Bibliothek des Kapuzinerklosters Eichstätt. Leiden Christi min 68 1174 시케 LR. INRI T Es ist vollbracht! A. GABER sc. ( 1) Fasten- und Osterbüchlein das ist: 53 Betrachtungen über das bittere Leiden und Sterben, die Auferstehung und Himmelfahrt unsers Herrn Jesu Christi für die Fasten- und Osterzeit. Nebst Meß- und Abendgebeten, Litanei für die fastenund Osterzeit. Für den eigenen und gemeinschaftlichen Gebrauch eingerichtet Bibliothek des einem katholischen Pfarrer J. E. ( Herausgeber Lapasiflosters Fichstätt. Mit Erlaubnik geistlicher Obrigkeit. Der Erlös ist für den Bonifatiusberein und für fromme Zwecke. Dülmen bei Münster in Westfalen. 2. Laumann'sche Verlagshandlung und Buchdruckerei( fr. Schnell). 1885. Evan„ Das t von wird ihrten elisten n sei, Bauers= ptember em hei= kindlich. ang des ne große zustiner= riffen in rem 28. es finnheiligen in der ebhaften so sachte i himm= ich hinDornenone und rschwand eder zur archtbare hielt es F erfüllt. erinnens en heimGeduld ). sie er= tank mit te. Sie Gb 1174 Univ.- Bibl, Giessen Borrede. Nachstehende Betrachtungen sind nach den vier Evangelisten, nach Anna Katharina Emmerich's*) ,, Das bittere Leiden Jesu Christi," nach P. Martin von Cochem, Crasset und einigen Andern bearbeitet. Gemäß dem Decret des Papstes Urban VIII. wird hiermit erklärt, daß jenen in diesem Büchlein angeführten Begebenheiten, mit Ausnahme der von den Evangelisten erzählten, keine andere Glaubwürdigkeit beizumessen sei, als jene, die auf rein menschlicher Autorität beruht. *) Anna Katharina Emmerich, die Tochter armer und frommer Bauersleute, wurde in der Bauerschaft Flamske bei Coesfeld den 8. September 1774 geboren. Als Kind lebte sie fromm im Umgange mit Gott, dem heiligen Schußengel und den Heiligen. Maria liebte und ehrte sie findlich. Sie übte sich schon als Kind in der Abtödtung. Durch den Klang des Glöckleins des Annunciaten- Klosters zu Coesfeld erwachte in ihr eine große Sehnsucht, in's Kloster zu gehen. Sie bemühte sich bei den Augustiner= innen in Borken, bei den Trappistinnen in Darfeld und den Clariffen in Münster um Aufnahme, aber vergeblich. Im Jahre 1802 in ihrem 28. Jahre wurde ihr von ihrem himmlischen Bräutigam die Gnade des finnlichen, körperlich sichtbaren Mitleidens der Schmerzen seines heiligen Hauptes zu Theil in der Dornenkrönung: ,, Ich kniete einmal in der Jefuitenkirche zu Coesfeld," erzählte sie, ,, vor einem Crucifix im lebhaften Gebete. Ich war ganz in Betrachtung versunken. Da wurde mir so sachte und so heiß, und ich sah aus dem Tabernakel der Kirche meinen himmlischen Bräutigam in Gestalt eines leuchtenden Jünglings vor mich hintreten. Seine Linke hielt einen Blumenkranz, seine Rechte eine Dornenfrone und bot sie mir zur Wahl dar. Ich ergriff die Dornenkrone und drückte sie mir mit beiden Händen auf den Kopf, worauf er verschwand und ich mit einem heftigen Schmerze rings um das Haupt wieder zur Besinnung kam." Ihr Haupt war stark geschwollen und sie litt furchtbare Schmerzen. In der Kopfbinde zeigten sich die Blutflecken. Sie hielt es geheim. Im Jahre 1802 ward ihre Sehnsucht nach dem Kloster erfüllt. Sie fand nach vielen Hindernissen Aufnahme in das Augustinerinnens Kloster zu Dülmen. Sie wurde von Krankheiten und vielen Leiden heimgesucht, die sie in der Betrachtung des Leidens Christi mit großer Geduld ertrug. Am 29. December 1812 trat ihre Stigmatisation ein, d. h. sie erhielt die fünf Wunden. Um 3 Uhr Nachmittags lag sie sehr frank mit ausgebreiteten Armen in efstatischer Erstarrung auf ihrem Bette. Sie - IV- - Die Schilderungen der Leidensscenen sind meistens aus Anna Katharina Emmerich genommen, jedoch der Kürze wegen mit einigen Abkürzungen, weil bei ihr das Nämliche wiederholt vorkommt. Die 6. Betrachtung ist " 1 ganz nach P. Martin von Cochem bearbeitet. Das bittere Leiden Jesu Christi" nach den Gesichten der gottseligen Augustinerin A. Katharina Emmerich und„ Das Leben und Leiden unsers Herrn Jesu Christi" von P. Martin von Cochem sind Lieblingsbücher des Volkes geworden. Darum hoffe ich, daß unter Gottes Segen auch nachstehende Betrachtungen eine gute Aufnahme finden und, da überall Belehrungen und Anmerkungen beigefügt sind, Nußen bringen werden. betrachtete die Leiden des Herrn und flehte, von heftigem Mitleid bewegt, mit ihm zu leiden. Sie betete 5 Vater unser zu Ehren der heiligen fünf Wunden, kam in eine große Innigkeit und fühlte einen heißen Durst nach den Schmerzen des Herrn. Ihr Angesicht war von glühender Röthe übergossen. Da sah sie ein Leuchten von oben zu sich herabkommen und in diesem die Lichtgestalt des gekreuzigten Herrn wie lebendig. Seine Wunden leuchteten wie fünf helle Lichtkreise aus dem Bilde hervor. Ihr Herz fühlte sich von einem gewaltigen Schmerze und von Freude bewegt, ihre Be gierde, mit; uleiden, ward bei dem Anblicke der heiligen Wundmale so heftig, daß es ihr schien, als flehe ihr Mitleid aus ihren Händen, ihren Füßen und ihrer rechten Seite nach den Wundmalen der Erscheinung hin. Da schossen zuerst aus den Händen, dann aus den Füßen und endlich aus der Seitenwunde der Kreuzerscheinung und zwar aus jeder einzelnen Wunde dreifache blutrothe Lichtstrahlen, die pfeilförmig endeten, nach ihren Händen und Füßen und ihrer rechten Seite. Die drei Strahlen, welche aus der Seite der Erscheinung kamen, erschienen weiter von einander getrennt und breiter und endeten lanzenförmig. Im Augenblick der Berührung drangen Blutstropfen an den Malstellen hervor. Sie sah mit Staunen das Blut in der Mitte ihrer Hände und empfand heftige Schmerzen an allen Malstellen. Diese Wundmale hat sie bis an ihren Tod behalten. Am 9. Fe= bruar 1826 starb die fromme Dulderin zu Dülmen eines gottseligen Todes und wurde auf dem Kirchhof daselbst beerdigt. Da sich das Gerücht verbreitet hatte, die Leiche sei gestohlen, so wurden 6-7 Wochen nach ihrem Tode das Grab und der Sarg auf geheimen höheren Befehl in Gegenwart von sieben Zeugen geöffnet. Mit frohem Erstaunen sahen diese, daß die Verwesung über den Leib der Begnadigten noch keine Macht erhalten hatte. Lieblich waren ihre Gesichtszüge, wie die einer Schlafenden unter seligem Traume. Auf ihrem Grabe steht ein einfaches steinernes Denkmal, das man ihr von Rom aus hat setzen lasſen. Die Betrachtungen über das bittere Leiden Jesu Christi hat Clemens Brentano, der sich lange in Dülmen bei ihr aufgehalten, nach ihren Mittheilungen aufgeschrieben. - V- Ueber den Gebrauch dieses Büchleins. Die ersten 40 Betrachtungen werden in der Fasten gehalten, von Aschermittwoch bis Ostern und von Ostertag an die 13 letzten, Betrachtung 41-53. Sie können gemeinschaftlich gehalten werden, aber Jeder kann sie auch für sich halten. Wer täglich der heiligen Messe beiwohnt, kann die betreffende Betrachtung beim Anfange der Messe oder am Ende nehmen. Meßgebete sind beigefügt. Der Verfasser hat es so gemacht: Vor dem Abendessen betete Einer den Rosenkranz vor. Unmittelbar nach dem Abendessen, wo noch Alle zusammen waren, las er deutlich die Betrachtung vor, dann folgte eine kurze Litanei und das Abendgebet. Auch diese sind beigefügt. Liebe Hausväter! Ich bitte euch, haltet diese Andacht in der angegebenen Weise. Es geht ganz gut, wenn ihr nur guten Willens seid. Leset selbst die Betrachtung vor, oder lasset sie von Einem, der gut und deutlich lesen kann, vorlesen. Es wird Allen heilsam sein. Die Betrachtung des bittern Leidens Christi ist ja sehr nützlich, heilsam und tröstlich, wie das in den drei ersten Betrachtungen gesagt wird. Die hochwürdigen Herren bittet der Verfasser, dieses Büchlein und diese Andacht den Leuten zu empfehlen. Den gewöhnlichen Leuten, für die das Büchlein zunächst bestimmt ist, wird das Erscheinen eines solchen Büchleins selten bekannt und wenn auch, so wissen sie nicht, wie sie sich dasselbe verschaffen sollen. Die Herren Geistlichen können solches vermitteln. Um Geld handelt es sich nicht für den Verfasser, denn der Erlös ist für den BonifatiusVerein und für fromme Zwecke bestimmt. Der Herr wolle dies Büchlein zum Heile der Seelen segnen! Widmung an Maria. allerseligste Jungfrau und Mutter Gottes Maria, zu deinen Füßen hingeworfen weihe ich unwürdiger Sünder dir dies Büchlein aus Dankbarkeit für die vielen Gnaden, die ich dir verdanke. Würdige dich, es anzu VI nehmen. Du hast mit deines Sohnes Leiden so großes Mitleiden gehabt, hast deinen Sohn aus Liebe zu unserer Erlösung hingegeben und wünschest, daß Alle deinen göttlichen Sohn lieben. So bitte ihn, daß er dies Büchlein, das von seinem Leiden handelt, segne, damit es Verbreitung finde, und damit Alle, die es gebrauchen, deines Sohnes Leiden zu Herzen nehmen, ihn mit dankbarer Liebe wieder lieben, ihr Leben bessern und selig werden. O gütige, barmherzige Mutter, dir hat dein Sohn sterbend uns als deine Kinder übergeben: laß nicht zu, daß die Seelen deiner Kinder verloren gehen, die er mit seinem Blute erkauft hat. Amen. - Inhalts- Berzeichniß. Betrachtungen. 1. Billigkeit und Dankbarkeit fordern die öftere Betrachtung des Leidens Christi 2. Die Betrachtung des Leidens Christi ist sehr heilsam und nützlich 3. Die Betrachtung des Leidens Christi ist trostreich 4. Wer ist es, der leidet, und für wen leidet er? 5. Was Jesus leidet 6. Der Abschied Jesu von seiner Mutter 7. Die Traurigkeit Jesu im Delgarten 8. Das Gebet Jefu am Delberge 9. Jesus schwißt Blut 10. Judas verräth Jesus 11. Die Gefangennehmung Jesu 12. Jesus, zu Annas geführt, empfängt einen Backenstreich Seite 18. Jesus von Herodes verspottet 19. Jesus wird dem Barabbas nachgesetzt 20. Jesus wird gegeißelt 21. Jesus mit Dornen gekrönt 22. Ecce homo 23. Das Wuthgeschrei der Juden: ,, Kreuzige, freuzige 2 54 13. Jesus von Kaiphas falsch angeklagt und verurtheilt 58 14. Jesus wird von den Schergen in der Nacht mißihn!" 24. Jesus wird zum Tode verurtheilt 25. Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern 6 11 16 20 25 30 34 39 44 48 handelt und verspottet 63 15. Verleugnung und Buße des heiligen Petrus 67 16. Die Bosheit und Scheinheiligkeit der Pharisäer 72 17. Jesus wird von Pilatus falsch angeklagt 77 81 86 90 95 101 106 110 115 26. Jesus begegnet seiner betrübten Mutter 119 27. Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen 124 28. Veronika und die weinenden Frauen. Jesus wird entkleidet und mit Galle getränft 129 - VIII- - Seite 29. Jesus wird an's Kreuz genagelt 133 30. Jesus, am Kreuze gelästert, betet für seine Feinde 138 31. Jesus und die beiden Schächer am Kreuze 143 32. Maria unter dem Kreuze 148 33. Die Finsterniß und die Verlassenheit Jesu am Kreuze 34. Das fünfte Wort Jesu am Kreuze: ,, Mich dürstet!" 35. Das sechste Wort Jesu am Kreuze:„ Es ist vollbracht!" 36. Die Klagen Jesu, die er vom Kreuze an die Menschen richtet 152 158 163 166 37. Jesus stirbt am Kreuze. Wunder bei seinem Tode 171 38. Die Deffnung der Seite Jesu. 176 39. Der Leichnam Jesu wird vom Kreuze genommen und in den Schooß Mariä gelegt 40. Das Begräbniß Jesu 41. Die Auferstehung Jesu 42. Wie Christus auferstand 43. Jesus erscheint den Seinigen nach seiner Auferstehung 44. Die Wahrheit der Auferstehung Christi 45. Die Auferstehung Christi stärkt unsern Glauben, unsere Hoffnung und Liebe. 202 46. Christus hat die Hölle und seine Feinde besiegt 206 47. Die Freude Mari ä bei der Auferstehung 210 48. Die heiligen fünf Wunden 49. Auch wir werden auferstehen 50. Unsere einstige Auferstehung tröstet in Leiden 51. Wir sollen auferstehen von der Sünde und in einem neuen Leben wandeln 52. Die Himmelfahrt unsers Herrn Jesu Christi 53. Maria im Himmel unsere Fürsprecherin. Gebete. Litanei vom Leiden Christi Abendgebet Meßgebete zu Ehren des bittern Leidens Zweite Weise, der heiligen Messe zu Ehren des bittern Leidens beizuwohnen Litanei für die Osterzeit 181 184 189 192 ● 194 198 215 219 224 227 232 236 241 245 250 262 262 Vorbereitungsgebet 1.( Bis Ostern.) 5N heiligste, betrübteste Jungfrau, Mutter der Schmerzen, die du mit deinem göttlichen Sohne so großes Mitleiden gehabt haſt, daß das Schwert der Schmerzen dein Herz durchbohrte, ich danke dir, daß du deinen geliebten Sohn für mich in den Tod hingegeben hast. Ich bitte dich durch deine Liebe zu deinem Sohne und deine Schmerzen, gib, daß ich die Größe seines Leidens recht erkenne, es tief zu Herzen nehme, meine Sünden, welche die Ursache seines Leidens und deiner Betrübniß gewesen, bereue, deinen göttlichen Sohn wieder liebe und ihm und dir, die er uns zur Mutter übergeben hat, bis zum Tode treu dienen möge. Amen. th Vorbereitungsgebet II.( Von Ostern an.) Oglückliche Mutter Maria, ich bitte dich durch die Freude, die du bei der Auferstehung deines Sohnes empfunden hast, gib, daß ich seinen Sieg und seine Herrlichkeit recht erkenne, und mache mich deiner Freude theilhaftig. Gib, daß ich vom Tode der Sünde wahrhaft auferstehe, in einem neuen Leben wandle, deinem Sohne und dir nachfolge, damit ich einst deinen auferstandenen Sohn im Himmel in seiner Herrlichkeit schauen und ihn mit dir ewig preisen möge. Amen. 1 1. Betrachtung. Vorbereitungsgebet I Seite 1. Billigkeit und Dankbarkett fordern die öftere Betrachtung des Leidens Chrifti. CO as ich aber nun lebe im Fleische, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich dargegeben hat." Ich habe mir vorgenommen, nichts unter euch zu wissen, als Jesum Christum, und diesen als den Gekreuzigten." So sollen auch wir gesinnt sein, denn es fordert die Billigkeit und Dankbarkeit, oft an das Leiden Jesu zu denken. Durch sein Leiden hat er uns erlöst von der Sünde und ewigen Verdammniß und uns die Gnade und den Himmel wieder erworben. Denke an einen Verdammten, der im höllischen Feuer liegt, gequält von rasenden Schmerzen und dem schrecklichen Gedanken: du bist verdammt ohne Rettung, auf ewig! Wenn nun zu diesem ein Engel käme und sagte: ,, Du kannst gerettet werden, denn ein Anderer hat deine Strafe übernommen. Du bist jetzt frei und fannst in den Himmel eingehen!" welch ein Jubel würde das Herz dieses Unglücklichen erfüllen! Ewig würde er seinem Retter dankbar sein. Wir sind freilich noch nicht in der Hölle, aber wir wären wohl sicher hinein 3gekommen, wenn Jesus uns nicht durch sein Kreuz und Leiden davon befreit hätte. Wenn uns Gott wieder lieb hat als seine Kinder, uns reiche Gnaden mittheilt, wenn uns der Himmel wieder offensteht, so verdanken wir das ganz allein Jesus und seinem heiligen Kreuze. - - Wir danken für eine Gefälligkeit, für eine geringe Gabe. Wie sollen wir erst Jesus für diese unschätzbaren Güter danken, wie könnten wir seines Leidens vergessen! Und er hat so viele und schwere Leiden für uns ertragen. Blickt auf ihn, wie er am Kreuze hängt, gemartert an allen Gliedern, in einem- Meere der Schmerzen, in Trostlosigkeit und Gottverlassenheit. Seht, wie er gleichsam die Höllenqualen leidet, die wir verdient haben, um uns die verlorne Himmelsfreude zu erwerben. Ja, wie kein Schmerz größer, als Jesu Schmerz, so ist auch keine Liebe größer, als Jesu Liebe. Wie würdet ihr Einem danken, der euch aus einem brennenden Hause retten, aber dabei sich selbst schrecklich verbrennen würde und daran sterben müßte! Würdet ihr das so leicht vergessen? Jesus hat uns durch seinen schmerzlichen Tod vom ewigen Feuer der Hölle errettet: welche Undankbarkeit wäre es, wenn wir an sein Leiden so selten dächten! Wie wehe muß es dem lieben Heilande thun, wenn wir, die er so sehr geliebt hat, so gleichgültig gegen ihn sind! Der heilige Franciscus von Assisi weinte einst bitterlich über die großen Qualen und Beinen, die Jesus für uns unschuldig gelitten hat, da er sah, 1* - 4 in welcher Vergessenheit dieser größten Wohlthat wir Menschen leben, die wir doch die Ursache seines Leidens gewesen sind. Da Jesus sein Leben und Alles für uns hingegeben und alle Leiden für uns erduldet hat, wäre es da nicht billig, daß auch wir unser Leben für ihn opferten und den Leiden uns unterwerfen, die er für uns gelitten hat? Das wäre noch zu wenig. Allein er verlangt das nicht einmal von uns, er verlangt nur, daß wir ihn lieben, für die erwiesenen Wohlthaten dankbar sind und uns. häufig der großen Schmerzen erinnern, die er aus Liebe zu uns gelitten hat. Deswegen hat er das heilige Meßopfer eingesetzt, um durch dasselbe das Andenken an sein Leiden in uns lebendig zu erhalten. ,, Thut dies zu meinem Gedächtniß." Und der heilige Paulus ermahnt uns, daß wir, so oft wir von diesem Brode essen, den Tod des Herrn verkündigen sollen, bis er fommt. Ach, die meisten Menschen denken so selten an das Leiden und die Liebe Jesu, ihres größten Wohlthäters! Denfe dir, wie Jesus über dich mit Recht sich beflagen fann: O mein Kind, für dich habe ich Knechtsgestalt angenommen, von der Krippe bis zum Kreuze Noth, Armuth, Verfolgungen und Beschimpfungen erduldet. Sieh' die Stricke, Ketten, Schläge, Geißelstreiche, die Dornen, das Kreuz, sieh', ich leide an allen Gliedern, an allen Sinnen, am Leibe und an der Seele! O ihr Alle, die ihr des Weges vorübergeht, merket auf und sehet, ob ein Schmerz - 5 "} sei gleich dem meinigen." Mein Blut habe ich bis auf den letzten Tropfen vergossen, für dich bin ich des schimpflichsten und schmerzlichsten Todes am Kreuze gestorben. Größere Liebe hat Niemand, als Derjenige, der sein Leben für seine Freunde hingibt." Das habe ich, dein Gott, freiwillig, aus Liebe für dich, mein Geschöpf, für dich Sünder gethan, um dich von der Hölle zu erretten und dich ewig selig zu machen. Ach, du denkst nicht daran, du denkst nur an Hoffart und Ehre vor den Menschen, an Geld und Gut, an die Lüste und Freuden der Welt. ,, Der Gerechte fommt um, und Niemand ist, der es zu Herzen nähme!" Du fährst fort, mich zu verachten und zu beleidigen! Ach, wie schmerzt das mein liebendes Herz. Gebet. Jesu, höre auf, zu klagen! Deine Klage ist nur zu wahr. Vor Scham möchte ich vergehen, wenn ich bedenke, wie ich bisher so gleichgültig war gegen Dein Leiden und Sterben und so undankbar gegen Deine mir erwiesenen Wohlthaten und Deine Liebe, die ich mit Sünden vergolten habe! Staunen muß ich, daß Du mich undankbaren, abscheulichen Sünder noch ertragen haft und mich noch liebst! Habe Geduld mit mir, ich will mich bessern. Ich bin nicht werth, daß Du meiner gedenkst, da ich so wenig an Dich gedacht habe. Wahr ist es, ich habe verdient, von Dir verworfen zu werden. Da Du mich aber so lange ertragen hast, so vertraue ich auf die unendliche Liebe Deines heiligen Herzens und -6 - hoffe, daß Du mir Sünder gnädig sein werdest. Ich will in Zukunft an Dein heiliges Leiden denken und es meinem Herzen tief einprägen. Kein Tag soll vorbeigehen, besonders in dieser heiligen Fastenzeit, ohne mich Deines Leidens zu erinnern, und diese Erinnerung soll mich zur Liebe gegen Dich, zur Geduld in Widerwärtigkeiten und zum Eifer in Deinem Dienste antreiben. O Maria, die du mit dem Leiden deines Sohnes so großes Mitleiden gehabt und ihn so sehr geliebt hast, erbitte auch mir die Gnade, daß ich mit deines Sohnes Leiden Mitleid habe und ihn über Alles liebe. Amen. 2. Betrachtung. Vorbereitungsgebet I Seite 1. Die Betrachtung des Leidens Chrifti ist sehr heilsam und nüklich. ,, Gebt mir mein Buch her," sagte der heilige Benitius auf dem Sterbebette[ er meinte das Crucifix], das ist mein liebstes Buch. Aus diesem Buche habe ich Alles gelernt, mit diesem Buche schließe ich mein Leben." Das Leiden und das Kreuz Christi waren das Buch, in dem alle Heiligen oft und viel gelesen und ihre große Heiligfeit erlernt haben. Darum sieht man so viele Heilige mit dem Crucifixbilde vor sich dargestellt, den heiligen Aloysius, die heilige Theresia, den heiligen Bernhard, der die Leidenswerkzeuge in der Hand trägt. - 7- Das Leiden Christi zeigt uns die unendliche Liebe und Barmherzigkeit Gottes. Wer wollte an der Verzeihung seiner Sünden zweifeln und wären ihrer auch noch so viele und große, da Gott seinen Sohn hingegeben, der alle Sünden auf sich genommen und für dieselben genuggethan hat! Der seines eigenen Sohnes nicht geschont," schreibt der heilige Paulus, sondern ihn für uns Alle hingegeben hat, wie sollte er uns nicht Alles mit ihm geschenkt haben?" Und der heilige Johannes schreibt: Wir haben einen Fürsprecher beim Vater, Jesum Christum, den Gerechten.. Dieser ist die Versöhnung für unsere Sünden." O mein Christ, wie kannst du dich vom Teufel beunruhigen lassen wegen deiner Sünden, die du aufrichtig bereut und gebeichtet hast? Glaubſt du nicht an Christus und die Kraft seines für dich vergossenen Blutes? Der Herr hat unsere Missethaten auf ihn gelegt." Seine Wunden," sagt der heilige Bernhard, sind meine Verdienste." Durch dein Mißtrauen betrübst du das liebevolle Herz Jesu. Je mehr du gesündigt hast, deſto mehr liebe ihn nach dem Beispiele der heiligen Magdalena, der viel vergeben ist, weil sie viel geliebt hat. " 1 " 1 Nichts ist geeigneter, die Liebe Gottes in unsern Herzen zu entzünden, als die Betrachtung des bittern Leidens Jesu. Wen soll ich lieben, wenn ich Den nicht liebe, der für mich unter den bittersten Leiden in den Tod gegangen ist? Alle seine Leiden, alle seine Wunden sind eben so viele 8 Stimmen, die uns zurufen, wie sehr er uns liebt. O mein Gott, wie ist es möglich, daß eine Seele, die das Leiden und den Tod Jesu betrachtet, nicht von Liebe zu ihm entbrenne mit dem festen Entschlusse, selig zu werden, um gegen einen so Liebevollen nicht undankbar zu sein! ,, Die Wunden Jesu," sagt der heilige Bonaventura, sind glühende Pfeile, welche steinerne Herzen durchdringen und eiskalte Seelen entzünden." - Viele Menschen fündigen, weil sie die Strafwürdigkeit der Sünde nicht erkennen und vermessentlich auf Gottes Barmherzigkeit vertrauen. Nun zeigt uns das Leiden Christi die ganze Größe und Bosheit der Sünde und die Strenge der göttlichen Gerechtigkeit. Höre ein Gleichniß. Drei Diebe kommen in eine Stadt, um zu stehlen. Vor dem Stadtthore sehen sie am Galgen einen vornehm gekleideten Leichnam hangen. ,, Wer ist der?" fragen sie. ,, Der Sohn des obersten Richters der Stadt. Sein eigener Vater hat ihn hinrichten lassen." Das muß doch wohl ein grausamer Vater und der Sohn ein großer Verbrecher sein!" ,, Nein, er ist der beste und gütigste Vater und der Sohn der Unschuldigste und Bravste.. Ein Knecht des Richters hatte gestohlen und sollte hingerichtet werden. Der Sohn, von Mitleid gerührt, bot sich als Bürgen an für den Knecht. Der Knecht entfloh, und nun ließ der gerechte Richter seinen einzigen Sohn hinrichten." ,, weh," sagten die Diebe zu einander, hier müssen wir das Stehlen bleiben lassen. Denn wenn der 9 Richter fremden Diebstahl an seinem eigenen Sohne so strenge bestrafte, wie wird er uns strafen, wenn wir selbst stehlen!" O Christ, merke auf und siehe auf das Kreuz. Da hängt der einzige Sohn des himmlischen Königs in entseßlichen Martern. So straft ihn sein eigener Vater, ihn, den Reinsten und Heiligsten, weil er Bürge geworden ist für fremde Sünden. Nun bedenke: wenn Gott seinen eigenen geliebten Sohn wegen fremder Sünden so entsetzlich straft, wie würde er uns erst strafen, wenn wir mit unsern eigenen Sünden belastet vor ihn träten, uns elende Knechte, die wir noch dazu seinen Sohn beschimpft und sein Blut mit Füßen getreten hätten! An jedem Kreuze steht gleichsam mit blutiger Schrift geschrieben: Fliehe die Sünde als das größte Ulebel! Sie hat Jesus an's Kreuz gebracht und wird dich in die Hölle stürzen." Unmöglich fannst du sündigen, wenn du das Leiden Christi betrachtest. Wie viel deine Seele in den Augen Gottes werth ist, lehrt ebenfalls das Leiden Christi. ,, Willst du wissen," sagt der heilige Auguſtinus, wie erhaben und kostbar du in den Augen Gottes bist, so sieh' nur, um welchen Preis er dich erkauft hat." ,, Ihr seid um einen theuern Preis erkauft worden," sagt der heilige Paulus. Um den höchsten Preis, mit dem kostbaren Blute Christi ist deine Seele erfauft worden. Und du fönntest deine unsterbliche, durch das Blut Jesu Christi erkaufte Seele für einen geringen Vor 10 theil, für eine falsche Ehre, für eine augenblickliche Wollust hingeben? - - Obschon Jesus in seinem Leben uns ein Beispiel aller Tugenden gegeben hat, so strahlen diese bei seinem Leiden im höchsten Glanze: sein Gehorsam bis zum Tode des Kreuzes, seine Demuth, Geduld, Ergebung, sein Vertrauen, seine Liebe zu Gott und den Menschen. Darum nennt der heilige Augustinus das Kreuz Christi eine Kanzel, von welcher herab er uns Unterricht gibt in allen Tugenden. Willst du also tugendhaft werden, so betrachte stets das Leiden Christi. Was anders hat das Herz des begnadigten Schächers und des Hauptmanns unter dem Kreuze umgewandelt, als eben der Anblick des leidenden Heilandes? Was hat den unzähligen heiligen Martyrern Kraft und Standhaftigkeit gegeben, daß sie die größten Martern und den qualvollsten Tod geduldig, ja, mit Freude ertrugen? Das war der Hinblick auf Jesus, den Gefreuzigten. Darum, mein Christ, betrachte täglich das Leiden Christi, ,, denn," sagt der heilige Augustinus, ,, es ist nichts, was so heilsam und nüßlich ist, als täglich zu betrachten, was der ge= liebte Sohn Gottes für uns gelitten hat." ,, Nichts wirft in der Seele eine so allgemeine Heiligung, als die Betrachtung des Leidens Christi," sagt der heilige Bonaventura. Gebet. O mein gefreuzigter Jesus, ich erkenne jeßt, wie es gekommen, daß ich bisher so unbeständig in Deinem Dienste war und so falt in - 11 PO Deiner Liebe, daß mich eine geringe Beschwerde, ein Vergnügen, eine augenblickliche Lust von Deinem Dienste abhielt. Ich habe nicht Dein Leiden betrachtet, nicht auf Dein Beispiel gesehen. Von nun an soll Dein Leiden meine stete Betrachtung sein und mir Kraft geben, daß ich in allen Hindernissen, Leiden und Versuchungen in Deinem Dienste und Deiner Liebe verharre. Gib mir Gnade dazu. O Maria, die du das Leiden deines göttlichen Sohnes beständig betrachtet hast, erbitte mir diese Gnade. Amen. 3. Betrachtung. Vorbereitungsgebet I Seite 1. Die Betrachtung des Leidens Christi ist trostreich. Es gibt der Leiden viele auf Erden, in diesem Thränenthale. Richte und ordne Alles nach deinem Willen," sagt der gottselige Thomas von Kempen, und du wirst finden, daß du immer etwas leiden mußt, entweder freiwillig, oder wider Willen, und so wirst du immer ein Kreuz finden. Denn du wirst entweder Schmerz am Leibe fühlen, oder in der Seele Plage des Geistes erdulden. Wirfst du dein Kreuz ab, so wirst du ohne Zweifel ein anderes finden und vielleicht ein schwereres." Um die Leiden geduldig und verdienstlich zu tragen, bedürfen wir der Stärke und des Trostes, und diese gewährt uns die Betrachtung des Leidens Christi. 1 12 - Es ist ein angenehmes Bewußtsein, von Anderen, besonders von höher stehenden Personen geliebt und geschätzt zu werden. Für welche Ehre und welches Glück hält man es, die Liebe und Gunst eines Königs zu besitzen! Das Leiden Christi zeigt nun im hellsten Lichte, wie sehr Gott uns liebt und schätzt. Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn hingab, damit Alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben." Gott liebt mich! Welch freudiger und tröstlicher Gedanke! Gott liebt mich! Das ist mir mehr werth, als die Mächtigen der Erde zu Freunden zu haben. Gott liebt mich! Mögen die Menschen mich verachten und hassen, das fümmert mich nicht. Diese Liebe fann mir kein Mensch, kein Teufel wider meinen Willen nehmen. Durch das Leiden und den Tod Jesu bin ich ein geliebtes Kind Gottes und Erbe des Himmels geworden. Welchen Trost gibt mir also die Betrachtung des Leidens Christi! Die Betrachtung des Leidens Chriſti iſt tröstlich für den Sünder. Ach, seufzt oft der Sünder, Schrecken und Angst überfällt mich, wenn ich an meine Sünden denke. Werde ich Gnade finden und selig werden? Habe Muth und freue dich! Christus hat deine Sünden getilgt und dich mit Gott versöhnt. Welche Freude muß nicht einen Missethäter, den man zur Hinrichtung führt, durchströmen, wenn er das Wort ,, Gnade" vernimmt und hört, er solle in des Königs Palast wohnen 13 und an des Königs Tafel speisen! Du bist der begnadigte Missethäter. Schreien auch deine Sünden um Rache zum Himmel, so schreit doch das Blut Christi lauter und kräftiger um Barmherzigkeit. Ein Tropfen Blutes, den Christus vergossen hat, wäre mehr als hinreichend gewesen, alle Sünden der Welt auszulöschen. Und sein bis auf den letzten Tropfen vergossenes Blut sollte deine Sünden nicht tilgen? Wie tröstlich für den Sünder sind die Worte Jesu: ,, Ich bin nicht gekommen, die Gerechten zu berufen, sondern die Sünder." ,, Des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren war." Jesus Christus," sagt der heilige Paulus, ,, ist in die Welt gekommen, um die Sünder selig zu machen." Und der heilige Bernhard sagt: „ Wird wohl der Herr Denjenigen, welchen er mit so vielem Kummer gesucht hat, von sich stoßen, wenn er wiederkommt?" So oft du das Leiden Christi betrachtest, freue dich und preise die Liebe und Barmherzigkeit Gottes. - - In allen Leiden und Trübsalen tröstet nichts so sehr, als die Betrachtung des Leidens Christi. Du kannst nichts leiden, was Jesus nicht für dich gelitten hat. In jedem Leiden hast du ihn zum Gefährten. Drückt dich Armuth, so denke an deinen armen nackten Heiland am Kreuze, der nicht so viel hat, wohin er sein Haupt legte. Plagt dich Hunger und Durst, denke an die Galle und den Essig, die man Jesus gab. Wirst du von Allen zurückgesetzt und verachtet, denke, wie 14 Jesus sogar den Räubern und Mördern nachgesetzt wurde. Wirst du falsch beurtheilt, beschimpft, verlacht und mußt du üble Nachreden hören, denke an Jesus, der als Aufwiegler, Verführer, Gotteslästerer verschrieen und als ein Narr verspottet und bespieen wurde. Wirst du verfolgt und unschuldig verurtheilt, so denke an Jesus, der falsch angeklagt und unschuldig zum Tode verurtheilt wurde. Ist Undank von Denjenigen, denen du Gutes erwiesen, dein Lohn, und hast du von deinen Hausgenossen Vieles zu leiden, denke an Jesus, der von einem seiner Jünger verrathen, von einem andern verleugnet und von allen verlassen wurde. Bist du krank und leidest Schmerzen, denke an Jesus, der grausam gegeißelt wurde, so daß sein ganzer Leib nur eine Wunde war. Fühlst du dich von Gott und den Menschen verlassen, denke an Jesus, der von Allen, sogar von Gott verlassen wurde, als er rief: ,, Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen!" Quält dich Angst, denke an Jesus, der vor. Angst Blut schwißte. Fürchtest du den Tod, denke, wie Jesus für dich gestorben ist. Dich drücken nicht zugleich alle Leiden, sondern nur eines und das andere, Jesus duldet alle Leiden, er leidet an allen seinen Gliedern, Sinnen, am ganzen Leibe, an seiner Ehre, an seiner Seele. Jesus ist dein Gott und Herr, du sein Geschöpf, er der Gerechte und Unschuldige, du ein Sünder und ein Schuldiger, der Strafe verdient hat. Wenn du alles Das bedenkst, wie kannst du im Leiden ungeduldig sein - - - 15 und klagen? Jesus hat Mitleid mit dir in deinem Leiden. Niemand hat mehr Mitleid mit einem Leidenden und kann besser trösten, als Derjenige, der Aehnliches gelitten hat. Siehe, Jesus hat gelitten, was wir leiden, er kennt aus Erfahrung unsere Leiden, er hat Mitleid mit uns und tröstet uns. Als die Apostel gegeißelt worden, gingen sie freudig hinweg, weil sie gewürdigt waren, um des Namens Jesu willen Schmach zu leiden. So haben die Heiligen himmlischen Trost empfunden, wenn sie mit und für Jesus litten. So trostreich ist die Betrachtung des Leidens Christi. Gebet. Jetzt erkenne ich, woher es kam, daß ich bei Leiden und Widerwärtigkeiten ungeduldig wurde und klagte. Ich habe, gekreuzigter Jesu, Dich und Dein Leiden vergessen. Schamröthe muß mein Gesicht bedecken, daß ich elender Sünder, der ich die Hölle verdient, über jede Widerwärtigkeit ungeduldig wurde, da Du, mein Herr und Gott, freiwillig aus Liebe zu mir Unsägliches erduldet hast. Von nun an will ich bei jeder Trübsal meinen Blick zu Deinem Kreuze erheben und sprechen: ,, O Jesus, Alles aus Liebe zu Dir!" Ich will mich freuen, daß Du mich strafwürdigen Sünder würdigst, dies für Dich und mit Dir zu leiden. Habe Erbarmen mit mir ungeduldigen Sünder und gib mir die Gnade, daß ich in allen Widerwärtigkeiten an Dein Leiden denfe und geduldig leide. O schmerzhafte Mutter Maria, erbitte mir durch deine Geduld diese Gnade. Amen. - 16 4. Betrachtung. Vorbereitungsgebet I Seite 1. Wer ist es, der leidet, und für wen leidet er? Betrachte, wer Jesus ist, der so Unsägliches für uns leidet. Er ist unser Gott, der Herr aller Dinge, der Allmächtige, der geliebte Sohn Gottes, der Herrlichkeit hatte, che die Welt war, dessen Anschauung die Wonne der Engel und Auserwählten ist, unser Herr und Heiland, der Heiligste unter allen Menschenkindern, der keinen Mächtigern über sich hatte, von dem er leiden konnte, wenn er sich nicht freiwillig unterworfen hätte. Wenn ein guter König, der seine Unterthanen liebt und nur für ihre Wohlfahrt besorgt ist, von einigen gottlosen Unterthanen beschimpft, bespieen, mißhandelt, geschlagen und grausam zum Tode gemartert würde, da würde die Welt erschaudern ob solchen Frevels. Und Jesus ist der König der Könige, gegen den alle Fürsten Staub und Asche sind. Welch' ein entsetzliches Verbrechen war es demnach, den Sohn Gottes zu tödten! Das Entsetzliche eines solchen Frevels haben die stummen Elemente verkündigt, da beim Tode Jesu die Erde erbebte, die Gräber sich öffneten, die Felsen zersprangen und die Sonne sich verfinsterte. Er war der Unschuldigste und Gerechteste, der feine Sünde begangen und in dessen Munde fein Trug gefunden wurde. Niemand konnte ihn einer - 17 Sünde beschuldigen. Der Richter Pilatus*) erflärte ihn für unschuldig, selbst sein Verräther, wie auch der eine Schächer bekannten seine Unschuld. Der heidnische Hauptmann sprach: ,, Wahrhaftig, dieser war ein gerechter Mann." Er, der Unschuldige, leidet freiwillig für Schuldige, ,, wahrlich," sagt der Prophet, ,, er trägt unsere Krankheiten und ladet auf sich unsere Schmerzen. Er ist verwundet worden um unserer Missethaten willen. Durch seine Wunden sind wir geheilt worden. Unser aller Missethaten hat der Herr auf ihn gelegt. Er ist geopfert worden, weil er selbst wollte." Und wir sollten nicht Mitleid mit dem Unschuldigen haben, ihm nicht danken und ihn lieben? Er ist unser größter Wohlthäter, dem wir Alles verdanken. Er ist unser Lehrer, Hirt, Erlöser, unser bester Freund, der niemals Jemandem das geringste Uebel zugefügt, sondern Allen nur Gutes gethan hat, der, wie der heilige Petrus sagt, ,, umherging, Allen Wohlthaten zu erweisen," Arme zu unterrichten, Unwissende zu belehren, Blinden das Augenlicht, Kranken die Gesundheit zu geben, die Besessenen von den bösen Geistern zu befreien und die Todten zum Leben zu erwecken. Er nahm die Sünder so liebevoll auf und entließ keinen Elenden ohne Hülfe und Trost. Niemals hat Jemand die Menschen mehr geliebt *) In der Kreuzesüberschrift legt Pilatus ein öffentliches Zeugniß ab von der Unschuld Jesu. 2 1 18 und ihnen mehr Wohlthaten erwiesen, als Jesus. Und der Dank dafür war, daß sie ihn haßten, verfolgten und grausam tödteten. Welch' ein Undank! Auch ich, o Jesu, habe Deine Wohlthaten mit Undanf, mit Sünde vergolten. Ich undankbarer Sünder könnte noch über den Undank der Menschen klagen, da Du den größten Undank so geduldig erträgst! Für wen leidet Jesus? Für uns, die wir Staub und Asche sind, für uns elende geringe Geschöpfe. Würde der Heiland leiden für Engel, die vornehmsten Geschöpfe, so hätten wir weniger Ursache, uns zu wundern, aber wie würde man staunen, wenn ein König für einen seiner niedrigen Diener sich einer Lebensgefahr aussetzte! Wenn ferner zur Wiedererlangung der Gesundheit eines Königs einer seiner Diener müßte getödtet werden, um mit dem Blute desselben den König zu retten, so würde ein solches Heilmittel selbst dem Könige zu grausam vorkommen. So hat einst ein Kaiser auf Anrathen der Aerzte zur Befreiung von sei nem Aussage ein Bad von Kinderblut gebraucht. Wenn ein solches Bad grausam erschien, während doch zur Erhaltung des Oberhauptes die geringsten Glieder des Staates verwendet wurden, was würden wir dann von einem Bade sagen, bei welchem zur Rettung eines Sklaven ein Königssohn getödtet würde? Nun hat aber nicht ein Königssohn, sondern der Sohn Gottes zur Erhaltung seiner elenden Sklaven, um sie vom Untergange zu retten, sein Blut vergossen und 19 ist gestorben. O unbegreifliche Liebe Jesu! Und ich sollte ihn nicht lieben, meinen Herrn und Gott, der für mich elenden Sklaven geſtorben iſt! Jesus leidet auch für seine Feinde und Verfolger, die ihn haßten und an's Kreuz brachten, und von denen er voraussah, daß sie ihn später verfolgen und sein Blut mit Füßen treten würden. Für einen Freund sterben ist etwas Großes, aber für einen Feind sein Leben hingeben, wer hat je so etwas gehört? ,, Größere Liebe," sagt Jesus, ,, hat Kteiner, als die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde." Für mich hat er gelitten, ist gestorben und hat mir so viele Gnaden erwiesen, und ich habe trotzdem ihn beleidigt und mit meinen Sünden von Neuem gekreuzigt. Und doch hat er mich noch nicht verstoßen, wie ich verdient, sondern ist bereit, mich wieder aufzunehmen. Wo findet man eine solche Liebe! Gesetzt, es säßen einige Verbrecher im Gefängnisse und wären bereits zunt Tode verurtheilt, und der Sohn des Fürsten erbarmte sich derselben, entschuldigte ihre Vergehungen und flehte um Barmherzigkeit für sie, einige Verbrecher aber erhöben sich gegen ihren Erretter, begegneten ihm mit Backenstreichen, Lästerungen und Spott: wie würde wohl dem mitleidigen Fürstensohn und seinem Vater dabei zu Muthe sein? Wie könnte für solch' undankbare Bösewichte der Sohn um Verzeihung flehen und der Vater dieselbe ertheilen? Und doch hat Jesus gethan, was kein Mensch thun würde. 2* 20 Gebet. O Jesus, Du, mein Gott und Herr, leidest und stirbst für mich elenden Erdenwurm, Du, der Heiligste und Unschuldigste, für mich schuldigen Sünder, Du, mein größter Wohlthäter, für mich Undankbaren. Göttlicher Erlöser! Du. sahst schon am Kreuze die großen Sünden, mit denen ich Dich beleidigen würde, aber statt mich nach meinen Verdiensten zu strafen, liebst Du mich und bietest mir Verzeihung an. Mein Jesus, wie darf es je noch geschehen, daß ich nach so vielen Gnaden Dich auf's Neue beleidige und mich von Dir trenne! Ich bitte Dich um der Liebe willen, mit welcher Du am Kreuze für mich gestorben bist, verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, gib mir Deine heilige Liebe und Gnade, damit ich von nun an nur für Dich lebe und sterbe. O Maria, Mutter der Liebe, erbitte mir wahre Liebe zu deinem göttlichen Sohne. Amen. AN 5. Betrachtung. Vorbereitungsgebet I Seite 1. Was Jesus leidet. Jesus leidet Alles, was ein Mensch nur leiden kann. Er leidet an seiner Freiheit, die man ihm auf die ungerechteste und schmählichste Weise raubte. Er wird von den rohen Kriegsknechten grausam mit Stricken gebunden und mit Ketten beladen wie ein verächtlicher Missethäter. Er 21 leidet an seinem Hab und Gut, da man ihm Alles und selbst seine Kleider nahm. Er litt an seinem guten Ruf und Namen. Er wird als ein Verführer, Aufwiegler, Gotteslästerer, als Einer, der mit Satan im Bunde stehe, verschrieen, von dem Knechte des Hohenpriesters in's Gesicht geschlagen, von den Soldaten verspottet und verhöhnt, dem Mörder Barabbas nachgesetzt, vom Herodes wie ein Narr behandelt, schimpflich gegeißelt, als ein Spottkönig mit Dornen gefrönt, verlacht und bespieen, endlich im Angesichte der großen zum Feste in Jerusalem versammelten Volksmassen zum schimpflichsten Tode hinausgeführt und zwischen zwei Mördern als der Verworfenste von ihnen an's Kreuz geschlagen und an demselben öffentlich verspottet. Er litt an seiner Seele durch die Todesangst am Delberge, durch die Traurigkeit, da er die Peinen voraussah und den Undant so Vieler, durch die Verlassenheit am Kreuze und als er mit dem Tode rang. Er litt an seinem Körper durch die Ketten, Stricke, Backenstreiche, Anspeiung, Geißeln, Dornen, durch die Last des Kreuzes, durch die Nägel, er litt Unaussprechliches. Er litt an allen Sinnen. Seine Augen sahen das Beifallklatschen, die Gebärden des Hohnes, die Frechheit seiner Feinde, die Thränen seiner Mutter und übrigen Freunde, die Menge gaffenden Voltes, seine eigene Entblößung, sein Kreuz, das Rinnen seines Blutes. Seine Ohren mußten - 22 - die entseglichen Gotteslästerungen, Beleidigungen, falschen Zeugnisse, das undankbare mörderische Gebrüll hören: ,, Hinweg mit ihm, freuzige ihn!" und die Beschimpfungen am Kreuze. Sein Geruchssinn litt durch den Unflath des Speichels und den Besthauch der Leichname auf der Schädelstätte. Sein Geschmack ward gequält durch brennenden Durst, durch die Schärfe des Essigs und die Bitterfeit der Galle. Endlich ward der Gefühlssinn durch die Stricke, Geißelung, durch die Dörnen und Nägel gemartert. Jesus leidet an allen Gliedern. Sein Haupt wird mit Dornen umflochten und mit dem Rohre geschlagen, die Haare ausgerauft, das Antlig bespieen und unter Verspottungen verhüllt, die Wangen durch Schlagen verunstaltet, die Arme und die Füße ausgedehnt, mit Stricken gebunden und Hände und Füße mit Nägeln durchbohrt, der Rücken mit dem Kreuzesholze beladen, der ganze Körper von der Fußsohle bis zum Scheitel mit Wunden bedeckt. Jesus leidet von allen Menschen. Er leidet von seinen Geschöpfen, die ihm zum Danke verpflichtet waren. Er leidet von seinen Landsleuten, welchen er so viel Liebe und Wohlthaten erwiesen hatte, die ihn noch vor fünf Tagen als König begrüßt und ihn im Triumphzuge in Jerusalem eingeführt hatten. Er leidet von seinen erbittertsten Feinden auf die ungerechteste Weise, die ihn ohne rechtlichen Proceßgang, durch Bestechung falscher Zeugen, durch Aufreizung des Volkes zum 23 Tode verutheilten. Es ist kein Volk so grausam, daß es nicht einem Verbrecher drei Tage zu seiner Vertheidigung gibt und nicht den ordentlichen Rechtsgang beobachtet, daß es die falschen Zeugen nicht straft und nicht mit einigem Mitleid gegen den Schuldigen verfährt. Die Richter verfünden oft wider ihren Willen das Todesurtheil, das Volfk hört es mit Mitleiden an, selbſt die Henker sprechen dem Unglücklichen Trost und Muth zu, anstatt ihn zu schmähen. Aber von all Dem hat Christus nichts an sich erfahren, vielmehr von Allem das Gegentheil. - - Er leidet von seinen Freunden. Der Schmerz seiner Mutter betrübte sein liebendes Herz. Seine Freunde und Jünger verließen ihn, von denen einer ihn verleugnete und ein anderer ihn verrieth. Wie er für alle Menschen gelitten, so hat er auch von allen gelitten: von den Juden und Heiden, von dem Volke und den Priestern, von den Königen und Soldaten, von Männern und Weibern,*) von seinen Feinden und Freunden. *) Daß diese beim Leiden Christi mitgewirkt, steht zwar nicht in der heiligen Schrift, aber es ist dies sicher anzunehmen. Die Mägde haben die Verleugnung Petri veranlaßt, also indirect Jesus Schmerz bereitet. So werden die Weiber des Annas, Kaiphas und anderer Juden diese gegen Jesus aufgeftachelt haben, wie sie es gewöhnlich thun. Die gottselige A. Katharina Emmerich sagt ausdrücklich, daß, als Jesus nach der Geißelung in seinem Blute an der Geißelsäule lag, lüderliche Dirnen ihn frech verspotteten, und daß dies Jesus mehr geschmerzt habe, als seine Wunden. - 24 Gebet. Jesus! Mann der Schmerzen! Du leidest alle Uebel und Schmerzen. Du leideſt an Deiner Freiheit, an Deiner Ehre, an der Seele und am Leibe, an allen Gliedern und Sinnen, und ich will nichts leiden, sondern in Freuden leben! Du leidest freiwillig für mich, ohne irgendwie zu klagen, und ich leide nur gezwungener Weise und meines Klagens ist kein Ende. Du, der Unschuldige, hängst am Kreuze, und ich, der Schuldige, der Sünder, der die Hölle verdient hat, strebe nur nach den Lüsten der Welt. Du leidest von Jedermann, und ich will von Niemand leiden. Ich bin die Ursache Deiner Leiden, ich habe durch meine Sünden Dir den Blutschweiß ausgetrieben, Dich gegeißelt, mit Dornen gekrönt, verhöhnt und an's Kreuz geschlagen. Ach, wie schmerzt es mich, daß ich Dich, meinen Gott und Erlöser, so sehr betrübt habe! Von nun an will ich Dich desto mehr lieben. Gib mir die Gnade, daß ich meine Sünden stets beweine, alle Leiden und Trübsale aus Liebe zu Dir gern trage zur Abbüßung meiner Sünden. O Maria, Mutter der Schmerzen, erbitte mir Reue, Geduld in Leiden, Mitleiden mit deines Sohnes Leiden und wahre Liebe zu ihm. Amen. - 25- 6. Betrachtung. Der Abschied Jesu von seiner Mutter. Der liebe Jesus hat seinen Jüngern sein Leiden vorhergesagt. Er sprach so gern davon, weil sein Leiden ihm so sehr am Herzen lag und die Liebe zu den Menschen ihn drängte, für sie zu leiden und sie zu erlösen. Ohne Zweifel hat er mit seiner Mutter, die aus den Propheten wußte, daß er Vieles würde leiden müssen, von seinem Leiden gesprochen. ,, Theure Mutter," sprach er zu seiner Mutter,*) ,, wir haben bisher viele Freuden mit einander erlebt, aber jetzt ist die Stunde der Trennung und meines Leidens gekommen. Morgen werde ich gefangen genommen, gebunden, geschlagen und von einem Richter zum andern geschleppt werden. Man wird mich grausam geißeln, mein Haupt mit Dornen krönen, mich bespeien und verspotten und endlich zwischen zwei Mördern an's Kreuz schlagen." O wie schmerzlich waren diese Worte für seine Mutter! Jedes Wort war wie ein Messerstich, der ihr liebendes Herz verwundete. O ich arme *) Die folgenden Reden nach P. M. v. Cochem stehen zwar nicht in der heiligen Schrift, aber die Natur der Sache und die Annahme der Geisteslehrer, die darüber geschrieben, spricht dafür. Diese Reden sind nur im Sinne einer Betrachtung zu nehmen. 26 betrübte Mutter, welchen Leiden gehe ich entge= gen!", meine liebe Mutter, betrübe dich nicht zu sehr! Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater bestimmt hat? Ergib dich in den Willen meines Vaters und trage Alles mit Geduld. Ich werde am dritten Tage wieder auferstehen, und Dein Schmerz wird in Freude verwandelt werden." ,, Wenn Du, mein lieber Sohn, denn leiden mußt zur Erlösung der Menschen, so schiebe Dein Leiden noch eine Zeitlang auf." ,, Dir zu Liebe, o Mutter, thäte ich es gern, allein mein Vater will, daß ich in dem Alter, wo die Natur den Tod am meisten scheut, den bittern Tod leiden soll. Die frommen Altväter warten mit höchster Sehnsucht auf mein Leiden und ihre Erlösung, und meine Liebe zu den Menschen drängt mich so sehr, für sie zu leiden." O mein Sohn, wenn Du also jetzt leiden willst, so wähle nicht den schimpflichen und grausamen Tod des Kreuzes. Ein Tröpflein Deines heiligen Blutes, das Du vergießest, ist ja hinreichend, die ganze Welt zu erlösen." Das ist wohl wahr, liebe Mutter, aber da die Menschen mit allen Gliedern und Sinnen gesündigt haben, so will ich zur Abbüßung dieser Sünden auch an allen Gliedern und Sinnen leiden. Du kennst die Weissagungen der Propheten. Alles muß erfüllt werden. Ich will gern alle diese Peinen leiden und den letzten Tropfen Blut vergießen, damit die Menschen meine große Liebe zu ihnen erkennen und ge= nöthigt werden, mich wieder zu lieben." Die höchst Univ.