SE22 де 1155 Rauchopfer für Kranke und Sterbende und deren Freunde. Von Wilhelm Söhe. Vierte Auflage. Nördlingen. Verlag der C. H. Beck'schen Buchhandlung. 1881. 96 1155 godius 2 18 Mein Gebet müğe bor dir tügen wie ein Rauchopfer Pf. 141, 2. Das Rauchwert sind die Gebete der Heiligen. Offb. 5, 8. 8, 3. 4. Univ. Bibl. Giessen 4717100ts Vorwort zur zweiten Auflage. B Aus den zwei Theilen des„ Handbuches an Kranken- und Sterbebetten" ist nach dem mehrfach geäußerten Wunsche einsichtsvoller Freunde ein einziger geworden. Was entweder allein für Seelſorger paßte, oder nicht Gebet war, ist weggelaßen; hie und da sind einige Gebete dazugekommen; die Neimgebete am Schluß, alte Bekannte des christlichen Volkes in Deutschland, werden willkommen sein. Da nun das Buch nur Gebete enthält, so entstand der IV Vorwort zur zweiten Auflage. Wunsch, ihm einen entsprechenderen Namen zu geben. Möge der neue Name nicht zu prächtig sein; möge er dadurch zur vollen Wahrheit werden, daß das Feuer der Andacht auf diese Gebete, wie auf todtes Rauchwerk falle, und dann von ihm ein guter Geruch zu Gott aufsteige! Möge diesem Rauchwerk nie das Feuer fehlen, ohne welches es den Namen„ Rauchopfer" nicht verdient! Nenendettelsau, 10. Juli 1847. W.£. Vorwort zur dritten Auflage. Bei dieser neuen Auflage ist die gewöhnliche Orthographie wieder hergestellt, da die in der vorigen Auflage angewendete dem Gebrauch und der Verbreitung des Buches hinderlich war. Trotz der Orthographie hat sich das Rauchopfer auch in der zweiten Auflage Freunde erworben, wurde und wird noch in Häusern und Anstalten regelmäßig gebraucht. Deshalb durften wenige Veränderungen gemacht werden. Der Inhalt des Buches ist daher der Vorwort zur dritten Auflage. selbe wie in der vorigen Auflage. Nur ein paar Gebete von geringerer Bedeutung sind ausgemerzt, ein paar andere hinzugekommen. Man wird es im Gebrauch kaum merken. Einige Gebete haben eine richtigere Stelle bekommen. VI - Auf die Zählung der verschiedenen Gebetsarten und der Gebete selbst ist consequenterer Fleiß gewendet. Die den Inhalt jedes einzelnen Gebetes charakterisirenden Schlagwörter sind geſperrt gedruckt. Dies und die genauen Register werden den Gebrauch des Nauchopfers erleichtern. hon Möge sich diese neue Auflage christlichen Leidenden, ihren Freunden und Seelsorgern ferner empfehlen und unter Vorwort zur dritten Auflage. dem Segen des HErrn, des heiligen Geistes, in Leidens- und Sterbenszeit gute Frucht bringen! Amen. ND. 4. Juli 1862. 186251 W.£. VII 2017 Uebersicht. I. Worte aus Gottes Munde für Kranke und Sterbende.. II. Gebete für Kranke III. Gebete für Sterbende IV. Gebete an Kranken-, Sterbe- und Todtenbetten V. Alte Reimgebete 1- 72 73-166 167-298 299-346 347-362 I. Worte aus Gottes Munde für Kranke und Sterbende. 1. Vom Nußen der Krankheit und Trübfal. 2. Von der Geduld. 3. Von Vergebung der Sünden. 4. Von der Gewißheit des Todes und des menschlichen Lebens Flucht. 5. Vom Tode. 6. Von der Auferstehung des Fleisches. 7. Von der Aussicht auf die selige Ewigkeit. 8. Von unserm Erbe im Himmel. 9. Von der Sorge für Wittwen und Waisen. 10. Der Herr erhört. Rauchopfer. 1 1. Krankheit und Trübsal bringt einem Christen großen Nuken. 1. Die Seele. Deine große herzliche Barmherzigkeit hält sich hart gegen mich. Bist du doch unser Vater und Erlöser, von Alters her ist das dein Name. Jes. 64, 15. 16. Gott. Selig ist der Mensch, den Gott strafet. Darum weigere dich der Züchtigung des Allmächtigen nicht. Denn er verletzt und verbindet, er zerschmeißt und seine Hand heilt. Hi. 5, 17. 18. Welchen er lieb hat, den straft er, und hat Wohlgefallen an ihm, wie ein Vater am Sohne. Spr. 3, 12. Ebr. 12, 5-11. 1* 4 Worte aus Gottes Munde 2. Die Seele. Du, Herr, biſt treu; du wirst mich stärken und bewahren vor dem Argen. 2. Thess. 3, 3. Du hast mich, o Gott aller Gnaden, berufen zu deiner ewigen Herrlichkeit in Christo Jesu. Du hast in mir angefangen das gute Werk, du wirst es vollführen bis auf den Tag Jesu Christi, wirst mich, der ich eine kleine Zeit leide, vollbereiten, stärken, kräftigen, gründen und meinen Geist sammt Seel und Leib unsträflich behalten auf die Zukunft unsers Herrn Jesu Christi. Phil. 1, 6. 1. Thess. 5, 23. 1. Petr. 5, 10. Gott. Fürchte dich nicht, ich bin mit dir. Weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Jef. 41, 10. 3. Die Seele. Des Herrn Rath ist wunderbarlich und führt alles herrlich hinaus. Jef. 28, 29. Gott. Welche da leiden nach Gottes Willen, die sollen ihm ihre Seelen befehlen vom Nutzen der Krankheit und Trübfal. 5 als dem treuen Schöpfer. 1. Petr. 4, 19. Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr, nämlich Gedanken des Friedens und nicht des Leides, daß ich euch gebe das Ende, des ihr wartet. Jer. 29, 11. 4. Die Seele. Ich glaube, daß ich sehen werde das Gute des Herrn im Lande der Lebendigen. Pf. 27, 13. Gott. So du glauben würdest, solltest du die Herrlichkeit Gottes sehen. Joh. 11, 40. Denn wenn Trübsal da ist, denke ich der Barmherzigkeit. Hab. 3, 2; und mein Geist ist es, der da spricht, daß alle Dinge denen, die Gott lieben, müssen zum Besten dienen. Röm. 8, 28. 5. Die Seele. Herr, wenn Trübfal da ist, so sucht man dich. Wenn du uns züchtigest, so rufen wir ängstiglich. Jef. 26, 16. f. 77, 4. Gott. Es ist trauern beßer, denn lachen; denn durch trauern wird das Herz gebeßert. Pred. 7, 4. 6 Worte aus Gottes Munde 6. Die Seele. Wir rühmen uns auch der Trübsal, dieweil wir wißen, daß Trübsal Geduld bringt, Geduld aber bringt Erfahrung, Erfahrung aber bringt Hoffnung, Hoffnung aber läßt nicht zu Schanden werden. Röm. 5, 3-5. Gott. Siehe da, alle Züchtigung, wenu fie da ist, dünkt sie nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein; aber darnach wird sie geben eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübt sind. Ebr. 12, 11. 7. Die Seele. Wer am Fleische leidet, der hört auf von Sünden, daß er hinfort, was noch hinterstelliger Zeit im Fleische ist, nicht der Menschen Lüsten, sondern dem Willen Gottes Lebe. 1. Petr. 4, 1. 2. Gott. Siehe,( so) will ich dich läutern, aber nicht wie Silber; sondern ich will dich auserwählt machen im Ofen des Elends. Jef. 48, 10. Denn wenn ihr gerichtet werdet, so werdet ihr vom Herrn gezüchtigt, auf daß ihr nicht vom Nußen der Krankheit und Trübfal. 7 sammt der Welt verdammet werdet. 1. Cor. 11, 32. 8. Die Seele. Wir sind jetzt eine kleine Zeit traurig in mancherlei Anfechtungen, auf daß unser Glaube rechtschaffen und viel köstlicher erfunden werde, denn das vergängliche Gold, das durchs Feuer bewährt wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn nun geoffenbart wird Jesus Christus, welchen wir nicht gesehen und doch lieb haben, und nun an ihn glauben, wiewohl wir ihn nicht sehen; so werden wir uns freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude und das Ende unsers Glaubens davonbringen, nämlich der Seelen Seligkeit. 1. Petr. 1, 6-9. Amen, Herr Jesu! Gott. Ihr werdet aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt zur Seligkeit, welche zubereitet ist, daß fie offenbar werde zu der letzten Zeit. Petr. 1, 15. 9. Die Seele. Ich warte und hoffe, daß ich in keinerlei Stück zu Schan 8 Worte aus Gottes Munde den werde; sondern daß mit aller Freudigkeit Christus hoch gepreiset werde an meinem Leibe, es sei durch Leben oder durch Tod. Phil. 1, 20. Gott. Sei getrost, die Krankheit iſt nicht zum Tode, sondern zur Ehre Gottes, daß der Sohn Gottes dadurch geehrt werde. Joh. 11, 4. 10. Die Seele. Ich bin geplagt täglich, und meine Strafe ist alle Morgen da. Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat, und nimmst mich endlich mit Ehren an. Pf. 73, 14. 23. 24. Gott. Ehe man zu Ehren kommt, muß man zuvor leiden. Spr. 15, 33. Wo man aber leidet in des Herrn Furcht, da ist Reichthum, Ehre und Leben. Spr. 22, 4. So ihr anders mit Christo leidet, werdet ihr auch mit ihm zur Herrlichkeit erhaben werden. Röm. 8, 17. 11. Die Seele. Wir tragen um von der Geduld. allezeit das Sterben unsers Herrn Jesu an unserm Leibe, auf daß auch das Leben unsers Herrn Jesu an unserm Leibe offenbar werde. 2. Cor. 4, 10. 2. 9 Von der Geduld. 1. Die Seele. Züchtige mich, Herr, doch mit Maße, und nicht in deinem Grimm, auf daß du mich nicht aufreibest! Jer. 10, 24. Gott. Mein Kind, verwirf die Zucht des Herrn nicht, und sei nicht ungeduldig über seiner Strafe! Spr. 3, 11. 2. Die Seele. Herr, wie lange willst du mein so gar vergessen? Wie lange verbirgst du dein Antlig vor mir? Wie lange soll ich sorgen in meiner Seele und mich ängstigen in meinem Her 10 Worte aus Gottes Munde zen täglich? Schaue doch und erhöre mich! Herr, mein Gott, erleuchte meine Augen, daß ich nicht im Tode entschlafe. Pſ. 13, 2-4. Gott. Ich bin bei dir, spricht der Herr, daß ich dir helfe. Züchtigen aber will ich dich mit Maße, daß du dich nicht für unschuldig haltest. Jer. 30, 11. Ein Haar von deinem Haupte soll nicht umkommen. Faße deine Seele mit Geduld. Luc. 21, 18. 19. 3. Die Seele. Ach du Herr, der du ewiglich bleibest, und dein Thron für und für, warum willst du unser so gar vergeßen und uns die Länge so gar verlaßen? Verneuere unsere Tage wie vor Alters! Klagl. 5, 19-21. Gott. Der Herr verstößt nicht ewiglich, sondern er betrübet wohl und erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte; denn er nicht von Herzen die Menschen plagt und betrübt. Klagl. 3, 32. 33. 4. Die Seele. Warum währt doch unser Schmerz so lange, und unsere Wun von der Geduld. 11 den sind so gar böse, daß sie niemand heilen kann? Du bist uns worden, wie ein Born, der nicht mehr quellen will. Jer. 15, 18. Gott. Werfet euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat! Geduld aber ist euch noth, auf daß ihr den Willen Gottes thuet nnd die Verheißung empfahet. Denn noch über eine kleine Weile, so wird kommen, der da kommen soll, und nicht verziehen. Der Gerechte aber wird des Glaubens leben. Ebr. 10, 35-38. Hab. 2, 3. 4.- Jage nach der Geduld! 1. Tim. 6, 11. 5. Die Seele. Die Hoffnung des Elenden wird ja nicht verloren sein ewiglich. Gott wird des Armen nicht so gar vergeßen! Ps. 9, 19. Gott. Ich will dein schonen, wie ein Mann seines Sohnes schont. Mal. 3, 17. Denn der Herr ist freundlich dem, der auf ihn harret, und der Seele, die nach ihm fragt. Es ist ein köstlich Ding geduldig 12 Worte aus Gottes Munde sein und auf die Hilfe des Herrn hoffen. Klagl. 3, 25. 26. Bringe Frucht in Geduld! Luc. 8, 15. 6. Die Seele. Was ist meine Kraft, daß ich möge beharren, und welches ist mein Ende, daß meine Seele geduldig sein soll? Ist doch meine Kraft nicht steinern, und mein Fleisch nicht ehern! Hab ich doch nirgend keine Hilfe, und mein Vermögen ist weg. Hi. 6, 11-13. Gott. Achtet es eitel Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtung fallet, und wißet, daß euer Glaube, so er rechtschaffen ist, Geduld wirket. Die Geduld aber soll fest bleiben bis ans Ende! Jac. 1, 2-4. Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewähret ist, wird er die Krone des Lebens empfahen. Jac. 1, 12. 7. Die Seele. Wenn man meinen Jammer wöge und meine Leiden zusammen in eine Waage legete, so würde es schwerer sein denn Sand am Meer! Hi. 6, 2. 3. von der Geduld. 13 Gott. Lauf in Geduld in dem Kampfe, der dir verordnet ist, und sieh auf Jesum, den Anfänger und Vollender des Glaubens; welcher, da er wohl hätte mögen Freude haben, erduldete er das Kreuz, und achtete der Schande nicht, und ist geseßen zur Rechten auf dem Stuhle Gottes. Gedenk an den, der ein solches Widersprechen von den Sündern wider sich erduldet hat, daß du nicht in deinem Muthe matt werdest und ablaßest. Denn du hast noch nicht bis aufs Blut widerstanden über dem Kämpfen wider die Sünde, und hast bereits vergeßen des Trostes, der zu dir redet als zu einem Kinde: Mein Sohn, achte nicht gering die Züchtigung des Herrn und verzage nicht, wenn du von ihm gestraft wirst. Denn welchen der Herr lieb hat, den züchtigt er. Er stäupet aber einen jäglichen Sohn, den er aufnimmt. So ihr die Züchtigung erduldet, so erbietet sich euch Gott als Kindern; denn wo ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt? 11 11 14 Worte aus Gottes Munde Seid ihr aber ohne Züchtigung, welcher sie alle find theilhaftig geworden, so seid ihr Bastarde, und nicht Kinder. Auch so wir haben unsere leiblichen Väter zu Züchtigern gehabt und sie gescheuet; sollten wir denn nicht vielmehr unterthan sein dem geistlichen Vater, daß wir leben? Und jene zwar haben uns gezüchtigt wenige Tage nach ihrem Dünken, dieser aber zu Nuh, auf daß wir seine Heiligung erlangen. Alle Züchtigung aber, wenn sie da ist, dünkt sie uns nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein; aber darnach wird sie geben eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübet sind. Darum richte wieder auf die läßigen Hände und die müden Kniee, und thue gewisse Tritte mit deinen Füßen, daß du nicht strauchelst wie ein Lahmer, sondern vielmehr gesund werdest. Ebr. 12, 1-13. 8. Die Seele. Ich sprach, mein Fuß hat gestrauchelt, aber deine Gnade, Herr, hielt mich. Ich hatte viel Bekümmernis in meinem Herzen, aber deine von der Geduld. 15 Tröstungen ergößten meine Seele. Pf. 94, 18. 19. So richte nun, Herr, mein Herz zu der Liebe Gottes und zu der Geduld Christi! 2. Thess. 3, 5. Gott. Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt; sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Die Knaben werden müde und matt, und die Jünglinge fallen. Aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler, daß sie laufen und nicht matt werden, daß sie wandeln und nicht müde werden. Jes. 40, 28-31. 9. Die Seele. Die Güte des Herrn ists, daß wir nicht gar aus sind. Seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und seine Treue ist groß. Der Herr ist mein Theil, spricht meine Seele, darum will ich auf ihn hoffen; denn der Herr ist freundlich 16 Worte aus Gottes Munde dem, der auf ihn harret, und der Seele, die nach ihm fragt. Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hilfe des Herrn hoffen. Klagl. 3, 22-26. Gott. Wenn ihr still bliebet, so würde euch geholfen. Durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein. Jef. 30, 15. Denn ein Geduldiger ist beßer, denn ein Starker, und der seines Muthes Herr ist, denn der Städte gewinnt. Spr. 16, 32. 10. Die Seele. Wohl dem, den du, Herr, züchtigest und lehrest ihn durch dein Gesetz, daß er Geduld habe, wenns übel geht. Denn der Herr wird sein Volk nicht verstoßen, noch sein Erbe verlaßen. Pf. 94, 12-14. Gott. Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, spricht euer Heil, ich will euch erquicken. Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir; denn ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft von der Geduld. 17 und meine Laft ist leicht. Matth. 11, 28-30. 11. Die Seele. Herr, ich will dir folgen, wo du hingehst! Matth. 8, 19. Gott. Will mir Jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir. Denn wer sein Leben erhalten will, der wirds verlieren: wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wirds finden. Matth. 16, 24, 25. 12. Die Seele. Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichtes Hilfe und mein Gott ist. Pf. 42, 12. Gott. Gott ist getreu, der euch nicht läßet versuchen über euer Vermögen, sondern macht, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß ihrs könnet ertragen. 1. Cor. 10, 13. So seid nun getrost und thuet eure Hände nicht ab, denn euer Werk hat seinen Lohn. 2. Chron. 15, 7. Seid geduldig bis auf die Zukunft 1** 18 Worte aus Gottes Munde des Herrn. Siehe ein Ackermann wartet auf die köstliche Frucht der Erden und ist geduldig darüber, bis er empfahe den Morgenregen und Abendregen. Seid ihr auch geduldig und stärket eure Herzen, denn die Zukunft des Herrn ist nahe. Jac. 5, 7. 8. 13. Die Seele. Amen. Ja, tomm, Herr Jesu! Offenb. 22, 20. Gott. Siehe, ich komme bald, und mein Lohn mit mir, zu geben einem jeglichen, wie seine Werke sein werden. Offenb. 22, 12. Wer aber beharret bis ans Ende, der wird selig. Mrc. 13, 13. 14. Die Seele. Ich harre des Herrn, meine Seele harret, und ich hoffe auf sein Wort. Meine Seele wartet auf den Herrn von einer Morgenwache bis zur andern. Israel hoffe auf den Herrn, denn bei dem Herrn ist die Gnade und viel Erlösung bei ihm, und er wird Israel erlösen aus allen seinen Sünden! Ps. 130, 5-8. Amen. von Vergebung der Sünden. 3. 19 Von Vergebung der Sünden. 1. Die Seele. Schauet toch und sehet, ob irgend ein Schmerz sei, wie mein Schmerz, der mich troffen hat. Denn der Herr hat mich voll Jammer gemacht am Tage seines grimmigen Zornes. Er hat ein Feuer aus der Höhe in meine Gebeine gesandt und dasselbige laßen walten. Er hat mich zur Wüste gemacht, daß ich täglich trauern muß. Meine schweren Sünden sind durch seine Strafe erwacht und mir auf den Hals gekommen, daß mir alle Kraft vergehet. Der Herr hat mich also zugerichtet, daß ich nicht aufkommen kann. Klagl. 1, 12-14. Gott. Prediget von den Gerechten, daß sie es gut haben, denn sie werden die Frucht ihrer Werke eßen. Wehe aber den Gottlosen, denn sie sind boshaftig, und es wird ihnen vergolten, wie sie es ver 20 Worte aus Gottes Munde. dienen. Jes. 3, 10. 11. Ifrael, du bringst dich in Unglück; denn dein Heil steht allein bei mir. Hos. 13, 9. Also mußt du inne werden, was für Jammer und Herzeleid bringt, den Herrn, deinen Gott, verlaßen und ihn nicht fürchten, spricht der Herr, Herr Zebaoth. Jer. 2, 19. 2. Die Seele. Wird denn der Herr ewiglich verstoßen und keine Gnade mehr erzeigen? Jsts denn ganz und gar aus mit seiner Güte, und hat die Verheißung ein Ende? Hat denn Gott vergeßen, gnädig zu sein, und seine Barmherzigkeit vor Zorn verschloßen? Sela. Ps. 77, 8-10. Gott. Ihr sprechet: Unsere Sünden und Missethaten liegen auf uns, daß wir darunter vergehen; wie können wir denn leben? Aber, so wahr als ich lebe, spricht der Herr Herr, ich habe keinen Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern daß sich der Gottlose bekehre von seinem Wesen und lebe. So befehret euch doch nun von euerm bösen Wesen. Warum wollt von Vergebung der Sünden. ihr sterben, ihr vom Hause Israel? Hesek. 33, 10. 11. 21 3. Die Seele. Du hast mich gezüchtigt, und ich bin auch gezüchtigt, wie ein geiles Kalb. Bekehre du mich, so werde ich bekehret; denn du, Herr, bist mein Gott. Da ich bekehret ward, that ich Buße; denn nachdem ich gewißiget bin, schlage ich mich auf die Hüfte. Denn ich bin zu Schanden geworden und stehe schamroth; denn ich muß leiden den Hohn meiner Jugend. Jer. 31, 18, 19. Gott. Ist nicht Ephraim mein theurer Sohn und mein trautes Kind? Denn ich gedenke noch wohl daran, was ich ihm geredet habe; darum bricht mir mein Herz gegen ihn, daß ich mich seiner erbarmen muß, spricht der Herr. Jer. 31, 20. 4. Die Seele. Womit soll ich den Herrn versöhnen? Mit Bücken vor dem hohen Gott? Soll ich mit Trankopfern und jährigen Kälbern ihn versöhnen? Meinest du, der Herr habe Gefallen an viel tausend Widdern oder am Dele, wenns 22 Worte aus Gottes Munde gleich unzählige Ströme voll wären? Oder soll ich meinen ersten Sohn für meine Uebertretung geben? Oder meines Leibes Frucht für die Sünde meiner Seele? Mich. 6, 6. 7. Gott. Ich habe meines eigenen Sohnes nicht verschonet, sondern habe ihn für euch alle dahin gegeben. Röm. 8, 32. Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Joh. 3, 16. 09 5. Die Seele. Er war der Allerverachtetste und Unwertheste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, daß man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn nichts geachtet. Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unserer Missethat willen verwundet, und um unserer Sünde willen von Vergebung der Sünden. - zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Friede hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilet.- Der Herr wollte ihn also zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hätte, so sollte er Samen haben, und in die Länge leben, und des Herrn Vornehmen sollte durch seine Hand fortgehen. Jes. 53, 3-5. 10. Darum preiset Gott seine Liebe gegen uns, daß Christus für uns gestorben ist, da wir noch Sünder waren. Röm. 5, 8. Gott. Ja, mir hast du Arbeit gemacht in deinen Sünden, spricht dein Heil, und hast mir Mühe gemacht in deinen Missethaten! Jef. 43, 24. Israel, vergiß mein nicht, ich vertilge deine Missethat wie eine Wolke, und deine Sünde wie den Nebel. Kehre dich zu mir, denn ich erlöse dich! Jef. 44, 21. 22. 6. Die Seele. Ach, Herr, meine Sünde ist immer vor mir. Pf. 51, 5. Meine Sünden gehen mir über mein Haupt; wie eine schwere Last sind sie mir zu 23 24 Worte aus Gottes Munde Die 11 schwer geworden. Ps. 38, 5. Angst meines Herzens ist groß, führe mich aus meinen Nöthen. Siehe an meinen Jammer und Elend und vergib mir alle meine Sünde! 3₁. 25, 17. 18. Siehe, fast bin ich worden wie Cain, denn der Geist des Versuchers spricht zu mir: Deine Sünde ist größer, denn daß sie dir vergeben werden möge!" 1. Moſ. 4, 13. Gott. Weißest du nicht? Hast du nicht gelesen, was mein Geist zeuget in meinen Heiligen? Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, reinigt uns von aller Sünde." 1. Joh. 1, 7. ,, Wo die Sünde mächtig geworden ist, da ist doch die Gnade viel mächtiger worden." Röm. 5, 20. und: So uns unser Herz verdammet, so ist Gott größer, denn unser Herz, und erkennet alle Dinge!" 1. Joh. 3, 20. 11 7. Die Seele. Ich leide deine Schrecken, daß ich schier verzage; dein Grimm geht über mich, dein Schrecken drücket mich. Pf. 88, 16. 17. Denn siehe, wir sind alle verwelkt wie Blätter, von Vergebung der Sünden. und unsre Sünden führen uns dahin wie ein Wind! Jes. 64, 6. Gott. Die mit des Geseßes Werken umgehen, die sind unter dem Fluch. Gal. 3, 10. Dem aber, der nicht mit Werken umgeht, glaubt aber an den, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit. Röm. 4, 5. Fürchte dich nicht, glaube nur! Marc. 5, 36. 8. Die Seele. Stärke uns den Glauben! Luc. 17, 5. 25 Gott. Gott ist treu, durch welchen ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesu Christi, unsers Herrn, welcher auch wird euch fest behalten bis ans Ende, daß ihr unsträflich seid auf den Tag unsers Herrn Jesu Christi. 1. Cor. 1, 8. 9. 9. Die Seele. Der Held in Israel leugt nicht und gereuet ihn nicht. 1. Sam. 15, 29. Gott ist nicht ein Mensch, daß er lüge, noch ein Menschenkind, daß ihn etwas gereue. Sollte er etwas sagen und nicht thun? Sollte er etwas reden und nicht halten? 4. Mos. 23, 19. Rauchopfer. 2 26 Worte aus Gottes Munde Gott. Es sollen wohl Berge weichen, und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer. Jes. 54, 10. 10. Die Seele. Wo ist solch ein Gott, wie du bist? Der die Sünde vergibt und erläßt die Missethat den Uebrigen seines Erbtheils, der seinen Zorn nicht ewiglich behält, denn er ist barmherzig. Mich. 7, 18. Gott. Ich habe dich je und je geliebet, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte. Jer. 31, 3. 11. Die Seele. Ich freue mich in dem Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott. Denn er hat mich mit Kleidern des Heiles angezogen und mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet. Jeſ. 61, 10. Gott. Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermal sage ich: Freuet euch! Eure Lindigkeit laßet kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe! Sorget Univ.- Bibl. Giessen von Vergebung der Sünden. nichts, sondern in allen Dingen laßet eure Bitte im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden. Und der Friede Gottes, welcher höher ist, denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christo Jesu. Phil. 4, 4-7. 27 Halleluja. Das ist je gewißlich wahr und ein theuer werthes Wort, daß Christus Jesus kommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen, unter welchen ich der vornehmste bin! 1. Tim. 1, 15. Gott war in Christo und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu, und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung! Er hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt! 2. Kor. 5, 19. 21. Ist also Gott für uns, wer mag wider uns sein? Welcher auch seines eigenen 2* - 28 Worte aus Gottes Munde Sohnes nicht hat verschonet, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben, wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hie, der da gerecht macht! Wer will verdammen? Christus ist hie, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferwecket ist, welcher ist zur rechten Gottes und vertritt uns.*) Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes? Trübsal, oder Angst, oder Verfolgung, oder Hunger, oder Blöße, oder Fährlichkeit, oder Schwert? In dem allen überwinden wir weit um deswillen, der uns geliebet hat; denn ich binn gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel, noch Fürstenthum, noch Gewalt, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch keine andere Kreatur mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm Herrn! Röm. 8, 31-39. *) Vergl. 1. Joh. 2, 1. 2. von der Gewißheit des Todes zc. 4. 29 Von der Gewißheit des Todes und des menschlichen Lebens Flucht. 1. Die Seele. Es ist dem Menschen geſett, einmal zu sterben und darnach das Gericht. Hebr. 9, 27. Gott. Du bist Erde und sollst zur Erde werden. 1. Mos. 3, 19. Der Tod ist der Sünden Sold, aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Christo Jesu, unserm Herrn. Röm. 6, 23. 2. Die Seele. Wo ist jemand, der da lebet und den Tod nicht sehe? Ps. 89, 49. Gott. Der Staub muß wieder zur Erden kommen, wie er gewesen ist, und der Geist wieder zu Gott, der ihn gegeben hat. Pred. 12, 7.( ₁. 146, 4.) 3. Die Seele. Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe, geht auf wie eine Blume und fällt ab, fleucht wie ein Schatten und 30 Worte aus Gottes Munde bleibet nicht. Er hat seine bestimmte Zeit. Die Zahl seiner Monden steht bei dir, du hast ihm ein Ziel gefeßt, das wird er nicht überschreiten. Hi. 14, 1. 2. 5. Wir sind von gestern her und wißen nichts. Hi. 8, 9. Gott. Darum rühme dich nicht des morgenden Tages, denn du weißest nicht, was heute sich begeben mag. Spr. 27, 1. Und ihr, die ihr saget: ,, Heute oder morgen wollen wir gehen in die oder die Stadt und wollen ein Jahr da liegen und hantieren und gewinnen," die ihr nicht wißet, was morgen sein wird: was ist euer Leben? Ein Dampf ists, der eine kleine Zeit währet, darnach aber verschwindet er. Dafür ihr sagen solltet:„ So der Herr will und wir leben, wollen wir dies oder das thun." Nun aber rühmet ihr euch in euerm Hochmuth. Jac. 4, 13-16. 4. Die Seele. Ach, Herr, so lehre doch mich, daß es ein Ende mit mir haben muß, und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muß. Siehe, meine Tage von der Gewißheit des Todes zc. 31 sind einer Hand breit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben? Pf. 39, 5. 6. Herr, lehre uns bedenken, daß wir sterben müßen, auf daß wir klug werden. Ps. 90, 12. Gott. In meiner Hand ist die Seele alles des, das da lebet, und der Geist alles Fleisches eines jeglichen. Hi. 12, 10. Ich kann tödten und lebendig machen, schlagen und heilen. 5. Mos. 32, 39. 5. Die Seele. Herr Gott, du biſt unsere Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge worden und die Erde und die Welt geschaffen worden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit, der du die Menschen läßest sterben und sprichst: ,, Kommet wieder, Menschenkinder!" Denn tauſend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache. Du läßest sie dahinfahren, wie einen Strom, und sind wie ein Schlaf, gleichwie ein Gras, das da bald welk wird, das da frühe blühet und bald welk wird und des 32 Worte aus Gottes Munde Abends abgehauen wird und verdorret. Pſ. 90, 2. ff. Gott. Weil du dich vor mir gedemüthiget hast und vor mir geweinet, so habe ich dich auch erhöret, spricht der Herr. Siehe, ich will dich sammeln zu deinen Vätern, daß du in dein Grab mit Frieden gesammelt werdest, daß deine Augen nicht sehen all das Unglück, das ich über dieſe Stadt und des Landes Einwohner bringen will. 2. Chron. 34, 27. 28. 6. Die Seele. Ach Herr, unser Leben währt siebenzig Jahr, und wenn es hoch kommt, so sinds achtzig Jahr, und wenns köstlich gewesen ist, so ists Mühe und Arbeit gewesen; denn es fährt schnell dahin, als flögen wir davon. Ps. 90, 10. Meine Tage sind leichter dahingeflogen denn eine Weberspule, und sind vergangen, daß kein Aufhalten da gewesen ist. Hi. 7, 6. Sie sind schneller gewesen denn ein Läufer, sie sind geflohen und haben nichts gutes erlebt. Sie sind vergangen wie die starken Schiffe, wie ein Adler fleugt zur Speiſe. von der Gewißheit des Todes zc. Hi. 9, 25, 26. Und nun siehe, ich bin alt worden und weiß nicht, wann ich sterben soll. 1. Moj. 27, 2. 33 Gott. In mir lebet, webet und seid ihr. Ap. Gesch. 17, 28. Kauft man nicht zween Sperlinge um einen Pfennig? Doch fällt derselbigen keiner auf die Erde ohne euern Vater. Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupte alle gezählet. Darum fürchtet euch nicht; ihr seid beßer, denn viele Sperlinge.*) Matth. 10, 29. 30. 31. - 7. Die Seele. Verlaß mich nicht, Gott, im Alter, wenn ich grau werde! Pf. 71, 18. Gott. Ja, ich will euch tragen bis ins Alter und bis ihr grau werdet. Ich will es thun, ich will heben und tragen und erretten. Jes. 46, 4. *) Si capilli numerati, in quanta securitate erit anima tua! Wenn deine Haare gezählt sind, wie ficher verwahrt wird deine Seele sein. 34 Worte aus Gottes Munde 8. Die Seele. Herr, ich warte auf dein Heil. 1. Mos. 49, 18. Gott. Du wirst im Alter zu Grabe kommen, wie Garben eingeführt werden zu seiner Zeit. Hi. 5, 26. Legest du dich, so wirst du nicht fürchten, sondern süße schlafen. Spr. 3, 24. 5. Vom Tode. Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Joh. 3, 16. Unser keiner lebt ihm selber, unser keiner stirbt ihm selber. Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum wir le vom Tode. 35 ben oder sterben, so sind wir des Herrn. Röm. 14, 7. 8. Christus ist mein Leben, Sterben iſt Gewinn. Phil. 1, 21. 1. Die Seele. Deine Fluthen rauschen daher, daß hie eine Tiefe und da eine Tiefe brauſet. Alle deine Waßerwogen und Wellen gehen über mich. Pf. 42, 8. Schaffe mir Beistand in der Noth, denn Menschenhilfe ist kein nüße! Pf. 60, 13. Gott. Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben! Offenb. 2, 10. 2. Die Seele. Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe, denn es ist hier kein Helfer. Pf. 22, 12. Der Herr erhöre mich in der Noth, der Name des Gottes Jakobs schüße mich. Er sende mir Hilfe vom Heiligthum und stärke mich aus Zion. Pf. 20, 2. 3. 36 Worte aus Gottes Munde Gott. In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Joh. 16. 33. 3. Die Seele. Wenn ich mitten in der Angst wandele, so erquickst du mich. Ps. 138, 7. Gott. Fürchte dich nicht, denn der Herr, dein Gott, ist bei dir, ein starker Heiland. Er wird sich über dich freuen und dir freundlich sein und vergeben und wird über dir mit Schall fröhlich sein. Zeph. 3, 16. 17. 4. Die Seele. Ich sterbe. 1. Mos. 50, 24. Gott. Ich lebe, und ihr sollt auch leben. Joh. 14, 19. Selig sind die Todten, die in dem Herrn sterben. Offenb. 14, 13. 5. Die Seele. Meine Seele ist betrübt bis an den Tod. Matth. 26, 38. Gott. Fürchte dich nicht, ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Nachdem die Kinder Fleisch und Blut haben, bin ichs gleichermaßen theilhaftig wor vom Tode. 37 den, auf daß ich von Gottes Gnaden für alle den Tod schmeckete und durch den Tod die Macht nähme dem, der des Todes Gewalt hatte, d. i. dem Teufel, und erlösete die, so durch Furcht des Todes im ganzen Leben Knechte sein mußten. Ich war todt, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüßel der Hölle und des Todes. Offenb. 1, 17. 18. Ebr. 2, 9. 14. 15. 6. Die Seele. Der Tod ist der Sünden Sold. Durch einen Menschen ist die Sünde kommen in die Welt und der Tod durch die Sünde, und ist also der Tod zu allen Menschen hindurchgedrungen, dieweil sie alle gesündiget haben. Röm. 5, 12. Der Stachel des Todes ist die Sünde. 1. Cor. 15, 56. - Gott. Wie durch Eines Menschen Ungehorsam viele Sünder worden sind, also auch durch Eines Gehorsam werden viele Gerechte. So an Eines Sünde viele gestorben sind, so ist vielmehr Gottes Gnade und Gabe vielen reichlich wider 38 Worte aus Gottes Munde fahren durch die Gnade des einigen Menschen Jesu Christi. Röm. 5, 19. 15. Christus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergänglich Wesen ans Licht bracht durch das Evangelium! 2. Tim. 1, 10. 7. Die Seele. Das ist das ewige Leben, daß wir dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jeſum Christum, erkennen. Joh. 17, 3. Gott. Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein andrer Name den Menschen gegeben, darinnen ihr sollet selig werden! Ap. Gesch. 4, 12. Ich will euch erlösen aus der Hölle und vom Tod erretten. Tod, ich will dir ein Gift sein! Hölle, ich will dir eine Pestilenz sein! Hof. 13, 14. 8. Die Seele. Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege. Ps. 119, 105. Gott. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, so jemand mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich. Joh. 8, 51. Meine Schafe hören meine vom Tode. 39 Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir, und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie mir aus meiner Hand reißen. Der Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer denn alles, und niemand kann sie aus meines Vaters Hand reißen. Ich und der Vater sind Eins. Joh. 10, 27-30. 9. Die Seele. Bleibe bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget. Luc. 24, 29. Gott. Ich will dich nicht verlaßen, noch von dir weichen. Jos. 1, 5. 10. Die Seele. Der Herr wird mich erlösen von allem llebel und aushelfen zu seinem himmlischen Reich. 2. Tim. 4, 18. Gott. Sollte Gott nicht retten ſeine Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte Geduld darüber haben? Er wird sie erretten in einer Kürze. Luc. 18, 7. 8. 11. Die Seele. Es ist genug, so nimm nun, Herr, meine Seele; ich bin 40 Worte aus Gottes Munde nicht beßer, denn meine Väter. 1. Kön. 19, 4. Gott. Siehe, des Herrn Auge siehet auf die, so ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen, daß er ihre Seele errette vom Tode. P. 33, 18. 12. Die Seele. Wir haben einen Gott, der da hilft, und den Herrn Herrn, der vom Tode errettet. Pf. 68, 21. Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Phil. 4, 13. Gott. Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Stuhl zu sigen, wie ich überwunden habe und bin geseßen mit meinem Vater auf seinem Stuhl. Offenb. 3, 21. 13. Die Seele. Du erlösest meine Seele und schaffest ihr Ruhe. Pf. 55, 19. Gott. Die Gerechten werden weggerafft vor dem Unglück, und die richtig vor sich gewandelt haben, kommen zum Frieden und ruhen in ihren Kammern. Jes. 57, 1, 2. 14. Die Seele. So hat man Ruhe, vom Tode. 41 so erquickt man die Müden, so wird man stille! Jef. 28, 12. Gott. Es ist noch eine Ruhe vorhanden dem Volke Gottes. Ebr. 4, 9. Wer zu seiner Ruhe gekommen ist, der ruhet auch von seinen Werken gleichwie Gott von seinen. Ebr. 4, 10. 15. Die Seele. Herr, mun läßeſt du deinen Diener im Frieden fahren, wie du gesagt haft; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, welchen du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht, zu erleuchten die Heiden und zum Preise deines Volks Israel. Luc. 2, 29-32. Gott. Thut die Thore auf, daß hereingehe das gerechte Volk, das den Glauben bewahret! Jes. 26. 2. 16. Die Seele. Ich bin getroft und habe vielmehr Lust abzuscheiden, außer dem Leibe zu wallen und daheim zu sein bei dem Herrn. Phil. 1, 23. 2. Cor. 5, 8. Gott. Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Joh. 12, 26. 2** 42 Worte aus Gottes Munde 17. Die Seele. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Theil. Pf. 73, 25. 26. Gott. Fürchte dich nicht; denn ich habe dich erlöset, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Jef. 43, 1. 18. Die Seele. Ich breite meine Hände aus zu dir; meine Seele dürstet nach dir; wie ein dürres Land. Pf. 143, 6. Gott. Siehe, dein Heil kommt; siehe sein Lohn ist bei ihm und seine Vergeltung ist vor ihm. Jes. 62, 11. 19. Die Seele. Ich will wohnen in deiner Hütte ewiglich und trauen unter deinen Fittichen. Ps. 61, 5. Vor dir ist Freude die Fülle und lieblich Wesen zu deiner Rechten ewiglich! Pf. 16, 11. Gott. Du bist gekommen zu dem Berge Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, zu dem himmlischen Jerusalem und zu der Menge vieler tausend bom Tode. 43 Engel und zu der Gemeinde der Erstgebornen, die im Himmel angeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter über alle, und zu den Geistern, der vollkommenen Gerechten und zu dem Mittler des neuen Testamentes Jesu, und zu dem Blute der Besprengung, das da beğer redet denn Habels. Ebr. 12, 22-24. 20. Die Seele. Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth! Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des Herrn; mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott. Wohl denen, die in deinem Hause wohnen, die loben dich immerdar: Sela. Ps. 84, 2, 3. 5. Gedenk an mich in deinem Reich! Luc. 23, 42. - Gott. Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese sein! Luc. 23, 43. 21. Die Seele. Herr Jesu, nimm meinen Geist auf! Ap. Gesch. 7, 58. Gott. Mache dich auf, werde Licht; denn dein Licht kommt, und die Herr 44 Worte aus Gottes Munde lichkeit des Herrn gehet auf über dir. Jef. 60, 1. 22. Die Seele. wollen mir brechen. Jes. 38, 14. Gott. Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolget, der wird nicht wandeln in Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. Joh. 8, 12. 23. Die Seele. In deine Hände befehle ich meinen Geist. Du hast mich erlöset, Herr, du treuer Gott. Pf. 31, 6. Gott. Ich will dich wie einen Petschaftring halten, denn ich habe dich erwählet, spricht der Herr Zebaoth. Hagg. 2, 24. Meine Augen 24. Die Seele. Der Geiſt hilft unsrer Schwachheit auf, denn wir wißen nicht, was wir beten sollen, wie sichs gebührt, sondern der Geist selbst vertritt uns aufs beste mit unaussprechlichem Seufzen. Röm. 8, 26. von der Auferstehung des Fleisches. 45 Die Seelen der Gerechten sind in Gottes Hand, und keine Qual rühret sie an. Vor den Unverständigen werden sie angesehen, als stürben sie, und ihr Abschied wird für eine Pein gerechnet und ihre Hinfahrt für ein Verderben; aber sie sind im Frieden! Weish. 3, 1-3. 6. Von der Auferstehung des Fleisches. 1. Die Seele. Du läßest mich erfahren viel und große Angst und machest mich wieder lebendig und holst mich wieder aus der Tiefe der Erde herauf. Du machst mich sehr groß und tröstest mich wieder. Pf. 71, 20. 21. Gott. Geh hin, bis das Ende komme, und ruhe, daß du aufstehest in deinem Theil am Ende der Tage. Dan. 12, 13. 