Gb 1802 Univ.- Bibl. Glessen Proprietas Fr Apostolici Hatisbonae Original- Copie des berühmten Gnadenbildes: Maria vom guten Rathe. Vera imago B. Mariae Virginis de bono Consilio, ♥ quam ex ipsomet archetypo fideliter expressit M.Wittmer. 12 Maria, meine Zuflucht und mein Trost! Ein vollständiges Lehr- und Gebetbuch für Verehrer der allerseligsten Jungfrau und Mutter Gottes Maria, insbesonders deren Lebensgeschichte, ausführliche Unterrichte über ihre Verehrung nach den Aussprüchen vieler Heiligen, und mehrere Anleitungen zu den zu ihrer Ehre abzuhaltenden Andachten; Meß-, Vesper-, Beicht- und Kommunionferner die kernhaftesten Morgen-, Abendgebete, Betrachtungen für einen ganzen Monat über die wichtigsten Heilswahrheiten, Andachtsübungen zur heil. Dreifaltigkeit, zum allerhl. Altarssakramente, zum göttlichen Herzen und füßen Namen Jefu, Marianische Desper- und Rosenkranz- Andachten; dann Betrachtungen, Gebete, Antiphonen und novennen für alle Marienfeste, und die auserlefensten Gebete zum Lobe und Preise Mariens; Bitten und Fürbitten in allen unr denkbaren geistlichen und leiblichen Anliegen, auch Gebete zum heil. Joseph, zur heil. Mutter Anna und vielen andern Heiligen; nebst sehr zweckmäßigen Belehrungen über die Marianischen und andere Wallfahrten und den dabei üblichen Andachten, viele geistliche Lieder und im Anhang den Monat Mariä( Mai) enthaltend. Gesammelt von Michael Sinkel. Mit 1 Stahl- und 15 feinen Holzstichen. Neuefte Stereotyp- Ausgabe. Regensburg, New York& Cincinnati 1870. Papier, Druck und Verlag von Friedrich Pustet. OF Hermann 46 180 just 10 Vorrede. ( Nach dem heil. Alphons M. Liguori.) Geliebter Leser und Bruder in Maria! Dieselbe Andacht, die mich bewogen hat dieses Buch zu schreiben, hat dich bewogen, dasselbe zu lesen, und deßhalb sind wir also beide die glücklichen Söhne dieser guten Mutter geworden; sollte dir nun Jemand sagen, ich hätte mir die Mühe, dieses Werk zu verfassen, ersparen können, da man schon viele gelehrte und berühmte Werke über denselben Gegenstand habe, so bitte ich dich, einem solchen mit den Worten des Abtes Franziskus zu erwidern, daß das Lob Mariens eine so unerschöpfliche Quelle sei, daß sie sich nur um desto mehr anfülle, je mehr sie überfließe, und daß, je voller sie werde, sie nur desto mehr überströme. Damit will er sagen, daß die allerfeligste Jungfrau Maria so groß und erhaben sei, daß, so sehr man sie auch lobe, immer noch mehr zu loben übrig bleibe. Der heilige Augustin bemerkt in Bezug hierauf, daß alle Zungen aller Menschen nicht im Stande seyn würden, wenn sich auch sogar alle ihre Glieder in Zungen verwandelten, Maria, wie sie es verdient, zu loben. Freilich habe ich sehr viele Bücher, große und kleine, gefunden, die von der Andacht zu Maria handeln; weil ich aber fand, daß diese Bücher entweder selten sind, oder gar zu weitläufig, oder daß sie meiner Absicht nicht entsprachen, so habe ich Sorge getragen, aus den Werken der Schriftsteller, bie ich zu Rathe ziehen konnte, die ausgewähltesten und geistreichsten Gebete der heiligen Väter und der berühmtesten Gottesgelehrten zu sammeln, um den Verehrern Mariens ohne viele Mühe und Kosten ein Mittel an die Hand zu geben, in der Liebe und Andacht zur göttlichen Mutter zu wachsen. Die Liebhaber der Welt können fein Ende finden, wenn. es sich darum handelt, diejenigen zu loben, die sie lieb haben, und suchen oft über dieselben zu reden, um zu sehen, ob die 1* 4 Vorrede. Andern ihre Gesinnungen theilen. Hieraus kann man schliessen, daß die Liebe derer, die sich rühmen zur Zahl der Verehrer Mariens zu gehören und die doch nur selten von Maria reden und nicht viel daran denken, Andern die Liebe zur allerfeligsten Jungfrau einzuflößen, sehr schwach seyn müsse. Die wahren Verehrer dieser liebenswürdigen Königin machen es nicht so; sie wünschen, daß Alle sie lieben, daß die ganze Welt sie lieben möchte, und deßhalb suchen sie die Liebesflammen zu dieser füßen Königin, von der sie selbst verzehrt werden, öffentlich oder im Geheim, in den Herzen Aller zu entzünden. Damit Jedermann sich überzeugen könne, wie wichtig es für sein eigenes Wohl und für das Beste des Volkes sei, daß er die Andacht zu Maria befördere, so wollen wir hören, was uns die Lehrer der Kirche darüber sagen. Der heilige Bonaventura sagt, daß diejenigen, die bemüht sind, die Ehre Mariens zu befördern, ihrer Seligkeit gewiß seyn können. Das bestätigt auch Richard von St. Lorenz, der behauptet, daß, wenn man Maria verehre, man das ewige Leben erlange; denn, fügt er hinzu, diese dankbare Königin wird gewiß in jener Welt diejenigen ehren, die bemüht waren, hier auf Erden ihre Ehre zu befördern. Jedermann kennt dieß Versprechen, welches Maria benen gemacht hat, die bemüht sind mitzuwirken, daß die Menschen sie auf Erden kennen und lieben; sie sagt nämlich:" Die mich in's Licht setzen, erhalten das ewige Leben." ( Eccli. XXIV., 41.), welche Worte die heilige Kirche, am Feste ber unbefleckten Empfängniß Mariens, auf dieselbe bezieht. Der heilige Bonaventura, der so sehr bemüht war, das Lob Mariens zu verkündigen, konnte deßwegen ausrufen: Freue bich also, meine Seele, und sei fröhlich in Maria; denn viel Gutes ist denen bereitet, die sie loben. Weil also, setzt er hinzu, alle heil. Schriften das Lob Mariens verkündigen, so müßen auch wir bemüht seyn, mit Herz und Zunge diese göttliche Mutter zu preisen, damit sie uns eines Tages in's Reich der Seligen einführe. In den Offenbarungen der heiligen Brigitta liest man, daß der selige Bischof Remigius seine Predigten immer mit Vorrede. bem Lobe Mariens anzufangen pflegte; da erschien eines Tages die allerfeligste Jungfrau der Heiligen und sprach zu derselben: Sage dem frommen Bischofe, daß, weil er seine Predigten mit meinem Lobe anfängt, ich seine Mutter sehn und dereinst feine Seele Got darbringen wolle, denn er wird ein sehr seliges Ende nehmen. Der Bischof starb wirklich wie ein Heiliger, betend und voll himmlischen Friedens. Einem Dominifaner, der keine Predigt schloß, ohne einige Worte von Maria hinzuzufügen, erschien dieselbe in seiner Todesstunde, vertheidigte ihn vor den Anfällen der Teufel, stärkte ihn und führte seine glückselige Seele in den Himmel. Der fromme Thomas von Kempis führt Maria redend ein, wie sie ihrem Sohne Alle, die ihr Lob verkündigen, mit folgenden Worten anempfiehlt: Erbarme dich, o mein Sohn, der Seele dessen, der dich geliebt und der mich gelobt hat! Was aber den Segen anbetrifft, der hieraus für's Voll entspringt, so bemerkt der heilige Anselmus, daß wenn das Heil der Sünder durch Maria vermittelt wird, es nicht fehlen könne, daß die Sünder, wenn man das Lob Mariens verkündigt, sich bekehren und selig werden. Wenn es wahr ist, wie ich es unbezweifelt dafür halte, daß alle Gnaden durch Maria an uns gelangen und daß Alle, die selig werden, nur durch die Vermittlung dieser göttlichen Mutter selig werden, so muß man nothwendiger Weise schließen, daß das Heil der Welt davon abhänge, ob man über Maria und über das Vertrauen auf ihre Vermittlung predige, oder nicht. Es ist bekannt, daß der heil. Bernardin von Siena dadurch Italien heiligte, daß der heil. Dominikus durch dasselbe Mittel so viele Gegenden befehrte, und daß der heil. Ludwig Bertrand nie unterließ, in all seinen Predigten die Andacht zur göttlichen Mutter anzuempfehlen; ihrem Beispiele sind noch sehr viele Andere gefolgt. Der berühmte Missionär Paul Segneri der Jüngere predigte in den Missionen, die er hielt, jedesmal von der Andacht zu Maria; er sagte, dieß sei seine liebste Predigt. In unserer Versammlung ist es ein Punkt der Regel, den man nie übertreten darf, daß man in den Missionen jedesmal Vorrede. eine Predigt über die Mutter Gottes halte, und wir können es Alle bezeugen, daß keine Predigt beim Bolke größern Segen und mehr Andacht bewirkt, als die Predigt über die Barmherzigkeit Mariens. Ich sage, die Predigt von der Barmherzigkeit Mariens; denn sagt der heil. Bernard, mögen wir immerhin ihre Demuth loben, ihre Jungfrauschaft bewundern, so kann uns doch nichts mehr Freude machen, weil wir arme Sünder sind, als wenn man uns von ihrer Barmherzigkeit spricht, denn ihre Barmherzigkeit ist es, an die wir uns am zärtlichsten anschließen, an die wir am häufigsten denken, und die wir öfter anrufen. So will ich auch hauptsächlich in diesem Gebetbuche größtentheils Lehren und Andachtsübungen von der großen Barmherzigkeit Mariens und von ihrer mächtigen Fürbitte anführen. Daher auch der Titel: ,, Maria, meine Zuflucht und mein Trost!" Wenn dir, mein lieber Leser, dieses Buch Freude macht, so bitte ich dich, du wollest mich der allerfeligsten Jungfrau anempfehlen, damit sie mir ein großes Vertrauen auf ihren mächtigen Beistand erlange. Thust du das, so verspreche ich dir, daß ich ein Gleiches für dich thun werde. O wie glücklich ist der, welcher sich immer mehr, durch seine Liebe und durch sein Vertrauen, an die beiden Anfer des Heils an Jesus und Maria anschließt; gewiß ein Solcher wird nicht verloren gehen! Mögen wir beide also mit dem frommen Alphons Rodriguez ausrufen: Jesus und Maria, meine süße Liebe! für euch will ich leiden, für euch will ich sterben, ich will ganz euch angehören, ich will ganz und gar mir selbst entsagen. Lieben wir Jesus und Maria, machen wir, daß wir heilig werden; denn es gibt ja doch kein grösseres Glück für uns, als dieß eine! Lebe wohl, mein lieber Leser, auf Wiederseh'n im Himmel, wo wir zu den Füßen unserer lieben Mutter und ihres geliebten Sohnes dieselben loben, ihnen danken und sie zusammen von Angesicht zu Angesicht, die ganze Ewigkeit hindurch lieben wollen, Amen. Erste Abtheilung. Kurze Lebensgeschichte der allerfeligsten Jungfrau und Mutter Gottes Maria. ( Von dem geistreichen und verdienstvollen 3. P. Silbert.) Erstes Kapitel. Weissagungen und Vorbilder von der glor reichen jungfräulichen Gottesgebärerin. " Alle Glorie der Königstochter ist von Innen!" ruft der königliche Seher aus. Wessen Sinn wird aber je in dieß innerliche Heiligthum der Glorie, in diesen lebendigen Tempei des heil. Geistes einbringen, seine wunderbare geistige Schönheit zu schildern, die auch den zartesten Worten entflieht; da, wenn es auch dem Taubenauge heiliger Betrachtung verliehen würde, sie zu schauen, dennoch keine menschliche Zunge es vermöchte, in Worte zu fassen, was hoch über allen sterblichen Worten steht! " Von Anbeginn und vor den Zeiten bin ich erschaffen!" ruft die heilige Kirche von ihr aus. Denn vollendet stand sie in dem ewigen Gedanken Gottes! auserkoren war sie in dem ewigen Rathschlusse der allerhöchsten Dreieinigkeit, che noch die Welt im Daseyn stand. Im frühesten Anbeginn, ehe noch ein Mensch vom Weibe geboren war, dämmerte ihr Aufgang schon im Paradiese, als das rosige Morgenroth der Erlösung, da der alten Schlange das Wort ertönte:" Ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe, und zwischen deinem Samen und ihrem Samen; und sie wird dir das Haupt zertreten."( Genes. 3.) Und diese erste der göttlichen Weissagungen entwickelte sich im Verlaufe der vorbildlichen Zeit durch immer lieblichere und finnvollere Bilder. Vorgebildet ward ihre unversehrte und fruchtbare Jungfräulichkeit durch die Wunder des alten Bundes: durch jenen flammenden und unverbrennbaren Dornbusch: durch Aarons grünende Ruthe; durch den Thau auf Gedeons Vließ; wie selbst ein Seher, der den andern deutete, von dem Sohne dieser Jungfrau bewundernd ausruft:" Du senktest dich herab, wie der Thau auf das Vließ."( Ps. 7.) vorgebildet ihre Aufnahme in den Himmel durch die Arche des Bundes von un Kurze Lebensgeschichte verweslichem Holze, vor welchen die Fluthen des Jordans ihrer Gewässer ehrfürchtig anhielten, sie frei hindurch ziehen zu lassen, und von welcher der königliche Seher ausrief: Erhebe dich, Herr, in deine Ruhe; du und die Arche deiner Heiligung!" ( Pſ. 1, 31.) vorgebildet endlich ward ihre Lieblichkeit und die Macht, die sie durch die Fülle der Gnade erhielt, durch den Bogen des Bundes, das Zeichen der Versöhnung zwischen Himmel und Erde; durch den Thurm Davids, von welchem tausend Schilde zur Vertheidigung gegen die Feinde herabhiengen, und durch eine große Anzahl anderer sinnbildlicher Vorzeichen der alten Zeit. 8 - Und gleichwie endlich der Sohn des Allerhöchsten, den sie in ihrem keuscheften Schooß empfing, durch den schuldlosen Isaak, der sich selbst willig als ein Opfer zum Tode hingab; durch Josue, der das Volk Gottes in das Land der Verheißung einführte;- durch Samson, der im Tode die Feinde erschlug; durch David, der jenen gewaltigen Riesen, den höhnenden Feind Israels, mit fünf Steinen erlegte; durch den friedlichen Salomon und andere prophetische Gerechte vorgebildet wurde: also strahlte auch sie im Bilde aller wunderbaren Frauen des alten Bundes: in der Seherin Debora, die Richterin über Israel war; in der schönen Esther, die dem Könige vor Allen gefiel, und nicht bloß von dem allgemeinen Gesetze ausgenommen war, das alle Uebrigen zum Tode verdammte, da der König freundlich zu ihr sprach:» Nicht für dich, doch für alle Andere besteht dieß Gesetz!"( Esth. 15.);( worin das Sinnbild der unbefleckten Empfängniß dieser Jungfrau der Jungfrauen auf höchst deutliche Weise erglänzt); sondern auch ihr ganzes Volk vom Tode errettete:- und abgesehen von allen übrigen lebendigen Vorbildern, auch in der tapfern Judith, die den furchtbaren Holofernes erlegte. Denn wahrlich mehr auf fie, als auf diese Heldin sind die Worte des hohen Priesters anwendbar:" Du bist die Glorie Israels; du die Ehre unseres Volkes; denn du liebtest Keuschheit, deßhalb wirst du gesegnet seyn ewiglich!... Gesegnet bist du, o Tochter, vom Herrn dem Allerhöchsten vor allen Weibern...( Judith. 13.) Zu diesen glorreichen Sinn- und Vorbildern aber stimmen in vollkommenem Einklange die prophetischen Aussprüche der Könige und Seher von jenem starken Weibe, dessen Werth von den äußersten Grenzen ist( Sprichw. 31.); von der fleckenlosen Taube und einzigen Braut des allerhöchsten Bräutigams ( Hoh. L. 1. u. 2.); und jene Stimme der Weisheit:" Der mich erschuf, ruhte in meiner Hütte, und er sprach zu mir: Du - - ― der allerseligsten Jungfrau. 09 sollst in Jakob wohnen, und in Israel soll dein Erbe sehn; Wurzeln sollst du setzen in meinen Auserwählten, und dein Lob haben in der Menge der Auserwählten!( Eccli. 24.) Von ihr rief Isaias, der herrlichste aller Seher, mehr denn sieben hundert Jahre früher, als sie der Welt aufging in freudigem Tone aus:" Es eröffne sich die Erde und keime den Erlöser! Und abermal:" Sieh, eine Jungfrau wird empfangen, und einen Sohn gebären, und sein Name wird heißen:" Emanuel," das ist: Gott mit uns!( Jes. 45. u. 7.), Von ihr sprach auf gleiche Weise Jeremias: Neues schuf der Herr auf Erden: Ein Weib wird einen Mann umschließen!( Jerem. 31.); und Michäas, der das trauernde Volk vertröstete:" bis Jene geboren würde, die da gebären soll Denjenigen, dessen Ausgang von Anbeginn ist, und von den Tagen der Ewigkeit( Mich. 5.); und die in der Kirche der Heiligen erglänzt: schön wie der Mond, auserwählt wie die Sonne, schrecklich wie ein geordnetes Kriegsheer!"( Hohe Lied 6.) Zweites Kapitel. Von der Geburt der allerseligsten Jungfrau. Als nun die Fülle der Zeit erschien, die der Herr von Ewigkeit geordnet hatte, und welcher diese erhabene Königstochter, deren Schöne ganz innerlich war, gleich jener Wolke voranglänzen sollte, die Elias sah, und die der Vorbote des Herrn war, der da kommen sollte: da blühte sie, gleich ihrem ewigen und hochgebenedeiten Sohn, still und unbemerkt auf; denn ihr Reich war nicht von dieser Welt; so wenig als die Glorie des Lichtes der Welt, das sie gebar, in dem äußerlichen und dürftigen Pomp irdischer Herrscher bestand. Wie im frühesten Bunde Christus durch den Sohn der Verheißung 3saat vorgebildet ward, den die Unfruchtbare in hohem Alter gebar: also sollte auch diese erhabene Mutter des Erlösers, als eine Tochter der Verheißung, von einer Unfruchtbaren geboren werden. Denn eine alte, ehrwürdige und alles Glaubens werthe Tradition erzählt, daß, gleichwie dem hundertjährigen Erzvater Abraham ein Sohn, also auch ihren heiligen Eltern im hohen Alter, durch den Mund des Engels, eine Tochter verheißen ward, deren Geburt, mehr denn die Geburt Johannis, Viele erfreuen sollte. Wie aber wäre. diese Tochter, die der Welt von Anbeginn verheißen war, auf deren Erscheinung die Patriarchen und Propheten sehnsüchtig harreten, und durch deren hochheilige Gegenwart der Vorläufer des Herrn noch im Mutterleibe geheiliget ward, nicht selbst mehr denn Johannes und Jeremias im Mutterleibe geheiliget worden! Kurze Lebensgeschichte Billig wars, a spricht der heilige Bonaventura, daß die Jungfrau dergestalt den Teufel überwände, daß sie ihm auch nicht einen Augenblick unterworfen wäre."-" Sie war die Erstgeborne des Erlösers, spricht der heil. Bernardus von Siena; und früher denn er, sprach in den ersten Jahrhunder-, ten der Christenheit das Licht der Afrikanischen Kirche, der heilige Cyprianus, von ihr: ,, Nimmermehr duldete es die Gerechtigkeit, daß dieses Gefäß der Auserwählung der gewöhnlichen Verderbniß unterworfen war; Theil hatte sie an der Natur, an der Schuld nimmermehr!" und: ,, Sündlich wäre es, auch nur zu denken," spricht der heilige Bernartus, ,, daß dieser hocherhabenen Jungfrau wäre versagt worden, was Eva derliehen ward: ohne Sünde erschaffen zu werden." Eben so spricht auch der große Augustinus: ,, Wir wissen, daß ihr mehr Gnaden verliehen wurden, die Sünde allseitig zu überwinden, da sie gewürdiget ward, Denjenigen zu gebären, der keine Sünde hatte." Noch kürzer faßt dieser Kirchenvater den Beweis ihrer unbefleckten Empfängniß in den Worten zusammen: ,, Das Fleisch Jesu ist das Fleisch Mariä." Darum auch feiert die vom Geiste Gottes erleuchtete Kirche das Fest ihrer unbefleckten Empfängniß als eines ihrer ersten und glänzendsten Feste, und schon im siebenten Jahrhunderte ward dasselbe in der griechischen Kirche unter dem Namen Panagia gefeiert. Hüpfte aber Johannes im Mutterleibe vor Entzücken auf, und erkannte er, noch ungeboren, den Herrn der Welt, der von dem Schooße der Jungfrau umschlossen war: in wie unvergleichbar größerer Treue und Liebe wirkte Maria, dieß auserwählte Gefäß des Herrn, von dem ersten Augenblicke ihrer fleckenlosen Empfängniß an, wo sie geheiliget und erleuchtet, und mit allen Gaben des göttlichen Geistes erfüllt ward! 10 Drittes Kapitel. Von der wunderbaren Kindheit der allerseligsten Jungfrau. ,, Deine Geburt, o jungfräuliche Gottesgebärerin," ruft die Kirche aus, ,, verkündiget Freude der gesammten Welt!- Es erfreue sich der ,, Himmel," und frohlocke die ,, Erde!" singt der heilige Psalmensänger; denn mit ihrer Geburt geht das Morgenroth der Erlösung auf! In heiliger Stille sah ich die Stadt Nazareth, die ein Blumenthal bedeutet, diese königliche Lilie, deren Innerstes, den Menschen verschlossen, die heiligsten Wohlgerüche vor Gott duftete und die Heere der himmlischen Engel erfreute. Viele Töchter, spricht die Schrift zu ihr, sammelten Reichthümer; du überschrittest sie Alle! der allerfeligsten Jungfrau. 11 ( Sprichw. 31.) Denn früher als Alle begann sie; von den frühesten Tagen ihrer Kindheit, ja, vom frühesten Momente ihres Bewußtseyns an, zielte ihr ganzer Sinn, gleich einem flammenden Pfeile, nach dem Urheber ihres Sehns; ohne Unterlaß wirkte ihre, im Lichte Gottes strahlende, Seele zu seinem Lobe. Also nahm sie, gleich ihrem göttlichen Sohne, an Alter, Gnade und Weisheit zu, vor Gott und den Menschen. Früher noch, als sie das Licht der Welt erblickt hatte, von ihren heiligen Eltern dem Dienste des Allerhöchsten geweiht, eilten sie die von Schaubern heiliger Ehrfurcht ergriffen sahen, wie dieß vom Himmel ihnen anvertraute Pfand voll des heiligen Geistes war, der mit seinem Lichte und seiner Gnade ihr zuvorgekommen war, und wie sehr sie bereits in ihrem frühesten Aufgang den Glanz der erlauchtesten Tugenden ausstrahlte ihr Gelübde zu erfüllen, brachten sie bereits in ihrem dritten Lebensjahre nach Jerusalem, une opferten daselbst diese fleckenlose Taube in jenem Tempel, dessen Herrlichkeit größer war denn einst die Glorie der Salomonischen Tempelhallen. Denn zum Ersten Male erschien hier ein fle denloses, heiliges und annehmliches Opfer, das der ewige Vater mit Wohlgefallen sah, der sie von Ewigkeit zur jungfräulichen Mutter seines Eingebornen erforen hatte. Mit wie zarter Andacht, mit wie heiliger Treue, mit wie unaussprechlichem Jubel und flammenden Liebeseifer die gebenedeite Jungfrau diese heilige Stätte betrat, mit wie süßer Inbrunst sie die Einsamkeit liebte, worin sie Tag und Nacht ihr Herz in Gebet und heiligen Thränen vor Gott ergoß, dem sie nach der ganzen Kraft ihrer Seele diente; in wie himmlischer Sorgfalt sie ihr Herz mit allen Gaben und Tugenden erfüllte, das, gleich einer hellglänzenden Lampe, durch das heilige und milde Del ihrer Beispiele und Hochverdienste die Welt erlenchten sollte, wer wird dieß erfassen? wer schildern?- Gleich einer Lilie im Thale, die, lieblich duftend, ihren eigenen Schmuck nicht kennt, hielt sie dabei, in wahrhaftiger und ungeheuchelter Demuth, sich für die niedrigste aus allen Dienerinnen Gottes; ermunterte und eiferte alle Uebrigen zum Lobe und zum Dienste der Gottheit an, und in stiller Bewunderung und heiligem Erstaunen blickten ihre Gefährtinnen und die Priester des Tempels zu ihr, als zu dem Siegel der Vollendung, auf. Denn vollkommen hatte sie dem Allerhöchsten ihren Leib und ihre Seele geheiligt und geweiht, und er allein und seine heiligen Engel waren Zeugen ihrer innerlichen, flammen den Liebe, worin sie vor seinen Augen sich als sein beständiges Kurze Lebensgeschichte Brandepfer auflös'te. ,, Kein Mensch, der vom Weibe geboren ward, hatte die Gabe des beschaulichen Gebetes in so hohem Grade, spricht der heil! Ambrosius; und ihr ganzes Leben war gleichsam eine heilige Entzückung;" denn ihre Erkenntniß Gottes überstieg die Kenntniß aller Menschen, und nach dem Maße ihrer Erkenntniß wuchs ihre Liebe, die ihr Herz gleich einer heiligen Flamme verzehrte. So sehr glühte sie, seinen heiligsten Willen zu erfüllen, daß sie fürwahr mit ihrem göttlichen Sohne sagen konnte: ,, Meine Speise ist, daß ich den Willen meines Vaters thue!" Darum glänzte sie auch als das Vorbild aller Jungfrauen, deren unzählige ihrem leuchtenden Beispiele folgten; wie lange zuvor der Seher geweissagt hatte, der da sprach: ,, Es werden dem Könige Jungfrauen nach ihr vorgeführt werden!"( Pſ. 44.) 12 Viertes Kapitel. Legende aus dem heiligen Bonaventura. Viele heilige Seelen betrachteten in Andacht die Weihe dieser gebenebeiten Jungfrau und ihr stilles Leben im Tempel; und zum Troste und zur Belehrung derselben führen wir hier eines der kostbarsten Fragmente aus einer sehr einfachen Legende an, die der heil. Bonaventura uns erhielt, und die mehr Licht über das Leben dieser gebenedeiten Jungfrau verbreitet, als große Bände apokryphischer Schriften. Dieser große Kirchenlehrer erzählt nämlich, die glorreiche Jungfrau sei einst einer sehr heil. Seele erschienen, und zwar, wie er vermuthet, ber heil. Elisabeth, und habe sie, unter Andern, folgender Ansprache gewürdiget: ,, Als am Endbe meines britten Jahres, mein Vater und meine Mutter mich im Tempel zurückgelassen hatten, beschloß ich in meinem Herzen, Gott zum Vater zu haben, und oftmals bedachte ich in Andacht, was ich thun möchte, das Gott wohlgefällig wäre, auf daß er seiner Gnade mich würdigen möchte. Und ich ließ mich im Gesetze meines Gottes unterrichten. Aus allen Geboten des göttlichen Gesetzes aber bewahrte ich vorzüglich drei in meinem Herzen; nämlich: Du sollst Gott deinen Herrn aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, aus ganzem Sinne und aus allen Kräften lieben;" ferner:" Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst;" und endlich: ,, Du sollst deinen Feind hassen." Diese brei Gebote also bewahrte ich in meinem Herzen, und alsbald erfaßte ich alle Tugenden, die darin enthalten sind. Und dieß sollst du auch thun. Denn nimmermehr kann die Seele irgend eine Tugend haben, wofern sie nicht Gott aus ganzem Herzen liebt. Denn von dieser Liebe der allerjeligsten Jungfrau. 13 steigt alle Fülle der Gnaden herab; doch bleibt sie nicht in der Seele, sondern sie fließt gleich dem Wasser hindurch, wenn sie nicht auch ihre Feinde, nämlich alle Laster und Sünden haßt. Wer also Gottes Gnade empfangen und besitzen will, der muß sein Herz zur Liebe und zum Hasse ordnen. Was ich nun that, meine Tochter, das will ich, sollst auch du thun. Denn immer stand ich, wenn die Nacht zur Mitte war, vom Schlafe auf, und ging vor den Altar des Tempels, wo ich mit so großem Verlangen, mit so eifrigem Willen und so innigem Zartgefühl, als ich nur konnte und wußte, zu dem Allmächtigen um die Gnade flehte, diese drei Gebote und alle übrigen Befehle des Gesetzes zu halten. Und lag ich also vor dem Altare, so that ich folgende Bitten an den Herrn: 1) Daß er mir die Gnade verliehe, wodurch ich es vermöchte, das Gebot seiner Liebe zu erfüllen; ihn nämlich aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, aus ganzem Sinne und aus allen Kräften, den Nächsten aber, nach seinem Willen und Wohlgefallen, wie mich selbst zu lieben, und daß er mich anregte, Alles zu lieben, was er selbst liebt; so wie auch Alles zu hassen und zu fliehen, was er haßt. Dann flehte ich auch zu ihm um Demuth, Geduld, gütiges Wohlwollen, Sanftmuth, und um alle Tugenden, durch die ich vor seinen heiligen Augen könnte wohlgefällig werden. Ferner bat ich ihn, mich die Zeit erleben zu lassen, wo jene glückselige Jungfrau sollte geboren werden, die den Sohn Gottes gebären sollte; und daß er meine Augen bewahrte, auf daß ich sie sehen, meine Zunge, daß ich sie loben, meine Hände, daß ich ihr dienen, meine Füße, daß ich in ihren Dienst eilen, und meine Kniee, daß ich den Sohn Gottes in ihrem Schooße anbeten könnte. Ueberdieß bat ich ihn auch um die Gnade, den Befehlen und Anordnungen des hohen Priesters vollkommen zu gehorchen; und endlich, daß er in seiner Barmherzigkeit den Tempel und das ganze Volk in seinem heiligen Dienste erhalten möchte." ,, Als die Dienerin Christi dies gehört hatte, rief sie voll Erstaunen aus: O süßeste Frau und Herrin! warst du denn nicht von dem ersten Augenblicke deiner Empfängniß an voll der Gnade und aller Tugenden? Hierauf antwortete die heil. Jungfrau: ,, Wisse für gewiß, meine Tochter, daß ich mich für so höchst niedrig und der Gnade Gottes unwürdig hielt, als du. Deßwegen slehte ich auch auf solche Weise um die göttliche Gnade und um Tugenden." Und abermal sprach sie: ,, Du glaubst, meine Tochter, daß ich alle Gnade, die ich hatte, chne alle Wübe und Arbeit erbielt;- doch nimmer ist dieß also Kurze Lebensgeschichte Fürwahr, ich sage dir, daß ich keine Gnade, keine Gabe, feine Tugend von Gott bekam, ohne große Arbeit, ohne inbrünstiges Verlangen, ohne tiefe Andacht, ohne viele Thränen und große Trübsale; indem ich immer, so gut ich nur wußte und konnte, dachte und sprach, was ihm wohlgefällig war; die einzige Gnade der Heiligung ausgenommen, fraft welcher ich im Mutterleibe geheiligt ward." Sie fügte noch bei: ,, Dieß wisse für gewiß, daß keine Gnade in die Seele hinabsteigt, außer durch Gebet und Trübfal. Wenn wir aber Gott gegeben haben, was wir durch uns vermögen, ob es auch wenig ist, dann kommt fie in die Seele und bringt diese allerhöchsten Gaben: daß die Seele in sich selbst zu vergehen scheint, und es aus ihrem Gedächtnisse verschwindet, daß sie je etwas gethan oder gesprochen hat, das Gott angenehm gewesen wäre; und sie bedünkt sich dann geringer und verächtlicher, als je." Fünftes Kapitel. Von der Vermählung der allerseligsten Jungfrau. es Also erschwang diese bräutliche Taube des heil. Geistes sich von Gnade zu Gnade, von Liebe zu Liebe, von Heiligkeit zu Heiligkeit, und bereitete ihr Herz zu dem erhabensten aller Geheimnisse Gottes, nicht ahnend, daß dasselbe in ihr in Erfüllung gehen sollte. In süßester Freude ihres Herzens, wäre fie ewig als die Letzte der Dienerinnen Gottes in seinem heiligen Tempel geblieben; denn vollkommen im Gesetze unterrichtet, dessen Betrachtung sie mit süßem Troste und heiliger Freude erfüllte, war sie frühe in den innersten Geist desselben eingebrungen, und hatte, den Buchstaben überschreitend, dem Herrn ewige Jungfräulichkeit gelobt. Allein der Allerhöchste, dessen Augen mit Wohlgefallen auf ihr ruhten, und der sie, als die Krone des menschlichen Geschlechtes, zur Erfüllung seiner göttlichen Absichten erforen hatte, und selbst der Schirmer des jungfräulichen Geläibbes war, das er ihr eingeflößt hatte, erwählte, das Heiligste aller Geheimnisse der Welt und der Hölle zu verbergen, bis es öffentlich erscheinen sollte, den Gerechtesten aus Israel zum Gefährten ihres Lebens, zum Beschützer ihrer Jungfräulichkeit, und zum Nährvater seines Eingebornen, der in ihrem jungfräulichen Schroße mit der menschlichen Natur sich vermählen, und in derselben Adams Geschlecht vom Fluche erlösen sollte. Und wahrlich, in vollendeter Tugend glänzte ihr heiliger Gehorsam, ihre treue Ergebung in die Absichten des Herrn, und ihr festes Vertrauen auf seine Vorsehung, als sie trotz ihres unverbrüchlichen Gelübdes, das sie selbst der allerseligsten Jungfrau. Dem Engel Gottes als Hinderniß anzeigte, den Befehlen ihrer Vorgesetzten ohne Widerrede sich fügte, und mit ihrem heil. Bräutigam Joseph sich verloken ließ, der gleich ihr, aus dem königlichen Hause David entsprossen war; doch in unscheinbarer Demuth, Armuth, heiliger Keuschheit und Verborgenheit, als ein Fremdling in dieser Welt vor Gott wandelte, der allein den Schatz seiner blühenden Tugenden kannte. Sechstes Kapitel. Von dem Aufenthalte der allerseligsten Jungfrau zu Nazareth, und dem Geheimniß der Menschwerdung Christi. Ein heiliger Schleier lag auf jener bedeutungsvollen Zeit dem Mittelpunkt und der Fülle aller Zeiten. Tief verborgen war der Welt das erhabenste aller Geheimnisse; tief verborgen den Blicken der dämonischen Geister; aber in heiligem Entzücken sahen die himmlischen Heerschaaren auf das stille Haus zu Nazareth hernieder. Nach dieser Zeit hatte der sterbende Jakob sich gesehnt, als er ausrief: ,, Ich werde dein Heil erwarten!" ( Genes. 49.); nach ihr sehnten sich die Stammeltern des menschlichen Geschlechtes; nach ihr alle heil. Patriarchen und Prophe ten, die in hocherhabenen Aussprüchen diese Fülle der Zeit verkündiget, doch die göttlichen Verheißungen nur von ferne begrüßend, in ihrer Pilgrimschaft vorüber gegangen waren! Dieß war die Zeit, wo der Allerhöchste seinen heil. Engel sandte, der Gnadenvollen und Gesegneten aus allen Weibern, ſeinen ewigen Rathschluß zu verkündigen; das köstliche Kleinod seines Herzens, seinen eingebornen Sohn ihr zu vertrauen, dessen Menschwerdung der heil. Geist auf unergründliche und unaussprechliche Weise in ihr wirkte; als die Kraft des Allerhöchsten sie überschattete, daß sie in den Flammen des ewigen Lichtes sich nicht auflös'te; wo große Dinge an ihr that, der da mächtig, und dessen Namen heilig ist; wie die erlauchte Königin der Propheten in jenem feierlichen Hochgesang, bei Elisabeth aussprach, die über die tiefe Herablassung der Mutter des ewigen Königs staunte, der bald hierauf, und noch vor seiner zeitlichen Geburt, von der undankbaren Welt, die er zu erlösen kam, verstoßen in einem armen Stalle geboren ward, indeß die himmlischen Heerschaaren festliche Jubellieder anstimmten, denjenigen, die in den Schatten des Todes saßen, ein großes Licht aufging, und ein neuer Stern an den himmlischen Höhen Könige aus fernen Landen herbeiführte, den armen König der Könige in Demuth anzubeten! Wer die Größe der Mutter erkennen will," ruft ein heil. Kirchenvater aus, ,, der blicke auf die Größe des Sohnes!" Ueberaus wunderbar ist die Erhabenheit die-" P 10 Kurze Lebensgeschichte ses starken Weibes, die die Arme dessen bindet, der in seiner Allmacht Himmel und Erde schuf, die mit der Milch ihrer engelreinen Brüste ihn säugt, der die Vögel des Himmels nährt, und ihn Sohn nennt, den die Cherubim und Seraphim zitternd und in Ehrfurcht anbeten. Papitel. Von den übrigen Geheimnißen der Mensch pti. In stiller Demuth, wie sie dem Befehle des Kaisers sich gefügt hatte, und mit ihrem heil. Bräutigam Joseph nach Bethlehem zur Einschreibung gepilgert war; welche Zeit Gott, der die Zeiten und ihre Fülle lenkt, und dessen Weisheit von einem Ende zum andern reichend, alle Dinge mit lieblicher Milde ordnet( Weisheit 8), ohne daß die menschliche Klugheit es geahnet hatte, zur Erfüllung jener Weissagung bestimme: ,, Und du, Bethlehem Ephrata, bist zwar gering unter den Tausenden von Juda: doch aus dir wird Derjenige mir hervorgehen, der da Herrscher seyn soll über Israel, und dessen Ausgang von Anbeginn, von den Tagen der Ewigkeit ist!"( Mich. 5.); in eben dieser Stille und Demuth kehrte sie nach der einfachen Stadt Nazareth zurück, und pflegte daselbst, in heiliger Verborgenheit, die Kindheit dieses ewigen Herrschers, des Gottes in findlicher Gestalt! In ganz eigenthümlichen Sinne konnte diese Dreieinigkeit auf Erden sprechen, was der Apostel späterhin aussprach: ,, Unser Leben ist mit Christo in Gott verborgen!"( Koloff. 3.) 3hm lebte, ihm diente die himmlische Königin gleich der geringsten Magd, und unaussprechlicher Trost durchströmte ihr Herz bei dem Anblicke des göttlichen Säuglings, vor dessen Wiege sie oft in himmlische Betrachtungen versenkt, das Kind anbetete, dessen unendliche Majestät sie allein erkannte, die ihn vom heil. Geiste empfangen hatte. Noch erzählt uns die heil. Geschichte, in welcher Treue die reinste der Jungfrauen dem Gesetze, das den Weibern vorgeschrieben war, die nach menschlicher Weise empfangen hatten, sich in heil. Demuth unterwarf; damit sie gleich ihrem göttlichen Sohne, der die Taufe der Sünder von Johannes empfing, alle Gerechtigkeit erfüllte, und wie das göttliche Kind sein Licht ausstrahlte, den heil. Greis Simeon zu erleuchten, der, als sie im Tempel des Herrn ihn zum Morgenopfer brachte, und durch die Gabe der Armuth ihn loskaufte, der durch sein Abendopfer die ganze Menschheit loskaufen sollte, den lange Verheißener mit seinen Armen umfing, und die bedeutungsvolle Weishagung aussprach, ein Schwert würde einst ihr Herz durchdrinSiebe werd der allerfeligsten Jungfrau. gen! Dann, wie diese heil. Familie auf die Ermahnung des Engels nach Egypten floh, wobei die weiseste und heiligste Vorsehung, ohne die Freiheit des menschlichen Willens und seine Bosheit zu stören, auf wunderbare und verborgene Weise ihre Absichten erreichte, die Wuth der Tyrannei zu verlachen, die süßen Knäblein, die als Erstlingsopfer ihr Blut für ihn dargaben, mit der rosigen Marterkrone zu krönen, und jene alte Weissagung zu erfüllen: ,, Sieh der Herr wird au er leichten Wolke emporsteigen, und nach Egypten ziehen, udies werden alle Görenbilder Egyptens erschüttert werden."( 3sai 19.) Denn diese leichte Wolke war seine heil. Menschheit, die seine Gottheit verschleierte, welche durch ihre Gegenwart dieß abgöttische Land zu einem Aufenthalte zahlloser Einsiedler weihte, die in der Folge daselbst dem Herrn Tag und Nacht in Gebet und heiliger Abtödtung dienten. Achtes Kapitel. Herzensergießungen der Heiligen über die ſüße Kindheit Chrifti. Wunderlich sind die Betrachtungen der Heiligen über das, ob auch undurchdringliche, doch überaus süße Geheimniß der heiligen Kindheit des eingebornen Sohnes Gottes in Menschengestalt; und Viele hinterließen ihre Herzensergießungen darüber in bleibenden Denkschriften. ,, Wer spricht es aus," ruft der heil. Thomas von Villanova ,,, von welcher Liebesgluth Maria glühte, wenn sie ihren drei bis vierjährigen Sohn anblickte, wie er kindlich vor ihren Augen spielte, mit freundlichem Antlitze sie anlächelte, mit süßer Kindlichkeit ihr liebkos'te, den sie mit ihrer eigenen Milch getränkt, und aus ihrem Eigenen ernährt hatte! O jungfräuliches Herz, vom Feuer der Liebe glühend! o heilige Brust, brennend gleich untilgbaren Feuern, und flammend gleich den Seraphim! o zarter jungfräulicher Leib, wie wirst du von solchen Gluthen nicht aufgelöst! Welche Beredsamkeit reicht hin, die feurigen Entzückungen deines jungfräulichen Herzens zu entfalten! Welche Fassungskraft, sie mit ben Gedanken zu erreichen! Jene allerhöchste Sonne hat mit ihren lebendigen Gluthen sie durchströmt. Doch fürchte dich nicht, o Tochter Jerusalem! denn mit dir ist der heil. Geist; dich überschattet des Aller höchsten Kraft, daß du es vermögest, in den Gluthen einer so gewaltigen Sonne zu bestehen; und sie, die Andere erleuchtet, überschattet dich, daß sie das Feuer und den Blizglanz des göttlichen Lichtes für dich milderte." ,, Entfalte uns," spricht der nämliche heil. Bischof an einer andern Stelle, ,, entfalte uns, e seligste Jungfrau, jene & Kurze Lebensgeschichte göttlich- süßen Gespräche, jene vertrauliche Ansprache, jene gehei men Unterrebungen, die du mit dem Söhnlein pflegtest, wenn er, in deinem Schooße liegend, himmlische Geheimnisse dir eröffnete! was sprach er da? Was lehrte er? Was fragtest du ihn? Was antwortete er dir? Denn innigst war es dir fund, wer er wäre; du waßtest, daß die unendlichen Schätze der Weisheit Gottes in ihm verborgen waren; daß der tiefste Abgrund des göttlichen Lichtes in seiner findlichen Brust sich behielt; und bewahrtest alle Worte seines Mundes als göttliche Aussprüche. O glückselige Frau, die bu so lange mit dem Nectar ber göttlichen Weisheit getränkt wurdest! Warum, o glorreiche Jungfrau, hast du diese so große Wonnen uns vorbehalten? warum diese so ersehnlichen Schätze vor deinen Dienern verborgen? warum diese süßesten Gespräche nicht zu unserer Belehrung und zu unserem Troste in den heil. Schriften aufzuzeichnen befohlen?" Was wäre uns lieblicher; was je füßer und erfreulicher, was auch heilsamer, als daß wir durch die Speise so heiliger Weisheit ernährt würden, durch die himmlischen Dinge, von welchen Sohn und Mutter sich besprachen? Doch nimmer geziemte es sich, diese so kostbaren Edelgesteine vor Allen zu entfalten, und Dinge, die den Menschen nicht erlaubt sind zu sprechen, Allen öffentlich kund zu thun! Wundersam hebt jedoch der liebreiche und feurige Betrachter, der heil. Antonius, den Schleier dieser heil. Verborgenheit, und zeigt uns die Jungfrau im süßesten Gespräche mit dem göttlichen Kinde. ,, War auch die Jungfrau," spricht er, ,, durch ihre heil. Geburt die wahrhaftige Mutter Christi, so erzeigte sie, da es ihr kund war, ihr Sohn sei ihr Schöpfer, sich dennoch nimmermehr gegen ihn als Mutter, sondern als seine demüthigste Magd; wiewohl er ihr, als seiner wahren Mutter mit Ehrfurcht begegnete. Keine Ehrfurcht forderte sie jedoch, sondern fromm entsagte sie der ihr erwiesenen, und führte sie auf ihn zurück." O welch' ein frommer Wettstreit in der heiligen, verborgenen Hütte zwischen der Mutter und dem Sohne! Zuvorkommen wollte sie durch Kniebeugungen ihm, der sich gehorsam vor ihr neigte; er dagegen, dem alles Künftige gegenwärtig war, kam der ihm Zuvorkommenden selbst mit Ehrfurcht zuvor. Auf den Knieen betete sie den Sohn an; er aber neigte sein Haupt demüthig vor der Anbetenden. Nimmer geziemt es sich, sprach fie, daß Gott vor einem Weibe sich neige; er aber antwortete: Gleichwohl geziemt es sich auf alle Weise, daß der Sohn der Mutter untergeben sei! Laß, mein Sohn, sprach Maria, mich jenes Gesetz vollbringen, was bein göttlicher Mund aus - der allerfeligsten Jungfrau. 19 sprach: ,, Du sollst Gott, deinen Herrn anbeten! Er jedoch erwiederte: Laß auch du, geliebte Mutter, deinen Sohn sein Gebot vollbringen, daß ich, meine Menschwerdung vorwissend, aussprach:" Du sollst Vater und Mutter ehren!"- Nimmer, sprach die Mutter, sollen die Engel denjenigen, den sie anbeten, zu den Füßen eines dürftigen Weibes schauen! Steh auf, mein Geliebter!- Jesus, ihr Sohn aber, damit nicht die Kinder der Menschen die Mutter vor dem Sohne gebeugt schauen: Erhebe dich, meine Vielgeliebte!- Sträflich bin ich vor Gott und den Engeln, erwiederte sie, wofern ich dich nicht anbete und res dulde, daß du mir Ehrfurcht érzeigest! Ich aber würde vor dem Herrn, vor den Engeln und Menschen sträflich erscheinen, wenn ich die Ehrfurcht dir nicht erzeigte, die dir als einer wahren Mutter gebührt.- Solche und ohne Vergleich Bere Dinge, die alle Fassungskraft des Geistes übersteigen, ngen zwischen dieser Mutter und diesem Sohne vor. Nur noch einmal sehen wir, nach seiner Rückkehr, dieß Licht der Welt vor seiner öffentlichen Erscheinung in den Fluren des Evangeliums. Wo anders aber sähen wir ihn, den Herrn des Tempels, als im Tempel des Herrn?- Namenloser Schmerz und tödtliche Angst erfüllte die Brust der liebendsten und geliebtesten Mutter, als sie das einzige und köstlichste Kleinod ihres Herzens vermißte, und tiefe Rührung ergreift jede fromme Seele, die die Geschichte dieser heiligen, anmuthigen und lehrreichen Wallfahrt der heiligen Familie nach Jerusalem erwägt. Doch nur wie der reine Blitz des Himmels, der das Azurgewölbe schnell eröffnet, und eben so schnell wieder verschließt, strahlt dieß göttliche Licht aus der tiefen Verborgenheit, und ein undurchdringlicher Schleier verbirgt uns eine lange Reihe von Jahren, diese hochheilige Familie, das himmsche Paradies auf Erden, das ganz in Gott verborgen, ihm allein lebte; und wo das ewige Wort des Vaters, den Menschen gehorsam, uns stolzen Menschenkindern die wichtige Lehre des Gehorsams und der Demuth empfahl. Wer ermißt aber die Glückseligkeit der Jungfrau und des heiligen Greises, die über bem größten Schatz des Himmels aller irdischen Dürftigkeit Lergaßen, und in süßer Einsamkeit an einem Anblick sich weideten, nach dessen Anschauung die Engel des Himmels gelüſtet! heiliger Freude gedachten so viele fromme Seelen dieses verborgenen Lebens, wo der Herr der Welt und seine hochgelieste Mutter durch ihr Beispiel uns lehren, daß nicht äußerlice und glänzende Thaten in den Augen der Welt, sondern eir innerlicher Wantel vor Gott in stiller Demuth, Arbeitsam2*, - 1 Kurze Lebensgeschichte keit und Gebet das Wohlgefallen des Allerhöchsten erwerbe und die Thaten aller Helden überwiegen. Viele, dem innerlichen Gebet ergebene Seelen sehnten diesen heiligen Schleier zu heben, und mehr von dem liebe, vollen Leben dieser gebenedeiten Jungfrau zu erfahren, die son der Zweifel aus demüthiger Sittsamkeit die meisten ihrer wun derbaren Geheimnisse im Innern verschloß, und nur sovie davon fund gab, als die Ehre Gottes erforderte, und für di Verkündigung des Evangeliums nothwendig war. Was schrieb aber auch die geübteste Feder von dieser himmlischen Taube die bloß mit ihren Füßen die Erde berührt; mit den Flügel ihrer Liebe aber ohne Unterlaß in den himmlischen Höhe schwebte, alle Geheimnisse und Worte ihres Sohnes tief i ihrem Herzen erwog, das der geheiligteste Tempel des heilige Geistes war, in dessen Lichte sie ewige Dinge schaute, die keine menschlichen Worte sich fassen ließen! Nur vier Mi ertönt ihre liebliche Stimme in der heiligen Geschichte. Ein Mal, als sie dem Erzengel das Gelübde ihrer Jungfräulichkei eröffnete, und, in die Botschaft des Allerhöchsten willigend seine demüthigste Magd sich nannte; ferner als sie all Lobeserhebungen ihrer heiligen Muhme von sich ablehnte, un aus der Fülle ihres Herzens jenen königlichen Lobgesang zur Preis des Herrn anstimmte;- dann, als sie im Tempel z Jerusalem in die rührende Klage ausbrach:" Mein Sohn warum hast du uns dieß gethan!"- und endlich, als sie je es Hochzeit zu Cana beiwohnte, wo ihr mitleidvolles Herz upes die Armuth der Gäste gerührt, zu ihrem göttlichen Sohne di milden Worte sprach:" Sie haben keinen Wein!" sicherlich sprach auch dieß vollendete Vorbild aller Auserwählte nie ein Wort, das nicht zum Lobe des Herrn oder zur Nutzen des Nächsten gereichte. Un - Neuntes Kapitel. Von dem Wandel der allerfeligsten Jung frau während des öffentlichen Lebens Jesu. Höchst wahrscheinlich war der jungfräuliche Bräutigar der Mutter des Herrn bereits unter dem süßesten Beistant Jesu und Mariä in heiligem Frieden entschlafen, als die ewig Weisheit aus der Verborgenheit trat, mit ihren Strahlen Welt zu erleuchten; auf daß, wie der heilige Ambrosius schön erinnert; die Krone des weiblichen Geschlechtes, nachten sie das Vorbild der Jungfrauen und der Vermählten geweſel war, auch das Vorbild frommer Wittwen würde. In heite Treue folgte sie dem Sohne, dessen süße Kindheit sie gepflg der allerfeligsten Jungfrau. 21 sd hatte, als er das große Werk der Erlösung begarn. Wie hätte auch ihr Mutterherz, das nur in ihm, für ihn und um Seinetwillen lebte, ihr Einzig und Alles je verlassen!- Indessen tritt sie auch hier nur höchst selten aus ihrer jungfräulichen Verborgenheit; denn selten nur sollte die heilige Geschichte ihrer gedenken. Ein Mal gedenkt der heilige Lukas ( Cap. 11. V. 27.), der vom Geiste Gottes erleuchtet, die wunderbarsten Züge ihrer hocherhabenen Geheimnisse als ein Denkmal für alle Zeiten aufzeichnete, eines Weibes, das, von der Lehre des Heiles ergriffen, sich nicht erwehren konnte, auszurufen:" Selig der Leib, der dich getragen; selig die Brüste, die du gesogen!. Worauf die ewige Weisheit, diese Worte bekräftigend, antwortete:" Ja freilich selig, die das Wort Gottes anhören und dasselbe thun! Selig und gesegnet vor allen Weibern ist demnach die, deren keuschester Leib mich getragen, und deren Brüste ich gesogen; denn mit tieferer Aufmerksamkeit, als irgend ein Mensch, hörte und befolgte sie das Wort Gottes." Auf ähnliche Weise antwortete der ewige Sohn Gottes in Menschengestalt Jenen, die, als er das Reich Gottes verkündigte, hm ansagten: Sieh', deine Mutter und deine Brüder sind draußen und suchen dich!" Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder? Und er streckte seine Hände über seine Jünger aus, und sprach: ,, Sieb' da meine Mutter und meine Brüder; denn wer immer den Willen meines Vaters thut, der im Himmel ist, der ist mir Bruder, Schwester und Mutter!"( Matth. 12.) Und überaus nothwendig und angemessen war diese Antwort den fleischlichen Juden, denen er, als der Sohn und Gesandte Gottes, den Weg zum Himmel zeigte, und die ihn, trotz seiner göttlichen Lehren und der zahllosen und hocherstaunlichen Wunder, die er vor ihren Augen wirkte, seine Gottheit zu beweisen, dennoch nur als einen bloßen Menschen betrachteten und sprachen:" Ist dieß nicht der Sohn des Zimmermanns, und heißt seine Mutter nicht Maria?( Matth. 13.) - Wie wäre aber die Hochgebenedeite, die die namenlose und höchst zärtliche Liebe ihres göttlichen Sohnes von seiner frühesten Kindheit an fannte, und vom heiligen Geiste selbst erleuchtet und belehrt war, nicht in den tiefen Sinn seiner Worte eingedrungen, und hätte sie nicht als höchst nothwendig erkannt; die, als bei jenem hochzeitlichen Mahle Jesus in derselben Absicht zu ihr gesprochen hatte:" Weib, was habe ich mit bir gemein?( Joh. 2.) mit so großer Zuversicht die Kurze Lebensgeschichte Diener ermahnte, zu thun, was immer er ihnen befehlen würde; weil es ihr bewußt war, daß er ihr nimmermehr eine Bitte versagen, und sogar, ihr Verlangen zu erfüllen, die Stunde seiner Offenbarung beschleunigen würde, die, wie er gesprochen hatte, noch nicht gekommen! Denn Niemand drang tiefer in seine göttliche Absichten und erkannte selbe so klar als sie, die Tag und Nacht für das Heil und die Erlösung Israels zu Gott flehte, daß er seiner Jünger wegen also sprechen mußte, auf daß sie an seine allmächtige Gottheit glaubten; welche Absicht auch vollkommen in Erfüllung ging, da der Evangelist diese liebliche Erzählung mit den Worten schließt:" Und seine Jünger glaubten an Ihn" Es lehrt uns aber diese findliche Liebe Jesu auch, wie wirksam die Fürbitte seiner hochgeliebten Mutter für alle Gläubige bei ihm ist, die sie in Andacht verehren; und wie sollte er nun, im Aufenthalt der Glückseligkeit, eine Bitte versagen, die er ihr auf Erden so schnell und so liebreich erhörte! 22 - - Zehntes Kapitel. Von den Leiden der allerseligsten Jungfrau. Doch es erschien allmählig die Zeit, wo die Weissagung jenes heiligen Greises in Erfüllung gehen, und das Schwert des Schmerzes die liebende und zarte Seele der Jungfrau durchdringen sollte. Nicht als ob sie erst dann Schmerz erfahren hätte; denn sie, die nach ihrem göttlichen Sohne die höchste Glorie im Himmel erhalten sollte, trank auch auf Erden im reichlichsten Maße aus dem Kelche seines Leidens. Wie tief drangen alle Verfolgungen, alle Lästerungen, aller Mangel und alle Mißhandlungen, die er während seines öffentlichen Lebens erlitt, in ihr mildes Herz; und wie Vieles hatte sie schon in seiner frühen Kindheit, zumal auf seiner Flucht nach Aegypten gelitten! Dazu kam noch, daß ihr, die in den heiligen Schriften so sehr erfahren und von göttlichem Lichte erleuchtet war, das Leiden ihres göttlichen Kindes immerdar vor Augen schwebte, und wer wird ihre fortwährende Angst und ihren Schmerz ermessen, den ihre heilige Seele darob empfand, da keine Seele ihn, den Sohn und die Wonne des ewigen Vaters, so sehr liebte, als dieß zu ewiger Liebe erschaffene. und in dieser Liebe lebende und flammende Herz! Und immer lebendiger und tiefer ward ihre Mutterangſt, je näher die Zeit seines heiligen Leidens herbeikam. Und opferte sie auch, als eine wahre Tochter Abrahams, ihren einzigen, über allen Ausdruck geliebten Sohn dem himmlischer Vater zum Versöhnungsopfer für die Erlösung der Welt: der allerseligsten Jungfrau. 23 weßhalb sie auch, wiewohl nie und nimmer eine Mutter sc sehr um ihr einziges Kind litt, am Tage feines Leidens bis zum letzten Augenblicke bei ihm am Kreuze ausharrte: so drangen dennoch alle Wunden seiner schmerzlichen Geißlung, seine Dornenkrone, Nägel und Speer zuerst durch ihr süßes Mutterherz, das nur die Allmacht der Liebe vor dem Tode zu schützen vermochte. Mehr litt sie, denn alle Märtyrer; da sie mehr, denn alle Märtyrer liebte. Und füglich nennt die Kirche sie die Königin der Märtyrer; denn der Anblick des Gekreuzigten, der die Märtyrer in ihren Leiden stärkte, war eben die Marter ihres Herzens." So groß war dieser Schmerz," spricht der heil. Bernardinus von Siena, daß, wofern er unter alle Menschen wäre vertheilt worden, Jeder unter der Gewalt derselben hätte erliegen müßen. Darum auch nannte ihr göttlicher Sohn, als er dem Jünger seiner Liebe sie empfahl, sie nicht bei dem süßen Mutternamen, um ihre in den tiefsten Schmerz versenkte Seele nicht noch tiefer zu verwunden; wiewohl auch Andere der Meinung sind, er habe sie nicht also genannt, die Wuth seiner Peiniger nicht gegen sie zu reizen; auch habe er sie vorzüglich darum mit dem Namen Weib angesprochen, weil er dadurch fund geben wollte, sie sei jenes Weib, das im Anbeginn war verheißen worden, und das der Schlange das Haupt zertreten, und durch den Tod ihres Sohnes unter dem Baume des Kreuzes ersetzen sollte, was Eva unter dem Apfelbaume verbrochen hatte. Gilftes Kapitel. Von den Frenden der allerseligsten Jungfrau bei der Auferstehung Jesu. Mit dem nämlichen Trauerschwert im Herzen verließ, nach dem Versöhnungstode des göttlichen Opferlammes, diese einzig geliebte Braut des heil. Geistes das Kreuz, und erfüllte, was von ihr geschrieben steht: ,, Mein Geliebter ist mir ein Myrrhenbüschlein; er wird zwischen meinen Brüsten ruhen!"( H. L.) Denn trugen so viele Heilige und Auserwählte das bittere Leiden ihres gekreuzigten Heilandes, den sie nie mit leiblichen Augen gesehen, mit getreuer Liebe im Herzen, und weinten Thränen heiliger Liebe bei der bloßen Erinnerung an dasselbe; wie weit lebendiger wogte dasselbe in dem Herzen dieser süBesten Jungfrau, die ihn nicht nur gesehen, sondern geboren, ihn nie verlassen und allen Martern seines Leidens bis auf den legten Augenblick unter dem Kreuze beigewohn hätte: Verwaist stand sie nun auf Erden; ausgestorben wat ihr die Welt. Kurze Lebensgeschichte wo sie ihren Einzigen nicht mehr sah, mit dem sie nicht hatte sterben dürfen! War aber ihr Schmerz ohne Maaß und Namen, wer vermag es dann, den unaussprechlichen Jubel zu schildern, als ihr unendlich geliebter Sohn, nach der Seher und seiner eigenen Weissagung, am dritten Tage glorreich von den Todten erstand und ihr in seiner Herrlichkeit erschien? Denn keiner der Väter zweifelt daran, daß der Ueberwinder des Todes und der Hölle ihr erschien, sie mit den süßesten Liebkosungen umfing, mit seiner lieblichsten Ansprache sie erfreute, die Geheimnisse des ewigen Lebens ihr entfaltete und über allen Austruck sie tröstete, die über allen Ausdruck und ohne allen Vergleich mehr, denn alle Andern, um ihn gelitten hatte. Ueberdieß hatte sie auch den Trost, ihn zu sehen, so oft er den Zwölfen erschien, bei welchen sie mit den übrigen heil. Frauen in einmüthigem Gebete versammelt war. quus si se Zwölftes Kapitel. Von dem wunderbaren Leben der allerfeligten Jungfrau nach der Himmelfahrt ihres göttlichen Sohnes. Verfloß nun das wunderbare und ganz innerliche Leben der gebenedeiten Mutter des Heilandes, von ihrer frühesten Kindheit an, in heiligen Entzückungen göttlicher Betrachtung, und war ihr ganzer Wandel bereits damals im Himmel: wer wird es je erfassen, wie sehr nun ihr ganzes Herz nach diesen ewigen Wohnungen seufzte, als er, den ihre Seele liebte, dahin eingegangen war, und zur Rechten des Vaters thronte! Nur dem Leibe nach weilte sie auf Erden; denn ihre ganze Seele, ihr ganzes Herz war, wo ihr Schatz, und auf den Flügeln der feurigsten Sehnsucht wäre diese himmlische Taube zu ihm emporgeflogen, wenn nicht ihr göttlicher Sohn, der seine Sünger nicht hatte als Waisen verlassen wollen, sie ihnen zum füßesten Troste hinterlassen hätte. Denn schon damals war sie die süßeste Trösterin der Betrübten und eine mächtige Hilfe der Christen, und es ist kein Zweifel, daß die Gläubigen der aufkeimenden Kirche zu dieser liebreichsten Mutter oftmals ihre Zuflucht nahmen; ja, daß selbst die Apostel sich nicht selten Raths bei ihr erholten, die, nach ihrer übernatürlichen Erleuchtung, sie Manches lehrte, was sie von der ewigen Weisheit gehört hatte, so wie sie auch den Evangelisten die erhabensten Geheimnisse seiner Empfängniß und Geburt, zur Verherrlichung des Allerhöchsten, offenbarte. non d In heiligster Freude sah sie den blühenden Wachsthum der Kirche, die ihr göttlicher Sohn in seinem Blute begründet hatte; der allerfeligsten Jungfran. 25 giühte sie aber auch, als die ersten schweren Verfolgungen sich gegen dieselbe erhoben, ihr Blut zu größerem Glanze derselben zu ergießen, so gehorchte sie dennoch, die durch das Vorbild ihres göttlichen Sohnes Gehorsam bis zum Tode gelernt hatte, dem Worte des Jüngers, dem der Herr vom Kreuze sie empfohlen hatte, und folgte ihm nach Ephesus, wo sie viele Jahre in heil. Stille zum unaussprechlichen Troste der Gläubigen lebte; wiewohl sie späterhin nach Jerusalem zurückkehrte, wo sie auch ihr heil. Leben beschloß. Wie viele himmlische Züge verbarg uns euch hier ihre tiefste Demuth, die nur von Gott allein erkannt seyn wollte! und wie viel Wunderbares, das nun ein undurchdringlicher Schleier birgt, werden ihre getreuen Verehrer zu ihrer unaussprechlichen Freude erst in jenem Leben erfahren! Denn wie tief ihr Stillschweigen über ihre erhabenen Vorzüge, wie überaus demüthig ihre Bescheidenheit war, ersehen wir aus ihrem Verhältnisse zu ihrem heil. Bräutigam Joseph, den sie, als den von Gott selbst ihr gegebenen Beschüger, mit so aufrichtiger als reiner Zartheit liebte, und dem sie dennoch, so sehr auch ihr Herz bei seiner tiefen Betrübniß über ihre Schwangerschaft litt, die er sich nicht erklären konnte, das hocherhabene Geheimniß nicht offenbarte, das der heil. Geist in ihr gewirkt hatte, bis Gott, der ihr Vertrauen nicht zu Schanden werden ließ, seinen Engel sandte, dasselbe ihm zu verkündigen. So zweifelt auch Niemand, daß sie, die so großen Antheil an der Verbreitung des Evangeliums nahm, viele und große Wunder wirkte, die der Welt nicht fund werden sollten. Auch bedurfte sie dieses Glanzes nicht, ihre Glorie zu erhöhen, deren Lob der Evangelist in den Worten erschöpft: ,, Von ihr ward Jesus geboren, der Christus genannt wird."( Matth. 1.) Dreizehntes Kapitel. Von dem Schlummer der allerfeligsten Jungfrau. Endlich nahte die Zeit heran, wo das Feuer der göttlichen Liebe, in welchem sie, wie ein heil. Lehrer spricht, nur durch ein Wunder der Allmacht vom frühesten Anbeginn ihres Lebens fortwachsend brennen konnte, ohne verzehrt zu werden, zu einer unermeßlichen Flamme erwuchs, die bie Bande ihres heiligen Leibes auflöste. Gleich ihrem göttlichen Sohne rief sie, sonder Zweifel, in heiliger Sehnsucht aus: ,, Und nun, o Vater, rufe mich zu dir, daß ich deine Herrlichkeit schaue und die Herrlichfeit deines Eingebornen!" Eins mit dem Willen Gottes, für den allein sie lebte und starb, hatte diese süße Mutter der Christenheit, die alle Glie Kurze Lebensgeschichte der der Kirche ihres Eingebornen, als ihre zartesten Kinder, liebte, nur noch das einzige Verlangen, die auserwählten Verbreiter derselben, die Apostel ihres göttlichen Sohnes, noch einmal zu sehen, um sie zum letzten Male zu trösten und zu immer thätigerem und flammenderem Eifer zu ermahnen. Eine sehr denkwürdige Schrift ist die Erzählung, die der heil. Johannes von Damaskus von den letzten Stunden ihres Lebens, nach einem Schreiben des heil. Dionysius, uns aufbewahrte. Dieser große heil. Bischof und Märtyrer, der selbst als Augenzeuge zugegen war, erzählt nämlich, auf wie wunderbare Weise der Herr die letzte Bitte seiner heil. Gebärerin erhört habe, und wie, mit Ausnahme des einzigen Thomas, alle übrigen Apostel, die noch am Leben waren, bei ihrer geliebten Herrin in ihren letzten Stunden erschienen, und ihrem heiligen Schlummer beiwohnten. Als nun der Augenblick nahte, wo sie ihre gebenedeite Seele in die Hände ihres göttlichen Sohnes übergab, der mit Chören der Engel und zahllosen Schaaren heil. Himmelsbürger erschien, ertönten wundersüße Gesänge, und himmlisches Licht erfüllte das Gemach der hochgebenedeiten Jungfrau, in welches alle christlichen Bewohner Jerusalems unter lautem Schluchzen strömten, ihre geliebte Mutter und Herrin zum letzten Male zu verehren. Zahllose Kranke, Blinde und andere mit schweren Gebrechen Behaftete, mrrunter selbst unbekehrte Juden, erhielten augenblicklich die Gesundheit, sobald sie diese heilige Stätte betraten. Bald hierauf bestatteten die Apostel und Jünger, in Begleitung des christlichen Volkes, die heilige Leiche in stiller Trauer; worauf nach drei Tagen der heil. Thomas erschien und zu seiner großen Bestürzung vernahm, daß die gesegnete Arche des Bundes, in welcher der Sohn des Allerhöchsten persönlich geruht hatte, bereits im Schooße der Erde ruhe. Trostlos, ihr liebreiches Angesicht nicht mehr zu sehen, bat er die Apostel, die heilige Grabesstätte zu eröffnen, welche Bitte sie ihm auch gern gewährten. ,, Sie eröffneten also das Grabmahl," fährt der heil. Johannes von Damaskus fort, konnten aber ihren heil. Leichnam nirgends finden; sondern sie fanden bloß die Linnen, in die er gehüllt worden, und die mit unaussprechlichem Wohlgeruch die Lüfte erfüllten. Hocherstaunt über das Wunder dieses Geheimnisses, verschlossen sie die Stätte, und vermochten nichts anderes zu denken, als daß es dem Worte Gottes, dem Herrn der Glorie, dem es gefallen hatte, ihre Jungfräulichkeit, selbst nach ihrer Geburt unversehrt zu erhalten, auf gleiche Weise gefallen habe, diesen mackellosen Leib unUniv.- Biol Glessen der allerseligsten Jungfrau. versehrt zu erhalten, und ihn noch vor der allgemeinen Auferstehung durch die Aufnahme in die himmlischen Wohnungen zu verehren."- ,, Wer könnte sich auch vermessen, zu sagen," spricht der heil. Augustinus, ,, der hochheilige Leib, worin Jesus Christus Fleisch annahm, sei den Würmern zur Speise übergeben worden!" ,, Dieß ist jener glorreiche Tag( spricht derselbe Kirchenvater abermal am Feste ihrer Himmelfahrt), den die früheste Kirche, sobald es ihr gestattet ward, ihre Feste öffentlich zu feiern, als einen der Ersten mit höchster Festlichkeit beging, und zu den Zeiten des Kaisers Constantinus mit unbeschreiblicher Pracht feierte; dieß ist jener glorreiche Tag, wo die königliche Jungfrau zum Throne Gottes des Vaters erhoben, und auf den Thron der allerhöchsten Dreieinigkeit gesetzt ward, wo es den Engeln gelüftet, Ihre Lieblichkeit zu schauen." Wie hätte auch je 3hr hochgeliebter Sohn, der in seinem göttlichen Rathschlusse sie von Ewigkeit zur Mutter erwählt hatte, und der die Verehrung, welche die Kirche den Gebeinen und der Asche seiner Diener auf Erden erweist, oft durch die glänzendsten und unbestrittensten Wunder bestätigte, diesen lebendigen Tempel des heil. Geistes der Vergessenheit und den Würmern übergeben wollen: was Niemand ohne Lästerung sagen kann." - 27 Vierzehntes Kapitel. Von der Aufnahme der allerfeligsten Jungfrau in den Himmel. Erfreuen wir uns also, rufen einstimmig die heil. Väter aus, daß wir eine so mächtige Schirmerin und Fürsprecherin im Himmel haben; in deren Hände alle Schätze der Erbarmungen des Herrn sind! ,, Kühn spreche ich es aus," sagt der heil. Petrus Damianus, ,, daß, abgesehen von der Gottheit und Majestät ihres Sohnes, die Aufnahme der Jungfrau weit glänzender war, als seine Himmelfahrt. Denn bei seiner Himmelfahrt kamen ihm bloß die Schaaren der Engel, bei der Aufnahme der Jungfrau aber kamen auch die Schaaren der Erlösten und der Herr selbst ihr entgegen."- Nur ein schwaches Vorbild dieser glorreichen Aufnahme war jene Aufnahme der Mutter Salomon's, von welcher geschrieben steht: ,, Es stand der König auf, ihr entgegen zu gehen, und er verehrte sie, und setzte sich auf seinen Thron, und es ward auch der Mutter des Königs ein Thron gesetzt, die sich zu seiner Rechten setzte."( 3. Kön. 2.) Denn, wenn das Auge nie gesehen, das Ohr nie gehört hat, und es nie in das Herz des Menschen gestiegen ist, was Gott denjenigen bereitet hat, die ihn lieben; wer wird es je erfassen, was er Derjenigen bereitete, die ihn ohne allen Von den Tugenden Vergleich mehr denn alle Heiligen und Auserwählten liebte, ihm treuer denn alle diente, und die im eigentlichen und vollen Sinne des Wortes seine Mutter war! 28 ,, Sich', mit unsern glühendsten Wünschen geleiten wir dich zu deinem Sohne," ruft der heil. Bernardus aus, ,, und folgen wenigstens von fern dir, o gebenedeite Jungfrau! O gib aus deinen heiligen Höhen der Welt deine Milde, gib die Gnade fund, die du bei Gott gefunden! Erflehe durch dein heiliges Gebet Gnade den Schuldigen, Genesung den Kranken, Kraft den Kleinmüthigen, Trost den Betrübten, Hilfe den Gefährdeten! Und auch uns, deinen Dienern, die wir deinen süßesten Namen anrufen, spende durch dich, o mildeste Königin! seine Gnade Jesus Christus, dein Sohn, unser Herr und Gott, der über Alle erhaben, gepriesen sei in Ewigkeit Amen." Von den Tugenden der allerfeligsten Jungfrau Maria. ( Vom heil. Alphons M. Lignori.) Der heil. Augustin sagt, daß, um sicherer und mächtiger den Beistand der Heiligen zu erlangen, wir sie nachahmen müssen; weil sie bewogen werden für uns zu beten, wenn sie sehen, daß wir die Tugenden, die auch sie geübt haben, nachzuahmen bemüht sind. Nachdem die Königin der Heiligen, unsere mächtige Fürsprecherin Maria, eine Seele aus den Händen des Teufels befreit und mit Gott wieder vereinigt hat, so will sie, daß dieselbe ihr auch nachfolge; denn sonst könnte sie dieselbe nicht, wie sie wünschte, mit Gnaden bereichern, da die Seele ihr durch ihr fündhaftes Leben widerstreben würde. Maria nennt den selig, der sich bemüht ihr nachzufolgen:" Nun also, ihr Kinder, glückselig sind, die meine Wege bewahren."( Sprüchw. VIII, 32.) Wer liebt, der ist entweder der geliebten Person schon ähnlich, oder er sucht es zu werden, gemäß jenem Ausspruche: ,, Die Liebe findet oder macht Gleichgesinnte." Deßhalb ermahnt uns der heil. Hieronymus, daß, wenn wir Maria wirklich lieben, wir suchen müssen, ihr nachzufolgen, weil dieß der größte Dienst ist, den wir ihr leisten könnten. Richardus sagt, daß nur diejenigen wahre Söhne Mariens sind und diesen schönen Namen verdienen, die sich bemühen zu leben, wie sie gelebt hat. Der Sohn trage alle Sorge, schließt der heil. Bernard, der allerfeligsten Jungfrau. die Mutter nachzuahmen, wenn er ihre Gunst wünscht, da, wenn sie sich geehrt sieht, wie es eine Mutter verdient, sie ihn behandeln und begünstigen wird, gleichwie ihren Sohn. Obgleich in den Evangelien wenig von den Tugenden Mariens aufgezeichnet ist, so heißt es doch daselbst, daß Maria ,, voll von Gnade war," woraus wir zur Genüge erkennen können, daß sie alle Tugenden, und das auf eine heldenmüthige Weise, besaß. Der heil. Thomas sagt: daß unter den andern Heiligen sich jeder in einer besondern Tugend auszeichnete, daß aber die allerseligste Jungfrau Maria in allen Tugenden vollkommen war, und uns deßhalb als Beispiel vorgestellt wird. Auch der heil. Ambrosius lehrt ums, daß das Leben Mariens allein ein genügendes Muster für Alle geworden sei, weßwegen er uns ermahnt: Es bleibe euch wie ein Bild vor Augen die Jungfräulichkeit und das Leben Mariens, in der uns ein Beispiel aller Tugenden hervorleuchtet. Betrachtet sie als das Muster eures Wandels und erkennt an ihr, was ihr verbessern, was ihr fliehen, was ihr behalten sollt. Weil nun, nach dem Ausspruche der Väter, die Demuth die Grundlage aller Tugenden ist, so wollen wir zuerst betrachten, wie groß die Demuth der Mutter Gottes war. and du 29 S. 1. Von der Demuth Mariens. Die Demuth, sagt der heil. Bernard, ist die Grundlage und die Hüterin aller Tugenden, und das mit Recht, denn ohne die Demuth kann keine andere Tugend in einer Seele Platz finden, wenn dieselbe auch alle Tugenden besäße, denn diese werden alle fliehen, sobald die Demuth sie verläßt. Gott, schrieb der heil. Franz von Sales an die heil. Johanna Chantal, liebt sosehr die Demuth, daß, wo Er sie erblickt, Er hinzueilt. Vor der Ankunft Christi war diese schöne und so nothwendige Tugend unbekannt; der Schn Gottes kam auf die Welt, um uns dieselbe zu lehren, und wollte, daß wir Ihn hierin besonders nachzuahmen suchten. Lernet von mir, denn ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig."( Matth. XII. 29.) Gleichwie nun Maria die erste und vollkommenste Schülerin Christi in allen Tugenden war, so war sie dieß besonders durch ihre Demuth, um derentwillen sie über alle Geschöpfe erhoben zu werden verdiente. Es ward der heil. Mechtildis geoffenbart, daß die erste Tugend, in der Maria sich auf eine ganz besondere Weise von frühester Kindheit an übte, die Demuth war. Von den Tugenden Der erste Aft der Demuth des Herzens besteht darin, daß man eine niedrige Meinung von sich selbst habe. Maria hatte eine so niedrige Meinung von sich selbst, daß, wie es der heil. Mechtildis geoffenbart worden ist, obgleich sie er= kannte, daß sie mehr als Andere mit Gnaden bereichert war, sie sich dennoch Niemanden vorzog, und der Abt Rupert sagt, da er jene Worte der heiligen Schrift auslegt: Du hast mein Herz verwundet, meine Schwester, meine Braut, mit einem Haare deines Halses," daß dieß Haar des Halses der Braut die niedrige Meinung war, die Maria von sich selbst hatte und womit sie das Herz Gottes traf. Freilich konnte sich die allerseligste Jungfrau nicht für eine Sünderin halten, da die Demuth, nach dem Ausspruche der heil. Theresia, Wahrheit ist, und Maria erkannte, daß sie Gott nie beleidigt hatte; freilich mußte sie eingestehen, daß sie von Gott mehr Gnaden als die andern Geschöpfe empfangen hatte, weil ein demüthiges Herz die besondern Gnaden, die es vom Herrn empfängt, gerade deßhalb erkennt, um sich noch mehr zu demüthigen, aber die göttliche Mutter wußte, wegen der großen Erkenntniß, die sie von der unendlichen Macht und Güte ihres Gottes hatte, gerade deßhalb nur um so besser ihre Niedrigkeit zu schätzen, und demüthigte sich deßwegen mehr, als alle Andern, fie rief aus mit der Braut im Hohenliede: ,, Sehet mich nicht an, daß ich so braun bin; denn die Sonne hat mich ver= färbt." Was der heil. Bernard auf folgende Weiſe erklärt: Wenn ich mich Gott nähere, so finde ich, daß ich schwarz sei; und das kam daher, fügt der Heilige hinzu, weil die allerfeligste Jungfrau fortwährend ihr Nichts mit der göttlichen Majestät verglich. Gleichwie eine Bettlerin, wenn man sie mit einem reichen Anzuge bekleidet, nicht stolz darauf sehn wird, sondern sich vor ihrem Wohlthäter nur noch mehr verdemüthigt, weil sie dadurch an ihre Armuth erinnert wird, so verbemüthigte Maria sich immer mehr, je mehr sie mit Gnaden bereichert wurde, indem sie dadurch nur daran erinnert ward, daß alle Gaben Gott an hören; daher sprach sie auch zu der heiligen Benediktinerin Elisabeth: ,, Wisse, daß ich mich als sehr elend und der göttlichen Gnade unwürdig betrachtete." Weil, sagt rer heilige Bernard, es kein Geschöpf gegeben hat, welches sich tiefer vertemüthigt hätte, als Maria, so hat es auch kein Geschöpf gegeben, welches höher erhoben worden wäre, als sie. Es ist auch ein Beweis ven Demuth, wenn man die natürlichen Gaben, die man von Gott empfangen hat, verbirgt. 30 der allerfeligsten Jungfrau. Maria wollte dem heil. Joseph die Gnade, Mutter Gottes geworden zu seyn, verbergen, obgleich es ihr damals scheinen mußte, es sei nothwendig, dieß zu offenbaren, um wenigstens ihren armen Gemahl vor Mißtrauen in ihre Keuschheit oder vor Verwirrung zu bewahren. Es geschah auch wirklich, daßder heil. Joseph, da er einerseits nicht an der Keuschheit Mariens zweifeln konnte, andererseits das Geheimniß nicht wußte, sie, um sich vor Verlegenheit sicher zu stellen, ,, zu entlassen gedachte," und wenn der Engel ihm nicht geoffenbart hätte, daß seine Gemahlin vom heiligen Geiste empfangen, so hätte er sie auch gewiß entlassen. 31 Aber der Demüthige will auch nicht, daß man ihn lobe; denn er will, daß Gott allein die Ehre zukomme. Daher erschrack Maria, als der Engel Gabriel sie lobte und Elisabeth zu ihr sprach: ,, Gebenedeit bist du unter den Weibern" und: ,, Woher geschieht mir dieß, daß die Mutter meines Herrn zu Maria mir kommt selig bist du, daß du geglaubt hast." bezog sogleich all' diese Lobpreisungen auf Gott allein und antwortete mit dem demüthigen Lobgesange: ,, Hoch preiset meine Seele den Herrn," als ob sie gesagt hätte: ,, Du lobest mich, Elisabeth; aber ich lobe den Herrn, der allein gelobt zu werden verdient. Du wunderst dich, daß ich zu dir komme, und ich bewundere die Güte Gottes, in Dem allein ich mich erfreue, ,, mein Geist frohlocket in Gott meinem Heilande." Du preisest mich, weil ich geglaubt habe, und ich, ich preise meinen Gott, der mein Nichts so hoch hat erheben wollen, ,, indem Er angesehen hat die Niedrigkeit seiner Magd." Die allerseligste Jungfrau sprach eines Tages zur heil. Brigitta: Warum habe ich mich so tief gedemüthigt? Warum verdiente ich so große Gnaden? Weil ich wußte und erkannte, daß ich von mir nichts sei und habe. Deßhalb verschmähte ich mein Lob, und wollte nur, daß man Den preise, Der mich erschaffen und Der mir Alles gegeben hatte. Der heil. Augustin rief über die Demuth Me ens folgende Worte aus: O wahrhaft selige Demuth, die 8 einen Gott gebar, die den Himmel öffnete, die die Seelen von der Hölle befreite. - - Der Demüthige will auch Andern Dienste erweisen und deßhalb wollte Maria die heilige Elisabeth drei Monate lang bedienen. Elisabeth wundert sich, sagt der heil. Bernard, daß Maria z ihr kam; aber sie wunderte sich noch mehr, als sie sah, daß Maria nicht gekommen war, um bedient zu werden, sondern um zu dienen. Von den Tugenden Die Demüthigen halten sich zurückgezogen und wählen dert letzten Platz. Der heil. Bernard macht die Bemerkung, daß, als Jesus, wie der Evangelist Matthäus erzählt, in einem Hause lehrte, Maria Ihn zu sprechen wünschte, aber doch nicht ohne seine Erlaubniß einzutreten wagte. Aus Demuth wollte sie auch, da sie mit den Aposteln im Speisesaal war, den letzten Platz wählen; denn, sagt der heil. Lukas Alle beharrten einmüthig im Gebete, sammt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu."( Apstg. 1.) Man muß nicht meinen, daß der heil. Lukas die hohe Würde der Mutter Jesu, um derenwillen er sie zuerst hätte nennen sollen, verkannt habe, nein, er nennt sie deßhalb zuletzt, weil Maria im Speisesaal wirklich ihren Platz nach den Aposteln und den andern Frauen gewählt hatte, und weil der heil. Evangelist auf die Pläge, die Jeder eingenommen, Rücksicht nahm. Mit Recht, fügt der heil. Bernard hinzu, ist die Legte die Erste geworden, indem sie, da sie jedoch die Erste war, sich zur Letzten machte. Endlich lieben die Demüthigen Verachtung; und daher liest man auch nicht, daß Maria am Palmsonntage, da das Volk ihren Sohn mit so großen Ehrenbezeigungen, mit Palmen in den Händen empfing, in Jerusalem gegenwärtig gewesen wäre. Hingegen unterließ sie nicht bei der Kreuzigung ihres göttlichen Sohnes auf dem Kalvarienberge zu erscheinen, und setzte sich gerne dem Schimpfe aus, für die Mutter eines Verurtheilten, der den schmählichen Tod eines Verbrechers sterben mußte, angesehen zu werden. Sie selbst sprach zur heiligen Brigitta: Gibt es etwas Verächtlicheres, als für eine Närrin angesehen zu werden, das Nothwendigste entbehren zu müßen, und sich ſelbst für unwürdiger, als Andere zu erkennen? So war meine Demuth beschaffen, darin fand ich meine Freude; denn ich wollte Niemanden als meinem göttlichen Sohne gefallen. Als die selige Paula von Foligni eines Tages in einer Entzückung war, ließ Gott sie die Demuth Mariens erkennen. Nachdem die Heilige hierauf ihrem Beichtvater mittheilte, was sie erfahren, sprach sie, ganz außer sich vor Erstaunen: O wie groß, wie groß ist die Demuth Mariens, ehrwürdiger Vater! es scheint, als ob es in der Welt Niemanden gebe, der auch nur den geringsten Grad von Demuth hätte, wenn man sie mit der Demuth Mariens vergleicht. Eines Tages ließ der Herr der heil. Brigitta in einem Gesichte zwei Frauen erblicken, wovon die eine voll Eitelkeit und Prunk erschien. Das ist die Hoffart, sagte er zu ihr; aber diese andere, die du mit niedergeschlagenen Argen, dienstfertig gegen Alle, Gott allein 32 der allerfeligsten Jungfrau. 33 im Herzen, voll Erkenntniß ihres Nichts erblickest, das ist die Demuth, die Maria heißt. Dadurch wollte Gott zu erkennen geben, daß seine heilige Mutter so demüthig sei, als die Demuth selbst. 11 4 Man kann nicht zweifeln, daß es für unsere, durch die Sünde verdorbene Natur, nach dem Ausspruche des heiligen Gregorius von Nissa, keine Tugend gibt, die schwerer zu üben wäre, als die Demuth. Aber da hilft nichts, wir werden nie wahre Söhne und Kinder Mariens seyn, wenn wir nicht demüthig werden. Kannst du die Keuschheit der allerfeligsten Jungfrau nicht nachahmen, sagt der heil. Bernard, so ahme die Demuth nach. Maria verabscheut die Hoffärtigen, und ruft nur die Demüthigen zu sich: Wenn Jemand klein ist, der komme z mir. Richardus sagt: Maria beschützt uns unter dem Mantel der Demuth, was die Mutter Gottes selbst der heil. Brigitta zu verstehen gab, da sie zu ihr sagte: Komme denn auch du, meine Tochter, und verberge dich unter meinem Mantel; siehe, dieser Mantel ist meine Demuth. Darauf fügte sie hinzu, daß die Betrachtung ihrer Demuth ei: guter Mantel sei, der warm halte; aber, bemerkte sie, gleichwie ein Mantel den nicht wärmen würde, der ihn nicht trüge, und das nicht bloß in Gedanken, sondern in der That, so kann auch meine Demuth Niemanden nützen, wenn man sich nicht bemüht, sie nachzuahmen, worauf sie schloß: So bekleide dich denn also, meine liebe Tochter, mit dieser Demuth. Wie lieb hat Maria demüthige Seelen! Die allerfeligste Jungfrau liebt die, welche sie lieben, sagt der heil. Bernard, sie ist nahe denen, die sie anrufen, besonders denen, die ihr durch Demuth und Keuschheit gleichen; darauf ermahnt der Heilige Alle, die Maria lieben, demüthig zu sehn und ruft aus: Wenn ihr Maria liebet, so suchet diese Tugend zu erlangen. Der Jesuit Marino pflegte, aus Liebe zu Maria, das Haus zu reinigen und den Unrath zusammen zu suchen. Eines Tages erschien ihm, wie es der Pater Nierenberg in seinem Leben erzählt, die göttliche Mutter, und sprach zu ihm, als ob sie ihm für einen ihr geleisteten Dienst gedankt hätte: Wie hoch schätze ich diese demüthige Handlung, die du aus Liebe zu mir verrichtet hast!- So ist es also unmöglich, o meine Königin, daß ich dein wahrer Sohn sei, wenn ich nicht demüthig bin; aber du siehst es selbst, daß meine Sünden, nachdem sie mich zur Undankbarkeit gegen Gott verleitet, mich auch noch hoffärtig gemacht haben. meine Mutter, stehe mir bei und durch die Ver3 Bon den Tugenden dienste deiner Demuth erlange mir die Gnade, demüthig und dadurch dein wahrer Sohn zu werden. Amen. 201 34 §. 2. Von der Liebe Mariens zu Gott. Der heil. Anselmus sagt: Je größer die Reinheit des Herzens ist, um desto größer ist auch die Liebe Gottes. Je reiner ein Herz, je leerer es von sich selbst ist, desto mehr wird es von Liebe zu Gott erfüllt seyn. Weil Maria so demüthig, so leer von sich selbst war, deßhalb war sie von Liebe Gottes erfüllt, so daß sie, nach dem heiligen Bernardin, Gott mehr liebte, als alle Menschen und Engel. Mit Recht nennt der heil. Franz von Sales Maria eine Königin der Liebe. Gott hat den Menschen das Gebot gegeben, Ihn von ganzem Herzen zu lieben:" Du sollst den Herrn deinen Gott lieben aus deinem ganzen Herzen." Aber, sagt der heil. Thomas, nicht hier auf Erden, sondern erst im Himmel wird dieß Gebot volltommen erfüllt werden. Albertus der Große macht indeß die Bemerkung, daß es unpassend zu seyn scheine, daß Gott ein Gebot gegeben, welches doch Niemand vollkommen erfüllen würde; daß aber dieß der Fall seyn würde, wenn nicht seine göttliche Mutter das Gebot der Liebe auf vollkommene Weise erfüllt hätte. Richard von St. Victor bestätigt dieß, da er sagt: Die Mutter unsers Emanuels war vollkommen, indem sie alle Tugenden im höchsten Grade besaß: Wer hätte je dieß erste Gebot: ,, Du sollst den Herrn deinen Gott lieben aus deinem ganzen Herzen," so vollkommen erfüllt, wie Maria! Die Liebe Gottes glühte so heftig in ihrem Herzen, daß es da keinen Platz gab für irgend einen Fehler. agilis Die göttliche Liebe, ruft der heil. Bernard aus, hatte das Herz Mariens so tief verwundet und durchdrungen, daß Nichts darin übrig blieb, was nicht von Liebe erfüllt gewesen wäre, weßhalb sie auch ohne alle Unvollkommenheit das erste Gebot Gottes erfüllte. Daher konnte auch Maria mit vollem Rechte ausrufen: ,, Mein Geliebter ist mein und ich bin sein." ( Hohel. II.) Und deßhalb konnten, nach dem Ausspruche Richardus, sogar die Seraphim vom Himmel herabsteigen, um von dem lieberfüllten Herzen Mariens zu lernen, wie man Gett lieben soll. ,, Gott, der die Liebe Selbst ist,"( 1. Joh. IV.) kam auf die Erde, um in Allen die Flamme seiner heiligen Liebe zu entzünden; aber Er entflammte kein Herz so sehr mit dieser seiner Liebe, als das Herz seiner Mutter Maria, da sie, die ganz frei von Anhänglichkeit an irdische Dinge lebte, am empfäng der allerseligsten Jungfrau. 35 lichsten war, um von diesem heiligen Feuer entzündet zu werben; daher rief auch der heil. Hieronymus aus: Tie Liebe Gottes entzündete sie ganz und gar, so daß sich nichts vorfand, was die Reinheit ihrer Empfindungen verletzt hätte; in ihr fand sich fortwährender Erguß der Liebe, eine Trunkenheit vor Uebermaß der Liebe. Daher war das Herz Mariens, wie es im Hohenliede heißt, ganz Feuer und Flamme: ,, Ihr Licht," ( die Gluth ihrer Liebe) ist ein ,, feuriges und flammendes Licht." Es ist, wie der heil. Anselmus bemerkt, feurig, weil es innerich durch die Liebe brennt, und flammend, weil es sich äußerlich, durch die Uebung der Tugenden zu erkennen gibt. So konnte Maria, als sie noch auf Erden war und Jesum auf den Armen trug, ausrufen:" Ich bin ein Feuer, das da Feuer trägt," und in einem andern Sinne, als jene Frau, die, nach dem Zeugniße des Hippokrates, wirklich Feuer in der Hand getragen hat. Der heil. Ildefons sagt, daß der heilige Geist Maria, wie das Feuer das Eisen, ganz durchglüht habe, so daß man in ihr nur die Flammen dieser heiligen Gluth erblickte, daß man nur das Feuer der Liebe Gottes an ihr verspürte. Auch behauptet der heil. Thomas von Villanova, daß der Dornenbusch, den Moses brennen sah, ohne daß er sich ver. zehrte, ein Vorbild Mariens gewesen sei, und der heil. Bernard sagt, daß der heil. Johannes in der Offenbarung Maria mit der Sonne bekleidet erblickt habe: ,, Und es erschien ein großes Zeichen am Himmel, ein Weib mit der Sonne bekleidet," weil Maria durch die Liebe so eng mit Gott verbunden war, daß es scheint, ein bloßes Geschöpf könne sich nicht inniger mit Gott vereinigen. Der heil. Bonaventura behauptet, daß Maria nie von der Hölle versucht wurde; denn, sagt er, gleichwie die Fliegen vor einem großen Feuer fliehen, so wurden die Teufel vor dem Herzen Mariens, das eine lautere Liebesflamme war, vertrieben, so daß sie es nie wagten, sich ihr zu nähern. Dasselbe sagt Richardus: Die allerfeligste Jungfrau war den Mächten der Finsterniß furchtbar, so daß sie es nie wagten, sich ihr zu nähern und sie zu versuchen; denn die Liebesflammen trieben sie zurück. Maria offenbarte der heiligen Brigitta, daß sie hier auf Erden keinen andern Gedanken, keinen andern Wunsch, keine andere Freude hatte, als Gott allein. Deßhalb lebte sie auf Erden in einer fortwährenden Betrachtung ihres Gottes, und die Liebesafte, die sie erweckte, waren, nach dem Pater Suarez, unzählbar. Doch mir gefällt der Ausspruch des frommen Bernardin von Bustis noch besser; denn derselbe behaup 3* 36 Von den Tugenden tet, daß Maria nicht die Liebesakte nach einander wiederholte, wie die andern Heiligen thun, sondern daß sie, durch eine beson dere Gnade Gottes, in jedem Augenblicke mit einem fortdauernden Liebesaft Gott liebte. Dieser königliche Adler heftete fortwährend ihre Augen auf jene göttliche Sonne der Gerechtigfeit, so daß, nach dem heil. Peter Damian, die äußerlichen Handlungen Maria nicht hinderten, Gott zu lieben, und daß die Liebesakte sie nicht hinderten, äußerliche Handlungen zu verrichten. Der Altar mit dem Räucherwerk, sagt der heil. Germanus, war in Allem ein Vorbild Mariens, da weder bei Tag noch bei Nacht die Flamme, die auf demselben brannte, verlöschte.. Selbst der Schlaf verhinderte Maria nicht, ihren Gott zu lieben. Wenn solch' ein Vorrecht, nach dem Ausspruche des heil. Augustin, unsern ersten Eltern gegeben war, so lange fie im Stande der Unschuld blieben, nnd von denen er lehrt: Der Schlaf der Schlafenden war so selig, als das Wachen der Wachenden, so darf man dieses gewiß nicht der göttlichen Mutter absprechen; weßhalb denn auch Suarez, der Abt Rupert, der heil. Bernardin und Ambrosius ihr dieses Vorrecht zueignen. Während, sagt der heil. Ambrosius von Maria, ihr Körper ruhte, wachte ihre Seele; wodurch erfüllt wurde, was der Weise verfündigt hatte: ,, Es verlöscht ihr Licht des Nachts nicht." ( Sprichw. XXXI. 18.) Indeß ihr heiliger Zeib, durch einen süßen Schlummer, die nothwendigen Kräfte sammelte, schwang sich, nach dem heil. Bernardin, ihr Geist zu Gott empor, so daß sie gerade alsdann vollkommener das beschauliche Leben übte, als zu irgend einer andern Zeit, während des Wachseyns. Maria fonnte mit der Braut im Hohenliede ausrufen: ,, Ich schlafe, aber mein Herz wachet," indem sie, wie Suarez hinzufügt, so selig während des Schlafes als während des Wachens war. Mit einem Worte, sagt der heil. Bernardin, so lange Maria auf Erden lebte, liebte sie ununterbrochen ihren Gott; ja sie that nie etwas Anders, als wovon sie wußte, daß es Gott wohlgefällig war, und sie liebte Ihn in der That so sehr, als sie glaubte, Ihn lieben zu müßen; nach Albert dem Großen kann man mit Recht sagen, daß Maria so sehr von Liebe Gottes erfüllt war, daß ein bloßes Geschöpf hier auf Erden sie hierin nicht hätte übertreffen können. Thomas von Villanova behauptet, daß Maria durch ihre glühende Liebe so schön und ihrem Gott so wohlgefällig ward, daß sie Ihn bewog, in ihrem Schooße Mensch zu werden, und der heil. Bernardin ruft 37 der allerseligsten Jungfrau. aus: Sehet eine Jungfrau, die durch ihre Tugenden das Herz ihres Gottes verletzt und erobert hat! Weil Maria denn also eine so große Liebe zu Gott trägt, so verlangt sie sicher nichts so sehr von ihren Verehrern, als daß auch sie Gott lieben, so sehr sie nur können. Das sagte sie auch eines Tages der seligen Angela von Foligni, nachdem dieselbe kommunizirt hatte: Angela, mein Sohn hat dich gesegnet; suche Ihn also zu lieben, so sehr du es vermagst. Auch sprach die allerseligste Jungfrau eines Tages zur heil. Brigitta: Wenn du dich mit mir vereinigen willst, meine Tochter, so liebe meinen Sohn. Maria wünscht nichts mehr, als ihren Geliebten, das heißt Gott geliebt zu sehen. Novarinus fragt, warum Maria im Hohenliede die Engel bat, sie möchten ihrem Herrn verkündigen, wie sehr sie Ihn liebe: ,, Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems, findet ihr meinen Geliebten, so meldet 3hm, daß ich vor Liebe krank bin." Wußte Gott etwa nicht, wie sehr sie Ihn liebte? Warum wollte sie, daß die Wunde ihres Herzens ihrem Geliebten gezeigt werde, da Er doch Selbst es war, der sie verwundet hatte? Derselbe erwiederte, daß die göttliche Mutter dadurch nicht Gott, sondern daß sie uns Menschen ihre Liebe wollte erkennen lassen, damit, gleichwie sie von Liebe verwundet war, sie auch uns mit der Liebe Gottes verwunden möchte; damit die Verwundete verwunde. Weil Maria, durch ihre Liebe zu Gott, ein hellbrennendes Feuer ist, deßhalb entzündet sie alle, die sie lieben und die sich ihr nahen; Maria bewirkt, daß sie ihr gleich werden, sagt der heil. Bonaventura. Katharina von Siena nannte Maria Eine, die das Feuer der göttlichen Liebe bei sich trägt. Wollen auch wir von dieser seligen Flamme entzündet werden, so müßen wir suchen, uns durch das Gebet und durch Anmuthungen zu Gott immer mehr unsrer geliebten Mutter Maria zu nähern. DKönigin der Liebe, Maria, du Liebenswürdigste, du am meisten Geliebte und mehr als alle andern Geschöpfe Liebende!( wie dich der heil. Franz von Sales nennt), o meine Mutter, du warst immer ganz von Liebe zu Gott entzündet, erweise mir die Gnade, mir wenigstens einen Funken dieser Liebe mitzutheilen. Du batest deinen Sohn für jene Brautleute, die keinen Wein mehr hätten: ,, Siehe, sie haben keinen Wein!" Solltest du Gott nicht auch für uns bitten, uns, benen die Liebe Gottes mangelt, die wir einen Gott nicht lieben, den zu lieben wir so sehr verpflichtet sind. Sage du Ihm also: ,, Siehe, sie haben keine Liebe," und erlange uns diese Liebe! Ich bitte dich um keine andere Gnabe, als um bie 38 Von den Tugenden Liebe zu Gott. O meine Mutter, um deiner großen Liebe zu Jesu willen, erhöre mich und bitte für mich! §. 3. Von der großen Liebe Mariens zum Nächsten. Die Liebe Gottes und die Liebe des Nächsten sind uns in demselben Gebote befohlen. Dieses Gebot haben wir von Gott, daß wer Gott liebet, auch seinen Bruder liebe."( 1. Joh. IV. 21.) Die Ursache hievon ist, sagt der heilige Thomas, daß, wer Gott liebt, auch Alles liebt, was Gott liebt. Als die heilige Katharina von Genua eines Tages zu Gott sprach: Herr! Du willst, daß ich den Nächsten liebe, und ich kann doch nichts anderes lieben, als Dich allein, da antwortete ihr Gott: Wer mich liebt, liebt Alles, was Ich liebe. Weil nun aber nie ein Geschöpf gelebt hat, noch leben wird, das Gott mehr geliebt hätte, als Maria, so hat es auch nie Jemanden gegeben, so wird es niemals Jemanden geben, der den Nächsten mehr geliebt hätte, als Maria. Der Pater Cornelius a Lapide sagt über jene Worte des Hohenliedes: ,, Eine Sänfte machte sich der König Salomon, inwendig den Grund mit Liebe, um der Töchter Jerusalems willen," daß die Sänfte der Schooß Mariens gewesen sei, in welchem das Fleisch gewordene Wort wohnte, und daß der Herr Seine heilige Mutter mit Liebe erfüllte, damit sie Jeden, der sie anrufe, zu Hilfe komme. So lange Maria auf Erden lebte, war sie so voll von Liebe, daß sie den Bedürftigen zu Hilfe kam, ohne daß man sie darum gebeten hätte, wie sie dieses bei der Hochzeit in Kana that, wo sie ihren Sohn bat, das Wunder der Verwandlung des Wassers in Wein zu wirken, indem sie Ihm das Leiden der armen Familie vorstellte: ,, Siehe, sie haben keinen Wein!"( Joh. II.) Wie sehr beeilte sie sich nicht immer, wenn es sich darum handelte, dem Nächsten zu helfen! Als sie, aus Nächstenliebe, Elisabeth besuchte: ging sie eilends auf das Gebirg."( Luk. I.) Aber eine größere Liebe konnte sie uns nicht bezeugen, als daß fie ihren Sohn für unser Heil zum Tode aufopferte. So sehr," sagt der heilige Bonaventura, ,, hat Maria die Welt geliebt, daß sie ihren eingebornen Sohn dargebracht hat." Der heilige Anselmus ruft ihr zu: O Gebenedeite unter den Weibern, die du die Engel an Reinheit und die Heiligen an Gütigkeit übertriffft.- " 1 -- - Allein jetzt, da Maria im Himmel ist, hat sich ihre Liebe zu uns nicht nur nicht vermindert, sagt der heilige Bonaventura, nein, sie ist weit größer geworden; denn jetzt erkennt sie noch der allerfeltgsten Jungfrau. besser das Elend der Menschen. So lange, sagt der nämliche Heilige, als Maria noch auf der Erde lebte, war ihre BarmHerzigkeit gegen die Elenden groß, aber weit größer ist dieselbe jetzt, da sie im Himmel regiert. Auch verkündigte ein Engel der heiligen Brigitta, daß es unter benen, welche beten, Niemanden gebe, der nicht durch die Vermittlung der liebevollen Jungfrau Maria Gnaden empfange. Wahrhaft elend wären wir, wenn Maria nicht für uns betete; denn Jesus selbst sprach zur heiligen Brigitta: Wenn die Bitten meiner Mutter nicht vermittelten, so wäre keine Hoffnung auf Erbarmen. Selig ist der, sagt uns die göttliche Mutter, der meine Lehren vernimmt und Acht gibt auf meine Nächstenliebe, um mir in seinem Betragen gegen Andere hierin nachzufolgen." Glückselig der Mensch, der mich höret und der an meiner Thüre wachet Tag für Tag und meiner wartet an den Pfosten meiner Thüre.. ( Sprichw. X. VIII.) Der heilige Gregor von Nazianz sagt, daß es Nichts gebe, wodurch wir uns eine größere Zuneigung Mariens erwerben können, als wenn wir die Nächstenliebe üben. Indem Gott uns ermahnt:" Seid barmherzig, gleichwie euer, Bater barmherzig ist, so scheint auch Maria all' ihren Kindern zuzurufen:" Seid barmherzig, gleichwie eure Mutter barmherzig ist. Es ist gewiß, daß nach dem Maaß, in dem wir die Liebe gegen den nächsten geübt, Gott und Maria uns mit mehr oder weniger Liebe behandeln werden:" Gebet, so wird euch auch gegeben werden; denn mit demselben Maaße, mit dem ihr messet, wird euch wieder gemessen werden. Der heilige Methobius sagte: Gib den Armen, und du empfängst den Himmel dafür. Deßhalb schrieb der Apostel, daß die Nächstenliebe uns in dieser und in jener Welt glücklich mache:" Die Liebe aber ist zu Allem nützlich, und hat die Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens."( 1. Tim. IV) Auch bemerkt der heilige Johannes Chrysostomus über jene Worte in den Sprichwörtern ( XIX. 17.):" Wer sich der Armen erbarmt, der leihet auf Wucher dem Herrn, daß, wer dem Nothleidenden hilft, Gott zum Schuldner bekomme. - 39 - O Mutter der Barmherzigkeit, du bist voll Liebe zu Allen, vergiß nicht mein Elend du erkennst es selbst am besten. Empfiehl mich Gott an; denn Er kann dir nichts abschlagen. Erlange mir die Gnade, daß ich dir ähnlich werde in deiner Liebe zu Gott und dem Nächsten. - Von den Tugenden S. 4. Von dem Glauben Mariens. Gleichwie die allerfeligste Jungfrau die Mutter der Liebe und der Heffnung ist, so ist sie auch die Mutter des Glaubens: " Ich bin die Mutter der schönen Liebe und der Furcht, der Erkenntniß und der heiligen Hoffnung"( Sprichw. IV. 24.); und das mit Recht, sagt der heilige Irenäus; denn Maria machte den Schaden, den der Unglaube Evas angerichtet hatte, durch ihren Glauben wieder gut. Eva, fügt Tertullian hinzu, da sie der Schlange glaubte, ungeachtet, daß Gott das Gegentheil gesagt hatte, brachte den Tod in die Welt; aber unsere Königin, Maria, da sie den Worten des Engels glaubte, daß sie nämlich, obgleich sie Jungfrau bleiben würde, dennoch die Mutter des Herrn werden sollte, brachte das Heil in die Welt. Da Maria, sagt der heilige Augustin, in die Menschwerdung des göttlichen Wortes einwilligte, öffnete sie den Menschen durch ihren Glauben den Himmel; hierin stimmt der heilige Augustin überein mit Richardus, der über die Worte des heiligen Paulus:" denn der ungläubige Mann wird geheiligt durch das gläubige Weib,.. Folgendes schreibt: Maria ist jenes gläubige Weib, durch deren Glauben der ungläubige Marn Adam und seine ganze Nachkommenschaft gerettet worden ist. Um ihres Glaubens willen rief Elisabeth der allerseligsten Jungfrau zu:" Selig bist du, daß du geglaubt hast; denn was dir von dem Herrn gesagt worden ist, wird in Erfüllung gehen... Wozu der heilige Augustin hinzusetzt: Maria war seliger zu preisen, da sie durch ihren Glauben Jesum Chriftum in ihrem Herzen aufnahm, als da sie ihren Heiland in ihrem Schooße empfing. Suarez sagt, daß die allerseligste Jungfrau mehr Glauben hatte, als alle Menschen und alle Engel. Sie erblickte ihren Sohn im Stalle zu Bethlehem, und glaubte dennoch, daß Er der Schöpfer Himmels und der Erde sei; sie sah Ihn fliehen vor Herodes, und zweifelte dennoch nicht, daß Er der König der Könige sei; sie sah, wie Er geboren ward und glaubte dennoch, daß Er von Ewigkeit sei; sie sah Ihn arm, der Speise und des Trankes bedürftig, und hielt Ihn dennoch für den Herrn der ganzen Welt; sie sah Ihn auf dem Stroh, und betete Ihn an als den allmächtigen Gott; sie hörte Ihn nicht reden, und verehrte Ihn dennoch als die unendliche Weisheit; sie sah Ihn weinen, und glaubte dennoch, daß Er die Freude des Himmels sei. Maria sah, wie ihr Jesus verachtet am Kreuze starb, und obgleich der Glaube der Uebrigen schwankte, bieb Maria dennoch fest überzeugt, daß Er ihr Gott sei. Der heilige Antonin sagt der allerfeligsten Jungfrau. über jene Worte: Unter dem Kreuze Jesu stand seine Mutter," daß sie aufrecht erhalten wurde durch den Glauben an Seine Gottheit, der nie in ihrem Herzen schwankte. Daher kommt es auch, nach demselben Heiligen, daß die Kirche, wenn in der Charwoche die Metten gesungen werden, eine Kerze angezündet bleiben läßt, um zu bezeichnen, daß Maria allein nie im Glauben wankte, worauf der heilige Leo auch jene Worte bezieht: " Es verlöscht ihr Licht des Nachts nicht.( Sprichw. XXXI. 18.) Ueber folgende Stelle in dem Propheten Isaias:" Die Kelter trát ich allein, und aus dem Volke ist kein Mann mit mir;" bemerkt der heilige Thomas, daß ausdrücklich, um Mariens willen, hinzugesetzt werde: es ist kein Mann bei mir, da Maria nie den Glauben verlor. Damals, bemerkt Albertus der Große, als selbst die Schüler zweifelten, zeigte Maria auf glänzende Weise, wie stark ihr Glaube war, so daß wir sie, mit dem heiligen Methodius ein Licht der Gläubigen und mit dem heiligen Cyrillus von Alexandrien eine Königin der wahren Gläubigen nennen können. Um ihres Glaubens willen schreibt die heilige Kirche der allerseligsten Jungfrau den Untergang aller Ketzereien zu und ruft aus: Freue dich, Jungfrau Maria, alle Ketzereien auf Erden hast du allein vernichtet! Der heilige Thomas von Villanova behauptet, daß in folgender Stelle im Hohenliede: " Du hast mein Herz verwundet, meine Schwester, meine Braut - mit einem deiner Augen, mit diesem Auge der Glaube Mariens gemeint sei, durch den sie Gott so sehr gefiel. Der heilige Ildefonsus ermahnt uns, das Glaubenssiegel Mariens in uns zu erneuern. Auf welche Weise aber sollen wir den Glauben Mariens nachahmen? Der Glaube ist zugleich eine Gabe und eine Tugend. Er ist eine Gabe Gottes, in so fern er ein Licht ist, das Gott der Seele mittheilt: er ist eine Tugend, in so fern die Seele denselben in's Werk setzt. Der Glaube enthält nicht nur Vorschriften in Bezug auf das, was wir glauben müssen, nein, er enthält nur Lebensregeln, und deßwegen konnte der heilige Gregor mit Recht sagen: Der glaubt wahrhaft, der das ausrichtet, was er glaubt, und der heilige Augustin: Du sagst: ich glaube; thue was du sagst; alsdann hast du den Glauben. Der hat einen lebendigen Glauben, der da lebt, wie der Glaube ihm zu leben befiehlt. Mein Gerechter aber lebt aus dem Glauben.( Hebr. X.) So lebte Maria und dadurch unterscheidet sie sich von denen, die nicht thun, was sie glauben, und deren Glauben, nach dem heiligen Jakobus, todt ist: Der Glaube ohne die Werke ist todt. Diogenes suchte 11 auf Erden einen Menschen; so scheint es, daß auch Gott, unter 41 Von den Tugenden so vielen Gläubigen, einen Christen suche. Denn es gibt nur Wenige, in denen die Werke eines Christen zu finden wären, so daß die Meisten nur den Namen eines Christen tragen. Solchen sollte man zurufen, was Alexander der Große einst zu einem furchtsamen Soldaten, der auch Alexander hieß, sagte: " Du mußt entweder beinen Namen oder deine Sitten ändern." Pater Avila meinte, man sollte solche Elende wie Narren in's Gefängniß einsperren, weil sie, die doch glauben, daß eine selige Ewigkeit dem bereitet sei, der ein gettseliges Leben führt, und eine unglückliche Ewigkeit dem, der in der Sünde dahinlebt, dennoch leben, als ob sie dieß nicht glaubten. Darum ermahnt uns der heilige Augustin, Alles mit den Augen eines Christen zu betrachten, das heißt, Alles mit den Augen des Glaubens anzusehen. Und die heilige Theresia behauptet, daß alle Sünden vom Mangel an Glauben herrühren. Bitten wir denn also die allerfeligste Jungfrau Maria, daß sie uns, um der Verdienste ihres Glaubens willen, einen lebendigen Glauben erlange.- Vermehre unsern Glauben, geliebte Königin! CARDIN S. 5. Von der Hoffnung Mariens. Aus dem Glauben entspringt die Hoffnung; denn Gott erleuchtet nns deßhalb durch den Glauben, damit wir Seine Güte und Seine Versprechungen erkennen und darauf, mittelst der Hoffnung, die Begierde in uns entzünden, Ihn zu besitzen. Da nun Maria den Glauben in einem ausgezeichnet hohen Grade besaß, so hatte sie auch eine sehr große Hoffnung, so daß sie mit David ausrufen konnte:" Mir aber ist es gut, Gott anhangen und auf Gott den Herrn meine Hoffnung setzen." Maria war jene treue Braut des heiligen Geistes, von der geschrieben steht: Wer ist die, so heraufsteigt aus der Wüste, von Lust überfließend, und auf ihren Geliebten gelehnt. Maria betrachtete die Welt wie eine Wüste, da sie frei war von aller Anhänglichkeit an dieselbe, weder auf die Geschöpfe, noch auf ihre eigenen Verdienste bas geringste Vertrauen setzte, und auf solche Weise immer mehr in der Liebe Gottes wuchs. Die allerseligste Jungfrau gab einen Beweis ihres großen Vertrauens auf Gott, als sie bemerkte, daß der heilige Joseph, der nicht wußte, auf welche wunderbare Weise sie Jesum emfangen hatte, unruhig wurde und mit dem Gedanken umging, sie zu entlassen: Joseph aber gedachte, sie heimlich zu entlassen... Es schien damals nothwendig, daß sie dem heiligen Joseph das Geheimniß entdeckte; aber nein, sie selbst wollte nicht die empfangene Gnade offenbaren und meinte es sei besser, sich der der allerfeligsten Jungfrau. 43 göttlichen Vorsehung zu überlassen, sie war voll Vertrauen, Gott werde schon ihre Unschuld und ihren guten Ruf zu bewahren wissen. Aber auch in jener Nacht gab Maria einen Beweis ihres Vertrauens auf Gott, als sie, da sie ihrer Niederkunft nahe war, aus den ärmlichsten Herbergen verstoßen, sogar in einem Stalle ihr Kind zur Welt bringen mußte. Sie legte Ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.. ( Luk. 2, 7.) Man hörte keine Klage von ihr, sie übergab sich ganz Gott, voll Vertrauen, daß er auch an diesem Orte ihr beistehen werde. Als dann später der heilige Joseph Maria benachrichtigte, daß sie nach Egypten fliehen sollte, da gab die göttliche Mutter wieder einen Beweis, wie groß ihr Vertrauen. auf die göttliche Vorsehung sei, denn in derselben Nacht noch war sie bereit, eine so große Reise in ein frembes und unbes kanntes Land zu unternehmen, ohne Lebensvorrath, ohne Geld, ohne andere Begleitung, als die ihres Jesukindleins und ihres armen Bräutigams, der aufstand und das Kind und seine Mutter bei Nacht nahm, und fortzog nach Egypten."( Matth. 2, 14.) Aber ein noch weit größeres Vertrauen zeigte Maria, als sie ihren Sohn um Wein für die Hochzeitsleute bat, denn, nachdem sie gesagt hatte: Sie haben keinen Wein," antwortete Jesus: Weib, was habe ich mit dir zu schaffen, meine Stunde ist noch nicht gekommen. Trotz dieser Antwort, aus der deutlich hervorzugehen schien, daß ihre Bitte abgeschlagen sei, vertraute sie dennoch auf die Güte ihres Gottes und sagte den Hausleuten, sie sollten nur thun, was ihnen ihr Sohn sagen werde, weil sie fest hoffte, Er werde ihr die erbetene Gnade gewähren:" Was Er euch sagt, das thuet... Bald darauf ließ denn auch Jesus die Wasserkrüge füllen und verwandelte das Wasser in Wein.. TT S - Lernen wir von Maria ein wahres Vertrauen erlangen, hauptsächlich in Allem, was Bezug hat auf die große Angelegenheit unserer ewigen Seligkeit; denn obwohl wir hiezu mitwirken müssen, so können wir doch nur von Gott die Gnade hoffen, dahin zu gelangen, wenn wir gänzlich auf unsere eigenen Kräfte mißtrauen und mit dem Apostel ausrufen:" Ich vermag Alles in Dem, der mich stärkt.( Phil. 4.) 11 O meine heiligste Königin, du wirst in der heil. Schrift die Mutter der Hoffnung genannt: Mutter der heiligen Hoffnung! Die heilige Kirche lehrt mich, daß du die Hoffnung selbst bist. Unsere Hoffnung sei gegrüßt! Sollte ich noch eine andere Hoffnung suchen; als dich? Nein, du bist nach Jefus all' meine Hoffnung, so nennt dich der heilige Bernard, so will auch 44 Von den Tugendend ich dich nennen: alleiniger Gegenstand meiner Hoffnung. Ja, mit dem heiligen Bonaventura will ich dir immer zurufen: " Heil derer, die dich anrufen: rette mich! §. 6. Von der Keuschheit Mariens. Da nach dem Falle Adams unsere Sinne sich wider die Vernunft empört haben, so ist die Keuschheit eine Tugend, deren Uebung den Menschen am meisten Mühe kostet. Unter allen Kämpfen, sagt der heilige Augustin, ist der Kampf, um die Keuschheit zu bewahren, der schwerste; denn täglich muß man deßhalb streiten, und selten ist der Sieg. Wir können Gott nicht genug danken, daß Er uns in Maria ein so großes Beispiel der Keuschheit geschenkt hat. Mit Recht, sagt Albertus der Große, wird Maria eine Jungfrau der Jungfrauen genannt; denn da sie die erste war, welche, ohne daß man ihr den Rath oder das Beispiel dazu ertheilt hätte, Gott ihre Jungfrauschaft aufopferte, so ist auch sie es, die Gott alle Jungfrauen zugeführt hat, welche ihr Beispiel befolgt haben, wie dieß auch David verkündigt:" Hinter ihr her werden Jungfrauen hineingeführt in den Tempel des Königs.( Ps. 44.) Weßhalb der heilige Bernard ausruft: O Jungfrau! wer lehrte dich, daß du Gott durch deine Jungfrauschaft gefallen würdest? Wer lehrte dich, auf Erden das Leben der Engel führen? Gott, sagt der heilige Sophronius, wählte diese reinste Jungfrau zu Seiner Mutter, damit sie Allein ein Beispiel der Keuschheit sei; der heilige Ambrosius nennt daher Maria eine Fahnenträgerin der Jungfrauschaft. - Um ihrer Keuschheit willen ward die allerfeligste Jungfrau vom heiligen Geiste schön wie eine Turteltaube genannt:" Schön sind deine Wangen wie die der Turteltaube."( Hohel. 1.) Deßhalb auch ward sie eine Lilie genannt:" Wie eine Lilie unter den Dornen, so ist meine Freundin unter den Töchtern."( Hohelied 2.) Dionysius der Karthäuser bemerkt, daß Maria eine Lilie genannt werde, weil alle andern Jungfrauen entweder sich selbst oder Andern Dornen sind, was bei der seligsten Jungfrau nicht der Fall war, denn durch ihren bloßen Anblick flößte sie Allen reine Gedanken und Empfindungen ein. Der heilige Thomas bestätigt dieß: indem er sagt, daß die Schönheit der seligsten Jungfrau Alle, die sie anblickten, zur Keuschheit reizte. Der heilige Hieronymus sagt, daß es wahrscheinlich sei, daß der heilige Joseph es dem Umgange mit Maria zu verdanken habe, daß er feine jungfräuliche Reinheit bewahrte; und als der Ketzer Helvidius die Jungfrauschaft Mariens läugnete, schrieb ihm der der allerjeligsten Jungfrau. heilige Hieronymus: Du sagst, Maria sei nicht Jungfrau geblieben, und ich behaupte noch mehr und sage, daß Joseph durch sie seine jungfräuliche Reinheit bewahrt habe. Ein berühmter Schriftsteller sagt, daß Maria diese Tugend so sehr liebte, daß sie selbst, wenn dieß nothwendig gewesen wäre, um dieselbe zu erhalten, der Würde einer Mutter Gottes entsagt hätte. Das fann man aus dem schließen, was sie dem Erzengel antwortete: " Wie wird dieß geschehen, da ich keinen Mann erkenne?"( Luk. 1.) und aus den Worten, mit denen sie schloß:" Mir geschehe nach deinem Worte!, wodurch sie zu erkennen gab, daß sie nur einwilligte in das, was der Engel ihr gesagt, daß sie nämlich mittelst des heiligen Geistes, und nicht auf andere Weise Mutter werden wollte. 45 Der heilige Ambrosius ruft aus: Wer die Keuschheit bewahrt, ist ein Engel: wer sie aber verliert, ist ein Teufel. Christus hat es gesagt, daß die, welche keusch sind, Engel werden!" Sie werden sehn wie die Engel Gottes im Himmel." ( Matth. 23.) Aber die Unteuschen haßt Gott wie die Teufel. Der heilige Remigius sagt, daß die meisten Menschen durch dieß Laster verloren gehen. Wie oben gesagt, behauptet der heilige Augustin, daß der Sieg über dieß Laster selten sei. Aber warum ist er selten? Weil man die Mittel nicht anwendet, die nothwendig sind, um zu siegen. Die Lehrer im geistlichen Leben geben uns brei Mittel an: das Fasten, die Flucht der Gefahr, und das Gebet. Unter dem Fasten versteht man die Abtörtung, vorzüglich jene der Augen und der Eßlust. Obgleich Maria erfüllt war von der Gnade Gottes, so war sie doch so abgetödtet mit den Augen, daß sie dieselben immer niederschlug und Niemanden scharf ansah, wie dieß der heilige Epiphanius und der heilige Johannes Damascenus behaupten, welche hinzufügen, daß Maria seit ihrer frühesten Jugend so sittsam war, daß sie Alle in Erstaunen setzte. Deßhalb sagt auch der heilige Lukas, daß, als sie ihre Base Elisabeth besuchte, sie eilends ging, damit man sie nicht so lange außer dem Hause erblickte. In Bezug auf die Abtödtung der Eßlust erzählt Philibertus, daß einem Einsiedler, der Felix hieß, geoffenbart wurde, daß Maria, als sie noch ein kleines Kind war, nur einmal am Tage Milch zu sich nahm. Der heilige Gregorius von Tours erzählt, daß sie ihr ganzes Leben hindurch fastete, und der heilige Bonaventura behauptet, daß Maria nie so große Gnaden empfangen hätte, wenn sie in der Nahrung nicht so mäßig gewesen wäre; denn sagt er, die Gnade und die Befriedigung der Eßluft vertragen sich nicht miteinander. Mit einem Worte, Maria übte eine so 46 Von den Tugenden " große Abtödtung, daß von ihr gesagt ward:" Meine Hände triefen von Myrrhen."( Hohel. 5.) Das zweite Mittel, um die Keuschheit zu bewahren, ist die Flucht der Gelegenheit. Wer die Fallstricke meidet, lebt sicher..( Sprichw. 11.) Der heilige Philipp Neri pflegte zu sagen, daß im Kampfe mit der Sinnlichkeit nur die Furchtsamen siegen, das heißt die, welche schnell die Flucht ergreifen. Maria floh den Anblick der Menschen so schnell als möglich; weßhalb wie wir gesehen haben, der heilige Lukas bemerkt, daß sie beim Besuche Elisabeths eilends in's Gebirge ging. Es ist auch zu bemerken, daß Maria ihre Base vor ihrer Niederkunft verließ, wie das aus den Worten des Evangeliums hervorgeht: Und Maria blieb bei ihr ungefähr drei Monate, und kehrte dann zurück in ihr Haus; es kam aber die Zeit, daß Elisabeth gebären sollte, und sie gebar einen Sohn."( Luk. 1.) Warum aber wartete Maria nicht die Geburt des heiligen Johannes ab? Um die Unterhaltungen und Besuche zu vermeiden, die nach der Niederkunft Elisabeths nicht ausbleiben konnten. Das dritte Mittel, um keusch zu bleiben, ist das Gebet. Nachdem ich aber wußte, daß ich nicht anders enthaltsam seyn könnte, es würde mir denn von Gott gegeben, fo trat ich vor den Herrn und bat Jhn. Die allerfeligste Jungfrau offenbarte der heiligen Elisabeth, Benediktinerin, daß sie keine Tugend ohne große Anstrengung und fortwährendes Gebet erlangt habe. Der heilige Johannes Damascenus sagt, daß Maria rein sei und die Reinigkeit liebe; deßhalb kann sie auch die Unteuschen nicht leiden. Wer indeß zu ihr seine Zuflucht nimmt, der wird gewiß von diesem Laster befreit werden; wenn er auch nur vertrauensvoll ihren Namen ausspricht. Pater Avila erzählt, daß Viele, die gegen die Keuschheit versucht wurden, durch ihre Andacht zur unbefleckten Empfängniß Mariens den Sieg davon getragen haben. O allerkeuschefte Jungfrau Maria, wie viele Seelen sind um dieser Sünde willen in ber Hölle! Bewirke, o meine Königin, daß ich in der Versuchung immer zu dir meine Zuflucht nehme und dich anrufe und bitte; Maria, Maria, stehe mir bei! Amen. " 1 S. 7. Von der Armuth Mariens. Unser liebenswürdigster Erlöser wollte arm auf Erden erscheinen, um uns dadurch die Verachtung ter Güter dieser Welt zu lehren. Um euretwillen, sagt der heilige Petrus, ist Er arm geworden, da Er reich war, damit ihr durch Seine Armuth reich würdet."( 2. Kor. 8.) Deßhalb ermahnt auch Jesus Jeden, der Ihm nachfolgen will: Willst du vollkommen sein, der allerseligsten Jungfrau. 47 so gehe hin, verkaufe Alles, was du hast, und gib es den Armen uud komme und folge Mir nach."( Matth. 19.) Sehen wir nun, auf welche Weise Maria, die vollkommenste Schülerin Jesu Christi, Sein Beispiel befolgt hat. Der Vater Canisius beweist, daß die allerseligste Jungfrau mit ihrem elterlichen Erbtheil sehr gut hätte auskommen können; da sie es aber vorzog, arm zu bleiben, vertheilte sie den größten Theil ihres Vermögens an den Tempel und die Armen, und behielt nur wenig davon für ihren Unterhalt zurück. Viele behaupten sogar, daß sie das Gelübde der Armuth gemacht habe; Maria selbst offenbarte eines Tages der heiligen Brigitta: Gleich anfangs versprach ich Gott, nie auf Erden etwas besigen zu wollen. Die Geschenke, die Maria von den heiligen drei Königen empfing, waren gewiß von hohem Werthe; aber nach dem heiligen Bernard vertheilte sie dieselben sogleich unter die Armen, was man auch daraus schließen kann, weil sie bald darauf, da sie sich in den Tempel begab, nicht ein Lamm, welches das Opfer für die Wohlhabenden war( für den Sohn sollst du ein Lamm darbringen Levit. 6.), sondern ein Paar Turteltauben, das Opfer für die Armen, darbrachte: um ein Opfer darzubringen, wie es im Gesetze des Herrn geboten ist, ein Paar Turteltauben oder ein Paar junge Tauben."( Qut. 2.); auch sprach Maria selbst zur heiligen Brigitta: Alles, was ich besaß, gab ich den Armen, nur ein wenig Nahrung und Kleidung behielt ich für mich. - Aus Liebe zur Armuth schämte Maria sich nicht, einen armen Zimmermann, den heiligen Joseph, zu heirathen, und, nach dem heiligen Bonaventura, ihren Unterhalt durch Nähen und Stricken zu erwerben. Ein Engel offenbarte eines Tages der heiligen Brigitta, daß die Reichthümer dieser Welt Maria so verächtlich schienen wie Straßenkoth. Gleichwie Maria arm gelebt, so starb sie auch in Armuth; denn man weiß nicht, daß sie nach ihrem Tode etwas Anderes hinterlassen hätte, als zwei ärmliche Kleider, die sie, nach dem Berichte Metaphrasts und Nicephors, zwei Frauen schenkte, welche ihr, so lange sie lebte, beigestanden hatten. Wer die Reichthümer liebt, der wird nie heilig werden, sagt der heilige Philipp Neri, und die heilige Theresia fügte hinzu, es sei eine gerechte Strafe, daß der, welcher verlorne Dinge sucht, felbst verloren gehe; die Tugend der Armuth hingegen sagt der Heilige, ist ein Gut, das alle andern Güter in sich schließt; es wird gesagt, die Tugend der Armuth, die nach dem heiligen Bernard nicht nur darin besteht, daß man Von den Tugenden wirklich nichts besige, sondern welche die Liebe zur Armuth ist. Deßhalb sagte auch Jesus Christus: ,, Selig sind die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich."( Matth. 5.) Selig sind sie, weil die, welche nichts anderes als Gott wünschen, in Gott auch alle Güter finden, ja sie finden in der Armuth ihren Himmel auf Erden, gleichwie ein heiliger Franz von Assis, der ausrief: ,, Mein Gott und mein Alles!" Der heilige Augustin ermahnt uns, dieß einzige Gut zu lieben, in dem alle Güter enthalten sind. Bitten wir Gott mit dem heiligen Ignaz von Lojela: Gib mir nur Deine Liebe, o mein Gott, und Deine Gnade, und ich bin reich genug. Und wenn uns unsre Armuth traurig macht, so trösten wir uns mit dem Gedanken, daß auch Jesus und Seine heilige Mutter arm gewesen sind. O Maria, heilige Mutter Maria, du hattest Recht, da du sagtest, daß all' deine Freude in Gott sei: Mein Geist frohlocket in Gott, meinem Heil;" denn hier auf Erden wünschtest und liebtest du kein anderes Gut als Gott. Ziehe mich zu dir, o meine Königin, mache, daß ich der Welt absterbe; ziehe mich zu dir, damit ich nur Den liebe, der allein geliebt zu werden verdient. §. 8. Von dem Gehorsam Mariens. Es geschah aus Liebe zum Gehorsam, daß Maria sich bei der Verkündigung des Engels den Namen einer Magd beilegte: ,, Siehe da die Magd des Herrn." Sie nannte sich auf diese Weise, sagt der heilige Thomas von Villanova, weil diese treue Magd niemals dem Herrn, weder durch ihre Handlungen, noch durch ihre Gedanken widersprach, sondern weil sie ohne allen Eigenwillen immer und in allen Dingen dem göttlichen Willen unterworfen blieb. Maria selbst erklärt uns, daß dieser Gehorsam Gott wohlgefallen habe. ,, Er hat angesehen die Niedrigkeit seiner Magd;" denn gerade darin besteht die Demuth oder Niedrigkeit einer Magd, daß sie immer bereit ist, ihrem Herrn zu gehorchen. Der heilige Augustin lehrt uns, daß die göttliche Mutter durch ihren Gehorsam das Unheil wieder gut gemacht, welches Eva durch ihren Ungehorsam angerichtet hatte; denn, sagt er, gleichwie Eva durch ihren Ungehorsam für sich und das ganze menschliche Geschlecht eine Ursache des Todes geworden ist, so ward Maria durch ihren Gehorsam für sich und alle Menschen eine Ursache des Heils. Der Gehorsam Mariens war weit vollkommener, als der Gehorsam aller andern Heiligen; denn da alle andern Menschen durch die Erbsünde die Neigung zum Bösen in sich tragen, so Onsge 49 der allerfeligsten Jungfrau. spüren auch Alle Mühe, das Gute zu thun; das war indeß bei Maria nicht der Fall, denn da sie frei von der Erbsünde war, so spürte sie nicht den geringsten Widerstand in sich, Gott zu gehorchen, sondern war, nach dem heiligen Bernardin, wie ein Rad, das sich schnell bei der geringsten Bewegung des heiligen Geistes drehte, so daß es, nach demselben Heiligen, auf Erden unausgesetzt Mariens Beschäftigung war, fortwährend zu schauen, was Gott wohl von ihr wolle, um dieß alsdann alsogleich in's Werk zu setzen. Auf Maria muß man die Worte: Meine Seele zerschmolz, da mein Geliebter redete"( Hohel. V. 6.), beziehen, denn bemerkte Richardus, ihre Liebe war wie ein flüßiges Metall, das sogleich alle Formen annahm, die Gott ihr geben wollte. Maria zeigte auch durch die That, wie bereitwillig sie war, ihren Willen in Alles zu fügen, da sie, aus Liebe zu Gott, sogar dem römischen Kaiser gehorchen wollte, und die an fünfzehn Meilen weite Reise nach Bethlehem unternahm mitten im Winter, trotz ihrer Schwangerschaft und ungeachtet einer so großen Armuth, daß sie in einem Stalle den Heiland zur Welt bringen mußte. Eben so schnell gehorchte Maria auch dem heiligen Joseph, als sie sich mitten in der Nacht auf die weit längere und mühsamere Reise nach Egypten begab. Silveria stellt die Frage auf, warum dem heiligen Joseph, und nicht vielmehr Maria dieser Befehl angekündigt worden sei, da sie am meisten auf der Reise auszustehen hatte? und er antwortet, daß dieß deßhalb geschehen sei, weil Maria dadurch Gelegenheit gehabt habe, den Gehorsam, der ihr so lieb war, auszuüben. Aber vor allem gab Maria einen Beweis von ihrem heldenmüthigen Gehorsame, als sie, um sich nicht dem Willen Gottes zu widersetzen, ihren eigenen Sohn so muthvoll aufopferte, daß sie, nach dem heiligen Ildefons, bereit gewesen wäre, wenn die Henkersknechte gefehlt hätten, ihren Heiland mit ihren eigenen Händen an's Kreuz zu schlagen. Der ehrwürdige Beda lehrt uns über jene Worte im Evangelium, die Christus der Frau, die ausgerufen hatte:„ Selig ist der Leib, der dich getragen hat, antwortete: ja freilich selig sind die, welche das Wort Gottes hören und es thun," daß Maria seliger war durch ihren Gehorsam in den Willen Gottes, als durch ihre göttliche Mutterschaft selbst. Dieß ist auch die Ursache, weßhalb die allerfeligste Jungfrau jene so gerne hat, die den Gehorsam lieben. Maria erschien einmal dem Franziskanerbruder Accorso n seiner Zelle; da ward derselbe gerufen, um einen Kranken Beicht zu hören, Von den Tugenden worauf er sich sogleich entfernte. Als der Bruder später zurückkam, traf er Maria noch an, die auf ihn wartete und ihn wegen seines Gehorsams sehr lobte. Einem andern Ordensbruder hingegen, der, als man schon zum Essen läutete, gewisse Andachtsübungen nicht unterbrechen wollte, machte Maria heftige Vorwürfe. Auch sprach sie eines Tages zur heiligen Brigitta, da sie sich mit ihr von der Sicherheit derer unterhielt, die ihren geistlichen Führern gehorchen: Der Gehorsam hat diese Alle in die Herrlichkeit eingeführt. Der heilige Philipp Neri pflegte zu sagen, daß Gott von dem, was man aus Gehorsam thut, teine Rechenschaft abfordere, indem der Herr selbst gesagt hat: Wer euch hört, der hört Mich, und wer euch verachtet, der verachtet Mich." Auch offenbarte die allerfeligste Jungfrau der heiligen Brigitta, daß sie gerade um ihres Gehorsams willen die Gnade erlangt habe, daß Gott allen Sündern, die reumüthig zu ihr ihre Zuflucht nehmen, verzeihe. 50 O meine geliebte Königin und Mutter meines Gottes, bitte Jefus für uns und erlange uns, um deines Gehorsams willen, die Gnade, daß wir getreu den Willen Gottes und die Vorschriften unsrer geistlichen Führer befolgen. §. 9. Von der Geduld Mariens. 11 Weil diese Erde ein Ort ist, auf dem man Verdienste sammeln muß, so nennt man sie mit Recht ein Thränenthal, weil alle Menschen leiden müssen, um durch die Geduld in den Himmel zu kommen, wie uns dieß unser Heiland Selbst gelehrt hat: In eurer Geduld werdet ihr eure Seelen besitzen, ( Luk. XXI.) Gott stellt uns die allerfeligste Jungfrau Maria als ein Beispiel aller Tugenden vor, aber vorzüglich als ein Beispiel der Geduld. Der heilige Franz von Sales behauptet, daß Jesus Christus bei der Hochzeit von Cana Maria gerade deßhalb jene Antwort: Was habe ich mit dir zu schaffen?" durch welche Worte Er ihre Bitte gering zu schätzen schien, ertheilt habe, damit er uns in Maria ein Beispiel der Geduld vor Augen stellt. Es wäre überflüssig, hiefür Beiſpiele zu suchen, da das ganze Leben Mariens eine fortwährende Uebung dieser Tugend war; denn die allerfeligste Jungfrau hatte, wie es auch ein Engel der heiligen Brigitta offenbarte, immerfort zu leiden. Das Mitleid, das sie mit den Leiden ihres Heilandes trug, reichte allein schon hin, eine Märtyrin der Geduld aus ihr zu machen; weßhalb der heilige Bonaventura von ihr sagen konnte: die Gekreuzigte hat den Gekreuzigten empfanger der allerseligsten Jungfrau. 51 Wir haben schon früher betrachtet, wie viel Maria auf der Reise und während des Aufenthalts in Egypten, sowie auch die Zeit über, die sie in Nazareth mit Jesu zugebracht, gelitten hat, jedoch reicht es hin, um zu erkennen, wie groß und heldenmüthig ihre Geduld war, daß man bedenke, wie Maria den sterbenden Jesus auf dem Calvarienberge nicht verließ.„ Am Kreuze Jesu stand seine Mutter." Damals, sagt der selige Albertus der Große, wurde Maria um ihrer Geduld willen unsre Mutter, indem sie uns zum Leben der Gnade wiedergebar. Wenn wir also wünschen, wahrhaft Kinder Mariens zu werden, so müssen wir uns bemühen, ihre Geduld nachzuahmen. Was könnte uns wohl, sagt der heilige Cyprian, hier auf Erden mit mehr Verdiensten und im Himmel mit größerer Herrlichkeit bereichern, als wenn wir geduldig unsere Leiden ertragen? Gott ruft uns zu durch den Propheten: ich will Deine Wege einzäunen mit Dornen"( Hosea II. 6.), denn, sagt der heilige Gregorius, die Wege der Auserwählten sind mit Dornen eingezäunt. Gleichwie der Dornenzaun den Weinberg bewahrt, so umgibt Gott seine Diener mit Leiden, damit sie ihre Neigungen nicht an die Erde heften. Der heilige Cyprian fügt noch hinzu, es sei die Geduld, die uns von der Hölle befreit. Die Geduld heiligt uns; denn sie hat ein vollkommenes Werk" ( Jakob 1. 4.); sie gibt uns Kraft mit ungestörtem Frieden, sowohl das Kreuz, das uns unmittelbar von Gott zugeschickt wird, nämlich Krankheit, Armuth 2c., als auch die Leiden, die uns von den Menschen widerfahren, Verfolgungen, Beleidigungen 2c. zu ertragen. Der heilige Johannes sah alle Heiligen mit Palmen, dem Zeichen der Marter, in den Händen: ,, nach diesem sah ich eine große Schaar die hatten Palmen in den Händen" ( Offenb. VII. 9.); wodurch uns angedeutet wird, daß alle Erwachsene, die selig werden, entweder Märtyrer durch ihr vergossenes Blut oder durch ihre Geduld seyn müssen. So konnte also der heilige Gregorius freudig ausrufen: Wenn wir immer geduldig bleiben, so können wir, ohne das Schwert, Märtyrer werden; wenn wir nämlich, nach dem Ausspruche des heiligen Bernard, die Leiden dieses Lebens geduldig und freudig er tragen. Welch' großer Lohn wartet auf uns im Himmel für alle Leiden, die wir aus Liebe zu Gott übertragen haben. Dieser Gedanke gab auch dem heiligen Paulus Muth zum Leiden: " denn unsre gegenwärtige Trübsal, die augenblicklich und leicht ist- bewirket eine- Alles überwiegende Herrlichkeit in uns." ( 2. Kor. IV.) Auch die heilige Theresia hat uns hierüber schöne Ermahnungen hinterlassen, sie sagt: Wer das Kreuz um4* 52 Von den Tugenden faßt, der fühlt es nicht, und wenn Jemand sich entschließt zu leiden, so empfindet er alsbald keine Pein mehr. Wenn uns unser Kreuz schwer wird, müssen wir unsre Zuflucht zu Maria nehmen, die von der heiligen Kirche eine Trösterin der Betrübten genannt wird, und von welcher der heilige Johannes Damascenus sagt, sie sei ein Heilsmittel aller Herzensleiden. O meine süßeste Königin, du hast, obgleich du unschuldig warst, mit so großer Geduld gelitten; und ich, der ich die Hölle verdient habe, ich sollte nicht leiden wollen? Ich bitte dich heute, meine liebe Mutter, um die Gnade, nicht etwa von dem Kreuze befreit zu werden, nein ich bitte dich um die Gnade, daß ich es mit Geduld trage. Aus Liebe zu Jesu wollest du mir diese Gnade verleihen, die ich voll Vertrauen durch dein Vermittlung zu erlangen hoffe. §. 10. Wie sehr Maria das Gebet liebte. Keine Seele auf Erden hat mit größerer Vollkommenheit, als Maria, die Lehre unseres Heilandes befolgt:" man muß allezeit beten und nicht nachlassen. An Niemand Andern, sagt der heilige Bonaventura, können wir ein besseres Beispiel nehmen, von Niemanden können wir besser lernen, wie nothwendig die Beharrlichkeit im Gebete fei, als von Maria. Albertus der Große behauptet, daß nach Jesu Christo, Seine Mutter, vollkommener als Alle, die je gelebt haben und je leben werden, die Tugend des Gebetes geübt habe, und das deßhalb, weil sie unausgesetzt und beharrlich betete; denn vom ersten Augenblicke ihres Lebens an übte sie das Gebet, da sie bei ihrer Geburt schon den vollkommenen Gebrauch ihrer Vernunft erlangt hatte. Darum wollte Maria, schon als kleines Kind von drei Jahren, sich in den Tempel begeben, um da besser das Gebet zu üben. Dort betete sie, wie sie selbst es der heiligen Elisabeth offenbarte, zu drei verschiedenen Zeiten des Tages, und sogar mitten in der Nacht, da sie alsdann aufstand, um Gott vor dem Altare des Tempels anzubeten. Um die Leiden ihres Jesu mit mehr Andacht betrachten zu können, besuchte Maria auch häufig die Orte, wo Christus geboren, wo Er gelitten hatte, wo Er begraben war. Ueberdieß blieb sie immer im Gebete versammelt, frei von aller Zerstreuung und von aller ungeregelten Anhänglichkeit. - Weil die allerfeligste Jungfrau so sehr das Gebet, liebte, so trug sie auch eine so innige Liebe zur Einsamkeit, so daß sie selbst, wie sie es der heiligen Brigitta offenbarte, häufig deßhalb den Umgang ihrer Eltern vermied. Der heilige Hieronymus 53 der allerseligsten Jungfrau. bemerkt über die Worte Isaias:„ Siehe, die heilige Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären und seinen Namen wird sie Emanuel nennen," daß das Wort, das im Hebräischen für eine Jungfrau steht, eigentlich eine einsame Jungfrau bebeute, so daß schon Isaias die Liebe Mariens zur Einsamkeit verkündigt hatte. Richardus sagt: daß um der Verdienste willen, die Maria sich durch ihre Liebe zur Einsamkeit erworben hatte, der Engel sie mit den Worten: der Herr sei mit tir!" begrüßt habe. Der heilige Vincenz Ferrerius behauptet, daß die göttliche Mutter nie das Haus verließ, ausgenommen wenn sie sich in den Tempel begab, und daß sie alsdann schr eingezogen, mit niedergeschlagenen Augen einherging. Es heißt in der heiligen Schrift, daß, als Maria Elisabeth besuchte, sie eilends ging, woraus nach dem heiligen Ambrosius, die Jungfrauen lernen sollen, daß sie es vermeiden müssen, öffentlich zu erscheinen. Der heilige Bernard lehrt uns auch, daß die allerfeligste Jungfrau, aus Liebe zum Gebet und zur Einsamkeit, immer darauf bedacht war, die Unterredung mit den Menschen zu fliehen; weßhalb sie der heilige Geist eine Turteltaube nannte:„ Schön sind deine Wangen, wie die der Turteltaube"( Hohel. I. 9.); denn, sagt Vergello, die Turteltaube lebt einsam und deutet die innigste Vereinigung einer Seele mit Gott an. Maria lebte einsam auf Erden wie in einer Wüste; denn von ihr sprach der heilige Geist im Hohenl.( III. 6.), wer ist die, so aus der Wüste heraufsteigt wie eine Rauchsäule von Spezereien," wozu Rupertus bemerkt: Du steigst also empor, weil du die Einsamkeit liebst. Philo lehrte schon, daß Gott nur in der Einsamkeit zu der Seele rede: Gott erklärt uns dasselbe durch Hoseas:„ Ich will sie in die Wüste führen und zu ihrem Herzen sprechen." Der heilige Hieronymus rief deßhalb aus: o selige Wüste, in der Gott vertraulich zu den Seinen redet, in der Er sich mit ihnen unterhält. Das kommt daher, sagt der heilige Bernard, weil die Einsamkeit und die Stille, welche man in der Wüste genießt, die Seele zwingt, mit ihren Gedanken die Erde zu verlassen und die Güter des Himmels zu betrachten. Allerfeligste Jungfrau, liebe Mutter Maria, erlange uns die Liebe zum Gebet und zur Einsamkeit, damit wir, frei von aller Liebe zu den Geschöpfen, unser Herz ganz Gott und dem Himmel zuwenden, wo wir eines Tages dich zu sehen hoffen, um dich und deinen Sohn Jesus dort die ganze Ewigkeit hindurch zu lieben. Von den wunderbaren Vorzügen ,, Kommet her zu mir Alle, die ihr mich begehrt, und sättigt euch an meinen Früchten."( Eccl. XXIV. 26.) Die Früchte Mariens sind ihre Tugenden. Vor dir, o Maria, ist keine Seele dir ähnlich gewesen, nach dir wird keine dir ähnlich seyn. Unter allen Frauen hast du allein mehr, als alle Andern, Jesu Christo gefallen. Von den wunderbaren Vorzügen der heiligen Mutter Gottes. ( Von dem heil. Laurentius Instiniani.) Maria ward durch die Menschwerdung des Wortes die Pforte des Himmels, die Thüre des Paradieses, der Stern des Meeres, der Trost der Welt, die Zuflucht der Sünder, der Hafen der Schiffbrüchigen, die Hilfe der Gefährdeten, der Weg der Irrenden, das Heil der Verzweifelnden, die Mittlerin der Welt, die Ertödterin der Sünde, der Schrecken der bösen Geister, und die Angst der finstern Mächte. Sie ist die Stiftshütte, die Arche des Bundes, der Sühnaltar des Tempels, der Thron Gottes, die blühende Ruthe Aarons, die leichte Wolfe, der verschlossene Garten, der besiegelte Born, die fleckenlose Taube, die duftende Rose, die blühende Lilie, die schimmernde Blume, der aufsteigende Rauch von Spezereien, die grünende Olive, der fruchtbare Weinstock, die sich erhebende Cypresse, die grünende Palme, der sich ausbreitende Therebintenbaum, das aufkeimende Feld, der fruchtbare Acker. Sie auch ist die glorreiche aufgehende Morgenröthe, der schimmernde Morgenstern, schöner denn der Mond, glänzender denn die Sonne, reiner denn Gold, kostbarer denn Edelgesteine, lieblicher denn Balsam, theurer denn Perlen, süßer denn Nectar, und liebreicher denn jede Harmonie. Dieß ist jene feuschefte Jungfrau, welche die Schuldschrift des menschlichen Geschlechtes tilgte, die Schmach der ersten Eltern hinwegnahm, der trauernden Welt den Thau der Gnade träufelte, und sie durch die glückseligste Frucht bereicherte; sie endlich ist's, die der zu Grunde gehenden und von der Sündfluth überschwemmten Erde den Hafen des Heiles eröffnete. Denn sie ist jene heiligste Jungfrau, die durch den Schmuck aller Tugenden geziert, mit der Fülle der Gnade begabt, und durch himmlische Gaben wunderbar glühend, kraft ihres Wohlgeruchs den König des Himmels zu sich zog. Durch ihre lilienreine und hochheilige Unschuld und Jungfräulichkeit nämlich, wodurch sie alle der heiligen Mutter Gottes. 55 Töchter der Erde hoch überglänzte, ward sie zur Mutter Gottes erwählt. Sie ward wegen der Verdienste ihrer Demuth und des lebendigen Feuers ihrer Liebe von dem Allerhöchsten innig geliebt, von dem Worte erkoren, von dem heiligen Geiste fruchtbar überschattet, in den Schriften vorgebildet, von den Propheten vorher verkündet, den Erzengeln und dem ganzen himmlischen Hofe vorgezogen. Denn Ihn, den die Himmel nicht erfassen können, und die ganze Natur mit Erstaunen und Ehrfurcht bewundert, hat Maria im Geiste und im Leibe empfangen, mit ihrer Milch genährt, in ihrem Schooße gepflegt, und mit ihren Armen umfangen. Und würdig allerdings war's, daß also ausgezeichnet die Mutter des eingebornen Sohnes Gottes, des Bildners aller Wesen, des Schöpfers aller Jahrhunderte wäre. Alle erdenkliche Ehre, Würde, alles Verdienst, alle Gnade und Glorie fand sich in Maria. Groß war fie, als sie geboren ward, größer, als sie das Wort empfing. Immer und überall war sie heilig, immer und überall voll der Gnade, immer und überall mackellos. Denn heilig war sie an Geist und Körper, voll der Gnade und Tugend und eine mackellose Taube des Wortes und Bräutigams. Erkannt, geliebt, gelobt und gebenedeit, geehrt und verherrlicht sei allezeit und überall das göttliche Herz Jesu unt das unbefleckte Herz Mariä! Einige Lobsprüche Mariä von dem heiligen Bernard. Erwäget reiflicher, mit welch' großer Anmuth von Anbacht jener Maria von uns wollte geehrt wissen, welcher die Fülle alles Guten in ihr hinterlegt hat: wenn also von der Hoffnung, von der Gnade und vom Heile etwas in uns ist, so müssen wir bekennen, es komme von derjenigen her, welche in einem Ueberfluße der Freuden aufsteigt. Sie ist wahrhaft ein Lustgarten, welchen jener göttliche Mittagswind bei seiner Ankunft nicht nur angeblasen, sondern ganz durchweht hat, so. daß seine Wohlgerüche, nämlich die Geschenke der Gnaden, sich überall verbreiten und ausgießen. Nimm die Sonne hinweg, welche die Welt erleuchtet, wo ist dann der Tag? Ohne Maria, diesen Stern des Meeres, eines wahrhaft großen und weiten Meeres, was bleibt anders übrig, als eine brückende Dunkelheit, der Todesschatten und die dichtesten Finsternisfe? Wir Einige Lobsprüche Maria wollen also Maria mit allen Kräften unseres Herzens, mit allen Anmuthungen unserer Seele verehren, weil es so der. Wille desjenigen ist, welcher uns Alles durch Maria zu geben beschlossen hat. Fürchtest du dir vielleicht zum Vater hinzu zu gehen? Sich! Er hat dir Jesum zum Mittler gegeben. Willst du auch bei diesem einen Vorsprecher haben? Nimm nur zu Maria deine Zuflucht. Ich behaupte ohne den mindesten Zweifel, sie werden wegen ihrer Ehrerbictigkeit erhört werden. Der Sohr. wird die Mutter, und der Vater wird den Sohn gewiß erhören. Meine geliebten Söhne! diese ist die Leiter der Sünder, diese ist mein größtes Vertrauen, diese ist der ganze Grund meiner Hoffnung. Oder wie! kann wohl der Sohn etwas abschlagen, oder kann er selbst eine abschlägige Antwort erhalten? ist es möglich, daß er die Bitte nicht erhöre, oder daß die Seine nicht erhört werde? Nein, feines kann geschehen. Du hast, sagt der Engel, Gnade bei Gett gefunden. Dieß ist ein unbeschreibliches Glück. Diese, Maria nämlich, wird allezeit Gnade finden, und die Gnade allein haben wir nöthig. Warum trachten wir nach andern Dingen! Wir wollen die Gnade suchen, und wir wollen sie durch Maria suchen; denn sie findet, was sie sucht, und ihre Bemühung kann nicht fruchtlos seyn. Alle Geschlechter preisen dich selig, o Gebärerin Gottes, o Frau der Welt, o Königin des Himmels! die du allen Geschlechtern das Leben und die Ehre geboren hast. Denn in dir haben die Engel Freude, die Gerechten Gnade, und die Sünder Verzeihung in Ewigkeit gefunden. Billig sehen die Augen aller Geschöpfe auf dich; weil die gütige Hand des Allmächtigen in dir und durch und von dir Alles wieder herstellte, was er immer erschaffen hatte. Der du immer nicht so fast auf der Erde wandelst als auf den Wogen dieser Welt, von Wellen und Stürmen hin und her getrieben wirst, wende doch deine Augen von dem Schimmer dieses Sternes, von Maria, nicht ab, wenn du von den Wellen nicht willst verschlungen werden. Wenn sich die Winde der Versuchungen erheben, wenn du an die Klippen der Trübsale stoßest, so sieh auf den Stern, ruf Maria an. Wenn. der Zorn, oder der Geiz, oder die fleischlichen Gelüste das Schifflein deines Gemüthes bestürmen, so sieh auf Maria. Wenn dich deine gräulichen Laster in Verwirrung bringen; wenn dein schändliches Gewissen dich beschämt; wenn das erschreckliche Gericht dich mit Angst erfüllt, und du deßwegen mit übermäßiger Traurigkeit überfallen wirst, und anfangst zu von dem hl. Bernard. 57 zweifeln, so denke an Maria, ruf Maria an; sie soll nicht von beinem Wunde, noch aus deinem Herzen weichen; und damit du tie Hilfe ihrer Fürbitte erlangest, so unterlaß nicht, dem Beispiele ihres Wandels nachzufolgen. Wenn du ihr folgst, geräthst du nicht auf Abwege; wenn du bittest, kommst du nicht in Verzweiflung; wenn du an sie denkst, irrest du nicht. Wenn sie dich hält, fällst du nicht zu Boden; wenn sie dich beschützt, geräthst du nicht in Furcht; wenn sie deine Führerin ist, wirst du nicht abgemattet; wenn sie dir günstig ist, gelangst du zum Ziele. Wer immer sagen kann, er habe dich angerufen, und du seiest ihm in seinen Nöthen nicht beigesprungen, der mag von beiner Barmherzigkeit, o seligste Jungfrau! schweigen. Wir deine geringsten Diener erfreuen uns wegen deiner übrigen Tugenden über dich; aber bei dieser erfreuen wir uns vielmehr wegen unser selbst. Wir loben die Jungfrauschaft und die Demuth; aber die Barmherzigkeit macht bei uns einen süßen Eindruck, die Barmherzigkeit umfangen wir mit größerer Liebe, wir denken öfter daran, wir rufen sie öfter an; denn die Barmherzigkeit hat bewirkt, daß die ganze Welt erneuert wurde: die Barmherzigkeit hat das Heil Aller erlangt. Zu diesem Brunnen also soll unsere dürftende Seele eilen; zu diesem Reichthume der Barmherzigkeit müssen wir in unserm Elende mit aller Sorgfalt Zuflucht nehmen. O gebenedeite Jungfrau! laß deine Güte und Milde dadurch erscheinen, daß du die Gnabe, welche du gefunden hast, der Welt bekannt machst; erhalte durch deine Fürbitte den Schuldigen Verzeihung, den Kranken das Heilsmittel, den Kleinmüthigen Stärke, den Bebrängten Trost, den Gefahr laufenden Hilfe und Errettung. Die seligste Jungfrau ist der königliche Weg, auf dem unser Erlöser zu uns gekommen ist. Da wir also den Weg wissen, so wollen auch wir, meine Geliebtesten! uns bestreben, auf demselben zu Jenem hinaufzusteigen, der auf eben diesem Wege zu uns herabgestiegen ist; wir wollen trachten durch diesen Weg die Gnade bei Jenem zu erlangen, der auf demselben in unser Elend gekommen iſt. Wir wollen die Fußstapfen Mariä umfangen, meine Brüder! und mit andächtigster Bitte uns zu ihren gebenedeiten Füßen werfen. Wir wollen sie halten, und nicht mehr entLaffen, bis sie uns den Segen ertheilt: denn sie ist mächtig; ja, Maria ist zwischen Christo und der Kirche als Mittlerin beſtellt. Betrachtung über die große Liebe, Die Liebe Jesu Christi ist jener auserwählte Pfeil, welcher die Seele Mariä nicht allein verwundet, sondern ganz durchbrungen hat; so daß in dem jungfräulichen Herzen von der Liebe nichts frei blieb, sondern daß sie von ganzem Herzen, aus ganzer Seele und mit allen Kräften liebte. 58 Betrachtung über die große Liebe, die Maria zu uns trägt. Wenn Maria unsere Mutter ist, so müssen wir auch betrachten, wie groß ihre Liebe zu uns ist. Die Liebe der Eltern zu ihren Kindern ist ein Bedürfniß der Natur. Deßhalb bemerkt der heiligé Thomas, finden wir nicht, daß den Eltern von Gott ein Gebot gegeben sei, ihre Kinder zu lieben, da doch den Kindern geboten werden ist, ihre Eltern zu lieben; die Liebe zu den Kindern ist so tief in die Natur des Menschen eingepflanzt, daß nach dem heiligen Ambrosius selbst die wilden Thiere ihre Jungen lieben. Die Naturforscher erzählen, daß, wenn die Tiger die Stimme ihrer Jungen vernehmen, die von einem Jäger gefangen worden sind, sie sich in's Meer stürzen und so lange schwimmen, bis sie das Schiff erreicht haben, in dem ihre Jungen sich befinden. Wäre es möglich, ruft Maria uns zu, daß, da doch die Tiger nicht einmal ihre Jungen vergessen können, ich unterlassen sollte, euch, meine Kinder, zu lieben? " Kann denn eine Mutter ihre Kinder vergessen, daß sie sich nicht erbarmte des Sohnes ihres Leibes? Und wenn auch sie ihres Sohnes vergessen sollte, so will ich doch euch nicht vergeffen.( 3faias LI. 15.) Und wenn das Unmögliche geschähe, wenn eine Mutter ihre Kinder vergäße, so bliebe es doch unniöglich, daß ich einer Seele, die ich zu meinem Kinde angenommen, nicht eingebent bliebe. Maria ist unsere Mutter; zwar nicht unsere leibliche Mutter, nein, durch ihre Liebe ist sie unsere Mutter geworden. " Ich bin die Mutter der schönen Liebe."" Ihre Liebe zu uns macht, daß sie unsere Mutter wird, weßhalb sie sich rühmt, eine Mutter der schönen Liebe zu seyn, denn sie ist von der innigsten Liebe zu uns, die sie als ihre Kinder angenommen hat, entzündet. Wer könnte auch nur beschreiben, welche große Liebe Maria zu uns Elenden trägt! Arnold von Chartres sagt, daß Maria bei dem Tode Christi eine unendliche Begierde hatte, mit ihrem Sohne, aus Liebe zu uns, zu sterben, und, fügt der heilige Ambrosius hinzu, indeß der Sohn voll 59 die Maria zu uns trägt. Schmerzen am Kreuze hing, bot Maria den Henkern ihr Leben aus Liebe zu uns dar. Betrachten wir nun also die Beweggründe, die Maria hatte, uns so innig zu lieben; dadurch werden wir deutlich die Größe ihrer Liebe erkennen. Die erste Ursache also, warum Maria die Menschen so sehr liebt, ist ihre große Liebe zu Gott. Die Liebe Gottes und die Liebe des Nächsten sind uns, nach dem Zeugnisse des heiligen Johannes, in demselben Gebote befohlen. Dieß Gebot haben wir von Gott, daß, wer Gott liebt, auch seinen Bruder liebt; so daß, je mehr eine von beiden in uns wächst, desto mehr auch die andere zunimmt. Wie viel haben nicht die Heiligen, weil sie Gott liebten, aus Liebe zu dem Nächsten gethan! sind doch einige so weit gegangen, daß sie ihre Freiheit, ja selbst ihr Leben für das Wohl ihres Nächsten preisgegeben haben. Man lese, was ein heiliger Franziskus Xaverius in Indien gethan hat, wo er, um den armen Seelen der Wilden zu Hilfe zu kommen, auf die gefährlichsten Berge kletterte und sich tausend Gefahren aussetzte, um die Elenden in ihren Höhlen, wo sie wie wilde Thiere lebten, aufzusuchen, und um ihnen zur Erkenntniß Gottes zu verhelfen. Man betrachte einen heiligen Franz von Sales, der, um die Irrgläubigen von Chablais zu bekehren, lange Zeit hindurch täglich auf einem mit Eis bedeckten Baumstamm, an dem er sich mit Händen und Füßen anklammern mußte, um nicht auszugleiten, über einen Fluß setzte, um am gegenseitigen Ufer den hartnäckigen Ketzern zu predigen; man betrachte einen heiligen Paulinus, der sich selbst in die Sklaverei begab, um dadurch die Freiheit des Sohnes einer armen Wittwe zu erlangen; man betrachte einen heiligen Fidelis, der, um die Ketzer einer Ortschaft zu bekehren, sich durch seine Predigt dem Tode aussetzte, den er denn auch willig erduldete. So große Dinge haben die Heiligen aus Liebe zu dem Nächsten gethan, weil sie von inniger Liebe zu Gott beseelt waren. Wer hat nun aber Gott mehr geliebt, als Mcaria? fie, die Gott vom ersten Augenblicke ihres Lebens an mehr liebte als alle Heiligen und alle Engel ihre ganze Lebenszeit hindurch ihn geliebt haben, wie alle geistlichen Schriftsteller, die von Maria geredet, es bezeugen. Die seligste Jungfrau offenbarte selbst der Schwester Maria vom Kreuze, daß das Feuer ihrer Liebe zu Gott so groß sei, daß es in einem Augenblick Himmel und Erde verzehren könnte; weßhalb sie hinzufügte, daß im Vergleiche zu ihrer Liebe die Gluth der Seraphinen einem frischen Winde gliche. Da nun also unter den seligen Geistern Nie Betrachtung über die große Liebe, mand Gott mehr liebt, als Maria, so können auch wir, nach Gott, Niemanden finden, der uns mehr liebte, als unsere geliebe Mutter Maria. Wenn man auch die, die alle Mütter zu ihren Kindern, die alle Freunde zu ihren Freunden, und die alle Heiligen und Engel zu ihren Berehrern tragen, vereinigen wollte, so würde all' diese Liebe dennoch nicht den Grad der Liebe erreichen, die Maria zu einer einzigen Seele trägt. Der Pater Nierenberg sagt, daß die Liebe, die alle Mütter zu ihren Kindern getragen, ein Schatten sei im Vergleich mit der Liebe, die Maria zu einem Jeden von uns trägt; denn sie allein, setzt er hinzu, liebt uns mehr, als alle Heiligen und Engel zusammengenommen. Aber auch deßhalb ist die Liebe Mariens zu uns so groß, weil wir ihr von ihrem geliebten Jesus, ehe derselbe den Geist aufgab, anempfohlen worden sind, durch jene Worte, die er vom Kreuze herab an sie richtete:" Weib siehe deinen Sohn!" da er durch den heiligen Johannes uns alle bezeichnen wollte, wie alle Kirchenväter es bemerken. Dieß waren die letzten Worte ihres Sohnes. Nun aber ist das letzte Andenken, das uns Jemand, den wir lieben, in seiner Todesstunde hinterläßt, uns zu werth, als daß wir es jemals wieder vergessen sollten. Aber auch um der großen Schmerzen willen, die wir Maria verursacht haben, trägt sie eine besondere Liebe zu uns; denn die Mütter lieben jene Kinder gewöhnlich mehr, um deretwillen sie mehr Schmerzen und Mühe haben ausstehen müssen. Wir sind aber jene Kinder, um deretwillen, damit sie das Leben der Gnade erlangen möchten, Maria das theure Leben ihres Sohnes Gott hat aufopfern, um derentwillen fie ihn vor ihren Augen an dem Uebermaße seiner Leiden hat sterben sehen müssen. Durch dieß große Opfer, das Maria Gott dargebracht hat, sind wir zum Leben der Gnade wiedergeboren. Und gerade weil wir ihr so viel Kummer verursacht haben, sind wir ihre liebsten Kinder geworden. Was die heilige Schrift uns sagt von der Liebe des ewigen Vaters zu den Menschen, da er für uns seinen eigenen Sohn in den Tod gab: ,, Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn hingab;" das läßt sich auch, sagt ber heilige Bonaventura, auf Maria anwenden. Also hat Maria uns geliebt, daß sie ihren eigenen Sohn hingab." Wann gab sie ihn denn aber für uns dahin? Der früher erwähnte Pater Nierenberg antwortet: Sie hat ihn zuerst für uns dahingegeben, als sie ihm die Erlaubniß gab, für uns sterben zu gehen; sie hat ihn dann auch noch für uns dahingegeben, als, nachdem alle Andern ihn aus Haß oder 61 die Maria zu uns trägt. Furcht verlassen hatten, auch sogar sie schwieg, indem sie doch allein gewiß bei den Richtern zur Vertheidigung ihres Sohnes hingereicht hätte; denn es läßt sich nicht. bezweifeln, daß die Worte einer so weisen und liebevollen Mutter einen großen Eindruck gemacht hätten, wenigstens auf Pilatus, der es alsdann nicht gewagt haben würde, einen Menschen zum Tode zu verurtheilen, den er selbst schon für unschuldig erkannt und erklärt hatte. Aber Maria wollte nicht ein Wort zur Vertheidigung ihres Sohnes sagen, um seinen Tod, von dem unser Heil abhing, nicht zu verhindern. Endlich gab sie ihn für uns viel tausendmal dahin, als sie drei Stunden lang am Fuße des Kreuzes beim Tode ihres Sohnes gegenwärtig war; denn damals that sie nichts anderes, als jeden Augenblick, mit einem Uebermaße von Schmerz und Liebe zu uns, das Leben ihres Sohnes Gott zum Opfer barbringen. Maria war so standhaft bei dem Leiden Christi, daß der heilige Anselmus und der heilige Antonin behaupten, daß, wenn die Henker gefehlt hätten, sie selbst ihren Sohn gekreuziget haben würde, damit der Wille des ewigen Baters, der Christum für unser Heil sterben sehen wollte, in Erfüllung ginge. Wenn Abraham bereit war, mit eigenen Händen seinen Sohn aufzuopfern, und dadurch einen so großen Beweis seiner Standhaftigkeit gab, so können wir nicht zweifeln, daß Maria, die heiliger und gehorsamer war, als Abraham, mit noch größerer Standhaftigkeit einen ähnlichen Befehl ausgeführt hätte. Wie großen Dank sind wir also Maria schuldig, die uns einen so großen Beweis ihrer Liebe zu uns gegeben hat, als sie ihren Sohn mit so vielen Schmerzen für unser Heil aufopferte! Gott hat Abraham reichlich für das Opfer belohnt, das er ihm durch den Tod seines Sohnes Isaak darbringen wollte; aber welchen Ersatz können wir Maria für das Leben ihres Sohnes darbieten, den sie für uns geopfert hat, und der doch unendlich mehr Liebe und Ehrfurcht verdient, als der Sohn Abrahams? Wie sehr sind wir also verpflichtet, sie zu lieben, sagt der heilige Bonaventura, da sie uns mehr, als alle andern erschaffenen Wesen geliebt hat, weil sie uns ihren eigenen Sohn geschenkt, ben sie mehr als sich selbst liebt? 104 1 Hieraus folgt denn auch ein anderer Beweggrund, warum Maria uns so sehr liebt, weil sie nämlich erkennt, daß wir der Preis des Todes Jesu Christi sind. Wenn eine Mutter wüßte, daß ein Knecht durch zwanzigjährige schmerzhafte Gefangenschaft ihres Sohnes aus seiner Knechtschaft losgekauft worden wäre, wie sehr würde dieser Gedanke ihre Achtung für jenen Knecht 62 Betrachtung über die große Liebe, nicht vermehren! Aber Maria weiß es nur zu wohl, daß ihr Sohn bloß deßhalb auf die Erde gekommen ist, um uns Elende selig zu machen, wie er selbst es versichert: ,, Ich bin gekommen, selig zu machen, was verloren gegangen war."( Luk. 19, 10.) Ja, um uns selig zu machen, hat er selbst das Leben verlieren wollen: ,, Er ward gehorsam bis zum Tode." ( Philipp. 2, 8.) Wenn Maria uns nun wenig liebte, so würde sie dadurch zu erkennen geben, daß sie einen geringen Werth auf das Blut ihres Sohnes setzte, welches das Lösegeld für unsere Seligkeit ward. Es ward der heil. Elisabeth geoffenbaret, daß, so lange Maria im Tempel blieb, sie nichts anders that als Gott bitten, er welle boch bald seinen Sohn in die Welt schicken, um die Welt selig zu machen. Wir können uns also wohl denken, wie sehr sie uns jetzt liebt, nachdem sie gesehen, welch' hohen Werth ihr Sohn auf uns gesetzt hat, da er uns gewürdigt, uns durch so große Leiden zu erkaufen. Deßhalb also, weil Jesus alle Menschen erlöst hat, werden alle von Maria geliebt und begünstigt. Der heil. Johannes sah Maria mit der Sonne bekleidet: ,, Es erschien ein großes Zeichen am Himmel, ein Weib mit der Sonne bekleidet." Es heißt, daß sie mit der Sonne bekleidet war, weil, gleichwie auf Erden Niemand sich vor dem Einflusse der Sonne verbergen kann ( ,, Es ist Niemand, der sich bergen kann vor ihrer Hitze." Ps. 18. 7.), so kann auch kein Mensch auf Erden der Liebe Mariens beraubt werden. Der heil. Jordan sagt über den angeführten Text: Vor ihrer Hitze, das heißt, vor der Liebe Mariens kann Niemand sich verbergen. Wer, ruft der heil. Antonin aus, könnte auch nur begreifen, welche Sorge diese liebevolle Mutter für uns Alle trägt? Sie läßt Alle Theil nehmen an ihrer Barmherzigkeit, weil unsere gute Mutter das Heil Aller wünscht und an der Seligkeit Aller mitgewirkt hat; denn, sagt der heil. Bernardus, es ist gewiß, daß sie für das ganze menschliche Geschlecht Sorge getragen. Deßhalb ist es denn auch sehr nützlich, wenn einige Verehrer Mariens Gott bitten, er wolle ihnen jede Gnade gewähren, um welche die allerfeligste Jungfrau ihn bitten werde, weil unsere liebe Mutter uns gewiß größere Wohlthaten zu erlangen sucht als jene, die wir selbst wünschen könnten. Bernardin von Busto lehrt uns, daß Maria inniger wünscht, uns Gutes zu thun und Gnaden auszutheilen, als mir wünschen, dieselben zu empfangen; und Albert der Große bezieht jene Worte ber heiligen Schrift: ,, Sie kommt denen zuvor, die nach ihr verlangen, um sich ihnen zuerst zu zeigen."( Weisheit 6, 44.) auf Maria: Maria kommt denen zuvor, die zu ihr die Maria zu uns trägt. 63 ihre Zuflucht nehmen, damit dieselben sie schon finden, bevor sie dieselbe suchen. Ja, sagt Richardus, die Liebe dieser guten Mutter zu uns ist so groß, daß, so wie sie unsere Bedürfnisse entdeckt, sie uns sogleich zu Hilfe eilt; ,, sie kommt entgegen, ehe wir sie anrufen."( Weisheit 6, 14.) Wenn Maria so liebreich gegen Alle, ja sogar gegen die Undankbaren und Nachläßigen ist, die sie nur wenig lieben und die nur selten zu ihr ihre Zuflucht nehmen; wie groß wird als dann wohl ihre Liebe gegen jene seyn, die sie lieben und sie häufig um ihren Beistand anrufen? ,, Sie wird leicht gefunden von denen, die sie lieben."( Weisheit 6, 13.) O wie leicht findet derjenige Maria, ruft Albert der Große aus, der sie liebt und wie reich an Liebe und Barmherzigkeit findet ein solcher seine göttliche Mutter! ,, Ich liebe die, die mich lieben."( Sprichw. 8, 17.) Dadurch betheuert Maria, daß es ihr unmöglich sei, jene nicht zu lieben, die sie lieben. Und obgleich meine liebevolle Königin alle Menschen als ihre Kinder liebt, so macht sie doch, sagt der heil. Bernard, einen Unterschied bei denen, die sie zärtlicher lieben; denn, fügt der heil. Jordan hinzu, jene glücklichen Seelen, die Maria mehr, als Andere lieben, liebt sie nicht nur, nein, sie dient ihnen sogar. In den Jahrbüchern der Dominikaner wird erzählt, daß, als der Bruder Leonhard, der sich an zweihundert Mal des Tages Maria, der Mutter der Barmherzigkeit, anzuempfehlen pflegte, auf dem Sterbebette lag, er eines Tages eine schöne Königin erblickte, die ihm sagte: Leonhard, willst du sterben und zu mir und zu meinem Sohne kommen? Wer bist du denn? antwortete der Bruder.- Ich bin die Mutter der Barmherzigkeit, eriviederte die Jungfrau; und weil du dich mir so oft anempfohlen hast, so komme ich jetzt, um dich abzuholen und mit dir in den Himinel zurückzukehren. An demselben Tage starb Leonhard and felgte seiner göttlichen Mutter in den Himmel. O süßeste Mutter Maria, wie selig ist der, der dich liebt! Der ehrwürdige Berchmanns, aus der Gesellschaft Jesu, pflegte zu sagen: Wenn ich Maria liebe, so bin ich meiner Beharrlichkeit versichert, so erlange ich von Gott Alles, was ich wünsche. Der fromme Jüngling ward denn auch nicht müde, häufig den Vorsatz zn erneuern und zu sich selber zu figen: ich will Maria lieben, ich will Maria lieben. Obgleich es wahr ist, daß Maria ihre Kinder weit mehr liebt, als sie von ihnen geliebt wird, so müssen diese sich dennoch bemühen, sie so sehr zu lieben, als es ihnen nur möglich ist; denn jemehr man sie liebt, desto mehr wird man von ihr geliebt, sagt der heil. Märtyrer 1 Betrachtung über die große Liebe, Ignatius. Wir müssen uns also bemühen, Maria zu lieben, gleichwie sie ein heil. Stanislaus Kostka liebte, der eine so zarte Liebe zu seiner Mutter trug, daß es genügte, ihn von ihr reden zu hören, um schon von dem Wunsche bewegt zu werden, Maria inniger zu lieben. Er hatte neue Worte und neue Ehrentitel erfunden, um sie zu preisen; er begann kein Geschäft, ohne vorher bei einem Bilde Mariens den Segen dazu erbeten zu haben; wenn er die Tagzeiten oder den Rosenkranz betete oder andere Andachtsübungen verrichtete, so that er dieß Alles mit so großer Andacht, daß es schien, er unterhalte sich mit Maria. Hörte er das Salve Regina singen, so erglühte sein Herz und selbst sein Angesicht vor Liebe. Als er eines Tages mit einem Priester aus der Gesellschaft Jesu ein Bildniß der Mutter Gottes besuchte, fragte ihn dieser, wie sehr er denn Maria liebe? O mein Pater, erwiederte der Jüngling, was kann ich ihnen hierauf anders antworten als: Sie ist meine Mutter! Der Priester erzählte später, daß der heil. Jüngling jene Worte auf eine Weise aussprach, daß man an seiner Stimme und an seinem Gesichte eine so große Zärtlichkeit und Innigkeit bemerkte, daß er kein Jüngling, sondern ein Engel zu seyn schien, der von der Liebe Mariens sprach. 64 Bemühen wir uns, Maria zu lieben, gleichwie der selige Herman, der sie feine geliebte Braut nannte; weßhalb er verdiente, daß Maria selbst ihn eines Tages als ihren Bräutigam begrüßte, gleichwie der heil. Philipp Neri, der in seinen Leiden sogleich getröstet war, wenn er nur an Maria dachte, die er seine Freude nannte; gleichwie ein heil. Bonaventura, der sie nicht nur seine Königin und Mutter, sondern sogar, um ihr die Zärtlichkeit seiner Liebe zu beweisen, sein Herz, seine Seele nannte. Ja, bemühen wir uns, sie zu lieben, gleichwie ihr treuer Diener der heil. Bernardus, der seine süße Mutter so innig liebte, daß er sie eine Räuberin der Herzen zu nennen pflegte, und der, um seine brennende Liebe zu erkennen zu geben, ihr zurief: hast du mir nicht mein Herz geraubt, du Räuberin der Herzen? Nennen wir sie unsere Geliebte, gleichwie der heil. Bernardin von Siena, der täglich ein Bildniß Marien's zu besuchen pflegte, unt ihr durch zarte Anmuthungen seine Liebe zu beweisen. Als man ihn fragte, wohin er denn täglich gehe, antwortete er, daß er seine Geliebte besuchte. Bemühen wir uns, sie zu lieben, wie ein heil. Aloysius Gonzaga, der fortwährend von so großer Liebe zu ihr entzündet war, daß, wenn er nur den füßen Namen seiner geliebten Mutter nennen hörte, sein Hers flammend von Liebe entbrannte, und die Gluth, die ihn verzehte, 65 die Maria zu uns trägt. sogar auf seinem Gesichte erschien. Lieben wir sie, wie der heil. Franz Solanus, der aus Liebe zu Maria thöricht geworden zu seyn schien: denn manchmal setzte er sich mit einer Harfe vor ein Bild Mariens und sang, unter Begleitung derselben, Lieder ihr zu Ehren; er pflegte zu sagen, daß er durch die Fürbitte Mariä alle nothwendigen Gnaden, um heilig zu leben und selig zu sterben, zu erhalten hoffe. Möchte unsere Liebe der Liebe so vieler ihrer Diener gleichen, die nicht mehr wußten, was sie thun sollten, um ihr Beweise ihrer Liebe zu geben! Der Pater de Trero, aus der Gesellschaft Jesu, konnte seine Freude nicht verbergen, wenn er sich einen Sklaven Mariens nannte; er besuchte sie häufig, zum Zeichen seiner Dienstbarkeit, in einer ihrer Kirchen; so wie er eintrat, benette er den Boden mit Thränen, die er aus Liebe zu Maria vergoß; darauf küßte er viel tausend Mal den Fußboden, und ward durch den Gedanken, daß er im Hause seiner geliebten Königin sei, mit himmlischem Trost erfüllt. Der Pater Diego Martinez, aus derselben Gesellschaft Jesu, ward wegen seiner großen Liebe zu Maria an ihren Festtagen von den Engeln in den Himmel versetzt, damit er selbst sehen könne, mit welcher Andacht man dieselben dort begehe. Er pflegte zu sagen: Ich wünschte die Herzen aller Engel und Heiligen zu besitzen, um Maria zu lieben, gleichwie sie dieselbe lieben, ja ich wünschte das Leben aller Menschen, aus Liebe zu Maria, hingeben zu können. Möchten noch Andere sich bemühen, Maria zu lieben, gleichwie der Sohn der heil. Brigitta, Karl, der häufig sagte, es tröste ihn Nichts mehr auf Erden, als der Gedanke, wie sehr Gott Maria liebe, und er versicherte, er hätte gerne alle Leiden erduldet, wenn er dadurch hätte bewirken können, daß Maria den geringsten Grad von Herrlichkeit nicht verloren hätte( im Falle es möglich gewesen, daß dieselbe vermindert worden wäre), und daß, wenn er der Herrlichkeit Mariens theilhaftig geworden, er dieselbe an sie abgetreten hätte. Möchte der Wunsch uns beseelen, unser Leben aus Liebe zu Maria hinzugeben, wie dieß Alphons Rodriguez begehrte; möchten wir endlich dahin gelangen, den liebenswürdigsten Namen Mariens mit einem scharfen Eisen auf unsere Brust zu graben, wie das der Mönch Franziskus Binanzio und Radegundis, die Gemahlin des Königs Clotar, gethan haben, oder möchten wir ihn, damit er deutlicher erscheine und länger dauerte, mit einem glühenden Eisen in unser Fleisch eindrücken, wie dieß, von Liebe beseelt, ihre treuen Diener Johannes Archinto und Augustinus Espinosa beide aus der Gesellschaft Jesu, gewagt haben. 5 Betrachtung über die große Liebe, Mögen wir indeß thun, oder uns zu thun vornehmen was ein Liebhaber nur immer thun könnte, um seine Zuneigung zu der geliebten Person zu erkennen zu geben, so wird unsere Liebe zu Maria doch niemals ihrer Liebe zu uns gleichkommen. Ich weiß, o meine geliebte Königin, rief der heil. Peter Damian aus, daß unter Allen, die da lieben, du am meisten liebst, und daß deine Liebe zu uns durch keine andere Liebe besiegt werden kann. Als der ehrwürdige Alphons Rodriguez eines Tages vor einem Bilde Mariens kniete und da von Liebe zur allerseligsten Jungfrau entzündet ward, brach er in diese Worte aus: O meine liebenswürdigste Mutter, ich weiß, daß du mich liebst; aber du liebst mich dennoch nicht so sehr, als ich dich liebe. Da schien es, als ob Maria durch diese Worte verletzt worden sei; denn sie antwortete aus dem Bilde: Was sagst du da, Alphons! ach wie viel mehr liebe ich dich, als du mich liebst! wisse, daß die Entfernung vom Himmel bis zur Erde nicht so groß ist als der Unterschied zwischen meiner und deiner Liebe. 66 So hatte denn also der heil. Bonaventura Recht, wenn er ausrief: Glücklich sind die, welche treue nnd liebende Diener dieser liebevollen Mutter sind; denn diese dankbare Königin läßt sich nie durch Liebe ihrer Verehrer besiegen. Maria ahmt darin unserm liebenswürdigsten Erlöser nach, daß sie dem, der sie liebt, seine Liebe doppelt durch Wohlthaten und Gnaden vergilt. Weßhalb wir denn auch mit dem liebetrunkenen Anselmus ausrufen follten: O mein geliebter Heiland Jesus Christus, o meine theure Mutter Maria, mein Herz ist entzündet von Liebe zu euch, meine Seele wird von Liebe zu euch verzehrt; o Jesu und Maria! macht, da ich ohne euern Beistand euch nicht zu lieben vermag, daß ich, nicht um meiner, sondern um euerer Verdienste willen, euch liebe, wie ihr es verdienet. O mein Gott! wäre es möglich, daß, nachdem du aus Liebe zu deinen Feinden gestorben bist, du dem, der dich darum bittet, die Gnade verweigern könntest, dich und deine heil. Mutter zu lieben? Beispiel. Der Pater Auriemma erzählt( in den wechselseitigen Anmuthungen, 2. Bd. 7. Kap.), daß ein armes Hirtenmädchen eine so innige Liebe zu Maria trug, daß es ihr die größte Freude machte, wenn sie, indeß sie das Vieh weidete, in einer Muttergotteskapelle, die auf einem Berge lag, sich mit ihrer lieben Mutter unterhalten und ihr ihre Verehrung beweisen konnte. Da sie nun sah, daß die Statue der Mutter Gottes ohne allen Schmuck war, so beschloß sie, ungeachtet ihrer großen Armuth, ihr einen Mantel zu machen. Eines Tages pflückte sie auch einige Blumen auf dem Felde, machte einen Kranz davon, die Wiaria zu uns trägt. 67 stieg auf den Altar der kleinen Kapelle und setzte ihn dem Muttergottesbilde auf, wobei sie ausrief: Ach! meine liebe Mutter, ich wünschte, daß ich dir eine goldene, mit Edelsteinen geschmückte Krone auf's Haupt setzen könnte; aber weil ich arm bin, so mußt du dich schon mit diesem ärmlichen Blumenkranze begnügen; nimm ihn denn an, als ein Zeichen meiner Liebe zu dir. Auf diese und ähnliche Weise fuhr die arme Jungfrau fort, ihre geliebte Königin zu verehren und ihr zu dienen. Hören wir nun aber, auf welche Weise diese gute Mutter den Besuch und die Liebe dieses guten Kindes erwiederte. Das Hirtenmädchen wurde frank und war nahe am Sterben. Da geschah es, daß zwei Ordensgeistliche durch jene Gegend reisten und sich ermüdet unter einen Baum setzten, um auszuruhen; der Eine schlief ein, der Andere wachte; aber beide hatten dieselbe Erscheinung. Sie erblickten nämlich eine Menge sehr schöner Jungfrauen, unter denen eine weit schöner und herrlicher anzuschauen war, als die andern. Da fragte einer von ihnen: Wer bist du, erhabene Jungfrau, wohin eilest du? Ich bin die Mutter Gottes, gab sie ihm zur Antwort, ich will im nächsten Dorfe mit diesen heiligen Jungfrauen ein krankes Hirtenmädchen besuchen, das mich, so lange es gesund war, gar häufig besucht hat. Nachdem sie das gesagt hatte, verschwanden sie Alle. Darauf sagten die beiden Diener Gottes zu einander: wir wollen auch dieß Hirtenmädchen besuchen. Sie begaben sich also auf den Weg, und nachdem sie das Haus gefunden, in dem das arme Mädchen lag, traten sie in ein elendes Kämmerlein, wo sie die Kranke auf ein wenig Stroh liegend fanden. Nachdem sie dieselbe begrüßt, sagte ihnen das Hirtenmädchen: meine Brüder, bittet Gott, daß ihr sehen möget, in welcher Gesellschaft ich mich befinde. Darauf fielen Beide auf die Kniee und beteten, worauf sie Maria erblickten, die ganz nahe bei der Sterbenden stand, eine Krone in der Hand hielt und sie tröstete. Darauf fingen die heiligen Jungfrauen, die sie umgaben, an zu singen, und wäh rend dieses Gesanges trennte die heilige Seele sich von ihrem Leibe, worauf Maria ihr die Krone auf's Haupt setzte, die Seele mit sich nahm und mit ihr in den Himmel fuhr. Ueber die Verehrung der allerfeligsten Jungfrau und Mutter Gottes Maria. 1) Ein vortreffliches Mittel, Gott zu ehren, seine Gnaden zu erhalten und sich seiner Seligkeit zu versichern, ist die Andacht 5* 68 Ueber die Verehrung zu der seligsten Jungfrau. Wir finden in Maria nach Jesu Christo den würdigsten Gegenstand unserer Verehrung. Sie ist das heiligste, das vollkommenste aus allen Geschöpfen, eine mächtige Mittlerin, und ein vollkommenes Muster aller Tugenden, drei Eigenschaften, welche unsere Hochschätzung, unser Vertrauen und unſere Nachfolgung auffordern. 2) Wir sind dieser unvergleichlichen Jungfrau Ehrfurcht, Vertrauen und die zärtlichste Verehrung wegen ihrer Größe, ihrer vorzüglichen Heiligkeit und ihrer erhabenen Würde einer göttlichen Mutter schuldig, welche sie über alle pure Geschöpfe erhebt. 3) Wir müssen das stärkste Vertrauen in sie setzen, weil sie bei Gott Alles vermag, und gegen uns eine lautere Güte ist. Könnte Gott seiner Mutter ihre Bitte abschlagen! Und könnte uns wohl unsere Mutter ihre Fürbitte versagen? Sie ist gegen unser Elend empfindsam, sie sieht unser Anliegen; folglich ist ihr unser Gebet, das wir in einer heiligen Gemüthsbeschaffenheit zu ihrem Throne abschicken, angenehm und es wird erhört werden. Niemals hat Jemand," sagt der heil. Bernard," diese Mutter der Barmherzigkeit angerufen, ohne daß er die Wirkungen ihres Schutzes erfahren hätte... Wenn die seligste Jungfrau solche Güte gegen Alle zeigt, so können wir mit Wahrheit sagen, daß sie eine vorzügliche Liebe gegen junge Leute trägt, deren Schwachheit und Gefahren sie gar wohl erkennt. Sie sieht, mit welcher Wuth sie der Teufel anfällt, um ihnen die Unschuld und Keuschheit zu rauben, Tugenden, deren Schutzfrau sie auf eine vorzügliche Weise seyn will. Die Geschichten sind voll von Beispielen derjenigen, welche durch den Beistand der Königin der Jungfrauen diese bewundernswürdige Tugend in ihrem zarten Alter unverlegt erhalten haben; und man kann aus der Erfahrung von mehr als achtzehn hundert Jahren als sicher annehmen, daß unzählbare Christen von ihrer Jugend an unter dem Schutze dieser göttlichen Mutter zur Heiligkeit gelangt, und ihre Laufbahn mit einem kostbaren Tode beschlossen haben. 4) Aber um ein andächtiges Pflegekind der göttlichen Mutter zu heißen, ist es nicht genug, täglich aus Gewohnheit gewisse Mundandachten zu verrichten und einige Gebetformeln herzusagen, indessen man sich nicht bekümmert, ihr durch ein ärgerliches und lasterhaftes Leben zu mißfallen. Ach, welch' eine vermessene Andacht! Dieser heiligen Mutter gefallen zu wollen, und ihren Sohn durch die Sünde zu freuzigen, heißt dieß nicht sich als einen Feind der Mutter sowohl, als des Sohnes erklären? - der allerfeligsten Jungfrau Maria. 69 Willst du ein treuer Diener und wahrer Verehrer Mariä seyn, so beobachte diese vier Stücke: 1) Fürchte dich stets, ihr zu mißfallen und Gott zu beleidigen; betrübe sie nicht, indem du ihren Sohn entehrest und deine Seele verlierst. Hast du das Unglück gehabt, in eine Sünde zu fallen, so nimm schleunig deine Zuflucht zu ihr, auf daß sie deine Mittlerin seyn wolle, und dich mit ihrem Jesu aussöhne. Sie ist die Zuflucht der Sünder, die ihren Schutz suchen, und eine wahre Begierde haben, sich zu bekehren. 2) Folget ihr in den Tugenden, vornehmlich in der Demuth und Keuschheit nach, durch welche Vorzüge sie hauptsächlich Gott gefallen hat, und glaubet sicherlich, daß Maria die vor Andern begünstiget, welche diese zwei vortrefflichen Tugender lieben, und sich die Beispiele ihres heiligen Lebens zum Muster wählen. 3) Lasset keinen Tag vergehen, ohne Maria ein Merkmal eurer Treue durch einige Gebete, durch einiges Almosen, durch einigen Abbruch an gewissen Tagen in der Woche gegeben zu haben. Feiert vornehmlich ihre Festtage durch den Gebrauch der heiligen Sakramente. Beichtet zu diesen Zeiten, und gehet zu dem Tische des Herrn. 11 4) Rufet sie öfter an, vornehmlich zur Zeit der Versuchungen und in den Gefahren, Gott zu beleidigen. Erheben sich die Anfechtungen über euch," sagt ein heil. Bernard," stürmen die Widerwärtigkeiten auf euch zu, rufet Maria an. In Gefahren, in Verwirrungen, in Zweifeln denket an Maria; führet den Namen Maria im Munde und im Herzen, sie wird euch trösten, sie wird euch helfen, sie wird euch leiten. Aber um sicher auf ihren Beistand rechnen zu können, folget ihren Tugendbeiſpielen. Lebt ihr auf diese Weise, so zählt sie euch unter ihre Kinder, sie wird eure Mutter und Fürsprecherin bei Gott seyn; und so lange ihr unter ihrem Schußze stehet, könnet ihr nicht zu Grunde gehen. Vergesset niemals die tröstlichen Worte des heil. Anselm:" Gleichwie der, welcher Maria nicht liebt und von ihr verlassen wird, gewiß zu Grunde geht; so ist es auch unmöglich, daß derjenige verloren gehe, der zu ihr seine Zuflucht nimmt, und den sie mit barmherzigen Augen anblickt... * Ueber die Verehrung Maria ist unsere Königin, unsere Beschüherin, unsere Mutter, unser Vorbild. 1) Maria ist unsere Königin. Sie ist die Tochter des Vaters, des unsterblichen Königs aller Zeiten; sie ist die Mutter des Sohnes, den der Vater zum König aller Erden- Völker gesetzt hat; sie ist die Braut des heil. Geistes, der als König der Liebe die Herzen aller Christen zu seinem Reiche erwählt hat. Ist nun Maria unsere Königin, so sollen wir sie als solche anerkennen, ihr die gebührende Ehrfurcht erweisen, und als eifrige Diener uns befleißen, ihre Ehre zu befördern und das Reich dieser liebevollen Königin unter den Menschen zu verbreiten. 2) Maria ist unsere Beschützerin. Dieses lehrt uns die Kirche durch die Menge der Gebete, in welchen sie sich und alle ihre Kinder dieser seligsten Jungfrau mit innigstem Vertrauen anbefiehlt; und dieses beweisen so unzählige Gnaden, Wohlthaten und Wunder, die für unstreitige Wirkungen der Fürbitte Mariä gehalten werden.- Wie nun die Menschen ihre Beschützer zu ehren pflegen, und auf alle mögliche Weise trachten, täglich in ihrer Gunst zu steigen, so sollen wir es gegen Maria thun, deren Gunst weit leichter zu erhalten ist, als jene der Menschen. -Wir dürfen uns nicht fürchten, zu ihr zu gehen, auch nicht gewisse Stunden dazu wählen; denn wir sind immer gut aufgenommen. Sie läßt sich nicht lange bitten, weil sie uns zärtlich liebt und nichts so inbrünstig wünscht, als unser Glück. Wir brauchen ihr auch keine Geschenke zu bringen; ein herzliches Zutrauen ist ihr genug. 3) Maria ist unsere Mutter. Jesus hat uns gewürdiget, uns seine Brüder zu nennen; folglich hat er uns Maria zur Mutter gegeben. Jesus ist das Haupt, und wir die Glieder; deßwegen, sagt der heil. Augustin, ist Maria unsere Mutter. Ueberdieß gab uns Jesus Maria zur Mutter, da er einem jeden aus uns, in der Person des heil Johannes, vom Kreuze herab sagte: ,, Sich hier deine Mutter!"- un, sucht nicht ein gutes Kind vor Allem seiner Mutter zu gefallen? Sind wir also gute Kinder Mariä, so tragen wir im ganzen Leben stets eine zärtliche Andacht gegen sie, und bestreben uns durch öftere Erhebung unserer Herzen zu ihr derselben unsere kindliche Liebe zu erzeigen. 70 4) Maria ist unser Vorbild. ,, Der Wandel der allerheiligsten Jungfrau Maria," schreibt der heil. Ambrosius, ,, sei unserer Seele stets gegenwärtig; denn wie aus einem Spiegel strahlt aus ihr der Schimmer der Reinheit und die Anmuth - der allerfeligsten Jungfrau. der Tugend zurück. Von ihr entnehmet das Vorbild des Lebens; denn die an ihr, wie in einem Muster ausgedrückten Vollkommenheiten zeigen euch, was ihr zu beobachten, zu verbessern und zu vermeiden habt. Das Leben der einzigen Maria ist ein Muster für Alle." - mnd Bewundern wir mit dem heil. Bernard die Rathschlüsse der ewigen Weisheit und Güte Gottes über das menschliche Geschlecht! Er will es erlösen von den Banden des Todes durch seinen eingebornen Sohn; und sieh! einer unbefleckten Jungfrau, auserwählt und geheiliget unter allen Menschenkindern, bedient er sich, um diesen Gedanken unendlicher Liebe auf die huldvollste Weise auszuführen. Wie wunderbar und erhaben ist dieser Beruf der heil. Jungfrau! durch die Menschwerdung des ewigen Wortes sollte uns der wahre Gottestrost zukommen und die unversiegbare Quelle alles Heils uns zufließen. Doch wird dieß Geheimniß unserer Erlösung erst dann vollbracht, nachdem Maria ihre Einwilligung dazu gegeben hat; so nothwendig war es in den Absichten des Allerhöchsten, daß die Mutter unsers Erlösers das Heil der Menschen gleichsam zu ihrer persönlichen Angelegenheit machte; denn kaum spricht sie: mir geschehe nach deinem Werte, so öffnen sich die Himmel, das ewige Wort des Vaters läßt sich herab in unsere Tiefen, wird uns Menschen ähnlich, und alles Fleisch sieht seinen Retter, und Gott ist mit uns! War nun die gnadenvolle Jungfrau nicht gleichsam die Quelle, woraus jede Gnade uns zukam? ,, Als sie den Heiland gebar," schreibt der heil. Ambrosius, ,, so ergoß sich über die ganze Erde jener Geist der Heiligkeit, vcn dem sie erfüllt wurde, als sie ihn empfing." ,, Maria," spricht der heil. Thomas, ,, wurde einer solchen Fülle der Gnade theilhaftig, daß sie zur innigen Vereinigung mit Gott erhoben und würdig gemacht wurde, denjenigen in sich einzuschließen, der die Quelle aller Gnaden ist, und da sie ihn gebar, so öffnete sie diese Quelle allen Menschen. Es ist somit wahr, daß Maria, den göttlichen Rathschlüssen gemäß, durch ihre thätige Mitwirkung das größte Werk unserer Erlösung befördert hat. ,, Aus dieser unstreitigen Wahrheit," wie ein großer Lehrer spricht, ,, folgt eine andere Wahrheit, die man nicht immer genugsam würdigte, daß nämlich Maria bis an's Ende ein Mittel bleibt, wodurch der Allerhöchste seine Gnaden der Welt ertheilt." ,, Den Herrn gereuen seine Gaben nicht, wie der heilige Paulus lehrt. Hat er die Urquelle der Gnaden durch Maria gegeben, so fährt er auch fort, die ver Ueber die Verehrung schiedenen Ausflüsse derselben durch Maria auf uns hinzuleiten. Nein, diese heiligste Gottesmutter, die an der Gründung unsers Heils so nahen und unmittelbaren Antheil genommen, wird auch der fernern Fortdauer und Ausdehnung dieses Heils nicht fremd bleiben, denn alle Gnaden, die der Herr bis dahin den Menschen zukommen ließ und noch künftig ertheilen wird, sind sie nicht Wirkungen und Folgen jener ersten Gnade, wovon Maria die Mittlerin war? In diesem Sinne erkennen und preisen wir die Gottes mutter als die erste und vorzüglichste Spenderin aller himmlischen Güter. In diesem Sinne hat auch die katholische Kirche sie stets und besonders in großen Trübsalen um ihren Schutz angefleht und vertrauensvoll ihre Gebete in ihre Hände niedergelegt, damit sie dieselben vor den Thron ihres Sohnes brachte. In diesem Sinne rufen auch wir mit der ganzen Kirche vereint zu Maria: ,, Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o Heilige Gottesgebärerin: verschmähe nicht unser Gebet in unsern Nöthen!" Wie huldreich erhört die Mutter der Barmherzigfeit diesen allgemeinen Nothruf ihrer bedrängten Kinder! Betrachte das liebliche Bild ihrer unbefleckten Empfängniß! sieh ihre strahlenden Hände, die Segen und Gnade über den Erdball ausstreuen! Bei dieser trostvollen Betrachtung ist uns, als hörten wir die Worte: Fürchtet euch nicht, ich bin es! Ja, sie ist es gewiß und voll Freude grüßen wir sie mit den Worten der Kirche: ,, Sei Mutter der Barmherzigkeit- fei Königin gegrüßt! Des Lebens Freud' und Süßigkeit, durch die uns Trost zufließt. Zu dir, o Mutter, rufen wir, mit Thränen seufzen wir zu dir; o wend dein holdes Angesicht- auf uns vom Himmelsthrone:- Versag' uns deine Fürbitt' nicht -bei Jesu deinem Sohne!" - 1933 - - Da bie meisten Gnaden, womit uns Gott begünstiget, uns durch die Fürbitte der allerfeligsten Jungfrau bescheret werden und durch ihre Hände zu uns herabfließen, wie sich der heil. Bernard ausdrückt, so sollen wir auch uns durch alle mögliche Ehrerbietung ihr dafür dankbar erzeigen; daher die verschiedenen Andachten, welche heilige Männer, aus Eingebung des heil. Geistes, in der Kirche Gottes eingeführt haben, um ihren Kindern die Mittel zu erleichtern, die allerheiligste Jungfrau zu verehren und sich ihrem Dienste zu weihen, welches nach der Lehre der heiligen Väter ein so großes Zeichen von Auserwählung ist. ,, Da es unmöglich ist, sagt der heil. Anselm, daß diejenigen, welche Maria nicht beschützet, je zur Seligkeit gelangen, so ist es auch nothwendig, daß diejenigen, welche sie beschützt, der allerfeligsten Jungfrau. 