- Bibl. Giessen 27 betrübte Mutter fiel auf die Kniee und sprach: ,, O mein göttlicher Sohn, fönnte ich für Dich sterben, oder möchte ich eher sterben, als Dich leiden sehen!" O meine Mutter, deine Schmerzen betrüben tief mein Herz, aber du mußt nach meinem Hingange noch auf Erden bleiben, damit du meinen Jüngern eine Mutter seist, die Betrübten trösteſt, den Zweifelnden rathest, Alle belehrest und ermuthigest. Trage dein Kreuz mit Geduld, ich werde es dir im Himmel reichlich belohnen." — P Endlich kam die Abschiedsstunde. Seine Jünger, die frommen Frauen, besonders Magdalena, weinten und waren untröstlich.„ Ich danke euch," sprach Jesus, ihr guten Frauen, daß ihr mir nachgefolgt seid und mich unterstüzt habt. Und dir, o meine liebste Mutter, danke ich am meisten für alle mütterliche Liebe und Treue, die du mir von meiner Geburt bis zu dieser Stunde erzeigt hast. Mein Vater wird es dir vergelten." O mein lieber Sohn, ich muß Dir danken, weil ich tausendmal mehr Gutes von Dir empfangen, als ich Dir erzeigt habe. Verzeihe es mir, daß ich Dir nicht so gedient habe, als Du es verdientest." Da sprach der süße Jesus: ,, Nun, liebste Mutter, weil es der Wille meines Vaters ist, daß ich von dir scheiden soll, so sage ich dir Lebewohl und empfehle dich meinem himmlischen Vater." bat seine Jünger und die frommen Frauen, sie möchten doch seine Mutter trösten. Als er ihr nun die Hand zum Abschiede reichte, konnte sie - 28 sich der Thränen nicht enthalten. Niemals haben sich auf Erden zwei Herzen so geliebt, wie Jesus und Maria, deshalb war auch nie eine Trennung so schmerzlich, als die Jesu von Maria. Die arme Mutter war bleich, ihr Herz schlug vor Angst, reichliche Thränen flossen von ihren Wangen. So stand sie eine Weile lautlos vor ihrem Sohne. Endlich sprach sie:„ Wenn denn geschieden werden muß, so bitte ich Dich um Deinen göttlichen Segen, damit ich gestärkt werde, das große Leid mit Geduld zu tragen." Gen Himmel blickend sprach der liebe Jesus mit mitleidsvoller Stimme: O mein himmlischer Vater, sieh' an das Herzenleid, welches meine Mutter meinetwegen hat, und erbarme Dich ihrer in ihrer großen Betrübniß. Stärfe sie in der Ertragung ihres schweren Kreuzes und gib ihr Deinen göttlichen Segen. Dein heiliger Geist wolle sie standhaft erhalten und Deine heiligen Engel wollen sie trösten und beschüßen." Als er ihr den Segen gegeben hatte, füßte sie seine heiligen Füße, dann reichte sie ihm die Hand und sprach mit kläglicher Stimme: ,, Mein liebster Sohn, da es also sein muß, so gehe hin und erlöse die Welt." Dann seufzte sie noch: ,, Ach, mein liebes Kind!" und Jesus sprach: ,, Ach, meine liebe Mutter!" Das waren die letzten Worte, die sie mit einander wechselten. O welch trauriger Abschied war das! Als Jesus fortgegangen war, sah sie ihm so lange nach, als sie ihn noch erblicken konnte. Wer sie ansah, mußte mit ihr weinen und trauern. - 29 O mein Christ, habe Mitleid mit dieser schmerzhaften Mutter. Dente bei den nachfolgenden Betrachtungen an die Leiden, welche sie mit ihrem Sohne gelitten, und bitte sie um wahres Mitleid mit ihres Sohnes Leiden und um Liebe zu ihm. Gebet. O heiligste und betrübteste Jungfrau, Königin der Martyrer, Mutter der Schmerzen, drücke das Leiden und die Wunden deines Sohnes tief meinem Herzen ein. Mache mich theilhaftig seiner Leiden. Ich erinnere dich an das Leiden, das dein Herz empfunden hat, als dein Sohn dir sein Leiden offenbarte und von dir Abschied nahm. Laß auch mich die Leiden deines Sohnes empfinden. Erbitte mir Mitleid mit demselben und einen großen Schmerz über meine Sünden, da ich ja durch dieselben die Ursache von deinem und deines Sohnes Leiden bin. ihr beiden schmerzlichst verwundeten Herzen Jesu und Mariä, ich opfere euch dieses große Leid auf und bitte euch, schenfet mir Reuethränen zur Abwaschung meiner Sünden. Wie viel habt ihr für das Heil meiner Seele gelitten! Lasset dieses euer Leiden an mir nicht verloren sein. Lasset mir eure Thränen zu Gute kommen, damit ich vor dem ewigen Weinen bewahrt bleibe. Erbarmet euch meiner armen fündigen Seele und stehet mir bei in meiner letzten Noth. Wenn ich von den Meinigen und von dieser Welt werde scheiden müssen, dann stehet mir durch die Verdienste euers Leidens gnädig bei, daß ich im Frieden mit euch von hier 30 - scheide. Jesus, Maria, Joseph! Euch schenke ich mein Herz und meine Seele. Jesus, Maria, Joseph! Stehet mir bei im letzten Todeskampfe. Jesus, Maria, Joseph! Möge meine Seele mit euch im Frieden scheiden. Amen. 7. Betrachtung. Die Traurigkeit Jesu im Oelgarten. Nachdem der liebe Jesus am Vorabende vor seinem Leiden das heilige Sacrament eingesetzt, seine Jünger belehrt, getröstet und für sie und alle Menschen zu seinem Vater gebetet hatte, ging er in den Garten Gethsemane und sprach: ,, Bleibet hier, während ich dort hingehe und bete." Den Petrus, Jakobus und Johannes nahm er noch weiter mit sich. Da fing er an zu trauern, zu zittern und sich zu entsetzen und sprach: ,, Meine Seele ist betrübt bis in den Tod. Bleibet hier mit mir und betet." Er fiel auf sein Angeſicht, betete und sprach: ,, Mein Vater, ist es möglich, so gehe dieser Kelch von mir, doch nicht mein, sondern Dein Wille geschehe!" Darauf ging er zu seinen Jüngern zurück und fand sie schlafend und sprach: So habt ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen können! Wachet und betet, daß ihr nicht in Versuchung fallet." Er ging zum zweiten Male hin und verrichtete dasselbe Gebet. Als er zum dritten Male das Gebet verrichtet 11 31- hatte, erschien ihm ein Engel vom Himmel, der ihn stärkte. Und als ihn Todesangst befiel, betete er länger. Und sein Schweiß ward wie Blutstropfen, die auf die Erde herabrannen. Die erste Ursache der Traurigkeit Jesu war die lebhafte Voraussicht der schrecklichen Leiden, die ihm bevorstanden. Die furchtbaren Marterwerkzeuge, die Stricke, die Geißeln, die Dornenkrone, die Verspottung und Bespeiung, die Nägel und das Kreuz, die namenlosen Leiden seiner liebsten Mutter, die Verfolgungen und der Martertod seiner Jünger und der zahllosen Martyrer standen lebhaft vor seinen Augen. gen. Zwar hatte er aus Liebe zu den Menschen stets verlangt, zu leiden und zu sterben, da aber jetzt die Menschheit von der Gottheit ganz verlassen war, erschauderte die menschliche Natur, die gerade in den kräftigen Jahren stand, so sehr vor dem schmählichen Tode. Die zweite Ursache waren die unzähligen Todsünden, die er in ihrer ganzen Abscheulichkeit vor sich sah. Er sah, welch' eine unendliche Beleidigung und Schmach seinem Vater, den er unermeßlich liebte, durch eine einzige Todsünde zugefügt wird. Er erkannte, daß die Todsünde die Höllenstrafen verdiene, und daß Millionen Seelen, für die er sterben wollte, sich in die Hölle stürzen würden. Wenn ein Mensch den Gräuel einer Todsünde erkännte, er würde vor Entseßen darüber sterben müssen. Der liebe Jesus sah nun die Abscheulichkeit aller Todsünden und sollte sie 32 alle auf sich nehmen, dafür büßen. Er sah sich damit bedeckt wie mit einem schmutzigen Kleide. Da er die Reinigkeit so sehr liebte, so war ihm dieses bitterer, als der Tod. Sein Abscheu war so groß, daß wir ihn unmöglich begreifen können, so groß, daß er daran gestorben wäre, wenn seine Gottheit ihn nicht am Leben erhalten hätte. O mein Christ! Du sündigst leichtsinnig darauf los, als wenn die Sünde nicht viel zu bedeuten habe. Lerne von deinem Heilande, wie sehr sie zu verabscheuen ist. Fliehe sie als das größte und einzige wahre Uebel. - — Die dritte Ursache seiner Traurigkeit war der Undank der Menschen. Er trug solche Liebe zu allen Menschen, daß er bereit war, für Alle und einen Jeden zu sterben. Er wünschte nichts sehnlicher, als daß alle Menschen seines Leidens theilhaftig und selig würden. Er sah aber voraus, daß Millionen Menschen an seinem Leiden feinen Theil haben und aus eigener Schuld verdammt werden würden. Ach, wie schmerzte ihn das! So viele Seelen er verdammt werden sah, so viele Wunden empfing sein liebendes Herz. Er sah, wie wenige Menschen sein Leiden zu Herzen nehmen und mit ihm wahres Mitleid tragen, ja, daß Manche darüber spotten, sein für sie vergoffenes Blut mit Füßen treten, ihn durch unzählige Sünden von Neuem kreuzigen, wie sie ihn im heiligen Sacramente, worin er aus Liebe bei den Menschen weilen wollte, verunehren, ja, mit teuflischem Haß verfolgen würden. Je größer - 33- - seine Liebe, um so größer war sein Schmerz. Ueber solchen Undank und solche Treulosigkeit wurde Jesus so betrübt, daß dieser Schmerz hinreichend gewesen wäre, ihn zu tödten. Stelle dir vor, als ob dich Jesus also anredete: ,, O mein Christ, sieh', wie mich die Furcht des Todes ängstigt. Deine Sünden sind die Ursache, weshalb ich sterben muß. Bedenke, welch' ein Uebel die Sünde sei, da die Vorstellung einer einzigen Todsünde mich würde getödtet haben, wenn die Gottheit mich nicht erhalten hätte. So groß die Schmerzen der Kreuzigung auch waren, so quälte mich doch der Abscheu vor der Sünde noch weit mehr. Ach, ich, der Gerechte, leide so viel für deine Sünden, und du, o Sünder, fühlst feine Reue über deine Sünden und gehst so gleichgültig zur Beicht! Siehe, wie viel ich leide, und ob es einen Schmerz gibt, wie mein Schmerz ist. Und du denkst so selten an mein Leiden, fährst sogar fort, mich mit neuen Sünden zu peinigen! Habe ich das um dich verdient? O laß ab, mein Herz zu verwunden!" Gebet. für mich leidender Jesus, höre auf, zu flagen. Deine Klage ist nur zu wahr. Ich bin die Ursache Deiner großen Traurigkeit. Du leidest so Entsetzliches aus Liebe für mich, um mich selig zu machen: fann es eine größere Liebe geben? Und ich Undankbarer dachte so selten an Dein Leiden, habe Deine Liebe mit Undank vergolten, habe nicht aufgehört, Dich mit meinen Sünden zu beleidigen! Welche Undankbarkeit und 3 34 Bosheit! Ich falle vor Deiner göttlichen Majestät nieder und bekenne, daß ich wider Dich und den Himmel gesündigt, daß ich nicht werth bin, Dein Jünger genannt zu werden. Es thut mir leid, daß ich Dein Herz so sehr betrübt habe. Könnte ich jene Reue haben, die Du am Delberge in Deinem Herzen gefühlt hast! Ich opfere Dir dieselbe statt meiner Reue auf und bitte Dich, Du wollest mir die Sünden verzeihen. Je mehr ich Dich betrübt habe, um so mehr will ich Dich von nun an lieben. O Mutter der Schmerzen, erbitte mir von deinem Sohne wahre Reue und Liebe zu ihm. Amen. - - 8. Betrachtung. Das Gebet Jesu am Oelberge. Jesus betet in der Traurigkeit, Angst und Versuchung, uns zum Beispiele, daß auch wir in Trübsalen, Angst und Versuchungen bei Gott Trost und Hülfe suchen sollen und finden können. Und du fluchst vielleicht in Trübsalen und ergibst dich der Trunkenheit! So machst du das Uebel noch schlimmer. Jesus, die Heiligkeit, betet, und der Sünder betet nicht, Gott betet, und der Staub betet nicht. Der Allmächtige betet, damit er das bevorstehende Leiden für das Heil der Menschen glücklich vollende, und das schwache Geschöpf betet 35 nicht, sondern vertraut auf eigene Kräfte, als bedürfe es der Hülfe von oben nicht. - - Jesus betet demüthig. Siehe, der Sohn Gottes, der dem Vater gleich ist, demüthigt sich vor ihm so sehr, daß er nicht allein auf seine Kniee fällt, sondern sich sogar mit dem Angesicht und dem ganzen Leibe auf die Erde wirft, als wollte er sich vor ihm bis in den Abgrund erniedrigen und als wäre er das geringste Geschöpft der Welt. Er versenkte sich in den Abgrund der Niedrigkeit und betete so den Vater an. So wollte er die Hoffart und Selbsterhebung der Menschen büßen, die Gott gleich sein wollten und sich gegen ihn empörten. Siehe, der Schöpfer Himmels und der Erde wirft sich auf sein Angesicht, als wäre er nicht würdig, den Himmel anzuschauen, und was thust du, Staub und Asche? In welcher Stellung, mit welcher Ehrfurcht und Verdemüthigung beteſt du Gott an? David bestreute sein Haupt mit Asche und benetzte sein Lager mit Bußthränen, die Niniviten zogen Bußkleider an, der Zöllner mochte seine Augen nicht zum Himmel erheben: und du, während du um Verzeihung deiner Sünden bittest, seßzest dich auf's Bequemste hin, deine Augen schweifen umher und du langweilst dich. Vor deinem Gott ein Knie zu beugen, ist dir zu lästig, oder du schämst dich dessen. Ist das ein Gebet, das Gott gefallen fann, ist es nicht vielmehr eine neue Verunehrung? Ach, du siehst deinen Herrn und Erlöser in Demuth am Boden liegen: solltest du nicht von Scham und Schmerz 3* 36 über deine Sünden gerührt zur Nachfolge bewegt werden? - Jesus betet mit festem Glauben und findlichem Vertrauen: ,, Abba Vater! Dir ist Alles möglich. Laß diesen Kelch an mir vorübergehen!" Mein Vater, mein liebster Vater, ach, sieh' doch an Dein armes Kind in seiner äußersten Noth, erzeige mir Deine väterliche Liebe, laß Dein Vaterherz erweichen. Welch' ein findliches Vertrauen! Siehe, mit solchem findlichen Vertrauen, mit solcher Liebe sollst auch du vor Gott, deinem besten Vater, der dich mehr liebt, als eine Mutter ihr Kind lieben kann, im Gebete dein Herz ausschütten. ,, Doch nicht, wie ich will, sondern wie Du willst!" Jesus unterwirft seinen menschlichen Willen dem Willen seines Vaters, er ist zu Allem bereit, was sein Vater will, weil dieser in Allem nur unser Bestes will. Was gibt es Göttlicheres, als bei so großem Widerwillen gegen das Leiden diese vollständige Ergebung! So sollen auch wir in unserm Gebet mit kindlichem Vertrauen dem göttlichen Willen uns unterwerfen. Das ist die höchste Stufe der Vollkommenheit, die gänzliche Hingabe unsers Willens an den göttlichen. Verrichte oft folgendes Gebet:„ Es geschehe, werde gelobt und ewig hochgepriesen der gerechteſte, höchste und liebenswürdigste Wille Gottes in Allem." 100 Tage Ablaß einmal täglich. Pius VII. 19. Mai 1818. 37 Jesus betet beharrlich. Er verrichtet dasselbe Gebet dreimal. Er nimmt immer seine Zuflucht zum Vater, er läßt nicht ab vom Flehen. In Todesangst gerathen betet er inständiger und bringt drei Stunden im Gebete zu Christus zieht das Gebet und Nachtwachen in die Länge, und wir den Schlaf. Eine halbe Stunde zur Anhörung einer Messe ist uns zu lang und zu lästig. Die Zeit des Gebetes kommt uns zu lang vor, sie fann nicht kurz genug sein. Aber wie viele Stunden bringen wir mit Spielen, Blaudern, Lustbarkeiten zu, oft ganze Nächte! So fann Jesus über uns flagen: ,, Auch nicht eine Stunde könnt ihr mit mir wachen?" Jesus betet so inbrünstig und lange für uns, und was thun wir für unser eigenes Seelenheil, das zudem noch so sehr auf dem Spiele steht? Wie selten wachen wir mit Jesus, wie selten beten wir mit ihm! Daher kommt es, daß wir so oft in Versuchung und Sünde fallen und uns nicht bessern. ,, Bittet und ihr werdet empfangen!" Zweimal unterbricht Jesus das Gebet aus Liebe zu seinen Jüngern, die im Augenblick der Gefahr schliefen. Er wollte sie anhalten, ebenfalls zu beten und sich wider die über sie kommenden Versuchungen zu stärken. Gebet und die Ausübung der Liebeswerke wechseln bei ihm ab. Darin sollen wir ihm nachahmen. Es tritt bisweilen der Fall ein, wo wir das Gebet unterbrechen müssen, um dem Nächsten in der Noth zu Hülfe zu kommen. Die Liebesdienste sind 38 noch vortrefflicher, als die Werke der Andacht. Jesus hat uns zur Nächstenliebe so eindringlich ermahnt. Wie groß ist seine Liebe für die Seinigen! Selbst in der größten Noth, Verlassenheit und Todesangst sorgt er noch so liebevoll für seine Jünger, obschon sie theilnahmslos waren und schliefen. - - Gebet. O Jesus, Du ziehst Dich zurück in die Einsamkeit zum Gebete, und ich suche die Zerstreuungen der Welt, darum ist mein Gebet so unandächtig. Du betest so demüthig und inständig, und mein Gebet ist ohne Ehrfurcht und Dauer, Du betest drei Stunden lang beharrlich und inbrünstig, und mein Gebet ist so kurz und schlecht. Du ergibst Dich in den größten Leiden in den Willen Deines Vaters, und ich werde bei kleinen Leiden ungeduldig. Du mein Herr und Gott, und ich ein armer Sünder! Ach, erbarme Dich meiner und hilf mir, daß ich Dir ähnlich werde. Du weißt es, der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Ich mache gute Entschlüsse, allein die geringste Beschwerde drückt mich nieder und nimmt mir den Muth. Ich möchte so gern tugendhaft sein, aber ich fühle den Widerstreit der bösen Neigungen und zittere beim Anfalle der Versuchung. Jesu, mein Erlöser, erhebe meinen niedergebeugten Muth und verleihe mir den Sieg über alle meine Feinde. Stärfe mich in meiner Schwachheit und im Kampfe, unterstüße meine Kräfte, wenn sie ermatten wollen. Ich beschwöre Dich darum durch jene 39 tödtliche Betrübniß, welche Dein Herz überfallen, durch jene Furcht, welche Dich beim Anblick Deiner Leiden ergriffen, durch das so demüthige und ehrfurchtsvolle Gebet, welches Du zu Deinem Vater gerichtet, durch das kostbare Blut, das aus Deinen Adern geflossen, und durch die schreckliche Todesangst, in die Du gerathen bist. Und da Dein Vater Dich nicht erhörte, damit er die Bitten armer Sünder erhören könne, so gib, daß dies mein Gebet sein und Dein Herz rühre. Verleihe mir die Gnade, daß ich für Dich streite, wie Du für mich gestritten, daß ich für Dich sterbe, wie Du für mich gestorben bist. O Maria, erbitte auch du mir diese Gnade bei deinem göttlichen Sohne. Amen. - 9. Betrachtung. Jesus schwikt Blut. Blut schwißen ist etwas so Enfeßliches, daß man es kaum gehört hat. ,, Als Jesus Todesangst befiel, betete er länger und sein Schweiß ward wie Blutstropfen, welche auf die Erde herabrannen." In den drei Stunden, die Jesus am Delberge betete, hatten die Liebe zum menschlichen Heile und die Furcht vor den bevorste= henden Martern mit einander gekämpft. Die Liebe wollte den Tod annehmen, die Furcht sträubte - 40 1 sich dagegen. Die Furcht stellte ihm vor, es wäre tausendmal besser, daß alle Menschen zu Grunde gingen, als daß er stürbe, weil sein Leben unendlich mehr werth sei, als das Leben aller Geschöpfe. Er werde auch unmöglich solche unaussprechlichen Qualen und einen so bittern und schmählichen Tod ertragen können. Die Gräuelbilder der Sünden des Undankes der Menschen, deren Schuld Jesus auf sich genommen und deren Strafe er tragen sollte, stürmten immer schrecklicher auf ihn zu. Er sah," sagt die gottselige Nonne A. Katharina Emmerich, ,, wie der Satan unzählige Menschen verführen, erwürgen und zerreißen würde, für deren Erlösung er des bittersten Todes sterben sollte." Er sah, wie die bösen Menschen mit teuflischem Grimme gegen ihn kämpften. Sie höhnten, spieen, fluchten, warfen Unrath, stachen und hieben gegen Jesum. Ihre Waffen, Schwerter und Spieße hoben und senkten sich wie Dreschflegel einer unabsehbaren Tenne, und sie wütheten Alle gegen das himmlische Weizenkörnlein, das gekommen war, Alle selig zu machen." Sieh', für solchen Undank willst Du leiden?" flüsterte ihm der Versucher zu. Ach, die unzählbaren Sünden und Gräuel waren auf ihn gelegt, er hatte als der unendlich Heilige einen unendlichen Abscheu vor denselben, die Sünden preßten ihm den blutigen Angstschweiß aus. Der Anblick meiner Sünden, o Jesu, war es, welcher Dein Blut aus den Adern hervorrinnen ließ. Nicht die Schergen, nicht die Geißeln und - - 41- Dornen, nein, meine Sünden haben Dich, o süßester Heiland, im Delgarten so tief betrübt! Betrachte Jesus in seinem blutigen Schweiße. Sein Angesicht ist bleich und mit Blut überronnen, seine Haare fleben von Blut an einander. Er zitterte an allen Gliedern und schwankte bald auf diese, bald auf jene Seite. Ach, er betete so inbrünstig: ,, Vater, wenn's möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber, doch nicht mein, sondern Dein Wille geschehe!" Seine Augen sind gebrochen, der Tod schwebt auf den Lippen, das Blut strömt mit Gewalt dem Herzen zu, er sinft dahin, wie todt. Doch die wunderbare Liebesfraft treibt mit solcher Kraft das Blut zurück, daß es aus allen Theilen des Körpers hinausdringt. Der kämpfende Erlöser ist mit Blut überronnen, die Erde von seinem herabfließenden Blute geröthet.„ Der Blutschweiß rann heftiger, als vorher," sagt A. Katharina Emmerich, ich sah ihn durch die anliegenden Stellen seines gelblichen Gewandes dringen." Es erschien ein Engel vom Himmel und stärkte ihn." Er brachte ihm die Antwort vom Himmel, es sei der Wille des Vaters, daß er für die Erlösung der Menschen sterbe. Der Engel führte die Schaaren der Seligen vorüber, die durch sein Leiden die himmlische Glorie erlangen sollten. Es zogen die Apostel, die Jungfrauen und Frauen, die Bekenner, Martyrer, das unzählbare Heer der Seligen und Heiligen an ihm vorüber. Alle waren geschmückt mit den Sieges 1 42 - kronen ihrer Leiden und Tugenden. Alle ihre Glorie hatten sie nur aus ihrer Vereinigung mit den Verdiensten Christi. Dieser rührende Anblick stärkte und erquickte die Seele des Herrn. ,, O wunderbares Geheimniß," ruft der heilige Bernhard aus, ,, Du, die Kraft und Glorie der Engel, gibst es zu, daß ein Engel Dich tröste und stärke! Owunderbare Demuth Jesu, der Du so tief herabsteigst! Nun dürfen auch wir Vertrauen haben und in Angst und Bekümmerniß zum Gebete. unsere Zuflucht nehmen, und die Stärkung wird uns gewiß nicht fehlen." Gott erhörte das Gebet Jesu nicht und nahm den Kelch nicht von ihm, aber er tröstete und stärkte ihn. Wenn du, mein Christ, in Leiden und Trübsalen mit Ergebung betest, und Gott nimmt das Leiden nicht von dir, weil dies für dich nützlich und nothwendig zu deiner Seligkeit ist, so wird er dich auch trösten und stärken, daß du es geduldig erträgst. Fassen wir Muth, mein Christ, Gott drückt uns wohl, aber unterdrückt uns nicht. Er drückt eine Zeitlang, damit er uns nachher mit um so gröBerem Trost erquicken könne. ,, O mein Kind," fann Jesus sprechen, die Freude und Lust der Sünden, die du in deinem Leben gesucht hast, durchdrang meine Seele mit einem tödtlichen Schmerze. Deine Sünden preßten mir blutigen Schweiß aus, deine Sünden verursachten mir einen so qualvollen Todeskampf, und du vergießest feine Thräne darüber! Ich frage dich, mein Kind, ich, dein Gott, dein Freund 43 und Bruder, möchtest du noch einmal eine Luſt genießen, welche mir so großes Leid brachte? Möchtest du meine Schmerzen erneuern, noch einmal mein unschuldiges Blut fließen und meine Natur erschaudern sehen wegen der Größe meiner Qualen?" - Gebet. Ach, Herr, ganz beschämt und mit bitterem Schmerz erfüllt werfe ich mich Dir zu Füßen, ich bekenne meinen Undank und meine Treulosigkeit. Ich verabscheue meine Sünden, deren jede Dein Herz mit Betrübniß erfüllte. O Herr, ich bitte Dich durch Deinen blutigen Schweiß und Deine Todesangst, erweiche mein hartes Herz, gib mir einen wahren aufrichtigen Schmerz, eine große innige Reue, die mein Herz zerreißt und befehrt, eine Reue, vermöge welcher ich jegliche Sünde und jede Gelegenheit der Sünde fliehe. O Jesu, gib mir Antheil an jenen Schmerzen, die Du im Delgarten erduldetest, damit ich bis an's Ende meines Lebens mit heiligem Hasse gegen die Sünde erfüllt werde. Otheurer Heiland, gib mir die Gnade, Dir durch die Gluth und den. Eifer meiner Liebe genugzuthun für die bitteren Schmerzen, welche Dir meine Sünden verursacht haben. Mutter der Schmerzen, erbitte mir eine innige Reue über meine Sünden. Amen. - 44 - 10. Betrachtung. Judas verräth Jesus. Als Jesus sein Gebet vollendet hatte, sprach er zu seinen Jüngern: ,, Die Stunde ist gekommen, da des Menschen Sohn in die Hände der Sünder wird überliefert werden. Stehet auf, laßt uns gehen. Sehet, mein Verräther ist nahe." Siehe, da kam eine große Rotte mit Schwertern, Fackeln und Stricken, um Jesus gefangen zu nehmen. Judas ging vor derselben her. Er hatte ihr ein Zeichen gegeben und gesagt: ,, Den ich füssen werde, der ist's. Greifet ihn und führet ihn behutsam." Sobald Judas den Heiland sah, eilte er auf ihn zu und sprach: ,, Sei gegrüßt, Meister," und küßte ihn. Jesus sprach: Freund Judas, wozu bist du gekommen? Verräthst du des Menschen Sohn mit einem Kusse?" Judas hatte vorher mit den Hohenpriestern unterhandelt: ,, Was wollt ihr mir geben, und ich will ihn euch überantworten!" Sie aber versprachen ihm dreiBig Silberlinge. Wer kann die Ungeheuerlichkeit dieser Bosheit beschreiben! Judas hatte so viele Gnaden empfangen, war zum Apostel berufen, hatte die Lehren des Heilandes gehört, seine Wunder gesehen, hatte selbst Wunder gewirkt, wie die übrigen Apostel. Der Heiland hatte ihm die Füße gewaschen und sich selbst in der heiligen Commu - 45 1 nion ihm gegeben, und Judas verräth seinen Meister, verkauft ihn für dreißig Silberlinge! Welcher Undank! Jesus hatte ihn nachdrücklich gewarnt: Wehe dem Menschen, durch welchen des Menschensohn verrathen wird. Es wäre besser, daß dieser Mensch nicht geboren wäre." Aber Judas bleibt verstockt! Judas ist so frech, daß er wie die übrigen Jünger den Herrn fragte: ,, Bin ich es, Meister?" nämlich der Verräther. Obschon Jesus ihm geantwortet, daß er der Verräther sei, obschon Judas so viele Beweise der Allwissenheit Jesu, der die Gedanken der Herzen erfannte, vor Augen gehabt, so verstellt er sich doch und will Jesus täuschen und verräth ihn mit einem Kusse, dem Zeichen der Freundschaft. Welche Verblendung und Bosheit! Judas fiel so tief, weil er dem Geize ergeben war. Der Geiz machte ihn zum Diebe, zum Verräther und Anführer der Mörder und zuletzt zum Selbstmörder. O wie Viele stürzt die Geldgier in's ewige Verderben! Die da reich werden wollen, gerathen in Versuchung und in die Fallstricke des Teufels," sagt der Apostel. Die Geldgier verleitet zum Lügen, falschen Eide, Stehlen, Betrügen, ungerechten Processen, Haß und Feindschaft. Wie mit dem Geize, so geht es mit allen Lastern, mit Rachgier, Hochmuth, Trunfsucht, Wollust. Wenn du nicht im Anfange diesen Leidenschaften widerstehst, so werden sie immer stärker, so daß du zuletzt ein Stlave derselben wirst und kaum mehr widerstehen kannst, und die Folge ist 46 - Verzweiflung und die Verdammung. mein Christ, unterdrücke also gleich deine Leidenschaft. Judas verrieth den Herrn mit einem Kusse. Du verdammst diese Heuchelei und Abscheulichkeit des Judas. Bist du dem Judas nicht ähnlich? Wenn du zur heiligen Communion gehst in einer schweren Sünde, gibst du nicht deinem Herrn einen Judastuß? Wie oft rufst du aus:„ Mein Gott und Alles!" und schenkst dein Herz den Geschöpfen mehr, als Gott. Du gibst freundliche Worte dem Nächsten und trägst Abneigung, Verachtung, wohl gar Haß gegen ihn im Herzen. Sind das nicht Judasküsse! O weg mit dieser Doppelherzigkeit, die bei Gott und Menschen verhaßt ist! Judas verkauft seinen Herrn und Meister für dreißig Silberlinge. Wie gering schätzte der Elende seinen Herrn und Wohlthäter! Welche Verachtung, welcher Undanf! Ach, wie Viele verkaufen, wie Judas, ihren Heiland, ihr Gewissen, ihre Ruhe und Glückseligkeit um ein wenig Geld, eine eitle Ehre, eine erbärmliche Rache, eine augenblickliche Wollust! Womit können sie den Verlust des höchsten Gutes ersetzen? O mein Heiland, es reut mich, daß ich Dich so oft für eine elende Sündenlust hingegeben habe. Ich will Dich von jetzt an über Alles hochschätzen und lieber Alles, als Dich verlieren. Betrachte noch, wie der Verrath des Judas, seines Apostels, den er so sehr liebte und dem er so viele Wohlthaten erwiesen hatte, dem liebenden - 47. 1 Herzen Jesu wehe gethan hat. Jesus wurde im Geiste betrübt," sagt der heilige Johannes, ,, als er sprach: Siehe, die Hand meines Verräthers ist mit mir auf dem Tische. Wahrlich, ich sage euch, Einer von euch wird mich verrathen." Keine Unbill schmerzt so, wie die, welche uns von unsern Freunden, die wir lieben und denen wir Gutes gethan, widerfährt. Bewundere die Sanftmuth und Liebe Jesu gegen seinen Verräther. Er erkannte die Bosheit des Judas, aber er stößt ihn nicht von sich, flucht ihm nicht, sondern läßt sich sogar von ihm füssen. Freund Judas, wozu bist du gekommen? Bedenke doch, was du thust." Er nennt ihn Freund, er bietet ihm Gnade und Verzeihung an. Hätte Judas nur gesprochen:„ Ich habe gesündigt, verzeihe!" so würde Jesus ihn wieder aufgenommen haben. Jesus, worüber soll ich mehr staunen, über Deine Liebe und Sanftmuth, oder über die Verhärtung des Judas? Welch' ein schönes Beispiel gibt uns Jesus, wie wir selbst unsere Todfeinde noch lieben und wie wir ihnen freundlich begegnen sollen! Wenn wir wahre Nächstenliebe haben, so muß uns die Bosheit und Sünde unsers Feindes mehr schmerzen, als die uns zugefügte Beleidigung. Gebet. O sanftmüthigster Jesus, der Du Deinen Verräther nicht mit Worten des Zornes von Dir gestoßen, wie er es verdient hätte, sondern von seinem verrätherischen Munde Dich küssen ließest, ihn noch Freund nanntest und ihm Ver 48 zeihung anbotest, wie sollte ich zweifeln können, ob Du mir verzeihen willst? Judas hat Dich nur einmal verrathen, und ich habe Dich so oft verrathen für ein Stück Geld, eine eitle Ehre vor den Menschen, oder eine flüchtige Wollust, verrathen mit einem falschen Kusse, so oft ich unwürdig zur heiligen Communion ging. Ach, sollte ich mich nicht entsegen ob der Schmach, die ich Dir angethan habe? Ich will aber nicht verzweifeln, wie Judas, denn ich sehe, Du willst nicht den Tod auch des größten Sünders. O Jesu, ich beschwöre Dich durch Deine Sanftmuth und Liebe gegen Deine Verräther, sei mir barmherzig und verzeihe mir. Je größer die Barmherzigkeit ist, die Du mir erwiesen, desto mehr will ich sie preisen, desto mehr Dich lieben. Gib, daß ich in Deiner Liebe lebe und sterbe. Amen. - 11. Betrachtung. Die Gefangennehmung Jesu. Jesus ging der Rotte entgegen und fragte: ,, Wen suchet ihr?" Die Rotte:„ Jesum von Nazareth." Jesus: ,, Ich bin's." Auf dieses Wort stürzte der ganze Haufen zurück und fiel zur Erde. Jesus fragte noch einmal: ,, Wen suchet ihr?" Die Rotte: ,, Jesum von Nazareth." Jesus: „ Ich habe es euch schon gesagt, daß ich es bin. Wenn ihr mich suchet, so lasset Diese gehen." - 49 Das war ein Befehl. Jetzt legten sie Hand an ihn. Die Jünger sprachen: ,, Herr, sollen wir mit dem Schwerte darein schlagen?" Petrus ergriff das Schwert und schlug dem Knechte des Hohenpriesters, mit Namen Malchus, das rechte Ohr ab. Jesus sprach zu Petrus: ,, Stecke dein Schwert in die Scheide, denn wer das Schwert gebraucht, wird durch's Schwert umkommen.*) Oder meinst du, ich könnte nicht meinen Vater bitten, und er würde mir mehr als zwölf Legionen**) Engel schicken? Wie würde dann die Schrift erfüllt werden? Sollte ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat?" Jesus rührte das Ohr des Malchus an und heilte es. Dann sprach er zu der Rotte: ,, Wie zu einem Mörder seid ihr ausgezogen mit Schwertern und Prügeln, mich zu fangen. Täglich saß ich bei euch im Tempel und lehrte, und ihr habt mich nicht ergriffen. Aber das ist eure Stunde und die Macht der Finsterniß."***) Da verließen ihn seine Jünger und flohen. Jesus stürzt durch das Wort: ,, Ich bin es!" die Rotte zu Boden. Er zeigte dadurch, daß sie *) Alle, welche mit dem Schwerte verlegen, ohne dazu ermächtigt zu sein, verdienen, daß ihnen dasselbe widerfahre. **) Eine Legion Soldaten bestand aus 6000 Mann. Sinn: Ich habe menschliche Hülfe nicht nöthig, da ich mir himmlische in ausreichendem Maße verschaffen könnte. ***) Ihr habt mich nicht ergriffen, obschon ich täglich bei euch war, weil die Stunde meines Leidens noch nicht gekommen war. Jetzt ist sie da und dem Teufel ist Macht gegeben, mich durch euch an's Kreuz zu bringen. 4 - 50 nichts über ihn vermochte, und daß er freiwillig sich ihr überlieferte und sich binden ließ aus Liebe zu mir, um mich aus den Banden des Teufels zu befreien. Denn meine Sünden sind die Stricke, die Jesus gefesselt haben. Ich bin es! Ein furchtbares Wort für die Gottlosen und ein liebliches für die Frommen. Ich bin es, den du verfolgt hast, ich bin Zeuge, Richter und Rächer deiner Sünden. Ich bin es, in dessen Hände zu fallen schrecklich ist. Ich bin es, der Leib und Seele zur Hölle verdammen kann. O wie schrecklich werden diese Worte sein in den Ohren der Verworfenen, die da in Verzweiflung ausrufen werden: ,, Ihr Berge, fallet über uns, und ihr Hügel, bedecket uns!" Ich bin es! Wie lieblich für Alle, welche Jesus lieben. Ich bin euer Gott und Beschüßer, der alle Haare eures Hauptes gezählt, der mit Vaterliebe über euch wacht und euch nahe ist in jeder Stunde der Versuchung und Gefahr. Ich bin es, der deine Seufzer hört, deine Thränen zählt und sie in Freude verwandelt. Ich bin deine Krone: kämpfe nur, ich werde dir beistehen, und du wirst sie erlangen. Ich bin's, der dir eine Stätte im Himmel bereitet, damit, wo ich bin, auch du seist. O Jesus, gib, daß ich Dir immer folge und Dich liebe. ,, Wie grimmige Wölfe," sagt die gottselige A. Katharina Emmerich, fielen die rohen Schergen her über Jesus, das sanftmüthigste Lamm, das seinen Mund nicht öffnete Die Pharisäer schrien wie rasend: Er hat mit dem Teufel zu thun. 51- Durch Zauberei schien das Ohr verletzt und durch Zauberei schien es wieder heil. Die Schergen banden Jesus die Hände vor der Brust auf eine grausame Weise freuzweise über einander und knebelten sie so fest, daß ihm die Gelenke und Hände aufschwollen. Sie legten ihm einen breiten Fesselgürtel, in welchem Stacheln waren, um die Mitte des Leibes. Ebenso legten sie ihm ein Halsband an, in welchem ebenfalls Stacheln waren. An vier Stellen des stacheligen Gürtels befestigten sie lange Stricke, an welchen sie den Herrn hin und herzerren konnten. Nun setzte sich der Zug in Bewegung. Die Schergen mißhandelten Jesum auf die grausamste Weise und übten allen Muthwillen an ihm, aus Niederträchtigkeit und um den Pharisäern zu gefallen, die voll von teuflischem Grimm gegen Jesus waren. Jesus ging barfuß und trug ein wollenes gewirktes Kleid ohne Nath und ein Obergewand. Der Zug ging schnell vorwärts. So gelangten sie zu der Brücke über den Bach Cedron. Jesus war schon einige Male durch das unbarmherzige Hin- und Herreißen an den Stricken gefallen. Als sie mitten auf der Brücke waren, stießen sie den armen gefesselten Jesus hoch von der Brücke in den Bach und spotteten: da könne er sich satt trinken. Jesus fiel auf die Kniee und dann auf das Angesicht nieder. Die Spuren seiner Kniee und Füße drückten sich in den Steinen ab. Ach, die Felsen waren weicher und gläubiger, als die Herzen der Menschen. Da 4* 52 lag nun der liebe Jesus, nur durch ein Wunder verletzte er sich nicht tödtlich. Er trank ein wenig aus dem Bache, damit in Erfüllung gehe das Wort: ,, Aus dem Bache am Wege wird er trinfen." Hierauf rissen die Schergen Jesus an den Stricken zurück und schleiften ihn rückwärts über das hohe Ufer wieder heraus. Nun trieben sie Jesus unter Höhnen, Fluchen und Schlagen und indem sie ihn an den Stricken vorwärts rissen, zum zweiten Male über die Brücke. Sein langes wollenes Gewand, schwer von Wasser, lag fest an seinen Gliedern, er vermochte kaum zu Sie gehen und sanf abermals zur Erde nieder. rissen ihn unter erneuten Schlägen und Stößen wieder empor und schürzten ihm unter Spottreden das nasse Gewand mit dem Gürtelbande auf. Sie schleiften ihn nun über scharfe Steine, durch Disteln und Dornen unter Schlagen und Fluchen unbarmherzig fort. Während Jesus auf seinen nackten blutenden Füßen voranging, spotteten die Pharisäer mit den Worten: Da hat ihm sein Vorläufer, der Täufer, einen schönen Weg bereitet!" Da über solche Hohnreden Alle in ein freches Lachen ausbrachen, so war dies für die Schergen ein Antrieb zu neuen Mißhandlungen." O welches Herz sollte nicht weinen und trauern, wenn es Jesum so mißhandelt sieht! Gebet. O Jesus, wie ein Wurm zertreten und mißhandelt, ich habe Mitleid mit Dir. Ich füsse die Stricke, mit welchen Du gebunden bist, denn sie sind es ja, die mich von den verdienten 53 ewigen Banden befreien. Binde mich, o Jesus, mit den Banden Deiner Liebe, damit ich nie wieder von Dir getrennt werde. Du mein Gott und Herr leidest aus Liebe zu mir solche Schmach mit Geduld, und ich brause auf vor Zorn über eine kleine Beleidigung! Im Hinblick auf Dein Beispiel will ich mich freuen, wenn ich gewürdigt werde, für Dich Schmach zu leiden. Ich bitte Dich durch Deine erlittene Mißhandlung und Schmach, verzeihe mir meine Sünden der Ungeduld und Zornmüthigkeit und gib mir die Gnade, daß ich alle mir zugefügten Unbilden mit Geduld aus Liebe zu Dir gern ertrage. O Jesus, sanftmüthig und demüthig von Herzen, mache daß mein Herz dem deinigen gleiche. 300 Tage Ablaß einmal täglich. Pius IX. 25. Januar 1868. Obetrübteste Mutter, ich erinnere dich an deine Seufzer und Thränen und an das Herzenleid, das du empfandest, als du erfuhrst, wie dein Sohn von Judas verrathen und von den Juden gefangen und unmenschlich mißhandelt wurde. Ich bitte dich durch dieses Schwert der Schmerzen, das deine Seele durchbrang, stehe mir bei in meiner Todesangst und verschaffe mir ein großes Mitleiden mit deinem göttlichen Sohne, damit ich ewig getröstet zu werden verdiene. Amen. Süßes Herz Mariä, sei meine Rettung. 300 Tage Ablaß jedesmal. Pius IX. 30. Sept. 1852. - 54- 1 12. Betrachtung. Jesus, zu Annas geführt, empfängt einen Backenstreich. Die Schergen führten Jesum zuerst zu Annas, dem Schwiegervater des Kaiphas. Annas*) fonnte die Ankunft des armen Heilandes faum abwarten. Er sprühte vor Schadenfreude, Arglist und Hohn. Jesus stand bleich, abgezehrt, im nassen, mit Koth befleckten Gewande und mit gefesselten Händen, von den Schergen an Stricken gehalten, mit gesenktem Haupte, schweigend vor Annas. Allerlei Gesindel, schmähende Juden, Diener und Zeugen standen dort umher. Annas, ein alter, hagerer Bösewicht, voll Hohn und Hoffart, stellte sich höhnisch lächelnd, als wundere er sich höchlich, daß Jesus der ihm angekündigte Gefangene sei. ,, Ei, sieh' da," sprach er,„ Jesus von Nazareth! Du bist es. Du bist es. Wo sind Deine Jünger? Rede, Du Aufwiegler, Verführer. Du willst eine neue Lehre aufbringen? Wer hat Dir das Recht dazu gegeben? Was ist Deine Lehre, die Alles empört! Was ist Deine Lehre? Sprich, rede!" Da richtete Jesus sein müdes Auge empor, sah Annas an und sprach: Ich habe öffentlich vor der Welt geredet, ich habe in der Synagoge und im Tempel geredet, ich habe nichts im *) Diese und die folgenden Betrachtungen sind nach A. Katharina Emmerich bearbeitet. 55- Verborgenen geredet. Warum fragst du mich? Frage Diejenigen, welche mich gehört haben. Diese wissen, was ich gesagt habe." Als nun das Gesicht des Annas Grimm verrieth, schlug ein roher Gerichtsdiener den Herrn mit voller Hand, die mit Eisen bewaffnet war, prasselnd auf Mund und Wange mit den Worten: Antwortest Du so dem Hohenpriester?". Jesus, von der Heftigkeit des Schlages erschüttert und von den Schergen gestoßen, fiel auf die Stufen. Das Blut floß ihm vom Angesichte. Höhnen, Murren, Lachen und Schimpfen füllte die Halle. Sie rissen aber Jesum unter Mißhandlungen wieder empor und der Herr sprach ruhig: ,, Habe ich unrecht geredet, so beweise es. Habe ich aber recht geredet, warum schlägst du mich?" Annas, über Jesu Ruhe ergrimmt, forderte die Anwesenden auf, zu sagen, was sie von Jesus wußten. Da hörte man ein wüstes Schreien. Er habe gesagt, er sei ein König, Gott sei sein Vater, die Pharisäer seien Ehebrecher, er heile am Sabbath durch den Teufel, er schreie Wehe über Jerusalem, er esse mit Unreinen, Heiden, Zöllnern und Sündern, schleppe sich mit Ehebrecherinnen und schlechten Frauen, er sei ein Volksaufwiegler, ein Lügner und Verführer. Annas schrieb die Anschuldigungen auf einen Streifen Papier, steckte diesen in einen Flaschenkürbis, befestigte ihn auf ein Rohr und reichte ihn Jesus als Spottscepter mit faltem Hohne:„ Hier hast Du das Scepter Deines Reiches. Es sind alle Deine Titel, Würden und 56 - Rechte darin." Die Schergen banden dieses Scepter an Christi Hände und Brust fest und führten ihn unter Hohngelächter hinaus zu Kaiphas. Jesus berief sich auf die Deffentlichkeit seiner Lehre. Er hatte nichts gelehrt, was das Licht nicht ertragen founte. Rede und handle auch du so, daß es Alle wissen und sehen dürfen. Jesus vertheidigt sich auf die ihm zugefügte Beschimpfung mit Sanftmuth und Mäßigung, weil aus den Worten des Knechtes hervorzugehen schien, als wenn er die Achtung vor dem Hohenpriester verletzt hätte. Er vertheidigt sich, um zu zeigen, daß er diese Achtung nicht verletzt habe. Mein Christ, wenn du glaubst, deine Unschuld vertheidigen zu müssen, so thue es mit Sanftmuth und Ruhe. Hilft das nicht, so schweige, wie Jesus nachher geschwiegen hat, übe Geduld und überlaß dem lieben Gott die Vertheidigung deiner Unschuld. Wie schimpflich war dieser Backenstreich für Jesus! Ein niedriger Knecht schlägt in jenes Angesicht, in das zu schauen die Engel gelüftet, und das vor einer Versammlung, ohne Auftrag der Obrigkeit, welche zudem die freche That der unverschämten Buben, anstatt sie zu bestrafen, noch guthieß. Ihr Engel, könnt ihr eine solche Schmach für Christus unthätig ansehen! Ewiger Vater, siehe, Dein geliebter Sohn, an dem Du Dein Wohlgefallen hast, wird von einem Buben in's Gesicht geschlagen! Willst Du eine solche 57 - unerhörte That ungestraft lassen? Höre, christliche Seele, diesen Schlag, siehe diese geschlagene Wange und sage nicht, du liebest deinen Herrn und Gott, wenn du ungerührt dieses Leiden Jesu beherzigen kannst. Betrachte die Sanftmuth und Geduld Jesu und denke dir, als ob dein Heiland zu dir spräche: O mein Kind, siehe, was ich leide und welche Schmach mir widerfährt! Siehe, wie mein Angesicht geschwollen und blutig ist. Ich leide dies für dich, für deine Sünden, denn so oft du gesündigt, hast du mich geschlagen. Deine Sünden haben mir größere Schmach angethan, als der Schlag des Schergen. Und dit magst nicht ein beleidigendes Wort und eine kleine Unbilde aus Liebe zu mir ertragen? Ich, der Richter der Lebendigen und Todten, werde. von einem ungerechten Richter gerichtet, ich, der Gerechte, von einem Sünder, und deines Klagens ist kein Ende, wenn die Welt über dich richtet und ungünstig urtheilt! Ist deine Würde höher, als die meine, des Sohnes Gottes? Ist dir ein ärgerer Schimpf angethan, als mir? Ist deine Heiligkeit und Unschuld mit der meinigen zu vergleichen? Hast du größere Gewalt, dich zu rächen, als ich? Ein Wink von mir und die Erde hätte sich geöffnet und den Elenden verschlungen. Ach, wie viel Böses thust du und wie wenig leidest du, wodurch du deine Sünden abbüßen könntest. Willst du jetzt von den Leuten nicht verspottet, beschimpft und mit Backenstreichen geschlagen werden, so wirst du alles Dieses einst 58 von den Teufeln in der Hölle leiden müssen. Leide darum jetzt aus Liebe zu mir, so werde ich dir dafür die ewige Krone geben. Gebet. O Jesus, ich weiß nicht, was ich antworten soll. Ich muß mich im Grunde meines Herzens schämen, wenn ich meine Ungeduld mit Deiner Geduld vergleiche. Ich, der ich um meiner Sünden willen alle Schande verdiente, will nichts dulden und brause auf bei der geringsten Unbilde, und Du, der Du aller Ehre wegen Deiner göttlichen Majestät würdig bist, trägst eine so große Schmach mit unerhörter Sanftmuth. Ich will mich bessern, o Herr, doch der Geist ist zwar willig, aber das Fleisch schwach. So oft mache ich den Vorsatz der Besserung und falle wieder in den alten Fehler. Ich bitte nun, o Jesu, durch den Backenstreich und den erlittenen Schimpf und Deine Geduld um Stärke, daß ich meinen Vorsaß ausführe. Amen. - 1 13. Betrachtung. Zesus von Kaiphas falsch angeklagt und verurtheilt. Von Annas führten die Schergen Jesus zum Hohenpriester Kaiphas. Der Gerichtssaal war in einem Halbkreise gebaut. Die Richter saßen im Halbkreise auf erhöhten Sißen, in der Mitte Kaiphas, unten an den Stufen mußte Jesus stehen. Hinter ihm und rechts und links war der - 59 1 Saal angefüllt mit Anklägern, falschen Zeugen und schlechten Leuten. Als Jesus fam, saß Kaiphas schon auf dem Richterstuhle und wohl 70 Mitglieder des hohen Rathes, viele Pharisäer saßen zu beiden Seiten. Kaiphas, ein Mann von glühendem grimmigen Angesicht, trug den hohenpriesterlichen Ornat. Es war um Mitternacht. Als er auf die Ankunft Jesu schon lange wartete, wurde er ungeduldig, zankte und fragte heftig, ob Jesus noch nicht komme. Endlich wurde Jesus unter Hohngeschrei, Stoßen und Reißen in den Gerichtssaal geführt. Kaiphas schrie ihm entgegen: ,, Bist Du der Gottesschänder, der uns die heilige Nacht verstört?" Kaiphas nahm den Flaschenkürbis von dem Spottscepter herab. Als er die Beschuldigungen gelesen, erging er sich in einer Fluth von Schimpfnamen und Vorwürfen gegen Jesus. Noch grimmiger, als Annas, stellte er eine Menge stürmischer Fragen an ihn. Jesus sah still und leidend vor sich nieder, ohne Kaiphas anzublicken. Die Schergen wollten ihn zum Reden zwingen, stießen ihn in den Nacken, in die Seite, schlugen ihn auf die Hände und stachen ihn mit Pfriemen. Ach, da stand das himmlische unschuldige Lamm unter grimmigen Wölfen, die bereit waren, es zu zerreißen. Sie hatten seinen Tod beschlossen, aber sie wollten sich den Schein des Rechtes geben. Darum begann das Zeugenverhör. Es war ein wildes Schreien durch einander von bestochenem und besoffenen Pöbel. Es wurden die nämlichen - 60- - Anschuldigungen vorgebracht, wie bei Annas. Aber die Zeugen widersprachen sich: der eine sagte so, der andere anders aus. Jesus schwieg, seine Rede und Vertheidigung wären bei solchen von der Leidenschaft verblendeten Menschen unnüz gewesen. Dieses Schweigen und seine Unschuld waren die besten Vertheidiger. Dieses Schweigen Jesu überzeugte Einige von seiner Unschuld. Es wurde ihnen bange im Gewissen und sie schlichen sich fort mit den Worten: Dieses Schweigen bei so schändlichem Verfahren ist herzzerreißend." Dieses Schweigen hat auch später den Pilatus von der Unschuld Jesu überzeugt. Jesus schweigt, weil wir unsere Sünden entschuldigen und vertheidigen und um für diese unsere Sünden zu büßen. Jesus schweigt und redet nur da, wo es sich handelt um die Ehre Gottes. Thue ich ein Gleiches, oder rede ich, wo ich schweigen, und schweige ich, wo ich reden soll? Ueber den Widerspruch der Zeugen und das Schweigen Jesu ergrimmte Kaiphas gewaltig, er stand von seinem Siße auf, trat in die Mitte zu Jesus heran und sprach: ,, Antwortest Du nichts auf das, was diese Dir vorwerfen?" Jesus schwieg. Da hob Kaiphas heftig die Hände empor und sagte mit grimmiger Stimme: ,, Ich beschwöre Dich bei dem lebendigen Gotte, daß Du uns sagest, ob Du bist Christus, der Sohn Gottes!" Da entstand eine große Stille und Jesus sagte mit würdiger, Alles erschütternder - 61 - Stimme, mit der Stimme des ewigen Wortes: Du hast es gesagt, ich bin es! Von nun an werdet ihr den Menschensohn zur Rechten der Kraft Gottes sitzen und auf den Wolken des Himmels kommen sehen." Ich sah," sagt die gottselige A. Katharina Emmerich, Jesus während dieser Worte leuchtend und über ihm den Himmel und unter Kaiphas die ganze Hölle offen. Er war durchdrungen von der Wuth der Hölle. Als der Herr feierlich ausgesprochen hatte, daß er der Sohn Gottes sei, erschrack, erzitterte und ergrimmte die Hölle. Es war, als ob Gräuelgestalten das Haus erfüllten und mit Wuth in die Anwesenden fuhren: ihre Wuth flammte wild auf. Es war etwas Gräuliches in diesem Augenblicke. Kaiphas, Kaiphas, von der Hölle aufgeſtachelt, zerriß seinen Prachtmantel, laut schreiend: ,, Er hat Gott gelästert. Was haben wir noch Zeugen nöthig? Nun habt ihr die Gotteslästerung ge= hört. Was dünft euch?" Da standen alle Anwesenden auf und riefen mit schrecklicher Stimme: „ Er ist des Todes schuldig!" Während dieses Geschreies war das finstere Wüthen der Hölle am schrecklichsten im Hause. Die Feinde Jesu waren wie vom Satan berauscht. Es war, als riefe die Finsterniß ihren Triumph über das Licht aus." So lange die Welt steht, ist noch keine gröBere Gotteslästerung geschehen, als gerade Kaiphas aussprach, da er Jesus in's Gesicht einen Gotteslästerer schalt. ,, Er ist des Todes schuldig!" 