe, und zeige dich bereit, mit deinem gekreuzigten Heilande das Kreuz zu tragen bis an das Grab. Bedenke, daß Alle, die im Himmel sind, oder den Himmel erwerben wollen, das Fleisch gekreuzigt haben, oder noch täglich kreuzigen, so lange sie noch auf der Erde sind. Unter allen Heiligen hat aber Niemand das Fleisch mehr gekreuziget, als Maria, die Mutter des Erlösers. Sie war nicht, wie du, bösen Neigungen unterworfen; ihre Begierden und Anmuthungen waren durch die Fülle der göttlichen Gnaren zu allem Guten geneigt. Dennoch hat sie das Kreuz erwählet, alle Regungen des Gemüthes der Vernunft, und die Vernunft der göttlichen Einsprechung unterworfen, um dir und allen Jungfrauen als ein Beispiel der Heiligkeit zu dienen, und sich selbst von jeder Anreizung unversucht zu erhalten. Ihre Augen waren der Eitelkeit, ihre Ohren dem unnützen Geschwätze, ihre Zunge der Geschwätzigkeit verschlossen. Ihr ganzes Leben war ein heiliger Wandel. Wie viel mehr sollst also du, als eine Sünderin, dein Fleisch und deine bösen Neigungen kreuzigen! Beschließe, dieser heiligen Jungfrau nachzufolgen, und mit ihr das Kreuz zu tragen. Diese Lehre ist zwar schwer und der verkehrten Natur entgegen. Aber bedenke, daß du auf keine andere Weise die Sünde meiden kannst. Es ist nur darum zu thun, daß du einmal anfangest, und in kurzer Zeit wird alle Beschwerlichkeit verschwinden. Der Sohn eines ge freuzigten Lebens, den dir dein Heiland noch auf dieser Welt verspricht und geben wird, ist eine süße Ruhe des Tugendbeispiele Mariens. 199 Gewissens, innerliche Freuden des Geistes und des Her zens, ein großer Schatz von Verdiensten und zuletzt ein fanfter Tod, nach welchem eine ewige Herrlichkeit und unbeschreibliche Freuden dich erwarten. So große Güter sind gewiß werth, daß du dich überwindest. Mache einen festen Vorsatz, das Kreuz mit Jesu zu tragen, bitte um die Gnade it. s. w. Vor Allem mußt du deine fünf Sinne im Zaume zu halten suchen, weil bei diesen die Versuchung durch die böse Neigung und Begierde den Anfang nimmt, die in der Seele entstehet. Verlange nicht, etwas zu sehen, zu hören oder zu reden, wobei eine Sünde zu fürchten ist! Mäßige die Lust nach leckerhaften Speisen! Gestatte deinem Leibe kein sündhaftes Vergnügen; meide gefährliche Gesellschaften und Unterhaltungen! Fange damit an, dir in Dingen einen Abbruch zu thun, welche dir gewöhnlich zur Sünde Anlaß geben! Laß eine böse Neigung niemals aufkommen; hast du aber mehrere unordentliche Neigungen, so fange bei derjenigen an, die dir zu öftern und größern Sünden Anlaß gibt! Dadurch wirst du nicht bloß die Sünden meiden, sondern auch die Wurzel der Sünde aus dem Herzen reißen. Gebet zur Mutter des Herrn um Erleichterung der täglichen Selbstverläugnung. WIJ er aus allen Menschen, o heilige Jungfrau, hätte auf dieser Welt unschuldige Freuden mit größerem Rechte genießen können, als du, geliebteſte Mutter meines Erlösers, sowohl wegen der hohen Würde deines königlichen Blutes, wegen der Schönheit deines Leibes, als auch wegen der mühevollen Sorgfalt, womit du das göttliche Kind gepfleget hast! Du hattest die 200 Gebet um Selbstverläugnung. Sünde nicht zu fürchten mit einem Gemüthe, das durch tugendreiche Neigungen mit Gott gänzlich vereinigt war. Dennoch hast du nach dem Beispiele deines liebsten Sohnes das Kreuz erwählet, und dasselbe allen Freuden der Sinne vorgezogen. Wie viel mehr soll ich das Kreuz lieben, die ich zur Buße und zum Kreuze geboren bin, und ohne Kreuz meinen bösen Neigungen nicht widerstehen kann! Erhalte mir also, o meine gnädige Fürsprecherin, von Jesu die Gnade, daß ich mit ihm und mit dir das Kreuz trage, mich täglich verläugne, und durch Ueberwindung der bösen Neigungen zur Reinigung des Herzens gelange, und vom Geiste Gottes, der ein reines Herz liebt, mich leiten lasse! Yq3 C 53 pote P II. Von den Tugenden Maria's für Jene, welche auf dem Wege der Tugend fortschreiten. Vierte Betrachtung. Von der innigen Liebe, welche Maria zu Jefu getragen. Welcher unter den Lilien weidet, ist mir lieb und ich ihm. Hobel. 2. Be edenke, daß du auf dem rauhen Wege des Kreuzes und der täglichen Verläugnung nicht beständig verharren wirst, wenn du nicht Jesum innigst liebeſt. Die Furcht ist trostlos und schwermüthig; die Hoffnung der ewigen Güter wird gar oft getrübet, wenn dich eine unverhoffte Traurigkeit überfällt. Die Liebe allein ist muthig, stark und voll Eifer. Sie macht das Bittere süß, das Schwere leicht und dasjenige möglich, was weder Furcht noch Hoffnung bewirken Von den Tugenden Maria's können. Wer Jesum liebt, der liebt auch, was Jesus geliebt hat. In der Liebe Jesu wirst du die wahre Glückseligkeit, das Vergnügen des Herzens, die Ruhe des Gewissens, die Freude im heiligen Geiste finden. Diese himmlischen Güter werden dir den Muth geben, - Alles zu beginnen und zu leiden. O 202 Du must entweder Jesum oder die Welt lieben; denn ohne Liebe kann dein Herz nicht leben. Wenn du die Welt liebest, wirst du lieben ihre Freuden, ihre Eitelkeit; du wirst dein Fleisch lieben und den Begierden desselben gehorchen. Wenn du aber Jesum liebest, wirst du gerne mit Jesu das Kreuz tragen und deine bösen Neigungen bezähmen. Betrachte, was so viele heilige Jungfrauen Jesu zu Lieb gethan und gelitten haben. Sie haben die Welt mit ihren Gütern und Ehren verachtet, ihr Fleisch gekreuziget, ihre bösen Neigungen unterdrückt, und im Gebete, in der Arbeit und Einsamkeit zuweilen ein langes Leben zugebracht. Sie haben anhaltende Schmerzen und Krankheiten freudig ertragen, viele Bedrängnisse und Verfolgungen mit gleichmüthigen Herzen ausgestanden; sie haben witer die ganze Macht der Hölle muthig gestritten und gesieget; viele sind durch unerhörte Martern geprüft, und der göttlichen Freundschaft würdig gefunden worden.- Prüfe dich, ob du Jesum oder die Welt liebest, und se' nicht so thöricht, daß du die Liebe Jesu verlassest, und der ungetreuen Welt oder deiner Eigenliebe dienest, sonbern wenn du die Liebe Jefu noch nicht besitzest, oder Jesum nur wenig liebest, so suche diese innige Liebe bei der Mutter des Erlösers, die eine eifrige Liebe bei Jesu dir erwerben kann. Betrachte, wie Maria selbst die Seraphinen an Liebe übertroffen hat. Sie war die geliebte Mutter Jesu, und Jesus war ihr geliebtester Sohn, den sie durch die Kraft Gottes und durch die Ueberschattung des heiligen Geistes empfangen und geboren, und dreißig Jahre lang vor ihren für in der Tugend Fortschreitende. 203 Augen unter ihrem Gehorsam hatte. Ihr Herz zerfloß vor Liebe, da Jesus, das göttliche Kind, an ihrem jungfräulichen Busen lag, da sie ihn mit ihren Armen und er sie mit seinen Händchen umfing. Ihre Seele war von Liebe entzündet, wenn sie Jesum und Jesus sie anfah; wenn sie mit Jesu und Jesus mit ihr sprach. Diese Liebe hatte das Herz Maria's mit dem Herzen Jesu so fest und innig verbunden, daß die Herzen Beider nur ein Herz zu seyn schienen; und weil Jesus Kreuz und Leiden liebte, so wollte auch Maria nicht ohne Kreuz leben. Bitte Maria um diese Liebe. Gebet zur Mutter des Herrn, um eine innige Liebe Jesu zu erlangen. lückselige Jungfrau, wen kann ich mit größerem Vertrauen um die Liebe Jesu bitten, als dich, die tu die Mutter Jesu bist! Jesus liebte dich, und du liebtest ihn mit einer unbeschreiblichen Liebe, welche Natur und Gnade vollkommen gemacht hatten. Stehe mir bei, daß ich durch dich, o Mutter der schönen Liebe, meinen Erlöser nach meinen Kräften und nach dem Maße der Gnaden liebe, die du für mich erhalten kannst. Verwirf nicht meine demüthige Bitte, o Mutter der Barmherzigkeit. Lies die Betrachtung vom heiligen Namen Jesu oder das Vespergebet, um eine herzliche Liebe zu Jesu in dir zu erwecken. Fünfte Betrachtung. Von der Sorgfalt Maria's, dasjenige zu thun, was Jesus lieb und angenehm war. Ich war mit ihm, und schlichtete Alles nach seinem Verlangen. Sprüchw. 8, 20. OB etrachte, daß Maria aus großer Liebe zu Jesu nicht nur in beständiger Verläugnung, in Kreuz und Leiden ihrem geliebten Sohne nachfolgte, sondern 204 Von den Tugenden Maria's anderes denken, sie suchte ihm auch zu jeder Stunde, in jedem Augenblicke zu gefallen, und all' ihr Thun und Lassen nach seinem göttlichen Willen zu richten. Ihr Herz, das Jesum so innig liebte, wollte nichts verlangen, reden, thun oder beginnen, als was Jesus lieb und angenehm war. Die Erfüllung des göttlichen Willens war ihr höchstes Glück. Keine Arbeit war se gering, kein Geschäft so unbedeutend, daß sie es nicht durch die Liebe Jesu heiligte, dem sie dadurch zu gefallen suchte. Bedenke, daß du gleichfalls einem Gotte zu dienen hast, den du über Alles lieben, und dem du durch alle deine Werke zu gefallen suchen sollst. Wie hast du dich bisher gegen ihn verhalten? Wie viele Jahre und Tage hast du dir und deiner Eitelkeit gelebt, wie oft hast du gesucht, treulosen Menschen zu gefallen, oder einen zeitlichen Nutzen, einen geringen Gewinn zu erhaschen, während du an das göttliche Wohlgefallen nicht mehr dachtest? Gehe in dich, bekenne deine Thorheiten, nimm dir vor, durch deine ernstliche Besserung fünftig deinem Jesu zu gefallen. M Betrachte, wie die gewöhnlichen Weltmenschen Tag und Nacht, früh und spät athemlos herum laufen, um das zu gewinnen, was der Tod ihnen auf einmal nimmt; wie sehr mußt du also vor Trägheit dich hüten, da du die Liebe Jesu in dir vermehren und einen ewigen Lohn im Himmel erwerben kannst! Es ist nicht nöthig, daß du deßwegen große Dinge unternimmst, welche deine Kräfte übersteigen oder erschöpfen. Du darfst nur deine Gedanken nach Gott richten und dasjenige, was andere Menschen der Freundschaft oder des zeitlichen Nutzens wegen thun, um deinem Gotte zu gefallen verrichten. Betrachte, wie dein Gott und Heiland von dem erster Augenblicke seiner Empfängniß bis in den Tod des Kreuzes immer seinen Vater geehret und für das Heil deiner Seele gearbeitet hat. Alle Augenblicke empfängst du von 205 für in der Tugend Fortschreitende. ihm neue Gnaden und Wohlthaten; alle Augenblicke ist der Geist Gottes mit dir beschäftiget, um dein untreues Herz zu gewinnen. Und du hast vielleicht noch feinen Tag zu seiner Ehre angewendet; wie viele Schätze der Gnade hättest du sammeln und in den Himmel voransenden können, wenn du deinem Gotte zu Liebe gethan oder gelitten hättest, was du, um den Menschen zu dienen, um deine Geschäfte zu verrichten, um deinen Leib zu pflegen, thun oder leiden mußt!- Beweine den großen Verlust so vieler Verdienste, die du dir hättest erwerben können, und weil du die verlorne Zeit nicht zurückrufen kannst, so fange an, die wenigen Tage, welche du noch zu leben hast, zur Ehre Gottes und zum Heile deiner Seele anzuwenden. 1) Alle deine geistlichen Uebungen und zeitlichen Geschäfte verrichte mit dem innerlichen Wunsche, dadurch deinem Gotte zu dienen und seinen heiligen Willen zu vollziehen; verrichte sie mit dem möglichsten Fleiße, mit beständigem Eifer. 2) Widerstrebe der natürlichen Neigung und Lebhaftigkeit, wenn die Sache, die du verrichtest, den unordentlichen Begierden ähnlich und angenehm ist. Wenn sie dir aber schwer vorkommt, so laß dich von der Trägheit und von dem Unmuthe nicht überwinden; was aber dem Willen Gottes nicht gemäß ist, das meide. 3) Diese gute Meinung, Gott allein zu gefallen, erwecke zuerst, wenn du in der Frühe aufstehest, dann öfters den Tag hindurch, und zuletzt, so oft du eine Arbeit anfängst. 4) Fahre in dieser heiligen Uebung fort, bis es dir zur Gewohnheit wird, all' dein Thun und Lassen ohne Mühe Gott aufzuopfern. Bitte Maria um ihren Beistand, daß du in einer so wichtigen Sache ihrem Beiſpiele nachfolgest. 206 Von den Tugenden Maria's Gebet zur Mutter des Herrn, um die Gnade zu erlangen, all' dein Thun und Lassen nach dem göttlichen Willen zu richten. öttliche Mutter und Jungfrau, wie groß bist du O vor Gott und den Menschen, die dich erkennen! Vor Gott bist du voller Gnaden, die dir theils in deiner Empfängniß, theils in deiner Verkündigung gegeben wurden, theils hast du sie auch in jedem Augenblicke verdienet und durch die große Liebe vermehret, womit du alle. Kräfte des Leibes und der Seele, alle Regungen des Gemüthes, alle Gedanken und Begierden, alle Worte und Werke geheiliget, und durch die allerreinste Meinung zu Gott gerichtet hast. Du bist groß vor den Menschen, die dich als die Mutter des Lebens und als die gnädige Fürsprecherin ihres Geschlechtes ansehen und verehren! Stehe mir bei, daß ich immer nach deinem heiligen Beispiele Jesu zu gefallen suche, und all' mein Thun und Lassen nach seinem heiligen Willen richte!- Sechste Betrachtung. Von dem gehorsam Maria's. Siehe, ich bin die Magd des Herrn; es geschehe mir nach deinem Worte. Luk. 1. Be edenke, daß deine Heiligkeit in der Erfüllung des göttlichen Willens bestehe. Der den Willen mei nes himmlischen Vaters thut, wird in das Himmelreich eingehen, sagt dein göttlicher Lehrer. Dieser göttliche Wille aber wird dir theils durch die Pflichten deines Standes und Berufes, theils durch die guten Lehren derjenigen, die dir vorstehen, theils durch die innerliche Erleuchtung und Einsprechung angezeiget. Hast du diese Wahrheit bisher wohl beobachtet? Bist du nicht viel für in der Tugend Fortschreitende. 207 mehr deinem eigenen Kopfe gefolgt? Bist du nicht schon seit langer Zeit für die göttliche Einsprechung unempfänglich? Hast du nicht die Pflichten deines Standes und Berufes versäumet, und durch eine falsche Andacht dein unruhiges Gewissen zu stillen gesucht? Es ist nicht genug, daß ein Diener oder eine Magd arbeite, sondern sie müssen auch in ihrer Arbeit nach dem Willen ihres Meisters sich richten. Du bist die Magd des Herrn; wie groß ist also die Gnade, daß ein so großer Gott deine geringen Dienste annehmen und im Himmel ewig belohnen will! Durch den Gehorsam und nicht durch deinen eigenen Willen will Gott von dir geehrt werden. Ein geringes Werk, das du aus Gehorsam verrichtest, ist deinem Gott angenehmer, als wenn du aus eigenem Willen große Dinge unternimmst. Durch den Gehorsam bist du versichert, daß du den Willen Gottes thust. Durch den Gehorsam schenkest du deinem Herrn deinen Willen und deine Freiheit; Größeres kannst du ihm nicht schenken. Bedenke, daß dein Gehorsam deinem Gott wenig gefällt, wenn du nur in geringen und leichten Dingen willig bist, in jenen aber, die deinen verkehrten Neigungen entgegen sind, dich widerspenstig, mürrisch und verbrießlich zeigest, oder wenn du nur aus menschlicher Furcht oder aus Hoffnung eines zeitlichen Lohnes gehorchest, weil dieß auch die Heiden thun. Der vollkommene Gehorsam verlanget von dir, daß du mit beständigem Fleiße, mit guter Meinung und mit frommer Eile verrichteft, was dir aufgegeben wird. Laß dich nicht irre machen, durch die Mängel und menschlichen Schwachheiten deiner Vorgesetzten, sondern habe die göttliche Anordnung vor Augen, die sich auch des bösen Willens der Menschen bedienet, um dich durch den sicheren Weg des Gehorsams in den Himmel zu führen. Vetrachte endlich das schöne Beispiel eines vollkommenen Gehorsams, welches Maria, die Königin des Von den Tugenden Maria's Himmels und der Erde, den Jungfrauen gegeben hat. Der Befehl ihrer lieben Eltern, der Priester des Tempels, bes heiligen Josephs, des himmlischen Botschafters, das Gesetz Gottes und die innerlichen Einsprechungen haben ihren Willen geleitet. Sie vollzog ohne Säumen den Befehl, die Mutter des Vorläufers zu besuchen, indem sie mit gesegnetem Leibe ihr Haus verließ und nach Nazareth reisete. Sie ließ sich ohne Widerrede von ihrem keuschen Gatten nach Aegypten führen, wo sie in der äußersten Armuth und Verlassenheit mit ihrem eingebornen Sohne leben mußte. 208 Ist es nun gar so schwer, wenn du nach einem so heiligen Beispiele gehorsam bist? Hier erforsche dich, wie bu bisher in der Uebung dieser Tugend dich verhalten haft; lege deinen stolzen Eigendünkel ab, und laß dich fünftig wie ein frommes Schäfchen leiten. Um diese Gnade bitte die gehorsame Mutter deines Erlösers! Gebet zur Mutter des Herrn, um die Tugend des Gehorsams zu erlangen. D göttliche Frau und Beherrscherin der Menschen. und Engel, die du deiner unbeschreiblichen Hoheit vergessend, und aus Begierde, Gott zu gefallen, den Menschen gehorcht hast, und dem göttlichen Gesetze dich in allen Dingen, wozu du als die Mutter des Herrn auch nicht verpflichtet warest, vollkommen unterworfen und nach der innerlichen Stimme des heiligen Geistes alle Regungen deines Herzens gerichtet hast,- bitte für mich Sünderin, daß ich im Gehorsame und in der Unterthänigkeit gerne mit dir lebe, und meinem stolzen Geiste auf immer entfage! Ich weiß zwar wohl, daß ich mit meinem Eigensinne und mit meiner Eitelkeit werde streiten müssen. Aber du, o mildselige und gütige Jungfrau, fannst - für in der Tugend Fortschreitende. 209 für mich Alles erhalten; durch deine Hilfe werde ich meine unordentlichen Gemüthsregungen fiegreich überwinden. Siebente Betrachtung. Von der unversehrten jungfräulichen Reinigkeit Maria's. Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Luk. 1. Allerhöchsten wird dich überschatten. etrachte die große Eitelkeit der üppigen Jungfrauen, die im Reichthume, in der vornehmen Abkunft, in der Schönheit des Leibes, in einem anmuthigen Benehmen, in einem klugen Verstande und in andern vergänglichen Gütern ihre Glückseligkeit suchen, die nur einen Augenblick dauert und von dem bittern Tode geendet wird. Du trägst einen bessern Schatz in deinem Leibe, nämlich die jungfräuliche Reinigkeit, welche dem Herzen deines göttlichen Erlösers angenehm ist, wenn sie mit einer reinen Seele sich verbunden zeiget. Alles Gold der Welt fann mit dieser himmlischen Tugend nicht verglichen werden. Ein Gott, der aus dem Schooße seines himmlischen Vaters auf diese Welt herabgestiegen ist, und neun Monate unter dem jungfräulichen Herzen geruht hat, der dreißig Jahre lang einer jungfräulichen Mutter unterthan war, hat der Welt die Vortrefflichkeit dieser Tugend durch Beispiel und Worte zu erkennen gegeben. Die Jungfrauen sind es, mit welchen er sich durch eine größere Liebe verbindet, denen er hier häufigere Schätze der Gnaden und dort eine besondere Herrlichkeit mittheilet. Wie hast du bisher diese Tugend geschätzt und was hast du gethan, um sie unversehrt zu erhalten? Lerne von Maria, wie du diese große Tugend schätzen, wie du sie bewahren sollst. Sie war die Erste aus den jüdischen Jungfrauen, die den unschätzbaren Preis der jungfräulichen Reinigkeit aus göttlicher Erleuchtung erkannt hatte; sie liebte fie mehr als ihr eigenes Leben. Jungfrauenbuch. 14 Von den Tugenden Maria's Aus diesem Vorbilde ersiehst du, wie du diese schöne Tugend schätzen und mit welcher großen Sorgfalt du sie bewahren sollst; gleich einer föstlichen Blume, die keine Hand berühren darf. Den Sohn Gottes. allein, der unter den Lilien wandelt, laß in deinem Herzen wohnen. Bedenke, wie glücklich du wärest, wenn du diese unvergleichliche Tugend bis in das Grab bewahren könntest! Weil aber ein solches Vorhaben nicht die Wirkung des menschlichen Willens, sondern eine höhere Erleuchtung in dir erwecken kann, so bitte durch die wunderbare Jungfrau, daß dich Gott erleuchte; und wenn du zu diesem Stande nicht berufen bist, so bitte deine jungfräuliche Fürsprecherin, daß du mit unversehrtem Leibe in die Ehe tretest, wodurch ein festes, dauerndes Glück in diesem Stande begründet wird. 210 Gebet zur Mutter des Herrn, um die jungfräuliche Reinigkeit unversehrt zu erhalten. llerreinste Mutter, du Spiegel und Beschützerin der Jungfrauen, die unter der weißen Fahne der jungfräulichen Reinigkeit zahllose Jungfrauen versammelt und zu Christo geführet hast, gib mir durch deine Fürbitte den Stand zu erkennen, wozu mich dein göttlicher Sohn berufen hat! Wie glückselig wäre ich, wenn ich nach deinem Vorbilde in ewiger Reinigkeit Jesu dienen könnte, und wenn du, allerreinste Jungfrau, meine Mutter und Beschützerin seyn würdest! Ist mir aber ein solches Glück nicht vorbehalten und soll ich dereinst als eine rechtschaffene Hausfrau die schweren Pflichten einer guten Mutter erfüllen, so bedarf ich gleichwohl deines Beistandes, damit ich meinen Leib und meine Seele unter so vielen Gefahren in der Reinigkeit bewahre. Bei dem Anblicke deines Bildnisses, bei der Anrufung deines hei 211 für die in der Tugend Fortschreitende. ligen Namens fühle ich, daß der Geist der Unreinigkeit weichen muß. Nimm mich also, reinste Mutter, unter deinen heiligen Schutz und Schirm! Achte Betrachtung. Von der jungfräulichen Eingezogenheit Maria's. Dein Hals ist der Thurm Davids, der mit starken Vormauern Hohel. 4. umgeben ist. Jedenke, daß der köstliche Schatz der jungfräulichen Reinigkeit ohne große Sorge und Wachsamkeit nicht unversehrt fann erhalten werden. Du hast viele Feinde, die dich dieses Schatzes berauben wollen, und nicht nur die Verführer, sondern auch dein eigenes Fleisch und die bösen Begierden desselben zu fürchten. Die Zucht und die jungfräuliche Schamhaftigkeit, welche schon von Natur aus deinem Geschlechte eigenthümlich sind, wird dir stets eine starke Vormauer gegen die Angriffe deiner Feinde seyn. Die Begierde, den Menschen zu gefallen, hat viele keusche Jungfrauen in einen traurigen Fall gestürzt. Aus dieser Begierde entspringen Kleiderpracht, ein eitles Prangen mit vergänglicher Schönheit, heftige Sehnsucht nach lärmenden Gesellschaften und gefährlichen Lustbarkeiten, bei welchen durch Anschauen, durch unnützes Geschwätz, durch ein freundliches, allzuvertrauliches Benehmen gar bald das Herz bethöret und mit unreiner Liebe entzündet wird. Sage nicht, es geschehe Alles in Ehren, du habest fein böses Vorhaben, es sei keine Gefahr zu fürchten. Wer die Gefahr liebt, wird in der Gefahr zu Grunde g hen, sagt der heilige Geist. Stroh und Feuer können ohne Gefahr nicht beisammen sein. Durch die Fenster der Augen und der Ohren steigt der Tod in die Seele hinein. Werde flug durch fremden Schaden und verbleibe in der jungfräulichen Zucht und Eingezogenheit, und hast du dagegen gefehlet, so bitte den Beschützer 14* 212 Von den Tugenden Maria's der keuschen Jungfrauen, daß du künftig mit größerer Behutsamkeit wandelst.- Eine züchtige und eingezogene Jungfrau flieht die weltlichen Gesellschaften und Vergnügungen, wo Personen von beiden Geschlechtern zusammen kommen; sie ist ehrbar in ihren Kleidern, gehorsam in ihren Reden, eingezogen und demüthig in ihrem Benehmen, behutsam mit ihren Blicken. Sie wird befangen mit Echeue bei dem Anblicke eines Mannes; sie wird nicht gestatten, daß man sie antaste oder mit ungeziemender Freundlichkeit ihr begegne. Ihr Angesicht wird sich entfärben, wenn sie etwas hört oder sieht, was der jungfräulichen Reinigkeit zuwider ist. Betrachte die jungfräuliche Zucht und Schamhaftigteit Maria's und sei bemüht, ihr nachzufolgen. Ihre Augen waren niedergeschlagen, ihr Angesicht mit dem jungfräulichen Schleier bedeckt. Nicht auf den Gaffen, nicht in fremden Häusern, nicht bei weltlichen Vergnügungen, nicht in üppigen Gesellschaften war sie anzutreffen; in ihrem Kämmerlein hatte sie der Engel gefunden, vor dessen Angesicht sie erschrack. Wie ehrbar war sie in ihrem Benehmen, wie demüthig in ihrem Anzuge, wie behutsam in ihrem Gespräche. Nach diesem Wandel richte dich, und du wirst den kostbaren Schatz der jungfräulichen Reinigkeit unversehrt bewahren. Gebet zur Mutter des Herrn, U um die jungfräuliche Zucht und Eingezogenheit zu lieben. nbefleckte und kluge Jungfrau, die du so behutsam und bescheiden deine jungfräuliche Reinigkeit unversehrt bewahrt hast, laß mich deinem Beispiele nachfolgen, in der Zucht und jungfräulichen Behutsamkeit mit dir leben, den Vorwitz der Augen, den leeren Hochmuth und die Sucht, den Menschen zu gefallen, ablegen. Sei meine Fürsprecherin, meine Zuflucht und Beschützerin! 213 für in der Tugend Fortschreitende. Neunte Betrachtung Von der Liebe, welche Maria zur Arbeit und Einsamkeit getragen. Komm, mein Geliebter, laß uns auf das Feld hinausgehen, und Hohel. 7. daselbst in der Einsamkeit miteinander leben. OB etrachte, daß die Einsamkeit das vortrefflichste Mittel ist, nicht nur die Sünden zu meiden, sondern auch in der Tugend voran zu schreiten und mit Gott sich zu vereinigen. Es ist nicht so leicht, ohne Verletzung des Gewissens viel mit den Menschen zu reden. In Gesellschaften, bei weltlichen Freuden, bei Tänzen und dergleichen Unterhaltungen regieren der Hochmuth, die Begierde, den Menschen zu gefallen, die Ausgelassenheit der Zunge, die Frechheit der Augen; Neid, Mißgunst, unmäßige Freude oder Traurigkeit, Verdruß, Widerwillen, Zerstreuung des Gemüthes, Verführung des Herzens und weltliche Liebe entstehen an solchen Orten, bei solchen Gelegenheiten. Laß also die üppigen Jungfrauen in Gesellschaften sich lustig machen, auf den Gassen und in Häusern herumlaufen; du aber sei gerne allein, liebe dein Kämmerlein; dort kannst du ungestört mit deinem Gott reden, dessen Umgang ohne Bitterkeit ist. In der stillen Einfanfeit pflegt der Geist Gottes sich auszugießen und heilige Gedanken und Anmuthungen zu erwecken. In der Einsamkeit hat deine Reinigkeit keinen unreinen Anblick, fein unfeusches Gespräch, feine gefährliche Liebkosung, keine Verführung zu befürchten. Deßwegen sollst du nicht so leicht, auch nicht unter dem Vorwande der Andacht, deine Einsamkeit verlassen. Wie viele Jungfrauen haben in einer Wallfahrt verloren, was sie in der Einsamkeit mit langer Mühe verwahret haben! In der Einsamkeit sollst du stets mit Handarbeit beschäftiget seyn, damit der Feind dich nicht müßig finde. Heilige Gedanken im Herzen, geistliche Gesänge im Munde, Flachs und Wolle in den Händen, sind unüberwindliche Waffen wider alle Anschläge des Bösen. 214 Bon den Tugenden Maria's für in der Tugend Fortschreitende. Wenn dein Stand oder Beruf es nothwendig macht, daß du viel mit Menschen umgehen oder in einer Gemeinde mit vielen Andern leben mußt, so sollst du mit christlicher Bescheidenheit ersetzen, was dir an der Einsamkeit entzogen wird. Rebe nicht mehr, als was nothwendig ist; verlange nicht zu wissen, was dich nicht angeht, lege dich nicht in die Geschäfte und Händel Anderer; laß einem Jeden feine Meinung und streite nicht dagegen. Mitten im Getöse der Menschen, die um dich herumschwätzen, kannst du dein Gemüth in Gott versammeln, und aus deinem Herzen dir ein Klösterlein machen. Betrachte, daß alle heiligen Jungfrauen die Arbeit und Einsamkeit geliebt haben. Maria, die Mutter des Herrn, hatte in einem Kämmerlein ihres väterlichen Hauses, und dann im Tempel im Gebete, und in der Arbeit ihrer Hände die blühenden Jahre ihres zarten Alters zugebracht, und später in der Gesellschaft Jesu und ihres feuschen Gatten so gelebt, daß sie auch in dem kleinen Städtchen Nazareth sich auf der Straße nicht sehen ließ, außer wenn die Nothwendigkeit und der Gottesdienst es erforderte. Sie war stets mit den geringfügigen Arbeiten einer emsigen Hausfrau beschäftiget. Fier ve wünsche deinen Vorwitz, deine Begierde zu sehen und gesehen zu werden, deine Trägheit in Berrichtung deiner Geschäfte. Nimm ir vor. in der Arbeit und Einsamkeit Maria nachzufolgen; t tte st, daß sie diese Gnade dir von Christo erlange. Gebet zur Mutter des Herrn, um die Liebe zur Arbeit und Einsamkeit zu erlangen. AK eilige Jungfrau und Mutter meines Herrn Jesu Christi, könnte ich deinem Beispiele nachfolgen, und wie du die Einsamkeit und Arbeit lieben! Du kannst mir diese Gnade zuwenden, o Jungfrau, durch diese Gnade werde ich Jesum lieben, und meinen Leib und meine Seele in Unschuld und Reinigkeit bewahren. WATE WWW III. Uebung der Tugenden Maria's für die Vollkommenen. Behnte Betrachtung. Von der tiefen Demuth Maria's. Der Herr hat die Nichtigkeit seiner Magd angesehen. Luk 1, 48. B edenke, daß die Demuth zwar allen Christen, besonders aber denjenigen nothwendig ist, die in der Vollkommenheit fortschreiten und von Gott größere Gnaden empfangen. Je höher du dein geistliches Gebäude aufführest, desto tiefer sollst du graben in Erkenntniß deiner selbst; damit du den großen Schatz der Demuth findest, und auf denselben dein geistliches Leben gründest. Die Hoffart hat den Sturz der Engel herbeigeführt, die ersten Menschen aus dem Paradiese vertrieben und viele vortreffliche Seelen aus dem Staube hoher Gnaben in die Tiefe des Verderbens gestürzt. Um diese schöne Tugend der Demuth zu erhalten, betrachte, daß alles Gute, was du an Leib und Seele besitzest, von Gott kömmt; von dir selbst aber hast du nichts als Elend und Armuth, nichts als böse Neigungen, Uebung der Tugenden Maria's unendliche Schwachheiten, die du ohne den Beistand Gottes nicht überwinden kannst. Warum rühmest du dich wegen einer schnöden Schönheit, wegen deines Verstandes, wegen beines Reichthumes, wegen deiner vornehmen Herkunft, wegen guter Neigungen, heiliger Gedanken, innerlicher Erleuchtungen und guter Werke? Alles dieses sind freiwillige Gaben der Barmherzigkeit Gottes, von welchen du eine strenge Rechenschaft wirst geben müssen, wenn du sie nicht zur Ehre Gottes anwendest. Wie stände es mit dir, wenn dich Gott nicht so innig geliebt und vor so vielen Andern auserwählt hätte? Wie würde es dir gehen, wenn der Herr deine täglichen Sünden nach Verschulden bestrafen wollte? Selbst die guten Werke, welche du durch die Gnade Gottes thust, verdirbst du durch deine Lauigkeit, durch die vielfältige Zerstreuung des Gemüthes, durch deine weltlichen Absichten. Bekenne also, daß alle Ehre nur dem Ursprunge aller Güter gegeben werden solle. Wessen also kannst du dich rühmen? Wie thöricht bist du, daß du über die Fehler beiner Mitmenschen dich ereiferst und sie in deinem Herzen verachtest! Wie darfst du dich betrüben oder erzürnen, wenn man dich verachtet, von dir Böses redet, wenn man deinen Willen nicht thun will? Wie kannst du von den Schwachheiten und Sünden anderer Menschen reden, da du selbst so schwach und gebrechlich bist? 216 Betrachte die tiefeste Demuth Maria's, und schäme dich deines thörichten Hochmutbes; diese demüthigste Jungfrau war mit den vortrefflichsten Gaben der Natur und der Gnade geschmückt. Vor allen Töchtern Israels gebenebeit, ist sie zur göttlichen Mutterschaft auserwählet worden; der Herr war mit ihr und hatte ihr alle Schätze seiner Allmacht und Weisheit gespendet. Alle diese großen Dinge waren ihr nicht unbekannt; der himmlische Bot schafter mit der feligen Elisabeth hatten sie dessen verfichert. Sie aber erhob sich nicht in ihren Gedanken, für die Bollkommenen. 217 sondern gab Gott dem Allmächtigen die Ehre; sie nennt sich die Magd des Herrn, da sie zu dessen Mutter erwählet wird. Sie war ihr ganzes Leben hindurch gehorsam: sie hat sich nicht geschämt, unter dem schmählichen Kreuze zu stehen und mit willigem Herzen allen erdenklichen Schimpf und Spott mit ihrem göttlichen Sohne ausgestanden. Ist es nun eine so große Sache, wenn du als eine Sünderin nach dieser Königin der Engel dich demüthigest und gering schätzest? Bitte um die schöne Tugend der Demuth durch die allerdemüthigste Jungfrau, deine heilige Fürsprecherin! Gebet zur Mutter des Herrn, um die wahre Demuth zu erlangen. Ellerbemüthigste Jungfrau, die du ungeachtet deiner vollkommensten Heiligkeit und göttlichen Mutterschaft dich immer gering und klein vor den Augen Gottes und der Menschen geschätzet hast, erhalte mir von deinem geliebten Sohne, daß ich dir in der Demuth nachfolge und meinem Gott gefalle, der an demüthigen Seelen ein besonderes Wohlgefallen hat. Cilfte Betrachtung. Von der Sanftmuth und milde Maria's. Wegen deiner Milde wird dich der Herr auf eine wunderbare Weise bei der Hand führen. Psalm 44. Bet Setrachte, daß die vollkommene Liebe und wahre Andacht von dir verlangen, daß du stets die Stimme des heiligen Geistes, der dich innerlich in deinem Herzen lehret, anhörest, und alle Kräfte deiner Seele in Gott versammelst. Der Geist Gottes aber liebt den Frieden und die Ruhe des Herzens. Die Sonne fann die Erde nicht wohl erleuchten, wenn trübe Wolken ihre Strahlen abhalten; so kann auch das Licht der göttlichen Ein Uebung der Tugenden Maria's sprechung dich nicht erleuchten und die Stimme Gottes nicht in dein Herz bringen, wenn ungestüme Gemüthsregungen es verhindern. Durch die Sanftmuth aber, welche diese ungestümen Regungen des Herzens stillet, kannst du zur vollkommenen Liebe gelangen. Bedenke, daß du immer etwas wirst zu leiden haben, so lange du auf der Erde bist. Bald wird dir dieses, bald jenes fehlen; bald wirst du körperliche Schmerzen, bald Unruhe des Geistes empfinden; Verfolgung der Menschen, unmäßige Freude und Traurigkeit werden bdich anfallen, bald wirst du dich selbst aus Verdruß und Unwillen nicht ertragen können. Du aber wirst durch Gebulb beine Seele stärken. Laß dich in solchen Vorfällen vom Jähzorne, vom Verdruße und Unwillen, von der Kleinmüthigkeit nicht überwinden! Leide und streite ohne Aufhören! 218 Bedenke, daß man durch Kreuz und Leiden das Himmelreich erobern müße, daß Gott diejenigen züchtiget, die er liebt, daß dir ohne besondere Anordnung der göttlichen Vorsehung nichts widerfährt, daß Gott Alles richtet und schlichtet zu deinem Vortheile! Denke an das milde Herz Maria's, und richte dich nach diesem. Wie viel Mühe, Arbeit, Kummer und Sorgen, Schmerzen und Widerwärtigkeiten, Schimpf und Spott hat Maria ausgestanden! Sie hat sich über die unbarmherzigen, Menschen nicht beklagt, gegen ihre grausamen Feinde kein bitteres Wort gesprochen, keinen Gedanken an Rache gefaßt, sie hat für dieselben vielmehr um Gnade und Barmherzigkeit gebeten. Du aber, Sünderin, folge einer solchen Mutter nach! Gebet zur Mutter des Herrn, um Geduld und Sanftmuth zu erlangen. Reduldige und sanftmüthige Jungfrau, die du wie ein Fels im tobenden Meere der Verfolgungen und Widerwärtigkeiten mit festem Gemüthe gestanden, O für die Vollkommenen. 219 und durch Geduld und Milde den Anfall der Hölle vernichtet hast, laß mich durch deine Anleitung die unbändigen Gemüthsregungen bezähmen und mit Geduld und Sanftmuth entfernen, was meine Seele verwirren und die innerliche Gemeinschaft mit meinem Gott verhindern kann. Bwölfte Betrachtung. Von der vollkommenen Liebe Gottes, von welcher das Herz Maria's durchdrungen war. Der König hat mich in den Weinkeller hineingeführt, und in mir die Liebe geordnet. Hohel. 2. B etrachte, daß nach der Liebe Jesu, die seine für dich angenommene Menschheit in reinen Seelen erwecket, eine noch vollkommenere und vortrefflichere Liebe, nämlich die Liebe der ewigen Gottheit zu finden sei, welche Jefu mit dem Vater und dem heiligen Geiste gemein ist. Diese Liebe ist die höchste Stufe der Vollkommenheit; sie ist ein Feuer, das alle noch übrigen Schwachheiten und irdischen Neigungen in dir verzehret; sie ist bie innige Vereinigung und Gemeinschaft der Seelen mit beinem Gott: fie ist die höchste Glückseligkeit und das Vorgefühl der himmlischen Freuden; durch diese Liebe erfüllest du das große Gesetz deines göttlichen Lehrers: " Liebe Gott, deinen Herrn, aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, aus allen deinen Kräften, und deinen Nächsten wie dich selbst!"- Wenn du Jesum liebest, wird dich sein himmlischer Vater lieben; er wird mit Jesus zu dir kommen und bei dir wohnen, und wird durch seinen Geist, den er über dich ausgießt, sich dir zu erkennen geben, welche Erkenntniß immer neue Flammen der Liebe entzünden wird. Jesus ist jene geheimnisvolle Leiter, auf welcher die Engel, welchen auf Erden die Jungfrauen gleichen, hinauf und herab steigen; sie steigen hinauf bis zum Throne der Gottheit, indem sie aus der Betrachtung der tiefen Uebungen der Tugenden Maria's Erniedrigung Jesu, der zur Ehre Gottes ausgestandenen Mühseligkeiten und Schmerzen Jesu die Größe der göttlichen Majestät bei sich erwägen, und in dieser Erwägung eine innige Anregung fühlen, dieses höchste Gut stets zu preisen, anzubeten, ihm zu gefallen und alle Kräfte des Leibes und der Seele zu seiner Ehre anzuwenden. 220 Das Vergnügen des Herzens, welches du in der Liebe Jesu findest, wird dich zur Bewunderung der Güte Gottes führen, der dir einen solchen Schatz gegeben hat; du wirst ihm Dank sagen und mit Jesu dich ihm gänzlich aufopfern. Aus dem, was Jesus für die Sünder auf Erden gethan und gelitten hat, wirst du die strenge Gerechtigkeit und liebreiche Barmherzigkeit Gottes ersehen; eine so große Majestät und zugleich eine so huldreiche Gemeinschaft wird dein Herz für Gott einnehmen; eine so große Belohnung für so geringe Werke wird dir die Herrlichkeit Gottes offenbaren. Du wirst aus deinen begangenen Sünden, aus dei nen unnützen Werken, aus deinem eitlen Leben die unendliche Geduld und Langmuth Gottes ermessen und die Beleidigungen eines so liebreichen Vaters mit den heißesten Thränen beweinen. - Alle Geschöpfe werden dir die unbegreiflichen Vollkommenheiten und Schönheiten Gottes vor Augen stellen; Himmel und Erde werden dir predigen von seiner Allmacht, von seiner Weisheit, von seiner Heiligkeit, von seiner Vorsehung. Diese Betrachtung wird in deinem Herzen die Flammen der heiligsten Liebe entzünden; diese Liebe wird einen unersättlichen Eifer seiner Ehre erwecken. Voll von diesem Eifer wirst du alle Gemüther mit der Erkenntniß einer solchen Güte, und alle Herzen mit der Liebe einer solchen Majestät zu erfüllen suchen. Nichts wird dich mehr erfreuen, als die Ehre Gottes, nichts wird dich mehr betrüben, als die Beleidigung Gottes. Alle deine Gedanken, Neigungen und Gemüthsregungen werden sich nach Gott richten. Die Erde und dieses sterbliche für die Vollkommenen. Leben wirst du gering schätzen und nach dem Himmel dich sehnen, um das Angesicht Gottes zu schauen. Erforsche dich nun, wie es mit dir stehet, und wenn du diese Liebe noch nicht erreicht hast, so liebe Jesum, der dir diese Liebe geben wird; liebe die Reinigkeit des Herzens, und du wirst Gott anschauen, und durch das Anschauen seiner Schönheit wirst du ihn lieben! Bitte um diese Liebe die jungfräuliche Mutter Jeſu, welche alle Geschöpfe an Liebe übertraf. Der Geist Gottes, der die Fülle der Gnaden über sie ausgegossen hatte, zeigte ihr in den Augen und in dem Angesichte Jesu die in ihm leiblicher Weise wohnende Fülle der Gottheit, den Glanz der ewigen Majestät, die Lieblichkeit des unendlichen Wesens. Gebet zur Mutter des Herrn, um die vollkommene Liebe Gottes zu erlangen. 221 underbare Jungfrau, schöne Mutter der Liebe, die du im ersten Augenblicke deiner Empfängniß alle Menschen und Engel an Liebe übertrafst, welche Schätze der Liebe muß der Geist Gottes, der am Tage deiner Verkündigung über dich gekommen ist, und die Kraft des Allerhöchsten, die dich überschattet hat, in dein Herz ausgegossen haben! Gott selbst, der in deinem Leibe neun Monate geruhet, der dreißig Jahre lang dir unterthan war, welche Flammen der Liebe hat er in dir entzündet! Diese Flammen hast du länger als sechzig Jahre alle Stunden und Augenblicke durch deine Liebe vermehret. Heilige Jungfrau, sieh gnädig auf eine Sünderin herab, die nur um einen kleinen Theil von dem Reichthume deiner Liebe dich bittet! - Le Gofferes 223 Fünfter Abschnitt. Einige Lebensbilder von heiligen und frommen Seelen, christlichen Jungfrauen zur Nachahmung vorgeſtellt. as Leben der allerfeligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria ist also das reinste Spiegelbild für dich, christliche Seele, und du wirst, nach reiflicher Betrachtung desselben und besonders ihrer Tugenden, den Entschluß gefaßt haben, sie in allen deinen Lebensverhältnissen dir zum Vorbilde zu nehmen; um dich nun einerseits noch mehr in diesem deinem Vorsatze zu bestärken, andrerseits auch dir zu zeigen, auf wie einfache und leichte Weise oft selbst ganz einfaltige Jungfrauen in der Welt sowohl als im Kloster, den Weg der Tugend gewandelt und einen hohen Grad der Vollkommenheit erreicht haben, so will ich dir noch einige Lebensbilder von solchen hiehersetzen. 1. Die selige Armella, Dienstmagd. U ngefähr um das Jahr 1626 ging eines Tages ein wohlgewachsenes, frisches Landmädchen, ein Päckchen Kleidung auf dem Kopfe, einen Rosenkranz in der Hand, mit schnellen Schritten der Stadt Plörmel, in der heutigen Bretagne, zu. Bald sang sie ein munteres Liedchen, bald betete sie wieder den Die fromme Dienstmagd Armella. Rosenkranz. Geht etwa die gute Armella in einen Dienst?" sprachen die Leute, welche sie von den nahen Feldern aus dahin wandern sahen. Die Leute hatten Recht, die gute Armella suchte wirklich einen Dienst in der Stadt. Sie war eines Banern, im benachbarten Dorfe Kampeneac, Georg Nikolas genannt, leibliche Tochter, ihre brave Mutter hieß Franziska. Beide Eltern waren gottesfürchtige Leute, einfältigen Sinnes und Wandels. Unter ihren sechs Kindern war Armella das älteste, aber auch das folgsamste, und deßhalb von den Eltern ganz besonders geliebt, absonderlich von der Mutter. Denn Armella hörte gerne von Jesus und seinem heiligen Worte erzählen, und zeigte frühzeitig schon eine große Vorliebe zum Gebete und zur Zurückgezogenheit. Deßhalb hütete sie gerne die Schafe ihres Vaters und trieb sie auf einfame Triften, um dort ungestört beten zu können. Mit dem zunehmenden Alter nahm auch ihre zarte Gewissenhaftigkeit zu. Sie erschrack schon vor jedem bösen Gedanken, und die Furcht, einem bösen Gedanken etwa nicht genug widerstanden zu haben, ängstigte sie oft bis zu Thränen. Das Leiden Christi betrachtete sie gerne und weinte oft die bittersten Zähren hierüber. Nachdem ihr die Gnade zu Theil geworden zum Erstenmal die heilige Kommunion zu empfangen, fühlte sie von dieser Zeit ein inniges Verlangen in ihrem Innern, recht oft zum Tische des Herrn zu gehen und die Speise der Engel zu genießen. Sie hatte auch von Kindheit an ein großes Mitleid mit den armen Seelen im Fegfeuer. Recht oft betete sie für sie. Wenn sie im heißen Sommer die Schafe hütete, ertrug sie die lästige Hitze geduldig, und opferte die Beschwerde für die armen Seelen, im Winter duldete sie die größte Kälte für sie. Oft faſtete fie auch den armen Seelen zu Lieb, oder versagte sich einen Trunk oder eine unschuldige Ergötzung. Auf solche Weise lernte sie auch sich abzutödten, was zu einem heiligen Leben so nothwendig ist. 224 Im zwanzigsten Jahre ihres Alters hatten die Eltern den Plan gefaßt, ihr eine vortheilhafte Heirath zu verschaffen. Allein aus Liebe zur Jungfräulichkeit will gte sie nicht ein und lebte still für sich fort in heiterer Unschuld. Den Leuten im Dorfe, besonders den jungen, gefiel ihr ein- und zurückgezogenes Leben nicht. Weil sie lustige Gesellschaften, Tänze und Spiele, die Gräber der Unschuld und Tugend, mied, nannte man sie eine Betschwester, eine alte Jungfer. Sie aber ließ die Leute reden und trat nach einigen Jahren, um dem Heirathen auszuweichen, in einen Dienst in der Stadt Plörmel, damit sie dort leichter die Kirchen besuchen und dem heiligen Gottesdienste beiwohnen könne. Sie diente anfangs bei verschiedenen Herrschaften, konnte aber nirgends lange bleiben; denn eine ihr selbst unerklärliche Die fromme Dienstmagd Armella. 225 Angst trieb sie fort. Endlich kam sie in ein Haus als Kindsmagd, wo diese innere Angst plötzlich aufhörte und ihr Herz ganz ruhig wurde. Sie blieb daselbst, weil sie dieß für den Willen Gottes erkannte. In diesem Hause war der schöne altkatholische Gebrauch eingeführt, daß alle Abend nach dem Effen aus der Legende der Heiligen, oder einem andern geistlichen Buche vorgelesen wurde. Hierüber empfand Armella die größte Freude. Sie selbst fonnte weder lesen noch schreiben, weßwegen sie auch die Tochter des Hauses öfters ersuchte, ihr aus den schönen Büchern vorzulesen. Einmal las ihr nun dieselbe aus einem Buche vor, das von dem Leiden Jesu Christi handelte. Armella hörte mit der größten Aufmerksamkeit zu, die hellen Thränen traten ihr in die Augen; ihr Herz war von Mitleid und Liebe zu dem leidenden Heiland ganz ergriffen, sie war ganz außer sich, und von nun an konnte sie fast keinen andern Gedanken mehr haben, als vom Leiden Jesu Christi. Zugleich erfaßte ihr Herz ein solch innerliches Feuer, und dieses verursachte ihr so große Schmerzen, daß sie nicht wußte, wo sie bleiben follte. Da sie ein ganz unerfahrenes Bauernmädchen war und fie sich diesen Zustand nicht erklären konnte, ging sie zu einem frommen Karmeliten- Priester und entdeckte ihm getreulich Alles, was mit ihr vorging. Dieser, ein erfahrener Mann, erkannte sogleich, daß hier der heilige Geist wirke, und nahm sich der guten Armella an. Er ermuthigte sie, der Gnade Gottes tren mitzuwirken, lehrte sie, ihren eigenen Willen verläugnen und gehorsam zu seyn. Armella gehorchte auch auf das Pünktlichste. Einige Zeit nachher gab ihr der Heiland im Gebete zu verstehen, wie nur die große Liebe allein, die er von Ewigkeit gegen die Menschen gehegt, es gewesen, welche ihn an's Kreuz geheftet, um sie von ihren Sünden zu erlösen. Er stellte ihr auch all seine Leiden in verschiedenen Bildern vor Augen, wobei ihr im Grunde des Herzens lant zugerufen wurde: Siehe, die Liebe deines Heilandes gegen dich hat ihm all dieß Leiden verursacht." Niemand im Hause erkannte, was in dieser armen Dienstmagd vorging und die Gnaden, welche ihr der gütige Jesus, der gern mit den Kleinen umgeht und sich ihnen offenbart, erwies. Shr Stillschweigen, ihre Eingezogenheit und Innerlichkeit bei all ihren Arbeiten hielt man für natürliche Unwissenheit. Sie aber bat den Herrn inbrünstig, er möge sie mit den Flügeln seiner Vorsehung bedecken und vor den Menschen verbergen, damit sie Jedermann unbekannt bleibe und nur denen ihren Zustand erkennen laffen, die sie auf den rechten Weg führen sollten. Ein Jahr lang dauerten diese innern Gnadenerweisungen des Herrn, während welcher Zeit die gute Armella getreulich und willig ihrem Dienste vorstand, als plötzlich die Liebe zu Jesus, Jungfrauenbuch. 15 226 Die fromme Dienstmagd Armella. welche ihr Herz entflammte und der innere Trost, den sie empfand, aufhörte und ein gewaltiger Eckel und Abscheu gegen alle gottseligen Uebungen, gegen das Gebet, die heiligen Sakramente, ja gegen Gott selbst ihr Herz ergriff. Sie konnte nicht mehr an das Leiden Jesu denken, sie fühlte keine Reue und keine Andacht mehr; Alles war finster in ihr; es war ihr, als befände sie sich in der Gesellschaft der bösen Geister. Doch blieb ihr eine große Furcht, Gott zu beleidigen, den sie vom Herzen verlaugte, über Alles zu lieben. In diesem qualvollen Zustand, der nicht ge schildert werden kann, nahm sie ihre Zuflucht zu ihrem Beichtvater, der sie tröstete und aufrichtete, bis es endlich dem Herrn gefiel, die Anfechtungen des bösen Feindes zu zerstreuen. Es geschah dieß zu ihrer Prüfung und Reinigung; denn alle, die Gott lieb hat, züchtigt er und führt sie durch das Feuer der Leiden zu sich. Es trat nun die frühere Gottesliebe in ihr Herz, es wurde wieder Licht in ihrer Seele und wunderbar nahm sie zu an Gottseligkeit. Aber das Liebesfeuer, das in ihrem Herzen immer brannte, das Mitleiden mit dem Heilande am Kreuze, die Reue über ihre Sünden zehrten sie ganz ab, sie wurde von äußerster Schwachheit, und zuletzt fünf Monate lang von einem heftigen Fieber befallen. Da sie ihre Arbeiten nicht mehr so fleißig und entsprechend verrichten konnte, so wurde ihre Frau, die ihr bisher sehr gewogen war, sehr verdrießlich und schob die Ursache dieser ihr unbekannten Schwäche und Krankheit ihrer Magd auf ihre zu große Andacht, auf ihre Tugendübungen und ihre Zurückgezogenheit. Sie wollte, wie sie meinte, dieses Uebel ihrer Magd, das sie noch närrisch machen könnte, vertreiben, und überlud sie mit vieler und schwerer Arbeit. Ärmella hatte bisher die Kinder gewartet, jetzt mußte sie das ganze Haushalten führen und jede, auch die gröbste Arbeit, und zwar allein verrichten. Vom frühen Morgen bis spät Abends war sie ange strengt und ihre Ermüdung wurde, da auch das Fieber noch anhielt, oft so groß, daß sie vor Mattigkeit zu Boden fiel. Sie mußte am Morgen einen großen Zuber voll Wasser auf dem Kopfe in das Haus tragen, welches ihr so großen Schmerz verursachte, daß sie glaubte, es zerspringe ihr bei jedem Tritte das Haupt. Darüber aber empfand die Frau kein Mitleid; vielmehr zankte sie immer, weil ihr Armella nichts recht machen konnte. Immer hatte sie etwas zu tadeln, nie zeigte sie der guten Armella ein freundliches Gesicht. Diese aber erwiderte auf alles Schelten der Frau kein Wort, ließ auch keine Verdrießlichkeit blicken, sondern ertrug Alles stille und geduldig wie ein Lamm. Einstmals mußte sich Armella vor gänzlicher Ermattung zu Bette legen. Aber gleich kam die Frau, schalt sie eine faule Die fromme Dienstmagd Armella. 227 Dirne und befahl ihr dann in den Garten zu gehen und Dünger auf dem Kopfe zu tragen. Armella schauderte über diesen Befehl zusammen; ihr Kopf war so voller Schmerzen, wie sollte sie diesen Befehl vollziehen. Doch ohne den Mund zu öffnen, stand sie auf und trug zwei Tage lang unter den schrecklichsten Schmerzen den Dünger. Oft war es ihr, als wären ihre Haare lauter Dörner, welche man ihr mit Gewalt in das Haupt drücke. Doch sie blickte auf die Dornenkrone Jesu und dieß gab ihr Kraft, die entsetzlichen Schmerzen sogar mit Freuden zu tragen. Bei all diesen Leiden, die Tag und Nacht fortdauerten, wehklagte Armella nicht, ja sie verlangte sogar noch mehr zu leiden, und während sie äußerlich die größten Beinen litt, und auch nicht einen Augenblick Ruhe fand, unterhielt sie sich innerlich mit Jesus dem Gekreuzigten, der ihr einst am Charfreitage erschien und in ihrem Herzen seine Wohnung aufschlug. Ihr Beichtvater, vor dem sie kein Geheimniß hatte, gab ihr die Erlaubniß, den Dienst zu verlassen; allein sie blieb und dankte noch Gott herzinniglich, daß er ihr Gelegenheit gebe, recht viel zu leiden. Auch der böse Feind setzte ihr während dieser Zeit hart zu, indem er sie zum Trotz, zum Zorn anreizte, und da ihm dieß nicht gelang, ihr vorspiegelte, sie solle den Dienst verlaffen, wo sie nur unglücklich werde. Da aber Armella dem Versucher kein Gehör gab, so reizte er die Frau an, daß sie öfters die treue, gute Magd fortschaffte, ja einmal kam es schon so weit, daß sie ihre Habseligkeiten packen und wandern sollte, aber der Herr legte immer Hindernisse in den Weg, daß es nicht zur Ausführung kam, und so blieb sie fast fünf Jahre in diesem harten Dienste und drei Jahre hindurch mit Jesus an's Krenz geschlagen. Endlich öffnete Gott der Frau, die mehr aus Unverstand als aus Bosheit die gute Armella so hart behandelte, die Augen, und zwar bei folgender Gelegenheit. Sie wete eines Tages auf ihrem Landgute in einem Bache ein Bad nehmen; Armella sollte sie bedienen. Als sie nun am Rande des Wassers stand, da sah sie die Armella ganz außer sich und sprachlos dastehen, die Augen zum Himmel gerichtet. Die Frau staunte, stieß sie an und sagte:„ Was machst du, einfältiges Ding?" Armella erwachte wie aus tiefem Schlafe und sprach:„ Ich dachte gerade an die entsetzliche Angst und Trauer, wovon das Herz des Sohnes Gottes durchdrungen war, als er über den Bach Kidron ging." Die Frau entgegnete: Wer hat dir denn gesagt, daß der Sohn Gottes über den Bach Kidron gegangen?" ,, Ich weiß es nicht," antwortete Armella, aber ich bin versichert, daß es wahr ist," bei welchen Worten plötzlich ihr Angesicht anfing zu erglänzen und ihre Augen bittere Thränen zu vergießen. Jetzt wurde das 15* " 228 Die fromme Dienstmagd Armella. Herz der Frau so gerührt, daß sie von Stunde an Armella mit ganz anderen Augen ansab, sie hoch achtete und innig liebte. Armella aber trug der Frau gar nichts nach, sie betrachtete sie immer wie ihre Mutter, und öfters sprach sie mit Thränen in den Augen: Ja, gewiß, meine Frau ist meine rechte Mutter, die mir geholfen hat, das rechte Leben zu finden; und wenn ich ihr das Blut aus meinen Adern geben könnte, ich wollte es thun." Nun aber, da es Armella gut ging und ihr statt Verachtung die höchste Achtung zu Theil wurde, wollte sie nicht länger mehr in diesem Dienste bleiben, und Gott gab ihr auch Gelegenheit hiezu. Die Tochter der Frau verehelichte sich mit einem Edelmanne und verlangte, daß Armella in ihren Dienst trete. Die Mutter wollte sie freilich nicht fortlaffen, allein der Tochter zu Liebe gab sie doch nach und ließ Armella ziehen. Diese meinte, fie könnte jetzt fern von der Welt und ihren Verwandten, welche fie noch immer verheirathen wollten, Gott in aller Stille dienen; allein Gott fügte es anders. Armella war jetzt ungefähr 29 Jahre alt, als plötzlich die schwerste Prüfung über sie kam, die keine Feder zu beschreiben vermag und nur ein Mensch versteht, der diese Prüfung selbst durchgemacht. Armella war eine Jungfrau von der zartesten Gewissenhaftigkeit und der reinsten Unschuld, über jeden bösen Gedanken schrack sie schon zusammen. Nun aber ließ es Gott zu, daß sie der Satan mit den abscheulichsten Einbildungen und Vorspiegelungen Tag und Nacht peinigte, dabei aber entwich ihrem Herzen jede Lust zur Tugend und sie sah sich gänzlich von Gott verlassen. Was ihr noch blieb, das war eine große Furcht, Gott zu beleidigen und diese heilige Gottesfurcht wich niemals von ihr während der zwei Jahre, innerhalb welcher der gewaltige Kampf dauerte. Oftmals war dieser innere Kampf so heftig, daß sie das Haus verlassen und in's Freie eilen mußte, wo sie niedergeworfen zur Erde bitterlich weinte und wehklagte. Längere Zeit konnte sie sich auch ihrem geistlichen Vater nicht anvertrauen, nirgends fand sie Trost und Nath, bis zwei Monate vor dem Ende des Kampfes, wo ihr der Beichtvater sagte, daß sie nicht zagen sollte, denn Gott werde sie nicht verlassen und Alles zu ihrem Besten leiten. Und so geschah es auch. Als ste eines Tages in die heftigsten Klagen ausbrach und der Verzweiflung nahe war, da fand sie sich plötzlich vom äußersten Jammer in die größte Freude versetzt. Sie fühlte sich plötzlich wie von einer entsetzlichen Last befreit und sah zugleich die große Sorgfalt und Güte Gottes, mit der er immer bei ihr war, so daß sie vor lauter Liebe und Dankbarkeit zu sterben vermeinte. Jetzt aber war das Band zerrissen, das sie noch an die Geschöpfe jeffelte, fie gehörte ganz Gott an und lebte nur in ihm und für Die fromme Diensimago Armella. 229 ihn. Ihr Leib aber kränkelte von dieser Zeit an und ihre frühere Gesundheit war dahin; die heilige Gottesliebe, von der ihr Herz immer brannte, zehrte sie ganz ab. Drei Jahre nach dieser schrecklichen Prüfung blieb sie noch im Dienste ihrer Frau und verrichtete alle Geschäfte einer Magd mit der größten Sorgfalt; dann aber trat sie als Kostmagd in das Ursulinerkloster zu Vennes, wo sie die kleinen Mädchen, welche dort erzogen wurden, in Aufsicht nehmen mußte. Sowohl die Klosterfrauen als auch und besonders die Kinder hingen mit inniger Liebe an ihr und ehrten sie ungemein. Aber, eben diese Hochschätzung und die Ruhe, welche sie im Kloster hatte, gefielen ihr nicht. Ihr waren harte Arbeit und Verachtung lieber, auch erkannte sie durch eine innerliche Stimme, daß Gott sie an diesem Ort nicht haben wolle, und so kehrte sie denn wieder in ihren frühern Dienst zurück. Während sie nun dort das Hauswesen führte und äußerlich alle Arbeiten einer guten Dienstmagd mit der zartesten Treue und größtem Eifer verrichtete, lebte sie unbemerkt mit Jesus das verborgenste heiligste Leben. Sie war der Welt ganz erstorben und fühlte sich immer von der Gegenwart ihres göttlichen Bräutigams ergriffen, dessen Stimme sie immer in ihrem Innern vernahm, ja der ihr auch öfters erschien und ihr die zartesten Beweise seiner Liebe gab. Dieses innere, verborgene Leben unserer guten Armella ist gar schön ausgedrückt in den Worten, welche einst Jesus zu ihr sprach: Du sollst wie eine kleine Schnecke seyn, die immerdar, wo sie hingeht, ihr Haus und ihre Wohnung mit sich trägt und niemals herausgeht. Und wenn etwas auf sie fallet oder wenn sie irgendwo anstößt, so zieht sie sich dergestalt in ihr Haus zurück und verbirgt sich darin, daß man nichts als ihre Schale sieht, sie selber aber läßt sich nicht erblicken. Also will ich, daß mein Herz dein Haus, deine Wohnung, dein Zufluchtsort sei, daraus du nimmer gehen sollst. Ich will dich zu aller Zeit in mich verschließen und verbergen, damit nichts mehr von dir zu sehen sei, als ich selbst." Als die gute Armella 57 Jahre zählte, da erwies ihr der Herr noch eine besondere wunderbare Gnade. Sie sah sich nämlich im heiligsten Herzen Jesu wohnen in großer Liebe, Herrlich keit und Freiheit. Das Herz des Heilandes schien ihr so groß und weit, daß tausend Welten darin Platz gehabt hätten, so daß Alle, die darin wohnen wollten, der größten Freiheit und des herrlichsten Friedens genießen konnten. Allein die Thüre zu dieser göttlichen Herzenswohnung sah sie so klein und eng, daß gar wen ge den Eingang fanden, worüber sie voll Verwunderung ausrief: O meine Liebe! woher kommt es, daß dein Herz so groß und weit ist, wenn man darinnen wohnt und doch die Thüre, wodurch man eingeht, so klein und eng?" Da gab ihr 230 Die fromme Dienstmagd Armella. der Herr zu erkennen, daß Niemand eingehen könne in sein Herz, als kleine, nackte und einzelne Leute. Die Kleinen aber sind die, welche sich um Jesuwillen vom ganzen Herzen demüthigen und erniedrigen; denn wie kann wohl ein hochfahrender, von sich aufgeblasener Mensch durch die niedere, kleine Pforte gehen? Nackte Leute sind die, welche ihr Herz von dem Verlangen nach den Gütern und Bequemlichkeiten dieser Erde losgemacht haben; denn wie können Leute, welche mit Geld und Gut, mit Gold und Silber beladen und behangen sind, eingehen durch eine solche enge Thüre, es sei denn, daß sie die Last ablegen! Die Einzelnen sind die, welche der Liebe zu allen Kreaturen entsagt haben, denn die Liebe verbindet das Herz mit dem Geliebten. Wie aber können zwei aneinander gebundene Personen zugleich durch eine Thüre gehen, die nur für Eine und noch dazu ziemlich kleine Person gemacht ist?" Während auf solche Weise unsere gute Armella ein so gottinniges, innerliches Leben mit Jesus, ihrem Geliebten, führte und dabei, wie schon gesagt, das ganze Hauswesen leitete, geschah es, daß ihre Frau von einer langwierigen Krankheit befallen wurde. Tag und Nacht kam nun Armella nicht mehr von ihrem Bette; sie selbst war oft so krank, wie ihre Frau, aber dennoch strengte sie sich an, um ihrer Fran jeden Liebesdienst zu erweisen. Sie mußte jetzt viele heilige Uebungen, die sie sonst zu verrichten gewohnt war, unterlassen und that es mit Freuden, weil sie der Ueberzeugung war, daß die Uebung der Barmherzigkeit und Nächstenliebe um Jesuwillen die kostbarste Uebung sei. Dritthalb Jahre mußte Armella die kranke Frau warten und pflegen und während dieser Zeit ließ sie auch nicht das geringste Zeichen der Ungeduld merken. Bis zum Tode ihrer Frau harrte sie in treuer Sorgfalt und Liebe an ihrem Bette aus, obwohl schon altersschwach und selbst bis zum Tode ermattet. Armella war jetzt 60 Jahre alt und reif für den Himmel, aber noch war die Prüfung nicht für sie zu Ende. Einstmals ging fie unbehutsamer Weise auf der Strasse nahe bei einem Pferde vorüber; dasselbe schlug ihr ein Bein entzwei. Sogleich dankte ste Gott für die Schmerzen und ließ auch keinen Wehelaut vernehmen, als ihr das Bein eingerichtet und später mehrere Knochen herausgenommen wurden. Fünfzehn Monate lang konnte sie nicht gehen, denn auch der andere Fuß brach auf und eiterte. Die ganze Zeit lag fie im Bette oder auf einem Stuhle; nur an Sonn- und Festtagen trug man sie in die Kirche. Die übrige Zeit blieb sie in einem Winkel der Küche, um die Haushaltung zu leiten und etwas zum Nutzen des Hauses zu arbeiten, denn nie wollte sie müssig feyn. Viele Personen, hoch und niedrig, kamen, um sie zu besuchen, denn obwohl sie immer verborgen lebte, fannte man sie doch über Die fromme Dienstmagd Armella. 231 ,, Gute Ar antwortete all. Sie wollten an ihrem schönen Beispiele sich erbauen, ihre weisen und lieblichen Gespräche hören. Sie wußte gar so schön und süß von Gott und seiner Liebe zu reden. Nach und nach verlieh ihr Gott die Kraft, mit Hilfe von Krücken und zuletzt mit einem kleinen Stock zu gehen. Die Schmerzen aber blieben ihr bis zum Tode, ja sie vermehrten sich noch gegen das Ende ihres Lebens. Es befiel sie nämlich ein breitägiges Fieber, welches endlich in ein tägliches überging und sie an den Rand des Grabes brachte. Als die Tochter des Edelmannes, eine sehr verständige und tugendhafte Person, eines Tages zu ihr sagte: mella, diese Krankheit wird dich hinwegnehmen," sie: Noch nicht, das Werk ist nicht vollendet; ich werde noch viel zu leiden haben, worauf ich mich freue." Nun quälte sie das Fieber alle Nächte, so daß sie keinen Augenblick schlafen konnte. Armella, die ihren Tod nahen fühlte, empfing daher mit innigster Andacht die heiligen Sakramente, gab dem Herrn genaue Auskunft über das Hauswesen und erwartete mit Sehnsucht ihre Auflösung. Jetzt peinigte sie das Fieber fortwährend, ihr Hals entzündete sich und sie konnte ohne die größten Schmerzen keine Nahrung mehr zu sich nehmen. Wer sie besuchte, hatte das tiefste Mitleid mit ihr, sie aber bat, man möge dem Heiland für ihre Leiden Dank sagen. Ein Pater Jesuit sagte einstens zu ihr, er glaube nicht, daß sie schon sterben werde. Sie aber gab ihm gleich die Antwort: ,, Gott sei gelobt, mein Pater, so werde ich noch längere Zeit zu leiden haben." Kurz vor ihrem Ende empfing sie nochmal die heilige Kommunion mit größter Inbrunst, und mit dem Namen Jesus auf den Lippen verschied sie sanft im Herrn am 21. Oktober des Jahres 1671. Ihre geistlichen Führer, die sie mehr als dreißig Jahre sorgsam beobachteten, sagen von ihr, daß sie gewesen sei ein wahres Schauspiel und Marterbild der Liebe, ein Seraphim auf Erden. Ihr heiliger Leib ruht im Ursulinerkloster zu Bennes, von Gott durch Wunder verherrlicht. Vom täglichen Wandel vor Gott, nach dem Beispiele der guten Dienstmagd Armella. Wie die gute Armella, ein einfältiges Bauernmädchen, in dem niedrigen Stande einer Dienstmagd und die ganze Zeit ihres Lebens fortdauernd mit Arbeit überladen, dennoch eine solche Stufe der christlichen Vollkommenheit erreicht hat, das hat sie in aller Einfalt einer guten Freundin entdeckt, die sich von Gott angetrieben fühlte, ihren Lebenswandel aufzuzeichnen und der Nachwelt zu überliefern, daß auch andere sich daran 232 Die fromme Dienstmagd Armella. spiegeln möchten. Lies, christliche Seele, das, was ich hier getreulich niedergeschrieben, ein-, zwei- und dreimal durch, nimm es zu Herzen, drücke es deinem Gemüthe fest ein und handle darnach, es wird dich nicht gereuen! ,, Willst du wissen," so sprach eines Tages die gute Armella zu ihrer Freundin Johanna, einer frommen Ursuliner- Nonne, welches die Beschaffenheit meines Gemüthes unter der Arbeit gewesen, und wie ich meine Verrichtungen vollbracht habe, so müßte man zuvor erst die Liebe selbst fragen, denn durch die große Barmherzigkeit Gottes kannte ich niemals eine andere Kunst, als zu lieben. All mein Verlangen, all meine Absichten, all meine Uebungen, all meine Verrichtungen zielten auf die Liebe. Lieben wollte ich meinen Gott und in dieser Liebe immer mehr und mehr entbrennen. Sobald ich des Morgens erwachte, warf ich mich( im Geiste) in die Arme der göttlichen Liebe, wie ein Kind in die Arme des Vaters. Ich stund auf vom Bette, Ihm zu dienen und meine Arbeit zu verrichten, bloß daß ich Ihm gefallen möchte. Hatte ich Zeit zum Gebete, dann lag ich auf meinen Knieen in Seiner göttlichen Gegenwart, und redete zu Ihm, als wenn ich Ihn mit meinen leiblichen Augen vor mir gesehen hätte. Ich weihte mich Ihm und bat Jhn, Seinen Willen an mir zu erfüllen und nicht zuzugeben, daß ich Ihn des Tages über im Geringsten beleidige. Ich kleidete mich an in Seiner Gesellschaft und Er sagte mir, daß Seine Liebe mir die Kleider gebe. Wann ich darauf zur Arbeit ging, o da verließ Er mich und ich verließ Ihn auch nicht. Er arbeitete mit mir und ich mit Ihm. O wie war mir es da so süß und so leicht, all meine Mühe und Beschwerde in so lieber Gesellschaft zu tragen! ja, dieß gab mir so viel Kraft und solchen Muth, daß ich vermeinte, ich könnte alle Hausarbeit allein verrichten. Mein Leib arbeitete, mein Herz war bei Ihm. Es war mir, als hätte ich zwei besondere Augen und Ohren, ein rechtes und ein linkes. Das linke war auf die Haushaltung gerichtet, das rechte und mein ganzes Herz war stets befliffen, Den anzuschauen, der in meiner Gesellschaft zu seyn sich würdigte, und ich hörte dann im Grunde meines Herzens die Worte: Siehe zu, wie Sch's mache, so mache es auch du." Ich verrichtete jede Arbeit immer so, als ob ich gerade diese einzige allein zu verrichten hätte, ohne die geringste Uebereilung, und ward immer zur rechten Zeit fertig. War ich gesund, dann war es meine besondere Freude, alle Arbeit, die etwa verdrießlich oder geringfügig und schlecht war und deren man sich schämte, mit großem Eifer zu verrichten. Während der Die fromme Dienstmagd Armella. 233 Arbeit unterhielt ich mich stets mit meinem geliebten Jesus; ich ging stets mit Shm um, wie mit einem vertrauten Freund, und falls die Arbeit so beschaffen war, daß ich alle meine Gedanken zusammennehmen mußte, so hielt ich doch mein Herz zu Ihm gekehrt, und sobald ich fertig war, eilte ich gleich wieder zu Ihm, gerade wie eine Person, die Jemand heftig liebt und bei jedem Geschäfte wenigstens in Gedanken bei ihm ist. Jesus selbst hat es mich gelehrt: So lange ich Ihn ansehen, d. h. in Seiner Gegenwart wandeln würde, könnte ich Ihn nicht beleiIch erkannte dann digen und nicht aufhören, Ihn zu lieben. mein eigenes Nichts und fühlte, daß ich mich und alle Dinge vergessen, Jesum aber lieben und Ihm allein anhangen müßte. In all meinem Thun war mein stetes Absehen, nur Jesu zu gefallen und Ihn nicht zu beleidigen, und zwar aus reiner Liebe, nicht meines Nutzens oder Schadens wegen. Waren auch meine Geschäfte noch so viele und noch so anstrengend, und mußte ich dabei alle meine Gedanken zusammennehIch machte es wie eine Permen, so war ich doch bei Jesus. son, die mitten im Gespräche mit einem trauten Freunde von Sie kehrt dem Freunde nicht den Jemanden angeredet wird. Rücken, noch geht sie von ihm weg, sondern sie wendet ein wenig den Kopf, um die Person anzuhören, und kehret sich dann gleich wieder zu ihrem lieben Freunde, um mit ihm das Gespräch fortzusetzen. Jesus hat mich dies selbst gelehrt, indem Er einstmals diese Worte zu mir sprach: ,, Meine Tochter, so lange du mich wirst anschauen( d. h. in meiner Gegenwart wandeln), wirst du mich lieben; so lange du mich wirst anschauen, wirst du mir dienen; so lange du mich wirst anschauen, wirst du mir folgen; so lange du aber mich nicht anschauest, wirst du mir auch nicht folgen. Wenn ich des Morgens mit einem kleinen Fünklein Feuers eine große Glut anzündete, sagte ich: ,, Ach, meine Liebe, wenn dich doch jede Seele gleiches thun ließe, wie bald würde sie von Liebe zu dir glühen!" Wenn ich Fleisch geschlachteter Thiere zerschnitt und zum Kochen bereitete, dann däuchte mir, ich hörte meinen Jesus sagen, daß Er den Tod für mich gelitten, um mich zu nähren und die Speise meiner Seele zu seyn." Wann ich Speise und Trank zu mir nahm, da däuchte mir, es feien alle Bissen, die ich genoß, eingetaucht in Jesu heiligstes Blut und Er selbst reiche sie mir zur Nahrung. Keine Kreatur war so klein und geringfügig, die mich nicht zu Gott geführt und erhoben hätte, und 234 Die fromme Dienstmagd Armella. ich mußte oft laut ausrufen: O meine Liebe und mein Alles! wenn kein einziger Mensch auf der Welt wäre, der mir sagen möchte, daß man Dich lieben müße, so lehren es mich die Thiere und andere Kreaturen zur Genüge." Wenn ich daher einen armen Hund ansah, der seinen Herrn nicht verlasset, der ihm so treu folget und um jedes Bisfen Brodes willen ihn liebkoset, o wie war mir dieses eine eindringliche Lehre, Gleiches gegen meinen Gott zu thun, der mich durch so viele Gutthaten zu Seinem Dienste verbunden hat. Wenn ich auf dem Felde die kleinen Lämmer sah, die so sanft und friedfertig sind, die sich scheeren und schlachten lassen, ohne zu blöcken, so stellte ich mir meinen Jesus vor, der sich zur Schlachtbank des Kreuzes führen ließ, ohne den Mund aufzuthun, und mich lehrte, Shm nachzufolgen und jede Beschwerde, jedes Leid hinzunehmen wie Er. Wenn ich die kleinen Küchlein unter die Flügel ihrer Mutter eilen sah, fiel mir augenblicklich ein, daß mein Jesus sich mit der Henne verglichen, damit er mir Vertrauen einflößen und mich lehren möchte, unter die Flügel Seiner göttlichen Vorsehung zu flüchten, um den Klauen des Teufels zu entgehen. Schaute ich die schönen Fluren und Auen, wie sie mit zartem Grün überzogen und mit lieblichen Blumen geschmückt sind, so sagte ich zu mir: ,, Mein Geliebter ist eine Blume zu Saron, wie eine Lilie im Thale, wie eine Rose unter den Dornen," und bat ihn, er möchte meine Seele zu Seinem Lustgarten machen und ihn wohl verschließen und versiegeln, damit Niemand, außer Ihm, ein- und ausgehe. Wenn ich betrachtete, wie die Bäumchen sich biegen und beugen nach allen Bewegungen des Windes und das große Meer seine Ufer nie überschreite, dann rief ich aus: O mein Gott, warum bin ich denn nicht ebenso willig und bereit, mich von jeder Anregung und Bewegung des göttlichen Geistes lenken und leiten zu lassen. O gib doch, daß ich die Schranken deines anbetungswürdigen Willens nie übertrete!" Die Fische, so im Wasser schwammen und sich darin erluftigten, lehrten mich, daß ich mich gleichergestalt in meine göttliche Liebe versenken und darinen mich ergötzen möge. Wenn ich die Necker bebauen und besäen sah, so däuchte mich, ich sähe meinen Heiland, wie er die ganze Zeit seines Lebens so viel Mühe getragen und Schweiß vergossen hat, um in unsere Seelen den Samen seiner himmlischen Lehre und göttlichen Liebe einzusäen, und wie wenige Seelen es gibt, die gute Früchte bringen. Dieß verursachte mir unsäglichen Schmerz. Die fromme Dienstmagd Armella. 235 Wenn ich zur Zeit der Ernte den Weizen und das Unkraut absondern sah, dann dachte ich an das Gericht des Herrn und die Scheidung der Gerechten und Sünder. So gab mir jede Kreatur Unterricht und von jeder lernte ich etwas Gutes, so daß ich oft ausrief: O meine Liebe! wie gut hast Du meiner Unwissenheit abgeholfen; denn da ich weder lesen noch schreiben kann, so hast Du mir große Buchstaben zur Unterweisung vorgelegt. Die darf ich nur ansehen, um zu lernen, wie liebenswürdig Du bist." Aber nicht bloß unterwiesen mich die Kreaturen, sondern ich sah auch in ihnen, wie die unendliche Gütte Gottes sie alle zu meinem Dienste erschaffen hat und durch sie mir so viel des Guten erweiset. Darum schrieb ich Ihm auch Alles zu, mir ein Mensch oder eine Kreatur Gutes erwies, das, dachte ich, komme von meinem Geliebten, der mir solches durch sie thut. was Solcher Gestalt ging der ganze Tag vorüber und es gab feinen Augenblick, wo ich nicht neue Ursache fand, meinen Gott zu lieben, und Alles, was ich sah oder that, führte mich zu Ihm. Wenn des Tages über während der anhaltenden Arbeiten mein Leib einige Beschwerde empfand und der Ruhe sich überlassen oder der Verdrießlichkeit sich zuneigen wollte, dann mahnte mich sogleich meine göttliche Liebe, diese Aufwallungen der Natur zu ersticken. Und wollte ich plötzlich in Zorn oder Ungeduld ausbrechen, dann sagte ich alsbald zu mir:„ Wie solltest du solches thun vor den Augen und in Gegenwart deines Geliebten, der dich unaufhörlich ansieht. O davor mußt du dich wohl hüten!" Beging ich aber doch manchmal einen Fehler, o da konnte ich nicht leben, bis ich Vergebung erhalten und wieder Friede zwischen mir und meinem Gott gemacht war. Ich weinte zu feinen heiligen Füßen; ich erzählte Ihm meine Fehler, gleich als ob Er sie nicht gesehen hätte; ich bekannte Ihm meine Schwachheit und konnte nicht eher von der Stelle gehen, bis Er mir verziehen hatte und die Freundschaft wieder bekräftigt war und zwar viel stärker als jemals, welches auch durch Seine große Güte und Barmherzigkeit jedesmal geschah, so oft ich in einen Fehler gerathen war, und ich dadurch immer mehr in Liebe zu Ihm entbrannte." Dieses kindliche Vertrauen auf die unendliche Güte Gottes hätte sie gerne in die Herzen aller Kleinmüthigen eingedrückt. Oft konnte sie vor lauter Bewunderung über diese Güte des Herrn nur ausrufen: ,, O Vertrauen, o unendliches Vertrauen auf eine unendliche Güte, welche die, so auf sie hoffen, nie verläßt!" Wenn ihr bisweilen ein unnützes Wort aus Uebereilung entfuhr, dann gab ihr eine innere Stimme zu verstehen: ,, Deine Bunge ist geheiliget und dem Herrn zum Dienste gewidmet;" 236 Die fromme Dienstmagd Armella. oder sie vernahm die Worte: ,, Lieben ist besser als reden." Daher sie denn auch wenig redete und gerne das Stillschweigen beobachtete. So oft ihr ein Ungemach begegnete, irgend eine Verleumdung ihr wehe that oder Versuchung und leichtfertige Tücke sie verfolgten: dann wandte ich mich, dieß sind ihre eigenen Worte, zu meiner göttlichen Liebe, zu Jesus, der seine heiligen Arme gegen mich ausstreckte und mir sein Herz und seine offenen Wunden zeigte, auf daß ich mich darin verberge. Und ich begab mich da hinein als in meine feste Burg und daselbst war ich viel stärker als die ganze Hölle." Begegnete ihr ein Leid, so führte sie stets die Worte im Munde: ,, Gott sei gelobet: man muß Geduld haben." Sie litt an einem heftigen Schmerze am Nückgrate, der sie nie verließ und der so groß war, daß sie sich nicht biegen konnte, ohne die größte Pein zu dulden. Aber gerade dieser Schmerz war ihr am liebsten, weil, wie sie sagte, mein Gott und Geliebter, da er sein Kreuz trug, eben diesen Schmerz für mich getragen." Sie litt auch öfters an den heftigsten Kolikschmerzen, und gerade dann, wenn der Schmerz den höchsten Grad erreicht hatte, führte fie die Worte im Munde: ,, Es leben Jesus und seine Schmerzen!" Alle Menschen nannte sie Brüder und Schwestern und ihr einziges Verlangen war, daß sie alle selig würden. Sie konnte Niemanden feind sein; diejenigen, welche ihr wehe thaten, hatte sie am liebsten, und sie gestand selbst, daß diejenigen, welche ihr Böses thun, an ihrer Liebe und ihrem Gebete den meisten Theil hätten. In all ihren Uebungen und Verrichtungen beobachtete ste die höchste Treue; über Alles rühmte sie die Tugend der Treue und sechs bis sieben Jahre lang führte sie immer diese Worte im Munde: Laßt uns treu seyn, ja laßt uns Gott getreu seyn! denn die Treue vereiniget uns mit Gott, die Untreue aber scheidet uns von ihm." Und wenn man sie fragte, wie man Gott dienen müsse, so antwortete sie allzeit: ,, Dazu ist kein anderer Weg als die Treue, welche sich über alle Dinge, große und kleine, auch die geringsten, erstrecken muß." Treu seyn aber heißt wie mich das Gott selbst gelehrt hat, wenn man alle Dinge, die kleinen sowohl als die großen, vollkommen thut, d. h. wie und warum und weil sie Gott haben will. Denn, fuhr sie fort, oft geschieht es, daß die Gnade, welche anfangs angeboten wird, um die Sache zu vollbringen, hernach gar versagt wird. Verspart man etwas auf den andern Tag, so ist das ein Anzeichen von einer schlechten Liebe. Denn wenn die Liebe rechtschaffen und groß ist, dann kann sie nicht ruhen, bis sie das erfüllt hat, was der Geliebte gethan haben will. - Die fromme Dienstmagd Armella. 237 Deßwegen gelangen so Wenige zur Vollkommenheit, weil sie sich scheuen, sich ein wenig Gewalt anzuthun. So verschieben sie denn die Sache immer auf eine andere Zeit und sagen: Morgen, morgen wollen wir es thun, und niemals kommt dieser Morgen. Denn je länger sie in ihren Gewohnheiten bleiben, desto weniger Kraft haben sie, ihnen zu widerstehen, und Gott, der ihre Untreue sieht, verläßt sie und weicht gänzlich von ihnen. Also, sagte sie, brachte ich meine Tage, die Werk- und Feiertage zu. An den letzteren hatte ich oft mehr zu arbeiten als an den andern; aber das hinderte mich nicht, denn es galt mir Alles gleich, Arbeit und Ruhe, leichte und schwere Dinge, alles war mir gleich, weil ich nicht so fast sah auf das, was ich zu thun hatte, als auf den, um dessentwillen ich es that.. War nun der Abend gekommen, wo Alles sich zur Ruhe begibt, o da war meine Ruhe nirgends anders als in den Armen der göttlichen Liebe; da schlief ich auf ihrer heiligen Brust, wie Und ich schlief ein, fage ein Kind an der Brust der Mutter. ich, doch so, daß ich in der Liebe und im Lobe meines Gottes fortfuhr, bis mich der Schlaf überwand. Mehrentheils aber ließ mich das Andenken an meinen geliebten Jesus und die Liebe zu Shm nicht schlafen und ich durchwachte den größten Theil der Nächte, immer Jesus vor Augen, immer Ihn liebend, lobend und preisend! Sehet da, fährt die gute Armella fort, sehet da, das ist das Leben einer armen Dienstmagd, seitdem es der göttlichen Liebe gefallen hat, dieselbe zu führen. Sehet, wie sie mich aus meinem Elende gezogen, nämlich aus meinen Sünden und meiner Unwissenheit, und aus mir gemacht hat in unendlicher Erbarmung, was ich jetzt bin. Sehet, das ist mein Lebenswandel, den ich zwanzig Jahre geführt. Und so man mich fraget: Was machest du jeden Augenblick des Tages und womit bist du beschäftiget? so kann ich nichts anders antworten, als dieses: Ich liebe, ich Mit liebe inbrünstig." Dieses ist Alles, was ich thun fann. diesen wenigen Worten erzähle ich mein ganzes Leben, denn es war nichts anderes als eine immerwährende Liebe und stete Dankbarkeit für alle Güte und Barmherzigkeit Gottes gegen mich. Sehet, dieß ist mein Gebet, meine Arbeti und mein Leben!" My 2. Die heilige Nothburga, Dienstmagd. 11830 ie Ermahnungen, welche der heilige Apostel Paulus den christlichen Dienstboten gibt, hat die heilige Nothburga auf das treueste befolgt, und dadurch über sich und ihre Herrschaft den reichsten Segen Gottes herabgerufen. O, daß es doch lauter solche Dienstboten geben möchte! Sie wurde im Jahre Christi 1266 zu Nottenburg geboren, einem Dorfe, welches zu dem herrschaftlichen Schloße gleichen Namens gehört und im Unterinnthale des Landes Tyrol, in der Nähe des Städtchens Rattenburg liegt. Ihre Eltern waren Grundholden des Schloßherrn, vom gemeinen Stande, aber fromm und gottesfürchtig. Durch Wort und Beispiel führten sie auch ihre Tochter auf den Weg zur Gottseligkeit und hielten sie, besonders schon frühzeitig, zur Arbeitsamkeit an. Oft sagte der Vater zur Mutter:" Das Kind kann uns freilich wenig helfen, aber es ist Gewinn genug, wenn es sich an Fleiß und Arbeitsamkeit gewöhnt." Wie wenig befolgen dies die Eltern heut zu Tage! Sie laffen ihre Kinder müssig herumlaufen und vor lauter Zärtlichteit gegen dieselben plagen sie sich Tag und Nacht, damit nur den Kindern nicht zu wehe geschieht. Auf solche Weise gewöhnen die Kinder keine Arbeit und werden Taugenichtse! Hielten aber die frommen Eltern ihr Kind zur Arbeit an, so vergassen sie nicht, daß dasselbe eine unsterbliche Seele hat, und ein Engel des Himmels werden sollte. Oft und oft mahnte die gute Mutter Nothburga, daß sie den Vater im Himmel über Alles lieben, ihn nicht vergessen und recht fest auf ihn Die fromme Dienstmagd Nothburga. 