ge Gb 2673 H. Hunecke. Geschenk. Herrn Pastor Rothert 1887. für. H. Hunecke Gb 2673 Allgemeines Gebetbuch. Ein Haus- und Kirchenbuch für evangelisch- lutherische Christen. Herausgegeben im Auftrag der Allgemeinen lutherischen Konferenz. Vierte Auflage. Ausgabe mit Liedern. ERBVM DE Fo ET IN AR HEA 1840 Leipzig Verlag von Justus Naumann. 1886. Go 2673 Alle Rechte vorbehalten. Univ.,- Bibl. Giessen Vorwort zur ersten Auflage. Schon lange hatte sich das Bedürfnis und der Wunsch geltend gemacht, daß wir ein Gebetbuch haben möchten, welches in Gebet, Schriftlesung, Lied, Bekenntnis und Unterricht über die kirchlichen Handlungen allen nötigen Bedarf für lutherische Christen zusammenfaßte. Innerhalb des Ausschusses der Allgemeinen lutherischen Konferenz wurde diese Sache vorgelegt und besprochen, auf der letzten Konferenz- zu Schwerin 1882-- von den Versammelten mit Freuden begrüßt und von Pastor Kittan zu Prießnitz in Sachsen die Ausführung des Entwurfs mit dankenswerter Bereitwilligkeit übernommen. Das von ihm gefertigte Manuskript wurde in seinen einzelnen Teilen von verschiedenen Seiten der Begutachtung unterzogen; nunmehr tritt das Ganze an die Offentlichkeit und bietet sich den lutherischen Christen zum Gebrauche dar.- Ora et labora, ,, bete und arbeite" ist aller Christen alte Losung. Lasset uns beides thun im Sinne unsrer Kirche; lasset uns aber in beidem auch der Gemeinschaft pflegen. Dieses Gebetbuch will der Gemeinschaft des Gebets in unsren Kreisen dienen. Der Stand der kirchlichen Dinge, wie wir ihn vor Augen haben, ist uns eine Ermahnung zu beidem: zur Treue und zur Gemeinschaft, zur Treue gegen die Vergangenheit unsrer Kirche, zur Gemeinschaft in der Gegenwart. Es liegt ein großer Segen in der Gemeinschaft: nicht bloß Eines Sinnes und Geistes zu sein, sondern auch in Einer Weise und auf Einem Wege einherzugehen. Dazu möchte dieses Gebetbuch Anleitung geben und Handreichung thun. Die Gemeinschaft fordert vielleicht von uns, daß wir von unsrem Brauch und unsren Neigungen ihr manches opfern; aber sie entschädigt dafür reichlich. Mögen wir den Segen der Gemeinschaft erfahren. Das Gebetbuch bietet sich den lutherischen Christen in diesem Lutherjahre als eine Jubiläumsgabe dar: ein Zeugnis, daß wir die Söhne unsrer Väter sein und bleiben wollen und die Erben ihrer Güter zu sein uns freuen. In diesem Sinne grüße es die Genossen unsres Bekenntnisses in deutschen Landen und jenseits ihrer Grenzen und rufe sie alle im Geiste zusammen, - IV Vorwort. daß wir gemeinsam Gott bitten, loben und danken auf dem Wege unsrer Wallfahrt, bis wir gemeinsam das Lied der Erlösten singen im Hause unsres Vaters. Am 31. Oktober 1883. Im Namen des Ausschusses der Allgemeinen lutherischen Konferenz D. Kliefoth. D. Luthardt. Vorwort zur vierten Auflage. Diese neue Auflage hat verschiedene zum Teil eingreifende Veränderungen und, wie wir hoffen, Verbesserungen erfahren. Vor allem ist der Stoff einfacher und einheitlicher geordnet worden, indem in den ersten Teil, das Hausbuch, alle Gebete aufgenommen und daran das Lektionarium angeschlossen, im zweiten Teil, dem Kirchenbuch, das kirchliche Bekenntnis dem firchlichen Gottesdienst und den kirchlichen Handlungen vorangestellt, die Lieder aber für Haus und Kirche dem dritten Teil zugewiesen wurden. Dies letztere ist geschehen, um den Wünschen derer zu entsprechen, welche aus Rücksicht auf ihr betreffendes landeskirchliche Gesangbuch das Allgemeine Gebetbuch ohne Lieder begehrten. Auch bei den übrigen Teilen haben wir den uns ausgesprochenen Wünschen, so weit es thunlich schien, zu entsprechen gesucht. So sind die Gebete, besonders durch fürzere, und durch je eines zu den sonntäglichen Perikopen, vermehrt, dem Lektionarium das hannöversche hinzugefügt und bei den täglichen Lektionen mehr auf zusammenhängende Schriftlesung Bedacht genommen worden. Wenn wir durch diese und andere Änderungen das Buch seinem Zweck entsprechender zu machen gedachten, so bleibt uns unsrerseits nur zu wünschen übrig, daß es auch fleißig gebraucht werde und so an seinem Teile immer mehr dazu dienen möge, um die lutherischen Christen und Kirchen deutscher Zunge ein Band der Gemeinschaft zu schlingen. Hierfür befehlen wir es auch auf seinem weiteren Gange dem Segen Gottes. Den 12. April 1886. Die Herausgeber. Inhaltsverzeichnis. Erster Teil. Das Hausbuch. I. Abteilung: Gebete für die tägliche Hausandacht. Einleitung Ordnung für die Anbetung Bereitung zum Gebet. Das heilige ,, Vaterunser", oder das Gebet des Herrn Luthers Morgen- und Abendsegen Am Sonntag- Morgen. Während des Sonntags Am Sonntag- Abend Am Montag- Morgen Am Montag- Abend Am Dienstag- Morgen Am Dienstag- Abend Am Mittwoch- Morgen Am Mittwoch- Abend Am Donnerstag- Morgen Am Donnerstag- Abend Am Freitag- Morgen Am Freitag- Abend. Am Sonnabend- Morgen Am Sonnabend- Abend A. Berufsgebete B. Reisegebete C. Gebete bei allgemeinen Nöten und Landplagen D. Gebete in Leibes- und Seelennot E. Gebete in Krankheit F. Gebete in Sterbensnot G. Am Geburtstag H. Ehestandsgebete Anhang. III. Abteilung: Lektionarium für alle Tage des Kirchenjahres Seite 1 2 3 samt den auf die kirchlichen Zeiten bezüglichen Gebeten. Unterricht über den Verlauf des Kirchenjahres und Bemerkungen über das Lektionar. 6 7 11 17 22 24 7 15 89 42 45 50 3 敬 份 66 5 70 27 31 Nachtgebete Tischgebete Zur Betglocke II. Abteilung: Gebete für besondere Lagen und Fälle. 35 39 53 57 62 67 73 87 97 114 118 131 151 153 161 VI I. Die festliche Hälfte des Kirchenjahres. A. Der Weihnachtskreis Inhaltsverzeichnis. B. Der Osterkreis C. Der Pfingstfreis II. Die festlose Hälfte des Kirchenjahres. Die Trinitatissonntage Schluß des Kirchenjahres Marientage Johannnistag Michaelistag Reformationsfest Kirchweihe Erntedankfest Bußtag. Die sieben Bußpsalmen Die deutsche Litanei An den Aposteltagen 1. Das apostolische Glaubensbekenntnis. 2. Das nicänische Glaubensbekenntnis 3. Das athanasianische Glaubensbekenntnis B. Das Grundbekenntnis der evangelisch- lutherischen Kirche: die Augsburgische Konfession C. Dr. Martin Luthers Kleiner Katechismus nebst der Haustafel und Luthers Katechismusgebeten.. II. Abteilung: Der Gemeindegottesdienst. Erster Anhang. Die Leidensgeschichte unsers Herrn Jesu Christi. 346 I. Einleitung. II. Die Ordnung des Hauptgottesdienstes an Sonn- und Festtagen. Vorbemerkungen Seite Zweiter Anhang. Geschichte der Zerstörung der Stadt Jerusalem. 381 Zweiter Teil. Das Kirchenbuch. I. Abteilung: Das kirchliche Bekenntnis. A. Die drei ökumenischen, d. h. in der ganzen Christenheit giltigen, Glaubensbekenntniſse. 1. Das Eingangslied 2. Das Kyrie samt dem Gloria in excelsis 168 211 259 3. Salutatio( Gruß) und Kollekte 4. Die Epistel und das Evangelium 5. Das Credo oder Glaubensbekenntnis 269 312 322 327 329 330 333 334 335 336 340 344 389 389 389 390 392 427 442 443 444 444 445 445 446 Inhaltsverzeichnis. 6. Die Predigt. 7. Das allgemeine Kirchengebet 8. Die Sakramentsfeier. 9. Schluß des Gottesdienstes III. Darlegung der Gedanken, welche der Ordnung des Hauptgottes= dienstes zu Grunde liegen. III. Abteilung: Die kirchlichen Handlungen. I. Die heilige Taufe. 1. Unterricht über das heilige Taufsakrament 2. Unterricht über die Kindertaufe. 3. Unterricht über das christliche Patenamt. 4. Unterricht über die Taufhandlung Nottaufe oder Jachtaufe 5. Unterricht über den Kirchgang und die Aussegnung( oder: Einsegnung) der Wöchnerinnen und die Darbringung ihrer Kinder. 6. Gebete. II. Die Konfirmation. 1. Unterricht über die Konfirmation 2. Unterricht über die Konfirmationshandlung. 3. Gebete. III. Die Beichte. 1. Unterricht über die Beichte 2. Unterricht über die Absolution oder Vergebung der Sünden 3. Anleitung zur Selbstprüfung Die Krankenkommunion 4. Unterricht aus Luthers kleinem Katechismus für die, welche zur Privatbeichte kommen 5. Beichtgebete IV. Das heilige Abendmahl. 1. Unterricht über das Sakrament des heiligen Abendmahls und seinen Gebrauch 2. Christliche Fragstücke, durch Dr. Martin Luthern gestellet für die, so zum Sakrament gehen wollen, mit ihren Antworten. Abendmahlsgebete. 3. Anhang. V. Die Trauung. 1. Unterricht über die Trauung 2. Gebete. VI. Das Begräbnis. 1. Unterricht über das Begräbnis. Ordnung des Begräbnisses 2. Gebete. VII Sette 446 446 448 449 453 457 462 465 466 470 471 473 477 479 481 483 486 487 494 496 504 509 511 521 527 531 532 533 538 VIII Dritter Teil. Das Liederbuch für Haus und Kirche. I. Das christliche Jahr. A. Die festliche Zeit des Jahres. 541 1. Advent 2. Weihnachten 544 3. Beschneidungsfest( Neujahr) 550 4. Erscheinungsfest( Epiphaniasfest) 5. Mariä Reinigung Inhaltsverzeichnis. 1. Sonntagslieder. 2. Einzelne Feste und Feiertage. - 551 10. Pfingſten.. 552 11. Trinitatisfest. B. Die festlose Zeit des Jahres. a. Mariä Heimsuchung( s. Mariä Verkündigung) b. Reformationsfest( s. d. Lieder v. d. christl. Kirche) c. Bußtag( s. d. Bußlieder) II. Die christliche Kirche. 1. Die Kirche und ihr Haupt.( Gründung und Ausbreitung der Kirche. Miſsion.) 3. Heiligung. 2. Das Wort Gottes 3. Das Sakrament der heiligen Taufe 4. Die Konfirmation und Erneuerung des Taufbundes 5. Das Sakrament des heiligen Abendmahls 1. Buße 2. Glaube und Rechtfertigung III. Das christliche Leben. A. Liebe zu Jesu( Jesuslieder) B. Nachfolge Jesu C. Gebet. 6. Mariä Verkündigung 7. Passion 8. Ostern. 9. Himmelfahrt. c. Morgenlieder d. Tischlieder a. Allgemeine Gebetslieder b. Lob- und Danklieder e. Abendlieder f. Wiegenlied D. Stand und Beruf. a. Haus- und Ehestand b. Reiselieder E. Kreuz und Trost F. Kampf und Sieg IV. Das christliche Sterben. Sette 552 553 562 566 567 570 572 573 573 573 574 578 579 581 582 586 590 597 608 610 613 622 634 635 645 646 648 649 662 666 671 679 1. Sterbensbereitschaft 2. Tod und Begräbnis 3. Auferstehung, jüngstes Gericht und ewiges Leben Register der Lieder nach den Anfängen siehe am Schluß des Buchs. Erster Teil. Das Hausbuch. Erste Abteilung. Gebete für die tägliche Hausandacht. Einleitung. Der Hausvater soll auch ein Hauspriester sein. Eines Priesters Amt ist, Gott Opfer darzubringen, wie dies aus dem Amt der alttestamentlichen Priester erhellt, welche Speisopfer, Rauchopfer, Sünd-, Schuld- und Brandopfer darzubringen hatten. Dies alles aber waren vorbildliche Opfer, welche ihre volle Erfüllung in Jesu Christo, dem menschgewordenen Gottessohne gefunden haben. Dieser ist der rechte Hohepriester, der sich selbst am Kreuze Gott geopfert und damit die ewige Versöhnung vollbracht hat. Seitdem haben zwar jene vorbildlichen Opfer des alten Bundes aufgehört, aber die Gläubigen des neuen Bundes sollen gleichwohl ein prieſterliches Geschlecht sein, welches, wie der Apostel Petrus( 1 Petri 2, 5) sagt, geistliche Opfer opfern soll, die Gott angenehm sind durch Christum. Damit meint er die Lob- und Dankopfer, welche wir Gott für das blutige Versöhnungsopfer Jesu Christi darzubringen haben und die in der Übergabe des Herzens in wahrer Buße und rechtem Glauben( Psalm 51, 19. Röm. 12, 1) und im Bitten und Beten, Loben und Preisen unsrer Lippen vor Gott( Ebr. 13, 15) bestehen. Dafür zu sorgen, daß die Seinen mit ihm diese geiſtlichen Opfer Gott täglich darbringen, das ist die Pflicht eines christlichen Hausvaters. Thut er das, so wartet er seines Amtes als Hauspriester und kann sich der Verheißung Christi getrösten: ,, Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen( Matth. 18, 20)". Darum soll er es ja nicht unterlassen, seine Hausgenossen, Weib, Kinder, Gesinde, und wer sonst bei der Familie ist, täglich des Morgens und des Abends, vor Beginn und nach Schluß der täglichen Berufsarbeit, um sich zu sammeln zu gemeinsamer Anbetung Gottes. Die Ordnung mag etwa folgende sein: Allgemeines Gebetbuch. 1 2 Erster Teil: Das Hausbuch. Ordnung für die Anbetung. a) Am Morgen. Der Hausvater beginnt mit den Worten: Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. oder: Das walte Gott Vater, Sohn und heiliger Geist. Amen. Hierauf liest der Hausvater ein Lied, wobei er entweder ein Morgenlied oder ein auf die kirchliche Zeit bezügliches wählen kann. Kann die Hausgemeinde das Lied ganz oder teilweise singen, desto besser. Daran schließt sich die - Schriftlektion. Ein Lektionar zur Auswahl siehe 3. Abteilung S. 161 ff. Sonntags bekennt hierauf die Hausgemeinde das Credo oder Glaubensbekenntnis. ( Siehe dasselbe S. 389 unter Nr. 1.) Nach der Schriftlektion spricht der Hausvater Das Gebet, wobei entweder Morgengebete( f. S. 6 ff.) oder Kollekten oder Gebete, welche auf die firchliche Zeit passen, f. 3. Abteilung( S. 168 ff.) gebraucht werden können. Dann beten alle gemeinsam Das Vaterunser( S. 6), worauf der Hausvater die Morgenandacht mit dem Segenswunsch schließt: ,, Der Friede Gottes, welcher höher ist, denn alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christo Jesu. Amen." 11 Oder: Der Herr segne uns und behüte uns, der Herr erleuchte sein Angesicht über uns und sei uns gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen." b) Am Abend. Der Hausvater beginnt mit denselben Worten, wie am Morgen: Im Namen Gottes 2c. oder: Das walte Gott Vater 2c., worauf eine 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht.- Ordnung f. d. Anbetung. Schriftlektion aus Abting. 3 S. 161 ff. folgt. Dann spricht der Hausvater Das Gebet, entweder ein Abendgebet( S. 7 ff.) oder eine Kollekte oder ein auf die kirchliche Zeit bezügliches Gebet aus Abting. 3( S. 168 ff.). Hierauf folgt ein Lied, wobei dasselbe gilt, was dazu für die Morgenandacht bemerkt ist Die Hausgemeinde betet Das Vaterunser, und der Hausvater schließt mit dem 17 3 Segenswort, wie am Morgen: ,, Der Friede Gottes, welcher höher ist, denn alle Vernunft zc." oder: Der Herr segne uns und behüte uns 2c." Neben dem Morgen- und Abendgebet mit den Seinen vergesse der Hausvater auch nicht des Gebets wenigstens bei der Hauptmahlzeit des Tages, dem Mittagsmahle. Will er selbst das Tischgebet nicht sprechen, so lasse er es eins seiner Kinder sprechen; aber unterbleiben darf es nicht, denn Gott giebt täglich Brot auch wohl ohne unser Gebet allen bösen Menschen, aber Christenmenschen sollen es als seine Gabe erkennen und mit Danksagung empfangen ihr täglich Brot. Was etwa des Morgens, Mittags und Abends an Sonn- und Wochentagen gebetet und was aus Gottes Wort gelesen werden mag, das findet sich im Folgenden S. 7 ff. verzeichnet. Wem Gott den Geist des Gebets verliehen hat, also daß er frei aus dem Herzen zu beten vermag, der mag auch dies thun. Doch wird es gut sein, die hier dargebotenen Gebete nicht gar bei Seite zu lassen, darum daß sie zugleich wohl von vielen Christen hin und her gebraucht werden und eine solche Gebetsgemeinschaft gar lieblich ist, auch des Herrn besondere Verheißung hat( Matth. 18, 19): ,, Wo zwei oder drei eins werden auf Erden, warum es ist, daß sie bitten wollen, das soll ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel." Bereitung zum Gebet. Gott Vater, Sohn und heiliger Geist, du Schöpfer und Erhalter aller Dinge, Erlöser und Tröster des ganzen menschlichen Geschlechtes, König aller Könige und Herr aller Herren, 1* 4 Erster Teil: Das Hausbuch. mein Gott, ich unterwinde mich, mit dir zu reden, wiewohl ich Erde und Asche bin. Meine sündliche Unwürdigkeit und Nichtigkeit schrecket mich, deine große Güte aber und Barmherzigkeit machet mich freudig, meine Augen vor dir aufzuheben und das Verlangen meines armen Herzens dir zu entdecken. Ich bezeuge, o Gott, vor aller Welt, daß ich mit Leib und Seel, ja mit allem, was ich bin und habe, dir zugehöre und daß ich als dein Geschöpf, dein Eigentum, dein Werkzeug, dich, du glorwürdigster Gott, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von allen Kräften zu lieben, zu loben und dir zu dienen schuldig bin. So glaube ich nun auch, o höchstes, unbegreifliches, unermeßliches, unerschöpfliches Gut, aus findlicher Zuversicht und Hoffnung zu dir, du werdest mein Gebetsopfer, welches ich im Glauben bringe, dir in Gnaden gefallen lassen und das Seufzen deines armen Knechtes nicht verschmähen. Amen. M. Christian Scriver. Ach himmlischer Vater, barmherziger ewiger Gott, ich bin ein unwürdiger, armer Sünder und nicht würdig, daß ich meine Augen oder Hände zu dir aufhebe und bete. Aber weil du uns allen geboten hast zu beten und dazu auch Erhörung verheißen und über dasselbe uns beides, Wort und Weise gelehret durch deinen allerliebsten Sohn, unseren Herrn und Mittler Jesum Christum, so weiß ich wahrhaftig und gewiß, daß dir solch Gebet wohlgefällig ist. Komme demnach auf solch dein Gebot, dir gehorsam zu sein und verlasse mich auf deine gnädige und gewisse Verheißung und will im Namen meines Herrn Jesu Christi, und in wahrem Glauben( in dieser hohen großen Not und Beschwerung meines Herzens) all mein Anliegen vor dir ausschütten. Erhöre mein Seufzen um Jesu Christi willen und lehre mich durch deinen heiligen Geist, daß ich im Geist und in der Wahrheit, mit fröhlichem Glauben und findlicher Zuversicht bete, hilf, daß ich allezeit meine Not dir herzlich klage, das Anliegen meines Herzens dir vertrau 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht. Bereitung zum Gebet. 5 lich vortrage, all mein Elend dir fröhlich befehle, eine gewünschte Erlösung erlange und durch ein ernstes Gebet alle meine Not fröhlich überwinde. Ach Herr, in all unserer Not und Anfechtung des bösen Feindes erhöre und errette uns mit gnädiger Hilfe, daß wir dich für alle deine Gnade, Güte und Wohlthaten mit fröhlichem Herzen und Munde lieben, loben und preisen zeitlich und ewiglich. Erhöre mich, wenn ich rufe, o Gott Vater, der du mich erschaffen hast, erhöre mich, o Gott Sohn, der du mich erlöset hast, erhöre mich, o Gott heiliger Geist, der du mich geheiligt hast, erhöre mich, o du heilige und hochgelobte Dreifaltigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Amen. Lüneburgisches Handbuch. 1652. Nach Luther. O ewiger, barmherziger Gott, ein Vater unsers Herrn Jesu Christi, weil wir nicht wissen, noch begreifen können, was und wie wir beten sollen, du aber überschwänglich thun kannst über alles, das wir verstehen und bitten mögen, so schreie ich zu dir: Geuß über uns aus, nach deiner Verheißung, den Geist der Gnade und des Gebetes, der uns bei dir vertrete mit unaussprechlichem Seufzen, auf daß wir dich, wahren Gott, mit Mund und Herzen andächtig in rechtem Ernst anrufen und das angenehme Lobopfer dir bringen. Herr, thue meine Lippen auf, daß mein Mund deinen Ruhm verkündige. Erwecke meine Seele und Gemüt, daß ich nicht allein mit meinem Munde zu dir nahe und dich nur mit den Lippen chre, aber das Herz ferne von dir sei, sondern verleihe Gnade, daß ich dich wie die rechtschaffenen Anbeter im Geist und in der Wahrheit anrufe, mit herzlicher Aufmerkung und Inbrünstigkeit meines Gemütes, ohne Heuchelei und Ehrgeiz, und daß ich nichts von dir begehre, denn allein, was dein göttlicher Wille, dein Lob und Ehre, dazu meiner Seelen Seligkeit ist. Verleihe auch, daß alles, was ich von dir bitte, solches mit starkem Glauben und gewisser Zuversicht von deiner milden Güte zu erlangen ungezweifelt hoffe, auch dir hierinnen 6 Erster Teil: Das Hausbuch. nicht Zeit, Ziel oder Maß der Erhörung und Hilfe sehe, sondern mich deinem gnädigen Willen, der allerwegen der beste ist, in allen Dingen mit starker Hoffnung und Geduld gänzlich in Demut meines Herzens unterwerfe. Dazu gieb Gnade, daß wir nicht vor dir liegen mit unserm Gebete auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit, und im Namen deines lieben Sohnes Jesu Christi, in welchem wir Freudigkeit haben, vor deinen Gnadenstuhl zu treten und dich mit kindlicher Zuversicht unsern lieben Vater zu nennen. Stärke uns, daß wir vom Beten nicht abgeschreckt oder laß und träge werden um unsrer Unwürdigkeit oder andrer Ursache willen. So hilf nun, gütiger Gott, daß wir an allen Orten aufheben heilige Hände ohne Zorn und Zweifel, und emsiglich anhalten mit Bitten, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, damit wir um deiner gnädigen Zusage willen und nach deinem Wohlgefallen empfahen allerlei zeitliche und himmlische Gaben, in Jesu Christo, unserm Herrn, der mit dir lebt und regieret in Ewigkeit. Amen. Joh. Habermann. Das heilige ,, Vaterunser", oder das Gebet des Herrn. ( Matth. 6, 9-15. Luf. 11, 1-4.) Vater unser, der du bist im Himmel, geheiliget werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden. Unser täglich Brot giebt uns heute, und vergieb uns unsre Schuld, wie wir vergeben unsern Schuldigern, und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns vont dem Übel. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. Luthers Morgen- und Abendsegen. Luthers Morgenſegen. Wie ein Hausvater sein Gesinde soll lehren, sich morgens und abends zu segnen. Des Morgens, wenn du aus dem Bette fährst, sollst du dich segnen mit dem heiligen Kreuze( †) und sagen: 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht.- Luthers Morgen- u. Abendsegen. 7 Das walte Gott Vater, Sohn und heiliger Geist. Amen. Darauf knieend, oder stehend den Glauben und Vater unser. Willst du, so magst du dies Gebetlein dazu sprechen: Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, daß du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast; und bitte dich, du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß dir all mein Thun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände; dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen. Und alsdann mit Freuden an dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen, oder die zehn Gebote, oder was deine Andacht giebt. Luthers Abendsegen. Des Abends, wenn du zu Bette gehest, sollst du dich segnen mit dem heiligen Kreuze( †) und sagen: Das walte Gott Vater, Sohn und heiliger Geist. Amen. Darauf knieend und stehend den Glauben und Vater unser. Willst du, so magst du dies Gebetlein dazu sprechen: Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jeſum Christum, deinen lieben Sohn, daß du mich diesen Tag gnädiglich behütet hast; und bitte dich, du wollest mir vergeben alle meine Sünden, wo ich unrecht gethan habe und mich diese Nacht auch gnädiglich behüten. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände, dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen. Und alsdann flugs und fröhlich eingeschlafen. Am Sonntag- Morgen. Ewiger, allmächtiger Gott und Vater, ich sage dir von Herzen Lob und Dank, daß du mich in dieser vergangenen Nacht und alle vorige Zeit durch deine heiligen Engel vor allem Übel und Gefahr Leibes und der Seelen gnädiglich behütet und den heutigen Sonntag, an welchem du nicht allein Erster Teil: Das Hausbuch. das Licht erschaffen, sondern auch meinen Heiland um meiner Gerechtigkeit willen auferweckt hast, fröhlich und gesund hast erleben lassen. Und bitte dich von Grund meines Herzens, vergieb mir alle meine Sünden, damit ich dich je erzürnt habe, und zünde mein Herz an mit deinem heiligen Geiste, daß ich in deiner Erkenntnis täglich wachse und zunehme. Verleihe mir auch Gnade, daß ich mich diesen angehenden Tag über vor Sünd und Schanden hüte, denselben gebührlich feiere und in deinem göttlichen Willen erfunden werde, damit ich also möge wandeln, daß ich samt den lieben Meinen vor allem Übel Leibes und der Seelen behütet, dich stets in meinem Herzen und Gedanken behalte. Und wenn sich endlich mein Sterbestündlein herzunahet, daß ich von hinnen soll scheiden, wollest du mich in deines lieben Sohnes rechtschaffener Erkenntnis seliglich lassen entschlafen zum ewigen Leben. Amen. M. J. Gottfr. Olearius. Herr Jesu Christe, in die Hand deiner Barmherzigkeit befehle ich dir heute diesen Sonntag meine Seele, Leib, Sinne, Rede, Gedanken, Verstand, Gehen und all mein Thun und Vorhaben. Du wollest mein Herz und Mund mir öffnen, daß ich deinen Namen, der allein heilig ist unter allen Namen, möge loben und preisen. Und wie du mich geschaffen hast zu Lobe deines heiligen Namens, so gieb, daß ich mein Leben zu deinen Ehren möge zubringen und dir dienen in deiner Liebe und Furcht. Amen. Hamburgisches Gebetbuch. 1590. Gelobet sei der Herr, mein Gott, der mich aus lauter Güte und Barmherzigkeit eine neue Woche fröhlich und gesund hat erleben lassen. Ich bitte dich, lieber Gott und Vater, gieb mir auch in dieser angehenden Woche deine Gnade, daß ich sie durch deines heiligen Geistes Beistand dir zu Ehren und meinem Nächsten zum Besten in Friede und Gesundheit christlich anfangen, mitteln und vollenden möge. Amen. Löhe, Tägl. Hausbedarf. Herr, früh wollest du meine Stimme hören, früh will ich 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht. Am Sonntag- Morgen. 9 mich zu dir schicken und darauf merken. Allmächtiger, gnädiger Gott, du bist würdig zu nehmen Preis, Ruhm und Ehre; wer sollte dich nicht fürchten, du König der Heiden, wer sollte dich nicht ehren, o liebreicher Vater! Ich komme in dieser Frühstunde zu dir mit demütigen Dank, daß du diese Nacht eine Wagenburg um mich und die Meinigen geschlagen und deine Güte und Treue wiederum an mir hast neu werden lassen. Begleite und beschütze mich auch heute auf allen meinen Wegen. Laß diesen Tag sonderlich einen Erbauungs- und Erquickungstag für meine Seele sein. Du hast nach deiner erbarmenden Liebe diesen Tag von leiblicher Arbeit frei gemacht, daß du dein Werk in mir haben mögest. O darum erleuchte, heilige und lehre meine Seele, daß ich Schätze möge sammeln, welche mich in Not und Tod, in Kreuz und Leiden erquicken können, welche weder Motten noch Rost fressen, da die Diebe nicht nachgraben noch stehlen. Ich freue mich deß, das mir geredet ist, daß wir werden hinauf in das Haus des Herrn gehen und meine Füße stehen sollen in deinen Thoren, Jerusalem. Eins bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne, daß ich im Hause des Herrn bleiben möge mein lebenlang, zu schauen die schönen Gottesdienste und seinen Tempel zu besuchen. Mein Gott, das soll heute meine Lust sein, dein Wort zu hören, in dir mich zu erbauen, dir zu Ehren Lob- und Danklieder anzustimmen, eifrig zu beten, und mein Herz dir zu schenken. Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth! meine Seele freuet sich in dem lebendigen Gott. Laß mich aber kein vergeßlicher Hörer sein, sondern ein Thäter des Wortes werden. Öffne mir das Herz wie der Lydia, daß ich den Samen des Wortes mit Freuden aufnehme; schließze hernach mein Herz zu, daß mir ihn Satan nicht wiederum raube. Laß mich heute in meinem Christentum, in der Erkenntnis Jesu Christi, im Glauben, in der Liebe, in der Verleugnung meiner selbst einen festen Grund legen, auf daß ich die ganze fünftige Woche daran denke, es ausübe und gute Früchte 1 Erster Teil: Das Hausbuch. bringe. Bewahre mich vor Verführungen, wenn der Satan seine Werkzeuge an mich schickt, daß ich nicht die Stunden der Welt überlasse, welche dir geheiligt sind, oder ihrer sündlichen Gesellschaft die Zeit, die ich dir zu Ehren hinbringen soll, aufopfere und eben damit einen schweren Fluch auf mich lade, welcher mich die ganze Woche noch drücken könnte. Ach laß meinen öffentlichen und häuslichen Gottesdienst, mein Beten, Hören, Lesen und Singen dir gefallen. Sei du selber, o Jesu, mein Lehrer, daß ich zunehme an dem inwendigen Menschen und wohne durch den Glauben in mir, bis ich droben mit dir unzertrennlich vereinigt werde. Amen. Joh. Fr. Start. 10 Oheiliger Vater, großer Herr und ewiger Gott, ich bitte dich von ganzem Herzen, daß du vom Himmel herabsehest und dein Angesicht zu mir kehren wollest. Barmherziger Vater, regiere und führe mich diesen Tag, auf daß ich nichts Übles thue und nicht fündige noch mißhandle wider dich. Allmächtiger Herr, leite mich dein armes Schäflein in deiner Wahrheit. Bewahre mich, o Herr, denn ich verlasse mich auf dich. Du bist meine einige Stärke, mein Fels und Burg, mein Schild und Schuß. Gerechter Gott, richte meinen Mund und Sinn dahin, daß ich dich fürchte und dir allein diene aus Liebe von ganzer Seele. Mache mich fromm von inwendig und auswendig, fehre ab von mir, das nicht lauter dein ist. Senke mich in dich, daß ich meinen Willen unter dich lasse, mein selbst und aller Kreatur ledig und los werde. Schaffe, daß ich nicht von der Natur so gar besessen bleibe, gieb, daß an mir erlösche der Durst aller zeitlichen Dinge, reute aus eigne Ehr und Nutz, treibe aus Haß und Neid, haue ab alle Lust und Anklebigkeit( Anhänglichkeit) dieser Welt. Sammle meine Seele zu dir ein und behalte mich in friedlichem reinem Gewissen. Benedeiung, Preis, Weisheit, Dank, Ehre, Gewalt und Stärke sei unserm Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Aus den Gebeten Kurfürst Johann Friedrichs, Herzogs zu Sachsen. 1562. 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht.- Während des Sonntags. 11 Herr Jesu Christe, du wertes Licht und Sonne der ewigen Gerechtigkeit, scheine mir allezeit kräftiglich mit deinem heiligen Worte und laß das Licht deines Trostes aufgehen in meinem Herzen. Behüte mich vor allen Werken der Finsternis und gieb, daß ich allezeit wandle wie die Kinder des Lichts, auf daß ich, aus der Finsternis dieser Welt errettet, die Klarheit deiner Herrlichkeit ewiglich schauen möge. Amen. Dresdner Gebetbuch. 1595. O du mein allerliebster Herr Jesu, dich bitte ich durch deine große Barmherzigkeit, durch welche du mich, Herr, vom ewigen Tode erlöset hast, mache mein hartes und steinernes Herz weich durch deine heilige Ölung( Salbung) des Geistes und durch deinen süßen tröstlichen Namen, daß ich vor dir allezeit ein demütiges und zerknirschtes Herz habe. Laß mich in deiner Liebe der Welt gar absterben und von wegen deiner Liebe aller zeitlichen und vergänglichen Dinge vergessen, als daß ich von wegen des Zeitlichen nicht traure noch mich freue, nichts Zeitliches fürchte noch liebe, sondern an dir allein all meine Lust, Liebe und Freude habe. Amen. Dresdner Gebetbuch. 1595. Während des Sonntags. Gebet für die Prediger göttlichen Wortes. Allmächtiger Gott, der du durch deinen lieben Sohn uns befohlen, dich zu bitten um Arbeiter in deine Ernte und uns Erhörung gnädiglich zugesaget hast, ich bitte dich um desselbigen deines lieben Sohnes willen, du wollest deiner lieben Christenheit rechtschaffene Diener und Prediger deines heiligen Wortes mit großer Anzahl und Scharen geben. Sende aus Weise und Schriftgelehrte, begnadige die mit deinem heiligen Geiste, welche du uns zuschickst. Erfülle sie mit wahrem Verstand deines Wortes, daß sie uns den Weg zum ewigen Leben recht weisen, die Schrift unverfälscht auslegen, dazu uns vor unrechtem Glauben und Menschentand, samt allem Gift der Seelen warnen, auf daß wir in reiner Lehre und Glauben Erster Teil: Das Hausbuch. lauter erhalten werden. Denn wie möchten wir sonst glauben, von dem wir nichts gehört haben, wie sollen wir aber hören ohne Prediger, wie sollen sie aber predigen, wenn sie nicht gesendet werden? Darüber, o herzallerliebster Vater, sebze in deine Gemeinde gottgelehrte Bischöfe, christliche Pfarrherrn, reine Prediger, treue Hirten, fromme Lehrer und Seelsorger, welche durch deinen heiligen Geist deine Gemeinde, die dein lieber Sohn mit seinem eignen Blut erworben hat, treulich weiden, das heilige Evangelium, dein teuer wertes Wort, zu Ehren deinem göttlichen Namen mit viel Nuß und Frucht verkündigen und ausbreiten, die Sündhaftigen zur Buße bekehren, die Schwachen im Glauben stärken, die blöden Gewissen trösten wider alle Anfechtung des Satans und der argen Welt und die da mächtig sind, zu ermahnen durch die heilsame Lehre und zu strafen die Widerstand thun, sie eintreiben und überwinden, des Teufels Reich zerstören und verwüsten; welche auch der Herde und Gemeinde Gottes dermaßen vorgehen mit gutem Exempel und gottgefälligem Wandel, daß alles Ärgernis verhütet und nicht jemand durch ein gottloses Leben vom Glauben abgehalten werde. O barmherziger Gott, schicke uns ja nicht ins Land einen Hunger und Mangel deines Wortes, daß wir der reinen Prediger nicht beraubt werden. Behüte uns, lieber Vater, vor den bösen Arbeitern, vor den untreuen Mietlingen und allen, die von ihnen selbst kommen gelaufen und nicht von dir gesendet werden, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Joh. Habermann. 12 Gebet für die Buhörer göttlichen Wortes. O gütiger Gott, du hast uns aus lauter göttlicher Liebe dein heilsames Wort und Evangelium klar und hell an den Tag gegeben, welches da ist eine geistliche Speise unsrer Seelen und eine göttliche Kraft, selig zu machen alle, die daran glauben, wie denn dein lieber Sohn spricht: ,, Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren" und: ,, So jemand mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich". 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht.- Während des Sonntags. 13 Derhalben bitte ich dich für alle Zuhörer deines heiligen Evangeliums, eröffne unsre Herzen und Ohren, daß wir dein Wort nühlich und fruchtbarlich hören, mit ganzem Fleiß und Ernst acht haben, lernen und begreifen, was uns zur Stärfung unsers Glaubens und zur Besserung unsers Lebens von nöten sein will. Laß dein Wort reichlich unter uns wohnen in aller Weisheit. Gieb deinen Geist und Kraft zu der Predigt deines Evangeliums, daß wir dieselbige Lehre nicht als Menschen, sondern als Gotteswort annehmen und wie die lieben Kinder würdiglich darnach leben, auf daß wir nicht allein Hörer des Wortes, sondern auch Thäter seien. ( Derhalben laß den Samen deines seligmachenden Wortes in unsern Herzen bekleiben, einwurzeln und viel Frucht bringen. Wehre und steure dem Teufel, daß er denselbigen nicht von unsern Herzen reiße und wir etwa vergeßliche Zuhörer ohne Glauben unfruchtbar bleiben. Auch daß wir nicht zu der Zeit der Anfechtung in Kreuz, Armut und Widerwärtigfeit verleugnen als die Wetterwendischen, welche eine Zeit lang glauben und zur Zeit der Verfolgung abfallen. Dazu hilf weiter, daß dein göttlicher Same bei uns unter den Sorgen, Reichtum und Wollust dieses Lebens nicht ersticke.) Behüte uns, du frommer Gott, daß wir nicht erfunden werden unter dem Haufen der Verächter und Spötter, die nach ihren eignen Lüsten in Sicherheit wandeln und das Wort mit verkehrtem Herzen, verstockten Sinnen zu ihrem Verderben und eigenem Urteil anhören. O himmlischer Vater, verleihe Gnade, daß wir alle heilwärtige nützliche Lehre und Strafe, alle treue Ermahnung mit Herzenslust und Freuden, mit rechtem Eifer und Andacht zu unsrer Besserung anhören, in einem feinen guten Herzen bewahren und Frucht bringen in Geduld, dazu beständig beharren bis an das Ende, auf daß wir ablegen alle Unsauberkeit und alle Bosheit und annehmen das Wort mit Sanftmut, das in uns gepflanzt ist, welches kann unsre Seelen selig machen in Christo Jesu, unserm Herrn. Amen. Joh. Habermann. Erster Teil: Das Hausbuch. Gebet, wenn man zur Kirche gehen will. Allmächtiger Gott, himmlischer Vater, auf deine große Güte will ich in dein Haus gehen und anbeten gegen deinen heiligen Tempel in deiner Furcht. Herr, leite mich in deiner Gerechtigkeit, richte deinen Weg vor mir her, führe mich auf dem Steige deiner Gebote, denn du bist mein Gott und Herr meines Heils. Lust habe ich zu deiner Wohnung und bin gern in der Gemeinde der Heiligen, die dich loben und bekennen. Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth; meine Seele verlanget und sehnet sich nach deinen Vorhöfen. Kommt, laßt uns anbeten und knieen und niederfallen vor dem Herrn, der uns gemacht hat, denn er ist unser Gott und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand. Erhebt den Herrn, unsern Gott, betet an zu seinem Fußschemel, denn er ist heilig. Ich bete zu dir zur angenehmen Zeit; Gott, durch deine große Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe. Amen. Hamburgisches Gebetbuch. 1590. 14 Gebet, wenn man in die Kirche kommt. Ach, Jesu Christe, getreuester Heiland! auf dein Wort und Befehl komme ich jetzo in dein Haus, zu der Stätte, da deine Ehre wohnet. Wie ich dir nun herzlich danke, daß du mich unwürdigen Menschen in das Haus deiner Gnade treten läsfest, also bitte ich dich, du wollest mir ein recht andächtiges, gläubiges und gehorsames Herz verleihen, damit ich, von der bösen Welt und meinem sündlichen Fleische abgewendet, zu dir, mein allerliebster Seligmacher, bekehrt und dermaleinst aus dieser streitenden in die triumphirende Kirche, die ewige Seligfeit, versetzt werde. Amen. Joh. Habermann. Lüneburgisches Handbuch. 1652. Ein anderes. Ich danke dir, Herr Jesu, daß deine Lust ist, unter uns zu wohnen und uns, so in deinem Namen versammelt gegenwärtig, zu segnen. Ach, gieb mir eine solche heilige An 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht.- Während des Sonntags. 15 dacht, Kraft und Willen, daß ich dich in deinem Gesandten höre und sehe, deine Begierde zu mir erkenne, mich zu dir, meinem König, führen und von der Unruhe des Zeitlichen, zur Ruhe in Gott von dir treiben lasse. Erwecke auch in mir einen göttlichen Eifer, die bösen Gedanken und Begierden, die der Teufel in den Tempel meines Herzens trägt, nicht zu leiden, noch einen Schein allein der Gottseligkeit zu haben, sondern gieb mir, mit Ernst, Demut und brünstiger Liebe dich, das eine nötige, beste, beständige Teil, zu erwählen, damit ich mir alle deine Güte zueigne und empfinde und also das Wort in mir lebendig und ich nach dem neuen Menschen immer stärker werde. Amen. Lüneburgisches Handbuch. 1652. Gebet vor der Predigt. Nun soll ich hier, mein Gott und Vater, die christliche Predigt von dir und deinem heiligen Willen vernehmen; ach, verleihe dem Prediger rechte himmlische Weisheit, daß er andres nichts, als dein heiliges Wort inbrünstig, andächtig und beständig vortrage. Entzünde mir das Herz, daß ich mit heiliger Andacht dein seligmachendes Wort vernehme, in einem feinen Herzen behalte und Frucht bringe in Geduld. Amen. Joh. Habermann. Gebet nach der Predigt. Gelobt sei Gott, der mir sein heiliges Wort auch diesesmal zu meiner Seelen Seligkeit hat predigen lassen. Herr Jesu, laß mich diesen teuern Schatz fleißig bewahren, demselben gehorsamlich folgen und dabei beständig verharren, damit ich mich desselben in aller Not und Widerwärtigkeit, ja endlich in der Todesstunde trösten, jelig sterben und dein Reich ererben möge. Amen. Joh. Habermann. Gebet nach dem Gottesdienst. Barmherziger Vater, dieweil du meine Seele durch die himmlische Gnadenspeise deines göttlichen Wortes abermals gesättigt, sage ich dir deswegen herzlich Lob und Dank und 16 Erster Teil: Das Hausbuch. bitte dich von Grund meines Herzens, du wollest hierauf mich in meinem Stand und Beruf gnädiglich, deinen Verheißungen nach, ansehen und segnen, mich allezeit in wahrer Andacht erhalten, damit ich dich dermaleinst in der ewigen Seligkeit mit allen himmlischen Herscharen unaufhörlich preisen möge. Dir sei, samt deinem geliebten Sohne, Jesu Christo, und dem heiligen Geiste für diese und alle andern Wohlthaten auch hier zeitlich Lob, Ehre und Dank gesagt. Amen. Lüneburgisches Handbuch. 1652. Um Glauben. O mein Gott und Herr, der du mich aus Gnaden ohne all mein Verdienst in diesen deinen heiligen christlichen Glauben erwählt und berufen hast, ich bitte dich, daß du denselbigen Glauben in mir erhalteſt, stärkest und mehrest, daß ich nimmermehr in keinem Artikel irre oder zweifle. Gieb, daß ich mich fröhlich darauf erwäge, daß er dein einiges Werk ist. Gieb mir zu erkennen Christum, deinen einigen Sohn, für meine eigne Gabe, daß er mir gegeben, geboren, gelitten, geſtorben, erstanden und gen Himmel gefahren sei, daß du mir ihn gegeben hast zu meinem Erlöser, Versöhner, Opfer und Bezahler meiner Schuld, zu meinem Seligmacher, daß ich ihn erfenne für meinen Herrn und Meister- daß ich wahrnehme seines Erempels zum Leben und zum Sterben, daß ich nachfolge seiner göttlichen Lehre und mich tröstlich auf sein Wort und Verdienst verlasse. Denn ich bekenne, daß nicht meine Werke oder Verdienst mögen austilgen meine Sünde oder die Gnade erwerben zum Leben, sondern allein seine Werke und Verdienst; die sind mächtig und genugsam, meine Sünde zu vertilgen, den Tod, Teufel und die Hölle zu überwinden. O barmherziger, gütiger Gott, gieb, daß dieſer mein Glaube ausbreche in die Werke der Liebe gegen dich und meinen Nächsten in wahrer rechter Liebe, durch welchen Glauben du mich wollest erleuchten, reinigen und rechtfertigen, verneuen und ein Kind Gottes machen. Amen. Aus den Gebeten Kurfürst Johann Friedrichs, Herzogs zu Sachsen. 1562. - - - 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht.-Am Sonntag- Abend. 17 Um Einigkeit des Sinnes und Verstandes in göttlichen Sachen. O du ewiger, barmherziger Gott, du bist ein Gott des Friedens, der Liebe und der Einigkeit, nicht aber des Zwiespalts und der Mannigfaltigkeit, mit welcher du jetzt nach deinem gerechten Urteil die Welt gestraft hast, weil sie dich, der du allein Einigkeit stiften und erhalten kannst, verlassen hat und auf ihre Weisheit von dir gefallen ist; besonders in den Stücken, die deine göttliche Wahrheit und die Seligkeit der Seele anlangen, hast du sie lassen sich teilen und trennen, auf daß sie in ihrer vermeinten Weisheit zu schanden würde und zu dir, du ewiger Freund der Einigkeit, zurückkehrte. Wir armen Sünden, denen du dies zu erkennen gnädig verliehen hast, bitten und flehen dich an, du wollest durch deinen heiligen Geist alles Zerstreute zusammenbringen, das Geteilte vereinigen und ganz machen. Gieb auch uns, daß wir zu deiner Einigung uns kehren, deine einige, ewige Wahrheit suchen und von allem Zwiespalt abweichen, daß wir Eines Sinnes, Willens, Wissens, Gemütes und Verstandes werden, der da gerichtet sei nach Jesu Christo, unserm Herrn, damit wir alsdann einmütig dich, himmlischer Vater unsers Herrn Jesu, mit einem Munde loben und preisen mögen, durch denselben unsern Herrn Jesum Christum, im heiligen Geiste. Amen. Aus Löhes Samenkörnern. Am Sonntag- Abend. Nun danket alle Gott, der uns vom Mutterleibe an lebendig erhält und thut uns alles Gute. Er gebe uns ein fröhliches Herz und verleihe immerdar Friede zu unsern Zeiten, auf daß seine Gnade stets bei uns bleibe und uns erlöse, so lange wir leben. Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi, die Liebe Gottes, und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns in alle Ewigkeit. Amen. Herr, allmächtiger Gott, himmlischer Vater, ich danke dir von Grund meines Herzens für alle deine Güte und Wohlthat, Allgemeines Gebetbuch. 2 18 Erster Teil: Das Hausbuch. die du mir heut diesen Tag so väterlich erzeigt, und daß du vor allem Übel mich frisch und gesund behalten hast. Ich bitte dich ferner, als dein liebes Kind, du wollest mich bei deinem alleinseligmachenden Worte bis an mein letztes Seufzen gnädig erhalten und mein Herz mit deinem heiligen Geiste erleuchten, daß ich möge erkennen, was gut oder böse ist. Du wollest auch alle meine Sünde, die ich heute wissentlich oder unwissentlich gethan habe, auch die verborgenen Fehler, durch deine Barmherzigkeit vertilgen und mir die zukünftige Nacht eine christliche Ruhe verleihen, daß ich frisch und gesund zu deinem Lobe wieder aufstehe. Hilf auch, lieber Vater, daß ich durch deine Gnade ein neues, dir wohlgefälliges Leben anfange, zu meiner Seelen Seligkeit in Jesu Christo, deinem lieben Sohne, unſerm einigen Helfer. Amen. Benj. Schmolck, Güldenes Kleinod. O Herr Gott, Schöpfer Himmels und der Erden, ich sage dir ewiges Lob und Dank durch Jesum Christum, meinen einigen Seligmacher, daß du mich so gnädig und väterlich diesen vergangenen Tag behütet hast vor allem Schaden und Unfall Leibes und der Seelen. Dein heiliger Geist sei mit mir, der stärke und bewahre mich in einem festen Glauben an Christum und in wahrer Liebe gegen meinen Nächsten. Laß dir heute diese Nacht mein Leib und Leben, meine Seele und alles, was du mir aus Gnaden verliehen hast, in deinen väterlichen Schuh befohlen sein. Verzeihe mir alle meine Sünde und dies allein um Jesu Christi willen. Behüte auch alle meine Verwandten und alle, so mir treue Liebe und Freundschaft erzeigt haben, diese künftige Nacht. Laß des Teufels List und Gewalt, der Welt Betrug, des Fleisches List und Unreinigkeit und alle Gefahr und Schaden des Leibes und der Seelen nach deiner gnädigen Zusagung ferne von mir sein und den Schutz deiner lieben Engel nahe bei mir sein, laut deiner Verheißung: Alles was ihr bittet im Gebet, glaubet nur, so werdet ihr's empfangen. Ich glaube, Herr, ungezweifelt, daß du mich als dein liebes Kind 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht. Am Sonntag- Abend. 19 gnädiglich erhören und heute diese Nacht und alle Zeit meines Lebens gnädiglich behüten wirst. Mir geschehe, Herr, nach deiner tröstlichen Verheißung. O lieber Herr Jesu Christe, bleibe bei mir, denn es will Abend werden und der Tag dieser Welt hat sich fast geneigt. O lieber Herr Christe, wecke mich auf vom Schlaf der Sünden, damit ich bereit sei, wenn du zum Gericht kommst, dich mit Freuden zu empfangen und dir mit reinem Herzen zu dienen, durch dein Verdienst, Schmerzen, Leiden und Tod, hochgelobet in Ewigkeit. Amen. Dresdner Gesangbuch. 1595. -. Allmächtiger Herr und Gott, nach deiner Ordnung naht sich nun die Nacht und Finsternis herzu, und wir begeben uns in Ruhe und Schlaf. Wir rufen und schreien zu dir, wollest uns gnädig in deinem Schuß und Schirm halten, auch uns weder Nacht noch Finsternis, weder Feind noch Tod, noch den Fürsten der Hölle beschädigen lassen; und wo unsere Schwachheit mit Schlaf erfüllt sein wird, da laß doch wenigstens unser Herz und Gemüt in dir wachen; sei ihm allewege eine feurige Säule, nach welcher sich's im Finstern richte und verleihe uns, daß wir nicht als Kinder der Nacht und Finsternis, sondern des hellen Lichtes und ewigen Tages vor dir allezeit erfunden werden, durch unsern Herrn Jesum Christum. Amen. Aus Löhes Samenkörnern. Ich sage dir Dank, du wahres ewiges Licht, daß du mich in dem Glanze deiner göttlichen Gnade und deines Geistes in dieses natürlichen Tages Schein vor schweren Sünden behütet hast. Laß nun, o Gott, der du die Nacht dem gebrechlichen Leibe zur Ruhe verordnet hast, meine mühselige, sündige Seele in dir ruhen und Frieden haben vor aller List und jeglichem Anlauf des bösen Geistes. Meine Sinne und Gedanken laß samt Händen und Füßen feiern, schweigen und stille sein zu dir, der du den Deinen gegenwärtig und unvergessen bist auch im tiefen Schlafe. Laß ja nicht mein träges Fleisch die arme Seele überwältigen, daß sie dein ver2* 20 Erster Teil: Das Hausbuch. gesse des Nachts. Dir befehle ich meinen Geist, o Hirte, zu treuen Händen; du hast mich erlöset, Herr, du treuer Gott. Laß mich von dir nicht sinken, wache über mich, schirme mich mit deinen Flügeln. Wenn Tag und Nacht sich scheiden, so wecke mich und verleihe mir wieder das Licht, darin ich hier wandeln und bei dir dort ewig wohnen möchte. Höre und erhöre mich, der du nicht schläfst noch schlummerst, durch Jesum Christum. Amen. Aus Löhes Samenkörnern. Danksagung. Ich danke dir, mein Vater und Herr, und sage dich alles Lobes und Preises wert, daß du mich nach deinem Bilde eine lebendige vernünftige Kreatur allmächtig erschaffen hast; ich danke dir und bekenne dir alle Ehre, die du als ein Gott im Himmel und auf Erden hast, daß du mich aus Liebe durch das allerteuerste Blut deines Sohnes Jesu Christi von dem ewigen Tode erlöset hast. Ich danke dir, daß du mich aus Gnaden von Ewigkeit bisher erwählet und zur Gemeinschaft des heiligen christlichen Glaubens berufen und zum Bade der heilsamen Taufe gebracht und durch christliche Eltern im Glauben erzogen und deine Erfenntnis gelehret hast. Ich danke dir, daß du es aus Barmherzigkeit erduldet und meiner verschonet hast, so oft ich in Sünde gefallen bin. Ich danke dir, daß du mich aus Gunst vom Mißglauben, Irrtum und falscher Lehre errettet und in alle Wahrheit geführet hast. Ich danke dir, daß du mich mit Gaben des heiligen Geistes und seinen Früchten gnädiglich ohne mein Verdienst begabet hast. Ich danke dir, daß du deinen Geist von mir nicht nimmst, noch dein Wort von meinem Herzen und Munde. Ich danke dir für die Gesundheit meines Leibes, für Bewahrung meiner Sinne, für Stärke meiner Glieder, für Friede meiner Tage, für mannigfaltige Behütung meiner Gänge, für die Demütigung und stachliche Stäupung meines Fleisches, für Erhörung meines Gebets, für Beistand, für Trost, für allerlei Nutzung der Kreatur, für Nahrung und Kleidung, für Gunst 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht.- Am Sonntag- Abend. 21 frommer Leute, kurz für alle deine unzähligen Wohlthaten, große und kleine, und unaussprechlichen Gaben. Dir seligem und allein gewaltigem König aller Könige und Herrn aller Herren, der allein Unsterblichkeit hat, der da wohnet in einem Lichte, da niemand zukommen kann, welchen kein Mensch gesehen hat, noch sehen kann, dem sei Ehre und ewiges Reich. Amen. Aus den Gebeten Kurfürst Johann Friedrichs, Herzogs zu Sachsen. 1562. Eine andere. Wir loben und preisen dich, Herr Gott, Vater des Himmels und der Erden, daß du uns an diesem heutigen Tage aus lauter Güte und Barmherzigkeit reichlich versorget haſt, nicht allein dem Leibe nach mit dem täglichen Brod, sondern auch an unsrer Seele mit der himmlischen Speise deines heiligen Wortes. Verleihe, o treuer Gott, daß es in unsern Herzen verbleibe und großen Nußen schaffe zu deiner Ehr und unsrer Seligkeit. Wir bitten auch deine väterliche Gnade, du wollest uns ja dein rein Wort und Kirchendienst nicht entziehen, wollest uns auch unsre Schuld und Sünden, mit welchen wir diesen heutigen Tag möchten verunheiliget haben, nicht entgelten lassen, sondern dieselbige uns nach deiner großen Güte und durch das bittre Leiden und Sterben deines lieben Sohnes Jesu Christi verzeihen. Wollest endlich heute und die ganze übrige Zeit unsres elenden Lebens in diesem Jammerthal uns dir in deinen göttlichen Schutz und väterlichen Segen befohlen sein lassen und deine heiligen Engel um uns her lagern, damit der böse Feind keine Macht an uns finde. Weil aber nunmehr der Abend dieser Welt herbei naht und sich der Tag geneiget hat, so verleihe uns die Gnade deines Geistes, damit wir stets wachen und in lebendigem Glauben, in brünstiger Liebe, fester Hoffnung und heiligem Wandel warten der seligen Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes, unsers Heilandes Jesu Christi, wenn er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten, auf daß 22 Erster Teil: Das Hausbuch. wir ihn alsdann würdig und mit Freuden empfahen, ins ewige Leben mit ihm eingehen und den ewigen Feier- und Freudentag mit allen Auserwählten erreichen und ohne Ende halten mögen. Erbarme dich, o Herr, der ganzen Christenheit und entlade deine arme verfolgte Gemeinde aller Bedrängnis, Spott und Tyrannei; tröste alle geängsteten, betrübten Gewissen durch den wahren Tröster, den heiligen Geist, und sende uns allen deinen Frieden durch Jesum Christum, unsern Fürsprecher und einigen Mittler. Amen. Aus Cubachs Gebetbuch. Am Montag- Morgen. O du frommer, getreuer Gott und himmlischer Vater, ich lobe, ehre und preise dich von Grund meines Herzens, daß du mich dieſe vergangene Nacht hast sicher ruhen und schlafen lassen und durch deine väterliche Liebe mich frisch und gesund wieder erweckt hast. Ich bitte dich von Herzen, du wollest mich und alle frommen Christen heut diesen Tag und allezeit vor allem Übel und Gefahr Leibes und der Seele gnädig behüten, damit ich alle Tage in deinem Willen erfunden werden möge. Denn ich befehle mich, mein Leib, Seel, Herz, Sinn, Mut und Gedanken, all mein Dichten und Trachten, mein Gehen und Stehen, mein Siten und Liegen, meinen Eingang und Ausgang, mein Leben und Sterben und alles, was ich bin und vermag, in deinen göttlichen Schuß und Schirm. Dein heiliger Engel sei und bleibe bei mir, daß mir kein Unglück an Seel und Leib widerfahren möge. Solches verleihe mir um Jesu Christi deines lieben Sohnes willen. Amen. Benj. Schmolck. O Herr Jesu Christe, sei heut und die ganze Zeit meines Lebens ein Anfang aller meiner Arbeit und Werke. Sei mein Tröster, mein Helfer, mein Segen, mein Beistand und bewahre mich und die Meinigen vor allem Übel, daß der böse Feind und böse Leute keine Macht an uns finden. Amen. Aus Löhes Samenkörnern. 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht. Am Montag- Morgen. 23 Ich danke dir, mein himmlischer Vater, Gott und Herr, von Grund meines Herzens, daß du mich diese vergangene Nacht über so väterlich vor allem Schaden und Gefahr bewahret und mich nicht in den zeitlichen Tod, noch in die Hände meiner Feinde, die im Finstern herumschleichen, gegeben hast, sondern mich frisch und gesund wiederum hast aufstehen lassen, dafür sei dir ewiges Lob und Dank gesagt. Ich bitte dich, o du heiliger Gott, o du barmherziger Gott, himmlischer Vater, du wollest mir auch heute diesen Tag mit deiner väterlichen göttlichen Hilfe beiwohnen, mich vor allem Schaden und allen Feinden und Gefahr Leibes und der Seelen väterlich schützen und mit deiner Gnade mir beiwohnen, und mir Leibeskräfte, Verstand, Witz und Sinn verleihen, damit ich meinem Amt, Handel, Gewerbe und Handtierung in deiner Furcht diese Woche glücklich möge vorstehen, und den Tag, nebst allem meinen Thun und Lassen, dermaßen enden und beschließen, daß es alles zu deinen göttlichen Ehren, zu Dienst meines Nächsten und zu mein und der Meinigen zeitlichen und ewigen Wohlfahrt und Frommen gereichen möge. Das wollest du thun, Gott Vater und Sohn, Christe Jesu, samt dem heiligen Geist, hochgelobet und gebenedeiet in alle Ewigkeit. Amen. Rigisches Gebetbuch. 1688. - Ewiger, wahrhaftiger Sohn Gottes, Jesu Christe, unser Herr und König, ein Überwinder des Satans, zu dir schreien wir und bitten demütiglich, treibe aus von uns den bösen Geist mit deines Fingers Kraft, verleihe uns Stärke, Wehr und Waffen, den Satan zu widerstehen. Ach Herr, das elende Hüttlein unseres Herzens, so übel verwahret wider den grauſamen Feind, laß dir befohlen sein, befestige es, verwahre es mit der Ringmauer deiner Barmherzigkeit, daß wir unter deinem Schutz wohl befriedet und von Sünden gereinigt, deine ewige Wohnung bleiben und dich allezeit loben. Vor allen Dingen verhüte gnädiglich, daß der ausgetriebene Satan nicht wieder zu uns einkehre. Ach treuer Nothelfer, Jesu Christe, steure und 24 Erster Teil: Das Hausbuch. wehre den bösen Geistern, daß sie bei uns nichts schaffen, nichts gewinnen, sondern mit aller ihrer List und Tyrannei zu schanden werden, und wir in der empfangenen Gnade reichlich wachsen und beständig verharren bis ans Ende. Amen. Dresdner Gebetbuch. 1595. Herr Jesu, dir übergebe ich meinen Leib, meine Seele, meine Habe, meine Ehre, meine Freude, meine Freiheit und mein Leben. Thue mit mir und all den Meinen, wie es am besten ist vor dir, wie es zu Ehren deines heiligen Namens dient. Dein heiliger Engel schirme und behüte mich vor allem Schaden und wehre ab von mir alle Mächte der Finsternis, um Jesu Christi willen. Amen. Löhe, Täglicher Hausbedarf. O allmächtiger Gott, ich befehle dir heute diesen Tag und allezeit meine Seele, Leib, Gesicht und Gehör, all meine Gedanken, Reden und Vorhaben in die Hand deiner Allmächtigkeit. O du heilige Dreifaltigkeit, du wollest mich erhören und diesen Tag vor allem Übel, Ärgernis, Sünden, Listigkeit und Tücken des Teufels und aller meiner Feinde behüten, durch deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Hamburgisches Gebetbuch. 1590. Am Montag- Abend. In deinem Namen, mein lieber Herr Jesu, lege ich mich jetzt zu dieser meiner zeitlichen Ruhe. Gieb mir aus Gnaden auch einmal die ewige Ruhe, daß ich in dir möge selig einschlafen, fröhlich wieder auferstehen und zur ewigen Herrlichkeit eingehen. Amen. Aus Löhes Samenkörnern. Barmherziger Gott und gnädiger Vater, ich danke dir von ganzem Herzen, daß du mich heut diesen Tag bis auf gegenwärtige Stunde vor allem Unglück Leibes und der Seele gnädig behütet hast, und bitte dich um Jesu Christi, deines lieben Sohnes willen, du wollest mir aus Gnaden vergeben alle meine Sünden, so ich heute diesen Tag abermal mit Gedanken, Worten und Werten wider dich gethan habe, und wollest derselbigen in Ewigkeit 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht. Am Montag- Abend. 25 nicht gedenken. Und weil ich mich nun will zur Ruhe legen, so wollest du mich heute diese Nacht vor allem Übel Leibes und der Seele auch väterlich behüten, daß ich vor des Teufels List und Gewalt, vor bösen, unnüßen, schändlichen Träumen behütet, sicher ruhen und schlafen und zu deinem Lobe frisch und gesund wieder aufwachen möge. Nun in deine göttliche Hand befehl ich mich ganz und gar. Du hast mich erlöset, du getreuer Gott. Amen. Benj. Schmold, Güldenes Kleinod. Herr Zebaoth, du Gott der Heerscharen, du hast heute abermals die Schar deiner heiligen Engel deine liebe Christenheit, so hin und her in dieser kümmerlichen Welt zerstreut iſt, beschirmen und auch mich elenden Sünder behüten lassen, da ich doch gewißlich zum öftern werde geirrt und gesündigt haben. Ach Gott, was kann ich mehr sagen, denn daß du ein überaus gütiger Gott bist, der viel mehr Lust hat, mich mit unverdienten Wohlthaten zu erfreuen, als mit verdienten Strafen zu betrüben. Dir, o Gott, sei Dank; dir, o Gott, sei Ehre; dir, o Gott, sei Lob; dir, o Gott, sei Preis jetzt und allezeit. Mein Gott, sei doch ferner mein Gott, und wie ich heute durch deine Gnade und Hilfe von dem Schlafe bin aufgestanden und dieſen Tag durch deine Gnade vollbracht habe, also wollest du mich auch diese Nacht durch deine Gnade ruhen, schlafen und nach deinem väterlichen Wohlgefallen morgen wieder gesund und gesegnet erwachen und aufstehen lassen. Dein heiliger Geist erleuchte mich, daß ich deiner Wohlthaten nimmermehr vergesse. Deine allmächtige Hand erhalte mich, deine väterliche Güte erquicke mich, damit ich dir allezeit freudig dienen möge. Wenn ich auch in dem zeitlichen Tode einmal werde entschlafen sein, so verleihe durch die Auferstehung Jesu Christi, daß ich an jenem Tage getrost aus dem Tode hervorgehen und zu der ewigen Herrlichkeit gelangen möge. Amen. O mein Gott und Herr. Amen. Amen. Rigisches Gebetbuch. Ewiger Gott, barmherziger Vater, ich hebe meine Hände 26 Erster Teil: Das Hausbuch. auf zu dir wie ein Abendopfer und sage dir von Herzen Lob, Preis und Dank, daß du mich diesen Tag und die ganze Zeit meines Lebens vor allem Übel und Unfall durch den Schuß deiner lieben Engel wider den bösen Feind gnädiglich beſchirmet hast. Ich bitte dich, du wollest mir vergeben alle meine Sünde, wo ich unrecht gethan habe, und mich diese Nacht ferner mit deinen heiligen Engeln umgeben, daß sie sich rings um mich lagern und eine Wagenburg um mich schlagen, auf daß ich des bösen Feindes Fallstrick und arger List möge entfliehen. Laß mich, dein armes Geschöpf, deiner Güte und Barmherzigkeit befohlen sein, schüße mich mit deinem ausgestreckten Arm, denn von Herzen begehre ich dein des Nachts, dazu mit meinem Geiſt in mir wache ich allezeit zu dir. Ich harre deiner Güte und meine Seele hoffet auf dich lebendigen Gott, denn du bist meine Zuflucht und treuer Heiland. Siehe, Herr, wir schlafen oder wachen, so sind wir dein; wir leben oder sterben, so bist du ja unser Gott, der uns geschaffen hat. Darum schreie ich zu dir, laß deine Gnade nicht ferne von mir sein, beschirme mich mit deinem Schild. Erhalte mich, daß ich ruhig liege und sanft einschlafe und gesund wieder erwache. Decke mich in deiner Hütte zur bösen Zeit, verbirg mich heimlich in deinem Gezelt, und erhöhe mich auf einen Felsen, so werde ich mir nicht grauen lassen. Und ob ich schon wandere im finstern Thal, werde ich kein Unglück fürchten, denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. So verleihe mir nun deine Gnade, daß mein Leib schlafe, die Seele aber allezeit zu dir wache, und daß ich dich stets in meinem Herzen habe und du nimmermehr aus meinem Gemüt kommest, auf daß mich die Nacht der Sünden nicht überfalle. Bewahre mich vor bösen, schändlichen Träumen, vor unruhigem Wachen und unnüßen Sorgen, vor argen, schweren Gedanken und vor aller Qual. Mein Gott und Herr, in deinen gnädigen Schuß befehle ich dir meinen Leib und Seele( meine lieben Geschwister), und alle, die mir mit Blutsfreundschaft oder sonst verwandt sind. Laß dirs gefallen, Herr, daß du uns erUniv.- Bibl. Glessen 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht. Am Dienstag- Morgen. 27 retteſt und wende deine Barmherzigkeit nicht von uns; laß deine Güte und Treue allewege uns behüten. Darum bedecke uns in dieser Nacht mit deiner Güte, umfahe uns mit deiner Gnade auf allen Seiten, unterbreite uns deine Barmherzigkeit, daß wir an Seel und Leib behütet werden. Amen. Joh. Habermann. - Allmächtiger Gott, gnädiger Herr und Vater, ich sage dir ewiges Lob und Dank durch Christum Jesum, meinen einigen Seligmacher, daß du mich und die Meinen so gnädiglich und väterlich diesen vergangenen Tag behütet und bewahret haſt vor Sünden, Schande und allem Unfall Leibes und der Seelen. Dein heiliger Geist sei mit mir, der wolle mich stärken und bewahren in einem festen Glauben an Christum und in wahrer Liebe gegen meinen Nächsten, damit ich darinnen seliglich verharre, auf daß ich und all mein Thun dir gnädiglich gefalle und immer und ewiglich dein Reich besize, durch Chriſtum Jesum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Hamburgisches Gebetbuch. 1590. O du allmächtiger, ewiger Gott, heiliger Vater, ich sage dir Dank, der du mich, deinen unnüßen Knecht, nicht aus meinem Verdienst, sondern aus deiner milden Gnade diesen Tag gnädiglich behütet hast und bitte, o barmherziger Gott, deine große Güte, du wollest mich diese zukünftige Nacht lassen zubringen mit reinem Leib und Herzen, auf daß ich wieder aufstehe frisch und gesund und dir ferner dienen möge und dich loben und preisen durch deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Hamburgisches Gebetbuch. 1590. Am Dienstag- Morgen. Allmächtiger, barmherziger Gott Vater, ich sage dir Lob, Ehre und Dank, daß du mich armen Sünder also väterlich beschirmest und erhältst, obschon ich so mannigfaltig wider deinen göttlichen Willen, Gnade und Güte gesündigt. Ich bitte dich, Herr mein Gott, du wollest mir gnädig und barmherzig sein 28 Erster Teil: Das Hausbuch. und mir verzeihen und vergeben alle meine Missethat. Nimm weg mein steinern Herz, zeuch ab von mir den alten Menschen, erneure mein Herz und Geist, daß ich dich meinen höchsten Schatz erkenne, vollkömmlich lieb habe und deine heiligen Gebote emsiglich betrachte, in ihnen mit höchstem Fleiß und heiligem Gehorsam unsträflich wandle. Herr, allmächtiger treuer Gott, ich bitte dich durch das bittre Leiden und Sterben deines lieben Sohnes Jesu Christi, behüte mich heut und allerwegen vor Unehrung deines heiligsten Namens und Übertretung deines göttlichen Willens; nimm mich mir und meiner bösen Natur und gieb mich dir, daß ich mein selbst ganz und gar ledig werde und mich an dich ergebe durch wahren lebendigen Glauben, starke Hoffnung und inbrünstige Liebe. O Herr Jesu Christe, ich bitte durch die Liebe deines himmlischen Vaters, gehe mir vor mit deiner Gnade, führe mich in der rechten Straße deines heilsamen Wortes durch diese irrige und schalkhaftige Welt, daß ich nicht von jemand verführt von deinem Worte abfalle, dein vergesse und unchristlich lebe, sondern behüte mich, mein lieber Herr Jesu, und alle Menschen vor Sünde und Unglauben, vor bösen Gedanken, Worten, Werken und ärgerlichem Wandel, auf daß dein himmlischer Vater in und durch uns gelobt, geehrt und gepriesen werde, mit dir und dem heiligen Geiste, der uns aus herzlicher, inbrünstiger Andacht beten und sprechen mache im Geist und in der Wahrheit: Vater unser 2c. Joh. Bugenhagen. Mein Herr und mein Gott, in deinem Namen gehe ich nun hin, heute diesen Tag die Werke meines Berufs zu verrichten, und befehle dir hiermit meinen Leib und meine Seele, mein Weib( Mann) und Kind, mein Haus und Hof, mein Gut und Ehre und alles, was ich habe, nimm uns in deinen göttlichen Schuß, breite deine Gnadenflügel über uns aus, wehre und steure unsern sichtbaren und unsichtbaren Feinden, erfülle uns mit deinem göttlichen Segen und führe uns durch dieses Zeitliche ins Ewige, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Joachim Emden. 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht. Am Dienstag- Morgen. Gelobt sei Gott, der Schöpfer Himmels und der Erden, gelobt sei der Herr, der allein Wunder thut, und gelobt sei sein herrlicher Name ewiglich! der den Tag und die Nacht durch seine göttliche Weisheit geschaffen und unterschieden hat, dazu verordnet, daß, so lange die Erde stehet, sie nicht sollen aufhören, auf daß der Mensch des Nachts möge seine Ruhe haben und am Tage wieder an seine Arbeit gehen. Herr, wie sind deine Werke so groß und viel, du hast sie alle weislich geordnet, und die Erde ist voll deiner Güte. Für solche deine Wohlthaten sollen wir dir danken, ehe die Sonne aufgehet, und vor dich treten, wenn das Licht hervorbricht. Darum preise ich dich jetzt auch, daß du mich in dieser Nacht hast sicher schlafen und ruhen lassen und wiederum fröhlich und gesund erwachen, dazu vor aller Gewalt und Bosheit des Feindes väterlich beschirmet. Ich bitte dich, du wollest meine Seele in deine Hand einschließen, meinen Leib nach deinem Wohlgefallen gesund erhalten und mich vor allem Übel und Schaden behüten. Sei du mein gewaltiger Schuß, meine große Stärke, mein Schirm wider die Hitze, meine Hütte wider den heißen Mittag, meine Hut wider das Straucheln, meine Hilfe wider den Fall, auf daß mich kein Übel treffe. O gütiger Gott, weil die Stunde auch da ist, aufzustehen vom Schlaf der Sünden und aller Ungerechtigkeit( sintemal unser Heil jetzt gar nahe ist, denn die Nacht ist vergangen und der Tag herbeigekommen), so hilf, daß wir ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts, auf daß wir ehrbarlich wandeln als am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Geilheit und Unzucht, nicht in Hader und Neid, sondern daß wir anziehen Jesum Christum in wahrem Glauben und christlichem Wandel. Derhalben wecke mich alle Morgen, wecke mir das Ohr, daß ich mit gläubigem Herzen dein heilig Wort höre, dasselbige in meinem Gedächtnis behalte, auch daß ich meine Ohren neige zu dem Schreien und Flehen der Armen, dieselbigen in ihrer Not nicht verlasse, und wenn ich wieder in meiner Angst zu dir rufe, so erhöre du auch - 29 30 Erster Teil: Das Hausbuch. die Stimme meines Flehens und verachte nicht das Seufzen in meiner letzten Not. Laß mein Gebet frühe vor dich kommen, neige deine Ohren zu meinem Schreien, fülle uns frühe mit deiner Gnade, so wollen wir rühmen und fröhlich sein in dir unser Leben lang. Amen. Joh. Habermann. Gelobt seist du, o Gott, mein Schöpfer, gelobt seist du, o Gott, mein Heiland, gelobt seist du, o Gott, mein höchster Tröster, der du mein Schild und Horn meines Heils und mein Schuß bist und mich die vergangene Nacht wiederum vor allen geistlichen und leiblichen Feinden so väterlich bewahrt hast. Ich bitte dich demütiglich, du wollest auch diesen Tag deine Güte über mich ausstrecken und mich mit deiner Barmherzigkeit erfüllen, auch vor Süden und allem Übel gnädiglich behüten. Umgieb mich, o Herr, rings mit deinem Schilde, daß der leidige Satan und seine Werkzeuge, die mir auf allen Seiten nachstellen, mit all ihrer Gewalt und Bosheit, List und Tücke, innerlich und äußerlich, heimlich und öffentlich, mir keinen Schaden zufügen können. Erhalte mich in deiner Furcht, daß ich nicht sündige, sondern dich herzlich liebe und dein Knecht( deine Magd) sei ewiglich. Verleihe mir auch deine Gnade, daß ich die Werke meines Berufes treulich und fleißig ausrichte. Gieb dein Gedeihen zu meinem Amt und Stand; segne mein Brot und Wasser und richte all mein Vorhaben, Thun und Arbeit zu deinem Lob, auch zu meiner zeitlichen und ewigen Wohlfahrt. Wende von mir alle bösen Krankheiten und was mir an Seel und Leib schädlich sein mag. Insonderheit aber behüte mich vor einem bösen, schnellen Tode und vor allerlei Herzeleid. Dein heiliger Geist weiche nur nicht von mir. Dein guter Engel sei allezeit zwischen mir und allen meinen Feinden, daß sie keine Hand an mich legen können. Deine Gnade und Segen sei ewiglich über mir. Amen. Georg Zeämann. O gekreuzigter Herr Jesu Christe, beschüßze mich mit deiner rechten Hand, gieb mir den lebendigen Glauben und hilf, daß 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht.- Am Dienstag- Abend. 31 ich laufe den Weg deiner Gebote mit freudigem Herzen und in meinen Sitten mich so verhalte, wie deinem Tempel und der Wohnung des heiligen Geistes geziemt und gebührt. Amen. Löhe, Tägl. Hausbedarf. Allmächtiger Gott und himmlischer Vater, ich befehle dir heute diesen Tag mein Leib, Leben, Seele und alles, was du mir aus Gnaden verliehen hast, in deinen väterlichen Schutz und Schirm und bitte dich in dem Namen Christi, meines Erlösers, du wollest mir gnädiglich alle meine Sünden verzeihen, wo ich unrecht gethan habe. Und wollest mich, meine Verwandten und alle, die mir gutes gethan haben, und für welche ich schuldig bin zu bitten, diesen zukünftigen Tag gnädiglich behüten vor Sünden, Schanden, des Teufels List, der Welt Betrug und vor aller Gefahr und Schaden Leibes und der Seele, nach deiner gnädigen Zusagung, da du mir durch deinen lieben Sohn gnädiglich versprichst: Wahrlich, wahrlich ich sage euch, so ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird er es euch geben. Darum so hoffe ich festiglich, daß du mich dein liebes Kind als mein treuer lieber Vater gnädiglich erhören und gewähren werdest. Mir geschehe nach deiner tröstlichen Verheißung. Amen. Hamburgisches Gebetbuch. 1590. Am Dienstag- Abend. Herr, mein Gott, zu dir breite ich des Nachts meine Hände aus. Komm zu mir wie ein Spatregen, der das Land befeuchtet. Bleibe bei uns, denn der Tag hat sich geneigt und es ist niemand, der uns in dieser Finsternis schüße, als du allein, unser Gott. Eile uns beizustehen. Schüße uns in dieser Nacht, daß unser Geist nicht in Sünden entschlafe und unserem Leibe kein Übel widerfahre. Wecke uns wieder zu rechter Zeit und laß uns hören Freud und Wonne, denn wir haben Lust zu deinem Wort und Zeugnis; sie sind unsres Herzens Trost. Gieb, daß vor unsre Ohren nicht komme eine traurige Botschaft und wende die Angst unsrer Seelen, denn du kannst allein das Leben fristen 32 Erster Teil: Das Hausbuch. und mit allerlei Segen erfüllen, in Christo Jesu, unserm Herrn. Amen. Joh. Habermann. O allmächtiger, ewiger Gott, wie gut bist du den Menschen, die auf dich hoffen und den Seelen, die nach dir fragen. O wie gut ist's, warten und harren auf das Heil des Herrn, wie selig ist der Mensch, des Beschirmer du bist. O gütiger Gott, meine Hoffnung steht auf dich, meinen Herrn, der du Himmel und Erden erschaffen hast. Herr, wie hast du mich heute so gnädig angesehen, der ich doch ein armer Sünder bin und alles Guten unwürdig, ja alles Unglück und Übel vielfältig verschuldet habe. Du aber, gütiger Gott, hast nicht mit mir gehandelt nach meinen Sünden und mir nicht vergolten nach meiner Missethat, das danke ich dir von ganzem Herzen. O Herr, laß dir angenehm sein, was ich diesen Tag in deinem Namen gethan habe. Herr, verzeihe mir, was ich heute wider deinen göttlichen Willen und Gebot gethan und gesündigt habe. Laß bei mir nicht abnehmen noch verlöschen das Licht des Glaubens und deiner Erkenntnis. Laß mich nicht überfallen die grausame Nacht der Unwissenheit, des Unglaubens oder der Verzweiflung. Herr, behüte mich vor der ewigen Nacht. Wende diese Nacht von mir alle Bosheit des Satans. Herr, ich bin elend und arm, schwach und unvermögend, meiner Feinde sind viel, du aber bist mein Helfer und Erretter. Herr, eile mir zu helfen und verzeuch nicht, wende deine Barmherzigkeit nicht von wir, laß mich deine Güte und Treue allewege behüten; o Herr, errette du mich, laß zu schanden werden alle, die mir nach meiner Seele stehen und mir Böses wünschen. O Herr, bleibe bei mir, denn der Tag hat sich geneiget und ist niemand, der mich in der Finsternis erhalten möge, denn du mein Gott. Herr, hilf uns, so wir machen, behüte uns, so wir schlafen, daß wir in deinem Frieden ruhen. Herr, suche heim und beherrsche dies Haus und Wohnung und treibe davon alle Schrecken des Feindes. Laß deine heiligen Engel darinnen wohnen und dein heiliger 1 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht. Am Dienstag- Abend. 33 Segen und Benedeiung bleibe über uns allezeit, durch Jesum Christum. Amen. Dresdner Gebetbuch. 1595. - Barmherziger, gnädiger Gott und Vater, ich sage dir Lob und Dank, daß du Tag und Nacht geschaffen, Licht und Finsternis unterschieden, den Tag zur Arbeit und die Nacht zur Ruhe, auf daß sich Menschen und Vieh erquicken. Ich lobe und preise dich in allen deinen Wohlthaten und Werken, daß du mich den vergangenen Tag hast vollenden lassen durch deine göttliche Gnade und Schutz und desselben Last und Plage überwinden und zurücklegen lassen. Es ist ja genug, lieber Vater, daß ein jeder Tag seine eigne Plage habe. Du hilfst ja immer eine Last nach der andern ablegen, bis wir endlich zur Ruhe und an den ewigen Tag kommen, da alle Plage und Beschwerung aufhören wird. Ich danke dir von Herzen für all das Gute, das ich diesen Tag von deiner Hand empfangen habe. Ach Herr, ich bin zu geringe aller deiner Barmherzigkeit, die du an mir täglich thust. Ich danke dir auch für die Abwendung des Bösen, so mir diesen Tag hätte begegnen können, und daß du mich unter dem Schirm des Höchsten und Schatten des Allmächtigen bedecket und behütet hast vor allem Unglück und vor schweren Sünden, und bitte herzlich und findlich, vergieb mir alle meine Sünde, die ich diesen Tag begangen habe mit Gedanken, Worten und Werken. Viel Böses habe ich gethan, viel Gutes habe ich versäumt. Ach sei mir gnädig, mein Gott, sei mir gnädig. Laß heute alle meine Sünde mit mir absterben und gieb mir, daß ich immer gottesfürchtiger, heiliger, frömmer und gerechter wieder aufstehe; daß mein Schlaf nicht ein Sündenschlaf sei, sondern ein heiliger Schlaf; daß meine Seele und mein Geist in mir zu dir wache, mit dir rede und handle. Segne meinen Schlaf, wie des Erzvaters Jakob, da er die Himmelsleiter im Traum sah und den Segen empfing und die heiligen Engel sah; daß ich von dir rede, wenn ich mich zu Bette lege, an dich gedenke, wenn ich aufwache; daß dein Name und Gedächtnis immer in meinem 3 Allgemeines Gebetbuch. 34 Erster Teil: Das Hausbuch. Herzen bleibe, ich schlafe oder wache. Gieb mir, daß ich nicht erschrecke vor dem Grauen des Nachts, daß ich mich nicht fürchten möge vor dem plötzlichen Schrecken, noch vor den Sturmwinden der Gottlosen, sondern süß schlafe. Behüte mich vor schrecklichen Träumen, vor den Schrecknissen Satans, vor dem Einbruch der Feinde, vor Feuer und Wasser. Siehe, der uns behütet, schläft nicht, siehe, der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht. Sei du, o Gott, mein Schatten über meiner rechten Hand, daß mich des Tages die Sonne nicht steche, noch der Mond des Nachts. Laß deine heiligen Wächter mich behüten und deine Engel sich um mich her lagern und mir aushelfen. Dein heiliger Engel wecke mich zur rechten Zeit wieder auf, und wenn mein Stündlein vorhanden ist, so verleihe mir einen seligen Schlaf und eine selige Ruhe in Jesu Christo, meinem Herrn. Amen. Joh. Arnd. Dewiger, barmherziger und reicher Gott vom Himmel, der du aus großer Gnade und väterlicher Fürsorge mich abermals diesen Tag frisch und gesund hast lassen vollenden, ich danke dir dafür billig von ganzem Herzen. Und weil ich leider nicht diesen ganzen Tag zu deinem Lob und Ehren und zu Nuß meines Nächsten zugebracht habe, sintemal meine verderbte Natur allezeit eher zum Bösen, als zum Guten geneigt ist, so hilf, du getreuer Gott, daß ich, der ich aus fündlichem Samen gezeugt bin, meine Gebrechlichkeit erkenne und deiner göttlichen Gnade teilhaftig werde. Lehre mich, daß ich oft und viel an mein Ende gedenke, daß ich mich zu demselben in wahrer Buße gefaßt mache, und wenn es herzu nahet, daß ich möge getrost und selig aus diesem Elend abscheiden und mit allen gläubigen Christen in das himmlische Paradies versetzt werden. Indes wollest du mich, so lange ich noch hier zu leben habe, in deinen allmächtigen Schutz nehmen und vor allem Schaden und Gefahr an Leib und Seele gnädiglich behüten um Jesu Christi willen. Amen. Benj. Schmold. 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht.- Am Mittwoch Morgen. 35 O Herr Jesu, mein höchster Trost, dein bin ich tot und lebendig. Leb ich, so leb ich dir; sterb ich, so sterb ich dir: das ewige Leben hast du mir durch dein Blut und Tod erworben. Erhalte mich in deiner Liebe und umfahe mich mit deiner Gnade. Laß mich dein Eigentum sein hier zeitlich und dort ewiglich. Amen. Löhe, Tägl. Hausbedarf. Ich bitte dich, Herr Jesu Christe, du wollest heut diese Nacht bei mir sein. Da der Leib schläft, wollest du mein Herz zu dir lassen wachen, daß ich dich stets in meinem Herzen und Gedanken behalte, dich stets vor Augen habe und vor allem Bösen mich möge hüten. Dein heiliger Engel behüte mich, daß sich der böse Feind nicht zu mir nahe, daß du, Herr, allein bei mir seist. Du wollest dir in gleicher Weise auch lassen befohlen sein alle die Meinen, uns sämtlich in deinen Schutz nehmen, vor allem Übel behüten und zur ewigen Seligkeit bewahren. Amen. Hamburgisches Gebetbuch. 1590. Am Mittwoch- Morgen. Barmherziger, gnädiger Gott, du Vater des ewigen Lichtes und Trostes, deß Güte und Treue alle Morgen neu ist! dir sei Lob, Ehre und Dank gesagt für das liebliche Tageslicht, und daß du mich in dieser finsteren Nacht gnädiglich bewahret hast, mir einen sanften Schlaf und Ruhe verliehen. Laß mich nun auch in deiner Gnade und Liebe, Schuß und Schirm wieder fröhlich aufstehen und das liebe Tageslicht nüßlich und fröhlich gebrauchen. Vor allen Dingen aber erleuchte mich mit dem ewigen Lichte, welches ist mein Herr Jesus Christus, daß er in mir leuchten möge mit seiner Gnade und mit seiner Erkenntnis. Bewahre in meinem Herzen das Licht meines Glaubens, mehre dasselbe und stärke es. Erwecke deine Liebe in mir. Befestige die Hoffnung. Gieb mir wahre Demut und Sanftmut, daß ich wandle in den Fußstapfen meines Herrn Jesu Christi, und laß deine göttliche Furcht in allem meinen Thun vor meinen Augen sein. Treib von mir aus alle geistliche Finsternis und Blind3* 36 Erster Teil: Das Hausbuch. heit meines Herzens. Behüte mich diesen Tag und allezeit vor Aberglauben und Abgötterei, vor Hoffahrt, vor Lästerung deines Namens, vor Verachtung deines Wortes, vor Ungehorsam, vor dem leidigen Zorn, daß die Sonne diesen Tag nicht möge über meinem Zorne untergehen. Behüte mich vor Feindschaft, vor Haß und Neid, vor Unzucht, vor Ungerechtigkeit, vor Falschheit und Lügen, vor dem schädlichen Geiz und vor aller bösen Lust und Vollbringung derselben. Erwecke in mir einen Hunger und Durst nach dir und deiner Gerechtigkeit. Lehre mich thun nach deinem Wohlgefallen; dein guter Geist führe mich auf ebner Bahn. Laß mir begegnen das Heer deiner heiligen Engel wie dem Jakob; thue denselbigen Befehl, daß sie mich auf allen meinen Wegen behüten, mich auf den Händen tragen, daß ich meinen Fuß nicht an einen Stein stoße. Ich befehle dir heute meine Gedanken, mein Herz, Sinne und alle meine Anschläge. Ich befehle dir meinen Mund und alle meine Worte. Ich befehle dir alle meine Werke, daß sie zu deines Namens Ehre gereichen und zu Nutz meines Nächsten. Mache mich zum Gefäß deiner Barmherzigkeit, zum Werkzeug deiner Gnade. Segne all mein Thun, laß meinen Beruf glücklich fortgehen und wehre allen denen, so ihn hindern. Behüte mich vor Verleumdungen und vor den Mordpfeilen des Lügners. Ich befehle dir meinen Leib und Seele, meine Ehre und Gut. Laß mich deine Gnade und Güte allezeit begleiten. Halte deine Hand über mich, ich gehe und stehe, size oder wandle, wache oder schlafe. Behüte mich vor den Pfeilen, die des Tages fliegen, vor der Pestilenz, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die im Mittag verderbet. Segne meine Nahrung, gieb mir, was dein Wille ist, zu meiner Notdurft. Laß mich auch deiner Gaben nicht mißbrauchen. Behüte uns alle vor Krieg, Hunger und Pestilenz und vor einem bösen schnellen Tod. Behüte meine Seele und meinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Beschere mir ein selig Ende, und laß mich des lieben jüngsten Tages und der Erscheinung der Herrlichkeit meines 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht. Am Mittwoch- Morgen. 37 Herrn Jesu Christi mit Verlangen und Freuden erwarten. Amen. Joh. Arnd. - Ewiger, allmächtiger Gott, weil du mich in dieser Nacht so väterlich behütet hast, und mich, da ich mit Finsternis umgeben und wie ganz tot war, wieder erweckt und des Tages Licht hast sehen lassen, so bitte ich dich, du wollest mir auch diesen Tag Gnade verleihen, daß ich ihn in deiner Furcht und Erkenntnis möge zubringen, dich loben und preisen und für alle deine mir erzeigten Wohlthaten dir Dank sagen, auch mein Amt ( Beruf) durch deine Hilfe und Beistand dergestalt verrichten, daß es zu deines heiligen Namens Ehre und zu meiner Seelen Seligkeit gereichen möge, um deines lieben Sohnes, meines Erlösers Jesu Christi willen. Amen. Aus Löhes Samenkörnern. Ach du heiliger und gerechter Gott, vor welches Herrlichkeit die Seraphim ihre Angesichter zudecken und singen: Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr Zebaoth, ach, laß mich durch rechtschaffne Heiligung deines Namens dies Amt der heiligen Engel auch verrichten. Hilf, daß ich mit allen Menschen deine Allmacht erkenne, deine Barmherzigkeit liebe, deiner Wahrheit von Herzen traue, deine Gerechtigkeit fürchte, deine Heiligkeit anbete, deine Wahrheit preise, deinen Geboten gehorche, deiner Hilfe mich tröste, deiner Güte mich freue. Gieb, daß ich in keinem Dinge meine eigne Ehre und Ruhm suche, sondern in allen Dingen von Herzen meine und getreulich suche deine Ehre und Lob deines heiligen Namens, auf daß du allein in allen Dingen geehret, gerühmet, gelobet und gepriesen werdest. Gieb, daß ich dein Wort lieb habe über Gold und viel feines Gold und dich nach deinem Willen und Wesen recht daraus erkenne; daß ich auch demselben deinem Worte von Herzen glaube, heilig und gerecht als dein Kind danach lebe und vor allem Irrtum dadurch bewahret werde. Gieb, daß ich meine Lust an dir habe: so hast du mir verheißen zu geben, was mein Herz wünschet. Gieb, daß ich dir für alle deine Wohlthaten Leibes und der 38 Erster Teil: Das Hausbuch. Seele danke, dich herzlich und findlich fürchte, ehre und liebe, in allen Nöten mit starker Zuversicht dich anrufe, deinen heiligen Namen und dein Wort in Liebe und Leid freudig bekenne und bis ans Ende in wahrem Glauben und heiligem Leben beständig bleibe, und dich mit allen Engeln und Auserwählten hier zeitlich und dort ewiglich lobe und preise. Amen. Joh. Arnd. Herr Gott, himmlischer Vater, du bist mein Leben. Meine Seele und Leib, mein Gut und Habe und alles, was da mein ist, das hast du mir gegeben; von dir hab ichs empfangen. Richte und ordne du, mein lieber Gott im Himmel, alles in meinem Hause, in meinem Stande, Thun und Leben nach deinem göttlichen Willen, dir zu Lobe und jedermann zu Nuß. Denn dir glaube ich, auf dich vertraue ich, du wirst mich nicht verlassen. Dir befehle ich unter deinen Schutz und Schirm mein Weib( Mann), Kinder und all mein Hausgesinde. Behüte uns vor Sünden, Schanden, Feuer und allem Übel. Sende uns deinen heiligen Engel, der uns leite und führe den rechten Weg, auf daß wir nichts reden, thun oder gedenken wider dein heiliges Gebot und Willen, sondern darnach leben, dich ehren, loben und preisen immer und ewiglich durch Christum Jesum, deinen lieben Sohn. Amen. Hamburgisches Gebetbuch. 1590. Allmächtiger Gott, gnädiger Herr und Vater, ich sage dir Lob und Dank durch Christum Jesum, deinen eingebornen lieben Sohn, unsern Herrn, daß du mich und die Meinen so gnädiglich und väterlich diese vergangene Nacht bewahret hast vor allem Unfall Leibes und der Seelen. Dein heiliger Geist sei mit mir, der wolle mich diesen zukünftigen Tag und allezeit mit seiner Gnade leiten, führen und regieren, damit dir all mein Thun und Leben gefalle, durch Christum Jesum, unsern Herrn. Hamburgisches Gebetbuch. 1590. Amen. Heiliger, barmherziger Gott und Vater, ich armer elender Sünder sage dir von Grund meines Herzens Dank, Lob, Preis 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht.- Am Mittwoch- Abend. 39 und Ehre, daß du mich diese Nacht abermals hast laſsen überstehen und mich und all mein Hausgesinde vor allem Übel behütet. Ich befehle dir auch diesen Tag wiederum mein Leib und Seel, Weib und Kind, Haus und Hof und alle, die darinnen sind, auch alle armen Witwen und Waisen, alle bekümmerten, trostlosen, kranken, gefangenen und angefochtenen Herzen, samt allen meinen Feinden und Freunden. Denen allen sei gnädig, und barmherzig allen ihren Sünden und Missethaten. Behüte sie vor allem Übel und gieb ihnen allen, was ihnen nüß und gut ist an Seel, Leib, Ehre und Gut, durch Jesum Christum, deinen Sohn, der du reich, mächtig und gewaltig, gnädig und barmherzig gewesen bist von Anfang der Welt und bleibeſt bis in Ewigkeit. Amen. Nürnberger Gebetbuch. 1613. Am Mittwoch- Abend. O du starter, lebendiger Gott, Vater unseres Herrn Jesu Christi, ich danke dir, daß du mich heute durch deinen göttlichen Schutz vor allem Schaden und Gefahr gnädiglich behütet hast und bitte nun ferner, du wollest mir vergeben alle meine Sünde, die ich wider dich gethan habe und mich samt allen, die mir verwandt sind und zugehören, heute und die ganze Zeit unseres Lebens auch gnädiglich bewahren vor aller Angst und Beschwernis, vor des Teufels List und Geschwindigkeit, damit er uns Tag und Nacht gedenket zu bestricken. Behüte uns auch vor der schädlichen Bestilenz, die im Finstern schleichet, bewahre uns vor dem Strick des Feindes, errette uns, daß wir nicht kommen in das Netz des Jägers, so unsrer Seele nachstehet. Beschütze uns auch vor schweren Sichtungen und Schrecken des Satans, vor allem Übel Leibes und der Seelen, denn du bist unsre feste Burg, unsre Wehr und Waffen; in dir stehet all unsre Hoffnung und Zuversicht. Darum, du getreuer Gott, laß deine Augen über uns offen sein, und bewahre uns in dieser Nacht vor aller Gewalt und Anfechtung des bösen Feindes, sei unser Wächter und Hüter, umgieb uns mit deinem Schuß, auf daß 40 Erster Teil: Das Hausbuch. der Teufel uns nicht könne beschädigen; denn bei dir allein steht unser Heil, zu dir allein hebe ich meine Augen auf, daher mir Hilfe kommt; meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Siehe, wie die Augen der Knechte auf die Hände ihres Herrn sehen, wie die Augen der Magd auf die Hände ihrer Frau, also sehen unsre Augen auf den Herrn, unsern Gott, bis er uns gnädig werde. Sei uns gnädig, Herr, sei uns gnädig, denn wir sind arm und elend. Erhebe über mich das Licht deines Antlitzes und erleuchte meine Augen, daß ich nicht im Tode entschlafe, der du lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. Joh. Habermann. Herr, mun schließe ich meine Augen; du aber, o Hüter Israels, schläfft und schlummerst nicht, du behütest mir Leib und Seele. Nun wird es finster um mich her; laß mir das Licht deines Angesichts leuchten und sei mir gnädig. Nun vergesse ich Sorge und Kummer; laß mich dein auch im Schlafe nicht vergessen. Nun schweigen meine Lippen; laß meine Seele auch im Schlafe zu dir beten. Herr, heilige meine Ruhe; reinige mein Herz, daß kein unreiner Traum mein Herz beflecke und deinen Geist betrübe. Sei du mein Traum, meine Freude und Wonne, daß ich aufwache und deinen Namen preise, daß er so heilig und gütig und wunderbar ist. Amen. Aus Löhes Samenkörnern. O Herr Jesu Christe, die Finsternis bricht herein, zu wem soll ich fliehen? Ich fliehe zu dir, du himmlisches, ewiges Licht; erleuchte mich, daß meine Augen nicht im Tode entschlafen. Treibe von mir den bösen Geist und alle seine Engel und was mir feindselig nachstellt; laß mich sanft entschlafen, sicher ruhen, fröhlich erwachen, christlich leben, selig sterben. Deine Gnade sei mit mir heut und allezeit und in alle Ewigkeit. Amen. O du Sohn Davids, erbarme dich mein und vergieb mir alle meine Sünde. Amen. Die Liebe Gottes des Vaters, die Gnade unsers Herrn Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit mir und allen frommen Christen. Amen. Aus Löhes Samenkörnern. 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht. Am Mittwoch- Abend. 41 O du heilige Dreifaltigkeit in einem göttlichen Wesen, du bist mein Leben, Heil und ewiger Trost. Dir sage ich mit Mund und Herzen Lob und Dank, daß du mich diesen Tag über gnädiglich behütet hast. Ich bitte deine göttliche Güte, du wollest alle meine Missethat bedecken, allermeist aber, was ich heute wider dich und deine heiligen Gebote mit meiner Zunge, mit unnüßen, vergeblichen Worten und sonst gesündigt habe, und wollest mich diese zukünftige Nacht auch bewahren vor allem Schaden und Gefahr, denn zu dir allein habe ich all mein Vertrauen. Gott, wie dein Name ist, so ist auch dein Ruhm, bis an der Welt Ende. Deine Rechte ist voller Gerechtigkeit. Darum befehle ich meinen Leib und Seele in deine Hände. Die Gnade des Vaters regiere mich, die Weisheit des Sohnes erquicke mich, die Kraft des heiligen Geistes erleuchte mich. Mein Schöpfer stehe mir bei; mein Erlöser helfe mir; mein Tröster wohne mir bei. Gleichwie die Wolkensäule in der Wüste sich machte zwischen das Heer der Ägypter und das Heer Israels, daß diese und jene nicht konnten zusammenkommen, damit den Kindern Israel kein Leid widerführe, also wollest du zwischen mir und allen meinen Feinden eine feurige Mauer und Unterschied sein, daß sie mich nicht berühren. Erhalte mich auch in meinem letzten Stündlein; wenn meine Augen nimmer sehen, meine Ohren nimmer hören und wenn meine Zunge nimmer redet, wenn meine Hände nimmer greifen und die Füße nimmer gehen mögen, so stehe mir bei, du hochgelobte Dreifaltigkeit, daß der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen. Joh. Habermann. - Ich bekenne dir, Gott Schöpfer Himmels und der Erden alle meine Sünde, die ich von Jugend auf bis auf diese Stunde wissentlich oder unwissentlich gethan habe und sonderlich, was ich diesen Tag wider dich habe gethan mit Worten, Werken und Gedanken. Dir, Herr, bekenne ich solches von Herzen und bitte um Gnade. Und dieweil meiner Sünden viel und unzählig iſt, bitte ich dich ganz demütiglich, du wollest derselbigen allzumal Erster Teil: Das Hausbuch. vergessen, wie du mich schuldig weißt. Zünde in mir an eine brünstige Liebe und Furcht gegen dich und verleihe mir Gnade, daß ich mein Leben bessern mag und immer frömmer werde durch deinen Sohn, unsern Herrn Jesum Christum. Amen. Hamburgisches Gebetbuch. 1590. 42 Herr Jesu Christe, du weißt ja, daß ich in allen meinen Nöten zu dir allein Zuflucht habe, ich bitte dich, laß mich allezeit sanften Trost und heilige Ruhe finden für meine Seele. Ja, Herr, in der Welt habe ich Angst, darum ergebe und lege ich mich allezeit auf deine Arme, auf daß ich dermaleinst, wenn mein Sterbestündlein vorhanden ist, darinnen sanft einschlafen und mit dir und allen Auserwählten die ewige selige Ruhe besitzen möge. Amen. Dresdner Gebetbuch. 1595. Am Donnerstag- Morgen. O allmächtiger, barmherziger Gott und Vater, aus welches Gnade und Gabe herfleußt, daß dich die ganze Christenheit lobt und dich mit rechtem Dienst nach deinem Wohlgefallen preiset, verleihe mir gnädiglich von wegen des Leidens und Sterbens deines lieben Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi, daß ich heute alle meine Gedanken, Willen, Lust, Wort und Werk nach deinem göttlichen Willen richte. Erleuchte mir, Herr, mein Herz mit den Gaben des heiligen Geistes, daß ich dein Wort nach dem Sinne erkenne und mit dem Glauben fasse, auf daß aller Unfleiß und Hindernis an meinem Berufe ausgetrieben werde und ich deinen Befehl treulich in der Wahrheit des Glaubens ausrichten möge, der du lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebet Kurfürst Johann Friedrichs, Herzogs zu Sachsen. 1562. Dewiger, gütiger Gott, weil du uns nicht verordnet hast zum Zorn, sondern daß wir durch deine Gnade erhalten und selig werden sollen, so bitten wir dich von Herzen, sei unser lieber Herr und Gott in unserm ganzen Leben und befiehl deinen heiligen Engeln, die allezeit vor deinem Angesichte stehen, daß sie 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht.- Am Donnerstag- Morgen. 43 Sorge für uns tragen und uns bewahren an Leib und Seele vor allen Listen des Teufels und der bösen Geister, auf daß wir an dir verharren bis ans Ende, und alle unsre Feinde, sichtbare und unsichtbare, an uns zu schanden werden, durch deinen geliebten Sohn Jesum Christum, unsern Herrn und Heiland. Amen. Dresdner Gebetbuch. 1595. Gott Vater, Gott Sohn, Gott heiliger Geist, du hochgelobte, heilige Dreifaltigkeit, dir ergebe ich mich mit Leib und Seele von nun an bis in Ewigkeit und sage dir großen Dank, daß du dem bösen Feind nicht hast zugelassen, daß er mich dieſe Nacht hat können beschädigen, sondern durch den Schutz deiner lieben Engel mich frisch und gesund behütet hast. Wie soll ich dir vergelten? Womit soll ich dich dafür loben? Ich will dir ein geängstetes und zerschlagenes Herz geben, voll blutroter Sünden, mit Reu und Leid. Das wollest du gnädig annehmen, mit dem edlen Blute meines Erlösers schneeweiß waschen und in seine heiligen unschuldigen Wunden verbergen und also mir Vergebung aller meiner Sünden gnädiglich widerfahren laſsen. Hilf auch, daß ich heut und alle Tage in christlicher Bereitschaft sei( denn ich nicht wissen kann, wann du kommen, wie und wo du mich von hinnen abfordern wirst), daß ich zur ewigen Freude seliglich geführt werde. Solches verleihe mir, o gnädiger Gott, um Jesu Christi willen. Amen. Benj. Schmolck, Güld. Kleinod. Herr Jesu Christe, der du bist das ewige wahre Licht, welches da vertreibt die Finsternis der Nacht und Schatten des Todes, deinen Namen will ich rühmen, dir will ich lobsingen und danken, daß du mich in dieser Nacht so gnädiglich behütet und aus der Finsternis an das Licht gebracht hast. Mich hast du bewahret vor dem Grauen der Nacht, vor des Teufels Schrecken, vor der schädlichen Bestilenz, die im Finstern schleichet, vor mancherlei Seuchen und Krankheiten, die mir hätten können widerfahren. Auch hast du meine Seele mit deinem Schild umringet und bewachet, wie ein Hirt seine Herde bewachet; dazu alles, was ich 44 Erster Teil: Das Hausbuch. habe, ist durch deine große Barmherzigkeit unversehrt behütet worden. Für solchen gnädigen Schuß und alle deine Wohlthaten sei dir Lob und Preis gesagt. Von deiner Macht will ich reden und des Morgens deine Güte rühmen, denn du bist meine höchste Zuversicht, meine feste Burg, meine starke Hilfe, mein treuer Gott, auf den ich traue. Du erfreuest mein Herz und machest mir fröhlich das Angesicht. Ich bitte dich durch deine heilige Geburt und Menschwerdung, du wollest an dieſem Tage deine Barmherzigkeit über mir lassen aufgehen und hervorbrechen wie die schöne Morgenröte und zu mir kommen wie den Frühregen. Erleuchte meine blinde Natur und verdunkeltes Herz mit deinem Glanze, auf daß du in meinem Herzen aufgehest, der du bist der rechte Morgenstern und das wahrhaftige Licht, welches erleuchtet die Menschen zum ewigen Leben. Behüte mich auch heute vor allem Übel, sei mir gnädig, Herr, denn auf dich harre ich, meine Seele wartet auf dich von einer Morgenröte bis zur andern. Sei du mein Arm früh, dazu mein Heil zur Zeit der Trübsal. Beschirme mich an Leib und Seele, daß mir kein Übel begegne und keine Plage zu mir nahe. Treibe ferne von mir alle bösen Geister, stehe du mir bei wider die Boshaftigen, tritt zu mir wider die Übelthäter und schütze mich, daß die Hand der Widerwärtigen mich nicht berühre. O Herr, unser Gott, fördere das Werk unsrer Hände bei uns, ja das Werk unsrer Hände wollest du fördern und unsre Arme stärken, auch unsre Finger lehren halten deine Gebote, daß wir heute nicht wider dich sündigen. Solches verleihe uns um deiner Barmherzigkeit willen, welche für und für währet in Ewigkeit. Joh. Habermann. Amen. Herr, höre mein Gebet und laß mein Schreien zu dir kommen. Verbirg dein Antlig nicht vor mir in der Not. Neige deine Ohren zu mir. Wenn ich dich anrufe, so erhöre mich bald. In deinen Willen, o Herr Jesu Christe, setz ich all mein Thun und Lassen, Anfang und Ende und befehle dir Leib und 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht.- Am Donnerstag- Abend. 45 Seele, alle meine Verwandten und Bekannten und was ich habe. Du hast mich diese Nacht durch deiner lieben Engel Schutz beschirmt, so wollest du auch, ich bitte dich, mich dieſen Tag vor allem Übel behüten und bewahren, mir und allen meinen Verwandten und Bekannten geben, was wir zur Erhaltung dieses zeitlichen Lebens bedürfen, und als ein treuer Vater für uns sorgen, uns vor Krieg, Pestilenz, Teuerung und andern Plagen, die wir mit unsern Sünden täglich verdienen, behüten und unser damit verschonen, und nach diesem Elend uns zu dir in dein ewiges Reich und himmlisches Paradies nehmen. Amen. Aus Löhes Samenkörnern. Gott hat uns seinen Sohn zu einem Herrn und Christ gemacht und gesendet, um welches willen er uns gnädig sein, alle unsre Sünden vergeben, seinen heiligen Geist schenken und uns zu Kindern des ewigen Lebens aus Gnaden annehmen will. O mein Herr Jesu Christe, ich bitte dich von Grund meines Herzens, sprich mir diese deine Himmelsfreude allezeit in mein Herz und schreibe sie an mit der goldenen Schrift des Glaubens in mein Gemüt, damit ich als ein Kind Gottes und als ein Erbe des ewigen Lebens in diesem Elende deinen Freudentrost allezeit in meinem Herzen habe und ein freudenreiches Gemüt in meinem Leibe trage, auf daß ich alle Anfechtung und Widerwärtigkeit mit fröhlicher Geduld überwinde, dem Teufel mit freudigem Glauben widerstehe, mit fröhlicher Zuversicht bete, alle Mühseligkeit meines Berufes mit Freuden trage und einmal, wann du willst, in fröhlicher Hoffnung ein seliges Ende nehme. Amen. Aus Löhes Samenkörnern. Am Donnerstag- Abend. Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott, gleichwie ich diesen Tag mit Danken, Beichten und Beten angefangen habe, also will ich auch diesen Tag mit Danken, Beichten und Beten vollenden und sage dir Lob, Preis, Ehre und Dank, daß du mich erschaffen, erlöset, geheiligt, erleuchtet, getröstet und sonst allerlei Erster Teil: Das Hausbuch. unermeßliche Wohlthat erzeigt hast. Mancher ist diesen Tag mit großem Elend und Betrübnis heimgesucht worden, mich hast du aus lauter Gnade und Barmherzigkeit vor allem Übel behütet. Mancher hat heute in großem Unfrieden und Kummer leben müssen, mir hast du Frieden und das liebe tägliche Brot aus Gnaden bescheret. Mancher ist erblindet, erlahmt oder sonst in andre Schäden geraten, zu mir hast du ausgestreckt deine Gnadenhand. Mancher hat sein Haus durch Feuer verloren, mich hast du Herr vor solchem und andern Unfall bewahrt. Dafür danke ich deiner Majestät. Ehre sei dir, D Gott in der Höhe, denn all meine Nahrung, Kleidung, Speis und Trank und Wohlfahrt, und was ich um und an weiß, das habe ich alles aus deiner lauteren Gnade empfangen. Bitte demnach, wollest deine grundlose Güte, deinen Segen, deinen Geist und Gnade von mir nimmer abwenden, sonderlich auch diese Nacht, da sich mein Leib zur Ruhe legt und ich mein und des Meinen selber nicht pflegen kann. Sei du, lieber Vater im Himmel, mein Pfleger und Schußherr, lege die Wacht deiner heiligen Engel an über mein Leib, Seel und alles, was du mir vertrauet hast, daß der Teufel, böse Menschen und all derer Anhang, mir nicht schade. Behüte mich vor der ewigen Finsternis und Nacht der Verdammten und Gottlosen, und ob mein Leib schläft und ruht, so laß, Herr Gott, mein Herz und Seele in und mit dir wachen, um des einigen Mittlers Jesu Christi, deines Sohnes willen. Amen. Dresdner Gebetbuch. 1595. 46 - - ― - Ich sage dir, o getreuer Gott, Lob, Ehre und Dank für deine Güte und Wohlthat, die du mir diesen Tag erzeigt hast, wiewohl ich ein armer Sünder und nicht wert bin, dein Kind genannt zu werden. Aber ich weiß, daß deine Barmherzigkeit sehr groß ist und viel größer, denn meine und der ganzen Welt Sünde. Darum bekenne ich dir all meine Sünde und Missethat, die ich heute diesen Tag, ja von Jugend auf wider dich begangen habe und bitte dich, du wollest mir dieselben verzeihen 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht. Am Donnerstag- Abend. 47 und vergeben und dich meiner, als deines lieben Kindes, aus Gnaden erbarmen, mich in den Schutz deiner heiligen Engel geben, daß sie mich diese Nacht und alle künftige Zeit vor allem Unglück Leibes und der Seele gnädig behüten. Dir ergeb ich mich ganz zu eigen im Tod und Leben. Laß mich ewig bei dir sein und bleiben. Amen. Aus Löhes Samenkörnern. - Barmherziger, sanftmütiger Gott und ewiger Vater, wie trägst du doch so eine herzliche Liebe und väterliche Sorge für mich armen Sünder, daß du mich alle Tage und Stunden von Jugend an bis auf gegenwärtige Zeit vor allerlei Gefahr und Schaden des Teufels und der bösen Welt so gnädig behütet hast. Ich bitte dich demütiglich, du wollest alles dessen, was ich heute wider dich gethan habe, nach deiner väterlichen Liebe, die du gegen mich hast, nun und in alle Ewigkeit nicht gedenken, sondern wollest mirs erlassen und mir um deines lieben Sohnes Jesu Christi willen, welcher für alle meine Sünde ist Bürge worden, gnädig sein und diese Nacht mich und alle die Meinen vor einem bösen und schnellen Tode, vor Feuer- und Wassersnot, vor Bestilenz und allem Unglück sicher behüten. Darum befehle ich mich, meinen Leib und Seel und alles, was ich habe, in deinen väterlichen Schuß. Dein heiliger Engel sei bei mir, daß ich kein Unglück fürchte. Amen. Benj. Schmolck, Güld. Kleinod. Gelobt sei Gott der Vater durch Jesum Christum im heiligen Geist, ein einiger ewiger Gott, der durch seine mannigfaltige Güte mich armen Sünder und elenden Menschen heute gnädiglich bewahrt hat vor allen feurigen Pfeilen des Satans, die des Tages fliegen; vor der Seuche, die im Mittag verderbet, dazu vor einem jähen und schnellen Tod und vor allem Schaden. Herr, deine Güte reichet so hoch der Himmel ist und deine Wahrheit so weit die Wolken gehen. Du bist gnädig und barmherzig, alle deine Werke sind löblich. Ich bitte dich, mildreicher Gott, du wollest mir aus Gnaden verzeihen alles, was ich heute 48 Erster Teil: Das Hausbuch. wider dich gethan habe, es sei mit Werken, Worten und Gedanken. Du wollest auch deine Barmherzigkeit zu mir richten und mich die zukünftige Nacht lassen einschlafen und ruhen, daß ich dich, der du bist die ewige Ruhe, nun und nimmermehr verlasse, sondern in dir bleibe durch den Glauben, und unter deinem Schirm sicher wohne, auf daß sich der böse Feind nicht dürfe zu mir nahen und mir keinen Schaden könne zufügen. Herr, du bist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Du bist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Auf dich verlässet sich mein Herz und mir ist geholfen. Du bist mein Troß und gewaltiger Schuß, deine rechte Hand stärket mich, deine Rechte tröstet mich, und unter dem Schirm deiner Arme habe ich Zuflucht. Siehe, mein Gott, des Tages rufe ich, so antwortest du mir, und des Nachts schweige ich auch nicht, und du erhörest mich. Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, wenn ich erwache, so rede ich von dir, denn du bist mein Helfer und unter dem Schatten deiner Flügel ruhe ich; meine Seele hanget dir an, deine rechte Hand erhält mich. Wenn ich im Finstern size, so ist doch der Herr mein Licht und mein Heil. O gütiger Gott, verleihe mir Gnade, daß, wenn mein Sterbestündlein herzu nahet und ich ins Totenbette zur ewigen Ruhe mich soll niederlegen, daß ich durch deine Hilfe im rechten festen Glauben getrost und unverzagt möge seliglich zum ewigen Leben einschlafen. Indeß enthalte mich dir, daß ich allezeit wache, nüchtern und mäßig lebe und in christlicher Bereitschaft erfunden werde, sintemal ich nicht wissen kann, zu welcher Stunde du, unser Gott, kommen wirst und mich von hinnen abfordern, auf daß ich würdig werde zu stehen vor des Menschen Sohn und nicht zu schanden werde in seinem Gerichte, der mit dir lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Joh. Habermann. Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, und wenn ich erwache, so rede ich von dir. Oliebreicher Gott und Vater, hier komme ich abermals mit vielen Wohlthaten von dir 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht.- Am Donnerstag- Abend. 