46 Worte aus Gottes Munde Denn die Erlöseten des Herrn werden wieder kommen und gen Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein, Freude und Wonne werden sie ergreifen und Schmerzen und Seufzen wird weg müßen. Jes. 35, 10. 2. Die Seele. Mein Odem ist schwach, und meine Tage sind abgekürzt, das Grab ist da. Meine Gestalt iſt dunkel worden vor Trauern, und alle meine Glieder sind wie ein Schatten. Hi. 17, 1. 7: Gott. Habt ihr nicht gelesen von der Todten Auferstehung, das euch gesagt ist von Gott, da er spricht: ,, Ich bin der Gott Abraham und der Gott Isaak und der Gott Jakob"? Gott aber ist nicht ein Gott der Todten, sondern der Lebendigen. Matth. 22, 31. 32. Viel, so unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, etliche zum ewigen Leben, etliche zur ewigen Schmach und Schande. Dan. 12, 2. Welche aber würdig sein werden, jene Welt zu erlangen und die Auferstehung von den Todten, können hinfort von der Auferstehung des Fleisches. 47 nicht sterben; denn sie sind den Engeln gleich und Gottes Kinder, dieweil sie Kinder sind der Auferstehung. Luc. 20, 35. 36. 3. Die Seele. Wir selbst, die wir haben des Geistes Erstlinge, sehnen uns bei uns selbst nach der Kindschaft und warten auf unsers Leibes Erlösung. Röm. 8, 23. Gott. Wenn der Herr die Gefange nen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Rühmens sein. Da wird man sagen: Der Herr hat Großes an uns gethan, des sind wir fröhlich. Ps. 126, 1-3. 4. Die Seele. Unser Wandel ist im Himmel, von dannen wir auch warten des Heilandes Jesu Christi, des Herrn, welcher unsern nichtigen Leib verklären wird, daß er ähnlich werde seinem verklärten Leibe. Phil. 3, 20, 21. Gott. Das ist der Wille des Vaters, der mich gesandt hat, daß ich nichts ver 48 Worte aus Gottes Munde liere von allem, das er mir gegeben hat, sondern daß ichs auferwecke am jüngsten Tage. Joh. 6, 39. 5. Die Seele. Ich weiß, daß mein Erlöser lebet, und er wird mich hernach aus der Erden auferwecken, und werde darnach mit dieser meiner Haut umgeben werden und werde in meinem Fleische Gott sehen. Denselben werde ich mir sehen, und meine Augen werden ihn schauen, und kein Fremder. Hi. 19, 25-27. Ich will schauen dein Angesicht in Gerechtigkeit, ich will satt werden, wenn ich erwache nach deinem Bilde. Pf. 17, 15. Gott. Die Gerechten werden leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich. Matth. 13, 43. Und seine Knechte werden ihm dienen und sehen sein Angesicht, und sein Name wird an ihren Stirnen ſein. Offenb. 22, 3. 4. 6. Die Seele. Der Mensch ist in seinem Leben wie Gras. Er blühet wie eine Blume auf dem Felde. Wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, von der Auferstehung des Fleisches. 49 und ihre Stätte kennt sie nicht mehr. Pf. 103, 15. 16. Gott. Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe, und wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben. Joh. 11, 25, 26. Ich will Israel wie ein Thau sein, daß er soll blühen wie eine Rose, auf daß er sei so schön als ein Delbaum, und soll so guten Geruch geben wie Libanon. Hof. 14, 6. 7. 7. Die Seele. Deine Todten werden leben und mit dem Zeichnam auferstehen. Wacht auf und rühmet, die ihr lieget unter der Erde; denn dein Thau ist ein Thau des grünen Feldes, aber das Land der Todten wirst du stürzen. Jes. 26, 19. Gott. Und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerzen mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Offenb. 21, 4. 8. Die Seele. Ob unser äußerlicher Rauchopfer. 3 50 Worte aus Gottes Munde Mensch verweset, so wird doch der innerliche von Tag zu Tag verneuert. 2. Cor. 4, 16. Wir wißen aber, so unser irdisch Haus dieser Hütte zerbrochen wird, daß wir einen Bau haben von Gott erbauet, ein Haus nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel. 2. Cor. 5. 1. Gott. Es wird gefäet verweslich, und wird auferstehen unverweslich. Es wird gesäet in Unehre, und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesäet in Schwachheit, und wird auferstehen in Kraft. Es wird gesäet ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geiſtlicher Leib. 1. Cor. 15, 42-44. Der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein, und der Gerechtigkeit Nuß wird ewige Stille und Sicherheit sein, daß mein Volk in Häusern des Friedens wohnen wird, in sichern Wohnungen und stolzer Ruhe. Jef. 32, 17. 18. von der Aussicht auf die selige Ewigkeit. 51 7. Aussicht auf die felige Ewigkeit. 1. Die Seele. Gott hat uns nicht geſetzt zum Zorn, sondern die Seligkeit zu besigen durch unsern Herrn Jeſum Christ. 1. Theff. 5, 9. Gott. Fürchte dich nicht, du kleine Heerde, denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben. Luc. 12, 32. 2. Die Seele. So laß uns nun fürchten, daß wir die Verheißung, einzukommen zu deiner Ruhe, nicht versäumen, und unser keiner dahinten bleibe. Ebr. 4, 1. Gott. Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben, dazu du berufen bist. 1. Tim. 6, 12. Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. 2. Cor. 12, 9. 3. Die Seele. Wie theuer ist deine 3* 52 Worte aus Gottes Munde Güte, Gott, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen. Sie werden trunken von den reichen Gütern deines Hauses, und du tränkest sie mit Wollust als mit einem Strom. Denn bei dir ist die lebendige Quelle, und in deinem Licht sehen wir das Licht. Ps. 36, 8-10. Gott. Wenn eine Plage kommen will, so fürchtet sich der Gerechte nicht. Sein Herz hofft unverzagt auf den Herrn. Sein Herz ist getrost und fürchtet sich nicht. Ps. 112, 7. 8. Gesegnet ist der Mann, der sich auf den Herrn verläßt, und der Herr seine Zuversicht ist. Der ist wie ein Baum, am Waßer gepflanzt und am Bache. gewurzelt. Denn obgleich eine Hiße kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün, und sorget nicht, wenn ein dürr Jahr kommt, sondern er bringt ohn Aufhören Früchte. Jer. 17, 7. 8. 4. Die Seele. Wir müßen durch viel Trübsal in das Reich Gottes gehen. Ap. Gesch. 14, 22. Gott. Ich will ihr Trauern in Freude von der Aussicht auf die selige Ewigkeit. 53 verkehren und sie trösten und sie erfreuen nach ihrem Betrübnis. Jer. 31, 13. Die mit Thränen säen, werden mit Freuden ärnten. Sie gehen hin und weinen, und tragen edeln Samen, und kommen mit Freuden, und bringen ihre Garben. Pf. 126, 5. 6.- Sie wird keine Hize noch Sonne stechen, denn ihr Erbarmer wird sie führen und wird sie an die Waßerquellen leiten. Jef. 49, 10. Die Sonne soll nicht mehr des Tages dir scheinen, und der Glanz des Mondes soll dir nicht leuchten, sondern der Herr wird dein ewiges Licht, und dein Gott wird dein Preis sein. Deine Sonne wird nicht mehr untergehen, noch dein Mond den Schein verlieren, denn der Herr wird dein ewiges Licht sein, und die Tage deines Leides sollen ein Ende haben. Jes. 60, 19. 20.- Sie werden sich verwundern über alle dem Guten und über alle dem Frieden, den ich ihnen geben will. Man wird hören das Geschrei von Freude und Wonne, die Stimme derer, so da sagen: Danket dem - - 54 Worte aus Gottes Munde Herrn Zebaoth, daß er so gnädig ist und thut immerdar gutes. Jer. 33, 9. 11. Ewige Freude wird über ihrem Haupte sein, Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird weg müßen. Jef. 35, 10. 5. Die Seele. Siehe, Gott ist mein Heil, und ich bin sicher und fürchte mich nicht; denn Gott der Herr ist meine Stärke und mein Psalm und mein Heil. Jes. 12, 2. Gott. Der Herr, dein Gott, ist bei dir, ein starker Heiland; er wird sich über dich freuen und dir freundlich sein und vergeben, und wird über dir mit Schalle fröhlich sein. Zeph. 3, 17. 6. Die Seele. Gott, der Herr, ist Sonne und Schild, der Herr gibt Gnade und Ehre. Er wird kein Gutes mangeln laßen den Frommen. Herr Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verläßt. Pf. 84, 12. 13. Gott. Du wirst sein eine schöne Krone in der Hand des HErrn, und ein königlicher Hut in der Hand deines Gottes. von der Aussicht auf die selige Ewigkeit. 55 Du sollst durch GerechDu wirst ferne Jes. 62, 3. tigkeit bereitet werden. sein von Gewalt und Unrecht, daß du dich davor nicht dürfest fürchten, und von Schrecken, denn es soll nicht zu dir nahen. Jes. 54, 14. - 7. Die Seele. Wie der Hirsch schreiet nach frischem Waßer, so schreiet meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürftet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht schaue? Pſ. 42, 2. 3. Gott. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. Joh. 6, 35.- Wie will ich dir so wohl thun, Ephraim! Wie will ich dir so wohl thun, Juda! Denn die Gnade, so ich euch erzeigen will, wird sein wie eine Thauwolke des Morgens, und wie ein Thau, der früh morgens sich ausbreitet. Hos. 6, 4. 56 Worte aus Gottes Munde 8. Die Seele. Ich vergeße, was dahinten ist, und strecke mich zu dem, das da vornen ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziele, nach dem Kleinod, welches vorhält die himmlische Berufung Gottes in Christo Jesu. Phil. 3, 13. 14. Ich habe Lust abzuscheiden und bei Christo zu sein. Phil. 1, 23. 8. Das Erbe. 1. Die Seele. Ich halte dafür, daß dieser Zeit Leiden der Herrlichkeit nicht werth sei, die an uns soll offenbar werden. Röm. 8, 18. Unfre Unsre Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schaffet eine ewige und über alle Maße wichtige Herrlichkeit uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn von dem Erbe. 57 was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig. 2. Cor. 4, 17. 18. Gott. Ich will, daß wo ich bin, auch die bei mir seien, die mir der Vater gegeben hat, daß sie meine Herrlichkeit sehen. Joh. 17, 24. 2. Die Seele. Ich weiß, an welchen ich glaube, und bin gewiß, daß er kann mir meine Beilage bewahren bis an jenen Tag. 2. Tim. 1, 12. Gott. Wenn nun geoffenbaret wird Jesus Christus, welchen ihr nicht gesehen und doch lieb habt, und nun an ihn glaubet, wiewohl ihr ihn nicht sehet, so werdet ihr euch freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude und das Ende eures Glaubens davon bringen, nemlich der Seelen Seligkeit. 1. Petr. 1, 7-9. 3. Die Seele. Gelobt sei Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu 58 Worte aus Gottes Munde Christi von den Todten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das behalten wird im Himmel. 1. Petr. 1, 3-4. Gott. Siehe, ich gebe euch erleuchtete Augen eures Verständnisses, daß ihr erkennen möget, welche da sei die Hoffnung eures Berufes, und welcher sei der Reichthum meines herrlichen Erbes an meinen Heiligen. Eph. 1, 18. 4. Die Seele. Wir sind nun Gottes Kinder, und ist noch nicht erschienen, was wir sein werden. Wir wißen aber, wenn es erscheinen wird, daß wir ihm gleich sein werden; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. 1. Joh. 3, 2. Gott. Ihr seid alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christum Jesum. Denn wie viel euer getauft sind, die haben Christum angezogen. Galat. 3, 26. 27. 5. Die Seele. Sind wir Kinder, so sind wir auch Erben, nemlich Gottes Erben und Miterben Christi, so wir anders mit leiden, auf daß wir auch mit von dem Erbe. 59 zur Herrlichkeit erhoben werden. Röm. 8, 17. Wir haben hie keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir! Ebr. 13, 14. Gott. Es hat kein Auge gesehen, und hat kein Ohr gehört, und ist in keines Menschen Herz gekommen, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben. 1. Cor. 2, 9. 6. Die Seele. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Wort, dann aber von Angesicht zu Angesicht. 1. Cor. 13, 12. Gott. Suchet, was droben ist, da Christus ist, sigend zur Rechten Gottes. Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, das auf Erden ist. Denn ihr seid gestorben und euer Leben ist verborgen mit Christo in Gott. Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbaret werden mit ihm in der Herrlichkeit. Col. 3, 1-4. 7. Die Seele. Kindlein, bleibet bei ihm, auf daß, wenn er offenbaret 60 Worte aus Gottes Munde wird, daß wir Freudigkeit haben und nicht zu Schanden werden vor ihm in seiner Zukunft. 1. Joh. 2, 28. Gott. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer mein Wort höret und glaubet dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. Joh. 5, 24. 8. Die Seele. Siehe der Herr HErr kommt gewaltiglich, und sein Arm wird herrschen. Siehe, sein Lohn ist bei ihm, und seine Vergeltung ist vor ihm. Jef. 40, 10. Gott. Ja, ich komme bald. Offenb. 22, 20. 9. Die Seele. Zu der Zeit wird der Herr Zebaoth sein eine liebliche Krone und herrlicher Kranz den Uebrigen seines Volkes. Jef. 28, 5. Gott. Gott wird sein alles in allen. 1. Cor. 15, 28. 10. Die Seele. Wir werden bei dem HErrn sein allezeit. 1. Thess. 4, 17. von dem Erbe. 61 Gott. Und er wird den Tod verschlingen ewiglich, und der Herr HErr wird die Thränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben die Schmach seines Volkes. Jef. 25, 8. Die Menschen schwören wohl bei einem Größern, denn sie sind, und der Eid macht ein Ende alles Haders, dabei es fest bleibt unter ihnen. Aber Gott, da er wollte den Erben der Verheißung überschwänglich beweisen, daß sein Rath nicht wankete, hat er einen Eid dazu gethan, auf daß wir durch zwei Stücke die nicht wanken,( denn es ist unmöglich, daß Gott lüge), einen starken Trost haben, die wir Zuflucht haben und halten an der angebornen Hoffnung, welche wir haben als einen sichern und festen Anker unsrer Seele. Ebr. 6, 16-19. 62 Worte aus Gottes Munde 9. Von der Sorge für Wittwen und Waisen. 1. Die Seele. Ach Herr, dir befehle ich meinen Jammer. Diese sprechen: Wir sind Waisen und haben keinen Vater mehr; unsre Mutter ist eine Wittwe." Klagl. 5, 3. 11 Gott. Bin ichs nicht, der Fremdlinge und Waisen behütet und erhält die Wittwen? Ps. 146, 9. Ich bin ein Vater der Waisen und ein Richter der Wittwen. Pf. 68, 6. 2. Die Seele. Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergeßen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Gott. Und ob sie desselbigen vergäße, so will ich doch dein nicht vergeßen. Siehe in die Hände habe ich dich gegezeichnet. Jes. 49, 15, 16. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmet, so erbarmet sich der Herr über die, so ihn fürchten. Pf. 103, 13. von der Sorge für Wittwen und Waisen. 63 3. Die Seele. Mich jammert ihrer, denn sie sind wie Schafe, die keinen Hirten haben. Marc. 6, 34. Gott. Ich bin ein guter Hirte. Joh. 10, 12. Jch bin gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. Luc. 19, 10. Es ist vor euerm Vater im Himmel nicht der Wille, daß jemand von diesen Kleinen verloren werde. Matth. 18, 14. 4. Die Seele. Du Hirte Israels, höre, der du Joseph hütest wie der Schafe. Du speisest sie mit Thränenbrod und träntest sie mit großem Maß voll Thränen. Pf. 80, 2. 6. Gott. Hab ich sie nicht gemacht zu Schafen meiner Weide? Ps. 100, 3.*) Ich will meine Heerde weiden, wie ein Hirte, ich will die Lämmer in meine Arme sammeln und in meinem Busen tragen und die Schafmütter führen. Jef. 40, 11. Ich will das Verlorene wieder suchen und *) Ich will mich meiner Heerde selbst annehmen, und sie suchen. Ez. 34, 11. 64 Worte aus Gottes Munde das Verirrte wieder bringen und das Verwundete verbinden und des Schwachen warten, und was fett und stark ist, will ich behüten, und will ihrer pflegen, wie es recht ist. Ez. 34, 16. 5. Die Seele. Die jungen Kinder heischen Brod, und ist niemand, ders ihnen breche. Klagl. 4, 4. Gott. Was bekümmert ihr euch doch, daß ihr nicht Brod habt? Vernehmet ihr noch nichts und seid noch nicht verständig? Habt ihr noch ein verstarret Herz in euch? Habt Augen und sehet nicht, und habt Ohren und höret nicht? und denket nicht daran? Da ich fünf Brode brach unter fünf tausend, hubet ihr da nicht zwölf Körbe voll Brocken auf? Da ich aber die sieben brach unter die vier tausend, hubet ihr nicht sieben Körbe voll Brocken auf? Marc. 8, 17-20. Habt ihr auch je Mangel gehabt? Luc. 22, 35. Alle Augen warten auf mich, und ich gebe ihnen ihre Speise zu seiner Zeit. Ich thue meine Hand auf und erfülle von der Sorge für Wittwen und Waisen. 65 alles, was lebet mit Wohlgefallen. Ps. 145, 15. 16.( 104, 27. 28.) Ich verdecke den Himmel mit Wolken und gebe Regen auf Erden. Ich laße Gras auf den Bergen wachsen; dem Vieh gebe ich sein Futter, den jungen Raben, die mich anrufen. Pf. 147, 8. 9. Jch speiſe die Vögel, ich kleide die Lilien auf dem Felde in ihre Herrlichkeit: sollte ich das nicht vielmehr euch und euern Kindern thun? Oihr Kleingläubigen! Matth. 6, 25-30. Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen. V. 33. 6. Die Seele. Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft; denn er ist mein Hort, meine Hilfe, mein Schuß, daß mich kein Fall stürzen wird, wie groß er ist. Pf. 62, 1. 2. Gott. Der Herr hat Gefallen an denen, die ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen. Pf. 147, 11. 7. Die Seele. Ich bin jung gewesen und alt worden und habe noch nie 3** 66 Worte aus Gottes Munde gesehen den Gerechten verlaßen oder seinen Samen nach Brod gehen. Ps. 37, 25. Gott. Das Geschlecht der Frommen wird gesegnet sein. Reichthum und Fülle wird in ihrem Hause sein, und ihre Gerechtigkeit bleibet ewiglich. Den Frommen gehet das Licht auf in Finsternis von dem Gnädigen, Barmherzigen und Gerechten.*) Pf. 112, 2-4. 8. Die Seele. Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Waßer. Er erquicket meine Seele, er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Thal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Pf. 23. STTS *) Beispiele 1. Kön. 17. 12. ff. 2. Kön. 4. sin men sonr daß der Herr erhört. 10. 67 Der Herr erhört. 1. Die Seele. Du hast dich mit einer Wolke verdeckt, daß kein Gebet hindurch konnte. Klagl. 3, 44. Gott. Der das Ohr gepflanzet hat, sollte der nicht hören? Der das Auge gemacht hat, sollte der nicht sehen? Pf. 94, 9. 2. Die Seele. Du bist der Trost Israels und ihr Nothhelfer: warum stellest du dich, als wärest du ein Gast im Lande, und als ein Fremder, der nur über Nacht drinnen bleibt? Warum stellest du dich als ein Held, der verzagt ist, und als ein Riese, der nicht helfen kann? Du bist doch ja unter uns, Herr, und wir heißen nach deinem Namen: verlaß uns nicht. Jer. 14, 8. 9. Gott. Siehe, des Herrn Hand ist nicht zu kurz, daß er nicht helfen könne. Jef. 59, 1. 68 Worte aus Gottes Munde 3. Die Seele. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt. Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. ₁. 121, 1. 2. Gott. Er schauet von seiner heiligen Höhe, und der Herr siehet von seinem Himmel auf Erden, daß er das Seufzen des Gefangenen höre und losmache die Kinder des Todes. Ps. 102, 20. 21. 4. Die Seele. Gott, hilf mir; denn das Wasser geht mir bis an die Seele. Ich versinke in tiefem Schlamm, da kein Grund ist. Ich bin im tiefen Waßer, und die Fluth will mich ersäufen. Ich habe mich müde geschrieen, mein Hals ist heisch. Das Gesicht vergeht mir, daß ich so lange muß harren auf meinen Gott. Pf. 69, 2-4. Gott. Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. Joh. 6, 37. 5. Die Seele. Sende deine Hand von der Höhe und erlöse mich und errette mich von großen Waßern. Pf. 144, 7. 69 daß der Herr erhört. Gott. Ihr werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten, und ich will euch erhören. Ihr werdet mich suchen und finden. Denn so ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden laßen, spricht der Herr. Jer. 29, 12-14. 6. Die Seele. Nahe dich zu mir, wenn ich dich anrufe, und sprich:„ Fürchte dich nicht." Führe du, Herr, die Sache meiner Seele und erlöse mein Leben. Klagl. 3, 57, 58. Gott. Der Herr ist nahe bei denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die zerschlagenes Gemüth haben. Der Gerechte muß viel leiden, aber der Herr hilft ihm aus dem allen. Ps. 34, 19. 20. 7. Die Seele. Meine Augen sehnen sich nach deinem Wort und sagen:„ Wann tröstest du mich?" Pf. 119, 82. Du bist mein Schirm und Schild, ich hoffe auf dein Wort. Erhalte mich durch dein Wort, daß ich lebe und laß mich nicht zu 70 Worte aus Gottes Munde Schanden werden über meiner Hoffnung. Pf. 119, 114. 116. Gott. Also spricht der Hohe und Erhabene, der ewiglich wohnet, des Name heilig ist, der ich in der Höhe und im Heiligthume wohne und bei denen, so zerschlagenen und demüthigen Geistes sind, auf daß ich erquicke den Geist der Gedemüthigten und das Herz der Zerschlagenen: Ich sehe an den Elenden und der zerbrochenes Geistes ist und der sich fürchtet vor meinem Wort. Jes. 57, 15, 66, 2. 8. Die Seele. Erhöre mich, Herr, denn deine Güte ist tröstlich. Wende dich zu mir nach deiner großen Barmherzigkeit und verbirg dein Angesicht nicht vor deinem Knechte; denn mir ist angst; erhöre mich eilend. Mache dich zu meiner Seele und erlöse sie. Pf. 69, 17-19. Ach Herr, höre, ach Herr, sei gnädig! Ach Herr, merk auf und thu es und verzeuch nicht, um dein selbst willen, mein Gott. Dan. 9, 19. Gott. Der Name des Herrn ist ein 71 daß der Herr erhört. festes Schloß. Der Gerechte läuft dahin und wird beschirmt. Spr. 18, 10. Die Elenden und Armen suchen Waßer und ist nichts da. Ihre Zunge verdorret vor Durst. Aber ich, der Herr, will sie erhören. Ich, der Gott Jsraels, will sie nicht verlaßen. Jef. 41, 17. 9. Die Seele. Laß leuchten dein Antlig über deinen Knecht. Hilf mir durch deine Güte. Pf. 31, 17. Gott. Dem Gerechten muß das Licht immer wieder aufgehen, und Freude den frommen Herzen. Ps. 97, 11. 10. Die Seele. Ich rufe zu Gott, dem Allerhöchsten, zu Gott, der meines Jammers ein Ende macht. Pf. 57, 3. Gott. Der Herr wird den Gerechten erquicken auf seinem Siechbette, und helfen von aller seiner Krankheit. Pf. 41, 4. 11. Die Seele. Ich will nun schweigen und meinen Mund nicht aufthun; du wirsts wohl machen. Pf. 39, 10. Gott. Der Herr ist gütig und eine Feste zur Zeit der Noth, und kennet die, 72 Worte aus Gottes Munde, daß der Herr erhört. so auf ihn trauen. Nahum 1, 7. Du wirst erfahren, daß ich der Herr bin, an welchem nicht zu Schanden werden, so auf mich harren. Jef. 49, 23. HErr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Und wir haben geglaubt und erkannt, daß du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Joh. 6, 68, 69. II. Gebete für Kranke. A. Allgemeine Gebete in Kreuz. 1. In allerlei Noth und Gefahr. 1-5. 2. Wenn das Kreuz drückt, 6-10. 3. In schwerem, langwierigem Kreuz. 11. B. Aussicht auf den Tod. 4. Wider bösen schnellen Tod. 12. 5. Bei stets baufälliger Gesundheit. 13. C. Jn Krankheit. 6. Beim Erkranken. 14. 7. Krankheit nicht von ungefähr. 15. 8. Krankheit verdiente Strafe der Sünde. 16. 9. Sündenbekenntnisse des Kranken. 17. 18. 10. Um das Mitleid des ewigen Hohenpriesters. 19. 11. Schön Bekenntnis eines gläubigen Christen. 20. 12. Um Vergebung der Sünden. 21-24. 13. Wider Unglauben und Zweifel. 25. 14. In großer Betrübnis und Schwermuth des Kranken. 26-31. 15. Wenn des Kranken Herz wieder froh geworden ist. 32. 16. Ergebung in den Willen des HErrn. 33-38. 17. Um Linderung der Schmerzen. 39. 40. 18. Um Wegnehmung der Krankheit. 41. 42. 19. Um Segen zur Arznei. 43-45. 20. Wenn die Noth lang anhält. 46, 47. 21. Um Geduld. 48-54. 22. Wenn man ungeduldig gewesen ist. 55. D. Tägliche Gebete eines Kranken. 23. Morgengebet. 56. 24. Morgen- oder Abendgebet. 57. 25. Abendgebet. 58. 26. Nachtgebet. 59. 27. Wenn der Kranke nicht schlafen kann. 60. Rauchopfer. E. Nach wiedererlangter Gesundheit. 28. Danksagung. 61-65. 4 Dr. Selnecker auf Psalm 103. Vier Erbs'n in einer Blasen, So die wird aufgeblasen, Die prall'n und hab'n kein Ruh. Kommt dann ein Kind dazu, Sticht mit einer Nadel klein Ung'fähr ein Löchlein drein; So schwindt all Gschwulst und Klang. Solch Klappern währt nicht lang. Also g'schicht allem Pracht, Darnach die Welt jetzt tracht. Groß Ehr, groß Geld, groß Gut, Groß G'walt, groß Nebermuth, Land, Leut, Scepter und Kron Bleib'n nicht, fährt alls davon. Obs gleich scheint noch so groß, Nimmt es doch schnell ein' Stoß, Vergeht gleich wie ein Dunst, Und ist alles umsunſt. Im End sieh, wer wir sind: Vier Erbs'n, ein wenig Wind, Das ist die Hoffarth gar. Drum folg du meiner Lahr: Dieweil hie alles fällt, Denk auf ein ander Welt; Verlaß alls, was vergeht, Such, was ewig besteht. Zeämans geistliches Vade mecum. 1. In allerlei Noth und Gefahr. 1. Wir haben nun Anfechtung am Leib, am Gute, an den Ehren, am Gewißen oder der Seelen, von den Menschen, von unserm eigenen Fleisch, von der Welt, von Sünden oder vom Teufel; so follen wir uns immer allein auf Gott steuern und bauen, ihn um seine göttliche Gnade bitten und sprechen:„ Gott ist mein Helfer und Erlöser, auf den verlaß ich mich allein. Denn wenn Gott, unser Herr und Seligmacher, bei, mit und neben uns ist, wer mag wider uns sein?!" Gott können wir nichts Lieberes und Annehmlicheres erzeigen, als an ihn zu glauben und ihm zu vertrauen, und es ohne Zweifel dafür zu achten, er werde uns 4* 76 Gebete für Kranke. halten, was er uns zugesagt hat, und daß uns keine Anfechtung schaden werde, weil er unser Seligmacher ist. Dieser Glaube macht uns selig; denn nichts seliget uns, als das Glauben und Vertrauen in Gott, nichts verdammt uns als der Unglaub und Mistrauen in ihn. 2. Allmächtiger, ewiger Gott, barmherziger, himmlischer Vater, du weißt, daß wir in so mancher und großer Gefahr vor menschlicher Schwachheit nicht können bleiben. Verleih uns Stärk und Kraft an Leib und Seele, daß wir alles, was uns um der Sünde willen anficht, mit deiner Hilfe überwinden. Durch unsern Herrn Jeſum Christum. Amen. 3. O barmherziger Gott, wir bitten dich, du wollest uns deine göttliche Gnade verleihen, dir in allen Dingen festiglich zu vertrauen und dich, es gehe uns wohl oder übel, zu loben, zu lieben und zu ehren. Dir sei Dank und Lob in In allerlei Noth und Gefahr. 77 Ewigkeit. Dein Wille geschehe im Himmel und auf Erden. Deine Urtheile sind gerecht, wir sind arme fündige Kreaturen; dein Name aber sei gebenedeit in Ewigkeit. Amen. 4. Herr, allmächtiger Gott, der du wohl weißt, wie unsere sichtbaren und unsichtbaren Feinde allewege wachsam und sorgfältig sind, auch die Gebrechen unsers dürftigen Fleisches erkennest, der du uns geschaffen haft: dir befehlen wir uns ganz in deinen Schuß und Bewahrung, Schirm und Zuflucht, Hilfe und Trost. Behalt uns, Herr Gott, unter den Flügeln deiner Güte, daß wir nimmermehr im Tod entschlafen. Erleuchte die Augen unsers Herzens mit dem Lichte der himmlischen Sonne, mit der Wollust und Wonne deines göttlichen Wortes, und halt uns allezeit nüchtern und zu allen guten Werken wacker, klug, weise und fürsichtig, auf daß wir dich mögen loben und preisen: denn du bist allein gütig und voller Gnaden. Amen. 78 Gebete für Kranke. 5. O lieber Gott, ich hebe meine Augen, Herz, Sinn und Gedanken stets zu dir auf gen Himmel, und von dannen warte ich von einer Stunde zur andern deiner gnädigen Hilfe. Komm mir zu Hilfe in meinen Nöthen, du frommer Gott; denn das ist dir gar leicht. Du hast Himmel und Erde und alles, was drin ist, gemacht, beschüßest und erhältst es auch noch alle Tage; so kannst du mir auch helfen mit einem Wörtlein, und ich bin auch gewiß, du wirst mir deine Hilfe nicht versagen. Laß meinen Fuß nicht wanken. Behüte mich, sei mein Schatten über meiner rechten Hand, und mein Widerstand gegen alle meine Feinde und gegen alle Gottlosen, daß sie mich nicht treffen, noch mir schaden. Hilf, daß ich mich nicht überhebe, wenn mirs wohlgeht, und nicht blöde werde, noch verzage, wenn mirs übel geht, und mir Widerwärtigkeit zu handen steht. Behüte mich vor allem Uebel an Leib und Seele. Behüte meinen Eingang und Ausgang um Jesu Christi, deines Sohnes, willen. Amen. Wenn das Kreuz drückt. 2. 79 Wenn das Kreuz drückt. 6. Ach Herr, du frommer und gnädiger Gott, du liebreicher Vater und Schußherr aller, so an deinen Sohn Jesum Christum glauben und in kindlicher Zuversicht an dir hangen: was du in deinem heiligen Rath beschloßen und geordnet, das ist alles löblich und herrlich, das sollen wir uns alle auch wohl gefallen laßen, weil du ja mit deiner wunderbaren Regierung nichts anderes als deines Namens Ehre und aller Menschen Seligkeit suchst. Weil du es denn also für gut angesehen und nach deinem väterlichen Willen geordnet hast, daß wir durch viel Kreuz und Leiden in dein ewiges Reich und Herrlichkeit eingehen sollen; so regiere unsere Herzen mit deinem heiligen Geiste, daß wir deinen gnädigen Willen erkennen, unser Kreuz geduldig tragen und nach ausgestandener Trübfal hernach 80 Gebete für Kranke. mit Christo eingehen mögen in den himmlischen, ewigen Freudensaal und dein heiliges Angesicht in Ewigkeit anschauen. Amen. 7. Herr Jesu Christe, mein einziger Erlöser und Seligmacher, du bist voller Gnade und immer gnädig, erlösest und errettest, du sendest uns nun Glück oder Unglück zu. Denn es ist ja lauter Gnade, auch wenn du uns durch Kreuz und Widerwärtigkeit, wie ein Arzt einem Kranken mit sauerm, bitterem Tranke, hilfft zur Gesundheit, uns auch nach dem innerlichen Menschen heilst und gesund machst, und durch zeitliche Widerwärtigkeit uns fertigest und bereitest zur ewigen Freude, wie du denn auch selbst uns durch groß Kreuz und Trübſal bist vorangegangen in dein ewiges Freudenreich. Ach Herr, verleihe mir deine Gnade, daß ich mit Geduld im Leiden dir nachfolge und den Kelch, welchen du mir zugetrunken hast, gehorsam und freudig austrinke. Ich laße mich wohl dünken, ich trage das Kreuz, wo es am dicksten Wenn das Kreuz drückt. 81 und schwersten, niemand sei elender, als ich; aber wie dem allen sei, du hast doch viel( und ohne Vergleich) mehr gelitten und ausgestanden in deiner großen Unschuld für meine Sünden, zu derselbigen Bezahlung, mit welchen ich die höchste Strafe des ewigen Todes und der Verdammnis verdienet habe. Ach Herr, dir ist unsers Fleisches Schwachheit bekannt, darum du auch nicht allein mit der Ruthe uns züchtigest zur Beßerung unsers Lebens, sondern immer Gnade und Trost und Anzeigung deines väterlichen Herzens mit unterlaufen läßeſt, damit wir in deiner Stärke und Trost dennoch alles Unglück, wie groß es auch sei, können tragen und ausstehen. Darum, o Herr, gedenke auch mein, wenn du mich züchtigst und strafest, und wohne meiner armen Seele mit deiner Stärke und Tröstung bei, auf daß ich in meinem Kreuze geduldig ausharre und deinen Namen lobe und preise in alle Ewigkeit! Amen. 82 Gebete für Kranke. 8. Herr, allmächtiger Gott, verleihe gnädiglich mir Elenden, daß ich diesen Kelch, den du mir eingeschenkt haſt, geduldig und gehorsamlich möge austrinken. Laß die Anfechtung deine Furcht nicht aus dem Herzen treiben, den Glauben nicht schwächen, das Gebet nicht dämpfen, nicht Ungeduld und Ungehorsam in mir erwecken. Gefällt es dir, lieber Herr, daß du willst mein Kreuz und meine Schmerzen mehren; ach, so vermehre auch in mir die Gabe der Geduld, daß ich alle meine Anliegen auf dich werfe, und dies mein zeitlich Leiden mir endlich zum Besten dienen möge. Laß mich nach diesem Ungewitter meiner Trübsal einen fröhlichen Anblick meiner Erlösung sehen, so will ich dich loben und dir danken in Ewigkeit! Amen. 9. Herr Gott, himmlischer Vater, der du aus väterlichem Wohlmeinen mich, dein liebes Kindlein, hier auf Erden unter der Ruthen willst halten, auf daß ich dei Wenn das Kreuz drückt. 83 nem eingebornen Sohn beide im Leiden und hernach in der Herrlichkeit soll gleich sein: ich bitte dich, tröste mich in der Anfechtung und im Kreuz mit deinem heiligen Geiste, daß ich nicht verzage, sondern nach der Zusage deines Sohnes fest an diesem Troste halte, daß mein und aller Christen Kreuz nur ein Kleines sei und du dich unser in unsrer Trübsal in Gnaden wieder annehmen, mit ewiger Barmherzigkeit erbarmen und aufs Leid die ewige Freude wollest folgen laßen, auf daß ich also durch dieſe Hoffnung alles Unglück geduldig überwinde. Amen. 10. Herr, allmächtiger Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi, du Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes, der du uns reichlich tröstest in allem unserm Leiden und Trübsal: laß mich auch die Süßigkeit deines Trostes in meinem bittern Kreuze schmecken, auf daß, wenn ich des Leidens viel habe, ich auch reichlich möge getröstet werden 84 Gebete für Kranke. durch Jesum Christum. Herr, mein Gott, laß mich deine Wunder sehen, so will ich dich preisen in Ewigkeit! Amen. 3. In schwerem, langwierigem Kreuz. 11. Hilfreicher, barmherziger Gott, siehe an meinen Jammer und Noth, darin ich so lange Zeit liege, und erhöre mich. Du wirst ja meiner nicht so gar vergeßen. Ich bin dein liebes Kind und Schäflein, mit dem theuern Blute deines lieben Sohnes Jesu Christi bezeichnet: erhöre mich, verbirg dich nicht vor mir. Meine Seele ist betrübt über den Verzug deiner Hilfe. Ich habe viel Tag und Monden auf deine Rettung gewartet, wie ein Hirsch nach frischem Wasser hab ich nach deiner Gnade geseufzt; aber du hältſt In schwerem, langwierigem Kreuz. 85 meine Seele in diesem großen Jammerthale lange auf. Meine Feinde freuen sich, daß ich so elend darnieder liege. Herr, vergiß meines Jammers nicht. Eile mir zu helfen; sei mir ein starker Fels und errette mich. Wie lange soll ich doch sorgen in meiner Seele, und wie lang soll ich auf deine Errettung hoffen? Ach lieber Gott, gedenke doch, wie elend und verlaßen ich bin, wie lang ich in diesem meinem Kreuz dir aushalte und deiner Hilfe Tag und Nacht warte. Siehe doch, wie ich so ängstiglich zu dir rufe. Du wirst ja daran denken; meine Seele sagt mirs, du werdest mich erhören. Du wirst ja der Armen nicht so gar vergeßen und die Hoffnung des Elenden wird nicht verloren sein ewiglich. Du hörst das Verlangen der Elenden; ihr Herz ist gewiß, daß dein Ohr drauf merket. Hilf mir, o Gott meines Heils, daß ich nicht gleich werde denen, so in die Grube fahren. So wird meine Seele fröhlich sein, und mein Herz wird sich freuen über deiner Hilfe! Amen. - 86 Gebete für Kranke. 4. Wider bösen schnellen Tod. 12. Barmherziger Gott und Vater, behüte mich vor einem bösen schnellen Tode und laß mich nicht in meinen Sünden plößlich dahinsterben, sondern gib Gnade, daß ich Tag und Nacht an mein letztes Stündlein gedenke, alle Augenblicke in wahrer Buße, starkem Glauben und fester Hoffnung bereit sei, auf daß ich ruhsam und selig einschlafen möge, wann dirs gefällt. Gefällt es dir aber, mich mit Leibesschwachheit heimzusuchen und zu züchtigen; so bin ich auch bereit. Ich weiß, daß du mir nichts verderbst; du bist fromm und gütig, verhängest über mich nichts, denn was mir gut und nüßlich ist. Verleihe mir deinen heiligen Geist, daß ich mich nur recht drein schicke und selig sterbe. Amen. Geistliche Wasserquelle 1710. Bei stets baufälliger Gesundheit. 5. 87 Gebet bei stets baufälliger Gesundheit. 13. Allmächtiger Gott, der du alles nach deinem allweisen Rath geschaffen und geordnet hast, es hat Dir gefallen, mir einen schwachen Leib und baufällige Gesundheit zu geben. Damit wollest du mich, weil es also dein gnädiger Wille gewesen, wohl vergnügt sein laßen, und mich meiner Sterblichkeit desto fleißiger erinnern. Verleihe mir demnach, du barmherziger Vater, daß ich solche meine Gesundheit desto vernünftiger in Acht nehme, und selbige durch ein unordentliches Leben, oder geschwinde Affecten und Begierden nicht mehr schwäche. Laß deine Kraft in mir Schwachen mächtig sein, und gib mir durch deine unverkürzte Hand so viel Kraft und Vermögen aus der Höhe, daß ich die Werke meines Berufes genugsam, fleißig und erbaulich verrichten möge, und laß Gebete für Kranke. mich einmal mit gutem Gewißem und ruhigem Herzen aus diesem Lazareth zu dir in die himmlische Wohnung abscheiden, da keine schwachen, kranken und traurigen, sondern eitel gesunde und fröhliche Leute sein werden. Solches verleihe mir, du mildreicher, gütiger Gott, um deiner herzlichen Barmherzigkeit willen, die du uns durch deinen Sohn Jesum Christum zuzugesagt haft. Amen. Rigasches Betbuch 1594. 88 6. Beim Erkranken. 14. Gerechter Gott, barmherziger Vater, der Du dem Menschen sein Lebensziel gesetzt hast, welches er nicht überschreiten kann, ich danke dir von Herzen, daß du mich so lange Zeit gesund erhalten hast. Beim Erkranken. 89 Gib, daß ich nun auch den bittern Kreuzkelch, den du mir durch diese Krankheit nach deinem väterlichen Willen einschenkst, mit Geduld und christlicher Sanftmuth annehme und mich deinem gnädigen und guten Willen gänzlich heimgebe, weil ich weiß, daß Krankheiten Warnungsboten sind, von Sünden abzulaßen, sich zu beßern, ans Ende zu gedenken und sich zum Sterben zu bereiten. Ja, ich weiß, Herr, daß du die Deinigen durch das Kreuz heimsuchst, daß sie nicht mit der Welt verdammt, sondern deines lieben Sohnes Bilde gleichförmig werden, damit sie auch dort mit ihm zur Herrlichkeit eingehen. Wäre es nicht ungereimt, wenn ein Weinstock seine von dem Weingärtner abgeschnittenen unnügen und überflüßigen Reben beklagen oder sich betrüben wollte, daß er von ihm mit unsauberem Mist beschüttet und bedünget wird? Wäre es doch sein Verderben, wenn es nicht geschähe! Also, mein Gott, weißt du die Deinigen heimzusuchen, den üppigen Uebermuth des ver4** 90 Gebete für Kranke. derbten Fleisches zu zähmen und sie durch viel Trübsal zu deinem Reiche einzuführen. Gib mir deinen Geist in mein Herz, daß ich mein Elend und meine Sterblichkeit bedenke, mein böses Leben ändere, deine Last mit Sanftmuth ohne Murren trage, deiner Ruthe still halte, deiner Barmherzigkeit fest vertraue, und mache mich nach deinem gnädigen Willen entweder wieder gesund oder durch einen sanften Tod ewig selig, um Jesu Christi, deines lieben Sohnes, unsers Herrn und Heilandes, willen! Amen. 7. Krankheit ist nicht von ungefähr. 15. Herr Jesu Christe, hier liege ich in meiner Krankheit und erkenne, daß es also dein guter und gnädiger Wille Krankheit ist nicht von ungefähr. sei.*) Denn wenn mir kein Haar von meinem Haupte fallen kann ohne deinen Willen; wie könnte ich die edle Gabe meiner Gesundheit ohne deinen Willen verlieren? Olieber Heiland, erhalte mich bei dieser Erkenntnis und versiegele sie in meinem Herzen, so wird die Ungeduld keinen Plaz darin finden. Du hast mich zugerichtet, wie du mich gerne siehst, und willst mich deinem Leiden ähnlich machen. Dafür danke ich dir, allerliebster Erlöser, denn ich bin gewiß, daß du es nicht böse meinen kannst, sondern daß mir meine Krankheit nach deinem Willen zum Besten dienen muß. Ich weiß, es ist mir gut, daß du mich züchtigst und demüthigst, auf daß ich deine Rechte lerne. Hilf, mein Gott, daß ich mein Leben lang an deine Züchtigung gedenke und mich vor Sünden hüte, auf daß mir nichts Aergeres widerfahre. Amen. O Herr Jesu! Amen. 91 *) Schöne Stelle aus dem gemeinen Gebete am Sonntag: Tröste sie( die da leiden), Gott, mit deinem heiligen Geiste, daß sie solches alles als deinen väterlichen Willen aufnehmen und erkennen". 92 Gebete für Kranke. 8. Krankheit ist verdiente Strafe der Sünde. 