239 " 1 vertrauen solle. Um ihr zu zeigen, wie sie immer an Gottdenken könne, benützte sie allerlei Anlässe. So, wenn die Sonne in die Stube hinein schien, sagte sie:„ Sieh, mein Kind! so schaut Gott vom Himmel herab in unsere Herzen und weiß Alles, was wir denken." Oder wenn sie auf der Wiese mit ihr arbeitete, sagte sie:„ Sieh Nothburga, wie die Blumen zur Sonne hinaufschauen, so mußt auch du immer auf Gott sehen und dein Herz im Gebete zu ihm erheben." Wenn die Vögel in der Frühe sangen, sprach ste:„ Siehe, wie die Vögelein ihren Schöpfer loben und preisen, so sollst auch du in dieses Lob einstimmen." Wenn sie mit der Sichel das Gras abschnitt, sprach fie: Einst werden wir auch von der Sichel des Todes hinweggemäht wie die Wiesenblumen, vergiß nicht den Tod, der bald kommt, sei fromm und blühe rein und schön wie die Blumen, damit du nach dem Tode ewig blühest im himmlischen Paradiese." Mit diesen und ähnlichen Worten richtete die fluge Mutter das Herz ihrer Tochter auf Gott, und zog es hinweg von den vergänglichen Dingen. Und damit sie von bösen Kindern nicht verdorben werde, ließ sie selbe nicht mit ihnen umgehen, und hielt sie besonders von Mädchen ferne, die putsüchtig waren und den Tanz liebten: denn Kleiderpracht und Tanz sind der Untergang der meisten Mädchen! Nothburga bekam nur einfache Kleider, die für ihren Stand.paßten, aber immer mußte sie reinlich einhergehen, deßwegen sie ihr auch flicken und nähen lernte. Jetzt können sich viele Mädchen vor dem Spiegel drehen, ihr Haar flechten und sich schön und nett kleiden, aber mit dem Besen und der Nadel können sie nicht umgehen. Was wird aus solchen Mädchen werden? Sie taugen zu nichts, und machen sich und andere unglücklich! Da Nothburga in allen häuslichen Arbeiten gut unterrichtet war, und gerne arbeitete, so konnte sie schon mit 18 Jahren als Köchin in den Dienst bei der Herrschaft im Schloße Rottenburg treten. Mit aller Bescheidenheit, emsigem Fleiß und steter Treue verrichtete sie ihre Geschäfte; immer war sie züchtig und eingezogen, niemals sah man sie mürrisch, willig that sie alles, und voll herzlicher Liebe war sie gegen ihre Mitdienstboten. Sie wurde daher auch von ihrer Herrschaft so sehr geachtet, daß man ihr das ganze Hauswesen anvertraute. Der Herr des Schlosses war damals Heinrich von Rottenburg, die Frau hieß Gutta. Beide waren schon alt und hatten zwei Söhne. Der eine, der ebenfalls Heinrich hieß, war schon mit einer gewiffen Ottilia verheirathet, und war Erbe des Schloßes und der Herrschaft Rottenburg. sein Bruder hieß Siegfried. 1 240 Die fromme Dienstmagd Nothburga. Die alten Eltern empfahlen ihm die fromme Magd Nothburga auf das angelegenste als ein Muster eines treuen, gottesfürchtigen Dienstboten. Rechtschaffene Dienstboten sind wirklich ein großer Schatz in einem Hause. Als der fromme Patriarch Jakob dem Laban als Knecht diente, segnete ihn Gott und sein ganzes Haus um dieses frommen Mannes willen. So segnete auch Gott das Schloß und die Herrschaft um der frommen Magd Nothburga willen. Und die alte Herrschaft erkannte dieß auch, und ließ Nothburga schalten und walten, weil sie wußte, daß sie sich auf die treue Magd verlassen durfte. Nothburga hatte ein sehr mitleidiges Herz gegen die Armen; sie sparte sich Manches vom Munde, um es ihnen mitzutheilen. Die alte Herrschaft war auch recht mildthätig und erlaubte der Nothburga, Alles, was von der Herrschaftstafel übrig blieb, den Armen auszutheilen. Aber die junge Frau Ottilia hatte ein hartes Herz; sie sah oft mit neidischen Augen auf die Gaben, welche Nothburga den Armen reichte, und hätte gerne hierin eine Aenderung gemacht, allein sie scheute die alten Schwiegereltern. Kaum aber hatten diese die Augen zugemacht, als sie sogleich der Nothburga den Auftrag gab, die übriggebliebenen Speisen nicht mehr den Armen, sondern den Schwei nen zu geben. Dies war ein harter Schlag für das milde Herz oer frommen Magd, allein sie gehorchte, aß aber dafür alle Freitag trockenes Brod, trank nur Waffer und trug ihren Antheil an der Speise den Armen heimlich zu. Als aber die habfüchtige Schloßfrau dies bemerkte, wurde sie auch darüber unwillig und oerklagte daher die fromme Magd bei ihrem Gemahle Heinrich, samit er ihr solches untersage. Denn", sprach sie, durch das Gefindel", so nannte sie die Armen, könnte allerlei Ulebel in das Schloß kommen." - Wie blind, wie hartherzig macht doch die Habsucht den Menschen! Diese Frau sah nicht ein, daß man durch Almosen icht arm, sondern reich wird, und wie die Schrift sagt, dadurch vem Herrn selbst auf Wucher leiht, und daß man das, was man den Armen thut, Christo, dem Herrn selbst thut! Doch Heinrich, ihr Gemahl, war nicht so hart; er erinnerte offich, daß seine frommen Eltern ihm die Nothburga nicht ohne Ursache so empfohlen haben und störte sie daher nicht in ihrem Liebeswerke. Er wollte sich aber doch überzeugen, was seine Magd alle Freitage aus dem Schlosse trage und lauerte ihr daher auf. Er sah nun, wie sie in ihrem Fürtuche ihr vom Mittagsmahle abgespartes Effen nebst einem Krüglein mit Wein forttrug, um es den Armen zu reichen, denn im Schlosse Die fromm: Dienstmagd Nothburga. 241 durfte sich kein Armer mehr sehen lassen. Heinrich trat ihr in den Weg und fragte sie mit rauher Stimme, was sie da trage. Dech Nothburga, die sich keines Unrechts bewußt war, öffnete ohne Scheu das Fürtuch und das Krüglein, zeigte ihm die Speise und den Wein, und bekannte, was an der Sache sei. Allein Heinrich sah zu seiner Verwunderung statt Speisen Hobelspäne und statt Wein Lauge. Statt aber Nothburga, die selbst nicht wußte, was dies sei, weiter zu fragen, faßte er gewaltigen Zorn, eilte zu seiner Frau, erzählte ihr das Vorgefallene, und ließ ihr die Freiheit mit Nothburga zu thun, was fie wolle. einen Diese ließ sogleich die Magd rufen und ohne ihre Entschuldigung anzuhören, schalt sie dieselbe eine Heuchlerin und Betrügerin, und befahl ihr sogleich, ihren Bündel zu schnüren und das Schloß zu verlaffen. Nothburga entfernte sich, den Blick zum Himmel gerichtet. Ohne ein Wort auf die Lästerung zu sagen, ging sie auf ihre Kammer, schnürte ihren Bündel und war eben im Begriffe das Schloß zu verlassen, als sie hörte, daß die Schloßfrau plötzlich krank geworden sei. Sogleich legte Nothburga ihren Bündel nieder und eilte voll Mitleid in das Gemach ihrer Frau, um ihr beizuspringen. Sie hegte nicht den mindesten Groll in ihrem Herzen; es war ihr genug zu wissen, daß Ottilia frank sei, um ihr Alles zu thun, was sie ihr nur in den Augen ansehen konnte. Tag und Nacht wachte sie am Bette der Kranken, mit liebender Sorgfalt diente sie ihr, und wenn sie einen Augenblick Ruhe hatte, kniete sie sich nieder und flehte zu Gott, er möge der Frau die Gesundheit wieder verleihen, oder, wenn sie sterben sollte, ihr die Hartherzigkeit gegen die Armen verzeihen und ihre Seele gnädig aufnehmen. Nach längerem Leiden starb die Frau und Nothburga glaubte nun für ihr Seelenheil beffer zu sorgen, wenn sie das Schloß verlasse und anderweitig einen Dienst suche. Sie durfte nicht lange fragen, denn mehrere Frauen, welche sie kannten, hätten sie gerne aufgenommen; allein theils aus Demuth, theils auch um dem Gottesdienste und ihrer geheren Andacht beffer abwarten zu können, trat sie bei einem auer in Dienst, der sie mit Freuden aufnahm. Arbeitsame, treue und gottesfürchtige Dienstboten finden immer ein Unterkommen. Es klagen jetzt manche junge Leute, daß sie keine Arbeit firben; allein die Ursache läßt sich leicht erklären. Sie mögen nicht fleißig arbeiten, sind zu sehr an ein weichliches, ausschweifendes Leben gewohnt, wollen nicht zu Hause bleiben, sind widerspenstig, mürrisch und gottvergeffen, und werden daher auch von rechtschaffenen Herrschaften mit Recht abgewiesen und fortgejagt. Wer alle seine Pflichten als Jungfrauenbuch. 16 Die fromme Dienstmagd Nothburga. Dienstbot treu erfüllt, wird nicht verschmäht, sondern sogar gesucht, wie dies auch bei der Nothburga der Fall war. Als sie bei dem Bauern in Dienst trat, versprach sie ihm treu zu dienen, dingte sich aber besonders aus, daß sie an den Feierabenden, sobald hiezu das Glockenzeichen gegeben würde, ungehindert ihren Andachtsübungen obliegen dürfe. Der Bauer ging darauf ein und Nothburga machte sich nun mit allem Fleiße an die Arbeit. Der Ort, wo der Bauernhof lag, heißt jetzt noch wie damals Eben und befand sich einsam zwischen Bergen im Thale. Nicht weit vom Hofe war eine Kapelle zu Ehren des heiligen Rupert, wo Nothburga gerne weilte und besonders an Feierabenden ihre Andacht verrichtete. 242 Während andere Dienstboten in den Freistunden dem Müssiggang sich überließen, den sündhaften Gelegenheiten nachgingen, den verderblichen Bekanntschaften Zeit und Seele opferten und bis in die sinkende Nacht herumschwärmten, lag Nothburga auf den Knieen in der Kapelle und betete. Darum war auch ihr Herz voll Frieden und der liebe Gott versüßte ihr die Stunden, welche sie im Umgange mit ihm zubrachte, mit unnennbarer Freude. Auch der Bauer schätzte Nothburga sehr, denn sie war immer willig und sah auf seine Sache, wie auf ihre eigene. Besonders liebten sie die Kinder des Hauses. Sie that sehr freundlich mit ihnen, betete mit ihnen, erzählte ihnen rührende Geschichten von den Heiligen und hielt sie von bösen Dingen zurück, wo sie konnte. Die Bäuerin sagte öfters: ,, Wenn unsere Nothburga betet, meint man einen Engel mit Gott reden zu sehen." An einem Samstage zur Erntezeit hörte Nothburga die Glocke Feierabend läuten. Nach ihrer Gewohnheit wollte fie die Arbeit enden, aber der Bauer verlangte, daß sie auf dem Felde bleibe und fortarbeite. Da erhob Nothburga ihre Augen zum Himmel und sprach zu dem Bauern: Gott sei Richter zwischen mir und dir. Ist meine Bedingung, an Feierabenden Gott zu dienen, nicht unrecht, so wird es die Sichel zeigen." Mit diesen Worten hielt sie die Sichel empor, ließ sie los und siehe da, die Sichel blieb frei in der Luft schweben, zum Zeichen, daß es Zeit sei, Feierabend zu machen. Wie es bei diesem wunderbaren Schauspiele Allen zu Muthe war, läßt sich leicht denken. Der Bauer ließ auf der Stelle die Arbeit enden und ging mit Nothburga und den übrigen Dienstboten still nach Hause. Das Wunder aber blieb nicht verborgen; noch selben Abend erfuhr es die ganze Umgegend und Nothburga mußte mit Schmerz sehen, wie man sie wie eine Heilige verehrte. Sie aber ließ sich nichts merken, arbeitete fleißig fort und demüthigte sich nur noch mehr vor Gott und ihren Mitmenschen. 243 Die fromme Dienstmagd Nothburga. Mittlerweile hatte der gerechte Gott auch auf dem Schloffe Rottenburg eingekehrt. Mit Nothburga war aller Segen davon gewichen. Unglück folgte auf Unglück. Dazu kam noch, daß im Kriege, der ausgebrochen war, die Güter und Schlöffer des Grafen Heinrich so hart mitgenommen wurden, daß sein bisheriger Wohlstand zu wanken anfing. Graf Heinrich mußte dies als Strafe des Himmels erkennen und dadurch gemahnt werden, wie gesegnet er gewesen, als die fromme Magd in seinem Hause weilte. Er faßte also den Entschluß, diese Dienerin und Freundin Gottes einzuladen, wieder in seinen Dienst zu treten. Unter dem Vorwande der Jagd ging er nach Eben in den Bauernhof, ließ Nothburga rufen und sprach zu ihr: „ Meine Eltern haben mir auf dem Todbette noch an's Herz Leider gelegt, daß ich dich lieben soll wie meine Schwester. habe ich ihrer Worte vergessen. Aber ich habe nicht aufgehört, an dich zu denken, komme wieder nach Nottenburg und mache mir eine treue Haushälterin. Du sollst von nun an eine Mutter der Armen seyn, was ich habe, sei dein, auf daß du Armen nach deiner Liebe mittheilen kannst." Nothburga willigte ein, denn sie hatte ihre erste Herrschaft nicht vergessen. Als aber der Bauer und seine Familie hörte, daß Nothburga sie verlaffen wolle, da entstand ein großes Wehklagen im ganzen Hause. Die Kinder wollten sich gar nicht trösten lassen. Lange schauten sie ihr weinend nach, als sie mit dem Grafen gen Rottenburg zog. War aber große Trauer im Bauernhofe, so gab es dagegen große Freude im Schloffe und der ganzen UmAuch Heinrich gegend unter den Armen und Nothleidenden. freute sich, als er die fromme Dienerin wieder unter seinem Dache hatte. Bald kehrte der Segen Gottes sichtbar wieder bei ihm ein; seine Felder trugen wieder reichliche Früchte, sein Viehstand mehrte sich und in Kurzem war er einer der wohlhabensten Nitter der Gegend. In fünf Jahren stieg sein Vermögen zu solcher Höhe, wie noch nie in Rottenburg gewesen. Noch 19 Jahre diente Nothburga im Schloffe; reichlich floß das Almosen durch ihre Hände in den Schooß der Armen; aber je mehr sie gab, desto reicher wurde ter Segen Gottes. Groß war das Ansehen, welches sie im Schlosse genoß, aber sie blieb immer die bescheidene Dienstmagd, arbeitsam, gehorsam, liebreich gegen alle. Die härtesten Arbeiten verrichtete sie am Liebsten, um sich abzutödten und die Reinigkeit des Herzens zu bewahren. Wie zuvor fastete sie wieder und gab, was sie erübrigte, den Armen. So lebte fie ein stilles in Christo verbergenes Leben bis zu ihrem 47. Jahre, wo sie endlich reich an Verdiensten selig im Herrn entschlief am 14. September 1813. 16* Die fromme Dienstmagd Nothburga. Ihr Leichnam wurde nach Eben gebracht und in der Nupertikapelle, wo sie so viel betete, beigesetzt. Jetzt erhebt sich über ihrem Grabe eine schöne Kirche und die Heilige wird unter den Ihr ehemaliger Patronen des Bisthums besonders verehrt. Herr, Graf Heinrich, ließ die Kammer, in welcher sie starb, in eine Kapelle verwandeln. 244 Die heilige Nothburga wird abgebildet, in ländlicher Tracht, neben sich eine Sichel in der Luft schwebend. Guter Rath für Dienstboten. Dienen ist allerdings hart, absonderlich, wenn die Herrschaft unchristlich und deßhalb auch hart und lieblos ist. Aber dennoch gibt es keinen Stand auf Erden, wo man leichter in den Himmel kommen kann, als den Dienstbotenstand. Der Dienstbote, Geselle, Knecht und Magd haben nur ihre eigene einzige Seele einst zu verantworten, während die Herrschaften, weltlichen und geistlichen Vorgesetzten auch noch über die Seelen ihrer Untergebenen Rechenschaft abgeben müssen. Schon dieser Gedanke kann die Dienstboten trösten und mit ihrem Stande aussöhnen. Nebstdem ist der Dienstbote frei von vielen Sorgen. Wenn er seine Arbeit treu und fleißig thut, und willig gehorsamt, so erhält er seinen Lohn und seine Kost, während die Er fann ruhig Herrschaft sich viel darum kümmern muß. schlafen, während oft Frau und Herr noch wacht. Doch abge= sehen von diesem, gibt es nicht leicht einen Stand, wo man leichter sich Verdienste sammeln könnte. Der Dienstbote kann sich Christo dem Herrn und der seligsten Jungfrau ohne große Anstrengung gleichförmig machen. Christus wollte dienen und nicht herrschen; er nahm daher Knechtsgestalt an und erniedrigte sich wie ein Knecht. Auch Maria nannte sich eine Magd des Herrn und obwohl vom königl. Stamme und Mutter Gottes diente fie doch Elisabeth, ihrer Base, längere Zeit. Ein Dienstbote foll also denken: Ich diene mit und für meinen Jesus. Er soll sich vorstellen, als sei sein Herr Jesus selbst, und seine Frau sei Maria, und was der Herr und die Frau verlangt, das verlange Jesus und Maria, und was er dem Herrn und der Frau thut, das thue er Jesus und Maria. Diese Liebe zu Jesus und Maria würde ihm das Dienen leicht und verdienstlich machen. Und wenn die Herrschaft hart, genau oder geizig ist, wenn sie den Dienstboten lieblos behandelt, fo wäre gewiß gut, wenn der Dienstbote sich mit Jesus vereinigte und bedächte, wie hart, wie lieblos der Heiland behandelt wurde, wie man all sein Thun und Laffen falsch auslegte, wie man ihn schmähte und verachtete, und wie Jesus dabe. Die heilige Jungfrau Lidwina. 245 schwieg und alles Leid dem himmlischen Vater aufopferte. Drei Worte soll sich besonders jeder Dienstbote merken: sie wären Stufen für ihn in den Himmel. Diese Worte heißen: Arbeiten, Leiden und Schweigen aus Liebe zu Jesus! Die heilige Nothburga hat diese Worte befolgt, nun ist der Himmel ihr Lohn! Gebet. Liebe heilige Nothburga, du trene Dienerin des Herrn und Spiegel aller Dienstboten! bitte bei Jesus unserm Herrn, daß er allen Herrschaften ein liebevolles, natürliches Herz, ben Dienstboten aber eine rechte Erkenntniß der Pflichten ihres Standes und guten starken Willen verleihen möge, fie zu erfüllen. Amen. 188 3. Die heilige Jungfrau Lidwina, eine geduldige Nachfolgerin ihres gekreuzigten Bräutigams. M) er mir nachkommen will, der verläugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Luk. 9, 23. Diese Worte des göttlichen Heilands hat unter vielen anderu frommen Seelen auch die heilige Lidwina treulich befolgt. Sie ließ das Kreuz, welches ihr Jesus dargeboten hatte, nicht liegen, sondern nahm es freudig auf ihre Schultern und trug es ihm nach in aller Geduld und Ergebung bis an ihr seliges Ende. Geboren wurde diese schmerzenreiche Jungfrau zu Schiedam, einer Stadt in Holland, im Jahre des Heiles 1380 am 18. März. In der heiligen Taufe erhielt sie den Namen Lidwina, der so viel als die vor Leid Weinende" heißt. Ihr Vater, obwohl vom hohen Adel, war durch Gottes Anordnung so weit herabgekommen, daß er Nachtwächter der Stadt werden mußte, um sich und seine Familie ehrlich fortbringen zu können. Ihre Mutter PeSie gebar tronilla war eine gottesfürchtige häusliche Frau. ihrem Manne acht Kinder, unter denen Lidwina das fünfte war. Lidwina war schon in ihrem zarten Kindesalter recht willig, eingezogen und gottesfürchtig. Im siebenten Jahre faßte sie eine gar innige Andacht und Liebe zur seligsten Jungfrau Maria, deren Bildniß, schön gemalt, in der Kirche ihres Geburtsortes besonders verehrt wurde; wenn sie ihren Brüdern das Essen in die Schule tragen mußte, so besuchte sie auf dem Heimwege immer dieses Muttergottesbild und betete andächtig ein Ave 246 Die heilige Jungfran Lidwina. Maria. Einmal blieb fie länger als gewöhnlich aus und wurde deshalb von der Mutter ausgezankt. Lidwina aber antwortete ganz treuherzig, daß sie Maria in der Kirche besucht und begrüßt, die heilige Jungfrau aber sie gar lieblich angelächelt habe. Damit gab sich die fromme Mutter zufrieden. Lidwina wuchs nun zur Jungfrau heran und war so anmuthig und liebenswürdig, daß sie schon in ihrem zwölften Jahre von mehreren Jünglingen zur Ehe begehrt wurde. Dem Vater wäre dies ganz recht gewesen, die Mutter aber gab es nicht zu und auch Lidwina hatte durchans keine Lust. Wenn ich solchen Anträgen, sprach sie zum Bater, nicht ausweichen kann, so werde ich mich so behandeln, daß mich Reiner mehr begehrt." Täglich bat sie nun den Herrn, daß er ihr alle unheilige Liebe aus dem Herzen nehmen und ihr dafür nur seine reine heilige Liebe einflößen möge, denn nur ihn wolle sie lieben, ihm allein dienen. Jesus, ihr Geliebter, erhörte auch ihr findliches Flehen und damit sie niemals von bösen Gelüsten verunreinigt werde, umgab er sie mit einem Dornenzaune von lauter schmerzvollen Krankheiten und reichte ihr seinen Leidenskelch, aus welchem sie täglich bis an ihr Lebensende trinken sollte. Als sie das fünfzehnte Jahr erreicht hatte, begannen ihre großen Leiden. Um Lichtmeß des Jahres 1395 ging sie mit ihren Freundinen, wie es in Holland noch heut zu Tag der Brauch ist, auf das Eis. Da wurde sie bei dem Schlittschuhlaufen überrannt, fiel zu Boden und brach sich eine Rippe. Sie wurde nach Hause gebracht und mußte nun große Bein leiden. Es bildete sich nämlich innerlich ein Geschwür, das ohnerachtet aller Wart und Pflege nicht heilen wollte. Während dieser Krankheit besuchte sie der Vater einmal, um sie zu trösten. Vor Freude fiel sie dem Vater zu Fülffen, das Geschwür brach auf und ergoß sich mit solchem Uebermaß aus dem Munde, daß Lidwina bald erstickt wäre. Sie konnte jetzt nicht mehr gehen. Drei Jahre mußte man sie zur heiligen Ofterkommunion in die Kirche tragen, die andere Zeit kroch sie auf dem Boden oder schob sich mit einem Stocke fort. Ihre Eltern wußten bei der zunehmenden Krankheit ihrer chter sich nicht mehr zu rathen und zu helfen. Da kam einmal ein Arzt ins Haus, erklärte, daß das Mädchen nie mehr ihre Gesundheit erlangen, er aber sich glücklich preisen würde, wenn er eine solche Tochter hätte. Mit den Schmerzen nahm auch die Liebe der heiligen Dulderin zu Jesus immer mehr zu und ihr Abscheu vor der Sünde ward dadurch immer größer. Dieses beweiset folgender Vorfall. Zwei Mäuner bekamen mitsammen Streit, der blutig werden follte. Der Eine floh in das Haus der Lidwina und verbarg sich vor seinem Feinde, der ihn mit dem Schwerte in der Hand Die heilige Jungfrau Lidwina. 247 berfolgte, in ihrer Kammer. Die Mutter läugnete, als der Verfolger sie um den Versteckten fragte. Da wandte er sich an Lidwina und fragte sie ebenfalls. Diese aber, aus Furcht, durch eine Lüge Gott zu beleidigen und vertrauend auf Gottes Hilfe, gestand die Wahrheit. Darüber erzürnt schlug die Mutter ihre Tochter in das Gesicht, diese aber sprach: Ich habe deßhalb die Wahrheit gesagt, weil ich hoffe, daß die Wahrheit den, welcher zu ihr flieht, sicher verbergen werde." So geschah es auch. Denn Gott bewirkte, daß der Verfolger seinen Feind nicht sah, obgleich er vor seinen Augen stand, und so sich wieder entfernte; der andere aber war nun gerettet. Die Mutter erkannte ihren Fehler und hatte von nun an mehr Geduld mit ihrer preßhaften Tochter. Fürchtest du auch, christliche Jungfrau, die Sünde so sehr wie Lidwina? Ist denn nicht die Sünde das größte, einzige Uebel?- ein Uebel, das den Menschen Gottes Wohlgefallen, seine Gnade und die Seligkeit raubt?! Mache sogleich den Vorsatz, die Sünde, auch die kleinste, zu haffen und zu fliehen. Kaum hatte Lidwina der Wahrheit ein so schönes Zeugniß gegeben, so nahmen auch ihre Leiden zu, als ob Gott sie dafür belohnen wollte. Sie mußte jetzt immer im Bette liegen und zwar drei und dreißig Jahre laug. Im Anfange der Krankheit konnte sie doch noch den Kopf bewegen; die letzten sieben Jahre mußte sie immer auf dem Rücken liegen. Wollte man sie umwenden, so mußte man zuvor ihre Schultern mit einem Tuche umwickeln, damit sie nicht auseinander fielen. An einigen Stellen des Körpers erstarb das Fleisch und ging in Fäulniß über, woraus Würmer entstanden, welche aber keinen üblen Geruch verbreiteten. Ja in der Folge entzündete sich der ganze Leib, er wurde nur mehr Eine Wunde und von Geschwüren ganz bedeckt. Ueberall brachen scheußliche Würmer hervor, die an dem noch gesunden Fleische nagten. Man mußte immer Pflaster auflegen, damit die arme Kranke von den Würmern nicht ganz aufgefressen würde. Hierauf wurde der rechte Arm ganz lahm; ihr Kopf wurde von beständigen Stichen wie von Messern und Nadeln gepeinigt; im Halse bildete sich die Bräune; ihre Zähne brannten wie Feuer. Ein heftiges Fieber stellte sich ein, das nicht aufhören wollte; ganze Trümmer von Lunge und Leber warf sie aus; das Blut drang ihr aus Nase, Mund, Augen und Ohren. Um das Elend voll zu machen, erblindete sie auf dem rechten Auge gänzlich, auf dem linken zur Hälfte, so daß sie stets im Finstern liegen mußte und selten von Menschen besucht wurde. Hitze und Kälte halfen zusammen, um die armjelige Jungfrau recht zu peinigen. Im strengen Winter des Jahres 1408, wo selbst die Fische im Wasser erfroren, ihre Glieder von Frost ganz schwarz und ihre Thränen im Auge wurden 248 Die heilige Jungfrau Lidwina. wurden zu Eis; die Thränen aber, welche die Qual ihr aus. preßte, waren blutig. Wenn dieselben auf den Wangen abtrockneten, ließ sie diese hinwegschaben und in ein Säcklein legen, damit sie ihr einst im Sarge zum Kopfkissen dienen möchten. Ihr Beichtvater Johannes Pott hatte ihr dieses anbefohlen, als sie in den ersten Jahren der Krankheit manchmal die Schmerzen zu bitter finden und bei den Menschen Trost und Hilfe suchen wollte. ,, Bisher, sprach er zu ihr, habe ich dich ermahnt, daß du Trost suchest in der Betrachtung des Leidens Christi; nun aber kommt der Herr in Person zu dir, um dich zu trösten." Auf dieses hin empfing fie öfters die heilige Kommunion. Vierzehn Tage lang weinte sie nach dieser Ansprache von Neue, aber auch von Liebe und Trost durchdrungen. Der Leib des Herrn war zuletzt nur mehr ihre einzige Nahrung und das Leiden Christi die Quelle der Stärke und des Trostes, so daß sie ihrer Schmerzen ganz vergaß. Bei Betrachtung des leidenden Heilandes wurde sie öfters in heiligen Geistesentzückungen auf den Delund Kalvarienberg versetzt, woselbst sie Jesus leiden und sterben fah. Dabei drückten sich dann in ihre Hände die heiligen Wundmahle des Herrn ein, die lange entzündet blieben. Zu ihren bisherigen Krankheiten gesellte sich die Wassersucht und auch die Pest ergriff sie, als diese schreckliche Krankheft in Schiedam ausbrach; und kurz vor ihrem Tode mußte sie unsägliche Steinschmerzen dulden. So war jedes ihrer Glieder von einer eigenen Pein heimgesucht. An der Stirne hatte sie bis zur Nase einen Bruch; die untere Lippe und das Kinn war auch gespalsen, so daß sie kaum reden konnte. So lag sie da auf dem Schmerzensbette, ein wahres Jammerbild, das man nur mit Entsetzen anschauen konnte. Auch an Wart und Pflege hatte sie Mangel. Ihre Eltern thaten wohl Alles; allein sie waren arm und konnten nicht viel zu ihrer Linderung beitragen. Lidwina mußte daher vom Almosen leben. Sie brauchte aber zu ihrem Unterhalte blutwenig. So viel ein Gesunder in drei Tagen zur Nahrung braucht, davon lebte sie drei Jahre lang. Nach den ersten drei Jahren ihrer Krankheit aß sie täglich nur einen Apfelschnitten und einen Biffen Brod und that einen einzigen Trunk Bier oder nahm einen Löffel voll Milch. Später nahm sie bei großer Schwäche etwas Wein mit Wasser vermischt. Zuletzt trank sie Wasser aus dem Moselfluß, das ihr so gut schmeckte, als wäre es der beste Wein. Viele Jahre vor ihrem Tod aß und trank sie nichts mehr und entbehrte gänzlich des Schlafes. Die heilige Kommunion allein erhielt sie am Leben; ihr Schlaf war die Ruhe im heiligsten Herzen Jesu. Sogar das Federbett mußte sie zuletzt entbehren; denn der vielen Wunden wegen konnte sie dasselbe nicht Die heilige Jungfrau Lidwina. 249 mehr ertragen. Jahrelang mußte sie auf bloßem Stroh unt dann mit bloßem Rücken auf dem harten Brette eines Faßboder liegen. Lidwina, die vor Leid Weinende, war also in ein Meer von Schmerzen versenkt; wie hat sie nun diese Pein geduldet? Mit der größten Ruhe, Ergebung und innigster Freudigkeit. Je größer die Peinen, desto inniger vereinigte sie sich mit ihrem gekreuzigten Heilande und bat ihn sogar, noch mehr leiden zu dürfen, welche Bitte ihr auch Jesus gewährte. Wie ist sie aber, die schwache Jungfrau, im Stande gewesen, so furchtbare Qualen ohne Klage zu übertragen? Welcher Mittel bediente sie sich, um so geduldig und freudig ihr langwieriges Kreuz Jesum nachtragen zu können? Lidwina gebrauchte kein anderes Mittel, als die beständige Betrachtung des bittern Leidens ihres Heilandes; immer befand fie sich im Geiste auf dem Del- und Kalvarienberge. So viel ihr die Schmerzen Zeit ließen, betete sie Tag und Nacht. Im Gebete fand sie dann Trost und Ruhe. Anfangs hatte sie wohl mit Zerstreuung und chläfrigkeit zu kämpfen, besonders zur Zeit, wann in der Kirche das heilige Meßopfer gefeiert wurde, welchem sie im Geiste beiwohnte. Doch ließ sie nicht nach, bis Mit ihrem fie dies Hinderniß der Andacht überwunden hatte. Heilande trug sie all ihre Noth, sowie auch alle Schmähungen und Lästerungen, die ihr häufig zu Theil wurden. Sie sollte ihm in Allem ähnlich werden; daher nahm er ihr auch nach und nach alle Stützen weg, damit sie Niemand mehr habe als ihn allein und sich ihm ganz ergebe. Zuerst starb ihr Vater, dann ihre Mutter. Voll kindlicher Liebe wollte sie die Sünden der Mutter abbüssen, legte sich daher einen Bußgürtel um den Leib und betete inbrünstig für das Seelenheil der Abgeschiedenen. Sie verkaufte auch das wenige Silber, welches sie von ihrer Mutter geerbt hatte und theilte den Erlös unter die Armen aus. Sie selbst lebte in größter Armuth; in einem elenden DachstübWas ihr gutmilthige. chen lag sie auf ihrem harten Lager. Menschen brachten, das schenkte sie aber wieder den Armen. Dabei fielen aber oft wunderbare Dinge vor. In himmlischer Entzückung sah sie oft, wie Engel ihre Almosen vor Gottes Thron hinstellten; auch umgaben sie oft die heiligen Engel und belehrten und trösteten sie. Ihr dunkles Stübchen war dann mit einem himmlischen Lichtglanze erfüllt und ein wunderlieblicher Wohlgeruch duftete darin. Shr heiliger Schutzengel war ihr der getreueste Freund; sie sah ihn gewöhnlich in Gestalt eines Mannes, immer aber hatte er das Zeichen des Kreuzes leuchtend auf der Stirne. Er verkündigte ihr den Willen Gottes und machte sie auf ihre Fehler aufmerksam. Da Lidwina oft beich 250 Die heilige Jungfrau Lidwina. tete, so half er ihr zur genauen Gewissenserforschung. Mit dem Glanze, der von ihm ausging, leuchtete er ihr; sein Licht that ihren schwachen Augen wohl; mit wunderbarer Macht behütete er sie. Einstmals lag sie in Entzückung, da ergriff Feuer ihr Bett und verbrannte es, sie merkte es aber nicht und blieb unversehrt. Einmal war sie im Geiste entzückt; da sah sie den Herrn mit einer wunderbar schönen Krone in der Hand, die er ihr aber noch unvollendet darreichte. Lidwina erkannte darans, daß sie noch mehr leiden müße, bevor sie in die Herrlichkeit eingehen könne und bat daher den Heiland, ihr noch mehr Leiden zu senden Ihre Bitte wurde erhört. Im Jahre 1428 überzog Philipp, Herzog von Burgund, Holland mit einem Kriegsheere. Da tamen auch Soldaten nach Schiedam. Die Offiziere und Aerzte derselben hatten von Lidwina, ihrem wunderbaren, leidensvollen Leben gehört, und baten den Johannes Angeli, einen Priester der Pfarrkirche, er möge sie zu Lidwina führen. Der Priester, nichts Arges befürchtend, führte sie zur leidenden Jungfrau. Hier aber benahmen sich die Männer auf die roheste Art. Lärmend traten sie in die Kammer und als der Priester sie höflich mahnte, sie sollten die Jungfrau nicht so belästigen, schafften sie ihn fort, zündeten dann ein Licht an, weil es in der Kammer finster war, rissen den Vorhang von der Lagerstätte der Jungfrau weg und trieben dann ohne Scheu den scheußlichsten Muthwillen mit ihr. Petronilla, die Base der Lidwina, wollte sie schützen; allein die rohen Männer schleuderten sie hinweg und warfen sie an einen Schemel des Altars, der in der Kammer stand, so daß sie bis zu ihrem Tode hinken mußte. Damit nicht zufrieden, lästerten die Wüstlinge die heilige Lidwina, schalten sie eine Betrügerin, riffen ihr die Decke vom Leibe und schlugen sie an drei Stellen ihres ohnehin ganz zerfleischten Körpers so wund, daß man das herabfließende Blut in einem Waschbecken auffangen mußte. Nachdem sie so die heilige Dulderin mißhandelt hatten, wuschen sie das Blut von ihren Händen und gingen dann polternd und lästernd von dannen. Dieses gräßliche Leid nahm aber Lidwina wie ein unschuldiges Lämmlein in ihrem Blute schwimmend, mit himmlischer Geduld hin, ohne ihren Mund zu einer Klage zu öffnen; nur diese Worte sprach sie in aller Sanftmuth zu den Wüthenden: ,, Warum scheuet ihr euch nicht, die Werke Gottes an mir so übel zu beurtheilen? Wiffet ihr denn nicht, welch ein Gericht auf euch wartet?" Als die Stadtobrigkeit von dieser Unthat hörte, wollte sie beim Herzog Klage führen, allein Lidwina wehrte es und sagte, daß Gott bald selbst Nache nehmen werde. Wirklich geschah dies auch. Alle vier Männer starben noch im nämlichen Winter. Der Eine brach sich das Ge 251 Die heilige Jungfrau Lidwina. aid; der andere starb in Raserei; der dritte fiel in der Schlacht und der vierte fiel vom Schlage getroffen todt nieder. Lange Zeit noch nach diesem schrecklichen Gerichte weinte Lidwina nicht über ihre Wunden, sondern über die Sünde und den Untergang der Beleidiger. Da erschien ihr ein Engel und sagte ihr, indem er fie Schwester nannte, daß sie nun durch diese erlittene Mißhandlung in die Fußstapfen des Heilandes, wie sie verlangt habe, eingetreten sei, und die Krone vollendet wäre, welche ihr gezeigt worden. Ein neues Leiden sollte aber noch über die Dienerin Gottes kommen. Ihre fromme Base Petronilla, welche sie so treulich bisher gepflegt hatte, starb. Ueber diesen Verlurst verfiel Lidwina in die tiefste Trauer, was aber ihrem göttlichen Heilande mißfiel, dem sie doch das ganze Herz geschenkt hatte. Zur Strafe entzog er ihr auf längere Zeit allen innern Trost, was ihr das entsetzlichste Leiden verursachte. O christliche Seele, wie wird es mir und dir einst ergehen am Tage des Gerichtes! Wenn Jesus eine unvollkommene schuldlose Anhänglichkeit an eine Person schon so sehr an seinen Heiligen bestraft, was wird er mit uns thun, die wir so sehr noch an den eitlen Dingen der Welt, an vergänglichen Freuden der Erde unser Herz hängen, ja die wir gar noch sündhafte Dinge lieben! O Seele, reiße dein Herz los von der Erde und ihren Geschöpfen, gib es Jesum ganz und gar; er verlangt es und ein gehört es! Nachdem Lidwina eine Zeit lang ihren Fehler gebüßt hatte, sandte ihr Jesus den frühern süssen Frieden und innern Trost wieder und bereitete sie damit vor auf ihr letztes Leiden, das fie vor ihrem Tode noch heimsuchte. Sie wurde nämlich mit der Steinkrankheit befallen, deren Schmerzen so fürchterlich waren, daß sie in einer Stunde zwei bis dreimal leblos dalag, wobei sie die Zähne zusammenbiß und kein Wort hervorbringen konnte. Während dieser Schmerzen ließ sie Jesus auch an seiner Verlaffenheit Theil nehmen, sc daß sie auch mit ihm am Kreuze ausrufen konnte: ,, Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlaffen!" Als am heiligen Ostertage, früh um 4 Uhr, ihr Beichtvater sie besuchen kam, floß ihm aus der Kammer der Heiligen wieder ein wunderbarer Wohlgeruch entgegen. Er erkannte, daß ein Engel wieder Lidwina besucht habe. Und so war es auch. Ein Engel hatte ihr verkündet, daß sie noch schwere Leiden dulden, aber nach den Osterfeiertagen sich beffer befinden werde; in derselben Nacht hörte sie auch in der Wohnung der Seligen das Alleluja singen. Am dritten Ostertage sagte sie ihrem Beichtvater, daß sie gerne allein seyn möchte. Sie wollte nämlich ganz allein und verlassen sterben und hatte darum auch S.LIDWINA. Die heilige Jungfrau Lidwina. 253 ihren göttlichen Heiland gebeten. Ihre Bitte wurde erfüllt. Am 14. April 1433 ergriff sie ein heftiges Erbrechen; ein Knabe, der sie bediente, lief weinend hinaus und wollte die Hausgenoffen herbeiholen, unterdessen aber war die Heilige verschieden. Nach ihrem Tode zeigte sich an Lidwina bewahrheitet, was geschrieben steht: Kostbar im Angesichte Gottes ist der Tod seiner Heiligen." Ihr abgehärmtes, bleiches Gesicht strahlte von himmlischer Glorie; es leuchtete ein eigenes, verborgenes Licht daraus hervor; ihr Leib, voll Wunden und Geschwüre, ganz zerfleischt, war nun voll, weich und ganz unversehrt; alle Wunden und Geschwüre waren verschwunden bis auf eine kleine Narbe von einer Wunde, welche ihr die rohen Soldaten geschlagen hatten. Ihr rechter Arm, der bisher lahm gewesen, lag mit dem linken auf der Brust, ohne daß Jemand wußte, wie dies geschehen. Ihre ganze Gestalt war wie die eines Engels, man konnte sich an seinem Anblicke nicht satt sehen. Im wollenen Habite des dritten Ordens eingehüllt, lag sie da, in den Händen den Rosenkranz, den sie so gerne gebetet, den Bußgürtel um den Leib, den sie im Leben getragen, das Haupt mit einer Haube bedeckt, auf welcher die Namen Jesus und Maria sammt vielen von Pfeilen durchbohrten Herzen gestickt waren; ihr Haupt selbst aber ruhte auf dem Säckchen mit den blutigen Thränen, die sie geweint und die sie nur ihre Rosen nannte. Unter dem Zulaufe einer ungeheuern Menge Volkes wurde sie am Freitag in der Osterwoche begraben. Man legte aber ihren Leib, der nichts Irdisches an sich hatte, nicht in die Erde, sondern auf hölzerne Balken in ein gemauertes Grab, das mit einem mit rothen Kreuzen versehenen Stein bedeckt wurde. Gott verherrlichte ihr Grab durch viele und große Wunder. Sie selbst war aber eines der größten Wunder ihrer Zeit, ein Wunder übermenschlicher Geduld, ein Wunder heiliger Ergebung, ein Wunder der Liebe zu Jesus, dem sie das Kreuz nachtrug bis zum Ende. O christliche Seele, wenn Leiden und Schmerzen dich befallen und du in Ungeduld ausbrechen, murren und klagen möchtest, dann denke an Lidwina; schaue wie sie auf den gekreuzigten Heiland, und denke an deine Sünden. Hat Lidwina, die reine Gottesbraut, so entsetzliche Leiden geduldet und nur dadurch die schöne Krone der Herrlichkeit errungen, womit wirst du sie wohl erringen, die du so viel gesündigt hast, womit anders als nur durch Buße, durch Leiden, durch Kreuz!! Wohlan, leide, schweige, bulde und harre aus, die Krone winkt auch dir; bald ist Alles vorüber und ewige Wonne ist dein Lohn!! Gebet. O Jesus, verleihe mir die Liebe zum Leiden, und Geduld im Kreuze, damit ich dir nachfolge und selig werde, Amen. 4. Die ehrwürdige Maria Crescentia, D6erin des Klosters zu Kaufbeuern. Jaria Crescentia, diese bewunderungswürdige Dienerin Gottes, welche zur ihrer Zeit im südlichen Deutschland so großes Aufsehen erregte, und von der jetzt noch durch mündliche lleberlieferung viel Wunderbares erzählt wird, erblickte das Tageslicht den 20. Oktober 1682 zu Kaufbeuern, in der Diözese Augsburg, und erhielt in der heiligen Taufe den Namen Anna, welchen sie bei Ablegung ihrer Klostergelübde gegen Maria Crescentia vertauschte. Ihre beiden Eltern, Mathias Höß, seines Gewerbes ein Weber, nnd Lucia Hörmann, waren eben so fromm als geliebt von Jedermann wegen ihrer anerkannten Rechtschaffenheit. Die Mutter war ein Muster mitleidiger Liebe zu den Armen und Kranken; der Vater lebte gleichsam in der Betrachtung der Leiden und des Kreuztodes Jesu, und die Flamme der Liebe, welche sich bei dieser Gelegenheit aus dem Herzen dieses einfältig frommen Mannes ergoffen, entzündete frühzeitig das kindliche Gefühl der empfänglichen Crescentia, die nach und nach solche tiefe Einsicht in dieses anbetungswürdige Geheimniß erhielt, daß Jedermann darüber erstaunte. Um den Gekreuzigten das Opfer ihrer Nachahmung und Liebe darzubringen, und die Sinunlichkeit gänzlich zu er Die ehrwürdige Maria Crescentia von Kaufbeuern. 255 tödten, vermischte sie schon im kindlichen Alter ihre Speisen mit bittern Säften, und entzog sich jede Nahrung, die zur Erhaltung ihres Lebens nicht durchaus vonnöthen war. Diese frommen Ersparnisse floffen alsdann in den Schooß der Armen, die sie als die Geliebten des Herrn mit inniger Herzlichkeit verehrte. Crescentia war für das väterliche Haus ein wahrer Schutzengel, der das Böse, in welcher Gestalt es immer einzuschleichen drohete, eifrig abwehrte, und alle Familiengenoffen zum Guten träftig aneiferte. In heiliger Sehnsucht, dem himmlischen Bräutigame allein anzuhören, legte sie schon in frühen Jahren das Gelübde der Keuschheit ab; diese Liebe der Unschuld gefiel dem Herrn so sehr, daß er sie von nun an mit seinen Gnadenschätzen überhäufte, und sie, wie man glaubt, ihr ganzes Leben hindurch nicht die mindeste Versuchung wider die Reinigkeit verspürte. Deffenungeachtet war sie stets darauf bedacht, den sinnlichen Menschen allzeit niederzuhalten durch Wachsamkeit, Abtödtung und Leibeszüchtigungen. Ein Herz, das von solcher englischen Liebe brannte, mußte auch ein gottgefälliger Altar seyn, auf dem die glühendsten Flammengebete und die lieblichsten Wohlgerüche der Andacht zum Himmel emporstiegen. Während des heiligen Meßopfers verfiel sie mehrere Male in Verzückung. In jeder heiligen Kommunion ward ihr Verlangen nach dem Empfange ihres göttlichen Bräutigams gesteigert, und schon frühzeitig war sie daran gewöhnt, jeden Sonn- und Festtag mit dem Brode der Engel ihre Seele zu träftigen. Mit zunehmenden Jahren entwickelte sich ihr Beruf, fie fühlte sich bald zur klösterlichen Abgeschiedenheit unwiderstehlich hingezogen, und als sie einmal betend vor einem Kruzifirbilde in dem Kloster der Franziskanerinnen des dritten Ordens in tiefe Betrachtung versunken lag, hörte sie vernehmbar die Worte: Hier ist der Ort deiner Wohnung. Und damit sie zu dem ihr bestimmten Ziele gelangen möchte, fügte es die Vorsehung so wunderbar, daß der Bürgermeister, ein großer Gönner des Hauses, obgleich er protestantischen Glaubens war, ihr die Aufnahme bewirkte, und die Einkleidungskosten bestritt. Nun legte fie 1701 in ihrem zwanzigsten Lebensjahre das Ordenskleid an, und war jetzt selig im Herrn, daß sie den Ort ihrer Ruhe und ihres sehnsüchtigen Verlangens gefunden habe. DIG In ungestörtem Seelenfrieden waren bis zu diesem Zeitabschnitte Crescentia's Tage dahin geflossen, ohne daß sie durch Das Feuer der Trübsale gegangen wäre, das doch der Herr seinen Dienern fast immer bereitet, ehe er sie den höchsten Gipfel der Vollkommenheit erreichen läßt. Die fromme Jungfrau mußte nun auch viese Prüfungstage bestehen, und als Werkzeuge er 256 Die ehrwürdige Maria Crescentia von Kaufbeuern. boten sich, leider! ihre eigene Vorsteherin und ältesten Klosterschwestern, die sie ihrer Armuth wegen verachteten, mit allerlei Schmach bedeckten, und ihr in alle Wege hart, lieblos und abstoßend begegneten. In Gottes heiligsten Willen ergeben, und lebhaft dem Auge das Bild des Gekreuzigten stets vorhaltend, besaß sie in Geduld ihre Seele, und die Erniedrigungen dienten nur desto sicherer zu ihrer Erhöhung vor dem Herrn. Mit gleichem Erfolg besiegte sie mittten in ihren Drangsalen die Einflüsterungen des bösen Feindes, der sie dräuend und höhnend mit den Worten anfuhr:„ Sieh, Armselige! zweiundzwanzig Jahre wirst du unter so großen Mühsalen, Verläumdungen, Verspottungen und Verfolgungen von Seite deiner Schwestern zubringen müssen. Deine Liebe, Wohlthätigkeit und Demuth werden sie sofort mit Haß, Bedrückung und Strafe erwidern. Wie magst du dieses Alles so lange Jahre aushalten." Fest gegründet in ihrem Berufe erwiederte sie: Ich schätze mich glücklich, um Chrifti willen so harte Dinge zu leiden. Noch weit mehr verlanget und begebret mein Herz." " Ihr kindlich einfältiger Glaube wurde bald einer ganz wundersamen Anschauung der göttlichen Geheimniffe gewürdigt. Mit Taubenflügeln entschwang sie sich der Erde, und stieg hoch hinauf in das Heiligthum der göttlichen Verborgenheiten. Wenn fie in die Betrachtung der allerheiligsten Dreieinigkeit versenkt war, ergoß sie sich plötzlich in erquickliche Loblieder, an denen man die englischen Anklänge nicht verkennen konnte. Der Glaube hatte so tiefe Wurzeln geschlagen in den fruchtbaren Boden ihres Herzens, daß sie öfters sagte:„ Wenn anch Viele oder gar Alle ihren Glauben verlassen würden, so bliebe ich dennoch, stark im Vertrauen auf Gottes Beistand, unerschüttert in demselben stehen." Von der persönlichen Gegenwart Jesu im hochheiligen Altarssakramente war sie so durchbrungen, daß fie gleich dem heiligen Ludwig, König von Frankreich, oft versicherte, sie würde ihre Augen nicht öffnen und auf die heilige Hostie nicht hinschauen, wenn auch der gekreuzigte Heiland in der Wandlung sichtbar erscheinen würde." Fromme, in Gott versenkte, und den Augen der Welt entzogene Seelen haben auf die allgemeinen und besondern Begebenheiten, die zum Wohle der Menschheit sich ereignen, oft einen stärkern Einfluß, als der gottentfremdete Sinn sich gewöhnlich zu bereden sucht. Nicht selten sind einige wenige Auserwählte die einzige Stüße einer Stadt, oder eines Landes, so wenig die Erdenkinder sich deffen überzeugen wollen. Jeden Tag betete Crescentia für das Oberhaupt der Kirche, die sämmtliche katholische Priesterschaft, für Fürsten und Obrigkeiten. Vorzüglich erglühete aber ihr Gebet, wenn große Sünder ihr Die ehrwürdige Maria Crescentia von Kaufbeuern. 257 anempfohlen wurden; und war meistens vom besten Erfolge gekrönt. Nach dem Wunsche ihres Gewissensrathes empfing die Gottgeweihte nun täglich ihren Erlöser, wodurch sie nicht nur sich selber Trost und Kraft gewährte, sondern auch in Andern gleiche Gluth erweckte durch das unwillkürlich von ihr ausstrahlende Feuer der Andacht. Wegen ihrer allgemein anerkannten Tugend ward sie würdig befunden, die wichtigsten Aemter ihres Klosters zu bekleiden. Zuerst war sie Pförtnerin, und versah diese Stelle mit Ernst, Klugheit und Liebe; dann Novizenmeisterin, und bildete fromme und gottergebene Schwestern; endlich wurde sie zur Vorsteherin des Hauses erwählt, nie hat man eine würdigere Oberin gesehen. In Allem mit eigenem Beispiele vorleuchtend, verlangte sie von ihren geistlichen Töchtern niemals so viel als sie selber zu leisten sich verpflichtet hielt. In Aufnahme der Klagen war sie äußerst vorsichtig, und strafte Niemanden ungehört; mußte sie Schärfe anwenden, so hatten diese vor allem die Befferung zum Zwecke. Ueber alle ihre Handlungen und Uebungen verbreitete sich eine gewisse Milde und Heiterkeit, die wundersam versüßten, was sonst auch herbe erscheinen mochte. Ihre Befehle ertheilte fie mehr bittend als gebietend, nnd so fand ihr Wort niemals ein widerstrebendes Gemüth. Während sie im eigenen Kreise Liebe und Eintracht befestigte, war sie auch öfters die Friedensstifterin ferne, im grofsen Hause Gottes. Cardinäle und Bischöfe schenkten ihr ungemeine Hachachtung, und selbst die Kaiserin Maria Theresia wandte sich zuweilen an die einsame Dienerin Gottes, um in wichtigen Angelegenheiten ihren Rath zu vernehmen. Trotz dieser Auszeichnungen erreichte sie die höchste Stufe der Demuth und leistete ihrem Gewissenslehrer unbedingten Gehorsam. Endlich erkrankte sie in ihrem zweiundsechzigsten Lebensjahre an heftigem Seitenstechen, das sechs Wochen andauerte. Wenn man sich um ihr Befinden erkundigte, gab sie zur Antwort:„ Wohl mir, daß ich einen Tropfen des bittern Kelches versuche!" Nachdem sie unbeschreibliche Schmerzen erduldet hatte, erstand sie, gestärkt durch die heilige Wegzehrung und die letzte Delung, am Osterfonntag den 9. April 1744 mit unserm Herrn und Heilande zum ewigen Leben. Gleich nach ihrem Hintritte besuchte das Volk, selbst aus fernen Gegenden, ihr Grab, erflehte ihre Fürbitte und erlangte oft die außerordentlichste Hilfe. Der Bischof Klemens Wenceslaus leitete ihren Seligsprechungsprozeß ein, und am 2. Auguft 1801 wurde sie wegen ihrer heldenmüthigen Tugenden als ehrwürdig erklärt. Jungfrauenbuch. Her 17 5. Die heilige Franziska, ein Muster für christliche Hausfrauen, Mütter und Wittwen. sões 11 englücklich, dreimal unglücklich eine Familie, in der die Mutter und Hausfrau nicht wahrhaft christlich fromm ist und all ihre Standespflichten nicht treu und eifrig erfüllt. Eine Mutter, eine Frau ist die Seele der Familie. Wie die Seele alle Glieder des Leibes zum Bösen verführen und verderben kann, wenn sie die rechte Richtung auf Gott verläßt und sein heiliges Gesetz vergißt, so gereicht auch eine unchristliche gottvergessene Mutter und Frau einer ganzen Familie zum Berderben. Wenn die Mütter, wenn die Hausfrauen wieder recht christlich werden, dann werden die Familien und die Völker wieder sich zu Gott wenden und seine heiligen Wege wandeln, dann wird wieder Tugend, Friede und Ordnung in der zerrütteten menschlichen Gesellschaft einkehren! 1 Die heilige Franziska zeigt in ihrem Leben, wie eine christliche Frau, Mutter und Wittwe seyn sollte und seyn könnte zum Heile für sich und viele andere. Ich sage: seyn könnte" denn nicht alle Mütter und Frauen können das nachahmen, was diese Heilige in ihren spätern Jahren gethan hat! Die heilige Franziska stammt von vornehmen Eltern aus Nom ab. Ihre jungen Jahre verlebte fie im elterlichen Hause in aller Unschuld des Herzens. Sie hatte keine Freude an Gesellschaften und weltlichen Vergnügungen, an Putz und andern weiblichen Eitelkeiten und Belustigungen. Häusliche Arbeit, Gebet, fromme Lesung war ihre liebste Beschäftigung. Gerne Die heilige Franziska. 259 wäre sie in ein Kloster gegangen, allein ihre Eltern wollten es nicht haben und so nahm sie denn einen jungen vornehmen Edelmann, mit Namen Lorenz Ponzani, aus Gehorsam zur Che. Sie hatte die reinste Absicht, als sie in den heiligen Ehestand trat; sie wollte nämlich in diesem Stande den heiligen Willen Gottes in Allem erfüllen; mit dieser Absicht trat sie an den Altar und Gott gab ihr auch seinen reichsten Segen dazu. Nachdem sie ihr Haus eingerichtet und geordnet hatte, führte fie ein stilles, zurückgezogenes Leben. Sie sah nur darauf, wie sie Gott und ihrem Ehegatten gefallen und ihre Pflichten recht treu erfüllen könne. Daher machte sie keine unnöthigen Besuche, und vermied all die weltlichen Erlustigungen, die sich für eine Frau nicht mehr schicken. Unnütze Plaudereien verabscheute sie, auch fand sie keine Zeit hiezu, weil sie immer beschäftigt war. Gegen ihren Ehegatten war sie immer gefällig, fanft, liebvoll und zuvorkommend. Sie that Alles, was sie ihm nur in den Augen ansehen konnte. Nie widersprach sie ihm, auch wenn sie recht hatte; sie schwieg lieber und wartete auf eine gelegene Zeit, wo sie dann recht sanft und gut ihre Meinung fagte. Sie hatte eine große Freude am Gebete und der Betrachtung und besuchte recht gerne die Kirchen; allein sie vernachlässigte dabei keine ihrer häuslichen Pflichten und wenn ihr Ehemann sie rief und ihr einen Auftrag gab, so verließ sie sogleich Gebet und Betrachtung und fügte sich willig in seine Anordnungen. Bei solchen Gelegenheiten pflegte sie dann gewöhnlich zu sagen: ,, Eine verheirathete Frau muß alle Andachtsübung verlassen, wenn ihre Haushaltung es fordert;" auch setzte fie oft hinzu:„ Es heißt Gott wegen Gott verlassen, wenn man thut, was man vermöge seines Standes zu thun schuldig ist;" als wollte sie sagen: Gott will zwar, daß wir beten und andere Uebungen der Frömmigkeit verrichten, allein Er will, daß wir vor Allen unsere Standespflichten erfüllen; und daher muß man eher die Andacht unterlassen als die Pflichten versäumen. Auf solche Weise kam es, daß sie mit ihrem Manne während der vierzig Jahre, wo sie mit ihm vereinigt war, immer im größten Frieden lebte; nie kam sie mit ihm in Streit, denn sie hielt das Wort, das sie am Altare gesprochen, nämlich:„ Immer ihrem Manne unterthänig zu seyn." Wie gegen ihren Mann, so war sie auch gegen ihre Kinder. All ihre Sorge ging dahin, sie recht gottesfürchtig zu erziehen und in der Unschuld zu bewahren. Sie betete alle Tage Morgens und Abends mit ihren Kindern, redete oft mit ihnen von Jesus und seiner Liebe zu uns, sagte ihnen recht oft, daß Gott Alles sieht und weiß und flößte ihnen einen recht gründlichen Abschen gegen die Sünde ein. Auch forderte sie von ihnen pünktlichen Gehorsam und so 17* 260 Die heilige Franziska. fehr sie ihre Kinder liebte, so duldete sie doch keine Unart an ihnen und strafte sie, wenn die guten Worte nichts fruchten wollten. Auch über ihre Dienstboten wachte sie als sorgsame Hausfrau; sie behandelte sie gut und liebevoll und hielt sie durch Wort und Beispiel zu allem Guten an. Wurden sie frank, so ließ sie dieselben nicht in das Spital bringen, sondern pflegte sie selbst zu Hause, wie eine sorgsame Mutter, indem sie öfters sagte: Wir gehen in das Spital, um fremden Kranken zu dienen; warum sollen wir denn unsern Dienstboten im Hause nicht gleiche Liebe erweisen?" Während so die heilige Frau und Mutter für Mann, Kinder und Dienstboten besorgt war, vergaß sie auch ihres eigenen Heiles nicht. Sie war recht liebevoll gegen Andere, aber gegen sich äußerst streng; Brod war ihre gewöhnliche Speise, Waffer ihr Trank; Wein und Fische genoß sie niemals, Fleisch nur, wenn sie krank war. Sie aß nur einmal des Tages und durch langes, strenges Fasten verlor sie nach und nach allen Geschmack an Speisen. Ihre Kleider waren von rauhem Wollenzeug gemacht und unter denselben trug ste ein Bußhemd und einen Gürtel von Roßhaaren. Wenn sie irgend einen Fehler beging, so legte sie sich sogleich eine Buße auf; kam ein unnützes Wort über ihre Lippen, so biß sie sich ohne Schonung in die Zunge. Shr Beichtvater, dem sie nichts verheimlichte, mußte oft ihrer Strenge Einhalt thun. Shrem Ehegatten entdeckte sie aufrichtig alle ihre Andachts- und Bußübungen und mit Bewunderung schaute er auf sein frommes Weib. Weil sie so aufrichtig und zutraulich gegen ihn war, so erlaubte er ihr alle frommen Uebungen, ja er willigte sogar ein, mit ihr wie Bruder und Schwester enthaltsam zu leben. Ein so frommes, christliches Leben machte auf die Frauen der Stadt Rom einen tiefen Eindruck. Mehrere von ihnen, die der Eitelkeit sehr ergeben waren, fingen an, einfach sich zu fleiden und in stiller Zurückgezogenheit ihre häuslichen Pflichten zu erfüllen; ja sie ließen sich mit der heiligen Franziska in den dritten Orden der Benediktiner, einer Art Bruderschaft, einverleiben, um ein frommes Leben in der Welt unter der Leitung dieser ehrwürdigen Priester führen zu können. Bisher lebte die Heilige in stillem Frieden; nun sollten aber nach Gottes heiligem Willen auch Prüfungen über sie ergehen; denn wen Gott liebt, den züchtigt er." Ladislaus, der König von Neapel, überzog Rom mit Krieg; da hatte Franziska viel zu leiden, aber der größte Schmerz war für sie, daß sogar ihr Ehemann, ihr ältester Sohn und ihr Schwager aus der Stadt verbannt und ihre Güter eingezogen wurden. Nun war sie arm und verlaffen, aber doch nicht verzagt und muthlos. Mit dem frommen Dulder Job rief sie aus:„ Gott hat Die heilige Franziska. 261 es gegeben, gebenedeit. Gott hat es genommen. Der Name des Herrn sei Ich freue mich dieses Verlustes, weil es Gott so gewollt hat. Was mir Gott auch zuschicken mag, stets will ich seinen heiligen Namen loben und preisen." Nach einiger Zeit wurde ihr Ehegatte zurückgerufen und in sein Eigenthum wieder eingesetzt. Franziska führte nun wieder ihre vorige gottselige Lebensweise, wozu ihr Ehegatte gerne seine Einwilligung gab. Mit dessen Zustimmung stiftete sie auch ein Kloster für Jungfrauen und Wittwen, die der Welt entsagen wollten. Im Kloster führte sie die Regeln des heiligen Benedikt ein und fügte noch einige heilsame Vorschriften hinzu. Man nannte die Klosterfrauen Oblaten, weil sie ihren Eintritt Oblation Opferung" und nicht Profeß" nannten. Dieser Orden besteht heute noch und wirkt viel Gutes. Auch Franziska wollte in dieses Kloster treten, das sie gestiftet und ausgestattet hatte; aber erst als ihr Mann gestorben war, führte sie ihren Entschluß aus. Wie heilig sie im Kloster lebte, davon gibt uns einen Beweis der Umstand, daß sie eines ganz besondern Umganges mit ihrem heiligen Schutzengel gewürdigt wurde. In wunderbar glänzender Lichtgestalt stand ihr der heilige Engel immer zur rechten Seite und begleitete sie auf allen Wegen. Wenn sie ihn anzuschauen versuchte, so war ihr nicht anders, als Einem, der in die Sonne schauen will. So oft fte betete, erschien ihr der Engel ganz freundlich und wenn sie versucht wurde, half er ihr streiten. So hell strahlte der Glanz von ihm aus, daß sie bei Nacht ohne ein anderes Licht ihr Brevier beten konnte. Er war jugendlich wie ein schöner Knabe, sein Haar war goldgelb und floß in schönen Locken auf seine Schultern nieder. Sein Angesicht und seine Augen waren immer zum Himmel gerichtet, seine Hände hielt er freuzweis auf der Brust. Sein Kleid war schneeweiß, manchmal auch himmelblau, zu Zeiten glühend wie Purpur, es bedeckte seine Gestalt bis zu den Knöcheln; seine Füsse waren bloß und immer rein, selbst auch dann, wenn er mit ihr durch tothige Strassen ging. Die heilige Franziska betrübte nie diesen ihren heiligen Engel durch eine Sünde; sie lebte selbst wie ein Engel bis zu ihrem Tode dessen Zeit sie auch vorhersagte und der auch, wie sie vorhergesagt, am 9. März 1440 erfolgte. Gleich nach ihrem Tode geschahen so viele Wunder an ihrem Grabe, daß das Volk sie als eine Heilige verehrte; ihre Heiligsprechung durch den Papst erfolgte aber erst im Jahre 1608. 10000 20000 262 m 6. Die heil. Godoleva, eine schwergeprüfte Ehegattin. G in großes und für den glücklichen Bestand der menschlichen Gesellschaft Gefahr drohendes Uebel ist die in unsern Tagen immer mehr überhandnehmende eheliche Untreue fittenloser Ehegatten. Das eheliche leidensvolle Leben der heiligen Godoleva liefert ein trauriges Beispiel hievon. Godoleva war die Tochter reicher, angesehener Eltern im nördlichen Frankreich und eine überaus schön gewachsene Jungfrau. Aber was mehr werth ist als Reichthum und Schönheit, fie war auch sehr fromm und gottesfürchtig und keusch und rein wie eine Lilie. Bald fanden sich denn auch viele adelige Jünglinge ein, welche um ihre Hand warben, und unter diesen auch ein gewiffer Bertulf aus den Niederlanden, ein reicher, vornehmer Herr, aber nichtsweniger als tugendhaft. Die Eltern der Godoleva, ganz verblendet, sahen nur auf den hohen Stand und den Reichthum dieses Freiers, und versprachen ihm die Hand ihrer Tochter. Diese, den Eltern immer gehorsam und ohne Kenntniß des menschlichen Herzens und der Verderbtheit der Welt, gab ihr Jawort. Sie wurde demnach reich ausgestattet und dann zur bestimmten Zeit von ihrem Bräutigam in Begleitung einiger Verwandten nach den Niederlanden abgeführt. Die heilige Godoleva. 263 Wie sinnlos haben nicht diese Eltern gehandelt und wie sinnlos handeln nicht heut zu Tage noch viele Eltern, welche schon zufrieden sind, wenn nur ihre Kinder eine gute, zeitliche Versorgung bekommen, und nicht bedenken, daß eine Ehe, welche nicht mit Gott eingegangen wird und ein rechtschaffenes, chriftliches Leben zur Grundlage hat, nie glücklich seyn kann! Auch Godoleva hat, obschon sie sehr fromm war, doch gefehlt, weil fie so unüberlegt ihr Jawort gegeben, ohne darauf zu sehen, ob ihr Bräutigam auch die nöthigen guten Eigenschaften habe, welche einem christlichen Ehegatten nöthig sind. O möchten doch alle Jungfrauen bedenken, daß Reichthum und Schönheit und ein vornehmer Stand das Glück einer Ehe nicht ausmrchen, sondern nur eine wahrhaft tugendhafte Gesinnung. Bertulf führte also die fromme Godoleva in seine Heimath; aber kaum war sie dort angekommen, als Godoleva mit Schmerz sehen mußte, wie ihr Bräutigam sie mit Kälte und Widerwillen behandelte: da sie aber hoffte, seine Gesinnung werde sich schon mit der Zeit ändern, so ließ sie sich mit ihm priesterlich einsegnen. Allein sie betrog sich sehr. Bertulf bezeigte kein Fünkchen Liebe, vielmehr nur Bitterfeit, Widerwillen und sogar Haß. Er wies ihr ein besonderes Haus zur Wohnung an, trennte sich von ihr und zog zu seinen Eltern mit der Erklärung, er wolle Godoleva nicht mehr sehen und von ihr nichts mehr hören. Der Grund dieses Haßes lag aber in der Unbeständigkeit Bertulfs und in den Aufreizungen seiner stolzen Mutter. Dieses Weib konnte Godoleva nicht leiden; sie hatte gewünscht, ihr Sohn sollte eine reiche, vornehme Inländerin heirathen, und deßhalb suchte sie das Herz ihres Sohnes, der ohnehin unbeständig und flatterhaft war, von Godoleva abwendig zu machen, was ihr auch vollständig gelang. Godoleva hatte in ihrer traurigen Lage keinen Freund, dem sie ihr Leid klagen konnte und nirgends fand ste Trost und Stärke, um ihr hartes Loos zu tragen, als bei Gott. Tag und Nacht lag sie auf den Knieen und flehte inbrünstig, der liebe Gott, der die Herzen der Menschen wie Wasserbäche leitet, möge doch das Herz ihres Mannes ändern und demselben eine christe liche Liebe einflößen. Ihr Gebet aber fand keine Erhörung, wie fie meinte; dagegen verlieh ihr Gott eine heldenmüthige Geduld und eine völlige Ergebung in seinen göttlichen Willen. Sie sollte ein Muster eines wahrhaft geduldigen, treuen Cheweibes werden, und der Welt zeigen, wie die wahre Liebe Alles duldet, Alles trägt. Bertulf hatte die Absicht, seine Ehegattin durch die bitterste Behandlung nach und nach aufzureiben und gab baher einem friner Bedienten den Befehl, ihr zum täglichen Unterhalt nicht 264 Die heilige Godoleva. mehr als ein Stück trockenen Brodes und einen Trunk Wasser zu reichen. Der Bediente, ein friechender Augendiener, befolgte den Befehl genau, und da er merkte, was sein Herr beabsichtige, so that er noch mehr, um sich nur bei ihm einzuschmeicheln. Er behandelte die gute Godoleva wie eine Sklavin mit der größten Rohheit und Verachtung; sie aber ertrug Alles mit unglaublicher Geduld; kein böses Wort kam aus ihrem Munde, keine Klage ließ sie hören; sie richtete ihre Augen auf das Kreuz ihres Erlösers und betete mit ihm: ,, Vater nicht mein, sondern dein Wille geschehe." In ihrer Verlaffenheit war die Betrachtung des Leidens des göttlichen Heilandes und die Freuden des Himmels ihr Labsal, ein wunderbarer Trosft erfüllte ihr Herz und sie wünschte sogar noch mehr leiden zu dürfen. Als die gottlose Schwiegermutter sah, daß Godoleva durch Hunger und Betrübniß nicht aufgerieben werden könne, gab sie ihrem Sohne den teuflischen Rath, sie auf andere Weise aus dem Wege zu räumen. Bertulf stimmte mit seiner grausamen Mutter überein; allein er getrante sich noch nicht, den gottlosen Plan auszuführen, denn er fürchtete die Eltern und Verwandten seines Weibes. Er ließ einstweilen Godoleva noch grausamer behandeln. Da diese aber merkte, wie man es nur auf ihren Tod abgesehen habe und ein solches Verbrechen ihrem Gemahl ersparen wollte, so entfloh sie heimlich zu ihren Eltern nach Frankreich und erzählte ihnen ihre bisherige Behandlung. Die Eltern erstaunten über diese entsetzliche Grausamkeit und wandten sich an den Grafen von Flandern und den Bischof von Nimwegen mit der Bitte, den Bertulf über dieses Verfahren zur Rede zu stellen und ihm zu befehlen, seine unschuldige Gattin wieder zu sich zu nehmen und künftighin besser zu halten. Beide Herren nahmen sich wirklich mit allem Ernste der Sache an und brachten Bertulf so weit, daß er eidlich versprach, mit Godoleva künftig in aller Eintracht zu leben und die beschworne Treue zu halten. Auf dieses Versprechen kehrte Godoleva nach dem Willen ihrer Eltern wieder zu ihrem Gemahl zurück, dem sie so gerne eine treue Gattin gemacht hätte. Kaum aber war sie in der Wohnung Bertulfs angekommen, als ihre Leiden wieder von Vorne anfingen. Sie wurde mit Schmach und Unbilden aller Art überhäuft und von ihrem Manne noch grimmiger gehaßt. Godoleva war jetzt auf Alles gefaßt; sie wollte ein Beispiel heldenmüthiger Treue geben und ihren Gemahl nicht mehr verlassen, sollte es ihr auch das Leben kosten. Zu einigen Frauen, welche sie besuchten und sie trösten wollten, sprach sie yeiteren Angesichts: Ihr habet Mitleid mit mir, aber obwohl ( etzt mit Trübsal umgeben, hoffe ich einst im Himmel Troft und Die heilige Godoleva. 265 ewige Ruhe zu finden." Ihr Herz war also schon im Himmel und bald sollte ihr Wunsch erfüllt werden. Bertulf hatte jetzt seinen Entschluß, Godoleva zu ermorden, gefaßt. Er bestellte zwei rohe Knechte zu dieser scheußlichen That. Um aber jeden Verdacht von sich abzuwälzen, gab er eine Reise nach Brüffel vor, ging aber zuvor zu seiner Gattin und stellte fich, als bereue er sein bisheriges Benehmen, füßte und nmarmte sie und versprach ihr, nach seiner Rückkehr sie zu sich zu nehmen und mit ihr in treuester Liebe zu leben. Hierauf nahm er Abschied von ihr, mit der Versicherung, in wenigen Tagen zurückzukommen. Er reiste fort, aber während dessen sollten die Knechte den Mord ausführen. Godoleva durchschaute das Herz ihres Gemahles; sie ahnte ihren nahen Tod und bereitete sich auf denselben mit innigster Andacht vor. Wirklich kamen nach einigen Tagen die bestellten Mörder während der Nacht in ihr Gemach, riffen sie aus dem Bette, legten ihr einen Strick um den Hals und erdrosselten sie. Nachdem sie den Mord vollbracht, nahmen sie den Strick vom Halse, legten den Leichnam wieder in das Bett und deckten ihn zu, in der Meinung, daß Niemand die Mordthat bemerken würde. Dieß geschah am 6. Juli 1070. Wirklich glaubte man, als man Godoleva am folgenden Tage todt im Bette fand, ihre Leiden hätten ihren Tod herbeigeführt und begrub sie, ohne an einen Mord zu denken. Lange Zeit blieb auch die That verborgen; aber Gott brachte sie an das Tageslicht. Bertulf hatte vor seinem bösen Gewissen keine Ruhe mehr, immer stand ihm seine ermordete, gottselige Gemahlin vor Augen und um sein Gewissen zn erleichtern, bekannte er endlich die Mordthat. Wegen seiner großen Reue durfte er sich in ein Kloster zurückziehen, wo er in strengster Bnße, fern von allen Menschen sein Leben beschloß. Das Grab seiner heiligen Gattin verherrlichte Gott durch zahlreiche Wunder. Wie es der gottlosen Schwiegermutter ergangen, davon erzählt die Geschichte nichts. Hat sie nicht auch, wie ihr Sohn, Buße gethan, wird die Hölle ihr Lohn seyn; denn eine lügenhafte 3unge geht zu Grunde, sagt die Schrift. Sp. 21, 28. GLORIA IN Inhalt des I. Theiles. Vom Berufe zum wahren Christenthume. 1. Von der Gnade des Berufes zum wahren Christenthum 2. Von den großen Pflichten eines Christen 3. Vom Wohlgefallen Gottes am Dienste der jugendlichen Seelen 4. Ueber die Erhabenheit des jungfräulichen Standes I. Abschnitt. Von dem Berufe der Jungfrauen. I. Von dem Berufe im Allgemeinen. Was der Jungfrauen Beruf sei Eine Jungfrau soll ihrem Berufe nachkommen Mittel, um den Beruf zu erkennen 11. Vom Berufe zur ewigen Keuschheit. I. Eine Jungfrau soll nicht unbedachtsamer Weise ein Versprechen oder Gelübde thun II. Sichere Kennzeichen des Berufes zur ewigen Keuschheit III. 3weifelhafte Zeichen des Berufes zur ewigen Keuschheit und wie man sie unterscheiden kann. IV. Von der Hochschätzung des Standes der ewigen Jungfräulichkeit 1. Vortrefflichkeit des jungfräulichen Standes 2. Glückseligkeit des jungfränlichen Standes. 3. Heiligkeit des jungfräulichen Standes 4. Besondere Belohnung des jungfräulichen Standes III. Vom Berufe der Jungfrauen zum Klofterleben. 1. Welche Jungfrauen zum Klosterleben berufen sind 2. Eine Jungfrau soll den augenscheinlichen Beruf zum Klosterleben nicht versäumen 3. Was für eiil Kloster eine Jungfrau wählen soll 4. Wie eine Jungfrau sich in dem Kloster verhalten soll 5. Eine Klosterjungfrau soll sich selbst und der Welt gänzlich absterben Seite 5 8 13 19 20 21 23 26 27 29 29 30 32 32 34 35 36 37 38 Inhalt. IV Von der ewigen Jungfrauschaft im weltlichen Stande. 1. Uuzählbare Jungfrauen haben ausser den Klöstern Christo in ewiger Keuschheit gedient 2. Es ist keine gar zu schwere, nuch unmögliche Sache, in der Welt in ewiger Keuschheit zu leben 3. Eine Jungfrau kann in der Welt wie im Kloster heilig leben 4. Die Furcht der Verachtung oder der Armuth soll eine Jungfrau nicht verhindern, im ledigen Stande zu verbleiben V. Regeln und Satzungen für Jungfrauen, welche allein oder mit andern in der Welt in ewiger Keuschheit leben wollen. Grund- Regeln dieser Jungfrauen 1. Defteres Wiederholen und Erneuern des hl. Vorhabens 2. Reinigkeit des Herzens 3. Reinigkeit des Leibes 4. Fleiß im Dienste Gottes. 5. Liebe zur Arbeit 6. Gute Meinung 7. Freiheit des Geistes 8. Tracht der Kleider. 9. Gemeinschaft mit Andern 10. Ordnung und Eintheilung des Tages VI. Vom Berufe zum Dienstbotenstande. 1. Beschwerden des Dienstbotenstandes 2. Zeitliche Vortheile des Dienstbotenstandes 3. Geistliche Vortheile des Dienstbotenstandes 4. Noch einige kurze Fingerzeige, wie arme Jungfrauen und Mägde Christo dem Herrn im jungfräulichen Stande dienen können Inhalt des Gelübdes der ewigen Keuschheit Zusatz von der ewigen Keuschheit im Wittwenstande Ermahnungen für Wittwen VII. Vom Berufe einer Jungfrau zum Ehestande. Der Beruf zum Ehestande muß von Gott kommen Wie sich eine Jungfrau zu verhalten hat, die heirathen will Obliegenheit einer Jungfrau, die den Ehestand angetreten hat Gebet einer Jungfrau, die in den Ehestand treten will 267 Seite 41 43 44 45 47 48 49 50 51 52 53 53 54 54 55 56 58 62 65 68 68 70 75 76 79 80 268 Inhalt. II. Abschnitt. Von der wahren Kudacht und Heiligkeit der Jungfrauen I. Von der Eigenschaft und Nothwendigkeit der wahren Andacht und innerlichen Heiligkeit oder Vollkommenheit der Jungfrauen. 1. Von dem Wesen oder der Eigenschaft der wahren Andacht der Heiligkeit 2. Eine Jungfrau soll unaufhörlich sich bemühen, die wahre Andacht zu erlangen 3. Alle Menschen, welche selig werden wollen, müssen fromm leben, und nach Vollkommenheit trachten 4. Eine Jungfrau soll nach einer vollkommeneren Heiligkeit streben, als der gemeine Haufe der Christen 5. Die Vollkommenheit und wahre Andacht ist für eine Jungfrau keine schwere, sondern eine leichte Sache 6. Das Vorhaben, nach der Vollkommenheit zu streben, soll nicht aufgeschoben werden. II. Von der Reinigung des Herzens. 1. Die Reinigung des Herzens ist der Anfang oder die erste Stufe zur Vollkommenheit 2. Wovon das Herz soll gereinigt werden 3. Allgemeines Mittel, um das Herz von den begangenen Sünden zu reinigen. Die heilige Beicht 4. Besonderer Nußen der findlichen Beicht für Jene, welche den Weg der Vollkommenheit betreten wollen 5. Die Meidung der läßlichen Sünden ist nicht nur zur Erlangung der Vollkommenheit, sondern auch zur Versicherung der Seligkeit nothwendig III. Mittel wider die freiwilligen läßlichen Sünden. 1. Von dem Unterschiede der Sünden. 2. Mittel wider die freiwilligen Sünden aus Schwachheit IV. Besondere Mittel wider die Sünden, welche aus böser Neigung oder Gewohnheit entspringen. Erstes Mittel, eine böse Neigung oder angenommene Gewohnheit abzulegen - Seite 83 86 90 93 95 96 98 99 100 101 102 105 107 109 Zweites Mittel wider eine böse Neigung oder Untugend 112 Wie man gegen eine böse Neigung streiten foli 114 Mittel gegen besondere böse Neigungen Inhalt. 1. Mittel gegen den Vorwitz 2. Mittel gegen den Hochmuth 3. Mittel gegen die Geschwätzigkeit 4. Mittel gegen die Unmäßigkeit im Essen und Trinken 5. Mittel gegen den Jähzorn 6. Mittel gegen die Trägheiten Von der Eigenliebe, ihren Wirkungen, und von den Mitteln gegen dieselbe V. 3weite Stufe der wahren Andacht und christlichen Vollkommenheit, oder Reinigung des Herzens von der Eigenliebe durch Uebung der hohen Tugenden des Christenthums. 1. Gute Meinung in seinem Thun und Lassen 2. Thue und leide, was Gott will, wie es Gott will und wann es Gott will. 3. Verläugne dich selbst und bekämpfe deine Sinnlichkeit 4. Habe ein kindliches Vertrauen und vollkommene Zuversicht auf Gottes Vorsehung. 5. Sei geduldig und sanftmüthig 6. Sei bemüthig 7. Bete und betrachte. VI. Dritte Stufe der Vollkommenheit, oder von der vollkommenen Liebe Gottes. 1. Was ist die vollkommene Liebe oder wahre Andacht 2. Von den Zeichen der heiligmachenden Gnade und von der in einer Seele wohnenden Liebe Gottes Zeichen der zunehmenden Liebe ● 269 Seite 115 115 116 116 117 117 118 ♦ 119 120 120 Zeichen der vollkommenen Liebe 3. Trostreiche Gedanken in der Verlaffenheit und Kleinmüthigkeit, und bei heftigen Anfechtungen 4. Von den besondern Wirkungen des heiligen Geistes 5. Von den Zeichen, woran die Wirkungen des heiligen Geistes zu erkennen sind 6. Von dem, was in solchen Wirkungen zu thun ist 7. Zeichen der Wirkung des Geistes der Lüge, und wie du dagegen streiten ſollst 8. Kurzer und sicherer Weg zur Vollkommenheit VII. Von dem gebrauche der gegenwart gottes für jene Seelen, welche ein vollkommenes Leben führen. 118 1. Die Gegenwart Gottes ist das kräftigste Mittel, in der Vollkommenheit zu verharren, und darin täglich voranzuschreiten 122 123 123 123 124 125 126 127 130 132 134 135 137 141 142 270 Inhalt. 2. Von den verschiedenen Stufen der Gegenwart Gottes 3. Wie eine Jungfrau Christum als gegenwärtig fich vorstellen soll 4. Von dem, was die Gegenwart Gottes dir entziehen oder was sie verhindern kann 5. Von dem, was die Gegenwart Jesu befördern und vermehren fann 6. Von der Gegenwart Gottes oder Vereinigung der Seele mit der ewigen Gottheit III. Abschnitt. Unterricht über das Gebet. I. Von dem Wefen und der Nothwendigkeit des hl. gebetes. 1. Was das heilige Gebet sei 2. Von der verschiedenen Art des heiligen Gebetes und derer, die beten 3. Von der Nothwendigkeit des heiligen Gebetes II. Von der Beschaffenheit des gebetes der Jungfrauen. 1. Das Gebet soll von Herzen gehen 2. Das Gebet soll aus reinem Herzen kommen 3. Das Gebet soll demüthig seyn 4. Das Gebet soll unaufhörlich seyn 5. Das Gebet soll wirksam seyn 6. Vereinigung des Gebetes mit dem Gebete Christi und Beförderung desselben durch die Fürbitte der Heiligen III. Das gebet einer Jungfrau foll vorzüglich nach der Liebe Jefu streben. 1. In der Liebe Jesu ist Alles enthalten, was du im Gebete Gott vorbringen kannst 2. Um was eine Seele, die Jesum liebet, im Gebete Gott bitten wird 3. Die Liebe Jesu muß durch das Gebet erhalten werden IV. Kurze Unterweisung über das innerliche gebet. 1. Die Betrachtung oder das innerliche Gebet ist jenen nothwendig, welche nach der Vollkommenheit streben 2. Was eine Jungfrau betrachten soll 3. Wie eine Jungfrau betrachten und im innerlichen Gebet mit Gott sich unterhalten soll 4. Wann und wie lange eine Jungfrau des Tages betrachten soll Seite 144 144 145 146 147 149 150 152 154 155 156 156 156 157 158 159 160 162 164 165 169 Inhalt. IV. Abschnitt. Tugendspiegel für Inngfrauen. Das Leben Mariens, der allerfeligsten Jungfrau, das hellleuchtendste Spiegelbild für Jungfrauen I. Jugendleben der allerfeligsten Jungfrau Maria 1. Vom Gebetseifer Mariens 2. Von der Lernbegierde Mariens für Alles, was einer gottesfürchtigen Jungfrau ziemt 3. Von der jungfräulichen Keuschheit Mariens 4. Von der Arbeitsamkeit Mariens II. 3wölf Betrachtungen über die herrlichen Tugendbeispiele der unbefleckten Jungfrau Maria. Wie eine Jungfrau die nachfolgenden Betrachtungen nützlich gebrauchen kann I. Von den Tugenden Mariens für die Anfangenden. 1. Vom lebendigen Glauben Mariens Gebet um Erlangung eines lebendigen Glaubens Wie eine Jungfrau durch diese Betrachtung den Weg der Vollkommenheit antreten soll 2. Von der Reinigkeit des Herzens Mariens Gebet, um die Reinigkeit des Herzens von den läßlichen Sünden zu erhalten 3. Von dem gekreuzigten Leben Mariens Gebet um Erleichterung der täglichen Selbstver271 Seite 171 173 174 177181 184 187 189 192 193 194 197 197 199 II. Von den Tugenden Mariens für jene, die auf dem Wege der Tugend fortschreiten. 4. Von der innigen Liebe, welche Maria zu Jesu getragen Gebet, um eine innige Liebe zu Jesu erlangen 5. Von der Sorgfalt Mariens, dasjenige zu thun, was Jesus lieb und angenehm war 201 203 203 Gebet um die Gnade, alles Thun und Lassen nach dem Willen Gottes zu richten 6. Von dem Gehorsame Mariens 206 206 209 Gebet, um die Tugend des Gehorsams zu erlangen 208 7. Von der unversehrten jungfräulichen Reinigkeit Mariens Gebet, um die jungfräuliche Reinigkeit unversehrt zu erhalten 210 272 Inhalt. 8. Von der jungfräulichen Eingezogenheit Mariens Gebet, um die jungfräuliche Zucht und Eingezogenheit zu lieben. 9. Von der Liebe, welche Maria zur Arbeit und Einsamkeit getragen Gebet, um die Liebe zur Arbeit und Einsamkeit zu erlangen III. Uebung der Tugenden Mariens für die Vollkommenen. 10. Von der tiefen Demuth Mariens Gebet, um die wahre Demuth zu erlangen Von der Sanftmuth und Milde 11 ariens Gebet, um Geduld und Sanftmuth zu erlangen 12. Von der vollkommenen Liebe Gottes, von welcher das Herz Mariens durchdrungen war Gebet, um die vollkommene Liebe Gottes zu erlangen V. Abschnitt. Einige Lebensbilder von heiligen und frommen Seelen, christlichen Jungfrauen zur Nachahmung vorgestellt. 1. Die selige Armella, Dienstmagb Vom täglichen Wandel vor Gott nach dem Beispiele der guten Dienstmagd Armella 2. Die heilige Nothburga, Dienstmagd Guter Rath für Dienstboten 3. Die heilige Jungfrau Lidwina, eine geduldige Nachfolgerin ihres gekreuzigten Bräutigams 4. Die ehrwürdige Maria Crescentia, Oberin des Klosters zu Kaufbeuern Seite 211 5. Die heilige Franziska, ein Muster für christliche Hausfrauen, Mütter und Wittwen. 6. Die heil. Godoleva, eine schwergeprüfte Ehegattin 212 213 214 215 217 217 218 219 221 223 231 238 244 245 254 258 262 II. Theil. Die fromme gottliebende Jungfrau in ihren mannigfachen Gebetsübungen. 15 fo 1 O Einsamkeit! Die Blumen Christi blühen herrlich auf in dir. In dir ,, liegen die köstlichsten Steine, aus denen die Stadt des großen Königs nach dem Winke der Offenbarung ,, erbaut ist. In dir gedeiht der trautere Umgang mit Gott." Hl. Hieronymus. 342 QVO AG LALSHE Erster Abschnitt. Unterrichte und Andachts- Uebungen für Jungfrauen, den Tag gottgefällig zuzubringen. chchhahen. I. Von dem Morgengebete der Jungfrauen. Eine Jungfrau foll täglich ihr morgengebet verrichten. er Herr. Meine Tochter, es ist deine heilige Pflicht, daß du, aus dem Schlafe erwachend, deine ersten Gedanken zu mir wendest, und mir dein Herz schenkest, der ich dich in dieser Nacht erhalten, und dir noch Zeit gegeben habe, für das Heil deiner Seele zu arbeiten. Bedenke, daß du vielleicht den letzten Tag deines Dafeyns erlebt hast; du weißt weder den Tag noch die Stunde, in welcher ich kommen werde, um von dir eine genaue Rechenschaft zu fordern. Wenn du des Morgens in deinem Kämmerlein, in der Stille und Einsamkeit meiner vergißest, wie kannst du an mich denken, wenn die Geschäfte deines Berufes und die weltlichen Sorgen dein Gemüth zerstreuen? Bete also in aller Frühe! 