Gf 1434 ( ㅅ ㅋㅋㅋㅅ ㅇㄹㅋ) sc. Graz Moglich Schau auf, mein Aug! wohin den Blick du sendest, Gewahrst du Freude nur und hohe Lust; Und überall, wohin du dich nur wendest, Ist kaum ein Ort, wo Traurigkeit du d Die Stunde der Andacht Gebet und Erbauungsbuch und Herz für Geist ein IPIS Von einem Weltpriester L.H. L.Moglich sein Graz WIEN Jacob Wallner Verlag G6 1434 Univ.- Bibl. Giessen Erinnerung am Morgen. Laß es dir heilige Pflicht sein, mein Chriſt! jeden Tag mit Erhebung deines Herzens zu Gott anzufangen. Der glückliche Fortgang und das erwünschte Ende hängt überall gemeiniglich von einem guten Anfange ab. Was früh versäumt wird, ist schwer nachzuholen, und wird selten ganz ersetzt. Wenn du Morgens in der Stille und Einsamkeit aus angewöhntem Leichtsinne deines Gottes vergissest, wirst du wohl unter den Zerstreuungen des Tages seiner gedenken? Verweile nicht lange unnöthiger Weise im Bette; kürze dir nicht selbst deine kostbare Lebenszeit ab, die ohnehin so kurz ist. Sei kein Sklave einer trägen Weichlichkeit; sie ist eine gefährliche Verführerin, der Tugend und der Gesundheit 1 2 nachtheilig. Wie wirst du schwerere Versuchungen überwinden, wenn du schon ihr unterliegst? Böse Gedanken nehmen die müßige Seele des Faulen ein, der sich nicht aus dem Bette Loswinden kann; und so wird der Tag von ihm schon oft mit Sünden angefangen. - Morgengebet. Mein Gott und Vater! Zu dir erhebt sich mein Geist beim Erwachen. Meine erste Empfindung sei dankbare Freude und Liebe. Mein erstes Geschäft Anbetung und Bitte um deinen väterlichen Segen! In Demuth werf' ich mich nieder vor dir, und preise dich, mein gütiger Schöpfer! daß ich noch lebe, und daß ich weiß, wozu ich lebe, daß ich dich den Urheber und Erhalter meines Lebens kenne, und dich Vater nennen darf. 1 Unter deinem Schutze schlief ich sicher und ruhig. Unter deiner Leitung setze ich heut wieder den Weg fort, den deine Vorsehung mir vorgezeichnet 3 hat. Auch dieser Tag soll meinem Ziele mich näher bringen. Durch Besserung, Fleiß und Tugendübung soll ich zu jener höhern Glückseligkeit mich fähig machen, zu welcher du mich erschaffen hast. Du gibst mir Zeit, Gelegenheit, Kräfte und Mittel dazu. O möchte ich sie auch so benutzen, daß ich schon am heutigen Abend mich zu freuen, nichts zu bereuen hätte, und mit frohem Bewußtsein vor dir, mein unsichtbarer und allsehender Vater erscheinen könnte! Gott! du kennest mein Herz. Ist es gleich voll guter Entschließungen, wie schwach ist es doch! So oft schon habe ich meine besten Vorsätze gebrochen wird dieß auch heute geschehen? Werd' ich auch heute die Sünde wieder begehen, die dir so sehr an mir mißfällt? Soll auch der heutige Tag einer der verlornen, der übel zugebrachten, der unglücklichen werden? Ach! dieß sei ferne, mein Gott! Bewahre mich, stärke mich! Ich will mich auch sorgfältig hüten und mit Standhaftigkeit waffnen. - 1* Wenn Begierden in mir sich regen, über welche die Tugend erröthet; wenn mein Herz erbittert werden will, oder meine Heftigkeit mich hinreißt; wenn meine Trägheit die Mühe scheuet, und mein Muth mich verlassen will: dann mache mich ein Gedanke an dich schamhaft, sanft, vorsichtig, thätig und ruhig. Du siehst die geheimsten Bewegungen meines Herzens; auf deinen Beistand kann ich vertrauen; du wirst meine Mühe und Überwindung belohnen, du wirst mich richten. Bater! du vergisfest deines Kindes nie. Wie follte ich deiner vergessen? Erinnert mich doch Alles an dich. Was ich bin und was ich habe; was ich sehe und genieße alles ist von dir. Dir gehöre ich ganz zu. Der Dienst, den du von ..ir zu meinem eigenen Besten forderst, ist Gehorsam aus Liebe. Diesen Dienst gelobe ich dir jetzt aufs heiligste. Alles, was ich thue oder beginne, geschehe, weil du es willst, und wie du es willst, du mein Gott- und Vater! du mein mächtiger Helfer und treuer Vergelter! 5 Auch für meine lieben Brüder bitte ich, o Herr! in dieser Morgenstunde, wenn Nothleidende, Kranke, Sterbende dein Antlig suchen, so wende es nicht von ihnen ab, sondern siehe mit Erbarmung auf sie hin, und laß sie Gnade vor dir finden. Versage deine Barmherzigkeit auch denjenigen nicht, die deiner ganz uneingedenk, oder zu lau sind, ihre Knie vor dir zu beugen. Erbarme dich über die Bewohner der ganzen Erde, und laß diesen Tag einen Tag des Heils für alle deine Erlösten sein. Laß heute die Sünder gebessert, die Feinde versöhnet, die Betrübten getröstet, die Armen versorget, die Kranken erquicket, die Irrenden auf den rechten Weg geführet, und die Ster benden selig vollendet werden. Die ganze Wela bete dich an, und jede Creatur preise nach ihrer Art deinen heiligen Namen. 6 Erhebung seines Geistes zu dem Schöpfer. Herr! was ist das Leben des Menschen, und was sind seine Jahre? Sie fließen dahin wie ein Bach, rieseln hinweg wie eine Quelle, und ihrer wird nicht mehr gedacht. Die Hälfte meiner Wanderschaft ist vielleicht vollendet, vielleicht bin ich näher beim Ziele, als es scheint. Herr! kröne mich, wenn ich meinen Lauf vollendet habe. Sprich zu der irdischen Hülle: Ruhe sanft in dem Schooße, aus dem du entsprungen bist. Herr! nimm meine Seele auf zu dir. 1 - Schon so oft hast du, o Herr! die Sonne in ihrem vollen Glanze über mich aufgehen Lassen: was war ich, ehe du mich aus der Tiefe der ewigen Nacht in das Leben hervor gerufen hast? Was war ich vor so viel verschwundenen Jahren? und wer werde ich vielleicht in Kürze sein? Werde ich noch, in diese irdische Decke gehüllet, deine herrliche Allmacht in den Geschöpfen 7 bewundern? Oder werden meine Gebeine verfammelt bei der Asche meiner Väter ruhen? Aber nein, ich werde nicht ganz sterben; denn der in mir denkende Geist wird leben, und des Herrn Werke verkündigen, wenn auch die Glieder vermorscht sind. Ich werde leben, aber wie? o Vater aller erschaffenen Wesen! erbarme dich deines Geschöpfs. Du sprachst zu mir: Werde! und ich ward; meine Augen eröffneten sich dem irdischen Lichte. Noch unreif zu denken, erkannte meine Seele ihren Schöpfer noch nicht. Ungewohnt zu sein, begrüßte ich die Welt mit Thränen. Ich wurde ein Mensch, Herr! und bete dich an. Leichtsinnige Jahre der Jugend, wie schnell seid ihr verschwunden! Wie wenige Augenblicke flossen würdig in die Ewigkeit? Wie viel verschwendete Stunden werden mich anklagen? Herr! wenn du mich vor Gericht ziehen wirst, so werden meine Gebeine zittern, und meine Lippen werden verstummen. Ich habe gesündiget, o Herr! die Seele, 8 zu höheren Geschäften bestimmt, erniedrigte sich, und verläugnete ihren Ursprung. Gefangen von niedrigen Lüsten, vom Gepränge der Welt betäubt, von der verführenden Stimme der Wol luft gelocket, verlebte ich sorglose Tage. Du er schusst mich zum Engel, und ich erniedrigte mich zum Staube. Herr! du kennst mein Herz; bilde es nach deinem Gefallen. Entreiß meine Seele den Irrthümern, und meine Sinne der Verblendung. Mache, daß mein Herz auf den Flügeln der stillen Betrachtung sich öfters gegen den Himmel schwinge, und sich zur rechtschaffenen Ausübung des Berufs stets vorbereite. Mein Geist verehret dich, ewiges, allmächtiges Wesen! er fühlet seine Schwachheit, verabscheuet die Sünde, sündiget, zittert, empfindet Reue, sündigt wieder und betet dich an. - Herr! entreiß mich dem Verderben! Deine Gnade sei mächtig in meiner Schwachheit! nur du bist der heiligste Gott! die Wahrheit selbst! und so sicher ich an dich glaube; so ges tröstet hoffe ich auf deine Güte. Fremde Flam 9 men verdunkelten zwar meine Seele; aber von nun an soll das Feuer der Liebe, der reinsten Liebe gegen dich allein mein Herz entflammen, weil du über alles liebenswürdig bist. Mein Herz ist nun willig, in tiefster Demuth deine heiligsten Geheimnisse anzubeten, ja mit allen Kräften will ich dir danken, so lang ich noch hier bin, und meine Lippen sollen dich preisen, bis sie der Tod schließt. Du behütest dein undankbares Geschöpf vor Unglück, und befiehlst deinen En geln, daß sie vor mir gehen, und mich auf meinen Wegen beschützen sollen; darum ſei dir ewiges Lob! Denn du bist heilig, o Gott! und ich bin ein verworfener Sünder. Erbarme dich meiner, o Gott! und vergib mir die Sünden meiner Jugend! Die Verdienste meines Erlösers sollen das Opfer sein, so ich dir bringe, der ich von mir selbst nichts habe, nichts vermag. Leite mich, o Herr! so werde ich nicht irren, leite mich zu deiner Wahrheit! Soll ich noch länger hier wohnen, Herr! so heilige mich. 10 Gib daß ich mein Leben dir und meinem Nächsten weihe. Laß mich nicht den Spott der Gottlosen fürchten, noch den Hohn der Hoffärtigen. Ent reiß meine Seele den Stricken des Verführers. Laß mich mit dem Munde bekennen, und im Herzen empfinden, du seiest der Herr, und kein wahres Glück sei außer dir. Gib Stärke zu meinen Geschäften, erleuchte meinen Verstand, erhebe mein Herz, daß es begierig werde, nicht der Welt, sondern dir gefällig zu werden. Gib mir die Ruhe, Herr! die Ruhe, die Begleiterin der wahren Tugend. Kann Betrübniß und Leiden mein Herz bessern, Herr! so gib mir auch meinen Theil an Kummer und Schmerzen. Du wirst deinem Kinde keine Last auflegen, die es nicht ertragen kann. Gib mir nicht den irdischen Reichthum, der die Seele erniedriget, und den die blasse Sorge bewachet. Laß mich reich sein an guten Handlungen. Gib mir nur so viel, daß mein Herz nicht von Sorgen der Nahrung eingenommen, - 11 eines höheren Endzwecks vergesse. Willst du mir irdische Schätze verleihen, Herr! so gib mir Verstand und Willen, sie wohl anzuwenden. Die weltliche Ehre sei nicht mein Wunsch, und der Beifall der Welt sei nicht meine Sorge. Aber, o Herr! laß mich nicht zu Schanden werden vor dem Volke! mein Gericht sei unbefleckt, und mein Name sei nicht der Spott der Vers leumder. Wenn ich einst liege und schlafe im Frieden, so laß mein Andenken einigen stillen redlichen Herzen werth sein. Kein Fluch und keine Lästerung beschwere mein Grab. Gib mir den süßesten Trost des menschlichen Lebens- wahre Freude! Segne meine Familie, meine Anverwandten und Freunde, sie sind dein und verehren deinen heiligen Namen. Segne unsern Landesfürsten und unser Vaterland. Segne uns, Herr! so sind wir geſegnet. Laß meine Seele im Frieden fahren, wenn ihre Stunde schlägt; laß mich bei meinem Ende getröstet durch den Glauben, geheiliget durch deine Gnade aus der Welt scheiden. Kein Bild 12 des Schreckens erscheine vor meinen brechenden Augen; feine begangene Missethat ängstige meine Seele; kein irdischer Wunsch halte sie zurück. Laß mich, getröstet durch das Verdienst deines ewigen Sohnes, in das Reich der Ewigkeit treten. Segne mich in meiner letzten Stunde, mein Ende sei wie das Ende der Gerechten. Ewiges Lob, Preis und Ehre sei dir, ewiger Vater! versöhnender Sohn des Ewigen, unser Erlöser! dein Name sei geheiliget; göttlicher Geist, der du vom Vater und Sohne ausgehest! Dir sei ewig Lob und Preis. Amen. - - Gebet zum heiligen Schußengel. Heiliger Engel des Herrn, dem Gott befohlen, mich auf allen meinen Wegen zu beschützen, und auf alle meine Tritte Acht zu haben. Dir sag' ich in Demuth für alle deine Huth schuldigsten Dank. Es ist der Wille Gottes, daß du bei mir seist. Ich preise und bete seine BarmHerzigkeit dafür an. Bringe ihm meine Seufzer 13 dar, und bitte ihn für mich, daß er mein Gebet erhöre. Bitte ihn, daß er mich gelehrig und aufmerksam mache. Engel des Friedens, erlange mir die Gnade einer aufrichtigen Buße, über welche du dich erfreuen könnest, verlaß mich nicht, wenn ich gesündiget habe, thue mir Widerstand, wenn ich mich auf Abwege wende, wie sich ein gutthätiger Engel dem Balaam widersetzt hat. Sprich zu mir, wie die zwei Engel mitten in Sodom zu Loth sprachen:„ Rette deine Seele, fliehe vor der Sünde." Sei du meine Brustwehr, und komm mir zu Hülfe, wenn ich in Versuchung gerathe. Begleite mich auf der Reise des sterblichen Lebens- und einst nach glücklich vollendeter Laufbahn führe mich zu Gott, dann wollen wir ihn mit vereinigten Kräften loben und ewig preisen. Amen. - 14 Erinnerung vor der heiligen Messe. Jesus Christus hat sein Leben und Blut aufgeopfert zum Heil der Welt. Dieses große Opfer, das er am Kreuze vollbrachte, sollte seinen Verehrern im ewigen Andenken bleiben, und bei ihren gottesdienstlichen Versammlungen immer erneuert werden. Dazu hat er das heilige Altars- Sakrament eingesetzt. Es war der letzte Abend vor seinem Leiden, an welchem er nach jüdischem Gebrauche das Osterlamm aß. Da saß er unter seinen Jüngern wie ein Vater und Freund, der sich von seinen Geliebten scheiden muß. Mit der zärtlichsten Liebe hatte er ihnen eben noch sein ganzes Herz geöffnet, die besten Lehren, Warnungen und Verheißungen ertheilet, und, was mit ihm vorgehen würde, vorhergesagt.- Endlich nahm er das noch vorhandene flache Brot, mit einem Aufblick und Dankgebet zum Vater, brach's in Stücke, und sprach:„ Das ist mein Leib, der für euch wird hingegeben, und gleichsam zerbrochen werden.- 1 - 15 „ So, wie ich das Brot brach," wollte er sagen, werden mir im Tode Augen und Glieder brechen." - Auf gleiche Weise nahm er das mit Wein gefüllte Trinkgeschirr, ließ es herumgehen, und sprach: „ Trinket alle daraus! Das ist mein Blut, das ich zur Bestätigung des neuen Bundes, wodurch den Menschen Vergebung der Sünden zu Theil wird, vergießen werde. Dieß thut zu meinem Angedenken." Meßgebete. Zum Anfange. Tief im Staub mein Nichts erkennend, beuge ich mich vor dir in deinem heiligen Tempel- göttliche Majestät! sich auf die Demuth meines Herzens, und die gänzliche Unterwürfigkeit meines Willens ich bete dich an in deiner heiligen Wohnung, mein Rufen komme zu dir, und das Dankopfer deines Priesters werde von dir erhört! Mein wärmster Dank sei mit demselben vereinigt, und alle Chöre der Engel singen Psalmen und Hymnen zum Danke dir! Du bist der Gott der Liebe, wie du uns ge - - - - -- 16 liebt hast, so können dich alle Heere der Welten und alle Scharen der Himmel nicht lieben. Du fandtest uns deinen eingebornen Sohn, er wurde Mensch, und empfand die Bitterkeit des für ihn voll eingegossenen Kelches bat dich, seinen Vater, in vieler Angst und Traurigkeit und in Betrübniß bis zum Tode, daß du denselben von ihm nehmest. Nicht mein, sondern dein Wille geschehe," sprach er, der gehorsamste, liebvollste Jesu! Klein ist zwar die Flamme, ewiges Wesen! die auf dem dir geheiligten Altare meines Herzens lodert! aber wer kann dich würdig lieben und ehren? Nimm an, o liebvoller Gott! statt des unzureichenden Dankes den dir ganz ergebenen Willen. Ich bin zwar aus Gebrechen und Schwachheit zusammen gesetzt, aber auch dein dich liebendes Geschöpf und das nimmst du gütig auf, wenn es auch böse war, aber nur den ernstlichen Willen hat, gut zu sein. Ewiger, Unergründlicher! wie groß ist deine Liebe, da du uns sogar deinen Sohn zum Erlöser und Beispiel fandtest! Er schwieg bei der falschen - 17 Anklage er war geduldig bei Hohn, Spott und Verspeiung, litt Geißelung und Zerfleischung, und starb den Tod des Kreuzes, und starb wegen uns Sündern- aus Liebe zu uns Sündern. O Gott! wie sehr schmerzen sie mich, meine Sünden, die ich wider dich, o höchstes Gut! o unendliche Güte! begangen. Verzeih, mein Herz ist zerknirscht, und Bußthränen rollen die Wangen herab. Ich liebe dich wieder Gott! du über alles, und ich hoffe auf dich. wirst mein zerknirschtes und reuvolles Herz nicht verachten. — 11 - - Das Evangelium. Herr! du erneuerst uns täglich deine Lehren, wir aber sind taub. Hart klingen unseren Ohren die Worte deines Gebotes, weil sie, an Sirenengesang gewöhnt, für alles Übrige von den Eitelkeiten der Welt verstopfet sind. Und doch ist die Last deiner Gebote leicht, und das Joch deiner Befehle lieblich. Ich bitte dich bei der Liebe, womit du uns diese Lehre gibst: eröffne mein 2 18 Gehör, und entferne die Hindernisse von meinen Ohren. Gib, daß sie mir Harmonie sind, und daß mir außer dieser sonst keine gefalle. Gib, daß mir die genaueste Erfüllung derselben ( meine Pflicht) Wonne und himmlische Wol lust sei. Daß ich dir dadurch eben so sehr zu gefallen lebe, als ich dich beleidigt habe durch die Übertretung derselben. Laß meine Seele wieder zu dir zurück kehren, sie empfindet das Unrecht, das sie that, und schaudert von dem Wege zurück, der sie in das Thal der Wehmuth, des Jammers und der ewigen Pein leitete. Herr! nimm mich wieder zu Gnaden auf, und laß mich deine Lehren befolgen. Die Aufopferung. Ewiger, lebendiger Gott! dein Sohn Jesus hat sich für uns dir, seinem himmlischen Vater, geopfert, und wird nun zum ewigen Gedächtnisse dir vom Priester in dieser Hostie geopfert. Heiliges Geheimniß, wodurch dieses Brot aufhören wird Brot zu sein! Gib, o Gott! mir 19 die Gnade, daß ich demselben mit aller mögli chen Ehrfurcht und Demuth beiwohne. Nimm das Opfer, so wir dir bringen, gnädig an. Abel, Abraham, Melchisedech, opferten dir, und ihre Opfer, bloße Vorbildungen, waren dir angenehm. Meinen Leib, meine Seele, und alle meine Begierden leg' ich dir zu Füßen. Sieh gnädig auf die Andacht herab, mit der ich dir deinen Sohn, und mich vereinigt zum Opfer bringe. Durch die Verdienste deines einzig geliebten Sohnes flehe ich, himmlischer Vater! du wollest mir meine Sünden vergeben, und deinen Segen über mich ausgießen, daß ich im heiligen Frieden, dich zu loben, zu benedeien, und zu lieben nie unterlasse, daß ich einst in der Ewigkeit dich von Angesicht zu Angesicht sehen möge. Beim Sanctus. Heilig! heilig! heilig! ist der Herr Gott Sabaoth! Im Himmel und auf Erden erschalle das Lob seiner Herrlichkeit! Hosanna in der Höhe! Gelobet sei der Herr! gebenedeiet sein 2* 20 Name! Engel und Menschen preiset ihn. Ihr Königreiche auf Erden, singet Gott: Lobsinget dem Herrn, lobsinget Gott, durch unsern Herrn Jesum Christum, durch den die Engelchöre seine Majestät loben, durch den ihn die Heerscharen anbeten. Lobsinget ihm alle Fürstenthümer, Gewalt, Macht, Herrschaft, Cherubim und Seraphim, lobsinge ihm. Hosanna in der Höhe; gelobet sei der Herr! Bei Erhebung der Hostie. Jesus, du Sohn Davids! Christus, du Sohn des lebendigen Gottes! dich bete ich an; dich liebe ich. Fest glaube ich es, daß du in diesem allerheiligsten Sakramente gegenwärtig bist. O du dreieiniger Gott! stärke meinen Glauben, erhöre mein Gebet, und erbarme dich meiner. Bei Erhebung des Kelches. Heiliges Blut meines Erlösers! dich bete ich in diesem Kelche an. Erretter! durch dieses gebenedeite Blut hast du meine Seele erkaufet, 21 und sie dem Verderben entrissen. O laß den kostbaren Werth desselben an meiner armen Seele nicht verloren gehen. Herr! sei mir armen Sünder gnädig und barmherzig. Sum Vater unser. Man bete es bedachtsam mit dem Priester. Zum Agnus Dei. O Sohn des lebendigen Gottes! du nahmst alle Sünden der Welt auf deine Schultern, und büßtest liebevoll dafür. Erbarme dich meiner! gib mir deinen Frieden, und die Gnade, den ausschweifenden Leidenschaften meines Herzens zu widerstehen, wende deine Augen gnädig von meinen Übelthaten ab, und laß mich rein vor deinem Angesichte erscheinen. Herr, erbarme dich meiner! Sur Communion. Inbrünstig Geliebter! befreie mich von allen Sünden, und erlöse mich von allem Übel. Gib, daß ich allezeit fest an deinen Geboten hange, 22 und daß kein Augenblick mir die Erinnerung deiner entreiße. Daß ich immer, rein genug, dich zu empfangen würdig sei,-- wenigstens so würdig sei, als es ein büffender Sünder sein kann. Gott, mein Erbarmer! würdige mich des Wunders deiner Gnaden! Herr! ich bin nicht würdig, daß du eingehest unter mein Dach, sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.( Hier denke, daß du mit dem Priester communicirst.) Komm Herr, mache meine Seele gesund! Oder unerforschlichen Liebe! Oder unendlichen Gnade! Ewig bes schütze, o Herr Jesu Christe, dein Leib meine Seele, von nun an bis in Ewigkeit!- Dan ken kann ich dir nicht dafür: denn auch der Lobgefang der Engel könnte dir nicht würdig danken. Aber bitten, flehen soll mein unaufhörliches Geschäft sein. Und du bist der Gott der Barmherzigkeit, und der Ausspender des Trostes. Du wirst meine Seele erquicken, und meine Seufzer stillen. Das hoffe ich von dir, Allgütiger. - -- 23 Zum Ende. Liebenswürdigster Sohn Gottes! du hast dich erniedrigt, und bist von deinem hohen Throne auf diesen niedrigen Altar bei diesem heiligen Geheimnisse herab gestiegen; gib, daß ich dieser Gnade den ganzen Tag hindurch eingedenk, dir, bloß dir zum Danke lebe. Du bist es, dem Ruhm und Ehre, und Dank gebühret, und Ruhm und Ehre und Dank sei dir mit Mund und Herzen gesprochen. Ich opfere dir mein Dasein, mein Leben, und all meine Handlungen; besonders die, so ich heute thun werde: leite sie nach deinem Wohlgefallen, daß jede nur dein Lob verkündige: gib mir die Gnade, daß ich lieber sterbe, als auf eins deiner Gebote je vergesse; daß ich nie etwas unternehme, was dir mißfällt; und nur in dir und für dich lebe. Endlich bitte ich dich, in Ansehung deines bittern Leidens, und deines schmerzlichen Todes,- vergib mir meine Sünden, flöße mir eine wahre und aufrichtige Liebe gegen dich ein;- gib mir Kräfte, daß - 24 ich den Sieg über meine Leidenschaften immer davon trage.- Gönne mir den Frieden, die Tugend, deinen Segen und ein seliges Ende. Meßgebete, wie selbe der Priester am Altar spricht. Ich erscheine hier vor deinem Angesichte, o Gott! um dich gemeinschaftlich mit meinen Brüdern zu verehren, und an der heiligen Religionshandlung Theil zu nehmen, welche dein Sohn zum Andenken seines Todes verordnet hat. Lebendiger Glaube an deine Gegenwart, an deine Größe und Güte, durchdringe mein Herz, und mache es zur Andacht bereit! Zum Staffelgebet. Aus der Tiefe meiner Niedrigkeit, Schwachheit und Sündhaftigkeit blicke ich demüthig zu dir auf, und rufe deine Barmherzigkeit an.- Bater! ich habe gesündigt! Mit Beschämung und Reue bekenne ich meine Schuld. Gott! - Boss H. Johanna Welterlöser, Jesus! lächelnd schwebe Mir Dein göttlich Bild als Muster vor, Daß ich einst verőebens nicht Gelehet 25 du siehst mein Herz! du kennst meine Schwäche und den ganzen Zustand meiner Seele. Du bist bereit zum Vergeben, wenn du ernstlichen Wil len zur Besserung siehst; du bietest mir mit Vaterliebe deine hülfreiche Hand. Getrost und mit kindlichem Zutrauen flehe ich zu dir mit meinen Mitchristen: Erbarme dich unser, o Gott! Bater! habe Nachsicht mit deinen fehlenden Kin dern! Jesu, der du auf die Welt kamst, die Sünder selig zu machen, erbarme dich unser! Gloria. Ehre sei Gott in den Höhen! Fried' und Heil den Menschen auf Erden! Der Allerhöchste sieht mit Wohlgefallen auf uns herab.- Lobet den Herrn, denn er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewiglich! Seine ganze Majestät ist- Liebe! Preis und Dank sei dir, Jesus Christus, unser göttlicher Lehrer und Retter! Du unser Bruder und Freund einst gestorben aus Liebe zu uns, nun im Besitz deines Reichs und - 26 der höchsten Macht, selig zu machen alle, die an dich glauben und dir folgen! Auch dich beten wir dank und vertrauensvoll an, mit dem heil. Geiste, zur Ehre des Vaters! Amen. Collecte oder Kirchengebet. Nimm, o Gott! das Gebet des Priesters für das Heil deines Volks gnädig auf. Und damit wir erhalten, um was wir bitten, so sei unser Verlangen und Bestreben nur auf das hingerichtet, was dir gefällig, und wahrhaft gut ist. Das können wir dann sicher von deiner weisen Güte hoffen, durch Jesum Christum deinen Sohn, unsern Herrn, welcher mit dir, in Einigs keit des heiligen Geistes, wahrer Gott, lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. Epistel. Nur deine guten, gehorsamen Kinder können mit wahrem Vertrauen zu dir beten. Nicht die Anrufung deines Namens, sondern die Vollziehung deines heiligen Willens machet uns selig. Univ. Bibl. Giessen 27 Wie strafbar bin ich, wenn ich ihn weiß und nicht thue! Du hast ihn uns deutlich und liebreich bekannt gemacht. Ich danke dir dafür, mein Gott! O möchte ich es auch allezeit lebhaft genug er kennen, daß es mein Bestes ist, wenn ich deine Gebote halte; mein Unglück, wenn ich davon abweiche. Du leitest und warnest uns als Vater. Laß dein Wort nicht bloß in meine Ohren erschallen, sondern ins Herz dringen, und fruchtbar werden an guten Werken. Gib das Gedeihen zum Wollen und zum Vollbringen. Evangelium. Freudige Botschaft unserer Erlösung von der Sünde und dem Sündenelend, auch mir bist du zugekommen! Gott, wie viel Dank bin ich deiner Vorsehung dafür schuldig!- Eingeborner des ewigen Vaters, du kamst vom Himmel, unser Führer dahin zu werden!- 3u wem anders, als zu dir, wollten wir gehen, wenn wir wahre Tugend, Beruhigung und Glückseligkeit suchen! Dein Wort gibt Trost und Kraft; deine Lehre 28 beseligt! Dein Gebot ist Liebe, und Wohlthun war dein Werk. Sanft ist dein Joch, und deine Bürde leicht. Du gingst voran, und bahntest uns den Weg. Sollte ich je von dir mich abwenden, dich verläugnen mit Wort oder That, oder deiner mich schämen vor der Welt, mein Herr und Heiland? Nimmermehr! deine Lehre, dein Beispiel sei die Richtschnur meines ganzen Verhaltens! Glaubensbekenntniß auf die Sonn- und Festtage. Gott, mein Vater- Schöpfer und Erhalter, Und Regierer deiner Welt! Mein Glaube Betet dich mit tiefster Ehrfurcht an. Strahlt mir doch aus jedem deiner schönen Werke Deine Weisheit, Macht und Güte Wie die Kraft des warmen Sonnenlichts entgegen; Wenn dich gleich kein Menschenaug erblicket, Und kein Menschensinn begreift. 29 Großer Menschensohn! Sohn Gottes, Jesus Christus! Einst Erniedrigter zu meinem Heile, Nun Erhöheter zu meinem Heil! Lehrer, Heiland, Herr, und alles mir! Wer dich siehet, sieht den Vater! Er in Dir, und Du in Ihm; Dich verehrt gleich ihm mein Glaube! Daß er mich nur nicht beschäme, Nicht verdamme einst mein Glaube, Wenn du kommst die Welt zu richten, Und bei mir nur Spreu, nicht Weizen Guter Glaubenswerke fändest! Segne, Geist des Vaters und des Sohnes, Was du durch den Mund der Kirche sprichst, Und zu meiner Besf'rung lehrest; Daß ich einst, gereiniget von Sünden, In Gemeinschaft aller Heiligen, Auferstehen möge zu dem bessern Leben! Wo ich alles, was ich erst nun glaube, Sehen werde- und genießen, was ich jetzt noch hoffe! 30 O der hohen Seligkeit der Frommen! Vater! Jesus Christus! werd' ich sie erreichen? Geist aus Gott! Laß sie mich nicht verfehlen! Offertorium. Brot und Wein sind deine Gaben, o Gott! Gedankt sei dir für jeden Genuß derselben, und jeder stärke uns in kindlicher, folgsamer Liebe zu dir. Aber jenes Brot und jener Wein, dort auf deinem Altare, werde ein noch heiligeres Stärkungsmittel dieser Liebe! Sie sind dazu bestimmt, das Andenken des größten Beweises deiner Liebe gegen uns, der Aufopferung deines Sohns, in dieser Versammlung zu erneuern. In dieser Absicht bringen wir sie dir durch die Hand des Priesters zum Opfer dar. Und was von ihm, nach der Anordnung deines Sohnes, damit vorgenommen wird, sei um seinetwillen dir gefällig! Zugleich geb' ich dir mich selbst zum lebendigen Opfer hin. Alles, was ich bin und habe, ist dein Geschenk, und du forderst nichts dafür von mir, als dankbare Verehrung, und weise 31 Anwendung deiner milden Güte nichts als Gehorsam aus Liebe. Siehe, Herr, das Lobund Dankopfer, das ich dir weihe! Voll des heiligen Entschlusses, keine deiner Gaben zu mißbrauchen, sondern alle zu den besten Absichten, zu meinem und meiner Mitmenschen Besten anzuwenden, will ich jede aus deiner Hand mit dankbarer Zufriedenheit annehmen, und deiner Güte mich freuen. Wie ich mit deinen Gaben Andere erfreuen und unterstützen kann, so ge scheh' es von mir, als wär' es dir gethan!- So wahr du mir durch Jesum Christum vergibst, so will ich den letzten Funken des Hasses gegen meine Beleidiger in mir ersticken. Wie dürft' ich mit unversöhntem Herzen deinem Altare mich nähern? Endlich sei dir meine ganze Ergebenheit, meine ernstliche Besserung und standhafte Treue in Erfüllung meiner Pflicht auf's neue angelobt! Nie nehme mein leichtsinniges Herz wieder zurück, was es jetzt so heilig vor dir betheuert! Auch dieß Opfer wirst du, o Gott, -- - 32 nicht verschmähen. Durch Jesum Christum werd' es dir angenehm. Erneuere hier lieber Mitchrist, noch deine besonderen Vorsäge, und opfere Gott im voraus die Überwindungen auf, die dich ihre Erfüllung bei dieser und jener Gelegenheit kosten wird. * Präfation. Mein Gott soll sich jetzt über Altar und Erde empor zu dir, mein Schöpfer! in den Himmel erheben, wo unzählige Scharen seliger Geister dich preisen! Doch was bin ich, Mensch, und wie arm und unbedeutend ist mein Lob! Aber was ist auch aller Engel Lob gegen deine unermeßlichen Vollkommenheiten und Wohlthaten? Allein du siehst auch mein redliches Bestreben mit Wohlgefallen an, wie die Lobpreisungen der himmlischen Chöre. Du hörest, Vater, auch das schwache Stammeln deines Kindes. Mit stiller Ehrfurcht stimme ich also in ihre Anbetung ein: Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr - 33 aller Kreaturen- Heere! Die ganze Welt ist seiner Herrlichkeit voll. Ehre sei dem allerhöchsten, und dem, der da kam in seinem Namen, unserm Herrn. Canon, oder stille Gebete vor und nach der Wandlung. Siehe nun, barmherziger Gott, mit väterlicher Huld auf uns herab, und höre gnädig unser Gebet für die Wohlfahrt der christlichen Kirche und der ganzen Menschheit, für unsere lieben Angehörigen, Bekannte und Verwandte, Freunde und Feinde alle unsere Brüder! Wie lieb sollen sie uns alle werden, da wir für sie, wie für uns selbst, zu dir flehen und bitten. Auch deine Freunde im Himmel lieben uns, und bitten für uns, ihre Brüder auf Erden: und welch ein herzerhebender Gedanke, daß unsere Fürbitten mit den ihrigen vor deinen Thron kommen! O daß nur unsere Andacht, unsere Tugend, unsere Liebe der ihrigen schon ähnlich wäre! O daß wir täglich und bei jeder 3 L 34 Messe dir selbst ähnlicher würden, höchstes Muster aller Liebenden, hochgelobter Sohn Gottes! Sur Confecration. Was gleicht deiner Liebe, o Jesu, mit wel cher du dich zum Opfer hingabst für unser Heil! Du hast uns ein ewiges Denkmal davon hinterlassen. Jetzt in diesen Augenblicken soll nun wirklich aufs neue geschehen, was du am letzten Abend deines Lebens vernahmst, und deinen Freunden zu thun befohlen hast, bis du wieder kömmst! Du bist das wahre Himmelsbrot, das der Welt das rechte Leben gibt!- An dich glaube ich, auf dich setze ich mein Vertrauen, dir sei meine Liebe geweihet! Dich bet' ich, ob dich gleich mein Auge nicht sieht, als gegenwärtig an! Dir lebe und sterbe ich. Du bist das Versöhnopfer für die Sünden der ganzen Welt! Dein Blut ist auch für mein Heil geflossen. O laß es nicht vergeblich gefloss sen sein! 35 Nach der Wandlung. So weit ging deine Liebe, o Jesu! Weiter konnte sie nicht! Sollte ich dich nicht wieder lieben, - der du mich unaussprechlich liebtest? Sollte ich mir nicht alle Mühe geben, die Absichten deines Leidens und Todes an mir zu erfüllen? Sollte ich daß Werk meiner Erlösung leichtsinnig an mir vereiteln, das dich so viel gekostet hat?- Sünde! Wie O muß ich dich verabscheuen, wenn ich an den ertödteten Leib, an das vergossene Blut meines Erlösers gedenke! Wenn ich einst von der Erde erhöhet sein werde, will ich alles an mich ziehen." So sprachst du einst, göttlicher Heiland! Du hast's auch uns geredet! Ach, zieh auch mich an dich; ich will dir folgen, und mich von der Sünde immer mehr losreißen, der ich noch anhange! Dein Gehorsam bis zum schmerzvollen Kreuzestod, deine Gottergebenheit, deine Geduld und Standhaftigkeit, deine letzte Bitte für deine Feinde bleibe mir tief ins Herz gedrückt, 3* 36 und als Beispiel vor Augen. Laß mich nie vergessen, was ich als Christ, als dein Erlöster dir schuldig bin! Andenken an die Abgestorbenen. Auch unsere abgeschiedenen Brüder sind deine Erlösten, und wir gedenken ihrer jetzt, o Herr, in unserm Gebet, besonders derer, mit welchen wir ehemals durch die Bande der Verwandtschaft, der Dankbarkeit und Freundschaft näher verbunden waren. Erlöse, reinige sie vollends von allem, was sie noch an ihrer ganzen SeligFeit hindert, und führe uns endlich alle, nach überstandener Prüfung, mit allen deinen Außerwählten in deinem Reiche zusammen, wo wir ewig bei dir sein werden. Durch dich hoffen wir alles Gute von Gott. In deinem Namen, nach deiner Anweisung, beten wir vertrauensvoll zu deinem und unserm Vater: Unser Vater, der du im Himmel bist, über alles erhaben, alles mit Liebe umfassend! 37 Geheiliget werde dein Name, und deine Gottheit werde allenthalben erkannt und verehret.€ 8 komme dein Reich( das seligmachende Christenthum) auch dahin, wo man es noch nicht kennt, und herrsche in den Herzen durch Wahrheit und Liebe. Dein Wille geschehe, und werde vollbracht, so wie im Himmel, also auch auf Erden. - Gib uns heut unser tägliches Brot! Bater du weißt, was deine Kinder bedürfen. Vergib uns unsere Verschuldungen an dir, wie wir denen, die sich an uns verschuldet haben, verzeihen wollen. Führe uns nicht in Versuchung, bewahre uns vor Unglück und Verführung, wo unsere Tugend unterliegen müßte, sondern erlöse uns, wie du uns erlösen kannst, zur rechten Zeit von allem Übel. Amen. - - - Agnus Dei, Lamm Gottes. Unschuldig und sanftduldend, wie ein Lamm, littest du den Tod, o Jesu, um dem reumüthis gen und sich bessernden Sünder Vergebung und Beruhigung zu verschaffen. Und noch in deinem 38 Himmel bist du der milde, erbarmende Menschenfreund. Bilde mein Herz nach dem deinigen, da mit ich dir einst auch getrost, als meinem gnädigen Richter, entgegen sehen könne. Geistliche Communion. Schon oft erschien ich an deinem Tische, o Herr, und wurde mit diesem Brot des Lebens gespeiset. Aber wie hab ich deine liebvolle Absicht erfüllet? welche Früchte kann ich davon aufweisen? Herr! ich bin beschämt deiner großen Gnade nicht würdig. Du sprachst oft nur ein Wort, und die Kranken wurden gesund. So wirke dann auch das Wort deiner göttlichen Lehre zur Heilung meiner Seele. Der Glaube an dich stärke mich, die Liebe treibe mich zu allem Guten an, daß ich immer deiner würdiger, dir immer ähnlicher, immer mehr Eins mit dir werde.- Nichts soll mich von dir scheiden können, göttlicher Freund!- Du hast den Kelch des Leidens ganz ausgetrunken. Soll ich über einen Tropfen Bitterkeit klagen? Bin ich besser als du, mein - 39 Herr und Meister?- Nein! Aus deiner Hand ist mir alles willkommen- ist alles gut.. Aus Liebe zu dir will ich selbst das Kreuz auf mich nehmen, wenn du es mir auflegen solltest, und noch williger andere Beschwerden tragen, um dir nachzufolgen auf dem Wege, auf dem du in deine Herrlichkeit eingingst, und den du auch mir vorgezeigt haft! - Letztes Gebet und Segen des Priesters. Diese Gesinnungen sollten die Früchte meiner Andacht, und mein Opfer sein! Erhalte und ver stärke sie in mir, o Gott! damit ich auch der Früchte des großen Opfers Jesu theilhaftig werde. Der Priester segnet mich. Laß seinen Segenswunsch keinen leeren vergeblichen Wunsch gewes sen sein! Segne du mich selbst, mein Vater! Segne meine Vorsätze meine Arbeit und mein Brot! Segne mich und die Meinigen, segne alle deine Kinder an Leib und Seele! Dein Segen weiche nie von uns! - 40 Voll Vertrauens auf deinen allwirkenden und allvermögenden Beistand, geh ich nun an meine Geschäfte. Mein ganzes Tagwerk soll Gottesdienst sein. Das stete Andenken an dich, mein Gott und Heiland, bewahre mich vor Sünden ,. stärke mich zur Übung des Guten; mache mich freudig und getrost, und leite all mein Thun und Lassen. Amen. Von den priesterlichen Segnungen ist folgendes zu merken. Segnen heißt zweierlei: 1. eine göttliche Wohlthat anwünschen; 2. sie wirklich ertheilen. Der Priester gibt den Segen bloß wünschend. Indessen ist aber dieser Wunsch nichts Unbedeutendes und Geringschäßiges; er ist ein Zeichen der liebreichen Verbindung des Priesters mit der Gemeine, und eine Erinnerung für beide, ihr Mögliches zu thun, daß dieser Wunsch in Erfüllung gehen, und der Segen, den Jesus der Welt gebracht hat, allen in vollem Maße zu Theil werden möge. Gott selbst, der den Segen im eigentlichsten Verstande gibt, kann ihn nur denen ertheilen, die desselben fähig sind. Das sind aber nur diejenigen, welche 41 sich's dabei recht zu Herzen nehmen, was uns Jesus Christus ist, was er für uns gethan hat, und ewig thun will, und die sich ernstlich sehnen und bestreben, durch seine Lehre gebesserte, beruhigte, und also wahrhaft gesegnete, glückliche Menschen zu werden. Allen Übrigen hilft der Segen nichts, wenn sie ihn auch hundertmal des Tags empfingen. Segensgebet, mit den Worten Pauli Ephes. 1. Gelobt sei Gott, der Vater unsers Herrn Jesu Christi, für allen in geistlichen und himm lischen Gütern bestehenden Segen, womit er uns durch Christum gesegnet hat. Denn durch ihn hat er uns, ehe er noch die Welt schuf, dazu ausersehen, daß wir heilig und unsträflich vor ihm werden, durch Liebe mit einander verbunden sein sollten; indem er uns durch ihn zu seinen Kindern aufgenommen hat, zum Preis seiner bewundernswürdigen Gnade, die wir seinem vielgeliebten Sohn zu verdanken haben, der uns Erlösung und Begnadigung durch seinen Tod, nach seiner 42 großen Barmherzigkeit, verschaffet hat. Gelobt sei er in Ewigkeit! An dich glaub' ich, auf dich hoff ich, Gott von Herzen lieb' ich dich! Ja! dir leb' und sterbe ich. Beichtgebet. Vorbereitung. Ich will aufstehen, und zu meinem Vater hingehen, und zu ihm sprechen: Vater ich habe gesündiget vor dir! ich bin nicht werth, ferner dein Kind zu heißen. Es ist bitter, dich verlassen zu haben, und zu schmachten unter der Knechtschaft der Sünde. Aber ich höre, und erkenne die Stimme, die mich von dem Wege des Verderbens zurück ruft: es ist deine Stimme, himmlischer Vater!