16. Jch bekenne dir, mein Herr Jesu, mit zerschlagenem und zerknirschtem Herzen, daß ich diese meine Krankheit mit meinen Sünden wohl verdient habe, und es ist mir von Herzen leid, daß ich deine göttliche Majestät erzürnt und mich selbst ins Unglück gebracht habe. Mein Gott und mein Herr, du wirst mein betrübtes und geängstetes Herz nicht verachten. Siehe an mich Elenden und heile mein zerbrochenes Herz. Vergib mir alle meine Sünde und reinige mich von aller meiner Missethat, damit ich deinen Zorn erregt habe. Herr, mein Heiland, der du dem Gichtbrüchigen so tröstlich zusprachest, tröste auch meine Seele und sprich mir in mein Herz dies freudenreiche Wort:„ Sei getrost, mein Sohn,( meine Tochter), dir sind deine Sünden vergeben". O wie Bekenntnis der Sünde. 93 lieblich ist dies Wort meinem Herzen, wie wohl erquickt es Leib und Seele, ja Mark und Gebein! Herr Jesu, wenn dein heiliges Wort und deine gnädige Verheißung mein Trost nicht wäre, so müßte ich in meinem Elend vergehen. Ich glaube aber und bin gewiß, daß ich durch dich, mein Heiland, Vergebung habe aller meiner Sünden, mit meinem Gott wohl daran bin und ein Erbe der ewigen Seligkeit. Darauf sprech ich Umen. 9. Bekenntnis der Sünde. 17. Herr, allmächtiger Gott und Vater, ich elender, sündiger Mensch bekenne dir meine unzählbaren Sünden und Missethaten. Ich habe alle deine heiligen Gebote übertreten, mich selbst und nicht 94 Gebete für Krante. deine Ehre vor allen Dingen gesucht, in dieser Welt den Willen des Fleisches und menschlicher Klugheit vollbracht, ohne Gott und Gottesfurcht gewandelt wie die Heiden. Und ob ich mich schon der Frömmigkeit befleißigt habe, so ists doch nicht von Herzen, sondern in angenommener Weise geschehen, den Menschen damit zu gefallen. Ich habe auch deiner treuen Warnung und Einsprache nicht gehorcht, sondern was mein boshaftig Fleisch, die Welt und der Teufel gerathen haben, dem habe ich gefolgt, und wie ich den Rath Gottes verachtet, seinen heiligen Namen geunehrt und Ihn selbst erzürnt habe, ist es mir leid und reuet mich von Herzen. Ich armer, dürftiger Sünder, der ich mit der Sünden Stachel tödlich verwundet bin, komme heute vor dich, barmherziger Gott und Vater, in Zuversicht auf deine unaussprechliche Güte und Liebe, die du an das menschliche Geschlecht gewendet haſt, der du deines eigenen Sohnes nicht verschonet, sondern ihn für uns alle dahin Bekenntnis der Sünden. 95 gegeben hast, und bitte: Sei mir nun um deines Sohnes willen gnädig und barmherzig! Amen. 18. Allmächtiger, ewiger Gott, barmherziger, himmlischer Vater, du hast mich wunderlich aus nichts erschaffen und bisher erhalten. Wie kann ich erzählen alle die Güte, die ich von meiner Mutter Brüsten an durch deinen Segen empfangen habe? Es hat mich auch niemand von Jugend auf ernährt, als du, getreuer Vater. So erkenne ich auch, daß du, Herr, du starker Gott vom Himmel, mich allein vor allem Uebel beschirmt hast. Und ob ich wohl deine Ruthe und Züchtigung oft und wohl verschuldet, auch manches Mal durch Leiden und Kreuz erfahren habe; so hast du es doch immer väterlich mit mir gemeint und an mir nimmermehr arge List gebraucht. So viel ich aber auch aus dem Brunnen deines reichen Segens getrunken habe, so bin ich doch, ich armer Mensch, deiner Gaben 96 Gebete für Kranke. meist uneingedenk gewesen, habe wild in der Welt und nach meines Fleisches Gelüsten gelebt, deine Gebote übertreten undankbarlich, ohne Zahl, und brüderliche Liebe gegen meinen Nächsten ohne Unterlaß vergeßen. O Herr, wie hab ich gesündigt, daß ich im Glauben und Zuversicht zu dir kalt und schwach gewesen bin und mein Kreuz unwillig getragen habe, darin ich doch als ein getreuer Jünger dir williglich sollte nachgefolgt sein! Herr mein Gott und Vater, ich klage dir heute mein Elend und meinen Jammer, daß meine Natur und Empfängnis Sünde ist, will schweigen der bösen Worte, Werke und des ganzen Lebens. Ich beuge jetzt vor deinem Gnadenstuhle die Kniee meines Herzens und bitte, weil deine Wege Erbarmung sind, du wolleft nicht Rache nehmen von wegen meiner Sünden, sondern mit mir nach deinem gnädigen Willen thun und verordnen, daß meine Seele, so es anders jetzt Zeit wäre, im Frieden hingenommen werde. Denn Um das Mitleid des ewigen Hohenpriesters. 97 Denn in dir, meinem Herrn, sterben iſt beßer denn leben. Herr, in deine Hände befehle ich meinen Geist. Amen. 10. for Um das Mitleid des ewigen Hohenpriesters. 19. Herr Jesu Christe, der du einmal durch dein eigen Blut ins Heilige eingegangen bist und eine ewige Erlösung erfunden hast, verleih, daß wir uns deines Eingangs und deiner Erlösung ewiglich getrösten. Du hast mit einem Opfer in Ewigkeit alle vollendet, die geheiligt werden: so gib nun auch uns, die wir um deine Heiligung bitten, daß wir in deinem Opfer den Frieden unserer Gewißen und unsere ewige Ruhe finden. Zwar fündigen wir nicht werth dein Volk ohne Zahl und sind zu heißen; aber wir getrösten uns nach Rauchopfer. 5 98 lique Gebete für Krante. wenn deinem Willen der Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird, und wagen es, von Noth und Verlangen getrieben, uns dennoch zu nennen dein eigenthümlich Volk. O Herr, der du ein unvergänglich Priesterthum übest, der du immerdar lebst und für dein Volk betest, gedenke auch unser: bete für uns, wenn wir nicht beten, sondern fündigen wir beten und dennoch fündigen,- wenn wir zu schwach, zu träge, zu krank sind an Leib und Seele, um zu dir zu rufen. Du mußtest aller Dinge deinen Brüdern gleich werden, auf daß du barmherzig würdest und ein treuer Hoherprieſter vor Gott, zu verföhnen die Sünden des Volkes; du hast gelitten wie wir, du wurdest selbst versucht, doch ohne Sünde, du bist ein mitleidiger Hoherpriester geworden: so laß dir nun unsre Schwachheit, unsre Krankheit zu Herzen gehen- erquicke uns Mühselige und dene. Amen. und Belaonde - Ein schön Bekenntnis eines gläubigen Christen. 99 11. Ein schön Bekenntnis eines gläubigen Christen. unil 16 ondanza 20. Meine Sünden betrüben mich, Gottes Gnad erfreuet mich. Zwei Dinge weiß ich; Ein armer Sünder bin ich, Gott ist barmherzig. Das erste bekenn ich; Das ander gläub ich. Ach Gott, sei mir armen Sünder gnädig! Gott gibts, Christus verdients, Der Glaub begreifts, die Werk bezeugens. Komm mir zu Hilf, du gütiger Gott, Schwach ist Menschenhilfe in der Noth. 100 2nd Das zerstoßen Rohr wird er nicht zerbrechen, und das glimmende Docht wird er nicht auslöschen. O Herr, stärke und mehre unsern Glauben! Amen. 5* 100 de Gebete für Kranke. 12. right miz uspidunia Um Vergebung der Sünden. 21. Herr Gott, heiliger Vater, siehe herunter von deinem Heiligthum und von deiner Wohnung aus dem Himmel und siehe an das allerheiligste Opfer, welches dir unser Hoherpriester, dein heiliges Kind, unser Herr Jesus Christus, für seiner Brüder Sünde geopfert hat, und sei der Menge unserer Sünden gnädig. Siehe, das Blut unseres Seligmachers ruft zu dir am Kreuz. Was hängt daselbst? Was ist es, das daran hängt? MERE Erkenne den Rock deines lieben Sohnes Joseph, welchen das greuliche Thier hat verschlungen, sein Kleid zertreten und alle seine Schöne mit dem übrigen Blut verunreinigt! Herr, Gott Vater, wir wißen, daß dein Sohn lebt und regieret in ganz Aegypten und an allen Orten, da du zu gebieten haſt. Er ist aus dem Kerker Um Vergebung der Sünden. des Todes und der Höllen zur Regierung gekommen und, mit einer unverwelklichen Krone geschmückt, von dir mit großer Herrlichkeit empfangen und aufgenommen. Unser Fleisch und Bruder ist er. Siehe an deinen Gesalbten, der dir bis zum Tode gehorsam worden, und sei uns gnädig um seiner Fürbitte willen, der mit dir und dem heiligen Geist in Ewigkeit regiert. Amen. 101 22.* O Gott, ich elender Mensch unterwinde mich, mit dir zu reden, ein armer Wurm mit dem Herrn Himmels und der Erden, ein schwaches Geschöpf mit dem allmächtigen Schöpfer, ein armer Sünder mit dem geſtrengen Richter, einer der nichts, ja weniger als nichts ist, mit dem, der alles ist und Himmel und Erden erfüllet. Ach verschmähe nicht im Zorn das Flehen des Elenden und verwirf nicht im Grimm das Rufen des Betrübten. Wiewohl ich mein Elend nicht genugsam erkenne, noch wegen meines Verbrechens genugsam betrübt sein kann; denn ich habe nicht be 102 Gebete für Kranke. trachtet, an wem ich mich verfündigte, und ob ich es auch gethan habe, so habe ichs doch alsbald wieder in den Wind geschlagen und in den Tag hinein gelebt, als wäre kein Gott, dem ich Rechenschaft geben und vor Gericht stehen müßte! Vergib mir, o Gott, vergib mir um dessen willen, der an seinem letzten Ende für die Sünder gebetet hat. Mehr weiß ich nicht zu sagen, als: Gott sei mir Sünder gnädig! An deine Gerechtigkeit darf ich nicht denken, denn vor derselben kann ich nicht bestehen; aber an deine Barmherzigkeit denk ich, die wird ja mich allergeringsten Theil der Welt von sich nicht laßen ausgeschloßen sein, dieweil sie größer ist, als alle Welt, und sich über alles in der Welt erbarmet, das sich nur für erbärmlich bekennt und Barmherzigkeit sucht. O Gott, es hat dir von aller Ewigkeit her gefallen, deinen Sohn für die Sünder in das schmerzlichste Leiden und in den schmählichsten Tod zu geben, damit sie nicht müßten in der Hölle ohne Um Vergebung der Sünden. 103 Aufhören getödtet werden: ach, so laß doch sein Leiden und Sterben auch mir zu Nußen kommen; nicht daß ich es werth, sondern daß ich sein so hoch benöthigt bin. Solltest du denn mich deswegen im Mutterleibe gebildet und erschaffen, so lange ernährt, bewahrt und bei Erkenntnis der christlichen, seligmachenden Lehre in der wahren Kirche erhalten haben, daß ich von dir ewig, ewig verstoßen und mit den verstoßenen Geistern ewig gequält würde? Ach das sei ferne, deine Barmherzigkeit ist zu brünstig und deine Liebe zu feurig! Darum kann und will ich nicht glauben, daß du mich werdest verdammt sein laßen. Ich kann und will nicht glauben, daß du mein Nechzen, Seufzen und Flehen verschmähen werdest. Ich weiß, du wirst an mir nicht dein Richteramt, sondern deine Vaterliebe erweisen, um dessen willen, der Mensch geworden wie ich, doch ohne Sünde, und sich nicht geschämt hat, mich seinen Bruder zu nennen. Diesen, diesen sich an und seine meinetwegen verwundete Seite, und 104 Gebete für Kranke. laß mich seines Verdienstes jetzt und in meinem letten Seufzen genießen. Laß mich nur dies erlangen, um alles andere kümmere ich mich nichts. Gewährst du mich des Ewigen, was sollte ich mich sehr um das Zeitliche sorgen? Nun, liebster Herr, ich hoff auf dich; Ich weiß, daß du nicht läßest mich! Amen. Um Jesu willen! Amen. ( Um Barmherzigkeit.) 23. O Jesu Christe, du Brunn aller Gnaden und Barmherzigkeit, der du weder Matthäo, noch dem offenbaren Sünder ( Zöllner), noch Marien Magdalenen, noch dem verlorenen Sohne, noch Zachäo, dem Zöllner, noch dem Schächer am Kreuz, noch jemals einem einigen Menschen deine grundlose Barmherzigkeit versagt hast, sondern auch zu allen todten Sündern und Sünderinnen mit väterlichen, tröstlichen Worten gesprochen: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, Um Vergebung der Sünden. ich will euch erquicken!" O nimm meiner auch wahr, und schau mich an mit den Augen deiner göttlichen Barmherzigkeit, mit denen du Petrum angesehen haſt. Ich armer, unwürdiger Sünder stehe vor dir, mit so vielen großen Sünden und Lastern beschwert, daß ich ihrethalben nicht kann aufwärts sehen, der ich mich vor deiner göttlichen Majestät, die ich schwerlich erzürnet habe, von Herzen scheue und erschrecke und anders nicht weiß zu sagen, als: ,, O Herr, sei mir armen Sünder gnädig, wende ab deinen Zorn und theile mir mit deine Barmherzigkeit. Das bitte ich dich mit Flehen, herzlich, um deines eigenen Verdienstes, Gnade und Barmherzigkeit willen!" Amen. 105 ( Des Glaubens Zeugnis.) 24. O Herr Jesu Christe, ich bitte dich durch deine Güte und Barmherzigkeit, du wollest meine Seele stärken auf den heiligen Weg, der mir nun vielleicht bald 106 Gebete für Kranke. bevorsteht in das himmlische und ewige Vaterland. Ich glaube, daß du auch um meinetwillen gestorben, daß mir meine Sünde durch deine Gnade verziehen und daß mir das ewige Leben zugeſagt ist. Dieses meines Glaubens, o Herr, sollst du Zeuge sein, und alle deine Auserwählten. Dies soll auch mein letter Wille sein, in solchem Glauben, o Herr, auf deine lautere Barmherzigkeit zu sterben. Und ob ich durch Schmerzen, Unvernunft und andere Anfechtung würde oder wollte abfallen, o Herr, so laß mich in Unglauben und Gotteslästerung nicht verharren, sondern stärke und mehre meinen Glauben, daß mir Sünde, Hölle und Teufel nicht schaden: du bist stärker und gewaltiger, denn diese alle, darauf verlaß ich mich. Herr laß mich nicht zu Schanden werden. Amen. lisa Wider den Unglauben und Zweifel. 107 13. Wider den Unglauben und Zweifel. 25. Allmächtiger ewiger Gott, barmherziger Vater, dessen Augen nach dem Glauben sehen, ich muß bekennen, bekenne es auch hiemit demüthiglich vor deinem heiligen Angesicht und klage dir von Grund meines Herzens, daß ich leider von Natur zum Unglauben geneigt bin, und mein Herz mit Zweifel und Mistrauen so vergiftet ist, daß ich manchmal an deinen trostreichen Verheißungen, sowohl an der gewaltigen Erlösung aus obliegender Noth, als an gnädiger Vergebung der Sünden, die doch in deinem Sohne Jesu Christo Ja und Amen sind, zweifle und mich hiedurch vieler erschrecklicher Sünden theilhaftig mache. Ach lieber Vater, verzeih mir diese verdammliche Sünde und wende von mir gnädiglich ab den Fluch, welchen du in deinem heiligen Worte allen 108 ist Gebete für Kranke. denen gedroht hast, die ihr Vertrauen auf das zeitliche Gut oder Ehre oder auf Menschenhilfe und Gunst sezen. Und weil einmal unmöglich ist, dir ohne Glauben zu gefallen, so bitt ich dich mit den heiligen Aposteln flehentlich und demüthig, du wollest den Glauben durch dein heiliges Wort und die hochwürdigen Sakramente in mir wecken, mehren und erhalten und Gnade verleihen, daß ich deinen göttlichen Zusagungen beständig vertraue, ein einziges Wort deines Mundes würdiger achte, als Himmel und Erde, mich dir aller Dinge in Lieb und Leid, mit Leib und Seele gänzlich ergebe, auch die Vergebung meiner Sünden und all mein Heil und ewige Seligkeit in deiner Gnade und in dem theuern blutigen Verdienste meines einigen Erlösers Jesu Christi durch den Glauben suche und des gnädigen Beistandes des heiligen Geistes in allen Nöthen mich getröſte. O Herr Jesu Christe, du Anfänger und Vollender meines Glaubens, der du gesagt haft:„ Wer da hat, dem - Wider den Unglauben und Zweifel. 109 wird gegeben", siehe, ich habe in mir ein Fünklein des rechten Glaubens, welches du durch deinen heiligen Geist entzündet haft. O mein Heiland, laß das glimmende Döchtlein in mir nicht gar verlöschen, und das zerstoßene Rohr nicht gar zerbrechen, sondern mehre mir meine Zuversicht, gib täglich größere Freudigkeit, wohne durch den Glauben in meinem Herzen, laß das kleine Senfkörnlein des Glaubens immer wachsen und zunehmen, daß es ein großer Baum werde und dir wohlgefällige Früchte bringe, sich in Heiligkeit des Lebens und in christlicher brüderlicher Liebe beweise, und ich also ein Zeugnis in meinem Herzen habe, daß ich gerecht und ein Erbe des ewigen Lebens sei. O Gott, heiliger Geist, gib, daß ich mit wahrem lebendigen Glauben in das Verdienst meines Herrn mich versenke, auf daß ich in allem Kreuz und Anfechtung rechten Trost haben, in allen Nöthen freudig beten, ja auch im Tode mit Freudigkeit glauben und sagen - Gebete für Kranke. möge: Jesus mein ein und alles! Ich bin und bleibe meines Herrn Jesu, und mit der Hand des Glaubens schreibe ich mich meinem Herrn Jesu zu, todt und lebendig, zeitlich und ewig! Amen. 110 14. 198 In großer Betrübnis und Schwermuth st des Kranken. 26. Herzliebster Herr Jesu, was für ein großer Stein schwerer Anfechtung und Gedanken liegt auf meinem Herzen! Ach, meine Seele ist mit Traurigkeit beladen und bedeckt, daß der Trost deines süßen Evangeliums nicht hineinfließen kann! Erbarme dich mein. Lege deine starke Hand an und hebe den großen Angst- und Trauerstein von meinem Herzen. Nimm weg meine Anfechtung und große Schwer In großer Bedrübnis u. Schwermuth des Kranken. 111 muth, daß ich Luft kriege, und dein heilfames, herzerquickendes Lebenswaßer mein mattes, ohnmächtiges Herz kühle und erfrische, daß mein Geist wieder lebendig werde, und mein Seel und Leib in dir, o lebendiger Gott, sich zeitlich und ewig freuen mögen! Amen. 27. Gib mir, Herr, nicht Gold oder Silber, sondern einen starken festen Glauben. Ich suche nicht Luft oder Freude der Welt, sondern Trost und Erquickung durch dein heilig Wort. Nichts begehr ich, das die Welt groß achtet, denn ich bin dessen vor dir nicht um ein Haar breit gebeßert; sondern deinen heiligen Geist gib mir, der mein Herz erleuchte, mich in meiner Angst und Noth stärke und tröste, im rechten Glauben und Vertrauen auf deine Gnade erhalte bis an mein Ende! Amen. M. Luther in seiner Anfechtung am Sonnabend vor Mariä Heimsuchung 1527.( Vgl. S. 120). Gebete für Kranke. 28. Herr Jesu, erquicke meine Seele mit deinem lieblichen Troste, und hilf, daß sich mein Trauern lindere und ich meines Elends ein wenig vergeße. Erhebe mir mein Gemüthe, daß ich mich schwingen möge zu dir, meinem Gott, und mich in dir, der du allein die rechte Ruhe bist, zufrieden gebe. Amen. 112 Augustinus. 29. Du treuer Heiland Jesu Christe, ich bitte dich durch dein bitteres Leiden, laß mich allezeit wohnen unter dem Schatten deiner Flügel, auf daß ich, vor aller Anfechtung sicher, bei dir Trost und Ruhe finden und vor allem Anlauf unversehrt bleiben möge! Amen. 30. Herr Jesu Christe, du mein treuer Heiland, Erlöser und Seligmacher, der du gesprochen hast: ,, Kommet alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken": auf diese deine Worte komm ich zu dir, beladen mit In großer Bedrübnis u. Schmermuth des Kranken. 113. großer Schwachheit Leibes und der Seelen. Ich bitte dich von Herzen, erbarme dich mein und erquicke meine Seele mit deinem Troste. Herr Jesu Christe, dir ergeb ich meinen Leib und Seele und alles, was ich habe. Du bist mein treuer Heiland, du hast mich durch dein theures Blut erlöset: dir leb ich, dir sterb ich, dein bin ich todt und lebendig. Laß mich mit Geduld deiner Hilfe warten, auf daß ich deinen Namen loben und dich ewig preisen möge!. Amen. 31. 3u Gott, dem Allerhöchsten, will ich rufen, zu Gott, der meines Jammers ein Ende macht, mein Herz erfreuen, mein Angesicht wieder fröhlich machen und mir Gesundheit, Leben und Segen nach seiner großen Barmherzigkeit geben wird. Herr, ich säe jetzt mit vielen Thränen, laß mich doch mit Freuden ärnten. Sei nahe bei mir, weil ich dich mit Ernst anrufe und mein betrübtes Herz vor dir ausschütte. Erhöre - 5** 114 Gebete für Kranke. mein Flehen. Schweige doch nicht über meine heißen und häufigen Thränen. Nimm mein Gebet an und heile mein erschrockenes Gebein. Du hast mir einen bittern Trank eingeschenkt, daß ich weinen muß. Ach Herr, gib mir für Weinen und Heulen deinen Freudenwein. Salbe mich mit dem Del deines göttlichen Trostes, überschütte mich nach Heulen und Weinen mit Freude. Hast du mich nun getränkt mit einem großen Maß voll Thränen; so reiche mir auch wieder einen Labetrunk, daß meine bekümmerte Seele nicht verschmachte. Ich will auch, lieber Vater, deiner Tröstung nicht vergeßen und dich nach der Erquickung mit fröhlichem Herzen und Munde loben mein Leben lang. Amen. - Wenn das Herz d. Kranten wieder froh geworden ist. 115 15. Wenn das Herz des Kranken wieder froh geworden ist. 11 32.* Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat." Wie war ich so traurig! Kein Trost besuchte mein Herz; kein Gebet entwand sich meiner Seele; ich dachte, Gott hätte mein vergeßen: kein Mensch war elender und verlaßener in meinen Augen als ich selber. Du aber hast mir meine Klage in einen Reigen verwandelt. Du ließest mich erfahren viele und große Angst und machtest mich wieder lebendig. Du hörst das Verlangen des Elenden: mein Herz ist nun gewis, daß dein Ohr darauf merkt. Dein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Meine Lippen und meine Seele, die du erlöset hast, sollen fröhlich sein und dir lobsingen. - Gebete für Strante. Vorhin war ich betrübt, jetzt bin ich fröhlich in Gott, meinem Heil. Vorhin sahen mich alle Kreaturen sauer an, jetzt lachen sie mich wieder an: mein Herz ist, ob ich schon am Leibe leide, voll Süßigkeit, mein Geist voll Freuden geworden, da du mir halfest aus meiner Finsternis, da mir deine Sonne wieder aufgieng in der Nacht. Nun will ich im Lichte deines Angesichts wandeln; laß mich ferner dein leuchtendes Angesicht sehen und erhalte mir ein fröhliches Herz durch deine Gnade. Hilf, daß mir nichts Aergeres widerfahre: deine Barmherzigkeit hat mich geheilt, gib, daß ich meine Seele nicht aufs neue verwunde durch meine Sünden. Regiere mich, daß ich durch vorige Anfechtung recht klug werde, zu meiden die Betrübnis meiner Seele. Stärke mich durch deine Macht und laß deinen Geist in meinem Herzen wohnen, daß er mich zu allem Guten treibe, und ich ein angenehmes Gefäß deiner Barmherzigkeit in Ewigkeit bleiben möge! Amen. 116 Ergebung in den Willen des Herrn. 16. 117 Ergebung in den Willen des Herrn. 33. Mein Vater, ist es möglich, so gehe dieser Kelch von mir; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst. Matth. 26, 39. Mein Vater, ist nicht möglich, daß dieser Kelch von mir gehe, ich trinke ihn denn, so geschehe dein Wille. V. 42. Heile du mich, Herr, so werde ich heil. Hilf du mir, so ist mir geholfen, denn du bist mein Ruhm. Jer. 17, 14. Dr. Luthers ernstlich Gebet in seiner geistlichen und leiblichen Anfechtung und Todeskampf 1527. 34. Mein allerliebster Gott, wenn du es haben willst, daß dies die Stunde sei, die du mir versehen hast, so geschehe dein gnädiger Wille! Herr, mein allerliebster Gott, ach wie gerne hätte ich mein Blut vergoßen um Gebete für Krante. deines Wortes willen, das weißest du; aber ich bins vielleicht nicht werth; dein Wille geschehe. Willst du es so haben, so will ich gerne sterben, alleine daß dein heiliger Name gelobet und gepreiset werde, es sei durch mein Leben oder Tod. Wenns aber, lieber Gott, möglich wäre, möchte ich noch gerne länger leben um deiner Gottseligen und Auserwählten willen. Ist aber das Stündlein kommen, so mache es, wie dirs gefällt; du bist ein Herr über Leben und Tod. 118 11 Mein allerliebster Gott, du hast mich ja in die Sache geführt, du weißt, daß es dein Wort und die Wahrheit ist. Hebe mich empor und erfreue deine Feinde nicht, auf daß sie nicht rühmen: Wo ist nun ihr Gott?" sondern verkläre deinen heiligen Namen, zuwider und zu Verdruß den Feinden deines ewigen, heilsamen Wortes. Mein allerliebster Herr Jesu Christe, du haft mir gnädiglich verliehen die Erkenntnis deines heiligen Namens. Du weißt, daß ich an dich, sammt Vater und heiligem Ergebung in den Willen des Herrn. 119 Geist einigen und wahren Gott, glaube und mich tröste, daß du unser Mittler und Heiland bist; der du dein theures Blut für uns Sünder vergoßen hast, stehe mir in dieser Stunde bei und tröste mich mit deinem heiligen Geiste. Abermals sagte er: Du weißt, Herr, daß ihrer viele, denen du es gegeben hast, um des Bekenntnisses willen deines Evangelii ihr Blut vergoßen haben. Ich hoffte, es würde mir auch dazu kommen, daß ich auch mein Blut um deines heiligen Namens willen hätte sollen vergießen, aber ich bins nicht werth: dein Wille geschehe. Du weißt, Herr, daß mir der Satan auf mancherlei Weise nachgestellt hat, daß er mich leiblich umbrächte durch Thrannen, Könige, Fürsten und Geistliche, durch seine feurigen Pfeile und schrecklichen geistlichen Anfechtungen. Aber du hast mich bisher wider all ihr Toben wunderbarlicher Weise erhalten; erhalte mich ferner, du treuer Herr, ists dein Wille. 120 Gebete für Kranke. Mein allerliebster Gott, du bist ja ein Gott der Sünder und Elenden, die ihre Angst, Noth und Jammer fühlen und deiner Gnade, Trost und Hilfe begehren, wie du sprichst: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid." Herr, ich komme auf deine Zusage, ich bin in großer Angst und Noth, hilf mir um deiner Gnade und Treue willen! Amen. 11 11 O mein lieber Herr Jesu Christe, der du gesprochen hast: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgethan": laut dieser Verheißung gib mir, Herr, der ich bitte, nicht Gold oder Silber, sondern einen starken, festen Glauben. Laß mich finden, was ich suche, nicht Lust, noch Freude der Welt, sondern Trost und Erquickung durch dein selig, heilsam Wort. Thue mir auf, der ich anklopfe: nichts begehre ich, was die Welt groß und hoch achtet; ich bin sein vor dir nicht um ein Haar breit gebeßert; sondern deinen heiligen Geist gib mir, der mein Herz erleuchte, mich 121 Ergebung in den Willen des Herrn. in meiner Angst und Noth stärke und tröste, im rechten Glauben und Vertrauen auf deine Gnade erhalte bis an mein Ende. Amen. O mein allerliebster Gott und Vater, du hast mir viel edler, theurer Gaben gegeben vor vielen andern tausend: wäre es dein Wille, ich wollt ja ihrer gern noch zu Lob und Preis deines heiligen Namens, zu Nuß und Trost deiner kleinen Heerde brauchen. Aber dein göttlicher, väterlicher Wille geschehe, allein daß dein Name durch mich, ich lebe oder sterbe, geehret werde! Amen. deals Eines tödtlich kranten Hausvaters. 1935. Herr, mein Gott, der du mich in meinem Stande zu einem Hausvater( zu einer Hausmutter) bestellt und mir den Meinigen treulich vorzustehen befohlen haſt, du weißt, daß ich solches durch deine Gnade, obwohl in Schwachheit, doch mit allem Fleiß verrichtet habe, daß ich mein Gewißen verwahrt, mich vor Untreue gehütet Rauchopfer. 6 122 Gebete für Kranke. und für alle, die du mir anbefohlen hast, beide in leiblichen und geistlichen Dingen also gesorgt habe, wie für mich selbst, ihnen so gerathen, wie ich wünsche, daß mir selber soll gerathen werden. Weil ich denn nun solche Sorgen nicht mehr führen kann und frank bin und hier in deiner Gewalt liege, so will ich dir nun das Amt wieder einräumen: vielleicht willst du es durch eine andere Person selber und beßer bestellen. Han misd dle tund Mein Gott, soll ich länger leben, so sei es ein christliches Leben. Richte mich wieder auf, gib neue Gesundheit und guten Verstand, daß ich mit treuerem Fleiße als zuvor den Meinigen vorstehen möge. Soll es aber mein Ende sein, so sei es ein seliges Ende. Hie bin ich, ich befehle, vertraue, ergebe dir die Meinigen allesammt, kleine und große: sei du Vater, sei du Mutter, sei du der rechte Pfleger. O du Helfer der Waisen, du siehst ja und kennst das Elend und den Jammer: die Armen be Ergebung in den Willen des Herrn. 123 fehlens dir, du bist der Waisen Helfer. Ja, mein Gott, arm und elend, dürftig und verlaßen sind sie, aber du forgst für sie. So will ich dir nun nicht in dein Amt fallen, denn mein Amt ist nun, daß ich alle Stunden und Augenblicke zur seligen Heimfahrt bereitet sei und dir meine Seele befehle; dein Amt aber ist, daß du an meine Statt tretest und Vater seiest. Herr Jesu Christe, hast du doch deiner lieben Mutter, als einer verlaßenen Wittwe, einen Pfleger verordnet, nämlich Skt. Johannem, den Evangelisten; erwecke auch meiner Wittwe fromme Freunde und Berather, zu denen sie sich aller Treue und Förderung versehen könne. hin mojade Ja, Herr Jesu, wie deine Mutter den Wittwenstand, so hast du selbst den Waisenstand erfahren, denn dein Pflegevater Joseph hat dir nicht lange gelebt. So weißt du ja, was Wittwen und Waisen sind: ja, was ist dir verborgen, du Herzenskündiger? Ach mein Herr Jesu, der du ein Waise geworden bist um aller meiner 6* Gebete für Kranke. Waisen willen, dir befehle ich meine Waisen: da hast du sie; du wirsts wohl machen, daß ich und sie dir am jüngsten Tage Lob und Dank sagen werden. Erfülle und fegne unsre Herzen mit rechter, wahrhaftiger Gottseligkeit, ihre Leiber mit beständiger Gesundheit, ihr Leben mit christlicher Zucht und Ehrbarkeit, und gib ihnen, was sie hie zeitlich und dort ewiglich erfreuen mag. Sättige sie mit langem Leben und zeige ihnen dein Heil. Ja, mein Hort, du führst die Deinen wunderlich; ach, so lehre und regiere meine Waisen allezeit, daß sie dir demüthig folgen. Gib ihnen Geduld und Gnade, daß ihnen der Gehorsam nicht zerreiße, und der Glaube nicht aufhöre, bis du mir sie nachbringen wirst in das ewige Paradies. Amen. 124 636. Allmächtiger Gott, himmlischer Vater, weil du uns geboten haft und gesprochen: ,, Rufe mich an in der Noth, so will ich dich erretten und du sollst mich preiſen": so schreie ich auch zu dir in Ergebung in den Willen des Herrn. 125 dieser meiner großen Noth durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, und bitte, du wollest mich armen fündigen Menschen nicht verlaßen. So nun dieſe meine Krankheit nicht ist zum Tode, so hilf mir auf, daß ich genese, um deiner Barmherzigkeit willen, auf daß ich deine Macht und Kraft, an mir erwiesen, verkündige und preise. Ist es mir aber nüßlicher, zeitlich sterben, als hier in diesem Jammerthal länger zu bleiben, so geschehe, Herr Gott, dein gnädiger guter Wille: verleihe mir nur Gnade, daß ich mich in deinen Willen, der allezeit der beste ist, gänzlich ergebe. Erhalte mich fest im christlichen Glauben und wahrer Erkenntnis bis an mein Ende. Laß mich von dir nimmermehr abgeschieden werden, sondern nimm meine Seele zu dir in dein Reich, durch deinen lieben Sohn Jeſum Christum, unsern Herrn. Amen. Weniger. 1607.0 jur fipid dan 100 youn 126 Gebete für Kranke. 37. Du getreuer Gott, hier liege ich mit Schwachheit umfangen; niemand aber ist, der mir helfen kann, als du. Ich habe mit meinen großen Sünden wohl mehr als dies väterliche Rüthlein verdient, aber du, Herr, züchtigst mich in Gnaden als ein Vater sein Kind. Ist es dein väterlicher Wille, dir gefällig und mir selig, so benimm mich dieser Krankheit. Du bist mein bester Arzt. Du kannst helfen. Tod, Leben, Schwachheit und Gesundheit steht in deinen Händen. Du weißt allein, was mir am besten ist. Wie dirs gefällt, Herr, so mach es. Willst du mich aber durch diese Krankheit von hinnen abfordern: Herr, ich bin bereit und willig, in dir auch seliglich zu sterben. Allein dein heiliger Wille geschehe! Amen. 38.* Herr Christe, ich darf dir meine Noth nicht erzählen, noch mein Anliegen entdecken, es ist dir bekannt wie mir selber; denn du bist ja unser Gott und trägst für Ergebung in den Willen des Herrn. 127 uns Sorge Tag und Nacht, schläfft und schlummerst nicht, sondern wendest deine väterlichen Augen ohn Unterlaß auf uns, daß ohne dein Wißen und Wollen auch nicht ein Härlein von unserm Haupt fallen kann. Nur hilf mir, Herr, wie du am besten weißt, daß mir zu helfen ist. Du bist der allmächtige Gott; du kannst uns bald Hilfe und Rath schaffen, auch wo keine erscheinet. Alles, was du willst, das thust du im Himmel und auf Erden, und ist niemand, der wider dich streben darf, oder dich hindern kann, uns zu helfen. Herr, hilf mir nach deinem Willen, wie du weißt, daß es mir nüß und selig ist. Nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Herr, wie du es machst, so bin ich mit dir zufrieden: all deine Fügung, sie gerathe wie sie will, muß mir doch zum besten gedeihen. Sterb ich, so bin ich dein; leb ich, so bin ich auch dein. Verleih mir nur Geduld, daß ich ausharren und dir alles anheim stellen kann. Du wirst mir nichts verderben, sondern 128 Gebete für Kranke. alles wohl machen, daß ich dich werde von Herzen loben und sagen: Du hast alles recht und wohl gemacht, beßer als ichs hätte sagen dürfen, bitten oder begehren. In solcher Hoffnung sprech ich fröhlich Amen. 17.S Um Linderung der Schmerzen. 39. Gott, heiliger Geist, du Trost der Gläubigen, du Kraft der Schwachen und Freudenöl der Betrübten, komm doch auch zu mir und besuche mich in meinem Elende. Ich bin so ohnmächtig, daß ich schier vergehe. Stärke mich mit deiner Gnade und lindere meine Schmerzen, daß ich sie ertragen könne und nicht unter ihnen erliege. Gib Zeugnis meinem Geiste, daß ich Gottes Kind sei, und mir alles zum besten gereichen werde. Ach du lieb Um Linderung der Schmerzen. 129 liche Flamme Gottes, erwärme mein Herz, daß der Glaube in mir nicht verlösche. Du Waßer des Lebens, erquicke meine matte Seele, daß sie nicht gar verschmachte. Du Geist der Herrlichkeit, rufe in mir und laß mich Gottes Herrlichkeit hier erkennen und dort einmal von Angesicht zu Angesicht schauen. Amen. sim Hond 40. Ach lieber Vater im Himmel, wie große Schmerzen, Angst und Noth habe ich an meinem Leibe, die ich leider mit meinen Sünden wohl verdient habe. Lieber Vater, sich an, wie meine Krankheit tobt und wüthet und so gar anhält, und laß dich das erbarmen, denn ich bin ja dein liebes Kind und ein Bruder deines geliebten Sohnes Jesu Christi. Thuts doch einem irdischen Vater wehe und geht ihm ins Herz, wenn er sein Kind sieht Noth und Schmerzen leiden: so wirst ja du viel mehr Mitleid mit mir haben und aus großem Erbarmen mir zu Hilfe kommen in meiner großen Leibesnoth. Lindere 130 Gebete für Kranke.lt meine Schmerzen, und gefällt es dir, so nimm sie gar hinweg. Ach Herr, wie willst du mein so gar vergeßen: eile mir zu helfen, ich verzage sonst in dieser Angst. Du hast mir ja befohlen, dich um Hilfe anzurufen in der Noth, und versprochen, daß du mich erretten wollest. So komm mir nun auch zu Hilfe, und soll ich ja mein Leben mit solchem Schmerz und großer Noth beschließen, so wende doch dein väterliches, freundliches und gnädiges Angesicht nicht von mir, sondern hilf mir durch den heiligen Geist, daß ich das unaussprechliche, große Leiden und die große Qual meines Herrn Christus vor Augen habe und ihm nach mein Leiden mit Geduld ertrage, damit ich nicht solcher Leibesnoth halber mich irgend verfündige, sondern beständig bleibe in Glauben und Anrufung bis an mein Ende wie die lieben Märtyrer, um Jesu Christi, deines lieben Sohnes, willen! Amen. Um Wegnehmung der Krankheit. 18. Um Wegnehmung der Krankheit. nalligr 131 do 41. O Herr Jesu Christ, mein einziger und bester Arzt, zu dir fliehe ich in dieser meiner Krankheit. Herr, zu dir rufe ich in meiner Noth: nimm du dich meiner in Gnaden an, vergib mir meine Sünde, damit ich diese Ruthe verschuldet habe, und benimm mich dieser Schwachheit nach deinem väterlichen Willen. Mir ist angst und wehe, aber ich habe noch viel mehr verdient. Herr, gehe nicht mit mir ins Gericht nach meinem Verdienst. Wende noch einmal deinen Zorn von mir ab: ich will, hilf du mir selber dazu mit deinem heiligen Geiste, ich will mich beßer vorsehen, vor Sünden mich hüten und mich beßern. Amen. 42. Wahrhaftiger und gütiger Gott, du hast uns heißen beten und daneben 132 Sisi Gebete für Kranke. treulich zugesagt, uns alles zu geben, was wir nach deinem Willen bitten. So bitte ich dich von Herzen um Jesu Christi, deines lieben Sohnes, willen, du wollest mir wieder helfen zu meiner Gesundheit, mich stärken und meine großen Leibesschmerzen lindern und wegnehmen, wie du leicht thun kannst, und solches herrlich an Hiskia, Hiob und andern Kranken bewiesen hast. Ach Herr, strafe mich nicht nach deinem Grimm, sondern ſei mir gnädig. Wie lange soll ich mich ängsten in dieſer Leibesnoth. Hilf mir, damit ich dich auch in dieser Welt mehr loben und preisen und andern dienen möge. Weil aber wir armen Menschen nicht wißen, was wir beten, ob uns, was wir suchen, nüßlich oder schädlich sein möge; ſo stelle ich alles dir anheim, der du vollkommen weißest, was mir heilsam ist. Ist es dein göttlicher Wille, so gehe dieser Kelch und diese Schwachheit von mir; doch nicht was ich will, sondern dein Wille geschehe. Allein darum bitte ich, o Herr, daß solche meine ill Um Segen zur Arznei. Schwachheit ein seliges Ende gewinne. Dazu wollest du Gnade verleihen um Jeſu Christi willen! Amen. 133 19. Um Segen zur Arznei. 43. Ich danke dir, mein Herr Jesu Christe, du treuer Arzt meiner Seele, daß du meiner kranken Seele geholfen, sie von Sünden gereinigt und mein Herz mit der Arznei des lebendigen Trostes erquicket hast. Ich bitte dich, o du Schöpfer aller Dinge, segne nun auch diese äußerliche Arznei und die ordentlichen Mittel, die du geschaffen hast. Herr, so du willst, können sie mir heilsam sein und zu meiner Gesundheit dienen; so du aber nicht willst, können sie mir nichts frommen. Herr, hie bin ich, schaffe es 134 Gebete für Kranke. mit mir, wie dirs löblich und mir gut und selig ist! Amen. D 44. O himmlischer Vater, du Herr des Lebens und Todes, wir wißen zwar gewiß, daß wir einmal sterben müßen, und unser Leben sich wie Waßer im Sande verliert. Weil du aber durch deine gnädige Vorsehung, so lang dies Leben in uns iſt, Mittel verordnet hast, deren sich deine Kinder gebrauchen, und deren Segen und Benedeiung sie von dir erwarten sollen; so bitte ich deine unergründliche Barmherzigkeit in kindlicher Zuversicht, du wolleft selber diese mir verordnete Arznei heiligen und ihr die Kraft verleihen, daß sie mir zur Gesundheit diene. Herr, sprich nur ein Wort, so werde ich gesund. Wofern aber meine Tage sollen ein Ende haben, und du mir diese Krankheit als einen Boten zugeschickt hast, mich aus diesem Jammerthale abzufordern, so geschehe, o Herr, dein heiliger Wille. Nur verleihe mir Glauben und Geduld und laß Um Segen zur Arznei. 135 Deine Gnade und Barmherzigkeit nicht ferne von mir sein, sondern mitten in meiner Noth sei bei mir mit deinem heiligen Geiste, daß ich meine Seele, die du mit deinem heiligen Blute so theuer erlöset hast, willig und getrost in deine heiligen Hände zur Verwahrung gebe und befehle! Amen. 45. Abba, mein Vater, es ist dir alles möglich. Du kannst helfen, heilen und gesund machen. Krankheit und Gesundheit, Tod und Leben steht alles in deiner Hand. Du allein weißt auch, was mir am besten ist. Darum befehle ich dir, lieber Gott und Vater, mein Kranken und Genesen in deine allmächtige gnädige Hand und bitte dich demüthig und von Herzen, du wollest schaffen und geben, was deinem heiligen Namen zu Ehren und mir an Leib und Seele zu zeitlicher und ewiger Wohlfahrt gereichen mag. Es ist dir nur um ein Wort zu thun, das du zu dieser Arznei sprechest, so werde ich dadurch gesund. Darauf traue ich, Gebete für Kranke. und will dies Mittel auf deinen Namen versuchen und gebrauchen mit der gewissen Zuversicht, du werdest es wohl machen. So bin ich bereit, nach deinem väterlichen guten Willen, noch länger hier zu leben, dir und meinem Nächsten zu dienen, oder von hinnen seliglich abzuscheiden und zu sein bei Jesu Christo, meinem Heilande, der mit dir und dem heiligen Geiſte lebt und regiert, wahrer Gott, hochgelobt in alle Ewigkeit! Amen. 136 malono dm dno@ 20. Wenn die Noth lange anhält. 