73 gerechtfertiget und verherrlichet werden." Wie wichtig und nothwendig ist es folglich für uns, Alles zu thun, um ihren Schuk zu verdienen! ,, Denn, wie ein heiliger Vater sagt, wenn Jemand mit Menschen und Engelszungen redete, wäre es ihm nicht möglich, die Vortheile auszudrücken, welche von der Andacht der allerfeligsten Jungfrau herrühren; die Ewigkeit wird nicht zu lange sehn zur Bewunderung dieser unschätzbaren Güter, welche aber der Erde verborgen, der Welt unbekannt sind." Der heil. Antonius versichert uns, daß durch die Andacht zur allerfeligsten Jungfrau Maria ihm aller Arten Güter und Gnaden zugekommen sind." Ein frommer Schriftsteller behauptet, daß, wer Maria findet, Alles findet; wo Alles ist, ist nichts ausgenommen; und die Erfahrung aller Jahrhunberte lehrt uns, wie sich ein anderer Diener Mariä hierüber ausdrückt, daß der höllische Feind das Fasten, das Wachen, die Abtödtungen und Bußwerke, das Gebet, das Almosengeben und alle andere Werke der christlichen Andacht und Liebe höchst fürchtet; daß er aber doch viele Leute in's Verderben gebracht hat, welche in allen diesen Uebungen sehr vollkommen waren: aber es ist noch niemals geschehen und wird auch niemals geschehen, daß ein wahrer Verehrer der allerfeligsten Jungfrau zu Grunde gehe. Deßwegen verabscheuet und fürchtet die Hölle nichts mehr, als die Andachtsübungen zur allerfeligsten Jungfrau; das ist es auch, was die Ketzer, wie auch schlechte Katholiken heftig antreibt, diese Andachten und Verehrungen zu zernichten und zu zerstören, sei es öffentlich oder versteckt, durch scheinbare und hochtrabende Vorwände. Es ist eine ausge machte Wahrheit, daß unter allen Heiligen kein einziger ist, der nicht Maria andächtig verehrt habe, und auch, daß es niemals einen wahren Verehrer Mariä geben wird, welchem nicht die Seligkeit wird zu Theil werden. ,, Wenn ich mein Vertrauen auf die Mutter Gottes setze, werde ich selig werden," sagt der große heil. Johann Damascen. Der heil. Patriarch Germanus versichert uns, ,, daß der Schutz Mariä alle unsere Begriffe übersteige, und wir dessen Macht und Gewalt gar nicht zu begreifen vermögen." Der heil. Bonaventura behauptet ,,, daß diejenigen, welche das Lob Mariä feiern, nicht in die Hölle fallen werden; daß unendliche Güter für ihre Diener bereitet sind; daß unsere ewige Seligkeit unter ihren Händen ist, und sie dieselbe ihren getreuen Dienern wird zukommen lassen." = Der schon oben angeführte heil. Bater Bernard spricht in feinen Lobreden auf Maria unter Anderm auch: ,, In allen Gefahren, in allen Nöthen, in zweifelhaften Fällen denke an Ueber die Verehrung Maria, ruf Maria an! Nie weiche sie von deinem Munde, nie von deinem Herzen. Und damit du Theil habest an ihrer Fürbitte, so folge dem Beispiele ihres himmlischen Wandels. Wer ihr folgt, geht nicht irre; wer sie anruft, verzweifelt nicht; hält sie dich, so wirst du nicht fallen; beschützt sie dich, so hast du nichts zu fürchten; führt sie dich, so wirst du nicht müde.- Maria öffnet den Schooß ihrer Barmherzigkeit, damit Alle von ihrer Fülle empfangen: der Gefangene die Erlösung, der Kranke die Gesundheit, der Betrübte Trost, der Sünder Vergebung, der Gerechte neue Gnaden. * 74 * Ueber die Verehrung der heiligen Mutter Gottes Maria führt ihren göttlichen Sohn Jesus Christus der fromme Johannes Justus Landspergins" also sprechend an: Meine geliebte Mutter sollst du mit besonderer Andacht verehren, sie öfters andächtig grüßen, und ihrem Leben und ihrer Tugend fleißig nachfolgen. Denn ich habe sie der Welt zum Beispiele der Heiligkeit, Unschuld und Reinigkeit, auch zum besonderen Schutze gleich einer sichern Festung vorgestellt, um allen Betrübten und Verlaffenen eine sichere Freistätte zu seyn, die Niemanden scheue, Niemanden fürchte, und die Keinen, der zu ihr nahet, erschrecke. Denn darum habe ich sie so sanftmäthig und mild, so barmherzig, gütig und gnädig erschaffen wollen, damit sie Niemanden verachte, Niemanden sich verläugne, sondern den Schooß ihrer Milde Jedermann offen halte, und Niemand traurig und ungetröstet von sich hinweggehen laſſe. Ich habe sie auch wunderbar, freundlich und holdselig erschaffen, besonders gegen die Sünder, die gleichwohl verzweifelt und verstockt gewesen, damit sie mir sei anstatt eines Angels und eine sehr dienliche Speise, die Seelen zu fangen. Denn die großen Sünder, die alle andere Netze zerreißen, und die ich sonst durch keinen bessern Weg oder Gelegenheit zu mir ziehen kann, diese ziehe ich durch sie, das ist, durch die Verehrung und Andacht gegen meine Mutter, die ich ihren Herzen sehr lieblich werden lasse, an mich. Ich erwecke diese zu guten Werken, nämlich der Verehrung, der Andacht und Hoffnung und Anrufung Mariens, welche sonst gegen mich ein hartes Herz haben, auf daß ich sie nach und nach empfänglich und würdig mache meiner Gnaden und größerer Erleuchtung, und zrar so lange, bis sie zur Besserung, und wie gemeiniglich geschieht, zu einem gar heiligen Leben gebracht werden. der allerseligsten Jungfrau. 75 Deßhalb befehle ich dir täglich, daß du durch sie von mir große Gnade und Gunst erlangest. Denn ihr habe ich den Schatz aller meiner Gnade und Barmherzigkeit auszutheilen übergeben, da ich ihr am Kreuze hängend alle meine Söhne, besonders aber die Sünder, für die ich damals gelitten, in der Person Johannes des Evangelisten und Apostels empfohlen habe. Solches weiß sie gar wohl, und sie ist darum sehr fleißig und emsig, ihrem Amte abzuwarten, um deren Keines, die ihr empfohlen worden, so viel in ihren Kräften liegt, besonders aber die sie anrufen, in's Verderben gerathen zu lassen, sondern sie Alle mit möglichstem Fleiße wieder zu mir zu führen und mir zur Versöhnung aufzuopfern. Was glaubst du, geliebte Tochter, habe ich auch eine taugliche und zu dieser Sache geschickte Helferin auserwählt? Hätte ich auch zu solchem Amte eine Füglichere und Geschicktere finden können? Sollen, was meinst du, die traurigen, verlassenen und tiefgesunkenen Sünder bei mir einen andern Fürbitter begehren, der treulicher für sie rede, sie mir zuführe und gutherziger aufnehme, denn eben dieses Weib? Diese allerdemüthigste, barmherzigste, sanftmüthigste, holdseligste, mit aller Milde und Süßigkeit überfüllte, ja bie mächtigste, mir allerliebste Jungfrau Maria, nämlich Meine, das ist, dessen, der versöhnt werden soll, einige Mutter? Ach, wie sehr irren sich, was für ein großes Bollwerk der Verstockung und des Verderbens bauen Jene sich selbst, welche dieser gnadenvollen Mutter und Schatzmeisterin widersprechen! Die sie nicht erkennen wollen eben so gut als eine Fürsprecherin bei mir, als ich beim Vater bin! Meinst du, daß solche Menschen sich auch tiefer in die Hölle hinabstoßen könnten, als sie thun, wenn sie diejenige, um deren Fürbitte willen ich die Welt so oft verschont und meinen Zorn so oft zurückgehalten habe, von sich ausschließen? damit Niemand mehr sei, der sich für die Welt darstelle, Niemand, der meine zur Strafe ausgestreckte Hand zurückhalte, und damit ich sie also frei möge schlagen und strafen! Was gibt es aber für eine größere Plage und Strafe, als den Unglauben der Menschen und ihre Verachtung meiner Gnade, die mich zwingen, daß ich sie nicht als Kinder zeitlich strafe, sondern als Feinde sie ihrer eigenen verkehrten Blindheit überlasse, wodurch sie verblendet nicht sehen, wohin sie gegangen, his fie in ewiger Finsterniß und Bein die Fesseln der schreckchsten Gefangenschaft an sich selbst empfinden? Von verschiedenen Andachten Dieß gebe ich dir als meiner lieben Braut zu verstehen, damit du weder in diesem noch in einem andern Artikel der Zehre meiner Kirche, die durch meinen Geist eingegeben worden, untren werdest, und von denen, die, durch den bösen Geist verführt, sich christlich zu nennen pflegen, dich nicht betrügen laſseſt. Anweisung, verschiedene Andachten zu Ehren der Gottesmutter Maria zu üben. Unsere Himmelskönigin ist so freigebig und dankbar, daß sie ihre Diener für die geringsten Andachtsübungen mit groBen Wohlthaten belohnt, sagt der heil. Andreas von Kreta. Um aber diese Gnade aus unsern Andachtsübungen zu Ehren Mariens zu erlangen, werden zwei Dinge erfordert: erstens muß derjenige, welcher dieselben verrichtet, von Todsünden frei seyn, sonst würde Maria zu einem Solchen sagen, was sie eines Tages zu einem lasterhaften Soldaten sprach, der nach dem Berichte des heil. Perus Cölestinus( Opus c. 23) täglich einige Andachtsübungen zu Ehren der göttlichen Mutter verrichtete. Als nämlich dieser Soldat eines Tages heftigen Hunger hatte, da erschien ihm die allerfeligste Jungfrau und bot ihm ausgesuchte Speisen an, die sich aber in einem so schmutzigen Gefäße befanden, daß er nicht den Muth hatte, dieselben anzurühren. Da sprach die allerfeligste Jungfrau: Siehe, ich bin die Mutter Gottes und ich bin gekommen, deinen Hunger zu stillen. Aber, antwortete der Soldat, ich kann mich nicht entschließen, diese Speisen aus einem solchen Gefäße anzunehmen. Wie ist es aber möglich, antwortete Maria, daß du verlangst, ich sollte deine Andachtsübungen günstig aufnehmen, die du mir mit einem so beschmutzten Herzen darbringst. Als der Soldat dieß vernahm, da bekehrte er sich, wurde Einsiedler, lebte dreißig Jahre in der Wüste, worauf Maria ihm in seiner Todesstunde erschien und in den Himmel führte. Ich behaupte erstlich, es sei unmöglich, daß ein Verehrer Mariens ewig verloren gehe; das darf man aber nur unter der Bedingung verstehen, daß ein Solcher im Stande der Gnade Gottes sei, oder wenigstens den Wunsch habe, die Sünde zu verlassen, weil Maria ihm alsdann gewiß, dazu verhelfen wird. Sollte hingegen Jemand fortfahren wollen zu fündigen, in der Hoffnung, daß die Mutter Gottes ihn dennoch selig machen werde, so würde er durch seine eigene Schuld unwürdig und unfähig werden, daß Maria ihm beistehe. Zweitens muß man, um die Andachtsübun zu Ehren der Gottesmutter. gen zur göttlichen Mutter mit Segen zu verrichten, beharrlich im Dienste Mariens bleiben. Die Beharrlichkeit allein, sagt der heil. Bernard, verdient die Krone. Als der fromme Thomas von Kempis noch ein kleiner Knabe war, da hatte er die Gewohnheit, täglich gewisse Gebete zu Ehren Mariens zu verrichten; da geschah es aber, daß er dieß einmal unterließ; ſpäter unterließ er es eine ganze Woche lang, endlich ganz und gar. Da erschien ihm in der Nacht Maria im Traum, die seine Mitschüler umarmte; als sie aber zu ihm kam, da sprach sie: Was erwartest du von mir, nachdem du deine Andachtsübungen unterlassen hast? Entferne dich, du verdienst es nicht, daß ich dich umarme. Darauf erwachte Thomas, er war ganz erschrocken und begann wieder, von diesem Tage an, seine gewöhnlichen Gebete. Richardus hatte Recht, wenn er sagte, daß der, welcher Maria beharrlich dient, selig in seiner Hoffnung sei, weil Alles, was er wünscht, geschieht; weil aber niemand sicher ist, daß er beharrlich seyn werde, so ist auch Niemand vor seinem Tode seiner Seligkeit gewiß. Eine sehr wichtige Lehre hat der fromme Jüngling Johannes Berchmanns, aus der Gesellschaft Jesu, bei seinem Tode seinen Mitbrüdern hinterlassen:- als dieselben ihn nämlich fragten, welche Andachtsübung der göttlichen Mutter am wohlgefälligsten sei und durch welche sie am sichersten ihren Beistand erlangen würden, da antwortete derselbe: Auch die kleinste Andachtsübung genügt, wenn man sie nur beharrlich ausübt. Ganz einfach und kurz will ich hier die verschiedenen Andachtsübungen aufzählen, die wir zu Ehren der göttlichen Mutter verrichten können, um ihren Beistand zu erlangen, und ich glaube, daß dieß das nützlichste seyn wird, was man in diesem Buche finden kann. Ich empfehle indeß meinem lieben Leser nicht so sehr, alle diese Andachtsübungen zu verrichten, als ich ihm anempfehle, diejenigen, die er selbst gewählt haben wird, mit Beharrlichkeit zu üben und mit der Furcht, daß die göttliche Mutter ihm ihren Beistand versagen werde, wenn er nachläßig seyn wird, in denselben fortzufahren. O wie Viele, die sich jetzt in der Hölle befinden, würden selig geworden seyn, wenn sie mit den Andachtsübungen, die sie zu Ehren Mariens begonnen, fortgefahren hätten!- I. Von Ave Maria. Gegrüßet seist du. Dieser Gruß des Engels ist der allerseligsten Jungfrau sehr wohlgefällig, denn es scheint, als ob man ihr alsdann die Freude, die sie empfand, als der Erzengel Gabriel ihr verkünbigte, sie sei die Mutter Gottes geworden, erneuere; in dieser - Von verschiedenen Andachten Absicht müssen wir also recht häufig Maria mit dem Ave Maria begrüßen. Begrüße sie, sagt der fromme Thomas von Kempis, mit dem englischen Gruße, denn sie vernimmt denselben sehr gerne. Eines Tages sprach die göttliche Mutter zur heiligen Mechtildis, man könne nichts Besseres thun, als sie mit dem Ave Maria( gegrüßt seist du) begrüßen. Eines Tages hörte der heil. Bernard ganz deutlich, wie eine Bildsäule Mariens ihn mit den Worten begrüßte: Gegrüßet seist du, Bernard! ( March. 20. Aug.) Der heil. Bonaventura sagt, daß der Gegengruß, Mariens allezeit in einer gewissen Gnade bestehe; denn auf solche Weise antwortet Maria immer denjenigen, die sie begrüßen. Richardus fügt hinzu: Wäre es wohl möglich, daß, wenn Jemand zur Mutter des Herrn kommt und zu ihr spricht: Gegrüßt seist du Maria, fie ihm eine Gnade abschlagen könne? Die göttliche Mutter selbst versprach der heil. Gertrud, sie wolle ihr so oft im Tode beistehen, als sie Ave Maria's zu ihr gesprochen habe. Der selige Alamus sagt sogar, daß, gleichwie beim Ave Maria der ganze Himmel sich freut, auf gleiche Weise der Teufel zittert und flieht. Der fromme Thomas von Kempis bestätigt dasselbe aus Erfahrung und erzählt, es sei ihm einmal geschehen, daß, als er das Ave Maria betete, der Teufel plötzlich die Flucht nahm. Man kann diese Andacht auf folgende Weise üben: 1) Kann man am Morgen und am Abend, wenn man aufsteht oder zu Bette geht, drei Ave Maria beten, mit dem Gesicht auf dem Boden, oder wenigstens auf den Knieen und zu jedem Ave( Gegrüßt seist du) folgendes kurze Gebet hinzufügen: Um deiner reinen und unbéfleckten Empfängniß willen reinige, o Maria, meinen Leib und meine Seele. Darauf kann man Maria um ihren Segen bitten, wie dieß der heil. Stanislaus immer zu thun pflegte, und sich unter den Schutzmantel Mariens begeben und sie bitten, daß sie uns den Tag über oder die folgende Nacht vor der Sünde bewahren wolle. Deßhalb thut man auch gut, wenn man nahe bei seinem Bette ein schönes Bild Mariens aufhängt. 2) Pflegt man den englischen Gruß mit den gewöhnlichen drei Ave Marien's am Morgen, am Mittag, und am Abend zu beten. Papst Johann XXII. war der erste, der auf diese Anbachtsübung einen Ablaß ertheilte und dieß bei folgender, vom Pater Craffet( Tom. 2 tr. 6. quat. 2) mitgetheilten Begebenheit. Es geschah nämlich, daß ein Verbrecher, der verurtheilt worden war, verbrannt zu werden, weil er Maria am Vorabende des Festes ihrer Verkündigung angerufen hatte, 78 zu Ehren der Gottesmutter. 79 mitten im Feuer unverletzt blieb, so daß nicht einmal seine Kleider zu brennen anfingen. Späterhin hat Benedikt XIII. dem, welcher den englischen Gruß betet, jedesmal hundert Tage Ablaß verliehen und am Anfange des Monats einen vollkommenen Ablaß, wenn man gebeichtet und kommunizirt hat. Bater Crasset fügt noch hiezu, Clemens X. habe noch andere Abläße damit verbunden, wenn man am Ende eines jeden Ave hinzufügt:" Gott und Maria sei gedankt."( Loc. cit.) Ehemals pflegte Jedermann, wenn die Glocke läutete, sich auf die Kniee zu werfen, um den englischen Gruß zu beten; heut zu Tage schämen sich viele Leute dieß zu thun; aber der heil. Karl Borromäus schämte sich nicht, aus dem Wagen oder vom Pferde herabzusteigen, um den englischen Gruß auf der Straße und sogar mitten im Roth zu beten. Man erzählt, daß ein Ordensgeistlicher, der zu träge war, um beim Läuten des englischen Grußes derzuknieen, selbst sah, wie der Glockenthurm sich dreimal neigte; hierauf vernahm er eine Stimme, die sprach: Siehe, du thust nicht einmal, was die unbelebten Geschöpfe thun. Es ist hier noch zu bemerken, daß man, nach der Erklärung Benedicts, während der österlichen Zeit das Regina coeli( Königin des Himmels) statt des englischen Grußes betet, und daß man den englischen Gruß am Samstag Abends und den ganzen Sonntag hindurch stehend beten muß. 3) Kann man die göttliche Mutter jedesmal, wenn man die Glocke schlagen hört, mit einem Ave Maria begrüßen. Alphons Rodriguez pflegte Maria jebe Stunde auf diese Weise zu begrüßen; wenn die Uhr in der Nacht schlug, dann weckte ihn ein Engel auf, damit er diese Andacht ja nicht unterlaſſe. 4) Jedesmal, wenn man das Haus verläßt und wieder dahin zurückkehrt, kann man die göttliche Mutter mit einem Ave begrüßen, damit sie uns drinnen und draußen vor der Sünde bewahre; man kann ihr alsdann auch jedesmal im Geist die Füße füßen, wie dieß die Karthäuser zu thun pflegen. 5) Wenn man ein Bild Mariens sieht, kann man dasselbe mit einem Ave begrüßen. Deßhalb sollten die, welche es leicht thun können, an ihrem Hause ein schönes Bild Mariens anzubringen suchen, damit die Vorübergehenden dasselbe verehren können. In Neapel und hauptsächlich in Rom findet man sehr schöne Bilder der Mutter Gottes, die von frommen Leuten auf dem Wege ausgestellt sind. 6) Die heilige Kirche hat angeordnet, daß man jedesmal, ehe man die Tageszeiten zu beten anfängt, vorher ein Ave Maria bete, und daß dieselben wieder mit einem Ave Maria Bon verschiedenen Andachten beschlossen werden; deßwegen würde man auch sehr wohl thun, wenn man beim Anfang oder beim Ende einer jeden Handlung ein Ave Maria verrichtete; ich sage bei einer jeden Handlung, sie möge geistig seyn, z. B. beim Gebet, bei der heiligen Beicht und Communion, bei der geistlichen Lesung, vor und nach der Predigt zc.; oder wenn man Jemanden einen Rath gibt, beim Arbeiten oder wenn man zum Essen oder zu Bette geht 2c. Gewiß werden uns die Handlungen, die zwischen zwei Ave Maria verrichtet werden, großen Segen bringen. Jedes Mal, wenn man des Morgens aufsteht, wenn man die Augen schließt um einzuschlafen; ja in jeder Gefahr, wenn Zorn und ähnliche Leidenschaften in uns aufsteigen, jedes Mal sollten wir alsdann ein Ave Maria beten. Thue das, mein lieber Leser, und du wirst sehen, welch großen Nußen du daraus schöpfen wirst; bedenke auch noch, daß du bei jedem Ave zwanzig Tage Ablaß gewinnen kannst.( ap. Vita de Indulg. S. vult.) Uleberdieß berichtet der Pater Auriemna( L. cit.), daß die allerfeligste Jungfrau der heil. Mechtildis einen seligen Tod verheißen habe, wenn sie täglich drei Ave zu Ehren ihrer Macht, ihrer Weisheit und Güte verrichten würde. Eines Tages offenbarte die göttliche Mutter der seligen Johanna von Frankreich, daß das Ave Maria ein ihr sehr wohlgefälliges Gebet fei, besonders wenn man es zehn Mal zu Ehren ihrer zehn Tugenden verrichte.( ap. Maracci p. 25.) Dieser Schriftsteller fügt mehrere Abläße hinzu, die mit diesen zehn Ave Mariens verbunden sind. 80 II. Meuntägige Andachtsübungen zu Ehren Mariens. Die Verehrer Mariens sind sehr sorgfältig und eifrig, neuntägige Andachtsübungen zu Ehren der Feste Maria's zu verrichten, wofür die göttliche Mutter ihnen unzählige und ganz ausgezeichnete Gnaden mitzutheilen pflegt. Eines Tages sah die heil. Gertrud eine Menge Seelen unter dem Mantel Mariens, die diese erhabene Königin ganz liebevoll anblickte; hierauf vernahm die heilige, daß dieß Seelen seien, die sich durch fromme Andachtsübungen an den Tagen vor Mariä Himmelfahrt zu diesem Feste recht vorbereitet haben. Bei den neuntägigen Vorbereitungen kann man folgende Andachten anstellen: 1. Verrichtet man eine Betrachtung am Morgen und am Abend, nebst der Besuchung des allerheiligsten Altarssakramentes und fügt am Ende neun Vater unser, neun Ave und neun Ehre sei dem Vater hinzu. 2. Besucht man brei Mal die allerfeligste Jungfrau vor einem ihrer Bilder und dankt Gott für die Gnaden, die er ispr zu Ehren der Gottesmutter. §1 derselben ertheilt hat und bittet die göttliche Mutter jedes Mal um eine besondere Gnade; bei einer von diesen Besuchungen kann man das Gebet verrichten, welches man am Ende einer jeden Betrachtung für die Feste Mariens findet. 3. Man kann auch häufig Liebesatte zu Jesus und zu Maria erwecken, indem man nichts thun kann, was der göttlichen Mutter angenehmer wäre, als wenn man ihren Sohn recht liebt, wie Maria selbst dieß der heil. Brigitta offenbarte: Wenn du willst, daß ich dir recht geneigt sei, so mußt du meinen Sohn Jesus lieben, sprach die göttliche Mutter. 4. Alle Tage, so lange die neuntägige Andacht dauert, kann man eine viertel Stunde lang in einem Buche lesen, welches von den Herrlichkeiten Mariens handelt. 5. Es ist auch sehr heilsam, wenn man einige äußerliche Abtödtungen zu Ehren Mariens verrichtet; wenn man die Disciplin nimmt, das Cilizium trägt 2c. und zugleich fastet, oder sich wenigstens bei Tische das Obst, oder eine Speise, die man besonders gerne hat, oder wenigstens einen Theil davon. versagt; oder wenn man einige bittere Kräuter in den Mund nimmt. Am Vorabend des Festes kann man auch bei Wasser und Brod fasten; aber dieß Alles muß man nur mit der ausdrücklichen Erlaubniß seines Beichtvaters thun. Noch besser ist es, wenn man sich während dieser neuntägigen Andacht innerlich abtödtet, wenn man unterläßt, aus Neugierde etwas anzusehen, oder zu riechen, wenn man recht eingezogen ist, wenn man das Stillschweigen übt, wenn man recht gehorsam ist, wenn man nicht mit Ungeduld antwortet, wenn man die Widerwärtigkeiten geduldig erträgt und dergleichen mehr, was man Alles mit weit weniger Gefahr vor eitler Ehre, mit weit größerem Verdienste und ohne daß man dazu der Erlaubniß seines Beichtvaters bedürfte, thun kann. Am nützlichsten ist es aber, wenn man sich beim Anfange der neuntägigen Andacht vornimmt, einen gewissen Fehler, den man gewöhnlich zu begehen pflegt, abzulegen. Man thut auch sehr gut, wenn man bei jeder der obgenannten drei Besuchungen Gott um Verzeihung bittet für die Sünden, die man früher begangen hat, und den Vorsatz erneuert, nicht wieder in die Sünde einzuwilligen, wozu man alsdann den Beistand Mariens anrufen muß. Man kann der allerseligsten Jungfrau keinen angenehmern Dienst leisten, als wenn man ihre Tugenden nachahmt; deßhalb thut man gut, wenn man sich bei jeder neuntägigen Andacht vornimmt, eine besondere Tugend Mariens, die auf das Geheimniß, welches man betrachtet, Bezug hat, nachzuahmen, z. B. beim Feste der R Bon verschiedenen Andachten unbefleckten Empfängniß Marien's nehme man sich vor, die gute Meinung zu üben; bei der Geburt Marien's die Erneuerung des Geistes, mit dem Entschluß, den Stand der Lauigkeit zu verlassen; bei der Aufopferung Marien's die Losschälung von all' den Dingen, an welchen wir noch die meiste Anhänglichkeit haben; bei der Verkündigung Mariens die Demuth und Uebertragung der Verachtung 2c.; bei der Heimsuchung Marien's die Nächstenliebe durch Almosengeben, oder wenigstens dadurch, daß wir für die Sünder beten; bei der Reinigung Marien's, den Gehorsam gegen unsere Obern und endlich bei Mariä Himmelfahrt die Losschälung von Allem, mit dem Entschluß, Alles so zu thun, als ob wir uns zu unserm Tode vorbereiteten, indem wir ja leben müßen, als ob jeder Tag der letzte unseres Lebens sei. Wenn wir die neuntägigen Andachten auf diese Weise verrichten, so werden wir gewiß großen Segen daraus schöpfen. 6. Man thut auch gut, wenn man seinen geistlichen Führer um die Erlaubniß bittet, nicht nur den Tag des Muttergottesfestes selbst, sondern auch an einigen andern Tagen, während der neuntägigen Andacht, communiciren zu dürfen. Der Pater Segneri pflegte zu sagen, man könne Maria nicht mehr ehren, als wenn man sich mit Jesus vereinigt. Die göttliche Mutter selbst offenbarte einer heiligen Person( wie man beim Pater Craffet, tom. 2. tr. 6. p. 6.) liest), daß man ihr nichts darbringen könne, was ihr größere Freude mache, als die heilige Communion; denn während der heiligen Communion sammelt Jesus in der Seele die Früchte seines Leidens, woher es auch kommt, daß Maria nichts mehr von ihren Dienern wünscht, als die heilige Communion, indem sie denselben zuruft: Komnet, effet mein Brod, und trinket den Wein, den ich euch gemischt habe. 82 7. Endlich muß man am Festtage der Mutter Gottes, nachdem man communicirt hat, sich selbst dem Dienste dieser göttlichen Mutter darbringen, und sie um die Gnade bitten, die Tugend zu erlangen, die man sich vorgenommen hat, oder irgend eine andere besondere Gnade. Auch thut man gut, wenn man jedes Jahr, unter den verschiedenen Festen der Mutter Gottes eines wählt, wozu man größere und innigere Andacht hat; man bereitet sich alsdann auf ganz besondere Weise dazu vor, um sich von Neuem und noch ausdrücklicher dem Dienst der göttlichen Mutter zu weihen, indem man sie zu seiner Gebieterin, zu feiner Fürsprecherin und Mutter erwählt. Bei dieser Gelegenheit muß man auch die göttliche Mutter um Verzeihung bitten, 83 zu Ehren der Gottesmutter. daß man das Jahr vorher so nachläßig in ihrem Dienste gewesen, und ihr versprechen, ihr das folgende Jahr treuer zu dienen. Zuletzt muß man Maria bitten, sie wolle uns zu ihren Dienern annehmen und uns eine selige Sterbftunde erlangen. III. Der Rosenkranz und die Tagszeiten zu Ehren Mariens. Jedermann weiß, daß die göttliche Mutter selbst dem heil. Dominikus die Andacht des heiligen Rosenkranzes geoffenbart hat. Als nämlich eines Tages der Heilige betrübt war und sich bei seiner göttlichen Mutter beklagte über die Keßer, die Albigenser, welche zu jener Zeit großen Schaden in der Kirche Gottes anrichteten, da antwortete ihm die allerfeligste Jungfrau: Dieses Erdreich wird immer unfruchtbar bleiben, so lange der Regen nicht darauf fällt. Da erkannte der heil. Dominikus, daß dieser Regen die Andacht zum Rosenkranz sei, die er verbreiten follte. Hierauf predigte der Heilige allenthalben diese Andacht, die von allen Katholiken bereitwillig angenommen wurde, so daß es heut zu Tage keine Andachtsübung gibt, die häufiger von den Gläubigen in allen Ständen verrichtet wird, als der heilige Rosenkranz. Wie viel haben die Ketzer in den letzten Jahrhunderten, ein Calvin, ein Bucer und Andere nicht gesagt, um das Beten des Rosenkranzes in Abnahme zu bringen? Aber Jedermann weiß, wie viel Gutes die Welt dieser herrlichen Andacht verdankt. O wie Viele sind durch dieselbe von ihren Sünden befreit worden! Wie Viele sind dadurch zu einem heiligen Leben angeleitet; wie Viele, die jetzt felig im Himmel sind, verdanken derselben einen guten Tob! Das kann man in den Büchern lesen, die davon handeln; uns genügt es zu wissen, daß die heilige Kirche diese Andacht anempfohlen hat und daß die Päpste dieselbe mit vielen Abläßen bereichert haben. Um aber die mit dem Rosenkranze verbundenen Abläße gewinnen zu können, muß man zu gleicher Zeit die Geheimniſse des Rosenkranzes betrachten, welche man in mehreren Büchern erklärt findet; wenn aber Jemand dieselben nicht weiß, so ist ge-. nug, wenn er eines der Geheimnisse des Leidens Christi, z. B. die Geißlung oder den Tod des Herrn betrachtet. Man muß den Rosenkranz auch recht andächtig beten; in Bezug hierauf sprach eines Tages die allerfeligste Jungfrau zur heiligen Eulalia, daß es ihr weit angenehmer sei, wenn man fünf Gesetze des Rosenkranzes langsam und andächtig betet, als fünfzig, die in der Eile und mit geringerer Andacht abgebetet werden. Darum thut man auch gut, wenn man den Rosenkranz auf den Knieen und vor einem Bilde der Mutter Gottes betet, und wenn man jedes Mal 84 Von verschiedenen Andachten im Anfang einige Liebesakte zu Jesus und Maria erweckt, und dieselbe um irgend eine Gnade bittet. Es muß auch noch bemerkt werden, daß es nützlicher ist, wenn man den Rosenkranz mit mehreren zusammen, als wenn man ihn allein betet. Man erzählt, daß die kleinen Tagszeiten Mariens vom heiligen Petrus Damianus verfaßt seien; Papst Urban II. hat demjenigen, der dieselben betet, mehrere Ablässe ertheilt; auch hat die göttliche Mutter mehrmals zu erkennen gegeben, wie lieb ihr diese Andacht sei, wie bei dem Pater Auriemna zu lesen ist. ( Tom. 1. c. 8.) Auch ist es Maria lieb und angenehm, wenn man ihre Litaneien betet, wobei jedesmal ein Ablaß von zweihundert Tagen gewonnen werden kann, so wie auch, wenn man den Hymnus Ave maris stella betet,( den Maria selbst der heiligen Brigitta empfahl, täglich zu beten) und den Lobgesang Magnificat, wodurch man sie mit ihren eigenen Worten lobt, mit denen sie das Lob Gottes verkündigte. atsl IV. Das faften zu Ehren Mariens. Es gibt viele Verehrer Mariens, welche an den Samstagen und an den Vorabenden der Mutter Gottes- Feste ihr zu Ehren bei Wasser und Brod zu fasten pflegen. Es ist bekannt, daß die heilige Kirche angeordnet hat, den Samstag als einen der Ehre Marien's bestimmten Tag zu betrachten; weil nach dem heiligen Bernard, Maria an diesem Tage, nachdem ihr göttlicher Sohn gestorben war, unerschütterlich fest im Glauben verharrte. Deßhalb haben die Diener Marien's die Gewohnheit, ihr an diesem Tage eine besondere Andachtsübung darzubringen, hauptsächlich das Fasten bei Wasser und Brod, wie dieß der heilige Carl Borromäus, der Cardinal Toledus und so viele Andere zu thun pflegten. Der Bischof Nittardus von Bamberg und der Pater Joseph Arriaga, aus der Gesellschaft Jesu, enthielten sich sogar an diesem Tage von aller Speise. Beim Pater Auriemna( Tom. 1. c. 17.) kann man lesen, welche große Gnaden Gott denen ertheilt hat, die diese Andachtsübung zu verrichten pflegten. Statt aller andern Beispiele erinnere ich nur an jenen Räuberhauptmann, welcher um dieser Andachtsübung willen die Gnade erlangte, daß, nachdem man ihm den Kopf abgeschlagen hatte, er durch ein Wunder am Leben blieb, so daß der Armselige, der in der Ungnade Gottes stand, noch vor seinem Tode beichten konnte. Er selbst erklärte, daß die allerfeligste Jungfrau ihm das Leben erhalten habe, weil er die Gewohnheit hatte, ihr dieß Fasten aufzuopfern.( ap. Auriem. loc. cit.) Es wäre also wohl keine so zu Ehren der Gottesmutter. große Sache, wenn Jemand, der sich rühmt, ein besonderer Verehrer Marien's zu seyn, besonders wenn derselbe um seiner Sünden willen schon die Hölle verdient hätte, der göttlichen Mutter am Samstag das Fasten bei Wasser und Brod aufopferte. Ich behaupte, daß derjenige, welcher diese Andachtsübung verrichtet, schwerlich ewig verloren gehen werde. Damit will ich nicht sagen, daß, wenn ein Solcher im Stande der Todsünde gestorben ist, die göttliche Mutter ihn durch ein Wunder befreien werde, wie es bei jenem Räuber geschah; denn das sind Wunder der göttlichen Barmherzigkeit, welche selten statt finden, weshalb es eine Thorheit wäre, wenn man auch auf solche Weise selig werden wollte; ich will damit nur sagen, daß die göttliche Mutter demjenigen, der diese Andachtsübung verrichtet, gar leicht die Beharrlichkeit in der Gnade Gottes und eine glückselige Sterbstunde erlangen werde. Alle Mitglieder unserer kleinen Versammlung, das heißt jene, die stark genug dazu sind, fasten am Samstag bei Wasser und Brod zu Ehren Marien's. Ich sage alle, die es thun können, denn wenn Jemand durch seine Gesundheit davon abgehalten würde, so sollte er sich wenigstens am Samstag mit einer Speise begnügen, oder die gewöhnlichen Fasten halten, oder sich der Früchte enthalten, oder eine andere Speise, die er gerne ist, stehen lassen. Am Samstage soll man auch noch andere besondere Andachtsübungen zu Ehren Marien's verrichten, nämlich communiciren, oder wenigstens die heilige Messe hören, ein Bild der göttlichen Mutter besuchen, das Cilicium tragen und dergleichen mehr. Wenigstens sollte der fromme Verehrer Marien's an den Vorabenden ihrer Feste bei Wasser und Brod fasten, oder auf andere Weise, wie er es am besten kann. V. Die Besuchung der Bilder Mariens. Der Pater Segneri sagt, daß den Teufel nichts mehr über den Verlust getröstet habe, den er durch die Zerstörung des Götzendienstes erlitten, als die Verfolgung der Heiligen Bilder durch die Ketzer. Die heilige Kirche hat die Bilder sogar durch das Blut ihrer Märtyrer vertheidigt, und die göttliche Mutter hat es durch viele Wunder selbst zu erkennen gegeben, wie angenehm es ihr sei, wenn man ihre Bilder besucht und ihnen Verehrung beweist. Dem heiligen Johannes Damafcenus wurde die Hand abgehauen, weil er durch seine Schriften die Bilder Marien's vertheidigt hatte; aber die göttliche Mutter bewirkte durch ein Wunder, daß er seine Hand 86 Bon verschiedenen Andachten wieder erhielt. Der Pater Spinelli erzählt, daß sich in Konstantinopel jeden Freitag nach der Vesper ein Vorhang, welcher sich vor einem Bilde der göttlichen Mutter befand, von selbst öffnete, und daß sich derselbe am Samstag nach der Vesper auch wieder von selbst schloß. Als der heilige Johannes von Gott eines Tages vor einem Bilde Mariens betete, da öffnete sich auch von selbst der Vorhang des Bildes, weshalb der Sakristan, welcher meinte, daß der Heilige stehlen wolle, denselben mit dem Fuße stieß, worauf aber sein Fuß augenblicklich gelähmt ward. Alle Verehrer Mariens pflegen mit besonderer Andacht häufig die Bilder und die Kirchen, die zu Ehren Mariens errichtet sind, zu besuchen. Der heil. Johannes Damafcenus sagt, daß dieß jene Zufluchtsstätten seien, wo wir Hilfe finden gegen die Versuchungen und gegen die um unserer Sünden willen verdienten Strafen. Das Erste, was der heil. Kaiser Heinrich zu thun pflegte, wenn er in einer Stadt ankam, war, daß er die zu Ehren der Mutter Gottes geweihten Kirchen besuchte. Der Pater Thomas Sanchez begab sich nie nach Hause, ohne vorher eine Muttergottes- Kirche besucht zu haben. Daher soll es auch uns nicht mühsam fallen, unsere Königin alle Tage in einer Kirche oder in einer Kapelle, oder in unserm eigenen Hause zu besuchen. Man thäte gut, wenn man sich an dem einsamsten Orte des Hauses ein kleines Betzimmer einrichtete, wo man ein Bild der allerseligsten Jungfrau aufhängen könnte, welches man mit Vorhängen, mit Blumen, Lichtern und Lampen verzieren und vor welchem man täglich die Litanei der Mutter Gottes und den Rosenkranz beten könnte. Ein Verehrer Mariens könnte auch noch in einer Muttergotteskirche oder Kapelle einige Feste der Mutter Gottes feierlich begehen lassen und vorher eine neuntägige Andacht mit Aussegung des Hochwürdigsten Gutes, die auch von Predigten begleitet werden könnte, anordnen. Es wird nützlich seyn, hier jene Geschichte zu erzählen, welche der Pater Spinelli in den Wundern der Mutter Gottes Num. 65. berichtet. Es geschah im Jahre 1611 bei der berühmten Marienkapelle zu Montevergine, daß am Vorabende von Pfingsten das viele zusammengekommene Volk dieß Fest durch Tanzen, übermäßiges Essen und Trinken und durch andere unanständige Vergnügungen entheiligte. Da brach plötzlich Feuer in dem Wirthshause aus, wo Alle versammelt waren, und in weniger als anderthalb Stunden war das ganze Gebäude in Asche gelegt, und es wurden mehr als 1500 Menschen verbrannt. Fünf Personen, die am Leben geblieben waren, sagten aus, daß sie selbst die Mutter zu Ehren der Gottesmutter. 87 Gottes erblickt hätten, die mit zwei brennenden Fackeln das Wirthshaus angezündet habe, und sie bekräftigten ihre Aussage mit einem Eide. Deßhalb bitte ich alle frommen Verehrer Mariens von ganzem Herzen, daß sie sich nicht an den Festtagen in solche Wallfahrtskapellen der Mutter Gottes begeben, und daß sie zu bewirken suchen, daß auch Andere dieß nicht thun. Denn bei solchen Gelegenheiten zieht die Hölle weit mehr Nutzen, als daß die göttliche Mutter geehrt würde. Wer dergleichen Andachtsübungen verrichten will, der gehe zu einer Zeit, wenn kein so großer Zulauf iſt. VI. Das Tragen des Scapuliers. me Gleichwie es die Menschen für eine Ehte halten, wenn sie einige Personen haben, welche ihre Livre tragen, so sieht Maria es auch gern, wenn ihre Verehrer das Scapulier tragen, zum Zeichen, daß sie sich ihrem Dienste geweiht haben, und daß sie zur Dienerschaft der Mutter Gottes gehören. Wie man sich's leicht denken kann, spotten die Ketzer unserer Zeit über diese Andacht, nichts desto weniger hat die heilige Kirche dieselbe durch viele Bullen und damit verbundene Abläße gebilligt. Pater Craffet( Tom. 2. tr. 6. p. 4.) und Lezzana ( In Mar. c. V. n. XX.) berichten, in Bezug auf das Scapulier vom Berge Carmel, daß die allerfeligste Jungfrau gegen das Jahr 1257 dem seligen Simon Stock, einem Engländer, erschien. Indem Maria ihm das Scapulier überreichte, versprach sie ihm, daß diejenigen, welche es während ihres Lebens getragen hätten, vom ewigen Tode errettet werden sollten. Empfange, geliebter Sohn, sprach Maria zu dem Heiligen, dieß Scapulier deines Ordens als ein Zeichen deiner Verbindung mit mir, du und alle Carmeliten, ihr sollt das Vorrecht genießen, daß, wenn ihr damit angethan sterbt, ihr nicht das ewige Feuer der Hölle werdet leiden müssen.( Ap. Lec. loc. cit.) Ueberdieß erzählt der Pater Crasset, daß Maria ein anderes Mal dem Papst Johann XXII. erschien und ihm befahl, all' denen, die dieß Scapulier tragen würden, anzukündigen, daß sie am Samstag nach ihrem Tode aus dem Fegfeuer befreit werden sollten; dieß erklärte dann auch derselbe Papst in seiner Bulle, welche von Alexander V., von Clemens VII. und von andern Päpsten, nach demselben Pater Crasset bestätigt wurde. Es scheint auch, daß Papst Paul V. dasselbe sagend, nur die Bullen seiner Vorgänger auslege, weil er in seiner Bulle noch die Bedingungen hinzufügt, die man beobachten muß, um den Ablaß zu gewinnen; nämlich die Beobachtung der heiligen Keuschheit nach 88 Bon verschiedenen Andachten seinem Stande und das Beten der kleinen Tageszeiten Mariens, und wer dazu keine Gelegenheit hat, die Beobachtung der Kir chenfasten und die Enthaltung von Fleisch am Mittwoch. Die Ablässe, die mit dem Scapulier vom Berge Carmel, sowie mit bem Scapulier von den Schmerzen Mariens, von der heiligen Dreifaltigkeit und besonders von der unbefleckten Empfängniß verbunden worden, sind unzählbar und bestehen in vollkommenen und unvollkommenen Ablässen, die man im Leben und in der Sterbstunde gewinnen kann. Ich habe mir alle diese Scapuliere zu verschaffen gesucht. Hauptsächlich ist zu bemerken, daß mit dem Scapuliere von der unbefleckten Empfängniß, welches die Theatiner benediciren, neben vielen besondern Ablässen, auch alle jene Ablässe verbunden sind, die irgend einem Orden, einem frommen Orte, oder einer einzelnen Person bewilligt sind. Wenn man sechs Vater unser, Ave Maria und Ehre sei dem Vater, zu Ehren der heiligsten Dreifaltigkeit und der unbefleckten Jungfrau Maria betet, so gewinnt man jedesmal alle Ablässe von Rom, von Portiuncula, von Jerusalem und von Galizien, die bis auf 335 vollkommene Ablässe anlaufen, ohne zu rechnen die unvollkommenen, die so zu sagen unzählbar sind.. Dieß Alles findet sich gedruckt auf einem Blatte, welches die Theatiner selbst herausgegeben haben. VII. Aufnahme in die Bruderschaften der Mutter Gottes. Einige Personen mißbilligen die Bruderschaften und sagen, daß sie manchmal Streitigkeiten veranlaßt haben; und daß Viele sich aus menschlichen Absichten darin befinden. Aber gleichwie man nicht die Kirchen und die Sakramente mißbilligen kann, weil es Manche gibt, die dieselben mißbrauchen, so sollte man auch nicht die Bruderschaften tadeln; statt dieselben zu tadeln, haben die Päpste sie mit vielen Lobsprüchen gebilligt und mit Ablässen bereichert. Der heil. Franz von Sales ermahnt die Weltleute, in seiner Einleitung zu einem frommen Leben,( T. 2. c. 15.) sehr dringend, in die Bruderschaften sich aufnehmen zu lassen. Und wie viel hat der Heil. Karl Borromäus nicht gethan, um die Bruderschaften entweder fester zu begründen oder neue einzuführen! In seinen Kirchenversammlungen leitete er die Beichtväter an, zu bewirken, daß ihre Beichtfinder darin eingeschrieben würden, und das mit Recht, denn diese Bruderschaften, besonders jene der Gottesmutter, sind eben so viele Archen Noe's, in welchen die armen Weltleute vor dem Strome der Versuchungen und der Sünden, welche die Welt überschwemmen, eine Zuflucht finden. Auf den Missionen, die wir hal 89 zu Ehren der Gottesmutter. ten, sehen wir es am deutlichsten, wie nützlich die Bruderschaften sind. Gewöhnlich begeht ein einziger Mensch, der kein Mitglied einer Bruderschaft ist, mehr Sünden als zwanzig andere, welche die Bruderschaft fleißig besuchen. Man kann eine Bruderschaft weinen Thurm Davids nennen, der mit Schutzwehren gebaut ist, an dem tausend Schilde hangen, die ganze Rüstung der Starken.( Hohel. 4, 4.) Darum ist es so nützlich, in die Bruderschaften einzutreten, weil die Mitglieder derselben vielfache Vertheidigungsmittel gegen die Hölle darin finden, und weil man darin Mittel, um in der Gnade Gottes zu verharren, anwendet; Mittel, welche Leute, die in der Welt leben, wenn sie nicht zu einer Bruderschaft gehören, nur sehr selten anwenden. 1) Das erste Mittel, um selig zu werden, besteht darin, daß man oft über die ewigen Wahrheiten nachdenkt:" Denke an deine letzten Dinge, so wirst du in Ewigkeit nicht fündigen," ( Eccli. 7, 40.) und viele Menschen gehen nur deßhalb verloren, weil sie nicht darüber nachdenken. Das ganze Land ist öde und wüst, weil Niemand in sich geht."( Jerem. 12, 11.) Aber die, welche die Bruderschaften besuchen, haben Gelegenheit, sich innerlich zu versammeln, um über die ewigen Wahrheiten nachzudenken, wegen der vielen Betrachtungen, Lesungen und Predigten, die in den Versammlungen der Bruderschaft stattfinden. Meine Schafe kennen meine Stimme."( Joh. X.) 2) Um selig zu werden ist nothwendig, daß man sich häufig Gott im Gebete anempfehle. Bittet, und ihr werdet empfangen."( Joh. XVI.) Aber in den Bruderschaften geschieht dieß fortwährend von den Mitgliedern derselben, und Gott erhört ihr Gebet noch eher als sonst, weil, wie er Selbst gesagt hat, Er gerne Seine Gnaden gewährt, wenn man ihn gemeinschaftlich darum bittet:" Wenn zwei aus euch auf Erden einstimmig sehn werden über was immer für eine Sache, um die sie bitten wollen, so wird es ihnen von meinem Vater gegeben werden.( Matth. XVIII. 19.) Ueber diese Worte bemerkte der heil. Ambrofius: Viele Kleine, wenn sie einmüthig versammelt sind, werden groß; und es ist unmöglich, daß die Gebete Vieler unerhört bleiben. #Sto 3) Drittens hat man auch in den Bruderschaften leichter Gelegenheit, die heiligen Sakramente zu empfangen, auch dieß sowohl wegen der Regel, die sie manchmal vorschreibt, als auch des guten Beispiels, das die Mitbrüder sich gegenseitig geben. Durch den häufigen Empfang der heiligen Sakramente aber erlangt man leichter die Beharrlichkeit in der Gnade Gottes, weil, wie der heil. Kirchenrath von Trient erklärt hat, die 90 Von verschiedenen Anbachten heilige Kommunion ein Mittel ist, durch welches wir von unfern täglichen Fehlern befreit und vor den Todsünden bewahrt werden.( Sess. 13. c. 2.) 4) Außer den Sakramenten werden auch noch in der Bruderschaft die heiligen Tugenden der Abtödtung, der Demuth, der Nächstenliebe, besonders gegen arme und franke Mitbrüder, ausgeübt. Es wäre sehr gut, wenn in allen Bruderschaften die heilige Sitte eingeführt würde, auch den andern Kranken in der Gegend beizustehen. Sehr nützlich wäre es auch, wenn man zu Ehren der allerfeligsten Jungfrau allenthalben die geheime Bruderschaft einführte, welche aus den eifrigsten Mitgliedern der Bruderschaft gebildet werden muß. Ich will hier ganz kurz die frommen Uebungen hersegen, welche man in dieser Bruderschaft zu verrichten pflegt: 1) Macht man eine halbe Stunde geistliche Lesung. 2) Betet man die Vesper und Complet som heiligen Geist. 3) Betet man die Litanei der Mutter Gottes, während welcher Zeit die dazu bestimmten Mitglieder sich auch äußerlich abzutödten suchen, indem sie sich zum Beis spiel ein Kreuz auf die Schultern legen oder dergleichen mehr. 4) Betrachtet man täglich eine halbe Stunde lang über das Leiden Christi. 5) Jeder klagt sich über die gegen die Regel begangenen Fehler an, und empfängt dafür eine Buße von dem Vorsteher der Bruderschaft. 6) Ein dazu bestimmtes Mitglied liest jede Woche die in der vorhergehenden Woche verrichteten Abtödtungen vor und zeigt an, wann neuntägige Andachten eintreffen. Am Ende nimmt man die Disciplin, während eines Miserere und eines Salve Regina, worauf Jedermann dem Kruzifir, welches am Fuße des Altars steht, die Füße küßt. Die Regeln bestehen darin, daß jeder Mitbruder täglich 1) eine Betrachtung macht, 2) die Besuchung des allerheiligsten Sakramentes und der allerseligsten Jungfrau Maria verrichtet, 3) am Abend eine Gewissensforschung anstellt, 4) täglich eine geistliche Lesung macht, 5) daß er Spiel und weltliche Unterhaltung flieht, 6) daß er häufig kommunizirt und sich durch das Tragen von Kettchen, durch die Disziplin 2c. äußerlich abtödtet, 7) daß er täglich Gott die armen Seelen im Fegfeuer und die Sünder anempfiehlt, 8) daß, wenn einer von den Mitbrüdern krank ist, die andern ihn besuchen müßen. Kehren wir jetzt zu unserm ersten Gegenstand zurück. 5) Ich habe schon oft gesagt, wie nothwendig es ist, um ſelig zu werden, daß man ein Diener der göttlichen Mutter sei, nun aber thun die Mitglieder der Bruderschaft nichts anders, als daß fie ihr gemeinschaftlich dienen. O wie viel Lob empfängt Maria 1 zu Ehren der Gottesmutter. 91 in den Bruderschaften! Wie viel Gebete werden ihr da aufgeopfert! Daselbst weiht man sich, gleich anfangs, dem Dienste der göttlichen Mutter, da man sie auf ganz besondere Weise zur Mutter und zur Gebieterin erwählt! man läßt sich in das Buch der Söhne Mariens einschreiben, so daß man auf ganz besondere Weise ein Diener und ein Kind Mariens wird, und deßhalb auch von der göttlichen Mutter auf ganz besondere Weise behandelt und im Leben und im Sterben beschützt wird. So kann dann ein Mitglied einer Bruderschaft mit Recht sagen, daß er durch die Bruderschaft alles Gute empfangen habe:" Es kam mir alles Gute zugleich mit ihr."( Weish. VII., 11.) Ein Mitglied der Bruderschaft muß aber besonders auf zwei Dinge aufmerksam seyn: 1) Daß es die Meinung mache, aus feiner andern Absicht in die Bruderschaften treten zu wollen, als um seiner heiligen Mutter Maria zu dienen und um seine Seele zu retten. 2) Daß er nicht unterlasse, um zeitlicher Geschäfte willen, die Bruderschaft an den festgesetzten Tagen zu besuchen; denn man muß in die Bruderschaft gehen, um das wichtigste Geschäft, das es auf Erden gibt, in Ordnung zu bringen, näm lich seine ewige Seligkeit. Auch muß man suchen, so viel es nur möglich ist, Andere zu bewegen, daß sie auch die Bruderschaft besuchen und hauptsächlich, daß jene, die dieselbe verlassen haben, wieder dahin zurückkehren! O wie schrecklich hat Gott oft solche bestraft, welche die Bruderschaft der Mutter Gottes verlassen haben! In Neapel verließ Jemand die Bruderschaft, in welche er eingeschrieben war, und als man ihn ermahnte, wieder dahin zurückzukehren, antwortete er: Ich werde zurückkommen, wenn meine Beine zerbrochen sind und man mir den Kopf abgeschlagen hat. Der Unglückliche hatte wirklich die Wahrheit voraus gesagt; denn kurze Zeit darauf hieben ihm einige seiner Feinde den Kopf ab und zerschlugen seine Beine.( Apud Sarn. d. C. p. 1.) Die Mitglieder, die in der Bruderschaft verharren, werden dagegen von Maria mit zeitlichen und ewigen Gütern gesegnet: Alle ihre Hausleute sind doppelt gekleidet."( Sprüche Sal. 31, 21.) Beim Pater Auriemna kann man lesen, wie viele Gnaden Maria den Mitgliedern der Bruderschaft im Leben und besonders bei ihrem Tode ertheilt. Pater Crasset erzählt,( Tom. 2. pr. 5.) daß im Jahre 1586 ein Jüngling, der schon mit dem Tode kämpfte, plötzlich einschlief. Als er arauf wieder erwachte, sagte er zu seinem Beichtvater: O mein Pater, ich war in großer Gefahr, ewig verloren zu gehen, aber die Mutter Gottes hat mich befreit. Die Teufel hielten mir meine Sünden vor dem göttlichen Richterstuhle vor Augen, schon waren sie bereit, 92 Von verschiedenen Andachten mich mit sich in die Hölle zu ziehen, da ist die allerfeligste Jungs frau Maria gekommen und hat zu ihnen gesprochen: Wohin führt ihr diesen Jüngling, welches Recht habt ihr auf einen meiner Diener, der mir so lange in meiner Bruderschaft gedient hat? Hierauf sind die Teufel entflohen, und siehe, ich bin aus ihren Händen befreit. An demselben Orte, erzählt der Pater Craſſet, daß ein anderes Mitglied der Bruderschaft im Tode einen harten Kampf mit der Hölle zu bestehen hatte, und daß es nach erhaltenem Siege jubelnd ausrief: O wie gut ist es, wenn man der göttlichen Mutter in ihrer Bruderschaft gedient hat. Darauf starb der fromme Diener Mariens ganz getrost. Als der Herzog von Popoli in Neapel starb, da sprach er zu seinem Sohne: Wisse, mein lieber Sohn, daß ich das wenige Gute, welches ich in der Welt gethan, meiner Bruderschaft zu verdanken habe; deßhalb kann ich dir auch kein beßeres Erbtheil als die Bruderschaft der göttlichen Mutter hinterlassen. Ich schätze es für ein höheres Glück, Mitglied der Bruderschaft, als Herzog von Popoli gewesen zu seyn. VIII. Das Almofengeben zu Ehren Marien's. Die Verehrer Marien's pflegen hauptsächlich am Samstage Almosen zu Ehren der göttlichen Mutter auszutheilen. Der heil. Gregorius erzählt in seinen Gesprächen, daß ein heiliger Schuhmacher, der Deus dedit( Gott hat's gegeben) hieß, Alles, was er die Woche über gewann, am Samstage unter die Armen vertheilte. Es wurde nun eines Tages einer heiligen Seele in einer Entzückung ein prächtiger Palast gezeigt, welchen Gott für diesen Diener der allerfeligsten Jungfrau bereitete, und an welchem nur des Samstags gearbeitet wurde. Der heil. Gerhardus pflegte nie etwas abzuschlagen, wann man ihn im Namen Marien's bat. Dasselbe that der Pater Martin Guttierez, aus der Gesellschaft Jesu, der später erklärte, er habe Maria nie um eine Gnade gebeten, die ihm nicht gewährt worden sei. Nachdem dieser Diener Marien's von den Calvinisten ermordet worden, so erschien die göttliche Mutter seinen Gefährten, von einigen Jungfrauen begleitet, die den Körper in ein Leintuch legten und wegnahmen.( Ap. p. Pepo T. 5. L. 235.) Ein Gleiches pflegte der Bischof Eberhard von Salzburg zu thun, deßhalb sah ihn auch einmal ein heiliger Mönch in Gestalt eines kleinen findes in den Armen Mariens, welche zu ihm sprach: Siehe, dieß ist, mein Sohn Eberhard, der mir nie etwas abgeschlagen hat. Ebenso machte es Alexander von Hales; als denselben eines Tages ein Franziskaner Laienbruder im Namen zu Ehren Mariens. 93 Marien's bat, in den Orden des heil. Franziskus zu treten, se verließ er die Welt und wurde Franziskaner.( Auriem. t. 1. c. 12.) Mögen die Verehrer Mariens es sich also nicht verdrießen lassen, täglich, ihr zu Ehren, ein kleines Almosen zu geben. und dieß am Samstage zu vermehren. Wenn sie zu nichts anderm im Stande sind, so sollten sie wenigstens aus Liebe zu Maria irgend ein Liebeswerk verrichten, z B. den Kranken beiſtehen, für die Sünder und für die armen Seelen im Fegfeuer beten 2c.; dergleichen Werke der Barmherzigkeit machen dem Herzen dieser Mutter der Barmherzigkeit sehr große Freude. IX. Häufig seine Buflucht zu Maria unehmen. Ich behaupte, daß unter allen Andachtsübungen es keine gibt, die der göttlichen Mutter mehr Freude macht, als wenn man sie häufig um ihre Fürbitte anruft und in allen besondern Nöthen bei ihr Hilfe sucht, z. B. wenn man sich Raths erholen oder andern rathen muß, wenn man sich in Gefahr oder in Versuchungen befindet, wenn man betrübt ist und hauptsächlich in den Versuchungen gegen die heilige Reinigkeit. Wenn wir alsdann das Gebet: Unter deinen Schutz und Schirm, oder das Ave Maria an die göttliche Mutter richten, wenn wir nur den heiligen Namen Maria, welcher ganz besonders kräftig gegen die Anfälle des Teufels ist, aussprechen, so wird sie uns gewiß aus aller Gefahr befreien. Als der selige Santus, aus dem Franziskanerorden, in einer Versuchung gegen die heilige Reinigkeit seine Zuflucht zu Maria nahm, da erschien ihm dieselbe sogleich, legte ihm die Hand auf die Brust und befreite ihn von der Versuchung. Es ist auch sehr nützlich, wenn man seinen Rosenkranz oder sein Scapulier füßt oder in die Hand nimmt oder nur ein Bild der göttlichen Mutter anblickt. Auch kann man sich noch merken, daß demjenigen, welcher die heiligen Namen Jesus und Maria ausspricht, vom Papst Benedikt XIII. 50 Tage Ablaß verliehen worden sind. X. Unter diesem Titel vereinige ich mehrere Andachtsübungen, die zu Chren Mariens verrichtet werden können. 1) Lese man, oder lasse man mehrere Messen zu Ehren Mariens lesen, oder wohne wenigstens den Messen bei, die zu Ehren der göttlichen Mutter gelesen werden. Ich läugne dadurch nicht, daß das heilige Meßopfer nur Gott dargebracht werden könne, dem wir es, hauptsächlich um seine höchste Herrschaft über Alles anzuerkennen, aufopfern: aber dieß hindert nicht, sagt der heilige Kirchenrath von Trient( Sitz. 22. K. 3.), 94 Verschiedene Andachten. daß wir dasselbe Gott als Danksagung für die Gnaden, die er den Heiligen und seiner göttlichen Mutter mitgetheilt hat, aufopfern, damit, während wir ihrer eingedenk sind, auch sie für uns ihre Fürbitte bei Gott einlegen. Darum heißt es in der heiligen Messe: Damit es ihnen zur Ehre, uns aber zum Heile gereiche. Die allerfeligste Jungfrau offenbarte selbst einer frommen Person, daß das Aufopfern der heiligen Messe, so wie auch das Gebet von drei Vater unser, Ave Maria und Ehre sei dem Vater, zur allerheiligsten Dreifaltigkeit, als Danksagung für die vielen Gnaden, die sie von Gott empfangen habe, ihr sehr wohlgefällig sei, denn weil die allerseligste Jungfrau dem Herrn nicht vollkommen für alle Gnaden, die er ihr mitgetheilt hat, zu banken vermöge, so gewähre es ihr große Freude, wenn ihre Kinder ihr helfen, statt ihrer Gott zu danken. 2) Die Verehrung der Heiligen, die am innigsten mit Maria verbunden waren, z. B. des heil. Joseph, des heil. Joachim, der heil. Anna; die göttliche Mutter empfahl selbst einem Edelmanne die Andacht zu ihrer Mutter, der heil. Anna.( Barry Par. ap.) Eine große Verehrung jener Heiligen, die eine besonders große Andacht zu Maria gehabt haben, z. B. des heil Johannes des Evangelisten, des heil. Johannes des Täufers, des heil. Bernard, des heil. Johannes Damafcenus, des Vertheidigers der Bilder Mariens, des heil. Ildephons, welcher die Jungfrauschaft der göttlichen Mutter vertheidigt hat. 3) Täglich etwas in einem Buche lesen, welches von den Herrlichkeiten Mariens handelt; auf der Kanzel die Ehre Mariens verkündigen oder wenigstens Allen, hauptsächlich seinen Verwandten die Andacht zur göttlichen Mutter anempfehlen. Die allerseligste Jungfrau sprach eines Tages zur heil. Brigitta: Mache, daß deine Kinder auch meine Kinder werden. Täglich für die Lebendigen und für die Abgestorbenen beten, die Maria besonders verehrt haben. Ich führe hier verschiedene Ablässe an, welche die Päpste benen bewilligt haben, die auf verschiedene andere Weise die Himmelskönigin verehren: 1) Derjenige, welcher sagt:" Gelobt sei die heilige unbefleckte Empfängniß der allerseligsten Jungfrau Maria," kann Hundert Tage Ablaß gewinnen, wozu der Pater Crasset bemerkt, daß wenn man zu dem Worte unbefleckt noch allerreinste hinzusetzt, man noch andere Ablässe für die armen Seelen im Fegfeuer gewinnen könne. 2) Beim Salve Regina gewinnt man 40 Tage Ablaß. 3) Bei den Litaneien der Mutter Gettes 200 Tage Ablaß. 4) Wer das Haupt neigt bei den Worten Jesus und Maria. kann zwanzig Tage Ablaß gewinnen. 95 zu Ehren Mariens. Zum Nutzen frommer Seelen füge ich hier noch einige andere Ablässe hinzu, welche die Päpste mit andern Andachtsübungen verbunden haben. 1) Wer die Messe hört, 3800 Jahre Ablaß. 2) Wer das Gebet anima Christi( die Seele Christi) verrichtet, gewinnt 300 Tage Ablaß. 3) Wer das hochwürdigste Gut begleitet, kann fünf Jahre und wenn er es mit brennenden Kerzen begleitet, 7 Jahre Ablaß, und wenn er dieß nicht kann, aber statt dessen ein Vater unser und Ave Maria betet, kann 100 Tage Ablaß gewinnen. 4) Wer vor dem Hochwürdigsten Gute niederknieet, gewinnt 200 Tage Ablaß. 5) Wer das Kreuz füßt, gewinnt 1 Jahr und 40 Tage Ablaß. 6) Wer das Haupt zum: Ehre sei dem Vater neigt, gewinnt 30 Tage Ablaß. 7) Priester, die vor der Messe das Gebet verrichten: Ego volo celebrare etc. gewinnen 50 Tage Ablaß. 8) Wer sein Ordenskleid küßt, gewinnt 5 Jahr Ablaß. Noch viele andere Ablässe sind in der nachfolgenden II. Abtheilung dieses Buches bezeichnet; aber jeder, der selbe benützen will, soll vorher Reue und Leid erwecken, denn dadurch macht er sich fähig, den Ablaß zu gewinnen. Ich übergehe andere Andachtsübungen und schließe diesen Abschnitt mit den schönen Worten des heiligen Bernard: O heilige Jungfrau, die du unter allen Jungfrauen hochgebenebeit bist, du bist die Ehre des ganzen Menschengeschlechtes, das Heil der Völker. Dein Verdienst hat kein Ende, deine Gewalt über alle Geschöpfe ist unumschränkt. Du bist die Mutter Gottes, die Gebieterin der Welt, die Königin des Himmels. Du bist die Ausspenderin aller Gnaden, der Schmuck der heiligen Kirche. Du bist ein Beispiel für die Gerechten, der Trost der Heiligen, der Anfang unserer Seligkeit. Du bist die Freude des Paradieses, die Pforte des Himmels, die Ehre deines Gottes. Siehe, wir haben dein Lob verkündigt. Wir bitten dich also, o Mutter der Güte, unsere Schwachheit zu ersetzen, unsere Verwegenheit zu entschuldigen, unsern Dienst gnädig anzunehmen, unsere Mühe zu segnen und in den Herzen aller Menschen deine Liebe zu entzünden, damit, nachdem wir hier auf Erden deinen Sohn geliebt und geehrt haben, wir ihn bie ganze Ewigkeit hindurch im Himmel loben und preisen können. Zweite Abtheilung. Vollständiges Lehr- und Gebetbuch Ein Wort über das Gebet. Wie nothwendig das Gebet uns ist, dieß lernen wir aus dem Beispiele Jesu Christi und aus seinen Worten, womit er oft und nachdrücklich zum anhaltenden Gebete uns auffordert: dieß sehen wir auch an den Heiligen, deren Leben im Beten, Arbeiten und Leiden bestand. Zum Gebete fordert uns auf unser Unvermögen, unsere Schwachheit und die vielen Gefahren, worin wir in diesem Pilgerleben schweben. Durch das Gebet erlangen wir aber auch allen Segen des Himmels. Wer recht und gerne betet, erlangt Weisheit, Eifer, Andacht, lebendigen Glauben, Liebe und Hoffnung, Friede und Freude im heiligen Geiste, Trost im Leiden, Hilfe in Nöthen, Kraft gegen alle Versuchungen und ein ruhiges Herz, den innern Frieden, den die Welt nicht geben kann. Wer recht zu beten weiß, weiß auch recht zu leben, und nimmt täglich zu an Frömmigkeit, er lernt die Welt immer mehr verachten, und wird täglich mehr vereinigt mit Gott. Das Gebet ist entweder ein mündliches oder ein innerliches Gebet. Dom mündlichen Gebete.*) Ein mündliches Gebet verrichtet man, wenn man mit Aufmerksamkeit und Andacht des Herzens jene heiligen Worte, mit denen man zu Gott redet, auch mit dem Munde ausspricht. Damit du dieses Gebet wohl verrichten mögest, so merke: 1. Vor dem Gebete erwecke eine vollkommene Reue und einen ernstlichen Vorsatz. Habe Acht, daß dein Gewissen rein sei; sonst ist dein Gebet deinem heiligsten Gott nicht angenehm, sonst würden ja deine Sünden dein Gebet überschreien. *) Den Unterricht ürer das innerliche Gebet oder die Betrachtung siehe Seite 147. Ein Wort über das Gebet. 97 2. Weil wir unserm Herrn und Gott nur durch Jesus angenehm seyn können; so bitte zuerst Gott, daß er um seines Sohnes unsers Erlösers willen dein Gebet gnädig aufnehmen wolle. 3. Bedenke deine Armseligkeit, in der du vor der göttlichen Majestät erscheinest, und vergiß nie, daß es eine große Gnade ist, daß du zu Gott reden darfst, und daß Gott um seines Sohnes willen dich in Gnaden ansieht und anhört. Mit Ehrfurcht also, aber auch mit findlichem Vertrauen bete im Namen Jesu zu Gott. Obschon du mit den Augen des Leibes Gott nicht siehst, so sieht und hört dich doch der allgegenwärtige Gott. Denke daher oft daran, daß Gott dich sieht, daß er dir nahe ist. 4. Merke wohl auf alle Worte, die du sprichst; denn ein bloßes Lippengebet, das nicht vom Herzen geht, verachtet Gott. Bete daher langsam; sonst kannst du unmöglich auf alle Worte merken, die du sprichst. 5. Denke unter dem Gebete nicht auf andere Dinge; wenn du recht anfangest, so werden nicht so viele Zerstreuungen kommen; fommen sie aber doch noch, so werde nicht unwillig, sendern denke sogleich an Gottes Gegenwart, und fahre dann ruhig fort. 6. Wenn du mit bußfertigem und demüthigem Herzen betest, so wirst du auch eine ordentliche, auferbauliche Leibesstellung haben, und ehrfurchtsvoll beim Beten knieen, als ein armer Bettler vor der unendlichen Majestät. 7." Wenn zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, so bin ich mitten unter ihnen, spricht der Herr. Darum trachte, daß du gemeinschaftlich mit Andern öfter beten könnest, was ein Hausvater leicht thun kann, und alle Tage thun soll; denn er ist es Gott und seinen Untergebenen schuldig. 8. Zu Ende des Gebetes bitte nochmals Gett, daß er dein Gebet um seines Sohnes, unsers Heilandes, willen gnädig annehmen und erhören wolle. Bitte auch demüthig um Verzeihung wegen aller Fehler, die du im Gebete begangen hast. D33 7 VERIN ,, Gott! mein Gott! in der Frühe wache ich auf zu dir. Nach dir dürftet meine Seele; mit Inbrunft verlange ich nach dir: Auf meinem Nachtlager bin ich deiner zwar eingedenk; aber def Morgens denke ich betrachtend an dich." Psalm 62.. ,, Leite mich, in deiner Wahrbeit unterrichte mich! Denn du bif mein Gott, mein Heil! Deiner harre ich täglich." Pf. 24. I. Abschnitt. Morgen- und Abendandachten, and for admi ha sowie sinne andere Gebete und Betrachtungen, die man während des Tages mit Nußen üben kann. - 99 Morgenandacht. Die Nacht ist vorüber, der Tag ist angebrochen. Hinweg also mit den Werken der Finsternisse! Wandeln wir als Kinder des Lichtes.- Des Morgens fällt der Thau des Himmels; des Morgens gingen die Frauen zum Grabe Christi; des Morgens ging der Hausvater aus, um Arbeiter in seinen Weingarten zu fuchen. Die Erstlinge gefallen Gott. Lobe ihn gleich beim Erwachen; bitt ihn schon in der Frühe um seine Gnade. - Seufzer beim Erwachen. O mein Gott! o höchstes Gut! Dich bete ich in tiefster Demuth an; an Dich glaube ich, auf Dich hoffe ich, Dich liebe ich über Alles, von ganzem Herzen. Im Namen Gottes+ des Vaters, der mich erschaffen, und best Sohnes, der mich erlöset, und des heiligen t Geistes, der mich geheiliget hat, stehe ich auf. Die allerheiligste Dreifaltigkeit wolle mich segnen, leiten und beschüßen zum ewigen Leben. Amen. Der Friede und Segen unsers Herrn Jesus Christus, die Frucht seines Leidens, die Kraft des heiligen Kreuzes sei und bleibe bei mir, und durch den Schuß und die Fürbitte der glorwürdigsten Jungfrau und Mutter Gottes Maria, durch die Fürbitte aller Auserwählten Gottes möge ich beschüßzet werden vor allen Ulebeln und Feinden meines Heiles, jetzt und in der Stunde meines Absterbens. Amen 7* 100 Morgenandacht. Während dem Ankleiden. Ich danke Dir, o Gott! daß Du mir Kleider gegeben hast; ich will sie gut gebrauchen. Besonders danke ich Dir für das Kleid der welches Du mir in der heiligen Taufe geschenket hast. O es reuet 3efhenteter Unſchulb, mich, daß ich dieses Kleid der Seele so oft durch Sünden verunreiniget habe! Von nun an aber will ich mich mit Deiner Gnade vor jeder Sünde forgfältig hüten. Simptcharte du stade sredn and madil noqul tim espe2 bad Während dem Waschen. Wasche mich rein, o Gott! von jeder Sünde! Kraft des Blutes Jesu tilge alle meine Sünden, daß meine Seele rein und dir wohlgefällig werde. Gib mir aber auch die Gnade, daß ich durch keine Sünde verunreiniget werde. mim viln Wenn du dich ehrbar angekleidet hast, dann kniee nieder und verrichte andächtig bein Must sonde is Morgengebet.com Im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes. Amen. nan mind vastuse Mein Gott, ich bin nur Staub, ich bin ein Sünder; und ich soll mit dir reden! Ich bin hier voll Demuth vor deinem heiligen Angesichte, lehre mich beten. Du hast mich erschaffen, erlöset und geheiligt; du gabst mir das Leben und du erhältst es mir; du beschütztest mich die vergangene Nacht. Ich bete dich als meinen Schöpfer, Erhalter und höchsten Herrn an, und danke dir für alles Gute, das du mir te, das du mir am Leibe und an der Seele bisher gethan hast; besonders aber danke ich dir für diesen Tag, den du mir geschenkt hast, damit ich dich mehr lieben, beffer werden, und das ewige Leben verdienen kann. Aber meine Tage sind kurz; laß darum nicht zu, o mein Gott! daß ich einen derselben für die Ewigkeit verliere. Gib, daß mir der heutige, ein voller Tag, voll der guten Werke und der Verdienste, daß er mir ein Tag werde, an welchem ich den alten fündigen Menschen ablege, und einen neuen, cinen - - Morgenanbach gerechten anziehe; daß ich nur das einzig Nothwendige, daß ich dich, o Gott! dein Reich, deine Gnade, deine Liebe, die Tugend suche, um einst an jenem Tage, von dem die Ewigkeit abhängt, Barmherzigkeit zu finden. Mein Vater, du weißt Alles, was ich bedarf, ehe ich dich darum bitte: o so gib es mir denn! Ich bitte dich aber auch für den Papst, für unsern Bischof, für unsern Seelsorger und alle Geistliche; für den König und seine Familie, für meine Eltern, Freunde und Wohlthäter, für alle Gläubige, für alle Menschen, selbst für meine Feinde. Gib ihnen Alles, was ihnen gut und nüßlich ist. -- Ich opfere dir, o Herr! alle meine Gedanken, Wünsche, Worte, Werke, Schritte und Tritte auf. Alles aus Liebe zu dir! Alles zu deiner Ehre! Schickest du heute nach deiner Weisheit und Liebe Leiden über mich, so nehme ich sie, mit stiller Ergebung in deinen heiligen Willen, aus deiner Vaterhand an, und vereinige sie jetzt schon mit dem Leiden Jesu deines Sohnes. dis poft Herr, an dich glaube ich; stärke meinen Glauben. Aus dich hoffe ich; befestige meine Hoffnung. Dich liebe ich aus meinem ganzen Herzen; vermehre meine Liebe. O Maria, bu heiligste Mutter Gottes! du hast Gnade bei Gott gefunden, erflehe mir von ihm, daß ich von seinen Geboten und von den Vorschriften Jesu deines Sohnes, welcher der Weg zum Leben ist, durch keine Sünde abweiche. Ich bin dir von ihm am Kreuze als ein Kind empfohlen worden; so sei denn und bleibe meine Mutter, beschüße und bewahre mich, hilf mir in allen meinen Nöthen. Deine Freude auf Erden war es, den Willen Gottes zu vollziehen und dich als eine treue Dienerin des Herrn zu zeigen. Dein Beispiel sei mir wichtig. Bitte deinen Sohn, daß ich deinem Beispiele folge und im Gehorsam meine Freude suche, damit er, gleich wie er durch dich unsere Schwachheiten auf sich genommen hat, mich, auf deine Fürbitte, durch treues Wirken mit seiner Gnade, auch seiner Herrlichkeit theilhaftig mache. Morgenandacht. Heiliger Schußengel! Gott hat mich dir empfohlen! Ich bitte dich, zieh' diesen Tag vor mir her, verhüte es, daß ich meinen Fuß an einem Steine verleße. Ich will auf deine Stimme recht aufmerksam seyn. Dann führe mich einst an jenen Ort, den mir Gott bereitet hat. Endlich bitte ich auch euch, meine heiligen Patronen und alle Heilige Gottes, erbittet mir Gnade, Segen und Kraft, zum Anfang, zur Fortsetzung und Vollendung aller meiner Werke. 102 Vater unser. Gegrüßt feist du Maria. Ich glaube an Gott den Vater. Kurze Morgenandacht. Allmächtiger, ewiger, dreieiniger Gott! Vater, Sohn und heiliger Geist! Hochheiligste und unzertheilte Dreieinigkeit! Urquelle alles Seyns und Lebens! Dich bete ich an mit den ersten Morgenstrahlen dieses Tages; dich liebe, lobe, preise und verherrliche ich mit Herz und Mund und That. Dir allein gebührt Anbetung, und alle Lobpreisung und Verherrlichung; denn von dir, durch dich und in dir ist und besteht Alles im Himmel und auf Erden. Dir sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! dans Durch deine Güte, Herr und Vater! Schöpfer, Erhalter und Regierer aller Dinge, hab ich den heutigen Tag wieder erlebt, und mit ihm eine neue Gelegenheit, meine unsterbliche Seele zu vervollkommnen. Laß mich heute und alle Tage weiser, besser und dir wohlgefälliger werden, und in der Erkenntniß und Gnade unfres Herrn Jesu Christi stets zunehmen! Dein heiliger Geist, der Geist der Wahrheit und der Liebe, führe mich ein in alle Wahrheit, erinnere mich an alle Worte und Gebote unfres Heilandes Jesu Christi, und entflamme mein Herz mit dem Feuer der göttlichen Liebe; denn die Liebe Gottes ist in unsre Herzen ausgegossen durch den heiligen Geist, der uns gegeben ist. Seligste Jungfrau Maria! auserwählte, gnabenvoll Mutter meines Herrn Jesu Christi! bu demüthige, treue umb Morgenandacht. 103 gehorsame Magd des Herrn, bitt für mich, daß ich, armer Sünder, um deiner mütterlichen Fürbitte und Verdienste willen, der Verheißungen Christi theilhaftig werde! Dein herrliches, nachahmungswürdiges Beispiel, o glorreiche Jungfrau aller Jungfrauen! schwebe mir stets vor Augen und begeistere mich mächtig zur treuten Nachahmung, daß ich Jesu, meinem Herrn und Heiland, mit muthigem Eifer nachfolge, wie du; denn wer ihm nachfolget, wandelt nicht im Finstern, sondern wird das Licht des Lebens haben. O Mutter der Barmherzigkeit! hilf du mir erflehen die zuvorkommende heiligmachende Gnade Gottes, die mir so nothwendig ist, um aller Gottlosigkeit und allen weltlichen und fleischlichen Gelüsten zu entfagen, ehrbar, mäßig, gerecht und gottselig zu leben und im Gehorsame des Glaubens entgegen zu harren der herrlichen Wiederkunft unsers großen Gottes und Heilandes Jesu Christi! Sei, Maria! meine mütterliche Fürsprecherin, daß ich, nach dem göttlichen Beispiele deines vielgeliebten Sohnes, an Weisheit, Tugend und Frömmigkeit und an Gnade und Wohlgefallen vor Gott und den Menschen zunehme, wie an Alter, und hier heilig und dort selig und so Gott ähnlich werde, der mich nach seinem Ebenbilde er schaffen, durch seinen Sohn erlöset und durch seinen heiligen Geist geheiliget hat; durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Fürbitten für Lebendige und Abgestorbene. O mein Gott und Erlöser! Gib deine Gnade allen denen, welche du mit deinem heiligsten Blute erlöset hast. Stehe Allen bei; verleihe den Kranken Geduld und Linderung, den Bedürftigen und Verlassenen Troft und Stärke, den Armen das tägliche Brod des Geistes und des Körpers; erleuchte die Unwissenden, bekehre die Gefallenen, stärke die Guten zur Ausbauer, rette jene, die in Gefahr der Verführung schweben; fer mit Freunden und Feinden; schüße deine heilige katholische Kirche, besonders bewahre und leite mit deinem heiligen Geiſte Diejenigen, für welche du willst, daß ich besonders beten solle; 104 Morgenandacht. gib allen Abgestorbenen die ewige Ruhe, und lasse ihnen das ewige Licht leuchten. Amen. Vater unfer 2. Ich glaube an Gott ben Vater c. d mallo Andacht des ehrwürdigen Pater Zuchi zur allerfeligsten Jungfrau Maria wider alle böse Gedanken. Fair! ( Morgens und Abends täglich zu verrichten.) 112 od O meine allerliebste Mutter, heilige Jungfrau Maria! fieh, ich dein Pflegkind fliehe unter deinen Schutz und Schirm wider alle Sünden und Versuchungen. Ich schenke bir meine Augen, meine Ohren, meine Zunge, meine Hände und mein Herz, auf daß du sie vor aller Sünde bewahren wollest. Hilf mir, o Mutter! daß ich niemals Jesum deinen Sohn, meinen Gott, beleidige. Wenn ich versucht werde, will ich allezeit zu dir seufzen und rufen! Heiligste Jungfrau! ich leide Versuchung, stehe mir bei; ich gehöre gänzlich Jesu und Maria zu, denen ich mich auf ewig geschenkt habe. Bete hierauf breimal den englischen Gruß, und: Durch deine heilige Jungfrauschaft und unbefleckte Empfäng niß, o reinste Jungfrau Maria! reinige mein Herz, Leib und Seele! Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. india Besonders kräftige und wirksame Bitte a zur unbefleckten Empfängniß Mariä. ( Recht oft aus andächtigem und vertrauensvollen Herzen zu sprechen.) O Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir zu dir unsere Zuflucht nehmen!" d 3um heiligsten Herzen Mariä. monta is, hochheiliges, unbeflecktes Herz Maria, Zuflucht der Sünder, bitte für uns! 105 Morgenandacht. nisGebet zu Maria, täglich zu verrichten.nl O allerfeligste Jungfrau, göttliche Mutter meines Erlösers du meine höchste Gebieterin und meine sicherste Zuflucht, nimm mich heute unter deinen besonderen Schuß auf: fich, mit blindem, aber wohlgegründeten Vertrauen werfe ich mich in deine mütterlichen Arme. Sei doch, ich bitte dich inständigst, meine Stüße und meine Hoffnung in allen schwierigen Umständen, mein Trost in der Betrübniß und Noth, meine Etärke in Trübsalen und Widerwärtigkeiten. Erhalte mir die Gnade, den mühsamen Lauf des Lebens glücklich zu vollenden; streite und fampfe für mich und erlange mir die Krone der Unsterblichkeit; im schreckbaren Augenblicke meines Ueberganges in die Ewigkeit fei mehr als je meine Mutter, meine Beschüzerin und Fürspres cherin, und führe du mich selbst an den ewigen Thron deines Sohnes, meines strengen Richters, damit ich Gnade und Barmherzigkeit erlange und dich sammt ihm in alle Ewigkeit loben, preisen und verherrlichen möge. Amen. and dining usim dir op hod cm jstpinsis Gebet, sld sing dan malla prop wie die allerseligste Jungfrau täglich zu einer Patronin zu. erwählen ſei. adsia cambom ad Heilige Jungfrau und Gottes- Gebärerin Maria, ich N. bin zwar unwürdig, unter die Zahl deiner Diener und Dienerinnen aufgenommen zu werden; jedoch aus Vertrauen auf deine große Gütigkeit und aus Verlangen, dir zu dienen, erwähle ich dich heute in Gegenwart des heiligen Joseph, deines keuschen Bräutigams, meines Schußengels und aller Auserwählten Gottes zu meiner Patronin und Mutter; ich nehme mir fest vor, dir in deinen Tugenden zu folgen, bir treu zu dienen, und so viel mir möglich ist, zu machen, daß auch von Andern dir der gebührende Dienst geleistet werde. Ich bitte dich also demüthig, o gnädige Mutter! durch das heiligste Blut, welches dein Sohn Jesus Christus für mich vergossen hat, bitte ich! Nimm mich gütigst auf in die Zahl deiner Kinder, und erhalte mir von Gott die Gnade, daß ich nichts freiwillig denke, rede oder thue, 106 Morgenandacht. was Gott und dir mißfällig ist. Nimm dich auch meiner an in der Stunde meines Todes. Amen. m2 Gebet, wodurch man dem heiligsten Herzen Maria alle Werke des Tages für die Bekehrung der Sünder aufopfert. Sei gegrüßt, Maria! Beim Anbruche dieses Tages sei gegrüßt. Du bist voll der Gnade; der Herr ist mit dir; du bist gebenedeit unter den Weibern und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus! Ich opfere dir auf, o meine heiligste Mutter! alle Gedanken, alle Begierden, alle Gebete und Almosen, alle Werke der Frömmigkeit, der Liebe und der Abtödtung, die ich diesen Tag hindurch verrichten werde. Erwirb mir die Gnade, sie alle mit einer so reinen Absicht zu verrichten und mit einer so heiligen Begierde, Gott zu gefallen, daß sie seines Wohlgefallens würdig werden. Ich opfere sie deinem heiligsten und unbefleckten Herzen auf, indem ich dich bitte, sie mit deinen Verdiensten zu bereichern und mir zu gestatten, daß ich mit ihm und durch dasselbe die allerheiligste Dreieinigkeit und das göttliche Herz Jesu anbeten und mit ihm und durch dasselbe die Gnade meiner Bekehrung und der Bekehrung aller Sünder erlangen möge. O Maria! bewahre mich an diesem Tage vor jeder Sünde. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitt für uns arme- Sünder, jeßt und in der Stunde unsers Absterbens. Amen. you si sim sms of dissid 119 do 2 00: 0 WART tie al Tägliche Gebete. 2010 Uebung der göttlichen Tugenden. liserf Uebung des Glaubens. 107 Mein Gott! ich glaube an dich, daß du einfach in der Natur, und dreifach in den Personen bist, der Vater, der Sohn und der heilige Geist; ich glaube, daß du das Gute belohnest und das Böse bestrafest; ich glaube, daß der Sohn Gottes für uns Mensch geworden, für uns am Kreuze gestorben, und im heiligen Sakramente des Altars gegenwärtig ist; ich glaube, daß die Seele des Menschen unsterblich, und die Gnade Gottes zur Seligkeit nothwendig ist. Dieß und Alles, was die katholische Kirche zu glauben vorstellt, glaube ich fest, weil du, o Gott! die ewige Weisheit und Wahrheit, es geoffenbaret haft. In diesem Glauben will ich leben und sterben. Uebung der Hoffnung. scient Gütigster Gott! ich hoffe von dir durch die Verdienste Jesu Christi, meines Erlösers, und durch meine Mitwirkung, alles Gute; die Verzeihung meiner Sünden, deine Gnade und das ewige Leben; weil du, o allmächtiger, unendlich gütiger und getreuer Gott! dieses selbst versprochen hast. In dieser Hoffnung will ich leben und sterben. Uebung der Liebe. Liebenswürdigster Gott! ich liebe dich aus ganzem Herzen über alle erschaffene Dinge, nicht nur darum, weil du mich zu vor geliebet, und mit unzählbaren Gutthaten überhäufet haft; sondern vorzüglich deßwegen, weil du das allerhöchste Gut, und wegen deiner selbst aller Liebe unendlich würdig bist. Aus Liebe zu dir liebe ich auch meinen Nächsten, sowohl Freunde als Feinde, wie mich selbst, und dich in ihnen. In dieser Liebe will ich leben und sterben. 108 Tägliche Gebete. Unvollkommene und vollkommene Reue. O mein Gott! alle Sünden von ganzem Leben bereue ich vom Grunde des Herzens, weil ich dich als meinen größten Gütthäter und strengsten Richter erzürnet, und deßwegen verdient habe von dir gestraft zu werden. Am meisten aber be reue ich alle Sünden vom ganzen Leben darum, weil ich Gott das höchste und vollkommenste Gut, welches ich über Alles liebe, beleidigt habe. Ich hoffe Verzeihung durch die Verdienste Jesu Christi, und will eher sterben, als meinen lieben Gott noch einmal erzürnen. spil y enoto mod not stanle di garisd 51589 and do mi dan drotop Gute Meinung. Heiligster Gott! ich opfere dir auf alle meine Gedanken, Worte und Werke; ich vereinige biefelben mit den unendlichen Verdiensten Jesu Christi. Nimm sie hin zu deiner höchsten Ehre und Anbetung; auch zur Ehre der Jungfrau Maria, der Mutter Gottes, aller lieben Engel und Heiligen; zur Danksagung für alle empfangenen Gutthaten; zur Genugthuung für meine Sünden; zur Erlangung deiner Gnade, kraft welcher du mich allezeit vor aller schweren Sünde bewahren wollest; zur Hilfe und zum Troste der armen leidenden Seelen im Fegfeuer, besonders jener, für welche ich zu beten schuldig bin. O, daß ich dich durch meine Werke also ehren könnte, wie du es würdig bist. Liebenswürdigste Herzen Jesu und Mariä! entzündet unsere Herzen mit eurer Liebe. Amen. So oft man diese Tugenden erwecket, erlangt man einen Ablaß von 7 Jahren und 7 Quadragenen; in der Todesstunde aber vollkommenen Ablaß. Wer solche Tugenden täglich erwedet, erlangt monatlich einen vollkommenen Ablaß, wenn er, an einem nach Belieben sich zu wählenden Tage, nach der heiligen Beicht und Kommunion das gewöhnliche Ablaßgebet verrichtet. Es ist zu merken, daß der vollkommene und unvollkommene Ablaß von diesen Tugenden jedesmal den armen See len kann zugeeignet werden. Ex Decr. Benedicti XIII., 15. Jan. 1728 et Benedicti XIV., 28. Jan. 1756. d) di m Tägliche Gebete. 109 sidbbl sidsid ard and 10 indobd bild ist finanse Gute Meinungis finge sin funnit sisid ud and für den ganzen Tag, für die ganze Woche, ja für das ganze #Sirl#stsid Leben. sy doonid og to this dido, and is 12 Vorerinnerung. ni mpat m 39 Die gute Meinung ist nichts Anders als eine Wirkung des Willens, fraft welcher man alles, was man denft, redet, thut und leidet, zu Gott, als dem letzten und vornehmsten Endzwecke, hinlenket, um Ihm dadurch zu gefallen. Nichts ist billiger und heilsamer für dich, als stets die Ehre Gottes zum Beweggrunde in Allem, was du thust, zu haben. Gott ist dein höchster Herr, dem bu allein dienen und alle Ehre geben sollst. Er hat demnach schon eben darum das billigste Recht auf alle deine Dienstleistungen, so, daß du aufhöreft ein Mensch zu seyn, wenn du nicht nach dem Ziele deiner Erschaffung handelst, und aus dem Triebe seiner Ehre, wegen der dich Gott zu einem Menschen bilbete, Alles unternimmst. Ja du bist sogar ein Dieb, wenn du nicht Gottes, sondern deine eigene Ehre suchest: weil du in ein fremdes Gut, das dir nicht zukömmt, einen unbilligen Eingriff wageft. Dem einzigen Gott alle Ehre, schreibt Paulus, der deßwegen verlangt, daß man auch beim Effen und Trinken Alles zur Ehre Gottes thun soll. - Was die Oberherrschaft Gottes erheischet, daß du nämlich Ihm alle deine Handlungen durch eine heilige Absicht zu seiner Ehre weihest, dieß erheischet auch die Dankbarkeit, die du seinen unendlichen Wohlthaten schuldig bist. O! wie viel Liebes und Gutes am Leibe sowohl als an der Seele, hat dir Gott nicht erwiesen! Was hast du, so du nicht von Ihm haft? Ist es alſo nicht billig, daß du mit einer reinen Absicht alle deine Gedanken, Worte und Werke zu Ihm, als dem letzten Endzwecke, hinrichtest, und hiedurch seine Ehre verherrlichest. Ist dir Jesus, der die alleinige Ehre seines himmlischen Vaters suchte, nicht zu einem Muster gegeben worden, daß du thun follst, wie Er gethan hat? Trägst du nicht selbst den größten Vortheil davon? Was nicht wegen Gott geschieht, wird von Gott auch nicht belohnt. D, daß du doch auf dieses oft denken, und deine gute Meinung vor jedem wichtigern Werke erneuern möchtest! Wer eine Arbeit chne vorhergehende gute, Meinung unternimmt, fischet mit Petrus vergebens; wirft man sein Netz im Namen des Hern aus, und hat Gottes Ehre vor Augen, so fegnet der Herr fein Werk, die Arbeit, die ihm geweihet ist, und die Bemühung wird 120 Tägliche Gebete. reichlich belohnt. O! daß du die Kunst, die so leichte Kunst, vermittelst einer guten Meinung, alle deine auch geringsten Werke kostbar und dich selbst heilig zu machen; o, daß du diese Kunst von Jugend an erlerntest! Vergiß doch nicht, daß du des Tages hindurch recht oft wenigstens nur diesen kurzen Stoßseufzer unter der Arbeit abschickest: Herr! Alles nur wegen Dir, o Gott! aus Liebe Deiner. O mein Gott! mein Schöpfer, Erlöser und Seligmacher! Du kennst das Verlangen meines Herzens. Ich liebe dich, und wünsche dich täglich und stündlich nach Gebühr anzubeten, zu loben und in allen Dingen dir getreu zu dienen. Weil aber die Geschäfte des gegenwärtigen Lebens mir nicht gestatten, mein Gemüth unaufhörlich mit dir zu beschäftigen, so schließe ich mit dir diesen Bund, welcher diese Woche und mein ganzes Leben hindurch fest stehen soll: 1) So oft ich zum Himmel schauen werde, so oft will ich mich erfreuen und frohlocken über deine unendlichen Vollkommenheiten, daß du bist, der du bist, unendlich mächtig, weise, gütig und gerecht; und will eben so oft dich angebetet haben. - 2) So oft ich Athem holen werde, will ich dir das Leben, Leiden und Sterben unsers Herrn Jesu Christi aufopfern zu deinem immerwährenden Lobe, zum Heile aller Menschen und zur Genugthuung für alle Sünden der ganzen Welt. 3) So oft mein Mund, oder auch nur mein Herz zu dir feufzen wird, so oft will ich verabscheuen und verdammen alle Sünden, sowohl die meinigen, als auch die, welche je vom Anfange der Welt zu deiner Beleidigung find begangen worden. O könnte ich sie doch einigermassen mit Vergießung meines Blutes tilgen und dafür genug thun! 4) So oft ich eine Hand oder einen Fuß bewegen werde, so oft will ich aus Liebe zu dir mich ganz und gar deinem heiligsten Willen übergeben, damit du in der Zeit und Ewigfeit nach deinem anbetungswürdigsten Wohlgefallen mit mir schalten wollest. Tägliche Gebete. 111 oft soll 5) Endlich so oft mein Puls schlagen wird, so bas eben so viel bedeuten, als die englischen Worte: Heilig, heing, heilig bist du, o Herr, du König des Himmels und der Erde! Ich wünsche und bitte, daß du alle meine Pulsschläge eben so aufnehmen wollest, wie du jenen englischen Lobgesang aufnimmst. ung. Dieses, o mein Gott, ist mein redlicher Wille und Mein Und damit diese so eben erwähnten fünf Punkte nicht umgestoffen werden, bekräftige ich sie mit dem Zeichen deiner heiligen fünf Wunden, o mein Jesus, und ich will, daß sie immer gelten und so gemeint seyn sollen, wenn ich schon alsdann, so oft jede dieser genannten Handlungen geschieht, ar diese meine Meinung nicht ausdrücklich denken werde. Amen. Vater unser. Ave Maria. - Der englische Gruß. In heiliger, weiser und mütterlicher Liebe erinnert die katholische Kirche ihre Kinder täglich dreimal durch das Zeichen der Glocke, der Menschwerdung Jesu Christi im Schooße der glorreichen Jungfrau zu gedenken und das ewige Wort des Vaters anzubeten, das daselbst Fleisch ward, unter uns wohnte, und für uns litt und starb. Dabei ermahnt sie uns auch, die Fürbitte der allerfeligsten Jungfrau anzurufen, und für die Seelen unserer Brüder und Schwestern zu beten, die uns im Frieden vorangegangen sind und noch für die Fehler dieser Sterblichkeit der göttlichen Gerechtigkeit in jenem Leben genug thun müssen. Dieß Gebet lautet, wie folgt: Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, und ste empfing von dem heiligen Geiste. Gegrüßt seist du, u. d. Ü. ( Welche Würde Mariä! Verehre sie.) Sieh! ich bin eine Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Worte!- Gegrüßt seist du, u. d. ü. ( Wie demüthig und gehorsam zeigte sich hier Maria! Ahme sie nach.) Das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns ges wohnet. Gegrüßt seist du, u. d. Ü. ( Welche herablassende Liebe Jefu bei seiner Menschwerdung! Danke ihm durch Worte und Werke dafür.) Tägliche Gebete. DoVater unser, Ave Maria, und folgendes Gebet für die Vers ftorbenen:: st@ nspus sid binnstinded the sds and O Gott, Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen! verleihe den Seelen deiner Diener und Dienerinnen Verzeihung aller ihrer Sünden, damit sie die gnädige Nachlaffung, welche sie allezeit gewünscht haben, durch gottseliges Fürbitten erlangen; durch Christum, unsern Herrn. Amen. miam bin Wenn Jemand den englischen Gruß während des Glockengeläutes alle Tage, durch einen ganzen Monat betet und in diesem Monat einmal beichtet und kommunizirt, erlangt er einen vollkommenen Ablaß. Benedikt XIII. 2010 modt( bi of das insting 112 19 sich Gebet am Donnerstage, sof m wenn man zur Angst Christi läutet. O mildester Herr Jesu Christe, der du im Garten am Delberge wegen meiner und der ganzen Welt Sünden so große Angst willig gelitten, auch wunderbarer Weise Blut geschwißet hast, und in dem Allen von einem Engel hast wollen gestärkt werden; verleihe mir armen Sünder, daß ich in aller meiner Traurigkeit, Trübsal und Angst mich zu dir wenden, in solcher von deinem Engel gestärkt werden, und in Betrachtung deines heiligen Leidens anstatt des Blutes Thränen der Buße vergies ßen möge. Amen. Mo ini bis Gebet am Freitage, di mang wenn man zur Scheidung Christi läutet. Es sind Finsternisse entstanden, als die Juden den Herrn Jesus gekreuziget hatten, und um die neunte Stunde schrie der Herr Jesus mit lauter Stimme: Mein Gott, mein Gott! warum hast du mich verlassen? Und mit geneigtem Haupte gab er seinen Geist auf. Darum, Herr Jesus Christus! beten wir dich an und loben dich; denn durch dein heiliges Kreuz, durch dein bitteres Leiden und unschuldiges Sterben hast du uns und die ganze Welt erlöst. O Herr Jesus Christus! ich bitte dich flehentlich durch die Bitterfeit deines heiligen Leidens, das du um unsertwillen ― Tägliche Gebete. am Kreuze haft ausgestanden, allermeist aber in der Stunde, da deine edle Seele von deinem heiligen Leibe geschieden ist; du wollest dich erbarmen über meine arme Seele, besonders wann sie von meinem Leibe wird abscheiden, und daß dein Kreuz und Leiden an mit und andern Sündern nicht verloren gehe! Amen. 113 O Jesu, dir leb' ich; o Jesu, dir sterb' ich; o Jesu, dein bin ich todt und lebendig! Vor der Arbeit. 29/10 15150 O Gott, der du uns unserer Sünden wegen zur Arbeit verurtheilt hast, gib uns die Gnade, Alles in deinem heiligen Namen anzufangen, fortzusehen, und zu vollbringen, damit wir durch unsere Geduld und Bußfertigkeit unsere Sünden abbüßen, dich verherrlichen, und, in Vereinigung mit den Leiden deines göttlichen Sohnes, unseren Werken einiges Verdienst für das ewige Leben zusichern mögen; durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. s Nach der Arbeit. schlson ond Nimm auf, o Gott, die Arbeit, welche ich zu deiner grössern Ehre verrichtet habe, und verzeihe mir alle Mängel und Unvollkommenheiten, deren ich mich darin habe schuldig machen können. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Vor dem Essen. Himmlischer Vater, segne uns, und alle Speise und Trank, die wir von deiner großen Güte empfangen werden; gib uns Gnade und Gedeihen dazu, damit wir dieselbe zu deiner Ehre und zu unserer Wohlfahrt gebrauchen mögen, und auch von deiner Liebe nimmer geschieden werden; durch Chris stum, unsern Herrn. Amen. Vater unser. Gegrüßt seist du, Maria ic. 8 - 114 Tägliche Gebete. Nach dem Essen. 8750 1. Himmlischer Vater, wir danken dir, daß du uns Unwürs dige gespeiset und deiner Gnade theilhaftig gemacht hast, und auch nicht aufhöreft deine Gaben väterlich mitzutheilen. Lob und Ehre sei dir, o Gott im Himmel, Friede den Menschen auf Erden, Gnade unseren Wohlthätern, die ewige Ruhe allen Seelen im Fegfeuer, und uns, nach diesem vergänglichen Leben, die ewige Freude und Seligkeit. Amen. Vater unser. Gegrüßt seist du, Maria zc. - Gute Meinung vor dem Gebete. G DisdFfitrad O Herr Jesu! du meines Herzens Gott! ich deine allers unwürdigste Kreatur, bitte um die Gnade, mein Gebet auf das allerbeste und andächtigste verrichten zu können, wie du willst, daß es geschehen soll, mit einer solchen Aufmerksamkeit, wie du selbst dein Gebet zu Gott deinem himmlischen Vater verrichtet hast, und wie dich im Himmel alle deine lieben Engel und Auserwählte anbeten. Ich widerspreche allen ausschweis fenden, unnüßen und fündhaften Gedanken. Ich bitte dich nochmal, o Gott! ertheile mir deine göttliche Gnade, ohne welche ich nichts vermag. So fange ich an. Nach dem Gebete. Ach! Gott, sei mir Sünder gnädig! Gütigstes und mildes stes Lamm Gottes! erbarme dich meiner, und erseße durch dich selbst, was mir an wahrer Andacht mangelte. Deinem süßesten Herzen empfehle ich diesen meinen unvollkommenen Andachtsdienst zur Vervollkommnung, und bitte, daß du ihn mit aller Frucht deiner heiligsten Menschheit Gott dem Vater in jener Liebe darstellen wollest, womit du bein Gebet und das Werk der menschlichen Erlösung entrichtet hast. Antworte für mich, und erseze Alles barmherzigit, wie du kannst nach deiner unendlichen Allmacht, wie du weißt nach deiner unermeßlichen Weisheit, und wie du willst nach deiner angebornen Güte und Willjährigkeit. Tägliche Gebete. Von Anhörung des göttlichen Wortes. Hand 15: 115 Ein wichtiger Gegenstand des christlichen Gottesdienstes ist das Anhören der Predigt oder des göttlichen Wortes. Niemand dünke ich so weise und so gelehrt, daß er das gepres digte Wort Gottes entbehren könne. Die Predigt ist das von Gott bestimmte Mittel, durch welches Gott zu unserm Heile reden will. Wer also die rechtmässigen, von der katholischen Kirche gesandten Prediger nicht hören will, der verstopfet seine Ohren gegen die Stimme Gottes, der verachtet Jesum Chriftum, welcher gesagt hat: Wer euch höret, der höret mich; wer euch verachtet, der verachtet mich." and thi truot stri cladion " Aber du sagst: ich kann ja das Wort Gottes selbst in der Bibel lesen, wozu brauche ich die Predigt? Wie, du mit deinem erschaffenen und beschränkten, armseligen Verstande getrauest dir zu sagen, daß du den Sinn des ewigen Gottes versteheft? Unglücklicher! du machst deinen eigenen Sinn zum Sinne Gottes. Nur die heilige Kirche Gottes, welche vom heiligen Geiste selbst erleuchtet und geleitet wird, sie nur erkennt den wahren Sinn der heiligen Schrift, den Sinn Gottes, auf eine unfehlbare Weise. Sie läßt uns aber die wahre Lehre Jesu Christi durch die Bischöfe und ihre Mitar beiter, die Priester, verkündigen; und diese sind es, die man hören muß, wenn man nicht als ein hoffärtiger Geist den größten Irrthümern Preis gegeben werden will. 11 - Du sagst mir aber: ich habe selbst zu Hause gute Erklärungen der Evangelien und andere gute Erbauungsbücher, diese dienen mir anstatt der Predigt. Darauf antwortet dir schon der heilige Thomas von Villanova: ,, Sage mir nicht: ich bin gelehrt, ich habe zu Hause die Werke des Augustinus, Bernardus u. f. w. Der Buchstabe ist todt, die Stimme lebendig. Der Prediger ist die Stimme des Rufenden in der Wüste." Der Buchstabe tödtet, der Geist ist's, der lebendig macht, spricht Jesus Christus. Und wie ist die Welt bekehrt worden, als durch das verkündigte, göttliche Wort der Apostel? Höre die Predigt mit frommen und demüthigem Geiste an; beurtheile den Prediger nicht, suche nicht schöne Worte, deute die Predigt nicht auf andere Leute, sondern auf dich selbst; betrachte die Worte des Predige s8 als eine Stimme Gottes, die zu dem Ohre deines Herzens ertönt, damit du dich befehrest, wiederhole daher in deinem Herzen vor und während der Predigt öfters die Werte des heiligen Samuels: Rede, o Herr! denn dein Diener hört" 9 8* 116 Tägliche Gebete. Gebet vor der Predigt. Rebe mit mir, o Herr, und lasse deine Stimme in meinem Innersten erschallen, damit meine Seele dich nicht nur allein höre, sondern dir auch gehorsame. Rede du, mein Herr und Gott, mit mir, weil ohne dich, ohne deinen Geist, der den Sinn erklärt, alle Prediger Nichts vermögen, sondern nur den Buchstaben geben. Ich bitte also in Demuth meines Herzens, daß dein Wort wie ein Thau auf mich fallen, und dessen Kraft heilsame Entschließungen in mir hervorbringen möge; damit mir nicht die Strafe vergrößert werde, so ferne ich das Wort nur höre und nicht bewerkstellige. Gebet nach der Predigt. Ich danke dir, o mein Gott! daß du dich gewürdiget hast, mich in deinem Gesetze zu unterrichten, und mir Schwachen das Brod des Lebens durch deinen Diener zu brechen. Mache durch die Triebe deiner Gnade, daß ich befolge, was ich zu meinem Heil vernommen habe, daß ich dem nachdenke, was mich meistens angeht, und wie, wann und wo ich es heute oder zur andern Zeit anwenden könne, damit dein Wort in einem guten und besten Herzen Frucht bringen möge, und ich nicht strenge Rechenschaft von dem Worte zu geben habe, welches ich zwar gehört, aber nicht beobachtet, erkannt, aber nicht geliebt habe. Gebet des Papstes Clemens XII. Mein Gott! an Dich glaube ich; stärke meinen Glauben: auf Dich hoffe ich; befestige meine Hoffnnng: Dich liebe ich; vermehre meine Liebe: es reuet mich, daß ich gesündiget habe; vergrößere meine Reue. Ich bete Dich an, als meinen ersten Anfang und Ur sprung; ich verlange nach Dir, als nach meinem leßten Ziel und Ende; ich danke Dir, als meinem ewigen Wohlthäter; ich rufe Dich an, als meinen höchsten Beschirmer. Mein Gott! regiere mich durch deine Weisheit, halte mich ein durch deine Gerechtigkeit, tröste mich durch deine Barm herzigkeit, und beschüße mich durch deine Allmacht. Ich opfere Dir auf meine Gedanken, meine Begierden, meine Worte, meine Werke und meine Leiden; damit ich fünftig Tägliche Gebete. 117 stets an Dich denke; nach Dir verlange; von Dir spreche; nach deinem Wohlgefallen handle, und für Dich leide. Ich will o Herr! Alles, was Du willst, weil Du es willst, wie Du es willst, wann und wo Du es willst. Ich bitte Dich, erleuchte meinen Verstand, entzünde meis nen Willen, reinige mein Herz und heilige meine Seele. Mein Gott! stärke mich, daß ich meine begangenen Sünden abbüße; die Versuchungen überwinde; meine herrschenden bösen Neigungen unterdrücke, und jegliche Tugend nach dem Beispiele Jesu ausübe. Erfülle mein Herz mit dankbarer Liebe gegen deine Güte, mit einem heiligen Haß wider meine Fehler; mit Seeleneifer für den Nächsten, und mit Verachtung der bösen Welt. Laß mich daran denken, daß ich meinen Obern Gehorfam, meinen Feinden Liebe, meinen Freunden Treue, und meinen Untergebenen Nachsicht schuldig bin. Ach Gott! hilf mir, die Hoffart durch Demuth, die Wollust durch Abtödtung, den Geiz durch Almosengeben, den Zorn durch Sanftmuth, und die Trägheit durch Andacht überwinden. Mein Gott! mache mich vorsichtig in Unternehmungen; beherzt in Gefahren; in Widerwärtigkeiten geduldig, und des müthig im Wohlstande. Möge ich doch nie vergessen, eine gute Meinung zu machen vor meinem Thun und Leiden; nie vergessen, aufmerks sam beim Beten, mäßig bei den Mahlzeiten, aufrichtig in den Amtsverrichtungen, und standhaft in meinen guten Vorfäßen zu seyn. Herr! mache, daß ich mich sorgfältig bemühe, immer ein gutes Gewissen, ein sittsames Betragen, einen auferbaulichen Umgang, und eine wohlgeordnete Aufführung zu haben. Mache, daß ich mir unaufhörlich angelegen seyn lasse, meine bösen Neigungen zu bezähmen, mit der Gnade mitzuwirken, die Gebote zu halten, und das Heil zu verdienen. Mein Gott! gib mir zu erkennen die Nichtigkeit der Erde, den hohen Werth des Himmels, die Kürze der Zeit, die Länge 118 Tägliche Gebete. der Ewigkeit, die Bosheit der Sünde, und die Größe deiner Liebe. 85 Gib, daß ich mich zum Tode bereite, dein Gericht fürchte; der Hölle entgehe, und endlich den Himmel erlange, durch die Verdienste unsers Hern Jesu Christi. Amen. Die offene Schuld. Ich armer fündiger Mensch widerfage dem bösen Feinde, allen seinen Eingebungen, Rath und That. Ich glaube an Gott den Vater, an Gott den Sohn und an Gott den heiligen Geist. Ich glaube auch gänzlich Alles, was die allgemeine christliche Kirche zu glauben befiehlt. Mit diesem hei ligen katholischen Glauben beichte und bekenne ich Gott dem Allmächtigen, Mariä seiner hochwürdigen Mutter und allen lieben Heiligen, und gebe mich schuldig, daß ich von meinen findlichen Tagen an bis auf diese Stunde oft und viel gefündigt habe, mit Gedanken, Worten und Werken und Unterlaffung vieler guten Werke; wie dann solches Alles geschehen ist heimlich oder öffentlich; wissentlich oder unwissentlich; wider die zehn Gebote; in den sieben Todsünden; an den fünf Einnen meines Leibes; wider Gott; wider meinen Nächsten, und wider das Heil meiner armen Seele. Solche und alle meine Sünden sind mir leid, und reuen mich vom ganzen Herzen. Darum bitte ich demüthig dich ewigen, barmherzigen Gott, du wollest mir deine göttliche Gnade verleihen, mein Leben fristen so lange, bis daß ich hier alle meine Sünden möge beichten und büßen, deine göttliche Huld erwerben und nach diesem elenden Leben die ewige Freude und Seligkeit erlangen. Deßhalb klopfe ich an mein sündiges Herz, und spreche mit dem öffentlichen Sünder: O Herr Gott! sei mir armen Sünder gnädig! Amen. phopmil Gebet für das allgemeine Anliegen der Christenheit. Allmächtiger, ewiger Gott, Herr himmlischer Vater! Sieh an mit den Augen deiner grundlosen Barmherzigkeit unfern Jammer, Elend und Noth. Erbarmen dich über alle Christgläubigen, für welche bein eingeborner Sohn, unser lieber Herr Lägliche Gebete. 119 und Heiland, Jesus Christus, in die Hände der Sünder freiwillig gekommen ist, und sein kostbares Blut am Stamme des heiligen Kreuzes vergessen hat. Durch diesen Herrn Jefum wende ab, gnädigster Vater! die wohlverdiente Strafe, ges genwärtige und zukünftige Gefahren, schädliche Empörungen, Kriegsrüstungen, Theuerung, Krankheiten und betrübte armselige Zeiten. Erleuchte und stärke in allem Guten die geistlichen und weltlichen Vorsteher und Regenten, damit sie Alles befördern, was zu deiner göttlichen Ehre, zu unserm Heile und zum gemeinen Frieden und zur Wohlfahrt der ganzen Christenheit gedeihen mag. Verleih uns, o Gott des Friedens! rechte Vereinigung im Glauben, ohne alle Spaltung und Trennung. Befehre unsere Herzen zur wahren Buße und Besserung unsers Lebens. Zünde in uns an das Feuer der Liebe. Gib uns einen Hunger und Eifer zu aller Gerechtigkeit, damit wir als gehorsame Kinder im Leben und Sterben dir angenehm und wohlgefällig feien. Wir bitten anch, wie du willst, o Gott! daß wir bitten follen, für unsere Freunde und Feinde, für Gesunde und Kranke, für alle betrübte und elende Christen, für die Lebendigen und für die Gestorbenen. Dir, o Herr! sei einmal empfohlen unser Thun und Lassen, unser Handel und Wandel, unser Leben und Sterben. Laß uns deine Gnade hier genießen, und bort mit allen Auserwählten erlangen, daß wir in ewiger Freude und Seligkeit dich loben, ehren und preisen mögen. S Das verleih uns, o Herr, himmlischer Vater! durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn und Heiland, welcher mit dir und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.msdis sdnspire offed time mo Gall thi pend im In Versuchungen ist a Mein Gott! stärke mich mit deiner Gnade, denn es find wieder aufgestanden die Boshaften; mein Gott! binde meinen Willen, denn ich will die Freiheit des Willens nur dazu haben. um dich zu ehren, um dir zu dienen. Weichet von mir ihr Bö sen, ich will euch nicht angehören; weichet von mir, die ihr mich Tägliche Gebete. zu verführen trachtet; denn der Herr wird die Stimme meines Weinens erhören. Herr! ich leide Gewalt, hilf mir! cillier Gib, o Jesus! gib mir einen Sinn, der auf dich denkt; ein Herz, das dich liebt; ein Gedächtniß, das dich stets sich vergegenwärtiget; eine Vernunft, erleuchtet von dem heiligen Geiste, dich immer vollkommener zu lieben; auf daß ich dich über Alles lieben, und in Allem deinen heiligen Willen erfüllen möge.ags 12 120 O liebevollste Mutter, heilige Jungfrau Maria! siehe ich dein Pflegekind fliehe zu dir, als einer sicheren Zuflucht wider alle Sünden und Anfechtungen. Dir schenke ich ganz mein Herz; bewahre dasselbe vor aller Sünde. Hilf mir, o Mutter! daß ich Jesum, deinen göttlichen Sohn, meinen Gott, niemals beleidige. Wenn ich versucht werde, so will ich zu dir seufzen, und sagen: Heiligste Jungfrau, siehe, ich bin in Gefahr; eile mir zu Hilfe. Nach einem begangenen Fehltritte. Ach, ich habe wieder Unrecht gethan! Mein Gott! es reuet mich. Aber meine Schwachheit soll mich nicht verzagt, sondern nur demüthiger und vorsichtiger machen. Es soll dieser Fehler nicht mehr geschehen. Mein Gott! stärke mich! Amen. Gute Meinung, wann die Stunde schlägt. O Gott! Alles, was ich die verfloffene Stunde Gutes gethan habe, und was ich immer die künftige denken, reden, thun und leiden werde, opfere ich dir auf durch das heiligste Herz Jesu; mit dessen Tugenden, Liebe und Verdiensten vereinige ich Alles. O Jesu! sei mir gnädig, o Jesu! sei mir barmherzig, o gütigster Jesu! verzeihe mir meine Sünden. Göttliches Herz Jesu, erbarme dich meiner! Maria, Mutter der Gnade, Mutter der Barmherzigkeit! beschüße uns vor dem Feinde, und steh' uns bei im letzten Streite. Gütigster Jesu! laß dein heiligstes Leiden an mir nicht verloren seyn; laß es den armen Seelen Tägliche Gebete. 121 im Fegfeuer zu gut kommen. O Maria! zeige dich als eine Mutter; wende deine barmherzigen Augen zu uns; in dein liebevolles Herz empfehle ich mich. Heiliger Joseph, heilige N. N., alle lieben Heiligen Gottes! liebet und lobet Gott statt meis ner, und bittet für mich. Heiliger Schußengel! beschüße mich. Wenn man bei einer Kirche vorübergeht. Gelobt und gebenedeit sei das allerheiligste Sakrament des Altars! O Jesu! alle Kniee sollen sich vor dir beugen, alle Engel und Heiligen sollen dich anbeten, alle Herzen sollen dich, o göttliches Herz! lieben. Wenn du ein Bildniß Jesu des Gekreuzigten, Mariä der feligsten Jungfrau, der Heiligen und Engel siehst, kannst du eine von den folgenden Anmuthungen in deinem Herzen erwecken: Mein Jesu! sei mir gnädig und verzeihe mir meine Sünden. Mein Jesu! laß dein heiliges Leiden und Sterben an mir nicht verloren seyn. Durch jene Angst und Verlassenheit, welche du am Kreuze gelitten hast, da deine Seele vom Leibe geschieden ist, erbarme dich meiner armen Seele, wenn sie vom Leibe scheiden wird. O Maria! sei meine Mutter; ich will dein Kind sein. O Maria! beschüßze mich allzeit; bitt für mich, für alle Sünder, für die Seelen im Fegfeuer. O Maria! in dein mütterliches Herz empfehle ich mich; ich will dich allzeit lieben; o wenn ich dich doch recht inbrünstig lieben könnte! Heiliger N., alle lieben Heiligen Gottes! bittet für mich, daß ich nach euerm Beispiele Gott eifrig dienen möge. Heiliger Schußengel, alle feligen Geister! beschüßet mich, bittet Gott für mich, lobet Gott ftatt meiner. Wenn man sich mit Weihwasser besprengt. O Herr Jesu Christe! durch dieses geweihte Wasser, durch die Besprengung mit deinem kostbaren Blute, und durch die Kraft deines heiligen Leidens wasche mich von aller Mackel, und reinige mich von aller Sünde. Im Namen Gottes des Vaters ic. Tägliche Gebete. Ober: O Herr Jesu Christe! durch dieses geweihte Was ser reinige mich von allen Sünden, welche ich aus Liebe zu dir von Herzen bereue. pith attorna Oder bezeichne dich mit dem Weihwasser, wie der Priester den Kranken mit dem heiligen Del, und sprich: id dom 122 Durch dieses heilige Kreuz, durch seine mildeste Barmherzigkeit und durch die Fürbitte der seligsten Jungfrau Maria und aller lieben Heiligen wolle mir Gott nachlassen und verzeihen, was ich durch meine Sinne gefündigt habe. Amen. Wenn man das hochwürdigste Gut vorüberträgt. Sei ihm gnäHochgelobt und gebenedeit sei das allerheiligste Sakrament des Altars, von nun an bis in Ewigkeit! Du, o Jesus! würdigest dich jetzt zu einem Kranken zu gehen. dig! Verzeih ihm seine Sünden! Tröste ihn, lindere ihm die Schmerzen seiner Krankheit! O möchten wir doch immer so leben, daß wir am Krankenbette mit freudigem Herzen nach dir verlangen könnten! Barmherziger Jesus, verstoß uns arme Sünder nicht! Bleib bei uns im Leben; bleib bei uns im Tode Amen. 12 m 197 Dan Barbican - Wenn man vor einem Kirchhof vorübergeht. 0 Herr! gib allen hier liegenden christgläubigen Seelen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. Herr! verleih ihnen eine glückselige Auferstehung, und die Freuden des ewigen Lebens. Auch mich wird über kurz oder lang die fühle Erde decken. Möchte dann meine Seele an dir, o Gott! einen gnådigen Richter finden und in den ewigen Frieden eingehen. D Jesus, du Sohn des lebendigen Gottes, erbarme dich meiner und Aller, für welche du dein kostbares Blut am Stamme des heiligen Kreuzes vergoffen hast. Amen. loffindo upe ma a 10 me Herzens- Anmuthungen und Gemüthserhebungen sheit soll so während des Tages.pilis misd for 30 Diese und dergleichen kurze Anrufungen Gottes, wodurch man während der Arbeit und in den Geschäften von Zeit zu Zeit Tägliche Gebete. 123 fein Gemüth zu Gott erhebt, mit Gott immer auf ein neues anknüpft, und sich mit ihm vereinigt, werden in gemeiner Sprache auch Schußgebete genannt. Diese Benennung soll sowohl ihre Entstehung aus dem tiefsten Grunde des Herzens, und die geflügelte Eile, mit der sie sich zu Gott erschwingen, als auch ihre Kürze bezeichnen. Sie sind von überaus großem Nußen, weil man dadurch von den Zerstreuungen, in die man durch die Geschäfte hineingezogen wird, sich wieder sammelt, sich gewöhnt, im Andenken an Gottes Allgegenwart zu leben, und alle seine Werke gut und verdienstlich zu verrichten. Wähle dir, o christliche Seele, eines von den hier stehenden, oder ein anderes dir bekanntes; ei nen Tag oder eine Woche hindurch dieses, ein anders M l ein anderes, welches dir gerade besonders zu Herzen geht, und wie derhole es während des Tages öfter im stillen Kämmerlein deines Herzens. O Herr! dich liebt mein ganzes Herz! Und dieses ist mein größter Schmerz, Daß ich verscherzt dich, höchstes Gut; O mach' mich rein mit deinem Blut! O mein Gott, und mein Alles! store Sei mir gnädig und barmherzig! O Jesu, du Sohn David's! erbarme did meiner!- D Jesu! dir lebe ich; o Jesu! dir sterbe ich; o Ju! bein will ich seyn todt und lebendig.-Mein Gett! ich glaube an bich; vermehre meinen Glauben. Mein Gott! ich hoffe auf dich; stärke meine Hoffnung.- Mein Gott! ich liebe dich; entzünde meine Liebe.- Jesus! meine Liebe und meine Freude; verbirg mich in deine heiligen Wunden. Mein Gott! Alles dir zu Liebe und nach deinem heiligen Willen; aber nie etwas, was dich bes leidigt.- Mein Jesus! Nur keine Sünde, nur keine Sünde!- O mein Jesus! laß dein bitteres Leiden und Sterben an meiner Seele nicht verloren seyn. O mein Jesus! Lehre mich fanftWas nüßt es dem müthig und von Herzen demüthig werden. Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, an seiner Seele aber Schaden leidet? Warum bist du traurig, meine Seele? Es lebt der alte Gott. Es sorgt für dich dein lieber Heiland, Jesus Christus.- Schöner Himmel! wie lieblich ist deine Ruhe!- Schöner Himmel! du bist mein, wenn ich nur will. - Auf - - - - - 1 124 Tägliche Gebete. meine Seele! und sei nicht träg. Siehst du nicht den Himmel über dir, und die Hölle unter dir? Auf, meine Seele, was zögerst du, deinen lieben Gott zu lieben!- Eitelkeit über Eitelkeit, die Welt und ihre trügerischen Freuden lieben, und dadurch den Himmel und seine Seligkeit verlieren:- O meine Seele! Vergieß nicht, daß dich dein lieber Gott sieht?- D mein Jesus! Sei mein guter Hirt; ich will dein getreues Schäflein seyn. - Jesus! fehre ein in meinem armen Herzen; erquicte es, erfreue es, heilige es. Heilige Maria, Mutter meines göttlichen Heilandes, bitt für mich!-O Maria, du Zuflucht der armen Sünder, verlaß mich nicht. - O alle ihr heiligen Engel, lobet und preiset Gott mit mir und anstatt meiner!- O mein lieber, heiliger Schutzengel, weiche nicht von mir! Dier: Lieber Engel! denke mein, Laß mich dir empfohlen seyn Diesen Tag, dieß bitt' ich dich, Erleucht', beschüß', regiere mich. Leite mich, schüße mich, himmlischer Freund! Bis uns dort die ewige Liebe vereint. Merke dir, und gebrauche doch besonders folgendes, wahrs haft goldene Schußgebetlein: Lieber Jesus, sei mit mir! Leib und Seele schenk ich dir! mytise chon da 101 4100 190 bis 102 Gebete zu Maria os senh se für jeden Tag der Woche. 10.( Bom heil. Alphons M. Liguori.) 125 Am Sonntage. Sieh, o Mutter meines Gottes, hier vor deinen Füßen einen elenden Sünder, der zu dir seine Zuflucht nimmt und sein ganzes Vertrauen auf dich setzt. Ich verdiene zwar nicht, daß du mich eines deiner Blicke würdigest; allein ich weiß, daß du, seitdem du deinen Sohn für die Sünder sterben sahest, sehnlich wünscheft, ihnen behilflich zu seyn. O Mutter der Barmherzigkeit, siehe mein Elend an und habe Mitleiden mit mir. Alle nennen dich die Zuflucht der Sünder, die Hoffnung der Unglücklichen, welche der Verzweiflung nahe sind, die Hilfe der armen Verlaffenen. Sei du also meine Zuflucht, meine Hoffnung, meine Hilfe; durch deine Fürbitte kannst du mich retten. O gütige Mutter, stehe mir bei; ich beschwöre dich um deines göttlichen Sohnes willen, reiche deine hilfreiche Hand einem Armseligen, der sich dir, nach seinem Falle, anempfiehlt, damit du ihm aufhelfest. Ich weiß, daß du, wenn es möglich ist, dem Sünder mit Freuden zu Hilfe eilest. Hilf mir dann jetzt, da du es kannst. Durch meine Sünden habe ich zugleich die Gnade und meine Seele verloren; nun aber werfe ich mich in deine mütterlichen Arme und bitte dich, du wollest mir zu erkennen geben, was ich thun soll, um die Gnade meines Gottes wieder zu erlangen; sieh, ich bin bereit, Alles ohne Aufschub zu thun. Er ist es ja, der mich an dich weiset, damit du mir beistehest. Er will, daß ich mich an deine Barmherzigkeit wende, auf daß wir, in dem großen Geschäfte meines Heils, nicht nur durch die Verdienste deines Sohnes, sondern auch durch deine Fürbitte geholfen werde. Ich nehme mun meine Zuflucht zu dir, o mächtige Jungfrau; bitte beinen göttlichen Sohn für mich, und zeige, was du Gutes denjenigen erweisest, welche ihr Vertrauen auf dich setzen. O Maria, erhöre mein dringendes Flehen und verschmähe es nicht. Amen Girfatt Drei Ave Maria, um die wider Maria ausgestoffenen Lästerungen wieder gut zu machen. Gebete zu Maria Am Mondtage. O allerfeligste Jungfrau Maria, du Himmelskönigin, lange genug bin ich ein Sclave des Satans gewesen, ich will mich nun aber für alle Zeit deinem Dienste widmen. Ja, so lange ich lebe, will ich dich ehren und dir dienen: nimm mich als deinen Diener auf, und verstoße mich nicht, wie ich es verdiente. O liebste Mutter, auf dich habe ich alle meine Hoffnung gesetzt! ich lobe und preise den Herrn, und danke ihm, daß er mir in seiner Barmherzigkeit dieses Vertrauen auf dich verliehen hat. Zwar bin ich im bisherigen Leben, unglücklicherweise, in Sünden gefallen, allein durch die unendlichen Verdienste Jesu Christi und durch deine mächtige Fürsprache habe ich, wie ich hoffe, Verzeihung dafür erlangt. Jedoch ist dieß nicht genug, o meine zärtlichste Mutter; ein betrübender Gedanke bestürzt mich: ach! die heiligmachende Gnade kann ich abermal verlieren! Die Gefahren sind immerwährend; meine Feinde ruhen und schlafen nicht, und neue Versuchungen werden mich bestürmen. O Maria, nimm mich unter deinen mütterlichen Schuß, bewahre mich gegen die Anfälle der Hölle, und lasse nicht zu, daß ich je noch fündige und deinen göttlichen Sohn auf's neue beleidige. O daß ich doch nie wieder Gefähr liefe, meinen Gott, den Himmel und meine Seele zu verlieren! Dieß ist, o mächtige Fürsprecherin, die Gnade, welche ich von dir begehre, welche ich sehnlichst verlange und von deiner Fürbitte hoffnungsvoll erwarte. Amen. 126 Drei Ave Maria, um die wider Maria ausgestoffenen Lästerungen wieder gut zu machen. Am Dienstage. O allerfeligste Jungfrau Maria, du Mutter der Güte und Erbarmung, wenn ich an meine Sünden und an die Stunde meines Todes denke, so erzittere ich und werde ganz verwirrt. Liebvollste Mutter, auf das kostbarste Blut Jesu Christi und auf deine gütige Fürsprache seße ich meine ganze Hoffnung. O du Trösterin der Betrübten, verlaß mich nicht in diesem Augenblicke, und in meiner großen Betrübniß versage mir deinen Trost nicht. Wenn mich jetzt die Gewissens bisse, die Ungewißheit der Verzeihung, die Gefahr des Rückfalls und die Strenge der göttlichen Gerechtigkeit schon so sehr foltern 127 für jeden Tag der Woche. wie wird es mir erst in jener Schreckensstunde geschehen? D erhalte mir, ich beschwöre dich, ehe der Tod einbricht, einen wahren Reueschmerz über meine Sünden, eine dauerhafte Bekehrung, und für mein noch übriges Leben eine unverbrüchliche Treue im Dienste und in der Liebe Gottes; und in der Stunde meines Hinscheidens stehe mir besonders bei, o Maria, meine füßeste Hoffnung! in dem fürchterlichen Kampfe und in der schredbaren Angst, welche ich werde ausstehen müßen. Erhalte mir Kraft und Stärke, damit ich bei Ansehung meiner Fehler, die der böse Feind mir gewiß vor die Augen stellen wird, nicht in Verzweiflung gerathe; gib mir dann ein, dich öfters anzu-, rufen, damit ich bis an den letzten Athemzug deinen süßen Namen und den Namen deines göttlichen Sohnes mit fester Zuversicht ausspreche. Vielen deiner getreuen Diener hast du diese Gnade erhalten, auch ich verlange und wünsche sie heftig, und hoffe getroft sie zu erlangen. Amen. Drei Ave Maria, um die wider Maria ausgestoffenen Lästerungen wieder gut zu machen. ad un did 590) 16 misd Am Mittwoche. O allerseligste Jungfrau Maria, Mutter meines Gottes, wie oft haben meine Sünden nicht die Hölle schon verdient! Vielleicht wäre bei meiner ersten Sünde das über mich gefällte Urtheil vollzogen worden, wenn du, o Allgütige, die rächende Hand der erzürnten Gerechtigkeit Gottes nicht eingehalten hättest; seither hast du die Verstocktheit meines Herzens besiegt und erweicht, mich angetrieben, mein Vertrauen auf dich zu sehen. Und wer weiß, wie vielmal ich, leider! mitten in den vielfältigen Gefahren, die mir von allen Seiten zustoßen, in die Sünde zurückgefallen wäre, wenn du mich nicht durch die bei Gott erwirkten Gnaden bewahrt und beschüßt hättest? Allein, o meine höchste Herrscherin, was werden mir deine Güte und alle Gnaden, die du mir erworben hast, nüßen, wenn ich ein Kind der Verdammniß werden sollte? Wenn ich dich vorhin nicht geliebt habe, so will ich dich jetzt und in Zukunft, nach Gott, über Alles lieben. Ach lasse nicht zu, daß ich dir je untreu werde und den Dienst meines Gottes verlasse, der mir, durch deine Vermittlung, so viele Gnaden verliehen hat; laß nicht zu, o -- 128 Gebete zu Maria liebvollste Gebieterin, daß ich mein Loos mit denjenigen theile, welche dich hassen und ewig in der Hölle verfluchen. Könnteft du es zugeben, daß einer deiner Diener, der dich zärtlich liebt, zu Grunde ginge? O Maria, laß mich gnädigst deine Antwort vernehmen! Werde ich verdammt?- ach ja, gewiß, wenn ich dich verlasse. Wer würde dich aber wohl verlassen, wer eine Liebe wie die deinige wohl vergessen können? Nein, wer sich dir an empfiehlt, wer zu dir seine Zuflucht nimmt, der kann nicht verloren gehen. Ach! liebste Mutter! überlasse mich nicht mir selbst, sonst ist es um mich geschehen; mache, daß ich allezeit meine Zuflucht zu dir nehme. Rette mich, die du meine Hoffnung bist. Rette mich von der Hölle, vor Allem aber bewahre mich vor der Sünde, welche allein zur Hölle führt. Amen. Drei Ave Maria, um die wider Maria ausgestoffenen Lästerungen wieder gut zu machen. Am Donnerstage. O du holde Himmelskönigm, die du, über alle Chöre der seligen Geister erhaben, die Nächste beim Throne Gottes bist! aus der Tiefe dieses Jammerthales bringe ich dir, ob ich gleich ein Sünder bin, meine tiefe Huldigung dar, und bitte dich ehrfurchtsvoll, du mögest einen barmherzigen Blick auf mich Elenden werfen. Sieh, o Maria, wie viele Gefahren mich stets umgeben, wie sehr ich ausgesetzt bin, meinen Gott, den Himmel und meine Seele zu verlieren; auf dich habe ich all mein Vertrauen geseßt, dich liebe ich von Herzen und seufze nach dem glücklichen Augenblicke, wo ich dich werde im Himmel sehen und preisen können. Ach! wann wird er einmal für mich leuchten, jener erwünschte Tag, wo ich, meines Seelenheiles verfichert, mich vor deine Füße hinwerfen kann? Wann werde ich jene mildreiche Hand küssen, welche mich mit so vielen Wohlthaten überhäufet hat? Zwar habe ich mich bis jetzt sehr undankbar gegen dich gezeigt, o meine beste Mutter! im Himmel aber werde ich nicht mehr undankbar seyn; unaufhörlich, eine ganze Ewigkeit hindurch, werde ich dich lieben und durch immerwährendes Lob, durch ununterbrochene Danksagung meinen sträflichen Undank wieder gut machen. Ich danke dem Herrn, daß er mir dieses Vertrauen auf die unendlichen Verdienste Jesu Christi und auf für jeden Tag der Woche. 129 deine mächtige Fürsprache eingegeben hat. Deine wahren Diener haben alle mit Zuversicht auf diese Gnadenschätze gehoffet und keiner ist in seiner Hoffnung betrogen worden; warum sollte ich verzagen? Maria, bitte deinen göttlichen Sohn, er wolle mich durch die Verdienste seines Leidens in dieser Hoffnung stärken und immer mehr und mehr befestigen. Amen. Drei Ave Maria, um die wider Maria ausgestoffenen Lästerungen wieder gut zu machen. Am Freitage. O Maria, du bist das edelste, das erhabenste, das reinste, das schönste, das heiligste und vollkommenste aller Geschöpfe. O, daß dich doch die Menschen fenneten und liebten, wie du es würdig bist! Jedoch tröstet mich der Gedanke, daß so viele Glückselige im Himmel und so viele Gerechte auf Erden von Liebe für dich brennen. Mich erfreut aber über Alles, daß Gott selbst dich allein mehr liebt als alle Engel und Heilige insgesammt. Ich auch, obgleich elender Sünder, liebe dich, aber zu wenig. Ich möchte dich inbrünstiger und zärtlicher lieben, und diese Liebe kannst du mir allein erhalten. Wer dich liebt und ehrt, der ist seines ewigen Heiles zum Voraus versichert; erlange mir also diese Liebe, die Gott denjenigen verleiht, die selig werden. Dann, o meine zärtliche Mutter, habe ich deinem göttlichen Sohne Alles zu verdanken und bin ihm eine unendliche Liebe und ewige Dankbarkeit schuldig. O du, die du nichts so sehr wünschest, als daß er von Allen geliebt werde, erhalte mir auch eine unbeschränkte Liebe zu ihm! Alles kannst du von Gott erlangen; erbitte mir also die Gnade. Keine Erdengüter, die Liebe Gottes in meinem und aller Menschen Herzen, dieß ist mein einziger und heißester Wunsch. Könntest du ein so billiges und dir selbst so wohlgefälliges Verlangen verschmähen und nicht befriedigen? O nein; schon empfinde ich die Wirkung deiner mildreichen Hilfe, schon fühle ich mich zur Liebe meines Gottes angetrieben. Bete, o Maria, bete und verwende dich gütigst für mich, bis ich bei dir im Himmel bin, wo ich ewig meinen Gott und dich, meine zärtliche Mutter, besitzen und lieben werde. Amen. Drei Ave Maria, um die wider Maria ausgestoffenen Lästerungen wieder gut zu machen. 9 Gebete zu Maria Am Samstage. O Maria, allerfeligste Mutter meines Erlösers, wenn ich an die vielen und großen Gnaden denke, die du mir erhalten hast, und an den groben Undanf, womit ich dir begegnet bin, so erkenne ich mich der neuen Wohlthat vollkommen unwürdig; jedoch will ich an deiner großen Barmherzigkeit nicht verzweifeln. O meine mächtige Fürsprecherin, habe Mitleiden mit mir; du bist die Ausspenderin so vieler Gnaden, die Gott uns mittheilt, und er hat dich so reichlich mit Macht, mit Schäßen und Güte beschenkt, damit du uns zu Hilfe eilest. Ich will selig werden, darum übergebe ich dir meine Seele und mein ewiges Heil. Ich will der Zahl deiner ergebensten Diener angehören, also verstoffe mich nicht. Unaufhörlich suchest du die Unglücklichen auf, um ihnen beizustehen; verlasse denn nicht einen armen Sünder, der zu dir seine Zuflucht nimmt; verwende dich für mich bei deinem göttlichen Sohne; er ist allezeit bereit, dir deine Bitte zu gewähren. Nimm mich unter deinen Schuß, und dieß ist mir schon genug: wenn du mich beschüßest, vor was soll ich beben? vor meinen Sünden? du erhaltest mir ja die gänzliche Nachlassung derselben; vor der Hölle? du bist ja mächtiger als alle Gewalt der bösen Geister; vor Jesu Christo, meinem künftigen Richter? mit einer einzigen Bitte kannst du ihn ja besänftigen. Beschüße mich sodann, o liebevolle Mutter, und erhalte mir die Nachlassung meiner Sünden, die Liebe meines Jesus, die Gnade der Beharrlichkeit im Guten, einen glückseligen Tod und endlich das ewige Paradies. Ich erkenne mich dieser Gnaden zwar unwürdig, wenn du sie aber für mich begehrest, so hoffe ich sie zu erlangen. O, verwende dich für mich bei deinem göttlichen Sohne. O Maria, meine Königin, meine Mutter, auf dich seße ich mein Vertrauen, meine Hoffnung, mein Glück; in diesen Gesinnungen will ich leben und sterben. Amen. 130 Drei Ave Maria, um die wider Maria ausgestoffenen Lästerungen wieder gut zu machen. 131 Andacht zur Mutter Gottes auf alle Tage der Woche, um eine glückselige Sterbstunde zu erlangen. Am Sonntage. O heilige Maria! du auserwählteſte, mit Gott innigst verbundene Jungfrau! Du Tochter des himmlischen Vaters, Mutter des göttlichen Sohnes, Braut des heiligen Geistes! Du herrliche Wohnung der heiligsten Dreifaltigkeit; du Königin des Himmels und der Erde; du Mutter der Erbarmungen und des menschlichen Geschlechtes! Du vermagst Alles bei demjenigen, der dich zu seiner Mutter erforen und mit besonderem Vorzuge und unaussprechlicher Macht verherrlicht hat. Du bist ganz sanftmüthig und wohlthätig nicht nur allein den Gerechten, sondern auch den Sündern, welche bußfertig zu dir ihre Zuflucht nehmen. Sei demnach, o göttliche Mutter! von mir auf das allerehrerbietigste gegrüßt; und da du die liebevollste Fürsprecherin für uns bei Gott bist, so sei auch der beständige Gegenstand meiner Andacht und Verehrung! zu dir will ich stets voll des Vertrauens und mit Beharrlichkeit flehen, daß du mir die Ausübung christlicher Tugenden mein ganzes Leben hindurch und endlich einen glücklichen Tod bei deinem Sohne erbittest. Heilige Maria! die du von Ewigkeit erwählt wareft, in der Zeit die Mutter Gottes unsers Erlösers zu werden, und daher bei Gott Gnade gefunden hast, ja gleich von dem ersten Augenblicke deiner Empfängniß mit der heiligmachenden Gnade bist ausgeziert und erfüllt worden, damit der Ursprung des Lebens, der Stifter unseres Heils, die Fülle der Gottheit- Jesus Christus eine würdige Wohnung fände; heilige Maria, voll der Gnaden! bitte deinen Sohn, den Gott der Gnade, daß er mir durch seine unendliche Güte und Barmherzigkeit Nachlaffung meiner Sünden und die Gnade der Beharrlichkeit im Guten bis an das Ende meines Lebens ertheile, und ich sodann nach einer so erwünschten Versöhnung gerechtfertigt in dem Herrn sterbe und durch sein Leben selig werde. 9* Andacht zur Mutter Gottes Heilige Maria, die du durch die Kraft des Allerhöchsten den Herrn Himmels und der Erde empfangen und geboren hast! dieser Herr wollte mit dir nicht nur durch seine vorzügliche Gnade, sondern zugleich durch seine leibhafte Gegenwart in deinem jungfräulichen Leibe, in deinen Armen und mit dir in dem Hause zu Nazareth seyn. O Maria! an dir hat derjenige, welcher mächtig ist, große Dinge gethan; aber auch seine Barmherzigkeit währt von einem Geschlechte zum andern- bei denen, die ihn fürchten. Mache, daß dieser Herr und Gott durch seine Gnade auch immerdar mit mir sei, und dazumal bei mir bleibe, wenn die Tage meines Lebens zu Ende sich werden geneigt haben, und mich die Finsterniß und der Schatten des Todes bedecken werden. Alsdann wolle der gütigste Gott und Herr, und du, Mutter der Barmherzigkeit! mein Schuß seyn, damit ich mitten im Schrecken des Todes nicht verzage, sondern mich mit der Hoffnung aufrichte, daß ich in das Haus meines Herrn eingehen und allda in Ewigkeit wohnen werde. Heilige Maria! du unter allen Weibern höchst gesegnete Jungfrau und Mutter besjenigen, in welchem alle Geschlechter der Erde sind gesegnet worden; und daher auch dich alle Geschlechter selig nennen; denn aus dir ist die Sonne der Gerechtigkeit, Christus unser Gott, aufgegangen, welcher den allgemeinen Fluch weggenommen und den Segen ertheilt hat. Du allein haft unter allen Weibern die Würde einer Mutter erhalten, und zugleich dabei die Zierde der Jungfrauschaft nicht verloren. Erbitte mir bei deinem Sohne die Gnade, daß ich vor dem Ende meines Lebens Verzeihung meiner Sünden bei ihm finde, und nach dem Tode unter den Gebenedeiten seines Vaters berufen werde, um auch das Reich zu besitzen, welches vom Anfange der Welt für die Auserwählten bereitet ist. O Maria! du Mutter desjenigen, welcher auf die Welt gekommen ist, um das verlorne menschliche Geschlecht zu erlösen! diese gebenedeite Frucht deines Leibes, dieser gebenedeite Herr Gott Israels hat sein Volk heimgesucht und erlöst, auch uns Menschen den Zutritt zum ewigen Leben wieder eröffnet. D gebenedeite Jungfrau und Heilige Mutter! sei meine ganze Lebens132 um eine glückselige Sterbstunde. 133 zeit hindurch meine Beschüßerin und meine Fürsprecherin bei deinem göttlichen Sohne; schüße mich jetzt und in der Stunde des Todes wider die Feinde meines Heils, damit ich nach dem Hinscheiden aus diesem Leben in die ewigen Wohnungen aufgenommen werde, Jefum- die gebenedeite Frucht deines Leibes ewiglich ansehen und mich an Ihm erfreuen möge. Heilige Maria, Mutter Gottes! sieh auf mich armen Sünder, und bitte Gott, welchen ich so oft beleidigt habe, daß er mir Gnade, Barmherzigkeit und Verzeihung meiner Sünden ertheile; bitte vorzüglich für mich in der Stunde meines Abſterbens, daß der Herr auf dem Bette meiner Wehetage mir beistehe, und meine Seele zu sich aufnehme, um ihn von Ewigkeit zu Ewigkeit zu preisen. Amen. Am Mondtage. Heilige Maria, du mächtigste Fürbitterin bei deinem göttlichen Sohne für Alle, welche dich ehren und mit vollem Vertrauen ihre Zuflucht zu dir nehmen. Sieh auf mich gnädigst und erhöre mein inständiges Flehen! Nimm mich, o Mutter! in deinen Schutz auf, und bewahre mich wider alle Feinde meines Heiles. Erwirb mir den Beistand deines göttlichen Sohnes! erbitte mir von ihm das Licht, das mir auf meinen Wegen vorleuchte, und die Gnade, die mich in den Gefahren und Versuchungen stärke. Besonders steh mir in dem jenigen Augenblicke bei, da sich der Tod nähern und die Thore der Ewigkeit eröffnen werden. Heilige Maria! du selig gepriesene Mutter! die du dem Engel das große Wunder der göttlichen Allmacht und Güte, welches in dir vollbracht werden sollte, mit gänzlicher Unterwerfung des Geistes geglaubt haft; daher auch Alles vollzogen worden ist, was zu dir vom Herrn ist geredet worden, erbitte auch mir die Gabe eines festen und standhaften Glaubens! daß ich Alles glaube und bekenne, was Gott geoffenbart, und was die heilige, katholische Kirche zu glauben befiehlt, daß ich mich niemals scheue, die Wahrheiten des Glaubens vor den Menschen zu bekennen, und daß ich in diesem heiligen, allein seligmachenden Glauben lebe und sterbe. Heilige Maria! bitte deinen göttlichen Sohn, daß er diesen Glauben, den er selbst - * 34 Andacht zur Mutter Gottes gelehrt hat, stets in mir bis an das Ende meines Lebens erhalte, und mich einstens vor seinem Vater, der im Himmel ist, bekenne. Heilige Maria! die dur mit allen Schäßen der Gnaden ausgeziert warest, um die Mutter des Sohnes Gottes und Erlösers zu werden, aber auch bei der Botschaft des Engels zuversichtlich gehofft haft, zugleich eine Jungfrau und Mutter des Herrn zu seyn; erhalte mir, o jungfräuliche Mutter, du Mutter einer heiligen Hoffnung! eine zuversichtliche Hoffnung und Vertrauen auf die Güte und Barmherzigkeit Gottes durch die unendlichen Verdienste deines Sohnes Jesu Christi, und zwar in diesem Leben die Erkenntniß, wahre Neue und Verzeihung meiner Sünden, nach dem Tode aber die ewige Seligkeit, um Gott von Angesicht zu Angesicht zu sehen, zu lieben und ohne Ende zu genießen. Heilige Maria! die du als die zärtlichste Mutter deinen göttlichen Sohn auf das innigste geliebt hast, erhalte auch für mich jene brennende Liebe, mit welcher dein Herz gegen deinen geliebtesten Sohn stets entzündet war; auf daß ich meinen höchsten, unendlichen liebenswürdigen Gott über Alles liebe, Alles auf dieser Welt, was die heilige Liebe schwächen könnte, besonders aber die Sünde, verabscheue; daß ich einen standhaften Willen habe, eher zu sterben, als meinen Gott zu beleidigen; daß ich nichts achte, Nichts liebe, als was von ihm kommt und zu ihm führt; daß ich von der Liebe und Treue, welche ich ihm schuldig bin, bis an das Ende meines Lebens nicht ablaffe, und in dieser Liebe in dem Herrn entschlafe. Heilige Maria! die du dich dem Willen des Allerhöchsten demüthig unterworfen hast, da der Engel dir die Menschwerdung Christi verkündigt und dich als eine zukünftige Mutter des Herrn gegrüßt hat! Du gabst deine Einstimmung dazu, daß dir nach dem Worte des Herrn geschehe, bei welchem kein Ding unmöglich seyn wird. Göttliche Mutter, erbitte mir die Gnade, in Allem nur den Willen Gottes zu suchen, und mich gänzlich seinen Verordnungen zu unterwerfen, auch dazumal, wenn der Allerhöchste schwere Dinge, Kreuz, Widerwärtigkeiten, Krantheiten, sogar den Tod selbst über mich verhängen wird; daß um eine glückselige Sterbftunde." 135 ich alsdann mit aller Ergebenheit in den göttlichen Willen den bittern Kelch des Leidens und des Tedes gleichsam aus seiner väterlichen Hand annehme. Bitte für mich, o Maria! daß, wenn es Gott gefällig seyn wid, mich von dieser Welt abzufordern, mich nicht die Liebe zu einem längern Leben beumuhige. nicht die Anhänglichkeit an die Welt und zeitliche Güter, nicht die Neigung zu meinen Freunden und Angehörigen mich betrübe, noch niederschlage, sondern daß ich mich seinem heiligsten Willen vollkommen unterwerfe und gerne sterbe. Nur bitte zugleich den allmächtigen Gott, daß er durch seine unendliche Bamberzigkeit und durch die Bitterfeit des Todes seines vielgeliebten Sohnes Jesu Christi mir einen glückseligen Tod schenke und meine Seele zum ewigen Leben einführe. Heilige Maia, du vortreffliches Muster aller Tugenden! lehre mich meine Andacht und Liebe zu dir durch eine säte Nachahmung der Tugenden, mit welchen deine heilige Seele geziert war, zu beweisen und in meinem Lebenewandel auszudrücken. Erhalte mir durch deine Fürbitte, daß mich die göttliche Güte jenes Ulebermaaßes der Gnaden theilhaftig mache, womit der heilige Geist deine Seele erfüllet hat, um auf dem Wege christlicher Tugenden fortzuschreiten und die aufstoffenden Beschwerden zu überwinden. Wenn alsdann die Stunde meines Todes herannahen wird, schüße mich, o Mutter der Gnade und Barmherzigkeit! wider die Feinde meines Heils, damit ich in dem Herrn sterbe, und darauf unter den Eeligen die Ruhe und Belohnung für meine Arbeiten empfange. Amen. Am Dienstage. Heilige Maria! du Mutter des ein gebornen Sohnes Gottes, der in die Welt gekommen ist, um uns alle Gnaden zu verdienen und zu verleihen; du Mutter Gottes unsers Erlösers, welcher der in der Gefangenschaft der Hölle und im Schatten des Todes sitzenden Welt die Freiheit, den Sündern das Leben, dem ganzen menschlichen Geschlechte das ewige Heil erworben hat. Du bist ja besorgt, o Maria! für das Heil deiner Kinder, welche mit vollem Vertrauen unter deinen mächtigen Schuß fliehen. Nimm an und erhöre meine Wünsche und Bitten; und gleichwie dein Sohn Jesus Christus 136 Andacht zur Mutter Gottes ein Fürsprecher bei dem Vater für uns Menschen und zugleich der Versöhner für unsere Sünden ist; so sei auch du eine Fürbitterin bei deinem Sohne für mich, damit ich durch seine Gnade von meinen Sünden gereinigt und nach den Trübsalen dieſer Welt im Blute des göttlichen Lammes ganz weiß gemacht, vor den Thron Gottes zu kommen verdiene. Heilige Maria! Mutter der göttlichen Gnade und zugleich ein mit dem Ueberfluße der Gnaden ausgeschmücktes Geschöpf, ich bitte dich, daß du mir bei deinem göttlichen Sohne die Gnade erhaltest, auf dem mühsamen und engen Wege dieser jammervollen Welt unermüdet einherzugehen, alle Gefahren und Hindernisse meines Heils sorgfältig und standhaft zu überwinden, und einstens auf dem Todbette voll des Vertrauens auf die Gnade meines Gottes und deine Fürbitte mich selbst zu trösten, daß ich einen guten Kampf gekämpft, meinen Lauf vollendet und den Glauben bewahrt habe, wofür mir der Herr, der gerechte Richter, die Krone der Gerechtigkeit an jenem Tage geben wird. Heilige Maria! du über alle Jungfrauen erhabene Jungfrau und von aller Mackel reinste Mutter Gottes! erhalte auch mir durch deine Fürbitte die Reinigkeit des Herzens und eine beständige Sorgfalt, dieselbe den Lauf meines Lebens hindurch zu bewahren. Mache, daß ich durch die Reizungen dieser Welt niemals verblendet werde, sondern allen Fallstricken, welche mich zum Bösen verleiten könnten, auf das Behutsamste ausweiche. O unvergleichliche Jungfrau! hilf mir, ein reines Leben zu führen und auf dem Wege zur Ewigkeit und zum Reiche der Himmel sicher zu wandeln, wo nichts Verunreinigtes hineingehen wird, und nur diejenigen Gott schauen werden, welche rein von Herzen sind. Heilige Maria, du wunderbarliche Mutter! die du die Würde einer Mutter erhalten, aber dabei die Zierde der Jungfrauschaft nicht verloren hast; du hattest die Freude eine Mutter des Schöpfers zu seyn, und bliebest zugleich immerfort eine unversehrte Jungfrau. Dieses wundervolle Vorrecht wirkte in dir der heilige Geist, der über dich kam, und die Kraft des Aller, höchsten, die dich überschattete. O seligste Jungfrau und Mutter am eine glückselige Sterbftunde 132 Gottes Maria! bitte für mich unabläßig deinen Sohn Jesus und meinen Herrn, daß er mich von seinem Angesichte nicht verwerfe und seinen heiligen Geist nicht von mir nehme, sondern daß ich durch dich am Tage des Gerichts Barmherzigkeit finden und jene Güter erlangen möge, welche denjenigen, die Gott lieben, vorbehalten sind, durch die Gnade und Güte unsers Herrn Jesus Christus. Heilige Maria! du liebliche Mutter der reinsten Liebe und der heiligsten Hoffnung! ich will mich bestreben, das zärtlichste Zutrauen und eine kindliche Liebe zu dir zu haben und dich als eine mächtige Fürbitterin und meine Mutter zu verehren. Zugleich bitte ich dich daß du auch deine Liebe gegen mich, den andächtiges Pflegekine, zeigest; wirf vom hohen Himmel auch einen Blick auf mich herab; laß mich deinen mächtigen Schuß im Leben, und vorzüglich dann erfahren, wenn mich die Schmerzen des Todes umfangen werden. Liebevolle Mutter! verlaß mich nicht in diesem letzten Augenblicke, und trage deinem liebvollsten Sohne, meinem Herrn und Erlöser, meine letzten Bitten und Seufzer vor, damit auch ich in die Zahl der Kinder Gottes aufgenommen werde, und ihn mit dir ewig preisen möge. Amen. Am Mittwoche. Heilige Maria! du allerweiſeste Jungfrau! die du in deinem feligen Leibe den Sohn des ewigen Vaters, in welchem alle Schäße der Weisheit und Erkenntniß verborgen sind, getragen hast, bitte für mich, daß Gott die Weisheit, welche bei seinem Throne steht, über mich schwacher Menschen herabsende, damit ich die größte und nüßlichste Kunſt und Wissenschaft, nämlich die zu sterben erlerne, damit ich lerne, in der kurzen Zeit meines noch übrigen Lebens alles Zeitliche nur zu meinem Heile zu gebrauchen und meine Absichten nach Gott allein und der Ewigkeit zu richten. Vor allem bitte ich dich, o Maria! du Siß der Weisheit selbst, daß die Furcht Gottes mich in allen meinen Handlungen begleite und durch ihre Macht vor aller Sünde bewahre. Und da ich weder den Tag noch die Stunde weiß, wann der Herr kommen und mich in die Ewigkeit abfordern wird, so will ich immerhin Andacht zur Mutter Gottes wachbar und bereit seyn, damit ich gleich den weisen Jungfrauen mit gefüllten Lampen zur Hochzeit eingehen möge. Heilige Maria! du aller Ehre würdigste Jungfrau! bu warst die einzige, welche von Ewigkeit zur Würde einer Mutter Gottes bestimmt war; du warst mit den herrlichsten Gnaden und Vorzügen ausgeziert; du als eine demüthige Magd des Herrn über alle Geschöpfe erhöht. Nach deinem heiligen Hirscheiden wurdest du über alle Heilige und Freunde Gottes, über alle Chöre der seligen Geister erhoben. Diese deine Würde und die Vorzüge, o Maria! verdienen ja alle Ehrenbezeigun gen und die zärtlichste Andacht gegen dich; sie bleiben aber für deine wahren Verehrer keineswegs unbelohnt. Du bist Allen eine Fürbitterin bei Gott und Schußfrau in den Nöthen. O sei es auch mir die Zeit meines Lebens hindurch, und besonders in der Stunde meines Absterbens; und alsdann will ich deinen Namen, o liebenswürdigste Jungfrau! ohne Aufhören loben, und will denselben mit Danksagung preisen, weil mein Gebet ist erhört und mir durch dich die Pforten des Paradieses sind eröffnet worden. 138 Heilige Maria, du mächtige Jungfrau! du bist als die Mutter des Allerhöchsten auf dem Throne deiner unbeschreiblichen Herrlichkeit weit über alle auserwählten Freunde Gottes in dem Himmel erhoben, welche dich als ihre Königin ehren. Wird wohl dein göttlicher Sohn in dem Reiche seiner Herrlichkeit dich nicht auch als seine Mutter ehren oder deine Bitten abschlagen, welche du für die in dieser jammervollen Welt lebenden Menschen vorbringen wirst? O Maria, sieh auf mich, deinen eifrigen Verehrer, von dem Throne deiner Herrlichkeit herab, unterstüße mich mit deiner mächtigen Fürbitte, und trage deinem Sohne meinen vorzüglichen Wunsch und Bitte vor, daß er mich am Tage meiner Trübfal nicht verlasse, und zu der Zeit meines legten Kampfes mir seine Hilfe nicht entziehe, damit ich nach einem glücklichen Ende dieses Lebens das einzige, legte Ziel sicher erreiche und der ewig glückseligen Anschauung Gottes mit dir, o Maria! genießen könne um eine glücjelige Sterbftunde. 139 Heilige Maria, du gütigste Jungfrau! in deinen gefegneten Beistand und besonderen Schuß empfehle ich heute und täglich, und besonders in der Stunde meines Todes, meine Seele und meinen Leib; jeder Zustand meines Lebens sei dir gänzlich überlassen und anvertraut, damit durch deine heiligste Fürbüte und Verdienste alle meine Werke nach dem Willen O seligste deines Sohnes angeordnet und geleitet werden. Jungfrau Maria! laß mich deinen gütigsten Beistand in jener fürchterlichen Stunde erfahren, wann die Lebensgeister abnehmen werden, wann die Zunge sich nicht wird bewegen können, um dich anzurufen, wann meine verdunkelten Augen nicht mehr sehen und meine Ohren nicht hören werden. Sei dann, o Maria! meiner Bitte eingedenk, welche ich dir, o gütigste Jungfrau! jest barbringe, und komm mir in der letzten Stunde der Todesnoth zu Hilfe, auf daß ich wider alle Feinde geschüßt werde und in den Himmel zu allen Auserwählten Gottes eingehe. Heilige Maria! du getreue Jungfrau und Helferin aller derer, die dich im Leben verehren und um deine Fürbitte anrufen; o bitte für mich armen Sünder, daß mich nicht ein jäher und unversehener Tod überfalle, sondern ich denselben vorbereitet erwarte; daß ich die Sünden verabscheue, dem Teufel und seinen Werken absage; eine wahre Reue erwecke, meine Sünden aufrichtig beichte und dafür Buße wirke; die letzte Wegzehrung andächtig und würdig empfange, und mit deinem göttlichen Sobne versöhnt aus dieser Welt scheide; alsdann aber jenen getreuen und feligen Knechten zugesellt werde, welche von dem Herrn bei seiner Ankunft wachend und würdig gefunden werden, der ewigen Güter zu genießen. Amen. Am Donnerstage. Heilige Maria! bu von allen Makeln reinster Spiegel der Gerechtigkeit, aus welcher Jesus Christus, der Glanz der Herrlichkeit seines Vaters, die Sonne der Gerechtigkeit, entsproffen ist; o Maria! wann jener Augenblick erscheinen wird, daß ich aus diesem Leben scheiden muß, so sei eine huldvolle Fürsprecherin für mich, daß meine Seele den Tod der Gerechten sterbe, und mein Ende ihrem Ende 140 Andacht zur Mutter Gottes gleich sei; und wenn ich von meinem Leben werde Rechenschaft ablegen müßen, so stelle mich Jesu vor, nicht als einem strengen Richter, sondern als der gesegneten Frucht deines Leibes, um mich mit derselben zu vereinigen und zur ewigen Anschauung und Liebe Gottes zuzulassen. Heilige Maria! du Ursache unserer Freude! du hast den verheißenen Erlöser des menschlichen Geschlechtes, das Verlangen aller Völker, den seit dem Falle der ersten Menschen unaufhörlich gewünschten Heiland der Welt, das Lamm Gottes, welches die Sünden der Welt hinnimmt, empfangen und zur Freude des Himmels und der Erde geboren, welcher uns von dem Joche der Dienstbarkeit befreit und in die Freiheit der Kinder Gottes gesetzt hast. O gebenedeite Mutter unsers Heilandes! durch dich haben wir verdient den Urheber unsers Lebens zu erhalten, und durch dich hoffe ich, daß ich auch einstens nach einem glücklichen Tode diesen meinen Heiland, bei welchem Barmherzigkeit und überflüßige Erlösung ist, als künftigen Richter ohne Furcht, voll Trostes und der Freude ansehen möge. Heilige Maria! du von Ewigkeit auserwähltes, mit allen Gnaden ausgeschmücktes, vortreffliches Gefäß, welches zur prächtigsten Zierde des Himmels und zur andächtigen Verehrung der Menschen bestimmt war! Du warest, seligste Jungfrau, von dem ersten Augenblicke an ein Gefäß der Ehre und Herrlichkeit und des göttlichen Wohlgefallens würdig; du warst durch die Fülle der Gnaden wider die Sünde gesichert. Aber ich unseliger Mensch weiß, daß mich in meinem sterblichen Leibe viele Mühseligkeiten und böse Anmuthungen umgeben, und daß ich die Schäße der Gnade und Kraft Gottes in einem irdenen Gefäße habe, aber dennoch Alles in dem vermag, der mich stärkt. Seligste Jungfrau! sei meine Fürbitterin bei Gott, dessen Hände mich gemacht und ganz gebildet haben, daß ich nicht ein Gefäß des Zornes Gottes werde, sondern daß er gegen mich als ein Gefäß der Barmherzigkeit. welches er zur Herrlichkeit bereitet hat, den Reichthum semer Herrlichkeit erzeige. um eine glückselige Sterbftunde. 141 Heilige Maria! die du alle diejenigen, welche dich um deinen Schuß und Schirm anflehen, gleich einer starken Schutzwehre beschüßest, und gleich dem Thurme, welchen David auf dem Berge Sion zum Schuße der heiligen Stadt erbaut hat, deine Verehrer wider alle Feinde sicher stellest: sieh, o mächtige Jungfrau! der Widersacher des menschlichen Geschlechtes geht immer herum und sucht, wen er verschlingen könne. Nimm mich auf in deinen Schuß, und sei mir eine Gegenwehr wider die Anfälle der Feinde meines Heils, damit ich von dem Wege der Gebote Gottes niemals abweiche. Vorzüglich aber sei meine Schußfrau in dem Todes- Kampfe, auf daß weder Tod noch Leben, weder was gegenwärtig noch zukünftig ist, mich von der Liebe Gottes, welche in Christo Jesu ist, scheiden könne. Heilige Maria, du goldenes Haus! um eine würdige Wohnung des Sohnes Gottes zu werden, mußtest du, gleich dem reinsten Golde, auch die größte Reinigkeit besitzen und mit dem herrlichsten Glanze Gottes ausgeschmückt seyn. O bitte für mich, daß ich mehr und mehr von meiner Ungerechtigkeit gewaschen und von meinen Sünden gereiniget werde, daß mir ein reines Herz erschaffen und ein aufrechter Geist erneuert werde, und ich mich befleiße, meinen Beruf und Auserwählung durch gute Werke gewiß zu machen; wenn endlich der Augenblick kommen wird, wo ich meine sterbliche Hülle werde ablegen müßen, dann mache, daß mein Geist im Frieden aufgenommen werde und gleich dem Golde, welches durch Feuer bewährt wird, freudig in das Haus Gottes übergehe. Heilige Maria, du lebendige Arche des Neuen Bundes, du herrlicher Tempel des Sohnes Gottes! Gleichwie vormals der Herr die Felder Israels, Häuser und Geschlechter wegen der Arche des Alten Bundes geschützt und gesegnet hat, so kann ich ja von dir, o Maria! als der heiligsten Arche, in welcher das wahre Heiligthum, der Mittler eines neuen und besseren Bundes, der Gott der Erbarmung und Liebe wohnte, deinen mächtigen Schuß und Segen hoffen. Dieser dein Sohn, unser Heiland, ist in den Himmel eingegangen, 142 Andacht zur Mutter Gottes um vor dem Angesichte Gottes für uns Menschen und die jenis gen, die auf ihn warten, zur Seligkeit zu erscheinen. O du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau! meine Frau, Mittlerin und Fürsprecherin! verföhne mich mit deinem Sohne und stelle mich auch einstens deinem Sohne vor. Amen. Am Freitage. Heilige Maria! deren Seele bas Schwert der empfindlichsten Schmerzen durchdrungen hat, da bu neben dem Kreuze standest und in höchster Wehmuth sahest, wie dein geliebtester Sohn für die Sünden seines Volkes seinen Geiſt aufgab. O Mutter! du Quelle der Liebe, laß auch mich die Heftigkeit deines Schmerzens empfinden, damit ich aus wahrer Liebe zu meinem Erlöser meine Sünden von Herzen bereue, und er mir nicht zum Falle, sondern zur Auferstehung gesetzt sei. In die heiligen Wunden deines Sohnes verberge ich mich, und sein Blut reinige mich von allen meinen Sünden. Schmerzhafte Mutter! beschüße mich an dem Tage des Gerichtes, damit ich nicht zu den Flammen verurtheilt werde, sondern durch dich zu dem Siegeszweige gelange und meiner Seele die Herrlichkeit des himmlischen Vaterlandes zu Theil werde. Heilige Maria! bich ernannte dein göttlicher Sohn am Kreuze hangend zur Mutter seines Jüngers, den er lieb hatte, und in seiner Person auch zur Mutter des menschlichen Geschlechtes; zugleich aber übergab er auch dir den Jünger und uns Menschen zu deinen Söhnen. Erzeige dich nun als meine Mutter, und dein Sohn, welcher unsers Heiles wegen vom Himmel herabgestiegen, Mensch geworden und aus dir geboren worden ist, nehme deine Fürbitte für mich auf. O Maria! mache, daß ich von aller Schulden und Sündenlast frei, sanft und rein sei. Hilf mir, ein reines Leben zu führen, diese Lebensbahn sicher zu durchwandeln und nach einem glücklichen Tode mich an dem Angesichte Gottes ewig zu erfreuen. Heilige Maria! du Mutter unsers Heilandes und du Urheberin unsers Heiles! ach, ich weiß, wie oft ich Undankbarer mein Heil vernachläßiget habe, wie oft ich des Werthes und der Frucht meiner Erlösung und Heiligmachung durch meine um eine glückselige Sterbfinnde. 143 Sünden verlustig geworden bin. Ich erkenne es in der Bitterfeit meiner Seele, daß meine Missethaten mir über das Haupt gewachsen und schwer geworden sind, wie eine schwere Bürde. Allein voll der Beschämung bereue und beseusze ich meine Verbrechen; hoffe aber auch Verzeihung und Nachlaffung meiner Sünden. Zu diesem tröstlichen Gedanken richtet sich mein Ges müth auf durch die Betrachtung der Güte meines Erlösers. Er hat ja jener reumüthigen und weinenden Sünderin ihre Sün den vergeben: er hat dem bußfertigen Mörder am Kreuze Gnade und Verzeihung gegeben; er hat auch mir sichere Hoff nung zur Gnade und Versöhnung gemacht. Bei diesem deinem göttlichen Sohne sei, o Maria! stets eine Fürbitterin, für mich; denn du bist die sichere Zuflucht und Hoffnung der Sünder; durch dich hoffe ich die Nachlassung der Sünden; auf dich gründet sich die seligste Erwartung meiner Belohnung. Laß dich demnach, o heilige Maria! jetzt schon für eine Fürsprecherin und Schüßerin erbitten, komm mir Elenden in jener Stunde zu Hilfe, da sich die Seele von dem Leibé trennen wird, damit ich mich dann jener Verheißung getrösten möge, daß ich an demselben Tage mit dir und deinem göttlichen Sohne im Paradiese seyn werde. Heilige Maria! deren. Seele in die größte Betrübniß und Wehmuth versenkt war, da du nächst dem Kreuze standeſt und sahest, wie dein vielgeliebter Sohn mit lauter Stimme rief und sagte: Vater! in deine Hände empfehle ich meinen Geist, und auch darauf mit geneigtem Haupte seinen Geist aufgab; wende, o Maria! deine barmherzigen Augen auch zu mir, damit ich aus dem Beispiele deines sterbenden Sohnes lerne, einstens fromm und heilig zu sterben; wenn Alles von mir vollbracht seyn wird, wenn die Schmerzen der Krankheit und die Schrecken des Todes mich heftiger überfallen werden, wenn ich von den Herumstehenden feine Hilfe, feinen Trost mehr werde erwarten können; alsdann will ich auf deinen Beistand, o Maria! harren. O daß ich nur in diesem Augenblicke von meinem Gott nicht verlassen werde, sondern so viel 144 Andacht zur Mutter Gottes Muth, so viel Vertrauen habe, um zu ihm zu rufen: Herr! in deine Hände empfehle ich meinen Geist. Amen. Am Samstage. Heilige Maria! du erfreulicher und wohlthätiger Morgenstern, aus welchem das wahrhaftige Licht ,. das alle Menschen erleuchtet, die Sonne der Gerechtigkeit, Christus unser Gott entsproffen ist; du bist jener vornehme und besondere Stern, welcher das große und weite Meer dieser Welt erleuchtet. O so will ich bei den vorkommenden Stürmen und Ungewittern dieses Lebens meine Augen von diesem glänzenden und milden Sterne niemals abwenden. In Versuchungen, in Trübsalen, in Gefahren werde ich nach diesem Sterne hinsehen, dich, Maria! anrufen. Wenn mich Drangsale, die Erinnerung meiner Sünden, der Gedanke des Todes, die Furcht des Gerichtes beängstigen werden, so sollen meine Gedanken zu dir, o Maria! gerichtet seyn, dich will ich eifrigst anrufen. Du sei mein Leitstern, damit ich nicht auf Abwege gerathe; du sei meine Schüßerin, damit ich den Gefahren entgehe; du sei meine Fürbitterin, damit ich nach diesem Elende meines Heilandes ansichtig werde. Heilige Maria, du Hilfe der Christen! du hast oftmals den Christgläubigen, welche dich um deine mächtige Hilfe wider die Feinde des christlichen Namens gebeten haben, deinen Schuß angedeihen lassen, und ihnen die herrlichsten Siege durch deine Fürbitte erhalten. O sei auch mir elendem Kinde Evens eine Mutter der Barmherzigkeit, eine Hoffnung und Hilfe wider meine unsichtbaren Feinde; sie sollen zerstreut werden und verschwinden. Und wenn meine Seele von dem Leibe abscheiden wird, so wollen mit dir, o Maria! die Heiligen Gottes mir zu Hilfe eilen, die heiligen Engel mir entgegen kommen, sie wollen meine Seele aufnehmen und vor das Angesicht Gottes führen. - Heilige Maria, di Zuflucht der Sünder! Wenn ich alle meine Jahre in der Bitterfeit meiner Seele wieder überdenke, so finde ich, daß ich leider! oftmals gesündiget habe; ich habe zwar meine begangenen Sünden vom Herzen bereut, und bereue sie jetzt nochmals über Alles. Da aber kein Mensch in um eine glüldselige Sterbftunde. 145 diesem Leben weiß, ob er der Liebe oder des Haffes werth ist, so nehme ich, o Maria! zu dir meine Zuflucht, und hoffe durch dich Verzeihung meiner Sünden zu erhalten. Bitte für mich deinen göttlichen Schn, der vom Himmel gekommen ist, um die Sünder, wovon auch ich einer bin, nicht zu verderben, sondern selig zu machen, daß er auch in mir alle meine Missethaten vertilge und mich von allen meinen Eünden reinige. Heilige Maria, du Heil der Kranken! Wenn ich aus weisester Anordnung Gottes auf das Bett der Trübfale werde geheftet seyn, und mich die Schmerzen der Krankheit und des herannahenden Todes umgeben werden, so komm,& Maria! mir dazumal zu Hilfe; erbitte mir die Gnade, die Schmerzen der Krankheit geduldig und standhaft zu ertragen, so lang es dem Herrn des Lebens und Todes gefällig seyn wird. Erhalte mir die Stärke, daß ich alle, auch die empfindlichsten Qualen und Leiden zur Abbüßung für meine Sünden und zur Prüfung meiner Treue und Liebe gegen Gott annehme, und den bittern Kelch des Leidens demüthigst austrinke, meinem Jesus allein lebe, ihm allein sterbe, und er mein Gewinn im Leben und im Tode sei. ▾ Heilige Maria, du Trösterin der Betrübten! zu dir schreien und seufzen alle Trauernde und Weinende in diesem Thale der Zähren. Zu dir, o Mutter der Barmherzigkeit, das Leben, die Süßigkeit und sichere Hoffnung! zu dir sollen allezeit, wenn meine Seele trau: ig ist und mich betrübt, meine Seufzer gerichtet seyn. Wenn die menschlichen Mittel nicht mehr wirksam seyn werden, mir zu helfen; wenn meine Seele mit Leiden erfüllt und beängstigt seyn wird, meine Sinne abnehmen, mein Leben nahe zum Ende kommen, und meine bis in den Tod betrübte Seele hier nirgends einen Trost finden wird, dann sei du meine Tröster in, o milde, o gütige, o süße Jungfrau Maria! und nach diesem Elende zeige mir Jeſum, die gebenedeite Frucht deines Leibes, in jenem ewigen Reiche, wo die Thränen von den Augen abgewischt werden, auch weder Tod, noch Trauern und Schmerzen seyn wird. 10 Gebete um einen seligen Tod. Heilige Maria, bu Pforte des Himmels! du warest allein die würdigste unter den Weibern, aus deren jungfräulichem Leibe der Sohn Gottes auf die Welt gekommen ist, um uns Menschen zu erlösen, nach überwundenem Stachel des Todes das Himmelreich zu eröffnen und auch uns allda einen Ort zuzubereiten. Ich flehe nun zu dir, o gütigste Frau! du wollest mir bei deinem barmherzigen Sohne erwirken, daß auch mein Name in dem Himmel geschrieben sei. Verweigere, o Maria! dieser meiner Bitte dein Gehör nicht; denn dein geliebtester Sohn, unser Herr Jesus Christus, wird gewiß erbittlich und geneigt seyn, deiner Fürbitte zu willfahren. Du stehest ja ein, welchen mächtigen Schuß ich auf dieser Erde nothwendig habe; o, sei auch meine Helferin, und bringe mir die Gnade zuwege, daß ich nach einem seligen Ende meines Lebens in den Himmel eingehen und deinen Sohn und dich auf dem Throne der Herrlichkeit ewig anschauen und loben möge. Amen. 146 Drei Gebete von der heil. Mechtildis um einen seligen Tod. 1. O meine Gebieterin, heilige Maria, bei der überaus großen Macht, welche Gott der Vater durch seine Allmacht dir verliehen hat, bitte ich dich, stehe mir bei in der Stunde meines Todes, und wende mächtig von mir ab alle Gewalt meiner Feinde. Gegrüßet seist du 2c. 2. O meine Gebieterin, heilige Maria, bei der göttlichen Erkenntniß und Weisheit, womit der Sohn Gottes dich erfüllt hat, bitte ich dich, erleuchte und stärke meine Seele in meiner Todesstunde mit dem Lichte des Glaubens, damit kein Irrthum und keine Ungewißheit sie verbiende und in's Verders ben führe. Gegrüßet seist du zc. 3. O meine Gebieterin, heilige Mariq, bei der überschwänglichen Liebe, welche der heilige Geist dir eingegoffen hat, bitte ich dich, flöße mir bei meinem Tode die Süßigkeit der göttlichen Liebe ein, damit ich durch dieselbe von aller Angst und Bitterfeit befreit, und mein Herz mit himmlischem Troste erquicket werde. Gegrüßet seist du zc. 147 Unterricht über die Betrachtung. Die Lehrer des geistlichen und vollkommenen Lebens empfeh len allen Christen, täglich über eine gewisse, christliche Wahrheit unserer heiligen Religion ernst nachzudenken, und zwar långer oder kürzer, je nach Umständen des Berufes und der Geschäfte. Und warum? Weil die Seele, um in der Tugend festzustehen und darin zu wachsen, täglich hiezu gefräftiget werden muß, gleichwie der Körper auch täglich der Speise bedarf, um die Gesundheit und die Kräfte zu bewahren. Die Gefahren des Heiles sind so groß und zahlreich, daß man immer auf der Hut seyn muß, um von ihnen nicht überrascht zu werden und dann zu Grunde zu gehen. Gegen diese Gefahren muß der Christ sich bewaffnen, gleichwie der Soldat auch seine Waffenrüstung anzieht, um den Feind zurückzudrängen und ihn zu besiegen. Die Waffe des Christen ist der Glaube, d. i. die lebendige Ueberzeugung von den göttlichen Wahrheiten, der öftere Hinblick auf dieselben, auf die Drohungen und Verheißungen Gottes, und vor allem der feste Entschluß, Gott getreu zu dienen und sein Seelenheil zu wirken. Um dieses zu erreichen, sind zwei Dinge nothwendig. Von Seite des Menschen wird ernstes Nachdenken gefordert, und von Seite Gottes muß die Erleuchtung oder das Verständniß der christlichen Lehren gegeben werden. Beides geschieht bei der Betrachtung oder beim betrachtenden Gebete. Die Betrachtung ist keine schwere Sache; sie kann von jedem Gläubigen leicht gemacht werden. Man liest in einem Erbauungsbuche über eine Wahrheit und bittet Gott, uns dieselbe recht erkennen zu lassen. Bei jedem vorkommenden Punkte sucht man das Gelesene zuerst ganz zu verstehen, und dann auf seine Verhältnisse etwa nach folgenden Fragen anzuwenden: 1) Was habe ich gelesen, welches ist die Lehre Jesu und feiner Kirche? 2) Wie haben die Heiligen hier gehandelt u. f. w. 3) Wie werden wir selbst etwa auf dem Todbette darüber denken? 10% Gebet vor der Betrachtung. 4) Wie haben wir hierüber gedacht, hierin bisher gehandelt? ( 5) Werden die Entschuldigungen, die man sich so oft ers laubt, immerhin gelten? 148 Endlich mache man den Vorsag, den Tag hindurch an die Wahrheit zu denken, darnach zu handeln, und bitte Gott und die Heiligen um Beistand, die gemachten Entschlüsse zu erfüllen. Wenn die Geschäfte nicht gestatten, sich dieser so wichtigen Andachtsübung eine halbe Stunde lang oder eine Viertelstunde zu widmen, so mache man eine kurze Betrachtung oder eine kurze Lesung in einem frommen Buche. Fehlt auch hiezu die nöthige Zeit, so trachte man, es wenigstens am Sonntag zu thun. Der Nußen, welcher hieraus entspringt, ist groß, und bald wird die Uebung Alles leicht machen. Sollen hiebei Schwierig feiten, Ueberdruß und Widerwillen entstehen, so wird der Seelenführer dieselben wegzuräumen wissen, und nebsidem hierüber eine gründlichere Anleitung ertheilen. Gebet vor der Betrachtung. Mein Gott und Herr! Du Licht der Weisheit, du unaussprechliche Güte! stehe gnädig herab auf meine Betrachtung, die ich jetzt anstellen will zu deiner größern Ehre und Glorie, damit sie dir wohlgefalle und meinem Seelenheile nüßlich sei. Verschmähe nicht mein Gebet, sondern schenke mir überflüßige Barmherzigkeit, damit ich vor dir bestehen möge in dieser Stunde, wie es dir gefällt. Ich bringe dir dar meinen Geist, ich opfere dir auf mein Herz, daß du sie reinigest und zu dir erhebest. Ich opfere dir mein Gedächtniß, daß du es mit heiligen Gedanken erfüllest, meinen Verstand, daß er durch dein göttliches Licht erleuchtet deine Wunder betrachten könne, meinen Willen, daß von deiner Liebe entflammt Vorfäße und Entschlüße erwecke, die dir angenehm sind; ich opfere dir alle meine Gedanken, Worte und Werke, auf daß von denselben immer nur das vollzogen werde, was dein heiliger Wille ist. Ich verabscheue alle Alengstlichkeit und Zerstreuung; ich will bloß allein auf dich und mich merken, so als wenn du und ich die einzigen auf dieser Welt wären. Gerne will ich tragen alle Trostlosigkeiten und Treckenheiten, weil ich erkenne, daß ich alles Trostes, aller Süßigkeit ganz unwürdig bin. Diese Betrachtung aber opfere ich dir auf Geber nach der Betrachtung. 149 in Vereinigung der Betrachtung und des Gebetes meines Herrn und Heilandes Jesu Christi, damit er meine Fehler und Mängel ersetze, und mit deiner Gnade recht und dir wohlgefällig zu beter. verleihe; der mit dir lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebet nach der Betrachtung. Verleihe mir, o süßester Jesus, die Gnade, daß ich dasjenige, was du mich jeßt zum Heile und Troste meiner Seele gelehret hast, zu deiner Ehre und aus Liebe zu dir freudig und gewissenhaft erfülle, da ich so deutlich deinen heiligen Willen erkannt habe. Du, der du Alles weißt, kennst mein brennendes Verlangen, meinen Abscheu gegen alle meine Unvollkommenheiten und Fehler. Wenn deine Erbarmung über mich nicht so groß wäre, so wäre ich schon lange in meiner Armſeligkeit zu Grunde gegangen. Aber du, o mein Gott! bist meine Zuflucht und mein Vertrauen. O schenke mir deinen guten Geist, damit ich alle meine Werke vollkommener mache, wie es mein fester Vorsatz ist. Verschmähe nicht deinen Diener, der zu dir ruft und seufzt, sich nichts sehnlicher wünscht, als in allen Dingen deinen heiligen Willen zu erfüllen. Denn sieh, von deiner Hand nehme ich willig und freudig alle Leiden und Widerwärtigkeiten an, damit ich dir und deinen Heiligen ähnlich werde, damit ich in Etwas für meine vielen Sünden genug thue, und dich von ganzem Herzen über Alles liebe, o unendliche Liebe und Güte! O so bleibe denn du bei mir mit deiner Gnade; dir nur will ich leben, leiden und sterben, o mein liebster Jesus, der du mit dem Vater und dem heiligen Geiste lebeft und regiereft von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. TUR 150 Beherzigungen für jeden Tag des Monats. ( Aus den Schriften des heil. Bonaventura.) Erster Tag. Von den Geboten Gottes. 1. Der Herr, unser Gott, der uns zum Leben erschuf, gab uns auch Gebote des Lebens. Er selbst schrieb sie auf steinerne Tafeln, und prägte sie in das menschliche Herz; Alle auch, die solche beobachten, schrieb er in das Buch seiner Auserwählten. Willst du also zum Leben eingehen, so halte die Gebote!( Matth. 19, 17.) Von heiligem Unwillen über die Abgötterei des Volkes ergriffen, zerbrach Moyses die Tafeln des Gesetzes; und sieh, andere, neue gab ihm der Herr. Es bezeichnen also die ersten Tafeln den Stand der Unschuld; die zweiten den Stand der Buße; woraus sich die hochwichtige Lehre ergibt, daß du, wenn es dir widerfährt, die Tafeln der Unschuld zu zerbrechen, nur auf dem Weg der Buße zu Gott zurückkehren kannst. 2. Daß Gott, der Herr, seine Gebote auf steinerne Tafeln schrieb, deutet auf die beständige Beobachtung derselben. Eine Schrift auf Papier kann durch Wasser, durch Feuer und durch Veralterung getilgt werden. So werden auch in geistigem Sinne die Gebote Gottes durch die Fluthen vergänglicher Lüste, durch das Feuer feindlicher Verfolgung und durch die Veralterung eines sündlichen Wandels getilgt; deßhalb also schrieb der Herr seine Gebote auf steinerne Tafeln, daß sie auf keine Weise getilgt würden; daher auch steht geschrieben: ,, Himmel und Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen!" ( Mark. 13, 31.) 11 3. Drei Schriften werden als heilig und unverletzlich betrachtet: Die Gesetze der Könige, Schenkungen unter Lebenden und das letzte Testament eines Sterbenden. Nun sind aber die Gebote Gottes Gesetze des allerhöchsten Königs; weßhalb auch geschrieben steht: Dieß ist das Buch der Gebote Gottes und das Gesetz, das in Ewigkeit besteht!"( Bar. 4, 1.) Auch sind sie gleich einer Schenkung unter Lebenden, da das ewige Leben denen geschenkt wird, die sie getreu halten; weil nur diese lebendig und nicht gleich den Sündern todt sind. Endlich sind sie auch gleich einem Testament; denn gegeben wurden sie im alten, und besiegelt im neuen Testament durch den Tod des allerhöchsten Gesetzgebers Jesu Christi. für jeden Tag des Monats. 151 " Herr, üben will ich mich in deinen Geboten, und deine Wege beherzigen! Meine Betrachtungen will ich in deinen Zeugnissen haben, und deiner Worte nicht vergessen!"( Pf. 118.) Zweiter Tag. Vom Glauben. 1. Der Glaube ist ein heiliges Licht, das dem Morgenstern verglichen wird, welcher der Sonne der Gerechtigkeit vorangeht. Auch läßt er dem Meeresstern sich vergleichen, weil er den Schiffern auf dem Meere dieses Lebens den Weg zum Hafen der ewigen Seligkeit zeigt. Denn ohne den Glauben ist es nicht möglich, Gott zu gefallen und selig zu werden." ( Hebr. 11.) Der Glaube also ist die Grundfeste auf dem Felsen. Unerschütterlich steht das Haus, das auf dem Felsen gebaut ift; und unerschütterlich das geistige Gebäude, das auf der Grundfeste des Glaubens ruht. Daher sprach auch der Herr zu Petrus: Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen!"( Matth. 16.) 2. Der Glaube ist der Schild des Christen, und bewaffnet ihn gegen alle Widerwärtigkeiten dieses Lebens; weßhalb auch der Apostel spricht: ,, Ergreifet in allen Dingen den Schild des Glaubens!"( Ephef. 6.) Er ist das rechte, so wie die Vernunft das linke Auge der Seele; womit wir indessen hier nur durch -Aehnlich ist der Glaube, den Spiegel und im Räthsel sehen. ferner jener Wolfe Israels beim Auszuge aus Aegypten, die auf der Seite leuchtete, die den Kindern Israels zugekehrt war, gegen die Aegyptier hingegen finstere Nacht verbreitete; denn also ist er den Gläubigen ein helles Licht, den Ungläubigen hingegen dunkle Nacht; weil sie, wie im Buche Job geschrieben steht, sich gegen das Licht empören.( Joh. 24.) Es muß aber der wahre katholische Glaube, wenn er zum Heile wirken soll, fest auf die Worte Gottes bauen; ob auch die Vernunft widerstreite. Also glaubte Abraham, der Vater der Gläubigen, daß Gott in seinem Samen alle Völker segnen würde; und fast glaubte er dieß, selbst dann, als Gott ihm befahl, seinen einzigen geliebten Sohn zu schlachten. Kein Ver dienst hat der Glaube, der da sieht. Gleichen muß er ferner, wie der Herr spricht, dem Senfkorn, das um so kräftiger wirkt, als stärker es zermalmt wird. Auf solche Weise wirfte er bes den heiligen Märtyrern, die durch den Glauben Ketten und Bande, Feuer und Schwert, Marter und Tod überwanden. Weßhalb auch der Apostel spricht: dieß ist der Sieg, der dis Welt überwand: euer Glaube!"( 1. Joh. 5.) Endlich muß e Werke des Heiles wirken; denn der Glaube ohne Werke if Beherzigungen todt"( Jak. 2.) und wer hier nicht gute Werke im Glauben wifte, der wird dort in ewiger Armuth schmachten. " Herr, ich glaube, vermehre meinen Glauben!"( Mark. 9) Dritter Tag. Von der Hoffnung. 1. Die Hoffnung ist die sichere Erwartung der Verzeihung der Sünden und des ewigen Lebens durch Gottes Gnade, wenn wir mit derseben wi fen. Sie ist ein unerschütterliches Vertrauen auf Gottes Verheißungen und eine feste Säule, die das ganze Gebäude uns es Heiles stüßt. Gar sehr ist sie von der weltlichen Hoffnung unterschieden, welche unsicher, schwankend, und, gleich dem Rohr gebre blich ist. Darum auch steht geschrieben: Verflucht ist, wer auf einen Menschen vertraut, und sich auf einen fleis.blichen Arm stüßt"( Jerem. 17.); nämlich wer auf einen Menschen das Vertrauen seßt, das Gott allein gebührt. 11 2. Die Verzweiflung ist jene Herodias, die das Haupt des Propheten davon trägt; die Hoffnung dagegen bewaffnet unser Haupt. Daher die Worte des Apostels:" Seget als Helm die Hoffnung des Heiles auf!"( 1. Theff. 5.) Auch nennt derselbe heilige Paulus sie einen Anker. Gleichwie aber der Anker das Schiff im Sturm vor dem Untergang sichert, also kräftigt uns auch die Hoffnung im Sturm der Drangsale und Versuchungen. Darum spricht er in seinem Sendschreiben an die Hebräer:„ Nehmen wir unsere Zuflucht dahin, daß wir die uns vorgesetzte Hoffnung bewahren, die uns ein gesicherter und fester Anker ist."( Hebr. 6.) 3. Die Hoffnung ist ferner gleich einem sehr fruchtbaren Baum, der an den Strömungen der Wasser gepflanzt ist, denn durch die Fluthen der Gnade bewäßert, bringt sie die lieblichsten Werke der Frömmigkeit hervor. Darum spricht der heil. Psalmensänger:„ Ich aber bin wie ein fruchttragender Delbaum im Hause Gottes; ich hoffe auf die Barmherzigkeit meines Gottes!" ( Pf. 51.) Indessen war seine Hoffnung keineswegs vermessen; auch lehrte er uns heilige Furcht mit der Hoffnung vereinigen, wo er spricht:" Ich fürchtete mich vor der Höhe des Tages; ( vor den verborgenen Gerichten Gottes) aber ich werde auf dich vertrauen."( Pf. 55.) Fast also soll unsre Hoffnung auf den Herrn, groß unser Mißtrauen zu uns selbst, und dergestalt mit heiliger Gottesfurcht vereint seyn, daß wir immerdar zwischen Furcht und Hoffnung wandeln. „ Auf dich, Herr, habe ich gehofft; laß meine Hoffnung nicht zu schanden werden!"( Pf. 3.) für jeden Tag des Monats. Vierter Tag. Von der Liebe. 11 1. Die Liebe ist die größte und glänzendste aller Tugenden, und wird deßhalb auch dem Golde verglichen, das unter allen Metallen das edelste, feinste und kostbarste ist. Von diesem himmlischen Golde spricht der Herr zu dem Bischof von Laodicaa: Ich rathe dir, feuriges und erprobtes Gold von mir zu faufen; auf daß du reich werdest."( Apoc. 3.) Denn fürwahr höchst arm ist die Seele ohne das G: ld der Liebe. Es nennt aber der Herr das Gold der Liebe feurig, weil das Feuer wirksamer ist als alle Elemente; und darum sprach er auch: Feuer kam Ich auf Erden zu senden! Dieß göttliche Feuer überwindet Alles; denn die Liebe ist geduldig, sie ist gütig, sie eifert nicht, sie thut nichts vergeblich, sie wird nicht aufgedunsen, sie ist nicht ehrsüchtig, sie sucht nicht das ihre, fie zürnet nicht, sie denkt nichts Arges, sie erfreut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sondern sie hat ihre Freude an der Wahrheit. Sie duldet Alles, sie glaubt Alles, sie hofft Alles." ( 1. Cor. 13.) 153 11 11 2. ,, Eine dreifache Schnur wird nicht leicht gebrochen," sagt die heilige Schrift( Eccl. 4.), diese dreifache Schnur ist die Liebe. Unauflöslich ist dieselbe. Denn wer wird von der Liebe Gottes uns trennen?" ruft der heilige Paulus aus. ( Röm. 8.) Die Bestandtheile dieser Schnur aber kommen aus einem reinen Hrrzen und guten Gewissen und ungeheuchelten Glauben.( 1. Tim. 1.) Auch wird die Liebe einem fruchtbaren Baum verglichen, an welchem Früchte der Frömmigkeit, Blumen der Ehrbarkeit und Blätter der Wahrheit hängen. Und gleichwie die unnüßen Aeste vom Baum beschnitten werden, damit er um so besser wachse und fruchte, also muß auch die ungeordnete Liebe aus der Seele gesondert werden, damit die heilige Liebe um so mehr zunehme. Daher beschneidet der himmlische Vater als ein guter Gärtner den Weinstock, der da Früchte bringt, mit dem Messer der Trübsale, daß er mehr Früchte bringe.( Joh. 15.) 3. Endlich ist die Liebe das hochzeitliche Gewand, ohne welches Jener von dem Hochzeitmahle vertrieben und zu den Finsternissen verurtheilt ward; denn nimmermehr wird zu dem ewigen Gastmahle zugelassen, wer nicht mit diesem heiligen Feiergewande geschmückt ist. Es wird aber die Liebe ein Kleid genannt, weil sie die Schändlichkeit der Sünden bedeckt, vor der Kälte der Versuchungen schüßt, und den ganzen innerlichen Menschen schmückt. Und ein höchst kostbares Gewand ist die Liebe, von Gott selbst gewirkt, mit den Gaben des heiligen Geistes geziert, und im Blute Christi gefärbt. Alle Auserwählten sind 154 Beherzigungen gleich jener Königin( Pf. 44.) mit diesem vergoldeten Gewand angethan; und wer nicht liebt, der bleibt im Tode!"( 1. Joh. 3.) Was habe ich im Himmel, und was außer dir verlange ich auf Erden, o Gott meines Herzens und mein Antheil in Ewigkeit!"( Pf. 72.) 11 Fünfter Tag. Vom Gebet. 1. Das Gebet ist eine Erhebung des Gemüthes zu Gott. Die heilige Schrift vergleicht dasselbe dem Weihrauch; denn gleichwie der Weihrauch auf Kohlengluth gestreut, lieblichen Wohlgeruch verbreitet und in die Höhe steigt; also auch duftet das Gebet auf der Gluth der Andacht sehr lieblich vor Gott, und steigt zu ihm in die heiligen Höhen. Daher betet der Prophet:" Es steige mein Gebet gleich dem Weihrauch vor dein Angesicht!"( Pf. 140.) Ferner wird das Gebet einem Schilde verglichen; weil es die Pfeile des göttlichen Zornes von dem Menschen abwendet. Endlich ist das Gebet ein Tribut, den wir mit der göttlichen Majestät für alle Wohlthaten des Leibes und der Seele zu bringen verpflichtet sind, jenem Ausspruch Christi gemäß: ,, Gebet Gott was Gottes ist!" ( Matth. 22.) 2. Das Gebet ist ein heiliges Licht, mit welchem wir Gott und seine Gnade suchen; gleichwie jenes Weib des Evangeliums, die das Licht anzündete, und nach eifrigem Suchen die Drachme fand. Und wie das Licht die Schritte, also leitet das Gebet jedes gute Werk; weßhalb wir auch alle unsere Werke mit dem Gebet beginnen und schließen sollen. Ferner ist das Gebet die Waffe des geistlichen Menschen, ohne die er den Kampf gegen die Feinde nicht bestehen kann. So lange Moyses die Hände zum Gebet erhob, stegten die Israeliten; ließ er sie aber sinken, so stegte Amalech. Auch spricht der Prophet:„ Ich habe zum Herrn gerufen, als ich betrübt war, und er hat mich erhört!"( Ps. 119.) 3. Es muß aber das Gebet, wenn es vor Gott Erhörung finden will, rein und getreu seyn. Gleichwie, wer dem König dient, ihm keine Speise bringt, die voll der Mücken ist, also darf auch, wer da betet, dem König der Könige kein Gebet voll eitler und unreiner Gedanken darbringen. ,, Als du mit Thränen betetest, brachte ich dein Gebet dem Herrn dar!" sprach der Engel zu Tobias. Gleich der Taube kehrt das reine Gebet mit dem Delzweig der Gnade und Versöhnung in die Arche des Herzens zurück. Wie aber die Taube auf zwei Flügeln sich erhebt: also muß das Gebet auf den beiden Flügeln der Abtöd für jeden Tag des Monats. 155 tung und des Almosens emporsteigen. Daher spricht jener Beter: Wer wird mir Flügel geben gleich der Taube daß ich auf fliege und ruhe?"( Pf. 24.) Herr, vernimm meine Worte mit deinen Ohren, und merke auf meinen Ruf; habe Acht auf die Stimme meines Gebetes, mein König und mein Gott!"( Pf. 5.) Sechster Tag. Vom Fasten. 