96 1296 Univ.- Bibl. Giessen Die Verehrung des heiligen Aloysius von Gonzaga, aus der Gesellschaft Jesu. ~ 8180~ Ein Bebetbüchlein für alle katholischen Christen von Michael Singel. PRODEO Stereotyp- Ausgabe. Regensburg, New York und Cincinnati. Papier, Druck und Verlag von Friedrich Bustet. 1872. Gb 1296 al@ O wie schön ist ein teusches Geschlecht, welches mit Tugenden leuchtet, denn sein Andenken ist unsterblich, weil es bei Gott und den Menschen in Ehren ist. Wenn es vor Augen ist, so richtet man sich darnach: und wenn es den Augen entzogen wird, so trägt man ein Verlangen darnach. Es enthält die Belohnung des Kampfes für die Reinigkeit, und trägt für den Sieg die Krone davon. Weish. 4., 1. 2. O was für eine große Glorie hat Aloysius, ein Sohn des Ignatius. Ich wollte, daß ich durch die ganze Welt gehen und sagen könnte: Aloysius, ein Sohn des Ignatius, sei ein großer Heiliger. Ich wünschte einem Jeden seine Glorie zeigen zu können, damit Gott in ihm gepriesen würde. Er befißt eine große Glorie, weil er mit dem Innerlichen gewirkt hat.. Aloysius ist ein verborgener Märthrer gewesen... O wie start war seine Liebe auf Erden, und deßwegen erfreut er sich jetzt im Himmel an Gott in einer großen Völle der Liebe. - Die heil. Magdalena v. Bazzis in einer Entzückung. Kurze Lebensgeschichte englischen Jünglings Aloysius Gonzaga. Der heilige Aloysius, geboren den 9. März 1568, war der älteste Sohn Ferdinands, Fürsten und Markgrafen von Castiglione. Der Vorzug der Erstgeburt beſtimmte ihn schon in der Wiege zum fünftigen Herrscher und Nachfolger seines Vaters. Seine Mutter, Martha Tana, eine fromme, wahrhaft christliche Frau, gab sich alle Mühe, den lieben Sohn, den sie als ein Geschenk Gottes betrachtete, frühzeitig genug zu aller Gottesfurcht zu erziehen. Ihn einst als einen frommen Diener Gottes zu sehen, war ihr einziger Wunsch. Des Knaben Verstand entwickelte sich früh, und sein reines Herz faßte begierig die schönen christlichen Lehren der frommen Mutter auf. Oft fand sie ihn, in einem Winkel verborgen und auf den Knieen liegend, im kindlichen Gebete zu Gott. Welche Mutterfreude für sie, wenn sie sah, daß der Same des göttlichen Wortes, den sie in sein zartes Herz gelegt, schon so frühzeitig Früchte bringe! des Die fromme Absicht der Mutter war nicht die des sonst auch braven Vaters. Dieser in der großen Welt erzogen, an den glänzendsten Höfen Europa's gebildet, und von Jugend auf in den Waffen geübt, hielt sehr viel auf friegerischen Ruhm Seine Absicht ging einzig dahin, seinen Sohn zu einem wackern Krieger zu bilden. Um ihm Lust und Liebe einzuflößen, erzählte er ihm von rühmlichen Heldenthaten, und kaufte ihm kleine Waffen und allerlei Kriegsgeräthe zum Spielzeug. Als Ferdinand einmal nach Kasal ging, um dort nach dem Befehle des Königs ein Kriegsheer zu mustern, nahm er den kleinen Aloysius mit. Mehrere Monate behielt er ihn bei sich im Lager, und freute sich herzlich, wenn er den kleinen Knaben mitten unter den Kriegern fand, und seine Freude an 1* 4 Turze Lebensgeschichte den glänzenden Zurüstungen sah. Er glaubte schon in dem kleinen Söhnchen den rüstigen Helden zu erblicken. Aber des Herrn Gedanken und Wege sind oft von den Gedanken und Wegen der Menschen ganz verschieden. Seine Fügung bereitete dem Herzen des Knaben ganz andere Eindrücke, als die waren, die er im Lager empfangen. Die göttliche Vorsehung ließ ihn zuerst in eine augenscheinliche Lebensgefahr gerathen. Der muntere Knabe nämlich bekam einmal Lust, selbst eine Kanone abzufeuern. Wie man dabei verfuhr, das hatte er beim Grerciren bemerkt. Heimlich entwendete er den Soldaten einiges Pulver, lud die Kanone und brannte sie los. Er hatte aber dabei eine so gefährliche Stellung genommen, daß er von dem zurückprallenden Rade beinahe wäre, zerschmettert worden. Der Knabe wurde durch diese Gefahr tief erschüttert. Die Rettung erkannte er als eine besondere Fügung Gottes. Er bekam nun eine Abneigung gegen den Stand, der ihn in eine so große Gefahr gebracht hatte. Diese Abneigung wurde noch größer, als er auch bald nachher einsah, daß eine noch größere Gefahr seiner Seele drohete. Er hatte im Umgange mit den Soldaten verschiedene unanständige Worte und unsittliche Reden gehört, die er, ohne ihren Sinn zu kennen, bei seiner Rückkehr zu Hause im Munde führte. Das hörte mit Befremden sein Lehrer und Erzieher. Er verwies ihm mit ernsten Worten seine Unart, und machte ihn auf die Veränderung seiner Sitten und auf seinen gefährlichen Seelenzustand aufmerksam. Der kleine Aloysius bereute mit innigem Schmerze seine Fehler und versprach dem Lehrer reumüthig in die Hand, den lieben Gott nie wieder zu beleidigen. Corgfältig vermied er von nun an den Umgang solcher, die nicht rein vor dem Herrn wandelten. Indessen war der Graf Ferdinand mit seinem Heere in den Krieg gezogen, und war drei Jahre abwesend. Während dieser Zeit vereinten die Mutter und der Lehrer ihre Kräfte, die zarten Keime der Gottesfurcht und Frömmigkeit in dem Herzen des jungen Aloysius zu entwickeln. des engl. Jünglings Aloysius Gonzaga. 5 Und sieh! ihre Thätigkeit wurde über alle Erwartung be lohnt. Aloysius nahm alle die guten Lehren auf, und befolgte sie auf's pünktlichste. Was der Evangelist von unserm Heilande bezeugt, fand durch die Gnade unsers Heilandes auch auf ihn Anwendung: Er nahm zu wie an Alter, so auch an Weisheit und Gnade vor Gott und den Menschen." Seine Festigkeit und standhafte Beharrlichkeit in Ausführung guter Vorsätze mußte jeden Erwachsenen beschämen, aber auch ermuntern. 11 Allerdings mußte es Grafen Ferdinand bei seiner Zurückkunft befremden, seinen Sohn so verändert zu sehen. Seine Hoffnung, in ihm einmal einen Krieger zu sehen, war vereitelt. Doch beruhigte er sich mit dem Gedanken, der sanfte und gutmüthige Aloysius werde einst ein glücklicher Regent seines Volkes werden. Allein Aloysius hegte schon damals, im achten Jahre seines Alters, ganz andere Gedanken. Alles für den Herrn hinzugeben und durch nichts Irdisches im göttlichen Dienste sich stören zu lassen, war jetzt schon sein eifrigstes Bestreben. In diesem seinem heiligen Entschlusse wurde er vorzüglich bestärkt durch die Lebensgeschichte unsers Heilandes, welche er in Florenz, wohin nun sein Vater mit seiner ganzen Famile gezogen war, vor allen Büchern am liebsten las. Ganz besonders machte auf ihn die jungfräuliche Reinigkeit der Mutter unseres Erlösers einen tiefen Eindruck. Täglich wuchs seine Liebe zu dieser glorreichen Himmelskönigin. Stundenlang betete er in Inbrunst vor ihrem Bildnisse. Einmal, vom Eifer der Andacht hingerissen, that er in kindlichem Vertrauen ein Gelübde beständiger Keuschheit. Der Herr gab ihm Stärke, es so gewissenhaft zu vollziehen, daß er, so lange er lebte, nie einer Frauensperson in's Gesicht schaute. Er that und redete auch nie etwas, das nur im geringsten gegen das strengste Sittengesetz war. Er war so rein, wie ein Engel, wie er denn auch oft von den Hofleuten so genannt wurde. Darauf war Aloysius aber nicht stolz. Seine Demuth war so groß, daß er sich als den geringsten Menschen und als den größten Sünder Kurze Lebensgeschichte Vorbereitung vor; und Aloysius leistete der Vorschrift so vollkommen Genüge, daß der heilige Mann ihm selbst die erste heilige Kommunion reichen wollte. Von jener Zeit an kommunizirte der fromme Jüngling alle Sonn- und Feiertage. Kaltsinn hielt ihn nicht ab, denn Jesus war der einzige Gegenstand seiner Liebe; Furcht schreckte ihn nicht zurück, denn er bereitete sich jedesmal mit dem größten Eifer vor. Von Tag zu Tag wuchs zusehends seine Andacht zu diesem heiligen Sakramente. Wenn er der heiligen Messe beiwohnte, und die Wandlung vorbei war, konnte er selten sich der Thränen enthalten. 8 Aldysius hatte noch nicht sein dreizehntes Jahr vollendet, als jetzt in seiner äußern Lage unvermuthet eine Veränderung vorfiel, die andern Jünglingen, ja auch Männern gefährlich hätte werden können. Aber es bleibt wahr, was der Apostel sagt:„ Denjenigen, die Gott lieben, gereichen alle Dinge zum Besten." Aus der größeren Stille des väterlichen Hauses ward er jetzt auf einmal an den spanischen Hof, den glänzendsten damaliger Zeit, versept, wohin sein Vater mit seiner ganzen Familie die Kaiserin Maria von Desterreich begleitet hatte. Was die Welt Großes, Schönes und Glänzendes aufzubieten hatte, davon war nun Aloysius umgeben. Aber alles dieses und tausend noch nie gesehene Gegenstände waren nicht vermögend, sein obwohl noch junges Herz von dem Herrn zu trennen. Mit ihm sich zu unterhalten war ihm lieber, als geräuschvolle Freuden und Vergnügen, nach denen der Mensch sonst so begierig haschet. Ohne sich somit stören zu lassen, setzte er ruhig seine Studien fort, und verrichtete immer gewissenhaft seine einmal sich vorgeschriebenen Buß- und Andachtsübungen. Zwei Jahre hatte sich Aloysius am spanischen Hofe aufgehalten; aber je mehr das geräuschvolle Leben ihm zusetzte, desto überdrüßiger wurde er desselben. Geistlich, und zwar ordensgeistlich zu werden, das war schon lange her der geheime Wunsch seines Herzens. Dieser Wunsch war jetzt zum festen Entschluß gereift. Ueber einen bestimm des engl. Jünglings Aloysius Gonzaga. 9 ten Orden war er jedoch noch nicht entschieden. Um hierüber das nothwendige Licht zu bekommen, verdoppelte er seinen Eifer in der Andacht und im Gebete. Nach dieser Vorbereitung dachte er oft und reiflich nach, verglich den einen Orden mit dem andern, dabei einzig darauf sinnend, wie er die Ehre Gottes nach seiner Anlage und seinen Kräften in einem Orden mehr, als in dem andern befördern könne. Dieser Grundsatz leitete einzig seine Standeswahl. Als er die Regeln mehrerer Orden mit strenger Prüfung und ihre Satzungen mit einander verglichen hatte, beschloß er endlich fest, in den Orden der Gesellschaft Jesu zu treten. Weil er aber noch ein Mißtrauen auf sich selbst setzte, so wollte er auch Gottes Willen über eine so wichtige Sache vernehmen. Er nahm sich daher vor, Gott seinen Vorsatz aufzuopfern, noch einmal die heiligen Sakramente zu empfangen und die Fürbitte der göttlichen Mutter anzurufen. Als er diesen seinen heiligen Entschluß mit größter Andacht ausgeführt hatte, glaubte er in sich die Stimme vom Himmel zu hören, daß seine gemachte Standeswahl mit dem Willen des Herrn übereinstimmend sei. Mit Freuden eilte er zur Mutter hin, ihr über den nun einmal festen und unabänderlichen Entschluß Nachricht zu bringen. Sie selbst willigte gern ein, sich freuend, dem Herrn einen Sohn geben zu können. Aber nicht gleiche Gesinnung theilte der Vater mit ihr. Er fuhr seinen Sohn, als er ihn seine Standeswahl eröffnete, mit harten Worten an, und befahl ihm, solche Grillen durchaus sich ganz aus dem Kopfe zu schlagen. Das that dem heiligen Jüngling weh; aber er seßte sein Vertrauen auf Gott, dessen Willen er ja einzig und allein zu vollführen gedachte. Er schwieg, um eine bessere Gelegenheit- abzuwarten. Im Jahre 1584 kehrte der Markgraf mit seiner Familie wieder nach Castiglione zurück. Kaum waren sie dort angekommen, erneuerte Aloysius bei seinem Vater das Anliegen. Statt der Antwort befahl er ihm, eine weite Reise zu machen; denn, dachte er, das wird das 10 Kurze Lebensgeschichte beste Mittel sein, seinen frommen Eifer zu fühlen. Und wirklich mußte Aloysius auf Reisen. Aber all' das Neue und Glänzende in den verschiedenen Ländern sprach ihn nicht an. Er kam nach Hause, wie er verreist war, unschuldig und rein und fest entschlossen, in den einmal bestimmten Orden zu treten. Und jetzt glaubte er zuversichtlich, sein Vater würde ihm nun kein Hinderniß mehr legen. Aber er irrte sich, er hatte noch manche und lange Kämpfe zu bestehen. Der Vater ließ kein Mittel undersucht, seinen Sohn auf andere Gesinnungen zu bringen. Er gebrauchte Härte und Liebe, Versprechungen und Schenkungen; allein ohne erwünschte Wirkung. Aloysius blieb unerschüttert; seine Zuflucht nahm er durch Gebet zu Gott, auf daß dieser seines Vaters Härte in Nachgiebigkeit umwandeln möchte. Wo die Noth des Gottergebenen am größten ist, da ist Gottes Hilfe auch am nächsten. Während Aloysius dem Gebete so ohne Unterlaß oblag, fühlte sich die Hiße des Vaters, und er fing an, die Härte gegen seinen Sohn in etwas zu bereuen. Eines Tages schickte er den Stadtverwalter hin, um zu sehen, was Aloysius jetzt mache. Als dieser vor sein Zimmer fam, fand er die Thüre verschlossen. Er sah durch's Schlüsselloch, und da erblickte er den heiligen Jüngling vor dem Krucifire, den entblößten Rücken geißelnd. Innigst bewegt und bis zu Thränen gerührt, kömmt er zum Markgrafen, und erzählt ihm, was er gesehen habe. Dieser noch mehr gerührt über das Betragen des Sohnes, läßt sich ſelbst, da er krank war, auf einem Sessel vor das Zimmer des Aloysius tragen, und ist selbst Augenzeuge von seinem Gebete und seiner Selbstzüchtigung. Der traurige Anblick brachte ihn fast außer sich; doch er faßte sich schnell, ließ an der Thüre klopfen, und ging so mit seiner Gemahlin hinein, und fand den Boden hin und wieder mit Blut bespritzt und mit Thränen beneßt. Des frommen Jünglings Gebet hatte Erhörung gefunden. Erschüttert und überwunden durch einen solchen Anblick, gab der Vater auf der Stelle seine Einwilligung. Und des engl. Jünglings Moyfius Gonzaga. 11 um zu zeigen, daß es ihm wirklich Ernst sei, schrieb er sogleich an seinen Better Scipio Gonzaga, Patriarchen von Jerusalem, der in Rom wohnte, er möchte mit dem General des Ordens, Klaudius Aquaviva, sprechen, und ihm seinen ältesten Sohn, seine Hoffnung und sein Kleinod, für den Orden anbieten, damit demselben zugleich das Prüfungs- Haus bestimmt würde. Der Ordensgeneral antwortete bald, und bestimmte Nom dazu. Wer freute sich nun mehr, als Aloysius! Er schrieb nun selbst an den General, und ließ sein mit innigster Andacht erfülltes Herz in vollem Maße ausströmen. Dieser durch einen solchen Brief gerührt, antwortete ihm: ,, Er wolle ihn als seinen Sohn annehmen, er möchte nur bald kommen, je eher, je lieber u. s. w. Das Verlangen des heiligen Jünglings, bald an den Ort seiner Bestimmung zu gelangen, wuchs mit jedem Tage. Sehnsuchtsvoll sah er der Stunde entgegen, die ihn in den heiligen Orden bringen sollte. Die Sache hatte sich verzögert, weil die Abtretung seiner FamilienRechte an seinen Bruder Rudolph vom Kaiser mußte genehmigt werden. Endlich war die Genehmigung erschienen, und Aloysius verließ im Wintermonate des Jahres 1585 Castiglione, und trat, nachdem er gutwillig, wie jener Jüngling im Evangelium, Alles, was er besaß, verlassen hatte, in den Orden der Gesellschaft Jesu. Das einsame und abgesonderte Zimmer, das ihm als den jüngsten Novizen angewiesen wurde, schien ihm ein wahres irdisches Paradies. Von Freude ganz entzückt, rief er mit dem Propheten aus: Hier ist der Ort meiner Ruhe, da will ich wohnen; denn diesen, und keinen andern Ort habe ich auserwählt." Schon in den ersten Tagen bewies der Hei lige, mit welcher Entschlossenheit er diesen heiligen und strengen Orden gewählt habe. Alle Kräfte bot er auf, seine Ordensbrüder an Inbrunst zu übertreffen. Jede, auch die geringsten Sagungen erfüllte er mit größter Gewissenhaftigkeit, und jede, auch noch so kleine Macht seines Willens benahm er sich dadurch, daß er auf's ge Kurze Lebensgeschichte om naueste den Befehlen seines Lehrers nachlebte. Dieser sein schneller Gehorsam, die Inbrunst seines Herzens und seine auBergewöhnliche Strenge mit sich selbst bewirkten, daß seine Prüfungszeit abgekürzt und er den ältern Novizen beigezählt wurde. 12 Vor allen schönen Tugenden, welche die fromme Seele des heiligen Aloysius zierten, verdient seiner bewunderungswürdigen Demuth erwähnt zu werden. Da er gegen Alles, was nur immer Vorzug genannt werden konnte, einen heftigen natürlichen Widerwillen hatte, so brachte es ihm die größte Qual, wenn man ihm in irgend einer Sache einen Vorzug gab. Für sich selbst that oder redete er nie etwas, das nur von ferne auf Lob oder Ruhm hätte Bezug haben können. Sein Herkommen suchte er so viel als möglich in Vergessenheit zu setzen. Schamröthe überzog ihn, wenn er sich wegen seiner Geschicklichkeit rühmen hörte. Sowohl in als außer dem Hause gab er Allen den Vorzug. Auch den geringsten Ordensbrüdern gab er die Ehre, neben ihm die rechte Seite einzunehmen. Bei Tische hielt er sich gewöhnlich zu den Niedrigsten. Sein demüthiges Benehmen, seine Frömmigkeit und Strenge des Lebens gewann die Liebe all' seiner Ordensbrüder. In ihm erkannten sie das Muster der christlichen Vollkommenheit, nach der auch sie zu ringen hätten. Kaum mochte Aloysius zwei Monate in seinem heiligen Berufe gelebt haben, als er die Nachricht von dem Tode seines Vaters erhielt. Diesen harten Schlag ertrug er aber mit einer unerschütterlichen Standhaftigkeit. Zu seinem innern Troste trug aber nicht wenig bei die erbauliche Art und Weise des Hinscheidens seines seligen Vaters. Diesen schönen Umstand benüßte er, seine betrübte Mutter zu trösten, was ihm auch wirklich nicht mißlungen war. Indessen rückte Aloysius stündlich vorwärts in der Schule der Vollkommenheit. Seinen Vorsatz, Gott nie aus den Augen zu verlieren, hat er so strenge befolgt, daß ihm die Andacht des Herzens gleichsam zur zweiten Natur geworden, daß seine Seele auch unwillkührlich mit dem des engl. Jünglings Aloysius Gonzaga. 13 Herrn sich beschäftigte. Aber seine Gesundheit wurde durch das stete Beten, Betrachten und Fasten so zerrüttet, daß man sich genöthigt fand, ihm zu verbieten, andere Gebete und Betrachtungen zu verrichten, als die, welche durch die Regel vorgeschrieben waren. Diese Einschränkung hatte nicht den erwünschten Erfolg. Er blieb schwach und kränklich, wie er war. Glaubend, daß eine Luftänderung eine bessere Wirkung haben könnte, schickte man den Heiz ligen nach Neapel, wo er seine Studien fortsette. Nach einem halbjährigen Aufenthalte daselbst wurde er wieder nach Rom zurückberufen, wo er dann das Studium der Philosophie beendigte, und die Theologie mit neuem Gifer zu studiren begann. So waren unserm heiligen Aloysius die zwei Jahre des Noviziats dahingeflossen. Es waren ihm frohe, selige Jahre gewesen. Nach ernstlicher und sorgfältiger Vorbereitung legte er mit frohem und heiterm Gemüthe im Jahre 1587 die drei Gelübde der Armuth, Keuschheit und des Gehorsams im Angesichte der Kirche ab. Zwei Monate nachher empfing er die Tonsur, und hernach in kurzen Zwischenräumen die andern vier kleinen Weihen. Nun unter die Zahl der Kleriker gehörend, suchte er mit einem größern Eifer die Tugenden zu üben, die sich für einen Geistlichen geziemen. Indessen erhob sich zwischen dem Markgrafen Rudolph, seinem Bruder, und dem Herzog von Mantua eine Streitigkeit. Alle Versuche zur Vereinigung waren bisher fruchtlos gewesen. Man befürchtete die traurigsten Ereignisse. Man wollte aber nichts unversucht lassen, und nährte noch die Hoffnung, daß vielleicht der heilige Aloysius, als Bruder des Einen und als Verwandter der andern Partei, die empörten Gemüther durch seine Gegenwart besänftigen könnte. Zu diesem Ende wurde er nach Castiglione berufen. Der General seines Ordens gab ihm einen Pater mit, der ihn auf der Reise begleiten, und für seine Gesundheit Sorge tragen sollte. Aloysius kam nun in Castiglione an, und man empfing ihn wie einen Kurze Lebensgeschichte d himmlischen Boten. Jedermann lief herbei, ihn zu sehen, und seine fromme Mutter, vor Freude außer sich, fiel ehrfurchtsvoll vor ihm auf die Kniee. Und kaum hatten die zwei im Streite verwickelten Fürsten den Heiligen erblickt, als aller Groll und Haß sich in ihren Gemüthern legte, und sie ewig einander Liebe und Freundschaft schworen. Aloysius vereinigte noch mehrere gegen einander empörte Gemüther. Niemand konnte seiner Liebe und Sanftmuth widerstehen. Man verehrte ihn von nun an in der ganzen Gegend von Castiglione und Mantua als einen Engel des Friedens. 14 Als nun Aloysius seinen Aufenthalt bei seiner Familie nicht mehr für nothwendig hielt, nahm er Abschied von seinen Verwandten, und begab sich nach Mailand, wo er im Monate März des Jahres 1590 ankam. Dort setzte er seine Studien wieder mit größtem Fleiße fort, und war unermüdet in Uebung der Tugenden, vorzüglich der Demuth, gemäß welcher er auch die niedrigsten Aemter zu verrichten suchte. In Mailand war es auch, wo ihm im Gebete das Herannahen seines Lebensendes geoffenbaret wurde. Diese Offenbarung bewirkte, daß er sich von nun an mehr als je von allen irdischen Dingen losriß. Im Wintermonate des gleichen Jahres wurde er von seinen geistlichen Obern wieder nach Rom berufen. Dort angekommen, verlangte er ein enges und dunkles Zimmer zur Wohnung. Der ganze Schmuck desselben bestand in einem Bette, einem hölzernen Stuhle und einem kleinen Büchergestell. Seine Unterhaltungen waren geistiger Art, nämlich die außerordentlichen Freuden in seiner reinen Seele, sogar öftere und lange dauernde Entzückungen, und dann der frohe Gedanke: er werde bald zum Herrn kommen. Oft redete er von dem großen Glücke, jung zu sterben, um desto früher mit Gott vereiniget werden zu können. Während einer ansteckenden Krankheit, die zu Rom im Jahre 1591 grausenvolle Verheerungen anrichtete, ließ das Jesuiten Kollegium auf eigene Kosten ein Spital des engl. Jünglings Moysius Gonzaga. erbauen, in welchem die Fremden und verlassenen Kranfen aufgenommen, und von den Jesuiten selbst verpflegt und versorgt wurden. Der heilige Aloysius zeichnete sich vor allen Ändern durch Werke der Barmherzigkeit und christlicher Liebe aus. Er ermahnte die Kranken zur vollkommenen Ergebung in den Willen Gottes und zur christlichen Geduld, er wusch ihnen die Füsse, machte ihre Betten zurecht, sorgte für ihren Unterhalt, indem er selbst Almosen für sie einzog, und die nöthige Speise und Trank ihnen herbeischaffte. Er ließ nichts ermangeln, Allen das zu sein und zu werden, was sie bedurften. Wie mehrere seiner Brüder, so wurde endlich auch Aloysius von dieser verheerenden Seuche angesteckt. Der Gedanke, daß ihn Gott jetzt zu sich rufen wolle, erfüllte seine Seele mit ungemeiner Freude. Seine Kräfte schwanden sichtbar und seine Krankheit schien so gefährlich, daß man ihm auf der Stelle die heilige Wegzehrung und die letzte Delung reichte. Jedoch genas er wieder; nur blieb ein schleichendes Fieber zurück, das ihn drei Monate lang in den Zustand äußerster Schwäche versetzte. Dieß hinderte ihn aber nicht, die Werke seiner Abtödtung fortzuseßen, und selbst um die Mitternachtsstunde auf, ustehen, und vor dem Bilde des gekreuzigten Heilandes, wie gewöhnlich, sein Gebet zu verrichten und den Betrachtungen obzuliegen. Der Krankenwärter aber, dieß bemerkend, besorgte, daß dieß, als nachtheilig seiner Gesundheit, ihm untersagt wurde. Aloysius folgte jetzt treu dem gegebenen Befehle; denn er hatte ja seinen Obern Gehorsam geschworen. Auch die Vorschriften der Aerzte vollzog er mit größerer Genauigkeit, nahm pünktlich und ohne den mindesten Widerwillen auch die unangenehmsten und bittersten Arzneien. 15 Der liebenswürdige Kranke wurde nun.von Tag zu Tag schwächer. Nach dem Urtheile der Aerzte konnte er nur noch etwa acht Tage leben. Da man wußte, daß diese Nachricht ihm eine Freudenbotschaft sei, wurde es ihm underholen angezeigt. Wirklich freute er sich bei dieser Nachricht so, daß er den Pater, der sie ihm brachte, 16 Kurze Lebensgeschichte bat, mit ihm den Psalm: Gott, wir loben dich", zu singen. Nach Beendigung dieses himmlischen Gesanges kam ein anderer Pater in sein Krankenzimmer. Kaum hatte er diesen erblickt, so rief er voll Freuden ihm entgegen: Mein lieber Pater, wir werden mit Freuden von hinnen ziehen." Wohin?" fragte der Pater. Und Aloysius sagte: In den Himmel, zu Gott in den Himmel!" Der heilige Jüngling verlor sich in Anschauung der himmlischen Freuden, die ganze Nacht war er in einer Verzückung. Man vermuthet, daß in dieser ihm der Tag und die Stunde des Todes sei geoffenbaret worden; denn er sprach nachher, daß er in der Frohnleichnams- Oktav sterben. werde. Je näher er seinem Ende kam, desto eifriger war sein Bestreben, in der innigsten Vereinigung mit Gott fich zu erhalten. Er bat einen Pater, auf den er vorzüglich sein Vertrauen setzte, und dem er seinen Sterbetag geoffenbart hatte, er wolle doch jeden Tag drei Stunden vor der Nacht zu ihm kommen und mit ihm die sieben Bußpsalmen beten. Der Pater that's sehr gerne. Wenn er dann des Abends kam, legte er dem Kranken im Bett ein Krucifir vor, kniete selbst vor demselben nieder und fing das Gebet mit ihm an. Welch' ein Anblick war das für den Zuschauer! Da lag der Heilige mit unverwandtem Blicke auf den Gefreuzigten. Hohe Andacht und innige Liebe strahlte aus seinem bleichen Angesichte. Je mehr sein äußeres Leben abnahm, desto mehr nahm sein inneres Leben zu. Die drei lezten Tage hindurch hatte er stets ein kleines Krucifir auf seiner Brust liegen. Er sprach immer von geistlichen Dingen, bisweilen aber hörte man ihn leise für sich selbst beten. Indessen war der Tag der Frohnleichnams- Oktav angekommen, an dem er, wie er sagte, sterben sollte. Alle, welche ihn an diesem Tage besuchten, glaubten und sagten, daß es mit ihm besser geworden. Der Heilige blieb aber mit innerer lleberzeugung bei seiner Aussage. Unter andern kam am gleichen Tage ein Pater in sein Krankenzimmer, der gerührt über den Anblick des Leidenden sprach: Mir thut es " 1 17 des engl. Jünglings Moysius Gonzaga. " 1 weh', von dir, mein lieber Aloysius! so bald getrennt zu werden; doch wünsche ich herzlich, daß Gott dich bald von diesen Leiden befreie!" Und Aloysius antwortete entschlossen: Diese Nacht werde ich sterben." Es hat noch nicht den Anschein, daß du dem Tode so nahe seiest," versetzte der Pater; aber Aloysius wiederholte zweimal: Diese Nacht werde ich sterben diese Nacht werde ich sterben." Den ganzen Tag brachte er in Betrachtung zu, und von Allen, die ihn besuchten, nahm er den rührendsten Abschied. Der heil. Bater Gregor XIV., der dessen nahen Tod erfahren hatte, schickte ihm noch seinen Segen' und Ablaß. Aloysius, obgleich sich dessen freuend, schämte sich doch aus Demuth, daß der Papst seiner gedenke. Er verlangte nun noch mit den heiligen Sakramenten versehen zu werden. Der Rektor, begleitet von 150 seiner Mitbrüder, die alle den Heiligen im Sterben zu sehen wünschten, reichte sie ihm. Seine Andacht, mit der er fie empfing, rührte Alle bis zu Thränen. Nach Empfang derselben fühlte er sich so gestärkt, daß er alle Umstehenden noch umarmte, wobei sämmtliche innigst gerührt wurden. 19 - - Alle standen noch eine Weile bei ihm, ihn anschauend und um seine Fürbitte bei Gott bittend. Als etwa nach einer Stunde der Pater Provinzial ihn besuchte, bat er diesen um die Erlaubniß, sich noch einmal geißeln zu dürfen, oder von einem andern gegeißelt zu werden; und als beides ihm abgeschlagen wurde, bat er, man möchte ihn auf den bloßen Boden legen, damit er dort sterben könnte. Aber auch dieses wurde ihm nicht gestattet. Als die Nacht anbrach, befahl der Nektor Allen, sich nach ihren Zellen zu verfügen, weil die zu große Menge den Kranken nur belästige. Weder er noch die Andern glaubten, daß der Tod schon nahe sei. Alle verließen, bis auf drei, das Zimmer. Sie stellten das Licht in eine Ecke des Zimmers, und verhielten sich ruhig. Nur dann und wann gingen sie leise an's Bett, den Kranken zu beobachten. Zuweilen hörten sie von ihm die Worte sprechen: Herr, in deine Hände empfehle ich meinen Geist!" Auf Aloysiusbüchlein. 2 18 Kurze Lebensgeschichte die Frage, ob er etwas verlange, antwortete er:„ Wachet mit mir, und stehet mir bei; denn ich werde sterben." Noch konnten sie kein Todeszeichen an ihm erblicken. Nach einer Weile fragten sie ihn wieder, ob er nichts verlange, und er antwortete mit schwacher Stimme: Legt mich doch von der rechten auf die linke Seite." Sie brachten das Licht herbei, und wollten ihm diesen Willen erfüllen. Allein sein Angesicht erblaßte nun plötzlich, wurde mit faltem Schweiße bedeckt, und verkündete die Nähe des Todes. Er lag in der wirklichen Todesangst. Einer der wachenden Patres, den er vorzüglich immer lieb hatte, beugte sich über ihn, und sagte ihm leise in's Ohr:„ Du wünschest, wir möchten dich auf die andere Seite legen: aber ich fürchte, daß wir dir dadurch den Tod beschleunigen könnten. Getrost, es ist der letzte Tropfen aus dem Leidensfelche, den der Herr dir zu trinken gibt. Schau, auf wie harter Liegerstätte dein Erlöser für dich gestorben ist." Bei diesen Worten blickte er ihn starr an, und dann wieder auf das Krucifir hin. Er konnte nicht mehr sprechen, aber seine Miene sagte es deutlich, daß er aus Liebe Gottes gern noch mehr leiden wollte. Die bei ihm wachenden Priester fingen nun an, für den Sterbenden zu beten, und er lag da, hielt in der rechten Hand ganz fest die geweihte Kerze, und seine linke ruhte auf dem Kreuze, das er nun seit drei Tagen um den Hals trug, und seine Augen waren steif auf das Krucifix vor ihm gerichtet. Aufmerksam hörte er dem frommen Gebete zu, kein Zeichen von Unruhe gab er von sich. Noch etwa eine Minute vor seinem Tode gab ihm die Liebe zum Heilande die Sprache wieder. Mit gebrochener, doch vernehmbarer Stimme sprach er einigemal: Jesus!" zaickte seine Oberlippe, und verschied. So starb dieser reine, fromme Jüngling, Nachts zwischen zehn und eilf Uhr den zwanzigsten Brachmonat, nachdem er das Alter von drei und zwanzig Jahren, drei Monaten und drei Tagen erreicht hatte. - Kaum war der Heilige heimgegangen, als sein Zim mer mit Hastigkeit aller geringen Habseligkeiten beraubt des engl. Jünglings Moysius Gonzaga. 19 ward, die der Selige im Leben gebrauchte. Seine Verehrer theilten seine Kleider, Bücher u. s. w. und bewahrten es als ein kostbares Denkmal und Reliquie. Uns, lieber Leser! ist die Erzählung seines unschuldigen Wandels und das Bill seines fröhlichen Todes eine heilige Reliquie. Möge diese an dir durch die Gnade Gottes ein Wunder wirken, und dir Liebe zur Keuschheit und Eifer in deinem Berufe wecken! Hast du während der Erzählung seines Lebens ein Verlangen gefühlt, beffer zu werden und heiliger zu leben, um einst selig zu sterben: so ist dir der verklärte Geist dieses Heiligen nahe gewesen. Ist dir dieser bewunderungswürdige Heilige so lieb geworden, daß du mehr von seinem Leben wissen möchtest, so kanfe dir das vortreffliche Buch, aus welchem dieser Auszug enthoben worden ist. Du erhälst es unter dem Titel: Leben des heil. Aloysius. Ein Lese- und Erbauungsbuch für die Jugend. Von J. H. Brockmann. Münster 1820, bei Friedrich Theissing." Oder: Leben des heiligen Aloysius von Gepari. Regensburg 1839, bei J. Manz. Christliche Jünglinge und Jungfrauen! ersparet einige unnöthige Ausgaben zum Ankaufe eines dieser Bücher; es wird euch auf die rührendste Weise zu einem heiligen Leben ermuntern und euch viele heitere Etunden gewähren." Ermahnungen des heiligen Aloysins an sein Pflegekind. Höre, mein Pflegeltnd! meine Worte an, und drücke fie tief in dein Herz. 1) Hüte dich vor aller Sünde, weil sie das einzige Uebel ist, und dich in's ewige Verderben stürzen kann; halte feine für gering, weil jenes nicht gering ist, was den höchsten Gott beleidigt. 2) Damit du dich aber vor Sünden hüten mögest, gestatte deinen Sinnen nicht zu viele Freiheit; halte sie im Zaume; hauptsächlich bewahre deine Augen! denn durch die Augen hat die Sünde schon oft Eingang in das Herz gefunden. 2* Ermahnungen des Hl. Aloysius. 3) Verachte dieses Zeitliche, und gedenke, du seiest zu höhern Dingen geboren. 4) Bestrebe dich, ein bußfertiges Leben zu führen und dein Fleisch mit seinen Begierlichkeiten zu freuzigen. 5) Lobe Gott zu allen Zeiten, und bitte ihn, daß er dich auf den rechten Weg leite; rede mit ihm oft in dem Innersten deines Herzens. 6) Sieh Jesum am Kreuze oft an; dieser Anblick wird dir die Bosheit der Sünden vor Augen legen; er wird dir zeugen, wie erschrecklich der unbußfertige Sünder werde gestraft werden; aber zugleich wird er dich zum Vertrauen ermunter da er dich belehrt, wie inbrünstig Jesus dein Heiland dich geliebt, und wie theuer er dich erkauft hat. 20 7) Jm heiligsten Altarssakramente wartet Jesus auf dich, und ladet dich ein, daß du zu ihm kommest, ihn zu genießen, ihn anzubeten, und dich mit ihm zu unterhalten. 8) Dein göttlicher Erlöser öffnet dir sein ganzes Herz; dieses bietet er dir zur Wohnung an; da kannst du al Schäße der göttlichen Güte und Erbarmungen finden; er verlangt nichts so sehr, als daß du sie annehmen, und dich damit bereichern mögest. 9) Maria ist die Königin des Himmels und die Mutter unsers Herrn Jesu Christi: sie ist aber auch eine Mutter, Fürsprecherin und Mittlerin der Menschen; durch sie erlangen die Sünder Verzeihung, und die Gerechten die Gnade der Beharrlichkeit; sie nimmt sich der Menschen im Thale der Zähren als die liebreichste Mutter an; sie verstößt Keinen, Keinem versagt sie die Hilfe; sie nimmt dich nicht nur zum Diener und Knecht auf, sondern sogar zum Liebhaber und Sohn. Diene ihr dann, und ehte sie als die Königin des Himmels, liebe sie als die Mutter der schönen Liebe, der Furcht Gottes und der heiligen Hoffnung. 10) Beklage dich nicht, du seiest nicht im Stande, Gott eifrig zu dienen; dazu brauchst du weder Reichthum noch Gelehrtheit; nur ein aufrichtiges Herz hast du nöthig, mit dem du ihn liebest, und wenn du deiner Liebe willst versichert sein, so sieh zu, wie du deinen Nächsten liebest. I. Tägliche Andachtsübungen. 21 Morgenandacht. Beim Erwach en sei dein erster Gedanks zu Gott. Sprich sogleich vom Herzen: Gott, mein Gott! zu dir erwache ich; gleichwie der Hirsch nach den Wasserquellen, also sehnt meine Seele sich nach dem starken, lebendigen Gott! Herr, vernimm meine Worte, und höre den Ruf meines Herzens! denn zu dir will ich beten, Herr! Am Morgen wirst du meine Stimme erhören! Kleide dich schnell an, und denke, daß Gott und dein heil. Schußengel dich beobachten, darunter bete: Im Namen meines gekreuzigten Herrn Jesu Christi stehe ich auf, der mich mit seinem kostbaren Blute erlöset hat; er wolle mich vor allem Uebel des Leibes und der Seele bewahren, und zum ewigen Leben führen. Amen. on Morgengebet. ( Nach dem ehrw. P. Waldner d. G. J.) Mein Herr und mein Gott! der du überall und auch in mir gegenwärtig bist: ich bete dich in Demuth an, und danke dir, daß du mich diese Nacht beschüßt und wieder aus dem Schlafe erwecket 22 Morgengebet. hast. Verleihe mir, diesen Tag wieder heilsam anzuwenden, damit ich das hohe Ziel erlange, zu dem du mich, ohne all mein Verdienst, aus reiner Liebe erschaffen, berufen und erlösest hast. Ich habe an diesem Tage wieder gegen die Versuchungen der Welt, meiner verderbten Natur und der Hölle zu streiten. Aus eigener Kraft vermag ich ihren Anreizungen und Drohungen nicht zu widerstehen. Erhalte mich stets nüchtern und wachsam, um sie sogleich zu erkennen, und stärke mich im Kampfe zum Siege über dieselben. Du, o mein Gott! sei allzeit vor meinen Augen und in meinem Herzen. Gib, daß ich mein Thun und Lassen immer nach deinem Willen ordne, und laß mich eher sterben, als dich beleidigen. Liebreichster Jesus! laß durch das Licht der Gnade dein Vorbild der Demuth, Liebe, Sanftmuth, Geduld und Heiligkeit des Wandels mir immer vor Augen schweben, damit ich stets getreu, in der Einsamkeit wie in der Zerstreuung häuslicher Sorgen, in deinen Fußstapfen wandle. Bei aller nöthigen Sorgfalt für das Jrdische laß mein Herz immer liebend in deiner Gegenwart ruhen, damit mein Gemüth frei bleibe von jeder Anhänglichkeit an das Vergängliche, und die nöthige Aufmerksamkeit auf das Zeitliche mein Herz von deiner Liebe nicht trenne. Wenn ich von einem Geschäfte zum andern gehe, so laß mich diese Augenblicke benüßen, voll Glaube und Zuversicht zu dir aufzublicken, mich stets inniger mit dir zu ver 23 Morgengebe. einigen, dich um Verzeihung meiner täglichen Fehler und um neue Gnaden zu bitten. Laß mich jedes Geschäft ohne Ungeduld und Uebereilung verrichten, jedes an seinem Plaze, das Geschäft meines Heils aber obenan sezen. Laß mich den Tag hindurch öfters die Gedanken erwägen, die mein Herz am meisten rühren, um mich in deiner Gegenwart zu erneuern, dich zu lieben, dich anzubeten, und die Unruhe des Herzens wieder in eine sanfte, stille Ruhe zu bringen. Laß mich durch die Erfahrung meiner Schwachheit, und durch den Eckel an einem unruhigen Leben nie muthlos werden, sondern selbe vielmehr benüßen, um der Welt abzusterben. Stärke mich, daß ich jedes Unglück, jeden Wider= spruch, jede Beleidigung und alle Leiden dieses Tages benüße, um mich aus Liebe zu dir in der Geduld und Sanftmuth zu üben. Zur Zeit des Umgangs mit Andern, und der Erholung, welche die gefährlichste ist, laß mich um so treuer deine Gegenwart vor Augen haben, und die von Geschäften freie Zeit durch Gebet, Lesung geistlicher Bücher, Umgang mit frommen Christen, und durch Werke der Liebe gut anwenden. Mein Herr und mein Gott! mit bangem Herzen, im Gefühle meiner Schwachheit, verlasse ich diese einsame Stätte der Andacht. Segne mich, und laß mich gestärkt zu meinen Geschäften gehen. Mein Jesu! geh du mit mir, verlaß mich nicht, wenn ich deiner vergesse, sammle immer wieder den Zerstreuten. Morgengebet. Und du, reinste Jungfrau und Murter des Herrn: sei auch meine Mutter und Fürsprecherin. Laß dir meinen Leib und meine Seele zur Erhaltung der Reinigkeit empfohlen sein. 24 Oheil. Joseph, heil. Johann von Nepomuk, heil. Aloysius und alle lieben heil. Patronen! bittet für mich, damit ich in feine Sünde mehr falle, euere Tugenden nachahme und Gott täglich wohlgefälliger werden möge. Heiliger Schußengel! bitte für mich, beschütze und leite mich auch heute. Ich will deine heiligen Eingebungen befolgen, um in der letzten Stunde meines Lebens, durch deinen Schuß und deine Fürbitte, in die Chöre der seligen Geister aufge= nommen zu werden. Amen. Hier bedenke, wie du dich den Tag hindurch vor dem Laster hüten willst, das du von dir abzulegen gesinnt bist. 1) Mahe den festen Vorsatz, es zu meiden. 2) Sieh vor, in welche Gelegenheiten du etwa gerathen könntest, dich zu verfündigen und nimm dir vor, dich mit möglichstem Fleiße vor denselben zu hüten. 3) Begehre von Gott die Gnade, dieß Alles wohl zu halten. Colltest du aber neben dieser Vorsorge und beständigen Wachsamkeit dich etwa doch vergessen, so lasse den Muth nicht sinken, sondern erhebe dein Herz alsbald zu Gott, bitte ihn um Verzeihung, lege dir jelbst eine kleine Buße auf, und fasse einen neuen Vorsatz, dich künftig fleißiger zu hüten. Bete nun den Engel des Herrn," und wenn du Zeit hast, die außerdem noch folgenden Gebete. Morgengebet. Beim Glockenzeichen. Morgens, Mittags und Abends. Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft: und sie empfing von dem heil. Geiste. Gegrüßet seist du Maria 2c. 25 Maria sprach: ich bin eine Magd des Herrn, mir geschehe nach deinen Worten.- Gegrüßet seist du Maria 2c. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. Gegrüßet seist du Maria 2c. - V. Bitt für uns, o heil. Gottesgebärerin! R. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Gebet. Wir bitten dich, o Herr, gieße deine Gnade unseren Herzen ein, damit wir, die wir nach der Botschaft des Engels die Menschwerdung Christi deines Sohnes erkannt haben, durch sein Leiden und Kreuz zur herrlichen Auferstehung geführt werden. Durch denselben Christum unsern Herrn. Amen. Samstags Abends, Sonntags und die ganze österliche Zeit wird es stehend, sonst aber knieend gebetet. Abends füge demselben noch ein Vater unser 2c für die Abgestorbenen bei mit dem Gebetverse: - V. Die Seelen der Christgläubigen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes im Frieden. R. Amen. 26 Nebung der drei göttlichen Tugenden. Papst Benedikt XIV. hat durch ein Dekret vom 28. Jan. 1756 Allen, so oft sie diese Tugenden erwecken, 7 Jahre und 7 Qnadragenen Ablaß verliehen. Wer sie täglich erweckt, kann des Monats einmal, nach verrichteter Beicht und Kommunion, vollkommenen Ablaß erlangen, wenn er nach der Meinung des Hl. Vaters einige Zeit, etwa sechs Vater unser und Ave Maria, betet. Glaube. Mein Gott! ich glaube an dich, daß du einfach in der Wesenheit, dreifach in den Personen, Vater, Sohn und heil. Geist, ein übernatürlicher Belohner des Guten und Bestrafer des Bösen bist; daß Jesus Christus für mich gestorben, und in dem heiligsten Altars- Sakramente wahrhaft gegenwärtig ist. Ich glaube auch alles Uebrige, was die heilige katholische Kirche zu glauben vor= stellt; weil du, der unendlich weise und ewig wahr= hafte Gott, dieses selbst geoffenbaret haft. In diesem Glauben will ich leben und sterben. Hoffnung. Gütigster Gott! ich hoffe von dir durch die Verdienste Jesu Christi, meines Erlösers, und durch meine Mitwirkung alles Gute; die Verzeihung meiner Sünden, deine Gnade und das ewige Leben; weil du, o allmächtiger, unendlich gütiger und getreuer Gott! dieſes selbst versprochen hast. In dieser Hoffnung will ich leben und sterben. Liebe. Liebenswürdigster Gott! ich liebe dich aus ganzem Herzen über alle erschaffenen Dinge, nicht nur darum, weil du mich zuvor geliebt, und mit unzählbaren Gutthaten überhäuft hast; sondern Univ.