62 1 O unerhörte Bosheit! Noch nie ist ein ungerechteres Urtheil gefällt worden, als eben dieses. Siche, wie Haß und Neid den Menschen verblenden können. Jesus schwieg bei allen ungerechten Beschuldigungen, als er aber bei dem Namen Gottes beschworen wurde, zu sagen, ob er der Sohn Gottes sei, da bekannte er offen die Wahrheit, obschon er wußte, daß dieses Bekenntniß als Gotteslästerung ausgelegt werden und ihm das Leben fosten würde. Er bekennt aber doch die Wahrheit. Sonst hätten die Juden sagen können, enn er uns bekannt hätte, wer er sei, so würden wir ihm geglaubt haben. Weil er aber nicht bekennen wollte, haben wir nicht wissen können, daß er wirklich der Sohn Gottes sei." Damit nun die Juden keine Entschuldigung hätten, wollte Jesus unerschrocken die Wahrheit bekennen. Zudem wollte er für uns sterben. Gebet. Unschuldigster Jesu! Du wirst des Todes schuldig erklärt, wiewohl Du nie etwas verbrochen hast, denn Du hast die Missethaten aller Menschen, auch die meinen, auf Dich genommen. Ich bin der Missethäter, ich bin des Todes schuldig. Der Unschuldige stirbt und der Schuldige geht frei aus! O süßester Jesu, ich danke Dir von Herzen, daß Du Dich aus Liebe zu mir hast opfern und verurtheilen lassen, um mich vom ewigen Tode zu befreien. Du nimmst das ungerechte Todesurtheil an und widersetzest Dich nicht. Möchte auch ich bei falschen An 63 klagen, freventlichen Urtheilen und Verleumdungen, die über mich ergehen, schweigen, möchte ich allen Unwillen, alle Rachgier und Empfindlichkeit in mir ersticken! Durch Deine Geduld und das ungerechte Todesurtheil bitte ich um Gnade dazu. Amen. - 14. Betrachtung. Jesus wird von den Schergen in der Nacht mißhandelt und verspottet. " 1 Nun fingen Einige an," erzählen die Evangelisten, Jesus anzuspeien, dann spieen sie in sein Angesicht und schlugen ihn mit Fäuſten. Andere gaben ihm Backenstreiche in's Angesicht, und die Männer, die ihn festhielten, verspotteten und schlugen ihn. Sie verhüllten sein Angesicht, und sagten: Weissage uns, Christus, wer ist's, der Dich geschlagen hat?" und noch noch viele Lästerungen redeten sie wider ihn." Es läßt sich denken, wie diese gottlose Schaar, vom Teufel getrieben, mit Jesu, dem himmlischen Lamme, umgegangen ist. Die fromme A. Katharina Emmerich erzählt es so: ,, Kaiphas sagte zu den Schergen: Ich gebe euch diesen König preis, thut dem Gotteslästerer seine Ehre an." stürzte die Rotte wie ein ergrimmter Wespenschwarm über den Herrn. Schon während des Verhörs hatten sie ganze Locken aus dem HauptDa -64 haare und dem Barte Jesu schmerzlich ausgerissen, auch ihn angespieen, mit Fäusten geschlagen, mit Stöcken gestoßen und mit Nadeln gestochen. Jegt aber ergoß sich ihre Bosheit über den armen Jesus. Sie setzten ihm eine Krone auf von Stroh und Bast und schlugen sie ihm unter Hohnreden wieder vom Haupte: ,, Sehet den Sohn Davids mit der Krone seines Vaters," bald: sehet, das ist mehr, als Salomon," bald: ,, das ist der König, der seinem Sohn Hochzeit macht." Sie schlugen ihn mit Fäusten und Stöcken, stießen ihn hin und her und spieen ihn an. Dann zogen sie ihm den gewirkten Rock aus und hingen ihm einen kurzen zerlumpten Mantel um und banden seine Hände vor der Brust, gaben ihm ein Rohr hinein und bedeckten nun mit dem scheußlichen Auswurf ihrer unreinen Mäuler sein mißhandeltes Angesicht. Sein heiliges Angesicht, sein verwüstetes Haupt- und Barthaar, seine Brust und der ganze obere Theil des Spottmantels hingen voll Unflath in allen Farben des Efels. Sie banden ihm einen scheußlichen Lumpen vor die Augen, schlugen ihn und schrieen: ,, Großer Prophet, weissage, wer hat Dich geschlagen?" Jesus aber schwieg, seufzte und betete innerlich für sie. Dann stießen sie ihn mit den Füßen und Knütteln vor sich her mit den Worten: Fort mit dem Strohfönig, er muß sich dem hohen Rathe zeigen. Wie," riefen sie aus, so unrein willst Du vor dem hohen Rath erscheinen? Andere willst Du reinigen und bist selbst unrein? Nun, wir wollen 65- Dich reinigen." Dann brachten sie ein Becken voll schmutziger Jauche, in der ein grober Lumpen lag, und unter spöttischen Begrüßungen und Verbeugungen, indem sie die Zunge ausstreckten, fuhren sie ihm mit dem schmierigen Lappen über das Gesicht und die Schultern, ihn scheinbar abwischend, und befleckten ihn schändlicher, als zuvor. Dann gossen sie den scheußlichen Inhalt des Beckens über sein Angesicht mit den höhnenden Worten: ,, Da hast Du die föstliche Salbe, da hast Du das Nardenwasser für dreihundert Denare, da hast Du Deine Taufe vom Teiche Bethesda." So ging es die ganze Nacht durch. O mein Christ, betrachte Jesum, wie er verunstaltet, wie jegliche Schmach ihm angethan wird, wie sein Angesicht mit abscheulichem Auswurf bedeckt ist. Das Anspeien galt bei den Juden als der größte Schimpf. den man Jemandem anthun konnte. Welche Entehrung für eine Person von unendlicher Würde, für einen König von seinen Unterthanen, für einen Vater von seinen Kindern auf solche Weise behandelt zu werden! Bewundere die unaussprechliche Geduld und Sanftmuth Jesu und vergleiche damit deine Ungeduld. O mein Herr Jesus, wer hat Dich so mißhandelt und Dein heiliges Angesicht so entehrt? Höre seine Antwort: ,, mein Kind, das haben nicht nur die Juden, das hast auch du gethan, du, der du Gott lästerst, deine Mitmenschen beschimpfst und fräntst, da du weißt, daß du dasjenige, was du dem Nächsten thust, mir selbst zu5 - - 66 1 fügst. Du speist mir in's Angesicht, der du unkeusche Reden führst und unzüchtige Lieder fingst. Du eitles Weib, die du mit deiner Gestalt, deinem Angesichte, deinen Haaren Hoffart treibst, du bist es, die du mich so verunstaltet, mein Angesicht beschmußt und meine Haare zerrauft hast! Lege ab die Hoffart, sonst wirst du einstens geschlagen und mit Schmutz und Unrath, sowohl von den Menschen, als von den Teufeln beworfen werden! Um für deine Sünden genugzuthun, habe ich so besudelt werden und solche Schmach leiden müssen. Wann wirst du mich trösten, wann den Unrath entfernen, womit du mein heiliges Angesicht beschmutzt haſt? Du kannst es nur durch wahre Bußthränen. Dieſe sind das reinigende Wasser, wodurch dir die Gnade wird, mein Angesicht, das schöner und glänzender als die Sonne ist, zu schauen. Gebet. Jesus, Du Herr der Welt, Du Abglanz der ewigen Glorie, Du Freude der Engel, ach, wie wirst Du so schrecklich mißhandelt und so schmählich bespieen. Ich habe Mitleiden mit Dir. Zum Ersaßge solcher Entehrung falle ich vor Dir nieder, bete Dich an und ehre und preise Dich. Ich danke Dir für alle Schmach, die Du aus Liebe zu mir erlitten hast. Himmlischer Vater, sieh' auf das Angesicht Deines Sohnes, sieh' die Schmach, die er leidet, siehe an seine Sanftmuth. Ich opfere Dir alles Dieses auf zur Genugthuung für meine Sünden der Hoffart und Ungeduld, daß Du mir dieselben verzeihest. 67- O Maria, ich erinnere dich an den Schmerz, den dein Mutterherz empfand, als du die Mißhandlung deines göttlichen Sohnes erfuhrst. Ich bitte dich durch dieses Herzenleid, verschaffe mir Mitleid mit deines Sohnes Leiden, dankbare Liebe zu ihm und Geduld in Kränkungen, die mir widerfahren. Amen. 15. Betrachtung. Verleugnung und Buße des heiligen Petrus. Petrus saß im Vorhofe beim Feuer und wärmte sich. Da kam eine Magd des Hohenpriesters zu ihm und sprach: ,, Du warst auch bei Jesus, dem Galiläer." Er aber leugnete es und sprach: ,, Ich kenne den Menschen nicht." Darauf ging er hinaus und der Hahn krähte. Als er durch die Thür hinausging, sah ihn eine andere Magd, welche zu den Umstehenden sagte: ,, Dieser war auch bei Jesus von Nazareth." Petrus leugnete es wieder mit einem Eide und sprach: „ Ich kenne den Menschen nicht." Ungefähr eine Stunde nachher sprachen die, welche mit ihm beim Feuer standen: ,, Wahrlich, du bist auch einer von seinen Jüngern, denn du bist ein Galiläer, deine Sprache verräth dich." Ein Anverwandter des Malchus sprach: Habe ich dich nicht mit ihm im Garten gesehen?" Da fing Petrus zu fluchen und zu schwören an, daß er den Menschen nicht 5* - 68- 1 fenne. Den Augenblick krähte der Hahn zum zweitenmale. Und der Herr wandte sich um und sah Petrus an. Da dachte Petrus an das Wort des Herrn: ,, Ehe der Hahn zweimal fräht, wirst du mich dreimal verleugnen," und er ging hinaus und weinte bitterlich. Petrus, ein Apostel, eine Säule der Kirche, fällt: wer darf da auf sich selbst vertrauen? Wer soll nicht fürchten und sein Heil mit Furcht und Bittern wirken? Petrus, der sich so herzhaft zeigte, verleugnete den Herrn auf das Wort einer Magd, er verleugnete ihn dreimal, zuerst durch eine einfache Verneinung, dann durch einen Schwur und endlich unter Fluchen und Verwünschen. Siehe, wie man von kleineren Fehlern in größere fällt! Petrus fiel, weil er in der Liebe zu Jesus erfaltet und lau geworden war. Er folgte Jesus von Weitem nach. Er wollte mit Jesus halten, aber nicht öffentlich als sein Jünger sich zeigen, aus Furcht, beschimpft und mißhandelt zu werden. Er fiel aus Menschenfurcht. O wie viele Sünden geschehen aus Menschenfurcht! Wie viel Gutes unterläßt man und wie viel Böses macht man mit aus Menschenfurcht, um nicht von den Menschen beschimpft zu werden! Man fürchtet die Menschen mehr, als Gott. Fürchtet nicht den," sagt der Heiland, ,, der nur den Leib tödten, sondern den, der Leib und Seele zur Hölle verdammen fann!" und: ,, Wer mich vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem himmlischen Vater verleugnen." 69- - Petrus fiel, weil er zu sehr auf seine eigene Kraft vertraute und seine Schwachheit nicht kannte. Er sprach zu Jesus:„ Ich will mein Leben für Dich lassen." Obschon der Heiland ihm vorhersagte, daß er ihn noch heute in dieser Nacht dreimal verleugnen werde, so glaubte er's nicht, sondern in seinem Selbstvertrauen betheuerte er noch mehr: Wenn sich auch Alle an Dir ärgern, so will ich's doch nicht thun, ich bin bereit mit Dir in Kerfer und Tod zu gehen." Er war voll Hochmuth, indem er sich für stark hielt und sich den übrigen Aposteln vorzog, da er behauptete, er werde Jesus treu bleiben, selbst wenn ihn Alle verließen. Weil er sich selbst für stark genug hielt und der Gnade nicht zu bedürfen glaubte, so betete er nicht, sondern schlief, obschon Jesus ihn wiederholt ermahnt hatte, zu beten: ,, Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung fallet." wie gefährlich ist es, auf seine Kräfte und seine guten Vorsäge zu vertrauen! Ist das nicht die Ursache deines Falles? Mißtraust du deinem Herzen, deinen Leidenschaften, deiner Schwachheit? Nimmst du im Gebete zu Gott deine Zuflucht? Bittest du ohne Unterlaß, daß er dich stärken und beschüßzen wolle? Petrus fällt, weil er sich in die Gelegenheit der Sünde begibt. Er mischt sich unter die gottlose Rotte, unter lauter Feinde Christi, er wärmt sich mit ihnen. Da schreckt und verwirrt ihn das Wort einer Magd, das Wort eines Soldaten stürzt ihn nieder und macht, daß er unter 70 Verwünschungen seinen Meister verleugnet. Wäre er fern geblieben, so würde er nicht gefallen sein. Hütet euch, ihr unschuldigen Seelen, vor der verwegenen Rotte, hütet euch vor jenen Gesellschaften, wo Christus verachtet und verspottet, wo das Evangelium den Sazungen der Welt nachgesetzt wird. Selbst wider euern Willen wird sich euch Böses ankleben. Fliehe, o mein Christ, die bösen Gesellschaften, sonst wirst du böse werden. Wie wirst du mit den Unteuschen keusch, mit den Unmäßigen nüchtern, mit den Hoffärtigen demüthig, mit den Gottlosen fromm sein? Wie deine Gesellschaft, so bist auch du, oder du wirst bald so werden. Petrus ist von seinem Falle aufgestanden, Judas nicht. Judas bereut seine That, Petrus beweint sie. Den Judas hat der Herr liebevoll ermahnt, ihm gedroht, den Petrus hat er angesehen, es war ein Gnadenblick. Petrus bekehrt sich, wer soll nicht hoffen? Judas erhängt sich, wer soll nicht zittern? Judas befehrt sich nicht, weil er der Gnade widerstand, weil er unwürdig communicirt, im Bösen verhärtet und sich vom Geize beherrschen ließ. Petrus bekehrt sich, weil sein Abfall, obschon sträflich, doch sich in etwa entschuldigen ließ, weil er aus Furcht geschah. Petrus liebte seinen Meister stets im Herzen, aber die Furcht siegte über die Liebe. Es war dies der erste Fehler, den er begangen hatte, und sobald er ihn erkannte, that er Buße. Er ging hinaus, er verließ die böse Gesellschaft und weinte - 71 - bitterlich. Es wird von ihm erzäht, daß er nie einen Hahn habe frähen hören, ohne mit bitteren Thränen seinen Fall zu beweinen. Er hat den Heiland nachher desto mehr geliebt. Judas ist vor Gott und den Menschen mit Schande bedeckt, weil er sich nicht bekehrt hat. Petrus hat auch gesündigt, aber sich befehrt, und er ist bei Gott und Menschen geehrt. Hast du, o Christ, ge= fündigt und bist in Schande gekommen, bekehre und bessere dich, werde wieder brav und du wirst wieder Ehre vor Gott und den Menschen haben. Gebet. O Jesus, ich habe es ärger gemacht, als Petrus. Er hat Dich nur in einer Nacht verleugnet, ich habe Dich so oft aus Menschenfurcht verleugnet, er hat nur einmal gefündigt und es sein ganzes Leben lang beweint, und ich habe so oft, Jahre lang, gesündigt und thue keine Buße. Wenn ich die Sünde gebeichtet und die auferlegte Buße verrichtet hatte, meinte ich, es ſei genug und vernachläßigte dann die weitere Uebung der Bußwerke. Du hast mich oft nach der Sünde angesehen, hast mir durch die Stimme des Predigers, des Beichtvaters und des Gewissens die Abscheulichkeit meines Verbrechens gezeigt. Und nachdem ich die Sünde gebeichtet, bin ich wieder zur früheren Gelegenheit zurückgekehrt und habe Dich wieder verleugnet und beleidigt. O wer gibt meinen Augen Thränen, auf daß ich meine Missethaten und Treulosigkeiten beweine! O gütiger Jesus, wirf noch einmal einen Blick Deiner Erbarmung auf mich: ich will - 72 - mich ernstlich bekehren, Buße thun und Dich von jetzt an desto mehr lieben. Laß nicht zu, daß ich Deine Gnade wieder verliere. Heiliger Petrus, bitte, daß ich Jesus treu bleibe. Amen. 16. Betrachtung. Die Bosheit und Scheinheiligkeit der Pharisäer. 11 Sobald es Tag geworden, kamen die Hohenpriester, die Aeltesten und Schriftgelehrten wieder zusammen und hielten Rath, wie sie Jesum zum Tode bringen möchten. Sie ließen ihn herbeiführen und sprachen: ,, Bist Du Christus, so sage es." Er aber sprach zu ihnen: ,, Wenn ich es euch sage, so werdet ihr mir nicht glauben, frage ich aber, so werdet ihr nicht antworten und mich nicht loslassen. Von nun an wird des Menschen Sohn zur Rechten des allmächtigen Gottes sißen." Da sprachen Alle: Du bist also der Sohn Gottes?" Er sprach: Ich bin es." Sie aber sprachen: Was begehren wir noch ein Zeugniß? Wir haben es selbst aus seinem Munde gehört." Und die ganze Versammlung faßte Beschluß, ihn dem Tode zu überliefern. Sie standen auf und führten Jesum gebunden zum Landpfleger Pontius Pilatus in das Richthaus. Sie gingen aber nicht in dasselbe hinein, damit sie nicht verunreinigt würden, sondern die Ostermahlzeit effen könnten." So berichtet das Evangelium. 73 Weil Jesus beim Volke wegen seiner Wohlthaten und Wunder in Ansehen stand und er ihre Laster rügte und ihre Heucheleien entlarvte, so waren sie entschlossen, ihn um jeden Preis zu verderben. Damit er nach seinem Tode nicht als Heiliger verehrt würde, sollte er nicht gesteinigt werden, auf Gotteslästerung stand die Steinigung, sondern eines grausamen und schmachvollen Todes sterben. Das war der Kreuzestod, der grausam und nur die Strafe lasterhafter Sklaven war, und gegen den die Juden einen solchen Abscheu hatten, daß ihnen das Kreuz als ein Zeichen des Fluches galt. ,, Verflucht ist von Gott, wer am Holze hängt." Sie glaubten, das Volk werde dann wohl aufhören, Denjenigen als Gott zu verehren, den das Gesetz für verflucht zu halten gebiete. Sie beeilten sich, damit Jesus noch am Osterfeste, wo aus allen Gegenden Leute in Jerusalem waren, gekreuzigt würde, und so seine Schande überall bekannt würde. Und sie haben das Gegentheil bewirkt. Denn durch das Kreuz hat Jesus sein Ansehen und sein Reich in der ganzen Welt ausgebreitet, hat sich die Herrscher der Welt unterworfen, hat eben dadurch seine Gottheit bewiesen, da Niemand anders, als Gott durch so schwache und dem Zwecke sogar entgegengesetzte Werkzeuge alle Mächte der Welt überwinden kann. 1 Lerne, o Christ, auf Gott vertrauen, wenn die Sünder sich gegen dich verschwören. Begehe nie eine Sünde, wenn du durch dieselbe auch das 74 - größte Uebel abwenden, das größte Gut der Welt erwerben könntest. Ein auf Sünde gebautes Glück hat keinen Bestand und macht den Menschen unglücklich. Da die Juden nicht das Recht hatten, Jemanden zu freuzigen, so führten sie Jesus zu Pilatus, dem Landpfleger. Sie gingen aber nicht in das Richthaus, damit sie nicht verunreinigt würden. Oder falschen Gottesverehrung! Sie machen sich ein Gewissen daraus, in das Haus eines Heiden zu gehen, weil es sie gesetzlich verunreinigen würde, das Osterlamm zu essen, aber daß ihr Herz voll Haß und Mordlust war, daß sie einen Unschuldigen zum Tode verurtheilten, hielten sie für nicht verunreinigend. Mücken seiheten und Kameele verschluckten sie. Die äußerlichen Ceremonien des Gesetzes und die, welche sie selbst gemacht, hielten sie auf's Genaueſte, aber um den Kern des Gesetzes, um die wichtigsten Pflichten der Liebe gegen Gott und den Menschen fümmerten sie sich nichts. Von den kleinsten Kräutern gaben sie den Zehnten, aber gegen die Gerechtigkeit, Liebe und Barmherzigkeit fehlten sie. Sie trugen die größte Sorge für die gesetzliche Reinigkeit, sie wuschen die Hände, Bänke und Schüsseln, damit nichts Unreines daran wäre. Das Auswendige mußte rein sein, aber inwendig waren sie voll des Raubes und Unflathes. Der Heiland vergleicht sie mit übertünchten Gräbern, die äußerlich schön, aber inwendig voll Todtengebeine und Unrathes sind. 75 Sie gaben Almosen, ließen es aber ausposaunen, sie beteten oft, thaten es aber an den Ecken der Straßen, sie fasteten, entstellten aber ihr Angesicht, damit die Leute es merfen sollten. Strenge gegen Andere, waren sie gelinde gegen sich selbst. Sie späheten die Reden und das Thun des Heilandes aus, um etwas zu finden, weswegen sie ihn schlecht machen und verklagen konnten. Von der Hoffart geblendet, erkannten sie ihre eigenen Fehler nicht, hielten sich für gerecht und verachteten Andere. ,, Gott, ich danke Dir, daß ich nicht bin wie Andere, Ungerechte, Ehebrecher 2c." Mein Christ, hüte dich, den Pharisäern nachzufolgen, und doch thun das viele Christen. Sie beten viel, machen Wallfahrten, lassen sich in alle Bruderschaften schreiben, tragen Medaillen und Scapuliere, empfangen oft die heiligen Sacramente, halten ängstlich die Abstinenzgebote und verrichten andere gute Werke, Alles an sich lobenswerth, aber es besteht hierin die wahre Frömmigkeit nicht, es sind nur Mittel dazu. Dabei sind sie hoffärtig, bilden sich viel auf ihre Werke ein, halten sich deshalb für frömmer, als Andere, die das nicht thun, und verachten sie. Werden sie durch ein Wort verlegt, sind sie aufgebracht und denken an Rache. Voll Neid, spähen sie das Thun und Lassen Anderer aus und reden ihnen Uebels nach, stiften durch Ohrenblasen Feindschaften. Es fehlt ihnen die Haupttugend, die Liebe. Sie sind wahre Pharisäer. - 76 Dagegen gibt es andere Christen, welche im Gegensaße zu Jenen die äußeren Uebungen der Frömmigkeit vernachlässigen. Sie beten wenig und empfangen die heiligen Sacramente selten. Sie schimpfen auf Jene und halten sich für gut, weil sie keine Pharisäer sind. Indessen haben sie andere Laster an sich, die sie nicht erkennen. Es sind das Schwachgläubige und Laue, die dem Herrn zuwider sind. So täuschen sich viele Christen, die sich für gerecht halten, weil sie einige gute Werke verrichten und von einem Laster, das Andere begehen, frei sind. Der Heiland sagt:„ Das Eine sollt ihr thun und das Andere nicht unterlassen." - Gebet. Jesus, überlaß mich nicht meinen Leidenschaften und der Selbsttäuschung. Von der Eigenliebe verführt, sehe ich, wie die Pharisäer meine eigenen Fehler nicht, sehe den Balken nicht in meinem Auge, dagegen den Splitter in meines Bruders Auge. Mit dem Blinden im Evangelium rufe ich: ,, Herr, mache, daß ich sehe!" daß ich meine Fehler erkenne und sie ablege, denn ohne Dein Licht bin ich blind. Herr, mache, daß ich sehe, daß ich Dich und mich erkenne, Deine Liebe und Güte und meine Bosheit, Deine Vollkommenheiten und meine Mängel. Mache mich demüthig, geduldig, sanftmüthig und liebevoll! O Jesus, demüthig und sanftmüthig von Herzen, mache mein Herz dem Deinigen ähnlich! Amen. 77- - 17. Betrachtung. Jesus wird von Pilatus falsch angeklagt. Jesus stand vor dem Landpfleger. Wer steht da als Angeklagter? Gott, der Schöpfer aller Dinge, der Richter der Lebendigen und der Todten. Vor wem? Vor einem lasterhaften, ungerechten Richter. Weshalb? Um verhört zu werden und gleich einem Verbrecher das Urtheil zu vernehmen. So tief hat sich die höchste Heiligkeit, die reinste Unschuld erniedrigt. Welche Lehre für mich! Wann werde ich Sünder anfangen, meinen dummen Stolz zu unterdrücken? Pilatus ging zu den Juden heraus und sprach: ,, Welche Anklage habt ihr gegen diesen Menschen?" Sie antworteten: ,, Wenn er kein Missethäter wäre, würden wir ihn dir nicht überliefert haben." Pilatus: ,, Nehmet ihn hin und richtet ihn nach euerm Gesetze" Die Juden:„ Es ist uns nicht erlaubt, Jemanden zu tödten." Darauf brachten sie folgende Anschuldigungen vor: 1. Er sei ein Aufwiegler des Volkes. Jesus hatte doch nur Gehorsam und Feindesliebe gepredigt. 2. Er verbiete, dem Kaiser Steuern zu zahlen. Eine Lüge, denn Jesus hatte für sich und Petrus den Zoll bezahlt und gelehrt, dem Kaiser zu zahlen, was des Kaisers, und Gott, was Gottes ist. 3. Er sage, er sei Christus, der König. Jesus war ja geflohen, als man ihn zum Könige machen wollte. Wie schwer wurde seine Ehre gekränkt durch die 78 - Anklage, er sei ein Volksaufwiegler und strebe nach der Königskrone! Die letzte Anschuldigung war für Pilatus als faiserlichen Beamten wichtig. Er ging wieder in's Gerichtshaus, rief Jesus und sprach:„ Bist du der König der Juden?" Jesus antwortete: ,, Mein Reich ist nicht von dieser Welt." Pilatus: Du bist also ein König?" Jesus: Ich bin ein König. Dazu bin ich in die Welt gekommen, daß ich der Wahrheit Zeugniß gebe. Wer immer aus der Wahrheit ist, höret meine Stimme." Pilatus: ,, Was ist die Wahrheit?" Darauf ging er zu den Juden hinaus und sprach: ,, Ich finde keine Schuld an ihm." Die Hohenpriester brachten viele Klagen gegen ihn vor. Aber Jesus antwortete nichts. Da sprach Pilatus zu Jesus: Antwortest du nichts? Hörst du nicht, welch große Klagen sie wider dich vorbringen?" Jesus sprach kein Wort, so daß sich Pilatus darüber sehr verwunderte. Jesu, mein Herr, welche Beschämung für mich! Du bist unschuldig und wirst vieler Verbrechen angeklagt, ich habe viel gesündigt und will für unschuldig angesehen werden. Du hast nie gesündigt und trägst die Strafe für meine Sünden. Ich bin ein großer Sünder und will von einer Strafe nichts wissen. Da ich Dich von Menschen gerichtet und verurtheilt sehe, wie darf ich mich beklagen, wenn meine Feinde übel mit mir verfahren? Sollte ich mich nicht vielmehr freuen, Dir ähnlich zu werden? Du, unschuldigster Jesu, schweigst zu den falschen Beschuldigungen, 79- und ich Schuldiger gerathe in Zorn und vertheidige mich hißig, wenn man mir Fehler vorwirft, auch dann sogar, wenn meine Vorgesetzten mich väterlich warnen. Sind die Fehler wahr, die man mir vorwirft, so will ich schweigen, dieselben bereuen und mich bessern. Sind sie nicht wahr, so will ich auch schweigen und denken, daß ich in anderer Hinsicht viel gesündigt habe, und diese falsche Anschuldigung aus Liebe zu Dir im Geiste der Buße geduldig ertragen. Jeſu, gib mir durch Dein Schweigen und Deine Geduld Gnade dazu. Jesus ist ein König, er ist mein König und Herr. Erkenne, christliche Seele, in dem gebundenen und als Missethäter angeklagten Jesus den wahren König der Engel und der Menschen, erkenne ihn als deinen König, als welchen du ihn schon in der Taufe anerkannt und ihm Treue geschworen haft. Gib auch der Wahrheit Zeugniß und sprich mit großer Ehrfurcht zu ihm: O Herr, Du bist der König der Juden, Du bist der Sohn des lebendigen Gottes, Du bist der Gefalbte des Herrn, Du mein Erlöser, Du mein Gott und mein König; in Deinem Namen müssen sich alle Kniee beugen." O welche Ehre, welche Freude für mich, einen so mächtigen, gütigen und mildreichen König zu haben! Sein Reich ist nicht von dieser Welt. Er regiert durch Armuth, Verachtung, durch Liebe, Demuth, Gehorsam, durch das Kreuz. Hierdurch hat er bewirkt, daß sich alle Kniee vor ihm beugen. 80 - Auch ich, mein Jesus, beuge meine Kniee vor Dir und werfe mich hin zu Deinen Füßzen. Deiner Erniedrigung ungeachtet erkenne ich Dich als meinen Herrn und König und bin fest entschlossen, Dir zu folgen und Deinetwegen mich verachten zu lassen. Der König und Fürst dieser Welt aber ist der Teufel Meine Seele, wenn du die Welt liebst, ihren Gebräuchen folgst, ihre Herrlichkeit hochschäßest, nach ihren Freuden trachtest, wenn du aus feiger Menschenfurcht das Gute unterläßt, so bist du fein Unterthan Jesu Christi und wirst nicht in sein Reich eingehen, sondern du bist ein Sflave der Welt, ein Unterthan des Satans und ein Feind Jesu Christi. Bedenke wohl, welchem Herrn du gehorchen willst: der Welt oder Jesu Christo? Hat die Welt dich erschaffen? Hat sie dich erlöst? Sie verspricht dir nur Scheingüter, nur eitlen Dunst der Ehre. Kann sie dir den Frieden geben? Wird sie dich auf dem Todesbette trösten und in der andern Welt dich selig machen? Sie wird dich hier und dort unglücklich machen. Mögen Andere der Welt dienen, nach ihren Freuden und Lüsten trachten, ich will sie verachten. Du allein, o Jesu, sollst mein König, mein Gebieter, mein Reichthum sein. Gebet. O Jesus, laß mich in Gnaden in Dein Reich eingehen und sei Du ewig der König meines Herzens. Verleihe mir, so zu leben, daß ich in Wahrheit sagen könne, ich sei nicht von 81- dieser Welt, sondern ein Fremdling auf Erden, der sich für ein besseres Leben vorbereite. Bei meiner Taufe schwur ich der Welt und dem Teufel ab, deshalb will ich die Welt nie lieben, sondern sie hassen, bekämpfen und verachten, weil sie Dein Feind ist, damit ich einst mit Dir sagen könne: ,, Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen, wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater." Ich verlasse gern die armselige Welt, wo ich viel gelitten, und kehre zu meinem Vater zurück, um den Lohn meiner Arbeiten und Mühseligkeiten zu empfangen, um mit ihm ewig zu leben und zu herrschen. O Jesus, möchte ich so glücklich sein! Amen. 18. Betrachtung. Jesus, von Herodes verspottet. Als Pilatus hörte, daß die Juden Jesum anklagten, er habe das Volk in Galiläa aufgewiegelt, fragte er, ob Jesus aus Galiläa sei, und da dieses zur Gerichtsbarkeit des Herodes gehörte, so schickte er ihn zu demselben. Pilatus mochte Jesus nicht unschuldig verurtheilen, aber er wollte ihn auch nicht freisprechen, wie es seine Pflicht war, aus Furcht vor den Juden, aus Menschenfurcht. Deshalb schickte er ihn zu Herodes. Unter vielen Mißhandlungen wurde der arme Jesus hingeführt. Eine Schaar der Juden, seine 6 - 82 - Feinde, begleiteten ihn, um ihn bei Herodes zu verklagen. Da steht nun das unschuldige Lamm vor diesem unzüchtigen, grausamen Fürsten, um von ihm gerichtet zu werden. Herodes freute sich sehr, als Jesus ihm vorgeführt wurde, weil er viel über ihn gehört hatte. Er wünschte, ein Wunder von ihm zu sehen. Er war sehr gesprächig, fragte nach den Wundern, die Jesus gethan habe, von denen er gehört hatte. Da Jesus schwieg, fing er an, ihm zu schmeicheln und versprach, ihn loszusprechen, wenn er rede und ein Wunder thue. Als Jesus aber gar kein Wort sprach, so verachtete er ihn als einen schwachen Menschen, der kein Wunder thun fönne, als einen Unwissenden, der nicht antworten, als einen Blödsinnigen, der sich nicht vertheidigen könne. So macht es die Welt noch immer. Erst schmeichelt sie uns, um uns zu verführen. Wenn wir ihr nicht folgen, dann verachtet und verspottet sie uns. Jesus that vor Herodes ein Wunder, aber Herodes erkannte es nicht. Daß Jesus nämlich bei den schändlichsten Beschuldigungen schwieg, das war ein großes Wunder, aber die Welt erkennt es nicht. Warum schwieg Jesus? Darum, 1. weil Herodes es zu lange verschoben hatte, sich an ihn zu wenden und sich bekehren zu lassen. Zu Pilatus aber sprach er, weil dieser als Heide vom Gesetze und den Propheten keine Kenntniß hatte. 2. Weil Herodes falsch und arglistig war, Gott sich aber nur mit aufrichtigen und einfältigen Seelen unterredet. 3. Weil er nicht fragte, um - 83 die Wahrheit zu erkennen, sondern nur aus Neugierde. 4. Weil er ein Wollüstling und Ehebrecher war und Gott diese verabscheut. 5. Weil er den heiligen Johannes, seinen Vorläufer und seine Stimme, getödtet hatte. 6. Endlich aus Liebe zu uns, weil er für uns sterben wollte, denn hätte er Herodes befriedigt, so würde ihm dieser das Leben gerettet haben. Wie Jesus von den Dienern und Kriegsleuten des Herodes verspottet wurde, schildert A. Katharina Emmerich so: Sie stießen ihn in den Hof, und Einer brachte einen weißen, großen Sack, in den Baumwolle geschickt worden, schnitt in den Boden des Sackes ein Loch und warf denselben unter allgemeinem Hohngelächter über Jesu Haupt. Ein Anderer warf ihm einen rothen Lappen wie einen Kragen um den Hals. Der Sack ging ihm weit über die Füße. Nun beugten sie sich vor ihm, stießen ihn hin und her, schimpften und spieen ihn an, schlugen ihm in's Angesicht, weil er ihrem Könige nicht habe antworten wollen, bewarfen ihn mit Koth, zerrten ihn, als solle er tanzen und zwangen ihn, in dem schleppenden Spottmantel an die Erde zu fallen, schleiften ihn durch eine Rinne, so daß sein heiliges Haupt gegen die Säulen und Ecksteine schlug. Bald rissen sie ihn wieder empor, um ihn von Neuem zu mißhandeln. Jeder der rohen Buben wollte sich durch eine besondere Schandthat an Jesu vor Herodes Ehre machen. Die Feinde Jesu hatten mehrere unter ihnen bestochen, die mehrmals in dem Ge6* - 84- 1 tümmel mit Prügeln auf sein heiliges Haupt schlugen. Jesus sah sie so mitleidig an und seufzte und wimmerte so schmerzlich, sie aber spotteten sein Wehklagen mit verzerrter Stimme nach und brachen bei jeder neuen Mißhandlung in Gelächter aus, und keiner war, der sich seiner erbarinte. Ich sah das Blut erbärmlich über sein Haupt niederrinnen und ihn dreimal unter den Streichen ihrer Prügel niedersinfen, aber ich sah auch, als erschienen weinende Engel, die sein Haupt salbten, da diese Schläge ohne göttliche Hülfe tödtlich gewesen wären." O Christ, habe du Mitleid mit Jesu und bedenke, daß er in diesem Spottkleide wollte verspottet werden, um deine Eitelkeit und Hoffart in der Kleidung, wodurch Gott so vielfältig beleidigt wird, abzubüßen. Bereue diese deine Sünden und höre auf, ihn durch deine Hoffart zu verspotten. Jesus, die ewige Weisheit und Heiligkeit, wird als ein Thor verspottet. So wird noch immer Tugend und Frömmigkeit von den Weltmenschen als Thorheit verspottet. ,, Denn die Weisheit dieser Welt ist Thorheit bei Gott."( 1. Kor. 3.) ,, Wer das Böse nicht mitmacht, wird ausgelacht." Wenn du, o Christ, Jesus nachfolgst, wirst du verachtet werden. Denn Alle, die gottselig leben wollen in Christo Jesu, werden Verfolgungen leiden," sagt der Apoſtel. Jesus sprach einst zu seinen Jüngern: ,, Wenn euch die Welt hafset, so wisset, daß sie mich vor euch gehaßt hat. Wäret ihr von der Welt, so würde die Welt das Ihrige lieben, 85 - da ihr aber nicht von der Welt seid, darum hasset euch die Welt. Der Knecht ist nicht größer, als sein Herr. Haben sie mich verfolgt, so werden sie auch euch verfolgen."( Joh. 15.) Betrübe dich nicht, mein Christ, wenn du wegen der Tugend verachtet wirst. Es ist dies ein Beweis, daß du ein Jünger Jefu bist Es ist besser, mit Jesus von der Welt verachtet, als von der Welt geehrt und gelobt zu werden. Betrübe dich nicht, sondern freue dich vielmehr. ,, Selig seid ihr," sagt Jesus, ,, wenn euch die Menschen schmähen und verfolgen und alles Böse wider euch reden und lügen um meinetwillen! Freuet euch und frohlocket, denn euer Lohn ist groß im Himmel!" Gebet. O Jesus, als ein Narr verspottet und mißhandelt, ich bemitleide Dich wegen dieser Verspottung. Zur Sühne dafür falle ich vor Dir nieder und bete Dich an, lobe und preise Dich als die ewige Weisheit, als den König der ewigen Glorie. Ihr heiligen Engel und ihr Auserwählten, lobet und ehret Jesum, eure Freude und euern König. Weil Du, o Jesus, von den Großen dieser Welt verachtet wurdest, so will ich nie nach hohem Stande und nach der Gunst der Welt trachten, sondern gern von der Welt verachtet werden. Ich will es mir zur Ehre anrechnen, mit Dir verachtet zu werden. Ach, ich habe Dich, mein Jesus, durch meine Hoffart verspottet und beleidigt. Ich bereue es, verzeihe mir. Strafe mich nicht, wie Herodes, indem Du mit mir nicht mehr redest! Schweige nicht, so unwürdig ich - 86- 1 auch bin, Deine Worte voll Licht und Wahrheit zu hören. Entziehe mir Deine heiligen Einsprechungen nicht. Siehe, ich bin bereit, Deiner Stimme in Allem zu folgen. O Gott, habe Erbarmen mit mir und gib mir Deine Gnade und Deine Liebe. Amen. 19. Betrachtung. Jesus wird dem Barabbas nachgesetzt. Der liebe Jesus wurde nun mit dem Spottfleide angethan wie ein Narr durch die Straßen Jerusalems zu Pilatus zurückgeführt. Pilatus sprach nun zu den Juden: Ihr habt mir diesen Menschen vorgeführt, als wenn er das Volk aufwiegele. Ich habe ihn der Verbrechen nicht schuldig befunden, deren ihr ihn anschuldigt, auch Herodes nicht. Ich will ihn also züchtigen und loslassen." Es erhob sich auf diese Worte des Pilatus ein heftiges Murren und Lärmen unter den Pharisäern und das Heßen und Geldaustheilen unter dem Volke ward noch lebhafter. Um Jesus zu befreien, versuchte Pilatus noch ein anderes Mittel. Es war die Gewohnheit, daß das Volk am Osterfeste einen Gefangenen losbitten fonnte. Pilatus stellte nun neben Jesus einen abscheulichen Verbrecher, Barabbas, der in einem Aufruhr gemordet und allerlei Gräuel verübt hatte. Pilatus glaubte, das Volk würde die Freigebung Jesu und nicht 87 die des Barabbas begehren. Er fragte nun: ,, Welchen wollt ihr, daß ich euch losgebe, den Barabbas oder Jesum, der genannt wird Christus?" Auf diese Frage folgte ein kurzes Zaudern und Ueberlegen im Volke und nur einige Stimmen riefen vorlaut: ,, Barabbas!" Die Pharisäer und Hohenpriester aber hatten das Volk bestochen und sie hetzten, drohten und befahlen, daß sie den Barabbas und nicht Jesus losbegehren sollten. Pilatus fragte zum zweiten Male: ,, Welchen von Beiden soll ich euch losgeben?" Da schrieen Alle: ,, Nicht Diesen, sondern Barabbas!" Pilatus sprach zu ihnen: ,, Was soll ich denn mit Jesus machen?" Alle schrieen: ,, Kreuzige, freuzige ihn!" Pilatus fragte zum dritten Male: ,, Was hat er denn Böses gethan?" Ich finde keine Todesschuld an ihm, darum will ich ihn züchtigen und loslassen." Aber das Geschrei: Kreuzige, freuzige ihn!" brauste wie ein Sturm der Hölle rings umher und die Hohenpriester waren wie rasend mit Toben und Schreien. Da gab der feige Pilatus den Barabbas los und ließ Jesum geißeln. Jesus mit Barabbas zusammengeſtellt! Die Heiligkeit mit der Bosheit, die Unschuld mit dem Laster, der Gerechte mit einem Mörder, Gott selbst mit einem Sünder! Welche Schmach für Jesus! Und er wird sogar dem Barabbas nachgefeßt! mein Jesus, welche Unbilde, welche Verachtung wird Dir zugefügt! Und du, meine Seele, der du nur Staub und ein Sünder bist, willst zürnen, wenn dir eine Zurücksetzung und 88 eine Demüthigung widerfährt! Denke an Jesus und Barabbas und ertrage dies aus Liebe zu Jesus gern und geduldig! Lerne, o Christ, wie veränderlich die Menschen sind. Am Palmsonntag riefen sie: ,, Hosanna!" und jetzt: ,, Kreuzige, freuzige ihn!" Vertraue also nicht auf Menschen und ihre Gunst. Heute Freund, morgen Feind! Sie loben dich oft, wo du vor Gott Tadel verdienst, und tadeln dich, wo du bei Gott Lob hast. Vertraue auf Gott allein, der treu ist und dich nie verläßt, wenn du ihn nicht zuerst verläßt. - Oder Undankbarkeit des jüdischen Volkes! Jesus hatte ihnen so viele Wohlthaten erwiesen, die Kranken geheilt, sie in der Wüste geſpeist, er war ja gekommen, um Alle glücklich zu machen, er hatte bittere Thränen geweint über das unglückliche Jerusalem, dessen Verderben er vorhersah. Und jetzt rufen Alle wie aus einem Munde: ,, Weg mit ihm, freuzige ihn!" Ach, wie tief hat diese Undankbarkeit das liebende Herz Jesu verwundet! Mein Christ, wenn du für Wohlthaten Undankbarkeit erntest, betrübe dich nicht darüber. Denke an Jesus. Suche bei Allem, was du thust, nicht den Dank der Menschen, sondern nur das Wohlgefallen Gottes. Du kannst nicht begreifen, mein Christ, die Verblendung und Undankbarkeit der Juden und möchteſt zürnen über sie. Aber hast du es vielleicht nicht ebenso gemacht, wie die Juden? Siehe, du hattest oft zu wählen zwischen Jesus und einem 89 ungerechten Gewinn oder einer bösen Lust oder der Ehre vor der Welt. War dir der ungerechte Gewinn, die böse Lust oder die Welt lieber, als Jesus, so hast du den Barabbas, den Satan Jesus vorgezogen. Die Juden erkannten die göttliche Würde Jesu nicht, sie waren verführt von ihren Priestern und haben ihm diese Schmach nur einmal angethan, du aber kennst ihn als deinen Gott, König und Herrn. Und wie oft hast du den Dienst des Teufels dem seinigen vorgezogen! Ist deine Schuld also nicht noch größer, als die der Juden? - 1 Gebet. In den Staub gebeugt vor Deiner göttlichen Majestät, Jesus, mein Gott und Herr, bete ich Dich an mit aller Ehrfurcht, deren ein Geschöpf fähig ist, und bekenne, daß nichts Dir gleich ist im Himmel und auf Erden. Jesus, welche Beschimpfung für Dich, so von Deinem Volkę verachtet und für unwürdiger des Lebens erachtet zu werden, als ein Räuber, ein Empörer, ein Mörder! Wahrlich, jetzt kannst Du sagen, daß Du nicht ein Mensch, sondern ein Wurm und der Auswurf des Volkes bist. Ach, ich Elender habe es ärger gemacht, als die Juden, da ich so oft die Sündenlust Dir vorgezogen habe. O wer gibt meinen Augen Thränen, meine Sünden, meine Undankbarkeiten und Treulosigkeiten zu beweinen! Ich beschwöre Dich, o mein Heiland, bei der unergründlichen Tiefe Deiner Demüthigungen, ersticke in mir den Geist des Stolzes und der Hoffart, der mich beherrscht, flöße mir wahre Demuth, 1 90- 1 wahre Liebe ein. Möchte ich mich erfreuen über die Erhebung Anderer und meinen Ruhm darin seßen, wegen der Liebe zu Dir verachtet und erniedrigt zu werden, weil Du so oft betheuert haſt, daß Der, welcher sich erhebt, erniedrigt, und Der, welcher sich erniedrigt, erhöht werde. Du allein sollst fortan der König meines Herzens sein. Nie will ich mich zum Sklaven des Satans machen, dieses Räubers, der uns das Paradies raubt, dieses Empörers, der unsern Frieden stört, dieses Mörders, der allen Menschen den Tod gebracht hat. Amen. 20. Betrachtung. Jesus wird gegeißelt. Pilatus gab den Barabbas los und ließ Jesum geißeln. Er wollte noch einen Versuch machen, Jesum zu retten, und ihn in einen solchen Zustand versehen, daß er seinen Feinden Erbarmen einflöße. Er befahl daher, Jesum grausam zu geißeln, obschon er ihn für unschuldig erfannte: ein Spruch, so ungerecht wie keiner auf der Welt. Die gottselige Nonne A. Katharina Emmerich schildert dies folgendermaßen: Die Schergen führten den mißhandelten, verspieenen Jesum mit kurzen Stäben stoßend und schlagend durch das tobende Volk zur Geißelsäule. Die Henkersknechte kamen mit ihren Geißeln, Ruthen und Stricken, die sie bei der Geißelsäule - - 91- niederwarfen, Jesu entgegen. Es waren sechs braune Menschen, die als Sträflinge hier an Bauten arbeiteten, und es wurden die boshaftesten zu solchen Henkersdiensten gebraucht. Sie hatten etwas Thierisches, Teuflisches in ihrem Wesen und waren wie besoffen. Mit rasender Wuth rissen sie den Herrn zur Geißelsäule. Sie riffen ihm den Spottmantel Herodis ab und warfen den lieben Heiland schier zu Boden. Jesus zitterte vor der Säule, er zog seine Kleider selbst mit seinen vom heftigen Schnüren geschwollenen und blutigen Händen aus, während sie an ihn stießen und rissen. Er betete und flehte so rührend und wendete sein Haupt zu seiner, ach, von Schmerz ganz zerrissenen Mutter, die bei den heiligen Frauen in einem Winkel des Marktes stand. Jesus umarmte die Säule und die Schergen fnebelten unter Fluchen seine Hände oben an den eisernen Ring der Säule. Sein Leib war so in die Höhe gezogen, daß die Füße, die unten an der Säule festgebunden waren, kaum den Boden berührten. Da stand nun der Heiligste in seiner menschlichen Blöße mit unendlicher Angst und Schmach an die Säule der Verbrecher aufgespannt und zwei der Wütheriche begannen, den heiligen Rückleib von unten hinauf und herab zu zer= peitschen. Ihre ersten Geißeln waren Ruthen von zähem Holze und von Ochsensehnen. Der liebe Jesus zuckte und krümmte sich, wie ein Wurm, er wimmerte und stöhnte und ein helles, süßklingendes Wehklagen wie ein liebevolles 92 - Gebet drang durch die zischenden Ruthenhiebe seiner Peiniger. Die Hohenpriester steckten den Geißelern Geld zu und es wurde ein großer Krug mit dickem, rothen Safte gebracht, von welchem sie soffen, daß sie ganz grimmig und wie trunken wurden. Nach einer Viertelstunde. traten die beiden Geißeler ab und es traten zwei andere zusammen und tranfen. Jesu Leib war ganz braun und blau und roth mit Schwielen bedeckt, und sein heiliges Blut rieselte nieder. Er zitterte und zuckte. Hohn und Spott tönte von allen Seiten. Das zweite Paar der Geißelknechte fiel nun mit neuer Wuth über Jesus her. Sie hatten eine andere Art Ruthen, fraus, in denen Knöpfe und Sporen befestigt waren. Sie zerrissen alle Schwielen seines heiligen Leibes, sein Blut sprißte umher, die Arme der Henker waren davon besprengt. Jesus jammerte, betete und zuckte in seiner Qual. Die beiden folgenden Schergen schlugen Jesus mit Geißeln. Es waren dieses an einem eisernen Griffe befestigte fleine Ketten oder Riemen, an deren Spißen eiserne Hafen hingen, und sie riffen ihm damit ganze Stücke Fleisch und Haut von den Rippen. Darauf banden sie Jesum mit dem Rücken gegen die Säule, und weil er vor Erschöpfung nicht stehen konnte, banden sie ihn mit Stricken über der Brust, unter den Armen und Knieen an die Säule und schnürten seine Hände hinter 93- der Säule fest. Wie wüthende Hunde tobten die Geißeler mit ihren Hieben und einer zerpeitschte mit einer feineren Ruthe sein Angesicht. Es war feine heile Stelle mehr am Leibe des Herrn. Ach, er sah die Geißeler mit bluterfüllten Augen an und flehte um Erbarmen, aber sie wütheten um so ärger. Da stürzte ein fremder Mann herzu und schrie zornig:„ Haltet ein, schlaget den unschuldigen Menschen nicht ganz todt!" Da hielten die trunkenen Geißeler stußend ein, und Jener schnitt mit einem Messer die Stricke durch. Jesus sank nun mit seinem blutenden Leibe am Fuße der Säule wie ohnmächtig in den Kreis seines Blutes nieder. Ich sah während der Geißelung, als erschienen trauernde Engel um Jesus, und ich hörte sein Gebet, wie er unter den bittersten Schmerzen sich fortwährend ganz seinem Vater für die Sünden der Menschen hingab. Nun nahten die Schergen wieder, stießen Jesus mit Füßen, daß er aufstehen solle. Jesus froch nach seiner Gürtelbinde, aber die Buben stießen dieselbe hohnlachend mit den Füßen hin und her, so daß der arme Jesus sich mühsam in seiner blutigen Nacktheit am Boden, wie ein zertretener Wurm, hinwenden mußte, seinen Gürtel zu erreichen und seine zerrissenen Lenden zu verhüllen. Maria sah und erlitt Alles, was ihrem Sohne geschah, im Herzen mit unaussprechlicher Liebe und Bein. Oft brachen leise Klagetöne aus ihrem Munde, ihre Augen waren entzündet von Thränen. 