49 überhäuft und begnadigt, in dieser Abendstunde mit dankbarem Herzen vor dein Angesicht. O wie gnädig hast du mich angesehen, daß ich den Abend unbeschädigt erlebt habe; deine Langmut hat meiner geschont, daß du mich nicht nach Verdienst gestraft hast. Ach, verzeihe mir alle Übertretungen, mit denen ich dich beleidigt habe. Ich sollte stärker werden, gegen die Sünde zu kämpfen, eifriger im Guten, andächtiger zum Gebet, behutsamer im reden, frömmer im Wandel; aber wer kann merken, wie oft er fehle? Verzeihe mir auch die verborgenen Fehler. Laß mich doch künftig das mit Fleiß meiden, mit was ich dich heute beleidigt habe. Ist meine Sünde groß, viel größer ist dein Erbarmen; wärst du nicht ein so barmherziger Gott, Herr! wer würde noch leben? Ich lege mich nun zur Ruhe, mein Gott, ach, schließe du selbst die Thür hinter mir zu, wie an der Arche Noahs, damit kein Wasser der Trübsal mich überschwemme. Laß die heiligen Engel mich in den Schutz nehmen, damit meine sichtbaren und unsichtbaren Feinde meine Ruhe nicht stören. Laß mich bei meinem Niederlegen ins Bette auch daran denken, wie ich dereinst mit Erde werde bedeckt, aber am jüngsten Tage wieder werde auferweckt werden. Laß mich alle Tage so hinbringen und beschließen, daß ich mich eines gnädigen Gottes und guten Gewissens getrösten könne, auf daß ich bereit sei, zu welcher Stunde du auch kommst, mich heimzuführen. O dreieiniger Gott, unter deinem Schirm und Schild kann mich keine Not und kein Tod verletzen. Deine Liebe und dein Schutz, o Vater, deine Wunden, o Jesu, dein Beistand, o werter heiliger Geist, sind die Wagenburg; in dieser ruhe ich sanft, und ruhe darin wohl bewahrt. Laß auch die Meinen deines Schußzes genießen, wie auch alle Armen und Elenden. Stärke im Schlaf meine Kräfte und laß mich nach deinem Wohlgefallen das Tageslicht morgen wieder schauen. Amen. Joh. Friedrich Stark. Herr Jesu Christe, bedecke du mich diese Nacht mit deinem teuern, blutigen Verdienst. Sei bei mir, wenn ich bete. Stärke Allgemeines Gebetbuch. 4 50 Erster Teil: Das Hausbuch. mich in meinem Gebete, wie dich ein Engel vom Himmel am Ölberg in deinem Todeskampf gestärkt hat. Sei bei mir, wenn ich in Todesangst gerate und stärke mich, daß mir weder Teufel, noch Welt Schaden zufügen möge. Amen. Aus Löhes Samenkörnern. Am Freitag- Morgen. In deinem Namen, du gekreuzigter Herr Jesu Christe, bin ich armer großer Sünder jetzt aufgestanden, der du für mich am Stamm des heiligen Kreuzes als das rechte geduldige Schlachtlamm den allerschmerzlichsten Tod erlitten und mich mit deinem Blute von allen meinen Sünden, Tod, Teufel und Hölle erlöst hast. Regiere mein Herz durch deinen heiligen Geist, erfrische es mit dem himmlischen Tau deiner Gnade, bewahre mich in deiner göttlichen Liebe heute diesen Tag und verbirg mich mit Leib und Seele in deine heiligen Wunden. Wasche mich von allen meinen Sünden rein ab, erhalte mich in allen guten Werken und führe mich aus dem Jammerthale dieser Welt in die ewige Freude und Herrlichkeit, du getreuester Heiland Jesus Christus, mein einziger Trost, Hoffnung und Leben. Amen. Rigisches Gebetbuch. 1688. Ach du treuer Herr Jesu Christe, schreibe uns diesen Trost wohl in unsre Herzen und lehre uns täglich bedenken, daß wir durch dich, unsern Heiland, Kinder Gottes und himmlische Herrn geworden sind, und hilf uns, daß wir ja diesen unsern hohen und herrlichen Stand nicht geringern( zu nichte machen), noch dem Teufel dienen, noch der Sünde Knechte werden. Gieb aber, daß wir als Gottes Kinder Gott unserm Vater gehorsam seien, allen Sünden feind werden, dir unserm Bruder anhangen und unsre himmlische Herrschaft ewiglich einnehmen mögen. Amen. Dresdner Gebetbuch. 1595. In deinem Namen, du gekreuzigter Herr Jesu Christe, ſtehe ich auf vom Schlaf, der du mich durch dein heiliges Blut erlöset 1 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht. Am Freitag- Morgen. 51 hast, und sage dir Dank, daß du mich und die Meinen und alles, was du mir sonst gegeben hast, diese Nacht durch deine große Barmherzigkeit unter dem Schatten deiner Flügel vor allem Übel, Schaden und Gefahr behütet und den heutigen Tag haft erleben lassen und bitte dich, du wollest auch diesen Tag mich und die Meinigen segnen, behüten und einen gottseligen Wandel in deiner Liebe und Furcht führen lassen. O du Seligmacher der Welt, komm heute und allezeit zu Hilfe mir armen Sünder, sei mir gnädig und errette mich von allem Übel Leibes und der Seelen. O heiliger Gott, o starker Gott, o ewiger barmherziger Heiland, du unsterblicher Gott, sei gnädig mir armen Sünder! Dein heiliger Tod und Schmerzen erhalte mich, dein heiliges bittres Leiden, Sterben und Auferstehen mache mich selig. Amen. Rigisches Gebetbuch. 1688. Gelobt sei Gott mein Schöpfer, gelobt sei Gott mein Heiland, gelobt sei Gott mein höchster Trost, der mir giebt Gesundheit, Leben und Segen, der mein Schutz und Hilfe ist und mich an Leib und Seele nach seiner großen Barmherzigkeit in dieſer vergangenen Nacht vor des Satans mancherlei Beschädigungen behütet und gesund an diesen Tag hat kommen lassen. Ich bitte dich, himmlischer Vater, durch das Blut Jesu Christi, deines lieben Sohnes, du wollest mich heute auch in deinen göttlichen Schutz nehmen, mich schirmen und regieren innerlich und äußerlich, daß mir kein Arges widerfahre. Denn in deine Hände befehle ich heute und alle Tage meine arme Seele, meinen elenden Leib, mein dürftiges Leben, meine Sinne, Vernunft, Verstand und Anschläge, alle meine Gedanken, Worte und Werke, mein Thun und Lassen, meinen Eingang und Ausgang. O Herr Gott, schaffe du es mit mir, wie du willst und weißt, was zu deiner Ehre und meiner Seligkeit das beste ist. Erhalte mich in deiner Furcht und wahrer Erkenntnis. Behüte mich vor den Werken der Ungerechtigkeit, und so ich etwa wider dich aus Gebrechlichfeit würde sündigen, so bitte ich doch, du wollest deine Barmherzigkeit nicht von mir wenden und deine Hilfe mir nicht ent4* Erster Teil: Das Hausbuch. ziehen. Denn es ist sonst kein andrer Gott noch Helfer, du, du bist der Erste und der Letzte, und außer dir ist kein Gott. Darum rufe ich zu dir allein: Laß deine Güte über mir walten, laß mich frühe hören deine Gnade, denn ich hoffe auf dich. Leite meinen Fuß auf rechter Straße, daß ich nicht wandle im Rat der Gottlosen, noch trete auf den Weg der Sünder, noch size auf dem Stuhl der Spötter, sondern daß ich all meines Herzens Lust und Liebe habe zu deinem Wort und Geboten und in denselben mich übe Tag und Nacht, durch unsern Herrn Jeſum Christum. Amen. Joh. Habermann. 52 In deinem Namen, ach du gekreuzigter Heiland und Erlöser Jesu, bin ich aufgestanden heute diesen Morgen. Ach, liebster Herr Jesu, dein heiliges bittres Leiden und Sterben sei mein Stecken und Stab. Ach, liebster Herr Jesu, dein heiliges Blut und deine allerheiligsten fünf Wunden behüten und bewahren mein Leib und Seel und alles, was ich bin, habe und vermag, heute diesen Tag und allezeit. Hilf und verleihe, daß die höllischen Feinde, die du selber überwunden hast, heute und allezeit müssen gefangen und gebunden sein, daß sie an uns ganz keine Macht und Gewalt finden und haben mögen. Amen. M. Chr. Scriver. O Jesu Christe, du Sohn des lebendigen Gottes, ich bitte dich durch deine heiligen fünf Wunden, daß du heute diesen Tag alle Wunden meiner Seele heilen wollest, und mich diesen Tag und hinfort die Tage meines Lebens vor großen und öffentlichen Sünden, vor allem Ärgernis und was dir mißfällig und zuwider ist, behüten. O Herr Christe, bewahre mich heute diesen Tag vor einem schnellen und jähen Tode und vor allem, was mich zur Verdammnis bringen möchte. O gütiger Gott, gieb mir deine Gnade, daß ich mag das thun und vollbringen, was dir gefällig ist. O barmherziger Gott, laß mich endlich selig sterben. Das bitte ich dich von Herzen durch deinen bittern Tod. Amen. Hamburgisches Gebetbuch. 1590. 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht. Am Freitag- Abend. 53 Am Freitag- Abend. O allmächtiger, ewiger, gnädiger und barmherziger Gott, der du gesagt hast: ,, Rufe mich an in der Zeit der Not, so will ich dich erretten", ich bitte dich, erbarm dich mein und vergieb mir meine Sünde. Laß mich dir befohlen sein in deine grundlose Liebe und unaussprechliche Barmherzigkeit heute dieſe folgende Nacht, auf daß ich in dir sanft und sicher ruhen und schlafen möge. Laß mich nicht durch einen schnellen Tod ohne Erkenntnis deines lieben Sohnes in dieser Nacht hingerissen werden. Laß mich fröhlich vom Schlaf aufwachen, deine Güte erkennen und deinen heiligen Namen loben, denn den Herrn loben, das ist ein köstlich Ding. Gieb mir den heiligen Geist, der mein Herz allezeit erfülle mit dem rechten Trost. Ich schlafe oder wache, ich liege oder stehe, so hilf mir, wie du weißt, daß mir am besten geholfen wird an Leib und Seele. Du kannſt alles, du vermagst alles, du bist ein Gott und Herr über alles, es stehet alles in deinen Händen. Gedenke an deine Barmherzigkeit und Verheißung, ja gedenke des vollkommenen Gehorsams deines geliebten Sohnes Jesu Christi, dadurch ich dir gänzlich versöhnt bin. Um deswillen sei mir heut diese Nacht und allezeit gnädig. Und wenn es ja sein sollte, daß ich nach deinem väterlichen Willen mit Tod, Gefahr, mit Kreuz und Unglück sollte heimgesucht werden, so wollest du mich auch heimſuchen mit deinem göttlichen Trost, Segen und Gnade. Ohne deinen Willen, Herr, kann und mag mir nichts widerfahren. Ob ich schon wandle in der finstern Nacht, so bist du doch bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Auch alle Haare auf meinem Haupte hast du gezählet. Wovor sollte mir grauen? Laß mich deine väterliche Liebe, die du gegen mich trägst, recht erkennen. Mehre meinen Glauben, nimm mich auf zu dir, hilf, daß ich selig werde und der ewigen Freude genieße. Vergieb mir, was ich diesen Tag wider dich gethan habe, wissentlich und unwiſsentlich. Laß mich ein neues und dir wohlgefälliges Leben anfangen zu Lob deines heiligen Namens und zu meiner Seelen 54 Erster Teil: Das Hausbuch. Heil und Seligkeit, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, meinen Herrn und Seligmacher. Amen. Dresdner Gebetbuch. 1595. Gelobet sei der Herr, der allein Wunder thut und gelobet sei sein herrlicher Name ewiglich, und alle Lande müssen seiner Ehre voll werden. Ich will täglich rühmen von Gott, und des Abends soll ihm mein Mund danken für und für, denn wenn ich schreie, so höret er mich; wenn ich flehe, so neiget er sein Ohr zu mir; wenn ich bete, merket er auf meine Stimme. Der Herr ist meine Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die mich getroffen haben. Darum sage ich dir, ewiger Gott, Lob und Preis, daß du mich heute väterlich behütet haſt vor allem Unfall und Schaden, so mir hätten können begegnen. Mein Herz ist fröhlich und meine Seele preiset dich um alle deine Güte und Barmherzigkeit. Meine Zunge soll ihr Gespräch von dir haben und immer sagen: Hochgelobt sei Gott, gesegnet sei sein heiliger Name. Ich bitte dich, du wollest mir aus Gnaden nachlassen alles, was ich heute wider dich gesündigt habe, und mich diese zukünftige Nacht samt allem, was mir zusteht, auch schüßen. Sei du mein Schild und mein Schatten über meiner rechten Hand. O Herr, behüte mich vor allem Übel, behüte meine Seele, sei mir gnädig, denn auf dich allein traue ich. Ich hoffe auf den Herrn und rufe zu Gott, dem Allerhöchsten, zu Gott, der meines Jammers ein Ende macht. Siehe, der mich behütet, schläft nicht; siehe, der Hüter Israel schläft noch schlummert nicht. Er wird meinen Gang erhalten auf rechter Bahn, daß ich nicht strauchle und meine Tritte nicht wanken. Er wird meine Füße nicht gleiten lassen, denn sein Wort ist ein Licht auf meinen Wegen. Darum, wenn ich mich lege, so werde ich mich nicht fürchten, sondern süß schlafen und werde mich nicht fürchten vor plötzlichem Schrecken, noch vor dem Sturm der Gottlosen, wenn er kommt. Denn du behüteſt meinen Fuß, daß er nicht gefangen werde, und errettest mich von den Stricken des Todes. O Herr Gott, erhebe über mich das 1 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht.- Am Freitag- Abend. 55 Licht deines Antlißes, auf daß ich mich lege und schlafe ganz im Frieden und sicher möge wohnen unter deinem Schirm; denn du, Herr, allein hilfft mir. Auf deinen Namen will ich mich nun zur Ruhe legen und meine Augenlider lassen schlummern. Du, Herr Gott, wirst mich fröhlich wieder erwecken zu Lob und Ehr deiner göttlichen Majestät, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Joh. Habermann. Ich danke dir, mein lieber Herr Jesu Christe, daß du um meinetwillen auf die Welt gekommen und wahrhaftiger Mensch geworden bist und in mancherlei Jammer und Elend mir zu gut und Trost gelebt hast. Ich danke dir auch von ganzem Herzen für dein heiliges und schmerzliches Leiden, für alle deine Striemen und Wunden, für alle deine Blutstropfen und für deinen schmählichen Tod, den du für mich armen, elenden, fündigen Menschen am Kreuz gelitten und mich damit vom ewigen Tod und Gottes Zorn erlöset hast. Ich bitte dich, mein lieber Herr Jesu Christe, du wollest dein heiliges, bittres Leiden und Sterben an mir armen Sünder nicht verloren sein, sondern mir an meinem letzten Ende lassen zu Hilfe kommen. Ach, du getreuer Gott, beschere mir eine glückselige Stunde, selig zu sterben und fröhlich wieder aufzustehen. Nun aber, da ich mich schlafen lege, nimm mich in deine Hände und an deine Brust und laß mich in dir fröhlich ruhen. Amen. Aus Löhes Samenkörnern. du lieber Herr Jesu, du Sohn des lebendigen Gottes, der du ein wahrer, allmächtiger Gott bist, der Glanz und das Ebenbild des Vaters, der du die ewige Seligkeit selber bist und mit dem Vater und heiligem Geiste in gleicher Ehre und Herrlichkeit, o du allerliebster Schatz, laß mir alle deine himmlischen Gnadenschätze zu Nuß, Heil und Trost gereichen. Dir sage ich Dank, dich lobe ich, dich preise ich, dich bitte ich, du wollest mich nicht verderben lassen, sondern mich erhalten und selig machen umsonst und aus lauter Gnade, der du mich durch dein teures Unlv. Bibl. Giessen 56 Erster Teil: Das Hausbuch. Blut hast erlöst; der du mit dem Vater und heiligem Geiste lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. Dresdner Gebetbuch. 1595. Der Engel des Herrn lagert sich um die her, die ihn fürchten und hilft ihnen aus. O du großer und starker Gott, laß auch in der bevorstehenden Nacht deine heiligen Engel sich um mich herlagern und mit ihrem mächtigen Schuß umgeben. Haft du den Engeln des Tages befohlen, daß sie mich behüten auf allen meinen Wegen, so lasse sie auch des Nachts um mein Bett stehen. Ich fürchte mich nicht, wenn du bei mir bist. Du hast mich heute begleitet, wohin ich mich gewendet und in meine Verrichtungen deinen Segen gelegt; du hast zu allem, was ich in deinem Namen angefangen habe, Glück gegeben. Ach, daß heute meine beständige Lehre Josephs Worte gewesen wären: Wie sollte ich so groß Übel thun und gegen Gott sündigen! Verzeihe mir aus Gnaden, was ich an diesem Tage böses gethan, geredet, gedacht habe. So du willst Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen? Was ich aber nicht vermag, das will ich mit Jesu Blut bezahlen. Mein Jesus ist mein, sein Blut ist mein, seine Gerechtigkeit ist mein, sein Himmel ist mein. So erkenne mich doch, mein Hüter! Mein Hirte, nimm mich an; von dir, Brunn aller Güter, ist mir viel Guts gethan. Laß mich diese Güte zur Buße leiten; laß deine treue Liebe mein faltes Herz erwärmen, damit ich dich niemals mehr vorsätzlich beleidigen möge, der du soviel Gutes an mir gethan hast. Ich lege mich nun zur Ruhe nieder; es kann auch diese Nacht meine letzte Nacht werden; ich weiß wohl, wie ich mich schlafen lege, aber ich weiß nicht, wie ich aufstehen werde; dieses steht allein bei dir, du Herr meiner Tage und meines Lebens. Aber das weiß ich doch gewiß, wenn ich in deinem Namen, mein Vater, in deinen Wunden, o Jesu, in deiner Gemeinschaft, o werter heiliger Geist, einschlafe, so sterbe ich selig, wenn ich schon zu diesem zeitlichen Leben nicht wieder aufstehen sollte. Amen. Joh. Fr. Stark. 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht. Am Sonnabend- Morgen. 57 O Herr Jesu Christe, du geduldiges Schlachtlamm und heiliges Sühnopfer für alle meine Sünde, ja nicht allein für die meine, sondern auch für der ganzen Welt Sünde, dir danke ich abermal von Grund meines Herzens, daß du mich an Leib und Seele durch deinen Schutz diesen Tag so väterlich behütet hast. Dich bitte ich, du wollest mir alle meine Sünden, so ich heute diesen Tag aus Schwachheit meiner verderbten Natur und Anreizung des bösen Geistes gethan habe, welche mein Herz und Gewissen sehr beschweren und drücken, gnädiglich verzeihen und vergeben. Und weil ich mich nun zur Ruhe und Schlaf will niederlegen, wollest du deine Gnade über mich ausbreiten, daß ich darunter in Fried und Ruhe diese Nacht mit dem Leibe schlafen, mit der Seele aber allezeit zu dir wachen möge. Laß mich also deiner herrlichen Zukunft zum jüngsten Gericht wahrnehmen und mit herzlichem Seufzen auf dich warten, bis ich dermaleinst gar zu dir selig von hinnen fahre. Dazu hilf mir, treuer Heiland, mit dem Vater und heiligem Geiſte hochgelobt in Ewigkeit. Amen. Joh. Olearius. - Am Sonnabend- Morgen. O Jesu Christe, Gottes Sohn, laß mich heut wieder mit Leib und Seele dir befohlen sein und verleihe mir endlich ein seliges Stündlein, von diesem Jammerthal abzuscheiden, daß ich unsträflich und unbefleckt vor deinem heiligen Angesicht erfunden werde und höre die fröhliche Stimme, da du sagen wirst:„ ei du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenigem getreu gewesen, ich will dich über viel setzen. Gehe ein zu deines Herrn Freude." Amen. Aus Löhes tägl. Hausbedarf. O du getreuer Vater im Himmel, daß ich dich genugsam sollte loben und dir könnte danken für alle Wohlthaten, so du mir die Zeit meines Lebens bis auf diese Stunde väterlich erzeigt hast, das ist in meinem Vermögen und Kräften nicht, denn ich bin Fleisch und Blut, welches nichts denn Böses thun kann. 58 Erster Teil: Das Hausbuch. Du aber läsfest mir täglich über die Maßen viel Gutes widerfahren, und sonderlich, wo du in dieser Nacht nicht wärest mein Schild und Beistand gewesen, so hätte mich des Teufels Gewalt vielfältig beschädigt, daß ich nicht gesund hätte wieder aufstehen können. Aber durch deinen gnädigen Schutz bin ich unversehrt behütet worden und bitte dich ganz inniglich, du wollest mir auch diesen Tag deine Gnade widerfahren lassen und mich, dein durch Christi Blut erworbenes Gut, fortan bis ins ewige Leben gnädiglich behüten. Amen. Herr Jesu, nimm meine Seele in deine Hände und laß sie dir befohlen sein. Amen. Benj. Schmolck. Lob, Ehr und Dank sei dir gesagt, o allmächtiger, barmherziger Vater, für deine gnädige Wache, die du diese Nacht über mich und die Meinen durch deine dienstbaren Geister gehalten. Segne und behüte mich heute diesen Tag vor Sünden und allen bösen Stücken. Verleihe mir Gnade, daß ich züchtig, friedlich, still und gehorsam lebe, allem Guten anhange, dir wohlgefalle und mit allen Gotteskindern erhalten, mit allen Engeln erfreut werde und mit meinem Erlöser ewiges Leben haben möge, damit mein letzter Tag auf Erden der erste sei im Himmelreich. Amen. Aus Löhes Samenkörnern. Allmächtiger, barmherziger Gott, lieber Vater, ich danke dir demütiglich, daß du mich armen Sünder zu deiner Erkenntnis haft kommen lassen und deinen lieben Sohn Jesum Christum, unsern einigen Erlöser, Heiland und Trost mir geoffenbaret und für mich armen verdammten Menschen hast lassen leiden und sterben, auf daß ich durch seinen Tod und Verdienst ewiglich lebe. Ich bitte dich, lieber Vater, du wollest mir um seines heiligen, bittern Leidens und Sterbens willen gnädig und barmherzig sein und mir alle meine Sünde vergeben. Wollest mich in diesem Glauben und Trost bis an meine letzte Stunde gnädiglich erhalten und mit deinem heiligen Geiste erleuchten, daß ich in dieser Erkenntnis von Tag zu Tag möge wachsen und zu 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht.- Am Sonnabend- Morgen. 59 nehmen und mein ganzes Leben nach deinem göttlichen Willen christlich zubringen. Auch wollest du, lieber Vater, bei mir bleiben und meinen Leib und Seele heiligen zu deiner Wohnung und Tempel und mich zum ewigen Leben gnädiglich erhalten. Auch wollest du, lieber Vater, meinen Beruf und Nahrung segnen und mir deine Gnade geben, daß ich darin möge thun, was recht ist und den Glauben und gut Gewissen behalten. Gieb mir ein genügsames Herz, daß ich mir an deinem Segen und Gaben, so du aus Gnaden bescherest, genügen lasse. Denn es ist ein großer Gewinn, gottselig sein und sich genügen lassen. Das Wenige, das ein Gerechter hat, ist besser, denn das große Gut vieler Gottlosen. Du, Herr, kennst die Tage der Frommen, und ihr Gut wird ewiglich bleiben. Sie werden nicht zu schanden werden in der bösen Zeit und in der Teuerung werden sie genug haben. Von dem Herrn wird eines frommen Mannes Gang gefördert, und der Herr hat Lust zu seinen Wegen. Fällt er, so wird er nicht weggeworfen, sondern der Herr hält ihn bei der Hand. Siehe, des Herrn Auge siehet auf die, so ihn fürchten und die auf seine Güte hoffen, daß er ihre Seele vom Tode errette und ernähre sie in der Teuerung. Du wollest auch, lieber Gott und Vater, unsre Obrigkeit und unser liebes Vaterland segnen und behüten vor falscher Lehre, vor Krieg, Pestilenz und teurer Zeit. Wollest auch mich, mein Weib( meinen Mann), meine Kinder und alle frommen Christen an Leib und Seele segnen und behüten und mein ganzes Haus und alles, was ich habe, durch den Schutz deiner heiligen Engel vor den bösen Geistern und allen ihren Werkzeugen gnädiglich schützen und bewahren, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Joh. Arnd. O du wahrer, unsterblicher Gott, Vater unsers Herrn Jeſu Christi, zu dir erhebe ich mein Gemüt mit schuldiger Dankbarkeit, deine Gerechtigkeit will ich nicht verbergen in meinem Herzen, von deiner Wahrheit und von deinem Heil will ich reden, ich will nicht verhehlen deine Güte und Treue vor der großen Ge 60 Erster Teil: Das Hausbuch. meinde und alles, was du mir Gutes gethan hast, will ich nicht verschweigen. Denn es ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken und lobsingen deinem Namen, du Höchster, des Morgens deine Gnade und des Abends deine Wahrheit verkündigen. Darum preiset dich meine Seele, daß du mich in dieser Nacht durch deine überschwängliche Barmherzigkeit beschützt hast. Gesegnet biſt du, Herr Gott Zebaoth, der du dich gnädig erzeigst allen, die nach dir fragen und dein Heil lieben. Gesegnet ist dein großer Name in allen Landen, der unser Schutz und Hilfe ist. Gesegnet sind alle deine Werke, die du an den Menschenkindern thust. Ich bitte dich, du wollest mich heute auch behüten, daß mir der böse Feind keinen Schaden zufüge und die Hand der Gottlosen mich nicht berühre. Herr Gott, mein Heiland, frühe wache ich zu dir, frühe rufe ich zu dir. Hilf, daß ich die Werke meines Berufes, und was mir befohlen ist, fleißig und treulich ausrichte, zu deinem Lob und zu meines Nächsten Besserung, damit ich das Licht dieses Tages und deiner Kreaturen nicht mißbrauche zur Sünde oder zur Eitelkeit, dich nicht beleidige mit meinem Thun und Lassen und den Bund meiner heiligen Taufe nicht übertrete. Verleihe mir auch Gnade, daß ich mich hüte vor den Stücken, die du hassest, als da sind: hohe Augen, falsche Zungen, Hände, die unschuldig Blut vergießen, ein Herz, das mit bösen Tücken umgeht, Lüste, die behende sind Schaden zu thun, falscher Zeuge, der frech Lügen redet und der Hader zwischen Brüdern anrichtet. Vor solchen und dergleichen Lastern bewahre mich, mein Gott, daß ich nimmermehr darein gerate noch willige, sondern lehre mich thun nach deinem Willen, denn du bist mein Gott und Herr, dein guter Geist führe mich auf ebner Bahn, daß ich dir diene in unsträflichem Wandel, dazu all mein Thun und Leben dir gefalle, in Christo Jesu. Amen. Joh. Habermann. Herr, lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß und mein Leben ein Ziel hat. Starker und allmächtiger Gott, ich rühme dich in dieser Frühstunde, daß du Leib und 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht. Am Sonnabend- Morgen. 61 Seele so herrlich beschützt hast, daß keine Gefahr noch Leiden mich haben beunruhigen können. Du bist in dieser Nacht nicht von meiner Seite gewichen, du hast alles Übel von mir abgewiesen. Ach, laß mich diesen Tag beständig alles ungöttliche Wesen und die weltlichen bösen Lüste verleugnen und gerecht und gottselig den Tag hinbringen. Weihe dir mein Herz zu einem Tempel, damit heute von mir nichts geredet oder vollbracht werde, was dir zuwider sein könnte. Mein Jesu, der du das A und O, der Anfang und das Ende bist, ich habe nun abermals durch deine Gnade das Ende einer Woche erlebt; laß mich wohl bedenken, daß auch einmal die letzte Woche und der letzte Tag meines Lebens kommen werde, und laß mich alle Wochen und Tage so anfangen, durchleben und vollenden, daß ich in den letzten Lebensstunden mich nicht schämen oder beklagen möge, daß ich gelebt habe. Laß mich auch diesen Tag in deiner heiligen Furcht hinbringen; behüte meinen Ausgang und Eingang; segne meine Arbeit; stehe mir bei und richte all mein Beginnen und Trachten nach deinem Willen. Amen. Joh. Fr. Stark. 1 Ach, lieber Gott und Herr, ich lebe, aber ich weiß nicht wie lange. Ich muß sterben und weiß nicht wann. Du mein lieber himmlischer Vater weißt es. Wohlan, soll dieser Tag der letzte meines Lebens sein, Herr, dein Wille geschehe, der ist allein der beste, nach demselben bin ich bereit, im wahren Glauben an Christum, meinen Erlöser, zu leben und zu sterben. Allein, lieber Gott, gewähre mir nur diese Bitte, daß ich nicht möge plötzlich in meinen Sünden sterben und verderben. Gieb mir rechtschaffene Erkenntnis, Reue und Leid über meine begangenen Sünden und stelle sie mir noch in diesem Leben unter Augen, damit sie mir nicht am jüngsten Tage unter Augen gestellt, und ich dadurch vor Engeln und Menschen zu schanden werden möchte; sondern verleihe mir so viel Zeit und Raum zur Buße, daß ich möge meine Übertretung von Herzen erkennen und be Erster Teil: Das Hausbuch. kennen und für dieselben Vergebung und Trost aus deinem seligmachenden Wort erlangen. Ach barmherziger Vater, verlaß mich nicht und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Mein Herz und meines Herzens Zuversicht ist dir, o Herzenskündiger, wohl bekannt; in derselben erhalte mich zum ewigen Leben. Laß mich sterben, wenn du willst, nur verleihe mir ein vernünftiges, sanftes und seliges Ende. Amen. Joh. Habermann. 62 Am Sonnabend- Abend. Gott, sei mir gnädig und vergieb mir alle meine Sünde und Missethat im Namen deines lieben Sohnes Jesu Christi. Denn es ist in keinem anderen Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, darin wir sollen selig werden, denn allein in dem Namen deines Sohnes Jesu Christi, und wir glauben allesamt durch die Gnade deines lieben Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi, selig zu werden, gleicherweise wie auch unsre Väter. Barmherziger Gott und Vater, ich sage dir von Herzen Lob und Dank, daß du dich meiner die Zeit meines Lebens so väterlich angenommen und mich diesen Tag über und sonderlich die ganze Woche bis auf diese Stunde vor allem Unglück Leibes und der Seele gnädig behütet hast. Ich bitte dich ferner, du wollest alle meine Sünden, die ich heut und die ganze Woche wider dich und meinen Nächsten wissentlich und unwissentlich gethan, durch deine Gnade, welche alle bußfertigen Sünder bei dir haben, zudecken und ihrer nimmermehr gedenken. Hilf gnädiglich, daß ich aus der alten Woche in ein neu christlich Leben trete, dir und allen Auserwählten im Himmel gefallen möge, und laß mich diese angehende Nacht in deine gnädigen Arme befohlen sein, daß ich sicher ruhen und schlafen, frisch und gesund zu deinem ferneren Lob wieder aufstehen möge, und wenn mein Stündlein vorhanden ist, nimm mich zu dir, Herr Jesu Christ, denn ich bin dein und du bist mein; wie herzlich gern wollt ich bald bei dir sein. Amen. Aus Löhes Samenkörnern. 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht. Am Sonnabend- Abend. 63 Ach gnädiger Gott und Vater, nun bin ich einen Tag abermal näher zum Ende und Tod. Dieweil nun dasselbige gewiß ist, die Stunde aber ungewiß, dazu auch der große Tag des Herrn unerforschlich, so bitte ich dich derhalben, daß du mich wollest lehren, daß ich sterben muß, auf daß ich klug werden möge, und wollest dir lassen befohlen sein meine Seele, Leib, Gut und Ehre, und daß ich auch die zeitlichen Güter so brauchen möge, daß ich nicht mit den Gottlosen das ewige Leben verliere, sondern daß ich unsträflich auf den Tag der Zukunft deines Sohnes erfunden werde und der ewigen Pein entlaufen möge. Ich danke dir aber an diesem Abend, Herr Gott himmlischer Vater, für alle deine Wohlthaten, die du mir häufig erzeigt hast von Anfang meines Lebens bis auf diese Stunde. Ich danke dir, daß du mich nach deinem Bilde geschaffen hast; ich danke dir, daß du mich erlöst hast durch das heilige, teure Blut deines eingebornen Sohnes, ich danke dir, daß du mich in der heiligen Taufe geheiliget und zum Christenglauben gebracht hast. Ich danke dir auch, Herr, für Gesundheit, für Friede und Nahrung und für alle Notdurft des Leibes und der Seelen. Dir sei Lob und Dank in Ewigkeit. Ich bitte dich, mein himmlischer Vater, du wollest mich diese Nacht und alle Zeit meines Lebens bewahren vor allem Bösen. Wir schlafen oder wachen, so sind wir dein. Trage für mich Sorge und laß mich nicht verderben in den Werken der Finsternis, sondern zünde an das Licht deines Angesichts in meinem Herzen, auf daß deine göttliche Erkenntnis durch einen rechten Glauben in mir zunehme, und ich allewege in deinem Willen erfunden werde. Tröste auch alle kranken, betrübten, angefochtenen und gefangenen Menschen, damit sie unter deiner Rute dein väterliches Herz allein erkennen mögen. Wehre dem Teufel, und nach diesem Leben führe uns in deinen königlichen Palast, so wollen wir dir mit allen Heiligen ein ewiges Benediktus( Loblied) singen, hochgelobet in Ewigkeit. Amen. Die Gnade, Friede, und Barmherzigkeit Gottes unsers Heilandes sei mit uns allen. Amen. Dresdner Gebetbuch. 1595. Erster Teil: Das Hausbuch. Herr Jesu Christe, Gottes Sohn, der du dirs gefallen ließest, als dir nachlief und dich anschrie das kananäische Weiblein, ach laß dirs auch gefallen, daß wir dir nachlaufen und dich anschreien, und erbarme dich unser. Laß vom Himmel herabfallen die Bröcklein deiner Barmherzigkeit, sättige uns von deinem Tische und laß uns der Brosamen deiner Gnade genießen deines Himmelsbrotes, hier zeitlich und dort ewiglich. Sättige unsern Hunger an Leib und Seele, erfreue uns, stehe uns bei in allen Anfechtungen, verleihe unserm Glauben Kraft und Stärke, dem Unglauben zu widerstreben und deiner gnädigen Hilfe beständiglich zu erwarten in fröhlicher Hoffnung, in demütiger Geduld und beständigem Gebet, daß wir dir endlich für alle empfangene Wohlthat dankbar sind und deine Barmherzigkeit preisen. Amen. Dresdner Gebetbuch. 1595. 64 Der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Bis hierher hat mir der Herr geholfen. So spreche ich billig mein Gott und Herr, da ich nunmehr den Schluß dieser Woche so glücklich erlebet habe. Herr, wie teuer ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen. Du beschirmest sie, du erhältst sie, du bewahrest sie, und alle Morgen ist deine Güte neu. Ach, mein Gott, du hast in dieser Woche deine Flügel über mich ausgebreitet und hast mich gesund erhalten; du hast mich bewahrt an Leib und Seele; du hast auch die Meinen deines Schußzes und deiner Gnade genießen lassen. Darum lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Ach ja, wie viele sind diese Woche gefallen, und ich stehe durch deine Gnade aufgerichtet; wie viele haben eine Trauer- und Leidenswoche gehabt, aber mich hast du sie in Frieden und Ruhe zurücklegen lassen; wie viele haben Elend und Jammer erfahren müssen, aber ich bin unter deinem Schuße unverletzt geblieben. Habe Dank für deinen Schutz und deine Gnade! habe Dank für deine Liebe und 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht.- Rüstung auf den Sonntag. 65 deinen mächtigen Beistand! habe Dank für alles Gute, das du mir an Leib und Seele erwiesen hast! Ach, mein Gott, verzeihe mir aus Gnaden, was ich in dieser Woche unrecht gethan habe. Um der blutigen Wunden Jesu Christi willen schone, und nicht nach Werken lohne. Ich will durch deines Geistes Kraft mit der neuen Woche mich befleißigen, die verübten Sünden zu meiden und dir in Heiligkeit und Gerechtigkeit all mein Leben lang zu dienen. Amen. Joh. Fr. Stark. Herr, unser Gott, dir gebührt Lob, Ehr und Preis! Dir, Gott Vater, Gott Sohn, Gott heiliger Geist, du unzertrennliche Dreifaltigkeit, gehört Ruhm und Dank nun und allezeit bis in Ewigkeit, weil du mich und alles, was du mir aus Gnaden gegeben hast, diesen Tag und die ganze Woche über wider all mein Verdienst und Würdigkeit so gnädiglich erhalten, behütet und bewahret hast. Ach, verleihe mir auch und allen meinen Angehörigen, allen meinen Freunden, ja auch allen meinen Feinden nicht allein eine Ruhe des Leibes, sondern auch der Seelen. Vergieb, o barmherziger Gott, uns allen unsre Übertretungen. Behüte uns vor dem schrecklichen Sündenschlaf und vor allen Anfechtungen des Nachts. Erwecke uns wieder zur rechten Zeit, laß dann Beten unsre erste Arbeit sein und laß uns dein strenges, jüngstes Gericht allezeit vor Augen schweben, damit wir in keine Sünde willigen, sondern einmal mit einem ruhigen Gewissen und einem sanften Tode entschlafen und wiederum zum ewigen Leben aufwachen. Amen. Du hochgelobte Dreieinigkeit. Amen. Amen. Lüneburgisches Handbuch. 1652. Rüstung auf den Sonntag. O du getreuer Herr Jesu Christe, bleibe bei uns, denn es will Abend werden. Laß deine Gnade viel größer sein, denn unsre große Sünde. Siehe nicht an den großen Undank der Welt, sondern bitte deinen himmlischen Vater für uns, daß er Allgemeines Gebetbuch. 5 66 Erster Teil: Das Hausbuch. uns gnädig sei und das Licht seines göttlichen Wortes bei uns bis ans Ende der Welt leuchten lasse und von des Teufels Stricken uns endlich erlöse. Wollest uns auch treue Lehrer und Prediger geben, die uns in heilsamer Lehre recht unterrichten und in christlichem Leben vorgehen, dir zu Ehren und uns armen Menschen zur Seligkeit dienen mögen, auf daß wir Gefäße deiner Gnade sein und bleiben, dein Wort mit allem Fleiß hören, mit Freuden annehmen und in unserm Herzen bewahren und Frucht bringen in Geduld; auch beständig dabei bleiben in Lieb und Leid, dasselbe bekennen wider den Teufel und alle Gottlosen. Gieb uns auch einen freudigen Mut wider den bösen Geist und alles, was uns will abwendig machen von dir, und hilf, du gütiger Herr Jesu Christe, um deines Namens willen, daß wir eine gute Ritterschaft üben, den Glauben und ein gutes Gewissen behalten, auf daß wir das Ende des Glaubens davonbringen, die ewige Seligkeit. Dazu helfe uns Jesus Christus, unser treuer Heiland, welchem samt dem Vater und heiligem Geist sei Lob, Ehre und Preis in alle Ewigkeit. Amen. Dresdner Gebetbuch. 1595. Anhang. Bachtgebete. Du starker Gott, da liege ich in der Finsternis und weiß zu niemand anders Zuflucht, denn zu dir, der du mein Licht und mein Heiland und meines Lebens Kraft bist. Deswegen mir billig vor nichts grauen sollte. Weil ich aber ein schwacher, sündhafter Mensch bin, so bin ich nicht ohne alle Furcht. Bitte dich derwegen, du starker Gott, daß du mir zuvörderst meine Sünde vergeben, meinen Glauben und Vertrauen auf dich stärken, mich vor furchtsamen Einbildungen und allen Anläufen des Satans kräftiglich bewahren wollest. Ach mein Gott, ist die Nacht, die doch nur wenig Stunden lang ist, einem Wachenden so beschwerlich, wie wird dann die ewige finstere Höllennacht sein? Davor du mich und alle gläubigen Herzen ewiglich be 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht.- Nachtgebete. hüten und mir in meiner Todesstunde mit Trost und Erquickung zu Hilfe kommen wollest, um der Todesangst Jesu Chriſti willen. Amen. Amen. J. M. Dilherr. 67 du großer Gott, mein Licht und mein Heil, mein Schild und meines Lebens Kraft wider alle meine geistlichen und leiblichen Feinde, meines Herzens Trost wider alles, was mich um der Sünde willen quälen will, zu dir wacht mein Herz und dankt dir inniglich, daß mich dein liebster Sohn durch seine traurige Angstnacht von der ewigen, schrecklichen Nacht der Hölle erlöset hat. Ach, stehe mir gnädig bei und allen denen, die vor Kummer und Qual des Gemütes, der Seele und des Leibes nicht ruhen können. Behüte uns vor allem Übel. Gönne uns gnädig die nächtliche Ruhe, bis wir recht zur Ruhe kommen in deiner lieblichen Himmelswohnung und dich ohne Ruhe und Überdruß selig anschauen durch Christum, deinen Sohn, unsern Gnadenthron. Amen. Aus Löhes Samenkörnern. Seid nüchtern und wachet, denn euer Widersacher, der Teufel, gehet umher, wie ein brüllender Löwe, und suchet, welchen er verschlinge. Dem widerstehet fest im Glauben, und wisset, daß eben dieselbigen Leiden über eure Brüder in der Welt gehen.( 1 Petr. 5, 8. 9.) Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist. Amen. Aus Löhes Samenkörnern. Tischgebete. Dom Tischgebete. Vermahnung aus Löhes Samenkörnern. Wenn du gegessen haft und satt bist, daß du den Herrn, deinen Gott, lobest für das gute Land, das er dir gegeben hat. 5 Mos. 8, 10. 5* Erster Teil: Das Hausbuch. Es ist ein großer Undank und schmähliche Lauheit bei vielen Christen, daß sie weder vor Tisch, eingedenk der Güte Gottes, die Speise segnen und mit Gottes Wort und Gebet heiligen, noch auch dem frommen Geber aller guten Gaben nach Tisch Dank sagen, der doch auch ihnen Leben und Speise alle Tage schenkt. Und doch könnten sie sich, wenn sie wollten, aus dem heiligen Evangelium selbst überzeugen, daß auch Christus, unser Herr, den Dank für die irdische Gabe niemals unterlassen, sondern immer und allenthalben ausgeübt hat. In Stiftung des allerheiligsten Mahles, bei welchem doch Brot und Wein nur geringe irdische Träger himmlischer und unaussprechlicher Güter sind, erzählen die heiligen Evangelisten: Er nahm das Brot, dankete und brachs; er nahm den Kelch und dankete."( Matth. 26, 26. 27. Mart. 14, 22. 23. Quf. 22, 19.) Also dankte er vor dem Genuß- und am Schluß des Osterlammes und Abendmahles heißt es:„ Da sie den Lobgesang gesprochen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg."( Matth. 26, 30. Mark. 14, 26.) Also lobte und dankte er auch nach dem Genuß. Ebenso that der Herr auch bei andern Mahlzeiten, und zwar ebensowohl nach seinem Leiden, im Stande der Erhöhung, als vor demselben, im Stande der Erniedrigung. Nach Matth. 14, 19; Mark. 8, 6; Joh. 6, 11, hieß er das Volk sich lagern auf das Gras und nahm die fünf Brote und die zween Fische, sah auf gen Himmel und dankte und brachs und gab die Brote den Seinigen." So that er bei der Speisung der fünftausend Mann, und ebenso Matth. 15, 36 bei der Speisung der vier Tausend. So that er in seinem Stande der Erniedrigung und nicht anders nach seiner Auferstehung, da er den Jüngern zu Emmaus die Speise segnete:„ Es geschah, da er zu Tische saß, nahm er das Brot, dankete, brachs und gabs ihnen." Obwohl nun jedermann diese Stellen kennt, so laufen doch viele zur Speise und wieder von derselben weg, wie die unvernünftigen Tiere, die vom Danke und von Gottes Güte nichts verstehen. Und zwar zeichnen sich hierin oftmals grade die Reicheren und die, von denen man größere Einsicht zu erwarten alle Ursache hätte, zu ihrem großen Nachteil vor den andern aus, wie wenn sie, die doch reichlicher mit irdischen Gütern und wohl auch mit Verstand begabt sind, weniger zu danken hätten, oder Gott ihnen Leben und Speise schuldig, oder sie zu Dank und Dankbarkeit zu gut wären und Gott und seine Güte nicht weiter brauchten. Wahrlich es bringt Christo und seiner Kirche Schande und üble Nachrede, wenn Christen, Christi Diener und Nachfolger, ihrer Pflicht sogar vergessen und sogar kein Geist des Dankes und Lobes in ihnen ist, und es ist wohl 68 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht. Tischgebete. 69 hohe Not, daß sich hierin ein jeder, welcher der Besserung bedarf, durch Gottes Wort und Geist auch wirklich bessern lasse. - Wie ein Hausvater sein Gesinde soll lehren das Benedicite und Gratias sprechen. Das Benedicite, d. i. das Segnungsgebet vor Tisch. Die Kinder und Gesinde sollen mit gefalteten Händen und züchtig vor den Tisch treten und sprechen: Aller Augen warten auf dich, Herr, und du giebst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit, du thust deine milde Hand auf und sättigest alles, was lebet, mit Wohlgefallen. Darnach das Vaterunser und dies folgende Gebet: Herr Gott, himmlischer Vater, segne uns und diese deine Gaben, die wir von deiner milden Güte zu uns nehmen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Dr. M. Luthers kleiner Katechismus. Oder: Komm, Herr Jesu, sei unser Gast und segne, was du bescheret hast. Amen. Oder: O Herr, du wollest benedein die Speis, daß sie uns mag gedeihn, segne uns, o Herr, und deine Gab, daß Leib und Seel sich wohl gehab. Amen. Noch andre s. unter den Tischliedern. Das Gratias, d. i. die Danksagung nach Tisch. Also auch nach dem Essen sollen sie gleicherweise thun, züchtig und mit gefalteten Händen sprechen: Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich; der allem Fleisch Speise giebt, der dem Vieh sein Futter giebt, den jungen Raben, die ihn anrufen; er hat nicht Lust an der Stärke des Rosses, noch Gefallen an jemandes Beinen: Der Herr hat Gefallen an denen, die ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen. Erster Teil: Das Hausbuch. Darnach das Vaterunser und dies folgende Gebet: Wir danken dir, Herr Gott Vater, durch Jesum Christum, unsern Herrn, für alle deine Wohlthat, der du lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. Dr. M. Luthers kleiner Katechismus. 70 Oder: Es ist ein großer Gewinn, wer gottselig ist und lässet ihm genügen. Denn wir haben nichts in die Welt gebracht, darum offenbar ist, wir werden auch nichts hinausbringen. Wenn wir aber Nahrung und Kleider haben, so lasset uns begnügen. 1. Tim. 6, 6. 7. 1. Wir danken Gott für seine Gaben, die wir von ihm empfangen haben, wir bitten unsern lieben Herrn: Er woll uns hinfort mehr beschern 2. Und speisen uns mit seinem Wort, daß wir satt werden hier und dort. Ach, lieber Gott, du wollst uns geben nach dieser Welt das ewge Leben. Amen. Rambachs Handbüchlein. Oder: Gott, Vater, Sohn und heilger Geist, von dem die Füll der Gnaden fleußt, wir loben dich, wir danken dir für deine Wohlthat für und für. Amen. Zur Betglocke. Wenn nicht allenthalben, so wird es doch in sehr vielen Gegenden üblich sein, daß die Glocke täglich des Mittags und des Abends ( mehrfach auch des Morgens) geläutet wird. Es ist dies nicht etwa blos ein Zeichen, daß die Tagesarbeit eine Zeit lang unterbrochen werden soll, sondern es ist eine Stimme vom Heiligtum Gottes, die uns zum Gebet rufen will. Der Gebrauch des Mittag- und Abendläutens besteht in der Christenheit schon seit Jahrhunderten. Als im Laufe des 15. Jahrhunderts die Türken ihre Macht im Südosten Europas immer weiter ausbreiteten und im 3. 1453 durch die Eroberung Konstantinopels dem bis dahin bestandenen griechischen Kaisertum ein Ende bereiteten, da ging ein nicht geringer Schrecken durch die abendländische Christenheit, denn man fürchtete das weitere Vordringen dieser Feinde. Deshalb ordnete Papst Calixt III. um das J. 1455 an, daß man des Mittags mit der Glocke ein Zeichen geben und jedermann ernstlich zu Gott rufen solle 1. Gebete f. d. tägl. Hausandacht. 71 um Schutz und Hilfe wider diese Feinde der Christenheit, die Türken, und um Bewahrung und Erhaltung des lieben Friedens. Man nannte daher dieses Mittagläuten das Läuten pro pace d. h. für den Frieden. Und weil dieser Landfrieden ein so nötiges und heilsames Stück des lieben täglichen Brotes ist, wie Dr. Luther in der Erklärung der vierten Bitte des heiligen Vaterunsers sagt,- so ist es recht, daß alle Christen, wenn sie das Glockenzeichen am Mittag hören, ihre Hände falten und andächtig mit Dr. Martin Luther beten: - Zur Betglocke. - Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten, es ist ja doch kein andrer nicht, der für uns könnte streiten, denn du, unser Gott, alleine. Gieb unserm Könige( Fürsten) und aller Obrigkeit Fried und gut Regiment, daß wir unter ihnen ein geruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. Amen. Oder: 1. Gieb Fried zu unsrer Zeit, o Herr! Groß Not ist jetzt vorhanden. Der Feind begehrt nichts andres mehr, denn daß er bring zu schanden den Namen Christ und dämpf mit List wahrn Gottesdienst auf Erden. Solchen erhalt durch dein Gewalt. Du hilfft allein in G'fährden! 2. Gieb Fried, den wir verloren han durch Unglaub und bös Leben. Dein Wort hast du geboten an, dem wir all widerstreben. Denn wir zum Teil dies unser Heil mit frevler G'walt austreiben. Zum Teil ohn Grund bekennen und ohn herzlich Frömmigkeit bleiben. 3. Gieb Fried, auch deinen Geist uns send, der unser Herz durch Reue und Leid um unser Sünd behend in Jesu Christ erneue, auf daß dein Gnad all Schand und Schad, all Furcht und Kriegeslaste von uns abkehr, dadurch dein Ehr bei allem Volk erglaste( erglänze)! Wittenbergische Kirchengesänge. 1573. Das Abendläuten stammt aus dem 14. Jahrhundert. Papst Johannes XII. befahl, man solle täglich des Abends dreimal mit der Glocke anschlagen und da solle jeder das Ave Maria beten. Ans Gebet wollen wir Lutherischen durch das noch heute übliche Abendläuten uns gern mahnen lassen, aber wir wenden uns mit unserm 72 Erster Teil: Das Hausbuch. Gebet nicht an die Jungfrau Maria, sondern an den Herrn Jesum Christum und beten: 1. Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ, weil es nun Abend worden ist, dein göttlich Wort, das helle Licht, laß ja bei uns auslöschen nicht. 2. In dieser letzten betrübten Zeit verleih uns, Herr, Beständigkeit, daß wir dein Wort und Sakrament rein behalten bis an unser End. 3. Laß uns in guter stiller Ruh das zeitlich Leben bringen zu, und wenn das Leben neiget sich, laß uns einschlafen seliglich. 4. Herr Jesu, hilf, dein Kirch erhalt, wir sind sicher, arg, faul und kalt; gieb Glück und Heil zu deinem Wort, damit es schall an allem Ort. 5. Erhalt uns nur bei deinem Wort und wehr des Teufels Trug und Mord, gieb deiner Kirche Gnad und Huld, Fried, Einigkeit, Mut und Geduld. 6. Ach Gott! es geht gar übel zu, auf dieser Erd iſt keine Ruh: viel Sekten und groß Schwärmerei auf einem Haufen kommt herbei. 7. Den stolzen Geistern wehre doch, die sich mit G'walt erheben hoch und bringen stets was Neues her, zu fälschen deine rechte Lehr. 8. Die Sach und Ehr, Herr Jesu Christ, nicht unser, sondern dein ja ist: darum, so steh du denen bei, die sich auf dich verlassen frei. 9. Dein Wort ist unsers Herzens Truß und deiner Kirchen wahrer Schutz, dabei erhalt uns, lieber Herr, daß wir nichts anders suchen mehr. 10. Gieb, daß wir leben in deinem Wort und darauf ferner fahren fort von hinnen aus dem Jammerthal zu dir in deinen Himmelssaal. Amen. Von V. 4 an von Nik. Selnecker. Zweite Abteilung. Gebete für besondere Lagen und Fälle. A. Berufsgebete. 1. Gebet eines Predigers und Seelsorgers. O ewiger und allmächtiger Gott, ich bitte dich herzlich für alle, die du meiner Seelsorge und Fürbitte anbefohlen hast, verleihe ihnen doch deine Gnade und deinen heiligen Geist, daß sie dich und deinen liebsten Sohn, Jesum Christum, erkennen, in rechtem Glauben, Furcht und Liebe täglich wachsen und in fester Hoffnung mit christlichem, bußfertigem Leben in deinem Willen und Gehorsam beständig bis an ihr seliges Ende verharren. Gieb auch mir, o frommer Gott, daß ich ihnen mit reiner Lehre, mit gutem erbaulichen Leben und gebührender Amtstreue fruchtbarlich vorleuchte, auch daß wir alle vor falschem Glauben und ungöttlichem Wandel behütet, die ewige Seligkeit erlangen mögen durch Jesum Christum unsern einigen Mittler und Erlöser. Amen. Joh. Deucer. 2. Gebet um treue Lehrer und Prediger. Lieber Gott, gieb uns fromme, gottesfürchtige Lehrer in der Kirche, die deinen Namen auch der Welt offenbaren und fund thun, nämlich daß du gnädig und barmherzig seist und uns um deines lieben Sohnes willen, der für uns gekreuzigt und gestorben ist, unsre Sünden verzeihen und das ewige Leben geben willst, auf daß alle Menschen sich auf deine Gnade und Barmherzigkeit verlassen und dich anrufen, dich preisen und dir danken. Gieb uns den heiligen Geist, der uns regiere, und erhalte uns, daß wir nicht wieder zurückfallen in das Reich des Satans, der dein Wort, Glauben und rechten Gottesdienst ganz und gar vertilgen will. Davor behüt uns, lieber Herr Gott, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Dr. M. Luther. Erster Teil: Das Hausbuch. 3. Gebet eines Lehrers. Barmherziger, gnädiger Gott und Vater, ich danke dir von Herzen, daß du mich nach deinem gnädigen Willen und Wohlgefallen in dieses Amt gesetzet hast, daß ich deine Lämmer weiden und die mit deines lieben Sohnes teurem Blute erkauften Kinder zu allem Guten anführen soll. Ich bitte dich demütiglich, regiere mein Herz mit deinem heiligen Geiste, auf daß ich früh und spät mit schuldigem Fleiß und Ernst all mein Thun und Lassen also einrichte, damit die mir befohlnen Kinder täglich mögen zunehmen an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen, und in wahrer Gottseligkeit, Frömmigkeit und Geschicklichkeit wachsen als die schönen an den Wasserbächen deines Wortes gepflanzten Bäume zu deines Namens Lob und Preis und ihrer ewigen Seligkeit. O mein Gott und Vater, schenke allen diesen Kindern deinen heiligen Geist, gieb ihnen ein gehorsames Herz und bei beständiger Gesundheit Weisheit, Verstand und gutes Gedächtnis, daß Gott und Menschen an ihnen ein herzliches Wohlgefallen haben, und sie fleißig lernen sich christlich und wohl verhalten und mit der Zeit in allerlei Ständen wohl gebraucht werden mögen. Ach, laß ja keinen von ihnen verloren werden, damit ich sie dir am jüngsten Tage fröhlich vorstellen und sagen möge: Hier bin ich und die Kinder, die du mir gegeben hast. Das verleihe mir, Gott Vater, durch Jesum Christum, in Kraft des heiligen Geistes. Amen. Aus Cubachs Gebetbuch. 74 4. Gebet für Schüler. Allmächtiger Gott, du ewiger Brunn aller Weisheit, der du alle guten und nützlichen Künste erschaffen hast, und verordnest nun in der verderbten Welt gute Bücher, Schulen und Lehrmeister, wir danken dir für diese unsre Schulen, Lehrer und alle deine Künste und Gaben und bitten deine milde Güte, du wollest diese Schule, unsre treuen Lehrer und Prediger und lieben Eltern in deinem Schutz erhalten und ihnen ihren Fleiß und Arbeit reichlich lohnen. Unsre Arbeit und Übung wollest 2. Gebete für besondere Lagen und Fälle.- Berufsgebete. 75 du aus Gnaden segnen und uns nötige und nützliche Künste richtig lernen lassen, damit wir selige Werkzeuge werden, deiner Kirche in Geduld dienen und deinen Namen im Glauben und gutem Gewissen mit Freudigkeit bekennen können, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn und unsern Herrn. Amen. Joh. Mathesius. 5. Gebet eines Fürsten. O allmächtiger, ewiger Gott, der du alle Dinge geschaffen hast, ich bitte dich, du wollest mich, deinen Diener, dem du das Zepter, Schwert und Krone gegeben hast, also regieren, daß ich dich auf dieser Erde recht erkenne, deinen Sohn für meinen Heiland erkenne und anrufe und meinen Unterthanen verkündigen lasse als den einigen Erlöser von Sünde, Tod, Teufel und Hölle. Ach gieb mir durch deines Geistes Wirkung, daß ich im rechten Glauben lebe und sterbe, deine Ehre und Dienst in meinen Ländern fortpflanze, Gericht und Gerechtigkeit handhabe, die Bösen strafe, die Frommen schüße, und also deinen Willen und der Unterthanen Nutz und Wohlfahrt befördere durch Christum, deinen Sohn. Amen. Aus Cubachs Gebetbuch. 6. Gebet der Dbrigkeit für die Unterthanen. O du gewaltiger Herrscher des Erdbodens, Herr aller Herren, König aller Könige, ich danke dir von Herzen, daß du mich zur Obrigkeit in diesem Lande gesehet hast. Darum gieb mir, daß ich mich allezeit vor dir demütige und gedenke, daß ich auch unter Gott bin. Gieb mir einen festen Glauben und eine starke Zuversicht auf deine Allmacht und Barmherzigkeit, und eine herzliche Liebe zu deinem reinen Worte. Erhalte mich und meine Unterthanen bei der seligmachenden Wahrheit deines Evangeliums. Gieb uns den edlen lieben Landfrieden. Sei mein mächtiger Schutz und eine feurige Mauer um mich und meine Unterthanen her, und wenn das Land zittert und alle, die darin wohnen, so halte du seine Säulen fest. Gieb den Unterthanen ein gehorsames Herz und mir deine himmliſche Weisheit, daß ich dieselben weislich regiere, die Unschuldigen 76 Erster Teil: Das Hausbuch. errette, die Frommen schütze, die Bösen strafe und Rache übe über alles Böse, daß ich eine Furcht sei der Bösen und ein Lob und Preis der Frommen. Hilf mir, daß ich Recht schaffe ohne Ansehen der Person den Armen und Waisen, und helfe den Elenden und Dürftigen. Gieb mir, daß ich also regiere, daß das Land nicht wider mich seufze, sondern daß dasselbe deines Lobes und Preises voll werden möge. Gelobt sei der Herr, der allein Wunder thut, und gelobt sei sein herrlicher Name ewiglich, und alle Lande müssen seiner Ehre voll werden. Amen. Joh. Arnd. 7. Gebet der Unterthanen für ihren Landesherrn und Dbrigkeit. Herr aller Herren und König aller Könige, du Herrscher über den ganzen Erdkreis, der du alle Obrigkeit hast eingeſetzt und gesagt durch deinen werten Apostel: Es ist keine Obrigkeit ohne von Gott verordnet; und wer der Obrigkeit widerstrebet, der widerstrebet Gottes Ordnung: laß uns die Obrigkeit für deine Ordnung erkennen, dieselbe fürchten, lieben und ehren. Gieb Gnade, daß wir durch sie mit Gerechtigkeit regieret, unter ihrem Schutz ein stilles geruhiges Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. Und weil du, lieber Vater, der Könige Herzen in deiner Hand hast und leitest dieselben, wie Wasserbäche, so regiere auch unsre liebe Obrigkeit mit deinem heiligen Geiste, daß sie vor allen Dingen Gottes Wort lieb habe, ihre Thore weit mache und die Thüren in der Welt hoch, daß in ihren Landen der König der Ehren einziehe. Gieb ihr deine himmlische Weisheit, die um deinen Thron ist, durch welche die Könige regieren und die Ratsherren das Recht setzen. Laß sie das Geschrei der Armen hören und Recht und Gerechtigkeit handhaben. Laß sie fürstliche Gedanken haben und darüber halten. Gieb ihr die Glückseligkeit Davids, die Weisheit Salomos, die Sieghaftigkeit Josuas, die Stärke Simsons. Gieb ihr die Liebe der Gerechtigkeit, beständigen Mut und Tapferkeit wider alle Ungerechtigkeit, glücklichen Fortgang ihrer Anschläge, getreue, verständige, kluge Räte, gesundes und langes 2. Gebete für besondere Lagen und Fälle.- Berufsgebete. 77 Leben. Behüte sie vor Heuchlern und Schmeichlern, vor Kriegen und Blutvergießen. Schütze sie durch deine heiligen Engel. Segne das ganze Land und schaffe unsern Grenzen Frieden, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Joh. Arnd. Ein anderes. Gnädiger und barmherziger, gütiger und weiser Gott! Herr und Vater über alles, das Vater heißt und ist, der du alle Obrigkeit eingesetzt und verordnet hast, sie auch durch dein allmächtiges und heiliges Wort bestätigst, laß dir unsern regierenden Herrn in deinen Schutz und große Gnade allezeit befohlen sein. Erleuchte, führe und leite ihn durch deinen heiligen Geist immerdar, daß er christlich, löblich, weislich und glücklich regiere. Setze ihm auf die güldene Krone deiner Barmherzigkeit, bekleide, ziere und ehre ihn mit dem herrlichen schönen Schmuck aller deiner göttlichen Gnaden und Gaben. Vermehre an ihm all dein Heil und Segen, daß er gesegnet sei immer und ewiglich. Erhalte ihn bei langem Leben, guter Gesundheit und bei aller gewünschten Stärke, Kraft und Wohlfahrt Leibes und der Seelen. Sei du sein nächster Rat. Gieb ihm durch deine Barmherzigkeit gute und getreue Räte, gottesfürchtige Amtleute, treue und fleißige Diener und gehorsame Unterthanen. Gieb ihm ein väterlich Herz gegen sie alle. Hilf auch, daß er sein Herz und Ohr vor dem Geschrei der Armen nicht verschließe noch verstopfe, sondern daß er ihnen thue, wie er wollte, daß ihm selber geschehen sollte. Behüte dieses Land und Leute vor Unfriede, Krieg, Pestilenz, Feuersnot, vor Schaden und Gefahr. Hilf, daß beide, Obrigkeit und Unterthanen, sich der Furcht Gottes unterthänig machen und deinen Segen erlangen. Laß grünen, blühen und wachsen in unserm Lande den lieben Frieden, Einigkeit und Gottseligkeit. Gott Vater, Sohn und heiliger Geist, sei uns allen gnädig und barmherzig. Laß uns dein göttliches Antlitz in Gnaden leuchten, so genesen wir. Hilf du uns, so ist uns geholfen; sei du alles unsers Thuns glücklicher Anfang, gewünschtes Mittel und seliges Ende. Hilf, daß wir 78 Erster Teil: Das Hausbuch. christlich leben und selig sterben und nach diesem Leben erlangen das ewige Leben, welches uns erworben hat Jesus Christus, dein geliebter Sohn, hochgelobet in alle Ewigkeit. Amen. Dresdner Gebetbuch von 1595. 8. Gebet für den Hausstand. Dallmächtiger, ewiger und barmherziger Gott, dieweil du mit Worten und Werken genugsam bewiesen hast, daß du als ein getreuer Vater für uns sorgest und hast uns gnädiglich zu Kindern angenommen und einem jeden seinen Beruf gegeben, darinnen er dir und dem Nächsten dienen soll, so bitten wir dich von Herzen, lieber Vater, gieb Gnade, daß wir unsers Berufes fleißig wahrnehmen und im Gehorsam als deine treuen Kinder allezeit erfunden werden. Fördere die Werke unsers Haushaltens also, daß wir ja unsre Herzen nicht an die Güter dieser Welt hangen, noch jemand dadurch Ärgernis geben, sondern laß uns alle zeitlichen Güter und Gaben, so wir durch deinen Segen empfangen haben, in stillem Wesen mit täglicher Danksagung genießen und gebrauchen. Wollest auch von uns abwenden allen Müssiggang, unnötige Sorge der Nahrung und alles, was dir mißfällt und bei uns und in uns fördern alles, was dir wohlgefällt, auf daß wir in all unserm Thun deinem Befehle nachgehen und alle Sorgen und Anliegen aus rechtem Glauben auf dich werfen. Denn du weißt alles, was uns mangelt und not ist. Das wollest du uns gnädiglich verleihen durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Dr. M. Luther. 9. Gebet eines Hausvaters. Allmächtiger Gott, gnädiger Vater, der du mich haft zu einem Hausvater verordnet, ich bitte dich um deines lieben Sohnes willen, dem die ganze Haushaltung in deiner Christenheit befohlen, du wollest mir Verstand geben, daß ich mein Weib, Kind und Gesinde christlich regiere und zu Gottes Wort und aller Zucht erziehe, und wollest meine Nahrung segnen und mit deinen lieben Engeln mich und mein Haus bewachen, denn 2. Gebete für besondere Lagen und Fälle.- Berufsgebete. 79 wo du nicht unser Haus bauest und unsre Arbeit segnest, so ists mit all unserm Sorgen und Denken verloren. Hilf, lieber Vater, durch Jesum Christum. Amen. Joh. Mathesius. 10. Gebet einer Hausmutter. Herr Jesu Christe, wahrer Sohn Gottes, der du mir meinen Hauswirt bescheret, Kind und eignen Herd gegeben hast, hilf durch deine Güte, daß ich nach deinem Befehl mich vor meinem Manne bücke und meine Kinder in deiner Furcht erziehe, und was mein Hauswirt durch deinen Segen erwirbt, fein zu Rate halte und mich mit jedermann wohl vertrage, damit ich mit einem ehrlichen Wandel dich preise und meinen Beruf gewiß mache, der du auch der gläubigen Weiber Herr und Heiland bist und machest sie teilhaftig deiner Gnaden, hochgelobet in Ewigkeit. Amen. Joh. Mathesius. 11. Gebet der Eltern für ihre Kinder. Getreuer, lieber Gott und Vater, Schöpfer und Erhalter aller Kreaturen! Wir danken dir von Herzen für die Kinder, die du uns durch deinen Segen gegeben hast; und bitten dich herzlich, weil du gesagt hast, du wollest deinen heiligen Geist geben allen, die dich darum bitten, begnade auch unsre armen Kinder mit deinem heiligen Geiste, der in ihnen die wahre Furcht Gottes anzünde, welche der Weisheit Anfang iſt. Beselige sie mit deiner wahren Erkenntnis, laß sie in dem wahren seligmachenden Glauben und in aller Gottseligkeit aufwachsen und darin bis ans Ende verharren. Gieb ihnen ein gläubiges, gehorsames, demütiges Herz, auch Weisheit und Verstand, daß sie wachsen und zunehmen an Alter und Gnade bei dir und den Menschen. Pflanze in ihr Herz die Liebe deines göttlichen Wortes, daß sie seien andächtig im Gebet und Gottesdienſt, ehrerbietig gegen die Diener des Wortes und gegen jedermann, schamhaftig in Worten, treu in Werken, fleißig in Geschäften, glückselig in Verrichtung ihres Berufes, verständig in Sachen, richtig in allen Dingen, sanftmütig und freundlich gegen alle Erster Teil: Das Hausbuch. Menschen. Behüte sie vor allen Ärgernissen dieser Welt; ſei ihr Schutz in allerlei Gefahr, daß sie nicht plötzlich umkommen. Laß uns ja nicht Unehre und Schande, sondern Freude und Ehre an ihnen erleben, daß durch sie auch dein Reich vermehret und die Zahl der Gläubigen groß werde, daß sie auch im Himmel um deinen Tisch her sizen mögen, als die himmlischen Ölzweige, und dich mit allen Auserwählten ehren, loben und preisen mögen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Darauf bete den 127. und 128. Pfalm. Joh. Arnd. 80 12. Gebet der Kinder für ihre Eltern. Ach gnädiger, barmherziger Gott und Vater, der du der rechte Vater bist über alles, was Kinder heißt im Himmel und auf Erden, ich danke dir herzlich, daß du mir meine lieben Eltern gegeben und bis hierher in guter Gesundheit erhalten hast. Dir sei Lob, Ehre und Dank für diese deine große Wohlthat. Ich bitte dich, du wollest mir meinen Ungehorsam, damit ich mich gegen meine lieben Eltern oft versündigt habe, aus Gnaden vergeben. Gieb mir ein gehorsames und dankbares Herz gegen sie, daß ich sie ehre, fürchte, liebe und mit meinem Gehorsam erfreue. Lehre mich auch bedenken, wie sauer ich meiner Mutter geworden bin und mit wie großer Mühe und Arbeit sie mich erzogen. Laß mich dieselbe wieder ehren mit Gehorsam, Liebe, Demut, Furcht in Worten und Werken, auf daß ich den Segen und nicht den Fluch ererbe. Laß das Erempel des Gehorsams meines Herrn Jesu Christi immer vor meinen Augen stehen, welcher, dir, seinem Vater, gehorsam gewesen bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuze. Laß meine lieben Eltern in einem stillen und geruhigen Leben, in Friede und Einigkeit alt werden. Lindere ihnen ihr Kreuz und hilf's ihnen tragen. Er höre ihr Gebet und segne ihre Nahrung. Behüte sie vor allem Übel Leibes und der Seele. Und wenn ihre Zeit vorhanden ist, so laß sie sanft und still einschlafen und nimm sie zu dir ins ewige Vaterland, durch Jesum Christum. Amen. Joh. Arnd. 2. Gebete für besondere Lagen und Fälle.- Berufsgebete. 81 13. Gebet einer Waise. Lieber himmlischer Vater, da du mir meine irdischen Eltern durch den Tod hinweggenommen, so halte ich mich desto genauer zu dir, dem Vater über alles, was Kinder heißt im Himmel und auf Erden. Du hast mich ja in der heiligen Taufe zu deinem Kinde angenommen, auch besonders in deinem Wort versprochen, ein Vater und Erretter der Waisen zu sein. Ach bewahre mich, daß ich mich deiner Fürsorge nicht durch mutwillige Sünden verlustig mache, sondern vielmehr in meinem ganzen Leben sie reichlich erfahren möge. Erwecke mir gute Gönner und Freunde, die sich meiner erbarmen. Gieb, daß meine Vormünder und Pfleger sich meiner treulich annehmen und mich zu allem Guten erziehen; ich aber ihnen eben den Gehorsam, den ich leiblichen Eltern schuldig bin, erweise, ihrem Rat folge und ihrer Strafe mich unterwerfe. Laß mich in deiner Furcht wandeln, böse Gesellschaft vermeiden und allen Lüsten des Fleisches widerstehen, damit ich dir sowohl jetzt in meinen unmündigen Jahren, als künftig in meinem vollständigen Alter, in meinem Beruf, mit unbeflecktem Gewissen diene und endlich dein ewiges Reich ererbe, um meines lieben Heilandes willen. Amen. Joh. Jak. Rambach. 14. Gebet einer Hausmutter um getreues Gesinde. Herzlieber Vater, ich danke dir für die Ehre, daß du mir deine Kreatur und getaufte Kinder zur Hand gehen und dienen läsfest. Beschere mir, lieber Vater, der du Frau und Magd erschaffen und sie alle durch Christi Blut willst selig machen, eine fromme, christliche und ehrliche Magd, die sich ihrer Taufe tröstet und um deines Wortes und Befehls willen mir, meinen Kindern und Hause treulich diene. Laß mich auch nicht vergessen, daß ich einen Herrn im Himmel habe, damit ich sie als mein Kind mütterlich behandle und zu Gottes Wort und aller Zucht halte, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Joh. Mathesius. 6 Allgemeines Gebetbuch. Erster Teil: Das Hausbuch. 15. Gebet der Dienstboten um einen guten Dienst. Lieber Vater im Himmel, der du auch des armen Gesindes treuer Vater bist, ich soll und muß mich zum Dienst begeben. Nach deinem Wohlgefallen beschere mir einen erträglichen Dienst. Hilf mir zu guten Leuten, die dein Wort lieben und ein treues Auge auf ihr Gesinde haben. Ich will um deinetwillen gehorsam und fleißig dienen und in Geduld auf deines Sohnes fröhliche Erscheinung warten, da all mein Dienst ein Ende nehmen wird und ich unter deinen lieben Kindern und Erben sein und bleiben werde in Ewigkeit. Amen. Joh. Mathesius. 82 16. Gebet eines Dienstboten( Knecht oder Magd). Ach lieber Herr und Heiland, ich danke dir, daß du mir eine gute Herrschaft und erträglichen Dienst beschert hast, darin ich kann dein Wort hören, zu Beichte und Abendmahl gehen und meine Zucht und gut Gewissen durch deine Gnade bewahren. Hilf, lieber Herr, daß ich meinen Dienst ehrlich und treulich verrichte, um deinetwillen meiner Herrschaft gehorche, ihre Kinder christlich erziehen und ihre Nahrung fleißig zu Rate halten helfe. Behüte mich, daß ich nichts verderben und zu Schanden werden lasse. Hilf mir auch, daß ich still und verschwiegen sei, keine Uneinigkeit mache, Liebe und Freundschaft erhalte und meiner Herrschaft um deinetwillen ein Wort lerne zu gute halten, damit ich mein Vaterunser abends und morgens fein andächtig sprechen könne. Sei du meine Hilfe und mein Schuß, der du auch armen Gesindes Gott und Heiland bist und sie zum ewigen Leben mit deinem teuern Blute erkauft hast, hochgelobet in Ewigkeit. Amen. Joh. Mathesius. Ein anderes. O allerhöchster Gott, Herr aller Herrn, weil es dir gefallen hat, mich zur Dienstbarkeit zu berufen, so danke ich dir doch herzlich, daß du mich durch Jesum Christum frei gemacht hast von der Gewalt des Satans, der Sünde und des ewigen Todes und mich berufen zur seligen Freiheit der Kinder Gottes. Ach 2. Gebete für besondere Lagen und Fälle.- Berufsgebete. 83 mein Gott, siehe mich in Gnaden an um Jesu Christi willen und regiere mich durch deinen guten Geist, daß ich meinen leiblichen Herrn( meiner Frau) gehorsam sei in Einfältigkeit des Herzens, als Christo; nicht mit Dienst vor Augen allein, als den Menschen zu gefallen, sondern als ein Diener( Dienerin) Christi, daß ich solchen Willen Gottes thue von Herzen mit gutem Willen, und solches nicht allein den Gütigen und Gelinden, sondern auch den Wunderlichen. Bewahre mein Herz vor falschen Tücken und aller Untreue, damit ich ja nicht den Satan oder die Welt mich verführen lasse zu Lügen, Trügen, Stehlen, Leichtfertigkeit oder Unzucht, oder zu Trotz und Widersetzlichkeit, sondern mich also verhalte, daß ich ein gutes Gewissen vor dir und einen guten Namen bei den Menschen habe und dermaleinst auch in meiner Haushaltung deines göttlichen Segens mich erfreuen möge. Laß mich doch nicht in bösen Verdacht, Geschwätz oder Gezänk geraten. Gieb mir Verstand und Weisheit, daß ich mich flüglich halte in meinem Thun und jedermann spüren möge, daß du mit mir bist. Laß mich Gnade finden bei denen, welchen ich diene, und segne sie durch meine Hand. Verleihe mir ein recht gottesfürchtiges Herz, daß ich vor allen Dingen dich vor Augen habe und in wahrem Glauben und heiligem Leben dir also diene, damit ich dermaleinst nach der Dienstbarkeit dieses elenden Lebens mit dir in deinem Reiche herrschen möge ewiglich. Amen. Rigisches Gebetbuch. 17. Gebet für Kaufleute und Gewerbfreibende. Barmherziger Gott und Vater, dieweil du mich in den Stand gesetzt, daß ich durch meine Geschäfte den allgemeinen Nußen und meines Nächsten Wohlfahrt fördern soll, so bitte ich dich von Herzen, regiere mich mit deinem heiligen Geiste, daß ich vor allem dich, meinen Gott, herzlich fürchte, dich liebe und dir vertraue und dein heiliges allein seligmachendes Wort mir viel lieber sein lasse, denn viel tausend Stück Goldes und Silbers. Behüte mich vor allem Betrug, Wucher und Übervor6* 84 Erster Teil: Das Hausbuch. teilung meines Nächsten. Laß mich allezeit dein Wort bedenken: Was ihr wollt, daß euch die Leute thun sollen, das thut ihr ihnen auch. Segne meine Handlung und Geschäfte, gieb mir, was dein Wille ist, zu meiner Notdurft und hilf, daß ich bei erlangtem Gut und Reichtum ja nicht das Herz daran hänge, sondern das Meine mit gutem Gewissen vermehre und dasselbe dir zu Ehren und dem dürftigen Nächsten zum besten anwende. Laß mich Glauben und gut Gewissen bewahren und dich für alle deine Wohlthaten preisen in Ewigkeit. Amen. Joh. Olearius. 18. Gebet für Handwerker. Ewiger, barmherziger Gott und Vater, ich weiß, daß alle gute Gabe und alle Kraft zu arbeiten, allein von dir kommt, und daß ich ohne deinen Segen mit meiner Arbeit nichts ausrichten werde, wenn ich gleich früh aufstehe, mich spät niederlege und mein Brot mit Sorgen effe. An deinem Segen ist alles gelegen; der macht reich ohne Mühe. Darum bitte ich dich, mein Gott, segne auch meine Arbeit. Verleihe mir Gesundheit und ein genügsames Herz, daß ich fürlieb nehme mit meinem bescheidenen Teil. Erleuchte und regiere mein Herz, daß ich mich des Glaubens und der wahren Gottseligkeit befleißige, den Reichen ihr Gut nicht mißgönne, vor Aufwiegelung, Untreue und Unredlichkeit mich hüte, andern treulich diene und arbeite, demütig sei und mich befleißige, reich zu werden an guten Werken. Behüte mich vor Geiz und Ungerechtigkeit, daß ich nicht unbilligen Lohn fordere, sondern recht handle und deines Segens mich getröste. Lenke auch reichen und vornehmen Leuten ihre Herzen zu mir und laß mich Gnade bei ihnen finden, daß sie mir Gutes thun. Herr, gerne will ich mich nähren mit meiner Hände Arbeit und in deiner Furcht wandeln. Segne du mich, mein Gott, wie du in deinem Wort verheißen hast, und gieb, daß ich nach der schweren Arbeit dieses kümmerlichen Lebens eingehen möge zu deiner himmlischen Ruhe, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn. Amen. Aus Cubachs Gebetbuch. 2. Gebete für besondere Lagen und Fälle. 19. Gebet für Tandleute. O Gott, Schöpfer Himmels und der Erde, du willst, daß wir das Land bauen und uns mit unsrer Hände Arbeit nähren sollen, auf daß wir durch deinen Segen unser Brot und Nahrung davon haben, so lange wir leben. Mache du unser Land fruchtbar und wachsend, daß es Samen zur Saat und Brot zu essen gebe. Gieb ein gutes Jahr und bewahre uns vor Mißwachs. Gieb gut Wetter und strafe uns nicht mit Feuer und Brand, Hagel, Dürre, Nässe und Unfruchtbarkeit. Behüte mich und mein Weib, meine Kinder und Gesinde, mein Haus und Hof, mein Vieh und alles, was ich habe. Hilf, daß ich mich nach deinem Befehl ehrlich nähre, ohne Vorteil und Betrug handle und meine Sache so verrichte, daß ich niemand Unrecht thue, damit ich mit allen den Meinigen deinen milden Segen erlange und keinen Mangel spüre, durch Jesum Christum. Amen. Joh. Deucer. — Univ. Bibl. Glessen Berufsgebete. 85 20. Gebet für Taglöhner und Handarbeiter. O du allweiser und gerechter Gott, dieweil ich erkenne, daß du mich in diesen Stand gesetzt, daß ich ein Taglöhner und Arbeiter sein, andern mit meiner Arbeit dienen und damit meine Nahrung suchen soll, so bin ich wohl damit zufrieden und denke nicht nach hohen Dingen. Allein ich bitte dich demütiglich, weil dir Glaube und Geduld wohlgefallen, du wollest die Geduld in mein Herz pflanzen, daß ich bei aller Mühe und Beschwerung, Kummer und Sorge, meine Seele in Geduld fasse und mich deines gnädigen Beistandes jederzeit getröste. Ach Herr, versiegle diesen Trost in meinem Herzen, daß bei dir kein Ansehen der Person ist, sondern aus allerlei Volk, wer dich fürchtet und recht thut, dir angenehm sei in deinem Sohne, und daß du auch auf die Armen ein gnädiges Aufsehen hast und ihr Schutz bist in der Not. Gieb mir auch Gesundheit, Kraft und Stärke, meine Nahrung ehrlich zu gewinnen und alle Beschwerden zu überwinden, bis ich einmal werde dahin kommen, da keine Mühe, Arbeit, Sorge und Angst, sondern ewige Ruhe und Sicherheit 86 Erster Teil: Das Hausbuch. und der Auserwählten Lohn groß sein wird, um des teuren Verdienstes Jesu Christi willen. Amen. Aus Cubachs Gebetbuch. 21. Gebet für Bergleute. O allmächtiger Gott, der du allein den Segen zu unsrer blutsauern und gefährlichen Arbeit sprechen kannst, ich bitte dich durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, meinen einigen Mittler und Heiland, du wollest mir aus Gnaden alle meine Sünden verzeihen, die Werke meines Berufs segnen und mich nicht allein recht anweisen, wo ich einschlagen, senken, auslangen und über mich brechen soll, sondern auch in meiner Zeche einen findigen Gang, edel Geschick und gut Erz bescheren. Herr, es sind die Erzgänge und Flöße dein Werk und alles Silber, Gold und Zinn dein Geschöpf und gute Gaben. So hilf nun, lieber himmlischer Vater, und begnadige mich und meine Gewerken mit gesegneten Anbrüchen, gieb ihnen ihr bescheiden Teil, mir aber und den Meinigen unser tägliches Brot und was zur Leibesnahrung und Notdurft gehört. Laß uns weder in äußerste Armut, Not und Mangel geraten, noch bei deinem Segen stolz und übermütig werden und unsre Herzen an das Zeitliche hängen. Mein Gott, sei und bleibe du stets bei mir, daß ich mich allezeit deiner gnädigen Gegenwart trösten und sagen könne: Ob ich schon wandle im finstern Thal, fürchte ich kein Unglück, denn du, Herr, bist bei mir. Begleite mich in meiner Aus- und Einfahrt und befiehl deinen heiligen Engeln, daß sie mich behüten auf meinen Wegen, daß kein böses Wetter mich beschädige und vergifte. Herr, erbarme dich über mich, an Leib und Seele, in irdischen und himmlischen Gütern und hilf, daß ich endlich, wenn die Zeit meines Abschieds vorhanden sein wird, eine selige Friedefahrt zu deinem heiligen Himmelsberge mit Simeon halten möge, so will ich für alle deine Wohlthaten dich ehren, rühmen und loben immer und ewiglich. Amen. Joh. Deucer. 22. Gebet für Schiffer. Herr, allmächtiger Gott, barmherziger Vater, du gewaltiger Herrscher über Meer und Wasser, auf welchem auch die Men 2. Gebete für besondere Lagen und Fälle.- Reisegebete. 87 schen durch deine Gnade ihren Weg suchen und auf Schiffen durch Kraft des Windes wie ein Pfeil dahinfahren; weil ich nach deinem Wohlgefallen unter solchen Leuten mich befinde und die Werke meines Berufes auf dem Wasser verrichte, so rufe ich zu dir, Herr, komm mir zu Hilfe mit deiner Gnade und stehe mir bei, daß ich alle Fahrten wohl und glücklich anfange und vollende, und stärke mich, daß ich in fleißiger Sorgfalt auf meinem Schiffe stets wache und dasselbe, so viel als möglich, vor allem Unglück verwahre und erhalte. Gieb mir auch, barmherziger Vater, guten Wind und bequemes Wetter und wende ab alles gefährliche Ungestüm und Sturm, daß ich nicht auf gefährliche Örter getrieben werde oder in Leib- und Lebensgefahr geraten, oder gar untergehen müsse, sondern daß ich durch deine mächtige Hand behütet und aus aller Gefahr gerissen werde. Laß mein Herz, liebster Gott, ferne sein von aller Gottlosigkeit, damit ich nicht deinen Zorn über mich erwecke, und regiere mich durch deinen heiligen Geist, daß ich mit dem festen Anker des rechten Glaubens, der wahren Gottseligkeit und des eifrigen Gebetes allezeit in Bereitschaft stehe und denselben in dem höllischen Sturmwetter gebrauche und mich also wohl verwahre, damit ich dermaleinst sicher an den Port ( Hafen) des ewigen Lebens gelange und zu meinem liebſten Erlöser, Jesu Christo, in die sichere Wohnung und selige Ruhe erhoben werde. Erhör mich, liebster Gott, um deiner göttlichen Liebe und Güte willen. Amen. J. M. Schmidt. B. Reisegebete. 1. Gebet beim Beginn der Reise. Allmächtiger Gott, in deinem Namen will ich meinen Weg antreten und mit Anrufung deiner Barmherzigkeit diese vorgenommene Reise anfangen, denn du bist mein Gott, der du behütest allen unsern Eingang und Ausgang und richtest unsre Füße auf ebne Bahn, daß sie nicht gleiten. Ich bitte dich, er 88 Erster Teil: Das Hausbuch. halte mich bei deinem Worte, daß ich nicht abweiche vom rechten Wege des ewigen Lebens; führe mich auf den Steg deiner Gebote und behüte mich vor unrechtem Glauben. Du wollest auch deine heiligen Engel mir zugeben, und ihnen Befehl thun, daß sie mich behüten auf allen meinen Wegen und mich führen auf rechter Straße an den Ort, dahin ich gedenke zu kommen, auch mich gesund und frisch wieder heim zu den Meinen bringen. Beschere mir fromme Leute, die mich aufnehmen und beherbergen. Hilf, daß ich meinen Handel und Geschäfte nützlich und wohl ausrichte. Sei du bei mir auf allen meinen Wegen und Stegen, und wie du die Kinder Israel durch die Wüste geleitet hast und bist ihnen vorangegangen des Tages in einer Wolkensäule und des Nachts in einer Feuersäule, ihnen den Weg zu weisen, also wollest du auch bei mir sein und mir vorgehen auf diesem ganzen Wege, mich hin und her geleiten, vor Irrwegen behüten, wider alle Gefahr beschirmen, mit aller Notdurft versorgen und als ein treuer Geleitsmann nimmermehr von mir weichen. Sei du mein Gefährte und guter Hirt. In deine Hände befehle ich meinen Leib und Seele, desgleichen Haus und Hof, und was mir angehört. Hilf, daß ich zu den Meinen wieder komme und sie alle frisch und gesund, unversehrt und unbeschädigt wieder finde. Amen. Joh. Habermann. 2. Gebet während der Reise. O Herr Jesu Christe, der du um unsertwillen ein Gast und Fremdling geworden bist auf Erden, ich komme zu dir mit demütigem Herzen und bitte dich, du wollest dir mein ganzes Leben und Wandeln in dieser Welt lassen befohlen sein. Behüte mich auch auf dieser meiner Reise durch deiner lieben Engel Schuß auf allen meinen Wegen gnädiglich vor allem Übel und Unfall, vor Unglück und Gefahr, an Seele und Leib, damit ich alles glücklich ausrichten und endlich auch frisch und gesund wieder zu den lieben Meinigen gelangen möge. Dir, o Herr, befehle ich meinen Leib und meine Seele, mein Hab und 2. Gebete für besondere Lagen und Fälle.- Reisegebete.- 89 Gut auf meiner ganzen Reise. Richte du meinen Gang und Wandel, wie es mir gut und selig ist. Nimm dich auch unterdessen der lieben Meinigen zu Hause treulich an, damit wir einander glücklich und gesund wieder antreffen mögen. Und wenn ich endlich auch meine Lebenswallfahrt hier in dieser Welt vollendet habe, so nimm mich gnädig zu dir durch einen sanften und seligen Tod in deine Herrlichkeit, als mein himmlisches Vaterland. Amen. Joh. Quirsfeld. 3. Morgengebet auf der Reise. Ach mein lieber himmlischer Vater, ich sage dir von Grund meines Herzens Lob, Ehre, Preis und Dank, daß du mich diese Nacht( an diesem fremden Orte und bei fremden Leuten) auf meinem Wege so gnädiglich behütet, meinen Leib gesund erhalten und alle Notdurft mir beschert hast, daß ich nun in deinem Namen meine Reise wieder antreten und das Vorhaben meines Berufs fortsetzen kann. Ach mein frommer Gott und Vater, ich bitte dich, sei auch heute und fortan mein Reisegefährte. Bewahre mich durch die Wache deiner heiligen Engel vor aller Gefahr und Schaden des Leibes und der Seele. Räume und schaffe mir aus dem Wege alles, was mich möchte hindern. Fördere meinen Gang und die Verrichtungen meiner Geschäfte also, daß ich meinen und der lieben Meinigen Nußen schaffen und dabei in allem meinen Thun und Lassen ein gutes Gewissen vor Gott und Menschen behalten möge. Indessen, mein lieber Herr und Gott, sei auch daheim bei den lieben Meinigen ein getreuer Aufseher und Hausvater, erhalte sie alle in Frieden und bei guter Gesundheit; bewahre mein Hab und Gut vor Feuer, Wasser, vor ungetreuen Leuten und allem Schaden und hilf, daß ich durch deine Gnade auch frisch und gesund wieder heim zu den Meinen kommen, alles in gutem Wohlstand antreffen und mit Freuden eins das andre empfangen und umfangen möge, so wollen wir allzumal mit Loben, Danken und Preisen deinen heiligen Namen erheben in Christo Jesu, deinem lieben Sohn, unserm Herrn. Amen. G. Arnold. Erster Teil: Das Hausbuch. 4. Abendgebet auf der Reise. Ach mein lieber Herr und Gott, nachdem sich nun der Tag geneiget hat, so bringe ich dir an diesem fremden Orte zum Abendopfer die Danksagung meines Herzens. Ich lobe, ehre und preise dich für deinen göttlichen Beistand, daß du auch an diesem Tage als ein getreuer Reisegefährte bei mir geblieben bist, mich vor allem Schaden behütet, aus aller Gefahr errettet und meinen Leib mit aller Notdurft versorget hast. Ach, mein Gott und Herr, nimm dieses Abendopfer meiner Danksagung gnädiglich an und erhöre meine demütige Bitte, daß du mich auch diesen Abend mit Leibesnotdurft versorgest, mich bei christlichen und ehrlichen Leuten in Sicherheit erhaltest, alle Gefahr und Schrecken des Leibes und der Seele von mir und allen den Meinigen abwendest und mir und ihnen über Nacht eine sanfte und sichere Ruhe und morgen früh ein gesundes Aufstehen verleihest und mich alsdann ferner in meinem Beruf auf rechter Straße führest. Laß auch, o Gott, in meinem Herzen immerfort eine brünstige Lust und Liebe zu deinem heiligen und reinen Wort sein und bleiben, daß dein heiliges Wort meine Seele erquicke. Ach das alles gebe, und dazu helfe mir Gott Vater, Sohn und heiliger Geist, hochgelobet in Ewigkeit. Amen. G. Arnold. 90 5. Fürbitte der Reisenden für die Ihrigen. Herr, du getreuer Gott und Vater unser aller! Du weißt, aus welchen Ursachen ich diese Reise auf mich genommen und mich von den Meinigen eine Zeit lang entzogen habe. Weil es nun nicht anders hat sein können, also bitte ich dich jetzt nicht nur für mich, für mein Leib und Leben, daß du mich vor allem Unglück und Gefahr gnädiglich behüten und die Reise glücklich und mit Segen wollest abgehen lassen, sondern ich befehle dir auch die lieben Meinigen zu Hause, wie sie mögen Namen haben, Weib, Kinder, Gesinde und mein ganzes Hauswesen. Ach lieber Gott, du bist doch der beste Hausvater, darum nimm du dich ihrer als ein getreuer Vater an, sorge für sie, erhalte sie, nähre 2. Gebete für besondere Lagen und Fälle. Reiſegebete. 91 und verpflege sie, schüßze sie, wende ab alle Gefahr, die sie betreffen möchte, Feuer und Wassersnot und alles Unglück. Sei bei ihnen alle Tage und Stunden, auf daß sie mit dir ihren Beruf und Verrichtung anfangen und vollenden; des Tages laß sie in deinem Namen wandeln, des Nachts in deiner Gnade schlafen, und also deine Güte nimmermehr von ihnen weichen, und wenn es seiner Zeit dein göttlicher Wille sein wird, so hilf mir wieder nach wohlverrichteten Sachen glücklich nach Hauſe und laß uns frisch und gesund und mit Freuden wiederum zusammen kommen und, so lange es dir gefällt, mit Lieb und Ehren um und bei einander sein, bis wir die Reise dieses Lebens selig vollenden und im himmlischen Paradies fröhlich ankommen, in Jesu Namen. Amen. Amen. Aus Cubachs Gebetbuch. - 6. Fürbitte für Reisende. O allerliebster Gott und Vater, wir sind schuldig, nicht nur für uns, sondern auch für die Unsrigen, ja für alle Menschen zu bitten. So bitte ich nun von Grund meines Herzens für meinen lieben Eheherrn( Vater, Bruder, Sohn, Tochter, Freund), welcher in deinem Namen seine Reise, vermöge seines Berufes, vorgenommen. Dieweil ich nun diesen Tag und Zeit nicht kann bei ihm sein, so gern ich auch wollte, ach Herr, der du im Himmel und auf Erden bist, so sei und bleibe du bei ihm heute und allezeit. Schütze und beschirme ihn an Leib und Seele, erhalte ihn bei guter Gesundheit, bewahre ihn vor allem Übel, verſorge ihn als ein Vater, führe ihn als ein treuer Geleitsmann, schüße ihn in aller Gefahr, segne ihn in all seinem Thun und Geschäften. Und dieweil ja der Satan durchwandelt alle Lande und sonderlich dem Gange deiner frommen Kinder Netze stellet, daß er sie in Unglück bringen möge, ach Herr, du starker Gott, so bewahre meinen lieben Mann( Vater, Bruder, Sohn, Tochter, Freund) vor allen seinen listigen Anläufen. O Herr der Heerscharen, befiehl deinen heiligen Engeln, daß sie sich um ihn lagern und ihn auf allen seinen Wegen behüten. Regiere und führe ihn 92 Erster Teil: Das Hausbuch. durch deinen heiligen Geist heute diesen Tag und allezeit und bringe ihn auch wieder glücklich zu uns, daß wir ihn unversehrt und unbeschädigt wieder sehen mögen. So wollen wir, treuer Gott, dich allesamt mit Freuden loben unser Leben lang und dich dort preisen ewiglich. Amen. M. Bernh. Albrecht. 7. Gebet für mandernde Gesellen. Getreuer Gott, ich dein Kind soll jetzt meines Vaters Haus und Freundschaft verlassen und in ein fremdes, unbekanntes Land mich begeben, etwas zu sehen und zu lernen und mein Stücklein Brot in der Fremde zu suchen. Derhalben will ich mich mit Leib und Seele in deinen göttlichen Schutz und Schirm befehlen und bitte dich demütiglich, gleichwie du dem heiligen Patriarchen( Erzvater) Jakob in seiner Wanderschaft samt deinen heiligen Engeln erschienen, ihn aus- und eingeleitet und geführet, mit aller Notdurft versorget, auch frisch und gesund wieder zu seinem alten Vater, dem Isaat, gebracht hast, also wollest du auch mich mit deinen Augen leiten und unter deinen Flügeln beschirmen und bedecken. Führe mich zu frommen, gottseligen Leuten, die mich aufnehmen und mir Gutes erzeigen. Laß sich deine Engel um mich lagern und mich zu Weg und Steg, zu Wasser und zu Lande, vor Dieben, Mördern, Feinden und allerlei Fährlichkeit behüten. Gieb mir Weisheit und Verstand, damit ich etwas Rühmliches sehe, lerne und ergreife, dir zu Ehren, meinem Nächsten zu Nuß und mir selbst zur Wohlfahrt an Leib und Seele. Verleihe Glück, Segen und Gedeihen zu meinem Handel und Wandel und gieb Gnade, daß ich endlich wieder frisch und gesund heim zu den Meinigen kommen möge. Solches wollest du, allergnädigster Vater, geben und verleihen um deines liebsten Sohnes, Jesu Christi, willen. Amen. Rigisches Gebetbuch. 8. Gebet beim Beginn einer Seereise. Siehe, ewiger Gott, ich fahre jetzt auf die Höhe und begebe mich auf die wilde See. Da schwebe ich jetzt daher zwi 2. Gebete für besondere Lagen und Fälle.- Reiſegebete. 93 schen Himmel und Erde auf dem Wasser, auf diesem geringen und schwachen Gebäu und Schiff, welches sich selber nicht, viel weniger mich schüßen noch bergen kann. Ach, worauf soll ich armer Mensch mich verlassen? Allein auf dich und deine väterliche Allmacht und Fürsorge, weil mich doch sonst niemand erretten kann. Der Wind bläset, wo er will, das Meer hebt empor seine Wellen, unter mir sehe ich keinen Grund noch Boden, oben aber den bloßen, hohen Himmel, Menschen stehen mir zur Seiten in gleicher Gefahr und Sorgen. Darum, o Gott, hebe ich meine Augen auf zu dir allein, von dem mir Hilfe kommt. Dir ergebe ich mich zu eigen mit Leib und Seel, Gut und Blut, auf dich sehe ich allein, dir traue ich. Meine Hoffnung steht zu dir, denn Menschenhilfe ist kein nüße. Trage du dies Schifflein auf deinen Flügeln, erhalte uns darinnen, denn sonst, Herr, vergehen wir. Aber wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Ja, wie ich jetzt vom Lande abfahre und die Erde weit hinter mir lasse, so hilf, daß ich gleicher Gestalt alle Zuversicht irdischer und menschlicher Hilfe verlasse und mich dir allein übergebe. Siehe, Herr, ich ergebe mich dir ganz und gar in deinen Willen, mache du es mit mir, wie du willst und weißt, daß es zu meiner Seelen Seligkeit das Beste ist. Dir befehle ich mich in deine Hände, denn du hast mich in deine Hände gezeichnet, und niemand wird mich aus deinen Händen reißen, dieweil ich ein Schäflein Christi bin. Darauf will ich leben und sterben durch Beistand des heiligen Geistes. Amen. Lüneburger Handbüchlein für die Reisenden. - 9. Morgensegen zur See. Himmlischer Vater, der du ein allmächtiger Gott und König herrschest über Himmel und Erden, Meer und alles, was darinnen ist, ich sage dir Lob, Ehr und Dank, daß du mich in dieser Nacht hast sicher schlafen und ruhen lassen. Ich habe mich durch deine Kraft nicht schrecken lassen vor dem Grauen des Nachts, vor schrecklichen Sturmwinden, die uns unversehens 94 Erster Teil: Das Hausbuch. hätten überfallen können, noch vor grausamen Wellen, die uns schlafend und unwissend hätten können verschlingen, denn du bist meine Zuversicht, du Höchster bist meine Zuflucht, darum ist mir kein Übels begegnet und keine Plage hat sich zu unserm Schifflein genahet. Mit Freuden kann ich wieder die schöne Morgenröte und das Licht des Tages anschauen. Dafür sei dir, ewiger Gott und Vater, Lob und Dank gesagt. Ich bitte dich durch deinen lieben Sohn, Jesum Christum, du wollest alle Reisenden und auch mich heute unter deinem Schirm bewahren. Laß mich diesen Tag ohne Sünden wider mein Gewissen vollbringen, damit du in mir bleibest, in mir wohnest und dein Werk in mir schaffen mögest. Gieb Gnade, daß ich ohne große Todesgefahr an Leib und Seele behütet werde, denn ich übergebe dir in deine Hut mein armes Leben, meinen Willen und Ratschlag, meine Hinfahrt und Rückkehr, das Ende meines Lebens und alles, was ich bin und vermag, der du ein einiger Gott und mein Vater bist, hochgelobet im Himmel und auf Erden. Amen. Lüneburger Handbüchlein. 10. Abendlegen zur See. Herr, allmächtiger Gott, du sprichst: So du durchs Wasser gehest, will ich bei dir sein, daß dich die Ströme nicht sollen ersäufen( Jes. 43). Wir bitten dich herzlich, sei auch bei uns in dieser finstern Nacht und bewahre uns, daß uns und unserm Schifflein kein Leid noch Unglück widerfahre. Dir befehlen wir uns heut und allezeit mit Leib und Seele in deinen väterlichen Schutz und Schirm. Sei uns gnädig und behüte uns um deines lieben Sohnes, Jesu Christi willen. Amen. Lüneburger Handbüchlein. 11. Gebet im Seesturm. Allmächtiger Gott, der du das Meer und das Trockne gemacht und alles in deiner Hand hast, du erregest einen Sturmwind, der die Wellen erhebt, daß man mit dem Schiff jetzt gen Himmel und dann in den Abgrund fährt. Herr, du hast ge 2. Gebete für besondere Lagen und Fälle.- Reiſegebete. 95 sagt: Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten. Wir halten dir vor dein Wort und bitten dich demütiglich, du wollest jeho nach deiner großen Barmherzigkeit deine Allmacht sehen lassen und Wind und Meer bedräuen, daß es ganz stille werde. Behüte uns vor Schiffbruch und Schaden und erlöse uns gnädiglich aus dieser Gefahr. Ach Herr, sei uns gnädig und vergieb uns unsre Sünde um Jesu Christi willen. Ach hilf uns, sonst müssen wir verderben! Ach Herr, erlöse uns um deiner Güte willen. Sollte es aber dein Wille sein, unser Leben hier zu enden, so verleihe uns christliche Geduld, erhalte uns im wahren Glauben und gieb uns das Ende des Glaubens, das ist der Seelen Seligkeit. Herr, sei bei uns; verlaß uns nicht. Du kannst aus dem Tode erretten, so kannst du auch aus dieser Gefahr erlösen. Erhöre uns, erhöre uns, erhöre uns, Herr Gott Vater, um Jesu Christi willen, Herr Jesu, um deines bittern Todes willen, Herr Gott heiliger Geist, um deines Namens Ehre und um deiner grundlosen Barmherzigkeit willen. Amen. Joachim Embden. 12. Gebet in äußerster Todesgefahr. Herr, du hast mir versprochen: So du durchs Wasser gehst, will ich bei dir sein, daß dich die Ströme nicht sollen ersäufen. Du kannst dies als ein allmächtiger Herr wohl thun, mir in dieser äußersten Gefahr wohl helfen und mich lebendig zum Lande bringen, denn du bist der Herr, mein Gott, der Heilige in Israel, mein Heiland. Und ob ich ja hier versinken sollte nach deinem Willen, so weiß ich doch, daß du mich wie deinen Diener Mosen aus dem Schilf könntest hervorziehen, und wo nicht hier zeitlich, jedoch ewiglich mit dir zum himmlischen Leben einführen. Hilf, Herr, hilf, denn wir vergehen. Ich bin in tiefen Wassern, und die Flut will mich ersäufen, wenn du aber hilfst, so ist mir geholfen, darum befehle ich dir meine Seele, Leib und Leben, und all die Meinen in deine Hände. Dir leb ich, dir sterb ich, dein bin ich tot und lebendig, 96 Erster Teil: Das Hausbuch. denn du bist mein und ich bin dein, und wo du bist, da will ich sein. Wo ich bleibe, wirst du mich nicht verlassen, denn du biſt Immanuel, Gott mit uns. Amen. Lüneburger Handbüchlein. 13. Danksagung für Vollbringung der Reise zu Waſser. Siehe, Herr Gott, himmlischer Vater, hier bin ich, dein Knecht, welchen du, wie einst deinen Knecht Noah, auf seiner langen Schiffahrt geschützt, geführt und geleitet, und nach allem Wunsch wiederum zu Lande gebracht hast, daß er nunmehr deinen Erdboden gesund betreten mag, von allerlei Not und Gefahr befreit. Darum komme ich auch mit meinem Dankopfer zu dir und leiste dir das schuldige Opfer meiner Lippen und danke dir von Herzen, daß du mich vom Schlund des grausamen Meeres nicht hast verschlingen lassen, sondern bist bei mir mit im Schiff gewesen und hast über Wind und Meer geherrschet, daß sie nach deinen Geboten gehorsamlich unsre Fahrt haben befördern müssen. Wahrlich, wahrlich, du bist allein ein mächtiger Gott, dem Dank gebührt. Dir danke ich mit allen deinen Heiligen, die deine Hilfe in großen Wassern erfahren haben, darum dir allein Lob gebühret. Dein ist allein der Ruhm, dein ist allein die Ehre und Herrlichkeit, wie auch die Macht zu helfen dein allein ist. Nimm an, Herr, diese meine Danksagung und laß sie dir sein ein süßer Geruch, geopfert auf dem güldenen Altar Christum Jesum, angezündet mit dem Feuer des heiligen Geistes, der du lebest ein einiger Gott, hochgelobet in Ewigkeit. Amen. Lüneburger Handbüchlein. 14. Danksagung nach vollbrachter Reiſe. Gott Vater, meine Hilfe, bis hierher hast du geholfen. Du bist der Gott, der alle Hilfe thut. Mit Herz und Mund preise ich dich, daß du mich auf meinen Wegen treulich geleitet, väterlich versorget, mächtig beschützt und mich zu den lieben Meinigen gnädig wieder geführt hast. Ich schwebte oft in Gefahr und Not, allein da ich dir, du Hüter Israel, vertrauet, konnte mich nichts aus deiner Hand reißen. Du hast meinen 2. Gebete f. bes. Lagen u. Fälle.- Gebete bei allg. Nöten u. Landplagen. 97 Fuß aus dem Netze gezogen, daß ich errettet ganz fröhlich rühmen kann. Dies alles habe ich deiner mächtigen Fürsorge zu danken und bitte dich nun herzlich, du wollest mich und die Meinen auch fernerhin in deinem göttlichen Schuß erhalten, in uns ein sehnliches Verlangen nach dem himmlischen Vaterlande erwecken und gnädig verleihen, daß wir immer mehr Fleiß thun, unsern Beruf in Jesu fest zu machen. Und wenn unsre Pilgrimschaft einst zu Ende geht, laß unsern Leib eine stille Herberge im Grabe, unsre Seele aber die Freude in den himmlischen Wohnungen bei Jesu ewig genießen, um seiner Liebe willen. Amen. G. Arnold. C. Gebete bei allgemeinen Nöten und Landplagen. 1. Gebet in Kriegsnot. Herr, allmächtiger Gott, du König aller Könige und Herr aller Herren, der du gesagt hast, es solle nicht ein Haar von unserm Haupte fallen ohne deinen Willen; der du den Kriegen steuerst in aller Welt, Bogen zerbrichst, Spieße zerschlägst und Wagen mit Feuer verbrennst, sei du unsre Hilfe, Schuß und Stärke, unser Fels und unsre Burg und errette uns von den blutgierigen Feinden. Laß Kirchen und Schulen nicht verstöret, Land und Leute nicht verderbet und verwüstet werden. Befiehl deinen Engeln, daß sie um unser liebes Vaterland, Leib, Ehre und Gut sich lagern und eine Wagenburg schlagen. Sei du eine feurige Mauer um uns her und beschüße uns, daß wir nicht durch der Feinde Schwert fallen, beraubt, verheert und vertrieben, an Leib, Gut und Ehre nicht geschändet werden. Gieb, daß wir uns nicht verlassen auf Wagen und Rosse, sondern auf deinen heiligen Namen, welcher ist eine feste Burg, dahin der Gerechte fliehet und errettet wird. Stärke unserm Heer und seinen Führern das Herz und den Mut, rüste sie mit deiner Macht und lehre ihre Hand streiten wider die Feinde. Du kannst unter uns werfen, die sich wider uns seßen. Laß uns in dir stark sein und in der Macht deiner Stärke. ZerAllgemeines Gebetbuch. 7 98 Erster Teil: Das Hausbuch. streue die Völker, die Krieg im Sinne haben, mache ihre bösen Anschläge zu nichte und ihre Klugheit zur Thorheit, der du den Fürsten den Mut nimmst und schrecklich bist unter den Königen auf Erden. Ach Gott, du bist ja unser König von Alters her, der alle Hilfe thut, so auf Erden geschieht. Mache dich auf, Herr, stürze die Macht und Gewalt der Feinde, darauf sie sich verlassen, beschirme unsre Grenzen und laß uns fröhlich singen: die Rechte des Herrn ist erhöht, die Rechte des Herrn behält den Sieg. Amen. Joh. Arnd. 2. Gebet beim Einfall der Feinde ins Land. O Herr Jesu Christe, du ewiger, einiger und lebendiger Sohn Gottes, du befiehlst uns, daß wir in allen unsern Nöten die Zuflucht allein zu dir nehmen, dich anrufen und bei dir Rettung vor allem Unglück suchen und erbitten sollen. Herr, es überfällt uns zu jeziger schwerer Kriegszeit solche große Not, Angst und Trübsal, durch die umherstreifenden Rotten der Feinde, daraus wir nach menschlichen Anschlägen, Rat, Kraft und Macht uns nicht vermögen zu retten; laufen derowegen dich unsern einigen Herrn, Erlöser, Heiland und Seligmacher an und hoffen festiglich, du allein werdest uns helfen, retten, wahren und beistehen. Die Strafe haben wir zwar um dich wohl verdienet mit unserm Undank, den wir deinem Worte und hochheiligen Sakramenten bewiesen, da wir in unbußfertigem gottlosen Leben und Wandel sind dahingegangen. Wir erinnern uns aber deines wahrhaftigen Wortes und heiligen Willens. Da du uns zur Buße rufest und lockest, so kommen wir noch jegund zur Zeit der Gnade und bitten, du wollest uns Armen und Elenden gnädig sein und nicht in deinem Grimm heimsuchen und gar aufreiben. Wir sind ja die, so dir blutsauer geworden sind, durch dein schmerzliches und bittres Leiden zu erlösen. Du hast ja unsre lieben Kindlein in der heiligen Taufe für die deinen angenommen und mit deinem teuren Blute erworben. Dieser Geschrei und Klagen erhöre heute mit Gnaden 2. Gebete f. bes. Lagen u. Fälle.- Gebete bei allg. Nöten u. Landplagen. 99 in Land und Städten; komm uns und ihnen zu Hilfe, gieb Friede, Segen, Trost und Heil deinem Volke. Durch deine fröhliche Geburt und Menschwerdung, durch deinen Todeskampf und blutigen Schweiß, durch deine heilige Auferstehung und Himmelfahrt hilf uns, lieber Herr Jesu Christe. O du Lamm Gottes, das der ganzen Welt Sünde trägt, erbarm dich über uns in Gnaden. Amen. Amen. Herr Jesu Christe. Amen. Dresdner Gebetbuch v. 1595. 3. Gebet, wenn Kriegsvolk im Lande hin und wieder raubt und Schaden thut. O Vater aller Barmherzigkeit, der du den lieben Frieden erhältst denen, die in deinen Geboten wandeln, unsre große Sünde aber mit Krieg und Unfriede heimsuchst, wir klagen dir unser großes Leid, daß wir den edeln Frieden in diesem Lande verloren, indem wir mit feindlichem Kriegsvolk heimgeſucht werden. Im Lande werden die Einwohner hin und wieder geplündert, ihr Hab und Gut ihnen genommen, die Wohnung mit Feuer angezündet, die Weiber ihrer Ehre beraubt, Kirchen und Schulen zerstört und verwüstet; die Ackerleute gehen traurig und verhüllen ihre Häupter; es stehet jämmerlich im Lande. Dadurch ist eine große Angst unter das Volk gekommen. Wir trauern in dieser großen Not von Herzen und ist uns leid, daß wir deinen gerechten Zorn mit unsrer Unbußfertigkeit ſo ſtark erweckt haben. Ach Herr, sei uns gnädig, verschone doch, laß Gnade für Recht gehen, tröste alle Bedrängten und Hilflosen, errette sie aus ihrer Not. Steure dem Frevel aller Boshaftigen, die dich nicht fürchten und so unbarmherzig daherfahren, wie ein Feuer über die Stoppeln im Felde. Sei auch eine feurige Mauer um uns, behüte uns vor feindlichem Einfall, Sturm, Plündern und Morden. Laß deine lieben Engel unsre starken Wächter sein, gieb uns ein mutiges und unverzagtes Herz, daß wir uns ritterlich in aller Not erzeigen, und uns auf dich verlassen. Stärke alle Kleinmütigen, Verzagten und Blöden, und hilf uns endlich aus aller Angst und Gefahr, um 7* Univ. Bibl. Glessen 100 Erster Teil: Das Hausbuch. deiner großen Barmherzigkeit willen, hier und dort in Ewigfeit. Amen. Sigism. Schererß. 4. Gebet um Frieden. Herr Gott, himmlischer Vater, der du heiligen Mut, guten Rat und rechte Werke schaffest, gieb deinen Dienern Frieden, welchen die Welt nicht kann geben, auf daß unsre Herzen an deinen Geboten hangen und wir unsre Zeit durch deinen Schuß still und sicher vor Feinden leben, durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Alte Kollekte verdeutscht durch Luther. 5. Danksagung für erlangten Sieg. Jauchzet dem Herrn alle Welt, kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken, schauet die Werke des Herrn, was er für ein Zerstören auf Erden angerichtet! Er hat dem Kriege geſteuert, der Feinde Spießze zerschlagen, ihre Bogen zerbrochen und ihre Wagen mit Feuer verbrannt. O Herr Zebaoth, wie hast du unter unsern Feinden so große Ehre eingelegt! Dafür sei dir ewig Lob und Dank gesagt. O barmherziger Vater, wie können wir dir genugsam vergelten die Wohlthat, daß du uns, die wir nicht würdig sind, unsre Augen zu dir im Himmel aufzuheben, so gnädig angesehen und nicht mit uns nach unsern Sünden gehandelt, noch uns nach unsrer Missethat vergolten, sondern unser Gebet in Gnaden erhört und gethan hast, was wir von dir begehrt und gebeten haben! O Herr, unser Hort, wir danken deiner Allmacht, daß du gestärkt hast Herzen und Hände aller derer, so wider unsre Feinde ausgezogen, daß sie durch deine Kraft und göttlichen Beistand den Sieg behalten haben. Herr, du hast uns erlöset aus der Hand unsrer Feinde; du hast gesiegt mit deiner Rechten und mit deinem heiligen Arm! Dafür wollen wir dir singen unser Lebenlang und deinen Namen loben immer und ewiglich. Herr Zebaoth, sei noch ferner mit uns, o Gott Jakobs, sei unser Schuß. Erhalte und bewahre deine liebe Kirche und Christenheit auf Erden, behüte sie wie einen 2. Gebete f. bes. Lagen u. Fälle.- Gebete bei allg. Nötenu. Landplagen. 101 Augapfel im Auge und beschirme sie unter dem Schatten deiner Flügel. Gieb uns Frieden zu unsern Zeiten, denn es ist ja doch kein anderer nicht, der für uns könnte streiten, denn du, unser Gott, alleine. Dir gebührt Ehre, Preis, Macht und Herrlichkeit, von nun an bis in Ewigkeit. Amen. M. Bernh. Albrecht. 6. Danksagung für den erlangten Frieden. Wir danken dir, gütiger Gott, daß du uns von unsern Feinden Ruhe umher gegeben und unsre Schmerzen in Freude und unser Leid in gute Tage verkehret hast. Wir danken dir, daß du uns wie einen Brand aus dem Feuer gerissen haſt, da wir unser Leben als eine Beute davon gebracht haben. O barmherziger Vater, wie können wir dir diese große Wohlthat genugsam vergelten, daß du uns, die wir nicht wert sind, unsre Augen zu dir gen Himmel aufzuheben, so gnädig angesehen, unser Gebet erhöret und gethan hast, was wir von dir begehret und gebeten haben. Herr, du hast nach aller deiner Barmherzigkeit mit uns gehandelt, daß unser Land( Stadt, Dorf), das zwar voll Furcht und Schrecken war, jetzt voll Freude und Wonne geworden ist. Wir bitten dich demütiglich, du wollest uns, die wir vom Schwert errettet und übrig geblieben sind, auch fürder Gnade finden und wieder wachsen lassen wie die Bäume, die unter sich wurzeln und über sich Frucht tragen. Baue uns, Herr, daß wir sicher wohnen, und gieb Gnade, daß die Städte und Dörfer, die jetzt zerstöret, öde und zerrissen sind, wiederum besetzt und gebauet und das verwüstete Land wieder gepflügt werde, auf daß alle Völker erfahren, daß du der Herr bist, der da bauet, was zerrissen ist, und pflanzet, was verheert war. Ach Herr, laß uns nicht mehr in solchen Jammer kommen, sondern ob wir uns fernerhin an dir versündigen würden, so züchtige du uns väterlich, denn wir wollen lieber in deine Hände fallen, als in die Hände der Menschen. Ach Herr, gieb deine Furcht in unsre Herzen, daß wir nicht von dir weichen, und verleihe uns immerdar Frieden zu unsern Zeiten, denn es ist doch 102 Erster Teil: Das Hausbuch. kein andrer nicht, der für uns könnte streiten, als du unser Gott alleine. Amen. Georg Zeämann. 