- Bibl. Giessen Nebung der drei göttlichen Tugenden. 27 vorzüglich deßwegen, weil du das allerhöchste Gut, und wegen deiner selbst aller Liebe unendlich würdig bist. Aus Liebe zu dir liebe ich auch meine Nächsten, sowohl Freunde als Feinde, wie mich selbst und dich in ihnen. In dieser Liebe will ich leben und sterben Reue. O mein Gott! alle Sünden von meinem ganzen Leben bereue ich vom Grunde des Herzens, weil ich dich als meinen größten Gutthäter und strengsten Richter erzürnt, und deßwegen verdient habe, von dir gestraft zu werden. Am meisten aber bereue ich alle Sünden vom ganzen Leben darum, weil ich dich, o mein Gott! das allerhöchste und vollkommenste Gut, welches ich wegen seiner selbst über Alles liebe, so oft und schwer beleidigt habe. Ich verabscheue alle meine wissentlichen und unwissentlichen Sünden, und nehme mir ernstlich und kräftiglich vor, mit deiner Gnade nicht mehr zu fündigen und jede nächste Gelegenheit zur Sünde zu meiden; ja lieber zu sterben, als dich, meinen lieben Gott, noch einmal erzürnen und beleidigen. Ich hoffe daher zuversichtlich und vertrauensvoll durch die Verdienste Jesu Christi Verzeihung meiner Sünden. Gute Meinung. Heiligster Gott! ich opfere dir auf alle meine Gedanken, Worte und Werke; ich vereinige dieselben mit den unendlichen Verdiensten Jesu Christi. Nimm sie hin zu deiner höchsten Ehre und Anbetung; auch zur Ehre Mariä, der Mutter Gottes, aller lieben Engel und Heiligen; zur Danksagung für alle empfangenen Gutthaten; 28 Gebet zur allers. Jungfrau Maria. zur Genugthuung für meine Sünden; zur Erlangung deiner Gnade, kraft welcher du mich allezeit vor allen schweren Sünden bewahren wolleft; zur Hilfe und zum Troste der armen Seelen im Fegfeuer, besonders jener, für welche ich zu beten schuldig bin. O daß ich dich durch meine Werke also ehren könnte, wie du es würdig bist! Liebenswürdigste Herzen Jesu und Mariä! entzündet unsere Herzen mit eurer Liebe. Amen. Andacht des ehrwürdigen P. Zucchi zur allerfeligsten Jungfrau Maria wider alle bösen Gedanken. ( Morgens und Abends täglich zu verrichten.) meine allerliebste Mutter, heilige Jungfrau Maria! sieh, ich dein Pflegkind fliehe unter deinen Schuß und Schirm wider alle Sünden und Versuchungen. Ich schenke dir meine Augen, meine Ohren, meine Zunge, meine Hände und mein Herz, auf daß du sie vor aller Sünde bewahren wollest. Hilf mir, o Mutter! daß ich niemal Jesum deinen Sohn, meinen Gott beleidige. Wenn ich versucht werde, will ich allzeit zu dir seufzen und rufen: Heiligste Jungfrau! ich leide Versuchung, stehe mir bei; ich gehöre gänzlich Jesu und Maria zu, denen ich mich auf ewig geschenkt habe. Bete hierauf dreimal den englischen Gruß, und: Durch deine heil. Jungfrauschaft und unbefleckte Empfängniß, o reinste Jungfrau Maria! reinige mein Herz, Leib und Seele! Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des hl. Geistes. Amen. 29 Meßandacht. * Wohne der heiligen Messe gern und mit großer Andacht bei: denn hier wird das Kreuzopfer unblutiger Weise erneuert und Gott dargebracht. Hier ist die Ehre, so Gott erwiesen, die Genugthuung und Danksagung, so ihm entrichtet wird, eben so unendlich groß, als die Gabe, die auf den Altar gelegt wird; weil Jesus, der Gottmensch, das Opfer und der Opfernde zugleich ist. Hier beten mit dir und für dich alle Wunden und Blutstropfen des Erlösers, die ihre Stimmen erheben; es beten mit dir und für dich alle Engel und seligen Geister, die den Altar umgeben. Soll ein solches Gebet nicht die Wolken durchdringen? Darum verrichten fromme Seelen ihre Andacht immer lieber bei der Messe, als außer derselben. Bete mit ihnen, aber mit gewissen Absäßen, mit Ueberlegung. Meinung zu der heiligen effe. O Gott! Dessen unendlicher Majestät auf dem Altare eben jenes große Opfer dargebracht wird, welches ehedem Jesus Christus dein eingeborner Sohn auf dem Altare des Kreuzes für das Heil der Welt entrichtet hat: in Vereinigung desselben opfere ich dir dieses unblutige Meßapfer auf, dir mit ihm und durch ihn 1) alle Anbetung und Ehre zu bezeigen, welche deinem heiligsten Namen gebührt; 2) allen Dank abzustatten, welchen ich und andere wegen deiner uns erwiesenen Gutthaten schuldig sind; 3) alle Genugthuung zu leisten, die für unsere Sünden erklecklich ist; 4) alle Gnaden und Tugenden durch die Verdienste seines Blutes 30 Meßandacht. zu erflehen, deren wir bedürfen. Vor Allem aber laß dir die aufrichtigen Gesinnungen meines Herzens gefallen, und die Reue, womit ich über meine Sünden vor dir trauere. Erbarme dich meiner; durch die Verdienste Jesu flehe ich um Verzeihung und Gnade, dich im Geiste und in der Wahrheit anzubeten, und wie Maria und Johannes bei dem Kreuze Jesu sein Leiden zu betrachten, und das Andenken seines Todes zu begehen. Oheiliger Aloysius! der du Gott jederzeit mit lebendigem Glauben und inbrünstiger Andacht angebetet hast; erbitte nun auch mir die Gnade, daß ich dieser heiligen Messe mit wahrer Andacht und Geistesversammlung, im Glauben und in der Liebe beiwohnen möge. Der Priester fängt an der untersten Stufe des Altars die Messe an. Ich sehe dich, mein Jesu! voll Demuth und Selbsterniedrigung am Fuße des Oelbergs zitternd und flehend dein heiligstes Leiden anfangen. D wie traurig war dieser Anfang! wie groß das Meer der Bitterkeit, in welches dein göttliches Herz mir zu Liebe versenkt war. Meine Sünde hat dich betrübt bis in den Tod.... Ich bekenne Gott dem Allmächtigen, Mariä und allen Heiligen meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld!... Ich bitte aber durch die brennende Liebe, die dich bewogen hat, für mich, am Delberge bis zur Vergießung blutigen Schweißes die Meßandacht. 31 Todesangst auszustehen, du wollest mir doch alle meine Sünden, die ich vom Grunde des Herzens bereue und und verfluche, gnädigst verzeihen, und meine Seele, welche du mit deinem kostbaren Blute erlöset hast, vorzüglich in der Todesstunde stärken mit der seligen Hoffnung auf die unendlichen Verdienste deines vergossenen heiligen Blutes. Der Priester küßt den Altar und betet den Introitus. Selbst von einem deiner Jünger wirst du, mein Jesu! durch einen Kuß verrathen; doch redest du deinen untrenen Apostel mit aller Liebe an! Könnte ich diesem Beispiele, welches du, mein Herr und Gott! mir gibst, noch länger widerstehen, und gegen die geringste Beleidigung so empfindlich sein?... Nein, o Herr! ich verzeihe herzlich allen meinen Feinden, und liebe sie aufrichtig. Jeſu! verleih' mir deine Sanftmuth, ohne die es keine Ruhe für meine Seligkeit gibt. Bei dem Kyrie eleison, bis zum Evangelium. König der Herrlichkeit! es gebührte dir, der du zur Rechten des Vaters sitest, zwar alle Ehre im Himmel und auf Erden. Allein weil du nicht die deinige, sondern jene deines Vaters suchtest, ließest du dich mit einer Kette beladen, und wie ein Uebelthäter von einem Richterstuhle zu dem andern schleppen. O mein Heiland! wie geduldig und gerne sollte ich in Ansehung deiner Gefangennehmung jene Bande tragen, die mir in den Be Meßandacht. schwernissen meines Standes nur von den liebevollen Fügungen deiner wahren Vorsicht angeworfen werden!... Verleih mir die Gnade, mich volltommen in deinen heiligsten Willen zu ergeben, damit ich nicht durch Murren und Klagen über die Beschwerden meines Standes deine Bande' entehre, oder gar mich denselben entziehen möchte. In was für einem Zustande sehe ich dich vor dem hohen Priester Kaiphas! Ein Knecht schlägt dich auf die Wange.... Eine ganze Schaar losen Gesindels macht sich ein grausames Vergnügen darans, dein göttliches Angesicht, in welches die Engel zu schauen verlangen, zu verspeien... und deinen Namen, der vor allen Völkern groß und schrecklich ist, auf verschiedene Art lächerlich zu machen..... Ihr Himmel, erstaunet darüber! Mein verachteter Jesu! ich habe mit dir innigstes Mitleid, und danke dir unendlich, daß du um meinetwillen so viele Erniedrigungen erduldet hast... Welche Unbild oder Beleidigung, welche Mißhandlung, die ich wie immer ertragen muß, tömmt wohl mit dem in Vergleich, was du ertragen hast? Warum sollte ich mich dadurch zum Zorne, zur Rache reizen lassen? Ich bin ein Christ, als solcher muß ich leiden, beten und schweigen. Das will ich auch, und kann es, wenn du mir Demuth. und Geduld schenkest. 32 Du hörtest, wie schwer man dich vor dem Pilatus anklagte; und du öffneteft deinen Mund nicht zur Vertheidigung, wie ein Lamm, das sich Meßandacht. 33 schweigend zur Schlachtbank führen läßt, obwohl es dir ein so Leichtes gewesen wäre, deine Ankläger zu Schanden zu machen. So zeigtest du, daß du mehr als ein Mensch warst.... O mein Gott! gib mir Gnade, daß ich bei gewissen Beschuldigungen, wo Alles auf meine Vertheidigung wartet, nach deinem Beispiele schweige, und in Geduld, zur Abbüßung meiner Sünden, dir die Rettung meiner Ehre anheimstelle. Bei dem Evangelium. Ich stehe auf, und spreche mit dem heiligen Paulus: Ich schäme mich des Evangeliums nicht. Es dürfen und sollen Andere meine Andacht, meine Liebe zu Gott und zum Nächsten, meinen Gehorsam und Fleiß in Erfüllung meiner Berufspflichten, meine Demuth, Sanftmuth und Geduld, meinen reinen und keuschen Wandel sehen, sie sollen sehen, daß ich ein Christ nicht nur im Herzen, sondern auch im Werke selbst bin. Laß mich, o Herr, den Weg deiner Gebote erkennen, flöße mir, damit ich stets auf demselben verbleibe, deine heilige Furcht und Liebe ein, daß ich durch gute Werke den Beruf zur Seligkeit sichere. Bei der Opferung. ( Hier fängt der erste Haupttheil von der Messe an. Versammle also dein Gemüth, und denke auf das Opfer, das auch von dir verlangt wird.) Heiliger Vater, allmächtiger ewiger Gort! nimm diese unbefleckte Hostie auf, welche ich, dein unAloyfiusbüchlein. 3 Meßandacht. würdiges Geschöpf, dir als dem lebendigen und wahren Gott für alle meine unzählbaren Sünden, Beleidigungen und Nachläßigkeiten, zum Heile der Lebenden und Abgestorbenen aufopfere. O Sohn des ewigen Vaters, Christe Jesu! gleichwie du deinen Leib deinen Peinigern zu den grausamen Geißelstreichen dargegeben, und dein Haupt unter den Dörnern geneigt hast, damit du ein Opfer für mich würdest: so bringe ich dir meinen Leib und meine Seele zum Opfer dar. Ja Alles, was ich bin und habe, lege ich mit allen deinen Verdiensten zu der heiligen Hoftie auf die Patene, und Alles, was ich leide, mit größter Zuversicht meines Herzens in den Kelch hinein, damit alle Gebete und Segnungen, welche über denselben gesprochen werden, auch mir zu= kommen. Was kann ich anders thun, als daß ich mich dir aufopfere, und daß ich mich dir gänzlich überlasse, o mein Gott, o mein Erlöser, o meine Liebe! 34 Komm, o Heiligmacher! und segne dieses Opfer, das deinem heiligen Namen zubereitet ist. Laß die Flammen deiner Liebe in mir brennen, und nimm von meinem Herzen unumschränkten Besiz; ich will das Andenken an deinen Tod, deine Lehren und Beispiele lebhaft erwecken; stärfe mich durch deine Gnade dazu, auf daß ich nichts suche und liebe außer dich. Nimm mich auf, o Herr! der ich im Geiste der Demuth, und mit zerknirschtem Herzen dich anflehe. Möge mein heutiges Opfer so vor deinem göttlichen Angesichte erscheinen, daß es dir, Meßandacht. 35 o Herr und Gott! wohlgefällig, mir aber und deiner heiligen Kirche zum zeitlichen und ewigen Wohle förderlich sei. Bald wird dieses Brod, dieser Wein in den Leib und in das Blut Jesu verwandelt werden. Dann, o Vater! sieh gnädig auf dieses Opfer herab; mit Jesus, und durch ihn bringe ich es dir zur Anbetung deiner Majestät, zur Danksagung für alle erwiesene Wohlthaten, zur Genugthuung für alle Sünden, zur Erlangung aller Gnaden dar. Bei dem Sanctus. Heilig, heilig, heilig bist du unser Herr, Gott Sabaoth! Gebenedeit sei, der da kommt im Namen des Herrn! So rufe ich von Herzen zu dir, o Jesu! dir einigen Ersatz für jene Unbild zu leisten, daß dich die Juden des Kreuztodes schuldig erklärten. Göttlicher Erlöser! ich erkenne dich als die heiligste Unschuld, als die vollkommenste Heiligkeit, ich lobe und preise dich, und wünsche nur, daß du in mir lebest, und ich in dir lebe. Ich entsage daher aufrichtig aller Sünde; ich will ihre Gelegenheit meiden, und jede böse Neigung unterdrücken. Ich bin der schuldige Barabbas, ich habe alle Plagen, ja selbst den Tod verdient. Jesu! durch die Geduld, womit du den Mörder dir vorziehen, und dich zum Tode verlangen ließeft, bitte ich, stärke meinen Vorsatz, dir zu Liebe mir ſelbst abzusterben, und dein Kreuz auf mich zu nehmen. Du wurdest sogleich mit demselben be3* 36 Meßandacht. laden, und unter verschiedenen Leiden zur Schädelstätte hinaus geführt. Da erneuertest du noch einmal das Opfer deines Willens gegen deinen himmlischen Vater, und überließest dich zur Kreuzigung. Ach wie grausam wurdest du da mißhandelt, wie schmerzlich wurden deine Hände und Füsse mit Nägeln durchbohrt, und endlich dein Leib erhöhet. Göttlicher Heiland! ich kann dem Drange der Liebe nicht mehr widerstehen. Ich übergebe mich dir mit Leib und Seele. Möchte dir mein Opfer gefallen! Gerne will ich dulden, was du mir zu leiden schickest, gerne in wahrer Buße meine Tage vollenden. Zieh' mich von deinem heiligen Kreuze an dich, und schenke mir, schenke allen Denjenigen, besonders für die ich beten soll und will, deine göttliche Gnade; leite unsere Tage in deinem Frieden, bewahre uns vor der ewigen Verdammniß, zähle uns einst der Schaar deiner Heiligen zu, durch deren Fürbitte wir uns in Allem die Hilfe deines Schuzes erflehen. Bei der Wandlung. Ich erhebe nun meine Augen zu dir; denn gleichwie du einst am Kreuze hingst, so sehe ich dich jetzt in den Händen des Priesters erhöhet. Ich glaube an dich, o Jesu! ich hoffe auf dich, ich liebe dich. O möchte ich durch meine Liebe zu dir, und durch einen heiligen Haß wider mich an das Kreuz geheftet bleiben! Meßandacht. Ich fliehe voll Vertrauens zu deinem heiligen Blute, welches hier erhoben wird. Es ruft um Gnade für mich, für mein reumüthiges Herz; dieses Opfer fannst du nicht verschmähen. Sei mir ar= men Sünder gnädig. Jesu, dir lebe ich! Jesu, dir sterbe ich! Jesu! dein bin ich todt und lebendig! 37 Nach der Wandlung. Ja ich bin dein Eigenthum, du hast mich mit deinem heiligen Blute erkauft, ich habe zu deiner Fahne geschworen, in der heiligen Taufe, und wiederholt beim Empfange der heiligen Sakramente; laß mich doch durch keine Sünde mehr von dir getrennt, vielmehr mit jedem Tage von deinem göttlichen Segen, von deiner himmlischen Gnade überströmt, und dir wohlgefälliger werden. Vater im Himmel! sich in Gnaden auf mein Opfer herab, ich vereinige es mit dem, das dir dein göttlicher Sohn darbringt. Seinen blutigen Schweiß, seinen ganz verwundeten Leib, seine durchbohrten Hände und Füße, sein durchstochenes Herz, sein Blut und seine Verdienste, seinen Tod bringe ich dir zum Opfer dar. Er ist unser Mittler, unser Fürsprecher; Alles, was wir in seinem Namen begehren, hast du uns zu geben versprochen. So gib mir denn durch ihn Gnade und Verzeihung meiner Sünden, Stärke, dir zu dienen, und die Gnade der endlichen Beharrlichkeit. Befreie durch dieses Opfer die abgestorbenen Gläubigen aus ihren Peinen. Im Namen Jesu bitte ich dich. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. Meßandacht. Heiland! durch die sieben heiligen Worte, welche du am Kreuze noch sprachst, gib mir wahre Versöhnlichkeit gegen meine Feinde, damit ich Verzeihung und dein Reich erlange. Laß mir besonders in meinem Tode die Fürbitte Mariens nüglich, deinen Trost in den Schmerzen meine Erquicung sein; gib, daß ich thätig und reuevoll nach dem Himmel verlange, und ihn zum Lohne meines gut vollbrachten Tagewerkes erlange. Durch die bittere Todesangst, welche du drei Stunden lang erduldet hast, bitte ich dich, verlaß mich doch im Tode nicht, sei mir Jesus, sei mir Heiland! durch dich empfehle ich dem Vater meinen Geist. 38 Zum Agnus Dei. Du bist das Lamm, welches für die Sünde der Welt sich freiwillig in den Tod hingegeben und dadurch die Sünden der Welt getilgt hat. Dank, unendlicher Dank sei dir für dein Leiden und für deinen Tod! Laß ihn an mir nicht fruchtlos sein. Erbarme dich meiner, und opfere deinem himmlischen Vater deine unendlichen Verdienste für meine großen Sünden, damit ich durch die Schmerzen deines Todes Vergebung, deine Gnade und einen glückseligen Tod erlange. Erbarme dich meiner, und befestige mich im Frieden mit dir, mit dem Nächsten und mir, damit ich desselben ewig theilhaftig sei. 39 Meßandacht. Zur Kommunion. Deine Liebe, womit du noch deinen heiligsten Leib und dein heiligstes Blut uns im heiligsten Altarssakramente hinterließest, und dich uns zur Nahrung gibst, steht mir Bürge, daß du mir meine Bitten nicht versagest. Dein Leib wurde vom Kreuze abgenommen, und in den Schooß Mariä gelegt. Ich biete dir gleichfalls mein Herz zur Wohnung an; o daß ich dich in selbes aufnehmen könnte, und immer behalten wollte! Allein ich, ein so großer Sünder, wie sollte ich es wagen? Herr! ich bin nicht würdig, daß du unter mein Dach eingehest: ich nehme daher zu deiner unendlichen Barmherzigkeit meine Zuflucht; ein Wort von dir, und meine Seele wird gesund. Wecke mich auf von meinem Sündenschlafe, gib mir den Geist einer aufrichtigen Beschämung meiner selbst, einer herzlichen Reue, verzeih mir meine Sünden, vereinige dich mit mir, und meine Seele wird rein und dir wohlgefällig werden. Jedoch, o Herr! unterstütze auch meine Schwachheit; ich habe mir schon so oft vorgenommen, nach deinem heiligsten Gesetze, nach deinen Beispielen zu leben, und leider wieder gesündigt. Reiche mir denn deine väterliche Hand, leite mich auf dem Wege deiner Gebote, reiß mich von aller Anhänglichkeit an die Sünde los, erfülle mein Herz mit deiner heiligen Furcht, damit es seinen Vorfäßen getreu bleibe. Zünde in mir das Feuer deiner Liebe an, gib mir Hunger und Eifer zu aller Gerechtigkeit, 40 Meßandacht. laß mich durch stete Ausübung jeder Tugend immer mehr Verdienste sammeln, damit ich einst vor deinem göttlichen Richterstuhle gerechtfertigt und heilig erscheinen, und deines Lohnes theilhaft werden möge. Beim Beschluß der Messe. Heiland der Welt! der du aus deinem Grabe als Sieger über Satan, Sünde und Tod glorreich auferstanden bist: ich bete dich in deiner Herrlichkeit, welche auch mir, ja sogar meinem zu verklärenden Leibe zukommen soll, demüthigst an, und bekenne mit dem heiligen Thomas, daß du mein Herr und mein Gott bist. Vermehre in mir den lebhaften Glauben, daß ich dir allzeit getreu und gehorsam bleibe. Stärke in mir die Hoffnung, daß ich in jedem Vorfalle meine Augen vor Allem zu dir wende, und meine Hilfe von dir erwarte. Entzünde in mir das Feuer deiner Liebe, daß ich nur wegen deiner alles thue und leide, und von dir in den Himmel aufgenommen werde. Segne mich jetzt, gleichwie du bei deiner Himmelfahrt deine Jünger segnetest, und sende über mich deinen heiligen Geift herab. Zum Segen. Es segne, bewahre und erleuchte mich der allmächtige Gott der † Bater, und der † Sohn, und der heilige Geist. Amen. Meßandacht. Aufopferung der heiligen Messe. Göttliche Dreieinigkeit! laß dir dieſes heiligste Opfer angenehm, und mir und Allen, für die ich es geopfert habe, ersprießlich sein. Ich empfehle dir dasselbe, und opfere alle frommen Uebungen der Gläubigen, welche heute in der ganzen Welt bei allen heiligen Messen, deren ich theilhaftig zu sein wünsche, dir dargebracht wurden, durch das heiligste Herz deines Sohnes dir auf, und bitte, du wollest alles dieses zur Ehre deines Namens und zum Heile unserer Seelen in jener Liebe aufnehmen, womit du am großen Sterbetage unsers Erlösers das blutige Kreuzopfer von ihm angenommen, und seinetwegen gnädigst angesehen hast. Durch ihn sei dir Ehre, Lob und Preis von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 41 Oheiliger Aloysius! bitte auch du für mich Gott, daß er mir die Gnaden, die mir die Verdienste des Opfertodes Jesu erworben haben, angedeihen lasse; verleihe durch deine Fürsprache, daß ich deinem Tugendbeispiele gemäß, den Tag hindurch ein versammeltes, innerliches Leben führen, in den Zerstreuungen meiner Geschäfte meinen Gott doch nie aus dem Herzen und Gedächtnisse verlieren möchte, und die Wirkung seiner Segnungen durch sündhafte Anmuthungen, Begierden und Werke nicht verhindere, und derselben unwürdig werde, sondern daß ich ihn, wo ich immer sein, und was ich thun mag, vor Augen gegenwärtig hafte, und im Glauben, in der Hoffnung und Liebe anbete. Amen. 42 Heilsame Gemüthserhebungen bei verschiedenen Anläffen unter Tags. Gute Weinung. Nun begebe ich mich, o großer Gott, zu meinen Geschäften, welche du, kraft meines Standes, von mir forderst, und es ist mein ernstlicher Wille und meine eifrige Meinung, daß alle meine Gedanken, Worte und Werke, all mein Thun und Lassen, wie auch all mein Leiden dieses Tages, zu deinem Wohlgefallen gereichen, und dir zu Liebe geschehen sollen, in Vereinigung mit den Werken und Leiden deines Sohnes Jesu Christi, meines Erlösers. Herr, gib hiezu deinen heiligen Segen. Bei der Arbeit denke bisweilen: Wie gut ist es, daß ich gesund bin, arbeiten und mein Brod verdienen kann. Dieß ist ein Geschenk Gottes! Lob, Ehre, Dank und Preis sei ihm für und für! Mein Gott sieht es, wie sauer ich mich plage; er weiß es wohl, wie schwer und bitter mir dieß und jenes fällt, er wird mir's lohnen. Nach der Arbeit. Nimm auf, o Gott, die Arbeit, die ich zu deiner größern Ehre verrichtet habe, und verzeihe mir alle Mängel und Unvollkommenheiten, deren ich mich darin habe schuldig machen können. Durch Jesum Christum, unsern Herrn! Amen. Stundgebet. Mein Gott, schon ist wieder eine Stunde dahin! Wie werd' ich sie einst verantworten können? Bei verschiedenen Anlässen. Habe ich sie wohl für den Himmel verdienstlich zugebracht? Was nügt mir sonst meine Arbeit? was mein Leiden? Wieder eine Stunde näher zum Tode, zum Grabe, zum Gerichte und zur Ewigkeit! Wie stünde es wohl mit mir, wenn es meine letzte Stunde gewesen wäre? 43 Gebet des hl. Nikolaus von der Flüe. Mein Gott und Herr! nimm mich mir, und gib mich ganz eigen dir. Mein Gott und Herr! nimm Alles von mir, was mich hindert zu dir. Mein Gott und Herr! gib Alles das mir, was mich fördert zu dir. Beim Anschauen des Himmels. Himmlischer Vater! zukomme uns dein Reich. Wie eckelt mich die Erde an, wenn ich den Himmel ansehe! Der Kirchthurm deutet mir immer hinauf, wohin auch immer mein Herz und Sinn gerichtet sein soll hinauf zu Gott und zu meinem Jesus! - In einer Versuchung. Wie sollte ich so Etwas thun, grosser Gott! du siehst es. Strenger Richter! wie würde ich vor dir bestehen! Was wird mir dafür, wenn ich dieſes thue? Ich würde mir dadurch selbst den größten Schaden bereiten! Wie würde es mir auf dem Sterbebette- wie einst in der Ewigkeit ergehen? Heilsame Gemüthserhebungen Gott! merke auf meine Hilfe. Herr! eile mir zu helfen. Jesus und Maria! stehet mir bei. 44 Nach einem Fehltritte. Ach, ich habe wieder Unrecht gethan; und Gott hat es gesehen! O mein Gott! es reuet mich; - sei mir armen Sünder gnädig. Ich will gleich zur Buße dieses oder jenes thun, dieses arbeiten oder jenes leiden, und mich wahrhaft bessern. In Leiden. Vater! wenn es möglich ist, und dir ist Alles möglich, so nimm diesen bittern Kelch von mir; doch nicht mein Wille geschehe, sondern der deine!" O mein Gott! dir zu Lieb', dein Wille geschehe; denn was du willst, ist gut und heilig. Herr! du siehest mich leiden; du kennest meine Leiden; du allein fannst mich wahrhaft trösten; du wirst mir's einst belohnen. In Kleinmuth. O mein Gott! strafe und züchtige mich, wie du willst, nur verleihe mir die eine Gnade, dich stets treu zu lieben. Wenn man verachtet wird. Verleihe mir, liebevoller Jesu! die Gnade, daß ich aus Liebe zu dir jede Verachtung geduldig ertrage, der du aus Liebe zu mir so viele Veracht= ungen erduldet hast. bei verschiedenen Anlässen. Kurze Tugendakte. Herr! ich glaube. Hilf meinem Unglauben! - Ich bin ein Kind der katholischen Kirche; in diesem Glauben will ich leben und sterben. Ich habe auf den Herrn gehofft; ich werde nicht zu Schanden werden. Wenn Gott mit mir ist, wer fann wider mich sein? Warum bift du traurig, meine Seele, und warum verwirrst du mich? Hoffe auf Gott; denn er ist dein Heiland! In Jesu Wunden wird Heil gefunden. Was wünsche ich im Himmel, was verlange ich auf Erden, als dich, mein Gott? Du bist der Gott meines Herzens, und mein Antheil in Ewigteit! Herr! du weißt, daß ich dich liebe. Meine Liebe ist Jesus, der Gekreuzigte. Vater! ich habe gesündiget gegen den Himmel und vor dir; ich bin nicht werth, dein Kind zu heißen! Herr! sei mir armen Sünder gnädig. Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Bei einem Kruzifix. Mein Herr, Jesu Christe, du Gott meines Herzens! durch die fünf Wunden, die dir deine Liebe zu uns am Kreuze geschlagen hat! komm zu Hilfe deinen Dienern, die du mit deinem kostbaren Blute erlöset hast. Amen. - 45 - - Herr Jesus Christus, du guter Hirt! erhalte die Gerechten, bessere die Sünder, erbarme dich der Abgeschiedenen, und sei mir armen Sünder gnädig! Amen. Heilsame Gemüthserhebungen Bei einem Muttergottesbilde. Tausendmal, und wieder tausendmal grüße und benedeie ich dich, o Mutter unsers Heiles, und zwar durch deine innigste Vereinigung, mit welcher du über alle andere Geschöpfe mit Gott besonders vereinigt bist! Und zur Erhöhung deiner Freuden opfere ich dir das heiligste Herz deines Sohnes Jesus Christus mit derselben Liebe und Verehrung auf, welche es dir hienieden schon erzeigt hat, und welche es dir auch im Himmel fort und fort bezeugt! 46 Bei einem Heiligenbilde. Heiliger N., flehe zum Herrn, daß er mir von der Aufrichtigkeit und Einfalt deines Herzens auch einen Antheil zukommen lasse; denn dieser Tugenden bedarf ich gar sehr, und ihr Adel ist unauspreisbar! Amen. Wenn man das hochwürdigste Sakrament zu einem Stranken trägt. Hochgelobt und gebenedeit sei das allerheiligste Sakrament des Altars, von nun an bis in Ewigfeit! Du, o Jesus! würdigest dich jetzt zu einem Kranken zu gehen. Sei ihm gnädig! verzeih' ihm seine Sünden! tröste ihn, lindere ihm die Schmerzen der Krankheit! O möchten wir doch immer so leben, daß wir am Krankenbette mit freudigem Herzen nach dir verlangen könnten! Barmherziger Jesus, verstoß ms arme Sünder nicht! Bleib' bei uns im Leben; bleib' bei uns im Tode! Amen. - - bei verschiedenen Anlässen. 47 Wenn du einen Krankenbesuch vor hast, so bitte Jesum durch folgendes Gebet. Herr Jesu Christe, ich bitte dich durch die unendliche Liebe, mit der du die schwere Last unserer Sünden getragen hast, verleihe, daß dieser Kranke die Last der Schmerzen von deiner Vaterhand und deiner unendlichen Vorsehuug mit Geduld annehme, und nach deinem göttlichen Willen geduldig, so lange es dir gefällig ist, ertrage. Stärke ihn, daß er nicht im Geringsten durch Ungeduld dich beleidige. Laß ihn erkennen deine große Liebe, mit der du weit mehr gelitten hast. Gib, daß er nicht murre wider deine weisesten Anord-= nungen, sondern in Allem deinem göttlichen Willen sich unterwerfe. Amen. Wenn du die Zügenglocke läuten hörst, bete für die abgeschiedene Seele ein Vater unser und Ave Maria und darnach: V. Herr, gib ihr die ewige Ruhe, R. Und das ewige Licht leuchte ihr! V. Lasse sie ruhen durch deine Barmherzigkeit in Frieden, R. Amen. Bei einem Kirchhofe. O mein Gott, ich flehe inbrünstig zu dir, du wollest durch deine Barmherzigkeit Alle selig machen, welche du erschaffen hast; du kannst es ja, wenn es dein heiliger Wille ist! Ach, in deinem heiligen Willen ist die Kraft unsers Heiles, darum gib auch allen Abgeschiedenen das ewige Heil in dir! Amen. 48 Kurze Gebete, für welche die Päpste heilige Ablässe verliehen haben. 1.* Heilig, heilig, heilig bist du, o Herr, Gott der Heerschaaren, die Erde ist deiner Herrlichkeit voll; Ehre sei dem Vater, Ehre dem Sohne, Ehre dem heiligen Geiste."( 100 Tage Ablaß für einmal an einem Wochentage; an Sonntagen aber kann der Ablaß dreimal gewonnen werden. Clemens XVI.) 2. ,, Ewiger Vater! wir opfern dir auf das kostbare Blut, das Leiden und den Tod Jesu Christi, die Schmerzen der seligsten Jungfrau Maria und des heiligen Joseph, zur Genugthuung für unsere Sünden, zum Troste der armen Seelen im Fegfeuer, für die Anliegen unserer heiligen Mutter der Kirche und für die Bekehrung der Sünder." Jedesmal 100 Tage Ablaß. Pius IX. 1860.) 3. ,, Ewiger Vater! ich opfere dir das kostbare Blut Jesu Christi auf zur Genugthuung für meine Sünden und für die Bedürfnisse der heiligen Kirche." ( Jedesmal 100 Tage Ablaß. Pius VII. 1817.) 4. ,, Es geschehe, es werde gelobt und in Ewigkeit über Alles erhöht der gerechteste, erhabenste und liebenswürdigste Wille Gottes in allen Dingen."( 100 Tage Ablaß einmal im Tage. Pius VII.) 5. Lob, Preis und Dank sei jetzt und ohne End' dem heiligsten und göttlichsten Sakrament." ( 100 Tage Ablaß, wird dasselbe während der Wandlung bei der Hl. Messe oder bei Ertheilung des Segens mit dem hl. Sakrament, oder auch außer der Kirche bei dem Glockenzeichen gebetet, welches anzeigt, daß in der Kirche der Segen mit dem a. h. Sakramente ertheilt wird. Gregor XIII. und Pius VII.) Kurze Ablaßgebete. 49 6. Jch bete jetzt dich an und ohne End', o Himmelsbrod, o großes Sakrament! Jeſu, mein Erlöser, segne mich, und Herz Mariä du, ich bitte dich. Dir, o Jesu, sei mein Herz geschenkt, und in das deine immerdar versenkt. Mögen, o heiligstes und göttlichstes Sakrament, alle Menschen dich erkennen, dich anbeten, dir danken stets und ohne End'."( Jedesmal 100 Tage Ablaß. Leo XII. 1828.) 7. ,, Mein Jesu, Barmherzigkeit."( Jedesmal 100 Tage Ablaß. Pius IX. 1846.) 8. ,, Süßester Jesu, sei mir nicht Richter, sondern Seligmacher."( Jedesmal 50 Tage Ablaß. Pius IX. 1853.) 9. Jesus, mein Gott, ich liebe dich über Alles." ( Jedesmal 50 Tage Ablaß. Pius IX. 1854.) 10. Siehe, o mein liebreichster Jesus, bis wohin das Uebermaß deiner Liebe gelangt ist! Du haft mir mit deinem Fleische und deinem kostbaren Blute eine göttliche Tafel zubereitet, um dich mir ganz zu schenken. Wer hat dich zu solchem Uebermaße der Liebe angetrieben? Gewiß niemand Anderer als dein liebreiches Herz. O anbetungswürdigstes Herz meines Jesu, Feuerofen der göttlichen Liebe, nimm meine Seele in deine geheiligte Wunde auf, damit ich in dieser Schule der Liebe lernen möge, jenen Gott wieder zu lieben, der mir so erstaunliche Beweise seiner Liebe gegeben hat. Amen."( 100 Tage Ablaß für einmal am Tage. Pius VII. 1818.) 4 Moyfiusbüchlein. Kurze Ablaßgebete. 11.* O gütigster, die Seelen liebender Jesus, ich bitte und beschwöre dich durch die Todesangst deines heiligsten Herzens und durch die Schmerzen deiner unbefleckten Mutter, wasche in deinem Blute alle Sünder in der Welt, die jetzt in den Zügen liegen und heute sterben werden. O Todesangst leidendes Herz Jesu, erbarme dich der Sterbenden. ( Jedesmal 100 Tage Ablaß. Wenn man durch einen ganzen Monat wenigstens 3 Mal dieses Gebet zu vers schiedenen Zeiten des Tages verrichtet einen vollkommenen Ablaß am Tage der Beicht und Kommunion. Pius IX. 1850.) 50 12. So oft man vor einem, in einer Kirche oder Kapelle zur öffentlichen Verehrung ausgestelltem Bilde des heiligsten Herzens Jesu, einige Zeit auf die Meinung des Papstes betet, gewinnt man 7 Jahre und 7 Quadragenen Ablaß.( Pius VI. 1799.) 13.* Ich N. N. schenke dir, o mein liebenswürdigster Jesu, mein Herz, um mich dir dankbar zu erzeigen und meine Untreuen gut zu machen; ich opfere mich dir gänzlich auf, und nehme mir mit deinem Beistande vor, nicht mehr zu fündigen. ( Einmal am Tage 100 Tage Ablaß, vor einem Bilde des Herzens Jesu gebetet. Pius VII. 1817.) 14. Jesus, Joseph und Maria, euch schenke ich mein Herz und meine Seele.- Jesus, Joseph und Maria, steht mir bei in dem letzten Todestampfe. Jesus, Joseph und Maria, mit euch möge meine Seele in Frieden scheiden.( Jedesmal 300 Tage Ablaß für alle drei Gebete, für jedes einzelne 100 Tage Ablaß. Pius VII. 1807.) - Kurze Ablaßgebete. 15. Gebenedeit sei die heilige und unbefleckte Empfängniß der seligsten Jungfrau Maria."( Jedesmal 100 Tage Ablaß. Pius VI. 1793.) 16. In deiner Empfängniß, o Jungfrau Maria, bist du ohne Makel gewesen: bitte für uns den Vater, dessen Sohn Jesus, vom heiligen Geiste empfangen, du geboren hast."( Jedesmal 100 Tage Ablaß. Pius VI. 1793.) 51 17.* Süßes Herz Mariä, sei meine Rettung." ( 300 Tage Ablaß jedesmal. Pius IX. 1852.) 18. Gegrüßt seist du Maria, voll der Schmerzen, der Gekreuzigte ist mit dir, beweinungswürdig bist du unter den Weibern und beweinungswürdig ist die Frucht deines Leibes Jesus. Heilige Maria, Mutter des Gekreuzigten, erbitte Thränen uns, den Kreuzigern deines Sohnes, jetzt und in der Stunde unsres Todes." Amen. Jedesmal 100 Tage Ablaß. Pius IX. 1847.) 19. O meine Gebieterin! O meine Mutter! Erinnere dich, daß ich dir angehöre. Bewahre mich, vertheidige mich, wie dein Eigenthum." ( Jedesmal in der Versuchung gebetet 40 Tage Ablaß. Pius IX.) 20.* O meine Gebieterin! O meine Mutter! Dir opfere ich mich ganz auf, und um zu beweisen, daß ich mich deinem Dienste ergeben habe, schenke und weihe ich dir heute meine Augen, meine Ohren, meinen Mund, mein Herz und mich selbst ganz und gar. Weil ich also Dein bin, o gute Mutter, so bewahre und beschüße mich und vertheidige mich, wie dein Eigenthum."( 100 Tage Ablaß einmal am Tage. Pius IX. 1851.) Kurze Ablaßgebete. 21. ,, Erinnere dich, o reinster Bräutigam der seligsten Jungfrau Maria und mein liebreichster Beschützer, heiliger Joseph, daß es noch nie erhört wurde, daß Jemand deinen Schutz angerufen und Hilfe von dir verlängt hätte, ohne getröstet zu werden. Mit diesem Vertrauen erscheine ich vor dir und empfehle mich dir inständig. Ach verschmähe meine Bitte nicht, o vermeintlicher Vater unseres Heilandes, sondern nimm sie huldreich an. ( Einmal am Tage 300 Tage Ablaß. Pius IX. 1862.) 52 11 22.* Engel Gottes, der du mein Beschützer bist, erleuchte mich, bewahre mich, leite und regiere mich, der ich dir von der göttlichen Vorsehung anvertraut bin. Amen."( Jedesmal 100 Tage Ablap. Pins VII. 1821.) 23. Für den jedesmaligen Gruß: ,, Gelobt sei Jesus Christus" mit der Antwort: In Ewigkeit! Amen."( 100 Tage Ablaß. Sirtus V. 1587.) 24. Für das andächtige Anrufen der heiligsten Namen: Jesus" und" Maria", jedesmal 25 Tage Ablaß.( Sirtus V.) 25. So oft die Gläubigen sich andächtig mit dem heiligen Kreuzzeichen bezeichnen und die Worte sprechen: Im Namen des Vaters, des Sohnes und des hl. Geistes" 50 Tage Ablaß.( Pius IX. 1863.) NB. Wer die mit* bezeichneten Gebete täglich betet, fann des Monats einmal, nach verrichteter Beicht und Kommunion, einen vollkommenen Ablaß erlangen, wenn er nach der Meinung des Papstes in der Kirche einige Zeit betet. Alle diese Ablässe sind den armen Seelen zuwendbar. Pius IX. 1852 yol - 53. Zmei Ablaßgebete, um vom allmächtigen Gotte in den gegenwärtigen Bedrängnissen der heiligen Kirche Hilfe zu erlangen. 1. Aufopferung der heiligen Messe. ( Im Anfange des Tages zu beten. Unser heiliger Vater, der Papst Pius IX., hat durch ein Breve vom 30. Sept. 1859, 300 Tage Ablaß allen Denen verliehen, welche mit reinem oder wenigstens reumüthigem Herzen jedes dieser zwei nachstehenden Gebete andächtig beten. Wer es aber einen Monat hindurch täglich thut, gewinnt einen vollkommenen Ablaß, wenn er die gewöhnlichen Bedingungen erfüllt, als: nach Empfang der Hl. Sakramente eine Kirche besucht und dort einige Zeit für die Erhöhung der heiligen Kirche, die Ausrottung der Irrlehren und den Frieden unter den christlichen Fürsten betet. Diese Ablässe können auch den armen Seelen zugewendet werden. Alle Gläubigen werden gebeten, sich dieser frommen Uebung zu befleißigen; es ist dieses der Wunsch des heil. Vaters, der wahrscheinlich selbst Verfasser dieser Gebete ist. Herr, allmächtiger Gott! hier liege ich vor dir auf meinen Knieen, um im Namen aller Geschöpfe deine allerhöchste Majestät zu ehren und zu besänftigen. Aber wie kann ich es würdig thun, da ich nur ein elender Sünder bin? Dennoch kann und will ich es; denn ich weiß, daß du deine Verherrlichung darin siehst, Vater der Barmherzigkeit genannt zu werden; ich weiß, daß du aus Liebe zu uns deinen eingebornen Sohn uns Ablaßgebete. geschenket haft, daß dieser göttliche Erlöser sich für uns am Kreuze geopfert hat und daß er fortwährend dieses Opfer seiner selbst auf unsern Altären erneuert. Daher, obgleich ich nur ein armer, aber reuevoller Sünder bin, erscheine ich vor dir, arm an Verdiensten, aber reich in Jesus Christus, und indem ich mit der Inbrunst aller Engel und Heiligen, und mit den heiligsten Wünschen des unbefleckten Herzens Mariä mich vereinige, opfere ich dir im Namen aller Geschöpfe alle Messen auf, welche jetzt gelesen werden, mit denen, welche gelesen worden sind und welche bis an's Ende der Welt dargebracht werden. Auch mache ich die Meinung, dieses Opfer in jedem Augenblicke dieses Tages und meines Lebens zu erneuern, um deiner un endlichen Majestät eine ihrer würdige Ehre und Lobpreisung darzubringen, deinen Zorn zu besänftigen, deiner Gerechtigkeit eine Genugthuung für unsere großen und unzählbaren Beleidigungen zu leisten und deiner Güte eine deiner Wohlthaten möglichst würdige Danksagung abzustatten. 3ugleich erflehe ich deine Barmherzigkeit für alle Sünder, für die lebenden und verstorbenen Gerechten, für die katholische Kirche und besonders für ihr sichtbares Oberhaupt den heiligen Vater, und endlich für alle Schismatiker, Jrrgläubige und 54 Ablaßgebete. 55 Ungläubige, damit sie sich bekehren, und auch sie zum ewigen Heile gelangen. Besonders bitte ich dich für unser deutsches Vaterland, damit die Einheit des Glaubens uns alle wieder als Brüder umschließe. - 2. Aufopferung der heiligen Messe. ( Beim Offertorium, nach der Wandlung oder vor der Kommunion des Priesters zu beten. Ewiger Vater, ich bringe dir das Opfer dar, welches dein geliebtester Sohn selbst am Kreuze dir dargebracht hat, und welches er hier auf dem Altare erneuert; ich opfere es dir im Namen aller Geschöpfe auf, wie auch alle Messen, welche auf der ganzen Welt dargebracht worden sind, und in Zukunft noch dargebracht werden, um deiner göttlichen Majestät die Ehre und Anbetung darzubringen, welche ihr gebührt, und die Danksagungen, welche deine unzähligen Wohlthaten verdienen; ich bringe es dir dar, o mein Gott, um deinen Zorn, den uns're Sünden uns zugezogen haben, zu besänftigen, und deiner Gerechtigkeit eine würdige Genugthuung dafür zu geben. Endlich erflehe ich deine Barmherzigkeit für mich, für die ganze Kirche, für die ganze Welt und für die Seelen der Abgestorbenen im Fegfeuer. 56 Besuchung des heiligsten Altarssakramentes. * Jesus im heiligsten Sakramente den Quell aller Gnaden, so oft als möglich, wenigstens an Sonnund Feiertagen Nachmittags zu besuchen, lasse dir besonangelegen sein. Der heilige Aloysius, ganz von Liebe und Andacht zu diesem allerheiligsten Geheimnisse durchglüht, besuchte es täglich; wenn dir es deine Berufsge schäfte erlauben, ahme diesen Heiligen hierin nach, und auch du wirst erfahren, wie süß der Herr ist denen, die mit aufrichtigem Herzen Ihn suchen. Sei gegrüßt, o du ehrwürdigstes und allerheiligstes Sakrament! Du Brod des Himmels und Brod des Lebens! einzig liebvollster und lie= benswürdigster Jesus! Ich grüße und verehre dich in deinem Taber= natel mit aller der Andacht und Liebesbezeigung, womit dich vom Anfange der Einsetzung deines Satraments jemals fromme Seelen gegrüßt und verehrt haben, womit dich fromme Seelen in diesem deinem Sakramente wirklich grüßen und verehren, und womit dich die deinen bis zum Ende ihres Lebens noch grüßen und verehren werden. Verborgener Gott und Seligmacher! ich glaube an deine wesentliche Gegenwart unter den Brodesgestalten und zwar deßwegen, weil du als die untrügliche Wahrheit, dieselbe geoffenbaret hast. Mein Herr und mein Gott! von dem Lichte des Glaubens erleuchtet, bete ich dich in deinem heiligsten Sakramente mit jener Ehrfurcht und Besuchung des heiligsten Mtarssakramentes. 