46. Lieber Gott, barmherziger Vater, du siehest meinen Jammer und Elend; du weißt, wie mir der elenden Nächte allzuviel werden. Hilf mir doch endlich, mein Gott. Laß mich dein gnädiges Hilf Wenn die Noth lange anhält. stündlein erfreuen. Erfreue mich doch wieder, nachdem du mich so lange plagest, nachdem ich so lange Unglück leide. Kehre dich wieder zu mir, und sei mir, deinem Knechte, gnädig um Jesu Christi willen! Amen. 137 47*. Herr Jesu Christe, mein Heiland, ich klage dir, daß mich meine Noth drückt, und meine Krankheit so lange währt. Ich bitte dich, du wesentliches Wort deines Vaters, du heilsamer Tröster, sprich mir diesen Trost tief in mein Herz, daß ich allezeit, ja mitten in der größten Schwachheit, ja in höchsten Schmerzen und Todesängsten dein liebes Kind sei, dir in deinen Armen und deinem Schooße liege, und dein gnädiges Angesicht alle Augenblicke auf mich gerichtet sei. Da du, Herr Jesu, am Kreuze hiengest, unsere Schmerzen, Schmach und Hohn trugest und von allen Kreaturen verlaßen warest, wareſt du dennoch der eingeborene Sohn deines lieben himmlischen Vaters, bist es auch geblieben. Da Joseph im Gefängnis lag 6** Gebete für Kranke. und keine menschliche Hilfe sah, warest du dennoch mit ihm, hattest ihn lieb und errettetest ihn zu rechter Zeit. Da Stephanus zum Tode geführt wurde, und ihm die Steine um den Kopf flogen, hatteſt du ihn dennoch lieb und gabest dich ihm zu schauen, daß er mit fröhlichem Herzen rufen konnte:„ Siehe, ich sehe den Himmel offen und des Menschen Sohn zur rechten Hand Gottes stehen!" Da Lazarus vor des reichen Mannes Thüre lag, und ihm kein Mensch helfen wollte, waren doch deine heiligen Engel um ihn her, nahmen seine Seele und trugen sie in Abrahams Schooß, in das ewige Leben. mein Gott, ich bin wohl auch dein Lazarus, liege hier und klopfe an deiner Gnadenthür mit meinem Seufzen. Die Noth ist wohl groß, mein Herr, der Schmerzen sind viele, und die Angst will mich überwältigen: ich weiß aber gewiß und habe des tausend Zeugen in meinem Herzen durch deinen heiligen Geist, daß du mich nicht wirst verlaßen. Deine Augen stehen Tag 138 Um Geduld. und Nacht offen über mir. Ich bin dein liebes Kind und ein Erbe des ewigen Lebens. Darum bist du mit mir in dieser Noth. Du wirst mich auch herausreißen und zu ehren machen in diesem oder jenem Leben, wie es dir gefällig ist. Das ist gewißlich wahr. Amen. 21. 139 - Um Geduld.*) 48. O Herr Jesu Christe, das Fleisch ist schwach und ungeduldig. Ach lieber Herr, brenne, haue, stich und plage mich, wie du willst, nur aber bitte ich dich um Geduld und Sanftmuth. Amen. *) Vgl. andere Gebete, auch vorher. Das Gebet um Geduld hängt sich schier an alle Krankengebete, auch an die, die nicht zunächst um Geduld bitten. loun me sint 140 Gebete für Krante. 49. Lob, Ehre und Dank sei dir, mein allerliebster Herr Jesu Christe, für deine heilige Menschwerdung, für deine Marter und bitteres Leiden, aus dem ich erkenne, daß du mein Erlöser und Seligmacher bist, und glaube, daß du Sünde, Höll und Teufel überwunden hast, daß die mir nicht schaden mögen. Des allein tröste ich mich, darauf baue ich, da steht meine Hoffnung, da will ich mich laßen finden. Allein sei mir gnädig und barmherzig, wie ich deiner wahrhaftigen Zusage nach nicht zweifle. O Herr, laß mich nicht in diesen großen Nöthen, gib mir Geduld in meiner Krankheit! Ob ich durch Schmerzen, Unvernunft und andere große Anfechtung würde oder wollte abfallen; o Herr, laß mich in Unglauben und Gotteslästerung nicht stecken, sondern stärke und mehre meinen Glauben, daß mir Sünde, Höll und Teufel nicht schaden. Du bist stärker " E und gewaltiger, denn die alle: darauf verlaße ich mich! Amen. Um Geduld. 141 50. O du heiliger Geist, du Tröster aller Elenden und Betrübten, du weißt am besten, was unser Fleisch und Blut im Kreuz vermag, wie es so gar niedersinket auch unter einem kleinen Rüthlein, was für Ungeduld, Zweifel und Zagen in uns kommt, wie es unserthalben mit uns ganz und gar verloren wäre. Darum sei du mein Trost, meine Stärke, meine Hilfe, mein Schild und Burg. Stärke mich durch deine große Macht; hilf mir in meiner großen Schwachheit und stehe mir bei; erwecke mein Herz und Gemüth, daß ich in meinen Nöthen nach Hilfe rufe und schreie; stärke meinen Glauben, daß ich in fester Zuversicht und völligem. Vertrauen möge Hilfe und Rath von oben herab erwarten. Und weil wir im Kreuz und Anliegen nicht wißen, was wir bitten und begehren sollen, so thue du das Beste, bete in uns und mit uns, nachdem du weißt, wie es dir gefällig ist! Amen. T 142 Gebete für Krante. 51.* Nimm weg von mir, Herr Jesu, und tilge aus meinem Herzen alle Ungeduld. Behüte mich, daß sie nicht überhand nehme in mir, auf daß ich mir mein Kreuz nicht größer mache. Pflanze mir aber die liebe Geduld in mein Herz, daß ich deinem Beispiel folge, stille und geduldig sei und auf deine Hilfe warte. Rüttele deinen Zeiger, laß kommen deine Stunde, denn deine Zeit ist die rechte Zeit, und deine Stunde ist die rechte Stunde. Gib, daß ich stets hoffe und stark sei in gewisser Zuversicht. Du bist getreu und läßest keinen Menschen versucht werden über sein Vermögen; ach so schaff auch, daß all mein Kreuz und Kranksein ein solches Ende gewinne, daß ich es könne ertragen. Ich weiß, du wirst es nicht laßen. Amen. totius this 52. Barmherziger Gott, dieweil ich weiß, daß du getreu bist und niemand über sein Vermögen versuchen läßest, sondern es also zu machen pflegst, daß die Versuchung ein Ende gewinnt, und wir sie ertragen können; Um Geduld. 143 so bitte ich dich demüthiglich, du wollest mir in diesem meinem Elend ein solches Herz geben, das sich dir ganz ergebe und aus deiner väterlichen Hand in kindlichem Gehorsam annehme, was du mir wirst auflegen. Ach, ohne deine Hilfe ist bei mir nichts als Murren und Ungeduld, durch welche ich dich nicht zur Gnade, sondern zum Zorn bewege. Darum wie du mir eine Last hast aufgelegt, also hilf mir auch und laß in mir hervorleuchten die Früchte des heiligen Geistes, Glauben und Geduld, mit welchen ich durch deine göttliche Kraft alle Trübsal überwinden und dir bis in den Tod getreu sein und bleiben möge. Amen. 53.* Allmächtiger, gütiger Gott, der du bist eine Stärke der Schwachen, ein Heil der Kranken, eine Kraft der Mühseligen, ein Trost der Betrübten, eine Freude der Traurigen, eine Zuflucht der Verlaßenen, eine Hilfe der Angefochtenen, ein Leben der Sterbenden, ein Gott der Geduld und 144 Gebete für Kranke. alles Trostes: du siehst und weißt, daß wir von Natur schwach, blöde und verzagt sind und im Kreuz ohne deine göttliche Hilfe und Beistand nicht können bestehen. Darum rufe ich zu dir, wenn du mir Krankheit oder sonst Widerwärtigkeit zuschickst, du wollest mich fest im Glauben und beständig in der Geduld er. halten. Verleih mir Gnade, daß ich deine väterliche Hand und Züchtigung möge erleiden mit sanftem Geist und stillem Herzen. Gib mir Geduld, welche mir hoch vonnöthen ist in Leidenszeit, auf daß ich deinen Willen thue und die Verheißung empfange. Lehre mich, daß ich dir meinem Gott, still halte, wenns übel geht, damit ich die Trübfal nicht für ein Zeichen deiner Ungnade achte und in meinem Herzen nicht etwa wider dich murre oder sonst unleidlich werde. Laß mich erkennen, daß du, welchen du lieb haft, auch züchtigest zu seiner Beßerung, auf daß ein Mensch in Gottes Furcht demüthig wandele, sein Vertrauen nicht anf das Zeitliche stelle, sondern auf Gott, Um Geduld. 145 der die Todten auferweckt, auf daß unser Glaube rechtschaffen und viel köstlicher erfunden werde, denn das vergängliche Gold. Denn die Trübsal bringt Geduld, die Geduld bringt Erfahrung, Erfahrung bringt Hoffnung, Hoffnung aber läßt nicht zu Schanden werden, und selig ist der Mann, den du, Gott, strafest. Darum soll sich niemand weigern der Züchtigung des Allmächtigen. Denn du verlezest und verbindest, du zerschmeißest, und deine Hand heilt. Aus sechs Trübsalen wirst du mich erretten und in der siebenten wird mich kein Uebel rühren. So hilf nun, ewiger Gott, daß ich mit Geduld meine Seele faße und in gewisser Hoffnung unabgewendet bleibe, auf daß ich mit kindlicher Zuversicht dein väterliches Herz, unter dem Kreuze verborgen, möge erkennen, mit aller Kraft mächtig und gestärkt werde nach der großen Macht deiner Glorie, und zu aller Geduld und Langmuth in Anfechtung, Widerwärtigkeit und Leiden gewappnet möge bestehen, und Rauchopfer. 7 146 Gebete für Kranke. fröhlich, mit dankbarem Gemüthe in aller Noth dich preisen, auf daß, die wir mit Christo allhier leiden, auch mit ihm zur ewigen Herrlichkeit erhaben werden! Amen. 54.* O Herr Jesu Christe, der du bist ein Gott der Geduld und alles Trostes, in den Tagen deines Fleisches in höchster Geduld all dein Elend ausgestanden und uns unsere Seelen mit Geduld zu faßen befohlen hast! Du siehst mein betrübtes Elend, hörest mein Seufzen, das ich auf meinem Angstlager ausgieße. Du weißt, wie meine Schwachheit und Gebrechlichkeit so groß und heftig ist. Wie soll ich aber thun, du frommer Herr? Keine Arznei weiß ich, als das Kräutlein Geduld*). Dieweil aber dasselbe nicht wächst in dem *) Das Kräutlein Patientia Wächst nicht in allem Garten. Ach Gott, schaff du mirs immerdar, Daß ich könn deiner warten; Sonst bin ich sehr betrübt und schwer Von Angst auf dieser Erden.com Um Geduld. 147 ungebauten Garten meines Fleisches und Blutes, denn der Geist ist zwar willig, aber das Fleisch ist schwach: so stärke du mich mit dem Geiste der Gnaden und des Trostes, gib mir Geduld in Leidenszeit, gehorsam sein in Lieb und Leid, damit ich deine Gerichte nicht anbelle und wider dich murre, sondern mit Freuden ein Halleluja drein singe und gewiß dafür halte, du meinest es dennoch nicht böse mit mir, wie fremd und feindselig du dich auch stellest, und wolleft mitten unter deinen Zuchtruthen gedenken deiner väterlichen Barmherzigkeit, mich züchtigen, aber mit Maßen, mich strafen, aber nicht in deinem Zorn, mich töden, aber wieder lebendig machen, mir eine Last auflegen, aber wiederum aushelfen. Du bist ja der Gott, der da hilft, und der Herr Herr, der vom Tode errettet, hochgelobt in Ewigkeit. Amen.hi $ 19diur And nomiom the End theurs deur endo end 7* 148 Gebete für Kranke. 22. Wenn man ungeduldig gewesen ist. im55. Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist. Ach mein Herr und Gott, erhalte doch von nun an meine Gänge in deinen Fußsteigen und laß meine Tritte nicht gleiten. Laß den Feind an mir nichts gewinnen und den Sohn der Ungerechtigkeit mich nicht beschädigen, sondern verzeih mir meine Ungeduld und Halsstarrigkeit, denn ich habe geirrt wie ein irriges Schaf, das zum Verderben eilt. Meiner Sünden sind viel mehr denn des Sandes am Meer, ich empfinde sie nicht nach ihrer Last und Menge, aber nunmehr ist mir Heil widerfahren. Du, Herr, hast mich vom Schlafe des Todes wieder erweckt, daß ich meinen Wenn man ungeduldig gewesen ist. Irrweg erkannt habe, und meine Seele sich wieder zur Ruhe begeben hat. O du Vater der Barmherzigkeit, nimm mich doch wieder zu Gnaden an und gedenke nicht meiner Halsstarrigkeit und Ungeduld, sondern, daß Christus, dein geliebter Sohn, mein und der ganzen Welt Heiland, alle meine Sünde mit seinem allerheiligsten Blute bezahlt und mir das Leben und die ewige Seligkeit geschenkt hat. Darum, o Herr, wende doch ab dein Angesicht von meinen Sünden und tilge alle meine Missethaten. Ach Gott, schaffe in mir ein reines Herz und gib mir einen neuen gewissen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesichte und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir, so will ich dir allhier zeitlich dafür danken und dich in deinem himmlischen Paradies lieben, loben, ehren und preisen ewiglich. Amen. 149 150 e sis and Gebete für Kranke.mpét und 23. isipinger God thim bin Morgengebet eines Kranken. dio 38 3969ior 56. O allmächtiger, ewiger Gott, ich fage dir Lob und Dank, daß du mich diese vergangene Nacht in meiner Krankheit so väterlich bewacht und bewahret hast, und bitte dich demüthiglich, du wollest mir aus Gnaden um Jesu Christi willen meine Sünde verzeihen, sonderlich wo ich während dieser Krankheit, wie Fleisches und Blutes Art ist, ungeduldig gewesen wäre. Du wolleft auch diesen angehenden Tag bei mir stehen und mich in meiner Krankheit stärken, trösten, Geduld und Beständigkeit verleihen, die Schmerzen mildern und mir endlich helfen, es sei zu dem gegenwärtigen oder dem ewigen Leben, ganz nach deinem Willen, welcher allezeit der beste ist. Dein heiliger Engel fei mit mir, auf daß der böse Feind und all sein Anhang keine Am Morgen( oder Abend) zu sprechen. 151 Macht noch Gewalt an mir und all dem Meinen finde! Amen. 24. Gebet eines Kranken, am Morgen( oder Abend) zu sprechen. 57. O du getreuer Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi, ich sage dir Lob und Dank, daß du mich schwachen Menschen diese Nacht( diesen Tag) über in meiner beschwerlichen Krankheit und großen Schmerzen so gnädiglich erhalten, geschützt und gestärkt hast, daß deine Gnade in mir armen Sünder so überschwänglich, daß deine Kraft in mir Schwachen so mächtig, daß dein Trost in mir Betrübten ſo kräftig gewesen ist. Ich laße mich billig in dieser Trübsal und beschwerlichen Krankheit mit St. Paulo begnügen an deiner Gebete für Kranke. Gnade, und will dieselbe rühmen mein Leben lang. Ich bitte dich aber, o Herr, im Namen Jesu Christi, du wollest auch diesen Tag( diese Nacht) und die übrige Zeit meines Lebens deine herzliche Barmherzigkeit zu mir wenden, mir um deines lieben Sohnes und seines bittern Leidens und Sterbens willen alle meine Sünde gnädiglich verzeihen, auch in dieser deiner väterlichen Züchtigung das liebliche Opfer und die theure Bezahlung deines allerliebsten Sohnes und nicht meine Sünde und Uebertretung ansehen und mir schwachen Menschen diese großen Schmerzen entweder gar benehmen oder mildern und also mich als dein Kind diesen Tag( dieſe Nacht) und die übrige Zeit meines Lebens väterlich erhalten. Und weil du mir Leib und Seele gegeben und bis daher väterlich erhalten hast, ach Herr, so befehle ich diesen meinen kranken Leib und meine liebe Seele auch diesen Tag( diese Nacht) in deine heiligen Hände, daraus sie niemand reißen wird. Dein heiliger Engel sei mit mir, 152 Abendgebet eines Kranten. 153 daß der böse Feind keine Macht an mir habe oder finde, durch Jesum Christum, deinen geliebten Sohn, meinen einigen Trost und Heiland, in der Gnade und Kraft des heiligen Geistes. Amen. 25. Abendgebet eines Kranken. 58. Allmächtiger Gott, ich armer, elender Mensch erscheine vor deinem allerheiligsten Angesichte und danke dir für deine unendliche Güte, die du mir an diesem fummervollen Tage und die ganze Zeit meines Lebens so gnädig erzeigt haſt. Ich bitte dich von ganzem Herzen, du wollest mich noch ferner mit deiner Barmherzigkeit erquicken, meine Seele mit deiner Hilfe erfreuen und mich loszählen von allen meinen Sünden. Verleihe, o du Gebete für Kranke. großer Gott, meinen müden Gliedern eine sanfte Ruhe, lindere meine Schmerzen und wehre der höllischen Rotte, daß sie sich nicht zu meinem Lager nahe, noch sonst ein Unfall mich beunruhige. Sofern sich aber in dieser Nacht mein Erdenelend enden sollte, und du mich zu der ewigen Ruhe bringen wolltest: so gib, daß ich mit unverzagtem, gläubigen Herzen entschlafe und durch das düstere Thal eingehen möge in den Freudensaal des himmlischen Jerusalems. Indeß reinige mein Herz von allen zweifelmüthigen Gedanken. Bewahre mein Gewißen vor unruhigen Bewegungen und heilige meine Seele, daß sie sich bis an das letzte Seufzen getröste der unaussprechlichen Gnade und Erbarmung des dreieinigen, allzeit lebendigen Gottes, der da ist, der da war und der da sein wird ein allmächtiger und gewaltiger Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 154 Nachtgebet eines Kranten. 26. 155 Nachtgebet eines Kranken. inwa 59. Herr, allmächtiger Gott, der du wohl weißt, wie unsere sichtbaren und unsichtbaren Feinde wachsam und sorgfältig find, auch die Gebrechen unsers dürftigen Fleisches erkennest, da du es geschaffen haft: dir befehlen wir uns ganz in deinen Schutz und Bewahrung, Schirm und Zuflucht, Hilfe und Trost. Behalte uns, Herr Gott, unter den Flügeln deiner Güte, daß wir nimmermehr im Tode entschlafen. Erleuchte die Augen unsers Herzens mit dem Lichte der himmlischen Gnadensonne, mit der Wonne und Lust deines göttlichen Wortes, und erhalte uns allezeit nüchtern und zu allen guten Werken wacker, flug, weise und vorsichtig, auf daß wir dich mögen loben und preisen. Denn du bist allein gütig und voll Gnaden! Amen. 1130 00 St 156 Gebete für Kranke. 27. Gebet eines Kranken, der nicht schlafen kann. 60.* 60.* O Herr, mein Gott, du hast den Tag zur Arbeit geschaffen und die Nacht zur Ruhe, aber leider, die Ruhe ist nirgends da. Wenn ich gedenke, mein Bett soll mich trösten, mein Lager soll mirs erleichtern, so ist meine Hoffnung vergebens, und was ich wünsche, das kommt mir nicht. Des Tages zähle ich, wann es will Abend werden, und des Abends verlanget mich nach dem Morgen. Ich spreche in meinen Gedanken: ,, Hüter, ist die Nacht schier hin? Hüter, ist die Nacht schier hin?" Aber wenn der Morgen schon kommt, so ist es doch wie in der Nacht, und so arbeite ich von einer Zeit zur andern vergeblich, und der elenden Nächte sind mir viel worden. Ach Herr, Herr, wie lang, ach wie lang Gebet eines Kranken, der nicht schlafen kann. 157 willst du mein so gar vergeßen, wie lang verbirgst du dein Angesicht vor mir, und verbirgst dich zur Zeit der Noth! Erbarme dich mein, o liebster Vater, und laß ab von mir. Lindere mir doch meine Schmerzen und gönne mir ein wenig Ruhe, ehe ich hinfahre und nicht mehr da sei. Ist es denn ja dein heiliger Wille, mich noch länger in dieser Unruhe zu prüfen, ach so wache du selbst bei mir und verleihe mir Geduld, wenn mir die Stunden wollen lang werden. Gib mir Kraft, wenn ich matt werde, tröste mich, wenn mich meine Gedanken plagen, und vollende dermaleins meinen Jammer und bringe mich zur ewigen Ruhe, da ich ruhen werde von aller Arbeit und ewig dein Lob besingen vor deinem Thron. Amen. O mein Herr Jesu! Amen. 158 Gebete für Kranke. of mism and e Goupit od thi 28. mind ud foriens Danksagung nach erlangter Gesundheit. tid 61. Rommet her, höret zu alle, die ihr Gott fürchtet, ich will erzählen, was er meiner Seele gethan hat. Zu ihm rief ich mit meinem Munde und preisete hn mit meiner Zunge; darum erhörte mich Gott und merkte auf mein Flehen. Da ich den Herrn suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht. Welche ihn ansehen und anlaufen, deren Angesicht wird nicht zu schanden. Da dieser Elende rief, hörte es der Herr und half ihm aus allen seinen Nöthen. Wo ist so ein herrlich Volk, zu dem Götter so nahe sich thun, als der Herr, unser Gott, so oft wir ihn anrufen? Ich danke dir ewiglich, denn du kannst es wohl machen, und will harren auf deinen Namen, denn deine Heiligen haben Freude daran. Dansagung nach erlangter Gesundheit. 159 Wohl dem, des Hilfe der Gott Jakobs ist, des Hoffnung auf den Herrn, seinen Gott, steht. Meine Seele harret nur auf Gott, denn er ist meine Hoffnung. Er ist mein Hort, meine Hilfe und mein Schuß, daß ich nicht fallen werde. Bei Gott ist mein Heil und meine Ehre. Er ist der Fels meiner Stärke. Meine Zuversicht ist auf Gott. Hoffet auf ihn allezeit, lieben Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus. Gott ist unsre Zuversicht, eine Hilfe in den großen Nöthen. Halleluja. 62. Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Er zürnet nicht ewiglich; sein Zorn währet einen Augenblick und er hat Lust zum Lehen. Den Abend lang währet das Weinen, aber des Morgens die Freude. Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte, daß du mein Elend ansahest und meine Seele erkanntest in der Noth. Du handeltest nicht mit mir nach meinen Sünden und vergalteft nicht nach meiner Misse 160 Gebete für Krante. - that; sondern so hoch der Himmel über der Erde ist, ließest du deine Gnade über mir walten und erbarmtest dich über mich, wie ein Vater über sein Kind. Es umfiengen mich des Todes Bande, und die Bäche Belials erschreckten mich; der Höllen Bande umfiengen mich, und des Todes Stricke überwältigten mich. Da mir Angst war, rief ich den Herrn an und schrie zu meinem Gott, da erhörte er meine Stimme von seinem Tempel, und mein Geschrei kam vor ihn zu seinen Ohren.- Du haft mir meine Klage verwandelt in einen Reigen, du hast meinen Sack ausgezogen und mich mit Freuden gegürtet, auf daß dir lobsinge meine Ehre und nicht stille werde. Herr, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit. Der Herr tödet und macht lebendig. Er führt in die Hölle und wieder heraus. Das ist mein Gott, ich will ihn preisen. Er ist meines Vaters Gott, ich will ihn erheben. Halleluja. Gelobet sei Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der Vater der Barm Danksagung nach erlangter Gesundheit. 161 herzigkeit und Gott alles Trostes, der uns tröstet in aller unsrer Trübsal, daß wir auch trösten können, die da sind in allerlei Trübsal, mit dem Troste, damit wir getröstet werden von Gott! Halleluja. Amen. Aus den Gebeten Jonä( Kap. 2.) und Hiskiä( Jef. 38.). 63. Gelobt sei der Herr, denn er hat erhört die Stimme meines Flehens. Der Herr ist meine Stärke und mein Schild; auf ihn hofft mein Herz, und mir ist geholfen; und mein Herz ist fröhlich und ich will ihm danken mit einem Liede. ( Ps. 28.) Denn ich rief zum Herrn in meiner Angst, da antwortete er mir; ich schrie, und du hörtest meine Stimme und haft mein Leben vom Verderben geführt, Herr, mein Gott. dis Du ließest mich entschlafen und machtest mich leben. Ich sprach in meinem Elende: Meine Zeit ist dahin und aufgeräumt wie eines Hirten Hütte, und ich reiße mein Leben ab wie ein Weber; er sauget mich dürre aus; du machst es 7** Gebete für Krante. mit mir ein Ende den Tag vor Abend. ( Jef. 38.) 162 Ich sprach: Nun muß ich nicht mehr sehen den Herrn, ja den Herrn im Lande der Lebendigen: nun muß ich nicht mehr schauen die Menschen bei denen, die ihre Zeit leben. Ich dachte: Möchte ich bis Morgen leben. Aber er zerbrach mir meine Gebeine wie ein Löwe; denn du machst es mit mir aus den Tag vor Abend. Ich winselte wie ein Kranich und wie eine Schwalbe und girrte wie eine Taube: meine Augen wollten mir brechen. Ich werde mich scheuten all mein Lebtage vor solcher Betrübnis meiner Seele. siehe, da meine Seele verzagte, gedachte ich an den Herrn, und mein Gebet kam vor dich in deinen heiligen Himmel. ( Jon. 2.) Aber Ich hatte viel Bekümmernis in meinem Herzen, aber deine Tröstungen ergößten meine Seele.( Ps. 94, 19.) Siehe, um Trost war mir sehr bange, du aber Danksagung nach erlangter Gesundheit. 163 hast dich meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe; denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück. Denn die Hölle lobt dich nicht, so rühmt dich der Tod nicht, und die in die Grube fahren, warten nicht auf deine Wahrheit, sondern allein, die da leben, loben dich, wie ich jetzt thue. Der Vater wird den Kindern deine Wahrheit kund thun.( Jef. 38.) Ich will dem Herrn Dank opfern; meine Gelübde will ich dem Herrn bezahlen, daß er mir geholfen hat. Ich will ihm Lieder singen, so lang ich lebe im Hause des Herrn. Ihm, dem getreuen, allmächtigen, gnädigen, wahrhaftigen und allein weisen Gott sei Lob, Ehr und Preis gesagt in alle Ewigkeit. Amen. - 300 64. Barmherziger Gott, ich danke dir von ganzem Herzen, daß du mich so väterlich gezüchtigt und doch dem Tode nicht übergeben, sondern deinen Zorn wieder von mir abgewendet und das Licht deines Antliges über mich erhoben hast, daß ich nicht 164 diodd Gebete für Krante.go im Tode entschlafen bin. Herr, es ist mir gut, daß du mich gedemüthiget hast, auf daß ich deine Rechte lerne. Freilich ist es mir sehr gut, daß du mich in meinen Sünden nicht immer haft fortfahren laßen, sondern mich durch die ausgestandene Krankheit zurückgezogen und mir doch wieder geholfen hast. Nun lob mein Seel den Herren", und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Herr, wie kann ich dir vergelten diese und andere Wohlthaten, so du mir erzeiget haſt? Ich will dich loben allezeit; dein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Meine Lippen und meine Seele, die du erlöset hast, sollen sich freuen und dir lobsingen. Verleihe mir, o Herr, deine Gnade, daß ich stets an diese Züchtigung gedenke, damit ich hinfür nicht fündige und mir eine neue Ruthe binde; sondern mit der neuen Gesundheit in ein neues Leben trete, durch Jesum Christum! Amen. bin phi and find modrs him soll Danksagung nach erlangter Gesundheit. 165 hd 65. Ach großer, barmherziger, wahrhaftiger Gott und Vater, ich sehe und erfahre, was ich längst aus deinem heiligen Worte vernommen habe, nemlich daß du nahe bist bei denen, welche dich in ihren Nöthen und Anfechtungen treulich und kindlich anrufen, und sie nicht verläßeſt, sondern ihnen Kraft gibst, ihr Kreuz zu tragen, und es ihnen zugleich schwer machst, bis du sie genug geprüft, gedemüthigt und zu dir gezogen hast, sie hernach gnädiglich zu erlösen und zu erfreuen, auf daß du von ihnen herzlich gelobet und gepriesen werdest, und sie fortan in keinen Nöthen an deiner Güte zweifeln, sondern stark werden in Glauben und Hoffnung, Dafür sage ich dir durch deinen Sohn Jesum Christum, unsern Herrn, Lob und Dank ohne Aufhören und bitte dich als den einigen Nothhelfer und Tröster im Namen deines allerliebsten Sohnes Jesu Christi und um deiner Wahrheit und Ehre willen, du wollest mich in meiner Schwachheit weiter stärken und erhalten bis zur end 166 Gebete für Krante. lichen Erlösung und Befreiung, auf daß ich dich, mein Gott und Herr, mit allen Gläubigen in Ewigkeit loben und preisen möge! Amen. One piotümods bilgiding bordell ad and un nuoris mdö monist mi. ptraj troit muodno), lojist muistando moniod do no2 6 002 plo( bió shid omg nompose and asfjör 2 milion de dins todonuth ald og 190790 Tomiom ni him. Hollout and on ug aid usilodts dins molib III. Gebete für Sterbende. A. Allgemeine Sterbensgebete. 1. Tägliche Todesbereitung. 66-72. 2. In Anfechtung der Sünden. 73. 74. 3. Wider die Verzweiflung. 75. 76. 4. Gläubiges Halten an Christo. 77. 5. Das Credo auf dem Sterbebette. 78. 6. Um Beständigkeit in der ungewissen Todesstunde. 79. 80. 7. Um Versöhnlichkeit und das Heil der ganzen Welt. 81, 82, 8. Die Sprache des Evangeliums vom Tode zu verstehen. 83. 9. Wider die Furcht des Todes. 84. 85. 10. Um einen seligen Abschied. 86. 11. Um das Ende des Leides und den Anfang der ewigen Freude. 87. 12. Gebet eines Kranken, dessen Kräfte schwinden. 88. 13. Gebet eines alten Mannes um ein seliges Ende, 89. 14. Um das ewige Leben. 90. 15. Sehnsucht nach der ewigen Heimath. 91. 92. 16. Um den jüngsten Tag. 93. 17. Um herzliches Verlangen nach Christo. 94. 18. Sehnsucht, daheim zu sein bei dem Herrn. 95. 19. Gewißheit des ewigen Lebens. 96. 20. Eines Sterbenden friedlicher Abschied aus der Zeit. 97. 21. Freude des ewigen Lebens. 98-101. 22. Fröhliches Gespräch eines Herzens, welchem gegeben ist, mit Freuden heimzufahren. 102. B. 23. Jn der Stunde des Todes. 103-129. C. In den letzten Zügen. 24. 3wei Gebete. 130, 131. 25. Kurze Seufzer der Alten. 132-149. 26. Dret Vater unser, in Sterbesnöthen zu beten, mit andern schönen Gebeten und den acht Versen St. Bernhards. 150-157. D. Anhang. 27. Vor dem letzten Abendmahlsgenuß. 158-162. 28. Gebete nach dem letzten Abendmahlsgenußğ. 163-165. 29. Danksagung für die heiligen Sakramente und Bitte um das göttliche Wort bis ans Ende. 166. 30. Erinnerung an die heilige Taufe. 167. Der Erden Leben ist ein Tod, Erfüllt mit Kummer, Kreuz und Noth: Der Tod kann erst ein Leben geben. Wer selig in dem Herren stirbt, Der lebt im Sterben und erwirbt Ein unvergleichlichs Freudenleben, Das unserm Geist bleibt unbekannt, Bis er gelangt ins Himmelsland. Da ruht er dann in sanfter Raſt, Befreit von aller Arbeitslast: Ihm folgen seine Tugendwerke. Da reicht ihm Gott die Palmenkron, Und er erhebt im höhern Ton Des Höchsten Gnad und Preis und Stärke, Der ewig- heilig wird genannt. O selig- schönes Freudenland. Ach Gott, am letzten Ende Dich gnädig zu mir wende! advocat and my bi M. Christian Scibers Geistlich gesinnter Patient. 1. Tägliche Todesbereitschaft. 66.* Himmlischer, lieber Vater, es ist dein ernster Wille, daß ich bei guter Gesundheit und Vernunft, sonderlich aber in Krankheit mich bereiten und schicken soll, von diesem Jammerthal selig und wann dir gefällt abzuscheiden, damit mich der Tod nicht etwa unversehens überfalle, und ich in unbußfertigem Leben dahinsterbe wie die Gottlosen. Ach Herr, zu solcher Bereitung bin ich so gar langsam und trägen Herzens! Hilf du mir selber durch deinen heiligen Geist, daß ich mich bei Zeiten bereite zu sterben, daß ich dein Wort immerdar vor Augen habe, desselben mich tröste, darnach in allem meinen Thun mich richte, dich täglich in wahrem Rauchopfer. 8 170 Gebete für Sterbende. Glauben an Christum, deinen Sohn, anrufe, mich fleißig zum Sakramente halte, alle Sünde, so viel möglich, abschaffe, mich mit meinem Nächsten versöhne und meinem Beruf christlich nachgehe, nicht behalte, was einem andern gebührt, und mein Weib, Kinder und Gesinde und alle, die du mir befohlen hast, zur Furcht Gottes halte und vermahne, daß ich in Krankheit für mich bitten laße, die Absolution und das heilige Sakrament empfahe und mich gänzlich deinem Willen ergebe und im Glauben, Hoffnung, Geduld und Anrufung beharre. Ach Herr, behüte mich, daß ich solches nicht spare und aufziehe von einem Tage zum andern oder gar bis die letzten Züge herbeigehen, da dann die Kraft gering wird, die Leibesschmerzen überhand nehmen und alle Anfechtungen größer werden; sondern hilf gnädiglich, daß ich in der Zeit, und zwar täglich, sonderlich in Krankheit, mich also schicke und bereite, daß ich auch wirklich bereit sei, wenn du mich von dieser elenden Welt abfordern willst, und Tägliche Todesbereitschaft. 171 dann fröhlich und selig im Herrn entschlafen möge. Amen. 67.* O gütiger Gott, du hast dem Menschen ein Ziel geseßt, welches er nicht übergehen kann. Er hat seine beſtimmte Zeit, die Zahl seiner Monden steht bei dir. Alle unsre Tage hast du gezählt, welche doch schnell dahinfahren, als flögen wir davon. Alle unsre Jahre sind wie ein Rauch oder Schatten, der plötzlich vergeht. Der Mensch ist doch wie Gras, das bald verdorrt, und wie eine Blume auf dem Felde, die verwelket. So lehre mich nun erkennen und bedenken, daß es ein Ende mit mir haben muß, und mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muß. Siehe, meine Tage sind eine Hand breit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben! Herr, lehre mich doch bedenken, daß ich sterben muß und allhier in dieser Pilgerschaft keine bleibende Statt habe. 8* 172 Gebete für Sterbende. Thue mir kund mein kurzes und vergängliches Wesen, daß ich oft und viel gedenke an mein Ende, auf daß ich in dieser Welt nicht mir selber, sondern dir lebe und sterbe, damit ich im Glauben wacker und fröhlich erwarte den Tag meiner Heimfahrt und der Erscheinung deines lieben Sohnes Jesu Christi und geschickt zu derselbigen mit heiligem Wandel und gottseligem Wesen eile. Begnadige mich mit einem seligen Abschied, wenn mein Stündlein kommt, daß ich selig sterbe, ein vernünftiges Ende nehme im wahren Bekenntnis, daß mein Verstand und meine Sinne nicht verrückt werden, und ich nicht aberwißige Reden oder Lästerworte wider dich, meinen Herrn, und wider meine Seligkeit führe. Behüte mich vor einem schnellen bösen Tod und vor der ewigen Verdammnis. Laß mich nicht plötzlich und unversehens mit meinem Stündlein überfallen werden, sondern mich zuvor mit wahrer Buße und rechtem Glauben bereiten, und wenn es kommt, so Tägliche Todesbereitschaft. mache mich freudig und unverzagt zu dem zeitlichen Tode, der mir nur die Thür aufthut zum ewigen Leben, und laß mich, deinen Diener, alsdann im Frieden fahren; 173 denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, welchen du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht zu erleuchten die Heiden und zum Preis deines Volkes Israel. Gib, daß mein letztes Wort das sei, welches dein lieber Sohn am Kreuz gesprochen hat: ,, Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist" und wenn ich nicht mehr reden kann, so erhöre mein legtes Seufzen, durch Jesum Christum! Amen. 68.* Hilf mir, mein Herr Jesu Christe, daß ich aller Güter und Herrlichkeiten dieser Welt gebrauche als ein Pilgersmann, der morgen wandern soll. Laß mein Herz nicht mehr begehren, als das liebe tägliche Brot zu meiner Nothdurft. Gib, daß ich genügsam sei und wie ein Schäflein mit Geringem und Wenigem fürlieb nehme. 174 Gebete für Sterbende. Behüte mich, daß ich mir ja keinen Mammon mache und mein Vertrauen auf nichts Vergängliches seze, damit es mir nicht hinderlich sei in meiner Sterbestunde. Hilf aber, mein Herr, und neige mein Herz, daß ich erwähle das rechte gute Theil, nemlich dich, meinen Erlöser, meinen Seligmacher, und an dir alle meine Lust und Freude habe. Verleihe mir, daß ich nur an meiner Seele reich und im Glauben herrlich und in dir fröhlich sei; so habe ich genug hie zeitlich und dort ewiglich, kann williglich die Welt segnen und fröhlich und unverhindert von hinnen scheiden. Amen. 69. Herr Jesu Christe, der du so willig und bereit warest zu deinem Leiden und deinem Vater gehorsam wurdest bis zum Tode, ja zum Tode des Kreuzes, und spracheſt: ,, Vater, nicht wie ich will, sondern wie du willst"; ich bitte dich, mein Heiland, gib mir allezeit ein gehorsam Herz, daß ich, wenn mein Stündlein da 175 Tägliche Todesbereitschaft. ist, mich willig ergebe und gerne sterbe. Du kennst, Herr, meine Blödigkeit und weißt, daß Fleisch und Blut solches nicht vermag. Herr, lenke mich nach deinem Willen, leite mich in deinen Fußstapfen, gib, daß ich mich dir mit Leib und Leben ganz vertraue. Mein Herr und mein Gott, du allertröstlichster Heiland, du bist gut, und alles, was du thust, ist gut, und hast es niemals böſe gemeint, niemals böse gemacht, du hast nie keinen verderbt, der auf dich gehofft hat. Hie bin ich, Herr, in deiner Gnadenhand. Leb ich, so leb ich dir; sterb ich, so sterb ich dir; ich lebe oder sterbe, so bin ich dein und werde ewig unverloren sein. Das ist gewislich war! Amen. ( Junger Leute.) 70.* Ach mein Gott, wie ist doch der Mensch gleich wie nichts! Wie fährt seine Zeit und alle seine Herrlichkeit dahin wie ein Schatten, und er weiß nicht, ob er jung oder alt sterben soll, kann sich auch Gebete für Sterbende. weder mit Gewalt, noch mit Reichthum wider den Tod schützen. Hilf mir, mein Gott, daß ich von meiner Jugend auf solches immerdar zu Herzen nehme, meinen Weg unsträflich wandle, und mich nach deinem Worte richte. Regiere mich durch deinen heiligen Geist, daß mein Herz nicht verkehret werde, daß ich nicht poche auf meine Jugend, noch mich verlaße auf Gesundheit und Stärke, auf Ehre, Reichthum und Schönheit. Gib, daß ich täglich die Hauptsumma aller Lehren und Gebote wohl betrachte: ,, Fürchte Gott und halte seine Gebote, denn das gehört allen Menschen zu: denn Gott wird alles Werk vor Gericht bringen, das verborgen ist, es sei gut oder böse". Mein Gott, schreibe mir solches in mein Herz, und gib, daß ichs nicht allein wiße, sondern auch thue und mich darnach richte bis an mein Ende. Amen. 176 71.* Herr Gott, laß mich sterben, damit ich aufhöre zu sterben. Tägliche Todesbereitschaft. 177 Tenn so lange wir hier leben, fühlen wir ohn Unterlaß des Todes Stachel, kranken und sterben alle Tage; aber wenn wir vor der Welt tod sind, da leben wir erst und dürfen uns in Ewigkeit vor keiner Gefahr und Sterben mehr fürchten, weil unser zeitlicher Tod ist ein Ende des Todes und ein Anfang des Lebens. Amen. 72. Wenn ich nach deinem gnädigen Willen aus diesem Leben abscheiden soll, so verleihe mir, o Gott, eine sanfte Hinfahrt, daß ich in wahrer Erkenntnis und Bekenntnis deines Sohnes, meines Herrn Jesu Christi, ruhiglich absterbe, nicht lange gepeinigt werde, daß ich im Frieden ruhe und endlich theilhaft werde der Auferstehung deiner Heiligen, dir fröhlich für alle deine Wohlthaten an Leib und Seele danke und dich sammt der ganzen himmlischen Kirche in alle Ewigkeit lobe und preise. Amen. Polykarpus. 178 Gebete für Sterbende. 2. In Anfechtung der Sünden. 73. Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm, denn deine Pfeile stecken in mir, und deine Hand drückt mich. Es ist nichts gesundes an meinem Leib vor deinem Dräuen, und ist kein Friede in meinen Gebeinen vor meiner Sünde. Mein Herz bebt, meine Kraft hat mich verlaßen, und das Licht meiner Augen ist nicht bei mir. Es hat mich Leiden umgeben ohne Zahl. Es haben mich meine Sünden ergriffen, daß ich nicht sehen kann: ihrer ist mehr, denn Haar auf meinem Haupt, und mein Herz hat mich verlaßen. Es haben mich umfangen des Todes Bande und Höllenangst hat mich getroffen. Siehe, mein Gewißen gibt Zeugnis und steht wider mich. Ich fühle eitel Todesangst und habe keine Ruhe vor dem schreck 179 In Anfechtung der Sünden." lichen Anblick der Hölle. Ich liege, wie im tiefen Waßer, da kein Grund ist, und stecke in tiefem Schlamm. Meine Seele ist voll Jammers und mein Leben ist nahe bei der Hölle. Ich liege geachtet gleich denen, die zur Hölle fahren. Mein Herz zagt und ängstet sich in meinem Leibe, und des Todes Furcht ist auf mich gefallen. Herr Gott, errette mich! Eile, mir zu helfen! Führe meine Seele aus der Höllenangst! Vergib mir all meine Sünden, aus welchen der Teufel eitel hohe, große Berge macht, hinter welchen ich deine Gnade nicht sehen soll. Laß mir doch einen Augenblick werden deiner Barmherzigkeit und beraube mich nicht deiner göttlichen Huld. Tröste mich wieder, mein Gott, auf daß mein Herz ge stillet und fröhlich werde. Du bist ja größer, als unser Gewißen, du kannst es, ob es uns gleich anklagt, doch durch dein Evangelium und fröhliche Botschaft wohl zum schweigen bringen, und wiewohl meine Sünden mächtig und blutroth sind, so ist Gebete für Sterbende. doch deine Gnade viel mächtiger und du kannst mich schneeweiß machen. So sei nun wieder zufrieden meine Seele! Was betrübst du dich und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, der meines Angesichtes Hilfe und mein Gott ist. Er wird dich aus der Angst reißen; denn der Herr thut dir Gutes. Er errettet dich aus allen deinen Sünden durch den unschuldigen Tod Jesu Christi, welcher das heilige unbefleckte Opfer für unsere Missethat geworden ist. Amen. 180 Dr. M. Luthers Seufzen in Anfechtung der Sünden. 74. Mein allerliebster Gott, wenn du es so willst haben, daß dies die Stunde sei, die du mir versehen hast, so geschehe dein gnädiger Wille! Darauf hat er seine Augen emporgehoben und mit großer Brunst seines Herzens das Baterunser und den sechsten Psalm gar ausgebetet und darnach gesagt: Mein allerliebster Gott, du biſt ja ein Gott der Sünder und Elenden, die ihre Angst, Noth und Jammer fühlen Wider die Verzweiflung. 