1* Von dem Morgengebete der Jungfrauen. Du hast viele innere Feinde, gegen welche du streiten mußt; ergreife also die Waffen des heiligen Gebetes. Du könntest in eine Versuchung gerathen, der du ohne besondere Gnade nicht widerstehen würdest; bitte also, daß ich dich nicht fallen lasse. Ich habe dir einen himmlischen Fürsten zum Schutzherrn gegeben, der immer an deiner Seite ist. Wie sehr wird es ihn erfreuen, wenn du in aller Frühe mit Gott beschäftiget bist, und dein Gebet vor den Thron Gottes bringest! Welche große Schätze der Gnade kannst du durch deine Mühe und Arbeit, durch deine Verrichtungen an demselben Tage sainmeln, wenn du in der Frühe durch eine gute Meinung dein Herz zu Gott wendest, und ihm aufopferst, was andere pflichtvergessene Jungfrauen ohne Hoffnung der ewigen Belohnung thun müssen. Laufe nicht wie eine Magd, nur aus Antrieb des Liedlehnes, ohne Gebet von der Ruhe zur Arbeit; mache es auch nicht, wie ein üppiges Weltkind, das die köstlichen Morgenstunden im Bette, oder vor dem Spiegel mit dem Buße des Leibes zubringt, der vielleicht bake den Würmern zur Speise dienen muß, sondern suche die Schönheit der Seele. Die Jungfrau. Mein Erlöser, verzeihe mir meine bisherige Trägheit. Ich nehme mir vor, das Morgengebet nicht mehr zu unterlassen, sondern mit möglichster Andacht und Aufmerksamkeit zu verrichten. Der Herr. Wenn du erwachest, so erhebe sogleich deine ersten Gedanken zum Himmel, vergiß die Träume der Nacht und die leeren Einbildungen, und stehe zur rechten Stunde auf. Leg deine Kleider in aller Zucht und Ehrbarkeit an, während du gute Gedanken fasfest, oder still für dich betest; laß dich vor Niemand sehen, bis du ehrbar angekleidet bist. Kniee nieder vor meiner Gegenwart, und sprich mit Andacht: CARSK Erstes Morgengebet. nbetung. O Gott, vor dessen unendlicher Majestät selbst die Engel zittern: ich glaube an dich, und bete deine Allgegenwart in tiefster Ehrfurcht an, wie dieß im Himmel und auf Erden geschieht. Großer Gott! ich bete dich an! Danksagung. Ich danke dir, daß du mich diese Nacht so väterlich erhalten und durch den Schlaf erquicket hast. Wie soll ich dir diese und unzähtbare andere Wohlthaten, welche du mir schon erwiesen hast, vergelten? Reue und Leid. Ach, wenn ich zurückdenke, so muß ich es mit Beschämung bekennen: ich war sehr undankbar gegen Dich. Ich habe mir viele Sünden und Nachläßigkeiten vorzuwerfen. Ich erkenne meinen Undanf, und bereue ihn aufrichtig, weil ich dich liebe, und ewig zu lieben verlange, mein Gott und mein Alles! Vater im Himmel! verzeih mir; ich bin ernstlich entschlossen, in Zukunft keine Sünde mehr, besonders diese N. N. nicht mehr zu begehen. Versage mir deine Gnade nicht, um deiner unermeßlichen Liebe Willen bitte ich dich darum. Möchte ich mit jedem Augenblicke in größerer Inbrunst rufen können: Heilig, heilig, heilig bist du, Gott und Herr! Vater bist du, mein Vater; darum will ich mich in Allem gehorsam gegen dich erzeigen, mich deinem heiligsten Willen unterwerfen. Verfahre mit mir nach deiner Güte und Barmherzigkeit, auf die ich hoffe. Erstes Morgengebet. Gute Meinung. Schöpfer aller Dinge, Gott! der du Alles wegen deiner erschaffen haft: deinem unendlichen Wohlgefallen opfere ich Alles, was ich heute denken, reden, thun und leiden werde, alle Pulsschläge und Athemzüge, alle Begierden und Seufzer, alle Silben und Worte, die ich lesen, hören und schreiben oder im Gedächtnisse behalten werde, alle Bewegungen und Unternehmungen; alle meine innerlichen und äußerlichen Uebungen opfere ich dir durch die Hände Mariä eben so auf, wie du es verlangst, im Namen unsers Herrn Jesu Christi, mit den Gesinnungen Seines allerheiligsten Herzens, in Vereinigung mit allem Lobe und aller Herrlichkeit, so du von dir selbſt hast, in der Meinung, womit du in mir und mit mir alles Gute wirkest; in der Meinung, die Maria mit allen frommen Seelen jemals gehabt hat; in der Meinung, dich, als meinen höchsten Herrn zu erkennen, dir, dem Ursprunge alles Guten, von dem Alles, in dem Alles, und durch den Alles ist, unendlich zu danken, dich zu loben und zu verherrlichen, vor dem Richterstuhle deiner Gerechtigkeit eine Genugthuung für meine Sünden abzulegen, und bei dem Throne deiner Gnade für mich und für alle Lebendige und Abgestorbene Barmherzigkeit und Gnade zu erflehen. Ich widme bir meine Werke, o König der Herrlichkeit! - Verlangen. Gott meiner Seele! der du das flehentliche Bitten und Seufzen der Armen erhörest: du siehst, wie herzlich ich wünschte, heute und allzeit der Gnadenwirkungen aller heiligen Meßopfer, welche auf der ganzen Erde dargebracht werden, theilhaftig zu Erstes Morgengebet. ? werben, so wie aller heiligen Ablässe und aller Verdienste frommer Seelen, welche mit mir Eine Gemeinschaft der Heiligen ausmachen, und aller guten Werke; laß sie auch zu gut kommen den armen Seelen im Fegfeuer, damit sie von ihren Peinen befreit werden, und als selige Bürger des Himmels für mich und alle Sünder zu dir um Barmherzigkeit flehen. Erhöre meine Wünsche, o Gott meines Herzens! Empfehlung und Bitte. Zu Gott. Von dir, o Herr! kommen alle guten Anschläge und gerechten Werke; steh' mir mit deiner Gnade immer bei, damit ich Alles mit dir unternehme, fortseße, und durch dich vollende.- In deine heiligsten Wunden, o Jesu! besonders in dein heiligstes Herz empfehle ich mich; lehre mich, demuthvoll, wie du warst, und sanftmüthig und geduldig seyn, damit ich mein Kreuz auf mich nehme, mich selbst verläugne, und dir nachfolge. Zu Maria. O meine Frau, heiligste Mutter Gottes Maria! in deinen besondern Schutz und Schirm, in den Schooß deiner Barmherzigkeit empfehle ich meinen Leib und meine Seele, mein Leben und das Ende meines Lebens. Zeige, daß du eine Mutter bist, und laß mich ohne deinen mütterlichen Segen nicht sterben. Zum heiligen Schutzengel. Engel des Herrn und Beschützer meiner Seele, dem mich Gott anempfohlen hat! bewahre mich heute auf allen meinen Wegen, erleuchte, leite und regiere mich. Zweites Morgengebet. Zu den heiligen Patronen. Heiliger Joseph! Heiliger Johann von Nepomuk! Heiliger Aloysius! Heiliger Namenspatron N.! Alle lieben heiligen Patronen! bittet für mich, damit ich in feine Sünde falle, enere Tugenden nachahme, und Gott täglich wohlgefälliger werde, bis ich durch einen seligen Tod unter euerem Schutze in euere Gesellschaft übergehe im Namen Gottes des Vaters, und des † Sohnes, und des heiligen Geistes. Amen. 8 Mo@ ell Ihr Zweites, kürzeres Morgengebet. Ulmächtiger, ewiger Gott, der du hier und überall zugegen bist, ich bete dich an in tiefster Demuth; ich sage dir Dank, allerheiligste Dreifaltigkeit, daß du mich Unwürdige diese Nacht erhalten; ich glaube an dich, unendliches, unbegreifliches Wesen; ich hoffe auf Dich, unermeßliche Güte; ich liebe dich, vollkommenste Schönheit! O mein Gott, sei immer vor meinen Augen und in meinem Herzen! Gib, daß ich nach Deinem heiligen Willen mich in Allem richte, und laß mich eher sterben, als Dich beleidigen! Himmlischer Vater! durch Jesum Christum deinen eingebornen Sohn epfere ich dir auf all mein Thun und Lassen, meine Freuden und Leiden, meine Worte und Werke, und alle Begierden und Regungen meines Herzens! Zweites Morgengebet. 19 Jesu! o mein Gott und Erlöser, in dein heiliges Herz befehle ich mich, deiner Liebe ergebe ich mich. du bist mein Leben und meine Seligkeit! Heiliger Geist! erleuchte mich, stärke mich, regiere mich durch deine heilige Einsprechung, und gib mir die Liebe Jesu Christi! O heilige Jungfrau und Mutter Gottes! sei meine Mutter und Fürsprecherin. Wache über meinen Leib und meine Seele! Heiliger Schußengel! leite und führe mich; alle heiligen Jungfrauen, bittet für mich! ( Bete nun ein Vater unser, ein Ave Maria und den Glauben, und nimm dir vor, an diesem Tage folgende Dinge zu beobachten:) 1) Wider einen Fehler zu streiten, und jene Tugend zu üben, welche diesem Fehler zuwider ist. 2) Jene Sünden besonders zu meiden, die du den Tag zuvor begangen hast. 3) Jene Gesellschaft und Gelegenheit zu meiden, worin du gewöhnlich deinen Gott beleidigest, oder dein Gemüth zu viel zerstreuest. 4) In der Einsamkeit zu bleiben, so viel es dein Stand zuläßt, und den Müßiggang zu fliehen. 5) Einigemal während des Tages deine gute Meinung zu erneuern, und dein Thun und Lassen Gott aufzuopfern. Auf diese Weise fannst du in furzer Zeit viel an deiner Besserung arbeiten. 10 II. Von dem guten Gebrauche der Zeit. I. Wie eine Jungfrau jede Stunde, jeden Augenblick des Tages zur Ehre gottes und zum heile ihrer Seele anwenden soll. er Herr. Du bist deßwegen auf der Welt, meine Tochter, damit du mir dienest, und durch ein heiliges Leben die ewige Seligkeit erlangest. Daher mußt du die Zeit wohl anwenden, die ich dir gebe. Diese Zeit ist kurz, und die darauf folgende Ewigkeit ist unermeßlich. Und wenn der Tod kommt, und du in das Land der Finsterniß abreisest, kannst du nicht mehr arbeiten; du kannst dir selbst nicht mehr helfen, sondern du wirst mir eine genaue Rechenschaft vom Gebrauche der Zeit geben müssen, die alsdann vor deinen Augen wird verschwunden seyn. Laß also keinen Augenblick unbenützt vorüber gehen. Bedenke, daß eine kurze Mühe einen ewigen Lohn verdienet, und daß du diesen Lohn alle Augenblicke verdienen kannst! Sieh, wie die Weltmenschen früh und spät bemüht find, einen vergänglichen Gewinn zu erhaschen! Eine Magd dienet Tag und Nacht ihrer Gebieterin um geringen Lohn; solltest du so träge seyn, die kostbare Zeit unbenützt vorüber gehen zu lassen, in welcher du die ewige Krone dir erwerben könnteft? Wie jammervoll ist das Loos jener Seelen, die mit so geringer Mühe ihre Schulden hätten auslöschen können, welche sie nun mit schweren Leiden bezahlen müſsen, welche die Tage ihres Heiles verscherzet, und zum ewi Vom Gebrauche der Zeit. 11 gen Verderben angewendet haben, was ihnen zum ewigen Leben hätte dienen können! Erkenne also meine große Gnade, indem ich dir auch nur eine Stunde lang dein Leben friste, und sich, wie thöricht du bist, indem du diese Güte mißbrauchest, und so viele Stunden und Tage in Eitelkeit verlebest. Laß die üppigen Jungfrauen im Müßiggang und mit unnüßen Sachen die Zeit zubringen, und am Tage des Gerichtes ihre Thorheit büßen; du aber, als eine weise Jungfrau, gebrauche den köstlichen Schatz der Zeit, um den Himmel zu erkaufen. Ich habe drei und dreißig Jahre gelebt, und alle Augenblicke zur Ehre meines Vaters und zum Heile deiner Seele angewendet, und dir ein Beispiel gegeben, damit du mir nachfolgest. Wie könntest du die liebe Tochter meiner jungfräulichen Mutter seyn, welche drei und sechzig Jahre lang mir immer gedient, und alle Tage und Stunden im Gebete und in der Arbeit nach meinem göttlichen Willen zugebracht hat? Bist du nicht schuldig, aus ganzem Herzen und aus allen Kräften deiner Seele deinen Gott zu lieben? Wo ist denn deine Liebe, wenn du meiner vergißt, und in Lauigkeit und Trägheit den besten Theil deines Alters verlierest? Die Jungfrau. Mein Gott und mein Heiland! Wie groß ist deine Güte und Langmuth, indem du schon so viele Jahre auf meine Besserung warteſt! Wann werde ich einmal anfangen, bir zu dienen? Warum will ich immer auf morgen mein Vorhaben aufschieben, und warum fange ich nicht heute an, dich zu lieben? So will ich denn heute, ja in dieser Stunde, in diesem Augenblicke den Anfang machen. Erbarme dich meiner, o mein Erlöser, und lehre mich, wie ich von nun an bis zum Ende meines Lebens die Zeit wohl anwenden möge! 12 Bom Gebrauche der Zeit. Von den verschiedenen Uebungen des Tages, und wie jede fofl verrichtet werden. D er Herr. Meine Tochter, ich verlange nicht von dir, daß du in strengen Bußwerken, in harter Arbeit, in Hunger und Durst, in Wüsteneien und Einöden deine Tage verlebest; du fönntest deine Schwächlichkeit, deine Standespflichten als Hindernisse vorwenden. Das Beispiel so vieler heiligen Jungfrauen, die ich zu solchen Dingen berufen habe, soll dich nicht kleinmüthig machen. Du hast nur drei Punkte zu beobachten: 1) deine gewöhnlichen Andachten und geistlichen Uebungen, 2) deine häuslichen Arbeiten und nothwendigen Geschäfte, und 3) die Sorge und Pflege deines Leibes. Wenn du diese drei Dinge verrichtest, wie ich es von dir verlange, so hast du den ganzen Tag wohl angewendet; und wie ein Tag ist, so ist auch die Woche, so ist auch das ganze Jahr, und folglich das ganze Leben. Die Jungfrau. Wie soll ich mich also hierin verhalten, um dir zu gefallen, mein göttlicher Lehrmeiſter? Der Herr. Dein Gebet, deine geistlichen Uebungen verrichte mit ruhigem Geiste, mit aufmerksamem Gemüthe, und entferne, so viel es dir möglich ist, die weltlichen Gedanken und Zerstreuungen des Herzens. Deine Arbeit und häuslichen Geschäfte verrichte fleißig, genau und sittsam, und hüte dich vor Verdruß und Unwillen! Was aber die nothwendige Sorge für deinen Leib betrifft, nämlich: Speise, Trank, Schlaf, ein erlaubtes Bergnügen u. dgl., so sollst du dabei eine gedeihliche Mäßigkeit beobachten. In allen Fällen aber sollst du ein reines Herz und eine gute Meinung an den Tag legen; auf diese Art wirst du deine Zeit gut zubringen, und deine inneren Verdienste vermehren. Vom Gebrauche der Zeit III. Die täglichen, geistlichen und weltlichen Uebungen müſſen durch die gute Meinung geheiligt und verdienstlich gemacht werden. 13 er Herr. Wie wenig von den vier und zwanzig Stunden des Tages gibst du dem Gebete und andern heiligen Uebungen, die von sich selbst gut und verdienstlich sind! Alle übrige Zeit geht vorüber mit Schlafen, Essen und Trinken, mit Arbeiten und andern solchen Geschäften, welche auch von den Heiden und Ungläubigen verrichtet werden, und die von sich selbst weder gut noch böse sind, und von welchen du keinen Lohn im Himmel zu erwarten hast, außer wenn du sie durch eine gute Meinung heiligest und verdienstlich machest. Dieſe gute Meinung ist das Auge der Seele. Die ganze Nacht hindurch hatten meine Jünger auf dem Meere gearbeitet, und nichts gefangen; da sie aber in meinem Namen die Neße auswarfen, fingen sie eine große Menge Fische. Wie viele armselige Menschen ziehen herum in der Nacht dieses sterblichen Lebens, die in vieler Arbeit und Mühe, in vielen Sorgen und Verdrießlichkeiten ihre Tage zubringen, und nach einem geringen Gewinne, oder nach einem menschlichen Lobe, oder nach einem kurzen Glücke trachten; die da schlafen in Ruhe, und im füssen Genusse ihrer zeitlichen Güter; alle diese werden nichts in den Händen finden, wenn der Tag der Ewigkeit anbrechen wird, weil nicht ich, sondern ihr Vortheil das Ziel war, wonach sie gestrebt haben. Die Jungfrau. Wie soll ich denn, mein geliebter Heiland, mein Thun und Lassen nach deinem Willen einrichten, und worin besteht jene gute Meinung, wo durch ich dir in meinen Verrichtungen gefallen und meine ewige Belohnung verdienen kann? Der Herr. Alles, was du thust, es sei in Worten oder Werken, das thu in meinem Namen, und weil 14 Vom Gebrauche der Zeit. ich es von dir verlange. Suche nicht durch deine Arbeit und Mühe bloß die Menschen zu befriedigen, oder ein Lob von denselben, oder einen zeitlichen Gewinn zu erhaschen, sondern mir zu gefallen, und einen bessern. Lohn im Himmel zu erwerben! Und bist du unter dem Gehorsam deiner Eltern, oder deiner Herrschaft, oder einer geistlichen Obrigkeit, so bedenke, daß ich in ihrer Person dir befehle, und verrichte, was dir befohlen wird, mit Geduld und Sittsamkeit, ohne Murren und Widersprechen, in der Meinung, mir dadurch zu gefallen und meinen Willen zu vollziehen. Auch deine leiblichen Bedürfnisse, das Schlafen, Essen und Trinken, deine unschuldigen Erheiterungen, welche du zur Erholung deiner Kräfte gebrauchest, sollst du mir aufopfern und zu meiner Ehre verrichten. Und obgleich dein Gebet, deine guten Werke, deine Andachten und geistlichen Uebungen von sich selbst gut und verdienstlich sind, so pflegt doch bisweilen eine menschliche Absicht, ein heimliches Wohlgefallen oder eine andere verfehrte Meinung sich einzuschleichen, welche diese Werke verderben, unfruchtbar, und zuweilen strafmäßig machen. Du sollst also auch in diesen Werken eine gute Meinung erwecken, und nichts Anderes, als meine Ehre und deine Pflicht in denselben vor Augen haben. Du sollst sie vor den Augen der Menschen verbergen, und wenn dieß nicht seyn kann, aller mensch. lichen Absicht und dem eigenen Ruhme entsagen: Wie hast du dich bisher in dieser so wichtigen Sache verhalten? Die Jungfrau. Was kann ich sagen vor dir,# du Erforscher meines Gewissens und meiner verborgens sten Gedanken, als daß ich zu meiner größten Beschämung bekennen muß, daß ich die Zeit übel angewendet, und durch meine leichtsinnige Unbehutsamkeit und eitle Absichten unendliche Schätze der Verdienste verscherzet habe! Ach, was könnte ich dir aufweisen, wenn ich jetzt Vom Gebrauche der Zeit 15 sterben müßte! Und du, mein Gott und mein Leben, bist so gnadenvoll, und gibst mir noch Gelegenheit, meinen Fehler zu verbessern. So will ich denn fünftig all mein Thun und Lassen dir aufopfern, mein Erlöser, und nichts Anders, als dein göttliches Wohlgefallen beobachten, in der Hoffnung, du werdest mein gutes Vorhaben mit gnädigen Augen ansehen. IV. Wie du eine gute Meinung erwecken, und gott dein Thun und Laffen aufopfern follft. er Herr. Meine Tochter, du kannst deine Gedanken, deine Worte und Werke, deine Leiden, mir oder meinem himmlischen Vater aufopfern; wenn du sie meinem himmlischen Vater aufopferst, so vereinige sie mit dem, was ich in gleicher Begebenheit gethan oder gelitten habe, und sprich: ,, Mein Gott, zu deiner Ehre will ich dieses thun oder leiden, und bitte dich, du wollest es mit dem vereinigen, was mein geliebter Erlöser, dein eingeborner Sohn, auf Erden gethan hat. Auch dein Gebet sollst du mit dem meinigen vers einigen. Wenn du aber mir besonders deine Werke aufopferst, so sprich: ,, Mein Gott und Heiland, um dir meine Liebe zu beweisen, thu' ich dieß, oder leide es, weil es dein göttlicher Wille ist;" oder: ,, in deinem Namen verrichte ich diese Arbeit, dir zu Liebe gebe ich dieses Almosen, oder beginne dieses Werk." Erwecke diese gute Meinung zuerst im Allgemeinen über all dein Thun und Lassen, über deine Leiden und Freuden, wenn du Morgens dein Gebet verrichtest. Wiederhol Wiederhole und erneuere diese gute Meinung zuerst zwei- oder dreimal des Tages, oder öfter; dann erwecke sie im Besondern, wenn du irgend ein Unternehmen anfängst, und zuletzt laß keine von deinen täglichen Berrichtungen oder Widerwärtigkeiten vorübergehen, ohne zuvor eine gute Mei 16 Vom Gebrauche der Zeit. nung zu erwecken; die geringste Arbeit wird durch diese gute Meinung einen höhern Werth bekommen und dir leicht werden. Damit ich aber dein Opfer annehme und dich deßwegen im Himmel und auf Erden belohne, mußt du zwei Bedingnisse erfüllen. Die erste Beringung ist, daß die Sache, welche du mir aufopferst, meinem Willen nicht entgegen ist, und die zweite Bedingung ist, daß du dich im Stande der Gnade befindest. V. Was du gott durch die gute Meinung aufopferst, muß seinem göttlichen Willen gemäß fein. er Herr. Meine Tochter, diejenigen, welche den Willen meines himmlischen Baters erfüllen, werden in das Himmelreich eingehen. Es wird also nicht nur eine gute Meinung von dir erfordert, sondern es muß auch die Sache, die durch eine gute Meinung verrichtet wird, mit dem göttlichen Willen übereinstimmen. Die Jungfrau. Wie kann ich erkennen, daß eine Sache dir wohlgefällig und deinem göttlichen Willen gemäß ist, mein geliebter Heiland? Der Herr. Alles, was dich der Glaube lehret, was dein Stand von dir erfordert, und was der Vernunft nicht zuwider ist, kann durch eine gute Meinung geheiligt und verdienstlich werden, wenn du es mit möglichstem Fleiße, mit Bescheidenheit und zu rechter Zeit verrichtest. Der Glaube lehret dich, daß du meine heiligen Gebete haltest, daß du dich verläugnest, daß du gehorsam seiest deinen weltlichen und geistlichen Vorgesetzten. Thu dieß in der Meinung, dadurch deinem Gotte zu gefallen, und du thust wohl. Du hast gewisse Geschäfte, Pflichten und Verrichtungen, die dein Stand und Beruf von dir erfordern, sowohl in weltlichen als geistlichen Werken. Verrichte Bom Gebrauche der Zeit. 17 fie in der Meinung, dadurch deinen Gott zu ehren und seinen Willen zu vollziehen, und du thust wohl. Die Vernunft will, daß du deinen Leib pflegest, deine Kräfte erhaltest, und daher Mittel gebrauchest, die meine Vorsehung dir gegeben hat; thu dieß in der Meinung, mir dadurch zu dienen, und du thust wohl. Sei behutsam und bescheiden in geistlichen Uebungen; ein unzeitiger und übertriebener Eifer ist mir nicht angenehm, und könnte dir leicht am Leibe und an der Seele schaden. Thu Alles zu seiner Zeit; sei nicht unbeständig und leichtsinnig, und laß dich von dem, was du mir zu gefallen einmal angefangen hast, durch keine Beschwerlichkeit, durch keinen vorübergehenden Ueberdruß abwendig machen. VI. Damit die gute Meinung ein Werk verdienstlich mache, mußt du im Stande der gnade seyn. er Herr. Wie gut und löblich auch immer deine Werke und deine guten Meinungen sehn mögen, so kannst du doch dafür keinen Lohn im Himmel hoffen, wenn du dieselben in meiner Ungnade, und im Stande einer schweren Sünde verrichtest. Ich und mein lebendig machender Geist können mit der Sünde nicht in deinem Herzen wohnen. Ich bin das Licht, und die Sünde ist die Finsterniß, die nicht beisammen seyn können. Und wenn du durch die Liebe nicht mit mir vereinigt bist, so gleichest du einer Rebe, welche vom Weinstocke abgeschnitten ist, verborret, und in das Feuer geworfen wird. Du bist todt, so lange du das Leben der Seele nicht hast, welches meine heilig machende Gnade ist; ein todter Baum aber kann keine Früchte bringen. Ja, auch alle guten Werke, die du im Stande der Gnade gesammelt hast, werden durch die darauf folgende Sünde getödtet, und kommen vor mir in ewige Jungfrauenbuch II. Theil. 2. Betrachtung am Sonntage. Vergessenheit, es sei denn, daß du wieder Buße thust. So fliehe also vor der Sünde, wie vor einer giftigen Schlange, welche Alles mit ihrem Gifte ansteckt. Und wenn dich dein Gewissen an eine schwere Sünde erinnert, so versäume feinen Augenblick, sie zu beweinen und mit reumüthigem Herzen zu bekennen. Und wenn du dir auch schon feiner schweren Sünde bewußt bist, so erwecke doch alle Tage eine findliche Reue und Leid, damit dir deine unbewußten Sünden nachgelassen werden. 18 III. Betrachtungen gottseliger Jungfrauen nach dem Morgengebete zu Hause oder in der Kirche. 1. Am Sonntage. Betrachtung der allerheiligsten M llerheiligste Dreifaltigkeit, ungetheilte Einigfeit, ewige Gottheit! Wie unerforschlich ist die Höhe deiner Weisheit, wie unbegreiflich sind deine Urtheile, wie unerdenklich sind deine Wege! Ach, daß meine Seele dich immer lobe, anbete und aus allen Kräften liebe! Alles, was lebt und schwebt, was im Himmel und auf Erden sich befindet, ist das Werk deiner Allmacht, die Erfindung deiner Weisheit, das Lob deiner ewigen Majestät. Du hast mich vor allen Zeiten vorhergesehen, o unerdenkliche Betrachtung am Sonntage 19 Borsehung! Du hast mir gerufen, da ich noch nicht war, o liebreiche Güte! Du hast mich vor vielen Tausenden auserlesen, damit ich heilig und unbefleckt vor dir wandle, o unbegreifliche Heiligkeit! Du hast mich in der Zeit erschaffen, und im Mutterleibe gestaltet, o du ewige Allmacht! Wie hab' ich dir aber gedient, o du mein höchstes Gut, wo ist meine Dankbarkeit, wo ist meine Liebe? Du hast mir meinen Verstand gegeben, damit ich dich erkenne, o unbegreifliches Wesen, du hast mir ein Herz gegeben, damit ich dich liebe, unübertreffliche Schönheit, von dir hab' ich alle Kräfte meiner Seele, damit ich sie zu deinem Lobe anwende. Ach, warum hab' ich mich von der schnöden Eitelkeit verblenden lassen, und dich nicht erkannt, o ewige Wahrheit?- warum hab' ich die Geschöpfe geliebt, die nichts sind, und welche sich von dir, ihrem Schöpfer, abwenden, der du Alles bist? warum hab' ich getrachtet nach dem, was vor meinen Augen verschwindet, und deiner vers gessen, der du bist das unendliche Leben! O ewiges Licht, erleuchte mich, kehre zu dir mein Herz, und laß mich dich lieben! Wenn ich dich liebe, o großer und wunderbarer Gott, so besitze ich dich, und wenn ich dich besitze, so besitze ich Alles; denn in dir und aus dir ist Alles, was gut ist. Wer aber dich nicht besitzet, der lebt in der größten Armuth, sollte er auch alle Schätze der Welt besitzen; denn Alles vergehet wie ein Schatten. On aber, o Gett der Majestät, bist allein unsterblich, und dein Reich dauert von einer Ewigkeit zur andern. 2* Betrachtung am Montage. Wie darf ich armseliger und verächtlicher Wurm dich, einen so großen Gott, beleidigen, und welche Strafe hab' ich nicht schon verschuldet wegen meiner wider dich begangenen Sünden! O unerschöpfliche Barmherzigkeit, sieh auf mein betrübtes und reumüthiges Herz, das voll des Vertrauens auf deine unendliche Güte sich zu dir wendet, und nunmehr dich zu lieben und dir zu dienen verlanget! Verachte nicht meine Armseligkeit, sondern erhöre mich durch Jesum Christum! Heilige Jungfrau, meine liebste Mutter und Fürs sprecherin! Du bist die liebste Tochter des himmlischen Vaters, die wertheste Mutter seines eingebornen Sohnes, die auserlesene Braut des heiligen Geistes; gib, daß ich durch deine Fürbitte meinen Gott liebe! 20 Kirchengebet. Allmächtiger, ewiger Gott, der du deinen Dienern die himmlische Gnade verliehen hast, daß sie in Erkenntniß des wahren Glaubens die Herrlichkeit der ewigen Dreifaltigkeit erkennen, und in der Macht der Majestät die Einigkeit anbeten mögen, wir bitten dich, daß wir durch diesen starken Glauben wider alle Widerwärtigkeiten zu jeder Zeit beschüßet werden, durch Jesum Christum unsern Herrn! Amen. недонобродо 2. Am Montage. Betrachtung des heiligen geiftes. D heiliger Geist! der du mit dem Vater und Sohne ein einiger, ewiger Gott bist, der du Alles lebendig machest und Alles erneuerst: zeige an mir armen Sünderin die Größe deiner Macht; bekehre mich, erneuere mich, heilige mich! Betrachtung am Montage. 21 Ohne dich, o göttliches Licht, wandle ich in der Finsterniß; erleuchte mich! ohne dich bin ich lau- und kaltfinnig; entzünde mich, o Flamme der göttlichen Liebe! ohne dich ist Elend und Schwachheit mein Loos; stärke mich, o Kraft Gottes! Ohne dich kann ich keinen einzigen guten Gedanken fassen; begnadige mich, o unendliche Güte! Welche Schätze der Gnade hast du, o freigebiger Gott, mir undankbaren Sünderin gegeben! Wie oft hast du mich erleuchtet, innerlich angetrieben, ermahnet, und mein unempfindliches Herz zu erweichen gesucht! Und warum hab' ich dir nicht gefolgt, o du Gott meines Herzens, der du doch, voll Erbarmen, mir so viele Gnaden spendest, als ich zum Siege bedarf! Deine Macht ist wunderbar, weil du aus einem Sünder einen Gerechten, und aus einem Sklaven des Bösen ein Kind Gottes machen kannst. Und was hindert dich, o du Gott der Liebe, daß du an mir dieſe Wunder wirkest? Deine Güte wäre ja nicht so groß, wenn du nur an den Frommen deine Macht zeigtest! Ich bitte dich, o göttlicher Tröster, nur um das, was deinen Augen wohlgefällig ist, und was mir zugehört; nämlich um die Gnade Jesu, die Früchte seiner Verdienste, die Schäße seiner Liebe; sie sind mein, weil Jesus sie für mich erworben hat. Du nimmst sie aus dem Herzen Jesu, das für mich verwundet wurde. Jesus hat mir versprochen, daß er dich senden werde, daß du mich lehren werdest alle Wahrheit, daß du das Feuer der göttlichen Liebe in mir entzünden werdest. Betrachtung am Dienstage. Als Jesus im Fluße Jordan getauft wurde, hast du ihm das Zeugniß gegeben, daß er der eingeborne Sohn Gottes ist, von welchem du, o Geist der Liebe, durch die ewige Liebe ausgehest. Durch deine Erleuchtung erkenne ich Jesum Christum, durch deine Einsprechung liebe ich ihn. Du weißt, daß ich armseliges Geschöpf Jesum nicht lieben kann, wenn du nicht zu Hilfe kommest, ja auch den Namen Jefu kann ich zu meinem Heile ohne dich nicht ausspreche 22 So komm denn, o du Licht der Herzen, und reinige mein Herz von Sünden und irdischen Anmuthungen; erneuere in mir den innerlichen Menschen nach dem Ebenbilde Jesu, damit auch du, o süßer Gast meiner Seele, bei und in mir wohnen mögest. Wo du zugegen bist, da ist auch die Freude, der Friede, die Geduld, die Sanftmuth, die Güte, der Glaube, die Mäßigkeit, die Liebe, die Keuschheit und alle göttlichen Tugenden. Kirchengebet. O Gott, der du die Herzen der Gläubigen durch die Erleuchtung des heiligen Geistes gelehret hast, verleihe uns die Gnade, daß wir durch seine Einsprechung immer nach der Tugend streben, und seines Trostes uns jederzeit erfreuen, durch Jesum Christum unsern Herrn! Amen. 3. Am Dienstage. Betrachtung des heiligen Schutzengels und aller andern auserwählten Freunde Gottes. Gott der Barmherzigkeit, der du deine guten Geister gesendet haft zum Dienste der Menschen, ich danke dir, und will dich mit diesen heiligen Engeln ewig loben. Betrachtung am Dienstage. 23 Dir ist an meinem Heile, an dem Heile einer armen Sünderin so viel gelegen, daß du deinen heiligen Engeln befahlest, auf allen meinen Wegen mich zu beschützen. Du bist so gütig, o Gott, und ich bin so unempfindlich und undankbar! Wie oft hab' ich dich, o höchster Gutthäter, beleidiget vor den Augen dieses getreuen Wegweifers, und diesen dadurch betrübet! Er aber weichet nicht von mir, weil er nach deinem göttlichen Willen meine Seele dir zu gewinnen sucht. Er betrachtet, e Herr, deine eigene Geduld und Langmuth, mit welcher du auf meine Bekehrung warteſt, und deßwegen beschützt er mich schon so lange! Er fieht, o ewige Barmherzigkeit, daß du mich liebeſt, daß du dich meiner Thorheit erbarmest, daß du mir rufest, da ich von dir mich entferne, daß du mir aufhilfft, da ich gefallen bin! Er liebt mich, weil er weiß, daß ich mit dem Blute Jesu Christi bin erkauft worden. O mildester Vater, du bist es, von dem alle dieſe Guaden kommen; so sei denn allezeit gelobt und gebenedeiet, Gott der Güte! Schenke mir auch noch ferner deine Barmherzigkeit, und gib, daß ich diesen himmlischen Führer anhöre und ehre. Laß ihn für mich streiten im Kampfe mit meinen Feinden, und wenn Jesus am jüngsten Tage mich aus dem Grabe rufen wird, so laß diesen heiligen Engel vor meinen Augen erscheinen, damit er mich meinem gnädigen Richter in das Thal Josaphat entgegen führe. Heilige Jungfrau und Mutter Gottes! Könnte ich doch meinem lieben Schutzengel eine solche Freude machen, wie du die himmlischen Geister erfreuet haſt. Betrachtung am Dienstage. Und du, mein Engel und Beschützer, denke nicht an das Böse, das ich Unglückselige in deiner Gegenwart gethan habe, sondern an den festen Vorsatz meiner Besserung. 24 Eine andere Betrachtung von den heiligen Gottes. Gott und Erlöser meiner Seele! wie wunderID bar bist du in deinen Heiligen, die du auserlesen, berufen, und durch wunderbare Wege und Mittel in den Himmel geführt hast; was sie besitzen, das hoffe auch ich zn erlangen, und was du ihnen gegeben hast, das hast du auch mir verheißen, wenn ich ihnen nachfolge. Dein Wille ist, daß auch ich heilig werde; dieß sagt mir deine unendliche Liebe, die du von meinen ersten Jahren an mir erzeigt hast; dieß verkünden mir die großen und unzähligen Gnaden, die ich von dir empfangen, die kräftigen Mittel, die mich an das Ziel führen sollen, und jene heiligen Gedanken und Neigungen, die ich in meinem Herzen fühle. Ich bin zwar ein schwacher Mensch, zu allem Bösen geneigt, vielen Versuchungen unterworfen, von vielen Feinden umrungen; aber deine Heiligen waren ja auch Menschen, schwach, wie ich, zum Bösen geneigt, wie ich, versucht und angefochten, wie ich; aber sie haben gestritten, überwunden, gesieget. Warum soll ich nicht auch thun können, was sie gethan haben? Du bist ja auch mein Gott und meine einzige Hoffnung, gleichwie du ihr Gott und ihre einzige Hoffnung warest. Dein göttliches Herz steht ja noch offen für mich, wie es für jene offen stand, warum sollte also nicht auch ich dich lieben? Betrachtung am Dienstage. 25 D Gott, wenn du einst in deiner Herrlichkeit fommen wirst, die Welt zu richten, und ich deine Heiligen aus allen Theilen der Erde, aus allen Geschlechtern, von jedem Alter sehen werde, womit soll ich dann mein laues und sündhaftes Leben entschuldigen? Wie werde ich mich schämen und meine Trägheit verfluchen! Was werde ich sagen in Ansehung so vieler Märthrer, die Leib und Leben für dich hingegeben haben, während ich eine geringe Schmach nicht dulden kann! Wie wird mir um das Herz seyn, wenn du mir zeigen wirst die unzählbaren Jungfrauen, die um deiner Liebe willen die Welt, und Alles, was die Welt geben kann, verachtet haben, während ich in der Eitelkeit meine Tage verlebe, und den ungetreuen Menschen zu gefallen suche! So viele heilige Seelen haben dir, o mein Erlöser, in Hunger und Durst, in Hitze und Kälte, in Kreuz und Widerwärtigkeiten, im Fasten und Wachen, im Beten und Arbeiten Jahre lang gedient, und ich kann meinem Munde, meiner Zunge, meinen Augen, meinem Leibe und meiner Sinnlichkeit nichts versagen! Ach, mein Jesu, erbarme dich meiner, und siehe an die Begierden meines Herzens. Ich will heilig werden, und wenn ich auch mit deinen Blutzeugen mein Blut nicht vergießen kann, wenn ich mit deinen heiligen Jungfrauen die Welt nicht ganz verlassen kann, wenn ich mit den büßenden Seelen in den Einöden nicht leben kann, so will ich wenigstens deine heiligen Gebote halten; ch will mich bemühen, dir in kleinen Sachen getreu zu 26 Betrachtung am Dienstage. seyn, wenn ich große nicht unternehmen kann; denn auch diesen hast du die ewige Seligkeit versprochen. Du haft selbst gesagt, o ewige Wahrheit, daß in dem Hause deines Vaters vielerlei Wohnungen sind. Ich kann zwar keine Heiden bekehren, keine Todten erwecken, und das ist es auch nicht, was du von mir verlangest. Aber mein Herz will ich reinigen, die geringen Pflichten meines Standes und Berufes getreu und genau erfüllen, und durch einen gottseligen Wandel meinen Nächsten auferbauen. Aber auch dieß kann ich nicht ohne deine Hilfe thun. So erbarme dich denn deiner Dienerin, die du liebest und die dich lieben will. Heilige Jungfrau und aller Heiligen Königin, bitte für mich, daß ich nach der Heiligkeit strebe und mit den Heiligen Jesum liebe. Auch ihr, auserwählte und im Himmel anbetende Diener und Dienerinen Gottes, bittet für mich, daß ich euch auf Erden nachfolge. Kirchengebet. Allmächtiger, ewiger Gott, der du herrschest über die Lebendigen und über die Todten, und dich aller deiner Kinder erbarmest, wir bitten dich demüthig, daß alle diejenigen, für welche wir beten, Lebendige und Abgeschiedene, durch die Fürbitte der Heiligen und durch deine Güte Verzeihung aller Sünder erlangen, durch Jesum Christum unsern Herrn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit! Amen. 27 4. Am Mittwoch. Bu dem hochheiligen Namen Jefu. D mein Jesu, wie liebreich ist dein heiliger Name Jenen, die dich lieben, wie troftvoll Jenen, die auf dieser Erde nach dir seufzen! Wenn ich, o liebster Jesu, deinen heiligen Namen höre, wenn ich ihn lese, wenn ich ihn ausspreche, so denke ich, daß du mein Erlöser bist, und ich sage zu mir selbst: Jesus ist mein; denn er ist mir zum Erlöser und Lehrer gegeben worden, und ich bin sein, weil er mich erkauft und erlöset hat, da ich verloren war. Jesus liebt mich, weil ich sein bin; so will ich denn auch Ihn lieben, weil Er mein ist. Wohin ich immer meine Sinne und Gedanken wende, finde ich nirgends ein Herz, das in der Aufrichtigkeit und in der Güte mit deinem Herzen zu vergleichen ist, geliebteſter Jesu! So soll denn mein Herz mit keinem andern, als mit dem deinigen verbunden und vereiniget werden. Wenn die Welt kommt und mein Herz verlanget, so will ich ihr sagen: du hast mich nicht erlöset, falsche und eigennützige Welt, sondern du suchest mich zu verdammen. So will ich dich also nicht lieben, sondern Jesum will ich lieben, der mich erlöset hat, und der mich will selig machen. Wenn mein Fleisch wird sagen, daß ich es lieben und seine Begierden erfüllen soll, so will ich ihm antworten: du hast mich nicht erlösest, armseliges Fleisch, sondern du willst dich und mich in das Verderben stürzen. So will ich dich also nicht lieben, sondern ich will dich 28 Vetrachtung am Mittwoch. hassen als meinen ärgsten Feind. Der Lohn, den bu deinen Anhängern gibst, ist der ewige Tod; Jesus aber gibt mir das ewige Leben, wenn ich ihn liebe. So will ich also Jesum lieben! Wenn der Geist des Bösen kommt, und mit seinen Lügen mein Herz bethören und zur Sünde anreizen will, dann werde ich zu ihm sagen: Armseliger, verächtlicher Geist, wie darfst du mir zumuthen, daß ich deinetwegen Jesum beleidige, von welchem du mit deinem ganzen verfluchten Anhange die Kniee beugen mußt! Wenn ein sterblicher Mensch nach meiner Liebe verlanget, so weiß ich nicht, wie er es meinet, und was für ein Ende meine Liebe nehmen möchte; wohl aber weiß ich, mein Jesu, daß du es mit mir wohl meinest, und daß es mir nicht übel gehen kann, wenn ich dich liebe. Wenn du aber willst, daß auch ein Mensch an meiner Liebe Theil habe, so will ich ihn deiner wegen lieben, dich aber will ich allezeit über Alles lieben. Du bist mein Erlöser o Jesu! denn dieß heißt dieser süße Namen. In diesem freuder und trostreichen Namen finde ich Alles; in diesem Namen besitze ich Alles, in diesem Namen hoffe ich Alles, was ich noch nicht besitze. Mit diesem Namen bin ich sicher in allen Gefahren, muthig in allen Anfechtungen, geduldig in allen Widerwärtigkeiten, getröstet in jeder Betrübniß, siegreich in jedem Streite, glückselig in der Belohnung; denn kein anderer Name ist den Menschen gegeben worden, in welchem sie selig werden können. Diesen heiligen Namen will ich schreiben auf meine Augen, auf meine Zunge, auf meine Stirne, auf mein Herz. Die Welt wird Betrachtung am Mittwoch. 29 mich dann nicht anlocken können, wenn sie diesen Namen sieht; der Versucher wird ferne bleiben; deine heiligen Engel werden sich meiner freuen, und du, mein geliebtester Jesu, wirst mich an diesem Zeichen für dein Schäflein erkennen. Jesu, mein Vater, mein König, mein Gott! Wie kann ich dich beleidigen, wie kann ich die Welt lieben, die im Argen liegt, wie kann ich eine Freude haben, außer dir? Wie kann ich getröstet seyn, wenn du nicht zugegen bist, wie kann ich deiner vergessen? Mein Jesu, ruhe in meinem Herzen, welches nach dir verlanget! Es verschmachtet vor Liebe und Wonne; meine Zunge findet keine Worte, dir die inneren Regungen meines Gemüthes auszudrücken. So laß denn mein Herz mit dir reden, oder vielmehr rede du selbst mit meinem Herzen! Maria, du liebevolle Mutter Jesu, bie du auf göttlichen Befehl diesen süßen Namen Jesu gegeben, und ihn so vielmal mit unaussprechlicher Wonne ausgespromen haft: tröste mich mit diesem göttlichen Namen in der Stunde meines Todes! Amen. Kirchengebet. O Jesu! der du gesagt haft: Begehret, und ihr werdet erhalten, suchet, und ihr werdet finden, klopfet an, und man wird euch aufthun; segne unser Gebet mit einer innigen Neigung zu deiner göttlichen Liebe, damit wir dich mit Mund und Herz lieben, und niemals dich zu loben aufhören, der bu lebest mit Gott dem Vater und dem heiligen Geiste von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. 30 5. Am Donnerstage. Betrachtung des hochheiligen Sakramentes des Altares. V erborgener Gott und Heiland, meine Freude und mein Leben! Wer könnte sich einbilden, wenn es der Glaube nicht lehrte, daß ein so großer Gott unter der geringen Gestalt des Brodes bei den Menschen auf Erden zugegen ist! O Gott der Majestät, wo ist denn der herrliche Glanz deiner Schönheit? Wo ist dein prächtiges Gefolge, o unsterblicher König der Zeiten; wo sind deine Schätze und Reichthümer, der du leiblicher Weise die Fülle der Gottheit in dir wohnend hast? Alles hast du verborgen vor meinen Augen, damit ich ohne Furcht zu dir kommen, mit dir freundlich reden und deiner genießen könne; welch' große Liebe, o mein Gott! War es denn nicht genug für undankbare Menschen, daß du, o Gott, ihre sterbliche Schwachheit annehmen wolltest? Hat dein mühsames Leben und dein schmerzlicher, schimpflicher Tod nicht genug deine Liebe zu erkennen gegeben? Warum also, o unermessene Güte! warum hast du bei uns Menschen bleiben wollen, und in einem so geringen Stande, wo dich fast Niemand erkennen will, wo man deiner vergißt und dich beleidiget? Ach, aus unendlicher Liebe zu den undankbaren und unempfindlichen Menschen hast du diese Demuth gewählet, ewiger Gott der Majestät! Da du sichtbar unter den Menschen wandeltest, warst du nicht so verlassen, o du Gott der Liebe! Man kam Betrachtung am Donnerstage. 31 von allen Orten, um dich zu sehen, man hörte mit Verwunderung deine göttliche Lehre, man sah und pries deine Wunderwerke; man vergaß Alles, um dir nachzulaufen. Und obwohl deine Feinde dich auf's Aeußerste verfolgten, so ist doch das ganze Volk für dich gestanden, so sehr hattest du alle Augen und Gemüther eingenommen. Nachdem dich aber deine Liebe unter der Gestalt des Brodes verborgen hat, bist du von Kleinen und Großen verlassen. Du sigest in der Einsamkeit auf dem Throne deiner Liebe; du ladest alle Menschen ein, und Niemand will zu dir kommen; du bietest die Schätze deiner Gnade an, und Niemand will sie empfangen; man will lieber sterben, als bei dir das Leben suchen, so groß ist die Unempfindlichkeit und Thorheit der Menschen! Du bist, o Jesu das Licht der Welt, welches in dem Dunkel dieses verborgenen Geheimnisses leuchtet; aber die Menschen lieben die Finsterniß, und wollen von dir nicht erleuchtet werden; wie sehr schmerzet dich eine so unbegreifliche Thorheit! Einige haffen und verfolgen dich, weil sie dich nicht erkennen; Andere erkennen dich, aber sie glauben nicht, daß du in diesem liebreichen Geheimnisse zugegen bist, und deßwegen freveln sie wider dich; und von Jenen, welche an deine Gegenwart glauben, wie wenige gibt es, welche sich von dir erleuchten lassen, o du Licht meines Herzens! Sie gehen umher diese armseligen Menschen, in der Nacht ihres blinden Gemüthes, bis fie in die ewige Finsterniß stürzen. Betrachtung am Donnerstage. Du aber, allgütigster Vater der Menschen, hörest nicht auf, die Strahlen deiner Gnade aus diesem liebereichen Sakramente nach allen Seiten hin auszuspenden, und um einer Seele willen, die sich erleuchten läßt, trägst du mit Geduld die Blindheit so vieler Andern, und wartest auf ihre Bekehrung. Deine Liebe, mildseligster Herr! ist so. unermeßlich, daß du dich selbst ihnen zur Speise gibst, und sie mit deinem kostbaren Blute tränkest. Also erschöpfest du alle Schätze deiner göttlichen Liebe, o wunderbare Liebe und Güte, daß es unmöglich scheint, daß ein Mensch, der dieß glaubt, dich nicht liebe, daß er nicht verlange, an dieser Speise seinen Hunger zu stillen, und mit diesem göttlichen Tranke seinen Durst zu löschen. 32 Ja, mein geliebtester Jesu! es gibt Seelen, und du kennest sie, die in diesem Sakramente der Liebe die süßeste Wonne finden; aber bei dem großen Haufen der Gläubigen findest du nichts als einen lauen Geist, nichts als ein unempfindliches Herz und ein undankbares Gemüth. Wie oft mußt du, o Gott der Reinigkeit, bei denjenigen deine Herberge nehmen, welche voll der abscheulichsten Sünden sind. Auf solche Weise gehen die treulosen und meineidigen Menschen mit dir um, o Gott der Herrlichkeit, und diese Menschen liebest du, nach ihrem Heile verlangest dul Ach, mein Heiland! bin ich Armselige nicht auch in der Zahl dieser unchristlichen Menschen? Verzeihe mir, Gott des Erbarmens, was ich gegen dieses liebreiche Sakrament bisher begangen habe. Künftig will ich dir, Betrachtung am Freitage. 33 o mein höchstes Gut, mit größerem Eifer dienen, und in deiner Heimsuchung, nicht in den üppigen Versammlungen der Weltkinder, meine Freude und meinen Trost suchen! Von heute an will ich mein Herz reinigen, damit du Freude in mir findest. Heilige Jungfrau und Mutter Jesu, durch deine Fürbitte erhalte mir die Reinigkeit des Leibes und der Seele, welche diese himmlische Speise von mir fordert. Kirchengebet. O Gott, der du unter dem wunderbaren Sakramente das Gedächtniß deines Leidens hinterlassen haft: Wir bitten dich, verleihe uns, daß wir die heiligen Geheimnisse deines Leibes und Blutes also verehren, damit wir die Frucht deiner Erlösung kräftig in uns empfinden, der du mit dem Vater und dem heiligen Geiste lebest und regierest in Ewigkeit! Amen. 6. Am Freitage. Bu dem Hochheiligen Herzen Jesu. D göttliches und gnadenreiches Herz Jesu, meines Erlösers, welches mich armselige Sünderin so innig geliebt, und für mich unbeschreibliche Angst, Schmerzen und Drangfale ausgestanden hat: wo ist meine schuldige Dankbarkeit und Gegenliebe? Man liebt ja bei den Menschen ein aufrichtiges, gut meinendes und getrenes Herz; keines ist mit dir, o göttliches Herz, in der Aufrichtigkeit und im Vertrauen zu vergleichen; und du allein wirst nicht geliebt, du wirst verachtet, verspottet, verfolgt, und tausendmal des Tages beleidiget und verwundet. Wie gehen die unJungfrauenbuch II. Theil. 3 Betrachtung am Freitage. menschlichen Herzen mit dir um in dem heiligen Satramente des Altars! Wie manche Unbilden mußt du von den Ungläubigen, von den undankbaren und bösen Kindern deiner Kirche dulden! Ich selbst, ich untreues Herz, wie oft hab' ich dich betrübet durch meine Sünden, durch meine üppige Eitelfeit, durch mein zerstreutes, lausinniges Gemüth! Wie oft hab' ich dich verlassen, o getreues Herz Jesu, um dem falschen Herzen eines verächtlichen Menschen zu gefallen, und um die Begierden meines eigenen Herzens zu erfüllen! 34 O mein liebevolles Herz Jesu! Hab' ich denn nicht genug der Welt, der Eitelkeit und mir selbst gelebt, und ist es nicht hohe Zeit, daß ich fünftig dir allein lebe, gnadenreiches Herz meines Erlösers! Nichts mehr will ich freiwillig denken, begehren, reden, thun oder lassen, was dich und deine Liebe zu mir betrüben könnte. Eher will ich Leib und Leben verlieren, als durch eine schwere Sünde dir neue Wunden verseßen. Selbst auch die läßlichen Sünden will ich meiden, um dir meine Liebe und Dankbarkeit zu bezeigen. Und weil meine bösen Neigungen mich immer zur Sünde reizen, so will ich wider dieselben unaufhörlich streiten, und eine nach der andern abzulegen suchen. Von dir, göttliches Herz, erwarte ich meine Hilfe; bei dir suche ich meine Hoffnung; du bist das Herz Jesu, den ich lieben will, und den ich mehr schätze, als Himmel und Erde! Und du, mein geliebtester Jesu! gib, daß ich die Tugenden deines Heiligsten Herzens stets übe; gib mir ein reines Herz, das die Sünden haßt. Betrachtung am Freitage. Gib mir, mein leidender Heiland, ein zerknirschtes Herz, damit ich Tag und Nacht meine eigenen Sünden und die Sünden aller undankbaren Menschen beweine! 35 Gib mir, mein göttlicher Lehrer, ein demüthiges Herz, der du demüthig bist von Herzen; damit ich gerne unbekannt und einsam lebe, und durch die Ehre und Hochschätzung der Menschen mich nicht bethören lasse! Gib mir, mein mildester Jesu, ein sanftmüthiges, geduldiges Herz, das nach deinem Beispiele alle Schmach und Unbill, alle Schmerzen und Widerwärtigkeiten geduldig leidet, und allen Zorn, Unwillen, rachgierigen und bittern Eifer ableget! Gib mir ein Herz, o mein Leben und meine Seligfeit, das die zeitlichen Güter wenig achtet, und nach den ewigen ein inniges Verlangen trägt! Gib mir ein gehorsames Herz, das sich von deinem Geiste regieren läßt, und den Anordnungen der Vorgesetzten ohne Widerwillen gehorcht! Gib mir ein mitleidiges, friedliebendes und aufrichtiges Herz! Vorzüglich aber bitte ich dich, mein Jesu, daß du mir ein Herz gibst, das dich über Alles liebt, und in deiner Liebe seine größte Wonne findet. Beselige mein Herz mit allen heiligen Neigungen und Anmuthungen deines allerheiligsten und vollkommensten Herzens, damit ich nach dem Vorbilde dieses Herzens bis zum Ende meiner Tage leben möge. Heilige Jungfrau, hilf mir, daß mein Herz wie bas deinige mit Jesu immer verbunden, und durch die reinste Liebe vereiniget bleibe! 3# Betrachtung am Samstage. Kirchengebet. Allmächtiger, barmherziger Gott! wir bitten dich, verzeihe uns in Folge deines unendlichen Wohlgefallens an dem liebreichsten Herzen deines eingebornen Sohnes, unsere vielfältigen Sünden; lösche aus die wohlverdiente Strafe durch die Genugthuung dieses gebenedeiten Herzens, damit wir, entzündet durch die Flamme dieses Herzens, dich o höchstes Gut, aus ganzem Herzen lieben! Amen. aff 36 7. Am Samstage. Betrachtung der jungfräulichen Mutter gottes. öttliche Mutter und Jungfrau! Alles an dir ist G groß und wunderbar, und über allen Verstand der Menschen erhaben. Niemand kann deine Würde faffen, Niemand deine große Gnade bei Gott ermessen; Niemand kann deine mildselige Güte aussprechen; Niemand kann die Vortrefflichkeit deiner Tugenden erreichen! Gott fonnte feine andere Mutter auf Erden haben, als eine Jungfrau, die aus allen Jungfrauen die reinste war, und eine solche Jungfrau konnte sonst Niemand, als nur Gett gebären. Du, o Jungfrau, bist diese glückselige und göttliche Mutter. Du bist also die allervortrefflichste und reinste Jungfrau, welche die seligen Geister im Himmel an Reinigkeit übertrifft, und von dem heiligen Geiste empfangen hat. On bist als die Erste allen andern Jungfrauen mit dem Beispiele vorangegangen; indem du Gott dem Herrn deine jungfräuliche Reinigkeit verlobt und aufgeopfert Betrachtung am Samstage. 37 hast, daher du auch vor allen andern Jungfrauen würdig warst, daß Gott selbst, dem Leibe nach, in beinem Leibe wohnen wollte. Sieh herab, o wunderbare Mutter und Jungfrau, auf die große Zahl der Jungfrauen, welche alle Lüste der Welt verachtet, und, wie die Engel auf Erden, deinem Sohne gedienet haben. Diese alle verehren dich als ihre Königin; sie sind die geistigen Früchte deines fruchtbaren Beispieles; dein Vorbild hat ihnen den Weg gewiesen; dein Beispiel hat sie zu Christo geführt; deine Gnade beschützet sie. O Jungfrau aller Jungfrauen! mit welcher Sorgfalt hast du deine jungfräuliche Reinigkeit bewahret, mit welchen herrlichen Tugenden hast du sie gezieret! Himmlische Geister haben eich stets umgeben; in der Betrachtung des göttlichen Gesetzes und in der Einsamkeit und Arbeit hast du dein Vergnügen gefunden. Zurückgezogen von der Welt und von allen weltlichen Freuden lebtest du in deinem göttlichen Berufe. Wie soll ich dich würdig genug loben, oder wie kann ich dir nachfolgen, wie ich es wünsche, heiligste Jungfrau? Mit der Gnade Gottes kann ich Alles! Du, meine liebreichste Fürsprecherin, bitte für mich bei Christo Jesu, deinem göttlichen Sohne! Kirchengebet. Barmherziger Gott! komm zu Hilfe unserer Schwachheit, damit wir durch Anrufung der heiligen Mutter auf ihre Fürbitte von unsern Sünden aufstehen, durch Christum unsern Herrn! Amen. 38 IV. Gebete an den Wochentagen für Jungfrauen zur Erhaltung der Reinigkeit. sexe 16x21 1. Am Sonntage. Bu dem göttlichen Erlöser. съби 18. err Jesu Christe, du Liebhaber und Belchner feuscher Seelen! ich weiß, daß ich dir weder gefallen, noch mit einigem Vertrauen mich dir nähern kann, wenn ich nicht keusch bin. Ich weiß auch, daß du alle Diejenigen, die eines reinen Herzens sind, vorzüglich liebest, erleuchtest, und durch deinen heiligen Engel beschützest. Verleih' mir die Gnade, daß ich die Tugend der Reinigkeit allzeit über Alles schätze und liebe, und sie Zeit Lebens unbefleckt erhalte, damit ich dir, dem Allerreinsten, wohlgefällig, deiner Liebe und Gnade würdig, und einst deiner Anschauung in Gesellschaft deiner heiligen Engel und aller keuschen Seelen theilhaftig sehn möge. Amen. 2. Am Montage. Bu der göttlichen Mutter Maria. 4 etti eiligste Jungfrau und Mutter Gottes Maria! ich empfehle deinem mütterlichen Schutze meine Augen und Ohren, meinen Mund, meine Hände und Füsse, mein Herz und alle meine Sinne; ich will allen Fleiß anwenden, daß ich weder Etwas sehe oder höre, noch weniger Etwas denke, rebe, thue ober gestatte, das der standesmäßigen Keuschheit zuwider, und deinem göttlichen Sohne mißfällig ist. Bitt' für mich, du reinste 39 Gebete zur Erhaltung der Reinigkeit. Jungfrau! daß ich ihn durch keine Unreinigkeit beleldige. Und wenn ich dazu angefochten werde, will ich sogleich zu dir rufen und sprechen: Komm' mir zu Hilfe, du Mutter der keuschen Liebe! und erflehe mir heilige Furcht Gottes, Nachahmung deiner Reinigkeit, und Schutz und Stärke wider jede Sünde. Amen. 3. Am Dienstage. Bu dem heiligen Schutzengel. ALS eiliger Schutzengel, du getreuer Gefährte und Beschützer auf meiner Wanderschaft! ich danke dir für jene übergroße Geduld, welche du mit mir bisher getragen hast. Ich bitte dich, du wollest noch ferner durch deinen mächtigen Schuß für mich sorgen. Wende alle Gefahren und sündhaften Gelegenheiten gütigst von mir ab. Ich nehme mir vor, deine heilige Gegenwart durch keine Sünde, besonders durch keine Sünde wider die Reinigkeit, jemals zu entehren, und mit deiner Hilfe wider alle wohllüstigen Anfechtungen gleich im Anfange und mit Standhaftigkeit zu streiten. Amen. 4. Am Mittwoche. Bu dem heiligen Joseph. IS eiliger Joseph, du getreuer Nährvater Jeſu Chriſti, du keuscher Bräutigam der reinsten Jungfrau Maria! beschütze mich so väterlich, wie du diese beschützt hast. Erbitt' mir die Gnade, daß ich die Tugend der Reinigkeit von ganzem Herzen liebe, und eben darum alle böse Gesellschaft sorgfältig meide, damit ich, wie bu, in der heiligsten Gesellschaft Jesu und Mariä zu leben und zu sterben verdiene. Amen. Gebete zur Erhaltung der Reinigkeit. 5. Am Donnerstage. Bu den heiligen Namenspatronen. Geiliger N., dessen Name bei der heiligen Taufe IS von der Kirche mir beigelegt worden ist, damit ich, durch das schöne Beispiel deiner Tugend aufgemuntert, meinem Gott auch so eifrig diene, wie du Ihm gedienet hast. Ich bitte dich durch alle Liebe, welche du für mich trägst, du wollest mir die Gnade erflehen, daß ich aus menschlicher Hochachtung niemals Etwas begehe, oder geschehen lasse, welches der Reinigkeit auch nur im geringsten zuwider wäre. Amen. 40 6. Am Freitage. Bu dem heiligen Alois von gonzaga. Englischer Jüngling, heiliger Aloysius! bitt' für mich, und erhalte mir von Gott die Gnade, daß ich auch die geringsten Fehler wider die Reinigkeit allzeit von Herzen hasse, und zu vermeiden mich befleiße, oder doch, wenn ich je einen beginge, sogleich an mir selbst abstrafe, damit, wenn ich dem Beispiele deiner Unschuld nicht gefolget habe, ich wenigst in der Buße dir nachfolgen möge. Amen. 7. Am Samstage. Bu dem feligen Hermann Jofeph aus dem Prämonstratenferorden. feliger Hermann Joseph, du wahrer Spiegel der unschuldigen Jugend! bitt' für mich bei Jesu und Maria, auf daß ich nach deinem heiligen Beispiele die hohe Würde meiner unsterblichen Seele gehörig schätzen lerne, damit ich eben dadurch angeeifert werde, alle Lüsten dieser Welt großmüthig zu verachten, und mich nie zu einer Sünde gegen die Reinigkeit verleiten lasse. Amen. V. Heilige Gedanken und Gemüthserhebungen einer Jungfrau bei verschiedenen Anlässen. 41 18201 1. Wenn du in der Nacht oder in der frühe erwacheft. Mlin ein Jesu, ich liege in der Finsterniß; du bist edas Licht der Menschen, erleuchte mich, auf daß eich dich und mich erkenne! Deffne meine Augen, o du ewiges Licht, damit ich niemals im Tode entschlafe; damit der Feind zu Schanden werde, der von deiner Liebe mich trennen will. Mein liebster Jesu, erwecke mich, deine Dienerin, zu bem ewigen Leben, wenn du am Tage des Gerichtes erscheinen wirst. Wie viele, o Herr, aus deinen Dienerinen, sind in dieser Stunde mit deinem Lobe beschäftiget, während ich meinen Leib und meinen Geist ruhen lasse. Vereinige meine andächtigen Empfindungen mit ihrem heiligen Eifer. Du weißt, o Gott, daß ich durch diese Ruhe nichts anders suche, als die Erholung meiner Kräfte, um dir dienen zu können. In der Nacht hab' ich dich gesucht, o du mein Heil und meine Glückseligkeit! In aller Frühe will ich an dich denken, weil du meine Seele errettest. Mein Herz hat dich lieb, und meine Seele verlanget nach dir. Wann werde ch zu dir kommen und vor deinem Angesichte erscheinen! £ 2 Heilige Gedanken und Gemüthserhebungen 3. Wenn du dich morgens ankleideft oder Abends entkleideft. ib, o Gott, daß ich den alten Menschen ausziehe 2 mit seinen Werken, und den neuen anlege nach oem Ebenbilde Jesu Christi deines geliebten Sohnes! D Bekleide mich, o mein Erlöser, mit dem hochzeitlichen Kleide deiner heiligmachenden Gnade, und der Tugenden, die du von mir verlangest! Wie lange, o Herr! werde ich diesen sterblichen Leib pflegen müssen, der den Würmern zur Speise wird? Laß mich noch weit mehr für meine Seele sorgen, damit beide in der Herrlichkeit auferstehen! Gib, o mein Gott, daß ich immer in aller Zucht und Ehrbarkeit vor dir wandle! 3. Vor und während der Arbeit. ir zu Liebe, o mein Gott und höchstes Gut, verrichte ich diese Arbeit, weil dein heiliger Wille fie von mir fordert, nicht wegen meines eigenen Nutzens, nicht wegen zeitlichen Gewinnes, und nicht aus Begierde, den Menschen zu gefallen. Meine Arbeit ist zwar gering vor den Augen der Menschen; aber ich suche nicht den Menschen zu gefallen, sondern dir, o Gott! der du mein Leben und meine Seligkeit bist. Wie herrlich und wie freigebig bist bu, o großer Gott, daß dy die geringsten Dinge, die man dir zu Liebe unternimmt und verrichtet, mit dem Himmel belohnest! Sollte ich also ein so großes Glück verscherzen? Ach! wie viele Stunden und Tage habe ich in Eitelkeit, Bequemlichkeit, im Müssiggange, mit leerem Ge bei verschiedenen Anlässen. pë 43 schwätze zugebracht, und welche strenge Rechenschaft würde ich dir deßwegen geben müssen, wenn du dich meiner nicht erbarmteſt! Was ist ein zeitliches Glück? ein geringer Lohn, den die Welt gibt, und gleichwohl läuft man Tag und Nacht, früh und spät, um etwas zu erhaschen. Bist du denn so unbedeutend, o Gott der Herrlichkeit, und sind deine Verheißungen so gering, daß man dir zu Liebe nichts thun will? Und was begehrst du, o Gott, von mir und allen Menschen? Ach! viel weniger, als die treulose Welt von mir fordert! Jesus, dein geliebter Sohn, hat dreißig Jahre lang eine geringe Arbeit verrichtet. Sollte ich nach einem solchen Beispiele mich der Arbeit schämen, die ich nur eine Sünderin bin? Mit der Mühe und Arbeit Jesu Christi vereinige ich meine Mühe und Arbeit. Jeſus hat gearbeitet, weil es dein göttlicher Wille war, so will denn auch ich deßwegen arbeiten. Im Gehorsam und in der Unterthänigkeit werde ich meine Freude finden, weil ich sehe, daß du, mein liebster Jesu, im Gehorsam dein ganzes Leben zugebracht hast. Ogroße Königin des Himmels und der Erde, bu bist jenes starke Weib, das da Flachs und Wolle ergriffen, und in der Einsamkeit geringe häusliche Geschäfte verrichtet hat! 4. Wenn die Uhr schlägt. mein Gott und meine ewige Glückseligkeit! 3ch liebe dich in dieser Stunde, und in allen Augen1. blicken meines Lebens. Heilige Gedanken und Gemüthserhebungen Dir, mein Jesu, will ich leben, dir will ich sterben, bein will ich seyn, jetzt und zu jeder Zeit! Wann werde ich dich lieben, und nicht mehr beletdigen, mein göttlicher Erlöser? Wann werde ich einmal nach deinem heiligen Willen leben? Stärke mich, o mein Jesu, daß ich immer das Del der guten Werke in meiner Lampe trage, und immer bereit sei, dir zu antworten, wenn du mich rufen wirst! 44 5. Wenn du aus dem Hause gehest. ein Gott, verlaß mich nicht, und weiche nicht von mir; du kenneſt meine Schwäche und mein leichtsinniges Gemüth! M Laß mich wandeln, o Herr, auf den Wegen der Gerechtigkeit; gib nicht zu, daß ich in eine Gelegenheit gerathe, worin ich am Leibe oder an der Seele Schaden leiden könnte! Dein Engel geleite mich aus dem Hause und zurück. O ewige und wahre Schönheit! Wende meine Augen ab von der vergänglichen und trügerischen Schönheit der Welt! Verschließ meine Ohren vor dem bösen Gespräche der Weltfinder, und bewahre meine Zunge vor Reten, welche deiner Ehre entgegen und meinem Nächsten schädlich seyn könnten! Sei immer vor mir, wo ich gehe und stehe, und rede zu meinem Herzen; denn du allein fannst meine Seele erfreuen! Heilige Jungfrau, beschütze deine Dienerin an Leib und Seele! 6. Gebet vor dem Tische. immlischer Bater! Segne und benedeie uns Speise und Trank, die wir von deiner freigebigen Güte bei verschiedenen Anlässen. 45 empfangen;' gib uns Gnade und Gedeihen dazu, damit wir Alles dir zur Ehre und uns zur Wohlfahrt gebrau chen, und von deiner Liebe nimmermehr getrennt werden, durch Christum, unsern Herrn! Amen. ( Vater unser 2c., Gegrüßet seist du, Maria 2c.) Nach dem Tische. IS Gimmlischer Vater! wir danken dir, daß du uns Unwürdige gespeiset, und deiner Gnaden väterlich theilhaftig gemacht hast, und nicht aufhörest, uns deine Wohlthaten gütig mitzutheilen. Lob und Ehre sei dir, Gott im Himmel, Friede den Menschen auf Erden, Gnade unsern Wohlthätern, die ewige Ruhe allen abgestorbenen Christgläubigen, und uns nach diesem Leben die ewige Seligkeit, durch Christum, unsern Herrn! Amen. ( Vater unser 2c., Gegrüßet selst du, Maria 2c.) 7. Heilige Gedanken während des Effens und Trinkens. Wi ie gütig bist du, o Gott, daß du mir Speise und Trank gibst, obwohl ich immer undankbar bin! Wie viele Menschen, die weit besser sind, als ich, leiden in diesem Augenblicke Hunger und Durst, und benetzen ein Stück hartes Brod mit ihren Thränen! Wenn du, o gütigster Bater, mit mir wie mit vielen andern Sündern verfahren wärest, wie würde es mir jetzt ergehen! Ich kann dir nicht genug danken, o ewige Güte! Gibst du mir viel, so dank' ich es beiner Güte; gibst bu mir wenig, so ist es doch immer mehr, als ich verdiene; und wie foute ich murren oder verdrießlich werben, wenn Speise und Trank nicht nach meinem Willen 46 Heilige Gedanken und Gemüthserhebungen sind, da du, mein Heiland, mit Galle geträuft, und mit Hunger und Durst bist gequält worden. Laß nicht zu, o mein Gott, daß die Begierde, bes Bauches in mir herrsche! Meine Speise sei, daß ich deinen Heiligen Willen immer erfülle, und daß ich lebe von dem Worte, das von deinem göttlichen Munde ausgehet, und welches allein meine Seele sättigen kann! 8. Auf einem Spaziergange oder bei einem andern erlaubten Vergnügen. ein Gott und Alles, zur Erholung meiner Kräfte, um dir besser dienen zu können, genieße ich dieses Vergnügen. Nicht in diesen weltlichen Freuden suche ich meine Glückseligkeit, sondern in dem Gedanken, daß du mein geliebter Vater bist, und daß ich deine Tochter bin. Die Hoffnung deiner ewigen Anschauung nach diesem Leben erfreuet mich, deine Güte tröstet mich, deine Liebe beglücket mein Herz. Während mein Mund mit den Menschen spricht, laß mich im Herzen deine Gegenwart fühlen, und sage zu meiner Seele, daß du ihr Heil bist! Wo du nicht bist, o ewige Wahrheit, da ist alle Freude eitel und armselig, und in deiner Gegenwart verschwinden Kreuz und Leiden. Wann werde ich dich, o unendliche Schönheit, vollkommen besitzen, und im Genusse deiner Anschauung alle Freuden der Welt verachten? O mein Erlöser, du bist meine Freude, mein Vergnügen, meine Hoffnung, meine Lust! 47 bei verschiedenen Anlässen. 9. Bei schönem Wetter. 1 Gott! erfreue meine Seele, und zeige ihr deine verborgene unendliche Schönheit, damit ich dich liebe und nach dir verlange! O Jesu! du bist die Sonne der Gerechtigkeit; erhelle mit den Strahlen deiner Gnade mein Herz, erleuchte meine Blindheit und verscheuche die Nacht meiner irdischen Begierden! Wenn schon die Gestalt des Himmels und die schöne Ordnung deiner Werke meine Augen erfreuen, wie vielmehr soll deine vollkommenste Schönheit mein Herz einnehmen und zur Liebe entzünden! Alle Berge und Thäler, alle Meere und Flüsse, alle Felder und Wälder, alle Thiere der Erde, alle Vögel der Luft, alle hellglänzenden Sterne des Himmels reden nur von deiner ewigen Macht und Weisheit, und sagen mir: daß du sie zu meinem Dienste und zu deiner Erkenntniß erschaffen hast. Sollte nun ich allein dich vergessen, und meine Gedanken von dir abwenden? der du, o Gott, schöner bist, als Alles, was ich mit Augen sehe! Wie schön wird erst deine Wohnung seyn, wenn der Schemel deiner Füße schon so angenehm ist; um wie viel schöner bist du, als der Himmel, den du erschaffen hast! 10. Bei trübem Wetter, bei Blitz und Donner. W arum betrübest du dich, meine Seele, wenn trübe Wolfen den Himmel überziehen, während du in deiner Thorheit lachest, wenn ungestüme Begierden in dir emporsteigen, deine Vernunft verdunkeln, und die Heilige Gedanken und Gemüthserhebungen hellleuchtenden Strahlen des göttlichen Geistes vor dir verbergen? dmit Wie werden wir einst staunen und zittern, wenn am Tage des Gerichtes Himmel und Erde werden in Flammen stehen, wenn die Sterne herunterstürzen, wenn sich Sonne und Mond verfinstern, und die ganze Natur sich auflösen wird! Warum will ich vor den Blitzen mich verstecken, die aus finstern Wolken hervordringen, da ich am Tage deines Zernes mich nicht werde verbergen können, o Gott der Majestät! 48 Durchbringe mich, o Herr, mit deiner Furcht, damit ich dich nicht beleidige, damit ich dich allein fürchte, o großer Gott! Himmel und Erde können mir nicht schaden, wenn du mich beschüßest! Gebiete über meinen Leib nach deinem Gefallen, nur erbarme dich meiner Seele. 11. In großen Schmerzen, Widerwärtigkeiten und Verfolgungen. IS err, dein Wille geschehe! Du hast dieses Uebel über mich verhängt; ich bitte dich nur um Geduld und um deine Liebe, im Uebrigen mach' mit mir, was du willst, wie du es willst, und so lang du es willst. Mein Gott! rechne es jenen, die mich beleidigen, nicht als Sünde an, und wie ich wünsche, daß du mich verschonest, so verzeihe auch ihnen ihre Schuld. Ach, mein himmlischer Bater, was für weit größere Uebel müßte ich dulden, wenn du mich strafen wolltest, wie ich es verdiene; und wie darf ich über zeitliche Widerwärtigkeiten mich beklagen, da die ewige Verdamm bei verschiedenen Anlässen. 49 niß mich treffen würde, wenn deine Barmherzigkeit mich nicht von der Strafe errettet hätte. Ist es nicht besser, daß ich auf dieser Welt Schmerzen, Armuth, Verachtung, Kummer und Drangfale aller Art mit dem armen Lazarus leide, als daß ich jenseits mit dem reichen Manne für die üppigen Genüsse des Lebens die ewige Strafe dulde! Wie gerne erkaufe ich mit den kurzen Leiden dieser Erbe die ewigen Freuden! Wie oft hab' ich dich gebeten, o mein( tt und Erlöser, daß du mein Herz reinigest und meine irdischen Begierden bezähmest, daß du mir die Eitelkeit der Welt aufdeckest, und mein irdisches Gemüth zu den himmlischen Dingen wendest? Diese Btite erfüllest du nun, o Heiland der Welt! indem du mit Widerwärtigkeiten meinen Glauben, meine Hoffnung, meine Liebe prüfest; so will ich sie also mit Dank annehmen, und mit Geduld und Ergebung tragen. Was haben deine Jungfrauen nicht Alles gelitten, die dich jetzt umgeben; einige haben die Welt und ihre Freuden verachtet, und in Armuth, Mühe und Arbeit, im Fasten und Wachen, und in strengsten Bußwerken ihre Tage verlebt; andere haben in Gefängnissen Hunger und Durst, Hitze und Kälte, Schmerzen und Krankheiten gelitten, und nach unendlichem Elende ihr Leben auf martervolle Weise für dich hingeopfert, und ich beklage mich über weit geringere Leiden, da ich doch den Himmel verdienen will. Und du, mein Jesu, der du mein Weg und mein Leben bist, was für Leiden hast du nicht in deinem irdischen Leben erbulden müssen! Du hast gelebt in Jungfrauenbuch II. Thiel 4 50 Heilige Gedanken und Gemüthserhebungen der größten Armuth; du bist verlacht, verachtet, verfolgt, verspottet, und durch einen schmählichen und schmerzlichen Tod hingerichtet worden. Soll ich also etwas anderes lieben, als Widerwärtigkeiten und Prüfungen, da ich dir nicht nachfolgen und mit dir nicht leben kann, wenn ich mit dir nicht leiden will! Leiden und kämpfen will ich dir zu lieb, mein gekreuzigter Heiland! Mit dir am Kreuze zu hangen, mit dir von den Menschen verachtet und verfolgt seyn, mit dir in trostlosen Leiden leben, soll für meine Seele ein himmlischer Genuß sehn! 12. gegen eitle Begierden. D ewige und unbegreifliche Schönheit Gottes, was verlange ich auf Erden und im Himmel zu besigen, als nur dich, da du allein mein Herz erfreuen, meine Wünsche erfüllen kannst? Wie kann ich glücklich seyn, mein Gott und Erlöser, wo du nicht bist; wie kann ich fröhlich sehn, wenn dein heiliger Geist betrübet, und mein Herz verführet wird! Was gewinne ich, wenn mich die Menschen lieben, die doch einst alle zu Grunde gehen, und wenn du, der du ewig bist, mich verachtest, und deiner Liebe unwürdig schätzest; und was verliere ich, wenn mich die schnöde Welt verachtet, und tu, mein Gott und Alles, mich liebest? O unvergängliche Schönheit! dich sucht meine Seele bei Tag und Nacht; dich will sie anschauen, und dich immer lieben, mit dir will sie sprechen; denn im Gespräche mit dir ist keine Bitterteit zu finden. bei verschiedenen Anläffen. 51 Wo bist du, mein Gott, damit ich mein Herz dir öffne? Ich finde dich nicht bei der Eitelkeit: du bist die ewige Wahrheit. Ich finde dich nicht auf Tanzsälen, wo dein Feind den Meister spielt; du bist nicht zu finden im Geräusche der Welt, sondern in der Einsamkeit redest du zu den Herzen; dich erfreuen nicht die üppigen und stolzen, sondern nur die demüthigen Jungfrauen. Ach, mein Heiland, was würde ich denken von diesen eitlen Freuden, die mich anlocken, wenn jetzt der falte Todesschweiß mein Angesicht bedecken würde; wie wird mir um das Herz seyn, wenn du am Tage deiner Herrlichkeit diejenigen von deinem Angesichte verstoßen wirst, welche die Welt mehr geliebt haben, als dich? Du, mein Erlöser, haft auf der Erde gelebt, ohne ihre Freuden zu genießen; du hast in den bittersten Leiden deiner Seele meine Sünden beweinet, und ich follte meines Elendes vergessen, und lachen, da ich so viele gerechte Ursache habe, über mich zu weinen? O Mutter Jesu! einsame und demüthige Jungfrau, laß mich mit dir die Welt verachten, und die Berachtung der Welt gerne ertragen. 13. Jegen unreine Gedanken und Begierden. EL'S err! du bist meine Stärke und Zuversicht; komm zu mir und rette mich. Du weißt, o mein Gett, daß ich dich liebe, und daß ich lieber tausendmal sterben möchte, als dich beleidigen! Du bist mein Vater und ich bin deine Tochter, die du liebest; denke an meine Schwachheit und an deine Barmherzigkeit. 4* 52 Heilige Gedanken und Gemüthserhebungen Soll mein Herz, das du erschaffen, das du mit deinem kostbaren Blute erkauft und geheiliget hast, an bir meineidig werden? Ich habe dir, mein Jesu, so oft gelobet, daß ich dich ewig lieben will. Ich würde dich also vorsätzlich haſsen, wenn ich diesen bösen Gedanken Gehör geben wollte! Allerheiligste Jungfrau, ich habe dir meinen Leib und meine Seele übergeben, damit du beide beschüßzest; verlaß mich nicht! 14. gegen finnliche Gedanken bei dem Anblicke eines Menschen. D Gott, wie eitel und vergänglich ist die Schönheit der Menschen, die der Tod zerstöret, und den Würmern zur Speise gibt! Wenn ich dich sehen könnte, mein Jesu, wie bald würde ich nicht mehr für schön halten, was den Menschen schön und liebenswürdig scheinet; und wenn hier auf Erden dein Angesicht so schön war, wie wird es erst im Himmel sehn! Wie viele heilige Jungfrauen haben dich geliebt, o mein Erlöser, und wegen dir alle sterblichen Schönheiten abgewiesen, und ich sollte eines armen vergänglichen Menschen wegen deiner vergessen. Durch die Anrufung deiner unbefleckten Reinigkeit, holdseligste Jungfrau, werde mein Fleisch und mein Herz gereiniget! 15. gegen wiederholte, heftige Anfälle. ein Jesu, wegen einer augenblicklichen Sinnenlust sollte ich dich verlassen und beleidigen? Wohin will ich gehen, mein Erlöser, wenn ich dich verliere, ber du meine einzige Hoffnung und Freude bist? bei verschiedenen Anlässen. 53 Sollte ich denn durch eine so abscheuliche Sünde meinen Leib entehren, ber deine Wohnung ist? Sollte ich dein heiliges Blut mit Füssen treten, den heiligen Geist betrüben, ihn aus meinem Herzen vertreiben, und ein verächtlicher Sclave des Bösen werden? Ach, mein Jesu, laß nicht zu, daß ich falle! Sollte ich wegen eines Augenblickes schnöder Wollust auf ewig von dem Angesichte Jesu verstossen und vom ewigen Gerichte bestraft werden? Denn wer versichert mich, daß ich Buße thun werde? Dein liebevolles, gnadenreiches Herz soll ich ver= wunden, o mein Jesu, und an meinem Erlöser meineidig werden? Lieber will ich den Tod und alle erdenkliche Marter ausstehen! Wie ritterlich haben deine Jungfrauen gefochten wider die Versuchung böser Menschen und wider die Anfechtung des eigenen Fleisches, das sie durch Beten und Wachen bezähmet haben! Soll ich den Muth sinken lassen, da ich weiß, daß du, mein Heiland, diese Versuchung zuläsfest, damit du mich prüfest und meine Beständigkeit belohnest? So will ich denn streiten, so stark ich es vermag. Ich will nicht verzagen, wie groß auch immer diese Anfechtung seyn mag; denn nur die Einwilligung in dieselbe strafest du, o Gott! Mein Jesu, ich schenke dir meinen Leib und meine Seele, und will dein seyn, gleichwie du mein bist! 54 Heilige Gedanken und Gemüthserhebungen 16. Aufmunterung zur Hoffnung und Standhafti keit in troftlosen Lagen und kieinmüthigen Gedanken. leinmüthige Seele! warum willst du einer unmäßigen Traurigkeit unterliegen? Glaubst du nicht an den mildseligen Erlöser der Menschen, der dich liebet, wie ein Vater sein einziges Kind liebt? Was hast du unter einem solchen Vater zu fürchten? Du irrest, wenn du glaubest, er habe dich verlassen und von seinem Angesichte verstossen. Er wohnet in deinem Herzen und lehret dich, wie du ohne Trost ihm dienen, und mit reiner Liebe in deinem Vorhaben verharren sollst. So leide denn und halte aus in deinem Leiden, bis er dich wieder heimsucht. Bedenke, daß die Zeit der Versuchung gekommen ist, in welcher du, wie Gold durch das Feucr, gereiniget und geläutert werden mußt, damit du fähig werdest, größere Gnaden zu erlangen, die dein Heiland dir vorbereitet hat. Denk an die Tage, in welchen er dich so liebreich getröstet, so wunderbar erleuchtet, und mit so vielen Gaben überhäuft hat. Wenn du seiner Liebkosungen dich erfreuet hast, warum willst du ihn verlassen, und in seine Liebe ein Mißtrauen setzen, da er dich züchtiget? Alle Seelen, die er liebt, pflegt er bisweilen so zu züchtigen, und scheint sich von ihnen zu entfernen, damit sie sich nicht über andere erheben, noch auf ihre eigenen Kräfte allein, sondern auf seine Hilfe sich verlassen. Jesus, dein Erlöser, war am Kreuze von seinem Bater verlassen, von den Seinigen vergessen, von seinen Feinden auf das Neußerste verfolgt, von dem ganzen Volte verflucht, an Leib und Seele unaussprechliche Echmerzen duldend. Diese Marter hat er alle Augenblicke seines Lebens in seinem Herzen getragen. Und warum willst du nicht auch Jesu zu lieb leiden, was 55 bei verschiedenen Anlässen. er für dich gelitten hat? Du mußt bereit und entschlossen sehn zu leiden, oder der Freundschaft Jesu entsagen. Wolltest du Jesu verlassen? Jesum lieben, wenn er dich tröstet und dein Herz mit himmlischer Wonne erfüllet, ist freilich nicht schwer; aber in Leiden und Betrübniß, in Angst und Noth ihm getreu bleiben, ist eine große Tugend. Wenn dich dein Gott züchtiget, indem du ihm nach Möglichkeit dienest, so dauke ihm, daß er dich seines Kreuzes würdiget. Wenn er dich aber deßwegen züchtiget, weil du ihm ungetreu bist, und wider die innerliche Erleuchtung den einen oder andern Fehler begangen haft, so demüthige dich, bekenne deine Schuld, und versöhne durch ein reuevolles Herz, deinen schwer beleidigten himmlischen Vater. 12. Wie du in einer troftfofen, schwermüthigen Lage dich su verhalten haft. enke nach, ob du nicht schwermüthig geworden bist, seitdem du einen vorsätzlichen Fehler begangen haft; an auserwählten Seelen strafet Gott oft die geringste Untreue durch Entziehung alles Trostes! In diesem Falle hast du kein besseres Mittel, wieder getröstet zu werden, als daß du deinen Fehler bekenneft, und durch Buße auslöschest, die um so größer sehn muß, wenn dieser Fehler gegen die Liebe bes nächsten begangen wurde. Diese Empfindung einer inneren Angst und Schwermuth kann aber auch die Anmeldung eines frankhaften körperlichen Zustandes seyn, der sich bald durch äußere Zeichen zu erkennen gibt. In diesem Falle ziehe einen vernünftigen Arzt zu Rathe, und suche dein Gemüth auf eine erlaubte Weise zu erheitern. Wenn du aber schon seit längerer Zeit in einer gewissen Lauigkeit gelebt, und die stete Einsprechung des heiligen Geistes, der dich zu einem vollkommneren Leben innerlich antreibet, verachtet hast, so benke, daß deine Heilige Gedanken und Gemüthserhebungen Schwermuth die Strafe deiner Untreue sei, und daß der Geist Gottes dir die Freuden eines reinen und frommen Herzens verfaget, weil du in äußerlichen Dingen deinen Trost suchest. Erneuere also wieder dein gutes Vorhaben, und entzünde den in dir erloschenen Eifer, damit du nicht gänzlich von dem Geiste Gottes verlaffen, in Unempfindlichkeit des Herzens und in Blindheit bes Gemüthes verfalleſt. 56 Wenn du aber mit aller Andacht deinem Gotte dienest, und doch von Kleinmuth, Furcht und Angst gepeiniget wirst, wenn dich die Menschen verfolgen, unordentliche Gemüthsregungen und heftige Anfechtungen dich beunruhigen, dann sollst du folgende Punkte wohl beobachten: 1) Eröffne dein Anliegen einem wohlerfahrenen Beicht vater, damit er dich aufmuntere, und auf den rechten Weg des Heiles führe. 2) Nehmen deine Leiden auf diese Weise doch kein Ende, so suche nicht durch geräuschvolle Freuden der Welt dein Uebel zu entfernen, sondern verharre in Geduld, und leide, so lange es Gott will. 3) Fahre fort in deinen gewöhnlichen Andachten, und laß dich hierin durch keinen Unmuth irre machen. 4) Suche nicht eine innige Andacht, wenn das Her; nicht dazu eine innere Anregung empfindet; du könntest von dem Geiste der Lüge betrogen werden. Du hast die wahre Andacht, wenn du dasjenige, was dein Beruf von dir fordert, nach Möglichkeit is verrichtest. 5) In einer solchen Stimmung des Herzens, welche dem Gebete nicht zuträglich ist, zwinge dich nicht, mit vielen Worten zu Gott zu beten. Mein Gott, erbarme dich meiner! mein Gott, verlaß mich nicht! u. f. w. sind in einer solchen Lage hinreichende Ausdrücke der Andacht. 57 bei verschiedenen Anlässen. 6) Denke an das betrübte Herz Jesu, deines göttlichen Erlösers, der aus großer Liebe dir einen Theil gibt, von dem, was er gelitten hat. 8) 7) Erinnere dich, was so viele heilige Jungfrauen und Freunde Gottes auf dieser Welt gelitten haben. Glaube nicht, daß du sündigest, wenn du in Glaubenssachen zu zweifeln scheinest, oder wenn du zu einem innerlichen Unmuthe gegen deinen Gott angetrieben wirst, oder wenn dich Gedanken und Anfechtungen gegen deine jungfräuliche Reinigkeit bestürmen. Dieß sind nur die Wirkungen des Bösen, welche dir nicht schaden können, so lange du nicht in sie einwilligest. Bemühe dich aber niemals viel mit der Nachforschung, ob du eingewilliget habest oder nicht, indem dieß nur wieder in neue Zweifel dich stürzen und dir mehr schaden, als nützen könnte. 18. Von einem zweifelvollen, ängstlichen gewissen. s ist ein großer Unterschied zwischen einem zarten Gewissen, und zwischen einem Gewissen, das stets von Zweifeln gepeinigt wird. Ein zartes Gewissen empfindet eine innerliche Scheu auch vor den geringsten Unvollkommenheiten und Sünden, wie sie auch immer heißen mögen; eine gottergebene Seele erfennt einen begangenen, wenn auch noch so geringen Fehler, als ein großes Uebel, und bereuet ihn. Ein zweifelvolles, ängstliches Gewissen aber hält etwas für eine Sünde, was feine Sünde ist, oder eine geringe Sünde für eine schwere; und solche Zweifel entstehen gewöhnlich nur über gewisse Dinge, während man in andern Fällen die größten Sünden für geringe achtet, was augenscheinlich ein Wert des Geistes der Rüge ist. Für laue Christen, die nicht oft genug an ihre Pflichten ermahnt werden können, ist ein ängstliche Gewissen einigermassen nützlich, weil sie dadurch von hanchen Sünden zurückgehalten werden. Heilige Gedanken und Gemüthserhebungen Jenen aber, die nach der Vollkommenheit trachten, sind diese Zweifel sehr schädlich, indem sie eine große Unruhe und Zerstreuung des Gemüthes verursachen, die innerlichen Wirkungen des heiligen Geistes fruchtlos machen, und durch eine quälende Angst die Freiheit des Gemüthes benehmen. 