7. Gebet bei ansteckenden Krankheiten und Seuchen. verAch Herr, du höchster Gott, wie ist dein Zorn über uns so heftig entbrannt! Was für eine schreckliche Plage ist über uns ausgegangen! Du hast Pestilenz( Seuchen, Blattern) unter uns geschickt und läsfest uns dadurch verzehret werden. Unser Leib verdorret wie Gras und unser Leben fährt dahin wie ein Schatten. Deinen Würgengel hast du ausgesendet, wer will ihm wehren? ein Feuer hast du in unsern Gebeinen angezündet, wer will es auslöschen? so groß Unglück hast du über uns kommen lassen, wer will es abwenden? Viele sagen: hier ist keine Hilfe, weil so viele dahinfallen zur Rechten und zur Linken, und wir müssen bekennen, daß wir auch gleicher Strafe schuldig sind und gleiche Rute verdienet haben um aller unsrer Sünden willen. Aber wir hoffen auf dein Erbarmen, laß uns nicht. Wir gehen in Stricken des Todes, reiße uns heraus und laß uns unser Leben wie eine Beute davon bringen. Schone unser, du Beschirmer der Gläubigen! Steure dem Verderben, nimm weg diese Plage von uns, führe uns aus der Not, erhebe uns aus den Thoren des Todes und hilf uns von aller Krankheit. Wollest du uns aber doch mit dieser Plage heimsuchen, o so gieb Geduld und Überwindung. Ach laß uns alsdann nur einen Gnadenblick widerfahren von deinen freundlichen Augen, laß uns ein Trostwörtlein hören aus deinem heiligen Munde, so werden wir kräftig gestärkt und zeitlich und ewig erhalten. Es ist ja keine Krankheit so groß, die du nicht vertreiben könnteſt, kein Schade so gefährlich, den du nicht heilen könnteſt, keine Wunde so tief, die du nicht verbinden könntest. Darum laß uns schauen deine Macht, o Herr, wie du versprochen hast, weise uns deinen Trost, zeige uns deine Hilfe, sei gnädig der Missethat deines Volks. Nimm an zur Bezahlung für unsre Sünde deines Sohnes teures Blut, Marter und Tod. Um - - - 2. Gebete f. bes. Lagenu. Fälle.- Gebete bei allg. Nötenu. Landplagen. 103 seiner Schmerzen willen verkürze unsre Schmerzen. Um seines Zitterns und Zagens willen behüte uns vor Furcht und Grauen, um seiner Angst willen führe uns aus aller Angst. Sollen wir länger leben, so hilf, daß wir christlich leben. Sollen wir sterben, so gieb, daß wir selig sterben, und erstatte uns zuletzt für dieses elende zeitliche Leben das himmlische ewige Leben, für diesen nichtigen Leib einen verklärten unsterblichen Leib, für dieſes zeitliche Erbe das unverwesliche himmlische Erbe, für das Anschauen der gegenwärtigen Trübsal das Anschauen deiner Herrlichkeit im himmliſchen Freudensaal. Amen. Josua Stegmann. 8. Gebet ur Beit der schnell tötenden Seuche der Pestilen. Allmächtiger Gott, ein Herr und Vater alles Trostes und Gnaden, erbarme dich über uns und deine arme Christenheit, vertilge uns nicht in deinem Grimm und Zorn durch die Seuche der Pestilenz, sondern, wie du zur Zeit des Königs David dem Engel und Verderber des Volks befahlst, daß er seine Hand abziehe und aufhöre zu würgen, also schaffe, o du getreuer Gott, daß diese schreckliche Rute deines Grimms aufhöre, uns und deine betrübte Gemeinde zu verderben. Stärke uns in Kraft deines seligmachenden Wortes, daß wir an Leib und Seele gesund, dich wahren Gott hier zeitlich und dort ewiglich preisen und loben. Herr Jesu Christe, um deines schmerzlichen, bittern Leidens willen nimm dich unser an in dieser hohen Not. Bitte für uns bei dem himmlischen Vater, vertritt uns gegen den schweren Zorn Gottes, vergib uns unsre Sünde, schenke uns deine Unschuld, gedenke unter dieser schweren Rute, damit du uns heimsuchst, wie sauer wir dir zu erlösen worden sind, und laß dein unschuldiges Blutvergießen an uns nicht verloren werden. O heiliger Geist, komm in unsre kraftlosen Herzen, unsre Seelen zu laben, zu stärken und zu erquicken, und wenn wir ja diese deine Strafe auch fühlen und leiden sollen, so erbarme dich unsrer Seele in der Stunde, da sie aus diesem Jammerthal abscheidet; leite sie in den Gnadenschoß unsers Erlösers Jeſu 104 Erster Teil: Das Hausbuch. Christi, da sie ewiger Ruhe und Wonne teilhaftig werden möge. Bestätige in uns deine gnadenreichen Verheißungen, so wir aus Gottes Wort gelernt. Hindre allen Unglauben, Zweifel und Ungeduld, und mache uns willig Gott dem Herrn zum Gehorsam nach seinem Willen, der du lebest mit Gott dem Vater und Sohne immer und ewiglich. Amen. Dresdner Gebetbuch. 1595. 9. Gebet für Eltern zur Beit ansteckender Krankheiten. Herr Gott, himmlischer Vater, ich danke dir von Grund des Herzens, daß du mich, mein Weib( meinen Mann), Kinder und Gesinde bisher gnädiglich behütet und durch deine lieben Engel vor allem Übel bewahrt hast. Ich bitte dich, du wollest mir um deines lieben Sohnes Jesu Christi willen alle meine Sünde gnädiglich verzeihen und mich mit deinem heiligen Geiste regieren, daß ich in deiner Furcht lebe und dich zum gnädigen Vater habe und behalte. Du wollest auch, o barmherziger Gott, mich und die Meinen, mein Weib( meinen Mann), meine Kinder, die du mir gegeben, und mein Gesinde vor allem Übel Leibes und der Seelen gnädiglich behüten und durch deine heiligen Engel uns wider die giftigen Pfeile des Satans beschützen und Tag und Nacht bewahren, daß der böse Feind keine Macht an mir und den Meinen finde. Ach Herr, ich befehle mich dir mit Leib und Seele und mit allem, was ich bin und habe und in meinem Beruf thue. Meine Zeit steht in deinen Händen. Behüte du meinen Eingang und Ausgang von nun an bis in Ewigfeit. In deine Hände befehle ich meinen Geist, du hast mich erlöset, Herr, du treuer Gott. Dir sei Lob, Ehre und Dank von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Aus Minsingers Gebetbuch. 10. Gebet für Kinder in Sterbenszeiten. Ach lieber Vater im Himmel, ich bitte dich, du wollest meinen lieben Vater, Mutter, Geschwister, mich und unser Haus, ja die ganze Stadt( Gemeinde) gnädiglich durch deine lieben Engel behüten, damit der böse Geist uns nicht vergifte. Und da es ja dein väterlicher Wille wäre, daß du mich durch diese Plage dei 2. Gebete f. bes. Lagen u. Fälle.- Gebete bei allg. Nöten u. Landplagen. 105 ner Hand wolltest vor großem Unglück hinwegnehmen, so stärke mich durch deinen Geist und behüte mir meine Sinne und nimm mich in einem seligen Stündlein aus diesem Jammerthal, um deines lieben Sohnes willen, welcher des Todes Gift und der Höllen Pestilenz ist, hochgelobet in Ewigkeit. Amen. Joh. Arnd. 11. Dankgebet nach Mbwendung der Seuche. Herr Gott, himmlischer Vater, ein König der Ehren und Herr des Himmels und der Erden, wir danken dir für alle deine väterliche Gnade und Wohlthaten Leibes und der Seele. Insonderheit aber, daß du unser Gebet, so wir in unsrer Not vor dich gebracht, gnädig erhört, deinen gerechten Zorn von uns genommen und die schreckliche wohlverdiente Strafe der Pestilenz ( Seuche) wiederum gemildert und von uns abgewendet hast. Wir bitten dich von Herzen, du wollest auch hinfüro vor solcher und allen andern schweren Strafen und Plagen uns gnädiglich behüten, uns unter deinem allmächtigen, väterlichen Schutz und Schirm erhalten und uns deinen heiligen Geist geben, daß wir uns nach solcher Züchtigung und Heimsuchung als gehorsame Kinder bessern und frömmer werden und unser Leben in rechter wahrer Buße und gottseligem Wandel zubringen, damit dein heiliger Name geehrt, dein Reich gemehrt, der Nächste gebessert und du von uns hier zeitlich und dort ewiglich gelobt und gepriesen werdest durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn, welchem samt dir und dem heiligen Geiſte, sei Lob, Ehre und Preis in Ewigkeit. Amen. M. Bernh. Albrecht. 12. Gebet bei Feuersgefahr. Ach Herr, gnädig und barmherzig, geduldig und von großer Güte und Treue, wir erkennen mit herzlicher Reue und Buße, daß wir die vor Augen schwebende Feuersbrunst wohl verdienet, welche leicht überhand nehmen und alles plötzlich verzehren kann. Aber du hast nicht Lust an unserm Verderben, sondern willſt vielmehr, daß sich der Sünder bekehre und lebe. Darum bitten wir dich herzlich, du wollest auch diese wohlverdiente Strafe 106 Erster Teil: Das Hausbuch. unsrer Sünden gnädiglich abwenden und dem grausamen Feuer gebieten und sagen: Es ist genug. Herr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über uns! Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über uns! Herr Gott heilger Geist, erbarme dich über uns! Sei uns gnädig, verschon uns, lieber Herre Gott! Sei uns gnädig, hilf uns, lieber Herre Gott! In dieser großen Feuersnot, behüt uns, lieber Herre Gott! Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarme dich unser! O Jesu Christe, Gottes Sohn, erbarme dich über uns, so wollen wir dir danken ewiglich und deinen Ruhm verkündigen für und für. Amen. Dr. Joh. Olearius. 13. Gebet nach abgewendeter Feuersgefahr. Allmächtiger Gott, himmlischer Vater, ob du wohl mit Feuer strafen willst, wenn wir deiner Stimme nicht gehorchen, und wir bekennen müssen, wie übel wir hausgehalten, also daß du längst uns hättest ein Feuer zuschicken und unsre Häuser( und Stadt) verzehren mögen, so danken wir dir doch von Herzen, daß du bisher so gnädiglich über uns gewacht und uns vor solchem Unglück behütet, auch jetzt die aufgegangene Feuersbrunst wiederum abgewendet hast. Ach Herr, wir erkennen ja daraus, daß du die Leute recht lieb hast, und nicht begehrest, uns nach unserm Verdienst zu strafen. Aber hilf auch, daß wir dir dafür recht dankbar sind. Gieb, daß der Gottlose von sei nem Wege und der Übelthäter seine Gedanken lasse und sich zu dir bekehre. Beschirme uns allezeit mit deiner Rechten und habe auch hinfort auf uns Acht, und laß deine Augen auf uns sehen, du Hüter Israels. Tröste auch mit deinem heiligen Geiste alle, welche du mit Feuer heimgesucht, und behüte uns vor dem ewigen Feuer um Jesu Christi, deines lieben Sohnes, unsers Herrn willen. Amen. M. Bernh. Albrecht. 14. Gebet in Waſsersnot. Herr, Herr Gott, groß von Rat und mächtig von That, der du alle Geschöpfe, Himmel und Erde, Meer und Wasser, in 2. Gebete f. bes. Lagen u. Fälle.- Gebete bei allg. Nötenu. Landplagen. 107 deinen Händen hast und ihnen mit einem einzigen Wink gebieten kannst, siehe doch an unsre große Not und äußerste Gefahr, darin wir jetzt schweben und sei mit uns, daß uns die Wasserfluten nicht ersäufen und der Abgrund nicht verschlinge. Herr Jesu Christe, du bist ja der Mann, dem Wind und Meer gehorchen muß, stille doch auch diesmal das Brausen des Wassers und das Toben seiner stolzen Wellen. Sprich nur ein Wort, so ist uns geholfen, so wollen wir dir danken um deine Güte und um deine Wunder, die du an den Menschenkindern thust, und deinen Namen preisen hier zeitlich und dort ewiglich. Amen. Olearius' Haus- und Kirchenbuch. 15. Gebet bei Ungewitter. Ach Herr, wer ist dir gleich! Wer ist so herrlich, löblich, schrecklich und wunderthätig! Es muß ja Donner, Blitz, Feuer und Wasser, Hagel und Sturmwind deinen Befehl ausrichten. Aber, Herr, sei uns gnädig, Herr, verschone unser bei diesem Wetter. Beweise an uns, daß du der rechte Nothelfer bist, und laß uns dein Vaterherz wieder sehen. Bedecke uns mit deinen Gnadenflügeln, bis der Zorn vorübergehe. Denn deiner allmächtigen Hand befehlen wir unser Leib und Leben, Haus und Hof, Vieh und Früchte auf dem Felde und alles, was wir haben. Beschirme alles vor Feuer, Schloßen, Hagel und Wasserfluten. Herr, wir sind dein, behüte uns vor Not und Tod. Erhöre uns und erbarme dich über uns alle. Amen. Aus Cubachs Gebetbuch. 16. Gebet bei angerichtetem Wetterschaden. O allmächtiger, barmherziger Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi, du hast uns leider in diesem schädlichen Wetter erschrecklich heimgesucht und mit Blitz, Hagel und Wasserflut deinen Zorn über uns ausgeschüttet. Das Feld ist verwüſtet, die Äcker stehen jämmerlich, das Getreide ist zerschlagen,( so sehen auch die Weinberge kläglich), das Gewächs der Erde ist verderbet und ist sonst viel Schaden und Jammer geschehen. Nun, unser Gott, du bist gerecht in allem, das du thust, und 108 Erster Teil: Das Hausbuch. deine Gerichte sind unsträflich, denn wir haben übel gethan damit, daß wir mannigfaltig von dir gewichen und dir oft ungehorsam gewesen sind. Daß wir nicht gar aus sind, das macht allein deine Güte und Barmherzigkeit. Wir kommen vor dich mit zerschlagenem betrübten Geist und bitten dich demütiglich: Du wollest uns in unserm Kreuz und Elend durch deinen heiligen Geist trösten und lehren, daß wir nicht wider dich und deine Kreaturen, sondern vielmehr wider unsre Sünden, mit welchen wir noch wohl größere Strafe verdienet hätten, murren, solche Heimsuchung für eine väterliche Züchtigung erkennen und mit Geduld tragen und hinfüro unser sündiges Leben bessern. Dieweil aber deine Hand nicht zu kurz ist, und du durch viel oder wenig helfen kannst, so wollest du, o getreuer Gott, uns das, was in dem Wetter auf dem Felde übrig geblieben, desto reichlicher segnen, deine Kinder zu dieser bösen Zeit speisen und ernähren und vor weiterem großen Unfall väterlich behüten. Erhalte uns noch länger bei deinem heiligen Worte in gutem Frieden und beständiger Gesundheit, und pflanze in unser Herz die brüderliche Liebe, daß einer sich des andern in solcher Trübsal von Herzen annehme und erbarme. Du wollest uns nach deinem väterlichen Willen diesen Verlust auf andre Weise gnädiglich erstatten und nach diesem mühseligen Leben uns allen geben die himmlische Freude und ewige Seligkeit, durch Jesum Christum, unsern einigen Seligmacher, in Kraft des heiligen Geistes. Amen. M. Bernh. Albrecht. 17. Danksagung nach dem Ungewitter. Allmächtiger, ewiger Gott, barmherziger lieber Vater, wir armen schwachen Kreaturen haben deine große Gewalt und herrliche Macht gesehen und gehört. Wir loben, preisen und fürchten dieselbe. Wir haben erkannt, daß du nicht allein ein gewaltiger, allmächtiger Herr und Gott bist, sondern auch ein gnädiger Vater von großer Barmherzigkeit. Wir danken dir, daß du unser Gebet in unsrer Not erhört und deiner Barm 2. Gebete f. bes. Lagen u. Fälle.- Gebete bei allg. Nöten u. Landplagen. 109 herzigkeit über uns gedacht hast. Du hast uns gnädiglich bewahrt vor den schrecklichen Blitzen und hast mit deinem allmächtigen Schirm unser Leib und Leben, Haus und Hof und alles, was wir haben, bedecket, bis das Wetter vorübergegangen ist. Du bist unsre Zuflucht und unser Nothelfer gewesen und hast uns dein Vaterherz und freundlich Angesicht wieder sehen lassen. Dafür danken wir dir, loben, ehren und preisen deinen herrlichen Namen und bitten, du wollest unser geringes Lobund Dankopfer gnädiglich annehmen, welches wir dir auf dem wahren, hohen und allerheiligsten Altar des teuern Verdienſtes Jesu Christi opfern. Gieb uns Gnade, daß wir deiner allmächtigen Hilfe nicht vergessen, sondern derselben zu wahrer Buße, unsers Lebens Besserung und zur Erinnerung des jüngsten Tages gebrauchen und desselben mit Freuden gewarten, und unsern Herrn Jesum Christum, wenn er kommen wird in seiner großen Herrlichkeit, mit Frohlocken entgegengehn, welchem sei Ehre und Preis, und Kraft und Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. Joh. Arnd. 18. Gebet um Mbwendung teurer Beit. O allmächtiger Gott und Vater, wir armen Sünder erkennen und bekennen aus bußfertigem Herzen, daß die gegenwärtige Teurung und Hungersnot deine gerechte Strafe und Rute ist, die wir mit unsern mannigfaltigen Sünden uns selber zugezogen haben. Darum bitten wir demütiglich, daß du uns unsre Missethat aus Gnaden vergeben und unsre große Angst und Not dich wollest erweichen lassen. Ach Herr, fehre dich doch wieder zu uns und erbarme dich des armen Volks, das nichts zu essen hat, daß es nicht samt ihren Kindlein vor Hunger verschmachte und verderbe. Errette uns durch eine große Errettung und laß uns Leben und Gnade dafür finden. Habe Acht auf unser Land, laß deine Augen immerdar darauf sehen von Anfang des Jahres bis ans Ende, daß es sein Gewächs und der Himmel seinen Thau gebe. Sende uns Früh- und Spatregen, daß die Bäume ihre Früchte bringen und die Tennen 110 Erster Teil: Das Hausbuch. voll Korn seien, daß wir zu essen genug haben und deinen Namen preisen. Gebiete deinem Segen über uns, daß er bei uns sei in allem, was wir vornehmen. Rufe dem Korn und mehre es samt den Früchten auf den Bäumen und dem Gewächs auf dem Felde. Erhöre uns und führe uns immerdar, und sättige unsre Seelen in der Dürre und stärke unser Gebein, daß wir seien wie ein gewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, welcher es nimmer an Wasser fehlet. Beschere und erhalte uns aber vornehmlich das rechte Himmelsbrot deines seligmachenden Wortes, daß unsre Seelen satt werden und ewig leben. Amen. Georg Zeämann. 19. Gebet zur Beit großer Hike und dürrer Sommerszeit. Ach himmlischer Vater, allmächtiger Gott, wir sehen und erfahren es mit Schmerzen, daß die Hitze der lieben Sonne den Saft den Früchten des Erdbodens, die du uns aus deiner Hand bescheret hast, hart auszieht und austrocknet. Der Himmel will fast eisern werden und den fühlen fruchtbaren Regen aufhalten. Bei dieser Strafe erinnern wir uns, daß wir mit unsern Sünden diese Heimsuchung vielfältig verdient; dein Wort und Geist haben wir nicht herzlich angenommen und sind von Tag zu Tag nur ärger geworden. O gütiger Vater, siehe nicht an die Menge unsrer Sünden, sondern deine unendliche Barmherzigfeit und Liebe gegen uns. Leite uns durch die Predigt deines Wortes zu christlicher Buße, zu beständigem Glauben, und zur seligen Übung unsers Christentums. Laß die Wolken des Himmels einen milden und fruchtbaren Regen geben, der die Gewächse der Erde möge erquicken und erfrischen, auf daß wir an Seel und Leib mit deinem Segen vom Himmel erhalten werden und dich hier zeitlich und dort ewiglich loben und ehren mögen. Und weil kein andres Mittel ist, diese brennende Hiße abzuwenden, denn ein glaubensreiches ernstes Gebet zu deiner hohen Majestät, so wollen wir, herzlieber Vater, mit Bitten und Flehen nicht ablassen. Denn durch das Gebet Eliä wurde 2. Gebete f. bej. Lagen u. Fälle.- Gebete bei allg. Nötenu. Landplagen. 111 der Himmel drei ganze Jahre und sechs Monate verschlossen, daß es nicht regnete auf Erden, und durch sein Gebet ward er wieder geöffnet, daß er Regen gab und die Erde ihre Früchte brachte. Thue es um der großen Fürbitte willen deines allerliebsten Sohnes Jesu Christi, und gieb uns Armen und Dürftigen einen gnädigen Regen und Linderung dieser großen Hitze, damit die Erde zur Erhaltung unsers zeitlichen Lebens die Früchte geben und darreichen könne. Ein recht ernstliches, eifriges, glaubensreiches, beharrliches Gebet dringet kräftiglich durch die Wolken und kommt nicht allein gewiß vor dein Angesicht, sondern vermag gar viel bei dir auszurichten. Also glauben wir auch gewiß, du werdest in dieser großen Hiße und Dürre allergnädigst mit uns handeln, und diese unsre ernstliche Bitte zu deinem Lobe und unserm Heil väterlich vor dich kommen lassen, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern einigen Erlöser, Heiland und Seligmacher. Amen. Dresdner Gebetbuch von 1595. 20. Gebet bei großer Bässe und unzeitigem Regen. Ach himmlischer Vater! nach andern vielfältigen Zeichen und Warnungen, die uns an deinen gerechten Zorn wider die Sünde erinnern, schreckt uns auch zu dieser Zeit das traurige Wetter, die großen übernatürlichen Wasserfluten. Wir geben uns schuldig, daß wir leider bisher vor dich mit trocknen Augen und Herzen, das ist ohne wahre Buße und Leid über unsre Sünden gekommen sind und unsre Missethaten nie recht befannt noch beklagt haben. Darum ergießen sich die Wasser in Menge, und die Flüsse erheben sich, unsre Herzen zu Thränen zu bewegen. Es wollen auch diese Wassergüsse den Früchten auf dem Felde großen Schaden thun, denn wir haben bisher in wohlfeiler Zeit dir für das tägliche Brot nicht herzlich gedankt und deine milden Wohlthaten übel gemißbraucht. Die unzeitigen Regen- und Wassergüsse beschädigen Menschen und Vieh, denn es ergießt sich auch unter uns eine Sünde und 112 Erster Teil: Das Hausbuch. Schande über die andre. Wir rufen dich aber an im Namen Jesu Christi, unsres Erlösers, deines eingebornen Sohnes, der sein heiliges Blut wegen unserer Sünden am Stamm des Kreuzes vergossen hat, und bitten dich, du wollest uns um dieses Mittlers willen Barmherzigkeit erzeigen und bei diesen großen Gewässern beide, Menschen und Vieh, samt den Früchten auf dem Felde erhalten und segnen, das Wasser sich verlaufen und das Erdreich trocknen lassen. Alle, die da reisen zu Wasser und zu Lande, geleite mit deinen heiligen Engeln und bewahre sie vor allem Übel. Ja, liebster Vater, laß unsre Herzen vor dir die Thränen wahrer Buße täglich ausschütten, daß wir in deiner Güte mögen zunehmen an Seel und Leib, hier zeitlich und dort ewiglich, durch deinen lieben Sohn, Jesum Christum, unsern Erlöser und einigen Heiland, den Brunnen aller Gnaden, der deinen Zorn allein stillen und allen Schaden heilen kann, von nun an bis in Ewigkeit. Amen. Dresdner Gebetbuch von 1595. 21. Gebet zur Beit großer Wasſerfluten. Du gewaltiger Herr Himmels und der Erden, alle andern Kreaturen, durch deine Allmacht erschaffen, sind dir gehorsam und richten deinen Befehl treulich aus, nur der elende verderbte Mensch widersetzt sich dir mit Ungehorsam und Widerspenstigkeit, darum du, Herr, als ein gerechter Gott, uns wegen des Ungehorsams mit gewaltigen Strafen heimsuchst. Die Wasser müssen sich ergießen und die schnellen Fluten rauschen daher, uns zur Rache und Strafe. Herr, allmächtiger Gott, wir armen Sünder kehren uns von ganzem Herzen zu dir, du wollest uns um Christi, deines geliebten Sohnes willen barmherzig sein, diese und andre Strafen, die uns den endlichen Untergang drohen, gnädig abwenden, auch Gnade verleihen, daß wir nach deinem Willen und Geboten leben und also der zeitlichen und ewigen Sündenstrafe christlich entgehen mögen. Du hast in Erschaffung Himmels und der Erden den Himmel über uns durch deine Allmacht mit Wasser und Wolken wunderbarlich gewölbt. 2. Gebete f. bej. Lagen u. Fälle.- Gebete bei allg. Nöten u. Landplagen. 113 Du hast das Erdreich mit Meer und Wasserflüssen neben uns unterschiedlich befestigt; unter uns hast du die untersten Örter der Erde gleichfalls mit Wasser und Brunnquellen den Menschen zu gut gegründet; nach der schrecklichen Sündflut hast du das schöne Gnadenzeichen des Regenbogens, die Welt nimmermehr mit Wasser gar zu überschwemmen und zu verderben, in die Wolken des Himmels gesetzt: gleichwohl läsfest du kommen um der vielfältigen Sünden willen, zu Bezeigung deines gerechten Zornes, oftmals, wie auch jetzt gar große Wassergüsse und gewaltige Fluten, dadurch Menschen und Vieh, die Früchte und Gewächse großen Schaden leiden. Herr Zebaoth, wende mit Gnaden von uns zu dieser Zeit durch deine Barmherzigkeit diese große Strafe. Du hast ja vor Zeiten dem großen wütenden roten Meer und hernach dem tiefen Jordan majestätisch geboten, daß sie haben weichen und wie ein unbeweglicher Fels still ſtehen müssen. O gebiete und wehre auch diesen gegenwärtigen großen Wasserfluten, daß sie uns nicht gar verderben. Laß vor dich kommen das Seufzen der Armen, laß dich bewegen die Thränen der unmündigen Kindlein. Gieb uns ein bußfertiges, gläubiges Herz, daß wir unsre Sünde erkennen, unser Leben bessern und dir in deiner Gemeinde nach deinem gnädigen Willen und Wohlgefallen fröhlich und christlich dienen können, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Alle, die in Gefahr des Wassers schweben, wollest du als der rechte Nothelfer behüten, wie du deinen Diener Moses aus dem Wasser errettet, wie du Noah selbacht in der Sündflut, wie du Jonas in Wassersnot erhalten hast. O laß uns in dieser Wassersnot nicht versinken, noch umkommen, so wollen wir dich hier zeitlich und dort ewiglich als unsern getreuen Gott und gnädigen Vater mit Leib und Seele, mit allen Kräften immer und ewiglich preisen und loben, durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Dresdner Gebetbuch von 1595. Allgemeines Gebetbuch. 8 Erster Teil: Das Hausbuch. D. Gebete in Leibes- und Seelennot. 1. Gebet in allerlei Not. Allmächtiger, ewiger, barmherziger Gott, der du bist von Herzen gütig, langmütig und von großer Gnade und Treue und läsfest dich des Übels reuen, wir bitten dich demütiglich, du wollest dein väterliches Angesicht nimmermehr von uns wenden in aller unsrer Widerwärtigkeit, sondern deine gnädige und väterliche Hand uns reichen und uns endlich von allerlei Jammer und Not des Leibes und der Seelen ewiglich erlösen, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Joachim Minsinger. 114 2. Gebet um des Leibes Doldurft und Nahrung. Lieber Gott und Vater, gieb uns das tägliche Brot, gut Wetter, Gesundheit, behüte vor Pestilenz, Krieg und teurer Zeit. Willst du mich aber eine Weile versuchen und nicht sobald geben, so geschehe dein Wille. Ist es Zeit und Stunde, so erlöse mich von dem Übel; wo aber nicht, so gieb mir Stärke und Geduld. Amen. Dr. M. Luther. 3. Gebet in leiblicher Armut. Herr Jesu Christe, du freundlicher, holdseliger Heiland, weil du allen Armen und Elenden zu Heil und Trost gekommen bist, ich bitte dich, komm doch auch zu mir und wohne bei mir in meiner Armut und großen Not. Erfülle mein elendes Herz mit deinem schönen Trost, mein armes Häuslein mit deinem reichen Segen, meinen schwachen Leib mit guter Gesundheit und mein ganzes Leben mit christlicher Zucht und Ehrbarkeit. Amen. Dresdner Gebetbuch. 1595. 4. Seufier armer Kinder. Ach Herr, mein Gott! ich armes Kind trete vor dein Angesicht und bitte dich um Christi, deines lieben Sohnes willen, du wollest mich bei Gesundheit erhalten, mir Speise, Nahrung und Kleider geben, denn du versorgst ja die kleinen Vöglein, zierest und schmückest die Blümlein; ach, so wirst du mir den 2. Gebete f. bes. Lagen u. Fälle. - Gebete in Leibes- u. Seelennot. 115 notdürftigen Lebensunterhalt auch nicht versagen. Laß mich wandeln in deiner Furcht, in Ehrbarkeit und Zucht, daß ich meinem Nächsten ein gutes Erempel gebe und meinem Herrn Jesu Christo nachzufolgen mich befleißige, bis ich dermaleinst aus diesem Jammerthal zu dir erhoben werde. Amen. Hieronymus Oertel. 5. Seufer in großem Kreuz. Ach lieber Vater, du bist ja mein lieber Vater, denn du hast ja deinen einigen lieben Sohn für mich gegeben. Darum wirst du ja nicht mit mir zürnen, noch mich verstoßen; du siehest meine Not und Schwachheit. Darum wollest du mir helfen und mich erretten. Amen. Dr. M. Luther. Herr, Jesu Christe, ich glaube an dich, mein einiger Helfer, dich rufe ich an in allen Nöten. Herr, so du willst, kannst du mir wohl helfen; so du aber nicht willst, will ich dies Kreuz und Unglück um deines Namens willen gerne leiden. Amen. Dr. M. Luther. 6. Seufzer um Geduld. Lieber Herr Jesu, der du uns heißest unter einander trösten und tröstest uns auch durch dein seliges Wort, tröste und stärke unser Herz durch deinen Geist in fester Geduld bis zum seligen Ende dieses und alles Unfalls. Dir sei Lob und Ehre, samt dem Vater und dem heiligen Geiste ewiglich. Amen. Dr. M. Luther. 7. Gebet in Leiden und Anfechtungen Leibes und der Seele. O Herr Gott, himmlischer, gnädiger Vater, du bist ja ein treuer Gott, der du niemand läsfest versucht werden über sein Vermögen, sondern machst, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß wir sie können ertragen, ich bitte dich, erzeige mir armen Sünder in meinen großen Nöten und Schmerzen deine Liebe und Treue und laß mir das Kreuz nicht zu schwer werden, sondern stärke mich darunter und tröste mich also, daß ichs ertragen möge mit Geduld und an deiner Barmherzigkeit nimmer8* 116 Erster Teil: Das Hausbuch. mehr verzage. Denn ohne dich vermag ich nichts, o Herr Jesu Christe. Du einige Weisheit und Wahrheit, du lockest so freundlich zu dir und sprichst: Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Nun, ich bin beschwert und beladen nicht allein äußerlich an meinem Leibe mit großen Schmerzen, sondern auch innerlich in meinem Gewissen durch die Sünde und Schrecken des Todes und des strengen Gerichtes Gottes. Ach, ich wollte gerne Trost und Stärke haben und in meinen Leiden und ängstlichen Nöten erquicket werden. Nun weiß ich solches nirgends anders zu suchen, denn bei dir, o Herr, denn du bist der rechte Brunnen des Lebens und alles Trostes. Darum bitte ich dich, liebster Gott und Vater, aus Grund meines zerknirschten Herzens, du wollest mir Stärke, Trost und heilsame, ewige Erquickung an meiner armen, mühseligen Seele väterlich verleihen, um des bittern Leidens und Sterbens willen deines lieben Sohnes, Jesu Christi. Amen. Joachim Minsinger. 8. Gebet eines Angefochtenen in großer Angst und Bangigkeit des Herzens. Du Gott alles Trostes! der du reichlich erquickest alle, die in ihrer Angst und Traurigkeit ihre kindliche Zuflucht zu dir haben, ich armer hochgeängsteter Mensch weiß nirgends hin zu fliehen, als zu deiner Barmherzigkeit. Höre doch auf mein Geschrei und merke auf mein Gebet, denn aus meiner Betrübnis rufe ich zu dir. Ich ängstige mich täglich in meinem Herzen, Angst der Höllen hat mich getroffen, und um Trost ist mir sehr bange, Furcht und Zittern ist mich angekommen. Herr, du läsfest mich erfahren viele und große Angst, so mache mich doch auch wieder lebendig und führe mich wieder aus der Tiefe herauf. Du hast mich in eine harte Angstschule nach deinem väterlichen Willen geraten lassen. Herr, Angst ist nahe und ist hier fein Helfer, denn du allein. Hilf mir diesen hohen Angstberg durch deine Gnade überwinden und gieb mir für Angst Jauchzen, für Bangigkeit Fröhlichkeit, für Zittern Herz und Mut, 2. Gebete f. bes. Lagen u. Fälle.- Gebete in Leibes- u. Seelennot. 117 für Zagen Trost und Leben, daß ich der vorigen Angst vergesse und in deiner göttlichen Erlösung mich ergöße und meine Gebeine sich freuen, die jetzt sehr erschrocken sind. Herr, ich weiß, daß du deine lieben Kinder nicht von Herzen betrübest, sondern nur zu ihrer Seligkeit und ihrem Besten dein freundlich Angesicht eine Zeitlang verbirgst. Du hast mir ja vorhin und andern deinen Gläubigen so oft aus Angst und Not ganz wunderbarlich geholfen, so beweise demnach auch jetzt deine Gnade an mir. Ich will alle Stunden auf deine Hilfe hoffen, ich weiß, du wirst mich nicht ohne Trost lassen, weil ich deiner so herzlich begehre. Wende dich zu mir und sei mir gnädig, denn ich bin einsam und elend. Die Angst meines Herzens ist groß, führe mich aus meinen Nöten. Siehe an meinen Jammer und Elend und vergieb mir alle meine Sünde, um deiner Barmherzigkeit willen. Amen. Sigism. Schererg. 9. Gebet angefochtner Herzen. Ach, der Herr hat mich verlassen, der Herr hat mein vergessen. Meine Bosheit hat diesen Jammer angerichtet, ich muß nun leiden ohne Trost und schreien ohne Erhörung; wohin soll ich mich doch nun wenden, weil kein Erretter da ist! Ach Herr, ich habe mißbraucht die Zeit deiner Gnaden durch Sicherheit, nun muß ich mich ängstigen in stetem Herzeleid. Ich war deines täglichen Gebens und Vergebens, Hörens und Erbarmens gewohnt, nun aber hast du ganz und gar vergessen, gnädig zu sein und dein Herz und Ohr vor Zorn verschlossen. Entwichen bist du meinem Herzen und hast Freude und Trost mit hinweg genommen; Nagen des Gewissens und Anklagen der Sünde hast du aber darin gelassen. Ich fühle, daß deine Kraft mich verlassen und der Höllen Angst mich umfangen hat, darüber ist mich nun Furcht und Zittern angekommen, der ich vorhin vermeinte, ich säße dir im Schoße. So trokig mein Herz war bei guten Tagen, so verzagt ist es nun worden bei bösen Tagen. Kein Trost will mehr haften, keine Freude will mehr zu Herzen gehn, kein Auge will sich finden, das mein Elend anschaue, kein 118 Erster Teil: Das Hausbuch. Ohr lässet sich merken, das auf mein Flehen achtet. Ach Herr, du bist gerecht und diese deine Strafe ist recht. Mutwillig habe ich dich und deinen Trost vertrieben, der sonst bis in den Tod wäre bei mir geblieben. Nicht du hast mich, sondern ich habe dich verlassen und werde nun wieder verlassen. Ach das ist das größte Kreuz von allem, dessen Bitterkeit deine gläubigen Diener, Moses, David, Petrus, Paulus, ja dein liebster Sohn, Jesus, selber am Stamm des Kreuzes hat kosten müssen. Ist nun dies geschehen an dem grünen Holze, so ists nicht Wunder, daß es an mir, dem dürren Holz, geschehe. Ist aber solch Kreuz diesen frommen Leuten zum Besten gekommen, so will ich hoffen, es soll auch mir armen Sünder zum Besten kommen, weil kein armer Sünder so groß ist,- deine Erbarmung ist noch größer. Keine Angst des Verlassenen ist so groß, dein Verlangen, zu erquicken, ist noch größer. Ich hoffe und weiß, du frommer Gott, habest dich länger bedacht, mich zu verlassen, als du dich werdest bedenken, dich wieder zu mir zu kehren. Meine Sünden haben dich vertrieben, meine Thränenbuße wird dich wieder zu mir führen, meine Hoffnung wird dich nötigen, meine Zuversicht wird dich aufhalten. Ist schon solches alles klein und schwach in mir, so wirst du doch solche Schwachheit nicht verachten. Dein Vaterherz wirst du in die Länge nicht verbergen, noch im Zorn mich verderben und sterben lassen können. Um Geduld will ich bitten, auf Trost will ich hoffen, an dem Gnadenschein nach dem Ungewitter will ich nicht zweifeln. Ach Herr, ach Herr, verbirg dich nicht so lange, sondern laß mich finden, was ich suche, schmecken, darnach mich hungert und dürſtet, und ewig schauen, wonach mich verlanget. Amen. Josua Stegmann. - - E. Gebete in Krankheit. ( Siehe auch die Gebete bei der Kranken- Kommunion.) 1. Gebet eines Kranken. O Herr Jesu Christe, der du bist ein Gott der Geduld und alles Trostes, und in den Tagen deines Fleisches in höchster 2. Gebete f. bes. Lagen und Fälle. Gebete in Krankheit. 119 Geduld all dein Elend ausgestanden und uns unsre Seelen mit Geduld zu fassen befohlen hast, du siehest mein betrübtes Elend, hörest mein Seufzen, das ich auf meinem Angstlager ausgieße. Du weißt, wie meine Schwachheit und Gebrechlichkeit so groß und heftig ist. Wie soll ich aber thun, o frommer Herr? Keine Arzenei weiß ich, als das Kräutlein Geduld. Dieweil aber dasselbe nicht wächst in dem ungebauten Garten meines Fleisches und Blutes, denn der Geist ist zwar willig, aber das Fleisch ist schwach, so stärke du mich mit dem Geiste der Gnaden und des Trostes, gieb mir Geduld in Leidenszeit, gehorsam sein in Lieb und Leid, damit ich wider deine Gerichte nicht murre, sondern mit Freuden ein Halleluja drein singe und gewiß dafür halte, du meinest es dennoch nicht böse mit mir, wie fremd und feindselig du dich auch stellest, und wollest mitten unter deinen Zuchtruten gedenken deiner väterlichen Barmherzigkeit, mich züchtigen, aber mit Maßen, mich strafen, aber nicht in deinem Zorn, mich töten, aber wieder lebendig machen, mir eine Last auflegen, aber wiederum aushelfen. Du bist ja der Gott, der da hilft und der Herr, Herr, der vom Tode errettet, hochgelobet in Ewigkeit. Amen. Aus Löhes Rauchopfer. - 2. Bußgebet in Krankheit. Herr Jesu Christe, du hast deinen Boten zu mir geschickt, nämlich diese meine Krankheit und mich zur Buße ermahnen lassen. Siehe, mein Herr, ich erkenne deinen gnädigen Willen, bin gehorsam und bekehre mich zu dir. Mein Gott, ich sende dir wieder einen Boten, nämlich mein armes Gebet und mein Seufzen. Herr, nimm mein Flehen an und laß meine Seufzer vor dich kommen. Gefällt dirs, mein Erlöser, und ist mirs gut und selig, daß ich leben soll: ei, so richte mich auf und hilf, daß es ein neues, gesundes, christliches Leben sei bis an mein Ende. Gefällt dirs nicht, daß ich lebe, sondern soll dies das Ende sein: ei, so sei es ein seliges Ende. So komm, Herr Jesu, behende und nimm meine Seele in deine Hände. Amen. Martin Moller. Erster Teil: Das Hausbuch. 3. Gebet um Wegnahme der Krankheit. Wahrhaftiger und gütiger Gott, du hast uns heißen beten und daneben treulich zugesagt, uns alles zu geben, was wir nach deinem Willen bitten. So bitte ich dich von Herzen, um Jesu Christi, delnes lieben Sohnes willen, du wollest mir wieder helfen zu meiner Gesundheit, mich stärken und meine großen Leibesschmerzen lindern und wegnehmen, wie du leicht thun kannſt und solches an Hiskias, Hiob und andern Kranken herrlich bewiesen hast. Ach, Herr, strafe mich nicht in deinem Grimm, sondern sei mir gnädig. Wie lange soll ich mich ängstigen in dieser Leibesnot? Hilf mir, damit ich dich auch in dieser Welt mehr loben und preisen und andern dienen möge. Weil aber wir armen Menschen nicht wissen, was wir beten, ob uns, was wir suchen, nüßlich oder schädlich sein möge, so stelle ich alles dir anheim, der du vollkommen weißt, was mir heilsam ist. Ist es dein göttlicher Wille, so gehe dieser Kelch und diese Schwachheit von mir, doch nicht, was ich will, sondern dein Wille geschehe. Allein darum bitte ich, o Herr, daß solche meine Schwachheit ein seliges Ende gewinne. Dazu wollest du Gnade verleihen um Jesu Christi willen. Amen. Aus Löhes Rauchopfer. 120 4. Gebet um Linderung der Schmerzen. Ach, lieber Vater im Himmel, wie große Schmerzen, Angst und Not habe ich an meinem Leibe, die ich leider mit meinen Sünden wohl verdienet habe. Lieber Vater, siehe an, wie meine Krankheit tobt und wütet und sogar anhält, und laß dich des erbarmen, denn ich bin ja dein liebes Kind und ein Bruder deines geliebten Sohnes Jesu Christi. Thuts doch einem irdischen Vater wehe und geht ihm ins Herz, wenn er sein Kind sieht Not und Schmerzen leiden: so wirst ja du viel mehr Mitleid mit mir haben und aus großem Erbarmen mir zu Hilfe kommen in meiner großen Leibesnot. Lindre meine Schmerzen, und gefällt es dir, so nimm sie gar hinweg. Ach, Herr, wie willst du mein sogar vergessen. Eile, mir zu helfen, ich verzage sonst in 2. Gebete f. besond. Lagen u. Fälle. Gebete in Krankheit. 121 dieser Angst. Du hast mir ja befohlen, dich um Hilfe anzurufen in der Not und versprochen, daß du mich erretten wollest. So komm mir nun auch zu Hilfe, und soll ich ja mein Leben mit solchem Schmerz und großer Not beschließen, so wende doch dein väterliches, freundliches und gnädiges Angesicht nicht von mir, sondern hilf mir durch den heiligen Geist, daß ich das unaussprechliche, große Leiden und die große Qual meines Herrn Christus vor Augen habe und ihm nach mein Leiden mit Geduld ertrage, damit ich nicht solcher Leibesnot halber mich irgend verfündige, sondern beständig bleibe in Glauben und Anrufung bis an mein Ende wie die lieben Märtyrer, um Jesu Christi, deines lieben Sohnes willen. Amen. Aus Löhes Rauchopfer. 5. Gebet um erquickenden Schlaf. O Herr, mein Gott, du hast den Tag zur Arbeit geschaffen und die Nacht zur Ruhe, aber leider, meine Ruhe ist nirgends da. Wenn ich gedenke, mein Bette soll mich trösten, mein Lager soll mirs erleichtern, so ist meine Hoffnung vergebens, und was ich wünsche, das kommt mir nicht. Des Tages zähle ich, wenn es will Abend werden, und des Abends verlangt mich nach dem Morgen. Ich spreche in Gedanken: ,, Hüter, ist die Nacht schier hin? Hüter ist die Nacht schier hin?" Aber wenn der Morgen schon kommt, so ist es doch wie in der Nacht, und so arbeite ich von einer Zeit zu der andern vergeblich und der elenden Nächte sind mir viel geworden. Ach, Herr, Herr, wie lange, ach wie lange willst du mein sogar vergessen, wie lange verbirgst du dein Angesicht vor mir zur Zeit der Not! Erbarme dich meiner, o liebſter Vater, und laß ab von mir. Lindere mir doch meine Schmerzen und vergönne mir ein wenig Ruhe, ehe ich hinfahre und nicht mehr da sei. Ist es denn ja dein heiliger Wille, mich noch länger in dieser Unruhe zu prüfen, ach so wache du selbst bei mir und verleihe mir Geduld, wenn mir die Stunden wollen lang werden. Gieb mir Kraft, wenn ich matt werde, tröste mich, wenn mich meine Gedanken plagen, und vollende dermaleinst meinen Jam 122 Erster Teil: Das Hausbuch. mer und bringe mich zur ewigen Ruhe, da ich ruhen werde von aller Arbeit und ewig dein Lob besingen vor deinem Thron. Amen. O, mein Herr Jesu! Amen. Aus Löhes Rauchopfer. 6. Gebel um Geduld und Ergebung. Allmächtiger, gütiger Gott, der du bist eine Stärke der Schwachen, ein Heil der Kranken, eine Kraft der Mühseligen, ein Trost der Betrübten, eine Freude der Traurigen, eine Zuflucht der Verlassenen, eine Hilfe der Angefochtenen, ein Leben der Sterbenden, ein Gott der Geduld und alles Trostes: du siehst und weißt, daß wir von Natur schwach, blöde und verzagt sind und im Kreuz ohne deine göttliche Hilfe und Beistand nicht können bestehen. Darum rufe ich zu dir, wenn du mir Krankheit oder sonst Widerwärtigkeit zuschickst, du wollest mich fest im Glauben und beständig in der Geduld erhalten. Verleihe mir Gnade, daß ich deine väterliche Hand und Züchtigung möge erleiden mit sanftem Geist und stillem Herzen. Gieb mir Geduld, welche mir hoch von nöten ist in Leidenszeit, auf daß ich deinen Willen thue und die Verheißung empfange. Lehre mich, daß ich dir meinem Gott still halte, wenns übel geht, damit ich die Trübsal nicht für ein Zeichen deiner Ungnade achte und in meinem Herzen nicht etwa wider dich murre oder sonst unleidlich werde. Laß mich erkennen, daß du, welchen du lieb hast, auch züchtigest zu seiner Besserung, auf daß ein Mensch in Gottes Furcht demütig wandle, sein Vertrauen nicht auf das Zeitliche stelle, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt, auf daß unser Glaube rechtschaffen und viel köstlicher erfunden werde, denn das vergängliche Gold. Denn die Trübsal bringt Geduld, die Geduld bringt Erfahrung, Erfahrung bringt Hoffnung, Hoffnung aber läßt nicht zu schanden werden, und selig ist der Mann, den du, Gott, strafest. Darum soll sich niemand weigern der Züchtigung des Allmächtigen. Denn du verletzest und verbindest, du zerschmeißest und deine Hand heilt. Aus sechs Trübsalen wirst du mich erretten, und in der siebenten wird mich kein Übel 2. Gebete f. besond. Lagen u. Fälle. Gebete in Krankheit. 123 rühren. So hilf nun, ewiger Gott, daß ich mit Geduld meine Seele fasse und in gewisser Hoffnung unabgewendet bleibe, auf daß ich mit kindlicher Zuversicht dein väterliches Herz, unter dem Kreuze verborgen, möge erkennen, mit aller Kraft mächtig und gestärkt werde nach der großen Macht deiner Glorie, und zu aller Geduld und Langmut in Anfechtung, Widerwärtigkeit und Leiden gewappnet möge bestehen, und fröhlich mit dankbarem Gemüte in aller Not dich preisen, auf daß, die wir mit Christo allhier leiden, auch mit ihm zur ewigen Herrlichkeit erhoben werden. Amen. Aus Löhes Rauchopfer. - 7. Morgengebet eines Kranken. Odu heiliger, dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist, ich komme jetzt, da der Tag angebrochen, vor deinen allerheiligsten Thron und danke dir, daß du mich diesen Tag wieder haft erleben lassen. Du weißt, Herr, wie ich die Nacht auf meinem Krankenbette zugebracht habe. Ich kann nicht genug deine Güte preisen, daß du das Licht der Sonne mich wieder sehen läsfest. Herr, mein Gott, die Sonne geht wieder auf, ach, laß auch deine Gnade neu über mir aufgehen. Gieb mir mit diesem Tage neue Kräfte und neue Geduld, mein Leiden willig zu tragen. Herr, es hat dir gefallen, mich auf dieses Krankenbett zu legen, wohlan, ich will darauf bleiben, so lange es dir gefällt. Du willst mich dadurch in die Stille führen, damit du allein mit mir reden, mich lehren und unterweisen mögest, wie ich für meine Seele sorgen soll. Nun habe ich Zeit, mein bisher geführtes Leben zu untersuchen, ob ich dir gedient, dich geehret, dir gehorcht habe, und daß, wenn ich dies verneinen muß, ich mich darüber betrübe und wahre Buße thue, auch mit dir einen neuen Bund mache und also schaffe mit Furcht und Zittern selig zu werden. Gieb, daß ich, o Jesu, den ganzen Tag möge mein Herz bei dir haben, eifrig beten, an deine Wunden, Blut und Tod denken und das wahre Heil meiner Seele betrachten. Gieb mir einen schönen Trostspruch nach dem andern in mein Herz, 124 Erster Teil: Das Hausbuch. der deiner Vaterliebe mich versichere, deine Gnade mir versiegle und deiner baldigen Hilfe mich vergewissere. Bewahre mich heute vor erschreckenden Zufällen, neuen Schmerzen, betrübten Stunden und allerlei Leiden. Erquicke mich in meiner Mattigkeit und stärke mich durch deinen heiligen Geist in meiner Schwachheit. Willst du aber an diesem Tage mich Schmerzen und Leiden empfinden lassen, so bleibe bei mir und weiche nicht von mir. Hilf mir den Tag glücklich und selig vollenden und alles mit Gelassenheit und stillem Mute annehmen, was du mir auflegen wirst. Siehe, mein Gott, hier bin ich, mache es mit mir, wie es dir wohlgefällt. Du bist mein Vater, ich bin dein Kind. Du kannst mein Leben mir erhalten und mich mit deiner Hilfe erfreuen. Ich will auf den Abend deine Güte rühmen und deine Barmherzigkeit herzlich preisen für alles, was du an mir gethan hast. Meinen Leib und meine Seele, samt den Sinnen und Verstand, großer Gott, ich dir befehle unter deine starke Hand. Herr, mein Schild, mein Ehr und Ruhm, nimm mich auf, dein Eigentum. Deinen Engel zu mir sende, der des bösen Feindes Macht, List und Anschläg von mir wende und mich halt in guter Acht, der auch endlich mich zur Ruh führe nach dem Himmel zu. Amen. Benj. Schmold. 8. Ein andres Morgengebet. O allmächtiger, ewiger Gott, ich sage dir Lob und Dank, daß du mich diese vergangene Nacht in meiner Krankheit so väterlich bewacht und bewahret hast, und bitte dich demütiglich, du wollest mir aus Gnaden um Jesu Christi willen meine Sünde verzeihen, sonderlich wo ich während dieser Krankheit, wie Fleisches und Blutes Art ist, ungeduldig gewesen wäre. Du wollest auch diesen angehenden Tag bei mir stehen und mich in meiner Krankheit stärken, trösten, Geduld und Beständigkeit verleihen, die Schmerzen mildern und mir endlich helfen, es sei zu dem gegenwärtigen oder dem ewigen Leben, ganz nach deinem Willen, welcher allezeit der beste ist. Dein heiliger Engel sei 2. Gebete f. besond. Lagen u. Fälle. Gebete in Krankheit. 125 mit mir, auf daß der böse Feind und all sein Anhang keine Macht und Gewalt an mir und all dem Meinen finde! Amen. Aus Löhes Rauchopfer. - 4 9. Abendgebet eines Kranken. Ach du barmherziger Gott, ich habe nun wieder einen Tag überlebt. Herr, Herr, du hast nach deiner Güte bis auf diese Stunde mir mein Leben gefristet, dafür sei deiner Vatertreue herzlich Lob und Dank gesagt. Besonders preise ich deinen Namen, daß du diesen Tag meine Schmerzen und Krankheit mir hast tragen helfen. Ach Herr, du legst eine Last auf, aber du hilfst uns auch. Wir haben an dir einen Gott, der da hilft, und den Herrn, Herrn, der vom Tode errettet. Der Herr betrübt wohl, aber er erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte. Der Herr ist gnädig, gütig und freundlich allen denen, die ihn anrufen. Er hört das Schreien der Elenden und verweigert ihnen das nicht, um was ihr Mund bittet. Ach, großer Gott, die Nacht bricht herein, darum wende ich mich zu dir mit meinem Gebete und spreche: Mein Vater, ach bleibe bei mir und weiche diese Nacht nicht von mir. Ja befiehl deiner Engel einem, daß er zu mir komme und mich, dein Eigentum, bewache. Gieb mir einen Wächter zu, schenk mir Trost und süße Ruh. Laß deine Gnade bei mir sein, so schlafe ich in Frieden ein. O heilige Dreieinigkeit, ich lobe dich in Ewigkeit. Wende diese Nacht von mir ab alle gefährlichen und plötzlichen Zufälle, lindre meine Schmerzen, bewahre mich vor Schrecken, Angst und Unglück. Ach himmlischer Vater, bleibe doch bei deinem franken Kinde. Wenn du mit deiner Gnadengegenwart bei mir bist, so fürchte ich mich nicht. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr iſt meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? O Jesu, die Sonne geht unter und weicht von uns, aber du, o Sonne der Gerechtigkeit, weiche nicht von mir. O mein Jesus, fasse mich diese Nacht in deinen Arm. O du werter heiliger Geist, du Tröster der Betrübten und Beistand der Elenden, bleibe bei 126 Erster Teil: Das Hausbuch. mir, stärke mich und erhalte mich in wahrem Glauben und christlicher Geduld. O du heilige Dreieinigkeit, nimm mich auf in deinen Schuß. Der Herr segne mich und behüte mich, mit all den Meinen und samt allen Betrübten und Leidenden, der Herr lasse sein Angesicht über uns leuchten und sei uns gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Und sollte ja diese Nacht die letzte sein in diesem Jammerthal, so nimm mich, Herr, in Himmel ein, in deinen Freudensaal. Und also leb und sterb ich dir, du starker Zebaoth, im Tod und Leben hilf du mir aus aller Angst und Not. Amen. Benj. Schmold. 10. Ein andres Abendgebet. Allmächtiger Gott, ich armer, elender Mensch erscheine vor deinem allerheiligsten Angesicht und danke dir für deine unendliche Güte, die du mir an diesem fummervollen Tage und die ganze Zeit meines Lebens so gnädig erzeigt hast. Ich bitte dich von ganzem Herzen, du wollest mich noch ferner mit deiner Barmherzigkeit erquicken, meine Seele mit deiner Hilfe erfreuen und mich loszählen von allen meinen Sünden. Verleihe, o du großer Gott, meinen müden Gliedern eine sanfte Ruhe, lindre meine Schmerzen und wehre der höllischen Rotte, daß sie sich nicht meinem Lager nahn, noch sonst ein Unfall mich beunruhige. Sofern sich aber in dieser Nacht mein Erdenelend enden sollte und du mich zu der ewigen Ruhe bringen wollest, gieb, daß ich mit unverzagtem, gläubigen Herzen entschlafe und durch das düstre Thal eingehen möge in den Freudensaal des himmlischen Jerusalems. Indeß reinige mein Herz von allen zweifelmütigen Gedanken, bewahre mein Gewissen vor unruhigen Bewegungen und heilige meine Seele, daß sie sich bis an das letzte Seufzen getröste der unaussprechlichen Gnade und Erbarmung des dreieinigen, allzeit lebendigen Gottes, der da ist, der da war und der da sein wird, ein allmächtiger und gewaltiger Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Aus Löhes Rauchopfer. 2. Gebete f. besond. Lagen u. Fälle.- Gebete in Krankheit. 127 11. Fürbitte für einen Kranken. Lieber Vater im Himmel, dein lieber Sohn hat uns die Verheißung gegeben und treulich versprochen, ,, wo zwei oder drei versammelt sind in seinem Namen, da wolle er mitten unter ihnen sein, und alles, um was sie bitten, das wolle er ihnen gewähren." Auf diese Verheißung kommen wir aus brüderlicher Liebe und Pflicht zu dir, rufen dich, den allmächtigen Gott, ernstlich an und bitten, daß du unsern lieben Bruder( unfre liebe Schwester), den( die) du hier gefangen hältst, mit deiner Gnade ansehen und seine Krankheit wenden wolleſt, dir zur Ehre, unserm Bruder( unsrer Schwester) aber zum Heil seiner ( ihrer) Seele. Du ewiger, barmherziger Gott wollest ihm( ihr) auch Geduld und Gnade verleihen, daß er( sie) möge beständig sein bis ans Ende und ritterlich streiten in wahrem, festem Glauben wider alle Arglist des bösen Feindes in seinem( ihrem) letzten Abscheiden aus diesem Jammerthal. Lieber Vater im Himmel, wir begehren das von dir und glauben fest, es werde unser Gebet erhöret und ja sein, wie uns denn dein lieber Sohn Jesus Christus versprochen hat: ,, Alles, was ihr bittet im Gebete, glaubet ihrs, so werdet ihrs empfangen." Darauf beten wir in seinem Namen: Vater unser, der du bist 2c. c. Nach Löhes Rauchopfer. 12. Gebet eines Mannes für sein krankes Weib oder eines Weibes für ihren kranken Mann. Heiliger Vater, Schöpfer aller Menschen, ich danke dir von Grund meines Herzens, daß du mich in den heiligen Ehestand ordentlich berufen, mit einem christlichen Ehegatten begnadigt und bis daher so reichlich gesegnet hast. Dieweil du aber mir nach deinem gerechten Willen einen Griff nach meinem Herzen gethan und mein liebes Weib( Mann) gefährlich darnieder gelegt und krank gemacht hast, daß sie( er) ihre( seine) Hausgeschäfte nicht wohl abwarten kann, sondern große Schmerzen leiden muß, so betrübt mich solches in meinem Herzen und ich rufe zu dir mit geängstetem Geiste, du, als der bewährte Arzt 128 Erster Teil: Das Hausbuch. und rechte Meister zu helfen, wollest dich über mein liebes Weib ( lieben Mann) erbarmen, ihr( ihm) zu Hilfe kommen und deine wunderliche Güte und unerforschliche Allmacht an ihr( ihm) beweisen, daß sie( er) bald wieder gesund werde. Ach Herr, laß dir zu Herzen gehen die Angst ihres( seines) Herzens, erhöre ihr( sein) Seufzen und Klagen und hilf ihr( ihm) in dieſer Schwachheit, denn es ist ja deine Kraft in den Schwachen mächtig, und du kannst helfen, wo keine Kraft ist. Gedenke nicht unsrer Sünden, die wir etwa während unsrer Ehe wider dich begangen haben, sondern gedenke unsrer nach deiner Barmherzigkeit. Erscheine mit deiner Hilfe, du starker Gott, und mache mein liebes Weib( lieben Mann) wieder gesund, damit sie( er) dir hier zeitlich noch länger diene und mir, meinen Kindern und dem ganzen Hauswesen ferner vorstehen könne. Beschere heilsame, gute Arzneimittel und gieb dazu dein göttliches Gedeihen. Verleihe ihr( ihm) christliche Geduld, festen Glauben und fröhliche Hoffnung, alle Schmerzen zu überwinden. Willst du sie ( ihn) aber durch diese Krankheit abfordern, so erlöse sie( ihn) bald von allen ihren( seinen) Schmerzen, beschere ihr( ihm) ein seliges Ende und bringe sie( ihn) bald aus dieser Unruhe zur erwünschten seligen Ruhe. In mein Herz aber pflanze heilige Gelassenheit, daß ich meinen Willen in deinen Willen ergebe und hoffe, mein liebes Weib( lieben Mann) in dem ewigen Leben wieder anzutreffen, da wir beide in unaufhörlicher Freude ewiglich bei einander sein und bleiben und mit allen heiligen Engeln und Auserwählten dich ohne Unterlaß mit fröhlichem Schall loben und preisen werden. Amen. O heiliger Vater, Amen. Amen. Aus Cubachs Gebetbuch. 13. Gebet der Eltern für ihr krankes Kind. Herr Jesu Christe, du einiger und wahrhaftiger Heiland und Nothelfer, du hast uns Eltern befohlen, wir sollen unsre lieben Kinder zu dir kommen lassen, und hast verheißen, du wollest sie aufnehmen in dein Himmelreich, dessen sie in der 2. Gebete f. besond. Lagen u. Fälle. Gebete in Krankheit. 129 heiligen Taufe teilhaftig geworden sind. Auf diesen deinen Befehl und gnädige Verheißung bringen wir in unserm gläubigen und andächtigen Gebet zu dir dies liebe, kranke und schwache Kindlein und bitten dich demütiglich: nimm es auf deine Gnadenarme, sei ihm gnädig und barmherzig und stehe ihm bei in seiner Schwachheit mit deinem heiligen Geiste. Denn du biſt ja dieses Kindes rechter Vater. Du hast es in der heiligen Taufe zu deinem Kinde angenommen, darum erbarme dich auch seiner, wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmet. Laß dir seine Angst und Schmerzen zu Herzen gehen, lindre ihm dieſelbigen und stärke es durch deine Kraft, und wofern du ihm sein Leben zu fristen beschlossen hast, so schaffe gute Mittel und Rat und gieb dazu dein göttliches Gedeihen, daß es bald genesen möge. Willst du es aber von diesem Jammerthal erlösen und zu dir in den Himmel nehmen, ach, so löse es durch einen sanften Tod bald auf und fasse seine Seele in deine Hand, da sie keine Qual anrühren wird, damit es mit allen Gläubigen und Auserwählten dich, ewigen Sohn Gottes, samt Gott dem Vater und dem heiligen Geist, in Ewigkeit loben und preisen möge. Amen. Olieber Herr Jesu. Amen. Aus Cubachs Gebetbuch. - 14. Kindergebet für kranke Eltern. Barmherziger Gott, lieber Vater, wir armen Kinder klagen dir unsre Not und Anliegen, daß du um unsrer Sünde willen unsern herzlieben Vater( Mutter) mit Leibesschwachheit heimsuchest. Wir rufen dich darauf an aus kindlicher Zuversicht, im Namen deines lieben Kindes, unsers allerliebsten Bruders und Heilands Jesu Christi: erbarme dich unfres Elends, sei uns gnädig, Herr, sei uns gnädig. Lindre und wende das Hauskreuz unsrer Eltern durch Trost und Hilfe deiner Barmherzigkeit. Verleihe unserm herzlieben, franken Vater( Mutter) Geduld und Hoffnung der Besserung, ja beständige Besserung guter Gesundheit, Stärkung des Leibes und Fristung des Lebens, uns zu Nuß und Trost, ihm( ihr) zu Heil und Wohlfahrt, dir zuförderst zu Lob und Preis. Amen. Rigisches Gebetbuch. 9 Allgemeines Gebetbuch. Erster Teil: Das Hausbuch. 15. Danksagung nach überstandener Krankheit. Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat, der dir alle deine Sünde vergiebt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöset und dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit. Denn die Güte des Herrn ists, daß ich nicht gar aus bin, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und seine Treue ist groß. Ich habe dir, Gott, gelobet, daß ich dir danken will, darum opfre ich dir Dank und bezahle dir meine Gelübde, daß du mir geholfen hast. Siehe, um Trost war mir sehr bange, du aber, Herr, hast dich meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe, du warfst alle meine Sünden hinter dich zurück. Stricke des Todes hatten mich umfangen, ich dachte vielmal: Nun bin ich gar dahin. Aber du hast meine Seele vom Tode errettet, die Stimme meines Flehens erhört und meine Klage in einen Reigen verwandelt. Da ich zu dir schrie, machtest du mich gesund. Herr, mein Gott, wie groß sind deine Wunder, die du an mir bewiesen! Ich will sie verkündigen und davon sagen, so lange ich lebe. Gelobet seist du, Herr, täglich und gerühmet sei dein herrlicher Name immer und ewiglich. Du, Herr, wollest deine Barmherzigkeit von mir nicht wenden, sondern das gute Werk gnädig vollführen, so du in mir angefangen, und mich von Tag zu Tage mehr stärken und durch deinen heiligen Geist auf gutem Wege leiten, daß ich hinfort nicht sündige, auf daß mir nicht etwas Ärgeres widerfahre, sondern dir mein Leben lang diene in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die dir gefällig ist. Laß deine Güte und Treue allewege mich behüten, Herr, meine Hilfe, auf daß dir immerfort lobsinge meine Ehre und nicht stille werde. Herr, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit. Amen. Aus Cubachs Gebetbuch. 130 16. Danksagung nach erlangter Gesundheit. Ich danke dir, Herr, allmächtiger Gott, daß du mich so väterlich heimgesucht und gezüchtigt hast um meiner Sünden 2. Gebete f. besond. Lagen u. Fälle. Gebete in Sterbensnot. 131 willen, ja Herr, es ist mir lieb, daß du mich gedemütigt haſt, daß ich deine Rechte lerne. O mein Gott, wie oft gedachte ich auch, wie der König Hiskia: Nun muß ich nicht mehr schauen die Menschen bei denen, die ihre Zeit leben; nun ist meine Zeit aus und von mir aufgeräumt, wie eines Hirten Hütte; nun reißt der Herr mein Leben ab, wie ein Weber, und macht es mit mir aus den Tag vor Abend. Ich sehe aber, mein Gott, daß meine Krankheit nicht zum Tode gewesen ist, sondern zur Ehre Gottes, daß du, mein Herr Jesu Christe, dadurch gepriesen werdest. Denn du hast dich meiner erbarmet und dich meiner Seele herzlich angenommen. Du hast alle meine Sünde hinter dich zurückgeworfen und mir mein Leben gefristet. Wie wohl hast du meine Krankheit gewendet und mir so gnädiglich geholfen! Ich danke dir, mein Gott, ja ich danke dir von Grund meines Herzens, daß du mich wieder aufgerichtet und gestärkt haſt, daß ich deinen Tempel wieder besuchen, meinen Weg und Steg gehen und meine Geschäfte verrichten kann. Deine Güte ist es, Herr, sonst wäre es lange aus mit mir. O wie werde ich so oft an deine Zuchtrute gedenken! wie werde ich mich schämen, mein Leben lang und mich vor deinem Zorn hüten! Hilf nur, Herr mein Gott, daß ich mit der neuen Gesundheit auch ein neues Leben anfange; gieb, daß ich allezeit deinen Namen preise und dein Lob immerdar in meinem Munde sei. Regiere mich durch deinen heiligen Geist, daß ich dir zu Ehren lebe und meine Glieder nicht mehr begebe zu Waffen der Ungerechtigkeit, der Sünde zu dienen, sondern zu Waffen der Gerechtigkeit, zu dienen dir, meinem Gott, daß ich deine Lieder singe, so lange ich lebe, und dich in deiner Gemeinde lobe und preise. Amen. Rigisches Gebetbuch. - E. Gebete in Sterbensnot. 1. Tägliche Bereitung zum Sterben. Hilf mir, mein Herr Jesu Christe, daß ich aller Güter und Herrlichkeiten dieser Welt gebrauche als ein Pilgersmann, der 9* Erster Teil: Das Hausbuch. morgen wandern soll. Laß mein Herz nicht mehr begehren, als das liebe tägliche Brot zu meiner Notdurft. Gieb, daß ich genügsam sei, und wie ein Schäflein mit geringem und wenigem fürlieb nehme. Behüte mich, daß ich mir ja keinen Mammon mache und mein Vertrauen auf nichts Vergängliches sezze, damit es mir nicht hinderlich sei in meiner Sterbestunde. Hilf aber, mein Herr, und neige mein Herz, daß ich erwähle das rechte, gute Teil, nämlich dich, meinen Erlöser, meinen Seligmacher, und an dir alle meine Lust und Freude habe. Verleihe mir, daß ich nur an meiner Seele reich und im Glauben herrlich und in dir fröhlich sei, so habe ich genug hier zeitlich und dort ewiglich, kann willig die Welt segnen und fröhlich und ungehindert von hinnen scheiden. Amen. Aus Löhes Rauchopfer. 132 2. Gebet um ein seliges Ende. O gütiger Gott, du hast dem Menschen ein Ziel gesetzet, welches er nicht kann überschreiten. Denn er hat seine beſtimmte Zeit, die Zahl seiner Monden stehet bei dir, alle unsre Tage hast du gezählet, welche doch schnell dahinfahren wie ein Strom, nicht anders, als flögen wir davon. Alle unsre Jahre sind wie ein Rauch oder Schatten, der plößlich vergehet. Der Mensch ist doch wie Gras, welches bald verdorret, und wie eine Blume auf dem Felde, die bald verwelket. So lehre mich nun, o gütiger Gott, erkennen und zu Gemüte führen, daß es ein Ende mit mir haben muß und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muß. Siehe, meiner Tage sind einer Hand breit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Wie gar nichts sind doch alle Menschen, die doch so sicher leben. Herr, lehre mich bedenken, daß ich sterben muß und allhier in dieser Pilgerschaft keine bleibende Statt habe. Thue mir fund mein kurzes und vergängliches Wesen, daß ich oft und viel an mein Ende gedenke, auf daß ich in dieser Welt nicht mir selbst, sondern dir lebe und sterbe und im Glauben wacker und fröhlich erwarte den Tag meiner Heimfahrt und der Erscheinung deines lieben 2. Gebete f. besond. Lagen u. Fälle. Gebete in Sterbensnot. 133 Sohnes Jesu Christi und zu derselbigen mit heiligem Wandel und gottseligem Wesen eile. Begnadige mich, mein Gott, mit einem seligen Abschiede, wenn mein Stündlein herzunaht, daß ich selig sterbe, ein vernünftiges Ende nehme in wahrer Erkenntnis, daß mein Verstand und Sinn nicht gestört werden und ich nicht aberwitzige Reden oder Lästerworte wider dich, meinen Herrn, oder wider meine Seligkeit führe. Behüte mich vor einem bösen schnellen Tode und vor der ewigen Verdammnis. Laß mich nicht plötzlich und unversehens von meinem letzten Stündlein überfallen werden, sondern hilf, daß ich mich zuvor mit wahrer Buße und rechtem Glauben bereite. Und wenn dasselbige kommt, so mache mich freudig und unverzagt zu dem zeitlichen Tode, der mir nur die Thür aufthut zum ewigen Leben, und laß mich, deinen Diener, alsdann in Frieden fahren. Gieb, daß mein letztes Wort das sei, welches dein lieber Sohn am Kreuz gesprochen hat: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist. Und wenn ich nicht mehr reden kann, so erhöre doch mein letztes Seufzen durch Jesum Christum. Amen. Joh. Habermann. - 3. Gebet aus Sehnsucht, daheim zu sein bei dem Herrn. Herr Jesu Christe, mein Trost und meine Wonne, wie verlangt meine Seele nach dir! Wie ein Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele nach dir. Meine Seele dürftet nach dir, meinem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, daß ich dein Angesicht schaue? Herr Jesu, du ewige Weisheit, du weißt meine Zeit, meine Tage stehen in deinen Händen. Ach wann? So bald du willst, Herr Jeſu! Mein Herz sehnt sich zur Ruhe, zur ewigen, lebendigen Ruhe, aus dieser Finsternis zum Lichte, aus dem Trauern zur Freude, aus der Unruhe zum Frieden, aus der Mühseligkeit zur Herrlichkeit, aus der Schwachheit zur Vollkommenheit. Herr Jeſu, du weißt alle Dinge, du weißt auch, daß dich meine Seele herzlich lieb hat und ein sehnliches Verlangen trägt, dein Angesicht zu schauen. Siehe doch, liebster Heiland, wie mein Herz ver 134 Erster Teil: Das Hausbuch. langt, bei dir daheim zu sein und in deinen Armen zu ruhen. Mein Herr und Gott, wie wohl wird mir da sein! Fröhlich und mit großen Freuden wird meine Seele ausrufen: ,, Hier ist gut sein! Hier ist gut sein!" Herr Jesu, gedenke an mich in deinem Reich und sprich zu meiner Seele: Heute sollst du mit mir im Paradiese sein. Amen. Aus Löhes Rauchopfer. 4. Gebet in Todesnöten. Du frommer, getreuer Gott und Vater unsers lieben Herrn Jesu Christi, ich bitte dich von Herzen, du wollest mich in meiner Not nicht verlassen, sondern mit dem Lichte deiner wahren Erkenntnis erleuchten, daß ich in derselbigen aus dieser Finsternis zu dir, dem ewigen Lichte, wandeln möge. O Herr, sei du bei mir, wenn ich sterben soll; stehe du zu meiner rechten Hand, wenn ich meinen Geist aufgeben soll; errette mich aus der Hand des Feindes, tröste und stärke mich, erhalte mich in deiner Erfenntnis und in festem, starkem Vertrauen auf deine große Gnade und Barmherzigkeit. Ach Herr Gott, laß das letzte Wort deines lieben Sohnes am Stamme des Kreuzes auch mein letztes Wort sein, daß ich mit starkem und gläubigem Vertrauen im Herzen darf sagen: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist, denn du hast mich erlöset, du getreuer Gott. Wo ich aber aus Schwachheit und Größe meiner Krankheit solches mit dem Munde nicht mehr könnte aussprechen, so laß mein Herz also in der Stille zu dir rufen und seufzen. Amen. Andreas Musculus. 5. Fürbitte eines Sterbenden für die Seinen. Barmherziger Gott, treuer himmlischer Vater, du eileſt mit mir zu Ende und willst mich in dein ewiges Himmelreich abfordern, dahin ich dir herzlich gern will folgen. Dieweil ich aber die lieben Meinigen in großer Traurigkeit zurück lasse, so bitte ich dich um meines Fürsprechers, Jesu Christi, willen, und um seines Verdienstes willen, du wollest sie in ihrer Betrübnis reichlich trösten, dein Vaterherz nicht von ihnen wenden und 2. Gebete f. besond. Lagen u. Fälle. Gebete in Sterbensnot. 135 deine milde Hand ihnen nicht entziehen. Laß sie es erfahren, daß du sowohl ohne mich, als durch mich sie versorgen kannst. Hilf, daß sie mir zu bestimmter Zeit in das rechte Vaterland selig nachfolgen, da wollen wir dich allzusammen in Freuden ohne Aufhören loben und preisen. Nun, wie du sie mir gegeben und vertraut, so gebe und vertraue ich sie dir wieder. Du trautes Vaterherz, wirst es besser machen, denn dieses betrübte Häuflein meinet. Ich werfe alle meine und ihre Sorge auf dich; du wirst sie wohl versorgen. Amen. In Jesu Namen. Amen. Joh. Mich. Dilherr. 11 6. Gebet wider die Furcht des Todes. Herr Jesu Christe, der du gestorben und vom Tode wieder auferstanden und mich auch von dem ewigen Tode erlöset und den zeitlichen Tod in einen sanften Schlaf verwandelt hast, ich bitte dich, mein Gott, gieb, daß ich mich vor dem Tode nicht zu hart entsetze, noch vor dem finstern Grab zu sehr fürchte. Laß mich sanft entschlafen, wenn es dir gefällt, und in mein Ruhebettlein gehen, wenn du willst, mit gewisser, fröhlicher Hoffnung, daß ich deine Stimme bald hören und aus dem Grabe hervor in das ewige Leben eingehen werde, da lauter Freude die Fülle und liebliches Wesen sein wird zur Rechten Gottes immer und ewiglich. Amen. Aus Löhes Rauchopfer. 7. Gebet in der Stunde des Todes. Herr, ewiger Gott, himmlischer Vater, weil es ja dein Wille ist und es dir also gefällt, daß ich jetzt sterben soll, so geschehe dein Wille. Hier bin ich, lieber Vater! Ich danke dir für alle deine Wohlthat, die du mir im Leben erzeigt hast, sonderlich aber für diese Wohlthat, daß du mir deinen lieben Sohn Jesum Christum durch dein Wort haft geoffenbart, daß ich ihn habe lernen erkennen und nun gewiß weiß, daß er mein Heiland, Erlöser und Seligmacher ist, der mir mit seinem Leiden und Sterben deine Gnade und Huld erworben hat. Ich bitte dich auch, sei mir gnädig und vergieb mir alle meine Sünden, mit 136 Erster Teil: Das Hausbuch. denen ich mein Leben lang wider dich gesündigt habe. Es ist mir alles herzlich leid, soweit ichs denken kann. Vergieb mirs nach deiner großen Barmherzigkeit um deines lieben Sohnes Jesu Christi willen, wie du in deinem Wort verheißen hast, wie ich denn auch allen denen von Herzen vergeben habe, die wider mich jemals gehandelt haben, und laß dir meine arme Seele befohlen sein. Ich befehle dir auch alle, die du mir in dieser Welt befohlen hast, sonderlich mein armes Weib zc.; du wollest hinfort ihr Vater sein und sie versorgen, wie du denn zugeſaget haſt, daß du willst ein Vater der Waisen und Richter der Witwen sein. Herr, dein Wille geschehe! In deine Hände befehle ich meinen Geist, du hast mich erlöset, du getreuer Gott! Amen. Aus Löhes Rauchopfer. 1597. 8. Kurye Gebetsfeufer eines Sterbenden. Herr Jesu, du Heiland aller, die auf dich trauen, verlaß mich nicht. Ich sehe meine Hoffnung in dieser großen Not allein auf deine Barmherzigkeit. Laß auch in meinen Ohren deine liebliche und seligmachende Stimme erschallen, welche du den Schächer am Kreuze haft hören lassen: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein. Amen. Aus Cubachs Gebetbuch. Herr Jesu, der du bist die Auferstehung und das Leben, wer an dich glaubt, der wird leben, ob er gleich stirbt. Ich glaube, daß ich wieder werde auferweckt werden, ob schon nach meinem Tode mein Leib in der Erde verwesen wird. Ich werde dich sehen, mein Herr und mein Gott. Verleihe mir die Gnade durch dein bitteres Leiden und Sterben, daß ich an jenem Tage einer aus denen sein möge, zu welchen du die holdseligen Worte sprechen wirst: Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Amen. Aus Cubachs Gebetbuch. Ach Herr, allmächtiger Gott, nun ist meine Zeit dahin und mein Leben wird abgerissen. Ich leide Not. Du, Herr, allein 2. Gebete f. befond. Lagen u. Fälle. Gebete in Sterbensnot. 137 kannst helfen. Verkürze und lindre mir dieselbe, mir ist um Trost sehr bange. Herr, nimm dich meiner Seele herzlich an, daß sie nicht verderbe, und wirf alle meine Sünde hinter dich zurück, um des teuren Verdienstes Jesu Christi, deines lieben Sohnes willen. Amen. Joh. Deucer. - O Herr Jesu Christe, du hast für mich den Todeskampf und blutigen Schweiß ausgestanden, ich bitte dich von Herzen, du wollest mich in dieser meiner letzten Not nicht verlassen. Nimm dich meiner Angst an und errette meine Seele vom ewigen Tode, daß ich vor dir in jenem seligen Lande der Lebendigen wandle und dich mit allen Auserwählten dort ewiglich preisen möge. Amen. Joh. Deucer. Ach Gott, himmlischer Vater, der du mich erschaffen hast, Herr Jesu, der du mich erlöset hast, Herr Gott, heiliger Geiſt, der du mich zur Erkenntnis meines Erlösers gebracht hast, ich bitte dich, verzeihe mir alle meine Sünde, tröste mich wider alle Anfechtung, verkürze mir des Todes Qual, beschere mir ein seliges Ende und gieb mir das ewige Leben. Amen. Rigisches Gebetbuch. O mein Gott, mein Herr und Vater, jetzt beweise meiner armen Seele, daß sie es inne werde, daß du seist mein Fels, meine Burg, mein Schild, mein Hort, meine Zuversicht, meine Hilfe, mein Schirm und Schuß, damit ich in diesen großen Nöten vor meinen Feinden durch deine göttliche Gnade, Hilfe und Beistand behalten werde. Herr, auf dich traue ich, laß mich nimmermehr zu schanden werden. Amen. Aus Löhes Rauchopfer. 9. Gebet Dr. Martin Luthers bei seinem Tode. Am 18. Februar 1546. O mein himmlischer Vater, Gott und Vater unsres Herrn Jesu Christi, du Gott alles Trostes, ich danke dir, daß du mir deinen lieben Sohn Jesum Christum geoffenbart hast, an den 138 Erster Teil: Das Hausbuch. ich glaube, den ich gepredigt und bekannt habe, den ich geliebt und gelobt habe, welchen der leidige Papst und alle Gottlosen schänden, verfolgen und lästern. Ich bitte dich, mein Herr Jesu Christe, laß dir mein Seelchen befohlen sein. O himmlischer Vater, ob ich schon diesen Leib lassen und aus diesem Leben hinweggerissen werden muß, so weiß ich doch gewiß, daß ich bei dir ewiglich bleiben und aus deinen Händen mich niemand reißen kann. Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist, du hast mich erlöset, du treuer Gott! Amen. 10. Sprüche und Liederverse, welche die Umstehenden dem Todtkranken und Sterbenden zusprechen mögen. Herr, ich warte auf dein Heil.( 1 Mos. 49, 18.) Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erde auferwecken.( Hiob 19, 25.) Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Und ob ich schon wanderte im finstern Thal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.( Aus Pf. 23.) Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von der Welt her gewesen ist. Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretung. Gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, um deiner Güte willen.( Ps. 25, 6. 7.) Die Angst meines Herzens ist groß; führe mich aus meinen Nöten. Siehe an meinen Jammer und Elend und vergieb mir alle meine Sünde.( Ps. 25, 17. 18.) Verbirg mein Seel aus Gnaden in deiner offnen Seit; rück sie aus allem Schaden zu deiner Herrlichkeit. Der ist wohl hier gewesen, wer kommt ins himmlisch Schloß. Der ist ewig genesen, wer bleibt in deinem Schoß. 2. Gebete f. besond. Lagen u. Fälle. Gebete in Sterbensnot. 139 Mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlitz suchen. Darum suche ich auch, Herr, dein Antlik. Verbirg dein Antlik nicht vor mir und verstoße nicht im Zorn deinen Knecht( Magd), denn du bist meine Hilfe. Laß mich nicht und thue nicht von mir die Hand ab, Gott, mein Heil. Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber der Herr nimmt mich auf.( Ps. 27, 8-10.) Herr, wie du willst, so schicks mit mir im Leben und im Sterben. Allein zu dir steht mein Begier, laß mich, Herr, nicht verderben. Erhalt mich nur in deiner Huld, sonst wie du willst, gieb mir Geduld, denn dein Will ist der beste. In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöset, Herr, du treuer Gott. Herr, sei mir gnädig, denn mir ist angst; meine Gestalt ist verfallen vor Trauern. Mein Leben hat abgenommen vor Betrübnis und meine Zeit vor Seufzen. Meine Kraft ist verfallen vor meiner Missethat und meine Gebeine sind verschmachtet. Ich bin geworden, wie ein zerbrochenes Gefäß. Ich hoffe aber auf dich, Herr, und spreche: Du bist mein Gott. Laß leuchten dein Antlitz über deinen Knecht( Magd); hilf mir durch deine Güte.( Aus Pf. 31.) Höre mein Gebet, Herr, und vernimm mein Schreien und schweige nicht über meinen Thränen; denn ich bin beides, dein Pilgrim und dein Bürger, wie alle meine Väter. Laß ab von mir, daß ich mich erquicke, ehe denn ich hinfahre und nicht mehr hier sei.( Ps. 39, 13. 14.) Soll ich einmal nach deinem Rat von dieser Welt abscheiden: verleih mir, Herr, nur deine Gnad, daß es gescheh mit Freuden. Mein Leib und Seel befehl ich dir, o Herr, ein selig End gieb mir durch Jesum Christum. Amen. Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.( Ps. 42, 12.) Erster Teil: Das Hausbuch. Verbirg dein Antlitz vor meinen Sünden und tilge alle meine Missethat. Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gieb mir einen neuen gewissen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Tröste mich wieder mit deiner Hilfe, und der freudige Geist enthalte mich.( Pf. 51, 11-14.) 140 Herr, ich traue auf dich, laß mich nimmermehr zu schanden werden. Errette mich durch deine Gerechtigkeit und hilf mir aus, neige deine Ohren zu mir und hilf mir. Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen möge, der du zugesagt hast mir zu helfen; denn du bist mein Fels und meine Burg.( Ps. 71, 1-3.) Verwirf mich nicht in meinem Alter, verlaß mich nicht, wenn ich schwach werde. Gott sei nicht ferne von mir; mein Gott, eile mir zu helfen.( Pf. 71, 9. 12.) Ich bin ein Glied an deinem Leib, deß tröst ich mich von Herzen! Von dir ich ungeschieden bleib in Todesnot und Schmerzen. Wenn ich gleich sterbe, sterb ich dir, ein ewges Leben hast du mir durch deinen Tod erworben. Dennoch bleibe ich stets an dir, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand. Du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich endlich mit Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.( Pf. 73, 23-26.) Nichts ist, das mich von Jesu scheide; nichts, es sei Leben oder Tod. Ich leg die Hand in seine Seite und sage: Mein Herr und mein Gott! Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, machs nur mit meinem Ende gut. Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. Wir haben einen Gott, der da hilft und den Herrn Herrn, der vom Tode errettet.( P. 68, 20. 21.) 2. Gebete f. besond. Lagen u. Fälle. Gebete in Sterbensnot. 141 Wenn ich mitten in der Angst wandle, so erquickst du mich und streckst deine Hand über den Zorn meiner Feinde und hilfst mir mit deiner Rechten.( Ps. 138, 7.) Der Herr spricht: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöset, ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein. Denn so du durchs Wasser gehest, will ich bei dir sein, daß dich die Ströme nicht sollen ersäufen, und so du durchs Feuer gehſt, sollst du nicht brennen und die Flamme soll dich nicht anzünden, denn ich bin der Herr, dein Gott, der Heilige in Israel, dein Heiland.( Jef. 43, 1-3.) Ich danke dir von Herzen, o Jesu, liebster Freund, für deine Todesschmerzen, da dus so gut gemeint. Ach, gieb, daß ich mich halte zu dir und deiner Treu, und wenn ich nun erkalte, in dir mein Ende sei. Zion spricht: der Herr hat mich verlassen, der Herr hat meiner vergessen. Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie desselben vergäße, so will ich doch deiner nicht vergessen. Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet.( Jeſ. 49, 14—16.) Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missethat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilet.( Jes. 53, 4. 5.) Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir. Wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür. Wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein, so reiß mich aus den Ängsten kraft deiner Angst und Pein. Ich bin der Herr, dein Arzt.( 2 Mose 15, 26.) Ich vertilge deine Missethat, wie eine Wolke und deine Erster Teil: Das Hausbuch. Sünde, wie den Nebel. Kehre dich zu mir, denn ich erlöse dich. ( Sef. 44, 22.) 142 Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen und das glimmende Docht wird er nicht auslöschen.( Jes. 42, 3.) Ich, ich bin euer Tröster.( Jes. 51, 12.) Fürchte dich nicht, ich bin mit dir. Weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch. Ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.( Jef. 41, 10.) Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln, wie Adler, daß sie laufen und nicht matt werden, daß sie wandeln und nicht müde werden.( Jef. 40, 31.) Erscheine mir zum Schilde, zum Trost in meinem Tod, und laß mich sehn dein Bilde in deiner Kreuzesnot. Da will ich nach dir blicken, da will ich glaubensvoll dich fest an mein Herz drücken. Wer so stirbt, der stirbt wohl. Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen, denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.( Matth. 11, 28-30.) Durch viel Trübsal müssen wir in das Reich Gottes gehen. ( Apostelgesch. 14, 22.) Unsre Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schaffet eine ewige und über alle Maße wichtige Herrlichkeit uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich, was aber unsichtbar ist, das iſt ewig.( 2 Kor. 4, 17. 18.) Das ist je gewißlich wahr: Sterben wir mit, so werden wir mit leben; dulden wir, so werden wir mit herrschen; verleugnen wir, so wird er uns auch verleugnen; glauben wir nicht, so bleibt er treu. Er kann sich selbst nicht leugnen.( 2 Tim. 2, 11-13.) 2. Gebete f. besond. Lagen u. Fälle. Gebete in Sterbensnot. 143 Kreuz und Elende das nimmt ein Ende. Nach Meeres Brausen und Windes Sausen leuchtet der Sonne gewünschtes Gesicht. Freude die Fülle und selige Stille hab ich zu warten im himmlischen Garten. Dahin sind meine Gedanken gericht. - Freu dich sehr, o meine Seele und vergiß all Not und Qual, weil dich nun Christus, dein Herre, ruft aus diesem Jammerthal. Aus der Trübsal, Angst und Leid sollst du fahren in die Freud, die kein Ohr jemals gehöret, die in Ewigkeit auch währet. Des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, das verloren ist.( Luk. 19, 10.) Das ist je gewißlich wahr und ein teuer wertes Wort, daß Christus Jesus gekommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen.( 1 Tim. 1, 15.) Wenn ich erhöhet werde von der Erde, so will ich sie alle zu mir ziehen.( Joh. 12, 32.) Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. ( Joh. 6, 37.) Das ist der Wille deß, der mich gesandt hat, daß, wer den Sohn siehet und glaubet an ihn, habe das ewige Leben; und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage.( Joh. 6, 40.) Schreib meinen Nam'n aufs beste ins Buch des Lebens ein und bind mein Seel fein feste ins schöne Bündelein der'r, die im Himmel grünen und vor dir leben frei, so will ich ewig rühmen, daß dein Herz treue sei. So wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. So wir aber unsre Sünde bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergiebt und reinigt uns von aller Untugend. ( 1 Joh. 1, 8. 9.) Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von dem Leibe 144 Erster Teil: Das Hausbuch. dieses Todes? Ich danke Gott durch Jesum Christum, unsern Herrn.( Röm. 7, 24. 25.) Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein? Welcher auch seines eignen Sohnes nicht hat verschonet, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben, wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der da gerecht macht. Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferwecket ist, welcher ist zur Rechten Gottes und vertritt uns. ( Röm. 8, 31-34.) Wisset, daß ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöset seid von eurem eitlen Wandel nach väterlicher Weise, sondern mit dem teuern Blute Christi, als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes.( 1 Petr. 1, 18. 19.) In meines Herzens Grunde dein Nam und Kreuz allein funkelt all Zeit und Stunde, drauf kann ich fröhlich sein. Erschein mir in dem Bilde zu Trost in meiner Not, wie du, Herr Christ, so milde dich hast geblut zu Tod. Ihr Lieben, lasset euch die Hiße, so euch begegnet, nicht befremden,( die euch widerfährt, daß ihr versucht werdet,) als widerführe euch etwas seltsames, sondern freuet euch, daß ihr mit Christo leidet, auf daß ihr auch zu der Zeit der Offenbarung seiner Herrlichkeit Freude und Wonne haben möget.( 1 Petr. 4, 12. 13.) In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.( Joh. 16, 33.) Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt giebt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.( Joh. 14, 27.) Wenn der Wellen Macht in der trüben Nacht will des Herzens Schifflein decken, wollst du deine Hand ausstrecken. Habe auf mich acht, Hüter in der Nacht. 2. Gebete f. besond. Lagen u. Fälle. Gebete in Sterbensnot. 145 Solls zum Sterben gehn, wollst du bei mir stehn, mich durchs Todesthal begleiten und zur Herrlichkeit bereiten, daß ich einst mag sehn mich zur Rechten stehn. - Der Herr Jesus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben.( Joh. 11, 25. 26.) Christus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen an das Licht gebracht durch das Evangelium.( 2 Tim. 1, 10.) Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern Herrn Jesum Christum. ( 1 Kor. 15, 55. 57.) Jesus, er mein Heiland lebt, ich werd auch das Leben schauen, sein, wo mein Erlöser schwebt, warum sollte mir denn grauen? Lässet auch ein Haupt sein Glied, welches es nicht nach sich zieht? Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.( 2 Kor. 12, 9.) Du, Herr, wollest deine Barmherzigkeit von mir nicht wenden. Laß deine Güte und Treue allewege mich behüten.( Pſ. 40, 12.) Mach End, o Herr, mach Ende an aller unsrer Not, stärk unsre Füß und Hände und laß bis in den Tod uns allzeit deiner Pflege und Treu empfohlen sein, so gehen unsre Wege gewiß zum Himmel ein. In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, so wollte ich zu euch sagen: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten. Und ob ich hinginge, euch die Stätte 10 Allgemeines Gebetbuch. 146 Erster Teil: Das Hausbuch. zu bereiten, will ich doch wieder kommen und euch zu mir nehmen, auf daß ihr seid, wo ich bin.( Joh. 14, 2. 3.) Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, denn durch mich.( Joh. 14, 6.) Wir wissen, so unser irdisches Haus dieser Hütte zerbrochen wird, daß wir einen Bau haben, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel.( 2 Kor. 5, 1.) Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, daß sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast.( Joh. 17, 24.) Gott wird abwischen alle Thränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerzen wird mehr sein, denn das Erste ist vergangen.( Offenb. Joh. 21, 4.) Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.( Offenb. Joh. 2, 10.) Ich habe einen guten Kampf gekämpfet, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten, hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der Herr an jenem Tage, der gerechte Richter, geben wird. Nicht mir aber allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb haben.( 2 Tim. 4, 7. 8.) Christus der ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn; dem thu ich mich ergeben, mit Fried fahr ich dahin. Mit Freud fahr ich von dannen zu Christ, dem Bruder mein, auf daß ich zu ihm komme und ewig bei ihm sei. Ich hab nun überwunden Kreuz, Leiden, Angst und Not; durch sein heilgen fünf Wunden bin ich versöhnt mit Gott. In Christi Wunden schlaf ich ein, die machen mich von Sünden rein: Ja, Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid: damit will ich vor Gott bestehn, wenn ich zum Himmel werd eingehn. Mit Fried und Freud ich fahr dahin, ein Gotteskind ich 2. Gebete f. besond. Lagen u. Fälle. Gebete in Sterbensnot. 147 allzeit bin. Dank hab, mein Tod, du führest mich, ins ewge Leben wandre ich, mit Christi Blut gereinigt fein: Herr Jesu, stärk den Glauben mein. - 11. Gebet der Umstehenden für den Sterbenden. Allmächtiger, gütiger Gott, der du unser Leben erhältst im Tode und Sterben, wir bitten dich, du wollest die Augen deiner Barmherzigkeit wenden zu diesem kranken Menschen( unserm sterbenden Vater, Mutter, Sohn, Tochter, Bruder, Schwester, Knecht, Magd, Freund, Freundin) und ihn( sie) erquicken an Leib und Seele und ihm( ihr) alle Sünden aus Gnaden vergeben. Nimm an das Opfer des unschuldigen Todes Jesu Christi, deines lieben Sohnes, für die Bezahlung seiner( ihrer) Missethat. Er( sie) ist ja auch auf desselbigen Namen getauft und mit desselbigen Blute gewaschen und gereinigt. So errette ihn( sie) nun von des Leibes Qual und Pein. Verkürze ihm ( ihr) seine( ihre) Schmerzen, erhalte ihn( sie) wider die Anklage des Gewissens und wider alle Anfechtung des bösen Feindes, auf daß er( sie) im Glauben ritterlich kämpfe und überwinde. Verleihe ihm( ihr) eine selige Heimfahrt zum ewigen Leben. Schicke deine heiligen Engel her, daß dieselben ihn( sie) begleiten zu der Versammlung aller Auserwählten in Christo Jesu, unserm Herrn. Amen. Joh. Habermann. 12. Ein anderes. Herr Jesu Christe, der du allein bist die Thüre zum ewigen Leben, daß, wer durch dich eingehet, selig werden mag, wir bitten dich von Herzen, du wollest solche Gnadenthür diesem Dahinsterbenden aufthun und ihn aus der Anfechtung der Sünden und des Teufels List und Macht bald erlösen. Ach Herr, hilf ihm, daß er im finstern Thale und Schatten des Todes nicht irre gehe noch verderbe, sondern du, als ein getreuer Hirte, nimm auf dieses verlorne Schaf und deinen Knecht, laß ihm dein Wort in seinem Herzen leuchten, stehe ihm in aller Not 10* 148 Erster Teil: Das Hausbuch. bei und zeige ihm dein Heil, laß ihn nicht entfallen aus des rechten Glaubens Trost, nimm seine Seele in deine Hände, und pflege ihrer mit Gnaden, auf daß sie keine Qual anrühre, und gieb also ihm das ewige Leben. Amen. Lüneburgsches Handbuch. 1648. Rigisches Gebetbuch. 1665. 13. Die Titanei für die Sterbenden. Kyrie, Eleison! Christe, Eleison! Kyrie, Eleison! Herr Gott, Vater im Himmel, Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, Herr Gott, heiliger Geist, Heilige Dreieinigkeit, ewiger Gott, Erbarme dich! Herr, sei gnädig! Verschone dieses sterbenden Menschen! Vor deinem Zorne, Vor bösem Tode, Vor der Höllen Pein, Vor des Teufels Macht, Vor des Teufels Trug und List, Vor allem Übel, Behüt ihn, lieber Herre Gott! Durch deine heilige Menschwerdung und Geburt, Durch deinen Todeskampf und blutigen Schweiß, Durch dein Kreuz und bittern Tod, Durch deine heilige Auferstehung und Himmelfahrt, Durch die Gnade deines heiligen Geistes, des Trösters, Im Augenblick des Todes, Im jüngsten Gericht, Hilf ihm, lieber Herre Gott! Wir armen Sünder bitten, Du wollest uns erhören, lieber Herre Gott! Und diesen Sterbenden trösten, Und ihm alle Sünden verzeihen, 2. Gebete f. besond. Lagen u. Fälle. Und ihn aus diesem Elend einführen Erhör uns, lieber Herre Gott! - Gebete in Sterbensnot. 149 zum ewigen Leben. O Jesu Christe, Gottes Sohn, O du Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, O du Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, Erbarm dich über ihn! O du Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, Verleih ihm ewiglich Frieden! Christe, Erhöre uns! Kyrie, Eleison! Christe, Eleison! Kyrie, Eleison! Amen. 14. Abschiedssegen. Nun zeuch hin, im Namen des Herrn, mein lieber Bruder ( Schwester), zeuch hin ins himmlische Vaterland zu deinem Schöpfer, Erlöser und Seligmacher. Die heilige Dreifaltigkeit sei mit dir, führe und begleite deine Seele in Abrahams Schoß, und verleihe dir am jüngsten Tage eine fröhliche Auferstehung zur ewigen Herrlichkeit. Der Herr verleihe uns auch, wann es sein Wille ist, eine selige Nachfahrt und fröhliche Zuſammenkunst. Indeß segne dich Gott der Vater, der dich geliebet, der Sohn, der dich erlöset, der heilige Geist, der dich geheiliget und bis ans Ende im Glauben gestärkt hat. Die heilige Dreifaltigkeit segne und benedeie, wie jezzo deinen, also auch einst unsern Ausgang aus dieser Welt; sie segne und benedeie auch, wie jetzt deinen, also einst unsern Eingang in jene Welt, in das ewige Leben. Amen. Joachim Emden. 15. Danksagung der Hinterbliebenen für ein feliges Ende. Wir danken dir, Herr Jesu Christe, daß du unser armes Gebet und Flehen nicht verachtet, sondern gnädiglich erhört hast. Du hast unsern Bruder( Schwester) aus der Angst gerissen und eingeführt in die ewige Ruhe. Ach, lieber Heiland, wir sprechen mit Hiob: ,, Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen, der Name des Herrn sei gelobt!" und mit dem Volk 150 Erster Teil: Das Hausbuch. im Evangelio: ,, Er hat alles wohlgemacht." Hilf, daß wir uns getrösten: wir haben unsern Bruder( unsere Schwester) gar nicht verloren, sondern nur vorangesendet, der ungezweifelten Hoffnung, daß du den verstorbenen Leib, der allhier in Schwachheit vor uns liegt, am jüngsten Tage mit großer Kraft und Herrlichkeit auferwecken und uns verleihen werdest, daß wir einander bei dir im ewigen Leben wieder finden. Wollest uns auch sämtlich deines heiligen Geistes Gnade verleihen, daß wir uns an diesem Totenbette erinnern, wie bald es um einen Menschen geschehen ist, damit wir in stetiger und immerwährender christlicher Bereitschaft erfunden werden, dir, wenn unser Stündlein kommt, durch das finstre Thal des Todes mit Freuden zu folgen in dein Reich, der du mit dem Vater und heiligen Geiste lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. Aus Löhes Rauchopfer. 16. Gebet nach dem Tode eines Kindleins. Herr Jesu Christe, du ewiger Gott und Heiland, der du so freundlich der Kindlein dich angenommen und sie zu dir gerufen und gesegnet hast, wir zweifeln nicht, daß du auch dieses unser liebes Kindlein zu dir in deine ewige Freude gerufen und mit Leben und Seligkeit gesegnet habest. Aber, Herr unser Gott und Heiland, unsre Seele ist betrübt und wir tragen Leid, weil du unser liebes Kind so frühe dahingenommen. Wenn wir schon wissen, daß du es wohl meinest, da du mit ihm aus diesem bösen Leben geeilet, so will es uns doch fast schwer werden, uns stille in deinen heiligen Willen zu fügen. So hilf du selbst uns durch deinen heiligen Geist und stärke unsern Glauben, daß wir deinen Rat ehren und preisen, auch wenn wir ihn nicht verstehen. Wir danken dir, daß du unser liebes Kindlein in der heiligen Taufe zu deinem Kinde angenommen, es zum ewigen Leben wiedergeboren und ihm das Erbe des Himmels zugesprochen hast. Darum sind wir der guten Zuversicht, daß es nunmehr in deinem Frieden und in der ewigen Ruhe ist. Hilf, lieber Herr, daß wir umkehren und werden wie die Kinder, auf 2. Gebete für besondere Lagen und Fälle.- Am Geburtstag. 151 daß auch wir dereinst mit Freuden einschlafen und zur ewigen Ruhe der Heiligen gelangen mögen durch deine ewige Gnade und Barmherzigkeit. Amen. Dieffenbach. Anhang. G. Am Geburtstag. Lieber Vater in dem Himmel, ich danke dir von Herzen, daß du mich in diese Welt und zu einem vernünftigen Menschen geschaffen hast, daß ich von christlichen Eltern geboren und deiner heiligen Kirche einverleibt bin. Nun jährt sich der Tag meiner Geburt, und weil du mich den hast wieder erleben lassen, weil ich wieder ein Jahr meiner Pilgrimschaft zurückgelegt habe, so danke ich dir von Herzen und spreche mit Freuden David nach: ,, Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Der dir alle deine Sünden vergiebt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöset, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit." Ich bitte dich aber auch, o lieber Vater, weil ein jeder Tag unsers Lebens ein Schritt näher zum Tode ist, der mich noch vor Abend, ja in der Minute treffen könnte, so wollest du mich jedweden Tag, den ich noch zu leben habe, so regieren, daß ich deinem Begehren nach wandle als am Tage, das ist zuvörderst in deinem Licht, hernach vorsichtiglich, ehrbar und verantwortlich, kurz in allem als ein rechter Christ, gleichförmig dem Versprechen, das ich vormals in meiner heiligen Taufe dir, meinem lieben Gott, gethan habe. Ist aber dieses mein letztes Jahr und das letzte Mal, daß ich meinen Geburtstag begehe, so stelle ich dirs heim in deine göttliche Fürsorge. Wenn du willst, daß ich soll ausgelebt haben, so habe ich mir auch genug gelebt; denn wenns dir genug ist, ist es mir auch genug; bin ich dir alt genug, so bin ich mir auch alt genug. Hiermit trete ich aufs neue 152 Erster Teil: Das Hausbuch. in deinen Schutz und Schirm, in deine hohe, ewige Gewalt. Lebe ich dies Jahr durch, so laß mich dir leben; sterbe ich, so laß mich dir sterben, auf daß ich in dir lebe, webe und sei, und also, ich mag leben oder sterben, dein sei, dein bleibe ewiglich. Amen. Aus Löhes Samenkörnern. Der 103. Pfalm. Ein Psalm Davids. Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat, der dir alle deine Sünden vergiebt, und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöset, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit, der deinen Mund fröhlich macht, und du wieder jung wirst, wie ein Adler. Der Herr schaffet Gerechtigkeit und Gericht allen, die Unrecht leiden. Er hat seine Wege Mose wissen lassen, die Kinder Israel sein Thun. Barmherzig und gnädig iſt der Herr, geduldig und von großer Güte. Er wird nicht immer hadern, noch ewiglich Zorn halten. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden, und vergilt uns nicht nach unserer Missethat. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, läßt er seine Gnade walten über die, so ihn fürchten. So fern der Morgen ist vom Abend, lässet er unsre Übertretung von uns sein. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmet, so erbarmt sich der Herr über die, so ihn fürchten. Denn er kennet, was für ein Gemächte wir sind; er gedenket daran, daß wir Staub sind. Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blühet wie eine Blume auf dem Felde; wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da und ihre Stätte fennet sie nicht mehr. Die Gnade aber des Herrn währet von Ewigkeit zu Ewigkeit über die, so ihn fürchten; und seine Gerechtigkeit auf Kindeskind, bei denen, die seinen Bund halten, und gedenken an seine Gebote, daß sie darnach thun. Der Herr hat seinen Stuhl im Himmel bereitet, und sein Reich herrschet über alles. Lobet den Herrn, ihr seine 2. Gebete für besondere Lagen und Fälle. Ehestandsgebete. 153 Engel, ihr starken Helden, die ihr seinen Befehl ausrichtet, daß man höre die Stimme seines Worts. Lobet den Herrn, alle seine Heerscharen, seine Diener, die ihr seinen Willen thut. Lobet den Herrn, alle seine Werke, an allen Orten seiner Herrschaft. Lobe den Herrn, meine Seele. ( Siehe auch die Lob- und Danklieder.) -- H. Ehestandsgebete. Vergl. Kirchenbuch, dritte Abteilung, V. Nr. 2. 1. Gebet für Eheleute, denen Gott Hoffnung auf Kindersegen gegeben hat. O gütiger Gott und Herr, dir sei Lob, Ehre und Dank, daß du uns in diesen heiligen Stand gesetzet und mit deinem Segen begnadigt hast. Wir bitten dich, lieber Vater, du wollest dir die Frucht lassen befohlen sein, und dieweil wir dir sie vor der Geburt anders nicht, denn durch das Gebet zutragen können, so befehlen wir sie in deine göttliche Gnade und Schuß auf die Zusage deines lieben Sohnes: Was ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, das wird er euch geben. Wenn sie nach deiner göttlichen Barmherzigkeit zur Welt geboren wird, wollen wir sie dir auch durch die heilige Taufe und gottſelige Kinderzucht zubringen. Dazu hilf du, o lieber Vater, mit Gnaden um Jesu Christi, deines lieben Sohnes, unsers Heilandes willen. Amen. Aus Minsingers Gebetbuch. 2. Fürbitte des Ehemannes für sein Weib. Allmächtiger, ewiger, barmherziger Gott, du Schöpfer aller Dinge, ich bitte dich von Herzen, du wollest meiner lieben Ehefrau, die du gnädiglich gesegnet hast, eine fröhliche Geburt verleihen und sie und das Kindlein, deß wir harren, unter dem Kreuz der schmerzlichen Geburt nicht verderben lassen, sondern sie gnädiglich und mit Freuden entbinden, um deines lieben Sohnes, unsers einigen Herrn und Seligmachers, Jesu Christi willen. Amen. Rostocker Betbüchlein. Erster Teil: Das Hausbuch. 3. Gebete für eine mit Hoffnung gesegnete Ehefrau. Allmächtiger Gott, Vater unsers Herrn Jesu Christi, du hast mir ein solches Kreuz auferlegt, daß ich mit Schmerzen Kinder gebären soll, so bitte ich dich nun, himmlischer Vater, du wollest mir in solchem Kreuz Stärke und Kraft geben und mich zu rechter Zeit gnädiglich entbinden. Unterdeß erhalte mich dir und behüte mich samt dem Kindlein, das ich unter meinem Herzen trage, vor allem Schaden und Übel um der Ehre willen deines heiligen Namens. Amen. Aus Minsingers Gebetbuch. 154 O barmherziger Gott, du hast gesagt: Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, so sollst du mich preisen. Auf solchen deinen Befehl und Verheißung rufe ich dich an, du wollest mich jetzt, und wenn meine Stunde kommt, durch dein Wort und Geist an Leib und Seele stärken, daß ich deinen Willen geduldig leiden möge. Erfreue mich mit einer fröhlichen Geburt und gieb, daß mein Kindlein durch das Wasser und den heiligen Geist möge wiedergeboren und ein Erbe des Lebens werden, auf daß wir dich loben und preisen mögen ewiglich durch unsern Herrn Jesum Christum. Amen. Aus Minsingers Gebetbuch. 4. Gebete und Seufier für Ehefrauen, deren Stunde gekommen ist. Ach gnädiger und barmherziger Gott, du hast gesagt: Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen. Auf diesen gnädigen Befehl komme ich in dieser Stunde auch zu dir, o mein Vater. Ich rufe zu dir in meiner Not, ach höre doch meine Stimme und verbirg dich nicht vor meinem Flehen. Gedenke, daß ich dein Kind bin. Ach, laß mich doch nicht über mein Vermögen Schmerzen empfinden. Herr, wenn ich Not leide, so lindre mirs. Jesu, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Durch deine heilige Geburt und Menschwerdung hilf mir, lieber Herr Gott! Stehe mir bei, hilf mir und erfreue mich. Heiliger Geist, du Tröster in aller Not, sprich mei 2. Gebete für besondere Lagen und Fälle. Ehestandsgebete. 155 ner Seele den Trost ein, daß ich bald eine fröhliche Mutter werden möge. Bringe mein ängstliches Gebet hinauf vor den Thron Gottes, und wenn ich vor Angst nicht beten kann, so vertritt mich bei Gott mit unaussprechlichen Seufzen. Odreieiniger Gott, reiche mir und meinem Kinde deine Hand. Beweise an uns deine Kraft, so wollen wir rühmen und loben deine Macht. Laß das Kindlein, das ich unter meinem Herzen trage, in dieser Not nicht verderben, sondern erhalte es gnädiglich durch deine Kraft. Herr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über mich. Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich. Herr Gott, heiliger Geist, erbarme dich über mich. Amen. Joh. Lassenius. - Gnädiger und starker Gott, die Stunde ist da, die du mir bestimmt hast. Darum wende ich mich zu dir und schreie: Vater, hilf mir aus dieser Stunde. In deinem Namen fange ich das Werk an, in deinem Namen will ich es vollenden. Herr, mein Schöpfer, stehe mir bei und stärke mich. Jesu, du Sohn Gottes, der du bist Mensch geboren, bleibe bei mir und erquicke mich. Ach, umfasse mich mit deinem Arm und halte mich. O werter heiliger Geist, gieb mir Geduld und Freudigkeit zu dem Werke; erbarme dich meiner und erfreue mich. O du heilige Dreieinigkeit, Vater, Sohn und heiliger Geist, eile mir beizustehen. Stehe auf, Herr, und hilf mir, sonst verderbe ich. O Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarme dich über mich. Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, verleihe mir Frieden. Amen. Joh. Lassenius. Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn mit Ernst anrufen. Er thut, was die Gottesfürchtigen begehren, und höret ihr Schreien und hilft ihnen. Ach, mein Jesu, sei mir jetzt nahe und bleibe bei mir, bis du mir geholfen. Ach, thue doch, was ich begehre, denn ich begehre nur, was du mir in deinem Wort verheißen hast, nämlich deine Hilfe. Amen. Joh. Lassenius. Erster Teil: Das Hausbuch. Der Herr giebt den Müden Kraft und Stärke genug den Unvermögenden. Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler, daß sie laufen und nicht matt werden, daß sie wandeln und nicht müde werden. Ach Herr, mein Gott, gieb auch mir neue Kraft, Mut und Stärke durch deinen heiligen Geist. Ich bin zu schwach, dieses Werk auszuführen; aber in meines Gottes Stärke vermag ich alles. Herr, stärke mich diesmal, hilf fröhlich überwinden um deiner Barmherzigkeit willen. Amen. Joh. Lassenius. 156 Ich will ihr Trauern in Freude verkehren und sie trösten und sie erfreuen in ihrer Betrübnis. Ach, mein Gott, entbinde mich auch von meiner Last, verziehe doch nicht länger mit deiner Hilfe. Verkehre mein Trauern in Freude und erfreue mich mit einer fröhlichen Geburt nach meiner Betrübnis. Denn bei dir ist mein Heil und meine Ehre. Meine Zuversicht ist auf Gott. Amen. Joh. Lassenius. Ich hoffe darauf, daß du so gnädig bist; mein Herz freuet. sich, daß du so gerne hilfst. Ich will dem Herrn singen, daß er so wohl an mir thut. O du getreuer Heiland und liebreicher Menschenfreund, mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlik suchen. Darum suche ich auch, Herr, dein Antliß. Ich weiß, du kannst helfen und hilfft auch gern. Darum hoffe ich auf dich, ich hoffe von einem Augenblick zum andern. Ach Gott, laß es jetzt Zeit sein. Hilf mir nach deiner Barmherzigfeit. Amen. Joh. Lassenius. Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht; denn Gott, der Herr, ist meine Stärke und mein Psalm und ist mein Heil. Lobsinget dem Herrn, denn er hat sich herrlich bewiesen; solches sei tund in allen Landen. Ach ja, mein Gott, das ist mein Trost, daß mein Leiden zuletzt ein gutes, fröhliches Ende nehmen wird. Darum, weil du meine Stärke, 2. Gebete für besondere Lagen und Fälle.- Ehestandsgebete. 157 mein Nothelfer und Erretter bist, so habe ich eine gewisse Errettung. Darum will ich stille sein und hoffen; durch Stillesein und Hoffen werde ich stark sein. Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Amen. Joh. Lassenius. 5. Danksagung, wenn das Kind glücklich zur Welt geboren ist. O gütiger, barmherziger Gott, der du an uns gnädiglich bewiesen hast, daß du allein der einige Gott bist, der aus Nichts Etwas und aus dem Tode lebendig machen kann, wir sagen dir demütiglich Lob und Dank, daß du zu einer fröhlichen Geburt geholfen und uns durch den Anblick eines lieben, wohlgebildeten Kindes erfreut hast. Wir bitten dich demütiglich, laß dir unſer Kindlein befohlen sein. Verleihe ihm die Gnade der heiligen Taufe und gieb, daß es in Gesundheit zu deinen Ehren aufwachse und in deiner Furcht und rechter Frömmigkeit bis ans Ende zunehme, daß du ein Wohlgefallen und wir eine selige Freude an demselben haben mögen und dich, unsern Herrn und Schöpfer, hier und dort ewiglich loben, ehren und preisen. Amen. Nach Minsinger. Taufgebete, s. Kirchenbuch, dritte Abteilung, I. Nr. 6. 