- die Stimme des ewigen Erbarmers. Siehe, ich folge ihr, und kehre reumüthig zurück, voll kindlichen Vertrauens, daß ich, um Jesu willen, Gnade vor dir finden werde. 43 Hättest du mich, wie ich es wegen meines Ungehorsams längst verdient habe, ewig von dir verwerfen wollen: so würde mich der Engel des Todes auf deinen Wink mitten unter meinen Sünden ergriffen und vor deinen Richterstuhl gestellt haben. Aber du hast mich bis auf diese Stunde mit göttlicher Langmuth ertragen, und noch streckest du deine Baterhand nur zum Vergeben, nicht zum Strafen, gegen mich aus. Herr! wer ist dir gleich?- wer ist so langmüthig, so huldreich, so verschonend, wie du? Mit gerührtem Herzen danke ich dir für die lange Frist, die du mir aus der Fülle deiner Barmherzigkeit zur Buße geschenkt hast. Auch dafür danke ich dir, daß meine Seele den elenden Zustand der Sünde fühlt, und sich nach deiner unendlichen Gnade sehnt. Vollbringe nun, durch deinen mächtigen Beistand, das Werk, das du in mir angefangen hast, und laß diesen Tag einen Tag des ewigen Heils für mich werden. 44 Um Erleuchtung bei der Gewissenserforschung. Gott des Lichts! du durchschauest alles, was von Anbeginn war, ist, und sein wird. Du kennest jede Tiefe meines Herzens, und alle meine Sünden stehen vor dir aufgezeichnet. Erleuchte mich, damit auch ich sie erkenne, und über meinen bisherigen Lebenswandel strenge Rechenschaft mit mir selbst halten möge. Ich will in mein Innerstes dringen, und meiner Verbrechen keines übersehen, um jedes derselben mit aller Zerknirschung, der meine Seele fähig ist, zu bereuen. Deine Gnade leite mich bei diesem Selbstgerichte, und der heilige Geist, den du durch den Mund deines Sohnes, allen, die dich darum bitten werden, versprochen hast, komme über mich, damit es licht werde in meiner Seele, und ich erkennen möge, wie oft und wie schwer ich mit Gedanken, Worten und Werken gegen dich, gegen meinen Nächsten, gegen mich selbst gesündiget habe. 45 Rene über die Sünde. Meine Sünden haben sich über mein Haupt gehäuft und ihre Last liegt schwer auf meiner Seele. Ich fühle mein Unrecht, und erkenne, wie strafbar mich mein Ungehorsam gegen deine heiligen Gebote gemacht hat. Im Angesicht der Menschen habe ich mich ges scheuet Böses zu thun; aber wo mich keine Finsterniß verbergen, keine Berge verdecken konnten - vor dir, Allmächtiger, habe ich freventlich gesündiget! Mit demüthigem, zerknirschten Herzen bekenne ich meine Schuld, und von ganzer Seele bereue ich jede Sünde, der ich mich schuldig gemacht habe; nicht weil du Macht hast, mich zeitlich und ewig dafür zu strafen, sondern weil ich das Mißfallen eines so gütigen Vaters und Wohlthäters auf mich geladen habe. Von dir habe ich dieses Leben, diese Kräfte, und alles, was ich bin, und besitze, empfangen. Du hast mich geliebt, bevor ich noch war, 46 haft die Mittel meines Heils von Ewigkeit vorbereitet, und mich bestimmt, an dem Gnadenbunde deines Sohnes Theil zu nehmen. Auch für meine leiblichen Bedürfnisse hast du väterlich gesorgt, und mich, unter unaufhörlichen, von mir oft verkannten Wohlthaten, bis auf diesen Augenblick erhalten. Du hast mir, nach dieser kurzen Wanderschaft, das ewige Leben verheißen, und eine Seligkeit, die noch kein irdisches Auge gesehen, kein Ohr gehöret, und die nie in eines Menschen Herz gedrungen ist. Du hast deinen eingebornen Sohn bis zur Menschheit erniedriget, und ihn, damit ich ewig leben möge, dem schmählichsten Tode übergeben. Du hast mir dafür keine andere Pflicht auferlegt, als dich und alle Menschen zu lieben, und mich zu bestreben, durch Gutesthun, dir, dem Gott der Liebe, immer ähnlicher zu werden. Und diese liebreichen Gebote, ohne deren Befolgung ich weder zeitlich noch ewig glücklich 47 sein kann, habe ich so viele Male, so leichtsinnig, so vermessen übertreten! Mein Gewissen zeuget laut wider mich, und ich kann nicht anders, als wehmüthig zu dir aufrufen: Herr, sei mir elendem Sünder gnädig! Behandle mich nicht nach der Strenge deiner Gerechtigkeit, sondern nach deiner unendlichen Erbarmung! Dir allein habe ich gesündiget, und Böses vor dir gethan; tilge meine Missethaten, und gedenke ihrer nicht mehr! Du siehest die Willigkeit meines Geistes, siehst mein aufrichtiges Bestreben nach Neue über meine Sünden: aber alles ist schwach und unvollkommen an mir, und ich habe nichts, wodurch ich deiner Gerechtigkeit genug thun könnte. Nur das Opfer, welches dir dein eingeborner Sohn für die Sünden der Welt dargebracht hat, kann meine Schuld hinweg nehmen. Er hat für alle Sünder, hat auch für mich gelitten, und deiner Gerechtigkeit genug gethan; laß mir, versöhnter Vater! die Verdienste seines 48 Todes zu Guten kommen, und mir die Verzeihung angedeihen, um die er dich, für uns alle am Kreuze sterbend, gebeten hat. Vorsatz zur Besserung. Oft schon habe ich Besserung versprochen, und jedes Mal hast du mir mit unerschöpflicher Erbarmung verziehen. Aber eben so oft habe ich meine Gelübde treulos gebrochen, und mir aufs neue deine Ungnade zugezogen. Bater! ich will das Maß meiner Sünden nicht voll machen, und deine Güte nicht länger mißbrauchen. Dieß ist mein ernstlicher Vorsatz, und der neue Bund, den ich heute, im Namen Jesu, des Weltversöhners, mit dir mache. Ich will dir das Irdische nicht mehr vorziehen, will dich von nun an über alles, meine Mitmenschen wie mich selbst, lieben, das Gute thun, weil ich nichts Seligers thun kann, und durch willigen, unverbrüchlichen Gehorsam zeigen, daß 49 ich dich für meinen unumschränkten Herrn und Gott erkenne. Jede Gelegenheit zur Sünde will ich sorg, fältig meiden, und besonders gegen jene Fehltritte auf meiner Huth sein, wozu ich bisher den meisten Hang gehabt habe. Segne, o Herr! meine Entschließungen; stärke mich mit deiner Gnade, und laß mich in meinem Vorsaße nie erkalten. Du weißt, daß ich es aufrichtig meine: aber du weißt auch, wie schwach ich bin, und daß ich ohne deinen Beistand nichts vermag. Unterstüße mich in dem Kampfe gegen meine bösen Neigungen, und wenn meine Kräfte zu wanken beginnen, so komm mir zu Hülfe! denn auch dem Schwachen bist du der starke Gott. Du allein bist mein Heil! auf dich will ich vertrauen, und unter deiner Leitung, mit steter Hinsicht nach dir, auf dem Wege deiner heiligen Gebote wandeln. 4 50 Nach der Beicht. Herr! ich habe nun, so viel an mir war, meine Sünden bereuet; habe sie vor dem Priester aufrichtig bekannt, und mir ernstlich vorgenommen, sie nicht mehr zu begehen. Mit Zuversicht hoffe ich, und bin im Glauben gewiß, daß die Lossprechung, die er mir, aus göttlicher Vollmacht, und in deinem Namen, ertheilet hat, von dir auch im Himmel bestätiget worden. Deine Barmherzigkeit ist unendlich, wie du selbst, und zu keiner Zeit verstößest du den Sünder, wenn er Buße thut, und aus der Tiefe seines Elendes um Gnade zu dir flehet. Dank, Preis und Ehre sei dir, himmlischer Bater! daß du mir meine Sünden so gnädig vergeben, und meiner Seele neuen Frieden in Christo Jesu geschenkt hast. Dank, Preis und Ehre sei dir, göttlicher Mittler! daß du meine Schuld auf dich genommen, und der unwandelbaren Gerechtigkeit deines Vaters für meine Sünden genug gethan hast. 51 Dank, Preis und Ehre sei dir, göttlicher Geist! durch dessen einwirkende Gnade ich wieder zum Kinde Gottes geworden bin. Dreieiniger Gott! dein heiliger Segen bes gleite mich, und ruhe auf mir in alle Ewigkeit. Amen. Vor der Communion. Wie wundervoll ist die Seelenspeise, die du, mein Heiland! bevor du in den Tod für mich hingingest, mit so rührender Feierlichkeit eingesetzt, und als das Denkmal deiner Liebe hinterlassen haft! Welch göttliches Siegel hast du deiner heiligen Religion aufgedrückt, und wie unerschöpflich ist die Quelle des Trostes und des Heils, die du deinen Bekennern geöffnet hast! Wie weit ist es über alle Sinne und Begriffe erhaben, daß du dein eigenes Fleisch und Blut zur Speise darbietest! Wie hätte jemals in eines Menschen Herz 52 der Gedanke aufsteigen können, den Gott des Himmels und der Erde zu empfangen, wärest du nicht selbst der Stifter dieses göttlichen Geheimnisses, und hättest du deine Bekenner nicht so ausdrücklich dazu eingeladen? „ Nehmet hin, und esset; das ist mein Leib, der für euch gegeben wird: dieß thut zu meinem Gedächtniß." „ Dieß ist der Kelch, der neue Bund in meinem Blute, das für euch vergossen wird, trinket alle daraus." Ich bin das lebendige Brot, so von dem Himmel gekommen ist: wer davon isset, wird in Ewigkeit leben: und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch." „ Werdet ihr von dem Fleische des Menschensohnes nicht essen, und von seinem Blute nicht trinken: so werdet ihr kein Leben in euch haben." Wer mein Fleisch isset, und mein Blut trinket, der hat das ewige Leben. Er bleibt in mir, und ich in ihm; denn mein Fleisch ist 53 wahrhaftig eine Speise, und mein Blut wahrhaftig ein Trank." Sohn des Allerhöchsten, ewige Wahrheit des Vaters! Dieß sind deine Worte, und dur kannst unmöglich betriegen. Deine Worte sind Geist und Leben, und das Zeugniß, das du von dir selbst geführt hast, ist wahrhaft. Fürwahr du bist der verborgene Gott, der Gott meines Heils, auf den ich vertraue. Himmel und Erde werden vergehen, aber deine Worte bleiben ewiglich. Auf dich allein baue ich den lebendigen Glauben, mit dem ich mich jetzt dem heiligsten Gedächtnißmale deines Todes nähere. Verschmähe nicht mein sehnliches Verlangen nach der innigsten Vereinigung mit dir; sondern komm und laß heute meinem Hause Heil widerfahren. Ist noch etwas an mir, das mich dieser Gnade unwürdig macht, so bitte ich dich, um der Liebe willen, mit der du am Kreuze für mich 54 gestorben bist, nimm es hinweg von meiner Seele, damit ich nicht, gleich dem Verräther, der mit dir am Tische saß, Tod und Verdammniß essen möge. Flöße meinem Herzen diejenige Demuth, Andacht, Ehrerbiethung und Versammlung des Geistes ein, welche die Heiligkeit dieses hohen Geheimnisses erfordert. Laß mich, so weit menschlicher Verstand sich zu deiner unermeßlichen Höhe empor schwingen kann, den Werth dieser göttlichen Anstalt erkennen, und von dem Übermaße deiner unendlichen Erbarmung auf das innigste durchdrungen werden. Was ich bin, und habe, mein erstes Dasein, und meine Fortdauer, ist ein freies Geschenk deiner Gnade: ich bin nichts, als belebter Staub, und ein sündhaftes, so oft von dir abgefallenes Geschöpf. Du aber bist der Herr der Heerscharen, der gewaltige Gott ohne Anfang und Ende, und das Wort des Vaters von Anbeginn, wodurch er seine unzähligen Welten mit allem, was darin ist, erschaffen hat. 55 Du bist mit ihm von gleicher Wesenheit: ewig und unumschränkt, wie er selbst; die Urquelle des Lichts, des Lebens, und aller Seligkeit. Vor dir beugen sich alle Knie im Himmel und auf Erden; die vornehmsten Geister verhüllen ihr Antlig vor dem Glanze deiner Herrlichkeit, und liegen, tief anbetend, vor dem Throne, worauf du in dem Himmel der Himmel zur Rechten deines Vaters sitzest. Dir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden; und wie du in dieser Gnadenzeit noch Mittler und Versöhner bist, so wirst du an jenem großen Tage als Weltrichter mit göttlicher Majestät in den Wolken erscheinen, und einem jeden nach seinen Werken vergelten. Mein Herr, und mein Gott! welch ein un endlicher Abstand zwischen dir, und mir! und wie unermeßlich ist die Liebe, mit der du dich bis zu mir herabläsfeſt! Ich kann das Wunder, daß ich dich jetzt in mein Herz aufnehmen soll, nur im Glauben fas sen; und da ich für meine Empfindungen keine Worte habe, so kann ich nichts anders, als mich 56 mit stummer Anbetung zu deinen Füßen werfen, und dir mit Demuth entgegen rufen: Jesu, du Sohn des lebendigen Gottes erbarme dich meiner! Ich bin nicht würdig, daß du eingehest unter mein Dach, sondern sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund werden. Nach der Communion. Eingeborner des himmlischen Baters! der du jetzt als wahrer Gott und Mensch in mir gegenwärtig bist, ich bete dich an, mit der allertiefsten Ehrfurcht, und huldige dir aus allen Kräften meiner Seele. Heilig, heilig, heilig bist du! und gebenedeiet in alle Ewigkeit; denn du hast Wunder der Gnade und Barmherzigkeit an mir gethan. Noch vor kurzem war ich, meiner Sünden wegen, ein Gräuel in den Augen des Himmels: du aber haft nicht nur meine Sünden hinweg genommen, sondern auch meiner Seele durch dein Fleisch und Blut neues Leben mitgetheilt. 57 Herr, welchen Dank kann ich dir dafür bringen? und was ist der Dank eines armseligen Ges schöpfes gegen die seligmachende Liebe, von der du mir heute wieder so herrliche Beweise gege ben hast! Nur ein demüthiges, von dem Gefühle deiner Wohlthaten ganz durchdrungenes Herz, kann ich dir zum Opfer anbieten, und mein Glaube gewähret mir die tröstliche Versicherung, daß du dasselbe, nachdem du dich so liebevoll zu mir herabgelassen hast, nicht verschmähen wirst. In dieser deiner heiligsten Gegenwart faſſe ich den aufrichtigsten Vorsatz, von nun an nur dir anzuhangen, dir allein zu leben und zu sterben. An dein heiliges Wort will ich mich fest halten, und mich unaufhörlich bemühen, nach deinen Lehren und Beispielen unsträflich vor dir zu wandeln. Ich will die Liebe, mit der du für mich in den Tod gegangen bist, aus ganzer Seele er wiedern, und, gleichwie ich, um deines vergos 58 fenen Blutes willen, Gnade vor dem himmlis schen Vater gefunden habe, so will ich auch ge gen meine Miterlösten versöhnlich, liebreich und sanftmüthig ſein. Ich will sie alle, wie mich selbst, und dich, in ihnen lieben, weil sie alle um einen so theuern Werth von dir erkauft worden. Allein meine frommen Entschließungen ver fliegen wie der Rauch, wenn du mir, durch deinen allmächtigen Beistand, nicht die Kraft zum Vollbringen und Ausharren verleihest! Der Augenblick wo du mich verläsfest, ist auch derjenige, wo ich, gefühllos für das Gute, zum Bösen unwiderstehlich fortgerissen werde. O entziehe mir deine Gnade zu keiner Zeit, und laß mich in Ewigkeit nicht mehr von dir getrennet werden. Der Segen, den deine Menschwerdung, dein Leiden, und dein letztes Opfer am Kreuze über das menschliche Geschlecht verbreitet hat, komme auch über mich, mit allen Früchten deiner unendlichen Verdienste. 59 Sende mir deinen heiligen Geist, damit er mich zu einem neuen Menschen umschaffe, und heilige meine Werke durch den unerschöpflichen Werth der deinigen, damit unser Vater, der im Himmel ist, Wohlgefallen an mir habe. Laß mich das Gute, so mir in diesem Leben noch beschieden ist, unter beständiger Hinsicht nach den Gütern, die jenseits des Grabes meiner warten, mit Dank und froher Zufriedenheit genießen. Bei Widerwärtigkeiten aber verleihe mir Trost, Geduld und standhaften Muth, und laß mich, wenn du mich durch Leiden prüfest, bewährt erfunden werden. Gib mir ein rechtschaffenes, gegen alle Menschen liebreiches, in deinem heiligen Namen fröh liches Herz, und laß mich das Vorbild der thätigsten Liebe, das du hiernieden aufgestellt hast, stets vor Augen haben. Endlich, o Herr! mache es auch mit meinem Ende gut: erquicke meine Seele, bevor du mich von hier abrufst, mit deinem heiligen Abendmale; 60 stärke mich bei dem letzten Kampfe mit Glauben, Hoffnung und Liebe, und laß mich in Frieden fahren. Du hast mir heute dich selbst gegeben: wie follte ich nicht mit lebendiger Zuversicht hoffen, daß du mir mit dir auch alles, dessen ich zu meinem ewigen Heile bedarf, reichlich schenken wirst. Lobe den Herrn, meine Seele, und alles was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe ihn, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan. Lobe den Herrn, denn er hat dir deine Missethaten verziehen, hat deine Wunden geheilt, und dich an seinem Tische gespeiset. Freue dich dieser unaussprechlichen Gnade, und frohlocke über die Barmherzigkeit deines Gottes, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. Abendgebet. Herr! groß sind die Wunder deiner Hand, und deiner herrlichen Werke ist keine Zahl! Aber 61 mal verbirgt sich die Sonne, deinem von Erschaffungszeiten her gesagten Worte folgsam, und der Tag ist zu Ende. Deine Geschöpfe suchen Ruhe, und du, Gott der Güte! schickst ihnen Schlaf und Erquickung, daß sie ruhen von der Arbeit des Tages. Du machest die Nacht finster, schwarz, still und ruhig, daß jedes deiner Geschöpfe ungestörte Ruhe genieße, und neue Kräfte sammle zur künftigen Last des Tages. Meine Gebeine sind müde, meine inne suchen Ruhe, und meine Seele kehrt in sich zurück, und preist dich, o Herr! für den glücklich gelebten Tag, den du ihr gabst, und flehet dich, über ihre Hülle den süßen Schlaf auszugießen; damit ich ausgerastet, munter, und mit neuen Kräften gestärkt, dich bei emporsteigender Sonne aufs neue preisen, dir neue Hymnen singen könne. - Ich habe dich oft und viele Mal diesen Tag beleidiget, vergessen deine Größe, und hoffärtig erhoben meine Niedrigkeit: ich bin ungehorsam gewesen deinem Worte, und habe deine Befehle 62 nicht geachtet; du warst heute gütig und milde gegen mich, und ich war leichtsinnig und undankbar. Gott! es schmerzt mich, daß ich den Tag in Ungerechtigkeit zugebracht, und dich, höchste Gerechtigkeit! dadurch beleidiget habe. O Herr! vergib mir meine Sünden, und sei mein Schutz und Schirm in dieser Nacht! dann mag der Schlaf der letzte sein in jeder Nacht! ich will ihn segnen, den süßen, entscheidenden Schlummer. Denn ihm wird folgen ein heiteres Erwachen in ein endloses Leben, und in den uchzenden Tag. Dein Name sei gepriesen von nun an bis in Ewigkeit. Vater in deine Hände befehle ich meinen Geist! 1 - Bitte. Alles schläft schon in der Natur, nur du nicht, der du gegenwärtig, vergangen und künftig bist, du wachest für alle deine Geschöpfe väterlich! du breitest deinen mächtigen Schirm, und deinen huldreichen Schuß über die ganze 63 Schöpfung, wachest für den Bettler und König, beide deine Knechte!- du wirst auch über mich wachen, so zuversichtlich traue ich auf deine Huld! denn sie ist unendlich. Du wirst deine Engel senden, und sie werden alle Gefahren mit deinem Beistand weit von mir entfernen. Ihre heilige Gegenwart wird das lachende Reich der Wollust in meiner Fantasie vertilgen, kein verführender Traum wird meine Seele beflecken. Darum bitte ich dich, Herr! ich kenne die Schwäche meines Vornehmens, und den Wankelmuth meines Willens, ich bekenne es vor ich dir, obschon dein Auge es gesehen hat, bin gefallen diesen Tag, und vielleicht schwer, und oft gefallen! Verzeih mir meine Missethaten, und gedenke meiner Laster nicht! laß dich durch meine heißen Bußzähren, und meine inbrünstige Reue versöhnen, da ich dich, das höchste Gut, und meinen größten Wohlthäter beleidiget habe. Reinige mich mit deinem kostbaren Blute, und ich werde reiner und glänzender als Schnee sein. In deinen heiligen Schuß empfehle ich meinen — - - - 64 Geist, und dann wird meine Augen ein sanfter Schlaf zudrücken. Gelobet und gebenedeiet sei die heiligste Dreifaltigkeit! Am neuen Jahrstage. Der du warest, bevor die Zeit begann, und ehe noch Welten waren, Ewiger! Unermeßlicher! siehe gnädig herab auf das Dankopfer, welches ich dir, bei dem Eintritte dieses Jahres, mit tiefester Ehrfurcht entrichte. Du füllest Himmel und Erde mit deiner Güte, und ordnest den Wechsel aller Dinge nach deinem weisesten Wohlgefallen. Du missest dem Gestirne seinen Lauf aus, und bestimmest die Zeiten des Jahres, und die ganze Natur ist und bestehet durch die allmächtige Kraft deines Willens. Daß ich heute noch Athem ziehe, ist eine neue Wohlthat von dir, ohne die ich, gleich dem gestrigen Tage, nicht mehr wäre. Möchte ich doch mit jeder Stunde, um welche 65 du meine Prüfungszeit auf dieser Erde verlängerst, besser und vollkommener werden; aber du weißt, Herr, daß ich schwach bin, und daß ich ohne deinen Beistand, bei aller Willigkeit des Geistes, nichts vermag. Gib mir auf dieser neuen Laufbahn, die sich heute mir öffnet, auch neue Kraft zum Guten, damit ich nur dir, meinen Mitmenschen, und der Ewigkeit, für die du mich geschaffen hast, leben möge. Höre auch in diesem Jahre nicht auf, dich unser aller zu erbarmen, und unser Straucheln bei so manchem Schritte mit göttlicher Langmuth zu ertragen. Flöße uns kindlichen Gehorsam gegen deine Gebote ein, und laß uns auf dem Wege derselben unserer künftigen Bestimmung mit froher Zuversicht entgegen gehen. Laß die Bösen gut, die Guten täglich besser, und alle Menschen im Dienste der Tugend glücklich werden. Der Elende müsse nicht vergeblich weinen 5 66 und jeder, der Trost, Rath und Hülfe bedarf, einen Freund und Retter finden. Segne Hohe und Niedrige, Arme und Reiche, Greise und Jünglinge, und führe uns alle an deiner Vaterhand durch dieses Leben, damit wir dereinst in dem höhern Zustande, und in seliger Verbindung mit den heiligen Scharen deiner Unsterblichen, dich durch die ganze Ewigkeit lieben und anbeten mögen. Am Geburtstage. Schöpfer und Beherrscher aller Welten! auch ich bin deiner Hände Werk: du hast gewollt, daß ich werde, und ich ward. An diesem Jahrestage meiner Geburt, der mir Zeuge ist, daß ich einst nicht war, und jetzt bin, an diesem festlichen Tage danke ich dir freudig für das göttliche Geschenk des Lebens. Du hast diesem Leibe aus Staub einen unsterb lichen Geist nach deinem Ebenbilde gegeben. Die Erde, die mein erster Wohnplatz sein 67 sollte, hast du auf tausendfache Art ausgeschmücket, und mir jene Stelle darauf angewiesen, die, nach deinem weisesten Plane, für mich die beste war. Du hast, von dem ersten Augenblicke meines Daseins, die liebreichste Sorgfalt für mich ges tragen; hast mir Freude und Schmerzen mit allerweisester Güte zugewogen, und mich gegen unzählige, mir oft unbekannte Gefahren, mit dem Schilde deiner Allmacht bedeckt. In meinen geistlichen und leiblichen Nöthen hast du liebreich auf mich herab gesehen: hast mir manche Sorge erleichtert, manche Widerwärtigkeiten tragen geholfen; hast selbe oft gar von mir genommen, und in Freude verwandelt. Wie oft habe ich, deiner uneingedenk, mich entfernt von dem Wege deiner heiligen Gebote! Gleichwohl hast du mich nicht verstoßen: hast dich meiner eben so oft mit göttlicher Langmuth erbarmt. Unzählig sind die Wohlthaten, die du mir über mein ganzes Leben verbreitet hast; der heutige Tag sei dem feierlichen Angedenken dersel5* 68 ben, sei dem Dank und der Anbetung geweihet, und diese Erinnerung stärke mich in dem Glauben an deine weitere, alles umfassende Vorsehung. In deinem heiligen Namen fange ich dieses neue Lebensjahr an, mit dem aufrichtigsten Verlangen, täglich besser und meiner höhern Bestimmung würdiger zu werden. Der du mein Versprechen hörest, Allgütiger! und das Innerste meines Herzens siehest, gib mir Licht, das Gute zu erkennen, und Muth und Stärke es zu wollen, und zu vollbringen. Segne die noch übrigen Tage meines Lebens, damit keiner derselben mir unbenützt entfliehe, keiner ohne reichliche Aussaat für die Ewigkeit vorüber gehe. Leite jeden meiner Schritte, und gestatte nicht, daß ich das hohe Ziel, das du mir vorgesteckt hast, jemals aus den Augen verliere. Laß mich auf meiner Laufbahn, unter redlicher Erfüllung aller meiner Pflichten, getrost und freudig fortwandeln, und alle Mal bereit sein zu kommen, wenn du rufest. 69 Ist mir noch ein größerer Antheil an irdischem Glücke beschieden, so laß mich, ohne Stolz und Übermuth, den edelsten Gebrauch davon machen, und meiner dürftigen oder minder glücklichen Mitmenschen nie vergessen. Willst du aber, daß ich durch Leiden geprüft werde, so gib mir auch Standhaftigkeit und Kraft, dich durch kindliche Unterwerfung zu ehren. Dir Allmächtiger, Allgütiger, Allweiser! übergebe ich alle meine Schicksale mit unbedingter Zuversicht; du machest alles wohl; du bist der Herr: nur dir gebühret die Ehre. Reisegebet. Gott! Meinen Ausgang und meinen Eingang segne dieß sei der Gedanke- der Seufzer, den ich zu Gott schicke. Denn, was würde mein Gebet sein, wenn du, o Gott! dasselbe nicht segnetest? Du Herzenskündiger! du weißt meine Unternehmungen,- du kennest die Gedanken eines Herzens, noch ehe sie in demselben entsprin- 70 gen, und sind sie gut, sind sie zu meinem Wohl, so segne sie. Führe meine Sache so aus, daß sie dir geheiligt und mir nützlich werde. Bewahre meinen gebrechlichen Körper vor Unglück, und meine Seele vor dem, was sie beflecken könnte. Bewahre auch die Meinigen in meiner Abwesenheit vor allem Unglück. Laß vor meine Ohren nicht kommen eine traurige Botschaft, und verwandle die Angst meiner Seele, laß mich hören Freude und Wonne. Ja, laß mich beruhigt von allen sorglichen Gedanken, mein Vorhaben verrichten, damit dasselbe mir nicht zur Last werde. Und sollte es auch nicht nach meinem Sinne gehen o so gib mir Geduld und Ges Lassenheit, nicht mürrisch über mein Schicksal zu sein; sondern laß mich deine Weisheit, deine Vorsehung, in Betracht meiner Unternehmungen, reiflich überdenken, und dir noch dafür danken. Du Herr! bist weise, alle deine Handlungen sind gerecht; und wenn du uns unser Begehren ver weigerst, so ist es gut, so ist es väterlich gemeint. Ich empfehle dir alles, mache es, wie es - - - 71 dir gefällt; nur lehre mich thun nach deinem Wohlgefallen, und dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Gebet der Eltern für ihre Kinder. Du, o mein Gott! bist der Schöpfer also auch der Vater meiner Kinder! Sie gehören dir, du hast sie mir gegeben, ich habe ihnen den Geist des Lebens nicht eingeblasen, noch ihre Glieder und Gebeine zusammen gefüget. Ich übergebe sie dir, und da ich weiß, daß sie dein sind, so überlasse ich sie und mich von ganzem Herzen allen Anordnungen deines Willens, und deiner Vorsehung über sie. Bei dem Segen, um welchen ich dich für sie bitte, und den ich ihnen selbst in deinem Namen ertheile, bitte ich nicht, wie Isaak gebeten hat, um den Thau des Himmels, und um das Fett der Erde;- darf ich es wagen, etwas für ihr zeitliches Leben zu bitten, ach Herr!- so laß sie nicht reich, und auch nicht arm sein; sondern gib ihnen, was sie - 72 nothwendig haben, ihr Leben durchzubringen. Ich werde christlicher, und dir wohlgefälliger beten, wenn ich für sie und für mich zuerst um dein Reich, und um deine Gerechtigkeit bitte.- Ich laß es dir ganz über, o Herr! uns nach deinem Willen mit dem Übrigen zu segnen. Flöße ihnen einen wahren lebhaften Abscheu vor der Sünde ein, bilde sie nach der Lehre deines heiligen Evangeliums, und entflamme ihre Herzen mit Liebe gegen dich. Segne mich, o mein Gott! in meinen Kindern; wache über mich, damit auch ich über sie wachen könne. Gib, daß ich sie in aller Weisheit und Gottesfurcht erziehe. Gebet der Kinder für ihre Eltern. Gott! der du aller Vater bist, und mir diese meine Eltern gegeben. In deiner Hand stehet es, mir dieselben auch wieder zu nehmen. Aber o Herr! bewahre sie vor einem frühzeitigen Tode. Laß deinen Segen auf sie, und von ihnen auf uns herab fließen. Segne ihr Thun und Lassen, 60% H.Aloisins. Wunderbar gestärkt in liefster Seele, Auf das Innigste verknüpft mit Dir, Du Versöhnender, emfpind ich Alles Benedict S 73 ihr Gehen und Stehen ihren Willen und ihre Rathschläge. Schenke ihnen Weisheit und Verstand, mich in dem Guten so zu unterweisen, daß sie einstens den gesegneten Erfolg ihrer guten Erziehung an mir selbst einsehen, und dich, Vater im Himmel! dafür loben und preisen können. Laß ihr Verfahren mit mir nicht zu gelinde sein, damit ich nicht so du mir meine Eltern ent- - — reißest, der strengen Zucht anderer überlassen werden möchte. Laß den mir heiligen Spruch stets vor Augen schweben: Wer seine Kinder lieb hat, der züchtiget sie. Ja, Herr! erhalte sie mir, damit ich durch deinen heiligen Geist geleitet, von ihnen so erzogen werde, daß nicht allein die Menschen, sondern du, o Gott! selbst ein Wohlgefallen daran habest. Laß ihren zu meinem Besten an mir angewendeten Fleiß nicht verloren sein, und gib, daß ich ihrem Willen jederzeit gehorche. Alsdann bin ich, o Gott! deines, und durch dich ihres Segens versichert:- alsdann können auch sie getrost an jenem Tage mit ihren Kindern 74 vor deinem Throne erscheinen, und sagen: Herr! hier sind sie, die du uns gegeben hast, wir haben keines verloren. Gebet zur heiligsten Dreifaltigkeit. Heilig! Heilig! Heilig! Gott Vater! Gott Sohn! Gott heiliger Geist! Ich armer elender Sünder komme mit reuevollem Herzen vor den Thron deiner Herrlichkeit. Ich klage mich an vor dem Heiligthume deiner Allwissenheit mit Demuth und Scham aller meiner Missethaten. Odreieiniger und barmherziger Gott! ich habe vor deinem Angesichte Unrecht gethan. Ich bin vom Pfade deiner Gebote abgewichen, und dem lachenden Felde der Wollust sind meine Füße unbedachtsam zugeeilet. Herr! ich habe sehr oft vor dir gesündiget; deßwegen bebet meine Seele vor deiner Gerechtigkeit. Doch das Herz des Zerknirschten verschmähest du nicht, und läsfest dich erbitten, weil mein Herz von Neue durchdrungen ist. O strafe mich nicht nach meinem Verdienste, und laß mich die Schwere deiner Hand nicht fühlen! Bekehre mich, Gott meines Heils! und wende die Strafe von mir ab. Die Verdienste deines Sohnes, die Fürbitte seiner Mutter flehen für mich.- O Herr! Schone meiner! heiliger Gott! o starker Gott! o unsterblicher Gott!- Erbarme dich unser, und suche uns im Frieden heim. — 75 1 Gebet zur heiligsten Jungfrau. Gebenedeite unter den Weibern, Maria! du warst es, die Gnade beim Herrn fand, die du der Welt das Leben gebarst, und die du die Mutter des Heilands warst. Er, der durch dich uns ist geboren worden, wolle uns gnädig aufnehmen. Du bist unsere Königin, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin. Versöhne uns mit deinem Sohne, empfehle uns ihm, stelle uns ihm vor. Verschaffe o gebenedeite Jungfrau! uns durch die Gnade, so du gefunden, und durch deine 76 mächtige Fürbitte, daß uns dein Sohn, unser Herr, in jener Stunde, da der Hauch des Lebens uns verläßt, beistehe, und in seine ewige Glorie und Seligkeit aufnehme. Am St. Josephstage. Kluger, treuer Hausvater, heiliger Joseph! vom Herrn über seine Familie gesetzt, sie zu besorgen; dem Jesus unterthänig, und Maria unterworfen war. Erbitte uns die Unterwerfung unsers Willens unter die göttlichen Fügungen; erwirb uns die Reinigkeit unseres Leibes und unserer Seele. Wir beschwören dich darum, durch die Freude, die du empfandest, als du das neugeborne göttliche Kind auf deinen Händen trugst; durch den Namen eines Seligmachers, den du ihm gabst; durch die Liebe, Unterthänigkeit und Gefälligkeit, so es zu dir trug. Erbitte uns bei Gott den Segen für unsern nunmehrigen Beschüßer, welcher vom Herrn zu unserm Monarchen- Bater- uns gnädigst geschenket wurde. CO 77 Erhalte uns die Gnade, daß er ferner mit eben der zärtlichen Sorgfalt über sein Volk wache, wie du über deine heilige Familie wachtest, und stets die Pfade der Gerechtigkeit wandle. Erwirb uns die Beharrlichkeit im Guten, und ein seliges Ende. Amen. Vespergebet zum Magnificat. Meine Seele machet groß den Herrn, und mein Geist hat sich erfreut in Gott meinem Heilande. Denn er hat angesehen die Demuth seiner Dienerin: denn siehe, von nun an werden mich selig nennen alle Geschlechter. Denn er hat große Dinge an mir gethan, der da mächtig ist, und sein Name ist heilig. Und seine Barmherzigkeit währet von einem Geschlechte zum andern bei denen, die ihn fürchten. Er hat Gewalt geübet mit seinem Arme: und hat zerstreuet die hoffärtig sind in ihren Herzen. 78 Die Gewaltigen hat er vom Stuhle herunter gesetzt und die Demüthigen erhöhet. Die Hungrigen hat er mit Gütern erfüllet, und hat die Reichen leer von sich gelassen. Er hat Israel, seinen Diener, aufgenommen: und ist seiner Barmherzigkeit eingedenk gewesen. Wie er geredet hat zu unsern Vätern: dem Abraham, und seinem Samen ewiglich. Die Ehre sei dem Vater, und dem Sohne, und dem heiligen Geiste: als er war im Anfang, jetzt und in alle Weg, und zu ewigen Zeiten. Amen. Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott, der du den Leib und die Seele der heiligen Jungfrau und Mutter Maria zu einer würdigen Wohnung deines Soh nes, durch Mitwirkung des heiligen Geistes, vorbereitet hast, gib, daß, die wir uns an ihrer Gedächtniß erfreuen, durch ihre Fürbitte von 79 den bevorstehenden Übeln, und von dem ewigen Tode befreiet werden, durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Gebet für die Freunde. Allmächtiger und barmherziger Gott, ich danke dir für die unzähligen Gnaden und Gutthaten, welche du deinen Dienern N. N. gnädig verliehen hast. Erhalte und vermehre über sie deine Barmherzigkeit, und beschirme sie mit dem Arme deiner Stärke. Du bist allein ihre Hoffnung und Zuflucht. Errette sie von allem Übel, umgib sie mit dem Schilde deiner Wahrheit, und laß ihnen deine heiligen Engel beistehen. Gib ihnen eine vollkommene Gesundheit des Gemüths und des Leibes, und ein langwährendes Leben. Stärke sie, durch Beihülfe deiner Gnade, die Nachstellungen ihrer Feinde zu überwinden. Ge denke, Herr! jener Gutthaten, so sie mir und andern wegen deines heiligen Namens erwiesen haben. Vergilt es ihnen in diesem und in dem 80 andern Leben. Tegne, o Herr! sie und ihre Erbschaft, und laß nicht ewig zu Grunde gehen, die dein Sohn mit seinem kostbaren Blute erlöset hat; verzeih, o gütigster Gott, verzeihe ihnen ihre Sünden, und die unvollkommene Reue ersetze mit den Verdiensten des Lebens, Leidens und Todes deines Sohnes; gib ihnen deine reichliche Gnade, jederzeit nach deinem Wohlgefallen zu leben. Endlich verleihe ihnen einen seligen Tod, und die glückselige Ewigkeit, in welcher sie mit deinen Auserwählten dich lieben, loben und preisen mögen. Amen. Die offene Schuld. Ich armer Sünder widersage dem bösen Feinde, all seinem Eingeben, Rath und That! Ich glaube an Gott den Bafter, an Gott den Sothn, an Gott den heiligen Gefist, ich glaube auch gänzlich, was die allgemeine christliche Kirche befiehlt zu glauben: mit diesem heiligen katholischen Glauben beichte und bekenne ich, 81 Gott dem Allmächtigen, Mariä und seiner hochwürdigen Mutter, allen lieben Heiligen, und gebe mich schuldig, daß ich von meinen kindlichen Tagen an, bis auf diese Stunde, oft und viel gesündiget habe mit Gedanken, Worten und Werken, und Unterlassung vieler guten Werke. Wie dann solches alles geschehen ist, heimlich oder öffentlich, wissentlich oder unwissentlich, wider die zehn Gebote, an den sieben Todsünden, an den fünf Sinnen meines Leibes, wider Gott, wider meinen Nächsten, wider das Heil meiner armen Seele: solche, und alle meine Sünden sind mir leid von Herzen; ich bitte darum demüthig dich ewigen barmherzigen Gott, du wollest mir deine göttliche Gnade verleihen, mein Leben fristen so lange, bis daß ich hier alle meine Sünden möge beichten und büßen, deine göttliche Huld erwerben, und nach diesem elenden Leben mit dir und allen lieben Heiligen die ewige Freude und Seligkeit erlangen möge. Deswegen klopfe ich an mein sündiges Herz, und spreche 6 82 mit dem offenen Sünder: o Herr Gott, sei gnädig mir armen Sünder. Amen. Die drei göttlichen Tugenden. Glaube, Hoffnung und Liebe. Ich glaube an dich, wahrer dreieiniger Gott! Vater, Sohn und heiliger Geist, der du alles erschaffen hast, der du alles erhältst und regierest, der du das Gute belohnest, und das Böse bestrafest. Ich glaube: daß der Sohn Gottes Mensch geworden ist, um uns durch seinen Tod am Kreuze zu erlösen, und daß der heilige Geist durch seine Gnade uns geheiliget. Ich glaube und bekenne alles, was du, o Gott! geoffenbaret hast, was Jesus Christus gelehret, was die Apostel geprediget haben, und was die heilige römisch- katholische Kirche uns zu glauben vor stellet. Dieses alles glaube ich, weil du, o Gott! die ewige und unendliche Wahrheit und Weisheit bist, welche weder betriegen, noch betrogen wer den kann. O Gott! vermehre meinen Glauben. 83 Ich hoffe, und vertraue auf deine unendliche Güte und Barmherzigkeit, o Gott! daß du mir durch die unendlichen Verdienste deines eingebornen Sohnes Jesu Christi in diesem Leben die Erkenntniß, wahre Reue und Verzeihung meiner Sünden ertheilest, nach dem Tode aber die ewige Seligkeit geben, und verleihen wirst, dich von Angesicht zu Angesicht zu sehen und zu lieben, und ohne Ende zu genießen. Ich hoffe auch von dir die nöthigen Mittel, alles dieses zu erlangen. Ich hoffe es von dir, weil du es versprochen hast, der du allmächtig, getreu, unendlich gütig und barmherzig bist. Gott! stärke meine Hoffnung. mein Gott! ich liebe dich aus ganzem Herzen über alles, weil du das höchste Gut, weil du unendlich vollkommen und aller Liebe würdig bist; auch darum liebe ich dich, weil du gegen mich und alle Geschöpfe gütig bist. Ich wünsche von ganzem Herzen, daß ich dich eben so lieben möchte, wie dich deine treuesten Diener 6* 84 lieben, und geliebet haben; mit deren Liebe vereinige ich meine unvollkommene Liebe; vermehre sie in mir, o gütigster Herr! immer mehr und mehr. Weil ich nun dich aufrichtig und innigst zu lieben wünsche, und es zu thun mich ernstlich bestrebe, so ist es mir von Herzen leid, daß ich dich, mein höchstes Gut, welches ich über alles liebe, dich meinen Schöpfer, Erlöser und Heiligmacher erzürnet habe; es schmerzet mich, daß ich gesündigt, daß ich dich, meinen besten Vater, beleidiget habe. Ich nehme mir ernstlich vor, alle Sünden sammt allen bösen Gelegenheiten zu meiden, die begangenen Missethaten mehr und mehr zu bereuen, und niemals gegen deinen heiligsten Willen zu handeln. Nimm mich wieder zu deinem Kinde auf, und gib mir die Gnade zur Erfüllung dieses meines Vorsatzes. Darum bitte ich dich durch die unendlichen Verdienste deines göttlichen Sohnes unsers Herrn und Erlösers Jesu Christi. 