1." Des Menschen Feinde sind seine Hausgenoffen;" spricht der Herr( Matth. 10.) Zu diesen gehört vorzüglich auch unser eigenes Fleisch, das mit dem Feind im Bunde steht; der nur durch Enthaltsamkeit und Fasten vertrieben wird. Also tödtete die fastende Judith den Holofernes; und eben so fastete Elias vierzig Tage, der Verfolgung der Jezabel zu entkommen. Sehr schön wird daher die Faste der Behendigkeit eines leichten Vogels verglichen. Denn gleichwie ein magerer Vogel schnell ist, dem Geier zu entfliehen, und sich zu einem hohen Flug zu erheben; also ist auch das Gemüth eines fastenden und enthaltsamen Menschen sehr geeignet, den Nachstellungen und Versuchungen des Feindes zu entkommen, und sich zu einem er. habenen Flug im Gebet zu erheben; was nicht eben so der Fall bei Solchen ist, die dem Fleische Alles gestatten, was es verlangt, und die der Versuchung gewöhnlich schnell unterliegen; es auch nicht vermögen, himmlische Dinge zu betrachten. 2. Das Fasten wird von den Aerzten als ein Hauptmittel gegen leibliche, und nicht minder von dem allerhöchsten Arzte als ein Hauptmittel gegen geistige Krankheiten empfohlen. ,, Bekehret euch zu mir aus eurem ganzen Herzen in Fasten und Thränen!" spricht er durch seinen Propheten.( Joel 2.) Wisset, daß der Herr euch erhören wird, wenn ihr beständig in Fasten und Gebet vor dem Angesichte des Herrn verharren werdet!"( Judith 4.) Der Herr befahl dem Moyses, einen Altar zu erbauen, der inwendig nicht voll, sondern hohl und leer seyn sollte: Dieser hohle Altar ist ein Bild eines bußfertigen Herzens, wo das Opfer der Zerknirschung und des göttlichen Lebens geopfert werden soll. Nicht voll der Eitelkeit und Lüste soll dieser Altar, sondern hohl soll er seyn durch Fasten und Buße. 3. Es werden aber vier Dinge in der Faste verworfen. Erstens, gleicht wer da fastet, und der Sünde sich nicht enthält, dem Teufel, der nimmer ist und immer fündigt. Zweitens, wer des menschlichen Lobes wegen fastet, der gibt, was er einem Feinde entzieht, dem andern auf zweifache Weise. Drittens, wer 156 Beherzigungen da fastet, um zu sparen, legt das Geld, das er dadurch erspart, in den Rachen des Teufels. Viertens, wer den Tag vor seiner Faste so viel Speise zu sich nimmt, daß er am Tage der Faste selbst gesättiget ist, oder kostbarere Speisen als an den übrigen Tagen wählt, zu dem spricht Gott: Ist das ein Fasten, wie ich dasselbe erwählt habe, daß der Mensch an diesem Tage seiner Seele weh thue? Brich dem Hungrigen dein Brod; beherberge die Armen und die ohne Obdach sind; und siehst du einen Nackten, so kleide ihn, und verachte deinen Bruder nicht!"( Ifai. 58.) ,, Gut ist das Gebet mit Fasten und Almosen; weit besser denn Schäße Geldes aufhäufen!"( Tob. 12.) " Herr, ich bin zu Geißelstreichen bereit, und mein Schmerz ist immerdar vor meinem Angesichte; denn ich werde meine Ungerechtigkeit bekennen, und meiner Sünde eingedenk sein."( Ps. 37.) Siebenter Tag. Vom Almosen. 1. Das Almosen ist ein strahlendes Licht. Denn gleichwie das Licht die Luft, also erhellt das Almosen das Gemüth; und wie das Licht die Finsterniß, also verscheucht das Almosen die Schuld; wenn anders, wer dasselbe gibt, zuerst gegen seine eigene Seele barmherzig ist. Denn wem kann der gut seyn, der seiner eigenen Seele sich nicht erbarmt?- Wie aber das Licht vor dem Menschen und nicht hinter seinem Rücken getragen werden soll: also soll auch der Mensch bei seinem Leben und nicht nach seinem Tode Almosen geben; weßhalb auch der Weise spricht: ,, Vor deinem Tode thu Gutes deinem Freunde;" nämlich deiner Seele, oder Christo in seinen Armen. Das Almosen ist ferner gleich einem guten Samen. Denn 1) wie der Same in die Erde verborgen wird, also soll auch das Almosen im Verborgenen gegeben werden. 2) Wie das in die Erde geworfene Samenkorn verloren scheint, da es doch vielmehr dann erst neu ergrünt und sich vervielfältigt: also scheint es auch, daß man verliere, was man hinweg gibt; da es doch gerade . dann am besten aufgehoben und als ein Schatz im Himmel hinterlegt wird. 3) Wie der Same mit großem Wucher aufsproßt, so vergilt auch Gott das Almosen hundertfältig. Und wie 4) der Same am besten gedeiht, wenn er durch Frost und Regen zermalmt wird, also wird auch dem Almosen am besten vergolten, das hienieden mit Undank belohnt wird. Denn von Jenen, deren Almosen schon hier vergolten wird, spricht der Herr: Wahrlich ich sage euch, sie haben ihren Lohn empfangen!"( Matth. 6.) 11 für jeden Tag des Monats. 157 2. Der gute Almosenspender gleicht einem Paume, der besser gedeiht und reichlichere Früchte trägt, wenn die überflüs sigen Aeste davon gesondert werden. Also nehmen die Reichen um so mehr an Gnaden zu, als sie durch Almosen einen größern Theil ihres Ueberflusses von sich absondern.- Gleichwie ferner ein Winzer in seinem Weingarten, nicht nur fruchttragende Reben, sondern auch unfruchtbare Stäbe hat, die dieſe Reben stüßen, also find auch in der Kirche Gottes viele Sünder und Ungerechte, die die Gerechten durch ihre Almosen unterstüßen. Und Gott ist gegen dieselben wie eine reiche Frau gegen ihre Amme, die sie mit mehr und föstlicheren Speisen sich nähren läßt, damit sie ihre Kinder dann um so besser nähre. Daher auch ermahnte der Apostel die Reichen so dringend, daß fie gern Almosen geben und sich einen Schatz im Himmel sammeln.( 1. Tim. 6.) Ja, oft nimmt Gott dem barmherzigen Reichen nicht nur seine Gnade, sondern selbst den zeitlichen Reichthum hinweg, und legt ihn jenen zu, die freigebiger gegen seine Armen sind; jenem Worte gemäß:„ Nehmet ihm das Talent hinweg, und gebet es dem, der zehn Talente hat."( Matth. 25.) 3. Wie kann auch je der Reiche, der dem Armen ein Stück Brod versagt, es wagen, Gott um Gnade zu bitten! Ergehen wird der Ausspruch an ihn: ,, Wer seine Ohren den Bitten der Armen verschließt, der wird selbst rufen und nicht erhört werden!"( Sprichw. 21.) Gott verlangt für seine Armen nur, was er selbst den Reichen gegeben hat; und zwar verlangt er es nicht zum Geschenk, sondern als ein Darlehen, das er ihm mit dem reichlichsten Wucher ersetzt.- Uebrigens muß, wer Almosen gibt, von Eigenem geben, und nicht von fremdem Gute, das er durch Raub oder Betrug an sich gebracht hat; denn nimmermehr rein wird, wer sich in so unreinem Wasser wascht. " Herr, alle Dinge sind dein, und was wir dir geben, das haben wir von deiner Hand empfangen!"( 1. Paral. 29.) Achter Tag. Von der Demuth. 1. ,, Lernet von mir, denn ich bin sanftmüthig und von Hers zen demüthig!" spricht der Herr.( Matth. 11.) Eine Lieblingstugend unfers göttlichen Heilandes ist also diese Tugend, die der Seele Anmuth und Schöne verleiht. Wegen. ihres hohen Werthes wird diese Tugend dem Gold und dem köstlichsten Balsam verglichen, die alle Metalle und Wohlgerüche an Seltenheit und Kostbarkeit übertreffen. Gleichwie also das Gold wegen seiner Schwere immer nach der Tiefe, und der Balsam nach dem Bos 158 Beberzigungen den des Gefäßes zielt, also verlangt auch die Demuth immer nach dem letzten Plaß. Auch läßt sie sich nicht unfüglich einem glänzenden Stern vergleichen. Denn flein erscheint der Stern, ob er auch die Erde weit an Größe übertrifft; gering erscheint eben so eine demüthige Seele in ihren Augen, indeß ste vor den Augen Gottes groß und kostbar ist. 2. Keine Tugend ist so sehr geeignet, große Gnaden von Gott zu empfangen. Denn je mehr Gnaden sie empfängt, um so mehr erweitert sie ihr Herz durch Danksagungen; und je mehr Raum gibt sie dem Herrn für größere Gnaden. Deshalb auch wird sie in der Schrift ein wunderbares Werk des Herrn genannt. Und wunderbar fürwahr ist es, daß ein Gefäß, je voller dasselbe ist, dadurch selbst für eine noch größere Fülle empfänglich wird. Sie wird aber auch auf eine zweite Weise für die Gnade empfänglich; da sie sich ihrer selbst und alles menschlichen Lobes entleert, und daher auch in dieser Hinsicht geeignet wird, die Gnade aufzunehmen. Endlich schöpft sie auch durch ihre demüthigen Werke selbst, wie mit einem Krug zur Erde gebückt, ohne Unterlaß aus dem Meere der Gnade. 3. Wie der Aft, der voll der Früchte, und die von Körnern erfüllte Aehre, also beugt die demüthige Seele, die voll der tugendlichen Werke ist, sich demüthig vor Gott und den Menschen. Der leere Ast und die fruchtlose Aehre hingegen erheben sich gleich den Hoffärtigen stolz in die Höhe. Daher auch sprach unser Heiland: An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen!" ( Matth. 7.) Der Gründe zur Demuth sind übrigens so viele, daß es wirklich erstaunlich ist, wie ein Mensch noch stolz seyn kann. Denn das Thier übertrifft ihn an Stärke; der Vogel an Schwungkraft. Keinen Augenblick ist er sicher vor dem Tode, wo er sich in Asche auflöst und den Würmern zur Speise wird. Nimmer auch weiß er, ob er des Hasses oder der Liebe würdig ist; und selbst der Gerechte ist so gebrechlich, daß er ohne besondere Gnade Gottes sich nicht aufrecht erhalten kann. Demüthigen wir uns also, wie der heilige Apostel Petrus spricht, unter der mächtigen Hand Gottes, und bemühen wir uns, durch die niedrige Thür des Himmels einzugehen, die Christus selbst ist, der da sprach: ,, Ich bin die Thür!"( Joh. 10.); und der uns ermahnt:„ Lernet von mir, denn ich bin sanftmüthig und demüthig von Herzen." 11 159 für jeden Tag des Monats. Neunter Tag. Von der Sanftmuth 1. ,, Selig sind die Sanftmüthigen, denn sie werden das Land besißen!"( Matth. 6.) Die Sanftmuth ist eine Tugend, die den Frieden mit dem Nächsten erhält, die Gnade und Freundschaft Gottes erwirbt, und ein reiches Erbe im Himmel erlangt. Friede und Eintracht erhält der Sanftmüthige mit dem Nächsten. Denn gleichwie ein Federkissen die Gewalt eines geschleuderten Steines bricht, also bricht auch ein sanftmüthiger Mensch die Gewalt des Zornes und Unwillens, wenn er ein weiches und friedliches Wort zurückgibt; weßhalb wir auch im Buch der Sprüchwörter lesen: ,, Eine weiche Antwort bricht den Zorn!"( Sprüchw. 15.) 11 2. Der Sanftmüthige erwirbt die Gnade und Freundschaft Gottes: denn gern wandelt Gott mit den Sanftmüthigen. Darum lesen wir in der heiligen Schrift: Immer hat das Flehen der Demüthigen und Sanftmüthigen dir wohlgefallen!" ( Judith 9.) Das Herz des Sanftmüthigen, der alle Dornen des Zornes ausgerottet hat, ist ein freundliches Ruhebett, worin Gott gerne seine Ruhe hat.-, Moyses, spricht die Schrift, besprach sich mit Gott von Angesicht zu Angesicht, wie ein Freund mit dem Freunde"( Erod. 33.); und sie gibt unter andern als Grund an, daß er der Sanftmüthigste aus allen Menschen war.( Num. 12.) 3. Die Sanftmüthigen werden das Land besitzen;" den Himmel nämlich, das Land der Lebendigen; denn da sie hienieden im Besig Gottes sind, wird zur Vergeltung dort Gott selbst ihr Besitz. Denn, spricht der heilige Augustinus, Niemand wird Gott besigen, den Gott nicht früher beseffen hat." Aber auch noch auf Erden besitzen sie das Land ihres Herzens; weil sie sich selbst beherrschen, was die Zornigen nicht thun, die von ihrem Zorn sich beherrschen lassen. Besser auch besißen sie die Güter dieser Erde als Andere, weil sie solche nach Gottes Willen besitzen, und nicht gleich den Geizigen und Habfüchtigen, Knechte derselben sind. Billig also bestellt der Herr sie, welche die geistigen und zeitlichen Güter auf Erden so getreu verwalten, über die Güter der Ewigkeit. Dem Sanftmüthigen wird Gott seine Gnade" geben!" ( Sprüchw. 3.) Zehnter Tag. Von der Reinheit des Herzens 1. Nichts Unreines wird in den Himmel eingehen. ( Apok. 21.) Indessen liegt die Welt ganz in Unreinigkeit be-. graben, und wenig Seelen sind der Reinigkeit befliffen! Beherzigungen Wie aber soll man das Herz reinigen! Vor Allem durch oftmalige, reumüthige Beicht, durch wahre Besserung und durch große Liebe. ,, Wasche dich siebenmal im Jordan, sprach der Prophet zu dem Aussäßigen, und du wirst rein werden!" ( 4. Kön. 5, 1.) Durch oftmalige Beicht also verliert sich der Aussaß der sieben Hauptsünden. Wascht aber die Beichte, so trocknet die Besserung ab; daher spricht der heilige Gregorius: Der allein wird bei der Ankunft des strengen Richters fröhlich seyn, der die Fehler seiner Seele abgetrocknet hat." Endlich bedeckt auch die Liebe eine Menge der Sünden( 1. Pet. 4.), und tilgt die Strafen, die denselben gebühren, wenn sie durch Reue und Beicht aus der Seele geschieden sind; wie der Herr von Magdalena sprach: Ihr werden viele Sünden vergeben, weil fie viel geliebt hat!" 11 2. Es gibt auch noch eine andere Reinigung des Herzens für solche, die, ob sie sich auch von schweren Vergehungen gereinigt haben, Gott dennoch nicht schauen können, den Worten des Herrn zufolge: ,, Selig die Reinherzigen, denn sie werden Gott anschauen!"( Matth. 6.) Diese Reinigung besteht: 1) in der Lesung heiliger Bücher; wie Christus bei Johannes spricht: Ihr seid rein wegen des Wortes, das ihr gehört habet!" 2) In Thränen der Zerknirschung. Also sprach der Prophet: " Waschen werde ich jeglicher Nacht mein Bett durch meine Thränen."( Pf. 6.) Nur muß dabei die Thräne warm durch Andachtsgluth, bitter durch Reue, und aschenhaltig durch die Erinnerung des Todes seyn. Denn wie das heiße Waffer, über Asche gegossen, Lauge bereitet, so sind auch solche Thränen die beste Lauge, die Seele rein zu waschen; 3) in Almosenspenden; dem Ausspruch des Herrn gemäß: Gebet Almosen, und es wird euch Alles rein seyn!"( Luk. 11.) 11 3. Viele auch werden im Feuer der Trübfale rein; die der Herr eben deßhalb sowohl über Sünder als über Gerechte sendet. Als wahres Gold werden darin die Gerechten geläutert, doch viele Sünder verunreinigen sich darin noch mehr; und diese sind kein Gold, sondern Koth; keine Frucht, sondern Spreu. Zittern sollen diese vor dem Worte: ,, Die Spreu aber wird er in unauslöschlichem Feuer verbrennen!"( Luf. 3.) Denn wer feines dieser Mittel zu seiner Reinigung verwendet, der bleibt un ein in Zeit und Ewigkeit, und wird nicht in das Reich Gottes eingehen. ,, Besprenge mich, Herr, mit Yfsop, und ich werde rein werden; wasche mich, und ich werde weißer werden denn Schnee!" ( P₁. 50.) 1 für jeden Tag des Monats. Eilfter Tag. Von der Barmherzigkeit. 1. Keine Tugend legte unser süßester Erlöser uns so dringend ans Herz, keine zeigte er so lieblich durch sein eigenes Beispiel als diese wahrhafte Lieblingstugend seiner göttlichen Milde. " Seine Seele sette er für uns," spricht der heilige Johannes; und wahrlich früher sette er dieselbe, als er seinen Leib dem Leiden und dem Tode für unsere Erlösung preis gab. Barmherzigkeit ist auch, nach den Worten des heiligen Ambrofius, die wesentlichste Vorlesung unsers allerhöchsten Lehrers, über die er bei der öffentlichen Prüfung am Gerichtstage feine Schüler vorzüglich ausfragen wird." Ich bin hungrig gewesen, und ihr habet mich geſpeist ic." Und die diese Lektion nicht gelernt, diesen Vers der Barmherzigkeit nicht wohl eingeübt haben, werden schonungslos gerichtet werden. Denn ,, Gericht ohne Barmherzigkeit wird über den ergehen, der keine Barmherzigkeit geübt hat."( Jak. 2.) 2. Der Barmherzige ist gleich einem flugen Kaufmanne, der einem reichen und freigebigen Könige gern borgt, weil derselbe das Kapital ihm zurückgeben, seinen Schaden erseßen, und ihn mit reichlichen Zinsen belohnen kann. Dieser reiche und freigebige König ist Gott, der das Kapital unserer Barmherzigkeit durch die Gnade aufbewahrt, den Schaden der Seele durch Nachlaffung aller Schuld ersetzt; und mit reichen Zinsen vergilt, da er für Weniges ewiges Leben und die unendliche Seligkeit verleiht. Diesen Handel lehrte uns Christus treiben, welcher sprach: ,, Geh hin, verkaufe Alles, was du hast, und gib es den Armen; und du wirst einen Schaß im Himmel haben."( Matth. 19.) Ein solcher Handelsmann tauscht für schlechte und verlegene Waaren neue und höchst kostbare ein, bie nie veralten; und überlistet Gott auf gewisse Weise in seinem Handel, da er für einen Becher kalten Wassers sich mit dem Strom ewiger Wonne bezahlen läßt. 3. Die Barmherzigkeit übersteigt alle Werke der Buße; denn durch die Buße wird der Leib, durch die Barmherzigkeit aber die Seele geopfert. Sie übersteigt in gewisser Hinsicht fogar die Liebe; denn die Liebe hält sich bloß in den Schranfen des Guten; die Barmherzigkeit aber tritt aus ihren Schranken, und ihut Guten und Bösen Gutes. Daher spricht auch die Schrift von der Barmherzigkeit Gottes: ,, Seine Erbarmungen übersteigen alle seine Werke."( Psalm 144.) Endlich liegt auch in ihren Händen der Schlüssel, der den Himmel aufschließt. Als ein schönes Sinnbild dessen stieg Christus, nämlich der, mit 11 162 Beherzigungen dem Oel der Barmherzigkeit Gesalbte von dem Delberg in den Himmel; woraus offenbar erhellt, daß der Weg der Barmherzigkeit zum Himmel führt. Selig also die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen und die Erbarmungen des Herrn in Ewigkeit singen! 11 Wie soll ich dem Herrn vergelten für Alles, was er mir gethan?"( Psalm 115.) ,, Wahrlich, was ihr den Geringsten aus diesen meinen Brüdern thut, das habet ihr mir gethan!" ( Matth. 25.) - Zwölfter Tag. Von der evangelischen Klugheit. 1. Die evangelische Klugheit ist ein inneres Licht, durch das wir nach Allem streben, was zu unserem Heile frommt; und Alles vermeiden, was demselben schadet. Sie ist in unferm Innern gleich dem Richter des Königs, und leitet alle Geschäfte der Seele. Ist sie abwechselnd, so fällt das Urtheil der Vernunft verkehrt aus; in ihrer Gegenwart aber fügen sich alle Kräfte der Seele ihrem Ausspruch. 2. Der Herr vergleicht die Klugheit mit der List der Schlange. Diese List besteht vorzüglich darin, daß die Schlange, wenn sie in Gefahr kommt, ihren ganzen Leib preis gibt, mur damit sie ihr Haupt errette. Unser Haupt ist Christus; und die Heiligen ahmen der Schlange darin nach, daß sie lieber Alles preis geben, als Christum verlieren. Daher spricht der heilige Paulus: ,, Allen Gewinn habe ich Christi wegen gleich dem Gassenkothe geachtet."( Philipp. 3.) Auch streift die Schlange in einer engen Höhle ihre alte Haut ab, und erscheint dann in einer neuen. Auf gleiche Weise engen sich auch die Heiligen durch Werke der Buße ein, und legen ihren alten, durch Sünden und Begierlichkeit verderbten Wandel ab, der Mahnung des Apostels zufolge: Leget den vorigen Wandel des alten Menschen ab; ers neuert euch aber durch den innerlichen Geist, und ziehet einen neuen Menschen an, der nach Gott erschaffen ist in Gerechtigkeit und wahrer Heiligkeit."( Ephes. 4.) 3. Klugheit zu lernen, sendet uns die heilige Schrift auch zur Ameise und spricht: Geh hin zur Ameise, du Träger, habe Acht auf ihre Wege und lerne Weisheit!"( Sprichw. 6.) Denn 1) ist die Ameise klein; wodurch die Demuth empfohlen wird; 2) sind Fruchtkörner ihre Nahrung; wodurch die Ehrbarkeit gelehrt wird; 3) hilft sie ihren Gefährten, worin die Nächstenliebe gezeigt wird; 4) ist sie für die Zukunft besorgt; wodurch zur Vorsicht ermahnt wird; 5) ist sie niemals müßig; wodurch Beschäftigung anempfohlen wird; 6) nagt sie die Fruchtkerne 163 für jeden Tag des Monats. ab, damit sie weder keimen noch faulen; wodurch die Abtödtung des Fleisches bedeutet wird; 7) verbirgt sie die Körner zur Zeit des Regens; wodurch die Flucht der bösen Gelegenheit erinnert wird; 8) trägt sie eine größere Last, als sie selbst schwer ist: worin der Eifer des Mitleids anschaulich wird. Endlich sam melt sie zur Zeit der Aernte, damit sie im Winter nicht Hunger leide; und lehrt uns dadurch deutlich, daß wir nun, in der Zeit der Gnade, Früchte wahrer Verdienste sammeln sollen; damit wir in der Zukunft, im ewigen Leben die Speise der unsterblichen Glorie empfangen. ,, Gib mir Einsicht, o Gott, so will ich dein Gefeß betrach ten; und halten will ich dasselbe von meinem ganzen Herzen." ( Psalm 118.) Dreizehnter Tag. Von der Geduld. 1. Eine überaus edle Tugend und die Grundveste aller übrigen Tugenden ist die Geduld; die im Leben unsres Heilandes, wie im reinsten Spiegel erglänzt. Ein wahrhaft geduldiger Jünger Jesu lebt gleich dem Salamander fröhlich im Feuer; und gedeiht gleich einem Seefisch in den gesalzenen und bittern Meeresfluthen. Der Geduldige bezahlt hienieden auf sehr leichte Weise alle seine Schulden an die göttliche Gerechtigkeit; und zwar bezahlt er sie in großer Klugheit mit Dingen, die an sich verächtlich und ohne Werth sind, mit Trübsalen, Schmach, Verachtung und andern Leiden, die er Gott zu Liebe ohne Murren erträgt, und dadurch selbst in die kostbarsten Edelgesteine umwandelt. 2. Die Geduld ist die eigentliche Rüstung des Streiters Christi in diesem Leben, das aus lauter Kämpfen und Versuchungen besteht. Ihr Schild trägt in zierlichen Bildern: unten die Furcht vor der Verdammniß; oben das Leiden Christi, zur Rechten die Liebe Gottes, zur Linken die milde Nächstenliebe. Von diesem starken Schilde prallen alle Pfeile des Feindes zerbrochen zurück. Starkmüthig auch hält derselbe den Andrang aller Trübsale aus; ob solche von dem Verlust zeitlicher Dinge, oder von körperlichen Krankheiten, oder von Beleidigungen durch Worte oder Thaten herrühren; denn immer ist der Wille des geduldigen Christen mit dem göttlichen Willen vereint; weil er weiß, daß denjenigen, die Gott lieben, Alles zum Guten kehrt.( Röm. 8.) Weßhalb Er auch mit den Aposteln spricht: ,, Laufen wir durch Geduld zu dem uns vorgesetzten Ziele."( Hebr. 12.) 3. Große Ungebühr wäre es für den Diener eines Königs, nicht aus dem Kelche trinken zu wollen, den sein Herr ihm zutrinkt. Dieser König ist Christus, der uns gleich seinen beiden 11* 134 Beherzigungen Jüngern fragt: Könnet ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde?( Matth. 20.) ,, Wir können es," antworteten beide; und auch uns wird dieß mit der göttlichen Gnade möglich. Nun wollte aber Christus den Kelch der Armuth, der Verfolgungen, des bittersten Leidens und des Todes zu unserm Heile uns vortrinken; denn er selbst spricht: ,, Christus mußte leiden und also in seine Herrlichkeit eingehen."( Luk. 24.) Mußte aber Christus leiden, um in feine Herrlichkeit einzugehen: auf welche Weise wird dann der Christ eingehen?, burch viele Trübfale müßen wir in das Reich Gottes eingehen;" spricht der Apostel( Apostg 14.); doch spricht er auch, uns die Furcht vor diesen Trübsalen zu benehmen: alle Trübfale dieser Zeit sind nicht würdig, auch nur verglichen zu werden mit jener Herrlichkeit, die an uns wird geoffenbart werden."( Röm. 8.) Diesen Kelch des Heiles, der Trübsale und des Leidens will ich annehmen und den Namen des Herrn anrufen!" ( Psalm 115.) Vierzehnter Tag. Von der Mäßigkeit. 1. Die Mäßigkeit ist eine Tugend, kraft welcher der Mensch nichts verlangt, das ihn gereuen könne; und alle Begierden, die dem heiligen Gesetze widerstreben, unter das Joch der Vernunft zwingt. Deshalb wird sie auch der Zaum der Vernunft genannt. Denn gleichwie der Reiter das Pferd durch den Zaum, also leitet der Geist das Fleisch durch die Mäßigkeit. Zumal muß bei irgend Wasser, Feuer, oder am Rande eines Abgrundes dem Pferde der Zaum wohl gehalten werden; und auf gleiche Weise bedarf das Fleisch des Zaumes der Mäßigkeit wider die Fluthen sinnlicher Lüste; wider das Feuer der Begierlichkeit, und wider den Abgrund der ewigen Verdammniß. Von diesem Zaum spricht der Apostel: Leben wir in dieser Welt mäßig, gerecht und fromm!"( Tit. 2.); mäßig nämlich hinsichtlich unser selbst; gerecht gegen den Nächsten, und fromm gegen Gott. 2. Die Mäßigung ist ferner gleich einer wohl verwahrten Festung. Denn wie die Festung insbesondere von ihrer schwachen Seite geschützt wird, also verwahrt die Mäßigkeit die Beſte des Menschen dort, wo seine Schwäche am größten ist, nämlich an seinem Leibe. Denn, spricht der Herr:„ der Geist ist zwar willig, aber das Fleisch ist schwach."( Matth. 26.) Daher auch ist die Mäßigkeit gleichsam eine geistige Amme, die den Menschen der Aehnlichkeit Gottes näher bringt, der ein Geist ist;( Joh. 4.) da sie die Kinder Gottes der Milch entwöhnt und sie aus fleischlichen zu geistigen Menschen heranbildet; weß für jeden Tag des Monats. 165 halb auch die Schrift spricht: die Unverderbtheit bringt den Menschen Gott am nächsten."( Weish. 6.) 3. Endlich ist zwar die Mäßigkeit ein Schmerz; aber ein Schmerz, der unserem Feinde den Tod bringt. Denn der böse Geist hält sich, wie im Buche Job geschrieben steht, an feuchten Orten, nämlich bei fündhaften Menschen auf. Die Mäßigkeit aber verbannt ihn in die trockene Wüste der Buße, wo er feine Ruhe findet; und also verscheucht und ertödtet sie ihn gleichsam; da, wie der Herr spricht, der böse Geist, wenn er von dem Menschen ausgeht, durch trockene Orte der Wüste umherirrt, Ruhe sucht, und feine findet."( Matth. 12.) Eine solche trockene Wüste sind mäßige und keusche Menschen, deren Werth durch feine Schätze der Welt aufgewogen wird; denn, spricht die hei lige Schrift: Alles Gold und Silber ist nicht mit der Güte der enthaltsamen Seele zu vergleichen." eele zu vergleichen."( Eccl. 26.) 11 Erschaffe, o Herr, ein reines Herz in mir, und erneuere in meinem Innern den rechten Geist!"( Psalm 50.) Fünfzehnter Tag. Vom Gehorsam. 1. Keine Tugend wird mit höheren Lebsprüchen erhoben, als der heilige Gehorsam, den die Heiligen die Schule des Erlösers, eine edle Marter, eine siegreiche Palme und die Leiter des Paradieses nennen. Unser göttlicher Heiland lehrt uns Gehorsam, als er auf Erden kam; denn, spricht er: Ich bin vom Himmel herabgekommen, nicht meinen Willen, sondern den Willen des Vaters zu thun, der mich gesandt hat."( Joh. 6.) Er war gehorsam, so lange er auf Erden lebte; dem Ausspruch des Apostels zufolge: Christus war gehorsam bis zum Tode." ( Philip. 2.) Er ward gehorsam in seinem Tode; denn er selbst sprach vor seinem Leiden zu seinem himmlischen Vater: Nich. wie ich will, sondern wie Du!"( Matth. 26.) Wer also will sich noch weigern, der Fahne des Gehorsams zu folgen, die unser göttlicher Führer von dem ersten Augenblick seiner Empfängniß an bis zu seinem Tode uns vorantrug? - 2. Sehr füglich wird der gehorsame Christ einem Menschen verglichen, der in einem Schiffe fährt. Denn wie, wer in einem Schiffe ist, ob er auch ruht, dennoch immer weiter kommt, also nimmt auch der Mensch im Schiffe des Gehorsams immer zu, ob er schlafe, wache, effe, sich enthalte, arbeite oder ruhe; da er nichts auf eigenen Antrieb, sondern Alles nach der Anregung des göttlichen Steuermannes thut, der in der Person seines Vorgefeßten ihm befiehlt. Ebenso ist auch der Gehorsam gewisfer Massen der Schlüssel des Paradieses. Der Ungehorsam ver- 166 Beherzigungen schloß das Paradies;( Genef. 3.) der Gehorsam dagegen schloß dasselbe abermal auf. Deßhalb auch sprach Christus zu Simeon, welcher Name Gehorsam bedeutet: ,, Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben!" Dahin stimmen auch die Worte des heiligen Bernardus: Nimm den Eigenwillen hinweg, und die Hölle wird nicht mehr seyn!" 11 3. Damit aber der Gehorsam vor Gott verdienstlich sei, muß derselbe, wenn anders nichts befohlen wird, was den Geboten Gottes und der Kirche zuwider läuft, erstens willig seyn. Also sprach Paulus: ,, Herr, was willst du, daß ich thun soll?" ( Apostg. 9.) 3weitens muß er einfach seyn; worin der heilige David als Beispiel vorleuchtet, der zum Herrn sprach: ,, Gleich einem Thier bin ich vor dir geworden;"( Psalm 72.) das nach dem Willen seines Herrn sich führen läßt. Drittens muß er fröhlich und ohne Murren seyn; also trug Simon von Cyrene Jesu das Kreuz nach. Viertens muß er fest und männ lich seyn. Also sprach Petrus: ,, Bereit bin ich, Herr, mit dir in den Kerfer und in den Tod zu gehen!( Luk. 22.) Fünftens muß er demüthig seyn; wie Christus lehrt:„ Wenn ihr Alles gethan habet, was euch obliegt, so sprechet: wir sind unnüße Knechte."( Luk. 17.) Endlich muß er beharrlich seyn, dem Beispiele Christi gemäß; von welchem der Apostel spricht: ,, Christus ward gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tode des Kreuzes!" Bewahren will ich, Herr, deine Anordnungen, halten dein Gesetz zu jeder Zeit und in Ewigkeit!"( Psalm 118.) Sechzehnter Tag. Von der Armuth. 1. ,, Selig die Armen im Geiste; denn ihrer ist das Himmelreich!"( Matth. 5.) Mit diesen Worten eröffnete unser Hei land seine göttliche Rede; und vor allen Andern ward ſein göttliches Herz gedrängt, der Armen zu gedenken, und sie für die Trübfale dieses Lebens durch die Verheißungen des himmlischen Reiches zu trösten. Sie allein auch berief er zu seinem himmlischen Gastmahle, dessen die Reichen durch leere Entschuldigun gen sich unwürdig machten, und sprach: ,, Rufe die Armen und Schwachen, und führe sie hieher!"( Luk. 14.) Ja, er selbst liebte die Armuth so sehr, daß er arm an irdischen Gütern auf Erden erschien, höchst arm lebte und starb, arme Hirten zu seiner Geburt berief, arme Fischer zu Jüngern erwählte, und als ihm selbst erwiesen betrachtet, was immer wir den Armen thun. 2. Vielfältiges Weh sprach der Herr über die Reichen aus, da der Reichthum für die Meisten eine Quelle aller Sünden ist. Die Armen im Geiste aber nannte er selig: 1) weil fie frei von für jeden Tag des Vionats. den zahllosen Sorgen und der Verunreinigung durch irdische Güter sind; 2) weil sie dem Sohne Gottes ähnlich werden, der, ob er auch auf Erden nicht so viel Eigenthum hatte, wo er das Haupt hinlegte, dennoch alle Dinge befaß; 3) weil ihre Armuth, wenn anders sie wahrhaft arm im Geiste sind, und nicht nach irbischer Habe gieren, ihnen zu hohem Verdienste für den Himmel angerechnet wird; 4) weil das Zeichen Christi in ihnen erglänzt, von welchem wir lesen:„ Es ist zu einem Zeichen gesetzt, welchem wird widersprochen werden. Denn Widerspruch leiden sie von den Liebhabern dieser Welt, von den Geizigen und von den Heffärtigen, und wandeln durch demüthige Geduld alle dieſe Trübsale in himmlische Kronen um." 11 3. Der wahrhaft Arme ist ein großer Liebling Gottes, und ihm gelten die Worte: Wer euch berührt, der berührt meine Augäpfel!"( Zach. 2.) Denn Niemand kommt Gott so nahe, als wer indische Güter verschmäht, sie mit Füßen tritt und sich daraus gleichsam einen Schämel gestaltet, zu ihm emporzusteigen. Daher auch spricht der Herr:„ Leichter ist es, daß ein Kameel durch ein Nadelöhr, als daß ein Reicher in den Himmel eingehe!" ( Matth. 17.) durch welche Worte er allen Reichen die Nothwendigkeit auferlegt, selbst arm im Geiste zu werden, ihr Herz von irdischen Gütern loszufeffeln, und den Himmel durch reichliche Almofen zu erkaufen. 11 Errette mich, Herr, aus meinen Nöthen, sieh mich an und erbarme dich meiner; denn ich bin einsam und arm! Eich mein Elend und meine Mühsale, und vergib mir alle meine Sünden!" ( Pf. 24.) Siebenzehnter Tag. Von der Keuschheit. 1. Die Keuschheit ist eine so nothwendige Tugend, daß der heilige Papst Gregorius von derselben spricht: ,, Es gibt kein gutes Werk ohne Keuschheit." Auf diese Tugend deutete der Herr, als er sprach:„ Es seien eure Lenden umgürtet, und brennende Lichter in euern Händen;"( Luk. 12.) wodurch er uns ermahnt, nicht nur dem Leibe, sondern auch der Seele nach keusch zu seyn. So sehr auch liebte er diese reinste aller Tugenden, daß er selbst wollte von einer Jungfrau geboren werden. Die heilige Schrift vergleicht die Keuschheit dem Elfenbein; denn falt ist das Elfenbein, was gegen die Glut der Begierlichkeit frommt; fest, wodurch die Beharrlichkeit ausgedrückt wird; weiß, worin es ein Bild der Unschuld ist. Auch wird sie durch jene Saat des Evangeliums vorgebildet, die dreißigfältige, sechzigfältige und hundertfältige Früchte bringt: dreißigfältige nämlich die eheliche Beherzigungen Keuschheit, sechzigfältige die der Wittwen, und hundertfältige die der Jungfrauen. 2. Keine Tugend hat mit so vielen Feinden zu kämpfen, als diese heilige, Gott überaus wohlthätige Tugend; denn ihr stellt das eigene Fleisch, fremde Begierlichkeit, die Welt und der böse Geist nach; und ganz eigentlich von der Keuschheit gilt, was der Herr spricht: Nur die sich Gewalt anthun, reißen das Himmelreich an sich."( Matth. 11.) Großer Gewalt bedarf es fürwahr, diese Tugend zu bewahren, von welcher der Apostel spricht: „ Wir tragen einen Schaß in irdenen Gefäßen";( 2. Cor. 4.) und die auch der Herr selbst mit einem verborgenen Schaße vergleicht. Dieß kostbare Kleinod erkauft den Himmel; und Niemand wird daselbst eingehen, wen dieß bräutliche Gewand nicht schmückt. 168 3. Diese himmlische Tugend, die den Menschen den Engeln gleichstellt, wird auch der schneeigen Lilie verglichen, die aus sechs Blättern besteht und in ihrer Mitte mit goldenen Körnern geschmückt ist. Dieß Gold bedeutet die Liebe Gottes, die allen Tugenden ihren Werth verleiht; durch die Blätter aber werden wir belehrt, wie wir diese Tugend bewahren sollen. Das erste Blatt also deutet auf die Mäßigkeit in Speise und Trank; das zweite auf ein einfaches Gewand;. bas dritte auf Arbeitsamfeit; das vierte auf die Hut der Sinne, zumal des Gesichtes und des Gehörs; das fünfte auf die Sittsamkeit in Worten, das sechste auf die Flucht der Gelegenheiten; die Weiße der Lilie selbst aber ist ein Symbol desjenigen, der sich die Lilie der Thäler nennt, des Urhebers und Spenders aller Reinigkeit, der uns das Lilienbrod seines Sakramentes spendete, das mit heiliger Inbrunst und Andacht empfangen, ein wahres Gegengift gegen alle Lockungen und Begierlichkeiten des Fleisches ist. Wende, o Herr, alle unreinen Begierden von mir ab, und übergib mich nicht einem schamlosen und unehrbaren Herzen!" ( Eccli. 23. 6.) Achtzehnter Tag. Von der Gerechtigkeit. 1. ,, Wer der Gerechtigkeit nachgeht, der wird vom Herrn geliebt!" spricht der heilige Geist.( Sprichw. 15.) Denn diese feste Tugend, die von Gott selbst ausgeht, ist der Grund, auf welcher alle Tugenden ruhen. Sie gibt Gott, was Gottes ist; Liebe und Danksagung; dem Nächsten, was sie selbst will, das ihr erzeigt werde; und sich selbst, was dem heiligen Gesetze gemäß ist. Sie zwingt den Menschen vom Bösen ab, beffert eigene und fremde Fehler und strebt aufrichtig dahin, das Wort des für jeden Tag des Monats, 169 Herrn zu erfüllen: ,, Seid vollkommen, gleichwie auch euer himmlischer Vater vollkommen ist."( Matth. 5.) 2. Die Gerechtigkeit ist der geradeste Weg zum Himmel; jeder andere Weg ist ein Umweg; daher spricht auch die Schrift von den Gerechten: ,, Der Herr führte sie auf dem geraden Wege, daß sie in die Stadt ihrer( ewigen) Wohnung gingen;"( Ps. 106.) von den Ungerechten aber: Die Gottlofen gehen beständig im Kreise umher."( Ps. 11.) Sie ist die göttliche Richtschnur, die alle unsere Werke ordnet. Sie lehrt Mäßigkeit, Klugheit, Gerechtigkeit und Stärke."( Weish. 8.) Unzählige Stellen der heiligen Schrift ermahnen uns, diese Tugend zu üben, weil wir ohne sie nimmermehr die Krone der Gerechtigkeit erlangen können, die Gott Allen hinterlegt hat, die seine Ankunft lieben." ( 2. Tim. 4.) 3. Die Gerechtigkeit gleicht dem Polarstern, um welchen der ganze Erdkreis sich wendet, der aber immer unverrückt an feiner Stelle bleibt. Also wälzt sich unser ganzes Leben; nimmermehr aber wandelt sich die Gerechtigkeit. Denn gleich einem Rade wälzt sich das Leben: bald erhebt es den Menschen zu Ehren, und verbirgt ihn dann wieder durch Erniedrigungen; oder es demüthigt den Menschen zuerst und erhebt ihn dann späterhin; doch in allen diesen Fällen bleibt der Gerechte unwandelbar; weder beugt ihn die Ehre, noch wirft ihn die Widerwärtigkeit, daher auch von dem Gerechten gesprochen wird:„ Wer dieß thut, der wird nicht bewegt werden in Ewigkeit!"( Pſ. 14.) " Es sehnt sich meine Seele, Herr, nach deinen Gerechtigfeiten zu jeder Zeit; lehre du mich, was gut ist und Zucht und Erkenntniß; denn ich habe deinen Geboten geglaubt."( Pf. 118.) Neunzehnter Tag. Von dem Frieden des Herzens. 1. Friede ist die Sprache des Himmels, die Christus sprach, als er zur Erde kam. Denn Friede sei mit euch!" sprach er zu fein Aposteln.( Johannes 20.) Friede auf Erden den Menschen, die eines guten Willens sind!" sangen die heiligen Engel. ( Luk. 2.) Diesen Frieden schenkte uns Christus, und verbürgte uns ihn durch sein Testament; da er kurz vor seinem Tode zu seinen Aposteln sprach:„ Meinen Frieden gebe ich euch; den Frieden hinterlasse ich euch!"( Joh. 14.) Und die Apostel, die diesen Frieden empfangen hatten, empfingen auch den Befehl, ihn in jedes Haus zu bringen, wo sie eintreten würden. ( Matth. 10.) Weßhalb auch einer aus ihnen sprach.„ Der Friede Christi frohlocke in euern Herzen!"( Coloff. 3.) 170 Beherzigungen 2. Dieser Friede wird durch die Gleichförmigkeit mit dem göttlichen Willen, durch die Demuth und durch Ruhe des Gemüthes gefördert. Gleichwie in beständigem Kriege lebt, wer sich vermißt, einem Könige zu widerstehen, von dem er weiß, daß er ihn nimmermehr zu überwinden vermag: also kann auch kein Mensch zum Frieden gelangen, der dem Willen Gottes widerstrebt: ,, Denn wer hat ihm je widerstanden und hat Frieden gehabt?"( Job 6.) Wahrlich Niemand! Eben so fördert auch die Demuth den Frieden; ba sie sich gern unterwürfig erhält, und dadurch allen Zunder zur Uneinigkeit auslöscht. Endlich kann auch Niemand in einem Dornbette ruhen, das ein wahres Bild eines unfriedlichen Herzens ist; dagegen ruht der friedfertige Mensch süß auf weichen Federn; und eben so auch Gott in einem friedlichen Gemüth; denn, spricht die Schrift: Seine Stätte ist im Frieden!"( Pf. 75.) 11 3. Es gibt aber auch einen Frieden, der sehr böse und dem wahren Frieden entgegen ist; nämlich einen sündlichen, geheuchelten und ungeordneten Frieden. Sündlich ist der Friede, wenn böse Herzen mit einander zum Bösen übereinstimmen. Ei nen solchen Frieden hatten Pilatus und Herodes hinsichtlich des Todes Jesu gegen einander. Ein Beispiel eines geheuchelten Friedens gab Judas, der das Zeichen des Friedens, den Kuß, zum schändlichsten Verrath mißbrauchte. Ungeordnet war der Friede Adams gegen Eva; da er dem Weibe gehorchte, das vielmehr ihm selbst hätte gehorchen sollen; und auf gleiche Weise ist immer ungeordnet der Friede, wenn die Vernunft mit der Sinnlichkeit zur Sünde übereinstimmt. Von diesem Frieden spricht der Herr: ,, Ich bin nicht gekommen, den Frieden auf Erden zu senden, sondern das Schwert!"( Matth. 10.) 8 besteht also unser Friede auf Erden darin, daß wir mit Gottes Gnade unsre Leidenschaften der Vernunft und die Vernunft selbst dem göttlichen Willen unterwerfen, der uns nach kurzem Kampf mit der Seligkeit des ewigen Friedens belohnen wird. " Herr, du wirst uns Frieden geben; denn alle unsre Werke hast du geschlichtet."( Isai. 26.) Zwanzigster Tag. Von der Sünde. 1. Die Sünde ist eine That oder eine Begierde gegen das göttliche Gesetz. Diese Ungerechtigkeit gegen den allerhöchsten. Schöpfer, die den Teufel erfreut, ist ein Gräuel vor den allerreinsten Augen Gottes, der die Sünde so nothwendig haßt, als er sich selbst nothwendig liebt; und sie daher auch mit zeitichen und ewigen Strafen verfolgt. Er stürzte den Engel, der 171 für jeden Tag des Monats. im Himmel sündigte, in die Tiefen der Hölle; verhängte wegen der einzigen Uebertretung Adams den Tod über dessen ganze Nachkommenschaft; vertilgte wegen der Sünde das menschliche Geschlecht durch die Sündfluth: ja, die Sünde von der Erde zu verbannen und die Gerechtigkeit des ewigen Vaters zu versöhnen, gab der eingeborne, geliebteste Sohn des Vaters selbst sein Blut und Leben dar. 11 2. Durch die Sünde kam der Tod in die Welt!" spricht der Apostel;( Röm. 5.) und zwar nicht nur der zeitliche, sondern auch der ewige Tod. Denn die Sünde ist eine Krankheit, die nicht nur das zeitliche, sondern auch das geistige Leben hinwegnimmt; und fürwahr kein geringeres Wunder ist die Auserweckung eines Sünders zum Leben der Gnade, als die Auferweckung eines Todten. Denn wo einmal die Gewohnheit der Sünde überhand genommen hat, versinkt das unbußfertige Herz gewöhnlich in gänzliche Verstockung, verliert den Glauben, und verschließt sein Ohr allen Ermahnungen zur Buße. 3. Gleich einem hungernden und brüllenden Löwen geht der Teufel umher, suchend, wen er verschlinge, spricht der heilige Apostel Petrus.( 1. Pet. 5.) Denn nie wird sein Hunger nach Sünden und Beleidigungen seines göttlichen Schöpfers gestillt. Und mit wahrer Schlangenlist verleitet er den armseligen Sünder durch allerlei Ränke und Künste zur Sünde und zu ewigem Untergang. Gleich einem falschen Spieler läßt er ihn Anfangs gewinnen, und nimmt ihm zuletzt Alles ab; da er ihm für kurze zeitliche Lüfte Leib und Seele, die Gnade und die ewige Glorie raubt. Daher nennt die göttliche Schrift den Sünder einen Thoren und spricht: ,, Der Thor weiß nicht, wohin er gezogen wird." Denn gleichwie der Ochs nicht fühlt, daß er gebunden ist, bis er zur Schlachtbank geführt wird, außer wenn er entlaufen will: so fühlt auch der Sünder, wenn nicht Gottes große Barmherzigkeit ihn errettet, die Bande der Sünde nicht, bis seine unglückselige Seele vom Leibe geschieden ist, und er in die schrecklichen Gefängnisse der göttlichen Gerechtigkeit abgeführt wird. " Herr, errette meine Seele, hilf mir um deiner Barmherzigkeit willen! denn keiner ist im Tode, der deiner gedenke; und wer wird dich in der Hölle loben?"( Pf. 6.) Ein und zwanzigster Tag. Von der Trägheit im Dienste Gottes. 1. Die Trägheit ist eine geringe Liebe zum Guten und ein Ueberdruß an Dingen des Heiles aus Ungeduld und ungeordne 172 Beherzigungen ter Traurigkeit der Seele, und führt wie eine lange Krankheit, allmählig zwar, doch gewiß zum Tode, wenn der Kranke nicht sehr ernstlich zu Mitteln gegen dieselbe greift. Denn die Trägheit ist gleichsam eine geistige Abzehrung, die aus dem Mangel an Liebe und Andacht, so wie die körperliche Abzehrung aus dem Mangel an Säften entspringt. Nicht unfüglich wird sie auch der Gicht verglichen, da sie alle Glieder lähmt. Denn unvermögend sind die Füße des Trägen, recht zu wandeln; seine Hände, Gutes zu wirken; und seine Glieder, die Arbeit der Buße zu ertragen; weßhalb auch von den Trägen die Worte gelSie haben Hände und wirken nicht; Füße und wandeln nicht!"( Pf. 113.) ten können: 11 2. Dieß Laster stürzt in kurzer Zeit den Trägen in die größte Noth; denn seine ganze Seele leidet den bittersten Hunger; jenem Ausspruch gemäß: Hungern werden sie gleich den Hunden;" ( Pf. 58.) da der Acker seines Herzens, den er nicht bearbeitet, nur böses Unkraut und lasterhafte Neigungen hervorbringt. Auch ist er ohne Kraft, und zum Falle geneigt; und wie sollte er auch nicht fallen, da gleich jenem trägen Knechte des Evangeliums der Ausspruch über ihn ergeht: ,, Nehmet ihm das Talent hinweg?" ( Matth. 25.) denn billig verdient der Laue und Träge das Talent der Gnade zu verlieren; da er unterläßt, mit demselben zu wirken und es zu vermehren. Also versinkt der Träge allmählig aus dieser tödtlichen Schlaffucht in den geistigen und ewigen Tod. 3. Furchtbar ist diese Krankheit der Seele, ja, zuweilen viel schändlicher als offenbare Lafter. Deshalb spricht der Herr: Wärest du doch kalt oder warm; weil du aber lau bist, werde ich dich aus meinem Munde ausspeien."( Apok. 3.) Höchst gefährlich ist aber die Trägheit zumal, wo eine große Reise zu thun, und die Zeit kurz ist. Unsere Reise aber ist weit, da sie bis in den Himmel geht, und uns nur die kurze Zeit dieses Lebens dazu gegeben ist; weßhalb wir auch keine Stunde zu verlieren haben; ferner, wenn der Mensch verwundet ist, und säumt, seine Wunden zu heilen; weil dann unfehlbar der Brand hinzukommt und seinem Leben ein Ende macht; und dieß widerfährt dem Trägen, der die Zeit der Gnade verliert, und keine Sorge trägt, die Wunden seiner Sünden zu heilen;- endlich, wenn die Zeit der Aussaat bevorsteht und der Ackersmann unterläßt, sein Feld zu bestellen, denn nichts wird er dann ärnten. Was wird aber der Träge in der Ewigkeit ärnten? Der Fluch des Herrn wird über ihn ergehen wie über jenen trägen Knecht: „ Bindet ihm Hände und Füsse, und werfet ihn in die äußerste Finsterniß; dort ist Heulen und Zähneknirschen."( Matth. 22.) 173 für jeden Tag des Monats. 11 Es werde mein Herz unbefleckt in deinen Rechtfertigungen; auf daß ich nicht ewiglich zu Schanden werde!"( Ps. 118.) Zwei und zwanzigster Tag. Von der Hoffart. 1. Die Hoffart ist des Teufels erstgeborne Tochter, bie felbst sieben ruchlose Töchter gebar; nämlich: Vermeffenheit, Ehr. fucht, Ungehorsam, Verachtung, Erröthen über das Gute, Verlachung der Frommen und Einfachen, eitle Ehre und Heuchelei.. Diese häßlichen Töchter aber sind gleich jenen sieben magern Jahren, die alle herrlichen Früchte der sieben fruchtbaren Jahre auf zehrten; denn sie berauben den Menschen aller geistigen Güter und verdienstlichen Werke, die er im Stande der Gnade wirkte. Ja, mehr noch, der Hoffärtige sammelt von gutem Samen eine böse Alernte; da er das Gute in Böses verwandelt. Krank wird er durch die Gesundheit; er stirbt durch das Leben, wird verwundet von der Arznei, überwunden von dem Besiegten und getödtet von dem Todten; weil er der göttlichen Gaben sich rühmt, durch das Gute selbst ein Böser, und durch die Tugend lasterhaft wird. R 2. Der Hoffärtige gleicht einem Winde, der das Licht auslöscht, den Thau auftrocknet und den Staub aufbläst; denn er löscht das Licht der Weisheit aus, trocknet den Thau der Gnade auf und bläst den Staub weltlicher Eitelkeit auf; da er seiner Natur nach Staub ist, und abermals zu Staub werden wird. Nicht minder auch gleicht er dem Rauche, der sich um so mehr verflüchtigt, als höher er steigt. Füglich auch wird er der Spinne verglichen, die sich selbst erschöpft, ein Gewebe zu spinnen, worin fie Mücken fängt; denn auf gleiche Weise erschöpft sich der Hoffärtige und verliert seine Seele, damit er die Eitelkeit menschlichen Lobes gewinne; weßhalb auch von den Stolzen der Ausspruch gilt:„ Sie webten Spinnengewebe."( Ifai. 59.) 3. Es wird auch der Hoffärtige einem Sarg verglichen; denn gleichwie der Sarg nur geziert wird, wenn man einen Todten in denselben legt, also schmücken auch Männer, zumal aber Weiber, ihren Leib nur durch eitle Kleiderpracht, wenn ihre Seele innen durch die Hoffart erstorben ist. Endlich ist auch die Henne ein sprechendes Bild der Hoffart; denn kaum hat sie ein Ei gelegt, so erhebt sie ein großes Geschrei, worauf alsbald das Ei ihr hinweg genommen wird, so hat auch der Hoffärtige kaum ein gutes Weik gethan, als er auch augenblicklich desselben sich rühmt und prahlt; wodurch er den ganzen Werth desselben verliert. Daher steht gegen die Heffärtigen geschrieben: " Sie werden ihr Silber hinauswerfen, und ihr Gold wird sie 174 Beherzigungen nicht erretten können am Tage des Zornes des Herrn. Ihre Seelen werden sie damit nicht retten können; denn es ist ihnen zum Anstoß geworden."( Ezech. 7.) „ Laß, o Herr, den Fuß der Hoffart nicht zu mir kommen, und mich nicht bewegt werden von der Hand des Sünders!" ( Pf. 35.) Drei und zwanzigster Tag. Von der Buße. 1. ,, Thut Buße!" Also tönte die erste Lehre Jesu Christi. ( Matth. 4.) Ja, er selbst, ob auch der Allerheiligste, ging uns hierin mit seinem wunderbaren Beispiele vor; da er, sobald er die Taufe Johannes empfangen hatte, sich in die Wüste entfernte, wo er vierzig Tage und Nächte fastete. Wer also ein wahrer Jünger Jesu Christi ist, der geht gern mit Jesu in die Wüste der Buße und trinkt den Kelch seines Leidens mit ihm: dort bedenkt er seine Jahre in der Bitterfeit seiner Seele( Isai. 38.) und spricht mit dem bußfertigen David: ,, Gedenken will ich meiner Sünden!"( Pf. 37.) Wobei wohl zu bemerken ist, daß dieser heilige Büßer nicht sprach: Gedenken will ich des Geldes, gleich dem Geizigen; noch auch: der Speisen, gleich dem Prasser; noch auch des Unflaths, gleich dem Lüstling; noch des Windes, gleich dem Stolzen; sondern: gedenken will ich meiner Sünden, und wie ich mit dem Herrn durch wahre Buße und in Thränen mich versöhne. 2. Die wahrhafte Buße ist gleich einem Baume, dessen Wurzel die Zerknirschung, dessen Zweige oftmalige Beichten, des sen Blumen heilige Frömmigkeit, und dessen Säfte die Strömungen der Gnade sind. Sehr schön wird auch die Buße einer Stimme verglichen, die die Diebe verscheucht; da der laute Ruf der reumüthigen Beicht die bösen Geister in die Flucht jagt. Nicht minder auch gleicht sie dem Sturm auf dem Meere: denn wie das Meer die Unreinigkeiten nur dann auswirft, wenn es vom Sturm durchwühlt wird, so wirft auch die Seele die Unreinigkeiten der Sünden nur dann aus, wenn sie von den gewaltigen Regungen der Reue und Zerknirschung erschüttert wird: weßhalb auch von der Buße geschrieben steht: ,, Groß wie das Meer ist deine Zerknirschung!"( Thren. 2.) 3. Gern und willig soll jeder Sünder zur Buße greifen; da Gott uns ein so leichtes Mittel gibt, seine Gerechtigkeit zu versöhnen und den ewigen Strafen zu entkommen, die den unbußfertigen Sündern bereitet sind. Gern trägt der Vogel die Federn, womit er zum Himmel sich erschwingen; gern der Wanderer den Stab, womit er zum Vaterlande reisen; gern der Krie 175 für jeden Tag des Monats. ger die Waffen, mit welchen er gegen den Feind streiten kann. So soll denn auch ein reumüthiger Sünder gern zu den Waffen der Buße greifen, durch die er den bösen Geist in die Flucht treibt, Christo nachfolgt, die Welt verachtet und den Himmel erlangt. Das Wesen der Buße besteht aber vorzüglich darin, daß man nicht nur die Sünde verabscheue, sondern auch alle Gelegenheiten zu derselben meide und sie oftmals reumüthig beichte; damit auf solche Weise allmählig die Wurzeln derselben der Seele entrissen werden. Ablegen müssen wir den alten Menschen mit seinen Werken und einen neuen Menschen in Jesu Christo anziehen, der uns nach kurzer Buße in die Freuden seiner Heiligen aufnehmen wird. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen beiligen Geist nicht von mir! Ein Opfer für Gott ist ein betrübter Geist. Ein zerknirschtes und gedemüthigtes Herz wirst du, o Gott, nicht verschmähen!"( Pf. 50.) 11 Vier und zwanzigster Tag. Von dem gottseligen Wandel. 1. Alle Glorie der Königstochter ist von Innen!" spricht der Prophet. Diese Königstochter ist die Seele, die Tochter des ewigen Königs; ihre innerliche Glorie aber ist der Schmuck eis nes tugendhaften und heiligen Wandels. In ihr sind Martha und Maria vereint. Denn der Glaube, die Hoffnung und die Liebe sind Tugenden, die ihr innerliches Leben schmücken, und kraft welcher sie nach Gott und himmlischen Tugenden zielt; die Gerechtigkeit, Mäßigkeit, Klugheit und Stärke aber sind Tugenden, mit welchen sie als sorgsame Martha nach Außen und für das Heil des Nächsten wirkt. Eine solche Seele geht schon hie. nieden in die Freude ihres Herrn ein; da sie im Innern durch die Freude des heiligen Geistes erquickt wird; denn die Früchte diefes göttlichen Geistes sind: Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Langmuth, Güte, Milde, Sanftmuth, Glaube, Sittsamkeit, Enthaltsamkeit und Keuschheit;"( Gal. 5.) in welchen ihr ganzes inneres und äußerliches Leben besteht. 2. Oft wird in der heiligen Schrift die tugendhafte Seele einem fruchtbaren Baume verglichen, der heilige und göttliche Früchte bringt, die im ewigen Leben aufbewahrt werden. Ein Mensch ohne Tugend dagegen ist gleich einem wilden Baume, der bittere und ungenießbare Früchte, nämlich fleischliche und unreine Werke hervorbringt. Wird jedoch einem solchen Baum ein Zweig heiliger Tugend eingeimpft, so wandelt er seine Früchte in die Natur derselben um, und wirkt durch diese neuen Säfte 176 Beherzigungen Früchte, die Gott und die Engel erfreuen, jenem Ausspruch des Herrn gemäß: ,, Mehr erfreuen sich die Engel über einen Sünder, der da Buße thut, als über neun und neunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen;"( Luk. 15.) durch welche Worte der Herr uns das sehnlichste Verlangen nach unserer Besserung und Heiligung fund gibt. 3. Die tugendhafte Seele wird nicht minder schön dem himmlischen Paradiese verglichen; denn das himmlische Paradies ist die Wohnung Gottes, der Aufenthalt der Freude, die Stätte des Lichtes und der Wohnsitz der geordneten Liebe. So ist auch die tugendhafte Seele die Wohnung der göttlichen Gnade; weil die Freude eines guten Gewissens, das Licht der Wahrheit und die Süßigkeit der Liebe ihr innewohnt. Diese Kennzeichen find das Unterpfand des ewigen Lebens, das Merkmal der Auserwählten und das Gepräge des heiligen Geistes, von welchem geschrieben steht: Ihr seid geprägt mit dem Siegel des heiligen Geistes für den Tag der Erlösung."( Ephes. 4.) Denn nach diesem Zeichen wird der göttliche Hirt seine eigenen Schafe von den fremden absondern, und sie auf die Weide der ewigen Glorie berufen. 11 Führe mich, Herr, in deiner Gerechtigkeit, und ordne meis nen Weg vor deinem Angesichte!"( Pf. 5.) Fünf und zwanzigster Tag. Von der Verehrung der allerfeligsten Jungfrau. H 1. Gegrüßet seist du, Gnadenvolle, der Herr ist mit dir, du bist gesegnet unter den Weibern."( Luk. 1.) Gesegnet wat Maria wegen der Fülle der Gnaden, die sie durch ihre große Treue und Heiligkeit vor Gott gefunden hatte. Denn gleich einem lieblichen Paradiese, voll aller himmlischen Wohlgerüche, blühte ihr Herz vor Gott. Es war aber nicht nur ihre Seele, sondern auch ihr gebenedeiter Leib selbst ein Paradies Gottes; da der Baum des Lebens, Jesus Christus, darin auffproßte, dessen sakramentalische Früchte uns zum ewigen Leben ernäh ren. Wie weit ist von diesem Segen der gebenedeiten Jungfrau entfernt, wessen Herz kein Paradies Gottes in den Segnungen der Gnade, sondern durch beständige Untreue und Sünden ein Pfuhl des bösen Geistes, ein Fluch der Bosheit ist. Von ei nem solchen ertönen die Worte des Psalmisten: ,, Er liebte den Fluch und kommen wird derselbe über ihn; er wollte den Segen nicht, und entfernt wird derselbe von ihm auch werden." ( Psalm. 108.) für jeden Tag des Monats. 2. Es ward aber Maria nicht nur wegen der Gnadengaben ihres Herzens, sondern auch wegen der Gnade ihrer Lippen gesegnet; jenem Ausspruch des Propheten zufolge: Gnade ward auf deinen Lippen ergoffen; deßhalb hat Gott dich gefegnet ewiglich!"( Pf. 44.) Wie jeurig ertönen ihre Lippen im Gebet; wie lieblich, wie demüthig und wie heilsam in ihrer Ansprache mit den heiligen Engeln und mit den Menschen! Gott selbst hatte Wohlgefallen an ihren Worten; darum auch spricht der selige Bernardus in seiner Anrede an sie: Ihm, dem du durch dein Stillschweigen gefielest, wirst du nun mehr gefallen durch deine Rede; da er dir selbst vom Himmel ruft: O holdselige unter den Weibern, laß deine Stimme mich hören! Immer keusch, immer wahr, immer aufrichtig war der Mund der allerfeligsten Jungfrau; und darum fürwahr segnete Gott fie ewiglich. Weit sind von diesem Segen jene entfernt, die nur Trug und Lügen sprechen; nicht Gnade, sondern Bosheit hat sich auf ihre Lippen ergoffen, daher wird Gott fie nicht segnen, sondern verfluchen ewiglich. 3. Gesegnet ward Maria ferner wegen der Gnade, die in ihren Sitten vorleuchtete; weßhalb auch jener Segen ihr gilt: Es segne dich der Herr, du Schöne der Gerechtigkeit, du heiliger Berg!( Jerem. 31.) Denn fürwahr ein heiliger Berg ist Maria durch die Erhabenheit ihrer Verdienste und die Höhe ihres Lebens. Auch ist sie die Schöne der Gerechtigkeit; denn geschrieben steht von ihr:„ Ganz schön bist du meine Freundin!"( Hoh. L. 4.) Denn ganz schön war sie durch die Fülle der Gnaden in ihrem Innern; ganz schön durch äußerliche Zucht; ganz schön durch Heiligkeit, Gerechtigkeit und Erbarme ung; billig ward sie daher vom Herrn gesegnet. Wie weit ist von dieser Schönheit Mariä entfernt, wer durch immerwährende Sünden dem Teufel ähnlich wird! Nicht segnen wird ihn der Herr am Tage, wo er sprechen wird: Kommet ihr Gesegneten meines Vaters!" sondern ertönen wird ihm der Fluch:„ Fort von mir, ihr Verfluchten in das ewige Feuer!"( Matth. 25.) Dich rufen wir an, o Gesegnete unter den Weibern, rette uns von diesem Fluch durch die Gnade, die du gefunden, durch die Barmherzigkeit, die du geboren hast, daß wir durch deine Fürbitte Gnade, Segen und ewiges Heil vom Herrn erlangen. Amen. Sechs und zwanzigster Tag. Vom Tode. 1. Kein Mensch kann dem Tode entgehen; keiner kann die von Gott dazu bestimmte Zeit auch nur um eine Minute überleben. Weder schont der Tod der Armuth, noch ehrt er die Macht, 12 178 Beherzigungen noch nimmt er auf die Jugend und das Alter Rücksicht.- Wie also können wir dieß Zeitliche noch lieben, das wir in so kurzer Zeit verlassen müssen! Ja, wie können wir auch nur wünschen, länger zu leben; da je länger wir leben, um so größer auch die Last unserer Sünden sich vermehrt! Wie viele hat dieß zeitliche Leben schon getäuscht, das fürwahr nur den Thoren süß, den Weisen aber bitter ist; denn mit Schmerz treten wir in dieß Leben, in Arbeit und Mühsalen leben wir darin, und verlassen. dasselbe unter schwerer Angst und mit Zittern! Leicht sind wir zur Verführung, schwach zum Widerstand, und gebrechlich, Gutes zu wirken. 2. Aehnlich ist dieß sterbliche Leben einer Schifffahrt; denn ob ich schlafe, oder ob ich wache, eile ich auf gleiche Weise schnell zum Tod. Wer also die schnelle Vergänglichkeit desselben wohl zu Gemüthe führte, den würde die flüchtige Wohlfahrt oder Trübsal dieser Welt wenig rühren. Darum sahen auch die Heiligen und die wahrhaft frommen Christen nicht sowohl dahin, daß sie lange, als daß sie gut lebten; und starben noch während ihres Lebens der Welt und ihrer Begierlichkeit dem Fleische und seinen Lüsten ab, weil es ihnen wohl bewußt war, daß Niemand den Tod wohlgemuth und freudig empfängt, der nicht während seines Lebens durch Frömmigkeit und gute Werke sich dazu vorbereitete. - - 3. Kostbar ist zwar der Tod der Heiligen in den Augen Gottes; da sie in die ewige Ruhe, in die Anschauung ihres Gettes, in die unendliche Seligkeit gelangen, die Gott denen bereitet hat, die ihn lieben;- aber furchtbar ist der Tod der Bösen, die, wenn sie ihren Leib verlaffen, in die Hände des rächenden Gottes fallen, der sie zur Strafe ihrer Missethaten den Peinigern übergibt, wo sie ohne Unterlaß Strafe leiden, weil sie, wenn es bei ihnen gestanden wäre, immer lieber gesüntiget, als Gottes Gebote gehalten hätten! ,, Wehe mir daher," spricht der heilige Ambrosius, wenn ich meine Sünden nicht beweine, wenn ich nicht ernstlich Buße wirke! Schon ist die Art an den Baum gesetzt; es thue Buße, wer es noch vermag, ehe die schreckliche Stunde erscheint, die uns zum Gerichte ruft!" O meine Seele, ob du wachest oder schlafest, immer ertöne jene Stimme in deinen Ohren: Ihr Todten kommet zum Gericht!" Flieh jetzt die Welt, daß du dann mit den Schaaren der Seligen in die ewige Freude eingehest! 11 " O gib mir, Herr! daß ich noch in dieser kurzen Zeit schmerzliche Thränen der Buße weine, ehe denn ich hingehe, und für jeden Tag des Monats. 179 nicht wiederkehre in jenes finstre Land, bedeckt von den Schatten des Todes!"( Joh. 10.) Sieben und zwanzigster Tag. Vom Gerichte. 1. Bedenke, o Mensch, deine letzten Dinge; und du wirst ewiglich nicht fündigen!"( Eccli. 7.) Wer würde auch je fünbigen, wenn er von dem Gedanken an den nahen Tod und das darauf folgende Gericht durchbrungen wäre!- Bedenke oftmals jenen schrecklichen Augenblick, wo du vor dem göttlichen, allwissenden Richter erscheinen wirst, Rechenschaft über dein ganzes Leben zu geben. Was wirst du antworten, o alberner Sünder, wenn du Rechenschaft geben sollst von jedem einzelnen Augenblick dieses Lebens, von allen deinen eiteln und fündlichen Gedanken, von allen deinen unnüßen, sündlichen und eitlen Werken? Dann wird Jerusalem mit Fackeln durchsucht, jeder deiner Gedanken durchforscht, jedes deiner Werke abgewogen werden, Rechenschaft wirst du geben von jedem vergebli chen Worte! Und Zeuge wird dein heiliger Engel, Zeuge der Feind deines Heiles, Zeuge der allsehende Richter selbst seyn, vor dessen Augen du stehen wirst. - 2. Bedenfe, ruft der heil. Bernardus, bedenke meine Seele, mit Furcht und Zittern, was da geschehen wird, wenn dein eiges nes Bewußtseyn gegen dich sprechen, wenn die Elemente deine Werke anklagen, wenn das Kreuz Christi Zeugniß wider dich geben, wenn sein heiliges Leiden und Blut Rache gegen dich schreien wird! O der entsetzlichen Angst: rechts deine Sünden, die dich anklagen, links die strenge Gerechtigkeit, über dir der erzürnte Richter zu gerechtem Gerichte, von Außen die fliehende Welt, von Innen dein schuldvolles Gewissen! Und wenn der Gerechte kaum gerechtfertigt wird, was wird mit dem Sünder geschehen! Wohin soll er sich wenden? Unmöglich ist es ihm, Ach, meine sich zu verbergen; unerträglich, zu erscheinen! Seele, vergiß dieses schrecklichen Tages nie und nimmer! - 3. Bedenke nun den Ausspruch des göttlichen Richters: " Kommet ihr Gebenebeiten; empfanget das Reich! Geh ein, du Und:„ Fort, treuer Knecht, in die Freude deines Herrn!" ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das dem Teufel und ſeinen Engeln bereitet ist."- Was ist je erfreulicher, was süßer und lieblicher, als das Erste! was schrecklicher und entsetzlicher, als das Letzte? So lebe denn also meine Seele, daß du es vers dienest, den ersten Ausspruch zu hören. Kämpfe nun und be fiege die Sünde und folge Christo nach, daß du dann ewig bei ihm wohnest. Denn ewig und unwiderruflich ist das Urtheil 12* 180 Beherzigungen des Herrn. So barmherzig er ist, der sich selbst für die Sün der opferte, wird ihn dennoch der Untergang der Gottlosen nicht schmerzen, sondern erfüllen wird er jene Stelle der Schrift: ,, Ihr habet allen meinen Rath verworfen und meine Strafreden in den Wind geschlagen; so werde auch ich zu euerm Untergang lachen!"( Sprichw. 1.) Ja, auch seine Heiligen, die bereit waren, ihr Leben zum Heil der Seelen zu geben, werden in das Urtheil Christi einstimmen. ,, Denn erfreuen wird sich der Gerechte, wann er die Rache schauen wird."( Psalm 57.) Acht und zwanzigster Tag. Von der Hölle. 1. Der traurigste Weg ist vom Gerichte zur Hölle, von welcher kein Ausgang ist in Ewigkeit! Dort wird Heulen und Zähneknirschen seyn; denn weder sterben wird dort der Wurm, noch auch das Feuer erlöschen."( Mark. 9.) Dort ist so große Noth, daß auch im bittersten Durste kein Tropfen Wasser gereicht wird; wie es jenem reichen Prasser widerfuhr, der in der Hölle begraben ward, und wüthend ausrief:„ Ich werde gepeiniget in dieser Flamme!"( Luk. 16.) Dort sind jene Peiniger der göttlichen Gerechtigkeit, mit welchen der Herr die Gottlofen. bedroht; jene schauerlichen Larvengesichter der höllischen Geister, deren Anblick allein eine furchtbare Hölle ist. Dort brennt ewig das Feuer, ohne die unglückseligen Opfer der gerechten Rache Gottes zu verzehren; dort töbtet ewig der Tod, ohne zu tödten. Dort geht der schreckliche Ausspruch Christi in Erfüllung:„ Fort von mir in das ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist!"" Wer von euch," spricht der Prophet, kann in den ewigen Flammen wohnen?"( Isai. 33.) Ach, Herr! erbarme dich meiner, so lange es noch Zeit ist; und verdamme mich nicht an jenem Tage! - - 2. Fürchtet Den, spricht der Herr, der, nachdem er getödtet hat, den Leib und die Seele in die Hölle stürzen kann!" ( Matth. 10.) Ach, wie wird den gottlosen Wollüstlingen und Spöttern zu Muthe werden, die diesen Ort der Gerechtigkeit Gottes läugneten und durch ihren ruchlosen Hohn zu tilgen wähnten! Denn sind diese Strafen der Gerechtigkeit auch nur Eine Stunde über allen Ausdruck entsetzlich: was wird es seyn, sie eine ganze Ewigkeit ertragen zu müssen! Weinten auch die Verdammten Thränen wie das Meer, so würden sie dennoch nicht Eine Todsünde hinwegwaschen.- O Tob, wie bitter bist du! doch wie füß wärest du hier denjenigen, die in diesem Leben so schwer dich haßten! Dann werden die Menschen den Tod ſuchen, und der Tod wird von ihnen fliehen."( Apok. 9.) Er 11 für jeden Tag des Monats. 181 flieht nun vor ihnen, weil sie ewig hätten leben wollen, um ewig zu fündigen! Ach, wie schwer ist es, ewig vom Himmel ausgeschlossen, ewig in diesen flammenden Abgrund verstossen, ewig mit den furchtbarsten Strafen gepeinigt zu werden! 3. Doch die schrecklichste aller Strafen ist die Beraubung der Anschauung Gottes, des Urquells aller Schönheit und aller Güte. Droheten mir tausend Höllen," spricht der heilige Ambrosius, so würden sie mich nicht so schrecklich bedünken, als von jener glorreichen Gesellschaft ausgeschlossen zu werden, und dem Schöpfer ewig verhaft zu seyn!" Furchtbar ist die Hölle, doch furchtbarer das Angesicht des erzürnten Nichters und die Ausschießung von der Anschauung der allerheiligsten Dreieinigkeit. Denn von den ewigen Gütern ausgeschlossen werden, die Gott denen bereitet hat, die ihn lieben, ist eine so schwere Hölle, daß wenn auch keine äußerliche Qual peinigte, diese allein schwerer als tausend Feuer martern würde.- O wenn der Mensch in den Sinn der wunderbaren Worte eindringen und die Süßigkeit derselben erfaffen könnte: ,, Sieh, der Bräutigam fommt!- und die da bereit waren, gingen ein!" und wie bitter und zermalmend hingegen die Worte sind, die hierauf folgen: ,, Und die Thür ward geschlossen!"- Bedenke also, o Seele, wie unglücklich es ist, von dem Angesichte Christi verbannt, von der göttlichen Anschauung ausgeschlossen zu werden, im ewigen Tode zu leben, und in unauslöschlichem Feuer zu brennen! Erbarme dich deiner selbst, so lange die Zeit der Erbarmung währt, daß du dann glückselig mit Christo herrschen könnest! Aus der Tiefe rufe ich zu dir, o Herr! Herr, erhöre mein Gebet! Ach, wenn du auf die Missethaten siehest, wer wird dann vor dir bestehen!- Doch bei dir ist Barmherzigkeit und reichliche Erlösung!"( Psalm 129.) Neun und zwanzigster Tag. Vom Leiden Chrifti. 1. Erhebe oftmals die Augen deiner Seele zum Kreuze des Herrn, betrachte seine große Liebe und die Wunder, die an diefem Baume der Erlösung geschahen; damit du dein Herz anregest, ihm aus ganzer Kraft durch Liebe und treuen Dienſt zu vergelten. Aus Liebe zu uns nahm er unsre Menschheit an und brachte sich der göttlichen Gerechtigkeit zum Opfer; durch seinen Tod führte er uns aus den Finsternissen zum Licht, vom Tode zum Leben, von der Verderbnis zur Unsterblichkeit, aus der Verbannung zum Vaterlande, aus der Traurigkeit zur Freude, von der Erde zum Himmel. Er war der Priester und das Opfer, durch das wir versöhnt wurden; der Tempel, in welchem 182 Beherzigungen 11 wir versöhnt wurden, der Gott, mit welchem wir versöhnt wurden. Das Kreuz war der Schlüssel des Himmels und ist der Spiegel unserer Nachahmung. Als ein Leuchter steht es aufgestellt, die ganze Kirche und jede einzelne Seele zu erleuchten. Es ist die Lehrkanzel Christi, worauf er uns laut zuruft: Wer mir in den Himmel nachkommen will, der nehme hier sein Kreuz auf sich und folge mir durch heilige Geduld im Leiden nach." 2. In seinen Leiden nahm unser geliebter Heiland als ein wunderbarer Arzt selbst alle Arzneien, unsre Krankheiten dadurch zu heilen. Er heilte uns durch seinen Schweiß, als im Delgarten sein Schweiß wie Blut zur Erde rann; durch Aderläffe, als seine heiligen Hände und Füße mit Nägeln durchbohrt, und seine heilige Seite durch den Speer eröffnet wurde; durch bittern Trank, als er den Essig fostete, der mit Galle gemischt war; durch ein Pflaster, als sein göttliches Angesicht verspieen ward; durch strenge Diät, als ihn am Kreuze dürstete; durch stärkende Arznei, als er uns seinen Leib und sein Blut zur Speise vorsetzte.- Wer wird sich nun noch weigern, nach dem Beispiele unsres Herrn den Kelch des Leidens zu trinken, den er uns zu Liebe vortrank, als er, der Gerechte, von Ungerechten, mit Ungerechten, aus ungerechten Ursachen, durch ungerechte Richter, ungerechte Schmach und Bein erlitt? 3. Sieben Liebesspiegel glänzen vom Kreuze, die unser Herz mächtig zur Liebe auffordern. Die Neigung des Hauptes zum Kuße, als Zeichen unserer Versöhnung; die Ausspannung der Arme, uns zu umfangen, als Zeichen unserer Aufnahme in die Kindschaft Gottes; die Eröffnung der Seite, als Zeichen, daß unser Lösegeld bezahlt, und wir durch Blut und Wasser gereiniget wurden; die Durchbohrung der Hände und Füße, als Mahlzeichen, zur beständigen Erinnerung an uns; denn eher würde eine Mutter ihres Kindes, als unser gütiger Heiland unser vergessen, die er so theuer erkaufte;- die Entblößung des Leibes, zum Zeichen, daß er sich uns gänzlich gegeben, und zur Aufforderung, daß auch wir nicht nur das Unsrige, sondern uns selbst ihm geben sollen; die Tragung des Kreuzes, als Beispiel zu unserer Nachahmung;- die Dornenkrone, als Zeichen unserer fünftigen Verherrlichung. Dieß ist das Geheimniß des heiligen Kreuzes, dessen unterer Theil die Demuth, der obere die Liebe, die Rechte der Gehorsam, die Linke die Geduld bedeutet;- an welchem Kreuze auch wir nach dem Beispiele unseres für uns gekreuzigten Heilandes leben oder sterben sollen. 11 Dank und Preis dir, o Herr; du hast die Sache meiner Seele ausgeführt, du Erlöser meines Lebens!"( Thren. 3.) - - S 183 für jeden Tag des Monats. Dreißigster Tag. Von der Glorie des Himmels. 11 1. Das unendliche Gewicht der himmlischen Glorie läßt sich einiger Maßen daraus beurtheilen, daß Gott seinem geliebtesten Sohne sie theuer verkaufte. Um ihr Blut und Leben erkauften sie die heiligen Märtyrer; um Kämpfe, die schwerer als kurze Marter zu ertragen waren, die heiligen Bekenner und Jungfrauen. Nun ist es aber gewiß, daß der ewige Vater feinen eingebornen Sohn und seine geliebtesten Freunde in dem KaufWas Gott denen preis dieses ewigen Reiches nicht betrügt. verheißen hat, die ihn lieben," spricht der heilige Augustinus, wird vom Glauben nicht erfaßt, von der Hoffnung nicht er reicht, von der Liebe nicht begriffen: es übersteigt alle Wünsche und alles Verlangen; erworben kann es werden: beschrieben nimmermehr." Dort ist jenes Reich, dessen höchster Beherrscher der König der Glorie ist. Dort ist die Königin von zahllosen Schaaren schneeiger Jungfrauen umgeben; dort singen die heiligen Engel, in Chöre getheilt, mit unaussprechlichem Wehllaut das Leb der allerheiligsten Dreieinigkeit. Dort blühen in ewiger Jugend, berauscht von dem Streme der Wennen Gottes, der das ganze himmlische Jerusalem erfreut, unzählbare Kinder Gottes aus allen Völkern und Zungen, und jubeln vor dem Thron des Lammes in ewigen Lob- und Preisgesängen, und glühen von namenloser Liebe und Seligkeit. O lebendiges, süßes, liebliches, o ewig ersehnliches Leben, wo die höchste Sicherheit, die sicherste Ruhe, die ruhigste Freudigkeit, die freudigste Eeligkeit, die seligste Ewigkeit, die ewige Anschauung, unendlicher Reichthum, unermeßliche Wonne und der Strom alles Guten ist! 2. Dort ist ewige Eintracht, ewiger Friede. Denn Eins find dort alle glückseligen Himmelsbürger; vollkommen frei und allmächtig sind Alle dort in Gott, da sie nichts anders wollen, als den lieblichsten Willen ihres Schöpfers. Hochgeehrt und unendlich reich sind Alle, da Gott fie, seine treuen Knechte, über alle seine Güter bestellt hat. Was immer das höchste Verlangen begehren kann, ist bereits erfüllt; weil sie ewig in der Fülle fo uneimeßlicher Güter schweben, daß kein Wunsch dieselben erreichen, noch in Ewigkeit erschöpfen kann. Doch was vermag kas arme menschliche Herz, das nur Trübfal kennt, hienieden von dieser unbeschreiblichen Glorie zu erfaffen! Nur durch dürftige Vergleiche kann es zu einem dürftigen Begriff derselben sich erheben. Dort also erscheint als Thorheit die Weisheit Salomons, als Häßlichkeit die Schönheit Absalons, als Schwäche die Stärke Simsons, als kurzer Tod das lange Leben Mathusalems: auch - 184 Beherzigungen find über alle Beschreibung die Gaben der Glorie, die in den unsterblichen Leibern erglänzen, deren Glanz das Licht der Sonne verdunkelt, und die nach der Schnelligkeit des Willens sich überall befinden, wobin immer die Seele will. Und wer wird je die Seligkeit der Seelen ermessen, da Gott sich ihnen in seiner ganzen Herrlichkeit mittheilt und sie als ein unendlich reicher Gott belohnt! 3. Befäße aber ein Mensch, den du so sehr liebtest als dich felbst, diese nämliche Glorie, so würde dieselbe dich so sehr als deine eigene erfreuen; und hättest du derselben mehrere, so wäre deine Freude um so größer. Wie groß also wird in dieser zahllosen Gesellschaft der Engel und Heiligen die Freude jedes Einzelnen über die Glorie der Andern seyn, da die Liebe daſelbst vollkommen ist, und jeder den Andern so zart und innig als sich felbst liebt! Und da Alle Gott ohne allen Vergleich mehr als fich selbst lieben, erfreuen sich auch Alle zugleich unendlich mehr über die unermeßliche Herrlichkeit und Seligkeit Gottes, als über ihre eigene. Denn aus der ganzen Kraft ihres Wesens erglühen Alle, Gott zu lieben; und da ihre Liebe ihre höchste Seligkeit iſt, sind sie unendlich gesättigt und hungern zugleich unendlich, Gott immer feuriger zu lieben. Denn die Liebe entspringt aus der Erkenntniß des geliebten Gegenstandes; und schleierlos sehen alle die unendliche Gottheit, und werden durch diese Anschauung der ewigen Liebe und Freude gleichsam selbst in ewige Liebe und Freude aufgelöst.- Dorthin also erhebe dein Verlangen, meine Seele; dorthin strebe durch heilige Seufzer und Werke der Frömmigkeit; auf daß du gewürdigest werdest, nach deinem Tode in die ewige Freude deines Herrn einzugehen. Amen. 11 Wie hochgeliebt sind deine Hütten, o Gott der Heerschaaren! Meine Seele hat Verlangen und sehnt sich nach den Vorhöfen des Herrn; mein Herz und mein Fleisch frohlockt in dem lebendigen Gott!"( Psalm 83.) Ein und dreißigster Tag. Von der Beharrlichkeit. 1. Die Beharrlichkeit ist eine Tugend, die nichts unvollendet läßt; sondern ihre ganze Kraft aufbietet, was sie begonnen hat, standhaft auszuführen. Durch Beharrlichkeit bringt die Natur aus einem sehr geringen Kern allmählig einen Baum von wunderbarer Höhe hervor; und was im Reiche der Natur, das geschieht ebenso im Reich der Gnabe. So verdiente Maria Magdalena durch ihre Beharrlichkeit den auferstandenen Jesus zu schauen; und nach beharrlichem Gebet empfangen die Apostel den heiligen Geist. Auch zeigt uns unser Heiland die Kraft der Beharrlichkeit in der Parabel von jenem Freunde, der bei für jeden Tag des Monats. 185 Denn Nacht kam und seinen Freund um drei Broke bat. spricht er, wenn dieser beharrlich ist anzuklopfen, so wird Jener, ob er ihm auch nicht darum gibt, weil er sein Freund ist, dennoch wegen seiner Lästigkeit aufstehen und ihm so viele Brode geben, als er bedarf." Durch welche Parabel unser göttlicher Heiland uns zugleich auch deutlich anzeigt, wie viel das anhaltende Gebet vermag. 11 2. Ob auch eine Seele große Fortschritte in allen Tugenden gethan habe, so erscheint sie dennoch erst glorreich vor Gott, wenn sie beharrlich vollendet hat. Denn kein Lob verdient ein Sterblicher in seinem Leben, wenn er dasselbe nicht durch einen gottseligen Tod beschließt. Daher spricht der heilige Bernardus: " Nimm die Beharrlichkeit hinweg, und kein Dienst, keine Gnade, kein Bußwerk fruchtet. Denn was würde ein Mensch durch alle seine, wenn auch noch so heroischen Tugenden gewinnen, wenn es ihm an Beharrlichkeit fehlte?"- Alle Tugenden laufen; aber nur die Beharrlichkeit empfängt den Preis; denn nicht wer da anfängt, sondern wer ausharren wird bis an das Ende, der wird selig werden.( Matth. 24.) Welcher Nußen wäre auch von der Saat zu hoffen, wenn sie noch so lieblich blühete, und dann welkte und faulte? Nicht also der Anbeginn, nicht die Mitte, sondern die Vollendung krönt das Werk des Heiles. 3. Hast du also, christliche Seele, den Weg des Heiles betreten, und bereits einige gute Werke und Tugenden gesammelt, so harre aus, und kämpfe den Kampf Christi männlich, daß er, wenn dein letzter Tag erscheint, dir die Krone der Glorie zum Lohne ertheile. Sieh, Jesus, dein geliebter Heiland, spricht jene Worte zu dir:" Sei getreu bis zum Tode; und ich werde dir die Krone des Lebens geben!"( Apok. 2.) Diese Krone aber ist das ewige Leben selbst, von welchem geschrieben steht: Kein Auge hat gesehen, kein Ohr hat gehört, und in keines Menschen Herz ist gestiegen, was Gott denjenigen bereitet hat, die ihn lieben!"( 1. Cor. 2.) Sei also beharrlich und liebe viel, daß deine Freude überschwänglich sei. Dieß betrachte dein Geist; davon spreche deine Zunge; hiernach dürfte deine Seele, bis du eingehest in die Freude deines Herrn, und eingeführt wirst. in das Gemach deines göttlichen Bräutigams, der mit dem Vater und dem heiligen Geiste lebt und regiert, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 11 Um Eins flehte ich zum Herrn; dieß will ich suchen, daß ich im Hause des Herrn wohne alle Tage meines Lebens; auf daß ich die Wonnen des Herrn schaue!"( Psalm 26.) 186 Abendandacht. 11 Wie wir den Tag mit Gott beginnen sollen, also fordert auch die wahre Gottesfurcht, daß wir ihn mit Gott beschließen, der uns jede Minute des Tages als ein unverdientes Geschenk verliehen hat. Auch gilt, wie der heilige Hieronymus spricht, bei den Christen nicht sowohl der Anfang als das Ende. Nach der Danksagung für alle göttlichen Wohlthaten besteht ein wesentlicher Theil der Abendandacht in der Erforschung des Gewissens, das nicht nur die heiligen Väter und Lehrer der Kirche, sondern sogar die heidnischen Weltweisen empfahlen. Denn Pythagoras spricht unter andern: Du sollst deinen Augen feinen Schlaf gönnen, bis du nicht dein Tagwerk in dreifacher Hinsicht durchforscht hast. Worin habe ich gefehlt? Was habe ich gethan? Und was war in meinen Handlungen Unanständiges und Unvollkommenes? Beginne beim Ersten; bereue, was du Böses gethan; und erfreue dich des Guten!" Thaten dies die Heiden: wie weit mehr fordert die christliche Vollkommenheit uns dazu auf! Diese Selbstprüfung, wenn anders sie ernstlich geübt wird, und mit heiliger Liebesreue über unsere Fehler und dem Vorsatz wahrer Besserung vereint ist, bringt viele gute Gaben mit sich; denn sie reinigt das Gemüth allmählig von seinen Fehlern: macht das Herz für Gottesgaben und wahre Tugenden empfänglicher, und bereitet sowohl zum Empfang der heiligen Sakramente, als auch zu einem feligen Tode. Üeberdieß spricht auch der Herr: Wer sich selbst richtet, der wird nicht gerichtet werden." I. Abendgebet. Im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des heil. Geiftes. Amen. Anbetung. Großer und gewaltiger Gott, ich falle dir zu Füßen und bete dich mit schuldiger Ehrerbietung an. Ich glaube an dich, als an die ewige Wahrheit; ich hoffe auf dich, als auf die ewige Güte; ich liebe dich von ganzem Herzen, weil du aller Liebe unendlich würdig bist. Deinetwegen liebe ich auch meinen Nächsten wie mich selbst. Danksagung. Wie werde ich dir, o gütigster Gott, genug sam danken für alles Gute, das ich von dir empfangen habe? Du hast von Ewigkeit ber an mich gedacht, hast mich aus Abendandacht. 187 Nichts erschaffen, durch den Tod deines eigenen Sohnes erkauft, und überhäufest mich noch täglich mit unzählbaren Gnaden. Ach, Herr! wie soll ich mich für so viele Gutthaten dankbar erzeugen? Dihr himmlischen Geister, helfet mir den Gott der Barmherzigkeit loben, welcher mir, seinem unwürdigsten Geschöpfe, noch so viele Gutthaten ohne Unterlaß ertheilet. Anrufung des heil. Geistes. Heiliger Geist, du ewiger Ursprung alles Lichtes, vertreibe die Finsterniß meines Verstandes, damit ich die Bosheit und Abscheulichkeit meiner Sünden recht erkenne, sie von Herzen bereue, über Alles haffe, und mehr als alles Uebel, ja mehr als den Tod selbst fürchte. Gewissenserforschung. Wider Gott: Unterlassung oder Nachlässigkeit und Lauigkeit in den Andachtsübungen, Unehrerbietigkeit in der Kirche, freiwillige Zerstreuung im Gebete, Mangel an Glauben oder an Andacht, Widerstreben gegen die göttliche Gnade, oder Nichtachtung ihrer Einsprechungen; Schwören und Fluchen, Murren gegen die göttlichen Anordnungen, Mangel an Vertrauen und Ergebung in den Willen Gottes 2c. Wider den nächsten: Böser Argwohn, freventliches Urtheil, Verachtung, Haß, Eifersucht, Rachsucht, Zänkerei, auffarhendes Benehmen, Verwünschungen, Schmähung, Ehrabschneidung, Verläumdung, Spott, üble Nachreden, Schaden an Vermögen oder am guten Rufe, Uebervortheilung, böses Beispiel, Aergerniß durch Reden, unehrbare Scherze oder Handlungen, Mangel an schuldiger Ehrfürcht, an Gehorsam, an Liebe, an Eifer für das Wohl des Nächsten 2c. Wider sich selbst: Eitelkeit, Selbstlob, Selbstsucht, Menschenfurcht, Lüge, Gedanken, Begierden, Reden oder Handlungen gegen die Reinigkeit, Unmäßigkeit, Zorn, Ungeduld, Müßiggang, Trägheit, Mißbrauch der Zeit; 2c. Man erforsche sich besonders, wie man seine herrschende Leidenschaft bekämpfet, die entgegengeseßte Tugend geübt, und seine Standespflichten erfüllt habe. Reue und Leid. D! was Schande und Schmerzen überfallen mich in Ansehung meiner so vielen Sünden. Ach! Herr, ich bekenne und bereue ste vor deinem göttlichen Angesichte, und es ist mir herzlich leid, daß ich dich, o gütigster und barmherz Abendandacht. iger Herr, jemals erzürnt habe. Du hast mich geliebt, o lieb reicher Heiland, und hast aus Liebe für mich dein heiliges Blut vergossen; und ich bezahle es mit lauter Sünde und Undank! deine Güte und meine Bosheit sind beide unergründlich; doch bitte ich dich, verzeihe mir. Siehe nicht auf meine Bosheit, sondern auf deine unerschöpfliche Güte, die meiner schon so manchmal verschonet hat, und verleihe mir die Gnade, alle meine Sünden, von nun an bis in. meinen Tod, recht zu bereuen und abzubüßen. Vorsak und Entschluß. Ach! hätte ich dich, o liebreichster Vater, niemals beleidiget! Weil ich nun aber so unglücklich gewesen, und dich, o großer Gott, wieder erzürnt habe, so will ich dir hinfort defto getreuer dienen, und durch ein ganz anderes Leben zeigen, wie ernstlich ich meine begangenen Sünden bereute. Von nun an widersage ich aller Sünde, und aller Gelegenheit zur Sünde. Mit Hilfe deiner göttlichen Gnade, die ich in Demuth begehre, und mit Vertrauen von dir erwarte, will ich mich befleißen, dir in Allem zu gefallen, und dich, o höchstes Gut, mit feiner Sünde mehr zu beleidigen. Vater unser. Gegrüßt seist du Maria. Ich glaube an Gott 2c. - Aufopferung der Ruhe und Empfehlung in den Schuß Mariä. Nun will ich mich zur Ruhe begeben, die erschöpften Leibeskräfte zu erseßen, um dir, o Gott! desto besser dienen zu können; gib mir hierzu deinen göttlichen Segen. Seligste Jungfrau, die du nach deinem Sohne meine größte Hoffnung bist; heiliger Schußengel, heilige Patronen und alle lieben Heiligen, bittet für mich; schüßet mich diese Nacht, die ganze Zeit meines Lebens, und in der Stunde meines Absterbens. Amen. Gebet für die Lebenden und Verstorbenen. Gib, o Herr, deinen göttlichen Segen allen meinen Verwandten und Bekannten, Gutthätern, Freunden und Feinden Schüße meine geistlichen und weltlichen Vorgesetzten, stehe bei den Armen, Gefangenen, Betrübten, Reisenden, Kranken und Abendandacht. 189 Sterbenden; bekehre die Sünder und Jrrgläubigen, erleuchte die Heiden und Ungläubigen. O Gott der Barmherzigkeit, sei auch den im Fegfeuer leidenden Seelen gnädig; endige ihre Schmerzen, und führe die, für welche ich zu beten schuldig bin, bald in die ewige Ruhe und in die himmlischen Freuden. Amen. Litanei von der seligsten Jungfrau Maria. Einen Ablaß von 300 Tagen verlieh Allen, welche diese Litanei andächtig abbeten, Papst Pius VII., am 30. Sept. 1817. Herr, erbarme dich unser. Christe, erbarme dich unser. Herr, erbarme dich unser. Christe, höre uns. Christe, erhöre uns. Gott, BVater von dem Himmel) Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott, heiliger Geist, Heilige Dreifaltigkeit ein einiger Gott, Heilige Maria,**) Heilige Gottesgebärerin, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Mutter Christi, Mutter der göttlichen Gnade, Du reinste Mutter, Du keuschefte Mutter, Du ungeschwächte Mutter, Du unbefleckte Mutter, Du liebliche Mutter, Du wunderbarliche Mutter, Du Mutter des Schöpfers, Du Mutter des Erlösers, Du weiseste Jungfrau, Du ehrwürdige Jungfrau, Du lobwürdige Jungfrau, Du mächtige Jungfrau, Du gütige Jungfrau, Du getreue Jungfrau, Du Spiegel der Gerechtigkeit, Du Sitz der Weisheit, Du Ursache unserer Freude, Du geistliches Gefäß, Du ehrwürdiges Gefäß, Du vortreffliches Gefäß der Andacht Du geistliche Rose, Du Thurm Davids, Du elfenbeinener Thurm, Du goldenes Haus, Du Arche des Bundes, Du Pforte des Himmels, Du Morgenstern, Du Heil der Kranken, Du Zuflucht der Sünder, Du Trösterin der Betrübten, Du Helferin der Christen, Du Königin der Engel, Du Königin der Patriarchen, Du Königin der Propheten, Du' Königin der Apostel, Du Königin der Märtyrer, Du Königin der Beichtiger, Du Königin der Jungfrauen, Du Königin aller Heiligen, Du Königin, ohne Makel der Erbfünde empfangen, O du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünder der Welt, verschone uns, o Herr. *) Erbarme dich unser.**) Bitt für uns. Abenda ndacht. O du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr. 190 O du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser, o Herr. Christe höre uns, Christe erhöre uns; Herr erbarme dich unser; Christe erbarme dich unser; Herr erbarme dich unser. Vater unser. Gegrüßt 2c. - Gebet. Barmherziger Gott, verleihe Hilfe unserer Schwachheit, damit wir, durch Anrufung der heiligen Gottesgebärerin, auf ihre Fürbitte von unseren Sünden aufstehen mögen; durch Christum unsern Herrn. V. Bitt für uns, o du seliger Joseph; R. Daß wir würdig werden der Verheißungen Chrifti. Wir bitten dich, o Herr, daß uns durch die Verdienste des Bräutigams deiner heiligen Gebärerin geholfen werde, damit uns durch seine Fürbitte gegeben werde, was unser Vermögen nicht erlangen kann; der du lebest und herrschest in alle Ewigfeit. Amen. Nach verrichtetem Nachtgebete begebe man sich sittsam und still zur Ruhe. Im Schlafgemache kann man folgendes Gebet zu Gott richten. Besuche, wir bitten dich, o Herr, diese Wohnung, und vertreibe daraus alle Nachstellungen des Feindes; deine Engel mögen darin wohnen, um uns im Frieden zu erhalten, und dein Segen ruhe stets auf uns; durch unsern Herrn Jesum Christum. Amen. Im Bette bezeichne man sich mit dem heiligen Kreuze und spreche: Rette uns, Herr, wenn wir wachen; behüte uns, wenn wir schlafen, damit wir mit Christo wachen und in Frieden ruhen mögen. Entferne von uns die bösen Träume, die Schreckgestalten der Nacht; halte unsern Feind im Zaume, damit er nichts gegen uns vermöge, was unsern Körper verunreinigen könne; durch Jesum Christum, unsern Herrn. Abendandacht. 191 Ein anderes Abendgebet. Barmherziger Gott! wie viel Ursache habe ich, bei dem Schluße dieses Tages mit inbrünstigem Gebete wieder zu dir zurück zu kehren, an dem ich wieder, ungeachtet meiner Unwürdigkeit, so viele Gnaden und Wohlthaten empfangen habe. Ich danke dir für Alles durch Jesum Christum, dessen Verdienste ich dir aufopfere, und vereinige meine Danksagung mit der zärtlichen Liebe der übergebenedeiten Mutter und Jungfrau Maria und aller Heiligen. Ertheile mir, liebreichster Vater! dein Licht, um meine Nachläßigkeit und Untreue im Gebrauche deiner Gnaden zu erkennen. Zeige mir die Zahl meiner Vergehungen, und laß meine Sünden und Laster vor meinen Augen stehen, denn ich will mit dem königlichen Propheten mit meinem Herzen zu Rathe gehen, und meinen Geist reinigen. Unter deinen Augen will ich mich selbst prüfen, damit ich nicht einstens von dir gerichtet werde. Komm, o göttlicher Geift! und erleuchte die Finsternisfe meines Gemüthes, daß ich die Sünden und Nachläßigkeiten, die ich heute begangen habe, erkennen, bereuen, verabscheuen und vergessen möge. Hier soll( wie Seite 187) eine kurze Gewissenserforschung angestellt werden. Freilich habe ich mir beim Anfange des Tages vorgenommnen, mit deinen Gnaden, o mein Gott! mitzuwirken, und von den Gutthaten einen nüßlichen Gebrauch zu machen. Ach, mich elenden, schwachen Menschen! faum machte ich den Vors saß, als ich denselben schon wieder gebrochen habe. Anstatt bir zu dienen und durch meine Handlungen deine Ehre zu befördern, habe ich wieder so vielmal gesündiget und Böses vor deinem Angesichte gethan. Von Scham und Reue ganz durchdrungen, erkenne ich, o bester Vater! daß ich deinen Zorn auf's Neue gereißt, und deine Strafgerichte verdient habe. Wehe mir! wenn du nach deiner Gerechtigkeit mir vergelten solltest. Aber ich fliehe zu deiner unbegränzten Erbarmung, zu deiner väters 192 Abendandacht. lichen Langmuth, und bitte mit reuevollem und gedemüthigtem Herzen um Verzeihung meiner heutigen Vergehungen und Fehltritte. Verzeihe, verschone noch meiner, und gib mir Zeit und Gnade, mich endlich von der Sünde loszureißen, und dir allein zu dienen. Um diese größte aller deiner Wohlthaten bitte ich dich durch deinen eingebornen Sohn, unsern Mittler bei dir, durch Jesum Christum. Amen. Siehe, o mein Jesu! auf dich seße ich alle meine Hoffnung, und bitte dich demüthigst, du wollest alle meine Sünden und Laster in deinem allerheiligsten für mich vergossenen Blute abwaschen, und durch deine unendlichen Verdienste das erseßen, was meiner Genugthuung abgeht. Nimm meinen Leib und meine Seele unter deinen mächtigen Schuß, und verleihe mir die Gnade, daß ich dir lebe, und in dir die ewige Ruhe und Seligkeit finde. O heilige Jungfrau Maria! du Mutter meines Gottes, und nach ihm meine einzige Zuflucht und Hoffnung, bitte diese Nacht für mich, für alle meine Wohlthäter, Freunde und Feinde, für die Seelen der Gläubigen im Fegfeuer, besonders für dieſe N. N. und für Alle, für welche ich zu beten verpflichtet bin. Segne uns, o Mutter der schönen Liebe! o Mutter der Barmherzigkeit mit deinem göttlichen Kinde. Amen. O heiliger Schußengel! der du mich diesen Tag getreu begleitet, und vor tausend Gefahren behütet hast, ich danke dir für deine unaussprechliche Liebe, und bitte dich, erhalte mich auch diese Nacht durch deinen Schuß, bewahre mich vor allen Nachstellungen der Hölle, vor allen Gefahren, besonders vor jeder Sünde, damit ich am Morgen mit reinem Herzen zu meinem Gott erwache. Amen. O heiliger Namenspatron! alle meine heilige Patronen und Auserwählte Gottes! lobet und ehret statt meiner diese Nacht den gütigsten Gott, und erbittet mir die Gnade, daß, da mein Leib ruhet, meine Seele in euerer heiligen Gesellschaft wache Amen. 193 Abendandacht. Gelobt und gebenebeit sei die allerheiligste Dreifaltigkeit, Gott Vater, Sohn und heiliger Geist, von nun an bis in Ewigkeit. Der Friede und die Freude des Herrn bleibe mit uns alle. zeit. Amen. Abendandacht vor einem Marienbilde. Wieder einen Tag näher bei der Ewigkeit. O Mutter unsers Herrn, der in seinen Händen die Schlüßel des Lebens und des Todes trägt! erhalte mir nur dieses, daß ich meinen Lauf glücklich vollende, fromm lebe, und endlich am Abende meines Lebens in deinem lieben Mutterschooße ruhig dahinsterbe! Durch dein mütteiliches Herz danke ich jetzt meinem lieben Gott unendlich, daß er mich bis auf diesen Abend so väterlich bewahrt, und so oft in Gnaden angesehen hat. Wie undankbar habe ich das Gute mit Bösem vergelten! Ich füße die heiligsten Wunden deines gekreuzigten Sohnes, und bitte um Erfenntniß meiner Sünden. Erleuchte mich, o Mutter des ewigen Lichtes! Zeige mir meine Fehltritte! * Erforsche dein Gewissen( f. S. 187.) und dann fahre mit folgenden Anmuthungen fort. O Frau! Ich habe mich wider den Himmel und wider deinen Sohn verfündigt. Ich bin nicht mehr würdig dein Sohn zu heißen. Aller Schmerz fallet über mich; denn ich habe übel gethan. Ich erkenne meine Misferhat, und mein Herz seufzet in der Zeiknirschung. Ach! ich bitte dich um Verzeihung aller meis ner Sünden, die ich nach allem Vermögen meiner Seele mit eben jener Anmuthung bereue, verfluche und widerrufe, mit der du, o Maria! und dein Sohn Jesus alle und jede Beleidigung Gettes verabscheut und verdammt habet. Könnte, o könnte ich doch mit den bittersten Thränen Alles abwaschen, und mit cinem unendlichen Verdienste ersetzen, was ich wider deinen und meinen Gett jemals und einmal begangen habe! Ich verlange mit einem Schmerze, der aus einer unendlichen Liebe entsp ingt, die mindeste Sünde abzubüßen. So oft ich diese Nacht oder die Zeit meines Lebens Athem hele, so oft will ich der göttlis 13 194 Abendandacht. chen Gerechtigkeit durch deine Hände, o Mutter der Barmherzigkeit! zur Genugthuung für meine Sünden das Blut Jesu Christi, deines liebsten Sohnes, aufgeopfert haben. Zuflucht der Sünder! bitt für mich; und gleichwie du an mir heute deine mütterlichen Erbarmungen leuchten ließest, so würdige dich, auch diese Nacht deinen Schuß nicht von mir abzuwenden! Vertreibe die Nachstellungen des höllischen Feindes, und erhalte in mir einen ruhigen Schlaf, wo nichts Unreines mir vorgestellt wird! Opfere deinem Jesu jeden Athemzug in dieser Meinung auf, daß selber nichts anders sagen wolle, als dieses: D Jesu! an dich glaube ich; o Jesu! auf dich hoffe ich; o Jesu! dich liebe ich vom Grunde meines Herzens. O, hätte ich dich allezeit geliebt, und niemals beleidigt! Verzeih mir, o Gottmensch! verzeih mir, und laß meinen Schlaf mit dem deinigen vereinigt seyn; laß mich im Frieden schlafen, und erbarme dich meiner! Mein heiliger Schußengel und alle lieben heiligen Patronen, traget Sorge über mich! Ich grüße und bitte Euch deßwegen durch die heiligsten Herzen Jesu und Maria Wenn man Weihwasser nimmt. Im Namen des Vaters unt des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Herr! lasse mit die Wirkung des Gebetes angedeihen, welches der Priester dei ner heiligen Kirche bei der Weihe dieses Wassers zu dir verrichtet hat. Wasche mich immer mehr und mehr von meiner Missethat und reinige mich von meiner Sünde. Während dem Auskleiden. Verleihe mir, o Gott! die Gnade, daß ich, wie dein Apostel Paulus lehret( Epheser 4), nicht mehr wandle wie vorhin, sondern den alten Meuschen ablege, die Sünde in mir zerstöre und alle verführerischen Lüste fliehe; heilige, o Herr! meine Seele und meinen Leib zu einer dir wohlgefälligen Wohnung; hilf mir den neuen Menschen anziehen, der nach dir, o Gott! geschaffen ist in wahrhafter Gerechtigkeit und Heiligkeit. Herr! möge ich alles von mir wegthun, was mir nicht in den Himmel folgen und zum Schmucke vor deinen Augen dienen kann. Amen. Gedanken beim Schlafengehen. Herr! bleib bei mir, denn es wird Abend, der Tag meines Lebens neigt sich seinem Ende Abendandacht. 195 immer mehr.-- Wie ich jetzt meine Kleider ablege, so laß mich auch den alten Menschen ablegen.- Der Schlaf ist ein Bild des Todes. Jesus! ich vereinige meinen Schlaf mit demjenigen, den du als Mensch für mich genießen wolltest. Gott schläft und schlummert nicht, er behütet die Seinigen. Es kommt die Nacht, in der Niemand mehr wirken fann. Herr! laß mich einst nicht in die äußerste Finsterniß kommen. Wie ich mich jetzt in das Bett lege und bedecke, so wird man nach dem Tode meinen Leib in das Grabtuch hüllen und in das Grab legen. Er wird dann in den Staub zurückkehren, aus dem er gebildet ist; mein Geist hingegen wird zu seinem Schöpfer zurückkehren. Ich hoffe aber auch, o Jesus! gleich dir, Möchte mit meinem Leibe, aus dem Grabe aufzustehen mein Herz wachen, während mein Leib ruhet! Ich will nun, Vielleicht unter deinem Schuße, o Gott! im Frieden enden.- erwache ich in diesem Leben nicht mehr, vielleicht ruft mich der Herr noch diese Nacht zu sich. O Herr! ich bin lebendig und todt ganz dein. Vater! in deine Hände empfehle ich meinen Geist. - - - - 13* 1 - - Beim Erwachen in der Nacht. Gott! du bist bei mir; ich schlafe oder wache, kein Dunkel verbirgt mich vor deinen Augen; du gedenkest meiner, wann ich im tiefsten Schlafe mir meiner ſelbst nicht mehr bewußt bin; du vergisfest mich nie; du bist immer und überall bei mir; dieß erkenne ich, o Herr! darum erhebe ich mein Herz und meine Hände zu dir, dem Schöpfer des Lichtes, der du im Dunkeln siehst und Herz und Nieren durchforschest. Möge nie die Nacht der Sünde mich deines heiligen Lichtes berauben! Bewahre mich vor den ewigen Finsternissen der Hölle! Laß mich einst dein göttliches Licht schauen und dich. lieben uud loben ewiglich! Amen. W S AULA Wie ich mich selbst mit ausgespannten Armen und bloßem Leibe am Kreuze für deine Sünden meinem himmlischen Vater wils liglich aufgeopfert habe, so daß nichts an mir geblieben, das nicht ganz in das Opfer göttlicher Versöhnung eingegangen wäre: also follst auch du dich selbst täglich in der heiligen Messe mir freiwillig mit allen deinen Kräften und Begierden von Grund des Herzens zum lautern und heiligen Opfer darbringen. Nachfolge Christi 4 B. 8 C 197 II. Abschnitt. Andachtsübungen bei der Feier des heiligsten Meßopfers. Von der einzig wahren Weise, der heiligen Messe beizuwohnen. Diese Frage, wie soll ich der heil. Meffe beiwohnen, ist eine wichtige Frage, an de en rechter Beantwortung und viel gelegen ist, besonders da sehr viele Christen täglich der heil. Messe, ohne alle Besserung des Herzens, beiwohnen. So wichtig aber der wahre Unterricht in dieser Sache ist; eben so faßlich und auch für's Volk gar leicht begreiflich muß er seyn. Ich behaupte: es werden nur zwei Stücke erfordert, der heil. Messe auf die nüßlichste Weise beizuwohnen. H Erstens: soll sich jeder, der der heil. Messe beiwohnt, in die nämliche Gemüthsverfassung versetzen, als wenn er am Leidenshügel außer Jerusalem zugegen wäre, und den sterbenden Heiland Jesus Ch ijus am Kreuze das Opfer der Welterlösung für uns und alle Menschen, im Angesichte des himmlischen Vaters, wirklich vollenden sähe. Es soll Jedem, der die Messe anhört, so zu Gemüthe seyn, als wenn das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnahm, wirklich vor seinen Augen geschlachtet würde. Es soll ihm zu Gemüthe seyn, als höre er aus dem Munde des geduldigen, sanftmüthigen, liebevollen und bis in den Tod an dem Kreuze gehorsamen Jesus die Worte: Vater, verzeih ihnen; sie wissen nicht, was sie thun! Gott, Gott, warum hast Du mich verlassen? Es ist vollbracht! In Deine Hände, Vater, empfehle Ich meinen Geist!" Es soll ihm zu Gemüthe seyn, als wenn Jesus wirklich Alles, was Er einst von Priestern, Schriftgelehrten, Heiden, Soldaten, Richtern gelitten hat, vor seinem Auge litte, und er bei jedem neuen Leiden das Mark und Bein durchschneidende Liebeswort aus dem Munde des Leidenden vernähme: So viel hat's Mich gekostet, bis ich das Sündergefchlecht zu Kindern Gottes gemacht! So viel hat's Mich gekostet, bis Ich euch Gnade, Leben, Unsterblichkeit, Seligkeit erworben! So viel habt ihr Mich gekostet! So theuer seid ihr erkaufet!" So soll uns also bei der heil. Messe zu Gemüthe seyn, als wenn Jesus Christus sich wirklich 198 Von der einzig wahren Weise seinem himmlischen Vater, zum Heile der ganzen Welt, am Kreuz aufopferte. Das Andenken an das vollendete Erlösungswerk ist das Erste, was zur nüßlichen Anhörung der Messe erfordert wird. Dieses Andenken an das Opfer Jesu Christi am Kreuz wird uns desto leichter und geläufiger seyn, je lebhafter unser Glaube an Jesum Christum ist. Das sei also unser erstes Hauptge schäft, uns in dem Glauben an Jesum Christum zu stärken. Wenn wir mit ganzer Seele und aus voller Ueberzeugung glauben: ,, Jesus Christus habe sich für uns Alle in den Tod dahin gegeben, Jesus Christus sei unser Erlöser, unser Mittler, unser einziger höchster Priester!" so wird es uns nicht schwer seyn, recht oft an den Tod Jesu, an das Opfer Jesu zu denken. Und wenn wir mit ganzer Seele, aus voller Ueberzeugung glauben, " Jesus Christus habe durch die Worte: das thut zu meinem Andenken, ein ewiges Denkmal seines Todes, seines Opfers, feiner Liebe gestiftet;" so wird es uns sehr leicht seyn, mit folcher Gemüthsverfassung in die Kirche zu gehen, mit solcher Gemüthsverfassung der heil. Messe beizuwohnen, als wenn Jesus Christus wirklich sein Opfer zur Erlösung des Menschengeschlechts, im Angesichte des himmlischen Vaters und wie vor unsern Augen, am Kreuzespfahl vollendete." Der lebendige Glaube an Jesum Christum ist also die erste Haupteigenschaft des nüßlichen Meßhörens. Zweitens: foll Jeder, der der heil. Messe beiwohnt, sich ganz, feinen Leib und seine Seele, Alles, was er ist und hat und kann, alle seine Gedanken und Wünsche dem himmlischen Vater aufopfern, wie sich Jesus Christus am Kreuze für uns aufgeopfert hat. Diese Selbstaufopferung, diese vollkommene Ergebung seiner selbst in den Willen des besten, weisesten, mächtigsten Wesens ist die Hauptsache des Meßhörens. Ohne diese Selbstaufopferung kann uns nicht einmal das Opfer Jesu Christi am Kreuz heilsam seyn. Jesus Christus ist darum für Alle gestorben, damit Alle, die da leben, nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferweckt worden ist.( 2. Kor. 5, 15.) Nicht mehr uns selbst, unsern Leidenschaften; nicht mehr der Sünde, sondern Christo, unserm Herrn, unserm Gott, müssen wir leben. Der Vorsaß, nicht mehr der Sünde, sondern unserm Erlöser, nicht mehr uns, sondern unserm Herrn zu leben, dieser ernste, kraftvolle Vorsaß ist eben die höchst nothwendige Aufopferung unser selbst. ,, Vater, dein Wille sei auch mein Wille! Herr, dein Gesetz fei meine Lust! Ich will gesinnt seyn, wie Jesus Christus gesinnt war. Er suchte nicht seine Ehre, sondern deine Ehre; ich will auch nicht meine Ehre suchen, sondern deine Ehre. Er 199 der heil. Meffe beizuwohnen. war dir gehorsam bis in den Tod; ich will dir auch gehorsam Er opferte sein Leben, deinen sevn im Leben und im Sterben. Willen zu vollbringen; dein Wille soll auch mir das Liebste seyn. Er war geduldig, sanftmüthig, liebevoll in seinem Leiden; auch ich will Gutes und Böses von deiner Hand annehmen. Sein Reden und Schweigen, sein Denken und Wünschen war ganz nach deinem Willen; auch meine Zunge, auch mein Geist, auch mein Herz sei ganz dein. Er suchte nur dir zu gefallen, und dein Wille gefiel ihm über Alles; ich will auch nur dein Wohlgefallen suchen; auch mir soll dein Wille allezeit das Wohlgefälligste seyn." Wenn nun jeder Meßhörende die Selbstaufopferung nach seinen Umständen einrichtete, und den Entschluß faßte, sich von seiner Lieblingssünde zu enthalten; wenn Jeder sich bereit und gefaßt machte, alles Gute zu thun, was sich in seinen Umständen thun läßt, und alles Böse heldenmüthig auszustehen, was über ihn in seinen Umständen fommen fann; o, so würden wir allemal frömmer, heiliger, ruhiger und weiser aus der Messe nach Hause gehen! Diese Selbstaufopferung ist nur in derjenigen Seele möglich, in der das Verlangen nach wahrer Heiligkeit und Seligkeit, die Hoffnung auf Jesum Christum, und die Liebe Gottes herrschend geworden. Wer die Heiligkeit des Lebens, dazu wir berufen sind, und die künftige Seligkeit, die uns Jesus Christus durch sein Sterben erworben hat, nicht mehr schätzt, als Ehre, Wollust und Reichthum und Alles, was irdisch ist; wer auf Jefum Chriftum nicht sein ganzes Vertrauen setzt, wem Gott, der Wille Gottes, die Verheißungen Gottes, das Anschauen Gottes, die Vaterliebe Gottes nicht lieber und theurer sind, als alle Vergnügen der Sinne und Sünde; der kann unmöglich sich ganz verlängnen, oder was Eines ist, sich ganz als ein freiwil liges Opfer dem Allerhöchsten nach seinem heiligen Willen hingeben. Wie ohne diese Selbstaufopferung keine wahre Tugend möglich ist; so ist eben diese Aufopferung ohne herrschende und allgemeingebietende Liebe Gottes und Christi unmöglich. Wenn uns Christus nicht mehr, als sein Leben geliebt hätte, so hätte er sein Leben für uns nicht opfern können. Also auch, wenn wir Christum nicht mehr, als alles Vergängliche lieben, so können wir nicht alles Vergängliche fahren lassen, um Christo allein anzuhangen. Wer Gott und Christum über Alles liebt, der hat. sich Gott und Christo ganz geopfert. Und wer sich Gott und Christo ganz opfern kann, der liebt Gott und Christum über Alles. Also, der lebendige Glaube an Jesum Christum, und die herrschende Liebe Gottes, das lebhafte Andenken an das Opfer Erste Meßandacht. Jefu am Kreuz, und das ernsili be Bestreben, sich ganz nach dem Wilen Gottes zu opfern, wie sich Christus geopfert hat; alss Glaube und Liebe, Andenken an des Opfer Christi, und Selbstauf pferung, dieß ist die wahe und einzige wahre Weise, der heil. Messe nützlich beizunehmen. Wer so der heiligen Mese beiwohnt, wird ganz gewiß den allergrößten Antheil an dem Leiden und Sterben Jesu Christi nehmen; und wer der Messe nicht so beiwohnt, dem wird das M. Bhören so wenig nüßen, als die wahre Andacht ohne Bessers ung des Herzens bestehen kann. Erste Meßandacht, mit Betrachtung des Leitens Jesu Chrifti. ,, Dieß thut zu meinem Andenken," sprach Jesus. Das Andenken also an sein heiliges Leiden und Sterben sei unser Hauptgedanke bei dem beiligen Meßopfer. Im Hingehen zur Kirche. Jesus geht in den Garten auf dem Delberge, um die Sünde der ersten Menschen, die in einem Garten begangen ward, zu heilen. Wie liebevoll zeigt fich dabei der göttliche Erlöser! wie gnädig ist er dem Sünder! Verdient er dadurch nicht Gegenliebe und Vertrauen? - Wie lieblich ist deine Wohnung, Herr der Heerschaaren! Ich sehne mich, ja meine Seele schmachtet nach deinen VorHöfen. Leib und Seele jauchzen dem lebendigen Gott. Glückselig sind die Bewohner deines Hauses, die dich beständig loben! Glückselig ist der Mensch, dessen Stärke du bist, der beständig an die Wege zu deinem Hause denkt! Er verlangt immer neue Kraft zur Tugend, bis er bich, o Gott! in deinem hei ligen Sion fieht. D Herr, erhöre mein Gebet, blicke auf deinen Gesalbten, und gib mir Gnade! Ehe die Messe anfängt Mein Gott, ich glaube fest, daß die Messe das unblutige Opfer des Leibes und des Blutes Jesu Christi deines Sohnes ist. Verleih mir deinen Beistand, daß ich demselben jetzt mit jener Aufmerksamkeit und heiligen Ehrfurcht beiwohne, welche dieses große, wichtige, feierliche, einzige Opfer unserer heiligen Religion ferdert. Ich vereinige mich dabei mit dem Priester und der ganzen Kirche. Ich möchte bir dasselbe in eben jener Absicht darbringen, in welcher es Je Erste Meßandacht. 201 sus Christus eingesetzt und dir dargebracht hat. Dich als den höchsten Herrn des Himmels und der Erde, als den ewigen, lebendigen, wahren Gott möchte ich dadurch anbeten. Danken möchte ich dir dadurch für alle jene Gnaden, die ich von deiner unendlichen Güte bis auf diesen Augenblick erhalten habe Ich bringe es dir dar zur Erinnerung an das schmerzliche Leiden und den blutigen Tod deines vielgeliebten Sohnes, zu dessen Andenken dasselbe eingesetzt worden ist.- In Hinsicht auf dieses Opfer bitte ich dich, o Herr! um Vergebung meiner Sünden, und um deine Hilfe, mein Seelenheil zu wirken und zu erlangen. Laß es mir und Allen, sowohl Lebenden als auch Verstorbenen, nüßlich werden. O Maria! bitt für mich, daß bei diesem unblutigen Opfer eber jene Empfindungen in mir hervor gebracht werden, mit welchen du bei eben demselben, da es dem himmlischen Vater auf eine blutige Art, auf dem Calvarienberge entrichtet ward, unter dem Kreuze Jesu, deines Sohnes, unsers Hohenpriesters, zugegen warst, damit ich an den Früchten seines Versöhnungstodes Theil nehme. Wann die Messe anfängt. Jesus fängt sein Leiden am Delberge an, und betet zu verschiedenen Malen. Er hat nie gefündiget; und doch betet er mit Eifer und Ehrfurcht. Wir hingegen haben oft und schwer gesündiget; und wir sollen lau und ohne Ehrfurcht beten? Ich will zu Gottes Altar treten, zu Gott, der meine entzückendste Freude ist. Sei du mein 9.ichter, Gott! schlichte meine Sache gegen ein unheiliges Volk. Rette mich von Gottlosen und Ungerechten; zerstöre in mir das Reich des Bösen. Denn nur du bist meine Hilfe und meine Stärke. Sende meinem Verstande Libt, und entzünde in meinem Herzen das Feuer deiner Liebe, damit ich am Fuße deines Altares mit Nußen mich einfinde. 3um Confiteor. Jesus fällt auf sein Angesicht, und fchwißet unserer Sünden wegen Blut. Er wird von dem Engel gestärkt, und fährt fort zu beten. Sollen wir hiebei nicht, wie der offene Sünder, an unsere Brust klopfen, und mit demuthvoller Reue zu Gott um Vergebung flehen. Erste Meßandacht. Ewiger Vater! fieh, wie dein Sohn, hingesunken auf die Erde, betet. Heile durch seine Demuth meinen Stolz und alle meine Sünden.- O Jesus, mein Herr und mein Gott! Blutschweiß floß von deiner Stirne für meine Sünden. O, laß mich beim Anblick desselben wenigstens Thränen der Reue darüber vergießen! 202 Wann der Priester, beim Hinaufsteigen auf den Altar, Oremus spricht, und den Altar küßt. Jeſus weckt seine Jünger vom Schlafe auf und spricht: Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung fallet. Stehet auf und gehet: denn der mich verräth, ist nahe. Er füßt dann den Judas; der zärtlichste Freund seinen grausamen Feind. Welche kräftige Lehre für mich zu wachen, zu beten, gelassen zu seyn, und Scheinfreunden und Feinden zu verzeihen! Herr, reinige meine Seele von jeder Ungerechtigkeit; schenke mir ein aufrichtiges Herz; laß nicht zu, daß ich durch meine Sünden deinem Verräther ähnlich werde, und gib mir die Gnade, daß ich selbst mit unredlichen Menschen und mit Beleidigern liebevoll umgehe. Wann der Priester zum Meßbuche geht. Jeſus wird von den Juden gefangen und gebunden. In diesen Zustand feßen ihn meine Sünden. Und ich soll noch länger darin verharren? O mein Erlöser, du ließest dich von deinen Feinden binden, um mich von den Fesseln der Sünde zu befreien. O zerreiß dieselben! laß mich aus allen Kräften nach der wahren Freiheit der Kinder Gottes trachten! schließ mich durch die Bande der Liebe so fest an dich, daß mich Nichts von dir trenne. 3um Eingange der Messe. Jesus wird als ein Misfethäter erstlich in das Haus des Annas, dann zum hohen Priester Kaiphas geführt, über seine Lehre und Jünger gefragt, und be fommt einen Backenstreichy.- Ein Sterblicher stellt den Gottmenschen zur Rede! und der Gottmensch antwortet ihm; er duldet sogar einen Backenstreich! Wie ahme ich ihn nach? Ehre sei dem Vater, dem Sohne und dem heiligen Geiste! Wie wunderbar bist du, o Herr! wie grenzenlos ist deine Güte! wie unerforschlich und anbetungswürdig sind deine Geheimnisse! Zum Kyrie eleison. Jesus wird von Petrus, der ihm kurz vorher seine Treue bis in den Tod versprach, dreimal ver Erste Meßandacht. leugnet. Wie schwach ist doch der Mensch bei seinen heiligsten Vorsätzen! Wie wenig darf er sich selbst trauen! Wenn Petrus fiel, und drei Mal fiel, wer soll nicht fürchten? 203 Herr! Schöpfer! erbarme dich des Werkes deiner Hände! Jesus! Erlöser! erbarme dich meiner, du hast mich ja durch Heiliger Geist! Heiligmacher! bein kostbares Blut erkauft. Erleuchte, tröste, stärke, heilige mich; erbarme dich meiner! Zum Gloria. Ehre sei Gott in dem Himmel und Friede den guten Menschen auf Erden! Wir loben dich, wir preisen dich, wir danken dir, wir beten dich an, dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! 1 - Zum Dominus vobiscum. Jesus blickt den Betrus an, und dieser Jünger beweint seine Verläugnung bitter. Wer soll von dem barmherzigen Gott nicht Vergebung hoffen, wenn er mit der Gnade wirkt, und sich von Herzen bekehrt? D Herr! schaue auf mich, und erbarme dich meiner. Verleihe mir die Gnade, daß ich alle meine Sünden aufrichtig bereue und beweine. Zur Collecte. Herr, schenke uns das, um was dich der Priester im Namen deiner ganzen Kirche für uns durch Jesum Chriftum bittet. Zur Epistel. Jesus wird dem Pilatus vorgeführt, und daselbst unterschiedlich angeklagt. Der Richter der Lebendigen und der Todten läßt sich vor einem schwachen Richter stellen, und spricht kein Wort zu seiner Vertheidigung, daß er fein Aufrührer, kein Volksaufwiegler, kein Empörer gegen die kaiserliche Gewalt sei. Nur wenn er von ihm aufgefordert wird, die Wahrheit zu bekennen, redet er. Jesu Reden und Schweigen ist der kräftigste Beweis seiner Weisheit und Geduld. Wie ist aber mein Reden, wie ist mein Schweigen beschaffen? O mein Gott, ich danke dir, daß du mich, dein heiliges Gesetz haft kennen lernen lassen. Nicht allen Menschen hast du dich so gnädig bewiesen. Mit Ehrfurcht nehme ich die Lehren der heiligen Propheten und Apostel an, und glaube sie fest, weil bu durch ihren Mund geredet hast. Gib mir nur auch die Gnade, daß ich dich von Herzen liebe, diese Lehren befolge, und einst einen gnädigen Richter an dir finde. Erste Meßandacht. Wann der Priester in der Mitte des Altares betet, und gleich darauf hingeht und das Evanges lium liest. Jesus wird von Pilatus zu Herodes geschickt, und von diesem und dessen Soldaten verspottet und verhöhnt. Der Allerweiseste läßt sich wie einen Thoren behandeln. Und wir wollen von der Welt als Weise geschätzt und ausgezeichnet werden? Werden wir von Jesus nicht lernen die Verdemüthigungen annehmen, ohne zu murren oder zu klagen? 201 Herr, zu wem soll ich gehen, als zu dir? Nur du hast ja Worte des ewigen Lebens. Mit Herz und Mund bekenne ich mich zu deiner Lehre. Nur um die Gnade bitte ich dich, daß ich sie stets, selbst in Leidensstunden, zur Richtschnur meines Verhaltens mache. Zum Credo. Jesus wird von Herodes zu Pilatus zurückgeschickt. So ließ sich der göttliche Heiland von einem Richter zum andern herumführen! Möchte sein Beispiel an uns gesegnet seyn! Möchten wir alle Abwechslungen, auch unserer Leiden, mit ruhiger Hingebung in den Willen unsers himmltschen Vaters tragen! - Herr, ich glaube. Auch deine Geheimnisse bete ich an, obschon ich sie nicht begreife. Wir wandeln ja hier im Glauben und nicht im Schauen; all' unser Wissen ist Stückwerk; wir sehen hier nur, wie in einem Spiegel, undeutlich und dunkel. Einst aber werden wir dich sehen, wie du bist, von Angesicht zu Angesicht: Ich glaube Alles, was du, o Gott! geoffenbaret hast, was Jesus Christus gelehret hat, und was die heilige, römisch- katholische, apostolische Kirche glaubt und zu glauben vorstellt. Vermehre meinen Glauben; gib, daß ich ihn durch die Werke lebendig erhalte, daß ich auch im Kreuz und Widerwär tigkeit nicht wanke, und einst zur Gewißheit desselben gelange. Zum Dominus vobiscum. Pilatus wendet sich zu den Juden, und bekennt die Unschuld Jesu öffentlich mit den Worten: Ich finde kein Verbrechen an ihm. Und doch verurtheilt er ihn zum schmählichen Kreuztode. Der Erlöser nimmt dieß Urtheil schweigend an. Wie wollen wir die ungerechten Urtheile der Welt annehmen? O Jesu! ich will von deinem göttlich schönen Beispiele lernen, die falschen Urtheile der Menschen über mich anhören, Erste Meßandacht. 205 ohne den Mund zu öffnen. Sei nur du als Richter mir gnäs big, und sprich nicht das Verdammungsurtheil über mich aus. Wann der Priester den Kelch abdeckt. Jesus läßt sich seines Kleides berauben. Auch Aime haben Kleidungsstücke; selbst die Vögel der Luft sind bedeckt. Gottes Sohn sieht entfleidet da, und er duldet diese Beschämung! Erneuern wir ihm doch dieselbe, durch Mangel der Schamhaftigkeit und der Sittsamkeit, nicht! Herr, du littest bei deiner Entfleibung einen äußerst empfindlichen Schmerz. Ach! verzeih mir Alles, wodurch ich das bei der Taufe erhaltene Kleid der Unschuld im geringsten befleckt habe, und laß mich künftig, mit dem Kleide deiner Liebe angethan, auf eine dir wohlgefällige Art vor dir wandeln. Zum Offertorium. Jesus wird an seinem heiligen Leibe schmerzlich gegeißelt; und ich soll meinen fündhaften Leib nur immer mit der äußersten Zärtlichkeit behandeln? Ich soll an selbem gar nichts dulden, ohne in Unzufriedenheit und Klagen auszubrechen? Heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott! so unwürdig ich bin, vor dir zu erscheinen, so wage ich es doch, dir dieses Opfer, durch die Hände des Priesters, mit eben jener Meinung darzubringen, die Jesus bei der Einfeßung desselben, beim letzten Abendmahle, gehabt hatte, und die er noch hat, indem er sich dir für uns hingibt. Laß dir gefallen, was wir hier in seinem Namen thun. Verleih uns, daß wir mit ihm auch ins selbst, im Geiste und in der Wahrheit, mit einem demüthigen und zerknirschten Herzen, dir zum Opfer bringen. Laß dadurch mir, meinen Eltern, Freunden, geistlichen und zeitlichen Wohlthätern, selbst meinen Beleidigern und allen Menschen die Gnaden zu Theil werden, bie uns nothwendig sind, unser Heil zu wirken. Gib endlich, in Hinsicht auf die Verdienste deines Sohnes, den verstorbenen Gläubigen Erquickung, Licht und Ruhe. Wann der Priester den Kelch zudeckt. Jesus, der König der ewigen Glorie, wird mit Dornen gekrönt und auf ein Neues verspottet; und ich soll für mein Haupt eitle Zierde suchen? Mein Erlöser, du trugst eine so beschimpfende und stechende Krone von Dornen; o laß mich an deiner Schmach und an 206 Erste Meßandacht. deinen Schmerzen Theil nehmen; laß mich, nach deinem Beispiele, lieben und leiden, lieben und schweigen, lieben und ausharren, damit ich einst auch deiner Freuden und deiner Herrlichkeit im Himmel theilhaftig werde. Wann der Priester die Hände wäscht. Pilatus wäscht die Hände vor dem Volke und spricht: Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten. Früher oder später wird die Unschuld anerkannt und bekannt. Wie tröstlich ist dieß für unschuldig Leidende! Reinige mich, o mein Gott! von jeder Mackel; gib mir jene Heiligkeit, welche das reinste Lamm, das sich so eben für uns auf dem Altare als ein Schlachtopfer hingibt, fordert, damit mich nichts hindere, an diesem heiligen Opfer Theil zu nehmen, und durch selbes Gnade von dir zu erlangen. Zum Orate Fratres. Mit einem Purpurmantel umgeben, und mit der dörnenen Krone auf dem Haupte wird Jesus von Pilatus dem Volke mit den Worten vorgestellt: Sehet hier diesen Menschen! O Jesus! du verbirgst deine Gottheit; ich bete dich aber auch in dem Stande deiner Erniedrigung als meinen Herrn und Gott an. Wann der Priester still betet. Jesus betet in der Stille zu seinem Vater; er leidet innerliche Schmerzen, seiner Feinde und unserer Sünden wegen. Mein Gott, wir vereinigen uns alle mit dem Priester, und bitten dich, nimm das Gebet und Opfer deines Sohnes, und mit diesem uns selbst, mit Wohlgefallen an. Laß es zu deiner Ehre, zu unserm Heile und zum Nußen der ganzen Kirche gereichen. Zur Präfation. Jesus nimmt das Kreuz auf sich. Wie schäßbar und liebenswürdig wird das Kreuz, seitdem es Jesus geliebt, umfaßt und die ganze Schwere desselben getragen hat! Und ich soll den kleinsten Theil desselben muthlos scheuen? Dein Geist, o Herr, fei mit uns! Unser Herz schwinge sich zu dir hinauf! Wir danken dir für deine Güte und die Gnaden, mit denen du uns stets und überall überhäufest. Wir danken dir dafür durch Christum, den unendlich Heiligen, den 201 Erste Meßandacht. Allmächtigen und Ewigen. Durch ihn loben auch die vornehmsten himmlischen Geister deine höchste Majestät. Mit diesen rufen wir in tiefster Ehrfurcht: Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen! Himmel und Erde sind seiner Herrlichkeit voll. Zum Canon der Messe, bei dem Andenken für Lebende. Jesus empfindet sehr schmerzlich das Drückende der Kreuzesbürde. Er sagt den Frauen von Jerusalem, die ihm unter Thränen folgen, sie möchten nicht über ihn, sondern über Soll uns das Mitsich selbst und über ihre Kinder weinen. leid, das wir gegen den leidenden Jesus tragen, nüßlich werden, so weinen wir über unsere Sünden, für deren Vergebung er gestorben ist, und meiden wir sie, weil sie sein Leiden nur erneuern würden. - O Vater der Barmherzigkeit! wir bringen dir dieses heis lige Opfer, durch Jesum Christum deinen Sohn, für deine heilige katholische Kirche, für den Papst, für den Bischof unsers Kirchensprengels, für den Landesfürsten und seine Familie, für alle, die diesem Opfer beiwohnen, für alle Gläubige; insbesondere aber für N N.- Wir vereinigen uns hierbei mit den Heiligen im Himmel, besonders aber mit der seligsten Jungfrau Maria, mit dem heil. Johannes dem Täufer, mit den heil. Aposteln Petrus und Paulus, und mit den heil. Märtyrern. Sieh, o Herr! auf ihre Verdienste und Bitten, und vers leih uns dadurch Schuß und Hilfe. Wann der Priester, vor der Wandlung, über die Opfergaben drei Mal das Kreuz macht. Jesus wird auf dem Calvarienberge von den Kriegsknechten ergriffen, und seine Kleidung wird ihm von dem ganz verwundeten und mit Blute überronnenen heiligen Leibe unter neuen Schmerzen herabgerissen. So wird dann sein unschuldiges Fleisch mit Nägeln durchbohrt und an das Kreuz geheftet. Möchte er unser Fleisch, das uns so oft als Werkzeug der Sünden gedient hat, mit seiner heiligen Furcht durchbohren! Mein Herr und mein Gott! du ließest dich, aus Liebe zu uns, an das Kreuz schlagen. Gib, daß wir, in Betrachtung dessen, unser Fleisch mit dessen Lüsten freuzigen, und unser Herz so fest an die Erfüllung deines heiligen Willens heften, daß uns selbst das Leiden und der Tod davon nicht trennen. Erste Meßandacht. Zur Wandlung. Nun wird das Brod und der Wein in den Leib und in das Blut Jefu Christi verwandelt. Beten wir ihn an, und bereiten wir uns vor, ihn würdig zu empfangen. Jesus wird am Kreuze erhöhet, und sein fojibares Blut fließt aus seinen Wunden. Daß uns doch Jesus immer mehr von der Erde losschälete und ganz an sich zöge! Welch unaussprechliche Liebe! Gottes Sohn, der Heiligste, blutet auf dem schmählichen Kreuze! Liebe fordert Gegenliebe. 208 - - O Jesus, du bist wahrhaft als Gott und Mensch hier gegenwärtig. Das Brod in den Händen des Priesters ist, durch die von ihm darüber ausgesprochenen sakramentalischen Worte, in deinen wahren Leib verwandelt worden. Deine Seele und deine Gottheit sind unter den Gestalten desselben verborgen. Ich bete dich in gänzlicher Erniedrigung meiner Seele an, und habe das demüthige Vertrauen, du werdest mir die Früchte deines heiligsten Opfers zukommen lassen. Göttlicher Erlöser! bu hast bein Blut für mich und alle Menschen vergoffen. Wasche und reinige mich dadurch von jeder Sünde, damit ich an den Verdiensten desselben Theil nehmen fönne. Nach der Wandlung. Ewiger Vater! nun bringen wir dir ein heiliges, ein unbeflecktes Opfer; wir opfern dir Jes fum Christum deinen Sohn, der sich aus Liebe gegen uns hin gegeben hat. Wir erinnern uns hierbei an seinen Tod, an seine Auferstehung und an seine Himmelfahrt. In Hinsicht auf diese Geheimnisse verleihe deiner Kirche alle jene Gnaden, um die sie dich im Namen beines Sohnes bittet. Beim Andenken an die Verstorbenen. Jesus betet für seine Feinbe, für bie, welche ihn an das Kreuz gebracht haben. Wahrhaftig ein erhabenes Muster der Feindesliebe zu unserer Nachahmung! O Gott, gib den Seelen, die zwar in deiner Gnade, aber noch nicht vollkommen gereinigt, aus diesem Leben geschieden sind, besonders aber jenen meiner Eltern, meiner Freunde, meiner geistlichen und zeitlichen Wohlthäter, und Aller, für die ich vorzüglich zu beten verbunden bin, die ewige Ruhe, die ewige Seligkeit.- Für mich aber bitte ich dich um die Gnade, daß Erste Meßandacht. 209 ich meinen Beleidigern vom Herzen verzeihe, damit auch ich die Vergebung meiner Beleidigungen gegen dich von dir hoffen dürfe, durch Jesum Christum, unfern Herrn. with Wann der Priester bei den Worten: Auch uns Sündern u. d. Ue., an die Brust klopft. Jesus redet zum reuevollen Mörder; er vergibt ihm und verspricht ihm das Paradies. Der andere mit ihm gekreuzigte Mörder bleibt verhärtet, und stirbt unbußfertig. Hoffen wir, wenn wir wahrhaftig bußfertig; fürchten wir aber, wenn wir im Sündigen verhärtet find. Mein Gott, Sünder sind wir; doch schaue nicht auf das, was wir verschuldet haben, sondern auf das, was Jesus für uns gethan und gelitten hat. Verzeihe uns seinetwegen, und laß uns einst an der Herrlichkeit der Heiligen im Himmei Theil nehmen. Zum Vater unser. Jesus ruft sterbend zu seinem Vater: Es ist vollbracht. Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist. So konnte wohl Der rufen, der bis zum Kreuztode gehorsam war, und so das hohe Mittlergeschäft vollbrachte. Wie folgte ich ihm? Wie erfüllte ich meine Berufsgeschäfte? Wie das Leben, so der Tod! - Ewiger Vater, auf den Befehl Jesu wage ich es, das Gebet, das er selbst uns gelehrt hat, mit Vertrauen zu dir abzuschicken! Vater unfer u. d. Ue. Wann der Priester die hl. Hoftie zerbricht. Jesus neigt sein Haupt und stirbt. Der Vorhang des Tempels zerreißt; die Erde bebt, die Felsen spalten sich, und aus den geöffneten Gräbern stehen viele Leiber der Heiligen auf; sein Leib bleibt noch einige Zeit am Kreuze hängen; es wird ihm die Seite mit einer Lanze geöffnet, wobei aus jener Blut und Wasser fließt. Wie kostbar ist sein Tod! Er gab uns dadurch das Leben. Möchte ich des Todes der Gerechten sterben, und ewig mit Jesus vereinigt leben! Dieß darf ich hoffen, wenn ich jetzt schon der Welt absterbe, und ihm allein lebe. Erlöse mich, o Herr, von den vergangenen Sünden, und von denjenigen, die ich noch begehen könnte. Ich bitte dich um diese Gnade, so wie um einen ganz frommen Wandel und ei nen seligen Tod, durch die Verdienste Jesu Christi, auf die Fürbitte der schmerzhaften Mutter Maria, die bei dem blutigen 14 210 Erste Meßandacht. Opfer beines und ihres Sohnes, mit einem wie von einem Schwerte durchdrungenen Herzen, zugegen war, und auf die Fürbitte aller deiner Heiligen. Zum Agnus Dei.. Jesus steigt, der Seele nach, in die Vorhölle hinab; sein Leichnam aber wird vom Kreuze herabgenommen, gesalbt und beg aben. Nebst einem Hauptmann befannten viele Andere die Unschuld des Gekreuzigten, begaben sich mit Betrübniß nach Hause und flepften an ihre Brust. Was mag bei dem Allen das Mutterherz Mariä empfunden haben? Glücklich die Stätte, in die Jesu Leichnam gelegt ward! Aber um wie viel glücklicher ist das Herz, das den lebendigen Leib Jesu durch eine würdige Kommunion in sich aufnimmt! 4342 O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erba me dich unser! Schenke uns deinen Fries den, den uns die Welt weder geben noch rauben kann, und laß uns stets deinen heiligen Willen erfüllen. Bei der Kommunion des Priesters. Kommunizirst du nicht wirklich, so fommunizie doch geistlicher Weise; erwecke Reue über deine Sünden und das Verlangen, Jesum recht bald wirklich zu empfangen; dann sprich dreimal die Worte: Herr, ich bin nicht würdig, daß du unter mein Dach eingehest, sondern sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund. Bei den Gebeten des Priesters nach der Kommunion, und der Bedeckung des Kelches. Das Grab war mit einem Steine bedeckt und mit einem Siegel verwahrt. Aber Jesus steht am dritten Tage von den Todten auf; er erscheint Verschiedenen, geht mit seinen Jüngen vierzig Tage öfters um und unterrichtet sie mehr und mehr im Glauben. Aus Liebe zu uns besiegte er den Tod und die Hölle. Wollen wir einst, gleich ihm, aus dem Grabe hervorgehen, so leben, leiden und sterben wir so, wie er es uns durch sein Wort und durch sein Beispiel gelehrt hat. - Wie kann ich dir, o mein Gett, all das Gute, das du mir gethan hast, besser vergelten, als wenn ich den Kelch, den du mir reichest, trinke; wenn ich aus Liebe zu dir Alles mit Geduld, wie Jesus leide, und gegen deinen heiligsten Willen nichts thue? Gib, daß ich von meinen Sünden aufstehe, daß ich ein neues, ganz eines Leben führe; daß ich nie in meinen Erste Meßandacht. 211 vorigen unglücklichen Zustand zurückfalle, sondern alle meine bö sen Neigungen glücklich bekämpfe und die Siegeskrone verdiene. Zum Dominus vobiscum und dem leßten Gebete des Priesters, auf der Epistelseite. Jesus zeigt sich seinen Jüngern in Galiläa, und erfüllt ihr Herz mit Freude. Er entzieht sich seinen Lieblingen nur einige Zeit, und erhöht dadurch den Genuß der Seligkeit, ihn wieder zu sehen. Welcher Troft für seine ächten Schüler in ihren Leidensstunden! D Gott, nimm unser Gebet und das Opfer, das wir dir durch die Hände des Priesters gebracht haben, mit Wohlgefallen an; laß es uns und allen Gläubigen für das ewige Leben nüßlich werden, durch Christum unsern Herrn. Zum Ite, missa est, und zum Segendes Priesters. Jesus heißt seine Jünger hingehen, alle Völker zu lehren und zu taufen. Er fegnet sie, und fährt in ihrer Gegenwart glorreich in den Himmel. Wie freudig geht er zu seinem Vater zurück! Leben wir als seine würdigen Schüler, so hält er im Hause seines Vaters auch für uns eine Wohnung bereit. - - DJesus, du gingst zu deinem Vater heim! Ich soll dir dahin nachfolgen; du willst, daß, wo du bist, auch ich sei. Du liebst mich noch. O, zieh mein Herz von allem Irdischen los; erlöse meinen Geist von diesem lästigen, sterblichen Leibe, und laß mich nach einer kurzen Pilgerschaft in mein wahres Vaterland, zu dir, mein höchstes und einziges Gut! gelangen. Segne mich, Vater, Sohn und heiliger Geist! 3 Zum Evangelium des heil. Johannes. Göttliches Wort, alle Dinge sind durch dich erschaffen; Allen gabst du das Leben. Welche Liebe zeigtest du bei deiner Ankunft in die Welt! Du wolltest alle Menschen von der Unwissenheit und der Sünde erlösen. Und doch waren viele aus ihnen so elend und verblendet, daß sie die Finsternisse mehr liebten, als das Licht. Du warst mitten unter ihnen, und sie erkannten dich nicht; fie nahmen deine Lehre nicht an. Wie glücklich dagegen waren diejenigen, die nicht die Stimme des Fleisches und des Blutes, sondern deine Stimme angehört und dir geglaubt haben! Sie find dadurch Gottes Kinder geworden. D, laß mich nie so unglücklich werden, als es jene ungläubigen und verstockten Juden 14* 212 Zweite Meßandacht. waren, Erleuchte mich, o Jesus, du wahres Licht! mache mich gelehrig gegen deine Lehre, damit ich, wie diejenigen, die an dich geglaubt haben, mit Herz und Mund bekenne, daß du, Wort des Vaters, Mensch geworden bist, und unter uns gewohnt hast, um uns alle Wahrheit zu lehren, und durch die Annahme und Befolgung derselben selig zu machen. Amen. Nach der Messe. Mein Gott, ich danke dir für die Gnaden, die du mir jetzt wieder dadurch erwiesen hast, daß ich dem heiligen Meßopfer beiwohnen konnte. Verzeih mir die bei der Anhörung derselben begangenen Fehler, und gib mir, durch die Kraft dieses allerheiligsten Opfers, Alles, was mir nothwendig ist, um dich nie mehr zu beleidigen, sondern in Heiligkeit und Gerechtigkeit alle Tage meines Lebens dir zu dienen. Zweite Meßandacht. Vorbereitungs- Gebet. Herr, mein Gott! in deinem hei in ligen Tempel erscheine ich, deine göttliche Majeſtät Demuth anzubeten, und vereinige meine Absicht mit deiner heiligen Kirche, mit deinem Diener, dem Priester, und mit allen Gläubigen, die hier in der heiligen Stätte sich versammeln, deiner ewigen Gottheit, das hochheilige Opfer darzubringen, das auf deinem Altare für uns alle sich aufopfern wird. Ich opfere dir dasselbe als ein reines Brandopfer zu dei ner Ehre; zur Danksagung für alle mir erwiesenen Wohlthaten; zu einem Bittopfer, bas beine fernern Gnaden und Erbarmungen mir erflehe; und zu einem Dankopfer für alle Gnaden, die bu deinen Heiligen und insbesondere Denjenigen erwiesen hast, deren Andenken die heilige Kirche heute feiert. Ich erkenne, daß alle ihre Verdienste deine Gaben sind und aus den Verdiensten deines Eingebornen Sohnes wie aus ihrem Urquell fließen; und ich opfere dir dieselben in Vereinigung mit den Verdiensten Jesu Christi, für das Heil der ganzen Kirche und für alle deine Gläubigen auf, für die ich zu deiner göttlichen Majestät bitte, so wie auch sie mit der ganzen heiligen Kirche für mich bitten. Erhöre, o Herr himmlischer Va Zweite Meßandacht. 213 ter! unser Gebet; oder vielmehr erhöre deinen Eingebornen Sohn, in welchem und durch welchen wir beten. Verleihe mir, Herr, mein Gott! dieses hochheiligen Opfers wegen, Zeit, wahre Buße zu wirken; den Frieden und die Ruhe eines guten Gewissens, die lieblichen Salbungen deines heiligen Geistes, und die Beharrlichkeit in einem frommen, dir wohlgefälligen Leben, das ich mit deiner Gnade zu führen mir vornehme. Staffelgebet. Richte mich, Herr! doch als ein barmherziger Richter, der meine Sache von den Sündern und Gottlesen sondert. D Gott, meine Kraft und mein Licht! verlaß mich nicht, daß nicht meine Seele zage, sondern freudig einhergehe und deinem heiligen Altare sich nahe, die Freude des Heiles zu empfangen, die alle Kräfte meines innern Menschen erneuere und zu deinem heiligen Lobgesang stimme. Ja, mein Gott! auf dich hoffe ich; und nicht trauern soll meine Seele; denn Trost und Erbarmung wird sie von dir erlangen. Größer ist deine Barmherzigkeit, als alle meine Sünden, die ich von Grund meines Herzens bereue. Nimmer verwirfst du ein reuevolles, zerknirschtes Herz, und unversiegbar ist deine Güte für Alle, die dich in Demuth und mit Vertrauen anrufen. Auch fleht die heilige Kirche, es flehen deine Heiligen und Auserwählten, der ganze himmlische Hof und die gebenedeite Jungfrau und Königin aller Heiligen, für uns zu deiner ewigen Barmherzigkeit, daß sie uns verzeihe, und mit Huld auf uns Sünder herabsehe, damit wir dir mit freudigem Herzen dienen und deine glorreichen Verheißungen erlangen, durch Christum unsern Herrn. Amen. Kyrie eleison. Erhöre, o Herr, dreieiniger Gott! unsere Stimme, erhöre die Stimme deines Eingebornen, der hier für uns geopfert wird, und mit welchem wir das Opfer unserer Herzen vereinigen; und sei um deiner großen Barmherzigkeit willen uns gnådig und versöhnlich, der du den Tod des Sünders nicht willst. fondern daß er sich bekehre und lebe. Zweite Meßandacht. Gloria. Es preisen dich die himmlischen Heerschaaren, o ewiger Vater! durch dessen Huld allen Menschen, die guten Willens sind, der Friede gegeben wird, wie die Welt ihn nicht geben kann. Wir loben dich, wir beten dich an, wir danken deiner allerhöchsten Majestät, o allmächtiger Vater! O Jeſu, Lamm Gottes! dessen Blut die Sünden der Welt wegnimmt, nimm un ser demüthiges Gebet auf, und sich mit Gnade auf uns, die wir deine Heiligkeit, deine ewige Gottheit und Allmacht erkennen und anbeten, der du mit dem Vater und dem heiligen Geiste Ein Gott, lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. Gebet. Erhöre, o Herr! das Gebet deines Priesters, das er im Namen der ganzen Kirche, und auch in dem meinigen deiner Barmherzigkeit vorträgt. Verleihe uns die Gnaden, um die er zu dir fleht, gib Frieden und Einigkeit deinen Gläubigen, heilige Geduld in Trübfalen, Starkmuth in den Kämpfen dieses Lebens, und vollkommene Gleichförmigkeit mit deinem heiligen Willen, damit wir hienieden nach deinem göttlichen Wohlgefallen wandeln, und einst dahin gelangen, mit allen deinen Heiligen dich zu loben und zu preisen in den Feuden der ewigen Seligkeit. Durch Chris stum, unsern Herrn. Amen. 214 Epistel. Herr, allmächtiger Gott, himmlischer Vater! der bu sprachst: Es werde Licht, und es ward Licht, ergieße dein heilis ges Licht in meine Seele, daß die Finsternisse weichen, und ich die Offenbarung deiner heiligen Lehre, deiner Geheimnisse und Vers heißungen erkenne und mit treuem Gemüthe beherzige. Denn deine Barmherzigkeit verließ auch nach der schweren Schuld Adams das gefallene Menschengeschlecht nicht, sondern du offenbartest den Pas triarchen und Propheten den Weg der Gerechtigkeit, und ließest dein Licht leuchten, bis die Zeit erschien, wo dein eingeborner Sohn, unser Herr, Jesus Christus, das ewige Licht vom ewigen Lichte, kam, und das Dunkel verscheuchte, die Schuld hinwegs nahm, uns mit dir versöhnte, und die Pforten des Himmels uns eröffnete, damit wir durch ihn zu dir gehen können, beine ewige Majestät ewig zu lieben und zu loben. Amen. Evangelium. In heiligem Dankgefühl meines Herzens stehe ich auf, die göttliche Lehre zu hören, die er vom Himmel brachte, Zweite Meßandacht. und alle meine Gedanken und äußerlichen Werke nach derselben zu richten. Denn er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Er begründete die heilige Kirche auf dem unerschütterlichen Felfen der Wahrheit, und übergab ihr die Lehren des Lebens, die Sakramente des Heiles, und ist bei ihr alle Tage bis an's Ende der Welt. Dank sei dir, o gütigster Jesu! für deine ewige Liebe und Barmherzigkeit. D stärke meinen Einn, daß ich auf dem Wege deiner heiligen Gebote laufe, deine göttlichen Lehren treu befolge, und bis an das Ende dich beharrlich liebe, und dir diene. Amen. 215 Credo. Denn, sieh mein Gott, ich glaube aus ganzem Herzen Alles, was du geoffenbart hast, und durch die Stimme deiner Kirche mich lehrest. Doch weiß ich, daß es nicht genug ist zu glauben; da auch die bösen Geister glauben, und zittern. Darum bitte ich dich um deine Gnade, daß sie meinen Glauben beseele, und in mir ein Grundtrieb zu heiligen Gedanken, himmlischen Begierden und lebendigen Werken der Liebe werde. Stärke mich, daß ich den heiligen Glauben standhaft vor den Kindern der Bosheit bekenne, und mich nie und nimmer von ihnen irre führen lasse, sondern dir getreu und unverbrüchlich anhange, bis die Zeit erscheint, wo mein Glaube sich in Anschauung umwandelt, und ich die Früchte meines Gehorsams im ewigen Leben ernte, wo du lebst und regierest in Ewigkeit. Amen. Opferung. Nimm o heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gett! dieses fleckenlose Opfer auf, das wir dir zur Versöhnung unserer zahllosen Sünden, Vergehungen und Versäumniße darbringen, damit dasselbe uns und allen Christgläubigen, lebenden sowohl als verstorbenen zur Versöhnung und zum ewigen Heile gereiche. Laß unser Opfer in süßem Wohlgeruch vor das Angesicht deiner göttlichen Majestät gelangen; segne unsere Herzen, die dasselbe in zerkniischtem und gedemüthigtem Geiste dir darbringen, und heilige sie, daß sie selbst ein dir wohlgefälliges Opfer werden, nur für dich und um deinetwillen leben, und in 216 Zweite Meßandacht. Zeit und Ewigkeit dein eigen seien, durch Jefum Chriftum, unsern Herrn. Amen. Präfation. Unsere Herzen und Stimmen erheben wir zu dir, und danken deiner Majestät, o dreieiniger Gott! für alle deine Gaben und Wohlthaten durch Jesum Christum, unsern Herrn, den Mittler, durch den unser Gebet vor deinem göttlichen Throne Erhörung findet. Denn durch ihn loben dich Engel und Erzengel, Cherubim und Seraphim, und der ganze himmlische Hof, der in ewige Entzückungen deiner göttlichen und schleierlosen Anschauung versenkt, ohne Unterlaß dir süße Lobgesänge singt, und unermüdlich ausruft: Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Gott der Heerschaaren, voll find Himmel und Erde deiner Herrlichkeit! Hosanna in den Höhen. Canon. O Gott der Erbarmungen! in Demuth sinken wir auf unser Angesicht, und bitten dich, segne diese heiligen Opfergaben, die wir dir für die ganze heilige katholische Kirche dars bringen; lenke sie im Frieden, daß dein göttlicher Name auf em ganzen Erdkreise geheiliget werde. Gedenke, Herr! des Oberhauptes dieser deiner heiligen Kirche, aller geistlichen und weltlichen Vorgesetzten, und aller unserer Brüder und Schwestern, die in deinem Glauben und in deiner Liebe leben; insbesondere derjenigen, für die wir zu beten verpflichtet sind, die sich in unser Gebet empfohlen, oder die wir irgend betrübt haben, namentlich deiner Diener und Dienerinnen... und verleihe uns Allen Gesundheit des Leibes, Frieden der Seele, und das ewige Leben. Erhöre, o Gott! unser demüthiges Gebet, mit welchem die ganze heilige triumphirende Kirche sich vereint, deren Fürbitten und Verdienste wir deiner göttlichen Majestät auf gleiche Weise darbringen, und deren Gedächtniß wir in Andacht vers ehren, insbesondere der glorreichen Jungfrau und Gottesgebäres rin Maria, durch die wir die Frucht des ewigen Lebens empfangen haben! ferner des heil. Joseph, deiner seligen Apostel, Märtyrer und Bekenner, die einst gleich uns in dieser Sterblichkeit wandelten, und nun in der ewigen Glorie sich bei dir Zweite Meßandacht. erfreuen. Nimm ihre milden Fürbitten huldreich auf, und zähle uns ihnen, deinen Auserwählten bei, damit wir einst mit ihnen deiner göttlichen Majestät ewige Lobgesänge singen. Durch Chriftum, unsern Herrn. Amen. und Er, dein eingeborner Sohn, der sie heiligte und vereinte, ist der Urquell aller Heiligung, durch den auch wir hoffen, einst mit ihnen vereint zu werden, da er unser Opferlamm und unsere Liebe ist, der allen seinen Gläubigen sich zur Speise gibt, und an dem Vorabend seines heiligen Opfertodes sich selbst zum bleibenden Denkmal bis an's Ende der Zeiten einsetzte, als er das Brod segnete, brach, seinen Jüngern gab, und sprach: Nehmet hin und esset, denn dieß ist mein Leib! Consecration. O Jesu! ich bete dich an, der du für mich am heiligen Kreuze erhöhet wurdest, und nun abermal unblutiger Weise auf dem heiligen Altare thronest. Gebenedeit sei deine hochheilige Gegenwart, gebenedeit deine ewige, barmherzige Liebe! Ich bete dich an, o hochheiliges Blut, Preis meiner Ers lösung, Unterpfand aller Erbarmungen Gottes! O reinige, heilige und stärke meine arme Seele, die dich in getreuem Glauben anbetet, und gestatte nicht, daß die Frucht so wunderbarer und göttlicher Erlösung an mir verloren werde! Nach der Consecration. Süßester Jesu, der du für uns Mensch geworden, in den schmerzlichsten Tod gegangen, glorreich aus dem Grabe erstanden, und in den Himmel aufgefahren bist, heiligstes und fleckenloses Opfer, Brod des Lebens, und Kelch des ewigen Heiles! wir beten dich in tiefster Demuth unseres Herzens an, preisen deine Barmherzigkeit, und danken dir aus allen Tiefen unserer Seele für deine abermalige gnadenreiche Herablassung, in welcher du dem ewigen Vater für unsere Sünden dich aufopferst. O heiligster Vater! blicke herab auf deinen eingebornen Sohn, auf das allerhöchste und süßeste Wohlgefallen deines Herzens, sei um seinetwillen uns gnädig, und erfülle uns mit himmlischen Segen und Gnade. Führe auch durch ihn alle unsere Brüder und Schwestern, die in deinem Frieden entschlie 218 Zweite Meßandacht. fen, insbesondere deine Diener und Dienerinnen... in die Ruhe des ewigen Lichtes, nimm sie in deine Glorie auf, daß sie mit allen deinen Heiligen ohne Unterlaß dich lieben und deinen Erbarmungen ewig lobsingen. Verleihe auch uns Sündern, deinen Dienern, die wir auf die unversiegbare Fülle deiner Barmherzigkeit hoffen, nach diesem Leben Antheil an der ewigen Seligkeit deiner heiligen Apostel, Märtyrer, Bekenner und Jungfrauen, und laß uns zu deiner glorreichen Anschauung gelangen, durch denselben Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Pater nofter. Denn er selbst, dein göttlicher Sohn, lehrte und ermahnte uns, vor Allem das Reich Gottes zu suchen, und zu dir, seinem himmlischen Vater, mit Vertrauen zu beten: ,, Vater unser, der du bist im Himmel" u. s. w. Darum auch flehen wir, Herr! in Demuth zu dir, erlöse uns von allen Ulebeln des Leibes und der Seele, von Allem, wodurch wir dir mißfällig werden können, zumal von der Sünde, und was zu derselben führt, damit wir dir mit heiterem, reinem und freudigem Gemüthe dienen alle Tage unserer Pilgerschaft. Agnus Dei und Kommunion. O Jesu, Lamm Gottes, hochheiliges Sühnopser, das du die Sünden der Welt hinwegnimmst, tilge alle Sünden aus meiner Seele, und gib mir den Frieden der wahren Kinder Gottes. Behüte mich, um deiner Barmherzigkeit willen, vor dem Frieden eines falschen Gewissens, das in Sünden und Lastern ruhig ist; reinige mein Herz, und tilge daraus, was immer dir darin mißfällt; ordne, bereite und schmücke dir dasselbe zu einer Wohnstätte, damit ich dich oftmals mit Zerknirschung und Inbrunft zum Heile meiner Seele, und als ein Siegel deiner Auserwählten für das ewige Leben empfange. Zieh alle Kräfte meiner Seele an dich, daß ich nie und nimmer von deiner Liebe getrennt werde, sondern durch deinen Geist belebt, fortwährend an Tugenden zunehme, an Vollkommenheit wachse, durch Werke heiliger Gottes- und Nächstenliebe dir täglich wohlgefälliger werde, und am Ende meines Lebens zu dir, meinem Gott und meiner ewigen Liebe, in den Zweite Meßandacht. 219 Himmel gelange, wo du mit Gott dem Vater und dem heiligen Geiste lebest und regierest, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Lette Collecte. Erhöre, o Vater der Erbarmungen! das Ges bet deiner heiligen Kirche, und verleihe uns durch dieß hochgebenebeite Opfer, daß wir deiner göttlichen Majestät in Demuth dargebracht haben, durch die Fürbitte und Verdienste der allerfes ligsten Jungfrau, des heiligen Joseph, deiner heiligen Apostel, Märtyrer, Bekenner, Jungfrauen, und aller Heiligen, beson ders derjenigen, welche die Kirche an dem heutigen Tage insbefondere verehrt, Hilfe in unsern Nöthen, Schuß in unsern Trübsalen, und was uns nothwendig ist, deinen heiligen Willen zu erfüllen, und die ewige Seligkeit zu erlangen, zu welcher du uns erschaffen hast. Durch Christum, unsern Herrn. Amen. Segen des Priesters. Es segne uns die Allmacht des Vaters, die Weisheit des Sohnes, und die Liebe des heiligen Geistes. Der Herr bewahre uns an allen unsern Wegen und beschüße uns vor der Arglist und den Schlingen des alten Feindes. Amen. Lehtes Evangelium. Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott; und Gott war das Wort. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht; und ohne dasselbe ward nichts dessen gemacht, was da gemacht ward. In ihm war das Leben; und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in den Finsternissen; und die Finsterniffe haben es nicht erfaßt.- Es war ein Mensch von Gott gesandt, dessen Name Johannes hieß. Der kam zum Zeugnisse; daß er Zeugniß gäbe von dem Lichte, auf daß Alle durch ihn glaubten. Nicht er war das Licht, sondern daß er Zeugniß gäbe von dem Lichte. Es war das wahrhaftige Licht; das jeden Menschen erleuchtet, der da kommt in diese Welt. Er war in der Welt; und die Welt ward durch ihn gemacht; und die Welt hat ihn nicht erkannt. Er kam in sein Eigenthum; und die Seinigen haben ihn nicht aufgenommen. Wie Viele aber ihn aufnahmen, denen gab er Gewalt, Kinder Gottes zu werden; Jenen nämlich, die an seinen Namen glauben, und die nicht aus dem Blute, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnt; und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, eine Herrlichkeit als des Eingebornen vom Vater, voll der Gnade und Wahrheit. ES G Nig Verschaffe uns den Butritt zu deinem Sohne, o Maria! tait du Gebenedeite unter den Weibern, die du Gnade bei dem Herrn gefunden. 221 Dritte Meßandacht, har besonders für die Fest- und Gedächtnisstage der allerseligsten Jungfrau und Mutter Gottes Maria. 1. Aufopferung der heiligen Messe. Allmächtiger, ewiger Gott und Vater! ich bringe dir dieses heilige Meßopfer dar, welches dein geliebter Sohn am Stamme des heiligen Kreuzes vollendet, er, der in dem unbefleckten Leibe der allerreinsten Jungfrau empfangen worden ist, indem die Schlachtopfer des alten Gesetzes dir nicht gefielen, und die Sünden der Menschen dadurch nicht ausgelöscht werden konnten; darum hat deine wunderbare Macht und unabsehbare Güte bir ein anderes Opfer erforen. Deinen eingebornen Sohn hast du durch die Kraft des heiligen Geistes in dem Leibe einer unberührten, keuschen Jungfrau gestaltet. Dieser göttliche Sohn hat, so lange er als Mensch hiernieden wandelte, durch seine Demuth, seine Thränen, Gebete, und durch sein bitteres Leiden und Sterben deiner Gerechtigkeit genug gethan, deinen Zorn gegen das Menschengeschlecht besänftigt, unsere Schuld getilgt, uns wieder Gnade und Huld gewonnen, und so Himmel und Erde vereint. Diesen deinen eingebornen Sohn opfere ich dir durch die Hände des Priesters; durch ihn bete ich dich an, und sage dir, o großer Gott, Dank. Durch ihn bitte ich dich um Verzeihung wegen meiner Sünden, und durch ihn flehe ich um Gnade und Barmherzigkeit für mich und alle armen Sünder, und da du Jesu Christo eine reine Jungfrau zur Mutter gegeben hast, durch welche das Geheimniß deiner Allmacht verherrlicht und vollbracht wurde, so hoffe ich, du wirst mein Gebet, welches ich dir durch die Vermittlung dieser gebenedeitesten Jungfrau vortrage, gnädigst erhören. 2. Vom Anfange bis zum Sanktus. Herr Jesus Christus, mein Gott und mein Erlöser! der in dieses Thränenthal zum Heile der Menschen gekommen ist, um dieselbe durch sein bitteres Leiden und Sterben zu erlösen; warum, o höchstes Gut, hast du so lange verweilet? Du weißt, wie sehr 1 222 Dritte Meßandacht. die Seelen der Gerechten nach dir gefeufzet haben. Warum, nachdem du endlich den Himmel verlassen, und gleich dem erquickenden Morgenthau in den geheiligten Grund des jungfräulichen Leibes eingedrungen bist, warum hast du, o Gott, noch neun Monate unter dem Herzen dieser Jungfrau ruhen, und dreißig Jahre lang bei ihr, und ihr gehorsam leben wollen, da du dich nur drei Jahre lang der Welt gezeigt haft? Die verborgenen Wege deiner Weisheit sind zwar unergründlich; allein es scheint, daß du dir eine würdige Mutter aus dem königlichen Stammhause hast vorbereiten, neun Monate lang diefelbe mit Gnaden zieren, und dreißig Jahre lang bei ihr wohnen, und uns durch sie hast Vollkommenheit lehren wollen. O Sohn des Allerhöchsten! du bist das Licht, das da gekommen ist, die Finsterniß zu erleuchten. Wie könnten sterbliche Augen den blendenden Glanz solcher Strahlen ertragen? Du bist der eingeborne Sohn des Vaters, voll der Gnade und Wahrheit. Wie aber hätte deine Gnade und Wahrheit, o ewig strahlender Glanz der Gottheit, auf verstockte Sünder und Anhänger des Luges und Truges, die ihre Augen nicht öffnen wollten, um dich zu sehen, wirken können? Es waren zwar auch zu jener verhängnißvollen Zeit gerechte Seelen in Israel, denen die Zeit deiner Ankunft nicht unbekannt war; sie schmachteten, aus dem Brunnenquell deiner Gnade zu trinken; doch wußten sie nicht, wo du dich, o ewige Schönheit! verborgen hieltest. Durch Maria, die wunderholde, reinste der Jungfrauen, hast du dich zu erkennen gegeben; die Schäßze deiner Gnade haben sogleich wunderbare Dinge in ihr bewirkt. Sie allein, von den Engeln unterwiesen, und von deinem Geiste innerlich erleuchtet, hatte dich vor allen Andern erfannt. Maria war die Erste, die in dem Hause Sachariä deine Güte verkündigte, die du, o Sohn Gottes! von einem Geschlecht in das Andere denen erzeigest, die dich fürchten. Durch Maria hast du deinen Vorgänger schon im Mutterleibe geheiliget, indem du dich ihm und seiner Mutter geoffenbaret und über beide deinen heiligen Geist ausgegossen hast. Maria ist die Quelle des Lebens, da sie dich, der du unser Leben bist, empfangen und geboren hat. Du bist ihr göttlicher Dritte Meßandacht. 223 Sohn, und sie ist deine göttliche Mutter, und als solche ist sie die Mitwirkerin unsers Heiles. Lob und Dank sei dir, daß du uns eine so holdselige Mutter und Fürsprecherin gegeben hast; und so verleihe uns denn auch diese ihre Fürsprache, daß wir dich verehren, und ihren heiligen Lebenswandel uns zum Beispiele nehmen. 3. Vom Sanktus bis zur Wandlung. O schöne Mutter der Liebe, der Erkenntniß und der heiligen Hoffnung, Königin und Herrscher in der Himmel! wie hat sich Gott wunderbar in dir verherrlicht, und wie groß bist du in deiner Demuth vor seinen Augen, wie herrlich vor den Augen der Menschen, die deinen Glanz anstaunen, und dich als die Mutter der Erbarmung erkennen! Obschon die höllische Schlange mit ihrem Anhang der falschen Lehrer sich wider dich empört, und deine Hoheit, Deine unvergleichlichen Tugenden und deine Macht verkleinert: fo bleibst du doch die Mutter Gottes und die mächtige Beherrscherin des Himmels und der Erde, die der Schlange das Haupt zertrat, und dadurch die Macht der Hölle, und mit ihr alle Irrlehre überwunden und unfähig gemacht hat, sich zu erheben. Es verehren dich die Heerschaaren der Engel, und ich begrüße dich mit dem Erzengel: Gegrüßt seist du Maria voll der Gnaden, du oist gebenedeit unter den Weibern und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes Jesus, welcher als Gottmensch jetzt unter den Händen des Priesters auf dem Altare als Opfer für unsere Sünden erscheint. ( Wenn die heilige Hostie erhoben wird.) Sei gegrüßt, du wahrer Leib meines Gottes und Erlösers' aus Maria, der Jungfrau geboren. Ich glaube an dich und deine göttliche Gegenwart unter den Gestalten des Brodes und Weines; doch stärke meinen Glauben, und laß mich dein genießen bis zu meinem Ende und ewigen Leben. ( Wenn der Kelch mit dem heiligen Blute erhoben wird.) Heiligstes Blut meines Elösers! Wasche mich rein von meinen Sünden, und erquicke meine Seele, o du ewig fließende Quelle der Gnade! Dritte Meßandacht. 4. Nach der Wandlung bis zur Kommunion. Mildester Jesus, Sohn Gottes und der reinsten Jungfrau Maria, wahrer Gott vom wahren Gott, wahrer Mensch aus der Jungfrau geboren, der du wahrhaftig hier auf dem Altare zu gegen bist, um durch dieses heilige Opfer die Schätze deiner Gnade über uns schwache Sünder und Sünderinnen auszugießen: gib, daß ich dich in deiner jungfräulichen Mutter stets deiner würdig verehre. Ich sage dir Dank, o gütigster Gott! für alle die Fülle der Gnaden, mit welchen du die Seele deiner reinsten Gebärerin zu einer dir geziemenden Wohnung geschmücket hast, und flehe mit einem Herzen voll Demuth und Vertrauen zu deiner Barmherzigkeit, du wolleft auf die Fürbitte dieser deiner gütigsten, heiligen Mutter auch meine Seele reinigen und mit Gnaden bereichern, damit ich würdig sei, dich meinen Herrn und Erlöser nun geistiger Weise in mein Herz aufzunehmen. 224 O Maria! Mutter vollkommener Liebe, durch deine liebevolle Sehnsucht, mit welcher du nach der Himmelfahrt deines göttlichen Sohnes verlangtest, mit ihm vereiniget zu seyn, durch diese Sehnsucht erbitte auch mir die Gnade eines feurigen Verlangens nach der Vereinigung mit meinem Gott und Erlöser hier in dem Sakramente seiner Liebe. O könnte ich doch meinem Jesus ein so reines Herz voll der zärtlichsten Liebe zur Wohnstätte anbieten, wie das deinige war, o unbefleckte Jungfrau! Darum verleihe mir denn durch deine Fürbitte, daß ich voll des Verlangens nach meinem Gott und Heiland mein Herz vor Allem rein bewahre, was die vollkommene Vereinigung mit ihm hindern könnte. Laß o Jesus, du Sohn Gottes! da du dich unsertwegen bis zur Menschwerdung, ja bis zur Verborgenheit in der unscheinbaren Gestalt des Brodes erniedriget hast, auch uns Alle der Gnade dieses Geheimnisses theilhaftig werden. Laß dein Reich, deinen Geist und Segen uns zukommen; damit wir gerecht und tugendhaft vor dir wandeln und würdig werden, einstens die ewige Seligkeit zu erlangen. 5. Nach der Kommunion bis zum Schluße der heil. Messe. O unendlich barmherziger Gott! wenn ich die großen Dinge betrachte, die du zur Ausführung der ewigen Rathschlüße beiner Er Bierte Meßandacht. 225 barmung für unser Heil durch die allerfeligste Jungfrau Maria gewirket hast: so erkenne ich die Schäße deiner Allmacht, die Wunderwerke deiner Weisheit, und den unerschöpflichen Reichthum deiner Herrlichkeit. Ich verehre die Gaben deiner Freigebigkeit in deiner unbefleckten Mutter, und indem ich sie anrufe, flehe ich um deine Gnade, die du durch sie ausspendest. Und so will ich dir, meinem theuersten Erlöser vortragen, wenn ich um deine Gnade bitte, daß du Maria von Ewigkeit her zu deiner göttlichen Mutter erwählt, von ihr deine glorreiche Menschheit angenommen, in ihrem jungfräulichen Schooße geruhet hast, und unter ihrer mütterlichen Aufsicht mit Sorgfalt erzogen worden bist. Was wirst du nicht aus Liebe für eine solche Mutter thun, da du um deiner Heiligen willen, die nur deine Diener sind, dich so gnädig bezeigst, dennoch aber Maria, das Meisterstück deiner göttlichen Allmacht, mehr liebest als alle Heiligen; so darf ich hoffen, mehr durch ihre Fürbitte von deiner Gnade zu erhalten. Besonders aber bitte ich dich, du wollest mir einen heiligen Eifer einflößen für die Erlangung der Tugenden deiner vollkommensten Mutter. Verleihe mir vor Allem die, durch welche ich alle andern besitze. Diese Tugend, theuerster Heiland! ist die Liebe, welche sie zu dir gehegt hat, und in welcher ich ihr nachahmen möchte, in der Reinheit des Körpers und der Seele, in der Ge duld, der Sanftmuth, der Liebe zur Einsamkeit und zum innerlichen Leben, um dein Wohlgefallen. deinen Beifall, o Gott meines Herzens! zu erzielen. Amen. Vierte Meßandacht. Bu Hause und in der Kirche zu gebrauchen. Vorbereitung für Jene, die nicht in die Kirche kommen können. ● Liebster Vater im Himmel! Du weißt, wie gerne ich Dich gemeinschaftlich mit meinen lieben Mitchriften in der Kirche anbeten, und dem heiligsten Opfer beiwohnen möchte. Du weißt, daß ich nicht aus Trägheit, nicht aus Kaltsinn vom Gottesdienste wegbleibe; sondern weil Du mich in solche Umstände gesetzt hast, daß ich an jener großen Gnade des gemeinschaftlichen, öffentlichen 15 Vierte Meßandacht. Gottesdienstes in der Kirche nicht Theil nehmen kann. Dein Wille geschehe!- So will ich denn jetzt mein Herz zu Dir, allgegenwärtiger Gott! ebenso erheben, als wenn ich in der Kirche wäre. Du bist überall gegenwärtig; Du siehst und hörest mich. Wenn ich auch den Priester nicht an dem Altare sehe: so weiß ich doch, daß Dir jetzt das heilige Meßopfer an gar vielen Orten dargebracht wird, und ich vereinige deßwegen mein Gebet mit dem Gebete aller Priester und aller Frommen. Wenn ich auch jetzt die Gestalten des Brodes und Weines nicht sehe, unter denen du, o Jesus! wahrhaft in der Kirche gegenwärtig bist: so kann ich dich doch anbeten, der du als wahrer Gott Allen nahe bist, die dich anrufen. Ich höre den Prediger nicht, aber du kannst durch deinen heiligen Geist mich im Innersten belehren und ich bitte dich auch darum demüthigst, obschon ich solcher Gnade nicht würdig bin, da ich oft die Anhörung und Betrachtung des göttlichen Wortes vernachlässigt habe. 226 O mein Gott! ich bekenne mit reumüthigem Herzen, daß ich auch oft aus Nachlässigkeit nicht zur Kirche gegangen, oder doch zerstreut und falt in der Kirche gewesen bin. Ich wohnte dem heiligsten Opfer bei, und hörte das Wort Gottes in der Kirche, und ließ es in meinem Herzen keine Frucht bringen. Aber fünftig, wenn du mir die große Gnade gibst, wieder in die Kirche kommen zu können, fünftig will ich mit aller Andacht dem heiligen Meßopfer beiwohnen, mit Aufmerksamkeit dein heiliges Wort anhören, und auch darnach leben. Gütigster Gott! laß dir nun meine Andacht gefallen, daß mein Gebet zu deinem Throne gelange, durch Jesus, meinen Erlöser, Amen. Eingang. Betrachtung über die Ankunft und das Leben Jesu: ( 1. Die Menschen verlieren durch die Sünde den Himmel und das Wohlgefallen Gottes.) Wir armen Sünder! dich, o Gott! haben wir beleidiget. Schon die ersten Menschen fündigten aus Ungehorsam im Parabiese und verwirkten die ewige Seligkeit. Dazu kommen noch die vielen Sünden aller Menschen, auch meine vielen Sünden. Wie fönnten wir fündhafte, undankbare Menschen dir, heiligster Gott! Vierte Meßandacht. 227 wohlgefallen!- Wer hilft uns aber, daß wir von unsern Süns den und von der ewigen Strafe befreit werden? Wir können uns nicht helfen; denn nicht eine Sünde können wir ungeschehen machen, und wenn wir die gerechte Strafe für die Sünden leiden müssen, dann sind wir ja ewig unglücklich! O Gott, erbarme dich unser! ( 2. Gott verspricht einen Erlöser, den Messias, Jesus Christus.) Du hast dich erbarmt, allmächtiger Gott! Wie kann ich deine Liebe und Barmherzigkeit genug preisen! Du hast einen Erlöser versprochen, der in der Fülle der Zeiten kommen, und uns von der Sünde und der ewigen Verdammniß erretten sollte. O ich banke dir für diese Verheißung. Es reuet mich, daß ich deine göttliche Majestät so oft durch meine vielen Sünden beleidiget habe, ich will aber künftig nicht mehr so undankbar gegen dich, guter Vater! seyn. ( 3. Die Frommen im alten Bunde erwarteten sehnlichst den Messias, Jesus Chriftus.) Göttlicher Erlöser! Dich erwarteten mit heißem Verlangen und größter Sehnsucht die frommen Patriarchen, alle Frommen im alten Bunde, und erlebten es hier nicht, dich kommen zu sehen! - Und ich, als ein Christ, bin so kalt gegen dich. Wie schäme ich mich, daß ich so wenig Verlangen nach dir, eine so geringe, ja fast keine Liebe zu dir habe. Gib mir doch eine heilige Sehnsucht, eine wahre Liebe zu Dir in's Herz. ( 4. Der Sohn Gottes, der Erlöser kommt, wird in einem Stalle geboren die Engel lobsingen, die Menschen verfolgen Ihn.) Endlich war die gesegnete Stunde gekommen, wo du, o Vas ter! deinen Sohn auf die Erde fandtest. Er kam in die Welt, um Allen ewiges Heil zu bringen; und wie kam Er? Eine arme, aber heilige Jungfrau hat Er sich zur jungfräulichen Mutter auserwählt, und in einem Stalle wollte der Heiland der Welt geboren werden. O mein Erlöser! so weit hast du dich erniedriget, um für meinen Stolz zu leiden. In einem Stalle wurdest du geboren, in schlechten Windeln auf faltes Stroh gelegt. Die Schwach heit eines Kindes nahmst du, Sohn Gottes! an, um uns Sünder zu Kindern Gottes zu machen. Aber deine Macht und Herrlich 15* 228 Bierte Meßandacht. keit verkündeten die heiligen Engel! Laßt auch mich einstimmen in euern Lobgefang: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erde. Heil Ihm, der da kommt im Namen des Herrn. Dank dir, mein Erlöser! der du uns zu retten famst, und schon gleich nach deiner Geburt dich verfolgen ließeft für uns, die wir verdient hätten, von der Gerechtigkeit Gottes verfolgt zu werden ( 5. Jesus lebt in stiller Arbeitsamkeit bis zum 30. Jahre bei Maria und Joseph in Nazareth, und ist ihnen unterthan.) Sohn Gottes! Du bist uns zum vollkommensten Muster geworden. Du lebtest stille und unbekannt bei Maria und Joseph; und warst ihnen gehorsam. O wie schäme ich mich, daß ich dir, meinem Gott! nicht gehorsam war; da du doch mir zu Lieb deinem Nährvater und deiner jungfräulichen Mutter so unterthan warst! Ich will aber künftig freudig deinen Willen erfüllen, und verspreche dir, meine Eltern und Vorgesetzte zu ehren. Stille will ich leben. und mich freuen, daß auch ich unbekannt nur für dich, o Gotti teben und arbeiten kann. Gib mir deine Gnade, daß ich nichts anderes suche und will, als dich, o Jesus! und daß ich dir auch in gewissenhafter Erfüllung aller meiner Standespflichten nachfolge. ( 6. Der Herr beginnt im 30. Jahre zu lehren und Wunder zu wirken. Er wird allenthalben verfolgt; nur Wenige folgen ihm.) Dein ganzes Leben, mein Jesus! bestand in Arbeiten, Beten, Leiden und Wohlthun. Wie habe ich bisher gelebt? Auch meinetwegen hast du gelehrt und Wunder gewirkt, auch für mich hast du so oft gewacht und gebetet; und ich bin so träg zum Guten, so saumselig in deinem Dienste! Dein heiliges Wort wird so oft verkündet, und ich beachte und befolge es nicht. O verzeihe mir meine Nachlässigkeit! Von nun an will ich dir mein ganzes Leben widmen, weil du für mich gelebt hast. Ich will auch meine Armuth ertragen, oder die Armen gerne unterstützen, weil du in Armuth gelebt hast. Aus Liebe zu uns Sündern hast du so viel gethan; so will ich auch alle Menschen lieben und Gutes thun, so viel ich kann. Erster Haupttheil. Betrachte das Leiden und den Tod Jesu. Nimm es recht zu Herzen, daß auch deine Sünden Ursache an seinem Leiden sind, und daß er für dich die Strafe litt. Bierte Meßandacht. ( 1. Vor seinem Leiden setzte Jesus das heilige Abendmahl ein, die heilige Meffe.) 229 Gütigster Jesus! Deine Liebe ist so unaussprechlich groß daß du nicht nur willig deinen großen Leiden entgegen gingest; du willst auch unter uns seyn und bleiben. Darum settest du das heiligste Altarsgeheimniß ein, und opferst dich in der heiligen Messe unblutiger Weise deinem himmlischen Vater für uns Sünder auf. O ich danke dir dafür, und bitte dich: Laß mich auch Theil nehmen an dem Segen dieses heiligsten Opfers, das der Priester in deinem Ramen darbringt. Mit Ehrfurcht will ich dein Leiden und deinen Tod betrachten, da du befohlen hast, daß wir zu deinem Andenken das hochheilige Opfer feiern sollen. ( 2. Christus, am Delberge von Judas verrathen, wird zu Annas und zu Kaiphas geführt.) O mein Erlöser! mit dankbarem Herzen erinnere ich mich an die schrecklichen Stunden jener leidenvollen Nacht, in welcher du mit deinen Jüngern vom Abendmahle hinweg auf den Delberggingst, um die Welterlösung zu vollenden. Bis zum Tode war deine Seele betrübt; denn die Sünden aller Menschen lagen auf dir, und für alle solltest du auf eine höchst schmerzhafte Art genug thun. Du betetest zu deinem Vater und der ewige Richter erhörte dich nicht. Du solltest leiden. Die Todesangst trieb dir blutigen Schweiß aus. Ach! daran sind auch meine vielen Sünden schuld. Einer von den Deinen, die du so innig liebtest, wurde dein Verräther. Unbarmherzig ergriffen dich deine Feinde. Man schleppte dich zu den Hohenpriestern vors Gericht, und auf falsche Anklagen wirst du zum Tode verurtheilt!- O Herr! wenn ich in meiner letzten Stunde mit dem Tode ringe, stärke mich, und befreie mich von der fürchterlichen Sündenangst; und wenn ich vor deinem Richterstuhle Rechenschaft über mein ganzes Leben ablegen muß, verfahre gnädig mit mir. ( 3. Chriftus wird zum Pilatus und Herobes geführt, gegeißelt, gekrönt, einem Mörder nachgesetzt, und obschon für unschuldig erklärt, doch. zum Tode verurtheilt.) Gütigster Heiland! die größten Mißhandlungen, Spott und Verachtung erduldetest du von so vielen, denen du Gutes gethan. Deine Feinde begehren deinen Tod, o Heiligster! und du ● 230 Vierte Meßandacht. hörtest alle ihre Schmähungen geduldig an; ja du littest sogar mit größter Sanftmuth, daß man dir einen Mörder vorzog, um die Strafe für meinen Stolz zu leiden. Pilatus meinte, er könnte die Wuth deiner Feinde stillen, wenn er dich geißeln ließe; allein dieß war nur eine neue Marter, die dein Leiden noch vermehrte. O wie grausam war diese Geißelung, als man deinen ganzen Rücken zerfleischte! Und doch war es den Henkern nicht genug. Mit grausamem Muthwillen drückten sie eine Dornenkrone auf dein heiliges Haupt, und schlugen unbarmherzig mit dem Rohre darauf, so daß die Stacheln bis auf das Gebein eindrangen. O mein Erlöser! ich beweine meine Sünden, welche dir solche Schmerzen verursachten. ( 4. Christus trägt das Kreuz, wird auf Golgatha geführt, und da gekreuziget.) Wie abscheulich muß doch die Sünde seyn, da sie dir, mein Heiland! so unaussprechliche Marter verursachte? Und Alles littest du mit Geduld; und ich wollte nichts aus Liebe zu dir leiden? Wie gerne nimmst du das Kreuz, und gehst deiner Todesmarter entgegen; und ich wollte dir mein Kreuz nicht gerne nachtragen? Verwundet am ganzen Leibe war für dich jeder Schritt schmerzhaft, und doch gingst du willig noch größeren Leiden entgegen; und wie zaghaft bin ich! Als du angekommen warst auf dem Kalvarienberge, rissen bir die Henker deine Kleider herab. Blutend standest du vor der ganzen Menge nackt und bloß. O welch eine Pein für dich, Heiligster! Da littest du wegen unsrer Kleiderhoffart, und wegen der Sünden gegen die Ehrbarkeit. Welch ein Schmerz, und das Volf spottet noch! Nichts gleicht deiner Liebe, o Herr! Wie kann ich dir genug danken! Um für meine Sünden zu büßen, um mich vor der ewigen Strafe zu befreien, legst du, Lamm Gottes! mit Freuden dich hin auf das Kreuz, auf diesen blutigen Altar; laffest durch deine heiligen Hände und Füße rauhe Nägel schlagen, und dich als Versöhnungsopfer am Kreuze erhöhen. Zwischen Himmel und Erde schwebtest du in unaussprechlicher Pein. ( 5. Christus stirbt am Kreuze und föhnt das sündhafte Menschengeschlecht mit Gott aus.) - Vierte Meßandacht. 231 Wer kann deine Wunden zählen, gefreuzigter Jesus! Wer fann fühlen deine Schmerzen? Aus zerriffenen Adern strömt dein heiliges Blut. Dein Leib voll Wunden hatte kaum mehr eine menschliche Gestalt. Und doch waren die Leiden deines liebevollen Herzens noch größer; denn du wußtest, wie dennoch so Viele in ihrer Unbußfertigkeit verharren, deiner Liebe gar nicht achten, und also rettungslos zu Grunde gehen würden. Gütigster Heiland! der du noch am Kreuze des Missethäters dich erbarmteſt, erbarme dich auch meiner; ich bereue und beweine meine Sünden, und seße auf dich mein ganzes Vertrauen. Nachdem du, o Herr! am Kreuze noch für deine Feinde gebetet, für deine Mutter gesorgt, durch deinen Durst, und durch die fürchterliche Pein der Verlaffenheit Alles erfüllet hattest, was dein himmlischer Vater zur Genugthuung für die Sünden der - dann riefst du mit ganzen Welt nebst deinem Tode forderte, lauter Stimme: Es ist vollbracht. Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist! Und nun schloß sich dein sanftes Auge, und das Opfer war vollbracht. Blut und Wasser floß aus deinem Herzen. O mein Erlöser, so starbst du am Kreuze, damit ich ewig lebe! - Zweiter Haupttheil. Wie sich Jesus Christus blutiger Weise am Kreuze seinem himmlischen Vater aufgeopfert hat, so opfert er sich unter den Gestalten des Brodes und Weines wahrhaft gegenwärtig noch täglich unblutiger Weise für uns auf. ( Danke dafür, und opfere mit den Priestern, welche jetzt das heilige Meßopfer feiern.) id Ich danke bir, o Jesus! für deine unendliche Liebe, mit der du durch deinen Tod das große Werk der Erlösung vollbracht hast. Ich danke dir aber auch, daß du dich noch täglich für uns in der heiligen Messe zum Opfer gibst. Ewig will ich dich preisen, weil du uns Sünder mit deinem himmlischen Vater versöhnest. Allmächtiger, himmlischer Vater! so steh nun auch mit Wohlgefallen auf deinen Sohn, unsern Erlöser, da er sich bir in der heiligen Messe für uns Sünder zum Opfer bringt, und erhöre fraft dieses Opfers gnädigst mein Flehen, da ich in Vereinigung 232 Vierte Meßandacht. mit deinem Priester und allen Christen dir deinen Sohn, meinen Erlöser mitopfere. ( 1. Opfere Jefum Christum zur Anbetung, zum Lobe und zum Preise Gottes.) Vor Allem opfere ich dir, o himmlischer Vater! deinen Sohn, meinen Erlöser zum Lobe und zur Anbetung deiner Majestät. Du bist unser Herr und Gott, von dem wir Alles haben, ohne den wir nichts sind, und keinen Augenblick bestehen können. Du regierest in aller Macht und Herrlichkeit, und die ganze Schöpfung betet dich in tiefster Demuth an. Laß dir auch unsere Huldigung und Anbetung gefallen. ( 2. Opfere Chriftum als Dankopfer.) Ich kann dir, himmlischer Bater! nichts angenehmeres als meinen Erlöser opfern. Darum nimm seinen Leib und sein Blut an als unser Dankopfer für die unzählbaren Wohlthaten, die du mir und allen Menschen von Jugend auf bis zu dieser Stunde verliehen hast, und noch verleihen wirst: besonders aber zum Danke für die unaussprechliche Gnade, daß du deinen Sohn ges sendet hast, und uns durch seinen Tod von der ewigen Strafe bes freieft. Insbesondere danke ich dir für diese N. N. Gnade, die du mir so huldreich verliehen hast; so wie auch für alle Wohlthaten der Seele und des Leibes Auch opfere ich dir deinen Sohn zum Danke für alle Gnaden, die du jenen erweisest, welche deine Liebe noch nicht erkennen, und dich nicht lieben. ( 3. Opfere Chriftum als Versöhnungsopfer, da er durch seinen Tod für die Sünden der ganzen Welt genug gethan hat.) Nimm an, o himmlischer Vater! deinen Sohn als ein überschwängliches Opfer für meine Sünden und die Sünden der ganzen Welt. Laß fraft dieses Opfers uns armen Sündern auch die Strafe nach, die wir verdient hätten, die aber dein Sohn für uns gelitten hat. Es reuet mich vom Grunde meines Herzens, daß ich dich, o höchstes Gut! so oft beleidiget habe; ich habe den ernst. lichen Willen, mich zu bessern. Verleihe auch allen abgeschiedenen Seelen Nachlassung ihrer Sünden und Strafen, besonders diesen N. N., meinen Verwandten und Bekannten, daß sie durch dieses Opfer von ihren Leiden erlöset zur Gemeinschaft aller Heiligen gelangen. Vierte Meßandacht. shop( 4. Opfere deinen Erlöser als Bittopfer.) Ich opfere dir auch deinen Sohn, meinen Erlöser, daß du durch Ihn meine Bitten und die frommen Bitten aller Menschen gnädig erhören wollest. Für alle meine Mitmenschen bitte ich dich um die Gnade, daß wir immer mehr zur Erkenntniß deiner Wahrheit gelangen, und in Tugenden zunehmen mögen. Komm zu Hilfe den Bedrängten, bekehre alle Sünder, stärke die Schwachen, befestige die Frommen, und erhalte die Jugend in der Unschuld. Ich bitte für Alle, die mir Gutes. oder Schlimmes angethan, und denen ich Böses zugefügt habe; für Alle, die ich je gekannt habe, und mit denen ich jetzt lebe. Besonders flehe ich im Namen Jesu für N. N., die meinen Herzen so nahe sind, und bitte dich auch, daß du meinen lieben Eltern und Wohlthätern ihre Liebe vergelten und mir diese besondere Gnade?? verleihen wollest. Gib Allen deine Gnade, damit wir nach deinem Willen leben, die Sünde meiden, und dort im Himmel uns ewig freuen mögen. ( 5. Opfere dich selbst mit Christus dem himmlischen Vater auf.) Laß mein Vertrauen und meine Hoffnung, die ich auf deis nen Sohn meinen Erlöser seßze, nicht zu Schanden werden. Ers höre, kraft des heiligsten Meßopfers, unsere Bitten, und laß nicht zu, daß wir gegen deine Ehre, gegen deinen Willen handeln. Das rum opfere ich mich mit deinem Sohne ganz auf, zur Vollbrins gung deines göttlichen Willens; denn es ist mein einziges Verlangen, als ein wahrer Christ zu deiner Ehre zu leben, zu leiden und zu sterben. 233 Dritter Haupttheil. Bete Jesus an, und sehne dich von ganzem Herzen nach der heiligen Kommunion. O göttlicher Heiland! dich bete ich in tiefster Demuth an. Dir, mein Herr und mein Gott! schenke ich mich ganz hin. O könnte ich dich mit allen heiligen Engeln, mit allen Auserwählten loben! Nimm meinen guten Willen und meine dankbare Liebe an, bis ich dort im Himmel ewig dein Lob singen, und dich ungestört ewig anbeten kann. Du forderst nur von mir, daß ich aus Liebe zu dir deine Gebote halte, und auch dazu gibst du mir deine Gnade; ja du kommst selbst zu mir, und nährest mich durch dei. nen Leib und dein Blut zum ewigen Leben. Vierte Meßandacht. Welch ein Wunder der göttlichen Liebe!- Es genügte deiner Liebe, o Jesus! nicht, dich für uns Sünder hinzuopfern. Du wollteft auch bei uns bleiben, in unsern Herzen Einkehr nehmen, und uns mit dir vereinigen, damit uns zu unserer Beruhigung und zur Erreichung unserer Bestimmung nichts ermangele. Du verhüllest dich unter Brodesgestalten, damit wir durch den Genuß des göttlichen Himmelbrodes, welches du selbst bist, deiner Vereinigung mit uns gewiß werden, und in dieser Vereinigung dich auch als Unterpfand deines fortwährenden Beistandes in allen unsern Nöthen und als Unterpfand unserer Auferstehung und des ewigen Lebens besitzen. Ich bete dich an, göttlicher Erlöser! im heiligsten Altarsgeheimnisse; denn durch dein Wort und durch die Lehre und den Glauben deiner heiligen katholischen Kirche weiß ich, daß du unter den Gestalten des Brodes und Weines ganz, wahrhaftig und wes fentlich gegenwärtig bist. Es reuet mich, daß ich oft so lau vor dem Allerheiligsten war, so falt und zerstreut zur heiligen Kom munion ging. Künftig aber will ich mich eifriger vorbereiten, und mit größerer Andacht zu deinem Tische gehen, damit mir der Genuß deines Leibes zum ewigen Heile gereiche. 