58 19. Wie man sich von den Sweifeln des gewissens losmachen ſoll. aß du ein zweifelvolles Gewissen hast, kannst du aus folgenden Zeichen erkennen: 1) Wenn du etwas für eine Sünde hältst wider bie Meinung gelehrter und gottesfürchtiger Männer. 2) Wenn du im Zweifel bald diesen, bald jenen Beichtvater fragst, und keinem glauben und vertrauen willst. 3) Wenn du dir über eine Sache eine Menge Gedanken machest, und sie bald für gut, bald für böse hältſt. 4) Wenn du selbst einsiehst, daß es Zweifel sind. Gegen diese geistige Krankheit rathe ich dir folgende Mittel: 1) Gedenke, daß es Hochmuth des Geistes und eine sträfliche Vermessenheit sei, deine Meinung höher zu achten, als jene eines gelehrten und redlichen Seelsorgers, und das für Sünde zu halten, was s fromme und verständige Venschen mit ruhigem Gewissen zu thun pflegen. 2) Gedenke, daß deine Furcht vielmehr Eigensinn, als wahre Gottesfurcht sei; denn wer Gott fürchtet, der ist demüthig, und läßt sich gerne von Jenen leiten, die ihm von Gott als Wegweiser auf dem Wege zum Heile gegeben sind. 3) Meide solche Rathgeber, welche dich in dieser Angst beines Gewissens zu erhalten, und sie zu vermehren suchen; lies auch keine Bücher, welche i dir solche Zweifel anregen können. 4) Folge den Lehren eines frommen und verständigen Reichtvaters. bei verschiedenen Anlässen 59 5) Verachte die leere Angst des Gewissens, und wenn du sie nicht gänzlich ablegen kannst, so trage sie mit Geduld. 6) Gedenke, daß du burch eine solche Furcht deinen allgütigen Gott und Heiland beleidigest. Habe von deinem Gotte eine gute Meinung, und suche ihm zu gefallen in der Einfalt des Herzens."( Sap. 1. v. 1.) Tröstende Gedanken in Gewissenszweifeln. ein Gott! gib mir einen gelehrigen Geist und ein demüthiges Herz, damit ich von Jenen mich gerne leiten lasse, die du zu Wegweisern auf meiner irdischen Wanderschaft bestimmt haſt. Mein Jesu, wie viele Fehler und Schwachheiten hab' ich an mir zu verbessern, während ich mir unterdessen über geringfügige Dinge ein Bedenken mache, die weder dein Gesetz, noch die heilige Kirche, noch meine Seelforger für eine Sünde halten. Ich bin noch so unwissend, und doch so eigensinnig, daß ich mehr wissen will, als so viele heilige Seelen, als so viele geistreiche Männer, die meine leere Furcht berwerfen. Ich sehe, daß meine Angst eine bloße Einbildung und ein Betrug des Bösen ist, der mich verwirren, und deiner Gnade, o mein Heiland, entziehen will. Warum bin ich so thöricht, daß ich ihm glaube, und mich dadurch selbst unfähig mache, deine heiligen Einsprechungen anzuhören! Wo ist denn, o ewiger Gott, mein kindliches Vertrauen auf deine unendliche Barmherzigkeit? Warum 60 Von dem Abendgebete der Jungfrauen. sehe ich in dir nur den strengen und lästigen Erforscher meines Gewissens, da ich doch weiß, daß du als eiu allgütiger Vater mich liebest? Erleuchte mich, o hellleuchtendes Licht der Welt, oamit ich die Schwachheiten durchschaue und erkenne, an welchen ich leide! Laß nicht zu, o mein Herr und mein Gott, daß ich einen andern Weg nehme, als denjenigen, der zu dir führet! VI. Von dem Abendgebete der Jungfrauen. Eine Jungfrau foll niemals ihr Abendgebet unterlaffen. er Herr. Ich habe dich den ganzen Tag hindurch an Leib und Seele erhalten; ich habe dir Speise und Trank gegeben, und bir viele Gnaden mitgetheilet. Ist es nun nicht billig, meine Tochter, daß du mir dankest, bevor du dich zur Ruhe begibst? Es ist nöthig, daß du mich um Beistand anrufest zur Ueberwindung jener unreinen Gedanken und Einbildungen, die so gerne unbehutsame Seelen in die Sünde stürzen. Du hast während des Tages in manchen Stücken mich beleidiget, sowohl durch bekannte als unbekannte Schwachheiten, welche dir deine Eigenliebe verbirgt. Wollte ich dich nun, wie es so vielen Andern geschieht, in dieser Nacht abholen, wie würdest du vor mir erscheinen? Die Strafe, welche dich erwarten würde, kannst du durch eine findliche Reue und Leid auslöschen. Alle Stunden, die du dem Schlafe gibst, sind für dich verloren, es sei denn, daß du mir zuvor beine Ruhe aufopferst. Erstes Abendgebet. 61 Wie viele Menschen müssen in dieser Nacht, in der du ruhig schläfft, die größten Schmerzen des Leibes und die Angst der Seele ertragen! Wie viele Sünder begehen in dieser Nacht strafwürdige Verbrechen, wodurch sie in die ewige Finsterniß gestürzt werden! Die christliche Liebe fordert also von dir, daß du sowohl für Lebendige als Todte betest, und um Gnade und Barmherzigkeit für sie flehest! Streite wider die Trägheit, womit laue Christen halb wachend und halb schlafend ihr Gebet verrichten, oder es sträflicher Weise ganz unterlaſsen. me Erstes Abendgebet. 1. D Gott! dessen heiligste Gegenwart ich glaube und in aller Unterwürfigkeit demüthigst anbete; auf den ich hoffe und den ich liebe; gütigster Gott! der du mir auch heute wieder so viele Gnaden verliehen, und mich so väterlich beschützt hast: was soll ich dir für so viele Gutthaten erstatten? Deine Heiligen sollen dich deßwegen loben und preisen. Jesu! ich küsse die heilige Wunde deiner rechten Hand, und danke dir in Vereinigung jenes Dankes, den du auf Erden deinem Bater im Himmel erstattet hast.is er 2. Aber, o Herr! wie kann dir mein Dank gefallen, da ich heute vor dir, vor dem Alles aufgedeckt ist, ſo viel gefündiget habe! Laß mich erkennen, was ich gefehlt habe. Jesu! ich küsse die heilige Wunde deiner linken Hand, und flehe um deinen Geist, um dein Licht. 3. Jesu! ich küsse die heilige Wunde deines rechten Fußes. Lehre und erleuchte mich, zu erkennen, wie weit 62 Erstes Abendgebet. ich von der Bahn deiner heiligen Gebote abgewichen bin. Ich überdenke in Bitterfeit meiner Seele alle Handlungen dieses Tages. Erforschung des Gewissens. D enke nach, was du vom frühen Morgen an bis zu dieser Stunde gesündigt hast. Durchsuche deine Gedanken, deine Neigungen, deine Worte und Werke, und die Pflichten deines Standes und Berufes, und sich', ob du nicht in diesem oder jenem Stücke gefehlt hast. Du wirst ohne Mühe dein Gewissen erforschen, wenn du nachdenkest, wie du dich gegen Gett, gegen deinen Nächsten und gegen dich selbst verhalten hast. 1. bi Gegen Gott: Ob du deine gewöhnlichen Andachten und geistlichen Uebungen verrichtet hast. Gegen deinen Nächsten: Ob du nicht etwas gedacht, gesprochen, gethan rder auch unterlassen hast, was der christlichen Liebe zuwider ist. Gegen dich selbst: Ob du nicht eine übertriebene und eitle Sorgfalt auf deinen Leib verwendet, oder durch Müßiggang, Unmäßigkeit im Essen und Trinken, durch unnützes Schwägen, durch vorwitziges Sehen und Hören, wobei oft der jungfräulichen Reinigkeit geschadet wird, dich verfündiget hast. Sinne nach, ob dich nicht der Zorn oder eine andere heftige Gemüthsbewegung überfiel, und wie es dir an diesem Tage mit deinem Hauptfehler erging. 4. Bater! ich habe vor dem Himmel und vor dir gefündiget. Ich erkenne und bekenne meine Schuld meine große Schuld.- Aber, o mein Gott, mein höchstes Gut! alle meine begangenen Sünden sind mir von Herzen leid, sie reuen mich, und sie werden mich bis in den Tod über Alles schmerzen, weil ich dadurch dich meinen Herrn und Gott, mein allerhöchstes und Erstes Abendgebet. 63 mein ewiges Gut, welches ich über Alles liebe, und ewig zu lieben verlange, so sehr und oft beleidiget habe. Im Angesichte des ganzen Himmels mache ich den ernsts lichen Vorsatz, mit deiner Gnade mein Leben zu bessern, besonders darin, wo ich mich öfters vergehe; lieber Alles will ich, auch selbst den Tod eher leiden, als dich, meinen liebenswürdigsten Gett und beßten Bater, mit einer Sünde noch einmal zu beleidigen. Jesu! ich küsse tie Heilige Wunde deines linken Fusses, und bitte mit dem büffenden David: Erbarme dich meiner, o Gott! erbarme dich meiner. 5. O Liebe, und Gott meines Herzens! Dein bin ich, und dein will ich immer sehn. Nimm mich unter deinen Schutz, o Herr! und zieh' mich mit deiner Baterhand an dich, damit ich als ein gutes Kind immer im Gehorsam gegen dich wandle, alle Reize zur Sünde vermeide, und deiner Liebe immer würdig bleibe. Jesu! ich küsse die heilige Wunde deiner geöffneten Seite, und bitte: Stärke mich in meinem Vorhaken. Herr! erhalet diesen Willen in meinem Herzen auf immer. Unmittelbar vor dem Schlafengehen. D erleih, o Herr! dieſem Hauſe, wie auch dieſem Orte, wo ich mich befinde, deinen Segen, heilige es, damit ich( mit allen den Meinigen) in deinem Frieden ruhe. Laß mich diese Nacht in deiner Liebe, unbes fleckt von jeder Sünde, zubringen, damit ich, wenn du mich etwa abfordern wolltest, in deiner Gnade dahinscheide, oder in selber wieder zu dir erwache. Grftes Abentgebet. Gekreuzigter Jesu! laß mich in deinen heiligsten Armen und Wunden ruhen. Ich vereinige meinen Schlaf mit deinem Schlafe, und in jener Liebe, womit du deiner heiligsten Menschheit auf Erden Ruhe gestattet hast, will auch ich meinen Leib zur Ruhe legen, damit er morgen dir besser dienen könne. So oft ich diese Nacht hindurch Athem holen werde, so oft mein Puls schlagen wird, so oft rufe mein Herz zu Dir: Mein Herr und mein Gott! ich glaube an dich, ich hoffe auf dich und liebe dich über Alles. Die Sünde reuet mich, und ich verabscheue Alles, was dir mißfällt. DO Herr! verzeih' und verwirf mich nicht, wie ich's verschuldet habe. Ich empfehle meinen Leib und meine Seele in deine unendliche Barmherzigkeit! O Maria! du unbefleckte Jungfrau vor der Geburt, in der Geburt und nach der Geburt! deiner Liebe und Fürbitte empfehle ich meinen Leib und meine Seele wider alle Nachstellungen des Satans; du bist meine Mutter, steh' mir, deinem Pflegkinde, bei! Engel des Herrn! der du mich so getreu bisher begleitet und vor tausend Gefahren behütet haft: steh' mir, deinem Pflegkinde, auch diese Nacht bei, und beschütze mich vor allen Gefahren des Leibes und der Seele! 64 Meine heiligen Patronen! heiliger Johann von Nepomuk, heiliger Hermann Joseph, heiliger Alois, und alle Auserwählten Gottes! lobet und ehret diese Nacht unaufhörlich statt meiner den gütigsten Gott: bittet für mich, damit ich von allen unreinen Vorstellungen und aller Sünde frei, und vor allen Nachstellungen der Feinde sicher und ruhig schlafe. Erstes Abendgebet. Erhöre noch, o Herr! mein Gebet für die leidenden Seelen im Fegfeuer, damit sie von ihren Peinen und Strafen befreiet werden. Es segne mich Gott Vater, Sohn und heiliger Geist. Amen. Kleide dich nun so züchtig aus, wie es der Ehrfurcht vor der Gegenwart Gottes und deines heiligen Schutzengels, der dir immer zur Seite ist, geziemt. Bete ein Vater unser für Jene, die diese Nacht sterben; vielleicht betest du für dich selbst das Letztemal. Beim Hineinsteigen in's Bett mache das heilige Kreuzzeichen und sage: Im Namen meines gekreuzigten Jesu lege ich mich nieder, er wolle mich segnen, bewahren, und in die ewige Ruhe führen." Lege dich dann züchtig und auf eine Art zu Bette, daß dich ein ehrbarer Mensch liegen sehen dürfte. Schreibe diese vier Buchstaben J. N. R. J. an die Stirne, und sprich:" Jesus von Nazareth, ein König der Juden, bewahre mich durch diese Ueberschrift vor allem Uebel Leibes und der Seele." Endlich küsse mit innigster Andacht das heilige Skapulier und bete: Durch deine heilige Jungfrauschaft und unbefleckte Empfängniß, o reinste Jungfrau Maria' reinige mein Herz, meinen Leib und meine Seele." Nun wünsche den armen Seelen die ewige Ruhe, und in Betrachtung eines Geheimnisses von dem Leiden Christi aus dem schmerzhaften Rosenkranze schicke dich zum Schlafe. Kannst du aber nicht einschlafen, so denke an den Tod, an jene ernste Zeit, wo dir auf dem Sterbebette ein Kruzifixbild wird in die Hand gedrückt werden, und du gleichsam weitest an den Thoren der Ewigkeit. Was wirst du da seufzen und wünschen? Bedenke, o Mensch! peine letzten Zeiten. Wohl glückseliger Tag, der mit so frommen Erinnerungen zu Ende geht. Dess Jungfrauenbuch II. Theil. LINGAR 5 66 3weites, kürzeres Abendgebet. anksagung. Mein Herr und mein Gott! ich danke dir herzlich für die vielen Gnaden und Wohlthaten, die ich, so lang ich lebe, und besonders an diesem Tage, von dir empfangen habe. Sei gelobt und gebenedeiet in Ewigkeit! Anrufung des heil. Geistes. Erleuchte mich, o du ewiges Licht, damit ich die wider deine unendliche Güte begangenen Sünden erfenne, dieselben herzlich bereue, und mein Leben bessere! Nun erforsche dein Gewiffen, wie oben Seite 62. Rene und Leid. Mein Erlöser, warum hab' ich dich wieder beleidiget, und dein mildes Herz betrübet? Hast du ein solches Benehmen für deine mir erzeigte unendliche Liebe verdient? Halte ich so mein schon so oft gegebenes Versprechen? Ach mein barmherziger Heiland, erbarme dich meiner! es ist mir leid, daß ich dich beleidiget habe; künftig will ich lieber sterben, als dich beleidigen! Fester Vorsat. Dieß ist mein ernstliches Vorhaben, gegründet nicht auf mein untreues und armseliges Versprechen, sondern auf deine unendliche Güte, mit der Alles möglich ist! 67 Zweites Abendgebet. Nach der Erforschung des Gewissens.. ein Gott, ich glaube an dich, mein Gott, ich hoffe auf dich, mein Gott, ich bete dich an! Ich liebe dich, o mein höchstes Gut, und will eher sterben, als deine unendliche Güte beleidigen. Erhalte und beschütze mich in dieser Nacht im Schlafe, den ich zu deiner größeren Ehre genieße! Tröste, o Gott der Liebe, alle diejenigen, welche in dieser Nacht Schmerzen und Drangsale leiden, erleuchte die blinden Sünder, damit sie dich nicht beleidigen. Erbarme dich der armen, leidenden Seelen, durch Jesum Christum, deinen eingebornen Sohn! Heilige Jungfrau! dir übergebe ich meinen Leib und meine Seele; beschütze mich, meine hohe Mutter und Fürsprecherin! Heiliger Schutzengel! mein getreuer Führer und Schutzherr, bewahre und beschüße auch du mich in dieser Nacht. Heilige N.( hier kannst du den Namen deiner Schutzpatronin nennen) bitte für mich mit allen heiligen Freunden Gottes! Bater unser 2c., Gegrüßt jelst du Maria 2c., Ich glaube an Gott z. ba 198 19 ,, Ich habe kein Wohlgefallen an euch, spricht der Herr der Heerschaaren, und nehme kein Opfer an aus euern ,, Händen. Aber vom Aufgange der Sonne bis zum ,, Niedergange soll mein Name herrlich werden unter du den Heiden; und an allen Orten wird ihm geopfer ,, und ein reines Opfer dargebracht werden." Malachias 1, 10. Sund Est Zweiter Abschnitt. Unterricht und Andachts- Uebungen für Jungfrauen, dem heiligen Meßopfer nutzbringend beizuwohnen. Decebers 1. Eine Jungfrau soll täglich die heilige Meſſe hören. er Herr. Siehe, meine Tochter, wie ich die Menschen liebe, indem ich, obwohl unsichtbar, doch wahrhaftig und persönlich unter den Gestalten des Brodes und Weines zugegen, mich durch die Hände der Priester der ewigen Gottheit für dich aufopfere hier auf Erden, der ich im Himmel zur Rechten meines Vaters sizzend, demselben für dich meine Wunden zeige. In dem täglichen Meßopfer wird dir vorgestellt und erneuert, was zur Zeit meines Leidens auf dem Berge Calvari geschehen ist. Ich selbst bin der Priester und das Schlachtopfer des neuen Gesetzes. Ich selbst opfere. mich auf meinem Vater zum Versöhnungsopfer für deine Sünden; ich selbst danke ihm für die vielen Wohlthaten, die er dir erwiesen hat. Ich selbst bitte für dich um Gnade, Huld und Barmherzigkeit bei Gott meinem Vater. Vereinige also bein Gebet mit dem meinigen. Wie kann mein Vater sein Angesicht von dir abwenden, da ( 0 Vom heiligen Meßopfer. du mit mir, und durch mich mit ihm redest? Wie fönnte ich selbst deine Bitte verwerfen, da du zur Zeit des Heiles und des Segens vor dem Throne meiner Liebe erscheinest? Die himmlischen Geister sind gegenwärtig und beten mich an in tiefester Demuth; deine Brüder und Mitschwestern dienen mir; der Priester ist besorgt um dich; ich lade dich ein, daß du zu mir fommest, und bei mir Trost und Hilfe suchest. Wie kannst du also saumfelig seyn, und zur Zeit der Gnade und des Gebetes an unnützem Geschwätze und eitlen Dingen eine Freude haben? Die Seele ist vortrefflicher als der Leib. Entsage also immerhin auf einige Zeit der Sorge für deine zeitlichen Geschäfte, damit du zum Heile deiner Seele mir dienest. Woferne aber dein Gehorsam, die Gelegenheit oder eine Unpäßlichkeit dich am Besuche der heiligen Messe verhindert, so sei im Geiste zugegen. Wenn du in die Kirche gehst, um dem heiligen Meßopfer beizuwohnen, so laß vor der Thüre deine zeitlichen Geschäfte, und Alles, was dein Gemüth zerstreuen kann; gedenke, daß du in der Gegenwart deines Schöpfers und Erlösers bist, der von dir ein reines Herz und ein gesammeltes Gemüth begehret. Wenn dich aber äußerliche Dinge wider deinen Willen beunruhigen, so werde deßwegen nicht kleinmüthig, sondern wende dein Gemüth wieder andächtig zum Gebete. Du bist aus Erde gemacht, und kannst deine Gedanken nicht gänzlich von den irdischen Dingen entfernen, es sei denn, daß ich durch eine besondere Gnade dich über das Zeitliche emporhebe. Die Jungfrau. Ich nehme mir vor, mein Heiland, alle Tage die heilige Messe zu hören, und dir daselbst mit aller Andacht zu dienen, und dich mit den unsicht baren Fürsten des Himmels als meinen Gott anzubeten. Vom heiligen Meßopfer. 2. Wie eine Jungfrau die Meßgebete am Nütlichsten gebrauchen kann. 71 1) Nimm bald dieß bald jenes von den folgenden Meßgebeten, welches dir für alle Tage der Woche vorgeschrieben wird. 2) Wähle öfters dasjenige Gebet, bei welchem du eine größere Andacht fühlest, und welches dich in deinem heiligen Vorhaben am meisten fördert. 3) Wenn du im Anfange die heilige Messe Gott aufopferst, so bitte zugleich um die Gnade, daß du wohl begreifest, was du zu beten oder zu betrachten haſt. 4) Lies langsam, und führe wohl zu Gemüth, was bu liefest. Wenn du fromme Gedanken und eine heilige Neigung in dir fühlest, so mache das Buch zu, und sprich mit deinem Gotte aus vollem Herzen, nach dem Maße der innerlichen Regung und Erleuchtung. Erwecke bald einen festen Glauben, bald eine herzliche Reue und Leid, bald eine Liebe; demüthige dich, sage Dank, lobe und preise Gott, mache einen guten Vorsatz u. s. w., je nachdem es der heilige Geist dir eingibt. 5) Wenn dein Herz nichts mehr zu sprechen weiß, dann lies wieder fort, wie zuvor. 6) Bei der Wandlung bete deinen Heiland an, und rede mit ihm von dem, was du gelesen oder betrachtet haft; bitte ihn um die Gnade, dasjenige zu thun oder zu meiden, was und wie es dir nöthig ist. 7) Bei der Communion des Priesters erwecke in dir eine heilige Begierde, des Heilandes zu genießen. 8) Suche dann auch auszuführen, was du dir zur Zeit des heiligen Meßopfers zur Ehre Gottes und zu deinem Nugen zu thun vorgenommen hast. Wie Ich mich am Kreuze mit ausgebreiteten Armen und nacktem Leibe für deine Sünden Gott dem Vater freiwillig geopfert habe, ulso daß nichts n Mir geblieben, das nicht ganz in das Opfer göttlicher Vorsehung aufgegangen wäre, so sollst auch du dich selbst Mir freiwillig zu einem reinen und Heiligen Opfer täglich in der Messe mit allen deinen Kräften und Neigungen, so innerlich als du kannst, opfern. 1. Mekandacht vom bittern Leiden Jesu Chrifti, für die Werktage. 73 Gute Meinung und Aufopferung der heiligen Messe. wiger Gott und himmlischer Vater! dieje heilige Messe will ich hören, um dich mit Christo Jesu anzubeten, und mit ihm und durch ihn dir Dank zu sagen, und um dich zu bitten um Gnade und Barmherzigkeit sowohl für mich reumüthige Sünderin, als auch für alle christgläubige Lebende und Todte, und um die verdiente Strafe meiner Sünden durch die Verdienste Jesu Christi auszulöschen. Sieh, o mein Gott und Vater, wer derjenige ist, der sich durch die Hände des Priesters dir aufopfert, und stehe mir bei, daß ich mit Andacht und mit gesammeltem Geiste vor dir erscheine. Anfang der heiligen Messe bis zum Sanctus. Betrachtung des bittern Leidens und Sterbens Jesu Christi, um die Reinigkeit des Herzens zu erlangen. mein Jesu, du ewiger Sohn Gottes, in welche große Angst und Traurigkeit bist du gerathen Ich sehe dein Angesicht mit blutigem Schweiße bedeckt, und höre deine klagende Stimme, womit du zu deinem Vater rufest, daß er den bittern Kelch des Leidens von dir nehme! Wohin du nur immer deine Blicke wendest, mein betrübter Jesu! siehst du nichts, als grausame Martern, unbeschreibliche Schmerzen, und die unerhörte Grausam 74 Meßandacht feit deiner Feinde, welchen dich die göttliche Vorsehung übergeben hat. Die schwere Last meiner Sünden und der Sünden aller Menschen, die du aus Liebe auf dich genommen hast, drücket dich zu Boden, und die Schmerzen des Todes, ben ich verschuldet habe, ergreifen dich von allen Seiten, und stürzen dein trostloses Herz in die tiefeste Traurigkeit; deine Kräfte ermüden, deine Seele ist betrübt bis in den Tod. Aber deine unendliche Liebe ermuthiget dich in deinen Leiden, und du fühlest Mitleiden mit meiner armseligen Gefangenschaft; du willst mich erlösen, mein einziger und getreuester Freund, und ungeachtet deines Widerwillens den bittern Kelch austrinken. Mitten in deiner Angst gedenfest du meiner und bittest für mich um Gnade und Barmherzigkeit, und um diese zu erlangen, gibst du dich selbst dem Tode hin. Ach warum, o meine Liebe und mein Leben! warum hab' ich dich beleidiget, und was hast du mir zu Leide gethan, daß ich dir ein solches Elend bereitet habe? O meine Seele! fieh', wie bein getrenester Freund ergriffen, mit Stricken gebunden, und auf eine unmenschliche Weise fortgeschleppt wird! und wohin führen sie dich, o meine Seligkeit? Wenn sie dich in den Kerker und zum Tode führen, will ich mit dir gehen; denn beide habe ich tausendmal verschuldet. Aber du, mein Erlöser! haft beide Strafen auf dich genommen, um mich von dem ewigen Gefängnisse, von dem ewigen Tode zu erretten. vom bittern Leiden Jesu Christi. 075 O Gott der Majestät, wie stehest du da! gleich einem Missethäter, von gottlosen Menschen und grausamen Henkern umgeben, die dich mit Fäusten schlagen, anspeien. stoßen, verhöhnen, lästern, verspotten und dich des Todes schuldig erklären, der du doch das Leben bist! Alle Diese Unmenschlichkeiten erduldest du mir zu Liebe! Mein Jesu, warum bist du so voll Güte gegen eine undankbare Sünderin? Du hast meine Bande aufgelöset, o mein Heil, und liegest nun selbst gefangen unter deinen blutgierigen Feinden! Du bist, o mein Erlöser, in deinem göttlichen Berufe als Lehrer der Menschen herumgegangen, und hast alles Gute gethan. Jetzt wirst du als ein Gotteslästerer unt Verführer des Volkes von einem Nichterstuhle zum anderr geschleppt, und empfangest Böses für Gutes. Wie oft hab' ich selbst, mein Herr und Gott, deine Wohlthater mit Undank vergolten, und dich gehaßt, da ich dich hätte lieben sollen> Ach, was sehe ich, mein Jesu! was bedeuten die Geißeln und Ruthen in den Händen der Henkersknechte? Ach mein Jesu! muß dein zarter Leib von diesen Unmenschen entblößt, schmerzlich gegeißelt und zerriſser werden? Du schweigest still bei dieser grausamen Marter und klagest nicht. Aber die blutenden Striemen auf allen Seiten zeigen nur allzu wahr, was für Schmerzen du leidest, geduldiges Lamm Gottes! Man fühlet Mitleiden mit einem verruchten Mörder, und die Streiche, die er empfangen muß, sind gezählet Aber mit dir, mein Heiland, haben sie kein Erbarmen! 76 Meßandacht Vom Haupte bis zur Fußsohle sehe ich lauter Wunden; dein Herz verschmachtet vor Größe der Schmerzen, und deine Kräfte verlassen dich; kraftlos sinkest du zu Boden, und suchest umsonst die Blößen deines gemarterten Leibes zu bedecken! Sie werfen dir einen alten Purpurmantel über die Schulter, sie geben dir ein Rohr, anstatt des Scepters, in die Hand; sie drücken dir eine von Dornen geflochtene Krone mit Gewalt auf das Haupt; sie beugen höhnischer Weise vor dir die Kniee; sie beten dich an als einen lächerlichen König; sie verbinden dir die Augen, sie schlagen dich, sie stossen dich, sie speien dich an; es gibt keine Grausamkeit, die sie nicht an dir üben, o mildester Erlöser! Ach mein Gott und Herr! Wo ist dein schönes, himmlisches Antlitz, wo ist der göttliche Glanz deiner Augen? Ich sehe nichts, als Dornen, Blut und Wunden! In diesem armseligen und erbärmlichen Zustande wirst du dem Volke gezeigt. Ach! wem sollen nicht die Thränen des Mitleides wie glühendes Erz aus den Augen fließen, wenn man dich ansieht, und nichts hört, als das unaufhörliche Geschrei des unsinnigen Volkes, das seinen Gutthäter zum schmählichen Tode des Kreuzes dahin schleppt? Das Urtheil wird über dich gesprochen; du mußt am Kreuze sterben, o du mein Leben! weil ich gesündiget habe. Das Kreuz steht schon aufgerichtet vor deinen Augen; du selbst mußt es auf deinen Schultern tragen. Welche Qualen, mein geliebter Heiland, hast du unter der schweren Bürde dieses schmählichen Holzes gelitten! 71 vom bittern Leiden Jesu Christi. Wie oft bist du aus gänzlicher Schwäche zu Boden gesunken, und nur durch vieles Schlagen und Stoffen bist du zum Nichtplate fortgerissen und hinausgeschleppt worden! Ach, mein Heiland, nun mußt du wieder vor dem ganzen Volke entblößt, und zwischen zwei Bösewichtern mit starken Nägeln an das Kreuz geschlagen werden! Welche Schmerzen, mein Jesu, hast du an Händen und Füssen, und an allen Gliedern deines heiligen Leibes gelitten! Nun hangest du zwischen zwei Mördern, und leidest drei ganze Stunden lang die entsetzlichsten Schmerzen am Leibe und an der Seele, und stirbst für mich, o meine Liebe und Barmherzigkeit! Ich Armselige habe dir solche Schmerzen und diesen schmählichen Tod verursacht; denn auch für mich bist du gestorben; du büßest für mich, weil du mich liebest. Wie groß ist meine Reue, mein Gott! Ach, laß mich eher sterben, als dich beleidigen; ich will nicht mehr leben ohne dich, da du für mich gestorben bist! Vom Sanctus bis zur Wandlung. D betrübte Mutter des Heilandes, der vor deinen Augen gekreuziget wurde, du weißt, was dein mütterliches Herz gelitten hat, und wie tief das Schwert der Schmerzen in deine gebenedeite Seele gedrungen ist! Laß mich neben dir bei dem Kreuze stehen, damit ich die Liebe Jesu erkenne, und das Werk meiner Sünden ansehe. Gedenke, o gnadenvolle Jungfrau! wie Jesus geboren wurde, und wie er seine mit Blut und Thränen 78 Meßandacht benetzten Augen vom Kreuze herab zu dir wendete, und wie er dir seinen getreuen Freund Johannes empfahl! Er hat auch mich mit dem geliebten Jünger deinem Schutze übergeben. So sei denn meine barmherzige Mutter, und führe mich auf dem Wege des Kreuzes und der täglichen Selbstverläugnung! Ich habe eine solche Mutter und mächtige Fürsprecherin nöthig. Gib mir Muth durch dein Beispiel; tröste mich durch deine Milde, stärke mich durch deine Anschauung, und stehe mir bei, daß ich deinen eingebornen Sohn Jesum Christum liebe, der jetzt auf dem Altare sich darstellt. Bei Aufhebung der heiligen Hoftie. MI ein Herr und mein Gott! Ich glaube, daß du wahrhaft in deiner Menschheit und Gottheit zugegen bist! Ich bete dich an, o mein höchstes Gut! Ich sage dir Dank wegen deiner großen Liebe, die du mir durch dein bitteres Leiden und Sterben bewiesen hast. Ich will dich nicht mehr beleidigen mein Jesu, sondern immer lieben! Bei Aufhebung des Kelches. eiligstes Blut Jesu, reinige mein Herz von seinen Sünden und gib mir einen unauslöschlichen Durst ALS der Gerechtigkeit! Laß, o mein Jesu, dein heiliges Blut an mir nicht verloren gehen! Nach der Wandlung bis zum Bater nofter. Nachfolgung des leidenden Heilandes. Die Jungfrau. Mein geliebter Erlöser, wie kann ich deine Liebe erkennen, die du mir durch dein bitteres Leiden und Sterben erzeigt haft? vom bittern Leiden Jesu Christi. 79 Der Herr. Wenn du mich lieben willst, meine Tochter, so mußt du mit mir das Kreuz tragen, welches dir nicht fehlen wird, so lange du in deinem sterblichen Körper auf dieser Erde lebest. Deine Sinne und Gedanken sind zum Bösen geneigt; laß sie nicht aufkommen; du mußt ihnen nichts gestatten, was meiner Liebe zuwider iſt. Du möchtest gerne sehen, hören oder wissen, was dich nicht erbauen, sondern vielmehr zur Sünde locken kann. Bezähme deinen Vorwitz; dieß ist ein Kreuz, das du tragen mußt. Du möchtest gerne reden, was der Liebe deines Nächsten zuwider ist: schweige still! Dein Leib möchte essen, trinken, schlafen und Vers gnügen haben, unmäßig und mehr als erlaubt ist; thu' dir einen Abbruch. Fange bei den Sachen an, welche sündhaft sind; dann kannst du jene vornehmen, welche gefährlich sind, und zuletzt jene, welche nicht nothwendig sind, und an Erlangung einer größeren Vollkommenheit dich hindern. Liebe die Arbeit und Einsamkeit; bete und wache! Es wird dir nicht Alles nach deinem Willen gehen, die Menschen werden dich zum Zorne, die vielen Widerwärtigkeiten zum Unwillen, Mühe und Arbeit zur Ungeduld, Versuchungen werden dich zur Kleinmüthigkeit bringen. In allen diesen Dingen mußt du leiden und streiten, wenn du mir nachfolgen und den Kranz deines himmlischen Berufes gewinnen willst! Die Jungfrau. Ich bin bereit, o gekreuzigter Herr, das Kreuz mit dir zu tragen; stärke mein schwaches Gemüth! Bom Pater nofter bis zum Ende. Geistige Vereinigung der Seele mit Christo. UT. msonst, mein Heiland, suche ich bei den Menschen eine aufrichtige Liebe; du allein, o mein Jesu, bist derjenige, der wahrhaft liebt, wie kein sterblicher Mensch lieben kann. Du bist auf dem schmählichen 80 Meßandacht Kreuze für mich gestorben; dieß hat kein Mensch für mich gethan. Du stellest mir noch täglich vor Augen den bittern Tod, den du für mich gelitten hast, indem du in diesem unblutigen Opfer der heiligen Messe wahrhaftig zugegen bist, dich dem himmlischen Vater für mich aufopferst, und die Verdienste deines Leidens mir zueignest. Ist diese Liebe nicht groß genug für meine Glückseligkeit? Warum denn, o meine Liebe und mein Leben, haſt du meiner Seele dich zur Speise hingeben, und auf diese Weise alle Schätze deiner Gnade ausspenden wollen? Warum willst du dein liebevolles, heiliges Herz mit meinem lauen Herzen, und deine allerreinste Seele mit meiner fündhaften Seele vereinigen? Aus dieser Liebe. muß ich erkennen, daß ich gänzlich dir mich schenken soll, gleichwie du Alles, was du hast und was du bist, mir ohne Vorbehalt schenkeſt! Du hast, o göttliches Wort, von Anfang Alles erschaffen, und hast mir dieses zeitliche Leben geschenkt. Aber in diesem Meisterstücke deiner Liebe gibst du mir ein vollkommenes und göttliches Leben, indem du in eigener Person bei mir einkehrest, und mich durch dich selbst speisest, damit ich lebe; aber nicht ich, sondern damit du in mir lebest, o ewiges Leben! Weil du mich also liebest, mein Jesu, so vereinige durch diese göttliche Speise meinen Beib und meine Seele mit dir, und entzünde mein Herz mit der Liebe deines Herzens! Komm, und stille meinen Hunger mit deinem Leibe, und lösche meinen Durst mit deinem Blute, damit ich vom bittern Leiden Jesu Christi. außerdem Alles gering achte, was meine Sinne begehren, was mein irdisches Herz verlanget! So laß mich denn im Geiste deiner täglich theilhaftig werden, laß mich betrachten deine unaussprechliche Schönheit, laß mich loben deine ewige Macht und Herrlichkeit, und preisen deine unendliche Liebe und Güte; laß mich Tag und Nacht an dich denken, und meine Seele nach dir verlangen. Reinige, o mein Jefu, meinen Leib und meine Seele, damit du gerne bei mir und in mir wohnest! Alles, was ich habe, übergebe ich dir, und du, mein Heiland, übergib mir, was du hast; damit all das Deinige mein, und all das Meinige dein sei; denn wenn ich dich besitze, so hab' ich mehr, als mir alle Schäße der Welt jemals geben können! 81 Das Evangelium Johannis, c. 1. 900 m Anfange war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort; dasselbe war im Anfange bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht worden, und ohne dasselbe ist nichts gemacht worden, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen, und das Licht leuchtete in der Finsterniß und die Finsterniß hat es nicht begriffen. Es war ein Mensch, von Gott gefandt, dessen Name war Johannes. Derselbe kam zum Zeugnisse, damit er Zeugniß geben sollte von dem Lichte. Es wäre ein wahrhaftiges Licht, welches erleuchtet einen jeglichen Menschen, der da in diese Welt kommt. Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasfelbe gemacht worden, und die Welt hat es nicht erkannt. Jungfrauenbuch II. Theil. 6 82 Meßandacht zur Ehre Er kam in sein Eigenthum, und die Seinigen haben ihr nicht aufgenommen. Wie viele ihn aber aufnahmen, cenen gab er Gewalt, Kinder Gottes zu werden, nämlich die da glauben an seinen Namen; welche nicht aus dem Blute, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden, hat unter uns gewohnet. Und wir haben gesehen seine Herrlichfeit, als die Herrlichkeit des eingebornen Sohnes vom Bater, voller Gnade und Wahrheit! LAH 11. Meßandacht zur Ehre der heiligsten Dreifaltigkeit, für Sonn- und Festtage. пед дн Bom Anfang der Messe bis zum Gloria. m Namen Gottes des Vaters, und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Gelobt und gebenedeit sei die allerheiligste Dreifaltigkeit, Gott Bater, Sohn und heiliger Geist! O aller Ehre und Anbetung würdigster, dreieiniger Gott! Mit findlichem Vertrauen erscheine ich vor deinem heiligen Altare, um mit dem hier versammelten Volke dem hochheiligen Opfer beizuwohnen, welches der Priester im Namen Jesu dir jetzt parbringen wird. Ewiger Gott, Herr Himmels und der Erde! wir opfern dir das heiligste, dir angenehmste und wohlgefälligste Opfer; wir opfern dir den heiligsten Leib und der heiligsten Dreifaltigkeit.find 83 das heiligste Blut Jesu, deines göttlichen Sohnes, in Vereinigung mit jenem großen Opfer, welches Er selbst bir bargebracht hat, da er zu unserer Erlösung in den schmerzlichsten Leiden am Kreuze gestorben ist. O mein Gott! ich fühle die Schwere meiner Sünden und schlage, von Neue durchdrungen, an meine Brust und bekenne vor dir, daß ich eine Sünderin bin. Ach, mein Gott! oft und vielmal habe ich dich beleidiget. Dir, o Allwissender! ist feiner meiner Fehler verborgen geblieben; aber dein Erbarmen ist größer als alle meine Sünden. Darum bitte ich, verzeihe mir und sei mir barmherzig! Sieh herab auf diesen Altar und nimm dies heilige Opfer von den Händen des Priesters gnädig an. Nimm es an zu deinem Lobe, zur Anbetung deiner höchsten Majestät, zum Gedächtnisse der Menschwerdung, des schmerzlichen Leidens und Sterbens unsers Erlösers, zur Danksagung aller mir erzeigten Gnaden und Wohlthaten, zur Genugthuung für alle meine Sünden, welche ich in das heiligste Blut Jesu versenke. O Gott! im Vertrauen auf deine unendliche Barmherzigkeit und die Verdienste des Leidens und Todes Jesu vereinige ich mich mit allen hier versammelten Menschen und Engeln, um dich anzubeten und für die großen Wohlthaten zu preisen, welche du uns in deinem göttlichen Sohne erwiesen hast. Ich bitte auch zugleich für alle meine Wohlthäter, für alle meine Freunde und Feinde; besonders aber empfehle ich deiner väterlichen Güte und Liebe diejenigen, welche mir angehören und die sich in mein Gebet empfohlen haben. Laß tir, o Herr! diese meine gute Meinung wohlgefällig seyn; 6* 84 Meßandacht zur Ehre erbarme dich auch aller abgestorbenen Christgläubigen und gib ihnen die ewige Ruhe. Allmächtiger und freigebiger Gott! laß mich auch in meinen zeitlichen Anliegen durch die Kraft dieses heiligen Opfers Hilfe und Trost erlangen. Du weißt es, o Allwissender! welcher Kummer mein Herz beängstiget; dir ist es bekannt, welches Kreuz ich trage, und du weißt auch am besten, wie mir zu helfen ist. O hilfreicher Gott! hilf mir um Jesus willen in meinem Anliegen N. N., in welchem ich mit Vertrauen zu dir bete. Sollte ich aber auch, wie Jesus am Delberge, ohne erhört zu werden, beten, so will ich dennoch nicht verzagen, sondern dir, o liebster Gott! mein Schicksal überlassen, mich deiner weisen Vorsicht hingeben und mit zärtlichem Vertrauen zu dir sagen: Bater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Nur bitte ich, du wollest mir deine Gnade verleihen, daß ich bis an das Ende meines Lebens in diesem Entschluße verharre, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Wir beten dich an, o dreieiniger Gott! denn du bist preiswürdig in Ewigkeit. Ehre sei dem Vater, und dem Sohne, und dem heiligen Geiste! Amen. Beim Gloria. hristus Jesus, du Heiland der Welt! In Vereinigung mit jenem Lobe, welches die heiligen Engel bei deiner gnadenreichen Geburt gesungen haben, rufe ich auch mit frohem Herzen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen, die eines guten Willens sind! Wir loben dich, wir preisen dich, 149 der heiligsten Dreifaltigkeit. 85 wir beten dich an, wir ehren dich und sagen dir Dank für alles Gute, das du uns gegeben hast. D Herr Jesus Christus! du bist der wahre Schn Gottes; ich bete dich an. Du bist das ewige Wort des Vaters, das vom Himmel kam, Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat. Dich, o Gott! preiset die ganze Schöpfung; vor dir, o Gott! neigt sich jedes Haupt, vor dir beugt sich jedes Knie; dir allein gebührt alle Ehre, Lob, aller Dank und alle Anbetung von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. O Gott, wunderbar ist dein Name auf der ganzen Erde! Preis und Ehre, Dank und Anbetung, sei dir, o allerheiligster, dreieiniger Gott! Ehre sei dir, o Vater! Ehre sei dir, o Sohn! Ehre sei dir, o heiliger Geist! Erbarme dich meiner, ewiger Vater! und stärke meinen Glauben. Erbarme dich meiner, Jesus, du Sohn Gottes! und vermehre in mir die Hoffnung. Erbarme dich meiner, o heiliger Geist! und verleihe mir deinen Beistand in Allem, was mein Seelenheil betrifft. O Geist Gottes! erhöre mein Flehen und entzünde mein Herz zu deiner göttlichen Liebe. Ehre sei dem Vater, Sohne und heiligen Geiste, wie im Anfange, so jetzt und in Ewigkeit! Amen. Bei den Gebeten. erleih' uns gnädig, himmlischer Vater! durch die Fürbitte Mariä und deiner Heiligen, besonders jener Heiligen, deren Fest wir heute begehen, alle jene Gnaden, welche der Priester im Namen Jefu für sich und für uns begehrt. O allmächtiger Gott! du bist unser Bater; auf dich setzen wir unser Vertrauen, da 86 Meßandacht zur Ehre bu uns deine Barmherzigkeit schon so oft erzeigt haft. Von dir, o Gott! wollen wir Hilfe und unser Heil erwarten. Erhöre uns Alle, die wir hier versammelt find; um das bitten wir durch Jefum Christum, deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebt und regiert in alle Ewigkeit. Amen. Auch zu dir rufe ich, o gnadenvolle Mutter Jesu, du Zuflucht der reumüthigen Sünder! Bitte den lieben Gott für mich, daß er mich nicht verlasse, besonders in meiner letzten Lebensstunde, wo mich alle Menschen verlassen. Stehe mir dann mit deiner mütterlichen Hilfe bei und führe meine Seele zu Jesus, deinem Sohne; bitte ihn, daß er mich gnädig richten und in die ewige Seligkeit aufnehmen wolle. Amen. Bei dem Evangelium. ank, ewiger Dank sei dir, o liebster Jesus! daß du mir dein heiliges Evangelium hast bekannt werden lassen. Aber, o mein Herr und mein Gott! wie werde ich vor dir bestehen, wenn du mich einst nach dem Evangelium, nach meinem Glauben richten wirst? Aber ich erkenne es mit bitterm Schmerz, daß meine Sünden mich verdammen werden, wenn ich nicht in Reue und Buße zu dir zurückkehre. Ja, liebster, ewig barmherzigster Bater! ich kehre zu dir zurück und bereue mein bisheriges sündhaftes Leben; o schenke mir nur ceine Liebe wieder! Ich will fünftig nach der weisen Vorschrift deines Evangeliums leben, damit ich die wohlgefalle und Frieden, Freude und Seligkeit erlange. Verleihe mir, o Gott! den Beistand deines Geistes, der mit feinem göttlichen Gnadenlichte mich erleuchte, damit ich der heiligsten Dreifaltigkeit. 87 deine Befehle treu erfülle und würdig werde, einst zum ewigen Leben einzugehen, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Bei dem Credo. Ich glaube an dich, dreieiniger Gott, Vater, Sohn, und heiliger Geist! Ich glaube an dich, o Bater! den Schöpfer und Erhalter aller Dinge. Ich glaube an dich, o Jesus Christus! den wahren Sohn Gottes, meinen Erlöser und Seligmacher. Ich glaube an dich, o heiliger Geist! den Tröster, der vom Vater und Sohne ausgeht und meine Seele schon in der heiligen Taufe geheiliget hat. In diesem Geheimnisse meines Glaubens bete ich dich, o allerheiligste Dreifaltigkeit! in Ehrfurcht an und flehe mit kindlichem Verlangen um Stärke in meinem Glauben, damit ich mich an die Worte Jesu feſthalte, da er sagt: Dem, der glaubt, sind alle Dinge möglich. Gott alles Trostes! Ich bin dein Kind und ich weiß, wie sehr du verlangest, mich selig zu machen; darum hoffe ich auf dich. Ja, ich hoffe auf dein Wort, und ich will auf dich hoffen, bis du deine Verheißung an mir erfüllen und mich selig machen wirst. O Gott der heiligsten Liebe! Du hast mich erschaffen, um dich zu lieben; ach, und ich liebe dich so wenig! O laß doch den Geist der Liebe, welcher am Jordan auf Jesus herabgestiegen ist, auch auf mich herabsteigen; laß eine jener göttlichen Feuerflammen auf mich herabinfen, welche bu über die Apostel ausgegossen hast, amit mein Herz mit einer heiligen Liebe entzündet werde, 88 Meßandacht zur Ehre und ich mit Petrus sagen kann: Du weißt es, o Herr! daß ich dich liebe. Um das bitte ich durch eben denselben Jesus Christus, deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebt und regiert in alle Ewigkeit. Amen. Bei dem Offertorium. 1 allerheiligste Dreifaltigkeit, einiger Gott! wir bitten, nimm dies heilige Opfer von den Händen des Priesters gnädig an zum Lobe und zur Verherrlichung deiner göttlichen Majestät, zum Andenken der Menschwerdung, des Leidens, der Auferstehung und Himmelfahrt Jesu Christi unsers Herrn und Heilandes; und zugleich zur Ehre der seligsten Jungfrau Maria, des heiligen Johannes des Täufers, der heiligen Apostel Petrus und Paulus und aller Heiligen, damit es zu ihrer Verherrlichung und unserm Heile gereiche. In Vereinigung mit diesem heiligen Opfer opfere ich dir auch mein Herz und bitte dich, daß gleichwie die Hostie in den heiligsten Leib Jesu verwandelt wird, du auch mein Herz in ein frommes, keusches und dir wohlgefälliges Herz verwandeln wollest. O Gott, du bist meine einzige Hoffnung, auf dich allein vertraue ich! Darum, o allerhöchster Gott! verleihe, daß ich dich mit Verlangen suche, da ich dich noch finden kann; daß ich zu dir rufe, wenn du mir nahe bist. Auch bitte ich, o Herr und Gott! für das Wohl der heiligen Kirche: erhöhe, beschütze und regiere sie, leite und erleuchte das Ober haupt derselben und verleihe uns den Frieden durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. der heiligsten Dreifaltigkeit. Bei der Präfation und dem Sanctus. D ihr heiligen Engel des Himmels, ihr Cherubim und Seraphim, ihr ewigen Anbeter des Allerhöchsten, die ihr hier gegenwärtig seid, um das tiefe Geheimniß der göttlichen Liebe, das große Wunder der göttlichen Allmacht zu verherrlichen! O ihr seligen Geister und Heiligen des Himmels, und du vor allen, Königin der Heiligen! erbittet mir eine recht wahrhafte Andacht zu dem hochheiligen Opfer, welches jetzt hier auf dem Altare vollbracht wird. 89 Jetzt thut der Priester, was Jesus Christus selbst that, als er zum Heile der Welt das hochheilige Sakrament des Altars einsetzte. Jesus, der Sohn Gottes, nahm das Brod in seine gebenedeiten Hände, hob seine Augen zu dem Vater im Himmel auf und sprach die Segensworte der Verwandlung des Brodes in seinen heiligen Leib. Dieses nämliche Wunder der Allmacht wird nun auch durch die Segensworte des Priesters hier auf dem Altare vollbracht. O Jesus, du lebendiger und wahrer Gott! Mit zitternder Ehrfurcht erwarte ich deine gnadenreiche Ankunft auf dem Altare. O könnte ich in dem Augenblicke, wo der Priester deinen heiligen Leib zur Anbetung in die Höhe hebt, dir ein reines Herz zum Opfer darbringen! O mein Heiland! o mein Erlöser! Du hast aus Barmherzigkeit dich am Kreuze zum Opfer für unsere Sünden hingegeben, o komm, du Lamm Gottes! komm und opfere dich auch jetzt deinem himmlischen Vater zur Verzeihung meiner Sünden für mich auf. Voll Erstaunen und Ehrfurcht erhebe ich meine Stimme zu dir und rufe mit Herz 90 Meßandacht zur Ghre und Seele: Heilig! Heilig! Heilig ist der Herr der Heerschaaren, Himmel und Erde sind voll seiner Herrlichkeit! Gelobt, gebenedeit und angebetet sei Jefus Christus, der wahre Sohn Gottes, der jetzt vom Himmel herab in die heilige Hostie kommt! Hosanna in der Höhe! Ruhm, Ehre und Preis dem lebendigen Gott, der jetzt erscheinen wird! Hosanna dem Allerhöchsten, dem allein wahren Gott, den wir in Anbetung hier auf dem Altare erwarten! Hosanna dem, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe! Bei der Wandlung. mein Jesus, sei mir gnädig! O mein Jesus, 11 sei mir barmherzig! O mein liebster Jesus, verjeihe mir meine Sünden! O mein Jesus! durch dein heiliges Blut reinige mich von meinen Sünden; durch dein göttliches Blut wasche mich rein von meinen Missethaten; durch dein gnadenreiches Blut verleihe mir Gnade und Barmherzigkeit! Nach der Wandlung. Sch erhebe nun mein Herz und meine Seele zu dir, o Gott, himmlischer Vater! Ich lobe und preise sich, ich danke dir und bete dich an in Jesus, deinem Sohne, der als wahrer Gott und wahrer Mensch mit Leib und Seele hier gegenwärtig iſt. O wie unaussprechlich kostbar, wie über Alles hoch und heilig ist dies geheimnißvolle Opfer! O welch ein Uebermaß von Gnade erzeigt uns Jesus, der lebendige Sohn Gottes, daß er das Opfer seiner Liebe in dieser heiligen Messe wieder erneuert! Großer, aller Anbetung würdigster Gott! Sieh hier auf dem Altare deinen der heiligsten Dreifaltigkeit. 91 einzig geliebten, göttlichen Sohn, der für uns Sünder am Kreuze gestorben ist. Dies göttliche Lamm opfert sich dir abermals auf eine unblutige Weise für uns auf. Durch ihn sollen wir gerecht und durch sein Blut von Sünden rein und selig werden. O göttliche, allerhöchste Majestät! Ich liege vor deinem Angesichte auf meinen Knieen, um dich zu lobpreifen und zu verherrlichen. Wer ist so gut, o Gott! wie du? 3m festen Glauben an die lebendige Gegenwart des allerheiligsten Leibes Jesu bete ich dich, ewiger Gott! in Ehrfurcht an. Um dich aber desto wohlgefälliger anzubeten, vereinige ich mich mit allen heiligen Engeln, mit Maria, der Königin der Engel, und rufe mit Entzücken meines Herzens: Heilig, heilig, heilig bist du, o Goit der Heerschaaren! Oihr Heiligen Gottes! Laßt uns niederbeugen vor dem Herrn des Himmels und der Erde, laßt uns ihn lobpreisen und anbeten. O bu in den Gestalten des Brodes verborgener Gottmensch Jesus! Ich bete dich an und bitte flehend, erbarme dich meiner im Leben und im Tode. Amen. 1 Barmherziger Gott! durch den heiligsten Leib Jesu und sein heiligstes Blut, welches wir dir mit dem Priester in tiefster Ehrfurcht darbringen, leisten wir dir Genugthuung für unsere Sünden, die wir von Herzen bereuen. Durch dieses göttliche Opfer bitten wir, vermehre in uns die heilige Liebe. Ach, liebster himmlischer Vater! im Namen Jesu, deines Sohnes, der mit Gottheit und Menschheit hier gegenwärtig ist, bitte ich für Alle, die hier zu deinem Lobe versammelt sind. Erhöre uns gnädigst, erhöre unser Gebet, da wir unsere Noth und unsere vi 2 fond Meßandacht zur Ehre Anliegen dir vortragen. Reinige unsere Seelen und erleuchte unsern Geist, damit wir dich und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen und seine göttliche Lehre treulich befolgen. Gedenke auch, o barmherzigster Bater! der Seelen im Fegfeuer und laß ihnen dieses heilige Meßopfer zu ihrer Erlösung gereichen. Um das bitten wir, himmlischer Vater! durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Vater unser 2c. , 2 Bei der Kommunion des Priesters. D mein Jesus, du höchste Liebe meines Herzens! Gern wollte ich dich jetzt mit dem Priester in dem heiligen Sakramente empfangen, wenn ich nur dieser Gnade würdig wäre; da ich aber eben wegen meiner Sünden dieses Glückes unwürdig bin, so halte ich mich, gleich jenem offenen Sünder, nur von ferne und schlage voll Betrübniß und Rene über meine Sünden an meine Brust und rufe zu dir: O Jesus, du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich meiner! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, sei mir gnädig! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, sei mir barmherzig und kehre doch mit deiner heiligmachenden Gnade bei mir ein! O Jesus! ich verlange nach dir, ich seufze nach dir; ich bin zwar nicht würdig, daß du zu mir kommst, aber sprich nur ein Wort, so wird gesund meine Seele. O Jesus, mein Gott und Herr, an dich glaube ich! O Jesus, auf dich hoffe ich! Du, o Jesus, bist mein Erlöser! Du bist mein Trost, du bist mein Marie Kähre der heiligsten Dreifaltigkeit. 93 einziges, mein wahres und höchstes Gut; darum liebe ich dich über Alles, und seufze nach dir! O komm und kehre geistlicher Weise in meinem Herzen ein; heilige und reinige mich, damit ich bei meiner nächsten kommunion deinen heiligsten Leib recht würdig empfangen möge! Komm, o Auserwählter meiner Seele! mein Herz verlangt nach dir. ( Jegt dente, du kommunizirest wirklich.) Der heiligste Leib Jesu Christi bewahre meine Seele und führe sie zum ewigen Leben. Amen. Hochgelobt und gepriesen sei das heiligste Sakrament des Altars! Ehre und Dank, Lob und Anbetung sei dir, o allerhöchster Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! Ehre sei dir von allen Engeln und Menschen, an allen Orten und zu ewigen Zeiten! Amen. Gebet. Umächtiger, gütiger Gott! verleihe gnädig, daß wir durch Anbetung und Genuß des heiligsten Saframentes des Altars immer mehr und mehr mit dir vereiniget werden. Stärke uns, o Herr! durch dieses kostbare Himmelsbrod, welches Jesus für alle seine Angehörigen bereitet hat, damit wir voll des lebendigen Glaubens, der tröstlichen Hoffnung und der heiligsten Liebe, unser Leben zurücklegen und einstens zu dem himmlischen Gastmahle zugelassen werden mögen, durch eben denselben unsern Herrn Jesus Christus. Amen. Beim Segen. egne mich durch die Hand des Priesters, Gott und Vater, der du mich erschaffen hast! Segne Fol Ess 94 Meßandacht zur Verehrung mich, Jesus Christus, du Sohn Gottes, der du mich mit deinem heiligen Blute erlöset hast! Segne mich, heiliger Geist, der du bei der heiligen Taufe und Firmung deine seligmachende Kraft über mich ausgegossen hast! Segne mich, o dreieiniger Gott! am Leibe und an der Seele, und führe mich zum ewigen Leben durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Aufopferung. allerheiligste Dreifaltigkeit! ich opfere dir dieses heilige Meßopfer demüthigst auf; verzeihe mir alle meine Nachläßigkeiten und Zerstreuungen, unter welchen ich mein Gebet verrichtet habe. Zum Ersatze meiner geringen Andacht opfere ich dir auf das liebevolle Herz Jesu, meines Erlösers, die Verdienste der seligsten Jungfrau Maria und aller Heiligen. Sei durch diese heilige Messe gelobt und gebenebeit, Gott Vater, Sohn und heiliger Geist! Amen. serene seofs 111. Meßßandacht zur Verehrung und Anbetung des heiligsten Altarssakramentes, bei den Engelämtern an Donnerstagen, in der heiligen Frohn leichnamszeit und an Kommuniontagen zu gebrauchen. AS. Borbereitungsgebet. Poher und wahrer Opferpriester, Jesus Christus, du hast dich Gott, deinem Vater, auf dem Opferaltar des Kreuzes als ein reines unbeflecktes Opfer für uns Sünder aufgeopfert, hast uns dein Fleisch zur d- 8 I des heiligsten Altarsjalramentes. 95 Speise, dein Blut zum Tranke hinterlassen und dieses Geheimniß in Kraft des heiligen Geistes mit den Worten eingesetzt: So oft ihr dieses thut, so thut es zu meinem Andenken." Ich bitte dich, durch eben dieses dein Blut, den großen Werth unseres Heiles, und durch diese deine wunderbare und unaussprechliche Liebe, die du uns armseligen und unwürdigen Sündern zu erzeigen dich würdigtest, daß du uns durch dein Blut von unsern Sünden reinigen mögest. Lehre mich, deinen unwürdigen Diener, ich flehe demüthig darum, durch deinen heiligen Geist, mit aller gebührenden Ehrfurcht, Hochschätzung und Andacht diesem erhabenen Geheimniſſe beizuwohnen. Deine Gnade lasse mich immer von diesem hohen Geheimnisse alles dasjenige glauben, einsehen, empfinden, fest für wahr halten, denken und sagen, was zu deinem Wohlgefallen und zum Heile meiner Seele gereicht. Amen.( Hl. Ambrosius.) Gute Meinung. Allmächtiger, ewiger Gott, himmlischer Bater, siehe mich gnädig an, da ich dir das unblutige Opfer deines göttlichen Sohnes mit dem Priester in aller Demuth und Ehrfurcht aufopfern will; möge es vollbracht werden zur größern Ehre deiner göttlichen Majestät, zum Andenken an das Leiden und Sterben Jesu Christi, deines Sohnes, und jenes blutigen Opfers, welches er am Kreuze für das Heil der Welt dargebracht hat; zur Verehrung der jungfräulichen Mutter und Himmelskönigin Maria, meines Schutzengels und meiner besondern Schuß geiligen, zur Danksagung für alle mir und meinen Anjehörigen erwiesenen Gnaden und Wohlthaten. Meßandacht zur Verehrung Besonders aber bringe ich dieses Opfer mit dem Priester dar zur Danksagung für die Einsetzung dieses heiligen Geheimnisses und für die unendlich vielen Gnaden, die dadurch allen Gläubigen bereitet sind; zur Genugthuung aller von mir begangenen Fehler, zur Sühnung aller Nachlässigkeiten, Sünden und Frevel, wodurch die göttliche Liebe jemals in diesem hochheiligen Sakramente ist beleidiget worden. Ich bringe es dir dar für meine Verwandten, Wohlthäter, Freunde und Feinde, für geistliche und weltliche Obrigkeiten, für Sünder, Irrgläubige und Ungläubige, für Kranke, Bedrängte und Sterbende, zum Troste aller abgestorbenen Christgläubigen, besonders jener, für welche ich zu beten schuldig bin. Laß dir, o Gott und Herr, diese gute Meinung gefallen, und verleihe mir die Gnade, diesem heiligen Meßopfer mit solcher Andacht und Ehrfurcht beizuwohnen, daß ich aller Früchte desselben theilhaftig werde! Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 96 Beim Segen mit dem hochwürdigsten Gute. ( Vor der heiligen Meffe.) D Jesus, hier im heiligsten Sakramente gegenwärtig, gib uns deinen heiligen Segen! Segne den Priester; der das heilige Opfer darbringt; segne die Gläubigen, die den Altar umgeben, daß sie mit Andacht dem heiligen Meßopfer beiwohnen; segne auch mich mit der Fülle deines heiligen Segens. Ich bete rich an, ich fobe und preise dich als meinen Gott und Erlöser im heiligsten Sakrament des Altars. Amen. 97 des heiligsten Altarssakramentes. Beim Introitus. I om Aufgange der Sonne bis zum Untergange wird mein Name groß werden unter den Völkern, und an allen Orten wird meinem Namen geopfert und ein reines Speiseopfer dargebracht werden; denn groß ist mein Name unter den Völkern, spricht der Herr der Heerschaaren. Malach. 1, 11. Ehre sei dem Vater, der uns nach seinem Ebenbilde erschaffen hat! Ehre sei dem Sohne, der uns durch sein bitteres Leiden und Sterben vom ewigen Tove erlöset und uns im heiligen Sakramente des Altars mit seinem Fleische und Blute gespeiset hat! Ehre sei dem heiligen Geiste, der uns in der Heiligen Taufe geheiliget und zum wahren Glauben geführt hat! Dank, Ehre, Lob und Anbetung sei dem dreieinigen Gott, nun und immer und in Ewigkeit! Amen. Kyrie. Cerr, erbarme bich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! O Gott sei uns Sündern gnädig, und tilge aus durch das Opferbiut Jesu Christi alle unsere Sünden und Missethaten! Gloria. Chre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen, die eines guten Willens sind! Wir loben dich, wir beneveien dich, wir beten Dich an, wir preisen dich, wir sagen dir Dank wegen deiner großen Herrlichkeit; Herr Gott, himmlischer König, Gott, allmächtiger Bater! Herr Jesu Christe, du eingeborner Sohn! Herr Gott, du Lamm Gottes, hier im heiligen Jungfrauenbuch II. Theil. 7 98 Meßandacht zur Verehrung Sakramente unter uns gegenwärtig! Du Sohn des Vaters, der du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser! nimm an unser demüthiges Gebet und vergib uns alle Sünden, wodurch wir dich im heiligen Sakramente beleidigt haben; der du sitzest zur Rechten des Vaters, erbarme dich unser! Denn du allein bist heilig, du allein der Herr, du allein der Allerhöchste, Jesus Christus, mit dem heiligen Geiste in der Herrlichkeit Gottes des Vaters. Amen. Gebet. D Gott, der du uns in dem wunderbaren Sakramente des Altars das Andenken deines Leidens hinterlassen haft; wir bitten dich, verleihe uns, die heiligen Geheimnisse deines Leibes und Blutes so zu verchren, daß wir die Frucht deiner Erlösung in uns unaufhörlich empfinden. Der du lebest und regierest mit Gott dem Vater und dem heiligen Geist gleicher Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Epiftel. OB Aus dem 1. Briefe des hl. Paulus an die Korinther 11, 23-29. rüder! ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch auch überliefert habe, daß der Herr Jesus in der Nacht, in welcher Er verrathen wurde, das Brod nahm, und dankte, es brach und sprach: Nehmet hin und effet, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird; dieses thuet zu meinem Andenken. Desgleichen nahm Er nach dem Abendmahle den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blute: thuet cieses, so oft ihr trinket, zu meinem Andenken. Denn to oft ihr dieses Brod esset und den Kelch trinket, sollet des heiligsten Altarssakramentes. 99 ihr den Tod des Herrn verkündigen, bis Er kommt. Wer nun unwürdig dieses Brod ist, oder den Kelch des Herrn trinkt, der ist schuldig des Leibes und Blutes des Herrn. Der Mensch aber prüfe sich selbst und so esse er von diesem Brode und trinke aus diesem Kelche. Denn wer unwürdig ist und trinkt, der ißt und trinkt sich das Gericht, indem er den Leib des Herrn nicht unterscheidet. Evangelium. ( Johannes 6, 56-59.) En der Zeit sprach der Herr Jesus zu den Schaaren der Juden: Mein Fleisch ist wahrhaftig eine Speise, und mein Blut ist wahrhaftig ein Trank. Wer mein Fleisch ist und mein Blut trinkt, der bleibt in Mir und Ich in ihm. Gleich wie Mich der lebendige Vater gesandt hat, und Ich lebe um des Vaters willen: so wird auch der, welcher Mich ist, um meinetwillen leben. Dieses ist das Brod, welches vom Himmel herabgekommen ist, nicht wie das Manna, das eure Väter gegessen haben und gestorben sind. Wer dieses Brod ißt, der wird leben in Ewigkeit. Credo. Sprich das apostolische Glaubensbekenntniß: Ich glaube an Gott zc. Offertorium. W imm an, o himmlischer Vater, allmächtiger Gett! dieses unbefleckte Opfer des Brodes und Weines, welches ich schwache Sünderin dir als meinem lebendigen und wahren Gott durch die Hände des Priesters aufopfere, als Bekenntniß meiner Schuld, als 7* Meßandacht zur Verehrung demüthige Anbetung deiner göttlichen Majestät und als Danksagung aller empfangenen geistlichen und leiblichen Wohlthaten. Siehe es an als eine Versöhnung für meine und der ganzen Welt Sünden, als Genugthuung für alle Nachläßigkeit und Frevel, die jemals von den Menschen bei Darbringung des heiligen Meßopfers begangen sind, und laß es mir und allen Lebendigen zum Heile des Leibes und der Seele und den Abgestorbenen zur ewigen Ruhe gereichen. Amen. 100 Präfation. u dir, o Herr! erheben wir unser Herz, und sagen dir, unserm Gott und Herrn, Lob und Dank. Es ist recht, billig und heilsam, daß wir immer und überall dir Dank sagen, allmächtiger Bater, ewiger Gott, durch Christum, unsern Herrn. Himmlischer Vater, wir wollen dir mit den Engeln und Erzengeln, mit Cherubim und Seraphim und mit der ganzen himmlischen Heerschaar hier vor dem heiligen Sakramente den Lobgesang deiner Herrlichkeit singen und immer in tiefster Anbetung sagen: Heilig, heilig, heilig bist du, o Herr der Heerschaaren! Himmel und Erde sind voll von der Majestät deiner Herrlichkeit. Hosanna in der Höhe! Gebenedeit sei, der da kommt im Namen des Herrn. Beim Canon. Gebet für die Lebenden. Sch bitte dich, himmlischer Bater! durch das Leiden und Sterben deines göttlichen Schnes, welches hier unblutiger Weise erneuert wird, siehe mit gnädigen des heiligsten Altarssakramentes. 101 Augen an deine heilige katholische Kirche, die geistliche Braut deines Sohnes. Schüße sie gegen alle Feinde und Uebel; schmücke sie mit der Heiligkeit der Gerechten; heilige sie durch die Bekehrung der Sünder; vermehre sie durch die Erleuchtung der Irrgläubigen und Ungläubigen und erhöhe sie über alle Reiche dieser Erde. Verleihe allen Vorstehern und Dienern dieser Kirche, dem römischen Papste und den Bischöfen, allen Prieſtern und Seelsorgern die Fülle deines göttlichen Lichtes, damit sie durch Lehre und Beispiel die ihnen anvertraute Heerde führen mögen zur ewigen Seligkeit. Verleihe den christlichen Königen und Fürsten Frieden und wahre Einigkeit; verleihe allen weltlichen Obrigkeiten zur Beförderung der Ehre deines göttlichen Namens und des zeitlichen und ewigen Wohles ihrer Unterthanen deinen mächtigen Schutz und Beistand. Gib allen Nothleidenden und Armen Trost und Hülfe; stehe bei mit deiner Gnade allen Sterbenden, damit sie nach würdigem Empfange der heiligen Saframente den Tod der Gerechten sterben mögen. Ich empfehle auch deiner göttlichen Barmherzigkeit alle Mitglieder, die sich zur Anbetung des heiligsten Sakramentes vereiniget haben; vermehre in ihnen den Glauben, die Hoffnung und die Liebe und die wahre Gottseligkeit, damit sie Alle einstens zur ewigen Anbetung am Throne Gottes gelangen mögen. Verleihe auch meinen Eltern, Brüdern und Schwestern, meinen Verwandten und Wohlthätern, meinen Freunden und Feinden die Fülle deiner heiligen Gnade und endlich die ewigen Güter res Himmels. Amen. 102 Meßandacht zur Berehrung Wandlung. Bei Aufhebung der heiligen Hoftie. D göttlicher Jesus, ich bete dich an unter der Gestalt des Brodes als meinen Gett und Herrn, Erlöser und Seligmacher! Jesus, dir lebe ich! Jesus, dir sterbe ich! Jesus, dein bin ich todt und lebendig! Jesus, erbarmne dich meiner und sei mir gnädig! Gelobt und gepriesen sei ohne End' Das heiligste und göttliche Altarssakrament! Bei Aufhebung des Relches. D gütigster Jesus, ich bete an dein heiliges kostbares Blut, hier unter der Gestalt des Weines im Kelche gegenwärtig! Du wahres Blut Jefu Chrifti, vergessen am Stamme des heiligen Kreuzes zur Erlösung der fündigen Menschheit, wasche mich rein von meinen Sünden und Missethaten! Gelobt und gepriesen sei chne End' Das festbare Blut Jesu im heil. Sakrament! Jefus, hier auf dem Altare als Gott und Mensch mit Fleisch und Blut wahrhaft zugegen, ich glaube an rich! O Jesus, du wahres Versöhnungsopfer, ich hoffe auf dich! O Jesus, du Gott der Liebe, ich liebe dich! O Jesus, sei mir gnädig und barmherzig! Amen. Nach der Wandlung. Feierliche Abbitte vor dem heiligsten Sakramente. ( Nach dem heil. Alphons von Liguori.) Jesus Christus, du Sohn des lebendigen Gottes, hier im heiligen Sakramente als Gott der Liebe gegenwärtig, ich bete dich an. Möchten doch alle Menschen rich in diesem heiligen Geheimnisse erkennen, unaufhörlich des heiligsten Altarssakramentes. 103 Ach, anbeten und dich aus ganzem Herzen lieben wenn dich Alle wahrhaft liebten, dann wären gewiß alle Kirchen immer angefüllt mit Gläubigen, die dich in Demuth anbeteten und dir Dank sagten, wenn sie mit den Augen des Glaubens in dem allerheiligsten Altarssakramente dich verborgen sähen. Aber leider die meisten Menschen vergessen dich und deine Liebe; fie verweilen lieber in der Gesellschaft der Menschen, als in stiller Anbetung vor dem heiligen Sakramente. Sie lassen dich, o mein Heiland! allein auf dem Altare und gehen der Sünde und dem Bösen nach. Die Bosheit und der Frebel der Menschen verunehrt dich in diesem heiligen Geheimnisse und vergilt deine unaussprechliche Liebe mit Spott und Unglauben, mit Hohn und schwerer Sünde. Ach, könnte ich doch durch meinen Eifer dir zu dienen, einen so großen Undanf wieder gut machen! Memento. edenke, o Herr! ber Seelen der Abgestorbenen, besonders derer, für welche ich zu beten schuldig bin, die sich mit uns auf Erden in der Anbetung des heiligen Sakramentes vereinigten und jetzt noch am Orte der Reinigung von der seligmachenden Anschauung ausgeschlossen sind. Laß sie durch die Kraft des heiligsten Opfers und durch die Vermittlung deiner heiligen Kirche aus ihrer Qual zum Orte der Erquickung und des ewigen Friedens gelangen. Auch uns armen Sündern, die wir auf die Menge deiner Erbarmung hoffen, gib Heil und Gnade zur Buße; laß uns hier leiden, damit wir dort verschont werden und alsbald mit allen Heiligen der ewigen Seligkeit theilhaftig werden. Amen. 104 Meßandacht zur Verehrung Zum Pater nofter bete das Vater unser 2c. Bei der Kommunion. ütigster Jesus, liebreichster Heiland! Du ladest uns Alle zu dir ein, da tu sprichst: Kommet Alle zu mir, die ihr mit Mühe und Arbeit beladen seid, und ich will euch erquicken! Obschon ich eine Sünderin und nicht würdig bin, daß du in mein Herz eingehest, so hoffe ich dennoch wegen deiner unendlichen Barmherzigkeit, du werdest mich Unwürdige des geistigen Empfanges deines heiligen Fleisches und Blutes theilhaftig machen. O Jesus, du Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt, komme zu mir, damit du meine Sünden vertilgest, meine Unreinigkeit abwaschest, meine Blindheit erleuchtest und meine Armuth bereicherst! Siehe, Herr! wie der Hirsch nach der Wasserquelle sich sehnt, also verlangt meine Seele nach dir, daß sie im Geiste von deinem Fleische gespeiſet und von deinem Blute getränkt werde. So komm denn, o mein Herr und Gott! Komm, o höchstes Gut, mit deiner Gnade und Liebe in mein Herz zu mir reumüthigen und bußfertigen Sünderin! Jetzt empfange geistiger Weise( wenn du nicht wirklich fommunizirest) die heilige Hostie und sprich dreimal: O Herr, ich bin nicht würdig, daß du eingehest in mein Herz, sondern sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund! Der Leib unsers Herrn Jesu Christi bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Amen. O Jesus, du hast dich mir ganz geschenkt; gib mir nun die Gnade, daß auch ich mich dir mit Leib und des heiligsten Altarssakramentes. 105 Seele für immer weihe! Halte mich fest in den Armen der Liebe, daß es der Welt und dem Fleische nicht mehr gelinge, mich von dir los zu reißen. Dein Eigenthum bin ich, dein Eigenthum will ich bleiben für Zeit und Ewigkeit! Liebessenszer des heil. Ignatius. Die Seele Christi heilige mich! Der Leib Christi mache selig mich! Das Blut Christi tränke mich! Das Wasser der Seite Christi wasche mich! Das Leiden Christi stärke mich! O gütigster Jesu, erhöre mich! In deine Wunden verberge mich! Laß nichts von dir trennen mich! Vor dem bösen Feinde beschütze mich! In meiner Todesstunde rufe mich Und heiße zu dir kommen mich! Damit ich mit deinen Heiligen lobe dich In alle Ewigkeit! Amen. Gebet. Ich danke dir, göttlicher Heiland, daß du mich hast Theil nehmen lassen an dem geistlichen Gaſtmahle, worin dein heiliges Fleisch und Blut genossen, das Andenken deines Leidens und Sterbens gefeiert, das Herz mit Gnaden erfüllt und ein Unterpfand der künftigen Glorie uns gegeben wird. Ich bitte dich, verleihe mir, daß ich durch die Kraft dieses gnadenreichen Geheimnisses im Glauben, in der Heffnung, in der Liebe, in deiner Gnade und Freundschaft und in allem Guten bis zum Ende verharren, und dich, mein 106 Meßandacht höchstes Gut, meine einzig wahre Glückseligkeit ewig anschauen, besitzen und genießen möge. Amen. Zum Segen. Es segne mich der allmächtige Gott † Vater, t Sohn, und † heilige Geist. Amen. Aufopferung. EAR imm an, o ewiger Vater! das unblutige Opfer der heiligen Messe zur Ehre deines Namens und zum Heile der Welt, wie du das blutige Opfer Jesu aufgenommen hast, das er dir am Kreuze zur Vergebung unserer Sünden darbrachte. Heilige Jungfrau und Himmelskönigin Maria, heiliger Joseph, heiliger Erzengel Michael und alle Engel und Heiligen, bringet dieses Opfer vor den Thron Gottes als Lob und Danksagung für die Einsetzung des heiligsten Altarssakraments, und als Sühnung und Genugthuung für alle Sünden und Nachlässigkeiten, womit jemals die göttliche Liebe in diesem heiligen Sakramente von der Undankbarkeit der Menschen ist beleidigt worden! Möge Jesus Christus durch seine unendlichen Verdienste ersetzen, was mir und Allen, die diesem heiligen Opfer beiwohnten, an schuldiger Andacht gemangelt hat! Amen Gebet beim Segen mit dem hochwürdigsten Gute. ( Nach der heiligen Messe.) ch bete dich an, o Jesus! und bitte dich um deinen heiligen göttlichen Segen. Die Fülle deines Segens fomme über mich in diesem heiligen Augenblicke; dein Segen verlasse mich nicht in der Versuchung, dein zur schmerzhaften Mutter. 10' Segen helfe mir bei allen meinen Werken, dein Seger begleite mich auf allen meinen Wegen! Segne mich von Altare aus am Leibe und an der Seele, im Leben unt im Sterben! Amen. Hochgelobt sei ohne End' Jesus im allerheiligsten Sakrament! Deless ser seseo nch IV. Meßandacht zur schmerzhaften Mutter, an Freitagen, dann am Feste der sieben Schmerzen Mariens, sowie in Zeiten schwerer Heimsuchung zu gebrauchen. neffen. Vorbereitungsgebet. 2 iebenswürdigster Heiland! Du haft für mich so Vieles gelitten, für mich das allerheiligste Sakrament des Altars eingesetzt und am Ende wolltest du noch eines so schmerzhaften und schmachvollen Todes sterben, um mich von dem ewigen Tode zu erlösen. Gib mir die Gnade, daß ich jetzt deine Liebe recht innig erwäge- jetzt, da jenes Opfer unblutiger Weise erneuert wird, welches du blutiger Weise auf dem Kalvarienberge dargebracht hast. Bei dieser heiligen Handlung will ich auch ganz besonders. Derjenigen mich erinnern, die als deine jungfräuliche Mutter zugleich die Mutter der Schmerzen gewesen ist. Mit dir und mit Maria will ich nun mich selbst Gott dem Vater zum Opfer darbringen- zu Allem bereit, was Er nach seinen Rathschlüssen über mich will kommen lassen. O daß ich doch durch deine Verdienste, o Jesu! und 108 Meßandacht durch die Verdienste deiner heiligsten und allezeit unbefleckten Mutter die Gnade der heis ligen Ergebung in den Willen des Vaters erlangen möchte, auf daß auch meine Leidenszeit eine Zeit reichlicher Verdienste für mich werde! Jesus und Maria, kommet mir jetzt zu Hilfe, damit mein Gebet wie ein wohlriechender Weihrauch emporsteige und die Gnade des Vaters auf mich herabsteige! Gebet bis zum Offertorium. M aria, meine geliebteste Mutter! Du hast wohl unbeschreiblich große Freude empfunden, als du in deinem keuschesten Schoeße den ewigen Sohn des himmlischen Vaters empfangen hast. Und wie magſt du von ganzem Herzen frohlocket und den Allerhöchsten gepriesen haben, als die englischen Heerschaaren bei der Geburt Jesu den Lobgefang anstimmten: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erde den Menschen, die eines guten Willens sind! Doch bald sind deine Freuden in unsägliche Schmerzen verwandelt worden. Bald ist an dir jene Weissagung erfüllt worden, die der fromme Greis Simeon aussprach: ein Schwert wird deine eigene Seele durchdringen." Ja, dieses Schwert hat dich durchbrungen, als du mit dem neugebornen Kindlein eine so lange und beschwerliche Reise nach Aegypten machen und vor per Wuth des grausamen Herodes fliehen mußteſt. Dieses Schwert hat dich durchbrungen, als du den Knaben Jesus drei Tage lang verloren und nach ihm ohne Ruhe mit mütterlicher Sehnsucht und Angst geseufzet hast. Durch diese beine Leiden, o schmerzhafte Mutter! erwirb mir oie Gnade, daß ich immerdar, und besonders zur Zeit 11 zur schmerzhaften Mutter. Der Versuchung und der Trübsal, auf Jesus Christus, als den allmächtigen Gottmenschen und meinen liebevollsten Erlöser, in gläubigem Vertrauen hinschaue, und durch diesen Hinblick zur Ausdauer in jedem Kampfe und Leiden gestärkt werde. Maria! durch meine Sünden habe ich deinen Sohn so vielmal verloren. Dieß war meine Schuld, meine eigene Schuld, meine größte Schuld. Wie ter beste Hirt sucht Er nun das verlorne Schäflein. O daß doch die Trübfal, die jetzt über mich gekommen ist, mir dazu dienen möchte, daß ich aufstehe und zu dem Vater zurückkehre! Auf deine Fürbitte und Vermittlung nimmt Er mich gnädig auf, denn du, o Maria, bist ja die Zuflucht der Sünder; durch dich haben wir wieder Zutritt zu Demjenigen, der uns durch dich ist gegeben worden zu Jesus Christus, hochgelobt in Ewigkeit! - 109 3um Offertorium. IS eiliger Bater, allmächtiger, ewiger Gott! Sieh' jetzt mit Wohlgefallen auf das Opfer, welches dir der Priester darbringt. Wie einst Melchisedech dir Brod und Wein opferte, so geschieht dasselbe jetzt am Altare. Laß dir diese reine Gabe, welche bald in den heiligsten Leib und in das kostbarste Blut Jesu, deines vielgeliebten Sohnes, soll verwandelt werden, angenehm fehn als ein Opfer der Anbetung, des Dankes und der Versöhnung. Möge aber diese heilige Messe durch die Verdienste Jesu und seiner schmerzhaften Mutter ganz besonders ein wirksames Bittopfer seyn, damit ich in meiner gegenwärtigen schweren Drangsal deine Hilfe rfahre. Du hast es ja selbst in der heiligen Schrift - 110 Meßandacht gesagt: ,, Rufe mich an am Tage der Trübsal, so werde ich dich erretten, und du wirst mich preisen." Voll Vertrauen auf diese deine Verheißung nehme ich denn meine Zuflucht zu deiner Barmherzigkeit. Du allein, Allwifsender, kennst mein Elend und die Angst meines Herzens; und du allein auch kannst mich aus derselben erretten. Ich lege daher geistlicherweise gleichsam durch die Hände der allerfeligsten Jungfrau- alle meine Leiden, meine Sorgen und Anliegen auf den heiligen Altar nieder und bitte dich, du wollest mich Schwache stärken, mich Niedergebeugte aufrichten, und mich Trostlose mit himmlischem Troste erfüllen. Durch die Schmerzen Mariens, der Königin der Märtyrera, lindere, o Jesu! meine Schmerzen; durch ihre Geduld und Standhaftigkeit im Leiden mache mich zu einer treuen Nachahmerin ihrer schönen Tugenden. Wenn du auch den Leidenskelch nicht von mir nehmen willst, so gib doch, daß er mir ein Kelch des ewigen Heiles werde. Du, o trauernde Mutter Jesu! du hast auf dem Kalvarienberge,( wie bein eifriger Diener, der heilige Benaventura sagt) an unserm Heile mitgewirkt und hast dich da mit deinem göttlichen Schne dem himmlischen Bater ganz aufgeopfert. Ich danke dir für die großen Leiden, die du beim Tode Jesu für unser Heil freiwillig haft erdulden wollen. Aber höre doch auch jetzt noch, was er damals vom Kreuze herab dir zurief:„ Sieh oa deinen Sohn!" So hat er mich dir und deiner mütterichen Sorge anempfohlen. Nimm dich also meiner an and bewirke durch dein Fürwort, daß ich jetzt vor Gott in angenehmes Opfer werde. Bitte, daß ich einzig in zur schmerzhaften Mutter. 111 Erfüllung des göttlichen Willens meine Freude finde und durch die zeitlichen Leiden zur ewigen Herrlichkeit im Himmel gelange. Vom Sanctus bis zum Pater nofter. D. Gott der Erbarmungen! In Vereinigung mit allen deinen Heiligen und Auserwählten bete ich jetzt deine erhabene Majestät an. Mit dem ganzen himmlischen Hofe bekenne ich, daß du allein der dreimal heilige, ewige, unendlich große Gott bist. Ich bin ein armes, elendes, sündhaftes Geschöpf. Wie dürfte ich wohl meine Augen und Hände zu dir erheben, wenn nicht Jesus Christus mein Vermittler wäre? Und eben jetzt wird das große Opfer erneuert, welches er am Kreuze vollbracht hat. Sieh' also, himmlischer Bater! sieh' gnädig auf deinen göttlichen Sehn, und aus Liebe zu ihm erzeige mir deine Barmherzigkeit. Mit dem Priester und mit der ganzen heiligen katholischen Kirche bringe ich dir dieses heilige und unbefleckte Opfer dar, und bitte für das Heil aller meiner Mitmenschen, so wie für meine eigene, zeitliche und ewige Wohlfahrt. Erhöre auch die Gebete und Seufzer, welche Maria, die schmerzhafte Mutter, neben dem Kreuze Jefu für unsere Errettung zu dir schickte und welche niemals aufhört, dort oben bei deinem Throne für uns zu bitten. Zur Wandlung. efu, auf dem Altare wahrhaft gegenwärtiger Gott! Ich glaube an dich- du wahrer Sohn Gottes und zugleich der Sohn der reinsten Jungfrau Maria! Könnte ich jetzt dich so anbeten, wie deine Mutter es gethan hat, als sie das erstemal in der Krippe dich Meßandacht erblickte, und damals, als sie neben deinem Kreuze stan und dich leidend und sterbend sah! Erbarme dich meiner mein Gott und mein Erlöser! Durch dein kostbaret Blut reinige meine Seele von allen Sünden! 112 Nach der Wandlung. efu, ich bin ja auch eine Tochter Mariens; ich liebe und verehre sie als meine Mutter. Auf ihre Fürbitte komm' mir zu Hilfe in der Zeit der Trüb sal und gib nicht zu, daß ich unter der Last meines Kreuzes erliege. O Jesu, wie ich dir leben und sterber will, so will ich auch dir zu Gefallen und in deinem Namen leiden! Du bist das Lamm Gottes, welches hinwegnimint die Sünden der Welt! Nimm auch meine * Sünden hinweg und stärke mich, daß ich, wie du, mit Muth und heiterer Seelenruhe die Lasten dieses müh vollen Lebens zu tragen vermag. O von dir laß mich Geruld und Unterwürfigkeit erlernen! Und ich sehe ja die gleichen Tugenden auch an Maria, der Mutter des Herrn. Sie steht neben dem Kreuze Jesu und in seinen Schmerzen, bei seiner Verlaffenheit vom Vater, da kann sie 3hm keine Hilfe leiſten! O nein, ich darf meine Leiden mit den Schmerzen und dem Verluste der auserwähltesten unter allen Müttern nicht vergleichen! Bitt' aber du, Maria, für mich, jetzt, da dein göttlicher Sohn auf dem Altare wieder das Opfer für unsere Sünden ist, jetzt da er uns Alle einladet zu ihm zu kommen und bei ihm Erquickung zu suchen. O starkmüthige Jungfrau! erhalte mir die Gnade eines lebendigen Glaubens, auf daß der Gedanke an Gottes Liebe und seine weiseste Fügung mich im Leiden stand- zur schmerzhaften Mutter. 