85 Gebet vor den Geschäften. O Gott! der du die Herzen deiner Gläubigen, mittelst des Lichts deines heiligen Geistes, zu allem Guten anweisest. Erfülle mein Herz mit eben diesem Geiste, und verleihe: daß ich alles Gute zu deiner Ehre glücklich ausüben, und alles Böse zu meinem Heile beständig vermeiden möge; durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Gebet nach den Geschäften. Gott! dessen Barmherzigkeit und Güte ohne Gränzen ist: deiner gütigsten Majestät sage ich Dank für die ertheilten Gnaden, und. bitte dich demüthiglich, auf daß du deinen Bei stand mir niemals entziehen, und von allem Irrthume mich stets befreien wolleft; durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. 86 - Bei Aussehung des Hochwürdigsten. Anbetung. Gott! Unendlicher! Höchster, Einziger! In tiefer Ehrfurcht lieg ich vor dir. Ich, der ich nur Staub und ein Cünder bin, wie kann ich mich tief genug vor dir erniedrigen, wie kann ich mich zu einem Gedanken erheben, der deiner würdig wäre? Doch darf ich mich dir nähern und dich anbeten, mit allen Engeln und Seligen. Wie hoch bin ich geehrt und begnadiget! Du bes darfst der Ehrenbezeigungen eines armen Ge schöpfes zu deiner Verherrlichung nicht. Mir, mir ist's Ehre, Wohlthat und Glück, daß ich vor dir erscheinen und mit dir reden darf auf Erden, wie mit meinem Wohlthäter und Freund. Alle Stimmen der Unsterblichen sind zu schwach, dein Lob zu verkündigen, und deinen heiligen Namen nach Würde auszusprechen. Aber du hörst doch auch gern das Stammeln deiner Kinder, und neigest dein Ohr zu unsern schwachen Seufzern. Du willst dich uns immer näher - 87 bekannt machen, damit wir dich immer mehr lieben, und uns deiner immer mehr freuen. Kein sterbliches Auge kann dich sehen, alles belebender Geist, kein Verstand kann dich fassen. Doch hast du dich herzlich geoffenbaret durch deine Werke. In schönster Ordnung und Pracht stehen fie vor mir da, und fordern mich auf, dich, ihren Schöpfer, zu preisen. Die ganze Welt ist dein Tempel, welcher mit den Wundern deiner Allmacht, Weisheit und Güte pranget. Himmel und Erde sind deiner Herrlichkeit voll. Tausend Stimmen rufen mir zu: der Herr hat alles wohl gemacht." Vom Wurm im Staube an, bis zum Engel hinauf kündigt mir jedes Geschöpf die Größe seines Urhebers an. Keines sei mir so unbedeutend, daß ich das Werk deiner Hände daran nicht bewundern sollte. Der Mensch, obgleich verderbt durch seine Schuld, welch einen hohen Nang behauptet er in deiner sichtbaren Schöpfung! Wie künstlich ist mein Leib gebaut! Alle meine Gebeine sagen: Herr, wer ist dir gleich? Und du, meine Seele, 88 unsterblich, zur Glückseligkeit geschaffen, Gott ähnlich, lobe den Herrn und alles, was in mir ist, seinen heiligen Namen. Sein Lob soll immer in meinem Munde sein; seine Ehre sei das ganze Bestreben meiner Kräfte. Dazu hast du mir Verstand gegeben, dich zu erkennen, und ein Herz dich zu lieben, mein gütigster Schöpfer. Aber wie schwach, wie eingeschränkt ist noch diese Erkenntniß von dir, o Gott! die Wunder deiner wohlthuenden Allmacht und Weisheit um geben uns rings umher; wir sehen sie nicht, und gehen sinnlos und ungerührt durch deine schöne Welt. Unsere Zerstreuungen lassen uns nicht die Zeit, und wir geben uns die Mühe nicht, aufmerksam zu sein und darüber nachzudenken. Ach! verzeih, Vater, dem Leichtsinn und der Unachtsamkeit deiner Kinder, die der Leitung der Natur so wenig folgen, wodurch du sie vom Sichtbaren zu dir, Unsichtbarer, hinführen willst. Doch weit deutlicher als durch die Natur offenbartest du dich der Welt durch. Jesum Christum deinen Sohn. Er lehrte dich uns, als 89 wie Bater, kennen, und machte uns bekannt, du von deinen Kindern verehret sein willst. Du, vollkommenster Geist, forderst eine Anbetung im Geist und in der Wahrheit. Du siehst nicht auf schöne Worte und demüthige Stellungen, nicht auf äußerliches Gepränge; sondern auf das Herz, ob es aufrichtig gesinnt und dir ergeben sei, und auf die That, ob sie mit der Sprache der Andacht übereinstimme. Bewahre mich, o Gott! vor der Heuchelei, dir Betheuerungen vorzusagen, von welchen das Herz nichts weiß, oder die es bald wieder leichtsinnig vergißt; bewahre mich, daß ich nicht durch den Schein der Frömmigkeit mich selbst und andere blende. Durch Liebe und Gehorsam, durch ein dir wohlgefälliges Leben will ich dich ehren. Sucht doch ein guter Vater seine Ehre in dem Wohl seiner Kinder! Solltest du, großer Gott, weniger edel in dem, was deine Ehre heißt, denken, als ein sterblicher Vater? Du warst selig in dir allein, von Ewigkeit her. Was konntest du bei der Schöpfung deiner Welt - 90 für eine andere Absicht haben, als die Beglückung deiner Erschaffenen? Alles, was lebt, sollte feines Daseins sich erfreuen, und seinen Urheber preisen. So wollte deine liebende Allmacht und weise Güte offenbar und verherrlichet werden. Von allem Guten, das da ist, das gethan und genossen wird, fällt die Ehre auf dich den Urquell alles Guten zurück. Alles was mich und meinen Nächsten besser, zufriedener, glücklicher macht, was nützlich und löblich ist, gereicht dir zur Ehre! Meine Freude an dir, meine Ehrfurcht, meine Liebe, mein Vertrauen soll thätig und in meinem ganzen Wandel sichtbar werden, auch meinen Mitmenschen sich mittheilen, und so kann, so will ich dich verherrlichen, und deine Ehre bes fördern, mein Gott. Du hast mir Kräfte und Mittel verliehen, zur Erfüllung deiner wohlthätigen Absichten etwas beizutragen, und dir zu dienen. Dazu will ich sie anwenden, so gut ich kann. Nicht bloß meine Lippen, meine Handlungen sollen dich ehren. 91 Du willst keine langen Gebete; denn du weißt wohl, daß mein schwacher zerstreuter Geist den großen Gedanken an dich, unsichtbares, höchstes Wesen, nicht lange anhaltend und lebhaft genug fassen kann. Du hast mir auch andere Geschäfte angewiesen. Durch Gebet soll ich mich vorbereiten, erwecken; stärken zu deiner wahren Verehrung. Mein ganzes Leben soll eine immerwährende Anbetung sein. Preis der göttlichen Vollkommenheiten. Gott! wer kann dich denken? Was sind die größten und erhabensten Gedanken, wenn sie auch Himmel und Erde umfaßten, gegen den Gedanken von dir, dem Schöpfer und Beherrscher des Himmels und der Erde? Das Licht und der Glanz der Sonne und aller Sterne ist nur ein schwacher Schatten von dir. Mit stummer Ehrfurcht bete ich an, was ich nicht begreife, und erfreue mich dessen, was ich weiß. So wenig das ist, so ist es doch mein Trost und mein 92 Glück. Der Gedanke, daß du unendlich mehr bist, als ich denken und verstehen kann daß du in aller deiner Größe und Herrlichkeit doch mein Gott und Vater bist, daß ich dein Kind bin, dieser Gedanke erhebt meinen Geist, und beruhigt mein Herz mehr als die ganze sichtbare Welt. Wohl mir, daß ich denken kann! So schwach und mangelhaft noch meine Erkenntniß von dir ist, so fühle ich doch den Einfluß deiner lebenden Majestät. So unbegreiflich du mir bist: so leuchten mir doch allenthalben deine höchsten Vollkommenheiten in milden Strahlen entgegen, so viel sie mein schwaches Auge ertragen kann. Nicht bloß zu meinem Erstaunen, zu meinem Heil will ich sie bedenken; nicht er gründen, was du bist, sondern was du mir bist, will ich mit stiller Andacht erwägen. Deine Allgewalt ist wohlthätige Liebe. Menschen, die dich nicht erkennen und lieben, mögen davor erzittern. Mir ist sie tröstlich. Du hast Macht, mir zu geben und zu helfen, was und wo ich's bedarf; dein Reichthum wird nie er 93 schöpft; unter deinem Schuße bin ich sicher. Ohne deinen Willen geschieht nichts, und was du willst, muß geschehen. Wie stark bin ich als Werkzeug in deiner Hand. Was soll ich fürchten, was kann mir fehlschlagen, wenn ich deinen Willen thue? Wer wird wider mich sein, wenn du für mich bist?- Im Sturm wie im Sonnenschein bist du mein Vater. Deiner weisen Vorsehung kann ich mich ruhig überlassen, wenn sie auch dunkle und rauhe Wege mich führte; wenn auch die unerklärbarsten Zufälle mich treffen. Du hast sie alle vorher ge sehen. Du sorgest für mich, so väterlich und so gewiß, wie für die ganze Welt. Vor dir ist nichts groß und nichts klein. Du weißt, was mir gut ist. Du verstehst, ordnest und machst alles aufs Beste. Unter deiner weisen Regierung geschieht nichts von ungefähr; alles muß zur Ausführung deiner besten Absichten dienen, und nie verfehlst du deines Endzwecks. Was mir jetzt als Übel vorkommt, ist Verhütung eines größern Unheils oder Quelle eines größern Segens! Jetzt 94 seh' ich kurzsichtiges Kind es nicht ein; aber einst werd' ich es erkennen und dich preisen. Deiner Heiligkeit kann nur das Gute gefallen, und deine alles umfassende Güte ist nur mit Wohlthun beschäftigt. Dieß erwecke mich, dir ähnlich zu werden, alle Menschen zu lieben, die Sünde zu hassen, und gut zu sein, wie du gut bist. Du bist nicht veränderlich, wie die Menschen; keiner Leidenschaft, keinem Zufalle unters worfen: dein Wort ist gewiß und untrüglich. Darauf kann ich sicher bauen. Du bist der wahrste, der treueste Freund! Wie glücklich bin ich, wenn ich an dich mich halte! Wie glücklich werden meine Freunde sein, wenn deine unveränderliche Treue mich vor aller Untreue und Falschheit gegen sie bewahret! Wenn der Gottlose vor deiner Allgegenwart und Allwissenheit sich fürchtet: so kann ich, dein Kind, mich freuen, daß du überall bei mir bist, alle meine Absichten, Handlungen und Anliegen kennest. Dieß erhebt mich über ungerechten Tadel und eitles Lob; dieß hält mich zur treuen Ausübung meiner Pflicht und stillen Tugend an. 95 Dein Beifall ist mein Trost und mein Lohn: Nichts als dein Mißfallen darf ich scheuen. Deine Gerechtigkeit ist unparteiische, von uns fehlbarer Weisheit geleitete Güte. Nur der Frevler und sichere Sünder darf davor zittern. Der redliche Tugendfreund sieht getrost seinem Richter, als einem treuen Vergelter, entgegen, der die verkannte Unschuld rechtfertigen, den Dulder als Sieger darstellen, und das im Stil len geschehene Gute öffentlich rühmen und reichlich belohnen wird. Heilsame Furcht schrecke mich vom Bösen ab, und wecke mich zur Besserung, damit ich nicht vergeblich auf deine Barmherzigkeit hoffe. O wie köstlich sind mir diese Gedanken, wie erhebend diese Vorstellungen von dir, mein Gott! so unvollkommen sie noch sind. Wenn ich denke, dann denke ich an alles, was schön, was gut, was groß, was verehrens- und liebenswürdig ist; an alles, was mich und alle Geschöpfe im Himmel und auf Erden beruhigen, trösten, erfreuen und beseligen kann: laß diese Gedanken 96 meinem Geiste stets gegenwärtig und meinem Herzen über alles theuer sein: laß es mich immer. inniger fühlen, wie gut es mir ist, daß ich nicht mir selbst überlassen bin, sondern daß ich ganz von dir abhange, ganz unter deiner Gewalt und Aufsicht stehe, ganz dir angehöre- daß du, großer, reicher, weiser, gütiger Gott, mein Herr und Vater bist! und ich dein Kind bin, so wie der erhabenste Engel es ist- daß du herrschest und regierest, daß du allein es bist, den ich anbeter und dem ich dienen muß; auf den ich vertrauen kann, und dem ich Gehorsam schuldig bin. Dieß ist mein einziges, mein größtes Glück bis ich einst dahin gelange, wo ich dich besser erkennen, inniger lieben, würdiger verehren, und in dir meine vollkommene ewige Glückseligkeit finden werde. Amen. Vertrauen auf Gott. Gott! mein Vater! Wie trostreich, wie Herzerhebend ist mir dieser Name, den du uns durch deinen Sohn selbst in den Mund gelegt haft! 97 Du, der Allmächtige, Allgütige mein Vater. Wenn das Gefühl meiner Schwachheit und Armseligkeit mich demüthigt; wenn mich deine höchste Majestät mit tiefester Ehrfurcht erfüllet: so flößet mir deine Baterliebe kindliches Zutrauen ein. Alles, was uns wahrhaftig gut ist, was der beste, reicheste, weiseste Vater seinen Kindern geben kann, das dürfen wir von dir erwarten und hoffen, wenn wir es nur selbst wollen, und uns dazu fähig machen. - Wie getrost kann ich auf deine liebende Allmacht und weise Regierung vertrauen! Du sor gest für mich, wie für die ganze Welt; meinst und machest alles aufs Beste. Du willst nichts anders, als mein wahres Wohl, und hast schon alle Anstalten dazu gemacht. Du gibst mir Ge legenheit, Kräfte und Mittel zu allem Guten ich darf sie nur recht gebrauchen, um gut und glücklich zu werden. Meine Sorge sei bloß, immer rechtschaffen und weislich nach deinem Willen zu handeln: die Sorge für den Ausgang und die Zukunft kann ich getrost dir anheim stellen. 7 - 98 Wenn ich oft auch mit meinen besten Absichten und Bemühungen meinen Zweck nicht er reiche: so beruhige mich der Gedanke, daß es dein Wille nicht war.- Du willst vielleicht noch meine Geduld und Ergebung, meinen Fleiß und Eifer prüfen, üben und stärken, um mich einst mit desto größerer Freude zu belohnen, wenn ich die Früchte davon werde reifen sehen. Du nöthigst mich gleichsam, sester an dich zu halten, im Gehorsam und Vertrauen; mich mehr anzustrengen, zu bessern und zu veredeln, um meines Glückes werth und fähig zu werden. Du willst mich erst in die rechte Verfassung und Umstände versetzen, wo mir das erwünschte Gut zum wahren vollen Segen, und desto erfreulicher wird, je mühsamer ich es erhalten habe. Du erlaubest mir, Bater! auch meine zeitliche Noth dir zu klagen, um mein Herz zu beruhigen, und seines Kummers zu entladen. Aber vorschreiben darf ich dir nicht, was du thun follst; nicht plötzliche Hülfe, nicht Wunder fordern; nicht eigensinnig und unbedingt ver 99 langen, was nur mir gut dünkt. Du hast schon alles aufs Unverbesserlichste eingerichtet, und regierest den Lauf der Welt nach festgesetzter Ordnung mit unveränderlicher Weisheit und Güte. Du siehst in die Zukunft, und umfasseſt das Ganze. Und wie könntest du so viele un besonnene, widersprechende, unerfüllbare Wünsche der Menschen hören! Also, Bater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Dieß Gebet deines Sohnes sei auch allezeit das meinige; es ist mir das beste, das sicherste. Ich kurzsichtiges Kind weiß oft selbst nicht, was ich will. Vater, du verstehest, was mir gut ist; was du thust, ist wohl gethan. Erhalte ich nicht, was ich wünsche: so will ich doch nicht murren, noch zagen, sondern zuversichtlich glauben, daß es mir nicht nüglich wäre, wenigstens jetzt noch nicht; oder es sei mir dafür ein größeres Glück bereitet. Sonst gäbst du mir's, mein reicher, gütiger Vater! Ich bitte dich also nicht, mein Gott, um Reichthum, hohes Ansehen, und täglich sinnliches Wohlleben in der Welt; nicht um stets 100 glücklichen Fortgang meiner Unternehmungen; nicht um ungestörte Gesundheit und langes Leben! Es wäre dir ein leichtes, mir dieß alles zu geben. Du wirst mir nach deiner weisen Güte so viel davon schenken, als mir zu meinem wahren Glück nöthig und heilsam ist; ich will es als 3ugabe aus deiner Hand annehmen, und dir durch guten Gebrauch dafür danken. Mein Verlangen und Trachten sei vor allem auf solche Güter gerichtet, die mich selbst besser, und also wahrhaft glücklich machen die mir kein Zufall rauben, und die ich nicht entbehren kann, ohne elend zu sein. Und um diese kann ich dich nie unerhört bitten, mein Gott! Diese er halte ich gewiß von dir, wenn ich mich nur mit Ernst darum bestrebe; du hast sie mir verheißen, und schon wirklich bereitet. Ich kann auf dein Wort und deinen Beistand vertrauen. Aber dieß Vertrauen arte ja nie in sorglosen Leichtsinn und Vermessenheit aus. Ohne meine Mitwirkung kannst du mich nicht tugendhaft, nicht glückselig machen. Du kömmst meiner Schwachheit zu Hülfe, - 101 aber meine Trägheit unterstützest du nicht. Auch meine frömmsten Wünsche, meine flehentlichsten Bitten um deine Gnade um Weisheit und Tugend, kannst du nicht erhören, wenn ich nicht eifrig daran arbeite, sie mir zu erwerben. Nur wenn ich mein Möglichstes thue, und dir kindlich folge: so steht mein Vertrauen fest. Das be ruhigt mein Herz, und stärkt meinen Muth. Allem, was mir begegnen mag, sehe und gehe ich dann unerschrocken entgegen. - An deiner Hand, mein Gott, setze ich meinen Weg getrost und standhaft fort; du leitest und schügest mich, und wirst mich glücklich ans Ziel führen. In Freud und Leid, im Leben und Tod, und in der Ewigkeit bist du mein Vater. Das Gebet des Herrn, welches daher diesen Namen hat, weil es unser Herr selbst seinen Jüngern gelehret hat, aber gewiß nicht in der Absicht, daß ihm nur buchstäblich nachgebetet werden sollte. Er selbst richtete sich nach der Sprache 102 und Denkart seiner Zeitgenossen; daher uns auch manche Ausdrücke nicht mehr so ganz verständlich sind, wie jenen. Er wollte seinen Schülern nicht Worte in den Mund, sondern Gesinnungen ans Herz legen; keine immer zu wiederholende Formel, sondern ein Muster der besten Gebetsart geben, das in fruchtbarer Kürze alles in sich faßt, was sie in ihrem Gebete Gott vortragen, verlangen, hoffen, und durch eigene Mitwirkung befördern sollten. Die wichtigsten Angelegenheiten, die heiligsten Wünsche und Pflichten des Christen machen den Inhalt dieses vortrefflichen Gebetes aus. Bedenke den Sinn jeder Bitte; jede gibt zum Nachdenken Stoff; wende sie auf dich an, und mache die Grundsätze, nach welchen uns der Herr beten gelehrt hat, zur Richtschnur deines Sinnes und Wandels. Vater unser etc. Gott, unser Vater! Wir und alle Menschen deine Kinder. Mit Kinder- und Brudersinn beten wir, nach der Anweisung deines Sohnes, zu dir. Wie deine Liebe uns alle umfasset, fo schließe auch unser Herz und Gebet alle ein. Ja, - 103 allen wünschen und erbitten wir Gutes von dir, wie uns selbst; und wie du uns allen deine hülfreiche Hand darreichst, so sei auch die unsrige keinem versagt, der ihrer bedarf. Unser Geist erhebe sich über alles, was irdisch ist, wenn er dich gedenkt, Allerhöchster! Wie der Himmel über die Erde, so bist du über alles, was wir Großes denken können, erhaben. - Du, Herr des Himmels, bist auch bei uns deinen Kindern auf Erden, und hörest das Gebet unsers Herzens. Geheiliget werde dein Name! Heiliger, anbetungswürdiger Gott! o daß wir und alle, die deinen Namen anrufen, dich immer besser kennen lernen, ehren und lieben! Das ist unser erster und wichtigster Wunsch. Daran ist uns alles gelegen, daß wir uns würdige Begriffe von deiner Größe und Heiligkeit machen, um unsere Gesinnungen und Handlunge:: darnach zu richten. Die ganze Welt sei deines Ruhmes voll, und freue sich deiner, wenn sie in tiefster Ehrfurcht dich anbetet. 104 Es komme dein Reich. Dein Reich auf Erden, das du durch Jesum gestiftet hast, das Reich der Wahrheit und Tugend, breite sich immer weiter aus. Dein heiliges Gesetz regiere die Herzen, damit die Menschen dadurch immer besser und glücklicher werden. Auch unser Bestreben und Beispiel trage dazu das Mögliche bei. Das allgemeine Wohl liege uns, wie unser eigenes, am Herzen!- Wir wollen uns hier als gute Mitbürger deines Reichs auf Erden verhalten, um einst durch wahres Christenthum zur Mitgenossenschaft deines ewigen himmlischen Reichs zu gelangen. Dein Wille geschehe etc. Dein Wille, o Gott, ist allzeit das Beste. Alles, was du forderst und anordnest, ist väterlich wohlgemeint; dein ganzes Gesetz ist heilige Liebe. O laß uns die Weisheit und Wohlthätigkeit deiner Gebote und Rathschlüsse immer deutlicher einleuchten, daß wir sie ohne Anstand und Ausnahme freudig und treulich, wie deine Engel 105 im Himmel, vollziehen. Still anbetend, gelassen und standhaft trage jeder die Last, die du auf seine Schultern gelegt hast. In Freud und Leid geschehe dein heiliger Wille! Gib uns heut unser tägliches Brot! Vater, du weißt, was deine Kinder bedürfen; du bist gütig und reich genug, es zu geben. Gleich ferne von unnüger, zaghafter Ängstlichkeit, und von vermessenem, leichtsinnigem Vertrauen, erwarten wir es getrost von deiner väterlichen Fürsorge. Du wirst unsern Fleiß segnen, uns Gesundheit und Kräfte zur Arbeit verleihen, und forthelfen, wo wir nichts vermögen. Wir bitten nicht um Überfluß, nicht um alles, was unsre Lüsternheit wünschet. Gib uns nur, nach deiner weisen Güte, was uns nothwendig und nützlich ist. Lehre uns Mäßigung im Begehren, und im Genusse; bewahre uns vor allem Mijbrauch deiner Gaben; laß uns im Wohlstand unserer nothleidenden Brüder nicht vergessen, und im Mangel nicht kleinmüthig werden. Wir wollen 106 zufrieden und dankbar froh genießen, was du heute uns schenkest; der morgende Tag steht in deiner Hand. Erleben wir ihn, so rufen wir dich aufs neue an. Täglich bedürfen wir deines Beistands und Segens. Dergib uns unsere Schulden etc. Vater! wir haben gesündigt, und bekennen unsere Schuld vor dir. Neumüthig bitten wir dich um Vergebung, die du dem sich bekehrenden Sünder verheißen hast. Laß uns die strafenden Folgen unserer Vergehungen nicht zum Verderben, sondern zur bessernden Warnung, zum Heil unserer Seelen gereichen. Wie wir wünschen, daß du uns verzeihest, so sei auch von uns alle Beleidigung, die uns widerfahren, vom Herzen verziehen und vergessen. Wie dürften wir's wagen, mit rachsüchtigem, unversöhntem Herzen dich um Barmherzigkeit anzuflehen?- Nein, Vater, deine Liebe soll immer das Muster der unsrigen sein. - 107 Führe uns nicht in Versuchung, Gott! du kennst unsere Schwäche; ach, wie leicht sind wir wieder zur Sünde gereizt und verleitet! Doch können wir nicht verlangen, von Versuchungen frei zu bleiben, ohne die es keine Tugend, kein Verdienst, keine Belohnung gibt. Laß sie uns nur nicht zu mächtig werden; Laß uns nicht in Verführung und Unglück gerathen, denen wir, wie du vorher siehst, unterliegen würden. Der Gedanke an deine Allgegenwart, an dein gerechtes Mißfallen an der Sünde, und die unausbleiblichen traurigen Folgen derselben erhalte uns in heilsamer Furcht; das Bewußtsein unserer Schwachheit mache uns wachsam über unser Herz und Betragen, und das Vertrauen auf deinen Beistand stärke uns. So führe uns nach dieser Prüfungszeit glücklich dorthin, wo die siegende Tugend ihrer überstandenen Kämpfe ewig sich freuen wird. Laß uns nicht erliegen, sondern erlöse uns von dem Uebel. Aus deiner Hand, o Gott! kann nichts Böses kommen. Das einzige wahre Übel in der 108 Welt ist die Sünde; und davon hilf uns immer mehr losmachen; so wird auch unsers Elendes täglich weniger werden. Alles übrige, auch das selbst zugezogene Unglück, soll uns zu Besserung, Tugendübung und Seligkeit dienen. Unter deiner Regierung muß selbst aus dem Übel Gutes ents stehen, und denen, die dich lieben, alles zum Besten gereichen; bis du sie endlich von allem Übel erlöset, ins ewige Freudenleben einführest. Amen! Es geschehe, Vater, wie wir gebetet haben! Laß diese viel umfassenden Wünsche an uns, und selbst durch uns in Erfüllung gehen, so viel wir dazu fähig sind. Sie sollen unsere wichtigsten Angelegenheiten, und die Grundsätze unsers Verhaltens und Trachtens sein.- Was wir nicht vermögen, erwarten wir getrost von dir, o Gott! denn dein ist die höchste Herrschaft und Macht. Dir trauen wir alles Gute zu; dir ge bühret die Ehre für alles. Die ganze Welt 109 stimme mit uns ein: Vater im Himmel, wie groß und herrlich bist du! Glaubensbekenntniß. Ich glaube an Gott den Vater, den allmächtigen Schöpfer des Himmels und der Erde. Ja ich glaube an einen Gott, der alles, was da ist, erschaffen hat, erhält und regiert. Himmel und Erde verkündigen seine liebende Allmacht und weise Güte. Dieser große Gott ist mein Bater, der mich als sein Kind liebt, und für mich sorgt, und mich auf ewig beglücken will, wenn ich ihm mit kindlicher Liebe und Ergebung gehorche. Und dadurch beweise sich mein Glaube an Ihn. - Und an Jesum Chriflum seinen Sohn, unsern Herrn. Wie ich an den Vater glaube, so glaube ich an den Sohn, den er uns zum Lehrer und Heiland gegeben hat. Er ist uns, was er heißt: Jesus Erlöser von Sünde und Tod- Christus- 110 ein König, der durch Wahrheit und Liebe die Herzen regieret, und alles gut und selig macht, was ihm gehorchet. Und so ist er auch unser Herr und göttliches Oberhaupt. Der Name eines Christen erinnere mich, daß ich ihm angehöre, und daß ich ihm folgen muß, wenn ich durch ihn selig werden will. Empfangen vom heiligen Geiste, geboren aus Maria der Jungfrau. Durch ein Wunder der Allmacht und Liebe wurde der Sohn Gottes ein Menschensohn, unser Bruder um uns zu ihm ähnlichen Kindern Gottes zu machen; er nahm die Mühseligkeiten unserer Natur auf sich, um sie uns zu erleichtern, und tragen zu lehren. In Jesu ist liebende Gottheit sichtbar erschienen. Das ewige Wort, durch welches Gott wirkt und spricht, ist Fleisch ge worden, und hat persönlich zu den Menschen geredet. So hoch wurde die Menschheit gewürdigt begnadigt! - - - 111 Gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuziget, geflorben und begraben. Mit der allergroßmüthigsten Liebe opferte er sein Leben auf zum Besten der Menschen, litt und starb er auch mir zum Heil, zum Beis spiel und Trost. Jeder Anblick seines Kreuzes erwecke und stärke mich zur standhaften Besserung, zur Geduld und Liebe, zum Vertrauen und Gehorsam bis zum Tod. Dann kann ich durch ihn Gnade und Seligkeit hoffen. - Abgefliegen zu der Hölle, auferstanden von den Todten. So zeigt er sich als Überwinder des Todes und der Hölle, als Erlöser davon. Durch seinen Tod bewies er die Größe seiner Liebe, durch seine Auferstehung die Größe seiner Macht, und die Wahrheit seines Worts. Darauf beruht unser Glaube, und unsere Hoffnung. Er wird erfüllen an uns, was er verheißen, wenn wir halten, was er geboten hat. Wie sicher können wir ihm trauen und folgen! 112 Aufgefahren in den Himmel, sitzt zur rechten Hand Gottes. Dort herrschet er, mit höchster Gewalt und Liebe, unser göttlicher Bruder und Freund! Er vergißt unser in seiner Herrlichkeit nicht; noch immer ist er bei uns mit seinem Beistand und Segen; wo er ist, will er, sollen auch seine Freunde sein. Auch mir will er dort im Hause seines Baters ein Ort bereiten, auch mit mir seine Herrlichkeit theilen. Wie selig bin ich, wenn ich ihm folge! Auf ihn sei mein Auge gerichtet! Dorthin zu kommen, wo er ist, sei das Ziel meines Sinnens und Trachtens. Von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Todten. Da werden die Heimlichkeiten der Herzen, die verborg'nen Tugenden und Laster offenbar werden. Da wird der Richter die Guten von den Bösen auf ewig scheiden; jene mit sich in seine Herrlichkeit einführen, diese zu den Qualen der Ewigkeit verurtheilen. Auf welche Seite werde " 1 113 ich gehören?"- Was ich jetzt thue, das wird mich selig machen oder verdammen. Ich glaube an den heiligen Geist. Es ist der Geist des Vaters und Sohnes, der von beiden ausgeht, und mit beiden Eins ist; der unsern Verstand durch die Wahrheit erleuchtet, unser Herz und Leben durch Liebe heiligt; der uns tröstet und stärket, zufrieden und voll kommen macht. O daß ich mich ganz von ihm leiten und beseelen lasſe! Eine heilige allgemeine chriftliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen. Christus hat eine Kirche, eine Gesellschaft wahrer Gottesverehrer gestiftet, und ihr seinen Beistand verheißen, bis ans Ende der Welt. Ich glaube, was diese allgemeine Kirche, die ganze rechtgläubige Christenheit als Gottes Wort glaubt und lehrt. Dieser Glaube führt mich nicht irre; aber was nützte er mir, wenn ich nicht auch heilig lebte?- Durch Nachahmung 8 114 der Tugenden meiner Vorgänger, durch theil. nehmende, hülfleistende Bruderliebe muß und will ich mich der Gemeinschaft der Heiligen in dieser und in jener Welt theilhaftig machen. Ablaß der Sünden. Ich darf meiner begangenen Sünden wegen nicht kleinmüthig, aber auch nicht leichtsinnig werden. Mein Bestreben mich zu bessern, und auf dem Tugendwege fortzuschreiten, sei desto eifriger, je getroster ich auf Gottes Barmherzigkeit und väterliche Nachsicht mit meinen Schwachheiten hoffen darf. . Auferstehung des Fleisches. So wahr mein Erlöser vom Grabe erstanden ist, so gewiß wird er auch einst meinen verwese nen Leib wieder erwecken und umschaffen, wie er sich für jenes himmlische Leben schickt, wenn ich ihn jetzt zum Werkzeug der Tugend gebrauche und heilige. So darf ich dann den Tod nicht fürchten; er ist mir der Eingang in ein Ewiges Leben. Freuden und Seligkeiten ohne Ende, die alles weit übertreffen, was ich mir als das höchste Glück wünschen und denken kann, hat Gott dort jenen bereitet, die ihn lieben. Auch mir sind sie bestimmt. Was ist der Augenblick dieser Prüfungszeit gegen ein ewiges himmlisches Leben? So will ich denn gern arbeiten, kämpfen, dulden, wie und so lang der Herr es will. Der Lohn im Himmel ist groß und gewiß. Keine Mühe sei mir zu schwer um diesen Preis. Ich will meine Zeit benutzen, Gutes zu thun, so viel ich kann, damit ich mich dessen freuen möge ewiglich. - 115 Amen! Ja, das alles ist gewißlich wahr; ich glaube es auf Gottes untrügliches Wort. Wie trostreich ist mir mein Glaube. Aber nur dann ist er allein seligmachender Glaube, wenn ich auch darnach lebe. Das geschehe! das gelobe ich! Nach diesem Glauben, auf den ich getauft bin, 8* - - 116 will ich leben und sterben. Dazu helfe mir Gott, und sein heiliges Evangelium. Amen! Betrachtung des Leidens und Sterbens Jesu. Wie viel, o Jesu! nahmst du uns zu lieb auf dich! Du weißt aus eigener Empfindung, wie jedes Leiden schmerzt. Darum hast du Mitleid mit uns Schwachen. Der Vater schonte deiner, seines Vielgeliebten, nicht. Wie könnten wir verlangen, von Leiden frei zu bleiben? Ach! zögen wir sie nicht durch eigene Schuld uns zu! In deiner größten Angst war kindliches Gebet und Gottergebung deine Stärkung. Dein Wille, o Gott, geschehe! Das sei auch unser Trost und Wunsch! Vertrauensvoll und standhaft gingst du deinem Martertod entgegen. O laß uns nicht verzagen in Gefahr und Noth. Auch den Verräther wolltest du mit Liebe 117 noch gewinnen, nanntest ihn noch Freund. So lehrst du uns auch Böse mit Bedauern lieben. Freiwillig ließest du dich binden, wie ein Übelthäter; verleumden und mißhandeln, sanft duldend, wie ein Lamm ertrugst du Schmach und Marter aller Art. O lehre uns Geduld und stille Sanftmuth. Am Kreuze batest du noch für deine Feinde um Vergebung. So sei denn auch von uns, wie uns von dir verziehen! Wie könnten wir den ärgsten Feind noch hassen! Den Missethäter, der sich sterbend an dich wandte, nahmst du mit dir ins Paradies. Wie dürfte ein Sünder einen andern freventlich verdammen! Wer kann nicht Gnade hoffen, wenn er sich ernstlich bekehrt! In deinem größten Schmerz vergaßeſt du der Mutter und des Freundes nicht. Wie viel mehr wirst du jetzt in deinem Reich für deine Treuen sorgen. In äußerster Verlassenheit riefst du zu deinem Gott. Wenn alles uns verläßt; wir wollen feſt an Gott uns halten. 118 Im heißen Durste wurde Galle und Essig dir gereicht. Bei dir, Herr! will ich Trost und Labsal suchen; die Welt gibt oft nur Bitterkeit dafür. Gehorsam bis zum Tod hast du dein Werk vollbracht! O daß wir alles, was uns obliegt, gut vollbringen, eh der Tod uns übereilt! Wie freudig übergabst du deinen Geist in deines Vaters Hände!- So heiter stirbt der Fromme; so selig ist der Ausgang seiner Leiden! Weil du dich erniedrigtest, und gehorsam warst bis zum Tod am Kreuz, so hat dich Gott erhöhet, anbetungswürdiger Jesus! Durch Leiden mußtest du in deine Herrlichkeit eingehen. So halte mich denn keine Beschwerde ab, dir zu folgen auf dem Wege, den du mir dahin vorgezeigt haft; bis ich einst zu dir komme in dein himmlisches Reich, wo ich aller überstandenen Trübsale mich freuen werde ewiglich! Amen. 119 Glaube an den auferstandenen Erlöser. Mit freudigem Glauben an deine Auferstehung belebe heute mein Gemüth, glorreicher Jesus! Habe ich weniger Ursache, mich ihrer zu freuen, als deine Freunde und Freundinen, welche die ersten Zeugen davon waren?- Bist du mir weniger, als du ihnen warst? Ist der Segen davon, der sich seit jenem Tage über so viel Tausende ergoß, nicht auch mir zu Theil geworden? Wenn ich an dir bloß den weisesten Lehrer, den unsträflichsten Frommen, den edelsten aber verkanntesten Menschenfreund, den je die Erde sah, aus dem tiefsten Abgrund des Elends und des Todes zur höchsten Stufe des seligsten Lebens empor gehoben sähe: so hätte ich schon Urfache genug, mich zu freuen; wie gute Menschen sich freuen, wenn sie die verfolgte Unschuld über ihre Feinde siegen, und für ihre ausgestandenen Leiden und Kämpfe, über alle Erwartung, aufs herrlichste belohnet sehen. 120 Wie viel größer muß meine Freude an dir sein, theuerster Jesus! Ich weiß, wen und wie viel ich an dir habe. Ich bin nach deinem Namen genennt, du bist mein Erlöser aus dem tiefsten Elend der Sünde, und mein Herr, der mich durch seine Regierung zum höchsten Menschenglück leitet. Dieß ist mein tägliches Bekenntniß, und mein Christenthum. Auch mir zum Heil lebtest du auf Erden; auch mir zum Heil starbst du; auch mir zum Heil wardst du vom Tode erwecket; auch mir zum Heil lebst du im Himmel. Und ich sollte über deine Auferstehung nicht frohlocken, oder mich nicht der stillen Freude daran überlassen? Mein größter Wohlthäter ist aus dem Tode ins Leben, aus dem Elend zur Herrs lichkeit gekommen, um mir künftig noch größere Beweise zu geben, daß er mein größter Wohlthäter sei; und das Angedenken daran sollte mein Herz nicht freudig machen? Bin ich doch so vergnügt, wenn ich erfahre, daß mit einem von meinen Glücksbeförderern auf Erden die anges nehmste Veränderung vorgegangen, in der er mir 121 nur desto mehr Gutes erzeigen kann und wird. Göttlicher Jesus, du bist mir mehr geworden, und wirst mir ewig mehr sein, als die besten Menschen mir waren, und werden können! Laß mich nie so vergeßlich oder undankbar werden, daß deine Auferstehung mein Herz nicht rührte, oder nur immer schwache unthätige Freude darin erzeugte. Es fließe heut und allezeit vor Freude über, wenn sich meine Andacht mit ihr beschäftiget. Du stiegst vom Kreuze nicht herab, wie deine schnöden Feinde von dir forderten. Aber wie viel herrlicher war deine Auferstehung, als das plötzliche Losheften vom Kreuze gewesen wäre! So mußte sichs offenbaren, daß es nicht Unvermögen dich zu retten war, wenn ihre Aufforderung unerfüllt blieb. Und so will ich denn dir, dem alle Gewalt im Himmel und Erden übergeben ist, in freudigem Glauben an deine Auferstehung zuversichtlich vertrauen. Thust du gleich nicht, was thörichte und boshafte Menschen, oder auch deine unverständigen Kinder so oft von dir erwarten und bitten: so weiß und glaube ich doch, 122 daß deine Auferstehung versichert mich's du es aus weiser Liebe nicht thust. Dir ist nichts unmöglich; und ich hoffe darauf, daß du an mir und an der ganzen Welt deine allmächtige Liebe desto herrlicher offenbaren werdest, wenn und so bald es mein Bestes und die allgemeine Wohlfahrt erfordert. - - Was mir von dir und deinem Vater zugesaget worden ist, das wird zu seiner Zeit unausbleiblich in Erfüllung gehen. Selbst mein Wiederaufleben nach dem Tode, das du mich hoffen lehrtest, kann keine eitle Hoffnung sein. Gottes Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiß. Voll freudigen Glaubens an deine Auferstehung, seh' und geh' ich der Vollendung alles dessen entgegen, was Gott an mir und mit mir zu thun und vorzunehmen verheißen hat. Wie genau und getreulich ward erfüllet, was du deinen Freunden von deiner Auferstehung vorher gesagt hattest. So unglaublich sie ihnen und der ganzen Welt war sie erfolgte doch. Theuerster Jesu, so wird alles erfolgen, was 123 mich dein Wort und deine Zusage erwarten heißt! Welch einen erwünschten Fortgang erhielt jetzt deine Sache, da bei deiner Kreuzigung, jum Frohlocken deiner Feinde, und zum Schmerz deiner Freunde, alles zernichtet zu sein schien, was du vorhattest! Lehre, leite, stärke mich, voll freudigen Glaubens an deine Auferstehung, allem dem mit dem redlichsten Fleiß nachzudenken, und nachzustreben, was Gottes, und deine Sache was wahr, und recht, und gut, was zu meiner und zu meiner Nebenmenschen Glücks seligkeit dienlich und behülflich ist. So will ich nicht muthloß und träge werden, oder das angefangene gute Werk völlig aufgeben, wenn sich mir mancherlei Hindernisse entgegen setzen, und übelgesinnte Menschen mir widerstreben. So will ich getrost und eifrig fortfahren in allem, was dein Wille und mein Beruf in der Welt von mir fordert, wenn es auch das Ansehen gewinnen sollte, als ob meine unverdrossensten Bemühungen vergeblich wären und vereitelt würden. - 124 Schien's bei deinem Tode ja auch so zu gehen; und drei Tage darauf gewann alles eine andere Gestalt. Wie leicht, wie bald kannst du alles ändern, und allem unterbrochenen Guten forthelfen in deiner Welt. Darauf will ich's munter wagen, und nicht ermüden, bis alles vollbracht ist, wozu Gott mich bestimmt hat. Welch ein neues göttliches Licht verbreitet dieser herrliche Ausgang über alles, was du sagtest, thatest, und littest! Wie fest ruhet mein Glaube auf der Gewißheit dieser großen Begebenheit! Du selbst sagtest dein Wiedererwachen vom Tode, zum Beweise von der Göttlichkeit und Sendung deiner Lehre, deinen Jün gern voraus, und gabst ihnen dieß nahe Wiedersehen zum Unterpfand eines ewigen Zusammenlebens an. Wäre diese Erwartung unerfüllt geblieben, ach, wie würde ihr Glaube gefunken, selbst ihre Achtung und Liebe gegen dich geschwächt worden sein! Aber nun wurden sie, auf eine sonst ganz unerklärbare Weise darin bestärket! Jener Eifer, mit welchem sie gerade die Lehre - 125 von deiner Auferstehung, welche allen übrigen erst das höchste Gewicht beilegte, überall verbreiteten; die Liebe und das Vertrauen, mit welchem sie dir von nun an erst vollkommen anhingen, die ihrem verherrlichten Freund, Lehrer und Herrn die Entschlossenheit, mit welcher sie, ohne denkbare irdische Vortheile, alles auf opferten, den größten Beschwerden, Gefahren und Martern, dem Tode selbst entgegen gingen: dieß alles konnte nur die Wirkung einer über allen Zweifel erhabenen Gewißheit sein. Voll freudigen Glaubens an deine Aufer stehung lebe und sterbe ich dann auf deine göttliche Lehre. Dafür hast du sie erklärt, und deine Erklärung kann nicht falsch sein. Dein Vater, der uns, seine Kinder, nicht selbst zum Irrthum verführen kann, würde dich nicht vom Tode auferweckt haben, wie du vorher verkündigtest, wenn ein betrügliches Wort aus deinem Munde gegangen, und deine Lehre bloße Menschenlehre gewesen wäre. Heilig sei sie mir als die wahr. haftigste Gotteslehre! Sie verdient meine ganze - 126 Ehrfurcht, meine glaubigste Annahme, meine uneingeschränkteste Folgsamkeit. Dieß alles weih ich ihr heute aufs neue! Mit freudigem Glauben an deine Auferstehung widersage ich heute allem Bösen feierlicher als bei meiner Taufe. Sollt' ich ein so großes übel thun, und im Angesicht meines vom Tod um der Sünde willen auferstandenen, und im Himmel auf mich sehenden Erlösers in irgend eine vorsegliche Sünde willigen? Sollt' ich im Kampfe gegen sie, beim ersten mißlungenen Versuche, alles verloren geben und unterliegen, und dir, auferstandener Erlöser! die Schmach anthun, als wenn du noch am Kreuze hingest, und der Glaube an dich mich nicht stärken könnte zum Sieg wider die Sünde? Durch dich, der mich mächtig macht, vermag ich alles Gute, bei aller meiner Schwachheit; und mit wie viel Muth kann ich in einem neuen Leben wandeln, da deine Auferstehung mich an meine ehemaligen Sünden ohne Kleinmüthigkeit zurückdenken läßt! Du bist um meiner Rechtfertigung willen. auferweckt. Deine Auferstehung ist das Siegel und Zeichen der Vollgültigkeit deines Todes zur Be 127 gnadigung der ganzen Welt. So will ich mein Gewissen beruhigen, ohne es einzuschläfern! Voll freudigen Glaubens an deine Auferstehung, darf ich nun auch den Tod, jetzt beim Angedenken an ihn, und wenn er sich künftig mir nähern wird, nicht ängstlich fürchten. Du kehrteſt nach deinem Tode ins Leben zurück. Soll ich, dein Freund, denn auf ewig zernichtet werden, wenn ich sterbe? Soll es denn umsonst sein, daß ich an dich geglaubt, und auf dich gehoffet habe? Du lebst, soll ich nicht auch leben? Du hast's gesagt: ,, Von mir kommt Auferstehung und Leben. Wer an mich glaubet, der wird leben, ob er gleich stürbe." Soll ich deinem Worte nicht glauben, du Auferstandener von den Todten? Oder wem mehr als dir? Nein, der Glaube an deine Auferstehung sei in meinem Herzen so ge wiß und kräftig, daß ich durch ihn alle bange Zweifel und Furcht, die der Gedanke und der Anblick des Todes in meinem Herzen erregen will, besiege, und in meinen letzten Stunden noch 128 frohlocken könne: Der Tod ist gänzlich ver schlungen und vertilgt. Tod! wo ist dein Stachel? Grab, wo ist dein Triumph?"