234 O Herr! ich bin zwar nicht würdig, daß du zu mir kommst, und doch habe ich ein so sehnliches Verlangen, dich in mein Herz aufzunehmen! Mache du mich würdig. Reinige mich immer mehr von jeder sündhaften irdischen Neigung; laß mich nur an dir Freude haben, und verbittere mir Alles, was mich von dir abführen würde, damit ich nur dir leben möge. Und wenn ich durch deine Gnade wieder zu deinem Tische komme, so bitte und verlange ich dich so andächtig zu empfangen, wie dich deine Heiligen empfangen haben; bitte und verlange, so innig mit dir vereiniget zu werden, daß mich nichts von dir trennen könne. Ja dein, o Jesus! will ich seyn immer und ewig, Amen. Beschluß. Laß dir, o himmlischer Vater! meine Anbetung gefallen, und mein Gebet zu dem Throne deiner Majestät gelangen. Erhöre meine Bitten, die ich im festen Vertrauen auf die Verdienste deines Sohnes unsers Heilandes Jesus Christus dir dargebracht habe in Vereinigung mit allen Priestern, die das Fünfte Meßandacht. 235 heiligste Meßopfer heute entrichten. Laß auch mir zu Theil werden das Heil, welches in diesem Opfer für uns ist. Laß alle Menschen die Wirkungen deiner Gnade erfahren, daß wir uns alle deiner Vaterliebe erfreuen mögen. Ich opfere mich ganz Dir auf. Ich will nur dir zu Liebe arbeiten, leiden und leben. Darum will ich mich heute vor dieser Sünde N. N.( z. B. Ungeduld, Trägheit, liebloses Urtheilen über meinen Nächsten, Geschwäßigkeit, Stolz, Neid 2c.), mit der ich dich schon so oft beleidiget habe, sorgfältig hüten, will jeden sündhaften Gedanken verabscheuen, und kein unanständiges, unwahres oder liebloses Wort sprechen, nichts Böses thun, aber auch nichts unterlassen, was mein zeitlicher und ewiger Beruf mir zur Pflicht macht. Gib mir deine Gnade dazu, o mein Gott! Heilige Maria! heiliger Schußengel! euerem Schuße empfehle ich mich. Bittet für mich, daß ich durch Gottes Gnade immer eifriger im Guten und einst ewig selig werden möge, durch Jesus Christus unsern Herrn und Heiland, Amen! Fünfte Meßandacht. ( Versöhnungs- und Dankopfer, besonders bei Wallfahrten.) 1. Eingangsgebet. O Vater der Gnade und Barmherzigkeit! Wie du einst von deinem Himmel auf Golgatha herabgesehen, wo sich im blutigen Opfertode am Kreuze dein ewiger Sohn zur Versöhnung des Menschengeschlechtes deiner Gerechtigkeit hingab; eben so würdige dich nun, voll Huld und Gnade auf diesen Altar herabzublicken, auf welchem mun abermals dieser dein Sohn durch die Hände deines heiligen Dieners dir unblutig geopfert wird, um dich zu verföhnen. So lasse denn auch mich Antheil nehmen an diesem vollgültigen Sühnopfer, da ich nun nach der Vorschrift meines Heilandes reuig meine Sünden bekannt, mich zu beffern entschlossen habe, und zu jeder Genugthuung, die mir möglich ist, bereit bin Laß mir durch die Kraft dieses Opfers Gnade widerfahren und verzeihe mir erbarmend meine Sünden. Aber auch als Danksagung sei dir dieses heiligste Opfer dar. gebracht. Nimm, o himmlischer Vater! durch deinen Sohn Jesum 236 Fünfte Meßandacht. Christum meinen innigsten Dank für alle die Gnaden und Wohlthaten, die die Fülle deiner Güte mir durch diese heilige Wallfahrt zu Theil werden ließ. Ich weiß meine Dankbarkeit nicht würdiger an den Tag zu legen, als durch dieses unschäßbare Opfer, das Alles aufwiegt, was Erde und Himmel Kostbares haben, und das auch in deinen heiligsten Augen von unermeßlichem Werthe ist. O nimm meinen Dank, den ich dir in Jesu Christo, deinem Sohne, demüthigst darbringe, wohlgefällig auf. Amen. 2. Vom Anfange bis zum Sanktus. Herr Jesus Christus, mein Gott und mein Erlöser! der in dieses Thränenthal zum Heile der Menschen gekommen ist, um dieselben durch sein bitteres Leiden und Sterben zu erlösen. Warum, o höchstes Gut! hast du so lange verweilet? Du weißt, wie fehr die Seelen der Gerechten nach dir geseufzet haben. Warum, nachdem du endlich den Himmel verlassen, und gleich dem erquickenden Morgenthau in den geheiligten Grund des jungfräulichen Leibes eingedrungen bist, warum hast du, o Gott! noch neun Monate unter dem Herzen dieser Jungfrau ruhen, und dreißig Jahre lang bei ihr, und ihr gehorsam leben wollen, da du dich nur drei Jahre lang der Welt gezeigt haft? Die verborgenen Wege deiner Weisheit sind zwar unergründlich; allein es scheint, daß du dir eine würdige Mutter aus dem königlichen Stammhause hast vorbereiten, neun Monate lang diefelbe mit Gnaden zieren, und dreißig Jahre lang bei ihr wohnen, und uns durch sie haft Vollkommenheit lehren wollen. O Sohn des Allerhöchsten! du bist das Licht, das da gekommen ist, die Finsterniß zu erleuchten. Wie könnten sterbliche Augen den blendenden Glanz solcher Strahlen ertragen? Du bist der Eingeborne Sohn des Vaters, voll der Gnade und Wahrheit. Wie aber hätte deine Gnade und Wahrheit, o ewig strahlender Glanz der Gottheit! auf verstockte Sünder und Anhänger des Luges und Truges, die ihre Augen nicht öffnen wollten, um dich zu sehen, wirken können? Es waren zwar auch zu jener verhängnißvollen Zeit gerechte Seelen in Israel, denen die Zeit deiner Ankunft nicht unbekannt war; sie schmachteten, aus dem Brunnenquell beiner Gnade zu trinken, doch wußten sie nicht, wo du Fünfte Meßandacht. 237 dich, o ewige Schönheit, verborgen hieltest. Durch Maria, die wunderholde, reinste der Jungfrauen, hast du dich zu erkennen gegeben; die Schäße deiner Gnade haben sogleich wunderbare Dinge in ihr bewirkt. Sie allein, von den Engeln unterwiesen, und von deinem Geiste innerlich erleuchtet, hatte dich vor allen Andern erkannt. Maria war die erste, die in dem Hause Zachariä deine Güte verkündigte, die du, o Sohn Gottes! von einem Geschlecht in das andere denen erzeigest, die dich fürchten. Durch Maria hast du deinen Vorgänger schon im Mutterleibe geheiligt, indem du ihm und seiner Mutter dich geoffenbaret, und über beide deinen heiligen Geist ausgegossen hast. Maria ist die Quelle des Lebens, da ste dich, der du unser Leben bist, empfangen und geboren hat. Du bist ihr göttlicher Sohn, und sie ist deine göttliche Mutter, und als solche ist sie die Mitwirkerin unseres Heiles. Lob und Dank sei dir, daß du uns eine so holdselige Mutter und Fürsprecherin gegeben hast, und sc verleihe uns denn durch diese ihre Fürsprache, daß wir dich verehren, und ihren heiligen Lebenswandel uns zum Beispiel nehmen. 3. Vom Sanktus bis zur Wandlung. O schöne Mutter der Liebe, der Erkenntniß und der heiligen Hoffnung, Königin und Herrscherin der Himmel! wie hat sich Gott wunderbar in dir verherrlicht, und wie groß bist du in deiner Demuth vor seinen Augen, wie herrlich vor den Augen der Menschen, die deinen Glanz anstaunen, und dich als die Mutter der Erbarmung erkennen! Obschon die höllische Schlange mit ihrem Anhang der falschen Lehrer sich wider dich empört, und deine Hoheit, deine unvergleichlichen Tugenden und deine Macht verfleinert: so bleibst du doch die Mutter Gottes, und die mächtige Beherrscherin des Himmels und der Erde, die der Schlange das Haupt zertrat, und dadurch die Macht der Hölle, und mit ihr alle Irrlehre überwunden und unfähig gemacht hat, sich zu erheben. Es verehren dich die Heerschaaren der Engel, und ich begrüße dich mit dem Erzengel: Gegrüßt seist du Maria voll der Gnaden, du bist gebenedeit unter den Weibern, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes Jesus, der mit Leib und Seele, jetzt unter den Hän 238 Fünfte Meßandacht. den des Priesters auf dem Altare als Opfer für unsere Sünden erscheint. ( Wenn die heilige Hostie erhoben wird.) Sei gegrüßt, du wahrer Leib meines Gottes und Erlösers, aus Maria, der Jungfrau geboren; ich glaube an dich und deine göttliche Gegenwart unter den Gestalten des Brodes und Weines; doch stärke meinen Glauben, und laß mich dein genießen bis zu meinem Ende und ewigen Leben. ( Wenn der Kelch mit dem heiligen Blute erhoben wird.) Heiligstes Blut meines Erlösers! wasche mich rein von meinen Sünden, und erquicke meine Seele, o du ewig fließende Quelle der Gnade. 4. Nach der Wandlung bis zur heiligen Communion. Mildester Jesus, Sohn Gottes und der reinsten Jungfrau Maria, wahrer Gott vom wahren Gott, wahrer Mensch aus der Jungfrau geboren, der du wahrhaftig hier auf dem Altare zugegen bist, um durch dieses heilige Orfer die Schäße deiner Gnade über uns schwache Sünder und Sünderinnen auszugießen; gib, daß ich dich in deiner jungfräulichen Mutter stets deiner würdig verehre. Ich sage dir Dank, o gütigster Gott! für alle die Fülle der Gnaden, mit welchen du die Seele deiner reinsten Gebärerin zu einer dir geziemenden Wohnung geschmücket hast, und flehe mit einem Herzen voll Demuth und Vertrauen zu deiner Barmherzigfeit, du wollest auf die Fürbitte dieser deiner gütigsten, heiligen Mutter auch meine Seele reinigen und mit Gnaden bereichern, damit ich würdig sei, dich, meinen Herrn und Erlöser, mun geistiger Weise in mein Herz aufzunehmen. O Maria! Mutter vollkommener Liebe! durch deine liebevolle Sehnsucht, mit welcher du nach der Himmelfahrt deines göttlichen Sohnes verlangtest, mit ihm vereiniget zu seyn, durch diese Sehnsucht erbitte auch mir die Gnade eines feurigen Verangens nach der Vereinigung mit meinem Gott und Erlöser hier in dem Sakramente seiner Liebe. O! fönnte ich doch meinem Jesus ein so reines Herz voll der zärtlichsten Liebe zur Wohnstätte anbieten, wie das deinige war, o unbefleckte Jungfrau! Darum verleihe mir denn durch deine Fürbitte, daß ich voll des Verlangens Fünfte Meßandacht. 239 nach meinem Gott und Heiland mein Herz vor Allem rein bes wahre, was die vollkommene Vereinigung mit ihm hindern könnte. Laß, o Jesus, du Sohn Gottes! da du dich unsertwegen bis zur Menschwerdung, ja bis zur Verborgenheit in der unscheinba ren Gestalt des Brodes erniedriget hast, auch uns Alle der Gnade dieses Geheimnisses theilhaft werden. Laß dein Reich, deinen Geist und Segen uns zukommen; damit wir gerecht und tugendhaft vor dir wandeln und würdig werden, einstens die ewige Seligkeit zu erlangen. 5. Nach der Kommunion bis zum Schluße. O unendlich barmherziger Gott! wenn ich die großen Dinge betrachte, die du zur Ausführung der ewigen Rathschlüsse deiner Erbarmung für unser Heil durch die allerfeligste Jungfrau Maria gewirket hast; so erkenne ich die Schätze deiner Allmacht, die Wunderwerke deiner Weisheit, und den unerschöpflichen Reichthum Deiner Herrlichkeit. Ich verehre die Gaben deiner Freigebigkeit in deiner unbefleckten Mutter, und indem ich sie anrufe, flehe ich um deine Gnade, die du durch sie ausspendest. Und so will ich dir, meinem theuersten Erlöser, vortragen, wenn ich um deine Gnade bitte, daß du Maria von Ewigkeit her zu deiner göttlichen Mutter erwählt, von ihr deine glorreiche Menschheit angenommen, in ihrem jungfräulichen Schooße geruhet hast, und unter ihrer mütterlichen Aufsicht mit Sorgfalt erzogen worden bist. Was wirst du nicht aus Liebe für eine solche Mutter thun, da du um deiner Heiligen willen, die nur deine Diener sind, dich so gnädig bezeigst; dennoch aber Maria, das Meisterstück deiner göttlichen Allmacht, mehr lie hit, als alle Heiligen: so darf ich hoffen, mehr durch ihre Fürbitte von deiner Gnade zu erhalten. Besonders aber bitte ich dich, du wollest mir einen heiligen Eifer einflößen für die Erlangung der Tugenden deiner vollkommensten Mutter. Verleihe mir vor Allem die, durch welche ich alle andern befize; diese Tugend, theuerster Heiland! ist die Liebe, welche sie zu dir gehegt hat, und in welcher ich ihr nachahmen möchte, in der Reinheit des Körpers und der Seele, in der Geduld, der Sanftmuth, der Liebe zur Einsamkeit und zum innerlichen Leben, um dein Wohlgefallen, deinen Beifall, o Gott meines Herzens! zu erzielen. Amen. 240 Sechste Meßandacht, ism dina zu Ehren der schmerzhaften Mutter Gottes. Eingangsgebet. Anbetungswürdigster Gott! ich erscheine vor deinem Throne, und erwarte mit Verlangen den Augenblick, wo Jesus, der göttliche Hohepriester das Versöhnungsopfer auf dem Altare verrichtet, und wir Sünder, durch Theilnahme an seinem Leiden, auch seiner Herrlichkeit theilhaft werden. O Gott! ich will mit innigster Andacht diesem heiligen Opfer beiwohnen; denn in und durch Jesus hast du uns Alles gegeben, was uns ewig selig macht. Aber, o liebster Gott! ich bin unwürdig, hier zu erscheinen; denn ich bin ein Sünder. Ich bekenne vor dir, daß ich oft und schwer gefündigt habe. Jedoch voll Vertrauen auf die Verdienste meines Erlösers schlage ich an meine Brust, und bitte, fei mir Sünder gnädig! O ewiger Gott! nimm dieß heilige Meßopfer mit Wohlgefallen an, zu deinem Lobe, deiner Ehre und Verherrlichung, wie auch zur Verehrung der reinsten Jungfrau und Mutter Jesu, die du aus allen auserwählt haft, die gebenedeiteste unter den Weibern, aber auch die leidenvollste unter allen Müttern zu seyn. Verleih, o Herr! daß ich ihrer Leiden jetzt mit Ehrerbietung gedenke, und der Verdienste des Leidens Jesu theilhaft werde. Heilige Maria, o gebenebeite Mutter Gottes! ach zu welch großen Leiden hatte Gott dich ausersehen, da er dich zur Mutter seines Sohnes erwählte! Dich grüßte der Engel als die Gnadenvolle, und dennoch waren deine Lebenstage mit Armuth, Jammer und Leiden angefüllt. Ein Meer von Bitterkeit wurde schon damals über dich ausgegossen, als der fromme Simeon sagte: Mutter! ein Schwert wird deine Seele durchbohren! O leidende Mutter! diese schmerzliche Weissagung wurde überfließend an dir erfüllt. Aber nun bist du die Glückseligste; denn du hast durch stille Ergebung in die Rathschlüsse Gottes die Marterpaline ohne Tod errungen. Bitte, o liebste Mutter! daß ich in allen meinen Leiden standhaft auf Gott vertraue, und durch deine Fürsprache von aller Kleinmuth befreit bleibe, durch Jesus Christus, ansern Herrn. Amen. Sechste Meßandacht. 241 Zum Gloria. Ehre sei Gott in der Höhe, und auf Erden Friede den Menschen, die eines guten Willens sind! Wir loben dich, wir preisen dich, wir beten dich an, wir danken dir Herr, Gott, König, allmächtiger Vater. Herr Jesus Christus, du eingeborner Sohn des ewigen Vaters, Herr und Gott! du Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt, nimm unser Gebet an; der du zur Rechten des Vaters sizest, erbarme dich unser: denn du allein bist heilig, du allein bist der Herr, du allein bist der Allerhöchste, sammt dem heiligen Geiste in der Herrlichkeit des göttlichen Vaters. Amen. Bei den Collecten. Allmächtiger Gott! reinige unsere Herzen, und erhebe unser Gemüth zur Andacht, damit wir jetzt, vereint mit dem Priester, den Kreuztod unsers Erlösers auf dem Altare feierlichst erneuern. Verleih auch, daß wir uns mit inniger Verehrung der schmerzhaften Mutter unsers Herrn erinnern, deren Herz mit der schrecklichsten Angst erfüllt wurde, als Herodes ihr heiligstes Kind zu tödten suchte.- Ich bete dich, o wunderbarer Gott! in diesem Geheimnisse ehrerbietigst an, und opfere dir den Kummer sammt allem Leiden, welches die heiligste Mutter auf der traurigen Flucht nach Aegypten erlitten hat, auf. Laß o Herr! uns deine Diener, durch die Fürbitte der jungfräulichen Mutter deines Sobnes von zeitlichen Trübsalen befreit, einst im Genuße der ewigen Freuden selig werden, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Bei dem Evangelium und Credo. Ewiges Lob und Dank sei dir, o Gott! für die himmlische Lehre, die uns dein geliebter Sohn in seinem heiligen Evangelium hinterlassen hat. Durch diese göttliche frohe Botschaft wurden uns die tiefsten Geheimnisse des Glaubens fund gethan. Durch dieses kostbare Geschenk lernten wir deine Liebe kennen. Wir wissen, daß du, allmächtiger Vater! uns aus dem Nichts hervorgerufen haft; daß Jesus Christus dein Sohn von Ewigkeit ist, und daß er aus Liebe uns mit seinem Blute von der Hölle erlöset hat. Wir wissen, daß der heilige Geist vom Vater und Sohne ausgeht, und mit beiden gleicher Gott ist. O welch erfreuliche, ewig beglückende Botschaft! sie lehrt uns, daß der Sohn Gottes unter der heiligen 16 242 Sechste Veßandacht. Messe auf unsere Altäre herabsteigt, und der nämliche Gott ist, dem Millionen himmlischer Schaaren ein ewiges- Heilig fingen, und daß er hier in dem heiligen Sakramente des Altars allezeit zu finden ist. Verleih, o Gott! daß ich diese beseligende Lehre immer mehr und mehr erkenne, und zu meinem Seelenheile nüßlich anwende, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. - O heilige Jungfrau Maria! ich erinnere mich an alle Angst deines mütterlichen Herzens, da du deinen verlornen Sohn drei Tage lang suchtest, bis du ihn endlich im Tempel zu Jerusalem wieder fandest. Durch diese deine Leiden erbitte mir die Gnade, daß, wenn ich das Unglück habe, durch eine schwere Sünde Jesus zu verlieren, ich ihn mit reumüthigem Herzen und Bußthränen suche, und ihn als einen barmherzigen Vater finden möge, durch eben diesen Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Zum Offertorium. Heiliger Vater, allmächtiger ewiger Gott! nimm das Opfer, welches wir durch die Hände des Priesters auf deinen Altar legen, wohlgefällig von uns an. Wir opfern dir das göttliche Lamm, welches auf Golgatha ist geschlachs tet worden, und bitten durch die Verdienste des Leidens und Todes Jeſu, daß du die katholische Kirche vor aller Widerwärtigkeit bewahren wollest, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. O Gott! erhöre unser demüthiges Flehen, und verleih uns, die wir das innigste Leiden der seligsten Mutter Jefu theilnehmend betrachten, daß wir auf ihre vielfache Fürbitte, durch die Verdienste deines Sohnes unsers Herrn, mit der Seligkeit der Heiligen im Himmel belohnt werden. Amen. O trauernde jungfräuliche Mutter Jesu! ich erinnere mich in Wehmuth an den schmerzlichen Augenblick, da du Jesus deinem einzig geliebten Sohne mit dem Kreuze auf seiner Schulter begegnetest. O wie hat dieser Anblick dein Mutterherz so tief verwundet! wie gewaltsam drängten sich seine Seufzer zum Vater im Himmel, und wie häufig floßen deine Thränen! Ach leidende, schmerzhafte Mutter! ich nehme Antheil an deinem Jammer, und bete die Fügungen Gottes mit Bewunderung an; denn Gott hat dich mit seiner Kraft gesegnet. Hochgelobt sei der Herr in Ewigs keit! Ja, der Herr hat deinen Namen groß gemacht, dein Lob ers Sechste Meßandacht. 24 challet nun aus deren Munde, die den Herrn unsern Gott lieben. Ehre sei dem Vater, und dem Sohne, sammt dem heiligen Geiste; wie im Anfange, jetzt und allezeit. Amen. Zum Sanktus. Unaussprechlich großer Gott! ich bete dich in ehrfurchtsvollem Staunen an; denn nun beginnt das große Wunder deiner Güte und Liebe, und wir bekennen deine Macht in diesem Geheimniße, vor welchem Himmel und Erde anbetend im Staube liegen. O Herrlichkeit und Kraft meines Gottes! stärke meinen schwachen Glauben, damit ich die Heiligkeit der Handlung, die jetzt hier vollbracht wird, tief empfinde. Ewiger Gott! es ist billig und recht, daß alle Engel und Menschen dich mit lauter Stimme preisen, indessen der Priester, der Bevollmächtigte deines Willens, das heiligste Werk vollbringt. Im Vertrauen auf die Verheißungen Jesu des Sohnes Gottes spricht nun der Gesalbte die Einseßungsworte, und das Wunder ist vollbracht. Darum wollen wir o Herr, allmächtiger ewiger Gott! dir Dank abstatten und dich lobpreisen in Jesus Christus unserm Herrn; auch in dem Andenken der schmerzvollen, beweinenswürdigen Jungfrau Maria, die im höchsten Jammer unter dem Kreuze stand. Sie sah ihren lieben Sohn angenagelt am Kreuze, und hörte ihn mit lauter Stimme rufen: Vater, es ist vollbracht! O mein Gott! dieß wundervolle Opfer wird jetzt hier erneuert; Himmel und Erde ergründen nicht die Tiefe dieses Geheimnisses; darum bekennen wir dich als die höchste Majestät, und rufen in Andacht und im Jubel: Heilig! heilig! heilig! ist unser Herr und Gott! gebenedeit, der da kömmt im Namen des Herrn! Hosanna! - Bei der Wandlung. O Jesus, du Sohn Gottes! ſei mir gnädig. Jesus, du Sohn Davids! sei mir barmherzig. Jesus, du Sohn der Jungfrau Maria! verzeihe mir meine Sünden. O mein Erlöser! durch dein göttliches Blut reinige meine Seele von ihren Sünden. Durch dein kostbares Blut stärke mich in allem Guten. Durch dein gnadenreiches Blut verleihe mir Gnade und Barmherzigkeit. O Jesus, wahrer Gott! ich glaube an dich! ich hoffe auf dich! ich liebe dich von ganzem Herzen. Nach der Wandlung. O mein Jesus, ewiger Gott Ich bete dich unter den Brodsgestalten in der tiefesten Ehrfurcht 16* Sechste Meßandacht. an. Du bist groß und schrecklich, aber zugleich die höchste Barmherzigkeit; darum bitte ich dich, wende dein Angesicht zu uns hier Versammelten, und laß dieß heilige Opfer durch die Hände der heiligen Engel vor den Thron deines ewigen Vaters bringen, damit er dadurch verherrlichet werde, und wir Alle, die wir gemeinschaftlich dich in deinem heiligen Fleische und Blute hier auf dem Altare anbeten, mit allem himmlischen Segen und Gnaden erfüllt werden. 244 O Gott, laß unsere Andacht bir wohlgefallen, um das bitten wir durch Jesus Christus, unsern Herrn, durch welchen bu dieses Opfer heiligest und segnest; durch ihn, mit ihm, und in ihm hast du Gott, allmächtiger Vater, in Einigkeit des heiligen Geistes alle Ehre und Herrlichkeit, durch alle Ewigkeit. Amen. Neben dem Kreuze standen seine Mutter, und ihre Schwester, Kleophas Frau, auch Salome, und Maria Magdalena. O ihr heiligen Freunde Jesu, die ihr den Gottmenschen in den entseßlichsten Leiden habt sterben sehen! hier ist dieser nämliche Jesus Christus gegenwärtig, und er opfert sich abermal auf eine unblutige Weise seinem himmlischen Vater für uns auf. Lasset uns ihn hier anbeten, in dem Werke seiner Allmacht und Erbarmung. Lasset uns in Lobpreisung unserm Herrn danken, der sich hingab für unsere Sünden; bittet, daß unsere Danksagung ihm wohlgefällig werde, durch eben denselben Jesus Christus unsern Herrn. Amen. Bei der Communion. Heilige Jungfrau Maria! leidende Mutter! o welch Uebermaß von Bitterfeit erfüllte deine Seele, da man deinen geliebten Sohn vom Kreuze abnahm! O noch nie liebte ein Mutterherz so zärtlich als das deinige; denn du liebtest in Jesus nicht nur den liebenswürdigsten Sohn, den Schönsten und Besten unter allen Menschen, sondern du liebtest in ihm beis nen Gott. Und dieser liebenswürdigste Sohn, dieser anbetungswürdigte Gottheiland lag entfeelt auf deinem Schooße. Ach, welch ein herzzerreißender Anblick! den unschuldigsten mit Wunden bedeckt, um der Sünde willen, in den schmerzlichsten Tod hingegeben zu sehen! Jammernde Mutter! du konntest wahrhaft aus. Sechste Meßandacht. 245 rufen: O ihr alle, die ihr vorüber geht, gebet acht und seht, ob ein Schmerz ist, wie mein Schmerz! O höchst betrübte weinende Mutter! da wir jeßt auf dem Altare das große Versöhnungsopfer erneuern, so vereinige deine Leiden, Seufzer und Thränen mit unserm Gebete, und bringe du selbst unsere Noth und Anliegen vor deinen göttlichen Sohn, der zum Andenken seines Begräbnisses jetzt in das Herz des Priesters eingeht. O daß ich würdig wäre, den heiligsten Leib Jesu mit dem Priester empfangen zu dürfen. Da ich aber dieser Gnade ganz unwürdig bin, so bitte für mich, o liebste Mutter! deinen göttlichen Sohn, daß er geistiger Weise zu mir komme und mich heilige, um ihn bei meiner nächsten Communion recht andächtig zu empfangen, und daß ich durch den Genuß seines heiligen Leibes in allen Tugenden gestärkt werde, die mich zum ewigen Leben würdig machen, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Zum Beschlusse. Allerheiligste Dreifaltigkeit! nimm dieß heilige Mesopfer, welches wir dir in Andacht dargebracht haben, gnädigst von uns an, und laß es als ein Bekenntniß unserer Unterthänigkeit, Ehrfurcht und Anbetung dir wohlgefällig seyn; und da wir uns auch der Leiden und Trauer der jungfräulichen Mutter unsers Herrn dabei erinnert haben, so wolle sie für uns bitten, daß wir durch Nachfolgung ihres heiligen Lebenswandels auf Erden auch so gläubig werden, wie sie, und daß wir so duldend und ergeben alle Leiden und Drangsale von der Hand Gottes annehmen, wie sie es that. Insonderheit wolle die allerfeligste Jungfrau für mich bitten, daß ich einstens eine glückselige Sterbftunde erlange, und unter ihrem Schuße zum ewigen Leben eingehe, durch Jesus Christus unsern Herrn. Amen. Beim Segen. O liebreicher Gott! fegne mich in allen Verhältnissen meines Lebens so, wie du die Mutter deines göttlichen Sohnes in ihrem Leiden gesegnet hast, daß sie in all ihrem Schmerz und Jammer sich gänzlich deinem heiligen Willen hingab. Im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geis stes. Amen. - Danksagung. O Jesus Christus, mein Erlöser! mit gerührtem Herzen sage ich dir Dank für deinen Too am Kreuze, 246 Von der geistlichen Kommunion. dessen Andenkem auf dem Altare ist erneuert worden. Ich habe während dieser göttlichen Todesfeier mit reumüthiger Seele gebetet, und trage nun den Segen des Himmels in meinem Herzen. O Jesus gib mir Kraft, daß ich diesen kostbaren Schatz nicht durch neue Sünden wieder verliere. Auch deines Jammers, o trauernde Mutter Jesu! habe ich theilnehmend mich erinnert. Du standest weinend unter dem Kreuze, und jeder Seufzer, jedes Wort deines sterbenden Sohnes fuhr wie ein Dolch in dein liebendes Mutterherz. O bedauernswürdigste unter allen Müttern! wer wollte nicht mit dir weinen bei Erwägung deines Jammers? du sahst ihn bluten, und sogar von seinem himmlischen Vater verlassen, ohne Trost, ohne Labung, in der schrecklichsten Marter sein großes Werk vollenden. Du littst mehr, als alle seine trauernden Freunde, weil du mehr, als Alle, ihn geliebt haft. O schmerzhafte, Mutter! bleibe mir allezeit eine gütige Mutter. Trage Sorge für mich in meinem Leben, und wenn ich einstens in der Todesangst von allen Menschen verlassen seufze, dann gedenke dieser Stunde des erneuerten heiligsten Opfers, gedenke meiner Liebe, die ich zu dir trage, und fei meine Trösterin, meine Fürbitterin bei Jesus Christus, deinem Sohne, unserm Herrn. Amen. Von der geistlichen Kommunion. ( Vom ehrwürdigen P. Leonhard von Portu Mauritio.) Die geistliche Kommunion ist nichts Anderes, als eine Begierde, Jesum Christum im heiligsten Altarssakramente wirklich zu empfangen. Diese Ulebung ist sehr heilsam; denn jene, welche dieses himmlische Brod der Begierde nach und mit einem lebhaften Glauben, welcher durch die Liebe wirket, genießen, verspüren die Frucht und den Nußen davon; so sagt der heilige Kirchenrath von Trient. Unterlasse wenigstens bei Anhörung der heiligen Messe niemal, geistlicher Weise zu kommuniziren. Bei der Kommunion des Priesters also, oder wenn du immer diese Uebung vornehmen willst, erwecke eine Reue über deine Sünden, flopfe an die Brust zum Zeichen, daß du dich einer so großen Gnade unwürdig haltest; dann erwecke die Liebe, die Demuth, mache die Aufopferung, und übe dich in den übrigen heiligen Anmuthungen, wie du vor ber wirklichen Kommunion zu thun pflegest. Form der geistlichen Kommunion. 247 Nach diesem verlange mit einer inbrünstigen Begierde den gütigsten Jesus im heiligsten Altarssakramente zu deinem Nußen zu empfangen. Damit du die Andacht mehr belebest, so bilde dir ein, Maria die heilige Jungfrau, oder einer von deinen heiligen Patronen reiche dir die heilige Hoftie dar; stelle dir vor, als empfangest du sie wirklich: umfasse alsdann Jesum in deinem Herzen, und sagt zu wiederholten Malen mit liebevollen Worten zu ihm: Komm, o mein liebster Jesu! komm in mein armes Herz und erfattige meine Begierde! komm und heilige meine Seele! fomm, o mein süßester Jesu, komm! Hier schweige, sieh deinen gütigsten Got inner dir an, als hättest du ihn wirklich im heiligsten Sas kramente empfangen, bete ihn an, sage ihm Dank, und erwecke alle jene heiligen Anmuthungen, wie bei der heiligen Kommunion. Die geistliche Kommunion ist ein großer Schaß, und erfüllt die Seele mit tausend Gnaden; ja eine Seele, die mit großer Demuth, Liebe und Andacht geistlicher Weise kommunizirt, erlangt oft größere Gnaden, als eine andere durch die wirkliche Kommut nion erhält, wenn sie nicht gut vorbereitet ist. Die geistliche Kommunion ist unserm Erlöser so angenehm, daß er sich oft gewürdighat, die heiligen Begierden seiner Diener mit augenscheinlichen Wündern zu befriedigen. Die geistliche Kommunion entzündet die Seele mit der Liebe Gottes, sie vereinigt sie mit Gott, und bereitet fie zu den größten Gunstbezeugungen vor. Die geistliche Kommunion hat auch dieses zum voraus, daß man sie des Tags nicht nur einmal, fon dern bei allen heiligen Messen, und auch außer der Messe, Mora gens, Abends und auch unter Tags, Nachts, in der Kirche und zu Hause, mit Einem Worte, überall, und so oft man will, verrichten kann. Wache auf, meine Seele! und nimm diese gebenedeite Uebung zu deinem Nutzen vor. Form der geistlichen Kommunion. Anbetungswürdigster Jesus! ich glaube fest, daß du in dem vllerheiligsten Sakramente des Altars wesentlich zugegen bist. Ich liebe dich über Alles Aus Liebe zu dir bereue ich alle meine Sünden.- In Ewigkeit will ich nicht mehr fündigen.- Meine Seele verlangt dich zu empfangen. Weil ich dich aber gegenwärtig wesentlich im Sakramente nicht empfangen kann, so komme geistlicher Weise zu mir und fehre in meinem Herzen ein! ( Hier erwecke die Begierbe, Jesum im heil. Sakramente zu empfangen.) Ich umarme dich, o Jesu! als schon wirklich gegenwärtig! Ich vereinige mich ganz mit dir; lasse nicht zu, daß ich mich jes mals von dir trenne! KNILLING Du bist Petrus[ ein Fels] und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Dir will ich die Schlüßel des Himmelreiches geben. Was immer du binden wirst auf Erden, das soll auch im Himmel gebunden seyn: und was immer du lösen wirft auf Erden, das soll auch im Himmel gelöset seyn. 249 III. Abschnitt. Andachtsübungen zur heiligen Beicht und Kommunion. I. Beichtandacht. Kurze Anleitung zum würdigen und nützlichen Empfange des heiligen Bußsakraments. Unter den Uebungen zur Erlangung eines tugendhaften oder gottseligen Lebens ist keine häufiger, als die Beicht; und dennoch bringt bei Vielen keine weniger oder gar keine Früchte, als diese hervor, weil sie nicht so fast aus Eifer für die wahre Frömmigkeit und Lebensbesserung, als vielmehr aus Gewohnheit und daher nur oberflächlich und leichtfertig verrichtet wird. Bedenke daher: I. daß der fromme und oftmalige Gebrauch des heiligen Bußsakramentes das leichteste Mittel sei, in kurzer Zeit große Fortschritte in der Vollkommenheit zu machen. Denn 1) durch dasselbe werden die Sünden und die Neigungen zur Sünde ausgerottet; 2) der Eifer für die Tugend und das Fortschreiten im geistlichen Leben angefacht; 3) die Gnade und die Liebe Gottes vermehrt; 4) die Reinigkeit, die Ruhe und der Friede des Gewissens erlangt, das Grauen vor dem Tode vermindert u. f. w. II. Errege oder erneuere in dir das feurige Verlangen und den festen Vorsaß, das heilige Sakrament der Buße mit der gehörigen Gemüthsverfassung, Sorgfalt und Andacht zu empfangen; daher betrachte: 1. Den erhabenen End zweck, wozu dieses Sakrament eingeſetzt worden ist, nämlich zur Verzeihung der Sünden, Heilung der Seelenschwächen, Erneuerung des Eifers, zur Vermehrung der Verdienste, der Gnade, der Herrlichkeit u. f. w. 2. Die gar leichte und wirksame Art, wie man sich durch den oftmaligen, ernstlichen und herzlichen Gebrauch dieses Sakramentes die Verdienste Christi zueignen und der so groffen Schäße der göttlichen Gnade theilhaftig machen könne; 250 Beichtandacht. 3. Die kräftigen Antriebe dazu, dergleichen sind: der Wille Gottes, der einzig unsére Heiligung verlangt; die Menge der göttlichen Wohlthaten, die Schwere der Sünden, die Kürze des Lebens, die Ungewißheit der Gnadenzeit, die Furcht vor dem strengen Gerichte, der Schauder vor der Ewigkeit, die Strenge der Strafen in dem andern Leben u. f. w. III. Bitte Gott um seine kräftige Gnade, mit welcher du deine Sünden erkennen, sie verabscheuen, beichten, und durch die Hilfe der unendlichen Barmherzigkeit Gottes, welche dich so gütig zur Buße einladet und erwartet, wieder gut machen wirst. IV. Rufe dir die Sünden in's Gedächtniß zurück, und zwar auf eine bestimmte Art, wodurch das Gerächtniß unterstützt wird. Denke nach, wie du dich gegen Gott, gegen dich selbst und den Nächsten, durch Gedanken, Worte und Werke vergangen habest. Fasse dieß kurz zusammen, laß allgemeine unschickliche, unnöthige, bedingte und solche Anklagen weg, welche mehr Entschuldigungen, als Selbstanklagen sind. Gib die Art, die bestimmte oder doch wahrscheinliche Zahl und die nothwendigen Umstände, welche die Gattung verändern, von allen Sünden, die das Ge wissen beschweren, genau an. Drücke dich klar aus; sage jedes Einzelne mit bestimmten, einfachen und deutlichen Worten. Unterscheide zwischen Gewissem und Zweifelhaftem, zwischen Wichtigem und Geringem, zwischen Ueberlegung und Uebereilung, zwischen Aufmerksamkeit und Unaufmerksamkeit, zwischen völliger und halber Einwilligung u. s. w. V. Vor Allem aber bemühe dich, 1) eine wahre, herzliche Reue zu erwecken, daß du nämlich diese und alle Sünden deines ganzen Lebens nur aus reiner Liebe zu Gott bereueſt; 2) einen festen und dauerhaften Vorsaß zu fassen, alles dieses und besonders das, was du mit mehr Ueberlegung und öfter begangen hast, ernstlich zu verbessern; die Gelegenheiten dazu und die Gefahren zu meiden; Gott künftig fleißiger zu dienen und zu gefallen, und alles dieses mit einem findlichen Vertrauen auf die väterliche Barmherzigkeit Gottes. Endlich wird es dir einen sehr großen Nußen bringen, wenn du dir angewöhnst, diese Furze Uebung der Reue, besonders vor dem Gebete, in Gefahren, nach dem Falle, in der Versuchung, vor dem Schlafe mit einem einzigen Seufzer zu wiederholen: D Jesu! ich liebe dich, und es reuet mich von Herzen, daß ich dich beleidigt habe. Vorbereitungsgebet. Allmächtiger, ewiger Gott, der du alle Herzen durchschauest, sieh, ich elender, undankbarer Beichtandacht. 251 Sünder, komme zu dir, meinem Schöpfer und Gott, meinem Richter und Erlöser, und klage mich vor dir an, daß ich dich wieder mit vielen Sünden beleidigt habe. Ach, ich habe deinen heiligen Namen entheiligt, deine Gebote übertreten, deinen heiligen Willen verachtet, meine Seele und meinen Leib durch Sündigen verunreinigt und geschwächt, deine Gnade an mir vereitet, und so mich zu deinem Dienste unnüß gemacht. Ach wie lange schon habe ich deinen Gnadenruf ausgeschlagen, und mich gegen deine Liebe und Langmuth kalt gezeigt! Und nicht nur meine eigene Seele, sondern noch viele Andere, die du durch dein heiliges Blut dir erkauft, habe ich durch Reden, böses Beispiel und Nachläßigkeit von dir abgezogen und zum Bösen verleitet. O barmherzigster Gott! wie sehr habe ich deine Güte und Gaben mißbraucht, wie viele Gelegenheiten, Gutes zu thun, vernachläßigt. Und gerade jetzt, da ich wieder zu dir zurückkehren und mich ganz dir aufopfern sollte, befinde ich mich noch so lau, und liebe noch mehr die Geschöpfe, als dich! Ach, ich darf meine Augen nicht zu dir aufheben, bin deiner Gnade und des Lebens nicht werth! Doch wo soll ich vor dir hinfliehen, vor deinem Zorne mich verbergen? Bist du nicht mein Vater, dessen Barmherzigkeit unendlich, dessen Herz gegen den größten, aber demüthigen Sünder immer voll Mitleiden ist? Ja, wenn ich schon nicht werth in, dein Kind zu heißen, so weiß ich doch, daß du mein einziger and bester Vater bist. Deßwegen werfe ich mich mit dem verlornen Sohne dir zu Füßen, o barmherzigster Vater, und bitte dich um deiner Güte und Weisheit wegen, verzeihe mir, reinige und heile mich von allen meinen Sünden, durch die Verdienste deines Lebens und Leidens. Nimm mich wieder zu Gnaden auf, wie du den büßenden König David, Maria Magdalena, den Schächer am Kreuze und noch unzählbare Viele begnadigt haft! Gib mir darum durch den heiligen Geist Licht, alle meine Sünben wohl zu erkennen, und die Liebe Gottes, daß ich sie vom Herzen bereue, mich vollkommen bessere und nach deinem heiligen Wohlgefallen standhaft zu leben anfange! Heilige Maria, du Zuflucht der Sünder, bitte für mich! Beichtandacht. Erforsche nun ernstlich und mit aller Genauigkeit dein Ge wissen, denke nämlich nach über Alles was die Stimme deines Gewiffens dir als eine Sünde vorwirft. Gehe aber dabei, christliche Seele, nicht leichtsinnig zu Werke, und unterlasſe ja nicht, auch darüber nachzuforschen, ob du deine Standespflichten beobachtet, ob du Niemanden ein Aergerniß gegeben hast, das heißt, ob du nicht Ursache gewesen bist, daß Jemand eine Sünde begangen hat, ob du nicht gute Werke, welche du hättest verrichten können, aus Trägheit oder unnüßer Dinge wegen unterlassen und was für Sünden du mit deinen fünf Sinnen begangen hast. Bedenke, daß auch der Gerechte des Tages siebenmal fallen kann und oft fällt, und stelle dir daher vor, du lägest auf dem Sterbebette, wo bei dem Schein der Sterbferze deine Augen aufgehen und du sehen wirst, wie sehr du gefehlt haft daß du nicht ernstlich und redlich das Innere deines Herzens durchforschtest. Benüße hiezu allenfalls nachstehende 252 Anleitung zur Gewissenserforschung. 1. Gegen Gott. Habe ich Alles geglaubt, was Gott geoffenbart hat und mir durch seine Kirche zu glauben befiehlt? Habe ich nicht freiwillig an Glaubensartikeln gezweifelt, zu diesen Zweifeln Anlaß gegeben durch Lesung schlechter und verbotener Bücher, durch Umgang und Gespräche mit gottlosen Personen, durch Versäumung des nöthigen Unterrichts? Habe ich nicht Aberglauben gebraucht; an Gottes Barmherzigkeit gezweifelt, oder vermessentlich darauf gesündigt? Habe ich meine Gebete ohne Andacht verrichtet oder unterlassen, des Morgens, des Abends, vor und nach dem Effen, den englischen Gruß; den Glauben, die Hoffnung, die Liebe erweckt; habe ich die heiligen Sakramente würdig und nach der Vorschrift der Kirche empfangen, die auferlegte Buße pünktlich verrichtet?- Habe ich nicht lästerliche Reden gegen Gott und seine Heiligen, gegen die Religion und die gottesdienstlichen Uebungen ausgestoffen oder angehört? Ueber heilige Sachen gespottet oder gescherzet; Gott geweihte Sachen entehrt und entheiliget? Habe ich den Namen Gottes nicht verunehrt durch falsches oder un nöthiges Schwören vor Gericht, oder sonst durch Fluchen und Verwünschen? Bin ich meinem Eide nachgekommen? Habe ich meine Gelübde erfüllt, oder sonstige Versprechen gehalten? Habe ich die Sonn- und Feiertage, welche Gott zu seinem Dienste sich vorbehalten hat, geheiliget nach dem Willen Gottes und der Vorschrift der Kirche? der heiligen Messe ganz und andächtig beigewohnt, die Predigt aufmerksam angehört; den 1 253 christlichen Unterricht und die Vesper nicht versäumt? Keine fnechtischen Werke, verbotene Arbeiten gethan, gekaufet und verkaufet, mein Gewerb getrieben? Habe ich, was noch strafbarer wäre, durch sündhafte Handlungen diese Tage entheiligt, durch Unmässigkeit im Effen und Trinken, Spielen, Tanzen, gefährliche - Man bedenke, daß diese Belustigungen und Gesellschaften? Tage die Lage des Herrn sind, und daß, wer sie nicht in ſeinem Dienste nach seinem Willen zubringt, thut, was er verbietet, und nicht thur, was er gebietet, sich einer schweren Sünde, einer großen Ungerechtigkeit schuldig macht, und Gott eine schimpfliche Ünbild zufügt. Berchtandacht. 2. Gegen den nächsten. Habe ich den Nächsten geliebt und geschäßt, oder gehaffet und verachtet im Herzen, Feindschaft, Groll, Haß gegen ihn getragen? Habe ich mich in rachsüchtigen und mißgünstigen Gedanken gegen ihn aufgehalten? Habe ich ihn betrübet, beleidiget, erzürnt, ihm geschadet durch lieblose, ehrenrührige, verläumberische, schimpfliche Worte, Reden und Gespräche? Durch Ohrenbläserei, falsches Hinterbringen, Lügen, Zwietracht und Uneinigkeit gestiftet? Anvertraute Geheimnisse, heimliche Mängel geoffenbart? Durch unehrbare Gespräche Andere geärgert, zur Sünde gereizet, zu verführen gesucht? Habe ich mich nicht gegen ihn verfehlt in Handlungen? Durch Betrug im Handel, durch heimliches Zurückbehalten und Bezahltmachen, durch Uebervortheilen? Habe ich als Handweifer, Taglöhner, Dienstbote, meine Arbeit gut gethan? Habe ich als Hausherr den verdienten Lohn gegeben, und den Meinigen das Nöthige nicht versagt? Habe ich etwas genommen, mir zugeeignet, wozu ich kein Recht hatte? Habe ich etwas beschädigt, verderbt, zu Grunde gerichtet? Habe ich Jemanden efränket, geschlagen, verwundet, getödtet? Habe ich den zugefügten Schaden vergütet, das ungerechte Gut zurückerstattet mit meinen Feinden mich ausgeföhn? Habe ich meinen Eltern, Herrschaften, geistlichen und weltlichen Vorgesetzten, die schuldigst Ehre erwiesen, und den billigen Gehorsam geleistet? Habe ich nie gegen ihren Willen, gegen ihre Befehle gehandelt und gethan? Habe ich sie nicht beleidiget und erzürnt durch mein uns ehrerbietiges Betragen und Reden? Sie heimlich betrogen, he logen, hintergangen, bestohlen? Sie bei Anderen verachtet, verkleinert, verläumdet, ihr Anfehen gemindert? Man bedenke besonders, wie man seine Pflichten als Kind, als Dienstbote als Vater, Mutter, Hausherr oder Hausfrau, als Untergebener oder als Vorsteher beobachtet und erfüllt hat. - Beichtandacht. 3. Gegen sich selbst. Wie habe ich mich seit meiner letzten Beicht verhalten, in Gedanken, in Worten, in Handlungen? Habe ich mich nicht in hoffärtigen, eiteln, unreinen, zornmüthigen, eifersüchtigen Gedanken aufgehalten, Freude daran gehabt, darein eingewilligt? Habe ich nicht zu solchen Gedanfen Anlaß gegeben, und die bösen Begierden in mir aufsteigen laffen durch Leichtsinn, Lesung sittenloser Bücher, Mangel an Wachsamkeit über meine Sinne und über mein Herz?- Habe ich mich nicht selbst gelobt, gerühmt, zu vortheilhaft oder gegen die Wahrheit von mir geredet, eitles Lob gesucht, mich hervorgethan, zu viel mir zugetraut, mich geltend gemacht über die Maßen? Habe ich mich nicht verfündigt gegen die Mäßigkeit im Essen und Trinken, durch Genießung verbotener Speisen, wider das Fasten- und Abstinenzgebot? Gegen die Keuschheit durch Blicke, Berührungen auf mich oder Andere, ärgerliche Kleidung, unehrbare Geberden, schändliche Werke oder Zulassungen? Habe ich mich nicht verfündigt durch Trägheit in der Verrichtung meiner Religions- und Standespflichten? 254 Seufzer um die Gabe der Bußthränen. O Gott, der du dem Petrus die Gnade schenktest, bitters lich über seine Sünden zu weinen: barmherziger Vater! Du einzige Zuflucht der Sünder! bewege und zerknirsche mein Herz, daß es in Ansehung so vieler vor dir und gegen dich begangenen Sünden wahre Reue fühle. Schlag auf diesen Felsen, und erweiche durch die Macht deiner barmherzigsten Liebe seine Härte. Mache mein Herz zu deiner Gnade biegsam, und auf deine unendliche Güte aufmerksam, daß ich in Beherzigung derselben hitterlich weine, und meine Sünden eben so verabscheue, wie fie dir mißfallen... Mein Gott, meine Barmherzigkeit gib mir die Gabe der Zähren, und mache, daß mein Herz vor Reue und Leid traure, und eine Thräne über die andere aus beiden Augen stürze... Wie, mein Jesus! wie ist es dir, der du für deine Freuziger aus Liebe starbst, möglich, daß du mir die Gnade versagest, meine Sünden, wegen deren du den Tod erduldeteft, herzlich zu beweinen?... Erbarme dich meiner, und gib mir die Gabe der Zähren, gib mir die bitterste Zerknirschung des Herzens, die meine Seele so aufrichtig verlanget und wünschet... Wegen der Ehre deines Namens, durch die Beichtandacht. 255 Verdienste Jesu, und die Fürbitte aller Derjenigen, welche dir als Unschuldige oder als Büßer gedienet haben, gib mir doch die Gnade, daß ich alle meine Sünden wegen deiner herzlich beweine... Alle heiligen Büßer, bittet für mich! ad., and it c duy Wo kein Feuer ist, muß Stahl und Stein gebraucht werden. Bist du nicht zerknirscht, mache, daß du zerknirscht werdest. Die Erwägung ewiger Wahrheiten, die Gott geoffenbaret hat, bringt das Herz durch die Gnade des Heiligen Geistes in eine Rührung und legt in felbes Feuer. Denke, sagt der heil. Bernhard, an deinen Erschaffer, der dich aus tausend Andern, nach seinem Ebenbilde gemacht hat; und deines Schöpfers hast du vergessen?... Denke an deinen Wohlthäter, der dir sogar seinen eigenen Sohn, und mit diesem Alles gegeben hat. Was hat er mehr thun können; Denke an und du hast das Gute mit Bösem vergolten? Anleitung zur Neue und Leid. deinen Vater, der gesagt und wohl tausendmal dir bewiesen hat, daß er deiner nicht vergesse, wenn schon die Mutter ihres Kindes vergißt. Niemand, Niemand ist so ein Vater: Und warum und diesen besten Vater Hafst du verlassen?.. ... mit welchem Erfolge?... Was hast du durch die Sünde gewonnen?... Schaue den Himmel an... und steige nachher mit deinen Gedanken in jenes Peinort, wo es so erschrecklich Ach! ist, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen was hast du verloren, und was hast du dir zugezogen?.. Wirf einen Blick auf deinen Jesus. Was hattest du für eine Ursache so undankbar gegen ihn dich zu betragen? Nimm das Kruzifirbild in die Hand, füße eine Wunde nach der andern, und seufze bei jeder in Empfindung des Geistes!„ Ach, mein Jesus! du meinst es so gut mit mir, und ich so böse mit dir!" Fahre in diesen eben so andächtigen als rührenden Gedanken eine Zeit lang fort... Steige sobann in deinem Affekt, und da du aus dem Betragen Gottes gegen dich leicht schließen kannst, daß Gott unendlich gut, und die Liebe selbst seyn müße, fonst hätte er deinem Undanke nicht so viele Erbarmungen und Liebe entgegen stellen können; so bereue deine Sünden nicht mehr wegen einer Strafe, die du befürchtest, oder wegen einer Gutthat, die du hoffest, sondern einzig nur darum, weil ein so lieber Gott es wegen seiner selbst verdient, daß man ihn liebe, und feine Beleidigung herzlich bereue, der jede Sünde nothwendig haffen, und die Tugend nothwendig lieben muß. Bete, beher 256 Beichtandacht. zige das, und zeige, daß es dir Ernst ist. So wird's an Buß seufzern nicht mangeln. Uebung der Neue und Leid. O Gott! der du wegen meiner deines eigenen Sohnes nicht verschonet, und mir überbas so viel gethan hast, daß du mir nicht mehr thun könntest... Unendlich liebender und liebenswürdigster Gott! ich erkenne und bekenne, daß ich Böses vor dir gethan, daß ich deinem anbetungswürdigsten Willen zuwider gehandelt, ach! daß ich wider den Himmel und vor dir gefündiget habe. Es schmerzet mich, daß ich dich, meinen höchsten Herrn und Gott verlassen habe, in deffen strafende Hände fallen es so schrecklich ist..... Es schmerzet mich, daß ich von dir, meinem Seligmacher und ewigen Liebhaber, schändlich abgewichen bin. Was hast du dann an mir gethan, daß ich dir dieses thun wollte?... Es schmerzet mich, daß ich deinen heiligen Geist betrübet, und deine unendliche Majestät durch meine Sünden entehret habe. O daß ich dich, meinen liebsten Gott und meinen besten Vater niemals, ach niemals betrübet und beleidiget hätte! O D daß ich niemals gesündiget und Böses gethan hätte, niemals mit Worten und Werken, niemals mit Unterlaffung, oder auf eine andere Art der Bosheit! Ich verabscheue von ganzem Herzen, aus ganzer Seele alle meine Sünden ohne Ausnahme. Ich hasse und verfluche fie tausend und tausendmal. Von jeßt an lege ich alle Liebe und Neigung zur Sünde ab, und nehme mir mit deiner Gnadenhilfe kräftig vor, alle Sünden, besonders diese vordringendere N., wie auch alle Gelegenheit zur Sünde, nach allen Kräften zu fliehen, und alle Mittel anzuwenden, um sie in's fünftige vermeiden zu können. Herr! der du in uns nicht wegen unserer Verdienste, sondern nur aus Gnade das Vollziehen eines guten Werkes, und selbst das Wollen, oder der ersten Vorfaß dazu wirkest: gib mir deine Gnade zur Vollziehung dieses meines Vorsatzes: 257 Beichtandacht. darum flehe ich zu deiner großen Barmherzigkeit, durch die unendlichen Verdienste Jesu Christi, durch alle Tugenden seiner heiligsten Mutter, und durch alle Bußübungen aller Heiligen. V. Ein zerknirschtes und reuevolles Herz R. Wirst du, o Gott! nicht verachten. dior Gebet. D Gott! der du deine Allmacht hauptsächlich dadurch offenbareft, daß du dich der Sünder erbarmest, und ihrer schonest! laß mir die Wirkung deiner Barmherzigkeit angedeihen, und sieh auf mich, wie du auf deinen eingebornen Sohn dort im Garten Gethsemani einen Blick deines liebevollen Vaterauges geworfen hast, als er an dem Delberge mit der bittersten Zerknirschung des Herzens gebetet, und seinen Geist wegen meiner Sünden auf's tiefste gedemüthiget hat. Ich stelle dir dieses unendliche Versöhnopfer dar, und bitte dich durch dasselbe, du wollest dich über meine arme Seele erbarmen, und mir alle meine Sünden aus Gnade verzeihen. Durch denselben Christum, unsern Herrn. Amen. Gebet zu Maria. O Maria, du Mutter der Barmherzigkeit, sichere Zuflucht. der reumüthigen Sünder! verwende dich gnädigst für mich bei deinem göttlichen Sohne, damit ich mich reumüthig, aufrichtig in den Richterstuhl begebe, mich demüthig, vollständig anklage, Verzeihung meiner Sünden erlange, und zu allem Guten kräftig ermahnt und gestärkt werde. Ich flehe heute besonders um deinen mächtigen Beistand. In Zukunft will ich dir als ein getreueres Pflegekind dienen als ich bisher gehan habe. Zuvörderst will ich mich bestreben, deine Tugenden auszuüben, um mich deines Schußes würdiger zu machen. Amen. Unmittelbar vor dem Sündenbekenntnisse. Ich will mich aufmachen, und zu meinem Vater gehen. barmherziger Gett! der du alle Sünder zur Buße einladest, und sie voll Liebe, wenn sie sich zu dir aufrichtig wenden, zu Gnaden aufnimmst: wohin soll ich fündiger Mensch anders fl'ehen, als zu dir, der du getreu und gerecht bist, daß du uns 17 258 Beichtandacht. die Sünden vergibst, und uns von aller Ungerechtigkeit reinigest wenn wir dieselben mit reuevollem Herzen bekennen? Sieh! aus dem Antriebe und Beweggrunde, weil ich fest glaube, daß du in deiner Kirche eine Gewalt eingeseßt hast, die Sünden nachzulassen, und weil ich von deiner Güte hoffe, du werdest mir Alles, was ich wider dich begangen habe, aus Gnade verzeihen, und mich mit dir durch ein neues Band vereinigen; aus herzlichem Verlangen, dir jene Unbild, die ich dir durch die Sünde zugefüget, zu erseßen, und zwar besonders durch die Demuth, womit ich bei den Füßen des Priesters mich selbst beschämen werde, und durch die Bereitwilligkeit, alle Buße anzunehmen; aus der Absicht und Meinung, mein Herz von aller Unreinigkeit zu waschen, alle möglichen Tugenden zu üben, im Wachsthume der Gnade und Verdienste zuzunehmen, mir den Werth des Blutes meines Erlösers und die Kraft seiner heis ligen Sakramente im reichsten Maaße zuzueignen, mich deinen Augen gefälliger darzustellen, und dir alle jene Liebe und Verehrung zu bezeigen, deren du würdig bist: sieh, o Gott! nur aus Liebe zu dir will ich armer fündiger Mensch mich zu den Füßen deines Dieners demüthig werfen, und dir vielmehr als ihm meine Missethat selbst wider mich bekennen. Ach Gott! den ich als den unsichtbaren, in deinem Diener verborgenen Ausspender deiner Gnade anflehe; nimm diese Beicht zur Ehre deines Namens und zum Heile meiner Seele in jener Liebe auf, womit du die Buße der Sünderin Magdalena und des Petrus aufgenommen hast, und laß über mich ein Urtheil der Güte und Barmherzigkeit ergehen. Gott der Liebe und Gott alles Trostes! laß meine Hoffnung nicht vergebens seyn, erfülle meine Begierden, und ertheile meiner Seele gnädigst die Gesinnungen der Vernichtung, des Schmerzens, des Eifers gegen mich selbst, und der Stärke, damit ich meine auch geheimsten Fehler dem Priester offenbare, meinen Stolz erniedrige, recht und vollkommen beichten möge. Beichtformel. Ich danke, Euer Hochwürden! für den empfangenen Segen, und bitte meinen Gott um die Gnade, meine Sünden ordentlich, aufrichtig und demüthig beichten zu Beichtandacht 259 fömen. Im Geiste der Demuth, und mit zerknirschtem Her zen, aus vollkommenster Liebe gegen die unendlich liebenswürdigste, von mir aber, Icider! so oft beleidigte Majestät Gottes Flage ich mich der Sünden wegen an, die ich von letzter Beicht her begangen habe, welche geschehen ist: N. Nenne die Zeit, wo du das letztemal gebeichtet haft. Sodann bekenne deine Sünden, welche du mit Gedanken und Be gierden, mit Worten und Werken, wider die Gebote Gottes und seiner Kirche, wider deinen Nächsten, oder wider die Pflichten beines Standes begangen hast. Beichte ordentlich.- Verschweig Nichts, sonst schreit bein böses Gewissen überlaut, und am allgemeinen Gerichtstage macht dich Gott vor der ganzen Welt zu Schanden, weil du dich nicht in Geheim vor seinem Priester beschämen wolltest. Uèberwinde dich, beichten muß man, und zwar Alles; oder es heißt: Der Hölle zu. Beichte aufrichtig; solche Leute liebt und schäßt man. Freue dich, wenn du noch Zeit und Gnade findest, dich vor einem Priester Jesu Christi demüthigen zu können. Auf die Verbemüthigung folgt Ruhe des Herzens und Erhöhung. Wer in seinen Augen klein wird, der wird in den Augen Gottes und der Menschen groß. Niemanden schäßt man mehr, als Diejenigen, die um Christi und der Tugend willen von Herzen demüthig sind. Glaube mir, und beichte demüthig. Beschluß der Beicht. In diese Beicht schließe ich ein N., auch alle andere, sowohl wiffentliche als unwiffentliche, so wohl gebeichtete als nie gebeichtete Sünden, die mir von Grunde meines Herzens leid sind, und bis in den Tod leid seyn werden, weil ich dadurch meinen unendlich heiligen und gütigen Gott, den ich über Alles liebe, und ewig zu lieben verlange, beleidiget habe. Ich habe den ernstlichen, kräftigen Vorfaß, die Sünde, besonders diese N. N. möglichst zu haffen, und alle Neigung zur selben abzulegen. Ich bitte, Euer Hochwürden! um eine heilsame Buße und um die Lossprechung. Hast du deine Sünden gebeichtet, und der Priester hält es für nothwendig oder zuträglich, dir einige Belehrungen zu ertheilen: so höre seine Worte mit eben der Demuth, Aufmerkfamkeit und Gelehrigkeit an, als wenn sie unmittelbar aus dem Munde deines Gottes flößen. Sage in deinem Herzen wie einst Samuel: Rede, o Herr! dein Diener ist auf dein göttliches Wort aufmerksam. Es wäre eine übel ange 17* 1 260 Beichtandacht. brachte, unzeitige Aengstlichkeit, wenn du in diesem Augenblicke noch über deine Sünden nachdenken, und dich mit der Besorgniß quälen wolltest, ob du sie auch alle gehörig gebeichtet ha best. Dadurch würde die ganze Belehrung des Priesters, und hiermit ein groffer Theil des Nußens, den du aus der Beicht ziehen sollst, verloren gehen. Wenn du in deinem Bekenntnisſe aufrichtig zu Werke gegangen bist, und in Erforschung deines Gewissens gethan hast, was du thun konntest; so überlasse das Uebrige der Barmherzigkeit und Güte deines Gottes; du kannst und sollst in deinem Herzen beruhigt bleiben. Seufzer unter wirklicher Lossprechung. O mein Gott! es reuen mich noch einmal alle und jede Sünden, und sie werden mich alle Tage meines Lebens wohl innigft reuen, über Alles werden sie mich reuen: nur aus Liebe deiner, o Gott, mein Gott und mein Alles! ach! dir zu lieb, weil du immer und ewig das höchste Gut bist, in dem alles Gute, und ohne das kein wahres Gut iſt. Nach der Beicht. O barmherzigster Gott und Heiland! Wie kann ich dir genug danken, daß du mich nun durch das heilige Bußsakrament wieder zu Gnaden aufgenommen, mich durch deinen Priester von allen meinen Sünden losgesprochen, mich durch dein heiliges Blut von meinen Vergehungen abgewaschen und gereinigt haft. Zwar erkenne ich, daß mein Sündenbekenntniß gar unvollständig ist, weil ich viele meiner Sünden vergessen habe; ich erkenne, daß meine Reue noch gar schwach und kalt ist, und daß ich überhaupt mit allen guten Werken deiner göttlichen Gerechtigkeit bei weitem nicht im Stande wäre, hinlänglich genug zu thun. Ja ich könnte meiner Angst niemals los und ruhig werden, wenn ich mich auf meine Beicht und Bußwerke verlassen müßte. Aber ich weiß auch, daß du nur einen guten Willen verlangst, und, was nicht in meinen Kräften ist, durch deine unendlichen Verdienste erseßest. Du bist mein Genugthuer, der durch sein heiliges Leben, Leiden und Tod den himmlischen Vater vollkommen mit mir versöhnt hat! Du bist mein Bürge und Zahler, der meine Sünden- Schulden mit seinem Blute überflüßig bezahlt hat! Du bist das Lamm Got 261 Beichtandacht. tes, das alle Sünden der ganzen Welt, und also auch die Meinigen hinweggenommen und ausgetilgt hat. O himmlischer Vater! ich opfere dir alle Arbeiten, Seufzer und Thränen Jesu Christi, deines ewigen Sohnes, seine erlittene Gefangenschaft, Geißelstreiche, Dornenstiche und Wunden, seine Schmach und Schmerzen am Kreuze, sein vergoffenes Blut und bittern Tod für mich armen Sünder auf zur völligen Abbüßung meiner Sünden, und bitte dich dafür um die Gnade, die Allen zu ihrer Rechtfertigung und Heiligung so nothwendig ist, daß ich mich nämlich nicht bloß auf die Verdienste und Genugthuung meines Erlösers verlaffe und damit begnügt sei; sondern daß ich ihn in's künftige für seine göttlichen Wohlthaten dankbar liebe, seine Gebote halte, und seinem heiligen Leben und Beispiele bis an mein Ende standhaft nachfolge. O Maria, beste Mutter! es ist eine unerhörte Sache, daß einer deiner Diener, der seine Zuflucht mit Vertrauen zu dir nahm, jemals vor deinem Angesichte verstoffen oder verworfen worden sei. Wirf also einen gnädigen Blick auf dein unbeständiges Pflegekind! Sieh! dein göttlicher Sohn hat mir verziehen, mich wieder in Gnaden aufgenommen. Wirst du mich nun verwerfen? Nein! deine zärtliche Liebe zu uns armen Adamsfindern ist mir Bürge, daß du bereit bist, mich wieder als dein Kind anzuerkennen. Erlange mir also, o Mutter meines Erlösers! die Gnade, in den guten und heiligen Gesinnungen, die ich so eben gefaßt habe, bis an das Ende meines Lebens getreu zu verharren. Und du, o heiliger Engel, dem der Allerhöchste mein Seelenheil anvertraut hat! wende von mir ab jede Gefahr Gott zu beleidigen; halte mich fern von jeder Gelegenheit zu fündigen, und leite mich auf dem Wege der Gebote Gottes, damit ich als ein getreuer Diener darauf wandle. D Heilige Gottes, deren Namen mir in der Taufe gege. ben worden sind, damit ich durch euer Tugendbeispiel erbaut und aufgemuntert, in der Unschuld und in der Erfüllung meiner Pflichten fortleben möge; ihr wisset, wie elend ich gefallen bin. Erhaltet mir von dem Allbarmherzigen die Gnade, mein 262 Beichtandacht. Leben von nun an nach dem eurigen einzurichten, um auch dereinst, in eurer Gesellschaft, den Gott der Vollkommenheit und der Liebe ewig zu loben und zu preisen. Amen. Hast du nun den Pflichten der Dankbarkeit Genüge geleistet, so sei deine erste und angelegenste Sorge, die Buße zu verrichten, die der Priester dir auferlegt hat( wenn sie von der Art ist, daß sie auf der Stelle fann verrichtet werden), weil sie der ergänzende Theil des Sakramentes ist. Glaube jedoch nicht, daß mit diesem oft sehr geringen Bußwerke die ganze Genugthuung schon beendigt sei, welche dir zu leisten obliege; dieß würde ein eben so falscher, als für dein Seelenheil gefährlicher Irrwahn für dich seyn. Befleiße dich vielmehr der vorzüglichsten Werke der Genugthuung, als da sind: Beten, Fasten, Almosengeben. Denn durch unsere Sünden vergehen wir uns gegen Gott, gegen unsern Nächsten, gegen uns selbst; darum sollen wir Gott durch Gebet versöhnen und verehren, unserm Nächsten durch Almosen helfen, und unser Fleisch durch Fasten züchtigen. Auch liefern diese drei Werke die beste Gewähr gegen neue Rückfälle und sie sind die sichersten Schutzmittel gegen die Feinde des Heiles, denn Fasten tödtet die Begierlichkeit des Fleisches, thätiges Mitleid mit fremder Noth schwächt die Begierlichkeit der Augen und demüthiges Gebet zum Herrn aller Dinge dämpft die Hoffart des Lebens. Gebet, wenn man seiner Sünden wegen geängstigt und kleinmüthig wird. D Gott! wenn ich an die Menge und Größe meiner Sünden denke, und dabei dein scharfes Gericht betrachte, unwissend, ob ich deiner Liebe würdig bin, oder deinen Haß verdient habe; so werde ich ganz kleinmüthig und trostlos, und weiß mir nicht zu helfen. Wenn ich aber meine Augen auf deine unendliche Barmherzigkeit wende, o Jesu, du Liebhaber der Menschen! so verdamme ich meine Zaghaftigkeit, und erschrecke über mein Mißtrauen. Denn Alles redet mir von dei ner milbreichen Gütigkeit: du hängst am Kreuze für mich armen Sünder; deine heilige Seite hast du mir zur Ruhestätte ers öffnen lassen; deine liebreichen Arme streckest du am Kreuze aus, mich freundlich zu umfangen; dein Haupt hast du im Tode geneigt, allen Sündern den Kuß des Friedens zu geben; die Beichtandacht. 263 Rigen deiner Wunden stehen noch offen, und stellen mir deine Barmherzigkeit vor. Mache dich denn auf, o meine Seele! und sile, mit dem verlornen Sohne, deinem lieben Vater in die Arme; fehre wieder in deine Ruhe. Jesus, dein Heiland, hat dir Gutes gethan; warum verzagest du, o meine Seele, und warum betrübest du dich? Dein Leben hat Jesus vom ewigen Tode erlöset; er hat dich mit Barmherzigkeit und Erbarmniß gefrönt; wie ein Vater hat er sich über dich erbarmt, und dich mit ewiger Liebe umfangen; er ist dein Hirt, dein Freund, bein Gutthäter, dein Herr und dein Gott, und was hast du zu fürchten, wenn er sich deiner annimmt? Deßwegen sei weit von mir jede Kleinmühigkeit und jedes Mißtrauen! und obschon der böse Feind durch kleinmüthige Gedanken mich von meinem Vorhaben abschrecken will, so werde ich dech beständig bis in den Tod auf dich hoffen; denn ich weiß, wem ich geglaubt habe, und auf wen ich hoffe, nämlich auf dich, o mein Herr, und meine Hoffnung im Lande der Lebendigen! dir will ich dienen, und dich lieben bis an's Ende. Amen. Von dem großen Nutzen des fleißigen und oftmaligen würdigen Empfanges des heiligen Bußsakraments. 1. Die öftere Beicht führt zu einer immer größeren Selbstkenntniß. Die Selbstkenntniß ist uns zu unserer Bekehrung und fittlichen Vervollkommnung ganz nothwendig. Und je beffer wir uns fennen, um so mehr sind wir zu unserer Vervollkommnung befähigt. Allein der Mensch erlangt nicht auf einmal eine vollkommene Selbstkenntniß, sondern nur eine anhaltende und oft wiederholte Erforschung seiner selbst führt zu ihr. Allein diese oftmalige Erforschung seiner selbst wird der Mensch im Allgemeinen schwerlich aus sich selbst anstellen, wenn ihn nicht eine besondere Veranlassung dazu antreibt; und diese gibt ihm die öftere Beichte. Denn er muß nothwendig jedesmal seinen Blick in sich hineinwerfen und sich erforschen, wenn er zur Beichte geht. Nebstdem erhält er aber auch noch Anleitung und Nachhilfe zur Selbsterforschung von dem Beichtvater. 2. Die öftere Beicht führt zu größerer Demuth. Je mehr der Mensch sich kennen lernt, um so deutlicher sieht er ein, wie groß die Zahl seiner mannigfachen Schwachheit ist. Diese Erfenntniß bringt aber nothwendig in ihm das Gefühl feiner Nies 0964 Beichtandacht. drigkeit zu wege, was die Wurzel der Demuth ist. Da aber nun die öftere Beichte zu der vollkommenen Selbstkenntniß hinführt, so führt sie auch mit derselben zur Quelle der Demuth, der Mutter jeder wahren Tugend. 3. Die öftere Beichte bewahrt vor Lauigkeit und stärkt im Guten. Die guten Vorsäge, welche wir zum erstenmal fassen, werden selten ausgeführt; und werden sie auch ausgeführt, so müssen sie doch wieder von Zeit zu Zeit erneuert werden, um einerseits nicht in Vergessenheit zu kommen, und andererseits unser Gemüth aufzuregen, in einem gewissen Affekt zu setzen, damit dasselbe nicht gewissermassen einschläft und erschlafft. Und je öfter dieses geschieht, je öfter ein Vorsatz von dem Willen erneuert wird, um so mehr muß man Stärke gewinnen. Das muß aber nothwendig geschehen, so oft wir beichten. Die Beichte selbst aber trägt auch wiederum viel zur Befestigung unserer guten Vorfäße bei. 4. Die öftere Beicht ist die beste Vorbereitung zu einer würdigen Kommunion und ein Bewahrungsmittel vor schweren Sünden. Wenn man in Erwägung zieht, daß es mit dem blossen Wiederholen seines Sündenbekenntnisses nicht genug ist, sondern man auch würdige Früchte der Buße bringen muß, und so mit jeder Beicht Fortschritte in dem Guten machen und in demselben stärker werden muß, so ist es klar, daß eine öftere Beichte die beste Vorbereitung zu einer würdigen Kommunion und sicheres Bewahrungsmittel vor schweren Sünden ist. 5. Eine öftere Beicht ist das beste Mittel, der Gefahr, schwere Sünden zu vergessen, vorzubeugen. Wenn man lange Zeit feine Schulden häufet, und sie nirgends anders als im Gedächtniß aufzeichnet, so ist es ganz leicht möglich, daß der eine oder der andere Schuldposten bei der endlichen Ablegung der Rechnung dem Gedächtnisse entfällt. Nicht so leicht aber wird dieses geschehen, wenn man in nicht gar großen Zwischenräumen von Zeit zu Zeit sein Schuldenregister in's Reine bringt. Demnach empfiehlt sich auch in dieser Hinsicht eine öftere Beichte im Allgemeinen und im Besondern für die, welche ein schwaches Gedächtniß haben, oder bei ihren Beichten von dem Zweifel beängstigt werden, ob sie nicht die eine oder andere schwere Sünde vergessen hätten. - 6. Die öftere Beicht ist das zweckmässigste Mittel, die Seele ihre, auch kleinsten Fehler in ihrem Anfange und Entstehen kennen zu lehren, um sie sogleich und mit leichter Mühe verbessern, ablegen und wegräumen zu können, ehe sie größer Beichtandacht. 263 wichtiger, gefährlicher werden, sich weiter verbreiten, mehr Schaden anrichten und schwerer auszurotten und gut zu machen sind. 7. Die öftere Beicht ist das kräftigste Mittel, die Seele, besonders die der Jugend, vor den sie umgebenden Gefahren zu warnen und zu sichern und jede mindeste Ansteckung gleich im Keime zu ersticken. - 8. Die öftere Beicht ist das passendste Mittel, die geheimsten, der Seele oft ganz verborgenen und oft höchst gefährlichen und schädlichen Fehler und Neigungen, z. B. der Eigenliebe, der Hoffart, des Eigenwillens, der Sinnlichkeit zu entdecken und zu unterdrücken oder ganz zu verhüten. 9. Die öftere Beicht ist das geeignetste Mittel für die Seele, für alle ihre besondern Verhältnisse, Umstände und Bedürfnisse, Belehrung, Rath, Ermahnung, Warnung, Troft und ( Ermunterung zu erhalten, sowie auch die Anleitung und alle Mittel zur Vermeidung alles Bösen und Schädlichen und zur Elangung aller Tugenden der christlichen Vollkommenheit und Heiligkeit. - 10. Die öftere Beicht ist das heilsamste Mittel, die wahre Seelenruhe und den innern Frieden( den Himmel auf Erden) zu erlangen, zu bewahren und nach jeder Störung sogleich wie der herzustellen. 11. Die öftere Beicht ist das beste Mittel, alle Hinderniſse, die der Seele zu ihrer Vervollkommnung in der Buße, Tugend und Gottseligkeit im Wege stehen, fennen zu lernen, zu beseitigen und sie zur einzigen Grundlage jeder wahren Tugend hinzuführen. 12. Durch eine öftere Beichte geben wir unsern Mitmenschen ein gutes Beispiel. Alles, wodurch wir Andere im Guten erbauen können, sind wir aus christlicher Nächstenliebe zu thun schuldig. Und so können wir im Besondern durch eine öftere Beicht bei unsern Nebenmenschen heilsam wirken. Denn das Beispiel vermag viel. - 13. Die Ungewißheit unserer Todesstunde räth eine öftere Beichte. Wann wir sterben, ist ungewiß, es kann zu jeder Stunde, zu jeder Minute geschehen. Nichts Unreines aber geht, wie die heilige Schrift sagt, in das Himmelreich ein Daher sollen wir oft unser Gewissen reinigen, und uns zu jeder Zeit bereit halten, dem Rufe in die Ewigkeit zu folgen. 14. Die lange nicht beichten, widerstreben der Absicht der Beichtanstalt und ihrem Heile. Unser Heiland, sagt ein gottfeliger Mann, hat seiner Kirche das Sakrament der Buße und Beichte hinterlassen, um uns dadurch von allen Sünden zu Kommunionandacht. reinigen, so oft und in dem Maße, als wir dadurch befleckt worden sind. Und wer sollte lange Zeit mit den Sünden behaftet bleiben wollen, da wir ein so leichtes und wirksames Gegenmittel haben? Muß nicht eine Seele, die in Sünden eingewilligt hat, sich selbst zum Abscheu seyn, muß sie nicht aus schuldiger Ehrfurcht gegen die göttliche Majestät, deren Augen auf sie gerichtet sind, alsbald davon sich zu reinigen suchen? Will sie vielleicht den geistigen Tod leiden wollen, da sie eine so unfehlbare Arznei dagegen hat?" 15. Viele glauben, sie hätten keiner Beichte oder doch keiner öfteren nothwendig, weil sie sich keiner Todsünden bewußt feien. Offenbar liegt hier eine irrige Ansicht von der Wirkung der Beichte, rücksichtlich öfterer Beichte und deren vielfachen Nußen, zu Grunde, gleichsam als wäre die Beichte nur für Todsünder eingesetzt und nur für sie ersprießlich. Solchen rufe ich mit den Worten des heiligen Franz von Sales zu: ,, Beichten kannst du, sollst du, wenn dir auch dein Gewiffen keine Todsünde vorwirft. Denn durch das Sakrament der Buße empfangst du nicht allein die Lossprechung von den läßlichen Sünden, die du beichtest, sondern überdieß große Kraft, fie für die Zukunft zu meiden, viel Licht, sie genauer zu kennen, und reichliche Gnade, allen Schaden wieder zu ersetzen, den sie dir zugezogen haben; du übest die Tugend der Demuth und des Gehorsams, der Einfalt und Liebe, und überhaupt in den Werken der Buße und Beichte mehr Tugend als in irgend einem andern. Habe aber auch Acht auf eine Menge Sünden, die gar oft im Gewissen leben und walten, ohne daß man sie gewahr wird, damit du auch diese erkennen, beichten und dich davon reinigen mögest. 266 - II. Kommunionandacht. Borerinnerung. Jeder in der christlichen Lehre gut unterrichtete Christ weiß, welch ein großes und heiliges Sakrament er in der Kommunion empfängt und wie er es würdig empfangen soll und kann. Zur geziemenden Vorbereitung dazu ist es sehr zweckmäßig, daß du, o Chrift! dir die Hauptlehren darüber jedesmal in lebhafte Erinnerung bringest, damit du immer mehr das Glück erkennest und hochschäßest, das dir in diesem Geheimnisse zu Theil wird. Schau mit den Augen des Glaubens, welches unaussprechliche Heil dir der Herr in seinem großen Liebesmale widerfahren lassen will, und tritt ja nie gewohnheitsweiſe, Kommunionandacht. 267 11 unvorbereitet und ohne das hochzeitliche Kleid deiner Seele zu demselben hin. Wohl mußt du lange voraussagen: o Herr! ich bin dessen nicht würdig; Du aber mach mich würdig. Denn dieses allerheiligste Sakrament ist das größte, erhabenste ind gnadenvollste unter allen übrigen, weil es nicht nur die Gnade mittheilt, sondern auch den Urheber der Gnade selbst in sich ents hält. Daher ist denn auch kein Mittel unter allen, die Gott uns schenken kann, vermögender, uns zu bessern und zu heiligen, als dieses hochwürdigste Sakrament. Es ist der Inbegriff aller Wunder des Allmächtigen, ein Wunder der Allmacht und Weisheit, der Güte und Liebe, dessen Größe und Erhabenheit kein erschaffener Verstand zu fassen, keine Sprache auszudrücken vermag. Hier gibt sich Jesus Christus selbst geheimnißvollerweise dem Menschen zum Genusse, daß er ihn zum ewis gen Leben nähre, und ihm zum Unterpfande der Auferstehung und ewigen Seligkeit diene.„ Dieß ist das wahre Brod( Joh. VI.), welches uns der Vater gibt. Dieß ist das Brod Gottes, welches vom Himmel herabkommt und der Welt das Leben gibt." ,, Ich bin," sprach der Heiland zu den Juden, die es rühmten, daß ihre Väter in der Wüste das Manna gegessen, Ich bin das Brod des Lebens; wer zu mir kommt, den wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr düsten." Da die Juden murrten, daß Jesus gesagt hatte:„ Ich bin das lebendige Brod, das vom Himmel gekommen ist," da sprach er unter anderm:" Wahrlich, wahrlich! ich sage euch: wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben. Ich bin das Brod des Lebens. Eure Väte haben Manna gegessen in der Wüste und sind gestorben. Hier aber ist das Brod, das vom Himmel herabfam, damit einer, der davon ist, sterbe. Ich bin das lebendige Brod, vom Himmel herabgekommen. Wer von diesem Brode ißt, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brod, das ich geben werde, ist mein Fleisch, das ich für das Leben der Welt hingeben werde." Da nun die Juden mit einander stritten und fagten: Wie kann diefer uns sein Fleisch zu essen geben, sprach Jesus zu ihnen:" Wahrlich, wahrlich! ich sage euch, wenn ihr nicht effet das Fleisch des Menschensohnes, und nicht trinket fein Blut, so habt ihr fein Leben in euch. Wer mein Fleisch ist und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken. Denn mein Fleisch ist wahrhaftig eine Speise und mein Blut wahrhaftig ein Trank. Wer mein Fleisch ist und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und ich durch den Vater lebe, so wird auch der, welcher mich ist, durch mich leben. Hier - Kommunionandacht. 268 ist das Brod, das vom Himmel herabgekommen, kein solches, wie das Manna, das eure Väter gegessen haben, die dann doch ge storben sind. Wer dieses Brod ißt, der wird leben in Ewigkeit." Da nun viele von Jesu Jüngern selbst sagten: Das ist ein hartes Wort; wer kann es hören? da sprach er zu den Murrenden: ,, Aergert euch das? Wie! wann ihr aber den Menschensohn da hinauffahren sehen werdet, wo er zuvor war? Der Geist ist es, der da lebendig macht; das Fleisch nüßt nichts. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und Leben. Aber es gibt einige unter euch, die nicht glauben. Darum," fuhr er fort,„ habe ich euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht von meinem Vater gegeben wird." Von da an traten viele seiner Jünger zurück und wandelten nicht mehr mit ihm. Daher sprach Jesus zu den Zwölfen: ,, Wollet ihr nicht auch weggehen?" Nun antwortete ihm Simon Petrus: ,, Herr! zu wem sollten wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Und wir haben geglaubt und erkannt, daß du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes." -- Erinnere dich oft, o frommer Christ! an diese Worte deines göttlichen Erlösers und an die ganze Lehre über sein heiligstes Altarssakrament, welche seine unfehlbare Kirche dir treu vorlegt. Eine einzige würdige und mit dem heiligen Andachtsfeier der Liebe Gottes empfangene Kommunion fann uns auf immer in der Tugend befestigen und uns das ewige Leben sichern. Dieses ist der göttliche liebevolle Zweck, warum der Herr sich uns zur Speise gibt. Allein wenn wir ihn empfangen haben, müssen wir ihn festhalten und nie mehr von uns loslassen, welches durch jede schwere Sünde geschieht. Woher kommt es, daß Manche so wenig Nußen aus diesem Sakramente ziehen? Daher, daß sie es, was schrecklich wäre, entweder unwürdig, oder doch wenig gut vorbereitet und mit lauem Herzen empfangen, und sich so die größte Quelle des Heiles zum Verderben umschaffen, oder sie gleichsam verstopfen. Der Herr reicht uns seine Gnaden mit vollen Händen, allein wir müssen sie auch annehmen und mit denselben treu mitwirken und viele gute Früchte bringen. Denn es ist der Wunsch der heiligen Kirche, daß die Gläubigen bei der heiligen Messe nicht nur geistlicher Weise, sondern auch durch den wirklichen Genuß mit dem Priester am heil. Sakramente des Frohnleichnams Antheil nehmen. ( Kirchenr. von Trient Sit. 22. Hst. 6.) Die Gläubigen sollen deßwegen, wie der römische Katechismus lehrt, zum öftern Genuß der heiligen Kommunion ermahnt werden, weil, so wie der Leib zu seiner Erhaltung täglich der Nahrung bedarf, also auch die Seele zu ihrer Erhaltung in der Gnade Gottes und in ter Tugend öfter Kommunionandacht. 269 die geistige Nahrung, das himmlische Brod nöthig hat. Es ist auch wohl nicht erhört, daß ein Christ, der diese heiligen Sakramente sehr selten empfing, zu großer Tugend und Heiligkeit gelangt sei. Kannst du aber nicht so oft kommuniziren, so kannst du es doch öfter thun, als von vielen Christen gewöhnlich geschieht. Nebst der Vorbereitung durch das heilige Sakrament der Buße, verrichte schon wenigstens den letzten Tag vorher alles in der Absicht, deine Seele zu dem hochzeitlichen Gottesmahle festlich zu schmücken; wandle im Geiste gesammelt; thue einige gute Werke; lies etwas über dieses heilige Geheimniß in einem geistlichen Buche; besuche das hochwürdige Sakrament, wenn auch nur eine Viertelstunde, und bete mit Herzensinbrunst zu dem göttlichen Gaste, den du morgen empfangen sollst. Schlafe ein in dem troftund freudevollen Gedanken: Morgen werde ich meinen Herrn und Gott empfangen! Zu einer guten Vorbereitung zur heiligen Kommunion werden eigentlich zwei Dinge erfordert, und eine Seele die von ihrer Kommunion Nußen haben will, muß 1) eine große Entfernung, Absonderung und Abschälung von allen Geschöpfen, und 2) eine brennende Begierde in der Liebe zu Gott zu wachsen und zuzunehmen, besitzen. Was das erstere betrifft, muß die Seele alles das hinwegräumen, was sie an irdische Dinge heftet, sie muß alles das aus ihrem Herzen verbannen, was nicht Gott ist. Wer gewaschen ist, sagt Jesus, der hat nichts mehr nöthig, als daß er die Füße wasche. Joh. 13. Der heilige Bernard erklärt die Bedeutung dieser Lehre, und sagt, daß derjenige, der dieses Sakrament mit großem Nußen genießen will, am Gewissen nicht nur von schweren Sünden gewaschen, sondern auch an seinen Füssen gereinigt seyn soll, nämlich seine Begierden und Neigungen sollen von allem irdischen Unrathe befreit seyn; denn wenn die Begierden einer gläubigen Seele immer noch an der Erde kleben, so sind sie in diesem thierischen Zustande eines vernünftigen Geschöpfes vor den Augen Gottes ein Gegenstand des Ekels und der allerhöchsten Verabscheuung; und da sie jederzeit auch die Seele mit einem eitlem Wohlgefallen an die Geschöpfe binden, so verhindern sie die heilfamsten Wirkungen der heiligen Kommunion. Die heilige Gertrud fragte einst den Herrn, welche Vorbereitung zur heiligen Kommunion er von ihr verlange? Und der Herr antwortete ihr, und sprach: Ich verlange keine andere Vorbereitung von dir, als nur, daß du ganz leer von dir selbst seiest, wenn du zu meinem Tisch kommst. Kommunionandacht. Zas zweite Stück zu einer würdigen Vorbereitung zur heiligen Kommunion ist eine brenende Begierde, Jesum Chriftum zu empfangen, und ein heißes Verlangen, in seiner Liebe zu wachsen. Bei diesem heiligen Gastmahle, sagt der gelehrte Gerson, werden nur die gesättigt, die vollkommen hungrig sind. Aber vor Gerson sagte es schon die göttliche Mutter: Der Herr hat die Hungrigen mit Gütern erfüllet. Der ehrwürdige Avila schreibt, daß, gleichwie Jesus nicht eher in die Welt gekommen ist, als bis er mit großer Sehnsucht verlangt worden ist; eben so weigert er sich auch, in eine Seele mit seinen Gnaden einzugehen, die fein Verlangen nach ihm trägt, und nicht zuvor nach ihm seufzet: denn es gebühret sich nicht, daß diese Speise demjenigen gereichet werde, der daran einen Eckel hat. Christus sagte einst der heiligen Mechtild: Keine Biene stürzt sich in ihrem Fluge mit solcher Begierde auf eine Blume, um Honig daraus zu saugen, als ich von der Heftigkeit der Liebe angetrieben zu den gläubigen Seelen in der heiligen Kommunion komme. Wenn min Jesus Christus so großes Verlangen trägt, in unsere Seelen einzugehen, können wir wohl mir ruhigem Gewissen uns zur heiligen Kommunion nähern, um sein göttliches Fleisch und Blut zu empfangen, ohne ein großes Verlangen nach ihm und nach seiner Liebe in uns zu erwecken? Der heilige Franz von Sales sagt, die erste und hauptsächlichste Meinung einer Seele bei der heiligen Kommunion müßte feine andere seyn, als in der Liebe Gottes zu wachsen; indem man denjenigen nur aus gro Bem Antriebe der Liebe empfangen soll, der blos aus Liebe sich uns schenket. 270 Vorbereitungsgebete. O mein Jesus! ich glaube, daß du in dem heiligsten Sakramente mit deiner Gottheit und Menschheit wahrhaft zus gegen bist, und daß du alle Menschen zu dir eingeladen haft, mit dem Versprechen, daß du sie mit deinem heiligen Fleische speisen, und mit deinem heiligen Blute tränken wollest, damit fie ewig leben. Liebster Jefus, auf diese Einladung bin ich hieher gekommen; o laß mich doch deiner Verheißung theilhaftig werden. Ich verlange deinen heiligen Leib mit der größten Andacht zu empfangen, und in der Meinung, die du, mein Erlöser, selbst hattest, da du dieses heilige Sakrament gestiftet haft. Um mich mit gebührender Ehrfurcht deinem Tische zu na hen, bitte ich dich, bereite du felbst mein Herz zum Empfange Kommunionandacht. 271 deines heiligen Leibes und Blutes. Damit meine Andacht dir wohlgefällig werde, will ich meine heilige Kommunion verrich ten zur Anbetung der allerheiligsten Dreifaltigkeit. zur Dankfagung für dein bitteres Leiden und Sterben, und zur Verehrung der reinsten Jungfrau Maria, die ohne Sünde empfangen und geboren wurde. Und da ich weiß, daß eine einzig würdig empfangene Kommunion aus mir schwachen Menschen den vollkommensten Heiligen machen kann; so bitte ich dich, verleihe mir die Gnade, daß ich mit wahrer Andacht, mit feſtem Glauben, mit ernster Hoffnung und inbrünstiger Liebe vor dir erscheine. se Ach mein Gott und Vater! in Wehmuth liege ich auf meinen Knieen, und bereue mit bitterin Schmerz alle Sünden meines ganzen Lebens, und verspreche hier vor dem heiligsten Sakramente des Altares, daß ich keine. Sünde mehr begehen will. Zur Genugthuung meiner Fehler opfere ich dir deinen geliebten Sohn, der für uns Sünder den schmerzlichen Kreu zestod gelitten hat. Um dieses deines Sohnes willen, o himmlischer Vater! verleih mir die Gnade, heute recht würdig zu kommuniziren. Ohne deinen göttlichen Beistand ist all' mein Bemühen umsonst; ohne deine Gnade bleibe ich unwürdig, wenn ich auch meine ganze Lebenszeit zu dieser einzigen Vorbereitung verwenden wollte. Darum bitte ich, o Gott! du wolleft mir deinen Beistand nicht versagen. Um diese Gnade bitte ich durch Jesum Christum, deinen Sohn, den ich jetzt in dem hei ligsten Sakramente empfangen werde. Bum leidenden Jesus. Liebster Jefus! du hast gesagt:„ So oft ihr mein Fleisch effet, und mein Blut trinket, so erinnert euch an meinen Tod." Ich will also jetzt das Andenken an deinen schmerzlichen Tod in meine Seele zurückrufen, und das Himmelbrod zur Erinnerung an dein heiliges Leiden effen, und dich anbeten und lobpreisen. O mein Erlöser! wie groß ist deine Liebe zu uns Menschen! Kaum hattest du bein letztes heiliges Abendmahl geendiget, so gingst du in den Delgarten und betetest um Wegnahme des Leidenskelches; doch aber sagtest du: ,, Vater! nicht mein, sondern dein Wille geschehe." Kommunionandacht. 272 Deine Angst preßte dir einen Blutschweiß aus, der in Tropfen auf die Erde fiel. O blutschwißender Jesus! wie grausam wurdest du von Mördern überfallen, wie hart gebunden, von eis nem Richter zum andern geführt. Du wurdest auf das grausamste gegeißelt, mit Dörnern gekrönt, und dein gebenedeiter heiliger Leib, derselbe heilige Leib, den ich jetzt empfangen werde, stand entblößt und blutend an der Säule.- O Lamm Gottes! du hast dich aus Liebe für uns Sünder in den schmerzlichsten Tod hingegeben, und mit gleicher Liebe willst du dich auch mir jetzt zur Speise geben; darum thut es mir leid, und ich bereue von Herzen, daß ich dich, meinen Herrn und Gott so oft beleidiget habe. Beschämt kniee ich hier vor deinem Angesicht; da du aber in das Innerste meines Herzens siehst, so wirst du die aufrichtige Reue meines Herzens sehen, und mir meine Fehler verzeihen. O liebster Jesus! ba du am Kreuze dein Leben hingege ben hattest, wurde dir mit einer Lanze deine Seite durchstochen, und es floß Blut und Wasser aus der Wunde. Damals zerriß der Vorhang des Tempels, das Heiligthum that sich auf, so wie jetzt der Tabernakel sich aufthut, und der Sohn Gottes, mein Erlöser, mich heimsuchen wird. D so komm, du Geliebter meiner Seele! fomm, meine gefreuzigte Liebe! ich verlange nach dir; komm, stärke und erhalte mich in deiner Gnade. Bur heiligen Mutter Jesu. O heilige Mutter Jesu! du ohne Sünde empfangen und geboren, du bist der reine Tempel, in welchem Gott gewohnt hat. Um dem großen Gott zu danken, daß er dich zu dieser hohen Heiligkeit erhoben hat, will ich mit aller mir möglichen Andacht die heilige Kommunion verrichten. Auch dich, o liebe Mutter! will ich durch mein Gebet lobpreisen und ehren. Ich weiß dich aber nicht würdiger zu ehren, als wenn ich dich an jenen Trauertag erinnere, an welchem du die Marterkrone errungen, und die Königin der Märtyrer geworden bist. Du standeft weinend unter dem Kreuze, und sahest deinen Sohn in den entseßlichsten Martern seinen Geist aufgeben. O schmerzhafte Mutter! ich bitte dich durch alle die Leiden, die damals dein Herz empfunden, durch alle deine Kommunionand acht. 273 Thränen bitte ich dich, du wollest ersetzen, was mir an wahrer Andacht noch mangelt. Stelle mich Jesu, deinem Sohne, vor, empfiehl mich ihm und bitte für mich, daß er in mein Herz einkehren, und es mit seinen Gnaden erfüllen wolle. Um den Besitz der göttlichen Tugenden. O mein Jesus, du Lamm Gottes, welches die Sünden der Welt hinwegnimmt, komm zu mir, und nimm Alles von mir, was den Augen Gottes mißfällt. Nimm mein fündhaftes Herz von mir, und gib mir ein frommes keusches Herz nach dem Herzen deiner reinsten, unbefleckten Mutter, die ich heute durch meine heilige Kommunion zu ehren suche. Ich weiß aber das Herz deiner heiligsten Mutter nicht findlicher zu ehren und zu erfreuen, als daß ich in ihrer Gegenwart das Bekenntniß ablege, und sage: An dich, o Jesus! glaube ich. Auf dich, o bester Jesus! hoffe ich. Dich, o liebenswürdigster Jesus! liebe ich. Komm, o mein Erlöser! komm, und zünde die Flamme der innigsten Liebe in meinem Herzen an, damit ich dich so eifrig und beständig liebe, wie Maria, deine jungfräuliche Mutter dich allezeit geliebt hat, und daß ich aus Liebe zu dir alle meine Sünden bereue, und dem Vorsaße, dich nie wieder zu beleidigen, getreu bleibe bis in meinen Tod. Kurz vor der heiligen Kommunion. O Jesus! du Trost meiner Seele! du meine leßte Wegzehrung! ich will mich nun deinem heiligen Tische nahen, o geliebter Jesus! speise mich mit deinem heiligen Leibe, und tränke mich mit deinem heiligen Blute. Komm, o mein Heiland! suche mich heim, ich verlange nach dir, komm und mache meine franke Seele gesund. O! er kömmt, der Herr der Welt, das höchste Gut kömmt, und will in meinem Herzen einkehren und wohnen. Jesus! ich bin nicht würdig, daß du bei mir einkehrest; aber sprich nur ein Wort, so ist mir geholfen. 18 CGK im Insidios 1150 spilist DUST Nach der heiligen Kommunion. Wenn du, o chriftliche Seele, deinen lieben Gott und Heiland empfangen hast, so erwäge bei dir, in innigstem Dankgefühle, welch' großes Heil dir widerfahren ist. Bedenke das unaussprechliche Glück, denjenigen zu besißen, welchen Himmel and Erde nicht fassen können, den Urheber aller Gnaden, Jes sus Christus, deinen Erlöser und höchsten Herrn aller Dinge. Begib dich an einen zurückgezogenen Ort, wo du ruhig, in dir selbst versammelt, von aller Zerstreuung frei, dich mit diesem himmlischen Bräutigam unterhalten könneft, und sage mit der Braut des hohen Liedes: Nun habe ich gefunden, den meine Seele lieb hat; ich halte ihn fest und werde ihn nicht entlassen. Mein Geliebter ist mein, und ich gehöre ihm an;" oder wie der Patriarch Jakob: ,, Ich entlasse dich nicht, bis du mich gesegnet haft;" oder wie Paulus:„ Ich lebe, aber nicht mehr ich, sondern Jesus lebt in mir. Wer oder was wird mich von der Liebe Christi trennen können?" Ueberlege wohl, daß diese Au Kommunionandacht. 275 genblicke kostbar sind, und daß man alle Gott schenken und wei hen soll. Ergieße dein Herz in heilige Gefühle und Anwuthungen; übe dich in Liebe und Zuversicht; schwöre der Sünde ewigen Haß und opfere dich gänzlich auf. Heilig, heilig, heilig bist du, o Gott in meinem Herzen! Heilig bist du, Jesus Christus, mein Erlöser! Ich bete dich an und sage dir Dank für die Gnade, daß du zu mir armen Sünder gekommen bist. Ich danke dir; denn du hast mich die Stunde des Heiles erleben lassen; darum sei dir Lob, Preis und Ehre in Ewigkeit. Oliebe, heilige Mutter Gottes! hilf du mir Gott anbeten und lobpreisen; freue dich mit mir, daß dein göttlicher Sohn zu mir armen Sünder gekommen ist. Erfreue dich mit mir, o Himmelskönigin! und frohlocke mit meiner Seele, die der Herr heimgesucht und durch seine Gegenwart geheiliget hat. Erweckung der göttlichen Cngenden. Auf dich, o mein O mein Jesus, dir lebe ich! O mein Jefus, dir sterbe An ich! O mein Jesus, dein bin ich todt und lebendig! dich, o Jesus! den ich unter Brodesgestalt empfangen habe, glaube ich, als an die ewige Wahrheit. Jesus! hoffe ich, als auf die unendliche Barmherzigkeit. Dich, o mein Jesus! liebe ich, als das höchste und aller Liebe würdigste Gut. Aus Liebe zu dir bereue ich alle meine Sünden und nehme mir fest vor, dich, den liebenswürdigsten Gott, nie wieder zu beleidigen. O lebendiges Himmelbrod, stärke mich, daß ich im Glauben nie wanke, meine Hoffnung nicht sinke, und meine Liebe nicht erkalte. Bleibe bei mir, o Jesu! mit deiner Gnade; laß deine mächtige Kraft in mir wirken; damit ich mein Leben nach der Lehre des Evangeliums einrichte und würoig werde, einst in die ewige Seligkeit aufgenommen zu werden. Amen. - - - Danksagung und Bitte zu Jesus. Anbetungswürdigster Jesus! ich weiß nicht, wie ich dir für die große Gnade genug danken kann, daß du bei mir armen Sünder eingekehrt bist. Was kann ich dir geben? Alles, was ich besize, ist ohnehin schon bein; denn deine Güte hat 18* 276 Kommuntonandacht. es mir gegeben. Ich nehme also meine Zuflucht zu deinem hei ligsten Herzen, und bitte: O heiligstes Herz Jesu! erseßze du, was mir an Andacht, Demuth und Ehrfurcht noch mangelt. O liebenswürdigstes Herz Jesu! du vollkommenstes Muster, dem mein Herz gleichförmig werden soll.- O keuschestes Herz Jesu! hilf mir, daß ich nie in eine Sünde der Unreinigkeit willige. O liebevolles Herz Jesu! du haft sterbend am Kreuze deinen Feinden verziehen; auch ich will meinen Feinden verzeihen. Ich darf und will keine Feindschaft in meinem Herzen dulden, sondern ich bitte dich, daß du allen denen verzeihest, die mir übel wollen. O du in den Willen des Vaters ergebenes Herz Jesu! stärke mich, daß ich von der Hand Gottes alles Kreuz willig annehme, und mich niemals durch Murren gegen den heiligen Willen Gottes verfündige. Sollte ich auch in meinen Anliegen, in welchen ich um Hilfe seufze, nicht er hört werden: so will ich dennoch an Gottes Barmherzigkeit nicht verzweifeln, sondern mich in den Willen meines himmlischen Vaters hingeben. Nur bitte ich, o heiligstes, von der Lanze durchstochenes Herz Jesu! bewahre mich vor Sünden, und laß mich einstens durch deine gebenedeite Herzenswunde in den Himmel eingehen. Amen. Liebesseufzer des heiligen Ignatius. Die Seele Christi heilige mich; Der Leib Chrifti mache selig mich! Das Blut Christi tränke mich; Das Wasser der Seite Christi wasche mich; Das Leiden Christi stärke mich; O gütigster Jesn! erhöre mich; In deine Wunden verberge mich; Von dir laß nimmer scheiden mich; Vor'm bösen Feinde beschütze mich; In der Stund des Todes rufe mich; Und laß zu dir kommen mich, Daß ich mit deinen Heiligen lobe dich, In alle Ewigkeit, Amen. Aufopferung zum heiligsten Herzen Mariä,*) nach der heiligen Kommunion. Unbefleckte, jungfräuliche Mutter Gottes! ich lege diese heilige Kommunion sammt allen guten Entschlüßen, die ich das *) besonders für die Mitglieder der Erzbruderschaft des allerheiligsten und unbefleckten Herzens Mariä zur Bekehrung der Sünder, über deren Entstehen und ungemein schnelle Verbreitung 2c. das Nähere im Anhange nachgelesen werden kann. Kommunionandacht. 277 bei gefaßt, in dein reinstes und liebenswürdigstes Herz nieder, und wünsche nichts so sehr, als daß du sie statt meiner dem himmlischen Vater so aufopfern wollest, wie du einstens deinen geliebten Sohn ihm im Tempel sammt Allem, was du hattest, aufgeopfert hast. Sieh, o huldvollste Jungfrau! ich verlange durch diese heilige Kommunion alle Mängel, Nachlässigkeiten und Fehler zu erseßen, deren ich mich je schuldig gemacht habe. Bitte deßhalb den himmlischen Vater durch das kostbare Blut deines Sohnes und durch das Vertrauen, das ich auf dein heiligstes Herz setze, daß er mir die Erkenntniß meiner Sünden und eine schmerzliche Reue über dieselben sammt einem festen Vorsatze schenke, lieber alle Qualen, selbst den Tod zu leiden, als ihn je wieder freiwillig zu beleidigen. Aus Liebe zu dir opfere ich diese heilige Kommunion mit den heiligen Ablässen, die heute dadurch können gewonnen werden, sonderlich für jene Seele im Reinigungsorte auf, welche dich hienieden sonderlich ehrte und jeßt noch eines so großen Gutes bedürftig ist. Ich bitte dich, Gott, himmlischer Vater! durch das kostbarste Blut Jesu Christi, deines Sohnes und durch das heiligste Herz Mariä, du wollest mir und allen Sündern, die sich meinem Gebete empfohlen haben oder für die ich zu beten schuldig bin, die Gnade einer vollkommenen Bekehrung und einer unerschütterlichen Standhaftigkeit bis ans Ende gewähren. In dieser Meinung will ich zur Ehre der drei Stunden, während welchen Jesus am Kreuze für die Menschen geblutet, und zum Gedächtniß der Schmerzen seiner heiligsten Mutter drei Vater unser und drei Gegrüßt seist u. s. w. beten. Erneuerung der Taufgelübde. Allerheiligste und hochgelobte Dreieinigkeit, ein Gott in drei Personen, Vater, Sohn und heiliger Geist, ich erscheine hier vor deinem Angesichte, bete dich in tiefster Demuth an, und danke dir für alle Gnaben, die du mir in meinem ganzen Leben so reichlich und so gütig ertheilt hast; besonders aber danke ich dir, aus dem Grunde meiner Seele, für die große Gnade der heiligen Taufe, ohne welche ich auch der Früchte der Stommunionandacht. Erlösung und des allerheiligsten Sakramentes des Altares nicht hätte theilhaftig werden können. In Sünden war ich empfangen und geboren, als ein Sklave und ein Kind deines Zornes kam ich auf die Welt; du aber, gütigster Gott, hast mich gleich nach meiner Geburt von meinen Sünden abwaschen, von der Dienstbarkeit der Hölle befreien und als dein Kind gnädig aufnehmen wollen. Wie werde ich dir wohl für diese Gnade genugsam und würdig danken? Ehe ich dich nur zu erkennen vermochte, nahmst du dich meiner an, und ließest mich deine Allgüte verspüren. Zwar fordertest du von mir das Versprechen, dir gänzlich und für allezeit angehören zu wollen. Was ich im Augenblicke, wo ich die heilige Taufe empfing, nicht thun konnte, das haben fromme Christen für mich geleistet: In meinem Namen haben sie dir Alles gelobet und verheißen, was du von mir verlangteft. Was ich nun damals zu thun nicht im Stande war, das will ich heute, da Jesus in meinem Herzen ruht, vor der ganzen Christengemeinde vornehmen: und, was meine Taufpather dir, o Gott, in meinem Namen versprochen und zugesagt haben, das will ich jetzt selbst, auf die feierlichste Weise, abermal geloben. Ich erneuere, bekräftige und bestätige alle Verheißungen, alle Gelübde und Verbindlichkeiten die ich im Sakramente der Wiedergeburt auf mich genommen habe. Ich widerfage demnach, für nun und für allezeit, dem Satan, seinem ganzen Anhange und seinen verführerischen Einflüsterungen; und halte mich an Jesus und an seine göttliche Lehre. Ich widersage der Welt, ihrer Eitelkeit, ihren falschen und verderblichen Grundsätzen; ihren betrügerischen Reizen und sünd haften Ergöglichkeiten; und schließe mich an die Kirche Jesu an, wo allein Wahrheit, Trost, Friede und Heil zu finden ist. Ich widersage der Sünde, den bösen Begierden, den fleischlichen Gelüsten, und will mein ganzes Leben hindurch nach Tugend streben, das Fleisch bekämpfen und dir, o Gott, allein anbangen, der du die ewige Wahrheit, die unveränderliche 279 Kommunionandacht. Vollkommenheit, die wahre Heiligkeit und höchste Glückseligkeit felbft bist. Ich glaube also, und will, vermittelft deiner Gnade, bis an mein letztes Ende ungezweifelt glauben, daß bu ein Gott in drei Personen bist, Vater, Sohn und heiliger Geist. Sau Ich glaube an dich, o allmächtiger Vater, der du mich erschaffen hast, damit ich dir diene und dich über Alles liebe. Ich glaube an dich, o eingeborner Sohn des ewigen Vaters; du fleischgewordenes Wort Gottes, der du im Schooße der allerfeligsten Jungfrau die menschliche Natur angenommen, und den schmählichen Kreuztod ausgestanden hast, um uns von der Sünde und der Hölle zu erlösen. Ich glaube an den heiligen Geist, der unsern Verstand zum Guten erleuchtet, und unser Herz zur Erfüllung unserer Pflichten bewegt und antreibt, und mit seinen Gaben uns stärfet und leitet. Ich glaube die Unsterblichkeit der Seele, die Auferstehung des Fleisches, eine Ewigkeit von Freuden und Glückseligkeit für die Gerechten, und eine Ewigkeit von Peinen und Jammer für biejenigen, die in einer Todsünde sterben. Ich glaube Alles, was die Eine, Heilige, Allgemeine Apostolische Kirche lehrt und zu glauben befiehlt, weil sie allezeit vom Geiste Gottes erleuchtet und geleitet wird, und nicht irren kann. Durch deine Gnade, o Gott, bin ich ein Christ, und ein katholischer Christ. Diesen geheiligten Namen will ich durch meinen Glauben erhalten und durch meine Aufführung ehren. Bestätige, o Herr, die heiligen Entschlüsse, gib mir die Gnade, immer als Christ und wahrer Schüler Jefu zu leben und zu handeln, damit ich der ewigen Belohnung theilhaft werde, welche du denjenigen aufbewahrt haft, die ihren Taufgelübden gemäß werden gelebt haben. Allerfeligste Jungfrau, Mutter Gottes Maria, dir bringe ich diese Erneuerung meiner Taufgelübbe dar, erhalte mir von deinem göttlichen Sohne die Gnade, sie allezeit zu bewahren. Kommunionandacht. Heiliger Schußengel, dem mein Seelenheil anvertraut ist nimm mich unter deinen Schuß, und bewahre mich vor jenen, die mir den Glauben oder die Unschuld rauben möchten. 280 Heilige Patrone, deren Namen mir in der heiligen Taufe gegeben worden sind, damit ich auch stets an euer Tugendbeispiel gedenke, erhaltet mir von Gott die Gnade, in eure Fußstapfen einzutreten, damit ich ihn dereinst ewig mit euch looen und verherrlichen möge. Diese gegenwärtige Erneuerung meiner Taufgelübde bekräftige und bestätige ich durch das heilige Zeichen des Kreuzes, das mir in der Taufe aufgedrückt worden ist. t Im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes. Amen. Unterricht über den Ablaß. So oft man die heiligen Sakramente der Buße und des Altars empfängt, soll man trachten, auch einen vollkommenen Ablaß zu gewinnen. Der Ablaß ist nämlich eine von der Kirche unter gewissen Bedingungen bewilligte Nachlassung der zeitlichen Strafe, welche wir nach Vergebung unserer Sündenschuld entweder im Leben oder nach dem Tode noch zu leiden hätten. Gott hat die Gewalt, Ablaß zu ertheilen, seiner Kirche zugestanden, als Christus den Aposteln und ihren Nachfolgern die Vollmacht gab, auf Erden zu binden und zu lösen: Was ihr immer auf Erden binden werdet, das soll auch im Himmel gebunden seyn, und was ihr auf Erden lösen werdet, das soll auch im Himmel gelöset feyn.( Matth. XVIII. 18.) Nach dem Beispiele des heiligen Paulus( 1. Cor. V. und 2. Cor. II, 10.) hat die Kirche durch alle Jahrhunderte von dieser Vollmacht Gebrauch gemacht. Die Ueberlieferung lehrt und bestätiget ebenfalls, daß Christus. seiner Kirche die Gewalt verliehen habe, Abläße zu ertheilen. Darum hat der untrügliche Kirchenrath von Trient in der 25. Sigung als Glaubenswahrheit erklärt: 1) Daß die Kirche von Gott die Macht empfangen habe Abläße zu ertheilen. 2) Daß der Gebrauch des Ablaßes den Christen heilsam sei. Kommunionandacht. 281 Damit der Ablaß aber den Christen die erwünschten Vortheile wirklich gewähre und die zeitlichen Strafen nachlasse, so werden folgende Bedingungen erfordert: 1) Die Sündenschuld muß bereits nachgelassen seyn; denn ohne dieß kann auch die zeitliche Strafe nicht nachgelassen werden. Die Vergebung der Sünde aber erlangt man nicht durch den Ablaß, sondern durch das Sakrament der Buße oder durch die vollkommene Reue. 2) Die zweite Bedingung ist, daß man alle Werke der Buße, welche die Kirche zur Erlangung des Ablaßes vorgeschrieben hat, getreulich verrichte. Auch muß wenigstens das letzte unter den von der Kirche vorgeschriebenen Bußwerken, welches man verrichtet, um den Ablaß zu gewinnen, nothwendig im Stande der Gnade verrichtet wer den. Ferner, je vollkommener unsre Besserung und unser bußfertiges Leben ist, desto größer ist auch die Wirkung des Ablaßes. Weichliche, in Ausübung der Bußwerke träge Christen betrügen sich, wenn sie glauben, daß sie Abläße gewinnen. Die Absicht der Kirche ist, der menschlichen Schwäche zu Hilfe zu kommen, nicht aber die Trägheit zu unterstüßen. Der Ablaß entbindet uns von keiner einzigen Pflicht die demjenigen zu erfüllen obliegt, welcher gesündigt hat, und der nach der Begnadigung die gehörigen Mittel ergreifen soll, um nicht wieder zu fündigen. Es wäre also grober Irrwahn und schnöde Andichtung, wenn man vorgeben wollte, es sei Lehre der Kirche, daß man sich durch Abläße von Sünden loskaufen, daß man Abläße auf Rechnung fünftiger Sünden gewinnen, und sich der Pflicht der Buße, der Genugthuung für seine Sünden, der gänzlichen Besserung des Lebens entziehen könne. Nein, der Ablaß soll vielmehr Ermunterung seyn, mit Vertrauen Alles zu thun, was die Besserung befestigen und vollenden kann. Denn wir haben sichere Hoffnung, daß wir es nicht vergeblich thun: wir leben nicht in Ungewißheit, ob wir bei allem unserm redlichen Streben gültige Genugthuung für unsere Sünden leisten. Wenn die Kirche Christi erbarmungsvoll die ihr anvertrauten Gnadenschäße öffnet und den Christgläubigen einen voll kommenen Ablaß anbietet, so schreibt sie ihnen als Bedingung vor: daß sie nach abgelegter reumüthiger Beichte und empfangener heiliger Kommunion, das heißt nach völliger Sinnesänderung und Entsündigung, beten sollen für die fernere Erhöhung, Ausbreitung und Wohlfahrt der Kirche, um Vertilgung des Unglaubens 282 Ablaßgebete. und der Irrlehren, und um Erhaltung des Friedens und der Einigkeit unter den christlichen Fürsten. Auch geschieht es wohl, daß den frommen Büßern, welche der Gnade des Ablaßes theilhaftig zu werden wünschen, außer den angeführten, feststehenden Bedingungen, noch andere gute Werke auferlegt werden; wie z. B. daß man ein Almosen gebe, an gewissen Tagen faste, diese oder jene Kirche besuche 2c.; welchem man auch treu nachzukommen hat.- Hast du dich also, geliebter Christ, an einem solchen Tage, an dem die Stellvertreterin Christi auf Erden einen vollkommenen AbIaß verleiht, durch die Sakramente der Buße und des Altars. mit Gott verföhnet, so vollende das Werk deines Heiles und eile hin zu den unendlichen Verdiensten Jesu Christi und seiner Heiligen, um aus denselben die Unzulänglichkeit deiner Bußübungen und Genugthuungswerke zu ersetzen, indem du mit kindlichem Vertrauen bereitwillig und eifrig die Bedingungen erfüllest, unter welchen dir die Kirche Gottes den Ablaß, d. b. die Nachlaffung der zeitlichen Sündenstrafen, anbietet. Gebete zur Gewinnung eines vollkommenen Ablaßes, sowohl in als außer der Jubiläumszeit, den man auch den Seelen im Fegfeuer zuwenden kann. Vorbereitungsgebet. O Jesus! der du in diese Welt gekommen bist, damit wir das Leben haben und im Ueberflusse haben möchten( Joh. X.), ich glaube, daß du in dieser Absicht der heiligen Kirche die Schlüssel des Himmelreiches mit der Verheißung anvertraut hast, daß alles, was sie auf Erden binden oder lösen würde, auch im Himmel sollte gebunden oder gelöset seyn( Matth. XVI. 19.). Ich glaube ferner, daß du, o Jesus! deiner heiligen Kirche die Gewalt gegeben haft, A blaß zu ertheilen und daß der Gebrauch desselben sehr heilsam ist. Diese liebevolle Mutter eröffnet heute die ihr anvertrauten Gnadenschäße. Sie bietet aus denselben einen vollkommenen Ablaß allen denjenigen an, die nach abgelegter Beicht und empfangener heiligen Kommunion bußfertig und im Herzen zer 283 Ablaßgebete. knirscht, zugleich als dankbare Kinder für sie und ihre Erhöhung auf Erden, um Ausrottung der Irrlehren, Erhaltung des Friedens und der Eintracht unter den christlichen Fürsten und für ihr sichtbares Oberhaupt, den Papst, in Demuth zu dir, o Gott! beten werden. Ich habe einen Theil dieser Bedingnisse erfüllt. Ich habe meine Sünden und Ungerechtigkeiten dem Priester, deinem Stellvertreter, gebeichtet und am Geheimnisse deines allerheiligsten Frohnleichnams durch die Kommunion Theil genommen. Möge ich beides auf eine würdige Weise gethan haben! Möge ich zur Zahl jener versöhnten und bußfertigen Sünder gehören, die würdige Früchte der Buße bringen, die du mit Wohlgefallen ansiehst und mit der Fülle deiner Gnaden belohnest. Möge dein Fleisch und Blut, das ich in deinem anbetungswürdigen Sakramente genoffen habe, meine Seele von allen Sündenflecken rein und zum ewigen Leben bewahren! Ich hoffe es, o mein allergnädigster Erlöser! und da mir nun, wiewohl du mich durch den Mund deines geheiligten Dieners von der Schuld und ewigen Verdammniß losgesprochen hast, doch noch zeitliche Etrafen zu leiden oder abzubüßen übrig bleiben, so fliehe ich zum unerschöpflichen Schaße deiner unendlichen Verdienste, um dadurch der Unzulänglichkeit meiner Ge nugthuungswerke und dem Unvermögen meiner Bußübungen abzuhelfen, und ich erscheine daher voll Vertrauen vor dir, bereitwillig und eifrig, die letzten Bedingnisse genau zu erfüllen, welche beine Kirche uns vorschreibt, und dir, o mein Herr und mein Gott! sowohl ihre als des ganzen Christenvol tes große Angelegenheiten vorzutragen. Nimm, o Vater der Barmherzigkeit! diese Gebete, die ich dir im Namen und in Vereinigung mit den Verdiensten des Leidens und Sterbens deines Sohnes darbringe, gnädig auf, und mache mich dieses vollkommenen Ablaffes theilhaftig. Amen. Ablaßgebete. Erstes Gebet zu Gott dem Vater um die Erhöhung und Wohlfahrt der Einen, heiligen, allge meinen, römisch- katholischen und apostolischen Kirche Gottes. 284 O Gott! ewiger Vater, du höchster Hirt der Gläubigen! der du uns zu deinem heiligen und eigenthümlichen Christens volke, aus der Finsterniß zu deinem wundervollen Lichte berufen hast, indem du uns durch Christus deinen Sohn begnadigtest und den Neichthum deiner Herrlichkeit offenbartest, sei eingedenk dieser deiner geliebten Gemeinde, die du vom Anfange an beseffen hast, deiner Kirche, in welcher wir deine Kinder gewor den sind. Erkenne sie als die Braut deines eingebornen Soh nes, für die er sein Blut vergossen hat. Ziere sie mit dem Schmucke der Heiligkeit und mit dem Reichthume der Gnaden; verherrliche, erhöhe und erweitere sie durch die Größe ihres Erbtheiles, welches alle Völker der Welt sind, dergestalt, daß sie eines solchen Bräutigams und eines so großen Erlösungspreises würdig erscheine. Erhalte das große Werk deiner Erbarmung und breite es über die ganze Erde aus. Sieh gnäbig auf die treugläubigen Söhne dieser Mutter, welche auch die deinigen sind, herab; vermehre immerwährend ihre Anzahl unter allen Völkern und verleihe, daß sie in allem Guten wachsen, im Bekenntnisse deines heiligen Namens standhaft ausharren, dich, Gott Vater, und welchen du gesandt hast, deinen Sohn Jesus Christus mit dem heiligen Geiste erkennen und in lebendigem Glauben, fester Hoffnung und treuer Liebe verehren mögen. Amen. Bweites Gebet zu Gott dem Sohne um Vertilgung der Keßereien, Irrlehren und bösen Grundsäge. O Jesus! du wahres Licht, welches einen jeden Menschen erleuchtet, der in diese Welt kommt, der du Mensch geworden und gestorben ist, damit Alle die Wahrheit erkennen, sich bekehren und selig werden, der du nicht willst, daß Einer derjenigen, welche der Vater dir gegeben, verloren gehe; sich herab auf die Seelen, welche die Arglist des bösen Feindes betrogen hat. Wir bitten dich, Allmächtiger, Allweisester! rotte aus das Ablaßgebete. 295 Unkraut, welches der Feind auf deinen Acker gestreut hat, damit es deinen guten Waizen nicht überwältige und ersticke: beuge und tödte die Hartnäckigkeit der Keßereien, vertilge die falschen und verderblichen Lehren und Grundsäße. Mache durch die Kraft deines Leidens und Sterbens, daß alle Menschen dein allein wahres Licht, welches da hell auf dem Leuchter deiner Kirche glänzet, erkennen, und bekehrt in den Schooß der zärtlich liebenden Mutter zurückkehren. Hebe alle Spaltungen und Irrungen auf, und laß deine Eine Wahrheit über alle, deiner unfehlbaren Lehre feindlichen Mächte obsiegen. O guter Hirte, der du dein Leben für deine Schafe gelassen hast, sende auch dein Licht mit den Priestern deiner wahren Kirche zu den fernen Völkern, die noch beim schwachen Schimmer des Vernunftlichtes wandeln oder in den Finsternissen des Aberglaubens und Betruges sißen. Erleuchte auch endlich sie, Barmherzigster! Diese sind die andern Schafe noch, die du hast und auch herbeiführen mußt, wie du selbst gesprochen. ( Joh. X. 16.) führe sie herbei in deine heilige Kirche! Laffe sie deine Stimme hören, und es wird Eine Heerde und Ein Hirte werden. Beschüße deine Heerde, Allmächtiger! und vertheidige und bewahre sie vor aller Gewalt und vor den Nachstellungen derjenigen, die in Schafskleidern kommen, insvendig aber reißende Wölfe sind. Bleib bei uns, Herr! denn du sagtest ja: Sehet, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt. Zeige immer mehr und mehr, daß deine Kirche auf den Felfen gebaut ist, und die Pforten der Hölle oder alle Mächte nichts gegen sie vermögen. Guter Hirt! laß uns von Niemanden aus deiner Hand reißen. Gib, daß wir nach deinem Worte( Joh. X. 27.) deine Stimme hören, sie kennen und ihr folgen, damit du uns das ewige Leben schenkest und wir nicht verloren gehen in Ewigkeit. Amen. Drittes Gebet zum heiligen Geiste um Frieden und Einigkeit zwischen den christlichen Fürsten. Oheiliger Geist! du Geist der Liebe und des Friedens! der du so viele und verschiedene Völker in der Einheit des 286 Ablaßgebete. wahren Glaubens versammelt haft und den ganzen geistlichen Leib der Kirche leitest und helligest, verleih allen christlichen Fürsten, deinen Dienern und ihren Rathgebern vollkommene Eintracht und Liebe zum Frieden; schenke ihnen die Fülle deiner Gnade und präge ihren Herzen die heiligen Lehren der Religion tief ein; laffe sie als würdige Söhne der Kirche ihr Blühen und Gedeihen nach ihrer ganzen Macht befördern und im engsten Bande kindlicher Liebe mit ihrem Oberhaupte und allen ihren Vorstehern verknüpft seyn; bewahre sie vor allen Sünden und Lastern und schmücke sie mit allen Tugenden, besonders aber mit wahrer Weisheit in allen ihren Rathschlägen und Unternehmungen zur Erweiterung deines friedfertigen Reiches und zur Einigkeit und Wohlfahrt der ihnen anvertrauten Völker. Lasse sie als deine Auserwählten als die zu deiner Ehre und zum Wohl deines Volkes Gesalbten des christlichen Namens wahrhaft würdig erscheinen. Mögen sie zur Beförderung deiner größern Ehre und zur Aufrechthaltung wahrer Eintracht in der Christenheit mit apostolischem Eifer mitwirken und so endlich sammt ihren Völkern zum Genuße des ewigen Friedens im himmlischen Jerusalem gelangen. Amen. Viertes Gebet. Bitte für das Oberhaupt der Kirche Gottes, unsern heiligen Vater, den Papst. Höchstes und ewiges Haupt der Kirche, Jesus Christus! ich empfehle bir mit kindlicher Liebe unsern Papst N. N., deinen Stellvertreter auf Erden. Erhöre seine Gebete und erfülle seine Wünsche, die deine heilige Ehre und das Beste deiner ganzen Christenheit bezwecken Leite, erleuchte, stärke, vertheidige und unterstüße ihn, damit er deiner heiligen Gemeinde allezeit würdig vorstehe und die Krone des ewigen Lebens erlange. Amen. Dim 316 IV. Abschnitt. Andachtsübungen zum Gebrauche beim nachmittägigen Gottesdienste. Erste Abtheilung. Vespergebete zur heiligsten Dreifaltigkeit. Ehre, Anbetung und Dank sei Gott dem Vater, der durch seine Allmacht und Güte mich aus dem Nichts hervorgerufen und erschaffen hat! Gott dem Sohne, der mich mit seinem Blute erlöset und durch das Licht seiner heiligsten Lehre erleuchtet hat! Gott dem heiligen Geiste, der mich in der heiligen Taufe geheiliget hat, und noch immerfort meine Heiligung durch den Einfluß seiner Gnade wirket! Mein Gott! dreifach zwar in der Person, aber ein Einis ger dem Wesen nach; in tiefster Erniedrigung bete ich dieß größte aller Geheimnisse an, und danke dir für alle Beweise deiner Güte und Barmherzigkeit: ich kann sie nicht aussprechen, nur anbeten und bewundern kann ich. - 287 Gelobt seist du, Herr, mein Gott! für die Seele, die du mir eingehaucht und nach deinem Ebenbilde eingerichtet: für den Körper, den du mir gegeben;- für alle Wohlthaten, die ich jemals an Seele und Leib erhalten, auch für diejenigen, die ich vielleicht nie erkannt habe;- für so viele abgewendete Gefahren, und für jede Rettung in so mancherlei Nöthen und Anliegen;- für jeden Trost in Widerwärtigkeiten, und für deinen Schuß gegen mancherlei Vrsuchungen; für die Leiden, durch die du mich gedemüthigt und gebeffert; für die Freuden, wodurch du mir das Leben versüßet und meine Seele munter erhalten haft;- für die Hoffnung eines fünftigen, ewigen, seligen Lebens; für deine Gnade, die mich dazu vorbereitet, und für den Tod, der mich dahin führen wird. - - - Befpergebete. Gelobt seist du, mein Gott und Herr! insbesondere für alle Wohlthaten und Gnaden, derer du mich und die Meinigen die verflossene Woche hindurch gewürdiget hast. Um eben diese Gnade bitte ich dich auch für die Woche, welche ich nach diesem deinem Tage anfangen werde. Wende dein Angesicht nicht von mir, du Gott meines Heils und meiner Zuversicht! denn auf dich gründe ich mein Vertrauen, und deines Schußes gewiß, zittere ich vor feinem Uebel, vor keiner Gefahr, vor keiner Bosheit der Menschen, vor keinem Anfalle der Hölle selbst. 288 Ehre, Anbetung und Dank sei Gott dem Vater, Gott dem Sohne, und Gott dem heiligen Geiste, als er war im Anfange, jetzt und allezeit und in alle Ewigkeit. Amen. Lieber Christ! weißt du, wie sehr du durch diesen Lobspruch: Ehre sei Gott dem Vater u. s. w. Gott lobest und preisest?- Bedenke alle diese Worte. Erhebung des Geistes zu seinem Schöpfer. Herr! was ist das Leben des Menschen, und was sind seine Jahre? Sie fließen dahin wie ein Bach und ihrer wird nie mehr gedacht. - Die Hälfte meiner Wanderschaft ist vielleicht vollendet. Vielleicht bin ich näher dem Ziele, als es scheint. Herr! wenn ich meinen Lauf vollendet habe, sprich zu meiner Seele: fahre hin im Frieden!" Meine Seele kehre zu dir zurück, und mein Leib ruhe fanft in dem Schooße der Erde, aus der er gemacht ist. So oft schon hast du, o Herr! die Sonne in vollem Glanze über mich aufgehen lassen. Was war ich wohl, ehe du mich aus der Tiefe der ewis gen Nacht in das Leben hervorgerufen? Was war ich vor so viel flüchtig verschwundenen Jahren? und was werde ich in Kürze seyn? Werde ich noch, in diese irdische Hülle gehüllet, deine herrliche Allmacht in den Geschöpfen bewundern? Oder werden meine Gebeine versammelt bei der Asche meiner Väter ruhen?- Bespergebete. 289 Doch nein, ich werde nicht sterben, denn der in mir denfende Geist wird leben, und die Werke des Herrn verkündigen, wenn auch meine Glieder vermodert sind. Ich werde leben, aber wie? O Vater aller erschaffenen Wesen! erbarme dich deines Geschöpfes! Du sprachst zu mir: Werde! und ich wurde. Noch unreif zu denken, erkannte meine Seele ihren Schöpfer noch nicht. Ungewohnt zu seyn, begrüßte ich die Welt mit Thränen. Ich wurde Mensch, Herr! und betete dich an. Ich versprach dir in der Taufe mit dem heiligsten Schwure, dir unversehrt die Unschuld zurückzubringen; aber leichtsinnige Jahre der Jugend, wie schnell seid ihr verschwunden! - Wie wenige Augenblicke flossen würdig in die Ewigkeit! Herr! wenn du mich vor Gericht ziehen willst; so werden meine Gebeine zittern, und meine Lippen verstummen. Ich habe gesündiget, o Herr! Die Seele, zu höheren Geschäften bestimmt, erniedrigte sich, und verläugnete ihren Ursprung. Gefangen von niedrigen Lüsten, vom Gepränge der Welt Jetäubt, verlebte ich sorglose Tage. Du schufst mich zum Engel, und ich erniedrigte mich zum Sünder. Herr! du kennest mein Herz; bilde es nach deinem Gefallen. Entreiße meine Seele dem Verderben; laß mich niemals den Spöttern deiner heiligen Religion Geber geben, sondern mache in mir diesen heiligen Glauben aufleben, den mir deine Vorsicht und Güte in die Seele gepflanzt, und deine heilige katholische Kirche in mir ernähret hat. Deine Gnade sei mächtig in meiner Schwachheit. Du behütetest dein undankbares Geschöpf vor Unglück, und befahlst deinen Engeln, daß sie vor mir hergehen und mich auf meinen Wegen beschüßen sollten; auch darum sei ihnen Dank und dir ewiges Lob! Gottmensch! Versöhner! Du bist heilig, und ich ein ver19 Befpergebete.. worfener Sünder; erbarme dich meiner und vergib mir die Sünden meiner Jugend. Deine Verdienste sollen das Opfer seyn, so ich dir bringe der ich von mir selbst nichts vermag. Leite mich, o Herr! so werde ich nicht irren; leite mich zu deiner Wahrheit, daß ich Tag und Nacht dein Geseß betrachte. Wende dich zu mir, mache mich lebendig; von den Pfor ten des ewigen Todes führe mich zurück, und vor den Drangfalen, die mich umgeben haben, schüße mich! Sollte ich noch länger in diesem Thale der Zähren wohnen, so heilige mich; gib, daß ich mein Leben dir und meinem Nächsten weihe. Laß mich nicht den Spott der Gottlosen fürchten, noch den Hohn der Hoffärtigen. Entreiße meine Seele dem Stricke des Verführers. Laß mich mit dem Munde bekennen, und im Herzen empfinden, du seiest der Herr, und kein wahres Glück sei außer dir. Gib mir Stärke in meinen Geschäften, erleuchte meinen Verstand, erhebe mein Herz, daß es begierig werde, nicht der Welt, sondern dir gefällig zu werden. Gib mir Ruhe, Herr! die Ruhe, die Begleiterin der wah ren Tugend. Kann Betrübniß und Leiden mein Herz bessern, o Herr, so gib mir auch meinen Antheil von Kummer und Schmerzen. Du wirst deinem Kinde keine Last auflegen, die es nicht erträgt. Gib mir so viel, daß mein Herz nicht von Sorgen der Nahrung eingenommen, seines höchsten Endzweckes vergesse. Lasse mich reich seyn an guten Handlungen. Die weltliche Ehre sei nicht mein Wunsch, und der Bei fall der Welt sei nicht meine Sorge. Aber, o Herr! laß mich nicht zu Schanden werden vor dem Volke! mein Name sei nicht der Spott der Verläumber. Wenn ich einst liege und im Frieden schlafe, so laß mein Andenken einigen redlichen Herzen werth seyn. Kein Fluch und keine Lästerung beschwere meine Grube. Segne meine Vaterstadt! sie ist dein und verehret deinen Namen. Segne uns Alle, Herr! so sind wir gesegnet. Vespergebete. Auch du, o Jungfrau Maria! fei unsere Beschirmerin, und vor Gott unsere Fürsprecherin. 291 Dein gnadenreiches Angesicht erscheine mir an meinem Ende, und die Schönheit deines Antliges erfreue meinen Geist, wenn er die schnöde Welt verläßt. Heilige Engel! und ihr heiligen Schußpatronen! vereiniget eure Fürbitten mit der Fürsprache Mariens. Ihr könnet meinen Bitten Kraft und meinem Gebete Salbung verleihen. Laß, o Hert! meine Seele im Frieden fahren zu seiner Zeit. Laß mich bei meinem Ende getröstet durch die Sterbfakramente, geheiliget durch deine Gnade, aus der Welt scheiden. Kein Schreckenbild erscheine vor meinen brechenden Augen; feine begangene, nicht gebeichtete und bereute Missethat ängstige meine Seele; fein irdischer Wunsch halte meine Seele zurück. Laß mich getroft durch das Verdienst deines ewigen Soh nes in das Reich der Ewigkeit treten. Segne mich in meiner letzten Stunde. Mein Ende sei, wie das Ende der Gerechten. Ewig Lob, Preis und Ehre sei dir ewiger Vater, versöhnender Sohn des Ewigen! unser Erlöser! Göttlicher Geist! dir sei ewig Lob, Preis und Dank. Amen. Lesung. Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von deinem ganzen Herzen, aus deiner ganzen Seele, und aus deinem ganzen Gemüthe. Dieß ist das größte und vornehmste Gebot. Das andere aber ist diesem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst. In diesen zwei Geboten besteht das ganze Geseß und die Propheten. Gott sei Dank. Gefang. Sei ruhig, meine Seele! sieh, Der Herr wacht über dich. Wer auf ihn traut, verläßt er nie, Und schützt ihn väterlich. Er kennt dich besser, als du meinst, Und weiß, was dir gebricht, Er sieht die Thräne. die du weinst D'rum Mensch! verzage nicht. Er weiß wenn du im Elend bist, Und sieht dem Jammer zu; Er fennt, was gut und nützlich ist, Und liebt dich mehr, als du. Er kann dir helfen, wann er will; Sein Arm hat Macht und Kraft; Ihm ist kein Ding zu groß und viel; Er tödtet und erschafft. Er will dir helfen; er ist gut, Ist Bater, und du Kind; Ist besser, und ist länger gut, Als alle Väte find. D'rum Scele! halte dich an ihn; Er ist dein Schild, dein Hort, Ich helfe dir, so wahr ich bin;" Sagt Er, und hält sein Wort. 19* 11 Vespergebete. Neige, o Gott, unsere Herzen zu deinen Geboten. O daß unsere Wege zur Haltung deiner Gerechtigkeit gerichtet werden. 292 Liebet euere Feinde, thut Gutes denen, die euch haffen, und betet für die, welche euch verfolgen und beleidigen, damit ihr Kinder euers Vaters seid, der im Himmel ist, welcher seine Sonne über die Guten und Bösen aufgehen läßt, und über die Gerechten und Ungerechten regnen läßt. Lobgesang Maria. Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist frohlodet in Gott, meinem Heile. Denn der Herr hat auf die Demuth seiner Magd herabgesehen; denn sieh! von jetzt an werden mich alle Geschlechter felig preisen. Weil derjenige an mir große Dinge gethan hat, der da mächtig ist; heilig ist sein Name. Und seine Barmherzigkeit geht fort von Geschlecht zu Geschlechtern gegen diejenigen, die ihn fürchten. Sein hoher Arm hat allmachtsvoll gewirket; er hat die Gedanken der stolzen Herzen zerstreuet. Er hat die Gewaltigen vom Throne herabgeseßt, und die Niedrigen erhoben. Er hat die Hungrigen mit Gütern angefüllt, und die Reichen leer gelassen. Er hat sich Israels, seines Kindes, angenommen, eingedenk seiner Barmherzigkeit. Wie er unsern Vätern verheißen hat, dem Abraham und seinen Kindern ewiglich. Die Ehre sei dem Vater und dem Sobne und dem heili gen Geiste. Wie er( Gott) war im Anfange, so auch jetzt und immer und in alle Ewigkeiten. Amen. Herr, erbarme dich unser. Christe, erbarme dich unser. Herr, erbarme dich unser. Vater unser 2c. Gegrüßt seist zc. Ich glaube an Gott Vater 2c. Vespergebete. Gebet zur göttlichen Mutter. Du bist die Gütigste, die Gnadenvollste, o Mutter des Herrn! denn in dir hat Jesus Christus, die Quelle der unendlichen Güte, neun Monate geruhet. Deiner Schönheit steht jede Jungfrau geschmückt mit himmlischer Tugend nach. Unter Jerusalems Töchtern warst du die Demüthigste, darum bist du die Höchste im himmlischen Jerusalem. Wie wäre ich würdig meine Augen zu dir aufzuheben, da ich selbe so oft verunreinigt habe, durch Fleisches und Augenlust und Hoffart des Lebens? Wie beschämt mich dein jungfräuliches Angesicht, worauf das Licht der Gottheit so mild und majeſtätisch glänzt! Aber auch mütterlich ist dein Angesicht und flößt mir kindliche Zuversicht ein. Was Tausende erfuhren, laß auch mich erfahren, daß du die Trösterin Aller bist. - 293 Führe mich an deiner Mutterhand, wohin ich immer wandle, wie schmerzt es mich, wenn ich deiner vergesse. Vergiß du nicht meiner. Ein Wort, eine Fürbitte von dir verscheuchet alle Trauer. Führe mich durch dieses Jammerthal fromm und gut im treuen Bunde mit der göttlichen Liebe. Und wenn's zum Sterben kommt; o so laß mich das Wort von dir hören: „ Sieh deine Mutter, ich bins." Dieß wird mich dann erfreuen, wie einen Sohn, der seine Mutter fand. Ich übergebe dir mein Seelenheil, mit dem Vertrauen, mit welchem der himmlische Vater dir seinen vielgeliebten Sohn übergab. Du bist meine Mutter! durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Litanei von der allerheiligsten Dreifaltigkeit. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geist, Heilige Dreifaltigkeit, ein Einiger Gott! Gott, einfach in der Natur, Gott, dreifach in den Personen, Erbarme dich unser! 294 Vespergebete. Gott Vater, Sohn und heiliger Geist, Gott Vater, du allmächtiger Schöpfer, Gott Sohn, du liebender Erlöser, Gott heiliger Geist, lebendigmachender Tröster, Gott Vater von Ewigkeit, Eingeborner Sohn des ewigen Vaters, Heiliger aus Beiden hervorgehender Geist, Unermeßliche Allmacht des himmlischen Vaters, Unerforschliche Weisheit des göttlichen Sohnes, Unendliche Liebe des heiligen Geistes, Heiliger Gott, Heiliger starker Gott, Heiliger unsterblicher Gott, O Gott, in dem wir leben, weben und sind, O Gott, aus dem, in dem und durch den Alles ist, Der du warst, bist und ewig seyn wirst, Der du deine Hand aufthust, und Alles, was lebt, mit Segen erfüllst, Gott, dessen Auge heller als die Sonne ist, O Gott, den die Himmel der Himmel nicht fassen, Sei uns gnädig, verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Herr! Von aller Sünde, erlöse uns, o Herr! Von Hoffart und Einbildung, Von Unmäßigkeit und Weltliebe, Von Unglauben und Aberglauben, Von Kleinmuth und Verzagtheit, Von Trägheit in deinem Dienste, Durch deine unendliche Allmacht, Durch deine unerforschliche Weisheit, Durch deine unerschöpfliche Güte, Durch deine ewige Herrlichkeit und Majestät, Durch die Höhe deiner Allwissenheit und Vorschung, Durch die unaussprechliche Größe deiner Liebe und Erbarmung, Durch deine unergründliche Gerechtigkeit und deine furchtbaren Gerichte, Am Tage des Gerichtes, Wir arme Sünder bitten dich, erhöre uns! A Erbarme dich unser! Erlöse uns, e Herr! Daß wir unser ganzes Leben hindurch dir dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit, wir bitten dich, erhöre uns! Daß wir dich, unsern Herrn und Gott, anbeten, und dit allein dienen, wir bitten dich, erhöre uns! 295 Befpergebete. Daß wir deinen heiligen Namen nie eitel nennen, Daß wir die Tage deiner heiligen Ruhe heilig zubringen, Daß wir unsern Aeltern, Vorgefeßten und Obrigkeiten Ehrfurcht und Gehorsam erzeigen, Daß wir Niemandes Leben und Ehre aus Zorn, Haß oder Neid beschädigen, Daß wir Niemand übervortheilen und Keinem wehe thun, Daß wir unsre Herzen vor allen unerlaubten Begierden des Fleisches und fündhaften Regungen des Herzen bewahren, Daß wir über den Nächsten nie ein vermeffenes Urtheil fällen oder Lügen ausstreuen, Daß wir unsers Nächsten Gut nicht begehren, Daß wir dich, den einzig wahren Gott, über Alles lieben, Daß wir um deinetwillen auch den Nächsten wie uns felbst lieben, Wir bitten dich, erhöre uns! Daß wir deine Güte und Langmuth nicht mißbrauchen mögen, Daß wir unsere Leiber zu einem lebendigen, heiligen und wohlgefälligen Opfer weihen, Daß du uns in dein ewiges Reich einführen wolleft, Daß du uns zu deiner göttlichen Anschauung zulassen wollest, Daß wir uns in bir ewig erfreuen mögen, O du Lamm Gottes, welches hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c. erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c. erbarme dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Vater unser. Ave Maria. V. Ehre sei dem Vater, dem Sohne und dem heiligen Geiste. R. Wie es war im Anfang, jetzt und allweg und zu ewigen Zeiten. Amen. Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott! der du deinen Dienern die Gnade verliehen haft, in dem Bekenntnisse des wahren Glaubens die Herrlichkeit der ewigen Dreifaltigkeit zu erkennen, und in der Macht deiner Größe die Einigkeit anzubeten; gib, daß wir durch die Festigkeit dieses Glaubens gegen alle Widerwärtigkeiten beschüßzet werden. Durch Jesum Christum, unsern Herrn, der mit dir 2c. Amen. Gebete zu den drei göttlichen Personen. Gebete zu den drei göttlichen Personen. Gebet zu Gott dem Vater. ( Aus dem heil. Anselmus.) Herr, Gott, allmächtiger Vater und gütiger Schöpfer, erbarme dich meiner, deines sündlichen Knechtes, und spende mir barmherzig die Verzeihung aller meiner Sünden! Verleihe mir, alle Nachstellungen meiner Feinde, alle Versuchungen und sündlichen Gelüste zu überwinden; was du verbietest, mit Herz und That vollkommen zu meiden, dir zu dienen und dich zu lieben, so sehr du weißt, daß ich dich lieben kann, und du es von mir verlangst! Gib mir, Herr, Zerknirschung des Herzens, Uebung der Frömmigkeit, aufrichtige Demuth, Abtödtung des Fleisches, einen süßen Eingang zu dir im Gebet und in der Betrachtung, einen nüchternen, wahrhaften Sinn zu allen guten Werken nach deinem Wohlgefallen, und einen ernsten und wirksamen Geist: auf daß mein ganzes Leben nach deinem heiligen Willen, zu deiner Ehre und zu deinem Lobe geordnet sei. Ver leihe mir, Herr, daß ich deine Gebote erkenne, liebe, und sie freudig, leicht und getreu vollbringe, immerdar mit demüthiger Beharrlichkeit im Bessern fortschreite, und in deinem heiligenDienste nicht lau werde! Verlaß mich nicht, mein Gott; und übergib mich nicht der menschlichen Schwäche oder Unwissenheit, noch meinen eigenen Verdiensten, noch auch irgend einem andern Gegenstand, außer deiner heiligen und göttlichen Anordnung. Schalte, o mein allerhöchster Herrscher, Huldreich über mich, und lente alle meine Gedanken, Worte und Werke in deinem Wohlgefallen, daß dein heiliger Wille immerbar in mir, durch mich und hinsichtlich meiner geschehe. Befreie mich, mein Gott, von allem Uebel, und verleihe mir alles Gute, nämlich dich selbst, auf daß meine Freude in dir sei, der du das ewige Leben bist. Amen. 296 Andächtiges Gebct zu Jesu. Süßester Jesu, du hast dich für mich dargegeben, und vers langst für so unermeßliche Liebe mein Herz von mir! O was ist dir dieß Herz, mein Gott, du erlauchtester König des Him 297 Gebete zu den drei göttlichen Personen. mels und der Erde! Hätte mein höchst dürftiges Herz auch eine größere Fassungskraft als alle erschaffenen Herzen der Menschenkinder, ja hätte es sogar glühendere Liebe als alle Heiligen, Engel und Erzengel und erschaffenen Geister, so wäre dennoch dieß Geschenk viel zu gering und zu unwürdig, ja beinahe gar nichts! Wie weit mehr also soll ich den geringen Funken der Liebe in meinem Herzen dir opfern und zu einem Brandopfer weihen! Denn dieß ist überaus große Gnade gegen mich, den geringsten deiner Knechte, daß du dich herablassest, mein Herz zu wollen! Wäre ich nicht höchst albern, wenn ich dasselbe noch ferner irgend einem Geschöpfe zuwendete, da du, o Gott, dasselbe für dich verlangst! Ja, nicht dulden will ich es, daß es von nun an in mir bleibe; sondern gänzlich soll es ruhen in dir, der du dasselbe zu deiner Ehre und zu deinem Lobe erschaffen hast. Besser ist. es, daß mein Herz zu ewigem Jubel in deiner göttlichen Majestät und unermeßlichen Güte bleibe, als in meiner eigenen Gebrechlichkeit; seliger, daß es in deiner Gottheit, als in meinem Elende sich aufhalte, der du über alles erhaben, Gott bist, gepriesen in Ewigkeit. Amen.( Heil. Bonavent.) Gebet zum heiligen Geiste. O Strom ewiger Liebe, entströmend der Gottheit des allmächtigen Vaters und seines eingebornen Sohnes, Herr, Gott, heiliger Geist, huldreichster Tröster der Betrübten, suche heim in deiner allmächtigen Kraft das Innerste meines Herzens, verscheue daſelbst durch den Blißglanz deines göttlichen Lichtes die alten Finsternisse, erfreue meine Seele durch deine heilige Inwohnung und begieße das trockene Erdreich meines Herzens mit dem Thau deiner fruchtbaren Heimsuchung! Verwunde die verborgensten Tiefen des innern Menschen durch die Feuerpfeile deiner Liebe, ers leuchte durch die Feuerflammen heiligen Eifers alles Innerliche des Leibes und der Seele! Tränke mich aus dem Strome deiner Wonnen, daß alle giftige Süßigkeit der Welt mir verleide! ,, Lehre mich deinen Willen thun; denn du bist ja mein Gott!' Ich glaube getreu, daß du das Herz, welches du bewohnest, zu einem Aufenthalte des Vaters und des Sohnes bereitest! Selig 298 nbachtsübungen zu Jesus im allerheil. Altarssakramente. wer da verdient, daß du bei ihm als Gast einkehrest, da um deinctwillen Vater und Sohn ihre Wohnung bei ihm nehmen werden. D komm, bu huldreichster Tröster der trauernden Seelen, du ihr Beschüßer in innerlichen Anliegen, und ihre mächtige Hilfe in der Trübfal! Komm, du Reiniger von Lastern, du Heis ler von Wunden, du Stärke der Gebrechlichen, du Aufnehmer der Fallenden, du Lehrer der Demüthigen, du Verderber der Stolzen! Komm, du zärtlicher Vater der Waisen, du milder Richter der Wittwen! Komm, du Hoffnung der Armen, du Erquicker der Schmachtenden, du Stern der Schiffer, du Hafen der Schiffbrüchtigen! Komm, du wunderbare Zier aller Lebenden, du einziges Heil aller Sterbenden! Komm, o heiligster Geist, komm und erbarme dich meiner! Laß dich huldreich herab zu mir! Beuge deine Größe zu meiner Kleinheit, und kräftige meine Schwäche nach der Menge deiner Erbarmungen, durch Jesum Christum, meinen Erlöser, der mit dem Vater in deiner Einheit lebt, und regiert in Ewigkeit. Amen. ( Heil. Anjelmus.) Andachtsübungen zu Jesus im allerheiligsten Altarsfakramente. Von der Besuchung des allerheiligsten Sakraments des Altars. bilad Eine sehr schöne und fromme, von den Heiligen aller Zeiten befolgte Sitte ist es, auch außer der Zeit des öffentlichen Gottesdienstes unfern Heiland Jesus Christus im Denkmale seiner Liebe zu verehren, indem man dazu eigens nach Zeit und Muße in eine Kirche geht, vor dem Tabernakel niederkniet, und den Herrn anbetet. Diese find Besuche, welche die liebende christliche Seele ihrem göttlichem Bräutigam abstattet. Mancher findet leicht dann und wann Gelegenheit, einem so nüßlichen und unsers Glaubens würdigen Gebrauche ein Viertelstündchen Zeit zu widmen. Wen Berufsgeschäfte und andere Hindernisse davon abhalten, der kann sich zu gewissen Zeiten des Tages im Geiste vor das heilige Saframent versetzen und sein Gebet mit den Engeln und den davor wirklich gegenwärtigen Christen vereinigen. Andachtsübungen zu Jesus im allerheil. Altarssakramente. 299 Erlauben Umstände und Verhältnisse, dir, o Christ! diese vortreffliche Andachtsübung vorzunehmen, so geschehe dieses besonders am Tage, wo du zum Tische des Herrn gegangen bist, und am Donnerstage, dem Wochentage, wo Christus bei seinem letzten Abendmahle dieses Wunder seiner Liebe gestiftet. Da geh' zu ihm und kniee nieder und beuge dein Haupt, bald wie die frommen Hirten und weisen Könige, um ihn anzubeten, bald wie seine Apostel und Jünger, um seinen göttlichen Unterricht zu empfangen, bald wie Magdalena, Betrus, Augustin und Theresia, deine Sünden zu beweinen, seine Liebe und unendliche Güte zu bewundern und ihm Dank und Lob dafür zu bringen. Erscheine vor ihm im reuigen Gefühle deiner Sündhaftigkeit, gleich jenem Zöllner, der von ferne stand, und sprich: Herr! sei mir armen Sünder gnädig! Stelle dich ihm vor wie jene Kranken im Evangelium, rufe ihn an und bete: Jesu, du Sohn Davids! erbarme dich meiner, heile, reinige mich! Lege ihm deine Wünsche und Bedürfnisse, deine Leiden, deine Kümmerniffe, und alle andern Anliegen dar; und bitt ihn, mit dem Glauben und Vertrauen jener Armen um Trost und Stärkung, um Geduld und Ergebenheit. Es hat ihn nie jemand umsonst gebeten; er gibt; um was man ihn bittet, oder wenn dieses uns nicht gut ist, etwas Besseres. Wenn du mit lebhaftem Glauben an die Gegenwart Jesu Christi vor dem heiligen Tabernakel fniest, so laß in ruhiger Geistesversammlung Ehrerbietigkeit und kindliches Zutrauen, Liebe und Dankbarkeit dein Herz beleben; dann wird es dem Munde auch an Worten nicht fehlen, und du wirst erfahren, was David sagte: ,, Verkostet und sehet, denn der Herr ist süß; selig der Mann, der auf ihn hoffet!"( Pf. 33. 9.) Hier gilt auch, was er selbst gesprochen, um uns aufzumuntern, bei ihm Hilfe und Trost zu suchen: ,, Kommet alle zu mir, die ihr mit Mühe und Arbeit beladen seid, ich will euch erquicken. Besuchung des allerheiligsten Altarssakramentes. Göttlicher Heiland du liebreichster Arzt der Kranken, und Freund reuevoller Sünder, den nur die Liebe zu uns armen Pilgern in diesem Thränenthale zurückhält, in heiliger Ehrfurcht bete ich dich an mit den heiligen Engeln, die dir, ihrem ewigen Könige, Tag und Nacht hier dienen! Denn ob auch meine Unreinigkeit mich billig zurückhalten sollte, meine Anbetung mit + O heiliges Gastmahl; in welchem Christus genossen und das Andenken an Sein Leiden erneuert wird; hier wird die Seele mit Gnaden erfüllt und wir empfangen das Unterpfand der zukünftigen Herrlichkeit! Andachtsübungen zu Jesus im allerheil. Altarssakrament. 301 diesen seligen Geistern zu vereinigen; so weiß ich doch, daß du die Liebe, daß du die ewige Güte selbst bist, die Niemand verschmäht, sondern alle mit Barmherzigkeit aufnimmt, die mit zerknirschtem Herzen und kindlichem Vertrauen dich, ihren barmherzigen Erlöser, suchen, der du noch immer durch deine Verdienste unser Stellvertreter und Fürbitter bei dem himmlischen Vater bist. Ach süßester Jesus! wie wunderbar ist deine Liebe und Erbarmung, die so Vieles und so Unwürdiges von den Sündern litt, und noch täglich in diesem wunderbaren Sakramente von den Beleidigungen deiner Feinde, von dem Kaltsinn und Unglauben derjenigen erduldet, für die du durch den Tod am Kreuze, und die Einsetzung des allerheiligsten Altarssakraments als Opfer und Speise unserer Seele, zur Erlangung des ewi gen Lebens, deine göttliche Liebe erschöpfet hast. Und ach! wie lange gehörte ich selbst zur Anzahl derjenigen, die dich nicht erkennen, deiner nicht gedenken, dich weder fürchten noch lieben, dir die schuldige Anbetung entziehen, und im beständigen Undank gegen dich dahin leben! O ewige, unaussprechliche, unerfaßliche Liebe, wie wenig kennen dich die Menschenkinder! Und wie kann ich selbst je meine Vermessenheit und meinen Undank genugsam beweinen! O tilge jene Tage, wo ich dich beleidigte, aus dem Buche meines Lebens, und gib mir Thränen der Reue, Thränen der Liebe, o Herr! Verwunde mein Herz durch deine göttliche Liebe, wodurch ich allein zu fester Gesundheit meiner Seele gelange, und weihe dir nun und ewig dieß Herz und alle Regungen desselben! Kräftige mich, o allerheiligstes Saframent, in den guten Vorsäßen, die ich in deiner heiligen Gegenwart mache, dir zu leben, und der Welt und ihren Thorheiten und sündlichen Lüsten zu entfagen. as Sei allein, so lange ich hienied en pilgere, meine Freude und mein Trost in den Trübsalen dieses Lebens, meine Zuflucht im Leiden, und meine Kraft im Streite, und laß mich durch dich, o Unterpfand der ewigen Glorie! einst eingehen in den Himmel, um dich daselbst ewig zu loben und zu preisen, der 302 Andachtsilbungen zu Je us du mit Gott dem Vater und dem heiligen Geiste lebst und tegierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Liebreichster Jesus! in welche Tiefe führte dich deine Liebe, die ohne Unterlaß von unserm Elende gerührt, und gleich einer liebenden Mutter gedrängt wird, nicht nur ihre Gaben, sondern auch sich selbst ihren Kindlein mitzutheilen, und mit ihrer eigenen Wesenheit sie zu nähren! O wunderbare Liebe! genügte es denn deiner unermeßlichen Barmherzigkeit nicht, Einmal in die Hände der Sünder zu kommen, so bittere Codesnoth auf dich zu nehmen, und die Strafe unserer Sünden am blutigen Kreuze zu tilgen, daß du auch jetzt noch im heiligsten Altarssakramente allen Beleidigungen dich preis gibst, die einst auf Erden dir widerfahren sind! Ach wie schwer duldet dein. göttliches Herz die teuflische Bosheit so vieler Lästerer; die fakrilegischen Mißhandlungen so Vieler, die in diesem göttlichen Sakramente selbst, worin deine Liebe sich erschöpfte, mit befleck ten Händen, mit unreinen Zungen dich berühren; den Kaltsinn, den Undank und die Vergessenheit so Vieler, für die du dein heiliges Blut vergossen hast, und in diesem heiligen Satramente dich fortwährend opferst! O göttliches, aus Liebe zu uns Sündern verwundetes Herz! auf den Knien liegend bitte ich dir solche Undankbarkeit mit reuevollem Herzen ab! O könnte ich durch andächtige und inbrünstige Verehrung und Anbetung, tönnte ich durch die feurigste Liebe für alle diese Beschimpfungen, Verachtungen, für allen Spott und alle Schmach dir genug thun, die dir, o liebreichster Jesu! beinahe täglich widerfahren! Könnte ich mit meinen Thränen, ja mit meinem Blute die Stätten be gießen, wo, o süßester Jesus! dein heiligstes Herz so grausam verwundet, das Unterpfand deiner unsterblichen Liebe mit so unerhörter Gleichgültigkeit und Verachtung belohnt wird! O wäre es mir vergönnt, durch das Opfer meines Lebens allen Kaltsinn derjenigen zu erseßen, die dich nicht erkennen; oder die, wenn sie dich auch erkennen, nicht lieben wollen! Liebreichster Jesus! laß es dir wohlgefallen, daß ich für fo vielfältige Schmach mein Herz dir zum Opfer bringe. O im allerheil. Altarssakramente. 303 reinige dasselbe durch dein Blut, und weihe es durch das Feuer deiner göttlichen Liebe, zu einem Tempel deiner Ehre, wo das Andenken an dein heiligstes Leiden, an deine zahl losen Wohlthaten, und an deine unendliche Liebe in diesem göttlichen Sakramente ohne Unterlaß lebet! Wenig, o lieb. reichster Jesus! opfere ich dir. Doch sieh, es ist Alles, was ich habe und vermag, gib mir größere Liebe und wahre Reinigkeit des Leibes und der Seele, Demuth und wahre Aufopferung meiner selbst, auf daß ich Alles in deinem Geiste und nach deinem Sinne wirke, an heiligen Tugenden zunehme, und dir täglich wohlgefälliger werde. Göttliches Sakrament der Liebe meines Herrn! ich bete dich an in tiefster Demuth mit allen heiligen Engeln und Erzengeln, mit allen Thronen und Herrschaften, und mit dem ganzen himmlischen Hofe! O sei gelobt, du lebendiges Denkmal der Wunder meines Herrn nun und in Ewigkeit! Ich opfere dir, o Herr Jesus! alle Seufzer und Anbetungen andächtiger Liebe, die in dieser und in allen Kirchen der Welt dir jemals erwiesen wurden! Ich danke dir für alle göttlichen Gnaden und Wohlthaten, die du an dieser Stätte gespendet hast, und in fünftigen Zeiten spenden wirst. O daß mein Herz eine brennende Lampe wäre, mit dem Dele der heiligen Liebe erfüllt, und in deiner heiligen Gegenwart sich verzehrte! Sei gegrüßt, o glorreicher Frohnleichnam und göttliches Blut meines Herrn Jesu Christi! Im Staube meiner Niedrigfeit sinke ich nieder vor dir, bete dich an mit allen Chören der heiligen, liebeflammenden Engel, und bekenne in Demuth, daß bu, mein Herr und mein Gott! in der heiligen Hoftie lebendig mit deiner Gottheit und Menschheit zugegen bist. Sei gegrüßt, o wunderbares Denkmal der Liebe meines Gottes, du wahres, lebendiges Opferlamm, heiligste Menschheit meines Herrn Jesu Christi, die für mich am heiligen Kreuze geopfert ward! Ich bete dich an im Namen aller Geschöpfe, für die du dein kostbarstes Blut vergossen hast, und danke dir aus innigstem Herzensgrunde für die unendliche Liebe, in welcher du hier zu unserm Heile verborgen bist! 304 Andachtsübungen zu Jesus Sei gegrüßt, o süßester Jesus! du ewiges Wort des Vaters, du lebendiges Himmelsbrod, du süße Speise der Engel, du Urquell aller himmlischen Freuden, du Lamm Gottes, der du unsere Sünden hinwegnimmst, du Heil der Welt, du allerheiligstes Opfer, das den Himmel mit der Erde versöhnt! Sei gegrüßt, o Erlöser der Welt, Wort Gottes, das Fleisch geworden ist, um uns zum Himmel zu führen, allmächtiger König der himmlischen Gewalten, wahrer Gott und Mensch, Frucht der reinsten Jungfrau, du Urquell des ewigen Lebens, du Brod der Engel, du Erquickung der Heiligen und aller Gläubigen auf Erden, stärke mich mit deiner Gnade! Sei gegrüßt, o Jesus, Gott von Gott und Licht vom Lichte, der du hier unter diesen geringen Gestalten verborgen bist, uns arme Sünder auf unserer Pilgerschaft zu erleuchten, zu trösten und zu erquicken! Ich lobe, preise und erhöhe dich mit allen heiligen Kindern Gottes, die durch dich in das himmlische Reich eingegangen sind, jeßt und in Ewigkeit! O heilige Hoftie, unerfaßlicher Schaß aller Reichthümer Gottes, Urquell aller himmlischen Gnaden, Fülle der unendlichen Verdienste Jesu Christi, Sonne der Gerechtigkeit, die alle Herzen bestrahlt, heiligster Leib meines Erlösers! O Jesu, du einzige Freude und Liebe heiliger Seelen! sieh mit den Augen deiner milden Barmherzigkeit auf mich, dein armes Geschöpf herab, und komm meiner Dürftigkeit zu Hilfe, die dich nicht würdig genug zu loben vermag. Sende einen Strahl deines göttlichen Herzens in meine Seele, daß fie voll freudiger Liebe und Andacht in dein Lob sich ergieße! O lebendiger Quell alles Segens, segne deine heilige Kirche, die du in deinem Blute gestiftet hast, laß sie auf dem ganzen Erdkreise blühen, wachsen, gedeihen und sich vermehren! Leite und regiere fie in deinem Frieden, und in deiner Liebe, und erleuchte alle Herzen, daß sie dich, unsern wahren Gott und Herrn erkennen und in Liebe anbeten! Liebreichster Jesus! aus allen Kräften meiner Seele verlange ich, dich zu begrüßen, dir zu huldigen, dich anzubeten und dir zu danken, daß du das allerheiligste Altarssakrament at allerheiligsten Altarsfatramente. 305 als ein göttliches Denkmal deiner Barmherzigkeit eingesetzt hast, wodurch der Himmel mit der Erde vereint wird, und alle pilgernden Seelen gesättigt, erfreut und mit himmlischen Gnaden erfüllt werden! Gepriesen sei deine unergründliche göttliche Weisheit, in welcher du dieß wunderbare Mittel erfunden hast, in diesem Thränenthale unter uns Menschen zu wohnen, mit unserer Armuth dich zu vereinigen, und uns zu Kindern beines Reiches zu erheben, und des Himmels uns würdig zu bilden! Gelobt sei der unermeßliche Abgrund deiner heißesten Güte, die dich herabließ, dieß lebendige Unterpfand deiner Liebe uns Unwürdigen in diesem Thränenthale zu hinterlassen, über welches kein höheres und liebreicheres im Himmel noch auf Erden denkbar ist! O du meine einzige und wahre Hoffnung, du sicherste Zuversicht meiner Seele, Jesus, mein Erlöser! ich bete dich an und lobe dich! ich flehe zu dir, vereinige mich oftmals mit dir in diesem wunderbaren Sakramente! bestegle mich mit dir in der Stunde meines Hinscheibens aus dieser Welt, und führe mich zu dir in die glorreiche Anschauung, bein Lob mit allen Chören der seligen Geister zu singen, und dich zu lieben in Ewigkeit! Amen. Das Gebet des heiligen Thomas von Aquin. Adoro te devote, latens Deitas etc. Jubel, Preis, Anbetung Dir, o Jefu Chrift! Der du unter Brodsgestalt verborgen bist, Dir beugt sich voll Demuth mein entzücktes Herz; Denn Dein holder Anblick reißt es himmelwärts. Zwar begreift Gefühl, Geschmack und Aug' Dich nicht; Doch ich glaub', was das Gehör allein mir spricht: Was ich aus des Sohnes Gottes Mund gehört, Glaub' ich fest Ihm, weil er uns nur Wahrheit lehrt. An dem Kreuz verbarg nun Deine Gottheit sich, Hier verhüllst Du auch mit Deiner Menschheit Dich; Doch mit Gottheit und mit Menschheit bist Du hier, Dieß glaub' ich und flehe wie der Schächer Dir. Nicht wie Thomas seh' ich Deine Wunden mehr; Doch sagt mir mein glaubend Herz:" Mein Gott und Herr! Stärke meinen Glauben, meine Hoffnung Du, Flüst're meiner Seele Deine Liebe zu! 20 306 Andachtsübungen zu Jesus Du, o Denkmal von des Mittlers Kreuzestod, Du gibst Leben uns, o wahres Engelbrod! O verleihe stets von Dir zu leben mir, Und vermehr' mein heißes Sehnen stets nach Dir! Du, Der für uns Sünder Blut und Leben gab Wasch' mich durch dein Blut von allen Sünden ab; Denn ein Tropfen Deines heil'gen Blut's allein Macht uns alle von der Sünden Flecken rein. Gottmensch Jesus! Den ich hier verborgen seh', Gib mir das, was ich von ganzer Seele fleb', Führ' mich in Dein Reich nach meinem Tode ein. Laß mich selig dann durch Deinen Anblick seyn! Der Hymnus, Pange lingua." Das wundervolle Sakrament Soll unser Mund befingen, Das uns im neuen Testament Will Gnad' und Segen bringen; Den Leib, das Blut, was für die Welt Der Heiland gab als Lösegeld. Von einer Jungfrau wunderbar Durch Gottes Kraft geboren, Hat er sich eine Jüngerschaar Zum Lehramt auserforen. Schloß nach vollbrachtem Lebenslauf Durch seinen Tod den Himmel auf. Als er beim letzten Abendmahl Mit Ihnen noch gesessen, Und so, wie das Gesetz befahl, Das Ofterlamm gegeffen; Da gab er sich mit eig'ner Hand Als Nahrung hin zum Liebespfand. Sein Wort verwandelte bas Brod In wahren Leib zur Speise, Der Wein ward Blut auf sein Gebot. Auf wunderbare Weise; Der Glaube muß uns hier allein Beweis und Ueberzeugung seyn. O Sakrament! wir kommen dich Gebeuget zu verehren; Im neuer Bund verlieren sich Des alten Bundes Lehren; Und fester Glaube zeigt uns an, Was unser Sinn nicht fassen kann. Dir sei Lob, Ehre, Dank bereit, Gott Vater auf dem Throne, Und ewig sei gebenedeit Mit Jesus, deinem Sohne; Auch Ehre sei dem heil'gen Geist, Der uns als Tröster sich beweist. V. Du, o Herr! haft ihnen das Himmelbrod gereicht, R. Welches alle Lieblichkeit in sich enthält. Gebet. O Gott! der du in dem wunderbaren Sakramente uns ein Andenken deines Leidens hinterlassen hast, wir bitten dich, verleihe uns die heiligen Geheimnisse deines Leibes und Blutes also zu verehren, daß wir deiner Erlösung Früchte immerbar in uns genießen mögen. Welcher du mit Gott dem Vater in Einheit des heiligen Geiftes lebest und regiereft, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Papst Pius VII. hat mit Decret Urbis et Orbis am 25 August 1818 auf ewige Zeiten allen Christgläubigen 300 Tage Ablaß für einmal des Tages verliehen, wenn sie mit reumüthigem Herzen vorstehenden Hymnus Pange lingua fammt den V. und R. und Gebet andächtig sprechen würden; jenen aber, welche entweder täglich oder doch wenigftens 10 mal in jedem Monate diese fromme Uebung vornehmen, wird sowohl am grünen Donnerstage als am Frohnleichnamstage oder an einem Tage in der Oktav dieses Festes oder noch an einem andern beliebigen Tage ein vollkommener Ablaß verliehen, wenn sie beichten, kommuniziren, eine Kirche besuchen und auf die Meinung des Oberhauptes der Kirche beten. im allerheiligsten Altarssakramente. Litanei vom heiligsten Altarssakramente. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geist, Heilige Dreifaltigkeit, ein Einiger Gott, Jesu, du Brod der Engel, Du Speise der Auserwählten, Du lebendiges Brod, das vom Himmel gekommen, Du Brod der Wonne und Seligkeit, Du wahres Brod, das der Seele das Leben gibt, Du Geheimniß unsers Glaubens, Du verborgener Gott und Seligmacher, Du immerwährendes Opfer, Du Denkmal der göttlichen Liebe, Du Krone der Welterlösung, Du unerschöpfliche Gnadenquelle, Du unbeflecktes Lamm Gottes, Du Inbegriff aller Vollkommenheit, Du Ueberfluß der göttlichen Milde, Du Band des Friedens und der Liebe, Du Freude der gottfeligen Gemüther, Du Schaß der Gläubigen, Du Versöhnung der Sünder, Du Trost der Betrübten, Du Stärke der Schwachen, 307 Du Speise der Hungrigen, Du Arznei der Kranken, Du Wegzehrung der Sterbenden, Du Unterpfand der Unsterblichkeit und Auferstehung, Sei uns gnädig, verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Herr! Von dem unwürdigen Empfange deines Fleisches und Blutes, erlöse uns, o Herr! Von Begierlichkeit des Fleisches, Von Begierlichkeit der Augen, Von Hoffart des Lebens, Von aller Gelegenheit zur Sünde, Durch das Verlangen, mit dem du die letzten Oftern mit deinen Jüngern erhalten wolleft, Durch deine tiefe Demith, womit du ihnen die Füße gewaschen, 20* Erbarme dich unser! Erlöse uns, o Herr! 308 Andachtsübungen zu Jesus Durch die Liebe, mit welcher du dieses heilige Sakrament ein. gesetzt hast, erlöse uns, o Herr! Durch deine heiligen fünf Wunden, erlöse uns, o Herr! Wir arme Sünder! Wir bitten dich, erhöre uns! Daß du in uns den Glauben und die Andacht gegen dieses) heiligste Sakrament vermehren und erhalten wollest, Daß du uns vom Tode der Sünde zum ewigen Leben aufwecken wolleft, Daß du Alles, was in uns böse und verkehrt iſt, tödten und ausrotten wollest, Daß du uns in deiner Gnade stärken und erhalten wollest, Daß du uns gegen alle heimlichen Nachstellungen des bösen Feindes schützen wollest, Daß du deine Gnade in uns mehren wolleft, Daß du unsere Gemüther mit der Gnade deiner Heimsuchung erleuchten und reinigen wollest, Daß wir uns allezeit in dir erfreuen mögen, Daß du das Feuer deiner Liebe in uns anzünden wollest, Daß du durch das Band der Liebe uns ewig mit dir vereinigen wollest, Daß du in der Stunde unsers Hinscheidens uns mit dieser himmlischen Wegzehrung speisen wollest, Daß du uns in das ewige Leben einführen wollest, Jesu, du Sohn Gottes, O du Lamm Gottes, daß du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! Wir bitten dich, erhöre uns! O du Lamm Gottes 2c. erhöre uns, o Herr! O bu Lamm Gottes 2c. erbarme dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Vater unser. Gebet wie oben Seite 306. Anbetung des allerheiligsten Sakraments. Mit der tiefsten Ehrfurcht, mit einer kindlichen Dankbarfeit und Liebe bete ich dich an, o Gott des Himmels und der Erde, du Sohn des ewigen Vaters, du Retter und Wohlthäter von uns Allen! Ich preise deine unendliche Güte, die sich würdigte, in der Gestalt des Brodes gleichsam ewig unter uns zu seyn, damit wir zu dir fliehen, dich in unsern Nöthen um Hilfe im allerheiligsten Altarssakramente. 309 bitten, die für deine Gaben danken, dir unsere Ergevenheit bezeigen können. Mit fester Ueberzeugung glaube ich es, daß du in diesem heiligsten Geheimnisse zugegen bist, als wahrer Gott und Mensch, als unser Vater, Freund und Beschüßer. Nein! es gibt kein Volk unter der Sonne, daß dich, den guten Gott, so nahe hätte, als wir, deine Christen, dich bei uns haben; denn du bist mitten unter uns und mit all' deiner Güte, Liebe und hilfreichen Freundlichkeit, die dein Wesen ausmachen; du liebest uns mit der aufrichtigsten, mit der edelsten, uneigennüBigsten Liebe; denn du bist ja nur unser wegen da, weil wir deiner bedürfen, weil wir in so vielen tausend Fällen deinen Trost, deinen Rath, Beistand und deine Hilfe nöthig haben. Mit aller Innigkeit des Herzens bete ich dich an, meinen Gott, Schöpfer und Herrn, mein höchstes Gut, meinen immerwährenden Wohlthäter. Ich dränge mich auch unter die Millionen Wesen, die dich mit jubelvollen Seelen anbeten, deine Vollkommenheit bewundern, deine grenzenlose Liebe preiz sen und sich ihrer freuen; mit dir, o ewig gebenedeite Jungfrau Maria, bete ich deinen Sohn an; der Göttliche, den du der Welt als Mutter schenktest, ist dein und mein Gott! mit euch bete ich unsern gemeinschaftlichen König an, ihr Engel des Himmels, die ihr ihn von Angesicht zu Angesicht schauet, und in seiner ewigen Liebe so selig seid! mit euch, ihr Auserwählten der Seligkeit, ihr gesegneten Freunde Gottes, die ihr den großen Lohn für eure Tugenden im Reiche des Friedens erntet! Die ganze Schöpfung betet dich an, du Heiliger der Heis ligen! großer, unbegreiflicher Gott! Die Heere der Gestirne preisen dich in ihren schimmernden Ordnungen, und ihr majestätischer Gang ist ein Triumphbogen deiner Herrlichkeit; die Sonne erfennet dich als ihren Schöpfer, du gabst ihr Feuer und Licht; und unsere kleine Erde mit den Geschöpfen, die auf ihr leben, streckt mit Ehrfurcht die anbetende Hand zu dir. Alles verkündigt deine Allmacht und deine Güte. Auch ich, o mein Gott! o mein ewig gepriesener Gott! ich will dich lieben, dich anbeten, dich benedeien jetzt, noch mehr in deinem Reiche. Amen Andachtsabungen zu Jesus Lobsprüche zu dem allerheiligsten Sakramente. Gelobt und gebenedeit sei das allerheiligste, hochwürdigste Sakrament des Altars mit so vielem Lobe, als Sterne am Firmamente, Funken im Feuer, Stäublein in der Luft, Tröpflein im Meere und Sandkörnchen auf Erden sind, so viel als Blumen im Frühlinge, Früchte im Sommer, Blätter im Herbste, Schnee im Winter, und endlich so viel, als Geschöpfe im Himmel und auf Erden gefunden werden! Du bist dessen wür dig, o Gott! der du unter der sichtbaren Gestalt des Brodes gegenwärtig bist. Gelobt und gebenedeit sei das allerheiligste, hochwürdigste Sakrament des Altars, mit so vielem Lobe, als im Werke ver richtet, mit dem Munde gesprochen, mit Gedanken gedacht, mit dem Herzen begehrt, und mit dem Verstande aller Engel und Menschen auf einige Weise begriffen werden kann! Du bist dessen würdig, o Gottmensch! der du uns mit deinem heiligen Fleische nähreft zum ewigen Leben. Gelobt und gebenedeit sei das allerheiligste, hochwürdigste Sakrament des Altars, mit so vielem Lobe, als die heiligste Dreifaltigkeit mit ihrer Allmacht hervorbringen, mit ihrer Wissenschaft erkennen, mit ihrer Einsicht erfinden, und mit ihrer Gütigkeit wünschen, wollen und begehren kann, auf gleiche Weise, an allen Orten und zu aller Zeit und in Ewigkeit. Du bist dessen würdig, o Herr! der du uns in diesem heiligsten Sakramente nicht allein deine Menschheit, sondern auch deine Gottheit mittheileft. Bittgebet zu Jesus im heiligsten Sakramente. O mein liebster Jesu, ich glaube, daß du mit Seele und Leib, und mit deiner Gottheit in dem heiligsten Altarssakramente gegenwärtig bist. Du bist der Gott aller meiner Hoffnung, auf dein Versprechen hoffe ich alles Gute; ich weiß, daß dein Blut meine Sünden vertilgt, und mir die Pforten des Himmels öff net. O Jesu, meine Liebe im Altarssakramente! in diesem Geheimnisse der Liebe ergießest du die Liebesflammen überall; ach entzünde auch mein Herz, damit ich dich allezeit liebe, wie du im allerheiligsten Altarssakramente. 311 geliebt zu werden verdienst, und wie ich dich zu lieben schuldig bin. Ich wünschte, daß mein Herz von deiner heiligen Liebe brennen, und daß mit mir die ganze Welt dich, das höchste Gut, lieben möchte. Ach, wie oft und schwer habe ich dich, o Herr! beleidigt, statt, daß ich dich liebte! O unendliche Güte! ich be reue es, verzeihe mir, und mache mit deiner kräftigen Gnade, daß ich dich nicht mehr beleidige. O mein Jesu! ich sage dir Dank, daß du im heiligsten Altarssakramente bei uns geblieben biſt. O ewiger Vater! ich sage dir Dank, daß du mir Jesum gegeben haft; ja der ganze Himmel soll dir für mich Dank abstatten. O mein Jesu! aus Liebe zu mir hast du dich ganz zum Opfer dargegeben. Aber ich opfere dir mich selbst ganz zu einem immerwährenden Brandopfer auf, meine Seele und mein Leib follen ganz dein und nicht mehr mein seyn. Nach diesem ehre die heiligste Dreifaltigkeit, besänftige ihre Gerechtigkeit, danke ihrer Freigebigkeit, flehe ihre Güte durch Jesum Chriftum an. Hier begehre Gnaden von dem Herrn, bete für die ganze heilige Kirche und für die Seelen der Lebendigen und Verstorbenen. Erhöre, o Herr! mein Flehen auf diesem Throne der Barmherzigkeit; verleihe mir die Gnade zu deiner größern Ehre, und zur größern Wohlfahrt meiner Seele. Segne mich, o Jesu, mit Maria! 11 Uebungen der Anbetung Jesu im allerheiligsten Altarssakramente. 1. Ich bete dich mit tiefster Ehrerbietung an, o mein Jesu, im heiligsten Sakramente! Ich erkenne dich als wahren Gott und wahren Menschen; und durch diesen Akt der Anbetung will ich die Frostigkeit und den Kaltsinn so vieler Christen ersetzen, welche im Vorübergehen bei deinen Tempeln, und vielmal sogar vor dem heiligen Tabernakel, worin du dich würdigest zu allen Stunden in liebevoller Ungeduld zu verweilen, um dich deinen Gläubigen mitzutheilen, dich nicht einmal begrü 312 Andachtsübungen zu Jesus ßen, sondern durch ihre sträfliche Gleichgültigkeit, leider! bewei sen, daß sie, wie die Juden in der Wüste, einen Eckel vor diesem himmlischen Manna haben. Ich opfere dir demnach auf das kostbarste Blut, welches du aus der Wunde deines linken Fußes vergoffest, zur Sühnung für eine so empörende Lauigfeit; und in diese Wunde mich verschließend, wiederhole ich tausend und tausendmal: Gelobt und gebenedeit sei ohne End' Das heiligste und göttlichste Sakrament. ( Vater unser. Ave Maria. Die Ehre sei zc.) 2. Ich bete dich mit tiefster Ehrerbietung an, o Jesu! der du gegenwärtig bist im heiligsten Altarssakrament; und durch diesen Akt der Anbetung verlange ich den Undank so vieler Christen zu ersetzen, die, wenn sie dich zu den schwer bedrängten Kranken tragen sehen zur Stärkung für ihre große Reise in die Ewigkeit, dich ohne Begleitung lassen, und kaum eines kleinen Zeichens der äußerlichen Verehrung würdigen. Ich opfere dir demnach auf, zur Sühnung eines solchen Kaltsinns, das kostbarste Blut, welches du aus der Wunde deines rechten Fußes vergoffest; und in diese Wunde mich verschließend, wiederhole ich tausend und tausendmal: Gelobt und gebenedeit sei ohne End' Das heiligste und göttlichste Sakrament. ( Vater unser. Ave Maria. Die Ehre sei 2c.) 3. Ich bete dich mit tiefster Ehrerbietung an, o mein Jesu! du wahres Brod des ewigen Lebens! und durch diesen Aft der Anbetung verlange ich, dir für die so vielen Wunden genug zu thun, welche tagtäglich deinem Herzen geschlagen werden durch die Verunehrung deiner Kirchen, wo du unter den sakramentalischen Gestalten zu verweilen dich würdigest, um von deinen Getreuen angebetet und geliebt zu werden. Ich opfere dir demnach auf, zur Sühnung so vieler Ungebührlichkeiten, das kostbarste Blut, welches du aus der Wunde deiner linken Hand vergossest, und in diese Wunde mich verschließend wiederhole ich tausend und tausendmal: im allerheiligsten Altarssakramente. Gelobt und gebenedeit sei ohne End' Das heiligste und göttlichste Sakrament. ( Vater unser. Ave Maria. Die Ehre sei 2c.) 4. Ich bete dich mit tiefster Ehrerbietung an, o mein Jesu! lebendiges Brod, vom Himmel gestiegen! und durch diesen Akt der Anbetung verlange ich, dir für alle die vielen Unehrerbietigkeiten genug zu thun, welche tagtäglich von deinen Gläubigen in Anhörung der heiligen Messe begangen werden, bei welcher du im Uebermaaß deiner Liebe zu uns das nämliche Opfer, obschon unblutig, erneuerst, das du auf dem Kalvarienberge zu unserm Heile vollbracht hast. Ich opfere dir demnach auf, zur Sühnung eines solchen Undankes, das kostbarste Blut, welches du aus der Wunde der rechten Hand vergoffest, und in diese Wunde mich verschließend, vereinige ich meine Stimme mit jener der Engel, die dich tief anbetend umgeben, und rufe mit ihnen: Gelobt und gebenedeit sei ohne End' Das heiligste und göttlichste Sakrament. ( Vater unser. Ave Maria. Die Ehre sei 2c.) 313 5. Ich bete dich mit tiefster Ehrerbietung an, o mein Jesu! wahres Opfer zur Tilgung meiner Sünden! und opfere dir diesen Akt der Anbetung auf, zu einigem Ersatz für die Gottesräubereien und Lästerungen, welche du von so vielen undankbaren Christen erduldest, die es wagen, sich dir zu nähern, und mit schwerer Sünde auf ihrer Seele dich in der Kommunion zu empfangen. Zur Sühnung einer so verabscheuungswürdigen Entheiligung opfere ich dir die letzten Tropfen deines kostbaren Blutes auf, das du aus der Seitenwunde vergoffest, und in diese Wunre mich verschließend, komme ich, dich anzubeten, zu lieben und zu preisen, und mit allen frommen Anbetern des allerheiligsten Altarssakramentes, tausend und tausendmal zu wiederholen: Gelobt und gebenedeit sei ohne End' Das heiligste und göttlichste Sakrament. ( Vater unser. Ave Maria. Die Ehre sei. 2c.) Andachtsübungen zu Jesus im allerheil. Altarssakramente. So oft vorstehende Gebete der Anbetung Jesu Chrifti im heiligsten Altarssakrament andächtig gesprochen werden, gewinnt man einen Ablaß von 300 Tagen, der auch den armen Seelen im Fegfeuer zugewendet werden kann. 314 Gebet zu Jesus im allerheiligsten Altarssakramente um die Erhaltung des Glaubens. O Jesus, du Sohn Gottes! erbarme dich unser! Der ärmste aller Sünder( die ärmste aller Sünderinen) bittet dich um die größte aller Gnaden. Versage ste ihm( ihr) nicht! Er( fie) bittet dich in deinem allerheiligsten Namen; er( ste) bittet dich durch dein theuerstes Blut, das du für ihn( sie) und alle Sünder vergoffen haft. Ich glaube fest und ungezweifelt, daß du im allerheiligsten Altarssakramente wahrhaftig und lebendig als Gott und Mensch gegenwärtig bist. Aus Liebe zu uns Sündern bist du da. O, so verlasse uns denn nicht! Erhalte uns in dem heiligen, alleinfeligmachenden katholischen Glauben! Wir stehen in großer Gefahr. Rette uns! sonst gehen wir zu Grunde. Du allein bist unsere Hilfe, unser Trost, unsere ganze Hoffnung! Wenn wir auch Alles verlieren, und Alles, was fürchterlich ist, ausstehen müssen; dein Wille geschehe! Wir sind Sünder. Aber den Glauben, o doch nur den Glauben nimm uns nicht! O Jesu erbarme dich über mich und uns arme Sünder alle! Vermehre in uns den geringen Glauben, stärke in uns die schwache Hoffnung, und entzünde in uns beine treue Liebe! - - 1 - Hochgelobt und gebenedeit seist du, o Jesu! im allerheiligsten Altarssakramente! wie auch deine übergebenedeite, jüngfräuliche, schmerzhafte Mutter Maria! Gelobt und gepriesen seist du in allen Heiligen, jeßt und in Ewigkeit! Amen. Andachtsübungen zum allerheiligsten Herzen Jesu Chrifti. PO 315 Gebet zum allerheiligsten Herzen Jefu Chrifti. O du anbetungswürdigstes Herz meines Erlösers Jesu Christi! ich bete dich an mit aller Inbrunst, deren meine Seele fähig ist; ich liebe dich von ganzem Herzen; ich opfere dir auf alle meine Gedanken, alle meine Worte und Werke nebſt metnen innern und äußern Leiden. Mögen solche, o reichste Gnadenquelle, zu deiner Verherrlichung und durch deinen Segen zu meinem Heile gereichen!- O göttliches Herz Jesu! fönnte ich dir die nämliche Anbetung, Liebe und Unterwerfung bezeigen, wie du selbst fie deinem himmlischen Vater bezeigt, und täglich bir die Engel im hochheiligen Sakramente des Altars- unter 316 Andachtsübungen der Gestalt des Brodes und Weines erweisen: Sei mein Vertheidiger an jenem Tage, wo meine Fehler und Sünder öffentlich bekannt werden, mein Beschüßzer, so lange ich wandle in dieser schnöden Welt, und mein Schuß in der Stunde meines Todes! - Um diese nämlichen Gnaden bitte ich dich auch für meine Angehörige, Verwandte, Freunde und Feinde, für meine Wohl thäter und Glaubensgenossen, für alle verstockten Sünder, für alle Armen, Leidenden und Betrübten, für alle Kranken und Sterbenden, endlich für alle Menschen, welche sich in diesem Jammerthale befinden, damit der Werth deines theuersten Blutes weder für sie noch für mich verloren gehe, sondern vielmehr zu unserer Seligkeit gereiche. Mache dieser Schäße auch theilhaftig alle jene verlassenen Seelen, welche deine göttliche Heiligkeit noch nicht für rein genug gehalten, um in deine Herrlichkeit einzugehen. göttliches Herz unseres Erlösers, erhöre mein Gebet und verschmähe deines Dieners( deiner Dienerin) Rufen nicht! Amen. - Abbitte zum heiligsten Herzen Jesu. Mit einem Ablaß von zwei hundert Tagen fil Jeden, der sie mit wahrer Reue über seine Sünden betet. Mit jener allertiefsten Ehrerbietung, welche der Glaube allein mir schon einflößt, bete ich dich an, o mein Gott und mein Erlöser Jesu Christe, wahrer Gott und wahrer Mensch, verschlossen hier im allerheiligsten Sakramente des Altars; ich bete dich an und liebe dich, zum Ersaße aller der Unehrerbietigkeiten, Entweihungen und Entheiligungen, welche ich, zu meinem Unheile, bisher gegen dich verschuldet haben mag, so mie aller andern, die jemals gegen dich geschehen sind, und noch in Zukunft geschehen können. Ich bete also dich an, o mein Gott, nicht zwar so, wie du es würdig bist, auch nicht, wie ich es wohl sollte, doch wenigstens, wie ich's vermag; und wünschte mit jener Vollkommenheit es thun zu können, deren alle vernünftigen Geschöpfe fähig sind. Inzwischen ist es mein Bestreben, dich jetzt und immer anbetend zu verehren, nicht alleit zum allerheiligften Herzen Jesu. 317 für alle und jeden katholischen Christen, die dich nicht anbeten, und dich nicht lieben, sondern auch zum Ersaße, und für die Bekehrung der Irrgläubigen, der Gottlosen, Gottesläugner, Gotteslästerer und Ungläubigen. Gib, o Jesu, daß du von allen erkannt, angebetet, geliebt, und in jeglichem Augenblicke mit Dank gelobet werdeft, im allerheiligsten und göttlichen Sakramente. Amen. ,, Dich bet' ich an in jeglichem Moment, Lebendig Brod des Himmels, großes Sakrament. D Jesu, Maria's Lieb' allein, Du wollest meine Seele benedei'n. O Jesu, mein Erlöser, dir empfehle, Dir schenke ich allein mein Herz und meine Seele!" Abbitte an das heiligste Herz Jesu. Anbetungswürdigstes Herz meines Erlösers, edelstes, heiligstes und liebenswürdigstes aller Herzen! wir werfen uns, als reumüthige Sünder vor dir nieder, um deine unendliche Erbarmung und Liebe anzufleben, und um dir im Angesichte des Himmels und der Erde wegen unserer Vergehungen demüthige Abbitte zu thun. D Jesu, Sohn des lebendigen Gottes! was hat nicht Alles deine Weisheit erfunden, und deine Liebe unternommen, um alle Menschen glücklich und selig zu machen! Wie unaussprechlich viel hast du für uns gethan und gelitten! Und nachdem du dein ganzes Leben unserer Wohlfahrt geweiht und bich am Kreuze für unsere Sünden geopfert haft, willst du noch täglich unblutiger Weise für uns geopfert werden, und in dem allerheiligsten Sakramente des Altars als Gott und Mensch wirklich, wahrhaft und wesentlich mitten unter uns wohnen, um uns mit deinem heiligen Fleische und Blute zu ernähren, uns mit dir auf's innigste zu vereinigen, und uns die Schätze beiner Gnaden in reichster Fülle zu spenden! Wie unendlich groß follte nicht unser Dank und unsere Gegenliebe für so unaussprechliche Wohlthaten seyn! Allein während dein göttliches Herz in dem wunderbaren Geheimnisse deiner Liebe fich zur 318 Andachtsübungen Beglückung der Menschen erschöpft, erschöpfen auch diese sich, um dich zu beleidigen, und deine unbegrenzte Liebe mit grenzenlosem Undanke zu erwiedern! so viele Un- und Irrgläubige, die in der Blindheit ihres Herzens das heilige Sakrament deiner Liebe nicht erkennen, und dich in demselben verachten, entweihen und lästern! und selbst so viele Gläubige, die deine Liebe nur mit Kälte und Gleichgiltigkeit vergelten, ohne Ehrfurcht in deinem heiligen Tempel erscheinen, wenig nach dir verlangen, selten, und dann noch ohne entsprechende Vorbereitung zu deinem heiligen Tische gehen, oder die sich wohl gar vermessen mit einem sündhaften Gewissen dich zu empfangen, und also durch ihre eigne Bosheit das Brod des Lebens in ein tödtliches Gift verwandeln, und es zum Siegel ihrer ewigen Verwerfung machen. O Jesu, du guter Hirt, der du dein Leben für uns hingegeben haft, wie sehr muß dieser Undank und der Verlust so vieler Seelen dein liebreiches Herz verwunden! Wie gern möchten wir durch Thränen und Bußwerke diesen Schmerz von dir nehmen und dir für alle diese Unbilden genugthun! Aber, ach! wir selbst sind Sünder, und haben zu deinen Leiden so Vieles beigetragen! Daher können wir nur zu deiner großen Barmherzigkeit und deinen unendlichen Verdiensten unsre Zuflucht nehmen, und mit Demuth und Zerknirschung dir zurufen: Verschone uns, o Herr, verschone deines Volkes! Gedenke, daß du uns nicht verwerfen kannst, ohne daß der Werth deines Blutes an uns verloren geht. Zwar sind wir deiner Erbarmungen nicht würdig; allein du hast kein Wohlgefallen an dem Untergange der Seelen, und so lange wir die Zufluchtsstätte der Sünder, dein milbreichstes Herz geöffnet sehen, fönnen wir an deiner Barmherzigkeit nicht zweifeln. So erbarme dich denn, o Jesu, und verzeihe gnädigst alle Unbilden, Entweihungen und Lästerungen, die gegen das große Geheimniß deiner Liebe von uns und allen Menschen irgend verübt worden sind! Mögen unsre Augen sich in Thränenbäche verwandeln, mögen fie Tag und Nacht fließen und keinen Troft vernehmen, weil vein liebreiches Herz, o Jesu, verwundet ist, verwundet von 319 zum allerheiligsten Herzen Jesu. Denen selbst, die es am meisten hätten lieben und verehren sollen! Zum Ersaße für alle dir zugefügten Unbilden opfern wir dir auf alle Verdienste deines bittern Leidens und das theure Blut und Wasser, das aus deiner heiligen Seiten- Wunde gefloffen: wir opfern dir alles Lob und alle Ehren, welche die neun Chöre der himmlischen Geister und alle deine Auserwählten jetzt und ewig dir darbringen werden. In Vereinigung mit ihnen wollen auch wir von nun an dein Lob verkünden und dich so oft lobpreisen, um Verzeihung bitten, ehren und lieben, als unsere Pulsadern schlagen und das Blut in unsern Herzen sich bewegen wird. Möchte künftig auf Erden Niemand mehr dich entehren, möchte der ganze Erdkreis sich vereinigen, um mit Einem Herzen und Einem Munde dir ewig zu singen: Gepriesen und verherrlicht sei ohne Ende das süßeste Herz Jesu in dem heiligsten Sakramente des Altars!" Amen. Anbetung und Aufopferung. Ich bete dich an, o göttliches Herz Jesu, du unerschöpf licher Quell der Barmherzigkeit und der Gnade, allerhöchstes Wunder der Allmacht, Güte und Weisheit Gottes, Thron der heiligen Liebe und einzig würdiges Opfer, das die göttliche Gerechtigkeit zu fühnen vermag. In tiefster Ehrfurcht meines Herzens sinke ich nieder vor dir, erkenne deine erhabenste Würde welche die Anbetung aller himmlischen Geister verdient, und vereinige mich mit ihnen, dich zu preisen und aus ganzer Seele zu verherrlichen. Oheiligstes Herz meines Erlösers, das du mit dem ewi gen Worte wesentlich und unauflöslich vereint, alle seine ewigen und unaussprechlichen Vollkommenheiten in dir erfasseft, und dadurch selbst die Liebe und ewige Wonne der heiligsten Dreieinigkeit bist! Zu dir flehe ich, bir opfere ich mich auf, beiner Ehre und Verherrlichung weihe ich Alles, was ich bin und habe, für mun und immer. Verleihe mir, o süßestes Herz, bich würdig zu lieben, und nimm mich barmherzig zu einem lebendigen Brandopfer auf, das in Flammen seliger Liebe für dich glühe in Zeit und Ewigkeit. Amen.( Von der hr. Gertrudis.) Andachtsübungen Bitten zum heiligsten Herzen Icsu. O edelstes, mildestes und liebreichstes Herz meines getreueften Liebhabers Jesu Christi, meines Gottes und Herrn, ziehe und verabgründe, in Demuth flehe ich darum zu dir, alle meine Gedanken und Neigungen, alle Kräfte meiner Seele und meines Leibes, und was immer ich bin und vermag, in dich, den Urquell aller Güte und Liebe, zu deiner Ehre und zu deinem heiligsten Wohlgefallen! O barmherzigster Herr Jesu, deinem Herzen empfehle ich mich, dir übergebe ich mich gänzlich und für immer! Nimm, o mein Gott, ein böfes und undankbares Herz von mir, und gib mir ein Herz nach deinem göttlichen Herzen und deinem vollkommenen und ewigen Wohlgefallen! Herr, mein Gott, mein Heiland und Erlöser, tilge alle meine Sünden und Alles, was dir in mir mißfällt; was immer aber dir gefällt, das flöße mir aus deinem heiligsten Herzen ein! Bekehre und besige mich zu deinem heiligsten Wohlgefallen und zu deiner Liebe! Verleihe mir, daß mein Herz mit deinem Herzen, mein Wille mit deinem Willen also vereiniget werde, daß ich nie Anderes wolle, noch wollen könne, außer was du willst und was dir gefällt! Laß mich dich lieben, süßester Jesu, mein Gott, aus ganzem Herzen in Allem und über Alles nun und in Ewigfeit. Amen. ( Vom gottseligen Johannes Landsperg.) 