94 Sie sah ihren zerfleischten Sohn von den Schergen vorübertreiben, er wischte das Blut aus seinen Augen, um seine Mutter anzusehen. Sie hob die Hände schmerzvoll nach ihm und sah seinen blutigen Fußstapfen nach. O wie litt ihr mütterliches Herz! O mein Heiland, wie kommt es, daß ich Dich ganz mit Wunden bedeckt sehe? O mein Kind, wird er dir antworten, um deine Sünden der Weichlichkeit und der Unkeuschheit zu tilgen, um dir meine Liebe zu zeigen, da ich die Strafen, die du verdientest, auf mich nahm, um dir die Abscheulichkeit und Strafbarkeit der Unkeuschheit zu zeigen, die mich zwingt, eine solche empfindliche und schmachvolle Strafe zu ertragen, um dir die Nothwendigkeit zu zeigen, daß du deinen Leib abtödten und leiden mußt, wenn du mein Jünger sein und selig werden willst. Ach, höre doch auf, mich fernerhin durch deine Sünden zu peinigen. Wisse, daß du mir bitterere Schmerzen verursachst, wenn du dich an der Unfeuschheit ergößest, als die Henker, die meinen Leib unmenschlich zerrissen. Gebet. Herr, ich bin der Schuldige, der Strafe verdient, und Du, der Unschuldige, leidest sie für mich! Ich verabscheue die fluchwürdige Unkeuschheit, welche Dir so viele Schmerzen verursacht und Deinen Leib in diesen elenden Zustand versetzt hat. Ich will von nun an aus Liebe zu Dir meinen Leib abtödten und die Leiden, Schläge und Züchtigungen mit Geduld von Deiner Hand annehmen zur Abbüßung meiner Sünden. Ich 95 beschwöre Dich, o guter Jesus, bei den Strömen von Blut, die Du vergossen, bei den schrecklichen Wunden, mit denen Dein Leib bedeckt ist, bei der schmählichen Blöße, welche die größte Deiner Peinen war, bei Deinem Schmerze und Deiner äußersten Beschimpfung, vergib mir meine Sünden, reinige meinen Leib von aller Unfeuschheit, wasche mich in Deinem kostbaren Blute rein und laß nicht zu, daß ich mich jemals einer sündlichen Lust hingebe, die Dir so viel Blut, so viele Wunden, so viele Schmerzen und so viel Schmach gekoſtet hat. O Maria, opfere dem himmlischen Vater die Leiden der Geißelung deines Sohnes auf, damit er mir die Sünden der Unkeuschheit verzeihe und mich ferner vor aller Unkeuschheit bewahre. Amen. 21. Betrachtung. Jesus mit Dornen gekrönt. Nach der Geißelung führten die Kriegsknechte Jesum in den innern Hof des Richthauses und riefen die ganze Schaar zusammen. Sie wälzten, nach A. Katharina Emmerich, den Fuß einer alten Säule in die Mitte und legten aus Bosheit spißige Steine und Scherben darauf. Sie riffen abermals Jesus die Kleider von seinem verwundeten Leibe und legten ihm einen rothen, zerrissenen Soldatenmantel um. Nun schleppte sie Jesus zu 96 - dem mit Steinen und Scherben bedeckten Sitze und stießen ihn heftig darauf nieder. Sodann setzten sie ihm eine Dornenkrone auf. Sie war ein paar Hand hoch und dicht und künstlich geflochten, so daß sie seine ganze Stirn und sein heiliges Haupt bedeckte. Sie war aus drei fingerdicken Dornzweigen künstlich geflochten und die langen, spißigen Dornen waren meistens einwärts gedreht. Es waren Dornen nach Art unsers Kreuzdornes, die in der Nähe Jerusalems wuchsen und die so stark und scharf waren, daß man damit wohl ein dünnes Bein durchbohren fonnte. Diese Dornenkrone drückten sie dem Herrn auf's Haupt, so daß ihm die spißigen Dornen alle Adern und Nerven durchbohrten. O welche furchtbare Schmerzen empfand der liebe Heiland! Das Blut rann von Stirn und Haupt über sein Angesicht herab. Sie gaben ihm ein dickes Schilfrohr in die Hand. Alles thaten sie mit einer höhnenden Feierlichkeit. Sie nahmen ihm das Rohr aus der Hand und schlugen damit heftig auf die Krone. Das Blut füllte seine Augen. Dann fnieten sie vor ihm nieder, streckten die Bunge gegen ihn aus, schlugen ihn und spieen ihm in's Angesicht und schrieen: ,, Sei gegrüßt, Du König der Juden!" Unter Hohngelächter warfen sie ihn mit dem Size um und stießen ihn wieder von Neuem darauf. Ich vermag alle die niederträchtigen Erfindungen dieser Buben, den lieben Heiland zu verhöhnen, nicht zu wiederholen. Ach, er dürstete so 97 entseßlich, denn er hatte ein Wundfieber*) von der Zerfleischung durch die unmenschliche Geißelung. Er zitterte, das Fleisch in den Seiten war hie und da bis auf die Rippen zerrissen, seine Zunge war frampfhaft zusammengezogen, nur das niederrinnende heilige Blut seines Hauptes erbarmte sich seines glühenden Mundes, der schmachtend geöffnet war. Die verruchten Buben aber nahmen seinen Mund als ein Ziel ihres ekelhaften Auswurfes. So wurde Jesus etwa eine halbe Stunde mißhandelt und die Soldaten, die das Wachthaus in Reihe und Glied umgaben, lachten und jauchzten dazu." Betrachte, o Christ, deinen Heiland mit der Dornenkrone. Er ist ein Mann der Schmerzen, der König der Martyrer. Bei der blutigen Geißelung wurde er vom Haupte bis zu den Füßen verwundet, das Haupt war noch ohne Wunden geblieben. Jetzt wird sein heiliges *) Diese Betrachtung bewegte während der Nacht die begnadigte Nonne A. Katharina Emmerich zu solchem Mitleiden, daß sie mit ihrem Heilande zu dürften begehrte. Sie fiel hierauf in ein heftiges Fieber und erlitt einen so brennenden Durst, daß sie am Morgen nicht mehr zu sprechen vermochte. Ihre Zunge war blau, starr und in den Schlund zurückgezogen, ihre Lippen dürr und gespannt. Man fand sie in diesem Zustande am Morgen wie eine Verschmachtete, bleich und ohnmächtig, sie schien dem Tode nahe. Nachdem man ihr mühsam etwas Wasser eingeflößt hatte, vermochte sie nach längerer Ruhe nur mit Anstrengung das Obige mitzutheilen. Die Person, die bei ihr gewacht hatte, erklärte, daß sie während der Nacht oft wimmernd auf ihrem Lager herumgekrochen sei. 7 - 98 Haupt von Dornen durchstochen, verwundet und gepeinigt. Dein Heiland litt die Schmerzen der Krönung, um deine sündhaften Gedanken abzubüßen. Die Quelle aller Sünden liegt im Haupte, wo die Gedanken entstehen. Hier bilden sich die ehrsüchtigen, hoffärtigen, geizigen, unreinen, neidischen, rachsüchtigen Gedanken. Um nun für alle genug zu thun, wollte Jesus sein Haupt von Dornen durchstechen und verwunden lassen. Dein König und Herr trägt die Dornenkrone. Wenn du sein Jünger sein willst, mußt du auch hier mit Jesus eine Dornenkrone tragen, d. h. die Leiden, Trübsale, Verfolgungen, Verleumdungen, Verspottungen, welche wie Dornen stechen. Wie der heiligen Katharina von Siena*) werden dir zwei Kronen angeboten: die eine ist von Gold, die andere von Dornen geflochten, die eine ist die Krone der Ehre, der Lust und Freude, die andere die Krone der Schmach, der Schmerzen und Leiden. Beide mußt du tragen, jedoch eine nach der andern. Trägst du die goldene in diesem Leben, so er*) Einst erschien Jesus der heiligen Katharina, in der einen Hand eine Krone von Dornen, in der anderen eine von Gold haltend, und sprach zu ihr: ,, Meine Tochter, wähle eine von diesen Kronen, aber wisse, daß du jene, welche du in diesem Leben nicht tragen willst, im zu fünftigen wirst tragen müssen!" Die Heilige griff nach der Dornenkrone und drückte sie sich selbst fest auf's Haupt. Die Heilige hat in ihrem Leben Vieles leiden müssen. Dasselbe geschah der begnadigten A. Katharina Emmerich, wie in der Vorrede gesagt ist. Seite 3. 99 wartet dich im zukünftigen Leben die Dornenfrone. Bist du aber in dieser Welt mit Dornen gekrönt, so wird dir in der andern die goldene Krone auf's Haupt gesetzt werden. Betrachte, wie Jesus mit dem Spottmantel angethan, verspottet und mißhandelt wird. Wer ist vor Allem daran Schuld? Du, Sünder, der du in hoffärtiger Kleidung über deinen Stand hinaus dich zierst, der du deinen Ueberfluß, der den Armen gehört, in Luxus vergeudest! Christus, einst in Windeln gewickelt, mit einem weißen Kleide als Narr verspottet, wird jetzt mit einem alten Purpurmantel angethan wie ein Spottkönig: und du prunfft mit dem reichen Prasser in Seide und fostbaren Kleidern! Aber wirst du nicht mit ihm auch in der Hölle begraben werden? Wenn der Richter einst sagen wird:„ Ich war hungrig und ihr habt mich nicht gespeiset 2c." wirst du dich da entschuldigen können, indem du sagst: hatte mein Geld nöthig zur Hoffart!" wir den irdischen Schmuck ab," sagt Tertullian, ,, wenn wir den himmlischen verlangen." Ich ,, Werfen Die Juden sind nicht zu entschuldigen, daß sie mit dem Heilande so grausam verfuhren, aber du, christliche Seele, die du dich gegen die Juden ereiferst, bist du unschuldig? Seztest nicht gerade du dem Heilande die Dornenkrone auf das Haupt durch deine hoffärtigen und bösen Gedanken? Warfest du nicht den Spottmantel ihm um durch deine hoffärtige Kleidung? Verspotteteſt du nicht die Gottheit, da du durch deine Sünden der göttlichen 7* 100 Majestät Schmach angethan und die Allgegenwart, Allwissenheit, Gerechtigkeit und Allmacht verhöhnt hast? - - Gebet. liebster Jesus, als Spottkönig verspottet und mit Dornen gekrönt, ich falle vor Dir nieder und bete Dich an qls meinen Herrn und König und Gott um die Unbilde zu fühnen, die Dir die Juden anthaten und die gottlosen Christen noch anthun. Ich danke Dir für die Qualen und Beschimpfungen, die Du aus Liebe zu mir erduldet hast. Du hast Dich mit Schmach und Schmerzen frönen lassen, um mir die Krone der ewigen Glorie zu verdienen. Ich bekenne Dich als meinen Gott und König und bringe Dir die demüthigste Huldigung dar, die ein Geschöpf seinem Gotte darbringen kann. Ihr theuren Dornen, durchbohret mein Herz mit stetem Schmerze wahrer Reue, daß ich einen so gütigen Gott beleidigt habe. Fern sei von mir Ruhm und Vergnügungen, da ich Dich verachtet und mit Dornen gefrönt sehe! O wie oft habe ich Dir die Dornenfrone aufgesetzt durch meine bösen Gedanken und Dich verspottet durch meine Hoffart, wie oft Dich verachtet und verlassen aus Menschenfurcht! Ich bitte Dich um Verzeihung! Du sollst von nun an ewig der König meines Herzens sein, und ich will den Ruhm Deines Dienstes allen Ehren, Herrlichkeiten, Reichthümern und Vergnügen der Welt vorziehen. Amen. 101 - 22. Betrachtung. Ecce homo! Nach der Geißelung und Dornenkrönung führten sie Jesus wieder zu Pilatus. Als dieser ihn in einem so erbarmungswürdigen Zustande sah, erschrack er und fühlte Mitleid mit ihm. Er glaubte, wenn die Juden Jesum in diesem Zustand sähen, würden sie durch diesen Anblick erweicht und in seine Freilassung einwilligen. Er ging abermals zum Volke hinaus und sprach: ,, Sehet, ich führe ihn wieder zu euch hinaus, damit ihr erkennet, daß ich feine Schuld an ihm finde." Jesus fam also heraus und trug die Dornenfrone und den Purpurmantel. Pilatus sprach: ,, Ecce homo! Sehet den Menschen!" Alle schrieen: ,, Kreuzige, freuzige ihn!" Ecce homo! Betrachte, o Christ, deinen Jesus in seiner Verunstaltung! Auf dem Haupte die entsetzliche Dornenfrone, womit das ganze Haupt gleich einem Dornenzaune eingezäunt iſt. Sein Haar zerrauft, theilweise ausgerissen, mit Blut überronnen, mit Speichel besudelt, zusammengeflebt, Haupt und Stirn von den spißen Dornen durchstochen und verwundet. Seine Ohren voll Blut, von den Dornspißen verlegt. Seine Augen vom herunterlaufenden Blute verdunkelt und zusammengeklebt, so daß er sie nur mühsam öffnen konnte. Sein Angesicht vom Speichel und Blute entstellt, von den vielen Backenstreichen auf 102 geschwollen. Sein ganzer Leib über und über mit Wunden und Blut bedeckt und zerrissen. Er trägt den alten, furzen, rothen Spottmantel, der faum seine Blöße bedeckt. Seine mit Stricken festgebundenen Hände tragen den Spottscepter. Ach, ein Bild des Jammers und des Elendes! ,, Er hat weder Schönheit noch Gestalt, er erscheint verächtlich, als der Geringste aller Menschen." ,, Er ist ein Wurm und fein Mensch." Ecce homo! Sehet, welch' ein Mensch! Der Sohn Gottes ist Mensch geworden und welch' ein Mensch! O sieh', meine Seele, was du aus ihm gemacht hast, was er deinetwegen geworden ist. Siehe den Menschen, der für deine Sünde büßt, der dich mit Gott versöhnt. Siehe deinen Erlöser, deinen Lehrer der Demuth, Sanftmuth und Geduld, dein Vorbild, dem du durch Selbſtverleugnung und Abtödtung des Fleisches nachfolgen sollst. Sieh' den Menschen, auf den du bei all' deinem Thun und Lassen hinblicken mußt. Ihr Unkeuschen, die ihr den schmählichen Lüsten des Fleisches ergeben seid, sehet, welch' ein Mensch! O dieser Anblick muß euch Kraft geben, die schmachvollen Bande des Lasters zu zerreißen und eure Leidenschaft der Liebe eures Erlösers zu opfern! Ihr Stolzen und Hoffärtigen, die ihr Ehre und Ansehen vor den Menschen suchet, die ihr glänzen wollet durch Pracht und Eitelkeit jeder Art, sehet den Menschen, euren Heiland, den Sohn Gottes, um euertwillen in seiner tiefsten Demuth 1 103 und Erniedrigung! O wie könnt ihr da noch hoffärtig sein!*) Ihr Habsüchtigen, die ihr unmäßig nach Geld und Gut trachtet, jehet, welch' ein Mensch. Sehet euern armen, verlassenen, entblößten, mit einem schlechten Spottgewande umkleideten Heiland! O wer kann ihn anblicken in dieser Armuth und noch an dieser Welt hangen? Ihr Lauen alle, die ihr gleichgültig gegen Jesus seid, die ihr nicht beten, nicht die Kirche besuchen möget, euern Glanben an Jesus vor der Welt zu bekennen euch schämet, sehet, welch' ein Mensch! Sehet euern Heiland, wie viel er für euch aus Liebe leidet, wie er mißhandelt und erniedrigt worden, weil er euch liebt und verlangt, daß auch ihr ihn wiederliebet. Wie könnt ihr eure Liebe und Dankbarkeit ihm länger versagen!**) *) Die heilige Elisabeth, Landgräfin von Thüringen, mußte ihrem Stande gemäß eine goldene, mit Edelsteinen besetzte Krone auf ihrem Haupte tragen. Als einmal in der Kirche ihre Augen auf das Bild des sterbenden Heilandes fielen, nahm sie ganz beschämt die Krone von ihrem Haupte und warf sie auf die Erde nieder. Darüber befragt, gab sie zur Antwort:„ Ach, es ist mir unmöglich, mit einer glänzenden Krone vor meinem Heilande zu erscheinen, der, mit Dornen gekrönt, aus Liebe zu mir an's Kreuz geheftet ist. Als ihr Gemahl gestorben, zog sie sich in die Einsamkeit zurück, für Gott und die Armen lebend. In einer schlechten Lehmhütte wohnend, verdiente sie ihren Lebensunterhalt mit Wollspinnen, während alle ihre Einfünfte den Armen gehörten. Sie trug geringe, grobe Kleider, die sie selbst flickte, wenn sie zerrissen waren. **) Hippolitus, ein frommer Priester, hatte auf seinem 3immer ein Ecce- homo- Bild hängen. Vor diesem Bilde 104 1 Obedenke, es wird dieser Jesus einst als Richter erscheinen und den Sünder vor den Augen der ganzen Welt hinstellen, und es wird. da in einer weit schrecklichern Weise heißen: ,, Sehet, welch' ein Mensch!" Er hat an Jesus Christus geglaubt, aber ihn nicht geliebt, er hat seinen Herrn und Gott aus Liebe zu ihm Unaussprechliches leiden sehen, und es hat ihn nicht gerührt, er hat sich nicht befehrt. Sehet, welch' ein Mensch! Er hat die entsetzlichen Schmerzen seines Heilandes gesehen und ist sinnlich und wollüstig geblieben. Er hat die tiefe Demuth und Erniedrigung seines Heilandes gesehen und ist stolz und hoffärtig, ungehorsam und übermüthig geblieben. Sehet, welch' ein Mensch! Er betrachtete er oft die unendliche Liebe, vermöge deren Jesus so Vieles für uns gelitten hat. Im Hause gegenüber wohnte ein eitles Weltkind, das glaubte, der Priester beschaue sich oft im Spiegel, da sie ihn oft vor dem Bilde stehen sah. Neugierig, wie solche sind, bat sie den frommen Mann, er möchte ihr doch auch den Spiegel zeigen. Der Priester that es. Aber wie staunte die Vorwißige, als sie das Ecce- homo- Bild des leidenden Heilandes erblickte! Sie wurde sehr betroffen, und der Priester sprach:„ Sehen Sie hier den Spiegel, indem Sie sich auch, wie ich, täglich beschauen sollen. Sehen Sie den armen Heiland, aus Liebe zu uns so mißhandelt, unserer Sünden wegen so zugerichtet. Wie das Antlig des Herrn von den Peinigern, so ist Ihre Seele von den Sünden verunstaltet. Waschen Sie Ihre Seele rein durch Thränen der Buße, und Sie werden einst statt dieses verunstalteten, das verherrlichte Antliz des Erlösers ewig im Himmel schauen können." Diese Rede durchschnitt das Herz der Sünderin und von Stunde an führte sie ein bußfertiges Leben. 105 - hat die gänzliche Armuth und Entblößung seines Heilandes gesehen und hat sein Herz an die Güter der Welt gehängt und seine Hände mit Betrug und Unrecht befleckt. Sehet, welch' ein Mensch! Er war ein Christ, aber hat sich um Gebet, Kirche und Gottesdienst und den Empfang der heiligen Sacramente wenig gefümmert, er war Christ und hat als Ungläubiger gelebt. Fürwahr, werden die Engel und Auserwählten ausrufen, er hat das Verderben, welches ihn jetzt trifft, tausendmal durch seine Undankbarkeit gegen seinen Heiland verdient! Das Ecce- homo- Bild ist aber für den wahren Christen trostreich. Jesus hat durch sein Leiden für unsere Sünde Genugthuung geleiſtet und uns mit seinem Vater versöhnt. Gebet. Sieh', himmlischer Vater, sieh' auf Jesus Christus, Deinen Sohn, unsern Heiland, und erbarme Dich unser um seinetwillen. Sieh', welch' ein Mensch! Wir sind elende Sünder, aber Dein geliebter Sohn thut ja Buße für uns. Seine Leiden, seine Demuth, sein Gehorsam, seine Verdienste schreien unendlich lauter um Gnade und Erbarmen, als unsere Sünden nach Rache und Bestrafung. Wende Dein Angesicht ab von unsern Sünden und sieh' auf das bittere Leiden Deines Sohnes! Wir wollen Dich lieben; Dir und Deinem göttlichen Sohn stets dankbar sein. Weil wir aber aus uns selbst nichts Gutes vermögen, so gib um des Leidens und der Verdienste Deines Sohnes willen uns Kraft, Dich und ihn - 106 - immer zu lieben. Laß sein Leiden an uns nicht verloren gehen. O Maria, schmerzhafte Mutter, sieh' auch du, welch' ein Mensch! Durch das Leiden deines Sohnes und dein Herzenleid erlange uns die Gnade, daß wir sein Leiden stets zu Herzen nehmen, dadurch zur Buße und Liebe Deines Sohnes angetrieben und so einst bei ihm und bei dir selig werden. Amen. 23. Betrachtung. Das Wuthgeschret der Juden: ,, Kreuzige, kreuzige ihn!" Als Pilatus Jesus in seiner Martergestalt dem Volke vorstellte mit den Worten: Ecce homo!" da schrien Alle, statt Mitleid mit ihm zu haben ,, Kreuzige, freuzige ihn!" O wie mußte dies Wuthgeschrei das liebevolle Herz Jesſu verwunden! Keinem von denen, die so riefen, hatte er jemals das Geringste zu Leide gethan, er hatte vielmehr Allen die heilsamsten Lehren gegeben und ihnen nur Liebe und Wohlthaten erwiesen, und jetzt zum Danke dafür rufen sie: ,, Kreuzige, freuzige ihn!" Er hatte mit allen Elenden das innigſte Mitleiden gehabt und sie getröstet, hatte die Kranken geheilt, die Hungrigen gespeist, die Lahmen und Blinden gesund gemacht, selbst Todte erweckt. Sie selbst hatten gesagt: ,, Ein großer Prophet ist unter uns aufgestanden." Und nun - 107 - rufen sie: ,, Kreuzige ihn!" Vor einigen Tagen hatten sie ihn feierlich als ihren Messias begrüßt und gerufen: Hosanna," daß ganz Jerusalem davon wiedertönte, und jetzt schreien sie: Weg mit ihm, kreuzige ihn!" O wie groß war der Schmerz des Herzens Jesu bei Anhörung dieses abscheulichen, an Undankbarkeit alle Begriffe übersteigenden: ,, Kreuzige, freuzige ihn!" Der Hauptgrund seines Schmerzes war aber seine unendliche, göttliche Liebe. Noch nie hat ein Freund so seinen Freund, noch nie eine Mutter so ihr einziges Kind geliebt, als Jesus alle Diejenigen ohne Ausnahme liebte, die hier riefen: ,, Kreuzige ihn!" Ach, welch' ein Schmerz zerreißt das Herz einer Mutter, wenn sie von dem Kinde, für welches sie sich aufopfert und welches sie mehr liebt, als sich selbst, Undant, Verachtung, sogar Mißhandlung erleiden muß. Je größer die Liebe, desto größer der Schmerz. Jesus war Mensch geworden und litt freiwillig, um Alle selig zu machen und muß nun hören: ,, Kreuzige ihn!" Er sah ihre Verstockung und ihre Verdammniß voraus: ach, das schmerzte ihn mehr als die Geißelung, die Dornenfrone und die Kreuzigung. Ach, viele Christen stimmen noch in jenen schrecklichen Ruf ein: ,, Kreuzige ihn!" Jede schwere Sünde ist eine Mitursache des Kreuztodes Christi. Darum sagt der Apostel, daß die Sünder den Sphn Gottes auf's Neue freuzigen und verspotten. Wie die Juden, wollen die Ehrsüchtigen, - 108 die Geizigen und die Wollüstigen Jesum nicht als ihren König. Die Ehrsüchtigen nicht, weil fie Ehre, Lob und Ansehen suchen, Jesus aber in Schinach gehüllt ist. Die Geizigen verwerfen ihn, denn sie lieben das Geld, Jesus ist der ärmste der Menschen. Die Wollüstigen haben Abscheu vor ihm, weil sie den Lüsten nacheilen, Jesus aber ein Mann der Scham ist, der Buße und Abtödtung predigt. Alle diese wollen von Jesus nichts wissen und stimmen durch die That, wenn auch nicht mit dem Munde, in jenen Ruf ein: ,, Weg mit ihm, freuzige ihn!" Wenn ihr euch nicht befehret und Jesus nachfolget, so werdet ihr einst das schreckliche Wort hören müssen: ,, Hinweg von mir in's ewige Feuer!" Betrachte, meine Seele, die himmlische Geduld und Sanftmuth Jesu. Er steht da in den größten Schmerzen und in der größten Schmach. Alles an ihm muß Mitleid erwecken, und er erduldet in diesem Zustande die schwerste Beleidigung, die denkbar ist. Aber keine Klage, kein Vorwurf kam aus seinem Munde. Kein Murren, feine Ungeduld ist an ihm wahrzunehmen, nicht gegen seinen himmlischen Vater, nicht gegen das menschliche Geschlecht, das die Ursache seines Leidens ist, nicht gegen die Juden, die zum Danke für alles erwiesene Gute, mit unerhörter Grausamkeit seinen Tod, den furchtbaren Kreuzestod verlangen. ,, Er schalt nicht wieder," sagt der heilige Petrus, ,, als er gescholten ward, und drohte nicht, da er litt." Er hätte sich leicht vertheidigen fönnen. Er hätte - 109 auf seine Unschuld hinweisen können, da ihn selbſt seine Feinde feiner Sünde überführen konnten. Er hätte auf die Wunder aufmerksam machen können, von welchen sie selbst Zeugen gewesen, aber er vertheidigt sich nicht: er schweigt. Er hätte dem Volfe die Unbeständigkeit vorhalten können, ja, er hätte durch ein einziges Wunder seine Feinde beschämen und seine Heiligkeit und Würde darthun fönnen, aber er thut es nicht. Er will für uns leiden und sterben. O Jesus, Du bist das höchste Muster der Geduld und Sanftmuth. O Christ, wenn die Welt dich verachtet, verleumdet und mit Undank dich lohnt, schaue auf deinen Heiland vor den tobenden Juden. Ahme sein Beispiel nach. Er wird dich trösten.*) Gebet. O geduldigster, sanftmüthigster Jeſu, die verblendeten Juden wollen Dich nicht als König und schreien: Kreuzige ihn!" Ach, Du bist vom Himmel gekommen, um unter den Menschen zu wandeln und um sie zu retten: und die Menschen wollen Dich nicht mehr unter sich dulden, sie bieten Alles auf. Dich zu tödten, damit sie Dich nur nicht mehr sehen. Wehe mir, auch ich war einst unter Jenen, die schrieen: ,, Kreuzige *) Die heilige Theresia liebte Diejenigen, welche sie verleumdeten und verfolgten, als ihre Wohlthäter, denn, sagte sie, wenn alle Menschen Engel wären, wenn es keine Feinde gäbe, wie könnte man Christus ähnlich werden, wie die Feindesliebe üben und den dafür versprochenen Lohn verdienen? Von nun an habe ich Jene nie im Gebete vergessen. 110 ihn!" als ich mit meinen Sünden Dich beleidigte. Doch jetzt reuen mich meine Sünden mehr, als alle zeitlichen Uebel, und ich will Dich über Alles lieben, o mein Gott und König. Verzeihe mir um Deines heiligsten Leidens willen und gib, daß ich Dich an jenem Gerichtstage gegen mich versöhnt und nicht erzürnt finden möge. Obetrübteste Mutter, wie bist du nicht vor Schmerz gestorben, als du jenes: ,, Kreuzige!" anhören mußtest. Präge das Bild deines leidenden Sohnes tief unsern Herzen ein, damit wir über Alles scheuen, ihn durch Sünde zu beleidigen und, wie du, voll Mitleid seien! Amen. 24. Betrachtung. Jesus wird zum Tode verurtheilt. Als das Volk noch immer schrie: ,, Kreuzige ihn!" sprach Pilatus:„ Nehmt ihn hin und freuzigt ihn, ich finde feine Schuld an ihm." Die Juden antworteten: ,, Wir haben ein Gesetz, nach welchem er sterben muß, weil er sich selbst zum Sohne Gottes gemacht hat." So wollen sie ihre Frevelthat sogar durch das göttliche Gesez rechtfertigen. Sie aber erklärten das Gesetz Gottes nach dem Gefeße ihrer Leidenschaft, der Hoffart und des Neides. Hüte dich, daß du die Leidenschaft nicht zu deinem Gesetze machst. Das Gesez des Fleisches ist dem Gesetze Gottes entgegen. Als Pilatus - 111 - ( ein Heide, der an mehrere Götter glaubte) dies hörte, fürchtete er sich noch mehr, ging wieder in das Gerichtshaus und sprach zu Jesus: ,, Woher bist Tu?" Jesus aber gab ihm keine Antwort. Pilatus: ,, Mit mir redest Du nicht? Weißt Du nicht, daß ich macht habe, Dich zu freuzigen, und Macht, Dich loszugeben?" Jesus:„ Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben herab gegeben wäre. Darum hat Der, welcher mich dir überlieferte, eine größere Sünde."( Die Juden nämlich sündigten aus Bosheit, Pilatus aus Schwäche.) Von nun an suchte Pilatus, ihn loszugeben. Die Juden aber schrieen: ,, Wenn du Diesen losgibst, so bist du des Kaisers Freund nicht, denn Jeder, der sich zum Könige macht, widerseßt sich dem Kaiser." Als Pilatus dieſe Worte hörte, ließ er Jesum herausführen, setzte sich auf den Richterstuhl und sprach zu den Juden: Schet euern König!" Sie aber schrieen: Weg, weg mit ihm! Kreuzige ihn!" Pilatus: ,, Soll ich euern König freuzigen?" Die Hohenpriester: ,, Wir haben keinen König, als den Kaiser!" Als Pilatus sah, daß er nichts ausrichte, sondern der Lärm immer größer wurde, nahm er Wasser, wusch seine Hände vor dem Volke und sprach: Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten, sehet ihr zu!" Das ganze Volk: ,, Sein Blut fomme über uns und über unsere Kinder*)." *) Die gottselige A. Katharina Emmerich sagt:„ Es wird mir die Wirkung dieser feierlichen Selbstverfluchung durch entsetzliche Bilder vorgestellt. Ich sehe, als liege 1 112 - Da sprach Pilatus das Urtheil, daß er sollte gefreuzigt werden. Großer Gott, welch ein unger chtes Urtheil, über das sich Himmel und Erde entseßen. Pilatus erklärt ihn wiederholt für unschuldig und verurtheilt ihn zum grausamen Kreuzestode! Das Leben wird zum Tode, die Gerechtigkeit als Verbrecher verurtheilt, die Unschuld verdammt, der Richter der Lebendigen und der Todten wird von einem schnöden Heiden aus Menschenfurcht zum schmählichsten Kreuztode verurtheilt. O du unselige Menschenfurcht! Du hast Jesus auf Erden getödtet und tödtest ihn noch täglich in den Herzen feiger Christen! O wie viele Richter verurtheilen wie Pilatus Unschuldige, um den Großen nicht zu mißfallen! Wie viele Christen begehen Ungerechtigkeiten, um ihren Freunden zu gefallen! Wie viele feige Seelen verachten ihr Gewissen und verdammen Jesus zum Tode, um nicht ihre Güter, ihr Amt, ihr zeitliches Glück, ihren Dienſt zu verlieren! Pilatus fiel nachher in die Ungnade des Kaisers, wurde verbannt und starb im Elende. Glaubt ihr, daß euch die Strafe Gottes nicht treffen wird? Obedenket doch: ,, Was nußt es ein finsterer Himmel voll bluthrother Wolken, feuriger Strafruthen und Schwerter über dem rufenden Volke. Es ist, als wenn ich die Strahlen dieses Fluches durch all' ihr Mark und Bein und bis auf die noch nicht geborenen Kinder treffen sähe. Ich sehe das ganze Volk wie verfinstert." Wie dieser Fluch in Erfüllung gegangen, schen wir an dem unglücklichen Volte, das, in der ganzen Welt zerstreut, überall den Fluch Gottes mit sich herumträgt. - 113 - - den Menschen, wenn er auch die ganze Welt gewinnt, aber an seiner Seele Schaden leidet!" Jesus ward unschuldig zum Tode verurtheilt. Der heilige Petrus sagt von ihm: ,, Der keine Sünde beging und in dessen Munde kein Betrug gefunden ward." Und der heilige Paulus: ,, Der da war heilig, schuldlos, unbefleckt," und ,, Er ward gehorsam bis zum Tode, ja, bis zum Tode des Kreuzes."( Ph. 2.) Seine ärgsten Feinde konnten ihn keiner Schuld überführen. Der Verräther Judas mußte bekennen:„ Ich habe gesündigt, daß ich unschuldiges Blut verrathen habe." Das Weib des Pilatus ließ diesem sagen: ,, Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten." Pilatus, der Richter, hat wiederholt die Unschuld Jefu öffentlich ausgesprochen. Der eine Schächer hat ihn für unschuldig erklärt: ,, Wir leiden mit Recht, Dieser aber hat nichts Böses gethan." Der Hauptmann und Jene, die bei ihm waren und Jesum bewachten, sprachen: ,, Wahrlich, dieser Mensch war gerecht, er war Gottes Sohn!" Jesus nahm freiwillig das Todesurtheil an. Ich gebe mein Leben hin, Niemand nimmt es mir." ,, Er ist geopfert worden, weil er es selbst wollte," sagt der Prophet. Er hätte ja alle seine Feinde in einem Augenblicke vernichten können. Er nimmt das Todesurtheil freiwillig an, um das Urtheil des ewigen Todes, das wir verdienten, aufzuheben. Ach, unsere Sünden haben ihn zum Tode verurtheilt. Er ist verwundet um unserer Missethaten, zerschlagen um unserer Sünden willen " 1 8 114 Unser Aller Missethat hat der Herr auf ihn gelegt. Durch seine Wunden werden wir geheilt." ( Is. 53.) O Sünde, du Ungeheuer hast den Sohn Gottes gemordet! Gebet. O süßester Jesu, wir sind durch unsere Sünden Schuld an Deinem Tode, an Deinem Blute. Ach, verzeihe uns unsere große Schuld, die wir bereuen und verabscheuen. Dein Blut fomme über uns, nicht zur Rache, sondern um uns von unsern Sünden rein zu waschen. Laß Deinen Tod und Dein Blut an uns Sündern nicht verloren gehen. Liebster Jesu, Du nimmst den Tod an, der mir gebührt, und mit Deinem kostbaren Blute erfaufst Du mir das Leben: ich danke Dir dafür. Weil Du, Unschuldigster, den Tod des Kreuzes annimmst, so nehme ich Sünder jenen Tod willig an, den Du mir bestimmst, ich opfere ihn schon jetzt Deinem himmlischen Vater auf in Vereinigung mit Deinem heiligen Tode. Du bist aus Liebe zu mir gestorben, aus Liebe zu Dir will auch ich sterben. Wenn meine Seele im Tode beängstigt wird durch das Andenken an meine Sünden und der böse Geist mich in Verzweiflung zu stürzen sucht, dann, o Jesu, erbarme Dich meiner durch die Kraft Deines Leidens und Todes und laß mich nicht zu Grunde gehen! Mein Herz ist bereit! - -- O Maria, ich bitte dich durch das Leiden und den Tod deines Sohnes, bitte für mich jetzt und in der Stunde meines Todes! Amen. 115 1 25. Betrachtung. Jesus nimmt das Krenz auf seine Schultern. Als Pilatus das Todesurtheil gesprochen, überläßt er Jesus dem Willen seiner Feinde. O unerhörtes Schauspiel! Ein Gott wird der Macht der Teufel und jener Menschen überlassen, die gewissermaßen ärger sind, als die Teufel! Welch' eine Erniedrigung für den Sohn Gottes, seinen Feinden überliefert zu sein! Da die Sünder verdienten, der Gewalt der Teufel übergeben zu werden, so sollte der Sohn Gottes ihnen über lassen werden, um uns Sünder aus ihrer Dienstbarfeit zu erlösen. Aus Furcht, Pilatus möchte sein Urtheil widerrufen, beschleunigten sie die Kreuzigung. Das Kreuz ward in größter Eile fertig gemacht. Nägel, Hammer, Zangen, Stricke, Leiter, Stangen wurden eiligst herbeigebracht ,, Die Buben," so erzählt die gottselige A. Katharina Emmerich, ,, rissen Jesus den rothen Spottmantel von dem verwundeten Leibe und rissen ihm manche Wunde damit auf und legten ihm seine Kleider wieder an, damit das Volk ihn erkenne und ihn nicht mit den zugleich mit ihm herausgeführten Missethätern verwechsele. Die Leute sollten ihn erkennen und mit Fingern auf ihn deuten: ,, Seht, das ist er, da tommt er, das ist der rechte Messias! Er trägt den Thron Davids auf seinen Schultern!" Da der braune, ungenähte Rock, den seine Mutter 8* 116- ihm gewirkt hatte, nicht über die breite Dornenkrone ging, rissen sie ihm dieselbe vom Haupte, und alle Wunden ergossen neues Blut unter großen Schmerzen. Als sie ihm nun den gewirkten Rock über den verwundeten Leib geworfen, legten sie ihm noch sein weites, weißes, wollenes Gewand, seinen breiten Gürtel und zuletzt seinen Mantel um. Hierauf banden sie ihm den Fesselgürtel, an dessen auslaufenden Stricken sie ihn führten, wieder um die Mitte des Leibes. Alles Dieses geschah mit schauderhafter Rohheit, unter Stoßen und Schlagen. Die Schergen führten Jesum auf die Mitte des Marktes und mehrere Sklaven trugen das Kreuzholz herbei und warfen es ihm vor die Füße prasselnd auf die Erde nieder." Da Jesus nicht allein Gott, sondern auch wahrer Mensch war und alle Empfindungen, Schwächen und Schrecken der menschlichen Natur auch ihm eigen waren, so läßt sich denken, welcher Schauder und Schrecken ihn überfiel und ihm durch Mark und Bein drang beim Anblick des Kreuzes. Er überschaute im Geiste die ganze Schmach und unaussprechliche Leidens- und Todesqual, die ihm daran bevorstand. Doch seine Liebe zu Gott und uns Menschen überwand Alles. Er fnicete vor dem Kreuze nieder, umfaßte es mit den Armen, füßte es dreimal und sprach ein rührendes Gebet. Sei mir gegrüßt, o heiliges Kreuz, du Ruhebettlein meines franken Leibes, dich habe ich allzeit geliebt, nach dir habe ich lange verlangt und darum bin ich vom Himmel gekommen, auf daß - 117 - ich an dir für das menschliche Geschlecht leiden und sterben möchte. O mein liebes Kreuz, weil ich von allen Menschen verstoßen bin, so nimm du mich auf, an dir will ich leben und sterben! Die Schergen rissen Jesum in aufrecht fnieende Stellung und er mußte den schweren Kreuzbalken auf seine rechte Schulter nehmen und mit dem rechten Arm umfassen. Ich sah unsichtbare Engel ihm helfen," sagt A. Katharina Emmerich. sonst hätte er es nicht aufzuladen vermocht. Auf den Schall der Posaune setzte sich der auf Erden so schmähliche, im Himmel so selige Triumphzug des Königs der Könige in Bewegung. Vor dem Zuge ging ein Posaunenbläser, der an allen Straßenecken in die Posaune stieß und die Hinrichtung ausrief. Hinter ihm zogen Buben, die Stricke, Nägel, Keile, die Kreuzesüberschrift und Körbe mit allerlei Werkzeugen trugen. Nun folgte unser Herr und Erlöser, unter dem schweren Kreuzholze gebeugt und schwankend, zerschlagen, ermüdet. Seit dem letzten Abendmahle ohne Speiſe und Trank und Schlaf, in steter, tödtlicher Mißhandlung, von Blutverlust, Wunden, Fieber, Durst, von unnennbarem inneren Leid und Entsetzen erschöpft, ging er niedergedrückt auf bloßen, verwundeten Füßen. Die Rechte umfaßte das schwere Kreuz, die Linke suchte oft mühsam das weite, hindernde Gewand vor den unsichern Tritten zu heben. Zwei Schergen zogen ihn an Stricken vorwärts, zwei nachfolgende trieben ihn an. Seine Hände waren von dem früheren festen Schnüren - 118 - verwundet und geschwollen. Sein Angesicht war mit Blut und Geschwulst bedeckt, seine Haare und sein Bart waren zerrauft und mit Blut verflebt, die Last und die Fesseln drückten ihm die schwere, wollene Kleidung in den verwundeten Leib und die Wolle flebte fest an den neu aufbrechenden wunden Stellen: um ihn lauter Hohn und Bosheit. Er war unaussprechlich elend, martervoll und liebend, sein Mund war betend, sein Blick flehend, vergebend und leidend. Aus den Fenstern der engen Straße, durch die Jesus zuerst geführt wurde, höhnte ihn allerlei Ge findel, Andere bewarfen ihn mit Koth, boshafte Schurken gossen schwarze, stinkende Jauche auf ihn, ja, selbst Kinder sammelten, angeſtiftet, Steine und schütteten sie ihm, aus den Häusern durch den Zug laufend, vor die Füße in den Weg, unter Schimpfen und Lästern." Betrachte, mein Christ, wie schwer Jesus dieser Kreuzgang wurde. Er läßt sich weder durch die Schande des Kreuzes, welches die Strafe der größten Verbrecher war, noch durch die Schwere desselben abschrecken. So soll auch weder der Spott der Welt, noch der Gedanke an die Schwere der zu tragenden Last dich abhalten, den Weg der Nachfolge Christi zu betreten. Ist es denn eine Schande, deinem Erlöser zu folgen? Ist es nicht vielmehr eine Ehre? Bete und vertraue auf Gott, er wird dir helfen. Kannst du dein Kreuz allein nicht tragen, so wird er auch dir einen Simon schicken. 119 - Gebet. O mein Jesu, mit welchen Gesinnungen der Liebe gegen mich wandeltest Du diesen Weg zum Kalvarienberge, wo Du das große Opfer Deines Lebens vollenden solltest. Siehe, ich will Dir nachfolgen, Dein Kreuz aus Liebe zu Dir und zur Abbüßung meiner Sünden Dir nachtragen bis in den Tod. Aber gib mir durch die Verdienste Deines schmerzvollen Weges die Kraft, daß ich das Kreuz, das Du mir sendest, mit Geduld trage. Amen. m 26. Betrachtung. Jesus begegnet seiner betrübten Mutter. Bis zum Tode ermattet von dem Blutverlust und unbarmherzig von den Schergen fortgerissen und gestoßen, fiel Jesus mehrmals unter der schweren Last des Kreuzes schmerzvoll zu Boden. Die gottselige A. Katharina Emmerich gibt sieben solche Fälle an. Die Henker ließen ihm feine Ruhe, unter Spott und Höhnen, Stoßen und Schlagen wurde er wieder aufgeriffen. Auf diesem schmerzlichen Wege begegnete er seiner höchst betrübten Mutter. Die gottselige A. Katharina Emmerich schildert dies sehr rührend: ,, Die von Schmerz ganz zerrissene Mutter Jesu hatte vor etwa einer Stunde, da das ungerechte Urtheil über ihr Kind gesprochen war, den Markt mit Johannes und einigen Frauen verlassen. Sie hatten viele heilige Stellen seines Leidens wieder - 120 betreten, und als das Laufen des Volkes, das Blasen der Posaune und der Zug der Soldaten den Antritt des bittern Kreuzweges verkündigten, konnte Maria nicht mehr ausharren, sie mußte ihren Sohn in seinem Leiden sehen und bat Johannes, sie an eine Stelle zu bringen, wo Jesus vorüberkomme. Ich sah die arme Mutter Gottes, bleich, mit rothgeweinten Augen, zitternd, von oben bis unten in eine bläulich- graue Hülle eingewunden, mit den Andern zu der Stelle gehen, wo Jesus vorüberkommen mußte. Schon hörte man Getöse und Geschrei des nahenden Zuges und den Schall der Posaune. Maria betete. Ach, wie schnitt der Ton der Posaune durch ihr Herz! Als die Henker mit allen Martergeräthen frech triumphirend nahten, zitterte und wimmerte sie und rang die Hände, und Einer der Buben fragte: ,, Was ist das für ein Weib, das so kläglich thut?" ,, Das ist die Mutter des Galiläers," antwortete ein Anderer. Als das die Schurken hörten, höhnten sie die jammernde Mutter mit Spottreden, zeigten mit den Fingern auf sie, und Einer hielt die Kreuzigungsnägel der heiligen Jungfrau vor das Angesicht. Sie sah händeringend nach Jesus hin. Sie war bleich, wie eine Leiche, und ihre Lippen blau. Die Pharisäer ritten vorüber, da kam der Knabe mit der Inschrift und ach, ein paar Schritte hinter ihm Gottes Sohn, ihr Sohn, der Heilige, der Erlöser, da ging er schwankend und gebückt, ihr lieber Sohn Jesus, das Haupt mit der Dornenkrone 121 schmerzlich von der schweren Kreuzeslast auf seiner Schulter abwendend. Die Schergen rissen ihn mit den Stricken vorwärts. Sein Angesicht war bleich und blutig und zerschlagen, sein Bart von Blut spitz zusammenklebend. Er blickte mit seinen blutigen, tiefliegenden Augen so ernst und mitleidig unter dem schrecklichen, verwirrten Dornengeflecht seiner Krone hervor gegen seine peinvolle Mutter und sank strauchelnd zum zweiten Male unter der Last des Kreuzes auf die Knice und Hände nieder zur Erde. Die Mutter, in der Heftigkeit ihres Schmerzes und ihrer Liebe, sah keine Soldaten, feine Henker, sie sah nur ihren geliebten, elenden, mißhandelten Sohn. Händeringend stürzte sie ein paar Schritte zwischen die auftreibenden Schergen zu Jesus hin und sank, ihn umarmend, zu ihm in die Kniee. Ich hörte die Worte: ,, Mein Sohn! Meine Mutter!" Es entstand ein Getümmel, Johannes und die Frauen wollten Maria zurückziehen, die Schergen schimpften und Einer sagte:„ Weib, was willst du hier? Hättest du ihn besser erzogen, so wäre er nicht in unsern Händen." Sie trieben die heilige Mutter zurück, kein Scherge berührte sie. Johannes und die Frauen führten sie und sie sant an einem Ecksteine vor Schmerz wie todt auf die Kniee. Wo ihre Kniee den schräg auflaufenden Stein berührten, blieben flache Gruben, wo ihre Hände angelehnt, flachere Male."*) - *) Die begnadigte Nonne A. Katharina Emmerich sagt: Es waren stumpfe Eindrücke, gleich jenen, die ein Druck 11 122 - Betrachte, o Christ, den Schmerz, den Maria und Jesus empfanden bei dieser Begegnung. Das Herzenleid seiner Mutter schmerzte ihn mehr, als sein eigenes schweres Kreuz, wie Maria es der heiligen Brigitta bezeugt hat mit den Worten: ,, Als mein Sohn mich in solchem Schmerze sah, da wurde sein Herz so tief verwundet, daß er einen Augenblick seine übrigen Schmerzen zu vergessen schien." Denn da seine Liebe zu Maria unaussprechlich groß war, so war auch sein Mitleiden mit ihr unaussprechlich groß. Ach, meine Sünden sind die Ursache der Schmerzen des Sohnes und der Mutter! Christliche Seele, tröste die göttliche Mutter und nimm Theil an ihren Schmerzen. Der beste Trost, den du ihr geben fannst, besteht darin, daß du Mitleiden mit ihrem Sohne hast, deine Sünden innigst bereust mit dem Vorsatze, ihn über Alles zu lieben und ihm zu dienen. Tödte Jesus, ihren Sohn, nie mehr in deinem Herzen. Dort lebt er durch die Gnade und stirbt durch die Sünde. Erneuere nicht die Schmerzen Jesu und Mariä! Wenn du zur Sünde versucht wirst, rufen die Teufel dir zu: ,, Weg, weg mit ihm, freuzige ihn!" So sprich mit Pilatus: ,, Wie, auf einen Teich verursacht. Ich habe solche Eindrücke in Stein, wie hier, mehrmals bei großen Ereignissen durch heilige Berührung entstehen gesehen. Die ewige Weisheit hat nie der Buchdruckerkunst bedurft, um der Nachwelt ein Zeugniß von Heiligen zu überliefern. Ach, der Stein zeigte mehr Mitleiden, als die Menschen!" 123 meinen König joll ich freuzigen? Was hat er denn Böses gethan? Kann mir wohl Jemand größere Wohlthaten erweisen, als er mir erwiesen, fann er noch größere Schmerzen für mich leiden, als er schon gelitten hat? Weshalb soll ich ihn also tödten?" O Maria, ach, nie will ich dir solchen Schmerz verursachen! O Jesu, gestatte nicht, daß ich je wieder eine so schreckliche Undankbarkeit begehe, Dem das Leben zu nehmen, der mich vom ewigen Tode errettet hat. Gebet. Mutter und Quelle der Liebe, gib mir, jene Schmerzen zu empfinden, welche deine Seele durchdrangen. Mache, daß ich deines Sohnes Leiden und meine Sünden beweine, daß ich sein Kreuz in mein Herz einpflanze. In seinem Blute wasche mich, in seinen heiligen Wunden verberge mich, oder drücke sie tief in meine Seele ein. Durch eure Herzensqual, die ihr bei diesem Abschiede ausgestanden, bitte ich euch, Jesus und Maria, denfet, wenn einst mein Leib und meine Seele von einander scheiden werden, an euer lettes Scheiden und an meine jeßige Bitte und habt dann Mitleid mit mir, wie ich jeßt Mitleid mit euch trage. Umfanget dann meine betrübte Seele mit den Armen der Liebe, gleichwie ihr euch damals mit den Armen des Mitleids umfangen habt. Amen.*) *) Eine schöne Andacht zur Verehrung des Leidens Christi ist der heilige Kreuzweg, welcher jetzt in den meiſten Kirchen sich vorfindet. Die begnadigte Nonne A. Katharina Emmerich erzählt die Entstehung des Kreuzweges. Maria, 124- 27. Betrachtung. Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen. Jesus mußte über einen großen Stein und wankte und sank, und das Kreuz fiel neben ihm nieder. Er fiel, sich auf den Stein stüßend, ganz elend auf die Erde, vermochte aber nicht mehr, sich aufzurichten. Leute, die zum Tempel zogen, schrieen: weh, der arme Mensch stirbt!" Die den Zug führenden Pharisäer sagten: ,, Wir bringen ihn nicht hin, ihr müßt Einen suchen, der ihm Magdalena und Johannes folgten überall Jesus auf dem Leidenswege nach. Sie gingen vom Delberge den Weg zu Annas, Kaiphas, zu Pilatus, und überall wo er gefallen, wo ihm Leid geschehen, standen sie still, trauerten und litten sein Leid. Oft sant die heilige Jungfrau nieder und küßte die Erde, wo Jesus gefallen, und Magdalena rang die Hände, Johannes weinte, tröstete, richtete sie auf und führte sie weiter! Dies war der Beginn des heiligen Kreuzweges und der mitleidenden Betrachtung und Verehrung des Leidens Jesu. Schon damals begann in Maria die Andacht der Kirche zu den Schmerzen ihres Erlösers. Schon damals verehrte die auserwählte Mutter die Fußstapfen ihres Sohnes und Gottes. O welches Mitleiden! Wie ging das Schwert schneidend und schmerzlich verweilend durch ihr Herz. So hat sie der Kirche den Fußpfad des Kreuzweges geebnet, und die frommen Seelen, die andächtig das Leiden Christi verchrten, gingen den Kreuzweg mit Maria, trauerten und beteten in dem Herzen Mariä. Gehe, mein Christ, fleißig den heiligen Kreuzweg. Es ist dies eine Jesu und Maria wohlgefällige und für dich heilsame Andacht, die mit vielen Ablässen, vollkommenen und unvollkommenen, begnadigt ist. 125 - das Kreuz tragen hilft." Dies sagten sie nicht aus Mitleiden, sondern damit Jesus nicht der Schande der Kreuzigung entginge. Da kam gerade des Weges Simon von Cyrene, ein Heide und ein rüstiger Mann von vierzig Jahren. Seine drei Söhnlein gingen mit ihm. Er trug ein Bündel Reiser unter dem Arme. Er war Gärtner und hatte in den Gärten gearbeitet. Da sie ihn an der Kleidung als einen geringen Arbeitsmann erkannten, packten ihn die Soldaten und schleppten ihn herbei, er solle dem Galiläer das Kreuz tragen helfen. Er wehrte sich und zeigte großen Widerwillen, aber sie zwangen ihn mit Gewalt. Seine Knaben schrieen und weinten und einige Frauen, die den Mann fannten, nahmen sie zu sich. Simon empfand großen Efel und Widerwillen, der arme Jesus sah so schrecklich elend und entstellt aus und seine Kleider waren von Koth befleckt. Er weinte und sah Simon so erbarmungswürdig an. Simon trug das Kreuz nicht lange, als er eine tiefe Rührung empfand.