- Gott sei ge dankt, der mir den Sieg verliehen hat, durch Jesum Christum unsern Herrn! Amen. Trostgebet in Kummer und Leiden. Gott! du siehst meine Noth. Dir sei sie ges klagt, mein Vater! Nicht um es dir erst zu sagen, und dich durch meine Wehklage zum Mitleiden zu bewegen sondern mein Herz zu erleichtern, und es im Vertrauen auf dich zu beruhigen. Du weißt ja alles; ohne deinen Willen geschieht nichts, und was du willst, ist allzeit das Beste. So viele Beweise und Erfahrungen deiner Liebe lassen mich nicht zweifeln, daß du alles mit mir wohl meinst, und wohl machst. -- Du kannst kein Wohlgefallen daran haben, dein Geschöpf leiden zu sehen, du würdest mich gern damit verschonen, und mir lauter Vergnügen machen, wenn es möglich, wenn es mir 129 nüße wäre. Aber du weißt besser, was mir heilsam ist, als ich. Du leitest mein Schicksal mit weiser, liebender Hand, und führst am Ende gewiß alles aufs Beste hinaus. Dieß kann ich dir sicher zutrauen, mein Gott und Vater! Wie du bisher für mich geforget hast, so wirst du auch ferner für mich sorgen. vor: uns zum Jede Trübsal, die du über uns kommen lassest, hat gewiß allzeit eine wohlthätige Absicht, wenn wir sie auch nicht deutlich einsehen. Du willst uns zur Erkenntniß und Besserung bringen, sichtiger und bescheidener machen, Fleiß, zur Ordnung und Thätigkeit anhalten, Geduld, Mäßigung und Genügsamkeit lehren, unsern bösen Lüsten, unserm Leichtsinn und Übermuth Einhalt thun. Du willst unsere Herzen zur Sanftmuth, zum Mitleid, zu mildern und edlern Gesinnungen bilden uns auf diesem Wege zur Tugend, zur Vollkommenheit, zur Seligkeit führen. Wenn du wehe thust, willst du heilen, und wenn du nimmst oder versagst, gibst du weit mehr dafür. - - - 9 - 130 Ich habe der guten Stunden und Tage so viele erlebt, des Vergnügens in deiner Welt so viel genossen. Ich erkannte es aber nicht, dankte dir nicht genug, mein Gott! und vergaß deiner oft, mitten im Genusse deiner Gaben. Ja ich mißbrauchte sie wohl gar undankbar, zu meinem und anderer Verderben. Entziehst du sie mir, so geschieht es, um sie mich schätzen und recht gebrauchen zu lehren; und um meine Freude zu erhöhen, wenn ich sie einst wieder aus deiner Hand erhalten sollte. Nicht über dich, o Gott! dürfen wir murren; wir selbst sind an dem größten Theil unsrer Leiden Schuld. Du warnest uns väterlich durch deine guten Gebote. Wir achten nicht darauf, und übertreten sie leichtsinnig. So müssen wir dann unsere Thorheiten büßen, und durch Schaden klug werden. Auch dieß ist Wohlthat, Vater! wenn du uns fühlen lassest, daß wir gesündigt haben. So bewahrest du uns vor größerm Unglück. Die Trübsal ist ein heilsames Zuchtmittel in deiner Hand; du würdest uns weniger lieben, wenn du es weniger brauchtest. 131 Auch ich habe gesündiget und Strafe vers schuldet. Mit Demuth küsse ich die Vaterhand, die mich züchtigt, zur Warnung und Besserung. Ferne von mir sei empörendes Murren, vergeb liches Klagen und Zagen. Thorheit und Frevel wäre es, mich dir widersetzen zu wollen. Durch Unmuth und Ungeduld würde ich mich erst ganz unglücklich machen.-Nein, benützen will ich die Trübfal nach deiner Absicht, und die Mittel anwenden, die deine Vorsehung mir darreicht, mich gegen dieß, oder ein noch größeres Übel zu schüßen, und zu bewahren, so gut ich kann. So will ich mir meine Last erleichtern, und Gutes aus dem Übel ziehen. Hätt' ich mir bei meinem gegenwärtigen Leiden wirklich nichts vorzuwerfen! litte ich ganz un schuldig: welch ein Trost wäre mir dieß, wie selig wäre ich! Dann würde ich dir ähnlich, mein göttlicher Heiland! Ich litte als Christ, und ginge den Weg, auf welchem du in deine Herrlichkeit eingingst, und auf welchem du alle Guten 9* 182 und Edeln zur Vollkommenheit und Seligkeit führst. So ergebe ich mich nun mit stiller Gelassenheit deiner weisen, allzeit gnädigen Führung, o Gott! Wenn ich dir kindlich gehorche, so kann ich sicher auf dich vertrauen. Vor dir lege ich meinen Kummer nieder. Herr, ich bin in deiner Hand! Wohl mir, daß ich es bin. Nun heitere dich auf, meine Seele! werde ruhig, mein Herz! Gott ist mein Vater! Jesus mein Freund! Getrost sehe ich der bessern Zukunft entgegen, und freue mich des seligen Ausgangs aller überstandenen Leiden, die bald in desto größere, ewige Freuden übergehen werden. Hier bete ich, o Gott! deine Vorsehung in Demuth und Vertrauen an. Einst werde ich mit frohem Dank, auch für meine Leiden, dich preis sen. Amen! 133 Wenn man Feinde hat, verfolgt, gekränkt und verleumdet wird. Vater! du willst, daß deine Kinder mit einander in Fried und Eintracht leben, sich ver. tragen und lieben sollen. Und wie glücklich wären sie dann; wie viele Unruhe und Plage ersparten sie sich! Es schmerzt mich, Feinde zu haben. Ich will mein Herz darüber prüfen, und es zu bes ruhigen suchen. Vielleicht ist der Feind und das Unrecht, das er mir angethan haben soll, mehr in meiner Einbildung, als wirklich vorhanden. Vielleicht gebe ich leeren Klatschereien zu viel Gehör. Vielleicht war es nur ein in der Hitze entfahrenes Wort, nur ein unvorsichtiger Scherz, nur Übereilung, Irrung, Mißverstand; nicht vorsetzliche Bosheit, was mich kränkt und beleidigt. Wie oft hatte auch ich schon Ursache, meine Unbesonnenheit zu bereuen, und mit der Entschuldigung, daß es so böse nicht gemeint war, um Nachsicht und Ver 134 gebung zu bitten. Warum bin ich nun so sehr empfindlich, wenn ich mich angegriffen glaube? Warum nehme ich alles so hoch auf, und vergrößere alles? Wie ich mich beurtheilt wünsche, so soll ich auch von andern denken. Bin ich, was ich von andern fordere, nicht auch ihnen schuldig? Sollte es mir denn so befremdend sein, daß Menschen, bei so unendlich mannigfaltiger Verschie denheit der Gemüthsarten und Gesinnungen, der Temperamente und Neigungen, der Bedürfnisse und Verbindungen- oft einander stoßen? Ist es anders möglich? Jeder sucht und behauptet das Seinige, jeder glaubt, Recht zu haben. So entstehen Mißverständnisse, Erbitterungen, Feindseligkeiten. Der Weise, der Christ bleibt gelassen- und gewinnt dadurch. Und habe ich nicht vielmehr mir selbst Vorwürfe zu machen, als andern? Gebe ich mich nicht selbst der Tadelsucht bloß? Sollen denn meine Nebenmenschen meine Fehler nicht sehen, mich nicht darnach beurtheilen und behandeln? 135 Kann ich ihnen Mund und Augen verschließen, oder Hochachtung fordern, die ich nicht verdiene? Die Schmähsucht bleibt nicht bei der Wahrheit; macht aus dem Fehltritt ein Verbrechen; vergrößert alles und verbreitet es. Aber sie muß doch etwas Wahres zum Grunde haben. Wenn ich mich des Lasters nicht schuldig weiß, war ich nicht wenigstens leichtsinnig, nicht unbesonnen? Habe ich mir nicht selbst Feinde gemacht, durch Stolz und Eitelkeit? durch eigensinniges, übellaunichtes Betragen? Habe ich nicht auch andere beleidigt und zur Rache gereizt? Bin ich nicht selbst der Tadelsucht ergeben? Nun empfinde ich, was ich andere empfinden ließ wie es schmerzt, mißkannt - und mißhandelt zu werden. Gott, du bist gerecht! Es ist billig, heilsam, was ich leide. Weise ist deine Einrichtung, daß Thorheit und Sünde durch Beschämung bestrafet werden. Meine Ehrliebe soll mich davon zurückhalten, und ein steter Antrieb für mich sein zu allem, was recht und gut und edel ist. Durch 136 bittere Erfahrung soll ich doch einmal klug und vorsichtig werden; sie soll mich Schonung und Duldsamkeit gegen andere lehren, deren ich selbst so sehr bedarf. Ich will meine Feinde und Tadler als meine Wohlthäter ansehen. Die Strenge, mit welcher sie alles an mir bemerken, beurtheilen und bestrafen, soll mich aufmerksam und vorsichtig machen. Sie schonen meiner Empfindlichkeit nicht, wie meine Freunde, und sagen mir Wahrheiten, die mir zwar bitter, aber nützlich sind, die ich vorher entweder nie wußte, oder nicht bedachte. Sie decken meine Fehler und Mängel auf, und nöthigen mich, sie zu verbessern. Meine künftige Aufführung soll sie schweigen machen. So wird mir aus dem Übel Gutes entstehen! So wen dest du alles an, o mein Gott! mich zur Selbsterkenntniß, zur Besserung zu bringen. Wenn ich diesmal unschuldig leide, so liegt eben darin Trost und Glück für mich! Wenn es wahr wäre, was die Verleumdung von mir aus sagt: dann hätte ich Ursache zu seufzen. - 137 Aber bin ich denn auch unschuldig vor dir, o Gott! O wüßten die Menschen, was allein dir bekannt ist, wie beschämt stände ich da! Meine Verleumder kennen mich noch nicht recht, nicht ganz. Was würden sie erst von mir sagen, wenn sie die ganze Geschichte meines Herzens und Lebens wüßten! Du allein, o Jesu! konntest sagen: Wer mag mich einer Sünde zeihen? Und wer wurde mehr verleumdet, geschmähet, mißhandelt, als du? Du wurdest verfolgt, der Wahrheit und des Wohlthuns wegen. Du priesest diejenigen selig, die um der Gerechtigkeit willen, für Pflicht und Tugend leiden werden. O wäre ich dieser Seligteit werth! Wenn mein Herz mich nicht verdammt; wenn ich mir der Redlichkeit meiner Absichten, und der Rechtschaffenheit meines Betragens bewußt bin; wenn ich mich vor dir, Heiligster! nicht scheuen darf: so kann ich mit Zuversicht meinen Feinden und Verleumdern unter die Augen treten, und getrost zu dir aufsehen. Allwissender! du bist 138 mein Zeuge, mein Richter, mein Freund und Beschützer! Dir stelle ich meine Sache heim! du wirst die Wahrheit ans Licht bringen, und die Unschuld nicht unterdrücken lassen. Je mehr sie jetzt verkannt wird, desto herrlicher wird einst ihr Sieg sein. Bater, verzeih ihnen, sie wissen nicht, was sie thun. Irrung und Mißverstand ist's, was sie wider mich aufreizt, und in Bewegung setzt. Wenn einst alle unsere Einsichten vollkommener geworden sein, und die Nebel der Sinnlichkeit, die uns hier das Licht der reinen Wahrheit fo oft verhalten, sich verzogen haben werden: dann werden wir uns besser kennen, und als Brüder umarmen. Dort wird alle 3wietracht aufhören; lauter Friede und die schönste Zusammenstimmung herrschen. In jenem seligen Leben hoffe ich auch meine Widersacher zu finden, sie ewig zu lieben, und von ihnen geliebt zu werden. So will ich also schon jetzt anfangen, Liebe gegen sie in mein Herz zu pflanzen. Ich will ertragen, ausweichen, verzeihen; ich will mich nicht anders, als durch 139 Stillschweigen, Sanftmuth und Wohlthun rächen. Wie ich von Herzen wünsche, daß sich meine Nebenmenschen gegen mich verhalten möchten, wenn ich so unglücklich bin, mich gegen sie zu verfehlen: so will ich gegen sie gesinnt sein und handeln, wenn ich von ihnen beleidigt zu sein glaube. Ja noch mehr- wie ich bei der Menge meiner Vergehungen auf deine väterliche Nachsicht und Schonung hoffe: so will ich, als dein dir nachartendes Kind, auch meinem Feind ein Herz voll Liebe entgegen bringen, damit ich nie mit Widerspruch meines Gewissens beten möge: Bater, verzeihe mir, gleich wie ich verziehen habe! Amen. Gebet in Krankheit. Wie viele Tage habe ich munter und gesund durchlebt; aber wie wenig habe ich es bedacht, welch eine große Wohlthat Munterkeit und Ge sundheit sei! Jetzt, jetzt erkenne ich es. Hätte ich doch in meinen gesunden Tagen 140 daran gedacht, daß ich krank werden kann; so würde ich oft besser auf mich Acht gegeben, und meine Zeit nützlicher angewendet haben. Ich kann die Zeit meiner Krankheit nicht bess ser, als zum Nachdenken über mich selbst an wenden, damit ich meine Fehler erkennen lerne, um sie künftig, wenn ich wieder gesund werden sollte, zu vermeiden, vorsichtiger zu wandeln, und ein besserer Mensch zu werden. Beson ders will ich mich vor Ungeduld und Murren hüten, wodurch ich ja mein Leiden nicht verringern, sondern nur vermehren würde. Bei dir, o Gott! steht meine Hülfe; aber ich kann sie dir nicht abdringen. Mache es mit mir nach deiner weisen Güte! Es geschehe, was du für mich bestimmt hast. So sehr ich mir bals dige Genesung wünsche, so will ich doch nicht unzufrieden werden, wenn du beschlossen hast, mich noch länger zu prüfen. Alles, was du ordnest, ist weise und gut; selbst Leiden und Trübsal muß zu unserm Besten dienen. Gott! du schickest mir, da ich mir selbst nicht 141 helfen kann, gute Menschen, die sich meiner an nehmen. Ich will sie nicht durch Ungeduld und mürrisches Betragen verdrießlich machen, sondern vielmehr die guten Dienste, die sie mir beweisen, mit Dank erkennen, und bedenken, um wie viel elender ich sein würde, wenn sie mir ihre Liebesdienste entziehen wollten. Sei du ihnen für alles, was sie an mir thun, der reiche Vergelter! Auch darin, o Gott! hast du deine väterliche Fürsorge für uns Menschen bewiesen, daß du so viele heilsame Mittel bereitet hast, die Kranks heiten zu heilen, und unsere Gesundheit wieder herzustellen. Du bist es, der den Menschen Verstand gegeben hat, diese Mittel aufzusuchen, und nüßlich zu gebrauchen. Segne auch an mir die Arzeneimittel, deren ich mich zu meiner Wiedergenesung bediene. Vielleicht hast du es beschlossen, daß ich in dieser Krankheit sterben soll. Auch dieß will ich dir überlassen. Meine Zeit steht in deinen Händen. Mein Tod kann mir nicht unerwartet kommen; denn ich habe es ja immer gewußt, daß ich ge 142 wiß sterben werde, und daß die Zeit und Stunde meines Todes ungewiß ist. Aber wie könnte ich's vor dir verhehlen, mein Vater! daß ich gerne länger leben möchte. Unmöglich kann dir, der du selbst die Liebe zum Leben mir eingepflanzt hast, dieser Wunsch mißfallen. Aber ich bitte doch nicht unbedingt um langeres Leben, weil ich nicht weiß, ob es mir heilsam sein würde. Du weißt es, und wirst mir gewiß wieder zu meiner vorigen Gesundheit helfen, wenn es mir gut ist. Stärke mich zur Entschlossenheit, beides, Leben oder Tod, aus deiner Vaterhand mit Dank und Ergebung anzunehmen. Dein heiliger Wille geschehe! Wenn das heil. Sakrament einem Kranken überbracht wird. O Jesu! wie du einst umher zogst, die Kranken zu heilen, die Irrenden aufzusuchen, die Sünder selig zu machen, Gutes zu thun, und Segen zu verbreiten; so such est du uns noch 143 mit erbarmender Liebe in unsern Hütten, auf unferm Krankenbette heim, und erfreuest uns mit deiner unsichtbaren Gegenwart. So laß denn auch unsern kranken Mitchristen deine große Gnade erfahren; das Sakrament deines Leibes und Blutes sei ihm eine kräftige Seelenstärkung, und das Unterpfand des ewigen Lebens. Labe ihn mit deinem mächtigen Troste, stärke ihn zur Geduld, zur Standhaftigkeit und stillen Gottergebung! Befestige ihn im Glauben und Vertrauen, lindere dadurch seine Schmerzen, beruhige sein Gemüth! Laß die Krankheit seines Leibes zur Genesung seiner Seele, und zu seiner desto größern Seligkeit gereichen, und seine Leiden, nach deiner weisen Güte, bald den besten Ausgang gewinnen.- Aber uns, o Gott! lehre der Anblick unsers Frank liegenden Bruders unsere Gesundheit schätzen, unsere Kräfte anwenden, und Gutes thun, so lang und so viel wir können. Sollten wir nicht gerne kleine Un gemächlichkeiten und Beschwerden gelassen ertragen, und armen Kranken nach unserm Ver- 144 mögen so beistehen, wie wir es wünschten, wenn wir an ihrer Stelle wären? Jetzt bei gesundem Leibe wollen wir ans Krankenbett denken, duls den lernen, und uns vorbereiten auf jenen ent scheidenden Kampf. Herr stärke uns! Amen. Wenn die Sterbglocke geläutet wird. Fahre nun hin, christliche Seele! in deine bessere Heimath zu deinem himmlischen Vater- zu deinem theuren Erlöser. Empfange deinen Lohn aus der Hand deines Herrn! Ruhe nun aus von aller Mühe und Plage! O wie sanft ist die Ruhe dem Müden! Selig, wer ausharrt bis ans Ende! Er freuet sich der überstandenen Beschwerden und Leiden, der vollbrachten Arbeit und Pflicht; sieht den Himmel offen, und seinen Heiland mit seinen Heiligen, bereit, ihn zu em pfangen! - Was ist dem Sterbenden alles, was er hatte und war in der Welt, was er litt und genoß? - Nur das Andenken davon nimmt er mit sich 145 hinüber; nur seine Thaten begleiten ihn, und entscheiden sein Schicksal auf ewig. Schrecklich, verzweiflungsvoll ist der Tod des - ungebesserten Sünders! Ich werde sterben, wie ich gelebt haben werde! Wie wird mir einst dort zu Muthe sein! Was werde ich bereuen und wünschen? Was wird mich dort ängsten, oder beruhigen können? So muß ich mich nun jetzt von allem los machen, was mir das Sterben schwer oder schreckhaft machen könnte- da ich noch Zeit habe, vollbringen, was ich dort gethan zu haben wünschen würde. Einer nach dem andern muß fort. Die Sterbglocke erinnert mich, daß die Reihe auch mich treffen wird, und daß ich keine Stunde sicher bin. Mein ganzes Leben sei Vorbereitung auf einen guten Tod, und auf eine ewige Seligkeit. Amen. - - 10 146 Angedenken an die Verstorbenen. Gott! du willst, daß deine Kinder sich brüderlich lieben, und es gefällt dir, wenn wir. auf Erden für einander bitten. Unsere Liebe darf nicht aufhören, wenn uns der Tod getrennt hat. Unser Gebet für die Verstorbenen kann dir nicht minder gefallen. Nein! nein! wir sind noch alle deine Kinder, alle Glieder eines Leibes, davon Christus das Oberhaupt ist. Der Tod oder der Ort unsers Aufenthalts zerreißt die Bande nicht, womit uns Natur und Religion unter einander verbinden. Wir dürfen unsere abgeschiedenen Eltern, Freunde und Brüder nicht vergessen; sie bleiben uns lieb und werth, wenn wir sie auch nicht mehr sehen. O könnten wir ihnen unsere Liebe auch so erweisen, als wenn sie unter uns noch lebten! Nun wenden wir uns also an dich, o Gott! der du sie mehr liebst als wir; und mehr thust, als wir bitten und verstehen. Wir wissen nicht, 147 in welchem Zustande sie sich befinden; wie du sie von ihren etwa noch anklebenden Fehlern und Mängeln reinigest, sie besserst und veredelst, und zur vollkommenen Seligkeit bereitest. Wir wissen aber, daß du Vater bist, der alles mit seinen Kindern wohl macht; der nicht Lust hat, sie zu quälen; nur prüfen und bessern will, um desto höher zu beglücken. Selbst deine Gerechtigkeit ist weise Güte. In Demuth verehren wir dein heiliges Urtheil. Weit entfernt, deiner Fürsehung vorgreifen zu wollen, sagen wir nur, was unsere Liebe wünscht, und unser Glaube hofft. Dieses Gebet, das uns zugleich selbst so beruhigend ist, wirst du, Gott der Liebe, nicht verschmähen. Sie haben ihre Wanderschaft auf Erden voll bracht; sie sind schon näher bei dir; deiner Vaterliebe, die sie bis dahin geleitet hat, empfehlen wir sie. Erfülle ihr schmachtendes Sehnen; mildere ihren Schmerz durch himmlischen Trost; erleichtere ihre Beschwerden, stärke, erquicke sie befreie sie endlich, und vollende sie ganz. Führe sie, nach überstandener Prüfung, zu desto * 10* 148 größerer, ewiger Freude, zu vollen Genuß deiner Jesu, zeige dich ihnen als ihren Liebe. Erlöser und Seligmacher! - Uns Lebenden aber werde das Andenken an die Todten lerreich und heilsam.- Heiliger Gott! Wer ist rein vor dir! Wenn der Gerechte erst nach langer Prüfung selig wird: wie wird es dem leichtfertigen Sünder ergehen!- Wie ganz anders werden mir dort viele Vergehungen vorkommen, die ich jetzt als Kleinig keiten ansehe, und mir so leicht verzeihe, oder mir selbst zu verbergen suche. Dort werde ich sie in ihrer wahren Gestalt und Größe erkennen, und die langwierigen traurigen Folgen davon empfinden. Ach! wie werde ich dann meinen. Leichtsinn bereuen! Wie viel Mängel werde ich in meinen eingebildeten Tugenden entdecken, wenn du, Gott! die eiteln Absichten, die fehlerhafte träge Ausübung meiner wenigen guten Werke richten wirst! Führe mich, o Herr! zur Erkenntniß, damit ich nun, da ich noch Zeit habe, zu verbessern suche, was ich einst zu spät - - 149 bereuen würde. Nimm mich jetzt in deine Zucht, o Vater! reinige mich hier, damit ich einst an meiner Seligkeit nicht gehindert werde. Laß mich hier büßen, damit du dort meiner schonen mögest. Willig unterwerfe ich mich deiner züchtigenden Vaterhand, die mich zur Besserung und Seligkeit führen will. - Die Todten stehen in deiner Hand, o Herr! - Sollte sich meine mitleidige Liebe bloß durch fromme Wünsche und Fürbitten für die armen Teelen erweisen, und darüber der lebenden Armen vergessen? Diese stehen vor mir, und machen noch näher Anspruch auf mein mitleidiges Herz. Da kann, da muß ich helfen; dieß ist dein ausdrückliches Gebot. Weise Hülfleistung kann mich zugleich in den Stand setzen, auch die Seelen der Nothleidenden zu retten. Und so darf ich dann hoffen, daß dir mein Gebet gefallen, und auch mir Barmherzigkeit zu Theil werden wird, die den Barmherzigen verheißen ist. - 150 Beim Tod unserer Geliebten. Gott! es hat dir gefallen, unsern lieben.... zu dir zu nehmen. Wir empfindén jetzt, was wir daran verloren haben. Diese Trennung thut un serm Herzen weh. Du hast Nachsicht, Vater! mit unserer Schwachheit. Du willst nicht, daß wir beim Scheiden der Unsrigen unempfindlich bleiben, oder unsern Schmerz gewaltsam unterdrücken sollen. Sie können dir nicht mißfallen die Thränen der Freundschaft, der Wehmuth, der dankbaren Liebe. Wir murren nicht, indem wir weinen. Wir verehren deine allezeit weisen und guten Anordnungen, und ergeben uns mit kindlichem Herzen deinem heiligen Willen. Alles, was du thust, ist wohlgethan. Du Bater! kannſt und wirst immer für uns sorgen, und uns den Verlust vielfältig ersetzen. Stärke unsern Glauben. - Wir dürfen beim Tode der Unfrigen nicht trostlos jammern und zagen, wie Menschen, die keine Hoffnung haben. Es stirbt nur der Leib, 151 der uns seiner Gebrechlichkeit wegen ohnehin endlich zur Last wird. Die Seele des Frommen geht zu dir, ihrem Vater über, und findet dort für alles, was er hier verläßt, reichen Ersatz. So schön diese Welt ist, so viel Gutes wir schon auf unserer Pilgerreise genießen: so ist doch alles mit dem, was wir dort zu hoffen haben, nicht in Vergleich zu sehen. Auch die theure Seele, die sich jetzt von uns geschieden hat, hat einst die Freuden dieser Welt genossen; nun bedarf sie ihrer und unser nicht mehr. Sie ist nun auch von den Leiden und Gefahren dieses Erdenlebens befreiet, und wünschet sich kaum wohl mehr zurück. Sie steht in deiner Hand, o Gott! Unsere Liebe darf das Urtheil über sie nicht sprechen. Du sprichst es, der du sie mehr liebtest, als wir; und dein Urtheil ist das gerechteste. Sollten wir unsern frommen Freunden die Ruhe nicht gönnen? Sollten wir uns nicht freuen, daß sie's überstanden, und nun besser haben; daß sie früher ans Ziel gelangten; daß sie bei dir sind, o Gott!- 152 Wie lieb und werth soll uns das Christenthum sein, das uns so viel Licht und Trost er theilt! uns in Kummer und Leiden so heitere Aussichten öffnet! Der Glaube, der uns so erfreuliche Hoffnungen gibt, leite und veredle unsere Liebe; und sei die Nichtschnur unsers Trachtens und Verhaltens. Die Betrachtung des Grabes unserer Freunde ermuntere und stärke uns, die Beschwerden dieses Lebens standhaft zu überwinden, und es zur Vorbereitung auf jenes bessere ewige Wohl anzuwenden. So wird uns sogar die Kürze und Vergänglichkeit desselben Gewinn sein. Wir ge= langen dadurch desto eher dorthin, wo wir im Hause unsers Vaters unsere frommen Geliebten wieder finden, und in ewiger Liebe und Freude genießen werden. Amen. Für verstorbene Eltern, Wohlthäter und Freunde. du reicher Belohner alles Guten, der du keinen mit Liebe gereichten Trunk Wasser unbelohnt läsfest, vergilt ihnen alle ihre Liebe und Freundschaft ewiglich. Erfreue sie durch den immerfort währenden Nutzen und Segen ihrer Sorgfalt und Wohlthätigkeit.- Verzeihe ihnen, was sie aus menschlicher Schwachheit vielleicht aus zu zärtlicher Liebe gegen mich- verfehlt, unrecht gethan, oder versäumet haben, und gib es mir in den Sinn, wenn ich noch etwas davon verbessern kann!— Ihr aber, ihr werthen theuren Seelen! empfanget noch über dem Grabe meinen herzlichsten Dank für alles, was ihr auch mir zu lieb gethan gelitten hinterlassen habt.- Ihr sollt eure Wohlthaten an keinen Undankbaren verwendet haben. Ich will das Gute, das ich von euch empfangen habe, auch gut anwenden, und Gutes thun, wie ihr mir gethan habt.- Eure - 1 - 153 - - 154 guten Lehren und Beispiele, eure Befehle und Ermahnungen sollen mir unvergeßlich sein! Wie könnt' ich eurer vergessen, da mich so vieles um mich her an euch erinnert! Vergesſet ihr ja auch meiner nicht. O gewiß, ihr habt eure Liebe zu mir mit euch hinübergenommen. Um dieser werth zu sein, will ich mich der Tugend und Rechtschaffenheit befleißen, damit ich mich einst eures Wiedersehens freuen und in ewiger Seligkeit eurer Liebe genießen möge! Litanei von allen Heiligen, und Gebete, wie selbe täglich, nur Samstag und Frauentage ausgenommen, bei dem nachmittägigen Gottesdienste mit lauter Stimme unter Beantwortung des Volkes zu beten sind. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! 155 Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unfer! Gott heiliger Geist, erbarme dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme dich unser! Heilige Maria, Heilige Gottes Gebärerin, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Heiliger Michael, Heiliger Gabriel, Heiliger Raphael, Alle heilige Engeln und Erzengeln, bittet für uns! bitt' für uns! Alle heiligen Chöre der seligen Geister, bittet für uns! Heiliger Johannes der Täufer, bitt' für uns! Heiliger Joseph, bitt' für uns! Alle heilige Patriarchen und Propheten, bittet für uns! Heiliger Peter, bitt' für uns! 156 Heiliger Paulus, Heiliger Andreas, Heiliger Jakob, Heiliger Johannes, Heiliger Thomas, Heiliger Jakob, Heiliger Philipp, Heiliger Bartholomäus, Heiliger Matthäus, Heiliger Simon, Heiliger Thaddäus, Heiliger Mathias, Heiliger Barnabas, Heiliger Lukas, Heiliger Markus, Alle heiligen Apostel und Evangelisten, bittet für uns! Alle heilige Jünger des Herrn, bittet für uns! Alle heilige unschuldige Kinder, bittet für uns! Heiliger Stephan, bitt' für uns! Heiliger Laurentius, bitt' für uns! Heiliger Vinzenz, bitt' für uns! 13 bitt' für uns! 157 Heiliger Fabian und Sebastian, bittet für uns! Heiliger Johann und Paul, bittet für uns! Heiliger Kosma und Damian, bittet für uns! Heiliger Gervasius und Protasius, bittet für uns! Alle heilige Märterer, bittet für uns! Heiliger Sylvester, Heiliger Gregorius, Heiliger Ambrosius, Heiliger Augustinus, Heiliger Hieronymus, Heiliger Martin, Heiliger Nikolaus, bitt' für uns! Alle heilige Bischöfe und Beichtiger, bittet für uns! Alle heilige Lehrer, bittet für uns! Heiliger Antonius, Heiliger Benedikt, Heiliger Bernhard, Heiliger Dominikus, Heiliger Franziskus, Alle heilige Priester und Leviten, bittet für uns! bitt' für uns! 158 Alle heilige Mönche und Einsiedler, bittet für uns! Heilige Maria Magdalena, Heilige Agatha, Heilige Lucia, bitt' für uns! Heilige Agnes, Heilige Cäcilia, Heilige Katharina, Heilige Anastasia, Alle heilige Jungfrauen und Witwen, bittet für uns! Alle Heilige Gottes, bittet für uns! Sei uns gnädig, verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Herr! Von allem Übel, Von aller Sünde, Von deinem Zorne, Vom jähen und unversehenen Tode, Von den Nachstellungen des Teufels, Bom Zorn, Haß und allem bösen Willen, Von dem Geiste der Unlauterkeit, Von Blitz und Ungewitter, erlöse uns, o Herr! Von Pest, Hunger und Krieg, Von dem ewigen Tode, Durch das Geheimniß deiner heiligen Menschwerdung, 159 Durch deine Ankunft, ..Durch deine Geburt, Durch deine Taufe und heilige Fasten, Durch dein Kreuz und Leiden, Durch deinen Tod und Begräbniß, Durch deine heilige Auferstehung, Durch deine wunderbarliche Auffahrt, Durch die Ankunft des heiligen Geistes, des Trösters, Am Tage des Gerichtes, Wir armen Sünder, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du unser verschonest, wir bitten dich, erhöre uns! erlöse uns, o Herr! Daß du uns verzeihest, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du uns zu wahrer Buße bringen wollest, wir bitten dich, erhöre uns! 160 Daß du deine heilige Kirche regieren und erhalten wollest, Daß du den apostolischen obersten Hirten und alle Stände der Kirche in deiner heiligen Religion erhalten wollest, Daß du die Feinde der heiligen Kirche demüthigen wollest, Daß du den christlichen Königen und Fürsten Frieden und wahre Einigkeit ge ben wollest, Daß du dem christlichen Volke Frieden und Einigkeit verleihen wollest, Daß du uns selbst in deinem heiligen Dienste erhalten wollest, Daß du unsere Gemüther zu himmlischen Begierden erhebest, Daß du alle unsere Gutthäter mit den ewigen Gütern belohnest, Daß du unsere und unserer Brüder Freunde und Gutthäter Seelen von der ewigen Verdammniß erledigest, Daß du die Früchte der Erde geben und erhalten wollest, wir bitten dich, erhöre uns! 161 Daß du allen abgestorbenen Christgläubigen die ewige Ruhe verleihen wollest, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du uns erhören wolleft, wir bitten dich, erhöre uns! O du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, verschone unser, o Herr! O du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Tünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches du hinnimmſt die Sünden der Welt, erbarme dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Vater unser ic. 11 162 Pfalm 69. O Gott, merke auf meine Hülfe! Herr! eile mir zu helfen! Schamroth und zu Schanden sollen werden, die meiner Seele nachstellen. Sie sollen zurück weichen und in Schanden stehen, die mir Übels wollen. Sie sollen bald schamroth abtreten, die mir sagen: da, da recht auf ihn! Aber alle, die dich suchen, sollen frohlocken und sich in dir erfreuen, und die dein Heil lieben, sollen immerdar sagen: Hochgelobet sei der Herr! Ich aber bin bedürftig und arm: o Gott! stehe mir bei. Denn du bist mein Helfer und Erlöser, o Herr! verweile nicht zu lange. Ehre sei dem Vater, und dem Sohne, und dem heiligen Geiste. Als er war im Anfange, jetzt und alleweg, und zu ewigen Zeiten. Amen. 163 V. Mache selig deine Diener, R. Die auf dich hoffen, mein Gott! V. Sei uns, Herr, ein starker Thurm! R. Wider unsere Feinde. V. Laß den Feind nichts vermögen wider uns; R. Und das Kind der Bosheit schade uns nicht. V. Herr, handle nicht mit uns nach unseren Sünden. R. Und vergelte uns nicht nach unseren Bosheiten. V. Lasset uns beten für unsern obersten Hirten N. R. Der Herr erhalte ihn, mache ihn leben, dig und selig auf Erden; und übergebe ihn nicht in die Hände seiner Feinde. V. Lasset uns bitten für unsere Wohlthäter. R. O Herr, du wollest allen unsern Wohlthätern um deines Namens willen das ewige Leben geben. V. Lasset uns beten für alle abgestorbenen Christgläubigen. 11. 164 R. Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. V. Laß sie ruhen in Frieden. R. Amen. V. Lasset uns auch beten für unsere abwesenden Brüder. R. O mein Gott! mache deine Diener selig, die auf dich hoffen. V. O Herr! sende ihnen Hülfe von den Heiligen. R. Und von Sion beschüße sie. V. Herr! erhöre mein Gebet. R. Und laffe mein Geschrei zu dir kommen. Gebet*). O Gott, dessen Eigenschaft ist sich allezeit erbarmen und verschonen, nimm an unser flehentliches Gebet; auf daß uns und alle deine Diener, *) Diese und nachstehende Gebete werden von dem Priester allein mit lauter Stimme vorgebetet 165 die wir mit Ketten der Sünden stark gebunden sind, die Erbarmung deiner Gütigkeit gnädig auflöſe. Wir bitten dich, o Herr; nimm an unfer demüthiges Gebet, und verschone derer, die ihre Sünden bekennen, auf daß wir zugleich Verzeihung und den Frieden nach deiner Güte erlangen. O Herr! erzeige uns gnädiglich deine unaus. sprechliche Barmherzigkeit, auf daß du uns zugleich von allen Sünden auflösest, und von der Strafe, die wir für solche verdienen, errettest. Gott! der du durch die Sünde beleidiget, und durch die Buße versöhnet wirst: siehe gnädiglich an das Gebet deines demüthigen Volkes, und wende ab die Geifel deines Grimmes, welche wir für unsere Cünden verdienen. Allmächtiger, ewiger Gott! erbarme dich deines Dieners N., unsers obersten Hirten, deines Statthalters auf Erden, und leite ihn nach deiner Milde auf dem Wege des ewigen Heils, damit er, durch deine Hülfe, was dir gefällig, begehre, und kräftigst vollbringe. 166 O Gott! von welchem die heiligen Begierden, gute Anschläge und gerechte Werke entspringen; gib deinen Dienern einen solchen Frieden, wel chen die Welt nicht geben kann, auf daß unsere Herzen deinen Geboten ergeben, und gegenwär tige Zeiten durch deinen Schutz von des Feindes Furcht versichert und friedsam sind. O Herr! entzünde unsere Nieren und Herzen mit dem Feuer deines Geistes, auf daß wir mit keuschem Leibe dir dienen, und mit reinem Herzen gefallen mögen. O Gott! ein Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen, verleihe den Seelen deiner Diener und Dienerinnen Verzeihung aller Sünden, auf daß sie die gnädige Nachlassung, welche sie allezeit gewünschet, durch die gottselige Fürbitte erlangen. O Herr! wir bitten, du wollest unserm Thun und Lassen mit deiner Gnade vorkommen, und selbe durch deine Hülfe fortsetzen, damit all unsere Gebete und Werke von dir jederzeit angefangen, und, durch dich angefangen, geendiget werden. 