320 Liebe, Neue und Sehnsucht. O göttliches Herz meines Erlösers, du Inbegriff alles Guten und aller Vollkommenheit, o möchte ich dich so inbrünstig lieben, als du verdienst geliebt zu werden. Reinige mein Herz von Allem, was dir zuwider ist, und entflamme dasſelbe mit deiner göttlichen Liebe, damit ich nichts anders suche und wünsche, als dich meinen Gott und mein Alles. Ach, wenn ich die kostbare Zeit, die ich unnüß verschwendet habe, zurückrufen könnte! Ich will wenigstens von nun an aus ganzem Herzen dich lieben, alle Augenblicke meines Lebens dir weihen, und so meine frühere Kälte und Gleichgiltigkeit gegen dich zu ersetzen trachten. Glückliche Seelen, die schon von ihrer zartesten Jugend an dir thr Herz geschenkt, und es stets, um dich zu lieben, verwendet haben zum allerheiligsten Herzen Jesu. Wie war es doch möglich, o du ewige Schönheit, daß ich dich habe verachten und beleidigen können? O wie reutet es mich, dir jemals mißfallen zu haben! Und wenn du voraussiehst, daß ich noch jemals von deiner Liebe weichen und dich durch irgend eine Sünde beleidigen werde, so bitte ich dich, laß mich dann lieber in deiner Liebe sterben: denn leben, und dich nicht lieben, ist mir bitterer, als der Tod. 321 Gott, mein höchstes Gut, meine Seele verlanget nach dir Wie sehr sehne ich mich nach dem glücklichen Augenblicke, wo ich dich im Himmel besigen werde. Dort werde ich dich anschauen und erkennen: aus ganzem Herzen, aus allen Kräften meiner Seele werde ich dich dort lieben, und deine unendliche Barmherzigkeit loben und preisen in Ewigkeit. Wie klein, wie elend ist mein Herz, und wie schwach ist die Liebe, die es zu dir hegt, o liebenswürdigster Jesu! erweitere dasselbe durch deine Gnade, entzünde es mit dem Feuer der Liebe, die dein Herz verzehrt, und vereinige es mit deinem Herzen, um dich zu lieben, und in deiner Liebe zu leben und zu sterben. Amen. ( Heil. Alphons Maria von Liguori.) Litanei zum heiligen Herzen Jesu. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater im Himmel, erbarme dich unser! 1 Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geist, Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Du im Schooße der Jungfrau Maria gestaltetes Herz Jesu, Du mit dem Sohne Gottes wesentlich vereinigtes Herz Jesu, Herz Jesu, du Heiligthum der Gottheit, Du Aufenthalt der heiligsten Dreifaltigkeit, Du Tempel der Heiligkeit, Du Quelle der lebendigen Wasser, Du Muster der Sanftmuth und Demuth, Du Brandopfer der Liebe, Du Siß der reinsten Liebe, Du Quelle der Sündenvergebung, Du Labung heiliger Seelen, 21 Erbarme dich unser! 322 Du Schatzkammer der Weisheit, Du Meer der Milde und Güte, Du Siß aller Tugenden, Du Haus Gottes und Pforte des Himmels, Du unerschöpflicher Schaß der Gnaden, Herz Jesu, aus deffen Fülle wir Alle empfangen, Du unser Friede und unsere Versöhnung, Du am Delberg geängstigtes Herz Jesu, Du von Schmerzen über unsere Sünden zerknirschtes Herz Jesu, Du mit Schmach und Spott überhäuftes Herz Jesu, Andachtsübungen Du bis zum Kreuzestode gehorsames Herz Jesu ,. Du mit einer Lanze durchbohrtes Herz Jesu, Du vom Vater verlassenes Herz Jesu, Du am Kreuze vom Blute erschöpftes Herz Jesu, Herz Jesu, Zuflucht der Sünder, Du Stärke der Gerechten, Du Trost der Betrübten, Du Schuß der Angefochtenen, Du Schrecken der bösen Geister, Du Freude der Engel, Du Heiligung unserer Herzen, Du Stärke der Frommen, Du Hoffnung der Gläubigen, Du Wonne der Seligen, Erbarme dich unser! Du Mitetlpunkt aller guten Herzen, O du Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O bu Lamm Gottes 2c. erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c. erbarme dich unser, o Herr! Vater unser. Ave Maria. V. Allerheiligstes Herz Jesu, erbarme dich unser! R. Auf daß wir würdig werden, dich über Alles zu lieben! Gebet. Allmächtiger, barmherziger Gott, Herr himmlischer Vater! wir bitten dich, du wollest ansehen das liebreiche Herz deines Sohnes, an welchen du dein unendliches Wohlgefallen haft, und in Ansehung dieses dir so wohlgefälligen Herzens uns verzeihen die vielfältigen Missethaten, die aus unsern Herzen entsprungen sind. Erlaß uns die wohlverdienten Strafen unsrer Bosheit um der überflüßigen Genugthuung, die dir das liebende Herz deines göttlichen Sohnes verschafft hat und entzünde unsere falten Herzen mit dem Feuer seiner Liebe, zum allerheiligsten Herzen Jesu. 323 damit wir dich, o gerechter Gott und Vater, sammt dem Sohne und dem heiligen Geiste lieben, und in alle Ewigkeit loben und preisen. Amen. Anrufung des göttlichen Beistandes, bei den Gefahren des Heiles, und für die Bekehrung der Sünder. Im Gefühle meiner tiefsten Niedrigkeit werfe ich mich vor dir hin, du allerheiligstes, göttliches Herz Jesu, um dir meine Huldigung darzubringen, um dich anzubeten, zu lieben und zu preisen, so viel ich kann. Dir, als dem liebreichsten Freunde meiner Seele empfehle ich mit festem Vertrauen auf dich alle meine Bedürfnisse und Nöthen, alle meine Erbärmlichkeiten, meine Armuth, meine Nacktheit, meine Schwächen, meine Trägheit und Lauheit, mit einem Worte, alle Wunden meiner Seele, und bitte dich inständigst, du wollest dich durch dieſelben zum Mitleid bewegen lassen, und nach der Menge deiner Erbarmungen mir zu Hülfe eilen. O Herz der Liebe, rette mich, durch Alles, was fühig ist, dich zu bewegen, beschwöre ich dich, daß du mir und Allen, die in derselben Gefahr des Heils schweben, die Gnade ertheileft, in deiner Liebe zu beharren. Ach, göttliches Herz, laß mich nicht umkommen in der Sündfluth meiner Missethaten! wenn ich nur in deiner Liebe ewig verbleibe, so schalte im übrigen mit mir nach deinem Wohlgefallen. Nur verwirf mich nicht von dir; denn auf dich habe ich mein ganzes Vertrauen gegründet. Ich flehe zu dir, ich rufe dich an, als die einzige Rettung gegen alle meine Uebel, wovon die Sünde das größte ist. Zerstöre dieselbe in mir, und vergib mir alles Böse, das ich gegen dich verübt habe. Es schmerzt mich über Alles, daß ich dich je beleidiget habe, und ich bitte dich von ganzem Herzen um Verzeihung. O liebenswürdigstes Herz! laß mich und alle die sich in mein Gebet empfohlen haben, oder für welche ich zu beten schuldig bin, deinen allmächtigen Schuß fühlen. Steh uns bei, einem Jeden nach seinen besondern Bedürfnissen. O Herz voll Erbarmungen! erweiche die verstockten Herzen der Sünder und erquicke die Seelen der Ver21* Andachtsübungen storbenen im Reinigungsorte. Sei du die Zufluchtsstätte der Sterbenden, der Trost aller Bedrängten und Nothleidenden, und sei endlich mir, o Herz der Liebe! Alles in Allem. Besonders aber sei die Zuflucht meiner Seele in der Stunde meines Absterbens, und nimm dieselbe alsdann auf in die Arme deiner Barmherzigkeit. Amen. ( Margaretha M. Alacoque.) 324 Ablaßgebete zu Ehren des göttlichen Herzens Jesu. O Gott, merk' auf meine Hilfe, Herr, eile mir beizustehen! Die Ehre sei Gott dem Vater 2c. - - 1) Mein liebreichster Jesu! Wenn ich an dein gutes Herz denke und sehe, daß es ganz Gnade und Erbarmung für die Sunder ist, so empfinde ich, wie mein Herz sich erfreuet und von Hoffnung erfüllet ist, daß ich von dir gut aufgenommen werde. Wehe, wie viele Sünden habe ich begangen! Aber jeßt beweine ich sie, wie die Büßerin Magdalena, und verabscheue sie, weil ich dadurch dich, das höchste Gut, beleidiget habe. Ja, verzeiße sie mir alle. O möge ich eher sterben( ich bitte dich darum durch dein gutes Herz), möge ich eher sterben, als dich beleidigen! Möge ich nur leben, um dich entgegen zu lieben! Bete einmal Vater unser und fünfmal Ehre sei Gott dem Vater zu Ehren der fünf Wunden und des göttlichen Herzens Jeſu; bernach: Oliebreiches Herz meines Jesu, mache, daß ich dich immer mehr liebe! Alles dieses wird nach jedem Gebete wiederholt. 2) Ich preise, o mein Jesus! dein so demüthiges Herz, und danke dir. Du hast es mir zum Muster gegeben; du ziehst mich mit starken Banden, um ihm nachzuahmen, und auf Kosten deiner vielen Demüthigungen bezeichnest du mir dazu den Weg und ebnest mir ihn. Wie thöricht und undankbar war ich! Wie weit habe ich mich verirrt! Vergib mir! Ferne sei von mir Hoffart und Stolz, sondern mit einem demüthigen Herzen will ich unter Demüthigungen dir nachfolgen und Frieden und Heil erlangen. Stärke mich, und ich werde ewig dein Herz preisen. Vater unser und alles Uebrige wie oben. zum allerheiligsten Herzen Jesu. 325 3) Ich bewundere dein so geduldiges Herz, mein Jesus! und danke dir für die wunderbaren Beispiele der unüberwindlichen Geduld, die du uns hinterlassen hast. Es schmerzt mich, daß ich ungeachtet der Vorwürfe, die mir diese Beispiele machen, doch so weichlich und bei jedem kleinen Leiden so ungeduldig bin. Ach mein lie er Jesus! gieße ein in mein Herz eine brennende, standhafte Liebe zum Kreuze, zum Leiden zur Abtödtung und zur Buße, damit ich dir auf Golgatha nachfolgen und so mit dir zur Freude und Herrlichkeit im Himmel gelangen möge. Vater unser und alles Uebrige wie oben( S. 324). 4 4) Im Angesichte deines so sanftmüthigen Herzens, o mein lieber Jesus! erschrecke ich, daß mein Herz dem deinen so ungleich ist. Es ist nur zu wahr, daß ich mich bei jedem Schatten einer Widerwärtigkeit, bei jeder widrigen Geberde und Rede beunruhige und beklage. Ach, verzeihe mir meine Hiße und Heftigkeit! Gib mir die Gnade, daß ich in Zukunft in jeder Widerwärtigkeit deine unveränderliche Sanftmuth nachahmen und so mich des immerwährenden heiligen Friedens erfreuen möge. Vater unser und alles Uebrige wie oben( S. 324). 5) Es sollen nur Loblieder gesungen werden, o Jesus! auf dein so großmüthiges Herz, das Tod und Hölle überwunden hat; es ist alles Lobes würdig. Ich schäme mich mehr als je, weil ich sehe, wie mein Herz so kleinmüthig ist, daß es vor jedem Schmäh- und Scheltworte sich fürchtet. So soll es aber nicht mehr seyn! Darum flehe ich, daß du mir Muth und Kraft gebest, daß ich auf Erden kämpfe und siege, und einst im Himmel mit dir freudig triumphire. id diff Vater unser und alles Uebrige wie oben( S. 324): O große Mutter Gottes und meine Mutter Maria! durch die hohen Verdienste deines liebevollsten Herzens erlange mir eine wahre und standhafte Andacht zum heiligen Herzen deines Sohnes Jefu. Darum schließe ich mich mit meinen Gedanker und Neigungen in dasselbe ein, damit ich meinem Jesus immer 326 Berehrung und besonders heute mit Fröhlichkeit des Herzens dienen möge Amen. Papst Pius VII. hat unter dem 26. September 1817 für immerwährende Zeiten allen Gläubigen, welche mit Andacht und wenigstens mit einem zerknirschten Herzen vorstehende Gebete, die von der Congregation der Gebräuche genehmiget sind, für jedes Mal 300 Tage, und wenn sie dieselben alle Tage beten, auch alle Monate einen vollkommenen Ablaß verliehen, den sie nach ihrem Gutfinden an einem Tage des Monats gewinnen können, an dem sie die heiligen Sakramente empfangen und nach. Meinung der Kirche beten. Sie können diese Ablässe auch den Abgestor= benen fürbittweise zuwenden. Andächtige Zuneigung zu Jesus im allerheiligsten Sakramente und zu seinem göttlichen Herzen. Anmerkung Papst Pius VI. ertheilt täglich einen Ablaß von hundert Tagen jedem, der folgendes Gebet mit Andacht verrichtet. So weit ist also deine Liebe gegangen, o liebster Erlöſer, daß du mit deinem kostbaren Fleisch und Blut mir einen gött. lichen Tisch hast zubereiten und dich ganz mir hingeben wollen. Was hat dich zu diesem Uebermaße der Liebe getrieben? O nur dein liebreichstes Herz! O anbetungswürdigstes Herz meines Jesu, Flammenheerd der göttlichen Liebe, nimm auf meine Seele in deine heiligste Wunde, auf daß sie in dieser Schule der Liebe lernen möge, den Gott wieder zu lieben, der uns so bewunderungswürdige Beweise seiner Liebe gegeben. Amen. Verehrung des heiligen Namens Jefu. Wunderbar sind die Lobsprüche dieses honigfließenden Namens, groß seine Privilegien, so daß mit Recht Jeder, welcher wahrhaft ein Christ seyn will, diesen Namen mit der größten Liebe und Ehre umfassen muß. In diesem Namen mögen wir bitten, was wir wollen, wir erlangen es, Alles, was ihr vom Vater bitten werdet in meinem Namen, wird er euch geben.( Joann. XVI.) Aber die Lobsprüche des honigfließenden Namens wollen wir aus dem Munde des honigfließenden Lehrers vernehmen." Jesus," spricht der heil. Bernardus, ist Honig dem Munde, dem Ohre Gesang, dem Herzen Jubel, aber auch Heilmittel. Wird Jemand von uns traurig? Jesus komme in sein Herz, und gehe von da in seinen Mund, und sieh, wenn das Licht dieses Namens aufgeht, zerstreut sich jede Wolke, und der heitere Himmel kehrt zurück. Fällt des heil. Namens Jesu. 323 Jemand in eine Sünde, läuft obendrein zum Stricke des Todes aus Verzweiflung? Wird er nicht, wenn er den Namen des Lebens aurust, gleich zum Leben aufathmen? Wem ist jemals vor dem Angesichte dieſes heilbringenden Namens Herzenshärte, Lauigkeit, Trägheit überkommen? Wem war etwa der Quell der Thränen vertrocknet, dem er beim Anrufen des Namens Jesus nicht gleich reichlicher flösse? Nichts zügelt so sehr den Ausbruch des Zorns, schlägt die aufgeblasene Hoffart nieder, löscht das Feuer der Wollust, heilt die Wunde des Neides, stillt den Durst der HabWenn ich Jesum sucht, und vertreibt den Kitzel aller Unanständigkeit. nenne, so stelle ich mir einen Menschen vor, der sanftmüthig ist und demüthig von Herzen, gütig, nüchtern, keusch, barmherzig, durch jede Tugend und Heiligkeit ausgezeichnet; aber zugleich stelle ich ihn mir auch vor als allmächtigen Gott, der mich unterweiset durch sein Beispiel, und mich heilt durch seine Hilfe. Dieß Alles schallt in meinen Ohren, wenn Jesus genannt wird. Die Beispiele nehme ich also von dem Menschen, die Hilfe von dem Allmächtigen, jene gleichsam als Specereien, diese zur kräftigen Bereitung, welcher ähnlich kein Arzt eine schaffen kann. Dieses auserlesene Mittel hast du, meine Seele, in dem Gefäße dieses Wörtchens, welches Jesus ist, gewiß heilbringend, seine Kraft bewährend gegen alles Gift, von welchem du angesteckt seyn möchtest. Jesus sei immer in deinem Herzen, immer in deiner Hand; damit auf Jesum gerichtet seien alle deine Gesinnungen und deine Handlungen." - Gebet zum süßen Namen Jesus. Sei gegrüßt, o süßester Name Jesu! in der Allmacht des Vaters, der dich seinem eingebornen Sohne gegeben hat; sei gegrüßt in der Weisheit des Sohnes, der dich angenommen hat; sei gegrüßt in der Süßigkeit des heiligen- Geistes, der dich zur süßesten Wonne aller seligen Geister erhoben hat! O hochwürdigster Name, von ganzem Herzen begrüße, liebe und verehre ich dich, und danke dem himmlischen Vater, daß er seinem geliebtesten Sohn dich gegeben hat! Sei gebenedeit, o süßer und allmächtiger Name, vor welchem alle bösen Geister fliehen, und alle Kniee sich ehrfurchtvoll beugen! In tiefster Demuth und Anbetung beuge auch ich meine Kniee vor dir mit Allen, die im Himmel, auf Erden und unter der Erde find! füßer Name Jesu, du Trost der Betrübten, du Stärke der Schwachen, du Kraft der Kleinmüthigen, du meine einzige Hoffnung und Zuversicht! Denn kein anderer Name ist im Himmel und auf Erden, in welchem wir können selig werden, als der Name unsers Herrn Jesu Christi, unsers Erlösers! Auf dich hoffe ich, o Jesu, sei um deines süßen Namens willen mir ein Erlöser, vergib mir meine Sünden und führe Verehrung mich in dein ewiges Reich, das dein heiliger Name uns erwors ben hat. Amen. Litanei von dem heiligsten Namen Jeſu. Heri, erbarme dich unser! Christus, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater im Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geist, Heilige Dreifaltigkeit, ein Einiger Gott! Jesus, du Sohn des lebendigen Gottes, Jesus, du Sohn der reinsten Jungfrau Maria, Du heiligster und allmächtigster Jesus, Du vollkommenster und glorwürdigster Jesus, Du demüthigster und sanftmüthigster Jeſus, Du geduldigster Jesus und Heiland der Welt, Jesus, du Mittler zwischen Gott und Menschen, Jesus, du guter Hirt und unsere Zuflucht, Jesus, du Freund reiner Seelen und wahres Licht der Welt, Jesus, du ewige Weisheit und unendliche Güte, Jesus, du Spiegel der Vollkommenheit und Vorbild aller Tugenden, Jesus, du Vater der Armen und Tröster der Betrübten, Jesus, du Freude der Engel und König der Patriarchen, Jesus, du Erleuchter der Propheten und Meister der Apostel, Jesus, du Lehrer der Evangelisten und Stärke der Martyrer, Jesus, du Licht der Beichtiger und Bräutigam der Jungfrauen, Jesus, du Krone aller Heiligen, Sei uns gnädig und barmherzig, verschone und erhöre uns, o Jesus! Von allem Uebel und jeder Sünde, erlöse uns, o Jesus! Von den heimlichen Nachstellungen des Teufels, Von Pest, Hunger und Krieg, Von Uebertretung deiner Gebote, Von dem Anfalle aller Ulebel, Durch deine Menschwerdung und Geburt, Durch deine Schmerzen und Geißlung, Durch deinen Tod und deine Auferstehung, Durch deine Himmelfahrt und Herrlichkeit im Himmel, Durch die Fürbitte deiner heiligsten Mutter und Jungfrau, Durch die Fürbitte aller Engel und Heiligen, Erbarme dich unser! Erlöse uns, o Jejus! des betl. Namens Jesu. 329 O du Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt, verschone unser, o Jesus! O du Lamm Gottes 2c. erhöre uns, o Jesus! O du Lamm Gottes 2c. erbarme dich unser, o Jesus! Vater unser 2c. V. Der Name des Herrn sei gebenedeit! R. Von nun an bis in Ewigkeit. Gebet. O Gott! der du den glorwürdigsten Namen Jesus Chris stus, deines Sohnes, unsers Herrn, deinen Gläubigen ganz lieblich und anmuthig, den bösen Geistern aber furchtbar und schrecklich gemacht hast: verleihe gnädigst, daß Alle, welche diesen Namen andächtig auf Erden verehren, die Süssigkeit deiner heiligen Tröstung in diesem Leben erfahren, und dort im Zukünftigen die ewige Freude und Seligkeit erhalten und genießen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Drei Bitten des heiligen Augustinus im Namen Jesu. Gott, Vater vom Himmel: ich flehe dich an im Namen Jesu Christi von Nazareth, des Gekreuzigten deines geliebten Sohnes: daß du alle meine Sünderi, und alle meine Versäumnisse, und die Fehltritte meiner Jugend mir verzeihen wollest. Amen. Gott, Vater vom Himmel, ich flehe dich an, im Namen Jesu Christi von Nazareth, des Gekreuzigten, des Gebenedeiten, daß du mir die Gnade verleihest, in diesem Leben dir allezeit nach deinem heiligen Wohlgefallen zu dienen. Amen. Gott, Vater vom Himmel: ich flehe dich an im Namen Jesu Christi von Nazareth, des Gekreuzigten, deines eingebors nen Sohnes, daß du in der Stunde meines Todes dich meiner erbarmen, und meinen Geist aufnehmen wollest. Amen. Fünf Seufzer einer leidenden Seele nach den fünf Buchstaben des Namens Jesus. Jesus, mein Gott und Alles! wie habe ich dich jemale beleidigen können, der du mich bis in den Tod geliebt haft? Verehrung Sollte nicht auch ich dich lieben? Wenn einer nicht lieb hat, unsern Herrn Jesum Christum, dem das Gericht. 1. Kor. 16, 22. Ergieße, mein Jesus, dein Licht und deine Wahrheit: fie selbst sollen mich leiten und führen auf deinen heiligen Berg und in deine Hütten. Dort werde ich mich sicher freuen in dir, o Jesus, meinem Gott. Hab. 3; 18. Sei gegrüßt, o Ebenbild des ewigen Vaters! du bist schön von Gestalt vor den Menschenkindern; die Engel verlangen dich anzuschauen. O Verlangen meines Herzens! zeige mir dein Antliß, und ich werde felig seyn. Pf. 79, 4. Unendliche Güte, du bist für mich das Opferlamm der Liebe geworden; auch ich möchte mich dir aus Liebe als Schlachtopfer weihen! Mache,( was ich einzig wünsche), daß ich mit Wahrheit sagen kann: mir ist die Welt gekreuzigt, und ich der Welt. Gal. 6, 14. Süßester Jesus! nimm meinen Geist weg, und gieße deinen Geist in mich; denn von deinem Geiste beseelt werde ich ausrufen: ich lebe, aber nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Gal. 2, 20. Gelobt set Jesus Christus. Beim frühen Morgenlicht, Erwacht mein Herz und spricht: Gelobt sei Jesus Christus! Die Feierglocke schallt Mit heiliger Gewalt: Gelobt sei Jesus Christus! Was tönt der schönste Klang, Der lieblichste Gesag? Gelobt sei Jesus Christus! In Gottes heil'gem Haus Sprech' ich vor Allem aus: Gelobt sei Jesus Christus! Ihm, meinem höchsten Gut, Sing' ich in Liebesgluth: Gelobt sei Jesus Christus! Bei jedem Anbeginn Ruf ich mit Herz und Sinn: Gelobt sei Jesus Christus! Und was mein Werk auch sei, Ich spreche froh dabei: Gelobt sei Jesus Christus! Die schönsten Früchte bringt Das Herz, das freudig singt: Gelobt sei Jesus Christus! Bei Speise und bei Trank Ist dieß mein frommer Dank: Gelobt sei Jesus Christus! So sing ich früh und spät, Bei Arbeit und Gebet: Gelobt sei Jesus Christus! Nie wecket Ueberbruß Der wundersüße Gruß: Gelobt sei Jesus Christus! Wenn Traurigkeit mich plagt, So ruf' ich unverzagt: Gelobt sei Jesus Christus! des heil. Namens Jeju. Ist mir die Welt erbost, So gibt das Lied mir Troft: Gelobt sei Jesus Christus! In Noth und bitterm Schmerz Sing' ich mit Mund und Herz: Gelobt sei Jesus Christus! Bedrückt mit Sündenschuld, Seufz' ich zu Jesu Huld: Gelobt sei Jesus Christus! Die Macht der Hölle flieht Vor diesem süßen Lied: Gelobt sei Jesus Christus' Das liebliche Getön Ist in des Himmels Höh'v: Gelobt sei Jesus Christus! Des Vaters ew'gen Wort, Ertönet ewig dort: Gelobt sei Jesus Christus! Ihr Menschenkinder all' Singt laut im Jubelschall: Gelobt sei Jesus Christus! 331 Rings auf dem Erdenkreis Ertöne Ihm zum Preis: Gelobt sei Jesus Christus! Und bei des Tags Schluß Sei dieß der letzte Gruß: Gelobt sei Jesus Christus! Die Finsterniß wird Licht, Wenn fromm die Zunge spricht: Gelobt jei Jesus Christus! Mein Herz, das schlummerno wacht, Seufzt in der tiefen Nacht: Gelobt sei Jesus Christus! Ja, meine Seele spricht Noch, wenn das Herz schon bricht: Gelobt sei Jesus Christus! Sing Himmel, Erd' und Meer, Und aller Engel Heer: Gelobt sei Jesus Christus! Es schalle weit und breit In alle Ewigkeit: Gelobt sei Jesus Christus! Andachtsübungen zur Verehrung des bittern Leidens Jefu. Die Leidensuhr. Vorerinnerung. Man glaubt, daß das bittere Leiden unsers liebreichsten Heilandes am Donnerstag um 9 Uhr Nachts angefangen, und am Freitage um 3 Uhr Nachmittags endete, worauf dann die Abnahme und Grablegung des heiligsten Leichnames noch an demselben Tage erfolgte. Nun suchen alle fromme Seelen, welche nach Vereinigung mit Gott, d. i. nach Vollkommenheit streben, immer in der Gegenwart Gottes zu wandeln. Um dieses zu erreichen, gibt es nun nach Anleitung der Heiligen kein besseres Mittel, als die sogenannten Stoß-, Schuß- oder Pfeilgebetlein, welche darin bestehen, daß man von Zeit zu Zeit, so oft als nur möglich, kurze Anmuthungen an Gott richtet, und sich so mit dem Herzen zu Gott empor schwinget, wie der Pfeil gegen den Himmel fliegt Unter den vielen Arten von Pfeilgebetlein sind aber gewiß wieder die wirksamsten, welche aus dem bittern Leiden des Heilandes genommen sind oder sich auf dasselbe beziehen. Dadurch lernt man gleichsam mit Jesus den Kreuzweg wandeln und wird durch das Liebesfeuer welches durch diese Anmuthungen im Herzen hervorbricht, mit Jesus immer mehr vereinigt werden. Bediene dich also, meine Seele, nachfolgender Leidensuhr, und wandle so Tag für Tag, und Stunde für Stunde mit deinem leidenden und liebenden Heiland, der dich gewiß einst im Himmel dafür belohnen wird. Andachtsübungen 9 Uhr. Jesus geht unter tiefer Trauer auf den Delberg. Anmuthung. Mein Jesus ist betrübt bis zum Tode über meine Sünden, und mir ist so wohl um das Herz. O mein geliebtester Jesus, durchbohre, ach durchbohre mein Herz mit dem tiefsten Schmerze über meine Sünden und Missethaten. 10 Uhr. Jesus betet im Delberg- Garten dreimal: ,, Vater, nicht mein Wille, sondern der Deinige geschehe." Aumuthung. O mein süßester Jesus! nimm meine Freiheit und meinen Willen, so daß ich nichts wünsche, nichts verlange, als deinen heiligsten Willen immer und in allen Dingen zu erfüllen. O Jesus, nimm mich mir, und gib mich dir. 11 Uhr. Jesus wird von Judas mit einem Kuß verrathen. und gefangen zu Annas geführt. Anmuthung. O mein Jesus, verzeihe, daß auch ich dich so oft an die Welt und meine Begierlichkeit verrathen habe. Binde mich an dich, mache mich zu deinem Sklaven. Ich will dir nachfolgen bis in den Tod! 12 Uhr. Jesus vor dem Hohenpriester Kaiphas. 332 Anmuthung. O mein gütigster Heiland, welche Schmach duldetest du für mich! O laß mich Verachtung und Schmach lieben und mich freuen, für dich verachtet und verspottet zu werden. 1 Uhr. Jesus wird von Petrus verläugnet und zum Tode verurtheilt. Anmuthung. O Jesus, ich flehe dich an um jenen barmherzigen Blick, mit welchem du den Petrus angesehen hast, als er dich dreimal verläugnete. Blicke mich an, o Herr, denn ich bin elend und arm und des Todes schuldig! 2-6 Uhr. Jesus im Kerker. Anmuthung. O mein Jesus, wenn ich tich im Ge fängnisse an Händen und Füßen gebunden erblicke, wo ist dann mein Plaß? Um der Ketten wegen, die du getragen hast, mache mich los von den Banden der Sünden und binde mich durch die Liebe auf ewig an dich. zur Verehrung des vittern Leidens Jeju. 333 LIL 6 Uhr. Jesus vor Pilatus. Anmuthung. D unschuldigster Jesus! richte mich in der Todesstunde nicht nach der Strenge deiner Gerechtigkeit, sondern nach der Fülle deiner Erbarmung und sei gnädig mit mir. Wer wird vor deinem Gerichte bestehen? 7 Uhr. Jesus vor Herodes. Jesus ist mein König und Herr, ihm will ich dienen, ihm will ich huldigen allezeit.- OKönig Anmuthung. 334 Andachtsübungen der Glorie, komm in mein Herz, gib, was du willst, und be fiehl dann, was du willst, Alles soll geschehen. s 11hr. Jesus dem Barabbas nachgesetzt. S Anmuthung. O mein Jesus, du ließest dich einem Mörder nachseßen und ich will mir keine Verachtung gefallen laffen! Ich will dich verachten, die Welt aber und ihre Freuden lieben! Nein, mich und die Welt will ich verachten, und nur dich allein lieben! O Jesus, gib, daß ich dich liebe! 9 Uhr. Jesus gegeißelt und mit Dornen gekrönt. Anmuthung. O mein Jesus, du wolltest leiden für die Sünden meiner Glieder, und ich getraue mir noch, die Glieder meines Leibes zur Sünde zu mißbrauchen? Ich opfere dir, o Jesus! alle Glieder meines Leibes. Du sollst der einzige Gegenstand aller meiner Gedanken seyn.- 10 Uhr. Jefus dem Volke vorgestellt, dann zum Tode verurtheilt und zur Kreuzigung ausgeführt. - Anmuthung. Ich, o Jesus, habe den Tod, ja den ewigen Tod verdient. O laß mich durch deinen Tod das Leben erlangen! Ich will dir nachfolgen auf dem königlichen Weg des Kreuzes. Der Kreuzweg führt zum ewigen Leben. Du gehst voran, o Jesus, ich will dir folgen! 11 Uhr. Jesus unter dem schweren Kreuze geht den Kalvarienberg hinan, Anmuthung. O wie füß ist der Kreuzweg, nachdem mein Heiland ihn betreten hat. O Jesus! entzünde das Feuer der Liebe in mir, damit ich gerne leide. O laß mich dich lies ben und leiden, mit Freuden jedes Kreuz umfassen und dir nachtragen. 12 Uhr. Jesus auf der Schädelstätte wird an das Kreuz geschlagen. Anmuthung. O Jesus, laß doch die grausamen Näs gel, welche dich an das Kreuz hefteten, mein Herz und alle Glieder meines Leibes durchbohren, damit ich fühle deinen Schmerz und zur heißen Liebesgluth entzündet werde. Was soll ich noch lieben im Himmel und auf Erden außer dir?- Sieh, o Jefus, ich opfere bir mein Herz, hefte es ganz an dich! zur Verehrung des bittern Leidens Jesu. 335 1 Uhr. Jesus hängt am Kreuze, die Sonne verfinstert sich. Anmuthung. O Jesus, mit der Sünderin Magdalena werfe ich mich vor dir nieder, umfasse deine heiligen Füße und rufe: O Jesus, meine gekreuzigte Liebe, erbarme dich meiner! Mit dem Hauptmanne schlage ich an meine Brust und spreche: Du bist wahrhaftig der Sohn Gottes! 2 11hr. Jesus am Kreuze verhöhnt, mit Galle und Essig getränkt. Anmuthung. Ich bitte dir ab, o Jesus, alle Schmach und Verachtung, die du um meinetwillen am Kreuze erduldet hast. Von nun an sei deine Ehre und Verherrlichung mein einziges Streben.- Um jenes Durstes willen, den du am Kreuze erduldet, bitte ich dich, verleihe mir einen beständigen Durst nach deiner Liebe! 3 Uhr. Jesus neigt das Haupt und stirbt. Anmuthung. O Jesus! laß mich absterben der Welt und aller Eitelkeit. Laffe mich sterben mit dir, um mit dir aufzuerstehen. O Jesus, in deine Hände empfehle ich meinen Geist. Christus der Gekreuzigte ist mein Leben, Sterben, mein Gewinn! Ich will aufgelöst werden und bei Christus seyn. O wann wirst du mich, mein Jesus, von den Banden dieses Leibes erledigen?! 4 Uhr. Jesu Seite wird geöffnet. Anmuthung. O Jesus, laß mich Eingang finden in dein liebendes Herz! O stoße mich nicht weg von dir! Wo finde ich Ruhe, als in dir?- Dein Herz ist meine Ruhe, dort will ich wohnen in Ewigkeit. O süßestes Herz Jesu, ich liebe dich, ich liebe dich über Alles. Mein Herz sterbe und Jesu Herz sei mein Leben! 5 Uhr. Jesus wird vom Kreuze herabgenommen. Anmuthung. O Jesus, kreuzige mein Fleisch und nimm mich nicht eher vom Kreuze, bis ich ganz der Welt und mir selbst abgestorben bin. O Maria, meine geliebte Mutter, lasse auch mich in deinem Schooße Plaß finden, wenn ich in der Todesstunde kämpfe, damit der Feind meiner Seele mich nicht überwältige. Maria, liebste Mutter mein, laß mich immer treu dir seyn. 336 Andachtsübungen zur Verehrung des bittern Leidens Jesu. 6 Uhr. Begräbniß Jesu. Anmuthung. O Jesus, gestatte, daß ich meine Sünden mit dir begrabe. O Jesus, ziehe mich ganz weg von der Welt. Ich will nichts anders mehr wissen, als Christum den Gekreuzigten. Jesus und mein Alles, mache mich ganz zu deinem Eigenthum. Ein sehr rührendes Gebet, darin man Christum seines ganzen Leidens erinnert. Allgütigster Jesu, aus mitleidigem Herzen und betrübten Gemüthe erinnere ich dich der unübertrefflichen Liebe, welche dich vom Himmel herab in das äußerste Elend gezogen, und mit Bitterfeit und Schmerz dich gesättigt hat. Ich erinnere dich der großen Angst, mit welcher deine allerheiligste Seele beängftigt war, als du am Delberge vor zu großer Gewalt der Angst und Liebe in Todesnöthen liegend, mit deinem blutigen Schweiße das Angesicht der Erde befeuchtet hast. Durch alle Tropfen dies ses blutigen Schweißes bitte ich dich, du wolleft mir meine Sünden vergeben, und von aller Angst mich erledigen. Ich erinnere dich deines elenden Gefängnisses, deiner harten Bande, der vielfältigen Schläge und Stöße, und aller Lästerungen und Beschimpfungen, die du die ganze Nacht hindurch erlitten hast. Ich erinnere dich der großen Bein und Marter, die du an der Säule in deiner Geißlung ausgestanden hast, und opfere dir alle Beleidigungen, die du empfangen, und alle Blutstropfen, die du vergoffen haft für meine vielfältigen Sünden. Ich erinnere dich, o süßester Jesu, der unbegreiflichen Schmerzen, die du in deiner Krönung gelitten hast, als lange und scharfe Dornen dein heiliges Haupt und Gehirn so grausam durchstochen haßen, daß das Blut über dein ganzes Angesicht herabfloß. Ich erinnere dich auch des erbärmlichen Ganges, als du mit gebundenen Händen mit einem Purpurmantel und mit der dörnernen Krone voll Schmerz und Schmach von Pilatus zu dem Volke hinausgeführt, und von diesem deinen Richter unschuldiger Weise zu dem allerschmählichsten Tode des Kreuzes verurrtheilt worden bist. O geliebtester Jesu, was dachtest du, als MA Amig NEUCR 22 337 " Mein Angesicht verbarg ich nicht vor denen, die mich lästerten unk anſpieen." Ifai. 50. 6. * Ich erwarte, ob einer mittrauere, und es ist keiner, ob einer tröste, und ich finde keinen." Pf. 68, 21. " Ich bin ein Wurm und kein Mensch, der Leute Spott und ein Aus wurf des Volkes". Pf. 21, 7. 338 Andachtsübungen du nun hörtest, daß keine Hoffnung des Lebens mehr übrig sei, und du noch an demselben Tage eines so bittern Todes sterben müßest? Ach, mein gütigster Jesu, um dieses falschen Urtheils willen sei mir ein gnädiger Richter in meinem Tode. Ich erinnere dich auch des traurigen Ganges auf den Berg Calvaria und des schweren Kreuzes, das du auf deinen Schultern getragen hast. Gedenke, o erbarmungswürdigster Jesu, des herzlichen Seufzens, der sieben Fälle und Ohnmachten und der blutigen Fußstapfen, die du auf diesem langen Wege gethan hast, und um dieses Alles willen verzeihe mir meine fündigen Gänge, die ich zum Bösen gethan habe. Und nun, o lieber Jesu, erinnere ich dich auch des bittern Leidens, das dir geworden ist, als man auf dem Wege Calvaria dich entblößt, all' deine Wunden erneuert, und dann so unbarmherzig dich an's Kreuz genagelt hat, daß sich alle Adern deines Leibes darüber entfeßt, dein heiliges Herz darüber erzittert, und du vor Schmerz und Pein hättest deiner bewußtlos werden mögen. O armer Jesu, wie war dir damals zu Muthe? wo hast du dein heiliges Haupt hingewendet? und wie war es dir möglich, solch' unerhörte Marter zu leiden? Ach, ich bedauere und bemitleide dich vom Grunde meines Herzens, und es ist mir leid, daß ich dich jemals beleidigt habe. Endlich erinnere ich dich des erbärmlichen Aufhebens am Kreuze und der Schmerzen, die du deßwegen an Händen und Füßen gelitten hast; der sieben Worte, die du gesprochen hast, und der Spott- und Schmachreden, mit denen die Juden dich überhäuft haben; des Mitleids deiner lieben Mutter und Befreundeten, der Klagen und Seufzer deines Herzens, der Wunden und Schmerzen deines Leibes, des Durstes, den du gelitten, der Galle und des Effigs, den du getrunken hast, und des bittern Scheidens deiner allerheiligsten Seele von deinem gebenedeiten Leibe. Und aus dem Grund meines Herzens bitte ich dich durch die Kraft deines heiligen Todes: Du wollest ein seliges Ende mir verleihen. Ich opfere dir all' diese Beinen und Mars tern, und bitte dich, du wollest dein bitteres Leiden und Sterben an mir nicht verloren seyn lassen. Thue auf, o Jesu zur Verehrung des bittern Leidens Jesu. 339 mein Herz, und versenke in dasselbe all dein Leiden und deine Schmerzen, wasche ab meine Seele mit deinem heiligen Blute, und ziere sie mit den Verdiensten, die du durch dein Leiden uns erworben haft. Sende ein Fünklein deiner Liebe in mein Herz, und mit derselben ein stetes Andenken an dein heiliges Leiden, damit ich allezeit Mitleid mit dir und deiner lieben Mutter haben, und dann mit dir einst ewig herrschen und regieren möge im Himmel. Amen. Gebet zu dem kreuztragenden Erlöser. ( Von der heiligen Gertrudis.) O allermildester Herr Jesu Christe! mit dankbarer Liebe erinnere ich mich des heftigen Schmerzes, den du damals erlitten, als bu das schwere Holz, an dem du sterben solltest, auf deine müden Schultern nahmst, und kraftlos und elend der Schädelstätte zuwanktest. Ich bete dich an, lobe und preise dich, o du Mann der Schmerzen, ich danke dir mit der Innigfeit meines Herzens für alle Leben, die du mir zu Liebe erduldet hast, und bitte dich demüthig, du wolleft mich wegen all' der Bitterfeiten, die du meinetwegen gekostet, wegen des bittern Kelches, den du meinetwegen ausgetrunken hast, retten, dich über mich armen Sünder erbarmen, mir alle meine Sünden vergeben, und mich auf deinen obgleich blutigen Fußstapfen zur ewigen Seligkeit führen. Amen. Danksagungsgebete zu Jesus am Kreuze. 1. O du unschuldiges Lämmlein Gottes, geliebtester Jeſu, der du so erbärmlich drei ganze Stunden lang am heiligen Kreuze gehangen bist: ich danke dir für die allerschmerzlichste Pein, welche du gelitten hast, als du am Kreuze so unbarmherzig ausgespannt wurdest, daß man alle deine Glieder zählen konnte. Ich bitte dich um dieses Schmerzes willen, daß du mir verzeihen wolleft, was ich je mit meinen Gliedern gegen dich gesündigt habe. Amen. 2. O du unschuldiges Lämmlein Gottes, geliebtester Jeſu, ich danke dir für den bittern Durst, den du am heiligen Kreuze 22* 340 Andachtsübungen gelitten hast, da du mit so erbärmlicher Stimme riefest: Mich dürftet! und dennoch kein Mensch war, der in dieser deiner großen Noth auch nur ein Tröpflein Wasser dir gereicht hätte, sondern du vielmehr mit Essig und Galle getränkt worden bist. Ach, du armer und verlassener Jesu, ich bitte dich, du wolleft diesen Durst deinem lieben Vater aufopfern für alle Sünden, die ich durch übermäßiges Essen und Trinken jemals begangen habe. Amen. 3. O du sanftmüthiges Länmlein Gottes, geliebter Jesu, vom Grunde meines Herzens danke ich dir für die unmenschlichen und unaussprechlichen Schmerzen, welche du auf dem Berge Calvaria gelitten hast, als man deine heiligen Hände und Füße so unbarmherzig und schmerzlich an das Kreuz annagelte, daß dein heiliges Herz im Leibe darob erzittert, und alle Adern sich entsetzt und zusammengezogen haben. Durch diesen so großen und unaussprechlichen Schmerz und durch die heiligen Wunden deiner Hände und Füße bitte ich dich, daß du dieselben deinem lieben Vater zeigen und aufopfern wollest für alle Sünden, die ich mit meinen Händen und Füßen jemals begangen habe. Amen. Verehrung des heiligen Kreuzes. Sei gegrüßt, o heiliges Kreuz, unser Licht und unsere Kraft! Sei gegrüßt, o Stätte unserer Erlösung, unser Lob und unsere Glorie! Sei gegrüßt, o göttliches Kreuz, unsere Hilfe und unsere Zuflucht, unser Schuß und unser Leben! Sei gegrüßt, o Zeichen des Heiles, o Trost der Traurigen und unbezwingliche Mauer gegen alle Kraft des Feindes! Sei gegrüßt, o Fahne des Heiles, geweiht durch den heiligen Fronleichnam Chrifti, und mit seinen heiligen Gliedern wie mit eben' so vielen Edelgesteinen geschmückt! O du heiliges Kreuz, das du würdig warest, den Preis unserer Erlösung zu tragen und uns ewige Herrlichkeit zu erwirken, sei die Hoffnung meiner Auferstehung vom Tode, mein Triumph über die feindlichen Mächte, die Arznei meiner Krankheit, der Stab meines Alters, die feste Stüße in allen meinen Trübsalen! Durch dich erneuere 1 341 zur Verehrung des bittern Leidens Jesu. mich und führe mich zum ewigen Leben, der an dir gehangen Jesus Christus, mein göttlicher Erlöser, dem Lob, Ehre, Herrs lichkeit und Anbetung sei in Ewigkeit. Amen. Gebete zum leidenden Heilande und Betrachtung der sieben Worte am Kreuze. ( Von der heiligen Brigitta.) 1. Christus im Delgarten. Seine Gefangennehmung und sein Leiden. O mein Erlöser Jesus Christus, ewige Süßigkeit derjenigen, die dich lieben; Freude, die alle Freude und alles Verlangen übersteigt, Heiland der Sünder, dessen Wonne, bei den Kindern der Menschen zu seyn, so groß ist, daß du in der Fülle der Zeit, uns zu Liebe die menschliche Natur angenommen haft;- gedenke, Herr, jener großen Betrübniß und Bitterkeit, die deine heilige Seele durchdrang, als nach dem letzten Abendmahle, wo du deinen geliebten Jüngern die Füße gewaschen und ihnen dein allerheiligstes Fleisch und Blut zur Speise und zum Trank gereicht hattest, das unermeßliche Gewicht deines herannahenden Leidens dich so schwer bedrückte, und du aur dem Delberge von so gewaltiger Todesangst befallen wurdest, daß dein Schweiß wie Blut zur Erde rann, und du dreimal zu deinem himmlischen Vater riefest: ,, Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch vorüber; doch nicht mein Wille, sondern der deine geschehe!" Gedenke, o barmherziger Jesu, wie du hierauf von einem deiner auserwählten Jünger durch einen Kuß verrathen, gefangen, schmählich gebunden, fälschlich angeklagt, von drei Richtern ungerecht verurtheilt, und in der volfreichen, um die österliche Zeit von zahllosen Fremden erfüllten Stadt Jerusalem umhergeführt, mit Fäusten geschlagen, deiner Kleider beraubt, an eine Säule gebunden, grausam gegeißelt, mit Dornen gekrönt, mit einem Rohr verspottet, und zu dem schmählichsten Tode am Kreuze verurtheilt wurdest. O liebreichster Jefu, durch die Erinnerung dieser Schmerzen bitte 342 Andachtsübungen ich dich, erbarme dich meiner armen Seele, und verleihe mit vor meinem Tode wahre Reue, vollkommene Beicht, würdige Genugthuung und Vergebung aller meiner Sünden. Amen. Vater unser. Ave Maria. 2. Die Kreuzigung Christi. O Jesu, Schöpfer der Welt, Gott der Unermeßlichkeit, der du Himmel und Erde mit der Hand deiner Allmacht umfasfest, gedenke jenes bittern Schmerzes, den du erlitteſt, als die grausamen Schergen deine heiligsten Hände und Füße durchs bohrten und mit stumpfen Nägeln an den Baum des Kreuzes schlugen, wobei alle Glieder deines gebenedeiten Leibes so schrecklich ausgespannt wurden, daß auch nicht ein einziges unverrückt an seiner Stelle blieb. Durch die Erinnerung an diesen bittern Schmerz, bitte ich dich, o mein Gott, verleihe mir heilsame Furcht und Liebe deines Namens. Amen. Vater unser. Ave Maria. 3. Christi erstes Wort am Kreuze.. O Jesu, himmlischer Seelenarzt, gedenke jener Schwäche und unerhörten Schmerzen, die du am Baume des Kreuzes littest, als alle deine heiligen Glieder verrenkt und verwundet, und kein Schmerz dem deinigen zu vergleichen war, da von der Sohle bis zum Scheitel nichts Gesundes an dir blieb; und du dennoch, deiner unermeßlichen Leiden vergessend, demüthig für deine Feinde zum himmlischen Vater betetest und sprachst: ,, Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie thun!" Durch diese große Barmherzigkeit und deine namenlosen Schmerzen, verleihe mir, daß das Andenken an dein bitteres Leiden mir zur vollkommnen Verzeihung aller meiner Sünden gereiche. Amen. Vater unser. Ave Maria. 4. Christus wird am Kreuze verspottet. O Jesus, wahrhaftiges Licht der Engel und Paradies der Wonnen, gedenke jener tiefen Betrübniß, als deine Feinde, gleich grimmigen Löwen um dich versammelt, ihr Haupt spottend über dich schüttelten und dich unaufhörlich mißhandelten, verhöhnten und lästerten. Durch diese so wüthigen und gottes zur Berehrung des bittern Leidens Jesu. 343 ästerischen Schmähworte erlöse mich, o mein Heiland, von allen meinen sichtbaren und unsichtbaren Feinden; und verleihe mir, daß ich unter dem Schatten Deiner Flügel ruhe, und unter deinem Schuße zum ewigen Heile gelange. Amen. Vater unser. Ave Maria. 5. Christi zweites Wort am Kreuze. Heil des Schächers. O Jesu, Spiegel der ewigen Schöne und Abglanz der anerschaffenen Herrlichkeit des Vaters, gedenke jener großen Traurigkeit, die dein liebreiches Herz erfüllte, als du im Lichte deiner hochheiligen Vorherwissenschaft die Auserwählung der Guten sahst, die durch die Theilnahme an den Verdiensten deines schmerzlichen Leidens die ewige Seligkeit erlangen würden; doch dabei zugleich auch die große Anzahl der verworfenen Gottlosen sahst, die durch ihre Sünden sich muthwillig in die ewige Verdammniß stürzen. Durch deinen höchst lebendigen Schmerz über ihr ewiges Verderben und durch die unergründliche Tiefe deiner Barmherzigkeit, die du so glänzend an dem Schächer bewiesest, der neben dir am Kreuze hing, als du die trostreichen Worte zu ihm sprachst:„ Heute wirst du bei mir im Paradiese feyn!" bitte ich dich, neige dich auch barmherzig zu uns armen Sündern, und sei meiner Seele gnädig in der Stunde meines Todes. Amen. Vater unser. Ave Maria. 6. Chrifti brittes Wort. Das Schwert des Schmerzes in dem Herzen Mariä. O Jesu, höchst liebreicher König und ersehnlicher Freund des Herzens, gedenke jener Traurigkeit, die deiner heiligsten Seele sich bemächtigte, als du am Kreuze ganz entblößt und von allen Freunden verlassen, Niemand hattest; der dich tröstete, außer deine vielgeliebte Mutter, die in der Bitterfeit ihrer Seele am Fuße des Kreuzes stand und Thränen des bittersten Mitleids vergoß; und die du deinem geliebten Jünger mit den Worten empfahlst! Sieh deine Mutter!" so wie du hinwieder auch ihn als einen Sohn ihr übergabst und sprachst:„ Weib, fieh deinen Sohn!" Ich bitte dich, o süßester Jesu, durch das Schwert des Schmerzes, das damals ihre liebende Seele durchdrang, erbarme dich meiner in aller meiner Angst und Noth, zu11 344 Andachtsübungen mal am Ende meines Lebens, und steh mir dann mit deiner trostreichen Hilfe bei. Amen. Vater unser. Ave Maria. 7. Christi viertes Wort und sein Durst am Kreuze. O Jesu, Quell unerschöpflicher Güte, der du aus tiefstem Herzensgrunde am Kreuze riefest:„ Mich dürftet!" nämlich, nach dem Heile der Seelen; ich bitte dich, entflamme unsere Herzen mit einem feurigen Verlangen zu allen gottseligen Werken, und tilge in uns alle Lust der sinnlichen Begierlichkeit und allen Durst nach weltlichen Freuden. Amen. Bater unser. Ave Maria. 8. Christus wird mit Essig und Galle getränkt. O Jesu, du Lieblichkeit heiliger Gemüther, verleihe mir durch die Bitterkeit jenes, aus Essig und Galle gemischten Trankes, den du uns zu Liebe hast kosten wollen, daß ich bei meiner Abreise aus diesem Leben das süßeste Sakrament deiner Liebe zum Trost und zur Stärke meiner Seele würdig empfange. Amen. Vater unser. Ave Maria. 9. Christi fünftes Wort und seine Verlassenheit am Kreuze. O Jesu, König der Glorie und süßeste geistige Freudigkeit der Herzen, gedenke jener unaussprechlichen Schmerzen und Alengsten über die herannahenden Schrecknisse des Todes, als du in unermeßlicher Verlassenheit und ohne allen innerlichen und äußerlichen Trost mit lauter Stimme zu deinem himmlischen Vater ausriefest: ,, Mein Gott, mein Gott, warum haft du mich verlassen!"- Durch diese schwere Todesangst, o Jesu, bitte ich dich, verlaß mich nicht in meinen Trübsalen und Leiden, und stärke mich zumal in meinem letzten Kampfe. Amen. Vater unser. Ave Maria. 10. Christi unaussprechliches Leiden am Kreuze. O Jesu, du Anbeginn und Ende aller Dinge, Kraft und Leben aller Auserwählten, gedenke, daß du uns zu Liebe von der Scheitel des Hauptes bis zur Sohle in das Meer des tiefsten Leidens dich versenktest! Ich bitte dich v Jesu, durch die Anzahl und die Tiefe deiner heiligen Wundmale, verleihe mir die Gnade, deine Gebote vollkommen zu halten und bis 345 zur Verehrung des bittern Leidens Jesu. an den Tod in deiner Liebe auszuharren, auf daß ich nicht in dem Meere meiner Sünden ewig untergehe. Amen. pita Vater unser. Ave Maria. 11. Die Tiefe der Wundmale Chriſti. O Jesu, du Abgrund der Barmherzigkeit, ich bitte dich durch die Tiefe deiner heiligen Wunden, die das Mark deiner Gebeine durchdrangen, entreiße mich verkehrten Menschen dem Abgrund meiner Missethaten und verbirg mich in deinen göttlichen Wundmalen, bis dein gerechtes Zorn sich lege, und ich in deiner Barmherzigkeit aufathme Amen. Vater unser. Ave Maria. 12. Jesus unser Blutbräutigam. DJesu, Spiegel der Wahrheit, Mittler des ewigen Bundes und Band der Liebe und Einigkeit, gedenke der zahllosen Wunden, die deinen jungfräulichen Leib vom Haupte bis zu den Füßen purpurroth färbten. Was hättest du mehr für uns thun können, das du nicht gethan hättest! Ich bitte dich, mein barmherziger Heiland, zeichne diese Wunden mit deinem heiligsten Blute tief in mein Herz, auf daß ich deine Schmerzen jederzeit darin lese und immerbar zu treuer Dankbarkeit angeeifert werde. Amen. Bater unser. Ave Maria. 13. Christi sechstes Wort am Kreuze. O Jesu, siegreicher Löwe, unüberwindlicher und unsterblicher König! gedenke jener Schmerzen, als alle Kraft deines Herzens und deines Leibes von dir wich, und du mit geneigtem Haupte ausriefst:„ Es ist vollbracht!" Durch diese schwere Pein erbarme dich meiner an meinem letzten Ende, wenn meine Kräfte schwinden und meine Seele in tiefster Angst und Betrübniß schmachtet. Amen. Vater unser. Ave Maria. 14. Chrifti fiebentes Wort am Kreuze. O Jesu, eingeborner Sohn des ewigen Vaters, Abglanz und lebendiges Ebenbild seiner Wesenheit, gedenke wie kräftig du seinen Händen deinen Geist übergabst, als du sprachst:" Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist!" indeß du mit wundetem Leibe, gebrochenem Herzen, und mit durchbohrten Handen und Füßen, deine Barmherzigkeit reichlich über uns ergoffest und deinen Geist aufgabst! Durch diesen deinen kost 346 Andachtsübungen baren Tod bitte ich dich, o Jesu, kräftige mich gegen das Fleisch, die Welt und den Teufel: auf daß ich zu jeder Zeit, zumal aber in der Stunde meines Todes ihnen kräftig widerstehe, und meine Seele endlich, wenn sie im Lande der fremden Ewigkeit erscheint, zu den ewigen Freuden aufgenommen werde. Amen. Vater unser. Ave Maria. 15. Eröffnung der Seite Christi. O Jesu, du wahrer und fruchtbarer Weinstock, gedenke jener letzten und überreichlichen Vergießung deines allerheiligsten Blutes, das du gleich dem Weine einer gefelterten Traube vergoffest, als du am Baum des Kreuzes die Kelter allein tratest, und bei der Eröffnung deiner heiligen Seite Blut und Wasser so reichlich hervorquellten, daß auch nicht ein Tropfen dir erübrigte, den du uns nicht zu unserm Heile geschenkt hättest! Ich bitte dich! o Jesu, durch diese Blutvergießung, als dein heiliger Leib gleich einem vertrockneten Myrrhenbüschlein in den Armen des Kreuzes hing, wasche und kräftige meine Seele in deine mheiligen Blute: auf daß sie einst rein vor deinem himmlischen Angesicht erscheine. Amen. Vater unser. Ave Maria. Schlußgebet. O süßester Jesu, verwunde mein Herz mit den heilsamen Pfeilen deiner Liebe, daß Thränen wahrer Buße Tag und Nacht meine Speise seien! Erhebe mein Herz von dieser Erde zu dir empor, und ordne dasselbe zu deiner be ständigen Wohnung. Nimm! o barmherziger Heiland, nach diesem Leben meine Seele in die Anzahl deiner Auserwählten auf, daß sie in deinem Reiche ewig mit ihnen dich lobe und preise. Amen. Aufopferung. Herr Jesu, Sohn des lebendigen Gottes, ich opfere dir diese Gebete, vereint mit der überschwenglichen Liebe, in welcher du alle Schmerzen deines allerheiligsten Leibes und alle Bitterkeiten deiner gebenedeiten Seele in so großer Sanftmuth erlitten hast. Ich bitte dich, o liebreichster Jesu, verleihe allen Seelen der Christgläubigen, sowohl lebendigen als abgestorbenen, und mir insbesondere, Barmherzigkeit, Gnade, Nachlassung der Sünden und das ewige Leben. Amen zur Verehrung des bittern Leidens Jesu. Litanei vom bittern Leiden Jesu Christi. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geiſt, Heilige Dreifaltigkeit, ein Einiger Gott, Du für uns leidender und sterbender Jesus, Du bis in den Tod betrübter Jesus, Gott ergebener Heiland, Gebundener Jesus, Verhöhnter Jefus, Unschuldig verurtheilter Jesus, Gegeißelter Jesus, Mit Dornen gekrönter Jesus, Mit dem Kreuze beladener Jesus Gekreuzigter Jesus, Durch deine Todesangst am Delberg, Durch deinen blutigen Schweiß Durch dein dreimaliges Gebet zum Vater, Durch deine Geduld mit den schlafenden Jüngern, Durch deine Sanftmuth gegen den Verräther, Durch die harten Bande und Schläge, Durch die Vorstellung bei Annas und Kaiphas, Durch den schmerzlichen Backenstreich, Durch die ungerechte Anklage und Verurtheilung, Durch dein geheimnißvolles Schweigen, Durch dein herrliches Zeugniß für die Wahrheit, Durch die Beschimprung deines heiligen Angesichts, Durch die Verspottung deines föniglichen Namens, Dutch die erduldete Lästerung deiner heiligen Gottheit, Durch die Verhöhnung vor Pilatus und Herodes, Durch das ungerechte Todesurtheil, Durch deinen Gehorsam bis zum Tode des Kreuzes, Durch die schmerzhaften Wunden deines heiligen Leibes, Durch die schmähliche Beraubung deiner Kleider, 347 Durch deine martervolle Kreuzigung, Durch dein dreistündiges Leiden am Kreuze, Durch dein vergoffenes kostbares Blut, Durch das Gebet der Liebe für deine Kreuziger, Durch deine göttliche Huld gegen den reumüthigen Schächer, Durch deine göttliche Liebe gegen deine Mutter und Johannes, Herr, erbarme dich unser! 348 Andachtsübungen Durch deinen heißen Durst und deine bange Verlaffenheit, Durch den bitteren Trank, den man dir gereicht, Durch deinen harten Todeskampf, Durch die siegreiche Vollendung deines Leidens, Durch das sanfte Neigen deines sterbenden Hauptes, Durch die Eröffnung deiner heiligen Seite, Durch deine Abnahme vom Kreuze, Durch dein heiliges Begräbniß, Sei uns gnädig, verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Herr! Von allem Uebel, Vor aller Sünde, Vor einem unglückseligen Tode, Vom Kleinglauben, Von Muthlosigkeit in Leiden, Von aller Geringschäßung deines heil. Leidens und Sterbens, Durch deine heiligen fünf Wunden, Durch deine Liebe zu allen Leidenden, Durch deine Erbarmung gegen reumüthige Sünder, Durch die Wahrhaftigkeit deiner Verheißungen, Wir arme Sünder! Wir bitten dich, erhöre uns! Daß du uns zur Betrachtung deines heiligen Leidens und Sterbens Gnade geben wollest, Daß du uns in jeder Betrübniß durch deine erlittene Angst trösten wollest, Daß du durch deinen blutigen Schweiß die Lust zur Sünde in uns tödten wollest, Daß du uns vor allem- Zorne durch deine unbesiegte Sanft muth behüten wollest, Daß du uns Liebe zum Kreuze einflössen wollest, Daß du uns in der Versuchung bewahren wollest, Daß du uns durch dein Leiden und Sterben von aller Anhänglichkeit an das Irdische losmachen wollest, Daß du uns im Tode durch dein kostbares Blut laben und erquicken wollest, d Erbarme dich unser! Erlöse uns, o Herr! Wir bitten dich, erhöre uns! O du Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c. erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c. erbarme dich unser, o Herr! Shriste, höre uns! Christe, erhöre uns! Vater unser. Ave Maria. V. Wir beten dich an, o Herr Jesu Christe! und preisen dich; R. Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst. Kreuzwegandacht. 349 Gebet. Wir bitten dich, o Herr! sieh gnädig auf diese deine Gemeine herab, für welche unser Herr Jesus Christus kein Bedenken getragen, sich den Händen der Sünder zu überz lassen, und am Kreuze zu sterben, der mit dir in Einigkeit des heiligen Geistes lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Andacht des Kreuzweges. Vorerinnerung. 1. Der schmerzhafte Kreuzweg stellt den Gang Jesu mit dem Kreuze auf den Schultern nach dem Kalvarienberge vor, wo er aus Liebe zu uns am Stamme des heiligen Kreuzes gestorben ist. Es ist also billig, daß man dieser geheimnißvollen Andacht mit aller möglichen Aufmerksamkeit und Zärtlichkeit des Herzens obliege. 1 2. Bei frommer Besuchung der Stationen des Kreuzweges kann man alle jene vollkommnen und unvollkommnen Abläffe gewinnen, welche von den Päpsten denjenigen verliehen worden sind, die zu Jerusalem selbst die mit dem kostbaren Blute unsers Erlösers besprengten Orte wirklich besuchen. Diese Abläffe können für uns oder( fürbittweise) für die Seelen im Fegfeuer gewonnen werden. 3. Da aber, um einen Ablaß zu gewinnen, erforderlich ist, daß man entweder durch die heilige Beicht oder durch vollkommene Reue und Leid im Stande der Gnade sei; so soll man gleich zu Anfange dieser Andacht wenigstens vollkommene Reue und Leid erwecken. 4. Sollen die bei jeder Station vorkommenden Geheimnisse des Leidens Jesu Christi eine kurze Zeit betrachtet und mit einigen Anmuthungen der Liebe, des Mitleides, der Reue und der Danksagung 2c. beherziget werden. 5. Obschon aber eine kurze innerliche Betrachtung oder Erwägung der Geheimnisse vorgeschrieben ist, so sind dennoch bei jeder Station auch mündliche Gebete sehr üblich und lobenswerth. Man kann daher nach jeder Station in Vater unser und Ave Maria nebst Ehre sei dem Vater 2. beten. 6. Endlich ist nicht nothwendig, von einer Station zur andern zu gehen; doch sollte man mit einem äußerlichen Zeichen, etwa mit einer Neigung des Hauptes, von einer Station zur andern sich wenden. 350 Kreuzwegandacht. Vorbereitungsgebet. Ich arme Kreatur werfe mich nieder zur Erde, um in tiefster Demuth dein heiliges Leiden zu betrachten. Laß mich, o Herr, im Geiste jetzt deine Fußstapfen betreten, die du einstens mit dem Kreuze auf den Schultern gewandelt bist, und dadurch jedem Christen ehrwürdig und heilig gemacht hast. Ich glaube, o Jesu, daß du, wahrer Gott und Mensch, hast leiden und sterben wollen, um uns Menschen von Sünde und ewiger Verdammniß zu erlösen; ich hoffe durch dieß dein Leiden auch für mich Verzeihung meiner Sünden, und das ewige Leben zu finden; ich liebe dich, o Gott, von ganzem Herzen, weil du uns zuvor geliebt, und dein Leben für uns dahingegeben hast; und in dieser Liebe bereue ich alle Sünden meines ganzen Lebens, und wünsche sie immer mehr zu bereuen. In dieser Gesinnung, in Glaube, Hoffnung und Liebe, Reue und Demuth will ich nun auch dein Leiden betrachten zur größern Ehre deines Namens und zum Heile meiner unsterblichen Seele. Nimm sie wohlgefällig an diese Andacht, und laße mich durch sie auch der Abläfse theilhaftig werden, welche die Kirche darauf verliehen hat, durch die Verdienste eben dieses deines Leidens, und durch die Fürbitte Mariä und aller Heiligen. Amen. 1. Station. Jesus wird zum Tode verurtheilt. V. Wir beten dich an, Herr Jesu Christe! und preisen dich; B. Denn durch dein heiliges Kreuz und unschuldiges Sterben hast du die ganze Welt erlöst. Betrachtung. Pilatus der ungerechte Richter verurtheilt Jesum den Unschuldigen zum Tode, zum schmählichen Tode am Kreuze; und er thut dieses, um den Menschen zu gefallen, die Gunst des Kaisers nicht zu verlieren. Welch ein ungerechter Urtheilsspruch! Aber begehe ich nicht ein noch weit grösseres Unrecht, wenn ich, um den Menschen zu gefallen, zu Sünde und Laster mich verleiten laffe? Nicht des Pilati lasſe? Richterspruches, sondern unserer Sünden wegen bist du, o Jesu, in den Tod geführt worden. Gebet. Ach unschuldigster Jesus! meine und der ganzen Welt Sünden sind es, die das schreckliche Todesurtheil über dich ausgesprochen; und du hast dich diesem Urtheile unterwor Kreuzwegandacht. 351 fen, bist willig in den Tod gegangen. Wir hätten ihn verdient, du aber hast ihn auf dich genommen. O sollten wir diese Liebe je vergessen, dich wieder durch neue Sünden beleidigen kön nen? Nein Herr, lieber laß uns sterben, als abermals durch eine Sünde dich beleidigen! O schmerzhafte Mutter Maria, erbitt uns die Gnade, daß wir Verzeihung unserer Sünden finden, und nicht zum ewigen Tode verurtheilt werden. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2. Gekreuzigter Herr Jesu Christe! Erbarme dich unser! 2. Station. Jesus nimmt das schwere Kreuz auf seine Schulter. V. Wir beten dich an, Herr Jesu Christe! und preisen dich; B. Denn durch dein heiliges Kreuz und unschuldiges Sterben hast du die ganze Welt erlöst. Betrachtung. Pilatus hat das Todesurtheil über Jesus ausgesprochen. In geschäftiger Hast beeilen sich nun die Henker, das gräßliche Urtheil auch wirklich zu vollziehen. Ein Kreuz wird gebracht und Jesu zu Füssen geworfen, auf daß er sichs selber auflege und an den Berg der Kreuzigung hinaustrage. Und Jesus, der grausam Mißhandelte, ergreift willig dieses Zeichen des Fluches. Er ist ja dazu gekommen, um für uns zum Fluche zu werden. Er hat sich gesehnt nach dem Kreuze um an demselben von uns den Fluch der Sünde hinwegzunehmen, uns daran Erlösung zu bewirken. O wer begreift diese Liebe! Sieh da meine Seele das geduldige Gotteslamm, das zur Schlachtbank geführt wird, auf daß du verschont werdest. Gebet. O Jesu, meine Liebe, du umfassest freudig ein Kreuz, das du nicht verschuldet hast, und ich der Sünder will immer nur in Vergnügungen leben? O Jesu, verzeihe mir! Du haft selbst gesagt:" Wer sein Kreuz nicht auf sich nimmt, und mir nachfolgt, ist meiner nicht werth." O lehre mich diese Wahrheit recht begreifen, lehre mich einsehen, daß nur der Kreuzweg in den Himmel führe; gib mir Liebe zum Leiden, gib mir Verlangen nach dem Kreuze, gib, daß ich in Wahrheit, wie Paulus, in nichts anderm mehr mich rühmen möge, als in deinem Kreuze! Durch dieses laß mich der Welt und die Welt mir gekreuzigt seyn. Amen. Vater unser und das Uebrige. 352 Kreuzwegandacht. 3. Station. Jesus fällt das erste Mal unter dem Kreuze. W. Wir beten dich an, Herr Jesu Christe! und preisen dich; R. Denn durch dein heiliges Kreuz und unschuldiges Sterben hast du die ganze Welt erlöst. Betrachtung. Als der liebe Heiland das schwere Kreuz auf seinen Schultern daher trug, wurde er durch die Schwere desselben zu Boden gedrückt, und that einen schmerzlichen Fall. Derjenige, der so oft in göttlicher Allmacht sich gezeigt, der Kranke geheilt und Todte erweckt hatte, dem Winde und Meer gehorcht, und die ganze Natur unterthänig gewesen war, der liegt jetzt zu Boden, sein heiliges Angesicht in den Staub gedrückt. O was ist doch das? Wer hat dieß Entsetzliche vermocht? Wer hat ihn so gebeugt, so erniedrigt, ihn den Erhabenen, den Allmächtigen? Wer anders als die Sünde? Meine und der Welt Sünden haben als eine so erdrückende Bürde auf ihm gelastet, und ihn, wie einen Wurm, in den Koth getreten. Gebet. Ach mein Jesu! da liegst du nun unter dem Kreuze zu Boden. Schwer drückend, lastet dieses Kreuz auf deinen heiligen Schultern. Dein Körper wankt und stürzt gewaltsam nieder zu Boden; aber deine Liebe wanket nicht. Das glaube, das erkenne ich, und ich soll dich nicht lieben! Ja Herr, ich liebe dich, und aus Liebe zu dir will ich nun auch mein Kreuz auf mich nehmen. Dein heiliges Gesetz zu erfüllen, soll mir ein süsses Joch, eine leichte Bürde werden. Amen. Vater unser und das Uebrige. 4. Station. Jesus begegnet mit dem Kreuze seiner betrübten Mutter. W. Wir beten dich an, Herr Jesu Christe! und preisen dich; R. Denn durch dein heiliges Kreuz und unschuldiges Sterben hast du die ganze Welt erlöst. Betrachtung. Die Schergen ließen Jesum nicht ruhen. Gewaltsam zerrten sie ihn von der Erde empor und trieben ihn mit unbarmherziger Gewalt wieder weiter. Mühesam wankt abermals der duldende Heiland seines Weges fort; da begegnet ihm seine jungfräuliche Mutter. O was mag das für ein Anblick gewesen seyn! Was mag ihr mütterliches Herz empfunden haben! Wir müßten die Liebe zu ihrem Sohne ermessen können, wollten wir die Größe ihres Schmerzes erfaffen. Ihre Liebe war sie höchste, darum auch ihr Leiden das größte. Kreuzwegandacht. 35 3 Gebet. O schmerzhafte Mutter Maria, du Königin der Märtyrer, o bitt' für uns, daß auch unser Herz von Liebe und Mitleid erfüllt werde gegen Jesus deinen Sohn, unsern Herrn, auf daß Reue über unsere Sünden uns ergreife, die allein Schuld waren an dem Leiden deines göttlichen Sohnes. O Maria, höre nicht auf, für uns zu bitten, daß dieses Leiden an uns nicht verloren gehe, sondern daß auch uns einstens im Tode Jesus begegnen möge, wie er dir begegnet ist. Amen. Vater unser und das Uebrige. 5. Station. Simon von Cyrene hilft Jefu das Kreuz trag W. Wir beten dich an, Herr Jesu Christe! und preisen dich; R. Denn durch dein heiliges Kreuz und unschuldiges Sterben haft du die ganze Welt erlöst. Betrachtung. Der drei Jahre lang im Lande umher gegangen war, um Allen Gutes zu thun, findet jetzt Niemanden, der ihm die bittere Last auch nur hätte erleichtern, sein Kreuz auch nur mittragen helfen. Ein fremder Mann muß dazu gezwungen werden. Wo sind denn jetzt alle die Unglücklichen, denen er so liebevoll geholfen hatte? Ach Niemand läßt sich sehen, selbst seine Jünger haben ihn verlassen? O undankbares Judenvolk! der Herr hat dich mit Wohlthaten überhäuft, und du hast ihm dieß nur mit Qual und Bein vergolten! Gebet. O Jesu! ich bekenne es, auch mir hast du un zählige Wohlthaten schon erzeigt, aber ich habe dir, wie die Juden, sie mit Undank nur gelohnt. Die Juden haben dich zum Tode geführt, weil sie dich, als den Messias, nicht erkannten, aber ich habe dich erkannt, an dich geglaubt, und dennoch mit meinen Sünden dich beleidigt, dich gleichsam zum Kreuzestod hinausgeführt! O verzeihe mir! Hinfüro will ich dankbar werden; will gerne an deinem Kreuze Antheil nehmen. Nicht gezwungen, wie Simon, sondern freiwillig will ich dein Leidensgenoffe werden, in deine Fußstapfen eintreten und dir nachfolgen. Gib mir deine Gnade und stärke mich in diesem Vorfaße. Amen. Vater unser und das Uebrige. 23 354 Kreuzwegandacht. 6. Station. Veronika reicht Jesu das Schweißtuch dar. W. Wir beten dich an, Herr Jesu Christe! und preisen dich; R. Denn durch dein heiliges Kreuz und unschuldiges Sterben haft du die ganze Welt erlöst. Betrachtung. Als Jesus mit seinem Kreuze durch die Straffen der Stadt Jerusalem geführt wurde, drängte eine Frau sich durch die Schergen hindurch, und reichte Jeſu einen Schleier dar, daß er damit sein von Schweiß und Blut überronnenes Angesicht abtrocknen möchte. Jesus nahm auch das dargebotene Schweißtuch an, drückte aber in dasselbe das Bildniß seines allerheiligsten Angesichtes ab, und gab es so der Veronika wieder zurück. O wie wird Veronika jederzeit, so oft ste nachher das blutige Angesicht Jefu auf ihrem Schleier betrachtete, von den heiligsten Gefühlen der Liebe und Anbetung gegen Jesus erfüllt worden seyn! So belohnt Jesus jeden aus Liebe ihm erwiesenen Dienst, und dennoch sind wir so träge, Jesu zu dienen! Gebet. O Jesu! wer kann die Gnaden und Gutthaten zählen, die du mir schon erwiesen haft? Aber was habe ich dir entgegen gethan? O mit Reue und Schmerz bekenne und gestehe ich es: Wenig, ja gar nichts ist es, was ich aus reiner Liebe zu dir gethan. Du warest zwar immer bereit, jedes, auch das kleinste Liebeswerk herrlich zu belohnen, aber ich achtete deiner Liebe und deines Lohnes nicht. Aber jetzt will ich anfangen, jedes, auch das geringfügigste meiner Geschäfte nur aus Liebe zu dir, nur in der Absicht zu thun, um dir zu gefallen. O lasse mich von diesem Vorsatze nicht mehr abkommen; derohalben drücke meiner Seele dein Bildniß ein, daß ich dasselbe immer vor Augen haben, deiner Liebe und deines Leidens stets eingedenk sei. Heilige Veronika bitt für uns arme Sünder! Amen. Vater unser und das Uebrige. 7. Station. Jesus fällt das zweite Mal unter dem Kreuze. W. Wir beten dich an, Herr Jesu Christe! und preisen dich; B. Denn durch dein heiliges Kreuz und unschuldiges Sterben hast du die ganze Welt erlöst. Betrachtung. Es liegt der schmerzvolle Jefus abermals unter dem Kreuze zu Boden, und mit seinem heiligsten Kreuzwegandacht. 355 Angesichte auf der Erde; allein ihm wird selbst da keine Raſt und keine Ruhe gegönnt. Nicht einmal liegen darf er bleiben und sterben auf dem rauhen steinigen Boden. Auf muß er wieder und fort sich schleppen zum Orte, den man zu seiner Kreuzigung bestimmt hatte, Ach, wie ist doch dieser Weg so rauh, so bitter! Kaum hat sich der göttliche Heiland von seinem ersten Falle erhoben, und eine kleine Strecke zurückgelegt, stürzt er schon wieder mit der ganzen Schwere seines Kreuzes hin auf die Erde. Sieh, meine Seele, da büßt Jesus deine Rückfälle in die Sünde. Wie oft hast du dich in der Beicht schon erhoben von deinen Sünden, aber bist allemal wieder in dieselben zurückgefallen! O wann werden wir einmal stehen bleiben und nicht mehr fallen? Gebet. D Jesu! erbarme dich meiner, reiche mir deine rettende Hand, unterstüße mich, auf daß ich wenigstens von nun an nicht mehr zu den alten Sünden zurück fehre. Ich habe es gesagt, und in dieser Stunde soll mit allem Ernste der Anfang gemacht werden: Nimmer will ich fündigen, meiden will ich die Gelegenheit, fliehen die Gefahr, wachen will ich über mein Herz, wachen über meine Sinne, ftrenge will ich werden gegen mich selbst, kämpfen gegen die verderbte Natur, kämpfen gegen alte Gewohnheiten. Aber wer bin ich? Wie oft habe ich solche Borsäße schon gemacht und sie immer wieder gebrochen? Herr. Jesu hilf mir mit deiner Gnade, sonst bin ich verloren, sonst gehe ich zu Grunde! Vater unser und das Uebrige. S. Station. Jesus redet zu den weinenden Frauen von Jerusalem. W. Wir beten dich an, Herr Jesu Christe! und preisen dich; B. Denn durch dein heiliges Kreuz und unschuldiges Sterben hast du die ganze Welt erlöst. e Betrachtung. Auf dem Trauerzuge nach Golgatha folgte Jefu, wie der Evangelist Lucas sagt, eine große Menge Volkes und auch einige Weiber nach, die ihn beklagten und beweinten. Jesus aber wandte sich zu ihnen und sprach: " Ihr Töchter Jerusalems, weinet nicht über mich, sondern weinet über euch selbst und über eure Kinder." Ach der liebe Heiland! mitten in seinen Leiden vergißt er sich selber, und gedenkt nur des schrecklichen Looses, das über die verblendeten 23* 356 Streuzwegandacht. Juden kommen, gedenkt nur des Schicksals, welches die unbuß. fertigen Sünder treffen wird. Dieses Loos ist allein beweineswerth. O so laß denn auch uns der Ermahnung Jesu fol gen, und über unsere Sünden weinen, so lange diese Thränen noch Nußen bringen? Gebet. O Jesu! wer wird meinem Haupte Waffer geben und meinen Augen Thränenbäche, daß ich Tag und Nacht beweine meine Sünden? Petrus hat dich einmal verläugnet, und ist hinausgegangen und weinte bitterlich. Und ich, wie oft hab' ich dich verläugnet durch meine Sünden, und ich weine nicht. Ich bin kalt und gefühllos wie ein Stein, ja ich lache selbst noch zur Sünde! O Herr, rühre du mein Herz, gib mir zu erkennen, was es heiße, dich zu beleidigen, dich zum Feinde zu haben; laß mich einen Blick thun in das furchtbare Loos derjenigen, die in ihren Sünden dahin gegangen deinem Gerichte anheim gefallen sind, und gib, daß ich meine Sünden bereue und beweine alle Tage meines Lebens. Laß nicht zu, daß dein Leiden an mir und andern Sündern verloren gehe. Amen. Vater unser und das Uebrige. - 9. Station. Jesus fällt das dritte Mal unter dem Kreuze. W. Wir beten dich an, Herr Jesu Christe! und preisen dich! R. Denn durch dein heiliges Kreuz und unschuldiges Sterben haft du die ganze Welt erlöst. Betrachtung. Nachdem der abgemattete Jesus mit dem Kreuze zu unterst am Kalvarienberge angelangt war, ist er noch einmal zu Boden gefallen. Aber obschon ihn das Kreuz öfters zu Boden gedrückt, so läßt er es doch nicht von sich; er hält es fest umschlungen, und will nicht mehr davon weichen, bis er an demselben unsere Erlösung vollendet hat. Mit und an dem Kreuze will er den Satan überwinden und ihm feine Herrschaft entreißen; durch das Kreuz will er in den Menschen regieren. Darum ist aber auch für unsere Seele kein Heil. und teine Hoffnung des ewigen Lebens, außer im Kreuze. Im Kreuze ist Heil, im Kreuze ist Leben, im Kreuze ist Schutz vor den Feinden, im Kreuze ist Mittheilung himmlischer Süffigkeit. Nimm also dein Kreuz auf dich und folge Jefu nach, und du wandelst dem ewigen Leben zu. 11 11 357 Kreuzwegandacht. Gebet. O Jesu! wenn ich die Schmerzen beherzige, welche du auf deinem Kreuzeswege ausgestanden hast, sollte ich mich da noch weigern fönnen, auch mein Kreuz auf mich zu nehmen und dir nachzufolgen? Nein, mein Jesu, aus Liebe zu mir hast du dein Kreuz getragen, aus Liebe zu dir will mun auch ich mein Kreuz tragen, will in deine Fußstapfen eintreten, und dich nicht mehr verlassen, will dir dienen bis in den Tod. Aber gib mir die Kraft, daß ich diesem Vorsatze auch treu bleiben möge alle Tage meines Lebens! Amen. Vater unser und das Uebrige. 10. Station. Jesus wird seiner Kleider entblößt. W. Wir beten dich an, Herr Jesu Christe! und preisen dich; R. Denn durch dein heiliges Kreuz und unschuldiges Sterben hast du die ganze Welt erlöst. Betrachtung. Als Jesus endlich die Höhe des Kalvarienberges erreicht hatte, und die Stunde gekommen war, daß er sein blutiges Opfer vollenden sollte, rißen ihm die Henkersfnechte die Kleider vom Leibe, auf daß er nackend und bloß an das Kreuz geheftet würde. O was muß Jesus da gelitten haben! Durch die vorausgegangenen Leiden, namentlich durch die Geißlung und Krönung war der ganze Leib gleichsam eine Wunde geworden, und jetzt wurden ihm die Kleider, welche in den Wunden ganz eingebacken waren, gewaltsam vom Leibe gerißen, und dadurch alle Wunden erneuert und blutend gemacht. Uud so steht er nun da, der Sohn des Allerhöchsten, in seiner ganzen Erniedrigung vor den Blicken des höhnenden Volkes, keine andere Hülle mehr habend, als die, so Wunden und Blut ihm gewähren. Arm und entblößt von Allem wollte er sterben, um uns zu lehren, daß auch wir uns aller Güter dieser Welt entschlagen, den ganzen alten Sündenmenschen ausziehen müssen, wenn wir seine Jünger seyn wollen. Gebet gekreuzigter, für mich gekreuzigter Heiland! Es geschehe, wie du willst. Den alten Menschen mit seinen Sünden und Lastern will ich ausziehen, und einen neuen will ich anziehen, der nach deinem Wunsche und deinem Willen ist. Und sollte mir dieses auch schwer fallen, mag immerhin die verwöhnte Natur jammern und wimmern, ich will ihrer nicht achten. Hast du das Schrecklichste für mich nicht gescheut, so 358 Kreuzwegandacht. will auch ich der Weichlichkeit nicht fürder mehr dienen. Dem Knechte gebührt nichts Besseres, als dem Herrn. Ich wünsche, ich verlange nichts mehr, als entblößt von allem Irdischen nur mehr dir zu leben und dir auch zu sterben. Vater unser und das Uebrige. 11. Station. Jesus wird an das Kreuz genagelt. W. Wir beten dich an, Herr Jesu Christe! und preisen dich; R. Denn durch dein heiliges Kreuz und unschuldiges Sterben hast du die ganze Welt erlöst. Betrachtung. Waren die bisherigen Leiden Jesu schon groß so erreichten sie doch erst ihre höchste Höhe in der Kreuzigung selbst. O welche Schmerzen, als er in seiner Matergestalt hingestreckt wurde auf das Kreuz, als sein ganzer Körper schrecklich ausgedehnt, alle Wunden erneuert, alle Glieder aus ihren Gelenken gezogen, und eiserne Nägel mit mächtigen Hammerschlägen durch Hände und Füsse ihm durchgetrieben wurden Thut die leiseste, sanfteste Berührung eines offenen Schadens schon so weh, wie unaussprechlich schmerzlich müssen erst die wüthenden Hammerschläge nicht bloß auf Hände und Füsse, sondern auf den ganzen Leib gewirkt haben? Und Jesus leidet und schweigt, leidet das gräßlichste aus Liebe für uns, und leidet es schweigend, leidet es willig und gern. Und wie benehmen denn wir uns, wenn auch nur Kleinigkeiten uns widerfahren? Gebet. O mein liebenswürdigster Heiland! wie theuer kam dir mein Heil zu stehen, und das Verlangen, von mir geliebt zu werden! Und dennoch, ich habe dein Marterbild so häufig vor meinen Augen, ich glaube, daß du nur aus unbes grenzter Liebe solche Martern übernommen hast, um mich von der noch weit schrecklichern ewigen Verdammniß zu erretten, und dennoch habe ich dir meine Liebe so oftmals versagt, ja mich so oftmals gänzlich von dir abgewendet. Wenn sich der Verächtlichste der Menschen aus Liebe zu mir auch nur einem Theil dieser unsäglichen Qualen unterzogen hätte, wäre es möglich, ihm meine Liebe und Dankbarkeit zu versagen? Und dir, meinem Gott ,. habe ich sie versagt! O verzeihe! Hefte mich in Zukunft mit Banden der Liebe an dein Kreuz, auf daß ich ganz dein sei. Vater unser und das Uebrige. Kreuzwegandacht. 359 12. Station. Jesus wird am Kreuze erhöht und stirbt. V. Wir beten dich an, Herr Jesu Christe! und preisen dich; B. Denn durch dein heiliges Kreuz und unschuldiges Sterben haft du die ganze Welt erlöst. Betrachtung. Das Kreuz steht nun aufgerichtet. An ihm hängt mit eisernen Nägeln gehalten zwischen Himmel und Erde Jesus, die gekreuzigte Liebe. Betrachte ihn nun, ihn den König der ewigen Glorie. Das Holz des Fluches dient ihm zum Throne, sein blutend zerrissenes Fleisch statt des föniglichen Purpurgewandes, ein Dornengeflechte bildet seine Krone, Räuber zur Rechten und Linken seine Umgebung. Fürwahr ein schauerliches Bild, aber auch ein tröstliches Bild, ein Bild unendlicher Liebe. Seine ganze Gestalt ist voll Liebe. Das Haupt ist geneigt, dich zu küßen, die Arme sind ausgespannt, dich zu umfangen, das Herz steht offen, dich in felbes einzu schließen, alle Wunden bluten, dich rein zu waschen, sein Mund betet, um dir Verzeihung zu erflehen, er schwebt zwischen Himmel und Erde, um dich Erdensohn wieder mit dem Himmel zu verbinden. Gebet. O mein geliebter Erlöser, welch' eine Menge von Schmerz, Schmach und Betrübniß peiniget dich an dem Kreuze! Sage mir, warum lèidest du so viel? Du antwor test: dieß alles leide ich aus Liebe zu dir, ich würde weniger leiden, wenn ich dich weniger liebte. O ihr schönen Flammer. der Liebe, die ihr meinen Heiland verzehrt habt, o kommt uno verzehret auch in mir alle irdischen Neigungen! Machet, daß ich in Liebe zu einem Gott brenne, der aus Liebe zu mir hat sterben wollen! Himmlischer Vater, sieh auf das Angesicht deines Gesalbten, sieh auf dieses für mich geschlachtete Opferlamm, dir biet' ich es an für meine Sünden! Sei mir barmherzig! Vater unser und das Uebrige. 13. Station. Jesus wird vom Kreuze abgenommen. V. Wir beten dich an, Herr Jesu Christe! und preisen dich; B. Denn durch dein heiliges Kreuz und unschuldiges Sterben haft du die ganze Welt erlöst. Betrachtung. Vom Kreuze hat Jesus nicht mehr herabsteigen wollen, sondern ist daran verharrt bis zum Ende; den: er ist gehorsam geworden bis zum Tode am Kreuze mußt auch du treu im Guten seyn, und dich nicht vom Kreuze 360 Kreuzwegandacht. Christi trennen; denn nur wer ausharrt bis zum Ende, der wird selig werden. Als aber Jesus verschieden war und vom Kreuze herabgenommen ward, wurde er in die Schooß Maria gelegt. Dadurch wurde die Treue belohnt, womit sie unter seinem Kreuze ausgeharrt hatte. O wenn wir eine Liebe hätten, wie Maria, wenn wir so treu ihm folgten, wie sie gethan, wie gern würde dann Jesus auch zu uns kommen, wie über. reichlich uns mit seinen himmlischen Tröstungen erquicken! Gebet. D Jesu, Muster und Vorbild mir! Von dir lerne ich, daß, wer dir nachfolgen will, vom Kreuze nicht abgenommen zu werden wünschen dürfe, sondern daran verharren müsse, bis zum Tode. O gib mir diese Gnade der Beharrlichfeit, laß mich verbunden bleiben mit dir in heiliger Liebe!- Maria, die du würdig erfunden wurdest, den heiligen Leichnam Jesu nach seinem welterlösenden Tode abermals in deine Arme zu schließen, o bitt für mich, daß ich stets würdig seyn möge, den heiligen Frohnleichnam Jesu im Sakramente der Liebe in mein Herz aufzunehmen, damit dadurch meine Liebe wachse, von Tag zu Tag inniger und vollkommener werde. Amen. Vater unser und das Uebrige. 14. Station. Jesus wird in das Grab gelegt. W. Wir beten dich an, Herr Jesu Christe! und preisen dich; R. Denn durch dein heiliges Kreuz und unschuldiges Sterben hast du die ganze Welt erlöst. Betrachtung. Kaum hatte der göttliche Mittler am Kreuze seinen Geist ausgehaucht; kaum der Soldat zum Erweis des wirklich eingetretenen Todes mit einem Lanzenstiche dessen Seite geöffnet, als Joseph von Arimathea zu Pilatus ging und ihn bat, er möchte ihm den Leichnam Jesu überlassen. Pilatus willfahrte seiner Bitte, und nun nahmen sie Jesum vom Kreuze, wuschen seine Wunden, falbten ihn mit fostbaren Specereien, wickelten ihn in feine Leinwand, und begruben ihn in ein steinernes Grab. Schmachvoll war der Tod, aber herrlich das Begräbniß. Nun war ausgelitten und ausgekämpft, das große leidensvolle Opfer war vollbracht. O wie ruhig konnte jetzt der gemarterte Leichnam der nahen Auferstehung entgegen harren! Dwie angenehm würde auch uns einst die Grabesruhe sevn menn wir wie Jesus lebten und stürben! Kreuzwegandacht. 361 Gebet. O göttlicher Heiland, die Betrachtung deines Kreuzweges lehret uns die große Wahrheit, daß am Ende nichts mehr bleibet, als das Grab. Alles nimmt ein Ende, die Leis den so gut, wie die Freuden. Das Grab ist am Ende alles, was wir zu hoffen und zu erwarten haben. D gib, daß wir dieser Wahrheit oft gedenken, und unser Herz nicht an die Dinge dieser Welt hängen, gib, daß wir durch diesen Gedanken gestärkt, so leben, daß uns einstens das Grab nicht fürchterlich, sondern tröstlich seyn könne, und daß wir einstens daraus, wie du, vers klärt wieder hervor gehen mögen. Amen. Vater unser und das Uebrige. Schlußgebet. Ich habe nun, o Jesu, dein Leiden und Sterben betrachtet. O laß mir diese Betrachtung auch nüßlich werden! Verleihe gnädig, daß ich die Vorsäge, welche ich da gefaßt, auch in Ausführung bringe, gib, daß mein Glaube an dich immer lebendiger, meine Hoffnung auf dich immer inniger werde, daß wahre Reue über meine Sünden und ächter Bußgeist mich durchdringe. So oft ich ein Bild von dir erblicke, gekreuzigter Erlöser, laß mich nicht gedankenlos dabei bleiben, sondern deiner Liebe und deines Lebens eingedenk werden, und dieses oftmalige Andenken an dein Leiden laß mir zu einem Mittel werden, nicht mehr zu fündigen, dich nicht mehr zu beleidigen, auf daß dein Leiden und Sterben an mir armen Sünder nicht verloren gehen möge. Amen. Gebet vor dem Bilde des Gekreuzigten. Sieh, o mein gütigster und liebreichster Jesu! vor deinem allerheiligsten Angesichte liege ich auf den Knieen und bitte dich aus dem innersten Grunde meiner Seele, du wollest mir lebendig in das Herz einprägen die Gesinnungen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, einer wahren Rene über meine Sün den und des festen Vorsatzes, dich nie mehr zu beleidigen; indem ich mit ungetheilter Liebe, mit innigstem Mitleiden deine heiligften fünf Wunden betrachte, und im Geiste erwäge, was der heilige Prophet David von dir, o mein Jesu! gesprochen: Sie 11 Verehrung der heiligen fünf Wunden. haben meine Hände und Füße durchbohrt, sie zählten alle meine. Gebeine."( Pf. 21, 17. 18.) Jeder Christgläubige, welcher nach verrichteter Beicht und Kommunion, wenigstens mit reumüthigen Herzen und mit Andacht, vorstehendes Gebet vor einem Bilde Jesu des Gekreuzigten verrichten wird, und nebstbei für das allgemeine Anliegen der heiligen Kirche, Ausrottung der Ketzereien 2c. betet, gewinnt einen vollkommenen Ablaß. Dieser von Clemens VIII. und Benedikt XIV ertheilte Ablaß wurde von Pius VII. mittelft Decret Urbis et Orbis der heiligen Congregation vom 10. April 1821 auf ewige Zeiten bestätiget, und kann nach dem Decrete Leo XII. vom 17. September 1823 auch den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden. Aufopferung des kostbarsten Blutes Jesu Chrifti an Gott dem Vater. Ewiger Vater, wir opfern dir das überaus kostbare Blut, welches zu unserer Erlösung aus der heiligen Wunde der rechten Hand Jesu geflossen ist, und durch die Verdienste und Kraft dieses heiligen Blutes bitten wir deine göttliche Majestät, uns ihren heiligen Segen zu ertheilen, damit wir durch dasjelbe gegen unsere Feinde beschüßt, und von allen Uebeln befreit bleiben mögen. Der Segen des allmächtigen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes komme und bleibe über uns. Amen. Vater unser. Ave Maria. Ehre sei dem Vater. 2c. Papst Leo XII. verleiht allen Gläubigen auf die Abbetung obiger Aufopferung einen Ablaß von 100 Tagen, und wenn man sie einen Monat lang täglich verrichtet, nach dem Empfange der heiligen Sakramente der Buße und des Altars einen vollkommenen Ablaß, welche Abläße auch den armen Seelen im Fegfeuer zugewendet werden können. Verehrung der heiligen fünf Wunden unsers Herrn Jesu Christi. Indem ich mich vor dir, o gekreuzigter und liebreichster Erlöser meiner Seele, niederwerfe, hält mir mein Gewissen vor, daß ich dich mit eigener Hand an's Kreuz geheftet habe, so oft ich eine schwere Sünde beging und dich mit schwarzem Undank betrübte. O mein Gott, höchstes, vollkommenstes Gut, wegen der Wohl 363 Verehrung der heiligen fünf Wunden. thaten, die du mir allezeit erwiesen, meiner ganzen Zuneigung werth! ich Elender kann zwar meine bösen Werke nicht, wie ich es wünsche, ungeschehen machen; aber mit dem innigsten Schmerz verabscheue ich sie, weil ich dich, unendliche Güte, dadurch so unerhört beleidigt habe, und will knieend zu deinen Füßen mich wenigstens bestreben, dich in deinen Schmerzen zu bemitleiden, dir zu danken und von dir Reue und Verzeihung zu erflehen. Deßhalb spreche ich mit der heißesten Inbrunst des Herzens: 1. Bur heiligen Wunde des linken Fußes. Ich bete dich an, heiligste Wunde des linken Fußes meines Jesus! Ich trage zärtliches Mitleid mit dir wegen des höchst bittern Schmerzes, den du erduldet, und danke die für die Liebe, mit der du blutend zwischen den Dornen und Stämmen meiner Sünden dich abmühtest, mich auf dem Wege des Verderbens einzuholen. Ich opfere dem ewigen Vater den Schmerz und die Liebe deiner heiligen Menschheit auf, zur Sühnung meiner Miffethaten, die ich mit aufrichtiger, bitterer Reue verabscheue. Vater unser. Ave Maria und Ehre sei Gott 2c. Mutter, allzeit treu befunden, Drücke detnes Sohnes Wunden Tief in uns're Herzen ein.*) 2. Bur heiligen Wunde des rechten Fußes. Ich bete dich an, heiligste Wunde des rechten Fußes meines Jesus! Ich trage zärtliches Mitleid mit dir, wegen des bittersten Schmerzes, den du erduldet, und danke dir für die Liebe, so dich unter Krämpfen und Blutvergießen an's Kreuz heftete, um meine Vergehungen und sündhaften Befriedigungen zügelloser Leidenschaften an dir zu bestrafen. Ich opfere dem ewigen Vater den Schmerz und die Liebe deiner heiligen Menschheit auf und bitte ihn um die Gnade, daß ich meine Fehltritte mit heißen Bußthränen beweine, und auf dem betretenen Pfade der Tugend, ohne mich je dem Gehorsame der göttlichen Gebote zu entziehen, stets fortwandle. *) Dieser Vers und das Vater unser 2c. werden nach jedem der folgenden vier Gebete wiederholt. Verehrung der hetligen fünf Wunden. 3. Bur heiligen Wunde der linken Hand. Ich bete dich an, heiligste Wunde der linken Hand meines Jesus! Ich trage zärtliches Mitleid mit dir wegen des höchst bittern Schmerzes, den du erduldet und danke dir, daß du mit so großer Liebe die Züchtigungen der ewigen Verdammniß, so ich durch meine Bosheit verdient habe, aufgehoben hast. Ich opfere dem ewigen Vater den Schmerz und die Liebe deiner heiligen Menschheit auf und bitte ihn, mich durch seine Gnade zu kräftigen, daß ich die mir noch übrige Lebenszeit zur Vollbringung würdiger Bußfrüchte und zur Entwaffnung der geringsten Ges rechtigkeit Gottes verwende. 364 4. Bur heiligen Wunde der rechten Hand. Ich bete dich an, heiligste Wunde der rechten Hand meines Jesus! Ich trage zärtliches Mitleid mit dir wegen des bittersten Schmerzes, den du erduldet, und danke dir für die Wohlthaten, mit denen du mich, obwohl ich denselben so nichtswürdig entsprochen, stets aufs Liebevollste überhäuft hast. Ich opfere dem ewigen Vater den Schmerz und die Liebe deiner heiligen Menschheit auf und bitte ihn, mein Herz und meine Neigungen umzuwandeln, und mich in allen Dingen nach seinem göttlichen Wohlgefallen handeln zu lassen. 5. Bur heiligen Seitenwunde. Ich bete dich an, hochheilige Seitenwunde meines Jesus! ich trage zärtliches Mitleiden mit dir wegen der höchst bittern Mißhandlung, so du erduldet, und danke dir für die unaussprechliche Liebe, vermöge welcher du Brust und Herz durchstechen ließest, und die letzten Tropfen Blutes und Wassers zu meiner überreichlichen Erlösung hingabst. Ich opfere dem ewigen Vater diese Unbild und die Liebe deiner heiligen Menschheit auf, damit meine Seele in jenes liebreichste Herz, das zur Aufnahme der größten Sünder stets bereit und willig ist, dereinst eingehe und solches niemals verlasse. Jungfrau und Mutter Gottes Maria, Martyrin aus Liebe und vor Schmerzen, da du beim Anblick der Mißhandlungen und Beschimpfungen Jesu Betrübniß ohne Maaß empfandest und Berehrung der heiligen fünf Wunden. 365 deinen Eingebornen dem ewigen Vater zum Brand- und Sühnopfer für meine Sünden darbrachtest, nahmst du an der Wohlthat meiner Erlösung Theil. Ich bemitleide dich, ob des höchst bittern Schmerzes, den du erbuldet, und danke dir für die grenzenlose Liebe, die dich bewog, um mich Sünder zu retten, die Frucht deines Leibes, Jesum Christum, der da ist wahrer Gott und wahrer Mensch, hinzugeben! O lege gnädigst beim Sohne und Vater deine stets wirksame Fürbitte ein, daß ich auf die Dauer meinen Sinn umwandle, nicht durch neue Verbrechen meinen liebenswürdigen Erlöser kreuzige, sondern in seiner Gnade stets bis zum Tode verharrend, durch die Verdienste seines bittern Leidens und Kreuztodes das ewige Leben erlangen möge. Amen. Drei Ave Maria. Gebet. O Herr Jesu Christe, der du in der sechsten Stunde des Tages für das Heil der Welt das schmähliche Kreuz bestiegen und dein kostbarstes Blut zur Vergebung unserer Sünden vergoffen hast: wir bitten dich demüthig, laß uns nach unserm Tode freudig in die Pforten des Himmels eingehen. Wir bitten dich, Herr Jesu Christe, laß die heilige Jungfrau Maria, deine Mutter, deren heilige Seele zur Zeit deines Leidens ein Schwert des Schmerzes durchdrang, jetzt und in unserer Sterbstunde bei deiner Milde für uns Fürsprache einlegen. Durch dich, Jesus Christus, Erlöser der Welt, der du lebest und Herrschest mit dem Vater und dem heiligen Geiste von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 366 3weite Abtheilung. Marianische Vesperandacht. Willst du die Psalmen mit Andacht, mit Luft und Nutzen beten, so gib Acht auf deren Inhalt und Zweck, und trachte in deinem Herzen die verschiedenen Anmuthungen hervorzubringen, zu denen ein jeder Psalm einladet. Wenn also der Psalm betet, so bete; wenn er dankt, so danke; wenn er lobt, so lobe; wenn er trauert, so trauere; wenn er frohlockt, so frohlocke. O Gott, merke auf meine Hilfe; Herr, eile mir zu helfen Ehre sei dem Vater 2c. Alleluja. Der 109. Psalm. In diesem Psalme spricht David deutlich von der Gottheit, von der Priesterwürde, von der Herrlichkeit und von dem Reiche des Messias. Jesus Christus ist der unmittelbare Gegenstand desselben. Bete an! Der Herr hat zu meinem Herrn gesagt: Sezze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zu deinem Fußschemmel mache. Der Herr wird deinen mächtigen Scepter aus Sion senden: Herrsche mitten unter deinen Feinden. Die Herrschaft, welche mit dir ist, wird sich am Tage deiner Macht im Glanze der Heiligen zeigen; ich habe dich vor dem Morgensterne aus dem Schooße erzeugt. Der Herr hat geschworen, und es wird ihn nicht reuen: du bist ewig der Priester nach der Ordnung Melchifedech. Der Herr ist zu deiner Rechten; er hat am Tage seines Zornes Könige zertreten. Er wird unter den Völkern Gericht halten, eine große Niederlage anrichten, und viele Häupter auf Erden zerschmettern. Unterwegs wird er vom Bache trinken, darum wird er das Haupt erheben. Ehre sei dem Vater 2c. Der 112. Pfalm. In folgendem Pfalme ladet der Prophet alle Völker ein, den Herrn zu loben wegen seiner Größe und Macht, und besonders wegen der wunderbarlichen Güte, mit welcher er auf die Menschenkinder, und auch auf die Geringsten unter ihnen, herabblickt. Lobe und preise den Herrn! Lobet den Herrn, ihr Diener, lobet den Namen des Herrn. Der Name des Herrn sei gebenedeit von nun an bis in Ewigkeit! Marianische Besperandacht. 367 Der Name des Herrn werde vom Aufgange der Sonne bis zum Niedergange gepriesen! Der Herr ist über alle Völker erhaben, und seine Herrlichkeit reicht über die Himmel! Wer ist wie der Herr unser Gott, der in der Höhe wohnt, Und sieht, was im Himmel und auf Erde erniedriget iſt? Der den Armen aus dem Staube zieht, und den Dürftigen aus dem Kothe hebt. Daß er ihn unter die Fürsten, unter die Fürsten seines Volkes sebe; Der die Unfruchtbare, als eine fröhliche Mutter vieler Kinder, das Haus bewohnen läßt. Ehre sei dem Vater 2c. Der 121. Psalm. Nachstehender Psalm beschreibt die Vorzüge und Lieblichkeiten der Stadt Jerusalem, als Vorbild des himmlischen Jerusalems betrachtet. Er ist herzerhebend, und soll den irdischen Wanderer mit Freude erfüllen, indem er ihm sein wahres beseligendes Vaterland zeigt. Seufze nach dem Himmel! Ich habe mich an dem erfreut, was mir ist gesagt worden: wir werden in das Haus des Herrn gehen. Unsere Füße standen in deinen Vorhöfen, o Jerusalem. Jerusalem, das wie eine Stadt gebaut wird, deren Theile in sich vereinigt sind. Da sind die Stämme, die Stämme des Herrn hinaufgegangen, den Namen des Herrn zu loben wie dem Ifrael befohlen war. Denn daselbst sind die Gerichtsstühle, die Stühle des Hauses David. Bittet, was zum Frieden für Jerusalem dient, und daß es denen, die dich lieben, wohlergehe. Friede soll in deiner Festung, und Ueberfluß in deinen Thürmen seyn. Wegen meiner Brüder und meiner Nächsten habe ich den Frieden gewünscht. Wegen des Hauses des Herrn unsers Gottes habe ich dein Bestes gesucht. Ehre sei dem Vater 2c. Der 126. Pfalm. Dieser Psalm lehrt die Nothwendigkeit der Gnade Gottes, das Gute zu wirken, und die Nüglichkeit der Prüfungen Verdemüthige dich! Marianische Vesperandacht. Wenn der Herr das Haus nicht baut, so arbeiten die Baus leute vergeblich. Wenn der Herr die Stadt nicht beschüßt, so wacht der Wächter vergeblich. Ihr stehet vergeblich vor Tage auf: stehet auf, wenn ihr geruhet habet, die ihr in Schmerzen euer Brod effet. Wenn er seinen Geliebten den Schaf geben wird, sieh, da werden sie Kinder haben, die eine Erbschaft des Herrn seyn werden, und die Leibesfrucht wird die Belohnung seyn. Wie die Pfeile in der Hand eines Starken sind, also find die Kinder der Geprüften. Selig ist der Mensch, der seinen Köcher mit ihnen angefüllt hat: er wird nicht zu Schanden werden, wenn er mit seinen Feinden vor Gericht reden wird. Ehre sei dem Vater 2c. 368 Der 147. Pfalm. Folgender Psalm enthält eine Erinnerung an die vornehmsten Wohlthaten, die der Herr der Stadt Jerusalem erwiesen. In dieser Stadt wird aber die christliche Kirche vorgebildet. Danke also dem Herrn für die Heilsmittel, welche für dich derselben anvertraut sind. Jerusalem, lobe den Herrn; Sion, lobe deinen Gott: Denn er hat die Schlößer deiner Thore verstärkt, und deine Kinder in dir geſegnet. Er hat deinen Grenzen Frieden geschafft, und dich mit dem allerbesten Getraide gesättigt. Er sendet sein Wort auf die Erde: schnell läuft sein Befehl. Er läßt den Schnee wie Wolle fallen, und streut den Reif wie Asche aus. Er wirft seine krystallenen Eisschollen stückweise herab; wer wird vor seiner Kälte bestehen können? Er wird sein Wort aussenden, und sie schmelzen; sein Hauch wird wehen, und die Waffer werden fließen. Sein Wort macht er dem Jakob, und seine Gerichte und Gebote dem Ifrael kund. Mit feinem Volke hat er so gehandelt, noch ihnen seine Ges bote geoffenbart. Ehre sei dem Vater ic. Kapitel Eccli. 24. Im Anfange und vor allen Zeiten ward ich geboren, und werde auch nie mehr aufhören zu seyn; in der heiligen Wohnung habe ich vor ihm gedient. Also bin ich Marianische Vesperandacht. 369 m Sion befestigt worden, in der heiligen Stadt habe ich geruht, und groß ist meine Macht in Jerusalem. Bei einem ehrenvollen Volke, das meines Gottes Erbtheil ist, habe ich Wurzel geschlagen, und in der Gemeinde der Heiligen ist mein Aufenthalt. Dank sei dem Herrn. Hymnus( Ave maris stella.) Stern auf diesem Lebensmee re, Mutter Gottes, voll der Ehre, Allzeit Jungfrau, sei gegrüßt! Du bist uns die Himmelspforte, Du hast seit des Engels Worte Eva's Namen uns versüßt. Gib uns Frieden mit Bestande, Löse auf der Sünden Bande, Blinde führ' zum wahren Licht. Böses treib' aus unsrer Mitte; Was uns nützen kann, erbitte; Uns dein H rz entziehe nicht. Der wird dein' Bitt' erfüllen, Der um unsers Heiles willen Selbst dein Sohn geworden ist. Laß uns, Jungfrau, dir gefallen, O du Einzige aus Allen, Die du lauter Liebe bist. Laß bei Gott uns Gnade finden, Mach' uns frei von unsern Sünden; Mach' uns Alle mi und rein. Gib, daß durch ein keusches Leben Deine Kinder sich bestreben, Deiner Liebe werth zu seyn. Du wollst hier uns sicher leiten. Daß wir finden ew'ge Freuden Einst mit dir in Jesu Reich. Gott der Vater sei gepriesen, Ehre sei dem Sohn erwiesen, Und dem heil'gen Geist zugleich. V. Bitt für uns, o heilige Gottesgebärerin, R. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Antiphon. Heilige Maria, komm uns Elenden zu Hilfe, stärke die Kleinmüthigen, tröste die Betrübten. Wir empfehlen deiner mütterlichen Fürbitte das Volk, die Priesterschaft und das andächtige Geschlecht. Laß Allen deinen mächtigen Schuß angeDeihen, die dich mit findlicher Andacht verehren. Magnificat.( Siehe Seite 292.) V. Herr, erhöre mein Gebet, R. Und laß mein Rufen zu dir kommen. Gebet. Wir bitten dich, o Herr, unser Gott, du wolleft uns durch die Fürbitte der seligen und glorreichen Jungfrau Maria vor allem Uebel des Leibes und der Seele bewahren, auf daß uns hienieden keine Widerwärtigkeit schade, und wir dort dich besigen mögen in ewigen Freuden; durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 24 Marianische Besperandacht. Grüsse an Maria, welche die Kirche am Ende der Tagzeiten betet. Alma Redemptoris Mater.( Vom ersten Adventsonntage bis Lichtmesse.) Theure Mutter unsers Herrn! Himmelspforte, Meeresstern! Unterstütze liebreich Alle: Daß sie aufersteh'n vom Falle. Du allein vermochteft nur, Zum Erstaunen der Natur, Mit dem Jungfraukranz in Ehren Deinen Schöpfer zu gebären. Gabriel, des Engels Mund, Machet dir die Botschaft kund. Zeig' Erbarmen allen Sündern: Bleibe Mutter deinen Kindern. V. Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft; R. Und sie hat vom heiligen Geiste empfangen. Gebet. Wir bitten dich, o Herr, gieß deine Gnade in unsere Herzen, daß wir, die wir Christi, deines Sohnes, Menschwerdung aus des Engels Verkündigung erkannt haben, durch sein Leiden und Kreuz zur Glorie der Auferstehung gebracht werden; durch denselben Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Ave Regina coelorum.( Von Lichtmesse bis in die Charwoche.) Heil dir, Himmelskönigin! Heil dir, Engelsherrscherin! Aus dir, Wurzel, Gnadenthor, Ging das Licht der Welt hervor. Höchste Jungfrau, freue dich! Schönste, welcher feine gleich! Heil dir, Weiber Zier und Krone! Bitt für uns bei deinem Sohne. V. Würdige mich, dich zu loben, heilige Jungfrau; R. Gib mir Kraft wider deine Feinde. Gebet. Barmherziger Gott, komin unserer Schwachheit zu Hilfe, daß wir durch die Fürbitte der heiligen Gottesgebärerin, deren Gedächtniß wir begehen, von unsern Lastern befreit werden mögen; durch Christum, unsern Herrn. Amen. Regina coeli laetare, alleluja( Von Ostern bis Pfingsten.) Freu' bich; Frau der Himmelssphären! Alleluja, Den du werth warst zu gebären, Alleluja, Ist erstanden, wie er sprach: Alleluja Bitt für uns: wir sind zu schwach. Alleluja. V. Freu' dich, und frohlocke, du Jungfrau Maria; Alleluja. R. Denn der Herr ist wahrhaftig erstanden. Alleluja. Gebet. O Gott, der du durch die Auferstehung deines Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi, dein Volk zu erfreuen dich gewürdiget haft: wir bitten dich, verleihe uns, daß wir durch seine Mutter, die Jungfrau Maria, die Freude des ewigen Lebens erlangen; durch denselben Christum, unsern Herrn. Amen. Neun Gebete zur Mutter Gottes. Salve Regina.( Vom Dreifaltigkeitssonntag bis zum Advent.) Aus dem Jammerthal zu dir. Königin, laß dich verehren, Unsre Blicke zu dir kehren. Mutter der Barmherzigkeit, Leben, Hoffnung, Süßigkeit, Zu dir schreien arme Sünder, Evens ausgestoff'ne Kinder: Unsre Seufzer schicken wir Mutter mit den sanften Blicken, Laß dein Fürwort uns beglücken: Zeig' Verwies'nen auf der Flucht Jesus, deines Leibes Frucht. O Maria, voll Erbarmen, Jungfrau, süßer Troft der Armen! V. Bitt für uns, heilige Gottesgebärerin; R. Daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. 371 Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott, der du den Leib und die Seele der glorreichen Jungfrau und Mutter Gottes Maria durch Mitwirkung des heiligen Geistes bereitet hast, daß sie eine würdige Wohnung deines Sohnes wurde; gib, daß, da wir uns in ihrer Gedächtniß erfreuen, wir durch ihre milde Fürbitte von allen bevorstehenden Uebeln und von dem ewigen Tode erlöset werden; durch Christum, unsern Herrn. Amen. Neun Gebete zur Mutter Gottes nach dem Beispiele mehrerer Heiligen. Erstes Gebet. STEE Heiligste Jungfrau und Gottesgebärerin! in dir wohnt alle Gnade des heiligen Geistes. Schaue herab auf mich, der ich unrein bin an Seele und Leiß. Reinige mein Gemüth durch deine Fürbitte, das von bösen Neigungen und Leidenschaften befleckt ist. Reinige und sammle meine ausschweifenden Gedanken. Bringe in meine Sinne Ordnung und Züchtigkeit. Befreie mich vom Joche meiner Leidenschaften, damit ich, von den Finsternissen der Sünde erlöset, dich, du Mutter des wahren Lichtes, Christi, 24* 372 Neun Gebete zur Mutter Gottes. unsers Gottes, mit reinem Herzen preisen könne. Sieh mit zerknirschter und gedemüthigter Seele eile ich zu deiner Barmherzigkeit. Verlaß mich nicht, deinen unwürdigen Diener, damit ich nicht zu Grunde gehe. Heile mit deinen mütterlichen Gebeten meine franke Seele. Ich getraue mir nicht, meine fündenbefleckten Hände zum Himmel zu erheben, und mit meiner durch lieblose Worte verunreinigten Zunge um Erbarmung zu flehen. Darum nehme ich zu dir meine Zuflucht; denn nach Christus, meinem Erlöser, bist du meine Hoffnung; nur durch deine Fürbitte ermuthigt, wage ich es, mich in Demuth und Reue vor sein Angesicht zu werfen. Zögere nicht, mir deinen Schuß angedeihen zu lassen. Dein eingeborner Sohn erfreut sich an deinen Bitten, und erhört sie gerne. ( Hl. Ephräm.) Bweites Gebet. Leite du, huldvolle Mutter! durch deine Fürbitte mein Leben, und zeige mir den Weg zu dem heiligen Willen deines Sohnes und unsers Herrn. Führe mich an der Hand und bringe mich zu ihm hinüber zum ewigen Leben. Durch dich haben wir den Sohn Gottes erkannt; durch dich kam zu uns der Herr der Kräfte; durch dich wurden wir seines heiligen Leibes und Blutes gewürdigt. Höre nicht auf für uns, deine unwürdigen Diener, zu bitten, daß wir allen Nachstellungen des Satans entgehen, und keine seiner Versuchungen uns beflecke. Erneuere mich ganz, und mache mich zu einem ganz reinen Tempel des heiligen Geistes, der in dir gewohnt, und dich überschattet hat, daß er mich belebe und heilige. Durch deine Fürbitte werde mir Zerknirschung des Herzens, Ruhe der Gedanken, Festigkeit des Gemüthes, nüchterner Sinn und Geistesdemuth. Trage mein Gebet zum Throne deines Sohnes. Zerstreue die Wolken meiner Trauer und den Sturm der Leidenschaften. Drittes Gebet. Hochbegnadigte Gottesmutter, ganz Reine, ganz Selige! du bist der Trost der Bedrängten, die Hilfe der Hilflosen, die Kraft der Schwachen, der leitende Stab der Blinden. Mein Heil, mein Leben, mein Licht, meine Stärke, mein Trost und meine Freude des Gemüthes! Du Mutter deffen Neun Gebete zur Mutter Gottes. 373 der allein gut und barmherzig ist, nimm meine arme Seele in deinen Schuß, und mache sie durch deine Vermittlung würdig, einst zur Rechten deines Sohnes zu seyn, und der Ruhe seiner Auserwählten und Heiligen zu genießen. Vertreib aus mir Irdischgesinnten die Sorglosigkeit im Geschäfte des Heils, die Sinnlosigkeit und Nachläßigkeit. Laß mich nimmer nach leerem Lobe haschen, nimm alle unkeuschen Gedanken und Empfindungen von mir. Lösche aus in mir alle verderbten Neigungen und Leidenschaften. Bete unaufhörlich zu dem, den du geboren hast, daß er sich auch meiner erbarme. Viertes Gebet. Du Vorbild und Schuß der Jungfrauen! mache doch, daß ich zu Christus komme, und eingehe in die freien Wohnungen der Heiligen, wo keine Thräne mehr fließt, feine Drangsale drücken; wo keine Trauer und kein Tod herrscht. Dort ist das Leben, das nimmer endet, und ewige Freude. Ueberlaß mich meiner Schwachheit nicht, damit ich los werde von meinen Leidenschaften und von aller Sünde. Zerstreue jeden Gedanken, den mir der Teufel einflüstert. Heiligste, zich mich aus seinen Fallstricken. Gib mir Liebe zu Gott und Entschlüße, die Gott seines Wohlgefallens würdigt. Gib mir Nächstenliebe, Geduld, Demuth, Enthaltsamkeit, und Nüchternheit und Mäßigkeit im Genuße der täglichen Nahrung. Leite meine Augen, daß ich sie wegwende von allem Bösem und nur auf Jesum und das Gutesehe; lehre meine Zunge, nur Nüßliches zu reden, und mache, daß meine Füße nur immer auf dem Wege der Gebote Gottes wandeln. Deffne meine Ohren, auf daß ich nur gerne höre Gottes Wort und was der Seele heilsam ist. Und stehe mir einst bei in der Trennung der Seele vom Leibe, und erleichtere mir den schweren Todeskampf. Fünftes Gebet. Maria, reinste Jungfrau, glorreiche Gottesgebärerin! wer vermag es, dir genugsam zu danken, die du durch deine besondere Einwilligung dem verlornen Menschengeschlechte zu Hilfe kamst! So nimm denn unsere dürftigen, und deinen Verdiensten auf feine Weise würdige Danksagungen gütig auf, und lasse unser Flehen nicht unerhört. Denn Niemand finden wir, du Heiligste! der würdiger wäre, den Zorn des Rich 374 Neun Gebete zur Mutter Gottes. ters zu versöhnen, als bu, die du gewürdigt wurdeft, die Mutter. unsers Erlösers und Richters zu werden. Stehe uns bei; habe Mitleid mit den Betrübten, und bringe unsere Gebete und Thränen zu Gott. Denn noch werden wir auf dieser Erde mit Trübsalen heimgesucht, und sind wir immer den Gefahren der Sünde ausgesetzt. Du aber freuest dich schon in den himmlischen Chören, und der König der Könige selbst, der dich als seine wahre Mutter vor Allen andern liebt, beseliget dich mit einem höhern Maaße der Freude. Er wird auch deine Fürbitte für uns vor allen andern erhören. Hl. Auguftin.) Sechstes Gebet. Zu dir, du Königin der Jungfrauen! weinen unsere Augen, zu dir seufzen unsere Herzen, daß du uns Gnade und Erbarmung erflehen wolleft bei Jesus, deinem Sohne, unserm Erlöser und Richter. Wir flehen neuerdings um Heilung von ihm, durch dessen Wunden wir sind geheilt worden; denn unsere Narben haben sich wieder geöffnet, und keine Gesundheit ist in uns. Siehe, Jungfrau! die schmerzenden Wunden unserer Seele, und erflehe uns die Gnade unsers Erlösers. ( Hl. Bernarb.) Siebentes Gebet. Sei gegrüßt, du Gnadenvolle! der Herr ist mit dir! durch dich sei er auch mit mir. Denn du bekümmerst dich um irdische Seelen, und suchest irdischgesinnte Herzen zum himmlischen Sinne zu erheben. Voll deiner Wohlthaten find Himmel und Erde. Wie wir einen höchst barmherzigen Herrn an Jesu haben; so haben wir auch eine höchst barmherzige Mutter an dir. Darum flehe ich von ganzem Herzen zu dir, und erfreue mich deiner großen Barmherzigkeit. Hilf mir, du hilfreiche Jungfrau, daß ich durch dich das ewige Leben erlange. ( Hl. Bonaventura.) Achtes Gebet. Heilige Jungfrau Maria, meine Führerin! an dein Herz voll Erbarmung wende ich mich, und stelle von heute an meinen Leib und meine Seele und alle die Meinigen unter deinen Schuß. Dir vertraue ich und deinen Händen übergebe ich alle meine Hoffnungen und Tröstungen, alle meine Trübsalen und Bedrängnisse, so wie den ganzen Lauf und das Ende meines Lebens, auf daß durch deine Fürbitte und deine Verdienste 375 Neun Gebete zur Mutter Gottes. alle meine Werke nach deinem Willen und in der Absicht vollendet werden, deinem göttlichen Sohne zu gefallen.( Hl. Aloysius.) Neuntes Gebet. Holdseligste Jungfrau! dich lieben alle Heiligen im Himmel. Auch ich tiefgebeugter Sünder weihe dir meine besondere, wenn auch nur geringe Liebe, und sehne mich, dich stets inniger zu lieben. Verleihe mir eine solche Liebe. Denn ein Zeichen ewiger Auserwählung ist die Liebe zu dir, die du denjenigen geboren haft, der denen, die dich lieben, ewiges Leben verleiht. Denn nur jene lieben dich, die deinen Sohn lieben, die durch ihn Erbarmung und Gnade gefunden haben. Derwirke mir immer mehr die wahre Liebe zu Jesus, daß sie mein Herz ganz in Besit nehme, jede Liebe und Neigung zu vergänglichen Dingen verdränge, und mich zur getreuen Erfüllung aller seiner Gebote entflamme. O laß nicht ab von deiner mütterlichen Fürbitte, und gedenke der Unbeständigkeit meines Herzens und meiner Schwachheit ohne die beständige Gnade, durch die ich allein gestärkt werde, deinen göttlichen Sohn bis zum Ende meines Lebens zu lieben. ( HI. Alph. Liguori.) Der heilige Nosenkranz mit den Geheimnissen nebst Vor- und Nachgebeten. Erinnerung. Fromme Christen pflegen den heiligen Rosenkranz zu beten. Diese Art zu beten taugt für die des Lesens Unfundigen; für Kranke, die zur Nachtzeit nicht schlafen können; für alle Diejenigen, denen die Augen nicht mehr dienen, die feine Gebetbücher haben, die sich in ihrem Gemüthe nicht beffer zu Gott wenden können, und dennoch im Gebete Kraft und Troft für sich suchen, ganz vorzugsweise. Für alle Solche ist diese Art zu beten sehr nüßlich, heilsam und nothwendig; aber auch allen Andern ist dieselbe nicht minder anzuempfehlen. Auch gemeinschaftlich den Rosenkranz zu beten, ist ein sehr löblicher Gebrauch; indem das gemeinschaftliche Gebet den Glauben mehr belebt, und zur Tugend mächtig ermuntert. Diese Gebetsweise ist auf die Vermehrung der Ehre und Glorie Jesu Christi, und auf die Verehrung seiner gebenedeiten Mutter gerichtet, die ein Jeder ehrt, der ihren göttlichen Sohn ehret. Der Rosenkranz ist 76 Der beilige Rosenkranz. zusammengesetzt aus dem apostolischen Glaubensbekenntnisse, aus dem Gebete des Herrn und dem englischen Gruße. Das lettere schöne, und zum Theile aus der heiligen Schrift genoms mene Gebet( Luc. 1, 28, 42.) wird 150 Mal aus der Ursach. wiederholt, weil der Rosenkranz nach Art des Psalters, welcher 150 Psalmen hat, geordnet ist. Nach jedem Absaße von zehn Ave Maria wird ein Vater unser gebetet. Vielleicht wird man cher Weltmensch fragen: Wozu das unaufhörliche Wiederholen eines und desselben Gebetes?" Das geschieht zur Betrach, tung der hohen Geheimnisse der menschlichen Erlösung. Denn so oft man zu den Worten kommt: ,, Und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes Jesus," betrachtet der Christ in Kürze jenes von den Geheimnissen seiner Erlösung, welches hier eben eingeschal tet wird, und welche nach der freudenvollen Menschwerdung des Sohnes Gottes, nach seinem bittern Leiden und Sterben, und nach seiner glorreichen Auferstehung in die freudenreichen, schmerz haften und glorreichen Geheimnisse eingetheilt werden. Es kann aber für den Menschen Nichts so wichtig seyn, als die Wahrheiten, daß Jesus zur Erlösung der Menschen auf die Wel. gekommen ist, daß er für die Menschen gelitten, und das Wer ihrer Erlösung vollbracht hat. Darum kann diese Wahrheit nicht oft genug betrachtet werden. Wenn nun der aufrichtige Cbrift 11 - Der heilige Rosenkranz. sich beim Beten des Rosenkranzes diese und ähnliche Geheimniffe seiner Erlösung zu Gemüthe führt, wird er wohl ohne alle Erbauung beten? Ist das nicht erbaulich, wenn man beim Rosenkranzbeten das Leben Jesu Chriji von der Zeit angefangen betrachtet, wo er Mensch geworden, bis zu dem glorwürdigen Augenblicke, wo er sich zur Herrlichkeit seines himmlischen Vaters erhob? Erbaut das nicht, wenn wir ihn in seiner tiefen Erniedrigung betrachten, und erwägen, was er Alles gethan und gelitten hat, um uns zu erlösen? Ist also der Rosenkranz, auf diese Art gebetet, nicht wie ein Buch, welches die vorzüglichsten Umstände aus dem Leben Jesu enthält?- Willst du ein Marianisches Pflegekind seyn, o christliche Seele! jo bete den heiligen Rosenkranz gerne, bete ihn oft, aber hüte dich, daß derselbe nicht bloßes Lippenwerk sei, sondern erwäge andächtig die hocherhabenen Geheimnisse desselben. Wisse auch zugleich, daß Maria es durch Erbittung ganz besonderer Gnaden gezeigt, wie angenehm ihr und ihrem göttlichen Sohne eine Gebetsweise sei, welche ihr Entstehen der göttlichen Mutter selbst verdankt, indem diese ihrem frommen Verehrer, dem heiligen Dominikus, in einer Offenbarung diese zu beten bekannt machte, und durch ihn den Gläubigen empfehlen ließ. 377 In dem freudenreichen Rosenkranze, ( welcher gebetet wird vom Advent bis Septuagesima, und sonst alle Mittwoche und Samstage, setzt man in dem Ave Maria, nach dem Namen, Jesu, hinzu wie folgt: In den drei ersten Ave Maria nach dem Glauben: 1) Jesus, welcher uns den rechten Glauben vermehre. 2) Jesus, welcher uns in der Hoffnung stärke. 3) Jesus, welcher in uns die heilige Liebe entzünde. Bei dem ersten Absazze in jedem Ave Maria: Jesus, den du, o Jungfrau! empfangen hast. Bei dem zweiten: Den du, Elisabeth besuchend, getragen hast. Bei dem dritten: Den du, o Jungfrau! geboren haft. Bei dem vierten: Den du im Tempel geopfert hast. Bei dem fünften: Den du im Tempel wieder gefunden hast. In dem schmerzhaften Rosenkranze, ( welcher gebetet wird von Septuagesima bis Ostern, und sonst alle Dienstage und Freitage:) In den drei ersten Ave Maria: 1) Jesus, der uns den Verstand erleuchte. 2) Der uns den Willen vollkommen mache. 3) Der uns das Gedächtniß stärke. Der heilige Rosenkranz. Bei dem ersten Absaße in jedem Ave Maria: Der für uns Blut geschwißet hat. Bei dem zweiten: Der für uns gegeißelt worden ist. Bei dem dritten: Der für uns mit Dornen ist gefrönet worden. Bei dem vierten: Der für uns das schwere Kreuz getragen hat. Bei dem fünften: Der für uns ist gekreuziget worden. In dem glorreichen Rosenkranze, 378 ( welcher gebetet wird von Ostern bis zum Dreifaltigkeitsfeste, auch sonst am Sonntage und Donnerstage:) In den drei ersten Ave Maria: 1) Jesus, der unsere Gedanken ordne. 2) Der unsere Worte lenke. 3) Der unsere Werke heilige. Bei dem ersten Absatze in jedem Ave Maria: Jesus, der von den Todten auferstanden ist. Bei dem zweiten: Der in den Himmel aufgefahren ist. Bei dem dritter. Der den heiligen Geist gesendet hat. Bei dem vierten: Der dich, o seligste Jungfrau, in den Himmel aufgenommen hat. Bei dem fünften: Der dich, o seligste Jungfrau, in dem Himmel gekrönet hat. ( Am Schluße wird meistens noch ein Absatz von einem Vater unser und zehn Ave Maria für die armen Seelen gebetet, und nach dem Worte Jesus daher auch eingeschaltet:) Erbarme dich der armen Seelen im Fegfeuer! Gebet vor dem heiligen Rosenkranze. Maria, du holdseligste Jungfrau und Mutter unsers Herrn Jesu Christi! wie herrlich schmückte dich die Zierde aller Frömmigkeit und Tugend, die Demuth! Die Demuth war es, aus der die drei göttlichen Tugenden: Glaube, Hoffnung, Liebe in deinem Herzen wie ein heiliger Same keimten, und hervorgewachsen sind jene himmlischen Früchte des heiligen Geistes: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, wohlwollende Milde, Treue, Bescheidenheit, Enthaltsamkeit, Keuschheit und das ewige Leben. Herr Gott und Vater! laß uns so demüthig seyn, wie Maria, auf daß wir uns für gering halten und bekennen, daß wir ohne dich nichts vermögen, was zu unserm Heile ist; auf daß wir zu dir mit dem Blicke des Glaubens aufschauen, deinem Lichte und deiner Kraft vertrauen, und mit deinem Lichte und mit deiner Kraft als mit einem zugetheilten Talente treulich wu Der heilige Rosenkranz. 379 chern und Werke der Liebe wirken, um mit Maria auch der Früchte des heiligen Geistes und des ewigen Lebens theilhaftig zu werden. Dein heiliger Sinn und dein frommes Leben, o Maria! haben dich würdig gemacht, Mutter unsers Erlösers zu werden; und dein unverrückter Blick auf Jesum, und daß du ihm bis zum Kreuze gefolgt bist, das hat dir, o reinste Jungfrau, die Krone des ewigen Lebens erworben. Möge die Gnade Gottes und unsers Herrn Jesu Christi in uns ben heiligen Sinn Mariä erwecken, damit wir ein Leben nach Gottes Willen führen und würdig werden, Christum, das Licht und das Leben geiſtlicher Weise zu empfangen, wie Maria ihn geistlicher Weise empfangen hat. Gib, o Gott, daß wir die allerheiligsten Geheimnisse deines Sohnes Jesu Christi, welche uns im heiligen Rosenkranze zu betrachten vorgestellt werden, unausgesetzt und so betrachten, daß wir Alles, was in seinem Leben, Leiden und Sterben zur Nachahmung enthalten ist, treu befolgen, und was uns darin zum ewigen Leben verheißen ist, sicher erlangen, durch den nämlichen Jesus Christus unsern Herrn. Amen. Dankgebet nach dem heiligen Rosenkranze. Wir danken dir, allmächtiger Gott, für deine Wohlthaten, die du uns durch diese( freudenreiche, schmerzhafte, glorwürdige) Geheimnisse erwiesen hast, der du lebeft und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. O würdigste Mutter Gottes, unsere seligste Fürsprecherin, Jungfrau Maria! nimm an diesen Rosenkranz, den wir der allerheiligsten Dreifaltigkeit, dem ganzen himmlischen Heere, insonderheit aber dir zum Lob und Ehre jetzt gebetet haben; opfere denselben deinem allerheiligsten Sohne Jesus Christus auf um glücklichen Wohlstand der katholischen Kirche, Verbreitung des wahren katholischen Glaubens und Ausreutung der Keßereien, um Einigkeit der christlichen Regenten, für alle lebendige und abgestorbene Brüder und Schwestern, für Gefunde und Kranke, für Gefangene und Betrübte; für uns deine Diener und Dienerinnen; bitt für uns, o Königin des Rosen- Marianische Tagzeiten franzes! damit wir einmal alle miteinander nach diesem Elende mit dir und allen Auserwählten in dem himmlischen Vaterlande glückselig leben, und ohne Ende uns erfreuen mögen. Amen. Maria, die ewige Jungfrau mit ihrem milden Kinde, wolle uns alle benedeien und segnen! von dem schnellen und unvorgesehenen Tode und von allen Gefahren erlöse uns Gott Vatter, Sothn und heiliger Getist. Gebenedeit sei der süße Name unsers Herrn. Jesu Christi, und der Name der allerheiligsten Jungfrau, des Rosenkranzes Patronin Maria, auch der heilige Dominikus und der ganze himmlische Hof sei gelobt immer und ewiglich! Amen. 380 Marianische Tagzeiten zu Ehren und zum Lobe der seligsten Jungfrau Maria. Zur Mette. Erheb' dich Seele, um zu loben* Die Mutter der Barmherzigkeit,* Die über Engel weit erhoben* In himmlisch froher Herrlichkeit Im Himmel sißt bei ihrem Sohne* Auf einem glanzumgeb'nen Throne,* Und voller Milde niederschaut* Auf jeden, der auf sie vertraut.* Ehr' sei dem Vater und dem Sohn' Und dir, o Geist von Beiden,* Und uns des Himmels großer Lohn* Einst durch die Ewigkeiten. Lobgefang an die Jungfräuliche. So rein von Sünden und von Mängeln,* Tratst du hervor aus Gottes Hand.* Als wie der Schönste von den Engeln * Am Tage seiner Schöpfung stand.* Voll Unschuld war dein holdes Leben,* Der Gottheit Tempel deine Brust.* Zu dir hinauf durft sich nicht heben* Der Schlangenzahn der bösen Lust. O meine Jungfrau! pflanz' die Liebe* Zur Keuschheit unsern Seelen ein,* Daß wir mit edelmüth'gem Triebe* Wetteifern, um dir gleich zu seyn.* Gib, daß wir muthig und entschlossen* Dem Reiz der Wollust widersteh'n,* Und standhaft treu und unverdroffen* Der schönen Unschuld Wege geh'n. Antiphon. Gott hat sie besonders auserwählt, daß sie in feinem Heiligthume wohne. 381 zum Lobe der allerseligsten Jungfrau. Gebet. D Gott, der du durch die unbefleckte Empfängniß der heiligsten Jungfrau Maria deinem lieben Sohne eine würdige Wohnung bereitet hast; laß uns, die du durch das Leiden und den Tod Jesu geheiligt hast, auch durch ihre gütige Fürbitte in Reinheit und Unschuld vor dir wandeln, und einst zu dir in dein Reich gelangen, durch unsern Herrn Jesum Christum. Amen. Zur Prim. Erheb' dich Seele zc.( wie oben.) Lobgesang an die Demüthige. Wie unter niedrigen Gesträuchen* Hebt sich die Palme schön empor;* So stehst du unter deines Gleichen* In edler Größe weit hervor.* Doch bist du sanft und mild, bescheiden; * Die stille Demuth muß entzückt* Die Schaar der Tugenden begleiten, Die dich, o hohe Jungfrau! schmückt. * O laß auch uns den Hochmuth haffen;* Er ist der Thors heit Eigenthum:* Der Stolze wird von Gott verlassen,* Er bleibt in Sünden und bleibt dumm.* Laß uns die Demuth herzlich lieben;* Der Tugend Schmuck ist sie allein;* Nur die an ihrer Hand sie üben,* Die können Gott gefällig seyn. Antiphon. Sieh, ich bin eine Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Worte.-Gebet. O Gott, der du 2c.( wie oben.) Zur Terz. Erheb' dich Seele zc.( wie oben.) Lobgesang an die Gottergebene. Zu wandeln stets nach Gottes Willen* Und unter feinem Angesicht,* Und treulich sein Gesetz erfüllen. Hieltst du für deine erste Pflicht.* Er sandt' dir Kummer oder Freude,* So war dein Herz nur ihm geweiht;* Du gingst nie von seiner Seite,* Und priesest ihn voll Dankbarkeit. O! hilf uns auch so gläubig leben,* Und unserm Vater innig weih'n,* Hilf uns, so fromm, so Gott ergeben,* So dankbar gegen ihn zu seyn.* Daß wir in frohen Glückestagen * Nie weg von seinen Wegen geh'n,* Und in dem Unglück ohne Zagen* Auf ihn als unsern Vater seh'n. Antiphon. Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es ge nommen; der Name des Herrn sei gebenedeit. Gebet. O Gott, der du 2c.( wie oben.) 1 392 Marianische Tagzetten Zur Sert. Erheb' dich Seele 2c.( wie oben.) Lobgesang an die Mutter Jesu. Dich wählt der große Herr der Heere,* Dich unter Taus senden allein,* Zur unaussprechlich großen Ehre,* Die Mutter seines Sohn's zu seyn.* Ihn nennst du deinen Eingebornen, Dich nennet Mutter jener Gott,* Der uns, den Sündern und Verlornen, Erlösung bracht' durch seinen Tod. * D! nimm auch uns zu deinen Kindern,* Du gnadenvolle Mutter! an,* Und bitte Jenen, der aus Sündern,* Gerechte, Fromme schaffen kann,* Daß wir voll Eifer uns bestreben, * Zu thun, was uns dein Sohn gebeut;* Daß er uns reich' nach diesem Leben, Die Krone der Unsterblichkeit. Antiphon. Maria, sieh da deinen Sohn! Sohn, siehe da deine Mutter!- Gebet. O Gott, der du 2c.( wie oben.) Zur Non. Erheb' dich Seele 2c.( wie oben.) Lobgesang an die Leidende. * Maria weint der Wehmuth Thränen. Ein scharfer Dolch bringt ihr durch's Herz;* Sie sieht die Sünder Jesum höhnen, * Sieht ihn im heißen Todesschmerz.* Er hängt am Kreuz, von Gott verlassen, Aus weiten Wunden quillt fein Blut, Und trostlos sieht sie ihn erblaffen,* Den theuren Sohn, ihr einzig Gut. O Mutter! laß dein hartes Leiden,* Und Jesu Blut und seinen Tod* Uns Rettung, Gnad' und Huld bereiten* Bei dem durch ihn versöhnten Gott.* Gib' heil'gen Abscheu uns vor Sünden,* Und wegen ihrer wahre Reu';* Daß wir auch weinen, bis wir finden, Daß Gott mit uns versöhnet sei. Antiphon. Meine Augen sind von Thränen angeschwollen; und meine Wangen sind eingesunken vor Gram. Gebet( wie oben). Zur Vesper. Erheb' dich Seele zc.( wie oben.) Lobgefang an die Sterbende. * Dein Ende naht, mit frommem Triebe Verlangest du bei Gott zu seyn; Und Jesus lad't mit zarter Liebe* Die reine Mutter zu sich ein.* Dein Auge schließt sich, und die Seele Empfängt der Engel Jubelchor,* Dein Leib verläßt des Grabes Höhle,* Und schwingt zum Himmel sich empor.* Hilf, Mutter! daß wir gut und weise* Für Edelthaten uns zum Lobe der allerfeligsten Jungfrau. 383 bemüh'n;* Daß wir auf dieser Lebensreise* Stets standhaft nach dem Himmel zieh'n.* Und wenn uns einst des Todes Grauen,* In schwarzer Mitternacht befällt,* Laß uns dein freundlich Antlitz schauen,* Und führ' uns in die beff're Welt. Antiphon. Köstlich ist vor dem Angefichte des Herrn der Tod seiner Heiligen. Gebet. O Gott, der du 2c.( wie oben.) - Zur Complet. Erheb' dich Seele 2c.( wie oben.) Lobgesang an die Triumphirende. Nun ruh'st du, Hochgebenedeite:* Geschmücket mit der Ehre Kranz!* An deines lieben Sohnes Seite,* Dein Kleid ist reiner Sonnenglanz,* Der Himmel und die Erde tönen* Dein Lob in Ewigkeiten hin;* Und alle Gaben Gottes frönen, * Dich Jungfrau, Mutter, Königin! O Mutter, die wir findlich ehren;* O Mutter voller Lieb und Treu'!* Sieh her auf uns in's Thal der Zähren,* Und steh' uns immer huldvoll bei.* Erbitt uns Nachlaß unsrer Sünden, Den Frieden Gottes, Himmelsruh';* Hilf uns jetzt streiten, überwinden,* Und führ' uns einst dem Himmel zu! Antiphon. Sie wird erhöhet, die Mutter des Erlösers, über die Chöre der Engel, in Gottes Reich. Gebet.( wie oben). Schluß. Nimm, Mutter Jesu! uns're Bitte* Mit gnädigem Erbarmen an;* Hilf uns nach deiner großen Güte, * Da keine Macht uns helfen kann. Erbitt' uns Gottes reichen Segen,* Um tugendhaft, wie du, zu seyn;* Zu wandeln stets auf seinen Wegen, Unschuldig, fromm, und gut und rein.* Und wenn sich uns're Tage enden,* Mach' uns des Todes Nahen süß,* Und führ' an deinen Mutterhänden * Uns hin in Gottes Paradies. Antiphon. Heilig bist du empfangen und geboren; D und nie hat die Sünde einen Theil an dir gehabt. Mutter Jesu, bitt für uns Gott den Vater, dessen Sohn du geboren haft. Gebet. O Gott, der du 2c.( wie oben.) Antiphon. In Demuth betend, Herr! vor dir,* Lag der Jungfrauen schönste Zierde,* Der Engel kömmt, verkündet ihr* Der Mutter Gottes hohe Würde. Die reinsie, die wie Engel rein, Wird Mutter und auch Jungfrau fevn. Maria, Frau der ganzen Welt,* Von Gottes Rathschluß auserforen, Den; der zur Mutter dich gewählt Schöpfer selbst hast du geboren. * Den 384 Tagzeiten O Frau, o Mutter unsers Herrn!* O Himmelspfort', o Gnadenstern! Komm uns zu Hilf', erhör das Fleh'n* Der schwachen und gefall'nen Sünder;* Laß deine Gnad' uns seh'n!* Erbarm' dich über deine Kinder! Wir bitten dich durch Jesus Christ',* Weil du die beste Mutter bist. Die Tagzeiten zur Ehre der unbefleckten Empfängniß der allerfeligsten Jungfrau Maria. Zur Matutin. Gegrüßet seist du Maria( die du über alle Geschöpfe zur höchsten Freude erhoben bist), du bist voll der Gnade zc. V. Gja, von meinen Lippen nun ertöne B. Der reinsten Jungfrau Herrlichkeit und Schöne. V. O Jungfrau, sei zur Hilfe mir bereit, B. Beschirme mich in meiner Feinde Streit. Die Ehre sei dem Vater ic. Hymnus. Weltgebieterin, gegrüßet* Seist du, Jungfrau der Jungfrauen,* Königin des Himmels, süßer* Morgenstern, zu dem wir schauen!* Sei gegrüßt in Gnadenfülle, * Und von Himmelslicht verkläret,* Aller Welt sei deine Hilfe, * Große Herrscherin, gewähret.* Schon vom Anfang hat der Vater* Seinem Wort, ihm eingeboren,* Wodurch alle Ding' erschaffen,* Dich zur Mutter auserforen. D'rum er herrlich dich geschmücket,* Und als Braut dich hoch geehret,* Daß allein von Adams Sünde* Frei du bliebst und unversehret. * Antiphon. Der Allerhöchste hat seine Wohnung geheiligt, der Herr ist in ihr, sie wird nicht erschüttert werden.( Pf. 45.) V. Wie schön bist du, meine Freundin, wie schön bist du! B. Deine Augen sind gleich den Augen der Taube. Gebet. Heilige Maria, Königin der Himmel, Mutter unseres Herrn Jesu Christi und Gebieterin der Welt, die du Niemanden verläsfest und Niemanden verachtest: wende gnädig auf mich dein gütiges Auge und erlange mir bei deinem geliebten Sohne die Nachlaffung aller Sünden; damit ich, der ich heute deine makellose Empfängniß inniglich verehre, den Preis zur unbefleckten Empfängniß. 395 der ewigen Seligkeit erstreife. Durch unsern Herrn Jefum Chriftum, den du als Jungfrau geboren, und der mit dem Vater und dem heiligen Geiste ewiglich lebet und waltet. Amen. V. Jungfrau, bringe vor den Herrn mein Gebet. R. Und laffe mein Rufen zu ihm gelangen. V. Lasset den Herrn uns loben. B. Dank und Ruhm sei Gott. V. Und der Gläubigen Seelen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes im Frieden. R. Amen. Zur Prim. Gegrüßet seist du, Maria( die du, in jungfräulicher Hoheit, allen Chören der Engel und Menschen vorangehst), du bist voll der Gnade 2c. W.( wie oben.) * * * Hymnus. Sei gegrüßt, o weise Jungfrau, Haus, dem Höchsten eingeweihet,* Mit dem Opfertisch und Säulen * Siebenfältig angereihet;-* Von der Erbschuld gift'gem Keime Durch die Vorsicht ausgenommen, Schon im Mutterschoof geheiligt, Eh' du auf die Welt gekommen;* Pforte zu dem Heiligthume,* Stern aus Jakobs Haus erschienen, Aller der Lebend'gen Mutter,* Fürstin, der die Engel dienen; * Schrecklich unf'rem Feind und furchtbar,* Wie ein Heer in festen Reihen,* Sichern Port und off'ne Zuflucht* Mögst den Christen du verleihen! Antiphon. Wer ist diese, die hervortritt gleich der aufgehenden Morgenröthe, schön wie der Mond, auserwählt wie die Sonne, furchtbar wie ein geordnetes Kriegsheer?( Hohel. 6.) V. Ganz schön bist du, meine Freundin: R. Und fein Mackel ist an dir.( Hohel. 4.) Gebet wie oben. Zur Terz. Gegrüßet seist du Maria( die du, einer Sonne gleich, mit dem Lichte deiner Glorie den Himmel erfreueft,) du bist voll der Gnade 2c. W.( Wie oben.) Hymnus. Sei gegrüßt, Thron Salomonis, Und belebte Bundeslade, Flammend Dorngesträuch von Horeb,* Himmelsbogen, Bund der Gnade;* Aronsstab mit grünem Keime, Gedeons Vließ am Segensorte,* Honigrof, Samfons Geheimniß, Stets verschloff'ne Gottespforte!* Denn wohl ziemt es dem erhab'nen Sohn, der deine Brust gesogen, * 25 * 386 Tagzetten * Vor der Makel dich zu wahren,* Die uns Eva zugezogen * D'rum er dich, die er zur hohen Gottesgebärerin erwählet, * Daß fein Uebel in dir wohne, Ganz mit Gnade bat beseelet Antiphon. In die Sonne hat er seine Wohnung gesegt, und er geht hervor, wie ein Bräutigam aus seiner Kammer.( Pf. 18.) W. In den höchsten Räumen ist meine Wohnung; R. Und mein Thron in der Wolkensäule.( Eccl. 24.) Gebet wie oben. Zur Sext. Gegrüßet seist du Maria( die du von allen Ueberirdischen als Mutter Gottes und Königin des Himmels geehret wirst), du bist voll der Gnade 2c. W.( Wie oben.) Hymnus. Sei gegrüßt, Jungfrau und Mutter, Tempel Gottes, des Dreieinen,* Siz der makellosen Tugend, * Lust der Engel und der Reinen;* Trost für allen Gram hienieden, Lustgefild in Edens Mitte,* Palme der Geduld, des Friedens,* Hohe Ceder keuscher Sitte; Hohe Ceder keuscher Sitte;* Erdreich, wunderbar gesegnet,* Land der priesterlichen Würde,* Ganz geheiligt, unbeschweret* Von der Erbschuld harter Bürde; * Stadt des Herrn, des Allerhöchsten, Pforte, die gen Auf gang führet, Dir vor allen einz'ge Jungfrau Aller Gnaden Preis gebühret! * * Antiphon. Die Grundfesten Sion's sind auf den heiligen Bergen: der Herr liebet die Thore Sions, mehr denn alle Wohnungen Jakobs.( Pſ. 86.) V. Herrliche Dinge, o Stadt Gottes, sind von dir gesagt. R. Der Allerhöchste hat sie gegründet.( Pf. 86.) Gebet wie oben. Zur Non. Gegrüßet seist du Maria,( die du mächtig bist, durch deine Fürbitte Alles zu erlangen), du bist voll der Gnade zc. W.( Wie oben.) Hymnus. Sei gegrüßt, o Zufluchtsstätte,* Davids Thurm auf Felsengrunde,* Mit den Zinnen wohl versehen, Und mit Waffen in der Runde.* Du, o Jungfrau, sonder Makel, Ganz in Gottes Lieb' entzücket,* Haft die Macht des alten Drachen* Nieder in den Staub gedrücket.* Starke Frau, und Zier des Weltalls,* Heldin Judith, unbeweget, * * 387 zur unbefleckten Empfängniß * Und holdselige Abisai,* Die den wahren David pfleget Rachels Sohn war von der Vorsicht* Für Egyptens Heil erkoren,* Der die ganze Welt erlöjet,* Aus Maria ward geboren. - Antiphon. Du bist die Ehre Jerusalems, du bist die Freude der Auserwählten, du bist die Glorie unsers Volkes. ( Judith 15.) V. Wie eine Lilie unter den Dornen, R. So ist meine Freundin unter den Töchtern.( Hoh. 2.) Gebet wie oben. Zur Vesper. Gegrüßet seist du Maria,( die du allen deinen Verehrern eine Führerin zur Glorie seyn willst), du bist voll der Gnade 2c. W.( Wie oben.) Hymnus. Sei gegrüßt, o Stundenzeiger,* Wo die Sonne rückgegangen* Um zehn Linien ihres Kreises,* Als der Gottmensch ward empfangen,* Um den Menschen aus dem Abgrund* Zu dem Höchsten zu erschwingen,* Will der Höchste eine Stufe* Unter Engel sich verringen.* Und mit neuem Glanz verschönet* Durch der Gnadensonne Strahlen, * Schimmerst du als Morgenröthe Ueber dunklen Erdenthalen. Du, die Lilie unter Dörnern,* Hast des Drachen Haupt zertrümmert,* Wie der Mond, so deine Schönheit* Dem Verirrten hilfreich schimmert. V. Gebenedeit bist du unter den Weibern; R. Und gebenedeit die Frucht deines Leibes.( Luc. 1.) Gebet wie oben. Antiphon. Ich werde Feindschaft seßen, sprach der Herr zur Schlange, zwischen dir und dem Weibe; und sie wird dein Haupt zertreten.( Gen. 3.) Zur Complet. Gegrüßet seist du Maria( deren Verehrung auf Erden beständig wachsen und zunehmen wird), du bist voll der Gnaden 2c. V. Durch deine Fürbitte, o Jungfrau, versöhnet, bekehre uns dein göttlicher Sohn. R. Und wende seinen Zorn von uns ab. Die Ehre sei dem Vater 2c. Hymnus. Sei gegrüßt, o reinste Mutter,* Jeffe's Zweig mit Himmelsblüthe,* Mit dem Sternenkranz umwund'ne, 25* Verehrung des heiligsten * Königin der Mild' und Güte;* Frei von jeder Makel steheft * Du in goldenen Gewanden,* Ueber alle Engel herrlich* Zu des Königs rechten Handen.* Gnadenmutter, süße Hoffnung* Aller, die vom Weg geschritten,* Lichter Stern auf Meereswogen, Port für die, so Schiffbruch litten; Himmelsthor, für uns erbauet, Heil und Helferin der Kranken,* Hilf uns deinen Sohn einst schauen,* Ewig seiner Gnade danken. Amen. 388 Antiphon. Bei mir ist alle Gnade des Weges und der Wahrheit: bei mir ist alle Hoffnung des Lebens und der Tugend.( Eccli. 24.) W. Tretet zu mir, ihr Alle, die ihr nach mir verlanget. B. Und ersättiget euch an meinen Früchten.( Gebet wie oben.) * Beschluß. Dieses Lob in Demuth wir* Dir, o Jungfrau bringen, Deiner Hoheit für und für* Ruhm und Preis zu fingen. Auf dem fernen Pilgergang* Mütterlich uns leite, Schirm' uns unser Leben lang,* Und im letzten Streite. * Andachtsübungen zur Verehrung des heiligsten und unbefleckten Herzens Mariä. Wer immer das Herz Jesu, unsers göttlichen Herrn und Erlösers liebt, muß sich gedrungen fühlen, auch das Herz Mariä zu lieben. Das Herz der jungfräulichen Mutter ist mit dem Herzen ihres Sohnes innigst vereint, es ist der vollkommenste Spiegel, der lebendige Abbruck des göttlichen Herzens Jesu und nach diesem das reinste, zärtlichste, liebreichste, erbarmungsvollste Herz, das jemals war und seyn wird, mithin nach demselben der würdigste Gegenstand unserer Liebe und Verehrung. Maria ist die Mutter der schönen Liebe"; zu ihr müssen wir hingehen, wenn wir wollen, daß unser Herz vom heiligen Feuer der göttlichem Liebe entflammt werde. Maria ist die Zuflucht der Sünder; als Mittlerin zwis schen ihrem Sohne und dem fündigen Menschengeschlechte empfiehlt sie uns seinem göttlichen Herzen; ihr Herz ist also gleichsam ber Eingang zum Herzen Jesu. Niemals bestand daher die Andacht zum göttlichen Herzen Jesu ohne die Andacht zum heiligsten Hers len seiner hochgebenedeiten Mutter. Schon im Jahre 1668 erlaubte der heilige apost. Stuhl zu Ehren des unbefleckten Herzens FRAD NVOCA und unbefleckten Herzens Mariä. prz 389 Mariä öffentliche Andachten und einen besondern Gottesdienst zu feiern, und sechs Jahre später gestattete er, zu eben diesem Zwecke Bruderschaften zu errichten, die er mit venschiedenen Abläffen begünstigte. Doch erst seit wenigen Jahren gewann diese gnadenreiche Andacht einen außerordentlichen Aufschwung, und verbreitete sich mit dem segensreichsten Erfolge durch die ganze Kirche. Die Entstehung und so schnelle Verbreitung, sowie die wunderbaren Früchte der Erzbruderschaft des heiligsten und unbefleckten Herzens Mariä*), wodurch Gott allen Völkern und Nationen eine so reichliche Quelle von Gnaden eröffnet hat, beweisen thatsächlich, daß eben diese Andacht das von Ihm bestimmte Mittel ist, durch welches wir die Augen seiner Barmherzigkeit am besten auf uns lenken, und in den unendlichen Verdiensten seines Sohnes Gnade *) Der ausführliche Bericht über benannte Erzbruderschaft kann im Anbange nachgelesen werden. 90 Verehrung des heiligsten and Versöhnung finden können; warum sollten wir den noch antehen, diese Wohlthat von der Hand Gottes dankbar anzunehmen und selbe zu gebrauchen? Warum sollten nicht auch wir, im Be wußtsein unsrer eignen und unsrer Brüder geistigen Bedürfnisse zu den unerschöpflichen Gnadenquellen des Herzens Mariä unser Zuflucht nehmen? Gebet, um sich dem heiligsten und unbefleckten Herzen Mariä zu ergeben Oheilige Jungfrau, die Ehre und die Stüße der Kirche, die Freude und der Trost aller deiner Kinder! ich freue mich aller Vorzüge, welche dich über alle Geschöpfe erheben, und nehme Thei an allen Ehrenbezeigungen, welche dir auf Erden und im Himme dargebracht werden. Voll des Vertrauens auf deinen mütterlichen Schutz werfe ch mich zu deinen Füßen, und erwähle dich zu meiner Mutter, zu meiner Herscherin und meiner Mittlerin bei deinem göttlichen Sohne. Ich weihe mich dir ganz und für immer; nimm mich auf in die Zahl deiner liebsten Kinder; ich übergebe dir meinen Leib und meine Seele, und fest entschlossen, mit dem Beistande Gottes unermüdet zu streben, mich deiner Gnaden durch eine treue Nachahmung deiner Tugenden würdig zu machen, überlasse ich mich ganz deiner Barmherzigkeit und zärtlichen Sorgfalt für mein ewiges Heil. Ich fasse den ernsten Vorsatz, dein heiliges und unbeflecktes Herz zu verehren und alle deine Wohlthaten zu verkünden. O allerfeligste Königin des Himmels und der Erde! mache, daß, nachdem ich mich deiner heiligen Familie beigesellt habe, ich durch deine mächtige Hilfe ein wahres Kind Gottes und ein lebendiges Nachbild Jesu Christi werde, und in diesen Gesinnungen bis ans Ende meines Lebens verharre. Amen. Zuneigung zum heiligen Herzen Mariä. Oliebevolles Herz Mariä, unter dem Herzen aller erschaffenen Wesen das erhabenste, dem Herzen Jesu das nächste und voll Mitleid mit uns armen Sündern, erlange für mich, um was ich bei dem süßestem Herzen deines und meines Jefu get eten habe. Ach! liebreichste Mutter, eine einzige Regung, ein Seufzei eines lieberfüllten Herzens, gerichtet an das Herz deines Sohnes 7 und unbefleckten Herzens Mariä. fann mir vollkommenen Trost verleihen; ich bitte dich, versage ihn mir nicht; versage mir nicht diese Bitte, die ich an dich richte bei dem göttlichen Herzen, dem du so nahe bist, und das immer eine kindliche Liebe zu dir getragen hat und allezeit tragen wird. Amen. Gebet des heiligen Bernardus. sd Gedenke, o süßeste Jungfrau Maria! es sei noch nie erhört worden, daß Jemand verlassen worden sei, der zu dir seine Zuflucht genommen, der deine Hilfe angerufen, um deine Fürbitte gefleht habe. Mit solchem Vertrauen eile ich zu dir, o Jungfiau, Mutter der Jungfrauen! zu dir fomme ich, vor dir stehe ich als Sünder seufzend. Verschmähe meine Worte nicht, o Mutter des Amen. Wortes! sondern gnädig höre und erhöre fie Dies ist das berühmte Memorare, ein Gebet, das den frommen Seelen stets sehr lieb war, von ihnen in besonderen Nöthen häufig und eifrigst gebetet zu werden pflegte und die außerordentlichsten Wirkungen hervorbrachte. Gebet zum heiligsten Herzen Mariä. O süßes, o mildes Herz Mariä, der Mutter Gottes und unserer lieben Mutter! O liebenswürdigstes Herz, Gegenstand des Wohlgefallens der anbetungswürdigsten Dreieinigkeit, würdig aller Verehrung und zärtlichen Liebe der Engel und Menschen! Herz, welches am meisten dem Herzen Jesu gleicht, dessen vollkommenstes Ebenbild du bist! Herz voll der Liebe, Güte und des innigsten Mitleidens gegen unser Elend! Würdige dich, die falte Eisrinde unserer Herzen zu zerschmelzen, und bewirke, daß sie ganz zum Herzen des göttlichen Erlösers hingezogen werden Flöße ihnen Liebe zu deinen Tugenden ein, und entzünde ste mit jenen heiligen Gluthen, von denen du beständig entflammt bist. Verschließe in dich die heilige Kirche, beschüße sie, und bleibe stets ihre füße Zuflucht und unüberwindliche Festung gegen jeden Anfall ihrer Feinde. Sei du unser Weg, auf dem wir zu Jesus kommen, und der Kanal, durch welchen uns die zu unserm Heile nothwendigen Gnaden zufließen Sei unsere Hilfe in der Noth, unsere Erquickung ir Trübsalen, unsere Stüße in Versuchung, unsere Zuflucht in Verehrung des heiligsten Verfolgungen, unser Beistand in Gefahren, besonders in. dem leßten Kampfe unsers Lebens, zur Zeit des Hinscheidens, wo die ganze Hölle sich gegen uns waffnen wird, um in diesem schrecklichen, entscheidenden Punkte, wovon unsere ganze Ewigkeit abhängt, unsere Seele zu rauben. So laß uns denn, o glückseligste Jungfrau! deines mütterlichen Herzens Milde verkosten; laß uns fühlen die Größe deiner Macht bei dem Her zen Jesu; öffne uns in dieser Quelle der Barmherzigkeit eine sichere Zuflucht, auf daß wir einstens ihn mit dir im Himmel preisen mögen von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen 392 Lobipruch zu den heiligsten Herzen Jesu und Maria. Erkannt, geliebt, gelobt und gebenedeit, geehrt und verherrlichet sei allzeit und überall das göttliche Herz Jesu, und das unbefleckte Herz Mariä. Amen. Papst Pius VII. verlieh denjenigen, welche vorstehendes Gebet sammt dem beigefügten Lobspruche zu den heiligen Herzen Jesu und Mariä andächtig sprechen, mehrere Abläße, und zwar: 1) Einen Ablaß von 60 Tagen, der aber nur einmal im Tage gewonnen werden kann. 2) Einen vollkommenen Ablaß, der am Feste Mariä Geburt, Himmelfahrt und am Feste des heiligen Herzens Mariä von denen gewonnen wird, die dieses Gebet täglich, ein ganzes Jahr hindurch beten, an obgenannten Festen die heiligen Sakramente empfangen, eine Kirche besuchen und nach der Meinung Sr. Heiligkeit beten. 3) Einen vollkommenen Ablaß in der Sterbstunde für jene, welche ihre Lebenszeit hindurch nicht unterlassen haben, dieses Gebet zu sprechen. Diese Abläße können den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden. Bittgruß zum gebenedeitesten Herzen Mariä. Sei gegrüßt, o gebenedeitestes Herz Mariä, du Wunder der Gnade und vollständiger Ausdruck des Herzens Jesu, du Vorgebirg der guten Hoffnung in unserer Sterbftunde! O Herz Mariä, du würdiges Herz einer Mutter meines Gottes und Erlösers! ich grüße, lobe, liebe und verehre dich in jener innersten Vereinigung, fraft welcher du dem Herzen Jesu vor allen andern Herzen das verwandteste bist. Ich vereinige mich mit allen reinen Seelen, welche ihre Freude darin haben, daß fie dich ehren, loben und lieben. O edelstes und vollkommen und unbefleckten Herzens Mariä. stes Herz, das der allmächtige Finger des Schöpfers nach dem Herzen Jesu gestaltet hat! vor dir liege ich da mit gebeugtem Herzen, um alles Lob, alle Ehrfurcht, alles Vertrauen, und alle Zärtlichkeit der Engel sowohl als der Menschen dir auf's vollkommenste zu bezeigen. Ich sage dir durch das allersüßeste Herz deines Sohnes demüthigsten Dank für die Gesinnungen der Barmherzigkeit und des Mitleidens, das dich in Ansehung meiner Armseligkeit jemals gerühret hat. O liebreiches Herz! sei und bleib mir auch in Zukunft die Zuflucht in Nöthen, der Trost in Betrübnißen, und die Hilfe in allen meinen Geschäften! O du gutes Herz meiner Mutter! in den Abgrund deiner Erbarmungen und Liebe sei inständig empfohlen all mein Jammer und Elend, in dem ich seufze, so oft ich beschwert, angefochten und von Herzen betrübt bin. Dir, o mildreiches Herz! klage ich recht vertraulich mein ganzes Anliegen in diesem N. und jenem N.( Lege hier in dieses liebende Mutterherz Alles hinein, was dich drückt und ängstigt!) Ich stehe vor dir arm und entblößt an Tugenden. O mache, wie ich von der Quelle deiner mütterlichen Liebe zuversichtlich hoffe, mache doch, daß ich von dir die herzliche Sanftmuth und Demuth, die standesmäßige Reinigkeit, die vollkommene Verachtung der Welt, diese Tugend N. N., und vor Allem die Ergebung meines Willens in den Willen meines Gottes erlerne! O Herz Mariä, du Thron der Barmherzigkeit und des Friedens! würdige dich, mein armes und elendes Herz, welches ich dir in dem Blute deines Jesu darstelle, unter deinen ewigen Schuß aufzunehmen! Reinige es, heilige es, reiß es von allen Geschöpfen los, durchdring es mit dem Schmerzen seiner Sünden, und bilde es gänzlich nach den Herzen Jesu! O süßestes Mutterherz! eröffne dich mir allezeit, besonders in der Stunde meines Todes! nimm mich alsdann zwischen bich und das Herz meines Erlösers, damit ich am Ende meinen Geist in die Hände des himmlischen Vaters aufgebe! Amen. 393 Abbitte zum heiligsten Herzen Mariä. O Maria, würdigste Mutter meines Schöpfers und Erlöfers! Auserforen von allen Jahrhunderten, den Kopf der hölli 394 Verehrung des heiligsten schen Schlange zu zertreten, bist du dadurch der Gegenstand th res Haffes geworden. Auch! die Irrgläubigen und Gottlosen haben nichts unterlassen, deinen Ruhm zu vernichten; sie haben deine Verehrung abschaffen wollen, und deßhalb deinen Bildnisfen, deinem Namen und deinen glorreichen Vorzügen. tausend Frevel zugefügt. O Maria, Mutter Gottes! wie war es möglich, daß die Hölle den Christen so böse Gesinnungen eingeben konnte! wie haben sich Herzen finden können, die sich so weit verirrten, dich zu haffen die du der tiefsten Verehrung und der zärtlichsten Liebe der Engel und der Menschen würdig bist! O meine erhabene Gebieterin! hingeworfen zu deinen Füßen, wünsche ich, dir meinen gerechten Schmerz über die vielen Frevel zu erkennen zu geben. Dein heiligstes Herz ist dadurch betrübt worden, ich will ihm dafür Abbitte thun. Nimm sie an, diese Abbitte, o heiliges Herz Mariä! nimm sie an. Ich will für dich alle jene Gesinnungen der Ehrfurcht, der Liebe und der Dankbarkeit hegen, die dir gebühren. Ich bringe dir deßwegen dar meine Huldigungen, meine Lobsprüche, meine Dienste, meinen Schmerz, meine Klagen. Könnte ich doch durch diese Gefühle die Verachtung, den Haß und die Lästerungen erfeßen! Beseelt von einem neuen Eifer für deine Ehre, o Mutter meines Got. tes! bei dem Andenken an diese Schmähungen, und vom aufrichtigsten Wunsche geleitet, deinem Herzen die ihm gebührende Genugthuung zu verschaffen bekenne ich öffentlich, daß ich stets entschlossen bin, Alles zu glauben, was jene Gottvergessenen zu läugnen wagen, und dir Alles zuzuschreiben, was sie dir entziehen wollen. Ich glaube daß du den Sohn Gottes geboren haft; ich glaube, daß du immer Jungfrau geblieben bist; ich glaube an deine Reinheit ohne Mackel an deine Aufnahme in den Himmel; ich glaube an deine unbefleckte Empfängniß, und endlich glaube ich, daß deine Güte, deine Barmherzigkeit und alle deine Vollkommenheiten deiner unaussprechlichen Würde als Mutter, und deinem Ruhme als Königin des Weltall's angemessen find. Ich verehre dich mit Freuden, so wie die Kirche es sagt, als die Mutter der Gnade und die Zuflucht der Sünder, als den Beistand der Christen und als unsere Hoffnung bei Jesus Christus. Ich be und unbefleckten Herzens Mariä. 395 trachte deinen Schutz als eines der sichersten Mittel, von der Barmherzigkeit deines Sohnes Alles zu erhalten, was ich für dieses und das zukünftige Leben von ihm hoffe. Und weil die Gottlosen sich bemüht haben, deine Verehrung abzuschaffen, so werde ich meinen Ruhm darein setzen, dieselbe aufrecht zu erhalten, dich zu verehren, dich anzurufen, mich unter die Zahl deiner Diener zu zählen, deine Ehre, so viel mir möglich ist, zu vertheidigen und dafür zu sorgen, daß du geehrt und geliebt werdest, und daß man dir, o Königin des Himmels und der Erde, stets mit Freuden diene. Nimm, o Maria! nimm diese aufrichtigen Wünsche, die ich zu deinen Füßen, niederlege, gnädig auf. Deffne mir dein Herz, und gib mir darin Wohnung mit deinen getreuesten Dies nern. Laß mich die Stüße deines heiligen Herzens, dieser Quelle des Friedens, der Erbarmung und der reinen Liebe empfinden, damit ich durch Nachahmung deiner Tugenden im Stande sei, dich ewig zu loben, und die unendliche Macht zu preisen, die dich so groß, so heilig, so liebenswürdig gemacht hat. Amen. Huldigung und vertrauliche Bitte zum heiligsten Herzen Mariä. O Maria, du glorwürdigste Mutter Gottes! erlaube mir, deinem unwürdigsten Pflegkinde, daß ich mich deinen auserwählten Dienern beigeselle, welche dein unbeflecktes und reinstes Herz besonders verehren, damit auch ich jener Gnaden theilhaftig werde, welche diese dir und deinem göttlichen Sohne o angenehme Verehrung nach sich zieht! O Herz Mariä, du vortreffliches Werk der allmächtigen Hand Gottes! wegen deiner Heiligkeit, Reinigkeit und höchsten Vortrefflichkeit bist du würdig, das Herz der Mutter Gottes zu sein, und wegen deiner Barmherzigkeit, Demuth, Sanftmuth und Liebe bist du für die Mutter des Erlösers das würdigste Herz. Du bist ein unerschöpflicher Brunnen der Güte, Süßigkeit, Freigebigkeit und Erbarmung. Du bist das vollkommenste Muster aller Tugenden, und das vollkommenste Ebenbild des Herzens Jesu. Du übertriffst an göttlicher Liebe die Berehrung des heiligsten brennenden Seraphinen: durch eine jede heilige Anmuthung eh. rest du Gott mehr, als alle Heilige durch ihre langwierigen und großmüthigen Tugendwerke. Du umfängst alle Menschen auf's Liebreichste; in ihren Armseligkeiten trägst du mit ihnen ein ganz mütterliches Mitleiden, und es ist dein sehnlicher Wunsch, daß wir zur ewigen Glückseligkeit gelangen. Du hast uns so sehr geliebt, daß du deinen Eingebornen Sohn mit größter Bereitwilligkeit nach dem Wohlgefallen des himmlischen Va ters aufgeopfert, und in seinem Leiden und Tode zugleich mit ihm unermessene Schmerzen für unser Heil gelitten hast. Wohlan dann, o süßestes, liebevollstes und heiligstes Herz Mariä, das du wegen so vieler Ursachen- meiner Verehrung, meiner Liebe und meines Vertrauens höchst würdig bist; nimm meine schuldige Dienstbezeigung, welche ich dir aus Liebe er statte, gnädig auf! Ich verehre dich mit aller möglichen Unterwürfigkeit. Ich verlange dir allen schuldigen Dank zu sagen, daß du in meinen Armseligkeiten dich so barmherzig gegen mich erzeigt, und mir so viele Gutthaten erwiesen hast. Ich vereinige mich heute mit allen deinen getreuen Pflegkindern, und verlange dich mit ihnen zu loben, zu ehren und zu lieben; denn du bist der sicherste und kürzeste Weg, zu Jesus zu gelangen; durch dich können wir Jesu alle unsere Pflichten abstatten. Durch dich wollen wir Jesum loben und preisen; durch dich wollen wir Jesum bitten und besänftigen; durch dich wol len wir Jesu alle unsere Werke und auch uns selbst aufopfern, widmen und heiligen, damit wir auf diese Weise unserer eige nen Schwachheit durch dich zu Hilfe kommen, und unserer Armuth durch deinen Reichthum abhelfen. O reinstes, heiligstes und liebenswürdigstes Herz Mariä! von dieser Stunde an bis auf den letzten Athemzug meines Lebens will ich dich täglich und beständig ehren und lieben. Du wirst der Weg seyn, auf welchem ich zu Jesus gelange, und durch dich wird seine Barmherzigkeit zu mir kommen. Du wirst meine Zuflucht und mein Trost in der Trübfal seyn. Dich, als den Spiegel der Tugend, will ich beständig vor Augen haben. Du wirst die Schule, seyn, in welcher ich den Unterricht und unbefleckten Herzens Maria. Jesu, meines Lehrmeisters, anhöre; du wirst mir seine göttlichen Aussprüche, seine Räthe und Tugenden erklären und begreiflis cher machen. Du wirst mir die rechte Weise zeigen, die Tugenden vollkommen zu üben. Durch deine Anleitung, nach deinem Rathe und auf dein Zusprechen werde ich mich befleißen, die Reinigkeit, die Demuth, die Sanftmuth, die Liebe und Geduld im Werke zu zeigen, die Welt und alles Erschaffene zu verachten, vor allem aber Jefum, meinen Gott und Erlöser, deinen Sohn zu lieben. Diese Tugend will ich mit Vertrauen durch dich begehen. Ich hoffe, sie auch ganz gewiß durch dich zu erhalten. 397 O Herz Maria, du bist der Thron der Barmherzigkeit. Deßwegen stelle ich mein unwürdiges, mit Sünden und unordentlichen Begierden verunreinigtes Herz vor dir dar. Ich bitte, du wollest es nicht verachten, sondern da ich es dir übers gebe, reinige und heilige es; ziehe es von irdischen Begierden ab, flöße ihm eine ernstliche Reue über seine Sünden ein; entzünde es mit der Liebe zu dir und zu Jesus, deinem Sohne; mache es endlich dir ganz gleich, damit es einst im Himmel Gott mit dir loben und ewig genießen könne. Amen. Achttägige Andachtsübung zum heiligsten Herzen Mariä. 20 Erster Tag. Sei gegrüßt, o liebenswürdigstes Herz Mariä! Ich grüße dich mit jener tiefsten Hochachtung und mit jener großen Freude, womit dich der selige Hermann begrüßte, der täglich zu Ehren deines heiligsten Herzens ein Gegrüßt seist du Maria, betete. Ich grüße dich als den Tempel der allerheiligsten Dreieinigkeit und als das Heiligthum des heiligen Geistes, dem es gefiel, in dir auf besondere Weise seine Wohnung aufzuschlagen, und seine unaussprechlich großen Gaben im Uebermaße über dich auszugießen. 3 weiter Tag. Sei gegrüßt, o liebevollstes Herz Mariä! Ich sage dir Dank, so viel mein Herz vermag, für Alles, was du in innigster Einigung mit deinem göttlichen Sohne zur Vollbringung des Geheimnisses der Erlösung des mensch 398 Verehrung des heiligsten lichen Geschlechtes gethan und gelitten hast. Sei ewig dafür gelobt und gepriesen. Dritter Tag. Sei gegrüßt, o süßestes Herz Mariä, Du verdientest, stets mit Trost und Wonne erfüllt zu werden; allein was erblicke ich? Ich sehe, wie dein Herz zur Zeit des bittern Leidens deines Sohnes mit dem Schwerte des Schmerzes durchbohrt ist. Ich bin Ursache deiner Schmerzen; deßwegen will ich den heutigen Tag damit zubringen, dich deßhalb um Verzeihung zu bitten und dir neue Liebe zu geloben. Sieh huldvoll herab, gütigste Mutter, auf dein Kind, das die aufrichtigste Reue bezeigt, deinem Herzen so tiefe Wunden geschlagen zu haben, und gewähre ihm die Bitte, welche die heilige Kirche im Namen aller Gläubigen an dich richtet, wenn sie zu dir flebt: Heil'ge Mutter! Jesu Wunden, Wie er sie am Kreuz empfunden, Drücke mächtig mir ins Herz. Vierter Tag. Sei gegrüßt, o remstes Herz Mariä! Du bist die Königin der Herzen; deßhalb übergebe ich dir das meinige. Du verlangest, mein Herz zum Geschenke zu erhalten, auf daß du es deinem Sohne übergeben könneſt. Nimm es also hin und übergib es deinem Sohne, dem König der Könige, damit es ihm diene und ihn liebe. Erflehe mir. bei dem göttlichen Herzen Jesu die Gnade, mein Gedächtniß, meinen Verstand und meinen Willen so von seiner höchsten Liebenswürdigkeit zu erfüllen, daß ich im Entschlusse, ihm bis in den Tod getreu zu sein, nie wanke, sondern standhaft beharre. Fünster Tag. Sei gegrüßt, o schönstes Herz Maria, stets würdig der tiefsten Huldigung der Herzen aller Menschen! Ich ehrte dich nicht, wie du es verdienst; sondern habe in deinem Dienste viele Nachläßigkeiten begangen, mich untreu und undankbar erwiesen. Heute komme ich, diese Fehler gut zu machen und dir eine Entschädigung anzubieten, die du mit uns säglicher Freude annehmen wirst. Ich will das Beispiel der heiligen Gertrud nachahmen, welche zur Sühnung der in deiner Verehrung begangenen Nachläßigkeiten vom heiligen Geiste an getrieben war, dir das edelste und süßeste Herz deines Sohnes und unbefleckten Herzens Variä. 399 Jesu aufzuopfern. Du genehmigtest dieses Opfer als das höch ste und theuerste Geschenk, das dir gemacht werden kann; genehmige nun auch in diesem Augenblicke dieses Geschenk, das ich dir wie diese große Heilige darbringe; vergiß meiner Untreue, und erweise dich gegen mich als Spenderin der schönsten Gaben in eben dem Maaße, als ich dich durch Uebergabe des göttlichen Herzens Jesu nun geehrt habe und stets ehren will. Sechster Tag. Sei gegrüßt, o verehrungswürdigstes Herz Mariä! du bist der Verehrung aller Engel und aller Menschen werth. Möchte ich die Herzen aller Engel, aller Menschen, besonders deiner glühendsten Verehrer haben, um dich würdig ehren zu können! Wie glücklich würde ich sein! Vorzüglich wünsche ich dich zu ehren, wie der heilige Joseph, der heilige Joachim, der heilige Johannes der Täufer und der heilige Johannes der Evangelist dich geehrt haben. Zum Ersaße meiner Kälte in deinem Dienste opfere ich dir auf alle jene Liebe und Hochachtung, womit diese liebenswürdigen Herzen dich geliebt und geehrt haben. Ich wünsche dich zu ehren, wie einstens ein heiliger Priester, der, nachdem er gewürdigt war, dich hienieden im herrlichsten Glanze zu sehen, bald nachher vor Sehnsucht starb, deine Herrlichkeit im Himmel ewig zu schauen. Siebenter Tag. Sei gegrüßt, o heiligés Herz Mariä! Der Sohn Gottes hat dich zum schönsten, erhabensten und gnadenvollsten aller Geschöpfe erhoben, und als er aus dir Mensch geworden, dich mit unaussprechlicher Liebe geliebt und deinen Thron im Himmel zu seiner Rechten errichtet. Durch eben diese Liebe, womit dich dein göttlicher Sohn liebte, bitte ich dich, mein Herz mit allen jenen Gnaden und Gaben zu erfüllen, wodurch es ein würdiger Gegenstand seines Wohlgefallens werden kann. Zum Beweise meiner glühendsten Liebe zu dir opfere ich dir neuerdings das göttliche Herz meines Erlöfers, welches in unendlichem Maaße alle Nachläßigkeiten erfeßt, derer ich mich gegen dich, o liebenswürdigstes Herz! schuldig gemacht habe. Achter Tag. Sei gegrüßt, o gnadenvollstes Herz Mariä! Du wünschest, daß ich nach allen jenen Tugenden strebe agzetten welche dich zum Gegenstande des höchsten Wohlgefallens der allerheiligsten Dreieinigkeit und der Bewunderung aller himmlischen Chöre machen. Du wünscheft, daß mein Herz wie das deinige mit Liebe, Demuth, Reinigkeit und Haß jeder Sünde geschmückt sei, damit du von mir sagen könnest:„ Ich habe einen Menschen nach meinem Herzen gefunden." Ich will dir nichts versagen, o süßeste Mutter; sieh ich bin entschlossen, nach den Gesinnungen deines heiligsten Herzens zu leben, zu denken wie du, zu reden wie du, und in Allem zu handeln wie du. Allein wie schwach bin ich auszuführen, was dir so wohlgefällig ist, und das Glück meines Herzens ausmacht! Stely' mir bei; nimm mir mein Herz, o liebevollste Mutter, und gib mir das deinige! Tagzeiten von dem heiligsten Herzen Mariens. Zur Metten. O Maria, Mutter Jesu, du Mutter eines guten Herzens! erhalte mir ein Herz nach deinem Herzen, und nach dem Herzen deines geliebtesten Sohnes unsers Herrn Jesu Christi! V. Jesu, öffne meine Lippen! R. Und mein Mund wird das Lob des Herzens deiner Mutter verkünden. v. O Gott! merke auf meine Hilfe! R. Herr! eile mir zu helfen! Ehre sei dem Vater 2c. Lobgefang an das unbefleckte Herz. O Maria, du vor Allen,* Hast dem Höchsten Gott gefallen,* Nie verlorst du seine Hulb,* Du bliebst frei von aller Schuld.* Keine Sünd: hat dich beflecket.* Kein Verbrechen angestecket;* Voll der Gnad' und Heiligkeit* War dein Herz zu aller Zeit. D. Maria, Trost der Sünder,* Sich're Zuflucht deiner Kinder! Deffne uns dein Mutterherz,* Da flieht Bitterfeit und Schmerz. zum heiligsten Herzen Mariä. 401 Antiphon. Maria ist die Mutter der schönen Liebe, der Furcht Gottes, der Erkenntniß und der heiligen Hoffnung; fie ist voll der Gnaden. V. Kommet denn Alle zu ihr, die ihr Verlangen nach ihr traget; B. Empfanget von der Fülle ihrer Gnaden, und ersättigt euch mit ihren Früchten! Gebet. Gott der Barmherzigkeit und des Trostes! du hast uns das reinste Herz Mariä zur Zuflucht gegeben, und es zu unserm Heile mit Gnaden erfüllt. Gib, daß wir uns befleißen unser Herz von aller Sünde zu bewahren, und nach dem Herzen Mariä mit Tugenden zu zieren, damit wir nach dem Verlangen deines Herzens leben, und in deiner Liebe sterben! durch unsern Herrn Jesum Christum, der mit dir und dem heiligen Geiste lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Zur Prim. O Maria, Mutter Jesu, du Mutter eines guten Herzens! erhalte mir ein Herz nach deinem Herzen und nach dem Herzen deines geliebtesten Sohnes unsers Herrn Jesu Christi! v. D Gott! merke auf meine Hilfe; R. Herr! eile mir zu helfen! Ehre sei dem Vater 2c. Lobgefang an das jungfräuliche Herz. Einzig Gott dein Herz zu schenken,* Dieses nur nach ihm zu lenken* Willst du ewig keusch und rein* Ewig eine Jungfrau sem.* Schnöde Freud' hast du verachtet,* Immer nur nach Gott getrachtet;* Gott allein nur liebeft du;* Er ist deiner Seele Ruh'. O Maria, Troft der Sünder, 2c. wie oben. Antiphon. Maria ist die Mutter der schönen Liebe, der Furcht Gottes, der Erkenntniß, und der heiligen Hoffnung; fie ist voll der Gnaden. V. Kommet denn Alle zu ihr, die ihr Verlangen nach ihr traget; R Empfanget von der Fülle ihrer Gnaden, und ersättigt euch mit ihren Früchten! Gebet wie oben.) Zur Terz. O Maria, Mutter Jesu, du Mutter eines guten Herzens! erhalte mir ein Herz nach deinem Herzen und nach dem Herzen febeines geliebtesten Sohnes unsers Herrn Jesu Chrifti! 26 402 Tagzeiten is v. O Gott, merke auf meine Hilfe; R. Herr, eile mir zu helfen; Ehre sei dem Vater 2c. Lobgesang an das mütterliche Herz. Gottes Sohn will in dir wohnen, Und in deinem Her zen thronen;* Dieß nimmt er zur Wohnung ein,* Du mußt Gottes Mutter seyn.* Du vereinst die Mutterwürde* Mit der reinsten Unschuld Zierde;* Dieses ist dein höchster Ruhm, * Und allein dein Eigenthum. O Maria, Trost der Sünder, c. wie oben. Antiphon. Maria ist die Mutter der schönen Liebe, der Furcht Gottes, der Erkenntniß und der heiligen Hoffnung; sie ist voll der Gnaden. v. Kommet denn Alle zu ihr, die ihr Verlangen nach ihr traget; B. Empfanget von der Fülle ihrer Gnaden, und ersättigt euch mit ihren Früchten! ( Gebet wie oben.) - Zur Sext. O Maria, Mutter Jesu, du Mutter eines guten Herzens! erhalte mir ein Herz nach deinem Herzen und nach dem Herzen deines geliebtesten Sohnes unsers Herrn Jesu Chriſti! v. O Gott, merke auf meine Hilfe; B. Herr, eile mir zu helfen! Ehre sei dem Vater 2c. Lobgefang an das gütige Herz. O Maria voll Erbarmen,* Du verstoffest nicht die Armen, * Die voll Hoffnung zu dir geh'n'* Und um Hilf' zur Mutter fleh'n.* Du empfindst in deinem Herzen* Ihre Drangfal, ihre Schmerzen;* Du erquickst sie in der Noth,* Und verföhnest sie mit Gott. O Maria! Troft der Sünder, ic. wie oben. Antiphon. Maria ist die Mutter der schönen Liebe; der Furcht Gottes, der Erkenntniß und der heiligen Hoffnung; sie ist voll der Gnaden. W. Kommet denn Alle zu ihr, die ihr Verlangen nach ihr traget; R. Empfanget von der Fülle ihrer Gnaden, und ersättigt euch mit ihren Früchten!- ( Gebet wie oben.) Zur Non. O Maria, Mutter Jesu, du Mutter eines guten Herzens! erhalte mir ein Herz nach deinem Herzen und nach dem Herzen deines geliebtesten Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi. zum heiligsten Herzen Mariä. 403 v. O Gott, merke auf meine Hilfe; R. Herr, eile mir zu helfen!. Ehre sei dem Vater 2c..4 Lobgesang an das leidende Herz. Ach, wie quält das traurig Scheiden Und des Sohnes bitt'res Leiden Das betroffne Mutterherz!* Wie durchwühlet * es der Schmerz!* Alle Schmerzen, alle Wunden* Hat der Mutter Herz empfunden,* Und sie will nach dieser Pein * Noch der Sünder Mutter seyn. O Maria! Trost der Sünder, 2c. wie oben. Antiphon. Maria ist die Mutter der schönen Liebe, der Furcht Gottes, der Erkenntniß und der heiligen Hoffnung; sie ist voll der Gnaden. V. Kommet denn Alle zu ihr, die ihr Verlangen nach ihr traget; R. Empfanget von der Fülle ihrer Gnaden, und ersättigt euch mit ihren Früchten!- ( Gebet wie oben.) Zur Vesper. O Maria, Mutter Jesu, du Mutter eines guten Herzens! erhalte mir ein Herz nach deinem Herzen und nach dem Herzen deines geliebtesten Sohnes unsers Herrn Jesu Christi! v. O Gott, merke auf meine Hilfe; R. Herr, eile mir zu helfen! Ehre sei dem Vater zc. Lobgefang an das hilfreiche Herz. Herz Mariä voll der Gnade,* Du des neuen Bundes Lade!* Deine Hilf' steht allezeit* Für uns Arme schon bereit. * Du willst alles Leid versüßen,* Deine Huld auf uns ergießen;* Du trägst Sorg' für unser Heil,* Waschest uns vom Sünden- Gräu'l. NO O Maria! Trost der Sünder, 2c. wie oben. Antiphon. Maria ist die Mutter der schönen Liebe, der Furcht Gottes, ber Erkenntniß und der heiligen Hoffnung; fie ist voll der Gnaden. V. Kommet denn Alle zu ihr, die ihr Verlangen nach ihr traget; B. Empfanget von der Fülle ihrer Gnaden, und ersättigt euch mit ihren Früchten! ( Gebet wie oben.) Zur Complet. O Maria, Mutter Jesu, du Mutterr eines guten Herzens! erhalte mir ein Herz nach deinem Herzen und nach dem Herzen deines geliebtesten Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi! 26* 404 Tagzeiten v. D Gott! merke auf meine Hilfe; B. Herr! eile mir zu helfen! Die Ehre sei dem Vater 2c. Lobgefang an das verherrlichte Herz. Wie soll ich dich würdig preisen,* Wie dir, Mutter! Ehr' beweisen,* Dir, der Menschen Mittlerin, Und der * Engel Königin?* Nach des Lebens kurzem Leiden* Schwebst du ewig in den Freuden Nächst bei Jesu deinem Sohn, * Auf dem höchsterhab'nen Thron. O Maria, Trost der Sünder, 2c. wie oben. Antiphon. Maria ist die Mutter der schönen Liebe, der Furcht Gottes, der Erkenntniß und der heiligen Hoffnung; fie ist voll der Gnaden. V. Rommet denn Alle zu ihr, die ihr Verlangen nach ihr traget; B. Empfanget von der Fülle ihrer Gnaden, und ersättigt euch mit ihren Früchten! ( Gebet wie oben.) Beschluß. Ach! verachte nicht uns Sünder,* Sieh uns an als deine Kinder:* In dem Leben und im Tod' * Bist du unser Trost nach Gott.* O Maria, in Gefahren * Woll'st uns mütterlich bewahren!* Diese Bitt' versag' uns nicht;* Du bist unsre Zuversicht.* Du bist, Mutter! voll Erbarmen;* Nimm uns auf mit Mutter- Armen;* Deffne uns dein mildes Herz,* Da flieht Bitterfeit und Schmerz. Litanei zum heiligsten Herzen Mariä. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns: Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme dich unser! Heiligste Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme dich unser! Heiligstes Herz Mariä, bitt für uns! Du vielgeliebtes Herz der Tochter des himmlischen Vaters, Du hochgebenedeites Herz der Mutter des göttlichen Sohnes, Du auserwähltes Herz der Braut des heiligen Geistes, Du bewundernswerthes Herz der Mutter unsers Schöpfers, Liebenswürdiges Herz der Mutter unsers Erlösers, Herz Maria, du Siß der Weisheit, Herz Mariä, du Spiegel der Gerechtigkeit, Herz Maria, du Thron der Barmherzigkeit, Herz Maria, du Inbegriff aller Heiligkeit, Bitt für uns! zum heiligsten Herzen Mariä. Herz Maria; du Arche des Bundes, sis Herz Maria, du Pforte des Himmels, O glorreiches Herz Mariä, O mächtiges Herz Mariä, O gütiges Herz Maria, O getreues Herz Mariä. O lobwürdiges Herz Mariä, Oliebreiches Herz Mariä, O sanftmüthiges Herz Mariä, O demüthiges Herz Mariä, O geduldiges Herz Mariä, 405 Herz Maria, für uns mit siebenfachem Schwerte durchbohrt, Herz Mariä, bu Licht der Verirrten, Herz Mariä, du Zuflucht der Sünder, Herz Mariä, du Stärke der Gerechten, Herz Mariä, du Trost der Betrübten, Herz Maria, du Kraft in Versuchung, Herz Maria, du Hoffnung der Sterbenden, Herz Mariä, du Hilfe in allen unsern Trübfalen, Herz Maria, du Unterpfand der Verheißungen Jesu, Herz Maria, du vollkommenes Brandopfer der göttlichen Liebe, Herz Mariä, du Freude aller Herzen, Herz Maria, gekrönt mit himmlischer Glorie und Herrlichkeit, J O du Lamm Gottes 2c. erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c. erbarme dich unser, o Herr! Vater unser. Ave Maria. O du Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! Bitt für uns! V. Heiliges Herz Mariä, bitt für uns! R. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Gebet. Allgütiger Gott! der du das heilige und unbefleckte Herz Mariä mit den nämlichen Gefühlen des Erbarmens und der Zärtlichkeit für uns erfüllt hast, von denen das Herz Jesu deines und ihres Sohnes, stets durchdrungen war; verleihe Allen, welche dieses jungfräuliche Herz verehren, daß sie durch die Verdienste desselben eine vollkommene Uebereinstimmung der Gefühle und Neigungen mit dem heiligsten Herzen Jesu erlangen, und bis zu ihrem Tode bewahren. Durch denselben 406 Rosenkränzlein zu Ehren Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn, der mit dir und dem heiligen Geiste lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Rosenkränzlein zu Ehren der zwei heiligsten Herzen Jesu und Mariä. Statt des Glaubens bete die Liebes seufzer. DE O barmherziger Jesu, erhöre mich, Die Gnade deines Herzens bekehre mich, Der Glanz deines Herzens erleuchte mich, Der Schmerz deines Herzens zerknirsche mich, Die Wunde deines Herzens durchdringe mich, Das Blut deines Herzens versöhne mich, Das Wasser deines Herzens reinige mich, Das Verdienst deines Herzens heilige mich, Das Kreuz deines Herzens stärke mich, Die Dornenkrone deines Herzens schmücke mich, Die Erbarmniß deines Herzens verschließe mich, Der Geist deines Herzens belebe mich, Die Gluth deines Herzens erwärme mich, Die Flamme deines Herzens entzünde mich, Die Würde deines Herzens erhebe mich, Die Glorie deines Herzens verkläre mich, Die Anschauung deines Herzens verwandle mich, Die Freude deines Herzens beselige mich, Der Besitz deines Herzens ersättige mich, In deinem Herzen, o Jesu! lebe und sterbe ich, Mein Herz dem deinen schenke ich und liebe dich, O süßes Herz beglücke mich, Hier zeitlich und dort ewiglich! Amen. Darauf bete das Gegrüßt seist du Maria und die Geseglein des heiligen Rosenkranzes auf folgende Weise: Bei den größern Corallen bete ein Gegrüßt seist du Maria; zu den kleinern aber bete bei jedem den Lobspruch: Erkannt, geliebt, gelobt nnd gebenedeit, geehrt und vers herrlichet sei allezeit und überall das göttliche Herz Jesu, und das unbefleckte Herz Mariä!" Nach dem Zehnten bete dann allezeit das: Die Ehre sei Gott dem Vater, und dem Sohne und dem heiligen Geiste, so wie im Anfange, jetzt und allezeit und zu ewigen Zeiten. Amen. der heil. Herzen Jesu und Mariä. 407 Darauf den doppelten Lobspruch, von denen jeder jedes Mal mit einem Ablaffe begnadigt ist. Gelobt und gebenedeit sei ohne End' Das allerheiligste und göttlichste Sakrament! Und: Gebenedeit sei die heilige und unbefleckte Empfängniß der seligsten Jungfrau Maria! Darauf das Gegrüßt seist du Maria! von Neuem wie oben, und so fieben Gefäßlein des heiligen Rosenkranzes zu Ehren der sieben Schmerzen und sieben Freuden, die das heil. Herz Mariä empfunden hat. Am Schluße bete folgendes Gebet. Ach, jungfräulich mütterliches Herz! alle meine Sünden sind das Schwert, das dich durchstochen hat; denn meine Schuld hat deinen Sohn getödtet. Nun, o du zartestes, barmherzigstes Herz! um all' der Schmerzen, die du als Mutter einst mit ihm für uns, deine Kinder, gelitten haft, und um all' jener Freuden willen, die du mit ihm verherrlicht, selbst genießeft, bitte ich dich, erflehe mir von Jesus, deinem Sohne, ein Herz, ganz nach seinem und deinem Herzen, ein Herz, das nach Gott dich über Alles, und Alles nur in Gott liebt, ein Herz voll Tugend und Gnade, dann wird mein Name in deinem und feinem Herzen mit unauslöschlichen Zügen geschrieben stehen, und ich werde einst selig bei ihm in dem Himmel seyn, wo ich mit dir, o Königin des Himmels! und allen Auserwählten ewig in der Liebe seines Herzens mich erfreuen werde. Amen. Gebet zum heiligen Herzen Mariä um einen seligen Tod. O heiligstes Herz Mariä, du gebenedeites Erdreich der Gnade! das uns das Brod des Himmels gebracht hat, das Brod der Engel, das alle Süßigkeit in sich enthält, erlange mir durch deine Fürbitte, daß ich mit dieser Speise des Heiles erquickt werde, wenn meine Kraft mich einst verlassen wird; auf daß ich in deiner Stärke wandle bis dorthin, wo die Seelen nicht mehr hungern und dürften, sondern in Gott vollkommen und ewig ersättigt sind, durch Jesum Christum, deinen Sohn 2c. Amen. O ihr Alle, die ihr auf dem Wege vorübergehet, merket auf und fehet, ob ein Schmerz sei, der meinem Schmerze gleichet. Darum weine ich und meine Augen fließen von Wasser; denn der Tröster ist weit von mir, der meine Seele erquicke. Klagelicd 1, 12, 16. 409 Verehrung der schmerzhaften Mutter Gottes [ top 2 30Von den Schmerzen Mariä. Da uns Jesus Christus selbst seine heiligste Mutter vom Kreuze herab zu unserer Mutter gegeben hat, so kann die Andacht zu dieser unserer liebenden geistlichen Mutter nichts anderes als trostvoll und segensreich für uns seyn; wenn wir sie als dankbare Kinder mehr durch einen gottesfürchtigen Lebenswandel als durch leere Gebete verehren. Trostvoll ist diese Andacht, weil sie vorzüglich eine aufrichtige Bekehrung der Sünder bezweckt; segensreich ist sie, weil die Kirche selbst mehrere Gnaden und Ablässe für diese Andacht verliehen hat. - Pabst Innocenz XI., beseelt von dem Wunsche, daß alle Christgläubigen sich öfters des bittersten Schmerzens, den die feligste Jungfrau erlitt, als sie unter dem Kreuze ihres göttlichen Sohnes Jesu stand, erinnern und sie wegen ihrer so großen Schmerzen um geistliche Gnaden im Leben und im Tode anflehen möchten, hat mit seinem Breve: Commissa Nobis etc. vom 1. September 1681 auf ewige Zeiten einen Ablaß von 100 Tagen allen Gläubigen für Jedesmal verliehen, so oft sie zu Ehren der schmerzhaften Mutter den Hymnus: Stabat mater Bei dem Kreuz mit nassen Wangen" 2c., welchen der heilige Pabst Gregor verfaßt hat, andächtig sprechen werden. etc. Die sieben heiligen Stifter des Ordens der Diener Mariä ( Serviten) haben auch einen Rosenkranz eingeführt, welcher aus 7 Absäßen besteht zur Erinnerung an die vorzüglichsten 7 Schmerzen der Jungfrau. Bei jedem Absatze ist 1 Vater unser und 7 Gegrüßet feist 2c. und am Ende noch 3 andere Gegrüßet seist 2c. zu Ehren der Thränen und Seufzer der heiligsten schmerzhaften Mutter zu beten. Damit zugleich die Christgläubigen zu dieser Andacht angeeifert würden, hat Pabst Benedikt XIII. mit seinem ewigen und allgemeinen Breve Redemtoris etc. vom 26. September 1724 einen Ablaß von 200 Tagen, für jedes Vater unser und Ave Maria allen Jenen verliehen, welche wahrhaft reumüthig gebeichtet, oder wenigstens den festen Vorsatz haben, es sogleich zu thun, und diesen Rosenkranz in einer Kirche des Ordens der Diener Maria beten. Denn nämlichen Ablaß gewinnt man, wenn man diesen Rosenkranz an den Freitagen, an den Tagen der Fastenzeit und an dem Feste der sieben Schmerzen und in feiner Oftav, an was immer für einem Orte betet; und einen Berehrung der schmerzhaften Ablaß von 100 Tagen für jedes Vater unser und Ave Maria, wenn derselbe an was immer für einem Tage und Orte gebetet wird. Endlich wird überdies, man mag allein oder in Gemeinschaft mit andern diesen Rosenkranz beten, ein Ablaß von 7 Jahren und 7 Quadragenen( 7 Jahren und 280 Tagen) hinhinzugefügt. Clemens XII. hat mit Dekret: Urbis et Orbis der heiligen Congregation der Abläße vom 4. Februar 1736, und Benedikt XIV mit Dekret von 14. Juli 1757 verliehen, Einmal im Jahre aller Christgläubigen einen vollkommenen Ablaß, welche an einem beliebigen Tage beichten, kommuniziren, und eine Stunde lang in Betrachtungen und Gebefen zu Ehren der schmerzhaften Mutter zubringen; indem sie dabei ihre Schmerzen erwägen und den schmerzhaften Rosenkranz beten oder andere passende Gebete verrichten. Dieser Ablaß. welcher neuerdings von Pius VI. den 8. Juli 1785 auf ewige Zeiten bestätiget wurde, kaun auch den armen Seelen im Fegfeuer zugewendet werden. Um die Andacht zum leidenden Herzen der schmerzhaften Mutter bei den Christgläubigen zu vermehren, und zugleich Gott zewissermassen einen Ersatz zu leisten für so viele Beleidigungen, velche ihm in den Faschingstagen angethan werden, verlieh Pius VII., mittels Rescripts vom 9. December 1815 einen Ab aß von 300 Tagen allen Christgläubigen der katholischen Kirche, Für Jedesmal, so oft sie irgend einer öffentlichen Andacht zu Ehren der schmerzhaften Mutter Gottes beiwohnen würden, wie solche an den zehn leßten Tagen des Faschings in einer Kirche oder öffentlichen Kapelle, auch der Ordensgeistlichen beiderlei Geschlechts oder in anderen Oratorien oder Kapellen der Klöster, Seminarien 2c., oder an einem andern Orte, wo gewöhnlich gebetet wird, etwa follte gehalten werden*). Jene aber, welche wenigstens fünf Tage hindurch diesen Uebungen beiwohnen, gewinnen einen vollkommenen Ablaß an je nem der zehn lezten Faschingstage, an welchem sie die heiligen Sakramente empfangen, und für unsere heilige Mutter, die Kirche, beten. Alle diese Ablässe können auch den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden, und der nämliche Papst Pius VII. hat sie, mittelst Rescripts der heiligen Congregation der Abläffe vom 18. Juni 1822, für ewige Zeiten bestätiget. *) Dieß ist jedoch in Deutschland nicht gebräuchlich.cz Mutter Gottes. 