57 Inbrunst an, welche dir deine heiligen Engel vor deinem Thron bezeigen. Ich bete dich aus dem Abgrunde meines Nichts im Namen und in der Andacht aller Gerechten an. Ich bete dich an und verlange innigst, daß dich mit mir die ganze Welt anbeten, erkennen und allzeit von Herzen lieben möchte. Dein Name, o Herr! sei gebenedeit von nun an bis in Ewigkeit. Geheimniß der Güte und Ueberfluß der göttlichen Freigebigkeit! Jesu, der du in diesem Satramente deine Reichthümer im vollsten Maße uns mittheilest: ich danke dir, daß du dich würdigtest, uns zu Liebe ein so großes Wunder zu wirken, und unser mit so großer Barmherzigkeit zu gedenken. Alle deine Heiligen sollen dich deßwegen mit mir loben und benedeien. Ich liebe dich, liebenswürdigster Jesu! weil du zuvor mich geliebt hast, noch mehr aber, weil du aller Liebe wegen deiner unendlichen Güte unendlich würdig bist.- O könnte ich dich lieben, wie dich ein Cherub im Himmel, wie dich deine göttliche Mutter liebt, und wie du dich selbst liebst! Ja, mein Gott und mein Alle?! ich liebe dich, und immer will ich dich nach allen Kräften lieben, weil du bist, der du bist, unendlich schön und vollkommen, unendlich gut und allein gut, höchst liebenswürdig in dir selbst. O Gott der Liebe! entflamme mich ganz mit dem Feuer deiner Liebe, und erfülle das Innerste 58 Besuchung des heiligsten Altarssakramentes. meines Herzens mit deiner unbeschreiblichen Süßigkeit, damit ich von deiner Liebe verzehrt werde. Gott! der du die Herzen ansiehst, und das Seufzen der Armen anhörest: du weißt, daß ich dich jetzt von ganzem Herzen zu lieben verlange. Du weißt aber auch, wie spät ich anfange, dich zu lieben, und wie lange ich dich nicht geliebt habe. Es reuet mich über Alles, daß ich dich bisher nicht nur nicht geliebet, sondern sogar beleidiget habe. Es reuet mich Herr! verzeih' und schone meiner, weil du ein immer und ewig barmherziger Gott bist. - Gott, meine Hoffnung, und Gott meines Heiles! auf dich vertrauet meine Seele. Denn du bist gütig und sanftmüthig, und von großer Erbarmung gegen Alle, die dich anrufen. Sieh, o Erbarmer und ewiger Liebhaber der Menschen! zu dir erhebe ich mein Gemüth, zu dir meine Hände und meine Augen. Der du hier in diesem Liebessakramente uns erwartest, um dich unser zu erbarmen: hilf mir, und vermehre mein Vertrauen auf dich dadurch, daß du mir deine barmherzige Hilfe angedeihen lasseft. Sieh', ich dein Diener bin frank, elend und armselig. Ich stelle dir meine äußerste Noth vor. * Wirf hier einen Blick in dein Inneres, und bekenne vor Jesu Christo mit großer Einfalt den armseligen Zustand deiner Seele, alle Gebrechen und bösen Neigungen u. s. w. Sodann fahre fort und feufze: Besuchung des heiligsten Altarssakramentes. 59 O Gott, meine Hoffnung und Zuflucht! neige dein Ohr zu meinem flehentlichen Rufen: denn ich bin von allen Seiten geängstigt. Sieh', o Erlöser meiner Seele! sieh' auf deine Wunden, welche du mir zu Liebe dir hast schlagen lassen, und als-. dann sieh' auf mich, um dich meiner zu erbarmen und mich zu erretten. Ich bekenne zwar und muß es bekennen, daß ich als Sünder deiner Liebe höchst unwürdig bin. Allein du hast ja für mich am Kreuze dein Blut und Leben geopfert, obwohl ich es nicht verdient hatte; so sieh denn nicht auf meine Unwürdigkeit, sondern erbarme dich meiner nach der Größe deiner unendlichen Liebe; rette meine Seele, und zieh' mein Herz für mein ganzes Leben an dich. Geistliche Kommunion. Anbetungswürdigster Jesu! ich glaube fest, daß du in dem heiligsten Sakramente des Altars wesentlich zugegen bist. Ich liebe dich über Alles. Aus Liebe zu dir bereue ich alle meine Sünden. Ich will Zeit Lebens nicht mehr sündigen. Möchte ich dich wirklich im Sakramente empfangen können! Komm doch wenigst mit deiner Gnade in meine Seele, und bleib in mir. Ich übergebe mich dir, und vereinige mich auf's innigste mit dir; laß nicht zu, daß ich von dir getrennt werde. - Deine heiligste Seele, o Jesu! heilige mich durch Vermehrung eines lebendigen Glau 60 Besuchung des heiligsten Altarssakramentes. bens, einer unerschütterlichen Hoffnung und einer brennenden Liebe, die dich vor Allem, und alles Andere nur wegen dir liebt.m Dein heiligster Leib, o Jesu! der für mich gekreuziget worden ist, befreie mich von allen den Unordnungen, die in meinem Leibe deinem Gesetze widersprechen. Dein heiligstes Blut, o Jesu! tränke mich dermaßen, daß mir alle Sehnsucht nach der Eitelkeit dieser Welt benommen werde. Das kostbare Wasser deiner heiligsten Seiten wunde wasche und reinige mich immer mehr und mehr von allen meinen Sünden. Dein heiligstes Leiden, o Jesu! stärke und tröste mich zur Zeit der Trübsal und in den Leiden dieses Lebens. Ich denke mitleidig und dankbar an dein Leiden, an deine Wunden, an deine Schmerzen, an deinen Tod; ach! laß sie an mir nicht verloren sein! O gütigster Jesu! erhöre mich, wegen der Herrlichkeit deines Namens, und wegen des Namens deiner gebenedeitesten Mutter Maria. In deine Wunden verbirg du mich, damit ich darin vor der Wuth meiner Feinde sicher bin. Laß mich von dir nicht mehr scheiden durch eine Sünde. Mein Gott! lieber will ich sterben, als dich beleidigen. Vor dem bösen Feinde beschüße mich durch deine Gnade. Dein heiliger Engel halte ihn weit von mir ab. Besuchung des heiligsten Altarssakramentes. 61 In der Stunde meines Todes rufe mich, dein armes Kind, und Zu dir zu kommen heiß mich; denn du bist mein letztes Ziel und Ende, mein Gott! nach welchem all mein Verlangen gerichtet ist! Damit ich mit deinen Heiligen dich lobe immer und ewig. Amen. Gebet für Andere. Wahres Versöhnungsopfer für Lebendige und Abgestorbene! jener unendlichen Liebe, die dich, mein Jesu, o ewiger Liebhaber der Menschen! vom hohen Himmel in diese geringen Brodsge= stalten erniedrigt hat, empfehle ich meine lieben Eltern und Geschwisterte, meine Vorgesetzten und Lehrer, meine Haus- und Ortsgenossen, meine Freunde und Feinde, Gerechte und Sünder, alle Lebendigen und Verstorbenen, besonders diese N. N., für die ich zu beten schuldig bin, oder zu beten versprochen habe. Ach! erbarme dich deiner Diener und Dienerinnen, welche du mit deinem kostbaren Blute erlöset hast. Erbarme dich über sie und sei ihnen gnädig nach der Menge deiner unendlichen Herzensgüte. 3u Maria. Oheiligste und glorreichste Jungfrau Maria! durch das süßeste Herz deines und meines Jesus grüße und verehre ich dich aus dem Innersten meiner Seele, und bitte durch den reinsten Leib deines Jesu, der aus dem deinigen gestaltet wurde, 62 Besuchung des heiligsten Altarssakramentes. du wollest mir ein reines Herz und die Gabe der standesmässigen Keuschheit erflehen. Mutter des guten Rathes! sei du die Leiterin und Königin meines Herzens. Bitt für mich, daß alle meine Gedanken, Worte und Werke nach den Willen deines göttlichen Sohnes geleitet werden; vor Allem erflehe mir die Gnade, daß ich in meiner letzten Krankheit des würdigen Empfanges des Leibes und Blutes deines göttlichen Sohnes, und mit dir und mit ihm der ewigen Freuden theilhaftig werde, und dereinst ohne diese heilige Wegzehrung in die Wohnungen der Ewigkeit nicht abreisen möge. Schlußgebet. Nun wende ich mich noch einmal zu dir, o mein Jesu! und empfehle mich deiner unendlichen Barmherzigkeit. Schließ mich in dein heiligstes Herz ein, und laß mich von deiner Liebe durch keine Sünde jemals getrennt werden. Durch die Hände Mariä übergebe ich mich dir zu einem ewigen Opfer, und vereinige mein Opfer mit demjenigen, welches du in deinem Satramente immer deinem Vater darbringst. Mache, daß ich in Allem deinen heiligsten Willen erfülle, und nach diesem lebe und sterbe. Segne mich, und laß deinen Segen immer auf mir ruhen. Die heiligen Engel, welche hier deinen Thron umgeben, sollen für mich, während ich zu deiner Ehre bei meinen Berufsgeschäften mich befinde, dich unaufhörlich loben und benedeien. Amen. 63 Abendandacht. ( Nach dem heiligen Alphons Liguori.) 1. Danksagung. O barmherzigster Gott, mein Schöpfer, Erhalter und Erlöser! Ich preise und verherrliche dich mit deinen Engeln und Auserwählten, und danke dir für alle Gnaden und Wohlthaten, die du mir an Leib und Seele heute und allezeit nach deiner überschwänglichen Güte erwiesen hast. Mich selbst und das meinige, zu= gleich alle Lobes- und Liebesergießungen der Heiligen bringe ich in Vereinigung mit dem Leiden und den Verdiensten Jesu Christi dir zum Opfer des Dankes dar. Nimm es gnädig an, o ewiger Vater. O, daß ich mit allen Kreaturen dich würdiger loben und verherrlichen könnte! 2. Gebet um Erleuchtung. Komm, heiliger Geist! sende die Strahlen deines göttlichen Lichtes aus, und decke die Finsternisse meines Herzens auf, damit ich meine Sünden sehen, kennen, von ganzem Herzen bereuen und verabscheuen möge. Gehe nun deine Gedanken, Worte und Handlungen von Stunde zu Stunde durch. Schaue überall auf die Absicht, warum du dieses gedacht, gesprochen gethan und unterlassen hast. Vorzüglich erwäge, ob du besser oder schlechter geworden, oder gleich, d. h. gleich lau geblieben seieft; und dann forsche dem Grunde nach. Unterlasse diese Gewissenserforschung gar nie, solltest du auch noch so beschäftigt sein; oder sollte dir auch nach längerm Nachdenken gar nichts einfallen. 3. Bitte um Verzeihung. Sieh, mein Herr und Gott: mit Sünden, mit Nachläßigkeiten 64 Abendandacht. und Undank habe ich deine Liebe vergolten! O, wie schmerzt es mich, dich, mein höchstes Gut, den über Alles Geliebten, so beleidiget zu haben? Gegen dich habe ich gesündiget, und Uebles vor dir gethan. Abgeirrt bin ich, wie ein Schaf, das verloren ging. Schaue auf mich, und erbarme dich meiner. Verzeih mir, mein Gott, verzeih mir wegen der Seufzer und Thränen, des Leidens und Sterbens deines geliebtesten Sohnes, meines Herrn Jesu Christi. Sieh, mein Jesu! auf dir ruht meine Hoffnung. Versenke meine Laster und Sünden, ich bitte dich, in deinem heiligsten Blute, ersetze durch deine unendlichen Verdienste, was meiner Genugthuung mangelt, denn du bist die Versöhnung für unsere Sünden. 4. Vorsat. Sollte ich noch einmal sündigen? Deine heiligsten Wunden, und dein kostbares, für mich vergossenes Blut wiederholt mit Füßen treten? O, ich getraue mir nicht, zum Himmel aufzublicken. Was wird also geschehen? Ich habe dir Besserung versprochen; ich will es halten. Reiche mir, mein Jesu, deine hilfreiche Hand. O, kommet herbei, ihr Himmelsbürger, du Mutter der Barmherzigkeit vor Allen, und du mein Schußengel, insbesonders du, o heiliger Aloysius und alle meine heiligen Patrone, stehet mir bei, alle Sünden von nun an zu meiden, besonders aber... Befestige das, mein Gott, was du jetzt in mir gewirket hast. Ps. 67, 29. - Abendandacht. 65 5. Bitte. Ich will jetzt zur Ruhe gehen, mein Jesu, im Namen jener Liebe, in der du sie uns geschenkt haft, und mit der du auch selbst auf Erde ruhen wolltest, zu deiner ewigen Ehre und zum Heile meiner Seele, damit ich, in dir und deinetwegen ruhend, morgen dir besser dienen möge. Amen. O süßer Jesu, laß mein Herz in dir einschlummern, und Frieden finden in dir. Gib mir, o Herr, den Schlaf deiner Geliebten, daß, während meine Augen aus Liebe zu dir, und zu meinem Heile sich schließen, mein Gemüth und mein Herz dir und deiner Liebe mit jedem Athemzuge machen mögen. In Mariens Schooß und Jesu Wunden em= pfehle ich meinen Leib und meine Seele. Oheiligster, dreieiniger Gott, erbarme dich meiner jetzt und in der Stunde meines Todes. Im Namen meines gekreuzigten Herrn Jesu Christi liege ich nieder, der mich durch sein kostbares Blut erlöset hat; er segne †, leitet und bewahre+ mich, und führe mich in's ewige Leben. Amen. Jesus von Nazareth, der König der Juden, behüte mich vor einem plöglichen, unseligen Tode. Amen. — Höre nun nimmer auf, bis du liegst, mit frommen Gedanken dich zu beschäftigen. Gehe mit einer solchen Sammlung und Andacht zur Ruhe, als wenn du, statt in das Bett, dich in die Seitenwunde Jesu, oder auf die Arme deines Schußengels oder in das Grab legen wolltest. 1988 Aloyfiusbüchlein 5 66 II. Andachtsübungen beim Empfange der heil. Zakramente der Buße und des Altans. Beichtandacht. ( Nach P. Waldner.) Ueber die wahre Bußgesinnung, welche jeder Christ, der mit Nußen dies heil. Sakrament empfangen will, haben muß, kannst du das Nähere unter den Andachtsübungen des sechsten Aloysianischen Sonntags" Seite 136-150, am Vorabende des Beichttages nachlesen und ernstlich zu Gemüthe führen. " Gebet vor der Gewissenserforschung. Liebreichster Jesus! du hast in deinem Leben auf Erden die Blinden sehend, die Lahmen gehend, die Kranken gesund gemacht, die Aussäßigen gereinigt, und selbst Todte zum Leben erweckt. Dieſe deine Liebe flößt mir Vertrauen ein, daß du durch deine Güte und Macht um so lieber meine krante Seele, da sie mehr als der Leib ist, vom Aussage der Sünde und den bösen Lüsten und Neigungen reinigen, mich von meiner Blindheit und Taubheit des Geistes befreien, und von dem Tode des Unglaubens, des Mißtrauens und der Herzenskälte erweden wollest. Du hast ja zur Vergebung unserer Sünden am Kreuze unter den größten Qualen Beichtandacht. 67 des Leibes und der Seele dein Leben für uns ge= opfert, und uns das Bad der Wiedergeburt durch die heiligen Sakramente bereitet. Du Lamm Gottes, das unsere Sünden hinwegnimmt, mit Vertrauen nahe ich dieser Quelle der Versöhnung; flöße mir durch deine Gnade Licht zur Erkenntniß meiner Sünden und die vollkommene Reue ein, dich, den Liebenswürdigsten und meinen größten Wohlthäter, nicht geliebt zu haben, damit ich als ein neuer Mensch zurückkehre, und dir künftig in standhafter Treue und Liebe diene. Gott heiliger Geist! steh mir bei, meinem Heilande eine würdige Wohnung in mir zu bereiten, damit ich durch seine Inwohnung die Kraft erhalte, in seiner treuen Liebe verharren zu können. Beleuchte alle verborgenen Regungen meines Herzens, damit ich alle meine sündlichen Gedanken, Neigungen, Absichten, Begierden und Anhänglichfeiten erkennen lerne und bekenne, um davon gereinigt zu werden. Erforschung des Gewissens. Da dir die Gebote Gottes, der Kirche, die Haupt- und fremden Sünden ohnehin bekannt sind, so soll dir dieser Beichtspiegel die Gestalt der Sünde mehr in Bezug auf die innere Heiligung zeigen. Ich will mich, o Herr! selbst richten, um dort nicht gerichtet zu werden, und Barmherzigkeit zu finden. Ich habe mich verpflichtet, alle deine Gebote zu halten, der Eigenwilligkeit ganz zu entsagen, und meinen Obern als deinen Stellvertretern mich zu unterwerfen. Habe ich mich deinen Geboten und den Anordnungen meiner Vorgesepten 5* 68 Beichtandacht. und Obern aus Liebe zu dir stets mit willigem Gehorjame unterworfen? Begegnete ich ihnen stets mit kindlicher Ehrerbietung? War ich nie gegen sie tropig? Betrug ich mich nie eigensinnig? Erinnerte ich mich, wenn mir der Gehorsam schwer fiel, an dein Beispiel, mein Erlöſer! wie du gegen deinen himmlischen Vater unter den bittersten Leiden bis zum Tod am Kreuze gehorsam warst? Nahm ich Zurechtweisungen und Belehrungen von meinen Obern so demüthig und geduldig, wie aus deinem Munde o Herr? an, und wurde ich darüber nicht unwillig? Unterdrückte ich immer sogleich die Regungen des Selbstdünkels und der Selbstgefälligkeit? Bin ich nicht dem Vorwiße ergeben, so daß ich Alles sehen, hören und wissen will? Oder der Geschwäßigkeit, so, daß ich immer sogleich Alles erzähle, was ich denke, höre und sehe? Weiß ich anvertraute Geheimnisse zu verschweigen? Liebt mein Herz, nach deinem Beispiele, o Herr! die Armuth, der du aus Liebe zu mir arm geboren wurdest und nicht so viel Eigenthum auf Erden hattest, um darauf dein Haupt ruhen lassen zu können? Beunruhigt mein Herz keine Habsucht und Anhänglichkeit an Geld und irdische Dinge? Seße ich, in Hinsicht aller irdischen Sorgen für jetzt und die Zukunft, all mein Vertrauen auf den, der selbst die Vögel in der Luft ernährt und die Blumen des Feldes kleidet? Sehe ich in Speise und Trank, in der Kleidung, mit Vermeidung aller eitlen Ziererei und Hoffart, und in andern Bedürfnissen nur auf das Nothwendige, um dir, mein gefreuzigter Jesus! in deiner Armuth gleichförmig zu sein? Liebe ich arme und verachtete Menschen ebenso, wie im Ansehen stehende und Reiche? Erhalte ich mein Herz und meinen Leib in unbefleckter Keuschheit, die du durch deine Geburt von einer jungfräulichen Mutter geheiliget, und ihr im Himmel eine vorzügliche Seligkeit verheißen hast? Verwahre ich sorgfältig die Fenster der fünf Sinne durch Zucht und Abtödtung, damit der unreine Geist keinen Zugang in der Seele finde? Vermeide ich jede vertrauliche Gemeinschaft mit Personen des andern Beichtandacht. 69 Geschlechts? Halte ich meine Augen eingezogen, um durch einen zu freien, unbedachtsamen Blick feine unreinen Gedanken und Neigungen aufzuregen? Unterdrücke ich so gleich jeden unreinen Gedanken und jede unreine Neigung? Enthalte ich mich aller unteuschen, auch nur zweideutigen Worte? Betrachte ich meinen Leib selbst immer als Gottes heiligen Tempel? War ich immer schamhaft in der Kleidung und in Gebärden? Vernachlässige ich nicht die Gebete und Andachten, dazu ich verpflichtet bin? War ich dabei nicht freiwillig zer streut? Liebe ich die Stille und Einsamkeit, um den Geist der Andacht im Gemüthe leichter zu erhalten? Erinnere ich mich im Gebete, daß ich da in der Gesellschaft himmlischer Geister mich befinde, um dich, o Herr! anzubeten und zu preisen? Weiß und verlangt mein Herz, was mein Mund im Gebete spricht? Vernachlässige ich keine Zeit zur geistlichen Lesung und Betrachtung, besonders, o Herr! deines Lebens, Leidens und Sterbens? Beherrsche ich in Epeise und Trank die Eß- und Trinks lust so, daß ich nicht des Vergnügens, sondern der Ehre Gottes wegen effe, um nämlich die Kräfte zu deinem Dienste, o Herr! zu erhalten? Beobachte ich, nach deinem Beispiele, o Jesus! die vorgeschriebenen Fasttage zur Abtödtung der Natur und Sinnlichkeit, und um dein Fasten und Leiden zu ehren? Uebe ich mich auch sonst in der Abtödtung und Verläugnung? Werde ich nie unwillig über Hitze und Kälte, in innern oder äußern Bedrängnissen, oder in äußern Leiden, da ich als Sünder stets ein büßendes Leben führen soll? Enthalte ich mich des Essens außer der gewöhnlichen Tischzeit, wenn es nicht das Bedürfniß erfordert, und es meine Oberen erlauben? Enthalte ich mich zuweilen einer Speise, zu der ich eine besondere Lust empfinde, oder genieße ich davon weniger, um die Eğlust abzutödten? Verrichte ich meine Arbeiten im Geiste der Buße, eingedent meiner Sündhaftigkeit, die nicht geringer ist, als die der ersten Menschen, die deßwegen bazu verurtheilt Beichtandacht. wurden? Ist das Herz bei dir, o Herr, wenn die Hand arbeitet? Ist mein Umgang mit Andern eingezogen und liebreich? Waren in der Gesellschaft Anderer meine Reden nie leichtsinnig oder lieblos? War mein Lachen ausgelassen, und meine Fröhlichkeit nie ungebührlich, da man dich, mein Jesus! nie lachend gesehen hat? Zerstreute ich mein Gemüth nie durch Vorwiß, Geschwäßigkeit und unnüße Reden, da man nach deinem Ausspruche von jedem unnüßen Worte schon Rechenschaft geben muß? Habe ich durch vorgebliche Erholungen nie die Zeit müßig verschwendet? 70 Bewahre ich den Frieden mit Andern, so viel als möglich? Verzeihe ich meinen Beleidigern, wie du, o mein Gott! barmherzig bist? Unterdrücke ich die Regungen des Zorns, daß meine Worte nicht heftig und beleidigend sind, und ich die Ruhe des Gemüthes nicht verliere? Ertrage ich die Fehler Anderer mit Geduld, und bedenke ich, daß Andere von mir vielleicht mehr, weil ich meine Fehler nicht erkenne, zu ertragen haben? Bin ich gegen Arme und Krante mitleidig? Stehe ich den Kranken liebreich bei, und suche ich die Betrübten zu trösten? Hänge ich nicht mit Eigenwilligkeit an den Uebungen und Tröstungen der Andacht? Liebe ich nicht mehr die fühlbaren Tröstungen, als dich, den Geber aller guten Gaben, da doch der Weg des Glaubens der sicherste und gefälligste ist, durch Ergebung in deinen heiligen Willen? Gebet nach der Gewissenserforschung. Mein Jesus, du einzige Liebe meines Herzens! der du beim Anblicke meiner Sünden am Delberge betrübt warst bis zum Tode, so, daß dein Angstschweiß in blutigen Tropfen auf die Erde rann, und du durch dein Leiden und Sterben am Kreuze dafür gebüßt hast: zermalme dieses so harte Herz, das so schwer gegen deine Liebe fündigte, Beichtandacht. damit auch ich über meine Sünden mit Liebesreue und Schmerz erfüllt werde. O Gott! der du wegen meiner deines eigenen Sohnes nicht verschonet, und mir überdies so viel gethan hast, daß du nicht mehr thun könntest.... Unendlich liebender und liebenswürdigster Gott! ich erkenne und bekenne, daß ich Böses vor dir gethan, daß ich deinem anbetungswürdigsten Willen zuwider gehandelt, daß ich wider den Himmel und wider dich gesündigt habe. Es schmerzet mich, daß ich dich, meinen höchsten Herrn und Gott verlassen habe, in dessen strafende Hände zu fallen so schrecklich ist.... Es schmerzet mich, daß ich meines Schöpfers vergessen habe, und daß ich von dir, meinem Seligmacher, aufs schändlichste abgewichen bin. Was hast du mir gethan, daß ich so gegen dich handeln wollte?... Es schmerzet mich, daß ich deinen heiligen Geist betrübt, und deine unendliche Majestät durch meine Sünden entehrt habe. daß ich dich, meinen liebsten Gott und meinen besten Vater niemals betrübt und beleidigt hätte! O daß ich niemals gesündigt, nie Böses gedacht oder gewünscht, nie Böses geredet oder gethan, nie meine Pflichten verabsäumt, oder sonst dich beleidigt hätte! 71 Ich verabscheue von ganzem Herzen, aus ganzer Seele alle meine Sünden ohne Ausnahme. Ich hasse und verfluche diese Sünden, so wie alle Liebe und Neigung zu denselben, und nehme mir 72 Beichtandacht. mit deiner Gnade träftigst vor, alle Sünden, besondere diese N., welche ich am öftesten begangen habe, wie auch alle Gelegenheit zu denselben, nach allen Kräften zu fliehen, und alle Mittel anzuwenden, um sie ins künftige vermeiden zu können. Mein Erlöser und Erbarmer! kräftige durch deine Gnade meine Vorsäge, dir künftig mit aller Treue meines Herzens zu dienen; deinen göttlichen Eingebungen zu folgen; jede Regung der Eigenliebe und Sinnlichkeit zu unterdrücken und dahin zu streben, daß ich durch ein reines, dir wohlgefälliges Leben deiner Liebe würdig werde. Eröffne mein Herz und meinen Mund zum aufrichtigen Bekenntnisse meiner Sünden, und laß mich durch die Gnade des heiligen Sakramentes Vergebung und Trost finden, das du zu unserer Versöhnung und Heiligung eingesetzt hast! Gebet nach der Beicht. Jesus, mein innigst Geliebter! welchen Dank und welch' treue Liebe bin ich dir schuldig für das Sakrament der Buße, dessen Frucht du mit deinem Blute am Kreuze erkauft haft; du, Allerbarmer! erlittest selbst am Kreuze die Strafen, die meine Sünden verschuldet haben, weil nur du der Gerechtigkeit deines Vaters Genugthuung leisten konntest. Durch dein Blut und Leiden, und durch deine wirksame Fürbitte bin ich wieder mit deinem himmlischen Vater versöhnt. Durch das Bekenntniß meiner Sünden und das gläubige Vertrauen auf die Kraft Beichtandacht. deiner Erlösung bin ich nun wieder von den Flecken der Sünde gereinigt, und in das Reich deiner Gnade verseßt, und ein Erbe deiner Herrlichkeit geworden. Ja, wahrlich, du willst nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe! 73 Mein innigst Geliebter! der du verheißen hast, Alle zu dir zu ziehen am Kreuze; entzünde mein Herz mit so inbrünstiger Liebe, daß ich durch kindlichen Gehorsam, durch unbefleckte Reinheit des Herzens, durch immerwährendes Andenken an dich, durch eine stets innige Andacht des Gemüthes, durch beständige Wachsamkeit und Verläugnung, und durch getreue Erfüllung meiner Berufspflichten meinen Dank für deine Erbarmung zeige. Hilf mir in meiner Schwachheit, stärke mich im Kampfe gegen die Versuchungen, erleuchte meine Seele, daß ich nur nach dem strebe, was Oben ist, und bewege mich, daß ich Gewalt brauche, um das Himmelreich an mich zu reißen. Mein Jesus! die geringe Buße, die dein Stellvertreter, der Priester, mir auferlegt hat, vereinige ich mit deinen Leiden, mit den Bußwerken deiner Heiligen und den Gebeten unserer heiligen Kirche. Erseze durch sie, was der Vollkommenheit meiner Beicht mangelt, und stärke meinen Willen, dir von nun an in treuer Liebe nachzufolgen, um dort zu deiner Anschauung zu gelangen. Amen. 74 Kommunionandacht. Um dieses ,, er habenste und heiligste aller Saframente" würdig und mit dauernden Nußen zum Heile deiner Seele empfangen zu können, mußt du dir den heil. Aloysius als Vorbild nehmen, der 3 Tage auf die Vorbereitung zur heil. Kommunion und wieder 3 Tage auf die Danksagung nach dem Empfange derselben verwendete. Die eifrige öftere Erwägung, Wen dieses Heilige Sakrament als Seelenspeise und in der heil. Messe als Versöhnungsopfer- in sich begreift, wird auch dich zur tiefsten Ehrfurcht, Anbetung und Liebe bewegen, und dir dazu der Unterricht über die Andacht zum allerheiligsten Altarssakrament," welcher sich unter den Anbachtsübungen des fünften Aloysianischen Sonntags" Seite 126-135 findet, als Leitfaden dienen. 11 Gebete vor der heiligen Kommunion. Ewiger Sohn Gottes! wie tief läßest du dich gegen die Menschen herab! Uns zu Liebe wardst du Mensch, starbst für uns am Kreuze, und gibst dich uns zur Speise und zum Trank; ja du schärfest uns sogar die Warnung ein, daß wir das Leben in uns nicht haben werden, wenn wir nicht dein heiligstes Fleisch und Blut genießen. Du willst, wir sollen bei diesem Genusse uns deiner, deiner Lehren und Beispiele, deines Leidens und Todes lebhaft erinnern. Dieß thut, sprachst du, zu meinem Andenken. Ich wage es nun, aus dankbarer Liebe zu dir, mich deinem Tische zu nahen. Ich sehe hier mit den Augen des Glaubens jenen heiligsten Leib, jenes heiligste Blut vor mir, welches du für mich am Kreuze geopfert hast. Kommunionandacht. Glaube. Ich glaube ungezweifelt auf dein göttliches Wort, daß du hier mit Leib und Seele, mit Gottheit und Menschheit, wirklich, wahrhaft und wesentlich zugegen bist; ich glaube auch Alles, was du durch deine untrügliche katholische Kirche zu glauben befiehlst, weil du die ewige Wahrheit und Weisheit bist, welche nicht betrügen, noch betrogen werden kann. Hoffnung. Auf diesen Glauben gestüzt hoffe ich von dir als meinem Erlöser und Heiland, du werdest als der wahre Rebstock mir deine göttliche Gnade zuströmen lassen, durch die Verdienste deines heiligsten Leidens und Sterbens, und ernstliche Buße von meiner Seite, meine Sünden gänzlich verzeihen, und mir endlich die ewige Seligkeit, als deren untrügliches Unterpfand du in diesem heiligsten Geheimnisse dich mir mittheilest, verleihen. Du bist ja die unendliche Allmacht, Güte und Treue, welche mir helfen kann, will und wird. Liebe. Du bist,( o möchte ich dies so von Herzen sagen, wie Thomas!) du bist mein Herr und mein Gott, das vollkommenste, liebenswürdigste Wesen in dir selbst; du hast mich geliebt, und durch unzählbare Wohlthaten, vorzüglich durch deinen Tod, deine unendliche Liebe zu mir bewiesen. Erhebe ich vollends meine Augen zum Altare, so sehe ich dich sogar hier gegenwärtig unter den Gestalten des Brodes, und also in meiner Nähe. Wahrlich du hast deine Freude, unter den Menschen zu sein; als der beste Hirt willst du deine Schafe 75 76 Kommunionandacht. mit deinem eigenen Fleische und Blute ernähren, und ihnen das Leben, überfließendes Leben, ja das Leben in Ewigkeit ertheilen. Jesu! ich liebe dich von ganzem Herzen, aus ganzer Seele, aus ganzem Gemüthe, aus allen Kräften liebe ich dich; denn du bist mein Gott, mein Alles bist du. Und weil du dieses Geheimniß nur aus Liebe für uns Alle eingesetzt, weil du die Liebe zum Hauptgebote, ja zum Merkmale deiner wahren Jünger bestimmt haft, so gelobe ich ernstlich, daß ich aufrichtig und Herzlich alle Menschen, ja selbst meine Feinde lieben, ihnen herzlich verzeihen, und ihnen Gutes erweisen wolle. Entzünde und vermehre in mir diese heilige Liebe, denn ich weiß zu gut, daß ich ohne selbe mich zu deinem heiligen Mahle der Liebe nicht begeben darf. Rene. Eben daher wage ich es kaum, zu deinem Tische zu gehen. Denn du kennst mein Herz, du weißt, wie unrein und unvollkommen es ist. Ich bekenne es reumüthig; ich habe Vieles mit Worten, Werken und Gedanken gesündigt, ich habe das Gebot der Liebe zu dir und dem Nächsten nicht beobachtet; ich bin ein Sünder! Aber der= zeih', o Herr! es reuet mich, weil du mein Gott bist, weil ich, ungeachtet so vieler Wohlthaten und Versprechungen, mich so undankbar, so ungetreu gegen dich betragen habe. Ich nehme mir aber jetzt aufs Neue vor, keine Sünde mehr zu begehen, und in Allem nach deinem heiligen Gesetze, nach deinen Beispielen zu wandeln, alle gegebenen Aerger Kommunionandacht. nisse und allen Schaden zu ersetzen, mein Kreuz im Geiste der Buße auf mich zu nehmen, mich selbst zu verläugnen, die Gelegenheit der Sünde zu meiden, alle Mittel zur Tugend anzuwenden, und so dir nachzufolgen. 77 Demuth. Allein, o Herr! so aufrichtig und gut immer diese Vorsätze sind, so schwach ist mein Wille: ohne deine Gnade kann ich sie nicht er= füllen; daher bitte ich um deine Hilfe, um deinen Beistand, laß mich doch niemal von deiner Liebe getrennt werden. Du willst zwar in mein Herz eingehen; aber, o Herr! ich bin es nicht würdig; reinige es zuvor durch deine Gnade, heilige es du selbst, und bereite es dir zu einer gefälligen Wohnung, damit du mir die Schäße deiner Gnade ertheilest, und ich mit dir auf das innigste vereiniget werde. Verlangen. Was kann mich außer dir beglücken? was sind alle Schätze der Welt im Vergleiche mit deiner Liebe, mit deinem Besize? Ich will nur dein Reich und dessen Gerechtigkeit, nur dir, deinen Beispielen will ich nachfolgen, deine Gnade und deine Liebe find mein einziges Verlangen. O wie glücklich bin ich, dich meinen Gott und Herrn in mich aufnehmen zu können! Mit deiner Gegenwart wird mir gleichsam der Himmel auf Erde, durch deinen würdigen Genuß deine Liebe zu Theil! Eile dann, meine Seele! deinem Heilande entgegen, wirf dich in seine Arme; er will dich erquicken, stärken, und dir Unterpfand 78 Kommunionandacht. der ewigen Seligkeit werden. Jesu! ich komme; wie der Hirsch nach der Wasserquelle sich sehnet, so verlange ich nach dir. * Verrichte die vorstehenden Gebete mit der größten Andacht. Denn je aufrichtiger und größer deine Sehnsucht nach dem Herrn ist, in desto größerm Maaße wird er dir seine Gnade mittheilen und das Verlangen deiner Seele stillen. Hält der Priester die heilige Hostie in der Hand, und sagt er: Sehet das, Lamm Gottes u. s. f. so stelle dir vor: Jesus, dein Erlöser und Seligmacher selbst ladet dich in seiner Güte zu sich, und bietet dir seine Gnade zur Buße und Heiligung an. Verdemüthige dich, und glaube ungezweifelt, daß Demuth und Erkenntniß deiner Unwürdigkeit die nothwendigste Vorbereitung bleibe, ohne die alles Andere Gott nicht gefällt. Gebete nach der heiligen Kommunion. * Unterhalte dich mit dem gegenwärtigen Gott in der Stille, so lange dich deine Andacht dazu antreibt. Weißt du Nichts mehr aus dem Herzen mit ihm zu reden, so verrichte nachstehende Gebete, aber mit Andacht, mit Erhebung deines Gemüthes zu Gott. - Anbetung. Gelobt seist du, Jesu Christe, jetzt und in Ewigkeit. Ich bete dich an als meinen Gott und Herrn, und werfe mich vor dir auf meine Knie nieder. Gleichwie die heiligen Engel und deine Auserwählten vor deinem Throne sich verbeugen, so erniedrige ich mit ihnen vereiniget, auch mich, Allerhöchster! vor dir. Laß dir meine Huldigung gefallen; ich bekenne, daß ich als dein Geschöpf dir Alles zu verdanken habe, daß ich an dich glaube, auf dich hoffe, dich über Alles liebe, Kommunionandacht. 79 und diese Erniedrigung dir in alle Ewigkeit bezeugen wolle. Danksagung. Du hast mich durch die Gnade deiner heiligsten Gegenwart gleichsam zu deinem Throne erhoben, und mir dich selbst zur geistlichen Nahrung meiner Seele gegeben! Wie kann ich dir für diese Wohlthat genug danken? Sollten auch alle Geschöpfe sich mit mir vereinigen, es wäre dieß Opfer des Dankes doch noch zu gering für dich. Ich weiß es, welche Gabe du vor allen andern verlangst, und wie ich dir wohlgefälligen Dank erstatten kann. Aufopferung. Du willst mein Herz; mein demüthiges, zerknirschtes Herz ist dir das wohlgefälligste Opfer. Du hast es bereits erworben, du hast es dir am Kreuze mit deinem Blute erkauft: es gehört also nicht mehr mir; es soll dir also auch von mir auf's neue gewidmet sein. Ja, Herr! so gering ich auch vor deinen Augen bin, so wage ich es doch, weil du es so willst, mich zu deinem Dienste zu erbieten. Alles, was ich denke, was ich rede, was ich thue, soll nur zu deiner Ehre gereichen. Immer mag der Satan, es mögen böse Menschen und meine bösen Neigungen mich von dir trennen wollen, ich entfage aller Sünde, allen ihren Gelegenheiten und Gefahren, und will in Allem mich nur nach deiner Lehre und deinen Beispielen, als dein Diener, Jünger und Nachfolger mich benehmen. Kommunionandacht. In der Art, wie du es befohlen, werde ich mich hassen, und aus Liebe zu dir mir großmüthig alles versagen, was deinem heiligsten Gesetze zuwider ist. Ich werde mich selbst verläugnen, und mit aller Strenge mich von Allem zurückhalten, was der Sinnlichkeit und meinen bösen Neigungen schmeichelt, voll Freude dagegen dir in Allem den genauesten Gehorsam erweisen, meinen Nächsten wegen dir, wie mich selbst lieben, und durch stete Nachfolge deiner Tugenden, der Reinigkeit, und vorzüglich der Demuth und Sanftmuth es dahin zu bringen suchen, daß nicht mehr ich in mir, sondern du in mir lebest. 80. Kurz, ich ergebe mich dir ganz mit Leib und Seele, bereitwillig zu allen Drangsalen und Widerwärtigkeiten, welche du über mich verhängen willst; gerne will ich mit dir das Kreuz tragen, und beladen mit diesem Kreuze leben und sterben. Dieses Opfer meines Leibes und meiner Seele vereinige ich mit demjenigen, welches du deinem himmlischen Vater am Kreuze dargebracht hast, und mit jener unendlichen Liebe, wodurch du so eben dich selbst mir mitgetheilt hast. Sieh dann in Gnaden auf dasselbe herab, und gewähre mir gnädig die Bitten, welche ich in deinem Namen dir, meinem Erlöser und Heilande vortrage. Bitte. Du versprachst, daß wir Alles, um was wir den Vater in deinem Namen bitten, auch erhalten werden. Ich glaube fest, daß eben diese Stunde, in welcher du zu mir gekommen bist, dazu Kommunionandacht. die günstigste ist. So gewähre mir die Gnade, vor Allem dein Reich und dessen Gerechtigkeit zu suchen, damit dein heiligster Name durch alle meine Gedanken, Worte und Werke verherrlicht werde. Stärke vor Allem meinen Glauben, befestige meine Hoffnung, entzünde mein Herz mit dem Feuer deiner göttlichen Liebe. Vermehre in mir die Reue, belebe meinen Bußgeist, erneuere den Abscheu der Sünde, besonders derjeingen, welche ich schon öfter begangen habe, und schenke mir Verzeihung derselben. Gib mir Muth und Stärke, die Gelegenheit dazu, wie ich mir vorgenommen, zu meiden, und alle Mittel dagegen anzuwenden, damit ich als dein Jünger in aller Heiligkeit wandle, und dir mit jedem Tage wohlgefälliger werde. Wie die Rebe Leben und Kraft vom Weinstocke erhält, so theile auch du, der du dich so innig mit mir vereiniget hast, deine Gnade, Leben und Kraft zum Guten mit, damit ich dich in meinem Leibe, der dein Tempel ist, trage und verherrliche, da ich durch den so theuern Werth deines heiligen Blutes erfauft bin. Ich bin dein Jünger, und habe zu deiner Fahne schon in der heiligen Taufe, und seitdem schon öfter geschworen; gib, daß ich diesem Schwure getreu bleibe, mir und der Welt gekreuzigt lebe, und durch keinen Reiz zur Sünde mich von dir trennen lasse. Deine Speise war es, den Willen deines himmlischen Vaters zu vollziehen; auch ich werde mit deiner Hilfe immer nach demselben wandeln, Aloyfiusbüchlein. 6 81 82 Kommunionandacht. und Alles thun, was ihm gefällig ist. Laß mich vorzüglich in der Stunde der Trübfal deiner Geduld und Sanftmuth nie vergessen, und erinnere mich, so oft ich dich am Kreuze ansehe, an deine Lehre: Lernet von mir, denn ich bin sanftmüthig und demüthig von Herzen," damit durch gänzliche Ergebung in deinen heiligsten Willen die Ruhe meines Herzens ungestört bleibe, ich mein Krenz auf mich nehme, es geduldig trage, und so dir nachfolge. Mein Heiland! möchte ich so glücklich sein diese heilige Kommunion im lebhaften Andenken an dich, an deine Liebe, an deine Lehren und Beispiele nach deinem Befehle zu feiern! Ich sehe dich am Kreuze aus Gehorsam gegen deinen himmlischen Vater, und aus Liebe zu uns Menschen, das Opfer deines Lebens vollbringen. Gib mir Kraft, meine bisherige Untreue, meinen Undank und Ungehorsam durch genaue Beobachtung deiner heiligen Gebote, durch gute Verwendung meiner Leibes- und Seelenkräfte zu deiner Ehre wieder gut zu machen. Präge meinem Herzen das Kennzeichen deiner Jüngerschaft, wahre Liebe zum Nächsten ein, und kräftige meinen aufrichtigen Willen, Jedem Gutes zu wünschen, zu gönnen und zu thun, die gegebenen Aergernisse durch gute Beispiele gut zu machen, den zugefügten Schaden zu ersetzen, die geistlichen und leiblichen Werke der Barmherzigkeit nur aus Liebe zu dir auszuüben, und wie du am Kreuze thatst, selbst meinen Feinden aufrichtig zu verzeihen, und sie thätig zu lieben. Kommunionandacht. 83 O mein Jesu! wie Bieles habe ich von dir zu lernen, wie lebhaft schweben mir in diesem heiligen Augenblicke, da du dich mit mir aufs innigste vereiniget hast, deine Tugenden vor Augen! Ich will dieselben getreu nachahmen; wenn du mich stärkst, kann ich ja Alles. Kömmt es mich auch noch so schwer an, mich selbst zu verläugnen, mein Kreuz auf mich zu nehmen und dir nachzufolgen; mit deiner Gnade wird mir deine Bürde doch leicht und dein Joch süß; mit ihr werde ich alle meine Berufspflichten getreu erfüllen, das Böse verhindern und das Gute befördern, und am Ende meines Lebens dann auch getrost, wie du rufen können: Es ist vollbracht! Ich werde dann zu dir kommen, und auf ewig mit dir vereinigt werden. Deine unendliche Liebe ist mir Bürge, daß du mir diese Bitten gewähren werdest. Oder wie fönntest du mir dieselben versagen, da sie in deinem Namen vorgetragen sind, und du dich selbst mir zum Unterpfande meiner Seligkeit gegeben haft? So erhöre mich dann, und laß dein Reich, um welches ich gebeten habe, mir zukommen. Gewähre mir und den Meinigen den nöthigen Unterhalt, und segne all mein Thun und Lassen; es soll nur zu deiner Ehre gereichen; leite den Anfang, die Fortsetzung und Vollendung desselben; dir opfere ich Alles, dir übergebe ich Alles, meinen Leib und meine Seele, für jetzt, und für die ganze Ewigkeit. Du bist mein, ich will nun dein sein und ewig dein bleiben. Amen. 6* Kommunionandacht. Heilige Maria, ihr heiligen Engel und Auserwählten Gottes! unterstüzet am Throne Gottes mein unwürdiges Gebet durch euere Fürbitte, damit diese heilige Kommunion sei zur Ehre Gottes, zu meinem zeitlichen und ewigen Heile, zum Nutzen der ganzen heiligen Kirche, zum Troste der leidenden Seelen im Fegfeuer, und das Andenken Jeſu in mir immer lebhafter, die Nachfolge seiner Tugenden immer getreuer, und die Vereinigung mit ihm unzertrennlich werde und bleibe. Amen. 84 Ablaßgebet vor dem Bilde des Gekreuzigten. Sieh, o mein gütigster und liebreichster Jesu! vor deinem allerheiligsten Angesichte llege ich auf den Knieen und bitte dich aus dem innersten Grunde meiner Seele, du wolleft mir lebendig in das Herz einprägen die Gesinnungen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, einer wahren Neue über meine Sünden und des festen Vorsages, dich nie mehr zu beleidigen; indem ich mit ungetheilter Liebe, mit innigstem Mitleiden deine heiligsten fünf Wunden betrachte, und im Geiste erwäge, was der heilige Prophet David von dir, o mein Jesu! gesprochen hat: Sie haben meine Hände und Füße durchbohrt, sie zählten alle meine Gebeine."( Pf. 21, 17. 18.) Jeder Christgläubige, welcher nach verrichteter Beicht und Kommunion vorstehendes Gebet vor einem Bilde des Gefreuzigten verrichten wird, und nebstbei für das allgemeine Anliegen der Hl. Kirche, Ausrottung der Keßereien 2c. betet, gewinnt einen vollkommenen Ablaß, der auch den Seelen im Fegfener zugewendet werden kann.( Leo XII. 1825.) III. Sechssonntägige Andacht zur Ehre Gaffes und des heiligen Aloysius. 