167 Allmächtiger, ewiger Gott! der du herrschest über die Lebendigen und die Todten, und dich aller erbarmest, welche du aus dem Glauben und Werken für die Deinen erkennest, wir bitten dich demüthiglich, daß die, für welche wir uns vorgenommen unser Gebet auszugießen, die entweder noch in dieser Welt im Leben, oder davon abgeschieden sind, durch die Fürbitte aller deiner Heiligen nach deiner Gütigkeit Verzeihung aller ihrer Sünden erlangen mögen. Durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, der mit dir lebet und regieret in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebet für den Landesfürsten. O Gott! du Beschützer aller Reiche und bes sonders des christlichen Kaiserthums, verleihe deinem Diener, unserem Kaiser N., daß er deine Macht, durch welche er sieget, erkenne und verehre, damit, weil er durch deine Anordnung Landesfürst geworden ist, er auch durch deinen 168 Schutz allezeit machtig sei. Durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, der mit dir lebet und regieret in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebet für das allgemeine Anliegen der ganzen Christenheit. Allmächtiger, ewiger Gott! Herr, himmlis scher Bater, siehe an mit den Augen deiner grundlosen Barmherzigkeit unsern Jammer, Elend und Noth. Erbarme dich über alle Christgläubige, für welche dein eingeborner Sohn, unser Herr und Heiland Jesus Christus, in die Hände der Sünder williglich gekommen, und auch sein kost bares Blut am Stamme des heiligen Kreuzes vergossen hat. Durch diesen Herrn Jesum wende ab, gnädigster Vater! die wohl verdiente Strafe, gegenwärtige und zukünftige Gefährlichkeiten, schädliche Empörung, Kriegsrüstung, Theurung, Krankheiten und betrübte armselige Zeiten. Er leuchte auch und stärke in allem Guten geistliche 169 und weltliche Obrigkeiten und Regenten, damit sie alles befördern, was zu deiner göttlichen Ehre, zu unserem Heile und zum gemeinen Frieden und zur Wohlfahrt der Christenheit gedeihen mag. Verleihe uns, o Gott des Friedens! rechte Vereinigung im Glauben ohne alle Spaltung und Zertrennung. Bekehre unsere Herzen zu wahrer Buße und Besserung unseres Lebens. Zünde in uns an das Feuer deiner Liebe. Gib uns einen Hunger und Eifer zu aller Gerechtigkeit, damit wir als gehorsame Kinder im Leben und Sterben dir angenehm und wohlgefällig sein. Wir bitten auch, wie du willst, o Gott! daß wir bitten sollen, für unsere Freunde und Feinde, für Gesunde und Kranke, für alle betrübte und elende Christen, für Lebendige und Abgestors bene. Dir sei einmal empfohlen, o Herr! all unser Thun und Lassen, unser Handel und Wan del, unser Leben und Sterben. Laß uns nur deine Gnade hier genießen, und dort mit allen Auserwählten erlangen, daß wir in ewiger Freude und Seligkeit dich loben und ehren 170 mögen. Das verleihe uns, o Herr! himmlischer Bater, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn und Heiland, welcher mit dir und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Für die allgemeinen Bedürfnisse. Fünf Vater unser, und fünf Ave Maria. Alsdann wird der heilige Segen mit dem Ciborio gegeben. Lauretanische Litanei, fammt den dazu gehörigen Gebeten, wie selbe an Samstagen und Frauentagen anstatt der an übrigen Tagen vorgeschriebenen Litanei von allen Heiligen zu beten ist. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! 171 Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme dich unser! Heilige Maria, Heilige Gottes- Gebärerin, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Mutter Christi, Mutter der göttlichen Gnaden, Allerreineste Mutter, Allerkeuschefte Mutter, Du ungeschwächte Mutter, Du unbefleckte Mutter, Du liebliche Mutter, Du wunderbarliche Mutter, Du Mutter unsers Schöpfers, Du Mutter unsers Erlösers, Du allerweiseste Jungfrau, Du ehrwürdige Jungfrau, bitt' für uns! 172 Du lobwürdige Jungfrau, Du mächtige Jungfrau, Du gütige Jungfrau, Du getreue Jungfrau, Du Spiegel der Gerechtigkeit, Du Sitz der Weisheit, Du Ursache unseres Heils, Du geistliches Gefäß, Du ehrwürdiges. Gefäß, Du vortreffliches Gefäß der Andacht, Du geistliche Rose, Du Thurm Davids, Du elfenbeinener Thurm, Du goldenes Haus, Du Arche des Bundes, Du Pforte des Himmels, Du Morgenstern, Du Heil der Kranken, Du Zuflucht der Sünder, Du Trösterin der Betrübten, Du Hülfe der Christen, Du Königin der Engel, bitt' für uns! Du Königin der Patriarchen, Du Königin der Propheten, Du Königin der Apostel, Du Königin der Märterer, Du Königin der Beichtiger, Du Königin der Jungfrauen, Du Königin aller Heiligen, Odu Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, verschone unser, o Herr! Odu Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser, o Herr! Christe, höre uns, Christe, erhöre uns! Vater unser, Ave Maria. 173 2 bitt' für uns! Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottes Gebärerin, verschmähe nicht unser Gebet in unsern Nöthen, sondern erlöse uns jederzeit von aller Gefährlichkeit, o du glor 174 würdige und gebenedeite Jungfrau! unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin, verföhne uns mit deinem Sohne, empfehle uns deinem Sohne, stelle uns vor deinem Sohne. S V. Bitt' für uns, o heilige Gottes Gebärerin. R. Daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Gebet*). Wir bitten dich, o Herr! du wollest deine Gnade in unsere Herzen eingießen; damit wir, die wir, durch die Bothschaft des Engels, Christi deines Sohnes Menschwerdung erkennet haben, durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichfeit und Glorie der Auferstehung geführet werden. Durch denselben Christum unsern Herrn. Amen. *) Dieses und nachstehende Gebete werden von dem Priester allein mit lauter Stimme gebetet. 175 V. Bitt' für uns, o heiliger Joseph. R. Daß wir theilhaftig werden der Verheißungen Christi. Gebet. Wir bitten dich, o Herr! daß uns durch die Verdienste des Bräutigams deiner allerheiligsten Gebärerin geholfen werde, damit, was unser Vermögen nicht erhalten kann, uns durch seine Fürbitte geschenket werde. Der du lebest und regierest mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu EwigFeit. Amen. Salve Regina. Gegrüßet seist du Königin, Mutter der Barmherzigkeit, des Lebens Süßigkeit, und unsere Hoffnung, sei gegrüßt. Zu dir schreien wir elende Kinder Eva; zu dir seufzen wir Traurende und Weinende in diesem Thale der 176 Zähren. Eja, unsere Fürsprecherin, wende deine barmherzigen Augen zu uns, und nach diesem Elende zeige uns Jesum, die gebenedeite Frucht deines Leibes, o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria. S V. Bitt für uns, o heilige Gottes Ge bärerin. R. Auf daß wir theilhaftig werden der Verheißungen Christi. Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott! der du den Leib und die Seele der heiligen Jungfrau und Mutter Maria zu einer würdigen Wohnung deines Sohnes, durch Mitwirkung des heiligen Geistes vor bereitet hast, gib, daß, die wir uns an ihrer Gedächtniß erfreuen, durch ihre milde Fürbitte von den bevorstehenden Übeln und von dem ewigen Tode befreiet werden, durch denselben Jesum Christum unsern Herrn. Amen. 177 Hierauf wird gebetet das Gebet für den Landesfürsten, das Gebet für das allgemeine Anliegen der ganzen Christenheit, fünf Vater und Ave Maria für die allgemeinen Bedürfnisse, wie oben auf der 168., ebendaselbst und 172sten Blattseite, und zum Schlusse wird der heilige Segen mit dem Ciborio gegeben. Gebet. O Mutter unseres göttlichen Heilandes! Wie du am meisten die Tugenden Jesu nachgeahmt haft, so bist du ihm auch in seinen Leiden am ähnlichsten geworden. Durch Leiden und Trübfale prüfte Gott deine erhabene tugendhafte Seele; durch Leiden gingest du ein in die ewige Herrlichkeit. Nun thronst du in der Seligkeit der Himmel, durch Gottes Gnade Trösterin der Betrübten. Lehre uns bedenken, du im Leiden bewährte Mutter! daß, so wie in der Natur Licht und Finsterniß, Tag und Nacht mit einander abwechseln, so auch in unserem Zustande ein Wechsel dunkler und trüber Stunden, 12 - 178 trauriger und heiterer Empfindungen eintreten müsse. Lehre uns einsehen, daß dieß nicht von ungefähr, sondern nach Gottes weisem Rathe zu unserer Prüfung und Veredlung geschieht. Laß uns aus deinem Beispiele Geduld, frommes Vertrauen und Ergebung in den Willen des Allerhöchsten lernen und durch deine Fürbitte gestärkt in trüben Tagen Glauben und Liebe beweisen. Dann wird uns wie dir, seligste Jungfrau, Gottes Gnade strahlen in der Finsterniß, und wir werden eingehen an den Ort, wo kein Kummer und keine Klage mehr ist. Amen. Lied zur heiligen Jungfrau, Trösterin der Betrübten. Bedrängte Christen, zaget ängstlich nicht, Wenn euch auch Angst und Noth In diesem Leben droht, Habt Zuversicht. Ein Licht strahlt eurem frommen Glauben vor, Erhebet nur den Sinn Zu euerer Trösterin Mit Lust empor. Maria ist betrübten Seelen mild. In ihres Lebens Zeit Hat sie nicht Seligkeit, Nur Schmerz gefühlt. Nun ist sie gerne frommen Duldern nah; Da einst ihr Blick Nicht Glanz und Glück, Nur Leiden sah. Ein ungestümes Meer ist diese Welt, Wo sich Gefahr und Noth Im Leben wie im Tod Zu uns gesellt. Sei, milde Jungfrau, du nur Tröfterin, Dann blickt in Angst und Weh Zu deines Thrones Höh' Der fromme Sinn. 179 12* 180 Wenn Haß, Verfolgung, Neid die Herzen drückt, Ruh'n wir doch sorgenlos In uns'rer Mutter Schooß Mit Trost erquickt. Denn wer sich deinen Diensten treu ergibt, Der wird von keiner Schmach Und keinem Ungemach Der Zeit betrübt. Ja, sollte uns die Macht der Hölle drohn, Wird unserem Vertrauen In aller Leiden Grauen Der schönste Lohn. Von dir beschützt kann Niemand untergehen; Der deinen Sohn bekennt Und seinen Namen nennt Im heißen Fleh'n! Noch wallen wir viel bangen Stunden zu Und wissen ängstlich nicht Wann Gottes Gnadenlicht Uns führt zur Ruh. O bleibe du der Schwachen Schutz und Schild, Da uns die Sünde drückt Und uns're Kraft besiegt, O Mutter mild! Erfleh' uns Allen auch Barmherzigkeit, Wann einst der Schleier fällt, Der uns an's Leben hält Im letzten Streit. 181 Und führe uns zu jenen sel'gen Höh'n, Wo nah an Gottes Thron Wir dich zum höchsten Lohn Erhoben sehn. In der Adventzeit. Von dem heiligen Ivo, Bischof von Chartres. Herr, mein Gott und Heiland Jesus Christus, deine heilige Kirche lehrt mich, in diesen gegenwärtigen Tagen, deiner zweifachen Ankunft auf dieser Welt zu gedenken; jener nämlich, welche bereits gewesen, und jener, welche noch 182 sein wird; lasse mich deßhalb recht tief in meinem Gemüthe erwägen, was ich als etwas bereits Vergangenes zu glauben, und was ich als etwas noch Zukünftiges gläubig zu erwarten habe; damit der fromme kindliche Glaube an das Vers gangene meine Liebe zu dir nicht erkalten laſse und mich mehr und mehr im Guten befestige, und damit die Erwartung des Zukünftigen eine heilige Furcht vor deinen Gerichten mir einflöße und mich von allem Bösen in Gedanken, Worten und Werken abziehe; denn gewiß ist's, daß du, der eingeborne Sohn Gottes, für uns, und zu un serer Erlösung, in der Zeit bist Mensch gewor den, und ebenso gewiß ist es auch, daß du, der Gottmensch, am jüngsten Tage wieder in dieser Welt erscheinen wirst, zu richten- die Lebendigen und die Todten! Gar wundervoll bist du aber in deiner ersten und in deiner zweiten Ankunft, o Herr! Denn deine erste Ankunft auf dieser Welt ist gleichsam eine verborgene gewesen, und deine zweite wird aller Welt offenbar sein! Von deiner ersten Ankunft hieß es: ,, Ein Mensch! 183 Und wer kennt ihn? Das Licht scheint in der Finsterniß; aber die Finsterniß hat es nicht begriffen!" und von deiner zweiten Ankunft heißt es: Unser Gott kommt, und schweigt nicht!" Du schwiegst ja, nicht in Ansehung des Ausbreitens deiner Lehren, sondern in Ansehung unserer Verurtheilung; denn von dir ist's gesagt! Er schalt nicht wieder, da er gescholten ward; Er drohte nicht, indem er litt; Er war wie ein Lamm, das vor seinem Scheerer vers stummt und seinen Mund nicht aufthut!" jedoch bei deiner zweiten Ankunft wirst du nicht schweigen, wenn du vergelten wirst einem Jeglichen nach seinen Werken;" du wirst ja denjenigen zu deiner Linken entgegenrufen: Weichet von mir, ihr Verdammten, in das ewige Feuer!" und zu denjenigen zu deiner Rechten sprechen: Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, und ererbet das Reich, welches euch bereitet ist vom Anbeginne der Welt!"- O mein Jesus, wiederholt muß ich bekennen, wie du wundervoll bist in deiner ersten und 184 zweiten Ankunft! deine erste Ankunft geschah in Demuth und Sanftmuth, von welcher der Prophet zu der Menschheit sprach:„ Siehe, dein König kommt sanftmüthig und demüthig!" und deine zweite Ankunft wird mit Schrecken und unter den Schauern deiner Majestät geschehen, laut der Verheißung aus deinem eigenen Munde: Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Macht und Herrlichkeit, dann werden alle Völker vor ihm versammelt werden, und er wird sie von einander sondern, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken sondert!"- mein O Jesus, lasse mich es noch einmal bekennen, daß du wundervoll bist in deiner ersten und in deiner zweiten Ankunft. Bei deiner ersten An Funft erschienst du, um die Gottlosen gerecht zu machen, und bei der zweiten erscheinst du, um die Gottlosen zu verdammen; bei deiner ersten Ankunft erschienst du, um die Abtrünnigen zurück zu rufen, und bei der zweiten erscheinst du, um die Bekehrten durch alle Ewigkeit zu verherrlichen; bei deiner ersten Ankunft erschienst 185 du, um dich einem unverdienten Tode für die Gottlosen überantworten zu lassen, und bei deiner zweiten erscheinst du, um nun dem verdienten Tode die Gottlosen durch alle Ewigkeit zu überantworten; bei deiner ersten Ankunft erschienst du, um uns Menschen wieder nach dem Ebenbilde Gottes zu erneuern, und bei deiner zweiten erscheinst du, um auch den nichtigen Leib des Menschen umzubilden und zu verklären, daß er deinem verklärten Leibe ähnlich werde;" denn gleich wie durch den ersten irdischen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist, und der Tod durch die Sünde, so war es, nach den Fügungen deiner heiligen Weisheit, angemessen, daß der Mensch durch den zweiten himmlidurch dich also den Gottschen Menschen menschen zuerst von der Sünde erlöst und dann vom Tode in die Unsterblichkeit wieder eingesetzt würde; und demnach ist die erste Auferstehung des Menschen durch dich seine Rechtfertigung, und seine zweite Auferstehung durch dich wird die Ulmbildung seines fleischlichen Verder- - - 186 bens zur Unsterblichkeit werden!- O mein Jesus, lasse mich denn, wie es ja deine heilige Kirche, meine gute Mutter, will, in diesen hehren Tagen der Vorbereitung auf das Fest deiner hochheiligen Geburt in der Zeit, alle die durch deine erste Ankunft auf dieser Welt uns gebrachten Wohlthaten in dankbare Erinnerung bringen; und gib auch, daß ich mich auf das vollendete Glück bei deiner zweiten Ankunft, welches der Gerechten wartet, mit heiliger Ehrfurcht vorbereite; damit ich immer mehr heran. wachsen möge nach dem Maaße deiner Vollkommenheit, und ich vor deinem Richterstuhle dereinst als ein aufrichtiger Bekenner deines Namens er funden werde! O ich will das Kleid der Kindschaft Gottes, welches ich durch deine erste Ankunft empfing, treu bewahren, damit, wenn ich in demselben zu dem hochzeitlichen Gastmale deines himmlischen Vaters dereinst gehen muß, ich auch das andere Kleid- der seligen Unsterb lichkeit zu erhalten verdiene! Ich will mich durch dich reinigen lassen von aller Befleckung des 187 Geistes und des Fleisches, damit, wie ich in dir bei deiner ersten Ankunft den Erlöser freudig be grüßte, ich auch dir, dem Richter, bei deiner zweiten Ankunft, mit der Ruhe des guten Gewissens froh entgegen sehen könne! Und zu diesem Zwecke will ich jetzt schon durch ein aufrichtiges und reuevolles Sündenbekenntniß, und durch die innigsten Entschlüsse der Genugthuung, und durch das Ausüben ihrer Werke, und durch eine wahre Bußtrauer- deiner zweiten Ankunft zu vorkommen. Ich will von nun an auch deine Gnade suchen durch die Erfüllung der Gerechtigkeit, damit du nicht dereinst als der strenge Richter gegen mich sigest, der du jetzt noch unser wahrer Hoherpriester der Liebe bist, welcher uns arme Sünder, und auch mich, bei dem himmli schen Vater zu unserer Versöhnung vertritt. Amen. 188 Am Feste Maria Empfängniß. Von dem heiligen Alphons Maria von Liguori. O meine unbefleckte Königin Maria, ich freue mich mit dir, daß Gott dich mit so großer Reinigkeit gesegnet hat! Ich danke unserm Schöpfer, und nehme mir vor, dieses immer zu thun, indem er dich von allen Sündenflecken frei erhielt! Ich bin fest von dieser Wahrheit überzeugt! Ich wünschte, daß die ganze Welt dich kennen und preisen möchte als jenes lichte Morgenroth, wel ches immer mit der göttlichen Glorie geziert war; als jene auserwählte Arche des Heiles, welche vor dem allgemeinen Schiffbruche bewahrt blieb: und ich wünschte, daß die ganze Welt auch dich kennen möchte als jene weiße Lilie, welche zwis schen den Dornen der Kinder Adams wächst, die ja Alle, von der Sünde befleckt, in der Feindschaft Gottes geboren werden, indessen du einzig unter Allen ganz rein, ganz heilig, und auf das Innigste von deinem Schöpfer geliebt, geboren wurdest, und, durch die Überschattung 189 des heiligen Geistes, ohne Verlegung deiner heiligen Jungfrauschaft, Jesus Christus empfan gen hast! Lasse mich deßhalb dich loben, o meine süßeste, meine liebenswürdigste, meine un befleckte Jungfrau Maria! Blicke aber auch mit deinen barmherzigen Augen auf die schrecklichen Wunden meiner armen Seele! Blicke mich an, habe Mitleid mit mir und heile mich, o Maria! Du hehre Königin der Herzen, ziehe auch mein elendes Herz zu dir! O Maria, die du von dem ersten Augenblicke deines Lebens an, ganz rein und schön vor den Augen deines Gottes erschienen bist, erbarme dich meiner, der ich nicht nur in der Sünde geboren, sondern der ich auch sogar nach der Taufe meine Seele mit Sün den befleckt habe! Welche Gnade sollte dir Gott wohl versagen, nachdem er dich zu seiner Tochter, zu seiner Mutter und zu seiner Braut erwählt, dich deßhalb vor aller Sündenmakel bewahrt und dich allen Geschöpfen vorgezogen hat! O du unbefleckte Jungfrau Maria, will ich dir zurufen, siehe, du mußt bewirken, daß ich in Jesus Christus - - 190 selig werde! Gib denn, daß ich immer an dich denke, und vergesse nicht meiner! Amen. Gebet im Advent. Nach dem heiligen Thomas von Kempen. O unendlich heiliger Gott! ich armer Sünder erscheine vor deinem Altare, an welchem Jesus, mein Erlöser, deiner Majestät als Opfer sich darbringt. Sein kostbares Blut ruft hier um Vergebung für meine großen und vielen Sünden. Tilge also durch die Verdienste deines göttlichen Sohnes meine Schuld, damit ich mit reinem Herzen diesem heiligsten Opfer beis wohnen könne. In Vereinigung mit dem Priester opfere ich diese heilige Messe dir auf zur Anbetung und VerHerrlichung deines heiligsten Namens; zur Erin nerung und Danksagung für das bittere Leiden und Sterben Jesu Christi, und zur Genugthuung für alle meine Sünden. Lasse mir durch dieses kostbare Opfer auch die Gnade zu Theil werden, 191 daß ich Alles aus Liebe zu meinem Erlöser thue und leide, und durch die Kraft seines Leidens gestärkt eines seligen Todes sterbe. O Mutter der Schmerzen! wie du unter dem Kreuze deines Sohnes gestanden, und mit ihm das blutige Opfer dem himmlischen Vater für uns aufgeopfert hast, erbitte mir die Gnade, daß ich das Leiden Jesu Christi andächtig bes trachte, und der Verdienste des unblutigen Opfers theilhaftig werde. Amen. Am Weihnachtsfeste. Von dem heiligen Ludwig von Granada. Siehe, o liebreichster Jesus, zu deinen Füßen komme ich, um deine unschäßbare Milde zu preis sen, die du über alle unsere Verdienste uns be. zeugt haft! Ein Lobopfer will ich dir bringen für die unzähligen Wohlthaten welche du uns, dem bösen Geschlechte, den Gefäßen des Zornes, den Kindern des Fluches, den unnügen, und des Todes schuldigen Knechten erwiesen hast! 192 Denn so waren wir, und du blicktest aus den himmlischen Höhen auf uns herab, und schautest unser tiefes Elend und die Trübsale deines Vols fes; und vom ewigen Throne herabsteigend, kamst du selbst, um uns zu erlösen, du, der wahre und eingeborne Sohn Gottes, der durch seine Kraft alle Wesen erhält und mit unerschaf fener Weisheit sie lenkt; du, in dessen Namen alle Kniee sich beugen müssen, ließest dich herab, den Glanz deiner Glorie zu verlassen, den finstern Kerker dieser Erde zu besuchen, unser Elend auf dich zu laden, und in das Gewand unserer Sterblichkeit dich zu kleiden; damit du durch deine Macht unsere Schwäche tilgtest; damit du unsere Sterblichkeit in ewiges Leben verwandels test; damit du unsere Sünden durch dein Blut abwüschest, und unserer verderbten Natur die verlorene Unschuld zurückbrächtest. O mein liebreichster Jesus, nicht Einen deiner Engel hast du gesandt zu diesem großen Werke der Versöhnung, nicht einen Seraph, noch auch einen Cherub; sondern du selbst woll 193 test nach dem Willen deines himmlischen Vaters, zu uns kommen, dessen unendliche Güte in dir, seinem lebendigen Bilde, sich offenbarte! Und ach in deiner von deiner Gottheit für uns an genommenen Menschheit- zeigtest du dich unsern Augen! Deßhalb stiegest du aus dem Schooße des himmlischen Baters in den keuschen Leib der Jungfrau, in welchem du, durch die Kraft des heiligen Geistes also wunderbar empfangen wur dest, daß durch diese Demuth die Glorie, welche ewiglich dir im Vater strahlt, auf keine Weise gemindert, noch auch in der keuschen Geburt die Jungfrauschaft deiner hochgebenedeiten Mutter verletzt ward! O wundervolle, alle menschliche Fassungskraft übersteigende Vereinigung: Der Herr der ewigen Glorie vereinigt seine unendliche Gottheit mit der Niedrigkeit unserer Menschheit! Der Schöpfer der Welten erniedrigt sich so sehr, daß er die Gestalt eines Knechtes, ja nicht nur eines niedern Knechtes, sondern auch eines armen Sünders annimmt! Oliebreichster Jesus, bis in welche Tiefe führte dich, in diesem Werke, 13 -- 194 deine Liebe? Du begnügtest dich nicht damit, unser Herr, unser Schöpfer und unser Beschirmer zu sein: auch unser Gefährte, unser Bruder, unser Fleisch und Blut bist du geworden! Also hast du, o mein liebreicher Erlöser, dich erniedrigt, du mein Gott, bist zu schauen in der Krippe, wie du liegst in einem harten und dürftigen Bettlein! O unaussprechliche Demuth, o überaus hoch zu preisende Armuth, o unerforsch liche Liebe! Der unermeßliche Gott liegt in der Krippe, dessen Glorie die Himmel und die Erde erfüllt! Ach, wie in ärmliche Windeln derjenige gebunden wird, den die Himmel nicht zu erfassen vermögen! Wie derjenige an der Brust der Mutter ruht, von welchem die ganze Schöpfung abhängt! Wie derjenige in der Krippe weint, dessen Donner in den Wolken rollen und auf dessen allmächtige Stimme die Cherubim mit ihren Flügeln sie bedecken! Und warum, o du mein Herrscher, diese so tief erniedrigende Ges burt? Wozu diese so tiefe Demuth und Armuth? Ach, die erste deiner Lehren wolltest du uns 195 geben, und durch dein eigenes Beispiel die himmlische Demuth, diese Quelle und den Grund aller Tugenden, uns lehren! Wo ist das eisige Herz, o mein Jesus, das nicht zur Liebe und Andacht angeregt würde, wenn es, nicht nur diese Armuth, sondern auch diese deine unendliche Liebe erwägt, welche du hier offenbartest! So arm wurdest du dir selbst, und so gar reich uns Armen! Meine Menschheit nahmst du an, auf daß du mir deine Gottheit schenktest! Ein Sohn des Menschen wurdest du, auf daß du mich zu einem Sohne Gottes erneuertest, und ich durch die Gnade würde, was du selbst aus eigener Natur bist! In der Krippe wolltest du liegen für die Menschen! Sie nur hattest du im Auge, die fleischlich geworden waren, und nichts als Fleischliches liebten! Deßhalb bist du Fleisch geworden, und so süßes und liebliches Fleisch, daß wahrlich nur ein ſteinernes Herz nicht angeregt wird, dich zu lieben! Jesus, mein Heiland, bleibe du denn meine Liebe, mein Leben und mein Alles! Amen. 13* - 196 Weihnachtslied. 1. Heiligste Nacht! heiligste Nacht! Finsterniß weichet, es strahlet hienieden. Lieblich und prächtig vom Himmel ein Licht. Engel erscheinen, verkünden den Frieden, Frieden den Menschen; wer freuet sich nicht? Kommet ihr Christen, o kommet geschwind, Seht da die Hirten, wie eilig sie sind. Eilt mit nach Davidsstadt, Den Gott verheißen hat, Liegt dort als Kind. 2. Göttliches Kind! göttliches Kind! Du der gottseligen Väter Verlangen, Zweig, der der Wurzel des Jesse entsprießt, Laß dich mit inniger Liebe umfangen, Sei mir mit herzlicher Demuth gegrüßt! Göttlicher Heiland, der Christenheit Haupt! Was uns der Sündenfall Adams geraubt, Schenket uns deine Huld, Sie tilgt die Sündenschuld Jedem, der glaubt. 3. Und du beileidigst mich! Mich liebst du nicht! Sünder bedenkt! Sünder bedenkt! Zitternd vor Kälte, in Windeln gebunden, Liegt hier als Kind der gewaltige Gott. Muß euch der Anblick das Herz nicht verwunden? Dürft ihr die Liebe vergelten mit Spott? Höret wie rührend und zärtlich es spricht: Sünder, verschmähe die Liebe doch nicht! Sieh her, wie lieb' ich dich! 197 Liebvolles Kind! liebvolles Kind! Reu' und Zerknirschung, die bring' ich zur Gabe! Keinen Verblendungen geb' ich mehr Platz. Jesu, dich lieb' ich, o! wenn ich dich habe, Hab' ich den besten, den göttlichen Schatz. Außer dir soll mich nun nichts mehr erfreu'n, Denn ich verlange vereinigt zu sein Nur mit dir, Göttlicher! Du bist mein Gott und Herr, Und ich bin dein. 198 Am Feste des heiligen Stephanus. Kirchengebet aus dem Sakramentarium des heiligen Gregorius. O mein Gott, verleihe mir, daß ich fortan auch nachahme, was ich verehre, und ich die Feinde lieben lerne; indem ich ja den Gedächtnißtag desjenigen feiere, der sterbend nicht unterließ, für seine Verfolger anzuflehen unsern Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, welcher mit dir, in Einigkeit des heiligen Geistes, lebt und regiert, Gott in alle Ewigkeiten! Amen. -- Am Feste des heiligen Johannes, Apostel und Evangelist. Kirchengebet aus dem Sakramentarium des heiligen Gregorius. Herr, ich bitte dich, erleuchte deine Kirche, damit sie, durch die Lehren des heiligen Johannes, deines Apostels und Evangelisten, erhellt, die Gabe des ewigen Lebens empfange durch - 199 Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn, der mit dir lebt und regiert, in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott, in alle Ewigkeit! Amen. Am Feste der unschuldigen Kinder. Kirchengebet aus dem Sakramentarium des heiligen Gregorius. O Gott, dessen Lob am heutigen Tage die unschuldigen Märtyrer nicht durch Neden, sondern durch ihr Sterben bekannt haben; ertődte in mir das Unheil alles Bösen, damit ich den Glauben, welchen mein Mund bekennt, auch durch meinen Lebenswandel darstellen möge- durch die Gnade unsers Herrn Jesus Christus, deines Sohnes, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebt und regiert, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. 200 Am Feste der heiligen drei Könige. Von dem heiligen Thomas von Aquin. O gütigster Jesu, du erleuchtest Jeden, der da in die Welt eintritt; erleuchte mich mit der Klarheit deines Lichtes, daß im Innern leuchtet, und vertreibe aus der Wohnung meines Herzens alle Finsterniß. Unterdrücke die mancherlei aus schweifenden Gedanken und nimm von mir die Versuchungen, die mit Gewalt auf mich einstürmen. Streite du für mich, denn du bist und heißest der Starke, und bezwinge die anreizenden Begierden. Deine siegende Kraft stelle den Frieden in mir her, damit ich das Lob deines Namens verkünde mit reinem Herzen; denn ich gleiche einem leeren, wüsten, unfruchtbaren Lande, bis du mich erleuchtest. Gieße aus deine Gnade von oben; befruchte mein Herz mit himmlischem Thau; die heilige Thräne der Andacht beneße dieses Erdreich, daß es gute, daß es die besten Früchte trage. Erhebe mein Gemüth, welches durch die Last der Sünden nieder Mutter des Erlösers. Gib, Maria! Deinen Segen. Schütze Deiner Kinder Schaar, Führ'uns auf der Tugend Wegen, 201 gedrückt ist; richte mein ganzes Verlangen zu himmlischen Gütern empor und befestige es in dieser Richtung, damit ich die Glückseligkeit, die dort oben zu Hause ist, kosten und im Vorgeschmack des Himmlischen das Irdische für nichts achten möge. Verbinde mich mit dir durch das Band der unzertrennlichen Liebe, denn du allein genügest dem Liebenden, und ohne dich sind alle Dinge eitel. Amen. Am Feste Maria Reinigung( Lichtmeß). Kirchengebet aus dem Missale. Herr Jesus Christus! der du am heutigen Tage in der Wesenheit unsers Fleisches unter den Menschen erscheinend, von den Eltern im Tempel bist dargestellt worden; du, welchen Simeon, der ehrwürdige Greis, von deines Geistes Lichte überstrahlt, erkannte, auf die Arme nahm, und segnete; verleihe gnädig, daß wir durch desselben heiligen Geistes Gnade erleuchtet und belehrt, 202 in Wahrheit dich erkennen und mit Treue lieben. Der du mit dem Vater in Einheit desselben heiligen Geistes lebst. Bei Segnung der Kerzen. Allmächtiger, ewiger Gott! der du durch Moses, deinen Diener, das reinste Oel zu den Lampen, welche unabläßig vor deinem Angesichte brennen sollten, bereiten ließest; ergieße milde die Gnade deiner Segnung über diese Kerzen, damit selbe also das Licht nach Außen spenden, daß das Licht deines heiligen Geistes, durch deine Fügung nie unserem Gemüthe innerlich gebreche. Durch unsern Herrn Jesum Christum. Amen. Für die Fastenzeit. Am Aschermittwoch. Vom heiligen Bernardus. Wie ein Schatten sind die Tage des Menschen auf Erden! Kein Verweilen ist hier für ihn; und gerade dann ist er Nichts, wenn er fest zu stehen 203 scheint! Was sammelt also der Mensch sich Schätze auf der Erde, da doch sowohl der Sammler, als auch das Gesammelte ohne Auf schub vergeht? Und welche Frucht erhoffest du, o Mensch, in dieser Welt, deren Frucht Verderben, deren Ende der Tod ist? O möchtest du doch die Augen öffnen, und einsehen, und auf den letzten Ausgang dich vorbereiten! Siehe, ich kenne Einen, der durch lange Jahre traulich mit dir gelebt hat, an deinem Tische gesessen und Speise aus deiner Hand empfangen hat, bei dir geruhet und nach Belieben sich mit dir unterredet hat! Aus ange borenem Rechte ist dieser dein Sklave! Doch weil du von Jugend auf zärtlich seiner pflegtest, und mit der Ruthe ihn verschontest, so ist er eigensinnig geworden, seinen Stab hat er über deinem Haupte erhoben, dich in Knechtschaft ge bracht, und grausam beherrscht er dich nun! Fragst du mich etwa noch: Wer ist dieses?" Dein alter Mensch ist das, der deinen Geist mit Füßen tritt, dem das gelobte Land - 204 nichts gilt, und den nur dasjenige angeht, was des Fleisches ist! Von Geburt an ist dieser Mensch blind, taub und stumm! Alt geworden ist er in den Tagen der Bosheit, ein Empörer gegen Tugend und Wahrheit, ein Feind des Kreuzes Christi! Noch größer ist seine Anmaßung als seine Stärke! Er hat gegen Niemanden Ehrfurcht! Er spricht in seiner Thorheit: Es ist kein Gott!" Nichts Gutes besitzt er, von fremden Übel nährt er sich! An bösen Gedanken weidet er sich, und nicht müde wird er der Übertretungen bis an das Ende! Er vertheilt und vergeudet das seinige gleich einem Verschwender! Er sammelt sich Schmach und Schande, seine Vorstellung und List fordert den Zorn Gottes auf! Ganz in Sünden ist dieser Mensch geboren und ernährt, ein Freund der Ruchlosigkeit, ein Sohn des Todes, ein Gefäß des Unrechtes, geeignet zum Untergange! Schon stürzt er in die Grube dich, welche er dir grub; schon hat er ganz dich verweichlicht; schon hat er in das Joch der kläglichsten Knechtschaft dich geschmiedet, und jäm 205 merlich und elend zertritt er unter seinen Füßen dich! O unglücklicher, beklagenswerther Mensch, wer wird dich retten aus den Banden der Schmach? Gott erhebe sich, und überfalle jenen Bewaffneten! Es möge und werde zertrümmert dieser Feind des Menschen, dieser Verächter Gottes, dieser Anbeter seiner selbst, dieser Liebhaber der Welt, dieser Knecht des bösen Geistes!- Was dünkt dich?" Wenn du ächtes Gefühl hast, wirst du mit mir antworten: ,, Er ist des Todes schuldig; man kreuzige ihn, aber- am Kreuze Christi, an welchem das Heil und das Leben ist! Russt du aus der Tiefe des Herzens zu diesem Gekreuzigten, er wird dann gnädig dir antworten:„ Heute wirst du bei mir sein im Paradiese!" O du milder Jesu, o du unverhofftes Heil des Elenden! To freigebig, so bewährt ist die Liebe Gottes, so überaus groß seine Süßigkeit, so schnell seine Herablassung, so unüberwindlich seine Sanftmuth, daß er jeden erhört, der zu ihm ruft, denn er selbst ist die Erbarmung! 206 Owie groß ist die Barmherzigkeit Gottes, wie unaussprechlich die Umwandlung, welche die Hand Gottes bewirkt! Gestern warst du in der Finsternis, heute wallest du im Glanze des Lichtes! Gestern im Rachen des Löwen, heute in der Hand des Mittlers! Gestern unter der Pforte der Hölle, heute in der Wonne des Paradieses! Doch, wozu fruchten diese Buchstaben der Ermahnung, wenn du nicht auch die Buchstaben des Todes aus deinem Herzen vertilgest! Wozu nüßen diese geschriebenen, gelehrten und verstandenen Worte, wo du nicht dich selbst liefest und verstehest? Widme dich also der Lehre des Innern, damit du dich selbst lesest, schauest und verstehest! Lese darin, daß du Gott liebest, die Welt und jeden Feind bekämpfest und überwindest, auf daß deine Arbeit in Ruhe, deine Trauer in Freude sich umwandle, und daß du nach den Finsternissen dieses Lebens den Aufgang der himmlischen Morgenröthe, die Mittagssonne der Gerechtigkeit erblickest, in welcher du den Herrn 207 der ewigen Glorie schauen wirst, der da lebt und regiert in alle Ewigkeit! Amen. Drei Betrachtungen für die Fastenzeit. Aus des Ehrwürdigen Thomas von Kempen Vier Bücher der Weisheit." Wie man die Sünde hassen müsse. 1. Mein Schmerz schwebt mir immer vor Augen."( Pf. 37, 18.) Mein ganzes Leben ist eine Reihe von Sünden, o mein Gott! Aber sieh, o Herr! die Thränen, die ich vor deinem Angesichte vergieße, um sie abzubüßen. Ich weiß wohl, daß in mir, d. i. im Fleische, nichts Gutes ist"( Röm. 7, 18), und daß ich nie, so lange meine Seele in diesem sterblichen Leibe wohnet, von der Tirannei der Sünde mich werde frei machen können. 2. Täglich habe ich gesündiget, ohne je meine Sünden zu bereuen und wahren Schmerz darüber zu empfinden. Weltliche Beschäftigungen 208 dieses Tinnenlebens, Eitelkeit, Vorwig, trocknen die Quelle meiner Thränen aus. Sieh! dieß ist die Ursache, daß die Finsterniß meiner Sünden täglich dicker wird. Das sind die Hindernisse, welche mir die Gnade und den göttlichen Trost vorenthalten. Dieses Übel zieht teine kleine Folgen nach sich. Es ist dieses Übel um so größer und verderblicher, als mein Herz sogar bald nicht mehr daran denkt, und dieſe Vergessenheit mich keinen Schmerz darüber fühlen läßt. 3. Herr! wirst du denn nicht einen Blick der. Barmherzigkeit auf mich werfen? Wie lange wirst du denn nech schweigen? Wo sind die Werkzeuge deiner Gerechtigkeit? Warum schwebt mir nicht immer das Bild deines Gerichts und der Hölle vor Augen? Würde ich denn so ges dankenlos dahin leben, wenn ich oft daran dächte? Die Geduld, die du mit mir hast, kömmt von deiner unendlichen Güte. Wenn ich sie mir nicht zu Nußen mache, wirst du mich dafür um 209 so strenger bestrafen, sei es in diesem oder in dem künftigen Leben. Schweres oder leichtes Vergehen jedes verdient die Strafe seiner Art. Aber es ist besser, in diesem Leben noch gestraft zu werden, wo die Thränen noch verdienstlich sind, die Leiden von kurzer Dauer, die Genugthuungen Gott angenehmer, und die Versöhnung leichter zu bewirken ist. 4. Verschone mich nicht, o mein Gott! Jms mer mögen meine Augen voll Thränen stehen. Verschiebe die Strafe nicht für das künftige Leben. Überliefere mich nicht den Peinigern, denen ich bis auf den letzten Heller die Schuld entrichten muß. Leiden, die man jetzt duldet, sind weit nützlicher, als es je in der Zukunft die Martern des Fegfeuers sein werden. 5. Ich muß also meine Sünden beweinen. Sie müssen mir herzlich leid thun; ich habe Ursache genug, traurig zu sein; desto weniger aber, mich zu freuen. Das Dunkel meines Herzens, die Gebrechlichkeit meines Gewissens, meine häufigen Rückfälle in die Sünde, der Verlust der 14 210 Gnade alles das zeigt mir an und nöthiget mich, zu seufzen und zu weinen in der Hülflosigkeit, in der ich mich befinde. - 6. Wenn ich über die verschiedenen Versuchungen nachdenke, die mich befallen, und über die Übel, die mich umgeben kann ich da noch der Freude mich überlassen? Verzeih mir, o mein Gott! verzeih mir! Es ist kein Wunder, wenn ich aus Schmerz, der mein Herz bedrängt, Thränen vergieße, denn hier ist es Zeit zu weinen. O glücklicher Augenblick, in dem die Erinnerung an meine Sünden mein Herz mit Reue durchdringt! Wohlthätige, glückliche Thränen, welche die Stärke der Reue, die Heftigkeit meines Schmerzes mir aus den Augen treibt, wenn ich die Häßlichkeit- wenn ich die zahlLose Menge meiner Sünden vor mir sehe! 7. Und wer kann diesen Abgrund erforschen? Du, mein Gott! das wahre Licht, du allein kannst die Finsternisse meines Herzens aufhellen. Du kannst mir ein neues Herz geben, ein neues reines Herz in mir erschaffen, kannst mir darin - - 211 eine Wohnung zubereiten, wo du ruhen willst. Denn du liebst die Neinheit des Herzens und ein gutes Gewissen. 8. Aber du kehrst nicht gerne in einem Hause ein, wo alles unordentlich und voll Wust ist; du überantwortest eine Seele ihren Leidenschaften, die sich von ihnen beherrschen läßt. Daher will ich auf meiner Hut sein, damit mir dieses Unglück nicht begegne. Stehe mir bei mit deiner Barmherzigkeit, daß ich aus diesem traurigen Zustande komme, und mein unordentliches Leben wieder in Ordnung bringe. Wehe der Seele, welche du mit Zorn vers läsfest; die du aber heimsuchest, und die bei dir ihre Wohnung ausschlägt, wird tiefen Frieden genießen. 