411 Rosenkränzlein von den sieben Schmerzen Mariä. ( Vom ehrw. Pater Leonhard v. Portu Mauritio.) O Gott! merke auf meine Hilfe, Herr! eile mir zu helfen. Die Ehre sei dem Vater 2c. Erster Schmerz. Ich trage mit dir Mitleiden, o meine schmerzhafte Mutter! wegen des ersten Schmerzens, welcher dir das Herz durchstochen hat, da du von Simeon hörtest, wie viel dein geliebter Sohn würde leiden müssen: ich bitte dich durch deine bittern Zähren, du wollest mein steinhartes Herz erweichen, damit es vom Mitleiden innigst durchdrungen werde, und damit ich aus Liebe beweine das Leiden und den Tod meines liebsten Heilandes und deine bittersten Schmerzen. Vater unser. Ave Maria. Die Ehre sei dem Vater 2c. Maria, Mutter voll der Schmerzen,* Ach theile mit mir deine Bein; Und drücke auch in meinem Herzen* Die Wunden deines Jesu ein. Zweiter Schmerz. Ich trage mit dir Mitleiden, o meine schmerzhafte Mutter! wegen des zweiten Schmerzens, welcher dir das Herz durchstochen hat, da du sahest, wie dein unschuldiger Sohn gleich nach seiner Geburt von Herodes verfolgt wurde, und da du unter so vielen Gefahren, Peinen und Mühseligkeiten nach Egypten fliehen mußtest. Ich bitte dich, o meine geliebte Frau! erhalte mir die Gnade, daß ich die Kreuze und Plagen dieses armseligen Lebens mit dir und meinen geliebten Jesu geduldig leide, und mit Freuden umfange, damit ich Gott in dieser Welt für meine Sünden genug thue, und von den harten Peinen des andern Lebens befreit werde. Vater unser. Ave Maria. Die Ehre sei dem Vater 2c. Maria, Mutter voll der Schmerzen!* Ach theile mit mir deine Pein; Und drücke auch in meinem Herzen* Die Wunden deines Jesu ein. Dritter Schmerz. Ich trage mit dir Mitleiden, o meine schmerzhafte Mutter, wegen des dritten Schmerzens, welcher dir das Herz durchstochen hat, da du deinen lieben Sohn verloren hattest. Ich bitte dich durch jene Zähren und Seufzer, unter denen du ihn drei Tage gesucht hast, erhalte mir die Gnade, daß ich die wahre Liebe meines Gottes finde, und sie bis in den 412 Verehrung der schmerzhaften Tod niemals mehr verliere, damit ich ihn sodann im Himmel durch die ganze Ewigkeit lieben und verherrlichen möge. Vater unser. Ave Maria. Die Ehre sei dem Vater 2: Maria, Mutter voll der Schmerzen!* Ach theile mit mir deine Pein Und drücke auch in meinem Herzen* Die Wunden deines Jesu ein. Vierter Schmerz. Ich trage mit dir Mitleiden, o meine schmerzhafte Mutter, wegen des vierten Schmerzens, welcher dir das Herz durchstochen hat, als du sahest, wie dein zum Tode verurtheilter Jesus mit Stricken und Ketten gebunden, mit Blut und Wunden bedeckt, und mit Dörnen gekrönt, unter der schweren Last des Kreuzes zu Boden fiel, welches er auf seinen verwundeten, ja vom Fleische ganz entblößten Schultern auf den Kalvarienberg trug, um dort für mich zu sterben. Ich bitte dich durch jene Angst, welche du gelitten hast, da du ihn mit Blut ganz überronnen, und so entstaltet sahest, als er dir begegnete und du ihn empfingst, und in deine mütterlichen Arme schloffest: erhalte mir die Gnade, daß ich allzeit in vollkommener Ergebung in den Willen meines Gottes lebe, und daß ich bei allen meinen Athemzügen nichts anders suche, als seine größere Ehre und seine Liebe. Vater unser. Ave Maria. Die Ehre sei dem Vater 2c. Maria, Mutter voll der Schmerzen!* Ach theile mit mir deine Pein; Und drücke auch in meinem Herzen* die Wunden deines Jesu ein. Fünfter Schmerz. Ich trage mit dir Mitleiden, o meine schmerzhafte Mutter, wegen des fünften Schmerzens, welcher dir das Herz durchstochen hat, da du sahest, wie dein lieber Sohn in deiner Gegenwart entblößt, an Händen und Füßen durchschlagen, und auf die grausamste und unmenschlichste Weise an das Kreuz genagelt wurde, und wie er sodann voll Angst, von seinem Blute überronnen den Todeskampf litt, und unter so großen Peinen und Schmach sein heiligstes Leben endigte, ohne daß du ihm Hilfe leisten, oder die mindeste Linderung bringen konntest, dergleichen auch den größten Missethätern im Tode nicht versagt wird. Ich bitte dich durch deine unüberwindliche Beharrlichkeit, mit welcher du dem sterbenden Jesu beigestanden bist, steh' auch mir bei in der Stunde meines Todes, und verfüße mir die schmerzliche Bitterfeit meiner Todes. Mutter Gottes. 413 Aengsten, und durch jene Liebe, welche dein sterbender Jesus gegen dich und gegen uns bezeigt hat, da er dich bei seinem Abschiede uns zur Mutter überlassen, und uns dir zu Kindern in Johannes übergeben hat: durch diese Liebe deines Jesu nimm auch mich für deinen Sohn auf, und mache, daß ich dich für meine liebe Mutter halte, und dich als meine Mutter bis in den Tod von ganzem Herzen liebe und verehre. Vater unser. Ave Maria. Die Ehre sei dem Vater 2c. Maria, Mutter voll der Schmerzen!* Ach theile mit mir deine Bein; Und drücke auch in meinem Herzen* Die Wunden deines Jesu em. Sechster Schmerz. Ich trage mit dir Mitleiden, o meine schmerzhafte Mutter, wegen des sechsten Schmerzens, welcher dir das Herz durchstochen hat, da du saheft, wie die heilige Seite deines schon verstorbenen Sohnes von der grausamen Lanze durchstochen wurde, und wie Blut und Wasser herausfloß, unsere Seele von ihren Makeln zu reinigen. Ich vitte dich, o Mutter, durch diesen bittern Schmerz, welchen du allein gelitten haft, erhalte mir die Gnade, daß ich in dem Herzen Jesu wohnen möge, welches aus Liebe meiner ist eröffnet worden, und daß in mein Herz keine andere Liebe eingehe, als deine Liebe und die Liebe meines Gottes. Heiligste Jungfrau, du kannst mir so vortreffliche Gnaden erhalten, ja, du kannst es, ich hoffe sie von dir. Vater unser. Ave Maria. Maria, Mutter voll der Schmerzen!* Ach theile mit mir deine Pein; Und drücke auch in meinem Herzen* Die Wunden deines Jesu ein. Siebenter Schmerz. Ich trage mit dir Mitleiden, o meine schmerzhafte Mutter, wegen des fiebenten Schmerzens, welcher dir das Herz durchstochen hat, da du deinen lieben, schon todten Sohn in die Arme nahmst, und ihn erblaßt, von Schlägen mißhandelt, mit Blut überronnen, am ganzen Leibe zerfleischt, in deinem Schooß ansahest, und da du ihn endlich in das Grab legtest, wo du bei dieser heiligen Hinterlage zugleich dein Herz zurückließeft, und ohne deinen geliebten Sohn betrübt und troftlos weintest. Ich bitte dich, o heiligste Jungfrau, durch so viele Zähren und Peinen, erlange mir Verzeih ung meiner Sünden, die endliche Gnade und die himmlische Tagzeiten Glückseligkeit. Ach, erhöre diese Bitte, o meine Mutter. Vater unser. Ave Maria. Die Ehre sei dem Vater 2c. 414 Maria, Mutter voll der Schmerzen!* Ach theile mit mir deine Pein Und drücke auch in meinem Herzen* Die Wunden deines Jesu ein. sds Antiphon. Sehet nicht darauf, daß ich braun bin; denn die Sonne hat mich entfärbt; die Söhne meiner Mutter haben wider mich gestritten. Bitt für uns, o schmerzhafte Mutter!! Damit wir würdig werden der Verheißungen Christi. Gebet. O Gott, bei dessen Leiden das Schwert des Schmerzens die süßeste Seele der glorreichen Jungfrau und Mutter Maria nach der Weissagung des Simeons durchdrungen hat: verleihe gnädig, daß wir, die wir ihre Schmerzen mit Andacht verehren, die glückselige Wirkung deines Leidens erlangen. Der du lebeft und herrscheft mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes Gott von Ewigkeit zu Ewigfeit. Amen. - Tagzeiten von den sieben Schmerzen der allerseligsten od Jungfrau Maria. Zur Mette. Das von Simeon vorgesagte Schwert. W. Auf ihr Lippen, zu verkünden* Jene Leiden jenen Schmerz; B Den erlitt für unsere Sünden* Der betrübten Jungfrau Herz. V. Maria, merke auf meine Hilfe, R. Frau, eile mir zu helfen. Ehre sei Gott 2c.ention Lobgesang. Da ich deine sieben Schmerzen* Jungfrau, nun betrachten will,* Gehen sie mir tief zu Herzen, Mitleid ist es, was ich fühl'.* Ueber diese deine Leiden,* Hat dich Simeon belehrt;* Aber ach, von Trost und Freuden* Hast du von ihm nichts gehört. V. Deine Seele hat das Schwert durchdrungen. R. Auf daß vieler Herzen Gedanken offenbar werden. Gebet. Wir bitten dich, o Herr Jesu Christe, da jetzt, und in der Stunde unsers Todes Maria die seligste Jungfrau, deine Mutter, deren Seele in der heiligen Stunde deines Lei von den sieben Schmerzen Maria. 415 dens, das Schwert des bittersten Schmerzens durchdrungen hat, bei dir für uns bittet, erhöre ihre Bitte für uns, Jesus Christus! Heiland der Welt, der du mit dem Vater und dem heiligen Geiste lebeft und regiereft zu ewigen Zeiten. Amen. Zur Prim. Die Flucht nach Egypten. V. Maria! merke auf meine Hilfe! Frau! eile mir zu helfen. Ehre sei Gott zc. Lobgesang. Mit dem Kinde mußt du fliehen* Vor Herodes wilder Macht,* Deiner Heimath dich entziehen,* Mit dem Kinde bei der Nacht.* Jesus selbst er mußte eilen-* Mit dir nach Egypten Land* Mit ihm mußtest du vers weilen Dort ganz fremd und unbekannt. - V. Deine Seele hat das Schwert durchbrungen, R. Auf daß vieler Herzen Gedanken offenbar werden. Gebet. Wir bitten dich 2c. wie oben. Zur Terz. Der verlorne Sohn. V. Maria! merke auf meine Hilfe! B. Frau! eile mir zu helfen. Ehre sei Gott 2c. Lobgesang. Unter Trauern, unter Klagen* Suchteſt du einst deinen Sohn!* Seufzend hörte man dich fragen* Seit drei langen Tagen schon,* Wo er wäre hingekommen, Wo er irgend könnte seyn?* Ach! dein Herz war so beklomHoffnung ihn zu finden klein. men, V. Deine Seele hat das Schwert durchdrungen, B. Auf daß vieler Herzen Gedanken offenbar werden. Gebet. Wir bitten dich 2c. wie oben. Zur Sert. Der Entgegengang Christi, da er das Kreuz trug. W. Maria! merke auf meine Hilfe! R. Frau! eile mir zu helfen. Ehre sei Gott 2c. Lobgesang. Ach, wer kann den Schmerz erwägen, Welchen du empfunden hast,* Als dir Jesus kam entgegen* Mit der schweren Kreuzeslast!* Da du sahst daher ihn schreiten * Wankend mit der Kreuzeslast;* Wer beschreibt dein Mutterleiden,* Das du da gefühlet haft? V. Deine Seele hat das Schwert durchbrungen, R. Auf daß vieler Herzen Gedanken offenbar werden. dich 2c. wie oben. Gebet. Wir bitten Tagzeiten Zur Non. Die Mutter steht unter dem Kreuze. V. Maria, merke auf meine Hilfe. R. Frau! eile mir zu helfen. Ehre sei Gott 2c. 416 * Welche * du Lobgesang. Da bu dahin nachgegangen, Pein war dieser Gang,* Wo dein Sohn am Kreuz gehangen, * Und der Schmerz dein Herz durchdrang,* Als du weinend angekommen Auf der blut'gen Schädelstatt, Hat dein Auge wahrgenommen,* Was dein Sohn gelitten hat.* O wie tief ging's dir zu Herzen,* Da dein Sohn drei Stunden lang Ganz verlassen, voll der Schmerzen,* Schmachtend mit dem Tode rang! * V. Deine Seele hat das Schwert durchdrungen, B. Auf daß vieler Herzen Gedanken offenbar werden. Gebet: Wir bitten dich 2c. wie oben. Zur Vesper. Sie nimmt den verstorbenen Sohn auf ihren Schooß. 102 W. Maria! merke auf meine Hilfe. B. Frau! eile mir zu helfen. Ehre sei Gott 2c. * Da Lobgesang. Da die Felsen selbst zersprangen, die Sonn' ihr Licht verhüllt'.* Wer beschreibt das Leid, das Bangen Deiner Seel' mit Schmerz erfüllt.* Ach! so ist dein Sohn gestorben, Jesus wahrer Mensch und Gott,* Er, der Heil der Welt erworben* An dem Kreuz durch seinen Tod.* Daß wir Heil und Gnade finden,* War der Tod am Kreuz sein Loos.* Ach! so sind denn unsre Sünden,* Gott und Herr! vor dir so groß? * V. Deine Seele hat das Schwert durchbrungen, B. Auf daß vieler Herzen Gedanken offenbar werden. Gebet. Wir bitten dich 2c. wie oben. Zur Complet. Die Klage der Jungfrau bei dem Grabe. V. Es befehre uns, o Jungfrau! der durch deine Fürbitte besänftigte Christus, dein Sohn. R. Und wende seinen Zorn von uns ab. V. Maria! merke auf meine Hilfe! B. Frau! eile mir zu helfen. Ehre sei 2c. Lobgefang. Christus wurde nun begraben,* Und sein Grab verschloß ein Stein* Aber wo war Troft zu haben zur schmerzhaften Mutter. Für des Mutter- Herzens Pein?* Heiligkeit und Glauben stillten* Deinen Schmerz. Sie goffen ein* Himmels- Stärke dir, und hielten* Aufrecht dich, gefaßt zu seyn. V. Deine Seele hat das Schwert durchdrungen. R. Auf daß vieler Herzen Gedanken offenbar werden. Gebet. Wir bitten dich 2c. wie oben. O Maria! durch die Schmerzen,* Die du bei dem Kreuz gefühlt;* Ach! wenn auch in meinem Herzen* Leid und Gram und Sorge wühlt,* Bitt! daß ich nicht zagend bebe,* Und verliere Trost und Muth,* Sondern daß der Glaube lebe,* Was von Gott kömmt, sei mir gut. Litanei zur schmerzhaften Mutter Maria. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel! Erbarme dich unser! 417 Gott Sohn, Erlöser der Welt! Erbarme dich unser! Gott heiliger Geist! Erbarme dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott! Erbarme dich unser! Heilige Maria du schmerzhafte Mutter, Heilige Maria, die du zu Bethelehem keine Herberge gefunden hast, Heilige Maria, die du deinen Eingebornen Sohn im Stalle geboren hast, Heilige Maria, die du bei der Beschneidung deines göttlichen Kindes ein herzliches Mitleiden getragen hast, Heilige Maria, die du bei der Weissagung Simeons vom Schwerte des Schmerzens durchdrungen worden bist, Heilige Maria, die du mit deinem göttlichen Kinde nach Egypten haft fliehen müssen, Heilige Maria, die du für den Tod der unschuldigen Kin der getrauert hast, Heilige Maria, die du deinen verlornen Sohn drei Tage mit Schmerzen gesucht hast, Heilige Maria, die du mit Betrübniß gesehen hast, wie bein Jesus von den Juden gehaßt worden ist, Heilige Maria, die du dich bei dem Leiden deines Sohnes vollkommen in den Willen des himmlischen Vaters ergeben hast, Heilige Maria, die du dich mit dem innigsten Herzenleid bei deinem Sohne beurlaubt hast, 27 Bitt für uns! Litaner Heilige Maria, die du deinen Sohn für das Heil der Menschen zum Kreuzestode aufgeopfert hast, Heilige Maria, die du die Todesangst deines Sohnes in dem Herzen empfunden hast, Heilige Maria, die du mit Schmerzen gehört hast, dein göttlicher Sohn sei verrathen und gefangen worden, Heilige Maria, die du gesehen hast, wie dein göttlicher Sohn auf das grausamste und schimpflichste mißhandelt, und von einem Richterstuhle zum andern geschleppt wor den ist, Heilige Maria, die du durch die grausame Geißlung und schmerzlichste Krönung deines Sohnes im Innersten deiner Seele verwundet worden bist, Heilige Maria, die du mit dem größten Leidwesen gehört haft, wie dein Sohn einem Mörder nachgesetzt, und zum Tode verurtheilt worden ist, Heilige Maria, die du deinen Sohn in der äußersten Entkräftung das schwere Kreuz tragen gesehen hast, Heilige Maria, die du gesehen hast, wie dein Sohn auf's grausamste der Kleider beraubt, und an das Kreuz geschlagen worden ist, Heilige Maria, die du den letzten Willen deines Sohnes vom Kreuze angehört hast, Heilige Maria, die du mit deinem Sohne am Kreuze für die Sünder gebeten, und sie als deine Kinder angenommen hast, Heilige Maria, die du deinen Sohn am Kreuze die Todesangst leiden und sterben gesehen hast, Heilige Maria, die du unter dem Kreuze standhaft verharrt bift, Heilige Maria, die du alle Schmerzen mit deinem Sohne getheilet hast, Heilige Maria, die du gesehen hast, wie deinem Sohne nach dem Tode die Seite mit dem Speer eröffnet worden ist, Heilige Maria, die du den Leib deines Sohnes vom Kreuze in deinem mütterlichen Schooß empfangen hast, Heilige Maria, die du der Begräbniß deines Sohnes beigewohnt hast, Heilige Maria, du Königin der Martyrer, Heilige Maria du Spiegel der Geduld im Kreuz und Leiden, Heilige Maria, du Trösterin der Betrübten, Heilige Maria, du Stärke der Kleinmüthigen, Bitt für uns! zur schmerzhaften Mutter. Heilige Maria, du Zuflucht der Sünder, Heilige Maria, du Heil der Kranken, Heilige Maria, du Hülfe der Sterbenden, Heilige Maria, du Trost der armen Seelen, Heilige Maria, du liebreiche Mutter aller deiner Pflegkinder, Wir arme Sünder, Durch das Leiden und Sterben deines Sohnes, Durch deine Seufzer und Thränen, Durch die Angst deines trostlosen Herzens, Durch deine mächtige Fürbitte und mütterliche Liebe, Daß du uns in der Traurigkeit tröstest, Daß du uns vor der Kleinmüthigkeit schützest, Daß du uns in aller Gefahr der Sünde beispringest, 419 Daß du uns vor dem bösen und jähen Tode behüteſt, Daß du uns im wahren Glauben, in der Hoffnung und Liebe allezeit erhalten wollest, Daß du uns eine wahre Reue über unsere Sünden erwerben wollest, Daß du uns im Tode beistehen und ein glückseliges Ende erbitten wollest, Daß du die armen Seelen aus dem Fegfeuer erledigen wolleft, Bitt für uns! Wir bitten dich, erhöre uns! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt! Verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt! Erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sün den der Welt! Erbarme dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Vater unser, 2c. Gegrüßt seist du, Maria! W. In aller Trübsal, Angst und Noth; R. Komm uns zu Hilfe, o Maria, du schmerzhafte Mutter! Gebet. Wir bitten dich, o Maria! du schmerzhafteste Mutter! durch alle jene Schmerzen und Beinen, welche du mit Jesus deinem geliebtesten Sohne gelitten hast, insonderheit da du ihn am Kreuze mit dem Tode ringen und sterben gesehen haft, du wollest dich allzeit als eine liebe Mutter gegen uns erzeigen! Gedenke, daß uns dein göttlicher Sohn mit ſeinem kostbaren Blute erlöset hat, und beschüße uns im Leben, sonderbar aber steh uns am letzten Ende bei, damit wir durch einen guten Tod in die ewige Glückseligkeit eingehen, wo wir 27* Gebete 420 deinen göttlichen Sohn ewig mit dir anschauen und loben fönnen! Amen. Zufluchtsgebet zur schmerzhaften Mutter Gottes. Schmerzhafte Mutter und Jungfrau Maria, du Trösterin der Betrübten, du Zuflucht der Verlassenen! fieh, ich armer Sünder komme in dieser Trübfal zu dir, und klage dir mit traurigem Herzen meine Noth, gleichwie ein Kind seiner Mutter denn du bist ja meine Mutter, weil mich dir Christus in seinem Tode zu meiner Mutter vermacht hat, sprechend: Sieh, deine Mutter! Bei dir denn, o liebste Mutter! halte ich an mit der demüthigsten Bitte, du wollest mich in meinem jezigen Anliegen trösten, und mir bei deinem Sohne erlangen, daß er mich in felbem erhören wolle. Ach! habe doch ein Mitleiden mit mir, deinem Kinde, gleichwie du mit Jefu, beinem viel leidenden Sohne, in Allem ein Mitleiden gehabt haft, und komme mir eilends zu helfen. O Mutter! stehe mir bei; gleichwie du ihn so herzlich gerne von seinem Kreuze erlöset hättest, also wolleft du auch mich jetzt in meinem Anliegen erhören. Ich bitte dich auch überdieß durch alle deine erlittenen Schmerzen demüthigst, daß, wenn es einmal zum Sterben fommt, du deine barmherzigen Augen auf mich wenden, mir gnädig beistehen, und meine arme Seele in deine mütterlichen Hände an und aufnehmen wolleft. B Um das bitte ich dich, und zwar herzlich, o gütige, o milde, o allersüßeste Jungfrau Maria! Amen. Schmerzhaftes Ave zu Ehren des Herzens Mariä. Gegrüßt seist du, Herz Mariä, voll der Schmerzen! Der Gekreuzigte ist in dir, du bist betrübt über alle Herzen, und betrübt ist noch mehr das Herz deines Sohnes Jesus. Schmerzvollstes Herz Mariä! sei neben dem Herzen Jesu unsere Zuflucht jetzt in den Bedrängnissen unsers Lebens, und in der Stunde unsers Absterbens. Amen. zur schmerzhaften Mutter. Klagelied zu Maria unter dem Kreuze. ( Stabat Mater.) Bei dem Kreuz' mit naffen Wangen;* Wo ihr liebster Sohn gehangen,* Stand die Mutter in der Pein,* Und im schwer be klemmten Herzen* Drangen Trau'r und Todesschmerzen* Schneidend wie ein Schwert hinein. Wie so bang an seiner Seite* Stand die Hochgebenedeite * Jungfrau- Gottgebärerin!* Sah mit Schmerzen, sah mit Trauer, * Sah mit tiefstem Mitleids- Schauer* Auf den Eingebornen hin! 421 Welcher Mensch wird da nicht weinen,* Da er hier in solchen Peinen Jesu Mutter stehen fieht!* Wer kann ohne Schmerzen sehen,* Sie vor Schmerzen schier vergehen,* Da sie mit dem Sohne litt? Jesum sah sie hart gebunden* Und zerfleischt mit tausend Wunden,* Ach! für uns're Missethat!* Sah den Sohn geschmäht verlassen* Alles Troft's beraubt erblassen,* Den sie so geliebet hat. - Schmerzen- Mutter, Quell der Liebe:* Daß ich mich mit dir betrübe,* Mit dir weine, steh' mir bei!* Gib, daß ich vor Liebe brenne,* Nur nach Jesu Lieb' mich sehne,* Und ihm wohlgefällig sei. - Drücke deines Sohnes Wunden,* Wie da selbst sie haft empfunden,* Tief in meine Seele ein.* Jesus war für mich in Banden,* Hat den Kreuztod ausgestanden!* Theile mit mir seine Pein. Laß mich bitter mit dir weinen* Ueber Jesu Kreuzespeinen * Alle meine Tage hier!* Unter's Kreuz mit dir zu eilen* Und den Schmerz mit dir zu theilen* Immerdar- erwähl' ich mir. Jungfrau, Zierde der Jungfrauen!* Du mein Troft und mein Vertrauen!* Sich', ich reiche dir mein Herz!* Selbes sollen nun zerschneiden Deines Sohnes Tod und Leiden,* Seine Aengsten und sein Schmerz. Nichts soll mich von Jesu scheiden;* Bei dem Kreuz, im Tod und Leiden* Bleib ich ihm in Liebe treu.* Daß er nicht zur Höllenflamme Beim Gerichte mich verdamme,* Steh mir milde Jungfrau! bei. 1 * Laß, o Mutter! Gnad mich finden Und Verzeihung meiner Sünden Durch des Sohnes Kreuz und Tod!* Wenn die Seel' vom Leib wird scheiden,* Hilf mir zu den Himmelsfreuden,* Dort bei Jesu unserm Gott! Amen. CEYELET KATTO 12: 10 jed Wer ist die, welche wie die aufsteigende Morgenröthe hervorkommit, schön wie den Mond, auserforen wie die Sonne, furchtbar, wie ein wohlgeordnetes Heerlager? Hohelied 6,9. Es erschien ein großes Zeichen im Himmel, ein Weib mit der Sonne bekleidet, der Mond unter ihren Füßen, und auf ihrem Haupte eine Krone von zwölf Sternen.. Offenbarung 12, 1. 423 V. Abschnitt. Andachtsübungen für die Hauptfeste der allerseligsten Jungfrau. Erste Abtheilung. Novenen oder neuntägige Andachten für die fünf vorzüglichsten Feste der allerheiligsten Jungfrau Maria.*) 1. Novene zur Vorbereitung auf das Fest der unbefleckten Empfängniß Maria. ( Beginnt am 29. November.) Vorbereitungsgebete( alle 9 Tage zu beten.) Komm, heiliger Geist! erfülle die Herzen deiner Gläubigen, und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe. V. Sende aus deinen Geist, und sie werden neu geschaffen. R. Und du wirst erneuern das Angesicht der Erde. O Gott! der du die Herzen durch die Erleuchtung des heiligen Geistes gelehrt haft: verleihe, daß wir in dem nämlichen Geiste das Rechte erkennen, und seines Trostes uns allezeit erfreuen. Durch Christum, unsern Herrn. Amen. *) Jedem Chriftgläubigen, welcher entweder allein oder in Gemeinschaft mit Anderen, in einer Kirche oder in seiner Wohnung, eine von den nachbenannten nenntägigen Andachten, als Vorbereitung auf die fünf vorzüglichsten Festeder heil. Inngfrau Maria, halten würde, verlieb Pius VII. mit Refcripten vom 4. Aug. und 24 Nov. 1808, und vom 11. Jänner 1809, auf ewige Zeiten 300 Tage Ablaß für jeden Tag der Andacht, und einen vollkommenen Ablaß, wenn er sie durch alle 9 Tage verrichten, am Tage des darauffolgenden Festes, oder während der Octave desselben die heiligen Sakramente empfangen, und den Herrn und die seligste Jungfrau nach der frommen Meinung Seiner Heiligkeit anrufen würde. Diese Abläße können auch den Seelen, im Fegfeuer geschenkt werden. Novene zur Vorbereitung auf das Fest Gebet. O reinste Jungfrau! pie du ohne Makel der Sünde empfangen, und von diesem ersten Augenblicke beines Lebens, voll der Schönheit, ganz makellos bist! Glorwürdige Maria, gnadenvolle Mutter meines Gottes, Königin der Engel und der Menschen! ich verehre dich demüthigst als die Mutter meines Erlösers, der durch die Hochachtung, durch die Ehrfurcht und Ergebenheit, welche er, obschon wahrer Gott, bir erzeigte, mich gelehrt hat, welche Ehre und Huldigung ich dir beweisen soll. Ich bitte dich, würdige dich, das anzunehmen, was ich in dieser Novene dir darbringe. Du bist die sichere Freistätte der bußfertigen Sünder; daher ich billig meine Zuflucht zu dir nehme. Du bist die Mutter der Barmherzigkeit; so müssen ja meine Armseligkeiten dir zu Herzen gehen. Du bist nach Jesu Christo meine ganze Hoffnung, so wirst du gewiß dieß mein zartes Vertrauen zu dir mit Wohlgefallen annehmen. Mach mich würdig, dein Kind zu heißen, damit ich mit Zuversicht zu dir sagen kann: Erzeige dich mir als eine Mutter! 424 Dann betet man 9 Gegrüßet 2c. und 1 Ehre sei Gott 2c. und alle Tage eines der hier folgenden Gebete. Am 1. Tage, den 29. November. Sieh, zu deinen Füßen, o unbefleckte Jungfrau! erfreue ich mich auf's Höchste mit dir, daß du von Ewigkeit her zur Mutter des ewigen Wortes auserwählt, und von der Erbfünde bewahrt worden bist. Ich danke und lobsinge der allerheiligsten Dreieinigkeit, welche dich in deiner Empfängniß mit solchen Vorzügen bereichert hat, und flehe dich demüthigst an, mir die Gnade zu erbitten, daß ich alle sündhaften Neigungen, welche die Erbsünde als traurige Folgen in mir zurück ließ, glücklich bestege. D, hilf sie mir überwinden, und mache, daß ich nie unterlasse, meinen Gott zu lieben. Amen. Darauf betet man bie lauretanische Litanei, oder folgende Gebet Verse zu Maria: V. Ganz schön bist du, Maria! R. Und die Makel der Erbsünde ist nicht in dir. der unbefleckten Empfängniß Mariä. V. Du bist die Herrlichkeit Jerusalems! R Du bist die Freude Israels! V. Du bist die Ehre unsers Volkes! R. Du die Vermittlerin der Sünder! 425 V. O Maria! allerweiseste und allermildeste Jungfrau, bitt für uns! R. Sei unsere Fürsprecherin bei dem Herrn Jesus Christus! Nach diesem, oder der Litanei spricht man: V. In deiner Empfängniß, o Jungfrau! bist du ohne Makel gewesen. R. Bitte für uns den Vater, dessen Sohn du geboren hast. Gebet. O Gott! der du durch die unbefleckte Empfängniß der Jungfrau deinem Sohne eine würdige Wohnung vor bereitet hast; wir bitten dich, du wollest, gleichwie du sie durch den vorgesehenen Tod ihres Sohnes vor aller Sünde bewahrt hast, auch uns auf ihre Fürbitte mit reinem Herzen zu dir gelangen lassen. O Gott! du Hirt und Lenker aller Gläubigen! siehe auf deinen Diener, unser Papst N., den du zum Hirten deiner Kirche bestimmt hast, gnädig herab; verleihe ihm, daß er Allen, welchen er vorsteht, mit Wort und Beispiel nützlich sei, damit er einst sammt der ihm anvertrauten Heerde zum ewigen Leben gelangen möge. D Gott! unsere Zuflucht und Stärke! unterstüße die frommen Gebete deiner Kirche, du selbst der Urheber aller Frömmigkeit; und laß uns das, um was wir vertrauensvoll bitten, wirksam erlangen. Durch Jesum Chriftum, unsern Herrn. Amen. An dem zweiten Tage, wie an den folgenden, betet man die Vorberettungsgebete, und nach dem für jeden Tag besonders angegebenen Gebete die Litanei oder die Gebet- Berse und die übrigen Gebete, wie am ersten Tage. Am zweiten Tage, den 30. November. O Maria, du unbefleckte Lilie der Reinigkeit! ich freue mich mit dir, daß dir schon im ersten Augenblick deiner- Em 426 Novene zur Vorbereitung auf das Fest pfängniß der vollkommene Gebrauch des Verstandes verliehen worden, und du mit Gnaden erfüllt wardst. Ich bete an und danke der allerheiligsten Dreieinigkeit, daß sie dir so erhabene Gaben ertheilt hat, und verdemüthige mich auf's Tiefste vor bir, weil ich so arm an Gnaden bin. Du aber, die du mit der Fülle der himmlischen Gnaden überschüttet wurdest, laß auch meiner Seele etwas davon zukommen und mich theilnehmen an den Schäßen deiner unbefleckten Empfängniß. Die Litanei oder Gebet- Verse 2c. wie am ersten Tage. • Am 3. Tage, den 1. Dezember. O Maria, du geheimnisvolle Rose der Reinigkeit! ich freue mich mit dir, daß du in deiner unbefleckten Empfängniß glorreich über die höllische Schlange triumphirt haft, und ohne Mafel empfangen wurdest. Ich danke und lobsinge aus vollem Herzen der allerheiligsten Dreieinigkeit, welche dir diesen Vorzug verliehen hat, und bitte dich, mir Muth und Kraft zu erbitten, damit ich alle Nachstellungen des bösen Feindes überwinde, und meine Seele durch keine Sünde verunreinige. Ach! hilf mir jederzeit, und laß mich durch deinen Beistand über die grausamen Feinde unsers ewigen Heiles jederzeit den Sieg erringen. Die Litanei oder Gebets- Verse 2c. wie am ersten Tage. Am 4. Tage, den 2. Dezember. O Maria, du Spiegel makelloser Reinigkeit! ich fühle die innigste Freude, wenn ich sehe, daß dir schon in deiner Empfängniß die erhabensten und vollkommensten Tugenden sammt allen Gaben des heiligen Geistes verliehen wurden. Ich lobsinge und danke der allerheiligsten Dreieinigkeit, daß sie dich mit diesen Vorzügen begünstigt hat, und bitte dich, gütigste, Mutter, du wollest mir den Eifer in Uebung aller Tugenden erwirken, damit ich so gewürdiget werde, die Gaben und die Gnaden des heiligen Geistes zu empfangen. Die Litanet oder Gebets- Verse 2c. wie am ersten Tage. der unbefleckten Empfängniß Maria. Am 5. Tage, den 3. Dezember. O Maria, du mildglänzender Mond der Reinigkeit! ich freue mich mit dir, daß das Geheimniß deiner unbefleckten Empfängniß der Anfang des Heiles der ganzen Menschheit, und die Freude der ganzen Welt geworden ist. Ich danke und lobfinge der allerheiligsten Dreieinigkeit, welche deine erhabene Person also erhöhet und verherrlichet hat, und bitte dich, mir die Gnade zu erlangen, daß ich aus dem Leiden und Tode deines Jesu Nutzen ziehe, und sein am Kreuze vergoffenes Blut an mir nicht verloren sei, sondern daß ich heilig lebe, und mein ewiges Heil erlange. Die Litanei oder Gebets- Verse 2c. wie am ersten Tage.. 427 Am 6. Tage, den 4. Dezember. O Maria, du hellschimmernder Stern der unbefleckten Reinigkeit! ich freue mich mit dir, daß deine unbefleckte Empfängniß unter allen Engeln im Himmel einen so unbeschreiblichen Jubel verursacht hat. Ich danke und lobsinge der allerheiligsten Dreieinigkeit, welche dich mit einem so hohen Vorzuge ausgestattet hat. D! verschaffe, daß ich eines Tages in diese Freuden eingehen dürfe, und in Gemeinschaft der Engel dich ewig loben und preisen möge. Die Litanei oder Gebets- Verse 2c. wie am ersten Tage. Am 7. Tage, den 5. Dezember. O Maria, du aufsteigende Morgenröthe der unbefleckten Reinigkeit; ich freue mich mit dir und verwundere mich hoch, wie du in dem Augenblicke deiner Empfängniß in der Gnade fest gegründet, und aller Sünde unfähig gemacht worden bist. Ich danke und lobsinge der allerheiligsten Dreieinigkeit, daß sie durch diesen besondern Vorzug mit dir allein eine Ausnahme gemacht hat. O, erflehe mir, heilige Jungfrau! daß ich einen vollkommenen und immerwährenden Abscheu über alle Uebel vor der Sünde habe, und lieber sterbe, als je wieder eine zu begehen. Die Litanei oder Gebets- Verse 2c. wie am ersten Tage. Novene zur Vorbereitung auf das Fest Am 8. Tage, den 6. Dezember. O Jungfrau Maria, du Sonne ohne Makel! ich freue mich mit dir und frohlocke, daß dir in deiner Empfängniß von Gott eine größere und reichere Fülle der Gnade verliehen wurde, als alle Engel und Heiligen zusammen mit allen ihren Verz diensten erlangt haben. Ich preise und bewundere dankbar die höchste Freigebigkeit der allerheiligsten Dreieinigkeit, welche dir einen solchen Vorrang ertheilt hat. Verleihe nur, daß ich mit der göttlichen Gnade mitwirke, und dieselbe nie mehr mißbrauche. Aendere mein Herz und mache, daß ich von nun an anfange, mich zu erkennen und zu bessern. Die Litanei oder Gebets- Verse 2c. wie am ersten Tage. # 28 Am 9. Tage, den 7. Dezember. O lebendiges Licht der Heiligkeit, du Vorbild der Reinigfeit, makellose Jungfrau und Mutter Maria! Kaum warst du empfangen, so hast du schon Gott in tiefster Demuth angebetet und ihm gedankt, weil durch deine Mitwirkung der alte Fluch gelöset werden, und die Fülle des Segens auf die Kinder Adams kommen sollte. Ach! verleihe doch, daß dieser Segen die Liebe zu Gott in meinem Herzen entzünde; entflamme du mein Herz, damit ich ihn hier beständig liebe und einst im Himmel ewig genieße, wo ich ihm wegen der dir verliehenen Vorzüge mit größter Inbrunst danken, und mich an der Herrlichkeit, womit du gekrönt bist, ewig erfreuen werde. Amen. Die Litanei oder Gebets- Verse 2c. wie am ersten Tage. 2. Novene zur Vorbereitung auf das Fest der Geburt Mariä.( Beginnt am 30. August.) Vorbereitungsgebete( alle neun Tage zu beten). Komm, heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläus bigen, und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe. V. Sende deinen Geist aus, und sie werden neu geschaffen werden. R. Und du wirst das Angesicht der Erde erneuern. der Geburt Mariä. 429 O Gott! der du die Herzen deiner Gläubigen 2c( wie bei der ersten Novene.) Gebet. O allerheiligste Maria! die du von Ewigkeit her von dem dreieinigen Gott zur Mutter des eingebornen Sohnes des Vaters erwählt und vorbestimmt, von den Propheten vorher verkündigt, von den Patriarchen erwartet, und von allen Völkern ersehnt wurdest; du Schazkammer und lebendiger Tempel des heil. Geistes, du fleckenlose Sonne, empfangen ohne Makel der Erbsünde, Gebieterin des Himmels und der Erde, Königin der Engel! wir verehren dich tief geneigt, und erfreuen uns über die jährliche Gedächtnißfeier deiner für uns so segenreichen Geburt, und aus dem Innersten unseres Herzens flehen wir zu dir, daß du dich gütigst würdigen wolleft, in unsern Seelen geistiger Weise wieder geboren zu werden, damit sie von deiner Lieblichkeit und Süßigkeit gefangen, stets mit deinem süßesten und liebenswürdigsten Herzen vereint leben. Amen. Dann betet man 9 Gegrüßet 2c. und 1 Ehre sei Gott 2c. und alle Tage eines der hier folgenden Gebete. Am 1. Tage, den 30. August. Mit neun besonderen Begrüßungen begehen wir die Feier iener Zeit von neun Monaten, welche du in dem mütterlichen Schooße verschlossen warst, und preisen dich, daß du, aus dem königlichen Stamme Davids entsproffen, mit großen Ehren von beinter glückseligsten Mutter, der heiligen Anna, zur Welt geboren wurdest. Gebet. O liebenswürdigstes Kind! welches du durch deine gnadenvolle Geburt die Welt getröstet, den Himmel erfreut und die Hölle erschreckt haft: welches den Gefallenen eine Stüße, den Betrübten eine Stärkung, den Kranken ein Heil, und Allen ein Trost geworden; wir bitten dich mit innigstem Verlangen, du wolleft in unserer Seele, mit deiner heiligen Liebe, heute geistiger Weise wieder geboren werden. Belebe und erneuere unsern Geist zu deinem Dienste; entflamme unsere Herzen abermals zur Liebe gegen dich, laß in uns jene Tugend aufblühen, wodurch wir mehr und mehr Gnade finden in d 430 Novene zur Vorbereitung auf das Fest Deinen mitleidigsten Augen. O Maria! bleibe allezeit unsere Maria( Frau und Fürsprecherin), indem du uns verkosten lasseit die heilsamen Früchte deines anmuthigsten Namens. Die Anrufung dieses Namens sei unsere Stüße in der Kümmers niß, unsere Hoffnung in Gefahren, unser Schild in den Vers suchungen, unsere Erleuchtung im Tode. Dein Name, Maria! sei Honig in meinem Munde, meinen Ohren eine sanfte Melodie, und ein Jubelruf in meinem Herzen. Amen. Hier folgt die lauretanische Litanei, dann betet man: V. Deine Geburt, o Jungfrau und Gottesgebärerin! R. Hat Freude verkündet der ganzen Welt. Wir bitten dich, o Herr! du wollest deinen Dienern das Geschenk der himmlischen Gnade verleihen; damit, gleichwie uns der Eingeborne der Jungfrau zum Anfang des ewigen Heiles geworden ist, die festliche Feier ihrer Geburt uns zum Wachsthum des Friedens gereiche. O Gott, du Hirt und Lenker aller Gläubigen! siehe auf deinen Diener, unsern Papst N., den du zum Hirten deiner Kirche bestimmt hast, gnädig herab: verleihe ihm die Gnade, daß er Allen, welchen er vorsteht, mit Wort und Beiſpiel nüßlich sei, damit er einst sammt der ihm anvertrauten Heerde zum ewigen Leben gelangen möge. O Gott! unsere Zuflucht und Stärke, unterstüße die from men Gebete deiner Kirche, du selbst der Urheber aller Frömmigfeit; und laß uns das, um was wir vertrauensvoll bitten, wirksam erlangen. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Am 2. Tage, den 31. August. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. Wir grüßen dich, himmlisches Kind! schneeweiße Taube der Reinigkeit, die du zum Hohne des höllischen Drachen ohne Erbfünde bist empfangen worden. Gegrüßet seist du ic. Dann folgen die Gebete sammt der Litanei, wie am ersten Tage. - der Geburt Mariä. Am 3. Tage, den 1. September. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. Wir grüßen dich, hellschimmernde Morgenröthe, die du als die Vorherverkünderin der göttlichen Sonne der Gerechtigkeit, das erste Licht der Erbe wieder gebracht hast.-- Gegrüßet ſeift du 2c. Dann folgen die Gebete jammt der Litanei, wie am ersten Tage. Am 4. Tage, den 2. September. Die Vorbereitungsgebetę, wie oben. Wir grüßen dich, o Auserwählte! die du in der dunkelsten Nacht der Sünde wie die heiterfte Sonne aufgingest. Gegrüßet seist du 2c. Dann folgen die Gebete sammt der Litanei, wie am ersten Tage. - Am 5. Tage, den 3. September. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. Wir grüßen dich, schönster Mond! der du die Welt, welche in die dichteste Finsternisse des Heidenthumes gehüllt war, ganz erhellet hast. Gegrüßet seist du zc. Dann folgen die Gebete jammt der Litanei, wie am ersten Tage. - Am 6. Tage, den 4. September. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. Wir grüßen dich als eine Schrecken erregende Kriegerin, die du, gleich einem geordneten Kriegsheere, allein die ganze Hölle in die Flucht geschlagen hast. Gegrüßet seist du 2c. Dann folgen die Gebete jammt der Litanei, wie am ersten Tage. - - Am 7. Tage, den 5. September. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. Wir grüßen dich, Maria, du schönste Seele! die du von Ewigkeit her ganz besonders ein Eigenthum Gottes warest. Gegrüßt seist du zc. Dann folgen die Gebete jammt der Litanei, wie am ersten Tage. Novene zur Vorbereitung auf das Fest Am 8. Tage, den 6. September. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. Wir grüßen dich, o liebes Kind! und verehren deinen heiligs sten, kindlichen Leib, die heiligen Windeln, womit du umwickelt wurdeft, die heilige Wiege, in der du ruhtest, und benedeien die Gegrüßet Zeit und den Augenblick, wo du geboren warst. feist du sc. Dann folgen bie Gebete sammt der Litanei, wie am ersten Tage. 432 - Am 9. Tage, den 7. September. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. Wir grüßen dich, o geliebtes Kindlein! geziert mit allen Tugenden in einem unermessen erhabneren Grade, als alle Heiligen! würdig daher, die Mutter des Erlöfsers zu werden, und überschattet von der Kraft des heiligen Geistes, das eingefleischte Wort zu gebären.- Gegrüßet seist du 2c. Dann folgen die Gebete jammt der Litanei, wie am ersten Tage. 3. Novene zur Vorbereitung auf das Fest Mariä Verkündigung.( Beginnt am 16. März.) Vorbereitungsgebete( alle neun Tage zu beten.) Komm, o heiliger Geist! erfülle die Herzen deiner Gläubie gen, und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe. V. Sende deinen Geist aus, und sie werden neu geschaffen werden. R. Und du wirst das Angesicht der Erde erneuern. O Gott! der du die Herzen deiner Gläubigen durch die Erleuchtung des heiligen Geistes gelehret haft; verleihe, daß wir in dem nämlichen Geiste das Rechte erkennen, und seines Trostes uns allezeit erfreuen mögen. Durch Christum unsern Herrn. Amen. Am 1. Tage, den 16. März. Ich verehre und bewundere dich, heiligste Jungfrau Maria! als die demüthigste unter allen erschaffenen Wesen vor Gott, zu jener Zeit, als er dich am Tage deiner Verkündigung zur erhabensten Würde seiner Mutter erhob. Verleihe, o mächtige Jungfrau! daß ich elender Sünder doch einmal mein Nichts erkenne, Ge und mich vor Allem mit aufrichtigem Herzen demüthige. grüßt seist du zc. Mariä Verfündigung. Hier wird die lauretanische Litanei gebetet, dann spricht man: V. Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, R. Und sie empfing vom heiligen Geiste. Gebet. O Gott! der du nach der Verkündigung des Engels, dein Wort vom Leibe der seligsten Jungfrau Maria wolltest Fleisch annehmen lassen; gewähre unser demüthiges Flehen: daß uns, die wir sie wahrhaft als Gottesgebärerin erkennen, auf ihre Fürbitte bei dir geholfen werde. 433 O Gott, du Hirt und Lenker aller Gläubigen! siehe auf deinen Diener, unsern Papst N., den du zum Hirten deiner Kirche bestimmt hast, gnädig herab; verleihe ihm, wir bitten dich, daß er Allen, welchen er vorsteht, mit Wort und Beispiel nüßlich ſei; damit er einst sammt der ihm anvertrauten Heerde zum ewigen Leben gelangen möge. O Gott, unsere Zuflucht und Stärke! unterstüße die frommen Gebete deiner Kirche, du selbst der Urheber aller Frömmigfeit; und laß uns das, um was wir vertrauensvoll bitten, wirksam erlangen. Durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Am 2. Tage, den 17. März. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. O heiligste Jungfrau Maria! die du, geehrt durch den Gruß und die Verkündigung des Erzengels Gabriel, und von Gott über alle Chöre der Engel erhoben, dich nur als eine Magd des Herrn bekennest: ,, Sieh ich bin eine Dienerin des Herrn!" Erlange mir eine wahre Demuth, und eine wahrhaft englische Reinigkeit, daß ich stets ein Leben würdig des göttlichen Wohlgefallens führe. - Gegrüßet seist du 2c. Dann folgt die Litanei und die Gebete, wie oben. Am 3. Tage, den 18. März. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. Ich freue mich mit dir, o feligste Jungfrau! daß du mit dem einzigen Worte: ,, Es geschehe!"- welches du mit so vie ler Demuth aussprachest, das göttliche Wort aus dem Schooße des ewigen Vaters hernieder ziehend, in deinem Schooße empfangen hast. D! ziehe allezeit mein Herz zu Gott, und mit Gott die 28 434 Novene zur Vorbereitung auf das Fest Gnade in mein Herz; damit ich von Herzen dein„ Es geschehe" allezeit benedeien und mit Andacht ausrufen könne:, mächs tiges: Es geschehe! O kräftiges Wort! O! es geschehe! verehrungswürdig über jedes andere! Es geschehe!"( Heiliger Thomas von Villanova.) Gegrüßet seist du 2c. Dann folgt die Litanei und die Gebete wie oben. Am 4. Tage, den 19. März. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. Du, o erhabene Jungfrau Maria! wurdeft am Tage deiner Verkündigung von dem Erzengel Gabriel so bereitwillig gefunden, dem göttlichen Willen und dem Verlangen der allerheiligsten Dreieinigkeit zu entsprechen, welche deine Einstimmung begehrte, um durch deinen Sohn die Welt zu erlösen: verleihe, daß ich bei jedem angenehmen oder unangenehmen Vorfalle mich allzeit zu Gott wende, und mit Ergebung ausrufe: ,, Mir geschehe nach deinem Worte! Gegrüßet seist du 2c. Dann folgt die Litanei und die Gebete, wie oben. Am 5. Tage, den 20. März. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. Ich sehe wohl, heiligste Jungfrau! wie dein Gehorsam dich so eng mit Gott verband, daß kein anderes pures Geschöpf einer gleichen Vereinigung fähig ist. Sie konnte nicht inniger mit Gott, ohne selbst Gott zu werden, vereiniget seyn."( Sel. Albert Magnus.) Allein um so mehr betrübe ich mich, daß ich wegen meiner Sünden so sehr mit Gott zerfallen bin. Ach, gütigste Mutter! hilf mir, daß ich herzliche Reue darob erwecke, und würdig werde, mich mit deinem lieben Jesus zu vereinigen. grüßet seist du zc. GeDann folgt die Litanei und die Gebete, wie oben. - Am 6. Tage, den 21. März. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. Wenn du, heiligste Mutter Maria! beim Erscheinen des Erzengels Gabriel in deinem Hanse aus jungfräulicher Sittsamkeit erschrackest; so entsetze ich mich vor meiner großen Dreistigfeit, wenn ich vor dir erscheine; aber durch deine unbegreifliche Mariä Verkündigung. 435 Demuth, die nach dem Ausspruche des heiligen Augustinus, uns Menschen einen Gott gebar, den Himmel öffnete, und die Seelen von der Hölle befreite, bitte ich dich, mich aus der Tiefe meiner Verschuldungen herauszuziehen und mir das ewige Heil zu erwirGegrüßet seist du 2c. Dann folgt die Litanei und die Gebete, wie oben. fen. - Am 7. Tage, den 22. März. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. 11 Obschon meine Zunge nicht rein ist, o reinste Jungfrau! wage ich dennoch, zu allen Stunden dich mit den Worten zu begrüßen: Sei gegrüßet, voll der Gnaden!" und bitte dich vom Herzen, meiner Seele etwas Weniges von jener Gnadenfülle mitzutheilen, womit du, als der heilige Geist dich überschattete. überschwänglich erfüllet wurdest. Gegrüßet seist du 2c. Dann folgt die Litauei und die Gebete, wie oben. - Am 8. Tage, den 23. März. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. Ich glaube, o heiligste Maria! daß der allmächtige Gott, der von deiner Empfängniß an allzeit bei dir war-" Der Herr ist mit dir!"- noch mehr durch seine Menschwerdung in deinem reinsten Schooße mit dir sich vereiniget habe. Darum bitte ich dich, mir beizustehen, daß ich im Herzen immerdar mit meinem lieben Jesus, durch die heiligmachende Gnade vereiniget bleibe. Gegrüßet seist du 2c. Dann folgt die Litanet und die Gebete, wie oben. Am 9. Tage, den 24. März. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. allezeit die GejegIch flehe dich an, o heiligste Jungfrau! daß du mein Herz und meine Seele segnen wollest, gleichwie du netste von Gott aus allen Weibern warest." Du bist gebenedeit unter den Weibern." Ich bin der zuversichtlichsten Hoffnung, daß, wenn du, liebe Mutter! mich jetzt im Leben segnen wirft, ich auch nach dem Tode durch alle Ewigkeit gesegnet seyn werde in der himmlischen Glorie. Gegrüßet feist du zc. 28* - - - Novene zur Vorbereitung auf das Fest 4. Novene zur Vorbereitung auf das Fest der Reinigung Maria.( Beginnt am 24. Januar.) Die Vorbereitungsgebet. für jeden Tag. 436 Komm, heiliger Geist! erfülle die Herzen deiner Gläubigen. und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe. V. Sende deinen Geist aus, und sie werden neu geschaffen werden. R. Und du wirst das Angesicht der Erde erneuern. O Gott! der du die Herzen deiner Gläubigen durch die Ers leuchtung des heiligen Geistes gelehret hast; verleihe, daß wir in dem nämlichen Geiste das Rechte erkennen, und seines Trostes uns allezeit erfreiten mögen. Durch Christum, unsern Herrn. Amen. Am 1. Tage, den 24. Januar. O heiligste Mutter Maria! du hellester Spiegel jeder Tus gend! Kaum als vierzig Tage nach der Geburt deines Jesu verfloffen waren, wolltest du, obschon die reinste unter den Jungfrauen, dich nach dem Geseße im Tempel zur vorgeschriebenen Reinigung darstellen. O laß auch uns nach deinem Beispiele unser Herz von aller Schuld rein bewahren, damit wir einst verdienen, in dem Tempel der Herrlichkeit dargestellt zu werden. Gegrüßet seist du 2c. - Hierauf wird die lauretanische Litanei gebetet, bann spricht man: V. Es war dem Simeon vom heiligen Geiste geoffenbaret worden. R Daß er den Tod nicht sehen werde, ehe er den Gefalbten des Herrn gesehen hätte. Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott! wir flehen deine Majestät fußfällig an, daß, gleichwie dein Eingeborner Sohn mit der Wesenheit unseres Fleisches im Tempel dargestellt wurde, du auch uns verleihen mögest, daß wir mit gereinigtem Sinne dir vorges stellet werden. O Gott! du Hirt und Lenker aller Gläubigen, siehe auf deinen Diener, unsern Papst N., den du zum Hirten deiner Kirche bestimmt hast, gnädig herab; verleihe ihm, wir bitten dich, daß er Allen, welchen er vorsteht, mit Wort und Beispiel nüßlich sei, damit er einst sammt der ihm anvertrauten Heerde zum ewigen Leben gelangen möge. der Reinigung Mariä. 437 O Gott, unsere Zuflucht und Stärke! unterstüßte die from. men Gebete deiner Kirche, du selbst der Urheber aller Frömmigfeit; und laß uns das, um was wir vertrauensvoll bitten, wirkfam erlangen. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Am 2. Tage, den 25. Januar. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. Du gehorsamste Jungfrau! wolltest, als du dich in den Tempel begabst, nach der Art aller andern Weiber, das vorgeschriebene Reinigungsopfer darbringen; o verleihe, daß auch wir deinem Beispiele nachfolgen, und stets bereit seien, durch die Aus. übung aller Tugenden, uns selbst Gott zum Opfer darzubringen. Gegrüßet seist du 2c. Dann folgt die Litanel und die Gebete, wie oben. Am 3. Tage, den 26. Januar. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. O reinste Jungfrau! als du die Vorschrift des Gesetzes befolgteft, achtetest du dessen nicht, von den Menschen für unrein gehalten zu werden. O! erwirke uns bei Gott die Gnade, daß wir unser Herz stets rein erhalten, und auch ruhig bleiben, wenn wir in den Augen der Welt als Schuldige erscheinen sollen. Gegrüßet seist du 2c. Dann folgt die Litanei und bie Gebete, wie oben. Am 4. Tage, den 27. Januar. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. Oheiligste Jungfrau! als du deinen göttlichen Sohn dem ewigen Vater zum Opfer brachtest, warst du das Wohlgefallen aller Himmelsbewohner; o stelle doch auch unser armes Herz dem ewigen Vater vor, damit es durch seine Gnade vor der Todsünde allezeit bewahrt bleibe. Gegrüßet seist du 2c. Dann folgt die Litanei und die Gebete, wie oben.. Am 5. Tage, den 28. Januar. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. Demüthigste Jungfrau! da du Jesum in die Arme des heis ligen Greises Simeon legtest, hast du seine Seele mit himmlischer 438 Novene zur Vorbereitung auf das Fest Wonne erfüllt; o übergib auch unser Herz Gott dem Herrn, damit er es ganz mit seinem heiligen Geiste erfülle.- Gegrüßet feist du zc. Dann folgt die Litanei und die Gebete, wie oben. Am 6. Tage, den 29. Januar. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. O heiligste Jungfrau, voll der Sittsamkeit! du hast durch die Auslösung deines Eingebornen Sohnes Jesu, nach dem Gesebe, zum Heile der Welt mitgewirkt; o erlöse auch unser armes Herz von der Sklaverei der Sünde, damit es vor Gott stets rein verbleibe.- Gegrüßet seist du 2c. Dann folgt die Litanei und die Gebete, wie oben. Am 7. Tage, den 30. Januar. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. O hochherzige Jungfrau! als du von Simeon die Weissagung deiner bevorstehenden Leiden hörtest, hast du dich bereit gezeigt, allen Anordnungen Gottes dich willig zu unterwerfen; o verleihe, daß auch wir uns allezeit den göttlichen Anordnungen unterwerfen, und die Trübfale mit Geduld ertragen. Gegrüs Bet feist du 2c. Dann foigt die Litanei und die Gebete, wie oben. - Am 8. Tage, den 31. Januar. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. Mitleidigste Jungfrau! die du die Prophetin Anna durch dein göttliches Kind mit höherem Lichte erfülltest, das sie in heiliger Freude, die Barmherzigkeit Gottes preisend, erhob, wie sie Jesum als den Erlöser der Welt erkannte; erfülle auch unsern Geist mit himmlischen Gnaden, damit wir uns reichlicher Früchte ver göttlichen Erlösung erfreuen können. Gegrüßet seist du 2c. Dann folgt die Litanei und die Gebete, wie oben. - Am 9. Tage, den 1. Februar. Die Vorbereitungsgebete, wie oben. Starkmüthigste Jungfrau! die du in Vorhersehung des Schmerzhaften Leidens deines Sohnes, das Schwert des Schmer. 439 der Reinigung Mariä. zes deine Seele durchdringen fühltest, und ersehend die Betrübniß deines Bräutigams, des heiligen Joseph, wegen deiner künftigen Leiden, ihn mit heiligen Worten getröstet hast: durchstich unser Herz mit einem wahren Schmerzen über unsere Sünden, damit wir einst die Freude erlangen, deiner Herrlichkeit im Paradiese theilhaft zu werden.- Gegrüßet feist du 2c. Dann folgt die Litanel und die Gebete, wie oben. 5. Novene zur Vorbereitung auf das Fest der Himmelfahrt Maria. Beginnend am 6. August. Am 1. Tage, den 6. August. Komm heiliger Geist! erfülle die Herzen deiner Gläubigen, und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe. V. Sende deinen Geist aus, und sie werden neu geschaffen werden. R. Und du wirst das Angesicht der Erde erneuern. O Gott! der du die Herzen deiner Gläubigen durch die Erleuchtung des heiligen Geistes gelehret haft; verleihe, daß wir in dem nämlichen Geiste das Rechte erkennen, und seines Trostes uns allezeit erfreuen mögen. Durch Christum, unsern Herrn. Amen. Hymnus. Der Jungfrau'n herrlichste bist du,* Erhöhet zu des Himmels Luft.* Der dich erschuf, lag still in Ruh* Als Säugling einst an deiner Brust. Was Eva Allen uns verlor,* Das gab zurück dein göttlich Kind:* So öffnest du des Himmels Thor* Den Büßern, die es wahrhaft find. Du führeft sie zum König hin,* Bist selbst des Himmels Heiligthum: O singt der Lebensspenderin,* Erlöste Völker Preis und Ruhm. * Dir, Jesus Christus! bringen wir,* Den uns Mariens Schooß gebar,* Dir Vater, und o Geist; auch dir,* Der Seele ew'gen Jubel dar. Amen. Die Herrlichkeit Mariä im Tode; denn sie war bereitet, gut zu sterben. Erwägen wir, wie Maria in dem Augenblicke ihres Todes verherrlichet ward, weil sie ihr Leben hindurch bereitet war, gut zu sterben, durch die feurigste Sehnsucht, Gott zu sehen, und mit 440 Novene zur Vorbereitung auf das Fest ihrem Sohne vereinigt zu werden, und durch das Verdienst ihret vollendeten Vollkommenheit, welche für Jeden unerreichbar ist. Erwägen wir aber im Gegensaße, wie sehr verschieden unser Verhalten in der Vorbereitung zum Tode von jenem der gebenedeiten Mutter ist, und bitten wir sie also: O heiligste Jungfrau! die du, um dich zu einem heiligen Tode vorzubereiten, dein Leben in ununterbrochener Sehnsucht nach der seligen Anschauung Gottes zugebracht hast; verleihe, daß die eitlen Wünsche nach den vergänglichen Gütern dieser Erde von uns genommen werden. Drei Gegrüßet seist du 2c. O heiligste Jungfrau! die du, um dich zu einem heiligen Tode vorzubereiten, in deinem Leben dich sehntest, auf immer mit deinem Sohne Jesu dich zu vereinigen; verleihe, daß wir Jesu getreu bleiben bis in den Tod. Drei Gegrüßet seist du 2c. • 1 -- - Oheiligste Jungfrau! die du, um heilig zu sterben, dir eine Fülle von unerreichbaren Verdiensten und Tugenden sammel, teft, bitte für uns, daß wir die Tugend und die Gnade des Herrn als den einzigen Weg erkennen, der uns sicher zum Heile führt. Drei Gegrüßet seist du 2c. Wir wollen Maria preisen, daß sie so beslissen war, eines heiligen Todes zu sterben; und indem wir ihre Herrlichkeit erheben, wollen wir uns mit den neun Chören der Engel vereinigen, welche sie bei ihrer Aufnahme in den Himmel begleiten, indem wir mit dem ersten Chore sprechen: Hier betet man die Lauretanische Litanei, und dann: V. Erhöhet ward die heilige Gottesgebärerin, R. Uleber die Chöre der Engel im Reiche der Himmel. Gebet. Die Sünde deiner Diener wollest du, o Herr! gnädig verzeihen, und uns, die wir mit unsern Werken dir nicht zu gefallen vermögen, auf die Fürbitte der Mutter deines Sohnes, unsers Herrn, das Heil erlangen laſſen. O Gott, du Hirt und Lenker aller Gläubigen! fiehe auf deinen Diener unsern Papst N., den du zum Hirten deiner Kirche bestimmt hast, gnädig herab, und verleihe ihm, daß er Allen, welchen er vorsteht, mit Wort und Beispiel nüßlich sei: damit er einst sammt der ihm anvertrauten Heerde zum ewigen Leben gelangen möge. Mariä Himmelfahrt. 441 O Gott, unsere Zuflucht und Stärke! unterstüße die frommen Gebete deiner Kirche, du selbst der Urheber aller Frömmigkeit; und laß uns das, um was wir vertrauensvoll bitten, wirk. sam erlangen. Durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Am 2. Tage, den 7. August. Komm, heiliger Geist 2c., mit dem Gebete und Hymnus, wie am ersten Tage. Die Herrlichkeit Mariä im Tode; indem sie ihren Sohn Jesus, und die gegenwärtigen Apostel zum Beistand hatte. Betrachten wir, wie glorwürdig Maria in dem Augenblicke ihres Todes war; denn sie wurde nicht nur von den Aposteln und Heiligen, sondern auch von ihrem Sohne, Jesu Christo, selbst getröstet. Indem wir also den überschwenglichen Troft erwägen, den sie bei ihrem Hinscheiden über eine so vor: zügliche Gnade empfand, wollen wir uns ihr folgendermaßen empfehlen: O glorwürdige Jungfrau! die du zu deinem größten Troste verdienet hast, im Beiseyn der Apostel und Heiligen zu sterben, erwirke uns bei Gott die Gnade, daß auch unsere Seele in deiner Gegenwart, und im Beiseyn unserer heiligen Fürsprecher verscheide.- Drei Gegrüßet seist du 2c. O glorwürdige Jungfrau! die du in deiner Todesstunde durch die Erscheinung deines Sohnes Jesu getröstet wurdeft; bitte für uns, daß auch wir in jener Stunde, wenn wir Jefum Christum in der heiligen Wegzehrung empfangen, durch seine Gegenwart uns getröstet sehen.- Drei Gegrüßet seist du 2c. O glorwürdige Jungfrau! die du deinen Geist in die Arme Jesu übergeben hast, hilf uns, daß wir sowohl im Leben als im Tode unsere Seele in die Arme Jesu übergeben, und alle zeit bereit ſeien, seinten heiligsten Willen zu vollbringen. Drei Gegrüßet seist du 2c. - Wir wollen die Herrlichkeit Mariä erheben, welcher in der Stunde ihres Hinscheidens die Apostel und ihr Sohn Jefus beigestanden haben, und indem wir uns ihres Triumphes erfreuen, sprechen wir voll des Trostes mit dem zweiten Chore der Engel: 442 Novene zur Vorbereitung Hier betet man die lauretanische Litanei und die folgenden Gebete, wie am ersten Tage. Am 3. Tag, den 8. August. Komm, heiliger Geist 2c., mit dem Gebete und Hymnus, wie am ersten Tage. Die Herrlichkeit Mariä im Tode; ba ihre Seele blos aus Uebermacht der Liebe vom Leibe schied. Betrachten wir, wie die heiligste Jungfrau Maria im Tode verherrlicht ward, da sie blos aus Uebermacht der göttlichen Liebe ihre Seele hingab; und indem wir ein sehnliches Verlangen tragen, auch durch ein solches heiliges Liebesfeuer im letzten Rampfe gestärkt zu werden, flehen wir also zu ihr: O Maria, glückseligste der Jungfrauen! die du allein aus Andrang der heftigsten Liebe zu Gott, dieß sterbliche Leben verließest; nimm dich unser an, daß diese lebendige Flamme der Liebe, dem göttlichen Willen gemäß, auch in uns angezündet werde. Drei Gegrüßet seist du zc. - O Maria, glückseligste der Jungfrauen! die du, aus Uebermacht der göttlichen Liebe sterbend, uns lehrest, wie unsere Liebe zu Gott beschaffen sein sollte! verleihe, daß wir uns von ihm weder im Leben noch im Tode mehr trennen.- Drei Ge grüßet seist du 2c. O Maria, glückseligste der Jungfrauen! die du bei deinem Hinscheiden aus diesem Leben durch die Stärke der Verzückung deines Geistes zu Gott genugsam bewiesest, wie groß jenes Feuer war, das stets in deinem Herzen brannte; erlange uns nur einen Funken deines göttlichen Feuers, damit wir unsere Sünden wahrhaft möchten bereuen können.- Drei Gegrüßet feist du 2c. Wir erheben lobpreisend mit dem dritten Chore der Engel die unaussprechliche Glorie Mariä, die ganz entflammt ist von Liebe zu ihrem Gott, und sprechen: Hier betet man die lauretanische Litanel, und alle folgenden Gebete, wie am ersten Tage. auf das Fest Mariä Himmelfahrt. Am 4. Tag, den 9. August. Komm, heiliger Geist 2c., mit dem Gebete und Hymnus, wie am ersten Tage. Die Herrlichkeit Mariä nach dem Tode; an ihrem heiligen Leichnam. 443 Betrachten wir, wie glorreich nach dem Tode Mariä ihr entfeelter Leib war, der mit wunderbarem Glanze und hoher Majestät umgeben, paradiesischen Wohlgeruch verbreitete, bei dessen Ansehen auch unzählige Wunder geschahen. Indem wir sonach unser Elend überdenken, wollen wir sie folgendermaßen bitten: GAO unversehrteste Frau! die du wegen deiner jungfräulichen Reinigkeit verdient haft, an deinem entseelten Leibe so hellleuchtend, und in solcher Majestät zu erscheinen: erlange uns Kraft, daß wir mächtig seien, jeden unreinen Geist von uns abzuhalten.Drei Gegrüßet seist du sc. O du unversehrteste Frau! die du wegen deiner seltenen Tugenden die lieblichsten Wohlgerüche des Himmels um deinen entseelten Leib verbreitet hast; verleihe, daß unser Leben dem Nächsten zur Erbauung diene, und wir mit unseren bösen Beiſpielen ihm nimmer zum Aegernisse werden. Drei Gegrüßet feift du 2c. - O unversehrte Frau! bloß durch das Ansehen deines heiligen Leibes wurden schon unzählige körperliche Krankheiten geheilt; verleihe doch auch, daß wir auf deine Fürbitte von allen Krankheiten unserer Seele geheilt werden.- Drei Gegrüßet ſeist du zc. Freuen wir uns wegen der Herrlichkeit, die sich an dem heiligen Leibe Mariä offenbarte, und vereinigen wir uns mit dem vierten Chore der Engel, um ihre Hoheit über alles zu preisen, indem wir sprechen: Hier betet man die lauretanische Lttanei, und die folgenden Gebete, wie am ersten Tage. Am 5. Tag, den 10. August. Komm, heiliger Geist 2c., mit dem Gebete und Hymnus, wie am ersten Tage 444 Novene zur Vorbereitung Die Herrlichkeit Mariä nach dem Tode; in ihrem erstandenen Leibe. Betrachten wir, wie glorwürdig Maria nach dem Tode war, als ihr heiligster Leib, durch die Kraft des Allerhöchsten, zum Leben wieder erstand, und die Eigenschaften der verklärten Leiber, die Klarheit, Durchdringlichkeit, Behendigkeit und Leidensunfähigkeit erhielt. Freuen wir uns sonach über den Vorzug ihrer Herrlichkeit, und rufen wir sie also an: O erhabendste Frau! die du von deinem Gott so glorreich zum Leben erweckt wurdest, erzeige dich uns gnädig; auf daß auch wir am Tage des allgemeinen Gerichtes also möchten er weckt werden. Drei Gegrüßet seist du 2c. - Derhabenste Frau! die du wegen deiner Demuth und hoher Tugend- Beispiele während deines sterblichen Lebens, durch die Gnade der Klarheit und Durchdringlichkeit in deinem erstandenen Leibe erhöhet wardst; verschaffe, daß wir jede sündhafte Angewöhnung ablegen, und, indem wir die verderbliche Hochschätzung unser selbst in uns vertilgen, die heilige Demuth, als unser wahrer Schmuck, ihre Wohnung in uns nehme.- Drei Gegrüßet seist du 2c. beisitas O erhabenste Frau! burch jene Behendigkeit und Leidensunfähigkeit, womit du wegen des Eifers des Geistes und deiner großen Geduld, welche dich hier auf Erden vor Andern auszeichnete, in deinem wieder erstandenen Leibe verherrlicht wurdest, erbitte uns Muth, unsern Leib kräftig zu bezwingen, und wider seine ungeordneten Neigungen mit Geduld zu streiten. Drei Gegrüßet seist du sc. - Verehren wir nun schuldigst Maria, und indem wir ste wegen der Herrlichkeit, die sie an ihrem erstandenen Leibe erlangte, hoch erheben, preisen wir sie mit dem fünften Chore der Engel und sagen:( Hier betet man die lauretanische Litanei, und die folgenden Gebete, wie am ersten Tage. Am 6. Tage, den 11. August. Komm heiliger Geist, mit dem Gebete 2c. wie am ersten Tage. Die Herrlichkeit Mariä nach dem Tode; bei ihrer Aufnahme in den Himmel. Betrachten wir wie glorreich Maria in den Himmel aufs genommen wurde, indem sie von vielen Legionen der Engel, und auf das Feft Mariä Himmelfahrt. von den Seelen, die sie durch ihre Verdienste aus dem Fegfeuer erlöfte, dahin geleitet ward; und indem wir bei ihrem herrlichen Triumphe frohlocken, legen wir unsere Bitte ihr demüthig zu Füßen, und rufen sie also an: O große Königin! die du mit solcher Herrlichkeit in das Reich des ewigen Friedens eingezogen bist: verleihe, daß auf deine Fürbitte jeder irdische Gedanke von uns genommen, und unsere Herzen in der Betrachtung der unveränderlichen Güter des Himmels befestigt werden. Drei Gegrüßet seist du zc.. - O große Königin! die du bei deiner Auffahrt in den Himmel von allen Chören der Engel begleitet wurdeft, erwirke uns bei Gott Klugheit und Muth, die Anfälle unserer Feinde zurückzuschlagen, und gib uns Folgsamkeit gegen die Mahnungen des heiligen Schußengels, der uns beständig nahe ist und uns regieret.Drei Gegrüßet feist du 2c. O große Königin! durch jene Verherrlichung, welche dir bei deiner Aufnahme in den Himmel durch das Geleit jener Seelen, welche du durch deine Verdienste aus dem Fegfeuer erlöset hattest, gegeben ward, nimm dich unser an, auf daß wir von der Sklaverei der Sünde befreit, und würdig befunden werden, dich die ganze Ewigkeit zu preifen. Drei Gegrüßet feist du 2c. - Wir wollen ohne Unterlaß über den erhabenen Triumph Mariä uns erfreuen, und über alle jene hohe Verherrlichung, die ihr bei ihrer feierlichen Aufnahme in den Himmel zu Theil wurde, und indem wir unsere Verherrlichung mit dem sechsten Chore der Engel vereinigen, sprechen wir: Hier betet man die lauretanische Litanei, und die folgenden Gebete, wie am ersten Tage. Am 7. Tag, den 12. August. Komm heiliger Geist 2c., mit dem Gebete und Hymnus, wie am ersten Tage. Die Herrlichkeit Marià nach dem Tode; wegen ihrer Würde, die sie im Himmel erhielt. Betrachten wir, wie Maria im Himmel verherrlicht wurde, indem sie, zur Königin des Himmels und der Erde erhoben, 446 Novene zur Vorbereitung einen fortwährenden Tribut des Lobes und der Verehrung von einer unzähligen Menge von Engel und Heiligen empfängt; daher wir uns niederbeugend vor dem Throne ihrer Heiligkeit, ihren Beistand mit folgendem Gebete anrufen wollen: O erhabenste Königin der ganzen Welt! die du durch deine unvergleichbaren Verdienste zu solcher Herrlichkeit im Himmel erhoben wurdest; stehe mitleidig auf unser Elend herab, und regiere uns durch den gütigen Einfluß deines wirksamen Schutzes. Drei Gegrüßet seist du 2c. O erhabenste Königin der ganzen Welt! die du ohne Unterlaß die Verehrung und Huldigung aller himmlischen Geister empfängst, erlaube uns gnädig, daß wir dich anrufen dürfen, und verschaffe, daß unsere Anliegen mit jener Ehrerbietung dir vorgetragen werden, welche deiner Würde und Hoheit angemessen sind. Drei Gegrüßet seist du 2c. O erhabenste Königin der ganzen Welt! durch jene Herrlichkeit, die dir wegen der höchsten Stelle, welche du nach Gott im Himmel einnimmst, gebühret; würdige dich, uns in die Zahl deiner Diener aufzunehmen, und erwirke uns bei Gott die Gnade, daß wir allezeit bereit seien, die Gebote unsers Gottes und Herrn getreu zu erfüllen.- Drei Gegrüßet seist du sc. Nehmen wir auch an jener Freude Theil, welche die Engel über die Verherrlichung Mariä empfinden, und indem wir uns hoch erfreuen, daß sie zur Königin der ganzen Welt glor reich erhoben wurde, sagen wir mit dem siebenten Chore der Engel: - - Hier betet man die lauretanische Litanei und alle folgenden Gebete wie am ersten Tage. Am 8. Tage, den 13. August. Komm heiliger Geist 2c., sammt dem Gebete und dem Hymnus, wie am ersten Tage. Die Herrlichkeit Mariä nach dem Tode; wegen der Krone, womit sie geziert wurde. Betrachten wir die Herrlichkeit Mariä in dem königlichen Diadem, daß sie von ihrem göttlichen Sohne erhielt, und in der tiefen Einsicht, die ihr in die erhabensten und verborgensten, vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Dinge verliehen ward; auf das Fest Mariä Himmelfahrt. 442 und voll der Ehrfurcht gegen die ausgezeichnete Würde dieser großen Königin, flehen wir zu ihr mit folgendem Gebete: O unvergleichliche Königin! die du im Himmel den erhabenen Vorzug genießest, mit einem kostbaren königlichen Diadem von deinem göttlichen Sohne gekrönt zu sein; mache uns theilhaft deiner ausgezeichneten Tugenden, und verschaffe, daß wir durch die Lauterfeit unserer Gesinnungen würdig befunden werden, einst mit dir im Himmel gekrönt zu werden. Drei Gegrüßet seist du zc. - O unvergleichliche Königin! durch jene hohe Erkenntniß, die dir über alle Dinge der Welt verliehen wurde; verzeihe uns in Ansehung deiner Glorie unsere vormalige Unverschämtheit, und gestatte nicht, daß wir durch die Ausgelassenheit unserer Zunge und unserer Gedanken dir jemals mehr mißfällig werden. Drei Gegrüßet seist du zc. O unvergleichliche Königin! die du den sehnlichsten Wunsch hegest, daß alle Menschen rein und unbefleckt wären, damit ſie würdig seien, bei Gott zu seyn; erlange uns Verzeihung unserer Sünden, und hilf uns, daß alle unsere Blicke, Geberden und Handlungen seiner göttlichen Majestät wohlgefällig seien. Drei Gegrüßet seist du zc. Reinigen wir unser Herz, um Maria würdig zu loben, und vereinigen wir mit der Lobpreisung, die sie wegen der Krone, welche ihre königliche Stirne ziert, empfängt, die demüthigen Außerungen unserer Liebe, indem wir mit dem achten Chore der Engel freudig sprechen: Hier betet man die lauretanische Litanei und alle folgenden Gebete, wie am ersten Tage. - Am 9. Tag, den 14. August. Komm heiliger Geist 2c., sammt dem Gebete und dem Hymnus, wie am ersten Tage. T Die Herrlichkeit Mariä nach dem Tode; wegen des Schußes, den sie den Menschen gewährt. Betrachten wir, daß Maria auch darum im Himmel Herrlich erscheint, weil sie eine Beschützerin der Menschen ist, und ihnen mit größter Bereitwilligkeit in ihren Nöthen beisteht; und beseelt von lebendigem Vertrauen, weil wir im Himmel die 448 Novene auf das Fest Mariä Himmelfahrt. Mutter unsfers Gottes selbst zur Beschüßzerin haben, flehen wir fie herzlich an: Maria, unsere mächtigste Beschüßerin! die du deiner Herrlichkeit im Himmel dich rühmeft, weil du die Fürsprecherin der Menschen bist; reiß uns aus den Händen des höllischen Feindes, und übergib uns wieder in die Arme unsers Schöpfers und Gottes. Drei Gegrüßet seist du 2c. - Maria, unsere mächtige Beschüßerin! gleich wie du im Himmel die Fürsprecherin der Menschen und stets besorgt bist, daß alle zum ewigen Heil gelangen möchten; laß doch nicht zu, daß wir in Erinnerung unserer vergangenen Sünden und Rückfälle verzweifeln. Drei Gegrüßet seist du 2c. Maria, unsere mächtigste Beschüßerin! die du, um das Amt einer Schußfrau auszuüben, den Menschen vergönneft, dich jederzeit anzuflehen; erflehe uns den Geist wahrer Andacht, und nimm dich unser an, damit wir während unseres ganzen Lebens und vorzüglich in dem fürchterlichen Augenblicke unsers Drei Gegrüßet seift du 2c. Hinscheidens dich anrufen. Feiern wir nun mit höchster Verehrung die Herrlichkeit Maria; und von Trost erfüllt, im Himmel eine Fürsprecherin an ihr zu haben, vereinigen wir uns mit dem neunten Chore der Engel, sie zu preisen, sprechend: Hier betet man die lauretanische Litanei und alle folgenden Gebete, wie am ersten Tage. - 11 II. Abtheilung. Betrachtungen für die Hauptfeste der 449 allerfeligsten Jungfrau Maria. ( Vom heiligen Alphons M. Liguori.) Fest der unbefleckten Empfängniß Mariä. ( Am 8. Dezember.) Mache dir einen recht hohen Begriff von der unvergleichlichen Reinigkeit, durch welche Maria über alle Menschenkinder erhoben, und vom ersten Augenblicke ihrer Empfängniß an der Gegenstand einer besonderen Liebe der allerheiligsten Dreieinigkeit ward. Zeige ihr deine Freude über ihre erhaltenen Vorzüge; danke Gott herzlich dafür; halte schon am Vorabende den bei uns vorgeschriebenen Fasttag genau. Hast du das Gelübbe der Keuschheit abgelegt, so erneuere es an diesem Festtage; rufe diese Octav hindurch Maria durch den englischen Gruß an; bete entweder die größeren Tagzeiten zu Ehren der ſeligsten Jungfrau, oder wenigstens jene zu Ehren ihrer unbefleckten Empfängniß, und ermahne allenfalls auch Andere dazu, indem du mit ihnen über dieses Fest redest. Bitte Maria durch ihre unbefleckte Reinigkeit um ihre Fürsprache, damit du entweder nach einem unschuldigen oder doch wahrhaft bußfertigen Lebenswandel würdig werdest, die gebenedeite Frucht ihres heiligen Leibes ewig im Himmel zu schauen. Betrachtung. 1. Es geziemte sich, daß die drei göttlichen Personen der heiligsten Dreifaltigkeit Maria von den Erbsünde bewahrten.- Es geziemte sich, daß der ewige Vater es that, weil Maria seine erstgeborne Tochter war. Gleichwie Jesus der Erstgeborne des Herrn war: Der Erstgeborne vor allen Geschöpfen ,,( Col. 1 15.); so wurde auch Maria, die zur Mutter Jefu bestimmt war, immer als die erstgeborne, angenommene Tochter des Herrn betrachtet und deßhalb war sie auch immer, durch die göttliche Gnade, ein Eigenthum bes Vaters: " Der Herr hat mich gehabt im Anfange seiner Tage."( Sprch. 8, 22.) Es geziemte sich, daß der ewige Vater, um seinen göttlichen Sohn zu ehren, die Mutter desselben von aller SündenMakel bewahrte. Doch auch deshalb geziemte es sich, weil diese 29 450 Fest der unbefleckten Empfängniß Martă. beilige Jungfrau bestimmt war, der höllischen Schlange, die den Menschen verführt hatte, den Kopf zu zertreten, wie es in der heiligen Schrift heißt: Sie wird deinen Kopf zertreten. ,,( Gen. 3, 15.) Wie wäre es wohl da möglich gewesen, daß sie selbst vorher unter der Herrschaft des Teufels gelebt hätte? Ueberdieß war Maria auserwählt worden, eine Fürsprecherin der Sünder zu seyn; und deßwegen geziemte es sich, daß Gott sie vor aller Sündenschuld bewahrte, damit sie nicht selbst mit der Schuld der Menschen, für die fie Verzeihung erbitten sollte, beladen ſet. 2. Es geziemte sich, daß der göttliche Sohn eine von aller Schuld unbefleckte Mutter habe. Jesus selbst hatte Maria zu feiner Mutter gewählt. Wer würde wohl glauben, daß ein Sohn, der eine Königin zur Mutter haben könnte, sich eine Sklavin wäblen würde? Wie kann man also denken, daß das ewige Wort, welches eine von aller Schuld unbefleckte Mutter, die immer durch die Liebe mit Gott vereinigt gewesen, zur Mutter haben konnte, eine durch die Sünde besudelte Mutter wählen würde, eine Mutter, die eine Zeitlang in der Feindschaft Gottes gelebt bätte. Ueberdieß, sagt der heilige Augustin, müssen wir bedenken, daß das Fleisch Christi das Fleisch Mariens ist. Gewiß hätte der Sohn Gottes seinen heiligen Leib nicht von einer heiligen Agnes, von einer heiligen Gertrud oder Theresta annehmen wollen, weil diese heiligen Jungfrauen, vor ihrer Taufe, durch die Sündenschuld befleckt waren, und weil alsdann der Teufel Christo dem Herrn den Vorwurf hätte machen können, daß er seinen Leib von einem Geschöpse empfangen habe, welches ihm eine Zeitlang unterworfen gewesen wäre. Allein Jesus empfand gar keinen Widerwillen, aus Maria Mensch zu werden, weil sie immer ganz rein und unbefleckt geblieben ist. Der heilige Thomas sagt, daß Maria von Gott bewahrt wurde, so daß sie nie einen Fehler beging, auch nicht den mindesten, weil sich dieß für die hohe Würde einer Mutter Gottes nicht geziemt hätte; aber wie viel unwürdiger wäre es wohl für sie gewesen, wenn sie mit der Erbfünde, durch welche die Seele ein Gegenstand des göttlichen Hasses wird, besudelt worden wäre? 3. Es geziemte sich aber auch, daß Maria als eine geliebte Braut des heiligen Geistes eine unbefleckte Jungfrau sei. Nachdem die Erlösung der fündigen Menschen beschlossen war, so wollte der heilige Geist, daß seine heilige Braut auf erhabenere Weise, als alle andern Menschen, erlöst würde, und deßhalb bewahrte er sie von aller Sünde. Wenn Gott den Leib Mariens nach ihrem Tode vor Fäulniß bewahrte, o wie viel mehr muß man nicht glauben, er werde ihre Seele vor der Fäulniß der Sünde behütet haben. Daher nennt ihr himmlischer Bräutigam sie einen ver Fest Mariä Reinigung. 451 schlossenen Garten und eine versiegelte Quelle, weil die Feinde der gebenedeiten Seele Mariens nie den Eingang dazu fanden. Er verkündigt ihr Lob und nennt sie ganz schön und sagt, daß sie immer seine Freundin gewesen und daß sie ganz rein sei; ,, Ganz schön bist du meine Freundin, und kein Makel ist an dir."( Hohel. 4,7.) O meine liebenswürdige Königin, ich freue mich darüber, daß du durch deine heilige Reinheit und Schönheit deinem Gott so angenehm bist, und ich danke Gott, daß er dich vor aller Schuld bewahrt hat. O meine Königin, weil die ganze heiligste Dreifaltigkeit dich so lieb hat, so wende auch deine barmherzigen Augen auf meine arme Seele, die mit so vielen Sünden beladen ist, und erlange mir bei Gott Verzeihung meiner Sünden und die ewige Seligkeit. Blicke gnädig auf mich herab und ändere mein armes Herz um durch deine Lieblichkeit. O heilige Jungfrau Maria! du hast schon so viele Herzen mit deiner Liebe entzündet, entzünde auch heute mein Herz, damit ich in der Folge nichts liebe als nur Gott und dich. Du weißt es, daß ich alle meine Hoffnung auf dich gesetzt habe. O meine liebe Mutter, verlasse mich nicht. Siehe mir, so lange ich lebe, durch dein heiliges Gebet bei, aber besonders stehe mir in meiner Todesstunde bei; mache, daß ich dich alsdann anrufe, daß ich dich alsdann liebe, damit ich dich die ganze Ewigkeit hindurch im Himmel lieben könne. Amen. Kirchengebet. Wir bitten dich, o Herr: gib deinen Dienern die Gabe deiner himmlischen Gnade, damit denen, welchen die Geburt der seligen Jungfrau zum Anfange des Heiles geworden, die angelobte Feier ihrer Empfängniß zum Wachsthume des Friedens werde. Durch unsern Herrn, Jesum Christum u. f.w. Fest der Reinigung Mariä.( 2. Februar) Das Andenken an die Reinigung Maria war den heiligen Vätern und sämmtlichen Christen unter dem Namen der Entgegenkunft des Herrn schon längst heilig. Papst Sergius hat die Feier desselben durch die Procession, die man an diesem Tage mit geweihten Kerzen vornimmt, vermehrt.- Die Kirche führt uns an demselben die Reinigung Mariä, und die Opferung des Kindes Jesu in's Gedachtniß zurück. Die doppelte Erinnerung soll unsere Freude und Andacht verdoppeln, indem wir den Sohn und die Mutter durch die nämliche Feierlichkeit zugleich verehren," sagt det heil, 29* 452 Fest Mariä Reinignng. Thomas von Villanova. Nach dem heil. Sophronius nehmen wir dabei brennende Kerzen in die Hand, theils um denjenigen dadurch zu ehren, der als das ewige Licht die schädlichen Finsternisse zerstreut, und mit dem Schimmer seiner Gottheit Alles beleuchtet; theils um den reinen Glanz unserer Seele, womit wir Christo entgegen kommen sollen, zu erkennen zu geben. Bitt' heute Gott um die Gnade allen seinen Geboten und den Geboten seiner Kirche nachzukommen; opfere dich und die Deinigen ihm auf; nimm dir, mittelst seiner Gnade. vor, besonders zu dieser Zeit, jede Sünde gegen die Mässigkeit im Essen und Trinken, und gegen die Reinigkeit zu vermeideen; denn du würdest dadurch das Herz Jesu und Mariä, wie mit einem Schwerte, durchbohren. Verwende etwas von deinem Gelde zur Ehre Gottes und Mariä, oder für einen Armen: thue Manches, wozu du eben nicht strenge verbunden bist, weil auch die seligste Jungfrau mehr that, als sie schuldig war. Unterlaß fein gutes Werf aus Menschenfurcht. Laß. nach der Lehre Jesu, dein Licht leuchten vor den Menschen, damit sie deine guten Werke sehen und den himmlischen Vater preisen. Beim Anblicke eines Lichtes bitte Gott, er möchte dein Herz mit seiner Liebe entzünden, und einst sowohl dir, als allen abgestorbenen Christgläubigen das ewige Licht leuchten lassen. Begleitest du die Procession, die mit brennenden Kerzen gehalten wird, so denke dabei, wie Jesus, das Licht der Welt, von seinen Eltern in den Temvel getragen worden ist, und bitte demüthig, daß du burch genaue Befolgung seiner lichtvollen Lehre, auf die Fürsprache Maria und Josephs, Simeon und Annä, nach dieser zeitlichen Pilgerschaft zur Gesellschaft der Heiligen aufgenommen werdest. Empfehle dich Marien, daß sie dir beistehe in jenem wichtigen Augenblicke, in wel chem man dir vor deinem Hinscheiden aus dieser Welt das eingeweihte Licht in die Hände geben und zu Gott beten wird, daß deine Augen erleuchtet werden, damit du nicht in die ewige Finsterniß fommest, sondern des ewigen Lichtes, der ewig seligen Anschauung Gottes, theilhaftig werdest. Betrachtung. 1. Nachdem die Zeit gekommen war, daß Maria, um das Geseß zu erfüllen, sich zur Reinigung in den Tempel begeben sollte, um daselbst zugleich ihren Jesus dem himmlischen Vater aufzuopfern, so begab sie sich mit dem heiligen Joseph auf die Reise nach Jerusalem. Der heilige Joseph nahm die zwei Turteltauben, die sie aufopfern mußten, und Maria ihr liebes Kind; fie trug das Lamm Gottes, um es als ein Vorbild jenes Opfers darzubringen, welches derselbe Sohn dereinst am Kreuze vollenden sollte. - O mein Gott, ich bringe mich selbst dir heute zum Opfer dar, in Vereinigung mit dem Opfer, welches Maria dir heute darbringt. Fest Mariä Reinigung. 453 tch opfere dir deinen Menschgewordenen Sohn auf, und bitte dich. du wollest mir um seiner Verdienste willen, deine Gnade verleihen. Ich verdiene dieselbe zwar nicht, aber Jesus hat sich ja ſelbst dir zum Opfer darbringen wollen, um sie mir zu erlangen. Erbarme dich also meiner, aus Liebe zu Jeſu! 2. Siehe, geliebte Seele, wie Maria in den Tempel tritt, wie sie ihren Sohn für alle Menschen zum Opfer darbringt. Jesus selbst opfert sich heute dem ewigen Vater auf. Siehe, mein Vater, ruft er aus, stehe, ich opfere dir mein Leben auf; du hast mich in die Welt geschickt, damit ich die Welt selig mache; siehe, ich opfere dir mein Blut, mein Leben, alles opfere ich auf für das Heil der Welt. O wie elend stände um mich, wenn du, mein geliebter Heiland, der göttlichen Gerechtigkeit nicht für mich genug gethan hättest. Ich danke dir dafür von ganzem Herzen und liebe dich aus all' meinen Kräften. Wen wollte ich auch nur lieben, wenn ich dich nicht liebte, dich, einen Gott, der sein Leben für mich aufges opfert hat. 3. Das Opfer Jesu Christi war Gott angenehmer, als wenn lle Menschen und alle Engel ihm ihr Leben dargebracht hätten! und das deßhalb, weil durch dieß einzige Opfer Jesu Christi dem ewigen Vater eine unendliche Ehre, eine unendliche Genugthuung dargebracht wurde. Jesus Christus sprach eines Tages zur seligen Angela von Foligni: Ich habe mich für dich meinem Vater auf geopfert, damit du dich mir aufopfern möchtest. Ja, mein Jesus, nachdem du dem ewigen Vater dein Leben für mich dargebracht hast, so will auch ich dir mein Leben und mich selbst zum Opfer darbringen. Früher habe ich dich durch großen Undank beleidiget; aber, o mein Jesu, du hast versprochen, die Beleidigungen eines Sünders, der dieselben bereut, zu vergessen; stehe, ich bereue dieselben und möchte vor Schmerz darüber sterben. Durch meine Sünden habe ich verdient, zur Zahl der Todten gerechnet zu werden, aber von dir hoffe ich, daß ich wieder zur Zahl der Lebendigen gehören werde, ja ich hoffe, daß ich mein ganzes Leben hindurch dich lieben werde, o unendliches Gut! Mache, daß ich dich liebe, o mein Jesu, das ist alles, was ich von dir verlange. Gib die Güter dieser Erde dem, der sie wünscht, ich wünsche nichts anders, als den überaus großen Schaß deiner Liebe! Mein Jesus! Fest Mariä Verkündigung. du allein genügest mir, o meine Königin, meine Mutter Mart, durch deine Fürbitte hoffe ich alles Gute. 454 Kirchengebet. Allmächtiger, ewiger Gott! demüthigst flehen wir zu deiner Majestät, daß, gleichwie am heutigen Tage Maria dir deinen Eingebornen im Fleische im Tempel zu Jerusalem opfernd vorgestellt hat, auch wir mit gereinigtem Gemüthe dir vorgestellt werden mögen, durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Eingebornen Sohn, der mit dir lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. - Fest der Verkündigung Mariä.( 25. März.) Dieß ist der glückliche Tag, nach welchem die Altväter sich so sehr gesehnt haben, nach welchem die ganze Welt so lange geseufzt hat. Heute ist das Wort Fleisch, der Sohn Gottes Mensch geworden. An diesem Tage erinnerte man sich schon vor vielen Jahrhunderten nicht nur an die Verkündigung Mariä, sondern auch an die mit derselben so enge verbundene Menschwerdung. Papst Benedikt der Vierzehnte schließt seinen Commentar über dieses Fest mit den Worten der Verfasser der Geschichten der Heiligen, und führt sie also an:„ Dieses Fest ist schon so alt, daß man gottselig denken kann, der Ursprung desselben müsse von dem zartesten Dankgefühle der jungfräulichen Gottesgebärerin selbst hergeholt werden, indem sich nicht zweifeln läßt, sie werde sich jährlich mit besonderer Ehrerbietung und inbrünstiger Andacht jener göttlichen Wohlthat erinnert haben, die ihr und dem ganzen Geschlechte an diesem Tage dadurch ist erwiesen worden, daß das Wort in ihrem jungfräulichen Leibe Fleisch, und sie, mittelft ihrer Einwilligung in den Vortrag des Engels, Mutter Gottes ward. Die Apostel, als sie diesen überall gottseligen Gebrauch, dem Allmächtigen am gemeldeten Tage Dank abzustatten, an der heiligsten Gottesgebärerin wahrgenommen hatten, hielten es für ihre Pflicht, denselben nachzuahmen; daher sie ihn denn auch theils selbst beobachteten, theils zu beobachten befahlen. Gewiß, der Regel zu Folge, deren sich der heilige Augustin bedient, glaubt man mit allem Rechte: was die ganze Kirche hält, und durch keinen Kirchenrath eingesetzt, sondern allezeit beibehalten wurde, sei nur durch das Ansehen der heiligen Apostel mündlich übergeben worden." Was Maria insbesondere betrifft, so wird sie heute zur Mutter Gottes gewählt; sie will aber lieber eine Jungfrau bleiben, worauf ihr bedeutet wird, durch übernatürliche Kraft fönne Beides beisammen stehen. So ist sie denn Gottes Mutter geworden, und doch Inngfrau verblieben. p Fest Mariä Verkündigung. Dieß ist der kurze Inbegriff der Verkündigung Maria, in so weit er fie selbst betrifft. Um dieses Fest nüßlich zu feiern, liebe die Einsamkeit, in so ferne fie dir dein Stand erlaubt, und das Gebet; beides liebte auch Maria zu Nazareth. Sie nannte sich eine Magd des Herrn; gib auch du dich aufs Neue Gott und Mariä zum Dienen hin.- Grüße sie unter Tags öfter mit dem Gruße des Engels; bete die lauretanische Litanei, um durch die Fürbitte Mariä die Demuth zu erlangen. Denke dabei besonders über die Worte nach: du wunderbare Mutter! Verrichte mit besonderer Aufmerksamkeit Morgens, Mittags und Abends das Gebet, welches mit den Worten anfängt: Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft u. d. ü. Sei dabei vorzüglich auf die Worte aufmerksam: Das Wort ist Fleich geworden, und hat unter uns gewohnt.- Papst Benedikt der Dreizehnte hat denjenigen, welche dieses Gebet bei dem Glockenzeichen knieend, am Samstag Abends aber, und am Sonntage und die ganze österliche Zeit, stehend beten, jedesmal hundert Tage Ablaß, und im Monate einmal, nach Empfangung der heiligen Sakramente und nach Verrichtung der sonst gewöhnli chen Ablaßgebete, einen vollkommenen Ablaß verliehen. Sollen wir uns schämen, unsere Kniee zu beugen, da der Sohn Gottes sich gewürdiget hat, von dem Himmel auf die Erde herabzukommen, und für uns Mensch zu werden? Und an seine Menschwerdung wird man ja durch dieses dreimalige Glockenzeichen erinnert. Der heilige Carl von Borromä schämte sich nicht, aus der Kutsche und vom Pferde abzusteigen und dieses Gebet mitten auf der Gasse zu verrichten. Bei der heiligen Kommuniou erinnere dich an diesem Tage, daß eben der große Gott, den die seligste Jungfrau empfangen hat, mit seiner Gottheit und Menschheit zu dir komme. Bitte Maria, sie wolle dir die Gnade erlangen, ihn mit reinem Herzen, mit lebhaftem Glauben, mit fester Hoffnung, mit brennender Liebe und mit tiefer Demuth zu empfangen.- Sprichst du beim Abbeten des englischen Grußes die Worte aus: Du bist voll der Gnaden, so erbitt dir von Gott durch Maria eine besondere Gnade, z. B. die Reinigkeit oder die Beharrlichkeit im Guten bis an dein Ende, damit du mit dem Apostel sagen könnest: Die Gnade Gottes war in mir nicht unfruchtbar. - - Betrachtung. 1. Als Gott seinen Sohn in die Welt schiden wollte, damit er Mensch werde, um die Menschen, welche durch die Sünde verloren gegangen waren, zu erlösen, da wählte er ihm zur Mutter eine Jungfrau, welche unter allen Jungfrauen die reinste war. Betrachte, geliebte Seele, wie Maria, als sie in ihrem ärmlichen Häuschen Gott bat, er wolle doch den verheißenen Erlöser schicken, plößlich einen Engel erblickte, der zu ihr sprach: ,, Gegrüßt 456 Fest Mariä Verkündigung. feist du Maria, voll der Gnaden, du bist gebenedeit unter den Weibern!"( Luk. 1.) Was thut wohl die demüthige Jungfrau, als sie diesen ehrenvollen Gruß vernimmt. Sie wird deßwegen nicht eitel, nein, sie schweigt, sie erschrickt, weil sie sich eines solchen Lobes ganz unwürdig hält: ,, Da sie dieß hörte, erschrack sie." O Maria, du bist so demütig und ich bin so hoffärtig! Erlange mir die heilige Demuth. 2. Aber hat dieß Lob nicht gemacht, daß Maria wenigstens anfing zu zweifeln, ob sie nicht eben die zur Mutter des Heilandes bestimmte Jungfrau fei? Nein, dieß Lob hatte keine andere Folge, als daß sie sich vor sich selbst fürchtete, so daß der Engel ihr Muth machen mußte mit den Worten: Fürchte dich nicht, Maria; denn du haft Gnade gefunden bei Gott!" Darauf verkündigte ihr der Engel, daß sie es sei, welche Gott zur Mutter des Heilandes der Welt erwählt habe. Siehe, du wirst empfangen in deinem Leibe und einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Jesus heißen." 11 Glücklich bist du, o Maria; denn wie lieb bist du deinem Gott gewesen, wie lieb bist du ihm noch jetzt! O erbarme dich meiner. 3. Beeile dich, o heilige Jungfrau, ruft der heilige Bernard Maria zu, warum zögerst du noch, deine Einwilligung zu geben? Das ewige Wort erwartet diese Einwilligung, ehe es Fleisch annimmt und dein Sohn wird; wir alle, die wir unglücklicher Weise zum ewigen Tode verdammt sind, wir alle, o Maria, warten darauf; wenn du einwilligst, die Mutter Jesu zu werden, o dann werden wir alle befreit. Beeile dich also, o meine Königin, gib dein Jawort, sei nicht Ursache, daß das Heil der Welt, welches von deiner Einwilligung abhängt, noch länger verschoben werde. Doch freuen wir uns; denn siehe Maria antwortet dem Engel; Siehe, ich bin eine Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Worte:" Siehe, sagte sie, ich bin eine Magd des Herrn, die thun muß, was ihr Herr von ihr verlangt; wenn der Herr seine Magd zu seiner Mutter wählt, so muß man nicht die Magd, sondern nur die Güte des Herrn preisen, der dieselbe so hoch hat erheben wollen. O demüthigste Jungfrau Maria, durch deine Demuth haſt du deinem Gott so große Liebe zu dir eingeflößt, daß du ihn dadurch sogar bewogen hast, dein Sohn und unser Heiland zu werden. Ich weiß es, daß dein Sohn dir nichts, um was du ihn bittest, abschlägt; sage ihm also, daß ich ihn allein lieben will; bitte ihn, er wolle mir alle Beleidigungen, die ich ihm Fest der sieben Schmerzen Martă. zugefügt habe, vergeben; bitte ihn, er wolle mir die Beharrlichkeit im Guten verleihen. Mit einem Worte, empfiehl ihm meine Seele; denn ein Sohn, der dich so innig liebt, kann dir nichts abschlagen. O Maria, du mußt machen, daß ich selig werde, du bist meine Hoffnung. Amen. Kirchengebet. O Gott! der du dein Wort( deinen. Sohn) von Leibe der seligsten Jungfrau Maria auf des Engels Verkündigung das Fleisch haft annehmen lassen; ertheile uns demüthigst Flehenden Gnade, daß uns durch die Fürbitte derjenigen, welche wir wahrhaftig als eine Gottesgebärerin glaubend verehren, bei dir möge geholfen werden, durch unsern Herrn Jesum Christum u. s. w. Fest der sieben Schmerzen Mariä.( 7. April.) Dieses Fest hat in dem Evangelium Grund. Als Maria der Kreuzigung Jesu beiwohnte, ward sie nach Simeons Weissagung, wie von einem Schwerte durchdrungen. Es dient zu unserer Erbauung, was Papst Benedikt XIV., da er von diesem Feste Meldung macht, anmerkt. Die Maler, sagt er, damit sie die Schmerzen Mariä auszudrücken vermögen, malen dieselbe, wie sie von sieben Schwertern durchstochen ist. Die fieben Stifter des Ordens der Diener Maria, da sie die Schmerzen Mariä betrachteten, haben dieselben in sieben abgetheilt, deren einige in dem Evangelium enthalten, die übrigen aber durch glaubwürtige Vernunftgründe und Zeugnisse wahrscheinlich gemacht worden sind. Es wird dieses Fest, mit Gutheißung und Zulassung des päpstlichen Stuhles, in der Kirche Gottes am Freitage vor dem Palmsonntage, und am dritten Sonntage im Sep' tember gefeiert. Zur Vorbereitung der Verehrung der schmerzhaften Mutter hat der Orden der Diener Mariä ganz vorzüglich beigetragen. Erinnere dich an diesen Tagen an die heldenmüthige Standhaftigkeit Mariä und an ihre dabei bewiesene vollkom mene Ergebung in den Willen Gottes. Bitte durch sie Gott um eben diese Tugenden, und um die Bewahrung vor den sieben Hauptsünden. Betrübte sich Maria, diese reine, unschuldige Jungfrau, über Jesu Leiden, welchen Schmerz sollen wir darüber empfinden, die wir durch unsere Sünden zu seinem Tode beigetragen haben? Hören wir doch einmal auf, Jesu und Maria Herzen einen so entsetzlichen Schmerz. zu verursachen.- Stelle dir bei der heiligen Messe Maria unter dem Kreuze vor, auf welchem ihr göttlicher Sohn unter namenlosen Leiden starb.- Bete - - - Fest der sieben Schmerzen Martä. das Stabat Mater( Unter'm Kreuz mit naffen Wangen S. 421.); lies etwas von diesen Schmerzen und überdenke das Gelesene.- Da Jesus bei der Einseßung des heiligsten Sakramentes des Altares gesagt hat: ,, Das thuet zu meinem Andenken," so denke beson ders an diesen Tagen bei der heiligen Kommunion an sein Leiden und Sterben; doch vergiß dabei der Schmerzen seiner heiligsten Mutter nicht. Besonders aber bitte sie, daß fie dir in deinem letzten Kampfe durch ihre Fün bitte beistehe, daß sie sich dir dann als Mutter zeige, daß sie deine Seele ihrem göttlichen Sohne übergebe, und dir bei seinem Gerichte Gnade erlange. Möchten die vielen und bewährten Ablässe auf die Feier dieses Festes der Andacht zu der schmerzhaften Mutter Gottes ein großes Gewicht geben! Betrachtnng. 1. Wenn, wie unser eigenes Bewußtsein uns sagt, die Größe der Liebe das Maaß des Schmerzens bei dem Leiden des Geliebten ist: wer wird je den unermeßlichen Schmerz der liebendsten aller Mütter erfassen! Nicht selten verwundete das Leiden eines innig geliebten Kindes ein zartes Mutterherz auf tödtliche Weise. Wie tief mußte daher die Geißlung, die Krönung, aller Spott und Hohn, die blutige Verwundung vom Haupte bis zu den Füßen, die schmerzliche Kreuzigung ihres unendlich geliebten Sohnes, sein Durst und seine Verlaffenheit am Kreuze, die Seele dieser Mutter durchdringen! Wohl lassen sich die Worte der Schrift auf sie anwerden: Groß wie das Meer ist dein Schmerz!" Nur einen Ti oft hatte sie in ihren unermeßlichen Leiden: daß durch dieß blutige Opfer Gott versöhnt und dem menschlichen Geschlechte der Himmel aufgethan ward!" 2. Wie diese Mutter der Schmerzen, die die Kirche eine Lilie unter den Dornen nennt, sollen auch wir die Leiden unseres göttlichen Erlösers beständig in unserem Herzen tragen. Denn höchst billig ist es, daß wir, die wir durch unsere Sünden die ewige Verdammniß so oft verdienten, wenigstens in heiliger Liebesreue erwägen, wie Vieles und Unaussprechliches unser Herr gelitten habe, uns daraus zu befreien; und sehr undankbar, und des Himmels unwerth ist, wer nicht bedenkt, um wie theuern Preis der Herr ihn uns erkauft hat. Allen heiligen und frommen Seelen ist es eigen, dieß schmerzliche Leiden täglich zu erwägen; thun wir es wenigstens zuweilen und zwar mit herzlicher Andacht, denn keine Uebung ist Gott wohlgefälliger und unserm Heile ersprießlicher. 3. Doch sollen wir nicht bloß bei dieser Betrachtung stehen bleiben, sondern auch durch dieselbe Entschlüsse zu unserer Besserung faffen, und durch das Holz des Kreuzes die Flamme unserer Liebe anfachen und nähren. Das Kreuz, spricht der heilige Bonaventura, ist ein Buch, worin ich Alles lerne; denn der Anblick mei- Fest der sieben Schmerzen Mariä. 459 nes gekreuzigten Heilandes lehrt mich: die Weichlichkeit fliehen, die Armuth lieben, den Feinden verzeihen, mein Leiden mit Ge duld ertragen, meine Sünden bereuen und den Himmel hoffen. Wie Vieles sagt einer liebenden Seele der Anblick des Kreuzes! Gebet. O gebenedeite Mutter meines gekreuzigten Herrn, wie drang jenes Schwert in deine heilige Seele! wie schmerzlich die Nägel und der Speer in dein Herz; wie grausam zerrissen die Stacheln der Dornenkrone dein Gemüth; wie namenlos verwundete der Anblick deines blutenden Sohnes bein ganzes Inneres! Thränen versagten dir vor übergroBem Leid: es gebrach dir an Worten; deine Kraft verließ dich, und in Schmerzen welkte deine Schöne dahin! die Wunden deines Sohnes waren deine Wunden; das Kreuz deines Sohnes dein Kreuz; sein Tod dein Tod! Mehr als dein Leben hast du geopfert; denn theurer war bir sein Leben, als dein eigenes! Mutter der Barmherzigkeit, durch diese tiefe Bitterkeit, die dein Herz erfüllte, als dein gebedeiter Sohn seinen Geist aufgab, steh mir bei; versüße die Bitterfeit meiner Seele, wenn sie von diesem Leben scheiden muß, und führe sie in das ewige Leben, das dein eingeborner Sohn durch seinen bittern Tod am Kreuze mir erworben hat. Amen. Kirchengebet. O Gott, unser Erlöser! bei dessen Leiden. nach der Weissagung Simeons, die Seele der glorreichen Jungfrau Maria vom Schwerte des Schmerzens durchbrungen ward: laß uns ihres Leidens mit innigsier Ehrfurcht gedenken, und den frommen Vorsaß fassen, alle Leiden und Widerwärtigkeiten mit findlicher Ergebung und Unterwerfung zu übertragen, damit wir auf ihre Fürbitte der beseligenden Früchte deiner Leiden Fest Mariä Heimſuchung theilhaftig werden, und die ewige Seligkeit erlangen, der du lebeft und regiereft mit Gott dem Vater in Einigkeit des heili gen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 460 Fest Mariä Heimsuchung.( 2. Juli.) Von diesem Feste schreibt Papst Benedikt XIV.: ,, Wenn einer zweifelt, ob dieses Fest sei rechtmäßig eingesetzt worden,. so erinnere er sich, daß die Heimsuchung Mariä ausdrücklich in dem Evangelium angeführt wird, und daß es eine gottselige und heilige Sache ist, wenn wir das Andenken daran feierlich begehen. Diese Feierlichkeit haben gewiß die römischen Päpste ausdrücklich gut geheißen, und der heilige Pius V. hat die Tagzeiten dazu verbessert." An diesem Tage besuche eine Kirche, in der Maria besonders verehrt wird. Kann aber dieß nicht seyn, so bete doch anderswo vor einem Bildnisse derselben. Beichte und kommunizire entweder am Festtage selbst, oder einige Tage vor oder nach demselben. Um Maria nachzuahmen, besuche einen, der geringer ist, als du bist; erweise einem armen Kinde oder seiner Mutter einen Liebesdienst, durch Almosen oder auf eine andere Art, wie Maria dem Johannes und der Elisabeth Gutes hat: sprich mit Andacht: das Magnificat, das ist, den Gesang Maria, der mit den Worten anfängt: Meine Seele macht groß den Herrn" S. 292, erinnere dich im Umgange mit Andern an die Gegenwart Gottes; rede gern von ihm, unhalte dich überhaupt durch erbauliche Gespräche. Lobt man dich irgendwo wegen des Guten, das du allenfalls thust, so gib gleich Gott die Ehre. Lobe nicht dich selbst, rede deinem Nächsten nicht übel nach. Danke Jesu für die Gnaden, die er seiner jungfräulichen Mutter erwiesen hat; bitte ihn um Vergebung den Sünden und Fehler, die du im Umgange mit Menschen begangen hast, bitte Maria, fie möchte dir am Ende deines Lebens beistehen, damit du gleichwie der heilige Johannes durch Jesum ge heiligt in die Welt eingetreten ist, du, auf ihre Fürsprache durch eben diesen Jesus, ihren göttlichen Sohn, geheiligt aus derselben treten mögest. Betrachtung. 1. Maria verläßt Nazareth, um sich nach der Stadt Hebron zu begeben, welche nach Brocardus zwanzig Meilen entfernt von dort war, so daß Maria wenigstens fieben Tage auf dieser Reise zubrachte, inden der Weg über beschwerliche Berge ging; nur der heilige Joseph begleitete die göttliche Mutter. Der heilige Lukas bemerkt, daß Maria ihre Schritte beschleunigte: fie ging eilends auf das Gebirg." Fest Mariä Heimſuchung. ( Luk. 1, 29.) Aber sage uns doch, heilige Jungfrau, warum unternimmst du diese lange und mühsame Reise und warum beeilst du dich so sehr? Ich will eine Pflicht, die mir die Nächstenliebe auferlegt, erfüllen, antwortete Maria, ich will eine fromme Familie trösten. Wenn es also deine Pflicht ist, o große Mutter Gottes! Andere zu trösten und den Seelen Gnaden auszutheilen, o so tröste, so besuche auch meine arme Seele. Dein Besuch heiligte damals das ganze Haus der heiligen Elisabeth, komme, o Maria, heilige auch mich. 11 2. Betrachte, wie die heilige Jungfrau in dem Hause der heiligen Elisabeth ankommt. Schon ist sie die Mutter ihres Gottes geworden; aber deßungeachtet begrüßte sie zuerst ihre Verwandtin: Sie fam in das Haus und grüßte Elisabeth." Elisabeth war von Gott erleuchtet worden und wußte schon, daß der Sohn Gottes Mensch geworden sei, daß er der Sohn Mariens habe werden wollen; deßhalb sprach sie auch zu Maria: ,, Gebenedeit bist du unter den Weibern und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes!" Voll Beschämung und zugleich voll Freude rief sie aus: Woher geschieht mir dieß, daß die Mut. ter meines Herrn zu mir kommt?" Wie hätte ich nur eine se große Gnade hoffen dürfen, daß die Mutter Gottes selbst mich hätte besuchen wollen? Was antwortet wohl die demüthige Jungfrau auf all' diese Worte? Sie antwortete: ,, Hoch preiset meine Seele den Herrn," als ob sie gesagt hätte: Du lobst mich Elisabeth! ich hingegen, ich lobe nur meinen Gott, der mich, seine elende Magd, zu der hohen Würde, seine Mutter zu werden, hat erheben wollen: ,, denn er hat angesehen die Niedrigkeit ſeiner Magd." Dheilige Jungfrau Maria, du ertheilst Allen, die dich darum bitten, so große Gnaden; darum bitte ich dich, du wolleft mir deine Demuth erlangen. Du erkennst, daß du vor Gott nichts bist; aber siehe, ich bin noch elender, als das Nichts selbst, weil ich nicht nur nichts bin, sondern weil ich auch zugleich ein Sünder bin. Du kannst es dahin bringen, o Maria, daß ich demüthig werde; thue es also aus Liebe zu Gott, der dich zu seiner Mutter gemacht hat. 3. Was geschah aber, als Elisabeth den Gruß Mariens vernahm: ,, Als Elisabeth den Gruß Mariens hörte, da hüpfte das Kind freudig in ihrem Leibe, und Elisabeth ward erfüllt 462 Fest Mariä Himmelfahri von dem heiligen Geiste."( Luk. 1, 41.) Der kleine Johannes sprang auf vor Freude, weil ihm jetzt schon die heiligmachende Gnade, noch ehe er geboren war, ertheilt wurde. Elisabeth ward erfüllt von dem heiligen Geiste, und Zacharias, der Vater des heiligen Johannes des Täufers, sollte bald darauf dadurch getröstet werden, daß er den Gebrauch der Sprache wieder erlangte. So ist nur allzuwahr, daß durch deine Vermittlung, c meine Königin und Mutter, die Gnaden Gottes ausgetheilt und die Seelen geheiligt werden. Vergiß mich also nicht, o meine liebe Mutter Maria, mich, der ich dein armer Diener bin, der ich dich liebe und auf dich all' meine Hoffnung feße. Gott, der eine so große Liebe zu dir trägt, erfüllt alle deine Bitten. Darum, meine liebe Mutter, bitt für mich und mache daß ich heilig werde. - Kirchengebet. Wir bitten dich, o Herr! schenke deinen Dienern deine himmlische Gnade, daß denjenigen, welchen die Geburt der heiligen Jungfrau Maria der Anfang des Heiles gewesen ist, auch die fromme Feier ihrer Heimsuchung ftäter Wachsthum des Friedens bringe, durch unsern Herrn, Jesun Christum u. s. w. Fest Mariä Himmelfahrt.( 15. August.) Dieses Fest wird in der Kirche seit vielen Jahrhunderten gefeiert. Papst Leo IV. befahl, selbes nicht nur einen Tag, wie es bis dahin längere Zeit gebräuchlich war, sondern acht Tage hindurch zu feiern. Dieser Festtag ist wegen erhaltener vieler Gnaden der Tag der großen Frau genannt worden. Besonders geschah dieß von den Ungarn, wie es aus dem Leben des heiligen Stephanus, welcher der erste König von Ungarn und ein sehr eifriger Diener Maria war, welcher zu Ehren er auch eine herrliche Kirche erbaut hat, zu ersehen ist. Daß Maria starb, geschah, weil Gott wollte, daß sie in allen Stücken Aehnlichkeit mit Jefus, der auch sterben wollte, hätte. Wie aber Jesus in den Himmel fuhr, so ward auch Maria dahin aufgenommen. Jesus that dieses aus eigener Kraft; Maria ward durch Gnade dahin erhoben. Freue dich heute insbesonders über die große Herrlichkeit Mariä; lies etwas von ihren Tugenden, und überdenke es, um ihr hierin nachzufolgen; beichte und kommunicire; flehe sie in deinen An- 11 - - DO JUUU Sie ward erhöhet, die Mutter des Erlösers, über die Chöre der Engel, in Gottes Neich. H H S H ſ H H H Docomo D Fest Mariä Himmelfahrt. liegen um ihr Fürwort bei Gott an, sie ist ja auch im Himmel noch unsere Mutter; bete ihr zu Ehren etwas mehr als gewöhnlich; schaue gen Himmel, wo sie gekrönt ward; rufe öfter mit dem heilige Bernard zu ihr: Zieh mich nach dir, o heilige Mutter!- Beseitige Alles, was dich hindern könnte, zur Anschauung Gottes zu gelangen, und bitte sie demüthig, daß sie dir ein glückliches Hinscheiden aus dieser Welt erlangen wolle. Betrachtung. 1. Maria stirbt; aber wie ist ihr Tod beschaffen? sie stirbt ganz losgeschält von aller Anhänglichkeit an erschaffene Dinge, fie stirbt, verzehrt von jener göttlichen Liebe, von der sie ihr ganzes Leben hindurch beseelt war; die ihr heiligstes Herz ganz entzündet hatte. Oheilige Mutter Maria! du verläsfest die Erde; aber du vergiffest nicht uns elende Pilger, die wir in diesem Thränenthale bleiben müssen, wo so viele Feinde uns bekämpfen, die nichts mehr wünschen, als uns für die ganze Ewigkeit unglücklich zu machen. Ach, um der Verdienste deines heiligen Todes willen, erlange uns die Gnade, daß wir die Anhänglichkeit an die irdischen Dinge immer mehr und mehr verlieren, daß Gott uns unsre Sünden verzeihe, daß wir bis an unsern Tod in seiner Gnade verharren, und wenn unsere letzte Stunde herangekommen seyn wird, o dann stehe uns du im Himmel durch dein Gebet bei und mache, daß wir dir alsdann im Himmel unfre Dankbarkeit beweisen können. 2. Maria stirbt, ihr heiliger Leib wird von den Aposteln in's Grab getragen und darin beigeseßt, die Engel bewachen ihn daselbst drei Tage lang, worauf sie ihn in den Himmel tragen. Aber die heilige Seele Mariens eilt, sowie sie vom Leibe getrennt ist, von unzählig vielen Engeln und von ihrem Sohne begleitet in das Reich der Seligen. So wie Maria im Himmel angekommen ist, so bringt sie sich ganz Gott dem Herrn dar, betet ihn an und dankt ihm mit unaussprechlicher Liebe für so viele Gnaden, die er ihr ertheilt hat. Gott der Herr umarmt sie, segnet sie, macht sie zur Königin der Welt und erhebt sie über alle Engel und Heiligen, wie uns dieß die heilige Kirche lehrt. Wenn nach dem Ausspruche des Apostels, der menschliche Verstand die unendliche Herrlichkeit nicht begreifen kann, die Gott im Himmel Seinen Dienern, die ihn hier auf Erden geliebt haben bereitet; o wie groß mag da wohl die Fest der Geburt Mariä. Herrlichkeit seyn, die er seiner heiligen Mutter ertheilt haben wird, indem sie ihn auf Erden mehr geliebt hat, als alle Heiligen und Engel, indem sie ihn aus all' ihren Kräften geliebt hat, so daß Maria allein, nachdem sie im Himmel angekommen war, zu Gott sprechen konnte: Wenn ich, o mein Gott, dich auch auf Erden nicht geliebt habe, wie du es verdienst, so habe ich dich doch wenigstens so sehr geliebt, als dieß in meinen Kräften stand. 3. Freuen wir uns also mit Maria über die Herrlichkeit, die Gott ihr ertheilt hat. Freuen wir uns aber auch um unfertwillen, weil Maria, da sie eine Königin der Welt gewor den, auch zugleich unsere Fürsprecherin bei Gott geworden ist. Sie ist eine so mitleidsvolle Fürsprecherin, daß sie gern alle Sünder, die sich ihr anempfehlen, annimmt, und zu gleicher Zeit hat sie einen so großen Einfluß bei unserm Richter, daß fie alle Rechtshändel, die ihr anvertraut sind, gewinnt. O meine Königin und meine Fürsprecherin Maria! in deinen Händen liegt mein Heil. Wenn du für mich bittest, dann werde ich selig werden. Sage deinem Sohne, es sei dein Wille, daß ich zu dir in den Himmel komme. Alles um was du ihn bittest, gibt er dir. O unser Leben, unsere SitBigkeit, unsere Hoffnung, o Maria, bitte Jesus für uns! Kirchengebet. Wir bitten dich, o Herr! verzeihe deinen Dienern ihre Sünden, damit wir, die wir, durch unsere Werke dir nicht wohlgefallen können, durch die Fürbitte der heiligen Gottesgebärerin deines Sohnes, unseres Herrn, zum Heile gelangen mögen; der mit dir lebt und regieret u. f. w. Fest der Geburt Mariä.( 8. September.) Das Fest der Geburt Mariä fing man wahrscheinlich nach der allgemeinen Kirchenversammlung von Ephesus, in welcher ihr der Titel Mutter Gottes, gegen die Lehre des Nestorius, ist bestätigt worden, zu begehen an. Zur Zeit des beiligen Leo des Großen hatte die Kirche schon eine Messe von der Geburt Mariä. Die heiligen Kirchenlehrer der spätern Jahrhunderte, der heilige Ildephons, der heilige Johannes Damascenus, der heilige Petrus Damiani haben die Geburt Maria ungemein gepriesen. Aus ihren Reden zeigt es sich, daß dieser glückliche Tag schon damals in der ganzen Kirche ein Fest gewesen ist.„ Lasser uns, spricht der beil. Petrus Damiani, 30 AGG Fest der Geburt Mariä. an diesem Tage( der Geburt Mariä) frohlocken und von gan zem Herzen uns in Gott erfreuen, an welchem, da wir uns der Mutter unsers Erlösers erinnern, wir den Ursprung der übrigen Feste feiern."- Ueber eben diese Geburt schrieb nach ihm der heilige Bernard: Ich weiß, daß die Geburt der Jungfrau in der Kirche und von der Kirche ohne den mindesten Ansiand als heilig gefeiert wird, und ich halte ganz fest mit der Kirche dafür, daß sie in dem Mutterleibe die Gnade empfangen Die hat, um schon heilig aus demselben hervor zu kommen. Mutter des Herrn war ohne Zweifel eher heilig, als sie war geboren worden."- Ueberlaß dich über die Geburt Mariä einer heiligen Freude, besonders nach der heiligen Communion, da du Jesum besißest, der aus ihr wollte geboren werden; hüte dich vor jeder Sünde, um die Freude des Himmels und der ganzen Christenheit dadurch nicht zu stören; verrichte gute Werke, ihr gleichsam zum Angebinde, reinige dein Gewissen von Allem, was dir eine rechtmäßige Traurigkeit verursachen könnte, und erneuere dein Innerstes, damit du durch die Gnade Jesu, den Maria geboren hat, wie neu geboren werdest. 11 Betrachtung. 1. Vor der Geburt Marien's lag die ganze Welt in der Finsterniß der Sünde begraben. Mit der Geburt Marien's ging das Morgenroth auf, sagt ein Heiliger. Von Maria heißt es in der heiligen Schrift: Wer ist die, welche wie die aufsteigende Morgenröthe hervorkommt?"( Hohel. VI. 9.) Alles freut sich, wenn die Morgenröthe erscheint, denn sie ist ein Vorbote des Sonnenaufgangs. So freute sich gleichfalls die Welt, als Maria geboren ward; denn sie war ein Vorbote der Sonne der Gerechtigkeit, das heißt Jesu Christi, der, nachdem er ihr Sohn geworden war, uns durch seinen Tod selig machen wollte. Deßhalb ruft auch die heilige Kirche aus: Deine Geburt, o heilige Jungfrau und Gottesgebärerin, hat der ganzen Welt Freude verkündigt: denn aus dir ist die Sonne der Gerechtigkeit geboren, die uns das ewige Leben gebracht hat. So ward bei der Geburt Marien's das Heilmittel gegen unsere Uebel, unser Trost und unser Heil geboren; denn durch Maria haben wir unsern Heiland empfangen. 2. Nachdem diese heilige Jungfrau bestimmt worden war, die Mutter des ewigen Wortes zu werden, so bereicherte Gott sie mit so vielen Gnaden, daß von dem ersten Augenblick ihrer unbefleckten Empfängniß an, ihre Heiligkeit die Heiligkeit aller Heiligen und Engel zusammen übertraf, fie empfing nämlich Gnaden höherer Art, sowie die hohe Würde einer Mutter Gottes es erforderte. Fest der Opferung Mariä. 467 Siehe ich armer Sünder begrüße und verehre dich heute, o heiliges Kind Maria, du bist voll von Gnade. Du bist die Geliebte, die Freude beines Gottes, habe also Mitleiden mit mir, der ich, durch meine Sünden, ein Gegenstand des Haffes und Abscheues Gottes gewesen bin. Du, o allerreinste Jungfrau, haft seit deiner zartesten Kindheit in so hohem Grade die Liebe beines Gottes zu erlangen gewußt, daß er dir Nichts abschlagen kann, daß er dir Alles gewährt, um was du ihn bittest. Auf dich setze ich meine Hoffnung. Bitte deinen Sohn für mich und ich werde gewiß nicht verloren gehen. 3. Da Maria zur Mutter unsers Heilandes bestimmt ward, so wollte Gott auch, daß sie eine Mittlerin zwischen Gott und uns Sündern werde. Deßhalb, sagt der heil. Thomas, empfing Maria so viele Gnaden, als hingereicht hätten, um alle Menschen selig zu machen, und der heil. Bernard nennt Maria eine volle Wasserleitung, an deren Fülle wir Alle Theil haben. O meine Königin Maria, o Mittlerin der Sünder, übe dein Amt an mir aus, bitte Gott für mich. Meine Sünden, o mächtige Mutter Gottes, sollen mein Vertrauen auf dich nicht vermindern; nein, ich setze meine Hoffnung auf dich und mein Vertrauen ist so groß, daß wenn meine Seligkeit von mir selbst abbinge, ich sie dennoch lieber dir, als mir selbst anvertrauen würde. O Maria, nimm mich unter deinen Schuß, alsdann bin ich zufrieden. Kirchengebet. Wir bitten dich, o Herr! verleihe deinen Dienern die Gabe der himmlischen Gnade, damit Allen, denen die Geburt der seligsten Jungfrau der Anfang des Heiles geworden ist, auch die fromme Feier dieser Geburt zum Wachsthum des Friedens gedeihen möge, durch unsern Herrn Jesum Christum u. f. w. Fest der Opferung Marid.( 21. November.) In der Bulle des Papstes Sirtus V. vom ersten Sept. 1585 heißt es von diesem Feste: ,, Andern Festen der jederzeit unversehrten Jungfrau, welche die katholische Kirche geheiligt hat, wollen wir, daß auch die Opferung eben derselben, die ein Tempel Gottes und ein Heiligthum des heiligen Geistes werden würde. beigezählt, und wenn es irgendwo ist unter30* 468 Fest der Opferung Maria. lassen worden, wieder hergestellt und beständig verehrt werde." Gib Gott, durch die Hände Mariä, das Liebste, was du hast, gib dich selbst ihm ganz zum Opfer hin, vorzüglich nach der heiligen Kommunion. Von ihm hast du Alles: gib es ihm wieder; er füge Alles nach seinem heiligsten Wohlgefallen! Flieh den Müßiggang; mache dich von der Welt stets mehr los; bete öfters; betrachte gern himmlische Dinge; halte fleißig eine geistliche Lesung; höre mit Wohlgefallen fromme Gespräche; übe dich in der Freundlichkeit gegen Jedermann, in der Eingezogenheit, in der Verachtung eitler Freuden, damit du einst in das wahre Heiligthum, in den Tempel der himmlischen Glorie, aufgenommen werdest. - Betrachtung. 1 Als das heilige Kind Maria kaum drei Jahre alt war, da bat es schon seine frommen Eltern, sie möchten ihm erlauben, sich in den Tempel einzuschließen, wie sie dieß Gott versprochen hatten. Als der dazu festgeſette Tag gekommen war, da reiste die unbefleckte Jungfrau Maria mit dem heiligen Joachim und der heiligen Anna von Nazareth ab; eine große Menge Engel begleiteten das heilige Kind, welches bestimmt war, die Mutter ihres Schöpfers zu werden. Begib dich, ruft der heilige Germanus Maria zu, begib dich, o heilige Jungfrau, in's Haus des Herrn und warte daselbst die Ankunft des heiligen Geistes ab, der dich zur Mutter des ewigen Wor tes machen wird. 2. Als die heiligen Reisenden im Tempel zu Jerusalem angekommen sind, da wendet sich das heilige Kind Maria zu seinen Eltern, kniet nieder, küßt ihnen die Hände und bittet fie um ihren Segen, darauf steigt das heilige Jungfräulein, ohne umzublicken, die Stufen des Tempels hinauf, entsagt für immer der Welt und Allem, was die Welt uns bieten kann, bringt sich Gott dar und weiht sich gänzlich Seinem Dienste. Das Leben, welches Maria hierauf im Tempel führte, war eine fortwährende Uebung der Liebe Gottes und der Aufopferung ihrer felbst. Jede Stunde, ja jeden Augenblick nahm Maria in den Tugenden zu; freilich half ihr die Gnade Gottes auf ganz besondere Weise, aber deßungeachtet war sie auf's sorgfältigste darauf bedacht, aus all' ihren Kräften mit der Gnade Gottes mitzuwirken. Einen Tages erschien die allerseligste Jungfrau der heiligen Elisabeth und sprach: Meinst du, meine Tochter, daß ich die Tugenden ohne Mühe erlangt habe? Wiffe, daß ich keine einzige Gnade von Gott ohne große Anstrengung, ohne fortwährendes Gebet, ohne eifrige Begierde und ohne viele Thränen und Bußübungen erlangt habe. Am Feste Mariä Namen. 469 3. Im Tempel that Maria nichts anders als beten. Weil fie erkannte, daß die Menschen sich in's Verderben gestürzt hatten und für Gott ein Gegenstand des Haffes geworden waren, so bat sie hauptsächlich den Herrn, er wolle den Messias senden: damals hätte sie gewünscht, die Magd jener glücklichen Jungfrau zu seyn, die bestimmt war, die Mutter ihres Gottes zu werden. Wer hätte es damals gewagt, ihr zu sagen: Heilige Jungfrau, wisse, daß der Sohn Gottes, um deines Gebetes willen, schon bereit ist, auf die Welt herabzukommen, um die Menschen zu erlösen; wisse aber auch, daß du die Hochgebenedeite bist, die erwählt worden ist, um die Mutter ihres Schöpfers zu werden. O heiliges Kind, o geliebtes Kind deines Gottes, du bittest für Alle, bitte auch für mich. Von deiner Kindheit an hast du dich ganz der Liebe deines Gottes geweiht, ø erlange mir die Gnade, daß ich wenigstens die noch übrigen Tage meines Lebens.nur für Gott lebe. Von heute an entsage ich, nach deinem Beispiele, allen Geschöpfen, und weihe mich ganz der Liebe meines Gottes. Auch ich bringe mich dir dar, o meine Königin, ich will von heute an dein Diener seyn. Nimm mich zu deinem Diener an und erlange mir die Gnade dir und deinem Sohne treu zu bleiben, damit ich dich eines Tages im Himmel, die ganze Ewigkeit hindurch, loben und lieben könne. Kirchengebet. O Gott,' der du gewollt hast, daß die seligste Maria immer Jungfrau, ein Tempel des heil. Geistes, am heutigen Tage, im Tempel dir geopfert wurde; verleihe uns, wir bitten dich um deine Gnade, daß wir durch ihre Fürbitte im Tempel deiner Herrlichkeit vorgestellt werden mögen, durch unsern Herrn, Jesum Christum u. s. w. Am Feste des Namens Mariä. Betrachtung. Das Fest Marià Namen ward vom Papste Innocenz XI. auf den Sonntag während der Octav der Geburtsfeier Mariä in der kath. Kirche angeordnet, zur Dankfagung des wunderbaren Sieges, den Leopold I. im Jahre 1683 unter dem Schuße der siegreichen Junafrau über die Türken erfochten hat, die Wien schon belager: hielten. Der Jame 470 Litaner zur Verehrung Maria bedeutet eine Erleuchterin; was sie denn auch war durch ihre Gnaden und ihr hellleuchtendes Tugendbeispiel. Auch bedeutet das Wort Maria eine Herrin, und auch das war sie durch ihre Unterwerfung ihrer natürlichen Neigungen unter die Herrschaft ihres Geistes, worin auch wir ihr nachfolgen sollen. Gebet. Reinste Jungfrau! nimm alle bösen Gedanken aus meinem Herzen, und erflehe mir die Kraft des Geistes, daß auch ich siege über alle böse Neigungen und Leidenschaften, die mein Herz verblenden und zum Unglauben an Jesus, deines Sohnes Lehre, verleiten wollen, der die Ursache aller Sünden ist, auf daß ich im lebendigen Glauben dir nachfolge. Amen. Kirchengebet. Allmächtiger Gott! wir bitten dich um die Gnade, daß deine Gläubigen, welche sich unter dem Namen und Schuße der seligsten Maria erfreuen, durch ihre milde Fürbitte von allem Uebel auf Erden befreit werden, und zu den ewigen Freuden in den Himmel gelangen mögen, durch unsern Herrn Jesum u. f. w. Litanei von dem heiligsten Namen Mariä. Herr, erbarme dich unser! Christe! erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme dich unser! Heiligste Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme dich unser! Heilige Maria, deren Name der Mund des Herrn genannt wird, Heil. Maria, deren Name der Engel mit größter Ehrfurcht ausgesprochen hat, Heil. Maria, deren Name glorreich und bewunderungswürdig ist, Heil. Maria, deren Name nach dem Namen Jesus über alle Namen gebenedeit ist, Heil. Maria, deren Namen Jesus das Leben und Heil aller Rechtgläubigen ist, Heil. Maria, beren Name nach dem Namen Jesus denjenigen, die ihn andächtig verehren, Alles in Allem ist, Heil. Maria, deren Name die Herzen der Sünder zerknirscht, Heil. Maria, deren Name die Seelen der Frommen entzündet, J Bitt für uns! des heiligsten Namens Mariä. Heil. Maria, deren Name die Gemüther im Grunde ermuntert, Heil. Maria, deren Name die Traurigen in Freude verfeßt, Heil. Maria, deren Name die Sterbenden stärkt, Heil. Maria, deren Name selbst die höllischen Geister ehren und fürchten, Durch die Erhöhung und Verherrlichung deines heiligsten Namens, 471 Durch die Macht und Kraft deines heiligsten Namens, Durch die Liebe und Süßigkeit deines heiligsten Namens, Durch die Freude und Glorie in Ansehung und Verehrung deines heiligsten Namens, Daß wir deinen heiligsten Namen nach dem Namen Jesus über alle andern Namen mit höchster Andacht verehren mögen, Daß wir deinen heiligsten Namen nach dem Namen Jesu vor allen andern Namen mit größter Zuversicht anrufen mögen, Daß wir alle Liebe und Ehrfurcht gegen deinen heiligsten Namen äußern mögen, Daß wir deinen heiligsten Namen in jeder Versuchung und Trübsal mit Mund und Herz anrufen mögen, Daß wir in Kraft deines mächtigen Namens über alle sichtbaren und unsichtbaren Feinde glorreich obsiegen mögen, Daß wir im Tode durch Aussprechung und Verehrung deines heiligsten Namens vollkommene Verzeihung unse rer Sünden erlangen mögen, Daß der Name deines Jesus und dein heiligster Name, of Maria! bei uns Sterbenden die letzten Worte sein mögen, Daß unsere Namen im Buche des ewigen Lebens eingetragen werden mögen, Bitt für uns! Heilige Maria, du Mutter Jesu und Mutter der Gnade, O bu Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünder der Welt! Verschone uns, o Herr! wegen der Fürbitte Mariä! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt! Eerlöse uns, o Herr! wegen der Fürbitte Mariä! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt! Erbarme dich unser, o Herr! wegen der Fürbitte Mariä! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Vater unser 2c. V. Jene, die deinen Namen lieben, werden vor Freude aufhüpfen; R. Weil du, o Maria! deinen Segen über sie, als Gerechte, ergießen wirst. V. Bitt für uns, o heilige Gottesgebärerin! R. Auf daß wir in deinem Namen das Heil von dem Herrn erhalten. 472 Am Feste Mariä Namen. Gebet. O Gott, der du den Namen der allerheiligsten Gottesgebärerin und Jungfrau Maria so glorreich gemacht hast, daß es nach dem süßen Namen Jesus, deines gebenedeitesten Sohnes, keinen andern Namen unter der Sonne gibt, wodurch uns Menschen soviel Heil verschafft wird, gib uns zu diesem heiligsten und verehrungswürdigsten Namen eine zarte Andacht, daß wir ihn unaufhörlich in unserm Herzen und in unserm Munde mit jener Ehrfurcht tragen mögen, die diesem glorreichen Namen gebührt, und unsern Namen im Himmel verewigt. Durch eben denselben unsern Herrn Jesum Christum. Amen. Psalmen auf den Namen Mariä. 1. Mit Mund und Herzen preife ich dich, du Mutter des Heiles! die du zur Rechten des Sohnes sißest und durch den Glanz deiner Schöne die Chöre der Engel erfreuest. Milch und Honig thaut von deinen Lippen, o gebenedeite Jungfrau! die den Sohn des Allerhöchsten als zartes Knäblein füßten, und süße Worte für die Versöhnung reuiger Sünder sprechen. Mystische Rose! die du in Nazareths Thalen blühtest, wie füß erquickt der Wohlgeruch deiner Salbungen die traurigen Kinder Eva's. O stärke durch deine Düfte die Herzen, die zu dir seufzen. Mutter der schönen Liebe! ergieße die süßeste Liebe Jeſu in unsere Herzen, daß sie seiner Tag und Nacht gebenken und nach den ewigen Höhen glühen, wo du allen Auserwählten die Palme der Seligkeit reicheft. Mache dich auf, gewaltige Frau! die du der Schlange das Haupt zertratest; rette die Seelen, die zu dir rufen, vor dem Rachen des Löwen, der sie zu verschlingen droht. Mildeste Jungfrau! wie liebreich ertönt dein Lob in der ganzen heiligen Kirche; mit wie zarten Namen nennen dich Sünder und Gerechte. Denn aller Hoffnung bist du, die du das Heil uns geboren hast. Meine Seele seufzet nach deiner Barmherzigkeit; mein Herz verlangt nach dem Thau deiner Gnade. O erhöre mich, mächtige Königin! am Tage meiner Trübsal und schirme mich am Tage der Rechenschaft. Ehre sei dem Vater, und dem Sohne; u. d. Ueb. Am Feste Mariä Namen. 473 Aus der Tiefe rufe ich auf zu dir, o Hülfe der Christen. die du den Schlüssel zu den Schätzen der Gnade und Glorie bewahrest. Auf deine Hände blicken alle Seelen der Gerechten, wie auf die Hände ihrer Herrin; denn du spendest der Seligkeit füßeste Gabe. Alle Völker der Erde verkündigen dein Lob, o heilige Gottesgebärerin! und siegreich ertönt der Ruf deiner Macht durch alle Geschlechter bis an's Ende der Zeiten. Außerforen wurdest du vor ewigen Tagen: mit Anmuth und Schöne schmückte dich die allerhöchste Dreieinigkeit; und der dich erschuf, ruhte in deiner Hütte. An den Stufen deines Thrones flehten Könige und Nationen; zu den Schwellen deiner Altäre eilten die Schaaren der Pilger; ein Jahrhundert zeigt dem Andern die Gaben deiner Milde. Als Stern des Meeres glänzest du in den heiligen Höhen; dein süßes Licht leitet die Schiffer in den Hafen des Heils. Ach, süße Mutter der Christenheit! ergieße das Cel deines heiligen Namens in die Stürme des Lebens, und empfange im Tode meinen Geist in deine Lilienhände. Ehre sei dem Vater, und dem Sohne; u. d. Ueb. 3. Reinige, Jungfrau! mein Herz und meine Lippen, daß ich das Lob deines heiligen Namens feiere! und den Herrn preise, der dich über alle Werke seiner Hände erhoben hat. Ruhm und Verherrlichung bringt dir darob in süßen Gesängen die heilige Kirche; geifernd hört es der alte Drache, und flieht mit zertretenem Haupte. Reihet euch in Chöre, ihr Jünglinge und Jungfrauen! ftimmet an, ihr Gerechten! das Lob der Mutter Gottes; wandelt auf ihren Spuren, die ihr sie liebt; ihre Pfade führen in die Gefilde des Lichts. Reichthum und ewige Ehre findet, wer sie fand; sie zeichnet die Auserwählten in das Buch des Lebens auf. Rings um ihr Haupt glänzt die Sternenkrone; die Krone der Glorie, womit am Tag ihrer Aufnahme der König der Glorie fie frönte. Reinigkeit und süßen Frieden spendet die keusche Königin den Seelen; Chöre der Jungfrauen führt sie dem Könige vor, die dem Lamme ewiglich folgen. Am Feste Martä Namen. Retterin in Angst und Gefahren! spende uns, wenn unfre Teßte Stunde erscheint, das hochzeitliche Lilienkleid; und führe uns ein zu dem Gastmahl des ewigen Königs! Ehre sei dem Vater, und dem Sohne; u. d. Ueb. 474 In Andacht und Liebe blicke ich auf zu dir, o Maria! der ich mein Herz ergab; denn deine süße Milde sänftigt des Lebens bitterste Stunden. Jammer und Finsterniß bedeckte die Erde; da gingst du als ersehntes Morgenroth auf, und fern flohen die Schatten vor dem ewigen Tag, den du gebarst. Ihr Kinder der Menschen! lobsinget ihr; denn sie brachte das Lösegeld der alten Schuld aus ihrem keuschen Schooße. Immerdar sieht ihr mildes Auge in die Tiefe, ob irgend ein Herz zu ihr seufze und ihr die süße Wonne gewähre, es dem göttlichen Sohne zu gewinnen. Irre wandelt in finsterer Tobesnacht, wer ihre Spur verläßt, und ihren freundlichen Mutterworten das Ohr verschließt. Ihr Herz ist ein unversiegbarer Quell heiliger Milde; ihre Erbarmung bethaut die Erde und befreit gefangene Seelen aus den reinigenden Feuern. Jungfrau der Jungfrauen! zu dir flehen wir, es löse, wenn uns das Auge bricht, deine treue Mutterhand unsers Lebens leßte Bande. Ehre sei dem Vater, und dem Sohne; u. d. Ueb. Alle Tage meines Lebens soll mein Herz deiner gedenfen, wie das Kind der liebenden Mutter; denn mit Schmerzen hat dein Herz alle Auserwählten unter dem Kreuze geboren. Am frühen Morgen will ich deiner eingebenk seyn; deiner am Mittag und am Abend, wenn das heilige Erz alle Kinder der Kirche ermahnt, die Glorie deines Namens zu preisen. Also hat der Herr der seufzenden Kinder Eva's sich ers barmt, daß er seine eigene, hochgeliebte Mutter ihnen zur Mutter gab, das Leid ihrer Herzen zu wenden. Arme und Schwache, Betrübte und Elende, zaget nicht; blicket auf zur freundlichen Königin, die euch eine glänzende Wohnung im ewigen Reiche bereitet. Abtrocknen wird sie alle Thränen; stillen allen Harm: reichlich vergüten allen Schaden aus den Schäßen des ewigen Königs, der alle Güter der Ewigkeit ihren Händen übergeben hat. Am Feste des heiligen Rosenkranzes. 475 Auf deine Hilfe, o Königin des Himmels! vers trauen wir; denn deine Augen ruhen auf den Seelen, die dich lieben; du bist die Mutter der Armen; du die Freude des himmlischen Jerufalems. Ave Maria, du Gnadenvolle! Also begrüßen dich alle Geschlechter der Erde; also die Engel des Himmels. O nimm diesen süßen Gruß, der uns das Leben brachte, als letzten Hauch von unseren sterbenden Lippen. Ehre sei dem Vater, und dem Sohne; u. d. Ueb. V. Bitte für uns, o heilige Gottesgebärerin! R. Auf das wir theilhaftig werden der Verheißungen Christi. Gebet. Wir bitten dich, o Herr! bewahre deine heilige Gemeine durch die Fürbitte der heiligen, immerdar unversehrten Jungfrau Maria vor allen Widerwärtigkeiten, vor allen Nachstellungen der Feinde und Gefahren. Durch Christum, unsern Herrn. Amen. Am Feste des heiligen Rosenkranzes. ( Am ersten Sonntage im Oktober) Der heilige Dominikus wandte sich im Jahre 1208 an die gnadenvolle Jungfrau um Fürbitte zur Bekehrung der irrgläubigen Albigenser, denen er die wahre Lehre der Kirche predigte.- Da erschien ihm die glorreiche Jungfrau, und lehrte ihn das Gebet des Rosenkranzes, den er nun überall verkündete und empfahl. Von daher verbreitete sich diese Andacht in der ganzen katholischen Kirche. Maria gelangte zu einer so reinen Liebe durch die unausgesetzte innerliche Betrachtung der Geheimnisse des Lebens, Leidens und der Verherrlichung Jesu. Dasselbe sollen auch wir bei dem Abbeten des heiligen Rosenkranzes thun. Am Stapulierfest. Gebet. Liebreiche Jungfrau und Mutter meines Herrn! die du in deinem Herzen Tag und Nacht die Geheimnisse der Erbarmungen unsers Erlösers erwogen hast, erflehe mir die Gnade, daß ich glaube, was sie mir verheißen. Mache durch die Betrachtung derselben mein Herz frei von jeder Anhänglichkeit an die vergänglichen Dinge, um der göttlichen Gnade immer mehr empfänglich zu werden zur Vollziehung der göttlichen Gebote, um ihre Verheißungen zu verdienen durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Kirchengebet. Wir bitten dich, allmächtiger Gott! unterstüße uns mit deiner Huld und Gnade, daß wir, die wir jeßt die Feier des Rosenkranzes der seligsten Jungfrau, deiner Gebärerin, begehen, die heiligen Geheimnisse desselben mit solcher Gemüthsverfassung betrachten mögen, daß wir nach vollbrachtem Lebenslaufe würdig befunden werden, in dem Himmel die Früchte derselben zu ernten. Der du lebst und regierst mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 476 Am Skapulierfest.( 16. Juli.) Auf dem Berge Carmel dienten der Prophet Elias, und nach ihm andere Diener Gottes dem Herrn Tag und Nacht in heiligen Betrachtungen und im Gebete. Von diesem Berge Einem erhielt späterhin der Carmelitenorden seinen Namen. dieser Ordensmänner erschien einmal die seligste Jungfrau, und überreichte ihm das Skapulier, mir der Verheißung, daß sie jene stets besonders schüßen werde, besonders in der Todes, stunde, welche das Stapulier im Geiste wahrer Buße tragen. Dieses Kleid trugen von nun an nicht nur mehrere geistliche Orden, sondern es entstand auch unter diesem Namen die Stapulierbruderschaft, in der sich die Mitglieder zur gegenseitigen Ermunterung zur Verehrung und Nachfolge Mariä vereinigen. Man muß also, wenn man das Bild Mariä auf dem Skapulier auf dem Herzen trägt, im Herzen die Keuschheit lieben. Wer dabei an unkeuschen Gedanken, Gelüsten und Werken feine Freude hat, spottet der unbefleckten Jungfrau. Gebet. Liebreiche Mutter Gottes! ich will nicht nur bein Bild der Reinigkeit auf dem Herzen tragen, sondern auch mein Herz und meinen Leib keusch bewahren. Du kennst aber meine Schwachheit. Erflehe mir daher den göttlichen Beistand deines Sohnes Jesu, damit ich durch Vermeidung jedes ver Am Feste Mariä Schuß und Mariä Schnee. trauten Umganges mit Personen des andern Geschlechtes, und durch Abtödtung und Selbstverläugnung dein getreuer Nachfolger sei, um durch deine Fürbitte eines seligen Todes zu sterben. Amen. Am Feste Mariä Schutz.( 1. Sonntag im November.) Maria beschüßt ihre Verehrer, daß sie nicht in die Fallstricke der vielen Versuchungen der Welt fallen oder in denselben zu Grunde gehen, sie beschützt sie vor den Irrthümern wider den Glauben. Wir haben auf dieser Welt, wie der heilige Apostel Paulus lehrt, nicht nur wider Fleisch und Blut, die Anlockungen der Sinnlichkeit, sondern auch gegen die Eingebungen der bösen Geister zu kämpfen. Wie sehr bedürfen wir also einer solchen Beschüßerin, wie sich Maria, die Huldvolle, in allen christlichen Jahrhunderten gegen ihre Verehrer erwiesen hat. Gebet. Unter deinen Schuß fliehen wir, o heilige Got tes- Mutter! hilf den Kleinmüthigen und Schwachgläubigen; stärke uns Allé, besonders bei den vielen Versuchungen gegen die Reinigkeit, und erzeuge dich als unsere Beschüßerin in jeder Noth, vorzüglich in der Stunde unsers Todes, auf daß wir an deinem Sohne Jesus einen barmherzigen Richter finden Amen. Am Feste Mariä Schnee.( 5. August.) Dieses Fest wurde im vierten Jahrhunderte vom Papste Liborius eingesetzt durch folgende Veranlassung. Zwei fromme, kinderlose, hochadelige Eheleute in Rom setzten Maria zur Erbin ihres großen Vermögens ein. In der Nacht erschien ihnen Maria und gab ihnen ihr Wohlgefallen und den Wunsch zu erkennen, auf jenem Hügel der Stadt eine Kirche zu erbauen, der am Morgen mit Schnee bedeckt seyn würde. Wir erkennen daraus, daß Maria unsere Verehrung nur dann wohlgefällig ist, wenn wir zugleich die Erkenntniß und Anbetung Jesu zu befördern suchen, wozu die Kirchen zunächst bestimmt sind. Gebet. O Mutter der Barmherzigkeit! ich will dich nur als treue Nachfolgerin deines Sohnes Jesu verehren. Sieh auch mit Wohlgefallen auf meine dir schuldige Verehrung herab, als die Mutter meines Erlösers, und erflehe mir die Gnade, daß ich durch einen tugendhaften Wandel und erbauliche Reden dem Nächsten heilsam werde, damit dein Sohn immer mehr erkannt und gepriesen werde. Amen. Laffet uns alle frenen, und im Gefühle dieser Freude laffet uns alle ausrufen: Gepriefen sei Jesus, unser Bruder, dem Fleische nach, durch wel. Chen Maria unsere Mutter geworden ist; gesegnet und gebenedeit sei Maria, unsere Mutter, durch welche Christus unser Bruder geworden ist." Heil. Bonaventura. 11 479 VI. Abschnitt. Verschiedene Gbete zur allerseligsten Jungfrau Maria. 1. Lobpreisungen der heiligsten Jungfrau. O allerheiligste Jungfrau Maria! O Königin der Engel! O wie schön, wie lieblich und vollkommen hat der Himmel dich gemacht! D, wenn ich doch auch vor den Augen Gottes erschiene, gleichwie du mir erscheinst! Du bist so schön und so lieblich, daß du dir durch deine Schönheit die Herzen raubst. Wenn man dich sieht, so erscheint alles Andere häßlich, vor dir vergeht alle andere Schönheit, und alle Lieblichkeit verschwindet vor dir, gleichwie die Sterne verschwinden, wenn die Sonne erscheint. Als dein großer Diener, der heilige Johannes Damascenus, dich anblickte, fand er dich so schön, daß es ihm schien, daß du das Beste und vollkommenste, was in allen Geschöpfen gefunden wird, angenommen habest, und deßwegen nannte er dich auch die Lieblichkeit und Schönheit aller erschaffenen Dinge. Auch der heilige Augustin, der wie eine Sonne unter den Kirchenvätern leuchtet, betrachtete deine Schönheit, und du erschienst demeen fliebenswürdig und so schön, daß es ihm keine debertreibung schien, wenn er dich das Angesicht und Ebenbild seines Gottes nannte. Als dein frommer Sohn, Albertus der Große, dich anschaute, da schien es demselben, daß alle Gnaden und alle Gaben, die sich in den berühmtesten Frauen des alten Bundes finden, in dir auf weit vollkommenere Weise vereinigt seien. Er sah in dir den goldnen Mund einer Sara, da du durch dein freundliches Lächeln Himmel und Erde entzückest; den sanften Blick einer Lia, mit dem du das Herz Gottes, wenn es erzürnt ist, besänftigst; das glänzende Antlitz der schönen Rachel, da du ja sogar die Sonne durch deine Schönheit verdunkelst; die Liebenswürdigkeit und den Anstand der flugen Abigail, indem du den Zorn Gottes aufhältst; die Lebendigkeit und Kraft der tapferen Judith, indem du dir durch deinen Muth und durch deine Güte die wildesten Herzen unterthänig machst. Ja, meine erhabene Königin, aus dem unendlichen Meere deiner Schönheit fließt die Schönheit und Lieblichkeit aller Ge 480 Verschiedene Gebete schöpfe gleichwie ein Strom hervor. Von deinem goldnen Haar, das lieblich gekreiselt, wellenförmig über deine Schultern und deinen Hals, der dem Elfenbeine gleicht, herabfällt, hat das Meer gelernt sich empor zu kräuseln und seine kristallenen Wellen zu erheben. Die Kristallquelle und ihr klarer Grund lernte von der Heiterkeit, die von deiner schönen Stirne leuchtet und von deinem ruhigen Antliß, daß sie so still und unbeweglich erscheinen. Der schöne Regenbogen, wenn er am prächtigsten erscheint, ahmt sorgfältig jene liebliche Beugung deiner Augenbraunen nach, wodurch seine schönen Lichtstrahlen weit mehr erglänzen. Der Morgenstern und der freundliche Abendstern sind nur schwache Funken aus deinen schönen Augen. Die weißen Lilien und die purpurfarbenen Rosen haben von deinen rothen Wangen ihre schöne Farbe angenommen. Die neidische Purpurschnecke und die Coralle seufzen nach einer deiner rothgefärbten Lippen. Die wohlschmeckendste Milch und der süßeste Honig fließen aus deinem Munde wie aus einem Honigseim. Der duftende Jasmin und die wohlriechende Rose von Damascus haben ihren Wohlgeruch deinem Athem entwendet. Die höchste Ceder und die schönste Cypresse würden sich glücklich schätzen, wenn sie emporwüchsen wie dein erhabener Hals. Die Palme vergleicht sich mit deiner Gestalt und scheint dich zu beneiden.- Siehe, meine Königin, alle erschaffene Schönheit ist nur Schatten und Schein, in Vergleich mit deiner Schönheit. Deßhalb wundere ich mich nicht, o meine erhabene Fürstin, daß Himmel und Erde unter deinen Füßen sich befinden; denn du bist so groß, in Vergleich mit ihnen, daß du, wenn du dich nur über dieſelben stellst, sie schon bereicherst, und daß sie sich glücklich und selig halten müssen, wenn sie nur deine Fußsohlen küßen können. So machte es der Mond, als der heilige Johannes ihn zu deinen Füßen sah. Der Glanz der Sonne wird vermehrt, wenn sie dich mit ihren Lichtstrahlen umgibt. Geblendet von deinem großen Glanze war der heilige Johannes vor Erstaunen ganz außer sich, als er ein so großes Wunder von Schönheit, in welchem alle Schönheit Himmels und der Erde vereinigt war, erblickte, er rief aus: ,, Ein großes Zeichen ist am Himmel erschienen", ein Zeichen, welches die Engel in Erstaunen setzt, und wovor die Erde erschrickt. Und dieses Wunder war eine Jungfrau, von Kopf bis zu den Füßen mit Glanz bekleidet, welche die glänzende Sonne, die sich in ihrem reinen Schooße einschloß, zur Mutter erwählte, die den silberweißen Mond zum Fußgestell hat, deren Stirne mit einer unzähligen Menge Sterne gekrönt ist, welche sich die Ehre streitig machen, sich um ihre zur allerfeligsten Jungfrau Maria. Haare zu winden und ihr Haupt zu zieren: Auf ihrem Haupte war eine Krone von zwölf Sternen." 481 Wenn die Heiligen dich anblicken, o allerheiligste Jungfrau, die du so glänzend und schöner als die Sonne und liebreicher als der Mond bist, in denen sich doch alle Schönheit vereinigt, o wenn sie betrachten, wie man dir im Himmel Beifall zuruft, dann werden sie nicht müde, deine Schönheit anzuschauen, dann können sie nicht anders als vor Bewunderung und Erstaunen aufjubeln; deßwegen rief denn auch ein heiliger Peter Damian aus: O Heilige, o Heiligste aller Heiligen, o reinster Schatz aller Heiligkeit! und der heilige Bernard: O wunderbare Jungfrau, o Frau, die du die Ehre aller andern Frauen bist, die beste und größte, die es je auf Erden gegeben hat! Der heilige Epiphanius: O du Himmel, der du geräumiger bist, als der Sitz der Seligen! Jungfrau, die du wahrlich voll von Gnade bist, und die heilige katholische Kirche begrüßt dich im Namen aller Gläubigen: O gnädigste, o barmherzigste und süßeste Jungfrau Maria!. Siehe, o Maria, auch ich, obgleich ich der Geringste unter deinen Verehrern bin, will heute mein Erstaunen und meine Verehrung zu erkennen geben. O Maria, du lieblicher schöner Himmel, der du geräumiger bist, als der Sitz der Heiligen; denn in diesem kann Gott, weil er unendlich ist, keinen Plaz finden, indeß er sich in deinem jungfräulichen Schooße verborgen hielt. O du reicher Schatz, in welchem der kostbarste Edelstein, mit welchem wir losgekauft worden, niedergelegt war. O Mutter der Sünder, unter deinem Schutzmantel finden wir Vertheidigung. O Trost der Welt, in welcher alle Betrübte, Kranke und Trostlose Beruhigung finden. O ihr schönen Augen, die ihr die Herzen raubet! O ihr Corallenlippen, die ihr die Herzen fesselt! O ihr freigebigen Hände voll Hyacinthen, die ihr immerfort Gnaden austheilet! O du reines Geschöpf, das einen Gott geboren, ich würde dich für Gott selbst halten, wenn der Glaube mich nicht lehrte, daß du nicht Gott bist, obgleich du einen Glanz verbreitest und ein Ansehen hast, als ob du die Gottheit selbst wäreft. O große Gebieterin, Königin des Himmels, freue dich tausend Ewigkeiten hindurch über die Gnadenfülle und über die Glückseligkeit, deren du im Himmel theilhaftig geworden bist. Nur bitte ich dich, o meine barmherzige Mutter, du wolleft uns nicht vergessen, die wir dich bitten, uns zu deinen Kindern anzunehmen. Weil jede Gnade, und das Beste und Schönste, was sich in allen Geschöpfen findet, in dir vereinigt ist, so bitten wir dich, du wollest machen, daß wir deine Verehrer auch weit besser, 31 482 Verschiedene Gebete als alle andere Menschen auf Erden von dir behandelt werden. Möge die ganze Welt es wissen, daß die lieben Kinder Mariens, im Himmel und auf Erden, es am besten haben, daß sie die geliebtesten Kinder sind, die sich der besten Gaben einer solchen Mutter erfreuen, daß sie die glücklichen Geliebten sind, die am Herzen der Himmelskönigin ruhen, und die du doppelt begünſtigest und liebkosest. Das hoffe ich, o schönste Rachel, ja ich hoffe, daß du dieß thun werdeft, o erhabene Fürstin! Thue es, weil du so mächtig bist, weil der ganze Himmel dich fußfällig darum bittet. Sage ja, fage ein liebevolles Es geschehe, es geschehe. O Menschen, was thut ihr? wie könnet ihr nur die Geschöpfe lieben, die nichts als Roth sind, die euch betrügen, die euch belügen und verrathen; die machen, daß ihr eure Seele, euern Leib, daß ihr den Himmel und Gott selbst verlieret. Und warum liebet ihr denn nicht Maria, die liebevollste, die liebenswürdigste, die treueste Mutter, die, nachdem sie euch hier auf Erden mit Trost und Gnaden wird bereichert haben, für euch von ihrem göttlichen Sohne die ewige Herrlichkeit im Himmel erlangt. D Maria, Maria, die du schöner bist, als alle Geschöpfe, die du nach Jesus liebenswürdiger bist, als alles Liebenswürdige, die du fostbarer bist, als alle erschaffenen Dinge, die du lieblicher bist, als alle Lieblichkeit. O Maria, habe Mitleid mit meinem armen Herzen! Siehe, deßhalb bin ich elend, weil ich dich nicht liebe, da ich dich doch so sehr lieben sollte. Du kannst mein Herz mit deiner heiligen Liebe entzünden. Wende denn also deine liebevollen Augen zu mir, blicke auf mich, ziehe mich hin zu dir und mache, daß ich nach Gott nichts anderes liebe als dich, lieblichste, liebenswürdigste Mutter meines Jesu, meine Mutter! ( H. Alphons M. Liguori.) Lobgebet zu der allerfeligsten Jungfrau Maria. ( Nach dem Ambrosianischen Lobgefang.) Dich loben wir, Maria, als eine Mutter Gottes, bich erkennen und nennen wir eine Jungfrau;- dich verehrt bie ganze Welt als eine Tochter des ewigen Vaters und Braut des göttlichen Geistes;- dir dienen in Treue alle Engel, Erzengel, alle Thronen und Fürstenthümer;- dir gehorchen alle Mächte und Kräfte, die Himmel sammt allen Herrschaften.- Vor dir stehen frohlockend alle Chöre der Engel, die Cherubim und Seraphim; dir rufen und singen mit unaufhörlicher Stimme alle englischen Geister:- Heilig, heilig, heilig bist du, o Maria, Gottesgebärerin, Mutter und Jungfrau!- voll find Himmel und Erde von der Majestät und Herrlichkeit der Frucht deines Leibes.- Dich lobt einhellig der glorwürdige Chor der Apostel, als - -- zur allerfeligsten Jungfran Maria. 483 die Mutter ihres Schöpfers;- dich preist die selige Schaar der Märtyrer als eine Mutter Christi;- dich bekennt und nennt das glorreiche Heer der Beichtiger einen Tempel der allerheiligsten Dreifaltigkeit;- dich erhebt der liebliche Reigen der Jungfrauen als Vorbild der Jungfrauschaft und Demuth;- dich ehrt der ganze himmlische Hof als Königin; dich verehrt und ruft an durch die ganze Welt die heilige Kirche als eine Mutter der göttlichen Majestät, als eine wahrlich aller Ehren würdige Gebärerin des himmlischen Königs, als eine heilige, süße und milde Mutter.- Du bist eine Frau der Engel und eine Pforte des Paradieses, du bist eine Stiege zum Himmelreich und die Glorie des Himmels; das Brautbett und die Arche der Milde und Gnade, du bist die Ader der Barmherzigkeit; die Braut und Mutter des ewigen Königs, du bist der Tempel und das Heiligthum des heiligen Geistes; ja der Gegenstand des Wohlgefallens der ganzen allerheiligsten Dreifaltigkeit.- Du bist die Mittlerin zwischen Gott und den Menschen, eine Liebhaberin der Sterblichen;- du Verfechterin der Streitenden, der Armen Fürsprecherin, mitleidsvolle Zuflucht der Sünder;- du Ausspenderin der Gaben, du Ueberwinderin und Schrecken der Teufel und Hoffärtigen. Du Frau der Welt, des Himmels Königin, nach Gott unsere einzige Hoffnung;- du Heil derer, die dich anrufen, du Hafen der Schiffbruch Leidenden, du Trost der Elenden, Zuflucht der zu Grunde Gehenden. Du Mutter aller Seligen, du ihre vollkommene Freude nach Gott, und Trost aller Bürger des Himmels;- du Beförderin der Gerechten, du Versammlerin der Irrenden, Verheißung der Patriarchen;- du Wahrheit der Propheten, du Lob und Lehre der Apostel, Lehrmeisterin der Evangelisten; du Stärke der Märtyrer, Vorbild der Beichtiger, Ehre und Freude der Jungfrauen. Du hast, um zur Erlösung des verwiesenen Menschen mitzuwirken, den Sohn Gottes in deinem jungfräulichen Leibe empfangen;- durch dich ist die alte Schlange überwunden, durch dich sind den Gläubigen die Reiche des Himmels eröffnet wor= den. Du sitzest mit deinem Sohne zur Rechten des Vaters; bitte ihn, o Jungfrau Maria! für uns, ihn, von dem wir glauben, daß er kommen werde zu richten. Dich also bitten wir, komm deinen Dienern zu Hilfe, die wir durch das kostbare Blut deines Sohnes erlöst werden.- Mache, o seligste Jungfrau! daß wir mit allen Heiligen der ewigen Glorie beigesellt werden;- mache dein Volk selig, o Frau! damit wir theilhaftig werden der Erbschaft deines Sohnes;- regiere uns und be31* - -- - - - 484 Verschiedene Gebete schüße uns bis in Ewigkeit.- Alle Tage hindurch, o Mutter grüßen wir dich und verlangen dich zu loben in Ewigkeit. Würdige dich, o süße Mutter Maria! jetzt und allezeit uns frei von Sünden zu erhalten;- erbarme dich unser, o Gütige! erbarme dich unser! Deine große Barmherzigkeit komme über uns, weil wir auf dich, o Jungfrau Maria! vertrauen.- Auf dich, o mildeste Jungfrau! hoffen wir, vertheidige uns in Ewigkeit. Dir, o Mutter Gottes! gebührt Lob, Verehrung, Huldigung und Glorie in Ewigkeit. Amen. - Kirchengebet. O Herr Jesus Christus! der du das Herz deiner geliebtesten Mutter, das in deinem Leiden mit dem Schwerte des Schmerzens verwundet war, nach Ausgießung des heiligen Geistes mit Freuden und mit den Flammen der heiligen Liebe erfüllt haft; wir bitten dich, du wollest in uns durch ihre Fürbitte ein reines Herz erschaffen, und es mit dem Feuer deiner Liebe entzünden, der du lebst und regierst mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Lobpreisung Mariä nach der lauretanischen Litanei. Heilige Maria! Gottesgebärerin, zugleich Jungfrau aller Jungfrauen Krone und Muster! du gnadenvolle- unbefleckteliebenswürdige- wunderbare Mutter unsers Erlösers! du weiseste ehr- und lobwürdige mächtige, gütige, getreue Jungfrau! du bist uns der schönste Spiegel aller Tugend, der Sitz der Weisheit, die mitwirkende Ursache unseres Heils! du warst das vom Geiste Gottes erfüllte ehrwürdige Gefäß der Andacht. Wie die Rose im Garten, so gab deine Tugend den schönsten Anblick und Wohlgeruch. Unerschütterlich, wie ein fester Thurm, war deine Gottergebenheit und Treue; rein und glänzend wie Elfenbein, deine Unschuld. Dein jungfräulicher Leib war wie ein goldenes Haus, das Gott seinem Sohne zur Wohnung auserwählt und zubereitet hat; war ein weit höheres Heiligthum, als die Arche des Bundes. Als du uns den Heiland zur Welt brachtest, wurde uns die Himmelspforte geöffnet. Es stieg der Morgenstern auf, der uns den Tag der Erlösung verkündete. Durch ihn bist du das Heil der Kranken an Leib und Seele, die Zuflucht der reumüthigen Sünder, der Trost der Betrübten in Anliegen und Leiden, die Hilfe der Christen in Gefahr und Noth. Die Hoheit deiner Würde und Tugend erhebt dich über alle Engel und Heilige zur Königin des Himmels, zunächst an den Thron deines göttlichen Sohnes. Nimm uns unter deinen Schutz; sei bei ihm - zur allerseligsten Jungfrau Maria. unsere Mittlerin und Fürbitterin, durch die wir ihm empfohlen, mit ihm ausgeföhnt, ihm vorgestellt, und sodann seiner Verheißungen würdig gemacht werden. 485 2. Begrüßungen der heiligsten Jungfrau. Verehrung Mariä, nach dem Sinne des englischen Grußes. CHRONION Gegrüßet sei du auch uns und hochverehrt, du unbefleckte Jungfrau und liebreiche Mutter unsers Herrn! Mit Ehrerbietung sprechen wir die Worte des Engels nach, der dir die so erfreuliche Botschaft gebracht hat. Gepriesen sei Gott für alle Gnaden, die er dir, und durch dich auch uns erzeigt hat. Du hast dich durch deine Demuth und treue Mitwirkung der göttlichen Gnade in vollem Maaße würdig gemacht. Der Herr ist mit dir, und du bist mit ihm innigst vereinigt geblieben. Sein Wille war allezeit auch der deinige. Du hattest deine einzige Freude an Gott, und Gott hatte an dir sein größtes Wohlgefallen. Du Gebenedeite unter den Weibern, auserwählt aus allen und zur höchsten Würde erhoben, warst du doch in deinen Augen nichts, als die geringste Magd des Herrn. Du rühmtest nur die Gnade des Allmächtigen, der die Demüthigen erhebt, und Barmherzigkeit ausübt nach seiner gnädigen Verheißung. Gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus Christus, der Sohn Gottes, der Mensch geworden und als dein Sohn in die Welt gekommen ist, uns zu erlösen und selig zu machen. Wie lieb- und verehrungswürdig bist du uns auch um Seinetwillen! Du zeigst ihn uns auf deinem Schooße, in deinen Armen, und weisest uns auf ihn hin, den du uns zum Heile geboren und erzogen hast. Verschiedene Gebete Heilige Maria! deiner Heiligkeit wegen verdienteſt du die Mutter Gottes zu werden. Der Heilige konnte nur die reinste Jungfrau zur Mutter wählen. Gleich deiner hohen Würde verehren wir deine ausnehmende Tugend, die sich uns als das schönste Vorbild zur Nachahmung darstellt. 486 Als Mutter unsers Erlösers bist du auch unsere Mutter; du schließest uns alle, für welche dein Sohn gestorben ist, in dein mütterliches Herz und Gebet ein. Bitt für uns, arme Sünder, um die Gnade einer wahren Bekehrung und fortschreitenden Besserung und der Beharrlichkeit im Guten bitt für uns zur Zeit der Prüfung und Versuchung, in der Gefahr der Noth, und einst in der entscheidenden Stunde unsers Abscheidens von dieser Welt, damit wir nach überstandenen Kämpfen, Mühen und Leiden dort zu dir in den Himmel kommen, durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. - Bittgruß zur allerfeligsten Jungfrau. Sei gegrüßt, o glorwürdige Jungfrau! du glänzender Stern Jakobs, die du die Sonne der Gerechtigkeit geboren hast. Sei gegrüßt, du rosige Morgenröthe unsers Heiles, erhabene Königin des Himmels und Mutter des Eingebornen Sohnes Gottes, voll der Gnade und Wahrheit. Sei gegrüßt, du wunderbare Blume des Paradieses, weißer denn Lilien, und lieblicher denn Rosen, geschmückt mit allem Liebreiz himmlischer Schöne. Aus innerstem Herzensgrunde frohlocke ich über deine große Glorie, zu welcher die heiligen Engel staunend aufblicken, und verehre deinen süßesten und heiligsten Namen, der auf dem ganzen Erdkreis wie ein mildes Licht in den Finsternissen leuchtet, und alle Herzen erfreut, bie dich als die Mutter Gottes preisen. O bu gebenedeite Jungfrau! du süße Mutter der Waisen, Trösterin der Betrübten, Weg der Irrenden, Heil Aller, die auf dich hoffen, nimm mein demüthiges Gebet zu dir liebreich auf; sich mit einem Blick deiner gewohnten Barmherzigkeit auf mich herab, und gib meiner lechzenden Seele einen reichlichen Trunk aus dem Quell der Gnade, die du gefunden, daß alle Gluthen meiner Begierlichkeit erlöschen, und mich nach nichts mehr dürfte, als nach der Liebe meines Gottes, deines eingebornen Sohnes, dem ich aus ganzem Herzen zu dienen verlange. O laß mich die Kraft deiner heiligen Fürbitte bei ihm erfahren; daß meine Seele frohlocke und deine Barmherzigkeit verkündige, und den Herrn preise, der so große Dinge an dir gethan, und dich zur süßen Mutter der Christenheit bestellt hat. Amen. zur allerjeligsten Jungfrau Maria. 487 Begrüßung und Anrufung der heil. Mutter Gottes. O erhabene Königin der ganzen Schöpfung, Mutter meines Herrn, und Mutter meines Erlösers, der Frauen reinste Frau, Heilige Maria! 3ch grüße dich in jener innigsten Vereinigung, womit du vor allen Geschöpfen mit Gott innigst verbunden bist. Ich grüße und verehre dich, o vortrefflichste und wahrhaft gebenedeite Jungfrau! bie du zum prachtvollen Tempel der Herrlichkeit Gottes und zum geheiligten Palaste des Königs der Himmel gewählt worden bist! Dein jungfräulicher Schooß ist das königliche Lager, in welchem sich die Menschheit Jesu Christi mit der Gottheit so glücklich vereinbarte. In dir wurde Gott mit den Menschen ausgeföhnt. Ich grüße dich, du Wiederbringerin des Friedens, du kostbarer Schaß, du Heil und Trösterin der ganzen Welt! Ich grüße dich, du unbegreifliches Wunderwerk der Natur und der Gnade! Du Paradies des Vergnügens; du Zufluchtsort der Gefahrleidenden! OKönigin voll Erbarmungen gegen, uns! sei unsre Für sprecherin, die du unsre Frau, unsre Mittlerin und die würdige Mutter unsers Gottes bist. Habe Mitleiden mit uns, komm uns zu Hilfe, und vertheidige unsre Sache; ach! verlaß uns nicht; und dieß um so weniger, weil du unter uns Menschen bist geboren, und in der Folge der Zeit die Mutter des barmherzigsten Gottes geworden, dem Alles möglich ist, nur dieses nicht, sich über die Armseligen nicht erbarmen können. Hôre also, o Mutter des Fleisch gewordenen Wortes' höre unsre Worte, höre unser Gebet an, o seligste Tochter Davids und Abrahams! sei gnädig gegen unsre Bitte und vergiß deines Volkes nicht, das seine Zuflucht zu dir nimmt. O du in deiner Würde große und erhabene Gottesgebärerin aus deinem feuschen Erdreiche ist die lebendige Quelle der Barmherzigkeit für die ganze Welt entsprungen; wie kann es möglich sein, daß ein Sünder, der dieser Quelle am allermeiſten bedarf, durch dich keinen Zugang dazu finden sollte. Meine liebenswürdigste Mutter! mache, daß ich nach Gott dir meine Seligkeit verdanken möge. Mit nassen Augen werfe ich mich dir zu Füßen, und bitte dich, daß du Gutes für mich bei deinem Sohne reden, daß du mir alle Gnaden erwerben, und zur Stunde, die entscheidend ist, mich unter deinem Schutze selig sterben lassen, und die Thür in das Haus meiner Ewigkeit sehn wollest, o süße, o mächtige, o unaufhörlicher Liebe würdige Jungfrau, und Mutter Gottes Maria! Amen. 488 Verschiedene Gebete Kindlicher Gruß an Maria! Sei mir gegrüßt, o meine beste Mutter! du Vorbild der liebenswürdigsten Reinigkeit und jeder himmlischen Tugend Hilf mir, daß ich dir folge, und verlaß mich im Leben und in Tode nicht! Amen. ( Hl. Gertrud.) Gruß zu Maria vom heiligen Ephrem. Würdige mich, o heilige Jungfrau! daß ich dich loben und mit zärtlichster Anmuthung sprechen möge: Maria, du gnadenvolle Frau, Du seligste Jungfrau unter den Weibern, Du schimmerndes Licht und jungfräuliche Mutter, Du wunderbare Gebärerin des Königs aller Menschen und Engel, Du Anfang der hellscheinenden Sonne der Gerechtigkeit, Du Königin und Frau, über alle Geschöpfe erhöht, Du Lobgesang der Engel, der Cherubime und Seraphime, Du Friede, Trost, Freude und Heil der Welt, Du Wunsch der Altväter, Du Zierde der Propheten, Du Schönheit der Märtyrer, Du Krone der Heiligen, Du Ehre der Frommen, Du vortrefflicher Schmuck des himmlischen Heeres, Du großes Wunder der ganzen Welt, Du Ergötung aller Bewohner der Erde, Du Quelle der Gnade und alles Trostes, Du Zuflucht der Sünder, Du Gnadenthron der Nothleidenden, Du Hoffnung der bedrängten Frommen, Du Trost und Heil derer, die sich bekehren, Du Königin und Beschirmerin der Menschen, Du Mittlerin zwischen Gott und den Menschen, Du wirksamste Aussöhnerin der ganzen Erde, Du Frau, die du den Gläubigen Friede und Einigkeit erhältst, Du Ehre und Freude der Prieſter, Du Königin der Himmelsbürger, Du Frau der Engel, Du Leiter zum Paradiese, Du Trösterin der Unterdrückten und Mühseligen, Du Schlüssel des Himmelreiches, Sei gegrüßt! zur allerfeligsten Jungfrau Maria. Du sicherster Hafen aller Schiffer auf diesem Weltmeere, Du beste Hoffnung unserer Seelen, Du Heil aller Christen, die ihre Zuflucht mit aufrichtigem Herzen zu dir nehmen, 489 Du glänzendes Licht, wodurch die ganze Welt erleuchtet wird, Du vortreffliche Beschüßerin aller Menschen, Du heilige Mutter Christi, des Sohnes des lebendigen Gottes, Du Jungfrau, die du den unermeßlichen Gott auf deinem Schooße umarmt und Christus, den Geber des Lebens, ernährt haſt, E Sei gegrüßt! Gebet. O gütigster Gott! erbarme dich unser, deiner Geschöpfe, durch die Fürbitte und Verdienste der heiligsten Gottesgebärerin und Jungfrau Maria, aller himmlischen Heere, aller Engel, Cherubime und Seraphime, Propheten, Apostel, Märthrer, Beichtiger und aller Heiligen, und stelle deine demüthigen Diener am Tage des fürchterlichen Gerichtes zur rechten Seite. O Herr und Urheber des Lebens, handle nicht mit uns nach unsern fündhaften Werken, wodurch wir dein Gesetz übertreten haben, sondern nach deiner unendlichen Güte und Barmherzigkeit und erbarme dich unser! Amen. Grüße zu Maria, Abends vor einem Marienbilde auf den Knieen zu beten. 1. Hunderttausendmal sei gegrüßt durch das allersüßeste Herz Jesu Christi, o schneeweiße Lilie der allerheiligsten Dreifaltigkeit! Hier mache der Mutter Gottes eine tiefe Verbeugung oder füße gar die Erde. 2. Hunderttausendmal sei gegrüßt durch das allersüßeste Herz Jesu Christi, o du glühende Rose der heiligen Liebe. Verbeugung wie oben. 3. Hunderttausendmal sei gegrüßt durch das allersüßeſte Herz Jesu Christi, o du wohlriechendes Veilchen des Thales der Demuth. Verbeugung wie oben; darnach bete knieend mit zusammengelegten Händen: Sei gegrüßt und gebenedeit, o du heiligste Mutter des wahren Sohnes Gottes. Mit diesen drei Fußfällen ehre und benedeie ich dich, und bitte demüthig, du wollest mir in meinem Tode treulich beistehen und mit deinem lieblichen Angesichte mich erfreuen. Amen. 490 Verschiedene Gebete Drei Grußgebete des seligen Abtes Ludovicus Blosius. 1. Sei gegrüßt, o holdselige, ganz liebliche und freundliche Jungfrau, milde und süße Mutter! Sei gegrüßt du lieblichglänzender Stern, blühende Rose, schneeige Lilie der Dreieinigkeit! Unaussprechlich ist deine Erhabenheit; denn du, o Gebenedeite, gebarst den Sohn Gottes und säugtest Ihn an deinen jungfräulichen Brüsten. O buldvolle Königin, erbarme dich deines Armen; denn du bist meine Zuflucht, meine Trösterin! Leite und schirme mich, o milde Lenkerin, auf dem gefahrvollen Meere dieser Welt! Zeige mir, wie und wohin ich schiffen soll, um einst in dem Hafen des himmlischen Jerusalems zu landen! Lehre mich Demuth, Geduld und wahre Liebe, auf daß ich ein Mann nach dem Herzen Gottes werde. Dir empfehle ich das Ende meines Lebens; dir empfehle ich das Heil aller reuigen Sünder. O bitte für alle Lebendigen und für die Seelen der Verstorbenen, die dein göttlicher Sohn in Seinem Blute erkaufte. 2. Sei gegrüßt, o überselige Mutter Gottes, meine süßeste Gebieterin, deren Angedenken mein Herz in heiliger Freude feiert. Ich bitte dich, o Maria! durch die hochheilige Menschwerdung, durch die Geburt, den Wandel, das Zeiben und den Tod deines unendlich geliebten Sohnes, erbarme dich deines armen Dieners; denn mit deiner Kindheit wuchs die Erbarmung mit dir auf! Das große Elend des unwürdigen Sünders werde durch deine Barmherzigkeit gehoben! Laß, o mildeste Mutter! Denjenigen mich beigerechnet werden, die du als deine Kinder liebest, lehrest, leitest, pflegest und schützest. Denn du bist, und immer wirst du, nach Gott. meine Hoffnung und der süßeste Trost meiner Seele seyn! O mein süßester Schatz! komm entgegen dem, der dich sucht, und steh bei dem, der auf dich vertraut! Sondere meinen Geist von Allem, was unter dem Himmel ist, und gib mir einen Vorgeschmack jener himmlischen, süßen Lieblichkeit der ewigen Freude, daß mein Herz um so feuriger zur Ehre meines Gottes entflammt werde, und alle irdischen Freuden mir auf ewig verleiden. 3. Sei gegrüßt, o milde Jungfrau, die du Jesum Christum, den Sohn Gottes, geboren hast! O liebreiche Mutter, leite und erhalte mich in deiner mütterlichen Güte alle Tage meines Lebens, und beschütze mich barmherzig in meiner letzten Todesangst, daß die bösen Feinde nichts über meine Seele vermögen, und mein Heil nicht verhindern. O laß dann deine überaus liebliche Gegenwart mich erfreuen, und versüße durch das hold zur allerjeligsten Jungfrau Maria. 491 selige Lächeln deines rosigen Angesichtes meine Schmerzen und meine Seufzer! Sprich dann zu meiner Seele: Ich bin die Mutter Gottes, die du liebtest und auf die du hofftest! Ich werde für dich sprechen. Fürchte dich nicht! O süße Mutter, bringe mir dann die Versicherung meiner ewigen Seligkeit, daß ich in heiliger Freude und im süßesten Frieden mein Leben beschließe, und von dir geführt, in das ewige Leben gelange. Amen. 3. Herzliche Bitten zu Maria um die zur Erlangung der ewigen Seligkeit nöthigen Tugenden. Gebet um Bewahrung der Unschuld. O Maria! du engelreine Unschuld und schönstes Muster einer kindlich frommen jungfräulichen Seele! wie rührend und erbaulich ist uns Alles, was das Evangelium von dir erzählt! Rein und heiter, lieblich und friedsam war dein ganzes Leben, wie der Himmel an einem schönen Frühlingsmorgen, wo sich kein Wölkchen sehen läßt. Was die schöne, weiße, hohe Lilie in einem Garten ist, das warst du in deiner Umgebung und in deinem ganzen Geschlechte. Keine Makel war an dir- all dein Thun und Lassen gab den lieblichsten Wohlgeruch jeder Tugend. Durch Andacht und Demuth hast du dich von deiner Empfängniß an unbefleckt erhalten, und die Stufe von Heiligkeit und Würde erreicht, die wir an dir verehren. - Dein schönes Tugendbild schwebe mir wie ein heller Spiegel vor Augen, und deine mütterliche Fürbitte unterstütze mich, daß ich meinen Leib und meine Seele mit jungfräulicher Sittsamkeit vor aller Verunreinigung bewahre; daß ich demüthig und findlich festhaltend an Gott, wachsam gegen die Gefahren, die mich umgeben, gegen die schmeichelnde Verführung und gegen mein eigenes Herz verwahrt bleibe vom Verderbnisse der Welt und sündhafter Freude. Kindliche Furcht und Liebe zu Gott glühe in meiner Seele als eine reine Flamme, und, verzehre sogleich jeden aufsteigenden Funken einer unlautern Neigung. Mutter meines Heilandes, sei auch meine Mutter! Laß mich als dein treues Pflegkind deinem Schutze empfohlen sehn! Unschuld Reinheit göttliche Liebe! du fostbarer Schatz, du schönste Zierde meiner Seele! leuchte aus meinem Angesichte, blühe auf meiner Zunge, offenbare dich in meinem ganzen Betragen! - - Verschiedene Gebete Gebet um Erhaltung der Keuschheit. Ach! möchte ich nach meinem Stande und Vermögen dir in der Reinigkeit des Leibes und der Seele nachfolgen, o Maria, du Vorbild der Keuschheit, du Spiegel reiner Seelen! Mit Salomon bekenne ich, daß ich, um die Reinigkeit zu bewahren, der Gnade Gottes bedarf. Darum komme ich zu dir, o Gebenedeite unter den Weibern, die du ohne Verletzung der Jungfrauschaft den Sohn Gottes geboren hast; und bitte, du wollest mir von ihm die Gnade erlangen, daß ich niemal in unziemliche Gedanken, Worte oder Werke einwillige; und endlich zu der Hochzeit des Lammes, und zu dir, o Maria, in die Wohnung der Auserwählten, in welche nichts Unreines eingeht, nach diesem Leben eingelassen werde. Selig sind diejenigen, welche zum Abendmahle der Hochzeit des Lammes berufen sind. Offenb. 19, 9. 492 Gebet zu Maria um die Gabe der Reinigkeit. O Mutter der Reinigkeit, auserwähltes Gefäß der Gottheit und keuscheste Braut des heiligen Geistes! zu dir flehe ich, durch die innigste Liebe deines Herzens beschütze meinen Leib und meine Seele in den zahllosen Kämpfen und Gefahren dieses sterblichen Lebens! Senke den Thau der Gnade auf die Gluthen meiner sinnlichen Begierlichkeit, und erhebe mein Herz zu den heiligsten Höhen! Flöße mir die starkmüthigste Liebe zu Jesus Christus, dem Urheber aller Reinigkeit, ein, die allein es vermag, Fleisch und Blut zu überwinden! Ach, was vermag ich armes und gebrechliches Geschöpf anders, als zu fallen, wenn nicht deine mütterliche Hand mich aufrecht erhält! Darum bitte ich dich, o keuschefte Königin der Jungfrauen, verlaß mich nicht, nimm mich auf in deinen starken Schutz und hilf mir durch deine mächtige Fürbitte, daß ich rein an Leib und Seele in das Reich des Himmels gelange, wohin nichts Unreines eingehen kann! Amen. Bitte zu Maria um Annahme an Kindesstatt. Einige Augenblicke vor seinem Tode für unser Heil empfahl der Sohn Gottes dem heiligen Johannes feine Mutter als Sohn, und die Mutter dem heiligen Johannes als Mutter. " Weib, sieh deinen Sohn! Sohn, sieh deine Mutter! Johannes stellte damals das ganze christliche Menschengeschlecht vor. zur allerfeligsten Jungfrau Maria. 493 Also, heiligste und seligste Jungfrau Maria! dein eigener göttlicher Sohn hat uns alle dir als deine Kinder, seine Brüder, übergeben, und dich als Mutter über uns bestellt. Dieß war die einzige testamentliche Verordnung, die er gemacht hat. A Mit Freuden erkenne und nehme ich dich als meine Mutter an. Ich danke Jesu für die große Ehre und für das unschätzbare Glück, daß seine Mutter auch meine Mutter ist. Würdige auch du dich, mich als dein Kind zu erkennen und anzunehmen! Ich bin zwar jetzt dessen noch unwerth, weil ich deinen göttlichen Sohn so oft beleidiget habe. Aber ich bereue es vom Herzen und bin ganz entschlossen, es künftighin nicht mehr zu thun. Ich hoffe auch, er sei mir wieder ausgeföhnt und habe Wohlgefallen daran, wenn ich seine vom Kreuze herab gemachte Anweisung benütze. Nun, o Mutter Jesu! kommt es allein auf dich an; sei meine Mutter und ich dein Kind! Ich verspreche es dir, daß ich immer ein findliches Herz und Betragen gegen dich haben will. Ich will dich immer verehren, hochachten und lieben; ich will deine Verehrung und die Liebe zu dir auch Andern beizubringen suchen; ich will die schönen Tugendbeispiele, die du mir in deinem sterblichen Leben gegeben, immer vor meinen Augen schweben lassen, und selbe nach Möglichkeit befolgen. Besonders will ich die Reinigkeit des Leibes und der Seele bewahren; deine Bescheidenheit und Demuth, deine Geduld und Ergebung in allen Vorfallenheiten dieses Lebens, deine Sanftmuth und Liebe gegen alle Menschen an mich nehmen, und dir also mehr noch durch tugendhaftes gottgefälliges Betragen, als nur durch eine bloße Andacht Freude machen. Auf dieses hin, heilige Jungfrau! schließe ich mit dir den findlichen Bund. Nimm mich in dein Herz auf; gedenk immer mütterlich meiner! Amen. Flehen zu Maria, um der Welt abzusterben. O Maria, heilige Mutter Maria, du hattest Recht, da du sagtest:" Mein Geist frohlockt in Gott, meinem Heile!" denn hier auf Erden wünschtest und liebtest du kein anderes Gut, als deinen Gott! ziehe mich zu dir, o meine Königin, und bewirke, daß ich der Welt absterbe! Ziehe mich zu dir, damit ich nur den liebe, der allein geliebt zu werden verdient. Amen. Verschiedene Gebete Gebet zu Maria um Nachahmung ihrer Tugenden, und um ihre Fürbitte. Wie könnte ich ein wahrer Christ seyn, o liebevolle Mutter, seligste Jungfrau Maria! wie könnte ich mit Ehrfurcht und Liebe an deinen Sohn Jesus denken, an ihn glauben, ihn lieben und ihn als meinen Erlöser verehren, ohne mich auch zugleich an dich, seine liebevolle, tugendhafte und jungfräuliche Mutter zu erinnern, und dir meine Hochachtung und Verehrung zu bezeigen? Ja, als die Mutter meines Erlösers, der uns zu Brüdern angenommen hat, verehre ich dich, und darum auch als meine Mutter, meine Freundin und Fürsprecherin. Du, o Maria! warst die Reinste, die Beste, und eben darum auch die Gott Wohlgefälligste und die Gesegnetste unter den Weibern. Vor Allen erwählte dich Gott zur Mutter seines göttlichen, ewigen Sohnes. Großes hat der Herr an dir gethan. Der Sohn Gottes, der von Ewigkeit beim Vater auf seinem Throne war, ist in der Zeit auch dein Sohn geworden und hat in deinem Schooße geruht. Du bist wahrhaft die Mutter Gottes, die Mutter des Königs Himmels und der Erde Darum verehren und preisen dich alle heiligen Engel und Auserwählten als ihre Königin, darum preiset dich die heilige Kirche und alles katholische Volk selig und nennet dich ebenfalls die Königin der Engel; darum sind uns deine Festtage heilig und verehren wir dich, nach Gott, als die Erhabenste und Heiligste; darum rufen wir so oft zu dir: gegrüßet seist du Maria, voll der Gnaden, der Herr ist mit dir!... Bitt für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unsers Todes. Ja, auch ich, o Maria! verehre dich als die Königin des Himmels und aller Völker und preise dich mit freudigem Herzen, als die Gnadenvollste, selig. Aber wie noch mehr wird mein Herz hoch erfreut, wenn ich bedente, daß du auch meine Mutter und Fürsprecherin bist. O Maria! mächtige, gütige und liebevollste aller Mütter! wirf einen Blick der Liebe von deinem Gnadenthrone auf mich, dein Kind, herab, der ich noch in diesem Thale des irdischen, gefahrvollen Lebens unter dem Drucke der Leidenschaften und Mühseligkeiten, im Kampfe gegen so mancherlei Leiden und Versuchungen seufze, und laß deine Für bitte für mich kräftig seyn, damit ich nicht erliege und verderbe. Mit Dank und Freude erinnere ich mich der großen Dinge, die der Herr an dir gethan, der hohen Vorzüge, womit er sich begnadigt hat, und der schönen Tugenden und der vortrefflichen Eigenschaften, die dich geztert haben. - zur allerseligsten Jungfrau Maria. 495 O Maria, Reinste der Jungfrauen! rein von aller Sünde! ganz schön bist du, und keine Makel ist an dir! Aber nicht nur warst du die reinste Jungfrau, sondern auch eine unbefleckte, jungfräuliche Mutter; nach wie vor der wundervollen Geburt deines göttlichen Sohnes reine Jungfrau und die Tugendhafteste der Geschöpfe. Du warst so unschuldig und rein in Sitten, so fromm und gottesfürchtig, so freundlich und wohlthätig, so demüthig, gehorsam und geduldig, daß jede dieser Tugenden an bir bewundert und wir Alle sie von dir lernen sollten. Und sieh, liebevolle Mutter! gern möcht' ich dein Schüler- deine Schülerin werden, wie ich dein Pflegekind bin. Nachfolgen will ich dir in allen Tugenden, in allem Guten, so viel mir möglich ist. Denken, reden, handeln will ich jederzeit, an allen Orten und bei jeder Gelegenheit, wie du mir mit deinem Beispiele vorangegangen bist, und wie ich glaube, daß du in meinen Umständen würdest gedacht, geredet und gehandelt haben. Auf dich, auf dein schönes Beispiel will ich stets hinsehen und von dir lernen, wie ich leben soll, um Gott zu gefallen und einst ewig selig zu werden. Als treue, demüthige Magd dientest du, o heilige Jungfrau, Gott im niedrigen Stande in häuslicher Geschäftigkeit und stiller Tugend. Deine Hand scheute die Beschwerlichkeit der Arbeit nicht, und dein Herz war bei Gott im Gebete und in heiliger Betrachtung. In sittsamer Eingezogenheit bewahrtest du deine Seele vor aller Hoffart, Eitelkeit, Ehrsucht und aller Sünde rein. Deinem Nächsten zu helfen und zu dienen war deine Freude, und nur Gott in Allem wohl zu gefallen war dein einziges Bestreben. Rein sei also künftig auch mein Herz und unsträflich mein Wandel, eingezogen, sittsam und bescheiden mein ganzes Betragen. Gottes Willen treu befolgen, im Stillen Gutes wirken, die Pflichten meines Standes genau erfüllen, oft im Gebete mein Herz zu Gott erheben, stets keusch leben, alle Hoffart, Eitelkeit und jede Versuchung zur Sünde bekämpfen, sei künftig unabläßig mein Bestreben. Dann darf ich hoffen, daß dir, liebevolle Mutter, meine Verehrung wohlgefällig und mir an meinem Seelenheile nüglich seyn werde, und du mich mit deiner mächtigen Fürbitte unterstützen werdest. Heilige Maria, meine liebe mächtige und gütige Mutter, du kennst meinen guten Willen, wie meine Schwachheit, bitte für mich bei deinem lieben Sohne Jesus um die Gnade, so tugendhaft und gottgefällig leben zu können, wie du lebtest, damit ich auch einst sicher mein Heil erlangen, und an deiner Herrlichkeit und Freude im Himmel Theil haben möge. Amen. 496 Verschiedene Gebete Litanei zu Maria um Fürbitte zur Nachahmung ihrer Tugenden. Herr, erbarme dich unser, Christe, erbarme dich unser, Herr, erbarme dich unser, Gott Vater vom Himmel! Erbarme dich unser, Gott Sohn, Erlöser der Welt! Erbarme dich unser, Gott heiliger Geist! Erbarme dich unser, Heilige Dreifaltigkeit, ein Einiger Gott! Erbarme dich unser, Heilige Maria, Du heiligste Jungfrau, Du keuscheste Jungfrau, Du tugendhafteste Jungfrau, Du geſegnetste Jungfrau, Du heilige Gottesmutter, Du gnadenvolle Mutter, Du gütigste Mutter, Sei unsere Fürsprecherin bei deinem Sohne, Erwirb uns Licht, Stärke und einen ernsten Willen in Beförderung unsers Heils, Daß wir dir auf dem Wege der Tugend nachfolgen, Daß wir, wie du, Gottes Willen in Allem getreu und gern erfüllen, Daß wir, wie du, Gott über Alles lieben, Daß wir, wie bu, Jesus treu anhangen, Daß wir, wie du, Gottes Wort gern hören und betrachten, Daß wir vom wahren Glauben und christlichen Wandel nie abweichen, Daß wir, wie du, Leib und Seele stets von aller Unzucht rein bewahren, Daß wir, wie du, vor aller Sünde zurückschrecken, Daß wir, wie du, stets sanftmüthig und demüthig seien, Daß wir, wie du, alle Eitelkeit und Hoffart verabscheuen, Daß wir, wie du, das stille, einfache Leben lieben, Daß wir, wie du, unsere Standespflichten fleißig und treu verrichten, Daß wir, wie du, alle Beschwerden unsers Standes ergeben und geduldig ertragen, Daß wir, wie du, Armuth, Leiden und Verfolgungen ergeben und gelassen erdulden, Daß wir, wie du, unter dem Kreuze oft zu Gott aufschauen, und zu Ihm unsere Zuflucht nehmen, J Bitt für uns! zur allersekigsten Jungfrau Maria. Daß wir durch Trübsale immer besser werden, Daß wir, wie du, gern leiden, um Gott zu gefallen und in dem Himmel gekrönt zu werden, Daß wir, wie du, unsern Beleidigern von Herzen verzeihen, Daß wir, wie du, theilnehmend gegen das Schicksal unſerer Mitmenschen seien, Daß wir, wie du, trösten, helfen, und Anderen erlaubte Freude machen, wo wir können, Daß wir, wie du, alle Forderungen der heiligen Religion, ber obrigkeitlichen Gesetze und der frommen Gebräuche gern und eifrig erfüllen, Daß wir, wie du, stets por Gott wandeln, oft an ihn denfen, ihn lieben, ihm danken und gern beten, In allem Diesen erflehe uns, o Maria, Gnade von Gott, In allen trüben Vorfällen unseres Lebens sei unsere Mutter und Fürsprecherin, In der Stunde der Versuchung, Bitt für uns! In Freuden und Leiden, In Zweifeln und Ungewißheiten, In Gewissensängsten und Gemüthsbeschwerden, In Beschwerlichkeit der Arbeit und der Last der Familiensorgen, In Trübseligkeiten und Verzweiflungsanfällen, In Druck und Verfolgung, In jeder Gefahr, In der Stunde des Todes, Sei unsere Mutter u. Fürsprecherin! Maria, unsere Mutter! Sei unsere Fürsprecherin, Jesus, Lamm Gottes, der du hinwegnimmst die Sünden der Welt! Verschone uns, o Herr! Jesus, Lamm Gottes, der du hinwegnimmst die Sünden ber Welt! Erhöre uns, o Herr! Jesus, Lamm Gottes, der du hinwegnimmst die Sünden der Welt! Erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christus, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Bater unser 2c. Gegrüßt seist du Maria 2c. 4. Vertrauensvolle Anrufungen und Bitten zu Maria in verschiedenen Anliegen. Seufzer zu Maria in jedem Anliegen. O Maria! Anker der Hoffnung, Morgenstern, Trösterin der Betrübten, unsere einzige und alleinige Mutter! schenke heute 32 AWE Bei mir ist alle Gnade des Wandels und der Wahrheit, bei mir alle Hoffnung des Lebens und der Zugend. Kommet her zu mir Alle, die ihr mein begehret, und sättiget euch an meinen Früchten. Eccli. 