85 Borbemerkung. Um diese überaus nüßliche Andacht zu befördern, und den Eifer Derjenigen zu belohnen, welche sie fleißig halten, hat der heil. Vater der Christenheit, Papst Clemens XII., in den Jahren 1739 und 1740 auf jeden dieser Sonntage einen vollkommenen Ablaß verliehen, welcher jedoch des Jahres nur einmal gewonnen werden kann. Der Zweck dieser Andachtsübung ist, in den jungen Leuten ein Verlangen zu erwecken und den Vorsatz zu befestigen, dem heiligen Aloysius in christlicher Tugend nachzufolgen, und sich dadurch der Fürsprache dieses Heiligen bei Gott würdig zu machen. In dieser Absicht geht man sechs Sonntage nach einander wohl vorbereitet, und mit reumüthigem Herzen zur heiligen Beicht, empfängt mit Andacht Jesu Fleisch und Blut im heiligsten Sakramente, und verrichtet noch besonders sein Gebet nach Meinung des heiligen Vaters der Christenheit, welches in sechs andächtigen Vater unser, Ave Maria, und Ehre sei dem Vater 2c. bestehen soll. Man bringt den Tag in der Stille mit andächtiger Beiwohnung bei dem Gottesdienste, mit Besuchung der Kirche auch ausser demselben, wenn es sein fann, mit geistlicher Lesung, mit Betrachtung der Tugenden des heiligen Aloysius zu; man macht sich gute Vorsätze, ihm nachzufolgen; man bittet Gott um seine Gnade dazu, und den heiligen Aloysius um seine Fürbitte. Während der Woche befleißt man sich, die gemachten Vorsäße in das Werk zu sehen: man wiederholt dieselben; man fährt fort, Gott um seine Gnade, den heiligen Aloysius um seine Fürbitte anzurufen. 86 Gute Meinung für jeden ber sechs Sonntage. Es ist keine besondere Zeit zur Verrichtung dieser sechsfonntägigen Andacht vorgeschrieben; jedoch müssen es sechs Sonntage nach einander sein. Am schicklichsten wählt man fie indessen in der Zeit vor oder nach dem Feste des Heil. Aloysius, welches mitten im Sommer einfällt, wo der längste Tag ist. Daß aber gerade sechs Sonntage angenommen sind, geschah zur Erinnerung an die sechs Jahre, welche Aloysius im Orden der Gesellschaft Jesu zubrachte. Gute Meinung für jeden der sechs Sonntage. * Gleich beim Morgengebete oder doch vor dem Empfange der hI. Sakramente zu beten. Allmächtiger, barmherziger Gott! sieh, ich erscheine vor deinem göttlichen Angesichte, dir diese Andacht, die ich heute verrichten will, aufzuopfern, zur größern Ehre deines heiligen Namens, zum Lobe und zur Verherrlichung deines heiligsten Altarssakramentes und des liebenswürdigsten Herzens Jesu, zur Gedächtniß des bittern Leidens Jesu Christi, zur Verehrung der unbefleckten und allezeit reinsten Jungfrau und Himmelskönigin Maria, wie auch deines getreuen Dieners, meines liebsten Fürsprechers und Beschützers, des heiligen Aloysius, welchen du mit so vielen Gnaden gezieret und mit so vielen glänzenden Wundern verherrlichet hast. Nimm diese Andacht zugleich auf als ein Dankopfer für alle Gnaden, welche du dem heiligen Aloysius, und auf seine Fürbitte mir und allen seinen Pflegekindern erwiesen hast. Ich hoffe auch, o Gott der Güte und Barmherzigkeit! du werdest mir nicht versagen, was du so Vielen gewähret Andachtsübungen am ersten Sonntag. 87 haft, und mir die Gnade N. N. ertheilen, um welche ich dich mit vollkommenem Vertrauen durch die Verdienste des heiligen Aloysius anflehe. Du aber, o glorwürdiger und mächtiger Fürsprecher bei Gott, heiliger Aloysius! erhalte mir die Gnade, daß ich heute meinem Gott auf das eifrigste diene, daß ich jene Werke, welche ich zu deiner Ehre verrichten will, besonders die heilige Kommunion, nach, deinem Beispiele auch auf die vollkommenste Weise verrichte; opfere du dieselben dem höchsten Gott auf; trage ihm meine Anliegen und meine Bitten vor, nämlich diese N. N., wenn sie nur, wie ich hoffe, zur größern Ehre Gottes und zum Heile meiner Seele gereichen; aber vor= züglich bitte ich um eine glückselige Sterbestunde für mich und für alle Andere, besonders für die, welche heute sterben werden; diese befehle ich durch dich in die Hände des himmlischen Vaters und in das heiligste Herz Jesu, meines gekreuzigten Erlösers, und unter den Schuß Mariä, der schmerzhaften Mutter. Amen. Die folgenden Erwägungen, Vorsäße und Gebete lies und bete bedächtlich und wohlüberlegend nach der heiligen Kommunion, oder Nachmittag, und laß es dir dabei recht Ernst sein. Am ersten Sonntag. Gott lieben und ihm dienen, ist das Biel unsers Lebens. Erwägung. 1) Unser Ziel und Ende auf Erden ist Gott lieben und ihm getreu dienen. - 88 Anbachtsübungen am ersten Sonntag. Dazu sind wir erschaffen worden. Um uns zu diesem Ziele zu verhelfen, ist der Sohn Gottes auf die Welt gekommen, und für uns am Kreuze gestorben. 3um Streben nach diesem Ziele sind wir in der heiligen Taufe aufgenommen, und vom heiligen Geiste eingeweiht worden. Wer dieses Ziel vernachläßigt und verfehlt, der verfehlt die ganze Scheibe; er kommt auch in der andern Welt nicht zu Gott. waren 2) Aloysius hat schon von seiner ersten Kind= heit an angefangen, Gott zu lieben und Gott zu dienen. Seine ersten Worte, die er deutlich sprach, Jesus und Maria. Er hatte seine Freude an Gott; an ihn dachte er gern, von ihm redete er gerne. Seine Händlein erhob er andächtig zum Gebet. Seine kleinen Kniee bog er andächtig zum Gebet. Man fand ihn oft, wenn man nicht wußte, wo er war, im Hause in irgend einem Winkel knieen und beten. Er liebte Gott aufrichtig und über Alles, und befliß sich eben aus dieser Liebe zu Gott, seine Gebote allzeit und überall getreu zu halten. All seine Standesschuldigkeiten erfüllte er getreu aus Liebe zu Gott, weil dieses Gottes Wille ist. Die Sünde verab= scheute er als das größte llebel- wiederum aus Liebe Gottes, weil sie dem Willen Gottes zuwider, eine Uebertretung seiner Gebote, und daher eine Verachtung Gottes ist. Kurz, Aloysius liebte Gott und diente Gott von erster Kindheit auf, und fuhr so fort bis zum Tode. Wie dieses überhaupt und - Andachtsübungen am ersten Sonntag. im Allgemeinen geschehen ist, zeigt die heutige Erwägung. In den folgenden Sonntagen wird erwägt werden, wie er in einzelnen Tugenden Gott gedient hat. 3) Sieh nun in dich hinein, o Aloysianisches Pflegekind! Denn diesen Namen hast du dadurch angenommen, daß du diese schöne Andacht verrichtest. Du hast den heiligen Aloysius zu deinem Fürbitter und Muster gewählt, hast dich unter seinen Schuß gestellt. Er ist dadurch gleichsam der Pflegevater deiner Seele und du sein Pflegekind geworden. Schau nun in dich hinein, ob du auch von erster Kindheit an angefangen, Gott zu lieben, und ihm getreu unterthänig zu sein. Hast du Freude gehabt, ihn kennen zu lernen? Haft du gerne an ihn gedacht, hast du ihn vor Augen gehabt? Hast du ihn bisher höher geschätzt als alles Uebrige, hast du seine Gebote gehalten, haft du alle Sünde allzeit verabscheuet? Hast du die Schuldigkeiten deines Standes, z. B. den Gehorsam gegen deine Eltern und Vorgesetzten, die Friedlichkeit und Nachgiebigkeit gegen Geschwisterte, die Arbeitsamkeit u. f. f. als den flaren und bestimmten Willen Gottes erfüllt? Wie steht es mit dem Betragen an Sonn- und Feiertagen, mit dem Betragen in der Kirche, mit der Wahrhaftigkeit, mit der Demuth? Hast du etwa gar den lieben Gott oft vergessen? Hast du etwa gar nie, oder erst sehr spät darauf gedacht und erkannt, daß man ihn lieben müsse, daß es ein großes — 89 90 Andachtsübungen am ersten Sonntag. Glück eine große Gnade sei, daß wir ihn lieben dürfen? Oder hast du etwa deine Liebe andern irdischen, eitlen oder gar sündhaften Dingen geschenkt? Hast du dich gar etwa verführen- von Gott abbringen, und auf böse Wege hinbringen lassen?.. Fange daher aufrichtig an, Gott zu dienen, liebes, Aloysianisches Pflegekind! wenn du bisher nicht angefangen hast; und wenn du angefangen hast, so fahre fort, und höre nicht mehr auf, so lange dir Gott noch das Leben schenfet; denn er schenkt es dir nur, damit du ihn lieben und ihm dienen sollst. Dieses ist dein Ziel und Ende auf Erden. Mache daher folgenden Vorsatz: - 1. Ich will mir oft vor Augen stellen, wozu ich auf Erden bin, nämlich Gott zu lieben, und ihm zu dienen. Alles Andere ist eitel und ver= gänglich 2. Wenn ich dieses mein Ziel nicht erreiche, wenn ich in dieser Welt Gott nicht liebe und ihm nicht diene, so komme ich in der andern Welt auch nicht zu Gott. Ich verliere dann meine Seele, und die Seele verloren Alles verloren! - 3. Ich will mich an jenen Spruch oft erinnern, den Jesus Christus uns allen zugerufen hat, und immerdar zurufen läßt: ,, Was nüßt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, seine Seele aber verliert!" Andachtsübungen am ersten Sonntag. 91 4. Ich will Gott vor Augen haben, ich will ihn lieben, ich will ihm dienen. Nach seinem Gesetze will ich leben. Ich will thun- allzeit und überall, was mir mein lieber Gott befiehlt; ich will meiden allzeit und überall, was mein lieber Gott mir verbietet. - 5. Eine Sünde will ich für das größte Ulebel ansehen, und fliehen wie eine giftige Schlange. Nur keine Sünde, nur keine Sünde, besonders teine Todsünde! Alle Gefahren, alle Gelegenheiten will ich meiden, so gut ich kann. Allen Versuchungen und bösen Einfällen will ich standhaft widerstehen. Nur keine Sünde! 6. Vorzüglich will ich mich besleißen, die Sonnund Feiertage gut zu halten durch fleißigen Besuch des Gottesdienstes, so viel möglich ist, durch andächtige Beiwohnung desselben, durch geistliche Lesung, durch Empfang der heiligen Sakramente, durch Meidung aller Gefahren, Welteitelkeiten, Kleiderpracht, Lustbarkeiten, unlöblicher Zusammenkünfte u. dgl. Durch solche gute Haltung der Sonnund Festtage will ich mich stärken, auch an den Werktagen die ganze Woche hindurch Gott getreu zu dienen. Gebet. Barmherziger Gott! gib mir lichte Augen, damit ich das Ziel und Ende meines Lebens deutlich einsehe, erkenne und zu Herzen nehme; gib mir guten, träftigen Willen, daß ich in allen Dingen meinem Ziel und Ende gemäß lebe, daß ich dich liebe, und dir diene alle Tage meines Andachtsübungen am ersten Sonntag. Lebens. Ich will mich redlich und ernstlich befleißen, darnach zu leben. Ich will dich lieben, weil du das höchste, liebenswürdigste Gut bist. Dein Gesetz soll die Regel meines Lebens sein. Ich will dich vor Augen haben, der du mich allzeit und überall vor Augen hast. Alle Sünden will ich auf das sorgfältigste meiden. Die Pflichten meines Standes will ich aus Liebe zu dir, weil du es so willst, gewissenhaft erfüllen. 92 Heiliger Aloysius, du mein Schutzpatron! der du von erster Jugend an Gott so inbrünstig geliebt, und ihm so getreu gedienet hast, erbitte mir von Gott die Gnade, daß ich ihn aufrichtig liebe, und ihm getreu diene. Erbitte mir die Gnade, daß ich seine hohe Majestät erkenne, seine Allgegenwart vor Augen habe, und seine unendliche Liebe und Liebenswürdigkeit zu Herzen nehme. Erbitte mir die Gnade, daß ich andererseits die Eitelkeit alles Irdischen einsehe, mich von aller unordentlichen Anhänglichkeit an zeitliche Dinge losreiße, alle Sünden verabscheue, und mich ganz und gar Gott ergebe, und ihm anhange. Auf dieſe Weise und nur auf dieſe kann ich hoffen, ewig zu ihm zu kommen, und mit dir ihn ewig zu lieben, zu loben und anzubeten. Auch bitte ich dich, heiliger Schuppatron! du wollest mir noch die besondere Gnade von Gott erhalten, deren ich mich besonders bedürftig empfinde. - - Hier nenne in Gedanken die gewünschte Gnade. So du aber um etwas Zeitliches bittest, setze in Gedanken Andachtsübungen am ersten Sonntag. 93 hiezu, du wollest nur dann darum bitten, wenn es zur Ehre Gottes und zu deinem Seelenheile gereiche. Nun kannst du noch sechs Vater unser und Ave Maria nebst Ehre sei dem Vater 2c." beten und zum Schluß das Kirchengebet vom heiligen Aloysius darzusetzen, welches also lautet: Antiph. O du guter und getreuer Knecht! du bist im Wenigen getreu gewesen; ich will dich nun über Vieles seßen; gehe ein in die Freude deines Herrn. V. Den Gerechten hat der Herr durch rechte Wege geführt. R. Und hat ihm das Reich Gottes gezeigt. Gott! du Ausspender der himmlischen Ga= ben, der du in dem englischen Jünglinge Aloysius eine wunderbare Lebensunschuld mit gleicher Buße vereiniget hast, verleihe uns durch seine Verdienste und Fürbitte, daß wir ihm in der Bußfertigkeit nachfolgen, da wir ihm in der Unschuld nicht nachgefolgt sind. Dieß bitten wir durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Sieh nun, o Aloysianisches Pflegekind! daß du den übrigen Tag noch gut zubringest, in der Geistesversammlung bleibest, dem Kirchenbesuch, dem Gebete, der geistlichen Lesung mehr Zeit widmest, daß du zu viele Heimgarten und die zu viele weltliche Zerstreuung fliehest. Den Tag und die Woche hindurch erneuere die Hauptsache der Anrufung Gottes, des Vorsatzes und der Anrufung der Fürbitte des heiligen Aloysius mit folgenden oder ähnlichen Worten: O mein Gott! ich will mich befleißen, dir mein ganzes Leben in allen Dingen getreu zu dienen, weil dieses mein Ziel und Ende ist. Andachtsübungen am ersten Sonntag. O mein Gott! gib mir deine Gnade, damit ich dir wirklich getreut diene. 94 Oheiliger Aloysius! bitt für mich, daß ich meinen Gott lieben, und ihm in allen Dingen getreu dienen möge. Nur Eins ist Noth- Mensch, liebe Gott! Vergiß es nicht, o Moysianisches Pflegefind! diese furze Uebung die Woche hindurch täglich zu machen, wenigstens in der Früh, einmal unter Tags und auf den Abend. Nach Zeit und Umständen kannst du dann auch einige Vater unser andächtig dazu beten. Würdest du die ganze Woche nie an das denken, um was du am Sonntag angehalten, was du betrachtet, und was du dir vorgenommen hast, so würde der Nußen der ganzen Andacht für die Richtung deines Lebens kaum anders als sehr gering sein. Beschluß eines jeden Sonntags. Allmächtiger, ewiger Gott! ich werfe mich neuerdings vor dem Throne deiner göttlichen Majestät nieder, und bete dich mit möglichster Ehrerbietigkeit an; ich sage dir von ganzem Herzen Dank für alle Gnaden, welche du mir die Zeit meines ganzen Lebens, besonders aber diesen Tag gütigst verliehen hast; ich opfere dir meine heutige Andachtsübung in tiefster Demuth auf: nimm fie gnädig an, o Herr! sammt meinen übrigen guten Werken, welche ich zu deiner größern Ehre, zum Lobe der unbefleckten Jungfrau und Mutter Gottes Maria, zur Verherrlichung des heiligen Aloysius und aller Engel und Heiligen verrichtet habe; ich bitte dich noch einmal durch das bittere Leiden und Andachtsübungen am zweiten Sonntag. 95 Sterben Jesu Christi, durch sein für unser Heil vergossenes Blut, durch die Verdienste und Fürbitte Mariä, des heiligen Aloysius und aller Heiligen, verleih allen Sündern die Gnade einer wahren Buße und Bekehrung, den Seelen des Fegfeuers die ewige Ruhe, mir aber die Gnade, diesem Hei ligen in seinen Tugenden, besonders in der Unschuld und Reinigkeit, allezeit nachzufolgen und auch Jenes zu erlangen, was ich durch diese Andacht so inständig begehre, wenn es je zu deiner Ehre und zum Heile meiner Seele gereicht. Sollte aber meine Bitte nicht recht beschaffen sein, so erleuchte, leite und regiere mich, damit alle meine Werke nur nach deinem heiligsten Willen geleitet werden. Amen. Am zweiten Sonntag. Gute Meinung vor dem Empfange der heil. Beicht und Kommunion siehe Seite 86. Die Tugend der Reinigkeit. Erwägung. 1) Die Tugend der Reinigkeit ist eine durchaus nothwendige Tugend. Sie be= steht darin, daß sich der Mensch aller Unlauterfeit oder Unreinigkeit in Gedanken, Worten und Werken enthalte, das ist, daß er sich rein bewahre innerlich in der Seele von allem Wohlgefallen an unlautern Dingen und freiwilligen unlautern Gedanken, und äußerlich von allen unlautern Blicken, Reden, Geberden u. dgl.... Selig, die eines reiney Herzens sind; denn sie werden Gott an Andachtsübungen am zweiten Sonntag. schauen", spricht unser lieber Heiland Jesus Christus.. Dagegen, werden die Unzüchtigen das Reich Gottes nicht besitzen", schreibt der heilige Apostel Paulus. Wiederum, da er den Befehl Gottes, alle Unreinigkeit zu fliehen, verkündiget, segt er diese wichtigen, viel sagenden Worte bei: „ Wisset ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des heiligen Geistes ist, der in euch ist, den ihr von Gott empfangen habt?- und daß ihr nicht euch selbst angehöret? denn ihr seid um einen theuern Preis erkauft. Verherrlichet und traget Gott in eurem Leibe."( 1. Kor. 6.) 96 Diese schöne Tugend macht beliebt bei Gott und Menschen, im Himmel und auf Erden. Dagegen ist das Laster der Unreinigkeit ein abscheulicher Aussaß. Unter Christen sollte es etwas Un= erhörtes sein, sowie unreine Reden und dergleichen Possen, spricht abermal der heil. Paulus.( Ephes. 5.) Hauptsächlich wegen dieses Lasters ist die allgemeine Sündfluth über die Welt gekommen. Gott fand es nöthig, die Welt davon abzuwaschen. Wegen dieses Lasters ist das Feuer vom Himmel über Sodoma und Gomorrha gekommen, und hat Menschen und Städte verzehrt. Gott fand es nöthig, jene Gegend durch Feuer zu reinigen. Wegen dieses Lasters brennen viele tausend Menschen in der Hölle. 2) Aloysius hat sich ganz besonders durch diese Tugend ausgezeichnet. Seine Reinigkeit war wie die Reinigkeit eines Engels. Durch seine beson Andachtsübungen am zweiten Sonntag. 97 dere Liebe zu dieser Tugend, durch seinen besondern Abschen und Schrecken gegen Alles, was nur im geringsten dagegen war, durch seine überaus strenge Wachsamkeit über sich selbst hatte er von Gott die außerordentliche Gnade erhalten, daß er nie eine Anreizung oder Versuchung gegen dieſe Tugend empfunden hat; daher heißt er der englische oder engelreine Jüngling. Aber ungeachtet dieser außerordentlichen Gunstbezeugung Gottes wachte er doch streng über seine Gedanken, über seine Augen und Ohren, über die Beschaffenheit der Menschen, mit denen er umging. Er faftete streng; er betete biel. Als er einmal als ein Kind von den Soldaten, unter denen er mit sei nem Vater lebte, eine unanständige Rede hörte und nachsagte, weil er sie nicht verstand, so bereute er dieses bitter, sobald er von seinem Lehrer vernahm, es sei eine sündhafte Rede, und bereute es unter Thränen sein Leben lang. Schon damals machte er deßwegen den festen Vorsatz, Leute, die solche Reden führen, durchaus und allzeit zu fliehen. \ Diese schöne Tugend machte ihn aber auch nicht bloß bei Gott, sondern auch bei den Menschen überaus beliebt. Ueber sein ganzes Wesen uud Betragen ward durch diese Tugend eine ungemeine Lieblichkeit ausgegossen. 3) Sieh nun auch auf dich, Aloysianisches Pflegekind! Du hast die außerordentliche Gnade nicht, daß du nie durch einen unrechten Gedanken Aloyfiusbüchlein. 7 - 98 Andachtsübungen am zweiten Sonntag. versuchet würdest. Vielmehr merkest du an dir auch in diesem Stücke die Folge der Erbsünde, daß nämlich die Natur zum Bösen geneigt ist. Um so mehr ist Wachsamkeit, Gebet, Flucht und Streit nöthig, zum Voraus aber wahre Liebe zur Tugend der Reinigkeit, und Abscheu gegen Alles, was dagegen ist. a. Die Wachsamkeit ist nöthig, damit du die Versuchung und Gefahr soviel möglich abwendest und ihr den Eingang verwehrest, oder sie geschwind überwindest, so lang sie noch klein ist. Wachsamkeit über die Gedanken, daß du freiwilliger oder vorwißiger Weise keinem unrechten Gedanken Platz gebest; Wachsamkeit über die Augen, daß du keine Gegenstände ansehest, von welchen durch die Augen in deine Seele mit Unreinigkeit besudelte Pfeile eindringen könnten, seien dann diese Gegenstände Menschen, oder Bilder, oder Bildsäulen, oder was immer. Wachsamkeit über die Ohren. Höre nicht, was deine Seele vergiftet; höre nicht, was dich schamroth macht. Wachsamkeit über dich selbst überhaupt. Sei mit dir selbst allzeit ehrbar und schamhaft, im Aufstehen und Schlafengehen, in Arbeit und Ruhe, in Gesellschaft und allein. Wachsamkeit über die Gesellschaft, mit der du umgehest. Merke dir die Regel: aus dem Gesang kennt man den Vogel. Wer aus dem Munde übel riecht, ist gewöhnlich inwendig von Fäulniß angesteckt; wer unreine Reden von sich gibt, dessen Seele ist von uns reiner Fäulniß angesteckt. Wachsamkeit über die Zunge, daß du nicht leichtfertige, kurze Liedlein nachsingest. Man gewöhnt sich dadurch ein leichtfertiges Wesen an und kommt immer weiter. Bald wirst du ärgerliche und recht ausgelaffene Liedlein singen, und, wenn das geschieht, ist die Seele von unreiner Fäulniß angesteckt. Wachsamkeit über die Neden, daß sie allzeit anständig seien, Wachsamkeit über die Geberden, daß sie nicht ausgelassen seien, Wachfamkeit über die Kleidung, daß sie züchtig, standesmäßig und nicht hoffärtig sei. Andachtsübungen am zweiten Sonntag. 99 b. Gebet ist nothwendig, um von Gott Gnade zum Sieg zu erlangen. Gebet an Sonn- und Feiertagen, welche Tage eigentlich Tage des Gebetes sind; Gebet an Werktagen, besonders innerliches Gebet, Anempfehlung in den Schuß der heiligen Jungfrau Maria, des heiligen Schußengels, des heil. Namenspatrons. Dadurch stärket man seinen eigenen Willen, mit der Gnade Gottes, die man schon hat, getren mitzuwirken, und bekommt noch neue Gnaden. Wachen und Beten sind die Waffen, die der Heiland im Delberg seinen Jüngern anempfohlen hat, damit sie in der Versuchung nicht fallen sollen. c. Flucht ist nothwendig. Wer die Gefahr liebt, geht in derselben zu Grunde. Daher Flucht der bösen Gesellschaften, Heimgarten, Zusammenfünfte. Wer mit Kohlen umgeht, wird rußig, wer im Wasser plätschert, wird naß, wer Pech anrührt, wird pechig. Flucht und Vermeidung aller sogenannten Bekanntschaften zwischen Personen ungleichen Geschlechtes. Wer es wagen will, in den Ehestand zu treten, muß mit Gott anfangen; er hat Ursache genug dazu, indem der Ehestand gar viele Kreuze und Schuldigkeiten mit sich bringt. Er ist scheinbar eine Rose, und dieses nicht allemal, aber es sind sehr viele Dörner daran; die Rose wird bald welk, und fällt ab, die Dörner bleiben, und werden nur immer größer und fester. Leere Zuneigungen ohne Absicht auf eine vernünftige, christliche Che sind schon an sich vor Gott nicht recht, nebst dem, daß sie gewöhnlich das Grab der Tugend, das Grab des zeitlichen, und wollte Gott! nicht auch des ewigen Glückes sind. Sie sind ein scheinbar süßes Gift, das Seele und Leib zerstört. O wie viel Jammer ist dadurch schon in die Welt gekommen! wie viel Trauer, Kreuze und Plagen über glückliche Familien! wie viele bittere Thränen sind darüber schon geweint worden?!- Jüngling! Jungfrau! laß dich warnen! Flucht vor den Weltlustbarfeiten, Tänzen, Zechereien. O wie viele Seelen werden in der Hölle brennen wegen der Sünden, wozu sie durch die Tänze gekommen sind, zu denen sie also hingetanzt 7° - 100 Andachtsübungen am zweiten Sonntag. haben! O dächten doch die Leute, bevor sie leichtfertig auf den Tanzboden gehen, wer alldort ober ihnen, neben ihnen, hinter ihnen, vor ihnen und unter ihnen ist. Sie müßten erschrecken und zurückbeben, so wie man auch sonst allezeit zurückbeben würde, wenn man darauf dächte, da man sich in eine Seelengefahr begibt. Und wer ist denn so um sie? Wer dies liest, der merke es wohl! Ober ihnen ist der Gottmensch Jesus Christus, ihr Erlöser und baldiger Richter mit seinem Kreuz, seiner Dornenkrone, seiner Geißel, und allen seinen Wunden, und Viele schlagen neuerdings auf ihn zu; neben ihnen ist der Satan, der immerdar schürt, sich ganz und gar diesem Sinnenrausch, der nach und nach alles Gewissen und alle Furcht Gottes einschläfert, zu überlassen;; denn ihr Schußgeist muß sich da entfernen: hinter ihnen ist der Tod, der seine Sense weßt, und seinen Pfeil auflegt; vor ihnen ist die strenge Gerichtswage, und unter ihnen der ewige Abgrund, worin der wohllebende reiche Mann um ein Tröpflein Wasser noch immer vergebens bittet.... Ein in der Seelsorge sehr viel erfahrner, allgemein geschätzter, seit mehreren Jahren verstorbener Priester hat nicht umsonst in einem viel verbreiteten Gebetbuch geschrieben: Auf üppigen Tänzen erbleicht die Unschuld: im Heimgehen wird sie zu Grabe getragen." Daher ist Flucht nothwendig. Kannst du dich nicht wohl entschuldigen, oder es ablehnen, bei einer, sonst eben nicht unanständig gehaltenen, Hochzeit zu erscheinen,( leider werden fie nicht überall in anständiger, mäßiger, christlicher Munterfeit gehalten,) so braucht es auch dort große Vorsicht und Behutsamkeit, wenn du dich des Tanzes nicht ganz erwehrest, wie hierüber der liebenswürdige heil. Fanziskus von Sales weitläufigere Vorschriften gibt, wobei er von den Tänzen, die doch in jenem Lande viel anständiger gehalten wurden, spricht, es sei damit, als wie bei den Schwämmen, wovon selbst die besten eine ungesunde Speise seien. Manchesmal kann sogar die Flucht aus dem Hauſe, worin du wohnst, aus dem Dienst, in dem du bist, noth Andachtsübungen am zweiten Sonntag. 101 wendig sein. Was dir zum Seelenschaden ist, mußt du fliehen. Merke dir nur, was der Heiland sagt:„ Wenn dich dein Aug' ärgert( dich ärger macht, dich verdirbt), so reiße es aus; wenn dich deine Hand ärgert, oder dein Fuß, so haue Hand und Fuß ab; denn besser ist es dir, mit Einem Auge, Einer Hand, Einem Fusse in's Leben einzugehen, als mit zwei Augen, zwei Händen, zwei Füßen in's höllische Feuer geworfen werden."( Matth. 18.) Endlich ist d. Streit nothwendig. Wer zum Bösen wie immer, und zu was immer, und von wem immer vom Satan, von bösen Menschen, von der zum Bösen geneigten Natur versucht und gereizt wird, der muß streiten. Ohne Streit kein Sieg. Die Seele muß innerlich vom Gedanken an das Böse sich abwenden, sie muß die Zustimmung entschieden versagen, dann ist die Versuchung überwunden, und die Seele hat alsdann keine Sünde, sondern das Verdienst des Streites und Sieges. Damit du leichter und gewiß siegest, streite geschwind, bevor der Feind stark wird. Einen Feuerfunken löscht man leicht, nicht aber ein stärferes Feuer. Denfe an Gott, der dich sieht, an deinen heil. Schußengel, der bei dir ist, an die Ewigkeit, der du zugehst, an das Todbett, auf dem du liegen wirst, auf den Himmel, von dem dir die Palme winkt, an die Hölle, die unter dir brennt, an deinen lieben Heiland, der für dich gelitten hat. Manchesmal, besonders bei Leuten, die beim redlichen und festen Willen, Gott getreu zu dienen, von bösen Einfällen, die auf einmal daher fliegen, heimgesucht werden, ist's nach dem Rathe des heil. Franziskus von Sales das Beste, es zu machen, wie man es machet, wenn Einem kleine Hündlein anbellen. Man läßt sie bellen, gibt auf sie gar nicht Acht, und setzt seinen Weg fort. Sie bleiben dann schon zurück. So mache es bei solchen Einfällen; sebze deine Arbeit, dein Gebet, dein Geschäft fort, und merke gar nicht darauf, so verschwinden sie wieder. Manchesmal ist die andächtige Bezeichnung mit dem heil. Kreuze sehr gut, so wie dieselbe öfters auch bei andern - 102 Andachtsübungen am zweiten Sonntag. Versuchungen, z. B. zur Kleinmüthigkeit, zur Feindseligkeit 2c. gute Dienste thut. Frage dich nun ein wenig, Aloysianisches Pflegekind! wie du es bisher in dieser so nothwendigen Tugend der Reinigkeit gehalten habest, wie mit der Hochschätzung derselben, wie mit dem Abscheu gegen Alles, was dagegen ist, wie mit der Wachsamkeit, mit dem Gebete, mit der Flucht, mit dem Streite? Hast du wohl die schöne Perle, die liebliche Lilie, die kostbare Rose der Unschuld in diesem Stücke unversehrt bewahrt, oder hast du daran mehr oder weniger Schiffbruch gelitten? Und wenn das Letztere wäre, hast du wohl deine Seele durch eine giltige Beicht und wahre Buße wieder zu reinigen gesucht?!.... Fasse nun den nöthigen Vorsaz. 1) Ich will diese schöne liebliche Tugend allzeit hochschätzen als die schönste Zierde der Seele. Ich will nicht vergessen, was ein schöner Spruch sagt: Jugend und Tugend reimen sich am besten zusammen; beide miteinander bilden einen Engel." 2) Alles, was dagegen ist, will ich durchaus verabscheuen; es soll mir ein Greuel sein. Es soll mir ein giftiger Wind aus der Hölle sein, der die Lilien und Rosen versengt, ein unreines Thier, das sie in den Roth tritt. 3) Ich will wachen, beten, fliehen, streiten, wie es so eben in der Erwägung weiter ausgelegt worden ist. Unbachtsübungen am zweiten Sonntag. 103 4) Ich will demüthig, zurückgezogen sein, will die Stelle und Einsamkeit lieben, will gern in geistlichen Büchern lesen, will mich mit den Leben der Heiligen bekannt machen. Die Hoffart und allen eiteln Aufput will ich besonders meiden, die Lobsprüche der Welt und die Schmeichelei verachten, und den Müßiggang meiden. 5) Die Sonn- und Feiertage will ich besonders gut und christlich zubringen, wie es einem Christen zusteht. 6) Ich will mich allzeit und überall, auch wenn ich ganz allein bin, so betragen, sowohl innerlich in Gedanken, als äußerlich in Geberden, im Reden, Singen, Kleidern 2c., daß ich mich vor dem allsehenden Auge Gottes, und vor der Gegenwart meines lieben, heiligen Schußengels nicht zu schämen habe. Ich will mir jene schönen Reime von der Schamröthe besonders merken und gesagt sein laffen: Was ist das Roth, das mein Gesicht Auf einmal überzieht?* Frei aufzusehen wag' ich nicht,* Und meine Wange glüht! Bin ich vielleicht jetzt in Gefahr, Ein Unrecht zu begeh'n? Und mein Gewissen nimmt es wahr,* Und warnt mich vorzuseh'n?! Der Warnung muß ich folgsam sein;* Sie kommt, o Gott! von dir;* Sonst würd ich es zu spät bereu'n; Was würde einst aus mir!? Gebet. O mein lieber Heiland Jesus Chris ftus! du Sohn der reinsten Jungfrau Maria, du Liebhaber der Reinigkeit, und Bräutigam reiner, Andachtsübungen am zweiten Sonntag. jungfräulicher Seelen! Ich flehe dich an, erschaff' in mir ein reines Herz. Steh' mir mit deiner mächtigen Gnade bei, daß ich Leib und Seel' als einen lebendigen Tempel des heiligen Geistes immerdar rein bewahren möge. Laß nicht zu, daß jene Zunge, die so oft im allerheiligsten Altarssakrament dein Thron gewesen ist, daß jene Augen, die bestimmt sind, deine Herrlichkeit zu sehen, jene Ohren, die oft dein Geseß und deine Liebe vernommen, jemals verunreinigt werden. Gib nicht zu, daß jener Leib und jene Seele, welche in der heiligen Taufe zum Tempel des heiligen Geistes eingeweiht worden sind, ein Tempel der Sünde, und des unreinen Geistes werden. 104 Was ich gegen diese englische Tugend bisher etwa gefehlt haben mag, will ich mein ganzes Leben bereuen und beweinen.... O Jesu, sei mir darüber gnädig und barmherzig. Oheiliger Aloysius, mein Schuppatron! der du durch deine englische Reinigkeit Gott, den Engeln und Menschen so lieblich und angenehm geworden bist; bitt' für mich bei deinem und meinem Heilande, daß ich ein reines Leben führen, in allen Gefahren siegen, und so einst mit dir und allen reinen Seelen der Anschauung Gottes gewürdigt werden möge. Erbitte mir auch die Gnade, deren ich mich besonders bedürftig empfinde. Amen. ( Die sechs Vater unser und das Uebrige wie am ersten Sonntag Seite 93, Andachtsübungen am dritten Sonntag. 105 Fromme Anmuthung den Tag u. die goche hindurch. O mein Gott! ich will mich befleißen, ein reines, keusches Leben zu führen! Weit von mir sei alle Unreinigkeit. O mein Gott! gib mir deine Gnade dazu! Verlaß mich nicht! Oheiliger Aloysius! bitt für mich, daß ich Leib und Seel' rein bewahren möge. Fromm, gut und rein Drei Edelstein. - Am dritten Sonntag. Gute Meinung vor dem Empfange der heil. Beicht und Kommunion fiehe Seite 86. Der Gehorsam. Erwägung. 1) Gehorsam ist eine nothwendige Sache. Jeder Mensch ist demselben so oder anders unterworfen. Ohne Gehorsam könnte die Welt gar nicht bestehen! es wäre lauter Unordnung, Zwietracht und ein allgemeiner Krieg. Weder die weltliche Regierung- Königreich, Kaiserthum - weder das geistliche Königreich- die Kirche Gottes, weder ein Hauswesen, weder eine Familie, gar keine Gesellschaft könnte bestehen ohne Gehorsam. Ohne Gehorsam könnte es feinen Vorgesetzten geben, weil es keinen Untergebenen geben würde. Darum hat Gott selbst den Gehorsam befohlen. Das Kind muß den Eltern, der Dienstbote dem Hausherrn, der Unterthan der Obrigkeit, der Christ der Kirche, das Pfarrkind dem Pfarrer gehorsamen. Der Sohn Gottes selbst hat uns den Gehorsam mit Wort und Beispiel geleh 106 Andachtsübungen am dritten Sonntag. ret. Er war seinem himmlischen Vater gehorsam bis zum Tode, und zwar bis zum Tode des Kreuzes; er war seiner jungfräulichen Mutter Maria, und seinem Nährvater Joseph unterthänig. Jeder Vorgesetzte hat wieder einen höhern Vorgesetzten, dem er unterthänig sein muß. Selbst ein König, der in weltlichen Dingen keinen Vorgesetzten über sich hat, muß Gott unterthänig sein, welcher sein Vorgesetzter ist, und Rechenschaft von ihm fordern wird.... Wenn der Untergebene seinem Vorgesetzten gehorsamt, so gehorsamt er Gott, der den Gehorsam befiehlt. Wenn er seinem Vorgesetzten den vorgeschriebenen Gehorsam verweigert, so ist er Gott selbst ungehorsam, er widersetzt sich Gott selbst. Der Gehorsam ist von Gott zum Wohl der Menschen angeordnet. Die Borgesetzten sind aufgestellt, um das geistliche oder zeitliche Wohl der Untergebenen zu besorgen. Die Untergebenen, die ungerechter Weise den Gehorsam versagen, schaden sich selbst, oft entsezlich und unwiederbringlich, wie man dieses gar oft an Kindern und Seelsorgsuntergebenen sieht. Für die gute Haltung des vierten Gebotes hat Gott langes Leben und Wohlergehen verheißen. Dagegen spricht die heilige Schrift: ,, Ein Aug, das seinen Vater verspottet, und seine Mutter ver= achtet, hat verdient, daß es die Raben aushauen, und die jungen Adler fressen."( Sprichw. 30, 17). Den Dienenden spricht der heil. Apostel Paulus also zu:„ Ihr Knechte! gehorsamet euerr Andachtsübungen am dritten Sonntag. 107 irdischen Herren mit Ehrfurcht und aufrichtigem Herzen, so wie Christo,- nicht als Augendiener, um nur Menschen zu gefallen, sondern als Knechte Christi, die Gottes Willen von Herzen thun; die mit gutem Willen dienen, als dienten sie dem Herrn, und nicht den Menschen." Den Gehorsam gegen die Kirche trägt uns Jesus mit jenen merkwürdigen Worten auf, da er zu seinen Aposteln- und in ihrer Person auch zu ihren Nachfolgern im heiligen Amte, den Bischöfen nämlich sprach: ,, Wer euch Gehör gibt, der gibt mir Gehör. Wer euch verachtet, der verachtet mich."( Matth. 28, 18).- Welch' eine entsetzliche Sünde wäre es aber wohl, Christo dem Herrn kein Gehör geben, sondern ihn verachten? Abermal spricht der Herr: ,, Wer der Kirche kein Gehör gibt, soll gehalten sein wie ein Heide." ( Luk. 10). - Von der Ehrerbietigkeit und dem Gehorsam gegen die Seelsorgsgeistlichkeit spricht der weise Sirach im alten Testamente: ,, Von ganzer Seele fürchte Gott, und halte den Priester in Ehren." ( Eccli. 7, 31). Der heilige Paulus aber spricht vom Gehorsam gegen die Priesterschaft zu den Christen: ,, Gehorsamet euern Vorgesetzten und seid ihnen unter= thänig; denn sie wachen über eure Seelen, und müssen Rechenschaft darüber geben; damit sie das mit Freude thun, und nicht mit Seufzen."( Hebr. 13, 17). Andachtsübungen am dritten Sonntag. Als einstens im alten Testamente muthwillige Knaben den Propheten Elisäus, der im Namen des Herrn in jene Gegend kam, ausspotteten, und ihm, weil er am Kopfe wenig Haare hatte, von einer Anhöhe herab zuriefen: Kahlkopf, komm herauf!" ließ Gott ein Paar Köpfe, die nicht kahl waren, nämlich ein Paar zottige Bären aus dem nahen Walde über sie kommen, und zwei und vierzig solcher Knaben zerreißen. 108 2) Aloysius zeichnete sich durch bereitwilligen, pünktlichen und freudigen Gehorsam von erster Jugend auf aus. Er gehorsamte genau und freudig seinen Eltern, seinem Lehrer und geistlichen Führer und seinen Klosterobern. Den Willen seiner Eltern und Vorgesetzten sah er als den Willen Gottes an, und vollzog ihn deßwegen in allen Dingen vollkommen. Da ihn sein Lehrer ermahnte, jene bösen, von den Soldaten gehörten und aus Unwissenheit nachgesagten Worte nicht mehr zu sagen, sagte er sie kein einziges Mal mehr, und bereute jenes Nachsagen sein Leben lang, und vermied auf das sorgfältigste den Um= gang mit dergleichen Leuten. Um gute Lehren und Räthe zu hören, reiste er zum heil. Erzbischof Karl von Borromä, und diese befolgte er auf das genaueste. Selbst da er den Eintritt in's Kloster als den flaren Willen Gottes erkannte, bat er doch den Vater um die Erlaubniß und Einwilligung dazu. Und als ihm diese vom Vater abgeschlagen wurde, nahm er dieses Abschlagen mit Ehrerbie Andachtsübungen am dritten Sonntag. 109 tigkeit an, überließ die Sache Gott, fuhr fort zu beten, und den Vater neuerdings in aller Ehrfurcht zu bitten, und erst, als dieser seine Einwilligung gab, verließ er die Welt. In dem Kloster verrichtete er die niedrigsten Dienste aus Gehorsam gar am liebsten, als z. B. in der Küche die Geschirre reinigen, in der Stadt um Almosen bitten, im Spital zur Zeit der Pestilenz die Kranten bedienen 2c. Selbst in seinen Andachtsübungen richtete er sich genau nach dem Willen seiner Obern.. Er hatte seine Freude im Umgang mit Gott, und verrichtete neben den im Kloster vorgeschriebenen Andachtsübungen noch eigene. Die Obern befürchteten eine Ueberspannung, und trugen ihm auf, nur die vorgeschriebenen zu verrichten. Sogleich gehorchte er ohne Widerrede, und ohne innerliche Mißbilligung dessen, was die Obern befahlen. Er hatte die Gewohnheit, auch in seiner letzten Krankheit, um Mitternacht aufzustehen, und vor einem Kruzifirbilde zu beten. Die Obern untersagten es ihm, sogleich unterließ er es. Auch die Arzneien nahm er aus Gehorsam bereitwilligst, obwohl er sein nahes Lebensende wußte. So war Aloysius lauter Gehoriam. 3) Erforsche dich nun, o Aloysianisches Pflegefind! wie du es bisher in diesem Stücke gehalten. Vielfältig verfehlt man sich durch zu wenigen Gehorsam, durch unwilligen, verdrossenen Gehorsam, durch eigensinnigen Gehorsam, durch Verweigerung des Gehorsams, somit eigentlich durch Widerspen Andachtsübungen am dritten Eonntag. stigkeit, selbst durch Beleidigung und Anfeindung der Eltern und Vorgesetzten. 110 a. Kinder betrügen manchesmal ihre Eltern, thun bergleichen als folgten sie, und folgen nicht, oder sie folgen nur unter den Augen, oder nur in Dingen, die sie leicht ankommen. Manchesmal folgen sie nur aus Zwang und Furcht vor der Strafe, oder mit Unwillen, oder nach etlichen Einwendungen und Fragen: Warum denn?" oder unter halb lautem, oft auch ganz lautem Tadel der elterlichen Anordnung. Manche wollen, wenn sie etwas größer werden, bald Alles besser verstehen, welches vom Hochmuthe herkommt. Manche wollen besonders in jenen Dingen, welche die gute Aufführung und das christliche Leben betreffen, sich nicht viel sagen lassen: wollen sich die Häuser, die Gesellschaft, die Unterhaltung, die ihnen die Eltern untersagen, nicht wehren lassen. Ja, manche verursachen durch solchen Ungehorsam ihren Eltern bittern Kummer, und pressen sogar Thränen aus ihren Augen! O! diese Thränen werden einmal die Kinder heiß brennen! H Manche Kinder vergessen gar bald, was die Eltern an ihnen gethan haben, und sind, sobald sie ein wenig arbeiten können, mit dem, was ihnen die Eltern an Lohn und Kleid geben, nicht zufrieden, drohen die Eltern zu verlassen, oder verlassen sie wohl gar, um anderswo mehr zu bekommen, oder ein freieres Leben führen zu können. Manche Kinder haben sich angewöhnt, mit ihren Eltern unwillig, gebieterisch, grob zu reden. Manche verlassen die Eltern in der Noth, verwenden ihr Geld auf übertriebene Kleiderpracht, oder vertrinken es, während ein alter Vater, eine alte Mutter im Elende darben muß, und sich vom Almosen kaum ernährt. Andere Kinder betrügen, belügen ihre Eltern, oder bestehlen sie gar. Auch gibt es sogar Kinder, die sich ihrer alten, armen oder sonst unbehilflichen Eltern schämen. O Kinder, Kinder! wie werdet ihr solches verantworten! Andachtsübungen am dritten Sonntag. 