113 haft mache. O wenn du für mich eine einzige Bitte einlegst, so wird dieselbe für mich segensreich seyn, und ich werde mit großen Gnaden bereichert werden! Bom Pater nofter bis zum Segen. süßester Jesu! wie darf ich es wagen, auch D nur geistiger Weise dich in mein Herz aufzunehmen? Ach, meine Sünden schrecken mich zwar zurück, aber deine Güte ladet mich in Barmherzigkeit ein. O so hoffe ich denn, du werdest mich Unwürdige durch den geistigen Empfang dieser himmlischen Speise zum ewigen Leben ernähren. Wenn ja die bloße Berührung des Caumes von deinem Kleide die körperlichen Kranfheiten heilte, was wird nicht die Berührung deines heiligen Leibes vermögen, sei es auch nur in einem brennenden Verlangen! Laß mich also, o Jesu! im Geiste von deinem Fleische gespeiset und von deinem Blute getränket werden. Sei mir jetzt ein barmherziger Samariter und gieße den stärkenden Wein deiner Gnade und das heilende Del deiner allerbarmenden Liebe in mein verwundetes Herz. Und weil ich jetzt, o mein Jesu, in theilnehmender Andacht deines Todes und der Leiden deiner Mutter mich erinnert habe, o so gib, daß diese Erinnerung mir zur Stärkung in meinen Trübfalen gereiche! Durch die Hände des Priesters steige dein Segen auf mich herab, daß ich bei allen meinen Arbeiten und Leiden, im Leben und Sterben nichts anderes thue, als was der heiligste Wille Gottes von mir verlangt im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes. Amen. Jungfrauenbuch II. Theil 8 114 Meßandacht zur schmerzhaften Mutter. Schlußgebet. Ceilige Jungfrau Maria! beim Schluße des Heiligen Meßopfers gedenke ich noch des bittern Schmerzes, den du empfunden hast, als der entseelte Leichnam Jesu auf deinem Schooße lag. Ach, dieser herzzerreißende Anblick muß für dich so betrübt gewesen sehn! Du konntest da wahrhaftig ausrufen: 3hr Alle, die ihr vorübergehet, gebet Acht und sehet, ob ein Schmerz sei wie der meinige! O Maria," Trösterin der Betrübten!" vereinige doch jetzt dein Leiden, deine Seufzer und Thränen mit meinem Gebete, und bringe du selbst meine Noth und Anliegen vor deinen göttlichen Sohn, der sich nun zu unserer Versöhnung aufgeopfert hat. Bitte für mich, daß ich nie funwürdig das heiligste Altarssakrament in mein Herz aufnehme. Und wenn einmal meine letzte Stunde herannahet, so möge ich nach andächtiger Vereinigung mit Jesus Christus unter deinem Schutze zum ewigen Leben eingehen. O schmerzhafte Mutter, bleibe mir allzeit eine gütige Mutter und eine Trösterin in allen meinen Betrübnissen! Auf dich habe ich nach Gott alle meine Heffnung gesetzt; von dir erwarte ich alle Gnaden, alles Gute und endlich die ewige Seligkeit. In dein mit so bittern Schmerzen erfülltes Herz lege ich daher meine Seele und meinen Leib, mein Kreuz und alle meine Berrängnisse, mein Leben und das Ende meines Lebens. Bitte für mich, jetzt und in der Stunde meines Todes, o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria! Amen. яго вертика 115 V. Meßandacht für die Samstage, sowie für die Festtage Unserer Lieben Frau. пед дуга Aufopferung der heiligen Meffe. Ilmächtiger, ewiger Gott, ich cpfere dir auf dieses heilige Meßopfer, welches dein geliebter Sohn auf dem Etamme des heiligen Kreuzes vollendet, und in dem unbefleckten Leibe der allerreinsten Jungfrau empfangen hat. Denn weil die Opfer des alten Gesetzes dir nicht gefielen, und die Sünden der Menschen nicht auslöschen konnten, hat deine wunderbare Macht und Weisheit, deine unendliche Güte um ein anderes Opfer sich umgesehen. Deinem eingebornen Sohne, der dir gleich ist in der ewigen Gottheit, hast du einen Leib gegeben, welchen die unüberwindliche Kraft deines Geistes in und aus dem Leibe einer unberührten Jungfrau gestaltet hat. Dieser göttliche Sohn hat in seiner angenommenen Menschheit durch seinen Gehorsam, durch seine tiefe Erniedrigung, durch seine Thränen, durch sein bitteres Leiden und Sterben deine Gerechtigkeit versöhnet, unsere Schuld ausgelöscht, Himmel und Erde vereiniget, und dem verlornen menschlichen Geschlechte wieder Gnade und Huld erworben. Diesen deinen eingebornen Sohn opfere ich dir auf; durch ihn bete ich dich an, o großer Gott, durch ihn danke ich dir; durch ihn bitte ich dich um Verzeihung meiner Sünden; durch ihn bitte ich dich um Gnade und Barmherzigkeit für mich und für alle Sünder! 8* музы Mo Meßandacht für die Samstage Und weil du ihm eine Jungfrau zur Mutter gegeben, an welcher du große Dinge gethan, und durch welche du das große Geheimniß deiner Allmacht vollbracht haſt. so wirst du, o gütiger Gott, mein Gebet gnädig ansehen, welches ich durch diese gebenedeite Jungfrau vorbringe. Du wirst jene Hände nicht gering achten, die deinen allerliebsten Sohn dir aufgeopfert haben. 116 Bom Anfange der heiligen Messe bis zum Sanctus. Mein ein Gott und Erlöser, der du gekommen bist auf diese Erde, um sie zu heiligen, und durch dein bitteres Leiden und Sterben zu erlösen; warum, o höchstes Gut, verweiltest du so lange, obgleich die gerechten Seelen schon lange nach dir geseufzt hatten? Niemand kann zwar die verborgenen Wege deiner Vorsehung ergründen; allein es scheint, daß du in den vorhergegangenen Zeiten dir eine würdige Mutter aus dem königlichen Stamme David vorbereiten, und sie mit allen Gnaden zieren wolltest. Du bist, o Sohn des Allerhöchsten, das Licht, welches gekommen ist, in der Finsterniß zu leuchten! Aber wer unter den schwachen Menschen konnte den unendlichen Glanz deiner Strahlen ertragen? Du bist der eingeborne Sohn des Vaters, voll Gnade und Wahrheit. Welche Verwandtschaft hatte deine Gnade mit den Sündern, und deine Wahrheit mit der Lüge und Eitelkeit der Menschen, welche ihre Augen nicht aufthun wollten, um dich anzusehen? O ewiger Glanz der Gottheit! wie war es möglich, daß die Menschen deine ewige Wahrheit nicht erkennen, und beine Gnaben nicht annehmen wollten! und für die Festtage Mariens. 117 Maria allein, von dem Engel unterwiesen und von deinem Geiste innerlich erleuchtet, hatte dich vor allen andern erkannt; sie hat deine Herrlichkeit voll Gnade und Wahrheit durch ihren festen Glauben gesehen, durch ihre Demuth angebetet, durch ihren Mund gepriesen, durch ihren Eifer geliebt, und die ganze Gewalt deiner Majestät in ihrem jungfräulichen Leibe getragen. Sie allein hat die süße Frucht deiner Erkenntniß und Gegenwart genossen. Es gab zwar in jener schlimmen Zeit dennoch gerechte Seelen in Israel, denen die Zeit deiner Ankunft nicht unbekannt war; sie verlangten aus der Quelle deiner Gnaden zu trinken, aber sie wußten nicht, wo du dich, o ewige Schönheit, verborgen hattest. Durch Maria hast du dich ihnen zu erkennen gegeben. Maria war die Erste, welche im Hause des Zacharias deine Segnungen verkündigte, die du, o Sohn Gottes, erzeuget haft von einem Geschlechte in das andere, denen, die dich fürchten! Durch Maria hast du deinen Vorläufer im Mutterleibe geheiliget, dich ihm und seiner Mutter geoffenbaret, und über Beide deinen Segen ausgegossen. Welche große Schätze der Gnade und Barmherzigkeit, die du dem menschlichen Geschlechte in künftigen Zeiten mittheilen wolltest, hast du deiner geliebten Mutter übergeben, damit wir dieselben durch ihre Hand empfangen sollten! Wir können dir nicht genug Lob und Dank spenden, daß du uns eine so holdselige Mutter und Fürsprecherin 118 Meßandacht für die Samstage gegeben hast, durch die wir dich verehren wollen, indem wir ihrem heiligen Lebenswandel nachfolgen. 3um Sanctus. M eine Frau, meine Königin und Herrscherin, schöne Mutter der Liebe, der Erkenntniß und der heiligen Hoffnung, wie wunderbar ist Gott in dir, wie groß bist du, demüthige Jungfrau, vor seinen Augen, wie herrlich vor den Augen der Menschen, die den Glanz deiner Herrlichkeit anschauen, und die Fülle deiner Barmherzigkeit erkennen wollen. Maria! du bist die Quelle des Lebens, weil du den Erlöser, der unser Leben ist, empfangen und geboren hast; und so wie dieser dein göttlicher Sohn ist, so bist du seine göttliche Mutter, und folglich die Mitwirterin unsers Heiles. Du bist die Mutter Gottes und mächtige Herrscherin des Himmels und der Erde, die du das Haupt der Schlange zertreten hast. Ich aber mit dem Erzengel werde sprechen: Gegrüßt seist du, voller Gnaden, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeit unter den Weibern, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus, der mit Leib und Seele, so er von dir empfangen hat, in den Händen des Priesters sich jetzt darstellt. Zur Wandlung. Si ei gegrüßt, du wahrer Leib meines Gottes und Erlösers, aus Maria der Jungfrau geboren; laß mich deiner genießen in meiner letzten Stunde zum ewigen Leben! 119 und für die Festtage Mariens. Zur Aufhebung des Kelches. IS eiligstes Blut Jesu, aus dem reinen Blute von Maria der Jungfrau, wasche mich von meinen Sünden und erquicke meine Seele, o ewig fließende Quelle der Gnaden! Nach der Wandlung. Sohn Gottes und der Jungfrau, wahrer Gott vom Si wahren Gotte, und wahrer Mensch aus der Jungfrau geboren, der du wahrhaftig hier auf dem Altare zugegen bist, damit du die Schätze der Gnade durch dieses heilige Opfer in uns ausgießest, stehe mir bei, daß ich dich in dieser deiner jungfräulichen Mutter immer benedeie, und ihrem heiligen Leben nachzufolgen mich stets bemühe. Wenn ich die herrlichen Dinge betrachte, die du in mir gewirket hast, so erkenne ich die Schätze deiner Allmacht, die Wunderwerke deiner Weisheit, und den anerschöpflichen Reichthum deiner Herrlichkeit. Deine Gaben und deine Güte verehren wir in deiner unbefleckten Mutter, und indem wir sie anrufen, bitten wir um jene Gnaden, die du durch sie ausspendest. Denn zu allen Zeiten hat dein süßer Geist die Gläubigen deiner Kirche zur Verehrung und Anrufung der Heiligen Jungfrau Maria ermuntert. Du hast sie von Ewigkeit geliebt, mein Erlöser! du hast sie zu deiner göttlichen Mutter erwählt, du haft von ihr deine gnadenreiche Menschheit angenommen, du haft in ihrem keuschen Leibe geruhet, du hast an threr jungfräulichen Brust gesogen, du hast von ihren 120 Meßandacht für die Samstage. Händen deine Nahrung empfangen, und bist unter ihrer mütterlichen Sorgfalt und Aufsicht erzogen worden. Was wirst du nicht thun einer solchen Mutter zu Liebe, der du deine Heiligen so verherrlichest, die deine Diener sind! Und weil du Maria als das Meisterstück deiner göttlichen Allmacht und Weisheit über alle andere Heilige liebest, wie viel darf ich hoffen, da ich durch sie von dir eine Gnade erflehe, oder da sie für mich bei dir um eine Gnade bittet! Verleihe mir, o Gott! besonders einen heiligen Eifer, den Tugenden meiner vollkommensten Mutter nachzufolgen. Du weißt, o mein allwissender Gott und Herr! was für eine Tugend Maria's vor allen andern mir nothwendig sei. Verleihe mir diejenige, mit welcher ich alle andern besitze. Diese Tugend ist jene Liebe, o Jeful womit Maria dich geliebet hat. Mit dieser Liebe werde ich ihr nachfolgen in der Reinigkeit des Leibes und der Seele; mit dieser Liebe werde ich ihr nachfolgen in der Geduld, in der Sanftmuth, in der Einsamkeit; mit dieser Liebe werde ich mich bestreben, dir zu gefallen, o du Gott meines Herzens! 9) VI. Meßandacht zur Hilfe und zum Troste der Abgestorbenen,*) an den Tagen der Allerseelen.Oktav, bei Leichengottesdienster und an Jahrestagen zu gebrauchen. 1es81 Vorbereitungsgebet. 3 resus Christus, Erlöser der Welt! Du bist die Auferstehung und das Leben, Du unser Retter und Seligmacher, das Heil der Welt, Mittler zwischen Gott und den Menschen, Richter der Lebendigen und der Todten. Sieh', wir flehen zu Dir, dem Allsehenden und Allwissenden, in Demuth und mit zerknirschtem Herzen. Wir flehen zu Dir mit Bitten, wie Du willst, daß wir bitten sollen, für die abgestorbenen christgläubigen Seelen. O senke Deine Gnade in dieser Stunde tief in unsere Herzen, daß es *) Es ist gewiß, daß die Verstorbenen durch die Opfer der heiligen Kirche, durch das heilige Meßopfer und Almosen, die für ihre Seelen verrichtet werden, Hülfe erlangen und Gott barmherziger mit ihnen verfahre, als ihre Sünden verdient haben. Denn dies haben uns die heiligen Väter überliefert und in der ganzen Kirche geschieht es so, daß man für diejenigen betet, und ihrer an gehöriger Stelle gedenkt, die in der Gemeinschaft des Leibes und Blutes Christi gestorben sind.. Ich weinte nicht mehr unter dem Gebete, als die Leiche meiner lieben Mutter schon bei dem Grabe stand, und man das Gebet unter dem Opfer der Erlösung für sie darbrachte." ( Der heilige Augustinus.) 122 Meßandacht in uns lebendig werde, wie Alles eitel ist auf der Welt und nur Ruhe und Friede in Dir, damit wir, von aller Sünde gereinigt, dieses heilige Meßopfer Dir darbringen für die Seelen der Abgestorbenen, insbesondere für die abgeschiedene Seele, deren christliches Andenken wir jetzt begehen. Amen. Sündenbekenntnik. ELS eiliger Gott, vor Dir ist keiner ohne Sünde. Vielfach haben wir Alle gefehlt und gesündigt. Alle, die hingegangen sind im Glauben an Dich, wie wir, die wir noch wandeln im sterblichen Fleische. Wir bekennen es mit dem Munde, was wir im Innern bereuen; wir bekennen es Dir, Gott dem Allmächtigen, der allezeit seligen Jungfrau Maria, dem beiligen Erzengel Michael, dem heiligen Johannes dem Täufer, den heiligen Aposteln Petrus und Paulus und allen Heiligen: wir haben gesündigt, oft und vielfach, durch Gedanken, Worte und Werke. Wir erkennen unsere Schuld, unsere große Schuld! Heilige Maria, du Mutter dessen, der uns geliebt bis zum Tode des Kreuzes, heiliger Michael, heiliger Johannes, ihr heiligen Apostel Petrus und Paulus und all' ihr Heiligen, die ihr, nachdem ihr gekämpft habet den guten Kampf, am Throne des Ewigen Fürbitter seid für die schwachen, irrenden und fündigen Menschen, bittet für uns und mit uns für die abgeschiedene Seele, wofür dieses hochheilige Opfer dargebracht wird, daß uns Gott unsere Sünden vergebe, unser Gebet erhöre und der abgeschiedenen Seele durch Jesum Christum den ewigen Frieden schenke. Amen. 123 zum Trofte der Abgestorbenen. Beim Kyrie eleyson. O ott, Du kennest unser Herz, Du weißt, wie wir im Vertrauen auf Deine verzeihende Batergüte and im Namen Jesu Christi hinblicken, um Rettung und Erbarmung hinblicken auf Dich allein. Erbarme Dich der abgestorbenen Seele, für welche dieses heilige Mesopfer verrichtet wird. Gott, erbarme Dich ihrer! Jesus Christus, der Du für Alle gestorben bist, die an Dich glauben, erbarme Dich ihrer! Amen. Gebet nach Pfalm 50.( Miserere.) C rbarme Dich ihrer, o Gott, nach der Größe Deiner Barmherzigkeit, uud vertilge ihre Missethat nach der Fülle Deiner Erbarmungen! Wasche sie von threr Ungerechtigkeit und reinige sie von ihren Sünden. Denn ihre Ungerechtigkeit, o Gott! erkennt sie wohl, und ihre Sünden schweben immer vor ihr, wenn Du Dich nicht erbarmest. Dir, o Gott! hat sie gesündigt und Böses gethan vor Dir, so lange sie noch wandelte im Fleische dieses Lebens. Verzeih ihr, Herr, ihre Misfethaten wegen ihrer Schwachheit! Denn sieh, in Ungerechtigkeit sind wir empfangen. Doch, Herr, Du weißt Alles, und wir wollen Dir nichts verschweigen. Besprenge Du mit dem Segen Deiner allerbarmenden Gnade die abgeschiedene Seele, damit sie gereiniget werde von aller Makel der Sünde und geschmückt werde mit dem Gewand der Unbefleckten durch Deine Gnate. O laß sie die Stimme der Freude und des Trostes hören, und frohlocken wird sie, Herr, die Deiner harret, in Ewigfelt! Wende Dein Angesicht von ihren Sünden hinweg und vertilge alle ihre Missethaten! Schaffe sie rein, 124 Meßandacht Herr, daß sie schauen möge Dein heiliges Antlig. Verwirf sie nicht von Deinem Angesicht, und wende das Auge Deiner allerbarmenden Liebe nicht von ihr. Gib ihr, o Gott der Liebe und der Barmherzigkeit! die Freude Deines Heils, damit auch sie, vereint mit allen Himmelsgeistern Dich anflehend, auf uns herabblicke, die wir noch im Pilgerthale dieses Lebens straucheln und fehlen. O Gott, Du unser Gott und Heiland, befreie Alle, die bereits in Dir entschafen sind, und die dem Tage der Auflösung noch entgegen harren, von der Sündenschuld; dann werden wir froh sehn in Dir, o Gott! und Dir lobsingen selbst in Trübfal. Ja, Herr, auf Dich heffen wir. Fordertest Du für unsere Uebertretungen Sühnepfer, gern würden wir sie bringen. Aber das Opfer, das Dir wohlgefällt, ist ein reumüthiger, zerschlagener Geist, und ein zerknirschtes, demüthiges Herz wirst Du, o Gott, nie verachten. O sei gnädig, Herr, unser Gott, unsere einzige Hilfe und Zuflucht! Sei gnädig und handle mit uns und allen Abgestorbenen, besonders mit der Seele, für welche Dir dieses hochheilige Opfer gebracht wird, nach Deiner Güte, damit wir Alle aus unserm unseligen Zustande erlöset werden. Amen. Herr, erbarme dich der Abgestorbenen! Christe, erbarme Dich der Abgestorbenen! Zur Epistel. O Reliebte, wir wollen Euch nicht in Unwissenheit lassen hinsichtlich der Entschlafenen, damit ihr nicht traurig seid, so wie die Heiden, die keine Hoffnung haben. Denn, wie wir glauben, daß Jesus Christus zum Troste der Abgestorbenen. 125 gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch Jene, welche in Christus entschlafen sind, mit 3hm führen zur Auferstehung. 3um Evangelium. n derselben Zeit sprach Martha, die Schwester des Lazarus, zu Jesu: Herr, wärest Du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich, daß Alles, was Du von Gott begehrst, Gott Dir geben wird. Und Jesus sprach zu Martha: Dein Bruder wird auferstehen. Und Martha antwortete: Ich weiß, daß er auferstehen wird, bei der Auferstehung am jüngsten Tage. Jesus antwortete und sprach: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, wenn er auch gestorben ist, und Jeder, der da lebt und an mich glaubt, der wird nicht sterben in Ewigkeit. 3ur Opferung. T'S err Jesus Christus, Herr der Lebendigen und der Todten, erlöse die Seelen aller im Glauben an Dich Dahingeschiedenen von aller Sünde und von den Strafen, die sie verdient haben. Der Erzengel Michael geleite sie zum ewigen Lichte, welches Du dem Abraham and seinen Nachkommen versprochen hast. Nimm an, o heiliger Bater, allmächtiger, ewiger Gott! mit Wohlgefallen das unblutige Opfer des neuen Bundes, welches jetzt zum Troste der leidenden Seelen .ntrichtet wird und erhöre die frommen Gebete Deiner zeiligen Kirche. Eine Seele ist wieder zu Dir zurückgekehrt, o Gott! de Du nach Deinem Ebenbilde erschaffen, durch Jesum Meßandacht Christum, Deinen Sohn erlöset und durch den heiligen Geist geheiligt hast. Du kennst alle ihre Fehltritte und feine ihrer Uebertretungen ist Dir verborgen. Herr, wer wird bestehen, wenn Du strafest und züchtigest nach Deiner Gerechtigkeit! Erbarme Dich ihrer, o Gott, nach der Größe Deiner Barmherzigkeit und tilge ihre Missethat nach der Fülle Deiner Erbarmungen! Erhöre, o Herr, unser Gebet für sie und laß unser Flehen zu Dir kommen! Wende Dein Angesicht nicht von uns weg, sondern am Tage, wo wir Dich anrufen, neige Dein Ohr zu uns! Verwirf nicht das Gebet Derer, die aus der Tiefe ihres Elendes zu Dir rufen, zu Dir, o Herr! der Du Dich erbarmest nach Deiner Gnade und die Bitten der Demüthigen nicht verwirfst. Herr, wenn Du alle Schwächen ahnden wolltest, Herr, wer würde vor Dir bestehen? Aber bei Dir ist Vergebung, und um Deines Sohnes willen verzeihest Du, o Herr! und verschonest. 126 - Gott, Allerbarmer, die abgeschiedene Seele harret auf Dich bis zum Tage der Erlösung. Bei Dir ist Gnade und Erbarmung, und Du wirst sie führen in die ewigen Freuden, durch Jesum Christum. Amen. 3um Sanktus. u Dir, o Gott, unserm Ursprung und unserm Ziel! zu Dir, dem Ewigen und Heiligen, erheben wir in Demuth, in Gehorsam und Liebe und im Vertrauen auf Deine Erbarmung unser Herz und unsre Hände und beten hoffnungsvoll Deine Vatergüte an, Dir, wie es sich geziemet, Dank sagend durch Jesum Christum, der das Werk unserer Erlösung vollbracht zum Troste der Abgestorbenen. 127 hat auf Golgatha. Durch Ihn loben Deine Majestät die Engel; durch Ihn beten Dich an die Herrschaften, und es beben in heiliger Ehrfurcht die Mächte. Durch Ihn preisen Dich die Himmel und die Kräfte der Himmel und die Seraphim und Cherubim im vereinten Jubelchore. Laß uns, wir bitten Dich, mit ihren Anbetungen auch unsere Stimmen vereinigen, indem wir zugleich mit ihnen in tiefster Ehrfurcht ausrufen! Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Gott der Heerschaaren! Himmel und Erde sind Deiner Herrlichkeit voll! Hosanna in der Höhe! Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Amen. Vor der Wandlung. KK₁ ich, gütigster Vater, bitten wir durch Jesum Christum, Deinen Schn, unsern Herrn, und flehen zu Dir in tiefster Den: uth. Nimm gnädig an und segne das heilige und unbefleckte Opfer, welches wir Dir darbringen, vorzüglich für Deine heilige allgemeine Kirche, für die streitende auf Erden, wie für die leidende im Reinigungsorte. So wie Du die streitenden reinigen und erhalten mögest in Einigkeit der Liebe und des Friedens: so führe die, welche im Neinigungsorte Deiner harren, o Herr! in die Gefilde des ewigen Friedens. Stärke die geistliche und weltliche Obrigkeit mit Deiner Gnade, segne unsere Eltern, Geschwister, Wohlthäter, Freunde und Bekannte; tröste alle Betrübte und Hülfsbedürftige, bekehre die Sünder, stärke die Gerechten, nimm die Sterbenden auf in Deine Hände und führe die Gestorbenen zu Dir ins ewige Leben. Amen. 128 Meßandacht Bei der Wandlung. esus Christus, der Du mit Fleisch und Blut hier gegenwärtig bist auf diesem Altare, ich bete Dich an, und bitte Dich: erbarme Dich der armen Seelen im Reinigungsorte!( Zweimal.) Nach der Wandlung bis zur Kommunion. Em Geiste der Liebe erinnern wir uns vor Dir, o Jesus! aller abgestorbenen christgläubigen Seelen, insbesondere unserer Eltern, Brüder und Schwestern, leiblichen und geistlichen Wohlthäter, und derjenigen Seele, für welche dies heilige Meßopfer insbesondere entrichtet wird. Auch sie sind Deine Erlösten, o Herr, erbarme Dich ihrer! Reinige sie von den Sünden, die fie beim Eintritte in die Ewigkeit noch nicht abgebüßet haben; vollende ihre Tugend und Glückseligkeit nach Deiner weisen Güte, und führe uns endlich Alle nach überstandener Prüfungszeit in die Wohnungen der Auserwählten, in den Himmel ein, zu Deinem Vater und zu unserm Bater, zu Deinem Gott und zu unserm. Gott, an den wir uns im Glauben wenden, indem wir das Gebet an Ihn richten, das Du uns selbst gelehrt haſt. Vater unser 2c. Das Vater unser für die leidenden Seelen im Fegfeuer.*) Vater unser, der Du bist im Himmel. ch bitte Dich demüthig, vergib den leidenden Seelen, die Deiner seligen Anschauung jenseits noch beraubt sind, vergib ihnen, daß sie Dich, ihren heiligen, liebenswürdigsten Vater, der Du sie durch Deine Güte *) Dieses trostreiche Gebet fann auch außer der heiligen Messe auf dem Gottesacker verrichtet werden. der Abgestorbenen. 129 zu Deinen Kindern angenommen, nicht immer, wie sie sollten, geliebt, sondern sich manches Undanks und Ungehorsams gegen Dich schuldig gemacht haben. Zur Genugthuung für ihre Sünden opfere ich Dir jene Liebe und Verehrung auf, welche Dein theurer Sohn auf Erden Dir allezeit erwiesen, und durch die Er für alle unsere Nachlässigkeiten so reichlich genug gethan hat. Amen. Vater unser 2c. Geheiliget werde Dein Name. De pergib, o ewiger, barmherziger Vater! allen Verstorbenen, die noch gereiniget werden von ihren Mängeln und Fehlern, wie das Gold im Glutofen, vergib ihnen, daß sie Deinen Namen nicht immer würdig geehrt, nicht stets in heiliger Furcht vor Dir gewandelt, und sich durch öftere Verirrungen des christlichen Namens unwerth gemacht haben. Zur Genugthuung für diese Sünden opfere ich Dir die vollkommenste Heiligkeit Deines Sohnes auf, mit der Er Deinen über alles gepriesenen Namen durch Lehre und Beispiel so sehr erhöhet und in allen seinen Handlungen verherrlichet hat. Amen. Vater unser 2c. Zukomme uns Dein Reich. pergib, o Gott des Friedens! allen Verstorbenen, die noch nicht eingegangen sind in die seligen Wohnungen des Friedens, vergib ihnen, daß sie sich nach Dir und nach Deinem Reiche, worin allein Ruhe und ewige Freude ist, nicht immer mit solcher Inbrunst sehnten, noch mit so sorgfältigem Eifer darnach strebten, als es ihre Pflicht gewesen. Für alle ihre Trägheit im Guten Jungfrauenbuch, II. Theil. 9 130 Meßandacht zum Troste opfere ich Dir die reinen Wünsche Deines Eingebornen auf, mit denen Er so liebevoll die Herzen der Menschen zu gewinnen suchte, damit sie seine Miterben werden möchten. Amen. Vater unser 2c. Dein Wille geschehe wie im Himmel, also auch auf Erden. pergib, ó gütiger Vater! allen Verstorbenen, die noch fern von Dir, sich nach Deiner väterlichen Nähe sehnen, vergib ihnen, daß sie nicht allezeit Deinen heiligen Willen dem ihrigen vorgesetzt, demselben nicht immer gehorcht, sondern sich öfters von ihren Begierden haben hinreißen lassen. Zur Ersetzung ihres Ungehors sams opfere ich Dir die kindliche Ergebenheit Jesu und seinen tiefen Gehorsam auf, den Er Dir in den härtesten Prüfungen erwiesen, und durch den Er Dir folgsam war bis zum Tod am Kreuze. Amen.- Vater unser 2c. Gib uns heute unser tägliches Brod. pergib, o liebreichster Bater! allen Verstorbenen, die noch nach der himmlischen Mahlzeit schmachten, und fern von Dir, nach Dir hungern, vergib ihnen, daß sie das gnadenreiche Geheimniß des Altares nicht allzeit mit jenem Glauben, mit jener Andacht und Liebe empfangen haben, mit der sie es hätten genießen sollen, und dadurch ihren göttlichen Erlöser manchmal in ein unwürdiges Herz aufgenommen haben. Für diese Vergehungen opfere ich Dir jene innige Liebe, und jenes unaussprechliche Wohlwollen auf, mit dem Er dieses allerheiligste Sakrament zu unserm Troste und zu unserer Heiligung eingesetzt hat. Amen. Vater unser 2c. 131 der Abgestorbenen. Vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. J ch bitte Dich demüthigst, o unendlich langmüthiger Vater! vergib allen Verstorbenen ihre Missethaten, die sie je in ihrem Leben begangen, und für die fie nicht hinreichend genug gethan haben; vergib ihnen alle zornmüthigen Empfindungen, die sie je gegen ihre Mitmenschen im Herzen getragen. Ich opfere Dir dafür auf das großmüthige, göttliche Gebet, welches Dein allerliebster Sohn am Kreuz für seine Feinde an Dein liebendes Baterherz gerichtet hat. Amen.- Vater unser 2c. Und führe uns nicht in Versuchung. ch bitte Dich, o gnädigster Bater! der Du Keinen über seine Kräfte versucht werden läßt, vergib unsern verstorbenen Mitchristen, daß sie den Versuchungen und bösen Trieben nicht immer widerstanden, sondern sich öfters durch die Reize der betrüglichen, falschen Freuden, durch Augenlust, Fleischeslust und Hoffart des Lebens haben hinreißen lassen, und dadurch ihre Tugend verloren oder befleckt haben. Für alle diese Sünden opfere ich Dir den glorreichen Sieg unsers göttlichen Erlösers auf, mit dem Er die Welt und den bösen Feind überwunden hat; ich opfere Dir seinen ganzen heiligen Lebenswandel, seine Liebe zur Armuth, seine Reinheit, Demuth, alle seine Mühe und Arbeit, sein bitteres Leiden and Sterben auf. Amen. Vater unser 2c.. Sondern erlöse uns von dem Uebel. Amen. ewige Liebe, die nicht den Tod des Sünders will, sondern daß er sich bekehre und lebe! erlöse 9* 132 Meßandacht zum Troste alle Mitglieder der leidenden und streitenden Kirche vor allem Uebel und aller Strafe, durch die Verdienste Deines Eingebornen, und führe uns zu dem Reiche Deiner ewigen Herrlichkeit, in Deine seligen Wohnungen. Amen. O Du Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünder der Welt, erbarme Dich der abgeschiedenen Seelen im Reinigungsorte!( Dreimal.) Bei der Kommunion. könnte ich jetzt Dich, geliebtester Jesus, empfangen im heiligsten Sakramente, wie Dich da der Priester empfängt! 3nnig sei dies mein Verlangen! Die wirkliche Kommunion des Priesters, und diese meine geistliche Kommunion opfere ich Dir, o Jesus, für die Seelen im Fegfeuer auf, insbesondere zum Ersatz für alle Nachlässigkeit in Empfang des allerheiligsten Altarssakramentes, und für alle Lauigkeit im Empfange desselben, deren sie sich mögen schuldig gemacht haben. O Jesus, sei in mir, auf daß ich durch Dich all mein Gebet, all meine guten Werke und all meine Geduld in Leiden auf desto wirksamere Weise für die Seelen im Fegfeuer täglich aufopfern kann! Gebet nach der Kommunion. IS Cimmlischer Bater, gib uns die Gnade, daß wir befolgen die Ermahnungen Deines Sohnes:" So lange ihr das Licht habet, glaubet an das Licht, auf daß ihr Kinder des Lichtes seid... Und den Seelen im Fegfeuer laß unsere Gebete, die wir bei dem heiligsten Meßopfer für sie vor Deiner Majestät ausgegossen haben, ersprkeßlich sehn. Sie waren auf Erden Kinder des der Abgestorbenen. 133 Lichtes; o laß sie emporschweben zur Anschauung des unendlichen Lichtes, das Du bist! Wir bitten Dich durch Deinen Sohn Jesus Christus, der mit Dir lebt und cegiert in Einigkeit des heiligen Geistes von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Unter dem letzten Evangelium. ie freuen sich die Seelen im Fegfeuer schon jetzt, daß sie auf Erden an Dich, o Jesus, der Du bist das Licht vom Lichte, der wahre Gott vom wahren Gott, geglaubt haben! Wie freuen sie sich, daß sie unsehlbar Dich, das Licht des Himmels und der Erde ewig schauen werden! O mache ihre Freude bald voll durch cie selige Anschauung Deiner, der Du bist das wahre dicht, leuchtend von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. след другата Das Ave Maria, angewendet für die armen Seelen im Fegfeuer. Som egrüßet seist Du, Maria.- Mit diesem lieben Gruße wenden wir uns auch an Dich, Mutter der Barmherzigkeit, zu Gunsten derjenigen, die jetzt nicht mehr mit uns Dich grüßen können, die aber voll Vertrauen noch auf Dich blicken: denn sie bedürfen Deiner! „ Du bist voll der Gnade" mache nun Deinen Reichthum für jene Arme geltend, die wir nicht umsonst die armen Seelen nennen, und für die wir Dich bitten. Meßandacht zum Troste der Abgestorbenen. Der Herr ist mit Dir" er kann Deine Bitte nicht unerhört lassen; nehme Dich daher ihrer an, ſei Du für sie, auf daß der Herr auch mit ihnen seyn möge. Du bist gebenedeit unter den Weibern," unter allen Geschöpfen dürfen sie, wie wir, Dich preisen als den Grund des Vertrauens, als den sichern Anker erfreulicher Zuversicht und zwar um dessen willen, den zu gebären Du gewürdiget worden. ,, Und gebenedeit ist die Frucht Deines Leibes, Jesus Christus!" Ihn anzubeten und zu preisen im Chor seiner Auserwählten, ist ihr Sehnen und ihr peinliches Verlangen. Komme ihnen hiebei zu Hilfe! 134 V Heilige Maria! Hilf ihnen, daß auch sie eher heil werden von ihrem Aussatze, um dem Heiligen aller Heiligen gefallen zu können. ,, Mutter Gottes!" Unsere Mutter und ihre Mutter, verwende Dich nach Deiner Macht bei Deinem Sohne für Deine Kinder! ,, Bitte für uns arme Sünder!" Bitte aber auch für die armen Büssenden, daß die Sünde ihnen nicht noch länger schade. ,, Jetzt und in der Stunde unsers Absterbens" sei uns eine liebreiche Fürbitterin; aber sei es jetzt auch und so lange sie Deiner bedürfen, den armen Seelen im Fegfeuer, so wie Du es ihnen gewesen bist bei der Stunde ihres Absterbens. ,, Amen!" Es geschehe uns und ihnen, um was wir gebeten haben! 3um Libera nach der Todtenmesse. lim 135 Am Sarge oder Grabe. ette uns, Barmherziger, von dem ewigen Tode! Rette, o Herr, rette uns an jenem Tage der Angst und des Schreckens, wenn die Himmel erschüttert werden und die Erde. Wann Du kömmst die Welt zu richten durch das Feuer. ER V. Ich zittere und zage, wenn die Rechenschaft naht und die strenge Vergeltung. R. Wenn die Himmel erschüttert werden und die Erde. V. Jener Tag, der Tag des Zornes, der Tag des Jammers und der Noth; der Tag, der große, voll der Wehemuth. 136 Zum vivera R. Wenn Du kömmst die Welt zu richten durch das Feuer. V. Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Vicht leuchte ihnen. Rette uns, Barmherziger, von dem ewigen Tode! Rette, o Herr, errette uns an jenem Tage der Angst und des Schreckens, wenn die Himmel erschüttert werden und die Erde; wann Du kommen wirst die Welt zu richten durch das Feuer. Herr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Vater unser 2c. Gebet für alle Abgestorbenen. ( Am Allerseelentage.) 6 ott, Erschaffer und Erlöser aller Gläubigen! ertheile den Seelen Deiner Diener und Dienerinen Verzeihung aller Sünden, damit sie auch die Nachlassung der Strafe, auf welche sie stets gehofft haben, auf unsre eifrige Fürbitte erlangen mögen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Gebet für verstorbene Eltern. J Gott, der Du uns befohlen hast, daß wir Vater und Mutter ehren; erbarme Dich in Liebe der Seele meines Vaters( meiner Mutter), verzeihe ihm ( ihr) seine( ihre) Sünden, und laß mich ihn( sie) einmal in den ewigen Freuden wieder finden, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. D Gebet für eine andere Seele. eige Dein Ohr, o Herr, zu unserm Gebete, mit welchem wir die Seele Deines Dieners N. nach der Todtenmeffe. 137 ( Deiner Dienerin N.), welche Du von dieser Welt abgefordert hast, in das Reich des Lichtes und des Friedens aufnehmen, und sie an der Gesellschaft Deiner Heiligen Theil nehmen lassen wollest, um Jesus Christus, Deines lieben Sohnes willen. Amen. Gebet an Jahrestagen. D ott und Herr der Erbarmungen! gib, daß die Seelen Deiner Diener und Dienerinen( Deines Dieners), deren( dessen) jährliche Gedächtnißfeier wir hente begehen, in der Seligkeit der ewigen Ruhe, und im Lichte der ewigen Anschauung Erquicung erlangen mögen durch unsern Herrn Jesum Christum. Amen. NEMENTO MORI Führe mich auf Deinen Stegen Laffe mich nie irre geh'n; Laß meinen Fuß auf Deinen Wegen Straucheln nie! nicht stille steh'n; Nimm hin, mein Herz, o Jesus Christ, Und mach' es rein wie Deines ist. Dritter Abschnitt. Unterrichte und Andachts- Uebungen für Jungfrauen, die heiligen Sakramente, der Buße und des Altars würdig zu empfangen. 13080881 I. Von der Beicht der Jungfrauen. 1. Eine In," an, die nach einem vollkommneren Leben trachtet, joll öfter beichten. ie Jungfrau. Mein Gott und mein Heiland! So oft schon von deiner Güte durchdrungen, und von deinen inneren Einsprechungen aufgemuntert, hab' ich mir vorgenommen, ein neues Leben anzufangen, und dir mein Herz gänzlich zu schenken. Lehre mich, wie ich dieses Vorhaben ausführen kann! Der Herr. Meine Tochter! Erkenne dich selbſt, erforsche deine Sünden und Schwachheiten, bereue fie ohne Aufhören, mach' stets ein gutes Vorhaben, dich zu bessern; streite wider deine bösen Neigungen; beDeega Von der heiligen Beicht.. wache alle Regungen deines Herzens; erkläre dein Gewissen nicht nur mir, sondern auch den Priestern, die ich dir zu Wegweisern und Lehrern gegeben habe. Dieß ist der Anfang des heiligen Lebens. Alle diese Mittel findest du in der oft wiederholten heiligen Beicht. Durch die vorhergehende Erforschung des Gewissens erkenneſt du deine Schwachheiten und Sünden; du entdeckest die verborgenen Winkel deiner Eigenliebe; du erfahrest die Fehler und Unvollkommenheiten deiner guten Werke; du bereuest das Böse, so du gethan hast, und erneuerst immer den gefaßten Entschluß, dich zu bessern. Der Beichtvater entdeckt dir, was du selbst nicht erkannt haft; er treibt dich an, dein Vorhaben auszuführen, er muntert dich auf gegen die Beschwerden: er schreibt dir heilfame Mittel vor, wie du wider die Sünde streiten, und rie christlichen Tugenden erwerben sollest. Je öfter aber du beichtest, desto größere Kraft haben diese heilsamen Mittel, und gibst der verkehrten Natur und deinen Feinden keine Zeit, daß sie sich wieder erholen und stärken können. Eine Beicht ist die Vorbereitung zur andern. Die Jungfrau. Nach deinem göttlichen Willen soll es geschehen, mein Heiland! und so vielmal du es verlangest, will ich zu diesem heilsamen Sakramente hinzugehen. 140 Der Herr. Bei mir sollst du dich vielmal des Tages als eine Sünderin anklagen, und deine vielfältigen Schwachheiten mit zerknirschtem Herzen bekennen. Vor dem Priester aber wäre es zu wünschen, daß du alle Tage dich thätest anklagen, dieweil du täglich fündigest. So du aber einen solchen Eifer noch nicht verspürest, und vielleicht dein Stand und die Gelegenheit dir Solches nicht gestatten, bemühe dich, daß du alle acht Tage, und wenn auch dieß nicht seyn kann, alle vierzehn Tage deine Süden beichtest, denn weiter jollst du ohne große Hindernisse eine so nützliche Sache www Von der heiligen Beicht. 141 nicht hinaus schieben. Und je öfter du beichtest, einen desto größeren Schatz der Gnaden wirst du aus diesem heiligen Sakramente schöpfen. Neben andern zur Beicht nothwendigen Stücken, die dir nicht sollen unbekannt seyn, hast du folgende wohl zu beobachten: 1) daß du dir einen guten Beichtvater erwählest; 2) daß du dich vor der zu großen Furcht und Ängst hütest, welche dir die Beicht beschwerlich macht; 3) daß du dir hingegen nicht ein leichtsinniges und unachtsames Gewissen machest. 2. Von Erwählung eines Beichtvaters für Jungfrauen, die nach einem heiligen Leben trachten. er Herr. Meine Tochter, du sollst zwar keinen Beichtvater gering schäßen: ein Jeder hat seine eigenen Gaben von Gott empfangen, einer auf diese, ein anderer auf eine andere Weise; jedoch sind dir nicht alle anständig. Du brauchest zu deinem Vorhaben einen eifrigen, einen gelehrten, einen bescheidenen Mann, dem die Wege des innerlichen Lebens nicht unbekannt sind. Derjenige ist der beste, der dich auf dem sichersten, kürzesten und leichtesten Wege zu Gott führet. Einen solchen Beichtvater kannst du aus folgenden Zeichen erkennen: 1) Wenn er dich zur Reinigung des Herzens anhält, und durch kräftige Mittel zuerst von den schweren, und dann auch von den läßlichen Sünden entfernt; wenn er dich lehret, wie du deine bösen Neigungen bezwingen, und deine unordentlichen Begierden ablegen kannst. 2) Wenn er dich zur Geduld, zur Arbeit, zur Einsamkeit, zum Gehorsam und andern Tugenden deines Standes und Berufes ermahnet, dir dieselben leicht und mit der Zeit auch angenehm macht. 3) Wenn du unter seiner Leitung anfangest, die Eitelkeit der Welt gering zu achten, von den üppigen 142 Von der heiligen Beicht. Gesellschaften und Ergöglichkeiten dich ferne zu halten, zu beten, und nach den unsichtbaren Gütern zu streben, die in der Innigkeit der Andacht als unser höchstes Ziel erscheinen. Dieser Weg zu dem vollkommneren Leben ist der sicherste. 4) Ein guter Beichtvater wird dir nicht gleich im Anfange von den hohen Geheimnissen der Gottheit reden, da dein noch unreines und irdisches Herz dieselben nicht fassen kann. Er wird dich nicht mit vielen äußerlichen Anstalten, mündlichen Gebeten, schweren Bußwerken überladen; sondern durch kräftige und kurze Betrachtungen der ewigen Wahrheiten, durch Erwägung meines bittern Leidens und Sterbens, dein Gemüth und deine Begierden nach und nach von den äußerlichen Sachen zu den innerlichen zurückrufen. 5) Er wird dich nicht mit rauhen Worten in Furcht und Schrecken setzen, dein Gewissen ängstigen und schwer machen; und nachdem er die gröbern Fehler und Gebrechen wird verbessert haben, wird er dich gerne anhören, da du nur mehr geringe Fehler und Unvollkommenheiten, die dem Geiste Gottes, der dich zur Vollkommenheit ruft, zuwider sind, zu sagen haſt. 6) Er wird mit großer Sorgfalt in deinem Herzen forschen, wozu dich der Geist Gottes am meisten antreibt, und was derselbe von dir begehrt, damit er nach dessen innerlichen Wirkungen sich richte, und dich nicht nach seinem Wahne und Gutdünken, sondern nach der innerlichen Einsprechung Gottes auf den rechten Weg leite, sonst könntest du dich auf gefährliche Abwege verirren. 7) Er wird nicht deine Gunst noch Freundschaft suchen, noch mit leerem und weltlichem Geschwätze in oder außerhalb dem Beichtstuhle dich unterhal 143 Von der heiligen Beicht. ten; er wird gerne sehen, daß du ihn bisweilen verläsfest, und andern erleuchteten Männern dein * Gewissen entdeckest, und wird mit aller Zucht, Behutsamkeit und bescheidenem Eifer ein so schweres und göttliches Amt verwalten. Dieß sind die Zeichen eines dir anständigen Beichtvaters, und so dir diese Zeichen ein nicht genugsames Licht geben: 8) Erwähle denjenigen zu deinem Beichtvater, dem Jene beichten, die da am Geiste der Andacht täglich zunehmen, und der den Ruhm eines gelehrten und geistreichen Wegweisers genießt. 9) Einen solchen Wegweiser sollest du mit großem Vertrauen von mir begehren. Soup 10) 3st es dir aber nicht erlaubt, oder unmöglich, einen andern Beichtvater nach Wunsch zu erkiesen, so trage kein Bedenken, demjenigen, den dir der Gehorsam oder die Noth gegeben hat, dein Gewissen zu entdecken; ich werde ihn also leiten, daß er bir nützlich schn wird; will er aber der Dinge, die zur Vollkommenheit gehören, sich nicht annehmen, so werde ich selbst dein Lehrmeister seyn. ( In Ermangelung eines verlangten Beichtvaters, wird eine, nach einem heiligeren Leben strebende Jungfrau hinlängliche Unterweisung in diesem Gebetbuche finden.) 3. Von der Angst und den schwermütbigen Gedanken, wovon romme Seelen zuweilen bei der heiligen Beicht heimgesucht werden. der Herr. Meine Tochter! der böse Feind wird dich von der öftern Beicht auf alle Weise abwendig machen wollen; entweder werden dich die lanen Weltkinser auslachen, und deine Andacht übel deuten, oder inneriche Schwermuth wird dich auf allen Seiten überfallen. Die Jungfrau. Mein Gott und mein Erlöser! De Welt soll mich von meinem Vorhaben nicht abs Von der heiligen Beicht. wendig machen. Wie könnte ich deine Dienerin seyn wenn ich noch der Welt zu gefallen suchte? Aber andere Gedanken betrüben mich, uno stürzen mich zuweilen in so große Verwirrung, daß ich mir selbst nicht zu helfen weiß. Bald kann ich nach langem Nachdenken kaum einen geringen Fehler entdecken, obgleich ich recht wohl weiß, daß ich allen Schwächen unterworfen bin; bald scheint es mir, als hätte ich schwere Sünden ausgelassen, und mein Gewissen nicht genugsam erforschet; bald werde ich lau und wankelmüthig in meinem Vorhaben, und sage zu mir selbst: Wozu hilft dein öfteres Beichten, da du dich niemals besserst? Bald zweifle ich, ob ich eine wahre Reu und Leid erwecket habe, was mich in große Furcht und Schwermuth stürzet; bald weiß ich nicht vor Größe der Angst und Verwirrung, was ich im Beichtstuhle sagen soll. Mein Gedächtniß verliert sich, der Trost verschwindet, der Eifer ertöscht, und nichts bleibt mir übrig, als Berrübniß und Angst der Seele. Und wenn ich nach der Beicht zu deinem heiligen Tisch hinzugehe, umhüllen Finsterniß und Furcht und Schrecken meinen Geist, und meine Kniee wanken; 10 armselig bin ich, o mein Gott und mein Alles! Der Herr. Meine Tochter, warum betrübest bu sich vergebens? Werde ich dich verlassen, da du mir zu zefallen suchest? Ich will, daß du von mir eine bessere Meinung habest, und daß du mich suchest in der Einalt deines Herzens. 144 1) Wenn du dich vor der Beicht keiner Sünde erinnern kannst, so ist es ja ein gutes Zeichen, daß dein Herz immer mehr und mehr gereiniget wird Sage deinem Beichtvater, du wissest dich keiner Günden anzuflagen, und beichte eine oder die andere Sünde deines vergangenen Lebens. 2) Du fürchtest, du möchtest vielleicht dein Gewissen nicht genug erforscht, und aus Blindheit die eine Von der heiligen Beicht 145 oder andere Sünde nicht erkannt haben. Deine Furcht ist ohne Grund: schwere Sünden können einer Seele nicht verborgen seyn, die stets in sich selbst geht, und täglich ihr Gewissen erforschet. Und wenn du nur aufrichtig mit mir handelst, und aus Schamhaftigkeit keine dir bewußte Sünde ausläsfest over verkleinerst, jo fann dir auch eine schwere Sünde, die du vergessen hättest, nicht schaden, nachdem du dich ungefähr eine Viertelstunde wirst erforschet huben Die läßlichen Sünden aber, und tägliche Echwachheiten, kannst du im gegenwärtigen Eto be nicht alle entdecken, und bist auch nicht schult.g, dich derselben anzuklagen. 3) Laß dich auch von ter öftern Beicht nicht abschrecken, weil es bir vünket, dağ tu eine Besserung spürest Wie viel andere Sünten würdest du begangen haben, wenn du nicht so oft beichtetest! Es ist gut, daß du wenigstens deine Schwachheiten erkennest, und dich gering schätzest rer meinen Augen. Was für heilige Gedanken und fromme Wünsche erweckest ru in dir, indem du zur heiligen Beicht gehest! In wie vielen Dingen hast du dich gebessert, in wie vielen andern wirst du dich noch bessern, wenn du in deinem Vorhaben fortfahrest! Und wenn du ungeachtet der öftern Beicht noch schwach bist, und immer noch fallest, wie würde es dir erst ergchen, wenn du dich von diesem heiligen und kräftigen Mittel entfernetest! - 4) Du fürchtest, es möchte dir die nothwendige Reue und Leid fehlen, wodurch du eine schwere Sünde begehen könntest. Wird diese Neue und Leid denn herzlicher schn, wenn du in der Ausgelassenheit und Unachtsamkeit des Gewissens lebest? Wenn ciese beine Furcht vernünftig wäre, so müßten alle frommen Seelen den öftern Gebrauch der Jungfrauenbuch II. Theil. 10 146 Von der heiligen Beicht. heiligen Beicht veranlassen: denn Niemand kann wissen ob er eine rechte Neu' und Leid erweckt habe. Werd' ich denn dich verdammen, da du mir z1¹ Liebe ein so heiliges Werk nach deiner Möglichkeit ver richtest? Dein Gewissen sagt dir, daß du mich liebest; wo die Liebe ist, da ist auch die Reue und Leid, zwar nicht immer vollkommen, aber doch im Herzen gegenwärtig, und gibt sich zu erkennen durch den festen Willen, dich zu bessern; und wenn du auch schon wieder in deine alten Schwachheiten falleft, so mußt du deßwegen nicht verzagen, sondern aus Erkenntniß deines Elendes desto mehr auf meine Barmherzigkeit hoffen, welche sich mit deinem Bestreben begnüget, wenn auch deine Neu' und Leid nicht so vollkommen wäre. Verachte sohin, geliebte Tochter, oder trage mit Geduld deine Angst und Schwermuth, wenn du sie nicht verachten fannit; ihrer wegen aber sollst du niemals des öftern Gebrauches der heil. Beicht dich berauben; und wie groß auch immer deine Furcht, dein Schrecken seyn möge: laß dich deßwegen von dem Empfange meines Leibes nicht abwendig machen. Die Jungfrau. Herr, nicht die Pein meiner Seele, sondern die Furcht, dich zu beleidigen, hält mich zurück. Der Herr. Meine Tochter, ich will dich lehren, wer Jene sind, die bei dem Empfange dieses Geheimnisses sich zu fürchten haben. 4 Von denjenigen, welchen die öftere Beicht schädlich iſt. er Herr. Meine Tochter, diese Furcht und Angst, die du empfindest, ist das Zeichen eines zarten und gottesfürchtigen Gewissens; sie rühret nicht von einer Sünde her, die dir nicht bewußt ist, sondern theils von der Begierde, mir zu gefallen, theils auch von der heimlichen Wirkung der Leidenschaften, die dich verwirren; dieser Gedanke soll dich trösten. Laue und faltsinnige Seelen, die doch in aller Sicherheit leben, Von der heiligen Beicht. sind es, die hinsichtlich ihrer Beicht wohl Bedenken tragen sollen. es überall. Dergleichen thörichte Jungfrauen gibt Sie rennen den weltlichen Freuden nach, sie wollen sehen und gesehen werden; sie können ihren Sinnen, ihrem Leibe, ihren irdischen Anmuthungen nichts versagen; sie sind stolz und hochmüthig in ihrem Neußern, frech und ausgelassen in ihren Geberden, träge im Dienste Gottes, und in all' ihrem Thun und Lassen unachtsam und unbescheiden. Diese sollen sich billig fürchten, da sie ohne nothwendige Vorbereitung, ohne vorhergehende genaue Erforschung des Gewissens, ohne Zerknirschung des Herzens, ohne ernstliches Vorhaben, sich zu bessern, und ohne irgend einen Nutzen für das Heil der Seele, zu dem Sakramente der Buße hinzugehen. 147 Laß endlich diejenigen sich fürchten, die entweder mit schweren Sünden und bösen Gewohnheiten beladen, dieselben entweder wissentlich aus unrechter Schamhaftigkeit verschweigen, oder vor dem Beichtvater verkleinern und bemänteln, oder darüber nur eine äußerliche Neue und Leid erwecken, und aus dem, was schon vielmal geschehen ist, billig muthmaßen können, daß das Herz keinen Theil daran habe. Wenn dir dann dein Gewissen Zeugniß gibt, daß du durch meine Barmherzigkeit nicht in dieser armseligen Lage bist; wenn du zu dir selbst sagen kannst, daß du durch die oft wiederholte Beicht nichts Anderes suchest, als mix zu gefallen, und dich zu bessern, und sonst keiner schweren Sünde dir bewußt bist, so sei getröstet, und hab' ein großes Vertrauen auf meine Liebe und Barmherzigkeit, und beichte öfters, ungeachtet deiner Furcht und Beklommenheit. Diese schwermüthige Empfindung erhält dich in der Reinheit des Herzens, in der wahren Demuth und Furcht des Herrn; sie macht, daß du mit Behutsamkeit den Weg des Herrn wandelst, und ohne Trost deinem Gotte dienest, welches eine große Tugend ist. - 148 IKS? Erste Beichtandacht. Aurufung des heiligen Geistes vor der Beicht. jeung! öttlicher Geist und Tröster meiner betrübten Seele! Erleuchte meine Finsterniß, damit ich meine Schwachheiten erkenne; erwecke in meinem Herzen eine findliche Reue und Leid, damit ich sie beweine. Ich bin deinen heiligen Einsprechungen widerspenstig gewesen, dein stetes Rufen hab' ich nicht geachtet, und dich betrübt, indem ich meinen bösen Neigungen folgte. Du aber, Gott der Liebe und des Trostes! kehre dich wieder zu mir und mich zu dir. Es ist für dich ein Kleines, wenn du mich erleuchtest, o unbegreifliches Licht! aber ich finde in deiner Heimsuchung die höchste Glückseligkeit und die wahre Ruhe meiner Seele. Von der Erforschung des gewiffens. u haft keine große Anstrengung nöthig, dich deiner Sünden zu erinnern; schwere Sünden pflegen von selbst das Gewissen zu ängstigen, wenigstens bei folchen Jungfrauen, die noch nicht von der Eitelkeit der Welt verblendet, und versteckten Gemüthes sind. Auch der freiwilligen läßlichen Sünden wirst du dich ohne lunges Nachsuchen erinnern, wenn du öfter beichtest uno täglich dein Gewissen erforschest. Es ist auch nicht nöthig und rathsam, daß du alle Gebote Gottes und der Kirche durchgehest, sondern du darfst nur folgende drei Stücke beobachten: 1) wie eu 149 Erste Beichtandacht. dich gegen Gott, 2) wie du dich gegen deinen Nächſten, und 3) wie du dich gegen dich selbst verhalten hast. Folgender Beichtspiegel aber ist für jene Jungfrauen gemacht worden, welche im Anfange ihres neuen Lebens eine findliche Beicht thun wollen, oder welche sonst im Gebrauche dieses Sakraments nachlässig sind, oder wegen des noch weltlichen Wandels eine geringe Erkenntniß ihrer selbst haben; doch ist es rathsam, daß du einige Male im Jahre in diesen Beichtspiegel blickest. Beichtspiegel der Jungfrauen. Sünden wider Gott. em Gottesdienste sich nachlässig und träge bezeigen; das Morgen- und Abendgebet unterlassen, oder nur obenhin und ohne Aufmerksamkeit verrichten; in der Kirche während des Gottesdienstes schwätzen, in freiwilligen Zerstreuungen sich aufhalten, herumschauen, mit unschicklichen Geberden, stolzer Kleiderpracht und unehrbarer Entblößung erscheinen, wodurch eine Jungfrau vieler fremden Sünden theilhaftig werden kann; an Sonn- und Feiertagen die heilige Messe ohne wichtige Ursache versäumen, wie auch aus Trägheit, Unlust des Gebetes, der Vesper, christlichen Lehre und Predigt nicht beiwohnen; ohne gehörige Vorbereitung die heiligen Sakramente der Beicht und Communion empfangen; in der Beicht die Sünden verkleinern, aus Schamhaftigkeit verschweigen, besonders wenn es Sünden sind wider die jungfräuliche Reinigkeit, oder aus Abgang der nothwendigen Gewissenserforschung dieselben auslassen, oder im Zweifel, ob sie schwere Sünden sind, dieselben verhehlen; in dieser Verschwiegenheit die heilige Communion empfangen, nach gebeichteten schweren Sünden sich nicht bessern, in einer bösen Gewohnheit verharren, welches 150 Erste Beichtandacht. ein Zeichen ist, daß Reue und Leid und das feste Vorhaben in den vorigen Beichten gemangelt hat. In solchem Falle soll man die vorigen Beichten wiederholen, und dem Beichtvater anzeigen, feit wann dieß geschah, und wie viel ungefähr dergleichen ungültige Beichten verrichtet wurden. Sonn- und Feiertage zubringen in leichtfertigen Ueppigkeiten, gefährlichen Gesellschaften, in unmäßigem Spielen und Tanzen. Den heiligen Namen Jesu aus angenommener Gewohnheit zu eitlen Sachen aussprechen, Gott in unnöthigen Dingen als Zeugen anrufen, die heiligen Sakramente im Zorne nennen, u. s. w. In Kreuz und Widerwärtigkeit sich ungeduldig bezeigen, wider Gott murren, seiner Güte mißtrauen, den göttlichen Einsprechungen stets widerstreben, aus Trägheit und Zerschlagenheit des Gemüthes, u. s. w. Sein Thun und Lassen Gott dem Herrn nicht aufopfern; aus Zerstreuung des Gemüthes an ihn wenig denken, ihm wegen empfangener Gutthaten nicht Dank ſagen. Wegen der Schönheit des Leibes, Klugheit des Verstandes, Anmuth des Benehmens, Ueberfluß der zeitlichen Güter, Neigung zur Frömmigkeit, wie auch wegen anderer, sowohl zeitlicher als geistiger, Güter and Gaben an sich selbst ein Wohlgefallen haben, und solche Gott nicht zuschreiben. Gutes thun, um den Menschen zu gefallen, ihre Gunst und Gnade zu erwerben. ( Die Anfechtungen wider die Glaubenswahrheiten and wider die Barmherzigkeit Gottes soll eine gottesürchtige Jungfrau vielmehr verachten als fürchten, weil ie augenscheinlich vom Geiste des Bösen, nicht von hrem Willen, herrühren; doch ist es rathsam, daß sie Solches dem Beichtvater eröffne, und dessen Rath refolge.) 151 Erste Beichtandacht. Sünden wider Vorgesetzte. U End zwar wider Vater und Mutter, wider weltliche und geistliche Vorgesetzte. Den Eltern nicht gehorchen und andern Vorgesetzten, ihre guten Ermahnungen mit Unwillen annehmen, denselben widerstehen, Kreuz und Kummer durch sträfliches Verhalten verurfachen, sie betrüben, mit rauhen Worten anfahren. Ihnen Böses wünschen, ihre Fehler und Schwachheiten aufrecken, ihnen mit verächtlichen Schmähworten begegnen. Ihnen in der Noth nicht beispringen, sie verlassen, wegen ihrer Schwachheiten auslachen, sich ihrer schämen, wenn sie arm und verachtet sind. Wider ihren Willen etwas aus dem Hause geben, entfremden, verderben. Sünden der Mägde und Dienstboten. W as die Töchter wider die Eltern, das können die Mägde und Bediente auch wider die Herrschaft begeben; indem die Herrschaften statt der Eltern den Mägden vorgesetzt sind. Neben den oben genannten Sünden der Töchter, können die Mägde sich noch in folgenden Stücken versündigen: In der Dienstbarkeit faul und träge sehn, die Herrschaft verschreien, zwischen denselben durch Ohrenbläserei oder unbehutsames Schwätzen und ehrenrührisches Gespräch, Verdruß und Uneinigkeit anspinnen, oder durch freche Geberden und arglistige Freundlichkeit mit dem Herrn, zwischen der Frau und ihrem Manne Eifersucht veranlassen. Was der Herrschaft zugehört, verschenken, verderben, zu Grunde gehen lassen, oder zu eigenem Genusse verwenden. Naschhaftigkeit, Fraß und Völlerei, wie auch zu große Freundlichkeit mit den Bedienten oder Knechten, geben einer Dienstmagd große Gelegenheit zum Diebstahl. 152 Erste Beichtandacht. Sünden wider den nächsten. n Gedanken: Sich über Andere erheben, selbe bei sich selbst verachten, ihr Thun und Lassen übel auslegen, das Böse leichtsinnig glauben, chne gründliche Ursache einen bösen Argwohn fassen. Seinem Nächsten Böses wünschen, über sein Unglück sich freuen, ihm solches gönnen; sich betrüben, wenn es ihm wohlergehet; mißgünstig sehn und ihn hassen; gesonnen seyn, ihm zu schaden; wider ihn einen freiwilligen Groll im Herzen tragen. In Worten: Seinen Nächsten schelten; ihm mit rauhen Schmähworten begegnen; ihm seine heimlichen oder bekannten Fehler vorwerfen. Hinter seinem Rücken von ihm Böses reden, seine Tugenden verkleinern, seine Fehler vergrößern; sein Thun und Lassen tadeln, übel auslegen, es mag nun aus Hoffart, Eifersucht, Mißgunſt, Rachgier oder unbehutsamer Geschwätzigkeit geschehen. Ohrenblasen, das heißt nämlich: einer Person eröffnen, was eine andere wider sie geredet oder gethan habe, oder zu thun gesonnen sei, wodurch gewöhnlich große Feindschaft und Erbitterung der Gemücher vers ursacht wird. Diese Sünde ist ein Greuel vor den Augen Gottes, ob es nun aus Unbet, utsamkeit, Haß, oder aus Vorsatz, eine Uneinigkeit anzuspinnen, geschehen sei. ( Bedenke, daß die Sünden, wodurch die Ehre und der gute Name des Nächsten verletzet, oder der Friede gebrochen wird, nicht nachgelassen werden, es sei denn, daß man nach Möglichkeit die Ehre und den durch ihre Verletzung verursachten Scharen ersetze, und den Nächften, wenn ihm die Sache zu Chren gekommen ist, um Verzeihung bitte.) Es ist erlaubt, eine Person zu warnen, daß man dieß oder jenes von ihr geredet habe, oder zu thun gesonnen sei, wenn man vernünftiger Weise muthmaßt, Erste Beichtaudacht. 153 daß sie sich bessern, oder einem bevorstehenden Uebel entgehen werde. Doch soll man jene Person nicht nennen, die dieß geredet hat, oder zu thun gesonnen ist In dergleichen Fällen bitte einen klugen Beichtvater um Rath. Es ist auch erlaubt, und zuweilen sogar Pflicht, aus christlicher Liebe nicht aber aus Haß, Neid oder Nache, einen Fehler oder eine schwere Sünde des Nächsten demjenigen zu entdecken, der helfen kann, und seines Amtes halber es zu thun verpflichtet ist, zum Beiſpiel: die Eltern, die Herrschaft, ein Pfarrer, ein guter Freund, u. s. w. Aber auch hierüber bitte deinen Beichtvater im vorkommenden Falle um Rath. Im Thun und lassen: Seinen Nächsten beschädigen am Leibe, an seiner Gesundheit, oder an seinen Gütern durch Diebstahl, Betrug u. f. w., ihm an der Seele schaden durch gegebenes Aergerniß, mit frechen Geberden und schamlosem Gespräche, durch Küssen und Antasten, durch zu große Freundlichkeit, unehrbare Entblößung 2c. Andere dergleichen Ausgelassenheiten werden hier, wegen der keuschen Jungfrauen, welche sich darüber ärgern, oder böse Gedanken fassen könnten, gar nicht genannt. Wehe den Mädchen, die in dergleichen Sachen andere zum Falle bringen! sich zu, daß du solche Sünden aus böser Schamhaftigkeit im Beichtstuýle nicht verschweigest. Gefühllosigkeit gegen die Armen, Versäumung der Pflichten und Obliegenheiten des Standes und Berufes. Sünden soider sich selbst. den Leib verzärteln, mit unmäßigem Schlafen, Spazierengchen, Rennen nach Vergnügungen, Tanzen, Schwätzen u. j. f., die Zeit töbten. Erste Beichtandacht. Naschhaft seyn, stets essen und trinken außer der, Zeit, oder mit vielen Speisen den Magen überladen und der Gesundheit schaden. 154 Dem unmäßigen Zorne, der ausgelassenen Freude, oder zu großer Traurigkeit sich ergeben, die Unwahrheit reden. Unreine Gedanken freiwillig nähren, bösen Begierden nicht widerstreben, in sie einwilligen, oder durch eine freiwillige That oder gesuchte Gelegenheit dazu Anlaß geben, zum Beispiel: durch den Vorwitz der Augen, durch schnöde Lustbarkeiten, Gemeinschaft und Freundlichkeit mit Männern; die Jungfrauen, welche oft zum Tanze gehen, haben gewöhnlich vieler Sachen sich anzuflagen. Andere Sünden des Fleisches, sowohl heimliche als öffentliche, die durch die That geschehen, sind hier, nach der Lehre des Apostels, nicht zu benennen. Du aber, e christliche Jungfrau! um dich vor so abscheulichen Sünden zu bewahren, vergiß niemals der jungfräulichen Zucht und Schamhaftigkeit, und lebe in deinem Leibe, als wenn du keinen Leib hättest. Fürchte dich vor deinem Leibe, als vor dem gefährlichsten Feinde, und wandle in aller Ehrbarkeit; bedenke, daß Gott und dein heiliger Schutzengel zugegen ist. Und wenn du in dieser Sache dein Gewissen beschweret findest, oder auch wider deinen Willen etwas gelitten hast, so erklär' es offenherzig deinem Beichtvater. Glaube nicht gewissenlosen Menschen, die von einer fünthaften Liebe verblendet zu dir sagen: dieß oder jenes sei keine Sünde. Die Arbeit, das Gebet und der wiederholte Gebrauch der heiligen Beicht sind die frästigsten Mittel, dieses Laster zu meiden. Du kannst auch die sieben Haupt- oder Todsünden und die fremden Sünden durchgehen, wenn du eine kindliche Beicht zu verrichten hast. 155 Erste Beichtandacht. Kräftige Beweggründe, um eine vollkommene Reue und Leid vor der Beicht zu erwecken. ütigster Jesu! hier liege ich wieder zu deinen Füssen als eine ungetreue Sünderin, und flehe zu dir um Gnade und Barmherzigkeit. Ach warum, mein Gott und Alles, warum hab' ich dich wieder beleidiget? Warum hab' ich dich nicht geliebt, wie ich es dir versprochen habe? Du bist der Wahre und Getreue, der du mich bis in den Tod geliebt hast, und ich bin so treulos und untankbar, daß ich eines armseligen Vergnügens wegen dich beleitigen fonnte, von welchem doch nur ein böses Gewissen übrig bleibt! Ich schäme mich, meinen Diund vor dir auszuthen. Aber wem sonst, als dir, o Vater der Liebe und Varmherzigkeit! will ich mein Elend flagen? Denn obwohl ich wider dich gefündiget habe, so bin ich dennoch deine Tochter, die du ungeachtet ihrer Untreue liebest, und für die du auf die Welt gekommen bist. Ich weiß wohl, daß du nicht meine Unwürdigkeit, sondern nur die Milde deines Herzens erwägest, indem du mir meine Schwachheit verzeihest. Ich bin ein irrendes Schäflein, und ich weiß keinen bessern Hirten, als du bist, mein Gott und Erlöser! Ein guter Hirt aber laufet nach dem verlornen Schäflein; er rufet ihm, er freuet sich, wenn er es gefunden hat, er nimmt es auf seine Schultern. Du selbst, mein Herr, hast dich diesem guten Hirten verglichen. Es liegt ja nur an dir, daß du auch mir diese Güte erzeigeſt. Du darfst nur rufen, mein gütigster Jesu! du darfst nur deine Stimme mich hören lassen; du darfst mich nicht auf deine Schultern nehmen, und tragen; zeige mir nur den Oelzweig des Friedens, und ich will dir nachlaufen, wo du mich immer wirst hinführen. Ach mein Jesu! nicht die Strafe, die ich verdient, habe, sondern nur das betrübt mich, daß ich deine Liebe verachtet habe. Strafe mich, wie du willst, aber nur von 156 Erste Beichtandacht. deiner Gnade schließ mich nicht aus. Laß meine Feinde zu Schanden werden, die mich von dir entfernen wollen Wo will ich hingehen, wenn du mich verläsfest, o du ewiges Leben, ohne welches meine Seele tobt ist? Gib, daß ich künftig meinen Vorsatz besser halte; denn auch dieß muß ich von deiner Güte erwarten. Und sollte ich auch wieder treulos werden an meinem Versprechen, ( du weißt, wie schwach ich bin), so will ich doch nicht verzagen, sondern zu dir wieder um Gnade und Barmherzigkeit flehen. Denn du bist der große und wunderbare Gott, dessen Liebe und Milkseligkeit nicht zu ermessen ist. Gib, daß ich meine Sünden mit aufrichtigem und zerknirschtem Herzen beichte! Gebet nach der Beicht. M ein liebster Jesu! du bist immer mild und barmherzig gegen jene, die auf dich hoffen, damit alle Gerechten dich leben, und alle Sünder sich zu die bes tehren, und bei dir die wahre Ruhe und Glückseligkeit des Herzens finden, die die Welt nicht geben kann. Ich weiß zwar nicht, ob dir meine armselige Neue und Leid, mein schwaches Vorhaben, und meine mangelhafte Beicht gefallen. Aber ich weiß, daß deine Milde über alle Maßen groß ist, und dieß tröstet mich in der Angst und Ungewißheit, worin ich schwebe; deine so oft schon mir bewiesene Liebe muntert mich auf in meiner Zerschlagenheit. Billig trage ich die Strafe meiaer Undankbarkeit, und verlange von dir keinen anderen Trost, als der mir nothwendig ist, um mein gefaßtes Vorhaben auszuführen. Die traurige Erfahrung hat mich schon so oft gelehret, nicht auf meine Kräfte zu bauen, sondern deine Erste Beichtandacht. 157 Hülfe und Gnade anzurufen. Der Blick deiner Augen, ein Wort, das du mir zum Herzen redest, ist mir viel erwünschter, als der höchste Eifer, welchen eine geringe Versuchung und Beschwerde wieder auslöscht. Blick mich an, wie du Petrum im Vorhofe, wie du Magdalena bei der Mahlzeit, und den büßenden Schächer am Kreuze angeblickt hast,- und mein Herz wird dich lieben! Prüfe mein Herz, o du mein Heiland! und frage mich, wie du Petrum gefragt haft: ,, Ob ich dich liebe?" und ich will dir antworten: Ja, mein Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe Und wenn du siehst, daß mein Herz mit dem Munde nicht übereinstimmt, so kannst bu es ja bekehren. Wie hast du es gemacht mit so vielen anserlesenen Seelen, die dich beleidiget, und nachmals geliebt haben? Du hast nur ein Wort geredet, und ihre Seele ist gesund geworden. Sieh mich an und erbarme dich meiner, wie du dich ihrer erbarmet hast! Wenn du nur willst, so werde ich mit der büßenden Magdalena zu deinen Füßen sitzen, dieselben küssen, und mit meinen Thränen benetzen. Mit ihr werde ich meinen Eitelkeiten entsagen, mein Fleisch bezähmen, die Lüste der Welt mit Füßen treten, und wenig achten, was sie von meiner Bekehrung denken oder reden wird. Dir, o mein Gott! schenk' ich mein Herz, dir übergeb' ich es. Alles, was du nicht bist, und was meiner Liebe zu dir nicht tienen kann, sei mir gleichgültig; was dir nicht wohlgefällig und angenehm ist, überlasse ich denen, die dich nicht lieben, oder die dich nur ein wenig lieben. Ich aber, mein einziger Schatz und Reichthum, will dich lieben über Alles. Erste Beichtandacht. Wenn ich meine Schwachheit ansehe, so hab' ich zwar ein Mißtrauen auf mein Vorhaben; wenn ich aber meine Gedanken zu dir kehre, o du meine Hoffnung und meine Liebe! so sehe ich, daß mir Alles möglich ist. Barum sollte ich durch meine Gnade nicht thun können, was so viele heilige Jungfrauen durch dich gethan haben? Du hast sie in ihrer Eitelkeit erleuchtet, du hast ihnen gezeigt deine unaussprechliche Schönheit, du hast sie mit deiner Liebe entzündet. 158 Deine Macht ist nicht geschwächt, deine Güte iſt nicht erschöpft worden. Was du gestern warst, mein Jesu! das bist du noch heute, und das wirst du seyn durch die ganze Ewigkeit. Verlaß mich also nicht, o mein Heil und meine Zuversicht! Und wenn ich wieder falle, so komm mir wieder zu Hülfe, und tröste mein. betrübtes Herz. Die Zeit wird kommen, da ich dich nimmermehr beleidigen, sondern immer lieben werde. Allerheiligste Jungfrau! die du niemals der Buße nöthig hattest, weil du niemals gesündiget hast, du bist nach Gott die einzige Zuflucht und Hoffnung der Sünder. Ich bin die Sünderin, und du, o gnadenreiche Mutter! bist meine Mittlerin und Fürsprecherin: daß ich durch deine Fürbitte mein Leben bessere. 665289 - @garrrol 3weite Beichtandacht. Anrufung des heiligen Geistes. 159 öttlicher Geist! Geist der Wahrheit und der Liebe! Vater des Lichtes! Zu Dir flehe ich, zv Dir rufe ich aus dem Abgrunde meines Nichts, und bitte Dich durch Deine Güte, Du wollest mich erleuchten, und mich gleichsam alle Falten meines Herzens so durchschauen lassen, daß ich mich erkenne, wie ich von Dir erkannt bin; daß ich wisse, was und wie ich vor Deinen Augen gesündiget habe. O Du Durchforscher der Herzen und Nieren! zeige mir, was ich Böses gethan habe, und bringe mit Deinem götflichen Lichte in das Innerste meiner Seele ein. Mein Gott! erleuchte mich. Kurze Gewissenserforschung. I. In Beziehung auf Gott. Ob und wie du dich verfündigt habest mit Unterlassung oder Nachläßigkeit in Uebungen und Pflichten der Andacht.... Mit Unehrerbietigkeit in der Kirche.... Mit freiwilliger Nachläßigkeit oder Zerstreuung im Beten.... Mit ehrfurchtsloser und eitler Aussprechung des göttlichen Namens, etwa gar mit Murren und Sakramentiren. II. In Beziehung auf den Nächsten. Ob und wie du dich vergangen habeft mit freventlichem Argwohu und Urtheile.... Mit Verachtung, Haß, Neid, Rachbegierde, Klage, unmäßiger Ereiferung, Fluchen und Böswünschen.... Mit Unbilden, Verläumtungen, Uebelaachreden, da man die wahren Fehler des Andern ohne Noth entdeckt.... Mit Beschädigung an Ehre oder Gütern, bösen Beispielen und Reden, und Gesängen, Mit Ungesie unschuldigen Herzen zu verführen.. Jorsam, Reizung zum Zorne u. f. w. besonders durch sie Folgen deiner Sünden. Zweite Beichtandacht. III. In Beziehung auf dich selbst. Ob und wie du dich verfündiget habest mit Stolz und Eitelkeit.... Mit Lügen und Schmeicheleien.... Mit Gedanken, Begierden, Worten, Thaten gegen die Reinigkeit... Mit Unmäßigkeit, Zorn, Ungeduld, Müssiggang und Mißbrauch der edlen Zeit.... Mit eitlen, unnützen und fehlerhaften Worten.... Mit Trägheit oder schlechtem Betragen in Erfüllung der Pflichten deines dermaligen Standes und Berufes, u. s. w. 160 Seufzer um die Gabe der Bußithränen. D Gott, der Du dem Petrus die Gnade schenktest, bitterlich über seine Sünden zu weinen: barmherziger Bater! Du einzige Zuflucht der Sünder! bewege und zerknirsche mein Herz, daß es in Ansehung so vieler vor Dir und gegen Dich begangenen Sünden wahre Reue fühle. Schlag' auf diesen Felsen, und erweiche durch die Macht Deiner barmherzigsten Liebe seine Härte. Mache mein Herz empfänglich für Deine Gnade und auf Deine unendliche Güte aufmerksam, daß ich in Beherzigung derselben bitterlich weine, und meine Sünden eben so verabscheue, wie sie Dir mißfallen.... Mein Gott, meine Barmherzigkeit! gib mir die Gabe der Thränen, und mache, daß mein Herz vor Reue und Leid wahrhaft traure... Wie mein Jesu! es ist Dir, der Du für Deine Kreuziger aus Liebe starbst, möglich, daß Du mir die Gnade versagest, meine Sünden, wegen deren Du den Tod erduldetest, herzlich zu beweinen?.. Erbarme Dich meiner, und gib mir die Gabe der Thränen; gib mir bitterste Zerknirschung des Herzens, die meine Seele so aufrichtig verlangt und wünscht... Wegen der Ehre Deines Namens, durch die Verdienſte Zweite Beichtandacht. 161 Jesu, und die Fürbitte aller Derjenigen, welche Dir als Unschuldige oder als Büßer gedient haben, gib mir doch die Gnade, daß ich alle meine Sünden wegen Deiner herzlich beweine... Alle heiligen Büßer, bittet für mich. – Anleitung zur Neue und Leid. W. o kein Feuer ist, muß Stahl und Stein gebraucht werden. Bist du nicht zerknirscht: mache, daß du zerknirscht werdest. Die Erwägung ewiger Wahrheiten, die Gott geoffenbaret hat, bringt das Herz durch die Gnade des heiligen Geistes zur Rührung. Denke, sagt der heilige Bernhard, an deinen Erschaffer, der dich vor tausend Andern nach Seinem Ebenbilde gemacht hat; und deines Schöpfers hast du vergessen?.. Denke an deinen Wohlthäter, der dir segar Seinen eigenen Sohn, und mit Diesem Alles gegeben hat. Was hat Er mehr thun können; und du hast das Gute mit Bösem vergolten?... Denke an deinen Vater, Der gesagt und wohl tausendmal dir bewiesen hat, daß Er deiner nicht vergesse, wenn schon die Mutter ihres Kindes vergißt. Niemand, Niemand ist so ein Bater; und diesen besten Vater hast du verlassen?.. Und warum.. mit welchem Erfolge?.. Was hast du durch die Sünde gewonnen?.. Schaue den Himmel an.. und steige mit deinen Gedanken in jenen Ort der Peinen; überlege, wie schrecklich es sei, in die Hände bes lebendigen Gottes zu fallen... Ach! was hast du verloren, und was hast du dir zugezogen?.. Wirf einen Blick auf Deinen Jesus. Was hattest du für eine Urfache, so undankbar gegen 3hu dich zu betragen? Titt dann hin vor das Bild des Gekreuzigten, betrachte Ihn, deinen Heiland, wie Er da litt und starb, auch für dich, und sprich mit Inbrunst der Empfincung: Ach, mein Jesus, wie gut meinst Du es mit mir! Und- ooch wie bös ist mein Verhalten gegen Dich!.. Haft Jungfrauenbuch II. Theil. 11 162 Zweite Beichtandacht. du auf solche Betrachtungen wenigst ne Zeit ernstlich verwendet: so wird sich dir wie von selbst auch der Gedanke aufbringen, daß Gott doch unendlich gut, daß Er die Liebe selbst seyn müsse, ta Er, deines Undankes ungeachtet, gegen dich immer so viele Erbarmung und Liebe erwiesen hat. Dies muß dich aber auch antreiben, deine Sünden nicht mehr blos wegen einer Strafe, die du befürchtest, oder wegen einer Gutthat, die du hoffst, sondern einzig nur darum zu bereuen, weil ein so liebevoller Gott, der jede Sünde nothwendig hassen, und die Tugend nothwendig lieben muß, es wegen Seiner Selbst verdient, daß man Ihn liebe, und Seine Beleidigung herzlich bereue. Bete, beherzige das, und zeige, daß es dir Ernst ist. So wird's an wahrem Bußeifer nicht mangeln. Uebung der Reue und Leid. D Gott! der Du wegen meiner Deinen eigenen Sohn nicht verschonet, und mir überdies so viel gethan hast, daß Du nicht mehr thun könntest... Unendlich liebender und liebenswürdigster Gott! ich erkenne und bekenne, daß ich Böses vor dir gethan, daß ich Deinem anbetungswürdigsten Willen zuwider gehandelt, daß ich wider den Himmel und wider Dich gesündigt habe. Es schmerzet mich, daß ich Dich, meinen höchsten Herrn und Gott verlassen habe, in Dessen strafende Hände fallen so schrecklich ist.. Es schmerzet mich, daß ich meines Schöpfers vergessen habe, und daß ich von Dir, meinem Seligmacher, auf's schändlichste abgewichen bin. Was hast Du mir gethan, daß ich so gegen Dich handeln wollte?... Es schmerzet mich, daß ich Deinen heiligen Geist betrübt, und Deine unendliche Majestät durch meine Sünden entehrt habe. ... Zweite Beichtandacht. 163 O daß ich Dich, meinen liebsten Gott und meinen besten Vater niemals betrübt und beleidigt hätte! O daß ich niemals gesündiget, nie Böses gedacht oder gewünscht, nie Böses geredet oder gethan, nie meine Pflichten verabsäumt, oder sonst Dich beleidigt hätte! Ich verabscheue von ganzem Herzen, aus ganzer Seele alle meine Sünden ohne Ausnahme. Ich hasse und verfluche sie, die Sünde, so wie alle Liebe und Neigung zu derselben, und nehme mir mit Deiner Gnade träftig vor, alle Sünden, besonders diese N., welche ich am öftesten begangen habe, wie auch alle Gelegenheit zur Sünde, nach allen Kräften zu fliehen, und alle Mittel anzuwenden, um sie ins künftige vermeiden zu können. Herr! Der Du in uns, nicht wegen unserer Verdienste, sondern nur aus Gnade, das Vollziehen eines guten Werkes, und selbst das Wollen, oder den ersten Vorsatz dazu wirkest: gib mir Deine Gnade zur Vollziehung meines Vorsatzes. Darum flehe ich zu Deiner Barmherzigkeit, durch die unendlichen Verdienste Jeſu Christi, durch alle Tugenden Seiner heiligsten Mutter, und durch alle Bußübungen aller Heiligen. w. Ein zerknirschtes und reuevolles Herz R. Wirst Du, o Gott! nicht verachten. Gebet. O Gott! der Du Deine Allmacht hauptsächlich dadurch offenbarest, daß Du Dich der Sünder erbarmeſt und ihrer schonest: laß mir die Wirkung Deiner Barmherzigkeit angedeihen, und sich auf mich, wie Du auf Deinen eingebornen Sohn dort im Garten Gethsemani einen Blick Deines liebevollen Baterauges geworfen haſt, als Er an dem Delberge in bitterster Zerknirschung 11* 164 Zweite Beichtandacht. des Herzens gebetet, und Seinen Geist wegen meiner Sünden so tief gedemüthiget hat. Ich stelle Dir dieses unendliche Versöhnopfer dar, und bitte Dich durch dasfelbe, Du wollest Dich über meine arme Seele erbarmen, und mir alle meine Sünden aus Gnade verzeihen. Durch denselben Christum, unsern Herrn. Amen. Unmittelbar vor der Beicht. Ich will mich aufmachen, und zu meinem Vater gehen. O barmherziger Gott! der Du alle Sünder zur Buße einladest, und sie voll Liebe aufnimmst, wenn sie sich aufrichtig zu Dir wenden: wohin anders soll ich fündiger Mensch fliehen, als zu Dir, der Du getreu und gerecht bist, daß Du uns die Sünden vergibst, und uns von aller Ungerechtigkeit reinigest, wenn wir dieſelben mit reuevollem Herzen bekennen? Sieh'! weil ich fest glaube, daß Du in Deiner Kirche die Gewalt eingesetzt haft, die Sünden nachzulassen, und weil ich von Deiner Güte hoffe, Du werdest mir Alles, was ich wider Dich begangen habe, aus Gnade verzeihen, und mich mit Dir auf's neue vereinigen; aus herzlichem Verlangen, jene Unbild, die ich Dir durch die Sünde zugefügt, zu ersetzen, und zwar besonders durch die Demuth, womit ich zu den Füßen des Priesters das beschämende Bekenntniß meiner Sünden ablegen werde, und die Bereitwilligkeit, jede Buße anzunehmen; damit mein Herz von seiner Unreinigkeit wieder gewaschen, und fähig werde, Tugend zu üben, an Gnade und Verdiensten zu wachsen, auf daß ich so der Gnadenwirtungen des von meinem göttlichen Erlöser vergoffenen Zweeiite Bchtandacht. 165 Blutes und der Kraft Seiner heiligen Sakramente in vollem Maaße theilhaftig, Dir wohlgefällig werde, und im Stande sei, Dir alle jene Liebe und Verehrung zu bezeigen, deren Du würdig bist. Sieh', o Gott! nur aus Liebe zu Dir will ich armer fündiger Mensch mich zu den Füßen Deines Dieners demüthig werfen, und vielmehr Dir als ihm meine Missethat bekennen. Ach, Gott! Den ich als den unsichtbaren, in Deinem Diener verborgenen Ausspender Deiner Gnade anflehe: nimm diese Beicht zur Ehre Deines Namens und zum Heile meiner Seele in jener Liebe auf, womit Du die Buße der Sünderin Magdalena und des Betrus aufgenommen hast, und laß über mich ein Urtheil der Güte und Barmherzigkeit ergehen. Gott der Liebe, and Gott alles Trostes! laß meine Hoffnung nicht vergebens seyn, erfülle mein Verlangen und flöße meiner Seele gnädigst Gesinnungen der Demuth und der Reue ein, und gib mir Eifer und Stärke, damit ich meine auch geheimsten Fehler dem Priester offenbare, meinen Stolz erniedrige, und recht und vollkommen beichten möge. Beichtformel. Ich danke, Euer Hochwürden! für den empfangenen Segen, und bitte Gott um die Gnade, meine Sünden ordentlich, aufrichtig und demüthig beichten zu können. Im Geiste der Demuth, und mit zerknirschtem Herzen, aus vollkommenster Liebe gegen die unendlich liebenswürdigste, von mir aber, leider! so oft beleidigte Zweite Beichtandacht. Majestät Gottes klage ich mich der Sünden wegen an, die ich von letzter Beicht her begangen habe, welche ge. schehen ist: N. * Nenne die Zeit, da du das letztemal gebeichtet hast. Sodann bekenne deine Sünden, welche du mit Gedanken und Begierden, mit Worten und Werken, wider die Gebote Gottes und Seiner Kirche, wider deinen Nächsten, oder wider die Pflichten deines Standes begangen hast. Beichte ordentlich. Verschweige nichts, sonst macht dir nur dein Gewissen Vorwürfe, und am allgemeinen Gerichtstage wird Gott zu deiner Schande vor der ganzen Welt bekannt machen, worüber du dich vor dem Priester insgeheim anzuflagen dich geschämt hast. Ueberwinde dich also; es ist ja doch besser, aufrichtig seine Sünden beichten, als wegen derselben einmal ewig verloren gehen. Freue dich, wenn du noch Zeit und Gnade findest, dich vor einem Priester Jesu Christi demüthigen zu können. Auf die Verdemüthigung folgt Ruhe des Herzens und Erhöhung. Wer in seinen Augen klein ist, der wird in den Augen Gottes und der Menschen groß. Niemanden schätzt man mehr, als Diejenigen, die um Christi und der Tugend willen von Herzen demüthig sind. Glaube mir, und beichte demüthig. 