9. Ich gehe mitten unter Fallstricken umher, verwickelt in den Banden meiner Sünden. Wie ist da zu rathen? Was gibt es für ein Mittel gegen dieses Übel? Kein anderes, als daß ich zu dir meine thränenvollen Augen erhebe. Viel14* 212 leicht dringt mein Flehen, mein Rufen bis zu dir! Ein mit Verbrechen beschwertes Gewissen kann kein heilsameres Mittel finden, als Gebet und Thränen. Wie anders kann man wirksamer eine ungestüme Versuchung bändigen, als durch unabläßiges Gebet und durch tiefe Demuth. Wer wird mir diese Gnade, zu weinen und nüglich zu beten, gewähren?- Wo werde ich diese Gefühle der Demuth diese Quelle der Thränen finden? - 10. Bei dem Herrn ist Barmherzigkeit, und bei ihm ist reichliche Erlösung."( Pſ. 129, 7.) Gebet. O mein Gott und Herr! Unerschöpflicher Urquell aller Gnaden! gib daß ich alle und jede meiner Sünden auch die kleinsten- beweine, und sie alle die verborgenen wie die offens baren, ohne Entschuldigung verdamme. Laß dies zwischen dir und mir obwalten. Meine aufrich- 213 tige Reue bringe mir deine Gnade wieder, die ich verloren habe. Deine mir wieder geschenkte Gnade bereite mich zu einem besseren Leben, daß es mir zum ewigen Heile gereichen werde. Amen. Am Feste Maria Berkündigung. Nach dem heiligen Augustin. O wunderbare Mutter, wer kann mit sterblichen Augen den hellleuchtenden Glanz deiner Herrlichkeit ansehen? Vor allen Weibern wirst erwählt zur Mutter Gottes; die Kraft des Allerhöchsten hat dich überschattet, der heilige Geist hat sich über deinen Leib und über eine Seele ohne Maß ausgegossen; das Wort Gottes steigt vom Himmel herab und will durch die unbegreifliche Menschwerdung dein Sohn werden; in dir, o Maria, wird das Geheimniß erfüllt, das seit ewigen Zeiten in Gott verborgen war. Eva glaubte der Schlange und stürzte dadurch uns in das Verderben; du glaubtest dem Engel und errettest uns vom Untergange. Durch die - 214 Unterwerfung deines Willens unter den Willen des Allerhöchsten hast du der verlorenen Welt wieder aufgeholfen. Nimm dafür hin unsere geringe aber herzliche Danksagung, und durch deine mächtige Fürbitte entschuldige unsere Schwachheiten, erhöre unser Flehen und erlange uns die Nachlassung unserer Sünden. Amen. Gegrüßet 2c. Sei gegrüßt, o glorreiche Jungfrau, die du heller als die Sonne leuchtest. Sei gegrüßt du Mutter voll der Gnaden! du Heilige! du Tugendreiche! Sei gegrüßt, du Himmelskönigin, die du durch deine Unschuld schöner bist als das Morgenroth. O du Auserwählte unter Allen deines Geschlechtes, laß dir mein schwaches Lob gefallen und erbitte mir von Gott die Gnade, daß ich dir in deinen Tugenden nachahme und mit dir bei Gott mich ewig erfreuen möge. Amen. Betrachtungen für die heilige Charwoche. Am Palm- Sonntage. Kirchenlied. Singt dem König Freudenpsalmen, Kommet alle Völker her! Salem, streu ihm deine Palmen, Sieh, dein König kommt daher; König David's Stamm entsprossen, Gottessohn von Ewigkeit, Hat den Himmel dir erschlossen! Christus sei gebenedeit. R. Jesu, König, Göttlicher, Dir sei Glorie, Preis und Ehr! David sah im Geist entzücket Den Messias schon von fern, Der die ganze Welt beglücket, Den Gesalbten, unsern Herrn. Tochter Sion, streu ihm Palmen, Breite deine Kleider aus! 215 Sing ihm Lieder, sing ihm Psalmen, Heut beglücket er dein Haus. 216 Sieh, Jerusalem, dein König, Wie sanftmüthig kömmt er an! Völker, seid ihm unterthänig, Der uns Allen wohlgethan; Den die Himmel tief verehren, Dem der Chor der Engel singt! Freut euch all in diesem Herren, Der uns endlich Frieden bringt. Alle Himmel, Sterne, Sonnen, Preiset unsern König heut! Und ihr Völker aller Zonen, Singt: er sei gebenedeit; Singt: Hosanna in der Höhe, Hochgepriesen sei der Herr! itberall sein Lob geschehe, Preif' ihn, Himmel, Erd' und Meer! Gebet am Palm- Sonntage. Von dem heiligen Ephrän. Ich falle dir anbetend zu Füßen, o Herr! Ich preise dich, du Gütigster! Ich flehe zu dir, Einsetzung des hl.Abendmahles. 265 20000 Sieh und Glaub' und Liebe, rufen winkend Euch aus lichtverklärten Wolken zu: Nur die Tugend führet ein ins Leben, 217 o Heiliger! Ich werfe mich vor dir nieder, du Menschenfreundlicher! Ich verherrliche dich, o Jesus! weil du, der Eingeborne, der Herr aller Dinge, der allein Sündenlose, für mich unwürdigen Sünder dem Tode dich hingegeben, und zwar dem Tode am Kreuze, um die Seele des Sünders von den Fesseln der Sünde zu befreien! Was soll ich dir dafür vergelten, o Herr! Preis sei dir, o Menschenfreundlicher! Preis sei dir, du Langmüthiger! Preis sei dir, du Vergeber aller Sünden! Preis sei dir, der du kamst, unsere Seelen zu erlösen! Preis sei dir, der du im Schooße der Jungfrau Fleisch geworden! Preis sei dir, der du gebunden wurdest! Preis sei dir, der du gegeißelt wurdest! Preis sei dir, der du verspottet wurdest! Preis sei dir, der du gekreuziget wurdest! Preis sei dir, der du auch begraben wurdest! Preis sei dir, dem Auferstandenen! Preis sei dir, an den geglaubt wurde und stets geglaubt wird, der du zum Himmel aufgefahren bist! Preis sei dir, der du mit großer Herrlichkeit zur Rechten des Vaters sitest, - 218 und mit der Herrlichkeit des Vaters und der Engel wiederkommen wirst, um jede Seele zu richten, welche dein heiliges Leiden vereitelte; in jener grauenvollen und furchtbaren Stunde, wann die Kräfte der Himmel wanken werden, wann miteinander die Engel, Erzengel, Cherubim und Seraphim erscheinen, mit Furcht und Zittern vor deiner Herrlichkeit, wann zugleich die Grundfesten der Erde beben, und Alles, was Odem hat, erschauert vor deiner großen, unvergleichlichen Glorie. In jener Stunde verberge mich deine Hand, auf daß meine Seele gerettet werde vor dem schrecklichen Feuer und Zähneknirschen, und der Finsterniß, und dem ewigen Weinen, damit ich lobsingend rufen kann: Preis dir, der den Sünder retten wollte, für die vielen Erbarmungen deiner Milde! Amen. 219 Litanei vom Leiden und Sterben Christi. Herr, erbarme dich unser. Christus, erbarme dich unser. Christus, höre uns. Christus, erhöre uns. Gott Vater vom Himmel, Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geiſt, Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Jesus, du ewige Weisheit, Jesus, von Maria der Jungfrau geboren, Jesus, von deiner heiligen Mutter angebetet, Jesus, in ärmliche Windeln gehüllt, Jesus, in der Krippe vor Kälte zitternd, Jesus, von der Milch deiner jungfräulichen Gebärerin ernährt, Jesus, von den Hirten zu Bethlehem im Stalle erkannt, Jesus, durch die Beschneidung dem Gesetze untergeben, Jesus, von den Weisen des Morgenlandes angebetet, erbarme dich unser! 220 Jesus, als Knäblein im Tempel aufgeopfert, Jesus, in der zartesten Kindheit gezwungen su nach Ägypten zu fliehen, Jesus, von Herodes zum Tode gesucht, Jesus, zu Nazareth erzogen, Jesus, im Tempel wiedergefunden, Jesus, deinen Eltern untergeben, Jesus, von Johannes im Jordan getauft, Jesus, unter den Menschen wandelnd, Jesus, von den Menschen ohne Ursache gehaßt, Jesus, mit Schmach und Lästerungen übersättigt, Jesus, vor Moses und Elias verklärt, Jesus, als ein sanftmüthiger König in Jerusalem deinen Einzug haltend, Jesus, für dreißig Silberlinge verkauft, Jesus, bei der Fußwaschung zu den Füßen der Apostel gebeugt, Jesus, im Gebet auf dem Antlitze liegend, Jesus, von blutigem Schweiß bedeckt, Jesus, von den Rotten der Gottlosen mit Stricken gebunden, erbarme dich unser! Jesus, von deinen Jüngern verlassen, Jesus, vor Annas und Kaiphas geführt, Jesus, von dem Kriegsknechte mit einem Backenstreiche geschlagen, Jesus, von falschen Zeugen angeklagt, Jesus, zum Tode verurtheilt, Jesus, verspieen und gegeißelt, Jesus, mit verhülltem Angesichte mißhandelt, Jesus, dreimal von Petrus verläugnet, Jesus, dem Pilatus gebunden vorgeführt, Jesus, von Herodes verachtet und verspottet, Jesus, mit einem weißen Kleide angethan, Jesus, dem Mörder Barabas nachgesetzt, Jesus, an eine Säule gebunden und grausam gegeißelt, Jesus, wegen unserer Missethaten geschlagen, Jesus, einem Aussäßigen gleich geachtet, Jesus, mit einem Purpurmantel bedeckt, Jesus, mit Dörnern schmerzlich gekrönt, Jesus, mit einem Rohre geschlagen, Jesus, von den Juden zum Kreuzestode gefordert, 221 erbarme dich unser! 222 Jesus, zum schmählichsten Tode verurtheilt, Jesus, dem Willen deiner Feinde übergeben, Jesus, mit dem schweren Kreuze beladen, Jesus, wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt, Jesus, deiner Kleider beraubt, Jesus, mit Nägeln an das Kreuz geheftet, Jesus, wegen unserer Frevelthaten verwundet, Jesus, zu deinem himmlischen Vater für deine Feinde betend, Jesus, unter die Missethäter gezählt, Jesus, von den Mördern verlacht und verhöhnt, Jesus, der du dem reuigen Schächer das Paradies verhießest, Jesus, der du deiner geliebten Mutter den Johannes zum Sohne empfahlst, Jesus, von deinem himmlischen Vater verlassen, Jesus, mit Essig und Galle getränkt, Jesus, der du Alles erfülltest, was die Schrift von dir geweissagt hatte, erbarme dich unser! Jesus, gehorsam bis zum Tode am Kreuze, Jesus, der du als unser Versöhnungsopfer starbst, Jesus, vom Kreuze herabgenommen, Jesus, glorreich vom Tode auferstanden, Jesus, der du zum Himmel auffuhrest, Jesus, unser Fürsprecher bei dem Vater, Jesus, der du deinen Jüngern den heiligen Geist, den Tröster gesandt hast, Jesus, der du deine jungfräuliche Mutter über die Chöre der Engel erhebest, Jesus, der du kommen wirst zu richten die Lebendigen und die Todten, 223 erbarme dich unser! Sei uns gnädig, schone unser, o Jesus! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Jesus! Von allem Übel, erlöse uns, o Jesus! Von aller Sünde, erlöse uns, o Jesus! Von Zorn, Haß und allem bösen Willen, erlöse uns, o Jesus! Von Pest, Hungersnoth und Krieg, erlöse uns, o Jesus! Von allen Gefahren des Leibes und der Seele, erlöse uns, o Jesus! 224 Von dem ewigen Tode, Durch das Geheimniß deiner heiligen Menschwerdung, Durch deine Taufe und dein heiliges Fasten, Durch deine Arbeiten und deine Nachtwachen, Durch deine schmerzliche Geißlung und Krönung, Durch deinen Durst, deine Thränen und. deine Blöße, Durch deinen kostbaren Tod und dein Kreuz, Durch deine siegreiche Auferstehung und erlöse uns, o Jesu! Himmelfahrt, Am Tage des Gerichtes, Wir arme Sünder, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du unser schonest, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du uns verzeihest, wir bitten dich, er höre uns! Daß du uns zur wahren Buße führen wollest, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du die Gnade des heiligen Geistes in unsere Herzen ergießest, wir bitten dich, erhöre uns! 225 Daß du die in deinem heiligen Namen versammelte Gemeinde erhalten und vermehren wollest, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du uns wahren Frieden, Demuth und Liebe geben wollest, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du uns die Gnade der Beharrlichkeit in deinem heiligen Dienste verleihen wollest, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du uns vor unreinen Gedanken, vor Versuchungen des Teufels und vor der ewigen Verdamminiß bewahren wollest, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du uns mit der Bersammlung deiner Heiligen vereinigen wollest, wir bitten dich, erhöre uns! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser, o Herr! 15 226 Vater unfer. Gegrüßt seist du, Maria. Vorspruch. Wir beten dich an, o Jesus, und preisen dich. Antwort. Der du durch dein heiliges Kreuz die Welt erlöset hast. V. Herr, erhöre mein Gebet! A. Und laß mein Rufen zu dir kommen! Gebet. O Herr Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes, der du nach dem Willen deines ewigen Vaters, kraft der Mitwirkung des heili gen Geistes, die Welt durch deinen Tod zu neuem Leben erweckt haft; erlöse uns durch das ehrfurchtgebietende und hochhehre Sakrament deines Leibes und Blutes von allen unsern Übelthaten und von allem Bösen, und verleihe, daß wir deinen Geboten immerdar anhangen und ewiglich nicht von dir getrennet werden. O Gott, der du durch deine heiligen Sakra 227 mente und Gebote zu deinem Ebenbilde uns erneuerst, vervollkommene unsere Schritte auf deinen Wegen und verleihe uns, daß wir die Gaben deiner Liebe, zu welchen du unsere Hoffnung erhoben hast, durch deine Barmherzigkeit wirk sam erlangen, durch Jesum deinen Sohn, der mit dir und dem heiligen Geiste lebt und regiert, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebet am Grün- Donnerstage. Von dem ehrwürdigen Thomas von Kempen. Im Vertrauen auf deine Güte, o Herr Jesu Christe, mein Gott und Erlöser! will ich heute zu dir hinzutreten, als ein Kranker zu meinem Heilande, als ein Hungriger und Durstiger zur Quelle des Lebens, als ein Dürftiger zum Könige des Himmels, als ein Knecht zu meinem Herrn, als ein Geschöpf zu meinem Schöpfer, als ein trostloser Mensch zu meinem liebevollsten Tröster. Du, o ewige Güte! hast gesagt: Kommet 15* 228 zu mir, ihr Alle, die ihr mühselig und beladen seid, und ich will euch erquicken."( Matth. 11,28.) Du, o ewige Wahrheit! hast gesprochen: „ Das Brod, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt."( Joh. 6, 52.) " Wer von diesem Brode isset, wird ewig leben." ( V. 59.) Und:„ Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, der für euch wird hingegeben werden! dieß thut zu meinem Andenken."( Luk. 22, 19.) Und: Mein Fleisch ist wahrhaftig eine Speise und mein Blut wahrhaftig ein Trank; wer mein Fleisch isset, und mein Blut trinket, der bleibt in mir und ich in ihm." Wer mein Fleisch isset und mein Blut trinket, der hat das ewige Leben." Und: Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und Leben.( Joh. 6, 56. 57. 55. 64.) 1/ Das sind Worte aus deinem Munde, o Herr Jesu Christe! und weil sie deine Worte, Worte der ewigen Wahrheit sind: so muß ich sie alle dankbar und gläubig annehmen. Sie sind dein, denn du haft sie gesprochen; sie sind aber auch mein, denn zu meinem Heile hast du sie ges 229 sprochen. Ich nehme sie daher mit Freuden aus deinem Munde an, damit sie recht tief in mein Herz eindringen. Diese Worte deiner übergroßen Huld, voll Süßigkeit und Liebe, ziehen mich an; aber meine eigenen Sünden schrecken mich und mein unreines Gewissen treibt mich vom Empfange dieses großen Geheimnisses zurück; deine Worte laden mich freundlich ein; aber meine Sündhaf tigkeit drücket mich.. Doch du befiehlst mir im Vertrauen hinzugehen, wenn ich Theil an dir haben will und die Speise der Unsterblichkeit zu genießen, wenn ich das ewige Leben und die ewige Herrlichkeit zu erlangen wünsche. Ich bitte dich, laß mir diese allerpreiswürdigste Gnade, welche deine göttliche Liebe am heutigen Tage eingesetzet hat, niemals zur Schuld und Strafe, sondern gnädigst jedesmal zur heil vollen Erlangung der Verzeihung gereichen. Sie diene mir zur Bewaffnung des Glaubens und zum Schilde guter Gesinnung, sie reinige mich von meinen Sünden und Gebrechen; sie tilge in mir die böse Lust und Begierlichkeit; sie vermehre 230 in mir die Liebe, die Geduld, die Demuth, den Gehorsam und alle Tugenden; sie sei mir zur festen Schußwehr gegen alle Nachstellungen aller meiner sichtbaren und unsichtbaren Feinde, und zur vollkommenen Beruhigung aller unordentlichen Regungen des Fleisches und Geistes; sie vereinige mich unzertrennlich mit dir, dem einzig wahren Gott, und gedeihe mir zu einem seligen Lebensende. Ich bitte darum auch dich flehentlich, o liebevollster Vater! führe endlich mich Sünder gnädig zu jener unaussprechlichen Mahlzeit, wo du mit deinem Sohne, meinem Heilande, und dem heili gen Geiste, unserm Tröster und Heiligmacher, deinen Heiligen das wahre Licht, die volle Sättigung, die ewige Wonne und die vollendete Freude und vollkommene Seligkeit bist. Amen. 231 Am Charfreitage. Von dem heiligen Bernardus. O mein Jesus, laffe meine Seele bei deinem heiligen Kreuz heute wachen und beten, auf daß dieser hehre und geheimnißreiche Tag nicht fruchtlos an ihr vorübergehe; dieser Tag deines bittern Leidens und Sterbens, welches ja die Erde erschüttert, und die Felsen spaltet und die Gräber öffnet! Nichts konnte in der Welt Besseres zu ihrem Heile geschehen, als was heute geschah auf der Schädelstätte, wo du, o Jesus, duldest und blutest, und stirbst- zur Erlösung der fündi gen Menschheit! Wunderbar, o Herr Jesus, ist dein Leiden, indem es alle unsere Ungerechtigkeiten fühnt, und alle unsere Krankheiten heilt, und die Leiden der ewigen Strafen von den bußfertigen Seelen hinwegnimmt; und gleich wunderbar ist für uns auch dein Tod, denn was ist dem Tode so nah, was nicht durch deinen Tod errettet würde? 232 Wie ausdauernd und stillertragend ist deine Geduld, o mein Jesus, in allen deinen Leiden; denn als man dich am Holze der Pein nach allen Seiten gewaltsam ausspannte, und man dir grausam die Hände und Füße durchbohrte: da murr test du nicht gegen deinen himmlischen Vater, welcher dich gesandt hatte; noch gegen das Menschengeschlecht, für welches du dich dahingabst; noch über dein eigenes Volk, welches, zum Danke für deine so großen Wohlthaten, dich mit allen Martern belastete! Wie hellstrahlend ist auch deine Demuth, o mein Jesus; denn du, in welchem die ganze Fülle der Gottheit nicht bildlich sondern wesentlich wohnt; du, in welchem Gott ist, der sich die Welt versöhnt; du, der weder durch eigene Handlungen, noch als das Erbtheil von andern, eine Sünde auf sich, und nicht einmal die Anlage dazu hat, wurdest, ähnlich dem verworfensten Verbrecher, zu dem entseßenvollsten Tode verurtheilt! Wie übergroß ist aber auch deine Liebe, o 233 mein Jesus! sie übersteigt ein jegliches Maaß, und überragt eine jegliche Höhe; denn nicht für deine Freunde, sondern für deine Feinde bringst du dem himmlischen Vater dich zum Opfer dar; welche andere Liebe ist wohl dieser gleich, oder ist ihr gleich gewesen, oder wird ihr je gleich sein? Wir wurden, durch deinen Tod, dir und dem Vater versöhnt; und ohne unser Verdienst hast du uns Sünder gerechtfertigt, und uns aus Knechten zu Brüdern und aus Gefangenen zu Miterben deines seligen Himmelreiches außerkoren! Und wie erhaben bist du, o Jesus, in deinem Sterben für uns; denn freiwillig, als dir nichts mehr zu vollbringen erübrigte, gabst du dein Leben in den Tod dahin; du gabst es dahin, der du allein die Macht besigest, das Leben zu lassen, und es frei wieder aus den Banden des Todes zurückzunehmen, weil du selbst der Gebieter über Leben und Tod bist! Ach, wie herrlich ist auch dieses dein blutiges Opfer, o mein Jesus; denn es ist ein heiliges, 234 unbeflecktes, vollgültiges, und deßhalb deinem Himmlischen Vater wohlgefälliges Opfer; und würdig bist du, als das wahre Lamm Gottes, welches man auf dem Kreuzaltare schlachtete, hinwegzunehmen die Sünden der Welt! Und wie barmherzig ist dein Flehen, o Jesus, selbst noch über diejenigen, welche dich verfolg ten, und der Schmach des Kreuzes und der allerbittersten Todespein überlieferten; um deiner Feinde Heil ist deine Seele ja mit Mitleid erfüllt, und der Quell deines Blutes fließt als Arznei für ihre Wunden, und ein jeder Tropfen desselben glänzt als Zeugniß deiner unbegrenzten Erbarmungen! deine Wahrheit und Milde siegt - über die Bosheit und Verstocktheit der ganzen Welt! O mein Jesus, wie unerfaßbar ist deine Güte; denn während du, das Brandopfer der Liebe, zu Tode dich hinneigst, bist du noch bereitwillig zum Verzeihen und zum Schonen! Wie sehr entfernt sind deine Gedanken von unsern Gedanfen! Und wie unerschütterlich ist auch deine Sanfte 235 muth gegen die Gottlosen! Deine Worte sind Rosen auf ihre Worte, welche zu scharfen Dornen für dich geworden sind! Oihr Feinde Jesu, unsers Erlösers, ihr seid Steine; jedoch ihr zerschluget einen weicheren Stein, aus welchem das Öhl der Liebe und alles Trostes quillt!- Aber wie wirst du, o Herr, diejenigen erst, welche sehnsüchtig nach dir verlangen, mit dem Strome deiner Liebe tränken, indem du selbst Alle, welche dich kreuzigten, so reichlich mit dem Balsam deiner Barmherzigkeit überschüttest! O mein Jesus, sei mir auch gnädig und barmherzig! Ich will mein Leben lang deiner Arbeiten, und deiner Mühen und deiner Schmerzen, und deiner Leiden eingedenk sein, und unter deinem heiligen Kreuze dir dienen! du bist ja mein allerheiligstes Vorbild, und ich muß dir nachfolgen! Denn, folgte ich dir nicht nach, dann würde auch von mir dein Blut, das Blut des Gerechten gefordert werden, welches vergossen worden ist am Kreuze; und auch ich würde nicht 236 frei sein von jener ungeheuern Frevelthat der Juden, weil ich gegen eine so unendliche Liebe undankbar gewesen wäre, weil ich dem Geiſte der Gnade Schmach angethan, und weil ich den Sohn Gottes mit Füßen getreten hätte! O mein Jesus, der du uns arme Sünder am Kreuz erlöst und mit innigster Liebe umschlossen hast; ich will dich auch umschließen mit aller Liebe ob deiner Gerechtigkeit und gemäß deiner Gerechtigkeit; indem ich alle meine Handlungen fortan auf deine Gerechtigkeit richte, und alle Trübsal und Schmerzen aus Liebe zu dir freudigst erdulde! - O mein Jesus, ich halte dein heiliges Kreuz umklammert, und rufe mit dem Patriarchen zu dir empor:„ Ich werde dich nicht lassen, außer du segnest mich!"- Ja, speise mich einstweilen, o Herr, mit dem Brode der Gnade, und reiche mir den Trank der Thränen, bis du mir dort Oben alle Thränen abtrocknest, wo du im Schooße deines himmlischen Vaters bist, Gott von Gott, und gebenedeit in alle Ewigkeit. Amen. 237 Krenzweg- Andacht. Erste Station. Jesus zum Tode verurtheilt. Wir beten dich an, o Christus! und preis sen dich. Weil du durch dein heiliges Kreuz die Welt erlöset hast. Ach! mein Jesus! ich bitte dich bei jenem ungerechten über dich ausgesprochenen Todesurtheile, das ich so oft durch meine Sündenschulden. unterschrieb, befreie mich von dem Urtheile des ewigen Todes, den ich so oft verdient habe. Vater unser zc. Gegrüßet zc. Erbarme dich unser, o Herr! Erbarme dich unser. Indem man von einer Station zur andern schreitet: spreche man: Heil'ge Mutter! Jesu Wunden, Wie er sie am Kreuz empfunden, Drücke du mir tief in's Herz. 238 Sweite Station. Jesus mit dem Kreuze beladen. Wir beten dich an, o Christus! und prei sen dich. Weil du durch dein heiliges Kreuz die Welt erlöset hast. O mein Jesus! der du gutwillig dich mit dem sehr schweren Kreuze beladen, welches meine Sünden dir auf die Schultern gelegt haben, gib, daß ich die Schwere derselben erkenne und lebenslänglich beweine. Vater unser 2c. Gegrüßet 2c. Erbarme dich unser, o Herr! Erbarme dich unser. Dritte Station. Jesus fällt zum ersten Male unter dem Kreuze. Wir beten dich an, o Christus! und preis sen dich. Weil du durch dein heiliges Kreuz die Welt erlöset hat. 239 O mein Jesus! die große Last meiner Sün den drückte dich unter dem Kreuze zu Boden. Ich hasse und verabscheue sie; ich bitte dich, immer mehr mir meine vielen Sünden zu verzeihen und will sie mit Hülfe deiner Gnade künftig nie mehr begehen. Vater unser zc. Gegrüßet zc. Erbarme dich unser, o Herr! Erbarme dich unser. Vierte Station. Jesus begegnet seiner Mutter. Wir beten dich an, o Christus! und preisen dich. Weil du durch dein heiliges Kreuz die Welt erlöset hast. Betrübtester Jesus! schmerzhafteste Mutter Maria! war ich bis jetzt durch meine Sünden Schuld an euern Leiden, an euern Schmerzen, so soll es mit Gottes Gnade fernerhin nicht mehr so sein, sondern lieben will ich euch treu bis in den Tod. 240 Vater unser 2c. Gegrüßet: c. Erbarme dich unser, o Herr! Erbarme dich unser. Fünfte Station. Simon von Cyrene hilft Jesu das Kreuz tragen. Wir beten dich an, o Christus! und preis sen dich. Weil du durch dein heiliges Kreuz die Welt erlöset hast. Heil dem Simon, welcher dir, o Jesu! das Kreuz tragen half! Heil auch mir, wenn ich dir das Kreuz tragen half! Heil auch mir, wenn ich dir das Kreuz tragen helfe, indem ich geduldig und gerne jene Kreuze trage, die du mir in meinem Leben schicken wirst; aber du, o Jesu! verleih mir dazu deine Gnade. Vater unser 2c. Gegrüßet zc. Erbarme dich unser, o Herr! Erbarme dich unser. 241 Sechste Station. Wir beten dich an, o Christus! und preisen dich. Weil du durch dein heiliges Kreuz die Welt erlöset hast. O mildreichster Jesu! der du holdselig dein heiligstes Antlig jenem Tuche aufgedrückt, mit welchem Veronika dasselbe abtrocknen wollte; ich bitte dich, präge meiner Seele das unauslöschliche Andenken an deine grausamen Schmerzen ein. Vater unser zc. Gegrüßet zc. Erbarme dich unser, o Herr! Erbarme dich unser. Siebente Station. Jesus fällt zum zweiten Male unter dem Kreuze. Wir beten dich an, o Christus! und preis sen dich. Weil du durch dein heiliges Kreuz die Welt erlöset hast. Wegen meiner wiederholten Missethaten fielest 16 242 du, o mein Jesus! wieder zu Boden; ach! hilf mir, jene Mittel anwenden, die kräftig genug sind, mich vor dem Rückfalle in die Sünde zu bewahren. Vater unser 2c. Gegrüßet zc. Erbarme dich unser, o Herr! Erbarme dich unser. Achte Station. Jesus tröstet die Weiber von Jerusalem. Wir beten dich an, o Christus! und preisen dich. Weil du durch dein heiliges Kreuz die Welt erlöset hast. Du, o Jesus! tröstetest die frommen Frauen von Jerusalem, welche weinten, da sie dich so gequält sahen, o tröste du auch meine Seele mit deiner Barmherzigkeit, auf die allein ich vertrauen und welcher ich immer entsprechen will. Vater unser zc. Gegrüßet 2c. Erbarme dich unser, o Herr! Erbarme dich unser. 243 Neunte Station. Zum dritten Male fällt Jesus unter dem Kreuze. Bei dem vielen grausamen Hin- und Herzerren, fällst du, o mein Gott und Heiland! zum dritten Male unter des Kreuzes schwerer Last darnieder; o verleih, ich bitte dich, mein Jesus! daß ich nicht wieder in Sünden verfalle! Ja, Herr Jesus! lieber sterben, als wieder fündigen. Vater unser zc. Gegrüßet zc. Erbarme dich unser, o Herr! Erbarme dich unser. Zehnte Station. Jesus entkleidet und mit Galle getränkt. Wir beten dich an, o Christus! und preis sen dich. Weil du durch dein heiliges Kreuz die Welt erlöset hast. O mein Jesus! der du deiner Kleidung bes raubt und mit Galle getränkt worden, nimm weg 16 244 von mir die Anhänglichkeit an irdische Dinge und verleih, daß ich Alles verabscheue, was von der argen Welt und von der Sünde ist. Vater unser ic. Gegrüßet zc. Erbarme dich unser, o Herr! Erbarme dich unser. Eilste Station. Jesus wird an das Kreuz genagelt. Wir beten dich an, o Christus! und preis sen dich. Weil du durch dein heiliges Kreuz die Welt erlöset hast. Bei den Qualen, welche du erlittest, o mein Jesus! als deine Hände und Füße mit Nägeln an's Kreuz geheftet wurden, bitte ich dich, verleih mir die Gnade, daß ich mein Fleisch allezeit im Geiste christlicher Abtödtung freuzigen möge. Vater unser zc. Gegrüßet 2c. Erbarme dich unser, o Herr! Erbarme dich unser. 245 Swölfte Station. Jesus stirbt am Kreuze. Wir beten dich an, o Christus! und preis sen dich. Weil du durch dein heiliges Kreuz die Welt erlöset hast. O mein Jesus! der du nach drei Stunden der qualvollsten Todesangst für mich am Kreuze gestorben bist, o möge ich eher sterben, als wieder sündigen! Und wenn ich noch länger leben soll, so gib mir die Gnade, daß ich nur lebe, um dich zu lieben und dir treu zu dienen. Vater unser zc. Gegrüßet zc. Erbarme dich unser, o Herr! Erbarme dich unser. Dreizehnte Station. Jesus wird vom Kreuze herabgenommen und auf den Schooß seiner heiligsten Mutter gelegt. Wir beten dich an, o Christus! und prei sen dich. 246 Weil du durch dein heiliges Kreuz die Welt erlöset haſt. O schmerzhafteste Mutter Maria! welch ein Schwert des Schmerzes war es für dich, Jesus deinen geliebten Sohn todt auf deinem Schooße zu sehen! Ach erflehe mir die Gnade, daß ich die Sünde, die Ursache seines Todes und deines so großen Leidens immer verabscheue und künftig als wahrer Christ lebe und selig sterbe. Vater unser 2c. Gegrüßet 2c. Erbarme dich unser, o Herr! Erbarme dich unser. Vierzehnte Station. Jesus wird in das Grab gelegt. Wir beten dich an, o Christus! und preis sen dich. Weil du durch dein heiliges Kreuz die Welt erlöset hast. O Jesus, mein liebenswürdigster Heiland! ich will allem Bösen absterben und lebend und sterbend bei dir bleiben; lebe ich, so will ich dir 247 leben, leben, um dich zu lieben, damit ich dann mit dir im Himmel die süße Frucht deines bittern Leidens und Sterbens genießen möge. Vater unser 2c. Gegrüßet zc. Erbarme dich unser, o Herr! Erbarme dich unser. Gebet. O Gott! der du durch das kostbare Blut deines eingebornen Sohnes die Fahne des lebenbringenden Kreuzes hast heiligen wollen, verleihe, wir bitten dich, daß diejenigen, welche sich der Ehre dieses heiligen Kreuzes freuen, auch deinen Schuß überall genießen mögen. Durch denselben unsern Herrn Jesum Christum. Amen. Vater unser, Gegrüßet und Ehre fei dem Vater 2c., nach Meinung des heili gen Vaters. 248 Lamentationen. Jeremias beklagt als Vorbild Jesu seine Leiden. Ich bin der Mann, der Elend sah; mich traf die Ruthe seines Zornes. Er treibet mich und jagt mich aus dem Lichte in die Finsterniß. Auf mich nur wendet er mit jedem Tage auf's Neue seine Hand. Meine Haut und mein Fleisch hat er welk gemacht, meine Gebeine zerbrochen. Mauern hat er wider mich aufgebaut. Kummer und Mühe um mich gehäuft. Er hat mich in Finsterniß versenkt, wie eine längst modernde Leiche. Er mauerte mich ein, entrinnen kann ich nicht; er belastete mich mit schweren Fesseln. Mein Rufen, mein Schreien hat er nicht gehört. Alle Ausflucht hat er mit Steinen vermauert, alle Wege zerstört. 249 Jerusalem, Jerusalem! bekehre dich zu Gott, deinem Herrn! O du mein Weingarten, den ich vor andern wählte, ich habe dich gepflanzet! Wie bist du ausgeartet, daß du mich kreuzigtest, und den Barrabas loslasſest? Ich habe dich umzäunet, gereiniget von Steinen, und mit einem Wachthurme versehen. Gebet am Charsamstage am Grabe des Erlösers. Von dem ehrwürdigen Thomas von Kempen. Wunderbares Grab Jesu Christi, denjenigen beherbergend, der die Auferstehung und das Leben ist! Du lehrest mich Armuth und Entsagung, und Himmelsluft der Gnade entsteiget deinem Innern. In dir wohnte Selbstverläugnung und Erniedrigung, und die Herrlichkeit des Ostermorgens entringt sich deiner Tiefe. Im Grabe Jesu Christi ward nach unsäglichen Leiden 250 der Leib des Herrn todt niedergelegt, aber Leben und Auferstehung drang aus demselben. Endloser Schmerz verschloß dasselbe, unermeßlicher Osterjubel öffnete es. Heiliges Grab Jesu Christi, lehre mich Armuth und Entsagung Selbstverläugnung und Demuth offenes Bekenntniß des Gekreuzigten und Darbringung jeglichen Opfers zu seiner Ehre, auf daß ich unsterbliches Leben erlange. Der Herr hat mich geliebt und sich selbst für mich dargegeben. Gänzlich hat er sich mir ge schenkt und ohne Vorbehalt für meinen Nugen sich hingegeben, um auch mich gänzlich zu ge winnen. Er starb und ward begraben, um dem Tode seine Schrecken, dem Grabe seine Schauer um meinetwillen zu entreissen, und ich sollte ihn nicht von ganzer Seele lieben, nicht aus allen meinen Kräften? Ferne sei von mir solcher Undank! Hier beim Grabe Jesu Christi gelobe ich Treue und Liebe dem Herrn. Eine Treue seines Bekenntnisses, die nie aufhört, eine Liebe, - - 251 die noch den Tod überdauert, um in seliger Auferstehung den Heiligsten aller Heiligen zu schauen! Amen. Am Osterfeste. Alleluja. Von dem heiligen Bernhardus. Alleluja dem Gottmenschen Jesus Christus! Er hat überwunden der Löwe vom Stamme Juda! Bollkommen hat die Weisheit über die Bosheit, und das Leben über den Tod gesiegt! Er ist auferstanden von den Todten am dritten Tage, wie er es geweifsagt hatte! Alleluja dem Gottmenschen Jesus Christus! Was ist es nun mit den Lästerungen der Feinde! Was ist es nun mit der Gefangennehmung? Und was ist es nun mit dem Rufe des Hohnes: ,, Bist du Christus, so steige herab von dem Kreuze!" Er stieg nicht herab, um auszuharren bis an das Ende, und das Werk der Erlösung zu vollbringen; denn er bedurfte der - - 252 Erlösung nicht, indem er selbst das Heil und die Erlösung ist! Und er ließ das Abendopfer unserer Errettung nicht unvollendet! Alleluja dem Gottmenschen Jesus Christus! Der zuerst die Arme des Kreuzes mit den Edelsteinen der Geduld, der Demuth, des Gehorsams und der Liebe schmückte, und dann erst für uns im Tode verblutete; er ward durch die Stimme des Vaters erweckt; und der nicht von dem Kreuze herunterstieg, ging aus dem ver schlossenen Grabe glorreich hervor, wie sorgfäl tig auch die Feinde das Grab mochten versiegelt und mit Wächtern umstellt haben. 11 Alleluja dem Gottmenschen Jesus Christus! - Er, das Buch des Lebens, welches der Tod verschlossen hatte, hat, am dritten Tage, mit seiner Allmacht sich selbst wieder erschlossen! Er besiegte ja die Hölle, den Tod und das Grab und stand siegreich auf von den Todten! Weinet darum nicht mehr, ihr heiligen Frauen und Jünger, und verscheuchet die Nebel der Betrübniß im Lichte der Osterglorie! Freuet euch im Herrn, 253 ihr Gerechten, und jauchzet Alle, die ihr auf richtigen Herzens seid! Alleluja dem Gottmenschen Jesus Christus! Durch den Tod Jesu ist der Tod gestorben, und wir Alle sind wiedergeboren zur Hoffnung des Lebens durch die Auferstehung Jesu Christi von den Todten! - Alleluja dem Gottmenschen Jesus Christus! -Er verschob seine Auferstehung nicht über den dritten Tag hinaus, auf daß der Prophet als wahrhaftig erfunden würde, welcher spricht: ,, Er wird uns beleben nach zwei Tagen, und am dritten Tage wird er uns erwecken!" Aber auch wir Alle, die wir unserm Haupte nachfolgen, wollen den ganzen Tag unsers irdis schen Daseins, da wir durch ihn erlöst und er rettet worden sind, nicht aufhören, unser Kreuz auf uns zu nehmen; ausharrend an demselben wie Jesus Christus selbst an dem Seinigen ausharrte, bis uns der Herr, am Ziel unsers Wirkens, ruft, daß wir ausruhen sollen von unsern Mühen! 