*) " 1 *) Die gottselige A. Katharina Emmerich sagt von Simon: Er kam nach dem Sabbath zu den Aposteln, Aufnahme und Taufe begehrend. Zwei seiner Söhne waren schon erwachsen, sie hießen Rufus und Alexander, und kamen später unter die Jünger. Der dritte war kleiner, und ich habe ihn bei Stephanus noch als Knaben gesehen." Marcus, Cap. 15, 21, sagt:„ Simon, der Vater des Alexander und Rufus," weil diese damals wohl als berühmte Jünger Jesu bekannt waren. Nach alten Kirchenschriftstellern sind Jene heilige Bischöfe in Spanien geweſen. Obschon Simon anfangs das Kreuz gezwungen und mit 126 Betrachte die verschiedenartigen Personen, welche Jesus auf den Kalvarienberg begleiten. Es sind die Juden, die beiden Schächer, Simon, die heiligen Frauen, Johannes und die heilige Jungfrau Maria. Die Juden hatten einen Abscheu vor dem Kreuze und hielten Den für verflucht, der daran geheftet wurde. Die Schächer trugen ihr Kreuz gezwungen, sie schleppten es mehr, als sie es trugen. Simon trug das Kreuz Jesu aus Gehorsam, aber mit großem Widerstreben der Natur. Maria, der heilige Johannes und die frommen Frauen trugen geistiger Weise das Kreuz Jesu und zwar mit großem Schmerze des Mitleidens mit dem Herrn und vollkommen ergeben in Gottes Willen. Jesus aber trug sein Kreuz mit unbeschreiblicher Freude und ließ sich dasselbe nur darum abnehmen, um uns, wie an seinem Leiden, so an seinem Siege und seiner Herrlichkeit Antheil zu geben und uns zu lehren, daß wir, um sein Kreuz zu erleichtern, das uns'rige ihm nachtragen müssen. Zu welchen von diesen Personen gehörst du? Hast du nicht Abscheu vor dem Kreuze und trägst es mit Klagen und Murren gegen Gott und Menschen? - Wie kommt es, daß Jesus unter der Last des Kreuzes erliegt und sich dasselbe nachtragen läßt? Widerwillen trug, so hat ihm dieses doch die Gnade des Glaubens an Jesus verschafft und ist für ihn und die Seinigen eine Quelle des Segens geworden. Tragen wir Jesus unser Kreuz nach, das wird auch für uns eine Quelle der Gnade und Seligkeit sein. - 127 - Er, der Allmächtige, hätte durch ein Wunder sich Kraft verschaffen können. Er läßt das Kreuz sich nachtragen: 1. wollte er darthun, daß das Kreuz eigentlich uns gebühre, daß wir dasselbe verdient, er aber aus Liebe zu uns es sich aufgeladen habe, 2. wollte er uns die unerläßliche Pflicht lehren, daß wir unser Kreuz mit ihm tragen und ihm auf dem Kreuzwege nachfolgen müssen, wie er zu Allen ohne Ausnahme gesprochen hat: ,, Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich. und folge mir nach!" 3. wollte er uns zeigen, daß wir sein Kreuz tragen, wenn wir das uns'rige mit Geduld tragen, und daß wir ihm das seinige erleichtern, wenn wir Buße für unsere Sünden thun. Hättest du, meine Seele, an Simons Stelle Jesu nicht gern das Kreuz tragen helfen? Hätteſt du nicht diesen Liebesdienst deinem Erlöser erwiesen? Du kannst dieses Glückes gewürdigt werden. Du kannst ihm das Kreuz tragen helfen, wenn du dich der Sünden enthältst, denn diese machten ihm das Kreuz so drückend und schwer. Wenn du keine Sünde mehr begehst, wirst du ihm seine Last erleichtern. Du hilfft ferner Jesus das Kreuz tragen, wenn du das deinige mit Geduld trägst, denn jedes Kreuz und Leiden, das dich trifft, ist ein Theil des seinigen. Wenn du also dein Kreuz geduldig trägst, nimmst du dem Heilande einen Theil des seinigen ab und erleichterst sein Leiden. - 128 O mein Christ, du mußt dein Kreuz Jesus nachtragen, wenn du ein Jünger Jesu sein und selig werden willst. ,, Glaubst du, Dem zu entkommen," sagt Thomas von Kempen, ,, dem kein Sterblicher entgehen konnte? Welcher Heilige war in der Welt ohne Kreuz und Trübsal? Nimm also dein Kreuz auf dich und folge Jesu und du wirst eingehen in das ewige Leben. Wenn du ein Genosse seines Leidens gewesen bist, wirst du es auch in der Herrlichkeit sein. Es gibt keinen andern Weg zum Leben und zum wahren, innerlichen Frieden, als den Weg des heiligen Kreuzes und der täglichen Abtödtung. Trägst du dein Kreuz mit Widerwillen, so machst du dir eine schwere Last und beschwerst dich noch mehr, und tragen mußt du es doch. O daß du würdig wärst, für den Namen Jesus etwas zu leiden: welch große Herrlichkeit würde deiner warten, welcher Jubel wäre es für alle Heiligen Gottes, welche Erbauung zugleich für den Nächsten!" Trägst du dein Kreuz nicht mit Geduld, so wird es dir schwer, und du verdienst noch Strafe dazu, trägst du es aber aus Liebe zu Jesus, so wird es leicht, und du verdienst dadurch den Himmel. Die christliche Vollkommenheit besteht in drei Worten: sich enthalten, leiden und handeln, sich enthalten von dem, was Gott verbietet, leiden, was Gott schickt, und thun, was Gott befiehlt. Gebet. Jesu, ich muß bekennen, daß ich das Kreuz, das Du mir zu meinem Heile auf erlegt hast, nur aus Zwang und mit Murren 129 getragen habe. Wie thöricht habe ich gehandelt, wie viele Verdienste verscherzt, wie manche Sünden begangen! Von nun an will ich das Kreuz Dir gern nachtragen. Ich bitte Dich durch die Verdienste Deines heiligen Kreuzweges, gib mir eine gänzliche Ergebung in Deinen heiligsten Willen, damit ich alle Schmerzen, Krankheiten, Verachtungen, Entbehrungen, Verlust der Güter, der Ehre und jedes andere Kreuz, das Deine väterliche Hand mir sendet, mit Freuden aufnehme. O mein Jesus, Alles geschehe nach Deinem heiligsten Willen, nur Deine Liebe entziehe mir nicht! Amen. - v 28. Betrachtung. Veronika und die weinenden Frauen. Jesus wird entkleidet und mit Galle getränkt. Ehe Jesus mit dem Kreuze den Kalvarienberg erreichte, drängte sich eine Frau, Veronika, muthig durch die Menge des Volkes und reichte aus Mitleid Jesu ihren Schleier dar, damit er sein mit Schweiß und Blut bedecktes Angesicht abtrockne. Jesus nahm den Schleier an und trocknete sein Angesicht damit ab und gab ihn der Veronika zurück. Und siehe, sein heiliges Angesicht war darin abgedrückt. Jesus belohnte so diesen Liebesdienst und er hat ihr noch mehrere Gnaden gegeben. Nach der gottseligen A. Katharina Emmerich hat Veronika beim Anblick des 9 - 130 - Tuches ausgerufen: ,, Nun will ich Alles verlassen, da mir der Herr ein Andenken gegeben!" und sie ist als heilige Martyrin für Jesus gestorben. Mein Christ, hättest du nicht auch dem Heilande diesen Liebesdienst erwiesen? Verschaffe deinem franken, leidenden Nächsten eine Erleichterung und du erweisest deinem leidenden Heilande einen Liebesdienst. Es standen am Wege viele Weiber, die Mitleiden mit dem Elende Jesu hatten und ihn beflagten und beweinten. Jesus wandte sich zu ihnen um und sprach: Ihr Töchter von Jerusalem, weinet nicht über mich, sondern über euch und eure Kinder! Denn thut man Das am grünen Holze, was wird am dürren geschehen?" Er sagte die schreckliche Strafe voraus, die Jerusalem treffen werde, und er richtete die letzte Stimme der Ermahnung an die Frauen und an Alle, die sich hätten bekehren sollen. O Sünder, auch an dich sind seine Worte gerichtet. Bedenke, wenn Jesus, der Gerechte und Heilige, solchen grausamen Leiden hingegeben wird, was haben die Gottlosen und Sünder zu erwarten? Bekehre dich, damit du nicht einst in der Verzweiflung ausrufen mußt: Ihr Berge, fallet über uns, und ihr Hügel, bedecket uns vor dem Angesichte Dessen, der auf dem Throne sitzt, und vor dem Zorne des Lammes." ( Luc. 23, 30. Apocal. 6, 16.) Als Jesus auf dem Kalvarienberge angekommen war, gab man ihm Myrrhenwein mit Galle vermischt zu trinken. Die Qualen der - 131 - Kreuzigung waren so entseßlich, daß selbst den rohen Völkern dabei schauderte. Darum bestand der Gebrauch, die Verbrecher, bevor sie an's Kreuz genagelt wurden, mit einem Tranke aus Wein, mit betäubenden Stoffen vermischt, ihres Bewußtseins zu berauben. Die Schergen hatten bittere Galle hinzugethan. Jesus genoß etwas davon, um die Bitterfeit der Galle zu verkosten, um für unsere Unmäßigkeit und Leckerheit zu büßen. Er tranf ihn aber nicht, weil er nicht betäubt sein, sondern mit vollster Empfindung leiden wollte. O seine Liebe zu seinem Vater und uns Menschen war groß genug, um Alles, auch das Schrecklichste vollständig zu dulden. Zeigen wir unsere Liebe gegen ihn dadurch, daß wir unsern Geschmackssinn abtödten. Nun rissen die Schergen dem Herrn die Kleider vom Leibe. Da sie ihm den ungenähten, braunen Rock, den ihm seine Mutter gewirkt hatte, nicht über die breite Dornenkrone ziehen konnten, rissen sie die Krone vom Haupte, wodurch alle Wunden geöffnet wurden, und zogen ihm denselben über das blutende Haupt aus und stießen ihm die Dornenkrone von Neuem wieder auf das Haupt. Ach, durch das Abreißen der Kleider, die an den Wunden festklebten, wurden alle Wunden wieder aufgerissen. Ach, welch' ein Schmerz war dies! Da stand nun Jesus mit Blut fließenden Wunden, Striemen und Flecken bedeckt. An seinen Schultern und Rücken sah man eine überaus große, schreckliche Wunde, weil 9* 132 der Druck des Kreuzes hier am heftigsten war und die Kleider wie angeleimt festhielten. Betrachte, o Seele, deinen verwundeten Bräutigam. Derjenige, der Menschen und Thiere kleidet, hat nichts, um seine Blöße zu bedecken! O wie viel schmerzlicher, als die Wunden, war dem reinsten und feuschesten Heilande diese Beschämung. Als nun die Schergen ihn an den Armen, mit denen er seine Blöße bedeckte, anpackten und aufrichteten, um ihn auf das Kreuz zu werfen, erhob sich lautes Murren und Wehflagen unter seinen Freunden über die schmähliche Entblößung. Seine Mutter betete inbrünstig. Sie we Sie war im Begriff, ihren Schleier abzunehmen und, in den Kreis dringend, ihm denselben als Hülle zu reichen. Aber Gott erhörte sie, denn in diesem Augenblick stürzte ein Mann eilig durch das Volk und reichte Jesu ein Tuch, welches dieser dankbar annahm und damit seine Scham und Blöße bedeckte. Gebet. Jesu, Du wirst mit Galle getränkt, und ich bin der Gaumenlust ergeben und suche meine Freude im Essen und Trinken. Verzeihe mir meine Sünden, die ich dadurch begangen habe. Verbittere mir die Lüste und eitlen Freuden dieses Lebens so, daß ich fortan nichts Anderes suche, als die Bitterfeiten Deines heiligsten Leidens, und mich im Essen und Trinken abtödte. Ach, Jesu, ich bin auch Schuld an Deiner schmählichen Entblößung. Die eitle Kleiderpracht, der verführerische Aufpuß, die zahllosen Aerger 133 nisse, meine Schamlosigkeit in Gedanken, Worten, Kleidung und Werfen sind es, die Du abbüßen mußtest. Ich falle Dir zu Füßen im Bewußtsein meiner Schuld und bitte Dich um Gnade! Verzeihe mir, o Jeju, verzeihe mir meine Sünden der Schamlosigkeit! Ich will fortan nicht mehr sündigen und bitte Dich durch Deine Entblößung, gedenke nicht mehr der vielfachen Schmach, die ich Dir zugefügt habe. Amen. 29. Betrachtung. Jesus wird an's Brenz genagelt. Die Kreuzigung war etwas so Schreckliches daß Jeder bei dem Gedanken daran erschaudern muß. Wen dies nicht zum Mitleiden bewegt, der muß kein menschliches Herz in seiner Brust haben. Die gottselige A. Katharina Emmerich schildert es folgendermaßen: Jesus, ein Bild des Jammers, wurde von den Schergen auf das Kreuz gestreckt. Er setzte sich darauf und sie stießen ihn auf den Rücken und rissen seinen rechten Arm mit der Hand auf das rechte Nagelloch des Kreuzarmes und schnürten den Arm fest. Einer fniete auf seiner heiligen Brust und ein Anderer setzte den langen, dicken Nagel, der spitz zugefeilt war, in den dicken Theil seiner segnenden Rechten und schlug wüthende Schläge mit einem eisernen Hammer. Ein süßes, 134 helles, gebrochenes Wehklagen tönte aus dem Munde Jesu. Sein Blut sprißte auf die Arme der Schergen. Die Bänder der Hand wurden zerrissen und mit dem dicken Nagel in das engere Nagelloch hineingetrieben. Die heilige Jungfrau wegflagte leise und schien äußerlich bewußtlos. Magdalena war ganz von Sinnen. Nach der Annagelung der rechten Hand fanden die Kreuziger, daß die linke Hand nicht bis zum Nagelloche reichte. Sie tanden daher Stricke an seinen linken Arm und zogen, mit den Füßen gegen das Kreuz sich stemmend, so heftig, bis die Hand die Nagelstelle erreichte. Jesus wehflagte. Sie rissen ihm die Arme aus den Gewerben, seine Achseln waren ausgedehnt, seine Brust hob sich empor, die Kniee zogen sich gegen den Unterleib. Sie knieten ihm auf den Armen und der Brust, knebelten ihm die Arme fest und schlugen dann den zweiten grausamen Nagel durch die Linke des Herrn. Das Blut sprißte empor. Der süße, helle Wehruf tönte durch die Schläge des schweren Hammers. Der ganze Leib des Herrn hatte sich durch die gewaltsame Ausspannung der Arme in die Höhe gezogen und seine Kniee hatten sich aufgerichtet. Nun fielen die Schergen über diese her, banden sie, mit Strickschlingen ziehend, nieder, aber seine Füße reichten nicht bis zu dem Nagelloche. Da erhob sich unter den Schergen ein Fluchen und sie höhnten, er wolle sich nicht strecken, aber sie wollten ihm helfen. Sie banden ihm Stricke an die Füße und zogen sie mit 1 - 135- - schrecklich marternder Gewalt bis zu der Annagelungsstelle und knebelten sie jetzt über einander. Es war die Ausspannung des Körpers so entseßlich, daß die Brust Jesu krachte und er laut jammerte: ,, O Gott, o Gott!" Sie hatten ihm die Brust und Arme auch festgebunden, damit die Hände nicht aus den Nägeln rissen. Sein Unterleib zog sich ganz hinweg und es war, als brächen ihm die Rippen vom Brustbeine. Es war ein schauderhaftes Leiden. Hierauf ergriffen sie den schrecklichsten und längsten Nagel und trieben ihn mit Gewalt durch die über einander liegenden Füße hindurch. Es waren 36 Hammerschläge. Das Wehklagen Jesu waren lauter Schmerzenstöne, unter stetem Beten einzelner Psalmen- und Prophetenstellen, deren Weissagung er jetzt erfüllte. Ich sah weinende Engel über Jesus während dieser schrecklichen Peinigung erscheinen. Als sie das Kreuz aufrichteten, schallte ein großes Trompetengeschrei vom Tempel her: das Osterlamm war geschlachtet, welches nur das Vorbild des wahren Lammes Gottes war, welches die Sünden der Welt auf sich genommen hat. Darauf zogen die Schergen mit Stricken das Kreuz in die Höhe, andere stemmten mit Hackenstöcken an dem Stamme nach und richteten den Fuß in das Loch und ließen das Kreuz mit einem erschütternden Stoße in die Grube niederfahren. Das Kreuz erzitterte von dem Stoße. Jesus wehklagte. Die Last des Leibes zog nieder, die Wunden wurden weiter, das Blut floß reich 136 - licher, und die ausgereckten Gebeine stießen sich. Als das Kreuz mit lautem Falle in die Grube hineinfant, trat ein kurzes Schweigen ein. Alles schien von einem neuen, nie dagewesenen Gefühle überrascht. Selbst die Hölle fühlte den Stoß des sinkenden Kreuzes mit Schrecken und bäumte sich nochmals in ihren Werkzeugen mit Hohn und Fluch gegen dasselbe. In der Vorhölle tönte er den harrenden Seelen wie das Pochen des nahenden Sieges an den Thoren der Erlösung. Das heilige Kreuz stand zum ersten Male in Mitte der Erde aufgerichtet wie ein anderer Baum des Lebens im Paradiese, und aus den erweiterten Wunden Jesu träufelten vier heilige Ströme auf die Erde nieder, ihren Fluch zu fühnen und sie ihm, dem neuen Adam, zu einem Paradiese zu befeuchten! Das Angesicht Jesu sah nordwestwärts. „ O ihr Alle, die ihr vorübergeht am Wege, gebet Acht und schauet, ob ein Schmerz sei gleich meinem Schmerze"( Thren. 1. 20.) Ja, es ist wahr, kein Schmerz in der ganzen Welt kann mit dem Schmerze Jesu am Kreuze verglichen werden. O meine Seele, betrachte deinen Heiland am Kreuze und erwäge, daß er Alles freiwillig aus Liebe zu dir leidet. Er leidet es für deine Sünden. ,, Er ist verwundet wegen unserer Missethaten, zerschlagen um unserer Sünden willen." Sollst du ihm nicht aus ganzem Herzen dankbar sein und ihn allein und über Alles lieben! Betrachte auch die Schmerzen, die die heilige Jungfrau empfand, als sie die Hammerschläge 137 hörte und ihren Sohn am Kreuze hangen sah. Bitte sie um Mitleid mit den Leiden ihres Sohnes und um dankbare Liebe zu ihm! Gebet. O Jesu, gib, daß ich mir selbst absterbe um ewig Dir zu leben! Kreuzige meinen Leib, damit ich nicht auf's Neue freuzige Deinen Leib. Hefte mich an's Kreuz mit Nägeln der Furcht, der Hoffnung und der Liebe, damit die Furcht vor der Strafe Deines himmlischen Vaters, dessen Hand schwer auf Dir liegt, mich die Sünde fürchten mache, damit die Hoffnung auf den Himmel, den Du mir durch Dein Blut erkauft hast, mich im Streite stärke, damit die Liebe, die Du mir durch Deinen Tod erwiesen hast, mich bewege, eher zu sterben, als Dich zu beleidigen. Ach, daß ich mit Deinem Apostel sagen könnte: Fern sei mir, mich zu rühmen, als nur im Kreuze Jesu Christi, durch welchen mir die Welt gefreuzigt ist, und ich der Welt." O Wunden meines Jesu! O flammende Feuerstätten der Liebe, nehmet mich auf in euch, damit ich brenne, nicht, wie ich es verdient, vom Feuer der Hölle, sondern von Flammen heiliger Liebe zu Gott, zu einem Gott, welcher, von Schmerzen verzehrt, für mich hat sterben wollen. Amen. w 138 30. Betrachtung. Jesus, am Kreuze gelästert, betet für seine Feinde. Als Jesus gekreuzigt war, theilten die Schergen seine Kleider unter sich und um seinen nicht genähten Rock warfen sie das Loos, wie durch den Propheten vorhergesagt war: Sie haben meine Kleider unter sich getheilt und über mein Gewand das Loos geworfen."( Ps. 21.) Durch den heftigen Stoß des niederfahrenden Kreuzes wurde das Haupt Jesu, das die Dornenkrone trug, stark erschüttert, und reichliche Ströme von Blut flossen vom Haupte, von den Händen und Füßen nieder. Jesus senkte das Haupt auf die Brust und hing einige Minuten ohnmächtig wie todt. Das Blut strömte an den Armen von den weitgerissenen Handwunden und unter dem furchtbaren Nagel, der seine Füße durchbohrte, an dem Kreuzesstamme nieder. Sein ganzer Leib war nur eine große Wunde. Die verwundeten Stellen rissen von der heftigen Spannung und ergossen hier und da rothes Blut. Später ward das Blut bleich und wässerig und der heilige Leib immer weißer, die Rinden der Wunden fielen ab und er glich ganz verblutetem Fleische. Wer sollte nicht Mitleiden empfinden beim Anblicke des gekreuzigten Erlösers! Wenn ein Verbrecher den Tod als Strafe seiner Verbrechen leidet, fühlen die Zuschauer Rührung und Mitleiden. Aber ach, die Juden, deren Herzen härter 139 waren, als Stein, verspotteten und lästerten den lieben Jesus in seiner größten Qual auf das Gräulichste O wie weh' that das dem Herzen Jeju. Die Vorübergehenden lästerten ihn, schüttelten ihre Köpfe nnd sprachen: ,, Ei, Du wolltest ja den Tempel Gottes zerstören und in drei Tagen wieder aufbauen, hilf Dir nun selbst. Wenn Du der Sohn Gottes bist, so steige vom Kreuze herunter!" Mit diesen Worten lästerten sie seine Gottheit, als wenn er sich hoffärtiger Weise zum Sohne Gottes gemacht hätte, da er sich selbst nicht helfen könnte. Die Hohenpriester und Schriftgelehrten lästerten ihn: ,, Er hat Andern geholfen, und kann sich selbst nicht helfen. Ist er der König Israels, so steige er nun vom Kreuze herunter, und wir wollen an ihn glauben. Er hat auf Gott vertraut, der erlöse ihn nun, wenn er ein Wohlgefallen an ihm hat, denn er hat gesagt: Ich bin Gottes Sohn!"( Matth. 27. 40.) So verspotteten sie ihn als Lügner, Betrüger, Heuchler und Scheinheiligen. - Einer Person von hohem Stande fällt nichts schwerer, als vom Pöbel verhöhnt zu werden. Einem Könige muß es unerträglich sein, von seinen Unterthanen verspottet zu werden. Den, der Macht zur Rache hat, wird es bitter schmerzen, wenn man ihn der Schwachheit beschuldigt. Einem Leidenden thut es überaus weh', wenn man seiner Schmerzen spottet. Welche Beschämung aber und welchen Schmerz muß der Sohn Gottes empfunden haben, jetzt, nachdem er so viele Wunder ge 1 140 - wirkt, nachdem man ihn in Jerusalem im Triumphe empfangen, jeßt im Angesichte einer zahllosen Menschenmenge sich an's schmähliche Kreuz ge= heftet zu sehen, jetzt den Spott und Hohn seiner Feinde über seine Ohnmacht und seine Schmerzen anhören zu müssen, als sei er ein falscher Prophet gewesen, der sich aus ihren Händen nicht habe retten können! Gibt es einen größeren Hohn, als den der gottlosen Priester, welche ihm sein Gottvertrauen vorwerfen und, wohl bekennend, daß er Andern geholfen, doch nicht glauben wollen, er habe die Macht, sich selbst zu befreien! Endlich thut Jesus seinen Mund auf: etwa um die ruchlosen Spötter zu verfluchen, zu vernichten und in die Hölle zu stürzen? Nein, um für sie zu beten: ,, Vater, verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun!" Betrachte, o Christ, die große Liebe und Barmherzigkeit deines Erlösers! Unermeßlich groß waren seine Schmerzen, aber seine Liebe war noch größer. Seine Feinde lästern ihn in seinem Leiden mit teuflischem Hohne, und Jesus verzeiht, betet für sie und entschuldigt sie. Er betet für Jene, welche, obschon er ihnen nur Gutes erwiesen, ihn aus Haß und Neid, cus Bosheit und Rache an's Kreuz gebracht, von denen er vorhersah, daß sie sich nicht bekehren, daß sie sogar später seine Jünger wüthend verfolgen würden. Er betete für Kaiphas, Pilatus, Herodes, für die Priester, die Soldaten, furz für Alle, welche an seinem Tode schuldig sind, also auch für dich, meine Seele. - 141 Als Maria dies Gebet ihres Sohnes hörte, hat sie sich, wie man glaubt, auf die Kniee geworfen und gleichfalls um Verzeihung für Jene gebeten, welche an dem Tode Jesu schuldig waren. Jesus verzeiht seinen ärgsten Feinden, er betet für sie und entschuldigt sie. Er vergißt seine eigenen Uebel und ist für Sene besorgt, die ihn tödten. Ihr Untergang geht ihm mehr zu Herzen, als sein Tod und alle Qualen, die er erduldet. Und du, mein Christ, selbst ein Sünder, willst Denjenigen, die dich beleidigt haben, nicht verzeihen? Bist du ein Jünger Jesu? Du wirst an der Erlösung Jesu keinen Antheil haben, sein Blut wird gegen dich um Rache schreien, wenn du deinem Beleidiger nicht von Herzen verzeihst. ,, Wenn ihr nicht vergebet, so wird euch euer himmlischer Vater eure Sünden auch nicht vergeben."( Matth. 6.) Denfe, wie oft du Gott und den Nächsten beleidigt hast, vergiß die Unbilden, die sie dir angethan haben, entschuldige ihre Meinung, wenn du die That nicht entschldigen fannst, und du wirst auch bei Gott Verzeihung erhalten. Jesus lehrt dich am Kreuze durch seine Sanftmuth und sein Stillschweigen, was wir thun sollen, wenn man unsere Ehre verletzt. Biſt du ein Kind Gottes, so mache dich darauf gefaßt, von den gottlosen Weltkindern verlacht und als Sonderling und Kopfhänger verschrieen zu werden. Sie werden deine Frömmigkeit verspotten, deine Werte übel auslegen, dich verleumden und deinen Namen angreifen. Denke dann an Jesus, der - 142- - 1 alles Dieses geduldig aus Liebe zu dir erduldet hat, und es wird dir leicht werden. O wie tröstlich ist es, mit und für Jesus verachtet und beschimpft zu werden! Mache es, wie David, der spricht:„ Sie haben mir falsche Dinge nachgesagt, indem sie den ganzen Tag auf List sannen, um mich zu verderben. Ich aber, einem Tauben gleich, hörte nicht, und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht aufthat. Und ich ward wie ein Mensch, der nicht hört und der in seinem Munde keine Widerrede hat. Denn auf Dich, Herr, hoffe ich, Du wirst mich erhören, Herr, mein Gutt!"( Pſ. 37.) Gebet. Jesus, der Du für Deine Feinde und Kreuziger, die Dich noch am Kreuze verspotteten, gebetet hast, auch für mich hast Du gebetet, da ich durch meine Sünden auch an Deinem Tode schuldig bin. Da Du aber für die verstockten Sünder gebetet und sie entschuldigt hast, so hoffe ich auf Verzeihung meiner Sünden. Vom Teufel und der Eigenliebe geblendet habe -ich gesündigt. Der Sünden meiner Jugend und meiner Unwissenheit gedenke nicht. Nach Deiner Barmherzigkeit gedenke mein, um Deiner Güte willen, o Herr!"( Ps. 24.) Nach Deinem Beispiele verzeihe ich meinen Beleidigern. Rechne es ihnen nicht zur Sünde an. Vergilt ihnen mit Gutem das Böse, das sie mir angethan oder mir wünschen. Gib mir auch die Gnade, daß ich alle Verachtungen aus Liebe zu Dir gern ertrage. Amen. - 143 31. Betrachtung. Jesus und die beiden Schächer am Kreuze. Drei hingen auf Golgatha am Kreuze, in der Mitte Jesus, der Unschuldige, der Gerechte, rechts ein bußfertiger, links ein unbußfertiger, verstockter Sünder. Alle Menschen hangen am Kreuze, d. h. müssen leiden, und gleichen einem von diesen Dreien. Einige leiden, was sie verdient, jedoch mit Ungeduld, gleich dem bösen Schächer, Andere leiden zwar auch Verdientes, aber mit Demuth, Geduld, ja, mit Freude, gleich dem guten Schächer. Wieder Andere leiden, was sie nicht verdienen, aber geduldig, wie Jesus, unser süßer Heiland. Wem gleichst du? Hast du die Taufunschuld nicht bewahrt, so kannst du, wie der eine Schächer, nur durch Buße deine Seele retten. Einer von den Uebelthätern, die am Kreuze hingen, lästerte ihn und sprach:„ Wenn Du Christus bist, so hilf Dir selbst und uns!" Da antwortete der Andere: Fürchtest auch du Gott nicht, da du doch dieselbe Strafe erleidest? Wir zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsere Thaten verdient haben, Dieser aber hat nichts Böses gethan." Und er sprach zu Jesus: ,, Herr, gedenke meiner, wenn Du in Dein Reich kommst." Und Jesus sprach zu ihm: ,, Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du bei mir im Paradiese sein!" ( Luc. 23.) 144 - Der Schächer sieht Jesus leiden. Er hörte das Lästern seiner Feinde, er sah die Geduld und Sanftmuth, womit er Alles ertrug. Als nun Jesus sogar für seine Feinde betete, ward sein Herz gerührt und er fing an, Jesus für gerecht zu halten und ihn zu lieben. Er vertheidigte ihn laut. ,, Wie ist es möglich." sprach er nach A. Katharina Emmerich, ihr lästert ihn, und er betet für euch, er hat geschwiegen und geduldet und betet für euch, und ihr lästert, er ist ein Prophet, er ist unser König, er ist Gottes Sohn!" Er bekennt seinen Glauben an Jesus. Der Glaube ist der Anfang und die Wurzel alles Guten. Er erkennt und bekennt seine Schuld. Die Erkenntniß unserer Sünden ist der Anfang der Bekehrung, ohne sie ist keine Bekehrung möglich. Da wir vom Teufel und der Eigenliebe so oft geblendet werden, so müssen wir immer Gott um Erkenntniß unserer Fehler demüthig bitten. Der Schächer war ganz erleuchtet und gerührt und bekannte Jesu seine Schuld: Herr, wenn Du mich verdammst, so geschieht mir recht, aber erbarme Dich meiner!" Dismas( so nennt man den guten, und Gesmas den bösen Schächer) er= hielt nun die Gnade einer tiefen Reue eine Viertelstunde lang. Dann richtete er, in tiefe Reue versunken und in demüthiger Hoffnung sein Haupt auf zu Jesus und sprach: ,, Herr, gedenke meiner, wenn Du in Dein Reich kommst!"( Emmerich.) So müssen auch wir unsere Sünden - 145 - recht bereuen und demüthig in der Beicht bekennen, wenn wir Verzeihung erhalten wollen. Bewundere den Muth und die Standhaftigkeit des Schächers. Er bekennt die Unschuld Jesu, der sogar von seinen Jüngern verlassen und verleugnet war, er bekennt öffentlich seinen Glauben an ihn, er vertheidigt ihn vor allem Volke. Er mußte fürchten, daß die Juden ihn deshalb noch mehr peinigen würden, allein dies schreckt ihn nicht. ,, Ueber die unerwartete Strafrede des Schächers," sagt die begnadigte Jungfrau A. Katharina Emmerich, ,, entstand ein Tumult unter den Spöttern und sie suchten Steine und wollten ihn am Kreuze steinigen. Der Hauptmann Abemadar aber wehrte sie ab." Wenn du, mein Christ, dich bekehren willst, so wirst du viele Beschwerden und Widerspruch finden von Seiten des Teufels und der Welt, die dich mit Spott verfolgen wird. Aber bete, vertraue auf Gott und kämpfe. Wisse, das Himmelreich leidet Gewalt. Betrachte nun die barmherzige Liebe Jesu, der seiner eigenen Schmerzen vergißt, um einem armen Straßenräuber das Wort der Begnadigung zu verkündigen. Die Juden überhäufen ihn mit Spott, er erwidert kein Wort. Ein verurtheilter Verbrecher bittet ihn, er möge seiner gedenken, und diesen hört er an, tröstet ihn und verzeiht ihm alle Sünden und verspricht ihm zur Belohnung seines Glaubens den Himmel. O welche Liebe, welche Güte, welche Freigebigkeit und Belohnung! Wegen des unerschrockenen Bekenntnisses 10 - 146 seines Glaubens, wegen seiner tiefen Reue, wegen des offenen Bekenntnisses seiner Schuld, wegen seiner Geduld und seiner Liebe zu Jesus sehen ihn einige heilige Väter unter die Zahl der Martyrer, und er wird als Heiliger verehrt. O mein Christ, bedenke, wenn Jesus so barmherzig und freigebig war gegen einen lasterhaften Menschen, der während seines Lebens nur Unheil geſtiftet hatte, was dürfen dann Jene hoffen, welche ihm lange gedient, für ihn gekämpft, den Spott und die Verfolgung der Welt und andere Leiden ertragen haben? Da der Schächer Verzeihung erhielt, so verzweifle nicht an deiner Seligkeit, als ob dir deine vielen und großen Sünden nicht mehr verziehen werden könnten. Aber sündige nicht vermessentlich auf Gottes Barmherzigkeit, indem du die Buße aufschiebst bis zum Tode. Gott, der dem bußfertigen Sünder Vergebung versprochen, hat ihm nicht die Gnade der Buße und den morgigen Tag versprochen. Wie das Leben, so der Tod. Das ist die Regel. Sieh' auf den unbußfertigen Schächer. Jesus befindet sich in der Mitte Beider als Mittler und Fürsprecher. Er betet und vergießt für Beide sein Blut. Beide litten an seiner Seite und sind dem Tode nahe. Dennoch befehrt sich nur der Eine, der Andere bleibt verstockt, der Eine wird gläubig, der Andere bleibt ungläubig, der Eine betet ihn an, der Andere lästert ihn, der Eine steigt an der Seite Jesu in den Himmel, der Andere stürzt an seiner Seite in die Hölle. Wer sollte da nicht fürchten, verdammt zu - 147- werden! Der heilige Augustin sagt in Bezug auf diesen Schächer: ,, Einer wird selig, damit du nicht verzweifelst, aber nur Einer, damit du nicht vermessentlich fündigst." Beide Schächer leiden am Kreuze dasselbe, der Eine geduldig zu seinem Heile, der Andere ungeduldig zu seinem Verderben. Leiden ist auch der Antheil aller Menschen. Die Frommen aber leiden mit Geduld und Demuth, sie büßen so ihre Sünden, werden im Leiden getröstet und verdienen den Himmel. Die Gottlosen aber leiden mit Unwillen, unter Fluchen und Lästern, ohne allen Trost. Sie vermehren ihre Sünden und verdienen die Hölle noch dazu. Leide also, mein Christ, mit Geduld, wie der eine Schächer, damit du den Himmel verdienst. Gebet. Jesus, ich hoffe auf Dich, mein ganzes Leben hindurch will ich auf Deine Güte und Barmherzigkeit hoffen. Du hast dem Schächer Gnade erwiesen, Du wirst auch mich nicht verstoßen. Was ich leide, habe auch ich durch meine Sünden wohl verdient, ich opfere Dir alle Leiden als Buße für meine Sünden auf. Gedenfe meiner, o Herr, in meiner Krankheit, in meiner Todesstunde. In jenem entseglichen Augenblicke, von welchem die ganze Ewigkeit abhängt, da, o Jesus, komme mir zu Hülfe und laß auch mich jene süßen Worte hören: Heute wirst du bei mir sein im Paradiese!" O Maria, erbitte mir diese große Gnade. Amen. 10* 148- 32. Betrachtung. Maria unter dem Kreuze. ,, Es standen aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria*), die Frau des Kleophas, und Maria Magdalena. Da nun Jesus seine Mutter und den Jünger, den er liebte, stehen sah, sprach er zu seiner Mutter: ,, Weib, siehe, dein Sohn!" Hierauf sprach er zu dem Jünger: ,, Siehe, deine Mutter!" Und von derselben Stunde an nahm sie der Jünger zu sich."( Joh. 19, 25.) Maria war ihrem Sohne nach Golgatha gefolgt. Sie sieht, wie man ihm die Kleider abreißt und alle Wunden von Neuem aufgerissen werden. Sie hört die Hammerschläge bei der Annagelung an's Kreuz, sie hört das Wehklagen Jesu. Ach, es ist, als wenn die Nägel durch ihr Herz dringen. Sie sieht ihn am Kreuze hangen, sieht sein Blut aus den Wundmalen herunterträufeln. Sie sieht ihren Sohn verlassen und entseßlich leiden und kann ihm keine Hülfe bringen, sie hört, wie er als Betrüger und Verführer gelästert und verhöhnt wird, und sie fann seine Ehre nicht vertheidigen, sie hört ihren Sohn über Durst klagen und hat kein anderes Wasser, als ihre Thränen, sie hört ihn klagen: ,, Mein Gott, *) Diese Maria war eine Nichte der Mutter Gottes und die Mutter der heiligen Apostel Jacobus des Jüngern und des Judas Thaddäus. 149 mein Gott, warum hast Du mich verlassen!" und sie kann ihn nicht trösten, sie sieht ihn im Todeskampfe und sie kann ihm nicht beistehen. Ach, wie groß war ihr Schmerz! Sie liebte ihren göttlichen Sohn weit mehr, als eine andere Mutter lieben fann, darum leidet sie mehr, als eine andere Mutter leiden fann. Wie ihre Mutterschaft eine geheimnißvolle, so ist auch ihre Liebe eine geheimnißvolle und ihr Schmerz ein unbegreiflicher. Die Peinen der Martyrer wurden durch die Liebe vermindert, die Beinen Mariä durch die Liebe vermehrt. Manche Mutter, von Schmerz überwältigt, kann es am Sterbebette ihres Kindes nicht aushalten. Maria aber steht unter dem Kreuze ihres sterbenden Sohnes. Bei dem Triumphzuge Jesu in Jerusalem ist sie nicht, sie will in ihrer Demuth nicht an dem Ruhm ihres Sohnes theilnehmen, aber auf Golgatha will sie Schmach und Leiden mit ihrem Sohne theilen. Welche Demuth! Sie weicht nicht vom Kreuze, sie flagt nicht über die Juden, sie jammert nicht, sie schweigt. Der Wille Gottes, die Erlösung der Menschen, ist auch ihr Wille Sie opfert ihren Sohn willig hin für die Erlösung der Menschen. Welche Liebe gegen Gott, einen so geliebten Sohn dem Tode zu opfern, um ihn zu bejänftigen! Welche Liebe gegen die Menschen, ihres Heiles wegen ihren Sohn zu opfern! Was Jejus an seinem Leibe litt, das litt Maria an ihrer Seele und das auch aus Liebe zu uns. Seine Wunden durchbohrten ihr Herz. 1 150 — Maria sollte durch Aufopferung ihres Sohnes zu unserer Erlösung beitragen, darum mußte sie beim Tode Jesu zugegen sein. Wie durch einen Mann und ein Weib das Verderben in die Welt gekommen, weil sie sich dem verbotenen Baume nahten und davon aßen, so sollte das Menschengeschlecht durch einen Mann( Christus) und ein Weib( Maria) vom Falle wieder erhoben werden, welche bei einem andern Baume sich befanden, dem Kreuze, dem wahren Baum des Lebens. Gott wollte sie zur Königin der Martyrer machen, wie Jesus der König derselben ist, indem er ihr durch die Schmerzen des Mitleidens die Dornenkrone auf's Haupt setzte und ihr aus seinem Schmerzensfelche zu trinken gab. Endlich sollte sie auf dem Kalvarienberge sein, damit sie die Mutter der Auserwählten würde, welche ihr in der Person des heiligen Johannes, wie wir hören werden, übergeben wurden, wie Jesus der Vater derselben ist. Sie sollte zum Heile aller Sünder mitwirken durch die Auf opferung ihres Sohnes und durch ihre mächtige Fürbitte. Sie sollte eine Fürsprecherin und Mittlerin werden zwischen Gott und den Menschen, nicht zwar wie ihr Sohn durch seinen Erlösungstod, sondern durch die Macht ihres Fürwortes. Als Jesus seine betrübte Mutter sah, sprach er: ,, Weib, siehe dein Sohn!" und zu dem Jünger: Siche, deine Mutter!" Mit diesen Worten übergab er seiner Mutter den Johannes als Sohn, der statt seiner von nun an für sie 151 als Kind sorgen sollte. Er gibt hier allen Kindern ein Beispiel, wie sie für ihre Eltern zu sorgen verpflichtet seien. ,, Nicht umsonst," sagt A. Katharina Emmerich ,,, nannte der Herr die heilige Jungfrau nicht Mutter, sondern Weib, denn in dieser Stunde erschien sie in ihrer Würde als das Weib, welches der Schlange den Kopf zertreten sollte, da durch den Opfertod ihres Sohnes jene Verheißung wahr geworden ist, und in dieser Stunde übergab der Herr in der Person des heiligen Johannes mit jenen Worten: ,, Siehe da deine Mutter!" Maria allen Menschen zur Mutter, welche, wie Johanes, ihn aufnehmen und an ihn glauben." Maria ist also in der Person des heiligen Johannes uns als Mutter übergeben, wie auch die heiligen Väter jagen. Welch' ein Trost für uns, daß die Mutter Gottes auch unsere Mutter ist! Sie ist unter dem Kreuze unter so großen Schmerzen unsere Mutter geworden, wir sind die Kinder ihrer Schmerzen, wir sind der Preis des Blutes, Leidens und Todes ihres göttlichen Sohnes. Sie ist unsere Fürsprecherin und Mittlerin bei ihrem Sohne, ihre Fürbitte ist bei ihm allesvermögend. Und wer vermag ihre zärtliche Liebe gegen uns je zu begreifen, wer kennt ihre mütterliche Sorgfalt für alle unsere leiblichen und geistigen Bedürfnisse! Seien wir ihre guten Kinder und rufen wir sie in jeder Noth vertrauensvoll an! Gebet. Königin der Martyrer, Mutter der Schmerzen, drücke meinem Herzen die Wunden deines Sohnes ein, mache mich theilhaftig seiner - - - 152 - Leiden. Durchbohre mein Herz mit dem Schwerte des Schmerzes, von dem das deinige durchbohrt worden ist. Ich danke dir, daß du deinen einzigen, göttlichen Sohn für mich in den Tod hingegeben hast. Dein göttlicher Sohn hat vor seinem Tode mich dir anbefohlen, ich kann also an deiner Liebe nicht mehr zweifeln, ich weiß, daß du Mutterstelle an mir vertrittst. O Mutter Gottes und meine Mutter! Dir schenke ich mich, dich erwähle ich zu meiner Königin, zu meiner Mutter und Fürsprecherin, dir übergebe ich meinen Leib, meine Seele, mein Leben, meinen Tod und mein Heil und erkläre vor Himmel und Erde, daß ich als dein Diener und Kind leben und sterben will. Amen. 33. Betrachtung. Die Finsterniß und die Verlassenheit Jefu am Kreuze. Als Jesus am Kreuze hing, ward eine Finsterniß über die ganze Erde von der sechsten bis zur neunten Stunde. Um die neunte Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: ,, Eli, Eli, lamma sabacthani!" Das ist: ,, Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen!" Das war keine gewöhnliche Sonnenfinsterniß, sondern eine wunderbare. Es war damals Vollmond, und eine Sonnenfinsterniß kann nur bei Neumond statt finden. Die Sonne entsetzte sich über das - 153 entsegliche Verbrechen der Ermordung Christi. Sie wandte gleichsam ihr Angesicht ab und verhüllte es, um den Gräuel nicht zu sehen. Bei diesem Wunder blieben die Gottlosen verstockt, sie suchten Alles natürlich zu erklären und fuhren fort zu lästern, aber den besser Gesinnten jagte es Schrecken ein, so daß der heilige Dionysius ausrief: ,, Entweder der Gott der Natur muß leiden, oder die Welt geht unter." Um die neunte Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: ,, Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen!" Jesus ist von Allen verlassen. Seine Jünger haben ihn verlassen, seine Feinde, voll Schadenfreude, spotten seiner Leiden. Auf Erden findet er nichts, was ihn tröstet. Er nimmt seine Zuflucht zu Gott, seinem Vater, dem Tröster der Betrübten, aber er fühlt sich auch von diesem verlassen. Sein Vater ist ihm in dieser furchtbaren Stunde nur der strafende Richter. Der Heiland sah sich mit den Sünden der ganzen Welt belastet und sollte sie vor seinem Vater verantworten und die Strafe dafür tragen. Darum fühlte er sich wie ein Gegenstand des Abscheues vor den Augen Gottes und von ihm ganz verlassen. welche Angst und Qual fühlt ein Herz, wenn es sich von aller Welt, sogar von Gott, verlassen fühlt, wenn alles Licht ihm entzogen, wenn es allen Trostes, aller Hoffnung beraubt ist, wenn es von Verzweiflung und der Angst, ewig verloren zu sein, gequält wird! Mit diesem Leiden läßt sich körperlicher Schmerz nicht 154 vergleichen. Wenn es nun dem fündigen Men= schen so furchtbar ist, sich von Gott verlassen zu fühlen, wie muß es dem Heilande, dem Gottessohne gewesen sein? Während er die übrigen Leiden klaglos ertrug, ist er, um dem gepreßten Herzen Luft zu machen, in die laute Klage ausgebrochen: ,, Mein Gott, mein Gott, warum haſt Du mich verlassen!" und zwar, wie der heilige Paulus sagt, unter Vergießung reichlicher Thränen. Welch' ein heftiger Schmerz muß das gewesen sein, welcher sogar Gottes Sohn zu Thränen und Klagen bewog! - - Warum sollte Jesus dies Leiden erdulden? Wir Menschen haben durch die Sünde Gott verlassen und verdient, daß wir von Gott verlassen werden, daß uns im Leben alles göttliche Licht, alle Hülfe, aller Trost entzogen werde, und wir der Gewalt unserer Leidenschaften überlassen werden und im Tode der Wuth der Teufel und der Verdammung anheimfallen. Die ewige Verlassenheit, oder der Verlust der Anschauung Gottes besteht in der Beraubung alles Lichtes, aller Freuden und alles Guten, sie ist der Inbegriff aller Uebel Leibes und der Seele, sie iſt die Strafe der Verdammten. Bedenke doch, o Sünder, wen du durch die Sünde verläßest, und von wem du verlassen wirst. Du verläßt das höchste Gut, das unermeßliche Meer aller wahren Freuden, aller Seligkeit, aller Vergnügungen, und zwar um eines geringen Gewinnes, einer augenblicklichen Lust, eines Bischen Ehre willen. Das - 155 - - ist der Wurm, der die Verdammten unabläßig in alle Ewigkeit quälen wird. Jesus wollte durch seine Verlassenheit dafür büßen, daß wir Gott durch die Sünde verlassen haben. Gott entzog ihm sein Licht, seine Stärke und Seligkeit und versenkte ihn in den Abgrund der Finsterniß, Schwäche und Traurigkeit, damit er für die Strafe, die wir verdient haben, der göttlichen Gerechtigkeit genugthue, und dann auch, um uns die Gnade zu verdienen, im Tode nicht verlassen zu sein. Gott entzieht auch oft frommen Seelen seinen Trost und seine Gegenwart. Sie fühlen sich von Gott ganz verlassen, haben eine Abneigung gegen das Gebet, gegen den Empfang der heiligen Sacramente, gegen alles Gute. Sie werden von Versuchungen gegen den Glauben, von gotteslästerlichen und unkeuschen Versuchungen, von Angst, ob ihre Beichten gültig gewesen und ihnen ihre Sünden vergeben sind, gequält. Es scheint ihnen, daß ihnen nichts mehr helfen könne, daß sie verloren gehen. Dieser Zustand ist auch ein schweres Kreuz. Die größten Heiligen, der heilige Franz von Sales, die heilige Katharina von Siena, der heilige Franciscus Seraphicus und Andere sind von diesem Leiden heimgesucht worden. Mein Christ, laß den Muth nicht sinken. Schaue auf Jesus in seiner Verlassenheit, vertraue auf Gott. Er läßt dies über dich kommen, damit du deine Treue gegen ihn bethätigst und dir desto größere Verdienste für den Himmel erwirbst. ,, Es 156 ist," sagt der heilige Franz von Sales, ,, fein besonderes Verdienst, einem Fürsten in der Ruhe des Friedens zu dienen, aber auch im Kriege unter Unruhen, Beschwerden und Verfolgungen in seinem Dienste beharren, das zeugt von wahrer Treue und Standhaftigkeit." Je mehr Ueberwindung uns die Verrichtung eines guten Werkes fostet, desto verdienstlicher ist es. In diesem Zustande der Versuchung, wo dein Geist verfinstert ist, darfst du deiner Meinung nicht folgen. Das sicherste Mittel, vom Teufel nicht betrogen zu werden, ist, daß du blindlings dem Urtheile deines Beichtvaters dich unterwirfst.*) — 1 *) Eine vornehme Frau schrieb einst an den heiligen Papst Gregor, den Großen, er möge ihr durch eine göttliche Offenbarung die Sicherheit verschaffen, ob ihre Sünden vergeben und sie selig werde. Der heilige Vater antwortete ihr:„ Das in deinem Briefe an mich gestellte Begehren, ich solle durch eine besondere Offenbarung von Gott zu erfahren suchen, ob dir deine Sünden vergeben seien, bin ich zu erfüllen keineswegs gesonnen, denn du hast eine ebenso schwierige, als unnüße Sache begehrt. Schwierig, weil ich einer besonderen Offenbarung unwürdig bin, unnüß aber, weil du nicht in vollkommener Sicherheit über deine Sünden leben, sondern sie bis zum Tode bereuen und beweinen sollst. Ja, bis zum Tode sollst du mit Furcht und Zittern deiner Sünden gedenken und sie täglich durch deine Thränen abzuwajchen suchen. Der heilige Paulus, der bis in den dritten Himmel verzückt war, zitterte und bezeugte von sich selbst:„ Ich züchtige meinen Leib und bringe ihn in Dienstbarkeit, damit ich nicht, während ich Anderen predige, selbst verworfen werde." So fürchtete Jener, der bis in den Himmel gedrungen war, und Jene, die noch auf Erden weilt, will schon jetzt nichts 157 Gebet. Göttlicher Erlöser, in welchen Zustand hat Dich Deine Liebe zu uns und die Grausamkeit der Menschen gebracht! Ich danke Dir, daß Du Dich für mich der Gerechtigkeit Deines Vaters geopfert hast, um mich von der ewigen Pein zu erlösen. Ich danke Deinen milden Augen, die so viele Thränen vergossen, ich danke Deinem heiligen Munde, welcher Galle und Essig gekostet, um die Strafe meiner Unmäßigkeit zu leiden. Ich danke Deinem heiligen Haupte, das sich von Dornen durchstechen ließ, um die Wunden meiner Ehrsucht zu heilen. Ich danke Deinen gnadenreichen Händen und Füßen, die sich von Nägeln durchbohren ließen, um das Böse wieder gut zu machen, das ich durch meine Hände und Füße begangen. Ich danke Deinem reinen und jungfräulichen Leibe, der sich von Geißeln zerfleischen ließ, um die unreinen Lüste meines Leibes zu tilgen. Ich beschwöre Dich, o Herr, bei den Martern, die Du für mich gelitten, bei dem Gebete für Deine Feinde, bei dem Schmerze und der Betrübniß Deiner heiligen Mutter, bei der Gnade, die Du dem sterbenden Schächer erwiesen 1 mehr zu fürchten haben? Wisse auch, geliebte Tochter, daß die Sicherheit die Mutter der Nachläßigkeit zu sein pflegt. Darum sollst du in diesem Leben teine Sicherheit haben, weil dich dieselbe nur träge und rachlässig machen würde. Es steht geschrieben: ,, Selig der Mann, der immer in Furcht lebt." Während der kurzen Zeit unsers Lebens ist es nothwendig, daß unser Geist durch heiliger Furcht gefesselt werde, damit er einstens in der Sicherheit endloser Freuden jubeln fönne."( S. Gregor epist. 86.) 158 hast, bei Deiner Verlassenheit am Kreuze, bei Deinem Durste, bei der Galle und dem Essig, die man Dir gereicht hat, bei Deinen Thränen und dem Blute, das Du bis auf den letzten Tropfen für mich vergossen hast: verzeihe uns unsere Sünden, erzeige uns Barmherzigkeit und verlaß uns nicht in unserer letzten Noth, sondern stehe uns bei, tröste uns und laß die Seelen nicht zu Grunde gehen, die Dich so viel gekoſtet haben. Amen. - 34. Betrachtung. Das fünfte Wort Jefu am Kreuze: ,, Mich dürstet!" ,, Danach, da Jesus wußte, daß Alles vollbracht sei, sprach er: ,, Mich dürftet!" Es stand aber ein Gefäß voll Essig da. Und sie füllten einen Schwamm mit Essig, steckten ihn auf einen Ysopstengel und brachten ihn an seinen Mund" ( Joh. 19, 28.) Sehr groß mußte der Durst des Heilandes sein, weil sein heiliger Leib beinahe alles Blutes und aller Feuchtigkeit beraubt war. Durch den Blutschweiß, durch die Geißelung und Dornenfrönung hatte er viel Blut verloren. Mit unsäglicher Anstrengung und vielem Schweiße hatte er das Kreuz zum Kalvarienberge getragen. Am Kreuze floß das Blut drei Stunden lang aus seinen Wunden. Seit dem letzten Abendmahle hatte er nichts genossen, in der Nacht nicht ge 159- schlafen, sondern war mißhandelt. In Folge alles Dessen wurde Jesus von einem brennenden Durste verzehrt. Er gab seinen Durst zu erkennen, nicht um zu klagen, oder um sich eine Erleichterung zu verschaffen, denn er wußte, daß er mit Essig würde getränkt werden, sondern damit die Schrift erfüllt werde. Alles mußte in Erfüllung gehen, was von ihm vorhergesagt war. ,, Wie Wasser bin ich ausgegossen und alle meine Gebeine sind aufgelöst. Vertrocknet wie eine Scherbe ist meine Kraft, und meine Zunge flebt an meinem Gaumen."( Ps. 21.), Sie geben mir zur Speise Galle und in meinem Durste tränken sie mich mit Essig."( Ps. 68.) Die Geißeln, Dornen und Nägel verursachten den äußern Theilen seines Leibes Peinen, berührten aber nicht das Innere desselben. Nun sollten auch die Werkzeuge der menschlichen Schwelgerei, das Innere seines Leibes, leiden, und Jesus wollte den heftigsten und grausamsten Durst leiden, den je auf Erden ein Mensch gelitten hat. Seine Eingeweide sollten auch den bittern Kelch kosten, wie er äußerlich an allen Gliedern und Sinnen gelitten hatte. Wie der Sünder Leib und Seele zur Sünde mißbraucht, so verdient er auch, an Leib und Seele gestraft zu werden. Die Strafe der Seele besteht in der Beraubung Gottes, die Strafe des Leibes in den Qualen der Sinne, welche für die Verdammten eine Wirkung des höllischen Feuers ist. Unser Herr hatte durch 160 seine Verlassenheit am Kreuze eine Art der Strafe des Verlustes Gottes gelitten. Obschon diese Verlassenheit nur ein Schatten jener der Verdammten war, so war dies Leiden doch so groß, daß er seinen Schmerz unter Thränen und Klagen zu erkennen gab. Da er aber alle unsere Schuld bezahlen wollte, so wollte er auch die Qualen der Sinne leiden. Denn wie die Verdammten in der Hölle an allen Sinnen gepeinigt werden, an den Augen durch die schreckliche Finsterniß und den Anblick der Teufel, am Gehöre durch das Wuthund Klagegeschrei der Verdammten, am Geruche durch die pestartigen Ausdünstungen der verwesenden Leiber der Verdammten, am Geschmacke durch rasenden Hunger und Durst, am Gefühle durch die durchdringenden Qualen des Feuers: so hat unser theurer Erlöser, um uns von allen Sünden der Sinne und den ihnen gebührenden Strafen zu befreien, an allen seinen Sinnen leiden wollen. Er litt an seinen Augen durch Schweiß und Blut und den Anblick seiner betrübten Mutter und seiner Feinde, die seiner Leiden spotteten und der Teufel, die seine Feinde aufreizten, am Gehör durch die Hohn- und Spottreden und Lästerungen der Juden und Heiden, am Geruchssinne durch die Ausdünstung der auf dem Kalvarienberge verwesenden Leichname der hingerichteten Verbrecher, am Gefühle durch die unzählbaren Wunden, mit welchen sein ganzer Leib bedeckt war. Auch an seinem Geschmackssinne wollte er leiden durch Galle und Essig und durch - 161 den verzehrenden Durst. So wollte er die Sünden der Unmäßigkeit, Leckerheit, Trunksucht und der Gaumenlust büßen. Christ, der du der Unmäßigkeit im Essen und Trinken, der Gaumenlust ergeben bist und von Fasten und Abtödtung nichts wissen willst, der du vielleicht zu Denen gehörst, von denen der heilige Paulus schreibt: ,, Viele wandeln, wie ich euch oft gesagt habe( jetzt aber unter Thränen sage), als Feinde des Kreuzes Christi, deren Ende Verderben, deren Gott der Bauch ist, die irdisch gesinnt sind," wisse, daß du einst wirst Hunger leiden, wie herumlaufende Hunde, wie die Schrift sagt, und rasenden Durst. Ewig wirst du mit dem Prasser nach einem Tropfen Wasser vergebens seufzen, um deine brennende Zunge zu fühlen. Hättest du nicht gern, mein Christ, deinem Heilande in seinem Durste eine Erquickung gegeben? Du fannst es, wenn du einem Armen aus Liebe zu ihm eine Erquickung gewährst, du fannst es, wenn du deine Gaumenlust abtödteſt. Wenu du in der Fieberhiße oder sonst von Durſt verzehrt wirst, trage es aus Liebe zu Jesus. Du siehst deinen Heiland sterben, ohne daß Jemand ihn durch einen Tropfen Wasser erquickt. Um dich bemühen sich Viele, um durch Wasser deinen Durst zu lindern und dein Leiden erträglicher zu machen. Sollte dies deine Ungeduld nicht beschämen? Ist dir die Medizin widerlich, denke an die Galle, die man Jesus darbot, und sie wird dir süß vorkommen. 