111 b. Dienstboten können sich gegen das Gebot des Gehorsams in der Hauptsache auf die nämliche Weiſe verfehlen, wie Kinder gegen ihre Eltern durch unwilligen, tadelnden, widersprechenden, halben Gehorsam, oder wenn fie bloß unter den Augen folgen, und sonst thun, was sie wollen. Manchesmal wollen sich Tienstboten in Betreff des christlichen Lebens nichts sagen, das Böse- Gefährliche Ungebührliche nicht wehren lassen, oder drohen, wenn ihnen solches gewehret wird, selbst bei der dringendsten Arbeit, vor der Zeit aus dem Dienste zu gehen. Manche lassen sich gegen ihren Dienstherrn, gegen die christliche Hausordnung von andern Leuten aufheben, oder hepen ihre Mitdienstboten auf. Manche sind in Betreff der Kost und der Arbeit gar heikel, wollen wenig, oder gar nichts Widriges ertragen. Manche sagen Geheimniſſe des Hauses ohne Noth aus, und verursachen dadurch ihrem Dienstherrn viel Verdruß. Manchesmal geschicht es sogar, daß ein Dienstbote die Kinder des Hauses gegen die Eltern aufheßt, sie unzufrieden macht, oder zu andern noch bösern Dingen verleitet. - - c. Die Seelsorgskinder verfehlen sich leider auch nicht selten gegen den Gehorsam und die Ehrerbietigkeit, die ſie ihrem Seelenhirten schuldig sind. Die Ordnung Gottes ist gar schön. Für die Schäflein ist ein Hirt beſtellt. Dieser hat über die Schäflein zu machen, sie mit geistlicher Nahrung zu weiden, sie mit sanftem Hirtenstab zu leiten. Gott selbst hat ihm die Weide angewiesen, und den Weg bezeichnet. Die Schäflein haben der Stimme des Hirten Gehör zu geben, ihr zu folgen, und sich von ihm leiten zu lassen, so gehen Hirt und Heerde den Auen des Himmlischen Paradieses zu. O wie lieblich wäre es doch, wenn es auch allzeit und überall so gehalten würde! der so vielfältig verkehrte Wille der Menschen wird auch hierin so ziemlich gespüret. Aber Manche Seelsorgskinder sehen ihren Seelsorger faum. als ihren Hirten an, der von Gott aufgestellt ist, für sie zu sorgen, und ihnen zum Himmel verhilflich zu ſein. 112 Andachtsübungen am dritten Sonntag. Manche sehen ihn nur als einen lästigen Aufseher an, der ihrem lauen und unchristlichen Wesen im Wege ist. Manche thun, als wäre es ganz in der rechten Ordnung, daß der Seelenhirt auf der Kanzel gegen gefährliche und sündhafte Dinge, z. B. unrechte Zusammenkünfte, Nachtschwärmereien, ausgelassene Tänze warnt, bittet, ermahnet, Gottes Gerichte verkündet, und setzen dennoch diese Dinge unbedenklich fort. Wie werden sie es einst beim Gerichte Gottes verantworten können?!.... Ja, manche ſpotten gar über die wohlgegründeten und eben so wohlgemeinten Warnungen ihres Seelenhirten!! Bedenken wohl diese Leute, daß Jesus Christus selbst das Hirtenamt eingesetzt hat, und einst Hirt und Heerde zur Rechenschaft ziehen wird? Wieder andere wollen es nicht ertragen, wenn ihr Seelenhirt es nöthig findet, ihnen in Geheim unter vier Augen in Betreff ihres Seelenheils eine gute Lehre, Warnung, Ermahnung zu geben, finden sich beleidigt, obgleich der Seelenhirt mit aller Güte, Liebe und Schonung zu ihnen spricht, und wenn sie irgend eine verübte böse Handlung nicht leugnen können, so werden sie über denjenigen zornig, von dem sie vermuthen, er habe es dem Seelenhirten entdecket. O Schäflein, wie groß ist dein Hochmuth und deine Blindheit!.... Hie und da gibt es gar Leute, die, anstatt ihren Hirten zu ehren, und ihm zu folgen, sich ein Geschäft daraus machen, seine etwaigen Fehler und Schwachheiten auszuspähen, groß zu spinnen, und auszubreiten, bald mit heuchlerischem Achselzucken, bald mit Heftigen Ausfällen. Es ist wohl wahr, der Seelenhirt ist auch ein Mensch, und ein Mensch ist kein Engel. Es war aber Gott beliebig, Menschen durch Menschen zum Himmel zu führen. Du bist sein Schäflein, nicht sein Richter. Er wird seinen Richter schon finden. Mache es, wie der selige Nikolaus von der Flüe, welcher viele Jahre in der Schweiz ohne alle Nahrung lebte. Dieser sagte über diesen Punkt: Wenn man einen guten, stärkenden Labetrunk bekömmt, so soll man nicht fragen und schauen, - 11 113 Andachtsübungen am dritten Sonntag. ob er durch goldene oder bleierne Röhre uns zugeführt wird: genug, daß wir einen guten, stärkenden Labetrunk bekommen." Mache nun, o Aloysianisches Pflegekind! über die verschiedenen Gattungen des Gehorsams deinen redlichen Vorsat. 1) Ich will mich befleißen, nach den so eben beschriebenen Punkten den Gehorsam zu üben als Kind den Eltern, als Dienstbote dem Hausherrn, als Schäflein dem Seelenhirten, als Christ der Kirche unterthänig zu sein. 2) Ich will mich recht hüten, daß ich in die eben beschriebenen Fehler und Sünden gegen den Gehorsam, oder in andere dergleichen nicht falle. 3) Damit mir das Gehorsamen leichter sei, will ich nicht vergessen, daß der Gehorsam von Gott angeordnet ist, und daß ich Gott gehorche, wenn ich meinen Vorgesetzten gehorche. 4) Ich will nicht vergessen, daß der Gehorsam nothwendig hat müssen angeordnet werden, und daß er zum Besten der Menschen, also auch zu meinem Besten angeordnet ist. - 5) Ich will nicht vergessen, daß Jesus Christus selbst gehorsam war, daß alle Engel gehorsam sind, und daß ich nur durch den Gehorsam zu Gott tommen kann. 6) Ich will nicht vergessen, daß durch den Ungehorsam des ersten Menschen- Paares die Sünde in die Welt gekommen ist, und durch die Sünde Elend und Tod. Aloysiusbüchlein. Andachtsübungen am dritten Sonnto. 7) Endlich, da der Hochmuth besonders die Quelle des Eigensinnes, und somit des Ungehorsams ist, so will ich auch aller innerlichen Hoffart und Selbstgefälligkeit widerstehen, und mich der wahren Demuth, zu der ich ohnehin so viel Ursache habe, befleißen. 114 Gebet. O mein Heiland Jesus Christus! du hast dich selbst erniedrigt, und bist gehorsam geworden bis zum Tod, ja bis zum Tod des Kreuzes. Du hast uns durch Worte und Beispiel den Gehorsam gepredigt. Sieh! ich will mich befleißen, meinen standesmäßigen Gehorsam zu üben. Du kennst aber, o Heiland! die Gebrechen unserer Seele, und weißt, wie sehr wir armselige Menschen zur Hoffart geneigt sind, und wie schwer un oft die Unterwürfigkeit ankömmt. Ich bitte dich daher um deine kräftige Gnade, daß ich mich nie von Hoffart und Widersetzlichkeit beschleichen lasse, sondern allzeit den dir so wohlgefälligen Gehorsam übe. Oheiliger Aloysius, du mein Schuppatron! bitt für mich um den göttlichen Beistand, daß ich mit Hilfe desselben die Demuth, die Selbstüber= windung und den standesmäßigen Gehorsam üben möge. Bitte auch noch für mich, daß mir Gott diejenige besondere Gnade verleihen wolle, deren ich mich besonders bedürftig empfinde. Amen. ( Die sechs Vater unser und das Uebrige wie oben am ersten Sonntag Seite 93.) Andachtsübungen am vierten Sonntag. 115 Fromme Anmuthung den Tag u. die soche hindurch. O mein Gott, ich will mich aufrichtigst befleißen, unterthänig zu sein. Lieber Heiland! schenke mir deine Gnade dazu.. Heiliger Aloysius! bitt für mich, daß ich unterthänig sei. Ein Gottes Kind Gehorcht geschwind. - Am vierten Sonntag. Gute Meinung vor dem Empfange der heil. Beicht und Kommunion siehe Seite 86.) Der Eifer im Gebet. Erwägung. 1) Eine jede andächtige Erhebung der Seele zu Gott, heißt man und ist Gebet. Es ift für uns Menschen eine Gnade, daß wir beten, uns zu Gott erheben, mit ihm reden, ihm unsere Ehrfurcht und Dankbarkeit bezeugen, ihn loben und preisen, um Vergebung unserer Sünden anhalten, und unsere Bitten ihm vortragen dürfen. Wir sind ja armselige Geschöpfe mit so vielen Schwachheiten, Fehlern, Unvollkommenheiten behaftet, haben sein Gesetz mehr oder minder übertreten! Wahrhaftig eine große Gnade, daß es uns erlaubt ist, zu der unendlichen Majestät, Macht, Heiligkeit und Gerechtigkeit zu beten. Und nicht bloß erlaubt ist es uns, sondern der liebe Gott sieht es sogar gern; er will es; er befiehlt es uns. Betet ohne Unterlaß", spricht der heilige Paulus.( 1. Thess. 5.) Jesus Christus 8* 11 116 Andachtsübungen am vierten Sonntag. lehrte in schönen Gleichnissen, daß man ohne Unterlaß beten soll.( Luk. 18.) Wiederum sprach er in jener schönen Predigt auf dem Berge, wo er uns zu den Vögeln und Feldblumen in die Schule führte, um uns die Vatersorge Gottes zu zeigen: , Bittet, und ihr werdet empfangen; suchet, und ihr werdet finden; klopfet an, und es wird euch aufgethan werden."( Matth 7.) Er selbst brachte oft ganze Nächte im Gebete zum himmlischen Vater zu. Die Apostel baten ihn, er möchte sie ein recht gutes Gebet lehren. ,, Herr! lehre uns beten." Und er lehrte sie das schöne Gebet, das wir täglich beten. Wenn ihr betet, sollt ihr also sprechen: Vater unser! der du bist in dem Himmel" u. s. f. ( Matth. 6.) Die heiligen Apostel, die ersten Christen, alle Heilige haben sich auf Erden viel mit Gebet beschäftigt, und jetzt im Himmel finden sie, so wie die Engel, ihre Glückseligkeit darin, in heiligster, brennendster Liebe Gott anzubeten, zu loben und in unaussprechlichen Jubelliedern zu preisen. Wir Alle wünschen einst das Glück zu haben, Gott ewig anzubeten, zu loben und zu lieben..... Wollen wir aber dort Gott ewig anbeten und lieben, so müssen wir jetzt auf dieser Welt, jetzt in der Vorbereitungszeit auf die Ewigkeit anfangen, uns im Gebet und in Liebe mit Gott zu vereinigen. Das Gebet hat auch überaus viel Nußen. Man gewöhnt sich durch dasselbe an Gott zu denken, und ihn vor Augen zu haben. Man lernt durch dasselbe Gott immer besser kennen, verehren und Andachtsübungen am vierten Sonntag. 117 lieben. Man erhält viele Gnaden. Der berühmte und große heilige Augustin spricht darum das merkwürdige Wort aus: Wer gut zu beten weiß, der weiß auch gut zu leben." Und was kann wohl besser sein, als gut und christlich leben? Es führt ja zum ewigen Leben. 2) Wie eifrig der heilige Alloysius im Gebet war, ist aus seiner Lebensgeschichte genugsam befannt. Es war eigentlich seine liebste Beschäftigung. Durch dasselbe hatte er sich so an die Gegenwart Gottes zu denken gewöhnt und gleichsam zur Natur gemacht, daß ihm Gott überall vor Augen schwebte, und er des Gedankens an Gott gar nicht mehr los werden konnte, während viele Menschen, wenn sie sich auch bemühen, an Gott zu denken- etwa beim Gebet oder in der Kirche, ihn doch so bald wieder aus den Gedanken verlieren. Schon als Kind fand man ihn oft in einem Wintel Inieen und beten, während andere Kinder sich mit Kinderspielen beschäftigten. Er betete in der Früh unter dem Ankleiden, und darauf verrichtete er knieend sein Morgengebet. Er betete unter Tags, er besuchte gerne die Kirchen, er betete des Abends vor dem Schlafengehen, er betete oft in der Nacht, und stand selbst in der Kälte oft zum Gebete auf. Er bestimmte sich eine gewisse Zeit und Ordnung, was und wie viel er beten wollte, und hielt dieſe Ordnung genau ein- selbst auf Reisen und an den fürstlichen Höfen. Unter andern betete er täglich die Tagzeiten zu Ehren der heiligen Jungfrau - 118 Andachtsübungen am vierten Sonntag. Maria. Dem heiligen Meßopfer beizuwohnen, hielt er allezeit für ein Glück, und dem Priester dabei am Altare zu dienen, für eine große, ihm von Gott gestattete Ehre. Diesen heiligen Engeldienst verrichtete er auch allezeit mit solcher Aufmerksamkeit, Andacht und Ehrerbietigkeit, daß selbst die messehaltenden Priester nach ihrem eigenen Geständnisse von dem kleinen Aloysius in der Andacht und Ehrerbietigkeit bestärkt wurden. In geistlichen Büchern las er fleißig und aufmerksam, besonders, um daraus die Wissenschaft des Heiles zu erlernen. Man darf sich aber nicht einfallen lassen, Aloysius habe etwa durch sein vieles Gebet seine übrigen Standespflichten versäumt oder vernachläßigt.... Nichts weniger als dieses! Alles hatte bei ihm seine Zeit. Durch das Gebet wurde er vielmehr gestärkt, alle seine übrigen Standespflichten dergleichen waren z. B. Studieren, bei Hofe als Edelknabe dienen, als Klostermann allerlei Arbeiten thun, bei der Beft die Kranken im Spitale bedienen 2c., um so genauer, und vor den Augen Gottes zu verrichten. - 3) Sieh nun, liebes Aloysianisches Pflegekind! in dich hinein und vergleiche dein bisheriges Benehmen in diesem Stücke mit dem Gesetze Gottes und mit dem Beispiele des heiligen Aloysius. Wie steht es mit deinem Gebetseifer an Sonnund Festtagen, wie an Werktagen, wie mit dem innerlichen Gebete? Andachtsübungen am vierten Sonntag. 119 a. Sonn- und Festtage sind eigentliche Tage des Gebetes. Darum ist an diesen Tagen vorgeschrieben, von der werktägigen Arbeit zu ruhen und gottselige Werke zu thun. Unter die vorgeschriebenen gottseligen Werke gehört besonders die Besuchung des Gottesdienstes, wie dieses das zweite Kirchengebot flar ausspricht. Es lautet also:„ Du sollst an Sonn- und Festtagen die heilige Messe mit gebührender Andacht hören." Obwohl die Anhörung der Verfündigung des göttlichen Wortes an jedem Sonntag von der Kirche nicht so streng geboten ist, als die andächtige Beiwohnung bei dem heiligen Mesopfer, so ist es doch auch eine Schuldigkeit, das Wort Gottes anzuhören. Selten in eine Predigt gehen, oder derselben ohne Aufmerksamkeit beiwohnen, gehört zu den Unterlassungssünden der schuldigen Sonntagsfeier. In den ersten Zeiten der Christenheit war Meßopfer und Predigt unzertrennlich vereinigt, weil die Predigt eigentlich eine Auslegung des vorgelesenen Evangeliums ist. Die Frühmessen an Sonn- und Festtagen sind eigentlich für diejenigen Leute gemeint, welche zum ordentlichen Pfarrgottesdienste, welcher mit Predigt und Amt gehalten wird, nicht wohl kommen können, und damit die Leute in jenen Häusern, die man nicht allein lassen kann, abwechseln können. In der Regel soll der Christ den ordentlichen, ganzen Pfarrgottesdienst besuchen. Wer nebst diesem zugleich die Frühmesse besuchen kann, thut um so besser, wenn er beiden andächtig beiwohnt. Gegen diese Pflicht wird häufig gefehlt. Manche sehen den Sonnund Festtag nicht als einen Tag des Gebetes, der Andachtsübungen, und der gottseligen Werke, nicht als denjenigen Tag an, der für ihr Seelenheil der beste sein soll, an welchem sie sich von den weltlichen Geschäften und Zerstreuungen erholen, und wieder neuerdings im Guten sich stärken sollen, um die ganze darauf folgende Woche Gott in ihrem Stande getreu zu dienen. Vielmehr sehen ihn viele besonders jüngere Leute- für einen Tag der Unterhaltung, der weltlichen Zerstreuung, des Müßig 120 Andachtsübungen am bierten Sonntag. ganges, der Hoffart in den Kleidern, oder gar für einen Tag unrechter Zusammenkünfte, der Ausgelassenheit, des Trinkens und Spielens, der Ungebundenheit an. Solche Leute bleiben dann aus gar leichter Ursache vom Gottesdienste ganz aus, kommen gern zu spät, wohnen demselben ohne Andacht, ohne Gebet, voller Zerstreuung und weltlicher Gedanken bei; denn sie kommen nicht, um Gott anzubeten, sondern aus bloßem Gebrauch, oder weil es ihnen von den Eltern oder Hausherren aufgetragen ist, oder bloß um zu sehen und gesehen zu werden. Sie stehen dann gewöhnlich zu hinterst hinein, schauen herum, schwäßen, treiben Possen, necken die Aus- und Eingehenden, laufen mitten unter dem Gottesdienste hinaus;- eine Predigt mögen sie schon gar nicht hören, sondern sißen auf die Gräber hinaus in die Sonne, oder in den Schatten, wie es erade die Jahreszeit mit sich bringt. Ein Gebetbüchlein herauszuziehen schämen sie sich sogar.... - - - O mein Gott! was ist das für ein Besuch des Hauses Gottes! was für ein Betragen im Hause des lebendigen Gottes! was für ein Beirsohnen bei dem heiligen Opfer, wo Christus selbst leiblicher Weise gegenwärtig ist, und sein Kreuzestod gefeiert wird! wo nach dem Ausdrucke des heil. Johannes Chrysostomus selbst die Engel den Altar voll Ehrfurcht umgeben, und ihr Angesicht mit den Flügeln verhüllen!... Nachmittag ist auch noch Sonnund Festtag, ist auch noch ein Tag Gutes zu thun, den Gottesdienst Rosenkranz, Christenlehre, Vesper 2c. zu besuchen, etwa den heil. Kreuzweg zu beten, in einem geistlichen Buche etwa in den Lebensgeschichten der Heiligen, oder etwas anderes Erbauliches zu lesen. Aber solche laue Christen bringen den Nachmittag gewöhnlich noch schlechter zu, als den Vormittag. Anstatt in die nahe Kirche zu gehen, sißen sie am Spieltische, am Zechtische oder in der Heimgartsstube, liegen in der Sonne oder im Schatten, gehen spaziren durch Felder und Auen, fuchen ihre Gesellschaften auf u. f. f. Ja, nicht Wenige find, die den Sonn- und Festtag zum größten Sündentag - Andachtsübungen am vierten Sonntag. des Volltrinkens, der Raufereien, der unlautern Zusammenfünfte, der sündhaften Nachtschwärmereien, und grober, unlauterer Vergehungen machen. O mein Gott! was wird es hierin für eine entsetzliche Verantwortung geben! Wieder Andere, die in die Kirche nicht kommen können, als wie im Sommer die Hirten auf weit entle= genen Alpen, machen zwischen Sonntag und Werktag gar feinen Unterschied; geben sich gar keine Mühe, daß durch Abwechseln und Einanderaushelfen doch Einer oder der Andere hier und da zum Gottesdienst käme; beten und lesen am Sonntage um gar nichts mehr, als an Werktagen, manchesmal am Sonntag so wenig als am Werktage, und verwildern völlig. In den Gottesdienſt können nicht allezeit alle Leute kommen, besonders in grosser Entfernung vom Gotteshause, aber von der werktäglichen Arbeit zu ruhen und gottselige Werke zu thun, sind alle Leute verbunden, und können so oder anders alle Lente. Erforsche dich daher, o Aloysianisches Pflegekind, wie du es bisher in diesem Stücke gehalten habest. 121 b. An Werktagen bringt die Standespflicht die Vers richtung seiner standgemäßen Arbeit mit sich; aber ohne Gebet soll der Christ auch an Werktagen nicht sein; durch Gebet soll er die Arbeit als wie durch Salz würzen, für sich verdienstlich und Gott angenehm machen. Durch Gebet soll er sich gottesfürchtig und gut erhalten, als wie die Eßwaaren durch das Salz vor Fäulniß und Verderben bewahrt werden. Morgengebet, die dreimalige Abbetung des Engelsgrußes beim Glockenzeichen in der Frühe, zu Mittag und am Abend, das Gebet vor und nach Tisch, und das Abendgebet kann auch an Werktagen verrichtet werden, und soll daher verrichtet werden. Am Abend ist die Gewohnheit, den heil. Rosenkranz miteinander zu beten, ohnehin in den meisten Familien unsers lieben Baierlandes, besonders auf dem Lande, allgemein eingeführt.... Auch wird dem heil. Meßopfer an Werktagen, besonders in Dörfern, meistens zahlreich beigewohnt, was sehr löblich ist. Es kann auch ein Christ, der in einem 11 Andachtsübungen am vierten Sonntag. Dorfe, oder sonst nicht weit von einem Gotteshause wohnt, von der Sünde der geistlichen Trägheit schwerlich oder gar nicht entschuldigt werden, wenn er an Werktagen Zeit hätte, dem heil. Meßopfer öfter beizuwohnen, und demselben nur selten oder gar nie beiwohnt. Wenigstens bleibt für seine Seele viel gar viel Gutes und Verdienstliches aus.... Für Diejenigen, die nicht in der Kirche sind, wird bei jenem heiligen und glückseligen Zeitpunkt, wo Jesus Christus in den Händen des aufopfernden Priesters unter den Gestalten des Brodes und Weines mit Leib und Seele wirklich und wesentlich gegenwärtig ist, gewöhnlich ein Zeichen mit der Glocke gegeben, damit sie auch in diesem heiligen Augenblick der wunderbaren Verwandlung eine kurze Anbetung verrichten. Es ist allezeit recht erbaulich, wenn man bei diesem Glockenzeichen die Leute auf den Feldern ihre Arbeit ausseßen und andächtig beten sieht, so wie es eine grobe Unanständigkeit und Gleichgiltigkeit gegen den Heiland im heil. und heilbringenden Sakramente ist, wenn es Leuten nicht der Mühe werth ist, bei diesem Zeichen ihren Diskurs mit Andern auszuseßen, den Hut abzunehmen, und ein Zeichen der Andacht zu geben, oder dergleichen zu thun, als ging sie Jesus Christus im göttlichen Opfer auch etwas an.... Deßgleichen ist es sehr unanständig, wenn Leute beim Zeichen des englischen Grußes, wobei wir uns dankbar an die gnadenreiche Menschwerdung des göttlichen Sohnes, ohne welche wir Kinder des ewigen Verderbens wären, erinnern sollen, gar kein Zeichen der Andacht geben, ihre Gespräche nicht ausseßen, den Hut nicht abziehen 2c., und dieses manchesmal ganz nahe bei der Kirche, von welcher aus das Zeichen gegeben wird. Würden diese Leute die unaussprechliche Wohlthat der Erlösung nur ein wenig zu Herzen nehmen, so würden sie anders thun. 122 Sehr löblich ist es, wenn auf dem Weg, auf den Feldern, besonders in Wäldern bei Wasserquellen, wo man ohnehin gern ein wenig auszuruhen pflegt, ein andächtiges Bild sich befindet, ein Kruzifir, die heilige 1 Andachtsübungen am vierten Sonntag. 123 Jungfrau Maria, die Flucht nach Aegypten, oder so was vorstellend, und man dabei eine kleine Andacht verrichtet, und Dasjenige überdenkt, was das Bild vorstellt..... Wenn man allein einen weiten Gang zu machen hat, und bei sich in der Stille etwas betet, so ist solche Zeit sehr gut zugebracht.... Ist man in Bruderschaften eingeschrieben, soll man sich befleißen, die vorgeschriebenen Gebete andächtig zu verrichten, und sie, wenn man nicht besonders gehindert ist, nicht gar zu leicht auslassen. c. Das innerliche Herzensgebet besteht darin, daß man, ohne äußerliches Zeichen, nur in der Seele mit Gott betend beschäftigt ist, welches auch unter der Arbeit geschehen kann. Solcher innerlicher Umgang mit Gott gibt sich dann gewöhnlich durch sogenannte Pfeil- oder Schußgebetlein fund, die von Zeit zu Zeit zu Gott abgeschickt werden, und einerseits ein Ausfluß der innern Andacht sind, andererseits dieselbe wieder neu beleben und stärken. Vorsag. 1) Ich will mich befleißen, die Sonn- und Festtage zu heiligen, wie mir dieses durch das dritte Gebot Gottes und durch das erste und zweite Kirchengebot vorgeschrieben wird. 2) Den Gottesdienst will ich fleißig besuchen, und in dem Gotteshause mich mit möglichster Andacht betragen. 3) Ich will nicht vergessen, daß Nachmittag auch Sonn- und Festtag ist, und will daher thun, was einem gottesfürchtigen Christen zusteht. 4) Sonn- und Festtage will ich ansehen und benügen als das, wozu sie von Gott bestimmt und mir gegeben sind, als glückliche Tage für die Verehrung Gottes und für mein Seelenheil. - Andachtsübungen am vierten Sonntag. 5) Ich will mich besonders befleißen, an diesen heiligen Tagen alle Sünden, alle bösen Gelegenheiten und Gefahren zu vermeiden. 6) Wenn ich wirklich verhindert bin, in das Gotteshaus zum Gottesdienst zu kommen, so will ich zu Hause durch Gebet und geistliche Lesung Gottesdienst halten, so gut es nur immer sein tann. 124 7) An Werktagen will ich die gewöhnlichen obengenannten Gebete allezeit fleißig verrichten, soviel ich kann, als Morgen-, Englischen Gruß-, Tischund Abendgebet. Den heiligen Rosenkranz will ich täglich andächtig beten. 8) Dem heiligen Meßopfer beizuwohnen, will ich allezeit für ein großes Glück halten, und wenn es sein kann, es mit möglichster Andacht thun. 9) Jm innerlichen Herzensgebet will ich wenigstens etwas auszurichten mich befleißen, wenigstens will ich mich befleißen, öfter an meinen lieben Gott zu denken und an ihn öfter ein Pfeilgebetlein abzusenden. Gebet. O mein Gott! ich erkenne wohl, daß es für uns armselige Menschen eine ungemeine Gnade ist, zu deiner unermeßlichen, unendlichen Majestat im Gebete uns erheben zu dürfen! Du, der allmächtige Himmelskönig, vor dem selbst die Engel zittern, willst unserm Gebet geneigtes Gehör schenken! ja du ladest uns sogar ein, zu dir zu beten. Ich erkenne es auch, daß eine Seele ohne Gebet vertrocknet, als wie das Gras auf dem Feld Andachtsübungen am vierten Sonntag. 125 ohne Regen und Thau. Aber, o mein Gott! ich empfinde auch hierin meine Armseligkeit. Ich habe so wenig Liebe und Eifer zum Gebet, werde in demselben gar so leicht und so oft zerstreut, und habe daran so bald genug. Ich bitte dich daher, o mein Gott! gib mir Liebe zum Gebet, Eifer und Geistesversammlung beim Gebet, und Ausharrung im Gebet. Du selbst hast gesagt, o Jesu! bittet, und ihr werdet empfangen. Sich! ich bitte; ich bitte durch deine Gebete und Nachtwachen, durch dein Angstgeschrei am Delberg und am Kreuz. Oheiliger Aloysius, mein Schutzpatron! der du solchen Eifer und solche Versammlung und solche Ausharrung im Gebete gehabt hast, erbitte mir die Gnade, gerne, eifrig, versammelt und aushar-= rend zu beten. Auch bitte ich dich, lege noch deine Fürbitte für mich ein, um in meinem Anliegen die besondere Gnade zu erlangen, deren ich mich besonders bedürftig empfinde. ( Die sechs Vater unser und das Uebrige wie oben am ersten Sonntag Seite 93.) Fromme Anmuthung den Tag u. die Woche hindurch. mein Gott! gib mir die Gnade, gerne, ifrig, versammelt und ausharrend zu beten. mein Gott! ich will mich befleißen, mit Dieser Gnade mitzuwirken, und so zu beten. O heiliger Aloysius! bitt für mich, daß ich. Jern, andächtig, versammelt und ausharrend bete. Zu Gott, dem Herrn- bet' oft und gern. - Andachtsübungen am fünften Sonntag. Am fünften Sonntag. ( Gute Meinung vor dem Empfange der heil. Beicht und Kommunion siehe Seite 86.) Die Andacht zum allerheiligsten Altarsfakrament. Erwägung. 1) Das allerheiligste Altarssakrament ist die vornehmste und heiligste aus allen Religions- Anstalten, die unser lieber Heiland Jesus Christus zu unserm Seelenheile angeordnet und uns hinterlassen hat. Es war am letzten Abend vor seinem bittern Leiden, als er das Osterlamm, dieses alttestamentliche Vorbild seines Erlösungstodes und dieser himmlischen, neutestamentlichen Speise mit seinen Aposteln verzehrte, wo er am Schlusse dieses heilige Sakrament, welches das göttliche Opfer und die himmlische Seelenspeise des neuen Testamentes ist, auf ewige Weltzeiten einſetzte. 126 Nachdem das Osterlamm verzehrt war, nahm er das Brod, das auf dem Tische lag, in seine heiligen, ehrwürdigen Hände, schaute zum Himmel, segnete es, brach es und gab es seinen Aposteln mit den Worten: ,, Nehmet hin, und esset; denn dieß ist mein Leib, der für euch dahingegeben wird." Deßgleichen nahm er den Steich, in welchem Wein war, in seine heiligen Hände, dankte, segnete ihn und sprach: ,, Trinket alle daraus; denn das ist mein Blut, das für euch zur Bergebung der Sünden vergossen wird. Thuet dieses, so oft ihr es thuet, zu meinem Andenken." 1 Andachtsübungen am fünften Sonntag. 127 Sieh, o christliche Seele! hier hast du also Jesum Christum selbst. Mit der Wesenheit seines heiligen Leibes, seines Fleisches und Blutes- mit seiner heiligen Seele mit Gott und Menschheit wird er in dem Meßopfer bei der heiligen Wandlung unter den Gestalten des Brodes und Weines gegenwärtig und bleibt gegenwärtig, so lang von den Gestalten etwas vorhanden ist. - Er ist in diesem allerheiligsten Sakramente das hochheilige Opfer, indem er bei der heiligen Messe sich selbst dem himmlischen Vater für uns auf= opfert, und zwar in der nämlichen Meinung und Absicht, als wie am Kreuze, nämlich für uns und anstatt unser zur Anbetung der unendlichen Majestät Gottes, zur Danksagung für alle Liebe Gottes, zur Genugthuung und Versöhnung für unsere Sünden, zur Erbittung der nothwendigen Gnaden. Am Kreuze vergoß er bei dieser Aufopferung unter unaussprechlichen Leiden an Leib und Seele ſein Blut, darum heißt jenes Kreuzesopfer das blutige Opfer. Auf dem Altar leidet er bei dieser Aufopferung keine Schmerzen mehr und vergißt tein Blut; darum heißt es das unblutige Opfer. Weil der nämliche Heiland sich auf dem Altare opfert, der sich am Kreuze opferte, und weil er sich auf dem Altare in der nämlichen Absicht opfert, wie er es am Kreuze that, so ist's in der Wesenheit das nämliche Opfer, durch welches uns die Versöhnung und Genugthung am Kreuze verdient und Andachtsübungen am fünften Sonntag. erworben wurde, und am Altare uns zugewendet zugetheilt wird.... Nebstdem ist der Heiland in diesem heiligen Sakramente noch die himmlische Seelenspeise, welche wir bei der heil. Kommunion, die eigentlich ein Theil des heiligen Meßopfers ist, genießen. O christliche Seele! du darfst zu diesem heiligen Tische, zu dieser himmlischen Mahlzeit hinzutreten, darfst deinen Heiland, der sich für dich am Kreuze und auf dem Altare geopfert hat, ge= nießen. Dieser Genuß soll dich in heiligster Liebe und gänzlicher Hingabe mit deinem Heilande stärken, dir seine Gnade und Hilfe ganz besonders erwerben und dich in der heiligen Liebe zu ihm er= halten, sowie die leibliche Genießung die innigste Vereinigung deines Heilandes mit dir und deine innigste Vereinigung an Leib und Seele mit deinem Heilande anzeigt und bedeutet. Wenn du dem heiligen Meßopfer beiwohnest, so ist das soviel, als stelltest du dich gleichsam unter das Kreuz Christi am Kalvarienberg hin, betetest mit reumüthigem Herzen, die großen Verdienste dieses göttlichen Opfers möchten dir zu Theil werden und versprechest deinem Heilande am Kreuze, du wollest nun in heiligster und dankbarster Liebe ihm anhangen, in allen Dingen- in Gedanken, Worten und Werken, in allem Thun und Lasſen ganz nur ihm, als getreuer Jünger, gehorsamen, und Allem, was Sünde ist, entsagen, es verabscheuen und meiden. Wenn du zu der heiligen Kommunion gehest, so gibst du dadurch zu erkennen, 128 Andachtsübungen am fünften Sonntag. du wollest in heiliger Liebe und Anhänglichkeit dich mit deinem Heilande vereinigen, Er und nur Er folle in dir leben und alle deine Gedanken, Worte und Werke deinen Leib und deine Seele heiligen und regieren; du habest tein anderes Verlangen und fennest kein höheres Glück, als in heiligster und getreuester Liebe ihm anhangen, und sein Jünger sein zu können. Sieh, o christliche Seele! wenn du diese er= freulichen und Ehrfurcht gebietenden Wahrheiten nur ein wenig bedenkest, o mit welcher Ehrerbietigteit mußt du dem heiligen Meßopfer beiwohnen! o mit welcher Andacht und Ehrerbietigkeit zum Tische des Herrn hinzutreten?! Mußt du nicht ausrufen: ,, welch' ein Glück ist's, dem heiligen Altarsopfer beiwohnen zu können, o welch' eine Gnade, zur himmlischen Mahlzeit hingehen zu dürfen?... Wie glücklich ist eine Gemeinde, die ein Haus Gottes besitzt, worin Christus mit Leib und Seele mit Gottheit und Menschheit in diesem allerheiligsten Sakramente thronet, besucht und angebetet werden kann. Hier wird die himmlische Stimme erfüllet, welche der heil. Johannes in der geheimen Offenbarung hörte: Sehet! die Hütte Gottes unter den Menschen; er wird unter ihnen wohnen."( Apok. 21.) " 1 2) Der heilige Aloysius hatte eine ungemein zarte und gleichsam vor Liebe glühende Andacht zu Jefu im allerheiligsten Sakrament des Altars. Er besuchte ihn täglich in demselben, um ihn anAloysiusbüchlein. 9 - - 129 130 Andachtsübungen am fünften Sonntag. zubeten. Dem heiligen Meßopfer beiwohnen und in demselben dem opfernden Priester dienen zu können, hielt er allezeit für ein Glück. Wie andächtig er diesen Altardienst versehen hat, ist in der Erwägung des vorigen Sonntages gesagt worden. Auf die heil. Kommunion bereitete er sich drei Tage vorher; am Vorabend derselben konnte er von nichts als von der Liebe Jesu Christi in diesem heiligen Sakramente reden, und that dieses mit solchen liebeflammenden Worten, daß er diejenigen, die ihm zuhörten, auch zur Andacht, Ehrfurcht und Liebe dazu entzündete. Drei Tage ver= wendete er nach dem Empfang auf die Danksagung. So war er die ganze Woche mit dieser Himmelsmahlzeit beschäftiget, indem er jeden Sonntag derselben sich nahte, und entzündete sich dadurch selbst zu immer größerer Liebe. Eine sehr tugendhafte Frau sah ihn ein einziges Mal zur heiligen Kommunion gehen, und sagte darauf öffentlich, wenn auch der allgemeine Ruf den Prinzen Aloysius nicht für einen Heiligen ausgäbe, so könnte sie doch schon wegen seiner englischen Eingezogenheit und glühenden Andacht bei der heiligen Kommunion teinen Augenblick mehr an seiner Heiligkeit zweifeln. 3) Erwäge nun, Aloysianisches Pflegekind! wie du dich bisher in diesem Stücke verhalten. a. Sieh! viele Leute erkennen die große Liebe Jesu Christi in diesem heiligen Sakramente gar wenig, und haben daher auch viel zu wenig Hochschäßung. Woher Andachtsübungen am fünften Sonntag. 131 mag dieses kommen?- Unter Anderm mag es daher kommen, weil sie überhaupt die Menschwerdung des göttlichen Sohnes, sein Leben, Leiden und Sterben für uns, seine Lehren und Heils- Anstalten viel zu wenig zu Herzen nehmen und überlegen. Sie mögen nichts Geistliches lesen, sie hören die Predigten nicht gern an, und besuchen fie deßwegen schlecht; sie geben, wenn sie auch dabei sich einfinden, wenig darauf Acht. Sie lassen sich ihr Seelenheil überhaupt wenig angelegen sein, und hangen ganz am Irdischen, als wäre dasselbe die Hauptsache des Lebens, und dagegen das Seelengeschäft die Nebensache.... Sieh daher, Aloysianisches Pflegekind! daß du die große Liebe Jesu Christi in diesem allerheiligsten Sakramente im Opfer sowohl als in der Seelenspeise recht anerkennest. Denke darüber nach, lies darüber etwas, höre die Predigten mit Aufmerksamkeit an; merke darauf, wie die fatholische Kirche Jesu Christo in diesem heiligen Safrain mente so hohe Verehrung und Anbetung erweiset der Auszierung der Gotteshäuser und Altäre, in feierlichen Prozessionen, besonders am heiligen Fronleichnamstage, wo Alles in und außer dem Gotteshause aufgeboten wird, um dem göttlichen Könige einen göttlichen Triumphzug zu bereiten, in den kostbaren Gefäßen von Gold, Silber und Edelsteinen, in denen der Leib des Herrn aufbewahrt und herumgetragen wird, in den prächtigen Priesterkleidern, in den vielen ehrerbietigen Anbetungen und Räucherungen durch die dienenden Priester, in den vielen Lob-, Anbetungs- und Freuden- Gesängen, im weit in der ganzen Gegend erschallenden Glockengeläute u. s. w. Laß diejes alles nicht leer an deinen Augen und Ohren vorübergehen. Nimm es zu Herzen, erwecke in dir die möglichst größte Ehrerbietigkeit, Dankbarkeit, Liebe zu deinem Heilande, und trage zur Verehrung Jesu in diesem hochheiligen Ge besonders bei solchen heimnisse auch das Deinige bei öffentlichen Anbetungen und Aufzügen durch deine innigste Andacht und Ehrerbietigkeit, mit der du dabei erscheinest. Wie erbaulich ist es ein lieblicher Auftritt für Engel 9* - - — - 132 Andachtsübungen am fünften Sonntag. und Menschen wenn eine ganze Kirche voll Leute in andächtiger Anbetung vor dem Heiland auf den Knieen liegt! wenn eine ganze Gemeinde in sichtbarer Andacht laut betend oder singend den Heiland in Prozession über die Felder führet! Aber ach! welch' ein betrübender Anblick, wenn in den Kirchen wenig Andacht, viel Geschwäß, Herumschauen, müßiges, gedankenloses Dastehen oder Dalehnen, viel eitles, hoffärtiges Prangen mit Kleidern, Buschen, Federn, Gold und Silbergeschmeide, oder gar Muthwillen und allerlei Poffen herrschen? Welch' ein betrübender Anblick, wenn bei Prozessionen, wo Jesus zur Anbetung im Triumphe herumgetragen wird, wenig Ehrfurcht, wenig Gebet, wenig heiliger Ernst, dagegen viele Zerstreuung, viele Un ordnung, viel Vorwitz und leeres Herumschauen, viele Gedankenlosigkeit, viel Herumstehen und unandächtiges Zuschauen, viele Ziererei und hoffärtiger Aufputz herrschet! - - b. Nicht wenige Leute haben eine gar geringe Hochschäßung des heiligen Meßopfers, besuchen dasselbe an gebotenen Tagen mit weniger Andacht, oder versündigen sich gar während desselben durch unchristliches Betragen. Solches ist eine wahre Berachtung Jesu selbst in seiner heiligen Gegenwart, ja während er sich gerade für die Menschen dem himmlischen Vater zum Opfer darbringt.... Nicht wenige nehmen sich an Werktagen das ganze Jahr faum ein oder einige Male Zeit, dem überaus kostbaren Altarsopfer beizuwohnen, da sie doch Zeit hätten, und nahe dabei sind. O wie viel Gutes entgehet ihnen dadurch! c. Manche schwätzen und lachen um die Kirche herum, selbst während das hochwürdigste Gut im Tabernakel zur Anbetung ausgesetzt ist, so laut, daß die Betenden in der Kirche dadurch gestört werden. d. Manche haben im Hause Gottes, wenn nicht gerade Gottesdienst gehalten wird, vor dem im Tabernakel leiblich gegenwärtigen Heilande gar wenig Ehrerbietigkeit, und reden ohne Noth lange weltliche Händel ab, gerade als wenn sie auf einem Heimgartsplaße wären. Andachtsübungen am fünften Sonntag. 133 e. In manchen Orten ist's völlig Gewohnheit, daß selbst unter dem heiligen Meßopfer die Kinder beständig aus- und einlaufen, und bei dem vierten Haupttheil, nämlich bei der heiligen Kommunion, auch große Leute ohne Noth davon gehen, gerade als wäre das heilige Meßopfer schon geendet. 1. Manche achten die heilige Kommunion gar wenig, gehen daher selten zum Tisch des Herrn, bereiten sich da= rauf wenig vor, wenn sie auch manchesmal hinzugehen; haben wenig Andacht, knieen vor dem heiligen Tische kaum nieder, schauen viel herum, haben nach Empfang der heiligen Kommunion eben so wenig Ehrerbietung, laufen bald hinaus, und bringen den ganzen Tag lau, zerstreut, und in der völligen Vergessenheit dessen zu, was sie Vormittag empfangen haben. Nicht so, o christliche Seele! nicht so. Erkenne vielmehr den überaus hohen Werth dieses heiligen Sakramentes. Hast du dich dagegen in etwas verfehlt, bereue es aufrichtig und mache für die Zufunft einen ernstlichen, kräftigen, eisenfesten Vorjah. 1) Ich will mich befleißen, die große Liebe meines lieben Heilandes, die er uns im allerheiligsten Altarssakramente erweiset, dantbar anzuerkennen und die möglichste Ehrfurcht und Andacht gegen ihn allezeit zu haben und zu bezeigen. 2) Dem heiligen Opfer des Altares beiwohnen zu können, will ich allezeit für ein großes Glück halten. Nicht bloß an Sonn- und Festtagen, sondern, wenn es sein kann, auch öfter an Werktagen will ich demselben mit größter Andacht beiwohnen. 3) Die heilige Kommunion will ich für das ansehen, was sie ist für die himmlische Seelen Andachtsübungen am fünften Sonntag. mahlzeit, wo Jesus selbst die göttliche Speise ist. Ich will mich befleißen, mich allezeit in heiliger Liebe mit ihm zu vereinigen, mich darauf wohl vorbereiten und jenen Tag für einen heiligen Freudentag halten. Ich will es nicht versäumen, mich dieses Glückes recht oft theilhaftig zu machen. 4) Den Prozessionen will ich mit derjenigen Andacht beiwohnen, welche dem himmlischen König, der seinen feierlichen Umzug hält, gebührt. 5) In der Kirche will ich nie vergessen, daß ich im Hause meines lieben Gottes und Heilandes bin. 134 6) Wenn mein lieber Heiland zu einem Kranken getragen wird, will ich ihm diejenige Ehrerbietigteit bezeigen, die ihm gebührt Gebet. O mein lieber Heiland Jesus Christus! wie kann ich deine unaussprechliche Liebe geing bewundern und wie kann ich dir dafür genug danken! Nachdem du selbst am Kreuze für uns das Leben gegeben, so willst du noch bei uns im allerheiligsten Sakramente bleiben! ja, du opferst dich noch täglich auf vielen tausend Altären dem himmlischen Vater für uns als ein Lob-, Dank-, Versöhnungs- und Bittopfer auf. Sogar gibst du dich selbst noch uns zur Seelenspeise und ladest uns freundlichst ein, an diesem himmlischen Tische zu erscheinen. Gib, o mein Jesus! daß ich diese Liebe allezeit innigst erkenne, daß ich dich mit glühender Andacht anbete, mit heiligster Ehrfurcht dem heiligen Altarsopfer beiwohne und mit mög Andachtsübungen am fünften Sonntag. 135 lichster Seelenreinheit in lebhaftem Glauben, festem Vertrauen und heiliger Liebe dich als göttliche Seelenspeise genieße. Heiliger Aloysius, du Engel in der Andacht und Liebe zu Jesu in diesem allerheiligsten Sakramente! erbitte mir die Gnade, daß ich etwas von deiner Andacht, etwas von deiner Ehrerbietigkeit, etwas von deiner Liebe zu meinem Heilande in diesem wunderbaren Sakramente haben möge. Auch bitte ich dich, mein heiliger Schußpatron! du wolleft noch um die besondere Gnade bei Gott für mich bitten, deren ich mich besonders bedürftig empfinde. ( Hier nenne die gemeinte Gnade.) ( Die sechs Vater unser und das Uebrige wie am ersten Sonntag Seite 93.) Fromme Anmuthung den Tag u. die Woche hindurch. mein Gott und Heiland! ich will mich befleißen, dich im allerheiligsten Sakramente allezeit mit innigster Andacht anzubeten und zu empfangen. Jesu, du verborgener Gottmensch! gib mir deine Gnade dazu. Oheiliger Aloyfius! bitt für mich, daß ich meinen lieben Heiland im allerheiligsten Sakramente allezeit demüthigst verehre, andächtigst anbete und ehrerbietigst empfange. O Seele! lobe ohne End' Das allerheiligst' Sakrament. Andachtsübungen am sechsten Sonntag. Am sechsten Sonntag. Gute Meinung vor dem Empfange der heil. Beicht und Kommunion siehe Seite 86.) 136 Der Bußeifer. Erwägung. 1) Bußgesinnung muß jeder Christ haben. Sie bestehet darin, daß er seine Schwachheit und Armseligkeit demüthig vor Gott anerkenne und ihm seine Sündhaftigkeit abbitte, in Demuth und Wachsamkeit lebe, die Plagen des Lebens und die ihn treffenden Kreuze in Demuth zur Abbüßung seiner Sünden geduldig trage, und für die begangenen Sünden Bußwerke verrichte. Je mehr und größer die begangenen Sünden sind, um so größer muß auch der Eifer sein, die Sün= den zu bereuen, sie in aufrichtiger Reue und Demuth zur Erhaltung der Nachlaffung zu beichten und dafür Bußwerte zu verrichten. Die Bußwerte sollen einerseits die Sünde am Sünder strafen, d. h. den Menschen für die begangenen Sünden strafen, andererseits ihn vor dem Rückfalle bewahren. An und für sich ist zwar eine jede, auch kleinere oder sogenannte läßliche Sünde ein sehr großes Ulebel, weil sie eine Verachtung Gottes und freiwillige Uebertretung seiner Gebote ist. Aber schwere Sünden erfordern doch eine ungleich größere Reue, Abbitte und Buße, als sogenannte läßliche. Wenn ein Mensch wirklich gar keine, nicht einmal eine läßliche Sünde in seinem Leben begangen hätte, so würde er doch ganz gewiß schon deßwegen die de Andachtsübungen am sechsten Sonntag. 137 müthige Bußgesinnung haben müssen, weil er weiß, daß er ein Kind Adams ist, somit durch die Erbsünde bei Gott schwer verwundet war, und durch den schmachvollen Kreuzestod des göttlichen Sohnes von dieser großen Schuld und Strafe befreit wurde. Er weiß und nimmt es zu Herzen, zu sich spre= chend: ,, Anstatt meiner blutete mein Jesus am Kreuze unter so viel Schmach und Schmerzen! Was ich verschuldet, hat er erduldet!" - Da aber wohl kein Mensch ist, der gleich dem heiligen Johannes dem Täufer oder der heiligen Jungfrau Maria- auch nicht einmal durch eine läßliche Sünde Gottes Gebot übertreten hätte, so hat Jeder Ursache, nicht bloß wegen der Erbfünde, die er ohne seine Schuld mit sich auf die Welt bringt, sondern hauptsächlich wegen seiner persönlichen Sünden, die er aus seiner Schuld begangen hat, die Bußgesinnung anzunehmen und sein Leben lang in derselben zu verharren. Wollte Gott! es geschehen nicht sehr viele schwere Sünden Todsünden auf der Welt! Wollte Gott! es wäre nicht wahr, daß nicht selten sogar im unreifen Alter große Todsünden begangen werden! - 11 Wie nothwendig ist also nicht bloß im Allge= meinen die demüthige Bußgesinnung, sondern der wirkliche Bußeifer, die wirkliche Bußwirkung? Es ist leider nur allzuwahr, daß die Zahl derjenigen nicht klein ist, die nur durch eifrige und wahre Buße ihr Seelenheil noch erlangen können. 