6. Gebet für eine kinderlose Ehefrau. Herr, Herr, was willst du mir geben? Ich gehe dahin ohne Kinder. Ach, mein Gott, ich sehe, wie du andern den Ehesegen in reichem Maße zuteilst, aber mir hast du denselben bisher vorenthalten und nicht gegeben. Herr, Herr, laß mich dies doch mit christlicher Gelassenheit als deinen gnädigen Willen geduldig aufnehmen. Ich weiß, du bist ein allmächtiger Gott, der mir wohl Kinder geben kann, wenn er will. Ich weiß auch, daß du mein gnädiger Gott bist, der mich liebt und mir seine Gnade noch nie versagt hat. Darum will ich mich geduldig auch hierin deinem Willen unterwerfen. Du weißt am besten, warum du mir diesen Segen noch nicht beschert hast. Sollte ich etwa zu schwach in der Geburt, zu träg in der Erziehung der Kinder, oder zu niedergeschlagen im Kinderkreuz sein, so erkenne ich daraus deine Güte, 158 Erster Teil: Das Hausbuch. die meiner schonen und mich nicht über Vermögen versuchen lassen will. Giebst du mir aber nicht die Kinderfreude, so sei du selbst desto mehr meine Freude. Hilf, daß ich im Glauben an dich, in der Liebe gegen meinen Nächsten, in der Heiligung des Lebens bleibe und in Zucht und Ehrbarkeit vor jedermann wandle. Bewahre mein Herz vor Neid, Argwohn, Ungeduld, Mißvergnügen gegen meinen Ehegatten, daß ich ihn gleichwohl herzlich liebe. Wäre es dein Wille, daß ich nur eine Zeit lang warten und du mich dennoch zu einer fröhlichen Mutter machen willst, so überzeuge mein Herz von diesem deinem gnädigen Wohlgefallen. Willst du mir aber keinen Erben geben, Herr, so laß das mein Erbe sein, daß ich deine Wege halte. Jesus soll meines Herzens Trost und mein Heil sein und um seinetwillen hilf mir, desto mehr Liebe und Barmherzigkeit an armen und verlassenen Kindern erweisen, dieselben zu kleiden und zu versorgen. Herr, ich habe mein Herz vor dir ausgeschüttet, ach, schicke alles, wie es mir selig und dir wohlgefällig ist. Gieb, daß ich meine Seele in Geduld fasse, bis du mir deine Hilfe erzeigen wirst. Amen. Joh. Friedr. Stark. 7. Gebet für betrübte Eltern über ihrem totgebornen Kinde. Ach, treuer Gott, barmherziger Vater, wir klagen dir unser betrübtes Leid, daß der bittere Tod unsre Hoffnung zu nichte gemacht. Ach, lieber Vater im Himmel, wir haben dir unser Kindlein, da es sich noch unter dem Herzen der Mutter gereget, treulich befohlen und im Gebet übergeben, darum glauben wir, du hast seine Seele zu Gnaden angenommen. Hilf, lieber Vater, daß wir dies schwere Kreuz durch deines Geistes Hilfe und Trost geduldig tragen und der Hoffnung leben, wir werden unser Kindlein bei dir selig wiederfinden. Stärke mein liebes Weib nach Leib und Seele und laß sie ihre Freude und Trost an deinem lieben Sohne haben, der im Tode helfen kann denen, die ihm durch das Gebet zugetragen und befohlen werden, hochgelobet in Ewigkeit. Amen. Joh. Mathesius. 2. Gebete für besondere Lagen und Fälle.- Ehestandsgebete. 159. 8. Gebet eines Hausvaters, dem sein Weib in Kindesnöten gestorben ist. 116 Lebendiger Gott, du Tröster aller Betrübten, ich habe meinen liebsten Schatz auf Erden in Kindesnöten verloren, denn du hast ein Stück von meinen Herzen hinweggerissen. Doch glaube ich, solches ist nicht ohne dein Wissen und Wohlgefallen geschehen. Du hast sie mir gegeben und eine Zeit lang gelassen,- und nun wieder zu dir genommen, wie sie deinen Sohn erkannt und angerufen hat. Tröste mich trauernden und elenden Witwer, hilf mir mein Leid tragen und meine kleinen Kinder erziehen, und schicke ein seliges Stündlein, daß ich und die Meinen bald vor deinem Angesicht in neuer Freude und ewiger Liebe zusammenkommen, der du aus Leid ewige Freude und Wohlgefallen machen kannst, hochgelobet in Ewigkeit. Amen. Joh. Mathesius. 9. Gebet für einen betrübten Witwer. Ach, gütiger Gott, du hast mich die Zeit meines Lebens schon viele und große Angst erfahren lassen, aber jetzt kommt das rechte Herzeleid, da du mir meinen besten und liebsten Schatz auf Erden, meine liebe Ehefrau, genommen und mich in den traurigen Witwerstand gesetzt hast. Darum ist auch mein Herz betrübt und meine Augen sind finster geworden. Ach, was bin ich doch für ein elender Mann, wie ist mir so herzlich wehe. Ach, Herr, laß mich bedenken, daß wir sterben müssen und unser Leben ein Ziel hat und wir davon müssen. Stärke mich im Glauben an die Auferstehung der Toten, auf daß ich nicht traurig sei, wie die andern, die keine Hoffnung haben. Hilf mir, diesen Todesfall für deinen väterlichen, wohlmeinenden Willen annehmen und mit dem lieben Hiob lernen sagen: Der Herr hats gegeben, der Herr hats genommen, der Name des Herrn sei gelobt. Amen. Georg Zeämann. 10. Gebet einer betrübten Witwe. Barmherziger Gott, du hast mich nach deinem heiligen Willen sehr betrübet, indem du mich zur Witwe gemacht, daß 160 Erster Teil: Das Hausbuch. ich nun von der Welt verlassen bin und gleichsam ein zweischneidiges Schwert durch meine Seele dringet. Ach, nun ist meine Sonne bei hohem Tage untergegangen, daß beides, mein Ruhm und meine Herzensfreude ein Ende hat; ja, die Krone meines Hauptes ist abgefallen, mein Reigen ist in Wehe und Klage verkehret. Dieweil du dich aber, lieber Herr, einen Richter der Witwen nenneſt, und die Witwe, wenn sie klaget, nicht verachteſt, auch ihre Thränen zu dir schreien, so habe ich meine Zuflucht allein zu dir, Herr, und bitte dich herzlich, du wollest deine Hilfe zu mir neigen und meine Not dir zu Herzen gehen lassen. Wende dich zu mir und sei mir gnädig, denn ich bin einsam und elend, die Angst meines Herzens ist groß, führe mich aus meinen Nöten. Erzeige dich gegen mich als der rechte Helfer und gegen meine armen Waislein, als der rechte Vater. Denn auf Menschen Hilfe ist sich nicht zu verlassen. Darum ergebe ich mich dir ganz und gar, laß mich deinem väterlichen Schuhe befohlen sein und laß meinen Funken nicht gar auslöschen. Siehe, hier bin ich, lieber himmlischer Vater, und die Kinder, die du mir gegeben hast. Hilf du, Herr, schüße du, versorge du, segne du mich, ich kann mir selbst weder raten noch helfen. Das weiß ich aber fürwahr: wer Gott dienet, der wird nach der Anfechtung getröstet und aus der Trübsal erlöset und nach der Züchtigung findet er Gnade; denn nach dem Ungewitter läsfest du die Sonne wieder scheinen und nach dem Weinen überschüttest du uns mit Freuden. Beschere mir ein Stück Brots und weise mir getreue Leute, die sich mit Rat und That meiner annehmen, gleichwie du in der großen Teuerung die Witwe zu Sarepta versorgt und ihr den Propheten Elias zugeschickt hast. Insonderheit aber regiere mich mit deinem heiligen Geiste, daß ich in aller Not meine Hoffnung auf dich, den lebendigen Gott, setze und mit dem Gebet Tag und Nacht anhalte. Desgleichen, daß ich mich eines gottseligen, keuschen, züchtigen, eingezogenen Lebens und Wandels befleißige, auf daß ich nicht mit Geberden, Worten und Werken jemand Ärgernis gebe und Sünde auf mich lade 3. Lektionarium.- Unterricht über den Verlauf des Kirchenjahres. 161 und also lebendigtot erfunden werde, sondern mich also verhalte, daß niemand von mir übel rede. Behüte mich vor den Lügenmäulern und falschen Zungen. Sei mir gnädig, Herr, sei mir gnädig, denn ich bin einsam und elend. Die Angst meines Herzens ist groß. Erbarme dich meiner um Jesu Christi, deines lieben Sohnes willen. Amen. Georg Zeämann. Dritte Abteilung. Lektionarium für alle Tage des Kirchenjahres samt den auf die kirchlichen Beiten bezüglichen Gebeten, nebst zwei Anhängen, die Leidensgeschichte unsers Herrn Jesu Christi und die Geschichte der Zerstörung Jerusalems enthaltend. Unterricht über den Verlauf des Kirchenjahres und Bemerkungen über das Lektionar. Das ganze Kirchenjahr teilt sich in zwei Hälften, nämlich die festliche und die festlose Hälfte. Die Erstere umfaßt die Zeit vom 1. Adventsonntage bis zum Trinitatisfeste, und die Letztere reicht vom Trinitatisfeste bis zum Schlusse des Kirchenjahres. In der festlichen Hälfte unterscheidet man wieder drei große Kreise: den Weihnachtskreis, Osterkreis und Pfingstkreis. Diese drei Feste, Weihnachten, Ostern und Pfingsten, heißen hohe Feste. Auch äußerlich werden sie von den übrigen Festen durch zweioder mehrtägige Feier ausgezeichnet. Jedes dieser drei hohen Feſte bildet den Mittelpunkt des betreffenden Kreises. Jedem geht eine Vorfeier voran und folgt eine Nachfeier. Die Vorfeier vor Weihnachten ist die heilige Adventszeit. Advent bedeutet ,, Ankunft", nämlich die Ankunft Christi. Die heilige Christenheit gedenkt in dieser Zeit erstens an das Kommen ihres Heilands ins Fleisch, zweitens an sein Kommen zum Gericht, drittens an sein Kommen in die Herzen der Menschen durch Wort und Sakrament. Die Adventszeit ist einesteils eine ernste Bußzeit, denn wahre Buße in Erkenntnis der Sünde, Leidtragen über die Sünde und Ablassen von der Sünde ist die rechte Rüstung auf das kommen des Herrn Jesu, andernteils eine fröhliche Warte= Allgemeines Gebetbuch. 11 162 Erster Teil: Das Hausbuch. zeit, denn eine gläubige Seele freut sich hoch, daß der Heiland Jesus Christus kommen und den Trost seiner Gnade in Vergebung der Sünden bringen will. Das Weihnachtsfest wird von der Christenheit zum Gedächtnis an die gnadenreiche Geburt des Herrn Jesu Christi in Bethlehem gefeiert. Sie singt Gottes Lob und Preis über diesem kündlich großen Geheimnis der Menschwerdung des Sohnes Gottes. Die Nachfeier des heiligen Weihnachtsfestes umfaßt erstens das Fest der Beschneidung Christi, wegen des damit zusammenfallenden Anfangs des bürgerlichen Jahres auch Neujahrstag genannt, acht Tage nach Weihnachten. Zweitens das Epiphaniasoder Erscheinungsfest, zum Gedächtnis an das kommen der Weisen aus dem Morgenlande, und drittens die Epiphaniassonntage. Das Erscheinungsfest wird vom christl. Volke oft auch das Fest der heiligen drei Könige genannt, weil nach der christl. Sage jene Weisen aus dem Morgenlande, welche den neugebornen König der Juden anbeten wollten, drei Könige gewesen sein sollen. Auch heißt dasselbe ,, das hohe oder große Neujahr", im Unterschied vom kleinen Neujahr", dem 1. Januar. Mit diesem Tage beginnt ein neues bürgerliches oder Sonnenjahr, aber der 6. Januar, das Hoheneujahr, bezeichnet den Anfang des großen Gnadenjahres, darinnen Christus, die Sonne der Gerechtigkeit( Jef. 9, 2 u. Mal. 4, 2), aller Welt aufgehen und seinen Gläubigen leuchten will bis in Ewigkeit. Mit dem letzten Sonntag nach dem Feste der Erscheinung schließt der Weihnachtskreis. Es folgt der Osterkreis. Dem Osterfeste geht die vierzigtägige Fastenzeit voraus. Da man aber jeden Sonntag als einen Bruder des Ostertages, als einen Freudentag ansah, an welchem man nicht fasten, weil nicht traurig sein konnte, so mußte man statt der sechs Fastensonntage sechs andre Tage zugeben und die Fastenzeit nicht vierzig, sondern sechsundvierzig Tage vor Ostern, also mit dem Aschermittwoch* beginnen. Im Morgenlande mußte man noch mehr Tage zulegen. Dort war der Donnerstag als Einsehungstag des heiligen Mahles und ebenso der Sonnabend als alttestamentlicher Sabbath und Bruder des Sonntags vom Fasten ausgenommen, und es wurde daher die Fastenzeit bereits siebzig Tage oder * Der Name schreibt sich her von einem Gebrauche, der aus dem 12. Jahrh. stammt und in der röm. Kirche noch üblich ist, daß nämlich an diesem Tage von dem Priester geweihete Asche an die in der Kirche Versammelten verteilt wird mit den Worten: Gedenke, daß du Asche bist und wieder zur Asche werden wirst. 3. Lektionarium. Unterricht über den Verlauf des Kirchenjahres. 163 zehn Wochen vor Ostern begonnen. Von diesen siebzig Tagen waren zehnmal drei vom Fasten befreit, die übrigen vierzig galten als vierzigtägige Fastenzeit. Daraus erklären sich die Namen der Sonntage, welche in die Vorfeier von Ostern fallen. Der erste ist der Sonntag Septuagesima, d. h. der Siebzigste, welchem sich die Sonntage Sexagesima, d. h. der Sechzigste und Quinquagesimä, d. h. der Fünfzigste, oder auch Estomihi, d. h. ,, Sei mir"( nach dem Wort Pf. 71, 3: ,, Sei mir ein starker Hort 2c.") anschließen. Mit Ascherwittwoch beginnt, wie schon erwähnt, die vierzigtägige Fastenzeit, welche wir Lutherischen lieber die Passions- oder Leidenszeit nennen, weil sie zum Gedächtnis an das bittre Leiden unfres Herrn Jesu Christi, und die darum vornehmlich als eine Bußzeit zu begehen ist, denn das Leiden Christi ist um unsrer Sünden und Missethaten willen geschehen, und nichts kann und soll uns so zur göttlichen Traurigkeit über unsre Sünden und zum heiligen Entschluß, ihnen zu entsagen, bewegen, als der Anblick unsres gefreuzigten Heilandes. Die Sonntage der Passionszeit haben besondre Namen, weiche von den Schriftworten hergenommen sind, mit welchen ehedem der Gottesdienst an diesen Sonntagen eingeleitet wurde. Die Namen sind folgende: Invocavit, d. h. ,, Er ruft mich an" nach Ps. 91, 15. Reminiscere, d. h. ,, Gedenke“ nach Pf. 25, 6. Oculi, d. h. ,, Die Augen" nach Pf. 25, 15. Lätare, d. h. Freue dich" nach Jes. 66, 10. Judica, d. h. ,, Richte" nach Pf. 43, 1. Palmarum, d. h. der Palmensonntag, an welchem Christus seinen Einzug in Jerusalem hielt, wobei das Volk Palmenzweige auf den Weg streute. Mit diesem Sonntage beginnt die sogenannte große Leidenswoche, die Kar- oder Trauerwoche, in welcher jeder Tag, ja faſt jede Stunde ihre Geschichte hat. So bezeichnet man den Mittwoch gewöhnlich als den Tag, an welchem Judas die dreißig Silberlinge empfing, für welche er seinen Herrn verriet. Vorzugsweise aber wird erstens der Gründonnerstag* zum Gedächtnis an die Stiftung des heiligen Abendmahls und zweitens der Karfreitag als * Woher der Name stammt, ist zweifelhaft. Einige wollen ihn von P₁. 23, 2 herleiten. 11* 164 Erster Teil: Das Hausbuch. der Todestag des Herrn Jesu gefeiert. Der folgende Sonnabend heißt der stille Sonnabend. Die Christenheit gedenkt da der Grabesruhe ihres Heilandes. Die alte Kirche wählte diesen Tag gern zum Tauftag, vergl. Röm. 6, 4. Ostern feiern wir als das Fest der Auferstehung des Herrn Jesu Christi von den Toten, und haben wir zu Weihnachten die Liebe des Vaters gepriesen, der seinen einigen geliebten Sohn in diese sündige Welt gesendet, so singen wir zu Ostern von dem herrlichen Sieg und Triumph des Sohnes Gottes über Sünde, Tod und Teufel. Die Nachfeier von Ostern umfaßt die vierzig Tage von der Auferstehung bis zur Himmelfahrt, innerhalb welcher Zeit der Auferstandene des öftern seinen Jüngern erschienen ist. Osterfreude und Osterjubel klingen fort in dieser Zeit. Auch die in diese Nachfeier fallenden Sonntage haben besondre Namen, welche, ebenso wie bei den Sonntagen der Passionszeit, von den Schriftworten hergenommen sind, mit denen der Gottesdienst eingeleitet wurde. Die Namen sind folgende: Quasimodogeniti, d. h. ,, als die Neugebornen" nach 1 Petri 2, 2. Misericordias domini, d. h. ,, die Barmherzigkeit( Gnade) des Herrn" nach Ps. 89, 2. Jubilate, d. h. Jauchzet" nach Pf. 66, 1. Cantate, d. h. ,, Singet" nach Ps. 96, 1. Rogate, d. h. ,, Bittet" nach Matth. 7, 7. Der Sonntag Quasimodogeniti wurde in der alten Kirche dominica in albis d. h. der weiße Sonntag genannt, weil die zu Ostern getauften Christen( ,, als die eben erst gebornen Kindlein" 1. Petr. 2, 2) in den weißen Taufkleidern noch einmal in der Kirche zusammen erschienen. Auf den Donnerstag nach Rogate fällt das Himmelfahrtsfest, mit welchem der Osterkreis seinen Abschluß findet. Es folgt der Pfingstkreis. Das Pfingstfest, als das Gedächtnis an die Ausgießung des heiligen Geistes, hat nur eine kurze Vorfeier. Sie umfaßt die zehn Tage von Himmelfahrt bis Pfingsten und soll eine ernste Gebets- und Wartezeit für die Christenheit sein( Apostelgesch. 1, 14), sich zu rüsten auf das Kommen des heiligen Geistes. Der in diese Vorfeier fallende Sonntag heißt Exaudi, d. h. ,, Erhöre" nach Pf. 27, 7. 3. Lektionarium.- Unterricht über den Verlauf des Kirchenjahres. 165 Die Nachfeier des Pfingstfestes ist das Trinitatisfest, d. h. das Fest der heiligen Dreieinigkeit, acht Tage nach Pfingsten. Mit Recht hat man Weihnachten das Fest des Vaters, Ostern das Fest des Sohnes, und Pfingsten das Fest des heiligen Geistes genannt. Diese drei hohen Feste verkündigen uns die Heilsthatsachen, in welchen vornämlich Gott sich als der dreieinige geoffenbart hat, und darum begeht die Christenheit nach Pfingsten das Trinitatisfest zum Preise des dreieinigen Gottes. Nun beginnt die zweite- die festlose Hälfte des Kirchenjahres. Man nennt sie so, weil in dieselbe nur sehr wenige und zwar Feste zweiten Ranges fallen, so erstens das Johannisfest, der 24. Juni, zum Gedächtnis an die Geburt Johannis des Täufers, zweitens das Fest Mariä Heimsuchung, d. h. des Besuchs der Maria bei Elisabeth, der 2. Juli, drittens das Michaelis- oder Engelfest, der 29. September, welches seinen Namen von Michael, einem der Engelfürsten( Offenb. 12, 7; Dan. 10, 13. 12, 1) trägt und als ein Dankfest gefeiert wird für den Schuß und Beistand der heiligen Engel, den Gott seinen Gläubigen gewähren will, viertens das Reformationsfest, der 31. Oktober, zum Gedächtnis an die Erneuerung der christlichen Kirche durch Dr. Martin Luther, fünftens das Erntedankfest und sechstens das Kirchweihfest. Die lange Trinitatiszeit ist dazu bestimmt, daß die Gläubigen sich immer mehr in die großen Heilsthaten Gottes vertiefen und die darin geoffenbarten göttlichen Gnaden erfassen, um sich dadurch auch zur Bethätigung ihres Glaubens zu ermuntern und ermuntern zu lassen. Der Trinitatissonntage kann es 27 geben. Die größere oder geringere Anzahl derselben hängt von der Osterfeier ab. Denn Ostern ist ein sogenanntes bewegliches Fest, d. h. es wird nicht auf einen beſtimmten Monatstag gefeiert, wie z. B. Weihnachten, welches stets auf den 25. Dezember fällt, sondern die Feier des Osterfestes wird nach dem Mondlauf bestimmt. Schon in der ersten christlichen Zeit bildete sich eine Verschiedenheit in betreff der Osterfeier heraus. Viele der morgenländischen Gemeinden hielten für ihre Osterfeier den Tag der jüdischen Passahfeier, den 14. Nisan( d. i. der jüdische Passahmonat, etwa unserm April entsprechend) fest, gleichviel welcher Wochentag es auch sein mochte. Andre, besonders die abendländischen Gemeinden, banden sich nicht an diesen Tag. Sie hielten die Fastenzeit und feierten dann den Todestag des Herrn stets Freitag und 166 Erster Teil: Das Hausbuch. den Oſtertag stets am Sonntag darnach. Die erste christliche Kirchenversammlung zu Nicäa im Jahre 325 n. Chr. machte dieser Verschiedenheit ein Ende. Jene an den jüdischen Gebrauch sich anlehnende Osterfeier gab man auf und behielt die in den abendländischen Gemeinden schon übliche Weise bei. Der Bischof von Alexandria wurde beauftragt, den Termin der Osterfeier zu berechnen und durch ein Rundschreiben bekannt zu machen. Seitdem wird Ostern stets auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmonde gefeiert, und weil nun der Eintritt desselben innerhalb der Tage vom 22. März bis 25. April schwanken kann, so schwankt auch der Sonntag der Osterfeier, und man nennt deswegen Ostern ein bewegliches Fest. Fällt nun Ostern zeitig, so muß auch die Vorfeier vor Ostern zeitiger beginnen, und es wird dann die Zahl der Epiphaniassonntage gekürzt, wogegen die Zahl der Trinitatissonntage größer wird. Fällt hingegen Ostern später, so vermehrt sich die Zahl der Epiphaniassonntage und verringert sich die Zahl der Trinitatissonntage. Für den Sonntag mag man bei der Hausandacht morgens die Perikopen, Epistel und Evangelium, und abends einen der Psalmen brauchen, welche für jeden Sonn- oder Festtag im Anschluß an das Sonntagsevangelium oder die Bedeutung des Festtages und der kirchlichen Zeit ausgewählt sind. Durch das ganze Kirchenjahr hindurch findet an den Wochentagen sogenannte lectio continua d. h. fortlaufende, zusammenhängende Schriftlektion statt.- Die Morgenlektionen sind mit wenigen Ausnahmen dem alten Testamente entnommen und ist dabei der Zweck, die Geschichte der Väter und des Volkes Israel im Zusammenhange vorzuführen. Es schien entsprechend, gleich mit dem Beginn des Kirchenjahres anzufangen, die Bibel von vorn zu lesen. An der Geschichte der Schöpfung des Menschen, des Sündenfalles und des immer größer werdenden sündlichen Verderbens in der Welt werden die herrlichen Verheißungen von dem fünftigen Heiland und Messias, deren man in der Adventszeit doch besonders gedenken soll, um so verständlicher. Die erste Abendlektion, Hab. 2, hat den Sinn, zu gläubigem Warten und Harren auf die Erfüllung aller göttlichen Verheißungen aufzufordern. Die zweite Abendlektion aus Spr. Sal. 8 steht im Zusammenhange mit der Morgenlektion von der Schöpfung der Welt und des Menschen und weist auf die ewige Weisheit Gottes hin, durch welche das alles geschaffen worden, und die sich dann in der Person des menschgewordenen Gottessohnes 3. Lektionarium.- Unterricht über den Verlauf des Kirchenjahres. 167 unter den Menschen geoffenbart hat. Mit dem dritten Abend beginnt die Lektion des Propheten Jesaias. An der Klage über den Abfall derer, welche Gott als seine Kinder auferzogen, heben sich um so leuchtender die herrlichen Heilsverheißungen hervor, welche Gott durch den Mund gerade dieses Propheten hat reden lassen. Der zweite Advent hat von Alters her die Bedeutung, an die Wiederkunft des Herrn zum Gericht zu mahnen. In der Zeit von Neujahr bis Ostern finden sich für die Abendlektionen zwei Evangelien eingestellt, weil es dieser Zeit des Kirchenjahres entsprechend ist, das Leben des Herrn Jesu sich vorzuführen, während die Briefe der Apostel lieber der Trinitatiszeit zugewiesen werden. Für die Passionszeit ist der Brief an die Hebräer gewählt, welcher so gewaltig von der Person und dem Amte unsers Hohenpriesters Jesus Christus redet. In der Karwoche ist Gelegenheit gegeben, entweder aus dem alten Testament Weissagendes auf das Leiden und Sterben des Herrn Jesu Christi, oder die Leidensgeschichte nach allen vier Evangelien zu lesen. Will jemand während der ganzen Passionszeit die Leidensgeschichte brauchen, so findet er dieselbe am Schluß des Lektionars zusammengestellt und auf die einzelnen Tage verteilt. Die letzten vier Trinitatissonntage habe ihre besondere Beziehung auf die sogenannten„ letzten Dinge": Tod, Ewigkeit, Auferstehung und letztes Gericht, Verdammnis und Seligkeit. In den neutestamentlichen Lektionen finden sich diese Wahrheiten ausgesprochen und auch in den alttestamentlichen Schriftabschnitten wird man genug Beziehungen darauf finden. Bei der Auswahl und Aufeinanderfolge der apostolischen Briefe hat neben anderem auch die Rücksicht auf die Sonntagsepisteln mitbestimmend eingewirkt. Es mußte möglichst vermieden werden, daß die Briefe, aus denen zu irgend einer Zeit vorzugsweise Perikopen genommen sind, nicht zu derselben Zeit auch zu den Wochenlektionen gebraucht würden. Diesen Gesichtspunkt mögen diejenigen nicht aus den Augen verlieren, die in Bezug auf die Verwendung der einzelnen biblischen Bücher vielleicht anderer Meimung sind. Überhaupt ist das dargebotene Lektionar nicht als ein bindendes Gesetz, sondern nur als ein Vorschlag anzusehen, wie man etwa die heilige Schrift während des Kirchenjahres gebrauchen kann. Wer in der Bibel heimisch ist, mag sich wohl auch selbst eine Ordnung machen. Die beigefügte Lesetafel auf Grund des hannöverschen Lektionars bietet eine entsprechende Abwechslung. Erster Teil: Das Hausbuch. Jedem Hausvater dürfte zu empfehlen sein, daß er die Lektionen erst für sich einmal durchliest, ehe er sie bei der gemeinsamen Hausandacht verwendet. Es kann sein, daß hier und da einmal ein Wort, oder ein oder etliche Verse darin vorkommen, welche sich wohl für die Privatlektion, aber nicht gerade für die ganze Hausgemeinde eignen. Es ist nicht möglich, dies alles von vornherein im Lektionar zu bemerken und muß dabei auf das taktvolle Verständnis des Hausvaters gerechnet werden. Ebenso kann es sein, daß zuweilen die Lektionen etwas lang erscheinen. Auch da ist es Sache des Hausvaters, zu prüfen, ob und was sich an den Lektionen etwa fürzen läßt, falls eine Kürzung notwendig erscheinen sollte. Etwas darzubieten, was für alle und unter allen Umständen paßt, ist unmöglich. Jeder muß selbst zusehen, was ihm und den Seinen dienlich und nötig ist und darnach seine Wahl treffen. 168 I. Die festliche Hälfte des Kirchenjahres. A. Der Weihnachtskreis. a) Die Vorfeier. Die Adventszeit. Am ersten Sonntage des Advents. Kollekte. O milder Gott, der du dein ewiges Wort der Menschen Natur haft lassen an sich nehmen vom reinen Leib der Jungfrau Maria, verleihe deinen Auserwählten, Abschied zu geben den fleischlichen Lüsten, auf daß sie alle deiner Heimsuchung stattgeben. Durch denselben deinen lieben Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn, der mit dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Epistel: Röm. 13, 11-14. Weil wir solches wissen, nämlich die Zeit, daß die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf; sintemal unser Heil jetzt näher ist, denn da wirs glaubten; die Nacht ist vergangen, der Tag aber herbei kommen; so laßt uns ablegen die Werke der Finsternis und 3. Lektionarium.- A. Der Weihnachtskreis. 1. Advent. 169 anlegen die Waffen des Lichtes. Lasset uns ehrbarlich wandeln, als am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Kammern und Unzucht, nicht in Hader und Neid; sondern ziehet an den Herrn Jesum Christ und wartet des Leibes, doch also, daß er nicht geil werde. Evangelium: Matth. 21, 1-9. Da sie nun nahe bei Jerusalem kamen gen Betphage an den Ölberg, sandte Jesus seiner Jünger zween, und sprach zu ihnen: Gehet hin in den Flecken, der vor euch liegt, und bald werdet ihr eine Eselin finden angebunden und ein Füllen bei ihr; löset sie auf und führet sie zu mir. Und so euch jemand etwas wird sagen, so sprechet: Der Herr bedarf ihrer; so bald wird er sie euch lassen. Das geschah aber alles, auf daß erfüllet würde, das gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: Saget der Tochter Zion: Siehe dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Efel und auf einem Füllen der lastbaren Eselin. Die Jünger gingen hin und thaten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und brachten die Esfelin und das Füllen, und legten ihre Kleider darauf und setzten ihn darauf. Aber viel Volfs breitete die Kleider auf den Weg; die andern hieben Zweige von den Bäumen und streueten sie auf den Weg. Das Volk aber, das vorging und nachfolgte, schrie und sprach: Hosianna dem Sohne Davids; gelobet sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, Hosianna in der Höhe! Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott, der du durch deine Gnade uns abermals ein neues Kirchenjahr haft anheben lassen, gieb auch darin deiner Kirche deinen Geist und göttliche Weisheit, daß dein Wort unter uns laufe und wachse, mit aller Freudigkeit, wie sichs gebührt, geprediget und also deine heilige christliche Kirche erhalten und gebessert werde, auf daß wir mit beständigem Glauben dir dienen und im Bekenntnis deines Namens bis an unser Ende verharren, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Kursächs. Agende. Ewiger, wahrhaftiger und barmherziger Gott, wir danken deiner Gnade, daß du uns deinen Sohn nach deiner gnädigen Verheißung ins Fleisch gesandt, und zu unserm König, Heil und Gerechtigkeit gemacht hast, und mit ihm in unsre Kirche 170 Erster Teil: Das Hausbuch. und Herz durch dein Wort und Geist kommen bist. Und bitten deine milde Güte, du wollest dir eine heilige Wohnung in unsern Herzen machen und in dieser letzten und argen Welt bei uns bleiben und uns an deinem Wort in wahrer Anrufung beständig erhalten, durch Jesum Christum, deinen eingebornen Sohn, unsern wahren Gott und Herrn. Amen. Joh. Mathesius. Psalm 24. Pf. 96. Wochenlektionen. Morgens. Mos. 2. M 1 Mos. 3. D 1 Mof. 4. M 1 Moj. 1. D 1 F 1 Mos. 6. S 1 Mos. 7. Abends. M Hab. 2. D Spr. Sal. 8, 11-36. M Jef. 1, 1-18. D Jes. 1, 19-31. F Jes. 2. S Jef. 3-4, 1. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Matth. 21, 1-9. M Röm. 13, 11-14. D 2ut. 17, 20-30. M ₁. 40, 6-18. D Offb. 1, 4-8. F 1 Mos. 3, 1-15. S Röm. 2, 12-24. Am zweiten Sonntage des Advents. Kollekte. Dewiger Gott, gnädiger Vater, der du deinen Sohn zum Richter der Lebendigen und Toten hast verordnet und willst deine Christenheit durch ihn am Ende der Welt aus allem Unglück erlösen: wir bitten deine milde Güte, du wollest diesen Tag unsrer Erlösung und seliger Hoffnung hereinbrechen lassen und uns aus diesem Jammerthal heimholen in das ewige Reich, daß du uns durch deinen Sohn von Anbeginn der Welt bereitet hast. Durch Jesum Christum, unsern einigen Erlöser, Heiland und Herrn. Amen. Epistel: Röm. 15, 4-13.( H. Hannover: Röm. 15, 1-13.) Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf daß wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben. Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, daß ihr einerlei gesinnet seid unter einander nach Jesu Christo; auf daß ihr einmütig= 3. Lektionarium. -- A. Der Weihnachtskreis. 2. Advent. 171 lich mit einem Munde lobet Gott und den Vater unseres Herrn Jesu Christi. Darum nehmet euch unter einander auf, gleichwie euch Christus hat aufgenommen zu Gottes Lobe. Ich sage aber, daß Jesus Christus sei ein Diener gewesen der Beschneidung um der Wahrheit willen Gottes, zu bestätigen die Verheißung, den Vätern geschehen. Daß die Heiden aber Gott loben um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben stehet: Darum will ich dich loben unter den Heiden und deinem Namen singen. Und abermal spricht er: Freuet euch, ihr Heiden, mit seinem Volk. Und abermal: Lobet den Herrn, alle Heiden, und preiset ihn, alle Völker. Und abermal spricht Jesaias: Es wird sein die Wurzel Jesse, und der auferstehen wird, zu herrschen über die Heiden, auf den werden die Heiden hoffen. Gott aber der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Friede im Glauben, daß ihre völlige Hoffnung habet durch die Kraft des heiligen Geistes. Evangelium: Luf. 21, 25-36. Und es werden Zeichen geschehen an der Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Leuten bange sein und werden zagen; und das Meer und die Wasserwogen werden brausen; und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden; denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolfe mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfähet zu geschehen, so sehet auf und hebet eure Häupter auf, darum, daß sich eure Erlösung nahet. Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Sehet an den Feigenbaum und alle Bäume, wenn sie jetzt ausschlagen, so sehet ihrs an ihnen und merket, daß jetzt der Sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr dies alles sehet angehen, so wisset, daß das Reich Gottes nahe ist; wahrlich, ich sage euch, dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis daß es alles geschehe. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht. Aber hütet euch, daß eure Herzen nicht beschweret werden mit Fressen und Saufen und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch: denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wacker allezeit und betet, daß ihr würdig werden möget, zu entfliehen diesem allen, das geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn. Gebet. Herr Gott, himmlischer Vater, der du durch deinen Sohn uns geoffenbaret hast, wie Himmel und Erden vergehen, unsre 172 Erster Teil: Das Hausbuch. Leiber wieder auferstehen und wir alle vor Gericht sollen gestellt werden, wir bitten dich, du wollest durch deinen heiligen Geist uns in deinem Wort und rechten Glauben bewahren, vor Sünden gnädiglich behüten und in aller Anfechtung erhalten, daß wir unsre Herzen mit Fressen und Saufen und Sorgen der Nahrung nicht beschweren, sondern allezeit wacker sein und beten, und in gewisser Zuversicht deiner Gnade die Zukunft deines Sohnes mit Freuden erwarten und durch ihn ewig selig werden, durch denselben deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Nürnberger Gebetbuch. 1613. P₁. 2. Ps. 98. Wochenlektionen. Morgens. M 1 Mos. 8. D 1 Mos. 9. M 1 Mos. 11, 1-9. D 1 Mos. 12. F 1 Mos. 13. S 1 Mos. 14. Abends. M Jes. 4. D Jef. 5. M Jes. 6. D Jes. 7. F Jes. 8. S Jes. 9. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Luf. 21, 25-36. M Röm. 15, 1-13. D Luf. 13, 18-30. M Jes. 55, 1-13. D Offb. 2, 1-7. F 1 Mos. 9, 1-19. S Röm. 3, 1-18. Am dritten Sonntage des Advents. Kollekte. O Herr, wir bitten, neige dein Ohr zu unsern Gebeten und erleuchte die Finsternis unsrer Herzen durch die Gnade deiner Heimsuchung, der du lebest und regierest mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes, wahrer Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Epistel: 1 Kor. 4, 1-5.(§. 1 Kor. 4, 1-7.) Dafür halte uns jedermann, nämlich für Christi Diener und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Nun sucht man nicht mehr an den Haushaltern, denn daß sie treu erfunden werden. Mir aber ♦ 3. Lektionarium. A. Der Weihnachtskreis. 3. Advent. 173 ists ein Geringes, daß ich von euch gerichtet werde, oder von einem menschlichen Tage; auch richte ich mich selbst nicht. Ich bin mir wohl nichts bewußt; aber darinnen bin ich nicht gerechtfertigt; der Herr ists aber, der mich richtet. Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr komme, welcher auch wird ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und den Rat der Herzen offenbaren; alsdann wird einem jeglichen von Gott Lob widerfahren. Evangelium: Matth. 11, 2-10. Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörete, sandte er seiner Jünger zween, und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Gehet hin und saget Johanni wieder, was ihr sehet und höret; die Blinden sehen, und die Lahmen gehen; die Aussäßigen werden rein, und die Tauben hören; die Toten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Und selig ist, der sich nicht an mir ärgert. Da die hingingen, fing Jesus an zu reden. zu dem Volke von Johanne: Was seid ihr hinaus gegangen in die Wüste zu sehen? wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her wehet? oder was seid ihr hinaus gegangen zu sehen? wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Oder was seid ihr hinaus gegangen zu sehen? wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist, denn ein Prophet. Denn dieser ist's, von dem geschrieben stehet: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll. Gebet. Herr Gott, himmlischer Vater, der du deinen Sohn als unsern Heiland in die Welt gesandt hast, der sich auch darinnen mit dem süßen Evangelio hat hören und mit großen Wunderthaten sehen lassen, daß wir an ihn glauben und durch den Glauben an ihn selig würden, wir bitten dich, gieb uns deinen heiligen Geist, daß wir in solchem Glauben, dazu du uns gebracht hast, nicht wanken, noch uns an deinem Sohne ärgern, sondern in demselben bis an unser Ende verharren und ewig selig werden, durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Kursächs. Agende. P₁. 45. Ps. 8. Erster Teil: Das Hausbuch. Wochenlektionen. Morgens. M 1 Mos. 15. D 1 Mos. 16, 1. 15. 16-17, 1-22. M 1 Mof. 18. D 1 Mos. 19, 1-29. F 1 Mos. 21, 1-21. S 1 Mos. 22, 1-19. 174 Abends. M Jef. 10, 1-19. D Jes. 10, 20-34. M Jef. 11. D Jes. 12. F Jef. 28. S Jef. 33. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Matth. 11, 2-10. M 1 Kor. 4, 1-7. D Joh. 12, 35-50. M( Bußtag) Luk. 3, 2-17. D Offb. 3, 1-13. F 1 Mos. 22, 1-18. S Röm. 10, 18-11, 6. Am vierten Sonntage des Advents. Kollekte. Lieber Herr Gott, wecke uns auf, daß wir bereit sind, wenn dein Sohn kommt, ihn mit Freuden zu empfangen und dir mit reinem Herzen zu dienen, durch denselben deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Epistel: Phil. 4, 4-7.( S. Phil. 4, 4-9.) Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermal sage ich: Freuet euch. Eure Lindigkeit laffet fund sein allen Menschen. Der Herr ist nahe. Sorget nichts, sondern in allen Dingen lasset eure Bitte im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden. Und der Friede Gottes, welcher höher ist, denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christo Jesu! Evangelium: Joh. 1, 19-28.( H. Joh. 1, 19-34.) Dies ist das Zeugnis Johannis, da die Juden sandten von Jerusalem Priester und Leviten, daß sie ihn fragten: Wer bist du? Und er bekannte und leugnete nicht; und er bekannte: Ich bin nicht Christus. Und sie fragten ihn: Was denn? Bist du Elias? Er sprach: Ich bins nicht. Bist du ein Prophet? Und er antwortete: Nein. Da sprachen sie zu ihm: Was bist du denn? daß wir Antwort geben denen, die uns gesandt haben. Was sagst du von dir selbst? Er sprach: Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Richtet den Weg des Herrn, wie der Prophet Jesaias gesagt hat. Und die gesandt waren, die waren von den Pharisäern, - 3. Lektionarium. 175 und fragten ihn und sprachen zu ihm: Warum taufest du denn, so du nicht Christus bist, noch Elias, noch ein Prophet? Johannes antwortete ihnen und sprach: Ich taufe mit Wasser; aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennet. Der ist's der nach mir kommen wird, welcher vor mir gewesen ist, deß ich nicht wert bin, daß ich seine Schuhriemen auflöse. Dies geschah zu Bethabara, jenseit des Jordans, da Johannes taufete. A. Der Weihnachtskreis. 4. Advent. Gebet. Ewiger Gott, gnädiger Vater, wir danken dir, daß du uns deinen Sohn in die Welt sendest, und machst ihn um unsertwillen zum Hohenpriester, Schlachtlämmlein und Gnadenthron, wie uns St. Johannis Zeugnis lehrt, und bitten deine milde Güte, du wollest uns um deines Sohnes Opfer und Fürbitte willen gnädig sein und uns mit seinem Blut besprengen, und aus seiner Fülle Fried und Freude und ewiges Leben nehmen lassen, durch Jesum Christum, den wahren Gott, unsern ewigen Mittler und Herrn. Amen. Joh. Mathesius. Pf. 132. Pf. 110. Wochenleftionen. Morgens. M Jerm. 33, 14-22. D Hesef. 34, 11-24. M Pf. 89, 1-15. D f. 89, 16-38. F Sach. 6, 9-15. S Sach. 9, 9-17. Abends. M Jef. 40, 1-11( 1-31). D Jef. 42, 1-16. M Jef. 55. D Jes. 61. F Jerem. 31, 1-26 oder Amos 9. S Hos. 6, 1-6 oder Micha 7. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Joh. 1, 19-34. M Phil. 4, 4-9. D Matth. 11, 11-19. M( 24. Dez. morg.) Offb. 3, 14-22. D( 1. Chriftt.) Suf. 2, 1-20. F( 2. Christt.) Joh. 1, 1-18. S Tit. 2, 11-14. Gebete für die Adventszeit. 1. Lieber Gott, behüte uns und gieb uns deine Gnade, daß wir das Häuflein sind, die Christum gern wollen annehmen und 176 Erster Teil: Das Hausbuch. singen: Hosianna, Gott sei gelobt, daß wir diesen König haben und Christen sind und heißen; wir wissen, warum wir also heißen, nämlich von unserm König Christo, daß wir in seinem Namen getauft und in seinem Blut gewaschen sind; hilf daß wir dabei bleiben. Amen. Dr. M. Luther. 2. Herr, himmlischer Vater, wir danken dir von Herzen, daß du uns armen Sündern zu Trost deinen Sohn Jeſum Christum in diese Welt gesandt hast, daß er ein gerechter König und Heiland sein, sein Volk von Sünden erlösen und aus des Teufels Tyrannei und dem ewigen Tode erretten sollte. Wir bitten dich von Herzen, du wollest uns durch deinen heiligen Geist also erleuchten, regieren und führen, daß wir diesen gerechten König und Heiland wahrhaftig erkennen, uns an ihn allein halten und an seiner geringen Gestalt und vor der Welt verachtetem Worte und Reiche nicht ärgern, sondern in rechtem Vertrauen auf ihn ewig selig werden mögen. Durch denselben, deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Brandenburger Betbuch. 3. Herr Christe, heut freuet sich billig die ganze werte Christenheit, weil sie deinen heiligen Advent feierlich( feſtlich) begeht. Die liebe Kirche jauchzt als deine Braut, weil du, ihr lieber himmlischer Bräutigam, zu ihr kommst. Wir armen irrenden Schäflein springen vor Frohlocken, daß du, o Hirt und Bischof unsrer Seelen, mitten unter uns deine gnädige Gegenwart sehen läsfest. Wir Kranken freuen uns, weil du uns besuchest, o heilsamer Arzt aller Menschen. Wir Armen jubeln, weil du, obwohl ein reicher Herr, dennoch so brüderlich mit großen herrlichen Geschenken bei uns einkehrst. Ach, Herr, weiche nicht von uns mit deiner Gnade, laß uns die Zeit deiner gnädigen Heimsuchung dankbar erkennen und uns deine Zukunft stets gnadenreich und heilsam sein. Komm täglich zu uns in unsre Kirchen, in unsre Schulen, auf unsre Rathäuser und in 3. Lektionarium.- A. Der Weihnachtskreis. Gebete f. d. Adventszeit. 177 unsre Wohnungen mit deinem reinen Wort, mit deinen heiligen Sakramenten, mit deiner Weisheit, mit Beistand, Glück, Segen und Gnade. Ja, weil du bereits in unsre Herzen kommen bist, wie wir denn solches durch unfehlbares Zeugnis deines heiligen Geistes zu großem Trost empfinden, so laß uns deiner nie wieder ledig und ohne Trost erfunden werden. Endlich weil du einmal kommen wirst zu richten die Lebendigen und die Toten, so regiere uns, daß wir uns bereiten und unsern Lauf also beschließen, daß wir deine Zukunft mit Freuden erwarten und dich nicht als einen gestrengen Richter, sondern als einen freundlichen Erlöser anschauen und Erben deines Reiches werden mögen. Amen. Sigm. Schererß. Lüneburgisches Handbuch. 1652. 4. Herr Gott, himmlischer Vater, wir danken deiner Gnade, daß du uns deinen Sohn gesandt hast und ihn gesetzt zum König der Gerechtigkeit und zu unserm Heiland und Erlöser, der uns aus dem Reiche der Finsternis errette und uns Gerechtigkeit, Heil und Seligkeit verleihe. Wir bitten dich aber auch, erleuchte uns in seiner Erkenntnis und stärke uns im rechten, wahren, christlichen Glauben, daß wir ihn für unsern König und Seligmacher halten, annehmen und loben und mit unsern Gaben und Kräften, mit allem, was wir von dir Gutes haben und vermögen, ihm unterthan sein und dienen mögen, und er seine Wohnung unter uns und in uns habe, und wir allezeit in seinem Reiche und in seinem Gehorsam und Dienste bleiben. Neige der Fürsten und Gewaltigen Herz und Willen, daß sie dem König aller Könige und Herrn der Herrlichkeit aufthun ihre Pforten und Thore, laß ihn einziehen in ihre Lande, Städte und Kirchen, daß er seine Herberge bei ihnen habe und mit seinem Wort und Geist regiere und herrsche. Steure dagegen und wehre allen denen, die Christo die Pforten zuschließen und ihm den Eingang wehren, oder ihn gar vertreiben und von sich stoßen, dagegen dem Antichrist, falschen Lehrern und SchwärAllgemeines Gebetbuch. 12 Univ.- Bibl. Glessen 178 Erster Teil: Das Hausbuch. mern Thore und Thüren weit aufthun. Mache ihr böses Vornehmen und ihre Anschläge zunichte. Beweise deine Macht und Barmherzigkeit an den armen Menschen, die noch in den Banden des Aberglaubens und in der Trostlosigkeit des Unglaubens, in Abgötterei und allerlei gottlosem Wesen und falscher Lehre gefangen sind, daß Christus auch zu ihnen komme und sein Reich des Lichts, der Wahrheit und Gerechtigkeit bei ihnen aufrichte und du ewiger Vater samt demselben deinem ewigen Sohne und dem heiligen Geiste überall mit Lob und Preis und Anbetung deines heiligen Namens gerühmet und geehret werdest. Amen. Rigisches Gebetbuch. 5. Du großer König der Ehren, Jesu Christe, du Heiland der ganzen Welt, sei deiner lieben Kirche willkommen mit deiner seligen Zukunft und Advent. Du kommst willig zu uns, wie von dir geschrieben. Du stellst dich ein, zu erlösen das menschliche Geschlecht und zu stillen des Vaters gerechten Zorn. Ich bitte dich, zeuch auch bei mir in Gnaden ein, komm in mein armes Hüttlein und Wohnung mit deinem Segen. Komm in mein Herz mit deiner himmlischen Freude. Treufle in mein Gemüth die Kraft des heiligen Geistes, denn ich vermag nicht zu dir zu kommen, du kommest denn zuvor zu mir. Regiere mich, daß ich dir die Thür meines Herzens eröffne und durch wahre ernste Buße reinige, auf daß du Lust haben mögeſt, bei mir einzuziehen und zu bleiben. Sei auch mein König und laß mich unter deinem Gnadenzepter dir gehorsam dienen und Frieden finden. Teile auch mir armen, ungerechten und großen Sünder mit deine Gerechtigkeit, und weil du meine Hilfe bist, so hilf mir aus allen meinen Nöten Leibes und der Seelen, die dir alle wohl bewußt sind, wie hart sie mich drücken und ängstigen; lös mich auch auf von der Sünden Band, womit ich von meinem sündlichen Fleisch und Blute täglich gebunden und gefangen werde und laß mich mit fröhlichem Geiste zu dir kom 3. Lektionarium. A. Der Weihnachtskreis. Heil. Abend. 179 men und mich dir gehorsam untergeben. Laß mich auch von dir Sanftmut und Demut lernen, auf daß ich mich den Zorn und andere Fehle nicht übereilen lasse, sondern ein freundliches Herz habe und gegen meinen Nächsten trage. Behüte mich vor aller weltlichen Pracht und Hoffart, daß ich schlecht und recht wandle, und wenn ich auch meine Kreuzgänge verrichten soll, so beschere mir ein geduldiges gehorsames Herz, wie du deinem Vater gehorsam gewesen bis zum Tode am Kreuz. Erleuchte mich auch, daß ich dir meine Kleider, Nahrung und Vermögen gern unterbreite und damit Kirch und Schulen und arme notdürftige Leute erhalten helfe, auf daß ich mich deiner gnädigen Zukunft und Beiwohnung stets freuen und trösten möge, der du lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. Lüneburgisches Handbuch. 1652. - b) Die Festfeier. Kollekte am heiligen Abend. Gott, der du diese geweihte Nacht im Glanz des wahren Lichts hast scheinen lassen, verleihe, daß wir dort im Himmel die Freuden jenes Lichtes inne werden, dessen Heimlichkeiten ( Geheimnisse) du uns hier auf Erden offenbart hast, durch denselben unsern Herrn Jesum Christum, der da ist das wahrhaftige Licht und mit dir lebt und herrschet in Einigkeit des heiligen Geistes von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Lektionen für den heiligen Christabend. Morgens. Jef. 35, 3-10 oder Hof. 2, 19-23 oder Micha 5, 1-3. Abends. Joh. 3, 16-18 oder Mal. 3, 1-4 oder Pf. 40. Gebet. O Gott, der du uns durch die jährliche Wartezeit auf die Geburt unsers Heils erfreuest, verleihe, daß wir deinen Einge12* 180 Erster Teil: Das Hausbuch. bornen, den wir freudenvoll als unsern Erlöser empfangen, auch bei seiner Zukunft zum Gericht im sichern Frieden schauen mögen, unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, der mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Aus Löhes Agende. Amen. Am heiligen Christfest oder Weihnachtsfest. Kollekte. Allmächtiger Gott, wir bitten dich, verleihe, daß die neue Geburt deines eingebornen Sohnes im Fleische uns erlöse, welche die alte Dienstbarkeit unter dem Joch der Sünde gefangen hält, auf daß wir ihn als unsern Erlöser mit Freuden aufnehmen und, wenn er zum Gericht wird kommen, sicher mögen anschauen Jesum Christum, unsern Herrn, der mit dir in Einigkeit des heiligen Geistes lebt und herrschet, wahrer Gott, immer und ewiglich. Amen. Oder: Allmächtiger ewiger Gott, wir bitten dich, verleihe uns, die wir mit dem gnadenreichen Lichte deines neugebornen Sohnes Jesu Christi begnadigt sind, daß wir auch mit der That vollbringen, was wir im Herzen glauben und mit dem Munde bekennen, durch denselben, deinen lieben Sohn, Jeſum Christum, unsern Herrn. Amen. Epistel: Tit. 2, 11-14. Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen, und züchtiget uns, daß wir sollen verleugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt, und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unsers Heilandes Jesu Christi, der sich selbst für uns gegeben hat, auf daß er uns erlösete von aller Ungerechtigkeit und reinigte ihm selbst ein Volk zum Eigen= tum, das fleißig wäre zu guten Werken. Evangelium: Lut. 2, 1-14.( H. Lut. 2, 1-20.) Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot vom Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschäßt würde. Und diese Schatz 3. Lektionarium.- A. Der Weihnachtskreis. Weihnachtsfest. 181 ung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war. Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land, zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum, daß er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf daß er sich schäßen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in derselbigen Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihrer Herde. Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie, und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht; siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen, ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe, und Frieden auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen. Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott, hilf, daß wir von unsrer alten sündlichen Geburt entledigt, der neuen leiblichen Geburt deines lieben Sohnes teilhaftig werden und ewig bleiben, durch denselben deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Aus alten Agenden. Abendlektion: Luk. 1, 46-55 oder Ps. 149, 1-5 oder Matth. 1, 18-25. Am zweiten heiligen Christtag. Kollekte. Herr Gott, himmlischer Vater, wir danken dir für deine große Gnade und Barmherzigkeit, daß du deinen eingebornen Sohn in unser Fleisch hast kommen und durch ihn uns von Sünd und ewigem Tod erlösen lassen, und bitten dich, erleuchte unsere Herzen durch deinen heiligen Geist, daß wir für solche 182 Erster Teil: Das Hausbuch. deine Gnade dir dankbar seien und derselben in allen Nöten und Anfechtungen uns getrösten, durch denselben deinen lieben Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Epistel: Tit. 3, 4-7.( H. Hebr. 1, 1-14.) Da aber erschien die Freundlichkeit und Leutseligkeit Gottes, unsers Heilandes, nicht um der Werke willen der Gerechtigkeit, die wir gethan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit machte er uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reichlich durch Jesum Christum, unsern Heiland, auf daß wir durch desselbigen Gnade gerecht und Erben seien des ewigen Lebens nach der Hoffnung. Evangelium: Lut. 2, 15-20.( H. Joh. 1, 1-18.) Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten unter einander: Laßt uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kund gethan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Mariam und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegen. Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich der Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehreten wieder um, preiseten und lobten Gott um alles, das sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war. Gebet. O Herr, himmlischer Vater, der du uns die freudenreiche Geburt deines Sohnes durch deine lieben Engel verkündigen läsfest, wir singen dir Ehr und Preis in Ewigkeit und danken deiner Güte, daß du mit uns in deinem Sohn versöhnt bist und richtest mit uns einen ewigen Frieden an, und giebst uns durch deinen Geist Freud und Wohlgefallen in unsre Herzen. Amen. Abendlektion: Luk. 1, 68-79 oder Joh. 3, 31-36 oder Röm. 8, 28-39. Der zweite heilige Weihnachtsfeiertag ist zugleich der St. Stephanustag, die Lektionen für diesen Tag sind folgende: Epistel: Apostelgesch. 6, 8-15. 7, 55-59. Evangelium: Matth. 23, 34-39. 3. Lektionarium.- A. Der Weihnachtskreis. Gebete für Weihnachten. 183 Lektionen für den Tag Johannis, des Evangelisten, den 27. Dezember: Epistel: Ebräer 1, 1-14. Evangelium: Joh. 1, 1-14. Lektionen für den Tag der unschuldigen Kindlein, den 28. Dezember: Epistel: Offenb. 14, 1-6. Evangelium: Matth. 2, 13-19. Nach dem hannöverschen Lektionar. 1 Joh. 4, 1-6. Lektionen für den 29. und 30. Dezember. Morgens. Jef. 41, 1-20. Jes. 58. Sach. 1. Sach. 2. Abends. Nach dem hannöverschen Lektionar. Joh. 6, 32-39. Matth. 23, 34-39. Gebete für die Weihnachtszeit. 1. Allmächtiger, ewiger Gott, wir danken dir, daß du dich unseres Jammers hast angenommen und deinen eingebornen Sohn um unsertwillen lassen Mensch werden, und bitten dich, du wollest unsre Herzen gnädiglich erleuchten, daß wir an solchem Trost festhalten, uns der Geburt deines lieben Sohnes von Herzen freuen, dich mit allen heiligen Engeln loben, im Herzen Frieden haben und allerlei Widerwärtigkeit mit Geduld tragen und überwinden mögen, durch denselben deinen Sohn, unsern Herrn Jesum Christum. Amen. Pommersche Agende. 2. Ich danke dir, mein Herr Jesu Christe, daß du dich so herzlich meines Jammers angenommen, dich, doch ohne Sünde, mit meinem Fleisch und Blut bekleidet, und mich damit deiner gött 184 Erster Teil: Das Hausbuch. lichen Natur teilhaftig gemacht, von der ewigen Traurigkeit erlöset und zu ewiger Freude gebracht, in Summa: als der wahre Himmelspförtner den Himmel nun eröffnet, mit deiner Armut mich von ewiger Armut erlöset und recht reich gemacht hast. Ich bitte dich, allerliebster Schaß, du wollest mich mit deinem heiligen Geiste reichlich begnaden, der in mir solchen Trost lebendig mache, daß ich aller Furcht und Schrecken überhoben, mich ewiglich freuen, mich deiner allein wider Teufel, Tod, Sünde, Zorn Gottes, den Fluch des Gesetzes herzlich trösten, deinem Exempel nach demütig, gehorsam und geduldig sein und dich mit den lieben Engeln mit Mund, Herzen und ganzem Leben loben und preisen, endlich auch in ewigen Freuden im Himmel ewiglich bei dir wohnen möge. Amen. Aus Minsingers Gebetbuch. 3. O Herr Christe, du treuer Heiland, lieber neugeborner Jeſu, du hast aus großer, inbrünstiger Liebe dich von deinem Himmelsthrone zu uns auf Erden herabgelassen, bist wahrer Mensch und unser lieber Bruder worden, auf daß du uns den Frieden mit Gott, Gerechtigkeit und ewiges Leben erwürbest. Deine Liebe ist unaussprechlich, deine Barmherzigkeit unergründlich. Denn deine Feinde, große Sünder, hast du geliebet und mit Gott wieder vereinigt. Durch deine heilige Geburt hast du uns zum ewigen Reiche wiedergeboren, und wie wir durch unsrer ersten Eltern Missethat aus dem Paradies verjagt sind, so hast du uns durch deine Zukunft ins Fleisch die Pforte des Himmels wieder aufgethan, daß wir nicht ewig in unserm Elend bleiben müssen. Herr Jesu Christe, für solche deine große Gnade danken wir dir, soviel wir schwache Menschen können und vermögen. Wir freuen uns und sind fröhlich in dir, weil du unser Elend angesehen und unsre Seelen in so großer Not erkannt und errettet hast. Wir bitten dich, erleuchte unsre Herzen, daß wir uns deiner seligen Geburt stets freuen und wider Sünde, Tod, Teufel und Hölle damit troßen. Gieb uns auch durch deinen 3. Lektionarium.- A. Der Weihnachtskreis. Gebete für Weihnachten. 185 heiligen Geist, daß wir sonderlich in unsern letzten Nöten uns deiner heiligen Geburt kräftig trösten und selig darauf einschlafen mögen. Solches verleihe uns, o treuer Jesu, um deiner gebenedeiten Menschwerdung und Geburt willen, der du bist hochgelobt in Ewigkeit. Amen. Olearius Handbuch. 4. Herzliebster Immanuel, Herr Jesu Christe, du Sohn des Allerhöchsten und der Jungfrau Sohn, wir danken wir, daß du dich des Jammers unsrer sündlichen Geburt herzlich angenommen, von deines Vaters Thron zu uns in dies Elend herabgekommen bist, unser Fleisch und Blut an dich genommen und uns dadurch deiner göttlichen Natur teilhaftig gemacht hast. Nun hat dein himmlischer Vater sein liebreiches Herz mit uns geteilt. Nun ist groß Fried ohn Unterlaß und sein Zorn ist durch dich gestillt. Wir sind nun durch deine heilige Geburt zum Himmel wiedergeboren und du bist ein rechter Himmelspförtner geworden, durch welchen wir offnen Zugang zu unserm Vater und reichlichen Eingang zu seinem Reiche haben. Ach so hilf, du liebster Herr und freundlichster Immanuel, daß wir das gottselige Geheimnis deiner Offenbarung im Fleische recht erkennen, deine große Liebe und Neigung zu uns, deine Armut, deine Dürftigkeit allezeit bedenken, uns deiner gnadenreichen Geburt von Herzen freuen und getrösten und ihre Kraft reichlich empfinden. Öffne auch selbst unsre Herzen, Zunge und Mund, daß wir mit den lieben Engeln, die nun wieder unsre Freunde geworden sind, dich anbeten, loben und preisen und deinen Vater in dir, dem Geliebten, wohlgefallen, auch endlich in den ewigen Himmelsfreuden bei dir sein und bleiben mögen. Amen. Gelobt sei der Herr, der Gott Israels. Gelobt sei sein herrlicher Name. Alle Lande müssen seiner Ehre voll werden. Amen. Amen. Amen. Halleluja. Brandenburger Gebetbuch. 186 Erster Teil: Das Hausbuch. e) Die Nachfeier. Am Sonntag nach Weihnachten. Kollekte. Allmächtiger, ewiger Gott, regiere all unser Thun nach deinem Wohlgefallen, auf daß wir in dem Namen deines lieben Sohnes reich werden an guten Werken, durch denselben unsern Herrn Jesum Christum, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Epistel: Gal. 4, 1-7.( H. Apgesch. 6, 8-15 und 7, 54-59.) Ich sage aber, so lange der Erbe ein Kind ist, so ist unter ihm und einem Knechte kein Unterschied, ob er wohl ein Herr ist aller Güter; sondern er ist unter den Vormündern und Pflegern bis auf die bestimmte Zeit vom Vater. Also auch wir, da wir Kinder waren, waren wir gefangen unter den äußerlichen Satzungen. Da aber die Zeit erfüllet ward, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einem Weibe und unter das Gesetz gethan, auf daß er die, so unter dem Geseß waren, erlösete, daß wir die Kindschaft empfingen. Weil ihr denn Kinder seid, hat Gott gesandt den Geist seines Sohnes in eure Herzen, der schreiet: Abba, lieber Vater. Also ist nun hie kein Knecht mehr, sondern eitel Kinder. Sinds aber Kinder, so sinds auch Erben Gottes durch Christum. Evangelium: Lut. 2, 33-40.( H. Matth. 23, 34-39.) Und sein Vater und Mutter wunderten sich deß, das von ihm geredet ward. Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe dieser wird gesetzt zu einem Fall und Auferstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird, ( und es wird ein Schwert durch deine Seele dringen), auf daß vieler Herzen Gedanken offenbar werden. Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuels, vom Geschlecht Aser, die war wohl betaget und hatte gelebt sieben Jahr mit ihrem Manne, nach ihrer Jungfrauschaft, und war nun eine Witwe bei vierundachtzig Jahren, die kam nimmer vom Tempel, dienete Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. Dieselbige trat auch hinzu zu derselbigen Stunde und preisete den Herrn und redete von ihm zu allen, die da auf die Erlösung zu Jerusalem warteten. Und da sie es alles vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehrten sie wieder in Galiläam zu ihrer Stadt Nazareth. Aber das Kind wuchs und ward stark im Geist, voller Weisheit, und Gottes Gnade war bei ihm. 3. Lektionarium. A. Der Weihnachtskreis. Sylvester. 187 - Gebet. Herr Gott, himmlischer Vater, der du durch den heiligen Simeon hast verkündigen lassen, wie Christus zu einem Fall und Auferstehung vieler in Israel gesetzt sei, wir bitten dich, erleuchte unsre Herzen, daß wir deinen Sohn Christum recht erkennen und uns in allerlei Not und Gefahr an ihn halten, nicht mit der sichern und blinden Welt uns an ihm stoßen, sondern an ihm aufstehen und auch in allen Leiden und Anfechtung bei ihm bleiben, um dieses deines lieben Sohnes Jesu Christi, unsers Herrn willen. Amen. Kursächsische Agende. Ps. 92. Ps. 33. f. 111. Sylvester. Morgenlektion: Klagel. Jer. 3, 22-26. 31-40 od. Ps. 90. Abendlektion: Ps. 103 oder Pf. 39. Nach dem hannöverschen Lektionar. Pſ. 33. Gebel zum Jahresschluß. Wie soll ich dem Herrn vergelten all seine Liebe und Treue, die er an mir gethan? Der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Also, o du dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist, spricht meine in deiner Gnade sich freuende Seele, da ich nun abermals unter deinem Schuß und Beistand ein Jahr glücklich zurückgelegt habe. Ach Gott, wie teuer ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen. Sie werden trunken von den reichen Gütern deines Hauses; du tränkest sie mit Wonne, als mit einem Strom, denn bei dir ist die lebendige Quelle, und in deinem Licht sehen wir das Licht. Mein Gott, der Tage im Jahre sind viel, aber deiner Wohlthaten noch viel mehr; Stunden und Minuten im Jahr kann man zählen, aber deine Wohlthaten, die du mir erwiesen, sind unzählig. Ich danke dir, daß du mir dieses Jahr dein heilig Wort 188 Erster Teil: Das Hausbuch. hast lassen lauter und rein predigen und darin mir den Weg zum Himmel und zu meinem ewigen Heil anweisen. Ach versiegle alles, was ich gehört habe, in meinem Herzen und gieb mir deinen heiligen Geist, daß ich mein Leben darnach einrichten möge. Ich danke dir, daß du mich in deinem heiligen Mahle mit deinem heiligen Leib und Blut hast gespeiset und getränkt; ach laß es mir zur dauernden Glaubensstärkung und Lebensheiligung gedeihen. Ich danke dir, daß du mir oft die Sünde vergeben und die verdienten Strafen abgewendet hast. Ach gieb mir Kraft, daß ich mich im neuen Jahre davor hüte und sie nicht wieder vorsätzlich begehe. Ich danke dir, daß du meinen Beruf gesegnet, mir Nahrung und Kleidung beschert, mir Gesundheit verliehen, das Unglück abgewendet, mein Kreuz erleichtert, in meinem Elend mich in Gnaden angesehen hast. Du hast mich behütet wie einen Augapfel im Auge. Deine Güte und Treue hat mich von Anfang des Jahres bis an das Ende allewege begleitet. Deine Weisheit hat mich geleitet, deine Liebe hat mich bedecket, deine Hilfe hat mich erfreut, deine Gnade hat mich erhalten, deine Allmacht hat mir jederzeit ausgeholfen, deine milde Vaterhand hat mir alles gegeben, dein allsehendes Auge hatte Acht auf mich und hat meinen Ausund Eingang behütet, daß mir kein Übel begegnet ist. Darum ach, sehet und schmecket doch, wie freundlich der Herr ist und wie viel Gutes er meiner Seele gethan hat. Hast du mich zwar zuweilen erfahren lassen viele und große Angst, so hast du mich doch wieder lebendig gemacht. Hatte ich zuweilen viele Befümmernisse in meinem Herzen, so haben doch deine Tröstungen meine Seele ergößt. War mir oftmals Gefahr und Not nahe, so war auch deine Hilfe nahe, und dein Engel hat mich behütet auf allen meinen Wegen und mich errettet aus dem Rachen des Löwen. Ach, mein Gott, verzeihe mir aus Gnaden alle Sünden, ach, alle Sünden, die ich in diesem Jahre gethan habe. Ach strafe mich deswegen nicht in dem neuen Jahre, sondern verzeihe sie mir um Jesu willen. Herr, gedenke nicht der Sünden 3. Lektionarium. A. Der Weihnachtskreis. Neujahr. 189 meiner Jugend und meiner Übertretung, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Herr, Herr, so beschließe ich denn das Jahr mit Danken, Loben und Beten, und flehe dich demütig an, bleibe auch mein Schuß und gnädiger Gott in dem neuen Jahre; halte deine Hand über mich und laß mich deinem Schuß, deiner Liebe und Gnade fernerhin befohlen sein. Amen. Joh. Fr. Stark. - Am Feste der Beschneidung Christi, Neujahr. Kollekte. Herr Gott, himmlischer Vater, der du deinen lieben Sohn unter das Gesetz gethan hast, auf daß er die, so unter dem Gesez waren, vom Fluch erlösete, hilf, daß wir seiner Erlösung teilhaftig werden und bleiben, durch denselben deinen lieben Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Epistel: Gal. 3, 23-29.( 5. Gal. 3, 23-4, 7.) Ehe denn aber der Glaube kam, wurden wir unter dem Gesetz verwahret und verschlossen auf den Glauben, der da sollte offenbart werden. Also ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen auf Christum, daß wir durch den Glauben gerecht würden. Nun aber der Glaube kommen ist, sind wir nicht mehr unter dem Zuchtmeister. Denn ihr seid alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christo Jesu. Denn wie viel euer getauft sind, die haben Christum angezogen. Hie ist kein Jude noch Grieche, hie ist kein Knecht noch Freier, hie ist kein Mann noch Weib; denn ihr seid allzumal einer in Christo Jesu. Seid ihr aber Christi, so seid ihr ja Abrahams Samen und nach der Verheißung Erben. Evangelium: Luk. 2, 21. Und da acht Tage um waren, daß das Kind beschnitten würde, da ward sein Name genannt Jesus, welcher genannt war von dem Engel, ehe denn er in Mutterleibe empfangen ward. Pf. 20. 23. 25. 27. 91. 121. 144. 145. Gebete für Beschneidungsfelt und Deujahr. 1. Herr Gott, himmlischer Vater, wir danken dir für deine väterliche Gnade, daß du dich der armen Sünder angenommen 190 Erster Teil: Das Hausbuch. und deinen lieben Sohn, unsern Heiland Jesum Christum, denselben zu gut durch die Beschneidung unter das Gesetz gethan, daß er mit seinem vollkommenen Gehorsam deinen gerechten Zorn stillete und unsern Ungehorsam heilete. Wir bitten dich herzlich, du wollest durch deinen heiligen Geist unsre Herzen also erleuchten, daß wir uns solches Gehorsams wider unsre Sünde und das böse Gewissen allezeit trösten und durch die Hilfe deines heiligen Geistes in einem neuen Leben wandeln und endlich selig werden, durch denselben deinen Sohn, Jeſum Christum, unsern Herrn. Amen. Kursächs. Agende. 2. Herr Jesu Christe, ich danke dir von Grund meines Herzens für deinen allersüßesten Namen Jesus, damit du dich in deiner Beschneidung hast nennen lassen. O mein Herr Jesu, du heißest ja wohl billig Jesus, das ist ein Helfer und Seligmacher, und führst den Namen mit der That, denn du hast uns ja redlich geholfen und hilfst uns noch täglich mit Rat und That und machst dein gläubig Volk selig von allen ihren Sünden. Ja, Herr Jesu, es ist in keinem andern Heil und ist uns auch kein andrer Name gegeben, darinnen wir sollen selig werden. Ich habe keinen andern, ich weiß keinen andern, es ist auch kein anderer, der mich selig machen kann, denn du mein Heiland allein. Denn von dir zeugen alle Propheten, daß durch deinen Namen alle, die an dich glauben, Vergebung der Sünden empfangen sollen. Und wenn ich ansehe die Erempel der Alten und merke sie, so finde ich, daß nie keiner verlassen worden ist, der auf dich getraut hat. Derhalben komme ich auch zu dir, Herr, mein Heiland, ja ich komme, bringe und bekenne dir in rechter ernster Reue und Leid alle meine Sünde, darin ich empfangen und geboren bin und damit ich von Jugend auf wider dich schwerlich gesündigt und deinen Vater erzürnet habe. O Jesu, du ewiger Seligmacher, wie bin ich von Natur so ein unseliger Mensch, und wie groß und ungeheuer ist meine Sünde vor deinem Vater, 3. Lektionarium.- A. Der Weihnachtskreis. Gebete für Neujahr. 191 welches daraus erscheinet, daß mir sonst niemand hat helfen fönnen, denn du ewiger Sohn Gottes allein. O du ewiger Helfer, wie gar groß ist deine Hilfe, ach mein Herr Jesu, wie viel hat es gekostet, meine Seele zu erlösen, o freundlicher, o lieber, o gütiger, o süßer Herr Jesu, voller Güte und Gaben, voller Gnade und Wahrheit, ich bitte dich um deines süßen Namens willen, erbarme dich mein und nimm von mir, was mein ist, nämlich meine Sünde, und gieb mir, was dein ist, nämlich deinen großen neuen Himmelstrost, Vergebung meiner Sünden, deinen heiligen Geist und das ewige Leben. O gütiger Herr Jesu, sei gütig und gnädig mir armen Sünder. O barmherziger Herr Jesu, erbarme dich über mich elenden Missethäter. O süßer Herr Jesu, tröste mich mit der Süßigkeit deines Namens. O freundlicher Herr Jesu, thue mit mir nach der Freundlichkeit deines holdseligen Namens. O Jesu, du einiger Heiland, sei auch mein Heiland, o Jesu, du einiger Trost der Seelen, tröste und erquicke auch mein Herz und laß mich in dir allezeit Trost und Leben, Fried und Freude empfinden. Herr Jesu, du Schöpfer aller Dinge, schaffe auch in mir ein reines Herz und gieb mir einen neuen gewissen Geist, daß ich keinen Vorsatz, ferner zu fündigen, habe. Gieb, daß ich stets vor Augen habe die große Treue, die du an mir gethan haft, und aus Liebe gegen dich ein neues Leben anhebe. O frommer Herr Jesu, dir ergeb ich mich ganz und gar, mit Leib und Seele und mit allem, was ich habe. Du sollst allezeit meine einige Zuflucht, mein einiger Schutz und Schirm sein. Behüte mich vor Abgötterei und Verachtung deines Wortes und der heiligen Sakramente. Mein Herr und mein Helfer, lehre mich allezeit thun nach deinem Wohlgefallen, und dein guter Geist führe mich auf rechter Bahn. Führe und leite mich allezeit durch deinen heiligen Geist, daß ich wandle im Glauben und in der Liebe, in Friedfertigkeit und Freundlichkeit, in Gottseligkeit und Ehrbarkeit, in Geduld und Hoffnung, in Sanftmut und Demut. Wenn ich sündige, so züchtige mich väterlich; wenn mich meine Sünden Erster Teil: Das Hausbuch. ängstigen, so erquicke mich; wenn mich der Satan ansicht, so tröste mich; wenn mich die Welt verfolgt, so nimm du mich auf; wenn mich mein Fleisch und Blut überwältigen will, so stärke mich; wenn ich irre, so bringe mich wieder zurecht; wenn ich falle, so richte mich wieder auf; wenn ich betrübt bin, so erfreue mich; wenn ich in Nöten bin, so errette mich; wenn ich matt und müde werde, so labe und erquicke mich; wenn ich verachtet und verlassen werde, so nimm dich meiner an; wenn ich von hinnen scheiden soll, so verleihe mir ein selig Stündlein und laß dir meine Seele in deine Hände befohlen sein. Amen. Du süßer Herr Jesu. Amen. Amen. Dresdner Gebetbuch. 1595. 192 3. Allmächtiger Herr und Gott, heiliger Vater, wir danken dir, daß du uns dieses Jahr vor allem Übel gnädiglich behütet und bewahret haft und bitten dich, du wollest uns ein friedliches, fröhliches und gnadenreiches neues Jahr bescheren, an Leib und Seele uns väterlich segnen und behüten, insonderheit aber deine Gnade verleihen, daß wir mit dem alten Jahre den alten Menschen ausziehen, dagegen den neuen anlegen, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffner Gerechtigkeit und Ehre, bis wir aus dieser alten Welt in das neue Jerusalem versetzt werden, allda mit neuen Zungen dich ehren, loben und preisen, durch Christum Jesum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn, der mit dir in Einigfeit des heiligen Geistes lebt und herrscht, wahrer Gott, immer und ewiglich. Amen. Nürnberg. 1691. Am Sonntag nach Neujahr. Kollekte. Unsre Herzen, o Herr, erleuchte der Glanz des nahenden Festes und mache uns tüchtig, zu entsagen der Finsternis dieser Welt und zu gelangen zum Vaterland der ewigen Herrlichkeit, durch unsern Herrn Jesum Christum, der mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. 3. Lektionarium.- A. Der Weihnachtskreis. Sonntag nach Neujahr. 193 Epistel: 1 Petri 4, 12-19 Ihr Lieben, lasset euch die Hitze, so euch begegnet, nicht befremden,( die euch widerfähret, daß ihr versucht werdet,) als widerführe euch etwas Seltsames, sondern freuet euch, daß ihr mit Christo leidet, auf daß ihr auch, zu der Zeit der Offenbarung seiner Herrlichkeit, Freude und Wonne haben möget. Selig seid ihr, wenn ihr geschmähet werdet über dem Namen Christi; denn der Geist, der ein Geist der Herrlichkeit und Gottes ist, ruhet auf euch. Bei ihnen ist er verlästert, aber bei euch ist er gepreiset. Niemand aber unter euch leide als ein Mörder, oder Dieb, oder Übelthäter, oder der in ein fremd Amt greifet. Leidet er aber als ein Christ, so schäme er sich nicht; er ehre aber Gott in solchem Fall; denn es ist Zeit, daß anfahe das Gericht an dem Hause Gottes. So aber zuerst an uns, was wills für ein Ende werden mit denen, die dem Evangelio Gottes nicht glauben? Und so der Gerechte kaum erhalten wird, wo will der Gottlose und Sünder erscheinen? Darum, welche da leiden nach Gottes Willen, die sollen ihm ihre Seelen befehlen, als dem treuen. Schöpfer in guten Werken. Evangelium: Matth. 2, 13-23. Da sie aber hinweg gezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Joseph im Traum und sprach: Stehe auf und nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir und fleuch in Egyptenland und bleibe allda, bis ich dir sage; denn es ist vorhanden, daß Herodes das Kindlein suche, dasselbe umzubringen. Und er stund auf und nahm das Kindlein und seine Mutter zu sich, bei der Nacht, und entwich in Egyptenland, und blieb allda bis nach dem Tod Herodis, auf daß erfüllet würde, das der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: Aus Egypten hab ich meinen Sohn gerufen. Da Herodes nun sahe, daß er von den Weisen betrogen war, ward er sehr zornig und schickte aus und ließ alle Kinder zu Bethlehem töten und an ihren ganzen Grenzen, die da zweijährig und drunter waren, nach der Zeit, die er mit Fleiß von den Weisen erlernet hatte. Da ist erfüllet, das gesagt ist von dem Propheten Jeremia, der da spricht: Auf dem Gebirge hat man ein Geschrei gehöret, viel Klagens, Weinens und Heulens; Rahel beweinete ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen; denn es war aus mit ihnen. Da aber Herodes gestorben war, siehe, da erschien der Engel des Herrn Joseph im Traum in Egyptenland und sprach: Stehe auf und nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir und zeuch hin in das Land Algemeines Gebetbuch. 13 194 Erster Teil: Das Hausbuch. Israel; sie sind gestorben, die dem Kinde nach dem Leben stunden. Und er stund auf und nahm das Kindlein und seine Mutter zu sich und kam in das Land Israel. Da er aber hörete, daß Archelaus im jüdischen Lande König war anstatt seines Vaters Herodis, fürchtete er sich dahin zu kommen. Und im Traum empfing er Befehl von Gott und zog in die Örter des galiläischen Landes, und kam und wohnete in der Stadt, die da heißt Nazareth; auf daß erfüllet würde, das da gesagt ist durch die Propheten: Er soll Nazarenus heißen. Gebet. Herr Gott, himmlischer Vater, der du deinen Sohn, damit er den Händen Herodis entgehen möchte, nach Egyptenland hast bringen lassen, wo er vor ihm sicher gewesen, gieb, daß wir in aller Not unsre Zuflucht zu dir nehmen, aller Feinde Anschläge und Verfolgungen entgehen und durch deine Gnade in aller Gefahr erhalten werden, durch denselben deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Kursächs. Agende. Ps. 97. Pf. 113. Schriftstellen für Morgen- und Abendlektionen auf die Zeit von Neujahr bis Epiphanias: Morgens. Pf. 1. Pf. 102. Jef. 25. Jes. 26. Abends. 1 Joh. 1. 1 Joh. 2, 1-17. 1 Joh. 2, 18-29. 1 Joh. 3, 1-12. Am Epiphanias- oder Erscheinungsfeste. Kollekte. Allmächtiger, ewiger Gott, himmlischer Vater, der du auf diesen heutigen Tag deinen eingebornen Sohn Jesum Christum den Heiden durch Erscheinung und Leitung des Sternes offenbaret hast, verleihe uns gnädiglich, die wir dich jetzt im Glauben erkennen, daß wir zum Anschauen deiner herrlichen Klarheit gelangen mögen, durch denselbigen unsern Herrn Jesum Christum, 3. Lektionarium.- A. Der Weihnachtskreis. Epiphaniasfest. 195 deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret, wahrer Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Epistel: Jes. 60, 1-6.( H. Tit. 3, 3-8.) Mache dich auf, werde Licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn gehet auf über dir. Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich, und Dunkel die Völker; aber über dir gehet auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheinet über dir. Und die Heiden werden in deinem Lichte wandeln, und die Könige im Glanz, der über dir aufgehet. Hebe deine Augen auf, und siehe umher: Diese alle versammelt kommen zu dir. Deine Söhne werden von ferne kommen, und deine Töchter zur Seite erzogen werden. Dann wirst du deine Lust sehen und ausbrechen, und dein Herz wird sich wundern und ausbreiten, wenn sich die Menge am Meer zu dir bekehret, und die Macht der Heiden zu dir kommt. Denn die Menge der Kamele wird dich bedecken, die Läufer aus Midian und Epha. Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen, und des Herrn Lob verkündigen. Evangelium: Matth. 2, 1-12. Da Jesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lande, zur Zeit des Königs Herodis, siehe, da kamen die Weisen vom Morgenland gen Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborne König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind kommen, ihn anzubeten. Da das der König Herodes hörete, erschrak er und mit ihm das ganze Jerusalem, und ließ versammeln alle Hohepriester und Schriftgelehrten unter dem Volk und erforschete von ihnen, wo Christus sollte geboren werden. Und sie sagten ihm: Zu Bethlehem im jüdischen Lande. Denn also stehet geschrieben durch den Propheten: Und du Bethlehem im jüdischen Lande bist mit nichten die kleinste unter den Fürsten Juda; denn aus dir soll mir kommen der Herzog, der über mein Volk Israel ein Herr sei. Da berief Herodes die Weisen heimlich und erlernete mit Fleiß von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und weisete sie gen Bethlehem und sprach: Ziehet hin und forschet fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihrs findet, so saget mirs wieder, daß ich auch komme und es anbete. Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen hin, bis daß er kam und stund oben über, da das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut, und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es 13* 196 Erster Teil: Das Hausbuch. an und thaten ihre Schäße auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen. Und Gott befahl ihnen im Traum, daß sie sich nicht sollten wieder zu Herodes lenken. Und zogen durch einen andern Weg wieder in ihr Land. Pf. 72. Ps. 93. Pf. 117. Schriftstellen für Morgen- und Abendlektionen auf die Tage nach dem Erscheinungsfeste: Morgens. Jef. 49, 1-12. 60, 8-22. Jes. 62. Jef. 49, 13-26. Jef. 56, 1-7. Jef. Zeph. 3. Abends. 1 Joh. 3, 13-24. 1 Joh. 4. 1 Joh. 5, 1-12. 1 Joh. 5, 13-21. 2 Joh. 3 Joh. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Matth. 2, 1-12. M Tit. 3, 3-8. D Matth. 3, 13-17. M Jes. 60, 1-6. D Ephes. 2, 1-12. F 1 Rön. 19, 1-18. S Jes. 42, 1-12. Gebete zum Erscheinungsfelte. 1. O Gott, Vater aller Gnade und Barmherzigkeit, wir loben dich, daß du den Heiland der Welt auch uns armen Heiden geoffenbart und uns erleuchtet hast, zu erkennen, daß er ist das Licht der Heiden und dein Heil bis an der Welt Ende. Wir bitten dich, verleihe uns deine göttliche Gnade, daß wir unsers Berufes würdiglich wandeln und unserm König Jesu Christo opfern reines Gold des Glaubens, lieblichen Weihrauch des Gebetes und der Danksagung, auch köstliche Myrrhen der Geduld im Leiden und Sterben, Ihm, der mit dir und dem heiligen Geiste lebt und herrschet immer und ewiglich. Amen. Nördlingen. 1676. - 2. Ewiger Gott, lieber Vater, der du uns durch deinen lieben Sohn, unsern Herrn und Heiland Jesum Christum, so reichlich 3. Lektionarium.- A. Der Weihnachtskreis. Gebete z. Erscheinungsfeste. 197 erleuchtet hast, stärke uns auch durch deinen heiligen Geist mit völligem Glauben und gieb uns Kraft, daß wir solchem Lichte treulich und fleißig folgen und dich samt allen Heiligen preisen und loben, beide, mit Lehren und Leben. Dir sei Dank und Ehre für deine unaussprechliche Gnade und Gabe in Ewigkeit. Amen. Dr. M. Luther. 3. Großer Himmelskönig Jesus Christus, dir sagen wir demütigen Dank, daß du nicht allein zur Freude deines auserwählten Volkes, sondern auch zum Troste der Heiden gekommen bist, uns zu Mitgenossen deiner Gnade und deines Reichs gemacht und uns solches geoffenbart hast. Wie sollen wir dich für deine Wohlthat genugsam preisen. Wir waren außer der Bürgerschaft Israels und fremd von den Testamenten der Verheißung, wir hatten keine Hoffnung und waren ohne Gott in der Welt. Aber du hast uns herzugeführt, uns zu Bürgern mit den Heiligen und zu Gottes Hausgenossen gemacht und zum Zeugnis solcher uns bestimmten teuren Gnade in deiner zarteſten Kindheit die Weisen aus Morgenland zu dir gezogen. Ach, laß dein Wort den Stern sein, welchem wir folgen, um dich im Genusse deiner Gnaden gewiß zu finden. Und ob wir uns durch unsre eignen Gedanken von deinem Licht und Sterne haben abwenden lassen, so bringe uns doch gnädig wieder zurecht und laß uns nicht auf Irrwegen fortgehen. Laß uns auf dein Wort achten, als auf ein Licht, das da scheinet in einem dunkeln Orte und in unsern Herzen den Tag selbst anbrechen und den Morgenstern aufgehen, daß wir dich sehen in deinem Lichte und dich anbeten in tiefster Demut, Liebe und Gehorsam, ja alles das Unsrige und uns selbst dir zu opfern und darzulegen willig seien. Du weißt auch, o liebster Heiland, wie deine Feinde, die Welt und ihr Fürst, uns nachstellen und dich zu unterdrücken suchen. Du kennst ihre List und Gewalt und unsre Schwachheit. Aber erweise deine Ehre, daß du sie zu schanden werden läsfest und deine armen Diener schüßzest oder auf dir bekannten Wegen aus Univ.- Bibl. Glessen 198 Erster Teil: Das Hausbuch. der Gefahr führest, auf daß alle Welt erkenne, daß du der Herr bist, gegen welchen alle Feinde nichts vermögen, der vielmehr an ihrer Schande und unserm Gehorsam herrlich gepriesen wird. Solches thue um deines großen Namens Ehre willen. Amen. Aus Löhes Agende. 4. Laßt uns beten für die Heiden, daß der allmächtige Gott wegnehme alle Ungerechtigkeit von ihren Herzen, damit sie sich von ihren Gözzen bekehren zu dem lebendigen, wahren Gott und seinem einzigen Sohne, Jesu Christo, unserm Gott und Herrn: Allmächtiger, ewiger Gott, dessen Wille ist, daß wir leben und nicht in Sünden verderben, erhöre gnädig unser Gebet und erledige die Heiden von ihren Gößten durch Zusendung deines heiligen Wortes zu Lob und Preis deines Namens, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Altchristliches Gebet. 5. ( Missionsgebet.) Ich bitte dich, mein himmlischer Vater, durch Jeſum Christum, deinen lieben Sohn, meinen Herrn, du wollest dich gnädig erbarmen über alle Ungläubigen, wer und wo sie sind, so noch in Finsternis wandeln, welche das Licht deines Evangeliums nicht haben, die der Teufel mit Blindheit geschlagen und ihr unverständiges Herz verfinstert hat, die entfremdet sind von dem Leben, das aus dir, ewiger Gott, ist, durch die Unwissenheit, so in ihnen ist, und zu den stummen Gözen gehen, wie sie geführt werden und deinen lieben Sohn, Jesum Christum, den Gnadenstrom aus Blindheit verfluchen und lästern. Derowegen, du getreuer Gott, nimm hinweg die Decke, welche da hängt unaufgedeckt vor den Herzen der Juden, die sich stoßen an dem Stein des Anlaufens und an dem Fels der Ärgernis. Erleuchte ihre Augen, auf daß sie erkennen den wahren Messias, der Welt Heiland. Bringe die Heiden und alle Ungläubigen, so dein Wort für eine Thorheit achten, zu dem rechten Schafstall und Versammlung der Christen, in die Gemeinschaft der 3. Lektionarium.- A. Der Weihnachtskreis. 1. Sonnt. nach Epiph. 199 Heiligen, auf daß sie mit uns und allen Gläubigen dich den Vater im Sohne und den Sohn mit dem Vater im heiligen Geiste, einen wahren Gott und Herrn ehren, preisen und anbeten. Eröffne das Verständnis aller Menschen, so ihre Seligkeit und Vertrauen nicht einig und allein auf den rechten Grund und Eckstein, Christum Jesum, setzen, daß sie denselben, welchen du gesandt hast, erkennen, mit rechtem Glauben und wahrer Zuversicht des Herzens für ihren Heiland und Erlöser annehmen, der mit seinem Gehorsam und Erfüllung des Gesetzes, durch seinen bittern Tod eine ewige Erlösung erworben hat. Wollest auch alle, so vom christlichen Glauben abweichen, oder sonst in etlichen Stücken irrig und mit falscher Lehre behaftet sind, wiederbringen zu der ewigen Wahrheit deines Wortes. Gott aller Gnaden, erbarme dich über die, welche des rechten Glaubens nicht sind, so da sißen im Schatten des Todes und wandeln nach der Dunkelheit ihres Sinnes auf unebner Bahn. Suche das Verlorene, bringe wieder das Verirrete, erleuchte die Verblendeten, eröffne die Ohren der Tauben, thue auf den Mund der Stummen, die dich nicht bekennen, richte auf die Gefallenen, hole wieder die Abgewichenen, versammle die Zerstreuten, bringe zurecht die Irrigen und Verführten um deiner Barmherzigkeit willen. Amen. Joh. Habermann. Am ersten Sonntage nach Epiphanias. Kollekte. Herr Gott, wir bitten dich demütiglich, erzeige uns deine Treue vom Himmel, auf daß wir erkennen, was wir zu thun schuldig sind und dasselbige zu vollbringen tüchtig werden, durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Epistel: Röm. 12, 1-6. Ich ermahne euch, lieben Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber begebet zum Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei, welches sei euer vernünftiger Gottes Erster Teil: Das Hausbuch. dienst. Und stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Verneuerung eures Sinnes, auf daß ihr prüfen möget, welches da sei der gute, der wohlgefällige und der vollkommene Gotteswille. Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedermann unter euch, daß niemand weiter von ihm halte, denn sichs ge= bührt zu halten; sondern daß er von ihm mäßiglich halte, ein jeglicher, nachdem Gott ausgeteilet hat das Maß des Glaubens. Denn gleicher Weise, als wir in Einem Leibe viel Glieder haben, aber alle Glieder nicht einerlei Geschäft haben; also sind wir viele Ein Leib in Christo; aber unter einander ist einer des andern Glied. Und haben mancherlei Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. 200 Evangelium: Luf. 2, 41-52. Und seine Eltern gingen alle Jahre gen Jerusalem auf das Osterfest. Und da er zwölf Jahr alt war, gingen sie hinauf gen Jerusalem, nach Gewohnheit des Festes. Und da die Tage vollendet waren, und sie wieder zu Hause gingen, blieb das Kind Jesus zu Jerusalem, und seine Eltern wußtens nicht. Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen eine Tagereise und suchten ihn unter den Gefreundten und Bekannten. Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wiederum gen Jerusalem und suchten ihn. Und es begab sich nach dreien Tagen, fanden sie ihn im Tempel sißen mitten unter den Lehrern, daß er ihnen zuhörete und sie fragete. Und alle, die ihm zuhöreten, verwunderten sich seines Verstandes und seiner Antwort. Und da sie ihn sahen, entsetzten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Sohn, warum hast du uns das gethan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Und er sprach zu ihnen: Was ists, daß ihr mich gesuchet habet? wisset ihr nicht, daß ich sein muß in dem, das meines Vaters ist? Und sie verstunden das Wort nicht, das er mit ihnen redete. Und er ging mit ihnen hinab und kam gen Nazareth und war ihnen unterthan. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen. Gebet. Hilf, lieber Herr Gott, daß wir und unsre Kinder dem Erempel deines Sohnes und seiner frommen Eltern folgen, dein Wort fleißig hören und gerne davon reden. Gieb auch aller christlichen Jugend und unsern lieben Kindern deinen heiligen Geist und Gnade, daß sie an Gehorsam, Zucht, Weisheit und 3. Leftionarium.- A. Der Weihnachtskreis. 2. Sonnt. nach Epiph. 201 Verstand täglich wachsen und zunehmen und in deinem Dienst und Ehren mögen auferzogen werden, und wir sie mit Freuden vor dein Angesicht bringen mögen, um desselben deines lieben Kindes, Jesu Christi, willen. Amen. Kursächs. Agende. Pf. 122. Pf. 141. Wochenlektionen. Morgens. M 1 Moj. 24, 1-28. D 1 Moj. 24, 29-67. M 1 Mos. 25, 20. 21. 27-26, 6. D 1 Mos. 27, 1-40. F 1 Mos. 27, 41-28, 22. S 1 Mos. 29, 1-20. Abends. M Matth. 3. D Matth. 4. M Matth. 5, 1-16. D Matth. 5, 17-48. F Matth. 6. S Matth. 7. Oder: M Luf. 3, 1-22. D Luf. 4, 1-15. M Luf. 4, 16-44. D Luf. 5, 1-17. F Luf. 5, 18-39. S Luf. 6, 1-19. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Lut. 2, 41-52. M Röm. 12, 1-6. D Joh. 1, 35-51. M 1 Kor. 1, 20-31. D Pf. 122. F Hebr. 3, 1-14. S 1 Tim. 3, 14-16. Am zweiten Sonntag nach Epiphanias. Kollekte. Allmächtiger, ewiger Gott, der du alles regierest im Himmel und auf Erden, erhöre gnädiglich das Flehen deines Volkes und verleihe deinen Frieden zu unsern Zeiten, durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Epistel: Röm. 12, 7-16.( H. Röm. 12, 6-16.) Hat jemand Weissagung, so sei sie dem Glauben ähnlich. Hat jemand ein Amt, so warte er des Amts. Lehret jemand, so warte er der Lehre. Ermahnet jemand, so warte er des Ermahnens. Giebt jemand, so gebe er einfältiglich. Regieret jemand, so sei er sorgfältig. Übet jemand Barmherzigkeit, so thu ers mit Lust. Die 202 Erster Teil: Das Hausbuch. Liebe sei nicht falsch. Hasset das Arge, hanget dem Guten an. Die brüderliche Liebe unter einander sei herzlich. Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor. Seid nicht träge, was ihr thun sollt. Seid brünstig im Geiste. Schicket euch in die Zeit. Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet. Nehmet euch der Heiligen Notdurft an. Herberget gerne. Segnet, die euch verfolgen; segnet, und fluchet nicht. Freuet euch mit den Fröhlichen und weinet mit den Weinenden. Habt einerlei Sinn unter einander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den Niedrigen. Evangelium: Joh. 2, 1-11. Und am dritten Tage ward eine Hochzeit zu Cana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit geladen. Und da es an Wein gebrach, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben nicht Wein. Jesus spricht zu ihr: Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht kommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch saget, das thut. Es waren aber allda sechs steinerne Wasserkrüge gesetzt, nach der Weise der jüdischen Reinigung, und gingen in je einen zwei oder drei Maß. Jesus spricht zu ihnen: Füllet die Wasserkrüge mit Wasser. Und sie fülleten sie bis oben an. Und er spricht zu ihnen: Schöpfet nun und bringets dem Speisemeister. Und sie brachtens. Als aber der Speisemeister kostete den Wein, der Wasser gewesen war, und wußte nicht, von wannen er kam( die Diener aber wußtens, die das Wasser geschöpft hatten), rufet der Speisemeister den Bräutigam, und spricht zu ihm: Jedermann giebt zum ersten guten Wein, und wenn sie trunken worden sind, alsdann den geringern; du hast den guten Wein bisher behalten. Das ist das erste Zeichen, das Jesus that, geschehen zu Cana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn. Gebet. Getreuer, barmherziger Gott, himmlischer Vater, der du den Ehestand selber eingesetzt, und bisher wider alle Anläufe des Satans so mächtig beschüßzet und erhalten, auch mit deines Sohnes Gegenwart auf der Hochzeit zu Kana in Galiläa geehret hast, wir danken dir für solche Gnade und bitten dich herzlich, du wollest demselben auch ferner mit Trost und hilfreicher Hand beiwohnen, den Eheleuten Fried und Einigkeit, und in 3. Lektionarium.- A. Der Weihnachtskreis. 3. Sonnt. nach Epiph. 203 Trübsal Geduld verleihen, und sie in keiner Not verzagen lassen, durch Jesum Christum, deinen einigen Sohn, unsern Herrn. Amen. Kursächs. Agende. P₁. 127. Ps. 128. Wochenlektionen. Morgens. M 1 Mos. 30, 25-43. D 1 Mos. 31, 1-21. M 1 Mos. 31, 22-32, 2. D 1 Mos. 32. F 1 Mos. 33. S 1 Mos. 35, 1-20. 27-29. Abends. M Matth. 8, 1-13. D Matth. 8, 14-34. M Matth. 9, 1-17. D Matth. 9, 18-38. F Matth. 10, 1-23. S Matth. 10, 24-42. Oder: M Luf. 6, 20-36. D Luf. 6, 37-49. M Luf. 7, 1-17. D Luf. 7, 18-35. F Luf. 7, 36-50. S Luf. 8, 1-21. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Joh. 2, 1-11. M Röm. 12, 6-16. D Joh. 3, 22-36. M 1 Kor. 2. D 5 Mos. 18, 15-22. F Gal. 1, 6-16. S 1 Joh. 1, 1-10. Am dritten Sonntage nach Epiphanias. Kollekte. Allmächtiger, ewiger Gott, siehe gnädiglich an unsre Schwachheit und strecke aus die Rechte deiner Majestät uns zu beschützen, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn, der mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Epistel: Röm. 12, 17-21. Haltet euch nicht selbst für klug. Vergeltet niemand Böses mit Bösem. Fleißiget euch der Ehrbarkeit gegen jedermann. Ist es möglich, so viel an euch ist, so habt mit allen Menschen Friede. Rächet euch selber nicht, meine Liebsten, sondern gebet Raum dem Zorn; denn es stehet geschrieben: Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr. So nun deinen Feind hungert, so speise ihn; dürstet ihn, so tränke ihn. Wenn du das thust, so wirst du feurige Kohlen 204 Erster Teil: Das Hausbuch. auf sein Haupt sammeln. Laß dich nicht das Böse überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Evangelium: Matth. 8, 1-13. Da er aber vom Berge herab ging, folgete ihm viel Volks nach. Und siehe, ein Aussäßiger kam und betete ihn an und sprach: Herr, so du willst, kannst du mich wohl reinigen. Und Jesus streckte seine Hand aus, rührete ihn an und sprach: Ich wills thun, sei gereiniget. Und alsbald ward er von seinem Aussatz rein. Und Jesus sprach zu ihm: Siehe zu, sags niemand; sondern gehe hin und zeige dich dem Priester und opfere die Gabe, die Moses befohlen hat, zu einem Zeugnis über sie. Da aber Jesus einging zu Capernaum, trat ein Hauptmann zu ihm, der bat ihn, und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gichtbrüchig und hat große Qual. Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, daß du unter mein Dach gehest; sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Denn ich bin ein Mensch, dazu der Obrigkeit unterthan, und habe unter mir Kriegsknechte; noch wenn ich sage zu einem: Gehe hin, so gehet er; und zum andern: Komm her, so kommt er; und zu meinem Knecht: Thu das, so thut ers. Da das Jesus hörete, verwunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgeten: Wahrlich, ich sage euch, solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden. Aber ich sage euch: Viele werden kommen vom Morgen und vom Abend und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich sigen. Aber die Kinder des Reichs werden ausgestoßen in die äußerste Finsternis hinaus, da wird sein Heulen und Zähnklappen. Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Gehe hin, dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein Knecht ward gesund zu derselbigen Stunde. Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott, der du durch deinen Sohn Vergebung unsrer Sünden, Gerechtigkeit und ewiges Leben uns verheißen hast, wir bitten dich, du wollest durch deinen heiligen Geist unsre Herzen führen und erwecken, daß wir solche Hilfe durch tägliches Gebet und sonderlich in aller Anfechtung bei ihm suchen, und durch einen rechten Glauben auf seine Zusagung und Wort gewiß finden und erlangen, durch denselben deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Kursächs. Agende. 3. Lektionarium.- A. Der Weihnachtskreis. 4. Sonnt. nach Epiph. 205 Pf. 34. Pf. 63. Wochenlektionen. Morgens. M 1 Mos. 37, 1-11. D 1 Mos. 37, 12-36. M 1 Mos. 39. D. 1 Mos. 40. F 1 Mos. 41, 1-43. S 1 Mos. 41, 44-57. Abends. M Matth. 11. D Matth. 12, 1-21. M Matth. 12, 22-50. D Matth. 13, 1-23. F Matth. 13, 24-43. S Matth. 13, 44-58. Oder: M Luf. 8, 22-39. D Luf. 8, 40-56. M Luf. 9, 1-17. D Luf. 9, 18-45. F Luf. 9, 46-62. S Quf. 10, 1-22. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Matth. 8, 1-13. M Röm. 12, 17-21. D Joh. 4, 5-26. M Röm. 1, 13-25. D Jes. 61, 1-7. F 1 Tim. 6, 1-5. S Jef. 2, 2-5. Am vierten Sonntage nach Epiphanias. Kollekte. Herr Gott, himmlischer Vater, du weißt, daß wir in so mancher und großer Gefahr vor menschlicher Schwachheit nicht mögen bleiben, verleihe uns Stärke und Kraft an Leib und Seele, daß wir alles, was uns um der Sünde willen quält und ansicht, mit deiner Hilfe überwinden, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Epistel: Röm. 13, 8-10.( H. Röm. 13, 1-10.) • Seid niemand nichts schuldig, denn daß ihr euch unter einander liebet; denn wer den andern liebet, der hat das Gesetz erfüllet. Denn das da gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis geben; dich soll nichts gelüsten; und so ein ander Gebot mehr ist; das wird in diesem Wort verfasset: Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst. Die Liebe thut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gefeßes Erfüllung. Erster Teil: Das Hausbuch. Evangelium: Matth. 8, 23-27. Und er trat in das Schiff, und seine Jünger folgten ihm. Und siehe, da erhub sich ein groß Ungestüm im Meer, also, daß auch das Schifflein mit Wellen bedeckt ward; und er schlief. Und die Jünger traten zu ihm und weckten ihn auf und sprachen: Herr hilf uns, wir verderben. Da sagte er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam? Und stund auf und bedräuete den Wind und das Meer; da ward es ganz stille. Die Menschen aber verwunderten sich und sprachen: Was ist das für ein Mann, daß ihm Wind und Meer gehorsam ist? 206 Gebet. Allmächtiger Sohn Gottes, unser einiger Schutz und Nothelfer, dein Schifflein, die elende Christenheit, leidet große Not, denn der Wind saust, das Meer braust, die Wellen schlagen zu uns herein und wollen uns ersäufen; der Satan tobt und die Welt wütet. Läsfest du uns, Herr, so sind wir verloren. Wache auf und bedräue das Unglück, und laß es stille werden, denn unsre Feinde sind alle in deinen Händen, der du für uns wachest und hast dein Volk im roten Meer erhalten und sizest bei uns im Schifflein, von nun an bis in Ewigkeit. Amen. Joh. Mathesius. Pf. 124. Ps. 29. ₁. 46. s. 107, 23-32. Wochenlektionen. Morgens. M 1 Mos. 42. D 1 Mof. 43. M 1 Moj. 44. D 1 Mos. 45. F 1 Mos. 46, 1-7. 26-34. S 1 Mos. 47. Abends. M Matth. 14, 1-13. D Matth. 14, 14-36. M Matth. 15, 21-39. D Matth. 15, 21-39. F Matth. 16, 1-12. 15, 1-20. D Matth. S Matth. 16, 13-28. Oder: M Lut. 10, 23-42. D Luf. 11, 1-13. M Luf. 11, 14-36. D Luf. 11, 37-54. F Luf. 12, 1-32. S Luf. 12, 33-59. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Matth. 8, 23-27. M Röm. 13, 1-10. D Joh. 4, 3. Lektionarium.- A. Der Weihnachtskreis. 5. Sonnt. nach Epiph. 207 27-42. M Röm. 7, 6-25. D f. 93. F 1 Kor. 4, 9-20. S Lut. 2, 22-40. Am fünften Sonntage nach Epiphanias. Kollekte. Herr Gott, himmlischer Vater, wir bitten dich, erhalte in deiner treuen Obhut deine Hausgenossen, auf daß unter deinem Schirme allezeit sicher wohne, was sich allein der Hoffnung deiner himmlischen Gnade getröstet, durch Jesum Christum, deinen Sohn, der mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Epistel: Kol. 3, 12-17.( H. Kol. 3, 12-4, 1.) So ziehet nun an, als die Auserwählten Gottes, Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld, und vertrage einer den andern und vergebet euch unter einander, so jemand Klage hat wider den andern; gleichwie Christus euch vergeben hat, also auch ihr. Über alles aber ziehet an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. Und der Friede Gottes regiere in euren Herzen, zu welchem ihr auch berufen seid in Einem Leibe, und seid dankbar. Lasset das Wort Christi unter euch reichlich wohnen in aller Weisheit. Lehret und vermahnet euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen lieblichen Liedern, und singet dem Herrn in eurem Herzen. Und alles, was ihr thut mit Worten oder mit Werken, das thut alles in dem Namen des Herrn Jesu, und danket Gott und dem Vater durch ihn. Evangelium: Matth. 13, 24-30.( H. Matth. 13, 24-30 u. 36-43.). Er legte ihnen ein ander Gleichnis vor und sprach: Das Himmelreich ist gleich einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säete. Da aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säete Unkraut zwischen den Weizen und ging davon. Da nun das Kraut wuchs und Frucht brachte, da fand sich auch das Unkraut. traten die Knechte zu dem Hausvater und sprachen: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesäet? woher hat er denn das Unkraut? Er sprach zu ihnen: Das hat der Feind gethan. Da sprachen die Knechte: Willst du denn, daß wir hingehen und es ausgäten? Er aber sprach: Nein, auf daß ihr nicht zugleich den Weizen mit ausrauset, so ihr das Unkraut ausgätet. Laffet beides 208 Erster Teil: Das Hausbuch. mit einander wachsen bis zur Ernte; und um der Ernte Zeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuvor das Unkraut und bindet es in Bündlein, daß man es verbrenne; aber den Weizen sammelt mir in meine Scheuern. Gebet. O allmächtiger Gott und ewiger Hausvater, wir klagen dir, daß dein Feind, der leidige Satan, viel Unkraut in deine Kirche säet und erwecket viel Keßerei und richtet viel Ärgernis und Unglück an. Wir bitten deine treue Güte, du wollest in deiner Kirche einen heiligen Samen von deinem Wort erhalten, und deine Engel aussenden und die giftigen Kräuter ausgäten und deine guten Garben in deine Scheuern sammeln lassen, durch Jesum Christum, unsern Heiland und Herrn. Amen. Joh. Mathesius. Ps. 11. Ps. 119, 81-104. Wochenlektionen. Morgens. M 1 Mos. 48. D 1 Mos. 49-50, 1. M 1 Mos. 50, 2-26. D 2 Mos. 1. F 2 Moj. 2. S 2. Mos. 3. Abends. M Matth. 17, 1-13. D Matth. 17, 14-27. M Matth. 18, 1-20. D Matth. 18, 21-35. F Matth. 19, 1-15. S Matth. 19, 16-30. Oder: M Luk. 13, 1-17. D Luf. 13, 18-35. M Luk. 14, 1-24. D Luf. 14, 25-35. F Luf. 15, 1-10. S Suf. 15, 11-32. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Matth. 13, 24-30 u. 36-43. M Sol. 3, 12-4, 1. D Joh. 5, 1-18. M Röm. 8, 1-11. D Jerem. 24. F 1 Joh. 5, 14-21. S Joh. 8, 12-19. Am sechsten Sonntage nach Epiphanias. Kollekte. Allmächtiger Gott, himmlischer Vater, der du deinen Sohn mit eigner Stimme vom Himmel herab verkläret und uns zu 3. Lektionarium.- A. Der Weihnachtskreis. 6. Sonnt. nach Epiph. 209 erkennen gegeben hast, daß wir in ihm allein dir wohlgefällig sein können, wir bitten dich, regiere uns durch deinen heiligen Geist, daß wir denselben deinen Sohn fleißig hören, sein Wort und Stimme mit Glauben annehmen und also hernach mit allen Heiligen bei ihm in ewiger Freude und Seligkeit leben mögen, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Epistel: 2 Petr. 1, 16-21. Denn wir haben nicht den klugen Fabeln gefolget, da wir euch kund gethan haben die Kraft und Zukunft unsers Herrn Jesu Christi; sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen, da er empfing von Gott dem Vater Ehre und Preis, durch eine Stimme, die zu ihm geschah von der großen Herrlichkeit dermaßen: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Und diese Stimme haben wir gehöret vom Himmel gebracht, da wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge. Wir haben ein festes prophetisches Wort, und ihr thut wohl, daß ihr darauf achtet, als auf ein Licht, das da scheinet in einem dunkeln Ort, bis der Tag anbreche, und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen. Und das sollt ihr für das erste wissen, daß keine Weissagung in der Schrift geschieht aus eigener Auslegung; denn es ist noch nie keine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht, sondern die heiligen Menschen Gottes haben geredet, getrieben von dem heiligen Geist. Evangelium: Matth. 17, 1-9. Und nach sechs Tagen nahm Jesus zu sich Petrum und Jakobum und Johannem, seinen Bruder, und führte sie beiseits auf einen hohen Berg. Und ward verkläret vor ihnen, und sein Angeficht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß, als ein Licht. Und siehe, da erschienen ihnen Moses und Elias, die redeten mit ihm. Petrus aber antwortete und sprach zu Jesu: Herr, hier ist gut sein; willst du, so wollen wir hier drei Hütten machen, dir eine, Most eine und Elias eine. Da er noch also redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören. Da das die Jünger höreten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr. Jesus aber trat zu ihnen, rührete sie an und sprach: Stehet auf und fürchtet euch nicht. Da sie aber ihre Augen aufhuben, sahen sie niemand, denn Jesum allein. Und da sie vom Berge herab gingen, gebot ihnen Jesus und Allgemeines Gebetbuch. 14 210 Erster Teil: Das Hausbuch. sprach: Ihr sollt dies Gesicht niemand sagen, bis des Menschen Sohn von den Toten auferstanden ist. Gebet. O wahrer Gott, du ewiges Licht und Weisheit, dir ſei Lob und Dank für deinen lieben Sohn, den du uns zu einem Bischof und Lehrer verordnest und sein tröstlich Amt und Wort auf dem heiligen Berge mit weit überschwänglicherer Klarheit zierest, denn Mosis Buchstaben und Amt der Verdammnis. Hilf, lieber Vater, daß wir bei diesem treuen Erzhirten bis an das Ende verharren und versiegle sein Wort in unsern Herzen und behüte uns vor aller Ketzerei und Lügen, deren die Welt voll ist, durch Jesum Christum, unsern obersten Bischof und Herrn. Amen. Joh. Mathesius. Ps. 8. Pf. 15. Wochenlektionen. Morgens. M 2 Mos. 4. D 2 Mos. 5-6, 1. M 2 Mos. 7. D 2 Mos. 8, 1-19. F 2 Mos. 8, 20-32. S 2 Mos. 9. Abends. M Matth. 20, 1-16. D Matth. 20, 17-34. M Matth. 21, 1-22. D Matth. 21, 23-46. F Matth. 22, 1-22. S Matth. 22, 23-46 Oder: M Luf. 16, 1-18. D Luf. 16, 19-31. M Luf. 17, 1-19. D Luk. 17, 20-37. F Lut. 18, 1-17. S Luf. 18, 18-43. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Matth. 17, 1-9. M 2 Petr. 1, 16-21. D Joh. 5, 31-47. M Röm. 10, 1-17. D 2 Mos. 3, 1-15. F Hebr. 11, 8-35. S Josua 12. Die Marientage s. am Schluß der Trinitatissonntage. 3. Lektionarium. B. Der Osterfreis. Septuagesima. 211 B. Der Osterkreis. a) Die Vorfeier. Am Sonntage Septuagesima. Kollekte. Allmächtiger Herr Gott, der du bist ein Beschüßer aller, die auf dich hoffen, ohne dessen Gnade niemand etwas vermag, noch vor dir gilt, laß deine Barmherzigkeit uns reichlich widerfahren, auf daß wir durch dein heiliges Eingeben denken, was recht ist, und durch deine Kraft dasselbige vollbringen um Jesu Christi, deines lieben Sohnes, unsers Herrn willen. Amen. Epistel: 1 Kor. 9, 24-10, 5.( H. 1 Kor. 9, 24-27.) Wisset ihr nicht, daß die, so in den Schranken laufen, die laufen alle, aber Einer erlanget das Kleinod? Laufet nun also, daß ihr es ergreifet. Ein jeglicher aber, der da kämpfet, enthält sich alles Dinges: jene also, daß sie eine vergängliche Krone empfahen; wir aber eine unvergängliche. Ich laufe aber also, nicht als aufs Ungewisse; ich fechte also, nicht als der in die Luft streichet. Sondern ich betäube meinen Leib und zähme ihn, daß ich nicht den andern predige und selbst verwerflich werde. Ich will euch aber, lieben Brüder, nicht verhalten, daß unsere Väter sind alle unter der Wolfe gewesen, und sind alle durchs Meer gegangen, und sind alle unter Mosen getauft mit der Wolke und mit dem Meer, und haben alle einerlei geistliche Speise gegessen, und haben alle einerlei geistlichen Trank getrunken; sie tranken aber von dem geistlichen Fels, der mitfolgte, welcher war Christus. Aber an ihrer vielen hatte Gott kein Wohlgefallen, denn sie sind niedergeschlagen in der Wüste. Evangelium: Matth. 20, 1-16.( H. Matth. 19, 27-20, 16.) Das Himmelreich ist gleich einem Hausvater, der am Morgen ausging, Arbeiter zu mieten in seinen Weinberg. Und da er mit den Arbeitern eins ward um einen Groschen zum Taglohn, sandte er sie in seinen Weinberg. Und ging aus um die dritte Stunde und sahe andere an dem Markt müßig stehen, und sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist. Und sie gingen hin. Abermal ging er aus um die sechste und neunte Stunde und that gleich also. Um die elfte Stunde aber ging er aus 14* 212 Erster Teil: Das Hausbuch. und fand andere müßig stehen und sprach zu ihnen: Was stehet ihr hie den ganzen Tag müßig? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand gedinget. Er sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg, und was recht sein wird, soll euch werden. Da es nun Abend ward, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Schaffner: Rufe die Arbeiter und gieb ihnen den Lohn, und heb an an den Letzten, bis zu den Ersten. Da kamen, die um die elfte Stunde gedinget waren, und empfing ein jeglicher seinen Groschen. Da aber die Ersten kamen, meineten sie, sie würden mehr empfahen; und sie empfingen auch ein jeglicher seinen Groschen. Und da sie den empfingen, murreten sie wider den Hausvater, und sprachen: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleich gemacht, die wir des Tages Last und Hiße getragen haben. Er antwortete aber und sagte zu einem unter ihnen: Mein Freund, ich thue dir nicht unrecht. Bist du nicht mit mir eins worden um einen Groschen? Nimm, was dein ist, und gehe hin. Ich will aber diesem Leßten. geben, gleichwie dir. Oder habe ich nicht Macht zu thun, was ich will, mit dem Meinen? Siehest du darum scheel, daß ich so gütig bin? Also werden die Letzten die Ersten, und die Ersten die Letzten sein. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählet. Gebet. Allmächtiger Gott, himmlischer Vater, der du uns arme Heiden in dieser letzten Stunde auch zu deinem Weinberge berufen und uns Unverdienten deinen Gnadengroschen und allerlei geistliche und ewige Gaben widerfahren läsfest, hilf, daß wir in Demut und Geduld dir allezeit auf deine lautere Gnade treulich und fröhlich dienen und wider deine große Gütigkeit mit den Heuchlern nicht murren, auf daß wir mit ihnen nicht abgewiesen noch verstoßen werden, sondern in deinem Hauſe bleiben und deine herrliche Gnade rühmen und preisen mögen, um Jeſu Christi, unsers Herrn willen. Amen. Kursächs. Agende. Pf. 119, 1-16. Pf. 119, 17-32. Wochenlektionen. Morgens. M 2 Mos. 10. D 2 Mos. 11. M 2 Mos. 12, 1-28. D 2 Mos. 12, 29-51. F 2 Moj. 13, 1-16. S 2 Mos. 13, 17-22. 213 3. Lektionarium. B. Der Osterkreis. Seragesima. Abends. M Matth. 23. D Matth. 24, 1-28. M Matth. 24, 29-51. D Matth. 25, 1-13. F Matth. 25, 14-30. S Matth. 25, 31-46 Oder: M Luf. 19, 1-28. D Luf. 19, 29-48. M Luf. 20, 1-26. D Luf. 20, 27-47. F Suf. 21, 1-24. S Suf. 21, 25-38. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Matth. 19, 27-20, 16. M 1 Kor. 9, 24-27. D Lut. 9, 18-26. M Philip. 1, 27-2, 4. D 2 Mos. 19, 3-8. F 1 Theff. 1, 1-10. S Mal. 3, 1-5. Am Sonntag Seragesima. Kollekte. Allmächtiger Gott und Vater, der du durch dein ewiges, göttliches Wort alle Dinge erschaffen hast, segnest und erhältſt, wir bitten dich, daß du dein ewiges Wort, unsern Herrn Jeſum Christum, uns wollest offenbaren und in unsre Herzen pflanzen, um desselben deines lieben Sohnes, Jesu Christi, unsers Herrn willen. Amen. Epistel: 2 Kor. 11, 19-12, 9.( H. 2 Kor. 12, 1-10.) Denn ihr vertraget gerne die Narren, dieweil ihr flug seid. Ihr vertraget, so euch jemand zu Knechten macht, so euch jemand schindet, so euch jemand nimmt, so euch jemand troßt, so euch jemand in das Angesicht streicht. Das sage ich nach der Unehre, als wären wir schwach worden. Worauf nun jemand kühn ist,( ich rede in Thorheit) darauf bin ich auch fühn. Sie sind Ebräer, ich auch. Sie sind Israeliter, ich auch. Sie sind Abrahams Same, ich auch. Sie sind Diener Christi;( ich rede thörlich) ich bin wohl mehr. Ich habe mehr gearbeitet, ich habe mehr Schläge erlitten, ich bin öfter gefangen, oft in Todesnöten gewesen. Von den Juden habe ich fünfmal empfangen vierzig Streiche weniger eines. Ich bin dreimal gestäupet, einmal gesteiniget, dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, Tag und Nacht habe ich zugebracht in der Tiefe( des Meers). Ich habe oft gereiset; ich bin in Fährlichkeit gewesen zu Wasser, in Fährlichkeit unter den Mördern, in Fährlichkeit unter den Juden, in Fähr 214 Erster Teil: Das Hausbuch. lichkeit unter den Heiden, in Fährlichkeit in den Städten, in Fährlichkeit in der Wüste, in Fährlichkeit auf dem Meer, in Fährlichkeit unter den falschen Brüdern. In Mühe und Arbeit, in viel Wachen, in Hunger und Durst, in viel Fasten, in Frost und Blöße, ohne was sich sonst zuträgt, nämlich, daß ich täglich werde angelaufen und trage Sorge für alle Gemeinen. Wer ist schwach, und ich werde nicht schwach? Wer wird geärgert, und ich brenne nicht? So ich mich je rühmen soll, will ich mich meiner Schwachheit rühmen. Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, welcher sei gelobet in Ewigkeit, weiß, daß ich nicht lüge. Zu Damaskus, der Landpfleger des Königs Areta verwahrete die Stadt der Damasker, und wollte mich greifen; und ich ward in einem Korbe zum Fenster aus durch die Mauer niedergelassen und entrann aus seinen Händen. Es ist mir ja das Rühmen nichts nüße; doch will ich kommen auf die Gesichte und Offenbarungen des Herrn. Ich kenne einen Menschen in Christo vor vierzehn Jahren( ist er in dem Leibe gewesen, so weiß ichs nicht; oder ist er außer dem Leibe gewesen, so weiß ichs auch nicht; Gott weiß es); derselbige ward entzückt bis in den dritten Himmel. Und ich kenne denselbigen Menschen,( ob er in dem Leibe, oder außer dem Leibe gewesen ist, weiß ich nicht; Gott weiß es). Er ward entzückt in das Paradies und hörete unaussprechliche Worte, welche kein Mensch sagen kann. Davon will ich mich rühmen; von mir selbst aber will ich mich nichts rühmen, ohne meiner Schwachheit. Und so ich mich rühmen wollte, thäte ich darum nicht thörlich; denn ich wollte die Wahrheit sagen. Ich enthalte mich aber deß, auf daß nicht jemand mich höher achte, denn er an mir siehet, oder von mir höret. Und auf daß ich mich nicht der hohen Offenbarung überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl ins Fleisch, nämlich des Satanas Engel, der mich mit Fäusten schlage, auf daß ich mich nicht überhebe. Dafür ich dreimal dem Herrn geslehet habe, daß er von mir wiche. Und er hat zu mir gesagt: Laß dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, auf daß die Kraft Christi bei mir wohne. Evangelium: Lut. 8, 4-15. Da nun viel Volks bei einander war, und aus den Städten zu ihm eileten, sprach er durch ein Gleichnis: Es ging ein Säemann aus, zu säen seinen Samen; und indem er säete, fiel etliches an den Weg und ward vertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßens 3. Lektionarium.- B. Der Osterkreis. Seragesima. 215 auf. Und etliches fiel auf den Fels; und da es aufging, verdorrete es, darum, daß es nicht Saft hatte. Und etliches fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und ersticktens. Und etliches fiel auf ein gut Land; und es ging auf und trug hundertfältige Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre. Es fragten ihn aber seine Jünger und sprachen, was dieses Gleichnis wäre? Er aber sprach: Euch ists gegeben, zu wissen das Geheimnis des Reichs Gottes; den andern aber in Gleichnissen, daß sie es nicht sehen, ob sie es schon sehen, und nicht verstehen, ob fie es schon hören. Das ist aber das Gleichnis: Der Same ist das Wort Gottes. Die aber an dem Wege sind, das sind, die es hören; darnach kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihrem Herzen, auf daß sie nicht glauben und selig werden. Die aber auf dem Fels, sind die, wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an; und die haben nicht Wurzel; eine Zeit lang glauben sie, und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab. Das aber unter die Dornen fiel, sind die, so es hören, und gehen hin unter den Sorgen, Reichtum und Wollust dieses Lebens und ersticken und bringen keine Frucht. Das aber auf dem guten Lande, sind die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld. Gebet. Allmächtiger, gütiger Vater, der du den himmlischen Samen deines Wortes unter uns reichlich ausstreuest, wir danken dir für solche große Gnade und bitten dich, du wollest unsre Herzen durch dein Wort und Geist also zurichten, daß wir ein gut Land seien, vor Sicherheit, Sorge und Wollust uns hüten, in deiner Wahrheit fest wurzeln und dabei alle Hiße und Ungewitter in Geduld beständig ertragen, damit wir in einem feinen guten Herzen reiche Früchte bringen, um Jesu Christi, unsers Herrn willen. Amen. Kursächs. Agende. Ps. 119, 33-48. Pf. 119, 49-64. Wochenlektionen. Morgens. M 2 Mos. 14. D 2 Mos. 15. M 2 Moj. 16. D 2 Mos. 17. F 2 Mos. 18. S 2 Mof. 20, 1-24. Erster Teil: Das Hausbuch. Abends. M Joh. 1, 1-28. D Joh. 1, 29-51. M Joh. 2. D Joh. 3, 1-21. F Joh. 3, 22-36. S Joh. 4, 1-26. Oder: M Mark. 1, 1-20. D Mark. 1, 21-45. M Mart. 2. D Mark. 3, 1-19. F Mart. 3, 20-35. S Mark. 4, 1-23. 216 Nach dem hannöverschen Lektionar. S Luf. 8, 4-15. M 2 Kor. 12, 1-10. D Phil. 1, 12-26. M Amos 8, 1-12. D 2 Kor. 1, 23-2, 17. F Joh. 11, 20-46. S Matth. 21, 33-45. Am Sonntage Quinquagesima oder Estomihi. Kollekte. Herr Gott, himmlischer Vater, wir bitten dich, erhöre gnädiglich unser Gebet, und wie du uns von den Banden der Sünde erlediget hast, also behüte uns auch vor aller Widerwärtigkeit, durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen lieben Sohn, der mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Epistel: 1 Kor. 13. Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz, oder eine klingende Schelle. Und wenn ich weissagen könnte, und wüßte alle Geheimnisse und alle Erkenntnis, und hätte allen Glauben, also, daß ich Berge versetzte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib brennen und hätte der Liebe nicht, so wäre mirs nichts nüße. Die Liebe ist langmütig und freundlich; die Liebe eifert nicht; die Liebe treibt nicht Mutwillen; sie blähet sich nicht, sie stellet sich nicht ungeberdig; sie suchet nicht das Ihre; sie lässet sich nicht erbittern; sie trachtet nicht nach Schaden. Sie freuet sich nicht der Ungerechtigfeit; sie freuet sich aber der Wahrheit; sie verträget alles, sie glaubet alles, sie hofft alles, sie duldet alles. Die Liebe höret nimmer auf, so doch die Weissagungen aufhören werden, und die Sprachen aufhören werden, und das Erkenntnis aufhören wird. Denn unser Wissen ist Stückwerk, und unser Weissagen ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk auf 3. Lektionarium. B. Der Osterkreis. Estomihi. 217 hören. Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und war flug wie ein Kind und hatte kindische Anschläge; da ich aber ein Mann ward, that ich ab, was kindisch war. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Wort, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ichs stückweise; dann aber werde ich es erkennen, gleichwie ich erkannt bin. Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die größeste unter ihnen. - Evangelium: Luf. 18, 31-43. Er nahm aber zu sich die Zwölfe und sprach zu ihnen: Sehet, wir gehen hinauf gen Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, das geschrieben ist durch die Propheten von des Menschen Sohn. Denn er wird überantwortet werden den Heiden; und er wird verspottet und geschmähet und verspeiet werden; und sie werden ihn geißeln und töten, und am dritten Tage wird er wieder auferstehen. Sie aber vernahmen der keines, und die Rede war ihnen verborgen, und wußten nicht, was das gesagt war. Es geschah aber, da er nahe zu Jericho kam, saß ein Blinder am Wege und bettelte. Da er aber hörete das Volk, das durchhin ging, forschete er, was das wäre. Da verkündigten sie ihm, Jesus von Nazareth ginge vorüber. Und er rief und sprach: Jesu, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Die aber vorne an gingen, bedräueten ihn, er sollte schweigen. Er aber schrie viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Jesus aber stand stille und hieß ihn zu sich führen. Da sie ihn aber nahe bei ihn brachten, fragte er ihn und sprach: Was willst du, daß ich dir thun soll? Er sprach, Herr, daß ich sehen möge. Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend; dein Glaube hat dir geholfen. Und alsbald ward er sehend und folgte ihm nach und preisete Gott. Und alles Volk, das solches sahe, lobete Gott. Gebet. Herr Gott, himmlischer Vater, der du den blinden Menschen durch deinen Sohn, Christum Jesum, gnädiglich die Augen geöffnet, und das Licht hast sehen lassen, wir armen Sünder bitten dich, du wollest durch dein Wort unsre blinden Herzen erleuchten, daß wir dich durch Christum, deinen Sohn, der für unsre Sünde bezahlt hat, recht lernen erkennen und in allen Nöten und Anfechtungen allein auf deine gnädige Hilfe und Barmherzigkeit sehen, dieselbige durch ein gläubiges Gebet suchen 218 Erster Teil: Das Hausbuch. und also Trost und Rettung wider Teufel, Sünde und Tod finden, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Kursächs. Agende. Pf. 31. Pf. 70. Wochenlektionen. Morgens. M 2 Mos. 31. D 2 Mos. 32. Abends. M Joh. 4, 27-54. D Joh. 5, 1-18. Oder: M Mart. 4, 24-41. D Mart. 5, 1-20. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Luf. 18, 31-43. M 1 Kor. 13, 1-13. D Röm. 5, 1-11. M Jerem. 8, 4-12. D 1 Joh. 4, 7-15. F Joh. 11, 47-12, 8. S Hof. 11, 1-9. Fastenzeit oder Passionszeit. Wochenlektionen von Aschermittwoch an. Morgens. M 2 Mos. 33. D 2 Mos. 34. F 3 Mos. 10, 1-11. S 3 Mos. 16. M Joh. 5, 19-47. S Joh. 6, 48-71. Abends. D Joh. 6, 1-21. F Joh. 6, 22-47. Oder: D Mart. 6, 1-29. F Mart. 6, M Mart. 5, 21-43. 30-56. S Mark. 7, 1-23. Am ersten Sonntage in den Fasten, Invokavit. Kollekte. Herr Gott, Vater aller Barmherzigkeit, wir bitten dich, du wollest gnädiglich sehen auf dies dein Volk und Hausgesinde, um welches willen dein lieber Sohn Jesus Christus sich nicht 3. Lektionarium.- B. Der Ofterkreis. Invokavit. 219 geweigert hat, übergeben zu werden in die Hände der Sünder und zu dulden die schmähliche Bein des Kreuzes. Der mit dir lebt und herrschet, wahrer Gott, in Einigkeit des heiligen Geistes, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Epistel: 2 Kor. 6, 1-10. Wir ermahnen aber euch, als Mithelfer, daß ihr nicht vergeblich die Gnade Gottes empfahet. Denn er spricht: Ich habe dich in der angenehmen Zeit erhöret und habe dir am Tage des Heils geholfen. Sehet, jetzt ist die angenehme Zeit; jeßt ist der Tag des Heils. Lasset uns aber niemand irgend ein Ärgernis geben, auf daß unser Amt nicht verlästert werde. Sondern in allen Dingen lasset uns beweisen als die Diener Gottes, in großer Geduld, in Trübsalen, in Nöten, in Ängsten, in Schlägen, in Gefängnissen, in Aufruhren, in Arbeit, in Wachen, in Fasten, in Keuschheit, in Erkenntnis, in Langmut, in Freundlichkeit, in dem heiligen Geist, in ungefärbter Liebe, in dem Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, durch Waffen der Gerechtigkeit, zur Rechten und zur Linken; durch Ehre und Schande, durch böse Gerüchte und gute Gerüchte; als die Verführer, und doch wahrhaftig; als die Unbekannten, und doch bekannt; als die Sterbenden, und siehe, wir leben; als die Gezüchtigten, und doch nicht ertötet; als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts inne haben, und doch alles haben. Evangelium: Matth. 4, 1-11. Da ward Jesus vom Geist in die Wüste geführt, auf daß er von dem Teufel versucht würde. Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefaſtet hatte, hungerte ihn. Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brot werden. Und er antwortete und sprach: Es stehet geschrieben: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes gehet. Da führete ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellete ihn auf die Zinne des Tempels, und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so laß dich hinab; denn es stehet geschrieben: Er wird seinen Engeln über dir Befehl thun, und sie werden dich auf den Händen tragen, auf daß du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum stehet auch geschrieben: Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht versuchen. Wiederum führete ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigete ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlich Erster Teil: Das Hausbuch. keit. Und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, so du niederfällst und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: Heb dich weg von mir, Satan; denn es stehet geschrieben: Du sollst anbeten Gott, deinen Herrn, und ihm allein dienen. Da verließ ihn der Teufel; und siehe, da traten die Engel zu ihm und dieneten ihm. 220 Gebet. Allmächtiger Gott, himmlischer Vater, du weißt, wie wir armen schwachen Menschen auf vielerlei Weise von dem Satan angefochten werden, und wider ihn gar nichts vermögen, verleihe uns aus der Höhe Kraft und gieb uns deinen heiligen Geist, daß wir ihm rechten Widerstand thun, ihn durch dein Wort von uns treiben, den Sieg über ihn davon tragen und mit allen Auserwählten triumphieren, um Jesu Christi, deines lieben Sohnes, unsers Herrn willen. Amen. Kursächs. Agende. Pf. 17. Pf. 26. Wochenlektionen. Morgens. M 4 Mof. 11. D 4 Mos. 12. M 4 Moj. 13, 1-4. 18-34. D 4 Mos. 14, 1-25. F 4 Mos. 14, 26-45. S 4 Mos. 15, 17-41. Abends. M Joh. 7, 1-24. D Joh. 7, 25-53. M Joh. 8, 1-30. D Joh. 8, 31-59. F Joh. 9, 1-17. S Joh. 9, 18-41. Oder: M Mark. 7, 24-37. D Mark. 8, 1-21. M Mart. 8, 22-9, 1. D Mark. 9, 2-29. F Mark. 9, 30-59. S Mark. 10, 1-31. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Matth. 4, 1-11. M 2 Kor. 6, 1-10. D Luf. 22, 31-44. M Hebr. 4, 14-5, 9. D Jer. 17, 5-14. F 1 Joh. 3, 7-12. S Pf. 22. Am zweiten Sonntage in den Fasten, Reminiscere. Kollekte. Herr Gott, der du siehest, daß es uns an aller Kraft gebricht, bewahre uns von Außen und Innen, auf daß wir am 3. Lektionarium.- B. Der Osterkreis. Reminiscere. 221 Leibe wider alle Fährlichkeit beschirmet und an der Seele von argen Gedanken gereinigt werden, durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebt und regieret in Ewigkeit. Amen. Epistel: 1 Theff. 4, 1-7.( S. 1 Thess. 4, 1-12.) Weiter, lieben Brüder, bitten wir euch und ermahnen in dem Herrn Jesu( nachdem ihr von uns empfangen habt, wie ihr sollet wandeln und Gott gefallen), daß ihr immer völliger werdet. Denn ihr wisset, welche Gebote wir euch gegeben haben durch den Herrn Jesum. Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, daß ihr meidet die Hurerei, und ein jeglicher unter euch wisse sein Faß zu behalten in Heiligung und Ehren, nicht in der Lustseuche, wie die Heiden, die von Gott nichts wissen; und daß niemand zu weit greife, noch vervorteile seinen Bruder im Handel; denn der Herr ist der Rächer über das alles, wie wir euch zuvor gesagt und bezeuget haben. Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinigkeit, sondern zur Heiligung. Evangelium: Matth. 15, 21-28. Und Jesus ging aus von dannen und entwich in die Gegend Tyrus und Sidon. Und siehe, ein kananäisch Weib ging aus der= selbigen Grenze und schrie ihm nach und sprach: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich mein; meine Tochter wird vom Teufel übel geplagt. Und er antwortete ihr kein Wort. Da traten zu ihm seine Jünger, baten ihn und sprachen: Laß sie doch von dir; denn sie schreiet uns nach. Er antwortete aber und sprach: Ich bin nicht gesandt, denn nur zu den verlornen Schafen von dem Hause Israel. Sie kam aber und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir! Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht sein, daß man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde. Sie sprach: Ja, Herr, aber doch essen die Hündlein von den Brosamlein, die von ihrer Herren Tische fallen. Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: O Weib, dein Glaube ist groß; dir geschehe, wie du willst. Und ihre Tochter ward gesund zu derselbigen Stunde. Gebet. Lieber Herr Gott, deine große herzliche Barmherzigkeit hält sich hart gegen uns, und dennoch bist du unser Vater und unser Erlöser, von Alters her ist das dein tröstlicher Name, Univ, Bisl. Giessen 222 Erster Teil: Das Hausbuch. hilf, daß wir dich recht lernen erkennen, bei deinem eignen Worte fest fassen, und wenn du in Trübsal und Anfechtung mit uns kämpfest, dich durch dich im Glauben fröhlich überwinden und deine Hilfe endlich empfinden mögen, um Jesu Christi, deines lieben Sohnes, unsers Herrn willen. Amen. Kursächs. Agende. P₁. 42. Pf. 77. Pf. 116. Pf. 130. Wochenlektionen. Morgens. M 4 Mos. 16, 1-19. D 4 Mos. 16, 20-50. M 4 Mos. 17. D 4 Mof. 20. F 4 Mos. 21, 1-9. S 4 Mos. 21, 10-22, 1. Abends. M Joh. 10, 1-21. D Joh. 10, 22-42. M Joh. 11, 1-31. D Joh. 11, 32-57. F Joh. 12, 1-33. S Joh. 12, 34-50. Oder: M Mark. 10, 32-52. D Mark. 11. M Mark. 12, 1-27. D Mark. 12, 28-44. F Mark. 13, 1-13. S Mark. 13, 14-37. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Matth. 15, 21-28. M 1 Thess. 4, 1-12. D f. 130. M 2 Kor. 7, 1-12. D Röm. 3, 19-31. F Luf. 22, 45-62. S 1 Tim. 1, 12-17. Am dritten Sonntage in den Fasten, Okuli. Kollekte. O gütiger Gott, du willst viel lieber deinem Volke gnädig sein, als deinen Zorn über jemand ausgießen: verleihe allen deinen Auserwählten durch das Leiden deines Sohnes, zu hassen ihre Sünde, auf daß sie deinen Trost empfangen mögen, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn, der mit dir lebt und regieret in Einigkeit des heiligen Geistes von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Epistel: Ephes. 5, 1-9. So seid nun Gottes Nachfolger, als die lieben Kinder, und wandelt in der Liebe, gleichwie Christus uns hat geliebet und sich Collant 3. Lektionarium. B. Der Osterkreis. Ofuli. 223 selbst dargegeben für uns zur Gabe und Opfer, Gott zu einem süßen Geruch. Hurerei aber und alle Unreinigkeit, oder Geiz lasset nicht von euch gesagt werden, wie den Heiligen zustehet; auch schandbare Worte und Narrenteidinge, oder Scherze, welche euch nicht ziemen, sondern vielmehr Danksagung. Denn das sollt ihr wissen, daß kein Hurer, oder Unreiner, oder Geiziger,( welcher ist ein Gößendiener) Erbe hat an dem Reich Christi und Gottes. Lasset euch niemand verführen mit vergeblichen Worten; denn um dieser willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Unglaubens. Darum seid nicht ihre Mitgenossen. Denn ihr waret weiland Finsternis; nun aber seid ihr ein Licht in dem Herrn. Wandelt wie die Kinder des Lichts. Die Frucht des Geistes ist allerlei Gütigkeit und Gerechtigkeit und Wahrheit. Evangelium: Luf. 11, 14-28. Und er trieb einen Teufel aus, der war stumm. Und es geschah, da der Teufel ausfuhr, da redete der Stumme. Und das Volk verwunderte sich. Etliche aber unter ihnen sprachen: Er treibt die Teufel aus durch Beelzebub, den Obersten der Teufel. Die andern aber versuchten ihn und begehrten ein Zeichen von ihm vom Himmel. Er aber vernahm ihre Gedanken und sprach zu ihnen: Ein jeglich Reich, so es mit ihm selbst uneins wird, das wird wüste, und ein Haus fällt über das andre. Ist denn der Satanas auch mit ihm selbst uneins, wie will sein Reich bestehen? Dieweil ihr saget, ich treibe die Teufel aus durch Beelzebub. So aber ich die Teufel durch Beelzebub austreibe, durch wen treiben sie eure Kinder aus? Darum werden sie eure Richter sein. So ich aber durch Gottes Finger die Teufel austreibe, so kommt je das Reich Gottes zu euch. Wenn ein starker Gewappneter seinen Palast bewahret, so bleibt das Seine mit Frieden. Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt und überwindet ihn, so nimmt er ihm seinen Harnisch, darauf er sich verließ, und teilet den Raub aus. Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreuet. Wenn der unsaubere Geist von dem Menschen ausfähret, so durchwandelt er dürre Stätten, suchet Ruhe und findet ihrer nicht; so spricht er: Ich will wieder umkehren in mein Haus, daraus ich gegangen bin. Und wenn er kommt, so findet ers mit Besemen gekehret und geschmücket. Dann gehet er hin und nimmt sieben Geister zu sich, die ärger sind, denn er selbst; und wenn sie hinein kommen, wohnen sie da; und wird hernach mit demselbigen Menschen ärger, denn vorhin. Und es begab sich, da er solches redete, erhub ein Weib 224 Erster Teil: Das Hausbuch. im Volk die Stimme und sprach zu ihm: Selig ist der Leib, der dich getragen hat, und die Brüste die du gesogen hast. Er aber sprach: Ja, selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Gebet. O ewiger Herr und starker Sohn Gottes, der du erschienen bist, daß du der Schlange Kopf zertretest und des Teufels Werk und Reich zerstörtest, wir danken dir, daß du durch deinen mächtigen Finger, welches ist dein Wort und Taufe, den bösen Geist von uns austreibest und uns zum heiligen Tempel und reiner Wohnung Gottes heiligest, und bitten deinen gewaltigen Arm und unüberwindliche Macht, du wollest den Satan dein Haus und Kirche nicht wieder entweihen und ihm keine Gewalt über uns lassen, damit unsre Herzen nicht entheiligt und das Letzte ärger, denn das Erste mit uns werde, der du für uns sorgest und streitest von nun an bis in Ewigkeit. Amen. Joh. Mathesius. Pf. 41. Pf. 109. Wochenlektionen. Morgens. M 4 Mos. 22, 2-20. D 4 Mos. 22, 21-40. M 4 Mos. 23. D 4 Mof. 24. F 5 Mos. 7. S 5 Mos. 8. Abends. M Hebr. 1. D Hebr. 2. M Hebr. 3. D Hebr. 4. F Hebr. 5. S Hebr. 6. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Luf. 11, 14-28. M Ephef. 5, 1-9. D Ebr. 12, 1-13. M Jer. 26, 1-15. D 2 Kor. 6, 11-18. F Luf. 22, 63-71. S 1 Kor. 10, 14-21. Am vierten Sonntage in den Fasten, Lätare. Kollekte. Allmächtiger Herr Gott, wir bitten dich, verleihe uns, die wir um unsrer Werke willen billig Strafe leiden, daß wir durch den Trost deiner Gnade wiederum erquicket werden mögen, durch M 3. Lektionarium. B. Der Osterfreis. Lätare. 225 unsern Herrn, Jesum Christum, deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. - Epistel: Gal. 4, 21-31.( S. Hebr. 9, 11-15.) Saget mir, die ihr unter dem Gesetz sein wollt, habt ihr das Gesetz nicht gehöret? Denn es stehet geschrieben, daß Abraham zween Söhne hatte: einen von der Magd, den andern von der Freien. Aber der von der Magd war, ist nach dem Fleisch geboren; der aber von der Freien, ist durch die Verheißung geboren. Die Worte bedeuten etwas. Denn das sind die zwei Testamente, eines von dem Berge Sinai, das zur Knechtschaft gebieret, welches ist die Agar. Denn Agar heißt in Arabien der Berg Sinai und langet bis gen Jerusalem, das zu dieser Zeit ist und ist dienstbar mit seinen Kindern. Aber das Jerusalem, das droben ist, das ist die Freie, die ist unser aller Mutter. Denn es stehet geschrieben: Sci fröhlich, du Unfruchtbare, die du nicht gebierest, und brich hervor und rufe, die du nicht schwanger bist; denn die Einsame hat viel mehr Kinder, denn die den Mann hat. Wir aber, lieben Brüder, sind, Isaak nach, der Verheißung Kinder; aber gleichwie zu der Zeit, der nach dem Fleisch geboren war, verfolgete den, der nach dem Geist geboren war; also gehet es jetzt auch. Aber was spricht die Schrift? Stoß die Magd hinaus mit ihrem Sohn; denn der Magd Sohn soll nicht erben mit dem Sohn der Freien. So sind wir nun, lieben Brüder, nicht der Magd Kinder, sondern der Freien. Evangelium: Joh. 6, 1-15.( H. Joh. 8, 46-59.) Darnach fuhr Jesus weg über das Meer an der Stadt Tiberias in Galiläa. Und es zog ihm viel Volks nach, darum, daß sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken that. Jesus aber ging hinauf auf einen Berg und setzte sich daselbst mit seinen Jüngern. Es war aber nahe die Ostern, der Juden Fest. Da hub Jesus seine Augen. auf und siehet, daß viel Volks zu ihm kommt und spricht zu Philippo: Wo kaufen wir Brot, daß diese essen?( Das sagte er aber, ihn zu versuchen; denn er wußte wohl, was er thun wollte.) Philippus antwortete ihm: Zweihundert Pfennig wert Brot ist nicht genug unter sie, daß ein jeglicher unter ihnen ein wenig nehme. Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder Simonis Petri: Es ist ein Knabe hie, der hat fünf Gerstenbrote und zween Fische; aber was ist das unter so viele? Jesus aber sprach: Schaffet, daß sich das Volk lagere. Es war aber viel Gras an dem Orte. Da lagerten sich bei fünf tausend Mann. Jesus aber nahm die Brote, Allgemeines Gebetbuch. 15 226 Erster Teil: Das Hausbuch. dankete und gab sie den Jüngern, die Jünger aber denen, die sich gelagert hatten; desselbigen gleichen auch von den Fischen, wie viel er wollte. Da sie aber satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, daß nichts umkomme. Da sammelten sie und fülleten zwölf Körbe mit Brocken, von den fünf Gerstenbroten, die überblieben denen, die gespeiset worden. Da nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus that, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da Jesus nun merkete, daß sie kommen würden und ihn haschen, daß sie ihn zum Könige machten, entwich er abermal auf den Berg, er selbst allein. Gebet. Herr Jesu Christe, du König deiner Christenheit, der du zur Rechten Gottes sizest, du großer Prophet, der du gar wohl weißest, was du thun sollst, hebe täglich und stets die Augen deiner Barmherzigkeit über uns auf und gieb uns unser bescheiden Teil, volle Genüge und alles, was wir nach deinem Willen begehren und haben wollen, damit wir dein liebreiches Herz und deine milde freigebige Hand zeitlich und ewig preisen. Amen. Val. Herberger. 3₁. 78, 1-33. Pf. 146. Wochenlektionen. Morgens. M 5 Mos. 18, 9-19. D 5 Mos. 28, 1-14. M 5 Mos. 28, 15-53. 63-68. D 5 Mos. 30. F 5 Mos. 32, 1-43. S 5 Mos. 34. Abends. M Hebr. 7. D Hebr. 8. M Hebr. 9, 1-15. D Hebr. 9, 16-28. F Hebr. 10, 1-25. S Hebr. 10, 26-39. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Joh. 8, 46-59. M Cbr. 9, 11-15. D 1 Petr. 1, 17-25. M Mal. 2, 1-10. D Ebr. 7, 11-28. F Matt. 27, 1-10. S 2 Kor. 5, 14-21. Am fünften Sonntage in den Fasten, Judika. Kollekte. Allmächtiger Gott, wir bitten dich, verleihe, daß wir, die wir unter dem Anlauf des Feindes aus Schwachheit dahin sinken 3. Lektionarium. B. Der Osterkreis. Judika. und fehlen, durch das versöhnende Leiden deines eingebornen Sohnes neue Kraft empfangen, durch denselben deinen lieben Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. - 227 Epistel: Hebr. 9, 11-15. Christus aber ist kommen, daß er sei ein Hoherpriester der zukünftigen Güter, durch eine größere und vollkommenere Hütte, die nicht mit der Hand gemacht ist, das ist, die nicht also gebauet ist; auch nicht durch der Böcke oder Kälber Blut, sondern er ist durch sein eigen Blut einmal in das Heilige eingegangen und hat eine ewige Erlösung erfunden. Denn so der Ochsen und der Böcke Blut und die Asche, von der Kuh gesprenget, heiliget die Unreinen zu der leiblichen Reinigkeit; wieviel mehr wird das Blut Christi, der sich selbst ohn allen Wandel durch den heiligen Geist Gotte geopfert hat, unser Gewissen reinigen von den toten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott? Und darum ist er auch ein Mittler des neuen Testaments, auf daß durch den Tod, so geschehen ist zur Erlösung von den Übertretungen, die unter dem ersten Testament waren, die, so berufen sind, das verheißene ewige Erbe empfahen. Evangelium: Joh. 8, 46-59. Welcher unter euch kann mich einer Sünde zeihen? So ich euch aber die Wahrheit sage, warum glaubet ihr mir nicht? Wer von Gott ist, der höret Gottes Wort. Darum höret ihr nicht, denn ihr seid nicht von Gott. Da antworteten die Juden und sprachen zu ihm: Sagen wir nicht recht, daß du ein Samariter bist und haſt den Teufel? Jesus antwortete: Ich habe keinen Teufel, sondern ich ehre meinen Vater, und ihr unehret mich. Ich suche nicht meine Ehre; es ist aber Einer, der sie suchet und richtet. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, so jemand mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich. Da sprachen die Juden zu ihm: Nun erkennen wir, daß du den Teufel hast. Abraham ist gestorben und die Propheten, und du sprichst: So jemand mein Wort hält, der wird den Tod nicht schmecken ewiglich. Bist du mehr, denn unser Vater Abraham, welcher gestorben ist? und die Propheten sind gestorben. Was machst du aus dir selbst? Jesus antwortete: So ich mich selber ehre, so ist meine Ehre nichts. Es ist aber mein Vater, der mich ehret, welchen ihr sprecht, er sei euer Gott; und kennet ihn nicht, ich aber kenne ihn. Und so ich würde sagen, ich kenne ihn nicht, so würde ich ein Lügner, gleichwie ihr seid. Aber ich kenne ihn und halte sein Wort. Abraham, euer Vater, ward froh, daß er 15* 228 Erster Teil: Das Hausbuch. meinen Tag sehen sollte, und er sahe ihn und freuete sich. Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und hast Abraham gesehen? Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ehe denn Abraham ward, bin ich. Da huben sic Steine auf, daß sie auf ihn würfen. Aber Jesus verbarg sich und ging zum Tempel hinaus, mitten durch sie hinstreichend. Gebet. du einiger Sohn Gottes, unser ewiger Mittler und Heiland aller Welt, der du mit deinem Eide beteuerst, derer keiner soll den Tod sehen, die dein gnädiges Evangelium glauben und bewahren: Dein Wort ist ja Leben und Wahrheit und die seligmachende Kraft Gottes. Nimm solches von unserm Munde nicht und laß uns in deinem Lichte wandeln, leben und sterben, damit wir in diesem Elende und mitten im Tode Trost und Leben an deiner Verheißung haben von nun an bis in Ewigkeit. Amen. Joh. Mathesius. P₁. 43. Ps. 56. Wochenlektionen. Morgens. M Jof. 1. D Jof. 2. M Jos. 3. D Jos. 6. F Jos. 7. S Jof. 8. Abends. M Hebr. 11, 1-16. D Hebr. 11, 17-40. M Hebr. 12, 1-13. D Hebr. 12, 14-29. F Hebr. 13, 1-9. S Hebr. 13, 10-25. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Luk. 1, 26-38. M Jef. 7, 10-15. D Röm. 5, 12-21. M ₁. 2. D Rol. 2, 6-15. F Matth. 27, 11-31. S Joh. 6, 47-58. Die große Leidenswoche. Am sechsten Sonntage in den Fasten, Palmarum. Kollekte. Allmächtiger, ewiger Herr Gott, der du für uns hast deinen Sohn des Kreuzes Pein lassen leiden, auf daß du von uns des 3. Lektionarium. B. Der Ostertreis. Palmarum. 229 Feindes Gewalt triebest: verleihe uns, also zu begehen und zu danken seinem Leiden, daß wir dadurch der Sünden Vergebung und vom ewigen Tode Erlösung erlangen. Durch denselben deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Epistel: Phil. 2, 5-11. Ein jeglicher sei gesinnet, wie Jesus Christus auch war, welcher, ob er wohl in göttlicher Gestalt war, hielt ers nicht für einen Raub, Gott gleich sein; sondern äußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward gleich wie ein anderer Mensch und an Geberden als ein Mensch erfunden; Er niedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöhet und hat ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen alle derer Kniee, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes des Vaters. Evangelium: Matth. 21, 1-9.( H. Jeſ. 53.) Da sie nun nahe bei Jerusalem kamen gen Bethphage an Olberg, sandte Jesus seiner Jünger zween, und sprach zu ihnen: Gehet hin in den Flecken, der vor euch liegt, und bald werdet ihr cine Eselin finden angebunden und ein Füllen bei ihr; löset sie auf und führet sie zu mir. Und so euch jemand etwas wird sagen, so sprechet: Der Herr bedarf ihrer; so bald wird er sie euch lassen. Das geschah aber alles, auf daß erfüllet würde, das gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: Saget der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen der lastbaren Eselin. Die Jünger gingen hin und thaten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und brachten die Eselin und das Füllen, und legten ihre Kleider darauf und setzten ihn darauf. Aber viel Volks breitete die Kleider auf den Weg; die andern hieben Zweige von den Bäumen und streueten sie auf den Weg. Das Volk aber, das vorging und nachfolgete, schrie und sprach: Hosianna dem Sohne Davids: gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, Hosianna in der Höhe! Gebet. Herr Gott, himmlischer Vater, der du uns arme Menschen zu erlösen, deinen Sohn in die Welt hast kommen lassen, welcher auch, als seine Leidenszeit herbeigenahet, williglich sich für uns 230 Erster Teil: Das Hausbuch.. zu opfern, in Jerusalem eingestellt, wir bitten dich, laß uns solches sein Leiden in unsrer Sündennot zu statten kommen und gieb, daß auch wir alles Leiden, so du über uns kommen lässest, williglich ausstehen, um Jesu Christi, deines lieben Sohnes, unsers Herrn willen. Amen. Kursächs. Agende. Für Palmsonntag als Anfang der großen Leidenswoche: Pf. 59. Pf. 62. Für Palmsonntag als Konfirmationstag: Ps. 1. Pf. 71, 12-17. Pf. 119, 103-120. Ps. 139. Wochenleftionen. Morgens. M Weish. Sal. 2. D Jef. 43, 16-28. M Jej. 63, 1-6. Abends. M Sach. 11. D Sach. 13. M ₁. 69. Die Lektionen aus der Leidensgeschichte während der ganzen Passionszeit siehe am Schluß des Lektionars. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Jes. 53. M Phil. 2, 5-13. D Luf. 23, 26-38. M Joh. 13, 1-15. D 1 Kor. 11, 23-32. F Luf. 23, 39-49. S Pf. 16. Am grünen Donnerstage. Kollekte. Herr Jesu Christe, der du bei dem wunderbaren Sakrament deines Leibes und Blutes, deines Leidens zu gedenken befohlen hast, verleihe uns, daß wir desselbigen also mögen brauchen, daß wir deine Erlösung in uns täglich fruchtbarlich empfinden, der du mit dem Vater und dem heiligen Geiste lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. Epistel: 1 Kor. 11, 23-32. Ich habe es von dem Herrn empfangen, das ich euch gegeben habe. Denn der Herr Jesus in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankete und brachs und sprach: Nehmet, esset, 3. Lektionarium. - B. Der Osterkreis.. Grüner Donnerstag. 231 das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird; solches thut zu meinem Gedächtnis. Desselbigen gleichen auch den Kelch nach dem Abendmahl und sprach: Dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut; solches thut, so oft ihrs trinket, zu meinem Gedächtnis. Denn so oft ihr von diesem Brot esset und von diesem Kelch trinket, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen, bis daß er kommt. Welcher nun unwürdig von diesem Brot isset, oder von dem Kelch des Herrn trinket, der ist schuldig an dem Leib und Blut des Herrn. Der Mensch prüfe aber sich selbst, und also esse er von diesem Brot und trinke von diesem Kelch. Denn welcher unwürdig isset und trinket, der isset und trinket ihm selber das Gericht, damit, daß er nicht unterscheidet den Leib des Herrn. Darum sind auch so viel Schwache und Kranke unter euch, und ein gut Teil schlafen. Denn so wir uns selber richteten, so würden wir nicht gerichtet. Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir von dem Herrn gezüchtigt, auf daß wir nicht samt der Welt verdammt werden. Evangelium: Joh. 13, 1-15. Vor dem Fest aber der Ostern, da Jesus erkannte, daß seine Zeit kommen war, daß er aus dieser Welt ginge zum Vater; wie er hatte geliebet die Seinen, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende. Und nach dem Abendessen, da schon der Teufel hatte dem Juda Simonis Ischarioth ins Herz gegeben, daß er ihn verriete, wußte Jesus, daß ihm der Vater hatte alles in seine Hände gegeben, und daß er von Gott kommen war und zu Gott ging: stund er vom Abendmahl auf, legte seine Kleider ab und nahm einen Schurz und umgürtete sich. Darnach goß er Wasser in ein Becken, hub an den Jüngern die Füße zu waschen und trocknete sie mit dem Schurz, damit er umgürtet war. Da kam er zu Simon Petro; und derselbige sprach zu ihm: Herr, solltest du mir meine Füße waschen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich thue, das weißeſt du jetzt nicht; du wirsts aber hernach erfahren. Da sprach Petrus zu ihm: Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen. Jesus antwortete ihm: Werde ich dich nicht waschen, so hast du kein Teil mit mir. Spricht zu ihm Simon Petrus: Herr, nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt. Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, der darf nicht, denn die Füße waschen, sondern er ist ganz rein. Und ihr seid rein; aber nicht alle. Denn er wußte seinen Verräter wohl; darum sprach er: Ihr seid nicht alle rein. Da er nun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er seine Kleider und segte sich wieder nieder und sprach abermal zu ihnen: Wisset ihr, 232 Erster Teil: Das Hausbuch. was ich euch gethan habe? Ihr heißet mich Meister und Herr und faget recht daran; denn ich bins auch. So nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe; so sollt ihr auch euch unter einander die Füße waschen. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, daß ihr thut, wie ich euch gethan habe. Pf. 111. Am Karfreitage. Kollekte. Barmherziger, ewiger Gott, der du deines einigen Sohnes nicht verschont hast, sondern ihn für uns alle dahin gegeben, daß er unsre Sünde am Kreuze tragen sollte, verleihe uns, daß unser Herz in solchem Glauben nimmermehr erschrecke noch verzage. Durch denselben deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Morgenlektion: Jej. 52, 13-53, 12. Siehe, mein Knecht wird weislich thun, und wird erhöhet, und sehr hoch erhaben sein; daß sich viele über dir ärgern werden, weil seine Gestalt häßlicher ist, denn anderer Leute, und sein Ansehen, denn der Menschenkinder. Aber also wird er viele Heiden besprengen, daß auch Könige werden ihren Mund gegen ihm zuhalten. Denn welchen nichts davon verkündet ist, dieselben werdens mit Lust sehen; und die nichts davon gehöret haben, die werdens merken. Aber wer glaubt unsrer Predigt? und wem wird der Arm des Herrn offenbaret? Denn er schießt auf vor ihm wie ein Reis, und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt noch Schöne; wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, daß man das Angesicht vor ihm verbarg: darum haben wir ihn nichts geachtet. Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unserer Missethat willen verwundet, und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Friede hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilet. Wir gingen alle in der Irre wie Schafe, ein jeglicher sahe auf seinen Weg; aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn. Da er gestraft und gemartert ward, that er seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das 3. Lektionarium. zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummet vor seinem Scherer, und seinen Mund nicht aufthut. Er ist aber aus der Angst und Gericht genommen; wer will seines Lebens Länge ausreden? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er um die Missethat meines Volts geplagt war. Und er ist begraben wie die Gottlosen, und gestorben wie ein Reicher; wiewohl er niemand Unrecht gethan hat, noch Betrug in seinem Munde gewesen ist. Aber der Herr wollte ihn also zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, so wird er Samen haben, und in die Länge leben, und des Herrn Bornehmen wird durch seine Hand fortgehen. Darum, daß seine Seele gearbeitet hat, wird er seine Lust sehen, und die Fülle haben. Und durch seine Erfenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, viele gerecht machen; denn er trägt ihre Sünde. Darum will ich ihm große Menge zur Beute geben, und er soll die Starken zum Raube haben; darum, daß er sein Leben in den Tod gegeben hat, und den Übelthätern gleich gerechnet ist, und er vieler Sünde getragen hat, und für die Übelthäter gebeten. - B. Der Osterfreis. Karfreitag. 233 Abendlektion: Sei. 50, 5-10. Der Herr, Herr hat mir das Ohr geöffnet; und ich bin nicht ungehorsam, und gehe nicht zurück. Ich hielt meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften; mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel. Denn der Herr, Herr hilft mir, darum werde ich nicht zu schanden. Darum habe ich mein Angesicht dargeboten, als einen Kieselstein; denn ich weiß, daß ich nicht zu schanden werde. Er ist nahe, der mir Recht spricht; wer will mit mir hadern? Laßt uns zusammen treten; wer ist, der Recht zu mir hat? der komme her zu mir. Siehe, der Herr, Herr hilft mir; wer ist, der mich will verdammen? Siehe, sie werden allzumal wie ein Kleid veralten, Motten werden sie fressen. Wer ist unter euch, der den Herrn fürchtet, der seines Knechts Stimme gehorche? der im Finstern wandelt, und scheinet ihm nicht? Der hoffe auf den Namen des Herrn, und verlasse sich auf seinen Gott. Am stillen Sonnabend( Samstag). Morgenlektion: Pf. 22, 2-22. Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich heule, aber meine Hilfe ist ferne. Mein Gott, des Tages rufe ich, so antwortest du nicht; und des Nachts schweige ich auch nicht. Aber du bist heilig, der du wohnest unter dem Lobe Israels. Unsere Väter 234 Erster Teil: Das Hausbuch. hofften auf dich, und da sie hofften, halfest du ihnen aus. Zu dir schrieen sie, und wurden errettet; sie hofften auf dich, und wurden nicht zu schanden. Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute, und Verachtung des Volks. Alle, die mich sehen, spotten mein, sperren das Maul auf, und schütteln den Kopf: Er klage es dem Herrn, der helfe ihm aus, und errette ihn, hat er Luſt zu ihm. Denn du hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen; du warest meine Zuversicht, da ich noch an meiner Mutter Brüsten war. Auf dich bin ich geworfen aus Mutterleibe; du bist mein Gott von meiner Mutter Leib an. Sei nicht ferne von mir, denn Angst iſt nahe, denn es ist hie kein Helfer. Große Farren haben mich umgeben, fette Ochsen haben mich umringet; ihren Rachen sperren sie auf wider mich, wie ein brüllender und reißender Löwe. Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, alle meine Gebeine haben sich zertrennet; mein Herz ist in meinem Leib wie zerschmolzen Wachs. Meine Kräfte sind vertrocknet wie ein Scherben, und meine Zunge klebet an meinem Gaumen; und du legest mich in des Todes Staub. Denn Hunde haben mich umgeben, und der Bösen Rotte hat sich um mich gemacht; sie haben meine Hände und Füße durchgraben. Ich möchte alle meine Gebeine zählen. Sie aber schauen und sehen ihre Lust an mir. Sie teilen meine Kleider unter sich, und werfen das Loos um mein Gewand. Aber du, Herr, sei nicht ferne; meine Stärke eile mir zu helfen. Errette meine Seele vom Schwert, meine Einsame von den Hunden. Hilf mir aus dem Rachen des Löwen, und errette mich von den Einhörnern. Abendlektion: Pf. 22, 23-32. Ich will deinen Namen predigen meinen Brüdern, ich will dich in der Gemeine rühmen. Rühmet den Herrn, die ihr ihn fürchtet; es ehre ihn aller Same Jakobs, und vor ihm scheue sich aller Same Israels. Denn er hat nicht verachtet, noch verschmähet das Elend des Armen, und sein Antlitz vor ihm nicht verborgen, und da er zu ihm schrie, hörete ers. Dich will ich preisen in der großen Gemeine; ich will mein Gelübde bezahlen vor denen, die ihn fürchten. Die Elenden sollen essen, daß sie satt werden; und die nach dem Herrn fragen, werden ihn preisen; euer Herz soll ewiglich leben. Es werde gedacht aller Welt Ende, daß sie sich zum Herrn bekehren, und vor ihm anbeten alle Geschlechter der Heiden. Denn der Herr hat ein Reich, und er herrschet unter den Heiden. Alle Fetten auf Erden werden essen und anbeten; vor ihm werden Kniee beugen alle, die im Staube liegen, und die, so kümmerlich leben. Er wird einen d 3. Lektionarium.- B. Der Osterkreis. Karwoche. Samen haben, der ihm dienet; vom Herrn wird man verkündigen zu Kindeskind. Sie werden kommen, und seine Gerechtigkeit predigen dem Volk, das geboren wird, daß ers thut. 235 Lektionen aus der Leidensgeschichte unsers Herrn Jesu Christi, auf die Tage der Karwoche verteilt. Nach Matthäus. Morgens. M Matth. 26, 1-13. D Matth. 26, 30-46. M Matth. 26, 57-68. D Matth. 27, 1-10. F Matth. 27, 27-37. S Matth. 27, 51-61. Abends. M Matth. 26, 14-30. D Matth. 26, 47-56. M Matth. 27, 69-75. D Matth. 27, 11-26. F Matth. 27, 38-50. S Matth. 27, 62-66. Nach Markus. Morgens. M Mark. 14, 1-9. D Mark. 14, 17-26. M Mark. 14, 43-52. D Mark. 14, 66-72. F Mart. 15, 16-25. S Mark. 15, 33-41. Abends. M Mart. 14, 10-16. D Mark. 14, 27-42. M Mark. 14, 53-65. D Mark. 15, 1-15. F Mark. 15, 26-32. S Mart. 15, 42-47. Nach Lukas. Morgens. M Qut. 22, 1-13. D Luf. 22, 24-38. M Luf. 22, 54-62. D Luf. 23, 1-12. F Suf. 23, 26-31. S Luk. 23, 44-49. Abends. M Luf. 22, 14-23. D Luk. 22, 39-53. M Qut. 22, 63-71. D Luf. 23, 13-25. F Luf. 23, 32-43. S Lut. 23, 50-56. Nach Johannes. Morgens. M Joh. 13, 1-20. D Joh. 14. M Joh. 16, 1-15. D Joh. 17. F Joh. 18, 25-40. S Joh. 19, 19-30. Erster Teil: Das Hausbuch. Abends. M Joh. 13, 21-38. D Joh. 15. M Joh. 16, 16-33. D Joh. 18, 1-24. F Joh. 19, 1-18. S Joh. 19, 31-42. Gebete für die Passionszeit. 1. O Herr Jesu Christe, der du uns armen verlornen Sündern durch dein heiliges, unschuldiges Leiden Gnade bei deinem himmlischen Vater erworben und das ewige Leben wiedergebracht hast, wir danken dir aus Grund unsers Herzens für deine Liebe, deine Angst und Not und deinen seligmachenden Tod. Wir bitten dich, erhalte uns ewig in der Liebe und im Lobe deines Leidens und gieb uns Gnade durch deinen heiligen Geist, daß wir diese teure Erlösung und große Wohlthat mit dankbarem Herzen erkennen und preisen. Hilf, daß wir dadurch im Glauben stärfer, in der Hoffnung fröhlicher, in der Liebe brünſtiger, in der Geduld getroster, im Gehorsam williger und beständiger werden, auch unsern Sünden absterben. Endlich hilf auch gnädiglich, daß wir uns deines blutigen Todes an unserm letzten Ende zur ewigen Seligkeit freuen und getrösten, o Herr Jesu Christe. Amen. Dresdner Gebetbuch. 1595. 236 2. Herr Jesu Christe, des allmächtigen Gottes Sohn, unser einiger ewiger Hoherpriester, der du hast deinen unbefleckten Leib am hohen Altar des Kreuzes aufgeopfert und bist am Holze gestorben für unsre Sünde, auf daß du durch deinen Tod die Macht nähmest dem, der des Todes Gewalt hatte, das ist dem Teufel, und erlösetest die, so durch Furcht des Todes im ganzen Leben Knechte sein mußten, ich bitte dich, verleihe mir Gnade, daß ich dir für deinen unschuldigen Tod allezeit danke und mich desselben tröste. Komm mir zu Hilfe in meinem Leben, daß ich meine Glieder auch töte, auf daß sie der Sünde abgestorben seien. Gieb auch, daß mein letztes Wort sei, welches du gesprochen hast: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist. Amen. Dresdner Gebetbuch. 1595. 25 3. Lektionarium.- B. Der Ofterkreis. Gebete f. d. Passionszeit. 237 3. Allmächtiger, ewiger Gott, der du der armen sündhaften Welt dich erbarmt hast und um ihretwillen deines eingebornen Sohnes nicht verschont, sondern ihn für alle in den Tod gegeben, auf daß wir durch ihn wiederum ewig leben möchten und selig werden, Dank sei dir für diese deine wunderbare Gnade und Barmherzigkeit, daß du den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht hast, auf daß wir in ihm würden die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. O liebster Heiland Jesu Christe, du warest der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Krankheit und Schmerzen. Denn der Herr warf unser aller Sünde auf dich, und also trugest du unsre Krankheit und ludest auf dich unsre Schmerzen. Du bist um unsrer Missethat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen worden. Die Strafe lag auf dir, auf daß wir Frieden hätten, und durch deine Wunden sind wir geheilet. Darum, so sei nun auch gelobt immer und ewiglich, daß du uns zu gut dies alles gethan und deinem himmlischen Vater gehorsam worden bist bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuze. Erbarme dich noch ferner über uns, deine Erlöseten, und hilf, daß unser keiner verloren werde. Hast du doch dein Leben für uns zum Schuldopfer gegeben, so gieb nun auch deinen heiligen Geist zu unsrer Bekehrung und mache uns gerecht durch dein Erkenntnis, nachdem du unsre Sünden getragen. Wir haben dir Arbeit gemacht in unsern Sünden und Mühe in unsern Missethaten. Hilf aber nun, daß wir nicht ohne Buße sterben oder mit unserm sündhaften Leben dich von neuem freuzigen und durch ruchlose Verachtung dein Blut mit Füßen treten, welches uns reinigen soll von unsern Sünden. Vielmehr aber verleihe uns, daß wir mit geängstetem Geiste und zerschlagenem Herzen dein Leiden und Sterben täglich betrachten, in wahrem und festem Glauben unsre Zuflucht nehmen zu deinen Wunden, und durch dieselben dermaleins mögen eingehen zum ewigen Leben. Im Übrigen beschere uns allezeit ein geduldiges Herz, nach deinem Exempel unser Kreuz KONTA 238 Erster Teil: Das Hausbuch. auf uns zu nehmen und dir willig nachzufolgen, auf daß, so wir mit dir leiden, wir auch mit dir zur Herrlichkeit mögen erhoben werden. Amen. Aus Löhes Agende. 4. Wir danken dir, Herr Jesu Christe, wahrer Gott und Mensch, daß du uns arme Sünder ohne unser Werk, Verdienst und Würdigkeit durch dein heiliges Leiden, Sterben und Blutvergießen erlöset hast. O Herr Jesu Christe, wie groß ist dein Leiden, wie schwer ist deine Pein, wie viel ist deiner Marter, wie tief sind deine Wunden, wie bitter und schmerzlich ist dein Tod, wie unaussprechlich ist deine Liebe, damit du uns deinem himmlischen Vater versöhnt hast. Du bist um unsrer Missethat willen verwundet und um unsere Sünde willen zerschlagen. Du warst der Allerverachtetſte und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. O Herr Jesu Christe, für alle deine Marter und Bein sagen wir dir Lob und Dank und bitten dich, laß dein heiliges bittres Leiden an uns nicht verloren sein, sondern gieb, daß wir uns desselben zu jeder Zeit von Herzen trösten und rühmen, es auch also begehen und betrachten, daß alle böse Lust in uns ausgelöscht und gedämpft, dagegen aber alle Tugend eingepflanzt und gemehrt werde, auf daß wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben, deinem Vorbilde nachfolgen, in deine Fußstapfen treten, das Übel mit Geduld ertragen und das Unrecht mit gutem Gewissen leiden. Amen. Dr. Joh. Habermann. 5. Dallmächtiger, gütiger, treuer Gott, wir danken dir von Grund unsres Herzens, daß du uns aus deiner milden Gnade und Barmherzigkeit deinen eingebornen Sohn, Jesum Christum, gesandt und alle unsre Sünden und Schmerzen auf ihn gelegt und deinen grimmigen Zorn, so du wider die Sünde trägst, über ihn hast ausgeschüttet. Wir bitten dich, du wollest uns um desselben deines Sohnes willen gnädig sein, alle unsre Sünde vergeben und deine große Barmherzigkeit über uns walten lassen. O lieber Gott und Vater, erhalte uns in deiner 3. Lektionarium.- B. Der Osterkreis. Gebete f. d. Passionszeit. 239 Gnade, stärke uns wider alle Anfechtung, und laß das teure Leiden und Sterben deines Sohnes Jesu Christi an uns armen Sündern nicht verloren sein. Gieb, lieber Gott und Vater, daß uns das teure Leiden und Sterben deines Sohnes Jesu Christi sei eine kräftige Arzenei wider die Sünde, ein starker Sieg wider Tod, Teufel und Hölle, ein seliger Trost und heilsame Erquickung in allen Anfechtungen, eine selige Förderung und Erhaltung zum ewigen Leben. Hilf, lieber Gott, daß uns das Verdienst, Leiden und Sterben deines lieben Sohnes an unserm Ende tröste, stärke und Kraft gebe, alles das, so uns betrüben und anfechten wird, zu überwinden und das ewige Leben zu erhalten. Gieb, lieber Gott, daß wir deine Gnade und Barmherzigkeit, so uns durch das Blut Jesu Christi erworben ist, nicht verlieren, sondern erhalten und ewiglich leben, durch denselben deinen lieben Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn und Heiland. Amen. Hamburgisches Gebetbuch. 1590. 6. O allmächtiger, gnädiger, barmherziger Gott, ich bitte dich durch deine heiligen Wunden und deinen bittern Tod, laß mich auch in dir seliglich und wohl sterben mit allen deinen Heiligen. Behüte mich vor einem schnellen Tode, daß ich nicht in Sünden übereilt werde und sterbe, wenn du ein groß Mißfallen an mir hast, sondern daß ich mit guter Vorbereitung und mit Empfahung deines heiligen Leibes und Blutes mich möge zu dir wenden, bei dir Gnade finden und der ewigen Seligkeit teilhaftig werden. Amen. Hamburgisches Gebetbuch. 1590. 7. O Herr Jesu Christe, du einiger Sohn Gottes, ich sage dir Dank aus allen Kräften meines Herzens, daß du für die Erlösung der Welt hast wollen geboren werden, beschnitten, von den Juden verworfen, von dem Verräter Judas durch den Kuß verraten, mit den Banden gebunden, und als ein unschuldig Lamm zum Tode und Opfer geführt, auch den Angesichtern 240 Erster Teil: Das Hausbuch. Hannä, Caiphä, Pilati und Herodis unziemlich vorgebracht, von den falschen Zeugen verklagt, mit Geißeln und Schmähungen gepeinigt, mit Speichel bespeit, mit Dornen gekrönt, mit dem Rohr geschlagen, dein Angesicht verbunden, der Kleider beraubet, mit Nägeln an das Kreuz erhoben, unter die Schächer gesetzt, mit Gallen und Essig getränkt und zuletzt mit dem Speer verwundet. Herr, durch diese deine allerheiligste Pein, die ich unwürdiger Sünder bedenke, und durch dein heiliges Kreuz und bittern Tod erledige mich von der Pein der Hölle und führe mich dahin, dahin du geführt hast den Schächer, zu der rechten Seite mit dir gekreuziget. O mein allerliebster Herr Jesu Christe, der du bist mein Schöpfer, als ich noch nicht war, du bist mein Erlöser, mein Vorsteher in allen notdürftigen Dingen, mein Tröster in Betrübnis, mein Helfer in allen Anfechtungen, mein Beschirmer in Gefährlichkeit, mein Vater nach dem Ursprung, mein Bruder von Natur, mein Richter nach Gewalt, mein Fürsprecher nach der Menschheit, mein Seligmacher und Belohnung nach der Gottheit. Ehre und Glorie sei dir immer und ewiglich, um deines heiligen bittern Leidens und Sterbens willen. Amen. Aus Minsingers Gebetbuch. 8. Am Millen Sonnabend.( Samstag.) Ach mein Herr Jesu, du bist vom Kreuz erlöset und dein verwundeter Leib ist ins Grab zur Ruhe gebracht worden. Ach Herr Jesu, erlöse auch mich zur rechten Zeit wiederum, wenn ich nach deinem Willen in Kreuz und Elend komme und gerate; ach errette mich von allem Übel und bringe mich zur erwünschten Ruhe. Insonderheit aber wende von mir alle Furcht und Schrecken des Todes in meiner Angst und letzten Not, auf daß ich mich weder vor dem Tode fürchte, noch vor meinem Grabe entsetze. Ach schreibe mit deinem göttlichen Finger diesen Trost in mein Herz hinein, daß mein Grab nicht eine finstre Höhle, darinnen ich verderben müsse, sondern ein liebliches Schlaffämmerlein und sanftes Ruhebette sei, darin du auch gelegen 3. Lektionarium. B. Der Osterkreis. Erster Osterfeiertag. 241 und bis an den dritten Tag geruhet hast. Denn du, Herr Jeſu, hast ja unsre Gräber geweihet, gesegnet und geheiligt und sie zu lieblichen Schlafstätten gemacht, auf daß, wie du in deinem Grabe nur geschlafen, nicht aber in demseligen geblieben biſt, also auch wir in unsern Gräbern nur ruhen, nicht aber in denselben gänzlich bleiben, sondern darin liegen sollen ohne alle Klag und schlafen bis am jüngsten Tag, da du wirst unser Grab aufdecken und uns zur ewigen Freud' erwecken. Ach darum, Herr Jesu, laß mich ohne Furcht, in zuversichtlichem Glauben auf dich und deinen schmerzhaften Tod gern und willig dies schnöde Leben beschließen, so werde ich am jüngsten Tage wieder aus meinem Grabe freudig hervorgehen und deine Herrlichkeit sehen ewiglich. Amen, Herr Jesu. Amen. Aus Cubachs Gebetbuch. - b) Die Festfeier. Am ersten heiligen Osterfeiertage. Kollekte. Allmächtiger Gott, wir bitten dich, verleihe, daß wir, die wir Ostern halten, von himmlischer Begier entzündet, nach der Lebensquelle dürften, unsern Herrn Jesum Christum, der mit dir in Einigkeit des heiligen Geistes lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Epistel: 1 Kor. 5, 6-8. Euer Ruhm ist nicht sein. Wisset ihr nicht, daß ein wenig Sauerteig den ganzen Teig versäuert? Darum feget den alten Sauerteig aus, auf daß ihr ein neuer Teig seid, gleichwie ihr ungesäuert seid. Denn wir haben auch ein Osterlamm, das ist Christus, für uns geopfert. Darum lasset uns Ostern halten, nicht im alten Sauerteige, auch nicht im Sauerteige der Bosheit und Schalkheit; sondern in den Süßteige der Lauterkeit und der Wahrheit. Evangelium: Mark. 16, 1-8. Und da der Sabbath vergangen war, kauften Maria Magdalena, und Maria Jakobi und Salome Spezerei, auf daß sie kämen und salbeten ihn. Und sie kamen zum Grabe an einem Sabbather Allgemeines Gebetbuch. 16 Saban Sa 242 Erster Teil: Das Hausbuch. sehr frühe, da die Sonne aufging. Und sie sprachen unter einander: Wer wälzet uns den Stein von des Grabes Thür? Und sie sahen dahin, und wurden gewahr, daß der Stein abgewälzet war, denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab, und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sizzen, der hatte ein langes weißes Kleid an; und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entsetzet euch nicht. Ihr suchet Jesum von Nazareth, den Gekreuzigten; er ist auferstanden, und ist nicht hier. Siehe da die Stätte, da sie ihn hinlegten. Gehet aber hin, und saget es seinen Jüngern und Petro, daß er vor euch hingehen wird in Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen schnell heraus, und flohen von dem Grabe; denn es war sie Zittern und Entseßen angekommen, und sie sagten niemand nichts, denn sie fürchteten sich. Pf. 16. Pf. 57. Pf. 114. Nach dem hannöverschen Lektionar. S( 1. Ostert.) Mark. 16, 1-8. M( 2. Ostert.) Luk. 24, 13-35. D 1 Kor. 5, 6-8. M Joh. 20, 1-10. D Joh. 20, 11-18. F 1 Kor. 15, 12-28. S 1 Kor. 15, 35-58. Am zweiten heiligen Osterfeiertag. Kollekte. Herr Gott, himmlischer Vater, der du deinen eingebornen Sohn um unsrer Sünden willen dahingegeben und uns zur Gerechtigkeit wieder auferwecket hast, wir bitten deine Barmherzigkeit, du wollest unsre erstorbenen Herzen durch deinen Geist zu neuem Leben erwecken und dort mit Christo ewig lebendig machen, durch die Kraft der Auferstehung deines Sohnes, unfres Herrn Jesu Christi, der mit dir in Einigkeit des heiligen Geistes, wahrer Gott, lebt und herrschet, immer und ewiglich. Amen. Epistel: Apostelgesch. 10, 34-41. Petrus aber that seinen Mund auf, und sprach: Nun erfahre ich mit der Wahrheit, daß Gott die Person nicht ansiehet; sondern in allerlei Volk, wer ihn fürchtet und recht thut, der ist ihm angenehm. Ihr wisset wohl von der Predigt, die Gott zu den Kindern Israel gesandt hat, und verkündigen lassen den Frieden durch Jesum 3. Lektionarium. B. Der Osterfreis. Zweiter Osterfeiertag. 243 Christum( welcher ist ein Herr über alles), die durch das ganze jüdische Land geschehen ist, und angegangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes predigte: Wie Gott denselbigen Jesum von Nazareth gesalbet hat mit dem heiligen Geist und Kraft; der umher gezogen ist, und hat wohl gethan und gesund gemacht alle, die vom Teufel überwältiget waren, denn Gott war mit ihm. Und wir sind Zeugen alles deß, das er gethan hat im jüdischen Lande, und zu Jerusalem. Den haben sie getötet und an ein Holz gehänget. Denselbigen hat Gott auferwecket am dritten Tage, und ihn lassen offenbar werden, nicht allem Volk, sondern uns den vorerwählten Zeugen von Gott, die wir mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er auferstanden ist von den Toten. Evangelium: Luf. 24, 13-35. Und siehe, zween aus ihnen gingen an demselbigen Tage in einen Flecken, der war von Jerusalem sechzig Feldweges weit, des Name heißt Emmaus. Und sie redeten mit einander von allen diesen Geschichten. Und es geschah, da sie so redeten, und befragten sich mit einander, nahete Jesus zu ihnen, und wandelte mit ihnen. Aber ihre Augen wurden gehalten, daß sie ihn nicht kannten. Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Reden, die ihr zwischen euch handelt unterweges, und seid traurig? Da antwortete einer, mit Namen Cleophas, und sprach zu ihm: Bist du allein unter den Fremdlingen zu Jerusalem, der nicht wisse, was in diesen Tagen darinnen geschehen ist? Und er sprach zu ihnen: Welches? Sie aber sprachen zu ihm: Das von Jesu von Nazareth, welcher war ein Prophet, mächtig von Thaten und Worten, vor Gott und allem Volk; wie ihn unsere Hohenpriester und Obersten überantwortet haben zur Verdammnis des Todes, und gekreuziget. Wir aber hofften, er sollte Israel erlösen. Und über das alles ist heute der dritte Tag, da solches geschehen ist. Auch haben uns erschreckt etliche Weiber der Unsern, die sind frühe bei dem Grabe gewesen, haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben ein Gesichte der Engel gesehen, welche sagen, er lebe. Und etliche unter uns gingen hin zum Grabe, und fanden es also, wie die Weiber sagten, aber ihn fanden sie nicht. Und er sprach zu ihnen: O ihr Thoren und träges Herzens, zu glauben alle dem, das die Propheten geredet haben; mußte nicht Christus solches leiden, und zu seiner Herrlichkeit eingehen? Und fing an von Mose und allen Propheten, und legte ihnen alle Schriften aus, die von ihm gesagt waren. Und sie kamen nahe zum Flecken, 16* Wal Erster Teil: Das Hausbuch. da sie hingingen; und er stellete sich, als wollte er weiter gehen. Und sie nötigten ihn, und sprachen: Bleibe bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben. Und es geschah, da er mit ihnen zu Tische saß, nahm er das Brot, dankte und brachs, und gab es ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet, und erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen. Und sie sprachen unter einander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege, als er uns die Schrift öffnete? Und sie standen auf zu derselbigen Stunde, kehreten wieder gen Jerusalem, und fanden die Elfe versammelt, und die bei ihnen waren, welche sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden, und Simoni erschienen. Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war, und wie er von ihnen erkannt wäre an dem, da er das Brot brach. 244 Pf. 18. Lektionen am Osterdienstag. Epistel: Apostelgesch. 13, 26-33. Evangelium: Lut. 24, 36-47. Wochenlektionen. Morgens. D Joh. 20, 19-31. F Joh. 21, M Joh. 20, 1-18. 1-14. S Joh. 21, 15-25. Abends. M 1 Petr. 1. D 1 Petr. 2. F 1 Petr. 3. S 1 Petr. 4. Gebete für Dern. 1. Allmächtiger Gott, der du durch den Tod deines Sohnes die Sünde und den Tod zunichte gemacht und durch sein Auferstehen Unschuld und ewiges Leben wieder gebracht hast, auf daß wir von der Gewalt des Teufels erlöset, in deinem Reiche leben, verleihe uns, daß wir solches alles von ganzem Herzen glauben und in solchem Glauben beständig dich allezeit loben und dir danken durch denselben deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Alte Kollekte durch Dr. M. Luther. 3. Lektionarium. B. Der Ofterkreis. Gebete für Ostern. 245 2. Allmächtiger Herr Gott, wir danken dir, daß du die siegreiche Auferstehung Christi von dem Tode uns hast verkündigen und damit unsre betrübten Seelen erquicken und trösten lassen, daß nunmehr unsre Sünde in das Grab versenket und uns eine ewige Gerechtigkeit sei hervorgebracht worden. Wir bitten dich herzlich, verleihe uns deine Gnade, daß wir nicht allein mit Worten, sondern auch mit einem neuen Wandel und mit einem heiligen Leben dir Dank sagen, damit wir auch dermaleins der seligen Auferstehung teilhaftig werden, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Kursächs. Agende. 3. Ich danke dir, mein allerliebster Herr Jesu Christe, daß du mir zu Trost und Heil am dritten Tage um meiner Gerechtigkeit willen auferstanden und mir armen trostlosen Sünder deine freudenreiche Auferstehung durch deine Engel, die Prediger, offenbaret hast. Hilf, lieber Herr Jesu Christe, daß ich ein herzlich Verlangen nach dir trage, mich wider alle meine Feinde deiner Auferstehung herzlich getröste, mich auf dein wahrhaftiges Wort verlasse, dadurch aller Furcht und alles Schreckens entnommen werde, hier zeitlich der Sünde abgestorben sei und der Gerechtigkeit lebe, darauf fröhlich diese betrübte Welt gesegne und am jüngsten Tage zu der ewigen Freude und Seligkeit auferweckt werden möge. Amen. Aus Minsingers Gebetbuch. 4. Du wahrer Friedensfürst, Herr Jesu Christe, du erscheinest heute deinen betrübten Jüngern zum Trost, trittst als der rechte Mittler und Versöhner der ganzen Welt mitten unter sie und richtest sie mit deinem holdseligen Friedensgruß wieder auf. Wir bitten dich, allerliebster Herr, laß uns diese Osterbeute deines ieben Friedens auch genießen. Wenn mitten in der Höllenangst unsre großen Sünden uns treiben und als ein nagender Wurm quälen, so tritt du auch mitten ein und grüße uns mit dem 246 Erster Teil: Das Hausbuch. Gruße des Friedens; zeige uns alsdann deine Gnadenhand, in welche du uns gezeichnet, deine Füße, zu welchen unsre überwundenen Feinde gelegt sind, deine geöffnete Seite, darin wir uns zur Zeit der Trübsal und Angst verbergen können. Laß unsern betrübten Seelen auch predigen Buße und Vergebung der Sünden, daß, weil du uns viel Gutes gethan und durch deine siegreiche Auferstehung uns aus dem ewigen Tode gerissen hast, sie sich mögen zufrieden geben, und wir also deine Osterschätze hier zeitlich und dort ewig selig genießen. Amen. Aus Cubachs Gebetbuch. 5. O Jesu Christe, du mächtiger Überwinder des Teufels, du starker Schlangentreter, du gewaltiger Zerstörer der Hölle, wir danken dir, daß du um unsrer Sünden willen dahingegeben und um unsrer Gerechtigkeit willen vom Tode wieder auferwecket bist. Du hast die Verwesung nicht gesehen, sondern wie du deinen Jüngern versprochen, bist du am dritten Tage mit der Morgenröte als die Sonne des Lebens und der Gerechtigkeit aus dem Grabe hervorgebrochen. Du hast alle unsre Sünden durch deinen unschuldigen Tod getilgt und durch deine siegreiche Auferstehung uns ewiges Leben wiedergebracht. Wir bitten dich, laß uns vom Sündenschlafe erwachen und aufstehen, damit wir auch an der fröhlichen Auferstehung am jüngsten Tage teilhaben mögen. Herr Christe, es freuen sich alle Kreaturen in dieser gnadenreichen Zeit, Laub und Gras, Blumen und Bäume in Wiesen und Wäldern, die Vögel unter dem Himmel und alle Tiere auf Erden; vielmehr freuen wir uns, denen du zu gut auferstanden bist; denn weil du erstanden, werden wir im Grabe nicht bleiben, noch ewig darinnen verschlossen sein. Unsre Leiber werden zwar hier verweslich und in Schwachheit gefäet, aber durch deine Kraft werden sie unverweslich in Herrlichkeit und Kraft auferstehen. Dies sei unser Trost im Leben und im Tode. Amen. Lüneburgisches Handbuch. 1652. 3. Lektionarium. B. Der Osterkreis. Quasimodogeniti. 247 e) Die Nachfeier. Am ersten Sonntage nach Ostern, Quasimodogeniti. Kollekte. Allmächtiger Gott, wir bitten dich, verleihe uns, die wir Ostern gefeiert haben, daß wir deinen Segen behalten und im Leben und Wandel durch deine Gnade Früchte bringen, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, der mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Epistel: 1 Joh. 5, 4-10.( S. 1 Joh. 5, 1-13.) Denn alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. Wer ist aber, der die Welt überwindet, ohne der da glaubet, daß Jesus Gottes Sohn ist? Dieser ist es, der da kommt mit Wasser und Blut, Jesus Christus, nicht mit Wasser allein, sondern mit Wasser und Blut. Und der Geist ist es, der da zeuget, daß Geist Wahrheit ist. Denn drei sind, die da zeugen im Himmel: Der Vater, das Wort, und der heilige Geist; und diese drei sind eins. Und drei sind, die da zeugen auf Erden: der Geist, und das Wasser, und das Blut; und die drei sind beisammen. So wir der Menschen Zeugnis annehmen, so ist Gottes Zeugnis größer; denn Gottes Zeugnis ist das, das er gezeuget hat von seinem Sohne. Wer da glaubet an den Sohn Gottes, der hat solch Zeugnis bei ihm. Evangelium: Joh. 20, 19-31. Am Abend aber desselbigen Sabbaths, da die Jünger versammelt und die Thüren verschlossen waren, aus Furcht vor den Juden, kam Jesus, und trat mitten ein und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch. Und als er das sagte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, daß sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermal zu ihnen: Friede sei mit euch. Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und da er das sagte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmet hin den heiligen Geiſt. Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. Thomas aber, der Zwölfen einer, der da heißet Zwilling, war nicht bei ihnen, da Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Es sei denn, daß ich in seinen Händen sehe die Nägelmale und lege meinen Finger in die Nägel 248 Erster Teil: Das Hausbuch. male und lege meine Hände in seine Seite, will ichs nicht glauben. Und über acht Tage waren abermal seine Jünger drinnen und Thomas mit ihnen. Kommt Jesus, da die Thüren verschlossen waren, und tritt mitten ein und spricht: Friede sei mit euch. Darnach spricht er zu Thoma: Reiche deinen Finger her und siehe meine Hände; und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite; und sei nicht ungläubig, sondern gläubig. Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Dieweil du mich gesehen hast, Thoma, so glaubest du. Selig sind, die nicht sehen, und doch glauben. Auch viele andere Zeichen that Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Dieſe aber sind geschrieben, daß ihr glaubet, Jesus sei Christ, der Sohn Gottes; und daß ihr durch den Glauben das Leben habet in seinem Namen. Gebet. Allmächtiger Gott, ewiger Vater, der du durch deinen lieben Sohn ein neues Reich in der Welt hast anrichten lassen, darin du in Kraft seines Todes und Auferstehung allen betrübten Gewissen Vergebung der Sünden aus Gnaden läsfest anbieten und verkündigen, wir bitten deine väterliche Güte, du wollest dies ewige und selige Reich deines Sohnes in dieser bösen Welt, und uns in diesem Reiche erhalten, durch Jesum Christum, unsern einigen König und Herrn. Amen. Joh. Mathesius. Ps. 32. Pf. 65. Wochenlektionen. Morgens. M Jos. 9. D Jof. 10, 1-28. M Jof. 11. D Jof. 23. F Jof. 24. S Pf. 105. Abends. M 1 Petr. 5. D Rol. 1. M Rol. 2. D Rol. 3. F Rol. 4. S 1 Kor. 1. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Joh. 20, 19-31. M 1 Joh. 5, 1-13. D 1 Petr. 1, 3-16. M Joh. 21, 1-19. D Jes. 52, 1-10. F 2 Kor. 5, 1-10. S Hesef. 37, 9-14. 3. Lektionarium.- B. Der Osterfreis. Misericordias Domini. 249 Am zweiten Sonntage nach Ostern, Misericordias Domini. Kollekte. Lieber Herr Gott, der du durch die Erniedrigung deines Sohnes die Welt vom tiefen Falle aufgerichtet hast, gieb deinen Gläubigen allezeit fröhlichen Mut, auf daß sie, von den Schrecken des ewigen Todes errettet, der unvergänglichen Freuden teilhaftig werden, durch denselbigen deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn, der mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Epistel: 1 Petr. 2, 21-25.( H. 1 Petr. 2, 19-25.) Denn dazu seid ihr berufen, sintemal auch Christus gelitten hat für uns und uns ein Vorbild gelassen, daß ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; welcher keine Sünde gethan hat, ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden, welcher nicht wieder schalt, da er gescholten ward, nicht dräuete, da er litt; er stellete es aber dem heim, der da recht richtet; welcher unsere Sünden selbst geopfert hat an seinem Leibe auf dem Holz, auf daß wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben, durch welches Wunden ihr seid heil geworden. Denn ihr waret wie die irrenden Schafe; aber ihr seid nun bekehret zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen. Evangelium: Joh. 10, 12-16. Ich bin ein guter Hirte; ein guter Hirte lässet sein Leben für die Schafe. Ein Mietling aber, der nicht Hirte ist, deß die Schafe nicht eigen sind, siehet den Wolf kommen und verlässet die Schafe und fleucht; und der Wolf erhaschet und zerstreuet die Schafe. Der Mietling aber fleucht; denn er ist ein Mietling und achtet der Schafe nicht. Ich bin ein guter Hirte, und erkenne die Meinen und bin bekannt den Meinen; wie mich mein Vater kennet, und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. Und ich habe noch andre Schafe, die sind nicht aus diesem Stalle. Und dieselben muß ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und wird eine Herde und ein Hirte werden. Gebet. O treuer und gnädiger Vater, der du deiner kleinen Herde einen ewigen Hirten verordnet, der uns verirrte Schäflein mit ſeinem teuern Blute soll lösen und auf seinem Rücken in die Erster Teil: Das Hausbuch. Hütten und Hürden tragen, wir bitten deine väterliche Barmherzigkeit, du wollest uns bei diesem einigen Erzhirten und treuen Bischof unsrer Seelen und auf seiner Weide des heiligen Evangelii durch deinen Geist erhalten, und uns vor Wölfen, Mietlingen und vergifteter Weide und Wassern gnädiglich behüten, und uns bald in den ewigen Schafstall zu dir versammeln lassen durch Jesum Christum, unsern wahren Hirten und Herrn. Amen. Joh. Mathesius. P₁. 23. Ps. 80. Wochenlektionen. Morgens. M Richt. 1. D Richt. 2. M Richt. 3. D Richt. 4, 1-24. F Rich. 6, 1-24. S Richt. 6, 25-40. 250 Abends. M 1 Kor. 2. D 1 Kor. 3. M 1 Ror. 4. D 1 Kor. 5. F 1 Kor. 6, 1-12. 19. 20.( 1 Kor. 7.) S 1 Kor. 8. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Joh. 10, 12-18. M 1 Petr. 2, 19-25. D Röm. 14, 6-13. M Joh. 14, 1-14. D Hejef. 34, 11-16. F 1 Petr. 4, 12-19. S Offb. 5, 1-14. Am dritten Sonntage nach Ostern, Jubilate. Kollekte. Allmächtiger, ewiger Gott, der du den Irrenden das Licht der Wahrheit läsfest leuchten, auf daß sie zum rechten Wege kommen mögen, verleihe allen denen, die Christen genannt werden, daß sie alles, was diesem Namen zuwider, meiden und dem allein nachfolgen mögen, was ihm gemäß ist, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Epistel: 1 Petr. 2, 11-20.( S. 1 Petr. 2, 11-18.) Lieben Brüder, ich ermahne euch, als die Fremdlinge und Pilgrime, enthaltet euch von fleischlichen Lüften, welche wider die Seele streiten; und führet einen guten Wandel unter den Heiden, auf daß die, so von euch afterreden, als von Übelthätern, eure guten 3. Lektionarium. B. Der Osterkreis. Jubilate. Werke sehen und Gott preisen, wenn es nun an den Tag kommen wird. Seid unterthan aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen, es sei dem Könige als dem Obersten, oder den Hauptleuten, als den Gesandten von ihm zur Rache über die Übelthäter und zu Lobe den Frommen. Denn das ist der Wille Gottes, daß ihr mit Wohlthun verstopfet die Unwissenheit der thörichten Menschen, als die Freien, und nicht als hättet ihr die Freiheit zum Deckel der Bosheit, sondern als die Knechte Gottes. Thut Ehre jedermann. Habt die Brüder lieb. Fürchtet Gott. Ehret den König. Ihr Knechte, seid unterthan mit aller Furcht den Herren, nicht allein den gütigen und gelinden, sondern auch den wunderlichen. Denn das ist Gnade, so jemand um des Gewissens willen zu Gott das Übel verträgt und leidet das Unrecht. Denn was ist das für ein Ruhm, so ihr um Missethat willen Streiche leidet? Aber wenn ihr um Wohlthat willen leidet und erduldet, das ist Gnade bei Gott. - 251 Evangelium: Joh. 16, 16-23. Über ein Kleines, so werdet ihr mich nicht sehen; und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen; denn ich gehe zumt Vater. Da sprachen etliche unter seinen Jüngern unter einander: Was ist das, das er sagt zu uns, über ein Kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen, und daß ich zum Vater gehe? Da sprachen sie: Was ist das, das er sagt, über ein Kleines? wir wissen nicht, was er redet. Da merkete Jesus, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Davon fraget ihr unter einander, daß ich gesagt habe, über ein Kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ihr werdet weinen und heulen; aber die Welt wird sich freuen. Ihr aber werdet traurig sein; doch eure Traurigkeit soll in Freude verkehret werden. Ein Weib, wenn sie gebiert, so hat sie Traurigkeit: denn ihre Stunde ist kommen. Wenn sie aber das Kind geboren hat, denket sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, daß der Mensch zur Welt geboren ist. Und ihr habt auch nun Traurigkeit; aber ich will euch wieder sehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. Und an demselbigen Tage werdet ihr mich nichts fragen. Gebet. Barmherziger Gott, getreuer Vater, der zu züchtigeſt alle, die du lieb hast, auf daß sie nicht samt der Welt verdammet Erster Teil: Das Hausbuch. werden, wir bitten dein treues Vaterherz, du wollest uns in unserm Kreuze mit deinem Geist und Worte trösten, daß wir das kleine Stündlein dieses Elends in Geduld überwinden und fest glauben und hoffen, du werdest unser Leid und Traurigkeit bald in ewige Freude und Herrlichkeit verwandeln, durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Kursächs. Agende. 252 Pf. 30. Pf. 73. Wochenlektionen. Morgens. M Richt. 7. D Richt. 8. M Richt. 9, 1-21. D Richt. 9, 22-57. F Richt. 11, 1-11. S Richt. 11, 12-40. Abends. M 1 Kor. 9. D 1 Kor. 10-11, 1. M 1 Kor. 11, 2-16. D 1 Kor. 11, 17-34. F 1 Kor. 12. S 1 Kor. 13. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Joh. 16, 16-23. M 1 Petr. 2, 11-18. D 1 Joh. 3, 1-6. M Joh. 12, 20-26. D f. 23. F 2 Tim. 1, 3-14. S Pf. 118, 14-29. Am vierten Sonntage nach Ostern, Kantate. Kollekte. Allmächtiger Herr Gott, himmlischer Vater, von dem wir ohn Unterlaß allerlei Gutes im Überfluß empfangen und täglich vor allem Übel behütet werden, wir bitten dich, gieb uns durch deinen Geist solches alles von ganzem Herzen im rechten Glauben zu erkennen, auf daß wir deiner milden Güte und Barmherzigkeit hier und dort ewiglich danken und dich loben, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Epistel: Jaf. 1, 16-21.( S. Sat. 1, 12-21.) Irret nicht, lieben Brüder. Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei welchem ist keine Veränderung, noch Wechsel des Lichts und der 3. Lektionarium. - - B. Der Ofterkreis. Kantate. 253 Finsternis. Er hat uns gezeuget nach seinem Willen durch das Wort der Wahrheit, auf daß wir wären Erstlinge seiner Kreaturen. Darum, lieben Brüder, ein jeglicher Mensch sei schnell zu hören, langsam aber zu reden und langsam zum Zorn. Denn des Menschen Zorn thut nicht, was vor Gott recht ist. Darum so leget ab alle Unsauberkeit und alle Bosheit; und nehmet das Wort an mit Sanftmut, das in euch gepflanzet ist, welches kann eure Seelen selig machen. Evangelium: Joh. 16, 5-15. Nun aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand unter euch fraget mich: Wo gehst du hin? Sondern, dieweil ich solches zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauerns worden. Aber ich sage euch die Wahrheit, es ist euch gut, daß ich hingehe. Denn so ich nicht hingehe, so kommt der Tröster nicht zu euch; so ich aber hingehe, will ich ihn zu euch senden. Und wenn derselbige kommt, der wird die Welt strafen um die Sünde, und um die Gerechtigkeit und um das Gericht. Um die Sünde, daß sie nicht glauben an mich. Um die Gerechtigkeit aber, daß ich zum Vater gehe, und ihr mich hinfort nicht sehet. Um das Gericht, daß der Fürst dieser Welt gerichtet ist. Ich habe euch noch viel zu sagen: aber ihr könnets jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht von ihm selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. Derselbige wird mich verklären; denn von dem Meinen wird ers nehmen und euch verkündigen. Alles, was der Vater hat, das ist mein; darum habe ich gesagt: Er wirds von dem Meinen nehmen und euch verkündigen. Gebet. O ewiger und wahrer Sohn Gottes, der du dir aus dieser Welt ein ewiges Erbe durch deinen heiligen Geist sammelst, welcher mit uns durch den Mund der Propheten und Apostel und aller christlichen Kirchendiener redet, und straft durchs Gesetz und tröstet mit dem heiligen Evangelio, wir bitten deine milde Güte, du wollest deinen Geist nicht von uns nehmen und das heilige Predigtamt bei uns gnädiglich erhalten und uns seiner Strafe und Zucht nicht widersprechen, sondern uns seines Trostes im Glauben und gutem Gewissen seliglich brauchen Erster Teil: Das Hausbuch. lassen, der du mit dem Vater und heiligen Geiste lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Joh. Mathesius. Ps. 36. Ps. 125. 254 Wochenlektionen. Morgens. M Richt. 13. D Richt. 14. M Richt. 15. D Richt. 16, ( 1-3) 4-31. F Ruth 1. S Ruth 2. Abends. M 1 Kor. 14, 1-19. D 1 Kor. 14, 20-40. M 1 Kor. 15, 1-11. D 1 Kor. 15, 12-34. F 1 Kor. 15, 35-58. S 1 Kor. 16. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Joh. 16, 5-15. M Jak. 1, 12-21. D 2 Tim. 2, 8-13. M Joh. 6, 60-71. D Jes. 57, 11-21. F 2 Tim. 2, 14-23. S 1 Thess. 5, 14-25. Am fünften Sonntage nach Ostern, Rogate. Kollekte. Herr Gott, himmlischer Vater, der du durch deinen Sohn uns verheißen hast, daß du uns geben wollest, was wir in seinem Namen bitten, verleihe uns, daß wir durch Kraft deines heiligen Geistes bei dir durch andächtig Gebet das suchen, was dir wohlgefällt und uns nüßlich ist, heilige Hände aufheben ohne Zorn und Zweifel und der Erhörung versichert leben, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Epistel: Jak. 1, 22-27. Seid aber Thäter des Worts und nicht Hörer allein, womit ihr euch selbst betrüget. Denn so jemand ist ein Hörer des Worts und nicht ein Thäter, der ist gleich einem Mann, der sein leiblich Angesicht im Spiegel beschaut. Denn nachdem er sich beschauet hat, gehet er von Stund an davon und vergisset, wie er gestaltet war. Wer aber durchschauet in das vollkommene Gesetz der Freiheit und darinnen beharret, und ist nicht ein vergeßlicher Hörer, sondern ein Thäter; derselbige wird selig sein in seiner That. So aber sich B. Der Osterkreis. Rogate. 255 jemand unter euch lässet dünken, er diene Gott, und hält seine Zunge nicht im Zaum, sondern verführet sein Herz, deß Gottesdienst iſt eitel. Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott dem Vater ist der: die Waisen und Witwen in ihrer Trübsal besuchen und sich von der Welt unbefleckt behalten. 3. Lektionarium. - Evangelium: Joh. 16, 23-30.( H. Joh. 16, 23-33.) Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, so ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird er es euch geben. Bisher habt ihr nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr nehmen, daß eure Freude vollkommen sei. Solches habe ich zu euch durch Sprichwort geredet. Es kommt aber die Zeit, daß ich nicht mehr durch Sprichwort mit euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater. An demselbigen Tage werdet ihr bitten in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, daß ich den Vater für euch bitten will; denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, darum, daß ihr mich liebet und glaubet, daß ich von Gott ausgegangen bin. Ich bin vom Vater ausgegangen und gekommen in die Welt; wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater. Sprechen zu ihm seine Jünger: Siehe, nun redest du frei heraus und sageſt kein Sprichwort. Nun wissen wir, daß du alle Dinge weißt und bedarfst nicht, daß dich jemand frage. Darum glauben wir, daß du von Gott ausgegangen bist. Gebet. Wahrhaftiger Gott, unser lieber und allmächtiger Vater, der du uns heißest beten und versprichst, uns im Namen deines Sohnes gewißlich zu erhören, wir deine Kinder schreien zu dir im herzlichen Vertrauen aufs Blut und Tod Jesu Christi, du wollest uns aus milder Güte dein heiliges Wort und Geist mitteilen und uns seliglich nach deinem Willen leben lassen und Fried und tägliche Nahrung geben, unsre Sünde uns schenken und böse Lust in uns dämpfen, und Lieb und Freundschaft unter uns pflanzen, und uns vor des Teufels Trug, Mord, Lügen und allem Unglück an Leib und Seele gnädiglich behüten, und ein seliges Ende bescheren, durch Jesum Christum, unsern einigen Fürsprecher und Mittler. Amen. Joh. Mathesius. Pf. 5. Pf. 28. 256 Erster Teil: Das Hausbuch. Wochenlektionen. Morgens. M Ruth 4. D 1 Sam. 1. M 1 Sam. 2, 1-10. Abends. M Ephes. 1. D Ephes. 2. M Ephes. 3. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Joh. 16, 23-33. M Jaf. 1, 22-27. D Joh. 17, 1-11. M Joh. 17, 12-26. D Mark. 16, 14-20. F Apostelgesch. 1, 1-11. S Pf. 110. Am Himmelsfahrtstage. Kollekte. Allmächtiger Herr Gott, verleihe uns, die wir glauben, daß dein einiger Sohn, unser Heiland, gen Himmel gefahren sei, daß wir mit ihm geistlich im geistlichen Wesen wandeln und wohnen, durch denselben deinen lieben Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Epistel: Apostelgesch. 1, 1-11. Die erste Rede habe ich zwar gethan, lieber Theophile, von alle dem, das Jesus anfing, beides zu thun und zu lehren, bis an den Tag, da er aufgenommen ward, nachdem er den Aposteln( welche er hatte erwählet) durch den heiligen Geist Befehl gethan hatte, welchen er sich nach seinem Leiden lebendig erzeiget hatte durch mancherlei Erweisung, und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes. Und als er sie versammelt hatte, befahl er ihnen, daß sie nicht von Jerusalem wichen, sondern warteten auf die Verheißung des Vaters, welche ihr habt gehöret ( sprach er) von mir. Denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem heiligen Geiste getauft werden nicht lange nach diesen Tagen. Die aber, so zusammen gekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du auf diese Zeit wieder aufrichten das Reich Israel? Er sprach aber zu ihnen: Es gebühret euch nicht, zu wissen Zeit oder Stunde, welche der Vater seiner Macht vorbehalten hat; sondern ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfahen, welcher auf euch kommen wird; und werdet meine Zeugen sein zu Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende 3. Lektionarium.- B. Der Osterkreis. Gebete f. d. Himmelfahrt. 257 der Erden. Und da er solches gesagt, ward er aufgehoben zusehens, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. Und als sie ihm nachsahen gen Himmel fahrend, siehe, da stunden bei ihnen zween Männer in weißen Kleidern, welche auch sagten: Ihr Männer von Galiläa, was stehet ihr und sehet gen Himmel? Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren. Evangelium: Mart. 16, 14-20. Zuletzt, da die Elfe zu Tische saßen, offenbarete er sich und schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härtigkeit, daß sie nicht geglaubt hatten denen, die ihn gesehen hatten auferstanden; und sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden. Die Zeichen aber, die da folgen werden denen, die da glauben, sind die: In meinem Namen werden sie Teufel austreiben, mit neuen Zungen reden, Schlangen vertreiben, und so sie etwas Tötliches trinken, wirds ihnen nicht schaden; auf die Kranken werden sie die Hände legen, so wirds besser mit ihnen werden. Und der Herr, nachdem er mit ihnen geredet hatte, ward er aufgehoben gen Himmel und sißet zur rechten Hand Gottes. Sie aber gingen aus und predigten an allen Orten, und der Herr wirkte mit ihnen und bekräftigte das Wort durch mitfolgende Zeichen. Ps. 47. Ps. 99. Pf. 110. Matth. 28, 16-20. Gebete für die Himmelfahrt. 1. Lieber Herr Gott, unser gnädiger Vater im Himmel, wir sehen, wie ein tröstlich und freudenreiches Fest wir an der Himmelfahrt unsers lieben Herrn Christi haben, derhalben loben, danken und preisen wir dich und bitten, du wollest uns in solcher Gnade erhalten und endlich um Jesu Christi, deines Sohnes willen, ein selig Stündlein bescheren, daß wir ihm selig nachfahren und das ewige Leben und Seligkeit samt ihm besitzen. Das verleihe uns, lieber Herr. Amen. Dr. M. Luther. 2. Herr Jesu Christe, du Sohn des Allerhöchsten, der du nun forthin nicht mehr auf Erden arm und elend bist, sondern zur 17 Allgemeines Gebetbuch. 258 Erster Teil: Das Hausbuch. Rechten deines Vaters ein gewaltiger Herr über alles, was da ist im Himmel und auf Erden, auch alles erfüllst und regierst, wir bitten dich, du wollest deinen heiligen Geist uns senden, fromme Kirchendiener geben, dieselbigen begaben und bei deinem Wort erhalten, den Satan und allen Tyrannen wehren, dein Reich auf Erden gewaltiglich erhalten, bis daß alle deine Feinde zu deinen Füßen liegen und wir durch dich Sünde, Tod und alles überwinden. Amen. Aus Löhes Agende. 3. Herr Jesu Christe, allmächtiger Herr und Gott, wir danken dir, daß du nach erhaltenem Sieg wider alle deine Feinde deine fröhliche Himmelfahrt mit großer Majestät, mit Triumph und Jubel der heiligen Engel gehalten und dich zur Rechten deines himmlischen Vaters gesetzt hast. So hat dein Kreuz und Leiden ein seliges Ende genommen: Du bist durch den Tod zu deiner ewigen Herrlichkeit eingegangen. Lieber Heiland, du bist am Ufer, wir sind noch auf dem wilden Meere; du bist im Siege, wir sind noch im Streit. Gieb uns doch deine Gnade, daß wir mit unsern Herzen und Gedanken dir nachsehen, auf daß unser Herz sei, wo unser Schaß ist. Laß uns alles Weltliche mit Füßen treten, damit wir uns mit herzlichem Gebete, Seufzen und Flügeln des wahren Glaubens zu dir in die Höhe schwingen können. Wir glauben und trösten uns festiglich, du werdest uns als deine Glieder nicht hier im Elend lassen, sondern endlich, wenn wir unsern Lauf vollendet und im wahr Glauben beschlossen haben, uns auch zu dir nehmen. Denn du hast ja deinen himmlischen Vater vor deinem heiligen Leiden so inbrünstig gebeten und gesagt: ,, Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben, hast, auf daß sie meine Herrlichkeit sehen." Und weil du nicht allein zu deinem, sondern auch zu unserm Vater aufgehoben bist und deinen Jüngern und uns verheißen hast: ,, Ich will wieder kommen und euch zu mir nehmen, daß ihr seid, wo ich bin," so erfülle deine tröstliche Zusage, lieber Erlöser, und hole uns bald zu dir, denn 3. Lektionarium.- C. Der Pfingstfreis. Exaudi. 259 uns verlangt von Herzen nach dir. Wie gerne wollten wir bei dir in unserm himmlischen Vaterlande sein; wie viel lieber wollten wir das, als länger in dieser elenden Pilgrimschaft wallen. Gerne wollten wir unsre irdischen Hütten ablegen. Denn wir sehnen uns nach unsrer Behausung, die im Himmel ist, und daß das Sterbliche vom Leben verschlungen würde und wir daheim wären bei dir. Wir sagen alle Tage mit David: ,, Wann werden wir dahin kommen, daß wir Gottes Angesicht schauen?" Herr, wir warten. Bis aber unsre Stunde kommt, wollen wir mit unserm Gemüt in den Himmel dringen und mit dem Verlangen daheim sein bei dir, der du bist unsers Herzens Freude und Wonne, hochgelobet in Ewigkeit. Amen. Lüneburgisches Handbuch. 1652. Sigism. Scherert. C. Der Pfingstkreis. a) Die Vorfeier. Wochenlektionen nach Himmelfahrt. Morgens. F 1 Sam. 2, 11-36. S 1 Sam. 3. Abends. F Ephes. 4, 1-16. S Ephes. 4, 17-32. Am Sonntag nach Himmelfahrt, Erandi. Kollekte. Allmächtiger Gott, barmherziger Vater, der du willst, daß wir durch viel Trübsal in dein Reich eingehen sollen, wir bitten dich, gieb uns deinen heiligen Geist, daß er uns in unsrer Schwachheit vor allen Irrtümern bewahre, in Widerwärtigkeit uns tröste und in die ewige Seligkeit einführe, um Jesu Christi, deines lieben Sohnes, unsers Herrn willen. Amen. Epistel: 1 Petr. 4, 8-11. So seid nun mäßig und nüchtern zum Gebet. Vor allen Dingen aber habt unter einander eine brünstige Liebe; denn die Liebe deckt 17* Univ. Bibl. Giessen 260 Erster Teil: Das Hausbuch. auch der Sünden Menge. Seid gastfrei unter einander ohne Murmeln. Und dienet einander, ein jeglicher mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes. So jemand redet, daß ers rede als Gottes Wort. So jemand ein Amt hat, daß ers thue als aus dem Vermögen, das Gott darreichet, auf daß in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Jesum Christum, welchem sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Evangelium: Joh. 15, 26-16, 4. Wenn aber der Tröster kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgehet, der wird zeugen von mir. Und ihr werdet auch zeugen; denn ihr seid von Anfang bei mir gewesen. Solches habe ich zu euch geredet, daß ihr euch nicht ärgert. Sie werden euch in den Bann thun. Es kommt aber die Zeit, daß, wer euch tötet, wird meinen, er thue Gott einen Dienst daran. Und solches werden sie euch darum thun, daß sie weder meinen Vater, noch mich erkennen. Aber solches habe ich zu euch geredet, auf daß, wenn die Zeit kommen wird, daß ihr daran gedenket, daß ichs euch gesagt habe. Solches aber habe ich euch von Anfang nicht gesagt; denn ich war bei euch. Gebet. D Herr Jesu, wahrer Sohn Gottes und unser Erlöser, der du deinen Christen zuvor gesagt, man werde ihnen umsonst feind sein und sie lästern, bannen, verfolgen und töten, wir schreien in unsrer Not zu dir und bitten herzlich, du wollest deiner elenden Christenheit ihr Kreuz mit Geduld helfen tragen und uns mit deinem Geiste stärken, und deines Wortes erinnern lassen, daß wir um der argen Welt Haß, Undank und Mutwillen uns nicht ärgern, oder von deinem Worte abfallen, sondern das heilige Kreuz für eine besondere Gabe und Seligkeit erkennen und um deines Wortes und Gerechtigkeit willen unter dem Kreuz mit gutem Gewissen und in fröhlicher Geduld beständig beharren, der du an deinem heiligen Leibe alles Kreuz und Leiden hast geweiht und geheiligt. Amen. Ps. 9. Pf. 86. Joh. Mathesius. 3. Lektionarium.- C. Der Pfingstfreis. Erster Pfingstfeiertag. 261 Wochenlektionen. Morgens. M 1 Sam. 4, 1-18. D 1 Sam. 5. M 1 Sam. 6, 197, 17. D Joel 1. F Joel 2. S Joel 3. Abends. M Ephef. 5, 1-14. D Ephef. 5, 15-33. M Ephes. 6, 1-9. D Ephef. 6, 10-24. F Apostelgesch. 1, 1-14. S Apostelgesch. 1, 15-26. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Joh. 15, 26-16, 4. M 1 Petr. 4, 8-11. D Rol. 3, 1-11. M Joh. 7, 28-39. D Hef. 36, 22-28. F Jak. 1, 2-11. S Pf. 42. b) Die Festfeier. Am ersten heiligen Pfingstfeiertage. Kollekte. Herr Gott, lieber Vater, der du an diesem Tage deiner Gläubigen Herzen durch deinen heiligen Geist erleuchtet und gelehret hast, gieb uns, daß wir auch durch denselbigen Geist rechten Verstand haben und zu aller Zeit seines Trostes und seiner Kraft uns freuen, durch deinen lieben Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Epistel: Apostelgesch. 2, 1-13.( H. Apostelgesch. 2, 1-18.) Und als der Tag der Pfingsten erfüllet war, waren sie alle einmütig bei einander. Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel, als eines gewaltigen Windes, und erfüllete das ganze Haus, da sie saßen. Und man sahe an ihnen die Zungen zerteilet, als wären sie feurig. Und er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen; und wurden alle voll des heiligen Geistes und fingen an zu predigen mit andern Zungen, nachdem der Geist ihnen gab auszusprechen. Es waren aber Juden zu Jerusalem wohnend, die waren gottesfürchtige Männer, aus allerlei Volk, das unter dem Himmel ist. Da nun diese Stimme geschah, kam die Menge zusammen, und wurden verstürzt; denn es hörete ein jeglicher, daß sie mit seiner Sprache redeten. Sie entsetzten sich aber alle, verwunderten sich und sprachen unter einander: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? Wie hören wir denn ein jeglicher seine Sprache, darinnen 262 Erster Teil: Das Hausbuch. wir geboren sind? Parther und Meder und Elamiter, und die wir wohnen in Mesopotamien, und in Judäa und Cappadocien, Pontus und Asien, Phrygien und Pamphylien, Egypten und an den Enden der Lybien bei Kyrene, und Ausländer von Rom, Juden und Judengenossen, Creter und Araber; wir hören sie mit unsern Zungen die großen Thaten Gottes reden. Sie entsetzten sich aber alle und wurden irre und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Die andern aber hattens ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßes Weins. Evangelium: Joh. 14, 23-31.( H. Joh. 14, 15-31.) Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebet, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen. Wer aber mich nicht liebet, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr höret, ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesandt hat. Solches hab ich zu euch geredet, weil ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der heilige Geist, welchen mein Vater senden wird in meinem Namen, derselbige wirds euch alles lehren und euch erinnern alles deß, das ich euch gesagt habe. Den Frieden lasse ich euch; meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt giebt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. Ihr habt gehöret, daß ich euch gesagt habe, ich gehe hin und komme wieder zu euch. Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, daß ich gesagt habe, ich gehe zum Vater; denn der Vater ist größer, denn ich. Und nun hab ichs euch gesagt, ehe denn es geschiehet, auf daß, wenn es nun geschehen wird, daß ihr glaubet. Ich werde hinfort mehr nicht viel mit euch reden; denn es kommt der Fürst dieser Welt und hat nichts an mir. Aber daß die Welt erkenne, daß ich den Vater liebe, und ich also thue, wie mir der Vater geboten hat, stehet auf und lasset uns von hinnen gehen. Pf. 87. Pf. 118. Pf. 133 und 134. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Joh. 14, 15-31. M Joh. 3, 16-21. D Apostelgesch. 2, 1-18. M Apostelgesch. 10, 42-48. D Joh. 15, 1-7. F Joh. 15, 8-16. S Eph. 1, 3-23. Am zweiten heiligen Pfingstfeiertage. Kollekte. Lieber Herr Gott, der du deinen Aposteln den heiligen Geist geschenkt hast, gewähre deinem Volk die Erhörung ihrer 3. Lektionarium.- C. Der Pfingstfreis. Zweiter Pfingstfeiertag. 263 Bitte, daß du denen, welchen du Glauben geschenkt hast, auch verleihest Frieden. Durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, der mit dir lebt und herrschet in Einigkeit desselbigen heiligen Geistes von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Epistel: Apostelgesch. 10, 42-48. Und er hat uns geboten, zu predigen dem Volk und zu zeugen, daß er ist verordnet von Gott ein Richter der Lebendigen und der Toten. Von diesem zeugen alle Propheten, daß durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfahen sollen. Da Petrus noch diese Worte redete, fiel der heilige Geist auf alle, die dem Wort zuhöreten. Und die Gläubigen aus der Beschneidung, die mit Petro kommen waren, entsetzten sich, daß auch auf die Heiden die Gabe des heiligen Geistes ausgegossen ward. Denn sie hörten, daß sie mit Zungen redeten und Gott hoch preiseten. Da antwortete Petrus: Mag auch jemand das Wasser wehren, daß diese nicht getaufet werden, die den heilgen Geist empfangen haben, gleichwie auch wir? Und befahl, sie zu taufen in dem Namen des Herrn. Evangelium: Joh. 3, 16-21. Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn selig werde. Wer an ihn glaubet, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubet, der ist schon gerichtet; denn er glaubet nicht an den Namen des eingebornen Sohnes Gottes. Das ist aber das Gericht, daß das Licht in die Welt kommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr, denn das Licht; denn ihre Werke waren böse. Wer Arges thut, der hasset das Licht und kommt nicht an das Licht, auf daß seine Werke nicht gestraft werden. Wer aber die Wahrheit thut, der kommt an das Licht, daß seine Werke offenbar werden; denn sie sind in Gott gethan. Pf. 19. Pf. 48. ₁. 68. Lektionen am Pfingstdienstag. Epistel: Apostelgesch. 2, 29-36. Evangelium: Joh. 10, 1-11. - Wochenlektionen. Morgens. M Sef. 57, 15-21 oder Jerem. 31, 31-36. D Sef. 36, 16-28. F Hef. 37, 1-14. S Micha 4, 1-7 oder Sach. 12. # 264 Erster Teil: Das Hausbuch. Abends. M Apostelgesch. 2, 37-47. D Apostelgesch. 3, 1-10. F Apostelgesch. 3, 11-26. S Apostelgesch. 4, 1-22. Gebete für Pfingsten. 1. Oheiliger Geist, du allmächtiger, ewiger Gott, der du die Herzen der Apostel mit reichem Trost vom Himmel herab erfüllt hast, wir bitten dich, erbarme dich auch unser und sende herab deines Lichtes Glanz und verleihe uns deines Trostes Süßigkeit. O du seliges Licht, erfülle unsre Seelen innerlich. Ohne dich ist nichts Gutes in uns. Reinige in uns, was unrein ist. Netze, besprenge, was dürr ist. Erquicke, was kraftlos ist. Bringe zurecht, was irrig ist. Verbinde, was krank und wund ist. Erwärme, was falt ist. Lenke, was widerspenstig ist, und uns allen, die wir auf dich trauen und hoffen, verleihe allezeit große Kraft, Gutes zu thun und das Böse zu meiden. Verleihe Kraft, im Guten zuzunehmen und darin zu verharren. Verleihe Kraft, selig zu sterben, fröhlich abzuscheiden und ewig selig zu werden. Amen. Dresdner Gebetbuch. 1595. 2. Heiliger Gott, himmlischer Vater, wir freuen uns über unsre Pfingsten von Herzen, weil dieselben weit herrlicher sind, denn der Juden Pfingsten, sintemal der heilige Geiſt durch Christum über alles Fleisch ist ausgegossen worden, daß wir durch das Evangelium Gott erkennen und durch den heiligen Geist heilig und fromm werden an Seele und Leib, so wir uns anders recht christlich mit Beten, Predigthören und einem unärgerlichen Wandel dazu schicken wollen. Darum, gnädiger Vater, verleihe uns solche deine Gnade, daß wir Christum lieben und an seinem Worte bleiben, dasselbe durch seinen heiligen Geist behalten und also mögen selig werden. Dazu helfe uns durch Christum der heilige Geist. Amen. Dr. M. Luther. 3. Lektionarium.- C. Der Pfingstfreis. Gebete für Pfingsten. 265 3. Oheiliger Geist, du göttliches Feuer, du wahrer Tröster aller Verlassenen, der du vom ewigen Vater und Sohn ausgehest und über die Apostel sichtlich ausgegossen bist, wir danken dir, daß du das Werk unsrer Erlösung in dem geheimen Rate der heiligen Dreifaltigkeit mit beschließen helfen und dir eine Kirche allezeit gesammelt hast, daß du unsre Herzen beſtätigeſt, das Wort Gottes mit freudigem und beständigem Mut zu hören und dasselbe mit Glauben anzunehmen, leitest uns zu wahrer Anrufung Gottes und zu allerlei guten Werken, zündest in uns eine solche Freude an, dadurch wir auf und in Gott beruhen, von ihm allerlei Gaben und Wohlthaten bitten und gewärtig sind, wir bitten, du wollest uns in wahrer Erkenntnis und Anrufung Gottes beständig erhalten, wie denn von dir und deinem Amte geschrieben stehet: ,, Ich will über euch ausgießen den Geist der Gnaden und des Gebets." Sei unser steter und treuer Beistand, Fürsprecher und Tröster in allem unsern Vorhaben, bekümmerlichen Anstößen und Nöten und entzünde unsre Herzen, daß wir mit wahrem Gehorsam den Vater unsers Herrn Jesu Christi und seinen Sohn, unsern Heiland und Erlöser, und dich den heiligen Geist stets ehren, rühmen und preisen. Verleihe uns auch, daß wir unsern Nächsten stets lieben und ihm Gutes und gebührliche Dankbarkeit erzeigen. Stärke unsern Glauben, daß er alle Hilfe und Trost bei dir in Nöten suche, dich ehre und preise, der du lebest mit Gott dem Vater und dem Sohne, wahrer Gott in Ewigkeit. Amen. Dresdner Gebetbuch. 