24. eb zur allerfeligsten Jungfrau Maria. 499 unsern Wünschen ein geneigtes Ohr( vernimm die Seufzer), erhöre das Flehen meines armen Herzens; ich weiß nicht, an wen ich mich wenden, wem ich mein Anliegen anvertrauen soll; und doch bin ich unglücklich und leide. Zu dir also, o meine Beschüßerin, o Mária! o meine Mutter! nehme ich in vollem Vertrauen meine Zuflucht; stehe mir bei in meiner Betrübniß, weiche nicht von mir in meiner gänzlichen Verlassenheit; ich bin zahllosen Gefahren ausgesetzt. Du bist die Mutter der Unglücklichen; schüße meine Schwachheit, o göttliche Jungfrau Maria! wirf einen gnadenvollen Blick auf mich, erhöre die Bitte einer unglücklichen Seele, die unaufhörlich zu dir rufen möchte: O Maria, ohne Sünde empfangen, bitt für uns, die wir unsere Zuflucht zu dir nehmen! Gebet zu Maria, als Trösterin der Betrübten, in allen Leiden zu sprechen. O Maria! dein Sohn, der Gott der Liebe, hat neun Monate unter deinem Herzen geruht, und dasselbe mit Liebe und Güte erfüllt. Das Heil der Welt, Christus Jesus, ist von dir geboren, und du bist dadurch ein Heil- und Gnadenthron geworden. Was kann denn anders aus dem Brunnen der Liebe, der Güte und Barmherzigkeit hervorquellen, als Trost, Hilfe und Gnade? Hieraus empfängt ja der Kranke die Gesundheit, der Betrübte Trost, der Berlassene Hilfe, der Sünder Verzeihung, der Gerechte Gnade. Alle erhalten Alles. Daher wende ich meine Augen zu dir, o Maria, du Trösterin der Betrübten, ich schreie und seufze zu dir, du Helferin der Nothleidenden! dieses Unglück hat mich getroffen N.; diese Widerwärtigkeit hat mich überfallen N.; jenes Kreuz N. beschwert mich; jene Verlassenheit N. drückt mich; diese Anfechtung N. ängstigt mich hart. Du, o Mutter der Güte! weißt und kennst meine Noth; und es ist unmöglich, daß du die Armseligkeit wissest, und dich nicht erbarmest. Du kannst auch helfen, wenn du willst; denn du vermagst Alles bei deinem Sohne; er will sogar Nichts geben ohne dich, sondern Alles durch deine gnädige Hand austheilen. Wohlan denn, o Maria! ich erinnere dich deines Ehrennamens und gleichsam deiner Schuldigkeit; gedenke, daß du darum eine Mutter Jesu geworden bist, damit du allen Armseligen Trost und Hilfe erzeigest. Daher komme mir zu Hilfe in meiner Noth, und erwirb mir von deinem geliebten Sohne die verlangte Gnade N. O milde, o gütige, o süße Jungfrau Maria! 32* Verschiedene Gebete du nach Gott meine Zuflucht, mein Trost und meine Hilfe; er zeige nun dein mütterliches Herz an mir Elenden. Auf dich habe ich meine Hoffnung gesetzet; ach, laß sie nicht zu Schanden werden! Es wurde ja noch Niemand gefunden, der dich in seinen Nöthen angerufen hat, und trostlos von dir entlassen worden ist. Wohlan also, o Maria! du Trösterin der Betrübten, du Zuflucht aller bedrängten Seelen! o Mutter! du Mutter der schönen Liebe und Hoffnung, du meine Mittlerin, Fürsprecherin und Helferin; wende deine barmherzigen Augen zu mir, neige die Ohren deiner Milde zu meinem Flehen und Seufzen; errette mich aus der gegenwärtigen Noth, oder erhalte mir Geduld in meinem Kreuze und Leiden. Zu deinem bis in den Tod betrübten Herzen lenke ich meine trostlose Seele, mit dem findlichen Vertrauen, du werdest mich Elenden nicht verlassen, sondern mich gnädig erhören, o milde, o gütige, o süße Jungfrau und Trösterin der Betrübten, Maria! Amen. Vertrauensvolle Empfehlung an die schmerzhafte Mutter Gottes Maria. O höchst betrübte Jungfrau und Mutter Maria! die du den Leichnam deines verstorbenen Sohnes Jesu mit großem Leidwesen und Schmerzen in deinen mütterlichen Schooß niedergelegt und mit häufigen Thränen begossen haft; ich bitte dich durch diese deine heißen Zähren, durch deine herzlichen Seufzer und das scharfe Schwert., welches deine Seele durchstochen hat; ich bitte dich auch durch die unbeschreibliche Traurigkeit, Betrübniß und Angst, die damals bein mütterliches Herz wie ein bitteres Meer überschwemmte; du wollest mich mit eben jenen mitleidigen Augen vor deinem traurigen Bildnisse auf den Knieen liegend anschauen, und mir dein mildes und mitleidsvolles Herz gnädigst eröffnen. O meine liebste Mutter! ich werfe mich in den Schooß deiner mütterlichen Güte und Barmherzigkeit, als in den sichern Zufluchtsort aller reumüthigen Sünder und bedrängten Seelen. In diesen deinen gnadenreichen und trostvollen Schooß befehle ich jetzt, Morgens, Abends und allezeit mich und alle die Meinigen mit Leib und Seele, auch mein Thun- und Lassen, mein Hab' und Gut, mein Kreuz und Leiden, meine Bitten und Seufzer, besonders dieses mein Anliegen N., endlich auch mein Leben und meinen Tod. O schmerzhafte und thränenvolle Mutter! fieh, ich fliehe wie ein dürftiges und verlassenes Waisenkind zum Schooße zur allerfeligsten Jungfrau Maria. deiner Barmherzigkeit. O gütige Mutter, o milde Jungfrau, o süße Gottesgebärerin Maria! erhalte mir die Verzeihung meiner Sünden und Vermehrung der göttlichen Gnade; tröste mich Betrübten, hilf mir Bedrängten, und stehe mir besonders in diesem meinem Anliegen N. bei; behüte mich vor allen Sünden, und erlange mir die endliche Gnade. Laß mich auch sterbend mein müdes Haupt in den Schooß deiner Barmherzigkeit legen, damit meine abgeschiedene Seele von dir zum Himmel vor den Thron Gottes möge getragen werden. Amen. 501 Bitte zu Maria nach dem 122sten Psalm. Zu dir, o Maria, die du im Himmel wohnst, erhebe ich mit Zuversicht die Augen. Sieh, wie die Augen der Knechte auf die Hände ihres Herrn, und wie die Augen der Magd auf die Hände ihrer Frau geheftet sind: so sind meine Augen auf dich, o meine Frau und Mutter geheftet, bis du dich würdigst, dich meiner zu erbarmen. Sieh an den elenden Zustand, darin ich mich befinde, und laß dich zum Mitleid bewegen. Wenn du mich nicht mit barmherzigen Augen ansiehst, ſo ist es um mich geschehen; du wirst aber nicht zugeben, daß ich meinen Feinden zum Spotte werde. Amen. Bittseufzer einer bußfertigen Seele zu Maria. Gedenke, o Allermildeste! daß es von Anfang niemals gehört ward, Jemand, der zu dir seine Zuflucht nahm und deine Hilfe anrief, sei von dir verlassen worden. So fliehe denn auch ich in dieser Hoffnung zu dir und bitte demüthig um Barmherzigkeit. O du Trösterin aller Betrübten! vor dir stehe ich armer Sünder und seufze mit betrübtem Herzen vor dir. Ach, wollest doch nicht, Mutter des ewigen Wortes, meine Worte verschmähen, sondern mich gnädig erhören. Du weißt, o Maria! wie tief ich in Sünden stecke; du weißt, wie schwach und elend ich bin; du weißt auch, wie innig und stark mein Vertrauen auf dich ist; denn ich kann mir nicht denken, daß ich zu Grunde gehen könne, so lange ich dich liebe und dir diene. Ich habe so oft gehört, wie so manche, die schon der Hölle zunächst waren, durch deine Fürbitte gerettet und von ihren Sünden bekehrt worden sind. Darum habe ich auch ein starkes Vertrauen auf dich, daß ich fest glaube, Gott werde mich um deiner willen nicht verstoßen, nicht verlassen. Nun denn, o meine mildeste Fürsprecherin! wende deine barmherzigen Augen zu mir und erlange mir bei deinem lieben Sohne Gnade und 502 Gebet zur schmerzhaften Mutter. Barmherzigkeit. Ach, verlaß mich nicht in meinen Nöthen, verlaß mich besonders nicht in meinem Tode! O Maria! ich bitte dich durch die Liebe deines göttlichen Sohnes, du wollest dich meiner annehmen, wie sich eine Mutter ihres Sohnes annimmt. Ich bitte dich durch den bittern Tod Jesu Christi, du wollest mir vor meinem Ende wahre Reue über meine Sünden erlangen und mir durch einen seligen Tod zum ewigen Leben verhelfen. Amen. Gebet zur schmerzhaften Mutter Maria, um Beistand in den Todes nöthen. Ich flehe zu dir, o treue Patronin und Beschützerin Maria! ich werfe mich jetzt vor der Zeit meiner Sterbftunde in deinen mütterlichen Schooß, und befehle meine hinscheidende Seele in dein mit dem Schwerte des Schmerzens verwundetes Herz. O allerbetrübteste Mutter Maria! gedenke doch der traurigen Stunden, da du auf dem Kalvarienberg bei deinem sterbenden Sohne gestanden bist; ich bitte dich durch jene tödtlichen Schmerzen und durch das schneidende Schwert, welches damals deine Seele durchbrungen hat, steh mir in meiner Sterbstunde mit deiner mütterlichen Hilfe bei, und stärke mich in meinen tödtlichen Schmerzen. O vom Herzen betrübte Mutter! ich bitte dich durch die allerbitterste Todesangst deines am Kreuze hangenden Jesu, steh mir bei in dem gefährlichen Todestampfe, wann ich von allen verlassen seyn, und allein mit der ganzen Hölle und Ewigkeit werde streiten müssen. O thränenvolle Mutter Maria! ich bitte dich durch das kostbarste Blut, welches aus den Wunden demes gefreuzigten Jesu geflossen ist, und das du schon damals voll Mitleiden und Liebe zum Heile der Menschheit aufgeopfert hast, erhalte mir durch den unschätzbaren Werth dieses Blutes vor meinem Hin scheiden ein zerknirschtes Herz, eine vollkommene Beicht, Verzeihung meiner Sünden und Strafen, und zur heilsamen Wegzehrung das Fleisch und Blut deines Sohnes im heiligsten Saframente. O bis zum Tode geängstigte Mutter! ich bitte dich durch die Thränen und das erbarmungswürdigste Rufen deines dem Tode nahenden Sohnes; du wollest dein mütterliches Herz durch meine schmerzlichen Todesseufzer bewegen lassen, und mir diese Gnade erbitten, daß meine letzten Worte seien: Jesus, Maria! 503 Von den Marianischen Wallfahrten. O Maria, du Mutter der Schmerzen und Königin der Märtyrer! ich bitte dich durch die Pein und Marter, welche dein vielgeliebter Sohn Jesus drei Stunden lang am Kreuze gelitten; vorzüglich aber durch die letzte Todesangst, da er mit geneigtem Haupte seine Seele in die Hände des himmlischen Vaters aufgegeben hat; du wollest deine barmherzigen Augen zu mir wenden, wann die meinigen in den Todesnöthen brechen werden; daß ich dann das Bildniß deines gekreuzigten Sohnes Jesu mit herzlicher Liebe umfangen, und in die seligmachende Wunde seiner Seite meine Seele aufgeben möge. Amen. 5. Marianische Wallfahrtsandachten. Unterricht vom Wallfahrten überhaupt und von den Marianischen Wallfahrten insbesondere. Wallfahrten überhaupt sind freiwillig unternommene Reifen, um entfernte heilige Orte, Reliquien oder Bilder der Heiligen Gottes und der allerseligsten Jungfrau Maria zu besuchen, anrächtig zu verehren und von Gott durch die Fürbitte der Heiligen in geistlichen und leiblichen Nöthen Hilfe zu erlangen. Sie haben ihren Grund in der heiligen Schrift des alten und neuen Bundes und man findet sie bei allen Völkern. Schon Abraham machte eine breitägige Reise, um nach dem Geheiße des Herrn sein Opfer zu verrichten,( 1. Mos. 22.) und die Juden reisten zu gewissen Zeiten nach Bethel, welchen Ort einst Jakob geheiligt hatte( 1. Mos. 28.), ebenso wanderten sie nach dem Befehle des Mofes alle Jahre dreimal( nämlich zu Ostern, Pfingsten und am Laubhüttenfeste) zur Bundeslade und später zum Tempel nach Jerusalem( 5. Mos. 16, 16.). Der fromme Elkanna ging mit seinem unfruchtbaren Weibe Anna nach Silo, und Anna erhielt durch ihr vertrauensvolles Gebet, das sie daselbst verrichtete, die Fruchtbarkeit( 1. Kön. 1, 2.); die drei Weisen aus dem Morgenlande reiseten nach Bethlehem zum göttlichen Kinde Jesu und kamen dadurch zur Erkenntniß des wahren Gottes. Was sind dies anders als religiöse Wallfahrten? Im neuen Bunde finden wir, wie die heiligen Eltern mit Jesus, dem göttlichen Kinde, und vielen Andern jährlich nach Jerusalem walleten( Luk. 2, 41. 44.), wie die Apo 504 Von den Marianischen Wallfahrten. stel und frommen Frauen das Grab Christi zu besuchen kamen ( Matth. 28. Suf. 24.), und wie der heilige Paulus, obwohl Luk. schon Christ, doch nach Jerusalem eilte, um dort das Pfingstfest zu feiern( Apstg. 20, 16.). Auch finden wir in der Geschichte der Kirche, daß die Wallfahrten an heilige Orte, namentlich zum heiligen Grabe nach Jerusalem, zu den Gräbern der heiligen Märtyrer schon in den ersten Zeiten der Kirche gebräuchlich waren und bis auf unsere Zeiten fortbestanden haben. So wallfahrtete die( nachmals) heilige Jungfrau Lucia mit ihrer Mutter Eutichia, die am Blutfluße litt, zum Grabe der heiligen Agatha und die Kranke genas. Selbst der heilige Augustin, dieses große Licht der Kirche, nahm sich vor, die Reliquien des heiligen Hieronymus in Bethlehem zu besuchen. schreibt dieser Heilige in seinem 20. Briefe( cap. XXI.) wider den Faustus:" Wir verehren die Heiligen, wenn wir die Orte besuchen, die ihnen zur Ehre Gottes errichtet sind; damit in uns durch die Ermahnung der Orte selbst die edelste Anmuthung, die Liebe, noch heftiger wirke, sowohl gegen die, denen wir nachfolgen können, als gegen denjenigen, durch dessen Hilfe wir es können, und auch deßwegen, weil wir wissen, daß der Herr an einigen Orten viele Wunderwerke der Gesundmachungen durch seine Heiligen wirket, die er an andern Orten nicht wirken will; gleichwie er einigen Heiligen, da sie noch in dieser Welt lebten, die Gnade der Gesundmachung verliehen hat; denn er theilt seine Gaben aus, wie er will... Um aber von Wallfahrten einen Nußen zu ziehen, muß man solche in reiner heiliger Absicht, Gott in seinen Heiligen zu verherrlichen, und im Geiste wahrer Andacht und Buße unternehmen. Man soll also nicht des Vergnügens oder der Erholung wegen heilige Orte besuchen; auf dem Wege und an dem Wallfahrtsorte selbst alles eitle Geschwätz, alle Ausschweifung der Sinne vermeiden, die Beschwerden der Reise, die ungünstige Witterung, harte Lagerstätten im Geiste der Abtödtung gerne dulden, sich selbst im Essen und Trinken Abbruch thun, fleißig und gesammelten Gemüthes beten, reumüthig und aufrichtig alle seine Sünden beichten und das allerheiligste Altarssakrament ehrerbietig empfangen, für alle Gnaden, die Einem Gott erweisen, inbrünstig danken, heilige Vorsätze machen und die guten Eindrücke, die man bei dem Wallfahrten erhalten hat, auch nachher bewahren und durch großen Eifer in einem gottseligen Leben an den Tag legen. Wer so wallfahrtet, der wird wahren Nußen davon haben! - Von den Marianischen Wallfahrten. Nicht gut hingegen, sondern nußlos und sträflich ist das Wallfahrten, wenn man dadurch den christlichen Unterricht in dem pfarrlichen Gottesdienste vernachläßiget oder seine Standespflichten und Berufsgeschäfte versäumt: wenn Hausväter und Hausmütter zugleich abwesend sind und dadurch ihren Kindern und Dienstboten Gelegenheit verschaffen, allen Unfug und Muthwillen treiben zu können. Am sträflichsten aber ist es, wenn junge Leute beiderlei Geschlechtes( was nicht selten geschieht) die Wallfahrtskirche als Versammlungsort bestimmen, um von dort aus mitsammen in ein benachbartes Wirthshaus zum Tanze zu ziehen; man würde sich scheuen, eine solche Zusammenkunft in dem Hause eines rechtschaffenen Hausvaters zu veranstalten um wie viel schändlicher ist es, dieses in einem Gott und Maria geheiligten Hause zu thun! Solcher Mißbräuche wegen schrieb der gottselige Thomas von Kempis in seinem goldenen Büchlein von der Nachfolge Christi die Worte nieder:" Welche viel wallfahrten, werden selten heilig... Ebenso sagt auch der heilige Hieronymus: Deßwegen ist man noch nicht zu loben, daß man zu Jerusalem gewesen ist, sondern dann ist man lobenswerth, wenn man zu Jerusalem fromm gelebt hat." Endlich behauptet auch der heilige Chrysostomus:„ Die Festtage und Wallfahrten mit Leichtfertigkeit zubringen, heißt statt der göttlichen Gnaden Strafen verdienen. 11 * * Was nun die Marianischen Wallfahrten insbesondere betrifft, so ist die Andacht zur allerfeligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria, zu dieser Wunderblüthe des Menschengeschlechtes, gewiß sehr löblich und höchst nützlich, wenn solche im Sinne der katholischen Kirche recht geordnet ist, d. i. wenn wir ihre herrlichen Tugenden, ihre tiefe Demuth, ihre jungfräuliche Reinigkeit, ihre strenge Abtödtung, ihren pünktlichsten Gehorsam gegen alle göttlichen Gebote, ihren unwandelbaren Startmuth in den empfindlichsten Leiten, ihre glühende Liebe Gottes und des Nächsten nicht bloß bewundern, sondern auch nachzuahmen uns bemühen. Die größten Heiligen und Geisteslehrer, von Gründung der christlichen Kirche an bis auf unsere Zeiten, namentlich der heilige Patriarch Athanasius, der heilige Ephrem, der heilige Patriarch Germanus, der heilige Bernardus, der heilige Laurentius Justiniani, der heilige Thomas von Villanova, der heilige Franz von Sales, der heilige Alphons Liguori zc.*) sind unerschöpf*) Die Aussprüche dieser angezogenen und vieler anderer Heiligen. Gei 306 Von den Martanisqen Wallfahrten. ich in dem Lobe und in der Verherrlichung der allerfeligsten Jungfrau und zeigen zur Genüge, wie wir durch die wahre Verehrung Mariens uns von ihrer mächtigen Fürsprache Alles versprechen. So ertönte durch alle christlichen Jahrhunderte, von Geschlecht zu Geschlecht, das Lob dieser Königin der Propheten, die im Geiste Gottes ausrief: Sich! von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter!"-" Denn seit die Fackel des katholischen Glaubens die Welt erleuchtet," spricht der Kirchenlehrer Eusebius, verehrten alle Völker, die an Christum glauben, die heilige Mutter desselben: Juden, Griechen, Barbaren, Große und Kleine, Reiche und Arme, Könige und Nationen, Menschen und Engel." 11 Wenn nun schon die Gläubigen einerseits durch die Aussprüche so vieler Heiligen und gotterleuchteter Geisteslehrer aus beinahe allen christlichen Jahrhunderten mit allem Nachbrucke zur findlichen Verehrung der allerfeligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria angeeifert werden, so verbürgen andererseits die unzähligen Gnadenbeweise, welche Gott auf die Fürbitte ſeiner übergebenedeiten Mutter an gewissen Orten, die er ihrer besonderen Verehrung geheiligt wissen wollte, im reichlichen Maaße frommen Gläubigen zu Theil werden ließ, wie wohlgefällig ihm und der seligsten Jungfrau eine solche Andacht an jenen Orten sei. Es ist zwar gewiß, daß die göttliche Mutter überall bie Bitten, den Hilferuf und die Lobpreisungen ihrer Kinder vernehme, und stets und überall zu helfen bereit sei; allein eben so gewiß und durch die unläugbarsten, auffallendsten Thatsachen dargethan ist es auch, daß sie sich besondere Orte auserforen habe, wo sie sich ganz vorzüglich ihren andächtigen Verehrern geneigt bezeugt, und welche daher in diesem Sinne ganz recht Marianische Gnadenorte genannt werden; der heilige Johannes Damascenus nennt sie wahre Zufluchtsstätten, wo wir Hilfe, Rettung, Sicherheit in den Versuchungen und wider die Züchtigungen und Strafen, die wir für unsere Sünden verschuldet haben, finden. Dahin flohen zu allen Zeiten der christlichen Kirche die Fromingesinnten mit gläubigem, vertrauensvollen Herzen; in dessen geheiligten Hallen, vor den Altären und Bildnissen der Hochgebenebeiten fühlten sie sich steslehrer und frommen Seelen über die Vorzüge und Tugenden der jungfräulichen Gottesmutter Maria sowohl, als auch die Art und Weise, die allerfeligste Jungfrau im Sinne der katholischen Kirche mit wahrem Nutzen zu verehren werden in der Einleitung, Seite 28 bis 95 zur Genütge dargethan. Von den Marianischen Wallfahrten. wie im Mutterschooße. So wie der gläubige Blick mit frommer Andacht sich zu ihrem Gnadenbilde wandte, hob sich auch die Seele auf den Flügeln der Andacht himmelwärts, wo sie an ihres göttlichen Sohnes Seite thronet, und mit Mutteraugen voll sanfter, liebender Erbarmung niederschaut auf die an ihrer geheiligten Stätte versammelte Kinderschaar. Höher schwingt sich auch die begeisterte Andacht an diesen Orten, wo Tausende vor dem Throne der Gnabenmutter auf Ihre Kniee hingesunken mit Einem Herzen wie mit Einer Stimme sie preisen, zu ihr um Hilfe rufen und ihr danken. Die Erinnerung an die Vielen, die an diesen Stätten Hilfe, Trost, Frieden und Heil auf die Fürbitte der glorreichen Mutter gefunden, die sprechenden Beweise von den vielen Gebetserhörungen, die das Auge hier schaut: dieses Alles ergreift mächtig das Herz eines Jeden, der diesen Ort betritt, und zieht ihn näher zur Himmelskönigin hin, um auch sein beklommenes Herz im vertrauensvollen Gebete vor ihrem Angesichte zu ergießen, Die Kirche hat zu allen Zeiten die Besuche solcher, der Verehrung Mariä besonders gewidmeten Orte, wenn dieselben nach dem von ihr ausgesprochenen Geiste und Sinne angestellt werden, nicht nur gebilliget, sondern auch ganz vorzugsweise dadurch begünstiget, daß sie an solchen Gnadenorten reichliche Schäße der Abläße für die frommen Besucher niedergelegt hat. Der Wille Gottes ist unsere Heiligung, und dieſe verlangt auch die Kirche von uns, und sucht sie auf alle mögliche Art zu befördern; diese ist das Ziel, das sie bei allen Andachtsübungen, die sie den Gläubigen empfiehlt, nie aus dem Auge verliert. Wie Gott, dem Höchstheiligen, so können auch der reinsten, heiligsten Jungfrau nur reine Herzen gefallen. Wenn wir also die Last unserer Missethaten im reuevollen Befenntnisse zu den Füßen der Priester ablegen, wenn wir uns ernstlich entschlossen haben, den Weg des Lasters zu verlassen, und nur für Gott, und nach seinem heiligsten Willen zu leben, wenn wir uns mit diesem Gott, unserm Heiland und Erlöser im Genuße seines heiligsten Gnaden- Sakramentes vereinigt haben; dann dürfen wir hoffen, auch würdig vor dem Throne seiner auserwählten Mutter zu erscheinen, und die Zuversicht hegen, daß sie uns bei ihrem göttlichen Sohne Verzeihung un-serer Sünden und die Gnaden erbitten werde, rein und heilig, wie sie durch's Leben zu wandeln. Sie wird unserm Herzen, das die Wundermacht der göttlichen Liebe und ihrer Milde gerührt hat, den Entschluß einflößen ihrem Tugendbeispiele zu folgen und heiliger werden wir, und unverbrüchlicher den Vorsag - 509 Pilgerlied. der Besserung, den wir zu ihren Füßen gefaßt, mit der göttlichen Gnabe und unter ihrem Beistande und Schutze halten.- So werden wir von Sünden gereiniget, im Guten geſtä ft, mit frommen Entschließungen ausgerüstet, mit Gnaden bereichert, von der ihr geheiligten Stätte wiederkehren, und unsere Besserung, unsere Vervollkommnung und Heiligung, die das Ziel' aller unserer Andachtsübungen seyn soll, wird auch die heilsame Folge und Wirkung unserer Marianischen Wallfahrten ſeyn.- Uebrigens gilt von diesen das Nämliche, was in Beziehung auf die Art und Weise und den Sinn, in welchem sie unternommen werden sollen, von den Wallfahrten überhaupt im vorhergehenden Absage gesagt wurde. Pilgerlied.*) Wir ziehen zur Mutter der Gnade* Zu ihrem hochheiligen Bild,* O lenke der Wanderer Pfade* Und segne Maria! sie mild,* Damit wir das Herz Dir erfreuen,* Uns selber im Geiste erneuen,*( Damit wir das Herz Dir erfreuen, Uns selber im Geiste erneuen.) * Wo immer auf Wegen und Stegen* Auch wandelt der Pilgernden Fuß;* Da rufen wir Alle entgegen:* Maria! Maria! zum Gruß;* Und höret ihr unsere Grüße:* Dann preiset Maria, die Süße,*( Und höret ihr unsere Grüße:* Dann preiset Maria, die Süße.) Mit Kummer und Schulden beladen,* Mit gläubig vertrauendem Sinn,* So zieh'n wir zum Bilde der Gnaden* Die Pfade der Buße dahin;* O führe Maria die Blinden,* Damit sie zum Himmel hin finden,*( O führe Maria die Blinden,* Damit sie zum Himmel hin finden.) *) Wiewohl sich die Gläubigen beim Wallfahrten ohnedieß meistens eigens für diesen Zweck eingerichteter Gebetbüchlein bedienen, so möchten doch nachfolgende kurze Andachtsübungen Manchem, dem ein solches mangelt, erwünscht seyn; überhaupt bietet dieses Gebetbuch bei derartigen Anlässen Passendes zur Genüge dar und ist es dem frommen Beter überlassen, nach Geschmack Bedürfniß und Zeitumständen eine passende Wahl zu treffen. Die füglichste Andacht jedoch, deren sich die Wallfahrter auf dem Hin- und Rückwege bedienen können, ist unstreitig der heilige Psalter, bestehend wie bekannt aus drei heiligen Rosenkränzen, dem freudenreichen, schmerzhaften und glorreichen. Den Anfang macht gewöhnlich das apostolische Glaubensbekenntniß und den Schluß die Litanei von der Mutter Gottes oder zu allen Heiligen; auch wird das Absingen geistlicher Lieder zur Verdrängung unnützer Gespräche und Erweckung beiliger Gefühle vieles beitragen. O gebenedeite Jungfran Maria! Deffne den Schooß Deiner Barmherzigkeit, damit Alle von dir Fülle Deiner Güte empfangen: der Gefangene die Erlösung, der Kranke die Gesundheit, der Betrübte Troft, der Sünder Vergebung, der Gerechte neue Gnaden . Verschiedene Gebete * Damit sie gebadet in Reue,* Vom himmlischen Brode erquickt, Empfangen den Lohn ihrer Treue,* Und einstens mit Palmen geschmückt,* Maria! Dir knieend zu Füßen* Dich selber im Himmel begrüßen.*( Maria! Dir knieend zu Füßsen Dich selber im Himmel begrüßen.) Und was sie ersehen hienieden!* Erflehten am heiligen Ort,* Die Freude, den seligen Frieden,* Verleihe den Armen sie dort;* Damit sie zur Ruhe gelangen,* Die müd sich auf Erden gegangen,*( Damit sie zur Ruhe gelangen,* Die müd sich auf Erden gegangen.) Begrüßung der Gnadenmutter. * O Hochgebenedeite!* Von keiner Sünd' Entweihte, Maria, sei gegrüßt!* Dir glühen uns're Triebe,* Die du der schönen Liebe* Erhab'ne Mutter biſt! Wie ruht auf deinen Armen,* O Mutter voll Erbarmen! * Dein Jesus sanft und mild!* Sein Aug', wie Deines, blicket* Auf unso wie entzücket* Dieß himmelschöne Bild! * Ach! daß auf deinen Händen* Auch wir ein Plätzchen fänden* Beim lieben Jesukind.* Du lassest Plaz uns sinden * Wenn wir nur rein von Sünden Und fromme Kinder sind. Dein Kind winkt allen Frommen,* Durch dich zu ihm zu kommen;* Sie hören deine Stimm':* Hört, was euch Jesus lehret:* Thut, was von ihm ihr höret,* Und folgt in Liebe ihm! 11 Wie ist dein Wort voll Milde!* Ach, hier vor deinem Bilde* Sei der Entschluß gefaßt,* Wir wollen Jesum lieben, * Und seine Lehren üben,* Wie Du geübt sie hast. Wenn deines Sohnes Willen* Wir immer treu erfüllen, * Dann liebst uns, Mutter! Du,* Und führest, wenn wir sterben* Als seines Reiches Erben* Uns deinem Sohne zu. Gebet in allen Anliegen vor einem Gnadenbilde Mariens. Mit großer Hoffnung komme ich zu dir, o du wunderthätige Himmelskönigin Maria! und werfe mich zu deinen allerheiligsten gebenedeitesten Füßen mit der demüthigsten Bitte, du wollest mich von deinem Gnadenthrone nicht verstoßen. Ich, mit vielen Sünden verunreinigt, soll freilich vor dir, der reinsten Jungfrau, nicht erscheinen; aber ich weiß, daß Gott, den du zu gebären würdig gewesen, barum Mensch geworden, um zur allerseligsten Jungfrau. 511 zu suchen und selig zu machen, was verloren war. Ich weiß auch, daß du die Mutter des liebevollen Sohnes Gottes bist, von der kein Sünder trostlos weggeht. O so sieh auch, gütigste Mutter, mit den Augen deiner Barmherzigkeit auf meine Noth, und gib mir den mütterlichen Trost und Segen! strecke aus die Hände deiner Macht, und rette mich Elenden! O du mächtige Helferin der Christen! zu dir rufe ich aus der Tiefe meiner Niedrigkeit, zu dir'rufe ich in aller Trübsal und Noth; erbarme dich meiner, o du Trösterin der bekümmerten Herzen! erfreue mich mit deinem Troste, und erhalte mir von deinem allerliebsten Sohne die Gnade N. N. und belohne mein Vertrauen! Ich will nicht aufhören, meine Augen zu dir aufzuheben und zu bitten, bis ich Trost und Erhörung finde. O Maria! du mächtige Tochter Gottes des Vaters! erbarme dich meiner! O Maria! du gebenedeite Mutter des Eingebornen Sohnes Gottes! sei auch meine Mutter! O Maria! du Erwählte des heiligen Geistes! hilf mir jetzt und in der Stunde meines Absterbens! Amen. Gebet zur Mutter Gottes Maria Hilf. O mildreichste, liebevollste und wunderbar unbefleckteſte Jungfrau und Gottesgebärerin Maria! O gedenke an die liebreiche mütterliche Hilfe, welche du deinem zartesten Jeſus geleiſtet, gedenke der Angst und Beklemmung, mit welcher du, da der grauſame Thrann nach dem schuldlosen Blute deines göttlichen Kindes dürstete, geeilt hast, dasselbe vor seiner Wuth zu flüchten, wie das hilfeflehende Rufen deines heiligsten Säuglings dein liebevolles, fühlendes Mutterherz durchschnitt. Ach höre auch mich so liebreich und innig besorgt an, wenn ich zu dir flehe. O du Hilfe der Christen, sieh mit gnädigen Mutterblicken herab auf alle deine Kinder, Helferin der Bedrängten, ach, stehe Allen bei, wenn die Versuchungen und die Reize der Sinnlichkeit überhand nehmen, wenn wir ohnmächtig werden im Kampfe mit der Anfechtung und vielleicht bald am Rande des Verderbens stehen, und von da noch unsern Blick flehend zu dir wenden und rufen dann, o Maria, hilf! D höre uns, Mutter! Wenn Mißwachs, Hunger und Elend über uns kommen, wenn Wasserströme oder Feuerflammen zerstörend über unsere Wohnungen hereinbrechen und wir zu dir rufen dann, o Maria, hilf! Wenn eine schreckliche Seuche als Todesengel über unsere Städte verheerend schwebt, Tausende - 512 Verschiedene Gebete in das Grab sinken, und wir an deiner heiligen Stätte uns versammeln und einstimmig rufen dann, o Maria, hilf! Wenn offenbare und heimliche Feinde uns umlauern, um uns zu schaden, wenn man uns fränkt an Ehre und Vermögen, wenn wir theure Angehörige zu verlieren fürchten, und wir rufen dann, o Maria, hilf! Endlich, wenn unsere letzte zu dir Stunde schlägt, wenn unser Auge bricht, ber Puls schon vergeht, die Zunge stammelt, wenn kalter Todesschweiß die eingefallenen Schläfe befeuchtet, wenn alle Menschen die Hoffnung fahren lassen, wenn Verwandte und Freunde um unser Lager weinen, die ganze Welt teine Hilfe mehr für uns hat, und die Hölle Alles aufbietet, die scheidende Seele an sich zu reißen, wenn wir da noch mit dem letzten Athenzuge, mit dem letzten Seufzer des Herzens, mit dem Sterberöcheln noch einmal zu dir aus ganzer Seele flehen: O Maria, o Maria, hilf! hilf, daß wir überwinden, daß wir ausharren im Glauben, in der Hoffnung und Liebe, daß wir selig in dem Herrn entschlummern mögen. Darum bitten wir dich.- O Maria, hilf! Amen. - Opfergesang. Wir schmücken Dir Dein golden Haar Und aus der Brust der Kinder all' Mit Rosenzier und Lilien klar. Erklingt mit Luft der Lieder Schall: Und rings die Luft durchwürzen wir mit Luft erklingt der Lieder Chor, Mit Weihrauch- Duft, Varia! Dir. Ihr Herz sich schwingt zu Dir empor. ( Und rings die Luft durchwürzen wir( it Luft erklingt der Lieder Chor, Mit Weihrauch- Duft Maria! Dir.) Ihr Herz sich schwingt zu dir empor.) Und dir soll seyn ein Ehrenkranz Zu Dir hinan. Varia rein! Mit hellem Schein der Kerzenglanz, O nimm es an und weih' es ein. Maria mild, im Staube hier, Du lichter Stern! o mach' es klar, Vor Deinem Bild, da knieen wir. Und brings dem Herrr zum Opfer dar. ( Maria mild, im Staube hier,( Du lichter Stern! o mach' es klar, Vor Deinem Bild, da knieen wir.) Und brings demHerrn zum Opfer dar.) Aufopferung seiner selbst zu Maria. O liebe Mutter! o gütigste Mutter! o barmherzige Mut ter Maria! zu dir flehe ich, zu dir seufze ich, zu dir schreie ich, denn nebst Gott weiß ich keine bessere Hilfe zu finden, als bei dir, du allertreueste Helferin in allen Nöthen. Darum falle ich dir demüthig zu Füßen, rufe dich um Beistand an, und übergebe mich gänzlich in deinen mütterlichen Schutz. O treueste Mutter! schließ mich in dein mütterliches Herz, und trage allezeit eine beständige Sorge und Liebe zu mir, gleichwie ich eine findliche Liebe zu dir trage. O meine herzliebste Mutter. zur allerfeligsten Jungfrau. 513 verlaß mich nicht mehr, denn ich will bich auch nicht mehr verlassen. Wende dein Herz nicht mehr von mir ab, denn ich will mein Herz nicht mehr von dir abwenden. Entzieh mir deine Hilfe nicht mehr, denn ich will bir meine Treue auch nicht mehr entziehen. Laß mich dir allezeit befohlen seyn, denn ich befehle mich dir jetzt und allezeit, und in dieser treuen Befehlung verlange ich zu sterben. Amen. Aufopferung seiner ganzen Familie an Maria. O gebenebeite und unbefleckte Jungfrau und Königin, unsere Mutter, Zuflucht und Trost aller Elenden, siehe mich ( mit meiner ganzen Familie) hier vor deinem erhabenen Throneauf des Knieen, sieh, ich erwähle dich heute zu meiner Gebieterin, zu meiner Mutter und Fürsprecherin bei Gott. Mit all den Meinigen weihe ich mich immer deinem Dienste und bitte dich, o Mutter meines Gottes, mich unter die Zahl deiner Diener aufzunehmen, uns alle unter deinen mächtigen Schutz zu setzen und uns im Leben und hauptsächlich in der Stunde unseres Todes beizustehen. O Mutter der Barmherzigkeit, ich mache dich zur Gebieterin und Führerin meines ganzen Hauses, meiner Verwandten, meiner Geschäfte, all meiner Angelegenheiten. Weigere dich nicht, die Sorge für Alles zu übernehmen; verfüge über Alles, wie es dir gefällt. Segne mich und meine ganze Familie und lasse nicht zu, daß irgend jemand von uns deinen göttlichen Sohn jemals beleidige. Vertheidige uns in unsern Versuchungen; befreie uns aus allen Gefahren! trage Sorge für uns, wenn wir in der Noth sind; rathe uns in unsern Zweifeln, tröste uns, wenn wir betrübt find; stehe uns bei in unsern Krankheiten, hauptsächlich in unserer Todesangst. Lasse nicht zu, daß der Teufel sich rühmen könne, Jemanden von uns, der sich dir geweiht hat, mit seinen Ketten zu fesseln, sondern mache, daß wir in den Himmel kommen, wo wir dir danken, und mit dir vereinigt unsern Heiland Jesus Christus die ganze Ewigkeit hindurch lieben und loben werden. Amen. Also hoffe ich es. Also sei es. Gebet zu Maria Schuß. 1. Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o jungfräuliche Mittlerin, die du am göttlichen Throne stehest, bekleidet mit dem Gewande ewiger Herrlichkeit. Dem Regenbogen gleich erscheinest du mit deinen strahlenden Händen uns fündigen Menschen als ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung 33 514 Verschiedene Gebete zwischen Himmel und Erde. O breite deine Segen spendenden Hände über uns Alle aus, damit wir durch dich zu deinem göttlichen Sohne geführt, und durch ihn versöhnt zum Vater gelangen mögen. Amen. Ein Vater unser und Ave Maria für die Wohlfahrt der Kirche. 2. Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o Himmelskönigin! die du durch Gehorsam und Demuth über alle Chöre der seligen Geister erhoben zu werden verdient hast. Breite deine Segen spendenden Hände über unser Vaterland aus. Erflehe Licht und Gnade unsern geistlichen und weltlichen Obern; Gehorsam, Liebe und Eintracht den Untergebenen, damit Alles befördert werde, was zur Ehre Gottes, zu deiner Verherrlichung und auch zu unserem Heile und zu unserer Wohlfahrt beitragen kann. Amen. Ein Vater unser und Ave Maria für das Vaterland. 3. Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o Tröfterin der Betrübten und Mutter der Waisen! Breite in deiner unaussprechlichen Gütigkeit deine Segen spendenden Hände über alle deine Pflegefinder aus. Wende besonders deine gütigen Augen auf alle die Leidenden, Armen, Unglücklichen und Verlassenen, für die wir zu dir slehen. Sei ihnen und uns Allen eine Mutter und süße Trösterin. Amen. Ein Vater unser und Ave Maria für Kranke und Leidende. 4. Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, du Zuflucht der Sünder! O breite deine Segen und Gnaden spendenden Hände über uns aus. Der herrliche Glanz beiner jungfräulichen Reinigkeit und Tugend zeige uns die Abscheulichkeit der Sünde. Habe Erbarmen mit unserm Elende, und wende beine barmherzigen Augen, die einst um beines göttlichen Sohnes willen so viele Thränen vergossen, zu uns Armen, damit auch wir endlich unsere Herzen und Augen weinend zu dir wenden, und er sich unser erbarme. Amen. Ein Vater unser und Ave Maria für alle Sünder. 5. Unter deinen Schuß und Schirm fliehen wir, bu Mutter der Menschen, der Lebenden und Abgestorbenen! Breite deine von Segen und Gnaben überfließenden Hände mit mütterlicher Liebe über uns Alle aus; besonders aber auch über die armen leidenden Seelen im Fegfeuer. O wende deine barmherzigen Augen ihnen zu, erbitte ihnen baldige Erlösung aus ihren Leiden, und führe sie zu der Seligkeit, die sie einst gehofft, und nach der sie jetzt so sehnlichst verlangen. Amen Ein Vater unser und Ave Maria für die Abgestorbenen. zur allerseligsten Jungfrau. Erneuerung der Liebe und Andacht zu Maria. Ueberseligste Jungfrau Maria! du treue Liebhaberin aller derer, die dich lieben. Du weißt, daß ich dich liebe und all meinen Trost und Hoffnung nächst Gott auf dich setze. Obwohl ich wegen meines sündhaften Lebens nicht würdig bin, dein Kind zu seyn, dennoch aus Liebe und Begierde dir zu dienen, und in deinen jungfräulichen Schuß aufgenommen zu werden, erneuere ich das Band der Liebe mit dir und in Gegenwart Gottes und meines heiligen Schutzengels( den ich hierüber zum Zeugen nehme), erwähle ich dich wiederum zu meiner trenherzigen Mutter und Fürsprecherin auf solche Weise, als es von einer andächtigen Seele jemals geschehen ist. Und damit keine Gewalt des Feindes mich von dir könnte scheiden, so schenke und opfere ich mich dir zum leibeigenen Diener, und gleichsam mit meinem eigenen Blute verschreibe ich dir meinen Leib und Seele, ich verspreche dir mein Lebtag zu dienen und deine Ehre nach Möglichkeit zu befördern. Laß dir, o Maria! meine Treue gefallen, und nimm mich an zu deinem unwürdigen Diener und Kinde. Schließ mich in dein mütterliches Herz, und setze mich in die Zahl derer, die du sonderbar liebest und beschüßest, damit ich in allen meinen Nöthen eine sichere Zuflucht bei dir habe, und endlich in deinen heiligen Händen als ein Kind in seiner Mutter Schooß meinen Geist selig aufgebe. Amen. Gefühle des Dankes zu Maria. 515. Es ging mir hart, und ich wußte mir nicht zu helfen. Da nahm ich meine Zuflucht zu dir, du Mutter der Barmherzigkeit, und flehte dich um deine mächtige Fürbitte an bei Dem, der allein helfen kann. Ich ward aus meiner Noth errettet, und mein Herz ist mir leichter. Am Tage der Trübsal habe ich um Hilfe und um deine Vermittlung angerufen, und bin erhört, bin das glaube ich- durch deine gütige Fürbitte erhört worden. Dank dafür dem Geber jeder guten Gabe dort oben! herzlichen, aufrichtigen Dank! Dank dafür auch dir, c Mutter der Barmherzigkeit! Nach Gottes Willen und deinem Wohlgefallen, zur Ehre des Höchsten und zum Nußen des Nächsten will ich das erhaltene Gut gebrauchen. Auch dieser soll an dem empfangenen Segen Theil nehmen, auch er sich meines Glückes erfreuen. O! daß ich Jedermann wohlthun könnte, wie mir wohlgethan worden ist; ich will wenigstens das Mögliche thun, will das Uebrige von Gott für sie zu erflehen suchen, und getrost von ihm erwarten; der da will, daß es Allen wohlergehe, will dadurch mich neuer Gnaden würdig machen. Amen. 33* - 516 VII. Abschnitt. Gebete vermischten Inhalts, Ablässe und geistliche Lieder. 1. Gebete zu verschiedenen Heiligen. Erwählung des heiligen Joseph als Schuzpatron. Die heilige Schrift stellt uns den heil. Joseph als den Pflegvater unsers Heilandes und als den Bräutigam der Jungfrau Maria vor, Eigenschaften, welche uns von der Wirksamkeit seiner Fürbitte bei Gott Alles hoffen lassen. Nimm daher deine Zuflucht in allen Nöthen zu diesem großen Heiligen, der als Pflegvater unsers Heilandes und als Bräutigam der seligsten Jungfran, alle Gläubigen für seine Kinder ansteht. Was tönnte er also benen abschlagen, für die Jesus gestorben ist, und Maria felbft bittet? Insbesondere aber wähle dir den heil. Joseph, der das Glüd hatte, in den Armen Jesu und Marid zu sterben, zum Fürsprecher bei Gott um eine felige Sterbftunbe. Glorreichster Patriarch, heiliger Joseph, du getreuester Pflegvater meines Erlösers Jesu Christi, und keuschester Bräutigam der gebenedeiten Jungfrau und Mutter Gottes Maria! In findlicher Ehrfurcht fliche ich unter deinen heiligen Schuß, reihe mich zur Anzahl deiner getreuen Verehrer, und meihe dir von heute an, eine besondere Andacht als meinem liebevollen Gebete zu verschiedenen Heiligen. Fürsprecher bei Gott. Getreu will ich deine heiligen Hochverdienste ehren, deinen tugendreichen Wandel nachahmen, die Andacht frommer Seelen gegen dich, so viel in meinen geringen Kräften liegt, befördern, und nimmermehr gestatten, daß irgend etwas gegen deine Ehre gethan oder gesprochen werde. Ich bitte dich, o mein heiliger Beschirmer, durch die höchst getreue und zarte Fürsorge, mit welcher du über die Kindheit Gottes in Menschengestalt wachtest, Der um meines Heiles willen in das Gewand unseres Fleisches sich kleidete, nimm mich als dein Pflegkind auf; sei mein Lehrer und Führer in all meinem Thun und Lassen; meine Hilfe, mein Trost und meine Zuflucht in allen Widerwärtigkeiten dieses Lebens. Und erscheint einst die Stunde, die von dieser Serblichkeit mich abruft, dann laß meine zagende Seele dir empfohlen seyn; sei mein getreuer Fürbitter bei deinem gebenedeiten Pflegsohn, und bedecke durch deine heiligen Verdienste die Mängel meines sündigen Lebens, damit ich Gnade vor seinem Angesichte finde und in die ewigen Wohnungen aufgenommen werde, Ihn mit dir zu loben und zu preisen in alle Ewigkeit. Amen. 517 Gebet zu den heiligen Aposteln Petrus und Paulus. O ihr heiligen Apostel Petrus und Paulus! ich N. N. erwähle euch heute und für allezeit zu meinen besonderen Schutzpatronen und Fürsprechern. Ich wünsche dir, o heiliger Petrus, du Fürst der Apostel, von demüthigem Herzen Glück, daß du jener Fels bist, auf welchen der Herr seine Kirche gebaut hat; deßgleichen wünsche ich auch dir, o heiliger Paulus! vom Herzen Glück, daß dich Gott vor Andern ersehen, ein auserwähltes Gefäß und in der ganzen Welt der Verkünder der Wahrheit zu seyn. Ich bitte euch, erlanget mir einen lebendigen Glauben, eine feste Hoffnung, eine vollkommene Liebe, eine gänzliche Verläugnung meiner selbst, die Verachtung der Welt, die Geduld in den Widerwärtigkeiten, die Demuth in dem Glücke, die Andacht in dem Gebete, die Reinigkeit des Herzens, eine aufrichtige Meinung in meinen Werken, eine genaue Befliffenheit, die Schuldigkeiten meines Standes zu vollziehen, die Standhaf. tigkeit in meinen gemachten Vorsäßen, die Ergebenheit in den Willen Gottes und die Beharrlichkeit in der Gnade bis an's Ende meines Lebens; damit ich durch eure Beihilfe und glor= reichen Verdienste, nach überwundenen Versuchungen der Welt, des Satans und des Fleisches, würdig sei, dem allerhöchsten und ewigen Hirten unserer Seelen, Jesu Christo, vorgestellt zu werden, um ihn anzuschauen und ewig zu lieben; der mit dem 518 Gebete zu verschiedenen Heiligen. Vater und dem heiligen Geiste lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria ic. Ich glaube an ic. Pius VI. gibt Jenem, der dieses Gebet andächtig verrichtet einmal im Tage einen Ablaß von hundert Tagen. Wer aber an einem von den neun Tagen vor oder nach einem Feste des heiligen Petrus oder des heiligen BauIus nach der heiligen Beicht und Kommunion dieses Gebet in einer Kirche oder vor einem Altare dieser Heiligen sammt dem gewöhnlichen Ablaßgebete verrichtet, hat vollkommenen Ablaß zu gewinnen. Ex Decr. 28. Jun. 1778. Gebet zum heiligen Ignatius von Loyola. O glorwürdiger Vater Ignatius! der du mit brennender Liebe zu Gott, und mit glühendem Eifer für das Heil der Seelen wunderbar begnabigt worden bist: schaue mit Huld herab auf alle meine Bedürfnisse, sowohl der Seele, als THS des Leibes, und erhöre mich in meinen Anliegen. Erlange mir von Gott die Gnade, mich selbst recht zu erkennen, meine Sünden wahrhaft zu bereuen, Gott allein von ganzem Herzen zu dienen, mich von allem Irdischen gänzlich loszureißen, und nur den himmlischen Gütern anzuhangen durch immerwäh rendes Streben nach jeglicher Tugend. Besonders bitte für mich, daß ich dir nachfolge in inbrünstiger Liebe zu Gott, in brennender Andacht zu ihm und zur feligsten Jungfrau Maria, im Eifer, den nächsten mit mir zum ewigen Heile zu führen. Mache endlich, daß ich immerfort im Herrn lebe und zuletzt in seiner Gnade sterbe, damit ich würdig befunden werde, mit dir Gott anzuschauen, zu lieben und zu preisen in Ewigkeit. Amen. € Gebet zum heiligen Franziskus Xaverius. Oheiliger Franziskus Xaverius! du großer Apostel der Indier! ich grüße und verehre dich herzlich, und erfreue mich Gebete zu verschiedenen Heiligen. 519 wegen deiner großen Tugend und Heiligkeit und Gnade bei Gott, durch welche du so viele Ungläubige zum christlichen Glauben bekehret hast, und die alte und neue Welt mit unzähligen Wundern erleuchtest. O heiliger Xaverius! deine mächtige Fürbitte bei Gott rühmen so viel bedrängte Menschen, welche dadurch aus ihren Nöthen sind errettet wor= den. Daher komme auch ich mit großem Vertrauen zu dir, der du eine sichere Zuflucht aller troftlosen und verlassenen Seelen bist. Ich wende meine gefalteten Hän de zu dir, und bitte flehentlich, du wollest mich dem gnadenreichen Herzen Jesu empfehlen, und mir von demselben die Erhörung meiner Bitte erwirken. Heiliger Xaverius! der du jederzeit eine besondere Andacht und Liebe zu Jesus dem Gefreuzigten in deinem Herzen getragen haft: ich bitte dich durch deine Mühe und Arbeit, durch deine beständigen Verfolgungen und Todesgefahren, welche du um der Liebe Christi willen ausgestanden hast, erhalte mir durch deine Fürbitte bei Jesus die Gnabe, daß er mich aus der gegenwärtigen Noth N. errette. Sollte es aber Gott gefallen, und meinem Seelenheile nüßlicher seyn, daß ich mein Kreuz noch länger trage; so bitte ich, du wollest mir die Gnade erwirken, daß ich mit Geduld und Standhaftigkeit dieses Uebel, diese Widerwärtigkeit aus Liebe zu meinem gekreuzigten Heilande übertrage; daß ich dir auch in der Keuschheit und in der Liebe Gottes nachfolge; das ich end lich wie du, unter Anrufung des süßesten Namens Jesu, und in den Armen des gekreuzigten Erlösers gottselig sterbe. Amen. Erwählung des heiligen Aloysius zum Schutzpatron. Heiliger Aloystus, engelreiner Jüngling, der du durch Hintansezung irdischer Hoheit, durch Unschuld der Sitten und Heiligkeit des Lebens, und durch herrliche, von Gott auf deine 520 Gebete zu verschiedenen Heiligen Fürbitte geschehene Wunder die Kirche verherrlichest, ich erwähle dich heute zu meinem Schußpatron und Fürsprecher bei Gott, mit dem festen Vorsaße, die heiligen Beispiele deiner Tugenden nachzuahmen. Ich bitte dich also durch die große Liebe, die du zu Jesus dem Gekreuzigten und zu dessen jungfräulicher Mutter pegtest, du wollest für immer mich zu deinem Diener und Pflegekind annehmen, und durch deine Fürbitte meine Leibes- und Seelenkeuschheit vermehren; was derselben schädlich, von mir abwenden, mich wider alle Gefahren der Welt schüßen, ein kindliches Vertrauen zu der allerfeligsten Jungfrau mir erwerben, und damit, gleichwie du ganz rein als ein Engel gelebt hast, also auch ich, durch die Gnade Gottes auf dein Flehen unterstützt, immer ein reines und feusches Leben auf Erden führe, und zu der Gesellschaft der Engel im Himmel aufgenommen werden möge. Amen. Gebet. O Gott, du Liebhaber keuscher Seelen, der du den heiligen Aloysius in der Blüthe feiner Jugend aus der verführerischen Welt zur Gesellschaft deines Sohnes Jefu Chrifti bes rufen, und ihm die besondere Gnade, dir in englischer Reinheit zu dienen, verliehen haft: gib uns um seiner Verdienste wil len, daß wir uns der wahren Reinigkeit der Seele und des Gebete zu verschiedenen Heiligen. 521 Leibes befleißen, damit wir auch an der Herrlichkeit, die er im Himmel genießt, Antheil haben mögen. Durch denselben Jefum Chriftum 2c. Sechs Gebete zum heiligen Aloyfius, die mit jedesmal beigefügtem Vater unser 2c. Gegrüßet seist du 2c Ehre sei 2c. an den sechs Aloysianischen Sonntagen nach der ge wöhnlichen Meinung der Kirche abgebetet werden können, um den Ablaß zu gewinnen. 1. Heiliger Aloysius! du bist von dem Herrn geheilis get worden, ehe du vollkommen geboren warst; und sogleich bei dem ersten Gebrauche deiner Vernunft hast du Gott zu lieben und ihm zu dienen angefangen. Bitte für mich, daß ich wenigstens jetzt anfange, mich Gott dem Herrn ganz aufzuopfern, ihm eifrig zu dienen, und ihn auf das Inbrünstigste zu lieben. Amen. Vater unser ic. Gegrüßet seist du Maria 2c. Ehre sei zc. 2. Heiliger Aloysius! du hast deine englische Unschuld und jungfräuliche Reinigkeit bis an das Ende unversehrt bewahret. Bitte für mich, daß ich wider die kostbare Tugend der Reinigkeit nicht das Mindeste begehe, alle Feinde derselben tapfer bestreite, und durch sorgfältige Verwahrung meiner Sinne dem Laster allen Eingang in mein Herz verschließe. Amen. Vater unser 2c. wie oben. 3. Heiliger Aloviius! du hast die Sünde jederzeit mehr als eine giftige Schlange gefürchtet; der bloße Schatten der Sünde erfüllte deine reine Seele mit Abscheu. und Entsetzen; auch hast du die wenigen und geringen Fehler, welche du in deiner noch ganz zarten Kindheit begingest, das ganze Leben hindurch mit heißen Zähren beweint, und durch erstaunliche Bußwerke abgebüßt. Bitte für mich, daß ich meine vielen und großen Sünden herzlich bereue und abbüße, auch künftig die Sünde über Alles hasse und verabscheue. Amen. Vater unfer 2c. wie oben. 4. Heiliger Aloysius! du haft von deinen ersten Jahren an allezeit bein süßestes Vergnügen an dem Gebete gefunden, besonders hast du dasselbe jederzeit in der Kirche mit größter Ehrerbietung und Andacht verrichtet. Bitte für mich, daß mir Gott die Gnade gebe, mein Gebet nicht nur äußerlich mit größter Ehrerbietung, sondern auch innerlich mit glühender Andacht und heiliger Freude zu verrichten. Amen. unser 2c. wie oben. Vater 5. Heiliger Aloysius! du hast, um in der Gnade immer mehr gestärkt zu werden, die hochheiligen Sakramente der 522 Gebete zu verschiebenen Heiligen. Beicht und Kommunion allezeit mit größtem Andachtseifer und nur nach langer und sorgfältiger Vorbereitung empfangen. Bitte für mich, daß ich mich immer zu diesen hochheiligen Geheimnissen sorgfältig vorbereite, und dieselben oftmals und mit möglichster Andacht empfange, damit sie mir nicht zur VerdammVater niß, sondern zur Seligkeit gereichen mögen. Amen. unser ic. wie oben. 6. Heiliger Aloysius! du haft dein ganzes Leben hindurch die zärtlichste Liebe zu Jesus und Maria getragen; deßwegen hattest du auch das Glück, von Liebe entflammt, in der innigsten Verbindung mit Jesus und Maria zu sterben. Bitte für mich, daß ich nie aufhöre, meinen Jesus von ganzem Herzen über Alles zu lieben, und die seligste Jungfrau mit findlichem Vertrauen zu verehren, damit auch ich in der Gnade meines Heilandes Jesu Christi und unter dem mütterlichen Schuße Mariä aus dieser Welt scheiden möge. Amen. Vater unser 2c. wie oben. Gebet zum heiligen Johannes von Nepomuk. Um Abwendung aller Gefahren. Allmächtiger und barmherziger Gott verleihe gnädig, daß wir, die wir auf die Verdienste deines treuen Dieners Johannes vertrauen, durch feine kräftige Fürbitte von aller Schmach und öffentlichen Schande, sowohl in diesem als im zukünftigen Leben, besonders von gegenwärtiger Gefahr N.( wenn es dir wohlgefällt) durch deine gütigste Barmherzigkeit befreit werden. Durch unsern Herrn Jefum Chriftum, deinen Sohn. Amen. Gegen Menschen furcht. O du getreuer Diener Got tes, heiliger Johannes, mein besonderer Schuppatron, ich verehre dich, der du in der himmlischen Glorie mit der Krone der Unsterblichkeit geziert, und in die Zahl der Kinder Gottes aufgenommen bist. Zu dir nehme ich meine Zuflucht und bitte dich demüthig, du wollest mich heute und die ganze Zeit meines Le bens durch deine Fürbitte vor der schädlichen Menschenfurcht bewahren, die so leicht vom Guten abhält, und zum Bösen verleitet. Amen. Um Rettung des guten Namens. Du Gott meines Herzens, ohne dessen Willen nicht einmal ein Haar von unserem Haupte verloren geht; durch die glorreichen Verdienste deines treuen Dieners Johannes, der lieber von der Brücke zu Prag in den Moldaufluß gestürzt werden und darin umfommen als auf die Drohungen des Königs Wenzeslaus, das - Gebete zu verschiedenen Heiligen. 523 heilige Siegel der Beichte brechen wollte,- bitte ich dich in ständig, du wollest mir in dieser dir bekannten, meiner Ehre augenscheinlich drohenden Gefahr nach deiner allmächtigen Güte zu Hilfe kommen, und mich vor aller Schande, wenn es mir heilsam ist, sicher stellen, damit meine Feinde nicht über mich frohlocken. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Gebet zum heiligen Erzengel Michael. OFürst der himmlis schen Heerschaaren heiliger Michael, der du den stolzen Lucifer mit seinem Anhange in den Abgrund der Hölle gestürzt hast. Du Schußund Schirmherr der streitenden Kirche, komm dem Volke Gottes z Hilfe; vertheidige die Kirche, die dir anem, pfohlen ist, gegen alle Anschläge ihrer Gegner. Du Beschüßer aller Seelen, tie aus dieser Welt scheiden! steh, wenn ich in den letzten Zügen liege, meiner Seele, die ich dir jetzt inständig empfehle, gnädig bei; bewahre sie wider alle Anfälle ihrer Feinde; nimm sie, wenn sie ab geschieden ist, in deinen Schuß, und führe sie, fiegreich über die Nachstellungen des Teufels, zu den Freuden des Himmels, um dort mit allen Engeln Gott ewig zu loben und zu preisen. Amen. Gebet zur heiligen Mutter Anna. Die ältesten Ueberlieferungen, die bis zu unseren Zeiten gelangten, sowie die Ablaßbriefe, die ten Congregationen unter Anrufung der heiligen Anna verliehen wurden, lauten, daß der Dienstag jeder Woche des Jahres der besondern Andacht dieser glorreichen Heiligen gewidmet sei, welches wahrscheinlich seinen Grund darin hat, daß die heilige Anna an einem Diestage die Mutter des göttlichen Heilandes gebar, und an einem Gebete zu verschiedenen Heiligen. Dienstage starb. Woher denn auch früher unter den frommen Christen die Andachtsübung bestand, die heilige Anna neun Dienstage nach einander auf besondere Weise zu verehren. Soini ma Ich grüße und verehre dich, o allerfeligste Mutter Anna, und wünsche dir Glück von dem Innersten meines Herzens zu aller deiner Glorie, besonders zu jener hohen Gnade und Freiheit, fraft welcher dich Jesus Christus zu seiner Ahnfrau und zu einer Mutter seiner Mutter aus allen andern Frauen auserwählte. Zur Vermehrung deiner Freude und Glorie opfere ich dir auf die zwei allerheiligsten Herzen deines lieben Enkels Jesu Christi und deiner Tochter Maria; diese und jenen aber bitte für mich, damit ich beiden wohlgefällig werden möge. Trage Sorge für mich, wie eine Mutter für ihr Kind; sei meine Beschüßerth in dem Leben, und meine Zuversicht und Trösterin in dem Tode. Steh mir Sterbenden bei, damit ich mit allen heiligen Sakramenten versehen, vollkommen bereitet von dieser Welt ganz rein scheiden, und dich im Himmel sehen möge. Amen. Gebete zu verschiedenen Heiligen. Tägliches Gebet zur heiligen Anna. O heilige Anna, du Trost der Betrübten und Zuflucht der Sterbenden. Ich, obschon unwürdig, jedoch aus Vertrauen auf deine Güte und Milde, erwähle dich mit deinem heiligen Chegemahle Joachim, mit dem heiligen Jeseph und mit der ganzen heiligen Freundschaft Christi, zu meiner Schußfrau, besonders für meine Sterbstunde, dich demüthigst bittend, du wollest mich zu deinem Pflegkinde annehmen, mir in meiner leßten Stunde, in welcher ich in die Ewigkeit eingehen werde, beistehen, damit ich in der Gnade Gottes sterbend, zu dem ewigen Leben gelange. Amen. 525 Durch die Verdienste der heiligen Anna, gib, o Herr! allen Verstorbenen die ewige Ruhe, uns aber noch Lebenden die Gnade, in Allem deinen heiligen Willen zu erfüllen. Amen. Gebet zur heiligen Barbara. Ruhmvolle Freundin des ewigen Gottes, heilige Barbara! die du mit einer doppelten Siegeskrone, der jungfräulichen Reinigkeit und des Martertodes für die Religion Jesu, in sein himmlisches Reich eingegangen bist: bitte für mich, daß ich mit standhafter Liebe zu meinem Erlöser Alles überwinde, was böse ift, und einzig der Tugend ergeben sei; damit auch ich durch fie in jenes Land des Friedens gelange, wo du, und alle Helden des Christenthums sich ewig freuen. Amen. Allmächtiger, ewiger Gott, wir flehen deine milde Güti gfeit an, daß du in Ansehung der Verdienste und Fürbitten der seligen Jungfrau und Martyrin Barbara uns die Gnade verleiheft, mit Leib und Seele Dir rein und freudig zu dienen, und, vom unvorbereiteten Tode bewahret, vor unserem Scheiden den allerheiligsten Leib deines Sohnes würdig zu empfangen, damit wir, durch diese himmlische Speise gestärkt, das felige Ziel glücklich erreichen. Durch Christum unsern Herrn. Amen. Gebet zur heiligen Katharina. O heilige Katharina! die du für deine Tugenden und Verdienste, für deine Reinigkeit an Leib und Seele, für die heldenmüthige Standhaftigkeit, mit welcher du für die Religion Jesu alle Leiden und selbst den Tod erduldet haft, nun ewig im Reiche Gottes triumphirest: erbitte mir die Gnade, deinen glänzenden Tugenden heldenmüthig nachzufolgen; für die Ehre Gottes unermüdet zu arbeiten und zu dulden, was er mir zu fenden will, damit auch mich einst der herrliche Lohn erfreue den der Gütigste den Seinen verheißen hat. Amen. 526 Gebete zu verschiedenen Hetligen. Gebet zum beil. Antonius von Padua, um ihn andächtig zu verehren. Oheiliger Antonius mein getreuer Fürsprecher und Beschüßer, es freut mich, daß du in der Anschauung der allerheiligsten Dreieinigkeit die höchste Glückseligkeit genießest, in welcher man Alles besitzt, was nur jemals begehrt werden kann. Ich bitte dich mit der größten Andacht und Ehrerbietung, du wolleft nicht auf meine Sünden und Undantbarkeit sehen, sondern wegen deiner Milde unsern Herrn Jefum Chriftum bitten, daß er mir seine heilige Gnade verleihe, ohne welche ich nichts vermag. Diese Gnade aber gibt mir die Kraft, das ich meine lasterhaften Begierden überwinde, die Empfindsamfeit meiner Seele züchtige, die Anfechtungen des bösen Feindes vertreibe, und meine schlimmen Gewohnheiten verbessere; sie gibt mir dann die Kraft, mich in der Liebe vollkommener zu machen, den göttlichen Willen so viel als immer möglich zu vollbringen, und auf dem Wege eines wahren Christen zu wandeln, daß ich die guten und bösen Einsprechungen erkennen und von einander unterscheiden, alle guten Ermahnungen, sowohl innerliche als äußerliche, mit fröhlichem Herzen aufnehmen, und meinen Nebenmenschen nach dem Willen Gottes lieben und ihm dienen könne. Ich bitte dich auch o heiliger Antonius, daß du mich vor den Händen meiner Feinde beschüßen und mir die Gnade erlangen wolleft, daß ich nicht unversehenen Todes sterbe., besonders aber, daß du bei Gott für mich flehest, daß ich vom Tode nicht überfallen werde, ohne mit den hochheiligen Sakramenten der katholischen Kirche gestärkt zu seyn, welche unser Herr Jesus Christus eingeseßt und angeordnet hat; daß ich auch nicht sterbe ohne deine und der glorwürdigsten Jungfrau Maria Gegenwart, und endlich nach diesem 156 Gebete zu verschiedenen Heiligen. 527 Leben durch das bittere Leiden unsers Herrn Jesu Chrifti und euere Fürbitte mich in dem himmlischen Vaterlande mit euch und allen Heiligen und Auserwählten Gottes ewig freuen möge. Amen. Gebet zur heiligen Maria Magdalena. Heilige Maria Magdalena! die du durch deine bittere Reue Vergebung deiner Verirrungen, und durch deine standhafte, großmüthige Liebe die unschäßbare Freundschaft des göttlichen Heilandes erlangt hast, bitte für mich, daß auch ich meine Sünden schmerzlich bereue, mein Leben wahrhaft bessere, und mein ganzes Herz mit aufrichtiger und inniger Liebe meinem Erlöser weihe. Amen. O Gott, dem die Buße der seligen Maria Magdalena se wohlgefällig war, daß du nicht allein alle ihre Sünden verziehen, sondern auch ihre Seele mit erquickendem Lichte erleuchtet hast: verleihe uns, daß wir die begangenen Uebel würdig beweinen, und zu deinen Füßen die vollkommene Versöhnung erlangen. Der du lebest und regierest mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebet der Kirche. Wir bitten dich, o Herr, daß uns durch die Verdienste der heiligen Maria Magdalena geholfen werde, auf deren Flehen du ihren, schon vier Tage lang tobten Bruter Lazarus aus dem Grabe wieder in's Leben hervorgerufen hast. Der du lebest 2c. Litanei von der heiligen Eliſabeth. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Shriste, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme dich unser! Heiligste Dreifaltigkeit, ein Einiger Gott, erbarme dich unser! Heilige Maria, Mutter der Barmherzigkeit, bitt für uns! Heilige Elisabeth, die du dich von Jugend auf der seligsten. Jungfrau anempfohlen hast, Die du dich dem Schuße des heiligen Evangelisten Johannes ganz ergeben hast, Bitt für uns! Gebete zu verschiedenen Heiligen. 528 Du hochgeachtete Prinzes sin aus Ungarn,*) Du gottliebende Fürstin aus Thüringen, Du heilige Dienerin Gottes mitten im Hofleben, Du Lehrmeisterin des christlichen Wandels, Du herrliches Beispiel der guten Sitten, Du wohlriechendes Veilchen der Demuth, Du tugendhafte Nachfolgerin des hl. Franziskus, Du wohlbekannte Mutter der Armen, Du liebevolle Ernährerin der Waisen, Du sorgfältige Gastgeberin der Fremden, Du mildherzige Helferin der Nothleidenden, Du liebreiche Tröfterin der Betrübten, Du dienstbare Krankenwärterin der Aussäßigen, Du helbenmüthige Verachterin der Welt, Du Zierde und Ehre des dritten Ordens des heiligen Vaters Franziskus, תשחגה MAY Du getreue Braut Chrifti, Du seufzende Taube aus den Wunden des Gekreuzigten, Du beständige Liebhaberin der Armuth, Du geduldige Wittfrau in den Trübfalen, Du willige Beobachterin des Gehorsams, Du gnädige Erleuchterin der Blinden, Du wunderbare Erweckerin der Todten, Du mächtige Fürbitterin bei dem Throne Gottes, Du Schmuck Deutschlands, Du wachbare Beschüßerin deiner Verehrer, Zu dir, als unserer Mutter, fliehen wir, Zu dir, als einer Braut des Allerhöchsten, rufen wir, Zu dir, o Trost der Betrübten, feufzen wir, O große Patronin! zu dir rufen wir, *) Heilige Elisabeth, bitt für uns! Gebete zu verschiedenen Heiligen. 529 O du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! D du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Bitt für uns, heilige Elisabeth! Auf daß wir der Verheißungen Christi würdig werden. Gebet. O gütigster Gott! der du die vielfältigen guten Werke und Tugendübungen der heiligen Elisabeth in den ewi gen Freuden reichlich belohnest: verleih uns durch die Fürbitte, daß wir auch allezeit das Böse meiden, das Gute ohne Unterlaß wirken, und uns mit dir in der Ewigkeit erfreuen mögen, der du lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. Gebet zur heiligen Walburga. D bu himmlische Freundin unsers Herrn und Heilandes, heilige Walburga, laß mich in den freudenreichsten Augenblicken meines Lebens, in der Fülle meiner Gesundheit, und in der Blüthe meines Glückes niemals vergessen, daß unser Reich nicht von dieser Welt sei, und daß wir uns hier nur für ein höheres und schöneres Leben vorzubereiten und würdig zu machen haben. Denn dann ist es unendlich schwer, wahre Buße zu thun und die verlorene Gnade unsers himmlischen Vaters wieder zu gewinnen, wenn wir ein langes fündenvolles Leben in wilder Verstockung durchgelebt haben, und der unvermeidliche Tod plößlich an unserm Lager erscheint. Darum laß mich in den Tagen meines Wohlbefindens jener Stunde gedenken, wo ich von dieser Welt scheiden muß, und das heiligende Werk der innigsten Reue und Buße ohne Unterlaß üben, auf daß ich nicht zu spät den Augenblick der Bekehrung ergreife. Amen. Gebet zum heiligen Schußengel. Sei gesegnet, o mein himmlischer Wohlthäter! heiliger Schußengel! dem mich der Allmächtige durch seine väterliche Güte von meiner ersten Kindheit anvertraute. Mit erkenntli chem und liebevollem Herzen danke ich dir für die zahlloser Wohlthaten, die du mir bis jetzt erwiesen. Sei fernerhin mein gütiger Beschüßzer, mein hilfreicher Freund und mein liebevoller 34 - - 530 Gebete zu verschiedenen Heiligen. Leiter. Führe meine Seele, die von dem Allmächtigen deinen treuen Händen anvertraut worden, unverleßt durch die Gefahren dieses Lebens: hilf mir in den Versuchungen überwinden, alle bösen Gelegenheiten fliehen, jede Veranlassung zu einer guten That ergreifen, und mit einer standhaften Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit meine Pflichten erfüllen. Sei mein Tröster in den Widerwärtigkeiten dieses Lebens; vertheidige mich vor der List und Bosheit meiner Seelenfeinde, und kommt einst meine letzte Stunde, ach! dann stehe mir gütig bei, o mächtiger Freund! damit ich selig sterbe; damit ich in den Wohnungen der Seligkeit mit dir ewig meinen Vater preise, und dir für deine Güte danke. Amen. Anrufung der Heiligen. Dihr Heiligen Gottes, die ihr jeßt mit Jefu im Himmel herrschet! mit hoher Ehrfurcht bewundere ich eure Tugend und Herrlichkeit und rufe euch mit Demuth und Inbrunst um eure Fürsprache und Hilfe an. Ihr seid nun durch die unendliche Erbarmung und Gnade Gottes frei von allen Gefahren, und genießet eine ewige Wonne und Seligkeit; ich aber bin noch in diesem Thale der Thränen, umringt von Klippen ohne Zaşl, an denen meine Tugend leicht scheitern fann; einen harten Kampf habe ich noch mit den Feinden meiner Seele zu bestehen, ohne zu wissen, ob ich siegen oder unterliegen werde. Darum blicke ich voll Vertrauen zu euch gen Himmel empor, und flehe euch inständig um eure Fürsprache und euern Beistand an. Seid eingebent, ihr seligen Bewohner des Himmels! daß auch ihr einst diesen mühsamen und gefahrvollen Kampf kämpftet, in dem ich mich jetzt befinde, und daß auch ihr damals die Hei ligen anflehtet, so wie ich euch jetzt in aller Demuth um Mitleid für mich ersuche; versaget mir eure Fürbitte nicht, und erweiset auch mir jene treue Liebe, die ihr einst auf Erden von euren verklärten Brüdern empfangen habet; bittet für mich den barmherzigen Gott, daß er mich unterstüße; streitet mit mir wider meine Feinde, und helfet mir den Sieg erringen, nach dem ich strebe, damit auch ich einst in eure selige Gesellschaft gelange, und mit euch Gottes Güte und Erbarmung ewig an beten, lieben und preisen möge. Amen. 3624 531 Fürbitten für alle Stände. bid Gebet um Erhöhung der kathol. Kirche. Ewiger Bater! gebenke deiner Gemeinde, die dir von Anbeginn zugehört. Erfenne die Kirche als die Braut deines eingebornen Sohnes, für welche er sein Blut zu vergießen sich nicht geweigert hat. Ich bitte dich, erhöhe sie durch den Glanz der Heiligkeit, durch den Reichthum deiner Gnaden und durch die Fülle der Erbschaft, damit sie eines solchen Bräutigams und eines so großen Erlösungspreises würdig erscheine. Blicke gnädig auf die Kinder dieser heiligen Mutter, und geselle zu ihnen alle Völker, damit Alle dich, Gott den Vater, und den du gesandt hast, Jesus Christus, sowie den heiligen Geist mit lebendigem Glauben erkennen, mit fester Hoffnung anrufen, und mit vollkommener Liebe umfangen. Gebet für den Papst. Jesus, du unsichtbares Oberhaupt der Kirche! Du hast deine Kirche auf einen Felsen gebaut; selbst die Pforten der Hölle vermögen nichts wider sie. Erhalte und leite den Papst, ihr sichtbares Oberhaupt. Laß ihn uns alle deine Wege in deinem Geiste führen; laß ihn endlich sammt seiner Heerde zum ewigen Leben gelangen. Amen. Kirchengebet für den Papst. O Gott, der du aller beiner Gläubigen Hirt und Vater bist, sieh gnädig herab auf deinen Diener N. N., den zu zum Oberhirten deiner Kirche gesetzt hast, und laß ihn seinen Untergebenen durch Wort und Beispiel zum Segen werden, damit er sammt seiner ihm anvertrauten Heerde das ewige Leben erlange; durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Gebet für den Bischof. Jesus, Fürst der Hirten, Hirt und Bischof unserer Seelen, gib dem Bischof unseres Kirchensprengels alle jene Tugenden, die zu seiner und zu unserer Heiligung nothwendig sind. Laß ihn über sich selbst und über die ganze Heerde, über die ihn dein heiliger Geist gesetzt hat, wachen. Sei du selbst ihm das Muster, nach welchem er sich bilde, damit auch wir uns nach ihm bilden können. Erfülle ihn ganz mit deinem Geiste; gib ihm Glauben, Liebe, Weisheit und Kraft; schicke ihm treue Mitarbeiter in dem wichtigen Geschäfte der Leitung unserer Seelen; mache ihn zu einem Hirten nach deinem Herzen, der nur für sein Amt lebt, der Nichts hofft und Nichts fürchtet, als dich, damit, wenn du kommen wirst, die Hirten und ihre Heerden zu richten, wir seine Krone und seine Freude seien, er aber die unverweltliche Krone des ewigen Lebens erlange. Amen. 34* 532 Fürbitten für alle Stände. Gebet für den Seelsorger. Jesus! du hast deiner Kirche Seelforger gegeben, damit sie die Gläubigen zur Vollkommenheit führen. Gib ihnen die Gnade, daß sie die Wichtigkeit ihres Dienstes erkennen und dein Wort uns eifrig verkünden. Laß sie unsere Fürsprecher bei dir werden, die durch ihr Gebet und ihr frommes Leben deinen Zorn von uns abwenden. Lasse sie als Muster der Tugend uns vorleuchten; gib, daß wir ihre guten Beispiele nachahmen; segne sie und belohne sie für ihre Arbeiten hundertfältig. Sie wachen über unsere Seelen, und müssen dir für selbe Rechenschaft ablegen. Laß uns also ihre Lehren, als deine Lehren, zu deiner Ehre, zu ihrem Troste und zum Heile unserer Seelen befolgen. Amen. Gebet für den Beichtvater. O Gott! laß meinen Beichtvater mir das seyn, was Ananias dem Saulus war, damit ich sehe, was ich thun soll, und den heiligen Geist empfange. Laß ihn bei meiner Leitung durchaus ben Grundsägen des Evangeliums folgen! Gib ihm Geduld mit meinen Schwachheiten, aber auch festen Sinn, um sich meinen unordentlichen Neigungen zu widersetzen. Mir aber flöße Ehrfurcht, Gelehrigkeit, Demuth und das nöthige Zutrauen zu ihm ein! Laß mich an seiner Person dich selbst betrachten, um von ihm glücklich geführt zu werden. Ich bitte dich darum durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Gebet um gute Priester. O Gott! der du zur Erhaltung und Verbreitung deiner Kirche das Priesterthum eingesetzt hast, wir bitten dich, gib uns würdige Priester. Herr der Ernte, du weißt, wie groß die Ernte ist, wie wenige Arbeiter sind. Sende Arbeiter in dieselbe! Laß keinen aus ihnen unberufen zum Hirtenamte gelangen! Bilde bereits du selbst durch deine Gnade diejenigen vor, welche du zu dem so wichtigen Amte eines Dieners deiner Kirche wählest; lasse sie jetzt schon ihre Freude in der Betrachtung deines heiligen Wortes finden; lasse sie recht tief in den Geist deines heiligen Gesetzes eindringen; lasse sie einst deine heilige Lehre mit Eifer und Segen uns vortragen. Lasse sie Tugend und Wissenschaft verbinden; flöße ihnen Liebe zu dir und deiner Kirche ein; gib, daß sie unermüdet in deinem Weinberge arbeiten; erfülle sie mit flugem, ausharrendem Eifer; gib ihnen Demuth, Sanftmuth und Mitleid gegen Irrende und Schwache, laß sie durch Worte, durch Beispiele und durch das Gebet ihrer Heerde recht nüglich werden! Um dieß bitten wir dich durch den höchsten Hirten unserer Seelen, durch Jefum Christum, unsern Herrn. Amen. Fürbitten für alle Stände. 533 Gebet für den Landesfürsten. Allmächtiger, ewiger Gott! Herr des Himmels und der Erde! von dem alle Macht und Herrschaft kommt, und durch dessen Anotonung die Könige und Fürsten der Erde regieren; wir bitten dich flehentlich für unsern geliebten König und Vater N. und für sein königliches Haus.- Laß den Geist der Wahrheit und Gerechtigkeit, den Geist der Weisheit und Güte auf ihm ruhen. Erfülle sein Herz mit deiner Liebe, daß er sei ein milder Vater der Armen und Kranken, ein mächtiger Schüßer der Wittwen und Waisen und eine feste Stütze des Rechtes und der Gerechtigkeit. Segne ihn mit deiner hilfreichen Gnade, daß er alles Gute zur Ausbreitung deines göttlichen Reiches auf Erden befördere, seines Volkes Glück väterlich begründe, lang lebe, wahres Wohl genieße, und einst in deinem Reiche seine irdische Herrlichkeit mit der Krone ewiger Seligkeit vertausche. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. R. Amen. - - Gebet für obrigkeitliche Personen. Durch deine weise Fügung, o Herr! ist jede Gewalt auf Erden zur Strafe der Bösen und zum Schutze der Guten bestimmt; von deiner Weisheit und Allmacht kommen alle Gesetze und Rechte. Wir bitten dich angelegentlich für unsere obersten Vorsteher, sowohl geistliche als weltliche, und für jene, welche ihre Rathgeber sind und das Volk regieren: daß sie die ihnen von dir übergebene Macht nach den Vorschriften der Religion und Tugend gebrauchen. Weil in deiner Hand die Herzen aller Obrigkeiten sind, so verleihe ihnen die Gnade, daß sie in der That das seien, was sie nach deiner Einsegung seyn sollen, Freunde der Gerechtigkeit, unbestechliche Richter, Wächter der Gesetze, Schirmer und Vertheidiger der Armen und Wittwen und Waisen, warme Verfechter der Sache der Unschuld und des wahren Glaubens! Segne sie mit Startmuth und mit Weisheit, erhalte sie in deiner himmlischen Gnade, schenke ihnen die Liebe ihrer Untergebenen, segne sie mit Wohlstand und langem Leben, damit durch ihre väterliche Regierung dein Name geheiliget werde. Amen. Gebet um Einigung der Gläubigen. Herr, ich bitte dich, erneuere, erleuchte, entflamme, erheitere und stärke und einige doch das Herz derjenigen, welche an dich glauben: damit sie Eines ſeien, Eines denken, einmüthig nach Einem verlangen, nämlich dich zu umfassen und zu sehen, und dich zu preisen als den Gott der Götter auf Sion! der untheilbaren Dreieinigkeit sei Ruhm, Dank, Ehre und Herrschaft in alle Ewigkeit! Amen. Gebet für die Un- und Irrgläubigen. Gott! ewiger Schöpfer aller Wesen! gedenke, daß die Seelen der Ungläubigen, wie auch 534 Fürbitten für alle Stände. jene der Sünder, deine Geschöpfe sind, und zwar Geschöpfe nach beinem Ebenbilde! Sieh, o Herr! wie sie erbärmlich zu Grunde gehen! Erinnere dich, daß Jesus, dein Sohn, für ihr Heil den schmerzlichen Tod erbuldet hat. Laß nicht ferner zu, o Herr! daß dein Sohn von ihnen verachtet werde, sondern laß dich durch die Gebete deiner Auserwählten und das Gebet der heiligen Kirche, der Braut deines Sohnes, verföhnen; sei eingedenk deiner Barmherzigkeit, sich nicht auf ihre Abgötterei und ihren Unglauben; erleuchte sie vielmehr, daß auch sie dich erkennen, und den du gesandt, Jesum Christum, der unser Heil, unser Leben und unsere Auferstehung ist, durch den wir erlöset und errettet sind. Ihm sei Ehre durch alle Ewigkeit! Amen. Gebet um Erhaltung des Glaubeus. Allmächtiger und allbarmherziger Gott, der du allein die Finsternisse des Irrthums zu zerstreuen, die Getrennten zu vereinigen, und uns alle in heiliger Einfalt zu erhalten vermagst; wir bitten dich demüthig durch das unbefleckte Herz der glorreichen Jungfrau Maria, durch die Fürbitte der heiligen Apostel Petrus und Paulus, des heiligen Franz von Sales und aller Heiligen unsers Vaterlandes, du möchtest die Augen deiner Barmherzigkeit auf alle Theile unsers gemeinsamen deutschen Vaterlandes wenden, damit wir alle, befreit von jedem Irrthum und jeder Widerwärtigkeit, in dem Schooße unserer Mutter, der Einen heiligen apostolischen und römisch- katholischen Kirche dir mit wahrem Glauben, fester Hoffnung und vollkommener Liebe dienen, durch Jesus Christus, unsern Herrn 2c. Gebet für die ganze Christenheit. Allmächtiger Gott! Herr himmlischer Vater! sieh gnädig herab auf dein Volk und erhöre um deines Sohnes willen unser demüthiges Gebet. Erhalte die Gerechten, stärke die Schwachen, beschütze die Unschuld, verschone die Sünder, mache gerecht die Büßer, heile die Kranten, tröste die Betrübten, befehre die Irrenden, erlöse die Gefangenen, rette die Unterdrückten, sende Hilfe den Sterbenden, damit Alle, welche in ihren Nöthen zu dir rufen, Barmherzigkeit erlangen, durch Jesus Christus zc. Gebet der Eltern für ihre Kinder. O Gott! du bist der Vater meiner Kinder. Du bist ihr Schöpfer und ihr Herr. Ich übergebe sie dir; sie sind bein; ich überlasse sie ganz deiner väterlichen Liebe. Vor Allem bitte ich dich für sie um bein Reich und deine Gerechtigkeit: das übrige gib ihnen nach deinem Wohlgefallen. Schenke ihnen Liebe zu dir und ihren Nächsten; Fürbitten für alle Stände. wwwwww 535 dana je nap flöße ihnen den größten Abschen vor der Sünde ein; bewahre sie vor den bösen Grundsätzen und Beispielen der Welt; laß sie jederzeit nach der Lehre des Evangeliums wandeln. Laß nicht zu, daß ich diesen meinen Wünschen durch mein Betragen entgegen handle, und das zu Grunde richte, um was ich dich jetzt für sie bitte. Wache über mich, damit ich über sie wache; und verleihe, daß ich sie in deiner Furcht und aller Tugend erziehe; durch Jesus Christus unsern Herrn. Amen. 536 Fürbitten für alle Stände. Gebet für Jünglinge und Jungfrauen um die Gnade der Keuschheit. Mein Herr und mein Gott! nach dem Empfange der heiligen Taufe warb ich, zum Zeichen der durch sie erhaltenen Reinheit, mit einem weißen Kleide angethan, mit den Worten des Priesters: Empfange das Kleid der Unschuld, und bewahre sie unbefleckt bis zum Tode, wo du vor dem Nichterstnhle Jesu Christi erscheinen mußt, um das ewige Leben zu empfangen. Bei dem Hange zum Bösen, der als Folge der Erbsünde, zum Kampfe in mir zurückgelassen wurde, und bei den vielen Versuchungen der Welt und Höllengeister, vermag ich aber ohne deinen Beistand die Keuschheit nicht unbefleckt zu bevaihren, was mein Taufpathe in meinem Namen versprochen hat. Fürbitten für alle Stände. Ich bitte dich, liebvollster Jesus! vermehre dazu die in ter heiligen Taufe erhaltene Gnade. Nie laß mich die hohe Würde der Keuschheit an Leib und Seele vergessen, daß wir dadurch den Engeln gleich sind, und daß dich, mein Jesus! die Keuschheit der reinsten Jungfrau Maria bewogen hat, durch den heiligen Geist aus ihrem jungfräulichen Leibe die menschliche Natur anzunehmen, um uns die Unschuld durch den Werth deines für uns vergossenen Blutes zu erkaufen. Bei jeder Versuchung gegen die jungfräuliche Reinigkeit laß mich denken, o mein Jesus! ich bin dein so theuer erkauftes Eigenthum; wie könnte ich bei der Erinnerung an deine Wunden und Schmerzen am Kreuze etwas gegen die Schamhaftigkeit thun. Ich will nur dich lieben mit ungetheiltem Herzen, nur dir zu gefallen und im Gedanken an dich meine Freude suchen. 537 Gib mir, o Jesus! eine stets innigere Liebe zu dir. Gottesfurcht, die inbrünstige, treue Liebe zu dir, Wachsamkeit und Gebet im Augenblicke der Versuchung machen mein Herz unüberwindlich. Erhalte immer den Glauben in mir lebendig, daß mein Leib mit der Seele bein Tempel sei, in welchem du wohnen willst, wenn ich dir zu gefallen suche. Ich gefalle dir aber nur dann, wenn ich keusch lebe, und Alles verabscheue, was gegen die Ehrbarkeit ist. Gib mir, o Herr! einen Abscheu vor Allem, was mich vor mir selbst und vor deinen reinsten, allsehenden Augen schamroth machen würde. Laß mich immer über alle meine Blicke und Reden sorgfältig wachen und gebieten, damit sie mir nie Veranlassung zu unehrbaren Gedanken und Versuchungen werden, und damit ich auch Andern nie Gelegenheit gebe, Unanständiges von mir zu denken. Laß in meinem ganzen Betragen Sittsamkeit und Eingezogenheit herrschen, damit mein Abscheu an allem, was gegen die Schamhaftigkeit ist, und meine Liebe zur Keuschheit Jedem sichtbar werde. Gib mir jenen heiligen Ernst und jene Würde der Unschuld, die selbst ihre Feinde mit Ehrfurcht erfüllen, sie beschämen und abhalten, mir Unanständiges zuzumuthen. Laß. mich in meinem Anzuge alles Hoffärtige und Eitle verabscheuen, wenn auch Mode und Beispiele es rechtfertigen wollen, und dabei nur auf Reinlichkeit und standesmäßige Kleidung sehen, um mir keine Versuchung zuzuziehen, eingedenk der Worte des Apostels:" Dein Schmuck sei nicht äußerlich, tricht im fünftlich geflochtenen Haare, nicht im Goldgehänge, ticht in kostbarer Kleidung, sondern im innigen, sanften, stiller: Sinne, der vor Gott köstlich ist." 538 Fürbitten für alle Stände. Laß mich nie vergessen, o Herr! daß die Schönheit eines Kleides und die jugendliche Gestalt wie die Blumen auf dem Felde bald vergehen, und ich nicht besser bin, wenn man mich deßwegen lobt und sucht. Verschließe meine Ohren vor Schmeicheleien, und stärke mich, daß ich mich weder durch vortheilhafte Versprechungen, noch durch Spott und Verfolgung zu Etwas gegen die Ehrbarkeit verführen lasse. Bewahre mich, o mein Jesus! vor der eitlen Freude an weltlichen, gefährlichen Zustbarkeiten, damit ich mich nie bei solchen einfinde, und meine Unschuld keiner Gefahr aussetze. Laß mich fromme Jugendgefährten meines Geschlechtes finden, die auch dich über Alles und die Unschuld lieben, und im Umgange mit ihnen mich erfreuen. Reinste Jungfrau und mächtigste Fürbitterin bei Gott! auch dein Vorbild der Unschuld schwebe mir immer vor Augen. Ich will als dein wahrer Verehrer deinem Tugendbeispiele folgen. Unterstüße mich durch deine Fürbitte bei Jesus, deinem Sohne. Heiliger Schutzengel, getreuer Führer meiner Seele! leite mich auf dem gefährlichen Pfade der Jugend. Der Gebanke, daß auch du, wie Gott, immer an meiner Seite bist und Alles siehst, erhalte mich in beständiger Ehrfurcht und Wachsamkeit. Hilf auch du mir die Gnade der Gottesfurcht und Reuschheit erbitten, damit ich zur Seligkeit gelange, da nur Jene, die reinen Herzens sind, im Himmel Gott anschauen Amen. Gebet der Kinder für ihre Eltern. O Gott! du willst, ich soll meine Eltern ehren; flöße du selbst mir Ehrfurcht, Gehorsam und Liebe gegen sie ein. Vergilt ihnen das Gute, das sie mir thun; laß sie lange und glücklich leben, reich an allem Guten werden, und endlich zu dir gelangen, durch Jesus Christus unsern Herrn. Amen. Gebet für einen vertrauten Freund. Jesus Christus! der du die Gabe der Bruderliebe durch die Gnade des heiligen Geistes den Herzen deiner Gläubigen eingegossen, und Wohlgefallen daran hast, wenn die beinigen für einander beten: ich flebe deine Barmherzigkeit an: nimm doch diesen meinen Freund, für den ich besonders zu beten mir vorgenommen habe, in deinen Schutz, und bewahre ihn vor allen Uebeln des Leibes und der Seele. Laß ihn beständig seyn in deinem heiligen Dienste, zunehmen an christlichen Verdiensten, und von einer Tugend zur andern fortschreiten. Schmücke ihn mit jeder christlichen Tugend, damit er, wie ein Saatfeld, das der Herr gesegnet, grüne und Früchte bringe. Segne ihn in allen seinen Unternehmungen, Fürbitten für alle Stände. 539 and sei sein Begleiter auf allen seinen Wegen, sein Trost im Leiden, sein Retter in Gefahren, und endlich sein Lohn für alle edle Gesinnungen, für alle Liebe und Wohlthaten, die mir jemals von ihm erzeigt worden. Der Segen, den du bei deiner Himmelfahrt der Welt gegeben hast, komme über ihn, und erfülle an ihm die heißen Wünsche meines Gebetes, welches ich für sein zeitliches und ewiges Wohl vor deinen Gnadenthron bringe. Amen. Gebet für Wohlthäter. O Gott! vergilt meinen Wohlthätern das Gute, das sie mir gethan haben und noch thun, tröste und erfreue sie dafür, damit sie sagen: Gelobt sei der Herr, der seinen Dienern Ruhe und Frieden verschafft hat; ich aber deine Gerechtigkeit preise und dein Lob verkündige, durch Jesus Christus. deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Gebet für alle Stände. Allmächtiger, ewiger Gott! dessen Geist den ganzen Leib der Kirche heiliget und regieret, erhöre unser Flehen, welches wir für alle Stände zu dir bringen, und schenke uns Allen die Gnade, daß wir, jeder in seinem Amte und auf seiner Stufe, dir mit treuem Sinne dienen. Laß, o Herr deiner Dienern Nachlaß ihrer Sünden, Trost im Leiden angedeihen, gib ihnen ein ruhiges Leben, damit sie, dir in treuer Liebe dienend, würdig werden, das Ziel deiner Erbarmung zu erreichen und die Krone der Gerechtigkeit zu erlangen. Erlöse, o Herr! beine Diener, die zu dir beten, von ihren Sünden und Feinden, damit sie in heiligem Umgange untereinander und mit dir lebend, durch keine Drangsale beängstigt, durch keine Versuchungen von dir getrennt werden mögen. Durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Gebet in einer Hungersnoth. Gib uns, o Herr, um was wir im frommen Vertrauen zu dir flehen und mache uns von der Noth des Hungers frei, damit es die Herzen der Sterblichen inne werden, daß dergleichen Züchtigungen um deiner Gerechtigfeit willen über uns kommen, und um deiner Erbarmungen willen wieder von uns wegziehen; durch Jesum Christum, deinen Sohn unsern Herrn und Heiland. Amen. Gebet zur Beit einer allgemeinen Drangsal. Als Krankheit Krieg, Hungersnoth.) " Wollet ihr auch so noch keine Zucht annehmen, sondern Mir entgegen wandeln! So will auch ich euch entgegen wandeln, und will euch siebenfält g schlagen, um eurer Sünden willen. Und Ich will das Schwert über euch führen zur Rache meines Fundes."( 3. Vof. XXVI., 23-25.) Fürbitten für alle Stände. Heiliger gerechter furchtbarer Gott! der du erst dann die züchtigende Strafruthe ergreifft, wenn du gelindere Mittel, uns aus unserer Unbußfertigkeit zu wecken, fruchtlos findest: tiefgebeugt erkennen und bekennen wir, daß unsere Gefühllosigkeit gegen deine Güte, unser Undank gegen deine Wohlthaten, unsere Lauigkeit in deinem Dienste, unsere Sinnlichkeit und Weltliebe, mit einem Worte, daß unsere Missethaten es sind, die deinen gerechten Zorn wider uns gereizt haben. Ja, Herr! wir haben schwer und vielfältig gesündiget; haben nicht nur was du über uns verhängt hast, sondern eine noch empfindlichere Züchtigung verdient; auch dieß erkennen wir mit wehmüthigem Herzen. Es ist billig, daß du uns die Wirkungen deines Zornes empfinden lassest, nachdem wir die Bemühungen deiner Güte, uns zu dir zurückzuführen, so freventlich bereitelten. Gerecht bist du, o Herr! und recht ist dein Urtheil: wie sollten wir uns erfühnen, deine Wege zu tadeln, oder nur zu fragen: Warum betrübst du unsere Seele? warum benetzen wir unser Brod mit Thränen?- Aber, unendlich gütiger Gott, der du selbst in deinem Zorne deiner Erbarmungen nicht vergissest, und auch alsdann noch Vater bist, wenn du deine Kinder züchtigst, ach! ach! verstoß uns von deinem Angesichte nicht ganz und gar." Wir suchen dich am Tage unserer Trübfal, und strecken bei der Nacht unsere Hände zu dir aus; verschließe dein Ohr nicht unserm Flehen, und sei uns ferner nicht schrecklich, o du Vater der Erbarmungen, und Gott alles Trostes! Zieh deine Hand, die über uns schwer geworden, wieder hinweg, und befiehl dem Schwerte deiner Strafgerechtigkeit, daß es in seine Scheide zurückkehre. Laß die Thränen unserer Bußfertigkeit, laß das lallende Gebet der Unmündigen, die deine Strafruthe mit uns fühlen, ob sie gleich keinen Theil an unserer Schuld haben, die Wolken durchdringen, und vor dem Throne deiner Barmherzigkeit Gnade finden. Wirst du, o Herr! in Ewigkeit verwerfen? oder wirst du dich hinfort nicht mehr besänftigen lassen? Kannst du aufhören, der erbarmungsvolle Gott deines Volkes, und in allen Nöthen, die uns umgeben, unsere Zuflucht und Rettung zu seyn? oder deiner Barmherzigkeit vergessen, die von Anbeginn der Welt gewesen? - So merke denn auf die Stimme unseres Flehens, die aus ber Tiefe unseres Elendes zu dir emporsteigt! und erhöre uns! Und der du zu den brausenden Meereswogen sprichst:" Bis hieher und weiter nicht! setze auch der Drangsal, unter der wir seufzen, einen Damm entgegen, der ihr gebiete, einzuhalLaß das Antlitz deiner Versöhnung über uns leuchten, 11 540 - - - Fürbitten für alle Stände. 541 bamit die Gebeine, die du zerschlagen hast, wieder fröhlich werben. Verdienen wir aber, unserer Bergehungen wegen, nicht, daß Du uns erhörest, so sei uns, um der allvermögenden Bitte deines Sohnes, unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi willen gnädig und barmherzig! Wir geloben dir auf das heiligste, uns aus ganzem Herzen zu dir zu bekehren, und deiner Gerechtigkeit durch eine auf richtige und anhaltende Buße genug zu thun. Dieß ist dir das angenehmste Versöhnungsopfer; und wir wollen es dir mit der kindlichen Zuversicht, daß du es nicht verwerfen wirst, darbringen. Nur verschone unser, o du Gott der Geduld und Langmuth! damit wir mit dankerfülltem Herzen bich preisen, und voll der innigsten Wonne ausrufen mögen:" Wie groß ist die Barmherzigkeit des Herrn und seine Gnade gegen die, die sich zu Ihm bekehren! Amen. Gebet um christliche Geduld im Leiden. O Gott, meine Zuflucht und mein einziger Trost, erhalte mich durch deine mächtige Gnade, damit ich unter dem Kreuze nicht verzage. Ich weiß zwar, daß es besser ist, hier leiden, als in Freuden leben; daß ich durch Kreuz meine Sünden abbüßen, dir nachfolgen, und den Himmel verdienen muß; ich weiß, daß meine Ungeduld dir mißfällt, und mir selbst mein Kreuz noch schwerer macht; und dennoch, wenn du, o starker Gott, mir nicht zu Hilfe kommst, werde ich alsbald verzagt, kleinmüthig, verdrießlich und widerspenstig, und verliere hiedurch alle Verdienste und Früchte meines Leidens. D Herr, sei denn mein Tröster in dieser Noth, und mache, daß ich, in Betrachtung der ewigen Freuden, welche auf so furzes Leiden folgen, und nach dem Beispiele so vieler Heiligen, mich standhaft erzeige in allen Peinen und Schmerzen, in Schmach und Spott, in Angst und Verfolgung, in Armuth und Elend. Dieses und noch mehreres haben auch so viele deiner Auserwählten und Heiligen gelitten. Es hat nun aber ein Ende: mein Kreuz und Leiden wird durch den Tod auch balb geendigt werden. Du, o gebenedeiter und lebendiger Heiland, der du alle diese Heiligen gestärkt haft: stärke auch mich, damit ich willig und geduldig, dir zu Liebe und für dich, wie du für mich, Alles ertrage, und nach dir durch dieses zeitliche Kreuz in die ewigen Freuden eingehen möge. Amen. 542 Einige Andachtsübungen für Kranke. Gebet für einen Kranken. Göttlicher Erlöser! der du in deinem Leben mit jedem Nothleidenden ein vorzügliches Erbarmen getragen: Dir empfehle ich diesen armen Unglücklichen, den eine schwere Krantheit drückt, und der große Schmerzen dulden muß. Habe Mitleid mit ihm, und gib ihm Geduld in seiner harten Prüfung. Ich opfere dir seine Seufzer und Thränen in Vereinigung der jenigen, die du an deinem Kreuze für das Wohl der Menschen geopfert, damit sie zu deiner Ehre und seinem Heile gereichen. Mit demüthigem Herzen bitte ich dich auch, daß du, wenn es Einige Andachtsübungen für Krante. 543 nicht wider deinen göttlichen Willen ist, diesem Leidenden sein Leben verlängerst, und ihm seine vorige Gesundheit schenkest. O guter Gott! der du dem König Ezechias, da er dich mit Thränen bat, gütig Rettung verliehen, und seine Tage verlängert haft: erbarme dich des Elendes dieses Kranken, siehe seine heißen Zähren und die Thränen der Seinigen; erlöse ihn aus seinen Schmerzen, befreie ihn von seiner Krankheit, damit er dir für seine hergestellten Kräfte die frommen Opfer eines dankbaren Herzens bringe. Amen. Betrachtung eines Kranken. Wie lange, o mein Gott! ließest du mich gesund sehn! Nun bin ich zwar frank; aber du bist immer der gütige Gott. Du prüfst mich. Ich soll fühlen, daß mein Körper gebrechlich ist. Ein weiser Vater nimmt seinem Kinde das Gute hinweg, das es nicht mehr achtet oder mißbraucht. Ist dieß nicht der Fall bei mir? Schätte ich meine Gesundheit? Dankte ich dir dafür? Erfüllte ich meine Pflichten aus Liebe zu dir? Lebte ich als Christ? Schwächte nicht ich selbst meine Gesundheit? Mißbrauchte ich sie nicht zu deiner Beleidigung? Ist dieß- und wer will sich vor dir unschuldig nennen? so nahmst du mir meine Gesundheit, weil du mit meiner Aufführung unzufrieden warst. Wenn ich aber auch, eines sündhaften Lebenswandels wegen, mir eben keine besondern Vorwürfe zu machen habe, so darf mich meine Krankheit doch nicht befremden. Ist nicht auch die Krankheit ein Beweis deiner Güte, o Gott! Werde ich da durch nicht von dem Irdischen abgezogen? Werde ich nicht auf meine Seele, auf meine Hinfälligkeit, auf meinen Tod und auf dein Gericht aufmerksam? Wird mein Geist nicht leichter auf die Ewigkeit und auf dich hingelenkt? Kann ich meine Fehler nicht leichter erkennen, bereuen und mich im Guten befestigen? Dank dir also, allweiser und gütiger Vater, für deine Fügung, die Alles zu meinem Besten lenft! - Seufzer eines Kranken. Es ist nicht nöthig, daß ein Kranker Vieles bete; aber sein Herz kann er oft zu Gott erheben; er bringe also seine Zeit nicht müssig zu; er seufze recht oft zu seinem Vater im Himmel, wozu ihn folgende Sprüche anleiten. Kann er etwa vor Schmerzen nicht selbst lesen, so lasse er sich einige von ihnen vorlesen. O Gott! erbarme dich meiner nach deiner großen Barmherzigkeit! und nach der Menge deiner Erbarmungen tilge meine Missethaten. Einige Andachtsübungen für Krante. Siehe, wie gequält ich hier liege! welche schwere Schmerzen ich dulden muß. 544 Habe Mitleid mit deinem armen Kinde, und lindere meine Leiden nach deiner Güte. Erinnere dich, o Jesu! welche Leiden du am Kreuze erduldet! wie verlassen du selbst von deinem Vater gewesen! Dir klage ich meine gegenwärtige Noth, und rufe mit beinen Worten: Mein Gott! mein Gott! wie sehr hast du mich verlassen! Aber verlaß mich nicht, o mein Wohlthäter! wende deine Barmherzigkeit nicht von mir. Ich vereinige meine Schmerzen mit den deinen; meine Krankheit mit deinem Leiden. Alles, was meine Seele leidet, sei dir geopfert; du bist auch für mich, o mein Jesu! sehr verwundet worden. So wie du deine Leiden von der Hand des Vaters angenommen; so ergebe ich mich findlich in deine Fügungen. Mit jener Geduld, mit der du deine Leiden ertragen, wünschte ich meine Krankheit zu leiden; und mit jener Liebe, mit der du deine Schmerzen dem Ewigen geopfert, möchte ich dir alle meine Schmerzen opfern. Möchte ich doch durch meine Leiden dir wohlgefällig seyn, o Jesu! möchte diese Krankheit und meine Ergebung deine Ehre befördern! Nimm, o mein Erlöser! meinen Willen für die That an; laß dir das eifrige Verlangen meines Herzens gefallen! Gib mir wahre Geduld in meiner Schwachheit; bewahre mich vor Unwillen und Kleinmüthigkeit. Laß mich nicht eines unvermutheten Todes sterben; noch weniger in deiner Ungnade von dieser Erde scheiden! Erbarme bich meiner, weil bu gültig bist; vergib mir durch deinen Tod am Kreuze. Amen. Seufzer eines Sterbenden. Sie können dem Sterbenden von einem Priester oder einem Andern vorgelesen werden; aber leise und langsam, damit es ihm nicht schwer werde. Jesus! Maria! und Joseph! stehet mir bei, und du, o mein Erlöser! sei mir gnädig; sei gegen mich barmherzig, und vergib mir meine Sünden. Gütigster Heiland! erbarme dich meiner um beines bittern Leidens willen; durch deinen schmerzlichen Tod verleihe mir ein feliges Ende. Jesu! bir lebe ich! Jesu! bir sterbe ich! dein bin ich, Jesu! im Leben und im Tode. Einige Andachtsübungen für Kranke. 545 Ich glaube an dich, o mein Erlöser! auf dich vertraue ich; dich liebe ich, o Jesu! Bon ganzem Herzen. In deine Hände empfehle ich meinen Geist; in dein treues Herz empfehle ich dein armes Kind; durch deinen harten Tod laß mich eines guten Todes sterben. Ach! laß mich nicht verloren gehen, da du mich so lange gesucht hast; laß mich nicht zu Schanden werden, denn du haft mich schmerzlich erlöset; laß mich dein sehn, denn du hast mich theuer erkauft. O himmlischer Vater! ich bin der Arme, den du geschaffen. Göttlicher Erlöser! mich hast du durch deinen Tod erlöset.O heiliger Geist! durch deine Gnade bin ich geheiliget worden. Ach! laß meine unsterbliche Seele nicht verloren gehen. Ich hoffe auf deine Güte, o Vater im Himmel! ich vertraue auf den Werth deines Leidens, o Jesu! ich hoffe auf deine Erbarmung, o heiliger Geist! Ich glaube Alles, was die heilige katholische Kirche glaubt: und in diesem Glauben will ich leben und sterben.- Ich hoffe zuversichtlich, durch meines Gottes Liebe die Seligkeit zu erlangen; ich will leben und sterben in dieser Hoffnung. Ich liebe dich, o Gott! mit kindlichem Herzen; und in dieser Liebe will ich leben und sterben. Ich bereue alle meine Sünden mit aufrichtiger Wehmuth; und in dieser Reue will ich leben und sterben. Zu den Wunden Jesu will ich fliehen; unter Jesu Schutz will ich leben und sterben. D Jesu! durch dein theures Blut verlaß mich nicht in den letzten Augenblicken. Durch deinen schmerzlichen Tod bitte ich dich, verleihe mir ein feliges Ende. O mein Erlöser! durch deine Liebe sei an meiner Seite, und stehe mir bei. 14 Stehe mir bei, o Mutter Jesu! heilige Maria! verlaß mich nicht; bitte für mich, o meine Mutter! Heilige Maria! Mutter Gottes! bitte für mich armen Sünder! jetzt in der entscheidenden Stunde. O du meine mütterliche Fürsprecherin! wende deine barmherzigen Augen zu mir; und nach diesem Elende zeige mir Jesum, die gesegnete Frucht deines Leibes. Wegen des bittern Leidens deines Sohnes stehe mir in meinen Nöthen bei; und wegen seines schmerzlichen Todes erwirb mir ein seliges Ende. In deine Hände empfehle ich meinen Geist; in dein mütterliches Herz empfehle ich meine scheidende Seele. 35 Einige Andachtenibungen für Kranke. Tägliches Gebet für die Abgestorbenen. Herr, unser Gott! gedenke unsrer Väter und Brüder, welche im wahren Glauben von uns abgeschieden, und Aller, welche aus dieser bedrängnißvollen Welt hinübergegangen sind! Erfreue sie in deinen heiligen, mit aller Schönheit geschmückten Wohnungen, und übersetze sie aus dem schauerlichen Aufenthalte der Todesnacht in deine lichtvollen Hallen! Entreiße sie den Finsternissen und der Dunkelheit; befreie sie von den Trübsalen und Schmerzen! Es leuchte ihnen dein friedenreiches Angesicht! Geh mit ihnen nicht in das Gericht, und fordere von ihnen nicht strenge Rechenschaft ihres Lebens, sondern: ob sie durch Worte oder durch Werke fündigten, verzeih ihnen, was sie begangen haben, als sie noch im Gewande des Fleisches wandelten, und tilge barmherzig ihre Missethaten; denn du bist ja gütig und höchst barmherzig, weßhalb dir auch Lob, Ehre und Macht gebührt mit deinem eingebornen Sohne und deinem heiligen, guten, anzubetenden, Leben spendenden und dir an Wahrheit gleichen Geiste, nun und immerdar, und in Ewigkeit! Amen. 646 -- Gebet zu der heiligen Mutter Gottes für die Verstorbenen. Du Mutter aller Gnaden, heilige Jungfrau Maria! betrachte diese hilflosen Armen, die in dem Fegfeuer leiden, und erbarme dich über ihren traurigen Zustand mit deiner mütterLichen Güte. Kann wohl auch eine Mutter ihres Kindes vergessen, daß sie nicht sollte Mitleiden haben mit dem Liebling ihres Herzens? Nein, o Maria! du erbarmest dich ihrer, denn sie sind durch deinen Eingebornen auch deine Kinder. Durch Jesum bist du die Mutter der Gläubigen geworden. Mit diesen Leidenden und in ihrem Namen rufe ich zu dir: Erinnere dich an deine Kinder, o heiligste Mutter! die im Elend schmachten; sende ihnen Trost durch deine allesvermögende Fürbitte! rede für sie bei deinem Sohne, ihrem Wohlthäter, ihrem großmüthigen Erlöser; erwirb ihnen Gnade und Erlösung dadurch, daß du ihn erinnerst, wie mütterlich du ihn auf Erden geliebt, wie manche Sorge du für ihn gehabt, wie unaussprechlich deine Leiden gewesen, da du ihn unter seinen Feinden am Kreuze sterben gesehen. Er wird dir nichts versagen; er wird sich ihrer erbarmen, sie erlösen und sie werden ihn und dich ewig lieben und preisen. Amen. Abläffe, die man leicht gewinnen kann und gerne gewinnen soll. 212510 547 I. Ablaß von 100 Tagen, den man so oft gewinnen kann, als man( andächtig im Stande der Gnade und mit reumüthigem Herzen) eines der folgenden, so schönen Gebete betet: 1) † Es geschehe, es werbe gelobt und ewig über Alles erhöht der gerechteste, höchste und liebenswürdigste Wille Gottes in allen Dingen. Amen.*) 2) Jesus, Maria und Joseph, euch schenke ich mein Herz und meine Seele! 3) Jesus, Maria und Joseph, stehet mir bei im letzten Streit! 4) Jesus, Maria und Joseph, mit euch soll meine Seele im Frieden scheiden. 5) † Gebenedeit. sei die heiligste und unbefleckteste Empfängniß der seligsten Jungfrau Maria! 6)+ Engel Gottes, mein Beschützer, dem die göttliche Güte mich anvertraut hat, erleuchte, behüte, leite und regiere mich. Amen. 48 7) † Um ein seliges Ende zu erlangen. a)" Wir opfern ndir auf, allerheiligste Dreieinigkeit! die Verdienste Jeſu Christi " zur Danksagung für das kostbare Blut, das Jesus im Delgar" ten für uns vergoß, und durch diese seine Verdienste flehen wir zu deiner göttlichen Majestät um Verzeihung unsrer Sün" den. Vater unser. Ave Maria. Ehre sei Gott 2c. b)" Wir opfern dir auf, o allerheiligste Dreieinigkeit! die " Verdienste Jesu Christi zur Danksagung für seinen kostbarsten " Tod, den er für uns am Kreuze erduldet hat; und durch diese seine Verdienste flehen wir zu deiner göttlichen Majestät " um die Nachlassung der Strafen, die wir für unsere Sünden " verschuldet haben. Vater unser. Ave Maria. Ehre sei Gott zc. c)" Wir opfern dir auf, o allerheiligste Dreieinigkeit! die Verdienste Jesu zur Danksagung für seine unaussprechliche #Liebe, mit der er vom Himmel zur Erde herabstieg, um die *) Wer die mit+ bezeichneten Gebete alle Tage wenigstens einmal betet, der kann an einem beliebigen Tage desselben Monats einen vollkommenen Ablaß gewinnen, wenn er an diesem Tage als ein wahrer Büßer die heil. Sakramente empfängt und nach der Meinung der Kirche betet. 35* Ablässe, die leicht zu gewinnen sind. menschliche Natur anzunehmen, für uns zu leiden und am Kreuze zu sterben; und durch diese seine Verdienste flehen wir " zu deiner göttlichen Majestät, du wollest unsere Seelen nach. " dem Tode in die himmlische Herrlichkeit aufnehmen... 648 Vater unser. Ave Maria. Ehre sei zc. 8) † Um den Schutz Mariens in Ausübung aller Tugenden, vorzüglich der Keuschheit zu erlangen. a)" Ich verehre " dich von ganzem Herzen, heiligste Jungfrau! höher, als alle " Engel und Heiligen des Himmels, als die Tochter des ewigen " Vaters, und weihe dir meine Seele mit allen ihren Kräften." Ave Maria. b)" Ich verehre... als die Mutter des eingebornen " Sohnes, und weihe dir meinen Leib mit allen seinen Sinnen." Ave Maria. 1 c)" Ich verehre. als die geliebte Braut des heili" gen Geistes, und weihe dir mein Herz mit allen seinen Nei" gungen, indem ich dich bitte, du wollest mir von der allerhei" ligsten Dreieinigkeit alle zu meinem Heile nöthigen Gnaden " erlangen." Ave Maria. 9) † Den Hymnus: ,, Veni Sancte Spiritus" Uebersetzung.*) 10) Das ,, Stabat mater."( Seite 421.) II. Ablaß von 300 Tagen, so oft man betet: 1) Die Lauretanische Litanei.( S. 189.) 2) † 3 Vater unser und 3 Ave Maria für die Sterbenden, und zwar die drei Vater unser zu Ehren der Todesangst Jesu, und die drei Ave zu Ehren der Schmerzen Mariens während des Todesangst Jesu. „, Veni Creator Spiritus oder lateinisch oder in einer getreuen 3) † Um Jesus einen Erfag zu leisten für alle Unbilden, die ihm im Geheimnisse seines kostbaren Blutes, als dem Preise unsers Heiles und unserer Erlösung zugefügt werden: a) ,, Ewi" ger Vater! Ich opfere dir auf die Verdienste des kostbarsten Blutes Jesu, deines geliebten Sohnes und meines göttlichen " Erlösers, für die Ausbreitung und Erhöhung der heiligen ,, Kirche, unserer lieben Mutter, für die Erhaltung und Wohlfahrt des sichtbaren Oberhauptes derselben, des römischen Papstes, der Kardinäle, Bischöfe und Seelenhirten und aller 11 11 Diener des Heiligthums." Ehre sei 2c. Lobgebet:„ Jesus ſei ewig gelobt und gebenebeit, der durch sein heiliges Blut uns ,, erlöset hat!" " 1 *) In der Pfingstwoche, nämlich den Samstag vor bis Samstag nach Pfingsten, kann man sogar 300 Tage Ablaß jedes Mal gewinnen. Ablässe, die leicht zu gwinnen sind. b) ,, Ewiger Vater! Ich opfere.... für den Frieden der ,, katholischen Könige und Fürsten, zur Demüthigung der Feinde des heiligen Glaubens und für die Wohlfahrt des christlichen ,, Volkes." Ehre zc. Lobgebet, wie oben. 549 c) ,, Ewiger Vater! Ich opfere.... für die Erleuchtung der Ungläubigen, für die Ausrottung aller Ketzereien und die " Bekehrung der Sünder. Ehre 2c. Lobgebet. d)" Ewiger Vater! Ich opfere.... für alle meine An" verwandten, Freunde und Feinde, für die Bedürftigen, Kran,, ken und Betrübten und für alle Jene, für die ich, wie es dir ,, bewußt ist, zu beten schuldig bin, und für welche du willst, „ daß ich beten soll. Ehre 2c. Lobgebet. e)" Ewiger Vater! Ich opfere.... für Alle, die am heu" tigen Tage in das andere Leben hinübergehen werden, damit du sie von den Peinen der Hölle befreiest, und sie desto frei" gebiger zum Besitze deiner Herrlichkeit gelangen lasseft. Ehre sei 2c. Lobgebet. f)" Ewiger Vater! Ich opfere.... für Alle, die diesen Preis unsers Heiles zu schätzen und zu lieben wissen; für die, " welche sich mit mir vereinigen, dasselbe zu verehren und anzubeten, und die sich Mühe geben, diese Ehre überall auszu" breiten." Ehre 2c. Lobgebet. g)" Ewiger Vater! Ich opfere.... für alle meine geist" lichen und leiblichen Bedürfnisse, zur Hilfe der armen Seelen im Fegfeuer und besonders jener, die nach ihrer Frömmigkeit " mehr Werth legten auf den kostbaren Preis unserer Erlösung und auf die Schmerzen und Leiden unserer lieben, heiligsten " Mutter Maria." Ehre 2c. Lobgebet. " Es lebe das Blut Jesu Christi jetzt und allezeit und zu ewigen Zeiten." Amen. 111. Ablaß von 300 Tagen, ein Mal des Tages zu gewinnen, wenn man betet: 1) Das ,, Pange lingua" fammt Versikeln und Gebet.*) ( Siehe Seite 306.) 2) † 3u Ehren der schmerzhaften Mutter 7 Ave Maria und zu jedem die Worte:" Heil'ge Mutter! Jesu Wunden, wie ner sie am Kreuz empfunden: drücke mächtig mir in's Herz." 3) †" O Vater, o Sohn, o heiliger Geist! O heiligste " Dreieinigkeit! O Jesus, o Maria! 3hr gebenedeiten Engel *) So oft man die zwei Ausgangsstrophen: ,, Tantum ergo" und ,, Genitori" mit Versikeln und Gebet andächtig betet, kann man 100 Tage Ablaß gewinnen. 550 Ablässe, die leicht zu gewinnen sind. und alle Heiligen des Himmels! Erlanget mir diese Gnaden, wum die ich durch das kostbarste Blut Jesu Christi flehe: 1) den " Willen Gottes zu thun, 2) mit Gott stets vereint zu seyn, " 3) an Nichts, als an Gott zu denken, 4) Gott allein zu lie,, ben, 5) Alles wegen Gott thun, 6) nur Gottes Ehre zu su" chen, 7) nur wegen Gott nach Heiligkeit zu streben, 8) meine " Nichtigkeit recht zu erkennen, 9) Gottes Willen immer besser " zu erkennen, 10)....( eine beliebige Bitte oder frommes " Anliegen.) " O heiligste Jungfrau Maria! Ich bitte dich, du wollest " bem ewigen Vater das kostbarste Blut Jesu Christi zum Opfer " darbringen für das Heil meiner Seele; für die armen See" len im Fegfeuer, für die Anliegen der heiligen Kirche, für die Bekehrung der Sünder und für das Heil der ganzen Welt." - 3 Ehre sei 2c. zum kostbarsten Blute Jesu, 1 Ave Maria zu Ehren der schmerzhaften Mutter und ein" Gib ihnen die wewige Ruhen für die armen Seelen im Fegfeuer.*) IV. Ablaß von 100 Tagen, dreimal des Tages zu gewinnen, wenn man betet des Morgens, Mittags und Abends: 1) †" Der Engel des Herrn bei dem Glockenzeichen und knieend:**) 2) † Dreimal ,, Ehre sei Gott dem Vater," zum Danke für die Gnaden und Vorzüge, welche die drei göttlichen Personen ber seligsten Jungfrau verliehen haben. V. Ablaß von 100 Tagen, einmal des Tages zu gewinnen, wenn man täglich einmal betet: 1) † Das englische Lobgebet:" Heilig, heilig, heilig ist der Herr, Gott der Heerschaaren! Himmel und Erde sind sei" ner Herrlichkeit voll. Die Ehre sei dem Vater, die Ehre dem " Sohne, die Ehre dem heiligen Geiste!***) 2) † Das Gebetlein: Lob und Dank sei ohne Ende dem heiligsten und göttlichsten Sakramente!"****) - *) Wenn man es das ganze Monat täglich betet, fann man an den leßten brei Tagen des Monats einen vollkommenen Ablaß gewinnen, wenn man da die veiligen Sakramente empfängt, eine Kirche oder öffentliche Kapelle besucht, und da das Ablaßgebet verrichtet. **) Am Samstage Abends, den ganzen Sonntag und die ganze dfterliche Zeit ( vom Charsamstage Mittags bis Samstag nach Pfingsten Mittags) soll man es stehend beten zu Ehren der Auferstehung Jefu. Wer es kann, der soll statt ,, der Engel des Herrn" beten ,, Regina coeli" lateinisch oder deutsch.***) Wenn man es am Sonntage und alle Tage der Octave der heiligen Dreiei nigkeit täglich dreimal betet, kann man täglich 300 Tage Ablaß gewinnen. ****) Wenn man es am Donnerstage und in der Frohnleichnams- Octave täglich Ablässe, die leicht zu gewinnen sind. 551 3) Vor dem Hochwürdigsten, es mag ausgesetzt oder im Tabernakel verschlossen sehn und knieend:" Schau herab, o " Herr! von deinem Heiligthume und von dem erhabenen Wohnnorte des Himmels, und sich an diese heilige Hostie, die dir " unser großer Hoherpriester, dein heiliger Sohn, der Herr Je" sus Christus, für die Sünden seiner Brüder zum Opfer bringt; " und laß dich besänftigen über die Menge unserer Bosheiten. " Sieh, die Stimme des Blutes unsers Bruders Jefus ruft zu „ dir vom Kreuze. Erhöre, o Herr! und laß dich versöhnen; " Herr, merke auf, und thu' es: um deiner Selbst willen zögere " nicht, mein Gott! denn diese Stadt und dein Volk wird nach " beinem Namen genannt; und handle mit uns nach deiner " Barmherzigkeit. Amen."*) 4) Wenigst einmal des Tages zu beten für die Länder in Asien, in denen das Christenthum verfolgt wird:" Heiligstes " Herz Jesu, erbarme dich unser! Heiligstes Herz Mariens, " bitt für uns! Heiliger Joseph, Bräutigam der seligsten Jung" frau Maria, bitt für uns!" 5) † Um jene Unbilden in Etwas gut zu machen, die zum Nachtheile Mariens und der Heiligen verübt werden Morgens " Salve Reginan und Abends Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir und beide Male dazu: V. Mache mich würdig, no heilige Jungfrau! dich zu loben. R. Gib mir Kraft gegen " deine Feinde. V. Gepriesen sei Gott in seinen Heiligen. R. " Amen."** 6) Wer Abends, wenn nach dem englischen Gruße mit der zweiten Glocke geläutet wird, knieend für die im Herrn Gestorbenen den Psalm 129: Aus der Tiefe( De profundis)" oder ein Vater unser und Ave Maria, und dazu:" Herr gib ihnen " die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen"- betet, kann eines Ablasses von 100 Tagen für die Abgestorbenen theilhaftig werden. VI. Ablaß von einem Jahre kann gewinnen, wer 1) zum Ersatze für die schweren Beleidigungen, die Gott 3 mal betet, gewinnt man 300 Tage Ablaß; 100 Tage auch, wenn man es betet in der Kirche bei Anhörung der heiligen Messe, während der Wandlung und Erhebung der beiden heiligen Gestalten. *) Wer es alle Tage eines Monats betet, gewinnt alle Tage 7 Jahre und 7 Quadragenen und am ersten Donnerstage des Monats einen vollkommenen Ablaß nach dem Empfange der heiligen Sakramente und dem Ablaßgebete. **) Un jedem Sonntage kann man 7 Jahre und 7 Quadragenen, und wenn es alle Tage des Monats geschieht, alle Monate sogar an 2 Sonntagen vollkommenen Ablaß gewinnen, wenn man an denselben die heiligen Sakramente empfängt und das gewöhnliche Ablaßgebet betet. Ablässe, die leicht zu gewinnen sind. durch Fluch und Lästerungen( gar schreckliche Sünden!) zugefügt werden, betet: Gott sei gebenebeit! Gebenedeit sei sein ,, heiliger Name! Gebenedeit sei Jesus Christus, wahrer Gett " und wahrer Mensch! Gebenedeit sei der Name Jesus! Gebenedeit sei Jesus im allerheiligsten Altarssakrament! Gebene,, deit sei die erhabene Mutter Gottes, die heiligste Maria! Ge" benedeit sei der Name der Jungfrau und Mutter Maria! Gebenedeit sei Gott in seinen Engeln und Heiligen." Wer bei gegebenem Glockenzeichen zitr Wandlung während des Hochaintes oder der Pfarr- oder Kloster- Conventmesse auf die Kniee fällt, und ein Gebet zu Jesus im heiligen Sakrament verrichtet; wer aber auf dieses Zeichen schnell in die Kirche gehet und Jesum bei der Wandlung anbetet, kann einen Ablaß von 2 Jahren gewinnen. VII. Ablaß von 7 Jahren und 7 Quadragenen ( 1 Quadragene sind 40 Tage) kann gewinnen: 1) wer und so oft er im Tage die drei göttlichen Tugenden, des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe erweckt; # 1 11 2) wer an einem Sonn- oder Festtage der Auslegung des Evangeliums( nach dem Kirchenrathe von Trient Sit. 25. de ref. K. 2.) in der Pfarrkirche beiwohnt, so wie ihn der Priester gewinnt, der sie hält; 3) wer das heil Sakrament mit einer brennenden Wachsterze zu einem Kranken begleitet: der es ohne Wachskerze begleitet, kann 5 Jahre und 5 Quadragenen gewinnen- und wer es nicht begleiten kann, gewinnt 100 Tage Ablaß, wenn er 1 Vater unser und Ave Maria betet; 4) wer zur besondern Verehrung Jesu, Mariens und Josephs 3 Arme speiset und dabei seine Sünden reumüthig erwägt. Wenn er an diesem Tage die heiligen Sakramente als wahrer Büßer empfängt and das Ablaßgebet betet, kann er einen vollkommenen Ablaß erlangen. Auch die Familienglieder und Dienst boten, die zu diesem guten Werke mitwirken, gewinnen 100 Tage Ablaß. VIII. Einen vollkommenen Ablaß kann gewinnen: 1) An einem beliebigen Tage des Monats, wer das ganze Monat täglich eine halbe oder wenigstens eine Viertelstunde dem innerlichen Gebete( ber Betrachtung) obliegt, wenn er an diesem Tage die heiligen Sakramente als wahrer Büßer empfängt und das Ablaßgebet betet; 2) an jedem Tage, wenn er nach dem Empfange der heiligen Sakramente, nebst dem Ablaßgebete, das Gebet vor dem Bilde des Gekreuzigten"( Seite 361) verrichtet. 17 Geistliche Lieder. Segenslied. Wunderbares Sakrament! Jesus, uns're Seelenspeise, Sei gepriesen ohne End! Stärkung auf der Lebensreise. ( Herr, mein Gott! Dich bet' ich an. Wie mein Herz nur fühlen kann.) Doch als Sieger Du hier throneft ( D, verlaß uns nicht im Streit, Nicht in der Versuchung Zeit!) Unser Gott im Sakrament: Nach Dir dürftet uns're Seele, Die im Glauven Dia errenn., Ob auch die Gestalt Dich hehle. Herr, ich glaub' und hoff auf Dich( Mehr' den Glauben uns an Dich, Gib uns Liebe ewiglich!) Jesus, gib uns Deinen Segen! Deine Kinder bitten Dich Du bist wahrhaft hier zugegen. ( Jesus! Gött! wir lieben Dich! Segne uns, ach segne mich!) Jesu! unser Lebensbrod, Labung aller Lebensmüden, Liebevoller, großer Gott, Du nur gibst der Seele Frieden. ( Gib, daß wir von Sünden rein, Und Dir treu in Liebe sei'n.) Brod, das allen Hunger stillt, Für das Heil der Welt gegeben, Quell, woraus uns Gnade quillt, Preis sei Dir, o Licht und Leben! ( Es sei Dein erbarmend Herz, Unser Trost in Angst und Schmerz.) Jesu, uns're Seligkeit, Höchste Liebe aller Zeiten! Sei gelobt, gebenedeit! Dir woll'n wir das Herz bereiten; ( Kehre ein in unser Herz, Wonne wird dann jede: Schmerz.) Niemals soll die Zunge ruh'n, Dich uur, Jesu, soll ich loben. Wie die Engelchöre thun, 553 In dem Himmelssaal dort oben. ( Spend' der Engel Reinigkeit Uns, da wir die Sünd' bereut.) Guter Hirt, Du gabst Dich hin, Für uns gabst Dich in den Tod, Dieß entkomm' nie unserm Sinn', So erinnert uns dieß Brod. ( Guter Hirt auf dieser Weid! Finden wir nur Seligkeit.) Sei uns, Jesu, hochgelobt, Der Du unter uns hier we hneft, Wenn die Hölle noch so tobt, Hochgelobtes Himmelsbrod! Gib uns immer Deinen Segen, Und besonders einst im Tod' Gil' barmherzig uns entgegen. ( Durch dieß Erdenleben hier Führ' uns, Jefu, bald zu Dir!) Milder Seelenbräutigam, Hymnen sollen Dir erschallen. Hochgelobtes Gotteslamm, Das Du nimmst die Schuld von Allen, ( Nimm hinweg auch unsre Schuld, Trost dazu gibt Deine Huld.) Allerhöchstes Seelengut, Reichste Quelle jeder Ginade! Mehre uns'rer Liebe Glut, Daß wir auf dem Tugendpfade ( Ernstlich meiden jede Sünd', Stets Dir treu im Leben sind.) Preist Mariä heil'gen Sohn, Der voll Liebe hier zugegen. Den Altar wählt Er zum Thron, Spendet uns hier Heil und Segen ( Mit Maria betet an, Wie Maria lebet dann.) Sei mit uns auch immerdar Du höchster Freudenspender! Segne Deine Christenschaar, Segne uns und alle Brüder! ( Dank, Anbetung, Preis sei Dir, Nimm dieß an von Allen hier!) Lied zur heiligen Kommunion. O heiliger Morgen Vom Himmel entfacht, Bo bräutlich in Sorger Die Seele erwacht. 554 Daß rein sie erscheine, Und blumig geschmückt, Wenn Jesus, der Reine, Als Braut sie beglückt. Gs fliegt zu gefunden Der Hirsch nicht so schnell, Mit feu'rigen Wunden Geistliche Lieder. Zum fühlenden Quell, Als flammend getrieben, Von Gluthen durchpfeilt, Die Seele, zu lieben Den Bräutigam, eilt. O himmlische Feier, Hoffnung der Braut! Wenn unter dem Schleier; Verhüllt sie Ihn schaut! In heiliger Wehmuth, Erseufzet Sie dort, Und staunend in Demuth Entflieht Ihr das Wort. O göttliches Feuer! O Urquell des Lichts! Was such'st Du Getreuer Im Abgrund des Nichts? Ach Elend und Mängel Nur findest Du hier; OKönig der Engel! Was zieh't Dich zu mir? Glückselige Stunde, Wenn Jesus erscheint, Und lieblich im Bunde Mit Ihr sich vereint! Wie duftet Er föstlich Vom himmlischen Saal! Wie fos't Er so tröstlich Beim göttlichen Mahl! O wonnige Thränen, Spricht Jesus zu İhr: ,, Ich bin es; Dein Sehnen, Es zog mich zu Dir!". O süße Belohnung Für jeglichen Schmerz! Als göttliche Wohnung Neu glänzet ihr Herz. Da weicht das Gewimmel Gedanke und Bild; Wenn Friede vom Himmel, Durchstrahlet fie mild: Die jubelnden Schalles Tief innerlich spricht: ,, D Jesu mein Alles: O süßestes Licht!" Unendliches Leben, O himmlische Glut, Was soll ich Dir geben, Mein einziges Gut? O göttliches Feuer, Verzehre mich hier, Und nimm, o Getreuer! Mich ewig zu Dir! Lied zum Ave Maria- Geläute Ave, o Königin, Gottesgebärerin, Glänzender Stern! Siehe, der Engel bringt Botschaft, die lieblich klingt, Botschaft vem Herrn! Und in der Demuth Sinn Gibst Du, c Königin, Ihm zu versteh'n: Ich bin des Herren Magd; Wie du mir angesagt, Soll mir gescheh'n! Heil Dirl in Deinem Schooß Engt das Wort, hehr und groß, Kindlich sich ein; Nimmt uns're Menschheit an, Wird mit Fleisch angethan, Gleich uns zu seyn! Unsere liebe Frau! Spende des Trostes Thau Seelen in Pein! Gib auch mir Kraft und Nuh; Wolle, o Jungfrau! du, Mutter mir seyn! Ave Maria. Himmelskönigin! Dir singt mein Herz und Sinn: Gegrüßt seist Du, Maria! Hoch ward die Welt erfreut Und durch den Gruß erneut: Gegrüßt seist Du, Maria In der Versuchung Drang, Bringt Hilfe der Gesang: Gegrüßt seist Du, Maria! Denn uns're Feffel brach, Sobald der Engel sprach: Gegrüßt seist Du, Maria Geistliche Lieder. D'rum grüßt zu jeder Zeit Dich fromm die Christenheit: Gegrüßt seist Du, Maria! Der Chor der Engel singt, Der liebend Dich umringt: Gegrüßt seist Du, Maria! Denn Ihn, der Dich erhob, Verehrt das süße Wort: Gegrüßt feist Du, Maria! Dem wird der Tod versüßt, Der oftmals Dich begrüßt: Gegrüßt seist Du, Maria! Gib dich als Mutter fund! Sprech' dann mein blaßer Mund: Gegrüßt seist Du, Maria! Bis froh in Gottes Licht Mein Geist im Jubel spricht: Gegrüßt seist Du, Maria! Ave Maris stella( v. hl. Bernard.) O Stern auf diesem Lebensmeer, Du Gottesmutter groß und hehr, Maria, sei gegrüßet: Dir, holde Jungfrau flehen wir, Dir, deren Hand die Himmelsthür' Uns mitleidsvoll aufschließet. Durch Gabriels erhabnen Mund Ward dir der Nathschluß Gottes kund, Der diese Welt beglücket: Sich! Eva's Namen änderst du: Erwirb uns, Mutter! Gottesruh', Die unser Herz entzücket. O reich' uns deine Mutterhand, Und lös' der Sünde enges Band, Gib Geifteslicht den Blinden! Verbanne jedes Mißgeschick, Und laß uns wahres Christenglück Bei deinem Sohne finden. Laß dich als Mutter seh'n, Durch dich dring' unser heißes Fleh'n Hin bis zu Gottes Throne, Hin zu dem Mittler Jesus Christ, Der für uns Mensch geworden ist, Zu deinem lieben Sohne. O Jungfrau! die du so tugendreich, Wer ist dir wohl an Milde gleich! Wer aus den Menschen allen? Gib Keuschheit uns und Menschenhuld, Daß wir, frei von der Sündenschuld, Rein durch dieß Leben wallen. 555 Mach' unser Leben tugendvoll Gib, daß wir uns zum Tode wohl Und christlich gut einweihen: Daß wir einst Jesum Christum seh'n Und selig in sein Reich eingeh'n, Uns seiner stets zu freuen. Salve Regina. Sei Mutter der Barmherzigkeit! Sei Königin! gegrüßet! Des Lebens Freud' und Süßigkeit, Durch die uns Trost zufließet. Zu dir, o Mutter rufen wir; Mit Thränen seufzen wir zu dir. wend' dein mildes Angesicht Auf uns vom Himmelsthrone, Versag' uns deine Fürbitt nicht Bei Jesus, deinem Sohne! Nach unserm Tode zeig' uns Ihn; Bei ihm sei uns're Mittlerin. In aller Trübfal, Angst und Noth, Komm uns zu Hilf im Leiden! Hilf, tröste uns, und bitt bei Gott, Wenn wir von hinnen scheiden. Erwirb uns Sieg im legten Streit, Mutter der Barmherzigkeit. Der Name ,, Maria." Festlich preisen alle Zungen Dich, Maria! Heil der Welt! Stern, den Jakob früh besungen; O Mutter, der das Licht entquellt. Deines Namens Züge brannten Feurig in der Sternenkluft; Und die alten Seher kannten, Was noch spät die Zukunft ruft. Deines Schußes süße Feier Weiht zur Feier das Gemüth: Wie der Nächte dunkler Schleier Vor der Morgensonne flieht. Sünder und Gerechte rufen Dich, o Himmelsfürstin! an: Denn zu deines Thrones Stufen Darf getroft ein jeder nah'n. Süßer Quell im Paradiese, Der mit Friedensthau begabt; Wunderbar ist deine Süße, Die mit Trost die Kleinen labt! Dein geliebter Muttername, Der wie Balsam sich ergießt, Heilt das Herz vom tiefsten Grame, Und sein Schmerz wird mild versüßt 556 Geistliche Lieder. O laß doch uns Gnade finden, Zeige deines Namens Sinn; Laß uns seine Kraft empfinden, Milde Himmelskönigin! Sieh, ein Wort aus deinem Munde Sühnt uns Jesum, deinen Sohn; Und es strahlet uns zur Stunde Huld herab von Gottes Chron. Maria, unsere Hoffnung. Maria, mein Verlangen, O süße Hoffnung du! In dir ist aufgegangen Mir Leben, Friede, Ruh! Und ruf' ich dich hienieden O Mutter liebend an, So hebet Wonn' und Frieden Mein Herz zu dir hinan! Und kehrt ein trübes Sinnen In meiner Seele ein; So weicht es schnell von hinnen Vor deinem Strahlenschein. Auf diesem Erdenmeere Bist du der helle Stern, Der meiner Seele Fähre Beschüßzet in dem Herrn. In deinem Schuß zu leben, 3u gehen einst zur Ruh', Es ist mein sehnlich Streben, Geliebte Herrin du! Vermag ich einst zu sterben Von Lieb' erfüllt zu dir; So kann ich nicht verderben, Der Himmel winket mir. So nimm mein Herz gefangen, Umstrick es ganz und gar; Es ist seiu treu Verlangen, Es bringt sich selber dar. Es ist nur deine Habe; Ich will nichts mehr davon; Bring diese Opfergabe Vor Gottes hehren Thron. Maria, die Trösterin der Betrübten. Sei stille, stille Mein armes Herz; S'ist Gottes Wille. Trag deinen Schmerz; Er zählt die stillen Thränen, Er hört dein banges Fleh'n; r stillt dein heißes Sehnen, Läßt dich nicht untergeh'n. Du haft vertraut Der Mutter sein, Auf fie gebaut Die Hoffnung dein: Drum steht sie dort am Throne Des Gottes Sohn's, und spricht Und all dein Leid zur Krone Der Seligkeit fte flicht. O wanke nimmer, Verzage nie; Vertraue immer Und ganz auf fie; Sie bricht die harten Ketten, In die dein Schmerz dich zwängt Und wird dich siegreich retten, Daß dich kein teid mehr drängt. Maria, die Hilfe der Christen. Fromme Lieder grüßen Dich, Mutter voll der Gnaden! Loben, preifen feierlich Deine großen Thaten; Du bist mächtig bei dem Sohne, Bitte, daß er unser schone, Bitt' für uns, Maria! Schwer drückt uns're Sündenschuld In den Staub uns nieder; D'rum zu Dir, voll Trost und Huld, Rufen unsre Lieder; Du fannst helfen; bitt' und flehe, Daß Gott gnädig auf uns sehe, Bitt für uns, Maria! Schirm' uns gegen unsern Feind, Sieh unsre Gefahren; Unfre Seele schmerzlich weint, Daß so schwach wir waren; Sieh: wie Alle, die gefallen, Reuig jegt um Gnade lallen, Bitt' für uns, Maria! Alle Herzen sind bereit, Buße streng zu üben, Und ihr Bund ist Dir geweiht. Treuer Gott zu lieben: O Maria! sieh den Willen, Hilf, daß wir ihn ganz erfüllen, Bitt' für uns, Maria! Lied zu Maria. Sieh mich hier zu deinen Füßen, Jungfrau, Mutter, Königin! Geistliche Lieder. Laß dich auch von mir begrüßen, Ob ich gleich ein Sünder bin. Du die Zuflucht aller Sünder, Bist die Zuflucht auch für mich- Alle Armen Evens- Kinder Weiset ja die Kirch an dich, Und er selbst, der Todbezwinger, Der noch von dem Kreuz herab Dich dem vielgeliebten Jünger Und auch mir zur Mutter gab. D Maria: Heil der Kranken, Tröste du mein frankes Herz, Worte, Werke und Gedanken Lent' fie alle himmelwärts. Königin, zu deinem Throne Seufz' ich reuevoll empor, Stell dem Richter, deinem Sohne, Mich einst als dein Pflegkind vor. Huldigung von Millionen Sei Maria dir geweiht, Von den Christen aller Zonen Sei gegrüßt, gebenedeit! Bittgefang zu Maria. Blick vom Himmelsthron, dem reinen O Maria! nur einmal, Süße Mutter! auf die Deinen; Nur ein einzig, einzig Mal! Reget dann sich von Erbarmen Nicht dein Herz bei diesem Blick: O dann wende von uns Armen Immerhin den Blick zurück! Sieh, wie Undank uns entweihte; Wie mit Gottes Herz die Schuld, Mit dem Milden uns entzweite; Wir verwirkten seine Huld! Willst du, daß er mild erscheine, O so sprich ein einzig Wort; Du Maria! kannst alleine, Deffnen uns des Heiles Port! Daß er sich mit uns versöhne, Süße, theure Mutter! sprich, Sprich, wir seien seine Söhne! Sieh, und schnell erbarmt er sich. Sind wir, ob der Schuld, auch nimmer Deine Söhne werth zu seyn; Wird dein Mutterherz doch immer Voll von milder Liebe seyn. Breite, süße Mutter! deinen Mantel aus: uns zu umfahn, Laß uns furchtlos dort vereinen, Sieh uns Kinder liebreich an! Theure, süße Mutter, höre, Ruft zu dir die Andacht laut: Rette, wer dich liebt: erhöre, Wer sich findlich dir vertraut! Die Maikönigin. Maria Maien- Königin: Dich will der Mai begrüßen; O segne seinen Anbeginn Und uns zu Deinen Füßen. Maria! Dir befehlen wir Was grünt und blüht auf Erden O laß es eine Himmelszier In Gottes Garten werden. Behüte uns mit treuem Fleiß, Königin der Jungfrauen! Die Herzens Blüthen lilienweiß Auf grünen Maies- Auen. O laß die Blumen um und um In allen Herzen sprossen, Und mache fie zum Heiligthum, D'rin fich der Mai geschlossen. Die Seelen falt und glaubensarm, Die mit Verzweiflung ringen, Die stummen mache liebeswarm, Damit sie freudig fingen, Damit sie gleich der Nachtigall Im Liede sich erschwingen, Und mit der Freude hellstem Schali Dir Maien Lieder singen. YUK VI VIR VIII IX O Maria! du jungfräuliche Gottesmutter, du Königin aller Engel und Heiligen! komm deinen Dienern und Dienerinnen zu Hilfe, die durch das kostbarste Blut deines Sohnes erlöst worden, daß wir einstens mit allen Heiligen der ewigen Glorie beigesellt werden. Anhang. Monat Mariä*) zur Erweckung und Erneuerung eines christlichen Sinnes. Einleitung. So wie die Verehrer Mariens zu ihrer Berehrung drei Zeiten haben, nämlich Morgens, Mittags und Abends, und in der Woche einen Tag, den Samstag, so scheint es ihnen auch ganz billig, vom ganzen Jahre, einen Monat„ Mariä" zu weihen. Da man nun gewöhnlich bei Geschenken immer das Beste und Schönste darzubringen pflegt, so pflegen sie gewöhnlich unter den zwölf Monaten den auszuwählen, welcher der schönste im ganzen Jahre ist, nämlich der Maimonat, und der uns auch zugleich durch seine Blüthenpracht einladet, die große Himmels königin mit den schönsten Tugendakten zu schmücken. Vor oder nach der Andacht könnte ein jeder für das ganze Monat einen von den unten aufgezeichneten zwölf Tugendakten als ein geistliches Blümchen für Maria durch das Loos ziehen. Man kann ebenso ein anderes von den einunddreißig kleinen Blümchen für den nächsten Tag ziehen, welche unten nach obigen zwölf Tugendaften für jeden einzelnen Tag der Maiandacht vorkommen. Außer diesem verrichte auch jede Woche, oder wenigstens im Monat ein- oder zweimal die heilige Beicht und kommunizire mit besonderer Andacht! - 559 - - Wann du ausgehest, kehre ja keinen Tag in deine Wohnung zurück, ohne eine Kirche oder den Altar, der Maria geweiht ist, besucht zu haben. Den ganzen Monat verhalte dich so, daß man erkenne, du gehörest Jesu und Maria an, und verrichte so alle deine Handlungen, daß sie den reinsten Augen der seligsten Jungfrau nicht mißfallen können. Am Ende des Monates biete ihr dein Herz an;- die Art und Weise hiezu findest du Seite 512 dieses Buches. Diese Maiandacht kann auch sonst an jedem Monate des Jahres verrichtet werden. - *) Papst Pius VII. verleiht allen Gläubigen, welche den Monat Mai durch eine öffentliche oder sonderheitliche Andacht der seligsten Jungfrau widmen für einen jeden solchen Tag 300 Tage Ablaß und an einem nach Belieben zu wählenden Tage dieses Monats nach Empfang der heiligen Sakramente und den üblichen Gebeten für die Erhöhung der Kirche c. einen vollkommenen Ablaß, der auch den armen Seelen geschenkt werden kann. Monat Mariä zur Erweckung Zwölf Tugend- Akte für den ganzen Marien- Monat, zur Uebung durch das Loos in einer Familie oder unter zwölf Verehrer Mariä zu vertheilen. 560 1. Stehe in diesem Monat etwas früher auf, verrichte dein Morgengebet, und erwähle mit einem besondern kurzen Gebet Maria zu deiner Fürbitterin und zu deinem Muster im täglichen Wandel. 2. Wohne der heil. Messe täglich mit Andacht bei, bete die marianischen Tagzeiten oder andere marianische Gebete. 3. Lies täglich in einem Erbauungsbuche, z. B. das Leben Jesu und Mariä, eines Heiligen, oder in irgend einem geistlichen Buche; enthalte dich dabei gänzlich aller unheiligen Schriften, die deinem Berufe nachtheilig seyn können. 4. Versage dir jeden Tag, Mariä zu Ehren, irgend ein erlaubtes Vergnügen, z. B. im Essen, Sehen, Hören, Reden 2c. 5. Sei barmherzig gegen die Armen, mit Erinnerung, wie barmherzig Maria bei der Hochzeit zu Kana war, indem du ihnen willig und freudig Almosen spendest, etwa dein Abendbrod mittheilest. 6. Jeden Tag, ehe du dich an dein Berufsgeschäft, zur Arbeit begibst, erflehe dir durch ein Ave Maria den Beistand der heiligen Jungfrau, mit Erinnerung, zu arbeiten wie Maria in Nazareth. 7. Wann du dein Zimmer verläsfest, oder wieder in selbes zurückkehrest, grüße Maria durch ein Ave mit Erinnerung, wie fie von Jerusalem nach Nazareth zurückkehrte. 8. Sei pünktlich im Gehorsam gegen deine Weltern und Vorgesetzte, wie Maria, indem du ohne Zögern mit heiterer Miene das Anbefohlene vollbringest, wenn es nicht gegen Gottes Gebot ist. 9. Hüte dich, mit Erinnerung an das Stillschweigen Mariä, Unnützes noch weniger Böses von Anderen zu reden, oder überhaupt Jemand zu tadeln, auch in Dingen von geringer Bedeutung, um dich für wichtigere Fälle daran zu gewöhnen. - 10. Suche jeden Tag durch Wort oder Beispiel Jemand, der im Guten lau ist, dazu zu ermuntern, z. B. eine Kirche zu besuchen, eine Predigt zu hören, die heiligen Sakramente zu empfangen, bestimmte Gebete zu verrichten, um Maria zu verehren.- 11. Uebe täglich eine kleine Abtödtung im Essen und Trinken, ruch Mariä zu Ehren, indem du dir dieses oder jenes versagest, wonach du besonders Verlangen fühlest. 12. Hüte dich, mit Erinnerung an Mariä Reinigkeit, in diesem Monat mit freiem Willen oder Bewußtseyn eine läßliche Sünde zu begehen oder darin zu verharren;- sei auch besonders aufmerksam auf jene, welche du am öftesten zu begehen pflegest. und Erneuerung eines christl. Sinnes. Andere Tugendakte zur Wahl für jeden Tag im Monat. 1: Freue dich mit Andacht des Namens Mariä, wenn du selben in einem Buche oder sonstwo erblickest.- 2. Wohne außergewöhnlich einer heil. Meffe bei für jene Seele im Fegfeuer, welche Maria im Leben am eifrigsten verehrte. 3. Beim Stundenschlag bete ein Ave Maria. 4. Vor dem Ankleiden und Ausziehen wende dich im Geiste zu einer Kirche oder Altar, wo auch Maria besonders verehrt wird, um dich ihrer Demuth und unbefleckten Reinigkeit zu erinnern. 5. Suche auch aus Liebe zu Maria, Jemanden eine Wohlthat zu erweisen, gegen den du sonst Abneigung fühlest, oder der dich vielleicht beleidigt hat... 6. Halte deine Sinne sorgfältig im Zaume, besonders die Augen, als sähest du Maria vor dir. 7. Bete eines der fünf Gesetzlein, oder den ganzen Rosenkranz in deiner sonstigen Erholungszeit. 8. Bete für jene Seele im Fegfeuer, welche Marien am meisten ergeben war, den 129sten Bußpfalm. - 9. Höre die heil. Messe zu Ehre Mariä mit Erinnerung, wie ste unter dem Kreuze stand. - - 561 - 10. Um Maria zu gefallen, hüte dich, in deinen Berufsgeschäften oa 3. B. im Reden anzustoffen, wo du schon am öftesten gegen die Vorschrift des Hauses gefehlt haſt. 11. Vermeide sorgfältig, deiner Umgebung die geringste Ungelegen heit zu verursachen, und wenn sie dich belästigen, so ertrage es geduldig, mit Erinnerung an das, was Maria in Bethlehem erfuhr. 12. Prüfe dich, ob du pünktlich bist in deinen Tagsgeschäften, im Gebet und anderen vorgeschriebenen Beobachtungen, mit Erinnerung an das, was Maria im Hause zu Nazareth gethan. 13. Opfere am Morgen alle deine Handlungen auch der seligsten Jungfrau auf, und erneuere dieses öfters im Tage. 14. Betrachte wenigstens 4 Stunde lang eine in der Predigt gehörte Wahrheit, so wie Maria Gottes Wort in ihrem Herzen erwogen hat. - - 15. Berrichte während der heil. Messe die geistliche Kommunion, welche in 5 Akten besteht: 1) des Glaubens, 2) der Anbetung, 3) der Neue und des Vorsatzes, 4) des Verlangens nach Jesum, 5) des Treubleibens, mit Erinnerung, wie Mario kommunizirte. - 16. Wenn Eitelkeit in deiner Kleidung herrscht, beraube dich zur Ehre Mariä des Eitlen, und enn du einen Armbekleideten tennest, gib einen Werth davon demselben.- 562 Monat Mariä zur Erwedung 17. Du sollst Untertags zwei Ueberwindungen Mariä darbringen, und dich erinnern, wie sie Jesu mit dem Kreuze begegnete. 18. Beeile dich Morgens früher und schneller aufzustehen, und bemühe dich auch besonders über die Trägheit zu machen. 19. Beraube dich, allein oder bei anderen, eines obwohl erlaubten Vergnügens, mit Erinnerung an die frühe Opferung Mariä. 20. Mache eine geistliche Lesung etwa 1 Stunde lang, mit Erinnerung an den Eifer Mariä, mit welchem sie die heil. Schrift las. --21. Unterlasse vor dem Schlafengehen die Erforschung nicht und prüfe auch deine Verehrung Mariä. 22. Enthalte dich unter der Zeit ohne Nothwendigkeit des Essens und Trinkens, mit Erinnerung an die Armuth Mariä.— 23. Tödte breimal deinen eigenen Willen ab in freiwilligen Dingen, und bringe diese drei Alte Mariä als Opfer dar, mit Erinnerung an ihre Worte: Sieh, ich bin eine Magd des Herrn 2c. 24. Erspare für einen Armen einen Theil deines Mittag- oder Abendessens, oder habe wenigstens Verlangen, es ihnen geben zu fönnen, als würdest du es Jesu Maria und Joseph auf der Reise nach Aegypten geben.- 25. Besuche die Gefangenen oder Kranken, oder suche auf andere Weise den Betrübten Trost zu bringen, mit Erinnerung an Jesus und Maria, als sie dem sterbenden Joseph beigestanden. 26. Empfiehl dringend der Fürbitte Mariens die Sünder, die in Todsünden leben, und erwecke öfters Reue über deine Sünden. 27. Uebe, um Marien zu gefallen, einen äußerlichen Akt der Verdemüthigung, oder nimm doch wenigstens willig jede Verdemüthigung an. 28. Verrichte, mit Zustimmung deines Beichtwaters, eine körperliche Büßübung, auch um der schmerzhaften Mutter Maria ein Opfer der Liebe und Dankbarkeit zu bringen. 29. Besinne dich, wie du die Trägheit und Zerstreuung in der Kirche und im Gebete entfernen und überwinden willst, besonders auch in deiner marianischen Andacht und Verehrung. 30. Sage sieben Gloria Patri mit ausgespannten Armen, wenn du allein bist, zu Ehren der sieben Schmerzen Mariä. 31. Bitte auch Marien um Verzeihung wegen häufiger Nachläßigkeit in diesem Monat. Damit dir aber diese Andacht in der Stunde des Todes zu größerem Trofte gereiche, fannst du sie auf ein Papier niederzeichnen: Blumenkranz von mir armen Sünder N. gewunden, um selben in der Stunde des Todes der heiligsten Jungfrau darzubringen. Begonnen im Jahre... am ersten Tag im Maimonat. Tag u. f. w." Erster - - und Erneuerung eines christl. Sinnes. Lied zur Mutter Gottes im Maimonat. Die Nachtigallen singen:* Der Mai ist froh erwacht,* D'rum wollen wir Dir bringen,* Was uns der Mai gebracht,* Und hier zu deinen Füßen* Mit Blumen Dich begrüßen,* Maria, o Maria! O Jungfrau Dein Erbarmen* Verschmäht die Blumen nicht, * Die Dir die Hand der Armen,* Zum Kranze liebend flicht;* Du hörst den Ruf der Schmerzen,* D'rum rufen wir von Herzen:* Maria, o Maria! Wir bringen Dir die Blüthen* Für unser Herz als Pfand, * Owolle uns behüten* Mit treuer Mutterhand,* Daß wir in Deinem Schooße* Erblühen gleich der Rose.* Maria, o Maria! 563 ODu, in Gottes Garten,* Als Gärtnerin bestellt,* Beschirm uns vor den harten* Gefahren dieser Welt,* Daß uns der Feint nicht schade* Im Schatten Deiner Gnade,* Maria, o Maria! Maria, Gnadenbronne,* Bethaue unser Herz,* Du klare Himmelssonne, Verkläre Lust und Schmerz,* Und laß uns, wenn wir sterben,* Den Himmelsgarten erben,* Maria, o Maria! Und wenn auf Deinen Auen* Der Himmels- Mai dann blüht,* O Jungfrau der Jungfrauen,* Sei gnadenvoll bemüht, * Daß wir mit Maien Zweigen* Dann singen in dem Reigen: Maria, o Maria! - Wie sehr bedarst du der Hilfe Mariens, um deine Seele zu retten! Bist du unschuldig? Aber deine Unschuld ist fortwährend in großer Gefahr.- Wie viele waren weit unschuldiger als du, fielen aber in Sünde und sind nun verdammt! Bist du ein Büßer?- Aber dein Ausharren ist sehr ungewiß. Erinnere dich an jene Gewohnheiten, Gelegenheiten, an jene früheren Verbindungen! Nicht wahr, du verstehst mich schon. Bist du ein Sünder? O wie viel nüßt dir da Maria zu deiner Bekehrung!- Schon öfters hast du angefangen, und es ist dir noch nicht gelungen. Ach! zu Maria, der Zuflucht der Sünder, hast du dich bis jetzt zu wenig gewendet! Jedoch durch die Andacht dieses Monats kannst du ihren Schuß und dein Heil sicher erlangen.- D, wäre es möglich, daß eine so zärtliche, liebreiche Mutter ein solches Pflegekind unerhört ließe? Für ein findliches, reumüthiges Vertrauen zu ihr, in Folge einer kleinen Andacht, die sie gepflogen, haben schon die größten Sünder die ausgezeichnetsten Gnaden erlangt.— Denke - 36 - Erster Tag. Betrachtung über die Beweggründe, den Monat Mai gut zu begehen. - 564 Monat Mariä zur Erweckung nur, was wird wohl Maria für dich thun, wenn du einen ganzen Monat sie also findlich verehrest? Wehe dir aber, wenn du es versäumest, durch diese himmlische Gnadenmutter bei Jesus Gnade zu suchen!- wehe dir, wenn du beginnest und nach kurzer Zeit es wieder aufgibst!- Wer weiß, ob dieses nicht die leßte Gelegenheit ist, die Gott dir zu deiner Bekehrung bietet? Wer weiß, ob bein endliches Beharren nicht auch an diese Andacht geknüpft ist? Und endlich wer weiß, ob nicht dieser der letzte Monat deines Lebens ist?- Du kannst mit so geringer Mühe so große Hilfe und Gnade erlangen, und es nicht thun, o welch' ein Schmerz, welche Reue in der Stunde des Todes! Ueberlege dieses wohl, und entschließe dich. - -e - — - Beispiel. Die heilige Maria von Alexandria aus Aegypten hatte vor ihrer Bekehrnng 17 Jahre ein lasterhaftes Leben geführt. In unedler Absicht reisete sie mit frommen Pilgern nach Jerusalem zum heiligen Krenz Christi. Als sie mit Andern in die Kirche eingehen wollte, fühlte sie sich bis zum 4 ten Male durch eine unsichtbare Kraft zurückgestossen, fo daß sie nicht hineingehen konnte. Sie erkannte sogleich, daß ihre Sünden daran schuld seien, welche sie aber nun mit bittern Thräuen bereute. Tiefseufzend und heftig weinend erblickte fie auf einmal ein Bildniß Mariä. Mit innigstem Vertrauen wandte sich ihr Herz und Mund zu Maria, der Zuflucht der Sünder, um durch ihre Fürbitte, Vergebung und Gnade, und auch den Eintritt in die Kirche zu erhalten. Ihr Gebet wurde erhört; fie fonnte wie Andere in die Kirche gehen, worauf sie sich sogleich ganz bekehrte, dann in die Wüste ging und 47 Jahre dort zubrachte, bis sie als heilige Büßerin verschied. Wie wird sie täglich für den Schutz Maria gedankt, wie sehr sich schon an ihrem Namen erfreut haben, weil bei ihr Alle, die Vertrauen zu ihr haben, Echörung finden! - Gebet. O göttlicher Heiland, Herr Jesu Christe! schenke uns in dieser Mai- Andacht die Gnade, daß du deine verlorenen Schafe suchest, die gefundenen bewahrest, die hungrigen weidest. die schwachen stärkest und alle zum Himmel führest.- Jesus, du guter Hirt, erbarme dich unser! O Maria, du reinste Jungfrau! unter deinem Schutz und Namen darf Niemand an Jesu Gnade verzagen. Ja komm uns zu Hilfe, wir rufen zu dir! O heilige Maria, bitt für uns! Vater unser 2c., 15 Ave Maria 2. Sund Zweiter Tag. Betrachtung über das Heil der Seele. Ich bin nur allein deßhalb auf der Welt, um mein ewiges Heil zu wirken.- Verstehst du dieses meine Seele?- Du bist nicht da, um zu genießen, um als groß zu erscheinen, we gen Puß und Ruhm; am allerwenigsten aber um zu fündigen. Du bist nur auf der Welt, um deine Seele zu retten. Was würde es dir helfen, wenn du die ganze Welt jetzt befäs ſest, aber dann selbst zu Grunde gehen würdest. Ihr Könige und Erneuerung eines christl. Sinnes. Kaiser, Weltweise und Gelehrten, was nüßt euch jetzt eure Macht, eure Gelehrsamkeit, wenn ihr das nicht vermöcht, eure Seele zu retten? Allein dieses Geschäft des Heiles ist eine höchst bedenkliche Sache;- man betreibt es nur dann gut, wenn man sich selber Gewalt anthut;- man kann es aber durch eine einzige Todsünde auch schon in Gedanken verlieren. 8 genüget nicht, sich einmal oder eine kurze Zeit heilig und unschuldig verhalten zu haben, das ganze Leben muß man ausharren, bis an's Ende! O, wie steht es da mit mir, mit der Hoffnung auf meine ewige Seligkeit? - - 1. Mein ganzes vergangenes Leben ist ein Gewebe von Sünden und Rückfällen. Das gegenwärtige ist ein Abgrund, den ich nicht zu ergründen vermag! Was wird aber in der Zukunft mit mir geschehen? Nur dir, o mein Gott! ist es bekannt. Uleberdieß ist es auch eine unersezbare Sache.- Wenn ich einen Prozeß oder die Gesundheit verliere, so gibt es Mittel zur Abhilfe; aber ist meine Seele verloren, so gilt es für eine ganze Ewigkeit!- unabänderlich!- Wird mir ein Arm abgenommen, so bleibt mir ein zweiter, schneidet man mir ein Bein ab, so habe ich noch ein zweites, verliere ich ein Auge, kann ich noch mit dem andern sehen;. aber ich habe nur eine Seele, geht diese verloren, so ist alles verloren: und ich denke doch so wenig an meine Rettung; bin ich denn dessen so gewiß?- Ich lebe ruhig, aber wenn dieser der leßte Augenblik meines Lebens wäre, wie ungewiß wäre es, ob ich zum Heile gelangen würde! Nun so suche mit Ernst dein Heil! -- - - - - Beispiel. Der heilige Ignatius, mit großen Talenten begabt, war in seiner frühern Jugend am königlichen Hofe. Dann wählte er selbst das Soldatenleben, in der Hoffnung, sich durch Tapferkeit Ruhm in der Welt zu verschaffen. Gott, der den Demüthigen seine Gnade gibt, den Hoffärtigen aber widersteht, hatte andere Wege mit ihm vor Gine Kanonenkugel zerschmetterte ihm das Bein, weßwegen er lange Zeit zu Bette lie: - Aus Langeweile begehrte er Bücher zum Lesen, wohl nur gen mußte. weltliche, etwa Romane. Nun fand man aber gerade feines der Art, und gab ihm das Leben Jesu, Mariä, und der Heiligen. Durch göttliches Licht erleuchtet fand er sein Seelenheil in großer Gefahr, erkannte den großen Werth seiner Seele und zugleich den einzigen Weg zu seinem Heile. Von diesem Augenblicke an entschloß er sich in die Fußstapfen Jesu, Mariä und der Heiligen zu treten. Da aber viele Versuchungen dagegen kamen, flehte er wiederhohlt vor einem Marienbilde die Gnadenmutter um Schuß Diese erschien ihm mit dem Jesukind im Schlafe und versicherte ihn ihres Schußes. Bald darauf legte er unter heißen Thränen seine Beicht vom ganzen Leben ab, kommunicirte, hing dann seine Waffen am Muttergottes- Altare auf und fing dann seiner und fremder Seelen Bekehrung mit größtem Eifer und Segen an.- an.. 565 - - Monat Mariä zur Erweckung Gebet. O Jesus! wie viel hast du dich für das Heil unserer Seelen kosten lassen, damit du uns ein Unterpfand desselben wäreft. Dieß ist unser größter Trost und höchste Zuversicht im Leben and Sterben. O Jesus, du Unterpfand des Heiles, erbarme dich unser!- 566 - O Maria, du hast uns den geboren, der des Vaters im Himmel Eingeborner ist, den er durch dich uns zum Heile gegeben;- flehe für uns, daß wir unser ewiges Heil erlangen; o Maria, Gottesgebärerin! bitte für uns! Vater unser 2c., 15 Ave Maria 2c. - Dritter Tag. Betrachtung über die Kostbarkeit der Seele. Bedenke, o meine Seele, deinen hohen Werth durch deine edle Abstammung. Aus welchen Händen bist du hervorgegangen? - Aus den Händen Gottes. Nach welchem Ebenbilde bist du erschaffen! Nach dem Bilde und der Aehnlichkeit Gottes.- Und das ist keine Uebertreibung, etwa eine Art und Weise so zu reden, nein, es ist Wahrheit. Gott erschuf den Menschen aus Erde, und machte ihn nach seinem Bilde." Eccl. 17, 1. 3. - - - - 4 1 Und du denkst gar nicht an deine Würde, so zwar, daß du dieses schöne Bild Gottes an dir durch die Sünde auslöschest, um die Gestalt eines bösen Geistes anzunehmen. Betrachte ferner, wie kostbar du bist durch den Preis deiner Erlösung. O meine Seele! du warst verloren, ewig verloren, und wer hat dich wohl der Gewalt des Satans entrissen?- War es nicht dein himmlischer Vater!- und welchen Lösepreis gab er für dich? Gold?- Silber? Edelsteine?- O nein, viel mehr, unendlich mehr. Er opferte für dein Leben, das Leben, das Blut seines eingebornen, einzigen, seines göttlichen Sohnes! Und ein so kostbares Leben, dieses Blut von so unendlichem Werthe, willst du auf's Neue opfern für eine Laune, für eine Luft, für eine eitle Befriedigung?- Betrachte noch zuletzt, von welch' hohem Werthe du seist wegen deiner herrlichen Bestimmung zur ewigen Glückseligkeit. Du bist der Sohn ( die Tochter) des höchsten Fürsten, des Beherrschers der ganzen Welt, bestimmt, nächst seinem Throne zu sitzen, um einst ewig mit ihm zu herrschen. Ein königlicher Erbe, der bald Thronfolger werden soll, mit welcher Sorgfalt und Treue pfleget man seiner am Hofe des Vaters. Und du, meine Seele, du bist ein Kind Gottes, ein Erbe des Himmels, wie wachest, wie forgest du für dich?- O mein Gott! in Mitte von Schlamm und Koth, im Wuste der Sünde, wie ein unvernünftiges Thier befinde ich mich! Sollte ich keine Scham, keine Reute füh - - - - und Erneuerung eines chriftl. Sinnes. 567 en? Soll ich nicht fürchten, meines kostbaren Erbes von Gott beraubt zu werden?- Eile, deine Seele zu retten. - Beispiel. Der heilige Xaverius wurde durch die Worte Jesu: ,, Was ,, hilft es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber an seiner , Seele Schaden leidet," ganz bekehrt: er vergaß nie mehr die Kostbarkeit der menschlichen Seele, weil sie Gottes Ebenbild, durch das kostbare Blut Jesu erlöset, und zu so großer Herrlichkeit bestimmt ist.- Er arbeitete, litt und duldete, ja that alles, was er fonnte, zum Heile der menschlichen Seele, er verkündete das Evangelium mehr als hundert tausend Meilen Weges zu Fuß, und taufte mehr als zweimalhunderttausend Heiden mit eigener Hand. Als ihm einmal ein Königssohn viel Gold und Silber anbot, sagte er: Ich bin nicht gekommen, Schäße zu sammeln, sondern den großen Schaß der Erkenntniß Gottes allen unsterblichen Seelen mitzutheilen. Zur Vermehrung seines Seeleneifers trug ganz besonders seine innige Verehrung Mariä bei. In der Kirche zu Loretto, indem er zu Maria betete, ward es ihm zuerst eingegeben, zur Bekehrung der Heiden nach Indien zu reisen. Er bat Gott fast nie um etwas als durch die Vermittlung und Fürbitte Maria. Wenn er predigte, wandte er sich auch stets zu ihr, und schloß seinen Unterricht mit dem Salve Regina. Er hat oft erfahren, wie hoch Maria den Werth unserer Seelen schäße, und welchen Segen ihre mächtige Fürbitte bringe. O Jesus, du unendliches Geschenk vom Vater zu unserer Rettung gegeben, nimm gnädig dich unserer Seelen an, damit fie gerettet durch dich leben.- Jesus, du Sohn des lebendigen Gottes! Erbarme dich unser. - O Maria! Mutter des ewigen Wortes, durch das Alles gemacht ist, Mutter deffen, der sein Blut zum Lösegeld für uns hingegeben, erflehe uns die Gnade, daß wir das große Ziel unserer Erschaffung und Erlösung, unsere Seligkeit erlangen. Maria! Mutter des Schöpfers und Erlösers, bitte für uns! Vater unser c. 15 Ave Maria 2. - Vierter Tag. Betrachtung über das Wohl des Körpers. Warum fündigest du?- Um deinen Leib zu befriedigen? Thor, siehst du nicht, daß du ihn zu Grunde richtest. Wenn du deine Seele verlierest, glaubst du vielleicht deinen Leib allein retten zu können?- Onein: entweder werden beide selig, oder beide verdammt. Es ist hier nur die Rede von Einem Körper. Ist dieser verdammt, so hast du keinen zweiten, um ihn an die Stelle des ersten zu setzen, und so Leib und Seele selig zu machen. Es wird auch der ganze Körper leiden müssen, mit allen, auch den kleinsten Gliedern, Adern, Nerven, Gebeinen, ja mit allen seinen Gefühlen, und nicht so wie jetzt wird es seyn, wenn nur ein Theil oder ein besonderes Glied dich schmerzt.- Du beklagest dich jetzt über ein bischen Kopfweh, eine harte Lagerstätte, unbequemen Siz, über eine unschmackhafte Speise, ermüdende Arbeit, aber in der Hölle erst, ach, in der Hölle, 11 - - - 568 Monat Mariä zur Erweckung wie wird es dir da zu Muthe seyn!- Wie sehr bemühest du dich jeßt, deinen Leib zu zieren! aber du wirst ja sterben, und dann wird dein Kopf ein nackter Schädel, ohne Haare, ohne Haut, ohne Augen, ohne Lippen, ohne Zunge seyn;- Hände und Füße werden austrocknen, denn das Fleisch wird von den Knochen fallen, und der noch übrige Theil des Körpers wird der Fäulniß und den Würmern übergeben werden. Und wenn du erst verdammt wirst, da wird sich erst dein Angesicht auf's ärgste, zum Entfeßen entstalten. Deine jetzt gezierten und künstlich geflochtenen Haare werden einer Menge von Nattern und Schlangen, die böse Zunge einer gereizten Viper, deine lüsternen Augen zwei Feuerkugeln gleichen, die um sich herum Schrecken verbrei ten, so daß du einem schrecklichen Ungeheuer ähnlich seyn wirst. Hast du schon daran gedacht!- Ach, wenn dich dein Fleisch zur Sünde reizen will, so sprich zu dir selber: o widerspänstiger Leib, wenn ich deinem Begehren folge, so werden wir einst zuſammen im ewigen Feuer brennen müssen. Wäre es nicht Thorheit, einen so geringen, vorübergehenden Genuß gegen ein ewiges Zeiden einzutauschen? Willst du deinen Körper lieben, so thue es, aber verschaffe ihm wahres Gut, wahre Schönheit, den Bestz und ewigen Genuß der himmlischen Seligkeit! - Beispiel. Der heilige Franz Borgias, Herzog von Kaudia, hat vor seiner gänzlichen Bekehrung wohl erfahren, was es Vergängliches, Veränverliches und Hinfälliges um den menschlichen Leib sei. Kaiser Karl V. gab ihm den Auftrag, die Leiche seiner verstorbenen Kaiserin Isabella nach Granada in's königliche Begräbniß in Spanien zu überbringen. Vor der Beerdigung mußte er schwören, daß dieß wahrhaft die Leiche der Kaiserin ſei. Allein bei Eröffnung des Sarges fand er das Angesicht der Verstor= benen so gräßlich entstaltet, daß feine Spur ihrer früheren schönen Züge mehr sichtbar war. Beim Anblick dieser schauberhaften Gestalt und Maffe von Fäulniß und Verwesung erkannte er an dieser Leiche die Blindheit und Thorheit der Menschen in sündlicher Liebe und im Vißbrauch ihres Leibes. Kaum war er in seine Residenz zurückgekehrt, so warf er sich vor Gott nieder, betete die ganze Nacht mit Thränen und Seufzern, entsagte bald darauf allen irdischen Ehren, Gütern und Hoffnungen, trat in die Gesellschaft Jesu, um sich und Andere durch Buße und frommes Leben vom ewigen Tode des Leibes und der Seele zu erretten. Durch die Fürbitte Mariä, die er von Kindheit an verehrt hatte, erhielt er auch Gnade über Gnade, um dieses heilige Ziel zu erreichen. - Gebet. O Jesus! wie allmächtig und gütig hast du auf der Erde auch den Leib der Menschen ernährt und geheilet. Du sorgst für Alles, wenn wir nur auf dich vertrauen. D hilf uns, daß wir unseren Leib nicht mißbrauchen, sondern ihn; rein, mäßig und thätig erhalten.- Jesus, unser Fürsorger und Nährer! Erbarme dich unser. - und Erneuerung eines christl. Sinnes. 569 O Maria! wer war so rein und unbefleckt an Leib und Seele wie du! o bitte für uns, daß auch bei uns Leib und Geist rein und Gott wohlgefällig sei. O Maria! Jungfrau der Jungfrauen, bitte für uns!- Vater unser 2c., 15 Ave Maria 2c. Fünfter Tag. Betrachtung über die Zeit. Die Zeit vergeht, und mit der Zeit gehe auch ich vorüber. - Fünfzehn, zwanzig, dreißig, vierzig Jahre meines Lebens sind schon verstrichen, und nimmermehr kehren sie zurück.- Wie viele bleiben mir noch übrig?- Ich weiß es nicht, aber das weiß ich, daß es nur wenige mehr sind. Die Zeit ist kurz; ich fage es ja selber, daß die Zeit dahin fliege, ohne daß man sich dessen bewußt wird. Aber im Vergleich mit der Ewigkeit, da erst, die jeßige Zeit nicht allein ganz kurz, sondern beinahe ein Nichts zu nennen. Eine furze Zeit ist aber eine kostbare Zeit; denn in dieser kurzen Zeit kann ich mir eine ewige Glückfeligkeit verdienen; ja, es verschafft mir sehr leicht ein einziger Augenblick einen neuen Grad der Glorie im Himmel. Eine halbe Stunde Bußzeit, wenn ich sie wohl benüße, kann mich der Gewalt des Teufels entreißen, und in die Vaterarme Gottes wieder zurückführen!- Eine kurze Zeit, die ich jetzt der Betrachtung, dem Gebete, der Anhörung der heiligen Messe tägs lich weihen werde, oder zur geistigen Lesung verwende, kann mich vor der Sünde bewahren, und mein ewiges Heil in Sicherheit bringen! Eine kurze Zeit ist eine höchst bedenkliche Zeit; denn jeden Augenblick kann ich fündigen, sterben und verdammt werden! Oich Unglücklicher! ich könnte in so kurzer Zeit ein Heiliger werden, und bin noch ein so großer Sünder! Ich habe eine so kostbare Zeit leichtsinnig verschendet in Eitelkeit, Kindereien, unnöthigem Zeitvertreib, ja wohl gar zur Sünde mißs braucht!- Und was habe ich damit gewonnen, daß ich die Vergangenheit so dahin gelebt?- Ach! um alle Schätze der Erde kann ich jetzt nicht einen Augenblick der verlornen Zeit zurückbringen! Ach! wenn ich nicht bald Anstalt treffe, die Zeit fortan beffer in Anwendung zu bringen, so wird ein Tag, eine Stunde hereinbrechen, wo ich Gott nur um eine kleine Frist zur Buße anflehen werde, um mich noch zu bekehren;- aber werde ich diese kurze Frist wohl noch erhalten? Versagt sie mir Gott, so ist es unwiderruflich geschehen für eine ganze Ewigkeit! darum meine Seele! versäume feinen Augenblick, mit jedem Augenblicke kannst du eine Ewigkeit gewinnen. -. - 1 - - - - Beispiel. Der heil. Heinrich, ein Sohn des Herzogs von Bayern, wurde in seiner Jugend vom heiligen Wolfgang, Bischof von Regensburg. Monat Mariä zur Erweckung in der Gottesfurcht und Regierungskunst erzogen. Er war ihm mit fol cher Liebe und Hochachtung zugethan, daß er, als der Bischof starb, dessen Tod nicht genug bedauern konnte. Heinrich ging so gerne auf das Grab seines seligen Lehrers, um da zu beten, und sich der erhaltenen Lehren zu erinnern. Ginmal betete er da in stiller Nacht, und hörte plößlich eine Stimme, die zu ihm sprach: ,, Lies die Worte, welche über dem Grabe an der Wand geschrieben stehen." Er las die zwei Worte: Nach sech 84 und dachte sogleich, daß sie den Werth der Zeit bedeuten, und eine gewisse Zeit recht gut angewendet werden müsse, was ihm vielleicht der heilige Wolfgang öfters mag eingeprägt haben. Kurz, Heinrich deutete die Worte, nach sechs, so: ,, Nach sechs Tagen wirst du sterben, nun bereite dich dazu." Er that es, und verwendete die Zeit auf's Beste.- Sechs Tage vergingen, und da geschah nichts.- Da deutete er auf sechs Wochen, und wendete sie wieder bestens an; aber auch dann ereignete sich nichts. Nun meinte er, es seien ihm noch sechs Monate zur Vorbereitung bestimmt. Sie vergingen, waren gut angewendet, aber nichts geschah. Nun zweifelte er nicht mehr, es seien sechs Jahre damit gemeint gewesen, die er auf's Beste benüßen solle.-Er that es, und was geschah nach sechs Jahren? Er ward zum römischen Kaiser erwählt, und von Gott bestimmt, noch viel Gutes zu wirken. Er that es bis in den Tod, bis zu seinem seligen Ende, und hinterließ auch viele Beweise seiner zarten Verehrung Mariä, wie er sie im ganzem Leben geübt hatte. - 1 - - - - - Gebet. O Jesus! wie unerforschlich, aber auch wie heilsam war deine Weisheit in Anordnung und Anwendung der Zeit deiner Ankunft, deines Leidens und Sterbens auf Erde! o hilf uns, daß auch wir die kostbare Zeit dieses Lebens niemals zu unserem Verderben, sondern zu unserem Heile weise anwender.. O Jesus, du ewige Weisheit! erbarme dich unser. O Maria! himmlische Weisheit lehrte dich, jeden Augenblick der Zeit auf's Beste zu benüßen; erflehe uns die Gnade, daß wir nach deinem Beispiele treu jede Gnadenzeit für die Ewigkeit benüßen!- O Maria, du weiseste Jungfrau! bitte für uns!- Vater unser 2c., 15 Ave Maria 2. Sechster Tag. Betrachtung über die Todsünde. Hast du jemals gesündiget?- Ach, was hast du da gethan? Du hast dich bemüht, so viel es in deiner Macht stand, deinen Schöpfer, deinen Erlöser, deinen Vater, Bräutigam, Gott selbst zurückzusetzen, zu verachten, oder nichts gelten zu lassen.- Welch' ein Ungehorsam, welche Auflehnung, welche Ungerechtigkeit, welch' entfeßliche Cache!- Hiedurch haft bu die Gnade und Kindschaft Gottes verloren, und zugleich alles Verdienst des vergangenen Lebens, das Erbe des Himmels! Du hast dich selbst schon jest gleichsam vom Himmel in den Abgrund der Hölle hinabgestürzt!- o welch' ein Unglück!- Und du solltest noch immer freiwilk 3 in der Sünde verharren wollen?- Arme Seele, weißt du es denn nicht, wer mun fo dein Feind und Erneuerung eines christl. Sinnes. 571 Gott selber! Und weißt du wessen Kind du Des Teufels. Und du scherzest, du gehest spakannst lachen, schlafen? Aber wenn jetzt, eben jetzt die Zeit der Langmuth Gottes vorüber wäre, so könntest du in einem Augenblicke todt und ewig verdammt seyn!- Millionen von Engeln fielen vom Himmel in die Hölle wegen einer einzigen Sünde, die sie in Gedanken begingen, und du wähnest dich sicher mit so vielen und schweren Sünden in Gedanken und Worten und Thaten? D äußerste Blindheit!- Aber geſetzt, du lebest nicht in Sünden, so schwebest du doch in steter Gefahr darein zu verfallen. Eine etwas heftige, ja sehr oft ganz geringe Versuchung, eine innere Aufregung, ein plötzliches Ereigniß kann dich ganz unvermuthet zum Falle bringen. Hat ja ein Engel im Himmel gefündiget, und Adam im Paradiese; Judas und Petrus fielen im Umgange mit dem Herrn. O, erinnere dich stets, daß du in einem Augenblicke aus einem Engel, aus einem Gerechten, aus einem Schüler Jefu Chrifti durch die Sünde in einen Knecht und Kind des Teufels kannst umgewandelt werden.- O denke immer daran, zittere und fliehe die Sünde! seyn muß? nun bist? zieren? - - 179 - - - - -- Beispiel. Der heilige Ludwig war in seinem Wandel als Christ, als König, als Feldherr und als Familienvater ein ausgezeichnetes Muster und Beispiel für alle Stände, in allen Lagen des Lebens. Er war nicht nur ein weiser und gerechter, sondern auch ein gottesfürchtiger Regent; er war ein Christ im Geiste und in der Wahrheit, ein barmherziger Vater der Armen, ein gerechter Schüßer der Unterdrückten, ein milder Freund seiner Feinde, ein sorgfältiger Hausvater für die Seinen, ein im Leiden geübter, sanfter Dulder, ein bis in den Tod beharrlicher Anhänger Jesu und seiner Kirche. Was war wohl bei ihm der Anfang solch christl. Weisheit?. Der Anfang der Weisheit ist Gottesfurcht. Seine fromme Mutter Blanka prägte ihm diese schon von Jugend auf ein. Ja, Ludwig selbst sagt, daß er keinen Tag diese Worte seiner Mutter vergessen hätte: " Mein Sohn! ich liebe dich gewiß, und mit so großer Zärtlichkeit, als ein Mutterherz zu erfaffen fähig ist, aber lieber wollte ich dich todt zu meinen Füßen liegen, als jemals eine Todsünde begehen sehen." Sünde floh er wirklich so sehr, daß er einmal zu einem Hofbedienten, der etwas leichtsinnig war, sagte: ,, Lieber solltest du alle Ulebel der Welt, als den Zustand der Seele in der Todsünde ertragen. Darum sagte er auch noch vor seinem Ende zu seinem Kronprinzen: ,, Geliebter Sohn. das Erste, was ich dir anempfehle, ist: Gott von ganzem Herzen lieben, und eher alle Qualen zu erdulden, als eine Todsünde zu begehen. Um sich in seinem reinen Sinn zu erhalten und zu stärken, betete er täglich die Tagzeiten zu Maria, der reinsten Jungfrau, und erhielt durch diese Verehrung Mariens viel himmlischen Segen, besonders die Bewahrung vor der Sünde. Die - - - Gebet. O Jesus, du Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt, siehe! wir sind mit schweren 572 Monat Mariä zur Erweckung Sünden beladen;- wir bereuen sie aber, o nimm hinweg diese Last und vergib sie uns! auch in Zukunft bewahre uns davor, damit wir die Versuchung überwinden und nicht in die alten Sünden fallen.-Jesus, du Opferlamm Gottes! erbarme dich unser! O Maria! wem ist durch dich am besten geholfen? Den Sündern, wenn sie durch deine mütterliche Fürbitte zur Buße, Besserung und Vergebung kommen. O hilf uns durch deine Fürbitte dazu. O Maria! Hilfe der Christen, bitte für uns! Vater unser 2c., 15 Ave Maria ic. Siebenter Tag. Betrachtung über die Strafen der Sünde. Gott kann die Sünde strafen wie er will.- Ein Mensch, der von einem anderen beleidigt wird, möchte gerne Rache üben, aber er kann es nicht. Bei Gott ist es aber ganz anders, es genügt, daß er nur will- Er kann dich strafen, indem er dir deine Gesundheit, Unterhalt, Verwandte, ja sogar das Leben nimmt; Bist du jetzt in Sünden, genug, daß er will. so kann er dich alsogleich mit dem jähen Tode bestrafen;- genug, daß er will. Aber weißt du, was er hierin beschlossen? Du weißt es nicht und fündigest dennoch;- du schläfft ruhig fort in deinem Sündenschlafe. Gott straft aber die Sünde ganz gewiß. Wenn du sündigest, darfst du gewiß seyn, daß dich Gott auf die eine oder andere Weise strafen, und von dir Genugthuung fordern werde, entweder in dieser oder in jener Welt, durch Buße oder Verdammung. Eva und Adam erhielten Verzeihung für ihren Ungehorsam; fie sind gerettet, sie sind heilig, aber die zeitliche Strafe für ihre Sünde währet bei uns noch immer fort. Du sagst leichtsinnig dahin: Eine Sünde mehr oder weniger, das sei von keiner Bedeutung, aber ist dir dieses auch gleichgiltig, eine Strafe mehr oder weniger?- Gott straft die Sünde noch überdieß schon jetzt, hier auf der Erde. Ach! die vielen Krankheiten, Unglücksfälle in deiner Familie, jene getäuschten Hoffnungen, Verläumdungen, Verachtungen, jene heftigen Versuchungen, und ähnliche Leiden, was sind sie wohl? Sind sie nicht vielleicht Strafen für begangene Sünden, worauf du längst vergessen haft? Und erst, wenn dich Gott Befriedigung in deinen Wünschen und Begierden finden läßt, wenn alle deine Unternehmungen einen glücklichen Ausgang zu nehmen scheinen, ach! das ist vielleicht dann die allergrößte Strafe, weil du hiedurch in deinem sündhaften Leben bestärkt wirst, Sünde auf Sünde, Laster auf Laster häufest, was aber eben so viel sagen will, als Holz auf Holz zu legen zum Brennen - moving - - w - -- und Erneuerung eines chriftl. Sinnes. im ewigen Feuer!- Wenn du gar zuletzt die inneren Gewissensbisse nicht mehr fühlest, die Furcht vor dem Gerichte Gottes verloren hast!- Wehe dir! dann leidest du schon die ganze Strafe der strengen göttlichen Gerechtigkeit! Ach, wenn Jemand dringend des Schußes Mariens bedarf, so bist du gewiß jener, der es am ersten und am meisten bedarf. - -- e - Beispiel. Mit der Sünde ist nicht zu scherzen. Wo Barmherzigfeit vergebens ist, da bleibt die Gerechtigkeit nicht aus. Gin junger Mann von Toledo in Spanien gerieth in böse Gesellschaft, und ließ sich verführen, behielt aber noch einige Verehrung Mariä bei. Unterdessen sah ein frommer Christ in selber Stadt zur Nachtzeit unsern Herrn Jesus, wie er über den Jüngling, diesen unbußfertigen Sünder, die gerechte Strafe eines jähen Todes verhängte. Maria, die barmherzige Mutter Gottes, brachte bei ihrem göttlichen Sohne ihre Fürbitte für ihn vor, und erhielt eine Gnadenfrist von 30 Tagen, zur Bekehrung desselben. Am frühen Morgen eilte der fromme Christ zu einem würdigen Geistlichen in der Stadt, und theilte ihm diese Erscheinung mit. Der kluge Priester untersuchte die Sache genau, fand sie wichtig, übernahm sogleich dieß Geschäft der Seelsorge, und war wirklich so glücklich, den jungen Mann zur Buße Bekehrung, und Besserung zu bringen. Allein in sehr kurzer Zeit fiel selber leider in seine früheren Sünden zurück, beichtete zwar wieder, fiel aber wieder ebenso tief, so zwar, daß er nichts vom Beichten, noch viel weniger von Besserung mehr wissen wollte, ja sogar den Priester, der ihm auf der Straße begegnete, mit Verachtung von sich wies. Endlich brach der Abend des 30sten Tages herein, und traf den jungen, muthwilligen Sünder ganz gleichgültig und immer mehr verstrickt in den Feffeln seiner sündhaften Freuden und Genüsse. Gegen Mitternacht übersielen ihn plög. lich so heftige Schmerzen, daß man sogleich wegen Todesgefahr, Arzt und Priester zugleich herbeirufen mußte. Der Priester ermahate ihn eifrigst, aber vergebens.- Er suchte in ihm Vertrauen zu Maria zu erwecken, allein umsonst. Der Kranke hörte ihn nicht mehr, und als die zwölfte Stunde schlug, gab er unter einem Schrei des Entsegens seineu Geist auf.- Ein Herzschlag hatte seinem lasterhaften Leben ein Ende gemacht Aber wel: ches?. O wie schrecklich ist es, in seinen Sünden zu verharren! - - - 573 -- Gebet. O Jesus! dem einen verlornen Schafe geheft du nach, bis du es findest. Wie unglückselig muß es aber werden, wenn sich selbes gar nicht finden läßt?- O wie fann man doch deiner unendlichen Güte und Langmuth so widerstehen? ach, bewahre uns vor solch' hartem Sinne, laß uns deine Güte erkennen, deiner Gnade folgen, und dich ewig dafür preiſen. O Jesus, du endlose Güte! erbarme dich unser!- O Maria, du hast uns den geboren, durch den allen Menschen Gnade erschienen ist. O laß uns nur nicht undankbar der Gnade widerstehen, sondern in selber fromm leben und felig sterben.- O Maria, Mutter der göttlichen Gnade! bitte für uns. Vater unser 2c., 15 Ave Maria 2c. Monat Mariä zur Erweckung Achter Tag. Betrachtung über den Tod. Ich werde also sterben; Verwandte, Freunde, Güter, Alles muß ich verlassen, und zuletzt auch noch diesen Körper. Diese meine Behausung wird eine Stätte der Würmer,- meine einstige Wohnung aber von ewiger Dauer seyn; gut oder schlecht, das weiß ich nicht. Es sind aber dieses Wahrheiten, die feiner weiteren Bestätigung bedürfen; jeden Augenblick finde ich sie be. stätiget.-Es sterben Greise und Jünglinge, Arme und Reiche, Heilige und Sünder sterben; Maria starb, Jes sus starb:- ich werde also auch sterben.. Aber wo? wie? -- zu Hause, in der Kirche, im Bette oder auf der Straße? allein?- vor Anderen? ich weiß es nicht. An einem langfamzehrenden Fieber, an einer plötzlichen Krankheit, durch ein unerwartetes Ereigniß, einen Fail?- ich weiß es nicht. Aber wann, das könnte ich doch wissen. Vielleicht in dreißig, in vierzig Jahren?- wohl, aber es könnte auch noch diesen Monat geschehen. Wer weiß, ob nicht in dieser Nacht, in dieser Stunde; - ich weiß es nicht. Nur Gott allein ist es bekannt, Ihm, der gesagt, daß der Tod wie ein Dieb zur Nachtzeit über mich hereinbrechen wird, zur Stunde, wo ich ihn am wenigsten vemuthen werde. Und ich lebe dennoch, als wenn ich gar nie zu sterben hätte, ja, ich vermeide sogar den Gedanken an den Tod.- Wenn ich aber in dieser Stunde sterben müßte, ist mein Gewissen so beschwert, daß ich vielleicht von dieser Stelle, worauf ich stehe, in die Hölle fallen würde, und unwiderruflich verloren wäre!- und ich weiß alles dieses, ich fürchte es, und suche dennoch das Mittel zur Rettung nicht.- Ich zögere von einem Tag zum andern, von Monat zu Monat, von Jahr zu Jahr.- Indessen rückt die Stunde, die mir zum Sterben festgesetzt ist, immer näher, und ich bin noch ein Sünder. Wenn ich aber dann so in meinen Sünden dahin sterbe, wem darf ich wohl die Schuld beimessen? was wird also wohl das Beste, das Nothwendigste seyn? Sei heute, sei alle Tage, sei jebe Stunde bereit! 574 - - - -- 10 - - - - Beispiel. Die heilige Margarita von Cortona, zuvor eine große Sünderin, war dann 23 Jahre ein erbauliches Muster der Buße, und führte ein strenges Bußleben.. Ihre Nahrung bestand in etwas Wasser und Brod, thr Bett war die harte Erde, das Kissen unter ihrem Haupte ein Stein. Den größten Theil der Nacht brachte sie im Gebete zu, und betrachtete, auf den Knieen liegend, das Leiden Jesu Christi. Aus ihrer engen Zelle ging sie nur aus Gehorsam. Die schwersten Arbeiten wollte sie am liebften thun. Sie erduldete auch nebstdem noch viele Körper- und SeelenLeiden, aber stets mit standhafter Geduld, und wünschte um Jesu willen noch mehr zu leiden.- Ward ihr aber der Kampf gegen die Versuchungen zu heiß, so warf sie sich vor dem Bilde des gekreuzigten Jesu hin und rief um Hilfe. Einmal tröstete fie Jesus selber mit den Worten:„ Ich bin 1 - - - und Erneuerung eines chriftl. Sinnes. bei dir in allen deinen Versuchungen, durch den Beistand meiner Gnade, wirst du sie stets überwinden.- Großen Trost erhielt sie auch durch Maria, bie Gottes- Mutter, zu der sie ihr innigstes Zutrauen hatte. Ihr schon mehrere hundert Jahre unversehrter Leichnam zeugt von ihrem heiligen Tode, von ihrer Seligkeit nun im Himmel. Wie kam sie aber zu diesem heiligen Leben und seligem Sterben? durch die Betrachtung des Todes.. Ein treues Hünblein seines Herrn kam zu ihr, zog immer an ihren Kleidern, bis sie ihm endlich folgte, da es immer vorauslief. Aber wohin? zu einem Leichnam, der schon drei Tage da lag, und modernd, den unausstehlichsten Geruch verbreitete.- Es war der Körper desjenigen, den Räuber umgebracht, und den Margarita nur zu gut kannte. Bei die sem gräßlichen Anblick rief ste aus: ,, Ach! wo wird deine Seele seyn?" Dieser Gedanke durchdrang ihr Innerstes, dieser Anblick des Todes brachte e zu einem besseren Leben, der Bekehrung, der Buße und Heiligkeit. - - Gebet. Jesus, wie schrecklich ist der Tod in Sünden! nur du kannst uns von diesem schrecklichen Ulebel retten; du hast den Tod überwunden. Verleih' uns die Gnade, daß wir uns nun besser zum Tode bereit halten, ihn nicht mehr fürchten dürfen, sondern durch den Tod zum ewigen Leben gelangen!- O Jeſus, Ueberwinder des Todes! erbarme dich unser! -- - -- O Maria! Krankheiten sind Borboten des Todes!- Wenn die letzte Krankheit über uns kommt, sei uns eine barmherzige Mutter, die uns zum seligen Tode beisteht.-O Maria! Heil der Kranken! bitte für uns! Vater unser ic., 15 Ave Maria c. Neunter Tag. Betrachtung über das allgemeine Gericht. - - Ich werde beim Gerichte vor Jesus erscheinen müssen, dem Richter. O welch ein Zusammentreffen! Er war mein Vater, und ich habe ihn nicht geliebt; Er war mein Bräutigam, und ich habe ihn treulos verlassen;- Er war mein Gott, und ich verachtete ihn! Ach! durch einen einzigen Richterblick Gottes wird meine Seele von ihrer Untreue, von ihrem Undank und Unbeständigkeit durchdrungen werden! Soll ich mich dann nicht zu Maria wenden?- aber wie, aber wie,- ich habe ja durch meine Sünden ihren Sohn gekreuziget! Oder soll ich mich meinem Schußengel anempfehlen?-ach, mit welchem Vertrauen werde ich dieses können, da ich mich so oft gegen ihn widerspänstig erzeigt habe. Als meinen Schuppatron hatte ich bisher durch meine Sünden den Teufel erwählet), und diefer wird am Tage des Gerichtes als mein Ankläger auftreten. Alle meine Sünden werden an diesem Tage vor der ganzen Welt offenbar werden. O welch eine Beschämung, welches Entfeßen! Im Angesichte meiner Freunde und Bekannten, vor denen ich bisher als ein ehrlicher Mann erschienen; meiner Eltern, die mich für gerecht und unschuldig hielten, vor meinem - J Menat Mariä zur Erweckung Beichtvater, dem ich selbe verschwiegen habe, sie werden von Allen ganz deutlich gelesen und erkannt werden. Selbst die geheimsten Gedanken, jene unerfüllten Wünsche und Begierden, jene so beschämenden Befriedigungen!- jene Sünde, die ich ganz allein oder mit Anderen begangen, in diesem Zimmer- in dieser Schule,- in jenem Laden, in jener Kirche, in diesem Winkel, o welch eine Beschämung, welche Verwirrung! Im Gerichte wird mir sodann mein Urtheil gesprochen werden, entweder gebenedeit oder verdammt!- Und von wem?- Von Jesus! Ich werde selig gesprochen durch Jesus mit den Auserwählten, oder verdammt von Jefus mit den Verworfenen. Und dann werde ich entweder mit Jesus im Paradies oder mit den bösen Geistern in der Hölle ewig sein. Und dieses Irtheil tann dann. nie mehr verändert werden;- ja es wird fogar feinen Augenblick mehr Aufschub leiden; und für eine ganze Ewigkeit geltend fein! O, welch ein seliges Frohlocken des Herzens, von Jesu die Worte zu vernehmen: ,, Kommet, ihr Gebenedeite des Vaters! besiget das Reich;" aber welch ein Entseßen dagegen, vernehmen zu müssen aus dem Munde Jesu: Hinweg von mir, ihr Vermaledeite, in's ewige Feuer." Ach Gott! welches wird wohl mein Urtheil seyn?- Wehe mir, der ich zur ungewissen Stunde zum Gerichte abgefordert werde, und ich denke indeß so wenig daran! - - - -- - - - - - - Beispiel. Der heilige Hieronymus, ein wahres Kirchenlicht, ein heiliger Gottesgelehrter, ein Kirchenvater des ersten Ranges), hatte mit den Versuchungen großen Kampf zu bestehen, und Vieles zu überwinden. Er ging in die Wüste, um in der Einsamkeit mehr von den Versuchungen, frei zu seyn. Allein er klagte da ebenso. Was hat ihn aber bewahrt, daß er in Versuchungen treu und standhaft ausharrte?