138 Andachtsübungen am sechsten Sonntag. Wie muß aber ein solches wahres Bußewirken beschaffen sein, damit die Seele durch dasselbe gerettet werde? Vernimm, o christliche Secle! hier eine kurze Auseinandersetzung der dazu erforderlichen Stücke. Damit aber kein Mißverständniß entstehe, so soll noch vorläufig bemerkt werden, daß hier hauptsächlich von dem Bußewirken über eine schwere Sünde die Rede ist. Nebenbei ist es aber nicht überflüssig, zu erinnern, daß in der Welt leider viele schwere Sünden begangen werden, viel mehrere, als nicht selten die Leute selbst meinen, welche dieselben begehen. - Zu einer wahren Buße gehöret a. wahres, innerliches Anerkennen, und Bekennen seiner schweren Sündhaftigkeit, Verschuldung und Strafbarkeit. Ein solcher schwergefallener Mensch muß sich zu Gemüthe führen, wie seine schwere Sünde sei eine Verachtung Gottes, ein Ungehorsam gegen Gott, ein Aufruhr gegen Gott, eine Verachtung und Bereitlung des Kreuztodes Jesu Christi an seiner Seele, eine Hingabe an den Satan diesen Feind Gottes, Seelenfeind und Seelenverführer. Ein solcher Mensch soll, um die Größe seines Falles besser zu erfassen, sich vorstellen, wie seine Sünde sei eine völlige Verachtung und Wegwerfung der Liebe Gottes gegen ihn, und eine Vergeltung des Guten mit Bösem. Gott ist lauter Liebe gegen den Menschen; aus Liebe hat er ihn erschaffen, aus Liebe am Kreuzesstamm vom ewigen Verderben befreit, aus Liebe in der heiligen Taufe zu einem Kinde Gottes gemacht, angenommen und geheiligt, aus Liebe erhält er ihm Leben, Gesundheit, Kraft und Wohlsein; aus Liebe gibt er ihm Speis' und Trank. Gottes Luft athmet der Mensch Andachtsübungen am sechsten Sonntag. 139 ein, Gottes Sonne bescheint ihn, Gottes Thiere dienen ihm, Gottes Regen erquickt seine Felder. Und nach diesem Leben will der liebe Gott den Menschen ewig zu sich in den Himmel nehmen, und an die Stelle der gefallenen Engel setzen, wenn der Mensch in dieser Welt seine Liebe erkennet und ihm gehorsamet. Und der Mensch verwirft diese Liebe, tritt sie mit Füßen, und spricht im Werke durch das Sündigen, oder gar mit der Zunge, die ihm Gott gab:" Ich will nicht, daß dieser über mich gebiete; ich gehorsame ihm nicht." Ferner soll der schwer gefallene Mensch, um die Größe und Strafbarkeit seiner Sünde besser zu erkennen, sich die Folgen seiner Sünde in der andern Welt vorstellen. Durch eine schwere Sünde hört er auf ein Kind Gottes zu sein; er verliert das Recht zum Himmel; selbst der Erlösungstod Jesu Christi geht an ihm verloren. Er wird ein Unterthan des Satans, und wenn er in solchem Zustande ohne wahre Bußgesinnung dahinstirbt, so bleibt er ein Unterthan und Eigenthum des Satans, und fällt der ewigen Verwerfung, dem ewigen Feuer, dem ewigen Hunger und Durst, der ewigen Finsterniß, dem ewigen Heulen und Zähnefnirschen, furz, der ewigen Hölle anheim. Welch' Entsetzliches, unaussprechliches Böses muß es um eine einzige Todsünde sein, welche so entsetzliche Folgen nach sich zieht, daß dieselben durch ein ewig dauerndes, furchtbar brennendes Feuer nicht mehr getilgt werden! Bedente es, o Mensch! Bedenke es, o Christ! Zur wahren Buße gehört dann b. eine aufrichtige, ernstliche Reue über die Sünden als das größte Uebel, eine Neue aus Betrübniß über die Verachtung und Beleidigung Gottes, und eine eben so aufrichtige und Semüthige Abbitte bei Gott. Diese Neue löst sich bei einem wahrhaft bußfertigen Sünder gewöhnlich in viele Thränen und Seufzer auf. Ferner gehört c. der kräftige Borsaß: alle Sünden, Ge= fahren, Veranlassungen, Gelegenheiten sorg- Andachtsübungen am sechsten Sonntag. fältigst zu meiden, ganz natürlich auch zum wahren Bußeifer, und sprosset aus der aufrichtigen Neue hervor. Dieser Vorsaß muß mit dem ernstlichen, kräftigen Willen und Entschluß verbunden sein, gegen die Versuchungen und Anreizungen, mögen sie kommen, woher sie wollen, standhaft zu kämpfen, sich dagegen ernstliche Gewalt anthun, und alle Hilfsmittel zur Besserung sorgfältig und gewissenhaft anzuwenden. Darauf folgt 140 d. eine aufrichtige, reumüthige, demüthige Beicht; wenn es räthlich oder gar nöthig ist, eine Generalbeicht. Ein aufrichtiger Büßer nimmt die Belehrungen, Ermahnungen, Warnungen, Heilungsmittel, Räthe des Beichtvaters, sowie die Bußwerke, die er ihm auflegt, demüthig und bereitwillig an. Eben so nimmt er es demüthig an, wenn ihm der Beichtvater die Lossprechung aufschiebt. - e. Nun wird der Vorsatz der Lebensänderung in's Werk gesetzt, und es folgen Bußwerke theils als Strafe für die Sünde, theils als Verbesserungsmittel. Sie bestehen in sogenannter Abtödtung, d. i. in solchen Uebungen und Entbehrungen, welche der Sinnlichkeit wehe thun, und die zum Bösen geneigte Natur in die rechte Ordnung bringen, als da sind: Abbruch im Essen, Abbruch im Schlafe, Abbruch in gewohnten Vergnügen, längere Gebete, längeres Stillschweigen, ein härteres Lager 2c. Daß übrigens feine solchen Bußwerke gemeint sein, welche die Gesundheit ruiniren, versteht sich von selbst. Besonders verlangt der wahre Bußeifer, daß der Sünder die mit seinem Stande verbundenen Beschwerlichkeiten mit Geduld und Aufopferung willig trage, als da sind: eine schwere oder sonst unangenehme Arbeit, eine geringe oder nicht bestens zubereitete Kost, die Entbehrung des Wassers bei obwaltendem Durst, die Wunderlichkeit oder Unreinlichkeit der Leute, mit denen er leben muß, die rauhe Witterung, die Beschuldigung eines Fehlers, den er nicht begangen hat, und wobei man seine Entschuldigung nicht will gelten lassen 2c. Ein sehr verdienstliches Bußwerk ist auch die Ausübung der Nächsten1 Andachtsübungen am sechsten Sonntag. 141 liebe durch unentgeltliche Arbeit, durch unentgeltliche Krankenpflege, durch Almosen, besonders wenn man den Armen gibt, was man sich selbst entzieht. f Wo wahrer Bußeifer ist, da ist auch wahre Demuth. Diese leider so oft verkannte Tugend ist ohnehin jedem wahren Christen nothwendig und eigen. Sie besteht darin, daß man von allem Hochmuth von aller Selbstständigkeit sich frei erhalte, sich in allen Dingen schwach und gebrechlich, in vielen sündhaft und armselig erkenne. Die Hoffart ist ja eine von den sieben Hauptsünden; die Hoffart hat aus den Engeln Teufel gemacht; Gott widersteht der Hoffart, und gibt der Demuth seine Gnade. Auch stehet dem Christen die Hoffart ganz besonders übel an. Einem stolzen Menschen kann man folgende ernsthafte Standrede halten: Sieh, o Christ! der Sohn Gottes gehet für dich in den Tod der Missethäter, dessen du schuldig warst, und du willst stolz sein! Dein Meister und Herr trägt für dich, anstatt deiner und zu deinem Heile, den Spottmantel und die Dornenkrone und Stricke und Bande, und du willst dich stolz mit prächtigen Kleidern, Ringen und Kopfpuß zieren! Dein Herr und Meister trägt das Kreuz todtschwach für dich, und färbt die Erde blutig mit seinen Fußtritten durch die Stadt Jerusalem, und du sein Jünger weißt vor Stolz nicht, wie du deinen Leib einhertragen, biegen und drehen, wie du deine Füße zieren und setzen sollst! Dein Meister und Herr hat ein Angesicht von Backenstreichen blau geschlagen und hochgeschwollen, von Blut und unsauberm Speichel ganz entstellt, und das für dich; und du sein Jünger weißt nicht, wie du dich waschen und putzen, im Spiegel beschauen, die Haare legen, den Kopf tragen sollst, und bist dabei so einfältig und thöricht, dir sogar auf ein Bischen rothe Farbe, die durch den kleinsten Hauch einer Krankheit verwehet wird, etwas einzubilden! Dein Meister und Herr hat viel gefastet, viel Hunger und Durst gelitten, und ward zuletzt mit Essig und Galle getränft, und das alles für dich; und dir ist in deinem Stolze - - - - 142 Andachtsübungen am sechsten Sonntag. kaum mehr eine Speise gut genug; du weißt nicht, sollt du essen oder nicht; du weißt nicht, mit welchem Spott namen du die Speise belegen sollst, um die so viele Arme so froh wären; du beklagest dich bitter, wenn du an einem Fasttag eine Fastenspeise essen, oder gar einen Abbruch dir thun sollst! Sieh nun, wie verkehrt der Stolz ist, und wie er dich des Namens eines Christen eines Jüngers Christi unwürdig macht.... Wenn dich diese Betrachtung von dem Stolze nicht heilt, so heilt dich vielleicht die Be trachtung der Thorheit des Stolzes. Du suchest Ehre, Ansehen, Hochschäßung durch deinen stolzen Sinn und durch dein stolzes Thun. O du Thor! gerade was du suchest, bekommst du nicht. Du wirst Jedermann unausstehlich, Niemand will bei dir wohnen, Jedermann verachtet dich, und sehr Viele verspotten dich als einen eiteln, lächerlichen Thoren. So und noch mit vielen dergleichen Worten könnte man einem stolzen Christen die Augen aufthun, und ihm den Spiegel der Wahrheit vorhalten, wenn er hineinschauen wollte. Doch wenn schon jeder wahre Christ demüthig sein muß, so muß es besonders der wahre Büßer sein. Wo noch der Stolz herrscht, dort ist kein wahrer Bußzeifer: dort fehlt das Anerkennen seiner großen Schuld und Strafbarkeit vor Gott, und somit der Anfang der Buße und der Grund, auf den sie gebaut werden muß. Wo wahrer Bußeifer ist, da ist auch 1 g. Eifer im Gebet. Ein wahrer Büßer betet oft zum beleidigten Gott; er betet sowohl im Herzen durch stille Seufzer, als auch äußerlich; er betet viel, und be müßt die Zeit gut dazu, besonders an Sonn- und Feiertagen; er besucht gerne den heil. Kreuzweg, und betrachtet überhaupt gerne das bittere Leiden Jesu Christi, seines lieben Erlösers; er besucht gerne die Todten- Kapellen, und schaut überhaupt gerne und ernstlich in die andere Welt hinüber. Endlich, wo der wahre Bußeifer ist, da herrschet h. genaue und zarte Gewissenhaftigkeit in allem Thun und Lassen, in Reden und Handlungen, besonders in Erfüllung der Standespflichten. Andachtsübungen am sechsten Sonntag. 143 Dieser erste Theil der Erwägung, worin der wahre Bußeifer bestehe, hat nun etwas länger gedauert; aber er ist sehr wichtig. Ueberlege ihn wohl, o Aloysianisches Pflegekind! da= mit, wenn du etwa einmal in eine schwere Sünde gefallen sein solltest, du dich nicht mit einer Scheinbuße begnügest und dadurch dich selbst so entsetzlich betrügest; wenn du aber so glücklich bist, nie in eine schwere Sünde gefallen zu sein, damit du deine Wachsamkeit und deinen Eifer nicht erkalten lassest, sondern eher verdoppelst, um nie in eine zu fallen. 2) Betrachte nun den Bußeifer des heil. Aloyfius! Obwohl Aloysius in seinem Leben nur zwei Fehler in den Kinderjahren begangen, welche ihm wegen Unkenntniß der Sache gar nicht einmal zu einer Sünde vor Gott gereichten, so wirkte er doch darüber sein ganzes Leben hindurch eifrig und streng Buße. Seine Fehler waren diese: Einmal nahm er als kleiner Knabe unter sieben Jahren. den Soldaten heimlich etwas Schießpulver weg, lud es in eine Kanone und feuerte sie ab, wobei er sich bald beschädigt hätte. Er hatte noch nicht so viel Verstand, daß er erkannt hätte, wie übel es hätte ausgehen können, und daß er das Ganze hätte unterlassen sollen. Ein anderes Mal hatte er von den Soldaten sündhafte Worte gehört, aber nicht verstanden, was sie bedeuteten. Diese sagte er einmal nach. Als ihm sein Lehrer sagte, diese Worte seien sündhaft, bereuete und beweinte er sie, und fing schon in jenem Alter von sieben Jahren an, eifrige Buße zu wirken. Jenes Jahr hieß er daher das Jahr seiner Bekehrung und hielt es 144 Andachtsübungen am sechsten Sonntag. für das glücklichste seines Lebens. Seine Buße führte er durch alle, oben berührten Punkte bis an sein Lebensende durch, so, daß er ein vollkommener Unschuldiger und ein vollkommener Büßer zugleich war. a. Seine Fehler sah er für große Sünden, somit für das größte Uebel, und sich als vor Gott sehr verschuldet, und sehr strafbar an. Wenn er bei genauester Durchforschung seines Gewissens keine auch noch so kleine Sünde finden konnte, gerieth er in große Furcht, er möchte in großer Blindheit sein, und aus Blindheit seine Sünden nicht erkennen. b. Er bereute und beweinte sie bitterlich, und dieses nicht eine oder die andere Viertelstunde, sondern sein ganzes Leben hindurch. c. Wie ernstlich sein Vorsatz war, alle Sünden und alle Gefahr dazu zu vermeiden, zeigte er gleich als Kind. Er floh die Soldaten, von denen er jene unrechten Worte gehört hatte, und alle Leute, die mit unsaubern oder Fluchworten sich abgaben. Er machte sich in allen Stücken den redlichsten, kräftigsten Vorsaß. d. Er beichtete diese seine zwei Fehler, die er große Sünden nannte, und andere Dinge, in welchen die Beichtväter keine Sünden, sondern höchstens nur geringe Unvollkommenheiten finden konnten, mit einer Genauigkeit, Aufrichtigkeit, Reue und Zerknirschung, daß er vor Bußzähren kaum reden konnte, und in Ohnmacht sank. e. Wie genau er die gemachten Vorsäße gehalten habe, zeigt sein Leben. Es war mit zwei Worten gesagt die lauterste Unschuld und die eifrigste Buße. Die Bußwerke selbst, die er verrichtete, hätten nicht strenger ſein können, wenn er wirklich der größte Sünder gewesen wäre. Schon vom elften Jahre an fastete er dreimal in der Woche, jeden Freitag bei Wasser und Brod, und hielt nebstdem noch andere Fasten. Zudem war er überhaupt in Speif' und Trank überaus mäßig, selbst dann, wenn er an fürst- Andachtsübungen am sechsten Sonntag. 145 lichen Tafeln speisen mußte. In das Bett legte er sich öfter unter das Leintuch Bretter, und anstatt des Kopfpolsters ein Stück Holz. Im Sißen, Knieen und Stehen wählte er oft unvermerkt die unbequemste Leibesstellung. In Krankheiten nahm er die widerwärtigsten Arzneien langsam, und zerkauete die bittern Pillen. Ja, er züchtigte sogar seinen Leib mit Stricken und Riemen, worein er Knöpfe gemacht hatte. Und dieß that Aloysius im blühendsten Alter, und am königlichen Hofe, wo ihm alle Ergöglichkeiten, alle Gemächlichkeiten und aller Ueberfluß des Lebens dargeboten wurde; ja, wo er an manchen Unterhaltungen, Zerstreuungen und Mahlzeiten Antheil nehmen mußte! OBüßer, nimm dir daran ein Beispiel, und folge ihm wenigstens von weitem nach. f. Wie Vieles ließe sich von seiner Demuth sagen! Alle Ehrenbezeigung, die man ihm als dem Sohne eines Fürsten anthun wollte, war ihm eine Pein. Dem weltlichen Fürstenthume entsagte er ganz, und bat seinen Vater so lange, bis er ihm erlaubte, es seinem jüngern Bruder abzutreten. Schlechte abgetragene Kleider zog er am liebsten an, neue wollte er nicht anlegen, und wenn er mußte, that er es sehr ungern. Die geringsten Dienste im Kloster, die nur dem mindesten Diener obgelegen wären, that er am liebsten, als z. B. in der Küche, im Garten, an der Klosterpforte, und dieses selbst in Gegenwart von Prälaten, Bischöfen und Kardinälen. Er ging selbst mit dem Quersack für das Kloster und für die Armen Almosen sammeln. Sieh da seine Demuth, wovon noch viele Züge erzählt werden könnten. Sie kam daher, weil er sich für einen großen Sünder hielt. g. Sein Gebetseifer ist zu bekannt, als daß es nöthig wäre, hier davon ausführlicher zu reden. Er hatte sich so sehr an das innerliche Gebet und den Umgang mit Gott gewöhnt, daß ihm allenthalben sogenannte Pfeil- oder Schußgebetlein gleichsam unwillkürlich entfuhren, und die Leute, die um ihn waren, insgemein sagten, Moysius rede Aloyfiusbüchlein. 10 Andachtsübungen am sechsten Sonntag. 146 mit den Wänden und Steinen. Gebetseifer am vierten Sonntag ausgelegt. h. Eben so wenig ist es nöthig, von seiner zartesten Gewissenhaftigkeit und Treue, in allem seinem Thun und Lassen, in Gedanken, Neden und Handlungen, sowie genauester Erfüllung seiner Standespflichten, oder von seiner Nächstenliebe zu reden, die so weit ging, daß er in eifriger und unermüdeter Bedienung der Kranken im Spitale endlich selbst sein Leben opferte - Uebrigens ward sein 3) Erwäge nun, o Aloysianisches Pflegekind! wie es mit deiner Bußgesinnnng stehet und bisher gestanden ist. Durchgehe die bekannten zu einer giltigen Beicht nothwendigen fünf Stücke und frage dich. Wie ging es mit der Gewissenserforschung und Sündenerkenntniß, wie mit der Reue, wie mit dem Vorsatz? War etwa Alles bloß oberflächlich genommen, bloß mit dem Munde hergesagt, oder gedankenlos aus einem Büchlein gelesen? Wie ging es mit der Beicht? war sie allzeit aufrichtig, vollständig, demüthig? Wie ging es mit dem Zuspruche mit den Aufmunterungen, Belehrungen, Warnungen, Ermahnungen, Räthen, angegebenen Hilfsmitteln, Untersagungen des Beichtvaters? Hast du sie aufmerksam und mit dem redlichen Willen, sie zu befolgen, angehört? Hast du dir sie gemerkt und beobachtet? oder hast du sie in den Wind geschlagen, vergessen, verachtet? Wie stehet es mit der Genugthuung, mit den Bußwerken, mit der bußfertigen Gesinnung, mit dem bußfertigen Leben überhaupt? Besonders, wenn du etwa eine, oder gar mehrere Todsünden zu beichten gehabt, oder wenn du sogar längere Zeit in einem todtsündlichen Seelenzustande blindlings und leichtfertig fortgelebt hätteſt!? Wie stehet es mit der Demuth'? In einem Herzen, das von den Disteln und Dornen der Hoffart bewachsen ist, hat der Bußgeist feinen Platz, Wurzel zu fassen und zu gedeihen. Ein Büßer- eine Büßerin sein sollen, und zugleich noch - Andachtsübungen am sechsten Sonntag. 147 ein üppiges hochmüthiges, selbstgefälliges, sorgfältig herausgeputztes Weltkind sein wollen stehet durchaus nicht zusammen. Ein im Herzen hochmüthiges und selbstgefälliges, noch mehr ein hochmüthig aufgepußtes- sich hochmüthig geberdendes Beichtkind ist für Engel und Menschen ein betrübender Anblick. Wenn aber ein solches Beichtfind sogar einer schweren Sünde- einer Todsünde in seinem Gewissen schuldig ist, und dabei von Demuth nichts wissen, den innerlichen hohen Sinn, und die äußerlichen Zeichen und Früchte desselben den eiteln, hoffärtigen Aufputz, den hoffärtigen Gang, die hoffärtige Stellung, und all' sein hoffärtiges Gott, Engel und Menschen anekelndes Betragen nicht ablegen will, so ist solches ein höchst niederschlagender, bejammernswerther Anblick. Ein solches Beichtfind betrüget sich selbst gar entsetzlich! Es hält ſein so beschaffenes Beichten für Buße, und rechnet auf Sündennachlassung, und doch fehlt ihm die nothwendige Bußgefinnung. Beweinenswerther Jrrthum! - - - - Wie steht es ferner mit der Erfüllung deiner Vorsäße, wie mit dem Gebetseifer, wie mit der zarten Gewissenhaftigkeit in allen deinen Reden und Handlungen, in deinen Gedanken, in deinem Thun und Lassen, in deiner Nächstenliebe, in der Erfüllung deiner Standespflichten? Vorsat. 1) Ich will mich befleißen, eine wahre Bußgesinnung zu haben und allzeit zu behalten, weil ich ja schon als ein Kind Adams so viele Ursache dazu habe. 2) Ich will mich befleißen, diese Bußgesinnung nicht bloß bei der heil. Beicht aufzuwecken, sondern sie soll mein ganzes Leben, all' mein Thun und Lassen, meine ganze Denkungsart als ein gutes Salz durchdringen und meine Seele vor dem Rost und der Fäulniß der Selbstgefälligkeit und des Hochmuthes bewahren. 10* Andachtsübungen am sechsten Sonntag. 3) Eine Todsünde will ich als das ansehen, was sie ist, als das größte Seelenübel; sie auf das sorgfältigste meiden, und- wenn ich das Unglück, die Blindheit, den bösen, argen Sinn gehabt habe, mich in eine zu stürzen, so will ich darüber wahre Buße wirken, und mich recht hüten, daß ich mich nicht etwa mit einer Scheinbuße betrüge. 148 - 4) Bei der heil. Beicht will ich mich befleißen, alle fünf nöthigen Stücke recht zu machen. Den Beichtvater will ich als den mir von Gott gegebenen himmlischen Gewalthaber zur Sündennach= laffung und Seelenarzt ansehen, und seine Worte nicht in den Wind schlagen. 5) Der Demuth will ich mich besonders befleißen und allen Anfechtungen zur Selbstgefälligkeit und Hoffart bestens widerstehen. Ich will nicht vergessen, daß mein lieber Heiland, der für mich solche Verachtung, Verspottung und Schmerzen gelitten hat, mir zuruft: ,, Lernet von mir fanfmüthig und von Herzen demüthig sein. Wer mein Jünger sein will, verläugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach." 6) Das Leiden meines lieben Heilandes will ich mir oft vorstellen, selbst die Engel schauen gern in selbes, Tod und Gericht will ich nicht vergessen, in die Ewigkeit will ich oft hinüberblicken. - 7) Auch will ich mir öfter in sonst erlaubten Dingen unvermerkt Gewalt anthun und mich über 149 Andachtsübungen am sechsten Sonntag. winden, z. B. von guten Speisen etwas weniger essen, eine unschmackhafte Speise nicht tadeln, den Durst nicht gerade nach vollem Verlangen stillen, gegen Hiße oder Kälte nicht so empfindlich sein 2c. Gebet. O mein Gott und Heiland! Ich habe so viel Ursache, bußfertig zu sein, schon als Kind Adams wegen der Erbsünde und dann wegen meiner eigenen Fehler und Sünden. Wohl habe ich Ursache, zu rufen mit dem Propheten Jeremias: Wer wird meinem Haupte Wasser ge= ben, und meinen Augen einen Bach von Thränen, um Tag und Nacht mein Elend zu beweinen!" Ich bitte dich, du Quell aller Gnaden! flöße meinem Herzen den wahren Bußeifer ein, damit ich in demselben lebe und sterbe, und so das ewige Heil erlange. Ich will mich nach allen Kräften befleißen, mit deiner Gnade mitzuwirken und alle Mittel anzuwenden, die mich im Bußeifer erhalten und denselben dir wohlgefällig und mir heilsam machen. - Oheiliger Aloysius! du großer Büßer bei deiner vollkommenen Unschuld! Erbitte mir bei meiner Schuld den wahren Bußeifer, damit ich durch denselben meine Seele rette. Erhalte mir auch jene Gnade, deren ich mich besonders bedürftig empfinde.( Hier nenne dieselbe.) ( Die sechs Vater unser und das Uebrige wie am ersten Sonntag, Seite 93. Fromme Anmuthung den Tag u. die Woche hindurch. O mein Gott! gib mir Armseligen den wahren Bußgeist. Schlußgebet für alle sechs Sonntage. Ich will mich befleißen, jetzt und mein ganzes Leben hindurch bußfertig zu sein. 150 O heiliger, unschuldiger Büßer Aloysius! bitt für mich um wahren Bußeifer. Wer fündigt, muß- 3ur wahren Buß. Schlußgebet für alle sechs Sonntage. O mein Herr und Gott! Ich danke dir von ganzem Herzen, daß ich die Gnade und das Glück gehabt hobe, diese sechs Sonntage zu halten, in denselben die heiligen Sakramente zu empfangen, die Tugenden des heiligen Aloysius zu betrachten und für mich heilsame Vorsäße der Nachfolge zu machen. Diese heil. Andacht kann das Glück meiner Seele für Zeit und Ewigkeit sein, wenn ich dasjenige, was ich mir in derselben vorgenommen habe, fleißig erfülle und so dem heiligen Aloysius nachfolge. Dieses ist mein fester Wille, o mein Gott! Gib mir deine Gnade dazu, daß ich nicht mehr wanke. Ich will heute am Schluße noch einmal auf das Vorgestellte und Vorgenommene zurückblicken, und es mir vor deinem heiligen Angesichte noch einmal kräftig vornehmen. Am ersten Sonntag habe ich betrachtet, wie der heil. Aloysius dir überhaupt in allem seinen Thun und Lassen treu gedient hat, an den übrigen Sonntagen, wie er dir in einzelnen Tugenden wohl= gefallen hat. Ich will mich nun, o mein Gott, von Herzen befleißen, dich über Alles zu lieben Schlußgebet für alle sechs Sonntage. 151 und in allen Dingen dir getreu zu dienen; denn dieses ist das höchste Ziel und Ende meines Lebens! Dazu bin ich auf der Welt! Ich will mich auch befleißen, gleich dem heiligen Aloysius, dir getreu zu dienen in der schönen englischen Tugend der Schamhaftigkeit und Reinigkeit, in der Tugend des Gehorsams, in dem Gebetseifer, in der Ver= ehrung des allerheiligsten Altarsgeheimnisses und im wahren Bußeifer. Steh' mir bei, diesen Vorsatz zu erfüllen! Laß nicht zu, daß ich jemals mehr davon nur im geringsten abweiche. Und wenn ich blind genug sein sollte, jemals auf Abwege zu gerathen, mahne und warne mich; und wenn ich deine Liebe und das Heil meiner Seele jemals vergessen und gering achten sollte, so schicke die Schreden deiner Gerichte über mich, damit ich noch dadurch von dem Abwege zurückgeschreckt werde und es nie wage, von dir und deinem Gefeße nur im Geringsten zu weichen. Heiliger Aloysius! Du mein Schutzpatron und Fürbitter! Höre nicht auf für mich zu bitten, daß ich auf guter Bahn bleibe, dir nachfolge, meinen Lauf gut vollende und so zu dir in das himmlische Vaterland tommen möge. Dieses bitte ich durch Jesum Christum unsern Herrn und Heiland, der mit Gott dem Vater und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebet und regieret in alle Ewigkeit. Amen. XOOX 152 IV. Noch einige Andachtsübungen, den heil. Aloysius zu ehren und desſen Fürbitte zu erflehen. Tagzeiten zum heil. Aloysius. Zur Metten. Vater unser 2c. Ave Maria zc. Ich glaube 2c. Jesu, mein Heiland! entzünde mein Herz mit deiner Liebe. V. Herr! eröffne meine Lefzen. R. So wird mein Mund dein Lob verkünden. V. O Gott! merke auf meine Hilfe; R. Herr, eile mir zu helfen. Die Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste; wie im Anfang und jetzt und allzeit und zu ewigen Zeiten. Amen. Lobgesang. Aloysius der Unschuldige. Gonzaga! dich hat Gott erkoren,* daß du nur ihm sollst eigen sein; du wurdest auf die Welt geboren* von Sünden durch die Tauf' ganz rein.* Die Weltpracht hat dich nie gerühret,* nie hat die schnöde Eitelkeit dein weises Herz durch List verführet;* nur Gott war deine ganze Freud'.* Der Höchste zierte dich mit Gnaden, und machte dich fast Engeln gleich;* du bliebest treu auf seinen Pfaden, und schimmerst jetzt im Himmelreich. * * * Tagzeiten zum heil. Aloysius. Antiph. Viele werden sich über seine Geburt erfreuen; denn er wird groß sein vor dem Herrn; er wird noch im Mutterleibe mit dem heiligen Geiste erfüllt werden, und er wird Viele zu Gott bekehren. 153 V. Der Herr hat ihn vom Mutterleib berufen; R. Und hat ihn geheiliget, bevor er geboren war. Gebet. Gott, du Ausspender der himmlischen Gaben! der du in dem englischen Jünglinge Aloysius eine wunderbare Unschuld des Lebens mit einer gleichen Bußfertigkeit vereinbaret haft: verleih' uns durch seine Verdienste und Fürbitte, daß wir, die wir ihm in der Unschuld nicht nachgefolgt sind, in der Bußfertigkeit nachfolgen mögen; durch unsern Herrn Jesum Christum deinen Sohn, welcher mit dir in Einigkeit des heiligen Geistes als wahrer Gott lebet und herrschet von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Zur Prim. V. Gott! merke auf meine Hilfe; R. Herr! eile mir zu helfen. Die Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heil. Geist; wie im Anfang und jetzt und to jest un allzeit und zu ewigen Zeiten. Amen. Lobgesang. Aloysius, heilig als ein Kind. Noch in der Blüth' der ersten Jugend* erzeugt dieß Gott geliebte Kind* die schönsten Früchte reifer Tugend, 154 Tagzetten zum heil. Aloysius. die man im Alter sonst kaum find't.* Gott eifrigst lieben, ihm anhangen, dieß war sein einziges Geschäft;* Gott war sein einziges Verlangen;* auf Gott war stets sein Herz geheft. Ich bitt' erwirb mir gleiche Triebe, Gon= * zaga! leite meinen Sinn,* entzünde mich mit gleicher Liebe, zieh mich zu gleichen Freuden hin. * * Antiph. Gott liebte ihn, und hatte an ihm sein Wohlgefallen, weil er von Jugend auf in seinem Gesetze wandelte; deßwegen ließ er auch seine Gnade und Barmherzigkeit an ihm erscheinen. V. Er hat seinen Lauf bald vollendet; R. Aber mit Unschuld und Weisheit viele Jahre erfüllet. Gebet. O Gott, du Ausspender ac. Seite 153. Zur Terz. V. O Gott! merke auf meine Hilfe; R. Herr! eile mir zu helfen. Die Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist; wie im Anfang und jetzt und allzeit und zu ewigen Zeiten. Amen. Lobgesang. Aloysius, ein Verehrer des Leidens Christi. * wenn er Gonzaga weint aus Lieb' und Schmerzen, am Kreuze Jesum sieht; die Liebe brennt in seinem Herzen, wenn er in Jesu Wunden flieht.* In diesen Wunden will er leben: da schlägt er seine Wohnung auf; da kann er sich der Lieb' ergeben;* denn Lieben ist sein Lebenslauf.* O drücke jene sanften Wunden* des Mitleids über Jesu Pein, die Liebe, welche du empfunden, auch meinem falten Herzen ein. *: * Tagzeiten zum heil. Aloysius. 155 Antiph. Schlaget eure Wohnung in Jesu Wunden auf, und vertrauet ohne Furcht auf ihn; ihr werdet da Stärke finden, und mit Freuden aus den Brunnquellen des göttlichen Heilandes Wasser schöpfen. V. Trinket von diesem lebendigen Wasser; R. Und ihr werdet in Ewigkeit keinen Durst mehr leiden. Gebet. O Gott, du Ausspender 2c. S. 153. Zur Sext. V. O Gott! merke auf meine Hilfe; R. Herr! eile mir zu helfen. Die Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geist; wie im Anfang und jetzt und allzeit und zu ewigen Zeiten. Amen. Lobgesang. Aloysius, ein Anbeter des heiligsten Altars Sakramentes. wenn er sich Gonzaga wird von Lieb' entzündet, nähert dem Altar,* auf dem er seinen Jesum findet,* der sich uns gibt zur Speise dar.* Die Liebe brennt in seinem Herzen,* voll Ehrfurcht betet Gott er an;* er brennt vor Liebe und vor Schmerzen, daß er nicht noch mehr lieben kann.* O könnt' ich, Jesu! dich so lieben, wie dich Gonzaga hat geliebt; daß ich nicht brenn' von gleichen Trieben, dieß, Jeju, macht mein Herz betrübt. * Antiph. Ich habe für euch ein Opfer geschlachtet, Wein gemischt und den Tisch zubereitet; kommet denn, esset mein Brod, und trinket den Wein, welchen ich für euch gemischt habe. 156 Tagzeiten zum heil. Aloysius. V. Kommet Alle, die ihr Hunger und Durst habet; R. Da werdet ihr erquicket und gesättiget werden. Gebet. O Gott, du Ausspender 2c. Seite 153. Zur Non. V. O Gott! merke auf meine Hilfe; R. Herr! eile mir zu helfen. Die Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist; wie im Anfang und jetzt und allzeit und zu ewigen Zeiten. Amen. Lobgesang. Aloysius, ein Verehrer des Herzens Jesu. * * Jesu Herz! du wählst das Leiden,* und büßest unsrer Sünden Schuld,* uns bist du eine Quell' der Freuden, voll Liebe, Langmuth und Geduld.* Gonzaga war dir ganz ergeben, er war von deiner Liebe wund; dich loben, lieben war sein Leben,* er macht dein Lob auch andern kund.* Ich will nun meine Sünd' verfluchen, dann schließt mich dieses Herz auch ein;* ich will sonst keine Freud' mehr suchen; da wird mein Trost, mein Alles sein. Antiph. Kommet zu mir, und höret mich an, so wird eure Seele dadurch leben; ich will ein Bündniß mit euch machen, und meine Barmherzigkeit an euch erscheinen lassen. V. Unser Gott wird sich unser erbarmen; R. Er ist huldreich im Verzeihen. Gebet. O Gott, du Ausspender 2c. Seite 153. Tagzeiten zum heil. Aloysius. Zur Vesper. V. O Gott! merke auf meine Hilfe! R. Herr! eile mir zu helfen. 157 Die Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist; wie im Anfang und jetzt und allzeit und zu ewigen Zeiten. Amen. Lobgesang. Aloysius, ein Liebhaber Mariä. Maria reiner Augen Weide,* Gonzaga war dein Gegenstand; Maria reiner Herzen Freude* war deiner Liebe Unterpfand.* Zur Mutter hast du sie gewählet,* und sie erkannte dich als Sohn;* die Lieb' zu ihr hat dich beseelet,* die Gegenliebe war dein Lohn.* Ach bitt', Gon= zaga! für mich Armen,* daß mir Maria gnädig sei, daß sie sich meiner woll' erbarmen;* ich bleibe bis in Tod ihr treu. * Antiph. Ich bin die Mutter der schönen Liebe, der Furcht Gottes und der Erkenntniß: in mir ist alle Gnade und die Hoffnung des Lebens und der Kraft. V. Rommet dann Alle, die ihr ein Verlangen nach mir traget; R. Und ersättiget euch an meinen Früchten. Gebet. O Gott, du Ausspender. 2c. Seite 153. Zur Komplet. V. Bekehr' uns zu dir, o Gott, unser Heiland! R. Und wende deinen Zorn von uns ab. V. O Gott! merke auf meine Hilfe! R. Herr! eile mir zu helfen. Tagzeiten zum heil. Aloysius. Die Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist; wie im Anfang und jetzt und allzeit und zu ewigen Zeiten. Amen. 158 Lobgesang. Aloysius, ein Büßer. * Gonzaga floh die kleinsten Sünden,* er lebte gleich den Engeln keusch; an ihm war keine Schuld zu finden,* er war ein Engel in dem Fleisch. Doch seht, wie dieser Engel büßet,* wie er obgleich von Sünden frei, nicht Zähren nur, selbst Blut vergießet,* und fast vergeht vor Angst und Reu'.* Ach! ich verdien' der Hölle Qualen; Gonzaga! ich muß Büßer sein;* damit ich meine Schuld bezahlen, so flöß' mir Nen' und Liebe ein. * V. Lasset uns mit ihm leiden; R. Damit wir mit ihm verherrlichet werden. Gebet. Gott, du Ausspender 2c. Seite 153. * Antiph. Wer seine Seele unrecht liebet, wird sie verlieren; und wer seine Seele auf dieser Welt hasset, bewahret sie für das ewige Leben. * * Empfehlung. * ** Gonzaga! laß mich Gnade finden, o nimm dich deines Pflegkinds an; bewahre mich vor allen Sünden,* und führe mich die Tugendbahn.* Nach deinem Beispiel will ich leben, die Welt verachten ist mein Ruhm;* ich will mich gänzlich Gott ergeben,* ihm schenk' ich mich zum Eigenthum. Ich will für meine Laster büßen,* und tilgen meiner Sünden Schuld:* die Reuethränen sollen fließen, und mir erwerben Gottes Huld.* Ich will mit dir Maria lieben,* und Jesus ihren lieben Sohn;* beseele mich mit gleichen Trieben,* erwirb mir eine gleiche Kron'. * 159 Am Feste des heil. Aloysius. Bertrauensvolle Empfehlung in dessen Schuk. Heiliger Aloysius! ich empfehle mich mit ganzem Vertrauen deinem Schuße; verschmähe nicht mein Herz, welches dir ganz ergeben ist und dich aufrichtig liebt. Oliebreichster Fürbitter! versage mir deine Hilfe nicht, um welche ich dich mit möglichsten Eifer anflehe; bringe mir die Gnade zuwege, daß ich Alles verbessere, was den reinsten Augen Gottes und den deinen an mir mißfällt; künftig will ich mich vor aller Sünde sorgfältig hüten. Ich verlange, dir, o mein liebster Aloyfius, in Ausübung der Tugenden getreu nachzufolgen! Du bist mein Lehrmeister, dein Beiſpiel sei meine Richtschnur, befördere in mir die Tugenden und verschaffe ihnen Wachsthum. Meine Seele ist gleich einem vertrockneten Erdreich; ich hebe aber voll der Hoffnung meine Hände zu dir auf, befeuchte du sie mit einigen Tröpftein jener Andacht, von welcher dein ganzes Herz erfüllt war, damit auch ich mich zu Gott erschwinge, und Alles gegen die vortreffliche Erkenntniß Jesu Chrifti für nichts achte, auf daß mein Lebenswandel schon jetzt, da ich noch auf der Erde wandle, im Himmel sein möge. O heiliger Aloysius, englischer Jüngling! erhalte mir von Gott die Gnade, daß ich mein Herz 160 Vertrauensvolle Empfehlung in dessen Schuß. allzeit rein bewahre, und daß mein Leben dem deinen gleiche. Wie im Leben, so sei auch im Tode mein Beschüßzer; in jener Stunde, von wel= cher die ganze Ewigkeit abhängt, steh' mir, o lieber Heiliger! ganz vorzüglich mit deiner trostreichen Gegenwart bei, und rette meine Seele aus aller Gefahr, damit ich das himmlische Kleinod des göttlichen Berufes durch Jesum Christum erwerbe, und von Maria der seligsten Jungfrau, vom heiligen Schußengel, von dir und allen Heiligen begleitet, durch deine und ihre Fürbitte von aller Makel gereinigt, vor dem göttlichen Richterstuhle freudig erscheine, und sodann mit dir, meinem liebsten Beschützer und mit allen Heiligen Gott von Angesicht zu Angesicht anschauen, und ohne Unterlaß lieben und loben möge. Antiph. Erfreuet euch, daß er dieser Erde ist entzogen worden, und sich dem Throne Gottes genähert hat, um desto mehreren durch seine Fürbitte das Heil zu erlangen; er ist auf dieser Erde erschienen, damit er uns ein Beispiel gäbe; er wurde in den Himmel erhoben, damit er unser Fürsprecher sein könne. V. Dieser ist ein Liebhaber der Brüder und des Volkes Israel; R. Dieser betet viel für das Volk und für die ganze heilige Stadt. Gebet. O Gott, du Ausspender 2c. wie S.153. Litanet zur Ehre und Nachfolge des heiligen Aloystus. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser Gott heiliger Geist, erbarme dich unser! 161 Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme dich unser Heilige Maria, bitt für uns! Heilige Gottesgebärerin, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Heiliger Aloysius, Du Engel im Fleische, Du Wunder der Unschuld, Du hellglänzendes Beispiel aller Tugenden, Du liebevoller Fürsprecher und Beschüßer der Jugend, Du großmüthiger Verachter der Welt und ihrer eiteln Freuden, Der du so gern an Gott gedacht hast, Der du von Jugend an in der Gegenwart Gottes! gewandelt hast, Der du eine innige Liebe zu Gott getragen hast, Der du zu jedem Gebete einen brennenden Eifer gebracht haſt, Der du eine inbrünstige Andacht zu Jesus im heiligsten Altarssakramente getragen hast, Der du so oft mit glühender Andacht zum Tische des Herrn gegangen bist, Der du das Leiden Jesu Christi so oft und anmuthig betrachtet hast, Der du die Taufunschuld ganz unversehrt bewahrt hast, Der du dem heiligen Meßopfer stets voll Andacht beigewohnt hast, Aloysiusbüchlein. 11 Bitt für uns! 162 Litanei zur Ehre u. Nachfolge des Hl. Aloysius. Der du das Wort Gottes immer mit bestem Willen angehört und befolgt hast, Der du deinen Eltern und Vorgesetzten so willig und genau gehorsam warest, Der du verdorbene Menschen so sorgfältig geflohen hast, Der du allen Gefahren der Welt so gewissenhaft ausgewichen bist, Der du alle Reichthümer und die Eitelkeit der Welt gänzlich verachtet hast, Der du auch die geringste Sünde als das größte Uebel verabscheut hast, Der du allzeit wahre Nächstenliebe geübt hast, Der du gegen alle sanftmuthig und demüthig warst, Der du die Augen und alle Sinne so streng bezähmt hast, Der du dich bei gänzlicher Unschuld für einen großen Sünder gehalten hast, Der du so strenge Buße gewirkt hast, Der du die Pflichten deines Standes so genau erfüllt hast, Der du in Gedanken, Worten und Werken Gott so tren gedient hast, Der du eine so zärtliche Verehrung zu Maria, der jungfräulichen Mutter, getragen hast, Der du mit dem heiligen Schußengel einen vertraulichen Umgang gepflogen hast, Der du bis an dein Ende so getreu und standhaft ausgeharret hast, Daß auch wir Gott überall vor Augen haben, Daß auch wir allzeit in der Furcht Gottes leben, Daß auch wir den Umgang mit verdorbenen Menschen fliehen, Daß auch wir vor der Verführung stets bewahret bleiben, Daß auch wir in Versuchungen und Gefahren allzeit obsiegen, Daß auch wir unsere Herzen von dem Irdischen abkehren, Daß auch unser Gemüth sich zum Himmel erhebe, Bitt für uns! Litanei zur Ehre u. Nachfolge des heil. Aloysius. 163 Daß auch wir eine wahre Andacht zu Jesus im heiligsten Sakramente haben, Daß auch wir eine findliche Verehrung zu Maria, der reinsten Jungfrau, tragen, Daß auch wir unsere heiligen Schußengel nie betrüben, Daß auch wir an Leib und Seele stets rein verbleiben, Daß auch wir in aller Tugend immer zunehmen, Daß auch wir eine kindliche und dankbare Liebe gegen Gott beweisen, Daß auch wir einen lebendigen Abscheu gegen jede, auch die geringste Sünde haben, Daß auch wir eine aufrichtige Neue über unsere Sünden fassen, Daß auch wir unsere Sünden und Fehler ernstlich ablegen, Daß auch wir noch vor dem Tode die heiligsten Saframente andächtig empfangen, Daß auch wir eines glückseligen Todes dahinscheiden, Daß auch wir in dem strengen Gerichte Gottes bestehen mögen, Bitt für uns! Daß auch wir dann zu dir und allen Engeln und Heiligen aufgenommen werden, Daß auch wir endlich mit dir und allen Engeln Gott ewig loben und preisen mögen, O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt! Verschone unser, o Herr! O du Lamm Gottes u. s. w. Erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes u. s. w. Erbarme dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Vater unser. Gegrüßt seist du Maria 2c. Gebet. Gott, du Ausspender der himmlischen Gaben! der du in dem englischen Jüng= linge Aloysius eine wunderbare Unschuld des Lebens mit einer gleichen Bußfertigkeit vereinbaret haft: verleih' uns durch seine Verdienste und Fürbitte, 11* 164 Lobgesang zum heil. Aloysius. umi? daß wir, die wir ihm in der Unschuld nicht nachgefolgt sind, in der Bußfertigkeit nachfolgen mögen, durch unsern Herrn Jeſum Christum deinen Sohn, welcher mit dir in Einigkeit des heiligen Geistes als wahrer Gott lebet und herrschet von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Lobgefang zum heiligen Aloyfius. Dich, Aloysius! will ich preisen, o großer Fürst im Himmelreich! wer kann dir würdig Ehr' erweisen?* du warst an Unschuld Engeln gleich. Die ganze Erde muß sich freuen,* und dich frohlockend benedeien, weil du ihr treuer Helfer bist,* wann sie in Angst und Nöthen ist. Der Höchste hatte dich erforen,* daß du nur ihm sollst eigen sein,* du hast die Unschuld nie verloren, du bliebst von Sünden allzeit rein.