1595. 4. O Gott, der du die Herzen deiner Gläubigen so gnädig und reichlich mit deinem heiligen Geiste am heiligen Pfingsttage besucht und begabt hast, ach geuß aus diesen deinen Geist und gnädigen Regen über unsre dürren, verschmachteten Herzen, erquicke doch dein Erbteil und labe die Elenden. Komm, o heiliger Geist, und ziere uns mit deinen so vielfältigen Gaben, daß wir auch die großen Thaten Gottes, so durch Jesum Christum ge- - Erster Teil: Das Hausbuch. schehen, wahrhaftig erkennen und preisen, daß wir mit neuen Zungen dein Wort reden, rühmen und ausbreiten mögen. Entzünde uns mit dem Feuer deiner heiligen Liebe, brenne aus alle innerliche Bosheit, samt allen andern fleischlichen Lüsten und Begierden, zünde an das Licht deiner Wahrheit, daß wir im Geist und Glauben brünstig, mit rechtem Ernst und Eifer unferm Gott dienen mögen. O du Gott des Friedens, binde unsre Herzen mit deinem Bande des Friedens, daß wir in Sanftmut und Demut, in Friede und Einigkeit bei einander bleiben und leben. Odu Gott der Geduld, gieb uns Geduld in Leidenszeit und bis ans Ende Beständigkeit. O du Geist des Gebets, erwecke unsre Herzen, damit wir sie samt heiligen Händen zu Gott mögen erheben und ihn in allen Nöten anrufen, und da wir nicht wissen, was wir bitten sollen, wie sichs gebühret, ach so vertritt du uns mit unaussprechlichem Seufzen als unser treuer Fürsprecher. O du sanfter Wind, kühle und erquicke unsre Herzen in aller Hitze und Angst; sei unser Schutz und Schatten in der Not, unsre Hilfe in Trübsal, unser Trost in Widerwärtigkeit. Komm, du starker Gott, und stärke die Schwachen, lehre die Elenden deinen Weg, hilf auch denen, die gefallen sind, bringe zurecht die Irrenden und erhalte sie bei deiner rechten Hand. Komm, o du ewiges Licht, Heil und Trost, sei unser Licht in Finsternis, sei unser Heil im Leben, sei unser Trost im Sterben und führe uns auf ebner Bahn zum ewigen Leben, damit wir dich heiligen Gott samt unserm heiligen himmlischen Vater und seinem geliebten Sohne, unserm einigen Heiland, mit recht neuen Zungen dort am rechten Pfingsttage loben, rühmen und preisen immer und ewiglich Amen. Bernh. Albrecht. 266 e) Die Nachfeier. Am Trinitatisfeste. Kollekte. - Allmächtiger, ewiger Gott, der du uns gelehret hast, im rechten Glauben zu wissen und zu bekennen, daß du in drei 3. Lektionarium.- C. Der Pfingstfreis. Trinitatisfest. 267 Personen gleicher Macht und Ehren ein einiger ewiger Gott und dafür anzubeten bist, wir bitten dich, du wollest uns bei solchem Glauben allezeit fest erhalten wider alles, was dagegen uns mag anfechten, der du lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Epistel: Röm. 11, 33-36. O welch eine Tiefe des Reichtums, beide der Weisheit und Erkenntnis Gottes! Wie gar unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege! Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt? oder wer ist sein Ratgeber gewesen? Oder wer hat ihm etwas zuvor gegeben, das ihm werde wieder vergolten? Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen. Evangelium: Joh. 3, 1-15. Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern, mit Namen Nikodemus, ein Oberster unter den Juden; der kam zu Jesu bei der Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, daß du bist ein Lehrer, von Gott kommen; denn niemand kann die Zeichen thun, die du thust, es sei denn Gott mit ihm. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? kann er auch wiederum in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, es sei denn, daß jemand geboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren wird, das ist Geist. Laß dichs nicht wundern, daß ich dir gesagt habe: Ihr müsset von neuem geboren werden. Der Wind bläset, wo er will, und du hörest sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, von wannen er kommt, und wohin er fähret. Also ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist. Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie mag solches zugehen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Bist du ein Meister in Israel und weißt das nicht? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, wir reden, das wir wissen, und zeugen, das wir gesehen haben, und ihr nehmet unser Zeugnis nicht an. Glaubt ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie würdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sagen würde? Und niemand fähret gen Himmel, denn der vom Himmel Erster Teil: Das Hausbuch. hernieder gekommen ist. Und wie Moses in der Wüste eine Schlange erhöhet hat, also muß des Menschen Sohn erhöhet werden, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. 268 Pf. 67. Pf. 148. Pf. 150. Gebete für das Trinitatisfelt. 1. Dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist, du einiges, ewiges, göttliches Wesen, wir danken dir von Herzen für alle Wohlthat und für den Reichtum deiner Gnade, und bitten dich, erbarme dich unser und erhalte uns bei deinem Wort und Wahrheit, bei der rechten Erkenntnis deines göttlichen Wesens und Willens, in festem Vertrauen, in heiliger Liebe deines Namens und im Gehorsam deines Willens, daß wir dich mit den Engeln loben und ehren und dich fürchten. Herr, deine große Liebe und Barmherzigkeit tilge alle unsre Sünden. Deine unaussprechliche Güte komme uns zu Hilfe in allem unsern Elend. Deine allmächtige Gewalt sei unsre Stärke wider den Satan und alles Unglück. Deine Treue helfe uns aus aller Not. Deine Huld und Güte tröste und errette uns allezeit. O du ewige Kraft Gottes des Vaters, Sohnes und heiligen Geiſtes, stärke uns und erhalte uns zu deines Namens Ehre und unsrer Seligkeit durch Jesum Christum. Amen. 2. Oheiligste Dreieinigkeit, erbarme dich unser. Allmächtiger ewiger Herr Gott, ohn Ende und ohn Anfang, den wir glauben und bekennen einig in der Dreifaltigkeit, dreifaltig in der Einigfeit, dich allein beten wir an, dich ehren und loben wir und danksagen deiner Liebe und Wohlthat, daß du uns aus der Nacht und aller Irrsal des Unglaubens gerissen hast und alſo teilhaftig gemacht deiner Gnaden. Wir bitten dich, du wollest uns in derselbigen deiner göttlichen Gnade stärken und bestätigen, dir in allen Dingen festiglich zu vertrauen und dich, es gehe 3. Lektionarium.- Die Trinitatiszeit. 1. S. n. Trinitatis. 269 uns wohl oder übel, allezeit zu loben, zu lieben und zu ehren. Amen. Aus den Gebeten Kurfürst Johann Friedrichs, Herzogs zu Sachsen. 1562. II. Die festlose Hälfte des Kirchenjahres. Wochenlektionen. Morgens. M 1 Sam. 8. D 1 Sam. 9. M 1 Sam. 10. D 1 Sam. 11. F 1 Sam. 12. S 1 Sam. 13. Abends. M Apostelgesch. 4, 23-37. D Apostelgesch. 5, 1-16. M Apostelgesch. 5, 17-42. D Apostelgesch. 6, 1-7. F Apostelgesch. 6, 8-15 u. 7, 55-59. S Apostelgesch. 8, 1-25. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Joh. 3, 1-15. M Röm. 11, 33-36. D Apostelgesch. 2, 33-47. M Matth. 28, 18-20. D Jef. 6, 1-8. F 2 Kor. 13, 1-13. S Jef. 48, 10-22. Am ersten Sonntage nach Trinitatis. Kollekte. O Gott, du Beschüßer aller, die auf dich hoffen, ohne welchen nichts kräftig, nichts heilig ist, mehre über uns deine Barmherzigkeit, auf daß, wenn du unser Regierer und Führer bist, wir also durch die zeitlichen Güter wandern, daß wir die ewigen nicht verlieren, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Epistel: 1 Joh. 4, 16-21. Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott und Gott in ihm. Daran ist die Liebe völlig bei uns, auf daß wir eine Freudigkeit haben am Tage des Gerichts; denn gleichwie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibet die Furcht aus; denn die Furcht hat Bein. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht völlig in der Liebe. Lasset uns ihn lieben; denn er hat uns erst geliebet. So jemand spricht: Ich liebe Gott, und hafset seinen Bruder, der ist ein 270 Erster Teil: Das Hausbuch. Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebet, den er siehet; wie fann er Gott lieben, den er nicht siehet? Und dieß Gebot haben wir von ihm, daß wer Gott liebet, daß der auch seinen Bruder liebe. Evangelium: Luf. 16, 19-31. Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich mit Purpur und köstlicher Leinwand und lebete alle Tage herrlich und in Freuden. Es war aber ein Armer, mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Thür voller Schwären, und begehrete sich zu sättigen von den Brosamen, die von des Reichen Tische fielen; doch kamen die Hunde und leckten ihm seine Schwären. Es begab sich aber, daß der Arme starb und ward getragen von den Engeln in Abrahams Schoß. Der Reiche aber starb auch und ward begraben. Als er nun in der Hölle und in der Qual war, hub er seine Augen auf und sahe Abraham von ferne und Lazarum in seinem Schoß, rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich mein und sende Lazarum, daß er das Äußerste seines Fingers ins Wasser tauche und fühle meine Zunge; denn ich leide Pein in dieser Flamme. Abraham aber sprach: Gedenke, Sohn, daß du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, und Lazarus dagegen hat Böses empfangen; nun aber wird er getröstet und du wirst gepeiniget. Und über das alles ist zwischen uns und euch eine große Kluft befestiget, daß die da wollten von hinnen hinab fahren zu euch, könnten nicht, und auch nicht von dannen zu uns herüber fahren. Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, daß du ihn sendest in meines Vaters Haus; denn ich habe noch fünf Brüder, daß er ihnen bezeuge, auf daß sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual. Abraham sprach zu ihm: Sie haben Mosen und die Propheten; laß sie dieselbigen hören. Er aber sprach: Nein, Vater Abraham; sondern wenn einer von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße thun. Er sprach zu ihm: Hören sie Mosen und die Propheten nicht, so werden sie auch nicht glauben, ob jemand von den Toten auferstünde. Gebet. Hilf, lieber Herr Gott, daß wir in Armut nicht verzagen, noch in guten Tagen deiner Gaben mißbrauchen und das Herz an das Zeitliche hängen, sondern im rechten Glauben, Liebe und Geduld warten auf ein anderes Leben, welches du nach diesem Elende deinen Gläubigen geben wirst, durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Kursächs. Agende. 3. Lektionarium.- Die Trinitatiszeit. 2. S. n. Trinitatis. 271 Ps. 37. Ps. 49. Wochenlektionen. Morgens. M 1 Sam. 14, 1-23. D 1 Sam. 15. M 1 Sam. 16. D 1 Sam. 17, 1-16. F 1 Sam. 17, 17-54. S 1 Sam. 17, 55-18, 16( 17-30). Abends. M Apostelgesch. 8, 26-40. D Apostelgesch. 9, 1-9. M Apostelgesch. 9, 10-31. D Apostelgesch. 9, 32-43. F Apostelgesch. 10, 1-23. S Apostelgesch. 10, 23-48. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Luf. 16, 19-31. M 1 Joh. 4, 16-21. D Matth. 5, 1-10. M Apostelgesch. 4, 32-37. D 2 Mof. 6, 1-15. F Jat. 5, 1-7. S Jef. 54, 7-13. Am zweiten Sonntage nach Trinitatis. Kollekte. Allmächtiger Herr Gott, gieb uns den rechten, wahrhaftigen Glauben und mehre denselben täglich in uns. Gieb uns auch Liebe und Hoffnung, damit wir dir und unserm Nächsten nach deinem Wohlgefallen mögen dienen, durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Epistel: 1 Joh. 3, 13-18.( 5. 1 Joh. 3, 13-24.) Verwundert euch nicht, meine Brüder, ob euch die Welt haſſet. Wir wissen, daß wir aus dem Tode in das Leben kommen sind; denn wir lieben die Brüder. Wer den Bruder nicht liebet, der bleibet im Tode. Wer seinen Bruder hafset, der ist ein Totschläger; und ihr wisset, daß ein Totschläger nicht hat das ewige Leben bei ihm bleibend. Daran haben wir erkannt die Liebe, daß er sein Leben für uns gelassen hat; und wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen. Wenn aber jemand dieser Welt Güter hat, und siehet seinen Bruder darben und schließt sein Herz vor ihm zu; wie bleibet die Liebe Gottes bei ihm? Meine Kindlein, lasset uns nicht lieben mit Worten, noch mit der Zunge, sondern mit der That und mit der Wahrheit. Evangelium: Lut. 14, 16-24. Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein groß Abendmahl und lud viele dazu. Und sandte seinen Knecht 272 Erster Teil: Das Hausbuch. aus zur Stunde des Abendmahls, zu sagen den Geladenen: Kommt, denn es ist alles bereit. Und sie fingen an alle nach einander sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muß hinaus gehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der andere sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft, und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der dritte sprach: Ich habe ein Weib genommen; darum kann ich nicht kommen. Und der Knecht kam und sagte das seinem Herrn wieder. Da ward der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knechte: Gehe aus bald auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Krüppel und Lahmen und Blinden herein. Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knechte: Gehe aus auf die Landstraßen und an die Zäune, und nötige sie herein zu kommen, auf daß mein Haus voll werde. Ich sage euch aber, daß der Männer keiner, die geladen sind, mein Abendmahl schmecken wird. Gebet. Herr Gott, himmlischer Vater, wir danken dir, daß du ein Mahl deiner Gnaden bereitet hast durch deinen lieben Sohn, Jesum Christum, und nötigst uns noch täglich zu demselbigen zu kommen. Wir bitten dich, verleihe uns Gnade, daß wir solch dein teuer Mahl nicht verachten, noch um des Zeitlichen willen versäumen, sondern uns allezeit in geistlichem Hunger und Durst dabei finden lassen, auf daß wir dadurch ewig satt und selig werden, um desselben deines lieben Sohnes, Jesu Christi, unsres Herrn willen. Amen. Kursächs. Agende. Pf. 50. Ps. 95. Wochenleftionen. Morgens. M 1 Sam. 19. D 1 Sam. 20, 1-23. M 1 Sam. 20, 24-43. D 1 Sam. 21. F 1 Sam. 22. S 1 Sam. 23-24, 1. Abends. M Apostelgesch. 11, 1-18. D Apostelgesch. 11, 19-30. M Apostelgesch. 12. D Apostelgesch. 13, 1-12. F Apostelgesch. 13, 13-43. S Apostelgesch. 13, 44-52. 3. Lektionarium. - Die Trinitatiszeit. 3. S. n. Trinitatis. 273 Nach dem hannöverschen Lektionar. S Lut. 14, 16-24. M 1 Joh. 3, 13-24. D Apostelgesch. 5, 1-11. M Matth. 5, 27-41. D Spr. Sal. 9, 1-11. F Jat. 2, 1-13. S Matth. 22, 1-14. Am dritten Sonntage nach Trinitatis. Kollekte. Herr Gott, himmlischer Vater, der du nicht Lust hast an der armen Sünder Tod, lässest sie auch nicht gerne verderben, sondern willst, daß sie bekehret werden und leben, wir bitten dich herzlich, du wollest die wohlverdiente Strafe unsrer Sünden gnädiglich von uns abwenden und uns hinfort zu bessern, deine Barmherzigkeit mildiglich verleihen, um Jesu Christi, deines lieben Sohnes, unsers Herrn willen. Amen. Epistel: 1 Petr. 5, 6-11.( S. 1 Petr. 5, 5-11.) So demütiget euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, daß er euch erhöhe zu seiner Zeit. Alle eure Sorge werfet auf ihn; denn er forget für euch. Seid nüchtern und wachet; denn euer Widersacher, der Teufel, gehet umher wie ein brüllender Löwe, und suchet, welchen er verschlinge. Dem widerstehet fest im Glauben, und wisset, daß eben dieselbigen Leiden über eure Brüder in der Welt gehen. Der Gott aber aller Gnade, der uns berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christo Jesu, derselbige wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, vollbereiten, stärken, kräftigen, gründen. Demselbigen sei Ehre und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Evangelium: Lut. 15, 1-10. Es naheten aber zu ihm allerlei Zöllner und Sünder, daß sie ihn höreten. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isset mit ihnen. Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach: Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat, und so er der eines verlieret, der nicht lasse die neunundneunzig in der Wüste und hingehe nach dem verlornen, bis daß ers finde? Und wenn ers gefunden hat, so legt ers auf seine Achseln mit Freuden. Und wenn er heimkommt, ruft er seinen Freunden und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch: Also wird auch Freude im Himmel sein über einen Allgemeines Gebetbuch. 18 274 Erster Teil: Das Hausbuch. Sünder, der Buße thut, vor neunundneunzig Gerechten, die der Buße nicht bedürfen. Oder welch Weib ist, die zehn Groschen hat, so sie der einen verlieret, die nicht ein Licht anzünde und kehre das Haus und suche mit Fleiß, bis daß sie ihn finde? Und wenn sie ihn gefunden hat, rufet sie ihren Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Freuet euch mit mir; denn ich habe meinen Groschen gefunden, den ich verloren hatte. Also auch, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße thut. Gebet. O barmherziger Gott, gnädiger Vater, der du nicht Luſt haft an der Gottlosen Verderben, sondern willst, daß sie Buße thun und leben, und nimmst alle die mit Freuden auf, die sich zu dir bekehren, kleidest sie mit deines Sohnes Gerechtigkeit und versicherst sie mit dem Ring und Pfand deines Geistes, und richtest ihre Füße auf solche Wege, daß sie dir im Geiſt und Wahrheit dienen können, wir bitten deine väterliche Güte, du wollest uns verlorne Kinder mit Gnaden wieder aufnehmen und deine Diener sein lassen, so wollen wir dich ewig loben und preisen und deine gnädige Wohlthat bei aller Welt rühmen und predigen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Joh. Mathesius. Ps. 25. Ps. 119, 161-176. Wochenlektionen. Morgens. M 1 Sam. 24. D 1 Sam. 25. M 1 Sam. 26. D 1 Sam. 27. F 1 Sam. 28. S 1 Sam. 29. Abends. M Apostelgesch. 14, 1-18. D. Apostelgesch. 14, 19-28. M Apostelgesch. 15, 1-12. D Apostelgesch. 15, 13-34. F Apostelgesch. 15, 35-16, 15. S Apostelgesch. 16, 16-40. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Luf. 15, 1-10. M 1 Petr. 5, 5-11. D Joh. 5, 19-26. M Apostelgesch. 3, 1-16. D Jof. 24, 14-27. F Jat. 2, 14-23. S Jef. 54, 7-13. 3. Lektionarium. 1 Die Trinitatiszeit. 4. S. n. Trinitatis. 275 Am vierten Sonntage nach Trinitatis. Kollekte. Barmherziger Gott, gütiger Vater, der du deine Sonne läsfest scheinen über Böse und Gute und bist gütig über die Undankbaren und Boshaftigen, hilf, daß auch wir lernen gegen jedermann barmherzig sein, unsers Nächsten Gebrechen zudecken, ohne Heuchelei von Herzen vergeben und die Früchte des Glaubens allenthalben beweisen, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Epistel: Röm. 8, 18-23.( S. Röm. 8, 18-27.) Denn ich halte es dafür, daß dieser Zeit Leiden der Herrlichfeit nicht wert sei, die an uns soll offenbaret werden. Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet auf die Offenbarung der Kinder Gottes. Sintemal die Kreatur unterworfen ist der Eitelkeit ohne ihren Willen, sondern um deßwillen, der sie unterworfen hat auf Hoffnung. Denn auch die Kreatur frei werden wird von dem Dienst des vergänglichen Wesens zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, daß alle Kreatur sehnet sich mit uns, und ängstet sich noch immerdar. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir haben des Geistes Erstlinge, sehnen uns auch bei uns selbst nach der Kindschaft und warten auf unsers Leibes Erlösung. Evangelium: Luf. 6, 36-42.(§. Lut. 6, 31-42.) Darum seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammet nicht, so werdet ihr auch nicht verdammet. Vergebet, so wird euch vergeben. Gebt, so wird euch gegeben. Ein voll, gedrückt, gerüttelt und überflüssig Maß wird man in euern Schoß geben; denn eben mit dem Maß, da ihr mit messet, wird man euch wieder messen. Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Mag auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? Der Jünger ist nicht über seinem Meister; wenn der Jünger ist wie sein Meister, so ist er vollkommen. Was siehest du aber einen Splitter in deines Bruders Auge, und des Balken in deinem Auge wirst du nicht gewahr? Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt stille, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen; und du siehest selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zeuch zuvor den Balken aus deinem Auge und befiehe dann, daß du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest. 18* Erster Teil: Das Hausbuch. Gebet. Gerechter Gott und barmherziger Vater, der du billig alle Untugend strafest und zahlest reichlich alles Gute, läsfest deine gestrenge Gerechtigkeit gegen deine Kinder fahren und vergiebst ihnen aus Gnaden ihre Sünden, wir bitten deine milde Güte, du wollest unsre kalten Herzen durch deinen Geist erwärmen, daß wir auch jedermann dienen, helfen, raten und verzeihen, und niemand richten, schänden, lästern und verdammen, damit wir als gute Bäume rechtschaffene Früchte der Buße bringen, durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Joh. Mathesius. Pf. 15. Ps. 112. Pf. 119, 137-144. 276 Wochenlektionen. Morgens. M 1 Sam. 30. D 1 Sam. 31. M 2 Sam. 1. D 2 Sam. 2. F 2 Sam. 5. S 2 Sam. 6. Oder: M 1 Sam. 30. D 1 Chron. 11.* M 1 Chron. 12, 1-9. D 1 Chron. 14. F 1 Chron. 15, 1. 2. 8-17. S 1 Chron. 16, 1-3. 25-17, 36. 43. Abends. M Apostelgesch. 17, 1-15. D Apostelgesch. 17, 16-34. M Apostelgesch. 18, 1-17. D Apostelgesch. 18, 18-28. F Apostelgesch. 19, 1-22. S Apostelgesch. 19, 23-40. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Lut. 6, 31-42. M Röm. 8, 18-27. D Apostelgesch. 4, 8-31. M Matth. 5, 11-16. D 1 Sam. 3, 1-19. F 2 Betr. 1, 2-15. S Matth. 12, 46-50. Am fünften Sonntage nach Trinitatis. Kollekte. Herr Gott, der du denen, die dich lieben, unsichtbare Güter bereitet hast, geuß deiner Liebe Brunst in unsre Herzen, auf * In manchen Bibeln sind die Kapitelnummern des 1. Buches der Chronika andere. Was hier mit Kap. 11. 12 2c. bezeichnet ist, ist dort Kap. 10. 11 2c. 3. Lektionarium. Die Trinitatiszeit. 5. S. n. Trinitatis. 277 daß wir dich in allem und über alles lieben und also deine Verheißung erlangen, die überschwänglich ist über alles, das wir bitten und verstehen, durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. - Epistel: 1 Petr. 3, 8-15. Endlich aber seid allesamt gleich gesinnet, mitleidig, brüderlich, barmherzig, freundlich. Vergeltet nicht Böses mit Bösem, oder Scheltwort mit Scheltwort; sondern dagegen segnet, und wisset, daß ihr dazu berufen seid, daß ihr den Segen beerbet. Denn wer leben will und gute Tage sehen, der schweige seine Zunge, daß sie nichts Böses rede, und seine Lippen, daß sie nicht trügen. Er wende sich vom Bösen und thue Gutes; er suche Friede und jage ihm nach. Denn die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren auf ihr Gebet; das Angesicht aber des Herrn siehet auf die, so Böses thun. Und wer ist, der euch schaden könnte, so ihr dem Guten nachkommet? Und ob ihr auch leidet um der Gerechtigkeit willen, so seid ihr doch selig. Fürchtet euch aber vor ihrem Troßen nicht und erschrecket nicht. Heiliget aber Gott den Herrn in euren Herzen. Evangelium: Luf. 5, 1-11. Es begab sich aber, da sich das Volk zu ihm drang, zu hören das Wort Gottes, und er stand am See Genezareth, und sahe zwei Schiffe am See stehen; die Fischer aber waren ausgetreten und wuschen ihre Neßze: trat er in der Schiffe eines, welches Simonis war, und bat ihn, daß ers ein wenig vom Lande führete. Und er setzte sich und lehrete das Volk aus dem Schiff. Und als er hatte aufgehört zu reden, sprach er zu Simon: Jahre auf die Höhe, und werfet eure Neße aus, daß ihr einen Zug thut. Und Simon antwortete und sprach zu ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich das Netz auswerfen. Und da sie das thaten, beschlossen sie eine große Menge Fische, und ihr Netz zerriß. Und sie winkten ihren Gesellen, die im andern Schiff waren, daß sie kämen und hülfen ihnen ziehen. Und sie kamen und fülleten beide Schiffe voll, also, daß sie sanken. Da das Simon Petrus sahe, fiel er Jesu zu den Knieen und sprach: Herr, gehe von mir hinaus; ich bin ein sündiger Mensch. Denn es war ihn ein Schrecken ankommen und alle, die mit ihm waren, über diesem Fischzug, den sie mit einander gethan hatten; desselbigen gleichen auch Jacobum und Johannem, die Söhne Zebedäi, Simonis 278 Erster Teil: Das Hausbuch. Gesellen. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht; denn von nun an wirst du Menschen fahen. Und sie führeten die Schiffe zu Lande und verließen alles und folgeten ihm nach. Gebet. Herr Gott, himmlischer Vater, regiere unsre Herzen durch den heiligen Geist, daß wir uns zu dem Herrn Jesu, deinem lieben Sohne, mit großem Ernst dringen, sein Wort zu hören. Hilf, daß wir ihn lassen in das Schifflein unsres Herzens und Hauses eintreten, das Netz unsers Berufes allezeit auf sein Wort und in seinem Namen auswerfen und alles glücklich ausrichten, was uns an Leib und Seele gut ist, damit wir dir auch fröhlich Dank sagen in Ewigkeit. Amen. Val. Herberger. Ps. 8. Pf. 115. Wochenlektionen. Morgens. M 2 Sam. 7. D 2 Sam. 9. M 2 Sam. 11. D 2 Sam. 12. F 2 Sam. 15. S 2 Sam. 16, 1-19. Oder: M 1 Chron. 18. D 1 Chron. 20. M 1 Chron. 22. D 1 Chron. 23. F 1 Chron. 30, 1-28. S 2 Chron. 1. Abends. M Apostelgesch. 20, 1-16. D Apostelgesch. 20, 17-38. M Apostelgesch. 21, 1-14. D Apostelgesch. 21, 15-39. F Apostelgesch. 21, 40-22, 30. S Apostelgesch. 23, 1-11. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Lut. 5, 1-11. M 1 Petr. 3, 8-15. D Luk. 7, 36-50. M Apostelgesch. 5, 17-42. D 1 Sam. 16, 1-13. F Apostelgesch. 9, 32-43. S Jer. 31, 31-34. Am sechsten Sonntage nach Trinitatis. Kollekte. Lieber Herr Gott, gehe nicht ins Gericht mit uns armen Sündern, die wir deine Gebote nicht von Herzen gehalten, son 3. Lektionarium. Die Trinitatiszeit. 6. S. n. Trinitatis. 279 dern siehe an das teure Verdienst deines lieben Sohnes und laß uns seine Gerechtigkeit ewig genießen. Regiere auch unsre Herzen mit deinem heiligen Geiste, daß wir in deiner Furcht, rechtem Glauben und christlichem Leben wandeln, vor Vermessenheit und Sicherheit uns hüten und nicht in den ewigen Kerker geworfen werden, um Jesu Christi, deines lieben Sohnes, unsers Herrn willen. Amen. - Epistel: Röm. 6, 3-11.( S. Röm. 6, 3-14.) Wisset ihr nicht, daß alle, die wir in Jesum Christ getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir je mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf daß, gleichwie Christus ist auferweckt von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln. So wir aber samt ihm gepflanzet werden zu gleichem Tode, so werden wir auch der Auferstehung gleich sein, dieweil wir wissen, daß unser alter Mensch samt ihm gekreuziget ist, auf daß der sündliche Leib aufhöre, daß wir hinfort der Sünde nicht dienen. Denn wer gestorben ist, der ist gerechtfertigt von der Sünde. Sind wir aber mit Christo ge= storben, so glauben wir, daß wir auch mit ihm leben werden, und wissen, daß Christus, von den Toten erwecket, hinfort nicht stirbt; der Tod wird hinfort über ihn nicht herrschen. Denn das er ge= storben ist, das ist er der Sünde gestorben zu einenmal; das er aber lebet, das lebet er Gott. Also auch ihr, haltet euch dafür, daß ihr der Sünde gestorben seid, und lebet Gott in Christo Jesu, unserm Herrn. Evangelium: Matth. 5, 20-26.( H. Matth. 5, 17-26.) Denn ich sage euch: Es sei denn eure Gerechtigkeit besser, denn der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Ihr habt gehöret, daß zu den Alten geſagt ist: Du sollst nicht töten; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein. Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnet, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Racha, der ist des Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr, der ist des höllischen Feuers schuldig. Darum, wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und wirst allda eindenken, daß dein Bruder etwas wider dich habe; so laß allda vor dem Altar deine Gabe und gehe zuvor hin, und versöhne dich mit deinem Bruder; und alsdann komm und opfere deine Gabe. Sei willfertig deinem Widersacher 280 Erster Teil: Das Hausbuch. bald, dieweil du noch bei ihm auf dem Wege bist, auf daß dich der Widersacher nicht dermaleins überantworte dem Richter, und der Richter überantworte dich dem Diener, und werdest in den Kerker geworfen. Ich sage dir: Wahrlich, du wirst nicht von dannen heraus kommen, bis du auch den letzten Heller bezahlest. Gebet. Herr Gott, du ewige Weisheit und Gerechtigkeit, wir danken dir, daß du unsern Leib und Leben mit deinem Gebot verwahrest und lehrest uns, daß wir nicht töten, zürnen, scheel sehen, schelten und lästern, und willst, daß wir uns mit jedermann vertragen und gerne vergeben, wir beichten und bekennen dir, daß wir der feines gehalten und in dein gestrenges Gericht sind gefallen, und bitten dich in tröstlicher Zuversicht, du wollest unsre sündigen Herzen mit der Erkenntnis deines Sohnes und seinem heiligen Geiste heiligen, damit wir uns deiner Güte trösten und einen neuen Gehorsam anfangen durch Jesum Christum, der das Gesetz mit seinem vollkommenen Gehorsam und unschuldigen Leiden erfüllet, und uns seine Gerechtigkeit schenkt und aus Gnaden zurechnet. Amen. Joh. Mathesius. Ps. 84. Pf. 92. Wochenlektionen. Morgens. M 2 Sam. 17. D 2 Sam. 18. M 2 Sam. 19, 1-30. D 2 Sam. 24. F 1 Kön. 2, 1-12. 36-46. S 1 Kön. 3. Oder: M 2 Chron. 2. D 2 Chron. 3. M 2 Chron. 4. D 2 Chron. 5. F 2 Chron. 6. S 2 Chron. 7. Abends. M Apostelgesch. 23, 12-39. D Apostelgesch. 24. M Apostelgesch. 25, 1-12. D Apostelgesch. 25, 13-27. F Apostelgesch. 26. S Apostelgesch. 27, 1-12. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Matth. 5, 17-26. M Röm. 6, 3-14. D Apostelgesch. 8, 26-38. M Mart. 4, 26-32. D 1 Sam. 24, 1-20. F Gal. 3, 1-12. S Marf. 6, 17-29. 3. Lektionarium. - Die Trinitatiszeit. 7. S. n. Trinitatis. 281 Am siebenten Sonntage nach Trinitatis. Kollekte. Herr Gott, der du im Walten deiner Vorsehung niemals irrest noch fehlest, wir bitten dich demütiglich, du wollest alles, was uns schädlich ist, abwenden und gnädiglich verleihen, was uns gut und heilsam ist, durch unsern Herrn, Jesum Christum, deinen Sohn, der mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Epistel: Röm. 6, 19-23.( S. Röm. 6, 15-23.) Ich muß menschlich davon reden um der Schwachheit willen eures Fleisches. Gleichwie ihr eure Glieder begeben habt zu Dienste der Unreinigkeit und von einer Ungerechtigkeit zu der andern, also begebet nun auch eure Glieder zu Dienste der Gerechtigkeit, daß sie heilig werden. Denn da ihr der Sünde Knechte waret, da waret ihr frei von der Gerechtigkeit. Was hattet ihr nun zu der Zeit für Frucht? Welcher ihr euch jetzt schämet; denn das Ende derselbigen ist der Tod. Nun ihr aber seid von der Sünde frei und Gottes Knechte worden, habt ihr eure Frucht, daß ihr heilig werdet, das Ende aber das ewige Leben. Denn der Tod ist der Sünde Sold; aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Christo Jesu, unserm Herrn. Evangelium: Mark. 8, 1-9. Zu der Zeit, da viel Volks da war und hatten nichts zu essen, rief Jesus seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Mich jammert des Volks; denn sie haben nun drei Tage bei mir beharret, und haben nichts zu essen; und wenn ich sie ungegessen von mir heim ließe gehen, würden sie auf dem Wege verschmachten. Denn etliche waren von ferne kommen. Seine Jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brot hie in der Wüste, daß wir sie sättigen? Und er fragte sie: Wie viel habt ihr Brote? Sie sprachen: Sieben. Und er gebot dem Volk, daß sie sich auf die Erde lagerten. Und er nahm die sieben Brote und dankete und brach sie und gab sie seinen Jüngern, daß sie dieselbigen vorlegten; und sie legten dem Volk vor. Und hatten ein wenig Fischlein; und er dankte und hieß dieselbigen auch vortragen. Sie aßen aber und wurden satt, und huben die übrigen Brocken auf, sieben Körbe. Und ihrer war bei viertausend, die da gegessen hatten; und er ließ sie von sich. Erster Teil: Das Hausbuch. Gebet. Herr Jesu Christe, versorge mit aller Notdurft uns und alle, die bei dir im wahren Glauben verharren, damit wir nicht verschmachten auf dem Wege unsers Lebens. Regiere unsre Herzen, daß wir unsre sieben täglichen Brote mit festem und gutem Gewissen einsammeln, zu Rate halten, mit Dankbarkeit davon essen, satt werden und noch übrig behalten; daneben aber auch allezeit hungrig und begierig sind nach dem lieben Himmelsbrote deines Evangelii und davon das ewige Leben erlangen. Amen. Val. Herberger. 282 Pf. 23. Pf. 36. Wochenlektionen. Morgens. M 1 Rön. 5. D 1 Rön. 8, 1-21( 22-61) 62-66. M 1 Kön. 10. D Spr. Sal. 1. F Spr. Sal. 3. S Spr. Sal. 9. Oder: M 2 Chron. 8. D 2 Chron. 9, 1-12. M 2 Chron. 9, 13-31. D Pred. 1. F Pred. 2. S Pred. 3. Abends. M Apostelgesch. 27, 13-44. D Apostelgesch. 28, 1-16. M Apostelgesch. 28, 17-31. D 1 Theff. 1. F 1 Thess. 2. S 1. Theff. 3. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Mart. 8, 1-9. M Röm. 6, 15-23. D Matth. 19, 16-26. M Apostelgesch. 9, 1-19. D 1 Kön. 3, 5-14. F Apostelgesch. 10, 1-23. S Apostelgesch. 10, 24-33. Am achten Sonntage nach Trinitatis. Kollekte. O Herr, wir bitten, gieb uns allezeit gnädiglich deinen Geist, zu gedenken und zu thun, was recht ist, auf daß wir, die wir ohne dich nicht sein können, deinen Namen ehren, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Epistel: Röm. 8, 12-17. So sind wir nun, lieben Brüder, Schuldner, nicht dem Fleisch, daß wir nach dem Fleisch leben. Denn wo ihr nach dem Fleisch 3. Lektionarium.- Die Trinitatiszeit. 8. S. n. Trinitatis. 283 lebet, so werdet ihr sterben müssen; wo ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte tötet, so werdet ihr leben. Denn welche der Geist Gottes treibet, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtlichen Geist empfangen, daß ihr euch abermal fürchten müßtet; sondern ihr habt einen findlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater. Derselbige Geist giebt Zeugnis unserm Geist, daß wir Gottes Kinder sind. Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, so wir anders mit leiden, auf daß wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden. Evangelium: Matth. 7, 15-23.( H. Matth. 7, 13-29.) Sehet euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen; inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man auch Trauben lesen von den Dornen, oder Feigen von den Disteln? Also ein jeglicher guter Baum bringet gute Früchte; aber ein fauler Baum bringet arge Früchte. Ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Ein jeglicher Baum, der nicht gute Früchte bringet, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Darum an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen thun meines Vaters im Himmel. Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweisfaget? haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben? haben wir nicht in deinem Namen viele Thaten gethan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie erkannt, weichet alle von mir, ihr Übelthäter. Gebet. Herr Jesu Christe, verleihe uns und unsern Kindern Richtigkeit im Glauben und Reinigkeit im Leben. Behüte uns vor Betrügerei aller falschen Propheten und erhalte uns bei rechter evangelischer Frömmigkeit, damit wir nicht als faule Bäume abgehauen und ins höllische Feuer geworfen werden, sondern im Leben und Tode Gott gefallen und nach unsers Herzens Wunsch ins Himmelreich kommen. Amen. Val. Herberger. Pf. 12. Pf. 58. Pf. 74. Pf. 75. Ps. 119, 121-136. 284 Erster Teil: Das Hausbuch. Wochenlektionen. Morgens. M Spr. Sal. 10. D Spr. Sal. 13. M Spr. Sal. 16. D 1 Kön. 11, 1-13. F 1 Kön. 11, 43-12, 33. S 1 Kön. 16, 29-17, 24. Oder: M Pred. 4. D Pred. 5. M Pred. 12. D 2 Chron. 10. F 2 Chron. 12. S 2 Chron. 13. Abends. M 1 Theff. 4, 1-12. D 1 Theff. 4, 13-18. M 1 Theff. 5, 1-11. D 1 Theff. 5, 12-28. F Röm. 1, 1-17. S Röm. 1, 18-25. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Matth. 7, 13-29. M Röm. 8, 12-17. D Apostelgesch. 16, 16-36. M Matth. 10, 32-42. D Jer. 23, 16-32. F Apostelgesch. 12, 1-17. S 2 Joh. V. 6-11. Am neunten Sonntage nach Trinitatis. Kollekte. Herr Gott, himmlischer Vater, du hast uns alle zu deinen Haushaltern verordnet, hilf, daß wir die anvertrauten Güter nicht durchbringen, sondern sie wohl anwenden, auch mit dem Zeitlichen uns Freunde machen, damit wir in die ewigen Hütten aufgenommen werden, um Jesu Christi, deines lieben Sohnes, unsers Herrn willen. Amen. Epistel: 1 Kor. 10, 6-13.(§. 1 Kor. 10, 1-13.) Das ist aber uns zum Vorbilde geschehen, daß wir uns nicht gelüsten lassen des Bösen, gleichwie jene gelüstet hat. Werdet auch nicht Abgöttische, gleichwie jener etliche wurden; als geschrieben stehet: Das Volk setzte sich nieder, zu essen und zu trinken, und stund auf, zu spielen. Auch lasset uns nicht Hurerei treiben, wie etliche unter jenen Hurerei trieben, und fielen auf einen Tag dreiundzwanzigtausend. Lasset uns aber auch Christum nicht versuchen, wie etliche von jenen ihn versuchten, und wurden von den Schlangen umgebracht. Murret auch nicht, gleichwie jener etliche murreten, und wurden umgebracht durch den Verderber. Solches alles widerfuhr 3. Lektionarium. Die Trinitatiszeit. 9. S. n. Trinitatis. 285 ihnen zum Vorbilde; es ist aber geschrieben uns zur Warnung, auf welche das Ende der Welt kommen ist. Darum, wer sich lässet dünken, er stehe, mag wohl zusehen, daß er nicht falle. Es hat euch noch keine, denn menschliche Versuchung betreten; aber Gott ist getreu, der euch nicht lässet versuchen über euer Vermögen, sondern machet, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß ihrs könnet ertragen. - Evangelium: 2ut. 16, 1-9.( H. Lut. 16, 1-12.) Er sprach aber auch zu seinen Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Haushalter, der ward vor ihm berüchtiget, als hätte er ihm seine Güter umgebracht. Und er forderte ihn und sprach zu ihm: Wie höre ich das von dir? Thue Rechnung von deinem Haushalten; denn du kannst hinfort nicht Haushalter sein. Der Haushalter sprach bei sich selbst: Was soll ich thun? Mein Herr nimmt das Amt von mir; graben mag ich nicht, so schäme ich mich zu betteln. Ich weiß wohl, was ich thun will, wenn ich nun von dem Amt gesetzt werde, daß sie mich in ihre Häuser nehmen. Und er rief zu sich alle Schuldner seines Herrn und sprach zu dem ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Er sprach: Hundert Tonnen Öles. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief, seße dich und schreib flugs fünfzig. Darnach sprach er zu dem andern: Du aber, wie viel bist du schuldig? Er sprach: Hundert Malter Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief und schreib achtzig. Und der Herr lobete den ungerechten Haushalter, daß er klüglich gethan hatte. Denn die Kinder dieser Welt sind flüger, denn die Kinder des Lichtes in ihrem Geschlechte. Und ich sage euch auch: Machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, auf daß, wenn ihr nun darbet, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten. Gebet. Herr Gott, himmlischer Vater, der du uns reichen Segen und das tägliche Brot überflüssig haft gegeben, wir bitten dich, behüte uns vor Geiz und erwecke unsre Herzen, daß wir armen Leuten gern und mildiglich von solchem Segen mitteilen, auf daß wir als treue Haushalter über deine Güter erfunden werden und nicht müssen in Ewigkeit verderben, wenn wir von solcher Haushaltung abgefordert und vor dein Gericht kommen werden. Amen. Nürnberger Gebetbuch. 1613. Ps. 140. Pf. 147. 286 Erster Teil: Das Hausbuch. Wochenlektionen. Morgens. M 1 Sön. 18, 1. 2. 17-46. D 1 Kön. 19. M 1 Kön. 21. D 1 Rön. 22, 1-38. F 2 Rön. 1. S 2 Kön. 2. Oder: M 2 Chron. 14. D 2 Chron. 15. M 2 Chron. 16. D 2 Chron. 17. F 2 Chron. 18. S 2 Chron. 19. Abends. M Röm. 2, 1-11. D Röm. 2, 12-29. M Röm. 3, 1-18. D Röm. 3, 19-31. F Röm. 4. S Röm. 5, 1-11. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Luf. 16, 1-12. M 1 Kor. 10, 1-13. D Apostelgesch. 17, 16-34. M Matth. 13, 44-52. D Spr. Sal. 16, 1-9. F 2 Thess. 3, 1-13. S Apostelgesch. 8, 14-25. Am zehnten Sonntage nach Trinitatis. Kollekte. Barmherziger Gott, himmlischer Vater, wir bitten dich herzlich, du wollest unsre Herzen regieren, auf daß wir die Zeit deiner gnädigen Heimsuchung nicht versäumen, noch durch unsre Unbußfertigkeit in zeitliche und ewige Strafe geraten, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Epistel: 1 Kor. 12, 1-11.(§. 1 Kor. 12, 1-12.) Von den geistlichen Gaben aber will ich euch, lieben Brüder, nicht verhalten. Ihr wisset, daß ihr Heiden seid gewesen und hingegangen zu den stummen Götzen, wie ihr geführet wurdet. Darum thue ich euch kund, daß niemand Jesum verfluchet, der durch den Geist Gottes redet; und niemand kann Jesum einen Herrn heißen, ohne durch den heiligen Geist. Es sind mancherlei Gaben; aber es ist ein Geist. Und es sind mancherlei Ämter; aber es ist ein Herr. Und es sind mancherlei Kräfte; aber es ist ein Gott, der da wirket alles in allen. In einem jeglichen erzeigen sich die Gaben des Geistes zum gemeinen Nußen. Einem wird gegeben durch den Geist, zu reden von der Weisheit; dem andern wird gegeben, zu reden von der Erkenntnis, nach demselbigen Geist; einem andern der Glaube, 3. Lektionarium.- Die Trinitatiszeit. 10. S. n. Trinitatis. 287 in demselbigen Geist; einem andern die Gabe, gesund zu machen, in demselbigen Geist; einem andern, Wunder zu thun; einem andern Weissagung; einem andern, Geister zu unterscheiden; einem andern mancherlei Sprachen; einem andern, die Sprachen auszulegen. Dies aber alles wirket derselbige einige Geist und teilet einem jeglichen seines zu, nachdem er will. Evangelium: Luf. 19, 41-48. Und als er nahe hinzukam, sahe er die Stadt an und weinete über sie, und sprach: Wenn du es wüßtest, so würdest du auch bedenken zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dienet. Aber nun ists vor deinen Augen verborgen. Denn es wird die Zeit über dich kommen, daß deine Feinde werden um dich und deine Kinder mit dir eine Wagenburg schlagen, dich belagern und an allen Orten ängsten, und werden dich schleifen und feinen Stein auf dem andern laſsen, darum, daß du nicht erkannt hast die Zeit, darinnen du heimgesucht bist. Und er ging in den Tempel und fing an auszutreiben, die darinnen verkauften und kauften, und sprach zu ihnen: Es stehet geschrieben: Mein Haus ist ein Bethaus; ihr aber habts gemacht zur Mördergrube. Und er lehrete täglich im Tempel. Aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten und die Vornehmsten im Volk trachteten ihm nach, daß sie ihn umbrächten, und fanden nicht, wie sie ihm thun sollten; denn alles Volk hing ihm an und hörete ihn. Gebet. Olieber, freundlicher Herr Jesu Christe, wir danken dir von Herzen, daß du deine Kirche reinigest und rufest uns mit deinem Worte zur Buße, wie du deinem Volke und Tempel gethan hast. Wir bitten dich um deiner heißen Thränen willen, womit du deine Liebe und Leutseligkeit gegen uns preiſest, du wollest uns durch deinen Geist zu dir bekehren und uns und unsre Nachkommen in reiner Lehre und wahrer Anrufung und Bekenntnis deines Namens erhalten, die wohlverdiente Strafe gnädiglich lindern und uns und unsre Kinder aus fünftigem Unglück erretten um deiner Treue und Güte willen. Amen. Joh. Mathesius. Der zehnte Sonntag nach Trinitatis ist der Gedächtnistag der Zerstörung der Stadt Jerusalem. Die Geschichte dieser Zerstörung siehe S. 381. Erster Teil: Das Hausbuch. Laßt uns beten für die ungläubigen Juden, daß der Herr unser Gott die Decke von ihren Herzen nehme und sie erkennen Jesum Christum, unsern und ihren Herrn: Allmächtiger, ewiger Gott, der du auch das gottlose Volk der Juden nicht willst verwerfen von deiner Barmherzigkeit, erhöre unser Gebet, das wir für dieses Volkes Blindheit thun, und laß ihnen leuchten das Licht der Wahrheit, welches ist Jesus Christus, und errette sie aus ihrer Finsternis, durch denselben deinen lieben Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Altchristliches Gebet. Vergl. unter den Liedern Nr. 61, Vers 7. Pf. 106, 1-23. 24-48. Ps. 126. Ps. 137. Wochenlektionen. Morgens. M 2 Rön. 4, 1-37. D 2 Kön. 5. M 2 Kön. 6, 1-23. D 2 Rön. 6, 24-7, 20. F 2 Kön. 9. S 2 Kön. 11. 288 M 2 Chron. 20, 1-30. 21. D 2 Chron. 22. F 2 Oder: D 2 Chron. 20, 31-37. M 2 Chron. Chron. 23. S 2 Chron. 24. Abends. M Röm. 5, 12-21. D Röm. 6, 1-11. M Röm. 6, 12-23. D Röm. 7, 1-13. F Röm. 7, 14-25. S Röm. 8, 1-17. Nach dem hannöverschen Lektionar. S 2ut. 19, 41-48. M 1 Kor. 12, 1-12. D Luf. 12, 49-56. M Apostelgesch. 20, 17-38. D Jer. 7, 1-15. F Apostelgesch. 14, 8-20. S Röm. 2, 1-11. Am elften Sonntage nach Trinitatis. Kollekte. Herr Gott, himmlischer Vater, der du das gute Werk in uns angefangen hast, du wollest es vollenden, damit wir bei deinem Bort und Evangelium, das wir gehört, angenommen und geglaubt haben, beständig bleiben mögen bis an unser Ende, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 3. Lektionarium. Die Trinitatiszeit. 11. S. n. Trinitatis. 289 Epistel: 1 Kor. 15, 1-10. Ich erinnere euch aber, lieben Brüder, des Evangelii, das ich euch verkündiget habe, welches ihr auch angenommen habt, in welchem ihr auch stehet, durch welches ihr auch selig werdet, welcher Gestalt ich es euch verkündiget habe, so ihrs behalten habt, es wäre denn, daß ihrs umsonst geglaubet hättet. Denn ich habe euch zuvörderst gegeben, welches ich auch empfangen habe, daß Christus gestorben sei für unsre Sünden, nach der Schrift; und daß er begraben sei, und daß er auferstanden sei am dritten Tage, nach der Schrift; und daß er gesehen worden ist von Kephas, darnach von den Zwölfen; darnach ist er gesehen worden von mehr denn fünfhundert Brüdern auf einmal, deren noch viel leben, etliche aber sind entschlafen. Darnach ist er gesehen worden von Jakobo, darnach von allen Aposteln; am letzten nach allen ist er auch von mir, als einer unzeitigen Geburt, gesehen worden. Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, als der ich nicht wert bin, daß ich ein Apostel heiße, darum, daß ich die Gemeine Gottes verfolgt habe. Aber von Gottes Gnaden bin ich, das ich bin, und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen; sondern ich habe vielmehr gearbeitet, denn sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir iſt. Evangelium: Lut. 18, 9-14. Er sagte aber zu etlichen, die sich selbst vermaßen, daß sie fromm wären, und verachteten die andern, ein solch Gleichnis: Es gingen zween Menschen hinauf in den Tempel, zu beten, einer ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stund und betete bei sich selbst also: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner; ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, das ich habe. Und der Zöllner stund von ferne, wollte auch seine Augen nicht aufheben gen Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging hinab gerechtfertiget in sein Haus vor jenem. Denn wer sich selbst erhöhet, der wird erniedriget werden; und wer sich selbst erniedriget, der wird erhöhet werden. Gebet. Herr Jesu Christe, du unser Gnadenthron und Brunn aller Barmherzigkeit, verleihe uns und allen frommen Christen ein demütiges, bußfertiges Herz, damit wir uns vor pharisäischer Hoffart hüten, vielmehr von Herzen deine Gnade suchen und Allgemeines Gebetbuch. 19 290 Erster Teil: Das Hausbuch. unser Leben bessern, damit wir gerechtfertigt in unser Haus, wenns Gott gefällt ins Grab und am jüngsten Tage in den Himmel gehen. Amen. Val. Herberger. Ps. 6. Pf. 51. Pf. 103. Pf. 143. Wochenlektionen. Morgens. M 2 Rön. 12. D 2 Rön. 13. M 2 Kön. 14. D Jon. 1 1. 2. F Jon. 3. S Jon. 4. Oder: M 2 Chron. 25, 1-16. D 2 Chron. 25, 17-28. 2 Chron. 26. D 2 Chron. 27. F 2 Chron. 28, 1-15. 2 Chron. 28, 16-27. S Abends. M Röm. 8, 18-27. D Röm. 8, 28-39. M Röm. 9, 1-15. D Röm. 9, 16-33. F Röm. 10. S Röm. 11, 1-24. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Luk. 18, 9-14. M 1 Kor. 15, 1-10. D 1 Tim. 6, 6-12. M Mart. 12, 41-44. D Dan. 9, 8-19. F Apostelgesch. 15, 4-22. S Luk. 10, 16-20. Am zwölften Sonntage nach Trinitatis. Kollekte. Allmächtiger Gott, wir bitten dich, gieb deiner Gemeinde deinen Geist und göttliche Weisheit, daß dein Wort unter uns laufe und wachse, mit aller Freudigkeit, wie sichs gebühret, geprediget und deine christliche Gemeinde dadurch gebessert werde, auf daß wir mit beständigem Glauben dir dienen und im Bekenntnisse deines Namens bis ans Ende verharren, durch Jeſum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Epistel: 2 Kor. 3, 4-11.( S. 2 Kor. 3, 4-9.) Ein solch Vertrauen aber haben wir durch Christum zu Gott. Nicht, daß wir tüchtig sind von uns selber, etwas zu denken, als von uns selber, sondern daß wir tüchtig sind, ist von Gott. Welcher auch uns tüchtig gemacht hat, das Amt zu führen des neuen Testaments, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe 3. Lektionarium. Die Trinitatiszeit. 12. S. n. Trinitatis. 291 tötet; aber der Geist macht lebendig. So aber das Amt, das durch die Buchstaben tötet und in die Steine ist gebildet, Klarheit hatte, also, daß die Kinder Israel nicht konnten ansehen das Angesicht Mosis um der Klarheit willen seines Angesichtes, die doch aufhöret: wie sollte nicht vielmehr das Amt, das den Geist giebt, Klarheit haben? Denn so das Amt, das die Verdammnis prediget, Klarheit hat; viel mehr hat das Amt, das die Gerechtigkeit prediget, überschwängliche Klarheit. Denn auch jenes Teil, das verkläret war, ist nicht für Klarheit zu achten gegen dieser überschwänglichen Klarheit. Denn so das Klarheit hatte, das da aufhört; viel mehr wird das Klarheit haben, das da bleibet. - Evangelium: Mark. 7, 31-37. Und da er wieder ausging von den Grenzen Tyri und Sidon, kam er an das galiläische Meer, mitten unter die Grenze der zehn Städte. Und sie brachten zu ihm einen Tauben, der stumm war, und sie baten ihn, daß er die Hand auf ihn legte. Und er nahm ihn von dem Volk besonders und legte ihm die Finger in die Ohren und spüßete und rührete seine Zunge. Und sahe auf gen Himmel, seufzete und sprach zu ihm: Hephatha, das ist: thue dich auf. Und alsbald thaten sich seine Ohren auf, und das Band seiner Zunge ward los, und redete recht. Und er verbot ihnen, sie sollten es niemand sagen. Je mehr er aber verbot, je mehr sie es ausbreiteten. Und verwunderten sich über die Maße und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend. Gebet. Ach, lieber Herr Jesu Christe, öffne durch dein allmächtiges Hephatha unsre Herzen. Führe uns durch deine Gnadenhand von der Welt beiseite und rühre mit dem Finger deiner Liebe unsre Ohren, Zungen und Schäden, daß wir recht hören, recht reden und aller Unglücksbande los werden, damit wir dir zeitlich und ewig zu Preis und Ehren singen mögen: Du hast alles wohl gemacht, dir sei Lob und Dank dafür gesagt in Ewigkeit. Amen. Val. Herberger. Pf. 38. Ps. 136. Wochenleftionen. Morgens. M 2 ön. 16. D 2 Kön. 17, 1-23. M 2 Rön. 17, 24-41. D 2 Rön. 18, 1-16. F 2 Rön. 18, 17-37. S 2 Rön. 19. 19* Erster Teil: Das Hausbuch. Oder: M 2 Chron. 29. D 2 Chron. 30. M 2 Chron. 32, 1-23. D 2 Chron. 32, 24-33. F 2 Chron. 33. S 2 Chron. 34, 1-17. Abends. 292 M Röm. 11, 25-36. D Röm. 12, 1-8. M Röm. 12, 9-21. D Röm. 13, 1-7. F Röm. 13, 8-14. S Röm. 14, 1-9. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Mart. 7, 31-37. M 2 Ror. 3, 4-9. D Sat. 3. M Joh. 8, 37-45. D f. 62. F Apostelgesch. 16, 9-15. S 2 Tim. 3, 14-17. Am dreizehnten Sonntage nach Trinitatis. Kollekte. Herr Gott, himmlischer Vater, wir danken dir von Grund unsres Herzens, daß du uns dein heiliges Evangelium gegeben und dein väterliches Herz hast erkennen lassen, wir bitten deine grundlose Barmherzigkeit, du wollest solch selig Licht deines Wortes uns gnädiglich erhalten und durch deinen heiligen Geist unsre Herzen also leiten und führen, daß wir nimmermehr davon abweichen, sondern fest daran halten und endlich dadurch selig werden, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Epistel: Gal. 3, 15-22. Lieben Brüder, ich will nach menschlicher Weise reden: Verachtet man doch eines Menschen Testament nicht, wenn es bestätiget ist, und thut auch nichts dazu. Nun ist ja die Verheißung Abraham und seinem Samen zugesagt. Er spricht nicht: durch die Samen, als durch viele, sondern als durch Einen, durch deinen Samen, welcher ist Christus. Ich sage aber davon, das Testament, das von Gott zuvor bestätiget ist auf Christum, wird nicht aufgehoben, daß die Verheißung sollte durchs Gesetz aufhören, welches gegeben ist über vierhundert und dreißig Jahr hernach. Denn so das Erbe durch das Geseß erworben würde, so würde es nicht durch Verheißung gegeben. Gott aber hat es Abraham durch Verheißung frei geschenkt. Was soll denn das Gesez? Es ist dazu gekommen um der Sünde willen, bis der Same käme, dem die Verheißung geschehen ist, und ist gestellet von den Engeln durch die Hand des Mittlers. Ein Mittler 3. Lektionarium. Die Trinitatiszeit. 13. S. n. Trinitatis. 293 aber ist nicht eines Einigen Mittler; Gott aber ist einig. Wie? Iſt denn das Gesetz wider Gottes Verheißungen? Das sei ferne! Wenn aber ein Gesetz gegeben wäre, das da könnte lebendig machen, so käme die Gerechtigkeit wahrhaftig aus dem Gesetze. Aber die Schrift hat es alles beschlossen unter die Sünde, auf daß die Verheißung käme durch den Glauben an Jesum Christum, gegeben denen, die da glauben. - Evangelium: Lut. 10, 23-37. Und er wandte sich zu seinen Jüngern und sprach insonderheit: Selig sind die Augen, die da sehen, das ihr sehet. Denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten sehen, das ihr sehet, und habens nicht gesehen; und hören, das ihr höret, und habens nicht gehöret. Und siehe, da stund ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muß ich thun, daß ich das ewige Leben ererbe? Er aber sprach zu ihm: Wie stehet im Gesetz geschrieben? wie liefest du? Er antwortete und sprach: du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten als dich selbst. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; thue das, so wirst du leben. Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesu: Wer ist denn mein Nächster? Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab gen Jericho und fiel unter die Mörder; die zogen ihn aus und schlugen ihn, und gingen davon und ließen ihn halb tot liegen. Es begab sich aber ungefähr, daß ein Priester dieselbige Straße hinab zog; und da er ihn sahe, ging er vorüber. Desselbigen gleichen auch ein Levit, da er kam bei die Stätte und sahe ihn, ging er vorüber. Ein Samariter aber reisete und kam dahin; und da er ihn sahe, jammerte ihn sein, ging zu ihm, verband ihm seine Wunden und goß drein Öl und Wein, und hub ihn auf sein Tier und führete ihn in die Herberge und pflegte sein. Des andern Tages reisete er, und zog heraus zween Groschen und gab sie dem Wirt und sprach zu ihm: Pflege sein; und so du was mehr wirst darthun, will ich dirs bezahlen, wenn ich wieder komme. Welcher dünket dich, der unter diesen dreien der Nächste sei gewesen dem, der unter die Mörder gefallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm that. Da sprach Jesus zu ihm: So gehe hin und thue desgleichen. Gebet. Herr Jesu Christe, erhalte uns das reine Licht des Evangelii und den rechten Brauch der hochwürdigen Sakramente, 294 Erster Teil: Das Hausbuch. damit wir selige Augen, Ohren und Herzen behalten. Regiere uns durch deinen heiligen Geist, daß wir Lust haben, nach den heiligen zehn Geboten zu leben, und wenn wirs ja versehen hätten und unter die Mörder gefallen wären, so flöße in die Wunden unsers Gewissens den heilsamen Wein der Erkenntnis der Sünde und das himmlische Öl deines teuern Verdienstes, damit all unsre Schäden heil werden und wir dich ewig preisen mögen. Amen. Val. Herberger. Pf. 3. Pf. 88. Ps. 119, 145-160. Wochenlektionen. Morgens. M 2 Kön. 20( oder Jef. 38 ut. 39). D 2 Kön. 21. M 2 Kön. 22. D 2 ön. 23, 1-20. F 2 Kön. 23, 21-37. S Jerem. 1. Oder: M 2 Chron. 34, 18-33. D 2 Chron. 35, 1. 18-27. M 2 Chron. 36, 1-10. D Şef. 1. F Hef. 2. S Hes. 3. Abends. M Röm. 14, 10-23. D Röm. 15, 1-13. M Röm. 15, 14-33. D Röm. 16. F 2 Kor. 1. S 2 Kor. 2. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Lut. 10, 23-42. M Gal. 3, 13-22. D 1 Petr. 2, 1-10. M Joh. 9, 24-41. D Spr. Sal. 4, 4-27. F Apostelsch. 18, 1-18. S Jerem. 31, 31-34. Am vierzehnten Sonntage nach Trinitatis. Kollekte. O ewiger Gott, gnädiger Vater, der du uns durch deinen Sohn deinen heiligen Geist und neu Gesetz zu geben verheißen, wir bitten deine milde Güte, du wollest uns, deine armen Kinder, mit deinem Gnadengeist beseligen und unsre Herzen trösten und erhalten, damit wir bei deinem Worte in Freudigkeit beharren und dir in Geduld mit wahrer Anrufung allezeit dienen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Die Trinitatiszeit. 14. S. n. Trinitatis. 295 Epistel: Gal. 5, 16-24. Ich sage aber: Wandelt im Geist, so werdet ihr die Lüste des Fleisches nicht vollbringen. Denn das Fleisch gelüstet wider den Geist und den Geist wider das Fleisch. Dieselbigen sind wider einander, daß ihr nicht thut, was ihr wollet. Regieret euch aber der Geiſt, so seid ihr nicht unter dem Geseße. Offenbar sind aber die Werke des Fleisches, als da sind Ehebruch, Hurerei, Unreinigkeit, Unzucht, Abgötterei, Zauberei, Feindschaft, Hader, Neid, Zorn, Bant, Zwietracht, Rotten, Haß, Mord, Saufen, Fressen und dergleichen; von welchem ich euch habe zuvor gesagt und sage noch zuvor, daß, die solches thun, werden das Reich Gottes nicht ererben. Die Frucht aber des Geistes ist: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit. Wider solche ist das Geseß nicht. Welche aber Christo angehören, die kreuzigen ihr Fleisch samt den Lüsten und Begierden. 3. Lektionarium. - Evangelium: Luf. 17, 11-19. Und es begab sich, da er reisete gen Jerusalem, zog er mitten durch Samarien und Galiläam. Und als er in einen Markt kam, begegneten ihm zehn aussäßige Männer, die stunden von ferne, und erhuben ihre Stimme und sprachen: Jesu, lieber Meister, erbarme dich unser. Und da er sie sahe, sprach er zu ihnen: Gehet hin und zeiget euch den Priestern. Und es geschah, da sie hingingen, wurden sie rein. Einer aber unter ihnen, da er sahe, daß er gesund worden war, fehrete er um und preisete Gott mit lauter Stimme, und fiel auf sein Angesicht zu seinen Füßen und dankete ihm. Und das war ein Samariter. Jesus aber antwortete und sprach: Sind ihrer nicht zehn rein worden? Wo sind aber die Neune? Hat sich sonst keiner funden, der wieder umkehrete und gäbe Gott die Ehre, denn dieser Fremdling? Und er sprach zu ihm: Stehe auf, gehe hin; dein Glaube hat dir geholfen. Gebet. Herr Gott, himmlischer Vater, der du deinen Gläubigen von dem Aussatz der Sünde durch dein Wort und die heilige Taufe gnädiglich geholfen hast und noch täglich deine gnädige Hilfe in dem, was wir bedürfen, beweisest, wir bitten dich, erwecke unsre Herzen durch deinen heiligen Geist, daß wir solcher Wohlthat nimmermehr vergessen, sondern in deiner Furcht und herzlichem Vertrauen auf deine Barmherzigkeit für und für leben FO 296 Erster Teil: Das Hausbuch. und mit fröhlichem Herzen dir immerdar danken und dich loben, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Kursächs. Agende. Pf. 65. Pf. 66. Ps. 91. Wochenlektionen. Morgens. M Jer. 2, 4-37. D Jer. 3. M Jer. 5. D Jer. 7, 1-20. F Jer. 7, 21-8, 3. S Jer. 8, 4-22. Oder: M Sef. 4, 1-11. 16. 17. D Sef. 5. M Hef. 6. D Hef. 7. F Hes. 8. S Hef. 9. Abends. M 2 Kor. 3. D 2 Kor. 4. M 2 Kor. 5, 1-10. D 2 Kor. 5, 11-21. F 2 Kor. 6. S 2 Kor. 7. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Luf. 17, 11-19. M Gal. 5, 16-24. D Kor. 4. M Matth. 20, 20-28. D f. 63, 2-9. F Apostelgesch. 21, 3-19. S Pf. 145. Am fünfzehnten Sonntage nach Trinitatis. Kollekte. Herr Gott, himmlischer Vater, wir danken dir, daß du uns Seele und Leib gegeben und bisher alles, was wir zu diesem zeitlichen Leben bedürfen, reichlich geschenket hast, wir bitten dich, mache uns im Glauben stark und fest und hilf, daß wir dir mit Seele und Leib fröhlich vertrauen und dein Reich vor allen Dingen suchen, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Epistel: Gal. 5, 25-6, 10. So wir im Geist leben, so lasset uns auch im Geist wandeln. Lasset uns nicht eitler Ehre geizig sein, unter einander zu entrüsten und zu hassen. Lieben Brüder, so ein Mensch etwa von einem Fehl übereilet würde, so helfet ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, die ihr geistlich seid. Und siehe auf dich selbst, daß du nicht auch Die Trinitatiszeit. 15. S. n. Trinitatis. 297 versucht werdest. Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. So aber sich jemand lässet dünken, er sei etwas, so er doch nichts ist, der betrüget sich selbst. Ein jeglicher aber prüfe sein selbst Werk; und alsdann wird er an ihm selber Ruhm haben, und nicht an einem andern. Denn ein jeglicher wird seine Last tragen. Der aber unterrichtet wird mit dem Wort, der teile mit allerlei Gutes dem, der ihn unterrichtet. Irret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten. Denn was der Mensch säet, das wird er ernten. Wer auf sein Fleisch säet, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten. Wer aber auf den Geist säet, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten. Lasset uns aber Gutes thun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten ohn Aufhören. Als wir denn nun Zeit haben, so lasset uns Gutes thun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen. 3. Lektionarium. - Evangelium: Matth. 6, 24-34. Niemand kann zween Herren dienen. Entweder er wird einen haffen und den andern lieben, oder wird einem anhangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Darum sage ich euch: Sorget nicht für euer Leben, was ihr eſsen und trinken werdet; auch nicht für euern Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr, denn die Speise? und der Leib mehr, denn die Kleidung? Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nähret sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr, denn sie? Wer ist unter euch, der seiner Länge eine Elle zuseßen möge, ob er gleich darum forget? Und warum sorget ihr für die Kleidung? Schauet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen; sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist, als derselbigen eins. So denn Gott das Gras auf dem Felde also kleidet, das doch heute stehet und morgen in den Ofen geworfen wird, sollte er das nicht viel mehr euch thun, o ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? was werden wir trinken? womit werden wir uns kleiden? Nach solchem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr deß alles bedürfet. Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen. Darum forget nicht für den andern Morgen, denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe. Erster Teil: Das Hausbuch. Gebet. Allmächtiger Gott, lieber himmlischer Vater, der du die Vöglein speisest und alle Blümlein kleidest und sorgest für uns, wie ein Vater für seine Kinder, wir bitten deine milde Güte, du wollest uns vor Mißtrauen und eitler und vergeblicher Sorge behüten und uns durch deinen Geist nach deines Namens Heiligung und deinem Reich und Willen leben lassen, daß wir all unsre Sorge und Anliegen in starkem Glauben auf dich werfen und dir befehlen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Joh. Mathesius. 298 Pf. 100. Pf. 104. Pf. 107. Wochenlektionen. Morgens. M Jer. 9. D Jer. 14. M Jer. 15. D Jer. 16. F Jer. 17. S Jer. 18. Oder: M Hef. 12, 1-16. D Hef. 12, S 2 Chron. 36, 11—21. M Sef. 10. D Şef. 11. 17-28. F Hef. 13, 1-16. Abends. M 2 Kor. 8, 1-11. D 2 Kor. 8, 12-24. M 2 Kor. 9. D 2 Kor. 10. F 2 Kor. 11, 1-16. S 2 Kor. 11, 17-33. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Matth. 6, 19-34. M Gal. 5, 25-6, 10. D 2 Kor. 8, 1-15. M Luf. 12, 15-23. D 1 Kön. 17, 1-16. F Apostelgesch. 21, 40-22, 22. S Pf. 91. Am sechszehnten Sonntage nach Trinitatis. Kollekte. Herr Gott, wir bitten dich, laß deine Gnade allewege uns zuvorkommen und bei uns bleiben, auf daß wir immerdar fleißig seien zu guten Werken, durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen lieben Sohn, der mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. 3. Lektionarium. Die Trinitatiszeit. 16. S. n. Trinitatis. 299 Epistel: Ephef. 3, 13-21. Darum bitte ich, daß ihr nicht müde werdet um meiner Trübsale willen, die ich für euch leide, welche euch eine Ehre sind. Derhalben beuge ich meine Kniee gegen den Vater unsers Herrn Jesu Christi, der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden, daß er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, und Christum zu wohnen durch den Glauben in euren Herzen und durch die Liebe eingewurzelt und gegründet zu werden; auf daß ihr begreifen möget mit allen Heiligen, welches da sei die Breite und die Länge und die Tiefe und die Höhe; auch erkennen, daß Christum lieb haben, viel besser ist, denn alles Wissen, auf daß ihr erfüllet werdet mit allerlei Gottesfülle. Dem aber, der überschwänglich thun kann über alles, das wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die da in uns wirket, dem sei Ehre in der Gemeine, die in Christo Jesu ist, zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Evangelium: Luf. 7, 11-17. Und es begab sich darnach, daß er in eine Stadt mit Namen Nain ging; und seiner Jünger gingen viele mit ihm und viel Volks. Als er aber nahe an das Stadtthor kam, siehe, da trug man einen Toten heraus, der ein einiger Sohn war seiner Mutter; und sie war eine Witwe, und viel Volks aus der Stadt ging mit ihr. Und da sie der Herr sahe, jammerte ihn derselbigen und sprach zu ihr: Weine nicht. Und trat hinzu und rührete den Sarg an, und die Träger stunden. Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, stehe auf. Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden. Und er gab ihn seiner Mutter. Und es kam sie alle eine Furcht an und preiseten Gott und sprachen: Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und Gott hat sein Volk heimgesucht. Und diese Rede von ihm erscholl in das ganze jüdische Land und in alle umliegende Länder. Gebet. O Herr Jesu, der du bist das Leben und die Auferstehung und hast durch deinen Tod unsern Tod verschlungen und durch deine Auferstehung uns das Leben wiedergebracht, wir armen Menschen, die wir noch mitten im Leben mit dem Tode und Elend umfangen sind, bitten deine sieghafte Güte, du wolleſt uns des Todes Furcht, Stachel und Macht in deiner Kraft überwinden helfen und in deinem Wort und guten Gewissen FO Erster Teil: Das Hausbuch. seliglich einschlafen und zu unsrer Ruhe kommen lassen, der du ein Herr des Todes und Herzog des Lebens bist, von nun an bis in Ewigkeit. Amen. Joh. Mathesius. 300 Pf. 4. Pf. 146. Wochenlektionen. Morgens. M Jer. 19. D Jer. 24. M Jer. 27. D Jer. 52. Flagl. Jer. 1. S Klagl. Jer. 5. M Klagl. Jer. 1. D D Klagl. Jer. 3, 26-66. Oder: Klagl. Jer. 2. M Klagl. Jer. 3, 1-25. F Klagl. Jer. 4. S Klagl. Jer. 5. Abends. M 2 Kor. 12, 1-10. 13. D Phil. 1, 1-11. F D 2 Kor. 12, 11-21. M 2 Kor. Phil. 1, 12-30. S Phil. 2, 1-11. Nach dem hannöverschen Lektionar. S But. 7, 11-17. M Ephes. 3, 8-21. D Ebr. 12, 24-34. M Luf. 9, 46-56. D Hiob 5, 17-26. F Apostelgesch. 23, 1-17. S Hiob 22, 22-30. Am siebzehnten Sonntage nach Trinitatis. Kollekte. Herr Gott, himmlischer Vater, wir bitten dich, du wolleft uns durch deinen heiligen Geist regieren, daß wir mit ganzem Herzen dein Wort hören und annehmen und unser Leben darnach bessern, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Epistel: Ephes. 4, 1-6. So ermahne nun euch ich Gefangener in dem Herrn, daß ihr wandelt, wie sichs gebühret eurem Beruf, darinnen ihr berufen seid, mit aller Demut und Sanftmut, mit Geduld, und vertraget einer den andern in der Liebe, und seid fleißig zu halten die Einigkeit im Geiſt durch das Band des Friedens. Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid auf einerlei Hoffnung eures Berufs. Ein Herr, Ein Glaube, Eine Taufe, Ein Gott und Vater( unser) aller, der da ist über euch alle, und durch euch alle, und in euch allen. 3. Lektionarium. Die Trinitatiszeit. 17. S. n. Trinitatis. 301 Evangelium: Luf. 14, 1-11. Und es begab sich, daß er kam in ein Haus eines Obersten der Pharisäer, auf einen Sabbath, das Brot zu essen; und sie hielten auf ihn. Und siehe, da war ein Mensch vor ihm, der war wassersüchtig. Und Jesus antwortete und sagte zu den Schriftgelehrten und Pharisäern und sprach: Ists auch recht auf den Sabbath heilen? Sie aber schwiegen stille. Und er griff ihn an und heilete ihn und ließ ihn gehen, und antwortete und sprach zu ihnen: Welcher ist unter euch, dem sein Ochse oder Esel in den Brunnen fällt, und er nicht alsbald ihn herauszeucht am Sabbathtage? Und sie konnten ihm darauf nicht wieder Antwort geben. Er sagte aber ein Gleichnis zu den Gästen, da er merkte, wie sie erwähleten oben an zu sitzen, und sprach zu ihnen: Wenn du von jemand geladen wirst zur Hochzeit, so sebe dich nicht oben an, daß nicht etwa ein Ehrlicherer, denn du, von ihm geladen sei; und so dann kommt, der dich und ihn geladen hat, spreche zu dir: Weiche diesem; und du müsseft dann mit Scham unten an sißen. Sondern wenn du geladen wirst, so gehe hin und seße dich unten an, auf daß, wenn da kommt, der dich geladen hat, spreche zu dir: Freund, rücke hinauf. Dann wirst du Ehre haben vor denen, die mit dir zu Tische sißen. Denn wer sich selbst erhöhet, der soll erniedriget werden; und wer sich selbst erniedriget, der soll erhöhet werden. Gebet. Allmächtiger Gott und ewiger Vater, der du den Hoffärtigen widerstehest und giebst den Demütigen Gnade, wir bitten deine milde Güte, du wollest uns vor Stolz, Hochmut und geistlicher Hoffart behüten und in Demut und niedrigen Herzen zu deinen Ehren allezeit erhalten, durch Jesum Christum, unsern demütigen Herrn. Amen. Joh. Mathesius. Pf. 120. Ps. 138. Wochenlektionen. Morgens. M Dan. 1. D Dan. 2, 1-16. M Dan. 2, 17-49. D Dan. 3. F Dan. 4. S Dan. 5. Abends. M Phil. 2, 12-30. D Phil. 3. M Phil. 4, 1-9. D Phil. 4, 10-23. F Jaf. 1, 1-12. S Jaf. 1, 13-27. Erster Teil: Das Hausbuch. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Luf. 14, 1-11. M Ephef. 4, 1-6. D Luf. 9, 57-62. M Hebr. 6, 1-15. D f. 138. F Apostelgesch. 24, 1-25. S Matth. 18, 1-11. 302 Am achtzehnten Sonntage nach Trinitatis. Kollekte. Herr Gott, wir bitten dich, laß deine Barmherzigkeit in unsern Herzen wirken und regieren, dieweil wir ohne dich dir nicht gefallen mögen, durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, der mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Epistel: 1 Kor. 1, 4-9. Ich danke meinem Gott allezeit eurethalben für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Christo Jesu, daß ihr seid durch ihn an allen Stücken reich gemacht, an aller Lehre und in aller Erkenntnis. Wie denn die Predigt von Christo in euch kräftig worden ist, also, daß ihr keinen Mangel habt an irgend einer Gabe, und wartet nur auf die Offenbarung unsers Herrn Jesu Christi; welcher auch wird euch fest behalten bis ans Ende, daß ihr unsträflich seid auf den Tag unsers Herrn Jesu Christi. Denn Gott ist treu, durch welchen ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesu Christi, unsers Herrn. Evangelium: Matth. 22, 34-46. Da aber die Pharisäer höreten, daß er den Sadducäern das Maul gestopft hatte, versammelten sie sich. Und einer unter ihnen, ein Schriftgelehrter, versuchte ihn und sprach: Meister, welches ist das vornehmste Gebot im Gesetz? Jesus aber sprach zu ihm: Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Dieß ist das vornehmste und größte Gebot. Das andre aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst. In diesen zweien Geboten hanget das ganze Gesetz und die Propheten. Da nun die Pharisäer bei einander waren, fragte sie Jesus, und sprach: Wie dünket euch um Christo? weß Sohn ist er? Sie sprachen: Davids. Er sprach zu ihnen: Wie nennet ihn denn David im Geist einen Herrn, da er sagt: Der Herr hat gesagt zu meinem Herrn: Seße dich zu meiner Rechten, bis daß ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße. So nun 3. Lektionarium. Die Trinitatiszeit. 18. S. n. Trinitatis. 303 David ihn einen Herrn nennet, wie ist er denn sein Sohn? Und niemand konnte ihm ein Wort antworten, und durfte auch niemand von dem Tage an hinfort ihn fragen. - Gebet. Herr Gott, himmlischer Vater, der du uns deinen Willen, dem wir nachkommen sollen, in den zwo Tafeln des Gesetzes geoffenbaret, gieb, daß wir dich von ganzem Herzen, Seele und Gemüt fürchten und lieben und unserm Nächsten alles Gutes erzeigen, und wo wir dawider sündigen, so siehe deinen Sohn Jesum an, der das Gesetz an unsrer Statt erfüllet, sprich deswegen uns, die wir an ihn glauben, von aller Schuld los und bringe uns dahin, da wir ohne Hindernis mit Freudigkeit deinen heiligen Willen vollbringen, um Jesu Christi, deines lieben Sohnes, unsers Herrn willen. Amen. Kursächs. Agende. Ps. 81. Ps. 110. Pf. 119, 65-80. Wochenlektionen. Morgens. M Dan. 6. D Dan. 7. M Dan. 8. D Dan. 9. F Dan. 10-11, 2. S Dan. 11, 2-19. Abends. M Sat. 2, 1-13. D Sat. 2, 14-26. M Jat. 3. D Sat. 4. F Jat. 5, 1-8. S Jak. 5, 9-20. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Matth. 22, 34-46. M 1 Kor. 1, 4-9. D Matth. 12, 30-37. M Hebr. 10, 22-39. D Klagl. Jer. 3, 22-40. F Apostelgesch. 26, 13-32. S Pf. 34. Am neunzehnten Sonntage nach Trinitatis. Kollekte. Allmächtiger, barmherziger Gott, wende in Gnaden von uns alles ab, was uns zuwider ist, damit wir an Leib und Seele unbeschweret dein Werk mit freien Herzen ausrichten durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen lieben Sohn, der 304 Erster Teil: Das Hausbuch. mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Epistel: Ephes. 4, 22-28.( S. Ephef. 4, 17-32.) So leget nun von euch ab, nach dem vorigen Wandel, den alten Menschen, der durch Lüste in Irrtum sich verderbet. Erneuert euch aber im Geist eures Gemüts; und ziehet den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist, in rechtschaffner Gerechtigkeit und Heiligkeit. Darum leget die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeglicher mit seinem Nächsten, sintemal wir unter einander Glieder sind. Zürnet und fündiget nicht; lasset die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen. Gebet auch nicht Raum dem Lästerer. Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit den Händen etwas Gutes, auf daß er habe, zu geben dem Dürftigen. Evangelium: Matth. 9, 1-8. Da trat er in das Schiff und fuhr wieder herüber und kam in seine Stadt. Und siehe, da brachten sie zu ihm einen Gichtbrüchigen, der lag auf einem Bette. Da nun Jesus ihren Glauben sahe, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Sei getrost, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. Und siehe, etliche unter den Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst: Dieser lästert Gott. Da aber Jesus ihre Gedanken sahe, sprach er: Warum denket ihr so Arges in euren Herzen? Welches ist leichter, zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Stehe auf und wandle? Auf daß ihr aber wisset, daß des Menschen Sohn Macht habe auf Erden die Sünden zu vergeben, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Stehe auf, hebe dein Bette auf und gehe heim. Und er stund auf und ging heim. Da das Volk das sahe, verwunderte es sich und preisete Gott, der solche Macht den Menschen gegeben hat. Gebet. Obarmherziger Gott und gnädiger Vater, der du uns eine ewige Vergebung der Sünden zurichtest durch das einige Opfer deines lieben Sohnes und läsfest solchen Gnadenschatz den Gläubigen im Wort verkündigen durch die heilige Absolution, wir danken dir für deine milde Güte und bitten dich, du wollest uns bei solcher deiner Gnade erhalten und uns vor aller andern Lehr und Abwege gnädiglich behüten, durch Jesum Christum, unsern einigen Gnadenstuhl und Herrn. Amen. Joh. Mathesius. 3. Lektiongkium. Die Trinitatiszeit. 20. S. n. Trinitatis. 305 Ps. 123. Pf. 131. Pf. 142. Wochenleftionen. Morgens. M Dan. 11, 20-45. D Dan. 12, 1-13. M Jef. 43, 1-15. D Jef. 44. F Jef. 45. S Jes. 52. Abends. M Gal. 1, 1-10. D Gal. 1, 11-24. M Gal. 2, 1-10. D Gal. 2, 11-21. F Gal. 3, 1-14. S Gal. 3, 15-29. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Matth. 9, 1-8. M Ephes. 4, 17-32. D Luf. 18, 1-8. M Rol. 4, 2-9. D Hof. 14, 2-10. F Röm. 14, 14-23. S Lut. 3, 2-17. Am zwanzigsten Sonntage nach Trinitatis. Kollekte. Herr Gott, himmlischer Vater, wir bitten dich, du wolleſt uns den Geist der Wahrheit und des Friedens verleihen, auf daß wir von ganzem Herzen, was dir gefällt, erkennen und dem mit allen Kräften allein nachfolgen mögen, durch Jesum Chriſtum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Epistel: Ephes. 5, 15-21. So sehet nun zu, wie ihr vorsichtiglich wandelt, nicht als die Unweisen, sondern als die Weisen. Und schickt euch in die Zeit; denn es ist böse Zeit. Darum werdet nicht unverständig, sondern verständig, was da sei des Herrn Wille. Und saufet euch nicht voll Weins, daraus ein unordentlich Wesen folgt; sondern werdet voll Geistes, und redet unter einander von Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern; singet und spielet dem Herrn in eurem Herzen; und saget Dank allezeit für alles, Gott und dem Vater, in dem Namen unsers Herrn Jesu Christi; und seid unter einander unterthan in der Furcht Gottes. Evangelium: Matth. 22, 1-14. Und Jesus antwortete und redete abermal durch Gleichnisse zu ihnen und sprach: Das Himmelreich ist gleich einem Könige, der Allgemeines Gebetbuch. 20 306 Erster Teil: Das Hausbuch. seinem Sohne Hochzeit machte, und sandte seine Knechte aus, daß sie die Gäste zur Hochzeit riefen; und sie wollten nicht kommen. Abermal sandte er andere Knechte aus und sprach: Saget den Gästen: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh ist geschlachtet und alles bereit; kommet zur Hochzeit. Aber sie verachteten das und gingen hin, einer auf seinen Acker, der andere zu seiner Handtierung. Etliche aber griffen seine Knechte, höhneten und töteten sie. Da das der König hörete, ward er zornig und schickte seine Heere aus und brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an. Da sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereitet; aber die Gäste warens nicht wert. Darum gehet hin auf die Straßen und ladet zur Hochzeit, wen ihr findet. Und die Knechte gingen aus auf die Straßen und brachten zusammen, wen sie fanden, Böse und Gute. Und die Tische wurden alle voll. Da ging der König hinein, die Gäste zu besehen; und sahe allda einen Menschen, der hatte kein hochzeitlich Kleid an, und sprach zu ihm: Freund, wie bist du herein kommen und hast doch kein hochzeitlich Kleid an? Er aber verstummete. Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße und werfet ihn in die äußerste Finsternis hinaus, da wird sein Heulen und Zähnklappen; denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählet. Gebet. Getreuer Gott, himmlischer Vater, wir sagen dir von Grund unsers Herzens Lob und Dank, daß du uns zu den ewigen Gnaden deines Sohnes Jesu Christi so fleißig einladen läsfest und bitten dich demütiglich, du wollest unsre Herzen mit deinem heiligem Geiste erleuchten und regieren, damit wir nicht die irdischen und vergänglichen Güter den himmlischen vorziehen, noch deine gnadenreiche Einladung verachten, sondern uns gehorsam einstellen, mit der Unschuld, Gerechtigkeit und Heiligkeit deines Sohnes bekleiden lassen, und solch Gnadenkleid mit Sünden wider das Gewissen nicht beflecken, und dermaleinst nicht zu den Verstoßenen, sondern zu den Auserwählten gewiesen werden, um Jesu Christi, deines lieben Sohnes, unsers Herrn willen. Amen. Kursächs. Age de. Ps. 19. Ps. 85. Pf. 108. 3. Lektionarium. Die Trinitatiszeit. 21. S. n. Trinitatis. 307 Wochenleftionen. Morgens. M Efra 1. D Efra 3. M Efra 4. D Hagg. 1. F Hagg. 2, 1-10. S Hagg. 2, 11-24. - Abends. M Gal. 4, 1-20. D Gal. 4, 21-31. M Gal. 5, 1-15. D Gal. 5, 16-24. F Gal. 5, 25-6, 18. S 1 Tim. 1. Nach dem hannöverschen Lektionar. S( Reform.- Fest) Ps. 119, 29-52. M Ephes. 5, 8-21. D 1 Kor. 3. M Matth. 11, 20-30. D Gal. 5, 1-15. F 1 Kor. 7, 20-31. S Pf. 46. Am einundzwanzigsten Sonntage nach Trinitatis. Kollekte. Allmächtiger, ewiger Gott, der du durch deinen Sohn Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und ewiges Leben uns verheißen hast, wir bitten dich, du wollest durch deinen heiligen Geist unsre Herzen regieren, daß wir solche Hilfe durch tägliches Gebet und sonderlich in aller Anfechtung bei ihm suchen und durch einen rechten Glauben auf seine Zusagung und Wort auch gewiß finden und erlangen, durch denselben deinen lieben Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Epistel: Ephes. 6, 10-17.( S. Ephes. 6, 10-20.) Zuleht, meine Brüder, seid stark in dem Herrn, und in der Macht seiner Stärke. Ziehet an den Harnisch Gottes, daß ihr bestehen könnet gegen die listigen Anläufe des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsternis dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. Um deswillen, so ergreifet den Harnisch Gottes, auf daß ihr an dem bösen Tage Widerstand thun und alles wohl ausrichten und das Feld behalten möget. So stehet nun, umgürtet eure Lenden mit Wahrheit und angezogen mit dem Krebs der Gerechtigkeit, und an Beinen gestiefelt, als fertig zu treiben das Evangelium des Friedens, damit ihr bereitet seid. Vor allen Dingen aber ergreifet den Schild des Glaubens, mit welchem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile 20* 308 Erster Teil: Das Hausbuch. des Bösewichtes. Und nehmet den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes. Evangelium: Joh. 4, 47-54. Und es war ein Königischer, deß Sohn lag frank zu Kapernaum. Dieser hörete, daß Jesus kam aus Judäa in Galiläam, und ging hin zu ihm, bat ihn, daß er hinab käme und hülfe seinem Sohn; denn er war totfrank. Und Jesus sprach zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder sehet, so glaubet ihr nicht. Der Königische sprach zu ihm: Herr, komm hinab, ehe denn mein Kind stirbt. Jesus spricht zu ihm: Gehe hin, dein Sohn lebet. Der Mensch glaubete dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. Und indem er hinab ging, begegneten ihm seine Knechte, verkündigten ihm und sprachen: Dein Kind lebet. Da forschte er von ihnen die Stunde, in welcher es besser mit ihm worden war. Und sie sprachen zu ihm: Gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Fieber. Da merkete der Vater, daß es um die Stunde wäre, in welcher Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebet. Und er glaubete mit seinem ganzen Hause. Das ist nun das andere Zeichen, das Jesus that, da er aus Judäa in Galiläam kam. Gebet. Herr, allmächtiger Gott, der du der Elenden Seufzen nicht verschmähst und der betrübten Herzen Verlangen nicht verachtest, siehe doch an unser Gebet, welches wir in unsern Nöten vor dich bringen und erhöre uns gnädiglich, daß alles, so beide vom Teufel und Menschen wider uns strebt, zunichte und durch den Rat deiner milden Güte zerstreuet werde, auf daß wir in aller Anfechtung unversehrt, dir in deiner Gemeinde danken und dich allezeit loben, um Jesu Christi, deines lieben Sohnes, unsers Herrn willen. Amen. Alte Kollekte. Ps. 13. Ps. 145. Wochenlektionen. Morgens. M Efr. 5. D Efr. 6. M Efr. 7. D Efr. 8, 15-36. F Efr. 9. S Esr. 10, 1-17. Abends. M 1 Tim. 2. D 1 Tim. 3. M 1 Tim. 4. D 1 Tim. 5. F 1 Tim. 6. S Philemon. 3. Lektionarium. Die Trinitatiszeit. 22. S. n. Trinitatis. 309 Nach dem hannöverschen Lektionar. S Joh. 4, 47-54. M Ephes. 6, 10-20. D Luk. 19, 1-10. M Ephes. 6, 1-9. D 2 Sam. 7, 17-29. F 1 Kor. 12, 12-27. S Luk. 1, 39-56. - Am zweiundzwanzigsten Sonntage nach Trinitatis. Kollekte. Herr Gott, himmlischer Vater, hilf, daß bei uns wohne dein heiliger Geist, der uns erleuchte und leite in alle Wahrheit, beschüße und stärke in aller Widerwärtigkeit, auf daß wir durch sein heiliges Eingeben denken, was recht ist, und es durch seine Kraft und Wirkung auch vollbringen, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Epistel: Phil. 1, 3-11. Ich danke meinem Gott, so oft ich euer gedenke,( welches ich allezeit thue in alle meinem Gebet für euch alle und thue das Gebet mit Freuden,) über eurer Gemeinschaft am Evangelio, vom erſten Tage an bisher. Und bin desselbigen in guter Zuversicht, daß der in euch angefangen hat das gute Werk, der wirds auch vollführen bis an den Tag Jesu Christi. Wie es denn mir billig ist, daß ich dermaßen von euch allen halte; darum, daß ich euch in meinem Herzen habe, in diesem meinem Gefängnis, darin ich das Evangelium verantworte und bekräftige, als die ihr alle mit mir der Gnade teilhaftig seid. Denn Gott ist mein Zeuge, wie mich nach euch allen verlanget von Herzensgrund in Jesu Christo. Und darum bete ich, daß eure Liebe je mehr und mehr reich werde in allerlei Erkenntnis und Erfahrung, daß ihr prüfen möget, was das Beste sei, auf daß ihr seid lauter und unanstößig bis auf den Tag Christi, erfüllet mit Früchten der Gerechtigkeit, die durch Jesum Christum geschehen ( in euch) zu Ehre und Lobe Gottes. Evangelium: Matth. 18, 23-35.( H. Matth. 18, 21-35.) Darum ist das Himmelreich gleich einem Könige, der mit seinen Knechten rechnen wollte. Und als er anfing zu rechnen, kam ihm einer vor, der war ihm zehntausend Pfund schuldig. Da ers nun nicht hatte zu bezahlen, hieß der Herr verkaufen ihn und sein Weib und seine Kinder und alles, was er hatte, und bezahlen. Da fiel der Knecht nieder und betete ihn an und sprach: Herr, habe Geduld mit mir; ich will dir alles bezahlen. Da jammerte den Herrn des Erster Teil: Das Hausbuch. selbigen Knechts und ließ ihn los, und die Schuld erließ er ihm auch. Da ging derselbige Knecht hinaus und fand einen seiner Mitfnechte, der war ihm hundert Groschen schuldig; und er griff ihn an und würgete ihn und sprach: Bezahle mir, was du mir schuldig bist. Da fiel sein Mitknecht nieder und bat ihn und sprach: Habe Geduld mit mir; ich will dir alles bezahlen. Er wollte aber nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis daß er bezahlete, was er schuldig war. Da aber seine Mitknechte solches sahen, wurden sie sehr betrübt und kamen und brachten vor ihren Herrn alles, was sich begeben hatte. Da forderte ihn sein Herr vor sich und sprach zu ihm: Du Schalksknecht, alle diese Schuld habe ich dir erlassen, dieweil du mich batest; solltest du denn dich nicht auch erbarmen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmet habe? Und sein Herr ward zornig und überantwortete ihn den Beinigern, bis daß er bezahlete alles, was er ihm schuldig war. Also wird euch mein himmlischer Vater auch thun, so ihr nicht vergebet von eurem Herzen, ein jeglicher seinem Bruder seine Fehle. 310 Gebet. O ewiger Vater und Gott alles Friedens und aller Einigfeit, der du umsonst und aus lauter Gnade und Güte all unsre große Sünde und Missethat uns schenkest, und wirfst alle unsre Sünde hinter dich, und forderst von uns, daß wir unsern Brüdern von Herzen ihre Fehler wieder verzeihen, damit wir unsern Glauben und Dankbarkeit vor jedermann beweisen und dich preisen, wir bitten deine milde Güte, du wollest allen Groll und Widerwillen in unsern Herzen töten und uns in Freundlichkeit mit jedermann versöhnen lassen, durch Jesum Christum, der uns mit dir durch sein Blut versöhnet hat in Ewigkeit. Amen. Joh. Mathesius. Ps. 103. Pf. 109. Wochenlektionen. Morgens. M Neh. 1. D Neh. 2. M Neh. 4. D Neh. 5. F Neh. 6. S Neh. 8. Abends. M Tit. 1. D Tit. 2. M Tit. 3. D 2 Tim. 1. F 2 Tim. 2. S 2 Tim. 3. 3. Lektionarium.- Die Trinitatiszeit. 23. S. n. Trinitatis. 311 Nach dem hannöverschen Lektionar. S Matth. 18, 21-35. M Phil. 1, 3-11. D Joh. 8, 23-36. M Heb. 13, 1-21. D Spr. 2, 1-15. F 1 Kor. 9, 13-23. S Offb. 7, 9-17. Am dreiundzwanzigsten Sonntage nach Trinitatis. Kollekte. Barmherziger, ewiger Gott und Vater, wir bitten dich, du wollest uns durch einen wahren Glauben zu deinem eingebornen Sohne führen und deinem Volke verleihen, daß es keiner Kreatur anhange, sondern allein zu deiner Güte einen Zugang suche und finde, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Epistel: Phil. 3, 17-21.(§. Phil. 3, 8-21.) Folget mir, lieben Brüder, und sehet auf die, die also wandeln, wie ihr uns habt zum Vorbilde. Denn viele wandeln, von welchen ich euch oft gesagt habe, nun aber sage ich auch mit Weinen, die Feinde des Kreuzes Christi, welcher Ende ist die Verdammnis, welchen der Bauch ihr Gott ist, und ihre Ehre zu Schanden wird, derer, die irdisch gesinnet sind. Unser Wandel aber ist im Himmel, von dannen wir auch warten des Heilandes Jesu Christi, des Herrn, welcher unsern nichtigen Leib verklären wird, daß er ähnlich werde seinem verklärten Leibe, nach der Wirkung, damit er kann auch alle Dinge ihm unterthänig machen. Evangelium: Matth. 22, 15-22.( H. Matth. 22, 15-33.) Da gingen die Pharisäer hin und hielten einen Rat, wie sie ihn fingen in seiner Rede; und sandten zu ihm ihre Jünger, samt Herodis Dienern, und sprachen: Meister, wir wissen, daß du wahrhaftig bist, und lehrest den Weg Gottes recht, und du fragest nach niemand; denn du achtest nicht das Ansehen der Menschen. Darum sage uns, was dünket dich? ists recht, daß man dem Kaiser Zins gebe, oder nicht? Da nun Jesus merkte ihre Schalkheit, sprach er: Ihr Heuchler, was versuchet ihr mich? Weiset mir die Zinsmünze. Und sie reichten ihm einen Groschen dar. Und er sprach zu ihnen: Weß ist das Bild und die Überschrift? Sie sprachen zu ihm: Des Kaisers. Da sprach er zu ihnen: So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Da sie das höreten, verwunderten sie sich und ließen ihn und gingen davon. Erster Teil: Das Hausbuch. Gebet. Herr, allmächtiger Gott, der du alle Gewalt hast über die Reiche der ganzen Welt, giebst und erhältst selbst alle Obrigkeit und willst, daß wir solche deine Ordnungen, Gaben und Wohlthat mit Demut und Gehorsam dankbarlich erkennen und dir und der Obrigkeit, was wir schuldig sind, geben sollen, wir bitten dich, du wollest unser und all christlich Regiment fördern, ſegnen und behüten und unter ihnen dein heiliges Wort und Kirche und Friede gnädiglich erhalten, daß wir in wahrer Erkenntnis, Zucht und Ehrbarkeit täglich mögen wachsen und zunehmen, und beide, Herren und Unterthanen, in gutem Gewissen vor dir erscheinen und miteinander ewig selig werden, durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Kursächs. Agende. 312 Pf. 21. Pf. 64. Pf. 101. Ps. 129. Wochenlektionen. Morgens. M Neh. 9, 1-20. D Neh. 9, 21-38. M Neh. 13, 1-14. D Neh. 13, 15-31. F Esth. 1. S Esth. 2. Abends. M 2 Tim. 4. D 2 Petr. 1. M 2 Petr. 2. D 2 Petr. 3. F Judä. S 2 Thess. 1. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Matth. 22, 15-33. M Phil. 3, 8-21. D Luf. 13, 1-9. M Hebr. 4, 1-13. D ₁. 126. F 1 Tim. 4, 1-11. S Jef. 40, 9-31. Schluß des Kirchenjahres. Die letzten Dinge. Am vierundzwanzigsten Sonntage nach Trinitatis. Kollekte. Lieber Herr Gott, behalte und bekräftige uns in deiner heiligen Erkenntnis und Glauben, und vollbringe in uns deine 3. Lektionarium. Die Trinitatiszeit. 24. S. n. Trinitatis. 313 Berufung und angefangenes Werk bis ans Ende, durch deinen lieben Sohn, unsern Herrn Jesum Christum, der mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. - Epistel: Kol. 1, 9-14. Derhalben auch wir, von dem Tage an, da wirs gehöret haben, hören wir nicht auf, für euch zu beten und zu bitten, daß ihr er= füllet werdet mit Erkenntnis seines Willens, in allerlei geistlicher Weisheit und Verstand; daß ihr wandelt würdiglich dem Herrn zu allem Gefallen, und fruchtbar seid in allen guten Werken, und wachset in der Erkenntnis Gottes, und gestärket werdet mit aller Kraft, nach seiner herrlichen Macht, in aller Geduld und Langmütigkeit mit Freuden; und danksaget dem Vater, der uns tüchtig gemacht hat zu dem Erbteil der Heiligen im Licht, welcher uns errettet hat von der Obrigkeit der Finsternis, und hat uns verseßt in das Reich seines lieben Sohnes, an welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden. Evangelium: Matth. 9, 18-26. Da er solches mit ihnen redete, siehe, da kam der Obersten einer und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, meine Tochter ist jetzt gestorben; aber komm und lege deine Hand auf sie, so wird sie lebendig. Und Jesus stund auf und folgete ihm nach und seine Jünger. Und siehe, ein Weib, das zwölf Jahr den Blutgang ge= habt, trat von hinten zu ihm und rührete seines Kleides Saum an. Denn sie sprach bei ihr selbst: Möcht ich nur sein Kleid anrühren, so würde ich gesund. Da wandte sich Jesus um und sahe sie und sprach: Sei getrost, meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Und das Weib ward gesund zu derselbigen Stunde. Und als er in des Obersten Haus kam und sahe die Pfeifer und das Getümmel des Volks, sprach er zu ihnen: Weichet; denn das Mägdlein ist nicht tot, sondern es schläft. Und sie verlachten ihn. Als aber das Volk ausgetrieben war, ging er hinein und ergriff sie bei der Hand; da stund das Mägdlein auf. Und dies Gerücht erscholl in dasselbige ganze Land. Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott, der du durch deinen Sohn Vergebung der Sünden und Rettung vom ewigen Tode zugesaget hast, wir bitten dich, stärke uns durch deinen heiligen Geist, daß wir in solchem Vertrauen auf deine Gnade durch Erster Teil: Das Hausbuch. Christum täglich zunehmen, und die Hoffnung fest und gewiß behalten, daß wir nicht sterben, sondern einschlafen und am jüngsten Tage zum ewigen Leben erwecket sollen werden, durch denselben deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Kursächs. Agende. 314 Ps. 27. Pf. 61. Pf. 71. Wochenlektionen. Morgens. M Efth. 3. D Esth. 4. M Esth. 5. D Esth. 6. F Esth. 7. S Esth. 8. Abends. M 2 Thess. 2. D 2 Theff. 3. M Offenb. 1. D Offenb. 2. F Offenb. 3. S Offenb. 4. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Matth. 9, 18-26. M Rol. 1, 9-14. D Joh. 10, 22-30. M Jak. 4. D Pred. 7, 2-8. F 2 Tim. 3, 1-13. S Ephef. 2, 13-22. Am fünfundzwanzigsten Sonntage nach Trinitatis. Kollekte. Allmächtiger, ewiger Gott, wir bitten dich demütiglich, erzeige uns deine Barmherzigkeit, auf daß wir, die an allem unsern Verdienst billig verzagen, nicht dein Gericht, sondern deine Vergebung erfahren mögen, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn, der mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Epistel: 1 Theff. 4, 13-18. Wir wollen euch aber, lieben Brüder, nicht verhalten von denen, die da schlafen, auf daß ihr nicht traurig seid, wie die andern, die keine Hoffnung haben. Denn so wir glauben, daß Jesus gestorben und auferstanden ist; also wird Gott auch, die da entschlafen sind durch Jesum, mit ihm führen. Denn das sagen wir euch, als ein Wort des Herrn, daß wir, die wir leben und überbleiben in der Zukunft des Herrn, werden denen nicht vorkommen, die da schlafen. Denn er selbst, der Herr, wird mit einem Feldgeschrei und Stimme Die Trinitatiszcit. 25. S. n. Trinitatis. 315 des Erzengels und mit der Posaune Gottes hernieder kommen vom Himmel, und die Toten in Christo werden auferstehen zuerst. Darnach wir, die wir leben und überbleiben, werden zugleich mit denselbigen hingerückt werden in den Wolken, dem Herrn entgegen in der Luft, und werden also bei dem Herrn sein allezeit. So tröstet euch nun mit diesen Worten unter einander. 3. Lektionarium. - Evangelium: Matth. 24, 15-28. Wenn ihr nun sehen werdet den Greuel der Verwüstung, davon gesagt ist durch den Propheten Daniel, daß er stehe an der heiligen Stätte( wer das lieset, der merke drauf); alsdann fliehe auf die Berge, wer im jüdischen Lande ist. Und wer auf dem Dach ist, der steige nicht hernieder, etwas aus seinem Hause zu holen, und wer auf dem Felde ist, der fehre nicht um, seine Kleider zu holen. Wehe aber den Schwangern und Säugern zu der Zeit. Bittet aber, daß eure Flucht nicht geschehe im Winter, oder am Sabbath. Denn es wird alsdann eine große Trübsal sein, als nicht gewesen ist, von Anfang der Welt bisher und als auch nicht werden wird. Und wo diese Tage nicht würden verkürzt, so würde kein Mensch selig; aber um der Auserwählten willen werden die Tage verkürzt. So alsdann jemand zu euch wird sagen: Siehe, hie ist Christus, oder da, so sollt ihrs nicht glauben. Denn es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder thun, daß verführet werden in den Irrtum( wo es möglich wäre) auch die Auserwählten. Siehe, ich habs euch zuvor gesagt. Darum, wenn sie zu euch sagen werden: Siehe, er ist in der Wüste, so gehet nicht hinaus; siehe, er ist in der Kammer, so glaubt es nicht. Denn gleich wie der Blizz ausgehet vom Aufgang und scheinet bis zum Niedergang; also wird auch sein die Zukunft des Menschensohns. Wo aber ein Aas ist, da sammeln sich die Adler. Gebet. Herr Gott, himmlischer Vater, der Greuel der Verwüstung ist in allen Ständen deiner Christenheit nur allzusehr eingerissen. Hilf, daß wir uns fleißig davor hüten, und dabei deine letzte Zukunft zum Gericht erkennen, damit wir nicht von derselben übereilet, mit solchem Greuel ausgerottet und in das ewige Verderben gestürzt werden, sondern uns zu dir und an dich halten und ewig selig werden, um Jesu Christi, deines lieben Sohnes, unsers Herrn willen. Amen. Kursächs. Agende. Erster Teil: Das Hausbuch. Pf. 10. Pf. 44. Pf. 52. Pf. 55. Ps. 83. Wochenlektionen. Morgens. M Esth. 9, 1-19. D Esth. 9, 20-10, 3. M Hiob 1. D Hiob 2. F Hiob 3. S Hiob 4. 316 Abends. M Offenb. 5. D Offenb. 6. M Offenb. 7. D Offenb. 8. F Offenb. 9. S Offenb. 10-11, 2. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Matth. 24, 15-28. M 1 Theff. 4, 13-18. D Matth. 10, 16-28. M 1 Joh. 2, 12-29. D f. 39. F 2 Theff. 2, 1-17. S Jef. 11, 1-5. Am sechsundzwanzigsten Sonntage nach Trinitatis. Kollekte. Herr Gott, regiere unsre Herzen und Gedanken durch deinen heiligen Geist, daß wir allezeit gedenken an das Ende und an dein gerechtes Gericht, und erwecke uns dadurch zu einem göttlichen Leben in dieser Zeit, auf daß wir dort ewiglich mit dir bleiben mögen, durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen lieben Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Epistel: 2 Petri 3, 3-14.( H. 2 Thess. 1, 3-10.) Und wisset das aufs erste, daß in den letzten Tagen kommen werden Spötter, die nach ihren eigenen Lüsten wandeln, und sagen: Wo ist die Verheißung seiner Zukunft? Denn nachdem die Väter entschlafen sind, bleibt es alles, wie es von Anfang der Kreatur gewesen ist. Aber Mutwillens wollen sie nicht wissen, daß der Himmel vorzeiten auch war, dazu die Erde aus Wasser und im Wasser bestanden durch Gottes Wort; dennoch ward zu der Zeit die Welt durch dieselbigen mit der Sündflut verderbet. Also auch der Himmel jeßund und die Erde werden durch sein Wort gesparet, daß sie zum Feuer behalten werden am Tage des Gerichts und Verdammnis der gottlosen Menschen. Eines aber sei euch unverhalten, ihr Lieben, daß ein Tag vor dem Herrn ist wie tausend Jahr, und tausend Jahr 3. Lektionarium. Die Trinitatiszeit. 26. S. n. Trinitatis. 317 wie ein Tag. Der Herr verzeucht nicht die Verheißung, wie es etliche für einen Verzug achten, sondern er hat Geduld mit uns und will nicht, daß jemand verloren werde, sondern daß sich jedermann zur Buße kehre. Es wird aber des Herrn Tag kommen, als ein Dieb in der Nacht, in welchem die Himmel zergehen werden mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hiße schmelzen, und die Erde und die Werke, die drinnen sind, werden verbrennen. So nun das alles soll zergehen, wie sollt ihr denn geschickt sein mit heiligem Wandel und gottseligem Wesen, daß ihr wartet und eilet zu der Zukunft des Tages des Herrn, in welchem die Himmel vom Feuer zergehen, und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden. Wir warten aber eines neuen Himmels und einer neuen Erde, nach seiner Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnet. Darum, meine Lieben, dieweil ihr darauf warten sollet, so thut Fleiß, daß ihr vor ihm unbefleckt und unsträflich im Frieden erfunden werdet. - Evangelium: Matth. 25, 31-46. Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit, und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und er wird sie von einander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeiset. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränket. Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich beherberget. Ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich bekleidet. Ich bin frank gewesen, und ihr habt mich besuchet. Ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir kommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dich gespeiset? oder durstig und haben dich getränket? Wann haben wir dich einen Gast gesehen und beherberget? oder nackend und haben dich bekleidet? Wann haben wir dich frank oder gefangen gesehen und sind zu dir kommen? Und der König wird antworten und sagen zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, was ihr gethan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir gethan. Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln. Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht Erster Teil: Das Hausbuch. gespeiset. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getränket. Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich nicht beherberget. Ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich nicht bekleidet. Ich bin frank und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besuchet. Da werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich gesehen hungrig, oder durstig, oder einen Gast, oder nackend, oder frank, oder gefangen, und haben dir nicht gedienet? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch, was ihr nicht gethan habt einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht gethan. Und sie werden in die ewige Pein gehen, aber die Gerechten in das ewige Leben. 318 Gebet. Allmächtiger und gerechter Gott, der du einen großen Tag gesetzet hast, an dem du richten willst den Kreis des Erdbodens durch des Menschen Sohn, Jesum Christum, vor welchem alle Völker, tote und lebendige, die je gewesen sind, versammelt werden müssen, wir bitten dich demütiglich, du wollest uns vor aller Heuchelei gnädiglich behüten, Gnade geben, im rechten Glauben und christlicher Liebe zu wandeln, und helfen, daß wir ein fröhlich Urteil erlangen und in dein ewiges Reich eingehen mögen, durch denselben deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Kursächs. Agende. Ps. 7. Pf. 35. Pf. 76. Ps. 82. Ps. 94. Wochenlektionen. Morgens. M Hiob 6. D Hiob 7. M Hiob 11. D Hiob 19. F Hiob 38. S Hiob 42. Abends. M Offenb. 11, 3-14. D Offenb. 11, 15-12, 17. M Offenb. 13. D Offenb. 14. F Offenb. 15. S Offenb. 16. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Matth. 25, 31-46. M 2 Theff. 1, 3-10. D Suf. 19, 11-27. M Jaf. 5, 7-20. D Mal. 3, 13-18. F 2 Kor. 9, 6-15. S Jef. 62. 3. Lektionarium. - Die Trinitatiszeit. 27. S. n. Trinitatis. 319 Am siebenundzwanzigsten Sonntage nach Trinitatis. Kollekte. Barmherziger, ewiger Gott und Vater, der du uns in Christo Jesu zu einer lebendigen Hoffnung des ewigen Lebens berufen hast, verleihe uns, daß wir durch deinen Geist die Welt und alle Lüste des Lebens bestreiten, unser Fleisch kreuzigen und töten und nach dem, was droben ist, am ersten trachten, bis wir im Glauben, Hoffnung und Geduld alles überwinden und vor deinem Angesicht gekrönt und ewiglich erfreut werden, um Jesu Christi, unsers Seligmachers willen. Amen. Epistel: 1 Theff. 5, 1-11.( S. 2 Petr. 3, 3-14.) Von den Zeiten aber und Stunden, lieben Brüder, ist nicht not, euch zu schreiben. Denn ihr selbst wisset gewiß, daß der Tag des Herrn wird kommen, wie ein Dieb in der Nacht. Denn, wenn sie werden sagen: Es ist Friede, es hat keine Gefahr, so wird sie das Verderben schnell überfallen, gleichwie der Schmerz ein schwanger Weib, und werden nicht entfliehen. Ihr aber, lieben Brüder, seid nicht in der Finsternis, daß euch der Tag wie ein Dieb ergreife. Ihr.seid allzumal Kinder des Lichts und Kinder des Tages; wir sind nicht von der Nacht, noch von der Finsternis. So lasset uns nun nicht schlafen, wie die andern, sondern lasset uns wachen und nüchtern sein. Denn die da schlafen, die schlafen des Nachts, und die da trunken sind, die sind des Nachts trunken. Wir aber, die wir des Tages sind, sollen nüchtern sein, angethan mit dem Krebs des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung zur Seligkeit. Denn Gott hat uns nicht gesetzt zum Zorn, sondern die Seligkeit zu besigen, durch unsern Herrn Jesum Christum, der für uns gestorben ist, auf daß, wir wachen oder schlafen, zugleich mit ihm leben sollen. Darum ermahnet euch unter einander, und bauet einer den andern, wie ihr denn thut. Evangelium: Matth. 