11 162 Jesus dürftete, d. h. er verlangte sehr nach unserm und der ganzen Welt Heile. Deshalb war er vom Himmel gekommen und hatte 33 Jahre unermüdlich gearbeitet, um Seelen zu gewinnen. Da er mit unendlicher Liebe alle Menschen liebte, so können wir die Heftigkeit seines Durstes, seines Verlangens nach dem ewigen Heile der Menschen leicht begreifen. Dieser Durst quälte ihn mehr, als der leibliche Durst. Stelle dir vor, Jesus rufe dir vom Kreuze zu: ,, Gib mir zu trinken, ich sterbe vor Durst. Ich brenne vor Durst, dich selig zu machen. Ich verlange von dir, daß du dieſe Sünde, jene Gelegenheit meidest, daß du deine Zunge im Baume hältst, den Zorn bekämpfest, diese Beleidigung verzeihest, das Gebet nicht vernachlässigest, daß du mir Seelen, besonders die deiner Untergebenen, gewinnest. Wenn du das thust, dann löschest du meinen Durst und erquickst mich, und ich werde dir im Himmel den Kelch der wahren Freuden bis auf den Grund zu trinken geben! Unbarmherzige Seele, du kannst mir ein Bischen Brod, ein Tröpflein Wasser abschlagen? Siehe, ich begehre in der Person dieses Armen ein Almosen, und du versagst es mir! Du läßt in deiner Gleichgültigkeit Seelen zu Grunde gehen, für die ich mein Blut und Leben hingegeben habe!" Was wirst du, christliche Seele, Jesus antworten, wenn du ihn, die verlangte Erquickung verweigernd, vor Durst verschmachten läßt? Gebet. Göttlicher Erlöser 2c.( Seite 157.) - 1 - 163 - 35. Betrachtung. Das sechste Wort Jefu am Kreuze: ,, Es ist vollbracht!" Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht!"( Joh. 19, 30.) d. h. die Vorbilder des alten Bundes sind erfüllt, was die Propheten von mir geweifsagt haben, ist geschehen. Der neue Bund ist geschlossen und mit meinem Blute besiegelt. Ich habe nichts mehr zu erfüllen. Ich sterbe. „ Es ist vollbracht!" d. h. der Wille meines Vaters ist erfüllt. Ich habe genau seinen Auftrag vollzogen, ich habe den mir von ihm dargebotenen Kelch getrunken und das Opfer, das ich darbringen sollte, vollendet. Es ist Alles vollbracht. Ich sterbe Es ist vollbracht! Der Haß und die Bosheit der Menschen ist gesättigt, ihre bösen Anschläge gegen mich sind ausgeführt. Sie haben alle nur mögliche Grausamkeit an mir verübt, sie haben mich zum Manne der Schmerzen gemacht und feinen Theil meines Leibes ohne Merkmale ihrer Grausamkeit gelassen. Mein Leiden ist vollbracht, ich sterbe. Es ist vollbracht! Das große Werk der Erlösung der Menschen ist nun vollendet. Das Lösegeld und ihre Schulden sind bezahlt, ihre Sünden vergeben, die Pforten des Himmels sind geöffnet, der Gerechtigkeit meines Vaters ist Genüge geschehen und die ihm zugefügte Schmach 11* - 164 ersetzt. Der Teufel ist besiegt und sein Reich zerstört. Das große Opfer des neuen Bundes, vorgebildet durch die Opfer des alten, und die heiligen Sacramente sind eingesetzt, und sie werden als Quelle der Gnaden fließen bis an's Ende der Welt. Es liegt nur mehr bei den Menschen, selig zu werden. Das Werk ihres Heiles ist von meiner Seite vollendet. Alles ist vollbracht. Ich sterbe. - · Es ist vollbracht! So wirst auch du bei deinem Tode sagen können. O wie glücklich wirst du sein, wenn du dann mit Jes.:s sagen kannst, es ist vollbracht. Ich habe den Willen Gottes vollzogen, meine Berufspflichten erfüllt. Es ist vollbracht! Die Arbeiten und Mühen, Kreuz und Leiden, Bußwerfe und Abtödtungen, erlittene Beleidigungen, Verspottungen und Verfolgungen, die Krankheiten und Schmerzen sind überstanden, die Versuchungen überwunden, alle Leiden sind zu Ende, feine Gefahr mehr zu fürchten, keine Buße mehr zu wirken. Die Angst wegen der Sünde ist verschwunden. Alles hat nur einen Augenblick gedauert. Ich habe von allen Leiden nichts mehr, als die süße Erinnerung, daß ich sie geduldig ertragen, daß ich Jesu treu geblieben. Je größer die Leiden, je heftiger der Kampf war, desto größer jetzt die Freude. Alles ist vorbei, und ich gehe jetzt ein in den Ort der Ruhe und der Seligkeit für die ganze Ewigkeit! Es ist vollbracht! Ein schauerliches Wort für die Gottlosen, die Kinder dieser Welt. Auf - - 165- 1 dem Todtenbette werden sie aufschreien: ,, Unsere Lüste sind vorüber, unsere Schwelgereien haben ein Ende, unsere guten Tage sind dahin, unsere Hoffnungen zu nichts geworden." Was habe ich von dem Gelde, das ich erworben, von der Hoffart und Kleiderpracht, von der eitlen Ehre vor den Menschen, von den Vergnügungen, die ich genossen habe! Nichts als die bittere Erinnerung, Ach, wegen nichtsnußiger zeitlicher Dinge, die nur einen Augenblick währten, habe ich das Wichtigste, mein Seelenheil, vernachläßigt! Nun naht der Tod, der Anfang eines nie endigenden Leidens. Christliche Seele! Auch für dich wird das Ende des Lebens fommen, wo du, gern oder ungern, das große: ,, Es ist vollbracht," wirst sagen müssen. Wirst du es sagen mit den Guten oder mit den Gottlosen? Wirst du es sagen wie der arme Lazarus, oder wie der reiche Prasser, wie Jesus, oder wie Judas? Dieses hängt ganz von deinem Leben ab, ob du ein frommes oder gottloses Leben führst. In wenigen Tagen, eher als du es glaubst, wirst du Rechenschaft geben müssen von all' dem Guten und Bösen, welches du während deines Lebens vollbracht hast. Fange also gleich an, gut zu leben. Ersetze durch Buße die verlorene Unschuld Demüthige dich vor Gott und bitte um Verzeihung wie der verlorene Sohn. Uebe gute Werfe. Verzeihe alle dir zugefügten Beleidigungen. Uebe Barmherzigkeit, so wirst du Barmherzigkeit erlangen, vergib, so wird auch dir vergeben werden. 166 - Gebet. Jesus, Du Stifter unsers Glaubens und Vollender unsers Heiles, ich danke Dir herzlich für die Zeit, die Du mir noch zur Vorbereitung auf meine Rechenschaft schenkst. Ich will wenigstens jetzt anfangen, mein Heil zu wirken. So spät die Buße auch begonnen wird, so ist sie doch allezeit gut, wenn sie nur aufrichtig ist, und Du kannst niemals ein gedemüthigtes, zerknirschtes Herz verachten. O mein Herr und Gott! Gedenke, daß Du Dein Blut für mich vergossen hast. Gib, daß ich zu der Zahl Deiner Auserwählten gehöre. Wasche mich rein von meinen Sünden und verleihe mir die Gnade einer wahren Buße. Ich habe es gesagt, nun will ich beginnen"( Ps. 67), fromm zu leben, damit ich einstens beim Tode auch freudig sagen könne:„ Es ist vollbracht." O Maria, ich bitte dich bei dem Tode deines göttlichen Sohnes, erwirb mir diese Gnade. Amen. n 36. Betrachtung. Die Klagen Sesu, die er vom Kreuze an die Menschen richtet. ,, O ihr Alle, die ihr am Wege vorübergehet, habet Acht und schauet, ob ein Schmerz sei gleich meinem Schmerze."( Jer. 1, 12) Mein Haupt ist mit stechenden Dornen gekrönt, die ihm furchtbare Schmerzen bereiten, meine Hände und Füße 167 1 sind mit Nägeln durchbohrt, mein Körper ist eine einzige Wunde, alle meine Glieder sind mit Blut überströmt, von allen Seiten umgeben mich die Schrecken des Todes und meine Seele ist in die schrecklichste Trostlosigkeit versenkt. Ihr, die ihr unter der schweren Last der Leiden seufzet, welche die Strafe eurer Verbrechen sind, vergleichet meine Schmerzen mit den eurigen. Ihr beklagt euch über eure Leiden, aber habt ihr denn vergessen, daß ihr schuldig, ja, der höllischen Strafen würdig seid? Ich, euer Gott, der Unschuldige, habe zuerst und aus Liebe zu euch gelitten, ohne zu klagen, und ihr hört nicht auf, zu klagen! Ihr klaget, wenn ihr Hunger, Durst, Armuth, Kälte und Hitze zu ertragen habt. Aber habe ich nicht dieses Alles vor euch und in noch größerem Maße erduldet, als ihr? Ich, euer Herr und Gott! Wurde ich nicht während des Winters in einem falten und feuchten Stalle geboren? Habe ich nicht in der äußersten Dürftigkeit gelebt? Selbst meiner Kleider bin ich beraubt, die sie unter sich getheilt haben. Habe ich nicht im Schweiße meines Angesichtes mein Brod verdient? Wenn ihr in meinem Dienste einige Dornen findet, wenn ihr euch überwinden oder einige Opfer bringen müßt, die eurer Natur hart werden, dann wird's euch zu viel, dann seid ihr versucht, mich und meinen Dienst zu verlassen. Aber habe ich denn in Freuden gelebt, hat es mir fein Opfer gekostet, nicht mein, sondern euer Heil zu sichern? 1 168- Könnt ihr eure innern Kämpfe mit meinem Kampfe vergleichen, welchen ich aus Liebe zu euch am Delberge bestand? Waret ihr jemals betrübt bis zum Tode, wie ich? Wann haben eure innern Leiden euch blutigen Schweiß ausgepreßt, oder mich die Schrecken des Todes kosten laffen? Ihr werdet traurig, wenn man euch eine Wohlthat mit Undank vergilt, wenn ihr die Treulosigfeit und den Verrath eines geliebten Freundes erfahrt. Schauet auf mich! Wurde ich nicht von meinen eigenen Jüngern verlassen, verleugnet und verrathen, und zwar zu jener Zeit, als ich ihnen durch Einschung des heiligsten Sacramentes den größten Beweis meiner Liebe gegeben hatte? Ich überhäufte mein geliebtes Volk, die Juden, mit Wohlthaten, und ihr Dank dafür war, daß sie einstimmig schrieen: ,, Weg mit ihm! Kreuzige ihn!" Ihr werdet aufgebracht, wenn man euch verkennt und Andere euch vorzieht. Schauet auf mich! Wurde ich, euer Gott, nicht verachtet und als der Auswurf des Volkes behandelt? Man stellte mich einem Mörder gleich und zog mir denselben vor. Ihr überlaßt euch dem Zorn und der Rachsucht, wenn man euern guten Namen angreift, wenn man euch eines Vergehens beschuldigt, dessen ihr euch nicht bewußt seid, wenn man euch eine kleine Beleidigung zufügt. Schauet auf mich! Man hat mich, den Sohn Gottes, der größten Verbrechen beschuldigt, man nannte mich einen - 169 1 Verführer, Betrüger, Volksaufwiegler, Gotteslästerer, man hat mich angespieen und als Narrenfönig verspottet. Ich duldete das für dich, und du kannst noch klagen? Ihr klagt in Ungeduld, wenn ihr von einer Krankheit oder einem andern Leiden heimgesucht werdet. Schauet mich an! Ich wurde gegeißelt, mit Dornen gefrönt und an's Kreuz geschlagen. In euern Leiden suchen die Eurigen euch Trost und Erleichterung zu verschaffen. Aber wie erging es mir? Mein letzter Trost ist das Gespött und die Lästerungen der Juden, meine Gesellschaft zwei Mörder, meine Labung Galle und Essig, mein Kopfkissen die Dornenkrone, mein Bett das Kreuz! O mein Kind, was hätte ich mehr für dich thun können? Wirst du endlich aufhören, mich durch deine Sünden immer wieder zu freuzigen? Ach, mein Kind, mein theures Kind, warum bleibſt du fern von mir, nachdem ich dir so viele Beweise meiner Liebe gegeben habe? Was habe ich dir zu Leid gethan und womit habe ich dich betrübt? Antworte mir! Was hat dir an mir, deinem Gott, mißfallen, daß du mich verließeſt, um den Eitelkeiten der Welt nachzugehen? Habe ich dich nicht mit Wohlthaten überschüttet? Um deine Liebe zu gewinnen, ertrug ich Schande, Spott und Schmach, vergoß mein Blut bis auf den letzten Tropfen. Um dich den Flammen des höllischen Feuers zu entreißen, wollte ich als der legte der Menschen angesehen werden, mich selbst 170 vernichten und Knechtsgestalt annehmen, um dich zu erlösen. Für dich ließ ich meine Hände und Füße durchbohren, meine Seite eröffnen, mein Herz durchstechen, damit du in demselben eine Zufluchtsstätte finden könnest. Dies Alles habe ich gethan, weil ich dich liebe, ja, mehr liebe, als mein eigenes Leben. Wie hast du meine Liebe erwidert? Hast du im Dienste und den Freuden der Welt wahren Frieden gefunden? Die Welt ist zu klein, dein Herz auszufüllen. Ich habe es für die Ewigkeit erschaffen, darum vermag dir nichts zu genügen, was irdisch, vergänglich ist. Um deines eigenen Glückes willen bitte und beschwöre ich dich, fehre zurück zu mir, deinem Gott und Heilande. Komme in meine Arme, sie sind am Kreuze ausgespannt, dich zu umfangen, komme an mein Herz, es brennt vor Liebe zu dir. Komm', fürchte nichts, ich kann dich nicht zurückstoßen, denn meine Hände sind für dich an's Kreuz geheftet. O fomm', ich bin noch immer dein Erlöser und du bist noch immer mein theures, geliebtes Kind. Gebet. Ach, mein Gott, was kann ich Dir antworten? Ich erkenne meine Schuld, meinen Undanf, ich verdiene fein Erbarmen, ich seufze unter der Last meiner Sünden. Ich weiß nichts zu meiner Vertheidigung zu sagen, ich habe keine Worte, sondern nur Thränen, um Dir zu antworten. Barmherzigkeit, mein Jesus, Barmherzigkeit! Laß mich weinen zu Deinen Füßen, indem ich Deiner Liebe und meiner Sünden ge 171 denke. Deine Liebe hat die Härte meines Herzens überwunden. Du hast gesiegt, o mein Jesus: von dieser Stunde an ergebe ich mich ganz Deiner Liebe. Laß mich Deine Wunden füssen und sie mit Thränen der Reue und der Liebe beneßen. Mein Gott, ich liebe Dich und will Dich lieben in Ewigkeit. - - O Maria, meine geliebteste Mutter, erlange mir die Gnade, daß ich die Leiden und die Liebe deines göttlichen Sohnes stets betrachte und ihn liebe, wie ich möchte, und wie er geliebt zu werden verdient. Amen. ww. 37. Betrachtung. Jesus stirbt am Krenze. Wunder bei seinem Tode. Als Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: ,, Es ist vollbracht!" Danach rief er mit starfer Stimme: ,, Vater, in Deine Hände befehle ich meinen Geist!" neigte sein Haupt und gab den Geist auf." ,, Als die Stunde des Herrn gekommen war," sagt A. Katharina Emmerich, ,, rang er mit dem Tode, und ein falter Schweiß drang aus seinen Gliedern. Die heilige Jungfrau stand zwischen Jesu und des guten Schächers Kreuz und sah zu ihrem sterbenden Sohne hinauf. Sein Leib wurde bleich, und das an den Wundstellen niedergeronnene Blut erschien dunkler. Sein Angesicht ward länger, seine Wangen sanken ein, seine - 172 1 Kinnlade sank nieder, seine geschlossenen blutvollen Augen öffneten sich halbgebrochen. Er hob das dornengekrönte Haupt zum letzten Male und rief mit lauter Stimme: ,, Vater, in Deine Hände befehle ich meinen Geist!" Es war ein süßer, lauter Schrei, der Himmel und Erde durchdrang, dann senkte er sein Haupt und gab den Geist auf, und seine Seele fuhr wie ein leuchtender Schatten bei dem Kreuze hinab in die Vorhölle. Seine Lippen, bläulich, zeigten im offenen Munde die blutige Zunge, seine Hände, früher um die Nagelköpfe gekrümint, öffneten sich, die Arme streckten sich, sein Rücken schloß sich an das Kreuz an, und die Last des heiligen Leibes sant auf die Füße nieder, die Kniee beugten sich nach einer Seite. Da erstarrten die Hände seiner Mutter, ihre Augen verdunkelten sich, ihre Ohren hörten nicht mehr, Todesbleiche bedeckte sie, sie sant zur Erde, und auch Magdalena, Johannes und die Andern sanken, vor Schmerz ihr Angesicht verhüllend, zur Erde. Als nun die traurigste aller Mütter, von den Andern wieder aufgerichtet, ihre Augen emporrichtete, sah sie den vom heiligen Geiste rein empfangenen Leib ihres göttlichen Sohnes, aller Zier und Gestalt und seiner heiligen Seele beraubt, von den Händen der Sünder, die selig zu machen er gekommen war, mißhandelt, entstellt, verachtet, verhöhnt, zerrissen, am Kreuze zwischen zwei Mördern hangen! Wer faßt den Schmerz der Mutter Jesu, der Königin der Martyrer! 173 Der Hauptmann unter dem Kreuze, erschüttert, als er Jesum mit lauter Stimme sterben sah, sprach: ,, Wahrlich, dieser Mensch ist gerecht, er ist Gottes Sohn!" Es fam ein tiefes Erschrecken über alle Anwesenden mit dem Todesgeschrei Jesu, als die Erde bebte und die Felsen zersprangen. Es war ein Schrecken, der durch die ganze Natur ging. Die Thüren des Heiligthums sprangen auf und es ertönte eine Stimme: ,, Lasset uns von dannen ziehen!" Es waren die Engel, die aus dem Tempel wichen. Der große Vorhang im Tempel zerriß zischend von oben nach unten, zum Zeichen, daß der alte Bund, der nur ein Vorbild des neuen war, aufhörte. In Pilati Haus stürzten die Stufen ein, worauf Jesus verspottet gestanden. Die Gräber öffneten sich, und viele Leiber der Heiligen, die entschlafen waren, standen auf und erschienen Vielen. ,, Es waren wohl hundert Verstorbene," sagt die Jungfrau A. Katharina Emmerich, welche sich aus den Gräbern erhoben und dem hin und herfliehenden Volke entgegentraten und mit kurzen Strafworten von Jesus zeugten. Sie strichen in ihren langen Todtenkleidern, unter der man keine Bewegung der Füße sah, wie schwebend, leicht über den Boden hin durch die Straßen. Die weiten Aermel hingen über die Hände nieder, die gelben Gesichter sahen verdorrt aus den langen Bärten hervor. Sie traten in die Häuser ihrer Nachkommen mit drohenden Strafreden über die Theilnahme am Morde Jesu." - - 174 - Die ganze Natur entsetzte sich über den Tod Jesu, und wir könnten gleichgültig bleiben? Unser Gott und Herr der Welt stirbt für uns Knechte, der Heiligste für uns strafbare Sünder, der größte Wohlthäter für uns undankbare Menschen. Er stirbt freiwillig, denn Niemand konnte ihn zwingen, er stirbt aus Liebe und Erbarmung gegen uns. Er wußte am besten, wie schrecklich die Hölle und der Verlust der Seligkeit sei. Von Mitleid gerührt nahm er den Zorn seines Vaters und die Strafe auf sich, die wir verdient hatten. So hat er uns durch seinen Tod vom ewigen Tode, von der ewigen Verdammniß- Schrecklicheres, als diese, fann nicht erdacht werden befreit, hat uns wieder zu Kindern Gottes gemacht und uns den Himmel geöffnet. Wenn wir verloren gehen, so ist es unsere Schuld. O Christ, wenn du die Höllenqual und die ewige Seligkeit betrachtest und die Wohlthat, die uns Jesus erwiesen, dann mußt du einsehen, daß du ihm nicht genug danken fannst. Ach, so viele Christen denken so wenig an sein Leiden und Sterben, ja, hören nicht auf, ihn zu beleidigen! Welcher Undanf, welche Verblendung! O Christen, schauet auf das Crucifix! Es lehrt dich die Strenge der Gerechtigkeit und die unendliche Barmherzigkeit Gottes. Eine solche Genugthuung forderte die Gerechtigkeit Gottes von seinem geliebten Sohne, der unsere Sünden auf sich genommen hat. ,, Thut man das am grünen Holze, was wird mit dem dürren geschehen?" Hasse und 175 fliehe die Sünde als das größte Ulebel, denn schrecklich ist es, in die Hände des lebendigen. Gottes zu fallen." Aber verzweifle nicht: das Kreuz predigt auch die unendliche Barmherzigkeit Gottes, der seinen eingebornen Sohn zum schmerzlichsten und schimpflichsten Tode für uns Sünder hingegeben hat. Jesus, der gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren war, der für seine Feinde und für dich am Kreuze betete und dem reuigen Schächer das Paradies versprach, er kann keinen Sünder, der reuig zu ihm zurückkommt, verstoßen. ,, Seine ganze Gestalt verkündigt Liebe," sagt der heilige Augustin, und ladet dich zur Gegenliebe ein: das Haupt geneigt, dir den Kuß des Friedens zu geben, die Arme ausgespannt, dich zu umfangen, das Herz geöffnet, dir Zutritt zu demselben zu geben." - Gebet. mein Jesu, so hast Du also für mich Dein Leben gelassen! Du stirbst nicht auf einem Bette, nicht in einem Hause, sondern am harten Kreuzholze, unter freiem Himmel. Du hast feinen Strohhalm, darauf zu liegen, Dein Hauptfissen ist die Dornenkrone, Dein Bett der Kreuzbalken, Deine Labung Galle und Essig, Deine Gesellschaft zwei Mörder, Dein letzter Trost das Gespött der Juden. Von Gott und Menschen verlassen fehlt Dir aller Trost, alle Hülfe. O mein Gott, Herr der Welt, so stirbst Du für uns fündige, undankbare Menschen! O Schauspiel, worüber die Felsen zersprangen und die Erde bebte! Möchte auch mein Herz vor Schrecken - 176 - über meine vielen Sünden erbeben, denn sie sind die Ursache Deines Todes. Ich bereue sie von ganzem Herzen. Verzeihung, mein Jesu! Du bist die Versöhnung für unsere Sünden. Laß meine Seele nicht zu Grunde gehen, die Dir so viel gekostet hat. Ich danke Dir, o Jesu, für Deinen Tod für mich und opfere Dir denselben für meine Sünden auf. Wenn ich dereinst in Todesnöthen liegen werde, so gedente Deines bittern Todes und verleihe mir durch die Kraft desselben ein seliges Ende. Amen. 38. Betrachtung. Die Oeffnung der Seite Jesu. ,, Damit die Körper am Sabbath nicht am Kreuze blieben, baten die Juden den Pilatus, daß ihre Beine gebrochen würden und sie abgenommen werden möchten. Da famen die Soldaten und zerbrachen die Gebeine des Einen und des Andern, die mit ihm gefreuzigt waren. Als sie zu Jesus kamen und sahen, daß er schon gestorben sei, zerbrachen sie seine Beine nicht, sondern einer von den Soldaten öffnete scine Seite mit einem Speere, und sogleich kam Blut und Wasser heraus." ( Joh. 19, 31.) 11 Unterdessen," erzählt dies 2. Katharina Emmerich, ,, war es still und traurig auf Golgatha. Alles Volk hatte sich furchtsam zerstreut und ver 177 borgen. Die Mutter Jesu, Johannes, Magdalena, Maria Cleophä und Salome standen und saßen mit verhüllten Häuptern dem Kreuze gegenüber und trauerten. Da zogen sechs Schergen heran. Sie hatten Leitern, Schaufeln und Stricke bei sich und schwere dreieckige Eisenkolben zum Zerschmettern der Gebeine. Sie zerschmetterten nun mit ihren schneidenden Eisenstangen die Arme der Schächer, unter einem furchtbaren Gebrüll des Gesmas, dem sie durch drei Stöße noch die Brust einstießen. Dismas wimmerte und starb unter der Marter und war der erste Sterbliche, der seinen Erlöser wiedersah. Sie schienen noch an dem Tode des Herrn zu zweifeln und die heilige Jungfrau war in neuer, schmerzvoller Angst, die Schergen möchten den Leib Jesu noch mißhandeln. Aber Cassius, nachher Longinus genannt, der Unterofficier, wurde plötzlich von einem wunderbaren Eifer ergriffen und wurde Erfüller einer Prophezeiung. Er ergriff seine Lanze, wendete sein Pferd und trieb es gegen den Kreuzeshügel hinan. So zwischen dem Kreuze des guten Schächers und Jesu Kreuz haltend, zur Rechten Jesu, faßte er die Lanze mit beiden Händen und stieß sie mit solcher Heftigkeit aufwärts in die hohle, gespannte rechte Seite Jesu durch die Eingeweide und das Herz, daß ihre Spiße an der linken Brust eine kleine Wunde öffnete, und indem er die Lanze mit Ungestüm zurückriß, stürzte aus der weiten Wunde ein reicher Strom von Blut und Wasser nieder und überströmte sein aufwärts 12 1 - 178- - - gerichtetes Angesicht mit Heil und Gnade. Er sprang vom Pferde, fiel auf die Kniee, schlug an die Brust und bekannte Jejum laut vor den Anwesenden. Die heilige Jungfrau und die Anderen, deren Blicke stets auf Jesus emporgerichtet waren, sahen die plößliche Handlung dieses Mannes mit Angst an und begleiteten den Stoß seiner Lanze mit einem Wehegeschrei, indem sie zu dem Kreuze hinanstürzten. Maria, als habe der Stoß ihr eigenes Herz durchbohrt, sank in die Arme ihrer Freundinnen nieder, während Cassius auf den Knieen lag und freudig Gott lobte, denn er glaubte, und die Augen seines Geistes waren erleuchtet. Sogleich ergriff Alle die ehrerbietigste Rührung vor dem Blute des Erlösers, das schäumend, mit Wasser vermischt, sich in einer Vertiefung des Felsenbodens unter dem Kreuze gegesammelt hatte. Maria, Cassius, die heiligen Frauen und Johannes schöpften das Blut und Wasser mit Trinkschalen in Flaschen und trockneten es mit Tüchern auf. Mein Christ, verehre andächtig die heilige Seitenwunde Christi und bitte durch das geöffnete, liebreichste Herz deines Heilandes, wie auch durch das Blut und Wasser, das daraus geflossen, um ein reines, reumüthiges und Gott allein stets liebendes Herz. In dem Wasser und Blute, das aus der heiligen Seitenwunde floß, erblicken mehrere heilige Väter die geheimnißvolle Andeutung der beiden 179 heiligen Sacramente, der Taufe und des Altars, als die vorzüglichsten Gaben seines durch den Tod der Liebe gebrochenen Herzens.„ Es heißt nicht," sagt der heilige Augustinus, ,, er verwundete die Seite, sondern er öffnete sie, damit auf gewisse Weise jene Thür des Lebens eröffnet werde, woraus die Sacramente flossen, ohne die man nicht zum wahren Leben kommt." Daher haben die heiligen Geheimnisse ihren Ursprung. ,, Wenn du daher zum erhabenen Kelche hinzutrittst," sagt der heilige Chrysostomus, so gehe hinzu, als würdest du von der Seite Christi selbst trinken." Gott ließ die Eröffnung der Seite auch deswegen zu, damit Niemand an dem wirklichen Tode Jesu zweifeln könne, denn wäre er nur scheintodt gewesen, so mußte dadurch der Tod nothwendig erfolgen. Durch die Geißelung, Krönung und Kreuzigung hatte Jesus beinahe alles Blut vergossen. Nun läßt er noch seine heilige Seite und sein heiliges Herz durchstechen, damit er den letzten Tropfen seines Herzblutes für dich vergieße. So freigebig ist er gegen dich, und wie geizig bist du gegen ihn! Wo ist Jemand, der dich so geliebt hat? Sünder, sieh', sein Herz ist für dich geöffnet, damit du da einkehrest und durch Reue und Buße Verzeihung und Stärkung findest. Du Geistestrockener, fehre dort ein und trinke das Wasser des ewigen Lebens. Du Mühseliger und Beladener, du Unruhiger und Schwacher, fehre dort ein und du wirst Erquickung, Ruhe und Stärke 12* - 180 finden. wenn du einmal vollkommen eingegangen wärst in das Herz Jesu und ein wenig von seiner brennenden Liebe verfostet hättest, so würdest du dich um eigenen Vortheil oder Nachtheil nichts fümmern, sondern vielmehr über zugefügte Schmach dich freuen und wie Petrus auf Tabor, dich selbst und alles Andere vergessend, vor himmlischer Wonne ausrufen: ,, Hier ist gut sein, hier laßt uns eine Hütte bauen!" Gebet. Sei gegrüßt, du gebenedeite Seitenwunde und Du heiliges Herz meines Erlösers, Du Quelle der Liebe, Du Zuflucht und süße Ruhe meiner Seele, sei gegrüßt und gepriesen! Durch Deine heilige Seitenwunde nahe ich mich Deinem allerheiligsten Herzen. O göttliches Herz. sieh', mein Herz ist Finsterniß, in Dir wohnt die Fülle des Lichtes und der Weisheit, mein Herz ist schwach, in Dir wohnt die Allmacht, mein Herz ist furchtsam und niedergeschlagen, in Dir wohnt himmlische Ruhe und Freude, mein Herz dürftet nach Seligkeit, Du bist der Urquell aller Seligfeit. Erleuchte also mein blindes Herz, stärke mein schwaches und sättige mein dürftendes Herz! Reinige mein sündhaftes Herz durch das Blut und Wasser, das aus Dir geflossen, vom Schmuße der Sünde. Drücke ihm ein die Gesinnungen Deines heiligen Herzens und entzünde in mir das Feuer Deiner Liebe, damit ich hinfüro nichts Anderes als Dich suche und liebe. Amen. - 181- 39. Betrachtung. Der Leichnam Jesu wird vom Kreuze genommen und in den Schooß Mariä gelegt. Gegen Abend kam ein reicher Mann von Arimathäa, ein angesehener Rathsherr, mit Namen Joseph, der in ihren Rath und in ihr Thun nicht eingestimmt hatte, weil er ein Jünger Jesu war, aber ein heimlicher, aus Furcht vor den Juden. Er ging herzhaft zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. Als Pilatus von dem Hauptmanne erfuhr, daß er gestorben sei, schenkte er den Leichnam Jesu dem Joseph. Dieser nahm den Leichnam Jesu vom Kreuze. Es fam aber auch Nikodemus und faufte eine Mischung von Myrrhe und Aloe, gegen 100 Pfund, um den Leichnam zu salben. Joseph faufte reine Leinwand zum Einwickeln des Leichnams.( Joh. 19. 38.) ,, Sie begannen nun in großer Trauer und Ehrerbietung," sagt die begnadigte A. Katharina Emmerich, das heilige Liebeswerk der Kreuzabnahme und der Leichenbereitung ihres Herrn und Erlösers. Die Abnahme Jesu war unbeschreiblich traurig. Sie thaten Sie thaten Alles so vorsichtig und schonend, als fürchteten sie, dem Herrn Schmerzen zu verursachen. Sie waren von Liebe und Ehrfurcht gegen den heiligen Leichnam durchdrungen. Alle waren still, und es sprachen die arbeitenden Männer, als seien sie in der heiligsten Handlung, nur wenig und halblaut mit einander. Als die 1 182 Hammerschläge erklangen, wodurch die Nägel herausgetrieben wurden, waren Maria und Magdalena und die Uebrigen von neuem Schmerze ergriffen, denn der Klang dieser Schläge erinnerte sie an die grausame Annagelung Jesu, und sie zitterten, das helle Wehgeschrei Jesu wieder zu hören. Sie legten den herabgenommenen Leib des Herrn auf dem Tuche in die Arme seiner Mutter, die sie ihm mit Schmerz und Sehnsucht entgegenstreckte. Sie saß auf der ausgebreiteten Decke, ihr rechtes Knie etwas erhöht, und ihr Rücken ein wenig angelchnt. Das heilige Haupt Jefu war gegen ihr etwas erhobenes Knie gelehnt, und der Körper lag auf dem Tuche ausgestreckt. Der Schmerz und die Liebe der heiligen Mutter waren gleich groß. Sie sah nun die schreckliche Mißhandlung und die Wunden in der Nähe, fie füßte die blutigen Wangen. Sie nahm die Dornenkrone behutsam vom Haupte Jesu und legte sie zu den Nägeln. Man konnte das Angesicht des Herrn kaum mehr erkennen, so war es durch Blut und Wunden entstellt. Maria wusch das heilige Haupt und Angesicht und weichte das vertrocknete Blut mit nassen Schwämmen aus den Haaren, und ach, immer unter dem Waschen ward die grausame Mißhandlung Jesu sichtbar. Sie scheitelte das wenige noch übrige Haupthaar. Dann wusch sie auch alle seine noch übrigen Wunden und reinigte sie. Hierauf begann sie vom Haupte an alle Wunden zu falben. Darauf drückte sie die halbgebrochenen ― 183 Augen Jesu zu, schloß den Mund des Herrn, umarmte den heiligen Leib ihres Sohnes und ließ ihr Angesicht auf das seinige sinken. Hierauf wickelten die Männer den heiligen Leib in Spezereien und leinene Tücher. Die heiligen Frauen umgaben ihn noch immer weinend und wehklagend, umarmten ihn, füßten ihn nochmals und nahmen dann rührenden Abschied von ihm." O wie groß war der Schmerz dieser heiligen Mutter! Sie liebte ihren Sohn mit unaussprechlicher Liebe, darum war ihr Schmerz unbeschreiblich. Ach, sie hat nun verloren ihren einzigen, besten, göttlichen Sohn, ihre einzige Freude, ihren einzigen Trost, sie hat ihn verloren durch die schimpflichste Todesart, unter den ausgesuchtesten Qualen. Sie hat aber ihren Sohn, das Liebste, freiwillig hingegeben für dich, o meine Seele, damit du erlöst und ewig selig würdest. Liebe diese deine gute Mutter, die dich so sehr geliebt hat und noch liebt, mit dankbarer Liebe wieder. Mit ihr betrachte oft die Wunden deines Erlösers und erkenne in ihnen, wie unaussprechlich lieb und werth du dem allerhöchsten Gott warst. Gebet. Ich bemitleide dich, meine geliebte Mutter Maria, wegen des Schwertes der Schmerzen, das deine Seele durchdrang, als du deinen geliebten Sohn todt in deinen Armen hielteſt. Ich danke dir, o gütige Mutter, daß du aus Liebe zu mir deinen Sohn zum bittersten Tode aufgeopfert hast. Wie schmerzt es mich, daß ich dir durch meine Sünden, die die Ursache seines - 184 Todes waren, so großes Leid verursacht habe! Und habe ich bisher als undankbares Kind deinem Mutterherzen Weh bereitet, so will ich von nun an die Sünde meiden und ein gutes, dir gehorsames Kind werden. Aber, theuerste Mutter, ich bin schwach, stärke mich. Fleisch, Welt und Teufel wollen mich dir und deinem göttlichen Sohne entreißen, schüße mich. In Trübsalen tröste, in Gefahren und Versuchungen rette mich. Wenn einst der Tod herannaht, wenn Todesschrecken mich ängstigen, Todesschweiß mich bedeckt, meine Glieder erstarren, meine Augen anfangen, zu brechen, wenn ich Alles hier verlassen muß und Niemand mir helfen kann, dann, o barmherzige Mutter, verlaß nicht dein Kind, ich beschwöre dich bei den Wunden deines Sohnes, in der größten Noth, sondern erflehe mir die endliche Beharrlichkeit, damit ich reumüthig, liebend und hoffend sterbe, um mit dir und deinem göttlichen Sohne ewig zu leben! Amen. 40. Betrachtung. Das Begräbniß Jesu. Nicht weit vom Kalvarienberge besaß Joseph von Arimathäa einen Garten und in demselben ein neues Grab, in einen Felsen gehauen, in welches noch Niemand gelegt worden war. Dort wollte Joseph den Herrn begraben. Die Männer - 185 legten nun den heiligen Leib auf eine lederne Tragbahre und deckten eine braune Decke darüber. Nikodemus und Joseph trugen die vorderen Stangenenden auf den Achseln, hinten trugen Abenadar und Johannes. Hierauf folgte Maria, Magdalena und die übrige Schaar der Frauen. Es schritten ein Paar Soldaten mit Fackeln voraus, denn man, mußte in der Grabhöhle Licht haben. So zogen sie etwa sieben Minuten weit, in leisem, wehmüthigen Tone Psalmen singend, nach dem Grabgarten hin. Vor dem Grabe angekommen hoben sie den heiligen Leib von der Bahre. Nikodemus und Joseph trugen ihn in die Grabhöhle. Sie war noch neu und von den. Dienern des Joseph gereinigt und ausgeräuchert worden. Nun erwiesen sie dem heiligen Leibe mit Thränen und Umarmungen noch ihre Liebe und traten aus der Höhle. Es ging die heilige Jungfrau hinein und setzte sich auf das Grablager nieder und beugte sich weinend über den Leichnam ihres Kindes. Als sie die Höhle verließ, eilte Magdalena in dieselbe. Sie hatte im Garten Zweige und Blumen gebrochen, die sie über den heiligen Leib ausstreute. Sie rang die Hände und umfaßte weinend die Füße Jesu. Da aber die Männer draußen zum Schlusse ermahnten, begab sie sich zu den Frauen zurück. Die Männer schlossen die Grabthür und wälzten einen großen Stein vor die Thür des Grabes. Betrachte, mein Christ, die Verlassenheit und Trauer Mariä, der Jünger und Anhänger Jesu. Ach, der beſte 186- - Vater, Lehrer, Freund und Meister ruht im Grabe. ,, Am andern Tage versammelten sich die Hohenpriester und Pharisäer bei Pilatus und sprachen: ,, Herr, wir haben uns erinnert, daß jener Verführer, als er noch lebte, gesagt hat: ,, Nach drei Tagen werde ich wieder auferstehen." Befiehl also, daß man das Grab bis auf den dritten Tag bewache, damit nicht etwa seine Jünger fommen und ihn stehlen und dem Volke sagen: ,, Er ist von den Todten auferstanden," und so der letzte Betrug ärger würde, als der erste." Pilatus sprach: Ihr sollt eine Wache haben. Geht, haltet Wache, wie es euch gut dünft." Sie aber gingen hin, verwahrten das Grab mit Wächtern und versiegelten den Stein."( Matth. 27, 62-66.) ,, Die Wache," sagt die gottselige Nonne A. Katharina Emmerich, setzte sich der äußern Grabthür gegenüber. Es waren abwechselnd fünf bis sechs Mann da. Sie hatten Feuerkörbe auf Stangen mitgenommen, um in der Nacht Alles bemerken zu können. Der Leib des Herrn aber ruhte, von Licht und Glanz umgeben, zwischen zwei anbetenden Engeln." Joseph und Nikodemus bestatten den Leichnam Jesu mit tiefster Verehrung und innigstem Mitleiden, sie kaufen 100 Pfund Aloe und Myrrhen und seine Leinwand, sie scheuten feine Kosten, um Jesus zu ehren. Freigebigkeit gegen Christum, was sie auch immer fosten mag, ist ein Gewinn. Für fromme Zwecke Geld ausgeben, bringt Glück und Segen. 187 Die Leiber der Verbrecher wurden gewöhnlich auf ehrlose Weise verscharrt. Die Juden hätten es gern gesehen, daß dies auch bei Jesus geschehen wäre. Allein der himmlische Vater nahm die Ehre seines geliebten Sohnes in Schuß. War auch sein Tod ein überaus schimpflicher, so sollte sein Grab nach der Weissagung des Propheten Isaias ein glorreiches sein. Obschon sein Grab unter der Herrschaft der Türken sich jetzt befindet, so ist es bis auf den heutigen Tag glorreich und wird von allen Christen hoch verehrt. So verehrt und verherrlicht Gott nach dem Tode Diejenigen, welche ihm im Leben treu gedient und ihn geehrt haben. So war es bei allen Heiligen. Gott verherrlicht sie durch zahllose Wunder, die an ihren Gräbern geschehen. Vertraue also bei Leiden und Demüthigungen auf Gott. Solltest du auch als der Letzte gehalten werden, sollten Schmach und Hohn gleichsam dein tägliches Brod sein, harre geduldig im Vertrauen auf Gott aus, er wird deine Schmach in Ehre verwandeln. Je größere Schmach und Verachtung du um Gottes willen erleidest, um so größer wird deine Ehre und Verherrlichung wenigstens nach dem Tode sein. Denke an das Wort des Herrn: ,, Die Letzten werden die Ersten sein!" - - Gebet. Vor Deinem heiligen Grabe falle ich demüthig nieder, o Jesu, und verehre Deinen heiligen Leichnam. Wie entstellt und verwundet ist er! O wie bitterlich wurdest Du von Deiner Mutter beweint, wie schmerzlich von Deinen - 188 - Freunden beklagt! Ach, daß mein Herz so bewegt wäre, wie ihre Herzen, und daß ich wie sie Deinen bittern Tod empfinden möchte! Ich bitte Dich, o Jesus, durch Deinen Tod und Dein Begräbniß, erwecke mich vom Tode der Sünde und führe mich aus dem Grabe der bösen Gewohnheiten. Laß mich erkennen, daß alle Herrlichkeit am Grabe endigt. Auch mich wird man bald zu Grabe tragen. Heute lebe ich noch und vielleicht morgen nicht mehr, wenigstens in Kurzem werden die Tage meiner jeßigen Pilgerschaft zu Ende gehen. Dann werde ich gehen entweder in das ewige Leben, oder in die ewige Qual. Wenn ich ohne die Liebe Gottes heimgehe, was werden mir dann im Tode nußen Reichthümer, Ehre, Ansehen, Kleiderpracht, Schönheit, Vergnügungen und Bequemlichkeiten des Lebens? Zu wie großem Troste werden mir im Tode dienen die Bewachung meiner Sinne, die Bezähmung meiner Zunge, die Abtödtung, die Geduld in Widerwärtigkeiten, die Demuth im Glücke, die Beharrlichkeit im Gebete, die gute Meinung bei den Werfen und das fortgejezte Streben nach Vervollkommnung! Herr Jesu, drücke doch diese Wahrheiten tief in meine Seele ein, damit ich nicht an dieser Welt hange, sondern daß die Welt mir gefreuzigt sei und ich der Welt, daß ich in Deiner Nachfolge lebe und sterbe! Maria, durch deinen Schmerz und deine Thränen beim Begräbniß deines göttlichen Sohnes erbitte mir diese Gnade. Amen - 189 41. Betrachtung. Vorbereitungsgebet II Seite 1. Die Auferstehung Jesu. ,, Er ist auferstanden, wie er gesagt hat!" So sprachen die Engel zu den Frauen, die am Ostermorgen früh zum Grabe kamen, um Jesum zu salben. ,, Er ist auferstanden!" Eine fröhlichere Botschaft ist nie gehört worden. Ostern ist das höchste Freudenfest, das Fest der Feste nennen es die heiligen Väter. Alleluja, er ist auferstanden! Der Teufel und die Hölle ist besiegt, seine Feinde sind zu Schanden geworden, die Sünde ist getilgt, unsere Erlösung vollbracht, wir sind wieder Kinder Gottes und Erben des Himmels geworden Wir werden mit und durch Christus siegen und, wenn wir ihm treu anhangen, glorreich auferstehen. Freue dich und frohlocke, du allerfeligste Jungfrau, Alleluja, denn der Herr ist wahrhaftig wieder auferstanden, Alleluja! Wie groß war die Freude Mariä am Osterfeste! So groß ihr Schmerz, ihre Trauer und Theilnahme bei den Leiden ihres Sohnes waren, so groß ist jetzt ihre Freude über den Sieg und die Verherrlichung ihres Sohnes. Wie groß war die Freude seiner Jünger! Der Hirt war erschlagen und die Schafe zerstreut. Sie waren so traurig, daß sie ihren geliebten Meister durch den schimpflichsten Tod am Kreuze verloren, sie hielten sich aus Furcht vor den Juden verborgen und gaben fast alle 190 Hoffnung auf. Freuet euch, er ist wieder auferstanden, wie er vorhergesagt hat, er hat gesiegt. Sieh', er erscheint euch, er redet mit euch, er tröstet euch.„ Da wurden die Jünger froh, als sie den Herrn sahen." Alleluja! Freuet euch, ihr leidenden, betrübten Christen, die ihr verfolgt, unterdrückt und gefästert wurdet, die ihr einen schweren Kampf gegen die Versuchungen bestehen müßt, freuet euch am Ostermorgen. Christus mußte durch Leiden in seine Herrlichkeit eingehen. Nur kurze Zeit Geduld. Auf den Charfreitag folgt das Osterfest. Eure Leiden werden in Freuden verwandelt, und wenn ihr kämpft, werdet ihr ge= frönt werden. Fürchtet nicht mehr den Tod, denn Christus hat ihm die Bitterfeit genommen. Schön sagt die Kirche in der Osterpräsation: ,, Wahrlich ist es würdig und recht, billig und heilsam, daß wir Dich zwar immer, aber ganz besonders in dieser Zeit glorreich preisen, da unser Osterlamm, Christus, geopfert ist. Denn er ist das wahre Lamm, welches hinwegnahm die Sünden der Welt, welches unsern Tod durch seinen Tod vernichtete und durch seine Auferstehung das Leben wiederherstellte." In den kirchlichen Tagzeiten fordert die Kirche uns wiederholt zur Freude auf: ,, Dies ist der Tag, den der Herr gemacht, laßt uns frohlocken und uns freuen an demselben." O wenn wir gläubig das große Geheimniß dieses Tages in seinen Folgen für uns erfassen und betrachten, 191 - dann muß unser Herz freudig schlagen und aufjubeln: ,, Alleluja! Er ist auferstanden!" Denn Christus ist als Sohn Gottes, als Herr und Heiland der Welt beglaubigt, unser Glaube ruht auf festem Grunde, unsere Hoffnung hat sichere Bürgschaft. Darum haben seit achtzehn Jahrhunderten Millionen Christen auf der ganzen Welt den Sieger auf Golgatha gepriesen und ihm Loblieder gesungen und werden es thun, so lange die Welt steht, ja, die ganze Ewigkeit hindurch! Gebet. O glorreich von den Todten auferstandener Jesu, ich falle vor Dir nieder und bete Dich an, Du Sieger über die Hölle, Deine Feinde, die Sünde und den Tod. Im Namen aller Engel und Heiligen grüße und lobpreise ich Dich wegen Deiner glorreichen Auferstehung und Deines Sieges. Wie freut sich mein Herz Deines Sieges und Deiner Herrlichkeit! Gib, daß ich Dir stets diene, Dir nachfolge, damit ich Deiner Verdienste und Deiner Herrlichkeit theilhaftig werde. O glorwürdige Jungfrau Maria, ihr heiligen Engel, ihr heiligen Seelen der Altväter, ich wünsche euch Glück zu der Freude, die ihr über die Auferstehung Christi empfunden habt, und bitte euch durch dieselbe, daß ich mit euch den auferstandenen Heiland hier auf Erden und in der Ewigkeit preisen möge. Amen. 1 192 - 42. Betrachtung. Vorbereitungsgebet II Seite 1. Wie Christus auferstand. Beim Grabe des Herrn," sagt die gottselige A. Katharina Emmerich, war Alles still. Etwa sieben Wächter saßen und standen umher. Die Feuerkörbe vor dem Grabe warfen einen grellen Schein umher. Der Leib des Herrn lag unverändert eingehüllt und von Lichtglanz umgeben zwischen zwei Engeln, welche in priesterlicher Gestalt mit auf der Brust gefreuzten Armen zu Häupten und Füßen in stiller Anbetung knieten. Da war es, als träte die Seele des Herrn mit den erlösten Geistern der Altväter durch den Felsen zu dem Grablager hin und lasse sie die ganze Mißhandlung seines heiligen Marterleibes erkennen. Er zeigte ihnen seine Verwundung und Schmerzen bis in die innersten Theile. Die Seelen waren in unaussprechlicher Ehrfurcht und schienen vor Mitleid zu beben und zu weinen. So wandelte nun der Zug des Herrn den ganzen Kreuzweg. Es wurde den Seelen die ganze Marter und Mißhandlung Jesu gezeigt. Die Engel sammelten auf geheimnißvolle Weise die heiligen Blutstropfen auf, welche der Herr in seinem Leiden vergossen hatte. Nach dem Sabbath, als der Morgen ant ersten Tage der Woche anbrach, schwebte die Seele Jesu, wie ein großer Glanz, zwischen zwei Engeln 193 in friegerischer Haltung und von vielen Lichtgeſtalten umgeben, von oben durch den Grabfelsen auf seinen heiligen Leichnam nieder. Es war, als beuge sie sich über denselben und verschmelze mit ihm. Jetzt bewegten sich die Glieder in der Einhüllung und der leuchtende, lebende Leib des Herrn, mit der Seele und Gottheit durchdrungen, ging aus der Leichenverhüllung hervor. Alles war Licht und Glanz. Der Herr hatte die Siegesfahne in der Hand und schwebte leuchtend durch den Felsen. Die Erde bebte und es fuhr ein Engel vom Himmel, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Seine Gestalt war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee. Es war eine solche Erschütterung, daß die Feuerkörbe der Wächter schwankten und die Flammen umherfuhren. Die Wächter fielen vor Schrecken betäubt umher und waren wie todt. In dem Augenblicke, als der Engel zu dem Grabe niederfuhr und die Erde bebte, erschien der auferstandene Herr seiner Mutter. Er war ungemein schön, ernst und leuchtend. Sein Gewand, wie ein breiter Mantel um die Glieder geschlagen, wehte ihm, wenn er wandelte, mit einem Ende in der Luft spielend, nach und schimmerte blauweiß, wie Rauch im Sonnenschein. Seine Wunden waren groß und glänzten. Er zeigte ihr seine Wunden und als sie niedersant, seine Füße zu füssen, faßte er sie bei der Hand, erhob sie und verschwand. Gebet. O glorreich von 2c.( Seite 191.) 