181 und deiner Gnade, Trost und Hilfe herzlich begehren, wie du sprichst: Kommt her zu mir, Alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken". Herr, ich komme auf deine Zusage, ich bin in großer Angst und Noth, hilf mir um deiner Gnade und Treue willen! Amen. 3. Wider die Verzweiflung. 75. O Herr Jesu Christe, mehre meinen Glauben und mein Vertrauen in dich, daß ich nicht an deiner göttlichen Gnade verzage und nicht in der allergrößesten Sünde, dem Unglauben, verzweifle. O Herr, davor behüte mich! Deine im heiligen Evangelium verheißene Gnade laß nicht aus meinem Herzen kommen. Du bist mein einziger Trost 182 Gebete für Sterbende. und Hoffnung. Stehe mir bei in dieser Angst. Laß meine arme Seele nicht in die Hände meiner grausamen Feinde kommen, und gestatte ihnen keine Gewalt über mich, sondern beweise an mir deine Güte zu dieser Stunde, denn du bist mein Seligmacher und Erlöser. 76.* Barmherziger Gott, leider habe ich oft deine heiligen Gebote überschritten, dich meinen Gott und Herrn verachtet, erzürnet und heftig beleidigt. Darum ist mir mein Gewißen hart beschwert und verwundet, daß ich darob fast kleinmüthig und zaghaft bin. Wiewohl mir dein heilig Wort Vergebung meiner Sünden aus lauter Gnaden unwiderruflich zugesagt, so ist doch mein Glaube schwach und der Teufel stark, der mir gerne allen Trost stehlen und aus dem Herzen reißen wollte. Darum ruf ich zu dir, o heiliger Vater, laß mich an deiner göttlichen Gnade nun und nimmermehr verzagen, daß ich nicht in die allergrößten Sünden des Unglaubens Wider die Verzweiflung. 183 und der Verzweiflung falle, oder darein verwillige. Stärke mich, daß ich mitten im Tode auf dich, mein Leben, hoffe, und an deiner Barmherzigkeit und Hilfe nicht verzage, auf daß ich nicht, wie der gottlose Cain, meine Sünden größer achte, denn daß sie mir könnten vergeben werden. O Christe, Gottes Sohn, du lebendiger Brunn aller Gnaden, der du überfließest mit eitel Quellen der Barmherzigkeit, zu dir rufe ich von ganzem Gemüthe: mehre meinen Glauben auf dein heiliges, bitteres Leiden und Sterben. Denn das ist je gewislich und unwidersprechlich wahr, daß ein einiges Tröpflein deines allerheiligsten Blutes, für mich vergoßen, viel kräftiger und mächtiger ist, denn alle meine größten und mächtigsten Sünden. Sieh mich an mit den Augen deiner Barmherzigkeit, wie du den lieben Petrus angesehen hast, nachdem er dich verleugnet und sich verflucht hatte, auf daß ich nicht wie Judas, der Verräther, verzweifle und Sünde wider den heiligen Gebete für Sterbende. Geist begehe. O Gott, heiliger Geist, du milder Schaß, stehe mir bei in meiner legten Noth! Wenn mich der böse Feind anklagt, und mein Gewißen mich beschuldigt, wenn mich erschreckt der Höllen Anblick und ich mit eitel Todesnöthen und greulichen Anfechtungen umfangen bin, wenn mich die ganze Welt verläßt und alles wider mich steht; so tröste mich, daß meine Hoffnung mir nicht entfalle. Bekräftige mein Herz mit deinem Zeugnis und Versiegelung, daß ich festiglich glaube eine Vergebung der Sünden, die mir und allen, so der Verheißung Gottes trauen, widerfahren wird. Laß mich des Bundes meiner heiligen Taufe eingedenk sein und mich der Verheißung: Wer glaubt und getauft wird, der wird selig werden" von Herzensgrund annehmen und trösten. Amen. 11 184 Gläubiges Halten an Chrifto. 185 4. Gläubiges Halten an Chrifto. 77. Herr Jesu Christe, wenn ich dich und dein theures Verdienst betrachte, so habe ich einen großen tröstlichen Haufen wahrer Zeugen deiner herzlichen Liebe und meiner ewigen Seligkeit. Ich habe an dir, so oft ichs bedarf, ein ganzes Heer von Zeugen. Sehe ich deine Person an, so bist du nicht allein wahrer Gott, sondern auch ein wahrhaftiger Mensch mir zu Ehren und Nuß: ist das nicht ein gewaltiger Zeuge meiner Seligkeit? Wenn ich deine Rede höre, so viel Worte, so viele Zeugen habe ich, daß ich nicht soll verdammt werden. Wenn ich deine Wunder beschaue, so viele Wunderwerke, so viele Zeugen habe ich, daß ich in keiner Noth soll verlaßen werden. Sehe ich dich im Delgarten, so viel Blutstropfen, so viel Zeugen fallen auf die Erde, daß meine Sünden gebüßt sind. Beschaue 8** 186 Gebete für Sterbende. ich dich im Richthause, so viele Striemen bei deiner Geißelung an dir bluten, so viel Zeugen sagen mir deines Vaters Gnade zu. Wende ich mich zu dir ans Kreuz, so kann ich die Zeugen meines Trostes nicht zählen. Deine Dornenkrone bezeuget, daß mir soll die Krone der Ehren geschenkt werden. Deine aufgespaltete Seite zeugt von deiner und deines Vaters ungefälschter herzlicher Treue. Deine Wunden zeugen, daß ich Gottes Kind sein soll; dein Tod zeugt, daß ich soll leben; dein Grab zeugt, daß ich im Grabe nur soll ruhen; deine Auferstehung und Himmelfahrt zeugt, daß ich soll aus dem Grabe gehen zur ewigen Freude. Herr Jesu, an dir hab ich genug zum Leben und zum Sterben. Du wollest dich ja allezeit meinem Herzen zeigen, so habe ich einen großen, gewünschten Zeugenhaufen, welcher mich alles meines Trostes kräftig versichert und überzeugt. Dafür sei, o Herr Jesu, dir ewiges Lob und Dank gesagt! Amen. Das Credo auf dem Sterbebette. 5. 187 Das Credo auf dem Sterbebette. 78. Ich glaube an Gott Vater, allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erden. Ich sehe meinen Trost, Hoffnung und Zuversicht allein in die bloße Gnade und Barmherzigkeit Gottes, daß mir derselbige allein. und keine Kreatur, sie sei, so heilig sie immer wolle- helfen kann in aller meiner Noth und Angst. Und weil er mein Vater ist, so glaub ich festiglich, daß er mir von Herzen gerne helfen wolle und mir Beistand thun in aller meiner Noth und mich nimmermehr verlaßen weder hier noch dort. Und weil er allein ein allmächtiger Herr ist, so glaube ich, daß er mich könne beschirmen und erhalten vor allem, das mir zuwider ist. Denn er allein meinen Feinden stark genug ist durch seine Allmacht. Gebete für Sterbende. Und weil er auch ist ein Schöpfer Himmels und der Erden, so glaube ich, daß er alle Kreaturen in seiner Hand habe, daß mir derselben keine einen Schaden zufügen kann, ohne seinen väterlichen Willen. Darum bin ich allein von diesem allmächtigen Herrn, Vater und Schöpfer, gewärtig aller Güter und des ewigen Lebens. Denn all Ding allein von ihm kommt und gegeben wird. Ja, er will sich ſelbst ganz und gar mir geben mit allem, was er ist und hat, mit Himmel und Erde, sammt allen Kreaturen, daß sie mir dienen und müße sein müßen und mich fördern zum ewigen Leben. 188 Ich glaube an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem heiligen Geiste, geboren aus Maria, der Jungfrau, gelitten unter Pontio Pilato, gekreuzigt gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstan Das Credo auf dem Sterbebette. 189 den von den Todten, aufgefahren gen Himmel, sigend zur rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und Todten. Ich glaube von Herzen, daß Jesus Christus, des Vaters eingeborner Sohn von Ewigkeit, habe um meinetwillen die Menschheit an sich genommen, sei vom heiligen Geiste ohne Manneszuthun empfangen und von der heiligen, reinen Jungfrau Maria, als von einer rechten natürlichen Mutter geboren, daß solcher Mensch sei wahrhaftig Gott, als eine ewige unzertrennliche Person, aus Gott und Mensch geworden. Ich glaube auch, daß solcher Gottesund Marien- Sohn, unser Herr Jesus Christus, habe für mich armen Sünder gelitten, sei für mich gekreuzigt und gestorben, damit er mich von den Sünden, Tod und ewigem Zorn Gottes durch sein unschuldiges Blut erlöst hat. Er hat für mich des Todes Angst selbst erlitten und die ewige Hölle selbst empfunden und über 190 Gebete für Sterbende. wunden, auf daß ich mit Gott versöhnt und aller meiner Feinde Herr würde. Ich glaube, daß ich ohne dies Sterben des Sohnes Gottes, unsers Herrn Jesu Christi, weder mit Werken, noch mit Verdiensten Gottes Gnade und die Seligkeit erlangen kann. Ich glaube, daß Christus Jesus, mein Bruder, vom Tode sei erstanden um meiner Gerechtigkeit willen und mir den Tod und die Hölle gefangen genommen habe, daß sie mir nimmer schaden können. Denn ich bekenne, daß ich des ewigen Todes sterben müßte, wo mir Christus Jesus nicht zu Hilfe gekommen wäre und meine Sünd und Schuld, Vermaledeiung und den ewigen Tod als ein unschuldiges Lamm auf sich genommen hätte, für mich durch sein Leiden nicht bezahlt und für mich die Vermaledeiung wäre worden. Ich glaube, daß er noch täglich für mich stehe und mich vertrete, als ein treuer, barmherziger Mittler, Heiland und einiger Priester und Bischof meiner Seele. Das Credo auf dem Sterbebette. 191 Ich glaube, daß Christus mit Gott zugleich alle Dinge regiere und erfülle, aller Dinge auch gewaltig sei im Himmel und auf Erden, ein Herr über alle Herren, König über alle Könige, auch über alle Kreaturen im Himmel, auf Erden und unter der Erden, über Tod und Leben, über Sünde und Gerechtigkeit. Derselbige König und Herr wird mir vorgehen in meinem Leiden und Sterben, für mich streiten und kämpfen, damit ich sammt ihm ein Herr werde über alle meine Feinde immer und ewiglich. Ich glaube, daß der gekreuzigte Christus zukünftig werde sein am jüngsten Tag und alle die richten und verdammen, welche nicht an ihn geglaubt haben, mich aber sammt allen Gläubigen behüten vor dem strengen Urtheil der ewigen Verdammnis und zu uns sagen: ,, Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt"! 192 Gebete für Sterbende. Ich glaube an den heiligen Geist, Eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen. Das ist: Ich glaube an den heiligen Geist, der mit Vater und Sohn ein wahrhaftiger Gott ist und vom Vater und Sohne ewiglich kommt, doch in Einem göttlichen Wesen und Natur eine unterschiedliche Person. Ich glaube, daß ich durch denſelben, als eine lebendige, ewige, göttliche Gabe, mit dem Glauben werde geziert, vom Tode auferweckt, von Sünden gefreiet, und fröhlich und getrost, frei und sicher im Gewißen gemacht. Denn das ist mein Truß, wenn ich solches Geistes Zeugnis in mei nem Herzen empfinde, daß Gott will mein Vater sein, meine Sünde vergeben und ewiges Leben schenken. Ich glaube, daß der heilige Geist helfe meine Schwachheit tragen und mich vertrete mit unaussprechlichem Seufzen, mich Das Credo auf dem Sterbebette. 193 stärke und mein Herz erleuchte, zu erkennen die überschwänglichen Reichthümer der väterlichen Barmherzigkeit, die er, der Vater, mir gegeben und geschenkt hat aus lauter Gnaden, ohn all mein Verdienst, allein um Christi, seines lieben Sohnes, willen, durch welchen mir solches vom Vater geschenkt wird. Dies alles aber gibt mir allein der heilige Geist zu erkennen, entzündet mein Herz und erleuchtet es, daß mir solch Geschenk von oben herabkommt, wie mir Christus verheißt, da er sagt: „ Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von des Leibe werden Ströme des lebendigen Waßers fließen". Ich glaube, daß eine heilige, christliche Kirche sei auf Erden, d. i. die Gemeinde und Zahl oder Versammlung aller Christen und Heiligen, darin Ein Gott, Ein Herr, Ein Geist, Ein Glaube, Eine Taufe ist, welcher Kirche einiger Bräutigam und Gemahl ist Christus Jesus, unser Heiland. Ich glaube, daß die Kirche sei der Rauchopfer. 9 194 Gebete für Sterbende. geistliche Leib, und Christus sei ihr einiges Haupt. Ich glaube, daß Christus dieses seines Leibes, seiner Kirche, Heiland sei und sich selbst für sie gegeben habe, auf daß er sie heiligte, und habe sie gereinigt durch das Waßerbad im Wort, auf daß er sie ihm ſelbst darstellete, eine heilige Gemeinde, die nicht habe Flecken oder Runzel oder des etwas, sondern daß sie heilig sei und unsträflich, ein Pfeiler und Grundveste der Wahrheit. Ich glaube, daß in dieser Christenheit, und wo sie ist, da ist Vergebung der Sünden, da ist ein Königreich der Gnaden und des rechten Ablaßes, und daß außer solcher Christenheit ist kein Heil, noch Vergebung der Sünden. Ich glaube, daß niemand selig werde, er sei denn in dieser Gemein und Kirche als ein lebendig Glied an seinem Leibe eingepflanzt.ibr Ich glaube, daß in diesem Reiche nicht nur Ein Mal Vergebung der Sünden sei, sondern so oft mans begehret und holet, Das Credo auf dem Sterbebette. 195 denn Christus ist wie ein Arzt und Krankenwärter, der nichts thut, denn der Kranken warten, ihnen aushelfen, sie stärken und gesund machen, und wie Jes. 42 sagt:„ Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen, und das glimmende Docht wird er nicht auslöschen". Ich glaube eine Auferstehung des Fleisches, daß mein Leib, den die Würmer freßen sollen, wieder auferstehen werde, wie er zuvor gewesen ist; denn Christus wird ihn am jüngsten Tage auferwecken laut seiner Weißagung, da er spricht:„ Das ist der Wille des, der mich gesandt hat, daß, wer den Sohn siehet und glaubt an ihn, habe das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage", und:„ Wer mein Fleisch ißt und trinkt mein Blut, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage". Ich glaube, daß nach diesem Leben ein ewiges Leben sein werde, daß ich mit Christo immer und ewiglich leben werde, laut seiner Zusage, da er spricht: ,, Wahrlich, 9* 196 Gebete für Sterbende. wahrlich, sage ich euch, wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist schon vom Tode zum Leben hindurchgedrungen"; und: „ Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben"; und:" Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, so jemand mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich"; desgleichen:„ Ich bin das lebendige Brot( spricht Christus), vom Himmel kommen; wer von diesem Brote eßen wird, der wird leben in Ewigkeit". Amen. 356 6. Um Beständigkeit in der ungewissen Todesstunde. 79. O Herr, ewiger Gott, in dem all unser Heil und Trost steht, du bist der Anfang und das Ende aller Dinge, vor welchen du ewig warest und nach denen Um Beständigkeit in der ungewissen Todesstunde. 197 du ewig sein wirst, dem allein unser Ende bewußt ist. Ich bitte dich, du wolleft mir Gnade verleihen, daß ich allezeit durch Betrachtung meines letzten Endes in der Liebe und Furcht möge wachsen, und wollest mich in wahrem, rechtem Glauben, Liebe und Hoffnung erhalten und weder Anfechtung des Teufels, des Fleisches, der Welt, der Marter, noch der Bein am Ende meines Lebens mich laßen überwinden, daß ich etwa ihrethalben möchte verzagen oder verzweifeln an deiner Gnade und Barmherzigkeit. Du wollest mir aus väterlichem Herzen mittheilen das zarte unschuldige Leiden und Sterben Jesu Christi, unsers Herrn, deines geliebten Sohnes; dessen Tod und Marter wollest du nehmen für meine Buße. O guter Vater, halte mich in deiner Hut und thue meiner armen Seele wohl, ehe mir mein Herz zerbricht, und mein Mund nimmer spricht; ehe sich meine Augen verwenden, komm mir zu Hilf, o Vater aller Barmherzigkeit, durch das Wort, welches Jesus, Gebete für Sterbende. dein lieber Sohn, unser Herr, an seinem letzten Ende in höchster Marter und Pein zu dem Schächer gesagt hat:„ Heute wirst du mit mir im Paradiese sein", mit welchem ich, o Vater, meinen Geist befehle in deine Hände. Amen. 198 80. Allmächtiger Gott, himmlischer Vater, weil Trübsal bei geübten Christen bringt Geduld, Geduld bringt Erfahrung, Erfahrung bringt Hoffnung, Hoffnung aber läßt nicht zu Schanden werden; so bitte ich dich, der du bist meine Zuversicht von meiner Jugend an, da ich noch an meiner Mutter Brüsten war, meine Burg und mein Gott, auf den ich hoffe, du wollest mich in keinerlei Widerwärtigkeit laßen zu Schanden werden, sondern mich trösten durch dein seligmachendes Wort, daß ich nicht verschmachte in meinem Elend. Beweise an mir deine wunderliche Güte, du Heiland derer, die dir vertrauen. Dein heiliger Geist vertrete mich aufs beste mit unaussprechlichem Um Beständigkeit in der ungewissen Todesstunde. 199 Seufzen, auf daß ich von Herzen sagen möge: Was betrübst du dich meine Seele? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichtes Hilfe und mein Gott ist". Siehe, du läßest mich erfahren viele und große Angst und machst mich wieder lebendig und holst mich wieder aus der Tiefe der Erde. Dut machst mich sehr groß und tröstest mich wieder. Warum sollte ich denn nicht auf dich hoffen, weil du so gnädig bist? Warum sollte sich mein Herz nicht freuen, daß du so gerne hilfst? Ja, wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde, und wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Theil. Bewahre mein Herz vor fündlichem Vertrauen auf menschlichen Arm. Behüte mich vor Vermeßenheit auf eigene Werke und Verdienst. Laß mich nicht hoffen auf den ungewissen Reichthum, sondern auf dich, den lebendigen Gott, der uns dargibt reichlich allerlei zu genießen. Gib, Gebete für Sterbende. daß in Lieb und Leid mein Herz allein an dir hange, auf daß keinerlei Trübsal, Angst oder Gefahr von dir mich scheide. Erfülle mich mit allerlei Freude und Frieden im Glauben, daß ich völlige Hoffnung habe durch die Kraft des heiligen Geistes, und dadurch eine gute Ritterschaft übe und dir getreu bleibe bis in den Tod, damit du mir die Krone des Lebens gebest, nemlich die ewige Freud und Seligkeit, die mir dein lieber Sohn durch sein theures Verdienst erworben hat, welchem mit dir und dem heiligen Geiste ſei Lob und Ehre in alle Ewigkeit. Amen. 200 7. Um Versöhnlichkeit und das Heil der ganzen Welt. FO 81.* Ach, himmlischer Vater, weil ich durch den Glauben an den Namen Jesu dein Kind geworden bin, so gib mir, in Um Versöhnlichkeit und das Heil der ganzen Welt. 201 Wahrheit deinem Befehle nach zu thun, nemlich den Feind zu lieben, die mir fluchen, zu segnen, zu bitten für die, die mich beleidigt haben. Herr, ich will ihnen allen gänzlich verziehen haben. Weil aber mein Herz mir unerforschlich ist, und ich etwa ohne es zu wißen noch einen Neid in mir tragen möchte; so bitte ich, du wollest mein Herz erforschen und erfahren, und so es an einem Orte fehlete, daß mir geholfen würde. Denn wie du, Vater, deine Sonne aufgehen läßest über Böſe und Gute, auch regnen über Gerechte und Ungerechte, also begehre ich jedermanns Heil nach deinem göttlichen Willen. Mein Gott und Herr, wie gerne wollte ich, daß es jedermann wohlgienge, besonders denen, die um deines Wortes willen in Banden liegen und verfolgt werden. O gerechter Gott, so du meinen Feinden Gutes thust, warum sollte ich es ihnen nicht gönnen? Dein Wille geschehe, nicht der meinige. Verschaffe auch, lieber Vater, durch deinen heiligen Geist, daß die, die ich beleidigt 202 Gebete für Sterbende. habe, mir auch vergeben, ihren Seelen zu Nuß. Mir ist ja leid, daß ich jemals jemand vervortheilt, betrogen oder geärgert habe. Herr, sei uns allen gnädig und barmherzig, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn und Heiland! Amen. monis der nation 82.* Herr, himmlischer Vater, ich bitte dich durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, verzeihe allen, die mich je mit Worten, Werken oder Gedanken beleidigt haben, und gib ihnen in ihr Herz, daß auch sie und alle, die ich je beleidigt habe, mir verzeihen. Denn es reut mich und thut mir leid, daß ich je christliche Liebe gebrochen und nicht im Frieden nach deinen Geboten und deinem Willen gelebt habe. Ach lieber Vater, erbarme dich aller gefangenen, armen, bekümmerten, kranken und betrübten Menschen, und tröste die ganze Welt und führe sie zur Erkenntnis deines heiligen Wortes, daß sie lernen Um Versöhnlichkeit und das Heil der ganzen Welt. 203 erkennen deinen Willen und wandeln in deinen Geboten, daß dein heiliger Name auf der ganzen Erde groß und heilig werde in aller Menschen Herzen. Erwecke in ihnen dein Reich, daß alle Menschen auf Erden nach deinem Willen leben mögen, wie die lieben Engel im Himmel. Speiſe die Leiber, speise die Seelen mit deinem heiligen Worte, welches ist das wahre, lebendige Himmelsbrot selbst, das aus dem Himmel herabgestiegen ist, Jesus Christus. Wer davon ißet, d. i. von Herzen glaubt, den wird nimmermehr hungern noch dürsten, denn es tilgt aus den Hunger der Seelen und wirket Vergebung der Sünden und lehrt uns auch von Herzen verzeihen allen denen, die uns beleidigen. Herr, allmächtiger Vater, wollest mich nicht in Versuchung kommen laßen in meinen Todesnöthen, sondern wollest mich erlösen von dem Uebel, das ist vom Teufel, aller seiner List und dem Greuel des Unglaubens, und um deiner Ehre willen, o du, des die Kraft, Herrlichkeit und das Reich ist, mir 204 Gebete für Sterbende. Armen väterliche Treu erzeigen in Christo Jesu, meinem Erlöser! Amen. naise uf Istmid 8. Die Sprache des Evangeliums vom Tode zu verstehen. 83.* Herr Gott, heiliger Geist, nimm du mein Herz ein und erfülle es mit der tröstlichen Gnade meines Herrn Jesu Christi. Lehre mich nun auf meinem Sterbebette unterscheiden Gesetz und Evangelium, nicht fürchten die gestrengen Worte des Gesetzes vom Tode, sondern lehre mich die heilsame, trostreiche Sprache des Evangeliums verstehen. Laß mich dieselbe nicht allein mit den Ohren vernehmen und mit dem Munde nachsprechen, sondern hilf, daß ich allezeit, sonderlich in der Stunde meines Abschieds, glaube und Wider die Furcht des Todes. empfinde, daß ich nicht sterbe, sondern im Frieden entschlafe, nicht ins Grab, sondern in meine Kammer gelegt werde, nicht verwese, sondern ruhe und raste, bis du mich wieder auferwecken wirst. So lege ich mich nun, Herr Jesu in deine Arme, wie ein Kind in die Arme seiner Mutter, befehle dir meine Seele, schlafe ein und ruhe so fein, indes deine Augen wachen und deine Hand und dein Geist mir Leib und Seele behüten! Gelobt sei dein heiliger Name! Amen. 205 # 9. Wider die Furcht des Todes. fot 84. Herr Jesu Christe, der du gestorben und vom Tode wieder erstanden bist, und mich auch vom ewigen Tod erlöset und den zeitlichen in einen sanften 206 Gebete für Sterbende. Schlaf verwandelt hast: ich bitte dich, mein Gott, gib, daß ich mich vor dem Tode nicht zu hart entsege, noch vor dem finstern Grabe zu sehr fürchte, sondern einschlafe, wann es dir gefällt, und in mein Ruhebettlein gehe, wann du willst, mit gewisser, fröhlicher Hoffnung, daß ich deine Stimme bald hören, aus dem Grabe hervor in das ewige Leben eingehen werde, da lauter Schönheit, Freude die Fülle und liebliches Wesen sein wird zur Rechten Gottes immer und ewiglich. Amen. O trauter Heiland! Amen. 85. O du frommer Gott, herzliebster, einiger, ewiger Vater, wie ist doch unsere verderbte Natur wegen der anklebenden Sünde so voll Schrecken und Furcht, daß wir uns alle natürlicher Weise vor dem Tode entsetzen und viele Menschen das Sterben für ihr Verderben halten, da doch der Tod denen, die dich von Herzen lieben, ein süßer Schlaf ist, und sie, obwohl sie sterben, den Tod nicht schmecken, sondern Wider die Furcht des Todes. durch den Tod zur Unsterblichkeit und zum ewigen Leben hindurchdringen, weil dein Sohn Christus Jesus, unser einiger Heiland, dem Tode seine Macht genommen hat, dem Tode ein Gift und der Hölle eine Pestilenz geworden ist. Ich bitte dich von Grund meines Herzens, verleihe mir deinen heiligen Geist, stärke damit mein blödes und furchtsames Herz, daß ich vor dem Tode ja nicht erschrecke und seine Bitterkeit in Ewigkeit nicht mehr schmecke, sondern denselben mit gläubigen Augen nach deinem Worte anschaue und darum ihn halte für meinen Gewinn, der viel mehr trägt, als Gold und Silber, für meine Ruhe, da ich armer Tagelöhner. nach der mühseligen Arbeit alles Elends Feierabend mache, für meine Friedensfahrt, da ich aus dem Kriege und stätigen Kampfe mit so viel Feinden werde beurlaubt, für meine heilsame Arznei, die alle Krankheiten und Siechtage endet, ja für eine Thür des ewigen Lebens, für eine - - - 207 208 Gebete für Sterbende. Pforte der Ehren, für einen sichern Hafen des ewigen Vaterlandes, für einen Geburtstag der künftigen Seligkeit, ja für eine große Wohlthat, auf daß ich also nach einem seligen Stündlein ein herzlich Verlangen trage und mit dem alten Tobias wünsche: ,, Ach Herr, erzeige mir Gnade, und nimm meinen Geist weg im Frieden; denn ich will lieber todt sein, denn leben". Vollbringe deinen heiligen und allezeit guten Willen an mir, mein Gott, um deiner ewigen Liebe willen. Amen. ude 600 Sin this sim 10. en Um einen seligen Abschied. 86. 86. Herr Christe, du einziges Heil der Lebendigen und ewiges Leben der Sterbenden, deinem allerheiligsten Willen unterwerfe und ergebe ich mich ganz und Um einen seligen Abschied. gar, und stelle es dir heim, ob dir gefällig sei, meine arme Seele in dieser armen Hütte meines Leibes zu deinem Dienste länger zu erhalten, oder aber, daß sie von hinnen scheide. Denn ich bin gewiß, was deiner ewigen Barmherzigkeit vertraut und empfohlen ist, das wirst du nicht zu Grunde und untergehen laßen. Darum will ich dies mein elendes, schwaches, zerbrechliches und mühseliges Fleisch willig und billig übergeben und hinlegen mit Hoffnung und Zuversicht der fröhlichen Auferstehung, in welcher ich mit meinem Leibe werde viel herrlicher und seliger begabt werden. Diese meine arme Seele, bitte ich, Herr Jesu Christe, wollest du durch deine Gnade und Barmherzigkeit wider alle Anfechtungen und Versuchungen befestigen und stärken, und wider alle List und Vorwürfe des leidigen Satans mich umringen mit dem Schilde deiner ewigen Barmherzigkeit, wie du vor Zeiten deine lieben heiligen Märtyrer wider allerlei grausame 9** 209 Gebete für Sterbende. Pein, wider Marter und Tod unüberwindlich erhalten hast. Ich sehe wohl, daß ich mir selber ganz und gar nicht helfen kann; allein in deine unaussprechliche Güte und Barmherzigkeit setze ich alle meine Hoffnung und Vertrauen. Ich habe kein gutes Werk, noch Verdienst, welches ich vor dir anziehen und hervorheben könnte; Uebel und Arges aber sehe ich leider mehr denn zu viel. Darum alleine durch deine ewige und neutestamentliche Gerechtigkeit hoffe ich zur Zahl der Gerechten gezählt zu werden. Denn mir bist du geboren, um meinetwillen hast du Hunger und Durst gelitten, mich hast du gelehrt, für mich hast du gebetet und gefastet, um meinetwillen hast du so viele gute Werke gethan in diesem Leben, so viel Elend, Noth und Jammer ausgestanden, und für mich dein kostbares Leben in den Tod gegeben. So laß mich nun, allerliebster Herr Jesu Christe, dessen genießen, was du mir mit freiem, gutem Willen geschenkt haſt, nämlich deiner selbst, o meine Gerechtigkeit. 210 Um einen seligen Abschied. Dein theures Blut wolle abwaschen alle meine Uebertretung und Missethat. Deine Unschuld decke meine Schuld, durch dein Verdienst wollest du mich dem obersten Richter zu Gnaden befehlen, und wenn das Uebel überhand nimmt, so mehre deine Gnade in mir, auf daß mein Glaube nicht wanke, die Hoffnung nicht stammele, die Liebe nicht erkalte, die arme, schwache menschliche Blödigkeit durch die Schrecken des Todes nicht gar dahingerißen und unterworfen werde; sondern wenn die leiblichen Augen gebrochen sind, die Augen des Herzens und Gemüthes von dir nicht abgewendet werden, und wenn der Zunge ihr Gebrauch genommen, doch das Herz ohne Unterlaß zu dir schreien möge. Herr Jesu Christi, in deine Hände befehle ich meinen Geist! Dir sammt dem Vater und heiligen Geist sei Lob und Preis immer und ewiglich! Amen. 211 212 Gebete für Sterbende. 11. Um das Ende des Leides und den Anfang der ewigen Freude. 87. Herr Jesu Christe, die Stunde meines Abschieds nahet sich, meines Lebens Ende ist vorhanden. O wie herzlich gern will ich sterben und bei dir sein. Ich will diesen verweslichen und sündlichen Leib gern ablegen, daß du mich mit dem unsterblichen, geistlichen, unsündlichen wieder anziehest. Bis hieher bin ich nur ein Gaft und Pilgrim gewesen auf dieser Erden: nun aber nahe ich allererst zu meinem rechten Vaterland. Bis hieher habe ich auf dem ungestümen Meere in großer Gefahr, Noth, Trübnis und Elend mein Leben zugebracht; aber nun, Herr, komme ich zum Ufer und steige aus aufs Land, aufs Land der Lebendigen und aller Auserwählten. Bis hieher hab ich gelebt im finstern Thal, nun komm ich ans Licht. Um das Ende des Leides 2c. 213 So lange habe ich meine Zeit zugebracht in Jammer, Noth und Elend; nun geht meine Ruhe und Freude, nun geht erſt mein Leben an; so lange bin ich todt gewesen! Komm, du lieber Tod, ich bin unerschrocken vor dir; denn das mir nach dir folgen wird, des bin ich genugsam versichert. Komm, lieber Tod, und nimm mich hinweg! Führe mich zu meinem Herrn Christo, ich begehre hier nicht zu bleiben. Lege mich immer ins Grab hinein, wie du meinen Herrn Christum auch hinein gelegt haft: ich werde doch im Tode nicht bleiben, so wenig als mein Herr Christus. Ist mein Herr aus dem Grabe erstanden, so werde ich auch darin nicht verschloßen bleiben. Komm, lieber Tod, und säume nicht, ich warte dein. Du bist mein Eingang zum Leben, ein Ende aller meiner Trübsal, Krankheit, Jammer und Elends, ein Anfang aller meiner Wohlfahrt, Lebens und Seligkeit. Zwar bist du schrecklich anzusehen, Fleisch und Blut entsetzt sich vor dir; aber mein Herr Christus hat es Gebete für Sterbende. mit mir so weit gebracht, daß ich mich vor dir nicht mehr fürchte und entsege. Komm, mein Freund, komm, ich will vor dir nicht fliehen. Komm und thue mir auf das Fenster zum Licht und die Thür zum Leben, daß ich hineingehe und bei meinem Herrn Christo ewig lebe! Amen. 214 12. Gebet eines Kranken, desſen Kräfte schwinden. 88. Ach du barmherziger, ewiger, gütiger Gott, du Gott der Geister und des Fleisches, du Herr der Lebendigen und der Todten, du weißt, daß ich meine Seele von deinen göttlichen Händen empfangen habe, den Leib aber hast du von der Erde und Staub gemacht. Dieweil aber nunmehr die Zeit vorhanden ist, daß die Erde das Jhrige wiederum for Gebet eines Kranten, dessen Kräfte schwinden. 215 dert und begehret, so will ich hiemit den Leib der Erden bis zu seiner Zeit wiederum geben, die unsterbliche Seele aber, die du mit deinem heiligen göttlichen Munde in diesen meinen irdischen Leib geblasen hast, die auch dein geliebter Sohn Jesus Christus mit seinem heiligen Tode so theuer erkauft hat, die dir allein zugehört und dein eigen ist, in deinen gnädigen väterlichen Schuß und Schirm treulich befohlen haben, mit inniglicher Herzlicher Bitte, du wollest sie, weil sie von dir erschaffen und von dir herkommen iſt, für deine Kreatur und Geschöpf wiederum erkennen und annehmen um Jesu Christi meines einigen Heilandes willen, welcher mit dir und dem heiligen Geist, wahrer Gott, lebt und regieret in alle Ewigkeit. Amen. 216 Gebete für Sterbende. 13. Gebet eines alten Mannes um ein seliges Ende. 89.* Ach du mein herzlieber Herr und Gott, der du der Brunn des Lebens bist und unsern Odem in deiner Hand hast, Herr, ich bin voll Krankheit und Schmerzen, das Gedächtniß nimmt ab, der Verstand wird gering, meine Augen werden dunkel und starren vor Alter, mein Angesicht ist jämmerlich, mein Odem schwach, mein Herz ist matt, mein Gebein hanget an meinem Fleische. Ich gehe krumm und sehr gebückt, dazu ganz traurig, ich bin wie eine Haut im Rauch, meine Gelenke beben und haben keine Kraft mehr, denn meine Kraft hat mich verlaßen. Meines Herzens Freude hat ein Ende, mein Leben hat abgenommen vor Betrübnis, meine Tage sind dahingefahren wie ein Wind. Ach Herr, ich sehne mich nach dem Tode, wie sich ein Gebet eines alten Mannes um ein seliges Ende. 217 Knechte nach dem Schatten sehnt, und warte auf mein Ende, wie ein Tagelöhner auf den Feierabend. Ich habe Lust, die irdische Hütte abzulegen und bei Christo zu sein: gefällt es dir, so spanne aus, lieber Vater, spanne mich aus, ich habe mich in dieser argen Welt gar müde gearbeitet, ich begehre keines Lebens mehr, ich will lieber todt sein. Christus ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn. Herr, du hast meinem Leben ein Ziel gesegt, das werde ich nicht übergehen, erzeige mir die Gnade und nimm meine Seele im Frieden, schicke mich alt und lebenssatt zum Grabe. Herr, ich bin in des Todes Rachen und werde doch in des Todes Rachen nicht bleiben. Ich werde nicht aufwachen, noch aufstehen, so lange der Himmel bleibt, und werde doch in der Auferstehung der Todten mit allen Seligen auferstehn; bald werd ich nicht mehr leben und doch mit dir ewig leben. Laß mich nicht mit Unwillen und Qual, sondern willig und fröhlich sterben und ehrlich in Rauchopfer. 10 Gebete für Sterbende. mein Grab kommen. Gib mir zu seiner Zeit, du Fürst des Lebens, den Geist des Lebens wieder! Laß mich in der Auferstehung des Lebens auferwecket werden und zu deiner Freude und Herrlichkeit eingehen! Amen. 218 14. Um das ewige Leben. 90. Herr Jesu Christe, gib mir ein herzlich Sehnen und Verlangen nicht nach allem dem, was die Welt für herrlich, groß und köstlich hält, sondern allein nach deinem Reich, daß ich zu dir möge kommen und der ewigen Seligkeit theilhaftig werden. O selig, überselig, wen du in dein Reich angenommen und deiner ewigen Güter theilhaftig gemacht hast. Nur eins bitte ich von dir, Herr Jesu - Um das ewige Leben. Christe: mache es hie in diesem Leben mit mir, wie du willst, gib mir, was dir wohlgefällig, aber laß mich in deinem Hause wohnen und nimm mich auf in die ewigen Hütten. Hier ist doch nichts als Eitelkeit, alles vergänglich, Aſche und Staub: wer kann aber deines ewigen Reiches Freud und Herrlichkeit aussprechen? O Herr, regiere und leite mich durch deinen Geist, daß ich dieser Herrlichkeit nicht beraubet werde. Erhalte mich in deiner Furcht, Liebe und Erkenntnis, daß ich nach diesem Leben auch möge eingehen zu der künftigen Herrlichkeit, welche größer ist, als jemand hier auf Erden sagen oder denken kann. O Herr Christe, verleihe mir Geduld, daß ich alle Betrübnis und Widerwärtigkeit dieses Lebens möge überwinden in der Hoffnung der großen Herrlichkeit, welche du uns bereitet hast, und weil es nicht anders sein kann, denn dağ wir durch viel Betrübnis, Angst und Noth und Widerwärtigkeit eingehen zum ewigen Leben. Laß uns alles gering oder viel10* 219 220 Gebete für Sterbende. mehr für gar nichts achten, was wir hie müßen leiden und ausstehen, und unser Herz und Gedanken alleine wenden auf die folgende Freud und Herrlichkeit. Laß mich ja kein Unglück, Kreuz oder Widerwärtigkeit, auch keine zeitliche Lust und Liebe von diesem deinem Reiche abwenden, sondern gib mir deine Gnade, daß ich Tag und Nacht darnach denke und trachte, all meinen Trost, Freud und Hoffnung dahin stelle und nach dem rechten Vaterland ein herzlich Verlangen habe, nicht anders als ein Hirsch nach frischem Waßer! Amen. 91. Ach du mein herzlieber Herr und Gott, gleichwie der Hirsch begehret des Waßerbrunnens, also begehret meine Seele, Gott, zu dir; meine Seele dürſtet nach dem lebendigen Gott; wann werde ich doch dahin kommen und erscheinen vor Gottes Angesicht? Will denn nicht bald ein Ende haben mein kurzes Leben, auf daß ich in mein Ruhebettlein möge eingehen, darinnen Um das ewige Leben. 221 ich nicht werde wieder aufwachen, bis der Himmel zerbricht! Denn wenn ich gleich viel warte, so ist doch das Grab mein Haus. Eins bitte ich dich dazu gar herzlich: ach Herr, laß dir doch meine arme Seele, die du so theuer erkauft haſt, in meinen letzten und höchsten Nöthen empfohlen sein, und weil sie der Sünde halben noch in deiner göttlichen Ungnade haftet, so wollest du an deine grundloſe Barmherzigkeit und an das reichliche Verdienst deines eingebornen Sohnes, ja auch an die große Schwachheit meiner menschlichen Natur gedenken und deine väterliche Gnade jetzt nicht von mir abwenden; denn wer kann doch ein Bild, das von Ruß und Staub verderbt ist, beßer verneuern und zurecht bringen, als der Meister, der es gemacht hat? Wo soll und kann ich, deine arme Kreatur, auch anders Hilfe suchen, denn allein bei dir, meinem herzlieben Gott und Schöpfer? Darum hilf mir, denn die Angst ist nahe, und laß doch meinen Geist, den du mir gegeben Gebete für Sterbende. hast, wiederum zu dir gehen, so will ich dich loben für und für und deinen hochheiligen Namen preisen ewiglich. Amen. 222 15. Sehnsucht nach der ewigen Heimath. 92. allerliebster Herr Jesu, du bist ja meine Stärke, mein Trost, meine Zuversicht und mein Erlöser. Herr, meine Ehre und Ruhm, auf den ich traue, an den ich glaube, und den ich von Herzen lieb habe. Du bist meine Wonne, meine feste Burg und meine einige Hoffnung. O komm, lieber Herr Jesu, mein Bräutigam! Ich habe dich ja in meinem Herzen; ich laße dich nicht, bis du mich einführest in das Reich deiner Herrlichkeit. Du bist mein Erlöser, der mich zu Ehren setzet und mein Haupt aufrichtet, du bist Sehnsucht nach der ewigen Heimath. mein Heil und mein Segen: nimm mich auf, mein Gott, wie du aufnahmest den armen Schächer, der zu dir schrie, da du starbest am Kreuze. O komm, lieber Tod komm mit einem seligen Stündlein! O seliges Stündlein, wie verlangt mich nach dir, wie lieb bist du mir, wie sehne ich mich nach dir! O komm und zeige mir, den meine Seele liebet! O wie schön, wie lieblich bist du, du liebes, seliges Stündlein! Verzeuch nicht, bleibe nicht länger außen, denn die Tage meines Lebens haben ein Ende, und meine Jahre sind dahingefahren wie ein Schatten. Komm, mein Gott, und laß mich einen kleinen Vorschmack deiner Freuden empfinden. Blicke mich an mit deiner Gnade und hilf mir; erlöse mich aus diesem vielfältigen Elend und von der Hand meiner Feinde. Errette meine Seele aus dem Kerker dieses Jammerthales und bringe sie durch deine Gnade dahin, wo mein lieber Herr Jesus ist und herrschet. Ich habe ja bisher dies Elend bauen müßen, wie mein Vater 223 224 Gebete für Sterbende. Adam verdient hat. Ach, daß ich einmal eingehen sollte in den Lustgarten meines Herrn und die edlen Früchte seiner Gnade genießen! Lieber Tod, du bist wohl schwarz und greulich, aber mir bist du schön und D lieblich, freundlich und holdselig. komm, du liebes Stündlein! Komm, komm, mein Gott, komm mit einer seligen Heimfahrt und thue meiner Seelen auf die Thür des Lebens, die du aufgethan hast meinem Herrn Jesu, wie du mir auch durch ihn verheißen hast, auf daß ich im Frieden ruhe und meine Wohnung sei im ewigen Zion. Laß mich einmal ablegen das sterbliche Kleid meines Leibes, damit ich umgeben bin, und anziehen die Kleider des Heils und der ewigen Freude. O wie verlangt meine Seele nach ihrem Freunde, ja nach ihrem ewigen Bräutigam: meine Seele dürftet nach dir, meinem lebendigen Gott. Ei so höre doch das Seufzen des Gefangenen und rette mich von meinen Banden! Laß mich eingehen in den ewigen Weinberg des Herrn Zebaoth, -- Um den jüngsten Tag. daß ich nicht mehr in Sünden stehe! Amen. 225 16. müßig Herr Jesu! Siehe, ich komme zu dir. Olieber Herr Jesu, nimm auf, welchen du mit deinem Blut erworben und wieder erkauft hast! Amen. Hieronymus. Um den jüngsten Tag. 93. Herr Jesu Christe, eile doch und verzeuch nicht und bringe herzu den seligen Tag, da die Hoffnung unserer herrlichen Erlösung soll erfüllt werden; denn eben darum hast du uns heißen bitten im heiligen Vaterunser: dein Reich komme". Weil du uns denn solches zu bitten befohlen hast, so gib auch Gnade und Hilfe, daß wir fleißig darum bitten Gebete für Sterbende. und daneben feftiglich glauben, daß wir endlich zu solcher Herrlichkeit kommen werden. Gib auch, daß derselbige fröhliche, selige Tag unserer Erlösung und Herrlichkeit bald komme, und wir solches alles erfahren, wie wirs im Wort hören und glauben. Amen. 226 17. Um herzliches Verlangen nach Chrifto. 