254 Wir wollen auf Niemanden hören, weder auf Fleisch und Blut, noch auf die Welt und ihre Lust, welche uns ermuntert, von unserm Kreuze herabzusteigen! Wir wollen ausharren und sterben am Kreuze, bis wir von andern Händen, von den Händen Gottes, und nicht von unserer Unbeständigkeit, von ihm, herabgenommen werden! Unser Haupt, unsern Herrn Jesus, haben ja die frommen Männer vom Kreuze herabgenommen; und uns mögen, auf das Geheiß Gottes, die heiligen Engel dereinst herabnehmen, auf daß wir, nach dem siegreich überwundenen Tage des Kreuzes, am folgenden Tage, welcher nach dem Tode kommt, sanft ruhen und glücklich schlummern in den Gräbern; erwartend die Ankunft der Herrlichkeit des großen Gottes, der endlich am dritten Tage auch unsere Leiber auf erwecken wird, um sie, nachdem er sie erneuert und ähnlich gemacht hat der Glorie seines verklärten Leibes,- mit ihrer Seele vereinigt- 255 in das selige Reich des ewigen Lebens einzu führen! Amen. Alleluja! Alleluja! Heilig, Heilig, Heilig! Von der heiligen Mechtild. Heilig, heilig, heilig ist der Herr Gott Sabaoth! Himmel und Erde sind erfüllt von der Glorie seiner Herrlichkeit! Alleluja! Lasset uns dem Herrn entgegenjubeln, und uns ihm entgegenfreuen, und ihn preisen und verherrlichen; denn der Tag des Frohlockens hat sich genaht! Alleluja! Das Lamm, welches da getödtet worden war, ist würdig- zu empfangen Lob und Preis, und. Verherrlichung und Danksagung, und Ehre und Anbetung! Alleluja! Preiset den Herrn, unsern Gott, alle seine Diener; und ihr Alle, Große und Kleine, die ihr ihn fürchtet! Alleluja! Glorie, Macht und Herrschaft sei dem, der 256 auf dem Throne waltet, und dem Lamme in Ewigkeit! Alleluja! Allmächtiger, ewiger Gott, der du bist, und der du warst, und der du sein wirst; wir brin gen dir das Opfer unsers Dankes dar, weil du Jesum Christum, deinem Gesalbten, die Allmacht deiner Gewalt mitgetheilt hast! Alleluja! Nun ist uns gekommen, und es ist erhöht das Heil und die Kraft und das Reich unsers Gottes und Jesu Christi, seines eingebornen Sohnes! Alleluja! Denn zerschlagen liegt jetzt die Gewalt des Feindes, und überwältigt und gebrochen ist der Stachel des Todes! Alleluja! Und ich, das unwürdigste aller deiner Ge schöpfe, o mein Gott, du König aller Könige, beuge mich tief vor dir, und gebe dir zum steten Opfer mein Alles, meinen Leib und meine Seele, um dir im getreuesten Dienste zu huldi gen, so lange ich lebe zur Verherrlichung deiner glorreichen Auferstehung! Amen. Alleluja. - 257 Am Feste Christi Himmelfahrt. Sursum corda! Empor die Herzen! Betet an und lasset uns froh sein ob des Triumphes unsers Herrn und Heilandes Jesus Christus; denn er hat die Thüre des Himmels geöffnet und hat die Bahn dahin Allen gebrochen, welche getreu ihm nachfolgen wollen auf dem Wege des heiligen Kreuzes; und uns, die seither Verbannten, will er in unser rechtes Vaterhaus zurückführen, wo er uns zu Mitbürgern der Engel und zu Hausgenossen Gottes bestimmt hat! Betet an und lasset uns froh sein ob des Triumphes unsers Herrn und Heilandes Jesus Christus; denn unter den Lobliedern der Engel und dem Jauchzen der Cherubim und Seraphim hat er, wie auf Windesflügeln, diese Erde verlassen und fuhr zum Himmel empor, und thront nun zur Rechten des Vaters, um vor seinem Angesichte stets für uns zu bitten; denn einen solchen Hohenpriester sollten wir haben, der da 17 258 wäre heilig, unschuldig, unbefleckt und höher als der Himmel ist!" Betet an und lasset uns froh sein ob des Triumphes unsers Herrn und Heilandes Jesus Christus; denn Herr" ist sein Name! Seine Erbarmungen preisen ihn vor dem himmlischen Vater; und vor den Menschenkindern preisen ihn alle die Wunderwerke, welche er vollbracht hat! Gebenedeit sei er, der Herr, unser Gett, wel cher sein Volk aus dem Untergange zu dem Lichte des Lebens rettet und es hinlenkt zu dem Genusse himmlischer Freuden! O Herr und Heiland Jesus Christus, du unser Gott und Herr in Ewigkeit; deine Glorie trage dich empor über die Abgründe der Erde und über alle Höhen der Himmel, auf daß du auch uns einen lieblichen Ausgang bereitest und uns hinlenkest zu dem Orte der seligsten Er quickung! Löse unserer Gefangenschaft Bande recht bald und ertheile uns huldreich, was wir uns bei dir ersehnen! Eingehen wollen wir in dein Haus, und vor dem Angesichte deiner Engel 259 wollen wir lobsingen dir, dem im Reiche der Erde und des Himmels Ruhm und Preis gebührt in alle Ewigkeit! Dir aber, o himmlischer Vater, soll eine jegliche Zunge danken für die unaussprechliche Gabe deiner unermeßlichen Liebe, in welcher du deines eingebornen Sohnes selbst nicht schontest, sondern für uns ihn dargegeben in den Tod; und ihn dann nach seiner Auferstehung wieder auf genommen haft in den Himmel, damit wir alle jetzt in ihm unsern treuen Mittler und unsern er barmungsvollen Stellvertreter im Himmel vor deinem allerheiligsten Angesichte besitzen. Amen. Am Pfingstfeste. Gebet zum heiligen Geiste, von dem gottseligen Pater Ludwig von Granada. O Tröster heiliger Geist, der du am Pfingsttage auf die Apostel herabgestiegen bist, und sie mit Liebe, Gnade und Weisheit erfüllt hast, ich bitte dich, daß du in deiner unendlichen Barm17* 260 herzigkeit und Mildthätigkeit mich würdigen wolleft, auch meine Seele mit Gnade zu erfüllen und mein Herz mit Liebe zu dir zu durchdringen. O komme heiliger Geist, und verbreite die Strahlen deines Lichtes in meine Seele. Komm o Vater der Armen, o Geber alles Guten, o Licht der Herzen! Komm o bester Trö ster, o süßer Seelengast, du Erfrischer des Her zens, komme du, der du die Kranken gesund machst, den Bösen verscheuchest, komm o Stärke der Schwachen, komm o Vergeber der Sünden, komm o Lehrer der Demüthigen, Zerstörer der Stolzen, o einzige Zierde aller Tugenden, einzi ger Trost der Sterbenden, komme o mein Gott und laß mich dich erkennen in deiner Göttlichkeit und Barmherzigkeit. Gib mir Weisheit, erhalte meinen Verstand und leite meine Rathschlüsse und gib mir Kraft, habe Erbarmen bei meinen Güns den und erfülle mein Herz mit deiner Furcht. O süßester Liebhaber aller Herzen der Welt, fülle meine Adern mit dem Feuer der heißesten Liebe zu dir, der du der Mittelpunkt alles Guten bist 261 und mein bestes Ziel. O süßester Liebhaber aller heiligen Seelen, sei auch meiner nicht uneingedenk, da ich aus mir selber nichts vermag, strecke deine Hand über meinem Haupte aus, laß mich aus mir selber heraustreten, auf daß ich zu dir gelange; ertődte, lösche aus und vernichte in mir Alles, was dir mißfällt. Gestalte Alles in mir nach deinem heiligsten Willen, auf daß mein Leben vor dir ein vollkommenes Opfer werde, damit es vor dir sei wie der Weihrauch, den du mit dem Feuer deiner Liebe anzündest. O wie groß ist mein Verlangen nach jenem unendlichen Gute. O Herr höre mich, und sieh', wie deine niedrige Kreatur Nacht und Tag zu dir auffeufzet und meine Seele zu ihrem Gotte fliehet! Wann werde ich vor deinem Angesichte erscheinen dürfen? Wann werde ich in dein heiliges Tabernakel eintreten dürfen, um Gott meinem Herrn nahe zu sein? Wann wird mein Herz mit deiner Freude erfüllt sein? Wann werde ich vor deinem Angesichte an deiner Glorie mich sättigen können? Wann werde ich von aller Versuchung durch 262 dich befreit sein und wann werde ich aufhören ein zerbrechliches und sterbliches Geschöpf zu sein? O Quelle der unendlichen Herrlichkeit, versenke mich in das Meer deiner unendlichen Güte, auf daß ich zu dir zurückkehre, der ich von dir ge schaffen bin, auf daß ich dich sehe, dich erkenne und bei dir sei in der Gesellschaft aller Auserwählten, wie du mich gesehen von Ewigkeit her. Amen. Litanei vom heiligen Geiste. Herr, erbarme dich unser! Christus, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme dich unser! Heilige Dreieinigkeit, ein einiger Gott, Heiliger Geist, du Geist der Wahrheit und Weisheit, Geist des Verstandes und der Stärke, Geist der Andacht und des guten Rathes, Geist des Glaubens und der Hoffnung, Geist der heiligen Furcht und Liebe, Geist der Freude und des Friedens, Geist der Güte, der Sanftmuth und Geduld, Geist der Enthaltsamkeit und Reinigkeit, Geist der Demuth und Abtödtung, Geist des Lebens und des Heiles, Geist der Tugenden und heiligmachenden Seelen, Du Geist aller Kinder Gottes, Du Lehrer und Regierer der heiligen katholischen Kirche, 263 Du Ergründer der Gedanken und Herzen, Du Trost der Betrübten und Stärke frommer Seelen, Du Krone aller Vollendeten, Du Freude der Engel, erbarme dich unser! 264 Du Erleuchter der Patriarchen, Du Einsprecher der Propheten, Du Weisheit der Apostel, Du Sieg der Märtyrer und Bekenner Christi, Du Reinigkeit der Jungfrauen, Du Salbung aller Heiligen, Sei uns gnädig, verschone uns, o heiliger Geist! Sei uns gnädig, erhöre uns, o heiliger Geist! Vom Geiste des Irrthums, Vom Geiste der Gotteslästerung, Von aller Sünde und Versuchung zu derselben, Von Widerstrebung gegen die anerkannten Wahrheiten des Heiles, de Vom vermessenen Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit, Von der Verzweiflung an der göttlichen Gnade, Von Bosheit, Mißgunst und aller Lieblosigkeit, Von Verstockung und Unbußfertigkeit, erbarme dich unser! erlöse uns, heiliger Geist! 265 ger Geist! erlöse uns, o heili. Von aller Nachlässigkeit und Trägheit im Guten, Von allen bösen, unreinen und unlautern Gesinnungen und Handlungen, Von einem plöglichen und unseligen Tode, Von dem ewigen Verderben, Wir arme Sünder, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du die heilige, katholische Kirche erhöhen, ihre Hirten erleuchten und alle ihre Mitglieder heiligen wollest, Daß du uns die Gnade verleihen wollest, dich nie zu betrüben, Daß du in uns die Andacht und Gotterges benheit immerdar vermehren wollest, Daß du uns, gleich den Aposteln, Sanftmuth und Liebe einflößen wollest, Daß du alle unsere Gedanken, Worte und Werke in dir vereinigen und heiligen wollest, Daß du uns durch und durch reinigen und zu deiner Wohnung einweihen wollest, Daß du unsern Leib und unsere Seele wir bitten dich, erhöre uns! 266 als deinen Tempel unbefleckt erhalten wollest, Daß du in Leiden uns trösten und aufrichten wollest, Daß du uns Gewissensruhe und wahre Gottseligkeit verleihen wollest, Daß du uns in deiner Gnade befestigen und selig machen wollest, Daß du die Irrenden erleuchten und in den Schooß deiner heiligen Kirche führen wollest, Daß du uns Alle in die Gesellschaft der Auserwählten aufnehmen wollest, wir bitten dich, erhöre uns! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o heiliger Geist! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o heilis ger Geist! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser, o heiliger Geist! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Herr, erbarme. dich unser! Christus, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Vater unser zc. Gegrüßet zc. 267 Gebet. Oheiliger Geist, Geist des Herrn, komm, wir bitten dich, mit deinen Erleuchtungen und Tröstungen über uns liebend herab; erhelle den Verstand, und weihe unser von dir geheiligtes Herz zu deinem Tempel! O heiliger Geist! komm und bringe uns Gottes Segen und Jesu Frieden; Tröste uns und alle Leidenden, ermuntere und stärke die Schwachen, belehre und unterstütze die Schwankenden, schrecke die Sünder auf, rühre ihre kalten Herzen zur Buße und erwecke in ihnen Liebe und kindliches Vertrauen zu dir, damit alle Menschen in Freude und Frieden dich dankbar loben und anbeten, dich und den Vater, 268 so wie auch den Sohn, unsern Herrn, als dreis einigen, heiligen Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Am Frohnleichnamsfeste. Von der heiligen Gertrud. Sei gegrüßt, o edelster Frohnleichnam und kostbares Blut meines Herrn Jesu Christi, der du hier wahrhaftig unter den Gestalten des Brotes gegenwärtig bist! Ich bete dich an mit jener Verehrung und Andacht, in welcher die neun Chöre der Engel dich verehren und anbeten. Bor dir sinke ich im Geiste der Demuth nieder und bekenne, daß du, mein Gott und Herr, hier wahrhaft in deinem göttlichen Sakramente enthalten bist! Sei gegrüßt, du hochwürdigster Leib Jesu Christi meines Erlösers, du wahre, lebendige Hostie, die da aufgeopfert ward am Stamme des heiligen Kreuzes! Ich bete dich an in Vereinigung mit jener Anbetung, die deine heilige 269 Menschheit der Gottheit darbrachte, und danke dir im Namen aller Geschöpfe für die namenlose Liebe mit welcher du hier zu unserm Heile verborgen bist! Sei gegrüßt, o mildester Jesu, du Wort des Vaters, Abglanz seiner Glorie, Quell der Milde, Heil der Welt, Lamm Gottes, lebendiges Brot, allerheiligstes Opfer, das Himmel und Erde versöhnt! Sei gegrüßt, o Jesu, du Wort, das da Fleisch ward, du gewaltigster König, du Gefäß der Gottheit, Brot der Engel, Erquicklung der Heiligen und Ursprung ewiger Wonnen! Sei gebenedeit, o du hochwürdigste Gott heit und Menschheit Jesu Christi, die du hier unter diesen unscheinbaren Gestalten zum Troste unserer Seelen verborgen bist! Dich lobe und benedeie ich, dich erhöhe und verherrliche ich in Ewigkeit! Ich glaube fest und unbezweifelt, daß du, mein Gott, hier gegenwärtig bist; aus diesem heiligen Sakramente mich ansiehst und das In 270 nerste meines Herzens durchschauest. Ich glaube, daß unter den Gestalten des Brotes nicht allein dein Leib und dein Blut, sondern auch deine ganze Gottheit und Menschheit wahrhaft enthalten sind. Und ob ich es auch nicht vermag, dieß zu erfassen, so glaube ich es dennoch so fest, daß ich bereit bin, diese Wahrheit mit meinem Blute zu besiegeln! Vor dir, o allerheiligstes Sakrament, falle ich mit tiefster Ehrfurcht nieder und spreche mit allen heiligen Engeln und Erzengeln, Herrschaften und Fürstenthümern, Gewaltigen und Thronen, Cherubim und Seraphim, und mit allen himmlischen Heerschaaren: Hochgelobt sei tausend und tausendmal das heiligste und hochwürdigste Sakrament des Altars! O Jesu, du holdselige Blume vom Stamme Jesse, du wahrer, gewaltiger Friedensfürst, ich bitte dich durch die unaussprechliche Liebe, die du zu den geliebten Seelen deiner Auserwählten trägst, erbarme dich unser, und opfere dich selbst deinem ewigen Vater zu unserm Heile auf! 271 O du edelstes Kleinod des väterlichen Herzens, geliebtester Jesu, durch die gegenseitige Liebe deines Herzens und der allerhöchsten göttlichen Dreieinigkeit, begrüße ich dich und danke dir, daß du dieses göttliche und trostreiche Sakrament eingesetzt hast, wodurch Himmel und Erde erfreut und immerdar mit Gnade erfüllt werden! Gebenedeit sei deine mildeste Weisheit, o füßester Jesu, durch welche du ein so wunderbares Mittel erfunden hast, unter uns Menschen zu wohnen und dich selbst zu unserm Heile zu spenden! Gebenedeit sei deine ewige Allmacht, die dieses so unerforschliche Wunder wirkte, wel ches die Engel im Himmel nicht gänzlich zu ergründen vermögen! Gepriesen sei der unermeßliche Abgrund deiner honigfließenden Güte, welche dieses erhabene Zeichen deiner überschwanglichen Liebe uns8 Armen gegeben hat, das alle Schätze des Himmels und der Erde unendlich übertrifft. O Jesu, du einzige wahre Hoffnung und 272 sicherste Zuflucht meiner Seele! Dich lobe ich, dich liebe ich, dich ehre und bete ich an, und flehe inbrünstig zu dir, opfere in dieser Stunde deinem himmlischen Vater für meine zahllosen Schulden dich auf, gleichwie du am heiligen Kreuze für die Sünden der Welt dich aufgeopfert haft! Jesu, du meine süße und einzige Liebe, blicke mit den Augen deiner mildesten Barmherzigkeit auf meine unwürdige sündliche Seele herab, da ich in Demuth auf den Knieen vor dir liege und dich um die Verzeihung meiner Sünden bitte! O himmlischer Vater, ich opfere diesen, deinen unendlich geliebten Sohn, der sich uns in diesem heiligsten Sakramente gegeben hat, deiner allerhöchsten Majestät zu einem Lob- und Dankopfer auf für deine unendliche Glorie und Herrs lichkeit, die du in dir, für dich und für uns bewahrest, und durch dieses allerheiligste Sakrament auf wunderbare Weise uns mittheilest und bis an's Ende der Zeiten mittheilen wirst! 273 Ich opfere ihn dir zu einem ewigen Versöhnungsopfer für alle unsere Missethaten, und flehe innig zu dir: gedenke, o mildester Vater, jener reichlichsten Genugthuung, die er am heiligen Kreuze dir darbrachte! Blicke hin auf das Angesicht deines Gesalbten, und erlaß um seinetwillen uns alle Vergehungen! Endlich, o mein Gott! opfere ich ihn dir zu einem Opfer des Friedens, alle Gnaden, welcher wir an Leib und Seele bedürfen, durch ihn zu erflehen: auf daß wir dich vollkommen erkennen, an dich glauben, auf dich hoffen, dich lieben und anbeten, dir dienen und anhangen als an den letzten Augenblick unsers Lebens. Amen. Litanci vom allerheiligsten Sakrament des Altars. Herr, erbarme dich unser! Christus, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christus, höre uns! 18 274 Christus, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geist, Heiligste Dreieinigkeit, ein einiger Gott, Du lebendiges Brot, daß du vom Himmel herabgestiegen bist und der Welt das Leben gibst, Du Brot, das alle Süßigkeit in sich enthält, Du verborgener Gott und Heiland, Du liebliche Frucht der Auserwählten, Du wunderbares Brot der Engel, Du Frucht des Baumes des Lebens, Du unversiegbarer Quell der Gnaden, d Du immerwährendes Opfer, Du fleckenloses Lamm, Du allerhöchst reiner Tisch des Herrn, Du Speise der seligen Geister, Du verborgenes Manna, Du Denkmal der Wunder des Herrn, Du Schatz der Gläubigen, Du übernatürliches Brot der Seelen, erbarme dich unser! Du liebliche Erquickung heiliger Gemüther, Du Wort des Vaters, das da Fleisch ward und unter wohnt, Du hochheiligste Hostie, Du Kelch der Segnungen, Du Geheimniß des Glaubens, Du hocherlauchtes und hochwürdigstes Sa krament, Du heiligstes aller Opfer, Du wahrhaftes Versöhnungsopfer für Lebendige und Abgestorbene, Du himmlische Arzenei, wodurch wir vor Sünden bewahrt werden, Du hocherstaunlichstes aller Wunder Gottes, Du lebendiges Andenken an die Leiden des Herrn, Du Gabe, die alle Fülle übersteigt, Du vorzügliches Denkmal der göttlichen Liebe, Du Überfluß der göttlichen Freigebigkeit, Du allerheiligstes und erlauchtestes Geheimniß, 18 275 erbarme dich unser! 276 Du Speise der Unsterblichkeit, Du schrecklichstes und belebendes Sakrament, Du Brot, daß durch die Allmacht des Wortes Fleisch ward, Du unblutiges Opfer, Du Speise und Gast, Du süßestes Gastmal, dem die Heiligen dienend beiwohnen, Du Sakrament der Milde, Du Band des Friedens und der Liebe, Du allerhöchster Priester und Opfer, Du geistliche Lieblichkeit, in ihrem eigenen Quell gekostet, erbarme dich unser! Du Trost der Betrübten, Du Wegzehrung der Sterbenden im Herrn, Du Unterpfand der künftigen Glorie, Sei uns gnädig, verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Herr! Von allem Übel, erlöse uns, o Herr! Von dem unwürdigen Empfange deines aller heiligsten Leibes und Blutes, erlöse uns, o Herr! 277 Von der Begierlichkeit des Fleisches, Von der Begierlichkeit der Augen, Von der Hoffart des Lebens, Von allen Gelegenheiten zur Sünde, Durch jenes Verlangen, in welchem du dich sehntest, dieses Osterlamm mit deinen Jüngern zu genießen, Durch die tiefste Demuth, mit der du deinen Jüngern die Füße gewaschen hast, Durch die glühendste Liebe, mit der du dieses göttliche Sakrament eingesetzt hast, Durch dein allerheiligstes Fleisch und Blut, daß du uns in diesem wunderbaren Sakramente hinterlassen hast, Durch die heiligen fünf Wunden dieses deines allerheiligsten Leibes, die du für uns empfangen hast, Wir arme Sünder, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du den Glauben, die Ehrfurcht und Andacht zu diesem hocherlauchten Sakramente in uns vermehren und erhalten wolleft, wir bitten dich, erhöre uns! erlöse uns, o Herr! 278 Daß du uns von dem Tode der Sünden zum ewigen Leben erwecken wollest, Daß du alles Sündliche in uns ertődten und ausrotten wollest, Daß du in deiner Gnade und Liebe uns kräftigen wollest, Daß du uns vor allen Nachstellungen des Teufels bewahren wollest, Daß du uns durch wahre Beicht und Buße zur oftmaligen Kommunion deines göttlichen Sakramentes führen wollest, Daß du uns vor allem Unglauben, vor Irrglauben, Untreue und Blindheit des Herzens bewahren wollest, Daß wir uns immerdar in heiliger FreudigFeit in dir erfreuen mögen, Daß du das Feuer deiner Liebe in uns entzünden wollest, Daß du uns mit dem Bande der ewigen Liebe vereinigen wollest, Daß du in unserer Todesstunde mit dieser heiligen Wegzehrung uns stärken und waffnen wollest, wir bitten dich, erhöre uns! 279 Daß du uns zum Gastmale des ewigen Lebens führen wollest, wir bitten dich, erhöre uns! Du Sohn Gottes, wir bitten dich, erhöre uns! O du Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes, daß du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser, o Herr! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Herr, erbarme dich unser! Christus, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Vater unser 2c. Ein Denkmal seiner Wunder hat der gnädige und barmherzige Gott errichtet. Speise hat er denen gegeben, die ihn fürchten. Brot vom Himmel hast du uns gegeben, o Herr! Das alle Lieblichkeit und allen Wohlgeschmack in sich enthält. 280 Von deinem Altar, o Herr! empfangen wir Christum; In dem unser Herz und unser Fleisch froh locken! Herr, erhöre mein Gebet: Und laß mein Geschrei zu dir kommen! Gebet. O Gott! der du uns unter deinem wunderbaren Sakramente ein Denkmal deines Leidens hinterlassen hast, wir flehen zu dir, laß die heiligen Geheimnisse deines Leibes und Blutes uns also verehren, daß wir die Frucht deiner Erlősung immerdar in uns erfahren, der du lebest und regierest in Ewigkeit! Amen. Am Feste der heiligen Apostel Petrus und Paulus. Von dem heiligen Chrisostomus und dem Papste Leo dem Großen. Welchen Dank kann ich euch, ihr heiligen Apostel, abstatten, die ihr so Vieles für mich 281 und für Alle gearbeitet habet! Ich gedenke deiner, o Petrus, und erbebe in Schauern; ich denke an dich, o Paulus, und werde entzückt im Gemüthe, und von Thränen überronnen! Was soll ich sagen, was sprechen, wenn ich euere Leiden betrachte? Ich weiß es nicht! Wie viele Kerker habet ihr geheiligt, wie viele Ketten geziert, wie viele Martern ausgestanden, und wie viele Verwünschungen erduldet? Wie habt ihr Jesus Christus umhergetragen, und wie habt ihr durch euere Predigt die Kirchen erfreuet? Euere Zungen sind gesegnete Werkzeuge, und euere Glieder sind mit Blut besprengt, um Jesus und seiner Kirche willen! Ihr seid in Allem dem Erlöser nachgefolgt! In alle Länder ist euer Ruf gedrungen, und euere Worte ertönten bis an die Grenzen der Erde! Freue dich, o heiliger Petrus, denn dir wurde vergönnt, das Holz des Kreuzes Christi zu theilen! Du hast zwar nach dem Vorbilde deines Meisters wollen gekreuzigt werden, aber nicht in gleicher Weise wie Jesus, der Herr, sondern mit dem Haupte gegen die Erde, wie 282 Einer, welcher von der Erde zum Himmel pilgert! Selig sind die Nägel, die in deine heiligen Glieder drangen! Du hast mit allem Vertrauen deine Seele in die Hände des Herrn empfohlen, der du stets ihm und der Kirche, seiner Braut, gedient, der du den Erlöser inbrünstig geliebt, und ihm der Getreueste unter den Aposteln gewesen bist! Auch du freue dich, o heiliger Paulus, dem mit dem Schwerte das Haupt abgeschlagen wurde für Jesus Christus, und dessen Tugenden nicht mit Worten können geschildert werden! Ein Schwert hat deinen Hals durchdrungen, du hehres Werkzeug des Herrn, welches der Himmel bewundert und die Erde verehrt; und dieses Schwert soll mir deshalb als eine Krone gelten, und die Nägel des heiligen Petrus als Edelsteine, welche dieser Krone angefügt bleiben!- Guer Vorbild aber, das mir von Seiten Gottes zum Muster der Geduld und zur Bestärkung des Glaubens aufgestellt ist, läßt mich vertrauen, daß mir, unter allen Mühen dieses Lebens, durch euer besonders fürsprechendes Gebet- zur Er 283 werde langung der göttlichen Barmherzigkeit geholfen werden; so daß ich, je mehr ich durch meine eigenen Sünden niedergedrückt bin, desto mehr durch eure apostolischen Verdienste aufgerichtet werde, durch unsern Herrn und Erlöser Jesus Christus, welcher mit dem Vater und heiligen Geiste dieselbe Macht und dieselbe Gottheit besigt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Am Feste Mariä- Himmelfahrt. Von dem heiligen Anselmus. Oheiligste, der Seele und dem Leibe nach keuscheste, an allen Sitten holdseligste Jungfrau, Jungfrau und Königin der Jungfrauen, die du nie, weder durch Gedanken, noch durch Worte von der geringsten Makel befleckt wurdest, sondern immerdar vollkommen rein, fleckenlos, unversehrt in der Liebe, unbefleckt im Gemüthe, nichts dem Gesetze schuldig warest, du erfülltest, uns ein Beispiel der Demuth in dir zu zeigen, das Gesetz der Reinigung, das Müttern vorgeschrieben 284 ist, die durch die Geburt verunreinigt wurden! Zum Tempel trugest du, unversehrte Gottesgebårerin, mit dir gereinigt zu werden, denjenigen, den du gebarst und der durch seine Geburt die Glorie deiner Jungfräulichkeit erhöhte, die Sünden der Menschen hinwegreinigte und sie noch täglich durch das Sakrament der Buße von seinen Dienern hinwegnimmt! Ihn trugest du mit dir zur Reinigung dahin, der am Altare des Kreuzes die Sünde der erblichen Schuld tilgre und in dem unblutigen Opfer uns täglich von unsern Ungerechtigkeiten reinigt. Ihn trugest du mit dir zur Reinigung dahin, der als Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedech, täglich Mitleid mit unsern Schwächen hat, die Sünden seines Volkes sühnt und sich noch an jedem Tage Gott seinem himmlischen Vater zum Opfer dar bringt, auf daß, wenn wir uns bekehren, unsere Sünden wahrhaft bereuen und beichten, der gerechte und geduldige Gott uns verzeihe und los spreche. In Seinem Namen, o lilienreine Jungfrau, 285 fliehe ich zu dir! In Seinem süßesten Namen und um Seiner Liebe bitte ich dich, nimm mich huldreich auf, der ich zu dir meine Zuflucht nehme; und hilf mir durch die Verdienste deiner keuschesten Reinigung, daß ich in heiliger Freude die Reinigung eines unreines Gewissens erlange und nie wieder den Schmerz neuer Verunreinigung durch irgend Sünden oder Laster empfinden müsse! Nimm mich auf, o heilige Gottesgebärerin, und bitte für mich Sünder bei deinem süßesten Sohne, der gebenedeiten Frucht deines Leibes, Jesus Christus, der mit Gott dem Vater und dem heiligen Geiste lebt und regiert, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Messgesänge. Erster Meßgesang. Zum Introitus. 1. Wir werfen uns darnieder Vor dir, Gott Sabaoth! Erhöre uns're Lieder, Da wir nach dem Gebot Dir dieses Opfer bringen; Verleihe nun, daß wir Es andachtvoll besingen, Und wohlgefallen dir. 2. Den Tag vor Jesu Leiden, Beim letzten Abendmal, Indem er wollte scheiden Aus diesem Jammerthal, Hat er das Brod gebrochen, Und ausgetheilt den Wein, Gesegnet und gesprochen: Dies thut und denket mein. Zum Gloria. Gott, Vater! dir gehöret Lob, Ruhm und Dank und Ehr', Was unsre Ruhe störet, Verstatte nimmermehr; Auf Erden laß uns grünen Den Frieden jederzeit, Daß wir dir fröhlich dienen, Von Furcht und Angst befreit. Zum Evangelium. 1. Aus Gottes Munde gehet Das Evangelium, Auf diesem Grunde stehet Das wahre Christenthum; Gott selber hat's gelehret, Der nicht betrügen kann, Wohl dem, der's gerne höret, Und es nimmt willig an! 287 288 2. Sein Wort zeigt uns die Wege Zum Himmelreiche an, Es weiset uns die Stege Zu gehen diese Bahn. Herr! drücke deine Worte Tief in die Herzen ein, Daß wir zur Himmelspforte Zu kommen würdig sein. Zum Credo. 1. Wir glauben und bekennen, Daß aus höchst weisem Rath Gott, den wir Vater nennen, Die Welt erschaffen hat. Von ihm ist ausgegangen Sein Sohn, der Jesus heißt, Der ward als Mensch empfangen Durch Gott, den heil'gen Geist. 2. Maria hat geboren Als Jungfrau dieses Kind, Sonst wären wir verloren, Wir, die wir Sünder sind; Er litt an Leib und Seele, Schloß sterbend seinen Lauf, Stand aus des Grabes Höhle Am dritten Tage auf. Zum Offertorium. 1. Herr, laß doch diese Gaben Dir wohlgefällig sein, Die wir geopfert haben, Es ist zwar Brot und Wein; Doch wird's verwandelt werden In Christi Fleisch und Blut, Das ist uns hier auf Erden Und den Verstorb'nen gut. 2. Wir opfern dir den Willen, Herz und Gedanken auf; Hilf uns, daß wir erfüllen In unserm Lebenslauf, Was du uns, deinen Kindern, Zu thun befohlen hast; Nimm weg, was uns kann hindern, Nimm weg die Sündenlast. Zum Sanctus. Laßt uns gen Himmel schwingen, Zum Helfer in der Noth, 19 289 290 Und dreimal heilig singen Dem Herrn Gott Sabaoth. Herr! Himmel und auch Erde Sind voll von deinem Ruhm, Hilf, daß bekehret werde Das blinde Heidenthum. Nach der Wandlung. 1. Hier bet' ich auf den Knien, Verborgner Gott, dich an; Ich will mich nicht bemühen, Das, was du hier gethan, Durch Sinne zu begreifen. Dein Wort muß mir allein, Um hier nicht auszuschweifen, Der Grund des Glaubens sein. 2. Die Gottheit war bedecket Allein am Kreuzaltar; Hier aber ist verstecket Die Menschheit auch sogar. Dieß Denkmal deiner Güte, Dieß wahre Himmelsbrot Erinnert mein Gemüthe, O Herr! an deinen Tod. Zum Agnus Dei. 1. Erfreut euch, fromme Seelen, Ein Wunder ist gescheh'n; Der Herr will sich verhehlen, Kein Auge kann ihn seh'n. In Brot- und Weinsgestalten Ist Jesu Fleisch und Blut Auf dem Altar enthalten, Dieß größte Seelengut. 2. Verdeckt ist hier zu finden Das wahre Gotteslamm, So aller Menschen Sünden Getilgt am Kreuzesstamm. Es ist der Seelen Speiſe, Wie uns der Glaube lehrt, Sie nährt uns auf der Reise, Und wird doch nicht verzehrt. 3um Segen des Prieſters. Da wir nunmehr gehöret Die Messe, wie man soll, So sei auch Gott gechret! Er mach' uns segensvoll, 19* 291 292 Und laß es sich gefallen, Was wir allhier gethan; Er bleibe bei uns Allen, So sind wir wohl daran. 3weiter Meßgesang. Zum Kyrie. Hier liegt vor deiner Majestät Im Staub die Christenschaar, Das Herz zu dir, o Gott! erhöht, Die Augen zum Altar. Schenk uns, o Vater! deine Huld, Vergib uns uns're Sündenschuld; O Gott, von deinem Angesicht Verstoß uns arme Sünder nicht! Verstoß- uns- nicht! Verstoß uns Sünder nicht! - Zum Gloria. Gott soll gepriesen werden, Sein Nam' gebenedeit Im Himmel und auf Erden, Jetzt und in Ewigkeit. Lob, Ruhm und Dank und Ehre Sei der Dreieinigkeit! Die ganze Welt vermehre, Gott! deine Herrlichkeit. Zum Evangelium. Aus Gottes Munde gehet Das Evangelium; Auf diesem Grunde stehet Das wahre Christenthum. Gott selbst ist's, der uns lehret, Der Weis- und Wahrheit ist; Der seine Lehren höret, Wie glücklich ist der Christ! Zum Credo. 1. Allmächtiger! vor dir im Staube Bekennt dich deine Kreatur, D Gott und Vater! ja, ich glaube An dich, du Schöpfer der Natur; Auch an den Sohn, der ausgegangen Von dir, geboren ewig war, Den von dem heil'gen Geist empfangen, Die reinste Jungfrau uns gebar. 293 294 2. Und Jesus Christus ist gekommen, Daß er versöhne uns mit Gott; Er hat die Schuld auf sich genommen, Und litt für uns den Kreuzestod; Erstand, besiegte Tod und Hölle, Fuhr zu des Vaters Rechten auf, Und wird als Richter jeder Seele Einst prüfen unfern Lebenslauf. Sum Offertorium. Nimm an, o Herr! die Gaben Aus deines Priesters Hand, Wir, die gesündigt haben, Weih'n dir dies Liebespfand, Für Sünder hier auf Erden In Ängsten, Kreuz und Noth Soll dieß ein Opfer werden Aus Wein und reinem Brot. Zum Sanctus. 1. Singt: Heilig, heilig, heilig Ist unser Herr und Gott! Singt mit den Engeln: Heilig Bist du Gott Sabaoth! Im Himmel und auf Erden Soll deine Herrlichkeit Gelobt, gepriesen werden Jetzt und in Ewigkeit! 2. Wir singen froh zusammen, Von ganzer Seel erfreut: Der kommt ins Herrn Namen, Der sei gebenedeit! Hosanna in der Höhe, Gepriesen sei der Herr! Dem großen Gott geschehe Sein Lob von Meer zu Meer! 295 Nach der Wandlung. 1 Sich, Vater, von dem höchsten Throne, Sieh gnädig her auf den Altar! Wir bringen dir in deinem Sohne Ein wohlgefällig's Opfer dar. Wir fleh'n durch ihn, wir deine Kinder, Und stellen dir sein Leiden vor: Er starb des Todes Überwinder, Stand auf und fuhr zu dir empor. 2. Er hat für uns sich dargegeben, Für alle Menschen insgesammt; 296 Vertritt, damit wir ewig leben, Beim Vater jetzt das Mittleramt. O Jesus! laß uns Huld erwerben, Steh' uns'rer Schwachheit immer bei, Damit dein Leiden und dein Sterben Ja nicht an uns verloren sei. Sum Agnus Dei. Betrachtet ihn in Schmerzen, Wie er sein Blut vergießt! Seht, wie aus Jesu Herzen Der letzte Tropfen fließt! Er nahm hinweg die Sünden, Er trug all' uns're Schuld; Bei Gott läßt er uns finden Den Frieden, seine Huld. Bei der Communion. D Herr! ich bin nicht würdig, Zu deinem Tisch zu geh'n; Du aber mach' mich würdig! Erhör' mein kindlich Fleh'n! O stille mein Verlangen, Du Seelenbräutigam! Im Geist dich zu empfangen, Dich, wahres Osterlamm! Zum Beschluß der heiligen Messe. Nun ist das Lamm geschlachtet, Das Opfer ist vollbracht, Wir haben jetzt betrachtet, Gott, deine Lieb' und Macht! Du bist bei uns zugegen; Aus deinem Gnadenmeer Ström' uns dein Vatersegen Durch dieses Opfer her! Dritter Meßgesang. Zum Staffelgebet. O Gott! wir kommen voll Vertrauen, Mit kindlichem Gemüthe, Zu fleh'n um deine Gnad', und bauen Auf deine Vatergüte. Erhör' uns und erbarme dich! Herr! deine Huld währt ewiglich. Zum Gloria. Die schöne Welt ist dein Geschenk, Und was wir sind und haben; 297 298 Du warest unser eingedenk Mit tausend edlen Gaben. Lob, Ehre, Ruhm und Dank sei dir, O guter Vater, stets dafür. Zum Evangelium. Die Lehre, die uns Jesus gab, Macht glücklich schon hiernieden: Sie lenkt von jedem Irrthum ab Und führt zum ew'gen Frieden. Von dieser heil'gen Richtschnur, Herr, Entfernen wir uns nimmermehr. Sum Credo. Wir glauben, daß du Vater bist, Der Alles schuf, regieret; Wir glauben auch, daß Jesu Christ Zum wahren Seile führet; Wir glauben an den heil'gen Geist, Und was die Kirche glauben heißt. Sum Offertorium. Wir bringen dir zum Opfer dar Ein redliches Bestreben, So fromm wie unser Heiland war, Von Kindheit an zu leben. Daß unser Wille standhaft ſei, Steh' uns mit deiner Gnade bei. Vor der Wandlung. Gedenk', o Herr! in jeder Noth Der Eltern, Freunde, Brüder; Gib unsern Lehrern, milder Gott! Das Gute reichlich wieder. Ja, Alle sieh' barmherzig an, Selbst auch, die Böses uns gethan. Nach der Wandlung. Dieß ist der Leib und Jesu Blut, Es ward für uns vergossen, Dadurch mit unserm Seelengut Der neue Bund geschlossen. Für diesen Bund, o guter Gott! Geh'n wir mit Freuden in den Tod. 3um Paternofter. Dein Name, Vater, der du bist, Sei heilig, wie dein Wille. 299 300 Verleihe, was uns nöthig ist, Vergib der Sünden Fülle. Hilf der Versuchung widerstehen, Laß jedem Übel uns entgehen. Zum Agnus Dei. Der du zu uns, o Jesu! kamst, Den Tod für uns zu dulden, Auf deine Schultern willig nahmſt Der Menschheit große Schulden: Nimm uns nach unserm Lebenslauf In deine Himmelswohnung auf. Nach der Communion. Noch stets verkünden wir den Tod, Den du hast leiden müssen, So oft wir von dem Himmelsbrot Recht ehrfurchtsvoll genießen. O laß es fruchtbar uns gedeih'n, Und deines Todes Denkmal sein. Sum Segen. Laß, Herr und Gott! das Opfer dir Und unsern Dienst gefallen. Gib deinen Vatersegen hier, Dort dein Erbarmen Allen. O sei gelobet jederzeit Von nun an bis in Ewigkeit. Vierter Meßgesang. Eingang. Vater, deine Kinder treten In dein Haus voll Demuth ein, Dich im Geiste anzubeten, Ihre Fehler zu bereu'n. Wir bekennen uns're Sünden, Besserung geloben wir; Laß uns Gnade vor dir finden, Nie verstoße uns von dir. Gloria. Ehre sei Gott in den Höhen, Friede allen Menschen hier, Die den Weg des Heiles gehen! Tief im Staube liegen wir, 301 302 Deine Größe anzubeten, Schöpfer, Dank sei dir und Ruhm! Du erlaubst uns einzutreten Huldreich in dein Heiligthum. Evangelium. Laßt uns unser Haupt erheben, Frohe Botschaft kommt uns an. Gottes Reich, es naht, bringt Leben; Irrthum flieht und Trug und Wahn. Deine Wahrheit laß uns hören, Wahrheit führt zur Tugend ein. Nichts beglückt als deine Lehren Und der Tugend Hochverein. Credo. Fühlend unsers Geistes Schranken, Seufzen wir nach höherm Licht! In dem Glauben nicht zu wanken, Sei uns ewig heil'ge Pflicht. Laß den Geist sich nicht verlieren, Stärke, Herr, erkämpf er sich; Laß die Welt uns nicht verführen, Wir vertrauen kühn auf dich. Opferung. Frucht der Ähren und der Neben Wollen dir wir, Himmelsgast, Zum Versöhnungsopfer geben, Wie du uns verordnet hast. Freudig wir die Gaben weih'n! Eh' wir opfern, wollen wir Unsern Brüdern erst verzeih'n; Gut sei unser Herz vor dir. Sanctus. Lasset uns're Herzen dringen Zu dem großen Schöpfer hin; Jubelnd ihm das Opfer bringen, Glühend danken, preisen ihn! Nah' an seines Thrones Stufen Lasset auch in jeder Noth Künftig uns zum Vater rufen, Unserm gnadenreichen Gott. Wandlung. Anzubeten dich im Staube, Liegen deine Kinder da; Nicht der Sinne Trug, der Glaube Führt uns deiner Gottheit nah'. 303 304 Laß uns ganz in dich versenken; Gott ist hier, wir beten an Feiernd Jesu Angedenken, Thun wir jetzt, was er gethan. Vater unser. Weltenvater! Hochgepriesen Sei dein Name, und dein Reich, Auf das Jesu uns gewiesen, Komm zu uns, es soll sogleich Von uns, was du willst, geschehen. Gib uns unser täglich Brot! Sei uns gnädig, wenn wir flehen, Steh' uns bei in jeder Noth. Communion. Unsers Herzens heil'ge Triebe Weih'n wir alle, Heiland, dir. Die Beweise deiner Liebe Fühlen wir ja täglich hier. Du bist uns're Seelenspeise, Du nur stählest unsern Muth, Daß wir auf der Erdenreise Dich erreichen, höchstes Gut. Segen. Vater, gib uns deinen Segen, Daß gestärkt von dir wir geh'n; Huldreich kamst du uns entgegen, Lächl' uns stets von deinen Höh'n. Unser Opfer ist vollendet, Großer Gott, wir danken dir! Du hast reichlich ausgespendet Allen deine Gnaden hier. I. Marienlied. 1. Dich, Maria, loben wir, Gottes Mutter wir dich nennen; Himmelsgeister selbst in dir Ihre Königin erkennen. Ja, der ganze Schöpfungskreis Gibt dir Ehre, Lob und Preis. 2. Jungfrau, deine Mutterschaft Staunen an die Cherubinen! Deiner Gottesliebe Kraft Weichen auch die Seraphinen, 20 305 306 Alles ruft dir ohne Ruh: Selig, Selig, Selig zu. 3. Ganz umstrahlt vom Himmelslicht, Zieret dich ein Meer der Sterne; Dein so glänzend Angesicht Schimmert in der Welten Ferne. Selber die Dreieinigkeit Krönet dich mit Herrlichkeit. 4. Patriarchen alle dich Und Propheten hoch verehren, Die Apostel sehnen sich, Deinen Ruhm stets zu vermehren; Der Blutzeugen Heldenchor Hebt dein Lob entzückt empor. 5. Der Jungfrauen reine Schaar, Der Bekenner große Menge, Stimmet an dir immerdar Neue Ehr- und Lobgesänge! Weil du Mutter Dessen bist, Der der Welterlöser ist. 6. Auch die Kirche hier auf Erd', Mit den Kleinen und den Großen Dich zuerst nach Gott verehrt; Denn aus dir ist Der entsprossen, Durch den das verlorne Heil Evens Kindern ward zu Theil. 7. Ewig auserwählte Braut! Weil du engelrein gewesen, Ward dir Gottessohn vertraut, Der da kam uns zu erlösen. Wie ihm erste Dienerin, Sei auch uns're Mittlerin. 8. Deines Sohnes Jesu Tod Hat besiegt die Höll' und Sünden; Darum können wir bei Gott Durch dich ihre Tilgung finden. Mutter! ach verlaß uns nicht, Jetzt, und wenn das Aug' uns bricht. 9. Steh uns, deinen Dienern, bei; Du ja kannst bei Gott erbitten, Daß wir von den Feinden frei, Welche wie die Löwen wüthen, Nach dem Bunde in der Tauf' Enden unsern Lebenslauf. 20* 307 308 10. So wie heut auch jederzeit, Hingestreckt zu deinen Füßen, Mutter der Barmherzigkeit! Wir dich alle kindlich grüßen, Und empfehlen dir zugleich Unsern Kaiser, unser Reich. 11. Frau, wir bitten flehentlich! Schüß' uns Christen, deine Kinder; Mach', daß Gott erbarme sich Auch der sonst verlornen Sünder; Denn ganz fest auf dich nach Gott Hoffen wir in jeder Noth. 12. Mutter, sieh' uns gütig an, Laß dein mildes Herz bewegen! Tritt vor deines Sohnes Thron, Und erbitt' uns seinen Segen; Hilf, daß wir durch Buß' und Fleh'n, Gott dich einst im Himmel seh'n. II. Marienlied. 1. O Himmelskönigin, Dir singt mein Herz und Sinn: Gegrüßt seist du, Maria! 2. Der Glocke erster Klang Weckt mich zum Frühgesang: Gegrüßt seist du, Maria! 3. Hoch ward die Welt erfreut Und durch den Gruß erneut: Gegrüßt seist du, Maria! 4. Der Feind flieht bebend fort, Bezwungen von dem Wort: Gegrüßt feist du, Maria! 5. Denn uns're Fessel brach, Sobald der Engel sprach: Gegrüßt seist du, Maria! 6. D'rum grüßt zu jeder Zeit Dich fromm die Christenheit: Gegrüßt seist du, Maria! 7. Das Kindlein und der Greis Bringt im Gesang dir Preis: Gegrüßt feist du, Maria! 8. In Freudigkeit und Schmerz Spricht jedes Christenherz: Gegrüßt seist du, Maria! 