13 - 194 - 43. Betrachtung. Jesus erscheint den Seinigen nach seiner Auferstehung. Maria Magdalena, Maria, des Jacobus Mutter, und Salome fauften Specereien und gingen Morgens, am Sonntage, früh zum Grabe, um Jesum zu salben. Sie beredeten sich, wer den großen Stein vom Grabe wälzen würde. Als sie im Garten ankamen und nach dem Grabe hinblickten, sahen sie es offen und den Stein weggewälzt. Sie sahen aber Niemanden. Der Engel, der wie der Blitz vom Himmel gekommen, die Wächter erschreckt und vom Grabe entfernt hatte, war in das Grab getreten, damit sein Anblick die Frauen nicht zurückschrecke, in das leere Grab hineinzugehen. Als Magdalena das Grab offen sieht, läuft sie, bestürzt und in der Meinung, der Leichnam Jesu sei weggenommen, zurück und spricht zu Petrus und Johannes: ,, Sie haben den Herrn aus dem Grabe weggenommen!" Die übrigen Frauen aber gingen in das Grab hinein, sahen zwei Engel in weißen Kleidern. Sie erschracken. Der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht. Ihr suchet Jesum von Nazareth, den Gefreuzigten. Er ist auferstanden und nicht hier. Gehet eilends hin und saget es seinen Jüngern und dem Petrus, daß er auferstanden ist. Sehet, er geht vor euch her nach Galiläa, da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat." Sie gingen mit Furcht und großer Freude vom Grabe weg, 195 um dies den Jüngern zu verkündigen. Auf die Nachricht der Magdalena liefen Petrus und Johannes zum Grabe. Sie sahen im Grabe die leinenen Tücher liegen, das Tuch, das um sein Haupt gewesen, lag an einem andern Orte zusammengewickelt. Erstaunt und ohne zu einem sicheren Urtheile zu kommen, gehen sie wieder nach Hause. Unterdessen war Magdalena wieder zum Grabe gelaufen, stand vor demselben und weinte. Als sie in das Grab schaute, sah sie zwei Engel, die sprachen: ,, Weib, was weinst du?" ,, Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben." Sie fehrt sich um und sieht Jesum stehen, den sie nicht erkennt und für den Gärtner hält. Jesus spricht: ,, Weib, was weinst du, wen suchst du?" ,, Herr, hast Du ihn weggenommen, so sage es mir, wo Du ihn hingelegt hast, ich will ihn wiederholen." Jesus spricht: ,, Maria!" Da fehrt sie sich um, erkennt ihn und spricht: ,, Rabboni," d. h. Meister. Darauf begegnete er den übrigen Frauen, welche hingingen, den Jüngern die Erscheinung der Engel zu verkündigen, und sprach: ,, Seid gegegrüßet!" Sie umfaßten seine Füße und beteten ihn an. Fürchtet euch nicht," sprach er, ,, gehet hin und verkündiget es meinen Brüdern, daß sie hingehen nach Galiläa, da werden sie mich sehen." Als Magdalena und die Frauen es den Jüngern verkündigten, daß sie den Herrn gesehen, so kam ihnen dieses wie ein Märchen vor und sie glaubten 13* - 196- "" ihnen nicht. Auch dem Petrus ist der Herr erschienen. Da glaubten sie, denn sie sprachen zu den beiden von Emmaus zurückkehrenden Jüngern: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und dem Simon erschienen." Wie er den beiden Jüngern, die nach Emmaus gingen, erschien, wie er mit ihnen redete und wie sie ihn am Brodbrechen erkannten, erzählt so schön das Evangelium des Oftermontages. Die fünfte Erscheinung war am Abende des Auferstehungstages. Als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Thüren verschlossen hielten, stand Jesus mitten unter ihnen und sprach: Der Friede sei mit euch. Ich bin es, fürchtet euch nicht." Dann redete er mit ihnen, zeigte ihnen seine Hände und Füße und aß mit ihnen und gab ihnen die Vollmacht, Sünden zu vergeben. Thomas aber war nicht bei ihnen, als Jesus erschien. Obschon die Jünger ihm Alles erzählten, wollte er doch nicht eher glauben, als bis er das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und seinen Finger hineinlege und seine Hand in die Wunde seiner Seite. Nach acht Tagen erschien Jesus seinen Jüngern, als Thomas bei ihnen war. Das war die sechste Erscheinung. Er ließ den Thomas das Mal der Nägel seiner Hände sehen, den Finger hineinlegen und die Hand in die Seitenwunde. Da glaubte Thomas, indem er sprach: ,, Mein Herr und mein Gott!" Das siebente Mal erschien er ihnen am Meere von Tiberias, als die Jünger dort fischten und 197 auf den Befehl Jesu das Netz auswarfen und einen reichen Fischfang thaten. Hier übertrug er dem Petrus das Hirtenamt mit den Worten: ,, Weide meine Lämmer, weide meine Schafe!" - Das achte Mal erschien er ihnen auf einem Berge in Galilä, wohin er seine Jünger beschieden hatte. Hier erschien er mehr als 500 Brüdern zugleich, gab seinen Jüngern den Auftrag, alle Völker zu lehren und zu taufen. Das neunte und letzte Mal erschien er ihnen, als er vor ihren Augen gen Himmel fuhr. Jesus erschien so oft seinen Jüngern, redete mit ihnen, belehrte sie und aß mit ihnen, ließ sich sogar betasten, damit sie von seiner Auferstehung überzeugt würden. Der Magdalena erschien der Herr zuerst, dem Petrus vor den übrigen Aposteln. Beide hatten sehr gesündigt: Magdalena war eine verschrieene Sünderin gewesen, Petrus hatte den Herrn schändlich verleugnet. Aber Beide haben ihre Sünden bitterlich bereut, Buße gethan und den Heiland desto mehr geliebt. Deshalb hat Jesus dieselben durch seine Liebe vor den Andern ausgezeichnet. Hast du, o Christ, auch viel gesündigt, verzage nicht, beweine deine Sünden und liebe Jesus desto mehr: je mehr Sünden er dir verziehen hat, desto mehr liebe ihn wieder. Gebet. O Jesus, der Du dem Petrus und der Magdalena ihre Sünden verziehen und sie durch Deine Liebe ausgezeichnet hast, verzeihe auch mir, der ich Dich oft und schwer beleidigt habe. 198 Es schmerzt mich, daß ich Dein liebevolles Herz betrübt habe. Möchte ich Dich von nun an desto mehr lieben, Dich immer mehr und mehr lieben! Heiliger Petrus, heilige Magdalena! Ich bitte euch durch eure Liebe zu Jesus, preiset mit mir die Liebe und Erbarmung meines Herrn und bittet für mich, daß ich mit euch von nun an Jesus allzeit liebe, im Leben, im Tode und in der Ewigkeit! Amen. - 44. Betrachtung. Die Wahrheit der Auferstehung Christi. Ist Christus nicht auferstanden, so ist unsere Predigt vergeblich, vergeblich euer Glaube," schreibt der Apostel.( 1. Kor. 15.) Die Auferstehung Christi ist das größte Wunder, wodurch er seine Gottheit und die Wahrheit seiner Lehre bestätigt hat. Sie ist das Fundament unsers Glaubens. Darum ist diese Wahrheit, wie keine andere, durch unverwerfliche Zeugen bestätigt. Christus hat seine Auferstehung am dritten Tage nach seinem Tode seinen Jüngern und den Juden deutlich mehrmals vorausgesagt, ja, er berief sich darauf, zum Beweise der Wahrheit seiner Lehre, und daß er Macht habe, z. B. die Verkäufer aus dem Tempel zu treiben. Ich habe Macht, mein Leben hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen."( Joh. 10, 18.) 199 - Die Juden kannten seine Vorhersagung und ließen darum das Grab bis zum dritten Tage bewachen. Wäre er nun nicht wieder auferstanden, so waren seine Weissagungen falsch und man müßte ihn für den größten Betrüger halten, da er sich als Gott ausgab. Hätte er nicht sicher gewußt, daß er Macht habe, sich vom Tode zu erwecken, so wäre er der unvernünftigste Mensch gewesen, daß er solches vorhergesagt, da ja gleich nach seinem Tode der Betrug offenbar geworden wäre. Er ist seinen Jüngern nach seiner Auferstehung erschienen, nicht ein Mal, sondern neun Mal, nicht einer Person, sondern verschiedenen, allen seinen Aposteln zusammen, auf dem Berge in Galiläa mehr als 500 Menschen, nicht vorübergehend, sondern er hat mit ihnen geredet, gegefsen, sie unterrichtet, ihnen die Male der Nägel an seinen Händen und Füßen gezeigt und von Thomas antasten lassen. Diese Freunde Jesu waren gewiß nicht leichtgläubig. Die Apostel glaubten es den Frauen nicht und Thomas glaubte es den Aposteln nicht, daß der Herr auferstanden sei, bis sie ihn selbst gesehen hatten. Jeßt aber waren sie überzeugt, und diese unſtudirten Männer, vorher so furchtsam, treten öffentlich auf, werfen den Juden ihre Grausamfeit und Sünde vor, predigen seine Auferstehung ohne Scheu, verkündigen seine Macht im Himmel und auf Erden, obschon sic bei der Welt keinen Vortheil, sondern nur Verfolgung, Marter und Tod voraussahen. Wären sie so standhaft ge 1 200 wesen, wenn sie von der Auferstehung Jesu nicht ganz und gar überzeugt gewesen? Endlich geschahen durch die Apostel zum Beweise, daß Jesus auferstanden sei, solche Wunder, daß bald in Jerusalem, im Judenlande, in der ganzen Welt der Glaube an die Auferstehung Jesu angenommen wurde. Selbst die ärgsten Feinde Jesu haben zur Befestigung der Wahrheit der Auferstehung Jesu beigetragen. Sie ließen nämlich das Grab versiegeln und mit Soldaten bewachen. So mußte es geschehen, damit fein Betrug stattfinden könne und seine Auferstehung desto gewisser würde. Als nun die erschreckten Wächter in die Stadt flohen, brachten sie den Vorstehern die Nachricht von dem, was sich zugetragen hatte. Die ersten Verfündiger der Auferstehung Jesu sind also die Soldaten und seine Feinde erhalten diese Nachricht zu ihrer Beschämung zuerst. Welche Bestürzung, welche Angst! Sie versammeln sich und berathen, was zu thun sei. Was zu thun sei? An Jesus glauben, euern Irrthum und eure Sünde bekennen und bereuen! Aber das litt ihr Stolz nicht. Sie nehmen zur Bestechung und Lüge ihre Zuflucht; eine Sünde ist der andern Mutter. Sie gaben den Soldaten viel Geld und sprachen: ,, Saget: Seine Jünger sind bei Nacht gekommen und haben ihn gestohlen, da wir schliefen." Welche Dummheit! Wie können schlafende Wächter Zeugen sein? Im Schlafe sieht man ja nichts. Und haben die Apostel das öffentliche Siegel er - 201 brochen und einen solchen Diebstahl begangen, dann sind sie ja strafbar. Warum ergreift man sie nicht? Sie sind ja bei der Hand, warum straft ihr sie nicht Lügen, da sie die Auferstehung Jesu öffentlich predigen? Die Sache ließ sich so wenig leugnen, daß auf die erste Predigt Petri vom Tode und von der Auferstehung Jesu 3000, auf die zweite Predigt 5000 Menschen den Glauben an Jesus annahmen und sogar eine große Menge jüdischer Priester sich zu Christo bekehrte. ( Apst. 6, 7.) - Die Apostel und ihre Nachfolger, welche die Auferstehung Christi verkündigten, sind von Juden und Heiden auf den Tod verfolgt worden. Die heidnischen römischen Kaiser haben 300 Jahre lang diesen Glauben vergeblich zu vernichten gesucht. Millionen Menschen sind für diesen Glauben des Martertodes gestorben. Dieser Glaube hat sich immer weiter verbreitet. Gelehrte Männer, Könige und Fürsten, zuletzt sogar der römische Kaiser Constantin haben ihn angenommen. Die Welt ist christlich geworden durch den Glauben, daß Jesus von den Todten auferstanden, daß er also mehr als Mensch, daß er Gott und Mensch sei. Die großen Segnungen, welche die christliche Religion auf Erden verbreitet hat und noch immer verbreitet, sind eine sichere Bürgschaft für die Wahrheit der Auferstehung Christi. Denn da diese Religion auf der Thatsache der Auferstehung als auf einem unerschütterlichen Grundpfeiler ruht, so folgt nothwendig, daß diese Thatsache wahr ist. 202 Denn nur eine auf Wahrheit begründete Religion kann so glänzende Wirkungen der Heiligung und Beseligung hervorbringen, wie solche die katholische Kirche, aber auch nur sie, hervorgebracht hat. Gebet. Glorreich auferstandener, triumphirender König der Könige, lebendiger, ewiger Gott, Jesus Christus, ich glaube an Dich, ich bete Dich an. Alle Geschöpfe sollen Dich mit mir preisen, daß Du nicht nur am Kreuze wolltest sterben, um mich vom ewigen Tode zu erlösen, sondern auch in Herrlichkeit auferstehen, um mir die Herrlichkeit in Deinem Reiche zu bereiten. Du, dessen Reich kein Ende haben wird, sollst für immer mein Herr und König sein. Aendere mich ganz in Dich um, damit ich in Wahrheit sagen kann: ,, Was ich noch lebe im Fleische, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich dargegeben hat."( Gal. 2.) 45. Betrachtung. Die Auferstehung Christi stärkt unsern Glauben, unsere Hoffnung und Liebe. Da Christus wahrhaft von den Todten auferstanden ist, was nur ein Werk der Allmacht Gottes ist, so folgt, daß er allmächtig, daß er der Sohn Gottes ist. Ist er Gottes Sohn, so ist Alles, was er lehrte, wahr, ist untrügliches Wort Gottes, und wir müssen es, ohne zu zweifeln, - 203 glauben. ,, Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen." Nun hat er gelehrt, daß die Pforten der Hölle die Kirche nicht überwältigen werden, daß er bei seinen Aposteln und ihren Nachfolgern alle Tage bis an's Ende der Welt bleiben, daß er den heiligen Geist senden werde, der sie Alles lehren werde. Unser Glaube ist also sicher, wenn wir Alles glauben, was uns die katholische Kirche zu glauben lehrt, sei es in der Bibel geschrieben, oder nicht. Er lehrte, daß alle Menschen wieder auferstehen werden, daß er als Richter kommen wird und die Guten in das ewige Leben, die Bösen aber in die ewige Pein eingehen werden. Wie der Glaube, so wird auch unsere Hoffnung durch die Auferstehung Christi gestärkt. Da Christus von den Todten auferstanden ist, so fann man nicht mehr sagen, es sei noch keiner von der andern Welt zurückgekommen, der uns lehren könnte, was nach dem Tode auf uns wartet. Christus ist zurückgekommen und hat durch seine Auferstehung gezeigt, daß er Herr über Leben und Tod ist. Er hat seine Auferstehung und auch unsere einstige Auferstehung vorhergesagt. Wie seine Vorhersagung bei ihm eingetroffen ist, so gewiß wird sie auch bei uns eintreffen. Wir werden auferstehen und, wenn wir ihm treu dienen und mit ihm kämpfen, glorreich auferstehen, um die Stätte einzunehmen, die er uns, wie er vorhergesagt, im Himmel bereitet. ,, Sst Christus nicht auferstanden," schreibt St. Paulus, ,, dann seid ihr - 204 noch in euern Sünden."( 1. Cor. 15, 17.) Hat er den Tod, der eine Folge und Strafe der Sünde ist, nicht überwunden, so hätte er auch die Sünde nicht überwunden. ,, Wie Moses die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muß auch der Menschensohn erhöht werden, damit Alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, daß er die Welt richte( ihrer Sünden wegen verdamme), sondern daß die Welt selig werde durch ihn." Durch seine Auferstehung hat er sich als den Sohn Gottes bewiesen, der gekommen ist, zu suchen und selig zu machen, was verloren war." der den Vater versöhnt und unsere Sünden getilgt hat. Du kannst also sicher die Verzeihung deiner Sünden hoffen. Er hat gesagt: ,, Alles, um was ihr den Vater in meinem Namen bitten werdet, das wird er euch geben." Wer wird in Noth und Mangel kein Vertrauen haben auf Gott, der uns liebt und alle Haare des Hauptes gezählt hat? Christus ist auferstanden, durch ihn haben wir Zutritt beim Vater. ,, Christ ist erstanden* Von der Martern allen, Deß sollen wir Alle froh sein,* Christus will unser Tröster sein. Alleluja!" So singen wir Ostern. Christus hat gelitten und ist des schmerzlichsten und schimpflichsten Todes gestorben, aber er ist glorreich auferstanden. Er mußte durch Leiden in die Herrlichkeit eingehen. Gott hat ihn erhöht und ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, so daß sich in seinem Namen alle - 205 -- Kniee beugen müssen. So gewiß Christus auferstanden und in seine Herrlichkeit eingegangen ist, so gewiß werden auch deine Leiden und Trübsale in Freuden verwandelt werden. Ihr werdet traurig sein, aber eure Traurigkeit wird in Freude verwandelt werden, und eure Freude wird euch Niemand nehmen," sprach Christus zu seinen Jüngern. Auf Charfreitag folgt das fröhliche Osterfest. Auf kurze Leiden folgen ewige Freuden. Per crucem ad lucem, durch Leiden zu Freuden! So wahr Christus durch seine Auferstehung bewiesen hat, daß er Gottes Sohn ist, so gewiß ist es auch, daß der himmlische Vater mir das Liebste, das er besigt, aus Liebe geschenkt hat, und daß der Sohn Gottes aus Liebe für mich geſtorben ist, daß er mein Erlöser, Seligmacher, mein Bruder, Lehrer und Vorbild ist, daß ich nur durch ihn allein selig werden kann. Und diesen meinen himmlischen Vater und diesen meinen Heiland sollte ich nicht mit dankbarer Liebe wiederlieben? Gebet. Glorreich auferstandener, triumphirender König der Könige 2c.( Seite 202.) 1 206 1 46. Betrachtung. Christus hat die Hölle und seine Feinde bestegt. Christus hat durch seine Auferstehung den Teufel, die Hölle und die Juden, seine Feinde, überwunden und zu Schanden gemacht. Durch die Sünde war die Welt unter die Gewalt des Teufels gekommen. Groß war seine Macht vor Christi Tode. Ueberall sah man prächtige Tempel und Gößenbilder aufgestellt, wo ihm Weihrauch geſtreut wurde. Die Teufel redeten aus den Gößenbildern und schrieben vor, was die Menschen thun sollten. ,, Denn die Götter der Heiden sind böse Geister," sagt die heilige Schrift( Ps. 95, 5), die sich als Götter verehren ließen. Der Feind des Menschengeschlechts und sein Anhang benutzten den Gößendienst, um Gott die Ehre zu rauben und sich an seine Stelle zu sehen. Der Mord in den Menschenopfern, die Unzucht und der Betrug, die von jeher mit dem Gößendienste verbunden waren, zeugen hinlänglich, daß der unreine Lügengeist, der Mörder von Anbeginn, ihn beseelt habe. Als nun Christus auftrat und der Teufel erkannte, daß dieser sein Reich zu zerstören drohe und ihm Seelen entreiße, da wüthete die Hölle gegen ihn und stachelte die Juden an, daß sie ihn tödteten. Von Judas sagt die heilige Schrift, daß der Teufel in ihn gefahren sei. Und Christus sagte bei seiner Gefangennehmung: ,, Das ist eure Stunde und die Macht der Finsterniß." - 207 - Der teuflische Haß der Juden gegen Christus und ihre unmenschliche Grausamkeit gegen ihn läßt sich nur durch den Einfluß des bösen Feindes erklären. ,, Wenn der Starke bewaffnet( der Teufel) seinen Hof( die Welt) bewacht, so bleibt Alles sicher, was er hat. Wenn aber ein Stärferer ( Christus), als er, über ihn kommt und ihn überwindet, so nimmt er ihm seine ganze Waffenrüstung, auf welche er sich verließ, und vertheilt seine Beute."( Luc. 11, 21.) Gerade dadurch, wodurch der Teufel sein Reich befestigen wollte, durch den Tod Christi, ist er von seinem Throne gestürzt und hat sein eigenes Reich zerstört. Durch den Auftrag Christi: ,, Gehet in alle Welt und predigt das Evangelium," ist das mächtige Heidenthum vernichtet, sind die Gößentempel zerstört und die Gößenbilder in Trümmer gefallen. Christus, der Stärkere, hat ihm alle Macht ge,, Er ist." sagt der heilige Auguſtin, ,, ein an Ketten befestigter Hund. Bellen kann er, aber nicht beißen, außer denjenigen, der gebissen werden will." Er kann uns versuchen, aber nur, soweit es Christus zuläßt. Seine Anfechtungen können uns nicht schaden, sondern werden uns nüßen, wenn wir ihm widerstehen und, wie die Heiligen, ihn verachten und auslachen und ihn wie einen Kettenhund bellen lassen, da er uns nichts anhaben kann. Das Kreuzzeichen, ein Tropfen Weihwasser, ein Theilchen gesegneten Wachses, der heilige Name Jesu oder Mariä, eine Reliquie oder ein Bild eines Heiligen nommen. 208- - erfüllt ihn mit Schrecken und jagt ihn in die Flucht. Machet also oft das heilige Kreuzzeichen, besonders in Versuchungen und Gefahren, und lehret eure Kinder frühzeitig, das heilige Kreuzzeichen andächtig machen. Die gottlosen Juden beschlossen nach der Auferweckung des Lazarus, Christus zu tödten. Sie versammelten sich und sprachen: ,, Was thun wir? Dieser Mensch wirkt viele Wunder. Wenn wir ihn so lassen, werden Alle an ihn glauben. Seht, die ganze Welt läuft ihm nach. Die Römer werden kommen und unser Land und Volk wegnehmen."( Joh. 11, 47 Sie haben vollführt, was sie beschlossen, sie haben ihn an's schimpfliche Kreuz gebracht. Der Galiläer ist todt und begraben. Zur Vorsicht lassen sie das Grab versiegeln und bewachen. Die Bosheit hatte über die Tugend gesiegt. Aber wartet nur ein wenig, ihr Gottlosen! Am dritten Tage bringen die Wächter die Nachricht, daß er auferstanden sei. Welcher Schrecken und welche Beschämung! Bald darauf treten seine Jünger öffentlich auf und predigen, daß Jesus wirklich auferstanden und ihnen erschienen, daß er der Sohn Gottes, der Messias, der Urheber des Lebens sei, und daß man nur durch ihn selig werden könne, daß sie, die Juden, gesündigt, da sie ihn zum Tode gefordert hätten. Und sieh', Tausende nahmen den Glauben an ihn an. Was ihr verhüten wolltet, daß nicht Alle an ihn glauben und ihm nachlaufen, das habt ihr durch eure 209 Bosheit bewirkt. In allen Ländern hat sich der Glaube an ihn verbreitet. In Europa, Asien, America, Africa und Australien glaubt man an den Gekreuzigten, betet ihn an und verehrt ihn. Damit ihr Gesetz und Tempel nicht in Gefahr fomme, und daß die Römer ihr Land und Volk nicht wegnähmen, haben sie Jesus getödtet. Was sie aber verhindern wollten, ist geschehen durch Christi Tod. Die Römer sind gekommen als eine Geißel in der Hand Gottes, um die Juden für den Gottesmord zu strafen. Und wie entseßlich sind sie gestraft worden! Ihr Reich, ihr Priesterthum, ihre Ehre und Herrlichkeit haben sie verloren, von ihrem Tempel ist keine Spur geblieben. Sie wollten den Namen Jesu brandmarken durch den Kreuzestod und sie haben ihren eigenen Namen mit Schande bedeckt. Die Juden sind in die ganze Welt zerstreut, von allen Völkern verachtet und gehaßt. Sie irren und tragen mit sich die lebendige Schrift herum, womit gegen ihren Willen der Triumph und das Reich Christi verkündigt und gepredigt wird."( St. Augustin.) " 1 Dagegen wird Christus von so vielen Millionen in der ganzen Welt geehrt und angebetet. Die Dornen, die Lanze, Nägel und die übrigen Marterwerkzeuge werden öffentlich verehrt. Das Kreuz, damals schimpflich und verachtet, wird jetzt fußfällig verehrt, es prangt auf den Kronen der Könige und Kaiser. - - Gebet. Siegreicher Heiland! Du hast die boshafte Welt mit eben den Waffen überwunden, 14 - 210 — mit welchen sie Dich vernichten wollte. ,, Herrsche in Mitte Deiner Feinde!"( Ps. 109.) Wir wünschen Tir Glück zu Deinem Siege. Alle Zungen sollen bekennen, daß Du bist in der Herrlichkeit des Vaters. Wir bitten Dich um Deines Sieges willen über Deine Feinde, mache auch in jetziger Zeit, wo so viele Feinde Deine heilige Kirche und Deinen Stellvertreter, den Papst, verfolgen und zu vernichten suchen, diese zu Schanden. Zeige auch jetzt Deine Macht. Dich allein wollen wir in tiefster Demuth mit Deiner Kirche bekennen: ,, Du allein bist der Heilige, Du allein der Herr, Du allein der Allerhöchste mit dem heiligen Geiste in der Herrlichkeit des Vaters!" Dir allein sei Lob und Ehre in Ewigkeit. Gelobt sei in unserm Herzen, in unserm Munde, in unsern Sitten Jesus Christus. Amen. 47. Betrachtung. Die Frende Mariä bei der Auferstehung ihres Sohnes. Wenn auch das Evangelium nicht erwähnt, daß Jesus seiner Mutter nach seiner Auferstehung erschienen ist, so ist dies doch wohl anzunehmen. Mußte er nicht diesen Trost derjenigen gewähren, die ihn geboren hatte, die das größte Mitleiden mit seinem Leiden und Sterben gehabt und am meisten betrübt war, die er mehr liebte, als alle anderen Geschöpfe, und von der er mehr geliebt 211- wurde, als von allen anderen Geschöpfen? A. K. Emmerich erzählt, wie er ihr vor seiner Auferstehung erschienen sei:„ Während die heilige Jungfrau beim Grabe voll Sehnsucht nach Jesus in innigem Gebete saß, sah ich einen Engel zu ihr hintreten, der ihr sagte, sie solle hingehen zu dem Pförtchen des Nikodemus, es nahe der Herr. Da ward ihr Herz vor Freude durchdrungen, und sie ging hin. Als sie an jenen Ort gekommen, stand sie plößlich stille und schaute auf, und ich sah die Seele Jesu leuchtend von einer großen Schaar der Seelen der Altväter begleitet zu Maria heranschweben. Zu dieser sich wendend und auf die heilige Jungfrau hindeutend, sprach er die Worte: ,, Maria, meine Mutter," und es war, als umarmte er sie, da verschwand er. Maria aber sank auf die Kniee und füßte die Erde, wo sie gestanden, ihre Kniee und Füße blieben im Steine abgedrückt. Mit großem Troste eilte sie zu den Frauen zurück, ohne ihnen zu sagen, was vorgefallen. Sie tröstete alle und stärkte sie im Glauben." Betrachte, wie die frommen Seelen Maria verehrten und ihr Glück wünschten. O wie freuten sich Adam und Eva und wünschten ihr Glück, daß sie jenes verheißene Weib sei, welches der Schlange den Kopf zertreten habe! Wie freute sich der fromme Abraham, als er Diejenige sah, welche ihm Gott verheißen hatte, in der und in deren Ruhme alle Geschlechter sollten gesegnet werden! Wie frohlockte der heilige Moses, als 14* 1 212 er Diejenige erblickte, welche Gott ihm durch den brennenden Dornbusch vorbedeutet hatte! Wie jubelte David, als er Diejenige sah, welche er in seinen Psalmen besungen hatte! Wie freute sich der Prophet Isaias, als er die Jungfrau sah, von welcher er geweissagt, daß sie als Jungfrau den Emmanuel gebären werde. Wie freuten sich der heilige Joseph, Zacharias, Elisabeth, Simeon, ihre lieben Eltern Joachim und Anna, als sie Jene sahen, die sie allzeit so herzlich geliebt hatten. Alle grüßten die allerseligste Jungfrau und sprachen: Gebenedeit seist du, denn durch dich hat Gott unsere Feinde zu Nichte gemacht; du bist die Zierde Jerusalems, die Freude Israels, die Glorie unseres Voltes! Du bist gebenedeit unter den Weibern und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes! Durch deine Liebe und Demuth hast du den Heiland vom Himmel herabgezogen und bist die Ursache der Erlösung des menschlichen Geschlechtes geworden." Daß Jesus nach seiner Auferstehung vor allen Uebrigen seiner lieben Mutter erschien, nehmen die heiligen Lehrer an. In den Offenbarungen der heiligen Brigitta sagt Maria selbst: An einem Sonntage ist mein Sohn von den Todten auferstanden, stark wie ein Löwe, weil er die Macht des Teufels zertreten hatte. Mir aber, seiner Mutter, erschien er eher, als allen Andern, weil ich bei seinem Tode so unendlich trauerte; er ließ sich von mir berühren und tröstete mich auf eine unaussprechliche Weise." 213 Obschon der Glaube, daß ihr Sohn auferstehen werde, ihr Trost brachte, so fonnte sie doch die schrecklichen Leiden und Marter ihres Sohnes sich nicht aus dem Sinne schlagen. Sie trauerte über den Verlust ihres Sohnes und ihre Augen waren voll Thränen. In der Osternacht that sie kein Auge zu, sondern sie verharrte stets im Gebete, das unter Seufzen, Weinen und Sehnsucht verrichtet wurde. O wie verlangte sie nach ihrem Sohne, wie oft nannte sie seinen Namen! Alsbald schickte Jesus, wie der heilige Vincentius Ferreri angibt, den Erzengel Gabriel zu ihr, um ihr seine Auferstehung zu verfündigen. Dieser trat, von vielen Engeln begleitet, in ihr Kämmerlein und fing mit den übrigen an, mit lieblicher Stimme zu singen: Freue dich und frohlocke, o Königin des Himmels, Alleluja! Denn der Herr ist auferstanden, Alleluja." Sieh', da erschien der verklärte Heiland in seiner höchsten Majestät, von vielen Engeln und den Seelen der Altväter umgeben, blickte gar liebreich seine Mutter an und sprach mit süßer Stimme:, Sei gegrüßt, meine geliebte Mutter, und freue dich von Herzen, denn dein Sohn lebt wieder." Wer kann die 1 - Freude und Seligkeit dieser glücklichen Mutter beschreiben! Sie erhob sich, schloß den Geliebten ihres Herzens in ihre Arme und Freudenthränen entquollen ihren Augen. Sie war so verzückt, daß sie kein Wort sprechen konnte. Endlich erholte sie sich und sprach: O mein lieber Sohn Jesus, sei mir tausendmal willkommen und von - 214 - Herzen gegrüßt. O ich glückliche Mutter, nun ist alle meine Trübsal in Freude verwandelt, denn ich sehe Dich wieder am Leben und habe Dich wieder bei mir. O wie reichlich hat Dein Vater Dir all' Dein Leid vergolten!" Jesus erzählte ihr, wo er die drei letzten Tage gewesen und wie er die Seelen in der Vorhölle getröstet habe. Meine liebe Mutter, nun ist alles Leid hin! Deshalb betrübe dich nicht mehr, sondern freue dich und frohlocke von ganzem Herzen! Er zeigte ihr die Schönheit seines verklärten Leibes und die Herrlichkeit seiner Wunden. Diese waren ihr zuvor Quellen der Bitterkeit gewesen, jetzt waren sie ihr fünf Quellen der Süßigkeit, früher hatten sie ihr Herz mit Schmerzen verwundet, jetzt verwundeten sie dasselbe mit Liebe. Je länger sie dieselben betrachtete, desto mehr entzündete sich ihre Liebe, desto größer ward ihre Freude und ihr Entzücken.( Nach Cochem.) Gebet. glückselige Mutter Maria! Ich wünsche dir Glück zur Auferstehung deines Sohnes! Innigen Antheil nehme ich an der Freude, die dein Herz empfand, als du deinen göttlichen Sohn nach seiner Auferstehung wiedersahst. Wie herrlich ist er jetzt! Er war arm, ihm mangelte Alles, jetzt ist er der Herr der ganzen Welt." ( Mich. 4, 13.) Er war die Schmach der Menschen und der Auswurf des Volkes( Ps. 21), jetzt ist er mit Ruhm und Ehre gekrönt."( Hebr. 2.) Er war elend und schwach und der Spielball seiner Feinde, jetzt ist er die Kraft Gottes, mächtig 215 im Kampfe."( 1. Kor. 1., Pf. 23.) Er wurde als ehrloser Verbrecher verurtheilt, jetzt ist er der Richter der Lebendigen und Todten. Heil dir, du bist seine Mutter, Mutter des Weltenrichters. Versöhne deinen Sohn, unsern Richter. Als du auf dem Kalvarienberge standest, habe ich dich gebeten, mich deiner Schmerzen theilhaftig zu machen; jetzt flehe ich zu dir, mache mich auch deiner Freude theilhaftig! Trockne meine Thränen, verbanne die Traurigkeit aus meinem Herzen, zeige mir deinen auferstandenen Sohn. Möge er in mein Herz einkehren und nie mehr von mir weichen, damit ich einst im Himmel deinen auferstandenen Sohn in seiner Herrlichkeit schauen und ihn and dich ewig preisen möge. Amen. - — 48. Betrachtung. Die heiligen fünf Wunden. Christus hat an seinem verherrlichten Leibe die fünf heiligen Wunden behalten, ist damit zum Himmel gefahren und wird sie ewig behalten und zwar, wie die heiligen Väter lehren, 1. zum Zeichen seines Sieges über die Hölle. Diese strahlenden Male sollten eben so viele Herolde der erlösten Menschheit, des wieder geöffneten Himmels und der überwundenen Hölle, eben so viele Ehrenzeichen des gewaltigen Siegers sein, wie die Narben eines Kriegers die Verkünder der Tapferkeit 216 " 1 und die schönste Zier eines Helden sind. So werden vielleicht," bemerkt der heilige Augustin, ,, bei der Auferstehung auch die heiligen Martyrer die Male der Wunden, die sie für Christus erhalten haben, als ihren höchsten Schmuck vor Himmel und Erde zur Schau tragen." 2. 3um Beweise, daß er in eben dem Leibe, in dem er gelitten, auferstanden sei. Nicht nur dem Thomas und den übrigen Aposteln wollte er dadurch diese Wahrheit augenscheinlich beweisen, sondern alle Auserwählten sollten durch die Wundmale seiner verklärten Menschheit die Ewigkeit hindurch lebhaft erinnert werden, daß sie diesen Wunden ihre Erlösung und Seligkeit verdanken.„ Siehe, ich habe dich in meine Hände geschrieben."( J. 49, 26.) Siehe da die Schrift der Liebe in seinen heiligen Händen! Wird er uns vergessen können? 3. Damit er als unser Mittler durch Aufzeigung derselben den himmlischen Vater zur Barmherzigkeit gegen uns bewege. Nur durch ihn haben wir Zutritt zum Vater. Wird der Vater wohl die Wunden seines geliebten Sohnes sehen können, ohne mit Vaterliebe auf uns herabzusehen? Diese Wunden seien dein Vertrauen. 4. Damit wir in unsern Versuchungen und Trübsalen eine sichere Zuflucht und Trost finden. ,, In allen Widerwärtigkeiten habe ich kein kräftigeres Mittel gefunden, als die Zuflucht zu den Wunden Christi."( St. Augustin.) ,, Wenn du zu den heiligen Wunden dich flüchtest, wirst du große Stärkung in den Trübsalen empfinden, wirst du dich nicht viel fümmern um die - 1 - 217 - Verleumdungen Verachtung der Menschen und leicht ertragen."( Th. v. K. I. 1.) Fliehe also in Versuchungen mit Vertrauen zu den Wunden Jesu. 5 Um sie am Tage des Gerichts zum Troste der Gerechten und zur Beschämung der Gottlosen vorzuzeigen. Tröstlich wird dann der Anblick dieser glorreichen Wundmale für die Gerechten sein. Sie sind ja die Beweise der göttlichen Liebe und Milde. Die Gerechten nahen sich mit Zuversicht dem Richter, in dessen Händen sie die Verzeihung, in dessen Herzen sie ihre Rechtfertigung eingegraben sehen. Furchtbar aber wird der Anblick dieser Wundmale für die Sünder sein. Sie werden gegen den Sünder Zeugniß ablegen und seine Verdammung fordern. Du bist der Urheber und Verächter dieser Wunden, du der Vergeuder des kostbaren Blutes, welches aus denselben geflossen. Verdammniß, ewige Verdammniß über dich, weil du dich weigertest, aus den Wunden deines Erlösers Heil zu schöpfen! Beachte wohl, was der heilige Laurentius Juſtinianus schreibt: Christus habe die heiligen fünf Wunden behalten, um sie seinem himmlischen Vater und uns zu zeigen: seinem Vater, um seinen gerechten Zorn zu besänftigen, uns aber zur Unterweisung, daß auch wir einst, wenn wir selig werden wollen, etwas aufzeigen müssen, was wir ihm zu Liebe gethan und gelitten haben. Merke wohl: Christus zeigt dir die Wunden seiner Hände und Füße, seiner Seite, die er sich aus Liebe zu dir und um deines Heiles willen hat schlagen - 218 lassen. Was kannst du aufzeigen, das du Christo zu Liebe und um deines Heiles willen gelitten und gethan haft? Aber wehe dir, wenn du nichts Anderes aufzeigen kannst, als solche Hände, die du zur Sünde ausgestreckt, solche Füße, die auf dem Wege der Gottlosen gewandelt, ein solches Herz, welches mehr die Geschöpfe, das Geld, die Hoffart, die Vergnügen, die Wollust geliebt hat, als Gott, als solche Augen, Ohren, eine Zunge, einen Mund, die du durch viele Sünden verunreinigt hast, endlich einen solchen Leib, der nichts Gott zu Liebe gethan und gelitten hat! Wie wirst du bestehen? Siehe auch auf die Heiligen hin. Du siehst Maria mit sieben Schwertern in der Brust, die Heiligen mit Marterwerkzeugen. Das sind die Denkzeichen ihrer Liebe, die sie dem Heilande aufzeigen fonnten. Du brauchst nun zwar kein Marterwerkzeug aufzuzeigen. Ertrage nur die Beschwerden des Lebens, die Kränkungen von andern Menschen, das von Gott dir aufgelegte Kreuz geduldig, aus Liebe zu deinem Heilande, kämpfe gegen die Versuchungen, dann kannst du ihm dieses einst als Zeichen deiner Liebe aufzeigen. Mein Christ, betrachte und verehre oft die heiligen Wunden und erkenne die Liebe Jesu zu dir. Die Wunden Jesu sind Pfeile, welche die härtesten Herzen durchdringen und die fältesten entflammen."( St. Bonaventura.) In Leiden und Trübsalen schaue auf die heiligen Wunden und bedenke, was Jesus für dich gelitten hat, und du wirst Trost finden. 219 - Gebet. Jesu mein,* Mein Schuß bist Du allein!* O laß die Wunden Dein* Mir Zuflucht sein. Wenn groß die Noth* Und mir der Feind hart droht,* In Deiner Wunden Schußz* Biet' ich der Hölle Truß.* Ich find' im Streit* Da Sicherheit,* O laß die Wunden Dein* Mir Zuflucht sein. Ohöchstes Gut,* Du gibst mir Stärk' und Muth, Wenn ich die Wunden schau',* Ich fest vertrau'!* Da schenkest Du* Mir auch in Aengsten Ruh'.* Nichts wird mir da zu schwer, * Und drückt's auch noch so sehr.* Zu jedem Streit Bin ich bereit,* Laß nur die Wunden Dein Mir Stärkung sein! Amen. 49. Betrachtung. Auch wir werden auferstehen. So gewiß Christus auferstanden ist, so sicher werden auch wir einst auferstehen. Denn wenn die Todten nicht auferstehen," schreibt der heilige Paulus, so ist auch Christus nicht auferstanden." ( 1. Kor. 15.) Unser Leib wird zwar im Grabe vermodern, aber er wird, mit der Seele vereinigt, wieder auferstehen. Wir können dieses zwar nicht begreifen, aber bei Gott ist kein Ding unmöglich. Sollte es allzu schwer für Gott sein," sagt der heilige Augustin,„ die Masse deines Leibes, so wie sie vor dem Tode war, dir wiederzugeben, nach 220- dem er sie hat machen können, als sie noch nicht war?" Viele Bilder von unserer einstigen Auferstehung sehen wir in der Natur. Das in die Erde gestreute Samenforn verwest, aber es geht auf und bringt neues, schönes Korn hervor. ,, Du Thor," sagt der heilige Paulus, ,, was du säest, lebt nicht auf, wenn es nicht zuvor stirbt." Im Herbst und Winter stirbt die Natur ab und ist wie todt, aber im Frühjahr wacht und lebt Alles desto schöner und herrlicher auf. So sehen wir überall Bilder unserer Auferstehung vor Augen. Daß wir mit unserm Leibe wieder auferstehen werden, hat Gott geoffenbart. Den Glauben, daß der Mensch mit demselben Leibe, den er jetzt hat, wieder auferstehen werde, finden wir in den vorchristlichen Zeiten bei Juden und andern Völkern. Job, fein Jude, spricht: ,, Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und ich werde am jüngsten Tage von der Erde auferstehen. Ich werde wieder umgeben werden mit meiner Haut und in meinem Fleische meinen Gott schauen. Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und fein Anderer. Diese Hoffnung ruht in meinem Busen."( 19. 25.) Die machabäischen Brüder litten die grausamen Martern so standhaft in der festen Hoffnung, daß Gott ihnen das leibliche Leben und die Glieder, welche sie in der Marter für Gott hingaben, wiedergeben werde. Diese uralte Lehre von der zukünftigen Auferstehung hat Jesus bestimmt gelehrt:„ Es kommt die Stunde, in der Alle, welche in den Gräbern - 221 - sind, die Stimme des Sohnes Gottes hören werden. Es werden hervorgehen, die Gutes gethan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Böses gethan haben, zur Auferstehung des Gerichtes."( Joh. 5.) So Chr stus, der durch seine Auferstehung die Wahrheit seiner Lehre bewiesen hat. Der heilige Paulus predigt diese Lehre vor Juden und Heiden. Er stellt dieſelbe den Christen oft vor Augen, um sie in den vielfachen Leiden und Verfolgungen zu stärken und zu trösten. ,, Der, welcher Christum auferweckt hat," schreibt er, der wird auch eure sterblichen Leiber lebendig machen." In dem apostolischen Glaubensbekenntnisse heißt es: Ich glaube eine Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben." Diese Lehre hat die katholische Kirche auf verschiedenen Concilien ausgesprochen, stets gegen die Irrlehrer vertheidigt und auf der ganzen Welt gepredigt. Da unser Leib hier im Leben zur Ausübung guter und böser Werke hilft, so fordert die Gerechtigkeit, daß er wieder auferstehe, um an dem verdienten Lohne oder Strafe theilzunehmen. Wie werden die Menschen auferstehen? Die Leiber der Verdammten werden häßlich und abscheulich sein, wie die verruchten Seelen, die in denselben wohnen. Sie werden das Brandmal des göttlichen Fluches und der ewigen Verwerfung an sich tragen. Aber ganz anders werden die Leiber der Gerechten auferstehen. Weil sie die Glieder ihres Leibes zur Ehre Gottes gebraucht und die Lüste - " 1 222 " 1 ihres Fleisches abgetödtet haben, darum wird Gott sie überreichlich belohnen und sie mit Seligfeit überhäufen. Sie werden dem verklärten Leibe Jesu ähnlich sein. Jesus Christus," schreibt der heilige Paulus,, wird den Leib unserer Niedrigfeit umgestalten, daß er gleichgestaltet sei dem Leibe seiner Herrlichkeit." Der heilige Apostel gibt( 1. Kor. 15) vier Eigenschaften der verklärten Leiber an: 1. Die Unverweslichkeit. ,, Gesäet wird der Leib in Verweslichkeit, auferstehen in Unverweslichkeit," d. h. der Verwesung, der Leiden und Trübsale ganz unfähig. 2. Die Klarheit.„ Gefäet wird er in Unehre,( in der schmählichen Gestalt des Todes), auferstehen in der Herrlichkeit." Alsdann," sagt Jesus,„ werden die Gerechten leuchten wie die Sonne im Reiche ihres Vaters." 3. Die Beweglichkeit, Schnelligfeit. ,, Gesäet wird er in Schwachheit, auferſtehen in Kraft." ,, Wohin immer der Geist will," sagt der heilige Augustin, da wird auch der Leib sein." Schnell, wie der Gedanke, wird er von einem Orte zum andern sich versetzen können. 4. Die Feinheit und Geistigkeit. ,, Gesäet wird ein thierischer Leib," d. h. der mit den Thieren Vieles gemein hat, essen, trinken, schlafen muß, höchst schwerfällig, dicht und massiv ist, und darum harte Körper nicht durchdringen kann, ,, auferstehen wird ein geistiger Leib." Er wird zwar noch ein wirklicher tastbarer Leib sein, aber so geistig und fein, daß er alle Körper durchdringen kann, wie auch Jesus durch verschlossene 223 - Thüren kam. Je frömmer und tugendhafter ein Christ gelebt hat, desto größer wird auch die Glorie des auferstandenen Leibes sein. ,, Anders ist die Klarheit der Sonne, des Mondes und der Eterne, denn ein Stern ist vom andern verschieden an Klarheit. So ist's auch mit der Auferstehung der Todten." Da unser Leib einst an der Verherrlichung theilnehmen wird, so sollen wir ihn in Ehren halten und nicht durch Sünde schänden. Unsere Kirche behandelt die Leiber ihrer Kinder mit großer Ehrfurcht. Sie weiset denselben eine ge= weihte Ruhestätte an, begleitet dieselben unter Gebet und heiligen Gesängen und Glockengeläute zum Gottesacker, so genannt, weil die Leiber der Gerechten gleich dem Samenkorn darin ausgesäet werden, um dereinst aus demselben unverweslich wieder aufzusprossen, in ewiger Jugendfrische zu blühen und das Paradies Gottes, den Himmel zu zieren. Gebet. Glorreich auferstandener Jesu! Präge doch den Glauben an unsere einstige Auferstehung tief in unsere Herzen ein, damit wir die Sünde meiden, die Versuchungen überwinden, die Abtödtung üben und die kurzen Leiden geduldig er= tragen und so mit Dir einst herrlich auferstehen. Amen. - 224 — 50. Betrachtung. Unsere einstige Auferstehung tröstet in Leiden. Freu' dich, o Christ, Christus ist auferstanden, auch du wirst auferstehen und ewig leben. Sch bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit." ( Joh. 11.) Denke daran in Leiden und Verfolgungen. Armer, schwacher, von Allen, sogar von deinen undankbaren Kindern verlassener Greis, der du bei deinen Schmerzen und deinen Krankheiten weder Bett, noch Obdach und keine Nahrung hast, sei getrost, dein Heiland lebt, er wird deinen nun so elenden Leib einst verherrlicht, verjüngt und blühend aus dem finstern Grabe rufen und der Klarheit seines Leibes gleich machen. Eben jene Glieder, welche dir jetzt so viele Schmerzen verursachen, werden mit dem reinsten, göttlichen Vergnügen ewig erquickt werden. Trostlose Wittwe, die du auf das Krankenbett hingestreckt viele Schmerzen zu leiden und weder für dich, noch für deine armen Waisen einige Labung hast, die du Reinen hast, der dir in deiner Verlaffenheit einigen Beistand leistet, einige Erquickung verschafft: sei getrost, dein Heiland lebt, er wird deine Thränen abtrocknen und deinen Leib den Schmerzen, den Würmern und der Verwesung auf ewig entreißen und dich zur Herrlichkeit Gottes erheben. Kein Hunger, kein Durst, keine Blöße, keine Hiße, noch Kälte, keine Ermüdung, 225 - feine Entbehrung, kein Schmerz, keine Krankheit wird dich mehr quälen. O Christ, wenn du von Armuth gedrückt, von den Menschen und, wie es dir vorkommt, von Gott verlassen dich fühlst, wenn du von Angst gequält wirst, wenn du von deinem Manne oder deiner Frau oder von einem Andern im Hause täglich Vieles leiden und so ein schweres Hauskreuz tragen mußt, wenn du verleumdet und dein guter Name angegriffen wird, wenn du wegen deiner Frömmigkeit verspottet wirst: sei getrost, dein Heiland lebt, du wirst mit ihm durch Leiden in die Herrlichkeit eingehen, deine kurzen Leiden werden in ewige Freuden verwandelt werden, du wirst dann himmlische Reichthümer besißen, für die Schimpf- und Spottreden werden in deine Ohren erschallen die entzückenden Gesänge und Loblieder der Engel und Heiligen. ,, Die Leiden dieser Zeit," schreibt St. Paulus, sind nicht zu vergleichen mit der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns offenbar werden wird."( Röm. 8.) ,, Denn unsere gegenwärtige Trübsal, die augenblicklich und leicht ist, bewirkt eine überschwängliche, ewige, Alles überwiegende Herrlichkeit in uns." ( 1. Kor. 4, 17.) Wenn du gegen lange und heftige Versuchungen zu kämpfen hast, werde nicht muthlos, dein Heiland lebt, du wirst mit ihm den Satan überwinden und du wirst ,, eine unverweltliche Krone der Herrlichkeit empfangen." Nur der wird gekrönt, der gesetzmäßig gekämpft hat. Höre auf zu 15 226 Sei weinen über den Tod deiner guten Eltern, deines Kindes, deines Mannes oder deiner Frau. getrost, dein Heiland lebt, er wird sie wieder auferwecken, du wirst sie wiedertreffen in einer bessern Welt, wo kein Tod auf ewig mehr trennen wird. Fürchte den Tod nicht, dein Heiland wird auch dich wieder auferwecken. Der Tod ist das Ende aller Trübsale und der Anfang deines Glückes ist der Uebergang aus dem Orte des Elendes in unser wahres, höchst seliges Vaterland. Würdest du nicht gern vertauschen deine elende Hütte mit einem prächtigen Palaste? Lebe so, daß du den Tod niemals zu fürchten brauchst. ,, Was der Mensch säet, das wird er auch ernten. Wer in seinem Fleische säet, wird vom Fleische auch Verderben ernten, wer aber im Geiste säet, wird vom Geiste ewiges Leben ernten."( Gal. 6, 8.) Wer also seiner verdorbenen Natur, seiner Augenlust, Vergnügungssucht, Gaumen- und Putzsucht, Trägheit und Weichlichkeit folgt, der säet im Fleische und wird Verderben ernten. Wer aber der Stimme Gottes und der seines Gewissens folgt, sein Fleisch bändigt, dessen böse Gelüste zügelt und gute Werke übt, der säet im Geiste und wird Leben und Verherrlichung ernten. ,, Kostbar ist der Tod der Gerechten vor dem Angesichte des Herrn," aber für die Sünder ist er ein Donnerschlag, der dessen Seele in die Hölle hinabschleudert. Gebet. Glorreich auferstandener Jesu, 2c. Seite 223. - - - 227- 1 51. Betrachtung. Wir sollen auferstehen von der Sünde und in einem nenen Leben wandeln. Wollen wir an der Osterfreude hier Theil haben und sie jenseits ewig genießen, so müssen wir mit Christus von den Todten auferstehen. Wir müssen durch Buße der Sünde sterben und zu einem neuen Leben erstehen. Deshalb hat die Kirche angeordnet, daß Alle in der Osterzeit die heiligen Sacramente empfangen sollen. Wie Christus wahrhaft auferstanden ist, das Grab beständig verlassen und nicht von Neuem gestorben ist, so soll auch unsere Buße und Beicht eine wahrhaft reumüthige und keine scheinbare sein, und wir sollen die Sünde ganz ablegen und nicht wieder zur alten Sünde zurückkehren. Welche stehen nur zum Scheine auf, d. h. welche beichten ungültig? Ungültig beichten und nur zum Scheine stehen auf: 1. Diejenigen, welche aus grober Nachlässigfeit in der Erforschung des Gewissens, oder aus Scham eine Todsünde in der Beicht verschweigen. Ach, wie Viele lassen sich vom Teufel verführen! So begehen sie, so oft sie beichten, zwei schreckliche Todsünden, indem sie ungültig beichten und unwürdig communiciren! Entweder bekennen oder brennen! 2. Diejenigen, welche ohne wahre Reue und ernsten Vorsatz beichten. Ohne diese kann man niemals Verzeihung der Sünde erhalten. Den 15* - 228 1 Daher Baum erkennt man an den Früchten, die Reue und den Vorsatz an den Wirkungen. beichten ungültig Diejenigen, welche mit dem Nächsten in Feindschaft leben und nicht verzeihen wollen. Daß Solche keine Vergebung der Sünden erhalten, hat der Heiland wiederholt und bestimmt gesagt. Um ihr Gewissen zu beruhigen, sprechen sie: Ich hasse den Nächsten nicht." Aber das thun sie doch. Sie tragen eine Abneigung im Herzen gegen ihn, freuen sich über sein Unglück, verbreiten dessen Fehler, mögen ihn nicht einmal grüßen, wenn sie gegrüßt werden. Das ist keine Vergebung, keine Liebe! Was man allen Menschen schuldig ist, darf man auch seinem Beleidiger nicht verweigern. 3. Diejenigen, welche fremdes Gut, das sie durch Diebstahl oder Betrug besitzen, nicht zurückgeben. Ohne Erstattung des unrechtmäßigen Gutes. ist die Beicht, ungültig und keine Vergebung möglich, weil sie keine Reue haben. Ach, wie viele Diebstähle und Betrug geschehen, und wie selten findet die Wiedererstattung statt. Die Diebe und Betrüger werden mit dem ungerechten Gute zur Hölle fahren, wo das fremde Gut sie ewig auf der Seele brennen wird. Dasselbe gilt von 4. Denjenigen, welche durch Verleumden und Ehrabschneiden dem Nächsten die Ehre geraubt haben. Sie müssen widerrufen und die geraubte Ehre wiedererstatten, sonst keine Vergebung. Wie selten geschieht das! Ebenso müssen Diejenigen, welche Andere verführt haben, nach Möglichkeit - 229 Alles thun, daß der Verführte sich bessere; sie müssen ihn ermahnen, für ihn beten 2c. 5. Diejenigen, welche die nächste Gelegenheit der Sünde nicht meiden. Wer die Gelegenheit und Gefahr der Sünde nicht meidet, haßt die Sünde nicht, hat keine Reue und keinen Vorsat. Wie sorgfältig meidet man ein Haus, worin ein Cholera- oder Ruhrkranker ist, um nicht angesteckt zu werden und zu sterben, aber die Gefahr, daß die Seele krank wird und geistig stirbt, meiden sie nicht. Unzählige Beichten sind deshalb ungültig. Man lebt in fündhaftem Umgange, man beichtet, gibt den Umgang nicht auf, sündigt und beichtet wieder, aber ungültig. Wenn der Beichtvater merkt, daß sie in der nächsten Gelegenheit leben, und strenge fordert, wie er's muß, daß sie die Gelegenheit meiden, so versprechen sie es, um die Absolution zu erhalten, halten aber ihr Versprechen nicht. Das nächste Mal gehen sie zu einem Beichtvater, der sie nicht fennt und den sie leichter betrügen können. So bleiben sie in der Gelegenheit und beichten immer ungültig und meinen, ihre Sünden seien vergeben, da sie die Absolution erschlichen haben! O Christ, du kannst zwar den Beichtvater täuschen, aber Gott nicht, du täuschest dich selbst zu deinem Verderben. 