94. Herr Jesu Christe, mein Bruder, wahrer Gott und Mensch, Herzenskündiger, der du alle Winkel meines Herzens weißt und erforschest: du weißt, daß ich dich lieb habe, und du mir lieber bist, als Himmel und Erde und alles, was darin ist. Ich bitte dich um deiner Barmherzigkeit willen, durch welche du mich vom ewigen Tode erlöst hast, du wollest mir verleihen, daß Um herzliches Verlangen nach Christo. 227 ich immer und bis in alle Ewigkeit eine herzliche Begierde und Verlangen zu dir habe, und daß ich also möge lieben, daß alles vornehmen und thun, alle meine Gedanken, Worte und Werke, in Summa mein ganzes Leben allein auf dich, meinen einigen und höchsten Schatz gerichtet sei, und ich aller zeitlichen und vergänglichen Dinge vergeße, daß ich alle Stunden möge leben und wandeln, wie es dir gefällig ist, und wenn ich lang am Sorg- und Kreuzeskarren in dieser Welt geschleppet, daß ich nicht mehr fortziehen kann, so bitte ich von Herzen: ach Herr, löse auf, spanne aus und bringe mich zur Ruhe; ich will gern bei dir sein und dich von Angesicht zu Angesicht in ewigen Freuden anschauen. Solches verleihe mir gnädiglich um deines allerheiligsten Namens willen! Amen. 228 Gebete für Sterbende. 18. Sehnsucht, daheim zu sein bei dem Herrn. 95. Herr Jesu Christe, mein Trost und meine Wonne, wie verlangt meine Seele nach dir! Wie ein Hirsch schreit nach frischem Waßer, also schreit auch meine Seele nach dir. Meine Seele dürstet nach dir, meinem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, daß ich dein Angesicht schaue? Herr Jesu, du ewige Weisheit, du weißt meine Zeit, meine Tage stehen in deinen Händen. Ach wann? Sobald du willst, Herr Jesu! Mein Herz sehnt sich zur Ruhe, zur ewigen, lebendigen Ruhe, aus dieser Finsternis zum Lichte, aus dem Trauern zur Freude, aus der Unruhe zum Frieden, aus der Mühseligkeit zur Herrlichkeit, aus der Schwachheit zur Vollkommenheit. Herr Jesu, du weißt alle Dinge, du weißt auch, daß dich meine Seele herzlich lieb hat und trägt ein sehnliches Verlangen, dein - Sehnsucht, daheim zu sein bei dem Herrn. 229 Angesicht zu schauen. Sieh doch, allerliebster Heiland, wie fließen die Thränen der Liebe aus meinen Augen. Merke doch, daß meine Augen vor Freude weinen, und mein Herz vor Liebe krank ist, seufzt, dürstet, verlangt und wünscht, bei dir daheim zu sein und auf deinem Schooße, in deinen Armen zu ruhen. Mein Herr und Gott, wie wohl wird mir da sein! Fröhlich wird meine Seele und mit großen Freuden ausrufen: Hie ist gut ſein! Hie ist gut sein!" Herr Jesu, gedenke an mich in deinem Reich und sprich zu meiner Seele:„ Heute sollst du mit mir im Paradiese sein!" Amen. 19. Gewißheit des ewigen Lebens. 96. Herr Jesu Christe, du bist allein mein rechtes, einiges und ewiges Theil, 230 Gebete für Sterbende. das ich erwählt habe, und ich bin gewiß und in meinem Herzen versichert, es werde nicht von mir genommen werden. O du großer Bürge, wer wollte an dir verzagen? O du allmächtiger Hirte, wer will mich aus deiner Hand reißen? O du liebreicher Heiland, der du die Liebe selber bist, wer will mich von deiner Liebe scheiden? Du bist ja mein, und ich bin dein, du lebst in mir, und ich in dir. Tu haft mich manchen Freudenblick empfinden laßen und den Vorschmack der ewigen Wonne schon angezündet in meinem Herzen. Ja, Herr Jesu, ich fühle das Zeugnis deines heiligen Geistes in meinem Herzen, welcher Zeugnis gibt meinem Geiste, daß ich ein Kind Gottes und dein ewiger Miterbe bin. Du bist der Weinstock, und ich eine Rebe an dir. Du bist der Baum des Lebens, und ich dir fest eingepfropft durch meinen Glauben. Du bist der Bräutigam, und ich dein vertrautes Herz, mit dir verbunden, mit dir vereinigt, mit dir Gewißheit des ewigen Lebens. verknüpft durch einen ewigen unauflöslichen Bund, welchen keine Noth noch Tod, kein Teufel, keine Angst, kein Schrecken zertrennen soll ewiglich. Mein Herr, mein Gott, mein Hort, mein Trost, meine Lust, du Wonne meines Herzens, du Freude aller meiner Kräfte, wie soll ich an dir mich genugsam freuen? Wann werde ich dahin kommen, daß ich dein tröstlich Angesicht schaue? 231 O allerliebster, freundlicher Herr, dir leb ich, dir sterb ich, dein bin ich todt und lebendig, bin ganz versichert, versiegelt, bekräftigt, bestätigt, überzeugt in meinem Herzen, daß ich ein auserwählter Erbe bin der ewigen Seligkeit. Gelobt sei der Herr, mein Gott, der meine Seele so wohl versichert und getröstet hat! Amen. - 232 Gebete für Sterbende. 20. Eines sterbenden friedlicher Abschied aus der Zeit. od miin 900 97. 97. mein Gott und Vater, du läßest mich nun gehen den Weg alles Fleisches und meinen armen Leib durch Krankheit und Schmerzen so sehr geschwächt werden, daß ich nichts anderes vor mir sehe, als einen seligen Feierabend meines Lebens. mind Wohl mir und aber wohl, o himmlischer Vater, daß ich nun zur Ruhe komme von aller meiner Arbeit und errettet werde von allem Bösen, vornemlich daß nun die Sünde mit mir wird absterben, und ich bald kommen werde in die Gesellschaft der vollkommenen Gerechten im Himmel. Ich danke dir mit demüthigem Herzen für alle deine Wohlthaten, mit welchen du mich in meinem Leben überschüttet haſt, und daß du mich als ein Glied deiner Eines Sterbenden friedlicher Abschied aus der Zeit. 233 Kirche bei deinem heiligen Wort und Sakramenten so gnädig erhalten, behütet und beſchirmt hast, mich auch jetzt durch Krankheit und den Tod allgemach bei der Hand nimmst, um mich in dein himmlisches Haus einzuführen. Sei mir ein gnädiger Gott und rechne mir meine vielfältigen Sünden nicht zu, sondern rechne mir zu die Gerechtigkeit Jesu Christi, welche ich mit wahrem Glauben ergreife, und laß mich in dem theuern, vollkommenen Verdienste desselben sterben und ewig selig werden. Ich befehle dir und deiner väterlichen Gnade alles, was ich bin und habe, wie denn auch alles dein ist und ich alles von dir empfangen habe. Ich befehle dir meinen schwachen Leib, daß du die Schmerzen desselben linderest und milderest und ihm bald helfest zu seiner Ruhe. Ich befehle dir meine seufzende und kämpfende Seele, daß sie von den bösen Geistern befreit, von den guten Engeln bald getragen werde in Abrahams Schooß. Ich befehle dir auch alle meine hinterlaßenen 10** Gebete für Sterbende.. 907913 Freunde: sei du ihr Gott und führe sie zu seiner Zeit auch in dein seliges Reich. Erhöre mich, mein Gott, um Jesu Christi willen! Amen. 234 im schor Gm Ho@ 21. in monis in Freude des ewigen Lebens. door m 98. Ach Ach Herr, wie dürftet meine Seele! Tränke sie mit deinem Troste, o du Brunnquell des Lebens! Ach, wie schmachtet, wie dürstet meine Seele nach dir, Herr, mein Gott! Wann soll ich kommen und erscheinen vor deinem Angesichte? Mich gelüstet, zu schauen deine Klarheit, und mein Herz hat groß Verlangen nach deiner Güte! d Augustinus. 1905) med mod jierjed 303901 Opt Freude des ewigen Lebens. 99. O Jesu von Nazareth, erbarme dich mein! O du Sohn Davids, erbarm dich mein! O du Brunnquell der Gnaden, erbarm dich mein! Erhöre den Kranken, der dich anschreit! Herr, du wahres Licht, der du vorübergehst, warte des Blinden, der dich anruft! Reiche mir deine Hand, daß ich zu dir komme und in deinem Lichte das ewige Licht sehen möge! Amen. Bernardus Clarivallenfis. 235 100. O mein Gott, du wahrhaftiger Gott, ich bitte dich, gib mir, was du mir verheißen hast, nemlich daß meine Freude vollkommen werde. Indes verleihe mir, daß mein Herz ohn Unterlaß daran gedenke, meine Zunge ohne Unterlaß darnach trachte, mein Mund ohn Unterlaß davon singe, meine Seele darnach hungere, mein Fleisch und Blut darnach dürfte, und alles, was an mir ist, ein sehnlich Verlangen darnach trage, bis Gebete für Sterbende. ich vollends eingehe, mein Herr, zu deinen Freuden und daselbst bei dir ewig bleibe! Amen. 236 * 101. Freue dich, meine Seele, die du durch Christi theures Blut erlöset bist, freue dich in Gott, deinem Heiland. Gehe mit Lot aus Sodom und sich dich nicht um; gehe aus Egypten durch das rothe Meer in das Land, darin man Milch und Honig speist; sieh gen Himmel und vergiß der Erden. Du bist zum Himmel erlöst, zum Himmel geheiligt, zum Himmel erwählt. Dein Bürgerrecht ist im Himmel, da ist dir schon ein Sig zubereitet. Lege gern ab dein unrein Fleisch, die schwere Bürde: es steht dir der Himmel offen, wie bei der Taufe Christi. Thut dir die Auflösung wehe, leide dich ein wenig, es ist um eine kleine Zeit zu thun. Dulde und leide; es ist beßer, eine kleine Zeit dies leiden, als länger in dieser Welt gepeinigt werden. Du wirst nicht sterben, sondern leben und Gottes Freude des ewigen Lebens. Werk verkündigen. Mit dir, mein Leib, hat es die Gelegenheit, daß von Gott beschloßen ist, daß du wiederum zur Erden werdest, davon du gemacht bist, wie dir solches zuvor durch so viel und mancherlei Krankheit angezeigt und verkündigt iſt. Darum gib dich zur Ruh, geh in deine Kammer, schließ die Thür nach dir zu, verbirg dich einen kleinen Augenblick, bis der Zorn vorübergehe. Deine Verwesung wird deine Reinigung sein, du wirst herrlich wieder hervorkommen. Du wirst gesäet in Unehre, aber auferstehen in Herrlichkeit. Du hast getragen das Bild des irdischen Adam, du wirst auch tragen das Bild des himmlischen: in deinem Fleische wirst du Gottes Angesicht sehen. Du wirst voller Freude sein, wenn du auferwecket wirst. Nach seinem Bilde wirst du gewißlich auferstehen und nich verloren werden deinem Herrn, der da ist Gebein von deinem Gebein und Fleisch von deinem Fleische. Wenn er dich wieder hervorrufen wird, wirst du ohne alle Ver- 1 237 Gebete für Sterbende. hinderung hervorgehen. Der da Lazarum, welcher schon in Verwesung übergegangen war, wieder lebendig und frisch hervorgebracht hat, wird solche Kraft auch in deiner Auferstehung beweisen. Du leidest jetzt Marter und Bein: es ist um ein kleines, so wirst du frei sein und zur Ruhe kommen. Es komme nur der Tod und löse auf, was nach dem Falle aufgelöst werden muß; er wird mir kein Schade sein, sondern ein Gewinn: also komm ich zu Frieden und ewiger Freude. tun sodo ardentini 238 Nur, o Sohn Gottes, mein Heiland, der du mich aus der Hölle gerißen haft und erlöst aus der Hand des Todes, stehe mir bei an meinem letzten Ende. Zu dir erhebe ich mein Gemüth und meine Hand und mein mattes Herz. Dich rufe ich an, der du in das Elend unsers Fleisches herabgefahren bist, daß ich gen Himmel aufführe, der du gestorben bist am Kreuze, daß ich, wenn ich sterbe, wieder lebe. Verlaß mich nicht, mein Gott; weiche nicht Freude des ewigen Lebens. von mir, eile mir zu helfen, du Herr meines Heils. Du Wort des ewigen Vaters, hilf, daß aus meinem Herzen nicht entfalle dies Wort: Das ist das ewige Leben, daß sie dich, daß du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen", für den Christ, d. i. daß er gesalbt ist zu einem Hohenpriester und König. Hilf auch, daß ich nicht vergeße, daß du zum Schächer an seinem legten Ende gesagt haft:„ Heute wirst du mit mir im Paradiese sein". Hilf, daß meine Seele sanft, still und friedlich aus ihrer Herberge abscheide und mein Geist zu dir gehe, der du das Leben bist. In deine Hände befehle ich meinen Geist, du hast mich erlöset, Herr, du treuer Gott. PRAUS Du hast meine Seele aus dem Tode gerißen, meine Augen von den Thränen, meinen Fuß vom Gleiten. Ich will wandeln vor dem Herrn im Lande der Lebendigen. Hab ich schon übel gelebt, so weiß ich doch, daß du dich mein erbarmet hast, daß du mein Gott und mein Bruder 239 Gebete für Sterbende. bist, mein Leben und meine Arznei, mein Heiland und meine Freude, meine Ehre und mein Triumph. Nun läßest du deinen Diener im Frieden fahren, denn meine Augen haben dich, mein Heiland, gesehen. Ich begehre abzuscheiden und bei Christo zu sein. Die Welt hat mir Mühe genug gemacht, ich ziehe heim in mein herzliebes Vaterland, in den Himmel. O Herr, ich warte auf dein Heil. Zukomme dein Reich!. Erlöse uns vom Uebel! Amen. 240 22. misd Fröhliches Gespräch eines Herzens, welchem gegeben ist, mit Freuden heimzufahren. 90034 100 102 102. Ja, mein Herr Jesu Christe, du bist für mich gestorben, du hast mir deinen Vater versöhnt, du hast meine Sünde gebüßt, du hast den Tod verschlungen und mir das ewige Leben erworben. Das glaub ich von Herzen und halte mich an dich 18 Fröhlicher Abschied. 241 festiglich. Darum habe ich in meinem Herzen Friede und Freude, Trost und Wonne und achte des Todes nicht. Ja, Herr Jesu, durch dich habe ich Vergebung aller meiner Sünden, bin vor Gott gerecht und rein, habe an ihm einen gnädigen lieben Vater, bin sein liebes Kind und Erbe seines Himmelreichs. Mein Herr Jesu, ich bin dein Eigenthum, du haft mich erkauft mit deinem Blute und erlöst aus der Hölle. Ja, du bist mein Bruder, und ich dein Miterbe; denn alles, was du hast, ist auch mein. Ja, ich bin deine herzliebe Braut und völlig dein, du haft mich theuer erworben. Auch bin ich ein Tempel und Wohnung deines heiligen Geistes, durch welchen ich versiegelt und versichert bin im Glauben. Ja, dein Geist hat mich mit dir, meinem Herrn, also verbunden, vereinigt un so fest verknüpft, daß ich auch bin Bein von deinem Bein, und Fleisch von deinem Fleische, und es müßten eher alle Kreaturen zu Grunde gehen, ehe mich etwas von deiner Rauchopfer. 11 242 Gebete für Sterbende. Liebe scheiden sollte. Was sollte mir denn der Tod thun? Wahrlich nichts mehr, denn daß er mich näher zu dir, meinem Herrn Jesu, brächte. Terhalben achte ich des Todes gleich wie nichts, habe das Leben im Herzen und rede von nichts, als vom Leben. Denn Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn. Ja, ich singe und sage mit dem lieben Hiob: Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, er wird mich hernach aus der Erden auferwecken, und werde darnach mit dieser meiner Haut umgeben werden, und werde in meinem Fleische Gott sehen. Denselben werde ich mir sehen, und meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder". Herr Jesu Christe, du weißt, daß ich auch an dich glaube, und mit solchem meinem Glauben dir fest anhange; ja, auch ich weiß, daß ich an dich glaube und finde die Süßigkeit deines Trostes, ja den Vorschmack des ewigen Lebens in meinem Herzen. Du bist in mir und ich in dir; alles was dein ist, das ist auch mein, nemlich Leben, Fröhlicher Abschied. 243 ewige Wonne und Freude: was achte ich des Vergänglichen? Wenn ich nur dich habe, so habe ich alles, was mich hie zeitlich und dort ewiglich erfreuen mag. Weg mit allen zeitlichen Lüsten, mit aller Herrlichkeit dieses Lebens und allen vergänglichen Dingen. Herr Jesu, du bist meine Wonne, du bist meine Freude, du biſt mein Reichthum, du bist meine Ehre, mein Ruhm, meine Herrlichkeit, meine Lust und ewiger Ueberfluß. Herzlich lieb habe ich dich, Herr, meine Stärke, Herr, mein Fels, meine Burg, mein Erretter, mein Gott, mein Hort, auf den ich traue, mein Schild und Horn meines Heils und mein Schuzz. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde, und wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Theil. Solcher Glaube, solche Liebe gegen dich, mein Herr Jesu, hat mein Herz also eingenommen und mich also gestärkt, daß mir alle Dinge, auch der Tod selber, zum besten dienen müßen. 11* 244 Gebete für Sterbende. Laß kommen das Stündlein, wann du willst: ich weiß und bin gewiß, daß ich an dir und durch dich habe das Leben und volle, ewige Genüge. Hosiana! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Halleluja! 23. In der Stunde des Todes. 103. Herr, ewiger Gott, himmlischer Bater, weil es ja dein Wille ist, und es dir also gefällt, daß ich jetzt sterben soll, so geschehe dein Wille. Hie bin ich, lieber Vater! Ich danke dir für alle deine Wohlthat, die du mir im Leben erzeigt haſt, sonderlich aber für diese Wohlthat, daß du mir deinen lieben Sohn Jesum Christum durch dein Wort haft geoffenbart, daß ich ihn habe lernen erkennen und nun gewiß weiß, daß er mein Heiland, Erlöser und In der Stunde des Todes. 245 Seligmacher ist, der mir mit seinem Leiden und Sterben deine Gnade und Huld erworben hat. Ich bitte dich auch, sei mir gnädig und vergib mir alle meine Sünden, mit denen ich mein Leben lang wider dich gesündigt habe. Es ist mir alles herzlich leid, so weit ichs denken kann. Vergib mirs nach deiner großen Barmherzigkeit um deines lieben Sohnes Jesu Christi willen, wie du in deinem Worte verheißen hast, wie ich denn auch allen denen von Herzen vergeben habe, die wider mich jemals gehandelt haben, und laß dir meine arme Seele befohlen sein. Ich befehle dir auch alle, die du mir in dieser Welt befohlen hast, sonderlich mein armes Weib zc.; du wollest hinfort ihr Vater sein und sie versorgen, wie du denn zugesagt hast, daß du willst ein Vater der Waisen und Richter der Wittwen sein. Herr, dein Wille geschehe! In deine Hände befehle ich meinen Geist, du hast mich erlöset, du getreuer Gott! Amen, 1597, Gebete für Sterbende. 104. Allmächtiger, barmherziger, himmlischer Vater, zu dir rufe ich in dieser meiner großen Noth. Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe. Verlaß mich nicht, dein armes Geschöpf! O treuer Gott! ich hoffe auf dich. Gedenke, o Herr, nicht der Sünde meiner Jugend noch meiner Uebertretung, gedenke aber mein nach deiner großen Barmherzigkeit und Güte, die von der Welt her gewesen ist. Verwirf mich nicht von deinem Angesichte, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Ach Herr, die Angst meines Herzens ist groß, führe mich aus meinen Nöthen. Sieh an meinen Jammer und Elend und vergib mir alle meine Sünde. Meine Seele dürstet nach dir, nach dem lebendigen Gott, wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht schaue? Errette mich bald, dein armes Kind, verkürze mir des Todes Qual. Laß mich, o Gott, von dir nicht abgeschieden werden, Erhalte mich in wahrem Glauben. 246 In der Stunde des Todes. 247 11 Dein guter Geist, der stärke mich und stehe mir bei, daß ich nicht wanke noch verzage. Dir, mein Gott, befehle ich meinen Leib und Seele; du hast sie erkauft, o treuer Gott, dir gehört sie allein, hole sie nur bald wieder heim und reiß sie aus des Todes Qual, führe sie zu dir ins Himmels Saal durch Jesum Christ, der allzeit ist mein einger Trost und ewigs Heil, meins Herzens Freud und bester Theil, auf den ich scheid aus allem Leid, ins Reiche dein aus dieser Pein. Auf Seinen Namen sprech ich das Amen". Amen. Herr Jesu! Amen. 105.* Allmächtiger, ewiger, barmherziger Herr und Gott, der du bist ein Vater unsers lieben Herrn Jesu Christi, ich weiß, daß alles, was du zugesagt hast, du auch halten willst und kannst. Dut kannst nicht lügen. Dein Wort ist wahrhaftig. Du hast mir im Anfang deinen lieben Sohn Jesum Christum zugesagt. Derselbige ist kommen und hat 248 Gebete für Sterbende. mich vom Teufel, Tod, Hölle und Sünde erlöset. Darnach zu mehrer Sicherheit hast du aus gnädigem Willen die Sakramente der heiligen Taufe und des Altars, seinen wahren, natürlichen Leib und Blut im Brot und Wein mir geschenkt, darin mir angeboten Vergebung der Sünden, ewiges Leben und himmlische Güter. Auf solch dein Anerbieten habe ich derselbigen gebraucht und im Glauben mich auf dein Wort fest verlaßen und sie empfangen. Deshalb zweifle ich nun gar nicht, daß ich wohl sicher und zufrieden bin vor dem Teufel, Tod, Hölle und Sünde. Iſt dieses meine Stunde und dein göttlicher Wille, so will ich mit Fried und Freude auf dein Wort gerne von hinnen scheiden und dahin fahren in deinen Schooß! Amen. Dr. Martin Luther. 106. Herr Jesu Christe, mein Leben, meine Zuflucht, mein einiger Trost, mein Erlöser und Seligmacher, auf den ich alle meine Hoffnung und Vertrauen seze, nimm In der Stunde des Todes. 249 dich meiner gnädig an! Du bist ja mein Schöpfer, du hast mir das Leben gegeben, du hast mich aufs neue wieder geschaffen, da ich in Sünden gestorben. Du hast mir unaussprechliche Gnade und Barmherzigkeit erzeigt. Herr, laß mich dir in Gnaden befohlen sein! Thue mir auf die Thür zum Leben! Du Sohn David, erbarme dich mein, erleuchte meine Augen, daß ich nicht im Tode entschlafe. Laß mich in deinem Lichte von hinnen abscheiden zum ewigen Lichte! Herr, ich warte auf dich! Komm, Herr Jesu Christe, wann du willst, und verseße mich aus diesem elenden Leben in die ewige Herrlichkeit und Seligkeit! Amen. 107.* Ich habe übel gelebt und bekenne, daß ich durch mein Verdienst das Himmelreich nicht erlangen kann. Aber mein Herr Jesus Christus hat das Himmelreich durch zweierlei Recht: einmal durch die Erbschaft des Vaters, daß er der eingeborene Sohn Gottes ist, vom Vater ge 250 Gebete für Sterbende. boren in Ewigkeit, und das Himmelreich ererbt hat; zum andernmal durch das Verdienst seines Leidens, daß er der Jungfrau Sohn ist, und das Himmelreich durch sein heilig unschuldig Leiden erworben hat. Das erste Recht zum Himmelreiche, daß er natürlicher, ewiger Erbe dazu ist, behält er für sich; das andere Recht aber, daß ers durch sein Leiden erworben hat, schenkt er mir. Desselben Geschenkes nehme ich mich an und werde nicht zu Schanden. Amen. Bernardus Claravallenfis. 108.* Lieber Herr Jesu, ich weiß, wenn ich aufs beste gelebt habe, so habe ich doch verdammlich gelebt. Aber des tröste ich mich, daß du für mich gestorben bist und mich besprengt hast mit deinem Blute aus deinen heiligen Wunden. Denn ich ja auf dich getauft bin und dein Wort gehört habe, durch welches du mich berufen und mir Gnade und Leben zugesprochen haft und mich heißest glauben. Darauf will ich dahin fahren, nicht in In der Stunde des Todes. 251 dem ungewissen ängstlichen Zweifel und Gedanken: ,, Ach, wer weiß, was Gott im Himmel über mich urtheilen will"; denn ich lebe nun des gnädigen Urtheils, das Gott über und wider des Gesetzes Urtheil vom Himmel gegeben hat: Wer an den Sohn Gottes glaubt, der hat das ewige Leben"! 11 109.* Lieber Herr Jesu Chriſte, ob ich gleich das Gesetz nicht erfülle und obschon noch Sünde vorhanden ist, und ich mich vor dem Tode und der Hölle fürchte; so weiß ich doch dies aus dem Evangelio, daß du mir alle deine Werke geschenkt und gegeben hast. Des bin ich gewis, du lügst nicht, deine Zusage wirst du wahrhaftig halten, und zum Zeichen habe ich die Taufe empfangen. Darauf verlaß ich mich. Weil du denn, lieber Gott, mein bist, so will ich gerne sterben, denn also gefällt es dir, lieber Vater, und der Tod kann mir nicht schaden: er ist verschlungen im Sieg. Und dir, lieber 252 Gebete für Sterbende. Herr Gott, sei Dank, der du uns den Sieg gegeben hast durch unsern Herrn Jesum Christum! Amen. Dr. Martin Luther. 110. Lieber Vater, wiewohl ich nicht weiß, wo ich hinfahren soll, oder wo die Herberge ist, doch weil ichs versucht habe, was der Glaube ist, so will ich wieder an dem Wort hangen. Du haſt mir fortgeholfen, da ichs auch nicht sehen oder begreifen konnte, so wirst du auch jetzt helfen. Amen. Dr. Martin Luther. 111. Lieber Gott, in deiner Hand steht meine Seele, du hast sie erhalten in meinem Leben, und habe noch nie erkannt, wo du sie hingesetzt hast; darum will ich auch nicht wißen, wo du sie jehund hinthun wirst. Das allein weiß ich wohl: sie steht in deiner Hand, du wirst ihr wohl helfen. Amen. Dr. Martin Luther. In der Stunde des Todes. 253 112. Herr, ich weiß niemand weder im Himmel, noch auf Erden, zu welchem ich eine tröstliche Zuflucht möchte haben, denn zu dir durch Christum. Ich muß mich nackend ausziehen von allen( fremden) Werken und Verdienst. Herr, ich habe keine Zuflucht, denn zu deinem göttlichen Schooß, darin der Sohn sitzt. Wenn ich die Hoffnung nicht habe, ſo ists verloren. Dr. Martin Luther. 113. O Herr, unser Leben ist nichts anders, als eine mühsame und beschwerliche Wanderschaft, unsere Lebenstage sind wenig und böse; ich bin ihrer überdrüßig wegen meiner Sünde. O lieber Gott, ich bitte dich, wie Elias unter dem Wachholderbaum: Es ist genug, Herr, daß ich so lange gelebt habe in diesem Jammerthal! Nimm meine Seele in deine gnädige Hand; denn ich bin nicht beßer, denn meine Väter. Amen. Gebete für Sterbende. 114.* Herr, du siehst, wie arglistig der Satan ist, der sich nicht damit begnügt, daß er wie ein brüllender Löwe in diesem Leben herumgehe und suche, wen er verschlinge, sondern, wenn deine Kinder am schwächsten und ihrem Elende am nächsten sind, ihnen am meisten zusetzt. Du wolleft ihn von mir hinwegtreiben und meine Seele von ihm erretten. Er will mich mit dem Tode erschrecken, den meine Sünden verschuldet haben, aber tröste du meine Seele mit deinem heiligen Geiste, und laß sie deinen Trost fühlen und des ewigen Lebens gewiß sein, welches du mir durch dein Blut erworben hast. Mildere meine Schmerzen, mehre in mir den Glauben und die Geduld, und so es dein heiliger Wille ist, so mache meines Jammers ein Ende, denn meine Seele bittet dich herzlich mit dem alten Simeon: Herr, nun wollest du deinen Diener im Frieden laßen dahinfahren, wie du ihm verheißen hast. 254 In der Stunde des Todes. 255 115.* Herr Jesu, der du biſt die Auferstehung und das Leben, wer an dich glaubt, der wird leben, ob er schon stirbt. Ich glaube, daß ich wieder werde auferweckt werden, obschon nach meinem Tode mein Leib in der Erde wird verzehrt werden. Ich werde dich sehen, mein Herr und mein Gott, in diesem meinem Fleische. Verleihe mir die Gnade durch dein bitteres Leiden und Sterben, daß ich an demselben Tage einer von denen sein möge, zu welchen du die holdseligen Worte sprechen wirst: Kommet her, ihr Gebenedeiten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt". Amen. 116.* Ach mein allerliebster Herr Jeſu Christe, bleibe bei mir, denn es will Abend werden und die Tage meines betrübten Lebens haben sich geneigt. Die Lippen meines Mundes können sich vor großer Schwachheit nicht mehr bewegen. Meine Zunge kann dein heilig Lob nicht mehr aussprechen. Der kalte Todesschweiß dringt 256 Gebete für Sterbende. mit Gewalt herbei. Darum, o treuer Heiland, laß mich in dieser meiner letzten Noth nicht umkommen, noch verzagen. Hast du mich doch die Zeit meines mühseligen Lebens nie verlaßen. Ach, so verlaß mich doch nicht erst jetzt in dieser meiner größten Noth! Komm mir zu Hilfe, du treuer Gott, denn es ist sonst kein Helfer, als du, Herr, allein. Gedenke, daß ich ein Glied bin an deinem Leibe. Laß mich im Frieden hinfahren, und laß mir dein heilig Wort eine Leuchte sein zum ewigen Leben. Bleibe mit deinem heiligen Geiste bei mir, bis sich Leib und Seele von einander scheiden. Erhalte mich bei guter Vernunft. Verkürze mir die Qual des Todes, und laß mich, wie Stephanum, den Himmel offen sehen. Erquicke mich mit der Kraft deines blutigen Schweißes am Delberge in diesem meinem legten Ende, und nimm mich mit Gnaden von diesem Leben und Jammerthal zu dir in die ewige Glorie! Amen. In der Stunde des Todes. 257 117.* Herr Jesu, jest ist es noch um ein Gänglein zu thun, jetzt komme ich vors Meer, da keine Wege sind, da aller Menschen Wege aufhören; aber du bist der einige, wahrhaftige, unbetrügliche Himmelsweg, an dich halte ich mich mit dem Glauben, daß ich möge in dir, an dir, durch dich und mit dir ins himmlische Freudenleben gehen und bei dir ewig bleiben! Amen. 118.* Ach, Herr, allmächtiger Gott, nun ist meine Zeit dahin, und mein Leben wird abgerißen. Da leide ich noth, daraus du, Herr, alleine kannst helfen; verkürze und findere mir dieselbe. Mir ist um Trost sehr bange; o Herr, nimm dich meiner Seele herzlich an, daß sie nicht verderbe, und wirf alle meine Sünde hinter dich zurück, um des theuern Verdienstes Jesu Christi, deines Sohnes, willen! Amen. 119.* Gütiger Herr Jesu Christe, erbarme dich meiner und sich mich armen 11** 258 Gebete für Sterbende. Sünder an mit den Augen deiner Barmherzigkeit, mit welchen du im Saale Petrum ansahest, da er dich verleugnete, das fündige Weib am Tische in des Pharisäers Hause, den Schächer am Kreuze. Wirke durch deine Gnade in mir, daß ich mit Petro meine Sünde beweine, mit dem fündigen Weibe dich von ganzem Herzen liebe und mit dem Schächer dein Angesicht ewiglich schaue! Stt. Pauli Gebet. 120. Ich werde schon geopfert, und die Zeit meines Abscheidens ist vorhanden. Ich habe einen guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten. Hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der Herr an jenem Tage, der gerechte Richter, geben wird, nicht mir aber allein, sondern allen, die seine Erscheinung lieb haben". Amen. In der Stunde des Todes. 259 121. Herr Jesu Christe, der du in deinem Tode zu deinem Vater geschrieen und deine Seele in seine Hände befohlen hast, stehe mir bei an meinem Ende und hilf mir den Tod, den letzten Feind, ritterlich überwinden. Erhöre mich, wenn ich rufe, und gib mir, was mein Herz bittet. Errette mich von den Feinden meiner Seele und erlöse mich aus allen Schmerzen. Tröste mich, wenn ich seufze, und stärke mich, wenn ich erschrecke. Erquicke mich, wenn ich schwach bin, und nimm meinen Geist auf, wenn ich verscheide. Amen. 122. Mein Gott, meine Barmherzigkeit, meine Zuflucht: nach dir trage ich Verlangen, zu dir flehe ich, zu dir, dem Brunnen der Vergebung aller Sünden, eile ich! Verschmähe mich Armen nicht, der ich jetzt in so großer Gefahr stehe; komm mir gnädig zu Hilfe in diesen großen Nöthen. Ich kann mich selbst nicht erlösen durch meine Werke, sondern du, Herr, erlöse 260 Gebete für Sterbende. mich und erbarme dich mein. An meinem Verdienste verzweifle ich, aber auf deine und zwar Barmherzigkeit vertraue ich, verlaße ich mich mehr auf deine Barmherzigkeit, als ich verzweifeln sollte wegen meiner bösen Werke. Du bist meine Hoffnung, mein Gott. Ach Herr, lieber Gott, der ich dir lieb war zur Erlösung, du wirst mich auch jetzt nicht verachten noch verschmähen, daß ich sollte verdammt werden. Ich komme nun zu dir, der du deine Hilfe niemand verfagst: ich begehre aufgelöst und bei dir zu sein. In deine Hände befehle ich meinen Geist. Siehe mich an, du Gott der Wahrheit, und verleihe mir, mein Gott, daß ich im Frieden ruhen möge, der du in vollkommener Dreieinigkeit lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. 123. O Herr Jesu Christe, alle, die in dich getauft sind, die sind in deinen Tod getauft. Ich will mit deiner Hilfe fröhlich und gerne sterben, der Hoff In der Stunde des Todes. 261 nung, daß, wie ich deiner Trübsal theilhaftig bin, ich auch deiner ewigen Glorie werde theilhaft werden. Amen. O Herr Jesu Christe, du haft am Kreuze gebetet: ,, Vater, vergib ihnen". Also, Herr, verzeihe auch ich allen, die wider mich gehandelt haben, auf daß du mir alle meine Sünden auch verzeihest. 11 O Herr Jesu Christe, du hast am Kreuze gerufen: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlaßen"? Herr, verlaß mich nicht in meinen Todesnöthen. O Herr, du hast am Kreuze gesprochen: ,, Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist". Also, Herr, befehl ich jego meine Seele in deine Hände. Du hast mich erlöset, Herr, du treuer Gott! Amen. 124. O Herr, Jesu Christe, ich bitte dich durch deine grundlose Barmherzigkeit, du wollest meine Seele stärken auf den 262 Gebete für Sterbende. fernen Weg, den ich nach deinem göttlichen Willen jetzt gehen muß in ein so gar uns bekanntes Land. Ich glaube, daß du um meiner Sünden willen gestorben und mir dieselben aus Gnaden verziehen und das ewige Leben zugesagt hast. Dieses meines Glaubens, o Herr, seiest du Zeuge. Das soll auch mein letzter Wille sein, in solchem Glauben auf deine lautere Barmherzigkeit zu sterben. Und ob ich durch Schmerzen, Unvernunft oder Anfechtung würde oder wollte abfallen, o Herr, so laß mich im Unglauben oder Verzweiflung nicht sterben; sondern stärke mich und mehre meinen Glauben, daß mir kein Uebel schaden möge. Allein auf deine Hilfe verlaß ich mich; sie erhält mich auch in allen Nöthen und mache mich selig! Amen. 125. Ach du heiliger Geist, unser Trost, Stärke, Kraft und Versicherung, du Unterpfand der ewigen Erbschaft, stehe mir nun bei in meinen leßten Nöthen. Du hast mich ja von Jugend auf geführet In der Stunde des Todes. 263 und geleitet. Du bist allezeit bei mir gewesen als mein einiger Beistand. Verlaß mich nun in meiner letzten Stunde nicht. Weiche nicht von mir, sondern vollende in großer Gnade, was du in mir angefangen hast. Bleibe du bei mir als in deinem Tempel und Wohnung bis auf meinen letzten Odem. Tröste, stärke und erhalte mich zum ewigen Leben. Erhalte mich in festem Glauben und Hoffnung. Treibe alle meine Feinde zurück. Thue du mir meinen Mund und Augen zu und laß mich im Frieden entschlafen! Amen. Johannes Huß. 126. O du allergnädigster Herr Jeſu Christe! Zieh uns Schwache zu dir; denn wo du uns nicht ziehen wirst, so können wir nicht folgen. Gib uns einen starken Geist, der da willig sei, obgleich das Fleisch schwach ist, daß es doch durch deine Hilfe folge. Denn ohne dich vermögen wir nichts zu thun, am allerwenigsten um deinetwillen in den Tod zu gehen. Gib 264 Gebete für Sterbende. uns einen willigen Geist, ein unerschrocken Herz in rechtem Glauben, eine feste Hoffnung, daß wir um deinetwillen auf das geduldigste und mit Freuden von uns legen unser Leben! Amen. Wann dem Kranken die Sinne schwinden wollen. 127. Ach du gnädiger und barmherziger Gott, bleibe bei mir, denn es will Abend werden, die Tage meines betrübten Lebens haben sich geneigt, die Lippen meines Mundes können sich vor großer Schwachheit meines Leibes nicht mehr regen und bewegen, so ist auch meine Zunge so schwer worden, daß ich dein heiliges, göttliches Lob äußerlich nicht wohl mehr kann aussprechen. Derhalben so stärke du, Herr, meine Seel und Herz innerlich, daß ich nicht aufhöre dich zu loben, dieweil noch ein lebendiges Blutströpflein in meinem Wann dem Kranten die Sinne schwinden wollen. 265 schwachen Herzen sein wird. Wenn meine Ohren schon nicht mehr werden hören, was Menschen mit mir reden, so laß mich doch hören, was du, herzlieber Herr und Gott, zu mir redest; denn du wirst Friede zusagen und reden über dein Volk. Und wenn auch meine arme Seele, die sonst mit nichts denn allein mit dir, ihrem gnädigen Gott, sich will trösten laßen, von diesem meinem armen sterblichen Leibe abscheiden wird, so laß sie dir, weil ich sie von dir empfangen habe, um deines geliebten Sohnes willen befohlen sein, und sie in Frieden von hinnen zu dir fahren. Hast du mich doch die Zeit meines Lebens nie verlaßen; ach, Herr, so verlaße mich doch nicht erst jetzt in meinen höchsten und letten Nöthen; denn ich begehre nicht zu leben, es sei denn, daß du mich mit dir und in deiner Gnade sterben läßest. Dir fei Lob, Ehr und Preiß in Ewigkeit. Amen. Rauchopfer. 12 266 Gebete für Sterbende. Gebet des Mannes Gottes Dr. Martin Luther am 18. Februar 1546. Jm Sterben. 128. O mein himmlischer Vater, Gott und Vater unsers Herrn Jesu Chrifti, du Gott alles Trostes, ich danke dir, daß du mir deinen lieben Sohn Jesum Christum geoffenbart hast, an den ich glaube, den ich gepredigt und bekannt habe, den ich geliebet und gelobet habe, welchen der leidige Pabst und alle Gottlosen schänden, verfolgen und lästern. Ich bitte dich, mein Herr Jesu Christe, laß dir mein Seelchen befohlen sein. O himmlischer Vater, ob ich schon diesen Leib laßen und aus diesem Leben hinweggerißen werden muß, so weiß ich doch gewiß, daß ich bei dir ewig bleibe und aus deinen Händen mich niemand reißen kann. Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Vater, in deine In der Stunde des Todes. 267 Hände befehle ich meinen Geift, du haft mich erlöset, Herr, du treuer Gott! Amen. 129. Allmächtiger Schöpfer und Vater, ich habe meinen Lauf vollendet und gehe nach deinem Willen den Weg alles Fleisches, und bin getauft, absolviert und mit deines Sohnes Fleisch und Blut gespeiſet, zum ewigen Leben versiegelt und habe dein Wort gehört, glaube auch und bin gewiß, du faßest und verwahrest meine Seele in deiner Hand. Ich befehle dir jetzt meinen Geist zu treuen Händen. Du treuer Gott, der du mich erlöset und zum ewigen Leben berufen hast, stärke und erhalte mich in meinen letzten Nöthen und löse mich auf oder spanne mich aus, errette mich aus Todesbanden und laß mich im Frieden fein ruhiglich entschlafen, und sammle mich in mein Ruhebettlein, darin ich sehnlich der fröhlichen Erscheinung deines Sohnes warte, bis mein verborgen Leben in Chrifto wieder offenbar werde durch Jesum Christum, der 12* 268 Gebete für Sterbende. meinen Tod überwunden hat und ein Herr des Lebens ist. Amen. Also hat Gott die Welt geliebt zc. Ich glaub an Gott den Vater, allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde zc. Späte Buße eines sterbenden Weltkindes. 130. Meine Seele, du mußt dieſe Welt gesegnen, und du, mein irdischer Leib, mußt nun wieder zur Erde werden. Siehe, da kommt der Tod, der Speisemeister der Verwesung, der schlägt dich an allen deinen Gliedern, nimmt dich gefangen und sagt, es sei nun Zeit, du müßest vor das erschreckliche Gericht Gottes. Oweh mir Armen, mir schauert die Haut bei ſeinem Anblick, der kalte Schweiß träufelt von meinem Haupte, mein Angesicht erbleichet, meine Sprache will vergehen, mein Odem wird kurz, mein Auge bricht, meine Sinne fallen darnieder, wie Sternlein in die Nacht, alle meine Seelenkräfte schwinden, mein ganzer Leib neiget sich schon dem Grabe In der Stunde des Todes. 269 zu. Die Angst meiner Seele ist groß, ich werde berufen vor den strengen Richterstuhl zu treten. Ich wollte gern verbergen meine Sünden, und meine Miſsethat verhehlen, aber siehe, es ist alles am Tage, auch meine verborgenen Fehler stehen hier offenbar und schreien mir zu:„ hier sind wir, hier sind wir". O wehe, wehe, wehe mir, daß ich nicht im Herrn sterbe, daß mir meine Werke nachfolgen, und meine Missethaten mit mir gehen. Wie ist meine Seele geängstigt, sie wollte gerne bleiben, wo sie ist, aber die Hütte zerfällt; wie schrecklich ists außer dem Leibe zu wallen, den wartenden Strafen entgegen zu gehen. O daß ich nur eine Stunde Frist hätte, um mit meinem Gott versöhnt zu werden! Ich suche allenthalben Hilfe und find ihrer nicht. Ihr Augen, die ihr sonst so hell gewesen, könnt ihr denn nichts erſpähen, das mir helfen könnte? Jhr Ohren, die ihr sonst so ferne hörtet, könnet ihr denn nicht vernehmen, von wannen meine Hilfe kommt? Und du, allzeit fertige, ruhm 270 Gebete für Sterbende. redige Rathgeberin meines Lebens, Meisterin meiner Thaten, eitle Vernunft, warum schweigest du jego in der großen Noth, warum liegst du mit mir in den Todesnöthen, die du mir Hoffnung gabest, ein Licht zu sein im dunkeln Thale, und ein Flügel der Rettung, wenn niemand mehr hilft? Ach, ihr lieben Freunde, ihr Genoßen meiner Freuden, scherzet mir jetzt wie sonst die Betrübnis aus dem Herzen, und überwindet mit euern Freuden die Angst, die Leib und Seel verzehrt! Wie steht ihr so stumm, ihr leidigen Tröster; wie bin ich betrogen durch euere Freundschaft; wie empfind ich so schrecklich, daß verflucht ist, wer sich auf Menschen verläßt! Alles umsonst und vergebens! Hier ist keine Hilfe, kein Rath, es umgeben mich schon die Todesschmerzen und die Bäche Belials erschrecken mich. O wie schändlich hat mich der Satan betrogen, mein Fleisch zu Fall gebracht, die Welt verführet, und wie wehe thut mirs nun! O könnt ich noch einmal wieder zurückkehren und mein Leben In der Stunde des Todes. 