166 - Beschluß der Beicht. En diese Beicht schließe ich ein auch alle andere, wissentliche und unwissentliche, sowohl gebeichtete als nie gebeichtete Sünden, die mir vom Grunde meines Herzens leid sind, und bis in den Tod leid sehn werden, weil ch dadurch meinen unendlich heiligen und gütigen Gott, en ich über Alles liebe, und ewig zu lieben verlange, beleidiget habe. Ich habe den ernstlichen, kräftigen Vorit, alle Sünden aufrichtig zu hassen, und alle Neigung 167 Zweite Beichtandacht. zu denselben abzulegen. Ich bitte, Euer Hochwürden! um eine heilsame Buße und um die Lossprechung. * Wer öfter beichtet, und von der letzten Beicht her fich keiner gewißen läßlichen Sünde schuldig weiß, soll eine Sünde des vorigen Lebens nennen und einschließen, oder eine Sünde, der man schon öfter unterlegen ist, oder in welche zu fallen die Gelegenheit oder Gefahr am größten ist. Dieß Alles soll geschehen, damit der Vorsatz eher von Herzen geht, der bei jeder Beicht unter einer Todsünde erfordert wird, weil er mit der Reue und Leid einen wesentlichen Theil ausmacht, ohne welchen jede Beicht ungiltig wäre. Auch muß der Vorsatz, wie die Reue, allgemein seyn, und sich wenigstens auf alle Todsünden erstrecken! Seufzer, während die Lossprechung ertheilt wird. D mein Gott! es reuen mich noch einmal alle und jede Sünden, und sie werden mich alle Tage meines Lebens innigst und über Alles reuen: und zwar nur aus Liebe zu Dir, o mein Gott, und mein Alles! Ach! dir zu Lieb', weil Du immer und ewig das höchste Gut bist, in dem alles Gute, und ohne das kein wahres Gut ist. * So seufzen ist besser, als am Rosenkranz beten. Gewöhne dich an solche Andachten von Jugend auf, recht gepflegt ziemen sie jedem Alter, und nüßen für alle Beiten. Folge dieser Erinnerung, es wird dich ewig nicht reuen. Nach der Beicht. err! Du hast die Bande zerrissen, die meine Seele gefesselt hielten, und in ewiger Erbarmung warst Du meiner eingebent. Ach! Dein Auge sah mich gnäoig an, und durch Verzeihung meiner Sünden wolltest 169 Zweite Beichtandacht. Du die Reichthümer Deiner Güte an mir offenbaren. Denn wie ein liebevoller Vater voll des Mitleidens und der Zärtlichkeit gegen seine Kinder ist, so erbarmtest Du Dich über meine arme Seele, und heiltest alle ihre Schwachheiten. Barmherzigster! der Du meiner verschonet, und mich durch das Blut Deines Sohnes mit Dir schon so oft ausgeföhnet hast, weil Du so gut, weil Du immer und ewig barmherzig bist: gütigster Gott! ich danke Dir und benedeie Dich unendlich, daß Du mit mir nicht nach meinen Sünden gehandelt, und mich nicht nach der Größe meiner Missethaten bestraft, noch nach der Strenge Deiner Gerechtigkeit gänzlich verworfen, sondern mir meine Sünden verziehen, und langmüthig zugesehen haſt, um an mir zu zeigen, daß Du huldreich bist, und daß fich Dein Erbarmen über alle Deine Werke erstreckt. Herr! sei gepriesen in Ewigkeit, daß Du mit mir nach Deiner Barmherzigkeit gethan hast. Alle Heiligen, die mit mir Deine große Güte erfahren haben, sollen Dich ebenfalls preisen, und Deinen heiligen Namen unaufhörlich loben, wegen der unbegreiflichen Liebe Deines eingebornen Sohnes, der dieses heilige Sakrament zum Troste aller armen Sünder eingesetzt hat. Ihm, der mit Dir lebt und regieret als Gott, sei Lob, Ehre und Danksagung in ewige Zeiten. Amen. Bor Entrichtung der auferlegten Buße. 11 Gott! der Du burch die Sünde beleidiget, und durch die Buße versöhnet wirst: könnte ich doch durch diese Bußverrichtung Deine Majestät so unendlich Zweite Beichtandacht. 169 verehren, wie ich sie durch meine Sünden entehrt und beleidiget habe; ich verlange dieses zu thun, und bitte um der unendlich großen Leiden Deines Sohnes willen, daß Du mich an der schmerzvollen Buße, welcher Er Sich meinetwegen unterzog, Theil nehmen lassen möchteft. Ewiger Vater! sich auf Sein Herz, welches an dem Delberge in die qualvollste Trauer versenket war; in Vereinigung mit der von Ihm geleisteten unendlichen Genugthuung, opfere ich durch die Hände Mariä, der neben dem Kreuze ihres göttlichen Sohnes stehenden bedrängtesten Mutter, meine Buße so reuevoll auf, als ich immer fann, und bitte Dich, daß der unendliche Reichthum der Verdienste, und die unermeßliche Liebe Jesu Christi ersetzen möge, was meiner Genugthuung abgeht, daß sie den Forderungen Deiner ewigen und allmächtigen Gerechtigkeit angemessen sei. Nach Verrichtung der Buße. 13 eiligster Bater! in Vereinigung aller Bußwerke, die jemals für die Ehre Deines Namens verrichtet worden sind, opfere ich Dir diese meine Beicht und Genugthuung auf; würdige Dich, sie durch die Verdienste des Leidens Deines vielgeliebten Sohnes, und durch die Fürbitte der seligsten Jungfrau Maria, wie auch aller heiligen Apostel, Martyrer, Bekenner und Jungfrauen, mir zum Heile ersprießlich, und Deinen Augen angenehm zu machen. Was immer der Vorbereitung an Inbrunst und Andacht, der Reue und Leid an Zerknirschung, der Beicht aber selbst an genauer und klarer Anklage mangelte, dieß Alles empfehle ich den heiligsten Herzen Deines eingebornen Sohnes, da 170 Zweite Beichtandacht. mit durch den Ueberfluß der Liebe und Verdienste desselben alle meine Mängel und Nachläßigkeiten, die ich beim Empfang dieses Sakramentes begangen habe, zu Deinem ewigen Lobe vollkommen ersetzt werden, Deine Gerechtigkeit vollkommen versöhnt, und mir Deine Huld und Gnade auf's neue wieder zu Theil werde. Durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Göttlicher Sohn, Christi Jesu! durch Dessen Gnade ich gesund geworden bin, erhalt' in mir immer das Andenken an Dein heiligstes Leiden und Sterben, wie auch an den hohen Werth meiner Seele, damit ich in dem Abschen der Sünde, und in Deiner Nachfolge immer zunehmen möge. Geist der Liebe! ich übergebe und schenke Dir mein Herz; mache, daß es künftig Nichts verlange, als Dich, Nichts liebe ohne Dich, und Nichts wolle, als was und wie Du willst. Nimm mich in Besitz, und bleib' der Gott meines Herzens, wegen der Ehre Deines Namens, und der Verdienste Mariä und aller lieben Heiligen, die für mich bitten und die Beharrlichkeit im Guten er bitten wollen, ohne die ich nicht selig werden kann. 171 II. Von der Kommunion der Jungfrauen. 153351 1. Die öftere Kommunion ist ein kräftiges Mittel, ein heiliges Leben zu führen. er Herr. Meine Tochter, du sorgest, daß dein Leib täglich gespeiset werde; ist deine Seele nicht vortrefflicher, als dein Leib? So sei denn vielmehr besorgt, daß du deine Seele speisest. Diese Speise aber ist mein Leib, der dir in der Communion wird dargereicht. Mein Fleisch ist eine wahre Speise, und mein Blut ist ein wahrer Trank. Wer von diesem Fleische ist, und von diesem Blute trinket, wird ewig leben. Ich bin das Brod des Lebens: wer von diesem Brode ist, wird in Ewigkeit nicht sterben. Joh. 6, 51 ff. Die Jungfrau. O Herr! ich verlange zwar deiner zu gedenken, und an deinem Tische meinen Hunger zu stillen, und meinen Durst zu löschen alle Tage meiner Wanderschaft. Aber da ich deine unendliche Heiligkeit betrachte, sag' ich zu mir selbst: Wie darf ich unreines Geschöpf den allerheiligsten Gott so viele Male empfangen? Johannes, der Heiligste unter den Menschen, hielt sich für unwürdig, kniefällig deine Schuhriemen aufzulösen. Und Maria, der Spiegel der Reinigkeit, hatte nicht ihrem Verdienste, sondern deiner unendlichen Barmherzigkeit zugeschrieben, daß sie dich, o ewiges Wort, in ihrem jungfräulichen Leibe getragen; und ich armselige und unreine Sünderin sollte dich so vielmal empfangen! Wäre dieß nicht die größte Vermessenheit? Der Herr. Meine Tochter, in diesem Geheimnisse der Liebe sollst du vielmehr meine Güte, als beine Von der heiligen Kommunion. Unwürdigkeit erblicken. Wenn du nur bedenkest, daß ich dein Herr und bein Gott bin, so könntest du billig Bedenken tragen, öfter an meinem Tische zu erscheinen. Aber beruhige dich damit, daß ich auch dein Erlöser, bein getreuester Freund, dein Bruder bin und sehn will. Ein Kind fürchtet sich nicht, seinem Vater, den es lieb hat, in die Arme zu laufen; ein Freund ist gerne bei seinem Freunde; ein Kranker fürchtet nicht das Leben, sondern den Tod. Fürchte dich, mich zu beleidigen; diese Furcht ist gut und heilsam; aber fürchte dich nicht, zu mir zu kommen, der ic, dein Leben bin. Diese Furcht ist mir nicht angenehm, sie ist meiner Liebe entgegen. Ich labe dich ja ein, daß du zu mir kommest; ich verspreche dir das ewige Leben; ich biete dir an alle meine Schätze und Güter: wenn du aber diese meine freundliche Einladung verachtest, hast du nichts als den ewigen Tod zu erwarten. Du bist freilich nicht würdig, mich zu empfangen: aber wirst du dieser Gnade würdig werden, wenn du dich von der Quelle des Lebens entfernest? 172 Die Jungfrau. Je größer deine Liebe und Barmherzigkeit ist, o Heiland meiner Seele! desto abscheulicher sind meine Sünden, mit denen ich täglich dich beleidige; und wie dürfte ich dich so vielmal in einem unreinen und ungetreuen Herzen beherbergen? Würdest du nicht mein laues Gemüth verabscheuen, und ich selbst, würde ich nicht vielleicht anstatt des Lebens den Tod finden? Der Herr. Eben tarum sollst du mich öfters empfangen, der ich allein dein Herz von den Sünden reinigen, deine Schwachheiten heilen, deine Unruhe stillen, und dir Muth gegen deine Feinde geben kann. Du hast viel zu streiten, damit du den kostbaren Schatz der Jungfrauschaft nicht verlierest. Ich bin das Brod der Starfen, und der Wein, der die Jungfrauen macht. Von der heiligen Kommunion. 173 So oft du mich empfangest, vermehrest du in dir meine heiligmachende Gnade. Du vergrößerst die Liebe, die ich zu dir, die du zu mir trägst, und mit der Liebe vermehrt sich der Glanz der Krene, die auf dich wartet. Ich bin das Licht, das dich erleuchtet, und das Feuer, das dich entzündet. Wenn du dich von dem Lichte entfernest, so bleibst du in der Finsterniß, und wenn du das Feuer verachtest, wirst du lau und kalt werden. Durch diese göttliche Speise wirst du mit mir, und ich mit dir vereiniget. Und in dieser Vereinigung findest du wahre Glückseligkeit und Freude des Herzens. Die Jungfrau. Da du mich mit so großer Güte einladest, mein Gott und mein Leben, so will ich zu dir kommen, mein Erlöser! Heilige meinen Leib und meine Seele, damit du in mir und bei mir gerne wohnest, und damit ich in dir mein Leben finde. Der Herr. Je mehr du mich liebest, desto öfter sollst du zu mir kommen; wenn du mich aber nur wenig liebest, sollst du dennoch die Speise genießen, damit deine Liebe sich immer mehr und mehr entzünde. So laß denn diejenigen von dieser himmlischen Tafel sich entfernen, die in der Eitelkeit ihr Leben zubringen; du aber, so du mich lieben willst, sollst so vielmal mich empfangen, als ein geistreicher und eifriger Seelsorger dir es gestattet. Die Jungfrau. Lehre mich, mein göttlicher Lehrmeister, wie ich zu einer so großen Gnade mich vorbereiten soll. Der Herr. Bemühe dich, daß du mit möglichster Neinigkeit des Leibes und der Seele vor mir erscheinest; das ist Alles, was ich von dir verlange. 2. Die Reinigkeit des Leibes und der Seele ist für eine Jungfrau die belle Vorbereitung. er Herr. Meine Tochter! Da ich vom Himmel auf diese Welt herabgestiegen bin, hab' ich in 174 Von der heiligen Kommunion. dem Leibe der allerreinsten Jungfrau wollen empfangen werden. Da ich nun zu dir komme durch das heilige Sakrament des Altars, werde ich auf eine neue Weise in deinem Leibe empfangen. Bereite mir sohin eine reine Wohnung, der ich die Reinigkeit liebe, und unter den weißen Lilien weide. Indem ich zu dir komme, vereinige ich meinen Leib mit deinem Leibe: sich, wie rein und unbeflecket dein Leib seyn solle. Die Jungfrau. Ach mein Herr und Gott! die Reinigkeit eines Engels wäre nicht genug, um dich würdig zu empfangen. Ich aber, du weißt es, o mein Gott! bin in der Unreinigkeit empfangen und geboren. Wie viele unreine Gedanken und Begierden, wie viele Anmuthungen der sinnlichen Natur, wozu ich durch meine sträfliche Unbehutsamkeit Anlaß gab, haben meinen Leib des Schmuckes deiner Herrlichkeit beraubt! Und du, o gütigster Herr! fühlest keinen Abscheu, mit diesem armseligen Leibe dich zu vereinigen? Aber rede zu deiner Dienerin und lehre mich, wie ich mit reinem Leibe und reinem Herzen dich empfangen möge. dim Der Herr. Was wider deinen Willen geschieht, das soll dich zwar demüthigen, aber nicht kleinmüthig machen, wenn du dazu keinen Anlaß gibst, indem es dir nicht zur Sünde gerechnet wird. Allein du sollst große Sorge tragen, daß du deine Augen, deine Ohren, deine Zunge, und alle deine Sinne und Glieder des Leibes wohl bewahrest, und ihnen nichts gestattest, was der jungfräulichen Zucht und Schamhaftigkeit zuwider ist. Bezähme die Begierden deines Leibes durch die Arbeit, durch die Einsamkeit, durch die Mäßigkeit im Effen und Trinken; meide den Müßiggang, wie auch die gefahrvollen Lustbarkeiten der Weltfinder, bei denen die Keuschheit wenig sicher ist; bleibe weg von der Gesellschaft derer, die nicht deines Geschlechtes sind. Widerstehe gleich im Aufange allen bösen Gedanken und Begierden. Liebe das Gebet, und sei demüthig und Von der heiligen Kommunion. 175 behutsam; dadurch wirst du die Reinigkeit des Leibes unversehrt erhalten, und durch die öftere Empfangung meines Leibes wird die Liebe der Keuschheit immer mehr und mehr in dir gestärket werden. Neben einem reinen Leibe sollst du auch mit reinem Gewissen zu meinem Tische hinzugehen. Wehe denen, die mich in bewußten schweren Sünden empfangen, die mit dem Ursprunge des Lebens ihr Gericht und ihre Verdammniß essen! Auch vor den läßlichen Sünden sollst du dich mit allem Fleiße hüten, damit du nicht in die Lauigkeit gerathest, die mir zuwider ist und die Wirkun gen dieses Himmelsbrodes verhindert. Wenn du aber nicht nur die läßlichen Sünden meidest, sondern auch alle irdischen Begierden und weltlichen Anmuthungen von dir legest, und wider dieselben täglich ftreitest, dann wirst du die wunderbarliche Kraft meiner leiblichen Gegenwart fühlen; dann wird mein Geist, der da gerne in reinen Herzen wohnet, deinen Glauben erfeuchten, deine Hoffnung stärken, deine Liebe entzünden, und alle heiligen Tugenden in dir erwecken, und alle Schätze der Gnade in dir ausgießen. Die Jungfrau. Was kann ich anders sagen, wunderbarer Gott! als daß du selbst meinen Leib und meine Seele reinigest. Beide schenke und übergebe ich bir, daß keine andere Liebe, als die deinige, in ihnen herrsche. Veselige mich mit dem Ueberflusse deiner Milde, die denen bekannt ist, die dich lieben, o Gott der Liebe! 176 Erste Kommunionandacht. gebete vor der heiligen Kommunion. ( Aus der Nachfolgung Christi. 1.4. c. 13.) Jesu, du Gott der Liebe! Wann werde ich dich einmal finden, dir mein Herz öffnen, und deiner genießen? Komm, mein Jesu, rede mit mir, und laß mich mit dir reden, wie ein Freund mit seinem Freunde, oder wie ein Kind mit seinem Vater spricht; denn nirgends kann ich einen getreueren Freund, noch einen besseren Vater finden, als dich. Rede mit mir; deine Worte allein können mich gesund machen, und meinen betrübten Geist erfreuen. \©% Qo2 6882 177 Wahrlich, du bist mein Geliebter und mein Auserwählter aus Tausenden, bei dem ich ewig zu wohnen verlange. Bei dir allein, mein Jesu, ist die wahre Freude und Ruhe des Herzens; außer dir aber ist lauter Eitelkeit, Betrübniß und unendliches Elend Wehe denen, die dich verlassen, mein geliebtester Jeſu! Wohin können sie gehen, diese armseligen Menschen; denn du allein hast die Worte des ewigen Lebens. Du bist wahrhaftig ein verborgener Gott und Heiland, der du den Glanz deiner Majestät unter der Geftalt meiner Sterblichkeit verborgen hast. Jetzt aber verbirgst du auch deine Menschheit, damit du mich speisest. So überschwenglio ist deine Liebe, so unerdenklich find die Wege deiner dermnis! Und ich liebe dich nicht, o meine Liebe! bin ich werty, daß mich die Erde trage? Jungfranenbuch II. Theil. 12 Erste Kommunionandacht. Ach mein Jesu! Wann wird denn mein Elend ein Ende nehmen? Wann werde ich dich lieben über Alles, du getreuester Liebhaber meiner Seele? Du bist so mildselig, mein liebster Erlöser, daß du dich Allen und Jedem zur Speise hingibst, obgleich du bei den Gottlosen keine Freude hast. Der reinen Herzen wegen, die du liebest, weigerst du dich nicht, auch bei den Unreinen einzukehren, und wartest mit Geduld auf ihre Befehrung, während du unterdessen alle erdentliche Schmach und Unbill von denselben duldest. O wie süß und mild ist dein Geist, o mein Gott, da du undankbare und frevelhafte Sünder also liebest! So komm denn, o du mein Leben und meine Seligkeit, und weil du nach einem armseligen Herzen ein so großes Verlangen tragest, so nimm es hin, und besitz' es! Es soll fünftig nichts anders lieben, als dich, mein Gott und Alles! 178 Du wirst zwar finden in diesem Herzen Vieles, was dir mißfällt, aber dein heiliges Blut kann mich reinigen. Ich bin schwach, aber du kannst mich stärken; ich bin lau und kaltsinnig ,, du kannst in mir einen heiligen Eifer entzünden; meine unbändigen Gemüthsregungen und ungestümen Begierden zerstreuen und verwirren meinen Geist; du kannst mit Einem Worte alle Unruhen stillen. Komm denn, mein Jesu! Komm, bu Licht der Herzen, erleuchte mich, damit ich dich kenne; komm und entzünde mich, damit ich dich liebe. Jesu, du ewige Wahrheit, ich glaube an dich! Jesu, du unbeschreibliche Güte, ich hoffe auf dich! Jesu, du unvergleichliche Schönheit, ich liebe dich! Erste Kommunionandacht. 179 Welche große Liebe, o mein Jesu, welche große Güte erzeigest du einer Sünderin! Die Menschen schätzen es für eine große Gnade, wenn sie ein Fürst der Erde heimsucht. Du, o Sohn Gottes, du Herrscher des Les bens und des Todes, kommst in eigener Person zu bei ner Dienerin; wie viel Dank und Liebe bin ich dir nicht schuldig! Warum, o mein Jesu, verlange ich nach dem Himmel? Du bist ja derjenige, der die Himmel erschaffen hat. So habe ich denn mehr, als den Himmel, da ich dich besitze. Also liebest du mich, o mein Gott, daß du alle Schäße deiner Liebe an mir erschöpfest. Ach, ich weiß nicht, was ich zu dir reden solle! Sage ich, daß ich dich liebe, so widerspricht mir mein Gewissen; meine begangenen Sünden machen mich sprachlos, und ziehen mich zurück, da mein Herz nach dir verlanget. Du aber, mein holder Bräutigam, rufest mir, du heißest mich zu bir kommen, damit du mir meine Last abnehmest. Geh' ich hinzu, so fürchte ich das Gericht; entferne ich mich von dir, o du mein Leben, so fürchte ich den Tod, und oiese Gedanken verwirren mich. Aber es ist ja beffer, oaß ich zu meinem Vater gehe, als daß ich im fremden Bande, entfernt von dir, vor Hunger sterbe. Gib mir denn das hochzeitliche Kleid, nämlich deine Liebe, und cen brennenden Eifer so vieler Seelen, die nach dir ( eufzen, die ich mit großem Jubel des Herzens empfanzen, die ohne dich nicht leben können. Ihre Begierden find deine Gaben, ihre feurige Liebe ist die Wirkung eines süßen Geistes. Du kannst ja auch mir gnädig ehn. Ich verdiene zwar von dir keine Gnade, aber 12* Erste Kommunionandacht. gedenke, mildseligster Jesu, an deine Barmherzigkeiten, oie du zu allen Zeiten meinem Geschlechte erzeigt hast. Siehe an die Liebe deines gnadenreichen Herzens, welches stets seine unerschöpflichen Liebesflammen ausgießt. Siehe, hier ist eine Sünderin, welche derselben nöthig hat; dadurch kannst du mein Herz gewinnen, und dir felbst eine Freude machen, der du die Seelen liebest. So will ich denn zu dir hinzugehen, voll des Vertrauens auf deine unendliche Güte. Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen. Laufe mir entgegen, als deiner verlorenen Tochter: rufe mir, als deinem Schäflein! 180 Komm, o himmlischer Arzt, und heile meine Frankheit; es kostet dir nichts anders, als daß du nur ein Wort redest. Komm, du geliebter Bräutigam der reinen Seelen: komm zu mir, du Allerschönster unter den Menschenkindern, und verwunde meine Seele mit einem Strahle deiner Schönheit. Du Glanz der Klarheit Gottes, erleuchte mich! Du immer fließende Quelle der himmlischen Süßigkeit, tränke mich! Komm, mein Jesu, und liebe mich, und gib, daß ich dich liebe, daß ich durch einen lebhaften Glauben dich erkenne, auf dich meine Hoffnung und Glückseligkeit setze. Komm, o mein Jesu, und heilige mich durch das Anrühren deines göttlichen Fleisches! Vereinige mich mit dir, daß ich ein Geist mit dir werde, daß ich lebe, nicht ich, sondern daß du in mir lebest! Erste Kommunionandacht. Im Hinzugehen. ie mild und liebreich bist du, mein Gott und Heiland, daß du selbst zu mir kommest! O du Gott der Liebe; erbarme dich meiner! Herr, du kennest meine Unwürdigkeit, aber rede nur ein Wort, so wird gesund meine Seele! ( Gehe vom Tische des Herrn mit niedergeschlagenen Augen, aufgehobenen Händen, und begib dich an einen stillen Ort; dort rede mit deinem Heiland von dem, was du in deinem Herzen verspürest, oder erbaue dich an folgenden heiligen Gedanken.) Danksagung und Gemüthserhebung nach der heiligen Kommunion. 181 ütigster Jesu, wer bin ich, daß du hast wollen zu mir kommen, daß Himmel und Erde dir Dank sagen? Herr, du kennest meine Begierden, und meine Seufzer sind dir nicht unbekannt! Ach, mein Jesu, daß ich dich liebe, und nicht mehr beleidige! Dir will ich leben und sterben! Mein süßester Jesu, heilige meinen Leib, besitze meine Seele, vertilge meine bösen Begierden! An dir, mein Gott, habe ich Alles, mit dir besige ich Alles; von dir hoffe ich Alles. Mein Jesu, ich liebe dich; könnte ich dir zu Liebe sterben! Nein, mein höchstes Gut, nicht sterben, sondern leben und dich lieben; aber nicht leben, wie ich gelebt habe, noch lieben, wie ich geliebt habe. Du weißt, o du Erforscher meines Herzens, wie lau ich gelebt, und wie wenig ich dich geliebt habe! Erste Kommunionandacht. Laß mich, mein Jesu, zugleich sterben und leben: daß ich sterbe mir selbst, der Welt und der Eitelkeit, und daß ich dir lebe, der du für mich gestorben bist. Mein demüthigster Jesu! Wie hat dich deine Liebe so klein gemacht, damit du in meinem kleinen Herzen ruhen könnest! O du König des Himmels und der Erde! Wo ist der Glanz deiner Herrlichkeit? Wo ist der Thron deiner Majestät? Ist denn mein Herz dir so lieb, daß du in demselben dich und alle Schätze deiuer Gottheit und Menschheit verbirgst, und unter der äußerlichen Gestalt des Brodes verhühlest? Ach, was findest du in meinem Herzen, o göttlicher Bräutigam? Nichts als Unempfindlichkeit, Eigenliebe, undank und die höchste Armuth. O große Liebe und Barmherzigkeit! was kann ich nicht hoffen von dir,.nachdem du dich mir selbst gegeben hast! Du willst, daß ich begehre von deinen Schätzen, aber ich begehre nichts anders von dir, als deine Liebe. Wenn ich dich liebe, so bin ich reich genug; wenn ich oich aber nicht liebe, zu was helfen mir dann alle andern natürlichen und übernatürlichen Güter, wenn ich einst von dir sollte verstossen werden, o meine einzige and wahre Glückseligkeit? 182 Nicht die Hölle mit allen ihren Qualen, sondern die Beraubung deiner Liebe und deines schönen Angesichtes fürchte ich. Es ist Zeit, mein gütigster Jeſu, es ist Zeit, daß du meiner dich erbarmest! Zeige mir den Weg, mein gütigster Erlöser, den ich erwählen und antreten soll, damit ich dich liebe! Von nun an soll fein Tag, keine Stunde ohne Liebe vorübergehen. 183 Erste Kommunionandacht. In deinem Dienste, in meinen geistlichen Uebungen werde ich von einem wahren Eifer und von dem möglichsten Fleiße beseelet seyn. Meinen Eltern und Vorgesetzten will ich gehorsam seyn; meine Arbeit, mein Kreuz und meine Leiden, mein Thun und Lassen will ich täglich dir opfern, und mich bemühen, immer dasjenige zu thun, was dir wohlgefällig ist, und zu meiden, was dir mißfällt. Die Reinigkeit des Leibes, den du durch deine Gegenwart geheiliget hast, werde ich mit großer Wachsamkeit bewahren. Ich will mein Fleisch freuzigen durch die Einsamkeit, durch die Arbeit, durch die Mäßigkeit, und will meinen fünf Sinnen nichts gestatten, was die jungfräuliche Reinigkeit verletzen möchte. Ich will sanftmüthig seyn gegen Jene, die es mit mir übel meinen; ich will dem übermäßigen Zorn Einhalt thun, der eitlen Hoffart entsagen, allen Haß und Groll aus dem Herzen reißen. Ich verspreche zwar viel, aber du, mein liebster Jesu, kannst noch mehr in mir auswirken! Ich hoffe Alles von dir, und was ich hoffe, ist viel geringer, als du selbst, der du dich mir gegeben hast. Bleib' in mir, o mein Jesu, und ich in dir! Laß mein Herz dein Herz seyn, und was in mir noch Irdisches ist, das wollest du mit dem Feuer deiner Liebe gänzlich auf lösen. gebet zu gott dem Vater nach der heiligen Kommunion. ( 1) Gott der Barmherzigkeit, bir sage ich Dank mit allen Geschöpfen! Aber was ist mein Dank, und der Dank der ganzen Welt im Vergleiche mit dem Erfte Kommunionandacht tostbaren Geschenke, so du mir gegeben hast. Es if dein eingeborner Sohn Jesus, mein Heiland, der di gleich ist in der ewigen Gottheit. Er allein kann di Dank sagen, wie du es verdienest. Diese Danksagung hat er dir erstattet, da er in seiner Sterblichkeit also zu dir gesprochen: Bater, ich danke dir, daß du diese Sachen verborgen hast vor den Weisen der Welt, und daß du sie den Einfältigen und Demüthigen hast geoffenbaret." Siehe, o großer Gott, wie dieser bein geliebter Sohn sich täglich zum Dankopfer dir aufopfert! Da aber ich Armselige dir Dank sage, so sage ich dir Dank durch Jesum Christum, und wenn ich nur diesen eingebornen Sohn liebe, so weiß ich, daß meine Danksagung dir wohlgefällig ist. Wenn ich Jesum liebe, so wird der Geist Jesu zu dir aus meinem Herzen rufen, und du selbst, Gott der Güte, wohnest in den Herzen derer, die Jesum lieben. Ich begehre von dir keine zeitlichen Güter, keine Freuden der Erde, sondern eine Herzliche und brennende Liebe zu Christo Jesu. Wie könntest du mir diese Gnade versagen, nachdem du deinen eingebornen Sohn mir gegeben hast? Nicht ich, sondern Jesus verdienet, daß du mich erhörest. Du hast mir befohlen, daß ich Jesum liebe; diese Liebe aber ist nicht die Wirkung meiner Schwachheit, sondern deiner unendlichen Barmherzigkeit, und die Kraft deines göttlichen Geistes, den du in mein Herz wollest ausgießen, durch Jesum Christum deinen eingebornen Sohn. 184 Erste Kommunionandacht. gebet zum heiligen Geist. O öttlicher Geist! der du die Herzen der Gläubigen erleuchtest und heiligest durch die Liebe, welche deine eigentliche Wirkung ist, entzünde, o Tröster meiner Seele! entzünde in meinem Herzen das Feuer der Liebe, welches Jesus vom Himmel gebracht hat. Wenn ich ohne deine Erleuchtung und innerliche Bewegung auch sogar den Namen Jesu zu meinem Heil nicht aussprechen kann, wie werd' ich ihn lieben können, wenn du es nicht gibst? 185 Du pflegest zwar zu allen Zeiten deine göttliche Kraft und Tugend den Menschen mitzutheilen, und deine Gaben auszugießen, o Ursprung der himmlischen Güter! Aber wenn Jesus durch seine Gegenwart unsere Herzen begnadiget, dann ist die Zeit da, in welcher du deine Gaben häufiger ausspendest. Wie viel heilige Seelen sind voll Eifer, voll Frende und himmlischer Wonne, weil sie Jesum empfangen haben! Wenn mein laues und unreines Herz, meine irdischen Schwachheiten deine heilsamen Wirkungen hemmen und verhindern, so gedenke, daß du der Geist der Reinigkeit bist, der da Alles reiniget, der Alles erneuert, der Alles entzündet. Je größer meine Armseligkeit iſt, desto mehr kannst du an mir die Größe deiner Macht und Güte erproben. Erleuchte mich denn, o Licht der ewigen Gottheit! entzünde mich, o du Feuer der Liebe! stärke mich, o du Kraft Gottes! laß mich hören deine Stimme, und laß nich deinen heiligen Einsprechungen gehorsam nachkommen! Lehre mich, du süßer Tröster der Herzen! lehre nich die Demuth, die Mildseligkeit, die Geduld, die Erste Kommunionandacht. Startmüthigkeit, und alle andern Tugenden, die dir wohlgefallen! Gib mir vorzüglich eine innige Liebe der jungfräulichen Reinigkeit, und einen ewigen Haß alles dessen, was dich betrüben kann! Dich werde ich ewig loben, der du mit dem Vater und dem Sohne lebest und regierest in Ewigkeit! 186 Hebet zu der Mutter des Herrn. )) underbare Jungfrau! empfange auch du einen Theil meines Dankes, die du den Heiland der Welt, den ich empfangen habe, geboren, und mit deinen jungfräulichen Brüsten gesäuget hast! Du bist die Zuversicht meines Lebens und meiner Hoffnung! Zesus ist dein Fleisch und Blut, und du bist seine auserlesene Mutter, der er alle Schätze der Gnade übergeben hat. Gib, daß durch dich Jesus meinen Dank annehme, und daß ich durch deine Fürbitte, gnädige Jungfrau, Jesum hier auf Erden liebe, so lang ich lebe, und im Himmel ewig! Zweite Kommunionandacht. Gebete vor der heiligen Kommunion. wiger Sohn Gottes! wie tief läßt Du Dich gegen die Menschen herab! Uns zu Liebe wardst Du Mensch, starbst für uns am Kreuze, und gibst Dich uns zur Speise und zum Trank; ja Du schärfest uns sogar die Warnung ein, daß wir das Leben in uns nicht haben werden, wenn wir nicht Dein Zweite Kommunionandacht. 187 heiligstes Fleisch und Blut genießen. Du willst, wir sollen bei diesem Genusse uns Deiner, Deiner Lehren und Beispiele, Deines Leidens und Todes lebhaft erinnern. Dieß thut, sprachst Du, zu meinem Andenken. Ich wage es nun, aus dankbarer Liebe zu Dir, mich Deinem Tische zu nahen. Ich sehe hier mit den Augen. des Glaubens jenen heiligsten Leib, jenes heiligste Blut vor mir, welches Du für mich am Kreuze geopfert haft. Glaube. Ich glaube ungezweifelt auf Dein göttliches Wort, daß Du hier mit Leib und Seele, mit Gottheit und Menschheit, wirklich, wahrhaft und wesentlich zugegen bist; ich glaube auch Alles, was Du durch Deine untrügliche katholische Kirche zu glauben befiehlst, weil Du die ewige Wahrheit und Weisheit bist, welche nicht betrügen, noch betrogen werden kaun. Hoffnung. Auf diesen Glauben gestützt hoffe ich von Dir als meinem Erlöser und Heiland, Du werdest als der wahre Rebstock mir Deine göttliche Gnade zuströmen lassen, durch die Verdienste deines heiligsten Leidens und Sterbens, und ernstliche Buße von meiner Seite, meine Sünden gänzlich verzeihen, und mir endlich die ewige Seligkeit, als deren untrügliches Unterpfand Du in diesem heiligsten Geheimnisse Dich mir mittheilest, verleihen. Du bist ja die unendliche Allmacht, Güte und Treue, welche mir helfen kann, will und wird. Liebe. Du bist,( o möchte ich dieß so von Herzen sagen, wie Thomas!) Du bist mein Herr und mein Gott! das vollkommenste, liebenswürdigste Wesen in Dir 3weite Kommunionandacht. Selbst; Du hast mich geliebt, und durch unzählbare Wohlthaten, vorzüglich durch Deinen Ted, Deine unendliche Liebe zu mir bewiesen. Erhebe ich vollends meine Augen zum Altare, so sehe ich Dich sogar hier gegenwärtig unter den Gestalten des Brodes, und also in meiner Nähe. Wahrlich Du hast Deine Freude, unter den Menschen zu seyn; als der beste Hirt willst Du Deine Schafe mit Deinem eigenen Leibe und Blute ernähren, und ihnen das Leben, überfließendes Leben, ja das Leben in Ewigkeit ertheilen. Jesu! ich liebe Dich von ganzem Herzen; aus ganzer Seele, aus ganzem Gemüthe, aus allen Kräften liebe ich Dich; denn Du bist mein Gott, mein Alles bist Du. Und weil Du dieses Geheimniß nur aus Liebe für uns Alle eingesetzt, weil Du die Liebe zum Hauptgebote, ja zum Merkmale Deiner wahren Jünger bestimmt hast, so gelobe ich ernstlich, daß ich aufrichtig und herzlich alle Menschen, ja selbst meine Feinde lieben, ihnen herzlich verzeihen, und ihnen Gutes erweisen wolle. Entzünde und vermehre in mir diese heilige Liebe, denn ich weiß zu gut, daß ich ohne selbe mich zu Deinem heiligen Mahle der Liebe nicht begeben darf. 188 Neue. Eben daher wage ich es kaum, zu Deinem Tische zu gehen. Denn Du kennst mein Herz, Du weißt, wie unrein und unvollkommen es ist. Ich bekenne es reumüthig, ich habe Vieles mit Worten, Werken und Gedanken gesündigt, ich habe das Gebot der Liebe zu Dir und dem Nächsten nicht beobachtet; ich bin ein Sünder! Aber verzeih, o Herr! es reuet mich, weil Du mein Gett bist, weil ich, ungeachtet so vieler Zweite Kommunionandacht. 189 Wohlthaten und Versprechungen, mich so undankbar, so ingetreu gegen Dich betragen habe. Ich nehme mir aber jetzt aufs Neue vor, feine Sünde mehr zu begehen, and in Allem nach Deinem heiligen Gesetze, nach Deiaen Beispielen zu wandeln, alle gegebenen Aergernisse und allen Schaden zu ersetzen, mein Kreuz im Geiſte der Buße auf mich zu nehmen, mich selbst zu verläugnen, die Gelegenheit der Sünde zu meiden, alle Mittel zur Tugend anzuwenden, und so Dir nachzufolgen. Demuth. Allein, o Herr! so aufrichtig und gut immer diese Vorsätze sind, so schwach ist mein Wille: ohne Deine Gnade kann ich sie nicht erfüllen; daher bitte ich um Deine Hilfe, um deinen Beistand, laß mich doch niemals von Deiner Liebe getrennt werden. Du willst zwar in mein Herz eingehen: aber, o Herr! ich bin es nicht würdig; reinige es zuvor durch Deine Gnade, heilige es Du selbst, und bereite es Dir zu einer gefälligen Wohnung, damit Du mir die Schäße Deiner Gnade ertheilest, und ich mit Dir auf das innigste vereiniget werde. Verlangen. Was kann mich außer Dir beglücken? was sind alle Schätze der Welt im Vergleiche mit Deiner Liebe, mit Deinem Besitze? Ich will nur Dein Reich und dessen Gerechtigkeit, nur Dir, Deinen Beispielen will ich nachfolgen, Deine Gnaden und Deine Liebe sind mein einziges Verlangen. O wie glücklich bin ich, Dich meinen Gott und Herrn in mich aufnehmen zu können! Mit Deiner Gegenwart wird mir gleichsam der Himmel auf Erde, durch Deinen würdi 190 Zweite Kommunionandacht. gen Genuß Deine Liebe zu Theil! Eile dann, meine Seele! Deinem Heilande entgegen, wirf Dich in Seine Arme: Er will dich erquicken, stärken, und dir Unterpfand der ewigen Seligkeit werden. Jesu! ich komme; wie der Hirsch nach der Wasserquelle sich sehnet, ſo so verlange ich nach Dir. * Verrichte die vorstehenden Gebete mit der größten Andacht. Denn je aufrichtiger und größer deine. Sehnsucht nach dem Herrn ist, in desto größerm Maaße wird Er dir Seine Gnade mittheilen und das Berlangen deiner Seele stillen. Hält der Priester die Hält der Priester die heilige Hostie in der Hand, und sagt er: Sehet das Lamm Gottes u. s. f., so stelle dir vor: Jesus, dein Erlöser und Seligmacher selbst ladet dich in Seiner Güte zu Sich, und bietet dir Seine Gnade zur Buße und Heiligung an. Verdemüthige dich, und glaube ungezweifelt, daß Demuth und Erkenntniß deiner Unwürdigkeit die nothwendigste Vorbereitung bleibe, ohne die alles Andere Gott nicht gefällt. Gebete nach der heiligen Kommunion. U Enterhalte dich mit dem gegenwärtigen Gott in der Stille, so lange dich deine Andacht dazu antreibt. Weißt du Nichts mehr aus dem Herzen mit Ihm zu reden, so verrichte nachstehende Gebete, aber mit Andacht, mit Erhebung deines Gemüthes zu Gott. - Anbetung. Gelobt seist Du, Jesu Christe! jetzt und in Ewigkeit. Ich bete Dich an als meinen Gott und Herrn, und werfe mich vor Dir auf meine Kniee nieder. Gleichwie tie heiligen Engel und Deine Auserwählten vor Deinem Throne sich verbeugen, so erniedrige ich mich mit ihnen vereiniget, auch mich, Aller 191 Zweite Kommunionandacht. höchster! vor Dir. Laß Dir meine Huldigung gefallen; ich bekenne, daß ich als Dein Geschöpf Dir Alles zu verdanken habe, daß ich an Dich glaube, auf Dich hoffe, Dich über Alles liebe, und diese Erniedrigung Dir in alle Ewigkeit bezeugen wolle. Danksagung. Du hast mich durch die Gnade Deiner heiligsten Gegenwart gleichsam zu Deinem Throne erhoben, und mir Dich Selbst zur geistlichen Nahrung meiner Seele gegeben! Wie kann ich Dir für dieſe Wohlthat genug danken? Sollten auch alle Geschöpfe sich mit mir vereinigen, es wäre dieß Opfer des Dankes doch noch zu gering für Dich. Ich weiß es, welche Gabe Du vor allen andern verlangst, und wie ich Dir wohlgefälligen Dank erstatten fann. Aufopferung. Du willst mein Herz; mein demüthiges, zerknirschtes Herz ist Dir das wohlgefälligste Opfer. Du hast es bereits erworben, Du hast es Dir am Kreuze mit Deinem Blute erfauft: es gehört also nicht mehr mir; es soll Dir also auch von mir aufs neue gewidmet seyn. Ja, Herr! so gering ich auch vor Deinen Augen bin, so wage ich es doch, weil Du es so willst, mich zu Deinem Dienste zu erbieten. Alles, was ich denke, was ich rede, was ich thue, soll nur zu Deiner Ehre gereichen. Immer mag der Satan, es mögen böse Menschen und meine bösen Neigungen mich von Dir trennen wollen, ich entsage aller Sünde, allen ihren Gelegenheiten und Gefahren, und will in Allem mich nur nach Deiner Lehre und Deinen Beispielen, als Dein Diener, Jünger und Nachfolger mich benehmen. pak Zweite Kommunionandacht. In der Art, wie Du es befohlen, werde ich mich haffen, und aus Liebe zu Dir mir großmüthig Alles versagen, was Deinem heiligsten Gesetze zuwider ist. Ich werde mich selbst verläugnen, und mit aller Strenge mich von Allem zurückhalten, was der Sinnlichkeit und meinen bösen Neigungen schmeichelt, voll Freude dagegen Dir in Allem den genauesten Gehorsam erweisen, meinen Nächsten wegen Dir wie mich selbst lieben, und durch stete Nachfolge Deiner Tugenden, der Reinigkeit, und vorzüglich der Demuth und Sanftmuth es dahin zn bringen suchen, daß nicht mehr ich in mir, sondern Du in mir lebest. 192 Kurz, ich ergebe mich Dir ganz mit Leib und Seele, bereitwillig zu allen Drangsalen und Widerwärtigkeiten, welche Du über mich verhängen willst; gerne will ich mit Dir das Kreuz tragen, und beladen mit diesem Kreuze leben und sterben. Dieses Opfer meines Leibes und meiner Seele vereinige ich mit demjenigen, welches Du Deinem himmlischen Bater am Kreuze dargebracht hast, und mit jener unendlichen Liebe, wodurch Du so eben Dich Selbst mir mitgetheilt hast. Sieh dann in Gnaden auf dasselbe herab, und gewähre mir gnädig die Bitten, welche ich in Deinem Namen Dir meinem Erlöser und Heilande vortrage. Bitte. Du versprachst, daß wir Alles, um was wir den Vater in Deinem Namen bitten, auch erhalten werden. Ich glaube fest, daß eben diese Stunde, in welcher Du zu mir gekommen bist, dazu die günstigste ist. So gewähre mir die Gnade, vor Allem Dein Reich und dessen Gerechtigkeit zu suchen, damit Dein heiligster Zweite Kommunionandacht. 193 Name durch alle meine Gedanken, Worte und Werke verherrlicht werde. Stärke vor Allem meinen Glauben, befestige meine Hoffnung, entzünde mein Herz mit dem Feuer Deiner göttlichen Liebe. Vermehre in mir bie 21orks Reue, belebe meinen Bußgeist, erneuere den Abscheu der Sünde, besonders derjenigen, welche ich schon öfter begangen habe, und schenke mir Verzeihung derselben. Gib mir Muth und Stärke, die Gelegenheit dazu, wie ich mir vorgenommen, zu meiden, und alle Mittel dagegen anzuwenden, damit ich als Dein Jünger in aller Heiligkeit wandle, und Dir mit jedem Tage wohlgefälliger werde. Wie die Rebe Leben und Kraft vom Weinstocke erhält, so theile auch Du, der Du Dich so innig mit mir vereiniget hast, Deine Gnade, Leben und Kraft zum Guten mit, damit ich Dich in meinem Leibe, der Dein Tempel ist, trage und verherrliche, da ich durch den so theuern Werth Deines heiligen Blutes erkauft bin. Ich bin Dein Jünger, und habe zu Deiner Fahne schon in der heiligen Taufe, und seitdem schon öfter geschworen; gib, daß ich diesem Schwure getreu bleibe, mir und der Welt gekreuzigt lebe, und durch keinen Reiz zur Sünde mich von Dir trennen lasse. Deine Speise war es, den Willen Deines himmlischen Vaters zu vollziehen; auch ich werde mit Deiner Hilfe immer nach demselben wandeln, und Alles thun, was Ihm gefällig ist. Laß mich vorzüglich in der Stunde der Trübsal Deiner Geduld und Sanftmuth nie vergessen, und erinnere mich, so oft ich Dich am Kreuze ansehe, an Deine Lehre:" Lernet von Mir, denn Ich bin sanftmüthig und demüthig von Herzen," damit durch Jungfrauentuch II. Thiel. 13 Zweite Kommunion andacht. gänzliche Ergebung in Deinen heiligsten Willen die Ruhe meines Herzens ungestört bleibe, ich mein Kreuz auf mich nehme, es geduldig trage, und so Dir nachfolge. Mein Heiland! möchte ich so glücklich sehn, diese heilige Kommunion im lebhaftesten Andenken an Dich, an Deine Liebe, an Deine Lehren und Beispiele nach Deinem Befehle zu feiern! Ich sehe Dich am Kreuze aus Gehorsam gegen Deinen himmlischen Vater, und aus Liebe zu uns Menschen, das Opfer Deines Lebens vollbringen. Gib mir Kraft, meine bisherige Untreue, meinen Undank und Ungehorsam durch genaue Beobachtung Deiner heiligen Gebote, durch gute Verwendung meiner Leibes- und Seelenkräfte zu Deiner Ehre wieder gut zu machen. Präge meinem Herzen das Kennzeichen Deiner Jüngerschaft, wahre Liebe zum Nächsten ein, und kräftige meinen aufrichtigen Willen, Jedem Gutes zu wünschen, zu gönnen und zu thun, die gegebenen Aergernisse durch gute Beispiele gut zu machen, den zugefügten Schaden zu ersetzen, die geistlichen und leiblichen Werke der Barmherzigkeit ur aus Liebe zu Dir auszuüben, und wie Du am Kreuze thatst, selbst meinen Feinden aufrichtig zu verzeihen, und sie thätig zu lieben. O mein Jesu! wie Vieles habe ich vor Dir zu lernen, wie lebhaft schweben mir in diesem heiligen Augenblicke, da Du Dich mit mir aufs innigste vereiniget hast, Deine Tugenden vor Augen! Ich will dieselben getreu nachahmen; wenn Du mich stärkst, kann ich ja Alles. Kommt es mich auch noch so schwer an, mich selbst zu verläugnen, mein Kreuz auf mich zu nehmen und Dir nachzufolgen; mit Deiner Gnade wird mir 194 195 Zweite Kommunionandacht. Deine Bürde doch leicht und Dein Joch süß; mit ihr werde ich alle meine Berufspflichten getreu erfüllen, das Böse verhindern und das Gute befördern, und am Ende meines Lebens dann auch getrost, wie Du rufen können: Es ist vollbracht! Ich werde dann zu Dir kommen, und auf ewig mit Dir vereinigt werden. Deine unendliche Liebe ist mir Bürge, daß Du mir diese Bitten gewähren werdest. Oder wie könnteſt Du mir dieselben versagen, da sie in Deinem Namen vorgetragen sind, und Du Dich selbst mir zum Unterpfande meiner Seligkeit gegeben hast? So erhöre mich dann, und laß Dein Reich, um welches ich gebeten habe, mir zukommen. Gewähre mir gleichfalls, und den Meinigen, den nöthigen Unterhalt, und Deinen Segen zn meinem Gewerbe. Beglücke all mein Thun und Lassen; es soll nur zu Deiner Ehre gereichen; leite den Anfang, die Fortsetzung und Vollendung desselben; Dir opfere ich Alles, Dir übergebe ich Alles, meinen Leib und meine Seele, für jetzt, und für die ganze Ewigkeit. Du bist mein, ich bleibe ewig Dein. Amen. Heilige Maria, ihr heiligen Engel und Auserwählten Gottes! unterstützet am Throne Gottes mein unwürdiges Gebet durch euere Fürbitte, damit diese heilige Kommunion sei zur Ehre Gottes, zu meinem zeitlichen und ewigen Heile, zum Nußen der ganzen heiligen Kirche, zum Troste der leidenden Seelen im Fegfeuer, und das Andenken Jesu in mir immer lebhafter, die Nachfolge Seiner Tugenden immer getreuer, und die Vereinigung mit Ihm unzertrennlich werde und bleibe. Amen. 13* Zweite Kommunionandacht. * Ist etwa ein Ablaß zu gewinnen, so verrichte im Geiste der Buße, mit wahrem Vorsatze, selbst der Neigung zur Sünde zu ersterben, das Vorgeschriebene. 196 Was besonders eine Jungfrau Chriflo fchenken und von ihm nach der Kommunion erbitten soll. er Herr. Meine Tochter, ich habe mich und alle meine Schätze durch die himmlische Speise dir mitgetheilt. Ich will, daß du mir auch etwas von dem Deinigen schenkest, ehe du aus der Kirche gehest. Die Jungfrau. Meine Armuth ist ja nicht auszusprechen; was kannst du denn von deiner armseligen Dienerin begehren, da du die Quelle aller Gnaden biſt? Der Herr. Meine Tochter, wenn du mit den Weisen aus dem Morgenland kein Gold mir zum Opfer bringen kannst, so halte es mit den armen Hirten, welche von dem, was ihre Armuth hatte, mir geschenket haben. Die Jungfrau. Herr, auch das Geringste, was deinen Augen in mir gefallen könnte, ist deine Gabe: denn von mir selbst habe ich nichts, als Sünde und Elend. Was verlangst du also von mir zum Geschenke, mein göttlicher Lehrer? Sieh, ich bin bereit zu Allem! Der Herr. Meine Tochter, der innerlichen Beschaffenheit und dem gegenwärtigen Stande deines Herzens soll auch deine Schenkung und dein Opfer angemessen seyn. Was mein Geist innerlich durch seine Einsprechung, und äußerlich ein verständiger Beichtvater von dir fordert, das ist dasjenige, was du mir schenken und aufopfern sollst. Etwas Anderes verlangt der Geist Gottes von einer Tochter, die noch der Welt und ihren Eitelkeiten gänzlich hingegeben ist; etwas Anderes begehrt er von einer Tochter, die zwar nicht so sehr die Welt liebet, oder von derselben sich abgesondert hat, aber gleichwohl noch in Lauheit und Kälte dahin lebet. Zweite Kommunionandacht. 197 Etwas Anderes erwartet er von einer Jungfrau, die zwar nach der Tugend und einem heiligeren Leben trachtet, die aber noch mit großen Schwachheiten zu streiten hat. Und etwas anderes will er endlich von denjenigen, die auf dem Wege der Vollkommenheit fortschreiten. a) Was eine eitle und üppige Jungfrau nach der Kommunion von Christo erbitten, und ihm schenken soll. er Herr. Meine Tochter, dein Herz ist von der weltlichen Liebe eingenommen und verblendet; du suchest nur den Menschen zu gefallen; deine Freude findest du in stolzer Kleiderpracht, in den Gesellschaften und eitlen Vergnügungen, und betrübest dich, wenn dir diese Dinge fehlen oder nicht gestattet werden. Wie lieb wär' es mir, wenn du deine Thorheit erfennetest, und dem eitlen Wesen gänzlich entsagtest! Wenn dir dieß aber deine armselige Schwachheit nicht zuläßt, so schenke mir wenigstens, was deine gegenwärtige Andacht dir zu thun erlaubet, daß du nämlich bis zur nächsten Kommunion einem oder dem andern Vergnügen, oder irgend einer Gesellschaft entsagest; daß du mit größerer Zucht und Ehrbarkeit dich kleidest, daß du nicht mit besonderer Sorgfalt deinen Leib zu schmücken suchest; daß du es stillschweigend duldest, wenn man deßwegen über dich lächelt, wenn man dir Andere vorzieht und mehr schätzet, als dich. Zu diesem Ende begehre von mir, daß ich dich erleuchte, daß ich dein Herz bekehre, u. s. f. Kannst du mir eine so geringe Sache versagen, nachdem ich mich selbst dir gegeben habe? Die Jungfrau. Mein Gott und Herr, wie schäme ich mich wegen meiner thörichten Eitelkeit, wodurch ich der treulosen Welt und den falschen und eigennützigen Menschen zu gefallen gesucht, dich aber, mein Getreuester, zurückgesetzt habe! Du aber, o Gott der Güte! ungeachtet meiner blinden Eitelkeit, verlangest nach Zweite Kommunionandacht. meinem meineidigen Herzen, und um dasselbe zu bekehren, hast du dich selbst mir zur Speise hingegeben. Und ich sollte dir zu Liebe nicht das Geringste thun wollen? Mein Entschluß ist gefaßt, o mein Gott und Heiland! ich will bis zur nächsten Kommunion jene Gesellschaft, jene Person, jenes üppige Vergnügen meiben, bittend, du wollest, o unendliche Güte, meine Schwachheit stärken! 198 b) Was eine lane und im Dienste Gottes saumselige Jungfrau von Chrifto erbitten, und ihm schenken soll. er Herr. Meine Tochter, du hast keine Neigung zum heiligen Gebete und andern geistlichen Uebungen, von denen du dich entfernest, die du leichtsinniger Weise unterläsfest, oder nur obenhin mit zerstreutem Gemüthe verrichtest. Du verzärtelst zu sehr deinen Leib, suchest stets deine Sinne zu befriedigen, welchen du keinen Abbruch thun willst; du begehest täglich viele freiwillige Sünden, und kannst dich in feiner Sache bezwingen. Zum Zeichen deiner Erkenntniß begehre ich, daß du bis zur nächsten Kommunion dein Morgen- und Abendgebet mit möglichster Andacht verrichtest, daß du mir dein Thun und Lassen einigemal des Tages aufopferst, daß du dich alle Tage in einer oder der andern Sache überwindest, daß du wissentlich und vorsätzlich mich nicht beleidigest, daß du dem Gehorsame und den Regeln beines Standes genauer nachkommest. Und wenn du alle diese Forderungen noch nicht erfüllen kannst, so bemühe dich, daß du wenigstens in einer Sache dich besserst, und du wirst sehen, daß dein Eifer sich wieder vergrößern wird. Sieh, ob du mir zu Liebe eine so geringe Sache thun willst. ( Hier versprich deinem Heilande Solches zu thun, oder nach Gestalt der Sachen zu unterlassen. Bitte den Herrn um Stärkung hiezu). Zweite Kommunionandacht. 199 c) Was eine Jungfrau, die eine böse Gewohnheit hat, Christo schenken und von ihm erbitten soll. er Herr. Meine Tochter, du hast noch so manche böse Gewohnheit, die dich in viele Sünden stürzt. Ich begehre von dir, daß du dir vornehmest, wider diese bösen Gewohnheiten bis zur nächsten Communion standhaft zu streiten, und die Tugenden täglich zu üben, die jenen zuwider sind. Die Hoffart, die Geschwätigkeit der Zunge, den Jähzorn, die Unmäßigkeit im Essen und Trinken, die Trägheit in Verrichtung deiner Pflichten, die zu große Freundlichkeit mit Personen des andern Geschlechtes, und was dergleichen andere Untugenden seyn mögen, verderben das Gute, fo du thust, und geben dir Anlaß zu vielem Bösen. Wenn du einer solchen Untugend unterworfen bist, so kannst du mir keine größere Liebe und Dankbarkeit beweisen, als dadurch, daß du eine solche Untugend meidest, und dich in der, dagegen streitenden, Tugend übest. Bitte nur, daß ich dir in diesem Streite helfe! d) Was eine Jungfrau in körperlichen Schmerzen, in Troftlofigkeit, in heftigen Anfechtungen und andern innerlichen Drangsalen Christo schenken, und von ihm erbitten soll. er Herr. Meine Tochter, ich will, daß du mit mir dein Kreuz tragest, und in meinen Willen dich gänzlich ergebest, und dich bereit zeigest, mir ohne Trost zu dienen, wenn du deines Kreuzes nicht loswerden fannst. e) Was eine Jungfrau, die mit Chrifto durch eine innige Liebe stets vereiniget ist, mit ihm sprechen soll. er Herr. Du hast, meine Tochter, zu dieser Gnadenzeit nichts anderes nöthig, als daß du dich mir gänzlich aufopferst, und mit Stillschweigen mich an 200 Zweite Kommunionandacht. hörest, und vielmehr dein Herz, als deinen Mund, mit mir reden laſsest. f) Aufopferung und Bitte einer Jungfrau, die im Zweifel steht, was für einen Stand sie antreten soll. ier, o christliche Jungfrau, ist die Zeit der Erleuchtung, da das Licht der Welt in dir ist. Sage zu deinem Heiland mit dem Apostel: Herr! was willst du mit mir machen? Und mit dem königlichen Propheten: Herr! zeige mir den Weg, den ich antrete, weil ich auf dich mein Vertrauen setze! Wenn du öfters zu dem Tische des Herrn hinzugehest, und zur Zeit seiner Gegenwart einen innerlichen Antrieb zur Einsamkeit, und eine Liebe und Hochschätzung der jungfräulichen Reinigkeit fühleft, so forsche nach, ob dein Gott verlange, daß du im ledigen Stande in der Welt, oder in einem Kloster ihm dienest. Bitte ihn, daß er dich erleuchte und führe, wohin er will, und wo du ihm am Besten dienen kaunst. Damit du aber nicht irreft, vertraue diese innerliche Einsprechung einem verständigen Beichtvater, und folge, nach sorgfältiger Prüfung deines Herzens, seinem Rathe. g) Wie eine Jungfrau den Tag zubringen soll, an welchem sie ihren Heiland empfangen hat. ieser Tag ist der Tag deiner geistlichen Vermählung, der Tag der innerlichen Freuden. Keine irdische Freude, feine üppige Lustbarkeit, soll die Heiligkeit dieses Festtages entweihen. Des Morgens, nach dem gewöhnlichen Frühgebete betrachte oder lies etwas, das in dir eine Andacht und heilige Begierde erwecke, deinen Gott zu empfangen. Sowohl Vor- als Nachmittags wohne dem Gottesdienste bei, und wenn es seyn kann, höre auch eine zweite Messe, nachdem du zum Tische des Herrn gegangen bist. Nachmittags lies ein geistliches Buch; vergiß nicht die Armen und Kranken, tie du heimsuchen kannst; sieh, Zwette Kommunionandacht. 201 daß du Abends deinen Erlöser, im Sakramente des Altars gegenwärtig, anbetest. Von jener Zeit an bereite dich wieder zur nächsten Kommunion, und erhalte den Eifer deiner Andacht durch eine größere Aufsicht auf dein Thun und Lassen; und gleichwie der Prophet in der Stärke des Brodes, das ihm der Engel gereicht hatte, vierzig Tage und Nächte gereiset ist, bis er an dem heiligen Berge Oreb ankam, so sollst auch du, von dem Brode der Engel gestärkt, bis zur nächsten Rommunion in dem Wege des Herrn unaufhörlich fortschreiten. here are sess 111. Gebete zur Gewinnung eines vollkommenen Ablasses. Varerinnerung. nter Ablaß versteht man: Die Nachlassung der zeitlichen Sündenstrafen, welche der durch würdigen Empfang des Bußsakramentes mit Gott versöhnte Sünder in diesem oder in jenem Leben( im Fegfeuer) noch abzubüßen hat. Die Erfordernisse zur Geninnung eines Ablasses sind folgende: 1. Man muß im Stande der heiligmachenden Gnade feyn. 2. Man muß einen aufrichtigen und thätigen Bußeifer besitzen, der den Sünder antreibt, den angerichteten Schaden nach Möglichkeit zu ersetzen, das gegebene Aergerniß wieder gut zu machen, die Gelegenheit zur Sünde zu meiden, die Leiden und Widerwärtigkeiten, die ihn treffen, geduldig zu ertragen, seine Berufspflich 202 Ablaßgebete. ten pünktlich zu erfüllen und Werke der christlichen Barmherzigkeit auszuüben. 3. Man muß die von der heil. Kirche zur Ge winnung dieses oder jenes Ablasses vorgeschriebenen guten Werke gehörig verrichten. Zur Gewinnung eines vollkommenen Ablasses wird unter andern in der Regel erfordert, daß man nach vorhergegangener Beicht die hl. Communion empfange und dann andächtig bete um Erhöhung der katholischen Kirche, um Ausrottung der Ketzereien und um Einigkeit der christlichen Fürsten. Man sieht hieraus, wozu die in den Gebetbüchern vorkommenden Ablaßgebete dienen sollen. Ablaßgebete. 61 llmächtiger, ewiger Gott, durch dessen Barmherzigkeit unsere Sündenschuld sammt der ewigen Verdammniß im Sakramente der Buße getilget wird, obschon wir noch zeitlichen Strafen unterworfen bleiben, welche abzuwenden unsere Werke nicht zureichen: so laß uns aus dem unerschöpflichen Schatze der Verdienste Deines eingebornen Sohnes Jesu Christi, unsers Herrn und aller Heiligen mit Ueberfluß erfüllet werden, damit wir des vollkommensten Ablasses theilhaftig werden! Vater unser c. Ave Maria 2c. Ehre sei Gott 2c. Um Erhöhung der heiligen katholischen Kirche. Antiphon. Gedenke, ewiger Bater, Deiner Gemeinde, welche vom Anfange her Dir zugehört! Sich' auf Deine Kirche, die Braut Deines eingebornen. Sohnes, für welche er Sein kostbares Blut vergossen hat; Du wollest sie fördern durch den Schmuck der Heiligkeit, durch Schätze der Gnade, und Erweiterung Ablaßgebete. 203 ihres Gebietes; damit sie sich stets würdig darstelle eines solchen Bräutigams und Erlösungspreises. Blicke auch huldreich auf die Kinder dieser heiligen Mutter, und vereinige mit ihnen alle Völker der Erde; damit alle Dich, Gott den Vater, und den Du gesandt hast, Jesum Christum, und den heiligen Geist mit lebendigem Glauben erkennen, mit unwandelbarer Hoffnung anrufen, und mit vollkommener Liebe umfangen. V. Sieh, o Herr, und suche heim Deinen Weinberg! R. Und vervollkommne ihn, welchen Deine Hand gepflanzet hat. Gebet. Blick, o Herr, auf diese Deine Gemeinde, für welche sich Jesus Christus, unser Herr, den Händen der Uebelthäter willig hingegeben, und der Pein des Kreuzes unterworfen hat! Welcher mit Dir lebet und regieret, in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Vater unser 2c., Ave Maria zc, Ehre sei Gott 2c. Um Ausrottung der Irrlehren. Antiphon. O Jesus, wahres Licht, welches alle Menschen in dieser Welt erleuchtet, wir bitten. Dich, Du wollest durch die unschätzbare Kraft Deines Leidens und Sterbens die Finsternisfe aller falschen Lehren und irrigen Glaubensmeinungen vertreiben; damit alle Menschen das Licht Deiner Wahrheit erfaffen, und in den liebevollen Schooß Deiner Kirche zusammenströmen. O guter Hirt, der Du Dein Leben für Deine Schafe gegeben, beschütze Deine Heerde wider die Nachstellungen derer, die zwar in Schafskleidern fommen, innerlich aber räuberische Wölfe sind! Gib, daß Alle 204 Ablaßgebete. nur einen Hirten anerkennen, und daß für Alle nur Ein Schafftall sei. Bleibe bei uns, o Herr! denn Du hast gesagt: Sehet, Ich bin bei euch alle Tage, bis zum Ende der Welt. Zeige, daß Deine Kirche auf einen Felsen gebaut sei, und der Hölle Pforten nichts wider sie vermögen. V. Ueberliefere nicht den wilden Thieren die Seelen Deiner Bekenner. R. Und vergiß nicht ganz auf die Seele Deiner Armen! Gebet. Laß Dich, o Herr, durch die Gebete Deiner Kirche besänftigen; damit sie alle Irrthümer und Widersetzlichkeiten zerstöre, und Dir in völliger Freiheit und Sicherheit zu dienen vermöge! Durch unsern Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn, welcher mit Dir in Einigkeit des heiligen Geistes lebet und regieret, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Vater unser 2c., Ave Maria 2c., Ehre sei Gott 2c. Um Eintracht der christlichen fürften. SK O heiliger Geist! Du Geist der nthiphon. Liebe und des Friedens, der Du so viele, so große und so verschiedene Völker in der Einheit des wahren Glaubens versammelt hast; verleihe den christlichen Fürsten und deren Rathgebern die Fülle Deiner Gnade, und beseele sie für das neue Liebesgebot, welches unser Herr, scheidend aus dieser Welt, seinen Jüngern gegeben; damit sie Alle daraus erkennen, daß sie zur Zahl Deiner Auserwählten gehören, und des christlichen Namens würdig seien. Laß sie nie, von sundhaften Begierden verleitet, etwas wider Deine Ehre, und zum Nachtheile der kirchlichen Eintracht unterneh Ablaßgebete. 205 men, sondern vielmehr alle Macht vereinigen, das ihnen untergebene Volk zum himmlischen Jerusalem und zum Genusse des ewigen Friedens zu geleiten. V. Friede herrsche durch Deine Kraft. R. Und Ueberfluß sei in unsern Thürmen. Gebet. O Gott, von welchem die heiligen Begierden, guten Vorsätze und gerechten Werke entspringen; gib Deinen Dienern jenen Frieden, welchen die Welt nicht geben kann; damit unsere Herzen Deinen Geboten ergeben, und durch Deinen Schutz von des Feindes Furcht gesichert im Frieden leben. Durch unsern Herrn Jesum Christum, 2c Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2c., Ehre sei Gott. 2c. für die leidenden Seelen im fegfeuer. bl ntiphon. O Herr, Jesus Christus, glorreicher König, befreie die Seelen der verstorbenen Gläubigen von den Strafen! V. O Herr! gib ihnen die ewige Ruhe! R. Und das ewige Licht leuchte ihnen! V. Lasse sie ruhen im Frieden! R. Amen! Gebet. O Gott, Du Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen, verleihe den Seelen Deiner Diener und Dienerinen die Nachlaffung aller Sünden; damit sie den Ablaß, wornach sie allezeit verlanget haben, auf die gottselige Fürbitte erlangen! Der Du mit dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes lebest und regiereſt. Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Bater unser 2c., Ave Maria 2c., Ich glaube an Gott 2c. usdesi effe f Ablaßgebete. Ablaßgebet vor einem Kruzifirbilde. ieh, o mein gütigster und liebreichster Jesu! vor deinem allerheiligsten Angesichte liege ich auf den Knieen und bitte dich aus dem innersten Grunde meiner Seele, du wollest mir lebendig in das Herz einprägen die Gesinnungen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, einer wahren Reue über meine Sünden und des festen Vorsatzes, dich nie mehr zu beleidigen, indem ich mit ungetheilter Liebe, mit innigstem Mitleiden deine heiligen fünf Wunden betrachte und im Geiste erwäge, was der heilige Prophet David von dir, o mein Jesus! gesprochen hat: ,, Sie haben meine Hände und Füße durchbohrt, sie zählten alle meine Gebeine."( Ps. 21, 17. 18.) 206 Wer dieses Gebet nach der heiligen Beicht und Kommunion vor einem Bilde Jesu des Gekreuzigten andächtig und reumüthig verrichtet, und nebstbei nach Meinung des Kirchenoberhauptes betet, erlangt einen vollkommenen Ablaß, der auch den armen Seelen im Fegfeuer zugewendet werden kann. Papst Leo XII 1825. Vierter Abschnitt. Nachmittägige Andachtsübungen. 207 € 30 I. Während der Vesper. ie Jungfrau. Großer Gott und Freund meiner Seele, der du mich durch deine Macht erschaffen, und durch deine Güte erlöset hast, was verlangst du von deiner Dienerin zur Erkenntniß so großer Wohlthaten? Der Herr. Ich begehre von dir nichts Anders, meine Tochter, als daß du mir dein Herz schenkest. Sprüche 23, 26. Die Jungfrau. Wer bin ich denn und was ist mein Herz, daß du, o großer Gott, von mir dieß Herz verlangest? Ach! ich bin ja nur eine Sünderin, und mein Herz ist die Wohnung unordentlicher Neigungen, und all' des Bösen, was ich gegen dich geübet habe! Und wer bist du mein Gott! der du nach einem so ungetreuen Herzen Verlangen trägst? Ach! wer fann mir sagen, wer du bist, wer kann mir die unendlichen Schätze deiner Macht, deiner Weisheit, deiner Majestät, seiner Güte und wunderbaren Milde beschreiben? Frage ich die Himmel, wer du bist, so antworten fie mir: fie seien das Werk deiner Hände, und die Erde Laß täglich Deine Huld und macht Um meine Schwachheit weben: Dein Licht verflichinge meine Nacht Und meinen Tod Dein Leben. Während der Vesper. 209 mit allen ihren Geschöpfen sagt mir: sie sei von dir gegründet worden. Hebr. 1, 10. Frage ich die Menschen, wer du bist, so antworten sie mir: Du seiest ihr Gott und Erlöser, von dem sie alle Gnade empfangen haben. 1 Thess. 1, 10. Steige ich hinab in die Tiefen der Erde, so sehe ich theils unglückselige Menschen, welche in den ewigen Flammen gepeiniget werden, weil sie an dich, den ewigen Sohn Gottes, entweder nicht glauben, oder dich nich haben lieben wollen. Joh. 3, 18. Theils erblicke ich die abtrünnigen und verruchten Geister, welche durch die Macht deines Grimmes gequält, auch nur deinen Namen vor Schrecken nicht hören können. Matth, 8, 29. Gehe ich mit meinen Gedanken hinauf in die Himmel der Himmel, so sehe ich dich zur Rechten des Vaters sitzend, welcher dich von Ewigkeit geboren hat, in dem Glanze der Heiligen. Pf. 109. Welche dich anbeten und mit lauter Stimme verkünden, daß du, o Lamm Gottes, derjenige bist, dem die Kraft, die Gottheit, die Weisheit, die Stärke, die Ehre und Herrlichkeit zugehören. Offenb. 5, 12. Du bist der starke Gott, der Vater des fünftigen Lebens, der Fürst des Friedens! 3jai. 9, 6. Die Patriarchen haben nach dir gefeufzet, und um dich zu sehen, Himmel und Erde angerufen! Isai. 45, 8. Die Apostel haben die unerschöpflichen Schätze deiner Gnaden, und die Fülle der in dir leiblicher Weise wohnenden Gottheit, der Welt verkündiget! Ephes. 3, 8. Wie unglaublich groß ist die Anzahl der Martyrer, welche aus allen Ländern, aus allen Völkern, aus allen Geschlechtern, von jedem Alter, ihr Blut vergossen, und, um deine ewige Gottheit zu behaupten, alle erdenklichen Qnalen ausgestanden haben! Offenb. 6, 9. Um deine Liebe zu gewinnen, haben unzählbare Jungfrauen, die dich jetzt in himmlischer Glorie umJungfrauenbuch II. Theil. 14. 210 Während der Vesper. geben, die schnöden Freuden der Welt verachtet, und mit strengen Bußwerken, oder selbst mit der Marterkrone ihre jungfräuliche Reinigkeit geschmücket. Offenb. 4, 14. Alle deine Auserwählten legen ihre Kronen zu deinen Füßen, um dadurch anzuzeigen, o glorreicher Jesu! daß sie durch dich auserlesen, durch dein Blut erkauft, und durch deine Gnade heilig geworden sind. Offenb. 4, 10. Alles, was im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ist, muß bei deinem Namen die Kniee beugen Phil. 2, 10. Wie groß bist du also und wie herrlich, mein Erlöser! Niemand erkennt dich, als dein himmlischer Vater, von dem du das Wort, die Kraft, die Weisheit und das vollkommene und wesentliche Ebenbild bist! Hebr. 1, 3. Was kann also, großer Gott! dich bewegen, mein Herz zu verlangen? Der Herr. Dein Herz, meine Tochter, ist mein Erbtheil, das mir mein Vater gegeben hat; es ist der Preis meines Blutes, das Reich meines Vaters, die Wohnung des heiligen Geistes. Es ist erschaffen, damit es mit allen Schätzen Gottes erfüllt werde. Niemand kann diesem Herzen Vergnügen und Befriedigung ſeiner Neigungen geben, als ich; und weil ich dich unendlich liebe, so verlange ich dein Herz, um es mit himmlischen Gütern zu beglücken. Die Jungfrau. Warum also, mein Gott und Alles! warum gebe ich dir nicht mein Herz, das du verlangest? Wie lange soll es noch an der falschen Welt, an den eigennützigen Menschen, und an der eitlen Nichtigkeit hängen? Wie lange noch will ich es dir versagen, der du mich mit deinem theuern Blute erkauft hast, der du mich mit deinem kostbaren Fleische und Blute ernährest, der du hier und dort meine wahre und ewige Glückseligkeit bist! Bin ich noch deines gnädigen Blickes werth? Weil aber deine Geduld so unerschöpflich groß Während der Vesper. 211 ist, und deine Milde so unermeßlich, so will ich dir mein bisher treulofes Herz gänzlich übergeben. Aber du, mein Erlöser! du wirst mein irdischgesinntes Herz umwandeln und nach deinem Herzen richten; um diese Gnade bitte ich dich bei deinem liebevollen Herzen! Die traurige Erfahrung überzeugt mich, wie wenig ich auf meine Kräfte bauen kann. Tausendmal hab' ich mir vorgenommen, daß ich dir mein Herz mit allen seinen Neigungen übergeben will, tausendmal hab ich mein gutes Vorhaben wieder unerfüllt gelassen, und so verschiebe ich meine Bekehrung von einem Tage zum andern, von einem Jahre zum andern. Wenn du mich nun unterdessen von dieser Welt hinwegnehmen wolltest, so müßte ich also sterben mit diesem ungetreuen, meineidigen Herzen, und wenn deine Liebe, für die ich taub gewesen bin, mich deiner Ge rechtigkeit überliefern würde, könnte mich dann die Welt, der ich gedient habe, könnte mich das Herz eines Menschen, an dem ich mit thörichter Liebe hing, vor deiner Strafe befreien? So müßte ich denn ewig zu Grunde gehen, und von dir, der du meine Freude und mein Leben bist, verstoßen, des ewigen Todes sterben! Ach Herr, der du mein Herz so innig liebest, kannst du ein solches Urtheil zulassen? Laß also mein Herz dein, und dein Herz mein seyn, o mein geliebter Erlöser, laß mich dich lieben, und meine leichtsinnige und fündhafte Kränkung deiner Liebe ewig beweinen! Der Lobgefang der heiligen Jungfrau Maria. M eine Seele singet das Lob dem Herrn, und mein Geist hat in Gott, meinem Heilande, gefrohlocket; weil er angesehen hat die Nichtigkeit seiner Magd, und deßwegen werden mich alle Geschlechter selig 14* Während der Vesper. sprechen; denn der da mächtig ist, hat große Dinge an mir gethan, und sein Name ist heilig; und seine Barmherzigkeit erstrecket sich von einem Geschlechte in das andere über die, so ihn fürchten. 212 Er hat die ganze Macht seines Armes sehen lassen, und hat die Hoffärtigen im Geiste zu Schanden gemacht. Er hat die Gewaltigen von ihrem Throne abgesetzt und die Demüthigen erhoben. Die Hungrigen hat er mit Gütern erfüllet, und die Reichen leer gelassen. Er hat seinen Diener Israel aufgenommen und an seine Barmherzigkeit gedacht, wie er es versprochen hat unsern Vätern, dem Abraham und seinen Söhnen für alle Zeiten. Ehre sei dem Vater, dem Sohne und dem heiligen Geiste, wie im Anfange, jetzt und immer, und zu ewigen Zeiten! Amen. Gebet. Herr und Gott, wir bitten dich, ver= leihe uns, deinen Dienern, daß wir einer ewigen Gesundheit des Leibes und der Seele uns erfreuen, und durch die glorreiche Fürbitte der seligen Jungfrau Maria von der Trauer erlöset werden, und die ewigen Freuren genießen, durch Christum unsern Herrn! Amen. ( Vom ersten Sonntage des Advents bis auf Lichtmeß.) O gnadenreiche Mutter des Erlösers! die du bist die offene Pforte des Himmels und der hell leuchtende Meerstern, komm zu Hülfe dem fallenden Volke, das aufzustehen verlanget; die du geboren hast deinen Schöpfer, worüber sich die ganze Natur verwundert. Während der Vesper. 213 O Jungfrau vor und nach der Geburt, die du den göttlichen Gruß durch des Erzengels Mund empfangen hast, erbarme dich über uns Sünder! Der Engel des Herrn brachte Mariä die Botschaft, und sie empfing von dem heiligen Geiste. Gebet. Wir bitten dich, o Herr! du wollest deine Gnaden in unsere Herzen ausgießen, auf daß wir nach, durch den englischen Gruß, erkannter Menschwerdung deines Sohnes, durch sein Kreuz und Leiden eine glorreiche Auferstehung erlangen, durch denselben Jesum Christum unsern Herrn! Amen. ( Von Weihnachten an ist folgendes Gebet anstatt des obigen zu gebrauchen.) Gebet. Gott! der du durch die fruchtbare Jungfrauschaft Mariä dem menschlichen Geschlechte das ewige Heil mitgetheilet hast, verleihe uns, daß wir durch die Kraft ihrer Fürbitte gestärket werden, nachdem wir durch sie den Urheber des Lebens empfangen haben, welcher ist unser Herr Jesus Christus, dein eingeborner Sohn, der mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit! Amen. ( Von Lichtmeß bis auf den Osterabend.) Würdige mich, zu loben dich, o heilige Jungfrau, gib mir Kraft und Stärke wider deine Feinde! Gebet. Barmherziger Gott! komm unserer Schwäche zu Hülfe, damit wir durch die Fürbitte der heiligen Gottesgebärerin, die wir verehren, von unsern Sünden befreiet werden, durch Jesum Christum unsern Herrn! Amen. 214 Während der Vesper. ( Bom Ofterabend bis zum Vorabend der heiligen Dreifaltigkeit.) Erfreue dich, du Himmelskönigin! denn der ist auferstanden, wie er es gesagt hat, den du verdient hast in deinem Leibe zu tragen; bitte Gott für uns! erfreue dich und frohlocke, o du Jungfrau Maria, denn der Herr ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja! Gebet. Gott! der du durch die Auferstehung deines Sohnes die Welt haft erfreuen wollen, wir bitten dich, laß uns durch dessen jungfräuliche Mutter die Freude des ewigen Lebens erlangen, durch Christum unsern Herrn! Amen. ( Vom Vorabende der heiligen Dreifaltigkeit bis zum Advent.) Bitte für uns, o heilige Gottesgebärerin, damit wir würdig werden der Verheißung Christi! Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott! der du den Leib und die Seele der glorreichen Jungfrau und Mutter Gottes Mariä durch die Wirkung des heiligen Geistes vorbereitet hast, daß sie eine würdige Wohnung deines Sohnes wurde, laß uns durch ihre milde Fürbitte von allen Uebeln und von dem ewigen Tode erlöset werden, durch Jesum Christum unsern Herrn Amen. dessesses Deesserzery 1HS II. 215 bigh Andacht vor dem hochwürdigsten Gute, befonders an den Kommuniontagen und in der frohnleichnamsoktave. whees ei gegrüßt, o Du ehrwürdigstes und allerheiligstes Sakrament! Du Brod des Himmels und Brod des Lebens! einzig liebvollster und liebenswürdigster Jesus! Ich grüße und verehre Dich in Deinem Tabernakel mit aller der Andacht und Liebesbezeigung, womit Dich vom Anfange der Einsetzung Deines Sakraments jemals fromme Seelen gegrüßt und verehrt haben, womit Dich fromme Seelen in diesem Deinem Sakramente wirklich grüßen und verehren, und womit Dich die Deinigen bis zum Ausgange ihres Lebens noch grüßen und verehren werden. Verborgener Gott und Seligmacher! ich glaube an Deine wesentliche Gegenwart unter den Brodsgestalten und zwar deßwegen, weil Du, als die untrügliche Wahrheit, dieselbe geoffenbaret hast. Mein Herr und mein Gott! von dem Lichte des Glaubens erleuchtet bete ich Dich in Deinem heiligsten Saframente mit jener Ehrfurcht und Inbrunst an, welche Dir Deine heiligen Engel vor Deinem Throne 216 Andacht vor dem En Xy Gelobt und gebenedeit sei ohne End' Jesus im allerhl. Sakrament. hochwürdigsten Gute. 217 bezeigen. Ich bete Dich aus dem Abgrunde meines Nichts im Namen und in der Andacht aller Gerechten an. Ich bete Dich an und verlange innigst, daß Dich mit mir die ganze Welt anbeten, erkennen, und allzeit von Herzen lieben möchte. Dein Name, o Herr! fei gebenedeit von nun an bis in Ewigkeit. O Geheimniß der Güte und Ueberfluß der göttlichen Freigebigkeit! Jesu, der Du in diesem Sakramente Deine Reichthümer im vollsten Maaße uns mittheilest: ich danke Dir, daß Du Dich würdigtest, uns zu Liebe ein so großes Wunder zu wirken, und unser mit so großer Barmherzigkeit zu gedenken. Alle Deine Heiligen sollen Dich deßwegen mit mir loben und benedeien. Ich liebe Dich, liebenswürdigster Jesu! weil Du zuvor mich geliebt hast, noch mehr aber, weil Du aller Liebe wegen Deiner unendlichen Güte unendlich würdig bist. fönnte ich Dich lieben, wie Dich ein Cherub im Himmel, wie Dich Deine göttliche Mutter liebt, und wie Du Dich Selbst liebst! Ja, mein Gott und mein Alles! ich liebe Dich, und immer will ich Dich nach allen Kräften lieben, weil Du bist, der Du bist, unendlich schön und vollkommen, unendlich gut und allein gut, höchst liebenswürdig in Dir Selbst. - O Gott der Liebe! entflamme mich ganz mit dem Feuer Deiner Liebe, und erfülle das Innerste meines Herzens mit Deiner unbeschreiblichen Süßigkeit, damit ich von Deiner Liebe verzehrt werde. Gott! der Du die Herzen ansiehst, und das Seufzen der Armen anhörest: Du weißt, daß ich Dich jetzt von ganzem Herzen zu lieben verlange. Du weißt aber 218 Andacht vor dem auch, wie spät ich anfange, Dich zu lieben, und wie lange ich Dich nicht geliebt habe. Es reuet mich über Alles, daß ich Dich bisher nicht nur nicht geliebet, sondern sogar beleidiget habe. Es reuet mich Herr! verzeih' und schone meiner, weil Du ein immer und ewig barmherziger Gott bist. - Gott, meine Hoffnung, und Gott meines Heiles! auf Dich vertrauet meine Seele. Denn Du bist gütig und fanftmüthig, und von großer Erbarmung gegen Alle, die dich anrufen. Sieh, o Erbarmer und ewiger Liebhaber der Menschen! zu Dir erhebe ich mein Gemüth, zu Dir meine Hände und meine Augen. Der Du hier in diesem Liebessakramente uns erwartest, um Dich unser zu erbarmen: hilf mir, und vermehre mein Vertrauen auf Dich dadurch, daß Du mir Deine barmherzige Hilfe angedeihen lassest. Sieh', ich Dein Diener bin frant, elend und armselig. Ich stelle Dir meine äußerste Noth vor. Wirf hier einen Blick in dein Inneres, und bes kenne vor Jesu Christi mit großer Einfalt den armseligen Zustand deiner Seele, alle Gebrechen und bösen Neigungen u s. w. Sodann fahre fort und seufze: O Gott, meine Hoffnung und Zuflucht! neige Dein Ohr zu meinem flehentlichen Rufen: denn ich bin von allen Seiten geängstigt. Sieh', o Erlöser meiner Seele! sieh auf Deine Wunden, welche Du mir zu Liebe Dir haft schlagen lassen, und alsdann sieh' auf mich, um Dich meiner zu erbarmen und mich zu erretten. hochwürdigsten Gute. 219 Ich bekenne zwar und muß es bekennen, daß ich als Sünder Deiner Liebe höchst unwürdig bin. Allein Du hast ja für mich am Kreuze Dein Blut und Leben geopfert, obwohl ich es nicht verdient hatte; so sieh denn nicht auf meine Unwürdigkeit, sondern erbarme Dich meiner nach der Größe Deiner unendlichen Liebe; rette meine Seele, und zieh' mein Herz für mein ganzes Leben an Dich. geiftliche Kommunion. nbetungswürdigster Jesu! ich glaube fest, daß Du in dem heiligsten Sakramente des Altars wesentlich zugegen bist.- Ich liebe Dich über Alles.- Aus Liebe zu Dir bereue ich alle meine Sünden. Ich will Zeit Lebens nicht mehr sündigen. Möchte ich Dich wirklich im Sakramente empfangen können! Komm doch wenigst mit Deiner Gnade in meine Seele, und bleib' in mir. Ich übergebe mich Dir, und vereinige mich auf's innigste mit Dir, laß nicht zu, daß ich von Dir getrennt werde. Deine heiligste Seele, o Jesu! heilige mich durch Vermehrung eines lebendigen Glaubens, einer unerschütterlichen Hoffnung und einer brennenden Liebe, die Dich vor Allem, und alles Andere nur wegen Dir liebt. Dein heiligster Leib, o Jefsu! der für mich gekreuzigt worden ist, befreie mich von allen den Unordnungen, die in meinem Leibe Deinem Gesetze widersprechen. Andacht vor dem Dein heiligstes Blut, o Jesu! tränke mich dermaßen, daß mir alle Sehnsucht nach der Eitelkeit dieser Welt benommen werde. Das kostbarste Wasser Deiner heiligsten Seitenwunde wasche und reinige mich immer mehr und mehr von allen meinen Sünden. 220 Dein heiligstes Leiden, o Jesu! stärke und tröste mich zur Zeit der Trübfal und in den Leiden dieses Lebens. Ich denke mitleidig und dankbar an Dein Leiden, an Deine Wunden, an Deine Schmerzen, an Deinen Tod; ach! laß sie an mir nicht verloren seyn! O gütigster Jesu! erhöre mich, wegen der Herrlichkeit Deines Namens, und wegen des Namens Deiner gebenedeitesten Mutter Maria. In Deine Wunden verbirg Du mich, damit ich darin vor der Wuth meiner Feinde sicher bin. Laß mich von Dir nicht mehr scheiden durch eine Sünde. Mein Gott! lieber will ich sterben, als Dich beleidigen Vor dem bösen Feinde beschütze mich durch Deine Gnade. Dein heiliger Engel halte ihn weit von mir ab. In der Stunde meines Todes rufe mich, Dein armes Kind, und Zu Dir zu kommen heiß mich; denn Du bist mein letztes Ziel und Ende, mein Gott! nach welchem all mein Verlangen gerichtet ist! Damit ich mit Deinen Heiligen Dich lobe immer und ewig. Amen. 221 hochwürdigsten Gute. gebet für Andere. ( 1) Jahres Versöhnungsopfer für Lebendige und Abgestorbene! jener unendlichen Liebe, die Dich, mein Jesu, o ewiger Liebhaber der Menschen! vom hohen Himmel in diese geringen Brobsgestalten erniebrigt hat, empfehle ich meine lieben Aeltern und Geschwisterte, meine Vorgesetzten und Lehrer, meine Hausund Ortsgenossen, meine Freunde und Feinde, Gerechte und Sünder, alle Lebendigen und Abgestorbenen, besonders diese N. N., für die ich zu beten schuldig bin, oder zu beten versprochen habe. Ach! erbarme Dich Deiner Diener und Dienerinnen, welche Du mit Deinem fostbaren Blute erlöset hast. Erbarme Dich über sie und sei ihnen gnädig nach der Menge Deiner unendlichen Herzensgüte. Zu Maria. O heiligste und glorreichste Jungfrau Maria! durch das süßeste Herz deines und meines Jesus grüße und verehre ich dich aus dem Innersten meiner Seele, und bitte durch den reinsten Leib deines Jesu, der aus dem deinigen gestaltet wurde, du wollest mir ein reines Herz und die Gabe der vollkommenen Enthaltsamkeit erflehen. Mutter des guten Rathes; sei du die Leiterin und Königin des Herzens. Bitt' für mich, daß alle meine Gedanken, Worte und Werke nach dem Willen deines göttlichen Sohnes geleitet werden; vor Allem erflehe mir die Gnade, daß ich in meiner letzten Krankheit des würdigen Empfanges des Leibes und Blutes beines göttlichen Sohnes, und mit dir und mit Ihm der ewigen Freuden theilhaftig werde, und 222 Andacht vor dem dereinst ohne diese heilige Wegzehrung in die Wohnungen der Ewigkeit nicht abreisen möge. Schlußgebet. Nun wende ich mich noch einmal zu Dir, o mein Jesu! und empfehle mich Deiner unendlichen Barmherzigkeit. Schließ mich in Dein heiligstes Herz ein, und laß mich von Deiner Liebe durch keine Sünde jemals getrennt werden. Durch die Hände Mariä übergebe ich mich Dir zu einem ewigen Opfer, und vereinige mein Opfer mit demjenigen, welches Du in Deinem Sakramente immer Deinem Vater darbringst. Mache, daß ich in Allem Deinen heiligsten Willen erfülle, und nach diesem lebe und sterbe. Segne mich, und laß Deinen Segen immer auf mir ruhen. Die heiligen Engel, welche hier Deinen Thron umgeben, sollen für mich, während ich zu Deiner Ehre bei meinen Berufsgeschäften mich befinde, Dich unaufhörlich loben und benedeien. Amen. Litanei von dem hochheiligen Sakramente des Altars. IS Zerr, erbarme dich unser! Christe, erbame dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel,*) Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geiſt, Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Du lebendiges Brod, welches du vom Himmel gekommen bist, *) Erbarme dich unser. hochwürdigsten Gute. Du Brod, welches alle Seligkeit in sich begreift,*) Du Brod, welches für das Leben der Welt gegeben ist, Du verborgener Gott und Heiland, Du Frucht der Liebe Jesu, Du Brunnen der Gnaden Du immerwährendes Opfer, Du unbeflecktes Lamm, Du Speise der Engel, Du Schatz der Gläubigen, Du Wonne der gottseligen Gemüther, Du Gedächtniß der göttlichen Wunderwerke, Du Versöhnung der Sünder, Du Band des Friedens und der Liebe, Du Trost der Betrübten, Du Speise der Hungrigen, Du Balsam der Kranken, Du Wegzehrung der Sterbenden in dem Herrn, Du Pfand der fünftigen Herrlichkeit, Sei uns gnädig, verschone uns, o Herr! 223 Sei uns gnädig, erhöre uus, o Herr! Von dem unwürdigen Empfange deines heiligen Fleisches und Blutes, erlöse uns, o Herr! Von der Begierde des Fleisches, erlöse uns, o Herr! Von der Begierde der Augen, erlöse uns, o Herr! Von Hoffart des Lebens,**) Von aller Gelegenheit zur Sünde, Durch die höchste Demuth, mit welcher du deinen Jüngern die Füße gewaschen, Du die innige Liebe, mit welcher du dieß heilige Sacrament eingeſetzet haſt, Durch dein heiliges Fleisch und Blut, welches du uns in diesem heiligen Sakramente hinterlassen, Wir arme Sünder, wir bitten dich, erhöre uns! *) Erbarme dich unser!