6. Die Gewohnheits- und rückfälligen Sünder, die nach jeder Beicht dieselben Todsünden begehen, ohne sich im Geringsten zu bessern, z. B. die Trunkenbolde und Diejenigen, welche geheime, - 230 1 abscheuliche Sünden der Unzucht mit sich selbst begehen. Sie fündigen und beichten und sündigen wieder ohne alle Besserung und dies jahrelang. Die Beicht ist ihnen ein Freibrief zum Sündigen. Sie fündigen dreist darauf los, weil sie die Sünden wieder beichten können, und sie ihnen, weil Gott barmherzig ist, wieder vergeben werden. So sündigen sie vermessentlich auf Gottes Barmherzigkeit, welches eine Sünde wider den heiligen Geist ist. Wenn solche Sünder sicher wüßten, daß sie, wenn sie die Sünde wieder begingen, zur Strafe zehn Jahre im Zuchthause sizen oder die Hand eine Viertelstunde in's Feuer halten müßten, so würden sie die Sünde wohl meiden. Sie fürchten also das Zuchthaus und den Verlust der Hand mehr, als die Sünde und die ewige Verdammniß. Sie haben also keine Reue, die über Alles groß und zur Vergebung der Sünden nothwendig ist. Man kann die Todsünde meiden, wenn man nur ernstlich will, wenn man betet, kämpft und die Mittel der Besserung gut gebraucht. Gott, der nicht will den Tod des Sünders, wird es an der nöthigen Gnade nicht fehlen lassen. Viele Gewohnheitssünder haben sich aufrichtig bekehrt und die eingewurzelte Sünde abgelegt. Das kannst auch du. War die Beicht aber immer ungültig, wenn der Sünder nach derselben zurückfällt? Das nicht. Wenn er auch mit wahrer Reue und Vorsatz gebeichtet, gebetet und gekämpft hat, so kann es 1 231 - doch geschehen, daß er durch die große Macht der alten Gewohnheit und die Arglist des Teufels ein einzelnes Mal zurückfällt. Es folgt daraus nicht, daß die letzte Beicht ungültig war, denn er hat ja gekämpft und sich gebessert, da er die Sünde nicht mehr so oft begangen hat. Gott läßt oft einen solchen Rückfall zu, damit der Sünder seine Schwachheit erkenne, sich verdemüthige und desto besser vor allen Gefahren der Sünde sich hüte. In diesem Falle soll der Sünder sich vor Gott verdemüthigen, Reue erwecken und sobald als möglich beichten. Auf diese Weise wird er die Gewohnheitssünde ganz ausrotten. Alle die genannten Personen beichten ungültig, erhalten keine Vergebung der Sünden, wenn sie auch noch so oft absolvirt werden. Die heiligen Sacramente, die Gott in seiner Barmherzigkeit zur Rettung der Sünder eingesetzt hat, dienen ihnen zum Verderben und zur größeren Verdammniß. Für fromme Seelen sei bemerkt, daß das vom Rückfall Gesagte nur von Todsünden und nicht von läßlichen und Schwachheitssünden gilt. Jedoch muß bei der Beicht läßlicher Sünden wenigstens über eine solche Sünde Reue und Vorsatz in der Seele sein, wenn das Beichtkind der Absolution würdig und fähig sein soll. Gebet. Auferstandener Herr Jesu, laß doch nicht zu, daß der Teufel und die Eigenliebe mich verblende, welches gewiß geschehen wird, wenn - 232 Du mich nicht erleuchtest. Ich bekenne meine Blindheit und Unwissenheit. Ich halte oft die Nacht für den Tag, das Böse für das Gute, den Irrthum für Wahrheit. Du bist es, der jeden Menschen, der in die Welt fommt, erleuchtet. Bewahre mich vor Selbsttäuschung und sende Dein Licht, damit ich meine Sünden und meine Blindheit erkenne und thue, was Du von mir verlangst. Amen. 52. Betrachtung. Die Himmelfahrt unsers Herrn Jesu Christi. Zuletzt erschien er seinen Jüngern, als sie zu Tische saßen und sprach zu ihnen: ,, Gehet in die ganze Welt und predigt das Evangelium allen Geschöpfen. Wer glaubt und sich taufen läßt, wird selig werden, wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden. Es werden aber Denen, die da glauben, folgende Wunder folgen. In meinem Namen werden sie Teufel austreiben, mit neuen Sprachen reden, Schlangen aufheben und wenn sie etwas Tödtliches trinken, wird es ihnen nicht schaden. Kranken werden sie die Hände auflegen und sie werden gesund werden. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an's Ende der Welt." Er führte sie nach Bethanien hinaus. Und der Herr Jesus, nachdem er mit ihnen geredet, hob seine Hände auf und segnete sie, und es geschah, 233 1 während er segnete, schied er von ihnen und fuhr auf in den Himmel und wurde in den Himmel aufgenommen und sizet zur Rechten Gottes." ( Marc. 16, Luc. 24.) Siehe, wie Maria und die Apostel seine heiligen Bundmale mit Andacht und Liebe füffen, wie sie den Herrn demüthig anbeten, ihm den schuldigsten Dank für seine ihnen erwiesene Liebe abstatten und ihm zu seiner Herrlichkeit im Himmel Glück wünschen und dann Alle, auf die Kniee sich niederwerfend, die Mutter des Herrn in ihrer Mitte, den scheidenden Jesus um seinen Segen bitten; wie der göttliche Heiland, seine Hände über sie haltend, sie segnet mit unaussprechlicher Liebe und dann vor ihren Augen langsam zum Himmel auffährt: wie alle Seelen der Gerechten, die er aus der Vorhölle erlöste, mit großer Freude ihn begleiten nebst einer unzählbaren Menge Engel. Er fuhr am vierzigsten Tage nach seiner Auferstehung, an einem Donnerstage, Nachmittags zum Himmel. An einem Donnerstage hatte er sein Leiden angefangen, so sollte auch an diesem Tage die Belohnung für sein Leiden den Anfang nehmen. Des Nachmittags war er am Kreuze gestorben, so wollte er eben zu jener Zeit in den Himmel erhoben werden, in welcher er sich gedemüthigt hatte bis zum Tode des Kreuzes, um uns zu lehren, daß wir, sobald wir anfangen, nach dem Beispiele Christi zu leiden, auch anfangen, die Belohnung im Himmel uns zu erwerben. 234 Vom Delberge aus fuhr er in den Himmel. Daselbst hatte er vor seinem Leiden viele Zeit, ja, ganze Nächte im Gebete zugebracht, hier fing er sein bitteres Leiden an, da er bis in den Tod betrübt wurde und Blut schwißte. Deswegen wollte er auch eben da in den Himmel fahren, um uns zu lehren, daß das eifrige Gebet ein nothwendiges Mittel der Seligkeit und das geduldige Leiden ein sicherer Weg zum Himmel sei. Wo man anfängt, geduldig zu leiden, da fängt man auch an, in den Himmel zu steigen. Geduld ist der kürzeste und sicherste Weg zum Himmel." ( St. Ambrosius.) 11 1 Jesus Christus ist zum Himmel gefahren, 1. damit sein heiliger Leib, der unanssprechlich Vieles auf Erden gelitten hatte, die gebührende Glorie im Himmel zur Belohnung empfange. 2. Damit er, der sich unter Alle verdemüthigt hatte auf Erden, über Alle erhoben würde im Himmel. ,, Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode des Kreuzes. Darum hat Gott ihn erhöht und ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist 2c."( Phil. 2, 8.) 3. Damit er den durch die Sünde verschlossenen Himmel wieder öffne und uns daselbst einen Plat bereite, wie er einst sagte:„ Ich gehe hin, euch einen Ort zu bereiten, und wenn ich für euch einen bereitet habe, werde ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin." 4. Damit er seinen Jüngern und allen Gläubigen den heiligen Geist mit seinen himm 2351 lischen Gaben herabsende. 5. Damit er im Himmel unser Fürsprecher beim Vater sei. ,, Wenn aber Jemand gesündigt hat, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesum Christum, den. Gerechten, und der ist die Versöhnung für unsere Sünden."( 1. Joh. 2.) O meine Seele, schaue auf zum Himmel, wo Christus, dein Heiland, ist. Auf Erden sind wir nur Pilger und Fremdlinge, die nur eine kurze Zeit hier verweilen. Die Güter und Freuden dieser Welt können unser Herz nicht befriedigen und uns nicht glücklich machen. Der Himmel ist unser wahres Vaterland. Dort erwarten uns alle Freuden, alle Herrlichkeiten, denn kein Auge hat es gesehen, kein Ohr gehört und in keines Menschen Herz ist es gestiegen, was Gott Denen bereitet hat, die ihn lieben." In Leiden, Armuth, Versuchungen und Verspottungen denke an den Himmel. Dort wirst du ewige Freuden, unermeßliche Reichthümer, eine unverwelkliche Siegesfrone und eine ewige Ehre haben. ,, wie ekelt mich die Erde an," pflegte der heilige Ignatius zu sagen, wenn ich den Himmel anschaue!" Gebet. Jesus, der Du in Deine Herrlichfeit eingegangen bist und zur Rechten des Vaters sizest als unser Mittler und Fürsprecher, ziehe unsere Herzen zu Dir empor. Du hast gesagt, daß Du Alle an Dich ziehen wollest, wenn Du erhöht sein werdest: ziehe uns denn zu Dir. Gib uns ein großes Verlangen nach Dir und dem Himmel, so daß wir Alles auf Erden für nichts 236 achten und nur nach den himmlischen Gütern streben und zu Dir, der Quelle aller Freuden, gelangen. Amen. 53. Betrachtung. Maria im Himmel unsere Fürsprecherin. Nachdem Jesus, als Ueberwinder des Todes und der Hölle, in den Himmel aufgefahren und in seine Herrlichkeit eingegangen war, blieb Maria noch lange Zeit auf Erden, ihr Wandel war aber schon im Himmel. Die Apostel nahmen in all' ihren Nöthen ihre Zuflucht zu Maria. Sie belehrte dieselben in Zweifeln, tröstete sie in den Verfolgungen und flößte ihnen Muth ein. Durch ihr Gebet gab sie den Predigten der Apoſtel Erfolg. Wie groß war ihre Liebe und Sehnsucht nach ihrem Sohne im Himmel! Endlich kam die von ihr heiß ersehnte Stunde ihrer Auflösung. Das Feuer der göttlichen Liebe hatte ihre Kräfte aufgezehrt. Sie starb an keiner Krankheit oder leiblichen Schwäche, sondern ihr Herz brach vor Liebe und Sehnsucht nach ihrem göttlichen Sohne. O glückliche Stunde! Die Engel kommen in Schaaren herbei, um die Mutter ihres Gottes und ihre Königin in den Himmel zu geleiten. Es erscheint Jesus, ihr Sohn, ihre einzige Liebe, um sie in sein Reich aufzunehmen und sie auf den herrlichen Thron zu setzen, den er ihr bereitet - 237 - hatte. Die heiligste Dreifaltigkeit segnet sie und frönt sie zur Königin des Himmels. Maria ist im Himmel unsere Fürsprecherin, unsere Mittlerin bei ihrem Sohne, unsere Mutter. Welchen Trost und welches Vertrauen muß uns dies einflößen! Wir elende Sünder sind nicht würdig, das zu erlangen, um was wir bitten. Gott der ewige, höchste Herr aller Geschöpfe, wir Staub und Asche, Gott der Allergerechteste, wir verdammungswürdige Geschöpfe! Wer sollte da die beleidigte Majestät Gottes nicht fürchten? Aber vertrauen wir. Wir haben Maria, die mit Gott und uns in innigster Verbindung steht, die durch ihre Fürsprache, wie einst Moyses beim Volfe Israel, ein Vermittlungsamt ausübt, an deren Hand wir Sünder zum Allerheiligsten herantreten dürfen. ,, Du fürchtest vielleicht die göttliche Majestät," sagt der heilige Bernhard. Willst du einen Anwalt bei ihm haben, wende dich an Maria. Der Sohn wird gewiß seine Mutter und der Vater gewiß den Sohn erhören. Das ist der Trost der Sünder, das ist mein größtes Vertrauen, das ist der ganze Grund meiner Hoffnung." ,, Da die Bitten Mariä," sagt der heilige Alphons, ,, die Bitten einer Mutter sind, so find sie für Jesus Christus gewissermaßen Befehle, weshalb es denn auch unmöglich ist, daß ihre Bitte unerhört bleibe." Ja, einige Väter nennen Maria geradezu ,, die bittende Allmacht" ( omnipotentia supplex), nicht etwa, als wenn sie an sich allmächtig ist, wie ihr göttlicher - 238 Sohn, sondern weil sie Alles durch ihre Fürbitte bei ihm vermag. Maria ist aber zugleich unsere Mutter. Jesus hat am Kreuze sie uns als Mutter übergeben, wie Seite 151 gesagt ist. Wie liebt uns diese beste Mutter! Wie groß auch die Liebe irdischer Mütter zu ihren Kindern sein mag, so ist sie doch nichts im Vergleich der Mutterliebe Mariä zu uns, die ihr Sohn als Kinder ihr übergeben hat. Wer Gott liebt, liebt auch den Nächsten. Je größer die Liebe zu Gott, desto größer ist auch die Liebe zu dem Nächsten. Wie viel haben die Heiligen, weil sie Gott sehr liebten, aus Liebe zu dem Nächsten gethan? Da nun Niemand Gott mehr liebt, als Maria, so können wir auch nach Gott Niemanden finden, der uns so sehr liebt, als unsere geliebte Mutter Maria. ,, Was Jesus von der Liebe des Vaters sagte: Also hat Gott die Welt geliebt, daß 2c.," läßt sich auch auf Maria anwenden," sagt der heilige Bonaventura: ,, Also hat uns Maria geliebt, daß sie ihren einzigen Sohn für uns hingab." Maria ist so barmherzig, daß es ihr unmöglich ist, einem Elenden und Hülfsbedürftigen, der seine Zuflucht zu ihr nimmt, ihr Mitleid und ihre Hülfe zu versagen. Je elender Jemand ist, um so mehr Mitleid hat sie mit ihm. Freuen wir uns, daß wir eine so gütige, barmherzige, mächtige Mutter und Fürsprecherin im Himmel haben. Ist sie unsere gute Mutter, so seien wir auch ihre guten, 239 folgsamen Kinder. Vertrauen wir auf sie, sie wird uns nicht verlassen. Denn von Ewigkeit ist es nicht gehört worden, daß Jemand, der zu dir, o gütige Jungfrau, seine Zuflucht genommen, von dir verlassen worden sei."( St. Bernardus.) Wenden wir uns an sie in allen Nöthen, Leiden und Gefahren, sie wird helfen, trösten, schüßen. O Sünder, verzweifle nicht. Eile mit kindlichem Vertrauen zur Zuflucht der Sünder, zur Mutter der Barmherzigkeit. Sie wird dir Gnade und Verzeihung erbitten. - - Gebet. O glorreiche Himmelskönigin und unsere Mutter Maria, aus diesem Thränenthale rufen wir mit dem ganzen Himmel dir Heil und Preis zu. Wir freuen uns und wünschen dir Glück zu deiner Herrlichkeit und Seligkeit, die dir Gott verliehen hat. O vergiß uns nicht, du bist ja unsere Mutter und Fürsprecherin am Throne Gottes. So wende denn deine barmherzigen Augen auf uns elende Sünder herab und nimm dich unser an.„ Du bist ja die einzige Hoffnung der Sünder. Heilige Maria, komm' den Elenden zu Hülfe, unterstüße die Schwachen, erquicke die Jammernden, bitte für das Volt, trete ein für die Geistlichkeit; flehe für das fromme Geschlecht, laß Alle deinen Beistand empfinden, welche dein heiliges Gedächtniß feiern. Laß es deine Sorge sein, unaufhörlich zu bitten für das Volk des Herrn, o Gesegnete, die du gewürdigt wurdest, die Mutter zu werden des Welterlösers.( St. Augustin.) 240 Heilige Maria, du reinste Jungfrau, du Tochter des himmlischen Vaters, dit Mutter des eingebornen Sohnes, du hehre Braut des heiligen Geistes, du Königin aller Gläubigen, du Zuflucht der Sünder und Vorbild der Gerechten! Obwohl wir unwürdig sind, uns dir darzustellen, so fühlen wir uns dennoch gedrängt, dich als unsere Mutter und Beschirmerin zu erwählen. Nimm uns denn auf, du süße Mutter der Gläubigen, versöhne uns mit deinem Sohne und erhalte uns in seinem Wohlgefallen. O du heilige Jungfrau Maria, verwirf uns nicht von deinem Angesichte und wende die Augen deiner mütterlichen Sorgfalt nicht von uns ab. Verlaß uns nicht, damit wir deinen Sohn, unsern Herrn und Heiland, nie verlassen, sondern mit dir bei seinem heiligen Kreuze in findlicher Liebe ausharren bis an das Ende unserer Tage. Amen. - Mutter der Barmherzigkeit, Hilf zum Sieg im letzten Streit, Hilf uns leben, hilf uns sterben, Dort die Kron' des Himmels erben. Litanei vom Leiden Christi. ( Für den Privatgebrauch.) err, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! h Gott Vater vom Himmel, Erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geiſt, Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Jesu, im Garten Gethsemane zum Vater betend, Jesu, in der Todesangst wegen unserer Sünden von Blutschweiß überronnen, Jesu, von Judas mit einem Kusse verrathen, Jesu, von Deinen Jüngern verlassen, von den Henkern wie ein Verbrecher gebunden und mißhandelt, — Jesu, dem Annas und Kaiphas als Missethäter vorgestellt, Jesu, schimpflich in's Gesicht geschlagen, Jesu, unschuldig von falschen Zeugen angeklagt, Jesu, vom hohen Rathe des Todes schuldig erklärt, Jesu, von den Schergen verhüllt, verspottet, bespieen und mißhandelt, Jesu, von Petrus dreimal verleugnet, 16 242 - - Jesu, gebunden zu Pilatus geführt und verklagt, Erbarme Dich unser! Jesu, von Herodes. mit einem Spottkleide bekleidet, als ein Narr verspottet und mißhandelt, Jesu, dem Mörder Barabbas nachgesetzt, Jesu, mit Geißeln geschlagen und unmenschlich zerfleischt, Jesu, zum Hohne mit dem Purpurmantel bekleidet, mit Dornen gekrönt, verspieen, verspottet und mißhandelt, Jesu, von Pilatus dem Volke zum Mitleid vorgeſtellt, Jesu, von den Juden einhellig zum Kreuztode gefordert, Jesu, unschuldig von Pilatus zu dem schimpflichen und schmerzlichen Tode am Kreuze verurtheilt, Jesu, mit der schweren Last des Kreuzes beladen, das Dir unsere Sünden aufgelegt haben, Jesu, auf dem Kreuzwege mehrmals niedergefallen, geschlagen und mißhandelt, Jesu, mit Galle und Essig getränkt und Deiner Kleider schmerzlich beraubt, Jesu, mit Nägeln grausam an's Kreuz geschlagen, Jesu, am Kreuze noch verspottet und gelästert, Jesu, für uns am Kreuze gestorben, Sei uns gnädig!- Verschone uns, o Jesu! Sei uns gnädig! Erhöre uns, o Jesu! Von aller Sünde,- Erlöse uns, o Jesu! Von allen Uebeln, Von Gleichgültigkeit gegen Dein Leiden und Sterben, - 243 - Von Ungeduld in Leiden, Von Unbußfertigkeit des Herzens, Vom ewigen Tode, - Erlöse uns, o Jesu! Durch Deine unendliche Liebe zu uns, Durch Deine Verspottung und Mißhandlung, Durch Dein heiliges für uns vergossenes Blut, Durch Deine Verlassenheit am Kreuze, Durch Dein Gebet für Deine Peiniger und Feinde, Durch Deine Barmherzigkeit gegen den reumüthigen Schächer, Durch Deinen Gehorsam bis zum Tode des Kreuzes, Durch Deine heiligen Wunden, Durch Deinen bittern Tod, Durch die Eröffnung der heiligen Seite, Durch das Mitleiden und den Schmerz Deiner heiligen Mutter, In der Stunde unsers Todes, Am Tage des Gerichts, Wir arme Sünder,- Wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du uns in Deinem Blute von allen Sünden reinigen wollest, Daß Dein Leiden und Sterben an uns nicht verloren gehen möge, Daß wir durch die Kraft des heiligen Kreuzes den Teufel, die Welt und das Fleisch überwinden, Daß wir unser Kreuz täglich auf uns nehmen und Dir geduldig nachtragen, 16* 244 Daß uns in der Todesstunde Dein Kreuz und Leiden Trost und Stärfe gewähre, bitten Dich, erhöre uns! Wir D Jesu Christe, für uns geängstigt, verspottet, gegeißelt, gekrönt und gekreuzigt, D Du Lamm Gottes... V. Wir beten Dich an, Herr Jesu Christe, und preisen Dich, B. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöſt! - 1 - V. Komm' Deinen Dienern zu Hülfe, B. Welche Du mit Deinem kostbaren Blute erlöst hast! Gebet. O mein Jesu, bei Deiner unendlichen Liebe, womit Du uns bis zum Tode des Kreuzes geliebt, bei Deinem Blute, das Du zu unserer Erlösung vergossen, bei Deinen namenlosen Schmerzen, die Du für uns ertragen hast, bitte ich Dich, verzeihe mir meine Sünden und erbarme Dich meiner Seele. Laß mich absterben der Welt und ihren Lüsten, laß meinen Leib mit seinen Sinnen todt werden für den Dienst der Sünde und mein Auge erlöschen für den Glanz irdischer Herrlichkeit und mein Herz erkalten für alle unerlaubten Freuden, damit ich, gestorben für die Welt, nur für Dich lebe. Amen. - 245 Abendgebet. Anbetung. Du, o mein Gott, bist würdig, daß Dich jede Creatur anbete. Du allein bist der Schöpfer und Erhalter aller Dinge, von Deinem Willen hängt Alles ab. Du regierst Alles mit unendlicher Macht, Weisheit und Majestät. Staub und Asche und ein großer Sünder, vermag ich nicht, Dich würdig anzubeten. Deswegen mögen die heiligste Jungfrau Maria, alle Engel, Heiligen und Auserwählten und alle Geschöpfe im Himmel und auf Erden für mich und mit mir Dich anbeten, Dir danken, Dich preisen und verherrlichen von Ewigkeit zu Ewigkeit! Mit allen Engeln vereinige ich meine Stimme: ,, Heilig, heilig, heilig bist Du, Herr, Gott der Heerschaaren! Die Erde ist voll Deiner Herrlichkeit! Ehre sei dem Vater, Ehre sei dem Sohne, Ehre sei dem heiligen Geiste!"( 100 Tage Ablaß einmal täglich. Clemens XIV., 6. Juni 1769.) Danksagung. In die Wunde Deiner rechten Hand, o Jesu, empfehle ich mich und preise mit allen Heiligen die allerheiligste Dreifaltigkeit und opfere ihr das aus dieser Wunde vergossene Blut auf zum Danke dafür, daß sie mich heute und alle Tage meines Lebens vor so vielen Gefahren Leibes und der Seele bewahrt und mir unzählige Wohlthaten erwiesen hat. Meine Seele, lobe den Herrn, denn er ist gut und seine Barmherzigkeit währet ewig. - 246 - Bitte um Erleuchtung. Durch die Wunde Deiner linken Hand bitte ich Dich, o Jesu, der Du das Licht bist, das jeden Menschen erleuchtet, Du wollest auch die Finsterniß meines Geistes zerstreuen, damit ich die Sünden und Fehler, die ich heute begangen, erkenne. Jegt erforsche dein Gewissen. Reue. Herr, alle Sünden, die ich heute und früher begangen, sind mir von Herzen leid, nicht nur, weil ich Strafe dafür verdient, sondern vorzüglich, weil ich Dich, o Jesu, meinen Gott und Erlöser, der Du mich so sehr geliebt hast, daß Du Dein Blut für mich vergossen, undankbar beleidigt habe. Ich bitte Dich durch das Blut, das aus Deinem rechten Fuße geflossen, Du wollest mir alle meine Sünden verzeihen. Ich opfere Die dafür auf die Schmerzen, die Du in Deinem bittern Leiden, besonders am Kreuze, ausgestanden haſt. Vorsak. Durch das Blut, das aus der Wunde Deines linken Fußes geflossen, o Jesu, bitte ich Dich um die Gnade, daß ich nicht nur die Sünde, sondern auch die Gelegenheit dazu meiden möge. Empfehlung. In die Wunde Deiner heiligen Seite empfehle ich mich, o Jesu, und bitte Dich durch das Blut und Wasser, das aus derselben geflossen, Du wollest mich in dieselbe verbergen, damit ich vor allen teuflischen Nachstellungen in dieser Nacht bewahrt bleiben möge. 247 - O Gott und Herr, dem ich ganz angehöre, so oft ich diese Nacht Athem schöpfe, begehre ich, Dich zu lieben und zu loben, und wünsche, daß Du so oft von allen Geschöpfen angebetet, geliebt und verherrlicht werdeſt. Ablaßgebete. Ewiger Vater, ich opfere Dir auf das kostbarste Blut Jesu Christi zur Genugthuung für meine Sünden und für die Anliegen der heiligen Kirche.( 100 Tage Ablaß jedesmal. Pius VII., 22. September 1817.) Süßester Jesu, sei mir nicht Richter, sondern Seligmacher.( 50 Tage Ablaß jedesmal. Pius IX., 11. August 1851.) Jesus, mein Gott, ich liebe Dich über Alles. ( 50 Tage Ablaß jedesmal. Pius IX., 7. Mai 1854.) Ueberall werde geliebt das heiligste Herz Jesu. ( 100 Tage Ablaß einmal täglich. Pius IX., 23. September 1860.) Süßes Herz meines Jesu, mache, daß ich Dich immer mehr liebe.( 300 Tage Ablaß jedesmal. Pius IX., 26. November 1876.) Gelobt, angebetet und mit dankbarem Gemüthe geliebt sei das Herz Jesu im heiligsten Sacramente jeden Augenblick, in allen Tabernakeln der Welt bis zur Vollendung der Zeiten. Amen. ( 100 Tage Ablaß einmal täglich. Pius IX., 29. Februar 1868.) Jesus, sanftmüthig und demüthig von Herzen, mache, daß mein Herz dem Deinigen gleiche. ( 300 Tage Ablaß einmal täglich. Pius IX., 25. Januar 1868.) 1 248 — Mein Jesus, Barmherzigkeit!( 100 Tage Ablaß jedesmal. Pius IX., 23. September 1846.) Es geschehe, werde gelobt und ewig hochgepriesen der gerechteste, höchste und liebenswürdigste Wille Gottes in Allem!( 100 Tage Ablaß einmal täglich. Pius VII., 19. Mai 1818.) Gepriesen sei die heilige, unbefleckte und reinste Empfängniß der seligsten Jungfrau Maria, der Mutter Gottes!( 300 Tage Ablaß jedesmal. Leo XIII., 10. September 1878.) Süßes Herz Mariä, sei meine Rettung!( 300 Tage Ablaß jedesmal. Pius IX., 30. September 1852.) O Maria, ohne Makel empfangen, bitte für uns, die wir unsere Zuflucht zu dir nehmen! ( 100 Tage Ablaß einmal täglich. Leo XIII., 15. März 1884.) Gedenke, o keuschester Bräutigam Mariä und mein liebreicher Beschüßer, heiliger Joseph, daß es niemals gehört worden, daß Jemand deinen Schuß angerufen und Hülfe von dir verlangt hätte, ohne getröstet zu werden. Mit diesem Vertrauen komme ich zu dir und empfehle mich dir inständig. Ach, verschmähe meine Bitte nicht, du Pflegvater meines Heilandes, sondern nimm sie huldreich an.( 300 Tage Ablaß einmal täglich. Pius IX., 26. Juni 1863.) Heiliger Joseph, du Freund des heiligsten Herzens, bitte für uns!( 100 Tage Ablaß einmal täglich. Pius IX., 3. Juni 1874.) Gottes Engel, mein Beschüßer, dem des Höchsten Vaterliebe mich empfohlen, erleuchte, beschüße, regiere und leite mich. Amen.( 100 Tage Ablaß jedesmal. Pius VI., 2. October 1795.) 249 Fürbitte. Dir, heiliger Vater, empfehle ich alle Menschen, die meine Brüder sind. Gib Jedem, was ihm wahrhaft nüßlich ist, tröste die Leidenden, nimm Dich der Armen, Unglücklichen und Bedrängten an. Gib Frieden, damit Deine Kinder Ruhe und Brod haben. Beschüße Deine heilige verfolgte Kirche, laß die heilige Religion immer mehr ausgebreitet und befestigt werden. Führe die Bösen vom Wege des Verderbens und stärke die Guten, daß nichts sie scheide von Deiner Liebe. Beschüße uns diese Nacht vor allen Uebeln und vor dem bösen Feinde und vor der Sünde, laß Deine heiligen Engel unsere Beschützer sein. Segne, allbarmherziger Vater, segne uns und erhalte uns Alle zum ewigen Leben. Ihr, meine heiligen Patrone, allerseligste Jungfrau Maria, mein heiliger Schußengel, heiliger Joseph und alle Himmelsbürger, die ihr unablässig Gott lobt, wenn ich schlafe, empfehlet mich Gott, damit ich beschützt werde und einst in eure selige Gesellschaft aufgenommen werden möge. Wir empfehlen Deiner Barmherzigkeit die armen Seelen im Fegfeuer, besonders die unserer Verwandten und Wohlthäter. Wir bitten Dich durch das heilige Blut und den Tod Deines Sohnes, erlöse sie und laß sie Deiner seligen Anschauung theilhaftig werden. Vater unser - 1 Jesus, Maria, Joseph, euch schenke ich mein Herz und meine Seele! Jesus, Maria, Joseph, steht mir bei im letzten Todeskampfe! Jesus, 250 meine Seele im Frieden ( 300 Tage Ablaß jedesmal. Maria, Joseph, laßt mit euch verscheiden! Pius VII, 28. April 1807.) 1 Meßgebete zu Ehren des bittern Leidens. Vorbereitungsgebet. O Gott, ich armer Sünder erscheine vor Deinem Altare, auf welchem Jesus, mein Erlöser, Deiner Majestät als Opfer sich darbringt. Sein kostbares Blut ruft hier um Vergebung für meine vielen Sünden. In Vereinigung mit dem Priester opfere ich Dir diese heilige Messe auf zur Anbetung und Verherrlichung Deines heiligen Namens, zur Erinnerung und Danksagung für das bittere Leiden und Sterben Jesu Christi und zur Genugthuung für meine Sünden. Laß mir durch dieses kostbare Opfer die Gnade zu Theil werden, daß ich Alles aus Liebe zu meinem Erlöser thue und leide und durch die Verdienste seines Leidens eines seligen Todes sterbe. O Maria, Mutter der Schmerzen, die du unter dem Kreuze deines Sohnes gestanden und mit ihm das blutige Opfer dem himmlischen Vater aufgeopfert hast, erbitte mir die Gnade, daß ich das Leiden deines göttlichen Sohnes andächtig betrachte und der Verdienste desselben theilhaftig werde. 1. Der Priester geht an den Altar. Betrachte, wie Christus mit seinen Jüngern an den Delberg geht, um sein Leiden für uns zu beginnen, wie er, von Furcht und Angst überfallen, auf sein Angesicht fällt und inständig betet. 251- - Gütigster Jefu, Du bist mir zu Liebe freiwillig an den Delberg gegangen in Dein Leiden. Du bist traurig bis in den Tod. O verzeihe mir meine Sünden, welche die Ursache Deiner Traurigkeit und Angst gewesen. Ich bereue dieselben als das größte Ulebel, weil sie Dich, das höchste Gut, beleidigt haben. 2. Der Priester betet am Fuße des Altars. Betrachte, wie Jesus betet, wie die Blutstropfen von seinem Angesichte herunter rinnen wegen deiner Sünden, die er auf sich genommen hat: ,, Wie groß ist die Bosheit meiner Sünden!" O Jesu, ich bin die Ursache Deines Leidens und Deines blutigen Schweißes. Meine Sünden haben Dir den Blutschweiß ausgepreßt, ich habe Dich mit Judas verrathen, ich habe Dich Deinen Feinden überliefert, Dich geschlagen und gequält. Ich verfluche alle Sünden und bin fest entschlossen, lieber zu sterben, als Dich je wieder zu beleidigen. Wasche mich rein in Deinem Blute. Gib mir eine große Reue und die Gnade, daß ich den Versuchungen der Welt, des Fleisches und des Teufels standhaft widerstehe. 3. Der Priester küßt den Altar, geht auf die Epistelseite und betet den Introitus. Betrachte, wie Christus verrathen, gefangen, gebunden, zu Annas geführt und mißhandelt wird. Mir zu Liebe, o Jesu, hast Du Dich durch einen Kuß verrathen, Dich binden und dem gottlosen Annas vorführen, in's Angesicht schlagen und mißhandeln lassen. Durch diese Schmerzen und Unbilden, die Du mit größter Geduld ge - 252 - litten, bitte ich Dich um Gnade, das Wenige, was ich zu leiden habe, Dir zu Liebe mit Geduld zu leiden. Schließe meinen Mund, wenn ich mich über üble Behandlung beklagen will. Durch Deine Bande erlöse meine Seele von den Banden böser Begierden, auf daß ich Dir nicht wieder untreu werde. Durch die Qualen und Lästerungen, die Du ertragen, erlöse mich von allen meinen unsichtbaren und sichtbaren Feinden und laß mich unter Deinem Schußze zum ewigen Leben gelangen. 4. Der Priester betet das Kyrie eleison. Betrachte, wie Christus von Petrus verleugnet wrd. Bitte, daß er auch dir die Sünden verzeihen wolle. O Jesu, sieh' auch mich mit gnädigen Augen an, wie Du den Petrus angesehen hast. Gib, daß ich meine Sünden stets bereue und Dir niemals wieder untreu werde. 5. Der Priester spricht die Gebete. Betrachte, wie Christus vor Kaiphas als Aufrührer und Gotteslästerer falsch angeklagt und des Todes schuldig erklärt wird. O Jesu, Du läßt Dich mißhandeln, falsch anklagen und des Todes schuldig erklären aus Liebe zu mir, der ich durch meine Sünden den ewigen Tod verdient habe. Ich danke Dir für die Unbilden, die Du meinetwegen ertragen hast. Ich beschwöre Dich bei aller Schmach, die man Dir angethan, bei Deiner Demuth, Sanftmuth und Geduld, gib mir die Gnade, daß ich jegliche Ungerechtigkeit und Beleidigung, die mir widerfährt, aus Liebe zu Dir und zur Abbüßung meiner Sünden geduldig ertrage. 253 6. Der Priester liest die Epistel.. Betrachte, wie Christus in der Nacht verspottet, geschlagen, bespieen, zu Pilatus geführt und verklagt wird. Es wird die Zeit kommen, Herr Jesus, daß ich vor Deinem Richterstuhle werde erscheinen müssen, Rechenschaft zu geben über mein ganzes Leben. Die bösen Geister werden mich entseßlich anklagen. Barmherziger Jesu, ich bitte Dich durch alles Dasjenige, was Du in der Nacht ausgestanden und da man Dich zu Pilatus führte und falsch verklagte, verleihe mir die Gnade, so zu leben, daß Du mir ein gnädiger Richter bist und ich die Anklage der bösen Geister nicht zu fürchten brauche. - - 7. Der Priester geht nach der andern Seite des Altars und liest das Evangelium. Betrachte, wie Christus zu Herodes geführt und als ein Narr verspottet wird. O geduldigster Jesu, man führt Dich von einem Richterstuhle zum andern, man verspottet Dich wie einen Narren in einem weißen Kleide. Du, die ewige Majestät, die alle Ehre verdient, schweigst still zu all' diesen Unbilden: soll ich, Staub und Asche und ein Sünder, nicht etwas Weniges mit Stillschweigen ertragen können? Ich fann und will es mit Deiner Gnade. Durch die Verdienste Deines Stillschweigens und Deiner Geduld bitte ich Dich um diese Gnade. 8. Der Priester geht wieder in die Mitte des Altars und betet das Credo. Betrachte, wie Christus wieder zu Pilatus geführt, falsch angeklagt und dem Mörder Barabbas nachgesetzt wird. Die Juden rufen: ,, Den Barabbas gib uns los und Jesus freuzige!" O Jesu, welche Bos 254 heit und Undankbarkeit der Juden, welche Schmach für Dich! Wie oft habe ich mit den Juden den Barabbas, die Sünde, die Lust, die Ehre vor den Menschen, das Geld Dir vorgezogen. Verzeihe mir meine Undankbarkeit und Sünde. Von nun an will ich Dich allen Dingen der Welt vorziehen. Du allein sollst der Herr und König meines Herzens fein. - 1 9. Der Priester deckt den Kelch auf und opfert Brod und Wein. Betrachte, wie Christus seiner Kleider beraubt, an die Säule gebunden, unmenschlich gegeißelt wird. Siehe, wie sein ganzer Leib mit Wunden und Striemen bedeckt ist und das Blut herunterläuft. Ich beschwöre Dich, guter Jesu, bei den Strömen von Blut, das Du vergossen, bei den schrecklichen Wunden, bei Deiner schmählichen Blöße, bei Deinem Schmerze und Deiner Beschimpfung, vergib mir die Sünden der Unkeuschheit, durch die ich Dich so oft beleidigt habe. Wasche mich in Deinem Blute rein und laß nicht zu, daß ich mich je wieder der unkeuschen Lust hingebe, die Dir so viele Schmerzen gekostet hat. 10. Der Priester deckt den Kelch zu. Betrachte, wie Christus mit Dornen gekrönt, als Spottkönig verlacht, geschlagen und bespicen wird. O Jesu, Du König der ewigen Glorie, Du hast Dich mit Schmach und Schmerzen krönen lassen, um mir die Krone der Glorie zu verdienen. Zum Ersaße Deiner Verspottung falle ich vor Dir nieder und bete Dich an als meinen Gott und König. Ihr heiligen Dornen, durchstecht 255 - mein Herz mit dem Schmerze einer wahren Reue und mit heiliger Furcht. Verleihe mir die Gnade, mich so abzutödten, daß ich würdig werde, von Dir mit der Krone der Glorie im Himmel gekrönt zu werden. 11. Der Priester wäscht seine Hände. Betrachte, wie Pilatus seine Hände wäscht und Christum für unschuldig erklärt. Ja, mein Jesu, Du bist unschuldig. Du leidest freiwillig aus Liebe zu mir. Ich bin der Schuldige. Ich habe gesündigt und die Peinen und Schmerzen verdient, die Du ausgestanden. Laß die Verdienste Deines unschuldigen Leidens mir zu Theil werden. Wasche mich mehr und mehr von meinen Sünden und reinige mich von meiner Bosheit, weil nichts Unreines in den Himmel eingehen kann. 12. Der Priester spricht: ,, Orate fratres!" Betrachte, wie Christus, mit Blut und Wunden bedeckt, mit der Dornenkrone auf dem Haupte, mit dem Spottmantel angethan, mit dem Spottscepter in der Hand, mit Speichel besudelt, dem Volke zum Mitleid vorgestellt wird mit den Worten: ,, Ecce homo!" und wie das Volk schreit:„ An's Kreuz mit ihm!" Ach, Jesu, ich bin es, der Dich durch meine Hoffart und Sünden so elend zugerichtet hat. Sieh', himmlischer Vater, sein mit Dornen gefröntes Haupt, sein durch Speichel und Backenstreiche verunstaltetes Angesicht an, sieh' an seinen ganz verwundeten und zerfleischten Leib. Sieh', Alles hat er für mich gelitten. Erbarme Dich meiner und verzeihe mir die Sünden der Hoffart. 256 - O Jesu, sei mir gnädig, besonders wenn ich vor Deinen Richterstuhl gestellt werde. Erinnere Dich Dessen, was Du für mich gelitten, und verstoße mich nicht von Deinem Angesichte. 13. Der Priester betet die Präfation. Betrachte, wie Christus unschuldig zum Tode des Kreuzes verurtheilt wird. Du ließest Dich, o Jesus, zum Tode verurtheilen, damit ich armer Sünder lebe, der ich den Tod so oft verdient habe. Auch meine Sünden haben damals geschrieen: Kreuzige ihn!" Welch' unaussprechliche Liebe hast Du zu mir, daß Du freiwillig den Tod für mich annahmst! Ich danke Dir dafür. Gib mir die Gnade, daß ich nicht einst den Ausspruch der ewigen Verdammniß hören müsse, sondern jenen der ewigen Seligkeit. 14. Der Priester betet den Canon. Betrachte, wie Christus das schwere Kreuz unter vielen Mißhandlungen zur Richtstätte trägt. Mit Freuden nahmst Du, o gütigster Jeſu, das Kreuz auf Deine Schultern und fielst mehrmals unter der schweren Last zu Boden. Meine vielen wiederholten Sünden haben Dein Kreuz so schwer gemacht, und ich sollte noch ferner fündigen und Deine Last noch vergrößern? Du hast gesagt:„ Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach!" Ich sehe, wie Du Dein schweres Kreuz auf Dich nimmst und unter so großen Schmerzen und Verspottungen ohne Klagen, mit größter Geduld und Liebe trägst. Liebster 257 - Jesu, ich will Dir nachfolgen. Ich nehme deswegen jedes Kreuz, das Du mir auflegst, freiwillig an und will es tragen, so lange es Dir wohlgefällig ist, ohne Murren und Klagen. Dir zu Liebe und in Vereinigung mit Deiner schmerzlichen Kreuztragung will ich Alles gern leiden. Stärke mich mit Deiner Gnade, denn der Geist ist zwar willig, aber das Fleisch schwach. Aus mir selbst vermag ich nichts. Kreuztragender Jesus, erbarme Dich meiner, erbarme Dich Aller, für welche ich zu beten schuldig bin, oder zu beten mir vorgenommen habe. Gib ihnen und mir die Gnade, fromm zu leben und selig zu sterben. Amen. 15. Der Priester segnet Brod und Wein. Betrachte, wie Christus mit Nägeln grausam an's Kreuz genagelt wird. Jesu Christe! Durch jene entsetzlichen Schmerzen, welche Du ausgestanden, als man Dir Deine Kleider mit Gewalt herabgerissen und Deine heiligen Hände und Füße mit groben Nägeln grausam an das Kreuz heftete, und durch das dabei vergossene Blut bitte ich Dich, verzeihe mir alle Sünden, welche ich durch den Mißbrauch meiner Hände und Füße jemals begangen, und verleihe mir gnädiglich, daß ich solche fünftig nur zu Deiner Ehre gebrauche. 16. Der Priester hebt die heilige Hostie in die Höhe zur Anbetung. Betrachte, wie Christus am Kreuze erhöht wird. Jesu, ich glaube an Dich, Jesu, ich hoffe auf Dich, Jesu, ich liebe Dich von Herzen. Du bist hier zugegen, der Du vor Zeiten mir zu Liebe 17 258 am Kreuze Dich hast erhöhen lassen. Dich bete ich an als meinen Gott und Herrn. O mein Herr und Gott, sei mir armen Sünder gnädig und barmherzig. 17. Der Priester hebt den Kelch in die Höhe. Betrachte, wie Christus am Kreuze sein heiliges Blut vergießt. Dein heiliges fostbares Blut, das Du einst für mich am heiligen Kreuze vergossen hast, ist hier wahrhaft zugegen. Ich bete es demüthig an und bitte Dich, laß es an mir nicht verloren gehen. Allerheiligstes Blut, wasche mich von allen Sünden rein und mache mich Gott wohlgefällig zum ewigen Leben. Amen. 18. Der Priester betet nach der Wandlung. Betrachte, wie Christus drei Stunden lang in großen Schmerzen am Kreuze hängt und gelästert wird. Drei Stunden lang, o Jesu, hängst Du am Kreuze in den größten Schmerzen, verspottet und gelästert. Drei Stunden lang ringst Du mit dem Tode. Ach, erbarme Dich meiner in allen Schmerzen, die ich vielleicht noch zu leiden haben werde, besonders in jener Zeit, da ich mit dem Tode werde ringen müssen. Laß meine Seele nicht zu Grunde gehen, welche Dir so viel gekostet hat. Erbarme Dich auch aller verstorbenen Christgläubigen, besonders jener... Gib ihnen die ewige Ruhe, mir armen Sünder aber jetzt vollkommene Verzeihung meiner Sünden und einst einen seligen Tod. 19. Der Priester betet das Vater unter. Betrachte die sieben Worte Christi am Kreuze. - 259 Dir zu Liebe, o Jesu, der Du am Kreuze für Deine Feinde gebetet hast, verzeihe ich Allen, die mich jemals beleidigt haben. Gib mir, wie dem büßenden Schächer, die Gnade, wahre Buße zu thun und nimm mich auf in Dein Paradies. Ich verlange, zu leben und zu sterben unter dem Schußze Mariä, die Du mir zu einer liebreichen Mutter gegeben hast. Durch Deine schmerzliche Verlassenheit am Kreuze bitte ich Dich, verlaß mich nicht in meiner letzten Stunde. Durch Deinen bittern Durst bitte ich Dich, gib mir eine große Begierde, Dir aufrichtig zu dienen und Alles Dir zu Liebe zu thun und zu leiden. Ich verlange, Alles zu vollziehen, was Du, o Jesu, von mir begehrst, und so, wie Du den Willen Deines Vaters vollbracht hast. Jetzt spreche ich und auch in meiner letzten Stunde möchte ich sprechen: ,, Vater, in Deine Hände befehle ich meinen Geist." Vater unser. 20. Der Priester zertheilt die heilige Hostie. Christus stirbt am Kreuze. Wie groß ist Deine Liebe gegen mich, o Jesu! Du stirbst am Kreuze aus Liebe zu mir! Ich sage Dir unendlichen Dank dafür. Gib mir die Gnade, daß ich in Wahrheit stets sagen kann: Jesus, Dir leb' ich, Jesus, Dir sterb' ich, Jesus, Dein bin ich todt und lebendig. 21. Der Priester klopft an seine Brust und spricht: " Agnus Dei." Betrachte, wie Viele sich beim Tode Christi bekehren, und wie Christi Seite geöffnet wird. 17* 260 Jesu, Du Gott meines Herzens, durch das Blut und Wasser, das aus Deiner heiligen Seite geflossen, bitte ich Dich, wasche und reinige mein Herz von allen meinen Sünden und gib mir ein demüthiges, zerknirschtes und Dir wohlgefälliges Herz. Mit Reue und Vertrauen klopfe ich an meine sündhafte Brust: O Du Lamm Gottes, daß Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich meiner. 1 22. Der Priester communicirt. Christus wird begraben. Liebster Jesu, der Du nach Deinem Tode Deinen heiligen Leichnam vom Krenze hast abnehmen, salben und in reine Leinwand einwickeln und in ein neues Grab legen lassen, wie glücklich wäre ich, wenn ich Dich jetzt leiblich und wesentlich empfangen könnte! Ich bin aber nicht würdig, daß Du eingehst unter mein Dach. Dennoch verlange ich nach Dir, o Jesu! Ich glaube an Dich, o Jesu! Ich liebe Dich, o Jesu! O wann wird die Stunde kommen, da Du Dich würdigst, bei mir einzufehren! Ich bitte Dich demüthigst, reinige mein Herz von Allem, was Dir mißfällt. Bereite Dir in demselben eine Deiner Majeſtät angenehme Wohnung. Komm' meiner Schwachheit zu Hülfe, daß ich Dich nie anders, als mit möglichster Andacht und Ehrerbietung empfange. Laß nicht zu, daß ich aus diesem Leben scheide, ohne Dich zur Stärkung auf die Reise in die Ewigkeit würdig empfangen zu haben. Die Seele Christi heilige mich 2c. - 261 - 23. Der Priester reinigt den Kelch und deckt ihn wieder zu. Betrachte, wie Maria und die heiligen Frauen den heiligen Leichnam vom Blute reinigen, salben und in's Grab legen. Welch' großer Schmerz, welch' tiefer Kummer hat, o seligste Jungfrau Maria, dein zartes Mutterherz ergriffen, als du den Leib deines göttlichen Sohnes vom Blute gereinigt, gesalbt und in's Grab gelegt haft! Meine liebste Mutter, ich habe Mitleid mit dir und trauere über dein Herzeleid, weil ich durch meine Sünden es dir verursacht habe. 24. Der Priester geht von der Mitte des Altars auf die Epistelseite und spricht die letzten Kirchengebete. Betrachte, wie Christus von den Todten aufersteht und den Seinigen erscheint. Du stehst glorwürdig von den Todten auf, o Jesu, Du Sieger über Tod und Grab, und erscheinst Deiner lieben Mutter und Deinen Jüngern. Verleihe gnädiglich, daß. gleichwie Du für unsere Sünden ein Mal gestorben bist und forthin nicht mehr stirbst, sondern das Leben selbst bist, also auch ich durch Hülfe Deiner Gnade der Sünde vollkommen absterbe, forthin in einem neuen Leben wandle, auf daß ich einst glorreich auferstehen und Dich mit Deiner heiligen Mutter und allen Heiligen im Himmel ewig anschauen, loben und preisen könne. 25. Der Priester gibt den Segen und liest das letzte Evangelium. Betrachte, wie Christus gen Himmel fährt und den heiligen Geist sendet. 262 Verklärter Erlöser, der Du siegreich in den Himmel gefahren bist und allda zur Rechten Deines Vaters sizest, ziehe unsere Herzen zu Dir hinauf. Segne unsere Gedanken, Begierden, Worte und Werke, unser Thun und Lassen, damit wir die Welt mit unsern Herzen verlassen, alles Irdische verachten, nach Dir allein verlangen, Dich allein suchen, damit wir einstens Dir auch in Deine Herrlichkeit folgen mögen. 1 Bweite Weise, der heiligen Messe zu Ehren des bittern Leidens beizuwohnen. Verrichte das Vorbereitungsgebet Seite 250. Dann halte eine bis zwei Betrachtungen vom Leiden Christi nach der Reihenfolge und übe dich im Herzensgebete. Gib Acht auf die drei Haupttheile der heiligen Messe. Beim Offertorium opfere dich und deine Werke Gott auf, bei der Wandlung bete deinen Heiland an und bei der Communion verrichte die geistige Communion. m Litanei für die Offerzeit. ( Für den Privatgebrauch.) Herr, erbarme Dich unser, Jesu Christe, Du Erlöser der Welt, Erbarme Dich unser! Du wahres Osterlamm, durch dessen Blut wir vom höllischen Würgengel sind verschont worden, Du Lamm, in dessen Blute wir sind reingewaschen worden, Du Lamm, das die Sünden der Menschheit hinweggenommen hat, Der Du durch Deinen Tod unsern Tod vernichtet haſt, - 263 Der Du durch Deine Auferstehung das Leben wieder her-. gestellt hast, Erbarme Dich unser! Der Du die Handschrift des Urtheils gegen uns an's Kreuz geheftet hast, Du, das A und das O, der Anfang und das Ende, der da ist, der da war und der da kommen wird, Der Du würdig bist, Herr, unser Gott, zu empfangen Preis, Ehre und Kraft, Der Du über den Teufel und die Hölle gesiegt hast, Der Du über die Bosheit der Juden gesiegt und sie zu Schanden gemacht hast, - Der Du durch Deine Auferstehung Deine Gottheit und die Wahrheit Deiner Lehre bewiesen hast, Der Du dadurch unsern Glauben befestigt und unsere Hoffnung gestärkt haſt, Der Du Deine Auferstehung durch Engel haft verkündigen laffen, Der Du Deinen Jüngern mehrmals erschienen bist, Der Du siegreich zum Himmel gefahren bist, Der Du uns eine Stätte im Himmel bereitet haſt, Der Du durch Deinen Gehorsam bis zum Tode des Kreuzes erhöht bist, so daß sich in Deinem Namen alle Kniee beugen, Du, dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden, Der Du zur Rechten des Vaters sizest als unser Mittler und Fürsprecher, Du Richter der Lebendigen und Todten, Du Sieger auf Golgatha, dem alle Christen in der ganzen Welt Loblieder singen, Wir arme Sünder, Wir bitten Dich, erhöre uns! Durch Deine glorreiche Auferstehung, Durch Deinen herrlichen Sieg über den Teufel und Deine Feinde, Durch Deine siegreiche Himmelfahrt, Durch Deine Glorie im Himmel, - Durch Deine glorreichen Wunden, Durch die Freude Deiner heiligen Mutter und Deiner Jünger über Deine Auferstehung, 264 Daß auch wir von der Sünde wahrhaft auferstehen, Wir bitten Dich, erhöre uns! Daß auch unsere Leiden dereinst in Freuden verwandelt werden, Daß Du uns in Deine heiligen Wunden verbergen und in Versuchung stärken wollest, Daß wir stets nach dem, was im Himmel ist, trachten mögn, Daß Du uns einst an Deiner Herrlichkeit im Himmel wolleft theilnehmen lassen, O Du Lamm Gottes... V. Der Herr ist vom Grabe erstanden, Alleluja! B. Der für mich am Kreuze gehangen, Alleluja! — Gebet. O glorreich auferstandener Jesu, ich falle vor Dir nieder und bete Dich an, Du Sieger über die Hölle, Deine Feinde, die Sünde und den Tod. Im Namen Deiner heiligen Mutter, aller Engel und Heiligen grüße ich Dich wegen Deiner glorreichen Auferstehung und Deines herrlichen Sieges. Du sollst für immer der Herr und König meines Herzens sein. Gib, daß ich Dir stets diene, damit ich in Wahrheit sagen kann: ,, Was ich noch lebe im Fleische, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich dargegeben hat!"( Gal. 2.) Königin des Himmels, freu' dich Maria! Jeſus, den du hast empfangen, er ist von den Todten auferstanden! Bitt' Gott für uns. Alleluja! Inches 1 Centimetres Blue 2 3 4 Cyan 2 5 ¹6 17 3 Farbkarte# 13 Green ¹8 Yellow 6 4 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 6 () 15 White 16 7 17 18 3/ Color 19 B.I.G. Black 8