- Seine heilsame Erinnerung an das letzte Gericht. Diesem gelehrten Hieronymus träumte einmal: ,, Er stehe vor dem Nichterstuhle Gottes, und es erginge an ihn die Frage: Wer bist du?" und er habe darauf geantwortet: ,, Ich bin ein Christ." Aber der göttliche Richter entgegnete ihm: ,, Du lügst, du bist ein Ciceronianer, das ist ein Anhänger des Redners Cicero, und kein Christ. Darauf hat der Richter den Engeln befohlen, ihn am Leibe scharf zu züchtigen. Diesen Traum hielt Hieronymus für eine Warnung des Himmels. Er übte sich unabläßlich in der Buße, in der Wachsamkeit über sich selbst, im Fasten, Arbeiten und Beten. Unaufhörlich hatte er den allgemeinen Gerichtstag vor Augen, und pflegte öfters zu sagen: ,, So oft ich dieses Tages gedenke, erzittere ich am ganzen Leibe; ich mag effen oder trinken oder etwas anderes thun, so dünket mich allzeit, die erschreckliche Pasaune erschalle in meinen Ohren: Steht auf ihr Todte, und kommt zum Gerichte. Mit diesem Gedanken stärkte sich der heilige Hieronymus in seinem festen Entschluß, die Versuchungen zu überwinden. Gebet. D Jesus! du haft den Sündern zur Warnung und den Gerechten zum Troste, von deinem schrecklichen Gerichte und Erneuerung ernes christlichen Sinnes. 577 gejagt: wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der kommt nicht in's Gericht. Sieh! wir nehmen jest mit reumüthigen Herzen unsere Zuflucht zu dir, und bitten dich um diesen lebendigen Glauben, damit wir mun fromm leben, und selig, ohne Furcht vor dem Gerichte, sterben. Jefu, unfere Zuflucht! erbarme dich unser! - O Maria! wer unter deinem Schuße und in deiner Nachfolge lebt, dem bist du ein fester Thurm jetzt in Versuchungen, und einst im Gerichte; wir bitten dich um deine mächtige Fürbitte, daß wir unter deinem Schuße standhaft im Glauben an Jesu, und selig in der Hoffnung eines gnädigen Gerichtes feien! Maria du Thurm David's! bitt für uns! ( Vater unser, 15 Ave Maria xc.) - - - - Zehnter Tag. Betrachtung über die Hölle. Siehst du, o Sünder, dort die äußerste Finsterniß, dieses feurige Gefängniß, wovon Jesus dreimal nacheinander betheuert, daß dort der Wurm nie mehr sterbe, das Feuer niemals auslösche? Es ist für dich bereitet, wenn du nicht Buße thust. -Betrachte nur dieses schreckliche Feuer.- Du wirst darin brennen, und zwar mit der Seele und dem Leibe, weil dieser auch Theil an deinen vielen Sünden nahm. Dieses Feuer aber, was ein anderes, viel ärgeres Feuer als unser natürliches ist, wird mit ſeiner verzehrenden Hiße deine Eingeweide, deinen Schlund, dein Gehirn durchdringen, und ach! wie fürcherlich deinen Geist quälen. Wie wirst du es aber in diesem Feuer aushalten, können der du jetzt nicht einmal die schwache Lichtflamme an deinem Finger erdulden kannst. Und daran denkst du gar nicht. Bist du aber einmal verdammt, was werden da für Gedanken dich quälen!- Du wirst denken, daß du dich so leicht hättest retten können, und wolltest nicht.- Du wirst dich mit Schrecken erinnern an jene Predigt, an jene frommen Uebungen, an jenes Buch, jene Einsprechungen, wodurch dich Gott so oft zu sich rufen wollte, und du wollteft nicht hören.- Du wirst dann sehen so viele ja unzählige von deinem Stande, deinem Berufe, deinem Alter und Naturell, aus deiner Schule, deinem Hause, von derselben Versammlung, gerettet,- und du verdammt. Du wirst dann heulen, verzweifeln, Verwünschungen ausstoßen gegen dich selbst, gegen deinen heiligen Schutzengel, deine heiligen Patronen und Fürsprecher, ja gegen Jesus felbst deinen besten Freund, Maria deine liebste Mutter.- Ach! A હ! welch ein Leben, welch gräßliche Beschäftigung in der Hölle.- Und wenn du also wirklich in dieses Feuer hinabfällst, wie lange 37 - - - 578 Monat Mariä zur Erweckung glaubst du wohl, darin verharren zu müssen?- Hundert Jahre? Mehr. Eine -D nein, viel mehr. Tausend Jahre? Million von Jahren?- Mehr, immer mehr! Millionen von Millionen Jahren?- Mehr; noch mehr.-- Aber wie viel dann? So lange als Gott, Gott seyn wird, für immer, eine ganze Ewigkeit! Und wird man in so langer Zeit nie einen Augenblick der Ruhe finden? Wird man niemals nur einen Finger frei bewegen können? Nie. Wird man auch nicht eine Viertelstunde lang ein Auge schließen können? Nie.- Nie.-- - - Solltest du also nicht lieber ewige Freude, als ewige Pein, nicht lieber eine herrliche Krone im Himmel, als ewiges Heulen in der Hölle erwählen? - Beispiel. Die heilige Theresia, welche schon mit zwölf Jahren, gleich nach dem Tode ihrer Mutter, María, die Himmelskönigin als ihre Mutter erwählte, war von Gott an Gnaden so reichlich gesegnet, daß fie mehr als sechzig Klöster theils gestiftet, theils im Geiste erneuert, so daß der Segen ihres Wirkens in der katholischen Kirche noch immer fortdauert. Mitten im Besiße der großen Gnaden Gottes, hatte sie doch eine merkwürdige Offenbarung über die Hölle und die ewigen Strafen der Sünder. Sie selbst erzählt, wie sie einmal während des Gebetes sich plößlich gleichsam in der Hölle befand, und den Ort sah, der für sie daselbst bereitet, and den sie für ihre Sünden verdient hätte. Alles dieses sagte sie, ging in Kurzen vor; allein wenn ich auch noch so viele Jahre zu leben hätte, so cheint es mir unmöglich, jemals dessen vergessen zu können. In der Seele empfand ich ein solches Feuer, daß ich mir gar nicht vorstellen kann, wie es zu beschreiben wäre. So viel ich auch bisher litt, war doch Alles nichts in Vergleich mit dem, was ich damals empfand, besonders da ich sah, daß die Qualen ewig, ohne Aufhören dauern würden. Ein andersmal hatte diese Heilige eine andere Offenbarung von erschrecklichen Strafen und Peinen gewisser besonderer Sünden und Laster, von denen sie aber nichts selbst empfand. Was hielt Wie sah sie aber diese Offenbarung Gottes an? fie davon, was sagte sie selbst? Nach sechs Jahren sagte sie noch darüber: Ich wiederhole es, daß dieses Eine der größten Gnaden war, die mir der Herr erwiesen hat, was ich von der Hölle empfand und sah, weil es mir so viel nüßte, theils um die Versuchungen zu überwinden, theils um alle Trübfalen zu tragen, theils um zu.danken, daß er mich von so schrecklichen, ewigen Beinen gerettet habe." - --11 - - 1 - - - Gebet. O Jesu! du willst nicht, daß der Sünder verlos ren gehe, sondern sich bekehre und lebe. Wie oft hätten wir verdient, den Verdammten und nicht den Heiligen beigezählt zu werden. O hilf uns, daß wir uns an die Gefahr der Verdammniß erinnern, die Sünde fliehen und nach dem Himmlischen trachten, wo du die Heiligen krönest. Jesu, du Krone der Heiligen! erbarme dich unser!- Maria, äußerste Finsterniß und Verstoßung hätten wir verdient, aber sei uns ein heller Gnadenstern und bitt für uns, daß wir jeden Morgen neu anfangen und dann fortfahren den Weg der und Erneuerung eines christl. Sinnes. 579 Hölle zu fliehen, den Weg der Gerechten zu wandeln, um der Krone der Heiligen theilhaftig zu werden. Maria, Morgenstern! bitte für uns.( Vater unser 2c. 15 Ave Maria 2c.) Eilfter Tag. Betrachtungen über die große Anzahl der Verdammten. Schaue hinab, meine Seele! hinab ins höllische Feuer, und zähle einmal, wie viele schon verdammt wurden vor der Ankunft Chrifti. Sieh, dieser hier ist Kain.- Von zweien Brüdern ist einer gerettet und einer verdammt. Und dort jene große Anzahl sind die Seelen jener, die vor der Sündfluth lebten.- Eine Familie ausgenommen, find alle verdammt, die unbußfertig blieben; und dort sind die unbußfertigen Bewohner von Sodoma und Gomorrha. Und diese hier?- es sind heidnische Egyptier, Amalekiten, Kananäer, Assyrier, Phönicier, Griechen und Römer; und von den Juden, vom auserwählten Volke, o wie viele sind auch da Verdammte darunter. Zähle ferner die Verdammten zur Zeit, wo Jesus Christus auf Erden lebte. Wie viel waren da Heiden, die sich nicht bekehrten, wie viel Gelehrte, die in ihrem Irrthume freiwillig verharrten, obwohl ie die Wahrheit mit offenen Augen sahen;- wie viele endlich, die sich ihm widerseßten, wie viele Juden, die ihn verfolgten; und wie viele Seelen find hier unten, die selbst mit unserm Herrn sprachen, ihm begegnet sind, Zeugen seiner Wunder waren! Da ist Pilatus, der Landpfleger zu Judäa war; hier Kaiphas der Hohepriester, der König Herodes, Judas der Jünger Jeſu Christi, hier der unbußfertige Mörder, der an seiner Seite starb. Endlich zähle alle jene, die nach der Ankunft Christi verdammt wurden. Schaue hier unten eine Menge Sünder, die sich wider das heilige Evangelium auflehnten, blind waren für so viele und große Wunder, die die Kirche verfolgten, römische Kaiser der er ten drei Jahrhunderte, Philosophen, Redner, Dichter, die große Ansehen in der Welt hatten.- Sieh aber hier viele Katholiken, die ungeachtet ihrer Heilswahrheiten, vieler Einsprechungen, Predigten und heiligen Sakramente dennoch durch ihre Untreue zu Grunde gingen!- Ach, wie viele Bischöfe, Priester und Fürsten, ja selbst Ordensgeistliche und Klosterfrauen! Und nun, während wir also betrachten, wie viele Seelen werden nun jetzt ins höllische Feuer fallen.- O, eile nur zur engen Thüre auf den Weg zum Himmel.- O meine Seele lebe mit den Wenigen, wenn du mit den Wenigen dich retten willst! - sty - - - - - 37* - - Monat Marià zur Erweckung Beispiel. Es pflegte Pabst Innozens III., als er noch Kardinal von Ostia war, oftmals einen heiligen Einsiedler zu besuchen, und sich mit ihm über Dinge und Wahrheiten des Heils zu besprechen. Als er nun einmal mit mehreren der Seinigen wieder vor dessen Zelle kam und anpochte, da gab der Gremit weder Antwort noch sonst ein Zeichen. Da öffneten fie leise die Thüre, und sahen zu ihrer großen Verwunderung, wie der fromme Greis auf der Erde kniete, und gleichsam erstarrt und außer sich wai - Als sie ihn aber wie einen tobten Körver aufrüttelten, und endlich zu sich selbst brachten, rief er mit lauter und kläglicher Stimme aus: ,, Ach! ach! wunderbare, schreckliche Dinge habe ich gesehen! Da nun der Karz dinal in ihn drang, ihm doch das Gesicht mitzutheilen, sprach er: Ich ward an einen Ort geführt, wo ich sah, daß diesen Augenblick Seelen, gleich einem gewaltigen Schnee, der die Luft verfinsterte, in die Hölle fielen, und gleich äußerst dünnem Schnee fielen ins Fegfeuer, in den Himmel sah ich nur drei sogleich eingehen- und diese drei nannte er dem Kardinale, nebst dem Orte, wo sie starben. Dieser, als kluger aber nicht leichtgläubiger Mann, wollte die Wahrheit dieses Gesichtes erproben, und sandte Boten an die genannten Orte, und erfuhr, daß wirklich alle drei in derselben Stunde verschieden waren. Er dachte freilich dann an die Worte Jesu: ,, Das Himmelreich leidet Gewalt, und nur die Gewalt brauchen, reißen es an sich." Matth. 11, 12. Auf dem breiten Wege zum Verderben gehen Viele; wenige aber auf dem schmalen Weg. Matth. 7, 14. Ringet durch die enge Pforte einzugehen, Viele werden es versuchen einzugehen, und es nicht vermögen. Lufas. 14, 23. 24. 580 - - Gebet. O Jesu! du fostbarster Schatz im Acker des Herzens, du reichstes Perlein! wer dich gefunden hat, der hat den Himmel, das Paradies auf Erden. Ogib uns einen Bussinn wie dem Schächer, einen standhaften Muth wie dem heiligen Stephanus, daß wir der Hölle entrinnen, vom Fegfeuer befreit, das Paradies, den Himmel erlangen. Jesu, du Kleinod des Herzens! erbarme dich unser! O Maria! Nur wenige wurden vom Tode bei der Sündfluth, gerettet, welche in die Arche flohen. Wir fliehen zu dir, der Bundeslade, in welcher die Schäße der Gnade aufbewahrt sind, und bitten dich, daß wir zu der Zahl der wenigen Auserwählten grhören und das ewige Leben erlangen! O Maria, du Arche des Bundes! bitt für uns!( Vater unser 2c. 15 Ave Maria 2.) Zwölfter Tag. Betrachtung über die Hartnäckigkeit des Sünders. Was konntest du noch thun, o mein Gott! um mich zu retten?- Ich weiß es nicht. Du ladést mich liebreich ein durch die Stimme deiner Barmherzigkeit, und ich fündige ver. messen fort, auf deine Güte hoffend. Laffest du mich die Stimme deiner Gerechtigkeit fühlen, so fahre ich fört zu fündigen, an der Verzeihung verzagend. Wenn du mein Herz innerlich bewegest, beleidige ich dich wieder;-- wenn du mich, - - - und Erneuerung eines christl. Sinnes gerechte Vorwürfe vernehmen läsfest, beleidige ich dich doch.- Ich beneße das Bildniß meines gekreuzigten Erlösers mit Thränen, und nur wenige Stunden darauf öffne ich seine Wunden auf's Neue durch meine Sünden. Ach, welch' ein Abgrund von Bosheit und Sünde, den ich nicht zu ergründen vermag. Herr, was bleibt dir für meine Rettung noch zu thun übrig? - Du hast mich in den Schooß der heiligen Kirche gesetzt; du gabst mir Licht, diese Gnade anzuerkennen, Eingebungen, um meinen Eifer anzuregen, Kraft um zu widerstehen, die heiligen Sakramente zur Reinigung und Stärkung, Beispiele der Heiligen, um mich zu ermuthigen, Leiden und Widerwärtigkeiten, um mich zurückzurufen. Ich fündigte; du hättest mich strafen können und haft mir verziehen. Mit Andern bist du strenge verfahren, mit mir voll Schonung und Milde.- Du that'st Alles, um mich zu bekehren, und ich that, ach! so Vieles, um mich dir zu widerseßen. Was kann ich, um mich zu retten, noch mehr von dir, o mein Gott, verlangen? Dein Blut? du hast es bis auf den letzten Tropfen für mich vergossen. Deine Seele? du gabst sie in die Hände deines himmlischen Vaters für mich hin.- Deinen Leib?- er ward gekreuziget für mich. Dein Fleisch? es ist immer bereitet für mich. Ich weiß nicht, was ich noch begehren muß, um nicht zu fündigen, und doch, wenn ich fündige, beklage ich mich über dich in dem Innersten der Seele, als wenn du es mir an Gnade fehlen ließest.- O Thor, der ich bin, wenn ich es nicht bald einsehen lerne, daß ich mich durch meine Bosheit und Verstocktheit selbst in's Verderben stürze.- O Maria, Mutter der Gnade, bitte für mich, daß ich aufhöre zu fündigen! - - - - - - - - - Beispiel. Der heilige Augustin hatte die heilige Monika zur Mutter, durch welche ihn Gott von früher Jugend an von seinem Irrweg und Lasterleben zurückführen wollte zu einem frommen und christlichen Sinn und Wandel. Es war lange Zeit alles vergebens; die Ermahnungen, Bitten und selbst Thränen seiner Mutter nannte er Weiber- Grillen. Er ergab sich hernach den muthwilligsten Sünden, z. B. erzählt er selbst: Aus Muthwillen, ohne alle Gßlust, hatte er die Birnen vom Baum des Nachbars abgeschüttelt, da doch im Garten seines Vaters viel bessere waren. Auch sagte er selbst, er wolle im Sündigen vor andern Altersgenossen nicht zurückbleiben, nicht nachstehen. Er hielt mit den rohesten, zuchtlosesten Mitschülern Verkehr und Umgang. Gott ließ die heil. Schrift, das göttliche Buch in seine Hände, aber er ließ es nicht in sein Herz kommen, er war zu stolz und leichtsinnig, um es benüßen zu wollen. Er bekannie sich noch eher zu den schändlichen, vernunftlosen Irrthümern der Manichäer, und blieb als Sklave der Sünde in seinem unerlaubten Umgang. Die Mutter grämte sich fast zu todt über ihn, und Gott nahm ihm seinen treuesten Freund durch den Tod. Er aber nichts achtend, um der mütterlichen Grmahnungen los zu werden, reiste nach Rom.- Da ließ ihn Gott durch - - - - - 582 Monat Martä zur Erweckung eine tödtiche Krankheit, an der er beinahe gestorben wäre, mit so vielen In schweren Sünden beladen, zur Buße ermahnen, aber vergebens. Mailand schien er endlich durch die Predigten des heiligen Ambrosius sich Gr bekehren zu wollen, aber es wollte lange nicht ganz Ernst werden. sagte selbst: Zwei Willen sind noch immer in mir, ein alter und ein neuer. Dem ersten wollte er nicht entsagen. Gottes Gnade aber hielt ihm seine Sündigkeit vor, worüber er seufzte: Herr! wie lange! Herr! wie lange! und wieder Morgen! Warum nicht jetzt?-- Nun hörte er Morgen eine Stimme und vielleicht wäre dieses die lette Gnade gewesen, wenn er nicht gefolgt hätte. Die Stimme sprach: Nimm und lies! Es lag Gottes Wort vor ihm. Er nahm es, las es und ergab sich nun ganz der Gnade Gottes. Er ging zu seiner Mutter, um ihr seinen Entschluß mits zutheilen. Dann wurde er vom heiligen Ambrosius getauft, und in seinem Wandel als Christ, als Priester, als Bischof ward er immer ein über aus großer Segen für die ganze katholische Kirche.- Wäre Augustin in seinem alten Sinn verharrt, welche schreckliche Verantwortung, Verdammniß und Fluch wären nun seine Qual, aber da er sich der Gnade Jesu ergab, welch unendlicher Segen, welche Herrlichkeit und Seligkeit genießt er nun in Ewigkeit! Was Maria zu seiner Bekehrung und Besserung ge= wirkt, sehen wir aus seinem Gebete zu ihr. - -- - - - - - Gebet. O Jesu, wo wären wir, wenn nicht in deinem Herzen ein so reicher Schatz der Langmuth und Geduld wäre! - wie erfreuen sich die Gläubigen, deiner Gnadenschäßze theilhaftig zu werden.-O laß uns fein verstocktes Herz haben, sondern gläubig deiner Gnade folgen.- Jesu, du Schatz der Gläubigen! erbarme dich unser! O Maria, voll der Gnaden, wie ist dein Herz einem Hause ähnlich, das voll Gold, das ist, voll Gnade ist, welcher du immer so treu mitgewirket hast. O bitt für uns bei deinem Sohne, daß wir der Gnade Gottes nicht mehr widerstehen, sondern im Reichthum derselben unser Heil suchen und finden:-O Maria! du Haus des Goldes bitt für uns!-( Vater unser 2c. 15 Ave.) Dreizehnter Tag. Betrachtung über das Aergerniß. Die Sünde des Alergernisses ist eine schwere Sünde. Denke nur, wie viel eine Seele Jesum kostete?- Sie kostete ihm Kerker, Verachtung, Schmach, Marter, Kreuz.- Und du willst ihm eine so theure, kostbare Seele um einer Kleinigkeit willen, entreißen!- machest an dieser Seele sein bitteres Leiden und Sterben nußlos! erfüllest sein Herz muthwilliger Weise mit dem bittersten Schmerz, mit dem tiefsten Kummer!- Weißt du, daß du hiedurch dem Teufel, der von jeher ein Mörder der Seelen war, ähnlich wirst, mit ihm in Gemeinschaft trittst.- Auch du tödtest und verführest, seit deiner frühesten Jugend, durch diese fündhaften Einfälle, Bewegungen, Blicke, Worte und Einladungen, auf verrätherische Weise die unschuldigsten 1 und Erneuerung eines christl. Sinnes. 583 Seelen. Die Sünde des Aegernißes ist ein Abgrund von Sünden; denn sieh, jene Sünde, zu welcher du diese Seele verleitet hast, ist auch deine Sünde, und alle jene Sünden die in Folge jener ersten begangen wurden und wozu du durch dein böses Beispiel und Rath Veranlassung gegeben hast, werden alle dir zugerechnet. Dieser fündigte durch dich, und ward in der Folge wieder Verführer für Andere im selben Laster.- Alle Sünden jener Verführten sind nun deine Sünden, weil sie alle ihren Ursprung in deinem gegebenen Aergerniße haben. - Ach! welche Kette von Sünden!- Die Sünde des Aegerniffes ist demnach eine große unberechenbare Schuld gegen Gott selbst, du trittst mit der Hölle in ein Bündniß gegen ihn, um ſeine Ehre, so viel du es vermagst, zu vernichten. Du beraubest also so viele der Glorie im Himmel, als du Seelen verführest, entreißest ihnen die Herrlichkeit und Freude, Gott selbst den Lob- und Preisgesang so vieler treuer Diener, bevölkerst mit ihnen dafür das Reich der Finsterniß, und vermehrest die Anzahl jener, die Gott ewig fluchen werden. Auf der Erde aber entehrest du indeß seinen Altar und Tempel, durch jene Unehrerbietigkeit, das Lachen und Schwäßen in der Kirche.— Verstehst du es nun, welch' ungeherere Schuld du dir durch dein böses Beispiel aufladest, und treibst es nun so viele Jahre und mit so großer Bosheit! Und Gott könnte und würde dir dennoch verzeihen, wenn du für so viele Seelen, die du ihm schon entrissen, jetzt nur einige durch Rath und Beispiel wieder gewinnen würdest!- Er will sich für eine so große Schuld mit so kleinem Erfaße begnügen; warum thust du es denn doch nicht? - - Beiſpiel. Die selige Büßerin Thais war vor ihrer Bekehrung ein Werkzeug der Hölle, das recht viel Nergerniß stiftete. Vielen ward sie zur Verführung und zum Untergang. Manche brachte sie dahin, daß fie nm ihrerwillen Hab und Gut preisgaben. Andere geriethen wegen ihr in schweren Streit, woraus auch Vordthaten erfolgten. Ihr böser Ruf und ärgerlicher Wandel verbreitete sich bis in die Wüste zu den frommer Einsiedlern Da nun auch der Abt Paphnutius von ihr hörte, seufzte er aus tiefem Herzen über das Verderben so vieler Seelen durch diese Thais. Er betete zu Gott, und dachte nach, ob solchem Nebel nicht zu begegnen wäre. Nachdem er zu Gott inständig gefleht, stand er auf, zog weltliche Kleider an und ging in die Stadt, wo die Unverschämte ihr Wesen trieb. Kaum hat er ihre Wohnung erfragt, so eilte er unge= fäumt dahin, um mit ihr allein zu sprechen. Er fagte zu ihr: ,, Sind wir hier auch wohl allein? Thais antwortete: ,, Wenn du die Menschen scheuest, so sei versichert, kein menschliches Auge kann uns hier jchen. doch, erwiederte Paphnutius, es möchte uns Jemand sehen. fie: Nur Gottes Auge, sonß Niemand kann uns hier sehen. denn, fuhr der heilige Mann fort, daß es einen Gott gibt, der allsehend ift?- Wer weiß das nicht, antwortete Thais hierauf: Ich weiß, daß ein Gott lebt, daß er die Guten belohnt und die Bösen bestrafet.. Nun fragte Ich furchte Da sprach Weißt du - - - 584 Monat Mariä zur Erweckung fie Paphnutius: ,, Sag mir, wenn du das glaubst, wie konntest du vor den Angen Gottes so viele Seelen verführen und ins Verderben stürzen? Wie kannst du deiner Seele solche Verantworturg, solche Verdammniß zuziehen? Weißt du, was deiner harret, welche Rache Gottes, in Kürze kommen kann?- Suche doch Gnade und Trost in Jesu deinem Heilande!" Nun ward Thais ernst und nachdenkend, sing bitterlich zu weinen an, fiel dem heiligen Einsiedler zu Füßen und sagte: ,, Ich sehe, daß du ein Mann Gottes bist, den er zu mir gesandt hat. Entreiße mich doch einem so großem Elende, lege mir eine Büße auf, und bitte, daß ich von Jesu Erbarmung, Verzeihung und Troft erlange."-Tief fühlte sie nun die schwere Sünde des Aergernisses, und schanderte vor ihren Folgen.- Was that sie nun? Sie sprach zum heiligen Manne: ,, Nur drei Stunden Zeit bitte ich dich dann will ich dir folgen und thun was du sagst." Wozu aber drei Stunden? Sogleich sammelte sie alles, was sie hatte und was ihr durch die Sünde zugekommen war, zündete auf offenem Plaß ein Feuer an, und verbrannte alle ihre schändliche Habe auch vor den Augen derer, denen sie zum Aergerniß war. So wollte sie zuerst ihr Aergerniß gut machen, und dann überließ sie sich ganz der Anleitung des heiligen EinFiedlers. Drei Jahre wirkte sie die strengste Buße, erhielt Gnade, Vergebung, Friede, Trost und einen heiligen, standhaften Sinn in Jesu, womit sie dann nach 15 Tagen selig im Herrn entschlief, als ein Muster der Buße und als Erbin des Himmels. - - - - Gebet. O Jesu! wohin wenden wir uns in den vielen Vorwürfen unseres Gewissens wegen der gegebenen Aegernisse? Wo finden wir Gnade Vergebung und Trost? Wo anders als bei dir! Erbarme dich unser und heile uns von allen fremden Sünden, so daß wir statt des Aegernisses gutes Beispiel geben, und in dir wahren Trost haben.- O Jesu, du Quelle des Trostes! Erbarme dich unser! O Maria! daß wir Sünder auch noch Freude haben dürfen, wenn wir uns bekehren, bist auch du als Mutter des Erlösers Ursache.- Ja, bitte noch für uns, damit wir uns auch so bekehren und so wandeln, daß wir uns der Erbarmung Gottes erfreuen können. Maria, du Ursache unserer Wonne! bitt für uns. ( Vater unser, 15 Ave Maria, 2c.) Vierzehnter Tag. Betrachtung über die Menschenfurcht. Du möchtest dich bekehren und thust es nicht.- Warum dieses? Aus Menschenfurcht! Wenn ich nicht mehr in dieses Haus gehe, so werden die Leute sagen, daß es mir der Beichtvater verboten hat. Wenn ich diese gefährliche Gesellschaft verlasse, so heißt es gleich: ich ziehe mich in die Einöde zurück. - Wenn ich an diesen leichtsinnigen, gefährlichen und ärgerlichen Gesprächen feinen Antheil mehr nehme, so werden sie mich verurtheilen, ich sei überspannt. Halte ich meine Sinne ver sammelt, bleibe ich von lärmenden Vergnügungen weg, so möchte man mich am Ende auslachen, daß ich so voll Scrupel bin. - 111 - - - und Erneuerung eines chriftl. Sinnes. Ach, an seiner Seele schaden leiden aus menschlichen Rücksichten wie thöricht ist wohl dieses! Du hast also Lust, heilig und dann selig zu werden, aber noch keinen recht festen Entschluß dazu! Woher kömmt wohl dieses? Aus Menschenrücks ficht. Du denkst: wenn ich der Eitelkeit, dem Lurus und dem übertriebenen oder unanständigen Puß entsage, so werden sie mich verachten. Wenn ich die Armen und Kranken pflege, mich in der Kirche beim heiligen Meßopfer und öftern Empfang der heiligen Sakramente antreffen lasse, so werden sie mich hypochondrisch nennen. Aber weißt du nicht, daß du durch diese Einwendungen alle Hoffnung zur Seligkeit des Himmels und Glorie der Heiligen aufgibst?- welch' ein Unverstand! O Wenn dich das Kreuz deines Herrn erröthen macht, so wird es dir nicht zum Segen, sondern zum Fluche seyn. Christus der Herr hat es ja selbst ausgesprochen und mit den Worten: ,, We sich meiner und meiner Lehre schämt, dessen wird sich der Menschensohn auch einst schämen."( Luc. 9, 26.) Herr, wirst du rufen einst am Tage des Gerichtes, Herr! fennst du mich denn nicht? Ich bin ein Chrift.- Hinweg von mir, wird dann Jesus erwidern, ich kenne dich nicht.- Du hast dich geschämt meine Kennzeichen auf Erden zu tragen, meinen Namen vor Andern zu bekennen, zu loben; mir in meiner Demuth, Sanftmuth, Geduld und Verachtung der Welt nachzufolgen, und gibst dich nun für einen Christen, für einen Gefalbten aus? Entferne dich von mir, ich kenne dich nicht:- dort jene ausschweifenden Freunde, jene ärgerlichen und unverschämten Freundinnen, diese werden dich wohl kennen, mir aber bist du ganz unbekannt.- Christ, fliehe daher solche Menschenfurcht! - - - - Beispiel. Der heilige Hieronymus Aemilianus hatte eine sehr fromme Mutter, welche ihin die Grundsäße der christkatholischen Religion mit Wort und Beispiel lehrte, und ihn gut erzog. Allein kaum fünfzehn Jahre alt, ließ er sich durch Menschenfurcht von seinen religiösen Uebungen abwendig machen, von bösen Beispielen hinreißen, und von seinen eigenen Leidenschaften auf Abwege bringen. Wenn er auch von der Mutter zum Guten ermahnt, vom Vater mit Ernst abgemahnt wurde, so stegte in ihm sogleich wieder die Menschenfurcht, der Gedanke, was würden Andere sagen, wenn er nicht mithalten würde. Sein Vater starb frühzeitig, wos rauf er noch ungefitteter lebte; am freieften aber lebte er als Soldat in Kriegsdiensten. In solchem Zustande blieb er bis ins dreißigste Jahr. Da ward er in einer Festung Kriegsgefangener, wurde mit schweren Ketten an Händen, Füßen und am Halse beladen, in einen finsteren Kerker einges sperrt, dann geprügelt, und mit Wasser und Brod gespeiset. In diesem Elend und Jammer sah er ein, wie ihm alle die Menschen nicht helfen kön nen, die ihm früher Menschenfurcht eingeflößt, vor denen er fich gescheut batte, fromm zu leben, und denen zu gefallen er überall im Bösen mitge macht hatte.- Jezt erwachten in ihm die frühern Grundsäße seiner guten - - - -- - 586 Monat Mariä zur Erwedung - Erziehung, die Wahrheiten der Religion, die er so gering geachtet. Jegt ward sein Herz mit Furcht und Angst vor der Ewigkeit erfüllt. Nun fing er an, mit unaufhörlichen Thränen und reumüthigen Seufzern zu Gott uni Erbarmung, um Vergebung, um Hilfe zu flehen. Er gelobte eine wahre Buße und ein wahrhaft besseres Leben. Nun nahm er auch, was er schon früher von seiner Mutter gelernt, leider wieder vergessen hatte, seine volle Zuversicht zu Maria, der göttlichen Gnadenmutter, daß sie ihm von ihrem göttlichen Sohne eine wahre Zerknirschung des Herzeus, Vergebung der Sünden, und Hilfe in dieser Noth erflehe. Es stand gar nicht lange an, so erfuhr er schon Gottes.Erbarmnng, und den mächtigen Schuß Mariä.. Er fühlte sich gegen seinen bisherigen Zustand ganz geändert, ward auch wunderbarer Weise von seinen Ketten und aus dem Gefängnisse wieder befreit. Er eilte nach einer nahen Stadt, ging in die Kirche, dankte und hängte seine Ketten an einen Altar, der Mariä geweiht war, auf. Hierauf faßte er den festen Entschluß zu einem neuen ganz christlichen Leben, legte eine allgemeine Beicht ab, worauf er strenge Buße übte. Nun ließ er sich nicht mehr durch Menschenfurcht von seinem Vorsaß abwendig machen, Durch fie mochten feiner lachen oder spotten, oder sich an ihm erbauen. Ueberwintung dieser Menschenfurcht, seiner Leidenschaften und der bösen Welt, ward er immer mehr von Gott begnadigt, durch den Empfang der heiligen Sakramente gestärkt, und durch Gottes Wort belehrt, so zwar, daß er bei einer Hungereneth der speisende Bater der huugrigen Armen gewesen, und dann in der katholischen Kirche, obgleich er sich aus Demuth nie zum Priester weihen ließ, doch der Stifter des Ordens zur Erziehung der armen Waisen geworden, und sich nun mit der großen Anzahl solcher seligen Waiſen im Himmel erfreuet.- - - Gebet. O Jesu, wie oft lassen wir uns auch durch Menschenfurcht vom Guten abhalten oder zum Bösen verleiten. Sieh unsere Schwachheit in guten Vorsätzen, erbarme dich unser und sei uns mit deiner allmächtigen Hand ein starker Stab, womit wir uns fest an dich halten, uns nie vor Anderen scheuen Gutes zu thun, und dir treu bleiben.- Jesu du Stab der Schwachen, erbarme dich unser! - - O Maria, du hast dich nicht gescheut, unter dem Kreuz bei deinem Sohne zu bleiben. Sieh, o reinste Jungfrau, wie schwach wir sind; und bitte Gott, daß uns deine mächtige Fürbitte stärke, damit wir überall ungescheut den Glauben an Jesus bekennen, und unserer Pflicht treu bleiben. Maria, du mächtige Jungfrau, bitt für uns! ( Vater unser, 15 Ave Maria xc.) www Fünfzehnter Tag. Betrachtung über den Himmel. Was gefällt dir denn in dieser Welt? Etwa die Frei heit? D, wenn du in den Himmel kömmst, da kannst du vor Freiheit und Freisinn nichts als frohlocken und jubeln.- Da kannst du in einem Augenblick vom Himmel auf die Erde und von der Erde wieder in den Himmel gelangen.- Da fins dest du gar nichts, was dir nicht unendliches Vergnügen ver. und Erneuerung eines chriftl. Sinnes. 587 schafft.- Liebst du die Musik? O wie lieblich klinget jene der Engel und Heiligen im Himmel. Töne durch die Hände eines Seraph's hervorgebracht, haben den heiligen Franziskus von Assist in die höchste Entzückung versetzt. Oder willst du schön und glänzend erscheinen?-D, wenn du einmal selig bist, da werden deine Augen wie zwei Sterne glänzen, dein Angesicht wird hell leuchten wie die Sonne, deine Hände wie mit Edelsteinen gezieret seyn, und dein ganzer Körper wird wie in ein Lichtgewand gehüllt erscheinen. Oder wünschest du vielleicht gelehrt und weise zu seyn?- O, da begib dich nur in den Himmel, und du wirst in einem Augenblick weiser als Salomon, erleuchteter als alle Weisen der Eide seyn.- Da kannst du die tiefsten und erhabensten Wissenschaften in wenigen Augenblicken, ohne Anstrengung, ohne Ermüdung erlernen.- Verlangst du die Schönheiten der Natur zu bewundern? Aber wie unendlich schöner ist der Schöpfer derselben! Ihn wirst du im Himmel von Angesicht zu Angesicht schauen; ganz nahe fein Antlig betrachten, und ein einziger Blick wird dich unendlich selig machen. O welche Freude, die heiligen Engel zu sehen! Adam, Abraham, David, alle heiligen Apostel und Märtyrer zu sehen!- Maria zu sehen, und an ihrer Seite alle jene die nicht der Welt, sondern dem Herrn Jesu und ihr treu gefolgt sind. Hast du endlich den Wunsch, viel Freude zu besitzen? O rette dich nur, und du wirst Gott selbst besitzen, den Herrn und Schöpfer aller Dinge, aller Güter, der ganzen Welt! Er wird dein, ganz dein eigen seyn, und Niemand wird dir dieses Gut mehr entreißen fönnen;- du wirst es auch selbst nicht mehr verlieren können. Er wird dein seyn, und du wirst ihm ganz zugehören, für immer, für eine ganze Ewigkeit!- -- -- - - - Eitler Thor, wenn du für einen elenden, furzen Genuß, die ewige Freude des Himmels verlieren willst! Beispiel. Was vermochte nicht die Liebe Jefu Chrifti in Maria, der schmerzhaften Mutter unter dem Kreuze, und in den Millionen von Märtyrern in der katholischen Kirche? Was vermochte nicht die Betrachtung des Himmels und seiner Freuden in Eltern und Kindern? Felizitas, eine fromme, feusche Wittwe, und sorgfältige Mutter von sieben Söhnen, er= zog tiese nicht nur in Gottesfurcht, sondern auch besonders in heiliger Liebe Jesu.- Wie oft wird sie ihnen die Freuden des Himmels und die Herrlichfeit Mariä der reinsten Jungfrau, die Seligkeit der Patriarchen, den überaus großen Lohn der Apostel und Märtyrer, den Jubel der Bischöfe und Beichtiger, das herrliche Lob und die Schönheit der Jungfrauen dargestelle haben, besonders zur Zeit der grausamen Verfolgungen, die damals gegen die Christen wütheten. Der Kaiser befahl dem Präfekten Publius, die Wittwe Felizitas mit ihren sieben Söhnen zur Anbetung der heidnischen Gottheiten zu zwingen.- Publius ließ zuerst die Mutter herbeirufen und 588 Monat Mariä zur Erweckung - - forderte sie auf zur Entfagung des Christenthums, anfangs schmeichelnd dann drohend. – Aber umsonst, die standhafte Christin antwortete: ,, Lerne mich kennen, und schmeichle dir nicht, mich durch Drohungen zu schrecken. Durch die Kraft des heiligen Geistes hoffe ich zu fiegen. Bin ich getödtet, so ist mein Sieg noch sicherer- ewig herrlich!" Als der Nichter ihr nun vorstellte, daß auch ihre Kinder das Leben laffen würden, sagte fie: Meine Kinder werden ewig im Himmel leben, wenn sie den Gößen nicht opfern. Thun sie dies aber, so gehen sie in's ewige Verderben. Am folgenden Tage ließ Publius Mutter und Söhne öffentlich vor seinen Richterstuhl kommen, und sagte: Mutter! erbarme dich deiner Söhne, dieser blühenden Jünglinge. Sie können zu den höchsten Ehrenstellen im Reiche kommen. Die Mutter antwortete: Dein Mitleid ist Frevel- deine Worte machten mich zur grausamsten Mutter. Dann wandte sie sich zu ihren Söhnen, und sprach: sehet den Himmel an, schauet empor. Dort harret Jesus Christus in seiner Herrlichkeit euer mit allen seinen Heiligen. Kämpfet für eure Seelen; erweiset euch treu in der Liebe Chrifti. Als Publius dieses vernahm, ließ er sie grausam schlagen. Hierauf rief er die sieben Söhne, Januarius, Felix, Philippus, Silvanus, Alexander, Vitalis und Martialis, der noch ein Kind war.- Giner nach dem anden bekannte standhaft seiner Glauben an Jesus und jeder freute sich des Himmels, wo sie bei Jefus, mit Maria und allen Heiligen, mit ihrer Mutter und sie zusammen die herrlichste Krone erhalten würden. Der Richter berichtete es an den Kaiser, und dieser gab Befehl zur Marter.- Januarius wurde mit bleiernen Kugeln zu todt gegeißelt, Felir und Philippus mit Kolben todt geschlagen, Sil vanus von einer Höhe herabgestürzt, und die drei Jüngsten wurden enthauptet. Die Mutter mußte bei der Marter zusehen, wobei sie ihre Söhne nur ermunterte. Nachdem sie noch vier Monate im Kerker geschmachtet, wurde endlich auch sie enthauptet, worauf sie dann auf ewig mit ihren Söhnen in der Herrlichkeit des Himmels vereinigt blieb. - - - - 1 - - - - - Gebet. O Jesus, du hast es selbst gesagt, wie du denen, die an dich glauben, einen herrlichen Ort im Himmel bereiten wolleft; o welche Freude bist du denen, die in diesem Ort der Herrlichkeit, des großen Lohnes im Himmel schon theilhaftig sind! O steh gnädig auf uns herab, daß wir auch nur nach dem trachten, was droben ist, und in dieser seligen Hoffnung dir dienen. O Jesus, du Freude des Himmels! Erbarme dich unser! - - - O Maria! du warst die nächste beim Kreuze, und dadurch die nächste am Himmel; ja, du bist die Pforte, durch welche schon so Viele in den Himmel eingegangen sind; sei es auch uns, wir bitten dich, daß wir unter deinem Schuße, unter Kampf und Leiden, durch Treue und Eifer den Himmel erlangen. O Maria, du Pforte des Himmels, bitte für uns! Vater unser 2c., 15 Ave Maria 2c. Sechzehnter Tag. Betrachtung über den Weg zum Himmel. Es gibt nur zwei Wege in den Himmel, den der Unschuld und den der Buße. Mit der Unschuld? wie steht es da bei dir? Ach! ich kann sagen, daß ich selbe verloren, noch ehe und Erneuerung eines christl. Sinnes. ich sie gekannt.- Ich habe sie verloren, ohne sie zu beweinen, ohne diesen Verlust zu beklagen.- Ach, noch mehr; ich habe vielleicht selbst Andere davon beraubt!- heilige Unschuld, O die du so leicht, so schnell, so unwiederbringlich verloren gehest!- Aber ich werde für meine Sünden doch Buße gethan haben? Was für eine Buße? Wer weiß, ob ich sie nur jemals vollständig gebeitet habe. Jede Buße aber, die mir für meine Sünden auferlegt ward, schien mir zu schwer, so unbedeutend sie auch seyn mochte. Freiwillige Bußwerke verrichtete ich nie, daran dachte ich wohl kaum.- Ja, anstatt der Bußwerke, des Fastens, der Zurückgezogenheit und Abtödtung, der Demuth und Geduld, habe ich mich vielmehr bemüht, alle erdenklichen Freuden, Genüße und Bequemlichkeiten aufzusuchen! Und ich verlange in den Himmel einzugehen!- Aber auf welchem Wege?- Ohne Weg fann ich nicht gehen; einen der zwei erwähnten, der Unschuld oder der Buße muß ich daher betreten. Jenen der Unschuld kann ich nicht mehr gehen, und den der Buße will ich nicht. Auf welche Weise werde ich mich dann wohl retten? Laffet uns also den festen Entschluß faffen: Wenn ich bis auf diese Stunde feine Buße gethan, so will ich gleich jetzt damit den Anfang machen; ich will den Weg zum Himmel einschlagen durch Werke der Barmherzigkeit, durch Demuth und Geduld 2c., jetzt, da noch Zeit ist. Wer weiß, wie lange ich noch leben werde. Vielleicht gar wenig mehr, aber ich kann mir dennoch in dieser furzen Lebensfrist und Bußzeit noch den Himmel verdienen! Und warum will ich es nicht thun?- - - Beispiel. Die heilige Elisabeth, eine fönigliche Prinzessin von Ungarn, dann Gemahlin des Landgrafen von Thüringen, ging den Weg der Unschuld und der Buße, der Barmherzigkeit, der Demuth und Geduld zum Himmel. Schon als Kind liebte sie die Andacht und Innigkeit, und überließ sich willig den guten Eingebungen der göttlichen Gnade in ihrem Herzen; Maria, die seligste Jungfrau, nannte sie nur ihre Mutter. Nirgends war sie lieber als in der Kirche, besonders beim heiligen Meßopfer. Wie sie sich aus Liebe im Gebet mit Gott unterhielt, so fuchte sie nach dem Gebet, aus selber Liebe, dem' Nächsten Gutes zu thun.- Am Hofe des Landgrafen von Thüringen erbaute sie schon mit vierzehn Jahren durch ihre Demuth, Andacht, jungfräuliche Reinigkeit, Abtödtung und Barmherzigkeit alle Gutgesinnten am Hofe. Sie lernte früh den Weg zum Himmel kennen, und wollte auch feinen anderen gehen. Sie wußte wohl, daß man aur durch viele Trübsale in's Reich Gottes eingehen könne, darum schlag fie auch diesen Weg nicht aus.. Wegen ihrer Gingezogenheit und Frömmigkeit mußte sie aber vieles leiden, besonders von der Schwester ihres Brâutigams, die sehr eitel und stolz war. Auf diesen aber machte ihr frommer Wandel den besten Eindruck, so, daß er sich durch nichts abwendig machen ließ, sich mit ihr zu vermählen. Als Landgräfin feßte sie ihre Frönimigfeit fort, und besuchte täglich die Kirche. Ihre Liebe zu Jesus entzündete ihr Herz zu solcher Barmherziekeit, daß fie täglich 900 Arme speisete, - 1 -- - 1 - - Monat Mariä zur Erwedung und für Kranke und Alte am Fuße des Bergschloßes ein eigenes Spita: bauen ließ, in welchem sie selbst Alte und Kranke pflegte und bediente. Sie ward dadurch die Stifterin des Ordens der Elisabethinerinnen zur Krankens pflege. Nach dem Tode ihres. Gemahls hatte sie sammt ihrem Sohne und Sie zwei Töchtern Vieles, überaus Vieles ganz unschuldig zu leiden. wurde angeklagt, als hätte sie bisher durch zu viel Almosen die Einkünfte des Landes verschwendet. Sie mußte sich in eine elende Hütte flüchten, weil sich Niemand getraute, sie aufzunehmen. Nachdem ihre Verläumder zu Schanden geworden, suchte man ihr das erlittene Unrecht zwar zu vergüten, allein Elisabeth zufrieden, daß man sich wieder ihres Sohnes und ihrer Töchter annahm, schien ein Vergnügen an ihrer Erniedrigung zu haben, fie trat in den Orden des heiligen Franziskus und widmete sich der Pflege der Armen und Kranken. Auf diesem Wege der Unschuld, der Buße, der Demuth und Barmherzigkeit kam sie zu ihrem Ziele, zum Himmel! - - - - - Gebet. O Jesus, du hast selbst gesagt: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Laben wohin führt uns dieser Weg, dein Beispiel diese Wahrheit dein Wort?- Zum Himmel, - zum ewigen Leben.- O steh' uns bei, daß wir doch keinen anderen Weg mehr gehen, an kein anderes Wort uns mehr halten, als an dich, damit wir auf dem rechten Wege der Demuth, der Sanftmuth, der Buße und Andacht, der Liebe und Barmherzigkeit unsere Heimath, den Himmel erreichen. O Jesus, du Weg und Wahrheit, erbarme dich unser! O Maria, du bist uns jener Spiegel, worin wir an deinem Beispiele alles sehen, was uns zum Himmel führet. möchten wir nur auch so suchen, wie du, vor Gott gerecht zu wandeln. O bitte für uns, daß wir dein Beispiel stets vor Augen haben, demselben treu folgen, bis zum Lohne der christlichen Gerechtigkeit. O Maria, du Spiegel der Gerechtigkeit, bitte für uns!( Vater unser 2c., 15 Ave Maria xc.) Siebenzehnter Tag. Betrachtung über die Verehrung der allerfeligsten Jungfrau. - - Die Verehrung Mariens ist eine sehr wirksame Andacht; denn Maria ist ja die Mutter Gottes: man kann daher mit vollem Rechte sagen, daß sie, kraft ihrer Fürbitte, alle Schäße der Gnade, Allmacht und Erbarmung Gottes in ihren Händen habe. - Wäre es denn möglich, daß Jesus seiner heiligen Mutter, die ihn ernährt, bewacht, gepflegt und erzogen hat, etwas abschlagen oder versagen könnte!- Seiner lieben Mutter, die ihn stets begleitet, als er umherzog, selbst bis zum Fuße des Kreuzes, ja bis zum Grabe? Maria liebte Jesus über Alles, und Jesus sollte Maria nicht über Alles lieben?- Diese Andacht ist aber auch äußerst süß; denn Maria ist ja auch unsere Mutter! Meine Mutter, sagte der heilige Joseph von Kupertino, ist die Mutter Gottes, und meine natürliche ist nur meine Ernährerin!- D - - und und Erneuerung eines christl. Sinnes. wie süß und trostreich ist es, sagen zu können: Meine Mutter ist die Mutter Jesu Christi, die Mutter Jesu ist meine Mutter! Wir sind Kinder einer und derselben Mutter, Jesus und ich! Maria begleitet daher auch alle Gnaden, die sie uns spendet, mit mütterlicher Zärtlichkeit. Sie begnügt sich nicht, uns bloß zu erhören, sie antwortet und spricht auch zu unseren Herzen, oft mit solchem Gefühl der Andacht, daß sie uns Thränen entlocket. Es ist aber noch überdieß eine äußerst rührende Andacht; denn Maria ist ja die Mutter der Sünder! Und diese sind es, die ihren göttlichen Sohn an das Kreuz schlugen. Und Maria liebt sie dennoch, wenn sie sich nur bekehren- wollen;- ja sie zu lieben, scheint ihr noch zu wenig;- sie verlangt noch überdieß ihre Mutter zu seyn, die Mutter, die Zuflucht der Sünder. O welch ein Jubel für ihr Herz, wenn sie zwei Brüder, zwei geliebte Söhne, Jesus und den Sünder aussöhnen fann! bist du ein Sünder? O, so flehe mur zu Maria deiner lieben Mutter;- du kannst ihr so große Freude machen!- Lege den Dolch, deine Sünden, deinen bösen Willen, mit dem du Jesus durchbohret hast, zu ihren Füßen nieder.- Begib dich ganz unter ihren Schuß, und sage mit reumüthigem Herzen: O Maria, Zuflucht der Sünder! bitt' für mich!" 19 - - - - - - - - denmutter. Beispiel. Der heilige Dominikus und der heilige Franziskus von Assist waren beide von ihrer Kindheit an bis zu ihrem Tode ganz besondere Verehrer Mariä, der allerseligsten Jungfrau.- Sie nahmen in allen ihren großen und wichtigen Angelegenheiten ihre Zuflucht auch zur göttlichen GnaDer heilige Dominikus betete, wie er selbst erzählt, nach ſei. ner Gewohnheit zu Nachts in der Kirche. Da sah er, wie der Sohn Gottes zur Rechten des Vaters ganz erzürnt aufstand, um alle Sünder auf Erden zu vertilgen. Er schwang drei Lanzen: eine wider die Hochmüthigen, eine wider die Habsüchtigen und eine wider die Wollüstigen. sich Niemand widerseßen durfte, kam die göttliche Mutter, umsing Jesu Füße, und bat ihn, daß er doch diejenigen, die er mit seinem Blute erlöst hätte, verschonen, und Barmherzigkeit vor Recht wolle walten laffen. Siehst du nicht, sagte ihr Sohn, wie viele Unbilden sie mir zufügen? Länger kann meine Gerechtigkeit so viel Böses in allen Ständen nicht dulden. Allein die Mutter erwiederte: Du weißt Alles, also auch die Weise, wie du sie wieder zurückführen wirst. Sieh, ich habe einen Diener, einen eifrigen Verehrer, den du in die Welt hinaussenden wirst, auf daß er ihnen deinen Willen verkünde, und so werden sie sich wieder zu dir, ihrem Heilande befehren. Und dann habe ich noch einen treuen Verehrer und Diener; diesen will ich dem Ersten zum Gehilfen geben. Da sagte der Sohn: Ich bin versöhnt aber zeige mir jene, welche du zu diesem großen Geschäfte ausersehen hast. Da brachte die göttliche Mutter den heil. Dominikus vor ihn. Dieser sah auch im Gesichte den heiligen Franziskus, den er vormals nie gekannt hatte. Da er ihn den andern Tag in der Kirche sah, erkannte er ihn, und sagte: Du bist mein Gefährte! Laß uns zusammengehen, und kein Feind wird uns bestegen. Er erzählte nun dem heiligen Franziskus sein Gesicht, und von dieser Stunde an blieben sie ein Herz - - - - - - Monat Maria zur Erweckung und eine Seele zu ihrem großen Werke. Unaussprechlich ist es, was dieſe zwei Heiligen in der katholischen Kirche zur Bekehrung der Seelen wirkten. Der heilige Dominikus hat auf Anweisung der göttlichen Mutter selbst, die Andacht des heiligen Rosenkranzes zur Verbreitung, Erinnerung und Befestigung im Glauben an die Geheimnisse der Erlösung eingeführt, und dadurch die damaligen Gläubigen vor der Ketzerei bewahrt. Der rechte Gebrauch dieser Andacht hat unaussprechlichen Nußen und Segen gebracht, und bringt ihn noch immer. 1 Gebet. O Jesus! du hast dir eine Mutter auserwählt, welche die reinste auf Erden war, und der Fülle der Gnaden sich würdig machte.- Du hast sie uns am Kreuze als Mutter der Gnaden gegeben; o wie herzlich danken wir dir dafür! Durch dich, Auserwähltester, daß sie dich geboren, ist sie zur höchsten Ehre erhoben. Verleihe uns die Gnade, daß wir diese deine Mutter mürdig verehren, und durch diese Verehrung jeßt immer beffer und frömmer, und einst selig werden! O Jesus, Auserwählter aus den Menschenkindern, erbarme dich unser! O Maria, welche Verehrung, welches Lob gebührt dir als der reinsten Jungfrau, als der Mutter des Sohnes Gotz tes, unseres Heilandes, als unserer Mutter der Barmherzigfeit! O vergib uns unseren Undank, unsere unwürdige Verehrung, und wir geloben dir, mit neuem Eifer, findlichem Vertrauen und frommer Nachfolge dich zu ehren und zu loben. O Maria, du ehrwürdige und lobwürdige Jungfrau, bitte für uns! Vater unser ic., 15 Ave Maria 2c. Achtzehnter Tag. Betrachtung über die Gegenwart Gottes Bei wem befindest du dich jetzt? Bei Gott! Und wann du spazieren gehest, arbeitest, schläfst, wann du sprichst oder isfest, vor wem bist du dann?- Nicht wahr, auch dann bist du vor Gott. Er steht dir gegenüber, er ist um dich, in dir, in deinem ganzen Wesen.- Er sieht und beobachtet jede deiner Handlungen, er hört jedes Wort, das du sprichst, bemerkt jedes Gefühl, das sich in deinem Herzen regt, bemißt und durchschaut deine geheimsten Gedanken. Bedanken. Er sieht unnufhörlich auf dich am Tage, und wacht über dich in der Nacht; wann du allein oder in Gesellschaft bist, zu jeder Stunde, an jedem Orte.- Du kannst also gar nie sagen:„ Jetzt kann ich ohne Scheu sündigen, es sieht mich Niemand;" Niemand sieht dich? Gott sieht dich. Welche - Verachtung aber, welche Vermessenheit im Angesichte Gottes sels ber zu fündigen, im Angesichte eines so heiligen, so mächtigen, so -liebreichen Gottes!- zu fündigen vor den Augen deines Erlösers, Vaters, Bruders, Bräutigams, deines Richters!-Sich zu schämen wegen einer Sünde vor den Menschen, und nicht vor dem allgegenwärtigen, Alles durchschauenden Gott! Ach, alle deine - - - und Erneuerung eines hriftl. Sinnes, Sünden sind in seinem Herzen eingetragen, wo er sie beständig lesen kann, beständig vor Augen hat, wo sie gleichsam ſeinen Zorn unaufhörlich neu aufregen, rufend: Vor meinem Angesichte ist's geschehen. Sieh', dieser hier, diese hat jenes Böse vor meinen Augen verübt. Und wenn du dann einst vor Gottes heiligem Richterstuhle erscheinen wirst, um dein Urtheil zu vernehmen, da bedarf es keiner Ankläger, keiner Zeugen mehr. Das Auge Gottes, das unaufhörlich auf dich sah, wird Ankläger seyn. Ich bin der Richter, ich bin der Zeuge, wird Jesus sprechen. O welche Bestürzung dann, der du dich jetzt so oft allein geglaubt, wenn du jene zornigen Blicke einst schauen wirst, und der Gedanke furchtbar in deine Seele hereinbrechen wird, wie ein Donnerschag, daß sie Zeugen aller deiner Lasterthaten und schändlichen Gelüfte waren! O benüßze doch jetzt die Erinnerung an die Gegenwart Gottes recht zu deinem Heile, daß du die Sünde fliehest, recht zu deinem Troste, daß du fromm vor Gott wandelst, geduldig leidest, standhaft im Guten ausharrest. Welche Freude wirst du darüber empfinden, wenn du ihn dann einst von Angesicht zu Argesicht schauen wirst!- - - - 11 Beispiel. Der heilige Ephrem, ein Kirchenvater, der überaus gross sen Segen in der katholischen Kirche stiftete, hatte schon in seiner Jugend erfahren, wie man die Allgegenwart Gottes nicht vergessen, viel weniger gering achten solle. Er erzählt selbst, was für ein wilder, unbändiger Knabe er war, ob ihn gleich seine Aeltern zum Guten anhielten.- Er fannte die Seligkeit nicht, welche Gottesfurcht mit stillem Arbeitsfleiß ge mähret; ein mächtiges Zornfeuer brannte in seiner Brust. Einstmale wurde er von seinen Aeltern über Land und Feld geschickt. Während die Nacht herannahte, lief ein Hirt im Walde zu ihm, und beredete ihn, daß er bei ihm bis zum Morgen bleibe. In der Nacht brachen aber Raubthiere im Stalle ein, welche die Schafe im Walde zerstreuten. Der Eigenthümer beschuldigte den Ephrem, daß er die Diebe bestellt habe, um den Stall zu erbrechen, und die Schafe fortzuführen.- Ephräm wurce, alles Behauptens seiner Unschuld unerachtet, in die Stadt geführt, und zu zwei anderen Verbrechern in den Kerker geworfen. Bierzig Tage schmach. tete er nun im Kerker und jammerte wegen seiner Unschuld. Da erschien thm ein Jüngling im Traum und sagte sehr ernst: ,, Ephrem, wie kommst du hieher?" dieser erschrack;- doch vom Jüngling aufgemuntert, sagte er es, wie er unschuldig in den Kerker gekommen ſei. Allein der Jüngling sprach: Ich weiß wohl, daß du jetzt unschuldig bist aber du verdienst doch diese Strafe wegen der Ruh eines armen Mannes, die du vor einem Monat so lange vor dir hertriebst, fie mit Steinen warfst, bis sie stürzte und ein Raub der Tiger ward. Erfenne und bete an die Gerichte Gottes und seine Allgegenwart. Deine zwei Mitgefangenen leiden ebenso wie du. Dann ist der Jüngling verschwunden. Fünf und sechzig Tage mußte er noch im Kerker schmachten, worauf er sich dann vollkommen bekehrte, in die Wüste ging, und der große heilige Kirchenvater geworden ist. Er befehrte einmal ein gottloses Weib, das aussagte, es wolle eine böfe That nicht an einem öffentlichen, sondern geheimen Orte thun, weil fie sich vor den Menschen scheue.- Der Heilige sagte ihr: die Menschen fürchtest du, aber Gott nicht, der die geheimsten Winkel durchschauet, und - - - - - 38 - 593 - 594 Monat Mariä zur Erweckung und am Gerichtstage, wo nicht früher, alles Böse aufdecken und vergelten wird. Das Weib ward betroffen, fiel auf die Knie nieder, weinte und sprach: Mann Gottes! führe mich auf den Weg des Heiles, damit ich von meinem sündigen Thun befreit werde. Sie ward durch die Erinnerung an die Gegenwart Gottes bekehrt und gebeffert! Gebet. O Jesu, wie wichtig ist das Wort zu Abraham: Wandle vor mir und sei vollkommen;- wie trostreich dein Wort: Seht, ich bin bei euch, bis an's Ende der Welt." Wenn wir dieß immer bebächten, wie muthig würden wir der Sünde widerstehen, wie stark das Leiden ertragen, wie viel Gutes wirfen. O fomm uns zu Hilfe mit deiner Gnade, daß wir doch nirgends auf deine Gegenwart vergessen, vor deinem Auge alles Böse meiden, immer Gutes thun, in der Geduld gestärkt leiden, und treu bis an's Ende ausharren. Jesu, du Stärke der Deinen, erbarme dich unser! O Maria, du Muster aller wahren Andacht, voll Eifer und Versammlung im Geiste und in der Wahrheit, weil dein Leben ein immerwährender Wandel vor Gott war. Bitt für uns, daß wir uns auch beständig der Gegenwart Gottes erinnern, vor ihm andächtig beten und fromm leben. O Maria, du ehrwürs diges Gefäß der Andacht, bitt für uns.( Vater unser, 15 Ave Maria x.) - - 1 - Neunzehnter Tag. Betrachtung über die zwei Herren, denen man nicht zugleich dienen kann. - Erkläre dich aufrichtig;-wem willst du dienen, Gott oder dem Satan? O überlege es wohl, denn beiden zugleich kann man unmöglich bienen. Zwei so entgegengeseßten Herren, Gott und dem Satan dienen, und beiden wohlgefällig seyn, das ist eine unmögliche Sache.- Einen Tag Büßer mit dem Mahlzeichen Christi, den andern Tag Sünder mit den Waffen des Teufels seyn, einige Gebete, ein Fasten, eine heilige Messe, und dazu die sündhaften Neigungen und Werke; das heißt so viel als es ganz mit der Hölle halten,- und Gott ganz verachten. Wenn du Gott dienest, so ist das Leiden kurz, die Freude ewig. Auf fünfzig, sechzig Jahre der Abtödtung, des frommen Lebens, folgt eine freudenvolle Ewigkeit! Und wird ein so gütiger Herr, wie Gott, o bedenke es wohl, dich nicht auch schon hier in diesem Les ben mit dem süßesten Trost erfreuen?- O gewiß, wenn du Gott dienest und dein Kreuz ihm nachträgst, so darfst du versichert seyn, daß es nie so schwer werden wird, als jenes, das sein un schuldiger Sohn für dich trug. Dienest du hingegen mit der Sünde dem Teufel, so ist der Genuß kurz und vorübergehend, aber die Qual dauert ewig, ohne Unterbrechung, ohne Troft. - - - - und Erneuerung eines christl. Sinnes. 595 Vierzig Jahre Königin, rief Elisabeth vor ihrem Tode, und eine fürchterliche Ewigkeit! Und glaubst du wohl, daß der Satan seine Anhänger in dieser Welt schon jemals befriediget hat? O nein, du hast es bereits erfahren, und kannst es noch täglich inne werden: er ist ein grausamer Beherrscher, der dich wie seinen ärgsten Feind haßt. Was darfst du also wohl von ihm erwarten? Darum diene du dem einen Herrn, Gott, deinem besten ewigen Freund! - Beispiel. Der heilige Papst Gregor der Große erzählt von drei Schwestern seines Vaters, die drei gottgeweihte Jungfrauen waren. Sie hießen Tharfilla, Gordiana und Aemiliana. Ihr frommer Entschluß war, dem Welt- und Satan- Dienste ganz zu entsagen und nur dem einen Herrn Jesu Christo zu dienen und zu leben. Eine von ihnen, Gordiana, ließ in der Liebe Jefu nach, und neigte sich zum Wohlgefallen am Irdischen, zum Dienste der Welt, kurz, sie wollte zwei Herren dienen. Tharfilla und Aemiliana blieben in ihrem Entschluße, Gett allein zu dienen, nicht nur standhaft und treu, sondern nahmen auch im Eifer ihres Gottesdienstes und frommen Lebens immer mehr zu. Sie unterließen nicht, die Schwester Gordiana von ihrem gefährlichen Leichtsinn zurückzuhalten. Allein fie heuchelte, wenn ihr die Schwestern zuredeten, großen Ernst, der aber wegen heimlicher Liebe der Welt bald wieder verschwand.- Allein was hilft solches Heucheln, solches zwei Herren dienen?- s nimmt kein gutes Ende. Ganz anders ist es mit denen, die im Dienste des Herrn treu blieben. Dieß erfuhren Tharsilla und Aemiliana. In etner Nacht, sagt der heilige Gregor, ist meiner Base Tharsilla, in einem Gefichte Urgroßvater, der heilige Papst Felir, erschienen, und hat ihr die Wohnung der ewigen Herrlichkeit mit den Worten gezeigt: Komm! ich nehme dich in diese Wohnung auf." Bald darauf wurde sie wirklich von einem Fieber befallen, welches die nahe Todesgefahr drohte. Sie starb noch vor dem Feste der Geburt Jesu, und verschied mit den Worten zu den Umstehenden:„ Tretet zurück! tretet zurück! Jesus kömmt!& i= nige Tage nach Weihnachten erschien diese Tharsilla ihrer Schwester Aemiliana und sprach: Komm', damit du, nachdem du am Geburtssefte des Herrn von mir getrennt warst, den Festtag der Erscheinung des Herrn mit mir im Himmel begehen könnest." Aemiliana, voll Besorgniß über ihre leichtsinnige Schwester Gordiana, antwortete: dir komme, wem soll ich die Gordiana übergeben?. Da trübte sich Tharfilla's Angesicht, und sie sprach! ,, Komm nur du; denn unsere Schwester Gordiana gehört den Weltkindern an. Aemiliana fühlte sich bald nachher frank, und starb noch vor dem Feste der Erscheinung des Herrn, um mit ihrer Schwester des großen Lohnes und der ewigen Seligkeit theilhaf tig zu werden, die Jesus denen verheißen, die ihm treu dienen, mit den Worten: Freuet euch und frohlocket; denn euer Lohn ist groß im Himmel. Gebet. O Jefu, dein Wort ist's: Werdet vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.- Du sollst deiner Herrn anbeten und ihm allein dienen. Dieß ist des Christen Vollkommenheit- aber woher Licht, Kraft und Trost hiezu? Wo ist die Quelle der Vollkommenheit? Auf dein Wort: Wenn ich allein zu " 1 47 - Wen da dürstet, der komme zu mir kommen wir und bitten um die Gnade, daß wir nur einem Herrn, nur dir allein dienen 38* - 1L - - - - - - - - - 596 Monat Mariä zur Erweckung und so jur christlichen Vollkommenheit gelangen. O Jesu, du Urquell der Vollkommenheit, erbarme dich unser!- O Maria, reinste der Jungfrauen, du hast immer nur einem Herrn auf das vollkommenste gedient, und bist nun verHerrlichet im Himmel, als Königin der Jungfrauen. Bitte für uns, daß wir im selben Dienste Gottes unser Heil suchen und finden. Maria, du Königin der Jungfrauen, bitt für uns! ( Vater unser, 15 Ave Maria 2c.) Zwanzigster Tag. Betrachtung über das Zögern, sich zu bekehren. - Hast du den Willen, dich zu bekehren? Willst du dich nun einmal ganz an Gott ergeben? gewiß.- Aber wann? Heute?- O nein, heute nicht:-da müßte ich so in aller Eile eine Verbindlichkeit, eine Anhänglichkeit, eine menschliche Rücksicht, Gewohnheit oder Leidenschaft überwinden oder aufgeben. Dieß würde mir aber heute zu schwer fallen; ein anderesmal will ich es schon thun. Aber wann? Ich will warten, bis jenes Hinderniß sich von selbst aufhebt, bis jenes Geschäft vollendet, diese Leidenschaft erloschen, bis die Jugend oder eine andere Zeit vorübergegangen ist. Vielleicht thue ich es im kommenden Jahre, Monat, oder ganz gewiß in der heiligen Fastenzeit oder bei geistlichen Uebungen. Allein wie oft haft du nun dieses schon versprochen, und bis jetzt ist es nicht geschehen. Du verziehst immer, wartest immer, aber Gott, wird er wohl auch immer auf dich warten? Wer kann es wissen? Ich nicht, du nicht, und betreibest das Geschäft deines ewigen Heiles dennoch mit solcher Unbestimmtheit und Trägheit!- Du fagst: Gott hat bis jetzt auf mich gewartet, und meinst, er wird es noch länger thun, aber das ist es eben, was mich für dich zittern macht, daß Er nicht länger mehr wird warten wollen, daß er endlich müde ist, immer deine Versprechungen anzuhören, deine Untreue zu sehen. Du meinst vielleicht, Gott sei ja so gut. Freilich ist er es gegen dich genugsam gewesen, aber wer weiß, ob er nicht bald anfängt, strenge mit dir zu verfahren? Aber gesetzt, er wolle noch länger Güte gebrauchen, willst dann du deßhalb fortfahren, Ihn zu beleidigen? Derwäge muur, was für ein häßlicher Undank dieses wäre, und von was für traurigen Folgen für dich?- Beinahe alle Christen, die nun ewig in der Hölle brennen, tamen dahin durch's Warten und Zögern! Kein Mensch ist wohl so thöricht, zu sagen: ich will mich nicht bekehren; aber leider handeln Wenige so weise, und sagen: ich will mich noch in dieser Stunde, ich will mich sogleich bekehren. Au - - - 1 - - L - - - 6 - - und Erneuerung eines christl. Sinnes. 597 diese Weise kömmt der Tod herbei, und selbst dann zögert man noch sehr oft. Man hofft von seinem Uebel geheilt zu werden, an jenem Tage, zu dieser Stunde. Und glaubst du wohl, daß das, was man füglich zu rechter Zeit hätte thun können, dann noch geschehen wird, daß du noch so viele Gnade erhalten wirst, wo es Gott ebenso mit dir machen wird, wie du es dein ganzes Leben mit Ihm getrieben haft? Er wird dich dann auch verlassen. O überlege doch recht!- Wenn du dich nicht bald änderst, so ist sehr zu befürchten, daß es gar nie geschehen wird. Ges schieht es aber mit Ernst und gleich, welche Seligkeit wartet dann deiner! - -- - - - Beispiel. Welches Glück ist es hingegen, in der Buße nicht zu zöz gern!- Die heilige Büßerin und Martyrin Eudoria war vor ihrer. Bekehrung eine große, leichtsinnige Sünderin. Sie war voll Eitelkeit, Leichtsinn, Gefallsucht, Welt- und Fleisches- Lust, und lebte nur in Geſellschaft ihrer Gleichgesinnten.- Um freier leben zu können, entzog sie sich ganz den Augen ihrer Aeltern, und blieb in einem fernen Lande, in Ehre, Lust und fündhaften Reichthum. Einmal hörte sie nahe an ihrer Wohnung in Mitte der Nacht lautes Reden. Sie ward dadurch in ihrem Schlafe gestört, und merkte auf das, was sie hörte, so gut sie konnte. Aus Neugierde ließ sie früh Morgens den zu sich bitten, den sie gehört hatte. Er kam und sie fragte ihn: Was führst du für ein Leben? was hast du für einen Stand?- Ich weiß nicht, was du diese Nacht gethan, warum du im Reden so laut gewesen, da du doch allein warst. Der fromme Christ antwortete, er sei auf Besuch bei seinen Verwandten, er ſei ein Christ, ein Mann mit Namen Germanus, er hätte gebetet, und dann von den erschrecklichen Peinen der Hölle und unaussprechlichen Freuden des Himmels gelesen. Er gab ihr noch ferneren Aufschluß über seine ganze Lebensweise, seinen inneren Frieden, und weil sein Herz von der Betrachtung voll und warm war, so redete er sehr ernst und eindringlich vom Ausgang eines frommen und eines bösen Lebens. - 11 Die Rede traf wie ein Blig die Sünderin:- sie weinte und klagte jämmerlich: So bin ich denn eine Verdammte und ewig verloren!"" Germanus sagte: Ei, wenn du dich von ganzem Herzen zu Gett bekchrest, so ist er gnädig und vergibt dir deine Sünden in Jesu seinem Sohne, venn ihn hat er zum Heile der Sünder dargegeben.- Was soll ich nun denn thun, fragte Eudoria. Der Diener Gottes sagte ihr: Für deine Bekehrung und dein Heil ist nöthig die Buße, der Glaube und die Taufe; höre also auf zu fündigen, laß einen Priester kommen und folge seiner Anweisung. Sie that es, der Priester kam und fie folgte durchaus der Anweisung zur Buße und Gnade. Nach acht Tagen kam Germanus wieder zu ihr, fand sie ganz geändert und auch sehr begnadigt. Es ist merkwürdig, was Eudoria ihm sagte und erzählte: ,, Danket doch den lieben Gott mit mir, rief sie aus, daß er mir Unwürdigsten solche Barmherzigkeit erwiesen hat. Die ersten sechs Tage konnie ich nichts als weinen über meine Sünden und Gottes Güte für mic), und da ich am fiebenten Tage voll Reue und Schmerz auf der Erde lag und betete, sah ich mich plößlich von großem Glanze umgeben, neben mir stand ein Engel, der hob mich auf von der Erde und erhob mich bis zum Himmel: zeigte mir da eine Menge von Engeln, die sich meiner Beteh. rung freuten und mir Glück wünschten, daß ich nun in ihre Gesellschaft - - - - - 598 Monat Mariä zur Erweckung gehöre. Ich bemerkte auch neben mir ein ungeheueres Thier, das mit Geheul gegen Gett über mich klagte, daß ihm eine Seele als sein Eigenthum entrissen worden wäre; aber eine himmlische Stimme vertrieb das Unthier mit den Worten: Es gefalle Gott, Gnade zu geben den reumüthigen Sündern. Bei dieser Erzählung freute sich Germanus, wies sie zum Bischof des Ortes, wo sie noch weiteren Unterricht und die heilige Taufe erhielt. Sie war und blieb nun ein Muster der Buße und des christlichen Lebens, überwand die Versuchung," hielt standhaft aus die schweren Prüfungen, bis sie durch den Martertod in die ewige Freude und Herrlichfeit einging. - - Gebet. O Jesu, wie vergleichest du dich mit einem Vater, der seinen verlornen Sohn, den Sünder, gütig aufnimmt; mit einem Hirten, der sein verlornes Schaf, den Büßer findet, und seine Freude darüber vor Gottes Engeln bezeugt; o drücke diese deine Erbarmung und Holdseligkeit gegen uns Sünder in unser Herz, damit wir uns von allen unseren Sünden zu dir bekehren und bei dir bleiben, wo nur allein wahre Wonne, Freude und Seligkeit ist! O Jesu! Holdseligster, erbarme dich unser! O Maria, dein Mitleid und deine Milde mit uns Sündern ist unbeschreiblich groß die reinste heiligste Jungfrau verstoßt nicht den reuigen Sünder!- O hilf uns zur Gnade, Vergebung und Freude! o bitt für uns, daß wir diese deine Milde und unsere Sünden erkennen, und durch dich Gnade und Freude finden! Maria, du mildeste Jungfrau, bitt für uns!( Vater unser, 15 Ave Maria 2c.) - - - - Einundzwanzigster Tag. Betrachtung über das heilige Sakrament der Buße. Du fündigest, aber wo ist denn dann deine Buße und Beicht? Diese schiebst du immer länger hinaus.- Wirst du bedenklich krank, so rufft du gleich den Arzt herbei, willst es feinen Augenblick verschieben. Es liegt dir also mehr an deinem sterblichen, hinfälligen Leibe, als an der unsterblichen Seele. Dieß mag für diese Erde eine Zeitlang so gut thun, aber wenn du dann plötzlich, ohne Beicht, ohne Buße, wie es schon sehr oft geschehen, dahinstirbst, wehe dir in der Ewigkeit! Du wartest und zögerst also immer mit der Buße und Beicht, aber die Sünde faßt ja indessen Wurzel in deinem Herzen, sie macht dich leichtsinniger, wird dir zur Gewohnheit oder gar zur zweiten Natur. Um Ostern endlich, oder an einem andern, dir beliebigen Festtag, willst du doch das Beichten nicht länger mehr verschieben, findest keine Ausrede mehr. Du mußt also, um nicht ewig zu Grunde zu gehen, zu Ostern oder an einem solch' hohen Festtag sterben? - Du sagst, ich weiß mich keiner besondern Sünde schuldig, wenigstens keiner Todsünde. Allein in den Meisten, die dieses - - - und Erneuerung eines christl. Sinnes. sagen, ist keine Wahrheit, wie der heilige Johannes schreibt. Sei es auch, daß du dich keiner besondern Sünde schuldig fühlest, aber wohin dann mit den läßlichen Sünden, wenn du sie aus Vernachläßigung der öfteren Beicht, immer wieder vermehrest? Wie stehst du also deiner Seele selbst so feindlich gegenüber? Du wagst es nicht mit einem Flecken im Gesicht vor den Menschen dich zu zeigen, aber mit einer ganz verunreinigten Seele getrauest du dich, ohne Erröthen, vor Gott im Angesiche des ganzen Himmels zu erscheinen!- Du sagst auch, du habest schon öfters den Versuch gemacht, zu beichten, und es sei doch nicht besser mit dir geworden? Aber daran wird doch das heilige Bußsakrament nicht schuld seyn? Hast du dich denn auch schon bemüht, recht gut zu beichten, wie es dir gelehrt ward? Und wenn du unerachtet der öfteren Erforschung, Reue, Vorsatz und Beicht dennoch immer wieder in Sünden fielft, wie muß es erst jetzt bei dir seyn, da du alles dieses unterläsfest?- Ach, wenn ein Verdammter noch wie du beichten könnte!- aber es wird auch für dich eine Zeit kommen, und wer weiß, wie bald wo du es sehnsuchtsvoll verlangen wirst, noch zu beichten und du wirst es nicht mehr können!- Thue es jetzt, wann, wo, wie du nur fannst! -1 - - - " 1 Beispiel. Es kam einstmals zu dem großen Diener Gottes Petrus Korbel, Erzbischof zu Sens, ein Sünder zur heiligen Beicht, deffen Gewissen durch furchtbare Gräuel verunreiniget, und so beschwert war, daß er nirgends Ruhe fand. Dieser beichtete in voller Aufrichtigkeit wie Jesu felbst, und mit wundersamer Reue und kräftigstem Versaße, mit bitteren Thränen, und fragte dann zulegt, ob er hoffen dürfte, für so viele und große Sünden Verzeihung von Gott zu erlangen. Der heilige Bischof sprach zu ihm: Ganz gewiß, mein Sohn, wird Gott dir verzeihen, wenn du anders für so schwere Beleidigungen Gottes Buße thun willst!" - Da rief der Beichtende schluchzend aus: Ach, mein Vater, bereit bin ich, sogar tausendfachen Tod zu erleiden, wofern ich nur um diesen Preis die Verzeihung meiner Sünden erlange! Und es weinte der Bischof mit ihm, und sprach: Sieh, mein Sohn, ich will dir nun eine Buße für sieben Jahre aufgeben! O, sagte der reuige Büßer, dieß ist zu wenig bis an's Ende der Zeiten in strengster Buße zu leben, das wäre faum genug. Der Gottesmann sprach: Auch diese Zeit will ich abkürzen, gehe hin und faste drei Tage bei Wasser und Brod. Da weinte der Büßer, und bat, seiner nicht zu spotten. Der Erzbischof ftaunte über seine Reue und Zerknirschung, und sprach: er müsse ohne Einwendung dem Beichtvater folgen, und nun müsse er Einmal das Gebet des Herrn zur Buße beten, und er soll der Vergebung seiner Sünden versichert seyn. Da ging der Mann hin, warf sich unter lautem Schluchzen zur Erde und betete, was der Erzbischof ihm befohlen hatte, worauf er vor tiefster Reue seinen Geist aufgab. Darüber predigte der Diener des Herrn, und versicherte, daß er, gleich dem Sünder neben Jesu am Kreuze, in's Paradies, zu den Freuden des Himmels gelangt wäre. Mein Christ, fällt es dir schwer zu beichten, nimm deine Zuflucht zur Fürbitte Mariä. Einige Galeeren- Sklaven wollten bei einer Mission durchaus nicht beichten. Der fromme Priester suchte sie zu bewegen, -- 599 -- Monat Mariä zur Erweckung zu Maria zu beten.- Kaum hatten sie angefangen, da verlangten sie zu Feichten, und thaten es mit tieffter Rcue, obwohl sie seit vielen Jahren nicht gebeichtet hatten. Gebet. O Jesu! wie schwach ist doch der Mensch im Sündigen, wie fief fällt er im Zorn, Ungeduld, Unzucht, Hochmuth, Lauigkeit und Ungerechtigkeit 2c.- Du hast das heilige Sakrament der Buße eingesetzt, damit dem Gefallenen aufgeholfen werde. Aber wie schwach und träg sind wir im Gebrauch der heiligen Beicht!- O stärke uns Schwache und Arme darin, daß wir nach jeder Sünde mit Buße und Vertrauen zur heiligen Beicht, zu diesem Gnadenmittel fliehen!- O Jesu, du Stärke der Armen! erbarme dich unser! O Maria! wie viele Sünder kamen durch deine Fürbitte zur Buße und reumüthigen Beicht. Wir nehmen unsere Zuflucht zu deiner Fürbitte, damit wir ohne heilsamen Gebrauch des heiligen Buß- Sakraments nicht mehr leben noch sterben.- O Maria, du Zuflucht der Sünder! bitte für uns.( Vater unser, 15 Ave 2c.) Zwei und zwanzigster Tag. Betrachtung über das heilige Altars- Sakrament. -- Welche Ehre erweiset mir Gott, wenn er in diesem heiligen Sakramente in meinem Herzen Wohnung nimmt.- Er ist in der heiligen Eucharistie mein Freund, mein Gast, mein Bräutigam. Er ernährt mich daselbst mit seinem eigenen heiligen Fleische und kostbaren Blute. Er verwandelt mich gleichsam in sich selbst. - Meine Bruft, die dann Jesum verschließt, ist geheiligter als alle Kirchen, Altäre, Kelche und geweihten Gefäße;- sie ist ein lebendiger Tabernakel des ewigen Gottes! Meine Seele könnte man dann ein Paradies nennen; denn es wohnt ja in ihr der König der Glorie und der Herrlichkeit! Aber welche Ehre erweise ich Jesu im heiligen Sakramente? Ach, ich nähere mich dem. göttlichen Mittler im heiligen Meßopfer, dem göttlichen Bräutigam in der heiligen Kommunion oft mit solcher Kälte, verlasse ihn so eilig, danke ihm so wenig!- Oft weiche ich ihm aus auf der Straffe, besuche ihn nur selten in der Kirche, wo er Tag und Nacht meiner so liebreich harret, lache, schwäße in seiner heiligen Gegenwart, wenn er sich auf dem Altare opfert, oder daselbst ausgeseßt iſt. Ach, ist es möglich, den Herrn noch mehr zu verachten? Ja, es ist möglich, und ich selber habe vielleicht dazu geholfen!- empfing ihn in einem von der Sünde verunreinigten Leibe, mit safrilegischem Munde, in eine Seele, wohin nach den Worten des Herrn der Satan wie in Judas gefahren! - 1 - - -- - Welche Gnade bietet mir aber Jesus im heiligen Sakras mente? O viele und große Gnaden. Die Leidenschaften zu und Erneuerung eines christl. Sinnes. schwächen, den Satan zu bestegen, der Täuschung einer bösen Welt zu entgehen! Dieses lebendige Fleisch hat die Märtyrer im Tode gestärkt und mit Heldenmuth ausgerüstet., es hat schwache Jungfrauen unüberwindlich gemacht, und thut es noch es hat Heilige hervorgebracht!- O wie thöricht handle ich, wenn ich, um so große Gnade zu erlangen, mich gar nicht einmal bewerben will! Und doch ist dieses die Ursache nur allein, warum ich bisher in der Tugend so schwankend und matt war, und auf dem Wege der Vollkommenheit keinen Schritt vorwärts fomme.- - Ich sage, daß ich die heilige Kommunion aus Ehrfurcht unterlaffe, weil ich mich dessen so unwürdig fühle; aber ich bedenke nicht, wie bedürftig ich derselben bin, und suche nicht durch einen reinen, gottesfürchtigen Wandel mich dieser Gnade würdig zu machen. Warum eile ich nicht zur einzigen und reichsten Gnadenquelle, um für mein armes, schwaches Herz unvergäng liche Schäße zu sammeln?- -- - - Beispiel. Der heilige Wenzeslaus, Herzog, dann König von Böhmen wurde durch seine fromme Großmutter Ludmilla sehr christlich erzogen. Bei dem Tode seines Vaters war er noch sehr jung, allein die Landstände verlangten ihn zum Regenten. Er war auch würdig und fähig, ein frommer, guter Regent zu seyn. Sein heiliger Glaube an die wirkliche Gegenwart Christi im heiligen Altars- Sakramente, beim heiligen Mesopfer in der heiligen Communion, bei der Anbetung, belebte ihn ganz besonders, und er war voll Andacht und heiliger Ehrfurcht. Zu dem heiligen Meßopfer hatte er das größte Vertrauen.. Er dachte wohl über die unendliche Liebe Jesu nach, womit er in diesem heiligen Sakramente sich für uns dem himmlichen Vater zum Opfer, und zur Speise hingibt. Daher war's ihm Herzenslust, dem heiligen Opfer der heiligen Messe, dem göttlichen Mittler in der heiligen Communion, dem Priester am Altare zu dienen, Brod und Wein zum heiligen Sakramente, von der Pflanzung. Aussäung angefangen bis zu seinem tauglichen Gebrauch, durch alle hiezu nöthigen Arbeiten, mit eigener Hand, selbst zuzubereiten. Er begab sich daher zur Aernte- und Weinlesezeit selbst auf das Feld und in den Weinberg, um mit eigenen Händen den Waizen abzuschneiden, aus welchem die Hoftien gebacken wurden, und die Trauben zu sammeln, aus welchen der Wein zu der heiligen Messe mußte gepreßt werden. Dieser Regent hatte eine solche innigste Liebe zu Jesu im heiligen Sakramente, daß er es immer, bei jeder Jahreszeit, sogar im strengsten Winter besuchte.- Seine schöne Seele ward dadurch so in Liebe zu Jesu ents zündet, daß diese Glut sich selbst seinen Körper mittheilte, so zwar, daß wenn er Schnee und Eis berührte, diese ihre natürliche Kälte verloren, wie ein Diener bezeugt, wenn er in die Fußstapfen seines Herrn getreten fei. Man kann sich's leicht denken, mit welcher Andacht. Inbrunft, und wie oft er dieß heilige Sakrament zu seinem größten Segen empfangen habe.- Gott wollte an einem Regenten beweisen, wie kräftig und köstlich er durch dieß Sakrament auf die Seinigen wirke. Der Wandel des heitigen Wenzeslaus war in seinem ganzen Benehmen musterhaft voll - - - - Monat Maria zur Erweckung Weisheit, Thätigkeit, Gerechtigkeit, Geduld, Sanftmuth, Barmherzigkeit und Güte. Gottes Schuß zeigte sich besonders bei seiner Andacht zu diesem heiligen Geheimnisse. Einmal sollte er als Herzog beim Reichstag zu Worms erscheinen; er erschien, ging aber zuerst in die Kirche zur heiligen Messe.. Alles mit dem Kaiser mußte nun auf ihn warten, wor über sie alle einmüthig voll Unwillen waren, mit dem Vorsatz, ihm deßwegen feine Ehrfurcht zu bezeugen; doch was geschah? Bei seinem Eintritt in den Saal steht der Kaiser selbst sogleich auf, eilt ihm entgegen, empfängt ihn mit Ehre, und weiset ihm einen Plaß an seiner Seite an.. Warum? Der Kaiser selbst sagt, er habe bei seinem Eintritt zwei Engel an seiner Seite geſehen. - - - Gebet. O Jesu! deine allmächtige Liebe wollte uns durch ein immerwährendes Wunder ein höchst kräftiges Andenken im hochheiligen Altars- Sakramente hinterlassen. Wie wenig ers kennen wir dieß, wie viele Ausreden haben wir mit den Gelades nen im Evangelium. O verleih' uns die Gnade, daß wir hierin deine Liebe doch besser erkennen, und in der heiligen Messe, Communion und Anbetung wahren Eifer und innigste Andacht bes zeugen.- O Jesu, verborgenes Manna der Frommen, erbarme dich unser. - - 111 - O Maria, was wird dir als Mutter der Genuß und die Anbetung des hochheiligen Altars- Geheimnisses gewesen seyn auf Erden? Erflehe uns den lebendigen Glauben und die dankbarste Liebe zu Jesu in diesem heiligsten Sakrament.- O Maria, du liebliche und wunderbarliche Mutter, bitt für uns! ( Vater unser, 15 Ave Maria xc.) Dreiundzwanzigster Tag. Betrachtung über die göttlichen Einsprechungen. Gott ermahnt und ruft uns durch seine Einsprechungen, und auf viele Weise!- Bald durch die lebhafte Erinnerung an eine ewige Wahrheit und durch tiefen Eindruck derselben, bald durch den besonderen Rath und Ermahnung eines Freundes, des Seelsorgers oder Beichtvaters, bald durch öffentliche Mahnungen, durch Drangsale, durch eine Predigt, ein geistliches Buch; kurz, Gott gebraucht alle nur möglichen Mittel, um uns zu ihm zurückzuführen. Ein neubekehrter Sünder ermahnet mich:„ Aendere auch du dein Leben;" ein plößlicher Todesfall ruft mir zu: Eile, eile zur Buße, sonst ist's zu spät;- eine beständige innere Unruhe predigt dir: Verlasse diesen Umgang, gib das fremde Gut zurück; eine unerwartete Freude und Trost macht mich ausrufen: O wie gut ist es, Gott zu dienen. Ja, der Herr ruft uns beständig, aber wir müßen seiner Stimme willig Folge leisten, und das ist unsere Sache. Der heilige Geist ist wahrhaftig ein Licht, das da erleuchtet, ein Thau, ein Regen, der fruchtbar macht, eine - - - -- und Erneuerung eines chriftl. Sinnes. 603 heilende, wohlthätige Arznei, aber er heilt nur jene, die gesund werden wollen, er befeuchtet bloß die Herzen, die sich ihm eröffnen, und erleuchtet nur jene Seelen mit seinem alles durchdringenden Lichte, die sich der göttlichen Gnadensonne nicht verschließen. Die Gnade will uns retten, sie sucht uns auf, aber sie zwingt uns nicht gegen unsern Willen. Ach, was soll man von jenen fas gen, die einen Prediger, den Beichtvater deßhalb verlassen, und jenes geistliche Buch nicht lesen wollen, weil sie fürchten, dadurch aus ihrem Sündenfchlafe gerüttelt zu werden, in eine heilsame Trauer über ihre Sünden zu gerathen. O, dieser schreckliche Ungehorsam, oder vielmehr dieses Auflehnen und Streiten gegen den heiligen Geist, kann und muß von den verderblichsten Folgen seyn! - Gott rufet, aber wehe uns, wenn wir dieser Stimme nicht aus genblicklich Folge leisten! Kaum vernahm Matthäus an der Zollbank die Simme Christi: ,, Folge mir nach, so stand er sogleich auf, und folgte ihm und ward aus einem öffentlichen Sünder ein eifriger Apostel.- Der heilige Petrus ward durch einen einzigen Blick des Herrn so im Herzen gerührt und zerknirscht, daß er bis an das Ende seines Lebens in dieser bußfertigen Gesinnung verharrte, und heilig ward!- Judas bleibt dagegen verstockt bei den herzlichsten Ermahnungen und dem Freundschaftswort, und achtet die inneren Vorwürfe und Gewissensbisse gar nicht mehr. Er verzweifelt und geht verloren. Die erste Einsprechung, die du wieder verschmähst, die du vielleicht eben jetzt schon in deinem Herzen fühlest, kann die letzte außerordentliche Gnade seyn, die dir Gott zur Rettung deiner Seele noch zuschickt. O, versäume sie nicht!! - - - - Beispiel. Der heilige Johannes von Matha wurde von seiner gott. seligen Mutter von der Geburt an der allerfeligsten Jungfrau Maria ges weiht.. Schon als Knabe und Jüngling folgte er den göttlichen Einsprechungen zum Gebet und stillen Umgang mit Gott, aber besonders zum Mitleid gegen die Nothleidenden. Als Student hatte er von seinen Vater ein Refreations- Geld; schnell folgte er der Einsprechung, dieß Geld nur für die Armen zu verwenden.-- Ging er vor einem Krankenspital vorüber, sogleich folgte er dem inneren Triebe, diese Elenden zu besuchen und zu trösten; besonders that er dieses an den Festtagen Mariä, weil er dieselbe durch sein ganzes Leben hoch verehrte. Seiner Treue in Befolgung der Einsprechun - gen gab Gott großen Segen.. Beim Empfang der Priesterweihe, als ihm der Bischof die Hände auflegte, erhob sich über seinem Haupte eine große Feuersäule, und als er in der bischöflichen Kapelle zum erstenmale die heilige Messe las, erschien während der Aufhebung der heiligen Hoftie ein Engel in Gestalt eines Jünglings. Dieser war weiß gekleidet. Auf dem Kleide hatte er ein rothes und blaues Kreuz, und zu beiden Seiten einen Sklaven mit schweren Ketten beladen. Er dachte darüber nach, und ging in einen dichten Wald zum heiligen Einsiedler Felir von Valois, um sich mit ihm zu besprechen. Beide sahen einen Hirschen, der zwischen den Geweihen ein Kreuz trug von rother und blauer Farbe. Beide erkannten den Willen - --- - - - 604 Monat Muriä und Erweckung Johannes selbst christlichen GlauEinmal fand man Bottes, daß sie suchen sollten, den in grausamer Gefangenschaft bei den Türken schmachtenden Christen zu Hilfe zu kommen. Sie gingen nach Nom zum heiligen Vater Papst Innözens III., trugen ihm ihre Angelegenheit vor, und dieser hatte in der heiligen Messe dasselbe Gesicht eines Engels mit zwei Sklaven in Ketten und Banden. Es wurde dann beschlosſen, einen Orden oder eine Gesellschaft zu errichten, zur Erlösung der Gefangenen aus den Händen der grausamen Türken. Das erste Haus des Ordens. wurde am Orte gebaut, wo der Hirsch gesehen ward. ging zu den Muhamedanern, um da Christensklaven zum ben zu erwecken,- darin zu stärken, und sie zu erlösen. ihn in der Stadt Tunis von Schlägen übel zugerichtet und im Blute schwimmend. Als er zu sich kam, war er ganz fröhlich, und frohlockte darüber im Geiste. Viele Gefangene, die er retten konnte, brachte er in ein Schiff zusammen, allein die Barbaren zerbrachen das Steuerruder, den Mastbaum zerriffen das Segel. Der heilige Johannes ließ sich aber im Vertrauen nicht irre machen, nahm seinen und der seinigen Mäntel zu Segel, und bat Jefum mit dem Kruzifix in der Hand, daß er ihr Steuermann ſei. Sie kamen alle glücklich ans Land. Viele tausend an Leib und Seele wieder von der Sklaverei gerettete Christen hatten diesem Heiligen ihre erhaltene Hilfe zu danken. Wie gut ist es doch, den Einsprechungen Gottes Folge zu leisten! - - - - - Gebet. O Jesu! du selbst hast gesagt: des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren war." Das will deine unendliche Liebe und Geduld auch durch die vielfältigen Einsprechungen. O gib uns ein Herz, das bereitwillig ist, denselben Tag und Nacht Folge zu leisten, und so selig zu werden.- O Jesu, unsere Liebe! erbarme dich unser!- - O Maria! du ist den Einsprechungen Gottes auf das Genaueste nachgekommen, und warst daher in deinem Leben eine immerblühende Rose, das ist, voll tugendreicher Liebe. O bitt für uns, daß wir mit den Eingebungen Gottes treuest mitwirken, unt dadurch fromm und selig werden.- O Maria! du geistliche Nose! bitt für uns!- ( Vater unser, 15 Ave Maria ic.) Vier und zwanzigster Tag. Betrachtung über die läßlichen Sünden. - Man sagt so gewöhnlich: Die läßliche Sünde sei nur cin ganz kleines Uebel;- aber Gott zuwiderhandeln, ihn beleidigen und betrüben, das kann nie, nie gering seyn.- Ein so großer Gott, so liebreicher Erlöser, gütigster Vater und reinster Bräutigam kann von einem vernünftigen Christen ohne die größte Vermess senheit und ohne häßlichsten Undank unmöglich freiwillig so gering geachtet werden. Was wäre wohl dieses für ein Schrecken, wenn jetzt gähling die ganze Welt im Feuer aufgehen würde! oder was würdest du dazu sagen, was für ein Entsetzen, wenn plötzlich die Sterne vom Himmel fielen, und doch sollte eine läßliche Sünde, insofern sie eine Beleidigung Gottes ist, einen noch weit größeren und Erneuerung eines christl. Sinnes. 605. 11 Schrecken und Entsegen in uns hervorbringen!- Sündigen ohne Ueberlegung, ohne Geduld, in einer Aufwallung;- erkennen, daß diese Unwahrheit, dieser Ungehorsam eine läßliche Sünde sei und es dennoch begehen wollen, das ist wohl ebensoviel, als zum Herrn sagen: Diese kleine Befriedigung ist mir lieber, als Gottes Wohlgefallen, ich will dir lieber mißfallen, als es unterlassen." Und dann erst, Gott beleidigen aus Gewohnheit, ihm jeden Augenblick ungehorsam zu seyn, bei der kleinsten Veranlassung zu fündigen, ohne es auch nur zu beachten, ohne es zu bereuen und wieder gut zu machen. Ach! welch' beständiger, bitterer Schmerz muß das für das liebende Vaterherz Gottes seyn; und zugleich, welche Nichtachtung, welche Verachtung von Seite des Kindes! 1 - - Gäbe es feine Hölle, die du fürchtest, so würdest du also eben so leicht eine schwere, als eine läßliche Sünde begehen; denn man sieht ganz deutlich, daß du hiebei Gott gar nicht beachtest, sondern nur die Strafe,- es ist nicht Liebe, nur Furcht! Fährst du aber so fort, läßliche Sünden zu begehen, so wirst Du ganz gewiß früh oder spät in schwere Sünden verfallen. Wie lange aber glaubst du wohl, daß Gott so langmüthig eine Seele gedulden wird, die ihn unaufhörlich und so muthwillig beleidiget? Und siehst du es denn nicht, daß deine Kräfte jeden Tag schwinden, wie der Gedanke an den Tod, an die Hölle dir schon nicht mehr so viel Schrecken verursacht, wie sich also Gott immer mehr von dir zurückzieht! - - Oft ist man auch schon ganz nahe daran, eine schwere Sünde zu begehen, und man weiß nicht, ob man selbe begangen oder nicht, und wer von uns weiß dieses? Du willst, du möchtest dich retten, und schreitest gefliessentlich immer ganz nahe am Abgrund, der dich verschlingen kann! Welche Thorheit! - Beispiel. Der heilige Martyrer Nizephorus war zu Antiochia mit einem fatholischen Priester Saprizius in so enger und frommer Freundschaft, daß sie den Gläubigen durch ihre brüderliche Gintracht und durch andere erbauliche Tugenden zum Vorbilde waren. Durch einen Zufall wurden fie uneins.. Sin kleiner Funken des Zornes, eine kleine läßliche Sünde der Abneigung, weil sie nicht gleich unterdrückt und geachtet ward, loderte zum Feuer auf und ward bald zum gegenseitigen Haffe. Sie wichen einander überall aus, sogar auf öffentlicher Straße, und gaben dadurch den Gläubigen und den Heiden Aegerniß. Nizephorus kam wieder auf bessere Gedanfen, sah seine und des Saprizius große Gefahr, verloren zu gehen, ein. Er bereute seine Feindseligkeit und schickte Freunde zu Saprizius, die in ſeinem Namen ihn um Verzeihung bitten sollten.-& r schickie zum zweiten and dritten Male, aber Priester wollte von Nizephorus ging dann selbst zu ihm, und sagte: Verzeih' mir, mein Vater! un des Herrn Willen! Er erhielt aber keine Antwort. -- föhnung wiffen. Um eben diese Zeit wurde Saprizius, des christlichen Glaubens wegen - -30 - Monat Mariä und Erweckung ergriffen, und vor den Statthalter geführt, vor dem er ein herrliches Bekenntniß desselben ablegte. Auf alles Zureden, daß er nach dem Willen des Kaisers den Göttern opfern solle, blieb er doch standhaft, und hielt um des Glaubens an Jesu willen, grauenvolle Peinen aus. Er wurde zuletzt zum Tode verurtheilt, dem der starkmüthige Bekenner freudig entgegen. ging. Als dieß Nizephorus hörte, eilte er zu den Füßen des Saprizius, und rief laut: ,, Zeuge Christi! vergib mir, wenn ich gegen dich gesündiget habe."- Keine Antwort erfolgte, auch dann nicht, nachdem er ihn auf dem Todeswege und Todesstätte selbst noch gebeten hatte. Allein welches Unheil kann der Anfang einer Sünde, eine läßliche Sünde nach sich ziehen Wohin kann der Mensch kommen, wenn er den kleinen Anfang des Bösen nicht achtet! Schon rufen sie dem Bekenner zu: Wirf dich auf die Knie .nieder, damit dir der Kopf kann weggeschlagen werden; da verließ ihn ganz die Gnade Gottes Warum? fragt Saprizius.- Weil du den Göttern nicht opfern willst, antworteten fie. Haltet ein, rief der Lieblose, ich will den Göttern opfern. Als dieses Nizephorus hörte, bat er dringendst, Saprizius möchte doch Christum nicht verläugnen! allein vergebens. Darauf schrie Nizephorus: Ich bin ein Christ: ich glaube an Jesum, den jener verläugnet, tödtet mich statt seiner! Es wurde dieß dem Statthalter hinterbracht, und dieser gab Befehl zur Enthauptung, was auch vollzogen wurde. Nizephorus schätte sich für glücklich; welche Folter Saprizius aber in seiner Seele mag gefühlt haben, das läßt sich kaum denken. hätte er statt seines Sornes, nur etliche gute, sanfte Worte zu seinem Gegner gesprochen," und er wäre der himmlischen Krone so leicht theilhaftig geworden. - - - 4 - - - Gebet. O Jesu! dein Wort ist es: Wer im Kleinen untreu ist, der ist es auch im Großen. O flöße uns eine heils same Furcht vor den kleinsten Sünden ein,- erhalte unser Herz rein, daß jeder Gedanke, jedes Wort, wenn es unrecht war, gleich von uns erkannt und gewissenhaft vermieden werde. O Jesu, unser Erhalter! erbarme dich unser! Maria! im Kleinsten warst du getreu, wachsam, gots tesfürchtig, gewissenhaft, damit nichts Böses deine reine, jungfräuliche Seele beflecke.- O, bitt für uns, daß wir reinen Herzens seien und bleiben!- Maria, du getreue Jungfrau, O bitt für uns!( Vater unser, 15 Ave Maria xc.) - - Fünf und zwanzigster Tag. Betrachtung über das Fegfeuer. Was geschieht wohl im Fegfeuer? Ach, die Seele brennt in einem schmerzlichen Feuer, das die göttliche Gerechtigkeit angezündet hat. Man liebt Gott, und leidet Strafe von Gott; man verlangt sehnsuchtsvoll nach Ihm, und man kann nicht zu Ihm gelangen;- man erwartet mit heißer Begierde den Augenblick, wo man in den Himmel eingehen kann, und weiß nicht, wann diese selige Stunde kommen wird, man leidet Qualen, die alle Leiden dieser Erde weit übertreffen, aber man leidet sie gewaltsam, ohne Verdienst und Belohnung.- Bedenke nur, wenn du heute noch in einen Kerker solltest eingesperrt werden; * und Erneuerung eines christl. Sinnes. wie würde dich dieses mit Traurigkeit erfüllen;- aber du wirst dem Fegfeuer nicht entkommen, und achtest gar nicht darauf. Warum kömmt man denn eigentlich in's Fegfeuer?- Weil eine Absicht, eine Meinung bei dieser oder jener Handlung nicht ganz rein und auf Gott gerichtet war, weil man Zerstreuung im Gebete leichtsinnig zuließ, wegen Unaufrichtigkeit im Umgang mit dem Nächsten, wegen unnüßen Worten, unordentlicher Anhänglichkeit, wegen einer unabgetödteten Neigung, und oft wegen vielen andern, oft noch geringeren Fehlern.- Der heilige Valerian, Bischof zu Augsburg, mußte leiden im Fegfeuer, weil er für seis nen Neffen zu große Anhänglichkeit hatte, woraus dann oft allerlei hervorgeht; einer oder der andere Prediger, weil er zu großen Werth auf seine Schriften legte, Gott nicht allein die Ehre gab.- Ach, wie wird es dann dir ergehen für so viele Aufwallungen des Zornes und der Ungeduld, die du nicht unterdrückt, für so viele Unwahrheiten, Ungehorsam, Unehrerbietigkeit in der Kirche, Nachläßigkeiten in Erfüllung deiner Berufs- und Standespflichten;- für so viele eitle unnüße Worte, Gefallsucht, versäumte Werke der Barmherzigkeit und schlecht angewandte Zeit. www..com O, da gibt es viel zum Brennen und Leiden, und du denkst nicht einmal daran, dich zu bessern?- Wie lange wirst du aber wohl im Fegfeuer bleiben müssen? Ob ein Jahr oder tausend Jahre, ob es zwanzig oder hundert und zwanzig Jahre seyn werden, weiß keiner, nur der Herr.- Dewiger Gott, welch' eine schreckliche Abzahlung jedenfalls!- Gesetzt erst, daß nebst den läßlichen noch schwere Sünden begangen wurden, welche zwar durch die Buße und Beicht abgewaschen sind, wofür aber noch Strafe zu leiden ist, da wird man wohl noch Jahrhunderte hinzufügen müßen.- Indessen könntest du es hier mit einer flei nen Buße und guten Werken ganz leicht abbüßen, und thust es dennoch nicht?- O benüße doch die Zeit und Gnade! Beispiel. Die heilige Perpetua, Martyrin, hatte vor ihrem Martertode eine merkwürdige Erscheinung über das Fegfeuer. Sie dachte sehr gerührt ihres Bruders, der mit sieben Jahren gestorben war, und hatte Trieb für ihn zu beten. In nächstfolgender Nacht sah sie ihn aus einem sehr finsteren, düstern Orte hervortreten, wo noch mehrere Andere waren. Er litt sehr an brennendem Durste; sein Gesicht war blaß und entstellt, man fah noch die Wunden, an denen er gestorben. Sie fand ihn sehr leidend und das bewog sie zum heißen Gebet für ihn Tag und Nacht, ja fie flehte inständig, unter heißen Thränen zu Gott, daß er sich würdige, sie zu er hören. Eines Tages, da fie im finstern Kerker in Ketten und Banden schmachtete, hatte sie auf ihr Gebet eine andere Erscheinung. Der Ort, aus dem ihr Bruder hervortrat, leuchtete sehr helle, er war schön, die Wunden waren geheilet, und er von andern Leiden frei und ganz freudig! Vervetua erwachte und erkannte, daß ihr Bruder nun von seiner Strafe befreit - - - - Monat Mariä zur Erroeckung worden sei. Dieß war für diese heilige Martyrin Berpetua, eine Frau von zwei und zwanzig Jahren mit einem säugenden Kinde, eine Glaubensstärke zum großen Kampfe mit den wilden Thieren, denen sie vorgeworfen wurde. Ihr innigstes Verlangen und Streben, durch die Erscheinung ihres Bruders angeregt, mußte dahin gehen, daß ste ganz rein, ohne Mackel, ohne Flecken zu Jesus komme. Ihr eigener Vater, der ein hartnäckiger Heide war, wollte ihr nicht von der Seite gehen, um sie von Chrifto abzubringen, und ihr erst vor einigen Monaten gebornes Kind machte ihr großen Kampf; allein fie überwand Alles. Ja, sie wurde schon gleichsam zum Himmel eingeladen. Sie sah eine goldene Leiter, von der Erde bis zum Himmel. Bon beiden Seiten waren lauter schneidende Werkzeuge, von denen man leicht verwundet werden mußte, wenn man den Blick nicht nach oben richtete. Am Fuße der Leiter war ein ungeheurer Drache, zornig gegen die Hinaufsteigenden. Oben an der Spiße war ein unermeßlich großer Garten, in dem ein Schäfer mit unzählbaren Schafen, weiß gekleidet- ihr zurief: Komm, sei willkommen meine Tochter! Eines Theils furchtsam vor den Strafen des Fegfeuers, anderseits getröstet, daß ihr Gebet für den leidenden Bruder erhört worden sei, und dann erfreut, daß sie der Himmel einlade, vollendete sie standhaft ihre Marter, und eilte hin zur Herrlichkeit Jeſu. -- - 1 - - Gebet. O Jesu! wie streng ist deine Gerechtigkeit in Vergeltung des kleinsten Bösen im Fegfeuer.- laß uns O Lebende und die Verstorbenen deines Himmelsbrodes, deines heiligsten Opfers, des hochheiligen Altars, Sakramentes theilhaftig werden, damit wir dadurch gereiniget, des Himmels Erben, und durch das Himmelbrod gestärkt, der seligen Unsterblichkeit theilhaftig werden O Jesu, du Brod der Unsterblichkeit, erbarme dich unser! O Maria! da du die reinsic, feuschefte und unversehrte Mutter des Herrn bist, so erbarme dich unser, daß wir der Reinigkeit nachstreben, dem Fegfeuer entkommen, der leidenden Seelen nun gedenken, und mit ihnen zum ewigen Leben eingehen! O Maria! du reinste, keuscheste, unversehrte Mutter! bitte Für uns! ( Vater unser, 15 Ave Maria 2c.) Sechs und zwanzigster Tag. Betrachtung über das Jesutindlein Betrachte doch die Armuth dieses göttlichen Kindes!- Was geht ihm wohl alles ab?- Ach! es entbehrt die Wohnung, und muß sich in einen Stall flüchten;- es hat kein Bett, und ruhet auf einen Bündel stechenden Strohes; es hat kein Feuer, der Hauch von zwei Thieren muß es erwärmen; es fehlt ihm auch an Windeln, der heilige Joseph bedeckt es mit seinem Mantel. der liebe Jesus ist so arm und hat nichts, und du meinst, du habest noch immer zu wenig. Betrachte dann auch seine strenge Abtödtung. Wie zart und schwach ist dieser kleine Körper! und doch welche Kälte erleidet er in dieser rauhen Jahreszeit.- Wie unbequem wird er sich auf diesem - - - - und Erneuerung eines chrift!. Sinnes. - - Stroh befunden haben!- O wie viel Unangenehmes muß er noch außerdem unter fremden Leuten, fern von der väterlichen Heimath im heidnischen Aegypten erbuldet haben und für Wen? Dennoch hört man feine Klage aus seinem Munde, es beneßzt keine Thräne sein Auge. Ach, Jesus ist so abgetödtet, und du hascheft noch so begierig nach Bequemlichkeit, Vergnügen, Freude und Genuß! Erwäge dabei auch Seine Demuth! - Wie wird Jesus geboren? Im tiefen Dunkel der Nacht, in einem von Thieren bewohnten Orte, ausgeschlossen von aller menschlichen Wohnung. Erwäge zuletzt seine Freundlichfeit, seinen Blick voll Erbarmung über uns Menschen.- O bedenke es wohl;- Jesus ist so demüthig und freundlichund du sucheft Ihn nicht, liebst Ihn nicht, vertrauest nicht auf Ihn. Geh, mein Chrift! geh' nur hin zu der Krippe des göttlichen Kindes, und laß dich belehren und bekehren und begnadigen. Höre diesen Stall, dieses Stroh, wie sie deinen Stolz, Bequemlichkeit, Habsucht und böse Lust verdammen, und zu Jesu einladen. Beispiel. Der selige Johannes Erolto erzählt, daß ein verheuratheter Mann in schweren Sünden, in Gottes Ungnade lebte. Da es seine Frau nicht dahinbringen konnte, daß er die Sünde unterließ, so bat sie ihn, er möchte doch eine kleine Andachtsübung zur Mutter Gottes vornehmen,- und jedesmal, wenn er vor einem Marien- Bilde vorübergehe, sie mit einem Ave Maria begrüßen. Der Mann fing wirklich an, solche Andachtsübung zu verrichten. Als er nun einmal in der Nacht eine Sünde begehen woll te, erblickte er ein schwaches Licht. Er sah es näher an, er ging darauf zu, und erkannte, daß es eine Lampe sei, welche bei einem andächtigen Bilde brannte, das Maria mit dem Jesukindlein auf dem Arme vorstellte. - - Sogleich betete er sein Ave Maria.- Da sah er, wie das Kindlein mit Wunden bedeckt war, aus denen frisches Blut herabrann. Bestürzt, aber zugleich voll Reue fing er an zu weinen, weil er erkannte, daß er durch seine schweren Sünden seinen Heiland so verwundet hatte. Indeß merkte er, daß das Jesukindlein von ihm wegblickte;- dieß betrübte ihn. Nun wandte er sich voll Scham und Neue an Maria. O Mutter der Barmherzigkeit, rief er aus, dein Sohn verstoßt mich, ich kann feine mächtigere Fürs sprecherin, als dich, seine Mutter finden;-o meine Königin! hilf mir bitte für mich! Da schien es, als wenn die Mutter aus fenem Bilde ant wortete: ihr Sünder nennt mich Mutter der Barmherzigkeit, und unterlaffet es dennoch nicht, mich zu einer Mutter der Leiden zu machen, indem ihr die Leiden meines Sohnes von der Krippe im Stalle an bis zum Kreuzestod, und meinen Schmerz erneuert. Jedoch, weil Maria den, der fie aufrich tig anruft, nicht ohne Trost von sich lassen will, so wandte sie sich an ihr göttliches Kind, und bat es, es wolle diesem Elenden verzeihen. Jesus schien anfangs nicht geneigt, ihre Bitte zu erfüllen; da legte die allers seligste Jungfrau das Kind auf die Erde, kniete davor nieder, und sprach: D mein Sohn! ich werde nicht mehr aufstehen, bis du diesem Sünder vergeben haft. Worauf das holde Jesukindlein antwortete: Meine Mutter, ich kann dir nichts abschlagen. Aus Liebe zu dir und aus Erbarmung über ihn, verzeihe ich ihm; laß ihn kommen, daß er meine Wunden füße. 39 - - — - 610 Monat Mariä zur Erweckung Der Sünder weinte heftig, küßte Hände und Füßlein des Kindes, fie waren nun geheilt. Endlich umarmte ihn Jesus zum Zeichen seiner Versöhnung. Der Sünder änderte zu seinem eigenen Troste und zur Freude seiner Frau die ganze Lebensweise, und führte voll Liebe und Dank gegen Jesu und Maria für die unendliche Gnade, einen wahrhaft christlichen heiligen Wandel, wodurch er zur ewigen Vereinigung mit Jesu und Maria und allen Heiligen gelangte. - Gebet. O Jesu! wie groß war deine Liebe und Erbarmung darin, daß du als Kind geboren, und dich in deiner Kind heit den Gläubigen so gütig mitgetheilet hast! wir loben und preisen diese Liebe und Erbarmung, opfern dir unsere Herzen wie die Hirten, die Weisen. O bewahre es bei dir.- O Jesu! du Lobwürdigster! Erbarme dich unser!- O Maria! du hast uns den geboren, der uns zu lieb ein Kind geworden ist; o göttliche Mutter! reiche uns auch dieß Gnadenkind wie dem Simeon im Leben und Sterben. MaO ria, Mutter Christi! bitt für uns! Vater unser, 15 Ave Maria 2. Sieben und zwanzigster Tag. Betrachtung über das Beispiel Jesu als Knabe. - Der Knabe Jesus war Maria und Joseph immer unterthan; - der Sohn Gottes gehorcht den Menschen. Und worin? in den allerniedrigsten Diensten und Arbeiten im Hause, er kehrt, er sägt, er arbeitet mit seinem Nährvater, dem heiligen Jofeph; denn er will ja für den Sohn eines armen Zimmermans nes gehalten werden. Und wie ist sein Gehorsam beschaffen? - er ist freudig, schnell und demüthig. Ach, welch' geheimer Vorwurf, wenn ich meinen offenbaren und Heimlichen Widerwillen im Gehorsam gegen meine Vorgesetzte daneben betrachte!- der Knabe Jesus war auch stets beschäftiget mit Arbeiten und Beten. Aber warum hat er wohl den Müßiggang so sehr geflohen?- Fürchtete er vielleicht versucht zu werden, und in der Versuchung zu unterliegen? Onein, er wollte nur der schwachen, gebrechlichen Jugend ein Beispiel geben, wie sie thätig und stets beschäftiget seyn soll, um nicht in Versus chung zu kommen. Ach! welcher Vorwurf für meinen MüBiggang! Der Knabe Jesus zeigte sich auch äußerlich, mit den zunehmenden Jahren, immer heiliger, nicht bloß vor Gott, sondern auch vor den Menschen, um uns zu lehren, daß auch wir äußerlich, zur Erbauung unseres Nächsten, an Heiligkeit immer zunehmen sollen. Aber zuerst und vor Allem suchte er Gottes Wohlgefallen und dann erst der Menschen, um uns zu lehren, daß auch wir zuerst darnach streben und verlangen fol len, Gott zu gefallen.- Ach! welch' ein Vorwurf, der ich gar - - www - und Erneuerung eines christl. Sinnes. 611 nicht vorwärts strebe auf der Bahn der Tugend, noch so viei schlechtes Beispiel gebe, so oft aus menschlicher Rücksicht handle, und Gott zurücksche! Beispiel. Als der heilige Edmund, Erzbischof von Kandelberg, in seiner Jugend auf der hohen Schule zu Orford studirte, und einmal mit mehreren seiner Gefährten auf einer schönen Wiese spaziren ging, so fürch, tete er sich auf einmal vor dem Müßtggang, sonderte sich von ihren jugend. lichen Spielen ab, suchte die Einsamkeit und blickte mit liebreichen Blicken oftmals zum Himmel: Als er nun so vor sich hinfah, sieh, da stand ein blühender Jüngling vor ihm, über allen Ausdruck holdselig und schön, und sprach: Sei gegrüßt mein vielgeliebter Freund Edmund!- Er aber sah den Jüngling an und sprach: Ich kenne dich nicht, und erachte auch nicht, daß du mich kennen solltest. Der Jüngling erwiederte ihm: Wie, mein Freund Gomund, wäre ich dir so ganz fremd, da ich dir doch in der Schule beständig zur Seite size und nicht von dir weiche, wo du immer gehst und stehest? Sieh nur meine Stirne an und lies daselbst wer ich bin. Da sah Edmund ihn mit forschenden Blicken an, und las: Jesus Nazarenus Rex Judaeorum.-Jejus von Nazareth, ein König der Juden. Und es sprach der göttliche Jüngling: Dieß ist mein Name, ihn sollst du deinem Herzen tief einprägen, ihn sollst du lieben, und jegliche Nacht und Morgen mit Andacht auf die Stirne zeichnen, denn dieß ist dei Name des Heiles: er wird dir und Allen, die ihn so gebrauchen, eine große Hilfe seyn, besonders in der Jugend und einst gegen jähen Tod. Auf welche Worte der süßeste Jesus, der göttliche Jüngling, das Muster aller Tugend, aus seinen Augen, aber nie mehr aus seinem Herzen vers schwand, das von wundersamer Liebe, Andacht und eifrigem Bestreben glühete, dem göttlichen Master nachzufolgen! - - -- - - - Gebet. O Jesu! du vorzüglichster Freund der Kinder und der Jugend, welch' schönes Beispiel hast du ihnen gegeben, wie freundlich warst du auf Erden mit ihnen; o segne unsere Kinder, damit sie durch dich zunehmen an Weisheit, an Gnade, und auch des ihnen von dir verheißenen Reiches Gottes theilhaftig werden. O Jesus, göttlicher Kinderfreund! Erbarme dich unser! O Maria! Mutter dessen, den du täglich an Weisheit und Gnade zunehmen sahest, dessen, vor dem du mit Weisheit erfüllet warst, bitt für uns, daß wir und die Jugend die Thorheit einsehen, und auf dem Weg der christlichen Weisheit und Gottesfurcht wandeln. Maria, du Siß der Weisheit! bitte für uns! O Vater unser, 15 Ave Maria 2. Acht und zwanzigster Tag. Betrachtung über das Beispiel Jesu in der Wüste. Jesus lehrt mich durch seine Einsamkeit und Zurückgezogenheit in der Wüste das verborgene Leben. Er hat nichts zu fürchten, weder die Dinge dieser Welt, noch böse Gefährten, die ihn tauschen, noch die Reden Anderer, die ihn verführen und irre mas chen, oder andere Dinge, die ihn verwirren könnten, und dennoch 39* 612 Monat Marià zur Erweckung zieht er sich zurück, und flieht aus der Stadt in die Wüste. Und warum suche denn ich, der ich gegen die leiseste Versuchung, die mir durch die Menschen oder andere äußere Gegenstände zukömmt, zu schwach bin, immer wieder die Gelegenheit zur Sünde auf? Jesus lehret mich auch in der Wüste durch sein strenges Fasten die Abtödtung des Fleisches.- Warum bleibt er denn 40 Tage in der Wüste, ohne das Geringste zu essen, ohne auch nur einen Trunk Wassers zu sich zu nehmen, lebt gleichsam mit den wildesten Thieren, und schläft auf der bloßen Erde! O bedenke doch den großen Unterschied zwischen dem unschuldigen Jesus und einem Menschen, der in Sünden geboren ist, mit forts währendem Hang zur Sünde lebt, und vielleicht eben ießt ein Sünder ist. Ach! Jesus fastet vierzig Tage, und ich beobachte unter allerlei nichtigen Vorwänden, vielleicht die von unserer heiligen Kirche vorgeschriebene Faste gar nicht, oder halte sie wenigstens so leicht und nachläßig als möglich. Jesus lehret mich endlich in der Wüste durch sein fortwährendes Gebet die unausgesetzte Andacht des Herzens. Aber was erflehet er denn so heiß? die Gnade, deren ich so sehr bedarf, und warum ich selbst so we nig bete.-. Wie thue ich es?- Aus Zwang, mit so wenig Geistessammlung, mit so großer Zerstreuung! — - 14 - Beispiel. Der heilige Peregrinus war vor seiner Bekehrung ein muthwilliger, unruhiger, aufrührerischer, higiger Jüngling.- In seiner Vaterstadt Forli war ein Aufruhr gegen die Obrigkeit, und er war einer der ärgsten dabei. Ein frommer Ordensmann, ein Servit, Philippus Benitius, sollte durch seine Predigten und Ermahnungen die Ruhe wieder herstellen. Allein er wurde nur verlacht, verspottet und mit Steinen aus der Stadt vertrieben. Peregrinus, der muthwilligste Junge schlug so gar auf den Heiligen. Dieser blieb ganz gelassen, sanft und ruhig, und betete auf den Knien, besonders um die Bekehrung dieses verstockten Jünglings. Durch solche Sanftmuth gerührt, und von Gottes Gnade ergriffen, wirft sich Peregrinus zu den Füßen des Predigers, und bittet ihn um Verzeihung.- Dieser hob ihn liebevoll auf, umarmte ihn, vergab ihm, tröstete ihn mit sanften Worten, und ermahnte ihn zur Besserung und damit er hiezu Gnade erhielte, ermunterte er ihn zur Verehrung der heiligen Jungfrau. Ganz umgeändert fehrte dieser zurück, mußte nun zwar allen Spott seiner Kameraden ertragen, allein er sah diese Blindheit und Bosheit ein, verabscheute ein solches Leben, und blieb nun fest bei der ihm gegebenen Gnade.- Er zog sich nun gleichsam mit Jesus in die Wüste zurück, und dachte mit allem Ernste nach, wie er seine Seele retten, sein Heil in Sicherheit bringen könne. Er nahm hiezu seine Zus flucht zu Maria der Gnadenmutter, und er wurde dadurch versichert, wie ihn Gott zu den nämlichen, einsamen uud bußfertigen Leben berufen habe, das er in seinem jugendlichen Unsinn an dem heiligen Philippus so verachtet und verspottet hatte. Er führte ein strenges Bußleben, und fühlte sich wohl seliger dabei, als er sich's je zu denken getraut hätte.. Wie herzlich dankte er Gott, daß er durch Entfernung von seinen Kameraden, durch Zurückjiehung in Einsamkeit so unendlich vieler Gnade theilhaftig geworden war - -- - - - und Erneuerung eines christl Sinnes. 613 Bei einem höchst schmerzlichen Fußübel war er voll Geduld, und als die Aerzte den Fuß abnehmen wollten, ward er über Nacht von einem Kruzifir- Bild wunderbar geheilt, so. daß man gar nichts mehr daran sehen konnte. So verherrlichte Gott seinen Diener im Alter von 80 Jahren, und nach seinem Tode noch mit vielen Wundern. w Gebet. O Jesus! vierzig Tage warst du in der Wüste, m der Einsamkeit unter Beten und Fasten, ehe du dein Lehramt beonnen hast; da warst du vom Satan versucht, bis dich die Engel bedienten. Erbarme dich unser, und verleih' uns die Gnade, daß wir uns doch auch öfters in Gebet und Fasten zurückziehen, und unser Seelenheil bedenken, dich, das Brod der Engel empfangen, um der Versuchung des Satans zu widerstehen, und in unserem Berufe treu zu leben. Jesus, du Brod der Engel! Erbarme dich unser! - O Maria! Nach dem Beispiel der Patriarchen und Propheten hast du auch die Einsamkeit gesucht. O bitt für uns, daß wir durch ein stilles, zurückgezogenes Leben unser Heil besser bedenken, eifriger beten, ernster fasten, und nach dem Worte Gottes unter dem Schutz der heil. Engel fromm leben und sterben. O Maria, du Königin der Engel, der Patriarchen und Propheten! bitte für uns!- Vater unser, 15 Ave Maria ic. Neun und zwanzigster Tag. Betrachtung über den ge freuzigten Jesus. Betrachte, o meine Seele, die unendliche Liebe Gottes in deinem gefreuzigten Heiland. Der ewige Vater opfert seinen eingebornen Sohn, und dieser bringt sich selbst am Kreuze um deines ewigen Heiles willen, dem Vater als Opfer dar.- Ach! ein einziger Tropfen Blut wäre hinreichend gewesen, aber die Liebe brang ihn, es bis auf den letzten Tropfen für uns zu vergießen. Und das ist ihm noch nicht genug, Kerker und Bande, Backenstreiche, Verspeiung, Geißelhiebe, eine Dornenkrone, Nägel, Lästerung nahm er für dich an;- Galle und Effig läßt er sich bieten. Er liebte mehr als Alle, und aus Liebe wollte er auch der Niedrigste, der Verachtetste, von Allen seyn.- Betrachte, o meine Seele! die strenge Gerechtigkeit Gottes in Jesus Christus. - Warum verurtheilte er wohl seinen Sohn, daß er des Todes sterben müsse, und eines so grausamen, schmählichen Todes? Wegen der Sünden der ganzen Welt. Aber das waren ja nicht seine Sünden. Umsonst: man ladet sie auf seine Schultern und er bezahlet sie. Aber Jesus ist ja die Unschuld, die Heiligkeit selbst!- Umsonst: Er trägt die Schuld fremder Sünden, und dieses ist hinreichend, damit er gekreuziget werde. Aber er ist ja der einzige Sohn seines Vaters! Umsonst, er ist mur - - - - 614 Monat Mariä zur Grweckung einmal für den Sünder gutgestanden, und als Bürge muß er die Strafe der Verbrecher erleiden, muß sterben als ein Geächteter, von seinem Vater selbst noch zuletzt schmerzlich verlassen.- O, was für ein schreckliches Unthier muß wohl die Sünde seyn! was für ein grausames, blutgieriges Wesen! Lerne hier, meine Seele, zwei große Wahrheiten, die du auf dich selbst anwenden mußt. Erstens muß dein Seelenheil von unendlich großer Wichtigkeit seyn, weil Gottes- Sohn selbst deßhalb am Kreuze sterben muß. Wehe dir aber, wenn du dich demungeachtet verdammen würdest! Wie wird es dir aber einstmals ergehen für deine eige nen, schweren Sünden, die du so oft wiederholtest, und mit so vie Leichtsinn und Bosheit! Wenn Jesus für fremde Sünden von der göttlichen Gerechtigkeit schon so strenge behandelt wird, - und Jesus selber sagt: ,, Wenn das am grünen Holz geschieht, was wird erst am dürren geschehen?" O göttliches Blut, das du für mich vergossen wurdeft, erwirb mir Verzeihung und Gnade zur Besserung meines Lebens! O gekreuzigter Herr Jesus! rette mich. -- - Beispiel. Der heilige Johannes Gualbertus war faum als blühender Jüngling in die Welt getreten, so ward er von den eitlen Freuden derselben ganz bezaubert. 3war regte sich anfangs die göttliche Gnade in ihm, durch Ermahnungen und Vorwürfe seines Gewissens. Da er sie aber nicht achtete, sich seinen Leidenschaften hingab, ward er bald so verblendet, daß er jene für unschuldige und erlaubte Freuden hielt, die er im Blicke vor Jesus, dem Gekreuzigten, früher als Laster verdammte. Was erweckte ihn aber aus seinem jugendlichen Sündenschlafe?- Jesus der Gekreuzigte.- Der Charfreitag. Sein einziger Bruder war Sein Vater von einem Adelichen meuchelmörderisch umgebracht worden. schwor den Mörder Rache den Tod. Dieß befahl er auch seinem Sohn. Am Charfreitag, da Johannes vom Lande zurück fam, begegnete ihm der Mörder in einer engen Gasse. Johannes zog sogleich das Schwert, jener fiel aber flehend auf das Angesicht, und sprach: Um der Liebe Jesu willen, der heute für uns am Kreuze starb, und für seine Feinde betete, bitte ich dich, vergib mir. Schenke mir aus Liebe zu Jesus, dem Gefreuzigten, das Leben. Johannes erinnerte sich mit Ernst der unendlichen Liebe Jesu, womit er aus Mitleid für uns Sünder, bitterste Marter, den grausamsten Tod erduldete, und dieß Leiden und Sterben machte einen solchen Eindruck auf sein Herz, daß er innig gerührt dem Mörder die Hand bot, und sagte: Was du mich im Namen des Gefreuzigten bitteft, kann und will ich dir nicht abschlagen: ich schenke dir ihm zu Liebe, nicht nur das Leben, sondern auch meine Freundschaft. Bitte Gott, daß er auch mir meine Sünden verzeihe. Hierauf verließ er ihn mit beklommenen Herzen, denn sein Gewissen sagte ihm: Du bist auch ein Mörder durch deine Sünden, ein Mörder deines Heilandes, deiner Seele, und durch deine gegebenen Nergernisse auch noch anderer Seelen. Unter solchen Gedanken kam er in die nahegelegene Kirche. Hier warf er sich auf die Kniee vor dem Bilde des Gekreuzigten, und bat um Verzeihung seiner Sünden.- Ind sieh. die Geschichte erzählt, das Bild habe zu seiner Beruhigung das Haupt ge neigt. Von diesem Augenblick an war das Herz des Gualbert ganz ums geändert. Er ging sogleich zu dem Abte des Klosters, bat fußfällig um - - - - - - und Erneuerung cines christl. Sinnes. 615 Das Leis Aufnahme, die er nur nach Einwilligung seines Vaters erhielt. den und Sterben Jesu ward in ihm ein Saamenförnlein, das tausendfältige Frucht für ihn und andere hervorbrachte eine Feuerflamme, die sein und tausend andere falte Herzen zu einer andern befeligenden, besseren Liebe ale die Weltliebe entzündete. Der Ruf seines frommen christlichen Wandels in der Einsamkeit verbreitete sich weit umher. Jünglinge und Männer famen zu ihm und verlangten von ihm Anleitung zu einem frommen, befferen Leben, weßwegen er eine Ordensregel abzufaffen genöthigt ward. Im 73 Jahre seines Alters ging er nach vielen Arbeiten, aus Liebe zu Jesus, dem Gekreuzigten, zu ihm heim, mit den Worten: Meine Seele dürftet nach Gott wann werde ich zu ihm kommen und erscheinen vor dem Angesichte des Herrn! - - Gebet. O Jesus! mit welch' großer Liebe fagtest du: Wenn ich von der Erde werde erhöhet feyn, dann werde ich alle an mich ziehen. Diese Erhöhung ist dein Kreuzestod, wir fühlen uns voll Reue über unsere Sünden hingezogen zu dir an's Kreuz! o komm' uns zu Hilfe, damit du in deinem Leiden und Sterben unser Leben, unser Ein's und Alles seiest, damit dein Leiden uns Trost, Kraft und Stärke gegen die Sünde zum christlichen Leben verschaffe.-- O Jesu, unser Leben! Erbarme dich unser! -- -- - O Maria! wer hat je das Leiden deines Sohnes besser beherziget als du, wo hat es schönere Früchte gebracht, als bei dir? Bitte für uns, daß wir sein Leiden immer besser bedenfen, und an uns auch Früchte der Besserung und Beseligung er fahren! O Maria, du geistliches, ehrwürdiges Gefäß! bitte für uns! Vater unser, 15 Ave Maria 2. -- -- Dreißigster Tag. Betrachtung über die schmerzhafte Mutter Maria am Fuße des Kreuzes. Von den Schwertern, die Maria's Herz durchbohrt, als fie unter dem Kreuze stand, sind drei am tiefsten eingedrungen. - Erstens ihr geliebtes Kind so zu verlieren, den schönsten, heiligsten, unschuldigsten Sohn.- O welch äußerste Betrübniß für dieß liebende Mutterherz! Ihren einzigen, vielgeliebten Sohn sterben zu sehen, mit durchbohrten Händen und Füßen, ihn zwischen zwei Missethätern sterben zu sehen, in der Blüthe seiner Jahre. O welch' große Qual! Aber für wen fließt denn die ses Blut? Für Christen, die unerachtet eines so theuern Lösegeldes dennoch verloren gehen wollen! Ach, das ist ein Schmerz- ein Schmerz ohne Trost, ohne Linderung, der ihr ganzes Herz zerreißt. Zweitens: Sieht sie nicht bloß, daß das Blut ihres göttlichen Kindes für viele Christen ganz nußlos vergoffen wird, sondern sie muß noch überdieß sehen, wie die Qual der Hölle eben dadurch für jene Unglücklichen vermehrt wird: o welch' ein Schmerz!- Erkennen zu müssen, daß dieses Monat Maria zur Erweckung Blut so viele Christen, die auch Alle ihre Kinder sind, nicht bloß nicht erretten, sondern noch überdieß anklagen, verwerfen und verdammen wird! Ihren Jesus sterben zu sehen, ohne dich ret ten zu können, ja selbst dich dadurch noch mehr gepeinigt zu wis frn, weil du die gegebene Gnade verachtest und von dir stofsest. O welch' bittere Qual! O arme Mutter! wer wird dich trösten können? Drittens: daß dieses göttliche Blut von so vielen Christen nicht bloß ungeehrt bleibe, sondern auch noch entehrt werde, das ist zuviel! Wenn Jesus nicht für dich gestorben wäre, hättest du vielleicht weniger gesündiget, aber im vermessenen Vertrauen auf das Erlösungswerk, häufest du Sünde auf Sünde, fahrest fort zu fündigen bis an's Ende, in der Hoffnung, daß sein Blut dich dennoch retten werde! Und viele Andere sind hiemit noch nicht zufrieden, ste verachten, verwünschen, verfluchen es auch! O, bis in den Tod betrübte Mutter! wer sind die Grausamen und Gefühllosen, die mit dir kein Mitleid fühlen sollten! Beispiel. Zu Florenz in Toskana lebten 7 Männer, die sich durch Adel und Reichthum, vorzüglich aber durch Frömmigkeit und Tugenden auszeichneten.- Ihre Namen waren: Bonfilius, Bonajunkta, Manetti, Amideus, Uguccio, Sostoneus und Alexius. Die damaligen Unruhen, Feindseligkeiten und Aergernisse gingen ihnen sehr zu Herzen. Sie nahmen 616 - - - ihre Zuflucht zu Gott im Gebete, und um gewisser erhört zu werden, slehten sie die Fürbitte Mariä an. Sie wohnten einer frommen Versammlung oder Bruderschaft zu Ehren Mariä an ihren Festtagen bei. Da geschah es denn, daß diese sieben Seligen am Feste Mariä Himmelfahrt in ihrem Gebete, und jeder besonders allein dieselbe himmlische Anweisung erhielt, Alles zu verlassen, und sich in eine Einsamkeit zu begeben, um dort Gottes Willen und Wohlgefallen zu vernehmen. Sie thaten es mit großer Aufopferung am Feste Mariä Geburt, aber nur unter der Leitung ihres Bischos fes. Dieser gab ihnen den schwerzubesteigenden Berg Senarius- und hier wurde ihnen der Wille und das Wohlgefallen Gottes durch Maria, die göttliche Mutter, in Begleitung der heiligen Engel, kund, daß fie nun nach der Regel des heiligen Augustinus einen eigenen Orden anfangen und fort segen sollten, der Jesu Leiden und Märiä Schmerzen zum Hauptgegenstand ihrer Betrachtung machen, und die Verbreitung derselben auf alle Weise befördern solle. Sie hießen deßwegen Diener der schmerzhaften Mutter. Sie waren und blieben es auch im vollsten Sinne, und entsprachen Gottes Willen so vollkommen, daß der Ruf ihrer Heiligkeit sich über Städte und Dörfer verbreitete.- Hohe und Niedere, Reiche und Arme eilten auf den Berg zu diesen Gottesmännern, theils um Hilfe und Rath einzuholen, theils um ihrem Gebete sich zu empfehlen; viele Jünglinge wünschten in ihre Gesellschaft aufgenommen zu werden, um in Betrachtung des Leidens Jesu und der Schmerzen Mariä ein wahrhaft frommes, ihr Seelenheil sicherndes Leben zu führen. Maria hatte Wohlgefällen an ihrem Eifer, und durch ihre Fürbitte und Gottes Segen hat die Zahl derer, die in diesen Orden traten, zum Erstaunen der Welt so zugenommen, daß nach 37 Jahren über 10,000 Aufgenommene gezählt wurden. Dieser Orden der Ser viten und Servitinnen dauert schon über 600 Jahre zu diesem Zwecke fort. Gebet! O Jesus! welch' Leiden war es für dich, deine Muts ter auch im größten Schmerze zu sehen! Darum gabst du - - - - -- nnd Erneuerung eines christl. Sinnes. 617 ihr noch den Johannes zum Trost, und diesem und uns Maria zur Mutter. Wenn die Unschuldigste so viele Schmerzen zu leiden hatte, wie können dann wir mehr flagen im Leiden? O blick auf uns herab mit deiner Gnade, daß wir unserer Sünden wegen von Reue durchdrungen, im Leiden durch deine mächtige Gnade start und geduldig bleiben.- O Jesus, Stärke im Leis den! erbarme dich unser! - O Maria! welche Märtyrin könnte ihren Schmerz mit dem deinen vergleichen? wir verehren dich in deinen Schmerzen und bitten, daß uns die Gnade geschenkt werde, jetzt deine treuen, geduldigen Nachfolger auf dem Kreuzeswege, und einst auch deiner Herrlichkeit im Himmel theilhaft zu werden! O Maria, Königin der Märtyrer! bitte für uns!- Vater unser, 15 Ave Maria 2. Ein und dreißigster Tag. Betrachtung von der Liebe Jesu Christi. Willst du lieben?- O ja, liebe nur, aber liebe den Liebenswürdigsten;- liebe Jesus Christus!- Sieh, meine Seele, er ist auch Mensch, aber schöner als alle Menschen. Er ist aber auch Gott, und so wie Gott, ist auch seine Schönheit unendlich. Man liebt ja eine Uhr, ein Kleid, ein Bild, eine Woho welch' ein Vernung, weil sie schön sind!- aber Jesus gleich, und man liebt ihn nicht! ben? aber Jesus liebet dich. 1 Du willst also Jesus nicht lie Er liebt dich so sehr, daß alle eine Gedanken von dem ersten Augenblick seiner Geburt mur allein auf dein Seelenheil gerichtet waren, und noch immer sind. Er lag für dich als ein armes Kind in der Krippe, im Stalle, war Handwerksmann in der Werkstätte seines Pflegevaters, wandelte dürftig und arm drei Jahre predigend umher;-erduldete Badenstreiche, Verspeiung, Spott, Kerker, Geißelhiebe und eine schmerzliche Dornenkrone. Für dich hat er all' sein Blut vergossen, und starb noch zuletzt am Kreuze. Was hätte Jesus noch mehr thun können, um dir Beweise seiner unendlichen Liebe zu geben! Und doch schien es ihm noch zu wenig.- Er wollte fich dir auch noch selbst ganz zurücklassen, seinen Leib als eine Speise, sein Blut dir zum Tranfe. Ach! was verlangest du noch, um dich zur Gegenliebe zu bewegen? Ein Hündchen, das um dich spielt und dir schön thut, ein Kind, das dir freundlich entgegenlächelt, raubt dir das Herz mit Gewalt, nur Jeſus, der dich so unaussprechlich und mit so großer Aufopferung liebte und noch immer lieb hat, kann dein kaltes Herz nicht zur Gegenliebe bewegen! Doch wie, dünkt es dir allzugewöhnlich, Ihm zu sagen: Herr! ich liebe dich."- O, sage es ihm nur, recht ---- 618 Monat Maria zur Erweckung von Herzen und vertrauensvoll, denn das ist's ja eben, was er so sehr verlangt, und so gerne hört. Wenn du auch ein Sünder bist, sage es ihm doch: denn sieh, er ist ja der Erste, der dir wieder entgegenkömmt, dir seine Brust eröffnet, sein liebend' Herz zeigt, und gleichsam ruft: ,, Liebe mich, ach, liebe mich!" wenn du nicht ganz von Stein bist, so kannst du dieser Einladung unmöglich länger widerstehen! Beispiel. Zu Smyrna in Griechenland war eine gottfelige Wittwe. Sie kaufte ein Knäblein, erzog es mit Fleiß, und lehrte es den jeligmachenden Glauben, und die innigste Liebe zu Jesus. Sie nannte den Knaben Polykarpus, und hatte wegen seines guten Herzens, seiner Folg samkeit und frommen Sinnes große Freude an ihm. Sie hatte ihn überaus lieb, nahm ihn an Sohnesstatt, und als Erben ihres ganzen Vermö gens an. Nach dem Tode dieser Pflegemutter, erinnerte er sich allezeit, daß er selbst ein armes Waislein gewesen, that Wittwen und Waisen Gutes, wo er nur konnte, und verwendete sein ganzes Vermögen zur Unterstüßung der Armen. Als der Bischof von diesem edlen, so christlich gesinnten Jüngling hörte, nahm er ihn zu sich, unterwies ihn gründlich und weihte ihn dann zum Priester. Nun ward Polykarpus noch eifriger in der Liebe Jesu und im heiligen Wandel. Nach dem Tode des Bischofes wollten ihn alle Priester und die Gläubigen zum Bischofe haben, und der heilige Apostel Johannes hat ihn dazu geweiht. Dieß munterte ihn auf, mit neuem Eifer die Liebe Jesu in gläubigen Herzen zu entzünden, die Irrthümer der Heiden zu bekämpfen und eine Menge derselben zum Glauben an Christus zu bekehren. - - - - - - - Der heilige Polykarpus wirkte die vielen Jahre seines Lebens mit apoftolischem Gifer; sein reiner Glaube, seine unbesiegbare Güte und Milde, sein mackelloses Leben zeigten zur Genüge, daß er ein würdiger Schüler des Johannes, des Jüngers der Liebe Jesu sei. Nun sollte aber, der ganz Cs ward Bes für Christus gelebt, auch für ihn leiden, für ihn sterben. fehl gegeben, ihn aufzusuchen. Die Schergen kamen in sein Haus, und er ging ihnen entgegen. Sogleich gab der Greis Befehl, daß ihnen Speise und Trank vorgefeßt werde, soviel sie begehren, bat sich aber eine Stunde aus, wo er ungestört beten könne. Das bewilligten sie ihm. Da betete er stehend, voll der Andacht, voll der Jubrunst, so daß er zwei Stunden hintereinander betend sprach. Die Gößendiener staunten, einige bereuten es, wider so einen gottseligen Greis ausgezogen zu seyn. Nach diesem Gebet brachten sie ihn in die Stadt. Auf dem Wege wurde er vom Wagen herabgeworfen, so daß er sich am Fuße verletzte. aber stand auf, und ging freudig der Marter entgegen, als fehlte ihm nichts. Vor dem heidnischen Richter ward er dringend aufgefordert, Jesum Christum zu schmähen, ihm zu entsagen. Allein Polykarpus rief aus vollster innigster Liebe zu Jesus; Sechs und achtzig Jahre diene ich meinem Jesus, und er hat mir nie ein Leid, nur immer Gutes gethan. Wie kann ich meinen König, meinen liebsten Herrn nun lästern, der mich gerettet hat! Er - 8 -- Auf alle Drohungen antwortete er mit einem Muthe, als wenn jugendliches Feuer in ihm glühte. Wirklich ward er zum Feuer verurtheilt, allein gegen das Feuer der Liebe in seinem Herzen vermochte dieses nichts. Dann stießen sie ihm einen Dolch in die Brust, da floß das Blut in folcher Fülle, daß es das Feuer löschte. Dann gab er seinen Geist aut Fromme Vorfäße während der Maiandacht. 619 in die Hände deffen, den er 86 Jahre geliebt und so treu gedient; er ging ein in die Freude seines Herrn. Gebet. O Jesu! was soll die höchste Gabe und Gnade seyn, um die wir dich am Ende dieser Mai- Andacht am meisten bitten sollen? Was anders, liebster Heiland, Seligmacher, als die Gnade, daß wir zu dir eine recht reine, wahre, innige, thätige, standhafte Liebe haben, und daß dieß heilige Feuer durch das hochheilige Altarssakrament immer mehr in uns angezündet werde, bis wir einst in ewiger, herrlicher Liebe unzertrennlich mit dir vereiniget werden.- O Jesu, im heiligen Sakramente! erbarme dich unser! - - O Maria! nimm doch diese Maiandacht gnädig an, und höre nicht auf, uns die göttlichen Gnaden zu erbitten, deren wir dürfen, daß wir nun rein von Sünden- standhaft im Glauselig in der Hoffnung eifrig in der Liebe und Nachben folge deinem Sohne und dir, unserer liebsten Mutter, bis in den Tod treu und ergeben bleiben.-O Maria, Mutter der göttlichen Gnade! bitte für uns!( Vater unser, 15 Ave Maria 2. - - Fromme Vorsätze während der Maiandacht oder sonst durch dieselbe zu erwecken. 1. Ich will den Maimonat ohne ernste Selbstprüfung und Untersuchung meines Seelenzustandes für Zeit und Ewigkeit nicht vor übergehen lassen, zu diesem Zwecke die heiligen Sakramente der Buße und des Altars dießmal und sonst öfters des Jahres hindurch gebrauchen, und meine tägliche Gewissenserforschung niemals versäumen. 2. Mein Herz, Sinn und Leben will ich, nach dem Beispiele der seligsten Jungfrau Maria, Gott allein weihen; denn Er allein hat das Recht, es zu verlangen; Er allein ist fähig, es zu befriedigen und zu beseligen.- 3. Ich will täglich das Leiden und Sterben meines Heilandes, Seine göttlichen Lehren und Sein Beispiel immer tiefer in mein Herz einprägen, und zwar besonders bei der Anhörung der heil. Messe. 4. Ich will Maria, die reinste Jungfrau und Mutter Gottes, in allen Verhältnissen des Lebens, in meinem Berufe, in Leiden und Freuden, in Versuchungen und Plagen, in Geschäften und Umgang, in Gebet und Andacht, und ihre Tugenden, besonders Demuth, Reinigkeit, Gottesfurcht, Liebe, Geduld, Gehorsam, Treue und Standhaftigkeit nachzuahmen suchen; und diesen Vorsatz beim breimaligen Zeichen des englischen Grußes oder beim Rosenkranz täglich erneuern. - Fromme Vorsätze während der Maiandacht. Ich will die Betrachtungen und Erwägungen sammt den Beispielen, welche in dieser Maiandacht vorkommen, auch unter dem Jahre, besonders an Samstagen, wohl beherzigen. 6. Meinen Feinden des Seelenheils, der dreifachen bösen Luft, der Augen- und Fleischeslust, der Hoffart des Lebens, dem Satan, der Welt und meinen bösen Neigungen will ich, im treuen Kampfe und im Vertrauen auf Gottes Gnade, immer widerstehen;- be sonders meine fündige Eigenliebe überwinden, woran mich jeder Glockenschlag bei den Tagesstunden erinnern soll. 7. Erfreut über das reine, mackellose Herz Mariä, der allerseligsten Jungfrau, will ich täglich vor Gott, Seiner Allgegenwart, den festen Entschluß erneuern, in feine Sünde einzuwilligen - nach jedem begangenen Fehltritt ihn sogleich zu bereuen, vor Jesu abzubitten und wieder zu verbessern, um so immer vor Gott ein reines Herz und ein gutes Gewissen zu bewahren. 8. Ich will mir das Beispiel nicht nur der allerfeligsten Jungfrau, sondern auch des heiligen Joseph, meines heiligen Namenspatrones und anderer Heiligen zur Nachahmung täglich, wochentlich, monatlich vorstellen, und selbes auf die Pflichten meines Standes, meines Berufes anzuwenden suchen, um mich ihrer mächtigen Fürbitte würdig zu machen, ihres Schutzes zu erfreuen und ihrer Herrlichkeit theilhaftig zu werden. 9. Gerührt durch das Beispiel des barmherzigen Samariters unsers Heilandes Jesu, und ermuntert durch die Dienstfertigkeit und Barmherzigkeit Mariä gegen uns, will ich meinem Nächsten, auch meinem Feinde, beistehen und zu Hilfe eilen, wo und wie er es bedarf und ich vermag. 10. Voll Dank gegen Gott, gegen Jesu für die gnadenvolle Berufung zur katholischen Kirche will ich in meinem christlichen Wandel mich an die Gebote, Vorschriften, Leitung und Einrichtungen derselben treu halten, für die Oberhirten und Hirten nach den Worten des Heilandes beten und ihnen gehorsamen. 11. Als ein treuer Knecht oder treue Magd des Herrn, will ich die verliehenen Talente oder die Pflichten meines Standes und Berufes auch bei allen Beschwernissen, Hindernissen, Trübfalen und widrigen Vorfällen gewissenhaft erfüllen. 12. In frommer Verehrung Mariä, der göttlichen Mutter, will ich stets verharren, und bei ihrem Lobe mich vorzüglich auch an die Worte Jesu: ,, Sage vielmehr, selig sind die Gottes Wort hören und beobachten, und an die Worte Mariä: Thut Alles, was Jesus euch sagt," erinnern. 620 -- 621. Geschichtliche Nachricht von der wunderbaren Medaille. Gegen das Ende des Jahres 1830,- so erzählt der Priester, dem wir diese Nachricht verdanken, sah Schwester' M..., Novizin in einer zu Paris dem Dienste der Armen geweihten Klostergemeinde, in erhöhtem Gebetszustande eine bildliche Erscheinung, welche die heilige Jungfrau darstellte, wie sie gewöhnlich unter dem Titel ihrer unbefleckten Empfängniß gezeichnet wird, in ganzer Gestalt und mit ausgestreckten Armen. Aus ihren beiden Händen fuhren Strahlen gleich Lichtströmen von ungemeinem Glanze; und sie sah, daß sich der vorzüglichere Theil dieser Strahlen besonders auf einen Punkt des Erdballs, den sie ebenfalls bemerkte, niederließ. In demselben Augenblicke vernahm sie eine Stimme, die zu ihr die Worte sprach:" Dieſe Strahlen sind ein Sinnbild der Gnaden, die Maria den Menschen erbittet; und dieser Punkt des Erdballs, auf welchen sie reichlicher niederströmen, ist Frankreich. Um das Bild zog sich im Halbkreise und mit goldenen Buchstaben geschrieben, folgende Aufschrift: O Maria, ohne Sünde empfangen, bitt für uns, die wir unsere Zuflucht zu dir nehmen. Einige Augenblicke darnach kehrte sich das Bild um, und auf der Rückseite bemerkte die Schwester ben Buchstaben M, aus dessen Mitte sich das Kreuz emporhob, während unter demselben die beiden H.H. Herzen Jesu und Mariä zu sehen waren. Nachdem sie alles dieses mit Aufmerksamkeit betrachtet hatte, sprach die Stimme wieder zu ihr: " Nach diesem Muster lasse eine Medaille prägen, wer dann immer dieselbe gesegnet trägt, und die kurze Anrufung mit Andacht in seinem Herzen. nachspricht, wird eines besonderen Schußes der Mutter Gottes gewürdiget werden. Gleich am folgenden Morgen fand sich die Schwester bei mir ein, um mich, als ihren Gewissensrath, von dieser Erscheinung in Kenntniß zu setzen. Ich erklärte das Ganze für bloße Täuschungder Phantasie, und begnügte mich, ihr einige Worte über die wahre Verehrung der heiligen Jungfrau an's Herz zu legen, als welche darin bestehe, daß wir, so viel an uns liegt, ihre Tugenden durch getreue Nachfolge uns eigen zu machen, und ihres mächtigen Schutzes uns zu versichern suchen. Sie zog sich hierauf zurück, ohne sich weiter um diese Erscheinung zu bekümmern und darüber nachzudenken. Geschichtliche Nachricht Als nach 6 oder 7 Monaten dieselbe Erscheinung sich genau wie das erste Mal wiederholte, glaubte sie mich abermals davon. in Kenntniß segen zu müssen; allein ich hielt eben so wenig darauf als das erste Mal, und entließ sie ohne weiters. Zum dritten Male endlich erneuerte sich die Erscheinung, nachdem 6 oder 7 andere Monate verflossen waren, da sprach die schon bekannte Stimme: ,, Der heiligen Jungfrau mißfalle es, daß man so lunge zögere, die Medaille prägen zu lassen... Dieses Mal, ohne es jedoch merken zu lassen, wollte ich die Sache etwas näher prüfen, weil ich durch längeren Verschub fürchtete, derjenigen zu mißfallen, welche die Kirche mit so vollem Rechte als die Zuflucht der Sünder begrüßt. Dennoch kam ich wieder auf den Gedanken zurück, daß Alles bloße Täuschung, und lediglich die Wirkung einer irre gewordenen Phantasie sei, und so verblieb es beim Alten, ohne daß ich mich der Sache weiter annahm. Es waren seit der letzten Erscheinung wieder mehrere Wochen vorübergegangen, da fand ich Gelegenheit, mit dem hochwürdigsten Bischofe von Paris zu sprechen. Ich benüßte den Anlaß, um dem würdigen Prälaten das Vorgefallene umständlich zu erzählen. Seine Antwort lautete dahin: ,, es sei kein Grund vorhanden, der die Verfertigung der Medaille hindern könnte, zumal sie ja nichts darbiete, was dem Glauben der Kirche zuwider wäre: vielmehr sei Alles daran geeignet, die Andacht der Gläubigen zur Mutter unsers Herrn zu wecken und zu nähren, er wünsche demnach, daß man ihm eine von den allerersten mittheile. Auf diese Erklärung hin entschloß ich mich, die Medaille prägen zu lassen. Es trafen jedoch verschiedene Umstände ein, die mich verhinderten, mein Vorhaben früher als im Monat Junius des Jahres 1832 auszuführen, wo endlich das Gepräge der Medaille nach oben beschriebenem Muster von einem ausgezeichneten Künstler der Hauptstadt verfertigt wurde. 622 Folgender Umstand muß hier noch erwähnt werden: Als nämlich eines Tages die Schwester bei sich selbst überlegte, ob es nicht schicklich wäre, einige Worte auf der Rückseite auzubringen, so wie die andere Seite ihre Aufschrift habe, da sprach die Stimme zu ihr: die zwei heiligsten Herzen und der Buchstabe M mit dem Kreuzzeichen seien sinnvoll genug für jede christlich denkende Seele.". Sobald die Medaille geprägt war, verbreitete sie sich sogleich nach allen Richtungen, besonders unter den barmherzigen Schwestern, die zuerst von ihrem Ursprunge in Kenntniß gesetzt worden waren. In einem ihrer Häuser zu Paris hatten sie dieselbe unter alle jungen Mädchen vertheilt, deren Erziehung von der wunderbaren Medaille. 623 fie besorgen; dadurch erweckte sie unter den Kindern die zärtlichste Andacht zur Mutter Gottes. Nun fing die Cholera auch in der Hauptstadt ihre Verheerungen an; bald wurde das Schwesterchen eines dieser Kinder von der Seuche befallen; alle Symptome der Krankheit hatten sich auf unzweideutige Weise eingefunden, so daß an der Tödtlichkeit des Uebels nicht mehr zu zweifeln war. Die Vorsteherin des Erziehungsinstituts hatte ein so großes Vertrauen auf die Medaillé, daß sie, kaum von dem Zustande des Kindes benachrichtiget, plötzlich ausrief: " Hat denn das Kind keine Medaille? Man eilte, bei dem Kinde selbst nachzusehen, ob es eine solche bei sich habe; als man keine fand, wurde ihm sogleich eine dargereicht, die es mit Ehrfurcht empfing, und einige Augenblicke darnach war die Kleine vollkommen gesund. Um dieselbe Zeit schrieb man uns aus der Diözese Meaux, daß mittelst derselben Medaille eine schwangere Frau geheilt worden sei, welche die Cholera so heftig angefallen hatte, daß kein Mittel mehr zu ihrer Rettung übrig schien. Wenige Tage nachher ward das Weib glücklich entbunden, und nun leben Mutter und Kind in bester Gesundheit. In dem nämlichen Orte erhielt man, in gläubiger Anwendung dieser Medaille, die vollkommene Heilung eines fünfjährigen Kindes, das noch nicht aufrecht gehen konnte. Erst nachdem man die geschicktesten Aerzte zu Rathe gezogen und alle menschlichen Mittel erschöpft hatte, tam endlich die betrübte Mutter des Kindes auf den Gedanken, zur heiligen Jungfrau ihre Zuflucht zu nehmen. Es wurde ihm daher die Medaille aufgelegt, man begann eine neuntägige Andacht, und schon am ersten Tage war das Kind von seiner Gebrechlichkeit so vollkommen befreit, daß es seither auch nicht die geringste Beschwerde mehr fühlte. 4 Als diese Thatsachen in der Umgegend bekannt wurden, wurde auch die Medaille von Tag zu Tag mehr ausgebreitet. In mehreren Orten bedienten sich ihrer die barmherzigen Schwestern, um mittelst derselben ihren armen Kranken, die sich weigerten die heiligen Sakramente zu empfangen, bessere Gefinnungen einzuflößen; mehrere außerordentliche Bekehrungen erfolgten und weckten überall das Verlangen nach der gnadenreichen Medaille. Balb verbreitete sie sich in allen Provinzen, und selbst in fremde Länder, in die Schweiz, Piemont, Spanien, Belgien, England bis in die Türkei und sogar bis nach China. Die Zahl der in verschiedene Länder bereits versendeten Medaillen übersteigt schon gegenwärtig eine Million. Jedermann verlangt dieselbe unter dem Namen der wunderbaren oder heilenden Medaille. Wir haben auch mit besonderem Troste Von der Erzbruderschaft vernommen, daß vorzüglich in diesem Jahre( 1839) eine große Anzahl christlicher Mütter sie ihren Kindern als Weihnachtsgeschenk übergaben, und daß die selige Freude, die sie dadurch den Kindern verursachten, der schönste Beweis sei, wie theuer und köstlich solche Gegenstände diesen zarten Herzen seyn müßen. Wir erhalten übrigens von allen Seiten her die erbaulichsten Nack on den segenre Wirkungen der Medaille. Priester schreiben uns, sie erwecke 1581 pla a ben Städten, als auf dem Lande. hl durch Wissenschaft als durch Frömmigkeit hervorleuchten, General- Vicare, deren hohe Verdienste um die Kirche bekannt sind, und selbst unsere ersten Kirchenprälaten melden uns in sehr verbindlichen Schreiben, ,, daß diese Medaillen ihr ganzes Vertrauen in Anspruch genommen haben, daß sie dieselben recht eigentlich als ein Mittel ansehen, dessen sich die göttliche Vorsehung ber en wolle, um den so sichtbar gefuntenen Glauben in unserm Jahrhundert wieder neu zu beleben." Allenthalben werden mittelst derselben Heilungen bewirkt und geistliche Gnaden ertheilt, worunter jene auffallenden Bekehrungsfälle gehören, die wenigstens an das Wunderbare grenzen. den chri Geistlich mattes U Von der wundervollen Erzbruderschaft des heiligen Herzens Mariä. Die Erzbruderschaft*) des heiligen und unbefleckten Herzens Mariä zur Bekehrung der Sünder verdankt ihr Daseyn dem frommen Eifer eines ehrwürdigen Geistlichen, der nicht ohne Wehgefühl sehen konnte, wie so viele Weltleute von Gott abfallen und ihrem Verderben zueilen. Mitten in der großen Stadt Paris, welche gleichsam der Mittelpunkt und der Sammelplatz des Unglaubens und der Sittenlosigkeit ist, liegt die Pfarrkirche Unserer lieben Frau vom Siege. Seit mehreren Jahren wurde diese Kirche we niger als die übrigen der Hauptstadt besucht. Die Pfarrgenossen, bei sechs und zwanzig tausend an der Zahl, vom Getümmel der Welt, vom Schwindelgeiste und den politischen Ereignissen hingerissen, vergassen ihre Pflichten als Christen, und ließen die Kirche Gottes öde und unbesucht. Diese Erkaltung jedes reli*) Man nennt Erzbruderschaft diejenige, welche das Recht hat, besondere Vereine, die jedoch nur den nämlichen Zwed haben, aufzunehmen, und sle aller Gnaden und Bortheile theilhaftig zu machen, welche der Mutter- oder Erzbruderschaft selbst verliehen sind. des hl. Herzens Marta. giösen Gefühles hatte dergestalt überhand genommen, daß wahrend des ganzen Jahres nicht mehr als sieben Hundert und zwanzig Hostien bei der heiligen Kommunion ausgetheilt wurden. Bei den größten Feierlichkeiten blieb die Kirche leer, der Prediger ohne Zuhörer, Gott er. Selbst 31/8 Grabes empfing man die heiligebete und Andachten aan& schien geeignet zn seyn, diese seit var, zu beginnen mende Verheerung hemmen zu können: ave. hantu enbarte sich die Barmherzigkeit des allgütigen Gottes aunty.azendste Weise, die Gnade Gottes strömte gleich einem warmen Frühlingsregen herab, um dieses unfruchtbare Erdreich zu erweichen; denn die gnadenvollste Jungfrau flehte für die Menschen, und die Gnade des Allerhöchsten segnete dieses mit Unfruchtbarkeit bebrohte Erdreich liebevoll und reichlichst. In den ersten Tagen des Christmenats 1836 kam der hochw. Herr Pfarrer der Kirche Unserer lieben Frau vom Siege auf den frommen Gedanken, die Pfarrei dem heiligen und unbefleckten Herzen Mariä zu widmen, um durch den mächtigen Schutz dieser gütigen Jungfrau die Gnade der Bekehrung der Sünder zu erlangen. Vernehmen wir die eignen Worte des hochwürdigen Herrn Pfarrers, mit welchen er die wunderbare Entstehung der Erzbruderschaft erzählt. ,, Die Erzbruderschaft nahm den 3. December 1836 ihren Anfang. Viele, die bloß nach dem Neußerlichen urtheilen, sehen uns als den Stifter und Begründer derselben an. Wir können diese irrige Meinung nicht unberichtigt lassen. Nicht wir sind die Stifter, Gott allein gehört die Ehre; Nichts war in uns, weder im Geiste noch im Herzen, das uns zu dieser Errichtung hätte bewegen und vorbereiten können. Vielmehr müssen wir gestehen, indem wir Gott und Maria demüthigst um Verzeihung bitten, daß, obschon wir von Kindheit an gewohnt waren, Maria zu verehren und sie als die zärtlichste aller Mütter zu lieben, wir die Andacht zu ihrem heiligsten und unbefleckten Herzen so wenig verstanden und zu würdigen wußten, daß wir weder daran denken noch etwas davon hören wollten. Ueberdieß müssen wir bekennen, daß, als einst in unserer Kirche, genannt die Kirche der fremden Missionen, ein frommer, ehrwürdiger Ordensgeistlicher, P. Makartho, eine Predigt über das heiligste Herz Mariä hielt, seine Worte in unserm Herzen keinen Anflang fanden, ungeachtet er, wie gewöhnlich, seinen Gegenstand. trefflich behandelt hatte. Unser Stolz und Vorurtheil waren so groß, daß es uns sogar schmerzte, daß er einen solchen Gegenstand gewählt hatte. Auch meinten wir, ein solcher Gegenstand werde 40 626 Bon der Erzbruderschaft 7 UN den Andern eben so wenig als uns gefallen haben. So blieben unsere Gesinnungen bis den 3. Dezember 1836. An diesem Tage verrichteten wir das heilige Meßopfer auf eben demselben Mutter- Gottes- Altare, ben wir seither dem heiligen und unbefleckten Herzen Mariä t haben. Unser Herz war in tiefste Tre segenrenwirkungen schmerzlichen Gedanken an den attes emeinensw igen Zustand der uns anvertrauten Sn und an die wenigen Früchte unserer fünfjährigen Bemühungen. Und sieh, plötzlich fiel uns der Gedanke ein, unsere Pfarrkirche dem heiligen und unbefleckten Herzen Mariä zu weihen, um die Bekehrung der Sünder zu erlangen. Anfangs schlugen wir ihn als eine Zerstreuung aus; denn unser Verstand fand nichts Befriedigendes darin. Allein er fam wieder und verfolgte uns trotz aller Gewalt und allem Widerstand bis zum Sanctus. Erschrocken über diesen stets fortdauernden Gedanken, der für uns eine wahre Qual, eine Beunruhigung und eine ängstliche Zerstreuung ward, beschwuren wir den Herrn, uns gänzlich davon zu befreien, damit wir ungehindert und mit gehöriger Andacht die heiligste Handlung fortsetzen konnten. Wir wurden erhört. Erst nach unserer Danksagung kam der nämliche Gedanke wieder, und bemächtigte sich völlig unsers Verstandes und unserer Einbildungskraft. Jetzt bachten wir ern licher darüber nach, betrachteten ihn unter jedem Gesichtspunkte, fanden aber nichts, als eine unbestimmte und gehaltlose Mysticität oder Frömmelei, die wenig geeignet schien, unsern Berstand würdig zu beschäftigen und zu befriedigen. Endlich müde, diesen verfolgenden Gedanken ohne Erfolg stets zu bekämpfen, gaben wir nach und willigten ein. Diese unsere Einwilligung war nicht freiwillig, sondern erzwungen, erpreßt und ohne großes Vertrauen. Doch dachten wir bei uns selbst: Immerhin ist diese Andacht eine Andacht zu Maria, die einen guten Erfolg haben kann; lasset uns den Versuch machen. Wir kehrten in unser Zimmer zurück, und noch immer von dem Wunsche beseelt, dieses Gedankens los zu werden, fingen wir an, die Satzungen hier abzufassen. Kaum hatten wir die Feder ergriffen, so leuchtete uns die Sache viel heller ein, und die Satzungen wurden verfertigt. So ist geschehen.",, Die Weisheit Gottes verfuhr also auch hier wie in ihren größten Werken, zu welchen sie sich der Sterblichen als Wertzeug bedienen will; sie wählte das Schwache, das Geringe, das Thörichte, damit, nach dem Ausdrucke des großen Apostels, Niemand sich rühme, und Alle die unbegrenzte Macht und die höchste Weisheit des Ewigen in dem Unvermögen und in der des bl. Herzens Mariä. 623 Untauglichkeit des Werkzeuges erkennen. Wir sind also nicht die Begründer und Stifter dieser Erzbruderschaft, sondern bloß ein Werkzeug des göttlichen Begründers.". ,, Den 10. Dezember legten wir die Sagungen dem hochwürdigen Herrn Erzbischofe von Paris vor. Er genehmigte sie, und erlaubte uns, die Gebete und Andachten am folgenden Tage, welcher der dritte Adventsonntag war, zu beginnen. Demzufolge verkündeten wir nach vollendeter Predigt des Pfarrgottesdienstes, daß um 7 Uhr Abends eine Andacht werde gehalten werden, um von der göttlichen Barmherzigkeit durch die Fürbitte des Herzens Mariä die Gnade der Bekehrung für die Sünder zu erflehen, und ermahnten alle Anwesenden, bei derselben sich einzufinden." ,, Es waren aber im Gotteshause so Wenige zugegen, und unter diesen gewiß noch Viele, die nicht würden erscheinen können, daß wir von der Aufforderung nur geringen Erfolg uns versprechen durften. Kummervoll und traurig verließen wir die Kanzel. Die göttliche Erbarmung wollte unsern geſunkenen Muth aufrichten. Als wir in die Sakristei zurückkehrten, folgten uns zwei Kaufmänner- Hausväter und Pfarrkinder, die wir in der Kirche zu sehen nicht gewohnt waren. Beide verlangten, ihre Beicht abzulegen, und sind seither erbauliche Christen. Dieſe ersten Eroberungen- das Vorspiel der unzähligen und wunderbaren Gnaden, welche die göttliche Barmherzigkeit auszuspenden beschlossen hatte, erfüllte unser Herz mit freudiger Zuversicht." Zur bestimmten Stunde fingen die Uebungen mit der Mutter- Gottes- Vesper an. Wir hatten erwartet, etwa 50-60 Gläubige versammelt zu sehen: trafen aber zu unserer Berwunderung 400 500 Personen an, welche mit Ausnahme der höchsten Feste von Weihnacht und Ostern sonst nie so zahlreich in der Kirche sich einzufinden pflegten. Besonders waren Männer in größerer Anzahl, als gewöhnlich, gegenwärtig. Wer hatte fie herbeigeführt?" - ,, Nach der Vesper, welche, wenn auch gleichgiltig, doch mit Ruhe angehört wurde, erklärten wir die Beweggründe und ben Zweck der Versammlung und des neuen Vereines, welches sichtbaren Eindruck machte." ,, Auf den Unterricht folgte die Aussetzung des hochwürdigsten Gutes, vor welchem man die Litanei der Mutter Gottes fang. Die Menge, welche bisher geringen Antheil nehmen zu wollen schien, stimmte mit herzlicher Rührung in den Gesang ein, und ward bei den Worten: Du Zuflucht der Sünder" so ergriffen, daß sie dieselben aus freien Stücken dreimal wieder: bolte." 40* Von der Erzbruderschaft ,, Wir knieeten vor dem Allerheiligsten, bei diesem Rufe ber Reue und Liebe frohlockte unser Herz; wir erhoben unsere Augen weinend zum Bilde Mariens und sprachen: O meine gute Mutter! du hörest dieses Rufen der Liebe und des Vertrauens: du wirst diese armen Sünder retten, welche dich ihre Zuflucht nennen! O Maria! nimm diesen frommen Verein unter deinen Schuß; und gib mir zum Zeichen dessen die Bekehrung des Herrn N., ich werde Morgens in deinem Namen zu ihm gehen." ,, Herr N. war der letzte noch lebende Minister des tugendhaften Ludwig XVI. Berdorben durch die Lehren der vorgeblichen Philosophen des achtzehnten Jahrhunderts bekannte er sich seit seiner Jugend zu feiner Religion mehr. In einem Alter von 80 Jahren, seit einigen Monaten blind und frank, war er noch bei vollkommenem Verstande, und vielen Familien ein weiser Rathgeber in schwierigen Fällen. Mehrere Male hatten wir uns bei ihm ankündigen lassen, ohne eingelassen zu werden. Am Montage, 12. Dezember, kamen wir wieder; man wollte uns wie zuvor abweisen; wir brangen darauf, eingelassen zu werden, und es wird uns endlich gestattet. Nach einigen höflichen Worten sprach Hr. N. ohne Umschweif: ,, Herr Pfarrer, möchten Sie mir doch Ihren Segen geben?" Nachdem er ihn empfangen hatte, fügte er bei: Wie thut mir doch ihr Besuch wohl! sehen kann ich Sie nicht; allein ich empfinde 3hre Gegenwart. Seitdem Sie bei mir sind, verspüre ich eine innerliche Zufriedenheit und eine Freude, die ich noch nie empfunden habe!- Es hielt nicht schwer, dieser von der Gnade so sichtbar gerührten Seele Worte des Heiles hören zu lassen. Auch verließen wir den Kranken nicht, ohne die Beicht mit ihm angefangen zu haben. Gott beschenkte diese Seele mit häufigen Gnaden, welche sie getreu benützte. Hr. N. lebte bis den 10. April 1837, und widmete alle Tage seit seiner Bekehrung den Uebungen des Glaubens, der Hoffnung, der Reue, der Liebe und der Ergebung in den göttlichen Willen.- Tausend Dank sei der allerfeligsten Gottesmutter für ihre huldvolle Fürsprache!"; 629 —— - ,, Ein so auffallender Beweis der Fürbitte Mariens, womit unser Gebet gefrönt worden, verwischte die letzte Spur der Furcht und Ungewißheit, und erfüllte uns mit der festen und freudigen Zuversicht, daß das begonnene Werk Gott wohlgefällig, seines Segens gewiß sehn werde." ,, Durch diese außerordentliche Bekehrung war die Bruderschaft des heiligen und unbefleckten Herzens Mariä gleichsam auf göttliche Weise errichtet. Den 16. Dezember 1836 erhielt ste die Genehmigung des hochwürdigen Hrn. Erzbischofes mit des hl. Herzens Mariä. 6 29 dem Beisatze, daß das Einschreibebuch erst am 12. Jänner eröffnet werde." Aus dem Bisherigen leuchtet der eigenthümliche Zweck der Erzbruderschaft zum heiligsten und unbefleckten Herzen Mariä genugsam hervor. Hat sie auch mit jeder Bruderschaft die größere Ehre Gottes und das Heil der Seelen; hat sie ferner mit den zu Ehren Mariens gegründeten Bruderschaften die Verehrung der jungfräulichen Gottes- Mutter und die Nachahmung ihrer Tugenden gemein, so schwebt thr dennoch ein eigenthümlicher, sie vor jeder andern Bruderschaft auszeichnender Zweck vor. Sie ist errichtet, um durch die Fürbitte Mariens die Bekehrung der Sünder zu erlangen. Die Sünder bekehren, die Sünder auf den rechten Weg zurückführen, die Feinde Gottes mit ihm ausföhnen, die Ungläubigen zum Glauben, die Gottlosen zur Gottesfurcht, die Ausschweifenden zur christlichen Zucht und Lebensweise anzuleiten, und das alles nicht vorübergehend, sondern auf dauerhafte Weise, das ist ihr eigentlicher Zweck, das der Gegenstand ihrer Gebete, ihrer Andachten und Uebungen, mit welchen sie den Himmel bestürmt, die liebevolle Gottes- Mutter um Beistand anfleht. Und wie wirksam hatte sie sich des Schußes Gottes zu erfreuen! Des zeigt ihre ungemein schnelle Verbreitung. Aus dem Senfforne erwuchs in kurzer Frist ein großer Baum, iu dessen Schatten Tausende Ruhe und Frieden, und ihren Gott fanden. Gott hatte ja denselben gepflanzt! Nach Verordnung des Erzbischofes von Paris wurde das Verzeichniß der Mitglieder den 12. Jäner 1837 eröffnet, und 10 Tage nachher hatten sich schon 214 Pfarrkinder eintragen lassen, eine Zahl, welche die kühnsten Hoffnungen des Herrn Pfarrers überstieg. Die Wirkungen des gemeinschaftlichen Gebetes und der Fürbitte Mariens wurden immer häufiger. Zahlleiche Bekehrungen aus jedem Alter und Stande wurden sichtbar und verbreiteten Kunde von der Bruderschaft und ihren segenreichen Folgen in ganz Frankreich. Bon allen Seiten eilte man herbei, empfahl dem Gebete des Vereins die erklärtesten Feinde des Christenthumes, die verhärtetsten Sünder, und ward erhört. Die Beweise dessen im Einzelnen wird die Aufschrift: ,, Früchte der Erzbruderschaft" enthalten.--Solche unläugbare Zeugnisse des Schutzes Mariens flößten dem Herrn Pfarrer bei unserer lieben Frau vom Siege den Muth ein, sich an den Statthalter Jesu Christi mit der Bitte zu wenden, den Verein von frommen Seelen, deren Huldigung Maria so gütig aufgenommen, zu genehmigen, mit geist 630 Von der Erzbruderschaft lichen Vortheilen zu beschenken, und mit dem Titel einer Erzbruderschaft für Frankreich zu beehren. Dieß geschah Anfangs Mai 1837. Die Bittschrift konnte vor dem Monat April 1838 Sr. Heiligkeit nicht vorgelegt werden. Die Verzögerung war seinen Wünschen entgegen, in den Rathschlüssen der ewigen Vorsehung aber gerade das Mittel, größere Gnaden ihm zu verschaffen. In der Zwischenzeit waren nämlich zahlreiche, wunderbare Bekehrungen, die unten erzählt werden, gewirkt worden, hatte durch den Ruf derselben die Bruderschaft in verschiedene Diözesen Frankreichs Eingang und Aufnahme gefunden, und sich über die Grenzen des Königreichs in mehrere Länder Europas, selbst bis nach Amerika, San- Domingo, den Bermuds- Inseln, Martinique und andere Gegenden verbreitet. Das Zusammentreffen solcher Wirkungen und Fortschritte entflammte seinen Eifer noch mehr. Er ließ durch die Mitglieder der Bruderschaft die Angelegenheit Mariä empfehlen, und sendete einen zweiten Bericht über die Gnadenerweisungen und Fortschritte, womit Gott das begonnene Werk segnete, nach Rom. Der Augenblick der göttlichen Vorsehung war nun gekommen. Der Statthalter Jesu Christi erhob durch ein apostolisches Breve den kleinen Gebet- Verein zu einer Erzbruderschaft für die ganze Kirche, ertheilte dem Pfarrer unserer lieben Frau vom Siege zu Paris auf ewige Zeiten die Vollmacht, dieser Erzbruderschaft alle Vereine, welche sich zu gleichem Zwecke wann und wo immer bilden würden, einzuverleiben, und bereicherte denselben mit vielen Begünstigungen und Ablässen. Von nun an eröffnete sich der Wirksamkeit der Erzbruderschaft ein unermeßliches Feld. Sie erhielt hiedurch die Sendung, allen christlichen Herzen das Verlangen nach der Bekehrung so vieler Sünder einzuflößen, die sich in dem Gewühle so großer Gleichgiltigkeit verlieren, deren Heil aber als Menschen und Christen, oft als Verwandte und Freunde, sie so nahe angeht.Die Zahl der Mitglieder in Frankreich grenzt an das Unglaubliche. Im Anfange des Jahres 1840, also drei Jahre nach ihrer Gründung, zählte sie mehr als 20,000 Mitglieder. Das Register von Paris enthält einzig in vier Foliobänden 53,006 Namen, unter denen sich 19,803 Männer befinden. Sie ist in 36 Bisthümern und Seminarien, in beinahe sämmtlichen kirchlichen Anstalten und Orden errichtet. In der Schweiz, in Schweden und mehreren Ländern haben sich Bruderschaften zu gleichem Zwecke gebildet, welche mit der Erzbruderschaft vereinigt, an allen ihr verliehenen Gnaden Antheil nehmen. 3m Jahre 1840 ward sie durch eifrige Missionäre auch nach des hl. Herzens Mariä. 631 Asien verpflanzt. Welchen Zuwachs von Kraft und Erfolg erhielt sie nicht durch den Eifer, die Arbeiten und Verfolgungen, welche diese Christen erdulden, und für die Bekehrung der Sünder aufopfern! Wenn man diesen kurzen Ueberblick der Entstehung und Verbreitung der Erzbruderschaft nochmal überschaut, die so schnelle und erfolgreiche Entwicklung des kleinen Samens betrachtet, so kann man den Finger Gottes in solchem Wirken nicht verkennen, welcher uns eine neue Quelle eröffnet für unser eigenes und für das Heil unserer Mitbürger, welcher uns durch unzählige Beispiele seiner Gnade und Erbarmung einladet, theilzunehmen an dem Werke der Liebe, das er gegründet.- Wir führen davon zum Zeugnisse, zur Belehrung und Ermunterung nur einige an. Wunderbare Früchte der Erzbruderschaft. Unter allen bisher bekannt gewordenen Bruderschaften hat wohl keine von ihrem Entstehen an solche mannigfaltige, wunderbare, immer noch zum Vorscheine kommende Wirkungen gehabt, als die Erzbruderschaft zum heiligen und unbefleckten Herzen Mariä für Bekehrung der Sünder. Die Segnungen und Gnaden, womit Gott sie erfüllt und tröstet, sind unermeßlich. Wo immer selbe errichtet wird, entzündet sich der Glaube, die Liebe zu Gott und den Nächsten wird lebendig, man wetteifert für den Gottesdienst, für Empfang der heiligen Sakramente, für Ausübung christlicher Pflichten. Viele sündhafte Verbindungen werden aufgehoben, entzweite Familien vereiniget, zahlreiche Aussöhnungen bewerkstelliget, Rückerstattungen vollzogen. Einzelne Menschen kehren auf eine eben so rührende als standhafte Weise zu ihrer Pflicht zurück. Männer, die für immer dem Christenthume entfrembet schienen, werden eifrige Söhne der katholischen Kirche. Die Sitten der Jugend werden geordneter; junge Töchter enthalten sich jener gefährlichen Zusammenkünfte und Vergnügungen, welche der Unschuld so leicht und so gewöhnlich Verderben bringen. Alle diese glücklichen Erfolge geschehen unter den Augen sämmtlicher Einwohner, die sich darüber freuen, sie bewundern, und nur beklagen, daß sie so spät erst daran erinnert worden, die Bekehrung ihrer Freunde und Verwandten von Gottes Barmherzigkeit durch das Herz Mariä zu verlangen. Was hier im Allgemeinen als gewöhnliche Erscheinung bei Einführung der Erzbruderschaft bemerkt worden, das wird im Besondern durch die allmählige, gewaltige Umänderung der Pfarrei unserer lieben Frau vom Siege bestätigt. Der Leser erinnere sich des Zustandes und der Seelenzahl dieser Pfarrei. Den 12. Januar 1837 ward das Register für 632 Bon der Erzbruderschaft des hl. Herzens Maria. die Aufnahme der Mitglieder eröffnet. Die Gebete und Andachten wurden vom Anfange an mit Eifer verrichtet und sogleich ward auch eine sittliche Veränderung in der Pfarrei bemerkbar. Die Kirche wird fleißiger besucht, dem Gottesdienste mit Andacht beigewohnt; die heiligen Sakramente werden häufiger empfangen, und mehr als ein Mal ist an Vorabenden hoher Festtage bis halb zwölf Uhr Abends Beicht gehört worden. Die Zahl der Kommunionen betrug im Jahre 1836 nur 720, im Jahre 1837 schon 9550, und im Jahre 1838 hatte schon im Oktober eine gleiche Anzahl sich den heiligen Sakramenten genähert. Ganze Familien, welche bisher ihre christlichen Pflichten vernachläßigt, seit mehreren Jahren keine Kirche betreten hatten, wetteifern nun in treuer Erfüllung derselben. Hausväter erkennen und üben ihre Standespflichten mit Ernst und Ausdauer. Eine große Menge junger Leute wirft das Joch der Leidenschaften ab, umfaßt die heilige Strenge evangelischer Reinheit, und bleibt mitten unter den Aergernissen eines verdorbenen Zeitalters Gott und der Tugend getreu. Sechzig- bis siebenzigjährige Männer und Frauen, vorher ohne Gott, ohne Sitten, dienen ihm nun mit Eifer; viele- jüngeren Alters, die bisher keine Religion gekannt und geübt, wohnen nun mit der Gelebrigteit eines Kindes dem Unterrichte bei, und schon mehrere haben am Abende ihres Lebens noch die erste heilige Kommunion empfangen.- - Während schlechte Katholiken wieder zum Glauben kommen, und dem zufolge ihr Leben bessern, schwören Lutheraner und Calvinisten ihre Irrthümer ab, beten Juden Jesum Christum an, und verehren Maria, und empfangen Ungläubige die Gnade der heiligen Taufe. exting Dieß sind im Allgemeinen die Früchte des Schutzes der allerseligsten Jungfrau in der Pfarre unserer lieben Frau vom Siege, die dadurch an innerm Gehalt und Werthe gewinnen, daß die stattgefundenen Bekehrungen andauernd sind. Die Bekehrten beharren auf dem Wege der Tugend, und der anhaltende Eifer, welcher sie zu allem Guten antreibt, zeigt von der Gnadenfülle, welche sie empfangen, und von den Tröstungen welche ihr Herz überströmen. Inhaltsverzeichniss. Vorrede( nach dem heil. Alphons Marta Liguori) Erste Abtheilung. Kurze Lebensgeschichte der allerseligsten Jungfrau Von den Tugenden der allerfeligsten Jungfrau Von den wunderbaren Vorzügen der heil. Mutter Gottes Einige Lobsprüche Mariä vom heil. Bernard Betrachtung über die große Liebe Mariens zn uns Ueber die Verehrung der allerseligsten Jungfrau Anweisung zu verschiedenen Anbachten zu Ehren der Gottesmutter Zweite Abtheilung. Unterricht über das Gebet Seite I. Abschnitt. Morgen- und Abendandachten 2c. Morgenandacht. Seufzer beim Erwachen, während dem Ankleiden und Waschen Morgengebet Kurze Morgenandacht Fürbitten für Lebendige und Abgestorbene Andacht des ehrw. P. Zuchi zur seligsten Jungfrau Kräftige und wirfjame Bitten zur unbefledten Empfängniß und zum heiligsten Herzen Maria Tägliche Gebete. liebung der drei göttlichen Tugenden Gute Meinung( jammt Belehrung hierüber) Der englische Gruß Gebet am Donnerstage, wenn man zur Angst Chrifti läutet Gebet am Freitage, wenn man zur Scheidung Christi läutet Gebete vor und nach der Arbeit Gebete vor und nach dem Effen Gute Meinung vor und nach dem Gebete Gebete vor und nach der Predigt( mit Belehrung) 3 7 28 54 55 58 67 76 96 104 Gebet zu Maria, täglich zu verrichten 105 Gebet, die jeligste Jungfrau täglich zu einer Patronin zu erwählen 105 Gebet, wodurch man dem heiligen Herzen Mariä alle Werke des Tages für die Bekehrung der Sünder aufopfert. 99 100 102 103 104 106 107 109 111 112 112 113 113 114 115 634 Inhaltsverzeichniß. Gebet des Papstes Clemens XII. Die offene Schuld Gebet für das allgemeine Anliegen der Christenbeit Gebet in Versuchungen Nach einem begangenen Fehltritte. Gute Meinung, wann die Stunde schlägt Wenn man bei einer Kirche vorübergeht Unmuthungen, wenn man vor einem Kruzifir 2c. vorbeigeht Wenn man sich mit Weihwasser besprengt Wenn man das Hochwürdigste Gut vorüberträgt. Wenn man vor einem Kirchhof vorübergeht Seite 116 118 118 119 120 120 121 121 121 122 122 122 125 Herzensanmuthungen und Gemüthserbebungen während des Tages Gebete zu Maria für jeden Tag der Woche Andacht zur Mutter Gottes auf alle Tage der Woche, um eine glüdselige Sterbftunde zu erlangen Drei Gebete um einen seligen Tod Unterricht über die Betrachtung Gebete vor und nach der Betrachtung Beherzigungen für jeden Tag des Monats( aus den Schriften des beiligen Bonaventura) Abendandacht.( Belehrung) I. Abendgebet II. Abendgebet Abendandacht vor einem Marienbilde Wenn man Weihwasser nimmt Während dem Auskleiden Gedanken beim Schlafengehen. Beim Erwachen in der Nacht. 131 146 147 148 Dritte Meßandacht( für die Festtage Mariens) Vierte Meßandacht( zu Hause und in der Kirche zu gebrauchen) Fünfte Meßandacht( besonders bei Wallfahrten). Sechste Meßandacht, zu Ehren der schmerzhaften Mutter Gottes Von der geistlichen Kommunion 150 186 186 191 193 194 194 194 195 II. Abschnitt. Andachtsübungen beim allerheiligsten Meßopfer. Von der einzig wahren Weise der heil. Messe beizuwohnen Erste Meßandacht, mit Betrachtung des Leidens Jesu Christi. Zweite Meßandacht 197 200 212 221 225 235 240 246 III. Abschnitt. Andachtsübungen zur heil. Beicht und Kommunion. I. Beichtandacht. Kurze Anleitung zum würdigen und nüßlichen Empfange des heiligen Bußsakramentes 249 Inhaltsverzeichniß. Porbereitungsgebet Anleitung zur Gewissenserforschung Seufzer um die Gabe der Bußthränen und sonstige Gebete vor der Beicht Seite Gebete nach der Beicht( nebst Belehrung über die Buße) Gebet, wenn man seiner Sünden wegen geängstigt und kleinmüthig wird vorzubereiten Vorbereitungsgebete Gebete nach der heiligen Kommunion( mit Belehrung) Erneuerung der Taufgelübde Unterricht über den Ablaß Gebete bei Gewinnung eines vollkommenen Ablasses Von dem großen Nußen des fleißigen und oftmaligen würdigen Empfanges des heiligen Bußsakramentes II. Kommunionandacht. Belehrung, sich hiezu würdig • 635 250 252 Anbetung des allerheiligsten Altarsjakraments Lobsprüche zum allerheiligsten Sakramente Bittgebet zu Jejus im heiligsten Sakramente Uebungen der Anbetung Jesu im allerheiligsten Altarssaframente Gebet zu Jesus im allerheiligsten Altarssakramente um die Er haltung des Glaubens Zum allerheil. Herzen Jesu Christi. Gebet zum allerheiligsten Herzen Jesu Christi Abbitte zum heiligsten Herzen Jesu( mit Ablaß). Abbitte an das heiligste Herz Jesu Anbetung und Aufopferung Bitten zum heiligsten Herzen Jesu. Liebe, Reue und Sehnsucht Litanei zum heiligsten Herzen Jesu. Aurufung des göttlichen Beistandes, bei den Gefahren des Heiles, und für die Bekehrung der Sünder 254 260 262 263 IV. Abschnitt. Andachtsübungen beim nachmittägigen Gottesdienste. I. Vespergebete zur heiligsten Dreifaltigkeit Litanei von der allerheiligsten Dreifaltigkeit 266 270 274 277 280 282 Gebete zu den drei göttlichen Versonen Zu Jesus im allerheil. Altarssakramente. Von Besuchung des allerheiligsten Sakraments des Altars 298 Bejuchung des allerheiligsten Altarsjaframents 299 Das Gebet des heiligen Thomas von Aquin 305 Der Hymnus ,, Pange lingua"( jammt Bersifeln und Gebet) 306 Litanei vom allerheiligsten Altarsjaframent 307 308 310 810 311 314 287 293 296 315 316 317 319 320 320 321 323 Inhaltsverzeichniß. Ablaßgebete zu Ehren des göttlichen Herzens Jesu.. Seite 324 Undächtige Zuneigung zu Jesus im allerheil. Saframente und zu seinem göttlichen Herzen( mit Ablaß) Verehrung des heil. Namens Jefu( Belehrung) 636 Gebet zum füßen Namen Jesus Litanei von dem beiligsten Namen Jesu Drei Bitten des heil. Auguftinus im Namen Jesu Fünf Seufzer einer liebenden Seele nach den 5 Buchstaben des Namens ,, Jesus". Der fatholische Gruß: Gelobt fel Jesus Chriftus Zur Verehrung des bittern Leidens Jesu. Die Leidensubr( mit Vorerinnerung) Ein sehr rührendes Gebet, barin man Chriftum seines ganzen Leidens erinnert Gebet zu dem freuztragenden Erlöser Danksagungsgebete zu Jesus am Kreuze Verehrung des heiligen Kreuzes Gebete zum leidenden Heilande und Betrachtung der fleben Worte Jesu am Kreuze( die 15 Gebete der heil. Brigitta) Litanei vom bittern Leiden Jeju Chrifti Undacht bes Kreuzweges( mit Belehrung) Grüße an Maria am Ende der Tagzeiten. Neun Gebete zur Mutter Gottes( nach mehreren Heiligen) Der heilige Rosenkranz( mit Belehrung). Gebete vor und nach dem heiligen Rosenkranz Marianische Tagzeiten zu Ehren und zum Lobe der selig. ften Jungfrau Maria Tagzeiten zur Ehre der unbefledten Empfängnis der allerheiligsten Jungfrau Maria Berehrung des heiligsten Herzens Mariä. Ueber die Verehrung des heiligen Herzens Mariä Gebet, um sich dem heiligsten Herzen Maria zu ergeben. Zuneigung zum heiligen Herzen Maria 326 326 327 328 329 341 347 349 Ablaßgebet vor dem Bilde des Gefreuzigten 361 Aufopferung des kostbarsten Blutes( mit Ablaß) 362 Berehrung der heiligen fünf Wunden unsers Herrn Jesu Chrifti 362 II. Marianische Besperandacht 366 Gebet zum heiligen Bernarbus( Memorare) Gebet zum belligsten Herzen Maria Lobspruch zu den beiligsten Herzen Jeju und Maria Bittgruß zum gebenedeitesten Herzen Maria 329 329 331 336 339 339 340 370 371 375 378 380 384 388 390 390 391 392 392 392 Inhaltsverzeichniß. Abbitte zum heiligen Herzen Mariá Seite Huldigung und vertrauliche Bitte zum heiligsten Herzen Maria Achttägige Andachtsübung zum beil. Herzen Marià Tagzeiten von dem heiligsten Herzen Marià, Litanei zum heiligen Herzen Maria Rosenfränzlein zu Ehren der zwei heil. Herzen Jesu und Maria Gebet zum heiligen Herzen Mariá um einen seligen Tod Verehrung der schmerzhaften Mutter Gottes. Von den Schmerzen Mariä. 409 Rosenkränzlein von den sieben Schmerzen Maria( vom ehrwürd. P. Leonard von Portu Mauritio) Tagzeiten von den sieben Schmerzen der allerjeligsten Jungfrau Maria Litanei zu der schmerzhaften Mutter Maria Zufluchtsgebet zur schmerzhaften Mutter Gottes Schmerzhaftes Ave zu Ehren des Herzens Maria Klagelied zu Maria unter dem Kreuze( Stabat mater) Fest der Verkündigung Mariá Fest der sieben Schmerzen Maria. Fest der Heimsuchung Maria Fest der Himmelfahrt Maria Fest der Geburt Mariä • Fest der Opferung Maria Fest des Namens Mariä Litanei zum heiligsten Namen Maria Psalmen auf den Namen Mariá V. Abschnitt. Andachtsübungen für die Hauptfeste Mariens. I. Abtheilung. Novenen für die 5 vorzüglichsten Feste der allerfel. Jungfrau. 1. Novene zur Vorbereitung auf das Fest der unbefleckten Empfängniß Maria. 423 428 432 436 2. Novene zur Vorbereitung auf das Fest der Geburt Maria 3. Novene zur Vorbereitung auf das Fest Mariä Verkündigung 4. Novene zur Vorbereitung auf das Fest Maria Reinigung 5. Novene zur Vorbereitung auf das Fest Mariä Himmelfahrt 439 II. Abtheilung. Betrachtungen für die Hauptfefte der allerfel. Jungfrau. Fest der unbefleckten Empfängniß Maria Fest der Reinigung Maria Feft bes beiligen Rosenkranzes Am Stapulierfeste Am Feste Maria Schuß Am Feste Maria Schnee 637 393 395 397 400 404 406 407 411 414 417 420 420 421 449 451 454 457 460 462 465 467 469 470 472 475 476 477 477 638 Inhaltsverzeichniß. VI. Abschnitt. Verschiedene Gebete zur heiligsten Jungfrau Maria. Lobpreisungen der heiligsten Jungfrau. Lobeserhebungen Mariens( vom heil. Alphons M. Lignori) Seite 479 Lobgebet zur allerfeligsten Jungfrau Maria 482 Lobpreisung Maria nach der lauretanischen Litanei 484 Begrüßungen der heiligsten Jungfrau. Verehrung Mariá nach dem Sinne des englischen Grußes Bittgruß zur allerheiligsten Jungfrau Begrüßung und Anrufung der heiligen Gottes- Mutter Kindlicher Gruß an Maria( von der heil. Gertraud) Gruß zu Maria vom heiligen Ephrem( nach Art einer Litanei) Grüße zu Maria, Abends vor einem Marienbilde zu beten Drei Grußgebete des seligen Abtes Ludovikus Blostus Herzliche Bitten zu Maria um die zur Erlangung ber ewigen Seligkeit nöthigen Tugenden. Gebet um Bewahrung der Unschuld Gebet um Erhaltung der Keuschheit Gebet um die Gabe der Reinigkeit denen Ünliegen. Seufzer zu Maria in jedem Anliegen Gebet zu Maria, als Trösterin der Betrübten Vertrauensvolle Empfehlung an die schmerzhafte Mutter Bitte zu Maria nach dem 122. Psalm Bittseufzer einer bußfertigen Seele zu Maria Gebet um Annahme an Kindesstatt Flehen zu Maria, um der Welt abzusterben Gebet zu Maria, um Nachahmung ihrer Tugenden Vertrauensvolle Anrufungen Mariens in verschieUnterricht vom Wallfahrten Pilgerlieb Begrüßung der Gnadenmutter Gebet in allen Anliegen vor einem Gnadenbilde Mutter Gottes Maria Hilf Gebet zur Apfergesang. Aufopferung seiner selbst zu Maria Aufopferung seiner ganzen Familie an Maria 485 486 487 488 488 489 490 501 Gebet zur schmerzhaften Mutter Maria um Beistand im Tode. 502 Marianische Wallfahrtsandachten. . Gebet zu Maria Schuß Erneuerung der Liebe und Andacht zu Maria Gefühle des Dantes zu Maria 491 492 492 492 493 496 ● 497 499 500 501 503 508 510 510 511 512 512 513 513 515 515 Inhaltsverzeichniß. VII. Abschnitt. Bermischte Gebete, Abläffe und geistliche Lieder. Gebete zu verschiedenen Heiligen. Erwählung des heiligen Joseph als Schuppatron Gebet zu den heiligen Aposteln Betrus und Paulus Gebet zum heiligen Ignatius Loyola Seite 5 Gebet zum heiligen Franzistus Xaverius Erwählung des heiligen Aloysius als Schuppatron Gebete für die sechssonntägige Aloysianische Andacht Gebete zum heiligen Johannes von Nepomuk Gebet zum belligen Erzengel Michael Gebet zur heiligen Mutter Anna Tägliches Gebet zur heiligen Auna Gebet zur heiligen Barbara. Gebet zur beiligen Katharina Gebet zum heiligen Antonius von Padua Gebet zur beiligen Maria Magdalena Litanei von der heiligen Elisabeth. Gebet zur heiligen Walburga Gebet zum heiligen Schußengel Anrufung der Heiligen Fürbitten für alle Stände. 639 Gebet für die Erhöhung der katholischen Kirche Gebet für den Papst Kirchengebet für den Papst Gebet für den Bischof Gebet für die Seelsorger 518 518 519 521 522 523 523 523 525 525 526 527 527 529 529 530 531 531 531 531 532 532 Gebet für den Beichtvater Gebet um gute Priester Gebet für den Landesfürften. 532 533 Gebet für obrigkeitliche Personen 533 533 533 Gebet um Einigung der Gläubigen. Gebet für die Un- und Irrgläubigen Gebet um Erhaltung des Glaubens. Gebet für die ganze Christenheit. Gebet der Eltern für ihre Kinder 534, 534 534 Gebet für Jünglinge und Jungfrauen um die Gnabe der Keuschheit 536 Gebet der Kinder für ihre Eltern 538 Gebet für einen vertrauten Freund 538 Gebet für Wohlthäter 539 Gebet für alle Stände 539 Gebet in einer Hungersnoth 539 Gebet zur Zeit einer allgemeinen Drangsal 539 Gebet um christliche Geduld im Leiden 541 640 Inhaltsverzeichniß. Einige Andachtsübungen für Kranke. Gebet für einen Kranken Betrachtung eines Kranten Seufzer eines Kranken Seufzer eines Sterbenden Tägliches Gebet für die die Abgestorbenen. Gebet zur heiligen Mutter Gottes für die Abgestorbenen Ablässe, die man leicht gewinnen kann und gerne gewinnen soll 547 Geistliche Lieder. Segenslied Lieb zur heiligen Kommunion Lied zum Ave Maria- Geläute Ave Maria Ave Maris stella( vom beiligen Bernard) Salve Regina Der Name ,, Maria" Maria, unsere Hoffnung Maria, die Trösterin der Betrübten Maria, die Hilfe der Christen Lied zu Maria Bittgefang zu Maria Die Mailönigin Anhang. 542 543 543 544 546 546 553 553 554 554 555 555 555 556 556 556 556 557 557 559 560 561 563 563-619 619 621 Monat Mariä. Einleitung. Zwölf Tugendalte für den ganzen Monat Andere Tugendafte zur Wahl für jeden Tag im Monat Lied zur Mutter Gottes im Maimonat. Erster bis ein und dreißigster Tag Fromme Borjäße während der Maiandacht Geschichtliche Nachricht von der wunderbaren Medaille Von der wunderbaren Erzbruderschaft des heiligen Herzens Mariă. 624 20 Inches 1 Centimetres Blue 2 3 4 Cyan 2 5 14 ¹6 17 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 9 4 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 ( O 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8