271 aufs neue beginnen, wie ganz anders wollt ich thun! Rechne doch nun mit mir in Gnaden und nicht im Zorn, du großer Gott! Ich komme zwar langsam, aber ich komme doch zu dir. Ich habe mich zwar verspätet, aber ich bin doch noch auf dem Wege, es ist noch Zeit, daß du mich hörest, mir helfest, ach komm bald, komm bald, ich warte dein mit Verlangen. O Jesu, du Heiland aller Sünder, du König der Gnaden, mein Stundenglas läuft aus, mein Leib fällt hin, hier ist kein Bleiben mehr, meine Sprache verfällt, mein Gedächtnis ist dahin; dich behalt ich im Sinn, du alleiniger Retter. Bleib du bei mir, hilf um deiner Brudertreue willen, daß ich nicht wie ein armes Feldhühnlein in die Sporen des Habichts gerathe. Wer ist mühseliger und beladener als ich? Erquicke mich in meinem Jammer; ich suche dich, laß dich gnadenreich finden; ich bitte dich, erhöre mich; ich klopf in allerhöchster Bedrängnis an deine Thür; ach thue mir auf, daß ich entrinne dem Jäger! Um Gnade, 272 Gebete für Sterbende. Gnade schrei ich, laß mich ein zu dem Schächer, der auch Gnade fand, nimm mich in deine Ruhe, mache mich zu einem ewigen Denkmal deiner seligmachenden Barmherzigkeit! Ach, weil ich nicht mehr reden kann, so nimm mein letztes Seufzen an! Amen. 24. In den lekten Bügen. 131. Nach dir verlanget mich, Herr Christe, wie einen Hirschen nach dem frischen Waßer. Herr, hie liege ich, erquicke meine Seele, eröffne mir die Thür deiner Gerechtigkeit, mache mir die Pforten auf zum Leben, daß ich hineingehe, bei dir bleibe, dich lobe und preise in Ewigkeit. Herr, ich bin der von den Mördern Verwundete: nimm mich auf dein Rößlein und führe mich zur ewigen Freude. Ich bin das 273 In den letzten Zügen. irrende Schäflein: o Herr Christe, nimm mich auf deine Schultern und trag mich zu der Heerde, zu dem Haufen aller frommen Patriarchen, Propheten, Märtyrer und Auserwählten. Komm, du frommer Herr Christus, löse mich auf, ich will mit dir davon. Ich bin bereitet, Herr, ich will und begehre zu sterben, daß ich zu dir komme, dich sehe von Angesicht zu Angesicht! Amen. 132. O mein Gott, mein Herr und mein Vater, jetzt beweise meiner armen Seele also, daß sies inne werde, du seiest mein Fels, meine Burg, mein Schild, mein Hort, meine Zuversicht, meine Hilfe, mein Schirm und Schuß, damit ich in diesen großen Nöthen vor meinen Feinden durch deine göttliche Gnade, Hilf und Beistand behalten werde. Herr, auf dich traue ich, laß mich nimmermehr zu Schanden werden. Amen. 274 Gebete für Sterbende. 25. Kurze Seufzer der Alten. 39 S. Mart. Mollers Manuale. 133. Herr, nun läßest du deinen Diener im Frieden fahren, wie du gesagt haft. Denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, den du bereitet haft vor allen Völkern, ein Licht zu erleuchten die Heiden und zum Preiß deines Volkes Israel. 134. Vater, in deine Hände befehl ich meinen Geist. 135. In deine Hände befehle ich meinen Geist, du hast mich erlöset, Herr, du getreuer Gott. 136. Herr Jesu, nimm meinen Geist auf! 137. Ei du süßer Jesu Christ, der du Kurze Seufzer der Alten. 275 Mensch geboren bist, behüt mich vor der Höllen. 138. Herr bleibe bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget. 139. Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ, dieweil es Abend worden ist: dein göttlich Wort, das helle Licht, laß ja bei uns auslöschen nicht. 140. Ich habe Lust abzuscheiden und bei Christo zu sein. 141. Ach mein herzliebes Jefulein, mach dir ein rein sanft Bettelein, zu ruhn in meines Herzens Schrein, daß ich nimmer vergeße dein. 142. Fromm bin ich nicht, das ist mir leid, bekenn mein Sünd, such Gnad bei Zeit; an Christ glaub ich unnüßer Knecht, ſein Blut allein macht mich gerecht. 276 Gebete für Sterbende. 143. Von allem Uebel uns erlös, es sind die Zeit und Tage bös; erlös uns von dem ewgen Tod und tröst uns in der letzten Noth. Bescheer uns, Herr, ein seligs End, nimm unsre Seel in deine Händ. Amen, das heißt: es werde wahr, stärk unsern Glauben immerdar; hilf, daß wir ja nicht zweifeln dran, was wir hiemit gebetet han. Auf dein Wort, in dem Namen dein, so sprechen wird das Amen fein. 144. Jesu, der süße Name dein im Tod erquickt die Seele mein. 145. Die Seele, die du haft erlost, der gib Herr Jesu, deinen Trost. 146. Herr Jesu Christ, mein Trost und Freud, ich wart auf dich zu jeder Zeit. Komm, wann du willst, ich bin bereit. 147. Komm, Herr Christe, komm, du treuer Gott, und machs mit mir ein Ende. 277 Kurze Seufzer der Alten. Erwürg den letzten Feind, den Tod, führ mich aus dem Elende. Bring mich ins rechte Vaterland, weil du dein Blut an mich gewandt. Laß mich im Fried heimfahren. 148. Ein Herz, mit Reu und Leid gekränkt, mit Christi theuerm Blut besprengt, welchs seufzt zu Gott mit rechtem Glauben gleich einer girrenden Tauben, das wird doch endlich recht getröst, aus aller Angst und Noth erlöst. Drum glaub, bet, hoff, hab klein Geduld, so wird dir Gott im Himmel hold. Preisen wirst du die Güte sein in seiner Kirch und großen Gmein. 149. Gottes, des ewigen Vaters Gut, des Herrn Jesu theures Blut, des heilgen Geistes Trost und Muth soll sein mein ewiges Erbgut. 150. Herr Jesu, komm behende, gib mir ein seligs Ende, nimm meine Seel in deine Hände! Amen. 278 Gebete für Sterbende. 26. Drei Vater unser, die man in sterbenden Nöthen den Kranken vorbeten soll, die du dir selber magst sprechen im Leben und Sterben, mit andern schönen Gebetlein und den acht Versen St. Bernhards. 151.* Kyrie, eleison. Christe, eleiſon. Kyrie, eleison. Herr Gott, erbarme dich mein. Vater unser. Du Seligmacher der Welt, mache mich selig, der du durch dein Kreuz und kostbares Blut die Welt erlöst haſt. Du mein Gott, ich bitte dich andächtiglich, erhöre mich, und hilf mir. Allmächtiger Gott, in die Hände deiner unaussprechlichen Barmherzigkeit befehle ich meine Seele, meinen Leib, meine Sinne und Rede, meine Anschläge, Vernunft, Gedanken, Wort und Drei Vater unser. 279 Werk, mein Thun und Laßen und alles, was mir für Seele und Leib nöthig ist, meinen Eingang und Ausgang, meinen Glauben und Wandel, mein Leben und meinen Abschied, mein Sterben und letztes Ende, meine Ruhe und Rast und die Auferstehung meines Leibes mit allen Auserwählten zur ewigen Freud und Seligkeit. O Herr Jesu Christe, um deiner Todesangst und deines allerheiligsten Gebetes willen, das du für uns am Delberg gebetet haft, da dein Schweiß wie Blutstropfen zur Erde fiel, bitte ich dich und flehe dich an, du wollest die Fülle deines blutigen Schweißes, den du in großer Furcht und Angst williglich vergoßen hast, dem allmächtigen Gott, deinem himmlischen Vater, für die Fülle meiner Sünden darbringen und opfern und mich nicht verlaßen in der Stunde meines Todes, in aller meiner Angst und Noth, die ich um meiner Sünden willen verschulde. Gebete für Sterbende. 152.* Kyrie, eleison. Christe, eleison. Herr Gott, erbarme TONISHI 280 Kyrie, eleison. dich über mich. Vater unser. Herr, heilige mich in deiner Wahrheit, dein Wort ist die Wahrheit. Dein Wort vom Kreuze sei mir eine Hilfe und Macht wider die greulichen Anläufe des Bösewichts. Herr Jesu Christe, der du für uns am Kreuze gestorben bist, ich bitte dich in herzlichem Vertrauen, das ich zu dir habe, daß du die Bitterkeit aller deiner Pein, welche du für uns arme Sünder am Kreuz, und allermeist da deine heilige Seele von deinem Leibe ausgieng, gelitten hast, dem allmächtigen Gott, deinem himmlischen Vater, für meine Seele aufopferest und mich in meinem Ausgang von aller Pein und Leiden, die ich um meiner Sünde willen sammt aller Furcht verschuldet habe, behüten, der du lebst und regierest, Gott in Ewigkeit! Amen. Drei Bater unser. 281 153.* Kyrie, eleison. Christe, eleison. Kyrie, eleison. O Herr Gott, sei mir gnädig und barmherzig. Vater unser. Herr, beschirme, segne und heilige mich armen Sünder durch dein allmächtiges Wort und wende von mir ab alle Noth der Seelen und des Leibes. Herr Jesu Christe, der du durch den Mund deines heiligen Propheten geſagt haft:„ Ich habe dich je und je geliebt, und aus lauter Liebe habe ich dich zu mir gezogen", ich bitte dich, du wollest deine Liebe, welche dich vom Himmel zur Erde und in die Bitterkeiten deines Leidens getrieben hat, darbieten und zeigen dem allmächtigen Vater zum Heile meiner armen Seele. Befreie mich von allen Leiden und Strafen, die ich um meiner Sünden willen billig fürchte, und laß meine Seele in dieser Stunde des Todes zu ewigen Freuden und Ehren gelangen. O Herr Jesu Christe, der du mich mit 12** 282 Gebete für Sterbende. deinem edlen Blute erlöst hast, schreibe deine heiligen Wunden, dein bitter Leiden und Sterben mit deinem kostbaren Blute in meine Seele, daß ich möge erkennen und allezeit vor Augen haben deine Schmerzen und Pein, die du für mich erlittest, an denen ich schuldig gewesen bin. O Herr Jesu Christe, mache mich theilhaftig der Frucht des Sakraments der Taufe, in welchem ich aus dem heiligen Geiste durch dein Leiden und Sterben wiedergeboren bin zu einem Kinde Gottes, nach Verheißung und Zusage deines heiligen Wortes. Also will ich, wenn du willst, sterben als dein Kind, auf solche Verheißung deiner Gnade, mir in der Taufe zugesagt, da du gesprochen haft:„ Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden". Herr, ich bin ja getauft, so habe ich dir auch meinen Glauben bekannt. Darum glaube ich deinem Worte, ich werde durch deine Gnade selig werden. Amen. Gebete für Sterbende. Andere Gebete zu gleichem Gebrauche. 154. O Herr Jesu Christe, mache mich empfänglich für die Frucht des Sakraments deines wahren Leibes und Blutes, in welchem du mir tröstlich zusagst Verzeihung meiner Sünden. Denn derselbe dein Leib ist für mich und meine Sünden in den Tod gegeben, und dasselbe dein Blut ist zur Vergebung meiner Sünden vergoßen. Darauf bist du gestorben und hast mir das Sakrament zu einem Pfand und Wahrzeichen gelaßen und mich dadurch versichert, daß mir alle meine Sünden vergeben und verziehen sind und das ewige Leben mir zugesagt und mein ist. Denn du, die Wahrheit selber, sprichst: Wer mein Fleisch ißet und trinket mein Blut, der hat das ewige Leben". Das verleih mir, Herr Gott! Amen. 283 155. Allmächtiger, ewiger Gott, barmherziger Vater, nimm hin für meine Sünden die Genugthuung und Bezahlung deines eingebornen Sohnes, unsers Herrn Jesu 284 Gebete für Sterbende. Christi. Herr, laß mich genießen seines Leidens. Erlaß mir alle meine Sünden. Straf mich nicht in deinem Grimm und Zorn. Gehe nicht mit mir in das strenge Gericht. Gib mir Geduld in meiner Krankheit und verlaß mich ewig nimmer. Amen. 156. Lob, Ehr und Dank sei dir gesagt, mein allerliebster Herr Jesu Christe, für deine heilige Menschwerdung, für deine Marter und bitteres Leiden und Sterben, aus welchem ich erkenne, daß du mein Erlöser und Seligmacher bist. Ich glaube, daß du die Welt, die Sünde, die Hölle und den Teufel überwunden hast, daß dieselben mir nicht schaden mögen. Des vertröste ich mich, darauf baue ich, da will ich mich laßen finden, allein sei mir gnädig und barmherzig, wie ich an deiner wahrhaftigen Zusage nicht zweifle. Herr, laß mich nicht in diesen großen Nöthen. Amen. Die acht Verse St. Bernhards. 285 Das letzte Gebet. 157. Mein Gott und Herr, der Genesung hab ich mich verziehen. Die Zeit ist hie, daß mein Leib im Erdreich und meine Seel und Geist bei dir ruhe. Aber daß mir meine Sünden vergeben werden, das begehr ich, und ich glaube deinem Wort, sie seien mir alle vergeben. Darauf will ich sprechen das Bekenntnis meines Glaubens, in dem ich begehre zu sterben und erfunden zu werden:„ Ich glaub an Gott Vater Himmels und der Erden 2c." Amen. Die acht Verse St. Bernhards. 158. Herr, erleuchte meine Augen, daß ich nicht im Tod entschlafe, daß mein Feind nicht spreche, er habe mich überwunden. In deine Hände befehle ich meinen Geist, denn du, Herr Gott, die Wahrheit, hast mich erlöset. 286 Gebete für Sterbende. Ich habe geredet mit meiner Zunge: Herr, thue mir fund mein lettes Ende Und die Zahl meiner Tage, wie viel der sind, daß ich wiße, was mir gebricht. Thue an mir ein Zeichen im Guten, daß es die sehen, die mich haßen, und zu Schanden werden, denn du Herr, haft mir geholfen und hast mich getröstet. Herr, du hast zerbrochen meine Bande. Ich will dir opfern die Opfer des Lobes und anrufen deinen Namen. Es ist von mir gangen in Flucht mein Leben, und ist niemand, der da suche meine Seele. Ich habe gerufen zu Dir, Herr. Ich habe geſprochen: Du bist mein Gott, meine Zuversicht und mein Heil im Lande der Lebendigen. Anhang. Gebete vor und nach dem lekten Abendmahls= genuß. 27. Vor dem heiligen Abendmahl. 159. Ewiger, barmherziger Gott, ich armer Sünder komme zu dir, zu holen Gnade, Heil, Gesundheit und Seligkeit, denn ich weiß mich der bei keiner Kreatur, weder im Himmel noch auf Erden zu erholen. Darum bitte ich dich durch deine göttliche Zusagung, wollest mich, das Werk deiner Hände, gnädiglich annehmen. Verleihe uns, was du verheißest, und gib uns, was du gebietest. Amen. 160. Allmächtiger Gott, himmlischer Vater, dieweil du uns das Brot des 288 Vor der letzten Abendmahlsfeier. Lebens, Jesum Christum, vom Himmel herab geschenkt hast, auf daß wir dadurch zum ewigen Leben gespeiset würden; so bitten wir dich von Herzen: mach uns nach deiner Speise hungrig und gib uns diesen unsern Herrn und Erlöser wahrhaftig und gegenwärtig in rechtem Glauben zu empfahen, durch welchen wir zum ewigen Leben ernährt werden. Amen. 161. Allmächtiger, barmherziger Vater, zu dir schreien alle Hungrigen und werden gespeist. Wir bitten dich von Herzen, erwecke in uns einen Hunger der Gerechtigkeit und speise uns mit dem wahren Himmelsbrote, das du der Welt geschenkt haft zum ewigen Leben, welches ist Christus Jesus, dein eingeborner Sohn, unser einiger Erlöser mit seinem wahrhaftigen gegenwärtigen Leib und Blute im heiligen Sakrament des Abendmahls. Amen. 162. Starker Gott, meine Kraft ist schwach; ich eile aber zu dir, meinem Arzte. Vor der letzten Abendmahlsfeier. 289 Nimm dich meiner Seele herzlich an, hernach erbarme dich auch meines franken Leibes. Ich habe wider dich gesündigt, darum mußte ich dem Arzte in die Hände fallen; aber strecke deine Hand aus zu mir, so werde ich von meinem Falle wieder aufstehen. Ich leide Noth, lindre mirs. Mein Herz bebt, stärke mich. Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe, es ist nichts Reines an meiner Seele, es ist nichts Gutes in meinem Fleische, es ist kein Friede in meinen Gebeinen. Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen. Habe ich Gnade vor deinen Augen funden, so gehe nicht vor deinem Knechte vorüber. Ich bringe dir einen franken Leib, gib du mir eine gesunde Seele. Wie der Hirsch schreit nach frischem Waßer, so schreit meine Seele, Gott, zu dir. Vergib mir nur meine Sünde und alsdann gib mir Leben oder Tod, so muß mir alles zum Besten dienen. Herr Jesu, dein Leib und Blut sei eine Arznei meiner Seele. Lebe ich, so ist es eine Rauchopfer. 13 290 Vor der letzten Abendmahlsfeier. Kraft des neuen Lebens. Sterbe ich, so ist es ein Zehrpfennig in ein anderes Leben. Heiliger Geist, seufze du das Abba in meinem Herzen, wenn mir die Worte sterben in meinem Munde. Zeige mir nichts, als Jesu Wunden, darein will ich mich verbergen. Wenn mein Geist in lengsten ist, so gib mir Zeugnis, daß ich Gottes Kind bin. Kündigt mir das Gesez den Tod an, so predige du mir das ewige Leben in Christo. Ich laße mir an deiner Gnade genügen, die in den Schwachen mächtig ist. Machst du mich, mein Gott, gesund, so will ich dir lebenslang dafür danken. Soll aber dies der letzte Weg in der Welt sein, so führe mich bald dahin, wo ich ewig gesund bin. Alles nach deinem Willen! Amen, 163. Gott Vater, du starker Gott, meine Kraft ist schwach, aber du bist meine Stärke. Reiche deinem matten Kinde deine unverkürzte Vaterhand. Reiß mich vor allem aus dem Rachen des ewigen Todes, Vor der letzten Abendmahlsfeier. und alsdann erquicke mein Herz in den Banden dieses Todes. Es ist nichts Gesundes in meinem Leibe, es ist aber auch leider nichts Gutes in meinem Fleische, keine Ruhe in meinem Gewißen, kein Friede in meinen Gebeinen. Habe ich Gnade vor dir funden, so nimm dich meiner Seele herzlich an und erlöse mich von dem Leibe dieses Todes. Vergib mir meine Sünde und alsdann gib mir Leben oder Tod, so muß mir alles zum Besten dienen. Laß diesen Weg mich bringen vor die Pforte des Himmels und verschließe mir alsdann dein Herze nicht. Du hast gesagt: ,, Wer zu mir kommt, den will ich nicht hinausstoßen". stating 291 Gott Sohn, du treuer Heiland, ich bin todtkrank, aber du bist mein Leben. Verbirg dich nicht, du Arzt Ifraelis; dein Leib und Blut sei meine Arzenei; dein gnädiges Wort sei mein Balsam; deine Angst mein Trost; dein Sterben mein Leben. Wie der Hirsch schreit nach frischem Waßer, so dürstet meine Seele 13* 292 Vor der letzten Abendmahlsfeier. nach deinen Wunden. O laß mich bald dahin kommen, wo ich dein Angesicht schaue. Ich eile zu dir, heile mich; ich zeige dir meine Wunden, verbinde mich; ich schütte mein Herz vor dir aus, erfülle es mit deiner Gnade, laß es nicht gar aus sein mit mir. Soll ich leben, o so gib mir neue Kraft zum Leben; soll ich sterben, o so gib mir einen Zehrpfennig in ein anderes Leben. Gott heiliger Geist, du kräftiger Tröster! Die Worte sterben mir in dem Munde, schreie du das Abba in meinem Herzen. Der Tod ist in diesem Topf, mein Fleisch voller Sünde; aber in Jesu Wunden ist mein Leben. Diese Brünnlein haben Waßers die Fülle. Wirf das Holz des Lebens in das bittre Waßer meiner Krankheit. Bewege mir ein Bethesda in den Wunden Christi. Verwandle diese Strafe der Sünde in einen Schlag der Liebe. Mit dem unschuldigen Lamme Gottes gib mir auch dessen heilige Geduld, so will ich dir danken mein Leben Nach dem heiligen Abendmahl. 293 lang. Soll aber dieses der letzte Tag auf der Welt sein, so bringe mich bald dahin, wo ich ewig gesund bin. Heilige Dreifaltigkeit, du lebendiger Gott, dir befehle ich mein Leben und Sterben, dein bin ich gesund und krank. Sei du mir nur nicht schrecklich, meine Zuversicht in der Noth. Hilf mir zeitlich, hilf mir ewig! Wie du hilfst, so ists gut und selig. Willst du mir nicht aufhelfen, so wirst du mir doch aus helfen! Amen. - 28. Nach dem heiligen Abendmahl. 164. Ich danke dir, allerliebster Heiland Jesus Christus, daß du mich in dieser meiner Leibesschwachheit mit deinem eigenen Leib und Blut gespeist und getränkt und dich also meiner Seele herzlich angenommen hast, daß sie nicht verdürbe. Hast du mir nun das Große er Nach dem heiligen Abendmahl. wiesen, so erweise mir auch das Geringere und nimm dich meines schwachen und kranken Leibes, den du auch theuer erkauft hast und einmal zum ewigen Leben erwecken wirst, getreulich an und mildere mir meine Schmerzen. Pflanze in meinem Herzen die christliche Geduld, daß ich mich deinem Willen jederzeit gehorsamlich untergebe, einen guten Kampf des Glaubens kämpfe, den Lauf dieses irdischen Lebens mit Freuden vollende und, wenn meine leßte Stunde kommt, mit Fried und Freuden dahin fahre. Am jüngsten Tage laß mich fröhlich von den Todten auferstehen und die Krone der Gerechtigkeit, das ewige Leben aus Gnaden erlangen um deines theuern Verdienstes willen! Amen. O Herr Jesu! Amen. Jogo the aut 165. O Herr, nun laß deinen Diener im Frieden fahren; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, welchen du bereitet haft vor dem Angesicht aller Völker, ein Licht, zu erleuchten die Heiden und zu einer Glorie deines Volkes Ifrael. 294 Nach dem heiligen Abendmahl. Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste, wie es war von Anfang, nun und allezeit und ewiglich! Amen. 295 166. Herr Jesu Christe, mein Herr und mein Gott, der du am Stamme des Kreuzes deine Arme und Hände ausgebreitet hast, uns arme Sünder allesammt zu empfahen und zu dir zu ziehen: siehe, ich gebe und lege mich in deine Hände und schwinge mich in deine Arme und verberge mich in deine heiligen Wunden. Da will ich leben und sterben und fröhlich singen:„ Herr, nun läßest du deinen Diener im Friede fahren, wie du gesagt hast, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, welchen du bereitet haft vor allen Völkern, ein Licht, zu erleuchten die Heiden und zum Preiße deines Volks Israel!" Amen. 296 Danksagung für die heiligen Sakramente. 29. Danksagung für die heiligen Sakramente und Bitte um das göttliche Wort bis ans Ende. 167. O du ewiger, wahrer, barmherziger Gott und Vater, ich danke dir durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, in Kraft und unaussprechlichem Seufzen des heiligen Geistes, daß du mich im Namen und Kraft der heiligen Dreifaltigkeit hast laßen taufen, daß du mich hiemit zu deinem Kinde aufgenommen, zur Vergebung aller meiner Sünden durch der Schlüßel Gewalt absolviert und mit deines Sohnes wahrem Leib und Blut gespeiset und getränkt haft zur Stärkung meines Glaubens und zur Vergebung aller meiner Sünden. Ich bitte dich, herzlieber Vater, du wollest mich durch deinen heiligen Geist in wahrem Glauben und gewisser Zuver Erinnerung an die heilige Taufe. 297 sicht bis an mein Ende erhalten, daß ich im Friede wie der heilige Simeon einschlafe und mit allen Gerechten zur ewigen Freude und Herrlichkeit erstehe, durch deinen allerliebsten Sohn Jesum Christum, meinen Heiland! Amen. 30. 1 Erinnerung an die heilige Taufe. 168. Mein Gott und Herr, sei eingedenk deines heiligen Bundes, den du mit mir in der heiligen Taufe gemacht hast, da du mich zu Gnaden und in deine Kindschaft annahmst und sagteſt: Wer glaubt und getauft wird, der wird selig. Weil du denn, mein Gott und Vater, dich so treulich mit mir verbunden hast, so steht auch mein Trost und meine Hoffnung allein zu dir, wie ich getauft sei in 298 Erinnerung an die heilige Taufe. dem Namen Gottes des Vaters, Sohnes und heiligen Geistes, also werdest du mein Beschirmer, Tröster und Erlöser sein, aus aller Noth helfen und mich forthin beschirmen vor allem, das mir schaden kann. Darum kehre ich mein Herz zu dir in allen Nöthen und glaube festiglich, du werdest mich nimmermehr verlaßen, sondern durch Jesum Christum ewig selig machen. Amen. 100 IV. Gebete an Kranken-, Sterbe- und Todtenbetten. 1. Aufforderung zum Gebet für den Kranken. 169. 2. Um Genesung des Kranken. 170. 3. Sonderlich um geistliche Segnungen des Kranken. 171. 4. Herr, wie du willst, nur seliglich. 172. 5. Den Kranken zu einem seligen Ende Gott zu empfehlen. 173. 6. Fürbitten für Sterbende. 174-181. 7. Wenn der Sterbende in den letzten Zügen liegt. 182. 8. Der Seelsorger am Krankenbette: a. Krankenbefuch. 183, 184. b. Einsegnung des Sterbenden. 185-191. 9. Wenn ein Christ verschieden ist. 192. 193. 10. Trostgebet über unsre Seligverstorbenen. 194. 11. Um eine felige Nachfahrt. 195. 12. Anhang: a. Tröstung an Kindergräbern. 196. b. Bei Beerdigung todtgeborner Kinder. 197. thdastho: Tin schot masit Betet für einander, daß ihr gefund werdet. Der Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist. Jacob. 5, 16. 001 dros 5 0 Tonit spilet anis m Femins 21 nd 1. nisi plamalied Aufforderung zum Gebet für den Kranken. 169. Liebe Brüder, der Herr hat uns die Verheißung gegeben und treulich versprochen:, wo zwei oder drei versammelt find in seinem Namen, da wolle er mitten unter ihnen sein, und alles, worum sie bitten, des wolle er sie gewähren". Auf diese Verheißung hin vermahne ich euch aus brüderlicher Liebe und Pflicht, daß ihr mit mir wollet Gott den Allmächtigen ernstlich helfen anrufen und bitten, daß er unsern lieben Bruder( unfre liebe Schwester), den( die) er hier gefangen hält, mit seiner Gnade ansehen wolle und seine Krankheit wenden ihm zur Ehre, unserm Bruder aber zum Heile seiner Seele. Der ewige, barmherzige Gott wolle ihm auch 302 Gebete an Kranken-, Sterbe- und Todtenbetten. Geduld und Gnade verleihen, daß er möge beständig sein bis ans Ende und ritterlich streiten in wahrem, festem Glauben wider alle Arglist des bösen Feindes in seinem legten Abscheiden aus diesem Jammerthal. Welche das begehren, die sprechen ein Vaterunser und glauben fest, es werde unser Gebet erhöret und ja sein, wie uns denn Christus versprochen hat:„ Alles, was ihr bittet im Gebete, glaubet ihrs, so werdet ihrs empfangen". GINE 2. 2910 Um Genesung des Kranken. 170. Allmächtiger, gütiger Gott und Vater, der du uns allein schlägst und heilest, tödtest und lebendig machst, zur Hölle führeft und wieder heraus, der du dies alles richtest, daß es deinen Kindern Um Genesung des Kranken. 303 zum ewigen Heile dienen muß: wir bitten dich, o Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes, gib diesem deinen Sohne solches gründlich zu erkennen, damit er sich von ganzem Herzen zu dir kehre und diese deine väterliche Zucht zu wahrer Beßerung aufnehme. Verleihe, daß er herzlich, mit festem Glauben faße, daß dein Sohn, unser Herr Jesus Christus, für unsere Sünden gestorben und um unserer Gerechtigkeit willen von den Todten wieder auferwecket ist, und auch uns, seine Glieder, durch sein Leiden und Sterben von Sünden zur Gerechtigkeit, von allem Ungemach zu der seligen Ruhe, vom Tode zum Leben einführen wolle. Wende auch deine Augen von seinen Sünden, laß es genug sein mit dieser Ruthe und nimm hin oder mildere doch wenigstens diese seine Krankheit und Schmerzen, auf daß er dich darum und um alle deine Wohlthaten in deiner heiligen Gemeinde loben und preißen möge und hinfort all sein Leben also anstellen, daß dein Name durch ihn 304 Gebete an Kranken-, Sterbe- und Todtenbetten. immer geheiligt, dein Reich gemehrt werde, und alles nach deinem guten Willen geschehe auf Erden wie im Himmel. Durch unsern Herrn Jesum Chrift! Amen.blo 3. Sonderlich um geistliche Segnungen für den Kranken. and mo 171.* Allmächtiger, ewiger, gütiger Gott, der du unter vielen andern Züchtigungen auch durch mancherlei Krankheit und durch das Siechbette unser Fleisch zu zähmen pflegst und damit seine Sicherheit dämpfeſt, es erinnerst des bösen Lebens und seines Endes, auch des Todes durch seine Vorboten und Schmerzen, dazu deines Gerichtes, des jüngsten Tages und ewigen Lebens Gedächtnis bei dem Fleische aufrichtest: wir bitten dich für diesen Kranken, du wolleft gnädiglich um Jesu Christi, deines lieben Um geistliche Segnungen für den Kranken. 305 Sohnes, unsers Herrn willen, nicht mit ihm nach der Schärfe deines Gerichtes oder seinem Verdienste nach handeln, sondern Gnade und innerliche Stärke verleihen, damit er diese deine väterliche Heimsuchung willig annehme, mit Geduld trage, sich gegen dich gehorsam darin halte und leide. Stehe ihm bei in aller Anfechtung. Sei sein Schuß und Schirm in allen Nöthen, und sonderlich wenn sich sein Gewißen vor dir aufthun und die Sünde seines Herzens ihn vor dir verklagen wird. Schenke ihm, gieße aus über ihn mildiglich die Frucht der Marter und des Leidens deines Sohnes, welcher gewiß unsere Krankheit getragen und unsere Strafe auf sich genommen hat, da er für uns zur Sünde geworden, für unsre Sünde gestorben ist, und zur Abwaschung derselben sein theures Blut hat vergoßen und darnach vom Tode auferstanden ist, auf daß er unsre Gerechtigkeit und unser vollkommener Heiland würde. Laß ihn solcher deiner unermeßlichen Gabe, dazu so manch13** 306 Gebete an Kranken-, Sterbe- und Todtenbetten. faltiger, unzähliger Wohlthat deines Sohnes genießen. Verleihe, daß er sei im rechten Glauben zum ftäten Trost im Ungestüm der Sünden, zum starken Schilde wider allen Anlauf des bösen Geistes und zum Harnisch, damit er durch den Tod ins Leben dringe und zur ewigen Genesung. Wir befehlen ihn dir ganz, himmlischer Vater. Mach ihn gesund, denn er ist krank. Hilf ihm, denn er ist schwach. Nicht ihn auf, denn er liegt darnieder. Wasche ihn, denn er bekennt seine Ungerechtigkeit. Heile ihn, denn er ist verwundet. Stärke ihn, denn er ist furchtsam. Und weil du alles kannst und vermagst, so sättige ihn, denn er klagt über Hunger und Durst. Nimm ihn auf, denn er will zu dir kommen. Mach ihn beständig in allem deinen Willen. Verzeih ihm alles, womit er deinen Eifer und Zorn verdient hat. Gib ihm für den Tod das Leben. Das aber alles durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn, welcher zum Trost und Vorbild allen Sündern den Schächer am Kreuz Herr, wie du willst, nur seliglich. mit sich ins Paradies hat eingeführt, welcher mit dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, ein wahrer Gott in alle Ewigkeit. Amen. 4. 307 Herr, wie du willst, nur seliglich. 172.* O allmächtiger, himmlischer Vater, der du unsern Athem und Leben in deiner Hand hast, du schlägst und heilest, du tödteſt und machst wieder lebendig. Du hast uns ein gnädiges Wort gegeben durch David, daß du uns erhören wollest, wenn wir dich in unserer Noth anrufen, und durch Christum, deinen lieben Sohn, hast du uns verheißen: wo zween unter uns Gläubigen eins werden auf Erden, warum es ist, das wir bitten, das soll uns gewiß widerfahren. Darum bitten wir dich, aller 308 Gebete an Kranken-, Sterbe- und Todtenbetten. liebster Vater, für diesen kranken Menschen, du wollest dich seiner gnädig erbarmen und ihm zuerst alle seine Sünde verzeihen, denn bei dir, Herr, ist viel Gnade und viel Erlösung. Und weil er vor Schmerz und Blödigkeit des mündlichen Trostes nicht wohl fähig ist, so tröste ihn du selbst mit deinem heiligen Geiste im rechten Glauben und erscheine ihm, so es anders dein göttlicher, wohlgefälliger Wille ist und zu deiner Ehre und zu seinem Heile dienet, auch mit leiblicher Hilfe, wie du wohl thun kannst; denn dir ist niemand zu krank und schwach, daß du ihm nicht helfen könntest; du kannst auch die Dinge rufen, die nicht sind, daß sie sein müßen. So es aber dir, lieber Gott, anders gefällt und du sein Leben von ihm aufräumen willst, wie eines Hirten Hütte, und ihn heimholen; so stärke doch seine müde Seele wider alle gefährliche Anfechtung; mildere und verkürze ihm seine großen Schmerzen und laß ihn in deinem Frieden selig entschlafen. Gib und In den letzten Zügen. verleihe, daß sein letzter Tag auf Erden der erste sei in deinem Reiche und ein Anfang des ewigen Tages durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, auf dessen Namen und Verdienst dieser dein Knecht getauft ift! Amen. 5. 309 - Den Kranken zu einem seligen Ende Gott zu empfehlen. 173. O allmächtiger, gütiger Gott, dessen Eigenthum wir sind durch Jesum Christum im Leben und im Sterben: wir bitten dich, du wollest die Augen deiner väterlichen Güte und Barmherzigkeit wenden zu diesem kranken( sterbenden) Menschen, ihm zuvor alle Sünden aus Gnaden vergeben und ihn an Seel und Leib mit Trost und Hilfe wieder erquicken. Nimm, o Herr, 310 Gebete an Kranken-, Sterbe- und Todtenbetten. das Opfer des unschuldigen Todes Jesu Christi, deines lieben Sohnes, für die Bezahlung seiner Missethat, denn er auch auf seinen heiligen Namen getauft und mit seinem theuern Blute gewaschen und gereinigt ist. So errette ihn nun von des Leibes Pein und Marter; verkürze ihm seine Schmerzen, erhalte ihn wider die Anklage seines Gewißens und wider alle Anfechtung des bösen Feindes, auf daß er im Glauben ritterlich kämpfe und überwinde. Verleih ihm, wenn sein Abschied vorhanden ist, eine selige Heimfahrt zu dem ewigen Vaterlande, und schicke her deine heiligen Engel, daß sie ihn begleiten zu der Versammlung aller auserwählten und vollkommenen Gerechten in Christo Jesu, unserm Herrn! Amen. Fürbitten für Sterbende. 6. Fürbitten für Sterbende. 311 a. 3u Gott, dem Vater. 174. O Herr, allmächtiger Gott und Vater, du Brunnquell aller Gnade und Barmherzigkeit, der du bist unser Licht, Heil und Trost in unserm Leben, in unserm Leiden und sonderlich in unserm Sterben: wir schreien herzlich zu dir in dieser großen Noth und bitten aus kindlichem Herzen, du wollest die Augen deiner Barmherzigkeit wenden zu diesem unsern kranken Bruder. Laß ihn dir in seinen großen und legten Nöthen väterlich befohlen sein. Du hast ihn doch in der heiligen Taufe zu deinem lieben Kinde gnädig aufgenommen und gesagt: wie ein Vater sich erbarmet über seine Kinder, also wollest du dich über uns erbarmen. Ach Herr, so erbarme dich nun über diesen unsern Bruder: jetzt ist die Zeit zu erbarmen, 312 Gebete an Kranken-, Sterbe- und Todtenbetten. jetzt ist die Stunde der Trübsal und des Todes vorhanden. So siehe nun an seinen Jammer und Noth. Die Angst seines Herzens ist groß, führe ihn, o Gott, aus allen Nöthen. Sieh nicht an seine Sünde und Missethat, sondern deine große Gnade und Barmherzigkeit, und nimm das Opfer des unschuldigen und bittern Todes Jesu Christi, deines lieben Sohnes, für die Bezahlung seiner Sünde, denn er ist auf seinen Namen getauft, mit seinem theuern Blute gewaschen und gereinigt. So sieh nun an, o barmherziger Vater, die Angst und Noth und Schmerzen; laß dich erbarmen. Verkürze die Schmerzen seines Leibes. Erhalte ihn wider alle Anklage des Satans. Schüße ihn wider alle Anfechtung der Sünden. Lösche aus alle feurigen Pfeile des Bösewichts, auf daß er, stark im Glauben, fröhlich in der Hoffnung, geduldig in Trübsal, durch den Glauben ritterlich kämpfen, auch im Tode getreu an dir bleiben, alle Widerwärtigkeit überwinden und also die Krone des Fürbitten für Sterbende. 313 Lebens erlangen möge. Und wenn die Zeit vorhanden ist, daß du ihn nach deinem gnädigen Willen aus dieser Welt auflösen und abfordern willst; so verleihe, o Vater, diesem deinen Kinde eine fröhliche Hinfahrt zu dir in das ewige Vaterland. Laß ihn dir mit Leib und Seele befohlen sein, damit, wie er deinen heiligen Namen hier zeitlich herzlich geehrt hat, er denselben auch mit allen Auserwählten dort ewiglich rühmen möge! Amen. b. Bu Gott, dem Sofine. 175. O Herr Jesu Christe, du einiger Heiland, der du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben, der du alle unsere Krankheit geduldig getragen und alle unsre Schmerzen willig und gehorsam auf dich geladen, ja auch des Todes Angst erfahren hast, und also als ein treuer Hoherpriester ein recht Mitleid in allen unsern Nöthen mit uns haben kannst: erzeige, o barmherziger Heiland, auch jetzt ein herzRauchopfer. 14 314 Gebete an Kranken-, Sterbe- und Todtenbetten. liches Mitleid gegen diesen unsern Bruder; erbarme dich über ihn in diesen seinen letzten Nöthen; lindere seine Schmerzen; hilf ihm dieselben geduldig tragen und selig überwinden. O du starker Held und Fürst des Lebens, der du die Welt und den Fürsten dieser Welt überwunden, erzeige doch jetzt deine große und wunderliche Güte gegen diesen unsern lieben Bruder; bewahre ihn unter dem Schatten deiner Flügel, schüße und schirme ihn, den du so theuer mit deinem Blute erkauft und erlöset hast. O du treuer Heiland, wir befehlen dir seinen Leib und seine Seele in deine Hände. Erlöse seinen Leib von diesen Schmerzen: reiße seine Seele aus dem Tode, seine Augen von den Thränen, seinen Fuß vom Gleiten, damit er also sicher wandeln möge vor dir im Lande der Lebendigen, und wie er dich hier in der Zeit geprießen hat, dich auch dort preißen möge in alle Ewigkeit! Amen. Fürbitten für Sterbende. 315 c. 3u Gott, dem heiligen Geifte. 176. O Herr Gott, du höchster Tröster in aller Noth, wir seufzen herzlich zu dir in unserer Noth und bitten dich demüthiglich, du wollest dich über diesen unsern Bruder gnädiglich erbarmen und sonderlich in diesen letzten Nöthen ihn im rechten Glauben an Jesum Christum erhalten, in Hoffnung erfreuen, in Widerwärtigkeit trösten, in Geduld stärken und bis ans Ende selig bewahren. Sonderlich aber, weil er um der leiblichen Schwachheit willen der mündlichen Ermahnung und Tröstung nicht fähig, ach du Gott alles Trostes, so erhalte ihn du selbst im rechten Trost und Glauben bis ans Ende. Und da er jetzt in dieser großen Angst und Noth nicht weiß genugsam zu Gott zu seufzen, so vertritt du selbst ihn gewaltiglich mit unaussprechlichem Seufzen. O du Geist der Stärke, stärke und erhalte ihn zum ewigen Heil. Die Angst seines Herzens ist groß; führe ihn, o Gott, aus diesen seinen letzten Nöthen. 14* 316 Gebete an Kranken-, Sterbe- und Todtenbetten. Odu Geist der Gnaden, verbirg doch dein gnädig Angesicht nicht vor ihm. Laß sein Herz hören und behalten deine Gnade, denn er hofft auf dich. Thue ihm kund den Weg des ewigen Lebens, denn ihn verlangt nach dir. O heiliger Geist, wehre dem bösen Geist und bewahre diese Seele vor allen liftigen Anläufen des leidigen Satans. Regiere und führe ihn durch die lieben Engel. Behüte ihn vor allem Uebel und nimm auf seine Seele zum ewigen Leben, damit sie dich sammt dem Vater und dem Sohne, unserm Heilande, möge loben und preißen immer und ewiglich! Amen. 177. Allmächtiger, gütiger Vater, der du durch den Tod deines Sohnes, unsers Herrn Jesu, unsern Tod zerstört, und uns alle, die du zu ihm gezogen, in ihm der Auferstehung und des Lebens theilhaftig gemacht hast; der du willst, daß wir das Bild des himmlischen Adam tragen sollen, wie wir hier das Bild des irdischen Fürbitten für Sterbende. 317 Adam tragen: gib diesem unserm Bruder solchen deinen gnädigen Willen mit festem Glauben zu faßen und in diesen seinen Nöthen immer vor Augen zu haben, damit er in aller Anfechtung des bösen Geistes bestehe und sich fest halte an deinem lieben Sohne Jesu Christo, unserm einigen Herrn, welcher ist die Auferstehung und das Leben. Laß also diesen unsern Bruder, durch Christum von Tod und Hölle erlöset, dich mit allen deinen Auserwählten in deinem Reiche loben und preißen, durch denselben deinen Sohn, unsern Herrn Jesum Christum! Amen. 178.