25, 1-13. Dann wird das Himmelreich gleich sein zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen aus, dem Bräutigam entgegen. Aber fünf unter ihnen waren thöricht, und fünf waren flug. Die thörichten nahmen ihre Lampen; aber sie nahmen nicht Öl mit sich. Die flugen aber nahmen Öl in ihren Gefäßen, samt ihren Lampen. Da nun der Bräutigam verzog, wurden sie alle schläfrig und entschliefen. Zur Mitternacht aber ward ein Geschrei: Siehe, der Erster Teil: Das Hausbuch. Bräutigam kommt; gehet aus ihm entgegen. Da stunden diese Jungfrauen alle auf und schmückten ihre Lampen. Die thörichten aber sprachen zu den flugen: Gebet uns von eurem Öle; denn unsere Lampen verlöschen. Da antworteten die klugen und sprachen: Nicht also, auf daß nicht uns und euch gebreche. Gehet aber hin zu den Krämern und kaufet für euch selbst. Und da sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und welche bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Thür ward verschlossen. Zuletzt kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, thu uns auf. Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euch nicht. Darum wachet; denn ihr wisset weder Tag noch Stunde, in welcher des Menschen Sohn kommen wird. 320 Gebet. Herr Gott, himmlischer Vater, wir danken dir, daß du durch dein Wort und Evangelium uns noch für und für zur Hochzeit deines Sohnes berufen läßt, und bitten dich, regiere unsre Herzen durch deinen heiligen Geist, daß wir allezeit den wahren Glauben haben, auch bis ans Ende wachen und munter sein, auf daß, wenn der himmlische Bräutigam, dein Sohn, am jüngsten Tage erscheinet, wir zur Hochzeit des ewigen Lebens eingehen, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Kursächs. Agende. Ps. 14. Pf. 126. ₁. 135. Wochenlektionen. Morgens. M Jes. 51. D Jes. 54. M Jes. 59 oder Mal. 1. D Jef. 64 oder Mal. 2. F Jes. 65 oder Mal. 3. S Jes. 66 oder Mal. 4. Nach dem hannöverschen Lektionar. S Matth. 25, 1-13. M 2 Petr. 3, 3-14. D Luf. 12, 35-46. M Mal. 3, 1-5. D Jes. 65, 12-19. F 2 Tim. 4, 1-8. S Offenb. 21, 1-8. Gebete für den Schluß des Kirchenjahres. 1. Ach lieber Herr Gott Vater, es ist doch dieses elende Leben voll Jammers, Unglück und Unsicherheit, so voll Untreue und 3. Lektionarium.- Gebete für den Schluß des Kirchenjahrs. 321 Bosheit, wie St. Paulus sagt: Die Tage sind böse, daß wir billig des Lebens müde und des Todes begierig sein sollten. Aber du lieber Vater kennst unsre Schwachheit, darum hilf uns durch solche mannichfaltige Übel und Bosheit sicher fahren, und wenn die Zeit kommt, gieb uns ein gnädiges Stündlein und seligen Abschied von diesem Jammerthal, daß wir vor dem Tode nicht erschrecken noch verzagen, sondern mit festem Glauben unsre Seele in deine Hände befehlen. Amen. Dr. M. Luther. 2. O du allergütigster Jesu Christe, ziehe uns Schwache zu dir, denn wo du uns nicht ziehen wirst, so können wir nicht folgen. Gieb uns einen starken Geist, der da willig sei, obgleich das Fleisch schwach ist, daß es doch durch deine Hilfe folge. Denn ohne dich vermögen wir nichts zu thun, am allerwenigsten um deinetwillen in den Tod zu gehen. Gieb uns einen willigen Geist, ein unerschrockenes Herz in rechtem Glauben, eine feſte Hoffnung, daß wir um deinetwillen auf das Geduldigste und mit Freuden von uns legen unser Leben. Amen. Joh. Hus. 3. Lieber Herre Gott, bewahre uns vor einem bösen und schnellen Tode und bereite uns mehr und mehr durch deinen Geist und Gnade zu einem seligen Ende. Vornehmlich aber in der letzten Todesstunde treibe von uns den Satan mit allen seinen Anfechtungen und vermehre uns den Glauben an deinen Sohn Jesum, daß wir überwinden alle Schrecken des Todes. Wenn dann unsre Ohren nicht mehr hören können, dann laß deinen heiligen Geist Zeugnis geben unserm Geiste, daß wir, als deine Kinder und Christi Miterben, bald sollen mit Jesu bei dir im Paradiese sein. Wenn auch unsre Augen nicht mehr werden sehen können, so thue unsre Glaubensaugen auf, daß wir alsdann vor uns deinen Himmel offen sehen und den Herrn Jesum zu seines Vaters Rechten, daß auch wir sein sollen, wo er ist. Wenn auch Allgemeines Gebetbuch. 21 FO 322 Erster Teil: Das Hausbuch. unsre Zunge nicht mehr wird sprechen können, dann laß sonderlich deinen Geist uns vor dir vertreten mit unaussprechlichem Seufzen und einen jeden lehren, in seinem Herzen rufen: Abba, lieber Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist. Gieb also, getreuer Gott, daß wir leben in deiner Furcht, sterben in deiner Gnade, dahin fahren in deinem Frieden, ruhen im Grabe unter deinem Schuße, auferstehen durch deine Kraft und darauf ererben die selige Hoffnung, das ewige Leben, um deines lieben Sohnes willen Jesu Christi, unsers Herrn, welchem samt dir und dem heiligen Geiste sei Lob und Preis, Ehre und Herrlichkeit jetzt und immerdar. Amen. Aus einem Kirchengebete. 4. Liebster Herr und Heiland, Jesu Christe, der du von deinem lieben Vater geordnet bist ein Richter der Lebendigen und der Toten, wir bitten dich demütig, du wollest uns mit deinem hei= ligen Geiste also regieren, daß wir täglich in guter Bereitschaft stehen und zu deiner mächtigen freudenreichen Zukunft mit heiligem Wandel und gottseligem Wesen geschmücket seien; wollest auch bald, Herr Jesu, mit deinen heiligen auserwählten Engeln in deiner Herrlichkeit kommen, deine Gerichte halten und uns samt allen deinen lieben Schäflein zu deiner rechten Hand stellen, das gute, fröhliche Urteil: Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters! hören lassen und darauf in die ewige Freude und Seligkeit einführen. Komm, Herr Jesu, und komm bald. Amen. Rigisches Gebetbuch. 1688. Am Tage Mariä Reinigung. Den 2. Februar. Kollekte. Allmächtiger, ewiger Gott, wir bitten dich herzlich, gieb uns, daß wir deinen lieben Sohn erkennen und preisen, wie der heilige Simeon ihn leiblich in die Arme genommen und geiſtlich gesehen und bekannt hat, durch denselben deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Am Tage Mariä Reinigung. Epistel: Mal. 3, 1-4.($. Mal. 3, 1-5.) Siehe, ich will meinen Engel senden, der vor mir her den Weg bereiten soll. Und bald wird kommen zu seinem Tempel der Herr, den ihr suchet, und der Engel des Bundes, deß ihr begehret. Siehe, er kommt, spricht der Herr Zebaoth. Wer wird aber den Tag seiner Zukunft erleiden mögen? Und wer wird bestehen, wenn er wird erscheinen? Denn er ist wie das Feuer eines Goldschmieds, und wie die Seife der Wäscher. Er wird sißen und schmelzen, und das Silber reinigen; er wird die Kinder Levi reinigen und läutern, wie Gold und Silber. Dann werden sie dem Herrn Speisopfer bringen in Gerechtigkeit; und wird dem Herrn wohlgefallen das Speisopfer Juda und Jerusalems, wie vorhin und vor langen Jahren. 3. Lektionarium. - 323 Evangelium: Lut. 2, 22-32.($. Lut. 2, 22-40.) Und da die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz Mosis famen, brachten sie ihn gen Jerusalem, daß sie ihn darstelleten dem Herrn;( wie denn geschrieben stehet in dem Gesetz des Herrn: Allerlei Männlein, das zum ersten die Mutter bricht, soll dem Herrn geheiliget heißen.) Und daß sie gäben das Opfer, nachdem gesagt ist im Geseß des Herrn, ein Paar Turteltauben, oder zwo junge Tauben. Und siehe, ein Mensch war zu Jerusalem, mit Namen Simeon; und derselbe Mensch war fromm und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israel, und der heilige Geist war in ihm. Und ihm war eine Antwort worden von dem heiligen Geist, er sollte den - Tod nicht sehen, er hätte denn zuvor den Christ des Herrn gesehen. Und kam aus Anregen des Geistes in den Tempel. Und da die Eltern das Kind Jesum in den Tempel brachten, daß sie für ihn thäten, wie man pfleget nach dem Gesetz; da nahm er ihn auf seine Arme und lobete Gott und sprach: Herr, nun läsfest du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt haft; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, welchen du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht, zu erleuchten die Heiden, und zum Preis deines Volkes Israel. Gebet. O Herr, Jesu Christe, du Erstgeborener vor allen Kreaturen, der du heute für uns im Tempel bist dargestellt und hast uns durch dich selber eine ewige Reinigung von allen Sünden angerichtet und deine Gerechtigkeit und Gehorsam uns geschenket, behalte uns in deiner Gerechtigkeit und laß uns in deinem Lichte wandeln, damit wir fröhlich aus diesem Elend fahren und mit 21* 324 Erster Teil: Das Hausbuch. dir ewig leben und regieren können, der du bist von Geburt und Wahl unser einiger Hoherpriester, Mittler und König, von nun an bis in Ewigkeit. Amen. Joh. Matthesius. Ps. 24. Ps. 92. Am Tage Mariä Verkündigung. Den 25. März. Kollekte. Olieber Herr Gott, der du gewollt, daß dein lieber Sohn sollte von dem Leib der heiligen Jungfrau Maria durch Verfündigung des Engels das Fleisch an sich nehmen, verleihe uns, daß wir das von ganzem Herzen glauben, auch den Nuß und Frucht solcher seiner Menschwerdung mögen überkommen, durch denselben deinen lieben Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Epistel: Jes. 7, 10-16.( S. Jes. 7, 10-15.) Und der Herr redete abermal zu Ahas, und sprach: Fordere dir ein Zeichen vom Herrn, deinem Gott, es sei unten in der Hölle, oder droben in der Höhe. Aber Ahas sprach: Ich wills nicht fordern, daß ich den Herrn nicht versuche. Da sprach er: Wohlan, so höret ihr vom Hause David: Jsts euch zu wenig, daß ihr die Leute beleidiget, ihr müsset auch meinen Gott beleidigen? Darum so wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe eine Jungfrau ist schwanger, und wird einen Sohn gebären, den wird sie heißen Immanuel. Butter und Honig wird er essen, daß er wisse Böses zu verwerfen, und Gutes zu erwählen. Denn ehe der Knabe lernet Böses verwerfen und Gutes erwählen, wird das Land, davor dir grauet, verlassen sein von seinen zween Königen. Evangelium: Luf. 1, 26-38. Und im sechsten Monat ward der Engel Gabriel gesandt von Gott in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die vertrauet war einem Manne, mit Namen Joseph, vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Gegrüßest seiest du, Holdselige: der Herr ist mit dir, du Gebenedeiete unter den Weibern. Da sie aber ihn sahe, erschrak sie über seiner Rede und gedachte: Welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du haft Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden 3. Lektionarium. Am Tage Mariä Heimsuchung. 325 im Leibe und einen Sohn gebären, deß Namen sollst du Jesus heißen. Der wird groß und ein Sohn des Höchsten genannt werden, und Gott der Herr wird ihm den Stuhl seines Vaters David geben, und er wird ein König sein über das Haus Jakob ewiglich, und seines Königreichs wird kein Ende sein. Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen? sintemal ich von keinem Manne weiß. Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten: darum auch das Heilige, das von dir geboren wird, wird Gottes Sohn genannt werden. Und siehe, Elisabeth, deine Gefreundte, iſt auch schwanger mit einem Sohn, in ihrem Alter, und gehet jetzt im sechsten Monat, die im Geschrei ist, daß sie unfruchtbar sei. Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt haft. Und der Engel schied von ihr. Gebet. Herr Gott, himmlischer Vater, wir danken dir für deine unaussprechliche Gnade, daß du uns arme Sünder bedacht, deinen Sohn in unser Fleisch gesendet und um unsertwillen hast lassen Mensch werden. Wir bitten dich, du wollest durch deinen heiligen Geist unsre Herzen erleuchten, daß wir seiner Menschwerdung, Leidens und Sterbens uns trösten, ihn für unsern Herrn und ewigen König erkennen und annehmen und durch ihn mit dir und dem heiligen Geiste ewig leben und selig werden, durch denselben deinen lieben Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Aus Löhes Agende. Pf. 113. Am Tage Mariä Heimsuchung. Den 2. Juli. Kollekte. Herr Gott, himmlischer Vater, wir bitten dich von Herzen, du wollest uns den Geist deiner Gnade verleihen, daß wir im Glauben, Liebe, Demut und Zucht, wie Maria, von Tage zu Tage mögen zunehmen, dadurch dein heiliger Name gepreiset und unsern Nächsten nach deinen Geboten gedienet werde, durch deinen lieben Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 326 Erster Teil: Das Hausbuch. Epistel: Jes. 11, 1-5. Und es wird eine Rute aufgehen von dem Stamm Isai, und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen; auf welchem wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rats, und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn. Und sein Riechen wird sein in der Furcht des Herrn. Er wird nicht richten, nach dem seine Augen sehen, noch strafen, nach dem seine Ohren hören; sondern wird mit Gerechtigkeit richten die Armen, und mit Gericht strafen die Elenden im Lande; und wird mit dem Stabe seines Mundes die Erde schlagen, und mit dem Odem seiner Lippen den Gottlosen töten. Gerechtigkeit wird der Gurt seiner Lenden sein, und der Glaube der Gurt seiner Nieren. Evangelium: Luk. 1, 39-56. Maria aber stund auf in den Tagen und ging auf das Gebirge endelich zu der Stadt Judä, und kam in das Haus Zacharias und grüßete Elisabeth. Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Mariä hörte, hüpfete das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth ward des heiligen Geistes voll, und rief laut und sprach: Gebenedeiet bist du unter den Weibern, und gebenedeiet ist die Frucht deines Leibes. Und woher kommt mir das, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Siehe, da ich die Stimme deines Grußes hörete, hüpfete mit Freuden das Kind in meinem Leibe. Und o selig bist du, die du geglaubet hast; denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn. Und Maria sprach: Meine Seele erhebet den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes. Denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder. Denn er hat große Dinge an mir gethan, der da mächtig ist, und deß Name heilig ist. Und seine Barmherzigkeit währet immer für und für bei denen, die ihn fürchten. Er übet Gewalt mit seinem Arm und zerstreuet, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößet die Gewaltigen vom Stuhl und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllet er mit Gütern und läßt die Reichen leer. Er denket der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf, wie er geredet hat unsern Vätern, Abraham und seinem Samen ewiglich. Und Maria blieb bei ihr bei drei Monaten; danach kehrete sie wiederum heim. Gebet. Herr, es sind deine Gaben, die du an uns beweisest, und ich danke dir darum; mit meiner Weisheit oder Vermögen oder 3. Lektionarium. Am Tage Johannis des Täufers. 327 Heiligkeit habe ich es nicht verdient, noch zu Wege gebracht. Wir sehen, daß die liebe Jungfrau Maria mit ihrem Exempel und Predigt uns vorangeht, daß wir nicht hoffärtig sein, sondern uns demütigen und in aller Zucht halten sollen, und verheißet, wo wir solches thuen, wolle Gott mit seinen Gnaden auch bei uns sein und viel geben. Verleihe uns um Christi willen deinen heiligen Geist, daß wir auch lernen gottesfürchtig, demütig und züchtig sein und endlich der Barmherzigkeit uns trösten, die dem Abraham zugeſagt, uns aber durch Christum, den Sohn Gottes, reichlich ist bereitet worden. Amen. Dr. M. Luther. Pf. 145. - Am Tage Johannis des Täufers. Den 24. Juni. Kollekte. Allmächtiger, ewiger Gott, verleihe, daß dein Volk auf dem Wege des Heils wandle und durch Gehorsam gegen das Wort des Vorläufers Johannes zu dem gelange, von dem er geweissagt hat, zu unserm Herrn Jesu Christo, der mit dir und dem heiligen Geiste lebet und herrschet in alle Ewigkeit. Amen. Epistel: Jes. 40, 1-5.( S. Jej. 40, 1-8.) Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott; redet mit Jerusalem freundlich, und prediget ihr, daß ihre Ritterschaft ein Ende hat, denn ihre Missethat ist vergeben; denn sie hat Zwiefältiges empfangen von der Hand des Herrn, um alle ihre Sünde. Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg, machet auf dem Gefilde eine ebene Bahn unserm Gott. Alle Thale sollen erhöhet werden, und alle Berge und Hügel sollen geniedriget werden, und was ungleich ist, soll eben, und was höckericht ist, soll schlecht werden. Denn die Herrlichkeit des Herrn soll offenbaret werden; und alles Fleisch mit einander wird sehen, daß des Herrn Mund redet. Evangelium: Lut. 1, 57-80. Und Elisabeth kam ihre Zeit, daß sie gebären sollte, und sie gebar einen Sohn. Und ihre Nachbarn und Gefreundten höreten, daß der Herr große Barmherzigkeit an ihr gethan hatte, und freueten sich mit ihr. Und es begab sich, am achten Tage kamen sie, zu be 328 Erster Teil: Das Hausbuch. schneiden das Kindlein, und hießen ihn, nach seinem Vater, Zacharias. Aber seine Mutter antwortete und sprach: Mit nichten, sondern er soll Johannes heißen. Und sie sprachen zu ihr: Ist doch niemand in deiner Freundschaft, der also heiße. Und sie winkten seinem Vater, wie er ihn wollte heißen lassen. Und er forderte ein Täflein, schrieb und sprach: Er heißt Johannes. Und sie verwunderten sich alle. Und alsbald ward sein Mund und seine Zunge aufgethan, und redete und lobete Gott. Und es kam eine Furcht über alle Nachbarn, und diese Geschichte ward alle ruchtbar auf dem ganzen jüdischen Gebirge. Und alle, die es hörten, nahmens zu Herzen und sprachen: Was, meinest du, will aus dem Kindlein werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm. Und sein Vater Zacharias ward des heiligen Geistes voll, weissagte und sprach: Gelobet sei der Herr, der Gott Israel; denn er hat besuchet und erlöset sein Volk. Und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils, in dem Hause seines Dieners David. Als er vor Zeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten: Daß er uns errettete von unsern Feinden und von der Hand aller, die uns hassen; und die Barmherzigkeit erzeigete unsern Vätern, und gedächte an seinen heiligen Bund, und an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham, uns zu geben, daß wir, erlöset aus der Hand unserer Feinde, ihm dieneten ohne Furcht unser Leben lang, in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die ihm gefällig ist. Und du Kindlein wirst ein Prophet des Höchsten heißen; du wirst vor dem Herrn hergehen, daß du seinen Weg bereitest, und Erkenntnis des Heils gebeft seinem Volk, die da ist in Vergebung ihrer Sünden; durch die herzliche Barmherzigkeit unsers Gottes, durch welche uns besucht hat der Aufgang aus der Höhe, auf daß er erscheine denen, die da sitzen im Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsre Füße auf den Weg des Friedens. Und das Kindlein wuchs und ward stark im Geist und war in der Wüste, bis daß er sollte hervortreten vor das Volk Israel. Gebet. Herr Gott, himmlischer Vater, wir danken dir von Herzen für deine große Gnade, daß du es bei der Predigt und Lehre des Gesetzes nicht hast bleiben lassen, sondern dein Evangelium gegeben und den heiligen Johannes gesendet, der mit Fingern auf Christum wies und Zeugnis gab, daß wir allein durch das Lamm Gottes Vergebung, Heiligkeit und Gerechtigkeit erlangen. Wir bitten dich, du wollest durch den heiligen Geist unsre Herzen 3. Lektionarium. Am Tage Michaelis. 329 erleuchten, daß wir dem heiligen Johannes gehorsam werden und dem Lamm nachfolgen, wohin es geht, und also endlich selig werden. Amen. Aus Löhes Agende. Pf. 135. Pf. 147. Am Tage Michaelis. Den 29. September. Kollekte. O allmächtiger, ewiger, barmherziger Gott, der du wunderbarer Weise der Engel und Menschen Dienste geordnet hast, wir bitten dich, verleihe uns gnädiglich, daß unser Leben hier auf Erden behütet und beschirmet werde von denen, die deiner göttlichen Majestät allezeit beiwohnen im Himmel, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Epistel: Offenb. 12, 7-12.( H. Pſ. 34.) Und es erhub sich ein Streit im Himmel: Michael und seine Engel stritten mit dem Drachen, und der Drache stritt und seine Engel, und siegeten nicht; auch ward ihre Stätte nicht mehr funden im Himmel. Und es ward ausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die da heißt der Teufel und Satanas, der die ganze Welt verführet; und ward geworfen auf die Erde, und seine Engel wurden auch dahin geworfen. Und ich hörete eine große Stimme, die sprach im Himmel: Nun ist das Heil und die Kraft und das Reich und die Macht unsers Gottes und seines Christus worden, weil der Verfläger unserer Brüder verworfen ist, der sie verklaget Tag und Nacht vor Gott. Und sie haben ihn überwunden durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses; und haben ihr Leben nicht geliebet bis an den Tod. Darum freuet euch, ihr Himmel, und die darinnen wohnen. Evangelium: Matth. 18, 1-11. Zu derselbigen Stunde traten die Jünger zu Jesu und sprachen: Wer ist doch der größeste im Himmelreich? Jesus rief ein Kind zu sich und stellete es mitten unter sie, und sprach: Wahrlich, ich sage euch, es sei denn, daß ihr euch umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. Wer nun sich selbst erniedriget, wie dies Kind, der ist der Größeste im Himmelreich, und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf. Wer aber ärgert dieser Geringsten einen, die an mich glauben, 330 Erster Teil: Das Hausbuch. dem wäre besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehänget, und er ersäufet würde im Meer, da es am tiefsten ist. Wehe der Welt der Ärgernis halben. Es muß ja Ärgernis kommen; doch wehe dem Menschen, durch welchen Ärgernis kommt. So aber deine Hand oder dein Fuß dich ärgert, so haue ihn ab und wirf ihn von dir. Es ist dir besser, daß du zum Leben lahm, oder ein Krüppel eingehest, denn daß du zwo Hände oder zween Füße habest und werdest in das ewige Feuer geworfen. Und so dich dein Auge ärgert, reiß es aus und wirfs von dir, es ist dir besser, daß du einäugig zum Leben eingehest, denn daß du zwei Augen habest und werdest in das höllische Feuer geworfen. Sehet zu, daß ihr nicht jemand von diesen Kleinen verachtet. Denn ich sage euch, ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel. Denn des Menschen Sohn ist kommen, selig zu machen, das verloren ist. Gebet. Allmächtiger Herr Gott, Vater, wir danken dir von Herzen, daß du deine heiligen Engel zu dienstbaren Geistern geschaffen und verordnet hast, daß sie auf die Gottesfürchtigen warten sollen, denselben allenthalben dienen, sie auf allen ihren Wegen behüten und wie eine Wagenburg umringen, damit sie von des Teufels Tyrannei und der Welt Bosheit nicht mögen beleidigt werden. Wir bitten dich von Herzen, du wollest uns durch deinen heiligen Geist im rechten Glauben und wahrhaftigen Gehorsam deines Willens erhalten, auf daß wir in der Beschüßung deiner lieben Engel sein und bleiben und durch sie allenthalben an Leib und Leben, Haus und Hof, Weib und Kindern, und was wir sonst auf Erden haben, Tag und Nacht sicher leben mögen, um deines lieben Sohnes Jesu Christi, unsers Herrn willen. Amen. Pommersche Agende. Ps. 34. Pf. 91. Am Reformationsfest. Den 31. Oktober. Kollekte. Herr Gott, himmlischer Vater, wir danken dir, daß du uns die selige Zeit hast erleben lassen, da wir das heilige Evangelium hören, deinen Willen und väterliches Herz daraus erkennen und 3. Lettionarium.-Am Reformationsfest. deinen Sohn, Jesum Christum, mit den Augen unsers Glaubens schauen können. Wir bitten deine grundlose Barmherzigkeit, du wollest dies selige Licht deines Wortes uns gnädiglich erhalten und durch deinen heiligen Geist unsre Herzen also leiten und führen, daß wir nimmermehr davon abweichen, sondern fest daran halten, lieber alles andre verlassen, und endlich dadurch selig werden, durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. 331 Epistel: Offenb. 14, 6. 7. Und ich sahe einen Engel fliegen mitten durch den Himmel, der hatte ein ewig Evangelium, zu verkündigen denen, die auf Erden fißen und wohnen, und allen Heiden und Geschlechtern und Sprachen und Völkern, und sprach mit großer Stimme: Fürchtet Gott und gebet ihm die Ehre; denn die Zeit seines Gerichts ist kommen, und betet an den, der gemacht hat Himmel und Erde und Meer und die Wasserbrunnen. Oder: - Gal. 2, 16-21.( H. Ephej. 5, 8-21.) Doch, weil wir wissen, daß der Mensch durch des Gesetzes Werke nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesum Christum: so glauben wir auch an Christum Jesum, auf daß wir gerecht werden durch den Glauben an Christum, und nicht durch des Gesetzes Werke; denn durch des Gesetzes Werke wird kein Fleisch gerecht. Sollten wir aber, die da suchen durch Christum gerecht zu werden, auch noch selbst Sünder erfunden werden, so wäre Christus ein Sündendiener. Das sei ferne! Wenn ich aber das, so ich zerbrochen habe, wiederum baue, so mache ich mich selbst zu einem Übertreter. Ich bin aber durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, auf daß ich Gott lebe; ich bin mit Christo gekreuziget. Ich lebe aber, doch nun nicht ich, sondern Christus lebet in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich in dem Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebet hat und sich selbst für mich dargegeben. Ich werfe nicht weg die Gnade Gottes, denn so durch das Geseß die Gerechtigkeit kommt, so ist Christus vergeblich gestorben. Evangelium: Matth. 11, 12-15.( Pf. 119, 29-52.) Aber von den Tagen Johannis, des Täufers, bis hieher leidet das Himmelreich Gewalt; und die Gewalt thun, die reißen es zu sich. Denn alle Propheten und das Gesetz haben geweissaget bis auf Johannem. Und( so ihrs wollt annehmen) er ist Elias, der da soll zukünstig sein. Wer Ohren hat zu hören, der höre. Erster Teil: Das Hausbuch. Schriftlektionen zur Auswahl: Ps. 12. 13-22. Pf. 46. Pf. 74. Ps. 80. Ps. 85. Ps. 93. Pf. 102, ₁. 124. ₁. 127. Joh. 8, 31. 32. Joh. 15, 5-7. Gal. 5, 1-6. Ebr. 4, 14-16. Ebr. 13, 8. 9. 332 Gebet. O Vater aller Barmherzigkeit, der du dir eine heilige Gemeinde und Kirche auf Erden durch dein Wort und heiligen Geist sammelst und erhältst, wir bitten dich, du wollefst deine kleine Herde, das arme Häuflein, so dein Wort durch deine Gnade angenommen, ehrt und fördert, bei der rechten, erkannten, reinen und allein seligmachenden Lehre, auch bei rechtem Gebrauche der hochwürdigen Sakramente stets und fest erhalten, wider alle Pforten der Hölle, wider alles Wüten und Toben des leidigen Teufels, wider alle Bosheit und Tyrannei der argen Welt. Erhalte dein Schifflein samt deinen Christen mitten auf dem ungestümen Meere unter allen Wellen und Wasserwogen, daß es nicht sinke noch untergehe. Laß deine Kirche fest und unbeweglich stehen auf dem Grundfelsen, darauf sie erbauet ist. Gott Zebaoth, wende dich doch, schaue vom Himmel und siehe an und suche heim deinen Weinstock und halte ihn im Bau, den deine Rechte gepflanzet hat, und den du dir festiglich erwählet hast, auf daß sein Gewächs ausgebreitet und seine Zweige groß werden; verzäune ihn mit deinem Schilde. Nimm uns, deine Schafe, in deinen Schuß, daß uns niemand aus deiner Hand reiße. Behüte uns vor allen denjenigen, die da suchen Vertilgung rechter Lehre, Aufrichtung und Bestätigung ihrer schändlichen Abgötterei. Laß dein liebes Wort, das helle und unwandelbare Licht, so uns jetzt scheinet, nicht unterdrückt oder ausgelöschet werden, sondern thue Hilfe durch deinen großen ausgestreckten Arm und erhalte deine Kirche und Gemeinde unter so vielen Anstößen in der Welt, auf daß du unter uns hier auf Erden auch habest ein Volk, das dich erkenne, ehre und anbete und deinem heiligen Namen diene. Ach Herr, schone deines Volks und laß dein Erbteil nicht zu Schan Am Tage der Kirchweihe. 333 den werden, laß uns nicht entgelten unsre Sünden, der du die Missethat vormals vergeben hast deinem Volk und alle ihre Sünde bedecket, der du vormals hast allen deinen Zorn aufgehoben und dich gewendet von dem Grimm deines Zorns. Tröste uns, Gott, unser Heiland, und laß ab von deiner Ungnade über uns. Beschüßze deine arme Christenheit, welche sich auf dich allein verlässet, daß die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen. Sei und bleibe du mitten unter uns und weiche nicht von deiner Gemeinde. Thue solches um deines Namens willen, daß er nicht entheiligt werde, ja thue es um Jesu Christi, deines lieben Sohnes willen. Amen. Joh. Habermann. 3. Lektionarium. - Am Tage der Kirchweihe. Kollekte. O Herr, Gott Zebaoth, mache du alles still, friedlich und einig in unsern Herzen, in unsrer Gemeinde, in unserm Lande, in unsern Häusern, und hole uns zur seligen Stunde in das stille, ruhige, friedliche Land der ewigen Freude und Herrlichkeit, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Epistel: Offenb. 21, 1-5. Und ich sahe einen neuen Himmel und eine neue Erde. Denn der erste Himmel und die erste Erde verging, und das Meer ist nicht mehr, und ich, Johannes, sahe die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabfahren, zubereitet als eine geschmückte Braut ihrem Mann. Und hörete eine große Stimme von dem Stuhl, die sprach: Siehe da eine Hütte Gottes bei den Menschen; und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein. Und Gott wird abwischen alle Thränen von ihren Augen; und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerzen wird mehr sein; denn das erste ist vergangen. Und der auf dem Stuhl saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu. Und er spricht zu mir: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiß. Evangelium: Luf. 19, 1-10. Und er zog hinein und ging durch Jericho. Und siehe, da war ein Mann, genannt Zachäus, der war ein Oberster der Zöllner und 334 Erster Teil: Das Hausbuch. war reich; und begehrete Jesum zu sehen, wer er wäre, und konnte nicht vor dem Volk; denn er war klein von Person. Und er lief vorhin und stieg auf einen Maulbeerbaum, auf daß er ihn sähe; denn allda sollte er durchkommen. Und als Jesus kam an dieselbige Stätte, sahe er auf und ward sein gewahr und sprach zu ihm: Zachäe, steig eilend hernieder; denn ich muß heute zu deinem Hause einkehren. Und er stieg eilend hernieder und nahm ihn auf mit Freuden. Da sie das sahen, murreten sie alle, daß er bei einem Sünder einkehrete. Zachäus aber trat dar und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und so ich jemand betrogen habe, das gebe ich vierfältig wieder. Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, fintemal er auch Abrahams Sohn ist. Denn des Menschen Sohn ist kommen, zu suchen und selig zu machen, das verloren ist. Schriftstellen zur Auswahl: P. 84. Pf. 92. Ps. 95. f. 100. Pf. 122. Gebet. Wir danken dir, holdseligster Herr Jesu, du einiger Heiland der Welt, der du gekommen bist, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist, daß du auch diesem Hause und dieser Gemeinde dein Heil hast widerfahren lassen. Wir bitten dich, du wollest dein gnädig Wort und Werk an uns ferner zur Seligkeit träftig erweisen, dein Haus bei uns erhalten, darin beständig einkehren, dankbare, liebreiche Herzen erwecken, in aller Gottseligkeit uns allesamt regieren, in aller Gefährlichkeit erhalten und dermaleins in der frohen Herrlichkeit der triumphierenden Himmelskirche dein Heil uns ewiglich zeigen, um deines Namens und Verdienstes willen. Amen. Aus Löhes Agende. Am Erntedankfest. Kollekte. Allmächtiger Gott, barmherziger Vater, der du deine milde Hand aufthust und sättigest alles, was da lebet nach deinem Wohlgefallen, wir danken dir demütiglich, daß du die Felder gekrönt mit deinem Segen und die Früchte der Erde uns wiederum haft sammeln lassen in die Scheunen, und bitten dich, 3. Lektionarium. Am Bußtage. 335 segne und behüte auch die ewige Saat deines Wortes in unsern Herzen, auf daß wir in reichlichen Früchten der Gerechtigkeit die rechten Danfopfer dir allezeit darbringen mögen, durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geist lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Schriftstellen zur Auswahl: Pf. 36, 6-11. Pf. 65. Pf. 104. Pf. 107, 33-43. Pf. 147. Matth. 6, 19-34. Matth. 13, 24-30 und 36-43. Luf. 12, 15-21. Apostelgesch. 14, 17. Apostelgesch. 17, 24-28. Gal. 6, 6-10. 1 Tim. 6, 17-19. Ebr. 13, 5. 6. Jaf. 5, 7. 8. Gebet. Wir danken dir, allmächtiger, gütiger Gott und Vater, daß du dies Jahr so reichlich mit deinem Gute gekrönt und das Land voll Früchte gemacht hast, daß es sein Gewächs gegeben hat und die Auen dick mit Korn standen. Darüber jauchzt man und singet und führt die Garben samt deinen andern milden Gaben nunmehr fröhlich ein. Nun danket alle Gott, der große Dinge thut an allen Enden, der uns von Mutterleib an lebendig erhält und thut uns alles Gute. Gelobet ſei der Herr, der unsers Landes Früchte segnet und uns die Ernte jährlich und treulich behütet. O getreuer Gott, wir bitten dich herzlich, gieb uns auch dazu deinen reichen Segen, Gesundheit, Friede und Ruhe, daß wir dieser Gaben samt den andern in deiner Furcht mit fröhlichem Herzen genießen, in allen deinen Wohlthaten dich erkennen und für alle deine Güte und Treue dich loben, rühmen und preisen hier zeitlich und dort ewiglich. Amen. Olearius Handbuch. - - Am Bußtage. Die Bußtage sind dazu geordnet, daß alle Gemeinden eines Landes einmütig sich zu Gott kehren, vor seiner heiligen Majestät sich demütigen, ihm ihre Sünden bekennen, seine Vergebung suchen und ihn ernstlich anrufen, daß er seine wohlverdienten Gerichte abwenden, dagegen seine Gnade und Barmherzigkeit über Land und Leuten walten lassen wolle. Kollekte. Herr Gott, himmlischer Vater, der du nicht Lust hast an der armen Sünder Tod, läsfest sie auch nicht gerne verderben, 336 Erster Teil: Das Hausbuch. sondern willst, daß sie bekehret werden und leben, wir bitten dich herzlich, du wollest die wohlverdiente Strafe unsrer Sünde gnädiglich abwenden und uns hinfort zu bessern deine Barmherzigkeit mildiglich verleihen, um Jesu Christi, deines lieben Sohnes, unsers Herrn willen. Amen. Die sieben Bußpsalmen. Psalm 6. Ein Psalm Davids, vorzusingen auf acht Saiten. Ach, Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn, und züchtige mich nicht in deinem Grimm. Herr, sei mir gnädig, denn ich bin schwach; heile mich, Herr, denn meine Gebeine sind erschrocken, und meine Seele ist sehr erschrocken. Ach, du Herr, wie so lange! Wende dich Herr, und errette meine Seele; hilf mir um deiner Güte willen. Denn im Tode gedenkt man dein nicht; wer will dir in der Hölle danken? Ich bin so müde von Seufzen, ich schwemme mein Bette die ganze Nacht, und neße mit meinen Thränen mein Lager. Meine Gestalt ist verfallen vor Trauern, und ist alt worden; denn ich allenthalben geängstet werde. Weichet von mir, alle Übelthäter; denn der Herr höret mein Weinen, der Herr höret mein Flehen, mein Gebet nimmt der Herr an. Es müssen alle meine Feinde zu schanden werden, und sehr erschrecken, sich zurück kehren und zu schanden werden plötzlich. Psalm 32. Eine Unterweisung Davids. Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedecket ist. Wohl dem Menschen, dem der Herr die Missethat nicht zurechnet, in deß Geist kein Falsch ist. Denn da ichs wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine, durch mein täglich Heulen. Denn deine Hand war Tag und Nacht schwer auf mir, daß mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürre wird. Sela. Darum bekenne ich dir meine Sünde, und verhehle meine Missethat nicht. Ich sprach: Ich will dem Herrn meine Übertretung bekennen. Da vergabst du mir die Missethat meiner Sünde. Sela. Dafür werden dich alle Heiligen bitten zur rechten Zeit; darum, wenn große Wasserfluten kommen, werden sie nicht an dieselbigen gelangen. Du bist mein Schirm; du wollest mich vor Angst behüten, daß ich errettet ganz fröhlich rühmen könne. Sela. Ich will dich unter 3. Lektionarium. Am Bußtage. 337 weisen, und dir den Weg zeigen, den du wandeln sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten. Seid nicht wie Rosse und Maultiere, die nicht verständig sind, welchen man Zaum und Gebiß muß ins Maul legen, wenn sie nicht zu dir wollen. Der Gottlose hat viel Plage; wer aber auf den Herrn hoffet, den wird die Güte umfahen. Freuet euch des Herrn, und seid fröhlich, ihr Gerechten, und rühmet alle, ihr Frommen. -- Psalm 38. Ein Psalm Davids, zum Gedächtnis. Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn, und züchtige mich nicht in deinem Grimm. Denn deine Pfeile stecken in mir, und deine Hand drücket mich. Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe vor deinem Dräuen, und ist kein Friede in meinen Gebeinen vor meiner Sünde. Denn meine Sünden gehen über mein Haupt, wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer worden. Meine Wunden stinken und eitern vor meiner Thorheit. Ich gehe krumm und sehr gebückt; den ganzen Tag gehe ich traurig. Denn meine Lenden verdorren ganz, und ist nichts Gesundes an meinem Leibe. Es ist mit mir gar anders, und bin sehr zerstoßen. Ich heule vor Unruhe meines Herzens. Herr, vor dir ist alle meine Begierde, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. Mein Herz bebet, meine Kraft hat mich verlassen, und das Licht meiner Augen ist nicht bei mir. Meine Lieben und Freunde stehen gegen mir, und scheuen meine Plage, und meine Nächsten treten ferne. Und die mir nach der Seele stehen, stellen mir; und die mir übel wollen, reden, wie sie Schaden thun wollen, und gehen mit eitel Listen um. Ich aber muß sein wie ein Tauber, und nicht hören, und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht aufthut. Und muß sein wie einer, der nicht höret, und der keine Widerrede in seinem Munde hat. Aber ich harre, Herr, auf dich; du, Herr, mein Gott, wirft erhören. Denn ich denke, daß sie ja sich nicht über mich freuen. Wenn mein Fuß wankete, würden sie sich hoch rühmen wider mich. Denn ich bin zu Leiden gemacht, und mein Schmerz ist immer vor mir. Denn ich zeige meine Missethat an, und sorge für meine Sünde. Aber meine Feinde leben, und sind mächtig; die mich unbillig hassen, sind groß. Und die mir Arges thun um Gutes, seßen sich wider mich, darum, daß ich ob dem Guten halte. Verlaß mich nicht, Herr, mein Gott, sei nicht ferne von mir. Eile mir beizustehen, Herr, meine Hilfe. Psalm 51. Ein Psalm Davids, vorzusingen. Allgemeines Gebetbuch. 22 Erster Teil: Das Hausbuch. Da der Prophet Nathan zu ihm kam, als er war zu BathSeba eingegangen. Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich wohl von meiner Missethat, und reinige mich von meiner Sünde. Denn ich erkenne meine Missethat, und meine Sünde ist immer vor mir. An dir allein hab ich gesündiget, und übel vor dir gethan, auf daß du Recht behaltest in deinen Worten, und rein bleibest, wenn du gerichtet wirst. Siehe, ich bin aus sündlichem Samen gezeuget, und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen. Siehe, du hast Lust zur Wahrheit, die im Verborgenen liegt; du läsfest mich wissen die heimliche Weisheit. Entsündige mich mit Ysopen, daß ich rein werde; wasche mich, daß ich schneeweiß werde. Laß mich hören Freude und Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen haſt. Verbirg dein Antlig von meinen Sünden, und tilge alle meine Missethat. Schaffe in mir, Gott, ein rein Herz, und gieb mir einen neuen gewissen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Tröste mich wieder mit deiner Hilfe, und der freudige Geist enthalte mich. Denn ich will die Übertreter deine Wege lehren, daß sich die Sünder zu dir bekehren. Errette mich von den Blutschulden, Gott, der du mein Gott und Heiland bist, daß meine Zunge deine Gerechtigkeit rühme. Herr, thue meine Lippen auf, daß mein Mund deinen Ruhm verfündige. Denn du hast nicht Lust zum Opfer, ich wollte dirs sonst wohl geben; und Brandopfer gefallen dir nicht. Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängsteter Geist; ein geängstet und zerschlagen Herz wirst du, Gott, nicht verachten. Thue wohl an Zion nach deiner Gnade, baue die Mauern zu Jerusalem. Dann werden dir gefallen die Opfer der Gerechtigkeit, die Brandopfer und ganzen Opfer; dann wird man Farren auf deinem Altar opfern. 338 Psalm 102. Ein Gebet des Elenden, so er betrübt ist, und seine Klage vor dem Herrn ausschüttet. Herr, höre mein Gebet, und laß mein Schreien zu dir kommen. Verbirg dein Antlitz nicht vor mir in der Not, neige deine Ohren zu mir; wenn ich dich anrufe, so erhöre mich bald. Denn meine Tage sind vergangen wie ein Rauch, und meine Gebeine sind verbrannt wie ein Brand. Mein Herz ist geschlagen, und verdorret wie Gras, daß ich auch vergesse mein Brot zu essen. Mein Gebein flebt an meinem Fleisch, vor Heulen und Seufzen. Ich bin gleich 3. Lektionarium. Am Bußtage. 339 wie eine Rohrdommel in der Wüste; ich bin gleich wie ein Käuzlein in den verstörten Stätten. Ich wache, und bin wie ein einsamer Vogel auf dem Dache. Täglich schmähen mich meine Feinde; und die mich spotten, schwören bei mir. Denn ich esse Asche wie Brot, und mische meinen Trank mit Weinen, vor deinem Dräuen und Zorn, daß du mich aufgehoben, und zu Boden gestoßen hast. Meine Tage sind dahin, wie ein Schatten; und ich verdorre wie Gras. Du aber, Herr, bleibest ewiglich, und dein Gedächtnis für und für. Du wollest dich aufmachen, und über Zion erbarmen; denn es ist Zeit, daß du ihr gnädig seiest, und die Stunde ist kommen. Denn deine Knechte wollten gerne, daß sie gebauet würde, und sähen gerne, daß ihre Steine und Kalk zugerichtet würden; daß die Heiden den Namen des Herrn fürchten, und alle Könige auf Erden deine Ehre; daß der Herr Zion bauet, und erscheinet in seiner Ehre. Er wendet sich zum Gebet der Verlassenen, und verschmähet ihr Gebet nicht. Das werde geschrieben auf die Nachkommen; und das Volk, das geschaffen soll werden, wird den Herrn loben. Denn er schauet von seiner heiligen Höhe, und der Herr siehet vom Himmel auf Erden, daß er das Seufzen des Gefangenen höre, und los mache die Kinder des Todes; auf daß sie zu Zion predigen den Namen des Herrn, und sein Lob zu Jerusalem; wenn die Völker zusammen kommen, und die Königreiche, dem Herrn zu dienen. Er demütiget auf dem Wege meine Kraft, er verkürzet meine Tage. Ich sage: Mein Gott, nimm mich nicht weg in der Hälfte meiner Tage. Deine Jahre währen für und für. Du hast vorhin die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk. Sie werden vergehen, aber du bleibest. Sie werden alle veralten, wie ein Gewand; sie werden verwandelt, wie ein Kleid, wenn du sie verwandeln wirst. Du aber bleibest, wie du bist, und deine Jahre nehmen kein Ende. Die Kinder deiner Knechte werden bleiben, und ihr Same wird vor dir gedeihen. - Psalm 130. Ein Lied im höhern Chor. Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir. Herr, höre meine Stimme, laß deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens. So du willst, Herr, Sünde zurechnen; Herr, wer wird bestehen? Denn bei dir ist die Vergebung, daß man dich fürchte. Ich harre des Herrn, meine Seele harret, und ich hoffe auf sein Wort. Meine Seele wartet auf den Herrn von einer Morgenwache bis zur andern. Israel hoffe auf den Herrn; denn bei dem Herrn ist die 22* Erster Teil: Das Hausbuch. Gnade, und viel Erlösung bei ihm. Und er wird Israel erlösen aus allen seinen Sünden. Psalm 143. 340 Ein Psalm Davids. Herr, erhöre mein Gebet, vernimm mein Flehen um deiner Wahrheit willen, erhöre mich um deiner Gerechtigkeit willen; und gehe nicht ins Gericht mit deinem Knechte; denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht. Denn der Feind verfolget meine Seele, und zerschlägt mein Leben zu Boden; er legt mich ins Finstere, wie die Toten in der Welt. Und mein Geist ist in mir geängstet; mein Herz ist mir in meinem Leibe verzehret. Ich gedenke an die vorigen Zeiten, ich rede von allen deinen Thaten, und sage von den Werken deiner Hände. Ich breite meine Hände aus zu dir; meine Seele dürftet nach dir, wie ein dürres Land. Sela. Herr, erhöre mich bald, mein Geist vergehet; verbirg dein Antlitz nicht von mir, daß ich nicht gleich werde denen, die in die Grube fahren. Laß mich frühe hören deine Gnade; denn ich hoffe auf dich. Thue mir fund den Weg, darauf ich gehen soll; denn mich verlanget nach dir. Errette mich, mein Gott, von meinen Feinden; zu dir hab ich Zuflucht. Lehre mich thun nach deinem Wohlgefallen, denn du bist mein Gott; dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Herr, erquicke mich um deines Namens willen; und verstöre meine Feinde um deiner Güte willen, und bringe um alle, die meine Seele ängstigen; denn ich bin dein Knecht. Andere Schriftstellen: Morgens. Jes. 1, 16-20. Röm. 2, 1-11. Jaf. 4, 8-17. Amos 8, 9-12. Jer. 3, 12. 13. Joel 2, 12. 13. Luf. 15, 11-32. Hiob 22, 22-30. Abends. 2 Tim. 3, 14-17. Joh. 5, 5-14. 2 Petr. 1, 3-11. Ephes. 5, 1-21. Phil. 3, 13-21. Ebr. 12, 11-15. 1 Joh. 2, 12-17. 2 Cor. 6, 14-18. Kyrie( Herr), Christe, Gebete. 1. Die deutsche Litanei. Eleison( Erbarme dich)! Eleison! 3. Lektionarium. Am Bußtage. Kyrie, Eleison! Christe, Erhöre uns! Herr Gott Vater im Himmel, Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, Herr Gott, heiliger Geist, Erbarme dich über uns! 1 Sei uns gnädig! Verschon uns, lieber Herre Gott! Sei uns gnädig! Hilf uns, lieber Herre Gott! Vor allen Sünden, Vor allem Irrsal, Vor allem Übel, Vor des Teufels Trug und List, Vor bösem schnellem Tod, Vor Pestilenz und teurer Zeit, Vor Krieg und Blutvergießen, Vor Aufruhr und Zwietracht, Vor Hagel und Ungewitter, Vor Feuer- und Wassersnot, Vor dem ewigen Tod, Behüt uns, lieber Herre Gott! Durch deine heilige Geburt, Durch deinen Todeskampf und blutigen Schweiß, Durch dein Kreuz und Tod, Durch dein heiliges Auferstehen und Himmelfahrt, In unsrer letzten Not, Am jüngsten Gericht, Hilf uns, lieber Herre Gott! Wir armen Sünder bitten, 341 Du wollest uns erhören, lieber Herre Gott! Und deine heilige christliche Kirche regieren und führen, Alle Bischöfe, Pfarrherrn und Kirchendiener im heilsamen Wort und heiligen Leben erhalten, Allen Rotten und Ärgernissen wehren, Alle Irrigen und Verführten wiederbringen, Den Satan unter unsre Füße treten, Treue Arbeiter in deine Ernte senden, Deinen Geist und Kraft zum Worte geben, 342 Erster Teil: Das Hausbuch. Allen Betrübten und Blöden helfen und sie trösten, Unserm Kaiser, allen Königen und Fürsten Fried und Eintracht geben, Unsern Landesherrn mit allen seinen Gewaltigen leiten und schützen, Unsern Rat und Gemeinde segnen und behüten, Allen, so in Not und Gefahr sind, mit Hilfe erscheinen, Allen Schwangern und Säugern fröhliche Frucht und Gedeihen geben, Aller Kinder und Kranken pflegen und warten, Alle unschuldig Gefangene los und ledig lassen, Alle Witwen und Waisen verteidigen und versorgen, Aller Menschen dich erbarmen! Unsern Feinden, Verfolgern und Lästerern vergeben und sie bekehren, Die Früchte auf dem Lande geben und bewahren, Und uns gnädiglich erhören! Erhör uns, lieber Herre Gott! O Jesu Christe, Gottes Sohn! Erhör uns, lieber Herre Gott! O du Gotteslamm, das der Welt Sünde trägt! Erbarm dich über uns! O du Gotteslamm, das der Welt Sünde trägt! Erbarm dich über uns! O du Gotteslamm, das der Welt Sünde trägt! Verleih uns steten Frieden! Christe, Erhöre uns! Kyrie, Eleison! Christe, Eleison! Kyrie, Eleison! Amen. 2. allmächtiger, barmherziger Gott, himmlischer Vater, deß Barmherzigkeit kein Ende ist, der du langmütig, gnädig und von großer Güte und Treue bist und vergiebst Missethat, Übertretung und Sünde, wir haben mißgehandelt und sind gottlos gewesen und haben dich oft erzürnet; an dir allein haben 3. Lektionarium. Am Bußtage. 343 wir gesündigt und übel vor dir gethan; aber, Herr, gedenke nicht an unsre vorige Missethat, laß bald deine Barmherzigkeit über uns größer sein, denn wir sind fast elend geworden. Hilf uns Gott unsers Heils, errette uns und vergieb uns unsre Sünden um der Ehre willen deines heiligen Namens und von wegen deines lieben Sohnes, unsers Heilandes Jesu Christi, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Aus dem amerikanischen Kirchenbuch". 1877. 3. Amen. — O du gütiger barmherziger Gott, du lieber Vater im Himmel, du hast uns aus Gnaden und göttlicher Liebe deinen lieben Sohn geschenkt und mit ihm alle Gnade, Heil und Seligfeit. Wir bitten dich, lieber Vater, erhalte uns solch selig Geschenk und himmlische Gabe, den freundlichen Anblick deines lieben Sohnes Jesu Christi, daß wir ihn ja nicht durch Undankbarkeit verlieren oder sonst darum nicht kommen. Wir sind fürwahr arme, elende und gebrechliche Menschen, fallen aus einer Sünde in die andere, sündigen jetzt mit Gedanken, jetzt mit Worten, mit Werken, und hat Mühe und Arbeit mit uns, daß wir bestehen. Da ist nimmer feine Ruhe, kein Friede. Der Teufel lauert auf unsere Gedanken, schürt und bläst immer zu. Die Welt lauert auf unser Wort und Werk, Wesen und Leben und giebt uns viel Ärgernis und Ursach zu Sünden. Unser eigen Fleisch feiert auch nicht, ohne was zufällige Sünden, Laster und Untugenden sind, die uns täglich überfallen, die unser Gewissen greulich beschweren und die Freude unseres Herzens gar zu nichte machen und in eitel Träume und Betrübnis verwandeln. Darum bitten wir dich, du gütiger und barmherziger Gott, ob wir vielleicht versäumlich und undankbar geworden sind und nicht so wandeln, wir wir billig wandeln sollen, so bleibe du doch unser gnädiger Gott, sei uns freundlich, tröstlich, gütig und barmherzig, laß uns unsere mannigfaltigen Sünden nicht vergelten, sondern reinige durch dein Wort unser Herz und Gewissen, auf daß wir dir in Leid und 344 Erster Teil: Das Hausbuch. Freude dienen mögen, dich loben, ehren und preisen, zeitlich und ewiglich. Amen. Dr. M. Luther. An den Aposteltagen. Kollekten. 1. O Herr Gott, der du durch deine Apostel das Wort deines Evangelii über die ganze Welt haft ausgebreitet und zu uns auch mit Gnaden kommen lassen, wir bitten dich, du wollest unter uns die Lehre deiner heiligen Apostel rein erhalten und durch deinen heiligen Geist geben, daß wir darin wachsen und zunehmen, der du mit dem Vater und demselbigen heiligen Geiste lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. 2. Ewiger Gott, weil sich die Gottlosen allenthalben mehren und deine Diener verfolgen, so siehe an ihr Dräuen und gieb deinen Knechten mit aller Freudigkeit dein Wort, so daß du allein gefürchtet und recht erkannt werdest zu Lob und Preis deines Namens, der du lebst und regierest, Gott, gewaltiglich in Ewigkeit. Amen. Am Tage St. Andreas. Den 30. November. Epistel: Röm. 10, 8-18. Evangelium: Matth. 4, 18-22. - Am Tage St. Thomas. Den 21. Dezember. Epistel: Ephes. 1, 3-6.- Evangelium: Joh. 20, 24-31. Am Tage St. Johannes des Evangelisten. Den 27. Dezember. Epistel: Hebr. 1, 1-14.- Evangelium: Joh. 1, 1-14. Am Tage Pauli Bekehrung. Den 25. Januar. Epistel: Apostelgesch. 9, 1-22.- Evangelium: Matth. 19, 27-30. 3. Lektionarium. Die Aposteltage. Am Tage St. Matthias. Den 24. Februar. Epistel: Apostelgesch. 1, 15-26.- Evangelium: Matth. 11, 25-30. - Am Tage St. Philippus und St. Jakobus. Den 1. Mai. Epistel: Ephes. 2, 19-22. Evangelium: Joh. 14, 1-14. Am Tage St. Petrus und St. Paulus. Den 29. Juni. Epistel: Apostelgesch. 12, 1-11. Evangelium: Matth. 16, 13-20. - - 345 Am Tage St. Jakobus des Älteren. Den 25. Juli. Epistel: Röm. 8, 28-39. Evangelium: Matth. 20, 20-23. - Am Tage St. Bartholomäus. Den 24. Auguſt. Epistel: 2 Kor. 4, 7-10.- Evangelium: Luf. 22, 24-30. Am Tage. St. Matthäus. Den 21. September. Epistel: 1 Kor. 12, 4-11.- Evangelium: Matth. 9, 9-13. Am Tage St. Simon und St. Indas. Den 28. Oktober. Epistel: 1 Petr. 1, 3-9. Evangelium: Joh. 15, 17-21. Gebete für die Aposteltage. 1. - Allmächtiger, himmlischer Vater, wir danken deinem heiligen Namen, daß du durch deinen lieben Apostel Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und ewiges Leben hast verkündigen lassen, und bitten dich herzlich, du wollest uns durch deinen heiligen Geist regieren, daß wir ihrer Lehre, Glauben und Geduld gerne folgen und in solchem Glauben beständig bis an unser Ende verharren, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Aus Löhes Agende. 346 Erster Teil: Das Hausbuch. 2. Barmherziger Herr Jesu Christe, der du nicht des Sünders Tod willst, sondern daß er sich bekehre und lebe, der du auch willst, daß alle Menschen genesen, und deshalb vom Himmel gekommen, Mensch geworden, am Kreuze gestorben und von den Toten wieder auferstanden und gen Himmel gefahren biſt und hast deine zwölf Boten in alle Welt abgefertigt, zu predigen das Evangelium aller Kreatur, wir bitten dich, nachdem die Ernte groß und der getreuen Arbeiter wenig sind, und dein arm elend Volk zerstreuet geht, wie die irrenden Schafe, du wollest aus milder Güte, Gnade und Barmherzigkeit, getreue Arbeiter in die Ernte senden und deine zerstreuten Schafe wiederum zusammenbringen, mit heilsamer Weide, mit deinem göttlichen Worte speisen und trösten, auf daß alle Menschen deinen heiligen Namen loben, ehren und preisen und dir für solche Güte und Wohlthat danken. Der du mit dem Vater und heiligem Geiste lebest und herrschest in Ewigkeit. Amen. Wittenberger Kirchengesänge. 1573. Erster Anhang. Die Leidensgeschichte unsers Herrn Jesu Christi aus den vier Evangelien zusammengestellt und auf die ganze Passionszeit geordnet, mit Ausschluß der Sonntage und des grünen Donnerstags, an welchen Tagen die auf dieselben geordneten Episteln und Evangelien gelesen werden. Mel.: Jesu Leiden, Pein und Tod. 1. Jesu, deine Passion will ich jetzt bedenken, wollest mir vom Himmelsthron Geist und Andacht schenken. In dem Bilde jetzt erschein, Jesu, meinem Herzen, wie du unser Heil zu sein, littest große Schmerzen. 2. Meine Seele sehen mach deine Angst und Bande, Speichel, Schläge, Hohn und Schmach, deine Kreuzesschande, deine Geißel-, Dornenkron, Speer- und Nägel- Wunden, deinen Tod, o Gottessohn, in den Marterstunden. 3. Doch laß mich ja nicht allein deine Marter sehen, laß mich auch die Ursach fein und die Frucht verstehen. Ach! die Ursach war 3. Lektionarium.-1. Anhang: Die Leidensgeschichte Jesu Christi. 347 auch ich, ich und meine Sünde; diese hat gemartert dich, daß ich Gnade finde. Amen. Siegmund v. Birken † 1681. Die Tage vor Invokavit. Am Aschermittwoch. Sechs Tage vor Ostern kam Jesus gen Bethanien, da Lazarus war, der Verstorbene, welchen Jesus auferweckt hatte von den Toten. Daselbst machten sie ihm ein Abendmahl im Hause Simons, des Aussätzigen, und Martha diente, Lazarus aber war der einer, die mit ihm zu Tische saßen. Da trat zu ihm Maria, die hatte ein Glas mit einem Pfund Salbe von ungefälschter, köstlicher Narde. Und sie zerbrach das Glas, und goß es auf sein Haupt und salbte seine Füße und trocknete mit ihrem Haar seine Füße. Das Haus aber ward voll vom Geruch der Salbe. Da sprach seiner Jünger einer, Judas, Simonis Sohn, Jschariothes, der ihn hernach verriet: Warum ist diese Salbe nicht verkauft um dreihundert Groschen und den Armen gegeben? Das sagte er aber nicht, daß er nach den Armen fragte, sondern er war ein Dieb, und hatte den Beutel und trug, was gegeben ward. Es waren auch etliche der andern Jünger, die wurden unwillig und sprachen: was soll doch dieser Unrat? Dieses Wasser hätte mögen teuer verkauft und den Armen gegeben werden. Und sie murreten über sie. Da das Jesus merkte, sprach er zu ihnen: Lasset sie in Frieden, was bekümmert ihr dieses Weib? Sie hat ein gutes Werk an mir gethan. Denn Arme habt ihr allezeit bei euch, und wenn ihr wollt, könnet ihr ihnen Gutes thun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat gethan, was sie konnte. Daß sie dies Wasser hat auf meinen Leib gegossen, ist sie zuvorgekommen, meinen Leib zu salben zu meinem Begräbnis. Wahrlich ich sage euch, wo dieses Evangelium geprediget wird in aller Welt, da wird man auch sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt gethan hat. - Mel.: Ich ruf zu dir, Herr. 1. O Jesu Christ, mein schönstes Licht, der du in deiner Seelen so hoch mich liebst, daß ich es nicht aussprechen kann noch zählen, gieb, daß mein Herz dich wiederum mit Lieben und Verlangen mög umfangen und als dein Eigentum nur einzig an dir hangen. 2. Gieb, daß sonst nichts in meiner Seel, als deine Liebe wohne; gieb, daß ich deine Lieb erwähl als meinen Schaß und Krone. Stoß alles aus, nimm alles hin, was mich und dich will trennen und nicht gönnen, daß all mein Mut und Sinn in deiner Liebe brennen. Paul Gerhardt. † 1676. Erster Teil: Das Hausbuch. Am Donnerstag vor Invokavit. Des andern Tages, da viel Volks, das auf das Fest kommen war, hörte, daß Jesus kommt gen Jerusalem, nahmen sie Palmenzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrieen: Hosianna, gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, ein König von Israel! Jesus aber überkam ein Eselein und ritt darauf, wie denn geschrieben steht:„ Fürchte dich nicht, du Tochter Zion, siehe, dein König kommt reitend auf einem Eselsfüllen." Das Volk, das mit ihm war, da er Lazarum aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, rühmete die That. Darum ging ihm auch das Volk entgegen, da sie höreten, er hätte solches Zeichen gethan. Die Pharisäer aber sprachen unter einander: Ihr sehet, daß ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach. 348 Mel.: Jesu Leiden, Pein und Tod. 1. Seele mach dich heilig auf, Jesum zu begleiten gen Jerusalem hinauf, tritt ihm an die Seiten. In der Andacht folg ihm nach zu dem bittern Leiden, bis du aus dem Ungemach zu ihm wirst verscheiden. 2. Seele, siehe, Gottes Lamm gehet zu dem Leiden, deiner Seelen Bräutigam, als zur Hochzeit Freuden. Geht, ihr Töchter von Zion, Jesum zu empfangen; sehet ihn in seiner Kron unter Dornen prangen. 3. Du zeuchst als ein König ein, wirst dafür empfangen, aber Bande warten dein, dich damit zu fangen. Für die Ehre Hohn und Spott wird man dir, Herr, geben, bis du durch des Kreuzes Tod schließen wirst dein Leben. 4. Das Kreuz ist der Königsthron, drauf man dich wird setzen, dein Haupt mit der Dornenkron bis in Tod verleßen. Jesu, dein Reich auf der Welt ist in lauter Leiden; so ist es von dir bestellt bis zum letzten Scheiden. 5. Du wirst, Herr der Herrlichkeit, ja wohl müssen sterben, daß des Himmels Ewigkeit ich dadurch mög erben. Aber ach, wie herrlich glänzt deine Kron von ferne, die dein siegreich Haupt bekränzt schöner, als die Sterne! 6. Liebster Jesu, nun Glück zu! Es muß dir gelingen. Nach der Guten- Freitags- Ruh*) wirst du Freude bringen. Tritt nur auf die Todesbahn, die gestreuten Palmen bilden dir den Sieg vor= an aus den Osterpsalmen. *) Guter Freitag s. v. a. stiller Karfreitag. 3. Lettionarium.- 1. Anhang: Die Leidensgeschichte Jesu Christi. 349 7. Laß mich diese Leidenszeit fruchtbarlich bedenken, voller Andacht, Reu und Leid und darüber fränken. Auch dein Leiden tröste mich bei so vielem Jammer, bis nach allem Leiden ich geh zur Ruhekammer. Abrah. Klesel. † 1702. Am Freitag vor Invokavit. Es war aber nahe das Fest der süßen Brote, das da Ostern heißt. Und Jesus sprach zu seinen Jüngern: Ihr wisset, daß nach zween Tagen Ostern wird und des Menschen Sohn wird überantwortet werden, daß er gekreuziget werde. Die Hohenpriester aber und Schriftgelehrten und die Ältesten im Volke versammelten sich in dem Palast des Hohenpriesters, der da hieß Kaiphas, und hielten Rat, wie sie Jesum mit List griffen und tödteten. Sie sprachen aber: Ja nicht auf das Fest, auf daß nicht ein Aufruhr werde im Volk! Und fürchteten sich vor dem Volke. Da ging hin der Zwölfen einer, mit Namen Judas Ischarioth, und redete mit den Hohenpriestern und Hauptleuten, wie er ihn wollte überantworten und sprach: Was wollt ihr mir geben? ich will ihn euch verraten. Da sie das hörten, wurden sie froh und gelobten ihm Geld zu geben; und sie boten ihm dreißig Silberlinge. Und er versprach sich. Und von dem Tage an suchte er Gelegenheit, daß er ihn überantwortete ohne Rumor. Mel.: Werde Licht, du Stadt der Heiden. 1. Steh doch, Seele, steh doch stille Und besinn dich, wo du bist; denke doch, wo dich dein Wille, der sogar im Eiteln ist, der sogar klebt an der Erde, endlich hin verleiten werde. 2. Laß der Welt den Dampf der Ehre; gönn ihr doch, daß sie ihr Gold mit unrechtem Gut vermehre; laß sie sein der Freuden hold, die ein'n Augenblick erfreuen und hingegen ewig reuen. 3. Wirf doch hin, was dich beschweret, Christus will dein eigen sein, der sich gnädig zu dir kehret und dich zu sich ladet ein. Freundlich will er den umfangen, der nach ihm nur trägt Verlangen. Gregor Richter. † 1645. Am Sonnabend vor Invokavit. Am ersten Tage aber der süßen Brote, da man mußte opfern das Osterlamm, traten die Jünger zu Jesu und sprachen zu ihm: Wo willst du, daß wir dir bereiten das Osterlamm zu essen? Und er sandte seiner Jünger zween, Petrum und Johannem, und sprach zu ihnen: Gehet in die Stadt, siehe, wenn ihr hineinkommt, wird euch ein Mensch begegnen, der trägt einen Krug mit Wasser; folget ihm nach in das Haus, da er hineingeht, und sagt dem Hausherrn: 350 Erster Teil: Das Hausbuch. Der Meister lässet dir sagen: meine Zeit ist hier, ich will bei dir Ostern halten mit meinen Jüngern; wo ist die Herberge, darin ich das Osterlamm essen möge? Und er wird euch einen großen Saal zeigen, der bereitet ist, daselbst richtet für uns zu. Und die Jünger gingen aus und kamen in die Stadt und fanden es, wie er ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Osterlamm. Am Abend aber kam er mit den Zwölfen, setzte sich nieder, und die zwölf Apostel mit ihm. Und er sprach zu ihnen: Mich hat Herzlich verlanget, dies Osterlamm mit euch zu essen, ehe denn ich leide. Denn ich sage euch, daß ich hinfort nicht mehr davon essen werde, bis daß es erfüllt werde im Reich Gottes. Und er nahm den Kelch, dankete und sprach: Nehmt denselbigen, teilet ihn unter euch; denn ich sage euch: Ich werde nicht trinken von dem Gewächs des Weinstocks, bis das Reich Gottes komme. Es erhob sich auch ein Bank unter ihnen, welcher unter ihnen sollte für den Größesten gehalten werden. Er aber sprach zu ihnen: Die weltlichen Könige herrschen und die Gewaltigen heißet man gnädige Herrn; ihr aber nicht also, sondern der Größeſte unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Vornehmste wie ein Diener. Denn welcher ist der Größeste? der zu Tische sitet, oder der da dienet? Ists nicht also, daß der zu Tische sißet? Ich aber bin unter euch wie ein Diener. Jhr aber seid es, die ihr beharret habt bei mir in meinen Anfechtungen. Und ich will euch das Reich bescheiden, wie mirs mein Vater beschieden hat, daß ihr essen und trinken sollt über meinem Tisch in meinem Reiche und sizzen auf Stühlen und richten die zwölf Geschlechter Israels. Mel.: Seelenbräutigam. 1. Deiner Sanftmut Schild, deiner Demut Bild mir anlege, in mich präge, daß kein Zorn, noch Stolz sich rege. Vor dir sonst nichts gilt, als dein eigen Bild. 2. Steure meinem Sinn, der zur Welt will hin, daß ich nicht mög von dir wanken, sondern bleiben in den Schranken. Sei du mein Gewinn, gieb mir deinen Sinn. Joh. Anast. Freylinghausen.+ 1739. Am Montag nach Invokavit. Und Jesus, da er erkannte, daß seine Zeit gekommen war, daß er aus dieser Welt ginge zum Vater, wie er hatte geliebet die Seinen, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende. Und während des Abendessens, da schon der Teufel hatte dem Juda, Simonis Ischarioth, ins Herz gegeben, daß er ihn verriete, und Jesus wußte, 3. Lektionarium.- 1. Anhang: Die Leidensgeschichte Jesu Christi. 351 daß ihm der Vater hatte alles in seine Hände gegeben, und daß er von Gott gekommen war und zu Gott ging, stand er vom Abendmahl auf, legte seine Kleider ab und nahm einen Schurz und umgürtete sich. Darnach goß er Wasser in ein Becken, hub an, den Jüngern die Füße zu waschen und trocknete sie mit dem Schurze, damit er umgürtet war. Da kam er zu Simon Petro und derselbige sprach zu ihm: Herr, solltest du mir meine Füße waschen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich thue, das weißt du jetzt nicht, du wirst es aber hernach erfahren. Da sprach Petrus zu ihm: Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen! Jesus antwortete ihm: Werde ich dich nicht waschen, so hast du kein Teil mit mir. Spricht zu ihm Simon Petrus: Herr, nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt! Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, der darf nicht, denn die Füße waschen, sondern er ist ganz rein. Und ihr seid rein, aber nicht alle. Denn er wußte seinen Verräter wohl, darum sprach er: Ihr seid nicht alle rein. Da er nun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er seine Kleider und setzte sich wieder nieder und sprach abermals zu ihnen: Wisset ihr, was ich euch gethan habe? Ihr heißet mich Meister und Herr und saget recht daran, denn ich bin es auch; so nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt ihr auch euch unter einander die Füße waschen. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, daß ihr thut, wie ich euch gethan habe. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: der Knecht ist nicht größer, denn sein Herr, noch der Apostel größer, denn der ihn gesandt hat. So ihr solches wisset, selig seid ihr, so ihr es thut. Nicht sage ich von euch allen. Ich weiß, welche ich erwählet habe; sondern daß die Schrift erfüllet werde: Der mein Brot isset, der tritt mich mit Füßen. Jetzt sage ich es euch, ehe denn es geschieht, auf daß, wenn es geschehen ist, ihr glaubet, daß ich es bin. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer aufnimmt, so ich jemand senden werde, der nimmt mich auf, wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Mel.: Wenn meine Sünd mich kränken. 1. Mein Kreuz und meine Plagen, sollts auch sein Schmach und Spott, hilf mir geduldig tragen; gieb, o mein Herr und Gott, daß ich verleugne diese Welt und folge dem Exempel, das du mir vorgestellt. 2. Laß mich an andern üben, was du an mir gethan, und meinen Nächsten lieben, gern dienen jedermann ohn Eigennuß und Heuchelschein und, wie du mirs erwiesen, aus reiner Lieb allein. Justus Gesenius. † 1673. Erster Teil: Das Hausbuch. Am Dienstag nach Invokaviť. Da Jesus solches gesagt hatte, ward er betrübt im Geiste und zeugete und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, einer unter. euch wird mich verraten. Da sahen sich die Jünger unter einander an und ward ihnen bange, von welchem er redete. Und sie wurden sehr betrübt und hoben an, ein jeglicher unter ihnen, und sagten zu ihm: Herr, bin ichs? und der andere; bin ichs? Er antwortete und sprach: Einer von den Zwölfen, der mit mir in die Schüſſel tauchet. Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische saß an der Brust Jesu, welchen Jesus lieb hatte; dem winkte Simon Petrus, daß er forschen sollte, wer es wäre, von dem er sagte. Derselbige aber, der an der Brust Jesu lag, sprach zu ihm: Herr, wer ists? Jesus antwortete: Der ists, dem ich den Bissen eintauche und gebe. Und er tauchte den Bissen ein und gab ihm Juda, Simonis, Ischarioth. Und er sprach: Des Menschen Sohn gehet zwar dahin, wie es beschlossen ist und wie von ihm geschrieben stehet, doch wehe dem Menschen, durch welchen des Menschen Sohn verraten wird! Es wäre demselbigen Menschen besser, daß er nie geboren wäre! Da antwortete Judas, der ihn verriet, und sprach: Bin ichs, Rabbi? Er sprach zu ihm: Du sagst es. Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du thust, das thue bald. Dasselbige aber wußte niemand über dem Tisch, wozu er es ihm sagte. Etliche meineten, dieweil Judas den Beutel hatte, Jesus spräche zu ihm: Kaufe, was uns not ist auf das Fest; oder daß er den Armen etwas gebe. Da er nun den Bissen genommen hatte, ging er sobald hinaus. Und es war Nacht. Da aber Judas hinausgegangen war, spricht Jesus: Nun ist des Menschen Sohn verkläret und Gott ist verkläret in ihm. Ist Gott verkläret in ihm, so wird ihn Gott auch verklären in ihm selbst und wird ihn bald verklären. 352 Mel.: Was mein Gott will, das g'scheh allzeit. 1. Ach' Sünd, du schädlichs Schlangengift, wie weit kannst du es bringen! Dein Lohn, der Fluch, jetzt Jesum trifft, in Tod thut er ihn zwingen. Jetzt kommt die Nacht der Sündenmacht, fremd Schuld muß er abtragen. Betracht es recht, du Sündenknecht, nun darfst du nicht verzagen. 2. Was kann für solche Liebe dir, Herr Jesu, ich wohl geben? Ich weiß und finde nichts an mir, doch will, weil ich werd leben, mich eigen dir, Herr, nach Gebühr, zu dienen ganz verschreiben, auch nach der Zeit in Ewigkeit dein Diener sein und bleiben. Casp. Fr. Nachtenhöfer.+ 1685. 3. Lektionarium.- 1. Anhang: Die Leidensgeschichte Jesu Christi. 353 Am Mittwoch nach Invokavit. Da sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankete und brachs und gab es seinen Jüngern und sprach: Nehmet, effet, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird, das thut zu meinem Gedächtnis. Desselbigen gleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankete, und gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus, das ist mein Blut des neuen Testaments, welches für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches thut, so oft ihr es trinket, zu meinem Gedächtnis. Und sie tranken alle daraus. Und er sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, daß ich hinfort nicht trinken werde von diesem Gewächs des Weinstocks, bis auf den Tag, da ichs neu trinken werde mit euch in meines Vaters Reich. Liebe Kindlein, ich bin noch eine kleine Weile bei euch. Ihr werdet mich suchen und, wie ich zu den Juden sagte, wo ich hingehe, da könnt ihr nicht hinkommen. Und ich sage euch nun: Ein neu Gebot gebe ich euch, daß ihr euch unter einander liebet, wie ich euch geliebet habe, auf daß auch ihr einander lieb habt. Dabei wird jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe unter einander habt. Mel.: Erhalt uns. Herr, bei deinem Wort. 1. Wir danken dir, o Jesu Christ, daß du das Lämmlein worden bist, und trägst all unser Sünd und Schuld, hilf, daß wir rühmen deine Huld. 2. Dein allerheiligst Abendmahl erhalt bei uns, Herr, überall. Dein Leib und rosinfarbnes Blut komm unserm Leib und Seel zu gut. 3. Hilf uns durchs bittre Leiden dein, daß wir allzeit dir ghorsam sein und halten uns an deinen Eid, an dein Verheißung und Wahrheit. Nik. Selnecker. † 1592. Am Donnerstag nach Invokavit. Spricht Simon Petrus zu ihm: Herr, wo gehst du hin? Jesus antwortete ihm: Da ich hingehe, kannst du mir diesmal nicht folgen, aber du wirst mir hernachmals folgen. Petrus spricht zu ihm: Herr, warum kann ich dir diesmal nicht folgen? Ich will mein Leben für dich lassen! Jesus antwortete ihm: Solltest du dein Leben für mich lassen? Simon, Simon, siehe, Satanas hat euer begehret, daß er euch möchte sichten, wie den Weizen. Ich aber habe für dich gebeten, daß dein Glaube nicht aufhöre, und wenn du dermaleinst dich bekehrest, so stärke deine Brüder. Er aber sprach zu ihm: Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und in den Allgemeines Gebetbuch. 23 354 Erster Teil: Das Hausbuch. Tod zu gehen. Er aber sprach: Petrus, ich sage dir, der Hahn wird heute nicht krähen, ehe denn du dreimal verläugnet hast, daß du mich kennest. Und er sprach zu ihnen: So oft ich euch gesandt habe ohne Beutel, ohne Tasche und ohne Schuhe, habt ihr auch je Mangel gehabt? Sie sprachen: Nie keinen. Da sprach er zu ihnen: Aber nun, wer einen Beutel hat, der nehme ihn, desselbigen gleichen auch die Tasche, wer aber nicht hat, verkaufe sein Kleid und kaufe ein Schwert. Denn ich sage euch: Es muß noch das auch vollendet werden an mir, das geschrieben stehet: ,, Er ist unter die Übelthäter gerechnet." Denn was von mir geschrieben ist, das hat ein Ende. Sie sprachen aber: Herr, siehe, hier sind zwei Schwerter. Er aber sprach zu ihnen: Es ist genug. Und da sie den Lobgesang gesprochen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg. Mel.: Seelenbräutigam. 1. Wahrer Mensch und Gott, Trost in Not und Tod, du bist darum Mensch geboren, zu ersetzen, was verloren, durch dein Blut so rot, wahrer Mensch und Gott! 2. Meines Glaubens Licht laß verlöschen nicht. Salbe mich mit Freudenöle, daß hinfort in meiner Seele ja verlösche nicht meines Glaubens Licht. 3. So werd ich in dir bleiben für und für. Deine Liebe will ich ehren und in dir dein Lob vermehren, weil ich für und für bleiben werd in dir. Adam Drese. † 1701. Am Freitag nach Invokavit. Und er sprach zu seinen Jüngern: Euer Herz erschrecke nicht. Glaubet ihr an Gott, so glaubet ihr auch an mich. In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenns nicht so wäre, so wollt ich zu euch sagen, ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten. Und ob ich hinginge, euch die Stätte zu bereiten, will ich doch wiederkommen und euch zu mir nehmen, auf daß ihr seid, wo ich bin. Und wo ich hingehe, das wisset ihr, und den Weg wisset ihr auch. Spricht zu ihm Thomas: Herr, wir wissen nicht, wo du hingehest; und wie können wir den Weg wissen? Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater, denn durch mich. Wenn ihr mich kennetet, so kennetet ihr auch meinen Vater. Und von nun an fennet ihr ihn und habt ihn gesehen. Spricht zu ihm Philippus: Herr, zeige uns den Vater, so genüget uns. Jesus spricht zu ihm: So lange bin ich bei euch, und 3. Lektionarium.- 1. Anhang: Die Leidensgeschichte Jesu Christi. 355 du kennest mich nicht? Philippe, wer mich siehet, der siehet den Vater. Wie sprichst du denn: Zeige uns den Vater? Glaubest du nicht, daß ich im Vater und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch rede, die rede ich nicht von mir selbst. Der Vater aber, der in mir wohnet, derselbige thut die Werke. Glaubet mir, daß ich im Vater, und der Vater in mir ist; wo nicht, so glaubet mir doch um der Werke willen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer an mich glaubet, der wird die Werke auch thun, die ich thue, und wird größere, denn diese thun; denn ich gehe zum Vater. Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich thun, auf daß der Vater geehret werde in dem Sohne. Was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich thun. Liebet ihr mich, so haltet meine Gebote. Und ich will den Vater bitten, und er soll euch einen andern Tröster geben, daß er bei euch bleibe ewiglich, den Geist der Wahrheit, welchen die Welt nicht kann empfahen; denn sie siehet ihn nicht und kennet ihn nicht. Ihr aber tennet ihn; denn er bleibet bei euch und wird in euch sein. Ich will euch nicht Waisen lassen; ich komme zu euch. Mel.: Durch Adams Fall 2c. 1. Er ist der Weg, das Licht, die Pfort, die Wahrheit und das Leben, des Vaters Rat und ewges Wort, den er uns hat gegeben zu einem Schuß, daß wir mit Truß an ihm fest sollen glauben. Darum uns bald kein Macht noch G'walt aus seiner Hand wird rauben. 2. Jch bitt, o Herr, aus Herzensgrund, du wollst nicht von mir nehmen dein heilig Wort aus meinem Mund, so wird mich nicht beschämen mein Sünd und Schuld, denn in dein Huld setz ich all mein Vertrauen. Wer sich nur fest darauf verläßt, der wird den Tod nicht schauen. Laz. Spengler. † 1534. Am Sonnabend nach Invokaviť. Es ist noch um ein Kleines, so wird mich die Welt nicht mehr sehen; ihr aber sollt mich sehen; denn ich lebe, und ihr sollt auch leben. An demselbigen Tage werdet ihr erkennen, daß ich in meinem Vater bin, und ihr in mir, und ich in euch. Wer meine Gebote hat und hält sie, der ists, der mich liebet. Wer mich aber liebet, der wird von meinem Vater geliebet werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren. Spricht zu ihm Judas, nicht der Ischarioth: Herr, was ists, daß du uns willst dich offenbaren und nicht der Welt? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebet, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir 23* 356 Erster Teil: Das Hausbuch. werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen. Wer aber mich nicht liebet, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr höret, ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesandt hat. Solches hab ich zu euch geredet, weil ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der heilige Geist, welchen mein Vater senden wird in meinem Namen, derselbige wird es euch alles lehren und euch erinnern alles deß, das ich euch gesagt habe. Den Frieden lasse ich euch; meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt giebt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. Ihr habt gehöret, daß ich euch gesagt habe, ich gehe hin und komme wieder zu euch. Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, daß ich gesagt habe, ich gehe zum Vater; denn der Vater ist größer, denn ich. Und nun hab ichs euch gesagt, ehe denn es geschiehet, auf daß, wenn es nun geschehen wird, daß ihr glaubet. Ich werde hinfort mehr nicht viel mit euch reden! denn es kommt der Fürst dieser Welt und hat nichts an mir. Aber auf daß die Welt erkenne, daß ich den Vater liebe, und ich also thue, wie mir der Vater geboten hat, stehet auf und lasset uns von hinnen gehen. Eigne Melodie. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr, ich bitt, wollst sein von mir nicht fern mit deiner Hilf und Gnaden. Die ganze Welt nicht freuet mich, nach Himmel und Erd nicht frag ich, wenn ich dich nur kann haben. Und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, so bist du doch mein Zuversicht, mein Teil und meines Herzens Trost, der mich durch sein Blut hat erlöst. Herr Jesu Christ, mein Gott und Herr, mein Gott und Herr, in Schanden laß mich nimmermehr. Martin Schalling. † 1608. Die Woche nach Reminiscere. Am Montag nach Reminiscere. Ich bin ein rechter Weinstock und mein Vater ein Weingärtner. Einen jeglichen Reben an mir, der nicht Frucht bringet, wird er wegnehmen; und einen jeglichen, der da Frucht bringet, wird er reinigen, daß er mehr Frucht bringe. Ihr seid jetzt rein um des Worts willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibet in mir und ich in euch. Gleichwie der Rebe kann keine Frucht bringen von ihm selber, er bleibe denn am Weinstock; also auch ihr nicht, ihr bleibet denn in mir. Ich bin der Weinstock; ihr seid die Reben. Wer in mir bleibet, und ich in ihm, der bringet viele Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts thun. Wer nicht in mir bleibet, der wird weggeworfen, wie eine 3. Lektionarium.- 1. Anhang: Die Leidensgeschichte Jefu Chrifti. 357 Rebe, und verdorret, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und muß brennen. So ihr in mir bleibet, und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darinnen wird mein Vater geehret, daß ihr viele Frucht bringet und werdet meine Jünger. Gleichwie mich mein Vater liebet, also liebe ich euch auch. Bleibet in meiner Liebe. So ihr meine Gebote haltet, so bleibet ihr in meiner Liebe, gleichwie ich meines Vaters Gebote halte und bleibe in seiner Liebe. Solches rede ich zu euch, auf daß meine Freude in euch bleibe, und eure Freude vollkommen werde. Das ist mein Gebot, daß ihr euch unter einander liebet, gleichwie ich euch liebe. Niemand hat größere Liebe, denn die, daß er sein Leben lässet für seine Freunde. Ihr seid meine Freunde, so ihr thut, was ich euch gebiete. Ich sage hinfort nicht, daß ihr Knechte seid; denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr thut. Euch aber habe ich gesagt, daß ihr Freunde seid; denn alles, was ich habe von meinem Vater gehöret, habe ich euch fund gethan. Ihr habt mich nicht erwählet, sondern ich habe euch erwählet und gesetzt, daß ihr hingehet und Frucht bringet, und eure Frucht bleibe; auf daß, so ihr den Vater bittet in meinem Namen, ers euch gebe. Das gebiete ich euch, daß ihr euch unter einander liebet. Mel.: Gott sei gelobet und gebenedeiet. Mein Geist und Herze wollst du zu dir neigen, nimm mich mir, gieb mich dir eigen. Du bist der Weinstock, ich bin deine Rebe, nimm mich in dich, daß ich lebe. Kyrie eleison. Ach! in mir find ich eitel Sünden; in dir müssen sie bald verschwinden. In mir find ich Höllenpein, in dir muß ich selig sein. Kyrie eleison. Joh. Heermann. † 1647. Am Dienstag nach Reminiscere. So euch die Welt hasset, so wisset, daß sie mich vor euch gehasset hat. Wäret ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihre lieb; dieweil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich habe euch von der Welt erwählet, darum hasset euch die Welt. Gedenket an mein Wort, das ich euch gesagt habe: Der Knecht ist nicht größer, denn sein Herr. Haben sie mich verfolget, sie werden euch auch verfolgen; haben sie mein Wort gehalten, so werden sie eures auch halten. Aber das alles werden sie euch thun um meines Namens willen; denn sie kennen den nicht, der mich gesandt hat. Wenn ich nicht kommen wäre und hätte es ihnen gesagt, so hätten sie keine Sünde; nun aber können sie nichts vorwenden, ihre Sünde zu entschuldigen. 358 Erster Teil: Das Hausbuch. Wer mich hasset, der hasset auch meinen Vater. Hätte ich nicht die Werke gethan unter ihnen, die kein anderer gethan hat, so hätten sie keine Sünde; nun aber haben sie es gesehen und hassen doch beide, mich und meinen Vater. Doch, daß erfüllet werde der Spruch, in ihrem Gesetz geschrieben: Sie hassen mich ohne Ursache. Wenn aber der Tröster kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgehet, der wird zeugen von mir. Und ihr werdet auch zeugen; denn ihr seid von Anfang bei mir gewesen. Mel.: Seelenbräutigam. 1. Jesu, geh voran auf der Lebensbahn, und wir wollen nicht verweilen, dir getreulich nachzueilen. Führ uns an der Hand bis ins Vaterland. 2. Solls uns hart ergehn, laß uns feste stehn und auch in den schwersten Tagen niemals über Lasten klagen, denn durch Trübfal hier geht der Weg zu dir. 3. Rühret eigner Schmerz irgend unser Herz, kümmert uns ein fremdes Leiden, o, so gieb Geduld zu beiden; richte unsern Sinn auf das Ende hin. 4. Ordne unsern Gang, Liebster, lebenslang. Führst du uns durch rauhe Wege, gieb uns auch die nötge Pflege. Thu uns nach dem Lauf deine Thüre auf. Nik. Ludw. Graf v. Zinzendorf. † 1760. Am Mittwoch nach Reminiscere. Solches habe ich zu euch geredet, daß ihr euch nicht ärgert. Sie werden euch in den Bann thun. Es kommt aber die Zeit, daß, wer euch tötet, wird meinen, er thue Gott einen Dienst daran. Und solches werden sie euch darum thun, daß sie weder meinen Vater, noch mich erkennen. Aber solches habe ich zu euch geredet, auf daß, wenn die Zeit kommen wird, daß ihr daran gedenket, daß ichs euch gesagt habe. Solches aber habe ich euch von Anfang nicht gesagt, denn ich war bei euch. Nun aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand unter euch fraget mich: Wo gehest du hin? Sondern, dieweil ich solches zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauerns worden. Aber ich sage euch die Wahrheit, es ist euch gut, daß ich hingehe. Denn so ich nicht hingehe, so kommt der Tröster nicht zu euch; so ich aber hingehe, will ich ihn zu euch senden. Und wenn derselbige kommt, der wird die Welt strafen um die Sünde und um die Gerechtigkeit und um das Gericht. Um die Sünde, daß sie nicht glauben an mich; um die Gerechtigkeit aber, daß ich zum Vater gehe, und ihr mich hinfort nicht sehet; um das Gericht, daß 3. Lektionarium.- 1. Anhang: Die Leidensgeschichte Jesu Christi. 359 der Fürst dieser Welt gerichtet ist. Ich habe euch noch viel zu sagen, aber ihr könnets jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht von ihm selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. Derselbige wird mich verklären; denn von dem Meinen wird ers nehmen und euch verkündigen. Alles, was der Vater hat, das ist mein; darum habe ich gesagt: Er wirds von dem Meinen nehmen und euch verkündigen. Mel.: Jesulein süß. 1. O heiliger Geist, o heiliger Gott! Mehr unsern Glauben immerfort! An Christum niemand glauben kann, es sei denn durch dein Hilf gethan. O heiliger Geist, o heiliger Gott! 2. O heiliger Geist, o heiliger Gott! Verlaß uns nicht in Not und Tod. Wir sagen dir Lob, Ehr und Dank jezund und unser Lebenlang. O heiliger Geist, o heiliger Gott! Abrah. Hinckelmann. † 1695. Am Donnerstag nach Reminiscere. Über ein Kleines, so werdet ihr mich nicht sehen; und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen, denn ich gehe zum Vater. Da sprachen etliche unter seinen Jüngern unter einander: Was ist das, das er saget zu uns: über ein Kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen, und daß ich zum Vater gehe? Da sprachen sie: Was ist das, das er sagt: über ein Kleines? wir wissen nicht, was er redet. Da merkete Jesus, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Davon fraget ihr unter einander, daß ich gesagt habe, über ein Kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ihr werdet weinen und heulen; aber die Welt wird sich freuen. Ihr aber werdet traurig sein; doch eure Traurigkeit soll in Freude verkehret werden. Ein Weib, wenn sie gebiert, so hat sie Traurigkeit, denn ihre Stunde ist kommen. Wenn sie aber das Kind geboren. hat, denket sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, daß der Mensch zur Welt geboren ist. Und ihr habt auch nun Traurigfeit; aber ich will euch wieder sehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. Und an demselbigen Tage werdet ihr mich nichts fragen. Mel.: Jesu meine Freude. 1. Meine Seele harret und sich ganz verscharret tief in Jesu Brust; sie wird stark durch Hoffen; was sie je betroffen, träget fie 360 Erster Teil: Das Hausbuch. mit Lust, fasset sich ganz männiglich durch Geduld und Glauben feste; Am End kommt das Beste. 2. Amen, es geschiehet; wer zu Jesu fliehet, wird es recht erfahrn, wie Gott seinen Kindern pflegt das Kreuz zu mindern, und das Glück zu sparn bis zu End, als dann sich wend das zuerst gekoste Leiden und gehn an die Freuden. Christ. Scriver. † 1695. Am Freitag nach Reminiscere. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, so ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird ers euch geben. Bisher habt ihr nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr nehmen, daß eure Freude vollkommen sei. Solches hab ich zu euch durch Sprüchwort geredet. Es kommt aber die Zeit, daß ich nicht mehr durch Sprüchwort mit euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater. An demselbigen Tage werdet ihr bitten in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, daß ich den Vater für euch bitten will; denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, darum, daß ihr mich liebet, und glaubet, daß ich von Gott ausgegangen bin. Ich bin vom Vater ausgegangen und kommen in die Welt; wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater. Sprechen zu ihm seine Jünger: Siehe, nun redest du frei heraus und sagest kein Sprüchwort. Nun wissen wir, daß du alle Dinge weißt und bedarfst nicht, daß dich jemand frage. Darum glauben wir, daß du von Gott ausgegangen bist. Jesus antwortete ihnen: Jetzt glaubet ihr. Siehe, es kommt die Stunde und ist schon kommen, daß ihr zerstreuet werdet, ein jeglicher in das Seine, und mich allein laffet. Aber ich bin nicht allein; denn der Vater ist bei mir. Solches habe ich mit euch geredet, daß ihr in mir Frieden habet. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Mel.: Seelenbräutigam. 1. Großer Siegesheld, Tod, Sünd, Höll und Welt, alle Kraft des großen Drachen hast du wolln zu schanden machen durch das Lösegeld deines Bluts, o Held. 2. Laß mich deinen Ruhm, als dein Eigentum, durch des Geistes Licht erkennen, stets in deiner Liebe brennen, als dein Eigentum, allerschönster Ruhm. Joh. Anast. Freylinghausen. † 1739. Am Sonnabend nach Reminiscere. Solches redete Jesus und hub seine Augen auf gen Himmel und sprach: Bater die Stunde ist hie, daß du deinen Sohn verkläreft, 3. Lektionarium.- 1. Anhang: Die Leidensgeschichte Jesu Christi. 361 auf daß dich dein Sohn auch verkläre; gleichwie du ihm Macht haſt gegeben über alles Fleisch, auf daß er das ewige Leben gebe allen, die du ihm gegeben hast. Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich, daß du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesum Christum erkennen. Ich habe dich verkläret auf Erden und vollendet das Werk, das du mir gegeben hast, daß ich es thun sollte. Und nun verkläre mich du, Vater, bei dir selbst, mit der Klarheit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war. Ich habe deinen Namen offenbaret den Menschen, die du mir von der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort behalten. Nun wissen sie, daß alles, was du mir gegeben hast, sei von dir. Denn die Worte, die du mir gegeben hast, hab ich ihnen gegeben; und sie habens angenommen und erkannt wahrhaftig, daß ich von dir ausgegangen bin und glauben, daß du mich gesandt hast. Ich bitte für sie, und bitte nicht für die Welt, sondern für die, so du mir gegeben hast, denn sie sind dein. Und alles, was mein ist, das ist dein, und was dein ist, das ist mein; und ich bin in ihnen verkläret. Und ich bin nicht mehr in der Welt; sie aber sind in der Welt, und ich komme zu dir. Heiliger Vater, erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast, daß sie eins seien, gleichwie wir. Dieweil ich bei ihnen war in der Welt, erhielt ich sie in deinem Namen. Die du mir gegeben hast, die habe ich bewahret, und ist keiner von ihnen verloren, ohne das verlorne Kind, daß die Schrift erfüllet würde. Nun aber komme ich zu dir und rede solches in der Welt, auf daß sie in ihnen haben meine Freude vollkommen. Ich habe ihnen gegeben dein Wort, und die Welt hasset sie; denn sie sind nicht von der Welt, wie denn auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, daß du sie von der Welt nehmest, sondern daß du sie bewahrest vor dem Übel. Sie sind nicht von der Welt, gleichwie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in deiner Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit. Gleichwie du mich gesandt hast in die Welt, so sende ich sie auch in die Welt. Ich heilige mich selbst für sie, auf daß auch sie geheiliget seien in der Wahrheit. Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, so durch ihr Wort an mich glauben werden, auf daß sie alle eins seien, gleichwie du Vater in mir, und ich in dir; daß auch sie in uns eins seien, auf daß die Welt glaube, du habest mich gesandt. Und ich habe ihnen gegeben die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, daß sie eins seien, gleichwie wir eins sind. Ich in ihnen, und du in mir, auf daß sie vollkommen seien in eins, und die Welt erkenne, daß du mich gesandt hast und liebest fie, gleichwie du mich liebest. Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die 362 Erster Teil: Das Hausbuch. bei mir seien, die du mir gegeben hast, daß sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebet, ehe denn die Welt gegründet ward. Gerechter Vater, die Welt kennet dich nicht; ich aber kenne dich, und diese erkennen, daß du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen deinen Namen kund gethan und will ihnen fund thun, auf daß die Liebe, damit du mich liebest, sei in ihnen, und ich in ihnen. Eigne Melodie. 1. Lamm Gottes, unschuldig am Stamm des Kreuzes geschlachtet, allzeit gefunden duldig, wiewohl du wurdest verachtet: All Sünd hast du getragen, sonst müßten wir verzagen! Erbarm dich unser, o Jesu! o Jesu! 2. Von Herzen wir dir danken, daß du so große Treue gethan haft an uns Kranken. Gieb uns eine selge Reue; daß wir die Sünde meiden zu Ehren deinem Leiden; erbarm dich unser, o Jesu! o Jesu! 3. Stärk in uns das Vertrauen durch dein Blut, Tod und Wunden. Laß uns darauf fest bauen in unsern letzten Stunden, und hilf uns selig sterben, daß wir den Himmel erben! Gieb uns dein'n Frieden, o Jesu! o Jesu! Die Woche nach Okuli. Am Montag nach kuli. Da Jesus solches geredet hatte, ging er hinaus über den Bach Kidron an den Ölberg nach seiner Gewohnheit. Es folgten ihm aber seine Jünger nach an denselbigen Ort. Da sprach Jesus zu ihnen: Ihr werdet euch in dieser Nacht alle an mir ärgern. Denn es stehet geschrieben: Ich werde den Hirten schlagen und die Schafe der Herde werden sich zerstreuen." Wenn ich aber auferstehe, will ich vor euch hingehen in Galiläam. Petrus aber antwortete und sprach zu ihm: Wenn sie auch alle sich an dir ärgerten, so will ich doch mich nimmermehr ärgern! Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: heute in dieser Nacht, ehe der Hahn zweimal krähet, wirst du mich dreimal verleugnen! Petrus aber redete noch weiter: Ja, wenn ich auch mit dir sterben müßte, so wollte ich dich doch nicht verleugnen. Desselbigengleichen sagten auch alle Jünger. O Herr, ich thu dich bitten nach all dem Willen dein: Leit mich in deinen Sitten und brich den Willen mein. Mel.: Ich dank dir lieber Herre. Daß ich, Herr, nicht abweiche von deiner rechten Bahn, der Feind mich nicht erschleiche, damit ich irr möcht gahn. Erhalt mich 3. Lektionarium.- 1. Anhang: Die Leidensgeschichte Jesu Christi. 363 durch dein Güte, das bitt ich fleißig dich, vors Teufels List und Wüten, damit er setzt an mich. Dein Wort laß mich bekennen vor dieser argen Welt, auch mich dein Diener nennen, nicht fürchten G'walt noch Geld, das mich bald möcht abwenden von deiner Wahrheit klar; wollst mich auch nicht absenden von der christlichen Schar. Joh. Kohlros. † 1558. Am Dienstag nach kuli. Da kam Jesus mit ihnen zu einem Hof, der hieß Gethsemane, da war ein Garten, darein ging Jesus und seine Jünger. Judas aber, der ihn verriet, wußte den Ort auch, denn Jesus versammelte sich oft daselbst mit seinen Jüngern. Und als er dahin kam, sprach er zu ihnen: Seßet euch hier, bis ich dorthin gehe und bete. Betet, auf daß ihr nicht in Anfechtung fallet. Und nahm zu sich Petrum und Jakobum und Johannem, die zween Söhne Zebedäi, und fing an zu trauern, zu zittern und zu zagen, und sprach zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod. Bleibet hier und wachet mit mir. Und er ging hin und riß sich von ihnen einen Steinwurf weit und kniete nieder, fiel auf sein Angesicht und betete, daß, so es möglich wäre, die Stunde vorüberginge und sprach: Abba, mein Vater! es ist dir alles möglich, willst du, so nimm diesen Kelch von mir, doch nicht wie ich will, sondern wie du willst. Und er kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend und sprach zu Petro: Simon, schläfft du? Könnet ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen? Wachet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallet; der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.- Zum andernmal ging er wieder hin, betete und sprach: Mein Vater, ists nicht möglich, daß dieser Kelch von mir gehe? Ich trinke ihn denn, so geschehe dein Wille! Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkete ihn. Und es kam, daß er mit dem Tode rang und betete heftiger. Es ward aber Und er sein Schweiß wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde. kam wieder und fand sie abermals schlafend vor Traurigkeit; denn ihre Augen waren voll Schlafs und wußten nicht, was sie ihm antworteten. Und er ließ sie und ging abermal hin und betete zum drittenmal und redete dieselbigen Worte. Und er stand auf von dem Gebet und kam zum drittenmal zu seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Ach, wollt ihr nun schlafen und ruhen? Es ist genug! Siehe, die Stunde ist hier, daß des Menschen Sohn in der Sünder Hände überantwortet werde. Stehet auf, lasset uns gehen, siehe, er ist da, der mich verrät. - 364 Erster Teil: Das Hausbuch. Mel.: Jesu Leiden, Pein und Tod. 1. Jesus in den Garten ging, traurig an Geberden, mit Gebet das Werk anfing, knieet auf die Erden. Seine Seel bis in den Tod heftig war betrübet. Schau, in was für große Not er für dich sich giebet! 2. Wachet, betet, Jesus spricht, daß ihr nicht verzaget; der Geist sich zwar hoch verpflicht, das Fleisch sich nicht waget. Mit Gebet fang alles an, wenn es soll gelingen, sei nicht ein vermeßner Mann in so schweren Dingen. 3. Jesu, dein blutroter Schweiß, dein betrübtes Zagen macht die schwarze Sünde weiß, kann Wehmut verjagen. Menschen zaget nicht so sehr, Christus hat erduldet, was ich, du und andre mehr tausendmal verschuldet. Paul Stockmann. † 1636. Am Mittwoch nach kuli. Und alsobald da er noch redete, siehe, da kam Judas, der Zwölfen einer, welcher zu sich genommen hatte die Schar und der Hohenpriester und Pharisäer Diener, mit Fackeln und Lampen, mit Schwertern und mit Stangen, und ging vor ihnen her. Als nun Jesus wußte alles, was ihm begegnen sollte, ging er hinaus und sprach zu ihnen: Wen suchet ihr? Sie antworteten ihm: Jesum von Nazareth. Jesus spricht zu ihnen: Ich bins. Judas aber, der ihn verriet, stand auch bei ihnen. Als nun Jesus zu ihnen sprach: Ich bins, wichen sie zurück und fielen zu Boden. Da fragte er sie abermals: Wen suchet ihr? Sie aber sprachen: Jesum von Nazareth. Jesus antwortete: Ich habe es euch gesagt, daß ich es sei. Suchet ihr denn mich, so lasset diese gehen. Auf daß das Wort erfüllet würde, welches er sagte: Ich habe derer keinen verloren, die du mir gegeben hast. Der Verräter aber hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: Welchen ich küssen werde, der ists, den greifet und führet ihn gewiß. Und alsobald trat er zu Jesu und sprach: Gegrüßet seist du, Rabbi, Rabbi! und küssete ihn. Jesus aber sprach zu ihm: Mein Freund, warum bist du gekommen? Juda, verrätst du des Menschen Sohn mit einem Kuß? Da traten sie hinzu und legten die Hände an Jesum und griffen ihn. Da aber sahen, die um ihn waren, was da werden wollte, sprachen sie zu ihm: Herr, sollen wir mit dem Schwert drein schlagen? Und einer aus ihnen, Simon Petrus, hatte ein Schwert und zog es aus und schlug nach des Hohenpriesters Knecht und hieb ihm sein rechtes Ohr ab. Und der Knecht hieß Malchus. Jesus aber antwortete und sprach: Lasset sie doch so ferne machen. 3. Lektionarium.-1. Anhang: Die Leidensgeschichte Jesu Christi. 365 Und er rührte sein Ohr an und heilete ihn. Und zu Petro sprach er: Stecke dein Schwert in die Scheide, denn wer das Schwert nimmt, der soll durch das Schwert umkommen. Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat? Oder meinest du, daß ich nicht könnte meinen Vater bitten, daß er mir zuschickte mehr, denn zwölf Legionen Engel. Wie würde aber die Schrift erfüllet? Es muß also gehen. Mel.: Schmücke dich, o liebe Seele. Deine Lieb hat dich getrieben, Sanftmut und Geduld zu üben, ohne Schelten, Drohen, Schlagen, andrer Schmach und Last zu tragen, allen freundlich zu begegnen, für die Lästerung zu segnen, für der Feinde Schar zu beten und die Mörder zu vertreten. Joh. Jak. Rambach. † 1735. Am Donnerstag nach kuli. Zu der Stunde sprach Jesus zu den Hohenpriestern und Hauptleuten des Tempels und den Ältesten, die über ihn gekommen waren: Ihr seid ausgegangen als zu einem Mörder, mit Schwertern und mit Stangen, mich zu fahen. Bin ich doch täglich gesessen bei euch und habe gelehret im Tempel, und ihr habt mich nicht gegriffen und keine Hand an mich gelegt. Aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis. Dies ist alles geschehen, daß erfüllet würden die Schriften der Propheten. Da verließen ihn alle Jünger und flohen. Die Schar aber und der Oberhauptmann und die Diener der Juden nahmen Jesum und banden ihn und führeten ihn aufs erste zu Hannas, der war Kaiphas Schwäher, welcher des Jahres Hoherpriester war. Es war aber Kaiphas, der den Juden riet, es wäre gut, daß ein Mensch würde umgebracht für das Volk. Und Hannas sandte ihn gebunden zu dem Hohenpriester Kaiphas, dahin zusammengekommen waren alle Hohepriester und Ältesten und Schriftgelehrten. — Mel.: Jesu Leiden, Pein und Tod. Jesu, ohne Missethat im Garten fürhanden, da man dich gebunden hat fest mit harten Banden; wenn uns will der böse Feind mit der Sünde binden, so laß uns o Menschenfreund, dadurch Lösung finden. Paul Stockmann. † 1636. Am Freitag nach Dkuli. Simon Petrus aber folgte Jesu nach und ein andrer Jünger. Derselbige Jünger war dem Hohenpriester bekannt und ging mit Jesu hinein in des Hohenpriesters Palast. Petrus aber stand draußen 6450 366 Erster Teil: Das Hausbuch. vor der Thüre. Da ging der andre Jünger, der dem Hohenprieſter bekannt war, hinaus und redete mit der Thürhüterin und führete Petrum hinein. Und er ging hinein und setzte sich bei den Knechten, auf daß er sähe, wo es hinaus wollte. Da sprach die Magd, die Thürhüterin, zu Petro: Bist du nicht auch dieses Menschen Jünger einer? Er aber leugnete und sprach: Ich bins nicht, ich kenne ihn nicht, weiß auch nicht, was du sagest? Und er ging hinaus in den Vorhof und der Hahn frähte. Es standen aber die Knechte und Diener und hatten ein Kohlfeuer gemacht mitten im Palast, denn es war kalt, und wärmten sich. Petrus aber stand bei ihnen und wärmte sich. Aber der Hohepriester fragte Jesum um seine Jünger und um seine Lehre. Jesus antwortete ihm: Ich habe frei öffentlich ge= redet vor der Welt. Ich habe allezeit gelehret in der Schule und in dem Tempel, da alle Juden zusammenkommen, und habe nichts im Verborgenen geredet. Was fragst du mich darum? Frage die darum, die gehöret haben, was ich geredet habe; siehe, dieselbigen wissen, was ich gesagt habe. Als er aber solches redete, gab der Diener einer, die dabei standen, Jesu einen Backenstreich und sprach: Sollst du dem Hohenpriester also antworten? Jesus antwortete: Habe ich übel geredet, so beweise es, daß es böse sei; habe ich aber recht geredet, was schlägst du mich? Mel.: O Jesu Christ, meins Lebens Licht. 1. Was Menschenkraft, was Fleisch und Blut, ohn Gottes Gnad und Hilfe thut, zeigt Petri Mut und Freudigkeit und seine groß Vermessenheit. 2. Petrus, der fühne, freudge Mann, getrost und frisch trat auf den Plan, doch macht ein Wörtlein ihn verzagt, womit ihn schreckt ein arme Magd. 3. Zeucht Gott von uns die Gnadenhand, so falln wir bald in Sünd und Schand, wo Christ, der Herr, uns nicht erhält, so sind wir bald vom Feind gefällt. 4. Drum bitten wir dich, Jesu Christ, weil du sein mächtig worden bist, zerstör sein Reich und all sein Macht, hilf uns durch deines Geistes Kraft. Nik. Hermann. † 1561. Am Sonnabend nach Dkuli. Die Hohenpriester aber und die Ältesten und der ganze Rat suchten falsch Zeugnis wider Jesum, auf daß sie ihn zum Tode brächten, und fanden keins. Und wiewohl viele falsche Zeugen hinzutraten, fanden sie doch keins; ihr Zeugnis stimmte nicht überein. 3. Lektionarium.- 1. Anhang: Die Leidensgeschichte Jesu Christi. 367 Zulegt traten herzu zween falsche Zeugen und sprachen: Wir haben gehört, daß er sagte: Ich will den Tempel, der mit Händen gemacht ist, abbrechen und in dreien Tagen einen andern bauen, der nicht mit Händen gemacht ist. Aber ihr Zeugnis stimmte noch nicht überein. Da stand der Hohepriester auf unter sie und fragte Jesum und sprach: Antwortest du nichts zu dem, was diese wider dich zeugen? Jesus aber schwieg still und antwortete nichts. Und die Ältesten des Volks, die Hohenpriester und Schriftgelehrten sprachen: Bist du Christus, sage es uns. Er aber sprach zu ihnen: Sage ich es euch, so glaubet ihr es nicht; frage ich aber, so antwortet ihr nicht und lasset mich doch nicht los. Da fragte ihn der Hohepriester abermal und sprach: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagest, ob du seist Christus, der Sohn Gottes, des Hochgelobten. Jesus sprach zu ihm: Du sagst es, denn ich bin es. Doch sage ich euch: von nun an wird es geschehen, daß ihr sehen werdet des Menschen Sohn sißen zur rechten Hand der Kraft Gottes und kommen in den Wolken des Himmels. Da zerriß der Hohepriester seine Kleider, und sprach: Er hat Gott gelästert! Was bedürfen wir weiter Zeugnis? Siehe, jetzt habt ihr seine Gotteslästerung gehört. Was dünket euch? Sie verdammten ihn aber alle und sprachen: Er ist des Todes schuldig! Eigene Melodie. 1. Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen, daß man ein solch scharf Urteil hat gesprochen? Was ist die Schuld? In was für Missethaten bist du geraten? 2. Ich war von Fuß auf voller Schand und Sünden, bis zu dem Scheitel war nichts Guts zu finden. Dafür hätt ich dort in der Hölle müssen ewiglich büßen. 3. D große Lieb! o Lieb ohn alle Maße, die dich gebracht auf diese Marterstraße! Ich lebte mit der Welt in Lust und Freuden und du mußt leiden! Joh. Heermann. † 1647. Die Woche nach Lätare. Hm Montag nach Tätare. Simon Petrus aber stand und wärmte sich. Da sah ihn eine andre Magd und sprach zu denen, die da waren: Dieser war auch mit dem Jesu von Nazareth. Da sprachen sie zu ihm: Bist du nicht seiner Jünger einer? Und er leugnete abermal und schwur dazu: Ich kenne den Menschen nicht! Und über eine Weile traten hinzu, die da standen und sprachen zu Petro: Wahrlich, du bist auch einer 368 Erster Teil: Das Hausbuch. von denen, ein Galiläer, denn deine Sprache verrät dich und lautet gleich also. Und des Hohenpriesters Knechte einer, ein Gefreundter deß, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte, spricht zu ihm: Sah ich dich nicht im Garten bei ihm? Da verleugnete Petrus abermal, hub an, sich zu verfluchen und zu schwören und sprach: Ich kenne den Menschen nicht, von dem ihr sagt! Und alsobald frähte der Hahn zum andernmal. Und der Herr wandte sich und sah Petrum an. Da gedachte Petrus an die Worte Jesu, da er zu ihm sagte: Ehe der Hahn zweimal krähet, wirst du mich dreimal verleugnen. Und Petrus ging hinaus, und weinte bitterlich. Mel.: Jesu Leiden, Bein und Tod. Petrus, der nicht denkt zurück, seinen Herrn verneinet, der doch auf ein ernsten Blick bitterlichen weinet. Jesu blicke mich auch an, wenn ich nicht will büßen, wenn ich Böses hab gethan, rühre mein Gewissen. Paul Stockmann. † 1636. Am Dienstag nach Tätare. Die Männer aber, die Jesum hielten, verspotteten ihn, speieten aus in sein Angesicht und schlugen ihn mit Fäusten. Etliche aber schlugen ihn ins Angesicht, verdeckten ihn und sprachen: Weissage uns, Christe, wer ist es, der dich schlug? Und viele andere Lästerungen sagten sie wider ihn. Des Morgens aber hielten alle Hohenpriester und Ältesten des Volts einen Rat über Jesum, daß sie ihn töteten. Und der ganze Haufe stand auf und banden Jesum und führeten ihn von Kaiphas vor das Richthaus und überantworteten ihn dem Landpfleger Pontius Pilatus. Und es war frühe. Da das sah Judas, der ihn verraten hatte, daß er verdammet war zum Tode, gereuete es ihn und brachte wieder die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und den Ältesten und sprach: Ich habe übel gethan, daß ich unschuldig Blut verraten habe! Sie sprachen: Was gehet uns das an? Da siehe du zu! Und er warf die Silberlinge in den Tempel, hub sich davon, ging hin und erhenkte sich selbst. Aber die Hohenpriester nahmen die Silberlinge und sprachen: Es taugt nicht, daß wir sie in den Gotteskasten legen, denn es ist Blutgeld. Sie hielten aber einen Rat und kauften einen Töpfersacker darum zum Begräbnis der Pilger. Darum ist derselbige Acker genennet der Blutacker bis auf den heutigen Tag. Da iſt erfüllet, das gesagt ist durch den Propheten( Jeremias), da er spricht:„ Sie haben genommen dreißig Silberlinge, damit bezahlet ward der Verkaufte, welchen sie kauften von den Kindern Israel und haben sie gegeben um einen Töpfersacker, als mir der Herr befohlen hat." 3. Lektionarium.