* Du flohst schon in den ersten Jahren mit größter Sorgfalt die Gefahren; nie reizte dich die Eitelkeit; nur Gott war deine ganze Freud'. * Du hast die ganze Welt verachtet;* weil ihre Freuden eitel sind.* Nach höhern Gütern hast getrachtet, wo man der Seele Ruhe find't.* Beim Beten hast du Ruh' gefunden,* da flossen dir so manche Stunden* wie Augenblicke eilend hin;* da war in Gott vertieft dein Sinn. Am Kreuze Jesum zu betrachten,* ihn anzubeten am Altar, um ihn dein ganzes Herz zu schlachten,* gabst du dich ihm zum Opfer dar.* Mit Jesu auch Maria ehren,* und überall ihr Lob vermehren, war dein Bestreben jederzeit und deines Herzens größte Freud'. * * * Doch seht! wie dieser Engel büßet,* wie er vor Liebe und voll Reu'* mit Zähren auch das Blut vergießet, obwohl er ist von Sünden frei.* Auch ich als Sünder, ich muß büßen,* die Neuethränen sollen fließen, * und waschen meiner Sünden Schuld,* und mir erwerben Gottes Huld. * * Gebete zum heiligen Aloyfius, nm besondere Gnaden. 165 Gebet um die Tugend der Reinigkeit. Oheiliger Aloysius, geziert mit englischen Sitten! Obwohl ich so unwürdig bin, habe ich doch meine Andacht zu dir, und empfehle dir besonders die Keuschheit meiner Seele und meines Leibes. Ich bitte dich durch deine englische Reinigkeit, du wollest mich dem unbefleckten Lämmchen Jesus Christus und seiner heiligsten Mutter, der Jungfrau aller Jungfrauen anempfehlen, und mich vor aller schweren Sünde bewahren. Laß nicht zu, daß ich mich mit einer Makel von Unreinigkeit beschmußze, sondern, wann du mich in der Ver= suchung oder Sündengefahr siehst, so entferne von meinem Herzen alle unreinen Gedanken und Anmuthungen; erwecke in mir das Andenken an die Ewigkeit und an Jesus den Gekrenzigten, drücke tief in mein Herz das Gefühl der heiligen Furcht Gottes ein, und entzünde mich mit der göttlichen Liebe, damit ich dir auf Erden nachfolge, und mit dir Gott im Himmel zu genießen würdig werde. Amen. Vater unser. Gegrüßt zc. Papst Pius VII. verlieh den 6. März 1802 auf ewige Zeiten einen Ablaß von 100 Tagen( der auch den armen Seelen zugewandt, und täglich einmal gewonnen werden kann) auf die andächtige und reumüthige Abbetung des obigen Gebetes. Gebete zum heil. Aloysius, Sebet um Erkenntniß seines Berufes. Heiliger Aloysius, dich hat die göttliche Weisheit durch die richtigsten Wege geführt; sie hat dir jenen Heldenmuth eingeflößt, der dich über alle menschlichen Absichten so sehr hinausgesetzt hat, daß du die Ehre, ein Nachfolger des demüthigen Erlösers zu sein, allen irdischen Vortheilen weit vorgezogen hast. Erhalte mir die Gnade, daß auch ich meinen Beruf erkennen, zu jenem Stande, zu dem mich die göttliche Vorsicht von Ewigkeit her bestimmt hat, gelangen, und in demselben mein ewiges Heil finden möge. Amen. 166 Gebet um Fortgang in den Wissenschaften. Wir bitten dich, o Herr, gib uns, die wir auf die milde Fürbitte des heil. Aloysius hoffen, die Kraft des heiligen Geistes, die unsere Herzen reinige und unsern Verstand erleuchte, damit wir mit einem reinen und vom himmlischen Lichte bestrahlten Gemüthe die zeitlichen Wissenschaften, welche zu erlernen du uns berufen hast, also begreifen, daß wir die Wissenschaften der Heiligen niemals außer Acht lassen. Amen. Gebet um die Gesundheit der Augen. O Gott, der du diejenigen ehrest, die dich ehren, und in Verehrung deiner Heiligen geehret wirst: verleihe uns gnädiglich, daß, da wir die herrlichen Verdienste deines heiligen Aloysius, welchem du, wegen der besondern Eingezogenheit seiner Augen, um besondere Gnaden. 167 in Heilung derselben eine wunderbare Kraft mitgetheilt hast, mit inniger Andacht verehren, uns seine träftige Fürbitte von aller Blödigkeit der Augen durch seine Barmherzigkeit befreien möge. Amen. Gebet um wahre Bukfertigkeit. Heiliger Jüngling Aloysius! der du durch wunderbare Unschuld und Buße täglich mehr und mehr dem Herzen Jesu zu gefallen dich beflissen hast, ach! ich bitte dich durch dieses nämliche Herz, dessen Verehrung du jederzeit zugethan warest, und noch zu befördern trachtest, sieh an mein nicht mehr unschuldiges, sondern mit vielen Sünden beladenes Herz, erhalte demselben eine wahre 3erknirschung, und den Geist jener Bußfertigkeit, mit welcher du die kleinsten Fehler beweinet hast. Ueber= dieß erwecke in mir jene eifrige Gegenliebe zu dem Herzen Jesu, welche dich zu einer so hohen Heiligteit gebracht hat, auf daß ich dadurch doch einmal die standesmäßigen Vollkommenheiten erreiche, die mein Erlöser von mir billig erwartet. Amen. Gebet um die Guade der Beharrlichkeit. Heiliger Aloysius von Gonzaga, mein liebenswürdiger Schuppatron, ich empfehle mich deiner Fürsprache und begebe mich vertrauensvoll unter deinen Schuß. Würdige mich, unter die Zahl deiner wahren Verehrer gerechnet zu werden, und erbitte mir vom Herrn die Gnade, während mei 168 Fürbittruf zum heil. Aloysius. nes ganzen Lebens ein vollkommener Nachahmer deiner Tugenden, insbesondere deiner Beharrlich= feit zu sein. O, daß mein Herz mit jener zärtlichen Andacht erfüllet werde, in welcher du nie aufhörtest, deinen Gott zu lieben und sein Lob zu fingen. Erflehe mir von meinem Erlöser und von der seligsten Jungfrau, seiner Mutter, jene vollkommene Reinheit, welche dich auszeichnete. Stehe mir besonders in der Stunde des Todes durch deine mächtige Fürbitte bei, und bewahre mich vor jeder Gefahr meines Heiles, damit ich das Glück habe, mit dir Gott, meinen Schöpfer und meinen Erlöser, zu loben in alle Ewigkeit. Amen. Fürbittruf zum heil. Aloysius. Holder Jüngling! durch die Tugend, schönstes Musterbild der Jugend, heiliger Aloysius!* der du nun in süßer Wonne* freuest dich vor Gottes Throne,* ach verschmäh' nicht meinen Gruß. Schaue huldvoll auf mich nieder;* denn wir sind durch Jesum Brüder:* fleh' für mich um Gottes Huld, * daß ich auch nur Jesum liebe,* nie sein liebend Herz betrübe, lebe ohne Sündenschuld. Bitt für mich um keusche Liebe, welche heiligt alle Triebe, daß ich auch so keusch, wie du, stets bewahre meine Sinne, nie das Böse Kraft gewinne, wandle rein dem Himmel zu. * Hilf mir Eeelenruhe finden, und mir siegreich überwinden meines Herzens Lüsternheit. Du genossest Gottes Frieden durch die Keuschheit schon hienieden: hilf auch mir zur Seligkeit. * * V. 169 Besondere Andachtsübungen für dennachmittägigen Gottesdienst. Vesper Andacht. Gebet vor der Besper. Allerheiligste Dreifaltigkeit! weil ich zu dem Ende erschaffen bin, daß ich dich loben und ehren solle, so will ich jetzt zur Dankbarkeit für alle empfangenen Gnaden und Wohlthaten, wie auch zur Ersetzung der Anbetung und des Lobes, welches ich und andere Menschen verabsäumt haben, diese heilige Vesperandacht verrichten. Gib Hilfe und Gnade dazu, o göttlicher Heiland! daß diese meine Andacht Gott recht gefällig, für Jedermann wahrhaft erbaulich, und für mich selbst heilsam und auch nüglich werden möge. Amen. Vater unser und Ave Maria. O Gott! merk auf meine Hilfe; Herr, eile mir beizuz stehen. Ehre sei dem Vater, dem Sohne und dem heiligen Geiste! Wie es war im Anfange, jetzt ist, und sein wird zu ewigen Zeiten. Amen. Antiph. Ehre sei dir, o heiligste Dreifaltigkeit! Der erste Psalm. Gebenedeit bist du, o Herr, unser Vater und unser Gott! ehrwürdig und glorreich bist du in Ewigkeit. Vesperandacht. Dein Name sei gebenedeit unter Engeln und Menschen in Ewigkeit. Gebenedeit seist du auf Erde und im Himmelreiche, auf dem Throne deiner Glorie und Herrlichkeit. 170 Gebenedeit seist du von allen Engeln und Heiligen von nun an bis in Ewigkeit. Gebenedeit seist du, von dem Alles kömmt, Himmel und Erde, Feuer, Luft und Wasser. Gebenedeit seist du, von dem wir Alles haben, Leib und Seele, alle Thiere und Früchte der Erde. Gebenedeit seist du, von dem wir alles Gute haben für Zeit und Ewigkeit. O diese Hoffnung, erfülle sie, himmlischer Vater! und hilf, daß wir recht christlich fromm leben. Hilf, daß wir einst selig in deiner Gnade sterben und wir deine guten Kinder zu dir in den Himmel kommen. Die Ehre sei dir, o Bater, deinem Sohne, und dem heiligen Geiste! Wie es war im Anfange, jetzt ist, und sein wird in Ewigkeit. Ehre sei dir, o heiligste Dreifaltigkeit! Lob und Anbetung erweise dir Jedermann. - Der zweite Psalm Es sollen dich für mich loben und anbeten alle Chöre der Engel und Schaaren der Heiligen im Himmel und auf Erden. Es sollen dich für mich loben und anbeten alle Patriarchen und Propheten vom alten Bunde. Vesperandacht. 171 Es sollen dich für mich loben und anbeten alle Apostel und Evangelisten des neuen Bundes. Es sollen dich loben und anbeten alle Märtyrer und Beichtiger, die bei mir im Himmel sind. Es sollen dich loben und anbeten alle Jungfrauen, die dir durch ihre Geistes- und Leibesreinigkeit schon auf Erden lebend Freude machten. Es sollen dich loben und ehren alle heiligen Väter und Mütter, alle unschuldigen und auserwählten Kinder! dich, Himmel und Erdk lobe, preise und verherrliche Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! Der heiligsten Dreifaltigkeit sei von allen Creaturen, von allen Engeln und Menschen Lob, Ehre und Anbetung in Ewigkeit! Hochgelobt und gebenedeit sei unser Herr und Gott! von nun an bis in Ewigkeit. Die Ehre sei dir, o Vater, deinem Sohne, und dem heiligen Geiste! Wie es war im Anfange, jetzt ist, und sein wird in Ewigkeit. Ehre sei dir, o heiligste Dreifaltigkeit! Lob und Anbetung erweise dir Jedermann. Der dritte Pfalm. Ja! ich lobe, ehre und danke dir, göttlicher Heiland! daß du durch die Kraft des heiligen Geistes als Menschenkind von Maria der reinsten Jungfrau hast wollen empfangen und geboren werden. In höchster Armuth wurdest du, o Jesus! zu Bethlehem in einem Stalle geboren, aber durch Engel wurde deine Geburt vom Himmel verkündet. Vesperandacht. Fromme, gute Hirten waren die ersten, die dich in der Krippe fanden, anbeteten und beschenkten. Lobe meine Seele den Herrn! 172 Könige kamen aus dem Morgenlande durch einen Stern geführt, und beteten dich in Bethlehem an. Lobe auch du meine Seele den Herrn! In Jerusalems Tempel erkannten dich Si= meon und Anna, die Propheten, als den Messias, und sprachen von Leiden und Freuden, die deiner warteten. Lobe meine Seele den Herrn! Von Bethlehem mußtest du, o Jesus, auf Be-. fehl des Engels fliehen nach Egypten, um aus= zuweichen den tödtlichen Nachstellungen des jüdischen Königs Herodes.- Lobe meine Seele den Herrn! Nach dem Tode des Herodes kamst du, o Jesus! von Egypten mit Maria und Joseph in deine Heimath nach Nazareth, und lebtest allda in Armuth mit ihnen. Lobe meine Seele den Herrn! Als ein Knabe von zwölf Jahren reistest du mit Maria deiner Mutter und mit dem Nährvater Joseph nach Jerusalem, wo du in dem Tempel Gottes dich durch Frömmigkeit und Weisheit auszeichneteſt.- Lobe meine Seele den Herrn! Deine, ohne dich fortgereisten Eltern kamen wieder zurück, suchten dich drei Tage in der Stadt und fanden dich endlich unter Lehrern und Priestern im Tempel zur größten Freude und Troste ihrer Herzen. Lobe meine Seele den Herrn! Vesperandacht. 173 Jetzt gingst du, nachdem du den Willen deines himmlischen Vaters erfüllet hattest, mit Joseph und Maria zurück in dein Vaterland, und warst deinen Eltern unterthan bis in dein dreißigstes Lebensjahr. Lobe meine Seele den Herrn, und gehorche ihm bis an deines Lebens Ende. Die Ehre sei dem Vater, dem Sohne und dem heiligen Geiste! Wie es war im Anfange, jetzt ist, und sein wird zu ewigen Zeiten. Amen. Ehre, Lob und Dank widerfahre dir, göttlicher Sohn! für alles Gute, das du uns erwiesen hast. Der vierte Psalm. Jesus unser Heiland und Erlöser. Getauft von Johannes ging Jesus in die Wüste, sich durch vierzigtägiges Fasten und Beten bereitend zu seinem Lehr- und Erlösungsamte. Den Satan, der ihn versuchte, schaffte er bei Seite, und Gottes Engel dicuten ihm. Lobe meine Seele den Herrn und danke ihm! Vorbereitet zum Erlöseramte, predigte Jesus dem Volke, forderte es zur Buße auf, und verbreitete Licht über ihre finsteren Seelen.- Auch Jünger, die er zu Schülern und Aposteln machte, nahm er in seine Gesellschaft auf. Lobe meine Seele den Herrn und danke ihm. Nicht nur lehrte Jesus, und gab allenthalben die schönsten Tugendbeispiele; er wirkte auch Wunder aller Art. Durch sein Wort wurden Kranke geheilt, Hungrige gespeiset, und Todte zum Leben erweckt; so zeigte Jesus, daß er mehr als Mensch, 174 Vesperandacht. daß er Sohn Gottes und der erwartete Messias, Heiland der Welt sei. Lobe meine Seele den Herrn und danke ihm. Auch in Jerusalem erschien Jesus mehrmal, betete und lehrte im Tempel, um alles Volk an sich zu schließen, zu bekehren und selig zu machen. Aber verdorben und ungläubig war der Geist und das Herz der Meisten vorzüglich der Priester und der Gelehrten des Volkes.- Du meine Seele lobe den Herrn und danke ihm! - Diese Feinde Jesu faßten den Entschluß, ihren Heiland zu tödten. Jesus zagte zwar, bat auf dem Delberg blutschwißend den Vater, daß er, wenn es möglich wäre, diesen bittern Kelch von ihm nehme. Ein Engel kam, stärkte Jesus und er übergab sich großmüthig aus Gottes- und Menschenliebe in seiner Feinde Hände. Du meine Seele lobe den Herrn und danke ihm! - Dem jüdischen Rathe sagte Jesus die Wahrheit, daß er der Sohn Gottes sei, und sie verdammten ihn als Gotteslästerer zum Kreuzestode; Pilatus fand ihn unschuldig. Man geißelte ihn dennoch, krönte ihn mit Dörnern, und Pilatus, seine Hände waschend, und sich als unschuldig erflärend, ließ ihn dennoch freuzigen. Du meine Seele lobe den Herrn und danke ihm für sein Leiden und Sterben. Am Kreuze zwischen zwei Mördern hangend, versprach er dem Büßenden das Paradies. Bat für seine Feinde, daß ihnen der himmlische 175 Vesperandacht. Vater verzeihe; empfahl seine am Kreuze stehende Mutter dem Johannes, äußerte sich, daß nun sein Erlösungsgeschäft vollbracht sei, und übergab sterbend seinen Geist in seines himmlischen Vaters Hände. Du meine Seele lobe den Herrn, und freue dich des zu deinem Heil vollbrachten Leidens. und Sterbens Jesu! Die Ehre sei Gott dem Vater, dem Sohne und dem heiligen Geiste! Wie es war im Anfange, jetzt ist, und sein wird bis in Ewigkeit. Amen. Jesus unser Heiland und Erlöser hat für uns gelitten und ist am Kreuze gestorben, daß wir an ihn glaubend, und ihm folgend ewig selia werden. Der fünfte Pfalm. Ich werde den Bater bitten, und er wird euch einen andern Tröster geben. Am dritten Tage stand Jesus vom Tode auf, erschien seinen Jüngern und guten Freunden sehr oft, belehrte und bevollmächtigte sie zu ihrem Amte, versprach ihnen den heiligen Geist, und fuhr vor ihren Augen zum Himmel auf. Lobet den Herrn, und danket ihm alle Menschen! Kurz vor dem Tode sagte Jesus zu seinen Freunden und Jüngern mehrmal, daß er seinen Vater bitten werde, um ihnen den Geist der Wahrheit und Tugend zu senden, der sie an alles von ihm vorgetragene Gute erinnere und sie bestens belehre, wie auch stärken und trösten werde. Lobet den Herrn und danket ihm! Darum sprach Jesus, ehe er in den Himmel auffuhr, zu seinen Jüngern: Sie sollten Je 176 Vesperandacht. rusalem nicht verlassen, sondern die Verheißung des Vaters erwarten, der über sie den heil. Geist ausgießen würde.- Lobet den Herrn und danfet ihm! Am zehnten Tage nach der Himmelfahrt, am Pfingstfeste, erschien auch der heilige Geist vom Himmel herab, unter Stürmen der Luft, und feurige 3ungen ergossen sich über alle in einem Hause versammelten Jünger des Herrn. Lobet den Herrn und danket ihm! Aufgeklärt in jeder christlichen Lehre und gestärkt zum Vortrage derselben, fingen die Apostel und versammelten Christen so zu reden, zu lehren und zu beten an, daß sie von allen Anwesenden in ihrer Sprache gehört und verstanden wurden. O welch' ein Wunder deiner Gnade, o Gott! Lobet den Herrn und danket ihm! Petrus, vom heiligen Geiste ganz erleuchtet und gestärkt, hielt die erste Anrede an das häufig versammelte Volk. Er ermunterte sie zum Glauben an Jesum den Gottessohn und Heiland der Menschen, er ermunterte sie zur Buße, und bei Dreitausend wurden zu Christen getauft. Lobet den Herrn und dantet Gott dem Allerhöchsten, daß ihr auch Christen seid. Die Ehre sei Gott dem Vater, dem Sohne und dem heiligen Geiste! Wie es war im Anfange, jetzt ist und sein wird zu ewigen Zeiten. Amen. Ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen andern Tröster geben, den Geist der Wahrheit und Tugend wird er euch geben. Vesperandacht. Paulus an die Römer.( Kap. XI. V. 32.) welch' eine Hoheit der Reichthümer, der Weisheit und Wissenschaft Gottes! Wie unbe= greiflich sind seine Gerichte, und wie unerforschlich seine Wege! Gott sei Dank! Lobgefang. * 1. O heiligste Dreifaltigkeit und unzertheilte Einig feit!* gieße Leben unsern Herzen ein, und mach' von Sünden die Seele rein. * 2. Ich alle Morgen bitte dich,* und alle Abend inniglich; gib, daß wir Menschen alle gleich dich loben einst im Himmelreich. 177 3. Ehre sei dir Vater und dem Sohn!* auch Gottes Geist, auf Gottes Thron. Ehre sei dir Dreifaltigkeit!* Von jetzt an bis in Ewigkeit! V. Laßt uns loben die heiligste Dreifaltigkeit! B. Von nun an bis in Ewigkeit! Das Magnifikat. Antiph. An dich ungebornen Bater. Meine Seele erhebt hoch den Herrn! und mein Geist frohlocket über Gott, der Heil mir gibt. Herunter sah er auf die Niedrigkeit seiner Magd! Von nun an werden mich alle Geschlechter selig preiſen. -- Denn große Dinge hast du an mir gethan! Heilig ist dein Name! Und deine Barmherzigkeit gegen jene, die dich fürchten, geht von einem Geschlechte zum andern fort. Kräftig wirkt sein Arm. Hochmüthige ſetzt er ab. Aloyfiusbüchlein. 12 Vesperandacht Mächtige stößt er vom Throne, und die Demüthigen erhebt er hoch. 178 Gutes gibt er dem Hungrigen zur Genüge. Reiche schickt er leer fort. Angenommen hat er sich Israels( der Juden) seines Geschlechtes. Eingedenk der Gnade, welche er den Vätern versprochen hat, dem Abraham und seinen Nachkommen auf ewige Zeiten. Ehre sei dem Vater, dem Sohne und dem heiligen Geiste! Wie es war im Anfange, jeßt ist, und sein wird in ewigen Zeiten. Amen. Antiph. An dich ungebornen Vater, an dich eingebornen Sohn des Vaters, an dich Tröster, heiliger Geist, an dich heiligste Dreifaltigkeit glaube ich mit Herz und Mund; dich lobe, ehre und preise ich über alles, dir dienen, und dir gefallen will ich von nun an bis in Ewigfeit! Amen. V. Herr! erhöre mein Gebet! R. Und mein Rufen laß zu dir gelangen. Gebet. Gott! dessen Barmherzigkeit unendlich, und dessen Güte unermessen ist, wir sagen deiner mildesten Majestät für alle uns ertheilten Wohlthaten ewigen Dank, und bitten zugleich voll der Demuth und des Vertrauens: verleih uns Hilfe und Gnade, daß wir deine zeitlichen Güter so gebrauchen, daß wir die ewigen nicht verlieren. Durch unsern Herrn Jesum Christum, der mit dir Vater und dem heiligen Geiste als gleicher Gott lebt und regiert zu ewigen Zeiten. Amen. *. Herr! erhöre mein Gebet! R. Und mein Rufen laß zu dir kommen. Vesperandacht. V. Laßt uns den Herrn benedeien. R. Gott sei Dank. Die Gläubigen sollen durch die Barmherzigkeit Gottes ruhen im Frieden. Amen. Vater unser und Ave Maria. V. Der Herr gebe uns den Frieden. R. Und das ewige Leben. Amen. 179 Das Salve Regina. Gegrüßt seist du Königin! Mutter der Barmherzigkeit, des Lebens Süßigkeit, unsere Hoffnung, sei gegrüßt. Zu dir schreien wir elende Kinder Eva. Zu dir seufzen wir Trauernde und Weinende in diesem Thale der Zähren. Eja unsere Fürsprecherin! fehre deine barmherzigen Augen zu uns: und nach diesem Elende, zeig uns Jesum, die gesegnete Frucht deines Leibes, o gütige, o süße, o milde Jungfrau Maria. V. Bitt für uns, o heilige Gottesgebärerin! R. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott! der du der glorwürdigsten Jungfrau Mariä Leib und Seele durch Mitwirkung des heiligen Geistes gegeben hast, damit sie eine würdige Wohnung deines Sohnes werden möchte. Gib nun, daß wir durch ihre milde Fürbitte von den uns drohenden Uebeln und dem ewigen Tode befreit werden, durch Christum unsern Herrn. Amen. Die göttliche Hilfe bleibe allezeit bei uns. Amen. Exogen 12* 180 Andacht zu Jesus im heiligsten Sakramente. Wer nachstehende Strophen: Laßt uns tiefgebeugt 2c." sammt Versikel und Oration" andächtig und mit reumüthigem Herzen betet, kann einmal des Tags 100 Tage Ablaß gewinnen. Wer das wenigstens alle Monate zehn= mal thut, kann nach würdigem Empfange der heil. Saframente der Beicht und Kommunion am Gründonnerstag, am Frohnleichnamsfeste oder innerhalb der Oftave oder an einem andern beliebigen Tage unter den gewöhnlichen Bedingungen vollkommenen Ablaß gewinnen. P. Pius VII. Lobgefang. Laßt uns tiefgebeugt verehren* Dies erhab'ne Sakrament* Und der Brauch der alten Lehren* Weich' dem neuen Testament.* Voller Glaube wird gewähren,* Was der Sinn hier nicht erkennt. * Gott dem Vater, Gott dem Sohne* Singet Christen hocherfreut! Gott, dem Geiste, gleicher Größe,* Gleicher Kraft und Herrlichkeit,* Sei von uns auf gleiche Weiſe, Ehre, Lob und Preis geweiht. Amen. # V. Brod vom Himmel hast du ihnen gegeben. R. Welches alle Süßigkeit in sich begreift. Gebet. Gott, der du uns in dem wunderbaren Sakramente das Andenken deines Leidens hinterlassen haft: gewähre uns, die heiligen Geheimnisse deines Leibes und Blutes so zu verehren, daß wir die Frucht der Erlösung unabläßig in uns empfinden. Der du lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. " ( Hier fannst du noch die Besuchung des allerheiligsten Sakramentes" beifügen, welche sich oben Seite 56- 62 findet.) 181 Andacht zum heiligen Geiste. Lobgefang. Komm', o Geist der Heiligkeit! und sende* Einen Strahl von deinem Gnadenlicht;* Komm', der Armen Vater! fomm', und wende* Voll der Huld auf uns dein Angesicht. Komm', du Geber aller guten Gaben!* Komm', erleuchte unser blindes Herz;* Bester Tröster! komm', die Seel' zu laben;* Komm', o süßer Gast! vertreib' den Schmerz. Du bist uns're Ruhe in den Plagen;* In der Hiß' erquickst du uns mit Freud':* Wenn wir in dem Elend' weinend klagen,* Bist du unser Trost in allem Leid'. Göttlich's Licht! ach, dring' mit deinen Strahlen Innerst in der Menschen Herzen ein;* Ohne deine Hilf sind wir voll Qualen,* Ohne dich kann Niemand schuldlos sein. Wasch' uns, reinster Geist! von unsern Sünden, Und befeuchte uns're trockne Seel';* Heile uns're Wunden: denn wir finden* Nur bei dir das Heil, du Gnat enquell'! * Kalte Beug' den harten Menschensinn; entzünde Herzen mit dem Gnadenblick';* Leite die Verirrten von der Sünde* Wieder auf den rechten Weg zurück. Deinen Gläubigen, die auf dich trauen,* Gib die sieben Gaben; gib die Gnad',* Daß sie auf Verdienst die Hoffnung bauen,* Und nie weichen von dem Tugendpfad'. Endlich mache, daß sie selig scheiden* Von der Welt nach dieser Lebenszeit,* Und erquicke sie mit Himmelsfreuden* Ohne End' in alle Ewigkeit. Amen. Wer vorstehenden Lobgesang andächtig und mit reumüthigen Herzen betet, kann einmal des Tags 100 Tage, am Pfingstfeste und innerhalb der Oktave aber 300 Tage Ablaß gewinnen. Wer dies einen ganzen Monat thut, kann nach würdigem Empfang der heil. Sakramente der Beicht und Kommunion unter den gewöhnlichen Bedingungen einen vollkommenen Ablaß gewinnen. P. Pius VI. Andacht zum heil. Geiste. Gebet. Göttlicher, heiliger Geist! Geist des Vaters und des Sohnes! mit der Inbrunst aller himmlischen Geister bete ich dich in tiefster Ehrfurcht an; ich glaube an deine Gottheit, und hoffe auf deine Güte. Dich liebe, lobe und benedeie ich, und so lange in mir Geist und Leben sein wird, will ich dich lieben, loben und benedeien für die große Barmherzigkeit, daß du mich in der heiligen Taufe, wo die göttliche Gnade durch dich in meinem Herzen ist ausgegossen worden, zu einem neuen Leben wiedergeboren, und von Jugend auf so oft zu allem Guten angetrieben hast. Odu Gott der Liebe! dringe mit deinem heil. Feuer in mein Herz und entflamme dasselbe, daß ich dich über Alles liebe und wegen dir den Nächsten, jeden Menschen, wie mich selbst. Komm' und ruhe über mir, o Geist der heil. Furcht, der Frömmigkeit, der Wissenschaft, der Stärke, des göttlichen Rathes, des Verstandes, der himmlischen Weisheit! komm' über mich, und mache aus mir einen ganz andern Menschen, daß ich nur nach dem Geiste des wahren Christenthums denke, verlange, schätze, liebe, rede und handle. Erleuchte und entzünde mich, daß Alles, was ich thue, Geist und Leben hat. Ach: komm' und be= festige meinen Glauben, stärke meine Hoffnung, und laß das Feuer deiner Liebe in helle Flammen in mir auflodern, jener Liebe, die stark wie der Tod ist, die mich antreibt, vor Allem nur an Gott zu denken, für ihn zu arbeiten, zu leiden, und in Allem, was ich vornehme, nur ihm zu 182 Andacht zum göttlichen Herzen Jesu. 183 gefallen. Wird dereinst mein Geist schwach, und ist mir nichts mehr übrig als das Grab, o Herr! so thue mit mir nach deinem Willen, und befiehl, daß meine Seele im Frieden hingenommen werde. Amen. verHos Andacht zum göttlichen Herzen Jesu. Begrüßung. Sei gegrüßt, o heiligstes Herz Jesu, unendlich kostbares Herz! das durch Mitwirkung des heil. Geistes aus dem reinsten Blute der Jungfrau Maria gestaltet, und in Folge der Zeit wegen unserer Sünden so oft betrübt worden ist. Gegrüßt seist du, du Tempel der ewigen Gottheit und Ausfluß aller himmlischen Gnadenschätze! Anbetung. O göttliches Herz, vor dem die Engel und Erzengel auf ihr Angesicht hinstürzen! ich bete dich an in aller Demuth meines Herzens. Ich liege vor dir auf meinen Knien und verlange dir alle die Anbetung und Huldigung zu entrichten, womit du selbst deine Gottheit verehrest und anbeteſt. Lob. Du Herz des Königs aller Zeiten, dem allein alle Ehre und aller Ruhm gebührt! ich lobe und benedeie dich, daß du dich gewürdiget hast durch den Speer des Soldaten mir und der ganzen Welt jene Gnadenquelle öffnen zu lassen, wo wir bis zur Genüge Licht, Trost und Stärke schöpfen können. So oft mein Herz im Leibe schlägt, so oft sollen alle Geschöpfe im Himmel, auf Erde und unter der Erde sagen und aufrufen: Hochge 184 Andacht zum göttlichen Herzen Jesu. lobt und gebenedeit sei das liebenswürdigste Herz Jesu! Glaube. Ich glaube, daß du in dem allerheiligsten Altarsgeheimnisse zugegen bist. Sig der ewigen Wahrheit! aus dir ist Alles entsprungen, was Jesus mit seinem Munde ausgesprochen und uns durch die Kirche geoffenbaret hat. Hoffnung. Gott der Güte! so viel Ursache ich auch habe zu fürchten und zu zittern, so baue ich doch meine Hoffnung auf dich, du werdest mir meine Sünden verzeihen und die Gnade verleihen, dir bis an mein Lebensende zu dienen. Liebe. Liebwürdigstes Herz! ich verlange dich über Alles zu lieben, mit aller mir möglichen Inbrunst und Andacht: entzünde deine Liebe in mir hier in der Zeit, damit ich dich auf das vollständigste in der Ewigkeit lieben möge. Reue und Leid. Oliebster Jesu! ich bitte um Verzeihung aller meiner Sünden. Ich bereue sie von Herzen, ans Liebe zu dir; ich werde sie auch zeitlebens bereuen und meiden. Gestalte mein armseliges Herz um nach deinem heiligsten Herzen, damit ich künftig Alles verabscheue, was dir mißfällt. Abbitte. Ach, geliebter Jesu! wie schmerzlich muß es dir fallen, daß du von vielen undankbaren Menschen so wenig erkannt wirst, vielmehr von ihnen nichts als Schmach und Verachtung zu erfahren hast. O wie geht selbst mir dieß zu Herzen!... Ich traure mit dir und wegen dir, und möchte dir eben so viel Ehre und Freude ver Andacht zum göttlichen Herzen Jefu. 185 ursachen können, als dir so viele Menschen, die dich nicht erkennen, oder dich nicht anerkennen wollen, Unehre und Leid zufügen... Nimm für sie meine Abbitte in Gnaden an, und schenke mir und ihnen Verzeihung und Barmherzigkeit. Aufopferung. Zum Ersatze aller Beleidigungen, welche dir widerfahren, opfere ich dir in Vereinigung deines heiligsten Herzens das heilige Herz deiner jungfräulichen Mutter, und durch die Hände derselben schenke ich dir auch mein Herz, weil du es selbst so haben willst, da du sagst: Mein Sohn! schenke mir dein Herz. Nimm es hin, lege es in dein göttliches Herz, und laß nicht zu, daß es jemals davon getrennt werde, sondern ewig darin verbleiben möge. Zu dem heiligen Hersen Mari. Gott der Barmherzigkeit und alles Trostes! Du hast uns das reinste Herz Mariä zur Zuflucht gegeben, und hast es zu unserm Heile mit Gnaden erfüllt: steh' uns mit deiner Gnade bei, daß wir uns, wie das Herz Mariä, befleißen, auch unser Herz vor aller Sünde zu bewahren, und mit Tugenden zu zieren, damit wir nach deinem Willen leben, und in deiner Liebe sterben. Durch unsern Herrn Jesum Christum, der mit dir und dem heiligen Geiste lebet und herrschet von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 186 Kreuzweg- Andacht. 1. Der schmerzhafte Kreuzweg stellt den Gang Jesu mit dem Kreuze auf den Schultern nach dem Kalvarienberge vor, wo er aus Liebe zu uns am Stamme des heiligen Kreuzes gestorben iſt. Es ist also billig, daß man dieser geheimnisvollen Andacht mit aller möglichsten Aufmerk= famkeit und Zärtlichkeit des Herzens obliege. 2. Bei frommer Besuchung der Stationen des Kreuzweges kann man alle jene vollkommenen und unvollkommenen Ablässe gewinnen, welche von den Päpsten denjenigen verliehen worden sind, die zu Jerusalem selbst die mit dem kostbaren Blute unsers Erlösers besprengten Orte wirklich besuchen. Diese Ablässe können für uns oder ( fürbittweise) für die Seelen im Fegfeuer gewonnen werden. 3. Da aber, um einen Ablaß zu gewinnen, erforderlich ist, daß man entweder durch die heilige Beichte oder durch vollkommene Neue und Leid im Stande der Gnade sei; so soll man gleich beim Anfange seiner Andacht wenigstens vollkommene Reue und Leid erwecken. 4. Sollen die bei jeder Station vorkommenden Geheimnisse des Leidens Jesu Christi eine kurze Zeit betrachtet und mit einigen Anmuthungen der Liebe, des Mitleides, der Rene und der Danksagung 2c. beherziget werden. 5. Obschon aber eine kurze innerliche Betrachtung oder Erwägung der Geheimnisse vorgeschrieben ist, so sind dennoch bei jeder Station auch mündliche Gebete sehr üblich und lobenswerth. Man kann daher nach jeder Station Ein Vater unser und Ave Maria nebst Ehre sei dem Vater 2c. beten. Endlich ist nicht nothwendig, von einer Station zur andern zu gehen, doch sollte man mit einem äußerlichen Zeichen, etwa mit einer Neigung des Hauptes, von einer Etation zur andern sich wenden. Kreuzwegandacht. Bollkommene Reue als Borbereitungsgebet. Jesu, mein göttlicher Heiland und Erlöser, ich der Ungerechte, habe gesündigt, und du, der Gerechte, hängst blutend für mich am Kreuze! Der Schuldige ist frei und der Unschuldige wird gebunden; der Fromme leidet, und der Böse lebt in Frieden! Was der Knecht verschuldet hat, das bezahlt der Herr! So weit, o Sohn Gottes, haben es meine Sünden gebracht! Ich habe das Böse gethan, und an dir wird dasselbe gerächet! Doch, o mein Jesu, laß dein Leiden an mir nicht verloren gehen! Ich bitte dich durch dein koſt= bares Blut, durch deine heiligen Wundmale, durch deinen bittern Tod, und besonders durch jene Worte, die du kurz zuvor gesprochen hast: Es ist voll= bracht! verzeihe mir armen Sünder! Von Herzen bereue ich alle meine Vergehungen, weil ich dich, das allerhöchste und allerliebenswürdigste Gut so schwer dadurch beleidiget habe! Ernstlich verspreche ich dir, mit deiner Gnade mein Leben zu bessern. Herr, sei mir armen Sünder gnädig, und laß mich mit Magdalena jene trostreichen Worte hören: Deine Sünden werden dir erlassen, weil du viel geliebthast! Amen. 187 I. Station. Jesus wird zum Tode verurtheilt. V. Wir beten dich an, Herr Jesu Christe, und benedeien dich; R. Denn durch dein hl. Kreuz hast du die ganze Welt erlöst. Betrachte, wie Pilatus den unschuldigen Jesus, nach blutiger Geißelung und Krönung mit Kreuzwegandacht. Dörnern, verurtheilt, und wie gelassen der Heiland dieses Todesurtheil annimmt, damit du von dem Urtheile des ewigen Todes befreiet würdest. Gebet. Jesu! ich danke dir für diese große Liebe und bitte dich, nimm das Urtheil des ewigen Todes, welches ich durch meine Sündenverdient habe, zurück, damit ich würdig werde, das ewige Leben zu besitzen. 188 Vater unser 2c. Gegrüßt seist du Maria 2c. Ehre sei 2c. * Ich sehe dich, o Jesu, schweigen,* Da dich die Welt verdammt zum Tod; Ach, laß dich zur Erbarmung neigen, Wenn du als Richter kommst, o Gott! * II. Station. Jesus wird mit dem Kreuze beladen. V. Wir beten dich an, Herr Jesu Christe! und benedeien dich; B. Denn durch dein hl. Kreuz hast du die ganze Welt erlöst. Betrachte, wie Jesus das Kreuz, das deine vielen Sünden so schwer gemacht haben, auf seine Schultern nimmt. Gebet. Jesu! gib mir die Gnade, daß ich dein Kreuz durch neue Sünden nicht noch schwerer mache, und daß ich das meinige, alle Trübsale und Widerwärtigkeiten, mit aufrichtigem Bußgeiste willig und muthig trage. Vater unser zc. Gegrüßt seist du Maria 2c. Ehre sei 2c. Ich sehe dich das Kreuz umfangen;* Aus Liebe leid'st du alle Schmach!* So bist du selbst mir vorgegangen; Ich folge dir, mein Jesu, nach. III. Station. Jesus fällt das erste Mal unter dem Kreuze. V. Wir beten dich an, Herr Jesu Christe! und benedeien dich; R. Denn durch dein hl. Kreuz hast du die ganze Welt erlöst. Kreuzwepandacht. 189 Betrachte, wie Jesus die Last, womit er beladen ist, nicht mehr tragen kann, und von Ermattung und Schmerz erschöpft, unter dem Kreuze niedersinkt. Gebet. Jesu! meine Vergehungen sind die Ursache deines Falles. Verleihe mir die Gnade, daß ich deinen Schmerz durch den Rückfall in die Sünde nicht wieder erneuere. Vater unser 2c. Gegrüßt seist du Maria 2c. Ehre sei 2c. Du fällst, o Jesu, hin zur Erden,* Dich drücket meiner Sünden Last;* Soll nicht mein Herz erweichet werden,* Da du so viel gelitten hast? IV. Station. Jesus begegnet seiner heiligsten Mutter. V. Wir beten dich an, Herr Jesu Christe! und benedeien dich; R. Denn durch dein hl. Kreuz hast du die ganze Welt erlöst. Betrachte, welcher Schmerz das Herz Jesu zerriß, als er Maria sah, und was das Herz Mariä fühlte, als Jesus ihr begegnete. Deine Sünden sind die Ursache der gegenseitigen Betrübniß des Sohnes und der Mutter. Gebet. Jesu! erwecke in mir, durch die Fürbitte Mariä, einen lebhaften Schmerz über meine Sünden, damit ich sie mein ganzes Leben hindurch beweine, und in der Stunde meines Todes Gnade vor dir finde. Vater unser 2c. Gegrüßt seist du Maria 2c. Ehre sei 2c. O Sohn, o Mutter, eure Herzen* Sind ganz versenkt in Traurigkeit; Ach, theilet mit mir alle Schmerzen,* Laßt mich empfinden euer Leid! 190 Kreuzwegandacht. V. Station. Simon von Cyrene wird genöthigt, das Kreuz Christi zu tragen. V. Wir beten dich an, Herr Jesu Christe! und benedeien dich; R. Denn durch dein hl. Kreuz hast du die ganze Welt erlöst. Betrachte, wie die Juden beim Anblicke der großen Schwäche Jesu, aus Furcht, er möchte auf dem Wege zum Kalvarienberge den Geist aufgeben, Simon von Cyrene nöthigen, dem Herrn das Kreuz tragen zu helfen. Gebet. Jesu! mir steht es zu, das Kreuz zu tragen, weil ich gesündiget habe. Mache, daß ich dich wenigstens auf dem Kreuzwege begleite, und das Kreuz der Widerwärtigkeiten aus Liebe zu dir geduldig ertrage. Vater unser 2c. Gegrüßt seist du Maria 2c. Ehre sei 2c. Das Kreuz will Niemand mit dir tragen,* Du, Jesu, hast es nicht verschuld't;* Du könntest billig dich beklagen, Doch schweigst und trägst du's mit Geduld. VI. Station. Veronika reicht Jesu das Schweißtuch. V. Wir beten dich an, Herr Jesu Christe! und benedeien dich; R. Denn durch dein hl. Kreuz hast du die ganze Welt erlöst. Betrachte, wie diese heilige Frau sich bemüht, Jesu Leiden zu lindern, und wie dagegen Jesus sie belohnt, indem er in dieß Schweißtuch das Bildniß seines Angesichts abdruckt. Gebet. O Jesu! verleihe mir die Gnade, meine Seele von allen Flecken zu reinigen; drücke dein heiliges Leiden so tief in meinen Geist und in mein Herz ein, daß ich desselben nimmer vergeſſe. Vater unser 2c. Gegrüßt seist du Maria 2c. Ehre sei 2c. Kreuzwegandacht. 191 Betrübter Jesu, Mann der Schmerzen,* Ach, zeige mir dein Angesicht;* Und präg' es ab in meinem Herzen, * O Jesu, meiner Seele Licht! VII. Station. Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuze. V. Wir beten dich an, Herr Jesu Christe! und benedeien dich; R. Denn durch dein hl. Kreuz hast du die ganze Welt erlöst. Betrachte die Leiden, welche Jesus bei diesem zweiten Fall empfindet. Du verursachst sie ihm durch deine öfteren Rückfälle in die Sünde. Gebet. Jesu! wie beschämt stehe ich vor dir. Gib mir die Gnade, von meinen Sünden so aufzustehen, daß ich nie wieder in dieselben zurückfalle Vater unser 2c. Gegrüßt seist du Maria 2c. Ehre sei 2c. Du fliehst, o Seele, die Beschwerden,* Und Jesus trägt die schwere Last;* Dein Heiland fällt für dich zur Erden;* Er büßt, was du verschuldet hast. VIII. Station. Jesus begegnet den Frauen von Jerusalem. V. Wir beten dich an, Herr Jesu Christe! und benedeien dich; R. Denn durch dein hl. Kreuz hast du die ganze Welt erlöst. Betrachte, wie Jesus diese Frauen ermahnt, nicht über ihn, sondern über sich selbst zu weinen und dich zu belehren, daß du mehr über deine Sünden, als über seine Leiden weinen sollst. Gebet. Jesu! gib mir Thränen einer wahren Neue, damit das Mitleid, welches ich über deine Schmerzen trage, mir verdienstlich werde. Vater unser 2c. Gegrüßt seist du Maria 2c. Ehre sei 2c. Kreuzwegandacht. Ich will zuerst die Sünd' bereuen;* Sie ist, o Jesu, deine Pein! Dann wirst du gnädig mir verzeihen; Du wirst mein Vater wieder sein. 192 IX. Station. Jesus fällt zum dritten Male unter dem Kreuze. V. Wir beten dich an, Herr Jesu Christe! und benedeien dich; R. Denn durch dein HL. Kreuz hast du die ganze Welt erlöst. Betrachte, wie Jesus zum dritten Male eben so schmerzlich, als die beiden ersten Male fällt. Daran ist deine Verstocktheit, aus der du stets in neue Sünden fällst, Schuld. Gebet. Jesu! ich bin nun fest entschlossen, meinen Sünden auf immer ein Ende zu machen, um bei deinen Leiden dir Linderung zu verschaffen. Stärke mich in meinem Entschlusse, und mache ihn durch deine Gnade wirksam. Vater unser 2c. Gegrüßt seist du Maria 2c. Ehre sei 2c. Ich sehe dich schon wieder fallen;* Du fällst so hart aus meiner Schuld,* Mein Rückfall bringt dir neue Qualen;* O Jesu! trag' mit mir Geduld. X. Station. Jesus wird entkleidet und mit Galle getränkt. V. Wir beten dich an, Herr Jesu Christe! und benedeien dich; R. Denn durch dein hl. Kreuz hast du die ganze Welt erlöst. Betrachte die Beschämung, die Jesus ausstand, da man ihn durch die Entkleidung entblößte, und die Bitterkeit, die er empfand, da man ihm Wein, mit Myrrhe und Galle gemischt, darreichte. So büßte er deine Wollust und Sinnlichkeit. Kreuzwegandacht. Gebet. Jesu! ich bereue die sündhaften Freuden, die ich mir erlaubt, und die Unmäßigkeit, der ich mich ergeben habe. Ich fasse den festen Entschluß, mit deinem Beistande deine Qual und Beschimpfung nicht mehr zu erneuern, den alten Menschen mit seinen Neigungen zu irdischen Lüften abzulegen und mein zukünftiges Leben in Sittsamkeit und Mäßigkeit zuzubringen. 193 Vater unser 2c. Gegrüßt seist du Maria 2c. Ehre sei 2c. Das Kleid wird Jesu abgerissen;* Aus allen Wunden fließt das Blut;* So muß dein Heiland für dich büßen! * Sich seine Lieb' und deine Wuth! XI. Station. Jesus wird an's Kreuz geheftet. V. Wir beten dich an, Herr Jesu Christe! und benedeien dich; R. Denn durch dein hl. Kreuz hast du die ganze Welt erlöst. Betrachte die außerordentlichen Schmerzen, welche Jesus erlitt, als die Juden seinen vom Blute schon ganz triefenden Leib auf dem Kreuze ausstreckten, und ihn mittelst der Durchbohrung seiner heiligen Hände und Füße mit Nägeln darauf befestitgen. Gebet. O Jesu! du leidest dieß Alles für mich; und ich soll deinetwegen Nichts leiden? Hefte meinen widerspenstigen Willen an dein Kreuz. Ich nehme mir ernstlich vor, nicht mehr zu fündigen, und aus Liebe zu dir Alles geduldig zu leiden. Vater unser 2c. Gegrüßt seist du Maria 2c. Ehre sei zc. Du mußt nicht über Kreuze klagen;* Bedenk' o Christ, was du verschuld't!* Dein Jesus wird an's Kreuz geschlagen;* Er schweigt und leidet mit Geduld. 13 Aloyfiusbüchlein. Kreuzwegandacht. XII. Station. Jesus stirbt am Kreuze. V. Wir beten dich an, Herr Jesu Christe! und benedeien dich; R. Denn durch dein hl. Kreuz hast du die ganze Welt erlöst. 194 Betrachte, daß dein Erlöser, nach einer dreistündigen Todesangst, am Kreuze verschied, um dein Heil zu wirken. Gebet. O Jesu! nachdem du dein Leben hingegeben haft für mich, so ist es wohl billig, daß ich den Rest des meinigen für dich verwende. Dieß ist mein fester Vorsatz. Nur um die Gnade, denselben in's Werk zu setzen, bitte ich dich durch die Verdienste deines heiligen Todes. Vater unser 2c. Gegrüßt seist du Maria 2c. Ehre sei zc. Aus Liebe Du, Jesu, bist am Kreuz gestorben; wählst du diesen Tod.