**) Erlöse uns, o Herr! 224 Andacht vor dem Daß du in uns den Glauben, die Ehrerbietung und Andacht für dieß heilige Sakrament mehren und erhalten wollest, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du uns von dem Tode der Sünde zu dem ewigen Leben auferwecken wollest,*) Daß du uns in deiner Gnade bestätigen wolleſt, Daß du uns vor allen Nachstellungen des bösen Feindes beschützen wollest, Daß du unser Gemüth mit der Gnade deiner Heimsuchung erleuchten und reinigen wollest, Daß wir in deinem Umgange immer Lust und Freude finden mögen, Daß du das Feuer deiner Liebe in uns entzünden wollest, Daß du mit dem Bande deiner Liebe uns vereinigen wollest, Daß du in der Stunde unsers Absterbens mit dieser himmlischen Speise uns stärken und versehen wollest, Daß du uns zum Nachtmahl des ewigen Lebens führen wollest, Du Sohn Gottes O du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser, o Herr! Christe, erhöre uns! Christe, höre uns! - Herr, erbarme dich unser!- Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser!- Vater unser 2c. Und führe uns nicht in Versuchung, Sondern erlöse uns von dem Uebel! *) Wir bitten dich, erhöre uns. hochwürdigsten Gute. 225 w. Ein Gedächtniß Seiner Wunder hat der gütige und barmherzige Herr geſtiftet. B. Er hat Speise gegeben denen, die Ihn fürchten. v. Du hast ihnen, o Herr! Brod vom Himmel gegeben; B. Welches alle Süßigkeit in sich hat. V. Herr! erhöre mein Gebet, R. Und laß mein Rufen zu Dir kommen. ♦ Gebet. O Gott! der Du uns durch das wunberbare Sakrament das Gedächtniß Deines Leidens hinterlassen haft: wir bitten Dich, gib uns die Gnade, das heilige Geheimniß Deines Leibes und Blutes also zu verehren, damit wir die Wirkung Deiner Erlösung in uns jederzeit erfahren mögen, durch Christum unsern Herrn. Amen. Jungfrauenbuch, II. Thiel 15 bim rodit swahl 9 isd sligh radi o aide chime Sei Maria! unser Stern, Strahlend aus der Himmelsfern, Wenn uns Rath und Trost gebricht, Sei, Maria! unser Licht! Deiner Bitten süsser Ton Wallet auf zum ew'gen Thron, Daß wir einst in Himmelsan'n Jesum, unsern König, schau'n! III. Nosenkranz- Andacht. 108881 227 1. Den Rosenkranz öfters beten, ist gott und der seligsten Jungfrau Maria angenehm. urch den heiligen Rosenkranz wird 1) Christus und seine wertheste Mutter gebenedeiet und gepriesen, und die Prophezeiung des heil. Geistes erfüllet: Von nun an werden mich alle Geschlechter selig sprechen. Luc. 1, 51. 2) Das Lob, welches Maria durch dieß Gebet gegeben wird, ist das Lob, welches Gott selbst dieser übergebenedeiten Jungfrau durch den Erzengel Gabriel und durch Elisabeth gegeben hat. Luc. c. 1. Die letzteren Worte hat die heilige Kirche beigesetzt, welche zu allen Zeiten, von dem Geiste Gottes erleuchtet, die hochgebenedeite Mutter des Herrn vor allen andern Heiligen geehret und gepriesen, und, wie Augustinus sagt, als die einzige Hoffnung der Sünder angerufen hat. Das Beten des Rosenkranzes aber ist die gewöhnlichste Andacht der Gläubigen. 2. Wie man den Rosenkranz mit andächtigem gemüthe durch die fünfzehn geheimniffe beten kann. ( In einem jeden Absaße oder Zehnter setze zu dem Worte Jesus das Geheimniß, wie folgt:) Das freudenreiche Geheimniß. Im ersten Absatz oder Zehner. 1) Den du Jungfrau von dem heil. Geist empfangen haft. 2) Den du Jungfrau zu Elisabeth getragen hast. 3) Den du Jungfrau zu Bethlehem geboren haft. 15* 228 Rosenkranzandacht. 4) Den du Jungfrau im Tempel aufgeopfert hast. 5) Den du Jungfrau im Tempel mit Freuden gefunden hast. Das schmerzhafte Geheimniß. Im zweiten Absatz oder Zehner. 1) Der für uns am Delberg Blut geschwißet hat. 2) Der für uns schmerzlich gegeißelt worden ist. 3) Der für uns mit Dornen gekrönt worden ist. 4) Der für uns das schwere Kreuz getragen hat. 5) Der für uns am Kreuz gestorben ist. Das glorreiche Geheimniß. Im dritten Absatz oder Zehner. 1) Welcher herrlich von den Todten auferstanden ist. 2) Welcher glorwürdig gen Himmel aufgefahren ist. 3) Welcher den heiligen Geist geſandt hat. 4) Welcher dich im Himmel aufgenommen hat. 5) Welcher dich im Himmel gekrönt hat. Litanei von der allerfeligsten Jungfrau und Mutter des Herrn. Syrie eleison! Christe eleison! Kyrie eleison! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarmie dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme dich unser! Heil. Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme dich unser! Heilige Maria,*) Heilige Gottes- Gebärerin, *) Bitt für uns! Rosenkranzandacht. Heilige Jungfrau aller Jungfrauen,* 1 Mutter Christi, Mutter der göttlichen Gnaden, Du allerreinste Mutter, Du allerkeuschefte Mutter, Du ungeschwächte Mutter, Du unbefleckte Mutter, Du liebliche Mutter, Du wunderbare Mutter, Du Mutter des Schöpfers, Du Mutter des Erlösers, Du allerweiseste Jungfrau, Du ehrwürdige Jungfrau, Du lobwürdige Jungfrau, Du mächtige Jungfrau, Du gütige Jungfrau, Du getreue Jungfrau, Du Spiegel der Gerechtigkeit, Du Sitz der Weisheit, Du Quelle unserer Freuden, Du geistliches Gefäß, Du ehrwürdiges Gefäß, Du Gefäß der Andacht, Du geistliche Rose Du Thurm Davids, Du elfenbeinener Thurm, Du golbenes Haus, Du Arche des Bundes, Du Himmels- Pforte, Du Morgenstern, Du Heil der Kranken, Du Zuflucht der Sünder, Du Trösterin der Betrübtent, Du Helferin der Christen, *) Bitt für uns! man? 229 10. 356 C 230 Du Königin der Engel,*) Du Königin der Patriarchen, Du Königin der Propheten, Du Königin der Apostel, Du Königin der Märtyrer, Du Königin der Beichtiger, Du Königin der Jungfrauen, Du Königin aller Heiligen, Rosenkranzandacht.* vello uprinut miliā well adallo# Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Bater unser 2c. 113 O du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! # 0 O du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser, o Herr! spitin@ 40 10 Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gebärerin Gottes; verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöthen, sondern erlöse uns allezeit von allen Gefahren! O du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau, unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Für sprecherin, versöhne uns mit deinem Sohne! empfehle uns deinem Sohne! stelle uns vor deinem Sohne! Bitt für uns, o heilige Gebärerin Gottes, auf daß wir wür dig werden der Verheißung Christi! esdn *) Bitt für uns! supia na Quo IV. Andacht zur unbefleckten Empfängniß der heiligen Jungfrau Maria. 231 Effe legrüßt seist du, Maria, der Herr ist mit dir, deine unbefleckte Empfängniß, o Gottesgebärerin, hat der ganzen Welt große Freude gemacht! O Gott, komm mir zu Hülfe! Herr, eile mir zu helfen! Ehre sei dem Vater, dem Sohne und dem heiligen Geiste, wie im Anfange, jetzt und immer, und zu ewigen Zeiten! Amen. Wie schön bist du, meine Freundin, wie schön bist du! Deine Augen sind gleich den Taubenaugen, ohne das, was innerlich verborgen ist! Hohel. Salom. 4. Der Allerhöchste hat seine Wohnung geheiliget; Gott ist mitten in ihr; sie kann nicht bewegt werden. Herr, erhöre mein Gebet, und laß mein Geschrei zu bir fommen! d Wer ist diese, die da hervortritt wie die aufgehende Morgenröthe, schön wie der Mond, auserlesen wie die Sonne, schrecklich wie ein Kriegsheer zur Schlacht bereitet. Hohel. Salom. 6. Du bist ganz schön, meine Freundin, und in dir ist keine Mackel! utier 232 Andacht zur unbefleckten Ich bin unter dem Schatten desjenigen gesessen, nach welchem ich verlangte, und seine Frucht ist süß und lieblich in meinem Munde! Hohel. Salom. 2. Mein Sig ist auf dem höchsten Orte, und mein Thron auf Wolkensäulen. Ihre Grundfeste ist auf den hohen Bergen gesetzt: der Herr liebt die Hütten Sions mehr, als alle Hütten Jakobs! Ps. 86. Herrliche Dinge sind von dir geredet worden, o Stadt Gottes, der Allerhöchste hat dich gegründet! Gott der Herr sprach zu der Schlange: Ich will eine Feindschaft anspinnen zwischen dir und dem Weibe, und sie wird dein Haupt zertreten! 1. Mos. 3. Wie die Lilie unter den Dornen, also ist meine Freundin unter den Töchtern! Ich bin die Mutter ver schönen Liebe, der Furcht, der Erkenntniß und der Hoffnung. Bei mir ist alle Annehmlichkeit des Lebens, der Wahrheit und der Tugend. Jes. Sir. 24. Kommet Alle zu mir, die ihr nach mir verlanget, und sättiget euch mit meinen Früchten! gebet. Sk llerfeligste Jungfrau Maria! du Königin der Him. mel, du Mutter unsers Herrn Jesu Christi, du Herrscherin der ganzen Welt, die du Niemand verläsfeſt und Niemand verstoßest! Sieh uns an mit deinen gnädigen und barmherzigen Augen, und erlange für uns bei deinem geliebten Sohne, den du, eine Jungfrau, geboren hast, die Nachlassung und Verzeihung unserer Sünden, 233 Empfängniß Maria. damit wir durch deine heilige, unbefleckte Empfängniß, die wir demüthig verehren, im fünftigen Leben die ewige Freude empfangen mögen, durch Jesum Christum, deinen eingebornen Sohn, der mit dem Vater und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit! Amen. Kirchengebet. w. In deiner Empfängniß bist du, o Jungfrau Maria, ohne Mackel gewesen, R. Bitt für uns den Vater, dessen Sohn Jesum, vom heiligen Geiste empfangen, du geboren hast. ott, der Du burch die unbefleckte Empfängniß der O Jungfrau deinem Sohne eine würdige Wohnung bereitet hast, verleihe uns durch ihre Fürsprache, daß wir unser Herz und unsern Leib für Dich, der Du sie vor jeder Mackel bewahrt hast, stets unbefleckt bewahren mögen. Durch ebendenselben unsern Herrn, Jeſum Christum, deinen Sohn, welcher mit Dir in Einigkeit des heiligen Geistes, als Gott lebt und regiert in Ewigfeit. Amen. Ablaßgebet zu Ehren der unbefleckten Empfängniß Maria. O elobt sei die heilige und unbefleckte Empfängniß Mariä! Ober: ,, In deiner Empfängniß, o Jungfrau Maria, biſt du ohne Mackel gewesen. Bitte für uns den Vater, dessen Sohn Jesus, vom heiligen Geiste empfangen, du geboren hast." Ein Ablaß von 100 Tagen, so oft man mit reumüthigem Herzen eines ober das andere dieser Gebetlein andächtig spricht Pius VI. 21. Nov. 1793. Desezess ors ald, 19 and mod Ch ☆ 好 Dich, Maria! will ich preifen, Dir, o Jungfrau, Dienst erweisen: Auserlesen, wie die Sonne, Ist Dein Glanz und Deine Wonne; ses IS IV Schön als wie der Mondenschein Und die Sterne klar und rein; Schrecklich, wie die Heeresspitzen, Die vor Feinden uns beschützen! Litanei von der unbefleckten Empfängnifi der feligsten Jungfrau Maria. IS err, erbarme Dich unser! id Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! dun pa 235 Gott Vater vom Himmel! Erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt! Erbarme dich unser! Gott heiliger Geist! Erbarme Dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott! Erbarme Dich unser! Heilige Maria*) Heilige Maria, von Anfang und vor aller Zeit zur Mutter des Sohnes Gottes erwählt und bereitet, Heilige Maria, vor jeder Mackel der Erbsünde frei bewahrt, Heilige Maria, frei von jedem Verderbnisse des Leibes, der Seele und des Verstandes, Heilige Maria, schönstes und heiligstes aller erschaffenen Wesen, Heilige Maria, stets geziert mit jener vollkommensten Heiligkeit, die Niemand außer Gott zu begreifen vermag, Heilige Maria, einzig unter allen Geschöpfen der Gegenstand des innigsten Wohlgefallens des himmlischen Vaters, Heilige Maria, reinste aller Jungfrauen, Heilige Maria, verehrungswürdigste Mutter des eingebornen Sohnes Gottes, Heilige Maria, mit deinem göttlichen Sohne und durch Ihn die ewige Feindin der giftigen Schlange, Ke *) Bitt für uns! Der 538 Litanei zur unbeflecktcn Heilige Maria, mit deinem göttlichen Sohne und durch ihn die vollkommenste Siegerin über die alte grausamste Schlange,*) Heilige Maria, himmlische Arche Noe, unversehrt erhalten und wunderbar gerettet aus dem allgemeinen Schiffbruche der Welt. 236 Heilige Maria, wunderbarste Himmelsleiter, auf deren Spige der Herr ruhte, ujigle Heilige Maria, brennender Dornbusch, in Mitte ber Feuerflammen anmuthig grünend und blühend, ter Heilige Maria, unüberwindlicher Thurm gegen jeden Anfall des Feindes, Heilige Maria, verschlossener und unentweihter Garten Gottes, Heilige Maria, glänzende Stadt Gottes, gegründet auf den heiligen Bergen, Heilige Maria, erhabenster Tempel Gottes, erfüllt von der Herrlichkeit des Herrn, Heilige Maria, erhabener Thron Gottes, Heilige Maria, Bundeslade der Herrlichkeit Gottes, Heilige Maria, Haus, das die ewige Weisheit sich selbst erbaut hat, Heilige Maria, Königin, von Lieblichkeit überfließend, Heilige Maria, Sitz aller göttlichen Gnaden, Heilige Maria, unermeßlicher Schatz der göttlichen Gnaden, Heilige Maria, unerschöpflicher Abgrund der göttlichen Gnaden, Heilige Maria, mit deinem Sohne ewigen Lobes und Segens theilhaftig, Heilige Maria, glorreichste Jungfrau, an welcher Derjenige, welcher der Mächtige ist, Großes gethan hat, Heilige Maria, Wunder aller Wunder Gottes, Heilige Maria, würdige Mutter Gottes, *) Bitt für uns! 237 Empfängniß Mariä. Heilige Maria, erhaben über alles Lob der Menschen und Engel,*) Heilige Maria, Lilie unter den Dornen, Heilige Maria, reine Erde, aus welcher Jesus, der neue Adam, gebildet wurde, Heilige Maria, lichtvollstes und angenehmstes Paradies der Unschuld, der Unsterblichkeit und der Wonne, Heilige Maria, unverwesliches Holz, vom Wurm der Sünde nie verdorben, Heilige Maria, stets reine durch die Kraft des heiligen Geistes besiegelte Quelle, Heilige Maria, göttlicher Tempel, Heilige Maria, alleinige und einzige Tochter nicht des Todes, sondern des Lebens, Heilige Maria, stets grünender Zweig nicht des Zornes, sondern der Gnade, Heilige Maria, Wiederherstellerin der Stammeltern, Heilige Maria, Lebendigmacherin der Nachkommen, Heilige Maria, mit Gott stets auf's innigste vereiniget, Heilige Maria, Erstgeborne, aus welcher Jesus, der Erstgeborne vor allen Creaturen, empfangen wurde, Heilige Maria, Tabernakel, vom heiligen Geiste gebildet und geschmückt, Heilige Maria, eigenstes Meisterwerk Gottes, Heilige Maria, überallhin leuchtende Morgenröthe, Heilige Maria, herrlichstes Vorbild der Heiligkeit und Reinigkeit, Heilige Maria, immer blühende und stets unversehrte Rose, Heilige Maria, neue Eva, die du in dir die ursprüngliche Gerechtigkeit vermehrt hast, Heilige Maria, neue Eba, die du durch Gottes Kraft die Hölle von Grund aus erschüttert hast, Heilige Maria, neue Eva, die du uns den Emmanuel, Gott mit uns, geboren hast, *) Bitt für uns! 238 Litanei zur unbefleckten Heilige Maria, neue Eva, die du der Welt das Heil gebracht hast,*) Heilige Maria, Lob der Propheten und Apostel, Heilige Maria, Ehre der Martyrer, Heilige Maria, Freude und Krone aller Heiligen, Heilige Maria, sicherste Zuflucht und treuste Helferin aller in Gefahr Schwebenden, Heilige Maria, des ganzen Erdkreises mächtigste Mittlerin und Fürsprecherin bei deinem Sohne, Heilige Maria, herrlichster Schmuck und Zierde der heiligen katholischen Kirche, Heilige Maria, kräftigster Schutz der heiligen katholischen Kirche, Heilige Maria, Besiegerin aller Irrlehren, Heilige Maria, Retterin aller gläubigen Völker aus den größten Drangsalen, Heilige Maria, Befreierin unsers heiligen Vaters Pius aus vielen und großen Leiden, Heilige Maria, Alles vermögende Fürbitterin durch die glühendste Liebe deines mütterlichen Herzens, Heilige Maria, Königin Himmels und der Erde, Heilige Maria, Königin aller englischen Chöre und Rang- Ordnungen der Heiligen, Heilige Maria, Königin, erhöht zur Rechten beines eingebornen Sohnes, Sei uns gnädig: Verschone unser, o Herr! Sei uns gnädig: Erhöre uns, o Herr! Daß durch die Fürsprache Deiner unbefleckten Mutter die katholische Kirche bei allen Völkern und an allen Orten immer mehr gedeihe und ausgebreitet werde, wir bitten dich, erhöre uns! Daß durch ihre Fürsprache die katholische Kirche den größten Frieden, Ruhe und Freiheit genieße!**) *) Bitt für uns!**) Wir bitten dich, erhöre uns! Empfängniß Mariä. Daß durch ihre Fürsprache die Schuldigen Verzeihung und die Kranken Heilung erlangen,*) 239 Daß durch ihre Fürsprache die Kleinmüthigen Stärke, die Betrübten Trost und die in Gefahr Schwebenden Hülfe erhalten, Daß durch ihre Fürsprache die Irrenden zum Wege der Wahrheit und der Gerechtigkeit zurückkehren, Daß durch ihre Fürsprache Eine Heerde und Ein Hirt werde, Daß wir deine unbefleckte Mutter mit eifrigerer Liebe verehren und anrufen, Daß wir zu ihr als zu der süßesten Mutter der Ex barmung und der Gnade in allen Gefahren mik vollstem Vertrauen Zuflucht nehmen, Daß Du die Städte, Provinzen und Königreiche, welche. deine heiligste Mutter als Schüßzerin unter dem Titel der unbefleckten Empfängniß erwählt haben, reichlich segnen wollest, Daß Du die zur Ehre der unbefleckten Empfängniß errichteten Bruderschaften, Vereine und geistlichen Orden stärken und erhalten wollest, Daß Du die unter dem Titel der unbefleckten Empfängniß erbauten Spitäler, Klöster, Tempel, Altäre, und deren Stifter gnädigst schützen wollest, Daß Du die Hirten der Kirche überall in Beförderung der Andacht zu deiner unbefleckten Mutter leiten und unterstützen wollest, O Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O Du Lamm Gottes 2c., erhöre uns, o Herr! O Du Lamm Gottes 2c, erbarme Dich unser, o Herr! Christus! höre uns! Christus, erhöre uns! Vater unser, 2C. Kirchengebet wie oben S. 233. *) Wir bitten Dich, erhöre uns! - Mein Angesicht verbarg ich nicht vor benen, bie Mich lästerten und anspieen." 31. 50, 6. Fürwahr, unser Mühsal trug Er und lud auf Sich unsere Gebrechen." 3₁. 53, 4. Lasset auch uns mitgehen, daß wir mit Ihm sterben!" Joh. 11, 16. di sisse. V. Andacht des heiligen Kreuzweges. мезди ohr 241 16 hd staid is de 1150 Vorbereitungsgebet. Herr! in Dessen Angesicht ich stehe, und vor Dessen allerhöchster Majestät ich mich in Demuth meines Herzens niederwerfe: ich will diese heilige Andachtsübung in jener vollkommensten Meinung verrichten, womit Dein eingeborner Sohn, unser Herr Jesus Christus, Sein Leiden angefangen, fortgesetzt, und vollendet hat; um Dich, meinen Gott, in schuldigster Ehrfurcht anzubeten, Deiner Gerechtigkeit für meine Sünden genug zu thun, mich der Schmerzen meines Erlösers dankbarst zu erinnern, und durch die hohen Verdienste derselben mir alle nothwendigen Gnaden, besonders diese N. N. zu erflehen; und in der Absicht, mich der darauf verliehenen heiligen Ablässe theilhaftig zu machen, um dieselben auch den armen Seelen im Fegfeuer fürbittweise zukommen zu lassen. Ich bereue alle meine Sünden, und zwar nur aus Liebe zu Dir, weil ich Dir, o liebenswürdigster Gott! jemals mißfallen habe. Berzeih', o Herr! und verschone, und laß mir Kraft des Blutes Jesu Deine Erbarmnisse zufließen. Ich bin fest entschlossen, alle Sünden und ihre Gelegenheiten zu meiden. Gib Gnade, diesen Vorsatz zu erfüllen. Jungfrauenbuch II. Theil. Kreuzwegandacht. 1. Station. Jesu Verdammung zum Tode. W. Wir beten Dich an, o Herr Jesu Christe, und benebeien Dich; 242 B. Denn durch Dein heiliges Leiden und Sterben hast Du die ganze Welt erlöset. P ilatus verurtheilte Jesum zum Tode des Kreuzes, weil er fürchtete, in die Ungnade des Kaisers zu fallen, wenn er sich für die Unschuld Jesu erklären würde. Was thut nicht oft der Mensch aus Furcht vor einem andern Menschen? Bekennen, daß man an einem Menschen keine Schuld finden könne, und ihn doch als einen Schuldigen behandeln, ist ja gegen alle Gecechtigkeit. O liebster Jesu! wie herzlich und innig bemitleide ich Deine ungerechteste Verdammung. Gestatte doch nicht, daß ich je einem Menschen zu gefallen, Etwas thue oder unterlasse, wodurch ich Dir, meinem liebenswürdigsten Gut, mißfallen würde. Die Welt soll an mir sehen, daß es noch eine Gottesfurcht gebe. Vater unser 2c. Ave Maria 2C. MA F. Erbarme Dich unser, o Jesu! erbarme Dich unser! B. Und verzeih' uns alle unsere Sünden, die wir aus Liebe zu Dir von Grund des Herzens über Alles bereuen und verfluchen. II. Station. Jesu Aufnahme des Kreuzes. W. Wir beten Dich an, u. s. w. THE D wie gerne nimmt Jesus das Kreuz auf Seine Schultern, weil Er weiß, daß es auf Erden keine Kreuzwegandacht. Gewalt und Obrigkeit gibt, die nicht von Gott herkommt, und Gottes Macht vorstellt. Wer unter jedem Drucke denkt: ,, So fügt es nun Gott; so will es Gott, Sein heiligster Wille, Sein seligmachendes Kreuz sei ge= benedeit" ein Solcher lebt in aller Trübsal voll des süßesten Trostes. - 243 Wenn mir also etwas Hartes zu thun auferlegt wird, will ich denken: Du mein Gott! fügtest es so, Du wolltest haben, daß ich meinen Aeltern und andern Vorstehern, wie Dir Selbst, ohne Widerrede gehorsame. So will ich jede Arbeit oder Verordnung als ein Kreuz von Dir willig annehmen, und im Herzen mit Dir, mein Jesu! andächtig sagen: Sieh', o Gott! ich tomme, daß ich Deinen Willen vollziehe. Vater unser 2c. Ave Maria C. V. Erbarme Dich unser, u. s. w. III. Station. Jesu erster Fall. w. Wir beten Dich an, u. s. w. an bürdete dem lieben Jesu mehr auf, als Er tragen konnte: denn gleich darnach drückte Ihn die schwere Kreuzeslast zu Boden. Man hörte aber von Ihm keine einzige Widerrede, weil Er Sich in die Hände der Gewaltigen übergeben sah.* Wenn einmal die Gewalt da ist, und die Oberhand hat, dient die Widersetzlichkeit eben zu Nichts, als daß dem Menschen sein Kreuz noch schwerer und die ganze Sache schlimmer macht. Sich willig, wie Jesus, darein fügen, ist die beste Erleichterung. 16* 244 Kreuzwegandacht. Was nügt es, wenn ich in meiner Ungeduld sage: „ Man schafft mir doch Alles, es sollen nur auch Andere „ etwas thun; ich kann ja nicht Alles allein thun... So reden geduldige Christen nicht. O liebster Jesu! ich will mich nach Deiner Geduld richten, und wenn ich von der Last auch sollte unterdrückt werden, so ist's mir ja Ehre und Vergnügen genug, bei Dir und mit Dir unterdrückt zu seyn. #G din Vater unser c. Ave Maria 2c. V. Erbarme Dich unser, u. s. w. IV. Station. Jesu Mutter begegnet ihm. V. Wir beten Dich an, u. s. w. as Gebot, welches Jesus Christus allen Kindern gegeben hat, Bater und Mutter zu ehren, erfüllte Er ganz vorzüglich. Die Mutter folgte dem Kreuzzuge ihres so lieben Sohnes von Schritt zu Schritt nach,- um mit 3hm Seine Leiden zu theilen, die hier wie ein Schwert ihre Seele durchschnitten.* Den Neltern fällt Nichts schwer, was sie immer für ein Kind thun oder leiden, wenn dieses sie liebt und sich würdig macht, von ihnen geliebt zu werden. Ich will demnach thun, wie Du gethan, o mein Jesu! und durch meine findliche Unterwürfigkeit meine lieben Aleltern veranlassen, daß sie für mich Alles mit Freude unternehmen und leiden. Durch diese meine Liebe und Folgsamkeit werde ich mich gegen meine Eltern dankbar erzeigen, und mir selbst ein langes Leben verschaffen, welches Du solchen Kindern verheißen hast.- Vater unfer 2c. v. Erbarme Dich unser, u. s. w. Kreuzwegandacht. V. Station. Simon, Jesu Kreuzgefährte. v. Wir beten Dich an, u. s. w. ieser Mann hatte die Ehre, Jesu Christo Cein Kreuz nachzutragen, und so einen Liebesdienst seinem Gott selbst in Person zu erweisen. Man beneidet ihn um dieses große Glück.* Aber hat denn nicht Jeder Gelegenheit, zu einem solchen Glücke zu gelangen? Der Glaube versichert uns ja, daß wir Christo Selbst thun, was wir immer Einem aus Seinen Mindesten thun werden. 245 Herr, vermehre in mir den Glauben! und kann ich einem meiner Geschwister, Hausleute, oder andern Personen an die Hand gehen, einen Dienst thun, ihre Schwachheiten übertragen, oder liebevoll entschuldigen; so will ich denken: alles Dieses thue ich Dir Selbst, und Du nehmest es von mir, wie Dir erwiesen, an. O mein liebster Erlöser! wie Vieles bin ich Dir schuldig? Soll ich wohl in der Person meines Nächsten Di nichts Gutes und Liebes erweisen wollen? Vater unser 2c. Ave Maria 2c. w. Erbarme Dich unser, u. s. w. VI Station. Schweißtuch der Veronika. V. Wir beten Dich an, u. s. w. Foto night Bod o wahre Tugend ist, da ist auch große Entschlossenheit. Diese fromme Matron dringt mit ihrem Schweißtuche in der Hand trotz der Schwerter und Spieße durch, bis zu Jesus. Sie denkt oder sagt nicht bei sich selbst: Was werden die Leute dazu sagen?" 246 Kreuzwegandacht. * Wer jeden Wind achtet und fürchtet, wird mit dem Schiffe niemals vom Lande stoßen. Will man ein würdiges Schauspiel der Engel und Menschen werden, so muß man Nichts weniger scheuen, als die Reden der bösen Leute. Ich will denn nicht auf die Menschen, sondern nur auf Deinen heiligsten Willen achten, o Gott! Anders sind Deine Urtheile, und anders die Urtheile der Menschen, die in mein Herz feine Blicke werfen, und auch kein richtiges Urtheil fällen können. Stärke mich, o Jesu! daß ich von Deiner heiligen Furcht durchdrungen, mich in Allem nach Deinem Gesetze richte. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. V. Erbarme Dich unser, u. s. w. VII Station. Jesu zweiter Fall. v. Wir beten Dich an, u. s. w. Bet ei diesem schmerzlichen Fall fing nicht so fast der zerfleischte Leib Jesu, als Sein betrübtes Herz von Neuem zu bluten an, weil es da gedachte unseres Rückfalles in die vorigen Sünden, der so Viele in ihren ewigen Untergang stürzen würde.* Es gibt Rückfälle für kleine Sünden, die, wenn sie verachtet werden, den Fall in große Sünden nach sich ziehen. O mein Gott! bewahre mich durch Deine Gnade, daß ich ja nie unvorsichtig handle, und gewisse kleine Sünden gering achte, weil sie, gegen die Todsünden gehalten für klein geachtet werden, oder die Gewohnheit immer stärker wird. Was wider Deine höchste Majestät begangen wird, und Dir, meinem Herrn, in Dessen Händen mein Schicksal steht, mißfällt, ist gewiß Kreuzwegandacht. 247 nichts Kleines. Oder soll ich vielleicht deßwegen bös seyn, weil Du so gut bist? 1916.0 Vater unser 2c. Ave Maria 2C. V. Erbarme Dich unser, u. s. w. VIII. Station. Jesu Anrede an die Klagenden. V. Wir beten Dich an, u. s. w. einet nicht über Mich, sondern weinet über euch selbst, und über euere Kinder:" sprach Jesus zu diesen Klagenden, mehr vom Unglücke derselben, als von Seinen eigenen Leiden betroffen.* Wehe dem Kinde, welches alle heilsamen Ermahnungen verachtet, und den Aeltern bittere Thränen auspreßt! Wie schrecklich werden diese Thränen das böse Kind dereinst quälen! Gott! ich will Alles thun, und Alles sorgfältig meiden, um nicht meine liebsten Aeltern über mich weinen zu machen. Ich will an den Pflichten eines Kindes, an Liebe, Ehrfurcht, Gehorsam und Dienstgefälligkeit gegen sie nichts ermangeln lassen, weil Vater und Mutter ja Dein Bild sind, o großer Gott! und die Mittelpersonen, wodurch Du mir Deine Wohlthaten zukommen lassest. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. V. Erbarme Dich unser, u. s. w. IX. Station. Jesu dritter Fall. v. Wir beten Dich an, u. s. w. ieder drücken den lieben Jesus die Schmerzen zu. Boden, und Er wurde überdies allem Volke noch zum Gespötte. Ach! seufzte Er: Kinder habe ))) 248 Kreuzwegandacht. Ich erzogen und erhöhet, sie aber haben Mich verachtet.( Isai. 1. 2.)* Es ist doch nichts Schmerzlicheres für das Bater- und Mutterherz, als dieß an ihren Kindern erleben, daß ihnen ihre Liebe und Sorge mit Haß und grobem Undante vergolten wird. Du liebster Jesu! wirst Du wohl zugeben, daß auch ich zu einem so undankbaren und leichtfertigen Kinde ausarte, welches seine besten Aeltern verachtet und verschmähet, anstatt ihnen die schuldige Ehre zu bezeigen? Gestatte nur dieses nicht: Ich will mit Deiner Gnade so leben, daß ich meinen Aeltern getrost in das Grab sehen, und ich ihre Freude und Krone hier und dort seyn möge. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. w. Erbarme Dich unser, u. s. w. X. Station. Jesu Kleiderberaubung. w. Wir beten Dich an, u. s. w. 911 N₁ ach der römischen Kreuzigungsart mußte Sich der unendlich schamhafte Jesus aller Seiner Kleider von Neuem berauben, und vor einer großen Menge leichtfertiger Leute entblöst hinstellen lassen. Hier war Er, der Mann, der Sein Elend sah, aber vor Schamröthe Seine Augen kaum öffnen durfte. Gott! seufzte Er: Du erkennest Meine Verschmähung, Meine Schande, worin Mich Meine Feinde versetzten.( Psalm 18, 23.)* Ach! unsere Ausgelaffenheiten, unsere Hinwegsetzungen über alles Schamgefühl waren diese Feinde. Weil wir alle Ehrbarkeit Kreuzwegandacht. 249 abgelegt, kam solche Schmach über den feuschesten Sohn der Jungfrau Maria. O unendlich leidender und unbeschreiblich beschimpfter Jesu! ich traure über Dich in dem Innersten meines Herzens, und danke Dir tausendmal, daß Du in Deinem unschuldigen Fleische die Ausschweifungen meines sündhaften Fleisches büßen wolltest. Verflucht sei alle und jede Unlauterkeit, welche Dich in einen so erbärmlichen Stand versetzt hat. Durch die Verdienste dieser großen Beschimpfung bitte ich Dich, überlaß mich den schamlosen Trieben fleischlicher Gelüste nicht, sondern verleihe mir gnädigst die Gabe einer vollkommenen Enthaltsamkeit. Mache mich recht schamhaft, aber zugleich auch recht wachsam über jeden Gedanken, der meine Einbildungskraft in einen gefährlichen Aufruhr wider diese englische Tugend bringen könnte; denn von einem einzigen Funken entsteht oft ein großes Feuer! Vater unser 2c. Ave Maria zc. V. Erbarme Dich unser, u. s. w. XI. Station. Jesu Kreuzigung. v. Wir beten Dich an, u. s. w.jura er Leib des göttlichen Schlachtopfers wurde auf dem Altare des Kreuzes so schmerzlich hingestreckt, und die heiligsten Gliedmaßen, die Hände und Füße, unter Erneuerung aller Wunden, mit solcher Gewalt auseinander gezogen, daß Johannes, der vielgeliebte Jünger, von Uebermaaß des Mitleids das Schauspiel dieser unmenschlichen und ganz unbeschreiblichen Grausamkeit nur mit diesen Worten anzeigte: Da kreuzig 250 Kreuzwegandacht. ten sie Ihn.( Joh. 19, 20.)* Sieh', o christliche Seele! wie sehr dich dein Herr und Gott geliebt hat. Er fragt dich: Mein Kind! liebst auch du Mich? Weißt du aus Liebe zu Mir geduldig zu leiden, und dich selbst in Vielem zu überwinden? O gekreuzigte Liebe! mit Deiner Gnade, die mich stärket, und um die ich bitte, kann ich Alles. Ich will aus Liebe zu Dir alles Widrige, was immer mir schwer fällt, oder von Anderen zu leiden auferlegt wird, mit größter Geduld und Erbauung der Anderen übertragen. Ich will Morgens frühe auf den ersten Ruf mich aus der Ruhestätte sogleich erheben, und auch des Tages hindurch mir öftere freiwillige Ueberwindungen auflegen, so daß ich Dieses oder Jenes nicht ansehe, nicht anhöre, nicht koste, nicht berühre u. s. w. Ich will überhaupt nur wenig reden, und zur Verehrung Deines heiligen Stillschweigens oft gar Nichs reden. Ich will mich in Allem Dir zu Liebe zurückhalten, und mir selbst heilige Gewalt anthun, um mein Fleisch mit seinen Gelüsten eher zu kreuzigen, und Dir desto vollkommener angehören zu können. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. V. Erbarme Dich unser, u. s. w. XII. Station. Jesu Tod am Kreuze. Wir beten Dich an, u. f. w. er gute Hirt gab Sein Leben für Seine Schafe, im besten Alter, und o! mit welch' vollkommenster Ergebung in den Willen Seines himmlischen Vaters. Er gab uns hiedurch ein Beispiel, daß auch Kreuzwegandacht. 251 wir thun sollen, wie Er gethan hat, und gerne ein frühes Opfer mit unserm Leben machen.* Ruft uns der Herr des Lebens und des Todes von dieser Welt ab, so sagt Vernunft und Tugend, daß wir Ihm entgegen rufen sollen: Sieh', o Herr! ich komme, und verlange nichts anders, als bei Dir zu seyn. Gerne sterben wollen, ist die beste Vorbereitung zu einem guten Tode. O mein Heiland! Du bist mir zu Liebe am Kreuze im besten Alter gestorben; und warum soll nicht auch ich Dir zu Liebe in meiner Jugend dahin sterben, um mein Opfer mit Deinem Opfer zu vereinigen, wornach Du Dich schon lange sehnst? Soll wohl das Kind nicht wollen, was sein bester Vater will? O wie gerne sterbe ich, und wie sehr bin ich Dir verbunden, wenn Du Dich würdigest, mich durch einen frühzeitigen Tod aus der Mitte boshafter Menschen wegzunehmen, um nicht durch ihre bösen Beispiele und schädlichen Vorurtheile verkehrt zu werden. Komm', o Herr Jesu, und nimm meinen Geist in Deine Hände auf. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. V. Erbarme Dich unser, u. s. w. XIII. Station. Jesu Leichnam in dem Schooß Mariä. v. Wir beten Dich an, u. s. w. SL Ich! was mußte das mütterliche Herz Mariens gelitten haben, als sie den mit Blut ganz überronnenen Leichnam ihres Sohnes auf ihrem Schooße hatte, den sie über alle Geschöpfe liebte.* Nach Sei Kreuzwegandacht. nem Tode wollte Er sogleich in den Schooß Seiner Mutter gelegt werden, um uns zu zeigen, daß diese Seine liebe Mutter ist, und daß Er uns auch ihr dem Johannes empfohlen habe. So empfehle ich demnach, Mutter meines Erlösers und auch meine Mutter! in den Schooß deiner Barmherzigkeit meine Seele und meinen Leib, alle meine Hoffnung und meinen Trost, alle meine Nengsten und Armseligkeiten, mein Leben und das Ende meines Lebens, auf daß durch deine heiligste Fürbitte, und durch deine Verdienste, nach deinem und deines Sohnes Wohlgefallen an mir in Allem nur Gottes Wille geschehe. Selig der Mensch, dem es gegeben ist, an dich, o große, bei Gott und durch Gott mächtigste Frau! öfter zu denfen, und deinen süßesten Namen, deine Tugenden und Beispiele immer im Munde und Herzen zu haben. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. V. Erbarme Dich unser, u. s. w. 252 XIV. Station. Jesu Grab. . Wir beten Dich an, u. s. w.. ier fand der heiligste Leichnam Jesu endlich Seine Ruhe, nachdem Er die bittersten Leiden und endlich selbst den schmerzlichsten Tod erduldet hatte. * Das Grab ist das Ende aller Dinge dieses Lebens, und dieses soll uns immer vor Augen schweben. O Mensch! gedenke in allen deinen Werken der letzten Dinge, und durchdenke, was dich in der That freuen oder schmerzen werde, wann Dir Nichts anders mehr übrig sehn wird, als das Grab. Wohl ein heilsamer Gedanke! Kreuzwegandacht. 253 O daß ich nur klüger würde, und alles Das, was mir am Ende begegnen wird, vorsähe! Mein Gott! wie oft will mich die Welt mit dem, was eine kurze Zeit glänzt, und Nichts als Staub und Moder ist, verblenden? O Tod, wie gut und heilsam ist hier das Andenken an dich! Man sagt oft zu mir: Es sieht uns Niemand; aber Deine Augen, o Herr! bemerken Alles an mir, und Du wirst mich dereinst vor Deinen strengen Richterstuhl fordern. Ich will dann wohl zu Herzen nehmen, daß Jenes, was augenblicklich ergött, ewig brennen und peinigen werde, und daß alles mein Leiden und Streiten im Vergleiche mit den ewigen Freuden des Himmels gering zu achten sei. Was sind auch alle Anschläge und Bemühungen auf Erden, wenn sie nicht als Mittel zur Erreichung unsers letzten Zieles und Endes dienen? was Anders als große Schritte auf dem Wege des Unrechts, der aber nicht zur ewigen Glückseligkeit führt? Herr, erleuchte mich, daß ich auf Alles, was mein ewiges Heil betrifft, immer bedacht sei, und gestatte nicht, o ewiger Gott! daß ich am Ende meines Lebens verloren gehe. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. v. Erbarme Dich unser, u. s. w. Schlußgebet. imm, o himmlischer Bater! diese meine Andacht aus den gefreuzigten Händen meines Erlösers mit jener unvergleichlichen Liebe an, womit Du am Sterbetage Deines eingebornen Sohnes das blutige Opfer angenommen hast, welches Er Dir auf dem Altare Die sieben Bußpsalmen. Seines Kreuzes zwischen Himmel und Erde entrichtet hat. Sei mir in Ansehung jenes kostbaren Blutes, welches Er damals, während Seines bittern Kreuzzuges, so häufig vergossen hat, gnädig und barmherzig. Erhalte die Gerechten, und bewahre mich durch Deine Gnade, daß ich in aller Unschuld des Herzens vor Dir immer wandeln, und die Früchte Seiner Erlösung dereinst im Himmel ewig genießen möge. Bekehre und rechtfertige die Sünder, und erlöse die armen Seelen aus ihren Reinigungsflammen, durch eben denselben Jesum Christum unsern Herrn. Amen. 254 mohſschme Die sieben Bußpfalmen nach dem natürlichen und sittlichen Verstande deutlich ausgelegt. Der erste Buß- Pfalm. elle trafe mich nicht, o Herr! nach deinem Zorne, sondern erbarme dich vielmehr über meinen elenden Zustand. Ich bin ja ein schwacher und gebrechlicher Mensch! reiche mir deine Hülfreiche Hand, denn Furcht und Angst dringen mir durch Mark und Bein. Seitdem ich von dir abgewichen bin, ist meine Seele stets verwirret und bestürzet. Wie lange, o Gott! wirst du sie in diesem betrübten Zustande lassen? Ach, wende auf mich deine barmherzigen Augen, und rette meine arme Seele in Folge deiner unendlichen Barmherzigkeit; denn wenn Die sieben Bußpfalmen. 255 mich meine unerträgliche Betrübniß in das Grab stürzen sollte, wie würde ich da dein Lob fingen können? Du weißt, o Gott, wie bitter ich schon meine Sünden beweinet habe; und wenn du noch nicht zufrieden bist, so will ich alle Nacht meinen Schlaf unterbrechen, und mein Ruhebett mit zahllosen Thränen benetzen. In meinen aus Schmerz eingefallenen Augen und Wangen glauben meine Feinde schon zu lesen, daß ich umsonst bei dir Gnade gesucht habe. Aber weichet von mir, ihr gottlosen Spötter! sehet, der Herr hat mich mit gnädigen Augen angesehen; er hat mein Gebet erhöret, mein ftetes Seufzen und Flehen ist zu seinem Herzen gedrungen. So weichet denn weit von mir, ihr gottlosen Feinde! Euer boshaftes Hoffen hat euch zu Schanden gemacht, denn der barmherzige Gott hat mich wieder zu Gnaden aufgenommen! d Der zweite Bußpfalm. S elig sind diejenigen, welchen Gott ihre Missethaten nachgelassen: selig ist der Mensch, dem Gott seine Sünden wegen seines aufrichtigen Gemüthes und reumüthigen Herzens verziehen hat! Ach, hätte ich nur gleich nach meinem Falle Gott meine Sünden bekannt, allein ich habe sie verschwiegen. Daher bin ich auch in das äußerste Elend gerathen, und habe zu spät angefangen, um Hülfe zu rufen, da du nämlich schon deine gerechte Hand über mich ausgestrecket, und meinem nagenden Gewissen, gleich einem stechenden Dorne, mich überlassen hast! Alsdann hat sich mein betrübtes Herz zu dir gewendet, und ich habe nicht länger gesucht, meine Die siebe: Bußpsalmen. Sünden zu verschweigen, sondern ich habe sie dir reumüthig bekannt. Ja, ich habe zu mir selbst gesprochen: ,, warum will ich meine Sünden noch länger verschweigen? Ich will sie meinem Herrn frei bekennen," und sogleich hast du sie mir alle nachgelassen. 256 Nach meinem Beispiele werden jetzt alle reumüthigen Sünder ihre Zuflucht zu dir nehmen, und wenn sie die Gnadenzeit nicht mißbrauchen, werden sie sicher seyn vor deinem Zorne, den du ausgießen wirst über alle deine Feinde, wie du schon gethan haft zur Zeit der allgemeinen Sündfluth. Du allein, mein Gott, sollst künftig meine Zuflucht seyn in allen Trübfalen, welche meine Sünden mir zugezogen, du allein sollst mein Trost und meine Freude sehn; rette mich, o Herr! von meinen Feinden, die von allen Seiten mich umringen. Du aber, o Gott! haft auf meine Bitte geantwortet: ,, Ich will deinen Verstand erleuchten, ich will dir den Weg weisen, auf welchem du sicher seyn wirst vor allen Nachstellungen deiner Feinde; meine Augen werde ich von dir nicht abwenden." Hütet euch also, ihr blinden Feinde, die ihr mich nun umsonst verfolget, daß ihr den vernunftlosen Thieren nicht gleich werdet; halte, o Gott! Alle, die von dir weichen, wie wüthende Thiere im Zaume. Mein Gott, mit wie viel Strafen suchest du den Sünder nicht heim, während deine Barmherzigkeit ihren schützenden Mantel ausbreitet über Alle, die allein auf dich hoffen! Freuet euch also und frohlocket ihr Alle, die ihr mit aufrichtigem Herzen nichts anders suchet, als Gottes Ehre und Wohlgefallen! - Die sieben Bußpsalmen. Der dritte Bußpfalm. 19 D alimächtiger Gott! halte ein mit deinem strengen Gerichte, bis dein gerechter Zorn wider mich etwas abgenommen hat; denn seitdem du deine schwere Hand über mich ausgestrecket, sind mir die Pfeile deiner Gerechtigkeit durch Mark und Bein gefahren. Theils fürchte ich mich und zittere vor deinem gerechten Zorne, theils beunruhigen und beängstigen mich meine Sünden, die unaufhörlich vor meinen Augen schweben; sie übersteigen die Haare meines Hauptes und brücken mich wie eine unerträgliche Last zu Boden, und weil ich so blind und thöricht gewesen, daß ich nicht gleich gesucht habe, die Wunden meiner Seele durch eine reumüthige Buße zu heilen, so sind sie wirklich in Fäulniß gerathen. Auf diese Art bin ich unter der Last meiner Sünden zu Boden gesunken, und in äußerstes Elend gestürzt; man sah mich den ganzen Tag voll Traurigkeit herumgehen. In dieser erbärmlichen Lage habe ich gegen Himmel geschrieen, wie ein brüllender Löwe, und du, o Gott! hast mein Rufen vernommen; ja, du hast sogar die geheimsten Seufzer meiner betrübten Seele gehöret, du haft aus meinem bestürzten Herzen ersehen, daß alle meine Sinne kraftlos waren, und damit ich nirgends, als bei dir allein, Hülfe und Trost finden möchte, hast du noch zugelassen, daß meine besten Freunde, ja mein eigenes Blut sich wider mich aufgelehnet; die sonst mich umgaben, sind von mir gewichen, und jene, welche meinen Tod geschworen hatten, sind von allen Seiten mit Gewalt auf mich eingedrungen, um mit List und Ränken mich zu fangen, sie haben mir sogar nicht begangene Laster Jungfrauenbuch, II. Theil. 17 257 Die fieben Bußpfalmen. aufgebürdet. Obgleich ich an ihnen mich rächen könnte, gab' ich es doch nicht gethan, als wäre ich gehörlos und stumm, in sicherer Hoffnung, du werdest dereinst dich meiner erbarmen. O Gott! gib, nicht zu, daß ich umsonst auf dich gehoffet! Ich hab' es dir schon geklagt, o Herr, daß meine Feinde über mich triumphiren, und meines Falles mit trogigen Worten spotten. Du kommest zwar, deine Strafruthe über mich auszustrecken; ich bin zu Allem bereit, weil ich stets meine Sünden vor Augen habe; ich will sie der ganzen Welt bekannt machen und denken, ich könne wegen so schwerer Missethaten nicht Schande genug ausstehen. Inzwischen darf ich dir wohl auch vorstellen, o Gott! daß meinen Feinden Alles nach Wunsch und Willen geht; sie verstärken und vermehren sich von Tag zu Tag; Alles, was ich thnen Gutes gethan, vergelten sie mit Bösem; meine Sanftmuth und Güte erwidern sie mit Schmähworten. Ach, mein Gott und mein Herr! weiche nicht von mir, verlaß mich nicht! Komm mir zu Hülfe, und sei mein Schutz und Schirm wider alle meine Feinde! 258 Der vierte Bußpfalm. ( 1) Gott! erbarme dich meiner, der ich der größte Sünder auf dieser Welt bin; daher rufe ich auch deine allergrößte Barmherzigkeit an, und solltest du mir meine Sünden schon nachgelassen haben, so höre doch nicht auf, mich immer mehr und mehr zu reinigen; denn ich erkenne, o Gott! daß ich mich schwer versündiget habe, und strafe mich selbst ohne Unterlaß wegen meiner Missethat. Obschon ich nur in Geheim, und nur Die sieben Bußpsalmen. 259 vor deinen Augen gesündiget habe, so bekenne ich dennoch öffentlich meine Sünde, damit du an mir Unwürdigen zeigen kannst, daß du deinem Versprechen gemäß allen bußfertigen und reumüthigen Sündern verzeihest, und zu Schanden machest Alle, die an deiner unendlichen Barmherzigkeit noch zweifeln könnten. Ich gestehe, o Gott, daß ich gesündiget habe; allein, was könnte man Anderes von einem in Sünden empfangenen, in Sünden geborenen, und zu allem Bösen von Kindheit auf geneigten Menschen erwarten? Ich bin nicht immer so verkehrt gewesen; du weißt, o Gott! daß du eine Zeit lang mein aufrichtiges Gemüth und mein getreues Herz geliebt hast, daher hast du mir auch die verborgenſten Geheimnisse deiner Weisheit geoffenbaret. Ich werde wieder so werden, wie damals, wenn du mit Ysop mich waschen willst, ja ich werde schnell weißer werden als Schnee. Also wirst du mein Herz mit Trost und Freude erfüllen, und wegen Versicherung meiner Versöhnung mit dir, werden alle Kräfte meiner Seele frohlocken. Wende also deine Augen ab, o Herr! von meinen Sünden, und lösche völlig aus alle meine Missethaten; gib mir ein neues, reines Herz, und ein aufrichtiges Gemüth; verstoß mich nicht von deinem Angesichte; entziehe mir nicht den Beistand deines heiligen Geistes; erquicke mein betrübtes Herz mit der trostreichen Freude deiner Versöhnung, und stärke meine Schwachheit wider alle Anfechtung; dann werde ich alle Sünder lehren, was sie von deiner Barmherzigkeit zu erwarten haben, und sie werden sich Alle zu dir bekehren, in Hoffnung gleicher Gnade. 17* Die fieben Bußpsalmen. Erlöse mich, o Herr! von dem nagenden Wurme meines unruhigen Gewissens, welches mich noch stets an das unschuldige Blut erinnert, das ich vergossen habe, und meine Zunge wird dein gerechtes Urtheil preisen und loben. Deffne, o Herr, deine Lippen, und ich werde sogleich dein Lob verkünden! Hätte ich durch Schlachtopfer deine Gnade wieder erwerben können, wie bereit wäre ich hiezu gewesen; allein, da ich wohl weiß, daß dir ein reumüthiges und zerknirschtes Herz das allerangenehmste Schlachtopfer ist, so hab' ich nicht nachgelassen, meine Sünden zu beweinen, in der sichern Hoffnung, du werdest meine reumüthigen Thränen nicht verwerfen. Du wirst ja, o Gott! wegen meiner Sünden nicht aufhören, Sion mit gnädigen Augen anzusehen, damit wir die eingefallenen Mauern Jerusalems wieder aufbauen mögen; dann wirst du von deinem bekehrten Diener alle Opfer mit Bergnügen annehmen, und das ganze Volk wird nach meinem Beispiele alles zu Schlachtopfern bestimmte Vieh mit Freuden herbeischaffen. 260 Der fünfte Bußpfalm. rhöre mein Gebet, o Gott! und laß dir mein Flehen zu Ohren kommen; wende nicht ab von mir deine barmherzigen Augen, und stehe mir bei in allen meinen Nöthen; komme mir schnell zu Hülfe, ſo oft ich dich darum bitte! Die Tage meines Lebens vergehen wie der Rauch, und mein schon hinfälliger Leib verkündet mir meine letzte Stunde. Unter den Streichen deiner gerechten Hand bin ich dahin gefallen und verdorret, wie abgemähetes Gras; wegen unendlicher Schmer Die sieben Bußpfalmen. zen habe ich sogar meine tägliche Nahrung vergessen, und mein unaufhörliches Seufzen hat mir kaum die Haut über den Beinen gelassen. Wie der Pelikan und die Nachteule die Einöde suchen und sich darin aufhalten, so entferne ich mich von der Gesellschaft aller Menschen. Ich bringe die Nacht mit Weinen zu, und verkrieche mich, wie die wilden Thiere in die geheimsten Winkel meines Hauses. Die vorher mir meinen Wohlstand vergönnet, spotten jetzt meiner den ganzen Tag, und suchen mein Unglück zu vermehren. Siehe, o Gott, ich effe mein Brod mit Asche, und vermische meinen Trank mit meinen Thränen, aus Furcht deines gerechten Zornes, und weil du meinen Hochmuth zu Boden geschlagen hast! Meine Jahre vergehen wie der Schatten, und ich bin verborret, wie abgemähetes Gras; du aber, o Gott! wirst ewig bleiben und deinen Namen werden alle Geschlechter preisen. Du wirst der Stadt bald zu Hülfe kommen, denn es ist Zeit, daß du dich ihrer erbarmeſt, ja, es ist Zeit; obschon diese vorher so schöne Stadt zu einem Steinhaufen geworden, so suchen doch deine Diener mit höchstem Verlangen, sie wieder aufzurichten. Sobald du diese Stadt wieder erbauet, und dadurch deine Allmacht und Herrlichkeit verkündet haben wirst, so werden alle Völker sammt allen Fürsten der Erde deinen Namen fürchten und anbeten. Du wirst doch endlich deines demüthigen Volkes innige Seufzer und reumüthiges Gebet erhören. Diese große Gnade wird auf Marmor geschrieben werden, und die ganze Nachwelt wird dich darum loben, daß du von dem hohen Himmel deine barmherzigen Augen auf deine demüthigen 261 262 Die feben Bußpsalmen. Diener geworfen, und ihren elenden Zustand gewürdiget, daß du die Stricke der Gefangenen aufgelöset, und die Seufzer der gleichsam schon zum Tode Verurtheilten erhöret, und daß du das ganze Volk mit seinem Könige zu Jerusalem wieder eingesetzet hast, um dort dein Lob zu singen und deinen Namen zu preisen. Hast du aber, o allmächtiger Gott! die wenigen Jahre meines Lebens so abgekürzet, daß ich diese Wunderthaten deiner Allmacht nicht sehen werde? Ich bitte, o ewiger Gott! fordere mich nicht ab aus dieser Welt mitten im Laufe meines kurzen Lebens. Du hast Alles vom Anfange an erschaffen; Himmel und Erde sind das Werk deiner Allmacht; sie werden alle vergehen und zusammenfallen wie ein abgenütztes Kleid, und du wirst sie von Neuem wieder herstellen; du allein, o Gott! bist beständig, und an deinen Jahren ist kein Ende, wie kein Anfang; darum wirst du immer im Stande seyn, dein Versprechen zu erfüllen, und wenn deine gegenwärtigen Diener es nicht nehr erleben, so werden doch ihre Kinder Zeugen davon sehn, und die Stadt Jerusalem wieder bewohnen. Der sechste Bußpfalm. ST Jus dem tiefesten Abgrunde meines Elendes schreie ich zu dir, o Gott! Erhöre meine Stimme; siehe, ich nehme meine Zuflucht allein zu deiner unendlichen Barmherzigkeit, ich lasse mein inständiges Flehen zu deinen Ohren kommen. Ich weiß, o Gott! wie schwer und vielfältig ich gesündigt habe; allein, wenn du die Sünden nach deiner Gerechtigkeit erforschen willst, welcher Mensch wird vor deinem Gerichte bestehen können? Die sieben Bußpfalmen. 263 Bei uns und an uns ist Alles strafwürdig, bei dir allein. findest du Ursache, uns gnädig zu seyn; daher gründe ich auch alle meine Hoffnung auf deine Barmherzigkeit. Du hast dem reumüthigen Sünder Gnade versprochen; dieses Versprechen hat mich immer getröstet, sonst wäre ich in Verzweiflung gerathen. So laß denn nicht nach, o Israel! vom Morgen bis in die Nacht auf den Herrn zu hoffen; denn er ist barmherzig, und wird Mittel genug finden, dich zu erlösen, ja er wird dich retten aus deiner Trübsal, in welche dich deine Missethaten gestürzt haben. Der fiebente Bußpfalm. AL'S öre an, o Gott! mein Gebet; und weil du allen bußfertigen Sündern Gnade versprochen hast, so nimm mein Flehen und Seufzen in Gnaden auf; laß mich nicht vor deinen strengen Richterstuhl treten, denn es ist auf dieser Welt kein Mensch unschuldig vor deinen Augen. Vergiß also meine Sünden, und betrachte allein die Raserei, womit meine Feinde mich verfolgen; sie haben mich vom Throne verstoßen; sie haben mich gezwungen, in diese wilden Berge zu fliehen. Mein Herz ist voll Angst, mein Verstand ist verwirret, ich zittere an Leib und Seele. In diesem betrübten Zustande einigen Trost zu finden, habe ich an die großen Wunderthaten gedacht, welche deine Allmacht zu allen Zeiten und unsern Boreltern zu Liebe gewirket hat. Durch solche Betrachtungen ermuthiget, habe ich meine Hände nach dir ausgestreckt. Siehe, o Gott! gleichwie die Erde aus Mangel an Regen sich spaltet, so ist meine Seele vor Angst und Hülf Die steben Bußpsalmen. losigkeit völlig verdorret; hilf mir also eilig, o Gott! denn meine gegenwärtige Lage ist mir unerträglich, und alle Kräfte meiner Seele sind zerfallen. Wenn du dein Angesicht noch länger von mir abwendest, so soll man mich nicht mehr zu den Lebendigen zählen, sondern mich in das Grab stürzen. Laß mich bald deine Gnadenstimme hören, denn ich hoffe ja allein auf deine Barmherzigkeit, und weil ich vollkommen entschlossen bin, auf dieser Welt weiter nichts mehr zu suchen, als dein Wohlgefallen, so weise mir den Weg, auf welchem ich fünftig wandeln soll; rette mich vor meinen Feinden, ich laufe dir reumüthig und voll Schmerzen in die Arme. O Gott meiner Seele! führe und leite mich auf dem Wege deiner Gebote, damit ich nicht mehr irre gehe; auf diesem gewünschten Wege will ich teinen andern Führer haben, als deinen heiligen Geist, und obwohl meine Feinde auf alle Weise mir nachſetzen werden, so wirst du mich doch vor dem Rückfalle bewahren, und bei dem nun erlangten Gnaden- Leben erhalten. Du wirst, o liebreicher Gott! meine betrübte Seele trösten, und alle meine Feinde überwinden; ja du wirst deinen gerechten Zorn über sie ausgießen, und also deinen getreuen Diener rächen. 264 1265 Fünfter Abschnitt. Gebete und kurze Betrachtungen für alle hohen Festtage des Jahres. An den vier Sonntagen des Advents. ODT меддого I. An den Festtagen der Geheimnisse Christi. 12881 eless Gott der Barmherzigkeit! wie unendlich ist deine Liebe gegen mich armselige Sünderin, der du deinen eingebornen Sohn auf die Erde gesendet, und ihm aus der allerreinsten Jungfrau einen Leib gegeben hast, damit ich nicht zu Grunde gehen, sondern durch seine Menschwerdung das ewige Leben erlangen solle! O Gott der Liebe! wo ist denn meine schuldige Gegenliebe und meine Dankbarkeit? Du wolltest, daß ich dich und deinen Sohn desto inniger lieben sollte; ich aber habe dich und ihn beleidigt; ich habe die Welt geliebt, die mir viel verspricht, aber nichts geben kann, and dich, der du mir deinen liebsten Sohn gegeben haft, hab' ich nicht geachtet! Ich habe die vergängliche Eitelkeit geliebt, die nur Elend nach sich zieht, dich aber, > Ursprung des ewigen Lebens, habe ich thörichter, 266 Gebete im Advent. Weise zurückgesetzt! Ich habe meinen Leib geliebet, und seinen Lüsten nachgegeben, die mich von einer Sünde in die andere stürzten; deine Gnabe aber, durch welche du meine Seele emporheben wolltest, hab ich nicht geschätzet! O Gott, laß mich meine abscheuliche Undankbarkeit Tag und Nacht beweinen, damit ich nie mehr dich beleidige! Und du, mein Jesu, du ewiges Wort Gottes, du Sohn des Allerhöchsten! wo ist deine unermeßliche Majestät? wo ist deine unüberwindliche Macht, durch welche du Alles erschaffen haft? wo ist der Glanz deiner Schönheit, womit du Alles erleuchtest? Alles hast du mir zu Liebe verborgen, und in das Dunkel des jungfräulichen Leibes eingeschlossen! Wie kann ich nach einer solchen Selbstverläugnung deiner Hoheit mich erheben, wie darf ich bei den Menschen ein eitles Lob und eine leere Hochschätzung suchen? Habe Mitleiden mit meiner lächerlichen Eitelkeit, und stehe mir bei, damit ich mit dir in der Einsamkeit lebe! Die gerechten und frommen Seelen, die vor deiner Ankunft auf der Welt waren, haben eine innige Sehnsucht nach dir gefühlet, und Himmel und Erde angerufen, daß sie dich ihren Augen zeigen sollen, und ich äußere so wenig Verlangen, deiner zu genießen, da du doch in dem liebevollen Geheimnisse des Altares zugegen bist und in eigener Person unter uns wohnest. Möchte ich doch stets nach dir rufen, und in deiner Gegenwart glücklich sehn! 267 An den heil. Weihnachtstagen. Heilige Jungfrau! wenn ich nicht eine Sünderin wäre, hättest du vielleicht den Sohn Gottes in deinem heiligen Leibe nicht empfangen; denn er ist deßwegen in dir Mensch geworden, damit er durch die Schwachheit meiner Natur die Schwachheiten meiner Seele heilte. Du hast also Ursache genug, himmlische Mittlerin, für mich Sorge zu tragen! An den heiligen Weihnachts- Tagen. chon in der unmündigen Kindheit, mein göttlicher Lehrer, und noch in der Krippe liegend, fängst du schon an, mir zu predigen, daß ich mein Herz nicht an Reichthum, Hochmuth und an die Bequemlichkeiten des Lebens hängen solle. Du bist das Leben und das Licht der Menschen, die deine Klarheit nicht haben sehen wollen; die armen Hirten mit den unvernünftigen Thieren drängen sich in deine Nähe, o großer König des Himmels und der Erde! die Menschen aber, die das Geld, den Hochmuth und die Gelüste des Fleisches lieben, haben zu dir nicht kommen wollen, weil du die Liebe der Armuth, der Verachtung und des Kreuzes lehrest. Die Begierde nach Reichthum bethöret das Herz, verblendet das Gemüth, beschweret das Gewissen. Sie bringt mit sich Unbarmherzigkeit, Ungerechtigkeit( oft fogar Betrug und Diebstahl), Vergessenheit Gottes und Geringschägung der ewigen Güter; sie erwecket Mißgunst, Zorn, ausgelassene Freude, unmäßige Trauer, und tausend andere ungestüme Regungen, die den Menschen in das Verderben stürzen. Du aber, göttlicher PRECIATE SALE CHEETARAVARS ACES 268 G An den heil. Weihnachtstagen. GLORIA AIW EXCELSIS DEO @j restrages 485 MAN Arzt meiner Seele, hast die Armuth erwählet, und was dein Mund noch nicht predigen kann, das lehrest du durch dein Beispiel. Dieß verkündet mir der baufällige Stall, die arme Krippe, das Heu und Stroh, worauf du liegest, und innerlich in meinem Herzen ruft mir dein Geist zu, daß ich dir nachfolgen soll. Wie gerne wollte ich dir zu Liebe, o Jesu! alle irdischen Güter verlassen, wenn du es verlangen würdest; wenn du aber dieß nicht von mir begehrest, ſo An den beil. Weihnachtstagen. 269 stärke mich wenigstens, daß ich mein Herz von der allzu ängstlichen Begierde nach vergänglichen Dingen zurückbringe, daß ich den Armen gerne helfe, und wegen eines zeitlichen Gewinnes, oder um ein schnödes Glück zu erhaschen, dich niemals beleidige; stärke mich, daß ich die Armuth und ihre Entbehrungen geduldig trage. Bin ich nicht reich genug, wenn ich dich liebe, und durch die Liebe dich besitze, o mein Gott und mein Alles? Du bist verachtet, o mein neugeborner Gott und König! du bist von allen Menschen verstoßen und verlassen, und in einem Stalle mußt du deine Herberge nehmen. So behandelt bich die falsche, treulose Welt, der ich zu gefallen suche; laß mich mit dir, o Jesu, diese Welt verachten, und gerne leiden, da ich von ihr vergessen und verachtet bin! Du weineft; wie tief bringen deine Thränen in mein Herz! diese Thränen bezeugen mir, daß du jetzt schon anfängst, für mich Sünderin Buße zu thun, indem dein zarter Leib, in rauhen Windeln auf hartem Stroh liegend, von der Kälte des Winters gepeiniget wird, während deine Seele aus innigem Mitleiden heiße Thränen vergießt. Wie lange noch, mein Jesu, werde ich dich betrüben, wie lange werde ich dich mitten in deinen Schmerzen verfolgen, und mit den unbarmherzigen Bethlehemiten dir die Wohnung meines Herzens versagen? wie lange werde ich meinen sinnlichen Begierden Gehör geben, und dich vergebens schreien und weinen lassen? Deffne mir dein göttliches Herz, und laß mich die Am neuen Jahrestage. Schmerzen desselben betrachten, damit ich mit dir meine Sünden beweine, und sie mit jenen Thränen abwasche, die du für mich vergießest: 270 Am neuen Jahrestage. 1 Gott, wie gütig bist du, der du die Jahre meines Lebens verlängerst, und mir so viele Mittel und Gelegenheiten verschaffest, dich zu lieben und den Himmel zu gewinnen! Ach, wie thöricht bin ich, daß ich diese deine Güte so wenig erkenne, daß ich durch mein eitles und träges Leben so viele Gnaden versäume, und dich dadurch beleidige, da ich doch dich lieben sollte! Wie viele Völker auf Erden gibt es, die dich und deinen lieben Sohn nicht erkennen, und so in der Blindheit ihres Geistes fortwandeln! Mich aber, geliebter Vater! hast du mit dem Lichte des Glaubens erleuchtet, mich haft du mit Gnaden und Gutthaten überhäuft, mir versprichst du ewige Freuden, und gewinnest nichts als Undankbarkeit. Was bleibt mir übrig von so vielen Jahren, die ich gelebt habe, als eine strenge Rechenschaft, die ich dir werde geben müssen, indem ich vielleicht nicht eine Stunde nach deinem Willen gelebt habe? Und was thäten jene Unglücklichen, die jetzt in der Ewigkeit die Strafe ihrer Sünden leiden, wenn sie wieder auf die Welt kämen? Würden sie wohl einen Augenblick ohne Nußen vorüber gehen lassen? Die blinden Freunde dieser Welt scheuen nicht so viele Mühe und Arbeit, um einen verächtlichen Gewinn oder eine schnöde Gunst der Menschen zu erhaschen, während ich für dich, o mein höchstes Gut! und für meine immerwährende Glückseligkeit nichts thun will. Am Feste der heiligen drei Könige. O mein Gott! stärke mich durch deinen geliebten Sohn, daß ich von nun an dir allein lebe, und alle Stunden und Augenblicke, die ich noch zu leben habe, nur zu deinem Dienste anwende! Am hohen fefte der heiligen drei Könige. 271 llmächtiger, ewiger Gott! der du die Weisen aus dem Morgenlande durch den Stern nach Bethlehem geführet, und diese Heiden durch deine Gnade erleuchtet hast, wie sehr beschämest du durch ihren Gehorsam mein träges Gemüth! Kaum hatten sie den Stern gesehen, als sie ihr Land verließen, und die lange und beschwerliche Reise nach Bethlehem mit der größten Eile unternahmen. Wie oft, o mein Gott! hast du das Licht deiner Gnaden in meinem Herzen leuchten lassen, wie lange schon ist dein milder Geist beschäftiget, um mich dahin 272 An den Sonntagen nach Lichtmeß. zu bewegen, daß ich Jesum, deinen eingebornen Sohn, suche, und in ihm die wahre Ruhe und Glückseligkeit meiner Seele finde! Das hellleuchtende Licht des Glaubens umgibt mich von allen Seiten, und ich bin dir dennoch nicht gehorsam, während jene Weisen, die in der Finsterniß lebten, sich davon leiten ließen. Tausendmal hab' ich die besten Gedanken gefaßt, und dir, o Gott, alles Gute versprochen, und eine kleine Beschwerlichkeit, eine Scheu vor dem menschlichen Urtheile, ein geringes Hinderniß, kann mich davon abbringen. Wie würde es mir ergehen, wenn du meiner Widerspenstigkeit solltest müde werden, und Ändern die Gaben gäbest, die ich nicht erkennen will, gleichwie du die Heiden zu deinem Sohne gerufen hast, nachdem ihn die Seinigen nicht erkennen wollten! Aber auf wen will ich mein Vertrauen setzen, als auf eben diese deine Langmuth, Geduld und Barmherzigkeit? Nur deine unendliche Güte kann mich bewegen, daß ich deinen geliebten Sohn suche, daß ich ihn finde, daß ich ihn liebe. Diese Gnade, o gütiger Gott, begehre ich von dir durch eben diesen deinen geliebten Sohn, welchem mit dir und dem heiligen Geiste ewiges Lob sei! sid An den Sonntagen nach Lichtmeß bis zur faften nach der fastnacht. M ein Erlöser! es ist ein trauriger Anblick, wie leichtsinnige Menschen in dieser Zeit mancherlei Sünden begehen, und durch Ausgelassenheit und Muthwillen aller Art dein göttliches Herz betrüben. An den Sonntagen in der Fasten. O Gott! erbarme dich dieser verirrten Menschen, und wenn sie sich nicht bekehren wollen, so laß doch wenigstens nicht zu, daß ich, deine Tochter, einer gleichen Leichtfertigkeit mich theilhaftig mache, sondern stehe mir bei, daß ich die Ehre und Liebe, welche dir die undankbare Welt verfaget, nach Möglichkeit ersetze; daher entsage ich den eitlen und gefährlichen Freuden dieser Zeit, und will meine wenigen geschäftsfreien Stunden der Einsamkeit, im Gebete in Gesellschaft frommer Jungfrauen, und in der Kirche vor dem Throne deiner Liebe in der Anbetung zubringen, und dort für mich und alle Sünder um Gnade und Barmherzigkeit bitten. An den Sonntagen in der faften. Gott und Erlöser der Menschen, der du die heilige Fastenzeit durch die Kirche eingesetzet hast, damit wir durch den Abbruch der Speisen unsere Begierden überwinden lernen, durch die Buße unsere Herzen reinigen, unser Gemüth zu den himmlischen Dingen erheben, und während der Bußzeit dein bitteres Leiden und Sterben zu Gemüth führen sollen, stehe mir bei, daß ich in der Buße und in der Bekämpfung meiner Begierden diese heilige Zeit zubringe, daß ich den gefährlichen Feind, die Liebe des Leibes, überwinde, und meine Seele mit dem Brode der Thränen speise! Laß mich, mein Gott und Erlöser, deine bittere Angst, deine Schmerzen und Drangsale, die an dir verübte grausame Marter, und den schmählichen Tod des Kreuzes stets vor Augen haben, damit ich mit dir in dem neuen Leben auferstehe! Jungfrauenbuch, II. Theil. 8x 273 18 274 ad pofIn der heiligen Charwoche. Shik- ee Christliche Jungfrau! Laffe es Dir angelegen seyn, diese heilige Zeit Dein Gemüth einzig und allein mit Deinem leidenden und sterbenden Heilande zu beschäftigen. Die heilige Meßandacht vom bittern Leiden Sesu, der schmerzhafte Rosenkranz, die andächtige Betrachtung des heiligen Kreuzweges sind vortreffliche Andachtsübungen zu diesem Zwecke, denen Du noch beifügen kannst die Litanei vom bittern Leiden Jefu. err, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel,*) Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geist, Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Jesus, Du Sohn des lebendigen Gottes, Du der für uns leidender und sterbender Jesus, Du bis in den Tod betrübter Jesus, Gottergebener Jesus, Gebundener Jesus, Verhöhnter Jeſus, Unschuldig verurtheilter Jefus Gegeißelter Jesus, Mit Dornen gekrönter Jesus, Mit dem Kreuz beladener Jesus, Gekreuzigter Jesus, 19350 Durch Deine Todesangst am Delberg, Durch Deinen blutigen Schweiß, *) Erbarme Dich unser 100 CHER Litanei vom bittern Leiden Jesu. Ourch Dein dreimaliges Angstgebet zum Vater,*) Durch Deine Geduld mit den schlafenden Jüngern. Durch Deine Sanftmuth gegen Judas den Verräther, Durch Deine ehrwürdige Majestät bei Annäherung der Gerichtsdiener, men Durch die harten Bande und Schläge, Durch die Vorstellung vor Annas und Kaiphas, Durch den schmerzlichen Backenstreich, Durch die ungerechte Anklage und Verurtheilung, Durch Dein geheimnißvolles Schweigen, Durch Dein herrliches Zeugniß für die Wahrheit, Durch die Beschimpfung Deines heil. Angesichtes, Durch die Verspottung Deines königl. Namens, Durch die erduldete Lästerung Deiner hl. Gottheit, Durch Deine Verhöhnung vor Pilatus und Herodes, Durch das ungerechte Urtheil zum Tode, 275 Durch Deinen willigen Gehorsam bis zum Tode, Durch die schmerzhaften Wunden Deines hl. Leibes, Durch die schmerzliche Beraubung Deiner Kleider, Durch Deine unaussprechlichen Schmerzen bei Anheftung an's Kreuz, buradasalon Durch Deine dreistündigen Leiden am Kreuze, Durch Dein vergossenes kostbares Blut, mu Durch das Gebet der Liebe für Deine Kreuziger, Durch Deine göttliche Huld gegen den reumüthiger Schächer, Durch Deine zärtliche Liebe gegen Deine Mutter unt gegen Johannes, Durch Deinen heißen Durst und bange Verlaffenheit Durch die bittere Galle und Essig, die man Dir dar. gereicht, Durch Deinen harten Todeskampf, Durch die siegreiche Vollendung Deines Leidens, Durch das sanfte Neigen Deines sterbenden Hauptes, *) Erbarme Dich unser! 18* 276 Litanei vom bittern Leiden Jesu. Durch die Eröffnung Deiner heiligen Seite, Durch die Abnahme vom Kreuze, Durch Dein heiliges Begräbniß, Sei uns gnädig, verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Herr! Von allem Uebel, erlöse uns, o Herr! Von aller Sünde,*) Von einem unglückseligen Tode, Vom Kleinglauben, Von Muthlosigkeit im Leiden, Von aller Geringschätzung Deines heiligen Leidens und Sterbens, Durch Deine heiligen fünf Wunden, Durch Deine Liebe zu allen Leidenden, Durch Deine Erbarmung gegen reuige Sünder, Durch die Wahrhaftigkeit Deiner Verheißungen, Wir arme Sünder, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du uns zur Betrachtung Deines heiligen Leidens und Sterbens Gnade geben wollest, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du uns in unserer Betrübniß trösten wolleft, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du in uns die Lust zur Sünde töbten wolleft, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du uns von allem Zorne heilen wolleft, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du uns Liebe zum Kreuze einflößen wolleft, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du uns in der Versuchung schützen wollest, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du uns von irdischer Liebe losmachen wollest, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du uns im Tode durch Dein kostbares Blut erquicken wollest, wir bitten Dich, erhöre uns! ) Erlöse uns, o Herr! Litanei vom bittern Leiden Jesu. 277 O Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünben der Welt, erbarme Dich unser, o Herr! Herr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Vater unser 2c. Gebet. Laß uns, barmherziger Herr! das Leiden unsers Erlösers im dankbaren Andenken behalten, und um der großen Pein willen, die er für unsere Sünden erduldet, hilf uns die Lüste der Welt meiden, unser Kreuz willig tragen, in aller Heiligung zunehmen, bis wir als Angehörige des himmlischen Reiches Dir unaufhörliches Lob und ewige Anbetung bringen können, durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. S An den Osterfeiertagen. M ein glorreichster Jesu! der rauhe Winter deines mühevollen Lebens ist vorbei; deine Schmerzen haben ein Ende; der Tod und die Hölle sind überwunden; Gott ist versöhnet; die Menschen sind erlöset, der Himmel ist geöffnet. Du bist auferstanden in der Herrlichkeit, o mein Leben, und wirst nicht mehr sterben, o du ewiger König aller Zeiten! Ich freue mich, o Jesu! mit deiner heiligen Kirche, welche an allen Orten und Enden der Welt ein fröhliches Halleluja finget. Ich sage dir Dank wegen der ausgestandenen 278 An den Osterfeiertagen.ti 53 40 Marter; ich lobe und preise dich, und wollte Gott, daß ich dich vollkommen liebte, o mein Freund und mein wahres Heil, dann würde auch meine Freude vollkommen sehn! Aber mein Leib ist noch schwach; der alte Mensch lebt noch in mir; der Tod der Sünde herrscht noch in meinem sterblichen Leibe; meine sinnlichen Anmuthungen sind noch lebhaft; mein Herz ist lau und kaltsinnig in der Liebe. Wann, mein glorreicher Jesu! wann wird mein Elend ein Ende nehmen? Wann wirst du meinen Geist vom Tode zum Leben erwecken? Wann wirst du mir zeigen deine neue Schönheit, damit mir die Eitelkeit der Welt gleichgültig erscheine? Wann wirst du mir deinen Frieden geben, den kein menschlicher Sinn begreifen kann, damit meine unordentlichen Regungen aufhören? In der Kreuzwoche. 279 Ach mein Jesu! rede nur ein Wort zu meiner Seele, und sie wird sich erfreuen; und wenn auch jetzt meine sterblichen Augen deine Schönheit nicht sehen können, so weiß ich doch, daß du sie einst mir zeigen wirst, wenn ich mit den Gaben deines glorreichen Leibes geschmücket, aus dem Staube der Erde auferstehen werde. Wie kann ich von einer menschlichen Schönheit mein Herz bethören lassen, da ich die selige Hoffnung habe, mit diesen meinen Augen dich ewig zu sehen! O mein Gott, erbarme dich meiner! topilis mesom In der Kreuzwoche. tod 2 sapilis Die drei Tage vor Christi Himmelfahrt sind als besondere Bitttage von der Kirche angeordnet; ihr Zweck ist, Gott um Schutz und Gnade zu bitten, damit er die Erdfrüchte gedeihlich und zu unseren Bedürfnissen hinreichend wachsen lasse und alle Unglücksfälle, als: Wetterschaden, Feuersbrünste, Pest, Hunger und Kriege abwenden wolle. In dieser Absicht werden feierliche Prozessionen über die Felder angestellt, wobei namentlich der Rosenkranz abgebetet wird, sowie die nachfolgende Litanei von allen heiligen. err, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme dich unser! Heilige Maria,*) *) Bitt für uns! 280 Litanei von allen Heiligen. Heilige Gottesgebärerin,*) tubi Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Heiliger Michael, Heiliger Gabriel, Heiliger Raphael, Alle heiligen Engel und Erzengel,**) Alle heiligen Chöre der seligen Geifter, Heiliger Johannes der Täufer*) Alle heiligen Patriarchen und Propheten,**) Heiliger Petrus,*) Heiliger Paulus, Heiliger Andreas, Heiliger Jakobus, Heiliger Johannes, Heiliger Thomas, Heiliger Jakobus, Heiliger Philippus, Heiliger Bartholomäus, Heiliger Matthäus, Heiliger Simon, Heiliger Thaddäus, Heiliger Matthias, Heiliger Barnabas, Heiliger Lucas, Heiliger Marcus, 0419199 Alle heilige Apostel und Evangelisten,**) Heiliger Stephanus,*) Heiliger Laurentius, Heiliger Vincentius, Heilige Fabianus und Sebastianus,**) Heilige Johannes und Paulus, Heilige Cosmas und Damian, Heilige Gervasius und Protasius, Alle heilige Märtyrer, *) Bitt für uns!**) Bittet für uns! DE Litanei von allen Heiligen. Heiliger Sylvester,*) Heiliger Gregor, Heiliger Ambrosius, Heiliger Augustinus, Heiliger Hieronymus, Heiliger Martinus, Heiliger Nikolaus, Alle heiligen Bischöfe und Beichtiger,**) Heiliger Benedict,*) Heiliger Anton, Heiliger Bernhard, Heiliger Dominifus, Heiliger Franziskus, is di Alle Heilige Priester und Leviten,**) Alle heilige Mönche und Einsiedler, m Heilige Maria Magdalena,*) Heilige Agatha, Heilige Lucia, Heilige Agnes, Heilige Cäcilia, Heilige Katharina, Heilige Anastasia, 281 is sid dom Alle heilige Jungfrauen und Wittwen,**) dun Alle liebe Auserwählte Gottes, seid unsere Fürsprecher! Sei uns gnädig, verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Herr! Von allem Uebel, erlöse uns, o Herr! Von aller Sünde, erlöse uns, o Herr! Von deinem Zorne, erlöse uns, o Herr! Vom jähen und unvermutheten Tode,***) Von den heimlichen Nachstellungen des Bösen, Vom Zorn, Haß und allen bösen Willen, Vom Blitz und Ungewitter, dan wi Vom ewigen Tode, *) Bitt für uns!**) Bittet für uns!***) Erlöse uns, o Herr! 82 Litanei von allen Heiligen. Durch das Geheimniß deiner heiligen Menschwerdung,*) Durch deine Ankunft, Durch deine Geburt, Durch deine Taufe und heiliges Fasten, Durch dein Kreuz und Leiden, Durch deinen Tod und dein Begräbniß, Durch deine heilige Auferstehung, Durch deine wunderbare Himmelfahrt, Durch die Ankunft des heiligen Geistes, Am jüngsten Gericht, Wir Sünder bitten dich, erhöre uns! Daß du unser schonest, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du uns die Sünden verzeihest, wir bitten dich, erhöre uns!** stics Daß du uns zu wahrer Buße bekehren wollest, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du deine heilige Kirche regieren und erhalten wollest,**) Daß du den apostolischen Hirten und alle geistlichen Stände in dem heiligen Glauben erhalten wolleft, Daß du die Feinde der heiligen Kirche erniedrigen wollest, Daß du den christlichen Königen und Fürsten Friede und Einigkeit verleihen wollest, Daß du dein christliches Volk in Frieden und Einigkeit erhalten wollest, Daß du uns in deinem heiligen Dienste stärken und erhalten wollest, he nel Daß du unsere Herzen mit himmlischen Neigungen erfüllen wollest, Daß du alle unsere Gutthäter mit den ewigen Gütern belohnest, Daß du unsere Seelen, wie auch die Seelen unserer Brüder, Freunde und Wohlthäter vor dem ewigen Tode bewahrest, 03 *) Erlöse uns, o Herr!**) Wir bitten dich, erhöre uns! Am heiligen Auffahrtstage. Daß du die Frucht der Erde geben und erhalten wollest,*) Daß du allen abgestorbenen Christgläubigen die ewige Ruhe verleihen wollest, O du Sohn Gottes, wir bitten dich, erhöre uns, 283 O du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches, du hinnimmst die Sünden der Welt erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Vater unser 2c. och 2008 Am heiligen Auffahrtstage. Die Zeit ist gekommen, glorreicher Ueberwinder und Besieger der Welt, des Todes und der Hölle, da du wieder in den Himmel zurückkehrest, von welchem du herabgestiegen bist! Wie kann ich Freude finden an den schnöden Dingen dieser Welt, da du nicht zugegen bist, o meine Hoffnung und mein Heil! Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater eilen, der da oben ist, zu dessen Rechten du sigest, und nicht nach dem Irdischen will ich trachten. *) Wir bitten dich, erhöre uns! 284 Du bist aufgefahren über alle Himmel, mein Jesu, durch die Kraft deiner Gottheit; ich aber werde durch die Kraft deiner Gnade im Geiste dir nachfolgen, bis meine Seele, aus diesem Kerker erlöset, zu dir kommt; dann werde ich mit dir in deine Freude eingehen, und immer mit dir und bei dir seyn. Aber gleichwie du, mein Heiland, durch Kreuz und Leiden in deine Herrlichkeit hast eingehen müssen, so soll auch ich durch Kreuz und Trübsal zu dir kommen. Ich bin zu Allem bereit, o mein Jesu, wenn ich nur in deiner Herrlichkeit dich sehen und ewig lieben kann! snef Shohreden. An den heiligen Pfingsttagen. gebet zum heiligen geifte. heiliger, göttlicher Geist, o Geist der Liebe und Wahrheit, o gütigster Urheber der Heiligkeit unserer Seele, ich bete dich demüthigst an als den Anfang und Ursprung meiner ewigen Seligkeit; ich sage dir demüthigst Dank als dem allerhöchsten Ausspender all der Güter und Wohlthaten, die ich vom Himmel empfangen habe; ich rufe dich an als den Ursprung des Lichtes und der Kraft, welche mir nothwendig sind, das Gute zu erkennen und im Werke zu üben. Geist des Lichtes und der Stärke, erleuchte meinen Verstand und stärke meinen Willen; reinige mein Herz, beherrsche alle seine Bewegungen und leite mich, damit ich allen deinen Einsprechungen ohne Widerstand Folge leiste. An den heilige Pfingsttagen. Willia 285 Verzeihe mir, o Geist der Gnade und BarmherzigY teit, ver eih mir meine so vielfältige und beharrliche Untreue, meine so ungerechte Hartherzigkeit und Blindheit, durch welche ich schon so oft die freundli bsten Antriebe deiner Gnade ausgeschlagen habe. Gib mir die Gnade, daß ich deinen heilsamen Eingebungen nie mehr widerstrebe, sondern ehrfurchtsvoll aufnehme, damit ich verkosten möge die seligen Früchte deiner Gnade und theilhaftig werde der himmlischen Gaben, die deine Gnade den frommen Seelen schenket. Oso komme herab, du Erleuchter der Herzen, und reinige das meine von Sünden und irdischen Begierden! Erneuere mein Inneres nach dem Vorbilde Jeſu, und vertreibe den alten Menschen, damit du, o süßester Geist meiner Seele, bei und in mir wohnen mögest! 286 Litanei vom heiligen Geiste. Wo du gegenwärtig bist, da ist auch Freude, Friede, Geduld, Sanftmuth, Güte, Langmuth, Glaube, Mäßigkeit, Liebe, Keuschheit und alle göttlichen Tugenden. Amen. Litanei von dem heiligen Geiste. err, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel,*) Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geiſt, Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Geist des Trostes, O Geist der Weisheit und des Verstandes, O Geist des Rathes und der Stärke, O Geist der Erkenntniß und Gottseligkeit, O Geist der Furcht des Herrn, O Geist des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, O Geist der Wahrheit, Geist der beständigen Freude und des Friedens, D Geist der Geduld und der Sanftmuth, O Geist der Güte, O Geist der Mäßigkeit, O Geist der Keuschheit, O Geist der auserwählten Kinder Gottes, O Regierer und Heiligmacher der Gläubigen, O Erforscher der menschlichen Herzen, O Spender aller himmlischen Gaben und Gnaden, O Tröster aller Betrübten, Du Freude der Engel, Du Erleuchter der Patriarchen Du Einsprecher der Propheten, *) Erbarme dich unser! Litanei von heiligen Geiste. Du Lehrer der Apostel,*) Du Stärke und Sieg der Martyrer, Du Trost der Beichtiger, Du Reinigkeit der Jungfrauen, Du Freude aller Heiligen, Sei uns gnädig, verschone uns, o heiliger Geist! Sei uns gnädig, erhöre uns, o heiliger Geist! dor Sei uns gnädig, erlöse uns, o heiliger Geist! Von aller Sünde,**) 287 Von allen Versuchungen und Nachstellungen des Bösen, Von aller Vermessenheit und Verzweiflung, 16-203 Von Widerstrebung gegen erkannte Wahrheit, Von Neid und Mißgunst, Von dem verstockten und unbußfertigen Herzen, Von allem Irrthume, Von dem Geiste der Unzucht, Von aller Unreinigkeit des Leibes und der Seele, Von aller Trägheit und vom Ueberdruße im Dienste Gottes, Von unmäßiger Traurigkeit, Von dem jähen und unvermutheten Tode, Durch deine wunderbare Kraft, wodurch die Jungfrau Maria den Sohn Gottes empfangen, Durch die Herabsteigung in Gestalt einer Taube über Jesum, da er getauft war, Durch deine Erscheinung in einer klaren Wolke, da Jesus auf dem Berge Tabor verklärt war, Durch deine Ausgießung in Gestalt feuriger Zungen über die Jünger Christi, Am Tage des Gerichtes,***) Daß du unser verschonest, Daß du die Glieder der mahren Kirche durch deine Gnade lebendig machen und heiligen wollest, *) Erbarme dich unser!