* O gütiger Gott, barmherziger Vater, du bist unsere Zuflucht, unsere Stärke und Hilfe in unsern Nöthen. Laß leuchten dein Antlig über deinem Knecht, der jetzt vor dir erscheinen soll. Wasch ab alle seine Sünde, o Herr Gott, mit dem theuern Blute Jesu Christi, auf daß derselben im Gerichte nimmermehr gedacht werde. Mehre ihm den Glauben, errette 318 Gebete an Kranken-, Sterbe- und Todtenbetten. seine Seele aus der Gewalt des brüllenden Löwen und der bösen Engel. Tröste ihn durch deinen heiligen Geist und gib ihm in dieser Stunde zu verstehen, daß du sein gütiger und barmherziger Vater, und daß er aus lauter Gnaden dein liebes Kind sei. Laß den nicht verloren werden, den du mit dem heiligen Blute Christi so theuer erkauft hast. Nimm seine Seele auf in das himmlische Paradies, wie du die Seele des Schächers am Kreuze hast aufgenommen. Laß seine Seele von den lieben Engeln getragen werden wie die Seele des armen Lazarus, und verleihe ihm eine fröhliche Auferstehung am jüngsten Tage. Erhöre, o Vater aller Gnaden, uns an seiner Statt. Erhöre deinen Sohn, unsern einigen Erlöser und Mittler, der zu deiner Rechten sitzt und für ihn und uns alle bittet, und sei uns gnädig um des Verdienstes seines theuern Blutes und Leidens willen. In solchem Vertrauen befehlen wir seine Seele in deine väterliche Hand und rufen dich an mit Fürbitten für Sterbende. 319 dem Gebete, das uns Jesus Christus, unser Heiland, zu beten selbst gelehrt und befohlen hat. V. U. 179. O Herr Jesu Christe, der du allein bist die Thür zum ewigen Leben, so daß, wer durch dich eingeht, selig werden kann, wir bitten dich von Herzen, du wollest solche Gnadenthür diesem Sterbenden auch aufthun und ihn aus der Anfechtung der Sünden und des Teufels List und Macht bald erlösen. Ach Herr, hilf ihm, daß er im finstern Thale und Schatten des Todes nicht irre gehe noch verderbe. Du als ein getreuer Hirte nimm auf das verlorene Schaf und laß im Herzen dieses deines Knechtes dein Wort leuchten. Stehe ihm in der Noth bei und zeig ihm dein Heil; laß ihn nicht entfallen aus des rechten Glaubens Trost; nimm seine Seele in deine Hände und pflege ihrer mit Gnaden, auf daß sie keine Qual berühre, und gib ihm also das ewige Leben! Amen. 320 Gebete an Kranken-, Sterbe- und Todtenbetten. 180.* Herr Jesu Christe, du einiger Sohn des himmlischen Vaters, unser Erlöser, Heiland und Seligmacher, wir bitten dich, erlöse diesen sterbenden Menschen von allen greulichen und erschrecklichen Phantasien und Anfechtungen des Teufels, der Sünde und der Hölle. Erlöse ihn, wie du gnädiglich erlöset haſt Noah von den Wellen der Sintfluth, Loth von dem Verderben Sodoms, die Kinder Ifrael von der Gewalt Pharaos, David von der Hand Goliaths, die drei Männer aus dem Feuerofen von Babel, Daniel aus der Löwengrube, Jonas aus dem Bauche des Wallfisches, Petrum aus dem Gefängnis Herodis. Also erlöse auch, o Herr Gott, die Seele dieses sterbenden Menschen von aller Fährlichkeit, eröffne ihm heute noch die Thür des Paradieses, die Pforte des Himmels und den Eingang des ewigen Lebens. O Herr Christe, verzeih ihm alle seine Sünde und führe ihn mit Freuden in das Reich deines himmlischen Vaters, in den Schooß Abrahams, zur ewigen Ruhe, Fürbitten für Sterbende. auf daß er mit dir und allen auserwählten Kindern Gottes ohne Ende sich freue in dem ewigent Leben. Amen. 321 181.* Allmächtiger, gütiger Gott, der du unser Leben erhältst im Tode, und Sterben, wir bitten dich, du wollest die Augen deiner Barmherzigkeit wenden zu diesem Menschen und ihn erquicken an Leib und Seele, ihm alle Sünden aus Gnaden vergeben. Nimm an das Opfer des unschuldigen Todes Jesu Christi, deines lieben Sohnes, für die Bezahlung seiner Missethat, denn er auch auf desselben Namen getauft und mit seinem Blute gewaschen und gereinigt ist. So errette ihn nun von des Leibes Qual und Pein, verkürze ihm seine Schmerzen, erhalte ihn wider alle Anklage des Gewißens und wider die Anfechtung des bösen Feindes, auf daß er im Glauben ritterlich kämpfe und überwinde. Verleihe ihm eine selige Heimfahrt zum ewigen Leben. Schicke deine heiligen Engel her, daß sie ihn geleiten 322 Gebete an Kranken-, Sterbe- und Todtenbetten. zur Versammlung der Auserwählten in Christo Jesu unserm Herrn! Amen. 7. Wenn der Sterbende in den lekten Bügen liegt. 182.* O unser Gott und Vater, nun ist die selige Stunde vorhanden, da dieses dein Kind aus der Fremde dieser Welt soll ausziehen und seine beschwerliche Reise und Wanderschaft vollenden: ach, laß es doch treffen den rechten Weg zu dir in das himmlische Vaterland. Nun ist seine edle Seele unter der Thür dieses elenden Leibes, um aus demselben herauszugehen: laß doch deine heiligen Engel bereit sein, sie aufzunehmen und zu tragen in Abrahams Schooß. Nun läuft sein heiliger Glaube zu Ende; laß ihn zum Der Seelsorger am Krankenbette. seligen Anschauen in deinem Reiche kommen. Nun läuft aus das Stündlein seines zeitlichen und mühseligen Lebens: laß ihn antreten das selige ewige Leben. O Herr Jesu Christe, du getreuer Hirte, nimm dein liebes Schäflein zu dir aus dieſer rauhen Wüste in dein schönes Paradies und laß es zu dir kommen. O Gott, heiliger Geist, hilf, stärke, tröste, laß dieſe liebe Seele geboren werden zum ewigen Leben, wie du sie wiedergeboren hast zu einem neuen heiligen Leben! Amen. 323 8. Der Seelsorger am Krankenbette.*) a. Krankenbesuch. 183. Wenn der Pfarrer in das Krankenzimmer tritt, so spreche er: Friede sei mit diesem Hause! *) Zu jedermanns Kenntnis und Nuß, und auf daß man Antwort geben und mitbeten könne. 324 Gebete an Kranken-, Sterbe- und Todtenbetten. Antwort: Und mit allen, welche darin wohnen. balt Darauf tritt er zum Kranken und betet mit dem Kranken oder mit den Umstehenden: Herr, hilf du deinem Knechte! Antwort: Mein Gott, der sich verläßt auf dich. Pf. 86, 2. SHUNOT Sende ihm Hilfe vom Heiligthum. Antwort: Und stärke ihn aus Zion. Pf. 20, 3. Der Feind soll ihn nicht überwältigen. Antwort: Und der Ungerechte soll ihn nicht dämpfen. Pf. 89, 23. Sei ihm, o Herr, ein starker Thurm. Antwort: Vor seinen Feinden. Pf. 61, 4. Herr, erhöre unser Gebet. Antwort: Und laß unser Schreien zu dir kommen. Pf. 102, 2. Der Herr sei mit euch. Antwort: Und mit deinem Geiste. Der Seelsorger am Krankenbette. Laßt uns beten! 325 Hierauf kniet der Seelsorger mit den Anwesenden nieder und betet: Herr Gott, himmlischer Vater, der du nicht Lust hast an der armen Sünder Tod, läßest sie auch nicht gerne verderben, sondern willst, daß sie bekehret werden und leben: wir bitten dich herzlich, du wolleft die wohlverdienten Strafen unserer Sünden gnädiglich abwenden und uns zu beßern deine Barmherzigkeit mildiglich verleihen. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Darauf spricht er mit den Anwesenden: Vater unser 2c. Statt dessen kann er auch nach dem Friedensgruß die nachfolgende Vermahnung gebrauchen: 184. Geliebte im Herrn Jesu Christo! Der heilige Apostel Jacobus spricht( Cap. 5): „ Ist jemand krank, der rufe zu sich die Aeltesten von der Gemeine und laße sie über sich beten und salben mit Del in dem Namen des Herrn. Und das Gebet des 326 Gebete an Kranken-, Sterbe- und Todtenbetten. Glaubens wird dem Kranken helfen und der Herr wird ihn aufrichten, und so er hat Sünden gethan, werden sie ihm vergeben sein. Bekenne einer dem andern seine Sünden, und betet für einander, daß ihr gesund werdet". Weil denn der allmächtige Gott nach seinem verborgenen Rathe diesen unsern Bruder aufs Krankenbett gelegt hat, so wollen wir nach der Vermahnung des heiligen Apostels zu Gott seufzen und bitten, daß er unserm Bruder starken, festen Glauben und christliche Geduld verleihe, und daß diese Krankheit zu Ehren Gottes und zum Heile des Kranken sich wenden möge. Laßet uns auch bedenken, daß Gott allmächtig ist, wir aber schwach und ohnmächtig, und daß an uns alle Stunden und Augenblicke geschehen könne, was wir an diesem unserm kranken Bruder sehen. Darum laßet uns mit einander und mit dem Kranken also beten: Herr Gott, himmlischer Vater, der du nicht Lust hast zc.( S. oben.) Der Seelsorger am Krankenbette. Aufstehend spricht der Seelsorger: Der allmächtige Gott wolle unser Gebet gnädiglich erhören! Amen. 327 Hierauf thut er sein seelsorgerisches Amt, wie fichs gebührt. b. Einfegnung der Sterbenden. 185. Wenn ein Pfarrer zur Einsegnung eines Sterbenden gerufen wird, so soll er, so weit es möglich ist, und der Zustand des Sterbenden zuläßt, ihn mit kurzen, träftigen Sprüchen der heiligen Schrift trösten, wie es einem Seelsorger zusteht. Mit den Umstehenden aber fann er in folgender Weise handeln.. Er fällt mit ihnen auf die Kniee und betet: Kyrie! Antwort: Eleison! Christe! Antwort: Eleison! Kyrie! Antwort: Eleison! Vater unser Versuchung. - stöds Antwort: Sondern erlöse uns von dem Uebel. Amen. Herr Jesu Christe, der du durch den Mund deines heiligen Propheten gesagt haft:„ Ich habe dich je und je geliebt und aus lauter Liebe habe ich dich zu mir ge 328 Gebete an Kranken-, Sterbe- und Todtenbetten. A Ad zogen", ich bitte dich, du wollest deine Liebe, welche dich vom Himmel zur Erde und in die Bitterkeiten deiner Leiden getrieben hat, darbieten und zeigen dem allmächtigen Vater zum Seelenheile dieses deines sterbenden Knechtes. Befreie ihn von allen Leiden und Strafen, die er um seiner Sünden willen billig fürchtet und laß in dieser Stunde des Todes seine Seele zu ewigen Freuden und Ehren gelangen. Frommer Herr Jesu, du hast sie erlöset mit deinem kostbaren Blute, erbarme dich ihrer, und führe sie ein zu den immer grünen und lieblichen Auen des Paradieſes, daß sie, obwohl den Augen der Sterblichen entrückt, in ewiger Liebe lebe, die von dir und deinen Auserwählten niminermehr geschieden werden kann. Erhöre uns, der du mit dem Vater und heiligen Geiste lebst und herrschest ohne Ende! Antwort: Amen. Oder: 186. Herr Jesu Christe, um deiner Todesangst und allerheiligsten Gebetes wil Der Seelsorger am Krankenbette. len, das du für uns am Delberg gebetet hast, da dein Schweiß wie Blutstropfen zur Erde fiel, bitte ich dich und flehe dich an: zeige deinem allmächtigen Vater und biete ihm dar deinen schmerzlichen Blutschweiß zum Seelenheile dieses deines sterbenden Dieners. Befreie ihn in dieser Stunde des Abschieds von allen Nengsten und Anfechtungen, die ihn um seiner Sünden willen billig treffen könnten; laß dem Bösewichte über ihn keine Macht, der du demselben die Macht genommen und erlöset hast, die aus Furcht des Todes Knechte sein mußten ihr Leben lang. Erhöre uns, der du mit dem Vater und heiligen Geiste lebst und herrschest von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Oder es kann auch gebetet werden: 187. Die Litanei für die Sterbenden. Kyrie! Eleison! Eleison! Christe! Kyrie! Eleison! Herr Gott, Vater im Himmel! barme dich! - — - - 14** 329 Ere 330 Gebete an Kranken-, Sterbe- und Todtenbetten. Herr Gott Sohn, der Welt Heiland!) Herr Gott, heiliger Geist! Heilige Dreieinigkeit, ewiger Gott! Herr, sei gnädig! sterbenden Menschen! - Verschone dieses Vor deinem Zorne! Vor bösem Tode! Vor der Höllen Pein! Vor des Teufels Macht! Vor des Teufels Trug und Lift! Vor allem Uebel! Erbarme dich! Behüt ihn, lieber Herre Gott! Durch deine heilige Menschwerdung und Geburt! Durch deinen Todeskampf und blutigen Schweiß! Durch dein Kreuz und deinen bittern Tod! Durch deine heilige Auferstehung und Himmelfahrt! Im Augenblick des Todes! Im jüngsten Gericht! Durch die Gnade deines heiligen Geistes, des Trösters! Hilf ihm, lieber Herre Gott! Der Seelsorger am Krankenbette. 331 Wir armen Sünder bitten, Du wollest uns erhören, lieber Herre Gott! Und diesen Sterbenden trösten, Und ihm alle Sünde verzeihen, Und ihn aus diesem Elend einführen zum ewigen Leben! O JEsu Christe, Gottes Sohn! O du Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt! O du Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt! O du Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt! Verleih ihm ewiglich Frieden! Collins Christe! Erhöre uns! Kyrie! Eleison! Christe! Kyrie! Eleison! Eleison! 1 - - tine- Amen. - Erhöre uns, lieber über ihn! Herre Gott! Erbarme dich Wenn man merkt, daß es mit dem zeitlichen Leben des Sterbenden zu Ende geht und die letzten Athemzüge gehen, so legt der Seelsorger dem Sterbenden die Hände auf und spricht: 188. Es fegne dich, o liebe Seele, Gott der Vater, der dich nach seinem Ebenbild 332 Gebete an Kranken-, Sterbe- und Todtenbetten. erschaffen hat! Es segne dich Gott, der Sohn, der dich mit seinem theuern Blut erkauft hat! Es segne dich Gott, der heilige Geist, der dich zu seinem Tempel bereitet und geheiligt hat! Der gnädige, barmherzige Gott wolle dich durch Kraft des bittern Leidens und Sterbens Jesu Christi und durch den Dienst seiner Engel führen in Abrahams Schooß, in das ewige Vaterland, daß du daselbst mit allen Auserwählten in unaussprechlicher Freud und Herrlichkeit leben mögest! Unser HErr Jesus Christus sei bei dir, daß er dich beschüße! In dir, daß er dich erquicke! Vor dir, daß er dich leite und führe zur ewigen Heimath! Um dich, daß er dich erhalte! Ueber dir, daß er dich segne mit ewigem Segen! Der mit dem Vater und heiligen Geiste lebt und herrschet in Ewigkeit. - Antwort der Umstehenden: Amen. Oder: 189. 3ich hin, erlöste Seele, aus dieser Welt, im Namen des allmächtigen Vaters, Der Seelsorger am Krankenbette. der dich geschaffen hat, im Namen Jesu Christi, der ein Sohn ist des lebendigen Gottes und dich erkauft hat, im Namen des heiligen Geistes, der in dir ausgegoßen ist! Ziehe hin! Sei heute mit Christo im Paradieſe und deine Wohnung sei von - 333 nun an in der heiligen Stadt Zion! Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe! Der Herr segne dich und behüte dich! Der Herr erleuchte sein Angesicht über dir und sei dir gnädig! Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden! Antwort: Amen. - - ( Die Anwesenden können auch von dem„ Gelobet fei 2c." an mitsprechen.) 190. Gott Vater, was du erschaffen hast; Gott Sohn, was du erlöset haſt; Gott heiliger Geist, was du geheiligt haſt, befehle ich dir in deine Hände! Deinem göttlichen Namen sei Lob, Ehre, Preis und Herrlichkeit, uns aber Friede, Freude und Seligkeit von nun an bis in Ewigkeit! Antwort: Amen. 334 Gebete an Kranken-, Sterbe- und Todtenbetten. Wenn indes der Mensch verschieden ist, so spricht der Seelsorger weiter: Friede sei ewiglich mit dieser Seele! Antwort: Amen. Laßet uns beten! 191, Wir danken dir, Herr Jesu Christe, du Herzog des Lebens, daß du unsern Bruder in wahrer Buße und Glauben erhalten hast bis zum seligen Ende. In deine Hände befehlen wir nun seinen Geist in seiner Heimfahrt! Nun wird er versammelt zu seinem Volke und von den Engeln getragen in Abrahams Schooß. Wer will nun seines Lebens Länge ausreden? Wer will ihn aus deiner Hand reißen? Niemand wird dir deine Schafe aus den Händen reißen. Du gibst ihnen das ewige Leben! Wir loben dich, wir Ach Herr, anbeten dich, wir preisen dich! erbarme dich auch über uns, die wir noch im Jammerthal wallen und hilf uns die Mühsal dieses Elends mit Geduld ertragen bis ans Ende. Laß uns täglich bereit sein! Hilf uns seligen Feierabend machen 1 - Der Seelsorger am Krankenbette. 335 und mit Fried und Freuden nachfahren deinen Auserwählten zu unserm Volke! Antwort: Amen. Der Friede des Herrn sei mit euch allen! Antwort: Amen. Amen. 9. Wenn ein Christ verschieden ist. Gebete der Umftehenden. 192. Wir danken dir, Herr Jesu Christe, daß du unser armes Gebet und Flehen nicht verachtet, sondern gnädiglich erhöret hast. Du hast unsern Bruder aus der Angst gerißen und eingeführt in die ewige Ruhe. Ach, lieber Heiland, wir sprechen mit Hiob:„ Der Herr hats gegeben, der Herr hats genommen, der Name des Herrn sei gelobet" und mit dem Volke 336 Gebete an Kranken-, Sterbe- und Todtenbetten. im Evangelio: ,, Er hat alles wohlgemacht". Hilf, daß wir uns getrösten, wir haben unsern Bruder gar nicht verloren, sondern nur vorangesendet, der ungezweifelten Hoffnung, daß du den verstorbenen Leichnam, der allhie in Schwachheit vor uns liegt, am jüngsten Tage mit großer Kraft und Herrlichkeit auferwecken und uns verleihen werdest, daß wir einander bei dir im ewigen Leben wieder finden. Wollest uns auch sämmtlich deines heiligen Geistes Gnade verleihen, daß wir uns an diesem Todtenbette erinnern, wie bald es um einen Menschen geschehen sei, und daß, wie es heute um diesen Menschen gewesen, es morgen an uns sein könne, damit wir in stätiger und immerwährender christlicher Bereitschaft erfunden werden, dir, wann das Stündlein kommt, durch das finstere Thal des Todes mit Freuden zu folgen in dein Reich, der du sammt dem Vater und heiligen Geiste lebst und regierst in Ewigkeit! Amen. Wenn ein Christ verschieden ist. Rauchopfer. 193. Allmächtiger, barmherziger Gott, ewiger Vater, wir sagen dir für die selige Auflösung unsers Bruders und für die große, väterliche Hilfe, die du an ihm und uns allen bewiesen hast, von Grund des Herzens Lob, Ehre und Dank, und bitten dich in kindlichem Gehorsam und in deiner Furcht, du wollest uns allen Verstand und Gnade geben, daß wir durch dieses Bild vor unsern Augen erinnert werden, unser menschliches Elend zu betrachten: wozu wir in diese Welt geboren, wie hinfällig und vergänglich unser Leben und was unser aller Ende sein werde, auf daß wir, wahrhaftig gedemüthigt, allem Hochmuth, Hoffahrt, eigenem Wohlgefallen und falschem Vertrauen von Herzen absterben, auch uns in eine ernsthafte Buße und Beßerung unsers Lebens begeben, in festem Glauben und brüderlicher Liebe wachen, zur Zeit unserer Abforderung von dir als deine treuen Kinder erfunden werden und mit diesem unserm Bruder in der Auferstehung der Gerechten ewiges 337 15 338 Gebete an Kranken-, Sterbe- und Todtenbetten. Leben haben, durch unsern Herrn Jesum Christum! Amen. 10. Trostgebet über unsere selig Verstorbenen. 194. O du großer und allgewaltiger Gott, der du Tod und Leben in deinen Händen hast, der du die Menschen läßest sterben und sprichst: ,, Kommt wieder, Menschenkinder", der du sie dahin, fahren läßest wie einen Strom und sie machest wie einen Schlaf und gleich wie ein Gras, das doch bald welk wird"! Du hast uns freilich unsre lieben Angehörigen nicht auf ewig gegeben, sondern nur eine Zeit lang geliehen, und holst sie wieder heim nach deinem gnädigen Rathschlag und Wohlgefallen. Du hast uns nun durch den Tod dieses unsers lieben Freundes in große Trostgebet über unsere selig Verstorbenen. 339 Traurigkeit versenket, aber tröste uns wieder nach deiner Gnade. Laß uns beherzigen, daß der Deinen Hintritt und Todesfahrt mehr mit Frohlocken und Glückwünschung aufzunehmen als mit Thränen und Aechzen zu beklagen sei, weil sie ihr Elend selig enden und ihre herrliche Ewigkeit fröhlich anfangen. Wer wollte über den klagen und weinen. der aus dem Schiffbruch das Ufer glücklich erreicht hat? Er ist aus dem Kerker des Leibes mit dem heiligen Paulo aufgelöset und hat bei dem Herrn Christo die rechte wahre Freiheit erlangt. Er ist mit dem lieben alten Simeon in Frieden gefahren, ruhet nun wohl in Gottes Hand, und keine Qual rühret ihn an. Wir trauern, wehklagen und jammern; er jauchzt und triumphirt in dem himmlischen Jerufalem. Wir tragen schwarze Trauerkleider als Zeichen unsers herzlichen Leides; er ist mit sonnenhellen, weißen Kleidern angethan, trägt Palmenzweige als Zeichen der fröhlichen Ueberwindung und folgt dem 15* 340 Gebete an Kranken-, Sterbe- und Todtenbetten. himmlischen Lamme, seinem Heiland und Erlöser, nach mit unaussprechlichen Freuden. Er hat alle Gefahr, alles Unglück, alle Zufälle, die das menschliche Leben betrüben können, die wir Hinterbliebenen noch alle mit Furcht und Sorgen erwarten müßen, wohl und gut zu Ende gebracht, seine Hoffnung ist schon erfüllt, er hat nunmehr im Schauen, was er hier geglaubt hat. Wer wollte dem Taglöhner misgönnen, wenn er das mühsame Tagwerk seiner Arbeit geendet, zum Feierabend gelangt, wo er ruhet und feiert von aller seiner Mühe und den Gnadenlohn einnimmt? Und was kann er nunmehr Beßeres wünschen? Wir sollen uns billig mit dem seligen Abgestorbenen freuen und seine vollkommene und über alle Maßen wichtige, unendliche Herrlichkeit mit unnöthiger Betrübnis nicht verdunkeln. Gib uns Geduld, du treuer Gott, und verleihe, daß wir in Demuth deine Züchtigungsruthe küßen, unsern Willen dem deinigen untergeben, einen guten Wandel führen, Glauben Um eine selige Nachfahrt. halten und mit diesem unserm Bruder und allen christgläubigen Seelen dort die Krone der Ehren selig erlangen, durch Jesum Christum, deinen allerliebsten Sohn, unsern Fürsprecher und Mittler. Amen. 11. 341 Um eine selige Nachfahrt. 195. Wir danken dir, Herr Jesu Chriſte, du ewiger Herzog des Lebens, daß du diesen unsern Bruder in wahrer Buße und Glauben beständig erhalten und ihm ein seliges Ende verliehen hast. Wie lieblich wird nun die erlöste Seele gen Himmel getragen, wie wohl ist ihr! Denn so wird gesagt von Lazari Seele, da er starb vor des Reichen Thür: ,, Seine Seele ward getragen von den Engeln in Abrahams Schooß". So glauben und wißen wir es gewiß, ob wir 342 Gebete an Kranken-, Sterbe- und Todtenbetten. es schon mit unsern sterblichen und dunkeln Augen nicht sehen können, daß viele heilige Engel um dies Bette her auf die Seele gewartet haben. Nun wird sie heimgeholt, nun fährt sie ins ewige Paradies, nun kommt sie zur Ruhe in ihres Herrn Jesu Christi Armen und Schooß und wird begabt mit ewigem Frieden und Trost, mit Freude und Wonne. Ach Herr Jesu Christe, erbarme dich auch über uns, die wir noch hie leben und hinterstellig sind. Tröste uns in diesem Jammerthale und hilf uns die Mühſeligkeiten dieses Elends mit Geduld ertragen bis ans Ende. Gib, daß wir der heimgefahrenen Seele im Glauben nachfolgen, täglich und stündlich zu unserer Heimfahrt bereit seien, wie sie einen seligen Feierabend machen und ihr nachfahren mögen mit Frieden und Freude! Amen. S. Martin Moller p. 380. Anhang. Tröstung an Kindergräbern. 12. Anhang. 343 Tröstung. An Kindergräbern. 196. Liebe Brüder, die Schrift lehrt uns, und es ist offenbar, daß auch die unmündigen Kindlein den Sold der Sünde mit Leiden und Sterben empfangen gleicher Weise, als auch wir. Des gedenken wir an ihren Gräbern und beweinen ihr Loos. Aber wir gedenken auch ihrer schnell gewonnenen Seligkeit, die sie ja mit nichts verdienen konnten, sondern aus lauter Gnade in ihrer Taufe empfangen haben. Ihrer ist das Himmelreich, das erkennen wir mit herzlicher Zuversicht und großem Dank, trösten uns des und legen unser Leid dadurch ab. Sie haben in kurzem Lauf die herrliche Krone des ewigen Lebens erlangt, 344 Anhang. in kurzem Streit einen unvergänglichen Sieg gewonnen. Sie sind ohne Schule zur ewigen Weisheit, ohne Predigt zum Anschauen der Herrlichkeit Gottes, und durch kurze Schmerzen zu unverwelklichen Freuden erhoben. Auch ihre Leiber ruhen in Hoffnung und werden am jüngsten Tage zum Leben auferstehen. So sind sie denn gewiße Kinder, deren Seligkeit nicht zweifelhaft ist, und beğer versorgt, als alle Kinder, die auf Erden leben. Auch sind sie glücklicher zu preisen, als wir alle, die wir durch so viel Mühen und Sünden dem ewigen Leben entgegen gehen. Darum soll sprechen, wer sich an Gräbern der Kinder segnen will: Meine Seele müße sterben des Tods der Gerechten und mein Ende werde wie dieser Ende!"( 4. Mosſ. 23, 10.) Laßet uns beten: Kyrie zc. 11 Bei Beerdigung fodtgeborener Kinder. 197. Liebe Brüder! Wir legen ein Saamenkörnlein in Gottes Acker, dessen Leben wir kaum wahrgenommen haben. t Tröstung bei Beerdigung Todtgeborener. 345 Dennoch zweifeln wir an seinem ewigen Leben nicht. Es ist ja dies Kindlein in der höchsten Noth der Geburt und schon zuvor durch das gläubige Gebet gottesfürchtiger, lieber Eltern und anderer Christen dem allmächtigen Gotte zugetragen und empfohlen worden. Solcher Kindlein aber, die man betend dem Herrn darbringt, ist das Himmelreich. Darum sollen wir auch keinen Zweifel haben, dies Kindlein sei in seiner Ruhe und in der Zahl der Auserwählten. Das Licht dieser Welt hat es nicht gesehen, dafür wandelt es im Lichte jener Welt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Beide, dieser Welt Freuden und Leiden, hat es nicht erfahren: wohl ihm, es hat an beiden nichts verloren noch versäumt, und genießt nun leidloser Freuden die Fülle vor Gottes Angesicht. Seine lieben Eltern hat es hier nicht kennen gelernt; aber es ruht in des ewigen Vaters Schooß und wird dermaleins auch seine zeitlichen Eltern von Angesicht zu Angesicht schauen und erkennen. So hat denn dies Kindlein Anhang. nichts verloren und ist selber unverloren. Darum soll Gott auch von euch an diesem Grabe gelobt und geprießen, aber auch in Demuth gebeten sein, daß seine Christenheit gebeßert und uns allen ein seliges Ende bescheert werde. Laßet uns beten: Kyrie 2c. V. U. 346 V. Alte Reimgebete. Vorbemerkung. Gereimte Wahrheit geht leichter ein, bleibt leichter, hängen. bleibt 1. Ach Gott, wie manches Herzeleid Begegnet mir zu dieser Zeit. Der schmale Weg ist trübsalvoll Den ich zum Himmel wandeln soll. Wie schwerlich läßt sich Fleisch und Blut 3wingen zu dem ewigen Gut. Wo soll ich mich denn wenden hin? Zu dir, Herr Jesu, steht mein Sinn. Bei dir mein Herz Trost, Hilf und Rath Allzeit gewiß gefunden hat; Niemand jemals verlaßen ist, Der getraut hat auf Jesum Christ. Du bist der große Wundermann, Das zeigt dein Amt und dein Person, Welch Wunderding hat man erfahrn, Daß du, mein Gott, bist Mensch geborn, Und führeft uns durch deinen Tod Ganz wunderlich aus aller Noth! Alte Reimgebete. Jesu, mein Herr und Gott allein, Wie süß ist mir der Name dein. Es kann kein Trauern sein so schwer, Dein süßer Nam erfreut viel mehr. Kein Elend mag so bitter sein, Dein süßer Nam erlindert fein. Ob mir gleich Leib und Seel verschmacht, So weißt du, Herr, daß ichs nicht acht. Wenn ich dich hab, so hab ich wohl, Was mich ewig erfreuen soll. Dein bin ich doch mit Leib und Seel: Was kann mir thun Sünd, Tod und Höll? Kein beßer Treu auf Erden ist, Denn nur bei dir, Herr Jesu Christ. Ich weiß, daß du mich nicht verläßt, Dein Wahrheit bleibt mir ewig fest. Jesu, mein Freund, mein Ehr und Ruhm, Meins Herzens Schaß und mein Reichthum, Ich kanns doch ja nicht zeigen an, Wie hoch dein Nam erfreuen fann. Wer Glaub und Lieb im Herzen hat, Der wirds erfahren mit der That. Drum hab ich oft und viel geredt, Wenn ich an dir nicht Freude hätt, 350 Alte Reimgebete. So wollt ich den Tod wünschen her, Ja, daß ich nie geboren wär. Denn wer dich nicht im Herzen hat, Der ist gewiß lebendig todt. Jesu, du edler Bräutigam werth, Mein höchste Zier auf dieser Erd, An dir allein ich mich ergeh Weit über all güldene Schäß. So oft ich nur gedenk an dich, All mein Gemüth erfreuet sich. Wenn ich mein Hoffnung stell zu dir, So fühl ich Fried und Trost in mir. Wenn ich in Nöthen bet und sing, So wird mein Herz voll guter Ding. Dein Geist bezeugt, daß solches frei Des ewgen Lebens Vorschmack sei. Drum will ich, weil ich lebe noch, Mein Kreuz dir fröhlich tragen nach. Mein Gott, mach mich dazu bereit, Es dient zum Besten allezeit. Hilf mir mein Sach recht greifen an, Daß ich mein Lauf vollenden kann. Hilf mir auch zwingen Fleisch und Blut, Vor Sünd und Schanden mich behüt; 351 352 Alte Reimgebete. Erhalt mein Herz im Glauben rein, So leb und sterb ich dir allein. Jesu, mein Trost, hör mein Begier: O mein Heiland, wär ich bei dir. Amen. 2. Ach Herr, sei du mein Zuversicht, Wann mein Mund nun kein Wort mehr spricht; Ja, so die Ohren nicht mehr hören, Durch deinen Geist thu du mich lehren. Herr, sei mein Fels, mein Stärk und Trost, Wann mich der Tod ins Herze stoßt, Dadurch sich meine Augen wenden. Osteh mir bei und hilf mir enden! Herr, meinen Geist befehl ich dir, Dein gnädigs Angesicht wend zu mir. Durch dein bitter Leiden und Sterben Laß mich in keiner Sünd verderben, Die mir der Feind so groß thut machen. O Herr, reiß mich aus seinem Rachen Und leg das tröstlich Wort in mich Deiner Versöhnung, bitt ich dich. Laß mein Gewißen auch empfinden, Daß ich rein sei von allen Sünden. Alte Reimgebete. treuer Gott, ich bitt von Herzen, Gib mir Geduld in meinen Schmerzen. Durch Jesum Christ erhör mein Bitt, Laß deinen Knecht sterben im Fried. Erlös mich aus der Noth und Qual, Begleit mein Seel ins Himmels Saal, Durch deine Engel in dein Reich, Daß ich dich lob dort ewiglich! Amen. 353 3. Herr Jesu Christ, du treuer Hort, si dif Du Sohn Gottes und ewigs Wort, Mein Trost, mein Heil und wahre Freud In meiner Angst und großem Leid, Mein feste Burg und Zuversicht, Mein Stärk, mein Kraft, meins Lebens Licht, Groß ist dein Gnad und Gütigkeit, Grundlos dein Lieb in Ewigkeit, Durch deine große Barmherzigkeit Mein traurigs Herz erquick allzeit. Mein Sünd mich kränken Nacht und Tag: Ach, tröst mich, daß ich nicht verzag. Bespreng mich, Herr, und mach mich rein Mit dem rosinfarben Blute dein. 15** 354 Alte Neimgebete. Erlös mich von dem ewigen Tod Durch dein heilige Wunden roth. Laß mein Herz fühlen die englisch Freud, Die währt und bleibt in Ewigkeit! Amen. 4. Herr Jesu Christ, in deine Händ Befehl ich an meim letzten End Mein Seele, nimm du sie zu dir Und sie zu deinem Vater führ! Sie ist besprengt mit deinem Blut; Dasselb ist auch mein höchstes Gut. Ich sterb und will nun bei dir sein Ohn alle Klag, ohne alle Pein. Mein Leben ist hie nichts auf Erd, Wenn es auch gleich viel Jahre währt. Herr, hilf mir, daß ich solchs bedenk Und mich in deine Gnade senk. Ich trau und glaub durch Jesum Christ, Daß du, o Gott, mir gnädig biſt. Amen. Alte Reimgebete. 5. Herr Jesu Christ, wahr Mensch und Gott, Der du littst Marter, Angst und Spott, Für mich am Kreuz auch endlich starbst Und mir deins Vaters Huld erwarbst: Ich bitt durchs bitter Leiden dein, Du wollst mir Sünder gnädig sein. Wenn ich nun komm in Sterbensnoth Und ringen werde mit dem Tod; Wenn mir vergeht all mein Gesicht, Und meine Ohren hören nicht; Wenn meine Zunge nichts mehr spricht, Und mir vor Angst mein Herz zerbricht; 355 Wenn mein Verstand sich nichts mehr besinnt, Und mir all menschlich Hilf zerrinnt: So komm, Herr Christe, mir behend 3u Hilf an meinem letzten End, Und führ mich aus dem Jammerthal, Verkürz mir auch des Todes Qual. Die bösen Geister von mir treib, Mit deinem Geist stets bei mir bleib, 356 Alte Reimgebete. Bis sich die Seel vom Leib abwend: So nimm sie, Herr, in deine Händ; Der Leib hab in der Erd sein Ruh, Bis sich der jüngst Tag naht herzu. Ein fröhlich Urständ mir verleih, Am jüngsten Gricht mein Fürsprech sei Und meiner Sünd nicht mehr gedenk, Aus Gnaden mir das Leben schenk. Wie du hast zugesaget mir In deinem Wort, das trau ich dir: Fürwahr, fürwahr, euch sage ich: Wer mein Wort hält und glaubt an mich, Der wird nicht kommen ins Gericht Und den Tod ewig schmecken nicht; Und ob er schon hier zeitlich stirbt, Mit nichten er drum gar verdirbt. Sondern ich will mit starker Hand Ihn reißen aus des Todes Band Und zu mir nehmen in mein Reich. Da soll er denn mit mir zugleich In Freuden leben ewiglich. Dazu hilf uns ja gnädiglich. Alte Reimgebete. Ach Herr, vergib all unsre Schuld! Hilf, daß wir warten mit Geduld, Bis unser Stündlein kommt herbei; Auch unser Glaub stets wacker sei, Dem Wort zu trauen feftiglich, Bis wir einschlafen seliglich. 6. 357 Paul Eber. Hie lieg ich armes Würmelein, Kann regen weder Hand noch Bein. Vor Angst mein Herz im Leib zerspringt, Mein Leben mit dem Tode ringt. Vernunft und alle Sinn sind matt, Meins Lebens bin ich müd und satt. Hören und sehen ist dahin, Selig sterben ist mein Gewinn. Darum, Herr Christe, zu mir eil, Vertreib des Teufels feurige Pfeil, Der jetzt um mich thut brüllen her, Gleichwie ein Löw und grausam Bär, Daß mich von deiner Lieb nicht scheid Kein Anfechtung, Angst oder Leid. Laß mich doch in dem Reiche dein Deinen geringsten Diener sein. Alte Reimgebete. Ein festen Glauben mir verleih, Daß ich gerecht und selig sei, Erworben durch dein theures Blut Von Sünden, Tod und Höllenglut. Wenn nun mein Stündlein kommt heran, So laß dein Engel um mich stan, Und führen aus dem Jammerthal Mein Seele in des Himmels Saal, Daß ich sammt allen Heiligen dein Im Chor der lieben Engelein Preiße deinen heiligen Namen In alle Ewigkeit. Amen. 358 7. Hilf, Helfer, hilf in Angst und Noth, Erbarm dich mein, du treuer Gott. Ich bin doch ja dein liebes Kind Trot Teufel, Welt und aller Sünd. Ich trau auf dich, mein Gott und Herr, Wenn ich dich hab, was will ich mehr. Ich hab ja dich, Herr, Jesu Christ, Du mein Gott und Erlöser biſt. Alte Reimgebete. Des freu ich mich von Herzen fein, Bin gutes Muths und harre dein, Verlaß mich gänzlich auf dein Nam. Hilf, Helfer, hilf! drauf sprech ich Am'n. 359 8. Ich armer Sünder gar nichts bin, Allein Gotts Sohn ist mein Gewinn. Daß er Mensch worden, ist mein Trost. Er hat mich durch sein Blut erlost. O Gott Vater, regier du mich Mit deinem Geiste stetiglich. Laß deinen Sohn, mein Trost und Leben, Allzeit in meinem Herzen schweben. Und wenn die Stund vorhanden ist, Nimm mich zu dir, Herr Jesu Christ; Denn ich bin dein, und du bist mein, Wie gern wollt ich doch bei dir sein. Herr Jesu Christe, hilf du mir, Daß ich ein Zweiglein bleib an dir, Und nachmals mit dir aufersteh, Zu deiner Herrlichkeit eingeh, Mit deinen Engeln in deim Reich, Dich lob und preiße ewiglich! Amen. 360 Alte Reimgebete. 9. Herre Gott, in meiner Noth Ruf ich zu dir; Du hilfest mir. Mein Leib und Seel Ich dir befehl In deine Händ. Dein Engel send, Der mich bewahr, Wenn ich hinfahr Aus dieser Welt, Wenn dirs gefällt. Herr Jesu Christ, Gestorben bist, Am Kreuzesstamm. O Gotteslamm, Dein Wunden roth, In aller Noth, Dein theures Blut Komm mir zu gut. Dein Leiden und Sterben Mach mich zum Erben In deinem Reich, Den Engeln gleich, Daß ich bei dir Bleib ewiglich. - Oheiliger Geist, Mein Tröster heißt. An meinem End Dein Trost mir send. Verlaß mich nicht, Wenn mich anficht Des Teufels Gwalt, des Tods Gestalt. Herr, mein Hort, Nach deinem Wort Wollst du mir geben das ewig Leben. Amen. - Alte Reimgebete. 10. Jesu, Gottes Lämmelein, Ich leb oder sterb, so bin ich dein. Ich bitt, laß mich mit dir zugleich Ein Erbe sein in deinem Reich. Denn was wär sonst dein Sterbensnoth, So viel Striemen und Wunden roth, Wenn ich auch nicht der Seligkeit Genießen sollt in Ewigkeit. Warum hast du dein Leib und Lebn Im Grab verschloßn und aufgebn, Wenn nicht mein Tod durch deinen Tod Verjagt sollt werdn, du treuer Gott? Darum, o Jesu, steh mir bei, Gewissen Trost und Hilf verleih. Verlaß den nicht, Herr Jesu Christ, Der mit deim Blut gewaschen ist. Im Friede laß mich schlafen ein Und in dir haben Ruhe fein. Dein Antlig laß mich sehen, Herr, Ein seligs Ende mir bescheer: Rauchopfer. 361 16 Alte Reimgebete. Das bitt ich durch das Leiden dein, aß das mein letztes Wünschen sein, So will ich loben allezeit Dich, o Herr Gott, in Ewigkeit. Amen. 362 Register nach dem Alphabet. Abendgebet eines Kranken. Abendmahlsgenuß, letter Vor dem heiligen Mahle Nach dem heiligen Mahle Abschied, friedlicher. um feligen A. ● ● Alten Mannes Gebet um ein seliges Ende Anfang der ewigen Freude, um Anfechtung der Sünden Arznei, Segen zur Auferstehung des Fleisches. Sprüche Aufforderung zum Gebet für den Kranken Aussicht auf die selige Ewigkeit. Sprüche B. Barmherzigkeit, um. Beerdigung todtgeborener Kinder Bekenntnis der Sünde. Bekenntnis eines gläubigen Christen Bernhards, des heiligen, acht Verse . • ● ● . ● ● ♦ 16* . . . ● Seite 153 287 287 293 232 208 216 212 178 133 45 301 50 104 344 93 99 285 Register. Beständigkeit in der ungewissen Todesstunde. Betrübnis und Schwermuth, große, des Kranken 110 Bitte um das göttliche Wort bis ans Ende.. 296 Buße, späte, eines sterbenden Weltkindes... 268 6. 364 Credo auf dem Sterbebette D. Danksagung für das Verscheiden eines Christen Danksagung für die heiligen Sacramente. Danksagung nach wieder erlangter Gesundheit Druck des Kreuzes €. Einsegnung der Sterbenden Ende des Leidens, um. Ende, seliges, des Kranken, um Ende, seliges, Gebet eines alten Mannes. Erbe, das. Sprüche . Erbsen, vier, in einer Blasen Erden, der, Leben ist ein Tod Ergebung in den Willen des Herrn Erhörung.„ Der HErr erhört". Sprüche Erinnerung an die heilige Taufe Erkranken, beim. • Flucht des menschlichen Lebens. Sprüche Freude des ewigen Lebens Freude, heimzufahren ● ● . . Seite 196 187 334 296 158 79 327 212 309 216 56 74 168 117 66 297 88 28 234 240 Register. 365 Seite Frohgewordenes Herz des Kranken nach Betrübnis 115 Furcht des Todes, wider 205 Fürbitten für Sterbende. 31 ● Gebet, letztes Geduld, von der. Sprüche Geduld, um . Genesung des Kranken, um Gespräch, fröhliches, eines Herzens, welchem gegeben ist, mit Freuden heimzufahren Gesundheit, baufällige Gewißheit des ewigen Lebens. Gewißheit des Todes. Sprüche. §. Halleluja für Vergebung der Sünden Halten, gläubiges, an Christo Hausvaters, Gebet eines tödtlich kranten 3. Heimath, ewige. Sehnsucht darnach Herr, wie du willst, nur seliglich Histiä Dankgebet, aus. Jonä Dankgebet, aus Junger Leute Todesbereitschaft Jüngsten Tag, um den ● .. K. Kindergräbern, Tröstung an Krankenbesuch des Pfarrers • • ● • ● . • ● • • • . 285 9 139 302 240 87 229 28 26 185 121 222 307 161 161 175 225 343 323 366 Register. Krankheit. Sprüche. Nicht von ungefähr Sündenstrafe. Wegnahme derselben. Kräfte schwinden. Kreuz. Druck desselben Schweres, langwieriges 2. Leben, ewiges, um Lebens, ewigen, Gewißheit Legten Zügen, in den Linderung der Schmerzen Litanei für die Sterbenden Luther's Gebet in seiner geistlichen und leiblichen Anfechtung und Todesangst. 1527. Luther's Seufzen in Anfechtung der Sünden Luther's Sterbensgebet.. M. ● Mitleid des ewigen Hohenpriesters. Morgengebet eines Kranten Morgen- oder Abendgebet eines Kranken N. .. Nachfahrt, um selige. Nachtgebet eines Kranken Noth und Gefahr, in allerlei Noth, in anhaltender Nußen der Krankheit. Sprüche N. Reimgebete, alte • ; . Seite . 90 92 131 214 ● 79 84 218 229 272 128 329 117 180 266 97 150 151 341 155 75 136 3 347 Schlaf, Mangel an.. Schwermuth, große, des Kranken Seelsorger, der, am Krankenbette Segen zur Arznei, um. Segnungen, um geistliche Sehnsucht, daheim zu sein Register Sehnsucht nach der ewigen Heimath Seufzer, furze, der Alten. Im Sterben Sinne schwinden ● ● Tag, jüngster. Tod. Böser, schneller Tod, vom. Sprüche Todesbereitschaft, tägliche Sorge für Wittwen und Waisen. Sprüche.. Sprache des Evangeliums vom Tode zu verstehen Sterbende, Gebete für Stunde des Todes Sündenanfechtung 11. Ungeduld, nach der Zeit der. Ungefähr, Krankheit nicht von Unglauben, wider . . ● ● . ● ● Todesgewißheit und menschlichen Lebens Flucht Trostgebet über unsere selig Verstorbenen. Tröstung an Kindergräbern • . . 367 Seite 156 110 323 133 304 228 222 274 264 61 204 283 244 178 225 86 34 169 28 338 343 148 90 107 368 Register. V. Bater unser, drei, in Sterbensnöthen Vergebung der Sünden, Gebete um Sprüche Verlangen, herzliches, nach Christo. Versöhnlichkeit und Heil der ganzen Welt, um. Verscheiden eines Christen. Verzweiflung, wider.. . Zeugnis des Glaubens. Züge, letzte Zweifel, wider . W. Wegnehmung der Krankheit, um Wiederkehr der Freude nach Schwermuth Wittwen und Waisen. Sprüche 3. ● . • Seite 278 100 18 226 200 335 181 131 115 61 105 272. 322 107 Druck der C. H. Beck'schen Buchdruckerei in Nördlingen. Inches 1 Centimetres Blue 2 3 4 Cyan 2 5 1.4 17 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 9 4 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8