* So hast du mir das Heil erworben;* Ich will dich lieben, o mein Gott. XIII. Station. Der Leichnam Christi wird vom Kreuze um herabgenommen. guop nool style V. Wir beten dich an, Herr Jesu Christe! und benedeien dich; R. Denn durch dein hl. Kreuz hast du die ganze Welt erlöst. Betrachte die Betrübniß der Mutter Jesu, als sie den Leichnam ihres göttlichen Sohnes er= blaßt, mit Blut überronnen, und des Lebens beraubt, auf ihren jungfräulichen Schooß nahm. Gebet. O heilige Jungfrau! erbitte mir die Gnade, daß ich Jesum nicht mehr durch neue Sünden kreuzige, sondern ihn durch die Ulebung christ= licher Tugenden in meinem Wandel stets lebendig darstelle. Briat Ex Vater unser 2c. Gegrüßt seist du Maria 2c. Ehre sei zc. gel Kreuzwegandacht. 195 * Nimm gnädig Ich liege, Mutter! dir zu Füßen; an, mich als dein Kind;* laß mich Jesu Wunden küssen,* Und weinen über meine Sünd'. XIV. Station. Der ation. Der Leichnam Jeſu wird in's Grab gelegt. V. Wir beten dich an, Herr Jesu Christe! und benedeien dich; R. Denn durch dein hl. Kreuz hast du die ganze Welt erlöst. Betrachte, wie der heiligste Leichnam Jesu mit der tiefsten Ehrfurcht in das neue Grab, welches für ihn bereitet worden war, gelegt wurde. Gebet. O Jesu! ich danke dir für Alles, was du gelitten hast, um mich zu erlösen, und bitte dich, gib mir die Gnade, daß ich den Leib, den du für mich hingegeben haft, in dem heil. Abendmahle allezeit würdig empfange; und laß mich so leben, daß ich dich ewig besigen und genießen möge. Vater unser 2c. Gegrüßt seist du Maria 2c. Ehre sei 2c. Ich will mit dir, o Jesu, sterben* Der Welt, dem Fleisch, der Sinnlichkeit;* Ich kann nur so das Heil erwerben, Nur so gelange ich zur Freud'. Schluß des heiligen Kreuzweges. Gott! der du die Fahne des Kreuzes durch das kostbare Blut deines Sohnes hast heiligen wollen, wir bitten dich, verleihe, daß wir Alle, die wir uns über die Verherrlichung deines heiligen Kreuzes erfreuen, eben so auch deines Schußes allezeit genießen; durch unsern Herrn Jesum Christum. Amen. Die Seelen der abgestorbenen Christgläubigen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes in Frieden. Amen. 13* 196 piding numite modni jot OT Hidropo 12 months a only. VI.: dt med als bim no onll Einige Andachtsübungen zur allerfeligsten Jungfrau und den Heiligen Gaffes. 3196 vat Zur Mutter Gottes. Lobgefang. * Mutter Christi, dürfen Sünder, Dürfen schwache Menschenkinder Dir auch ein Loblied weih'n, Da sich Engel deiner freu'n? nd don sia aim dip O du Heilige, du Reine!* Fromme, wie der Frommen Keine! Wer ist in dem Himmelreich,* Wer ist dir, Maria! gleich? om died pigs bid bi and Alle menschlichen Geschlechter, Heiligste der Erdentöchter,* Urbild der Bescheidenheit,* Preisen deine Seligkeit. * Alle Seraphinenchöre* Nennen dich der Menschheit Ehre.* Wer ist, der den Sohn erkennt,* Der dich nicht mit Ehrfurcht nennt? Unbefleckte, r reich an Gaben,* Ueber Engel hoch erhaben* Gibst du Gott die Ehr' allein,* Willst du seine Magd nur sein. Sonda carried stodffol End Du beim Kreuze Tiefbetrübte,* O du liebende Geliebte, * Zeugin seiner Qual und Pein,* Seiner Liebe Wiederschein! Zahllos waren deine Schmerzen,* Doch du bliebst von ganzem Herzen* In des Leidens tiefster Noth* Treu ergeben deinem Gott. pdo ad molis si@ Zu dir fleh'n wir, deine Kinder: Bitt', Maria, für uns Sünder!* Bitt' für uns im letzten Streit* Mutter der Barmherzigkeit! Gebete zur allerfeligsten Jungfrau Maria. 197 i slid di Gebet um Mariens mächtigen Schuk. Heiligste, unbefleckte Jungfrau, meine geliebteste Mutter Maria! du bist die Mutter meines Herrn und Heilandes, die Königin der Welt. Fürsprecherin, Hoffnung und Zuflucht der Sünder! zu dir nehme ich, der( die) armseligste unter den Sündern, heute meine Zuflucht. Vor deinen Füßen, o große Königin, lege ich mit gebührender Ehrfurcht meine demüthigste Huldigung nieder, und mit innigstem Gefühle meiner Seele danke ich dir für so viele mir bis auf diese Stunde erwiesenen Gnaden; besonders aber dafür, daß du mich durch dein liebevolles Verwenden von der so oft verdienten Hölle errettet hast. Dich liebe ich, o liebenswürdigste Frau und Herrscherin! und aus reinster Liebe zu dir mache ich den unveränderlichen Vorjah, dir allzeit zu dienen und nach Möglichkeit zu bewirken, daß dir auch Andere dienen. Auf dich sehe ich, nach Jesus, deinem Sohne, alle meine Hoffnung, das ganze Heil meiner Seele. Nimm mich zu deinem Diener auf, o Mutter der Barm= herzigkeit! und behalte mich unter deinem mächtigen Schußze. Weil ich weiß, daß du Alles bei Gott vermagst, darum seufze ich zu dir und rufe mit beängstigtem Herzen: rette mich von allen Versuchungen, oder erhalte mir wenigstens hinlängliche Stärke, um über dieselben bis an mein Lebensende immer zu fiegen. Zu dir flehe ich um eine wahre Liebe zu Jesus. Durch dich hoffe ich auch einstens selig zu sterben. meine liebreichste Mutter! Jim 198 Gebete zur allerfeligsten Jungfrau Maria. ich bitte dich durch deine Liebe zu Gott, stehe mir allzeit bei, besonders aber in dem Alles entscheidenden letzten Augenblicke meines Lebens. Verlaß mich nicht, so lange du mich noch nicht unter den Seligen im Himmel erblickest. Dort werde ich dich preisen, dort werde ich deiner Barmherzigkeit ewiges Lob singen. Also hoffe ich; also sei es! Amen. sorg Gebet um Hilfe in diesen bedrängnißvollen Beiten. O allerfeligste Jungfrau! wir werfen uns zu deinen heiligsten Füßen und bekennen demüthigst, daß nur unsere vielen und schweren Sünden es sind, welche die Geißel der göttlichen Gerechtigkeit gegen uns herausfordern; wir bereuen sie aber aus ganzer Seele, schlagen zerknirscht an unsere Brust, und fliehen vertrauensvoll zu dir, der Zu= flucht der Sünder. O Mutter der Barmherzigkeit, verfag uns deinen Beistand nicht! Wir flehen um Verzeihung zur göttlichen Barmherzigkeit: o Herr, verzeih uns unsere eigenen vielen Missethaten, verzeih alle die unzähligen Sünden, womit du in der ganzen Christenheit beleidigt wirst; verzeih uns um deines kostbaren Blutes willen! sieh auf die Verdienste und Fürbitte deiner heiligsten Mutter und aller Heiligen und verzeih uns! Gib uns Frieden, o Herr! Allerseligste Jungfrau, und alle Heilige Gottes, erbittet uns Frieden, Frieden mit Gott und Frieden unter allen Völfern der Christenheit! Amen. 50197 Einige Gebete zu den Heiligen Gottes. 199 Maria! du Zuflucht der Sünder, du Trösterin der Betrübten, du Hilfe der Christen, bitt für uns! Das berühmte Gebet Memorare. Erinnere dich, o mildreichste Jungfrau Maria, wie es noch niemals erhört worden, daß du Jemanden verlassen hättest, der zu dir seine Zuflucht nahm, deine Hilfe anrief und um deine Fürbitte dich anflehte. Von diesem Vertrauen beseelt, eile ich zu dir, o Jungfrau der Jungfrauen; ich fliehe zu dir, o Mutter, und erscheine als ein armer Sünder seufzend vor dir: o Mutter des ewigen Wortes, ver= schmähe meine Worte nicht, sondern höre und erhöre mich huldreich. Amen. ( 300 Tage Ablaß. Pius IX. 11. Dez. 1846.) 900 సీ Einige Gebete zu den Heiligen Gottes. 3um heiligen Joseph. Die heilige Schrift stellt uns den heil. Joseph als den Pflegvater unsers Heilandes und als den Bräutigam der Jungfrau Maria vor; Eigenschaften, welche uns von der Wirksamkeit seiner Fürbitte bei Gott Alles hoffen lassen. Nimm daher deine Zuflucht in allen Nöthen zu diesen großen Heiligen, der als Pflegvater unsers Heilandes und als Bräutigam der seligsten Jungfrau, alle Gläubigen für seine Kinder ansieht. Was könnte er also denen abschlagen, für die Jesus gestorben ist, und Maria selbst bittet? Insbesondere aber wähle dir den heiligen Joseph, der das Glück hatte, in den Armen Jesu und Mariä zu sterben, zum Fürsprecher bei Gott um eine selige Sterbstunde. Einige Gebete zu den Heiligen Gottes. Gebet. Sei mir gegrüßt, o mein auserwählter Schuzpatron, heiliger Joseph! du bist ein mächtiger Fürbitter bei Gott, und beschüßest Alle, die dich ehren und lieben. Du weißt, o heiliger Joseph! welch großes Vertrauen ich zu dir trage, und daß ich nach Jesus und Maria alle meine Hoffnung auf deine Fürbitte gesetzt habe; denn du bist der Glückselige, den Gott selbst zum Beschützer und Ernährer seines Sohnes erwählt hat. Du hattest das Glück, den zu tleiden, der den Himmel mit Wolken und die Erde mit Blumen fleidet. Dir war der vermenschte Gott gehorsam; das heiligste Kind war dir unterthänig, vor dem alle Geschöpfe des Himmels und der Erde ihre Knie beugen. O wie solltest du diejenigen verlassen können, die ein Verlangen tragen, Gott zu gefallen, Gott zu lieben, und einstens in Ihm ewig selig zu sein?- Heiliger Joseph! dieß Verlangen habe ich, darum rufe ich dich um deine Fürbitte mit Vertrauen an. Erbitte mir von deinem göttlichen Pflegsohne Gnade, Kraft und Stärke, seine Gebote treu zu halten, und nach deinem Beispiele alle Pflichten meines Standes genau und pünktlich zu erfüllen, und in Allem nur das Wohlgefallen Gottes zu suchen. ( 200 dheiliger Freund und Tröster der Sterbenden! ich bitte dich durch die Liebe, welche du allzeit zu Jesus und Maria getragen hast, stehe mir am Ende meines Lebens bei, und bilte, daß ich dasselbe mit den süßen Worten beschließe: Jesus, Maria und Joseph! in eure Hände empfehle ich meine Seele. Amen. Einige Gebete zu den Heiligen Gottes. 201 Gebet zu den heil. Aposteln Petrus und Paulus. Pius VI. gibt Jenem, der folgendes Gebet andächtig verrichtet, Einmal im Tage einen Ablaß von hundert Tagen. Wer aber an einem von den neun Tagen vor oder nach einem Feste des heil. Petrus oder des heiligen Paulus, nach der heiligen Beicht und Kommunion, dieses Gebet in einer Kirche oder vor einem Altare dieser Heiligen sammt dem gewöhnlichen Ablaßgebet abstattet, hat vollkommenen Ablaß zu gewinnen. Ex Decr. 28. Jun. 1778. Oihr heiligen Apostel Petrus und Paulus! ich N. N. erwähle euch heute und für allezeit zu meinen besondern Schutzpatronen und Fürsprechern. Ich wünsche dir, o heiliger Petrus, du Fürst der Apostel, aus demüthigem Herzen Glück, daß du jener Fels bist, auf welchen der Herr seine Kirche gebaut hat; desgleichen wünsche ich auch dir, o heiliger Paulus! vom Herzen Glück, daß dich Gott vor Andern erlesen, ein auserwähltes Gefäß und in der ganzen Welt der Verkünder der Wahrheit zu sein. Ich bitte euch, erlangt mir einen lebendigen Glauben, eine feste Hoffnung, eine vollkommene Liebe, eine gänzliche Verläugnung meiner selbst, die Verachtung der Welt, die Geduld in den Widerwärtigkeiten, die Demuth in dem Glücke, die Andacht in dem Gebete, die Reinigkeit des Herzens, eine aufrichtige Meinung in meinen Werken, eine genaue Beflissenheit, die Schuldigteiten meines Standes zu vollziehen, die Standhaftigkeit in meinen gemachten Vorsätzen, die Ergebenheit in den Willen Gottes, und die Beharr= lichkeit in der Gnade bis an das Ende meines 202 Einige Gebete zu den Heiligen Gottes. Lebens; damit ich durch eure Beihilfe und glor= reichen Verdienste, nach überwundenen Versuchungen der Welt, des Satans und des Fleisches, würdig ſei, dem allerhöchsten und ewigen Hirten unserer Seelen, Jesu Christo, vorgestellt zu werden, um ihn anzuschauen und ewig zu lieben; der mit dem Vater und dem heiligen Geiste lebet und regieret von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist du Maria 2c. Ich glaube an 2c. Gebet zum heiligen Ignatius. Großer heiliger Ignatius! dich hat der höchst gütige Gott vom weltlichen Kriegsdienste zur Stütze seiner streitenden Kirche gnädig berufen; bitt für uns, daß wir nach deinem Beispiele in Lesung guter Bücher die rufende Stimme Gottes wahrnehmen, den Schutz der gnadenvollen Mutter Gottes erflehen, unser Herz von allem Irdischen losreißen und den heiligsten Namen Jesu durch Worte und Werke hienieden verherrlichen, bis wir gewürdigt werden dort oben Gott ewig zu verherrlichen. Amen. Gebet zum heiligen Franziskus Xaverius. Großer Apostel der Indianer, heiliger Franziskus Xaverius, der du den allerheiligsten Namen Jesus in die Welt getragen hast; ich bitte dich durch die Mühseligkeiten und Arbeiten, welche du in der Ausbreitung der göttlichen Lehre und in der Bekehrung der blinden Heiden überstanden hast, ich bitte dich durch die Abtödtung deines Leibes, wel 203 Einige Gebete zu den Heiligen Gottes. chen du durch vieltägiges Fasten, durch Geißelung, Bußkleidung, hartes Lager auf der Erde und bei den Füssen der Kranken auf mancherlei Weise martertest, bewahre mich vor allem Uebel des Leibes und der Seele. Entferne von mir, was mir an zeitlicher und ewiger Glückseligkeit hinderlich ist. Besonders aber laß mich, o verklärter Freund des Allerhöchsten! deiner mächtigen Fürsprache genießen, daß ich Trost und Hilfe in meinem schweren Anliegen erhalte. Doch bitte ich anders nicht, als wie es dem göttlichen allerheiligsten Willen gefällig ist. Erhalte mir nur die Zufriedenheit mit meinem Schicksal, die Gnade, Gott stets eifriger zu dienen, ihn bis an mein Ende zu lieben, und endlich das Glück, ihn mit dir und den Auserwählten ewig zu loben und zu benedeien. Amen. Gedächtnik des heiligen Stanislaus koftka. Lobgesang. Sei gegrüßet, feusche Zierde,* schönste Blum' der Reinigkeit!* deines feuschen Lebens Würde* gab dem Himmel große Freud'.* Gleich der Sonne reidaß es deinen Strahlen* zeugte es so deutlich klar, nem Gott gefallen, weil es rein von Sünden war. V. Wie die Blüthe der Rosen in den Tagen des Lenzes. R. Und wie die Lilien, so am vorüberlaufenden Wasser stehen. V. Groß ist seine Ehre in deinem Heil; R. Mit Ehre und großer Zierde wirst du ihn bekleiden. pitis?. V. Bitte für uns, o heil. Stanislaus! R. Auf daß wir theilhaftig werden der Verheißungen Christi. sulle scorrmshilling Einige Gebete zu den Heiligen Gottes. Gebet. Jesus! du Liebhaber und Verehrer der jungfräulichen Keuschheit, der du den heiligen Stanislaus Rostla unbefleckt auf dieser Welt er halten hast; verleihe gnädig, daß, da wir sein Gedächtniß feierlich begehen, wir durch seine Verdienste und Fürbitte unsere Seele und Leib von allen Anreizungen der Welt, unbefleckt von aller Sünde, dir, o Gott! zur gefälligen Wohnung bewahren, der du lebest und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen. in 2190ND stild pos 900039 390911 pumpe rollies mettoiliedrelle rechHop med de sier Gedächtniß des feligen Johannes Berchmanns, mldferikers der Gesellschaft Jesu, sia lo hiche geboren zu Diest in Brabant am 13. März 1599, gestorben zu Rom am 13. August 1621, selig gesprochen von Papst Pius IX. am 28. Mai 1865. 204 Gebet der Kirche. O Gott, der du deinen seligen Bekenner Johannes durch vollkommene Treue in Beobachtung der Ordensregeln und durch Unschuld des Lebens zu wunderbarer Heiligkeit ver= flärt haft; verleihe uns um seiner Verdienste und Fürbitte willen, daß wir durch treue Erfüllung deiner Gebote zur Reinheit der Seele und des Leibes gelangen: durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Gebet zum heif. Alphons Maria v. Liguori. Heiliger Alphonsus! der du wegen deiner Tugenden und wegen der Treue, mit der du der göttlichen Gnade entsprochen hast, zur Anschauung Einige Gebete zu den Heiligen Gottes. 205 Gottes gelangt bist, wir bitten dich demüthig, er= bitte uns die Gnade einer feurigen Liebe zu unserm göttlichen Erlöser, der sich gewürdiget hat, für uns, seine undankbaren Geschöpfe, als Opfer der Liebe zu sterben, und einer zärtlichen Andacht zur aller= seligsten Jungfrau und Mutter Gottes Maria. Lehre uns deine Tugenden nachahmen, besonders deine tiefe Demuth, deine standhafte Geduld, deine vollkommene Ergebung in den göttlichen Willen, deine Reinigkeit und deine vollkommene Losschälung von allen vergänglichen Gütern. O heiliger Alphonsus! erbitte uns einen großen Abscheu vor der Sünde, komme uns zu Hilfe, wenn der Feind unseres Heiles uns Verderben droht. Wir bitten dich inständig, bewahre uns vor dem schrecklichen Unglücke der Todsünde, damit wir dem bösen Feinde nicht zum Raube werden; umschlinge unsere Herzen mit dem Bande der brüderlichen Liebe und entzünde sie mit jenem feurigen Eifer, von welchem du für das Heil der Seelen, besonders der Armen und Verlassenen beseelt warst; vermehre in uns die Andacht zu Maria, der seligsten Jungfrau, welche in diesem Thränenthale nach Gott der einzige Gegenstand deiner Liebe und Hoffnung war; bitte sie, diese Zuflucht der Sünder, daß sie uns Verzeihung unserer Sünden, die endliche Beharrlichkeit und die Gnade erlange, in den Armen Jefus und Maria den letzten Athemzug zu verhauchen. Amen. ad Inundin minuta dnu moriamme sellist bid steuning di medsdystand nimestelf- star 206 Einige Gebete zu den Heiligen Gottes. Gebet zum heiligen Johannes von Nepomuk. adom Heiliger Johannes von Nepomuk, der du für die treue Bewahrung des Beichtgeheimnisses die grausamsten Martern und auch den Tod standhaft erduldet haft: erbitte uns die Gnade, mit der Zunge uns nicht zu versündigen, sondern zu rechter Zeit zu reden und zu schweigen, damit wir einst mit dir, o freimüthiger Verkünder des Evangeliums und glorreicher Martyrer der Verschwiegenheit, in der himmlischen Freude vereinigt werden. Amen. Gebet zur heiligen Anna. odg Sei mir gegrüßt, heilige Anna, Mutter der seligsten Gottesgebärerin und Ahnfrau Jesu Christi! Wie groß muß deine Heiligkeit auf Erden gewesen sein, da du von Gott gewürdiget worden bist, das heiligste Geschöpf, die reinste Jungfrau und Mutter Gottes zu empfangen und zu gebären! Wie groß muß deine Herrlichkeit im Himmel sein, wo du mit deinem göttlichen Enkel Jesus und mit deiner hochgebenedeiten Tochter, der Himmelskönigin Maria, vereinigt bist. Darum, o gütige Mutter Anna! rufe ich deine milde Fürsprache voll Vertrauen an und bitte dich, du wollest mir in meinen geistlichen und leiblichen Anliegen die gewünschte Hilfe erlangen. Amen. med i spiss do Gebet zur heiligen Barbara. ots! not Heilige Jungfrau und Martyrin Barbara! du große Patronin der Sterbenden! ich erinnere dich 207 Einige Gebete zu den Heiligen Gottes. an jenes Gebet, welches du vor deinem Martertode zu Jesus Christus verrichtet hast, daß er doch keinen Christen ohne die heiligen Sakramente wolle sterben lassen. Zugleich bitte ich, heldenmüthige Jungfrau! durch die grausamen Martern, die du um des christlichen Glaubens willen erlitten hast; du wolleft mir von Gott die Gnade erbitten, daß er mich vor einem jähen und unversehenen Tode bewahre, und daß einstens meine Seele nicht von dem Leibe scheide, bis ich vorher das hochheiligste Sakrament des Altars, die Speise zur Reise in die Ewigkeit, würdig empfangen habe, und durch die heilige Delung gegen alle Versuchungen des Satans ge= stärkt bin. Owie getröstet werde ich alsdann sterben, wenn mein Jesus, mein Richter, bei mir in meinem Herzen gegenwärtig ist! Oheilige Jungfrau und Martyrin! du weißt es, wie groß die Gefahr der Seele in der Todesstunde ist, bitt also für mich, daß ich einen glückseligen Tod erlange, durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Gebet zur heiligen Philomena. Inmue Glorwürdige Jungfrau und Martyrin, heilige Philomena, die du unerschrocken die Schwachheit deines Geschlechtes und die Gebrechlichkeit deines zarten Alters überboten hast, um jene schrecklichen Martern zu bestehen, in welchen dich dein göttlicher Bräutigam mit seinem mächtigen Arme beschüßzet hat, erlange uns durch deine Verdienste und durch die Macht deiner Fürbitte die Gnade, daß wir dein 208 Einige Gebete zu den Heiligen Gottes. heiliges Beispiel nachahmend allen Versuchungen, Täuschungen und Lüsten Troß bieten, womit uns die Feinde unsers ewigen Heiles verderben wollen und auch jener zeitlichen Gnaden theilhaftig werden, um welche wir in Uebereinstimmung mit dem göttlichen Willen bitten. Durch Jesum Christum un= sern Herrn. Amen. nod Tim mis 200 Zum Gedächtniß der seligen Maria von den Engeln aus dem Orden der unbeschuhten Garmeliterinen, geboren zu Turin am 7. Januar 1661, gestorben daselbst am 16. December 1717, selig gesprochen von P. Pius IX. 20 Anoin am 14. Mai 1865. Kirchengebet. O Gott, der du deiner Jungfrau, der seligen Maria gegeben hast, mit englischen Sitten zu leben, verleihe uns deinen Dienern, daß wir durch ihre Nachahmung nach Ueberwind= ung der Lockungen des Fleisches die Gemeinschaft der Engel zu erlangen verdienen; durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebet zum heiligen Namenspatron.olides Seliger Freund Gottes, heiliger N. und mein Fürsprecher bei Gott! dessen Name mir von der Kirche bei der heiligen Taufe gegeben wurde, um mich deinem Schußze besonders zu empfehlen, und zur fteten Erinnerung für mich, daß ich deinen Einige Gebete zu den Heiligen Gottes. 209 Tugendbeispielen nachzufolgen mich bestreben soll: ich bitte dich, erlange mir durch deine Fürbitte die Gnade, daß ich der Welt und mir selbst abfterbe, Gott wegen sich selbst, und den Nächsten wegen Gott herzlich liebe, und also würdig werde, daß mein Name wie dein Name im Buche des ewigen Lebens eingetragen werde. Amen. 20 Am Fefte aller Heiligen Gottes. Auserwählte Freunde Gottes, ihr unzählbaren Heiligen aus allen Völkern, Ständen, Geschlechtern und Altern, seid mir gegrüßt an diesem eurem Festtage! Seid mir gegrüßt, ihr heiligen Patriarchen und Propheten, ihr ehrwürdigen Apostel und Jünger Christi, ihr glorreichen Martyrer, ihr standhaften Bekenner, ihr lilienreinen Jungfrauen! Seid mir Alle gepriesen, ihr ewig Glücklichen, die ihr den unaussprechlichen Lohn eurer Tugend nun genießet! Bittet, ihr seligen Himmelsbürger! bittet für mich und alle eure Mitbrüder auf Erden, daß wir eurem gottseligen Beispiele nachfolgen und einst in der himmlischen Freude mit euch vereinigt werden. Amen. Aloyfiusbüchlein, said the nijepus mi piog dus 14 210 Det radar 14 Verschiedene Fürbitten.së bi 100 domin Gebet für den heil. Pater und die ganze heil. Kirche. V. Lasset uns beten für unsern obersten Hirten! R. Der Herr behüte ihn, und erhalte ihn beim Leben, und mache ihn selig auf Erden, und übergebe ihn nicht in die Hände seiner Feinde. Ps. 40, 3. Barmherziger Gott! du haft das Gebet deiner Kirche, welches ohne Unterlaß für den heiligen Petrus verrichtet wurde, gnädig erhöret, und haft ihn zu rechter Zeit aus den Händen seiner Feinde wunderbar gerettet. Erhöre auch unser demüthiges Gebet, welches wir mit kindlichem Vertrauen für unsern dermaligen obersten Hirten N., den Nachfolger des heiligen Petrus, vor deinem Angesichte ausgießen. Erhalte ihn, o Gott! den allgemeinen Vater der Rechtgläubigen, noch ferner in deiner Gnade, womit du ihn bisher auf so ausgezeichnete Weise gestärkt haft. Segne denjenigen, der uns gesegnet hat, lindere seine Leiden über das schwere Anliegen seiner Kirche. Verlängere noch weiter die Tage seines Lebens bis auf ruhigere Zeiten, damit er ungehindert die ihm anvertraute Heerde zu deiner größern Ehre, zu seinem und unserm Trost noch viele Jahre weiden möge. Wir bitten auch, Herr Jesu Christe, laß uns nicht auf spätere Zeiten warten, sondern erhebe dich und zeige in diesen Tagen deine unwiderstehliche JOH: Verschiedene Fürbitten. 211. dun metale tig Macht in Erhaltung deiner Kirche, wie du dieselbe in ihrer Ausbreitung gezeigt haft: damit alle Feinde zu Schanden werden und reumüthig erkennen, daß deine Kirche, gebaut auf einen Felsen, wider den die Pforten der Hölle nichts vermögen, wenn du dieselbe auch manchmal bestürmen läsfest, doch nie zu Grunde gehen könne. Heiliger Geist! Geist der Liebe und der Wahrheit! ergieße dich abermal über die Herzen der Völker, damit die, welche durch ihre Weisheit blind geworden sind, durch eigene Erfahrungen überzeugt, das wohlthätige Licht deiner Lehren erkennen, und daß die, welche in ihrer Lauigkeit darnieder liegen, von einer warnenden Furcht durchdrungen, mit neuem Eifer belebt werden. Leite die Verwirrungen und das Elend unserer Zeit durch die wunderbaren Absichten deiner Weisheit, damit alle zerrütteten Gemüther, in Einigkeit des Glaubens versammelt, den allein wahren Gott und Jesum Christum, den er zum Heil der Welt gesandt hat, recht erkennen, die Gnade des christlichen Glaubens, diese Stütze der Ruhe und Sicherheit, fünftig höher schätzen, und den Statthalter Jesu Christi auf Erden, welcher der Mittelpunkt unserer Einigkeit ist, mit findlicher Liebe und Treue, wie es sich gebühret, hochachten. Dreieiniger Gott! mache den vielen Trübsalen ein Ende, und laß deine Kirche durch dieselben gereiniget, mit neuem Glanze aus ihnen hervorgehen. Hiefür wollen wir dann deine Macht und Herrlichkeit, deine Weisheit und Liebe, deine Güte 14* Verschiedene Fürbitten. arstidairy ana09iarz 212 und Barmherzigkeit mit Worten und Werken zu allen Zeiten loben und preisen. Amen. Jest bete nach Meinung des hl. Vaters 3 Ave Maria zur Ehre der unbefleckten Empfängniß Mariä, und nach jedem füge Folgendes bei: 11 Gebenedeit sei die heiligste und unbefleckte Empfängniß der seligsten Jungfrau Maria!" Gebet um Gnade für die Bertheidiger der hf. Kirche. Unendlich gütiger Jesus, mit unabläßigem Gebete will ich um deine Gnade bitten für diejenigen, welche die katholische Kirche beschüßen, wie auch für die Priester und Gelehrten, welche sie verthei= digen! Die Welt brennt auf allen Seiten, man will gleichsam dich, den Heiland, auf's Neue zum Tode verurtheilen, weil man gegen dich so viele falsche Zeugnisse vorbringt; man will deine heilige Kirche zu Boden werfen und umstürzen! Darum o mein Erlöser, kann mein Herz ohne Angst und großes Trauern nicht denken! Ach, was ist es doch, das selbst die Christen jetzt beginnen! Sollen denn immer diejenigen, welche dir auf's Höchste verbunden sind, dich am meisten betrüben; sie, welchen du am meisten Gutes erweiseft, die du als Freunde dir auserwählet hast, unter denen du wohnest, und denen du in den heiligen Sakramenten dich mittheilest? Begnügen sie sich noch nicht mit der Marter und Bein, welche du für sie ertragen? Wahrlich, o Herr, wer jetzt von der Welt sich trennt, der thut durchaus nichts Sonderliches; denn da 51090 Verschiedene Fürbitten. die Menschen gegen dich so meineidig und schmähsüchtig sind, was darf man von ihnen gewärtigen? Aber inzwischen zerbricht gleichsam mein Herz vor Qualen, wenn ich sehe, wie viele Seelen verderben. Ach, wäre doch des Unheils nicht so viel! Ich wollte gerne leiden, damit ich nur nicht täglich noch mehrere verderben sehen müßte! Hilf uns Allen! Amen. 213 fod Gebet um gute Priester, si vorzüglich an den Quatembertagen zu verrichten. ods dal O Gott! der du zur Erhaltung und Verbreitung deiner Kirche das Priesterthum eingesetzt haft, wir bitten dich, gib uns würdige Priester. Herr der Ernte! du weißt, wie groß die Ernte ist, wie wenige Arbeiter sind. Sende Arbeiter in dieselbe! Laß keinen von ihnen unberufen zum Hirtenamte gelangen! Bilde bereits du selbst durch deine Gnade diejenigen vor, welche du zu dem so wichtigen Amte eines Dieners deiner Kirche wähleft; laß sie jetzt schon ihre Freude in der Betrachtung deines heiligen Wortes finden; laß sie recht tief in den Geist deines heiligen Gesetzes eindringen; laß sie einst deine heilige Lehre mit Eifer und Segen uns vortragen. Laß sie Tugend und Wissenschaft verbinden; flöße ihnen Liebe zu dir und deiner Kirche ein; gib, daß sie unermüdet in deinem Weinberge arbeiten; erfülle sie mit flugem, ausharrendem Eifer; gib ihnen Demuth, Sanftmuth und Mitleid gegen Fr= rende und Schwache; laß sie durch Worte, durch Verschiedene Fürbitten. Beispiele und durch das Gebet ihrer Heerde recht nüglich werden! Um dieß bitten wir dich durch den höchsten Hirten unserer Seelen, durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. di muset slou 214 Gebet um die Bekehrung der Seiden, Irrgläubigen und Sünder. 911 Ewiger Gott, Schöpfer aller Dinge, gedente, daß du die Seelen der Ungläubigen, Keßer und Sünder nach deinem Ebenbilde erschaffen haft. Sieh, o Herr! dir zur Schmach füllen sie die Hölle an. Gedenke, daß dein geliebter Sohn, Jesus Christus, um ihres Heiles willen den schmählichsten Tod am Kreuze erlitten hat. Laß ferner nicht zu, ich bitte dich, o Herr! daß dein Sohn von den Ungläubigen, Keßern und Sündern verachtet werde; sondern durch das Gebet heiliger Männer und der heiligen Kirche, der Brant deines Sohnes, versöhnt, erinnere dich deiner Barmherzigkeit; gedente nicht mehr ihres Gößendienstes und Unglaubens, ihrer Widerspenstigkeit und Bosheit, und bewirke, daß auch sie erkennen, fürchten und einst lieben unsern Herrn Jesus Christus, der unser Heil, unser Leben und unsere Auferstehung ist, durch den wir gerettet und erlöset sind, und dem Ruhm und Ehre ge= bührt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 19 And Gebet für die ganze Christenheit. Allmächtiger Gott, Herr, himmlischer Vater! sieh gnädig herab auf dein Volk und erhöre um 10211 Andachtsübung für die armen Seelen. 215 deines Sohnes willen unser demüthiges Gebet. Erhalte die Gerechten, stärke die Schwachen, beschüße die Unschuld, verschone die Sünder, mache gerecht die Büßer, heile die Kranken, tröste die Betrübten, bekehre die Irrenden, erlöse die Gefangenen, rette die Unterdrückten, sende Hilfe den Sterbenden, damit alle, welche in ihren Nöthen zu dir rufen, Barmherzigkeit erlangen, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Andachtsübung ni Rapin für die armen Seelen im Fegfeuer. Psalm 50. Erbarme dich, o Gott! nach deiner großen Barmherzigkeit über die leidenden Seelen im Fegfeuer, und nach der Menge deiner Erbarmnisse tilge alle ihre Vergehen. Wasch' sie mehr von den Mackeln ihrer Sünden, * reinige sie von allen Schulden und Strafen derselben. Denn sie erkannten, sie bereueten es, o Gott! daß sie gefündiget hatten,* und suchten durch anhaltende Buße sich mit dir zu versöhnen. Dir, dir allein haben sie gesündiget, und Böses vor deinem Angesichte gethan,* aber schone und verzeih' ihnen, o Herr! Andachtsübung für die armen Seelen. Damit Alle beim Gerichte bekennen, daß dein Versprechen sich rechtfertige,* daß du reumüthigen Sündern gerne Schulden und Strafen erlaffeſt. 216 Bedenke, o Herr! sie hatten die Erbfünde, den Ursprung aller Sünden seit ihrem Dasein auf sich; * sie waren von Kindheit an zum Bösen geneigt. Du liebtest ja doch nach ihrem Falle ihr demüthig reuevolles Herz;* du hattest ihnen auch deßwegen die verborgensten Geheimnisse deiner Weisheit entdeckt. So laß ihre Bußthränen mit deines Sohnes Blute vermengt ihnen zur Versöhnung gedeihen; * reinigest du sie, so werden sie weißer als Schnee, ganz rein und gefällig dir werden. Sichere ihnen deine vollkommen erlangte Gnade und Liebe väterlich zu,* und sie werden voll Freuden über die Befreiung von ihren Peinen dich preisen. Wende dann, o Herr! dein Auge von den Mackeln und Ueberbleibseln ihrer Sünden hinweg;* gib, daß dieselben gänzlich getilget, an ihnen verschwinden. Gestalte ihre Herzen um in reine, dir angenehme Gefäße der Liebe,* und vollende in ihnen die Gleichförmigteit ihres Geistes mit deinem. Verstoß sie vor deinem Angesichte nicht länger; * entzieh' ihnen nicht ferner deines heiligen Geistes volle Liebe und Freude. Ja, laß sie die bisher noch vermißte Freude deines Heiles genießen;* tief begründe dein Geist in ihnen die Wonne deiner heiligen Liebe. 217 Andachtsübung für die armen Seelen. Sie lehrten vielleicht so manche Sünder auf dem Wege deiner Gebote zu gehen,* und brachten sie durch ihre Tugend, oder aufrichtige Buße zu dir wieder zurück. Erlöse sie, o Gott des Heiles! von den noch nicht genug abgebüßten Strafen,* damit sie mit Frohlocken deine versöhnte Gerechtigkeit loben. Eröffne, o Herr! belebe ihre Herzen zum Danke, * sie werden dein Lob mit Freude verkünden.d Gerne würden sie zur Tilgung ihrer Sünden und Strafen gefällige Opfer dir bringen;* allein die Nacht, in der Niemand mehr Verdienstliches wirken kann, hat sie befallen. Das angenehmste Opfer, das dir gefällt, ist ein reumüthiger Geist;* ein zerknirschtes und demüthiges Herz verwirfst du nicht; deßwegen brachten und bringen sie es dir. Erbarme dich dann nach deiner Güte über diese leidenden Glieder deiner heiligen Kirche;* vermehre durch sie die Anzahl der seligen Bürger des Himmels. * Laß unsre schuldigen Opfer der Gerechtigkeit, unsre freiwilligen Opfer der Liebe für sie dir gnädigst gefallen, damit sie gereiniget bei deinem Throne, als ewige Opfer deiner Liebe sich weihen. Herr! schenke ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. story and * * Bete den Rosenkranz oder einige Vater unser und Ave Maria, mit Einlegung der Worte: Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, das ewige Licht Jesus Christus, leuchte ihnen. Andachtsübung für die armen Seelen. Psalm 129. Aus der Tiefe unsers Nichts rufen wir für unsere verstorbenen Mitbrüder und Schwestern zu dir, o Herr!* Herr! erhöre unsre Stimme. 218 Neige dein Ohr voll Erbarmen zu uns,* unsere demüthigen Bitten für sie in Gnaden zu hören. Willst du, o Gott! so strenge die Bosheit und Menge der Sünden durchsuchen:* ach, Herr! wer wird vor deinem Gerichte bestehen? Aber deine Eigenschaft ist's, zu erbarmen und zu verschonen!* Dein Versprechen, den reumüthigen Sündern zu verzeihen, ist ihre und unsere einzige Hoffnung. Dieß troftvolle Wort deiner Gnade hat sie, und uns Alle erquicket:* im vollen Vertrauen harren diese Seelen auf deine Güte und Treue, o Herr! So hoffet, ihr Gerechten! ihr baldigen Erben des Himmels: vom Morgen bis zur Nacht auf des Herrn Erbarmung! Denn bei ihm ist Milde! Sein Wesen ist Güte: * bei ihm ist Ueberfluß der errettenden Gnade. Ja, er wird auf unser Flehen für euch seir Versprechen erfüllen,* und euch von Sünd' und Strafe befreien. Herr! schenke thnen die ewige Ruhe,* und das ewige Licht leuchte ihnen. Laß sie ruhen im Frieden. Amen. Je? Solido Christliches Testament. 219 bie Da wir alle sterbliche Menschen sind, und keinen Augenblick wissen, wann wir von dieser Welt abgerufen werden, so mache ich hiermit vor den Augen Gottes, der heiligen Jungfrau Maria und der heiligen Engel mein Seelen- Testament- gerade so, als wenn der heutige Tag der letzte meines irdischen Lebens wäre. Im Namen der heiligsten und untheilbaren Dreieinigkeit, Gottes des † Vaters und des+ Sohnes und des heiligen † Geistes. Ich übergebe meine Seele in die Hände ihres Schöpfers und Erlösers; den Leib lasse ich der Erde zurück, aus der er gebildet ist. Allen zeitlichen Gütern, Ehren und Ergötungen entsage ich mit bereitwilligem Herzen. Nach dir allein, o mein Gott und Herr, sei mein Verlangen gerichtet. Ich erwecke vom Herzen innige Reue über meine Sünden, und zwar allein deßwegen, weil ich damit dich, meinen Gott, den ich über Alles liebe, beleidiget habe. Ich verspreche ernstliche Besserung und Genugthuung, und vertraue dazu gänzlich auf deine Hilfe. Ich verzeihe gern Allen jede Unbild, und bitte demüthig, daß auch mir von Allen verziehen werde. Ich glaube fest und ungezweifelt, wie die tatholische Kirche, die Säule und Grundfeste der Wahrheit, glaubt und lehrt.. Ich hoffe, o Herr! durch die Verdienste Jesu Christi und deine unendliche Barmherzigkeit vollkommene Verzeihung meiner Sünden und das ewige 220 Christliches Testament. Jame Leben. Dich, meinen dreieinigen Gott, mein höchstes Gut, liebe ich aus meinem ganzen Herzen. Freud' oder Leid, Gesundheit oder Krankheit nehme ich von deiner Hand mit Dankbarkeit an. Deiner göttlichen Vorsehung, deinem heiligsten Urtheile überlasse ich mich gänzlich. Ich bitte dich, mein lieber, heiliger Schußengel, du mein himmlischer Freund, stehe mir bei in meiner letzten Stunde; und wenn ich vielleicht nicht mehr im Stande sein werde, etwas zu sprechen oder auch nur zu denken, so sage du anstatt meiner meinem lieben Heilande, was ich gerne sagen möchte: daß ich Alles glaube, was die heil. Kirche glaubt: daß ich alle meine Sünden verdamme; daß ich auf seine unendliche Barmherzigkeit hoffe; daß ich willig sterbe, weil es ihm so beliebt; daß ich ihm meine arme Seele und die Seelen aller meiner Mitbrüder und Mitschwestern anempfehle; daß ich ihn über Alles liebe, und verlange, ihn ewig zu lieben, zu Loben und anzubeten. Um diesen meinen Willen durch Zeugniß und Beistand zu bekräftigen, rufe ich euch an, o seligste Jungfrau Maria! o heiliger Joseph! o mein heiliger Schußengel, und ihr alle meine himmlischen Beschützer! Nehmet die Wünsche und Vorsätze eures Verehrers auf, und bringet sie vor das Angesicht meines Gottes, meines Erlösers und fünftigen Richters. Besonders du, o Mutter der Barmherzigkeit, verlaß mich nicht im letzten Streit. Amen. pions and dit moon is gfr Inhalts- Verzeichnik. Kurze Lebensgeschichte des heil. Aloysius Ermahnungen des hl. Aloysius an sein Pflegkind I. Tägliche Andachtsübungen. Morgenandacht. Morgengebet 20 ( 20 Beim Glockenzeichen llebung der drei göttlichen Tugenden Andacht des ehrw. P. Zucchi zur seligsten Jungfrau Meßandacht Heilsame Gemüthserhebungen bei verschiedenen Anlässen unter Tags. Gute Meinung.30.700 Bei und nach der Arbeit Stundgebet. Gebet des heil. Nikolaus von der Flüe Beim Anschauen des Himmels. In der Versuchung Nach einem Fehltritte. In Leiden, Kleinmuth und Verachtung Kurze Tugendakte: Bei einem Kruzifire aufigolls b Seite 3 19 221 prepyn21 1995 21 25 26 28 29 由 右 右 右 42 42 42 943 43 44 44 5 5 6 46 46 47 47 78 36 3 45 45 Bei einem Muttergottes bilde Bei einem Heiligenbilde Wenn man das hl. Sakrament zu einem Kranken trägt Wenn man einen Kranken besucht Beim Läuten der Zügenglocke Bei einem Kirchhofe Kurze Gebete, für welche die Päpste hl. Ablässe verliehen haben Zwei Ablaßgebete in Bedrängnissen der hl. Kirche Besuchung des allerheiligsten Altars- Sakraments 56 Abendandacht. 46 48 53 63 222. II. Andachtsübungen beim Empfange der heiligen Sakramente der Buße und des Affars. Beichtandacht au Erforschung des Gewissens. Erweckung der Reue Danksagung nach der Beicht Kommunionandacht Gebete vor der heil. Kommunion Gebete nach der heil. Kommunion Ablaßgebet vor einem Bilde des Gekreuzigten 123456 3. 4. Inhalts- Verzeichniß. Vorbereitungsgebet 5. 6. Vorbemerkung Gute Meinung für jeden der sechs Sonntage Beschluß eines jeden Sonntags 1. Sonntag. Liebe Gottes 2. Tugend der Reinigkeit. Der Gehorsam Eifer im Gebet III. Sechsfonntägige Andacht zur Ehre Gottes und des heiligen Aloysius. " " 1 " 1 Seite 66 Schlußgebet für alle sechs Sonntage wo Andacht zum allerheil. Sakrament. Bußeifer Bertrauensvolle Empfehlung in bessen Schuß Litanei zur Ehre des heil. Aloysius Lobgesang zum heil. Aloysius. 66 6 5 70 72 74 74 75 84 66 67 78 85 86 94 87 95 105 115 126 136 150 IV. Noch einige Andachtsübungen den heil. Aloyfius zu ehren und dessen Fürbitte zu erflesjen. hur id sap dadahlat 150 Tagzeiten zum heil. Aloysius 152 Am Feste des Heil. Aloysius. 159 161 164 Inhalts- Verzeichniß. Gebete zum hl. Aloysius um besondere Gnaden. Um die Tugend der Reinigkeit Um Erkenntniß seines Berufes Um Fortgang in den Wissenschaften Um die Gesundheit der Augen Um wahre Bußfertigkeit Um die Gnade der Beharrlichkeit Fürbittruf zum heil. Aloysius V. Befondere Andachtsübungen or für den nachmittägigen Gottesdienst zu gebrauchen. Vesperandacht Andacht zu Jesus im heiligsten Sakramente. Lobgesang und Gebet Andächtige Besuchung Andacht zum heiligen Geiste. Lobgesang Gebet um die sieben Gaben des heil. Geistes Andacht zum göttlichen Herzen Jesu. 3um heiligen Herzen Maria Kreuzwegandacht VI. Einige Andachtsübungen zur seligsten Jungfrau und den Heiligen Gottes Andacht zur Mutter Gottes. Seite 165 166 166 166 167 167 168 Lobgesang Gebet um Mariens mächtigen Schuß Gebet um Hilfe in diesen bedrängnißvollen Zeiten Das berühmte Gebet Memorare . Einige Gebete zu den Heiligen Gottes. Zum heiligen Joseph Zu den heil. Aposteln Petrus und Paulus Zum heiligen Ignatius. Zum heiligen Franziskus Xaverius Gedächtniß des heil. Stanislaus Kostka 223 . 169 180 56 181 182 183 185 186 196 197 198 199 199 . 201 202 202 203 Inhalts- Verzeichniß. Gedächtniß des sel. Johannes Berchmanns Zum heil. Alphons Maria v. Liguori Zum heil. Johannes von Nepomuk Zur heiligen Anna Zur heiligen Barbara Zur heiligen Philomena 224 Gedächtniß der sel. Maria von den Engeln Zum heiligen Namenspatron Zu allen Heiligen Gottes Andacht für die armen Seelen im Segfeuer. Psalm 50 umschrieben Psalm 129. Einige zeitgemäße Fürbitten. Gebet für den hl. Vater und die ganze hl. Kirche 210 Gebet um Gnade für die Vertheidiger der Hl. Kirche 212 Gebet um gute Priester 213 Gebet um die Bekehrung der Heiden, Irrgläubigenos und Sünder. Gebet für die ganze Christenheit Christliches Testament Ring and ● Seite 204 204 206 206 206 207 208 208 209 - Butto 909 $ ♦ 214 214 215 218 219 day fasts? alsfjogi? The and# 8 attest salgstalling and girtböden Inches 1 Centimetres Blue 2 3 2 Cyan 15 6 17 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow C 10 Red 11 LO 5 12 13 Magenta 14 ( O 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8