**) Erlöse uns, o heiliger Geist! ***) Wir bitten dich, erhöre uns, o heiliger Geist! 288 Litanei von heiligen Geiste. Daß du alle christlichen Fürsten und Herren vereinigen und im beständigen Frieden erhalten wollest, wir bitten dich, erhöre uns, o heiliger Geiſt! Daß du die katholische Kirche erhöhen und vermehren wollest,*) Daß du alle Völker zur Erkenntniß und Einigkeit des wahren Glaubens bringen wollest, Daß du uns mit deiner wirksamen Gnade jederzeit vorkommen, begleiten und nachkommen wollest, Daß du uns in der wahren Gottesfurcht erhalten wolleft, Daß du uns die Gnade des Gebetes und der rechten Andacht mittheilen wollest, Daß du alle unsere Gedanken, Worte und Werke zu deiner Ehre und nach dem göttlichen Wohlgefallen richten und heiligen wollest, Daß du uns ein demüthiges Herz geben wollest, Daß du die Liebe der Armuth, Keuschheit und des Gehorsams in uns erwecken und vermehren wolleſt, Daß du Geduld und Milde in unsere Herzen pflanzen wollest, Daß du unser Herz zur wahren Liebe und christlichen Barmherzigkeit neigen wollest, Daß du einen rechten Geist, und ein reines Herz in uns erschaffen wollest, Daß du uns in Kreuz und Leiden stärken wollest, Daß du unsern Herzen den wahren Frieden verleihen wollest, Daß du uns in deiner Gnade bestätigen wolleft, Daß du uns auf dem rechten Wege zum Lande der Lebendigen führen und leiten wollest, Oheiliger Geist, der du vom Vater und dem Sohne von Ewigkeit biſt, O heiliger Geist, der du mit dem Vater und dem Sohne, einer ungetheilten, göttlichen Natur bist, *) Wir bitten dich, erhöre uns, o heiliger Geift! Am hochheil. Dreifaltigkeitsfeste. 289 O du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, gieße über uns aus den heiligen Geiſt! O du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, sende uns den heiligen Geist! O du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, regiere uns durch deinen heiligen Geist! медди Am hochheil. Dreifaltigkeitsfeste. hre sei dem Vater, welcher mich durch seine Allmacht aus Nichts zu seinem Ebenbilde erschaffen hat! Ehre sei dem Sohne, welcher mich durch seine Liebe und Weisheit von der Hölle erlöset und die Pforten des Himmels mir eröffnet hat! Ehre sei dem heiligen Geiste, welcher mich durch seine Barmherzigkeit in der heiligen Taufe geheiligt hat, und noch immer fortfährt, meine Heiligung zu bewirken durch seine Gnaden, die ich täglich von ihm empfange! Ehre sei den drei göttlichen Personen der allerheiligsten Dreifaltigkeit, wie im Anfang, so jetzt und zu ewigen. Zeiten. Amen. Wir beten dich an, o allerheiligste Dreieinigkeit, wir verehren dich und danken dir in Demuth, daß du uns dieses glorreiche und unbegreifliche Geheimniß geoffenbaret hast. Wir bitten dich auch, du wollest uns die Gnade verleihen, daß wir bis in den Tod in dem Bekenntniß dieses Glaubens verharren und also verdienen, dort in dem Himmel zu sehen und zu preisen in alle Ewigkeit dasjenige, was wir hier auf Erden glauben, nämlich Einen Gott in drei Personen, Gott den Vater, Gott den Sohn, und Gott den heiligen Geist. Amen. Jungfrauenbuch, II. Theil. 19 290 Litanei zur allerheiligsten Dreifaltigkeit. Litanei zur allerheiligsten Dreifaltigkeit. Zerr, erbarme dich unser! ELS Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, einiger Gott,*) Gott Vater vom Himmel, Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geist, Heiligste Dreieinigkeit, O Einheit der Natur, O Dreiheit in den Personen, O einzige Macht und Herrlichkeit, O Bater ungeboren, O eingeborner Sohn, *) Erbarme dich unser! istpillejlar Find und How can Litanei zur allerheiligsten Dreifaltigkeit. 291 O heiliger Geist, der du vom Vater und vom Sohne ausgehest, O heiligste Dreieinigkeit, die du alle Dinge erschaffeft und regierest, 15) O unermeßliche Macht des Vaters, O unbegreifliche Weisheit des Sohnes, unendliche Güte des heiligen Geistes, O einzige Gottheit in drei Personen, d O Herr der Heerschaaren, dem die seligen Geister unaufhörlich ,, heilig, heilig, heilig" singen, O heiliger, o starker, o unsterblicher Gott, O unsterblicher König aller Zeiten, in dem wir leben, sind und seyn werden, O wunderbarer Gott und Herr aller Dinge, Sei uns gnädig! Verschone uns, o heiligste Dreieinigkeit! Sei uns gnädig! Erhöre uns, allerheiligste Dreieinigkeit! Von allem Uebel,*) Von aller Sünde, Von deinem Zorne, Vom jähen und unvorgesehenen Tode, Von den heimlichen Nachstellungen des Satans, Vom Zorne, Haß und allem bösen Willen, Vom Geiste der Unreinigkeit, Vom Blitz und Ungewitter, Vom ewigen Tode, Durch die Stärke deiner Allmacht, Durch die Tiefe deiner göttlichen Weisheit, Durch die Süßigkeit deiner Güte, Durch die Fülle deiner Barmherzigkeit, Durch deine unübertreffliche Herrlichkeit, Wir arme Sünder, wir bitten dich, erhöre uns! Daß wir deinen Namen preisen und ehren mögen, wir bitten dich, erhöre uns! *) Erlöse uns, o Herr! for 19* #E 292 Am hochheiligen Frohnleichnamsfeste. Daß wir dir in Heiligkeit und Gerechtigkeit dienen mögen, wir bitten dich, erhöre uns! Daß wir deinen Willen und deine heiligen Gebote erfüllen mögen, wir bitten dich, erhöre uns! Daß wir dich von ganzem Herzen und den Nächsten wie uns selbst lieben mögen, wir bitten dich, erhöre uns! Daß wir des Angesichts deiner Herrlichkeit theilhaftig werden mögen, wir bitten dich, erhöre uns! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst bie Sünden der Welt, erbarme dich unser, o Herr! Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott, der du deinen Dienern verliehen hast, daß sie durch die Erkenntniß des wahren Glaubens die Herrlichkeit der ewigen Dreieinigkeit verstehen und in der Macht der Majestät die Einigkeit anbeten mögen: wir bitten, daß wir durch diesen starken Glauben jederzeit beschützt werden, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. much ofg Am hochheiligen Frohnleichnamsfeste.*) ch bete dich an, Herr Jesus Christus! im heiligsten Sakramente des Altars, wo du alle Reichthümer deiner Liebe verbirgst. O wie furz ist diese heilige Zeit, um so viele Geheimnisse deiner Erbarmungen zu feiern! Ich sehe hier nichts als Liebe und *) Geeignete Andachten für diese hohe Festzeit s. S. 215-224. Am Hochheiligen Frohnleichnamsfeſte. LAUDETUR S.SACRA" MENTUM INSA TUM INSA- SACUA AUTA 293 Güte. Ach Herr! warum verbirgst du deine ewige Majestät? Warum setzest du dich der Undankbarkeit und Unehrerbietigkeit gefühlloser Seelen aus? Ach! es geschieht darum, weil du uns liebest, und suchest, und dich uns ganz geben willst. Auch um meiner willen, o mein Jesu! steigest du täglich vom Himmel auf die Altäre herab, um die Speise meiner Seele zu seyn, um mich mit Liebe gegen dich zu entzünden und dich mit mir ganz zu vereinigen. Ach! könnte ich dich im heiligen Altarssaframente doch Tag und Nacht anbeten! Wenn die Engel nicht ermi 294 Am hochheiligen Frohnleichnamsfeste. den, dich in diesem Liebesgeheimnisse unaufhörlich zu preisen; wie sehr bin ich dazu verbunden, dich, so oft als es möglich ist, hier zu besuchen, anzubeten und zu loben, da du nur um meinetwillen im heiligsten Altarssakramente gegenwärtig bist. Ich will daher vein Lob vor den Engeln besingen. Ich will dich anbeten in deinen heiligen Tempeln, und deine Erbarmungen preisen. Du, in den Brodsgestalten verborgener Gott! welche Liebe bin ich dir schuldig! Sie ist aber noch so schwach, als gering meine Erkenntniß deiner Güte und Schönheit. Gib dich mir immer mehr zu erkennen, reinige mein Herz von allen unordentlichen Neigungen und Begierden, und ich will dich lieben aus ganzer Seele und nichts suchen, als das Wohlgefallen und die Freude deines Willens. Willst du mir diese dir schuldige Liebe vergelten- denn du läßt nichts unbelohnt so bitte ich, gib meinem Herzen noch mehr Liebe, meiner Seele eine noch größere Glut der Andacht, damit ich dich noch mehr lieben und preisen und dir gefälliger dienen könne. - O Jesu, meine Liebe! ertheile mir noch größere Liebe. Ich glaube an deine Gegenwart in diesem heiligen Sakramente; ich hoffe auf deine Barmherzigkeit und Gnade, und bereue aus Liebe zu dir aufrichtig meine Sünden. Ich will lieber Alles leiden, jede Schmach und Verfolgung; lieber das größte Gut der Welt daran geben, und die schwersten Versuchungen bekämpfen, als dich freiwillig mit einer Sünde beleidigen. Dazu verlange ich aber die Segnungen deines Genusses in dieser Speise des ewigen Lebens. Lieber Jesu! mein Herz ergibt sich dir ganz, und verlangt nichts 295 Am Feste des heiligsten Herzens Jesu. sehnlicher, als nach deiner Vereinigung. O du unbegreifliche Liebe! du willst dich auf immer mit mir vereinigen, damit du ganz mein, und ich dein werde. So komm denn, o Jesu! komm mit der Fülle deiner Gnaden in mein Herz und bleibe in mir. mochten Am Feste des heiligsten Herzens Jesu. 1907 ST J. Jesu! meine Liebe, verleihe mir durch dein heiligstes Herz, daß ich dich über Alles liebe, und ohne Unterlaß in deiner Liebe zunehme! O Jesu, göttlicher Rathgeber! wie überaus heilsam ist es, dich zu hören und deinen heiligen Einflösungen zu folgen! O verleihe mir, daß ich in deinem heiligen Herzen lerne, was dir am wohlgefälligsten ist, und dieß täglich getreu vollbringe! Am Feste des heiligsten Herzens Jesu. O Jesu, du süßeste Freude meines Herzens, in deinem heiligsten Herzen quillt mir alle Glückseligkeit! O gestatte nicht, daß ich jemals irgend Freude suche is außer in dir! 296 O Jesu, in dir allein ruht meine Hoffnung wegen der unendlichen Milde deines süßesten Herzens! Nach Nichts verlange ich, außer nach dir! O sei immerdar der Mittelpunkt aller Regungen meines Herzens! O Jesu! du mein größtes und reichstes Erbe im Himmel und auf Erden! Was kann ich außer dir je noch besigen; und woran kann es mir gebrechen, wenn ich dich habe? Ich flehe zu dir durch dein heiligstes Herz, laß nimmermehr zu, daß ich dich jemals verliere! Jesu, du allein bist meine Glorie, mein Ruhm! Darin allein will ich mich rühmen, daß ich ein Opfer deines allerheiligsten Herzens sei. O verleihe mir durch dasselbe, daß ich alle eitle Ehre der Welt verachte! O Jesu, du einziges Heil meiner Seele! Von dir allein erwarte ich Gesundheit und Leben! Befreie mich durch dein heiligstes Herz von allen geistigen Schwächen und Krankheiten! O Jesu, mein unermeßlicher Schatz! Wann werde ich dich vollkommen und ewig besitzen!- diese Glückseligkeit hoffe und erwarte ich von der unerfaßlichen Liebe deines göttlichen Herzens! Jesu, du einziger Weg zum Himmel, du Leben meiner Seele! In deinem heiligen Herzen will ich leben und sterben. Amen. se ( Eine sehr schöne Andacht zum heil. Herzen Jesu findest du auch Seite 33.) Am Kirchweihfeste. 1 297 Am Kirchweihfeste betrachte die vielen Gnaden, welche dir im Hause Gottes zu Theil werden. Hier vernimmst du das Wort Gottes; hier wohnst du dem Opfer der heiligen Messe bei; hier empfängst du Vergebung deiner Sünden; hier genießest. du Jesu Fleisch und Blut. Bereue, daß du diese unzähyligen Gnaden nicht recht benüzet hast.- Trete boll Ehrfurcht in die Kirche; denn der lebendige Gott, Jeſus Christus, ist hier wahrhaft gegenwärtig, nicht bloß in seiner Gottheit, sondern auch in seiner heiligen Menschbeit. Erinnere dich, daß auch dein Leib ein Tempel Gottes ist, und hüte dich, ihn durch eine schwere Sünde zu entweiben. 13 immlischer Heiland, der du aus großer Liebe zu den Menschen, in ihren Kirchen unter der Ge 298 Am Kirchweihfeste. stalt des Brodes verborgen, wahrhaftig und persönlich gegenwärtig bist, und daselbst ihr Gebet gnädigst anhöreft; um diese deine unendliche Liebe den Gläubigen vor Augen zu stellen, hat deine heilige Kirche dieses Fest eingesetzt, und sagt uns, daß durch deine große Güte diesem Gotteshause Heil und Segen wiederfahren ist, und will, daß wir in deinem Lobe, in Danksagung und innerer Freude diesen Tag zubringen. Die undankbaren Menschen aber verleben diesen Tag in Unmäßigkeit und leichtfertiger Sinnenlust. Mit solcher Untreue vergelten sie dir, o Gott! deine Güte. Du aber, der du immer gnädig und barmherzig bist, erbarme dich meiner und aller Sünder! Ich entsage dir zu Liebe, o Gott, diesem unsittlichen Betragen, und will vor deiner Gegenwart diese Zeit dem Gebete und guten Werken weihen. - gebet der Kirche. Gott, der Du uns alle Jahre den Einweihungs( 1). tag dieses Deines Tempels erneuerst und uns an Deinen heiligen Geheimnissen frohen Antheil gewährest; erhöre die Bitten Deines Volkes, und verleihe, daß Alle, welche in diesen Tempel kommen, um Deine Gnade anzuflehen, einer gnädigen Erhörung sich erfreuen. Durch Christum unsern Herrn. Amen. Gebet für die Abgestorbenen einer Pfarrei am Kirchweih- mondtage. m Kirchweihmondtage wird fast an den meisten Orten für die Abgestorbenen der Pfarrei ein Seelengottesdienst mit Vigil, Requiem und Libera ge Am Kirchweihfeste. 299 halten, wobei für dieselben 5 Vater unser und Ave Maria, nebst dem Glauben gebetet werden. Den Schluß bildet folgendes( oder ein anderes ähnliches) Gebet. O Gott, dem es allein zufommt, Mittel des Heiles zu geben nach dem Tode: verleihe, wir bitten Dich demüthigst, allen denen, die aus unserer Mitte geschieden sind und auf diesem Gottesacker ihre Ruhestätte gefunden haben, Verzeihung ihrer Sünden und Nachlaß der verdienten Strafen. Erweise ihnen Deine Barmherzigkeit, und vergib ihnen, was sie im Umgange mit Menschen aus menschlicher Schwachheit gegen Dein heiliges Gesetz begangen, und durch Thränen der Buße nicht mehr abgewaschen haben. Richte sie nicht nach ter Strenge Deiner Gerechtigkeit, sondern nach der Menge Deiner Erbarmungen, und gedenke nicht der Sünden ihrer Jugend, sondern zeige ihnen Deine unaussprechliche Güte, auf daß es ihnen zum ewigen Heile gereiche, an Dich geglaubt und auf Dich gehofft zu haben. Durch Jesum Christum Deinen Sohn, unsern Herrn, der mit Dir und dem heiligen Geiste lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. W. Herr, gib allen christgläubigen Seelen die ewige Ruhe. B. Und das ewige Licht leuchte ihnen! W. Lasse sie ruhen im Frieden. R. Amen. guasa 530 22 Bei mir ist alle Gnade des Wandels und der Wahrheit, bei mir alle Hoffnung des Lebens und der Zugend. Kommet her zu mir alle, die ihr mein begehret, und sättiget euch anmeinen Früchten." Eccli. 24. 301 11. flad momsralzsa An den Festtagen der allerfeligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria.*) едата The Mos reso Am fefte der unbefleckten Empfängniß Mariä. Den 8. Dezember. underbare Jungfrau! Mit Recht spricht von dir der heilige Geist, daß viele Jungfrauen große Schätze gesammelt haben, und daß du sie alle übertroffen hast, und daß du unter den Jungfrauen stehest, wie eine Lilie unter den Dornen; denn die Jungfrauen, welche mit großer Heiligkeit geleuchtet haben, sind alle in der Sünde empfangen, und als Kinder der Sünde in die Welt gekommen. Du allein, gebenebeite Jungfrau, bu allein bist auserlesen unter Tausenden, und hast in deiner unbefleckten Empfängniß das Haupt der Schlange zertreten, die alle Menschen vergiftet hat! Du bist ganz schön, o du Freundin Gottes, und in dir ist kein Makel! Keinen Augenblick hat die Sünde über dich Gewalt gehabt, und daß wir durch deinen göttlichen Sohn von der Sünde sind erlöset worden, haben wir nach ihm deiner Mitwirkung zu verdanken, huldvolle Mutter, die du ber *) Die Festtage Mariens würdig zu feiern, sollt du, chriftliche Jungfrau, es nicht unterlassen, an jedem solchen Feste ein oder das andere Tugendbeispiel der allerfeligsten Jungfrau reiflich zu überdenken; du findest hinlänglichen Stoff hiefür im ersten Theile dieses Buches von Seite 153-181. Am Feste Mariä Geburt. verlorenen Welt zu Hilfe gekommen bist! Du aber, Mutter Gottes und Jungfrau, bist von deinem göttlichen Sohne von dem Falle in die allgemeine Sünde befreiet worden. Diese hohe Meinung hat die heilige Kirche wegen der Ehre des Herrn, der aus deinem unbefleckten Fleische und Blute unsere Sterblichkeit hat annehmen wollen, jederzeit von dir gehabt und wurde von ihr in neuester Zeit als Glaubensartikel feierlichst ausgesprochen. Stehe mir bei, o mildselige Jungfrau, daß ich durch deine unbefleckte Empfängniß von den begangenen Sünden erlöset, und von jenen, die meine Schwachheit zu fürchten hat, befreiet werde. 302 ( Bete an diesem Tage die Andachtsübungen zur unbefleckten Empfängniß. Seite 231 bis 240.) Am feste Maria Reinigung. 51 Allerreinste Jungfrau! heute ist der Tag deiner Heldenmüthigen Tugenden, mit deren Glanze du die ganze Welt erleuchtest! Als die unbefleckte Mutter des Herrn stellest du dich unter die unreinen Frauen, als wenn du eine Reinigung nöthig hättest, da du doch reiner bist, als die Himmel! Du betrachtest nicht, daß das Gesetz der Reinigung weder für dich, noch für deinen eingebornen Sohn gemacht worden ist. Auf diese Weise willst du gerecht seyn, und deine hohe Würde vor den Menschen verbergen. Wer aus denjenigen, die um dich herum standen, hatte dich erkannt für das, was du warest? Niemand, als dein treuer und keuscher Gatte, eine gottfelige Wittwe, und der gerechte Simeon, von Gott erleuchtet, dr Feste Mariä Verkündigung. 30º gaben das Zeugniß, daß du die allerreinste Mutter des ersehnten Messias und Erlösers seiest. Aber eben dieses Zeugniß hat deine heilige Seele mit bitterem Schmerze erfüllet, indem der gottselige Simeon dir prophezeiet hatte, was dieser dein gebenedeiter Sohn, und du mit ihm, würdest leiden müssen. Und dennoch opferst du dem himmlischen Vater seinen und deinen Sohn zum Schlachtopfer auf, und zur Erlösung des menschlichen Geschlechtes, und bürdest dir alle Drangsale und Schmerzen auf, welche durch dieses Opfer über dich kommen sollen. HOHDT Oheiligste Jungfrau! laß mich Kreuz und Leiden willig ertragen, und das Urtheil der Menschen verachten! Am fefte der Verkündigung Maria. eiligste Jungfrau! heute hat Gott in dir das Wunder gewirket, das vor allen Zeiten auch den himmlischen Geistern verborgen war. Von Ewigkeit außerlesen, wirst du heute vor allen Frauen als die 304 Gedächtnißtag der Heimsuchung Marä. Mutter Gottes erklärt. Der allmächtige Gott trägt dir durch seinen Erzengel die göttliche Mutterschaft an; die ganze Kraft des Allerhöchsten überschattet dich; bas ewige Wort steigt auf deine Einwilligung vom Himmel herab, und nimmt in deinem Leibe die menschliche Natur an. Wer kann dir, o seligste Jungfrau, genug danken, oder dich loben, wie du es verdienest, da du durch ein Wort die Welt beglücket haft? Wer kann deine Hoheit, deine Würde fassen? Wie kannst du dich eine Magd des Herrn nennen, der dich zur Mutter vor allen Frauen auserwählet hat? sof O demüthige Jungfrau! dir will ich nachfolgen und mich wegen der irdischen und geistigen Gaben, die ich von Gott empfangen habe, niemals über Andere erheben, sondern meine Nichtigkeit erkennen. gedächtnißtag der Heimſuchung Mariä. ie viele Tugenden zeigest du mir in diesem Geheimnisse, o göttliche Mutter! Gedächtnißtag der Heimsuchung Mariä. - Fue Den Gehorsam, indem du ungeachtet des weiten Weges und ohne Rücksicht auf deinen zarten Leib über das rauhe Gebirg eiltest, nach dem göttlichen Befehle; deine tiefe Demuth, indem du, als die Mutter des Herrn, dich nicht geweigert hast, die Magd heimzusuchen; - 3 - deine gutthätige Milde, indem du dem, im Mutterleibe mit der gemeinen Sünde behafteten, Vorläufer zu Hilfe kommst;- die innigste Liebe und Verehrung Gottes, indem du öffentlich seine Wunderwerke erzählest; deine eigene Erkenntniß und Geringschätzung, indem du Alles der großen Barmherzigkeit Gottes, nichts deinem Verdienste zuschreibest. O Jungfrau, wie kann man deine Macht verkennen, da du nur mit einem Gruße so viele Wunder wirkest! Ich, meine hochgebenedeite Mutter! werde ich immer lieben, deine Macht erkennen, deine Fürbitte suchen, und deinem mütterlichen Schutze und Schirme mich Jungfrauenbuch, II. Theil. 20 305 - - Am Feste Mariä Himmelfahrt. gänzlich übergeben, und wenn du mich nach dem Maße deines Vertrauens erhörest, wird mir nichts fehlen; denn mit der Gewalt verbindest du auch den Willen. Du kannst dein mütterliches Herz nicht verläugnen, und haft noch nie einen Menschen verlassen, der auf dich vertraut hat. Stehe mir also bei, Mutter des Erbarmens! 306 Am festtage der Himmelfahrt Mariä. Den 15. Auguft. Sio verläsfest du also, o Jungfrau, diese Erde, und von den heiligen Engeln getragen, von deinem Sohne begleitet, steigest du hinauf über alle Himmel, und wirst daselbst als die Königin des Himmels und der Erde gekrönet, und neben deinem Sohne auf den Thron der Herrlichkeit gesetzet! Göttliche Mutter! mit was für unaussprechlicher Freude hast du den Himmel erfüllet! Mit welchem Frohlocken haben die seligen Bewohner des Himmels den Leib gesehen, der das Wort, das da Fleisch geworden ist zu unserer Erlösung, auf Erden getragen hat, und das wunderliebliche Antlitz, welches vollkommen dem Angesichte Jesu gleich war! Und du, o glorreiche Mutter des Erlösers! welche Freuden des Herzens empfindest du, indem du nun auf ewig mit deinem geliebten Sohne vereiniget bist, den Lohn deiner Verdienste empfangest, und mit immerwährender Anschauung der ewigen Schönheit deine mühselige Wanderschaft verwechselt hast! Selig bist Du mun, heiligste Jungfrau Maria, und des höchsten Lobes würdig: denn aus Dir ging hervor die Sonne der Gerechtigkeit, Christus unser Gott. Am Feste Mariä Himmelfahrt. * 307 Wende, o glorreiche Jungfran! von dem Thron: deiner Herrlichkeit deine milden Augen zu mir, die ich unter so vielen Gefahren auf dem ungestümen Meere dieser Welt umhergetrieben werde; ermuthige mich durch das Vorbild deiner Tugenden, daß ich, alle Freuden, Reichthümer und Ehren dieser Welt verachtend, nur nach dir mich sehne, und deine Gegenwart einst im Himmel zu genießen gewürdigt werde, um mit dir meinen Gott und Erlöser, mit dem Vater und dem heiligen Geiste ewig anzubeten, zu loben und zu preisen Amen. 20* INRI D Maria, Mutter Jesu! Du Mutter eines guten, reinen Herzens! erlange mir ein Herz nach Deinem Herzen und nach dem Herzen Deines geliebtesten Sohnes, unsers Herrn Jesus Christus! Am fefte des allerreinften Herzens Maria. Am 2. Sonntage nach Mariä Himmelfahrt. 1 309 Zur Verehrung des heiligsten und unbefleckten Herzens Mariä besteht seit dem Jahre 1837 in Paris eine Erzbruderschaft, durch welche nicht bloß in Frankreich, sondern überall, wo bis jetzt Filial- Bruderschaften errichtet wurden, die erstaunlichsten Wunder der Bekehrung- selbst der verstocktesten Sünder auf die Fürbitte der seligsten Gottesmutter erlangt wurden. Diese fromme Verbrüderung, vom heil. Herzen Mariä die Bekehrung der Sünder zu erflehen, verbreitete sich so schnell, daß jetzt wohl kein vom Lichte des katholischen Glaubens bestrahlter Erdstrich ist, wo sie nicht blühte und Früchte brächte zum Heile von Millionen. Da insbesonders das Gebet unschuldiger Seelen die Wolken durchdringt und wie wohlriechendes Rauchwerk zu Gottes Thron aufsteigt, sollst du, christliche Jungfrau! nicht säumen, dieser Bruderschaft dich einverleiben zu lassen.*) Ablaßgebet zum heiligsten Herzen Mariä. D füßestes Herz Mariä, der Mutter Gottes und unserer Mutter! liebenswürdigstes Herz, Gegenstand des Wohlgefallens der anbetungswürdigsten Dreieinigkeit, und würdig aller Verehrung der Engel und Menschen! o Herz, welches du am meisten dem Herzen Jesu gleichest, dessen vollkommenstes Ebenbild du bist; Herz voll der Güte und des innigsten Mitleids gegen unser Elend! o würdige dich, die Eisrinde von unsern erstarrten Herzen hinwegzunehmen, und mache, daß sie ganz umgewandelt werden in das Herz unsers göttlichen Erlösers. Flöße ihnen die Liebe zu deinen Tugenden ein, und entzünde in ihnen jenes heilige Feuer, von welchem du allezeit entflammt warst. Wache über die Kirche Gottes, beschütze sie und sei ihr stets eine sichere Zu*) Näheres über die Entstehung, Verbreitung und den Zweck derselben findest du in dem gar schönen Gebetbüchlein von Pfarrer Georg Ott, welches unter dem Titel: ,, Heiligstes Herz Mariä, unsre Zuflucht und Hilfe!" in der Fr. Pustet'schen Buchhandlung sehr billig zu haben ist. 310 Am Feste des Herzens Mariä. flucht und eine unüberwindliche Festung gegen die Anfälle ihrer Feinde. Sei du unser Weg, der uns zu Jesus führt, und der Kanal, durch welchen uns alle Gnaden zufließen, deren wir zu unserm Heile bedürfen; sei unsere Hilfe in der Noth, unser Trost bei Versuchungen, unsere Zuflucht bei Verfolgungen und unser Beistand in allen Gefahren, besonders aber im letzten Kampfe unseres Lebens, in der Stunde des Todes, wo die ganze Hölle sich rüsten wird, um unsere Seele zu rauben! Ach in diesem furchtbaren und erschrecklichen Augenblicke, von welchem unsere ganze Ewigkeit abhängt, verlaß uns nicht! Alsdann, o mitleidigste Jungfrau, laß uns empfinden, wie überaus zärtlich dein mütterliches Herz gegen uns ist und wie viel du vermagst bei dem Herzen Jesu; indem du uns in dieser Quelle der Barmherzigkeit eine sichere Zuflucht eröffnest, damit wir Ihn in alle Ewigkeit im Himmel preifen Amen. D Dank- und Aufopferungsgebet zum heil. Herzen Mariä. heiligstes Herz Mariä, der immerwährenden und unbefleckten Jungfrau! du reinstes, vollkommenstes und liebenswürdigstes Herz, das Gottes Allmacht in irgend einem bloßen Geschöpfe gebildet hat, du unerschöpfliche Quelle von Gnade, Güte, Sanftmuth, Barmherzigkeit und Liebe, du Muster aller Tugenden und vollkommenstes Nachbild des anbetungswürdigsten Herzens Jesu Christi; wie sehr brennest du vor Liebe! du haft allein Gott mehr geliebt, als alle Seraphinen, mehr als alle Engel und Heiligen zusammen, du haſt der hochheiligen Dreieinigkeit durch die geringste deiner Empfindungen mehr Verherrlichung verschafft, als es Am Feste des Herzens Mariä. 311 alle übrigen Geschöpfe durch ihre heldenmüthigsten Handlungen gethan haben! Herz der Mutter des Erlösers, das du unser Elend so tief empfunden, zu unserm Heile so viel gelitten, uns so warm und zärtlich geliebt hast, und deßwegen mehr als das Herz irgend eines andern Geschöpfes die Verehrung, Liebe, Dankbarkeit und das Vertrauen aller Menschen verdienest, nimm diese meine geringe Huldigung gnädig auf. Heiligstes Herz der Mutter der Barmherzigkeit, vor dir niedergeworfen, verehre ich dich mit der tiefsten Ehrfurcht, deren ich fähig bin; ich danke dir für alle Gefühle der Erbarmung und Liebe, welche dich beim Anblicke meines Elendes so oft bewegt haben; ich danke dir für alle Gnaden und Wohlthaten, welche mir durch deine mütterliche Fürsorge zugeflossen sind und vereinige mich deßhalb mit allen den reinen Seelen, die ihre Wonne und ihren Trost darein setzen, dich zu verehren, zu lieben und zu loben. Von nun an sollst du, o liebenswürdigstes Herz, nächst dem göttlichen Herzen deines geliebten Sohnes der Gegenstand meiner innigsten Verehrung, meiner Liebe und zärtlichsten Andacht seyn. Du sollst der Weg sehn, der mich zu meinem Heilande führt, durch dich auch werde ich seiner Gnade und Barmherzigkeit theilhaftig werden. Du sollst meine Zuflucht in Gefahren, mein Trost in Leiden, und meine Hilfe in allen Nöthen seyn. Von dir will ich erlernen die Reinheit, Demuth und Sanftmuth: du endlich sollst meinem kalten Herzen stets eine Quelle seyn, aus der es eine feurige Liebe zu dem heiligen Herzen Jesu, deines Sohnes schöpfen wird. Amen. 312 Litanei zu Ehren Litanei zu Ehren des heil. Herzens Mariä. err, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! AS Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater im Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme dich unser! Heiligstes Herz Mariä,*) Herz Mariä, ohne Sünde empfangen, Herz Mariä, voll der Gnaden, Herz Maria, unter allen Herzen gebenedeit, Herz Mariä, nach dem Herzen Jesu das allerreinste, Herz Mariä, ein Tempel der hochheiligsten Dreieinigkeit, Herz Mariä, du Sitz der Weisheit, Herz Mariä, du Spiegel der Gerechtigkeit, Herz Mariä, du Thron der Barmherzigkeit, Herz Mariä, du Inbegriff aller Heiligkeit, Herz Mariä, du Arche des Bundes, Herz Mariä, du Pforte des Himmels, O glorreiches Herz Mariä, O mächtiges Herz Mariä, O gütiges Herz Mariä, O getreues Herz Mariä, O lobwürdiges Herz Mariä, Oliebreiches Herz Mariä O sanftmüthiges Herz Mariä, O demüthiges Herz Mariä, O geduldiges Herz Mariä, Herz Mariä, für uns mit Schmerzen durchbohri, Herz Mariä, du Licht der Verirrten, Herz Mariä, du Zuflucht der Sünder, Herz Mariä, du Stärke der Gerechten, Herz Mariä, du Trost der Betrübten, *) Bitt für uns! E Bon 313 des heil. Herzens Mariä. Herz Mariä, du Kraft in Versuchung,*) Herz Mariä, du Hoffnung der Sterbenden, Herz Mariä, du Hilfe in allen unsern Trübsalen, Herz Mariä, du Unterpfand der Verheißungen Jesu, Herz Mariä, du vollkommenes Brandopfer der göttlichen Liebe, tar- 053 Herz Mariä, du Freude aller Herzen, Herz Mariä, mit Herrlichkeit und Glorie im Himmel gekrönt, O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Jesu! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Jesu! du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser! o Jesu! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Vater unser 2c.- Gegrüßt seist du zc. W. Heiligstes Herz Mariä, bitt für uns! B. Auf daß wir würdig werden, dich von ganzem Herzen zu lieben. 110r Gebet. Gott, der du das Herz der allerfeligsten Jungfrau Maria mit der feurigsten Liebe entflammt, mit allen Gnaden angefüllt, und mit den lieblichsten Tugenden gezieret hast, so daß dein göttlicher Sohn mit höchstem Wohlgefallen darin wohnte, verleihe mir und Allen, die dieses allerschönste und reinste Herz verehren, daß auch unsere Herzen von dieser Liebe zu dir entflammt, mit einem Theile jener Gnadenfülle bedacht und mit jenen Tugenden geschmückt werden, womit du unserer liebreichsten Mutter Mariä Herz bereichert hast, damit wir einst, vor deinem Angesichte erscheinend, nicht leer an Bitt für uns! Am Feste Mariä Geburt. Tugenden und guten Werken befunden, sondern als deine treuen Kinder in dein Reich aufgenommen werden, um mit Maria, unserer Mutter und allen Heiligen dich zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Amen. 314 An dem fefte der Geburt Mariä. Den 8. September. rel IS Ceilige Frau und Mittlerin, du bist wie die an brechende Morgenröthe vor der Sonne der Gerechtigkeit angekommen, um die lange viertausendjährige Nacht der Welt zu erhellen. Was ist das Kind, welches auf die Welt kommt, und worüber die Mutter sich so herzlich freuet? Es ist ein armseliges Geschöpf! Du aber, o Jungfrau, fängst schon an zu leuchten und die Strahlen deiner unerschöpflichen Gnade auszugießen! Du machest gut, was Eva gesündiget hat, und statt des Fluches bringest du Heil und Segen Wenn sich an der Geburt des Vorläufers schon Viele erfreuet haben, wie vielmehr sollen wir uns erfreuen, da bu, als die fünftige -und von Gott bestellte Mutter des Erlösers, auf die Am Feste des Hl. Namens Mariä. 315 Welt kommest. Johannes, der auf deine Stimme im Mutterleibe vom heiligen Geiste erfüllt worden, hat den Heiland mit dem Finger gezeigt, und du, o Jungfrau, Hast denselben in deinem Leibe getragen und der Welt geboren! Sei also immer gebenedeiet, o Jungfrau, ſei immer gepriesen als die Ursache unsers Heiles! Dich will ich lieben, auf dich ein findliches Vertrauen setzen, denn du wirst mich nicht verlassen, Alles vermögende, gütige Mutter meines Herrn! feft des heiligen Namens Mariä. Am Sonntag nach Mariä Geburt. DD süße, o mächtige, o unaufhörlich liebenswürdige Jungfrau! wer ist der, der Deinen Namen ausspricht, ohne durch die bloße Erinnerung an Dich mit neuer und vermehrter Liebe zu Dir sich durchdrungen zu fühlen? O heiligste der Jungfrauen! Verleihe uns Stärke in unserer Schwachheit! Wer ist wohl geschickter, als Du, Gottesgebärerin! mit Jesu Christo für unser Bestes zu sprechen, die Du so nahe bei Ihm und in seiner seligen Gesellschaft Dich befindest? Rede also, rede, o mächtige Frau! denn Dein Sohn ist immer geneigt, Dich anzuhören, und Du wirst alles erhalten, um was Du Ihn bitten wirst, Ihn, unsern Herrn Jesum Christum! Amen. Kirchengebet. Verleihe uns, allmächtiger Gott, daß deine Gläubigen, die in dem Namen und dem Schuße der heiligen Jungfrau Maria sich erfreuen, durch ihre treue Fürsprache von allen Uebeln auf Erden befreit werden, und zu den ewigen Freuden im Himmel langen verdienen. Durch unsern Herru 2c. Ag rogramom 316 mis Das Fest der sieben Schmerzen Maria. Am Feritage in der Passionswoche und am dritten Sonntag im September: BUT 191 anu no b@ 0 1198 3 Jus Cuddsil GBei dem Kreuze Jesu standen Seine Mutter und die Schwefter Seiner Mutter, Maria, die Frau des Cleophas, und Satome und Maria Magdalena. Joh. 19. Wem soll ich Dich vergleichen, oder wein soll ich Dich ähnlich halten, Du Tochter Jerusalem? Wen soll ich Dir an die Seite stellen, um Dich zu trösten, o Jungfrau, Tochter Sion? Denn groß wie das Meer ist Deine Betrübniß' Gebet. u standes neben dem Kreuze Jesu, betrübteste Meh Mutter Maria! und Deine heiligste Seele fühlte alle voBitterfeiten mit, welche Dein unschuldiger Sohn 317 Das Fest der steben Schmerzen Mariä. erbulden mußte. Er war gekreuzigt mit seinem Leibe: Du warst es mit Deinem Herzen, in welchem alle Wunden bluteten, wovon Dein theuerstes Kind überdeckt war. Neben dem Kreuze, o thränenvolle Mutter, wurde Dein Herz durchstochen, neben dem Kreuze fühltest Du die Dornenspißen, die sich grausam in das heilige Haupt Deines Sohnes gruben! Mit Ihm trugst Du des Kreuzes Last hinan zum Todeshügel, mit Ihm fühlteſt Du den schauerlichen Schmerz, welchen die Nägel seinen Händen und Füßen verursachten. Mit ihm littest Du, als Er dahing zwischen Himmel und Erde, als Er den brennenden Durst empfand, als Er Dich seinem Freunde empfahl, als er sein Haupt sterbend neigte! In ein Meer von Leiden war damals Deine Seele versunken, zahllos rannen Deine Thränen, schmerzdurchbohrte Mutter! Und doch ging keine Klage der Unzufriedenheit aus Deinem Munde; Du hattest Thränen, aber keinen Zorn. Du gabst dich hin in die ernsten Fügungen bes Allerhöchsten, so wie Dein großer Sohn sich hingab. Obewunderungswürdige Mutter meines größten Wohlthäters, Maria! diese erhabene Tugend, diese fromme Ergebenheit in den Willen Gottes wünschte ich auch in meinem Herzen zu besitzen bei den vielen Widerwärtigkeiten und Wechselfällen dieses armen Menschenlebens! Mit treuer, standhafter Liebe möchte auch ich meinem Gott ergeben bleiben in allen Trübfalen und Kümmernissen, unter denen mein gepreßtes Herz oft seufzet. Bei Deinen sieben Schmerzen flehe ich zu Dir, vermittle mir diese Gnade bei Deinem göttlichen Sohne, daß ich mich in allen Stücken dem Willen Gottes füge, 11 - 318 Klagelied zur sel. Jungfrau. daß ich mich immer mehr überzeuge, mein Vater im Himmel meine es allezeit recht gut mit mir, oft da am allermeisten, wenn meine Sinnlichkeit glaubt, er halte mich zu hart. Möchte ich weich und empfindsam werden beim Anblicke meines auch für meine Sünden blutenden Heilandes, und endlich einmal eine solche Reue über meine Vergehungen fühlen, welche meine Bekehrung nicht mehr weiter hinausschieben läßt. Wie wenig darf ich damit säumen! Täglich kömmt mir der Tod eine gute Strecke näher. Bitt für mich, Mutter der Barmherzigkeit! daß er mich nicht übereile, bevor ich das Geschäft meines Heils in Ordnung gebracht habe. Gelingt mir dieses Eine, dann ist mir Alles gelungen! Flehe für mich, daß es mir gelingen möge! Amen. ( Nach dem hl. Bonaventura.) Klagelied zur feligsten Jungfrau po ( Stabat Mater.) 93 ei dem Kreuz mit nassen Wangen,* wo ihr liebster Sohn gehangen,* stand die Mutter in der Bein; und mit schwer beklemmtem Herzen* drangen Trau'r und Todesschmerzen* schneidend wie ein Schwert hinein. Wie so bang an seiner Seite* stand die Hochgebenedeite Jungfrau- Gottgebärerin!* Sah mit Schmer* zen, sah mit Trauer* sah mit tiefstem Mitleids- Schauer* auf den Eingebornen hin! Welcher Mensch wird da nicht weinen,* da er hier in solchen Beinen* Jesu Mutter stehen sieht!* Wer kann ohne Schmerzen sehen, sie vor Schmerzen schier vergehen,* da sie mit dem Sohne litt? * Slagelied zur sel. Jungfrau. 319 Jesum sah sie hart gebunden und zerfleischt mit tausend Wunden* ach! für uns're Missethat! Sah den Sohn geschmäht- verlassen alles Troft's beraubt erblassen, den sie so geliebet hat. * * - Schmerzen- Mutter, Quell der Liebe;* daß ich mich mit Dir betrübe,* mit Dir weine, steh' mir bei.* Gib, daß ich vor Liebe brenne,* nur nach Jesu Lieb' mich sehne,* und ihm wohlgefällig sei. - Drücke Deines Sohnes Wunden,* wie Du selbst sie hast empfunden,* tief in meine Seele ein.* Jesus war für mich in Banden, hat den Kreuztod ausgestanden! theile mit mir seine Pein. * Laß mich bitter mit Dir weinen* üer Jesu Kreuzespeinen alle meine Tage hier!* Unter's Kreuz mit Dir zu eilen und den Schmerz mit Dir zu theilen immerdar- erwähl' ich mir. Jungfrau, Zierde der Jungfrauen:* Du mein Trost und mein Vertrauen!* sieh', ich reiche bir mein Herz!* Selbes sollen nun zerschneiden* Deines Sohnes Tod und Leiden,* seine Aengsten und sein Schmerz. * Nichts soll mich von Jesu scheiden;* bei dem Kreuz, im Tod und Leiden* bleib ich ihm in Liebe treu. Daß er nicht zur Höllenflamme* beim Gerichte mich verdamme, steh mir, milde Jungfrau! bei. Laß, o Mutter! Gnad' mich finden* und Verzeihung meiner Sünden durch des Sohnes Kreuz und Tod! Wenn die Seel' vom Leib wird scheiden, hilf mir zu den Himmelsfreuden,* dort bei Jesus unserm Gott! Amen. 820 Am fefte der Opferung Mariä. Den 21. November. 90116 S Sk llerheiligste Jungfrau! lebendiger Tempel des heiligen Geistes, der dich im Anfange deiner Empfängniß mit allen Schätzen der Gnaden erfüllet hat, heute hast du dich auf's Neue deinem Gotte aufgeopfert, indem du das väterliche Haus verlassen, und in dem Tempel verschlossen, die Einsamkeit, die Arbeit und den Gehorsam auf das Vollkommenste zu üben in dem dritten Jahre deines Alters angefangen hast, in welcher Zeit andere Jungfrauen dieser Welt noch ihren unschuldigen Vergnügungen leben. Du aber, von dem Lichte der ewigen Gottheit erleuchtet, suchtest deine Freude in der Betrachtung dessen, der dich zu seiner Wohnung auserlesen hat. Welch ein schönes Beispiel gibst du mir und allen Jungfrauen, daß wir die schnöden Freuden der Welt gering achten, und in der Arbeit, in der Einsamkeit und im Gehorsame, die Unschuld der Seele und die Reinigkeit des Leibes bewahren, daß ich dir nachfolge, o heilige Mutter! 7501 III. An den Festtagen der Heiligen Gottes. ehehe. 321 Am fefte des Heiligen Joseph. ELS eiliger Joseph, du Gemahl von Maria der Jungfrau und Nährvater Jesu, was für Gnaden kannst du austheilen vermög deines hohen Amtes, das dich groß macht vor Gott und den Menschen! Du bist der Patron derjenigen, die nach einem innerlichen Leben trachten; kein Mensch auf Erden, nach der Mutter des Herrn, war so innig mit Gott vereiniget. Diesen Gott der Liebe, der unter den Menschen sichtbar gewandelt, hattest du so viele Jahre vor Augen; er war dir unterthan wie einem Vater; du trugest ihn in seiner Kindheit auf deinen Armen; du führtest ihn nach Egypten, und hast ihn aus den HänJungfrauenbuch II. Theil. 21 322 Am Feste des hl. Joseph. den des kindermörderischen Herodes gerettet; du begleitest ihn nach Jerusalem, und ernährest ihn mit dem Schweiße deines Angesichtes; du lebtest mit ihm in der Einsamkeit, in dem kleinen Städtchen Nazareth; du hörtest seine göttlichen Gespräche. Dein Essen und Trinken, dein Wachen und Schlafen, deine Mühe und Arbeit, war in der Gesellschaft Jesu, und zum Dienste Jeſu. Wo kann ich also einen mächtigeren Fürsprecher finden, um die Gnade des innerlichen Lebens und der wahren Andacht zu erhalten? Du bist der Patron der Eheleute und derjenigen, die in jungfräulicher Reinigkeit leben wollen. Deine unbefleckte Gemahlin war Maria, dein Pflegekind war Gott selbst; wo ist ein glückseligerer Ehestand zu finden? Deine Reinigkeit hat dich zum Beschützer der unbefleckten Jungfrau und zum Nährvater des eingebornen Sohnes Gottes gemacht; was hat also eine Jungfrau unter deinem Schutze und Schirme zu fürchten? Du bist der Patron derjenigen, die bei der Wahl ihres Standes zu dir ihre Zuflucht nehmen. Gott selbst hat dich durch seine Engel und durch seinen eingebornen Sohn in allen deinen Wegen unterwieſen. Du stehest jenen, die dich um eine selige Sterbestunde anrufen, mächtig bei, der du in den Händen Jesu und Maria's deinen Geist aufgegeben hast. Oheiliger Nährvater Jesu! ich wähle dich zu meinem Patron und Schutzherrn; alles übrige will ich dir anheimstellen; denn du kennest meine Noth und mein Bertrauen auf deine Hülfe. 323 Am fefte des heiligen Johannes des Täufers. userwählter Diener und Freund Gottes, heiliger Johannes, der Du zu den Propheten hinaufreichest und durch den Engel Gottes verkündigt und auch im Mutterleibe geheiligt worden bist. Du hast Christum verkündigt, im Jordan ihn getauft, mit dem Finger auf Ihn gewiesen und gesagt: ,, Sehet das Lamm Gotres!" Du bist Der, von welchem Christus selbst sagt, es sein fein Größerer von Weibern je geboren worden. Du heiliger Prophet und mehr als ein Prophet, ja nicht nur Elias, sondern auch ein Engel Gottes, der Du dem Herrn den Weg durch Taufen, Lehren und Beispiel bereitet haft, eine hellbrennende Leuchte, ein Markstein zwischen dem alten und neuen Testamente, ein Spiegel aller Bußfertigen, der Du nach Deinem heiligsten Leben auch die Krone der seligen Märtyrer, Propheten, Apostel, Evangelisten, Lehrer und Jungfrauen erlangt hast, und nun in ewiger Herrlichkeit triumphirest. Ich bitte Dich demüthig, durch diese und alle andere Gnaden und Gaben Gottes: Du wollest durch Deine Fürsprache von Christus mir Hilfe erlangen, damit ich Gott je länger, je mehr gefallen, Deinem heiligen Beispiele nachkommen und durch die Buße das verheißene Himmelreich erlangen möge. Amen. O Kirchengebet. Gott, der Du uns diesen Tag durch die Geburt des heiligen Johannes so verehrungswürdig gemacht hast; verleihe Deinen Gläubigen die Gnade und den Genuß geistlicher Freuden und leite fie alle auf den Weg der ewigen Seligkeit. Durch unseren Herrn Jesum Christum c. Amen. 21* 324 + Cha Dees Am fefte der heil. Apostelfürsten Petrus und Paulus. ( Nach St. Johannes Chrysostomus.) - M elchen Dank werden wir Euch abstatten können, Ihr heiligen Apostel, die Ihr so viel für uns gearbeitet habet! Ich denke an Dich, heil. Petrus! und staune, ich erinnere mich Deiner, o heiliger Paulus und werde entzückt, und Thränen entströmen meinen Augen. Ich weiß nicht, was ich sagen, was ich reden soll, wenn ich Euere Leiden und Widerwärtigkeiten betrachte. Wie viele Kerker habt Ihr geheiligt! Wie viele Ketten geschmückt! Wie viele Peinen ausgestanden! Wie viele Schmähungen erduldet! Mit welchem Eifer habt Ihr Christum verkündiget, und wie sehr durch Euer Predigtamt die Kirchen erfreuet! Gepriesen sind Eure Zungen, die Werkzeuge Eures Eifers; des Glaubens wegen sind Euere Glieder mit Blut besprengt; Ihr habt in Allem Christum nachgeahmt. Durch alle Welt tönt Am Feste eines beil. Apostels. 325 und bis an's Ende des Erbballes tönen Freue Dich, Petrus! denn Dir ward es gegeben, ein Mitgenosse des Kreuzes Christi zu werden. Du wolltest, gleich Deinem göttlichen Meister, am Kreuze sterben, nicht aufrecht, wie Christus, der Herr, sondern mit dem Haupte zur Erde gesenkt, als treteſt Du Deine Reise von der Erde zum Himmel an. Selige Nägel, welche so heilige Glieder durchbohrt haben! Du haft mit voller Zuversicht Deine Seele dem Herrn übergeben, denn du dientest Ihm und Seiner Braut, der Kirche, mit ausharrender Liebe; Du liebtest Deinen Herrn mit einem feurigen Geiste und warest 3hm vor allen Aposteln am meisten ergeben. Freue auch Du Dich, heiliger Paulus, der Du Dein Haupt dem Schwertstreiche dargereicht! Dieses Schwert gelte mir für einen Siegeskranz, und jene Nägel des heil. Petrus für Edelsteine, befestigt an der Ehrenkrone. Amen. Euer Schall, Euere Worte. 11 Am fefte eines heiligen Apostels. lorreicher Patron und Freund Jesu Christi, N. N., O du weißt, wie viel Arbeit und Mühe es dir verursacht, welche Widerwärtigkeiten und Verfolgungen du gelitten, welche Martern du ausgestanden hast, um den Namen deines göttlichen Meisters den Ungläubigen zu verkünden! 3In allen Drangsalen warst du voll Frenden, und schätztest dich glückselig, daß du für den heiligen Namen Jesu Leiden ertragen durftest. Dein Eifer hat dich muthig, und deine Standhaftigkeit siegreich gemacht. Mein Geschlecht gestattet mir nicht, daß ich den Glauben den wilden Völkern verkünde; aber deßwegen 326 Am Feste eines Martyrers. kann ich doch die Ehre Gottes und des Heilandes befördern, indem ich dasjenige thue, was Gott von mir in meinem Berufe verlanget. Ein gottseliger Wandel, den ich führen kann, wird meinen Nächsten auferbauen; ich kann durch das Gebet die Bekehrung der Sünder erhalten; mein Thun und Lassen, mein Kreuz und Leiden kann ich zu diesem Ende meinem Gotte aufopfern, und du, heiliger Apostel, kannst diese Gnade, um welche ich dich bitte, von Gott für mich erhalten! Am fefte eines Martyrers. AS Geiliger N. N., der du um des Glaubens willen von der gottlosen Welt gehaßt worden bist, und dein Blut aus Liebe zu deinem Erlöser vergossen haſt, du könntest billig mit dem großen Apostel sagen: Wer wird mich von der Liebe Jesu Christi abtrünnig machen? Denn du hast wegen dessen, der dich geliebt hat, Hunger und Durst, Hitze und Kälte, Verfolgung und Widerwärtigkeit, Gefängniß und Marter ausgestanden, und über die ganze Macht der Hölle gesieget! Wie oft hab' ich meinem Heilande gesagt, daß ich bereit sei, mit ihm in den Kerker und in den Tod zu gehen. Zu solchen Aeußerungen treibt mich oft ein augenblicklicher Eifer, wenn mein Gott mit dir redet. Wenn aber die Gelegenheit kommt, mein Versprechen zu erfüllen, dann wird mein Herz verwirrt, meine guten Gedanken verschwinden, mein Eifer erlöschet. Eine ge= ringe Widerwärtigkeit, eine leichte Versuchung macht mich wankelmüthig; ich schäme mich, fromm zu scheinen, weil die Menschen mich auslachen; ich will ihnen und Am Feste eines Beichtigers. der Welt gefallen; meine armselige Schwachheit gewinnt die Oberhand, und ich verlasse meinen Gott und Heiland. 327 Ich möchte mit dir, o großer Freund Gottes, gekrönt werden, aber ich habe noch nicht bis auf das Blut wider die Sünde gestritten, und wie würde ich einen schmerzhaften Tod für meinen Gott ausstehen können! Bitte für mich, o glorreicher Blutzeuge Jesu Christi! daß ich wider meine bösen Neigungen und wider die gottlose Welt streite, und wenn ich für meinen Gott mein Blut nicht vergießen kann, daß ich mit Geduld das Kreuz trage, und von keinem menschlichen Ansehen, von keiner Versuchung mich von dem abwendig machen lasse, was ich meinem Heilande in der heiligen Taufe, und seit jener Zeit so oft schon versprochen habe. Am fefte eines Beichtigers. IS eiliger N. N., der du allen Lastern und weltlichen Begierden entsagt, fromm, gerecht und mäßig gelebt, und als ein treuer Knecht auf die Ankunft deines Herrn gewartet hast, von dem du belohnt worden bist; wann werde ich deinen Weg antreten und mein Vaterland erreichen, von welchem ich noch so weit entfernt bin? Der Weg ist das Leiden, der Weg ist die Verläugnung meiner selbst, der Weg ist die beständige Verharrung in der Tugend. Ich aber kann auch nur ein geringes Kreuz nicht ertragen; sehr wenig oder gar nichts versage ich meinen Sinnen, und wenn mir das Geringste mangelt oder nicht nach meinem Wunsche geht, so werde ich betrübt und verdrießlich. 328 Am Feste einer Jungfrau und Martyrin. 00 Revel 1000 LEO BOCK IN MUENCHEN: Ich habe vor den Königen von deinen Zeugnissen geredet, und habe mich nicht gescheut: und ich habe deinen Geboten nachgedacht, die ich über Alles liebte." udselig, die in Unschuld dahin gehen, die da wandeln im Gesetze des Herrn." ( Psalm 118.) Am Feste einer Jungfrau und Martyrin. 329 Du warest barmherzig gegen den Nächsten, mildselig gegen deine Feinde, gutthätig gegen den Armen, demüthig und gehorsam gegen den Vorgesetzten; ich aber liebe Niemand als mich selbst; ich bin hart und rauh gegen meine Untergebenen, unfreundlich und wunderlich gegen meines Gleichen, mürrisch und widerspenstig gegen meine Vorgesetzten, rachgierig gegen meine Feinde. Und gleichwohl hoffe ich die Freuden zu genießen, die du im Himmel genießest. Stehe mir bei, o auserlesener Freund Gottes! daß ich dir nachfolge, und auf dem Wege, den du mir gezeigt hast, in mein Vaterland gelange. Am fefte einer Jungfrau und Martyrin. I'Seilfige eilige Jungfrau und Marthrin N. N., deine Tugend war die Liebe Jesu, die dir den doppelten Kranz der jungfräulichen Reinigkeit und der Marter erworben hat. Durch die Reinigkeit der Seele hast du sein Herz gewonnen, und durch die Reinigkeit des Leibes bist du mit diesem Beschützer der Jungfrauen vermählet worden, und für einen solchen Bräutigam muß die Geliebte Leib und Leben geben. Die Sehnsucht, mit deinem göttlichen Bräutigam im Himmel vereiniget zu werden, hat dir die Qualen des Martertodes versüßet. O selige Jungfrau und Blutzeugin Christi! was thu' ich hier auf Erden, wenn ich Jesum nicht liebe, der mein Leben ist und meine einzige Glückseligkeit? Die Welt mit all ihrer Eitelkeit wird vor meinen Augen verschwinden, Jesus allein bleibt ewig! Liebe ich einen sterblichen Menschen, so weiß ich das Ende dieser Liebe nicht, aber so viel weiß ich, daß ich ihn und er mich 330 Am Feste einer Jungfrau, die teine Martyrin ist. mit Schmerzen würde verlassen müssen; Jesus aber, den du geliebt hast, wird ein ewiges Reich besitzen, und der Tod kann mir seine Liebe nicht aus dem Herzen reißen. Ein sterblicher Mensch kann meine Liebe nicht belohnen, als etwa durch eine kurze und fruchtlose Ge genliebe, Jesus aber wird mich zur Miterbin seines Reiches einsetzen. Die weltliche Liebe wird durch Kreuz und Leiden geschwächt, und ihre Süßigkeit wird in Bitterkeit verwandelt; die Liebe Jesu aber wird durch Leiden geprüft, durch Drangsale geläutert, durch Noth und Widerwärtigkeiten gestärkt, durch die Geduld versichert und durch die Marter gekrönt. Laß mich, o Freundin Jesu, durch deine Fürbitte meinen Erlöser lieben, wie du ihn geliebt hast, laß mich Leib und Leben ihm opfern, und ihn weder im Leben noch im Tode verlassen! Am fefte einer Jungfrau, die keine Martyrin ift. IS eilige Jungfrau! wenn ich bedenke, daß du Jesum so innig geliebt, und gleichwohl dein Blut für ihn nicht vergessen hast, so glaube ich, daß dir die Gelegenheit, und nicht der Wille zur Marter gefehlet hat. Auch die Mutter des Herrn, die an Liebe alle Geschöpfe übertroffen hat, ist ohne Marter gestorben. Ein gekreuzigtes Leben, wie du es geführt hast, ist eine größere und länger dauernde Marter, als jene, welche das Leben mit der Vergießung des Blutes endiget. Aus Liebe zu Gott hast du deinen zarten, schuldlosen Leib gekreuziget, deinen Sinnen gefährliche Weltfreuden verfaget, und unordentliche Gemüthsregungen Am Feste der heil Engel. 331 unterdrücket. Du bist auch von der bösen Welt verlacht, verspottet und verachtet worden. Du bist vom Geiste des Bösen versucht, von Schmerzen des Leibes und von Schwermüthigkeit der Seele gequälet, und wie das Gold im Feuerofen der Widerwärtigkeiten geprüft, und der ewigen Belohnung würdig erachtet worden, welche diejenigen genießen, die für Jesum ihr Blut vergoffen haben. Warum verlange ich also für meinen Erlöser das Blut zu vergießen, da ich durch ein längeres Dulden ihm meine Liebe beweisen kann? Ich kann ja in jedem Augenblicke das Kreuz tragen, das mir mein Gott aufbürdet, das mir die Menschen nach seiner Anordnung verursachen, und das meine verkehrten Neigungen mir noch schwerer machen. Diese Marter hat dich heilig gemacht; diese Marter hat dich gekrönt. Wenn du für mich Beinen göttlichen Bräutigam bittest, werde auch ich diese Marter leiden, ich werde mich freuzigen. Und wenn mein mildseliger Erlöser verlanget, daß ich für ihn mein Blut vergieße, werde ich durch diese Vorbereitung mich würdig machen, für meinen Gott zu sterben. Am feste der heiligen Engel.( Lobgefang.) M er zählt der Engel Heere,* die Du zu Deiner Ehre,* Herr aller Welten, schufft?* Sie freu'n sich, Deinen Willen* gehorsam zu erfüllen,* wenn Du zu Deinem Dienst sie rufft. Sie eilen, vor Gefähren den Frommen zu bewahren in seiner Pilgerzeit;* und fleh'n an Deinem Throne, daß ihn die Siegeskrone* bei Dir erfreut in Ewigkeit. 332 Am Feste der heil. Engel. * * ind kehrt zurück ein Sünder* zum Kreise Deiner Kinder, ertönt der Engel Lieb; fie freuen sich wie Brüder, daß der Verirrte wieder zurück in's Haus * des Vaters zieht. * In solcher Geister Chören* Dich ewig zu verehren, welch' hohe Seligkeit!* nur der wird sie empfinden,* der unentweiht von Sünden sich hier der Tugend hat geweiht. D'rum laß mich, Herr, auf Erden* den Engeln ähnlich werden, so viel ich, Schwacher, kann.* Dann bet' ich, frei von Mängeln,* mit Deinen heiligen Engeln Dich, Ew'ger, in dem Himmel an! * Am Feste der Heiligen Gottes 333 Dann sing ich Dir zum Ruhme* in Deinem Heiligthume, und preise Dich voll Dank.* In jener Geister Chören, die Dich, o Höchster, ehren,* erschallet dann mein Lobgesang. * * Mehrere Andachtsübungen zum heil. Schutzengel und Namenspatron, zum heil. Joseph, zum heil. Aloysius von Gonzaga 2c. findest du auch weiter oben Seite 22-40. Am fefte aller heiligen Gottes. Allmächtiger, ewiger Gott! der Du uns verliehen, die Verdienste aller Deiner Heiligen feierlich zu verehren; wir bitten Dich, du wolleft uns Deine Erbarmung, die wir sehnlich verlangen, durch Ihre Fürbitte ertheilen, durch Jesum Christum unsern Herrn. Selig sind Alle, o Herr! die auf dieser Welt Dir treu gedient haben; denn nun sehen sie Dein Angesicht, und Dein Name ist an ihrer Stirne und sie lieben und preisen Dich in alle Ewigkeit. Dazu sind auch wir erschaffen, erlöset und berufen. Ich bin zwar eine schwache Jungfrau, mehr zum Bösen, als zum Guten geneigt, vielen Versuchungen unterworfen, und von bielen Feinden umgeben. Die nun seligen Seelen, deren Andenken wir heute feiern, waren aber auch schwach, wie ich, und unfähig, aus eigener Kraft zu widerstehen; Sie haben aber gewacht, gebetet, gekämpft, und überwunden. Was sie vermochten, das kann auch ich durch Deinen göttlichen Beistand. Du bist ja auch mein Gott, mein Erbarmer, mein Erlöser und Heiligmacher. Dein göttliches Herz, o Jesu! ist ja auch mir geöffnet, um daraus die nöthigen Gnaden erhalten zu können. Ich darf ja auch mit dem Apostel und allen Heiligen sagen: Durch Deine Gnade vermag ich Alles! 334 Am Feste aller Seelen. sisO mein Jesus! erbarme Dich meiner, und siehe auf das Verlangen meines Herzens! Kann ich zwar mit den Blutzeugen für Dich mein Blut nicht vergießen, mit den heiligen Einsiedlern und Büßern die Tage meines Lebens nicht in der Einsamkeit zubringen und mit so vielen heiligen Seelen die Welt nicht verlassen: so kann ich doch, wie so viele andere Heilige, auch in der Welt durch den Beistand Deiner Gnade den Versuchungen der Eigenliebe und Sinnlichkeit widerstehen und aus Liebe zu Dir Deine Gebote befolgen. Du führst nicht alle Menschen gleiche Wege; aber für Alle hast Du die Befolgung Deiner Gebote als Bedingung zur Erlangung der Seligkeit gesetzt. O ihr nun ewig feligen Diener und Dienerinnen Gottes, bittet für mich um Gnade, damit ich Eurem Beispiele in der Demuth, im Gehorsame, in der Selbstverläugnung, Abtödtung, Herzensreinigkeit, Liebe, Geduld, Sanftmuth, Barmherzigkeit und in den übrigen Tugenden nachfolge, um mit Euch der himmlischen Freude und Seligkeit theilhaftig zu werden. Amen. Am Tage aller Seelen. D Gott der Barmherzigkeit! wir bitten dich durch das kostbare Blut Jesu Christi, mit welchem Er unsere Schulden ausgelöscht hat, erbarme dich der im Fegfeuer leidenden Seelen, und erlöse dieselben aus dem Kerker, in welchem sie die Strafen ihrer Sünden dulden müssen! Ich begehre nicht, o Gott, daß deine Gerechtigkeit verletzt werde, sondern, daß du aus dem Schatze der Am Feste aller Seelen. 335 Verdienste Jesu Christi, und aus dem Gebete der Kirche ihnen einen Theil schenkest, woraus sie ihre Schulden bezahlen können. Psalm 129. SL us der Tiefe rufe ich zu dir, o Herr! Herr, erhöre mein Gebet! Deffne deine Ohren und habe Acht auf mein klägliches Rufen. O Herr! wenn du an unsere Sünden denken willst, wer wird dein strenges Urtheil ertragen können? Aber ich weiß, daß du als ein milder Vater dich leicht versöhnen läsfest, und wegen deiner Versprechungen habe ich auf dich meine Zuversicht gesetzt. Auf diese deine Güte, die du mir zu erkennen gegeben hast, verläßt sich meine Seele, und hofft auf dich. Vom Morgen an bis in die Nacht soll Israel auf den Herrn hoffen. Denn bei dem Herrn ist Barmherzigkeit und überflüßige Erlösung zu finden. Und er wird Israel erlösen von allen seinen Sünden. Herr, gib ihnen deine ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen! Gebet. Gott, du Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen! verleihe den Seelen deiner Diener und Dienerinnen Verzeihung aller Sünden, damit sie ihre Erlösung, wornach sie immer seufzen, durch das Gebet der Lebendigen erhalten, der du lebest und regierest in Ewigkeit! Amen. Eine Meßandacht zur Hilfe und zum Troste der Abgestorbenen und einige andere Gebete für diesen Zweck finden sich auch Seite 121-136. What Affen OMP Sechster Abschnitt. Einige Gebete auf dem Kranken- und Sterbebette. Exe Reza Arslan Gebet in einer Krankheit. immlischer Vater, ich weiß, daß mein Leben und mein Tod in deiner Hand steht, und daß du mir diese Krankheit, an der ich darniederliege, aus weisen Absichten gesendet hast, darum will ich mich auch willig und getrost darein ergeben, weil du, die ewige Liebe unt Güte, mir nur das gabst, was mir in Wahrheit heilsam ist. Ich erkenne nun in meinen franken Tagen, welche Wohlthat die Gesundheit ist. Ach, wie oft habe ich vergessen, daß die Gesundheit, die ich bisher genoß, dein freies Geschenk war, und wie wenig und selten habe ich dir dafür gedankt! O könnte ich die gesunden Tage zurückrufen, nie mehr würde ich dich vergessen und die Kräfte meines Leibes zum Bösen mißbrauchen! lebhaft erinnert mich nun diese Krankheit an die GeWie 337 Gebete für Kranke und Sterbende. brechlichkeit und Hinfälligkeit meines leiblichen Dasehns und an die Nothwendigkeit, nach diesem kurzen Erdenleben vor deinem Richterstuhle zu erscheinen! Ja, ich erkenne, o bester Vater, in dieser Krankheit deine liebevolle Erinnerung und Mahnung, von nun an recht ernstlich für das Heil meiner armen Seele besorgt zu seyn und dafür zu sorgen, daß der innere Mensch mehr wachse, je mehr der äußere aufgerieben wird. Ich verwünsche nun alle Tage, die ich verlebt, und an welchen ich dir nicht mit Leib und Seele gebient, deinen Namen verherrlicht und deinen Willen vollzogen habe; denn jetzt erkenne ich erst recht deutlich, was Herrliches und Tröstliches die Tugend und was Verwerfliches die Sünde ist. Schenke mir, o gütigster Gott und Vater, die Gesundheit wieder, und ich gelobe dir, daß ich dich durch keine Sünde mehr beleidige, sondern dir treu dienen werde. Ist es aber dein heiliger Wille, daß ich lange leide und vielleicht diese Krankheit meinem Leben hier ein Ende macht, so gib mir die Gnade, daß ich mit Sanftmuth und Geduld alle die Leiden ertrage, die du aus unerforschlicher Weisheit über mich verhängt haft, und wenn es dein weiser Rathschluß seyn sollte, daß ich durch dieſe Krankheit das zeitliche Leben verlasse, so gib mir die Gnade, daß ich mich nach dem Beispiele beines heiligsten Sohnes gänzlich in deinen heiligen Willen ergebe und mit ihm spreche: Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe." Ich erkenne, o Bater, daß ich um meiner Sünden willen noch eine schmerzlichere Heimsuchung verdient hätte, aber du bist ewig gnädig und barmherzig und schonest noch in deinem gerechtesten und heiligsten Jungfrauenbuch II. Theil. 22 338 Gebete für Kranke und Sterbende Zorne. Stehe mir bei, o Gott, daß ich diese Krankheit, deine Heimsuchung zu meinem wahren Seelenheil benüße. Nimm gnädig an das geringe Opfer der Geduld und Ergebenheit in meinem Leiden, das ich dir zur Versöhnung deiner göttlichen Gerechtigkeit für meine zeitlichen Sündenstrafen darbringe. Mein Gott, da du kein Gott der Todten, sondern der Lebendigen bist: so ge= höre ich dir eigen an im Leben und im Tode, und es steht allein in deiner Macht, mir zu befehlen, noch zu bleiben oder alsbald zu dir zu kommen. Mein Herr und Gott, sei mir gnädig im Leben und im Tode! Amen. Aufopferung und Ergebang in seine Leiden. M ein Gott, ich glaube fest, daß du mich nicht über meine Kräfte versuchest, denn du bist getreu in deinen Verheißungen, darum will ich nicht murren und flagen, weil ich leide, sondern mich mit Geduld und Ergebenheit allen deinen Züchtigungen unterwerfen. Ich erkenne in meinen Leiden nur deine Liebe, denn ich habe durch meine Sünden ein ewiges Leiden verdient, und doch will deine unendliche Barmherzigkeit dieses nur in ein zeitliches verwandeln, darum will ich meinen Mund nicht aufthun zu einer Klage, sondern in Stille und Rube meines Gemüthes Alles ertragen, was du über mich verhängst. Findet es beine Weisheit für heilsam, daß ich noch lange krank sei und meine Trübfale sich vermehren, so komm mit all deiner Züchtigung, vermehre meine Schmerzen und sende mir so viel als dir gefällig ist, aber verlaß mich nicht mit deiner Gnade, daß ich nicht trostlos werde. Züchtige, o Herr, so sehr du willst, Gebete für Kranke und Sterbende. 339 ich will gern leiden, wenn du mich nur in der Ewigkeit verschonest. Wie sehr ermuntert mich das Beispiel und die Lehre deines Sohnes zur Geduld in Leiden und Trübfalen, da er den Mund nicht aufthat, als er so sehr gelästert, mißhandelt wurde und so viel Bitteres zu leiden hatte! Wie sehr beschämen mich die Beispiele deiner Heiligen, die die furchtbarsten Martern mit bewunderungswürdiger Geduld ertrugen! Herr, gib mir die Gnade, alle meine Leiden als deinen heiligen Willen anzusehen und mit Geduld zu ertragen, auf daß ich meinem Herrn und Heiland, und allen seinen Heiligen nachfolge, und auch durch Leiden eingehe zur ewigen Herrlichkeit Amen. in Willige Ergebung in den Tod. Jer Tod ist nahe, vielleicht werde ich den morgigen Tag nicht mehr erleben, allein dein Wille geschehe, o Herr! Du hast mir eine Wohnung im Himmel bereitet, in die ich eingehen werde; darum verlasse ich gerne meine irdische Wohnung, die voll Leiden und Trübsal iſt. Der heilige Cyprian sprach, als er das Todesurtheil vernommen hatte:„ Gott sei Dank, der mir die Bande dieses Lebens auflöst!" Und die heilige Theresia sagte: ,, Wer soll den Tod fürchten, da er das Leben im Gefolge hat? So lange ich in diesem gebrechlichen Fleische wandle, bin ich fern vom Herrn, ich wünsche aber von diesem sterblichen Leib los zu werden und zum Herrn zu gehen." Gebete für Kranke und Sterbende. Ich wünsche aufgelöst und bei Christus zu seyn, denn Christus ist mein Leben und Sterben mein Gewinn. Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn; wir mögen leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Wenn ich aufhöre zu leben, werde ich auch aufhören zu fündigen, und nicht mehr in Gefahr fehn, die Seligfeit zu verlieren. 340 Herr, nimm mein Leben auf als ein dir wohlgefälliges Opfer für alle meine Sünden, und führe meine Seele zu deinen Freuden. Herr, vergib mir alle meine Sünden, die mir den Tod verbittern könnten, wie auch ich vergebe Allen, die mich beleidigt haben. Sollte ich noch Feinde haben, so soll ihnen vom Herzen verziehen seyn. Ermunterung der Sterbenden. 11 Gott! Leben und Tod ist in deiner Hand. Ich erwarte geduldig die Stunde, die du mir zum Scheiden aus diesem Leben bestimmt hast. Bald ist der Lauf meines Lebens vollendet; bald komme ich zur ewigen Ruhe der Seligen. Ich fürchte nichts, denn mein Gott und Vater ist bei mir. Der Tod ist ein Bote des Friedens, durch ihn führt uns Gott zur Ruhe und Seligkeit. Wir sind Kinder Gottes, er ist unser Vater, der Tod ist der Heimgang zu unserm Vater in dem Himmel. In deinem Namen, o Herr, will ich leiden, kämpfen, als ein treuer Nachfolger Christi. Stehe mir bei, daß ich siege. Gebete für Kranke und Sterbende. 341 Jesus, du littest geduldig den Tod am Kreuze. Preis und Dank sei dir dafür. Getrost will ich den Weg des Todes gehen und dir nachfolgen. Bald ist es vollbracht. Getrost rufe ich: Jesu, ich glaube an dich, bis ich dich sehe; auf dich hoffe ich, bis ich bei dir bin; ich liebe dich, bis ich dich ewig liebe. Getrost verlasse ich diese Welt und gehe zum Vater im Himmel. In seinem Hause sind viele Wohnungen, da wird auch eine Wohnung für mich sehn. Allen Menschen, die mir Gutes thaten, sei herzlicher Dank gesagt. Gott vergelte ihnen mit zeitlichen und ewigen Gütern das, was sie an mir thaten. Alle, die ich jemals geärgert oder beleidigt haben mag, bitte ich um Verzeihung. Sollte ich noch Feinde haben, so sei ihnen vom Herzen verziehen, wie du mir, o Gott, verzeihen wirst. Ihr Lieben, ich gehe zum Vater, zu unser Aller lieben Vater, klaget also nicht. Es gibt für Fromme und Gerechte ein Wiedersehen. Liebet Gott, haltet treu seine Gebote; liebet einander; thut Gutes; fliehet die Sünde. Gott vergelte euch eure Liebe und Treue. Vergeffet meiner nicht, ich werde euch auch nicht vergessen. Die Liebe bleibt ewig. Liebster Jesu, führe mich ein in das Haus deines Vaters, wo deine Liebe mir einen Ort bereitet hat. Allmächtiger Vater, barmherziger Gott, du weißt, was ich leide. Vater, dein Wille geschehe! Stärke mich, daß ich es bald überstanden haben möge. Alles nach deinem Willen, o Gott; nimm mein Leben zum Opfer hin. Gebete für Kranke und Sterbende. Jesus am Kreuze, bald werde ich dich sehen wie du bist, von Angesicht zu Angesicht! Jesu, mein Seligmacher, nimm mich zu dir, laß mich heute noch bei dir im Himmel seyn. Jesus, dir lebe ich, Jesus, dir sterbe ich, Jesus, dein will ich sehn in Zeit und Ewigkeit. Maria, Mutter meines Erlösers, unsere Fürsprecherin bei Gott, bei deinem Sohne Jesus, bitte für mich armen Sünder jetzt und in der Stunde meines Absterbens. Alle Heiligen, seligen Geister im Himmel, bittet für mich, daß ich in Gottes Gnade sterbe und bald zu euch komme. Ewig will ich mit euch Gott loben und preisen. Vater, Sohn und heiliger Geist, in deinem Namen gehe ich wieder aus der Welt. 342 Gnade, Erbarmung, Dank, o Gott im Himmel! Vater in deine Hände empfehle ich meinen Geist! Erlöse mich, führe mich in dein Reich, mache mich ewig selig. Getrost neige ich mein Haupt. Es ist bald vollbracht, o Jesu! 3uspruch beim Sterben. Sesu, ich glaube an dich; Jesu, ich hoffe auf dich; Jesu, ich liebe dich über Alles. Jesu, von Herzen reuten mich meine Sünden. Jesu, verzeihe mir, reinige und erlöse meine Seele durch dein heiligstes Blut. Jesu, bei dir möchte ich ewig leben. Nimm auf, theuerster Jesu, meine Seele, die du durch dein heiligstes Blut erkauft hast. Gott Vater im Himmel, erbarme dich meiner! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich meiner! Gott heiliger Geist, erbarme dich meiner! Gebete für Kranke und Sterbende. 343 Gott mein Beschüßer, mein Leben, dein bin ich, stehe mir bei. Jesu, in deine Hände empfehle ich meinen Geist. mmo Jesu, dir lebe ich, Jesu, dir sterbe ich, Jesu, dein bin ich im Leben und im Tode. Jesus, Maria und Joseph, stehet mir bei in meinem letzten Kampfe. Gelobt und gepriesen sei Jesus Christus in Ewigkeit. RIGEN Gebet für die Sterbenden. llmächtiger, ewiger Gott, du bist ein Helfer der Bedrängten, die Stütze aller Leidenden. Wir bitten dich durch Jesus Christus, deinen Sohn, daß du dich erbarmen wollest über diesen unsern Bruder( unsere Schwester), der( die) mit dem Tode ringt. Vergib ihm ( ihr) die Sünden nach deiner unendlichen Barmherzigteit. Erlöse ihn( sie) durch ein sanftes und seliges Ende; nimm seine( ihre) unsterbliche Seele in deine Hände, daß sie ruhe von aller Lebensmühe und die Glückseligkeit bei dir genieße. Deine Gnade und dein Friede begleite sie aus diesem zeitlichen Leben in das ewige, himmlische; dein Segen ruhe auf ihr, daß sie mit Freudigkeit vor deinem Richterstuhle erscheine, und von allem Uebel erlöst, dich mit allen Heiligen und Auserwählten ewig lobe und preise. Alle Heiligen und Auserwählten Gottes, bittet für diesen Sterbenden in dieser Stunde und erlanget ihm die Gnade, daß seine Seele im schweren Kampfe siege, und unter den Heerschaaren der Auserwählten Gott ewig schaue. Wir bitten auch darum durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Gebete für Kranke und Sterbende. Letzte Anempfehlung. Reise hin, christliche Seele, von dieser Welt im NaRefe men Gottes des allmächtigen Vaters, der dich erschaffen hat, im Namen Jesu Christi des Sohnes Gottes, der für dich gelitten hat, im Namen des hetligen Geistes, der sich über dich ergossen hat. 344 Jesus Christus, der für dich ist gekreuzigt worden, erlöse dich von allem Uebel; Jesus Christus spreche dich los von allen Sünden und nehme dich gnädig auf in's bessere ewige Leben. Alle seligen Geister und Heiligen Gottes kommen dir entgegen und freuen sich deiner Aufnahme in ihre Gesellschaft. Heute werde ewiger Friede bir zu Theil, heute gelange in die Wohnungen des himmlischen Vaters, durch Jesus Christus, der dir dorthin vorangegangen ist, damit du deinen Gott und Erlöser von Angesicht zu Angesicht schauen und mit allen Heiligen loben und preisen mögest in alle Ewigkeit. Amen. NTO MORI Inhalt des II. Theiles. I. Abschnitt. Unterrichte und Andachtsübungen für Jungfrauen, den Tag gottgefällig zuzubringen. I. Vom Morgengebete der Jungfrauen. Eine Jungfrau soll täglich ihr Morgengebet verrichten. Erstes Morgengebet Zweites( kürzeres) Morgengebet 11. Vom guten gebrauche der Beit. 1. Wie eine Jungfrau jeden Augenblick des Tages zur Shre Gottes und zum Heile ihrer Seele anwenden soll 2. Von den verschiedenen Uebungen des Tages und wie jede soll verrichtet werden 3. Die täglichen geistlichen u. weltlichen Uebungen müssen. durch die gute Meinung geheiligt und verdienstlich gemacht werden 4. Wie die gute Meinung zu erwecken ist 5. Was Gott durch die gute Meinung aufgeopfert wird, muß seinem göttlichen Willen gemäß seyn 6. Um durch die gute Meinung ein Werk verdienstlich zu machen, muß man im Stande der Gnade seyn III. Betrachtungen gottfeliger Jungfrauen nach dem Morgengebete zu Hause oder in der Kirche. 1. Am Sonntage. Zur allerheil. Dreifaltigkeit 2. Am Montage. Zum heil. Geiste 3. Am Dienstage. 3um heiligen Schutzengel und zu den Heiligen Gottes 4. Am Mittwoch. Zu dem hochheiligen Namen Jesu 5. Am Donnerstag. Zum allerheiligsten Sakramente des Altars 6. Am Freitage. Zum allerheiligsten Herzen Jesu Christi 7. Am Samstage. Zur jungfräulichen Gottesmutter Seite 358 5 10 12 13 15 16 17 18 20 22 27 30 33 36 346 Inhalt. IV. gebete an den Wochentagen für Jungfrauen zur Erhaltung der Reinigkeit. 1. Am Sonntage. Zum göttlichen Erlöser 2. Am Montage. Zur göttlichen Mutter Maria 3. Am Dienstage. Zum heiligen Schutzengel 4. Am Mittwoche. Zum heiligen Joseph v. Gonzaga 5. Am Donnerstag. Zum heiligen Namenspatron. 6. Am Freitage. Zum heiligen Aloysius 7. Am Samstag. Zum seligen Herrmann Joseph V. Heilige gedanken und gemüthserhebungen einer Jungfrau bei verschiedenen Anlässen. ● 1. Beim Erwachen in der Nacht oder in der Frühe 2. Beim An- oder Auskleiden am Morgen oder Abend 3. Vor oder während der Arbeit. 4. Wann die Uhr schlägt 5. Wenn man ausgeht 6. Gebete vor und nach Tische 7. Heilige Gedanken während des Essens und Trinkens 8. Auf einem Spaziergang oder bei einem andern erlaubten Vergnügen 9. Bei schönem Wetter. 10. Bei trübem Wetter, bei Blitz und Donner 11. In großen Schmerzen, Widerwärtigkeiten und Ver& folgungen 12. Gegen eitle Begierden 13. Gegen unreine Gedanken und Begierden 14. Gegen sinnliche Gedanken bei dem Anblicke eines Menfchen inst 15. Gegen wiederholte heftige Anfälle 16. Aufmunterung zur Hoffnung und Standhaftigkeit in troftlosen Lagen und kleinmüthigen Gedanken 17. Wie man sich in einer trostlosen schwermüthigen Lage zu verhalten hat 18. Von einem zweifelvollen ängstlichen Gewissen 19. Wie man sich von den Zweifeln des Gewissens losmachen soll 20. Tröstende Gedanken in Gewissenszweifeln VI. Von dem Abendgebete der Jungfrau. Eine Jungfrau soll niemals ihr Abendgebet unterlassen Erstes Abendgebet Zweites( kürzeres) Abendgehet Seite 38 38 39 39 40 40 40 41 42 42 45 44 45 45 46 47 47 48 50 1 52 525455 57 58 59 41 43 51 60 61 66 Inhalt. II. Abschnitt. Unterrichte und Andachtsübungen für Jungfrauen, dem heiligen Mesopfer nutbringend beizuwohnen. 1. Eine Jungfrau soll täglich die heilige Messe hören 2. Wie eine Jungfrau die Meßgebete am Nützlichsten gebrauchen kann . I. Meßandacht v. bittern Leiden Jesu Christi für die Werktage II. Meßandacht zur heiligsten Dreifaltigkeit für Sonn- und Festtage. III. Meßandacht vom heiligsten Altarssakramente an Donnerstagen in der heil. Fronleichnamszeit u. für die Kommuniontage tid. VI. Meßandacht zur Hilfe und zum Troste der Abgestorbenen, an den Tagen der Seelen- Oktave, bei Leichengottesdiensten und Jahrestagen Das Ave Maria, angewendet für die armen Seelen im Fegfeuer Zum Libera nach der Todtenmesse, am Sarge oder Grabe. 347 Seite 69 71 73 82 IV. Meßandacht zur schmerzhaften Mutter, an Freitagen, am Feste der sieben Schmerzen Mariens, sowie in Zeiten schwerer Heimsuchung 107 V. Meßandacht für die Samstage, sowie für die it Festtage unserer lieben Frau. 1115 Th 1. Von der Beicht der Jungfrauen. 1. Eine Jungfrau, die nach einem vollkommenen Leben trachtet, soll öfters beichten 2. Von Erwählung eines Beichtvaters für Jungfrauen, die nach einem heiligen Leben trachten 3. Von der Angst und den schwermüthigen Gedanken, wovon fromme Seelen zuweilen bei der heil. Beicht heimgesucht werden 4. Von denjenigen, welchen die öftere Beicht schädlich ist Erste Beichtandacht Zweite Beichtandacht 94 III. Abschnitt. Unterrichte u. Andachtsübungen für Jungfrauen, die Sakramente der Busse und des Altars würdig zu empfangen. 121 133 135 139 141 143 146 148 159 348 Inhalt. II. Von der Kommunion der Jungfrauen. 1. Die öftere Kommunion ist ein kräftiges Mittel, ein heiliges Leben zu führen. 1. 2. Die Reinigkeit des Leibes und der Seele ist für eine Jungfrau die beste Vorbereitung Erste Kommunionandacht. 3 weite Kommunionandacht Was besonders eine Jungfrau Christo schenten und von ihm nach der Kommunion erbitten soll a. Was eine eitle und üppige Jungfrau nach der heiligen Kommunion von Christo erbitten und ihm schenken foll b. Was eine laue und im Dienste Gottes saumselige Jungfrau von Chrifto erbitten, und ihm schenken soll c. Was eine Jungfrau, die eine böse Gewohnheit hat, Christo schenken und von ihm erbitten soll d. Was eine Jungfrau in körperlichen Schmerzen, in heftigen Anfechtungen, in Trostlosigkeit und andern innerlichen Drangsalen Christo schenken und von ihm erbitten soll Um Ausrottung der Irrlehren. Um Eintracht der christlichen Fürsten Für die leidenden Seelen im Fegfeuer Ablaßgebet vor einem Kruzifirbilde IV. Abschnitt. ● e. Was eine Jungfrau, die mit Christo durch eine innige Liebe stets vereinigt ist, mit ihm sprechen soll. f. Aufopferung und Bitte einer Jungfrau, die in Zweifel steht, was für einen Stand sie antreten soll g. Wie eine Jungfrau den Tag zubringen soll, an welchem sie ihren Heiland empfangen hat III. gebete zur gewinnung eines vollkommenen Ablaffes. Borerinnerung Gebet um Erhöhung der heiligen katholischen Kirche Nachmittägige Andachtsübungen. Seite 171 I. Während der Vesper Der Lobgefang der heil. Jungfrau Maria Schlußgebete für die verschiedenen kirchlichen Zeiten 173 177 186 ♦ 196 197 198 199 199 199 200 200 201 202 203 204 205 206 207 211 212 II. Andacht vor dem Hochwürdigsten gute, besonders an den Kommuniontagen u in der Frohnleichnams- Oktave 215 Inhalt. Geistliche Kommunion Litanei von dem hochheil. Sakramente des Altars III. Rosenkranz- Andacht. 1. Den Rosenkranz öfters beten, ist Gott und der seligften Jungfrau angenehm 2. Wie man den Rosenkranz mit ndächligem Gemüthe durch die fünfzehn Geheimnisse beten kann Litanei von der allerseligsten Jungfrau und Mutter des Herrn IV. Andacht zur unbefleckten Empfängniß der heiligen Jungfrau Maria Seite 219 222 Litanei von der unbefleckten Empfängniß der heiligsten Jungfrau Maria V. Andacht des heiligen Kreuzweges Die sieben Bußpsalmen. V. Abschnitt. I. An den festtagen der geheimniffe Chrifti. An den vier Sonntagen des Advents An den heiligen Weihnachts- Tagen Am neuen Jahrestage Am Feste der heiligen brei Könige An den Sonntagen nach Lichtmeß bis zur Fasten An den Sonntagen in der Fasten In der Charwoche Litanei vom bittern Leiden Jesu An den Osterfeiertagen In der Kreuzwoche Litanei von allen Heiligen Am heiligen Auffahrtstage An den heiligen Pfingsttagen Litanei vom heiligen Geiste Am hochheiligen Dreifaltigkeitsfeste Litanei zur allerheiligsten Dreifaltigkeit Am hochheiligen Fronleichnamsfeste. Am Feste des allerheiligsten Herzens Jesu Am Feste der Kirchweihe . Gebete und kurze Betrachtungen für alle hohen Festtage des Jahres. • ● ● ● 349 Am Kirchweihmontage( für die Abgestorbenen einer Pfarrei) 227 227 228 231 235 241 254 265 267 270 271 272 273 274 274 277 279 279 283 284 286 289 290 292 295 297 298 350 Inhalt. II. An den fefttagen der allerfeligsten Jungfrau und gottesmutter. Maria. Seite Am Feste der unbefleckten Empfängniß Mariä. 301 Am Feste Maria Reinigung @ 302 Am Feste der Verkündigung Märiä Gedächtnißtag der Heimsuchung Mariä Am Feste der Himmelfahrt Mariä Am Feste des allerreinsten Herzens Mariä Ablaßgebet Dank- und Aufopferungs- Gebet Litanei zu Ehren des hi Herzens Mariä Am Feste der Geburt Mariä. Am Feste des Hl. Namens Mariä Am Feste der sieben Schmerzen Mariä Gedächtnißtag der Opferung Mariä III. An den festtagen der heiligen Gottes. Am Feste eines Martyrers Am Feste eines Beichtigers Am Feste einer Jungfrau und Martyrin Am Feste einer Jungfrau, die feine Martyrin ist Am Feste der heiligen Engel( Lobgesang) Am Feste der Heiligen Gottes Am Tage aller Seelen Am Feste des heiligen Joseph. 321 Am Feste des heiligen Johannes des Täufers 323 Am Feste der heiligen Apostelfürsten Petrus und Paulus 324 Am Feste eines Apostels 325 326 327 329 330 331 333 334 ♦ Gebet in einer Krankheit Aufopferung und Ergebung in seine Leiden. Willige Ergebung in den Tod Ermunterung der Sterbenden 303 304 306 309 309 310 211 314 Zuspruch beim Sterben Gebet für die Sterbenden Letzte Anempfehlung ist s 315 316 320 VI. Abschnitt. modismon2 Einige Gebete auf dem Kranken- und Sterbebette. 336 338 339 340 342 343 344 Laß ſächlich deine Hüldu. Maucht Um meine. Schwach heit weben: Dein Licht verſchlinge Um meinen Bod Fein Lebecker! meine Nacht en david. ਦਾ Inches Centimetres Blue ¹2 3 4 Cyan 2 5 6 3 ++ 1,1³1 7 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow e 9 4 10 Red 11 12 LO 5 13 Magenta 14 CO 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8