309 310 9. Wer grüßte dich nicht gern, O Mutter unsers Herrn: Gegrüßt seist du, Maria! 10. Der Chor der Engel singt, Der liebend dich umringt: Gegrüßt seist du, Maria! 11. Selbst deinen milden Sohn Erfreut des Liedes Ton: Gegrüßt seist du, Maria! 12. Denn Ihn, der dich erhob, Verehrt das süße Lob: Gegrüßt seist du, Maria! 13. Er wird durch dich versöhnt, Wenn fromm der Gruß ertönt: Gegrüßt seist du, Maria! 14. Die Traurigkeit entweicht, Von diesem Gruß verscheucht: Gegrüßt seist du, Maria! 15. Du schirmst des Lebens Bahn, Ruft treu das Herz dich an: Gegrüßt seist du, Maria! 16. In der Versuchung Drang Bringt Hilfe der Gesang: Gegrüßt seist du, Maria! 17. Wenn Angst und Schrecken droht, Entfernt der Gruß die Noth: Gegrüßt seist du, Maria! 18. Die höllische Gewalt Bricht, wenn das Lied erschallt: Gegrüßt seist du, Maria! 19. Dem wird der Tod versüßt, Der oftmals fromm dich grüßt: Gegrüßt seist du, Maria! 20. Wenn einst ich scheiden muß, Sei dies mein letzter Gruß: Gegrüßt seist du, Maria! 21. Gib dich als Mutter kund! Spricht dann mein blasser Mund: Gegrüßt seist du, Maria! 22. Und fühne, Hoffnungsstern, Mir durch den Gruß des Herrn: Gegrüßt seist du, Maria! 311 312 23. Bis froh in Gottes Licht Mein Geist im Jubel bricht: Gegrüßt seist du, Maria! 24. zeige Jesum mir! Es seufzt mein Herz zu dir: Gegrüßt seist du, Maria! 25. Entzückt dann preise ich, O Mutter Gottes, dich: Gegrüßt seist du, Maria! 26. Und lobe immerdar, Ihn, den dein Schooß gebar: Gegrüßt seist du, Maria! Predigtlied. 1. In Gott des Vaters und des Sohn's, Und seines Geistes Namen Sprecht hier am Fuße seines Thron's, O Christen, freudig Amen! Sprecht Amen, und bereitet euch Nach eures Meisters Lehren, Den Vater in dem Himmelreich Mit Bitten zu verehren. 2. O Vater unser, der du bist Im Himmel und auf Erden! Dein Name, der so liebvoll ist, Soll stets geheiligt werden! Dein Reich, vom Anbeginn der Welt Bereitet allen Frommen, Das laß, wenn dieser Staub zerfällt, Für uns auch einstens kommen. 3. So wie auf jeden Wink von dir Die Himmelsgeister sehen: So soll auch unter Menschen hier Dein Wille stets geschehen! Das Brot, das uns're Seele nährt, Um dir, o Gott! zu leben; Auch jenes, was der Leib begehrt, Sei täglich uns gegeben. 4. Vergib uns, Vater! jede Schuld, Die wir vor dir bereuen; So wie wir Alle mit Geduld Den Schuldigern verzeihen. Ersticke, wenn Versuchung droht, In uns des Bösen Samen; Erlös uns jetzt und einst, o Gott, Von allem Übel. Amen. 313 314 Christenlehrlied. Vor dem Anfange. Heil'ger Geist, komm zu verbreiten Über uns dein Gnadenlicht, Daß wir immer weiter schreiten Im Erlernen uns'rer Pflicht! Mache uns zum Lernen Lust, Hilf, daß wir in uns'rer Brust Das Erlernte wohl behalten Und im Guten nie erkalten. Am Ende. O Gott, segne diese Lehren, Die des Katecheten Mund Deinen Kindern machte kund, Uns zum Heil und dir zu Ehren; Präge sie durch deinen Geist Tief in's Herz, daß wir im Leben Stets zu handeln uns bestreben, Wie es dein Gebot uns heißt. Lied zum Segen. 1. Segne, Jesu! deine Heerde, Welche dir zu Füßen fällt, Und die Güter dieser Erde Nur von deiner Gnad' erhält. Herr! dein theures Fleisch und Blut Ist das größte Seelengut, Welches würdig zu empfangen Wahre Christen stets verlangen. 2. Den die Brotsgestalt bedecket, Der du unser Heiland bist, Den die Liebe hier verstecket, Gib uns Segen, Jesu Christ! Mach' verstockte Herzen weich Und an wahrer Tugend reich, Stärk' uns auch mit dieser Speise Endlich zu der Himmelsreise. 3. Der du haft für uns gelitten Und von Sünden machtest frei, Ach, gewähre, was wir bitten, Segne, Herr! und steh' uns bei, 315 316 Daß wir in der Todeszeit, In dem allerschwersten Streit Alle Feinde überwinden Und durch dich das Leben finden. Zweites Lied. Vor dem Segen. Wir ehren dich, lebend'ges Engelsbrot! O wahrer Mensch zugleich und großer Himmelsgot.! Heilig, heilig, heilig, Heilig, überheilig Ist Jesus Christus ohne End In dem heiligsten Sacrament. Nach dem Segen. Verlaß uns nicht, o Herr! Jesus, du Süßester, Jesus, du Süßester, Verlaß uns nicht, o Herr! Gelobt sei der Name Jesu, Und der Name Maria, Von jetzt an bis in Ewigkeit. Drittes Lied. 1. Wir ehren dich, verhüllter Wundergott, Und fleh'n zu dir um Hilfe in der Noth! Heilig, heilig, heilig, Du bist allzeit heilig! Sei gepriesen ohne End' In dem heiligsten Sacrament. 2. Ach, speise uns mit deinem Fleisch und Blut, Und segne uns, o allerhöchstes Gut! Heilig, heilig, heilig, Du bist allzeit heilig! Sei gepriesen ohne End' In dem heiligsten Sacrament. 317 3. Ach, höre uns, schaff unsre Seele rein, Daß wir, dein Volk, auch Deiner würdig sein! Heilig, heilig, heilig, Du bist allzeit heilig! Sei gepriesen ohne End' In dem heiligsten Sacrament. I. Adventlied. 1. Thauet Himmel, den Gerechten, Wolken, regnet ihn herab! 318 Also rief in langen Nächten Einst die Welt, ein weites Grab. In von Gott gestraften Gründen Herrschten Satan, Tod und Sünden; Fest verschlossen war das Thor Zu des Heiles Erb' empor. 2. Doch der Vater ließ sich rühren, Daß er uns zu retten sann, Und den Rathschluß auszuführen, Trug der Sohn sich freudig an. Gabriel flog schnell hernieder, Kehrte mit der Antwort wieder: Sieh' ich bin die Magd des Herrn; Was er will, erfüll' ich gern. 3. Dein Gehorsam ist mein Leben, Jungfrau, demuthsvoll und keusch! Gottes Geist wird dich beschweben, Und des Vaters Wort wird Fleisch. Menschen, betet an im Staube! Weh der Höll und ihrem Raube! Aber Adams Kindern Wohl, Weil ein Heiland kommen soll. 4. Einen Zuruf hör' ich schallen: Brüder! wacht vom Schlummer auf, Denn es naht das Heil uns Allen, Nacht ist weg, der Tag im Lauf! O dann fort mit allen Thaten, Die die Nacht zur Mutter hatten! Künftig ziehe Jedermann Nur des Lichtes Waffen an. 5. Laßt uns wie am Tage wandeln, Nicht in Fraß und Trunkenheit; Nicht nach Fleischbegierden handeln, Weit verbannt sei Zank und Neid. Jenem gänzlich nachzuarten, Dessen Ankunft wir erwarten, Dieses ist nun uns're Pflicht, So wie sein Apostel spricht! 6. Welterflöser, ich erfülle Deines treuen Knechtes Rath; Komm in meines Fleisches Hülle, Wie dein Bot' verkündet hat. Komm, und bringe mir den Frieden! Menschen ist er nur beschieden, Die von gutem Willen sind; Komm, ich bin es, göttlich Kind! 319 320 II. Adventlied. 1. Maria, sei gegrüßet, Du lichter Morgenstern! Der Glanz, der dich umfließet, Verkündet uns den Herrn. Von jeder Makel rein, Sollst du zum Menschenheile, Des Höchsten Mutter sein. 2. Dein Gott, zu dir gewendet, Ertheilet den Befehl; Es eilt, von ihm gesendet, Der Engel Gabriel. Er spricht: O gnadenvoll, Gesegnet unter Weibern, Der Herr bedenkt dein Wohl. 3. Dieß konntest du nicht fassen, Und batest ihn dabei, Dich recht versteh'n zu lassen, Was diese Botschaft sei. Maria, zitt're nicht, Denn du hast Huld gefunden Vor Gottes Angesicht. 4. Er will, du sollst empfangen, Gebären einen Sohn, Der wird durch ihn gelangen Auf David's Vaterthron. Des Höchsten Sohn zugleich Und Jesus soll er heißen; Unendlich ist sein Reich. 5. Wie soll denn dies geschehen? Ich kenne keinen Mann. O Jungfrau! du wirst sehen, Was Gottes Allmacht kann; Er sendet seinen Geist, Der wird dich überschatten, Damit du Mutter ſeist. 6. In ihren alten Tagen Kann auch Elisabeth Von seinen Wundern sagen, Die nun gesegnet geht; Sie hieß zwar unfruchtbar, Doch dem ist nichts unmöglich, Der sein wird, ist und war. 7. Da sprachst du tief geneiget: Ich bin des Höchsten Magd; 21 321 322 Was du mir angezeiget, Das sei wie du gesagt. O freudenvolles Wort! Der Bothe Gottes eilte Mit seinem Auftrag fort. 8. Von seines Vaters Freuden Kam jetzt das Wort herab, Für Sünder hier zu leiden, Zu suchen Tod und Grab. Er wählte deinen Leib, Mit Fleische sich zu kleiden, Gebenedeites Weib! 9. Den Schatz, den du empfangen, O bring' ihn bald zur Welt! Wir warten mit Verlangen; Denn er ist jener Held, Der uns're Bande bricht, Und aus des Todes Schatten Uns rufet in das Licht. 10. Dies Lied sei dir gesungen, Des Heils Gebärerin! Mit dir ergeb'nen Zungen, Mit dir ergeb'nem Sinn. Dein hochgelobtes Pfand Führ' uns auf deinen Fürspruch Hinauf in's Vaterland! Weihnachtslied. 1. Dies ist der Tag, von Gott gemacht, Ich will mich herzlich freuen! Auch mich hat heut' der Herr bedacht, Ich will ihm Lieder weihen. Das Heil, das aus der Jungfrau Schooß Heut allen Adamskindern sproß, Ist auch für mich geboren. Vor seiner Krippe sink' ich dann, Und bethe meinen Heiland an, In Wonne ganz verloren. 2. In meiner Bildung liegt er hier, Den keine Namen nennen. O Gott! o Kind! geläng' es mir, Die Gutthat ganz zu kennen. 21* 323 324 Du stiegest von dem Thron herab, Den dir mit sich dein Vater gab, Um hier für mich zu leiden! Du wählest mir zu nützen Für Überfluß die Dürftigkeit, Den Stall für Himmelsfreuden. - heut' 3. Du weinst, mein Jesu! Sei gegrüßt, O gnadenreiche Zähre! Sei mir mit Ehrfurcht aufgeküßt, O Tropfen aus dem Meere, Das einstens blutig strömen soll Für mein und aller Sünder Wohl, Sei auch für mich geweinet! Erwärme kalter Christen Herz, Das ihres Heilands ersten Schmerz Nicht zu empfinden scheinet. 4. Das meine soll dein Wohnplatz sein, Geliebtester aus Allen! Es soll, wie neugeschaffen, rein Von Engeltrieben wallen. Komm aus der Krippe, komm zu mir! Bring' echte Frömmigkeit mit dir, Und wahre Christensitten! O noch nicht Nichter, noch ein Kind! Dieß macht mich hoffen; Kinder sind Ja leichter zu erbitten! 5. Du kehrest einst in Majestät, Vom Engelheer umringet, Wenn diese Welt zu Trümmern geht, Der Staub aus Gräbern dringet; Dann muß auch ich hin in's Gericht, Allweiser! vor dein Angesicht, Von Furcht und Angst durchdrungen; O sprich dann: Ich erkenne dich, Du hast vor meiner Krippe mich Mit Inbrunst einst besungen. I. Fastenlied. 1. Laß mich deine Leiden singen, Dir des Mitleids Opfer bringen, Unverschuldtes Gotteslamm, Das von mir die Sünde nahm. 325 326 Jesu, drücke deine Schmerzen Tief in aller Christen Herzen! Laß mir deines Todes Pein Trost in meinem Tode sein. 2. Ins Gericht für Menschen treten, Zum erzürnten Vater beten Seh' ich dich, mit Blut bedeckt, Auf dem Öhlberg hingestreckt. Jesu, drücke deine Schmerzen u. f. w. 3. Dich zu binden und zu schlagen, Zu beschimpfen und zu plagen, Nahet sich der Feinde Schaar, Und du gibst dich willig dar. Jesu, drücke deine Schmerzen u. s. w. 4. Von den Richtern, die dich hassen, Wilden Kriegern überlassen, Strömet dein unschuldig Blut Unter frecher Geißler Wuth. Jesu, drücke deine Schmerzen u. s. w. 5. Unter lautem Spott und Hohne Seh' ich eine Dornenkrone, Die, mein Heiland! scharf gespitzt, Deine Stirne schmerzlich rigt. Jesu, drücke deine Schmerzen u. f. w. 6. Wundenvoll, erblaßt, entkräftet, An das Opfergolz geheftet, Seh' ich, wie ein Gottmensch stirbt Und den Sündern Heil erwirbt. Jesu, drücke deine Schmerzen u. s. w. 7. Heiland, meine Missethaten Haben dich verkauft, verrathen, Dich gegeißelt und gekrönt, An dem Kreuze dich verhöhnt. Ach, es reuet mich von Herzen! Laß, mein Heiland, deine Schmerzen, Deines Mittlertodes Pein Nicht an mir verloren sein! II. Fastenlied. Im Tone des Fastenliedes: Laß mich deine Leiden fingen." 1. Selig, himmlisch ist das Leben 327 Dessen, dem die Sünd' vergeben, 328 Der nun Gott zum Vater hat Nach getilgter Missethat. Herr, verschon' dann meiner Sünden, Laß mich wieder Gnade finden; Gnade ruft in Reu' und Schmerz Des bedrängten Sünders Herz. 2. Nur zu oft bin ich gefallen; Sünden über alle Zahlen, Mehr als Haare auf dem Haupt, Hat sich dein Geschöpf erlaubt. Herr, verschon' dann meiner Sünden u. s. f. 3. Wehmuth drückt mich nun darnieder, Furcht erschüttert meine Glieder, Und seitdem ich Sünder bin, Ist die Fröhlichkeit dahin. Herr, verschon' dann meiner Sünden u. s. f. 4. Jener Trost ist mir verschwunden, Den ich einst hierin gefunden, Daß ich von dem Fluche frei, Eines deiner Kinder sei. Herr, verschon' dann meiner Sünden u. f. f. 5. Wirst du mich, o Gott! verlassen, Wenn von nun die Sünd' zu hassen, Büßend meine Seel' verspricht Hier vor deinem Angesicht? Herr, verschon' dann meiner Sünden u. f. f. 329 6. Aufzusuchen nicht den Frommen Bist du, Gott, zur Welt gekommen; Nur für den verlornen Sohn Stiegst du von dem Himmelsthron. Herr, verschon' dann meiner Sünden u. s. f. 7. Magdalena kommt zu büßen, Wirft sich weinend dir zu Füßen, Und du nimmst die Sünden hin Von der frommen Büßerin. Herr, verschon' dann meiner Sünden u. f. f. 8. Wenn wir herzlich nun bereuen, Werden Engel sich erfreuen, Kennen wieder ihren Freund, Jauchzend, wenn der Sünder weint. Herr, verschon' dann meiner Sünden u. s. f. 9. Lang' genug hab' ich gebrochen, Was ich dir getreu versprochen, 330 Lang' bedroht von deinem Grimm Hör' ich deines Fluches Stimm'. Herr, verschon' dann meiner Sünden u. f. f. 10. Heute ist der Tag der Gnaden, Heute hast du mich geladen, Heute ruf' ich dann zu dir: Gott, verzeih', verzeihe mir! Herr, verschon' dann meiner Sünden u. f. f. Ofterlied. 1. Der Heiland ist erstanden, Befreit von Todesbanden, Der als ein wahres Osterlamm, Für mich den Tod zu leiden kam. Alleluja! 2. Nun ist der Mensch gerettet, Und Satan angefettet; Der Tod hat keinen Stachel mehr; Der Stein ist weg, das Grab ist leer. Alleluja! 3. Der Sieger führt die Schaaren, Die lang' gefangen waren, In Seines Vaters Reich empor, Das Adam sich und mir verlor. 5. Mein Glaube darf nicht wanken, D tröstlicher Gedanken! 4. O wie die Wunden prangen, Die er für mich empfangen! Wie schallt der Engel Siegsgefang Dem Starken, der den Tod bezwang! Alleluja! 331 6. Die Nacht, die dort mich decket, Bis mich der Engel wecket, Alleluja! Ich werde durch sein Aufersteh'n Gleich ihm aus meinem Grabe geh'n. Alleluja! 7. O Meer der Seligkeiten! Ein'n Ort mir zu bereiten, Ging mein Erlöser hin vor mir; Erstandener, ich folge dir! Ist kurz; dann ruft mein Heiland mich In's Reich, wo Niemand stirbt, zu sich. Alleluja! Alleluja! 332 8. Ja, durch ein neues Leben Will ich zur Höhe streben, Wo du mit deinem Vater thronst Und jede gute That belohnst. 9. Dann werd' ich im Gerichte, Vor deinem Angesichte, Alleluja! Von deinem Blute glänzend steh'n, Und zu des Lammes Hochzeit geh'n. 10. Alleluja! Alleluja! Alleluja! Alleluja! Wie du vom Tod erstanden bist, Laß uns ersteh'n, Herr Jesu Chrift! Alleluja! Gesang in der Bittwoche. Im Tone:" Vater; ewig neu geboren." 1. Strenger Nichter aller Sünder, Treuer Vater deiner Kinder, Der du in dem Himmel wohnst, Drohest, strafest und belohnst: Höre gnädig uns're Bitte, Wende ab von uns'rer Hütte Krankheit, Krieg und Hungersnoth, Gib uns unser täglich Brot. 2. Jeden Tag, ja jeden Morgen Kannst du Alle wohl versorgen, Du bist unermeßlich reich, Nichts ist deiner Güte gleich. Höre gnädig uns're Bitte u. f. f. 3. Alles kommt von deinem Segen, Du gibst Sonnenschein und Regen, Daß die Feldfrucht wächst und blüht, Daß man reiche Ernte sieht. Höre gnädig uns're Bitte u. s. f. 4. Wenn sich Ungeziefer mehren Und die Früchte uns verzehren, So geschieht's nach deinem Rath, Wegen uns'rer Miſſethat. Höre gnädig uns're Bitte u. f. f. 5. Wenn bei vielen Regengüssen Saat und Frucht verderben müssen, So hat's deine Hand gethan, Uns're Sünd' ist Schuld daran. Höre gnädig uns're Bitte u. f. f. 333 334 6. Wenn an heißen Sommertagen. Schloßen Alles niederschlagen, Was in Feld und Gärten grünt, O so haben wir's verdient. Höre gnädig uns're Bitte u. f. w. 7. Wenn bei Blitz und Ungewittern Wir an allen Gliedern zittern, So wird deine starke Hand Erst den Sündern recht bekannt. Höre gnädig uns're Bitte u. s. f. 8. Deine Allmacht zu verbreiten, Schicktest du zu Joseph's Zeiten Sieben Jahre Fruchtbarkeit Und so lange theure Zeit. Höre gnädig uns're Bitte u. f. f. 9. In des Königs Achab's Tagen Schlugst du Israel mit Plagen, Daß die Erde dürre war Durch drei und ein halbes Jahr. Höre gnädig uns're Bitte u. f. f. 10. Selbst der Himmel schien verschlossen, Da kein Regen sich ergossen; Wegen der Abgötterei, Die das Volk trieb ohne Scheu. Höre gnädig uns're Bitte u. f. f. 11. Du gabst wunderbarer Weise Dem Elias seine Speise, Da man durch das ganze Land Schwere Hungersnoth empfand. Höre gnädig unsre Bitte u. f. f. 12. Endlich wirkte Buße Regen, Und du schicktest deinen Segen; Du vergabst die Miſsethat, Als Elias darum bat. Höre gnädig uns're Bitte u. f. f. 13. Laß auch uns Erbarmung finden, Wenn Du wegen uns'rer Sünden Ungnädig geworden bist, Und das Wetter schädlich ist. Höre gnädig unsre Bitte u. f. f. 14. Mit recht kindlichem Vertrauen Wollen wir die Felder bauen, Öffne Deine Gnadenhand, Segne unser Vaterland. 335 336 Höre gnädig unsre Bitte, Wende ab von unsrer Hütte Krankheit, Krieg und Hungersnoth, Gib uns unser täglich Brot. Pfingstlied. 1. Komm, heiliger Geist, o dritte Person! Von einer Natur mit Vater und Sohn, Der Du von seiner Sündenlast So manches Herz befreiet hast Komm, heiliger Geist, erwünschtester Gast! 2. Komm, heiliger Geist, auf uns jetzt herab! So wie Dich Gott einst den Gläubigen gab, Als ihre noch geringe Zahl, Versammelt im verschlossnen Saal, Dich sehnte nach Dir, Du göttlicher Strahl! 3. Komm, heiliger Geist, ein Tröster genannt! Es werde durch Dich der Kummer verbannt, Der uns verstört in unsrer Pflicht! Die Trägheit überwind't uns nicht, Wenn Du uns entflammst, o mächtiges Licht! 337 4. Komm, heiliger Geist, Du Lehrer der Welt! Die Straße des Heils wird niemals verfehlt, Wenn man sich nicht an Sekten kehrt; Die Kirche, die Dein Einspruch lehrt, Mit kindlicher Treue als Mutter verehrt. 5. Komm, heiliger Geist, vom himmlischen Thron! Dir werde zugleich mit Vater und Sohn In unzertheilter Wesenheit, Von nun an bis in Ewigkeit, Anbetung, Dank und Jubel geweiht! Frohnleichnamslied. 1. O Engel Gottes! eilt hernieder Und menget euch in unsre Lieder, Der Tag ist festlich uns und euch. Das Himmelsbrot, das wir heut' ehren, Mit dem sich unsre Seelen nähren, Dies Brot macht Mensch und Engel gleich. 2. O kommt, so wie ihr einst im Saale Bei Jesu letztem Abendmale 22 338 Erstaunungsvoll zugegen war't! Ihr sahet dort das Brot ihn brechen, Ihr hörtet ihn mit Liebe sprechen: Dieß nehmt vor meiner Himmelfahrt. 3. Dieß ist mein Leib, den will ich schenken, Es sei zu meinem Angedenken; So oft ihr Freunde dieses thut, So oft ihr dieß Geheimniß handelt, Wird Brot und Wein wie jetzt verwandelt In eures Meisters Fleisch und Blut. 4. Abgrund unbegriffner Güte! War's nicht genug, in einer Hütte Für uns das Licht der Welt zu seh'n? Die Zeit von mehr als dreißig Jahren Verachtet, arm und in Gefahren Mit Undankbaren umzugeh'n? 5. Die Kranken nicht genug zu heilen, Trost, Rath Gesunden zu ertheilen, Der Weisheit Lehrer uns zu sein? Für uns in frecher Henker Händen Das Leben und die Qual zu enden, Uns von der Hölle zu befrein? 6. O nein, es wallen neue Triebe Der ewig uns verheiß'nen Liebe In unsers Heilands treuer Brust; Die lehren ihn das Mittel finden, Sich uns noch enger zu verbinden, Bei Menschenkindern sucht er Lust. 7. Er läßt bis an das End' der Zeiten Bei uns sich einen Siß bereiten, Uns seine Neigung darzuthun. Der Gottheit Schimmer einzuhalten, Verhüllt er sich in Brotsgestalten Und will in unsern Herzen ruh'n. 8. O Christen, laßt uns Blumen pflücken, Und Tempel und Altäre schmücken. Das Rauchfaß hauche süßen Duft, Die Priesterschaft im Feierkleide Verkündige der Kirche Freude; Die Glocke schalle froh zur Luft. 9. Laßt uns mit Dank und Jubelliedern Der Kirche Wunderwerk erwiedern, Dem dieser Tag geheiligt ist. Preis, Ehre dir im Sacramente, 22* 339 340 Nach dem sich einst die Vorwelt sehnte, Der du zu uns gekommen bist. 10. Laßt heilig, heilig, heilig schallen Dem Menschenfreunde, der vor Allen Bei seinem Christenvolke wohnt! Dem Lamme, das in Broteshülle Mit aller seiner Gnadenfülle Auf unsern Prachtaltären thront. 11. Du bist es, Herr! Gott uns'rer Väter, Du Brot der Starken, unser Retter, Du bist's in deines Priesters Hand! Wir fallen, beten an im Staube; Das Aug' ist blind, doch sieht der Glaube, Dein Wort ist ihm ein Unterpfand. 12. Erbarmer! laß uns nicht erröthen, Wenn wir in Leibs- und Seelennöthen Zu deinem Tabernakel flieh'n. Gib heut' und immer Deinen Segen, Laß Fürst und Volk auf ihren Wegen Vor dir in deinem Frieden zieh'n. 13. Sei stets auf dieser Lebensreiſe, Geprüfter Christen Seelenspeise, Gebenedeites Himmelsbrot! Und dann in deinem Friedenskusse, In deinem seligen Genusse Vollend' uns einstens unser Tod! I. Lied vor dem heiligsten Altarsfacramente. 1. Komm, o fromme Christenschaar, Wirf dich nieder am Altar! ( Denn es stellt in Brotsgestalten Sich dein Heiland dar.) 2. Hier ist Jesu Fleisch und Blut, Hier das allerhöchste Gut. ( Keine Seele geht verloren Unter seiner Hut.) 3. Sei gelobt, gebenedeit, Trost in Widerwärtigkeit! ( Allen, die sich dir vertrauen, Wahre Sicherheit!) 4. Gib uns Segen, großer Gott! Wundervolles Himmelsbrot! 341 342 ( Hilf den Deinen, und bewahre Sie vor aller Noth.) 5. Gib uns wahre Buß' und Neu', Mach' uns von den Sünden frei! ( Daß nach Glauben, Hoffen, Lieben Unser Trachten sei.) 6. Ist nun uns're Pflicht gethan, Und vollend't des Lebens Bahn, ( dann nimm zu deinen Freuden Uns're Seelen an!) 7. Sei gelobt, gebenedeit, Heiligste Dreieinigkeit! ( Jesu Preis im Sacramente Bis an's End' der Zeit!) II. Lied vor dem ausgesetzten Hochwürdigsten. 1. Erfreut euch, fromme Seelen, Ein Wunder ist gescheh'n; Von Engeln zu erzählen, Im Geiste nur zu seh'n. In Brot- und Weinsgestalten Ist Jesu Fleisch und Blut Auf dem Altar enthalten, Das größte Seelengut. Alleluja! 2. Verhüllt ist hier zu finden Das wahre Gotteslamm, Das aller Menschen Sünden Getilgt am Kreuzesstamm. Es ist der Seelen Speise, Wie uns der Glaube lehrt, Sie nährt uns auf der Reise, Und bleibt doch unverzehrt. Alleluja! 343 3. Wenn wir das Leben schließen Und dieses Engelsbrot Mit frommer Buß' genießen, Dann darf der bitt're Tod Uns Christen nicht erschrecken; Es ist ein Unterpfand, Daß Gott den Leib wird wecken Zur Fahrt in's Vaterland. Alleluja! 4. Herr Jesu! deiner Liebe Sei Ehre, Lob und Dank! 344 Du hast aus ihrem Triebe Zur Speis' und auch zum Trank Dein Fleisch und Blut gegeben, In Brotsgestalt verhüllt, Das unser inn'res Leben Mit Gnadenkraft erfüllt. Alleluja! 5. Entzünd' in uns Verlangen Nach diesem Sacrament, Herr! laß es uns empfangen, Wenn Seel' und Leib sich trennt, Daß wir in Frieden fahren, Von allen Sünden rein, Zu deinen Engelschaaren, Dort stets nur bei dir sein. Alleluja! Lied von dem heiligsten Herzen Jeſu. Im Tone:» Im Himmel und auf Erden." 1. Dem Herzen Jesu singe Mein Herz in Liebeswonn'! Durch alle Wolken dringe Der laute Jubelton: Gelobt, gebenedeit Soll sein zu jeder Zeit Das heiligste Herz Jesu In alle Ewigkeit. 2. D Herz, für mich gebrochen Aus übergroßer Huld, Von einer Lanz' durchstochen Ob meiner Sündenschuld! Gelobt 2c. 2c. 3. D Herz, so mild geflossen Von Wasser und von Blut, Wie strömet ausgegossen Vom Kreuz die Gnadenflut! Gelobt 2c. 2c. 4. O Herz, in lauter Flammen Von Liebe ganz verzehrt, In dieses Herzens Namen Wird Alles mir gewährt! Gelobt 2c. 2c. 5. Herr Jesu! eine Bitte, Nur Eins verlang' ich hier: 345 346 In deines Herzens Mitte Gib auch ein Plätzchen mir. Gelobt 2c. 2c. 6. 3war bin ich voller Sünden, Ein Lamm, das sich verirrt; Doch sieh, ich laß mich finden Von dir, o guter Hirt! Gelobt 2c. 2c. 7. O wasche meine Seele Mit deines Herzens Blut; Zur Braut sie dann erwähle, O allerhöchstes Gut. Gelobt 2c. 2c. 8. Wie dn von Herzen milde, Und demuthsvoll und rein, So soll nach deinem Bilde Mein Herz gestaltet sein. Gelobt zc. 2c. 9. Hinweg mit allen Trieben, Worin die Welt sich freut! Nur Jesum will ich lieben, Ihm sei mein Herz geweiht. Gelobt 2c. 2c. 10. Wer gibt mir Taubenflügel Zu Jesu Herzen hin, Daß über Berg und Hügel Zu ihm ich möge flieh'n? Gelobt 2c. 2c. 11. In dieses Herzens Wunde Ist meiner Seele Ruh'! In Glück- und Leidensstunde Ruf' ich der Welt dann zu: Gelobt 2c. 2c. 12. Und wenn die Augen brechen, Entflieht der Erde Schein, Will ich noch sterbend sprechen: Herr Jesu, ich bin dein! Gelobt 2c. 2c. 347 Lied zur seligsten Jungfrau Maria. Im Tone:" Komm, o fromme Christenschaar." 1. Gnadenquelle! Sei gegrüßt, Quelle, die beständig fließt, Trost der Christen, o Maria! Jungfrau, sei gegrüßt! 348 2. Sei gegrüßt zu jeder Stund', In dem Herzen, mit dem Mund; Alles mache deine Würde, Deine Gnaden fund. 3. Liebste Mutter, wir sind dein! Zeig' dich, Mutter stets zu sein; Schreib' uns Alle deinem Herzen Unauslöschlich ein. 4. Du warst noch zu jeder Zeit Ursach meiner Fröhlichkeit; Sei es bis zum Lebensende Und in Ewigkeit. 5. Mutter, es ist unerhört, Daß dein Sohn dir nicht gewährt, Was du deinen treuen Dienern Gütig haft begehrt! 6. Wenn Gefahr der Seele droht, In des Lebens jeder Noth, Rettet uns in deinem Namen Der versöhnte Gott. 7. Schreckt der Sünden schwere Laſt, Sei zu dir Vertrau'n gefaßt, Die du dich der Sünder Zuflucht Stets gezeiget hast. 8. Wer dich in Betrübniß bat, Fand bei dir, Maria, Rath; Trost, wer immer dir als Mutter Sich empfohlen hat. 9. Auch zu streiten bis auf's Blut, Um des Himmels großes Gut, Bringst du, Reinste, den Versuchten Neue Kraft und Muth. 10. Groß ist unsrer Feinde Zahl Hier in diesem Thränenthal, Rette, Mutter, deine Kinder Vor dem Sündenfall. 349 11. Und wenn Seel' und Leib sich trennt, Nur noch schwach das Herz dich nennt, O dann bitte, Mutter, bitte Um ein sel'ges End. 12. Nach vollbrachtem letzten Streit Führ' uns in die Ewigkeit; Milde Jungfrau, zeig' uns Jesum In der Herrlichkeit. 350 Lobgefang zur Ehre der heil. Mutter Anna. Im Tone:» Komm, o fromme Christenschaar." 1. Heil'ge Anna, Hoffnungsstern! Dich lobpreisen wir so gern, Dich, o Mutter unsrer Mutter, Ahnfrau unsers Herrn! 2. Still und in Ergebenheit Trugst du lange Sara's Leid, Bis der Herr dich auserkoren In der Gnadenzeit. 3. Deine Demuth und Geduld Sah der Herr in seiner Huld, Gab ein Kind dem Mutterherzen, Frei von Adams Schuld. 4. Würdig fand er dich allein, Mutter der Jungfrau zu sein; Deren Engel sich und Menschen Ewiglich erfreu'n. 5. Mutter, vor dem Herren groß! Die in ihrem keuschen Schooß Trug die Königin der Engel Rein und makellos. 6. Die der Engel Chor verehrt Und zu schauen stets begehrt, Hat dein Mutterarm umfangen, Deine Brust genährt. 7. Die zur Mutter war bereit Für das Wort von Ewigkeit, Hast du in dem Tempel freudig Gott zum Dienst geweiht. 8. Die den Heiligsten gebar, Der sich gab zum Opfer dar, Hast du opfernd hingegeben Vor des Herrn Altar. 9. Die das ew'ge Licht genährt, Welches alle Weisheit lehrt, Hat in liebevoller Demuth Kindlich dich verehrt. 10. Mutter Anna! wie entzückt War dein Herz, wie hoch beglückt, 351 352 Als du ihre Würd' und Hoheit Ahnend haft erblickt. 11. Möchtest du, o Zier' der Frau'n, Liebend zu uns niederschau'n, Die auf deiner Tochter Fürbitt' Und auf deine bau'n. 12. Zu der Himmelskönigin Hilf uns richten Herz und Sinn, Die zur gnadenreichen Mutter Uns der Herr verlieh'n. 13. Hilf, o himmlisch Frauenpaar, Denn uns drohet stets Gefahr; Bitte, heil'ge Anna, bitte Für uns immerdar! 14. Und in unserm letzten Streit Steh' uns bei voll Mildigkeit; Bitt für uns, daß wir auch schauen Seine Seligkeit. Amen. - Frommer Gruß: Gelobt sei Jesus Christus! ( Ungewendet auf den täglichen Lebenswandel.) 1. Wach' ich früh Morgens auf, So sag' ich bald darauf: Gelobt sei Jesus Christus! 2. Alsdann zieh' ich mich an, Und fang' zu beten an: Gelobt sei Jesus Christus! 3. Geh' ich zur Kirch' hinein, So soll mein Erstes sein: Gelobt sei Jesus Christus! 4. Es theilt in diesem Haus Gott seine Gnaden aus: Gelobt sei Jesus Christus! 5. Wenn ich gesündigt hab', Bitt' ich's mit Thränen ab: Gelobt sei Jesus Christus! 6. Sei groß auch meine Schuld, So tilgt sie seine Huld: Gelobt sei Jesus Christus! 23 353 352 354 7. Er gibt nach wahrer Buß Mir dann den Friedenskuß: Gelobt sei Jesus Christus! 8. Beim heil'gsten Sacrament Erschalle ohne End': Gelobt sei Jesus Christus! 9. Durch gute Werk allein Will Er gepriesen sein: Gelobt sei Jesus Christus! 10. In Arbeit, Müh' und Streit, Jetzt und in Ewigkeit: Gelobt sei Jesus Christus! 11. Führ' ich die Arbeit fort, Sprech' ich dabei das Wort: Gelobt sei Jesus Christus! 12. Und ist sie nun vollbracht, So wird der Schluß gemacht: Gelobt sei Jesus Christus! 13. Wie wird mir Alles ring, Wenn ich von Herzen sing': Gelobt sei Jesus Christus! 14. Mag die Verrichtung mein Nun schon wie immer sein: Gelobt sei Jesus Christus! 15. Schickt Gott mir gute Zeit, Ruf' ich mit Dankbarkeit: Gelobt sei Jesus Christus! 16. Und trifft ein Unglück mich, So singe hoffend ich: Gelobt sei Jesus Christus! 17. Wenn Er mich lieben thut, Dann wird's schon wieder gut: Gelobt sei Jesus Christus! 18. Schmeckt eine Speise mir, Dank' ich dem Herrn dafür: Gelobt sei Jesus Christus! 19. Trink' ich, ruf ich dabei: Dem Herrn die Ehre sei: Gelobt sei Jesus Christus! 20. Denk' ich nur immer Dein, Werd' ich wohl mäßig sein: Gelobt sei Jesus Christus! 23* 355 356 21. Und leg' ich mich zur Ruh', So sing' ich immer zu: Gelobt sei Jesus Christus! 22. So singend schlaf' ich ein, In Gott dem Vater mein: Gelobt sei Jesus Christus! 23. Von Ihm ich Alles hab', Ihm sing' ich bis in's Grab: Gelobt sei Jesus Christus! 24. Ich lad' Erd', Himmel ein, Daß sie mitstimmen ein: Gelobt sei Jesus Christus! Glaube, Hoffnung und Liebe. 1. Herr, ich glaube; Herr, ich hoffe; Herr, von Herzen lieb' ich dich. Rede, Herr, und ich will hören! Laß die Welt mich nicht bethören; Denn du hast mir Geist und Leben Aus Barmherzigkeit gegeben. In dem Glauben, in der Hoffnung, In der Liebe stärke mich. 2. Herr, ich glaube; Herr, ich hoffe; Herr, von Herzen lieb' ich dich. Sollten alle Menschen lügen, So kannst du mich nicht betrügen; Nichts ist dir, o Gott, verborgen, Dein Wort glaub' ich ohne Sorgen. In dem Glauben, in der Hoffnung, In der Liebe stärke mich. 3. Herr, ich glaube; Herr, ich hoffe; Herr, von Herzen lieb' ich dich. Einen Gott in drei Personen, Welche in dem Lichte wohnen, Gleich im Wesen, Macht und Stärke, Wunderbar sind ihre Werke. In dem Glauben, in der Hoffnung, In der Liebe stärke mich! 4. Herr, ich glaube; Herr, ich hoffe; Herr, von Herzen lieb' ich Dich. Vater in den Himmelsauen, Auf dich will ich fest vertrauen; 357 358 Du wirst mich doch nicht verlassen, Wenn mich Welt und Hölle hassen. In dem Glauben, in der Hoffnung, In der Liebe stärke mich. 5. Herr, ich glaube; Herr, ich hoffe; Herr, von Herzen lieb' ich dich. Gottes Sohn, dein Kreuz und Sterben Rette mich von dem Verderben; Durch dich steht der Himmel offen. Dieses will ich freudig hoffen. In dem Glauben, in der Hoffnung, In der Liebe stärke mich. 6. Herr, ich glaube; Herr, ich hoffe; Herr, von Herzen lieb' ich dich. O Gott, heil'ger Geist, verleihe, Daß ich mich vor Niemand scheue, Meinen Glauben zu bekennen Und mich Christi Glied zu nennen. In dem Glauben, in der Hoffnung, In der Liebe stärke mich. 7. Herr, ich glaube; Herr, ich hoffe; Herr, von Herzen lieb' ich dich. An dir will ich mich ergößen Und dich über Alles schätzen; Dir, o Gott! will ich in allen Meinen Werken nur gefallen. In dem Glauben, in der Hoffnung, In der Liebe stärke mich. 359 8. Herr, ich glaube; Herr, ich hoffe; Herr, von Herzen lieb' ich dich. Nichts soll mich von dir mehr trennen; Droht die Welt mich zu verbrennen, Um zur Untreu' mich zu zwingen, So will ich doch fröhlich singen: Herr, ich liebe, Herr, ich liebe, Ja, von Herzen lieb' ich dich. 9. Herr, ich glaube; Herr, ich hoffe; Herr, von Herzen lieb' ich dich. Wenn ich in den letzten Zügen Und im Grabe werde liegen, Wenn mein Körper wird verwesen, Soll man noch im Herzen lesen: Herr, ich liebe, Herr, ich liebe, Ja, von Herzen lieb' ich dich. 360 Das Te Deum Laudamus. 1. Großer Gott, wir loben dich! Herr, wir preisen deine Stärke; Vor dir neigt die Erde sich Und bewundert deine Werke; Wie du warst vor aller Zeit, So bleibst du in Ewigkeit. 2. Alles, was dich preisen kann, Cherubim und Seraphimen, Stimmen dir ein Loblied an; Alle Engel, die dir dienen, Rufen dir stets ohne Nuh': Heilig! Heilig! Heilig! zu. 3. Heilig, Herr Gott Sabaoth! Heilig, Herr der Kriegesheere, Starker Helfer in der Noth! Himmel, Erde, Luft und Meere Sind erfüllt von deinem Ruhm, Alles ist dein Eigenthum. 4. Der Apostel Christi Chor, Der Propheten große Menge Schickt zu deinem Thron empor Neue Lob- und Dankgesänge; Der Blutzeugen große Schaar Lobt und preist dich immerdar. 5. Auf dem ganzen Erdenkreis Loben Große und auch Kleine Dich, Gott Vater! dir zum Preis Singt die heilige Gemeine; Sie ehrt auch auf seinem Thron Deinen eingebornen Sohn. 6. Sie verehrt den heil'gen Geist, Welcher uns mit seinen Lehren Und mit Troste kräftig speist; Der, o König voller Ehren, Der mit dir, Herr Jesu Christ, Und dem Vater ewig ist. 7. Du, des Vaters ew'ger Sohn, Hast die Menschheit angenommen; Du bist auch von deinem Thron Zu uns auf die Welt gekommen! Gnade hast du uns gebracht, Von der Sünde frei gemacht. 361 362 8. Nunmehr steht das Himmelsthor Allen, welche glauben, offen; Du stellst uns dem Vater vor, Wenn wir findlich auf dich hoffen. Endlich kommst du zum Gericht, Zeit und Stunde weiß man nicht. 9. Steh, Herr! deinen Dienern bei, Welche dich mit Demuth bitten; Die dein Blut dort machte frei, Als du für uns hast gelitten. Nimm uns nach vollbrachtem Lauf Zu dir in den Himmel auf! 10. Sieh dein Volk in Gnaden an; Hilf uns, segne, Herr! dein Erbe, Leit' es auf der rechten Bahn, Daß der Feind es nicht verderbe; Hilf, daß es durch Buß' und Fleh'n Dich im Himmel möge seh'n! 11. Alle Tage wollen wir Dich und deinen Namen preisen, Und zu allen Zeiten dir Ehre, Lob und Dank erweisen. Gib, daß wir von Sünden heut, Und von Lastern sein befreit! 12. Herr, erbarm', erbarme dich! Über uns, Herr, sei dein Segen! Deine Güte zeige sich, So wie wir zu hoffen pflegen; Auf dich hoffen wir allein, Laß uns nicht verloren sein! 363 Inhalt. Erinnerung am Morgen Morgengebet. Erhebung seines Geistes zu dem Schöpfer Gebet zum heil. Schutzengel Erinnerung vor der heiligen Messe Meßgebete Meßgebete, wie selbe der Priester am Altar spricht Beichtgebet Vor der Communion Nach der Communion Abendgebet Bitte Am neuen Jahrstage Am Geburtstage Reisegebet Gebet der Eltern für ihre Kinder Gebet der Kinder für ihre Eltern Gebet zur heiligsten Dreifaltigkeit Gebet zur heiligsten Jungfrau Seite 12612 14 15 24 42 51 56 60 62 64 66 69 71274 75 Am St. Josephstage Vespergebet zum Magnificat Gebet Gebet für Freunde Die offene Schuld Die drei göttlichen Tugenden Gebet vor den Geschäften Gebet nach den Geschäften Bei Aussetzung des Hochwürdigsten Preis der göttlichen Vollkommenheiten Vertrauen auf Gott Das Gebet des Herrn Glaubensbekenntniß ♦ ♦ Wenn man Feinde hat, verfolgt, gekränkt und verleumdet wird 101 109 Betrachtung des Leidens und Sterbens Jesu 116 Glaube an den auferstandenen Erlöser. 119 Trostgebet in Kummer und Leiden 128 Gebet in Krankheit. Wenn das heil. Sakrament einem Kranken überbracht wird Wenn die Sterbglocke geläutet wird Angedenken an die Verstorbenen Beim Tod unserer Geliebten Für verstorbene Eltern, Wohlthäter und ◆ ♦ ♦ 365 Seite 76 77 Freunde. Litanei von allen Heiligen, und Gebete, wie selbe täglich, nur Samstag und Frauentage ausgenommen, bei dem nachmittägi78 79 80 82 85 86 91 96 133 139 142 144 146 150 153 366 gen Gottesdienste mit lauter Stimme unter Beantwortung des Volkes zu beten sind Lauretanische Litanei, sammt den dazu gehörigen Gebeten, wie selbe an Samstagen und Frauentagen anstatt der an übrigen Tagen vorgeschriebenen Litanei von allen Heiligen zu beten ist. Lied zur heiligen Jungfrau, Trösterin der Betrübten In der Adventzeit Am Feste Maria Empfängniß Gebet im Advent Am Weihnachtsfeste Weihnachtslied Am Feste des heiligen Stephanus Am Feste des heiligen Johannes, Apostel und Evangelist Am Feste der unschuldigen Kinder Am Feste der heiligen drei Könige Am Feste Maria Reinigung( Lichtmeß) Für die Fastenzeit Drei Betrachtungen für die Fastenzeit Am Feste Maria Verkündigung. Betrachtungen für die heilige Charwoche ♦ Gebet am Palmſonntage Litanei vom Leiden und Sterben Christi Gebet am Gründonnerstage Am Charfreitage Kreuzweg- Andacht ♦ ♦ Seite 154 170 178 181 188 190 191 196 198 199 200 201 202 207 213 215 216 219 227 231 237 Lamentationen Gebet am Charsamstage am Grabe des Erlösers Am Osterfeste Heilig! heilig! heilig! Am Feste Christi Himmelfahrt Am Pfingstfeste Litanei vom heiligen Geiste Am Frohnleichnamsfeste Litanei vom allerheiligsten Sakrament des Altars Am Feste der heiligen Apostel Petrus und Paulus Um Feste Maria Himmelfahrt Meßgesänge. Erster Meßgesang Zweiter Meßgesang. Dritter Meßgesang Vierter Meßgefang I. Marienlied II. Marienlied Predigtlied Christenlehrlied Lied zum Segen I. Adventlied II. Adventlied Weihnachtslied ♦ 367 Seite 248 249 251 255 257 259 262 268 273 280 283 286 292 297 301 305* 308 312 314 315 317 320 323 368 Seite 325 327 330 332 336 Frohnleichnamslied 337 341 I. Lied vor dem heiligsten Altarssacramente II. Lied vor dem ausgesetzten Hochwürdigsten 342 Lied von dem heiligsten Herzen Jesu 344 347 350 353 356 360 I. Fastenlied II. Fastenlied Osterlied Gesang in der Bittwoche. Pfingstlied ♦ Lied zur seligsten Jungfrau Maria. Lobgesang zur Ehre der heil. Mutter Anna Frommer Gruß: Gelobt sei Jesus Christus!" Glaube, Hoffnung und Liebe Das Te Deum Laudamus Gedruckt bei 2. 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