- 1. Anhang: Die Leidensgeschichte Jesu Christi. 369 Mitten in der Höllen Angst unsre Sünd uns treiben. Wo solln wir denn fliehen hin, da wir mögen bleiben? Zu dir, Herr Christ, alleine. Vergossen ist dein theures Blut, das g'nug für die Sünde thut. Heiliger Herre Gott! Heiliger, starker Gott! Heiliger, barmherziger Heiland, du ewiger Gott! Laß uns nicht entfallen von des rechten Glaubens Trost. Kyrie eleison! Dr. Martin Luther.+ 1546. Am Mittwoch nach Tätare. Die Juden aber gingen nicht in das Richthaus, auf daß sie nicht unrein würden, sondern Ostern essen möchten. Da ging Pilatus zu ihnen heraus und sprach: Was bringet ihr für Klage wider diesen Menschen? Sie antworteten und sprachen zu ihm: Wäre dieser nicht ein Übelthäter, wir hätten ihn dir nicht überantwortet. Da sprach Pilatus zu ihnen: So nehmet ihr ihn hin und richtet ihr ihn nach eurem Geseß. Da sprachen die Juden zu ihm: Wir dürfen niemand töten;- auf daß erfüllet würde das Wort Jesu, welches er sagte, da er deutete, welches Todes er sterben würde. Und die Hohenpriester und Ältesten fingen an, ihn zu verklagen und sprachen: Diesen finden wir, daß er das Volk abwendet und verbeut, den Schoß dem Kaiser zu geben und spricht: Er sei Christus, ein König. Da ging Pilatus wieder hinein in das Richthaus und rief Jeſum und sprach zu ihm: Bist du der Juden König? Jesus antwortete: Redest du das von dir selbst, oder haben es dir andre von mir gesagt? Pilatus antwortete: Bin ich ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir überantwortet: was hast du gethan? Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt; wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darob kämpfen, daß ich den Juden nicht überantwortet würde; aber nun ist mein Reich nicht von dannen. Da sprach Pilatus zu ihm: So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, daß ich die Wahrheit zeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme. Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit? Und als er das gesagt, ging er wieder hinaus zu den Juden und spricht zu ihnen: Ich finde keine Schuld an diesem Menschen. Mel.: Herzlich thut mich verlangen. 1. Du wollst dich mein erbarmen, in dein Reich nimm mich auf. Dein' Güte schenk mir Armen und segne meinen Lauf. Mein'n Feinden wollst du wehren, dem Teufel, Sünd und Tod, daß sie mich nicht verzehren. Rett mich aus aller Not. Allgemeines Gebetbuch. 24 Erster Teil: Das Hausbuch. 2. Du wollst in mir entzünden dein Wort, den schönsten Stern, laß falsche Lehr und Sünden sein von mein'm Herzen fern. Hilf, daß ich dich erkenne und mit der Christenheit dich meinen König nenne jetzt und in Ewigkeit. Martin Behm. † 1622. 370 Am Donnerstag nach Lätare. Die Hohenpriester aber und Ältesten beschuldigten ihn hart. Und da er von ihnen verklagt ward, antwortete er nichts. Da fragte ihn Pilatus abermal und sprach zu ihm: Antwortest du nichts? Hörst du nicht, wie hart sie dich verklagen? Und er antwortete ihm nicht auf ein Wort, also daß sich auch der Landpfleger sehr verwunderte. Sie aber hielten an und sprachen: Er hat das Volk erregt, damit, daß er gelehret hat hin und her im ganzen jüdischen Lande und hat in Galiläa angefangen, bis hierher. Da aber Pilatus Galiläa hörte, fragte er, ob er aus Galiläa wäre? Und als er vernahm, daß er unter Herodis Obrigkeit gehörete, übersandte er ihn zu Herodes, welcher in denselbigen Tagen auch zu Jerusalem war. Da aber Herodes Jesum sah, ward er froh, denn er hätte ihn längst gern gesehen, denn er hatte viel von ihm gehört und hoffte, er würde ein Zeichen von ihm sehen. Und er fragte ihn mancherlei, er antwortete ihm aber nichts. Die Hohenpriester aber und Schriftgelehrten standen und verklagten ihn hart. Aber Herodes mit seinem Hofgesinde verachtete und verspottete ihn, legte ihm ein weißes Kleid an und sandte ihn wieder zu Pilato. Auf den Tag wurden Pilatus und Herodes Freunde mit einander, denn zuvor waren sie einander feind. Pilatus aber rief die Hohenpriester und die Obersten und das Volk zusammen und sprach zu ihnen: Ihr habt diesen Menschen zu mir gebracht, als der das Volk abwende. Und siehe, ich habe ihn vor euch verhöret und finde an dem Menschen der Sachen keine, deren ihr ihn beschuldigt, Herodes auch nicht, denn ich habe euch zu ihm gesandt und siehe, man hat nichts auf ihn gebracht, das des Todes wert sei. Darum will ich ihn züchtigen und loslassen. Mel.: Ermuntre dich mein schwacher Geist. 1. Du frommer Vater, meinst es gut mit allen Menschenkindern, du ordnest deines Sohnes Blut und reichst es allen Sündern, willst, daß sie mit der Glaubenshand das, was du ihnen zugewandt, sich völlig zu erquicken, fest in ihr Herze drücken. 2. Sich aber, ist nicht immerfort dir alle Welt zuwider? Du bauest hier, du bauest dort, die Welt schlägt alles nieder. Darum erlangt sie auch kein Heil, sie bleibt im Tod und hat kein Teil am Reiche, da die Frommen, die Gott gefolgt, hinkommen. 3. Lektionarium.- 1. Anhang: Die Leidensgeschichte Jesu Christi. 371 3. So fahre hin, du tolle Schar! Ich bleibe bei dem Sohne; dem geb ich mich; des bin ich gar, und er ist meine Krone. Hab ich den Sohn, so hab ich g'nug, sein Kreuz und Leiden ist mein Schmuck, sein Angst ist meine Freude, sein Sterben meine Weide. Paul Gerhardt. † 1676. Am Freitag nach Tätare. Auf das Osterfest aber hatte der Landpfleger die Gewohnheit, dem Volk einen Gefangenen loszugeben, welchen sie begehreten. Es war aber zu der Zeit ein Gefangener, genannt Barrabas, ein sonderlicher vor andern, welcher war um des Aufruhrs willen, so in der Stadt geschehen war, und um eines Mordes willen ins Gefängnis geworfen. Und das Volk ging hinauf und bat, daß er thäte, wie er pflegte. Da sie nun versammelt waren, sprach Pilatus zu ihnen: Ihr habt eine Gewohnheit, daß ich euch einen auf Ostern losgebe; welchen wollt ihr, daß ich euch losgebe? Barrabam, oder Jesum, von dem gesagt wird, er sei Christus, der Juden König? Denn er wußte wohl, daß ihn die Hohenpriester aus Neid überantwortet hatten. Und als er auf dem Richtstuhl saß, schickte sein Weib zu ihm und ließ ihm sagen: Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten; ich habe heute viel erlitten im Traum von seinetwegen. Aber die Hohenpriester und Ältesten überredeten und reizten das Volk, daß sie um Barrabam bitten sollten und Jesum umbrächten. Da - antwortete der Landpfleger und sprach zu ihnen: Welchen wollt ihr unter diesen zween, daß ich euch soll losgeben? Da schrie der ganze Haufe und sprach: Hinweg mit diesem, gieb uns Barrabam los! Barrabas aber war ein Mörder. Da rief Pilatus abermal zu ihnen und wollte Jesum loslassen und sprach: Was soll ich denn machen mit Jesu, von dem gesagt wird, er sei Christus? Sie riefen alle und schrieen: Kreuzige, freuzige ihn! Er aber sprach zum drittenmale zu ihnen: Was hat er denn Übels gethan? Ich finde keine Ursache des Todes an ihm. Darum will ich ihn züchtigen und loslassen. Aber sie schrieen noch vielmehr: Kreuzige ihn! Und ihr und der Hohenpriester Geschrei nahm überhand. Eigene Weise. Was habe ich dir gethan, mein Volk, und womit habe ich dich beleidigt? Antworte mir! Habe ich dich doch aus Ägyptenland geführt, und du hast zur Geißelung überantwortet deinen Heiland. Habe ich dich doch aus dem Diensthause erlöset und du hast ans Kreuz geschlagen deinen Erlöser. Heiliger Herre Gott! Heiliger starker Gott! 24* Erster Teil: Das Hausbuch. Heiliger, barmherziger Heiland! Du ewiger Gott! Laß uns nicht versinken in des bittern Todes Not! 372 Am Sonnabend nach Tätare. Da nahm Pilatus Jesum und geißelte ihn. Und die Kriegsknechte des Landpflegers nahmen Jesum zu sich und führten ihn hinein in das Richthaus und sammelten über ihn die ganze Schar. Und sie zogen Jesum aus, legten ihm einen Purpurmantel an und flochten eine Krone von Dornen und setzten sie auf sein Haupt und ein Rohr in seine rechte Hand. Und beugten die Kniee vor ihm. und spotteten ihn und sprachen: Sei gegrüßet, lieber Judenkönig; und gaben ihm Backenstreiche und speieten ihn an und nahmen das Rohr und schlugen damit sein Haupt. Mel.: Jesu, meines Lebens Leben. 1. Du, ach du hast ausgestanden Lästerreden, Spott und Hohn, Speichel, Schläge, Strick und Banden, du gerechter Gottessohn! Nur mich Armen zu erretten aus des Teufels Sündenketten. Tausend, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür. 2. Man hat dich sehr hart verhöhnet, dich mit großem Schimpf belegt und mit Dornen gar gekrönet; was hat dich dazu bewegt? Daß du möchtest mich ergößzen, mir die Ehrenkron aufseßzen. Tausend, tausendmal sei dir, liebster Jefu, Dank dafür. 3. Deine Demut hat gebüßet meinen Stolz und Übermut, dein Tod meinen Tod versüßet; es kommt alles mir zu gut. Dein Verspotten, dein Verspeien muß zu Ehren mir gedeihen. Tausend, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür. Ernst Chr. Homburg. † 1681. Die Woche nach Judika. Am Montag nach Judika. Da ging Pilatus wieder heraus und sprach zu ihnen: Sehet, ich führe ihn heraus zu euch, daß ihr erkennet, daß ich keine Schuld an ihm finde. Also ging Jesus heraus und trug eine Dornenkrone und ein Purpurkleid. Und er spricht zu ihnen: Sehet, welch ein Mensch! Da ihn die Hohenpriester und die Diener sahen, schrieen sie und sprachen: Kreuzige, kreuzige ihn! Pilatus spricht zu ihnen: Nehmet ihr ihn hin und kreuziget ihn, denn ich finde keine Schuld an ihm. Die Juden antworteten ihm: Wir haben ein Geseß, und nach dem Gesetz soll er sterben, denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht. Da Pilatus das Wort hörete, fürchtete er sich noch mehr und ging wieder hinein in das Richthaus und spricht zu Jesu: 3. Lektionarium.- 1. Anhang: Die Leidensgeschichte Jesu Christi. 373 Von wannen bist du? Aber Jesus gab ihm keine Antwort. Da sprach Pilatus zu ihm: Redest du nicht mit mir? weißt du nicht, daß ich macht habe, dich zu freuzigen und Macht habe, dich loszugeben? Jesus antwortete: Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht wäre von oben herab gegeben; darum, der mich dir überantwortet hat, der hat es größere Sünde. Von dem an trachtete Pilatus, wie er ihn losließe. Die Juden aber schrieen und sprachen: Läsfest du diesen los, so bist du des Kaisers Freund nicht, denn wer sich selbst zum König macht, der ist wider den Kaiser. Da Pilatus das Wort hörte, führte er Jesum heraus und setzte sich auf den Richtstuhl an der Stätte, die da heißet Hochpflaster, auf Hebräisch aber Gabbatha. Es war aber der Rüsttag in Ostern. Und er spricht zu den Juden: Sehet, das ist euer König! Sie schrieen aber: Weg, weg mit dem, freuzige ihn! Spricht Pilatus zu ihnen: Soll ich euern König kreuzigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König, denn den Kaiser. Mel.: Zion klagt mit Angst und Schmerzen. 1. Es wird in der Sünder Hände überliefert Gottes Lamm, daß sich dein Verderben wende, Jud und Heide sind ihm gram und verwerfen diesen Stein, der ihr Eckstein sollte sein. Ach! das leidet der Gerechte für die bösen Sündenknechte. 2. Endlich wird der Schluß gesprochen, Jesus muß zum Tode gehn, und der Stab wird abgebrochen, es hilft hier kein Bitten, Flehn. Barrabas wird los gezählt, Jesus wird zum Kreuz erwählt. Jesus büßet und erduldet, was der Sünder hat verschuldet. Laurentius Laurenti.+ 1722. Am Dienstag nach Judika. Da aber Pilatus sah, daß er nichts schaffte, sondern daß viel ein größer Getümmel ward, nahm er Wasser und wusch die Hände vor dem Volk und sprach: Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten; da sehet ihr zu! Da antwortete das ganze Volk und sprach: Sein Blut komme über uns und unsre Kinder! Pilatus aber gedachte dem Volk genug zu thun und gab ihnen Barrabas los, der um Aufruhr und Mords willen war ins Gefängnis geworfen, um welchen sie baten, Jesum aber, den er hatte geißeln lassen, übergab er ihrem Willen, daß er gekreuzigt würde. Und da sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Purpurmantel aus und zogen ihm seine eignen Kleider an, nahmen ihn und führten ihn hin, daß sie ihn freuzigten. Und er trug sein Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißet Schädelstätte, auf Hebräisch aber Golgatha. Erster Teil: Das Hausbuch. Mel.: Was mein Gott will, das g'scheh allzeit. 1. So gehst du nun, mein Jesu, hin, den Tod für mich zu leiden! Für mich, der ich ein Sünder bin, der dich betrübt mit Freuden! Wohlan, fahr fort, du edler Hort. Mein Augen sollen fließen ein Thränensee mit Ach und Weh, dein Leiden zu begießen. 374 2. Ich, ich, Herr Jesu, sollte zwar der Sünden Strafe leiden, an Leib und Seel, an Haut und Haar, auch ewig aller Freuden beraubet sein und leiden Pein, so nimmst du hin die Schulde. Dein Blut und Tod bringt mich vor Gott, ich bleib in deiner Hulde. Casp. Friedr. Nachtenhöfer.+ 1685. Am Mittwoch nach Judika. Und als sie ihn hinführeten, ergriffen sie einen Menschen, der vorüberging, mit Namen Simon von Kyrene, der vom Felde kam und ein Vater war Alexandri und Rufi; den zwangen sie, daß er Jesu sein Kreuz trüge und legten das Kreuz auf ihn. Es folgten ihm aber nach ein großer Haufe Volks und Weiber, die klagten und beweinten ihn. Jesus aber wandte sich um zu ihnen und sprach: Ihr Töchter von Jerusalem, weinet nicht über mich, sondern weinet über euch selbst und über eure Kinder! Denn siehe, es wird die Zeit kommen, in welcher man sagen wird: Selig sind die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht gesäuget haben. Dann werden sie anfahen zu sagen zu den Bergen: Fallet über uns! und zu den Hügeln: Decket uns! Denn so man das thut am grünen Holz, was will am dürren werden? Mel.: Gott sei gelobet und gebenedeiet. 1. Laß mich recht trauern über meine Sünde, doch den Glauben auch anzünde, den wahren Glauben, mit dem ich dich fasse, mich auf dein Verdienst verlasse. Kyrie eleison. Gieb mir ein recht bußfertig Herze, daß ich mit der Sünde nicht scherze, noch durch meine Sicherheit mich bring um die Seligkeit. Kyrie eleison. 2. Greulich beflecket ist mein arm Gewissen, ach, laß ein Blutströpflein fließen aus deinen Wunden, welche du empfangen, da du bist am Kreuz gehangen. Kyrie eleison. Wann mein Herz damit wird gerühret, wirds von Stund an rein und gezieret durch dein Blut mit Glauben schön, kann in dir vor Gott bestehn. Kyrie eleison. Johann Heermann. † 1647. Am Donnerstag nach Judika. Es wurden aber auch hingeführt zween andre Übelthäter, daß sie mit ihm abgethan würden. Und da sie an die Stätte kamen 3. Lektionarium.- 1. Anhang: Die Leidensgeschichte Jesu Christi. 375 mit Namen Golgatha, gaben sie ihm Myrrhen im Wein zu trinken, und da er es schmeckte, wollte er es nicht trinken und nahms nicht zu sich. Allda kreuzigten sie ihn und mit ihm die zween Mörder, einen zur Rechten und einen zur Linken. Jesum aber mitten inne. Da ward die Schrift erfüllet, die da sagt: ,, Er ist unter die Übelthäter gerechnet." Mel.: Zion klagt mit Angst und Schmerzen. 1. Sei mir tausendmal gegrüßet, der mich je und je geliebt, Jesu, der du selbst gebüßet, das, womit ich dich betrübt. Ach, wie ist mir doch so wohl, wenn ich knieen und liegen soll an dem Kreuze, da du stirbest, und um meine Seele wirbest. 2. Ich umfange, herz und küsse der gekränkten Wunden Zahl und die purpurroten Flüsse deiner Füß- und Nägelmal. O wer kann doch, schönster Fürst, den so hoch nach uns gedürft, deinen Durst und Liebsverlangen völlig fassen und umfangen? 3. Heile mich, o Heil der Seelen, wo ich frank und traurig bin. Nimm die Schmerzen, die mich quälen und den ganzen Schaden hin, den mir Adams Fall gebracht und ich selbsten mir gemacht. Wird, o Arzt, dein Blut mich netzen, wird sich all mein Jammer seben! 4. Schreibe deine blutgen Wunden mir, Herr, in das Herz hinein, daß sie mögen alle Stunden bei mir unvergessen sein. Du bist doch mein schönstes Gut, da mein ganzes Herze ruht. Laß mich hier zu deinen Füßen deiner Lieb und Gunst genießen. 5. Diese Füße will ich halten auf das best ich immer kann. Schaue meiner Hände Falten und mich selbsten freundlich an von des hohen Kreuzes Baum und gieb meiner Bitte Raum, sprich: laß all dein Trauern schwinden, ich, ich tilg all deine Sünden. Paul Gerhardt. † 1676. Am Freitag nach Judika. Und es war um die dritte Stunde, da sie ihn kreuzigten Jesus aber sprach: Vater, vergieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun. Und oben zu seinem Haupte hefteten sie die Ursach seines Todes beschrieben. Pilatus nämlich schrieb eine Überschrift und setzte sie auf das Kreuz und war geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. Diese Überschrift lasen viele Juden, denn die Stätte war nahe bei der Stadt, da Jesus gekreuzigt ist. Und es war geschrieben auf hebräische, griechische und lateinische Sprache. Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilato: Schreibe nicht: der Juden König, sondern, daß er gesagt habe: ich 376 Erster Teil: Das Hausbuch. bin der Juden König. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben. Die Kriegsknechte aber, da sie Jesum gefreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier. Teile, einem jeglichen Kriegsknecht ein Teil, dazu auch den Rock. Der Rock aber war ungenähet, von oben an gewirket durch und durch. Da sprachen sie unter einander: Lasset uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, weß er sein soll, auf daß erfüllet würde die Schrift, die da sagt: ,, Sie haben meine Kleider unter sich geteilet und haben über meinen Rock das Los geworfen." Solches thaten die Kriegsknechte. Und sie saßen allda und hüteten sein. Mel.: Vater unser im Himmelreich: O gütiger Herr Jesu Christ, der du der rechte Mittler bist und rufft Gott, deinen Vater, an für die, so dich gekreuzigt han, in dein Gebet schließ mich auch ein, so werd ich von mein'n Sünden rein. Seb. Ambros. Am Sonnabend nach Judika. Das Volk aber stand und sahe zu. Und die vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe und sprachen: Pfui dich, wie fein zerbrichst du den Tempel Gottes und bauest ihn in dreien Tagen! Hilf dir nun selber; bist du Gottes Sohn, so steig herab vom Kreuz! Desselbigen gleichen auch die Hohenpriester spotteten sein samt den Schriftgelehrten und Ältesten und sprachen: Andern hat er geholfen und kann ihm selber nicht helfen. Ist er Christus, der Auserwählte Gottes, der König von Israel, so steige er nun vom Kreuze, daß wir sehen, so wollen wir ihm glauben. Er hat Gott vertrauet, der erlöse ihn nun, lüstet es ihn; denn er hat gesagt: Ich bin Gottes Sohn. Aber der Übelthäter einer, die da gehenfet waren, lästerte ihn und sprach: Bist du Christus, so hilf dir selbst und uns. Da antwortete der andere, strafte ihn und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? Und zwar wir sind billig darinnen, denn wir empfahen, was unsere Thaten wert sind; dieser aber hat nichts Ungeschicktes gehandelt. Und sprach zu Jesu: Herr! gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst. Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese sein! Mel.: Jesus meine Zuversicht. 1. Jesus nimmt die Sünder an! Saget doch dies Trostwort allen, welche von der rechten Bahn auf verkehrten Weg verfallen. Hier ist, was sie retten kann: Jesus nimmt die Sünder an. 2. Jch, Betrübter, komme hier und bekenne meine Sünden; 3. Lektionarium.- 1. Anhang: Die Leidensgeschichte Jesu Christi. 377 laß, mein Heiland, mich bei dir Gnade und Vergebung finden, daß dies Wort mich trösten kann: Jesus nimmt die Sünder an. Erdm. Neumeister. † 1756. Die große Leidens- oder Karwoche. Am Montag nach Palmarum. Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, Cleophas Weib und Maria Magdalena. Da nun Jesus seine Mutter sah und den Jünger dabei stehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Weib, siehe, das ist dein Sohn! Darnach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. Und es war um die sechste Stunde, und es ward eine Finsternis über das ganze Land bis an die neunte Stunde, und die Sonne verlor ihren Schein. Und um die neunte Stunde rief Jesus laut und sprach: Eli, Eli, lama asabthani! Das ist: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen! Mel.: Vater unser im Himmelreich. 1. Wie du auch deine Mutter wert, die elend blieb auf dieser Erd, befahlst dem lieben Jünger dein: also laß dir befohlen sein der Gläubgen Mutter und dein Braut, dein Kirch, die hier das Elend baut. 2. Da es auch ließ ansehen sich, als hätt Gott ganz verlassen dich, weil du am Kreuz hingst trauerlich: Dasselb gewißlich tröstet mich, daß um deintwegen Gott, mein Herr, mich wird verlassen nimmermehr. Seb. Ambros. Am Dienstag nach Palmarum. Darnach, als Jesus wußte, daß schon alles vollbracht war, daß die Schrift erfüllet würde, spricht er: Mich dürstet. Da stand ein Gefäß voll Essig, und bald lief einer unter ihnen, nahm einen Schwamm und füllete ihn mit Essig und steckte ihn auf ein Rohr von Ysopen und tränkte ihn. Die andern aber sprachen: Halt, laßt sehen, ob Elias komme und ihm helfe? Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und rief abermal laut und sprach: Vater ich befehle meinen Geist in deine Hände. Und als er das gesagt, neigte er das Haupt und verschied. Mel.: Herzlich thut mich verlangen. 1. Ich will hier bei dir stehen, verachte mich doch nicht! Von dir will ich nicht gehen, wenn dir dein Herze bricht; wenn dein 378 Erster Teil: Das Hausbuch. Haupt wird erblassen im letzten Todesstoß, alsdann will ich dich fassen in meinen Arm und Schoß. 2. Es dient zu meinen Freuden und kommt mir herzlich wohl, wenn ich in deinem Leiden, mein Heil, mich finden soll. Ach, möcht ich, o mein Leben, an deinem Kreuze hier mein Leben von mir geben, wie wohl geschähe mir! Paul Gerhardt. † 1676. Am Mittwoch nach Palmarum. Und siehe da, der Vorhang im Tempel zerriß in zwei Stücke von oben an bis unten aus. Und die Erde erbebte und die Felsen zerrissen und die Gräber thaten sich auf, und stunden auf viele Leiber der Heiligen, die da schliefen, und gingen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen. Aber der Hauptmann, der dabei stand gegen ihm über, und die bei ihm waren und bewahrten Jesum, da sie sahen das Erdbeben, und daß er mit solchem Geschrei verschied, erschraken sie sehr und preiseten Gott und sprachen: Wahrlich, dieser ist ein frommer Mensch und Gottes Sohn gewesen! Und alles Volk, das dabei war und zusah, da sie sahen, was da geschah, schlugen sie an ihre Brust und wandten wieder um. Mel.: Vater unser im Himmelreich. 1. Wo soll ich mich denn wenden hin? Zu dir, Herr Jeſu, steht mein Sinn. Bei dir mein Herz Trost, Hilf und Rat allzeit gewiß gefunden hat. Niemand jemals verlassen ist, der getraut hat auf Jesum Christ. 2. Hilf mir auch zwingen Fleisch und Blut vor Sünd und Schanden mich behüt; erhalt mein Herz im Glauben rein, so leb und sterb ich dir allein. Jesu mein Trost, hör mein Begier: O, mein Heiland, wär ich bei dir. Martin Moller. † 1606. Am Gründonnerstage. Siehe Epistel und Evangelium.( S. 230.) Am Karfreitage. Die Juden aber, dieweil es der Rüsttag war, daß nicht die Leichname am Kreuz blieben den Sabbath über( denn desselbigen Sabbaths Tag war groß) baten sie Pilatum, daß ihre Beine gebrochen und sie abgenommen würden. Da kamen die Kriegsknechte und brachen dem ersten die Beine und dem andern, der mit ihm gefreuzigt war. Als sie aber zu Jesu kamen, da sie sahen, daß er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht, sondern der Kriegs 3. Lektionarium.- 1. Anhang: Die Leidensgeschichte Jesu Christi. 379 knechte einer öffnete seine Seite mit einem Speer, und alsobald ging Blut und Wasser heraus. Und der das gesehen hat, der hat es bezeugt und sein Zeugnis ist wahr, und derselbige weiß, daß er die Wahrheit sagt, auf daß auch ihr glaubet. Denn solches ist geschehen, daß die Schrift erfüllet würde: Ihr sollt ihm kein Bein zerbrechen." Und abermal spricht eine andre Schrift: Sie werden sehen, in welchen sie gestochen haben." Und siehe, am Abend, dieweil es der Rüsttag war, welcher ist der Vorsabbath, kam ein reicher Mann von Arimathia, der Juden Stadt, mit Namen Joseph, ein ehrbarer Ratsherr. Der war ein guter, frommer Mann und hatte nicht gewilligt in ihren Rat und Handel; er wartete auch auf das Reich Gottes und war ein Jünger Jesu, doch heimlich, aus Furcht vor den Juden. Der wagte es und ging hinein zu Pilato und bat ihn um den Leib Jesu. Pilatus aber verwunderte sich, daß er schon tot war und rief den Hauptmann und fragte ihn, ob er längst gestorben wäre? Und als er es erkundet von dem Hauptmanne, befahl er, man sollte Joseph den Leichnam geben. Und er kaufte eine feine Leinwand, kam und nahm den Leichnam Jesu herab. Es kam aber auch Nikodemus, der vormals bei der Nacht zu Jesu gekommen war, und brachte Myrrhen und Aloen unter einander bei hundert Pfund. Da nahmen sie den Leichnam Jesu und banden ihn in leinene Tücher mit Spezereien, wie die Juden pflegen zu begraben. Es war aber an der Stätte, da er gekreuziget ward, ein Garten und in dem Garten ein neues Grab, das eigne Grab des Josephs, welches er hatte lassen in einen Fels hauen, in welches niemand je gelegt war. Daselbst hin legten sie Jesum um des Rüsttags willen der Juden, weil der Sabbath anbrach und das Grab nahe war. Es folgten aber die Weiber nach, die mit ihm gekommen waren aus Galiläa, Maria Magdalena und Maria Joses; die setzten sich gegen das Grab und schaueten zu, wie sein Leib gelegt ward. Und Joseph wälzte einen großen Stein vor die Thür des Grabes. Und sie kehrten um und bereiteten die Spezereien und Salben. Und den Sabbath über waren sie stille nach dem Geſetz. Mel.: O Traurigkeit. 1. So ruhest du, o meine Ruh, in deines Grabes Höhle und erweckst durch deinen Tod meine tote Seele. 2. Man senkt dich ein nach vieler Pein, du meines Lebens Leben! Dich hat jetzt ein Felsengrab, Fels des Heils umgeben. 3. Ach bist du kalt, mein Aufenthalt! das macht die heiße Liebe, die dich in das kalte Grab durch ihr Feuer triebe. Erster Teil: Das Hausbuch. 4. O Lebensfürst, ich weiß, du wirst mich wieder auferwecken. Sollte denn mein gläubig Herz vor der Gruft erschrecken? 5. Sie wird mir sein ein Kämmerlein, da ich auf Rosen liege, weil ich nun durch deinen Tod, Tod und Grab besiege. 6. Gar nichts verdirbt, der Leib nur stirbt, doch wird er auferstehen und in ganz verklärter Zier aus dem Grabe gehen. 7. Indes will ich, mein Jesu, dich in meine Seele senken und an deinen bittern Tod bis ins Grab gedenken. Salom. Franck. † 1725. 380 Am Hillen Sonnabend. Des andern Tages, der da folgt nach dem Rüsttag, kamen die Hohenpriester und Pharisäer sämtlich zu Pilato und sprachen: Herr, wir haben gedacht, daß dieser Verführer sprach, da er noch lebte: ich will nach dreien Tagen auferstehen. Darum befiehl, daß man das Grab verwahre bis an den dritten Tag, auf daß nicht seine Jünger kommen und stehlen ihn und sagen zum Volk: er ist auferstanden von den Toten, und werde der letzte Betrug ärger, denn der erste. Pilatus sprach zu ihnen: Da habt ihr die Hüter; gehet hin und verwahret es, wie ihr wisset. Sie gingen hin und verwahrten das Grab mit Hütern und versiegelten den Stein. Mel.: Christus, der ist mein Leben. 1. Dein Grab war wohl versiegelt, doch brichst du es entzwei. Wenn mich der Tod verriegelt, so bin ich dennoch frei. 2. Du wirst den Stein schon rücken, der auch mein Grab bedeckt. Da werd ich dich erblicken, der mich vom Tode weckt. Mel.: Herzlich thut mich verlangen. O meines Lebens Leben, o meines Todes Tod! Ich will mich dir ergeben in meiner letzten Not. Ich will mein Bette machen in deiner Liebe Gruft, da werd ich schon erwachen, wenn deine Stimme ruft. Benj. Schmolck. † 1737. Mel.: Ach wir armen Sünder. Ehre sei dir, Christe, der du littest Not, an dem Stamm des Kreuzes für uns bittern Tod, herrschest mit dem Vater in der Ewigkeit. Hilf uns armen Sündern zu der Seligkeit. Kyrie eleison. Christe eleison. Kyrie eleison. Amen. Aus dem 14. Jahrhundert. 3. Lektionarium.- 2. Anhang: Geschichte d. Zerstörung Jerusalems. 381 Zweiter Anhang. Geschichte der Zerstörung der Stadt Jerusalem. nach dem jüdischen Geschichtschreiber und Augenzeugen Josephus. Vergl. den zehnten Sonntag nach Trinitatis S. 286. Als das vormals von Gott so außerordentlich begnadigte Volk der Juden das Maß seiner gehäuften Sünden durch die Verwerfung und Kreuzigung des unter ihnen erschienenen Heilandes der Welt erfüllet hatte, näherte sich dasselbe demjenigen erschrecklichen Strafgerichte immer merklicher, welches durch die Propheten und den mitleidigen Erlöser selbst mit Thränen zuvor verkündiget war und in der gänzlichen Zerstörung Jerusalems und des ganzen jüdischen Reichs der Welt ein belehrendes Denkmal vor Augen legte: wie schwer der Zorn Gottes gegen beharrliche Verächter seiner Gnade und wie groß insonderheit die Verschuldung sei, die dieses unglückliche Volk durch die Vergießung des unschuldigen und heiligen Blutes Jesu Christi auf sich geladen. Josephus erzählt verschiedene dem Ausbruche dieser Gerichte Gottes vorhergegangene Zeichen; allein die sicherste und nächste Anzeige davon war wohl das sich in dem jüdischen Reiche immer weiter ausbreitende gänzliche Verderben. Man verließ nun völlig die heiligen Gesetze Gottes, setzte die ganze Religion nur in eine abergläubische Beobachtung äußerlicher Gebräuche und überließ sich mit einem frechen Leichtsinn allen Lastern. Daher nahmen Unordnungen und Spaltungen in allen Ständen immer mehr überhand; Jerusalem und das ganze Land ward mit Räubern und Mördern angefüllt, und die ganze Nation beschleunigte ihren Untergang durch ihre eigene Zerrüttung mehr, als die Gewalt der Römer. Diese beherrschten seit den Zeiten Christi das jüdische Land durch Landpfleger, welche durch Geiz und Härte das römische Joch den Juden noch unerträglicher machten. Gessius Florus, der zuletzt diese Stelle verwaltete, übertraf hierin alle seine Vorgänger. Er beförderte alle Unordnungen, auch selbst die öffentlichen Räubereien, wenn er nur seine unersättliche Gewinnsucht dabei befriedigen konnte, vergriff sich sogar an dem Schaß des Tempels und war recht geflissen, das Volk immer mehr wider die Römer aufzubringen. Hieraus entstanden in mehreren Gegenden des Landes sehr blutige Empörungen, und Florus ließ selbst bei einem Aufstande in Jerusalem 382 Erster Teil: Das Hausbuch. über 3000 Juden erschlagen und viele der angesehensten geißeln und freuzigen. Die Juden suchten zwar in diesen Bedrängnissen bei dem syrischen Statthalter Cestius Gallus Hilfe; allein Florus wußte nicht nur solche zu vereiteln, sondern auch die Unruhen also zu vermehren, daß endlich Cestius genötigt ward, mit einem Heere anzurücken. Nach vielen Verwüstungen drang er mit selbigem in Jerusalem ein, schloß die Juden in dem innern Teil der Stadt und dem Tempel ein und würde dem Kriege ein Ende gemacht haben, wenn nicht die Juden schwereren Gerichten wären aufbehalten gewesen; so aber verleitete Florus den Cestius durch List und Verräterei zur Verzögerung, die Juden gewannen Zeit zur Gegenwehr und nötigten sogar den syrischen Statthalter mit einem sehr beträchtlichen Verluste zum Abzuge. Dieser anscheinende Vorteil vermehrte ihnen zu ihrem Unglück den Mut. Die damals fast allgemeine Erwartung eines irdischen Erretters und mächtigen Beherrschers stärkte ihre eitle Hoffnung, sich von der Beherrschung der Römer zu befreien, und der Krieg wider selbige ward mit großer Heftigkeit beschlossen. Man machte dazu überall die stärksten Zurüstungen, wählte in Jerusalem den Joseph, einen Sohn Gorichs, nebst dem Hohenpriester Ananias, in Idumäa den Eleazar und in Galiläa den Josephus, einen sehr verständigen und tapfern Mann, der diese Geschichte hinterlassen hat, zu Anführern und fing die Feindseligkeiten in verschiedenen Gegenden, doch mehrenteils mit sehr großem Verlust an; wie denn allein vor der Stadt Askalon über 18,000 Juden ihr Leben einbüßten. Die Christen hingegen waren der Warnung ihres Heilandes eingedenk und setzten sich durch ihre Flucht in die benachbarte Stadt Bella in Sicherheit. Als der römische Kaiser Nero diesen allgemeinen Aufstand der jüdischen Nation erfuhr, trug er dem Vespasianus, einem sehr erfahrenen Feldherrn, den Krieg wider die Juden auf, der nebst seinem Sohn, dem Titus, mit einem zahlreichen Heere den Anfang desselben in Galiläa machte. Josephus hatte daselbst 100,000 Mann versammelt; allein der Schrecken zerstreuete solche sogleich bei der Ankunft der Römer, und Josephus ward genötigt, sich mit dem Rest seiner Truppen in die Festung Jotapata zu werfen, welche nach einer tapferen Verteidigung erobert und 40,000 Juden dabei erschlagen wurden. Josephus geriet selbst in die Gefangenschaft der Römer, erhielt aber durch die Fürsprache des Titus, und weil er dem Vespasian die künftige Gelangung zur kaiserlichen Würde vorhersagte, sein Leben und seit der Erfüllung dieser seiner Vermutung auch die Freiheit. Vespasian bemächtigte sich gar bald des ganzen Galiläa, 3. Lektionarium.- 2. Anhang: Geschichte d. Zerstörung Jerusalems. 383 wobei viele Tausende erschlagen oder als Leibeigene verkauft oder sonst in eine elende Sflaverei geführt wurden. In Jerusalem und den übrigen Gegenden des jüdischen Landes häufte sich gleichfalls Aufruhr und Elend. Die Partei derer, die auf den Krieg drangen, verübte gegen diejenigen, die zum Frieden rieten, die äußersten Gewaltthätigkeiten. Mit ihnen verband sich unter der Anführung des Eleazar eine andere Art von Räubern, die Zeloten oder Eiferer genannt wurden, weil sie unter dem Vorgeben eines besonderen Eifers für Religion und Freiheit die größten Grausamkeiten begingen; und Plünderung und Mord breiteten sich allenthalben aus. Der Hohepriester Ananias suchte in Jerusalem dieser bösen Rotte Einhalt zu thun; als aber Johannes von Giskala, ein sehr berüchtigter Bösewicht, nach Jerusalem kam und die Zeloten daselbst auf seine Seite brachte, auch 20,000 Jdumäer in die Stadt zog, da ward die Partei des Ananias überwältiget und dieser Hohepriester, den Josephus als einen der besten Männer der damaligen Zeit beschreibt, nebst 12,000 der vornehmsten Einwohner getötet. Vespasianus eroberte in dem folgenden Jahre unter vielem Blutvergießen die um Jerusalem liegenden festen Örter und näherte sich darauf dieser Hauptstadt des jüdischen Landes. Sein Heer verlangte, daß er solche bei der darin herrschenden Uneinigkeit unverzüglich angreifen möchte, allein der römische Feldherr hielt es für ratsamer, einem Volke, das sich selbst aufrieb und welches Gott, wie er sagte, in die Hände der Römer geben würde, zur eigenen Beförderung seines Unterganges länger Raum zu lassen. Der Tod des Nero und die darauf erfolgenden öfteren Veränderungen mit dem römischen Kaisertum verzögerten die Belagerung noch weiter, und als Vespasian selbst zum Kaiser erwählt ward, begab er sich nach Rom und überließ die Fortsetzung des Krieges dem Titus. Die durch die unerhörten Grausamkeiten des Johannes und der Zeloten äußerst geängsteten Einwohner in Jerusalem hatten in dieser Zeit ein neues Heer von Räubern unter einem Anführer Namens Simon in die Stadt gelassen, um durch sie von jenen Ungeheuern befreit zu werden; allein diese abermalige Verblendung vergrößerte nur ihr Elend. Denn dieser Simon, der bereits in Idumäa die fürchterlichsten Verwüstungen angerichtet, übertraf annoch den Johannes an Grausamkeit und Blutgier, zwang denselben, sich in den Tempel zurückzuziehen, und da auch dessen Partei sich trennte und ein Teil derselben unter dem Eleazar den innern Tempel behauptete, so bekriegten diese drei räuberischen Haufen sich unter einander auf das heftigste, opferten eine große Menge der Einwohner 384 Erster Teil: Das Hausbuch. ihrer Wut auf, verdarben durch Raub und Brand den in der Stadt befindlichen Vorrat von Lebensmitteln und legten dadurch den Grund zu der bald nachher erfolgenden schrecklichen Hungersnot. Unter solchen Umständen rückte Titus im siebenzigsten Jahre nach Christi Geburt im Anfange des April mit seinem wohlgerüsteten Heere und in Begleitung des Josephus vor die Stadt Jerusalem. Selbige war mit einer dreifachen, sehr starken Mauer und vielen Türmen versehen und faßte außer dem sehr befestigten Tempel die Burg Antonia und andere feste Schlösser in sich. Die Feier des Osterfestes hatte auch damals eine ungewöhnliche Menge Juden in derselben versammelt, wodurch sowohl die Hungersnot desto geschwinder vermehret, als auch der auf der ganzen Nation ruhende Fluch um so deutlicher offenbar wurde. Bei dem Anfange der Belagerung vereinigten sich zwar die drei aufrührerischen Rotten zum tapfern Widerstande gegen die Römer, fügten ihnen durch heftige Ausfälle vielen Schaden zu und setzten bei einem derselben den Titus in die äußerste Gefahr; allein jene Vereinigung dauerte nicht lange. Johannes überwältigte durch List und Gewalt die Partei des Eleazar und bemächtigte sich unter vielem Blutvergießen des Tempels. Die Verteidigung der Stadt war also zwischen ihm und dem Simon geteilt, die aber gleichfalls nicht aufhörten, sich unter einander zu bekriegen, sobald nur die Römer ihnen einige Ruhe ließen. Nachdem Titus den Juden vergeblich den Frieden hatte anbieten lassen, ward die Belagerung mit großem Eifer fortgesetzt und gegen das Ende des April die erste Mauer und fünf Tage nachher die andere eingenommen, und obwohl die Juden sich der letzten wieder bemächtigten, ward solche doch nach einer dreitägigen Bestürmung mit einer großen Niederlage der Juden völlig behauptet. Wenige Tage nachher ward der Angriff auf die Burg Antonia gerichtet. Titus ließ nach seiner gütigen und mitleidigen Gesinnung die Belagerten abermals durch Josephus zur Übergabe ermahnen; allein, ob dieser gleich mit einer sehr nachdrücklichen Rede und mit Thränen sie zu bewegen suchte, so wurden doch alle Vorstellungen nur mit Schimpfworten und sogar mit Pfeilen erwidert. Viele Einwohner suchten indes durch die Flucht ihre Rettung und erhielten auch solche, wenn sie der Wachsamkeit und den Schwertern der Besatzung zu entgehen vermochten, durch die Gelindigkeit des Titus. Die aber als Gefangene in die Hände der Römer fielen, wurden in so großer Menge in dem Angesichte der Stadt gekreuzigt, daß nach Josephus Ausdruck es zuletzt an Raum und an Holz zu Kreuzen mangelte: ein gewiß- sehr merkwürdiger Anblick vor einer Stadt, deren Ein 3. Lektionarium.- 2. Anhang: Geschichte d. Zerstörung Jerusalems. 385 wohner die Kreuzigung Christi dem Pilatus mit der größten Wut abgedrungen hatten. Titus ließ inzwischen diese Grausamkeit zu, um zu versuchen, ob vielleicht die Furcht vor einer gleichen Bestrafung die Hartnäckigkeit der Belagerten überwinden möchte. Aber so wenig dieses, als die bereits zunehmende Hungersnot, noch auch die wiederholten Ermahnungen des römischen Feldherrn, die Stadt, den Tempel und ihr eignes Leben zu retten, vermochten etwas bei diesen gänzlich Verstockten auszurichten; sie erklärten vielmehr dem Titus, selbst mit untermengter Schmähung, daß sie lieber sterben, als sich ergeben wollten, und beriefen sich dabei frech auf den Schutz Gottes, dessen Verächter sie doch waren. Die Fortsetzung ihrer verzweiflungsvollen Gegenwehr nötigte endlich den Titus, die Stadt mit einer Mauer völlig einzuschließen. Hiedurch ward dasjenige aufs genaueste erfüllt, was Christus vorher geweisfaget, und die erschrecklichste Hungersnot nebst allem damit verbundenen äußersten Elend nahm nun völlig überhand. Ausgezehrte Menschen suchten zu tausenden vergeblich ihre Erhaltung. Die bewaffneten Räuber fielen in die Häuser, bemächtigten sich aller Nahrungsmittel und quälten mit den entsetzlichsten Martern alle und jede, auf welche nur der Verdacht einiger Verbergung fiel. Die Eltern rissen ihren Kindern und diese ihren Eltern und Geschwistern den letzten Bissen aus dem Munde. Viele, die diesem Jammer durch die Flucht zu den Römern zu entrinnen suchten, wurden von den Soldaten in der Vermutung, daß sie Gold verschlungen, lebendig aufgeschnitten. Man suchte durch die unnatürlichsten Mittel die. Stillung des Hungers, und eine bemittelte Mutter, die durch diese Plage zur äußersten Verzweiflung gebracht war, schlachtete und kochte ihr eigenes Kind und bot, da sie einen Teil desselben verzehret, den grausamen Kriegsknechten die andere Hälfte dar. Alle Straßen waren mit Leichen bedeckt, und das Sterben war so häufig, daß vom 14. April bis zum 1. Julius 115,880 Leichen zu einem Thore hinausgebracht und 600,000 über die Mauer geworfen wurden. Titus ward durch diese erschrecklichen Umstände äußerst gerührt und bezeugte mit gen Himmel gehobenen Händen, daß er an diesen unnatürlichen Grausamkeiten unschuldig sei und solche unerhörte Greuel unter den Trümmern der Stadt begraben werden müßten. Nachdem die Burg Antonia unter vielem Blutvergießen erobert und völlig niedergerissen war, mußte nun auch der sowohl durch seine Lage als die stärksten Mauern ausnehmend feste Tempel angegriffen werden, zu welcher Zeit denn auch das tägliche Opfer in demselben aufhörte. Titus, der für dieses herrliche Gebäude und Allgemeines Gebetbuch. 25 386 Erster Teil: Das Hausbuch. für den Gottesdienst der Juden eine bewundernswürdige Ehrerbietung äußerte, ließ sich dessen Erhaltung mit der äußersten Sorgfalt angelegen sein und ermüdete nicht, sowohl in eigener Person, als durch den Josephus, den Johannes mit seinem gottlosen Haufen durch wiederholte rührende Vorstellungen zu bewegen, daß sie durch ihren fortgesetzten Frevel das Heiligtum Gottes nicht entweihen, vielmehr durch eine endliche Übergabe es dem nahen Untergange entreißen möchten, versprach ihnen auch die ungestörte Fortsetzung ihres Gottesdienstes. Allein diese Bösewichter verschmähten dieses alles, besetzten die Thore des Tempels mit Kriegsmaschinen und machten denselben durch Raub und Blutvergießen nach Christi Worten nun völlig zur Mördergrube. Daher sah sich Titus endlich genötigt, die äußerste Gewalt zu gebrauchen und nach verschiedenen abgeschlagenen Stürmen an die Thore desselben Feuer legen zu lassen, welches denn alle bedeckten Gänge um den Tempel ergriff. Er gab zwar sogleich Befehl, das Feuer zu löschen und das noch unversehrte Hauptgebäude zu erhalten, aber keine menschliche Vorsicht vermochte den Ratschluß Gottes zu verhindern. Ein heftiger Ausfall der Juden zog das Gefecht in die Nähe des Tempels, und ein römischer Soldat warf aus eigenem Antriebe oder vielmehr von einer höheren Hand geleitet, einen feurigen Brand in ein Fenster der an den Tempel gebauten Zimmer. Sogleich breitete sich das Feuer in diesen Nebengebäuden aus. Titus eilte, alsbald den Brand zu löschen, aber seine Befehle wurden nicht vernommen. Die römischen Legionen drangen wütend auf den Tempel zu, unterhielten die immer weiter um sich greifenden Flammen und erfüllten alles mit Blut und Leichen. Titus begab sich mit einigen seiner Heerführer selbst in den Tempel, besah dessen Heiligtum und die darin befindlichen Geräte und fand, daß die Pracht alle Nachrichten davon weit überträfe. Er erneuerte die eifrigsten Bemühungen, dieses Innere des Tempels zu retten; aber vergeblich: der ganze Tempel ward, wie Josephus bemerkt, an eben dem Tage, da der erste von den Babyloniern verbrannt worden, durch die Flammen völlig verzehrt. Ein allgemeiner Raub und die blutigste Niederlage verbreitete sich ohne die mindeste Schonung in dem ganzen Raum des Tempels. Die römischen Soldaten pflanzten an das östliche Thor desselben ihre Kriegszeichen, brachten daselbst ihre heidnischen Opfer und riefen den Titus als Sieger aus. Eine Anzahl Priester, so auf einer Mauer des Tempels ihre Sicherheit gesucht, flehte vergeblich um ihr Leben; Titus antwortete, die Zeit der Gnade sei beendet, und sie müßten nunmehr mit ihrem Tempel umkommen. 3. Lektionarium.- 2. Anhang: Geschichte d. Zerstörung Jerusalems. 387 Die Aufrührer hatten sich inzwischen mit gewaffneter Hand den Weg aus dem Tempel geöffnet und verlangten eine Unterredung mit Titus. Dieser erbot sich, ihnen das Leben zu schenken, wenn sie sogleich die Waffen niederlegten und sich ergeben würden; als sie sich aber dessen unter der Vorschüßung eines Eides weigerten und einen freien Abzug verlangten, versagte er ihnen alle Gnade, übergab die untere Stadt der Plünderung und dem Feuer und griff den noch übrigen, oberen Teil derselben an, in welchen sich die sämtlichen Aufrührer unter Simon und Johannes gezogen hatten. Sobald die römischen Maschinen auch hier die Mauern durchbrochen, überfiel diese Hartnäckigen die mutloseste Verwirrung. Voll Furcht und Schrecken verließen sie die von ihnen besetzten sehr festen Türme, versuchten vergeblich durch die römischen Verschanzungen zu entkommen und verbargen sich endlich in unterirdischen Höhlen. Die Römer bemächtigten sich also auch der ganzen oberen Stadt, plünderten selbige und zündeten sie nach der entsetzlichsten Niederlage unter den Einwohnern an. Dieses geschah am 8. September des Jahres 70 nach Christi Geburt. Als Titus in die nun völlig eroberte Stadt ging und die ungemeine Festigkeit ihrer Mauern und Türme bewunderte, brach er in dieses ihm rühmliche Bekenntnis aus: Wir haben mit Gottes Beistand Krieg geführt; es ist Gott, der die Juden aus diesen Feſtungen herausgetrieben hat; denn was würden menschliche Hände und Maschinen gegen solche Türme vermögen? Gleich nach der Eroberung wurden die noch übrigen Aufrührer sämtlich getötet. Die ansehnlichsten Jünglinge wurden zum Triumph des Titus, die übrigen Gefangenen aber zu den römischen Schauspielen oder zu schweren Arbeiten bestimmt. Die, so unter 17 Jahren, wurden verkauft. Die Zahl aller in dem ganzen Kriege Gefangenen rechnet Josephus auf 97,000 und die Zahl der in der Belagerung Umgekommenen auf 1,100,000, außer der großen Menge, die sonst in diesem Kriege ihr Leben verloren, und macht jene große Anzahl aus der unter dem Cestius berechneten Zahl der Osterläm mer begreiflich. Simon und Johannes gerieten aus ihren Höhlen endlich auch in die Hände der Römer. Sie wurden gleichfalls zum Triumph des Titus aufbehalten und nach selbigen der erste zum Tode, der andere zeitlebens zum Gefängnis verurteilt. Die sämtlichen Überbleibsel der Stadt außer dreien Türmen und einem Teil der Mauer wurden auf Titus Befehl dem Erdboden gleich gemacht. Jerusalem ward also nach Christi Weissagung völlig geschleift. 25* Erster Teil: Das Hausbuch. Wie nun diese merkwürdige Geschichte nebst der ganzen sonderbaren Erhaltung der jüdischen Nation bei ihrer großen Zerstreuung die Göttlichkeit der Lehre Jesu ausnehmend bestätigt, so muß einem jeden, der solche bekennet, bei einer mitleidigen Erwägung dieser Gerichte Gottes jene Warnung des Apostels stets wichtig bleiben: Sei nicht stolz, sondern fürchte dich. Hat Gott der natürlichen Zweige nicht verschonet, daß er vielleicht dein auch nicht verschone. Darum schaue die Güte und den Ernst Gottes: den Ernst an denen, die gefallen sind, die Güte aber an dir, sofern du an der Güte bleibest; sonst wirst du auch abgehauen werden( Röm. 11, 20-22). 388 Zweiter Teil. Das Kirchenbuch. Erste Abteilung. Das kirchliche Bekenntnis. A. Die drei ökumenischen, d. h. in der ganzen Chriſtenheit giltigen, Glaubensbekenntnisse. 1. Das apostolische Glaubensbekenntnis. Ich glaube an Gott den Vater, allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erden. Und an Jesum Christum, seinen eingebornen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem heiligen Geiste, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontio Pilato, gekreuziget, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel, sigend zur rechten Hand Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten. Ich glaube an den heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen. 2. Das nicänische Glaubensbekenntnis. Ich glaube an einen einigen allmächtigen Gott, den Vater, Schöpfer Himmels und der Erden, alles, das sichtbar und unsichtbar iſt. Und an einen einigen Herrn Jesum Christum, Gottes einigen Sohn, der vom Vater geboren ist vor der ganzen Welt, Gott von Gott, Licht von Licht, wahrhaftigen Gott vom wahrhaftigen Gott, geboren, nicht geschaffen, mit dem Vater in einerlei Wesen, durch welchen alles geschaffen ist; welcher um uns Menschen und um unserer Seligkeit willen vom Himmel gekommen ist und leibhaftig worden durch den heiligen Geist von der Jungfrau Maria und Mensch worden, auch für uns gekreuziget unter Pontio Pilato, gelitten und begraben und Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. am dritten Tage auferstanden nach der Schrift, und ist aufgefahren gen Himmel, und sißet zur Rechten des Vaters, und wird wiederkommen mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten, dessen Reich kein Ende haben wird. 390 Und an den Herrn, den heiligen Geist, der da lebendig macht, der vom Vater und dem Sohn ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohn zugleich angebetet und zugleich geehret wird, der durch die Propheten geredet hat. Und eine einige heilige christliche apostolische Kirche. Ich bekenne eine einige Taufe zur Vergebung der Sünden, und warte auf die Auferstehung der Toten und ein Leben der zukünftigen Welt. Amen. 3. Das athanasianische Glaubensbekenntnis. Wer da will selig werden, der muß vor allen Dingen den rechten christlichen Glauben haben. Wer denselben nicht ganz und rein hält, der wird ohne Zweifel ewiglich verloren sein. Dies ist aber der rechte christliche Glaube, daß wir einen einigen Gott in drei Personen, und drei Personen in einiger Gottheit ehren. Und nicht die Personen in einander mengen, noch das göttliche Wesen zertrennen. Eine andere Person ist der Vater, eine andere der Sohn, eine andere der Heilige Geist. Aber der Vater und Sohn und Heilige Geist ist ein einiger Gott, gleich in der Herrlichkeit, gleich in ewiger Majestät. Welcherlei der Vater ist, solcherlei ist der Sohn, solcherlei ist auch der Heilige Geist. Der Vater ist nicht geschaffen, der Sohn ist nicht geschaffen, der Heilige Geist ist nicht geschaffen. Der Vater ist unmeßlich, der Sohn ist unmeßlich, der Heilige Geist ist unmeßlich. Der Vater ist ewig, der Sohn ist ewig, der Heilige Geist ist ewig. Und sind doch nicht drei Ewige, sondern es ist Ein Ewiger. Gleichwie auch nicht drei Ungeschaffene, noch drei Unermeßliche, sondern es ist Ein Ungeschaffener und Ein Unermeßlicher. Also auch, der Vater ist allmächtig, der Sohn ist allmächtig, der Heilige Geist ist allmächtig. 1. Das kirchliche Bekenntnis.- Athanasianisches Glaubensbekenntnis. 391 Und sind doch nicht drei Allmächtige, sondern es ist Ein Allmächtiger. Also der Vater ist Gott, der Sohn ist Gott, der Heilige Geist ist Gott. Und sind doch nicht drei Götter, sondern es ist Ein Gott. Also, der Vater ist der Herr, der Sohn ist der Herr, der Heilige Geist ist der Herr. Und sind doch nicht drei Herren, sondern es ist Ein Herr. Denn gleich wie wir müssen, nach christlicher Wahrheit, eine jegliche Person für sich Gott und Herrn bekennen: Also können wir im christlichen Glauben nicht drei Götter oder drei Herren nennen. Der Vater ist von Niemand weder gemacht, noch geschaffen, noch geboren. Der Sohn ist allein vom Vater, nicht gemacht, noch geschaffen, sondern geboren. Der Heilige Geist ist vom Vater und Sohn nicht gemacht, nicht geschaffen, nicht geboren, sondern ausgehend. So ists nur Ein Vater, nicht drei Väter, Ein Sohn, nicht drei Söhne, Ein Heiliger Geist, nicht drei Heilige Geister. Und unter diesen drei Personen ist keine die erste, keine die letzte, keine die größeste, keine die kleinste. Sondern alle drei Personen sind mit einander gleich ewig, gleich groß. Auf daß also, wie gesagt ist, drei Personen in Einer Gottheit, und Ein Gott in drei Personen geehret werde. Wer nun will selig werden, der muß also von den drei Personen in Gott halten. Es ist aber auch not zur ewigen Seligkeit, daß man treulich glaube, daß Jesus Christus, unser Herr, sei wahrhaftiger Mensch. So ist nun dies der rechte Glaube, so wir glauben und bekennen, daß unser Herr Jesus Christus Gottes Sohn, Gott und Mensch ist. Gott ist er, aus des Vaters Natur vor der Welt geboren, Mensch ist er, aus der Mutter Natur in der Welt geboren. Ein vollkommener Gott, ein vollkommener Mensch, mit vernünftiger Seele und menschlichem Leibe. Gleich ist er dem Vater nach der Gottheit, kleiner ist er, denn der Vater, nach der Menschheit. Und wiewohl er Gott und Mensch ist, so ist er doch nicht zween, sondern ein Christus. Photos Zweiter Teil: das Kirchenbuch. Einer, nicht daß die Gottheit in die Menschheit verwandelt sei, sondern daß die Gottheit hat die Menschheit an sich genommen. Ja, Einer ist er, nicht daß die zwo Naturen vermenget sind, sondern daß er eine einige Person ist. Denn gleichwie Leib und Seele ein Mensch ist, so ist Gott und Mensch Ein Christus. Welcher gelitten hat um unserer Seligkeit willen, zur Höllen gefahren, am dritten Tage auferstanden von den Toten. Aufgefahren gen Himmel, sißet zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters. Von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten. 392 Und zu seiner Zukunft müssen alle Menschen auferstehn mit ihren eigenen Leibern. Und müssen Rechenschaft geben, was sie gethan haben. Und welche Gutes gethan haben, werden ins ewige Leben gehen, welche aber Böses gethan, ins ewige Feuer. Das ist der rechte christliche Glaube, wer denselben nicht fest und treulich glaubet, der kann nicht selig werden. B. Das Grundbekenntnis der evangelisch- lutherischen Kirche. Die Augsburgische Konfession oder Bekenntnis des Glaubens etlicher Fürsten und Stände, überantwortet Kaiserlicher Majestät zu Augsburg am 25. Juni 1530. Vorrede. Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster, Unüberwindlichster Kaiser, Allergnädigster Herr. Als E. K. Majestät kurz vorschiener Zeit einen gemeinen Reichstag allhier gen Augsburg gnädiglichen ausgeschrieben, mit Anzeige und ernstem Begehr, von Sachen, unsern und des christlichen Namens Erbfeind, den Türken, betreffend, und wie demselben mit beharrlicher Hilfe stattlichen widerstanden, auch wie der Zwiespalten halben in dem heiligen Glauben und der christlichen Religion gehandelt möge werden, zu ratschlagen und Fleiß anzukehren, alle eines jeglichen Gutdünken, Opinion und Meinung zwischen uns selbst, in Liebe und Gütigkeit zu hören, zu ersehen und zu erwägen, und dieselben zu einer einigen christlichen Wahrheit zu bringen und 1. Das kirchliche Bekenntnis.- Die Augsburgische Konfession. Vorrede. 393 zu vergleichen, alles, so zu beiden Teilen nicht recht ausgelegt oder gehandelt wäre, abzuthun, und durch uns alle eine einige und wahre Religion anzunehmen und zu halten, und, wie wir alle unter einem Christo sind und streiten, also auch alle in einer Gemeinschaft, Kirchen und Einigkeit zu leben. Und wir, die unten benannten Kurfürſt und Fürsten, samt unsern Verwandten, gleich andern Kurfürsten, Fürsten und Ständen dazu erfordert, so haben wir uns darauf dermaßen erhaben, daß wir sonder Ruhm mit dem ersten hieher kommen. Und als denn auch E. K. Maj. zu unterthänigster Folgthuung berührtes E. K. Maj. Ausschreibens, und demselbigen gemäß, dieser Sachen halben, den Glauben berührt, an Kurfürsten, Fürsten und Ständen ingemein, gnädiglichen auch mit höchstem Fleiß und ernstlich begehrt, daß ein jeglicher, vermöge vorgemeldetes E. K. Maj. Ausschreibens, sein Gutbedünken, Opinion und Meinung derselbigen Irrungen, Zwiespalten und Mißbräuch halben 2c., zu Deutsch und Latein in Schrift stellen und überantworten sollten. Darauf denn, nach genommenem Bedacht und gehaltenem Rat E. K. Maj. an vergangener Mittwochen ist fürgetragen worden, als wollten wir auf unserm Teil das Unsere, vermöge E. K. Maj. Fürtrags in Deutsch und Latein auf heut Freitag übergeben. Hierum, und E. K. Maj. zu unterthänigstem Gehorsam, überreichen und übergeben wir unserer Pfarrherren, Prediger und ihrer Lehren, auch unsers GlaubensBekenntnis, was und welchergestalt sie aus Grunde göttlicher und heiliger Schrift in unsern Landen, Fürstenthümen, Herrschaften, Städten und Gebieten predigen, lehren, halten und Unterricht thun. Und sind gegen E. K. Maj. unserm allergnädigsten Herrn, wir in aller Unterthänigkeit erbötig, so die andern Kurfürsten, Fürsten und Stände dergleichen gezwiefachte schriftliche Übergebung ihrer Meinung und Opinion in Latein und Deutsch jetzt auch thun werden, daß wir uns mit Ihren Liebden und ihnen gern von bequemen, gleichmäßigen Wegen unterreden und derselbigen, soviel der Gleichheit nach immer möglich, vereinigen wollen; damit unser beiderseits, als Parten, schriftlich Fürbringen und Gebrechen zwischen uns selbst in Lieb und Gütigkeit gehandelt, und dieselben Zwiespalten zu einer einigen wahren Religion, wie wir alle unter einem Christo sind und streiten, und Christum bekennen sollen, alles nach laut oftgemeldetes E. K. Maj. Ausschreibens und nach göttlicher Wahrheit geführt werden mögen. Als wir denn auch Gott den Allmächtigen mit höchster Demut anrufen und bitten wollen, seine göttliche Gnade darzu zu verleihen, Amen. Wo aber bei unsern Herren, Freunden und besondern den Kur 394 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. fürsten, Fürsten und Ständen des andern Teils, die Handlung dermaßen, wie E. K. Maj. Ausschreiben vermag, unter uns selbst in Liebe und Gütigkeit bequeme Handlung nicht verfahen noch ersprießlich sein wollte, als doch an uns in keinem, das mit Gott und Gewissen zu christlicher Einigkeit dienstlich sein kann oder mag, erwinden soll, wie E. K. Maj. auch gemeldete unsere Freunde, die Kurfürsten, Fürsten, Stände und ein jeder Liebhaber christlicher Religion, dem diese Sachen fürkommen, aus nachfolgenden unsern und der unseren Bekenntnissen gnädiglich, freundlich und genugsam werden zu vernehmen haben. Nachdem denn E. K. Maj. vormals Kurfürsten, Fürsten und Ständen des Reichs gnädiglichen zu verstehen gegeben, und sonderlich durch eine öffentliche verlesene Instruktion auf dem Reichstage, so im Jahre der mindern Zahl 26. zu Speyer gehalten, daß E. K. Maj. in Sachen unsern heiligen Glauben belangend, zu schließen lassen, aus Ursachen, so dabei gemeldet, nicht gemeinet, sondern bei dem Papst um ein Konzilium fleißigen, und Anhaltung thun wollten, und vor einem Jahre auf dem letzten Reichstage zu Speyer vermöge einer schriftlichen Instruktion, Kurfürsten, Fürsten und Ständen des Reichs, durch E. K. Maj. Statthalter im Reich, Königliche Würden zu Ungarn und Böhmen 2c. samt E. K. Maj. Oratoren und verordneten Kommissarien, dies unter andern haben fürtragen und anzeigen lassen, daß E. K. Maj. derselben Stadthalter, Amtsverwalter und Räthen des Kaiserl. Regiments, auch der abwesenden Kurfürsten, Fürsten und Ständen Botschaften, so auf dem ausgeschriebenen Reichstag zu Regensburg versammelt gewesen, Gutbedünken das General- Konzilium belangend, nachgedacht, und solches anzusetzen auch für fruchtbar erkannt. Und weil sich aber dieſe Sachen zwischen E. K. Maj. und dem Papst zu gutem christlichen Verstand schicken, daß E. K. Maj. gewiß wäre, daß durch den Papst solch General- Konzilium neben E. K. Maj. zum ersten auszuschreiben bewilligen, und daran kein Mangel erscheinen sollt. So erbieten gegen E. K. Maj. wir uns hiermit in aller Unterthänigkeit, und zum Überfluß in berührtem Fall, ferner auf ein solch gemein, frei christ lich Konzilium, darauf auf allen Reichstagen, so E. K. Maj. bei ihrer Regierung im Reich gehalten, durch Kurfürsten, Fürsten und Stände, aus hohen und tapferen Bewegungen geschlossen, an welches auch zusamt E. K. Maj. wir uns von wegen dieser großwichtigsten Sachen, in rechtlicher Weise und Form vorschiener Zeit berufen und appelliert haben, der wir hiemit nochmals anhängig bleiben, und uns durch diese oder nachfolgende Handlung( es werden denn diese zwie 1. Das kirchliche Bekenntnis.- Die Augsburgische Konfession. Art. 1-2. 395 spaltigen Sachen endlich in Liebe und Gütigkeit, laut E. K. Maj. Ausschreibens, gehört, erwogen, beigelegt, und zu einer christlichen Einigkeit vergleichet) nicht zu begeben wissen, davon wir hiemit öffentlich bezeugen und protestieren. Und sind das unsere und der unseren Bekenntnisse, wie unterschiedlich von Artikeln zu Artikeln hernach folget. Artikel des Glaubens und der Lehre. Der I. Artikel. Von Gott. Erstlich wird einträchtiglich gelehrt und gehalten, laut des Beschlusses Concilii Nicaeni, daß ein einig göttlich Wesen sei, welches genannt wird und wahrhaftiglich ist Gott, und sind doch drei Personen in demselbigen einigen göttlichen Wesen, gleich gewaltig, gleich ewig, Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiliger Geist, alle drei ein göttlich Wesen, ewig, ohne Stück, ohne Ende, unermeßlicher Macht, Weisheit und Güte, ein Schöpfer und Erhalter aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge. Und wird durch das Wort Persona verstanden nicht ein Stück, nicht eine Eigenschaft in einem andern, sondern das selbſt besteht; wie denn die Väter in dieser Sache dies Wort gebraucht haben. Derhalben werden verworfen alle Ketzereien, so diesem Artikel zuwider sind, als Manichaei, die zween Götter gesetzt haben, einen bösen und einen guten. Item Valentiniani, Ariani, Eunomiani, Mahometisten, und alle dergleichen, auch Samosateni alt und neu, so nur eine Person setzen und von diesen zweien, Wort und Heiligem Geist, Sophisterei machen, und sagen, daß es nicht müssen unterschiedene Personen sein, sondern Wort bedeute leiblich Wort oder Stimme, und der Heilige Geist sei erschaffene Regung in Kreaturen. Der II. Artikel. Von der Erbsünde. Weiter wird bei uns gelehrt, daß nach Adams Fall alle Menschen, so natürlich geboren werden, in Sünden empfangen und geboren werden, das ist, daß sie alle vom Mutterleibe an, voller böser Lust und Neigung sind, und keine wahre Gottesfurcht, feinen wahren Glauben an Gott von Natur haben können; daß auch dieselbige angeborene Seuche und Erbsünde wahrhaftiglich Sünde sei, und verdamme alle diejenigen unter ewigen Gottes Zorn, so nicht durch die Taufe und Heiligen Geist wiederum neu geboren werden. Hieneben werden verworfen die Pelagianer und andere, so die Erbfünde nicht für Sünde halten, damit sie die Natur fromm machen durch natürliche Kräfte, zu Schmach dem Leiden und Verdienst Christi. s PASD GETRE Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. Der III. Artikel. Von dem Sohne Gottes. Item, es wird gelehrt, daß Gott der Sohn sei Mensch worden, geboren aus der reinen Jungfrauen Maria, und daß die zwei Naturen, göttliche und menschliche, in einer Person, also unzertrennlich vereinigt, ein Christus sind, welcher wahrer Gott und Mensch ist, wahrhaftig geboren, gelitten, gefreuzigt, gestorben und begraben, daß er ein Opfer wäre, nicht allein für die Erbsünde, sondern auch für alle andere Sünde, und Gottes Zorn versöhnete. Item, daß derselbige Christus sei abgestiegen zur Hölle, wahrhaftig am dritten Tage von den Toten auferstanden, aufgefahren gen Himmel, sißend zur Rechten Gottes, daß er ewig herrsche über alle Kreaturen, und regiere, daß er alle, so an ihn glauben, durch den Heiligen Geist heilige, reinige, stärke und tröste, ihnen auch Leben und allerlei Gaben und Güter austeile, und wider den Teufel und wider die Sünde schüße und beschirme. Item, daß derselbige HErr Christus endlich wird öffentlich kommen, zu richten die Lebendigen und die Toten 2c., laut des Symboli Apostolorum. 396 Der IV. Artikel. Von der Rechtfertigung. Weiter wird gelehrt, daß wir Vergebung der Sünden und Gerechtigkeit vor Gott nicht erlangen mögen durch unser Verdienst, Werke und Genugthun, sondern daß wir Vergebung der Sünden bekommen und vor Gott gerecht werden aus Gnaden um Christus willen durch den Glauben, so wir glauben, daß Christus für uns gelitten hat, und daß uns um seinetwillen die Sünde vergeben, Gerechtigkeit und ewiges Leben geschenkt wird. Denn diesen Glauben will Gott für Gerechtigkeit vor ihm halten und zurechnen, wie St. Paulus sagt zun Römern am 3. und 4. Der V. Artikel. Vom Predigtamte. Solchen Glauben zu erlangen, hat Gott das Predigtamt eingesetzt, Evangelium und Sakramente gegeben, dadurch er als durch Mittel den Heiligen Geist giebt, welcher den Glauben, wo und wenn er will, in denen, so das Evangelium hören, wirket, welches da lehret, daß wir durch Christus Verdienst, nicht durch unser Verdienst, einen gnädigen Gott haben, so wir solches glauben. Und werden verdammt die Wiedertäufer und andere, so lehren, daß wir ohne das leibliche Wort des Evangelii den Heiligen Geist durch eigene Bereitung, Gedanken und Werke erlangen. 1. Das kirchliche Bekenntnis. Die Augsburgische Konfession. Art. 3-9. 397 Der VI. Artikel. Vom neuen Gehorsam. Auch wird gelehrt, daß solcher Glaube gute Früchte und gute Werke bringen soll, und daß man müsse gute Werke thun, allerlei, so Gott geboten hat, um Gottes willen, doch nicht auf solche Werke zu vertrauen, dadurch Gnade vor Gott zu verdienen. Denn wir empfahen Vergebung der Sünde und Gerechtigkeit durch den Glauben an Christum, wie Christus selbst spricht: So ihr dies alles gethan habt, sollt ihr sprechen: Wir sind untüchtige Knechte. Also lehren auch die Väter. Denn Ambrosius spricht: Also ists beschlossen bei Gott, daß wer an Christum glaubet, selig sei, und nicht durch Werke, sondern allein durch den Glauben, ohne Verdienst, Vergebung der Sünden habe. - Der VII. Artikel. Von der Kirche. Es wird auch gelehrt, daß allezeit müsse eine heilige christliche Kirche sein und bleiben, welche ist die Versammlung aller Gläubigen, bei welchen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut des Evangelii gereicht werden. Denn dieses ist genug zu wahrer Einigkeit der christlichen Kirche, daß da einträchtiglich nach reinem Verstand das Evangelium gepredigt, und die Sakramente dem göttlichen Worte gemäß gereicht werden. Und ist nicht not zu wahrer Einigkeit der christlichen Kirche, daß allenthalben gleichförmige Zeremonien, von den Menschen eingesetzt, gehalten werden, wie Paulus spricht, Ephes. 4: Ein Leib, ein Geist, wie ihr berufen seid zu einerlei Hoffnung euers Berufs, ein Herr, ein Glaube, eine Taufe. Der VIII. Artikel. Was die Kirche sei? Item, wiewohl die christliche Kirche eigentlich nichts andres ist, denn die Versammlung aller Gläubigen und Heiligen, jedoch, dieweil in diesem Leben viel falscher Christen und Heuchler sind, auch öffentliche Sünder unter den Frommen bleiben, so sind die Sakramente gleichwohl kräftig, ob schon die Priester, dadurch sie gereicht werden, nicht fromm sind, wie denn Christus selbst anzeigt: Auf dem Stuhl Mosis sizen die Pharisäer zc. Derhalben werden die Donatisten und alle andren verdammt, so anders halten. Der IX. Artikel. Von der Taufe. Von der Taufe wird bei uns gelehrt, daß sie nötig sei, und daß dadurch Gnade angeboten werde, daß man auch die Kinder taufen soll, welche durch solche Taufe Gott überantwortet und gefällig werden. Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. Derhalben werden die Wiedertäufer verworfen, welche lehren, daß die Kindertaufe nicht recht ſei. 398 Der X. Artikel. Vom heiligen Abendmahl. Vom Abendmahl des Herrn wird also gelehrt, daß wahrer Leib und Blut Christi wahrhaftiglich unter der Gestalt des Brots und Weins im Abendmahl gegenwärtig sei, und da ausgeteilet und genommen wird. Derhalben wird auch die Gegenlehre verworfen. Der XI. Artikel. Von der Beichte. Von der Beichte wird also gelehrt, daß man in der Kirchen privatam absolutionem erhalten und nicht fallen lassen soll. Wiewohl in der Beicht nicht not ist, alle Missethat und Sünden zu erzählen, dieweil doch solches nicht möglich ist, Pf. 19: Wer kennt die Miſsethat? Der XII. Artikel. Von der Bußze. Von der Buße wird gelehrt, daß diejenigen, so nach der Taufe gesündigt haben, zu aller Zeit, so sie zur Buße kommen mögen, Vergebung der Sünde erlangen, und ihnen die Absolution von der Kirche nicht soll geweigert werden. Und ist wahre rechte Buß eigentlich Reue und Leid oder Schrecken haben über die Sünde, und doch daneben glauben an das Evangelium und Absolution, daß die Sünde vergeben und durch Christum Gnade erworben sei, welcher Glaube wiederum das Herz tröstet und zufrieden macht. Danach soll auch Besserung folgen, und daß man von Sünden lasse, denn dies sollen die Früchte der Buße sein, wie Johannes spricht, Matth. 3: Wirket rechtschaffene Früchte der Buße. Hier werden verworfen die, so lehren, daß diejenigen, so einst sind fromm worden, nicht wieder fallen mögen. Dagegen werden auch verdammt die Novatiani, welche die Absolution denen, so nach der Taufe gesündigt hatten, weigerten. Auch werden die verworfen, so nicht lehren, daß man durch Glauben Vergebung der Sünden erlange, sondern durch unser Genugthun. Der XIII. Artifel. Vom Gebrauch der Sakramente. Vom Brauch der Sakramente wird gelehrt, daß die Sakramente eingesetzt sind, nicht allein darum, daß sie Zeichen sein, dabei man äußerlich die Christen kennen möge, sondern daß es Zeichen und Beugnis sind göttlichen Willens gegen uns, unsern Glauben dadurch zu erwecken und zu stärken, derhalben sie auch Glauben fordern und 1. Das kirchliche Bekenntnis.- Die AugsburgischeKonfession. Art. 10-16. 399 dann recht gebraucht werden, so mans im Glauben empfähet und den Glauben dadurch stärket. Der XIV. Artikel. Vom Kirchenregiment. Vom Kirchenregiment wird gelehrt, daß niemand in der Kirche öffentlich lehren, oder predigen, oder Sakrament reichen soll, ohne ordentlichen Beruf. Der XV. Artikel. Von Kirchenordnungen. Von Kirchenordnungen, von Menschen gemacht, lehrt man diejenigen halten, so ohne Sünde mögen gehalten werden, und zu Frieden, zu guter Ordnung in der Kirche dienen: als gewisse Feiern, Feste und dergleichen. Doch geschieht Unterricht dabei, daß man die Gewissen nicht damit beschweren soll, als sei solch Ding nötig zur Seligkeit. Darüber wird gelehrt, daß alle Saßungen und Tradition von Menschen dazu gemacht, daß man dadurch Gott versöhne und Gnade verdiene, dem Evangelio und der Lehre vom Glauben an Christum entgegen sind, derhalben sind Klostergelübde und andere Tradition von Unterschied der Speise, Tage 2c., dadurch man vermeinet Gnade zu verdienen und für Sünde genugzuthun, untüchtig und wider das Evangelium. Der XVI. Artikel. Von dem weltlichen Regiment. Von Polizei- und weltlichem Regiment wird gelehrt, daß alle Obrigkeit in der Welt, und geordnete Regimente und Gesetze gute Ordnung, von Gott geschaffen und eingesetzt sind, und daß Christen mögen in Obrigkeit, Fürsten- und Richteramt ohne Sünde sein, nach kaiserlichen und andern üblichen Rechten Urtel und Recht sprechen, Übelthäter mit dem Schwert strafen, rechte Kriege führen, streiten, kaufen und verkaufen, aufgelegte Eide thun, Eignes haben, ehelich seinzc. Hier werden verdammet die Wiedertäufer, so lehren, daß der Obangezeigten keines christlich sei. Auch werden diejenigen verdammt, so lehren, daß christliche Vollkommenheit sei, Haus und Hof, Weib und Kind leiblich verlassen, und sich der vorberührten Stücke äußern, so doch dies allein rechte Vollkommenheit ist: rechte Furcht Gottes und rechter Glaube an Gott. Denn das Evangelium lehret nicht ein äußerlich, zeitlich, sondern innerlich, ewig Wesen und Gerechtigkeit des Herzens, und stößt nicht um weltlich Regiment, Polizei und Ehestand, sondern will, daß man solches alles halte, als wahrhaftige Gottesordnung, und in solchen Ständen christliche Liebe und rechte gute Werke ein jeder nach seinem Beruf beweise. Derhalben sind die Christen schuldig, 400 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. der Obrigkeit unterthan und ihren Geboten gehorsam zu sein, in allem, so ohne Sünde geschehen mag. Denn so der Obrigkeit Gebot ohn Sünde nicht geschehen mag, soll man Gott mehr gehorsam sein, denn den Menschen. Actor. 4. Der XVII. Artikel. Von Christi Wiederkunft zum Gericht. Auch wird gelehrt, daß unser Herr Jesus Christus am jüngsten Tage kommen wird, zu richten, und alle Toten auferwecken, den Gläubigen und Auserwählten ewiges Leben und ewige Freude geben, die gottlosen Menschen aber und die Teufel in die Hölle und ewige Strafe verdammen. Derhalben werden die Wiedertäufer verworfen, so lehren, daß die Teufel und verdammten Menschen nicht ewige Pein und Qual haben werden. Item, hie werden verworfen etliche jüdische Lehren, die sich auch jebund ereignen, daß vor der Auferstehung der Toten eitel Heilige, Fromme ein weltlich Reich haben und alle Gottlosen vertilgen werden. Der XVIII. Artikel. Vom freien Willen. Vom freien Willen wird gelehrt, daß der Mensch etlichermaßen einen freien Willen hat, äußerlich ehrbar zu leben und zu wählen unter denen Dingen, so die Vernunft begreift; aber ohne Gnade, Hilfe und Wirkung des Heiligen Geistes vermag der Mensch nicht Gott gefällig zu werden, Gott herzlich zu fürchten, oder zu glauben, oder die angeborne böse Lust aus dem Herzen zu werfen, sondern solches geschieht durch den Heiligen Geist, welcher durch Gottes Wort gegeben wird, denn Paulus spricht, 1. Kor. 2: Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geiste Gottes. Und damit man erkennen möge, daß hierin keine Neuigkeit gelehrt werde, so sind das die flaren Worte Augustini vom freien Willen, wie jetzund hiebei geschrieben aus dem 3. Buch Hypognosticon: Wir bekennen, daß in allen Menschen ein freier Wille ist, denn sie haben je alle natürlichen, angebornen Verstand und Vernunft, nicht, daß sie etwas vermögen mit Gott zu handeln, als: Gott von Herzen zu lieben, zu fürchten, sondern allein in äußerlichen Werken dieses Lebens haben sie Freiheit, Gutes oder Böses zu wählen; gut, mein ich, das die Natur vermag, als: auf dem Acker zu arbeiten, oder nicht, zu essen, zu trinken, zu einem Freunde zu gehen, oder nicht, ein Kleid an- oder auszuthun, zu bauen, ein Weib zu nehmen, ein Handwerk zu treiben, und dergleichen etwas Nüßliches und Gutes zu thun, welches alles doch ohne Gott nicht ist, noch bestehet, 1. Das kirchliche Bekenntnis.- Die AugsburgischeKonfession. Art.17-20.401 sondern alles aus ihm und durch ihn ist. Dagegen kann der Mensch auch Böses aus eigner Wahl vornehmen, als vor einem Abgott niederzufnien, einen Totschlag zu thun 2c. Der XIX. Artikel. Von Ursach der Sünden. Von Ursach der Sünden wird bei uns gelehrt, daß, wiewohl Gott der Allmächtige die ganze Natur geschaffen hat und erhält, so wirket doch der verkehrte Wille die Sünde in allen Bösen und Verächtern Gottes, wie denn des Teufels Wille ist und aller Gottlosen, welcher alsbald, so Gott die Hand abgethan, sich von Gott zum Argen gewandt hat, wie Christus spricht, Joh. 8: Der Teufel redet Lügen aus seinem Eignen. Der XX. Artikel. Vom Glauben und guten Werken. Den Unsern wird mit Unwahrheit aufgelegt, daß sie gute Werke verbieten, denn ihre Schriften von den zehn Geboten und andere beweisen, daß sie von rechten christlichen Ständen und Werken guten nüßlichen Bericht und Ermahnung gethan haben, davon man vor dieser Zeit wenig gelehret hat, sondern allermeist in allen Predigten auf kindische unnötige Werke, als Rosenkränze, Heiligendienst, Mönche werden, Wallfahrten, gesetzte Fasten, Feier, Brüderschaften 2c. getrieben. Solche unnötige Werke rühmt auch unser Widerpart nun nicht mehr so hoch, als vor Zeiten, dazu haben sie auch gelernet, nun vom Glauben zu reden, davon sie doch in Vorzeiten gar nichts gepredigt haben; lehren dennoch nun, daß wir nicht allein aus Werken gerecht werden vor Gott, sondern seßen den Glauben an Christum dazu, sprechen: Glauben und Werke machen uns gerecht vor Gott, welche Rede mehr Trostes bringen mag, denn so man allein lehret auf Werke zu vertrauen. Dieweil nun die Lehre vom Glauben, die das Hauptstück ist in christlichem Wesen, so lange Zeit, wie man bekennen muß, nicht getrieben worden, sondern allein Werklehre an allen Orten gepredigt, ist davon durch die Unsern solcher Unterricht geschehen: Erstlich, daß uns unsere Werke nicht mögen mit Gott versöhnen und Gnade erwerben, sondern solches geschieht allein durch den Glauben, so man glaubet, daß uns um Christus willen die Sünden vergeben werden, welcher allein der Mittler ist, den Vater zu versöhnen. Wer nun vermeinet, solches durch Werke auszurichten und Gnade zu verdienen, der verachtet Christum und suchet einen eigenen Weg zu Gott wider das Evangelium. Allgemeines Gebetbuch. 26 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. Diese Lehre vom Glauben ist öffentlich und klar im Paulo an vielen Orten gehandelt, sonderlich zu den Ephesern am 2.: Aus Gnaden seid ihr selig worden durch den Glauben, und dasselbige nicht aus euch, sondern es ist Gottes Gabe, nicht aus Werken, damit sich niemand rühme zc. Und daß hierin fein neuer Verstand eingeführet sei, kann man aus Auguſtino beweisen, der diese Sache fleißig handelt und auch also lehret, daß wir durch den Glauben an Christum Gnade erlangen und vor Gott gerecht werden, und nicht durch Werke, wie sein ganzes Buch de Spiritu et Litera ausweiset. Wiewohl nun diese Lehre bei unversuchten Leuten sehr verachtet wird, so befindet sich doch, daß sie den blöden und erschrockenen Gewissen sehr tröstlich und heilsam ist, denn das Gewissen kann nicht zu Ruhe und Frieden kommen durch Werke, sondern allein durch den Glauben, so es bei sich gewißlich schließt, daß es um Christus willen einen gnädigen Gott habe, wie auch Paulus spricht, Römer 5: So wir durch den Glauben sind gerecht worden, haben wir Ruhe und Frieden mit Gott. 402 Diesen Trost hat man vor Zeiten nicht getrieben in Predigten, sondern die armen Gewissen auf eigene Werke getrieben, und sind mancherlei Werke vorgenommen, denn etliche hat das Gewissen in die Klöster gejagt, der Hoffnung, daselbst Gnade zu erwerben durch Klosterleben, etliche haben andere Werke erdacht, damit Gnade zu verdienen und für die Sünde genug zu thun; derselbigen viel haben erfahren, daß man dadurch nicht ist zu Frieden kommen, darum ist not gewesen, diese Lehre vom Glauben an Christum zu predigen und fleißig zu treiben, daß man wisse, daß man allein durch den Glauben, ohne Verdienst Gottes Gnade ergreifet. Es geschieht auch Unterricht, daß man hier nicht von solchem Glauben redet, den auch die Teufel und Gottlosen haben, die auch die Historien glauben, daß Christus gelitten habe und auferstanden sei von den Toten; sondern man redet vom wahren Glauben, der da glaubet, daß wir durch Christum Gnade und Vergebung der Sünde erlangen. Und wer nun weiß, daß er einen gnädigen Gott durch Christum hat, fennet also Gott, rufet ihn an, und ist nicht ohne Gott, wie die Heiden. Denn der Teufel und Gottlose glauben diesen Artikel, Vergebung der Sünde, nicht, darum sind sie Gott feind, können ihn nicht anrufen, nichts Gutes von ihm hoffen. Und also, wie jetzt angezeigt ist, redet die Schrift vom Glauben und heißet Glauben nicht ein solches Wissen, das Teufel und gottlose Menschen haben, denn also wird vom Glauben gelehret zu den Hebräern am 11., daß Glauben sei nicht allein die Historien wissen, sondern Zuversicht 1. Das kirchliche Bekenntnis.- Die AugsburgischeKonfession. Art.20-21. 403 haben zu Gott, seine Zusage zu empfangen. Und Augustinus erinnert uns auch, daß wir das Wort Glauben in der Schrift verstehen sollen, daß es heiße Zuversicht zu Gott, daß er uns gnädig sei, und heiße nicht allein solche Historien wissen, wie auch die Teufel wissen. Ferner wird gelehret, daß gute Werke sollen und müssen geschehen, nicht daß man darauf vertraue, Gnade damit zu verdienen, sondern um Gottes Willen und Gott zu Lob. Der Glaube ergreift allezeit allein Gnade und Vergebung der Sünde. Und dieweil durch den Glauben der heilige Geist gegeben wird, so wird auch das Herz geschickt, gute Werke zu thun. Denn zuvor, dieweil es ohne den Heiligen Geist ist, so ist es zu schwach, dazu ist es in Teufels Gewalt, der die arme menschliche Natur zu viel Sünden treibet. Wie wir sehen in den Philosophen, welche sich unterstanden, ehrlich und unsträflich zu leben, haben aber dennoch solches nicht ausgerichtet, sondern sind in viel große öffentliche Sünde gefallen. Also gehet es mit dem Menschen, so er außer dem rechten Glauben ohne den Heiligen Geist ist und sich allein durch eigene menschliche Kräfte regieret. Derhalben ist die Lehre vom Glauben nicht zu schelten, daß sie gute Werke verbiete, sondern vielmehr zu rühmen, daß sie lehre gute Werke zu thun, und Hilfe anbiete, wie man zu guten Werken kommen möge. Denn außer dem Glauben und außerhalb Christo ist menschliche Natur und Vermögen viel zu schwach, gute Werke zu thun, Gott anzurufen, Geduld zu haben im Leiden, den Nächsten zu lieben, befohlne Ämter fleißig auszurichten, gehorſam zu sein, böse Lust zu meiden. Solche hohe und rechte Werke mögen nicht geschehen ohne die Hilfe Christi, wie er selbst spricht Joh. 15: Ohne mich könnet ihr nichts thun 2c. * Der XXI. Artikel. Vom Dienst der Heiligen. Vom Heiligendienst wird von den Unsern also gelehrt, daß man der Heiligen gedenken soll, auf daß wir unsern Glauben stärken, so wir sehen, wie ihnen Gnade wiederfahren, auch wie ihnen durch Glauben geholfen ist. Dazu, daß man Eerempel nehme von ihren guten Werken, ein jeder nach seinem Beruf, gleichwie die kaiserliche Majestät seliglich und göttlich dem Exempel Davids folgen mag, Kriege wieder den Türken zu führen, denn beide sind sie in königlichem Amte, welches Schuß und Schirm ihrer Unterthanen fordert. Durch Schrift aber mag man nicht beweisen, daß man die Heiligen anrufen oder Hilfe bei ihnen suchen soll. Denn es ist allein ein einiger Versöhner und Mittler gesetzt zwischen Gott und den Menschen, Jesus Christus, 1. Tim. 2, welcher ist der einige Heiland, der 26* 404 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. einige oberste Priester, Gnadenstuhl und Fürsprecher vor Gott, Röm. 8. Und der hat allein zugesagt, daß er unser Gebet erhören wolle. Das ist auch der höchste Gottesdienst nach der Schrift, daß man denselbigen Jesum Christum in allen Nöten und Anliegen von Herzen suche und anrufe, 1. Joh. 2, 1: So jemand sündiget, haben wir einen Fürsprecher bei Gott, der gerecht ist, Jesum 2c. Dies ist fast die Summa der Lehre, welche in unseren Kirchen zu rechtem christlichen Unterricht und Trost der Gewissen, auch zur Besserung der Gläubigen gepredigt und gelehret ist, wie wir denn unsere eigene Seele und Gewissen je nicht gern wollten vor Gott mit Mißbrauch göttlichen Namens oder Wortes in die höchste und größte Gefahr sehen, oder auf unsere Kinder und Nachkommen eine andere Lehre, denn so dem reinen, göttlichen Wort und christlicher Wahrheit gemäß, fällen oder erben. So denn dieselbige in heiliger Schrift flar gegründet, und dazu auch gemeiner christlicher, ja römischer Kirchen, soviel aus der Väter Schriften zu vermerken, nicht zuwider noch entgegen ist, so achten wir auch, unsre Widersacher können in obangezeigten Artikeln nicht uneinig mit uns sein. Derhalben handeln diejenigen ganz unfreundlich, geschwind und wider alle christliche Einigkeit und Liebe, so die Unsern derhalben als Ketzer abzusondern, zu verwerfen und zu meiden, ihnen selbst ohne einigen beständigen Grund göttlicher Gebote oder Schriften fürnehmen. Denn die Irrung und Zank ist fürnehmlich über etliche Traditionen und Mißbräuche. So denn nun an den Hauptartikeln kein befindlicher Ungrund oder Mangel, und dies unser Bekenntnis göttlich und christlich ist, sollten sich billig die Bischöfe, wann schon bei uns der Tradition halben ein Mangel wäre, gelinder erzeigen, wiewohl wir verhoffen, beständigen Grund und Ursache darzuthun, warum bei uns etliche Traditionen und Mißbräuche geändert sind. Artikel, von welchen Zwieſpalt ist, da erzählt werden die Mißbräuche, so geändert sind. So nun von den Artikeln des Glaubens in unsern Kirchen nicht gelehrt wird zuwider der heiligen Schrift, oder gemeiner christlichen Kirchen, sondern allein etwaige Mißbräuche geändert sind, welche zum Teil mit der Zeit selbst eingerissen, zum Teil mit Gewalt aufgericht: fordert unsere Notdurft, dieselbigen zu erzählen, und Ursach darzuthun, warum hierin Änderung geduldet ist, damit kaiserliche Majestät erkennen möge, daß nicht hierin unchristlich oder freventlich 1. Das kirchliche Bekenntnis.- Die AugsburgischeKonfeffion. Art.21-23.405 gehandelt, sondern daß wir durch Gottes Gebot, welches billig höher zu achten, denn alle Gewohnheit, gedrungen sein, solche Änderung zu gestatten. Der XXII. Artikel. Von beider Gestalt des Sakraments. Den Laien wird bei uns beide Gestalt des Sakraments gereicht, aus dieser Ursach, daß dies ein klarer Befehl und Gebot Christi, Matth. 26. Trinket alle daraus. Da gebeut Christus mit flaren Worten von dem Kelch, daß sie alle daraus trinken sollen. Und damit niemand diese Worte anfechten und glossieren könne, als gehöre es allein den Priestern zu, so zeigt Paulus 1. Kor. 11 an, daß die ganze Versammlung der Korinther Kirchen beide Gestalt gebraucht hat. Und dieser Brauch ist lange Zeit in den Kirchen blieben, wie man durch die Historien und der Väter Schriften be weisen kann. Cyprianus gedenkt an viel Orten, daß den Laien der Kelch die Zeit gereicht sei. So spricht St. Hieronymus, daß die Priester, so das Sakrament reichen, dem Volk das Blut Christi austeilen. So gebeut Gelasius der Papst selbst, daß man das Sakrament nicht teilen soll, Distinct. 2. de Consecrat. cap. Comperimus. Man findet auch nirgend keinen Kanon, der da gebiete, allein eine Gestalt zu nehmen. Es kann auch niemand wissen, wenn oder durch welche diese Gewohnheit, eine Gestalt zu nehmen, eingeführt ist, wiewohl der Kardinal Cusanus gedenkt, wenn diese Weise approbiert sei. Nun ists öffentlich, daß solche Gewohnheit wider Gottes Gebot, auch wider die alten Kanones eingeführt, unrecht ist. Derhalben hat sich nicht gebühret, derjenigen Gewissen, so das heilige Sakrament nach Christus Einsetzung zu gebrauchen begehrt haben, zu beschweren und zwingen, wider unsers Herrn Christi Ordnung zu handeln. Und dieweil die Teilung des Sakraments der Einsetzung Christi zu entgegen ist, wird auch bei uns die gewöhnliche Prozession mit dem Sakrament unterlassen. Der XXIII. Artifel. Vom Ehestande der Priester. Es ist bei jedermann, hohes und niedres Standes, eine große mächtige Klage in der Welt gewesen, von großer Unzucht, und wildem Wesen und Leben der Priester, so nicht vermochten Keuschheit zu halten, und war auch je mit solchen geistlichen Lastern aufs höchste kommen. So viel Häßliches, groß Nergernis, Ehebruch und andere Unzucht zu vermeiden, haben sich etliche Priester bei uns in ehelichen Stand begeben. Dieselben zeigen an diese Ursachen, daß sie dahin gedrungen und bewegt sind, aus hoher Not ihrer Gewissen, nachdem 406 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. die Schrift klar meldet, der eheliche Stand sei von Gott dem Herrn eingesetzt, Unzucht zu vermeiden, wie Paulus sagt: Die Unzucht zu vermeiden, hab ein Jeglicher sein eigen Eheweib( 1. Kor. 7). Jtemt, es ist besser, ehelich werden, denn brennen. Und nachdem Christus sagt: Sie fassen nicht alle das Wort( Matth. 19). Da zeigt Christus an,( welcher wohl gewußt hat, was am Menschen sei), daß wenig Leute die Gabe keusch zu leben haben, denn Gott hat den Menschen Männlein und Fräulein geschaffen, Genef. 1. Ob es nun in menschlicher Macht oder Vermögen sei, ohne sonderliche Gabe und Gnade Gottes, durch eigen Fürnehmen oder Gelübde, Gottes, der hohen Majestät, Geschöpfe besser zu machen, oder zu ändern, hat die Erfahrung allzu klar gegeben. Denn was guts, was ehrbar, züchtiges Lebens, was christlichs, ehrlich oder redlichs Wandels an vielen daraus erfolget, wie gräulich schreckliche Unruhe und Qual ihrer Gewissen viel an ihrem letzten Ende derhalben gehabt, ist am Tage, und ihrer Viel haben es selbst bekennet. So denn Gottes Wort und Gebot durch kein menschlich Gelübd oder Gesetz mag geändert werden, haben aus dieser und andern Ursachen und Gründen die Priester und andere Geistliche Eheweiber genommen. So ist es auch aus den Historien und der Väter Schriften zu beweisen, daß in der christlichen Kirchen vor Alters der Brauch gewest, daß die Priester und Diakon Eheweiber gehabt. Darum sagt Paulus, 1. Tim. 3.: Es soll ein Bischof unsträflich sein, eines Weibs Mann. Es sind auch in Deutschland erst vor vierhundert Jahren die Priester zum Gelübde der Keuschheit vom Ehestande mit Gewalt abgedrungen, welche sich dagegen sämtlich auch so ganz ernstlich und hart gesetzt haben, daß ein Erzbischof zu Mainz, welcher das päpstliche neue Edikt derhalben verkündiget, gar nahe in einer Empörung der ganzen Priesterschaft in einem Gedränge wäre umbracht. Und dasselbige Verbot ist bald im Anfang so geschwind und unschicklich fürgenommen, daß der Papst die Zeit nicht allein die künftige Ehe den Priestern verboten, sondern auch diejenige Ehe, so schon in dem Stande lange gewesen, zerrissen, welches doch nicht allein wider alle göttliche, natürliche und weltliche Rechte, sondern auch den Kanonibus ( so die Päpste selbst gemacht) und den berühmtesten Konziliis ganz entgegen und zuwider ist. Auch ist bei viel hohen, gottesfürchtigen, verständigen Leuten dergleichen Rede und Bedenken oft gehört, daß solcher gedrungener Cölibat und Beraubung des Ehestandes( welchen Gott selbst eingesetzt und freigelassen), nie kein Gutes, sondern viel großer böser Laster, und viel Arges eingeführt habe. Es hat auch einer von 1. Das kirchliche Bekenntnis.- Die Augsburgische Konfession. Art. 23. 407 Päpsten, Pius II. selbst, wie seine Historien anzeigt, diese Worte oft geredet und von sich schreiben lassen: Es möge wohl etliche Ursachen haben, warum den Geistlichen die Ehe verboten sei; es habe aber viel höher, größer und wichtiger Ursachen, warum man ihnen die Ehe soll wieder frei lassen. Ungezweifelt, es hat Papst Pius, als ein verständiger weiser Mann, dies Wort aus großem Bedenken geredt. Derhalben wollen wir uns in Unterthänigkeit zu kaiserlicher Majestät vertrösten, daß Ihre Majestät, als ein christlicher hochlöblicher Kaiser, gnädiglich beherzigen werde, daß jeßund in den letzten Zeiten und Tagen, von welchen die Schrift meldet, die Welt immer je ärger und die Menschen gebrechlicher und schwächer werden. Derhalben wohl hochnötig, nüßlich und christlich ist, diese fleißige Einsehung zu thun, damit, wo der Ehestand verboten, nicht ärgere und schändlichere Unzucht und Laster in deutschen Landen möchten einreißen. Denn es wird je diese Sachen niemand weislicher oder besser ändern oder machen können, denn Gott selbst, welcher den Ehestand, menschlicher Gebrechlichkeit zu helfen und Unzucht zu wehren, eingesetzt hat. So sagen die alten Kanones auch, man müsse zu Zeiten der Schärfe und Rigorem lindern und nachlassen, um menschlicher Schwachheit willen und Ärgers zu verhüten und zu meiden. Nun wäre das in diesem Fall auch wohl christlich und ganz hoch von nöten. Was kann auch der Priester und der Geistlichen Ehestand gemeiner christlichen Kirchen nachteilig sein, sonderlich der Pfarrherren und anderer, die der Kirche dienen sollen? Es würde wohl künftig an Priestern und Pfarrherren mangeln, so dies harte Verbot des Ehestands länger währen sollt. So nun dieses, nämlich, daß die Priester und Geistlichen mögen ehelich werden, gegründet ist auf das göttliche Wort und Gebot, dazu die Historien beweisen, daß die Priester ehelich gewesen; so auch das Gelübde der Keuschheit so viel häßliche unchristliche Ärgernis, so viel Ehebruch, schreckliche unerhörte Unzucht und gräuliche Laster hat angericht, daß auch etliche unter Thumherren, Kurtisan zu Rom, solches oft selbst bekennt und kläglich angezogen, wie solche Laster im Klero zu greulich und übermacht, Gottes Zorn würde erregt werden: so ists je erbärmlich, daß man den christlichen Ehestand nicht allein verboten, sondern an etlichen Orten aufs Geschwindest, wie um große Übelthat, zu strafen sich unterstanden hat. So ist auch der Ehestand in kaiserlichen Rechten, und in allen Monarchien, wo je Gesetz und Recht gewesen, hoch gelobet. Allein dieser Zeit beginnet man die Leute unschuldig, allein um der Ehe 408 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. willen, zu martern, und darzu Priester, der man für andern schonen sollt. Und geschieht nicht allein wider göttliche Rechte, sondern auch wider die Kanunes. Paulus der Apostel 1. Tim. 4 nennt die Lehre, so die Ehe verbieten, Teufelslehre. So sagt Christus selbst Joh. 8.: Der Teufel sei ein Mörder von Anbeginn, welches denn wohl zusammen stimmet, daß es freilich Teufelslehren sein müssen, die Che verbieten, und sich unterstehen, solche Lehre mit Blutvergießen zu erhalten. Wie aber kein menschlich Gesetz Gottes Gebot kann wegthun oder ändern, so kann auch kein Gelübde Gottes Gebot ändern. Darum gibt auch St. Cyprianus den Rat, daß die Weiber, so die gelobte Keuschheit nicht halten, sollen ehelich werden, und sagt L. I. Epist. 11. also: So sie aber Keuschheit nicht halten wollen, oder nicht vermögen, so ists besser, daß sie ehelich werden, denn daß sie durch ihre Lust ins Feuer fallen, und sollen sich wohl fürsehen, daß sie den Brüdern und Schwestern kein Ärgernis anrichten. Zudem, so brauchen auch alle Kanones größere Gelindigkeit und Äquität gegen diejenigen, so in der Jugend Gelübd gethan, wie denn Priester und Mönche des mehrern Teils in der Jugend in solchen Stand aus Unwissenheit kommen sind. Der XXIV. Artikel. Von der Messe. Man leget den Unsern mit Unrecht auf, daß sie die Messe sollen abgethan haben. Denn daß ist öffentlich, daß die Meß, ohne Ruhm zu reden, bei uns mit größer Andacht und Ernst gehalten wird, denn bei den Widersachern. So werden auch die Leute mit höchstem Fleiß zum öfternmal unterrichtet vom heiligen Sakrament, wozu es eingeseßt, und wie es zu gebrauchen sei, als nämlich die erschrockenen Gewissen damit zu trösten, dadurch das Volk zur Kommunion und Meß gezogen wird. Dabei geschieht auch Unterricht wider andere unrechte Lehre vom Sakrament. So ist auch in den öffentlichen Zeremonien der Messe keine merkliche Änderung geschehen, denn daß an etlichen Orten deutsche Gesänge( das Volk damit zu lehren und zu üben) neben lateinischem Gesang gesungen werden, sintemal alle Zeremonien fürnehmlich dazu dienen sollen, daß das Volk daran lerne, was ihm zu wissen von Christo not ist. Nachdem aber die Messe auf mancherlei Weise vor dieser Zeit mißbraucht, wie am Tage ist, daß ein Jahrmarkt daraus gemacht, daß man sie kauft und verkauft hat, und daß mehrer Teil in allen Kirchen um Geldes willen gehalten worden, ist solcher Mißbrauch zu mehrmalen, auch vor dieser Zeit, von gelehrten und frommen 1. Das kirchliche Bekenntnis.-Die AugsburgischeKonfession. Art.23-24.409 Leuten gestraft worden. Als nun die Prediger bei uns davon gepredigt, und die Prediger erinnert sind der schrecklichen Bedräuung, so denn billig einen jeden Christen bewegen soll, daß wer das Sakrament unwürdiglich brauchet, der sei schuldig am Leibe und Blute Christi, darauf sind solche Kaufmessen,( welche bis anher aus Zwang um Geldes und der Präbenden willen gehalten worden) in unsern Kirchen gefallen. Dabei ist auch der greuliche Irrtum gestrafet, daß man gelehret hat, unser Herr Christus habe durch seinen Tod allein für die Erbsünde genug gethan, und die Messe eingesetzt zu einem Opfer für die anderen Sünden, und also die Messe zu einem Opfer gemacht für die Lebendigen und die Toten, dadurch Sünde wegzunehmen und Gott zu versöhnen. Daraus ist weiter gefolgt, daß man disputiert hat, ob eine Messe für viel gehalten, also viel verdiene, als so man für einen jeglichen eine sonderliche hielte? Daher ist die große unzählige Menge der Meß kommen, daß man mit diesem Werk hat wollen bei Gott alles erlangen, das man bedurft hat, und ist daneben des Glaubens an Christum und rechten Gottesdienstes vergeſsen worden. Darum ist davon Unterricht geschehen, wie ohne Zweifel die Not gefordert, daß man wüßte, wie das Sakrament recht zu gebrauchen wäre. Und erstlich, daß kein Opfer für Erbsünde und andere Sünde sei, denn der einige Tod Christi, zeiget die Schrift an vielen Orten an. Denn also stehet geschrieben zu den Hebräern, daß sich Christus einmal geopfert hat, und dadurch für alle Sünde genug gethan. Es ist eine unerhörte Neuigkeit, in der Kirchen lehren, daß Christus Tod sollte allein für die Erbsünde, und sonst nicht auch für andere Sünden genug gethan haben, derhalben zu hoffen, daß männiglich verstehe, daß solcher Irrtum nicht unbillig gestraft ſei. Zum andern, so lehrt St. Paulus, daß wir für Gott Gnade erlangen, durch den Glauben und nicht durch Werke. Dawider ist öffentlich dieser Mißbrauch der Meß, so man vermeint, durch dieses Werk Gnade zu erlangen, wie man denn weiß, daß man die Messe darzu gebraucht, dadurch Sünde abzulegen und Gnade und alle Güter bei Gott zu erlangen, nicht allein der Priester für sich, sondern auch für die ganze Welt, und für andere, Lebendige und Tote. Zum dritten, so ist das heilige Sakrament eingesetzt nicht damit für die Sünde ein Opfer anzurichten( denn das Opfer ist zuvor geschehen), sondern daß unser Glaube dadurch erweckt und die Gewissen getröstet werden, welche durchs Sakrament erinnert werden, daß ihnen Gnade und Vergebung der Sünde von Christo zugesagt 410 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. ist. Derhalben fordert das Sakrament Glauben und wird ohne Glauben vergeblich gebraucht. Dieweil nun die Meß nicht ein Opfer ist für andere, Lebendige oder Tote, ihre Sünde wegzunehmen, sondern soll eine Kommunion sein, da der Priester und andere das Sakrament empfahen für sich, so wird diese Weise bei uns gehalten, daß man an Feiertagen( auch sonst so Kommunikanten da sind) Messe hält, und etliche, so das begehren, kommuniziert. Also bleibt die Meß bei uns in ihrem rechten Brauch, wie sie vorzeiten in der Kirchen gehalten, wie man beweisen mag aus St. Paulo, 1. Kor. 11, darzu auch vieler Väter Schriften. Denn Chrysostomus spricht, wie der Priester täglich stehe, und fordere etliche zur Kommunion, etlichen verbiete er hinzu zu treten. Auch zeigen die alten Kanones an, daß einer das Amt gehalten hat und die andern Priester und Diakon kommuniziert. Denn also lauten die Worte im Canone Nicaeno: Die Diakon sollen nach den Priestern ordentlich das Sakrament empfahen vom Bischofe oder Priester. So man nun feine Neuigkeit hierin, die in der Kirchen für Alters nicht gewesen, fürgenommen hat, und in den öffentlichen Zeremonien der Messen keine merkliche Änderung geschehen ist, allein, daß die andern unnötigen Messen, etwa durch einen Mißbrauch ge= halten, neben der Pfarrmesse, gefallen sind, soll billig diese Weise Messe zu halten nicht für kezzerisch und unchristlich verdammt werden. Denn man hat vor Zeiten auch in den großen Kirchen, da viel Volks gewesen, auch auf die Tage, so das Volk zusammen kam, nicht täglich Messe gehalten, wie Tripartita historia lib. 9. anzeiget, daß man zu Alexandria am Mittwoch und Freitag die Schrift gelesen und ausgeleget habe, und sonst alle Gottesdienste gehalten ohne die Messe. Der XXV. Artikel. Von der Beichte. Die Beichte ist durch die Prediger dies Teils nicht abgethan. Denn diese Gewohnheit wird bei uns gehalten, das Sakrament nicht zu reichen denen, so nicht zuvor verhört und absolviert sind. Dabei wird das Volk fleißig unterrichtet, wie tröstlich das Wort der Absolution sei, wie hoch und teuer die Absolution zu achten, denn es sei nicht des gegenwärtigen Menschen Stimme oder Wort, sondern Gottes Wort, der da die Sünde vergiebt, denn sie wird an Gottes Statt und aus Gottes Befehl gesprochen. Von diesem Befehl und Gewalt der Schlüssel, wie tröstlich, wie nötig sie sei den erschrockenen Gewissen, wird mit großem Fleiß gelehrt, darzu, wie Gott fordert, 1. Das kirchliche Bekenntnis.-Die AugsburgischeKonfession. Art.24-26.411 dieser Absolution zu glauben, nicht weniger, denn so Gottes Stimme vom Himmel erschölle, und uns dero fröhlich trösten und wissen, daß wir durch solchen Glauben Vergebung der Sünden erlangen. Von diesen nötigen Stücken haben vor Zeiten die Prediger, so von der Beichte viel lehrten, nicht ein Wörtlein gerühret, sondern allein die Gewissen gemartert mit langer Erzählung der Sünden, mit Genugthun, mit Ablaß, mit Wallfahrten und dergleichen. Und viel unſrer Widersacher bekennen selbst, daß dieses Teils von rechter christlicher Buße schicklicher, denn zuvor in langer Zeit, geschrieben und gehandelt sei. Und wird von der Beichte also gelehret, daß man niemand dringen soll, die Sünde namhaftig zu erzählen, denn solches ist unmöglich, wie der Psalm spricht: Wer kennet die Missethat? Und Jeremias spricht: Des Menschen Herz ist so arg, daß man es nicht auslernen kann. Die elende menschliche Natur stecket also tief in Sünden, daß sie dieselbe nicht alle sehen oder kennen kann, und sollten wir allein von denen absolvieret werden, die wir zählen können, wäre uns wenig geholfen. Derhalben ist nicht not, die Leute zu dringen, die Sünde namhaftig zu erzählen. Also habens auch die Väter gehalten, wie man findet Distinct. 1. de Poenitentia, da die Worte Chrysostomi angezogen werden: Ich sage nicht, daß du dich selbst sollst öffentlich dargeben, noch bei einem andern dich selbst verklagen oder schuldig geben, sondern gehorche dem Propheten, welcher spricht: Offenbare dem Herrn deine Wege. Derhalben beichte Gott dem Herrn, dem wahrhaftigen Richter, neben deinem Gebet, nicht fage deine Sünde mit der Zungen, sondern in deinem Gewissen. Hie siehet man klar, daß Chrysostomus nicht zwinget, die Sünde namhaftig zu erzählen. So lehret auch die Glossa in Decretis de Poenitentia, daß die Beichte nicht durch Schrift geboten, sondern durch die Kirche eingesetzet sei. Doch wird durch die Prediger dieses Teils fleißig gelehret, daß die Beichte von wegen der Absolution, welche das Hauptstück und das Fürnehmste darin ist, zu Trost der erschrockenen Gewissen, dazu um etlicher anderer Ursachen willen, zu erhalten sei. Der XXVI. Artikel. Vom Unterschied der Speisen. Vorzeiten hat man also gelehret, geprediget und geschrieben, daß Unterschied der Speise und dergleichen Tradition von Menschen eingesetzt dazu dienen, daß man dadurch Gnade verdiene, und für die Sünde genug thue. Aus diesem Grunde hat man täglich neue Fasten, neue Zeremonien, neue Orden und dergleichen erdacht, und 412 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. auf solches heftig und hart getrieben, als seien solche Dinge nötige Gottesdienste, dadurch man Gnade verdiene, so mans halte, und große Sünde geschehe, so mans nicht halte. Daraus sind viel schädlicher Irrtümer in der Kirchen gefolget. Erstlich ist dadurch die Gnade Christi und die Lehre vom Glauben verdunkelt, welche uns das Evangelium mit großem Ernst fürhält, und treibt hart darauf, daß man das Verdienst Christi hoch und teuer achte, und wisse, daß Glauben an Christum hoch und weit über alle Werke zu sehen sei. Derhalben hat St. Paulus heftig wider das Gesetz Mosis und menschliche Traditionen gefochten, daß wir lernen sollen, daß wir für Gott nicht fromm werden aus unsern Werken, sondern allein durch den Glauben an Christum, daß wir Gnade erlangen um Christus willen. Solche Lehre ist schier ganz verloschen dadurch, daß man gelehret, Gnade zu verdienen mit Geseßen, Fasten, Unterschied der Speise, Kleidern 2c. Zum andern haben auch solche Traditiones Gottes Gebot verdunkelt. Denn man setzt diese Traditiones weit über Gottes Gebot. Dies hielt man allein für christlich Leben, wer diese Feier also hielt, also betete, also fastete, also gekleidet war, das nennet man geistlich, christlich leben. Darneben hielt man andre nötige gute Werke für ein weltlich ungeistlich Wesen, nämlich diese, so jeder nach seinem Beruf zu thun schuldig ist, als, daß der Hausvater arbeitet, Weib und Kind zu ernähren, und zu Gottesfurcht aufzuziehen, die Hausmutter Kinder gebieret und wartet ihr, ein Fürst und Obrigkeit Land und Leute regieret 2c. Solche Werke, von Gott geboten, mußten ein weltlich und unvollkommen Wesen sein, aber die Traditiones mußten den prächtigen Namen haben, daß sie allein heilige, vollkommene Werke hießen. Derhalben war kein Maß noch Ende, solche Traditionen zu machen. Zum dritten, solche Traditiones sind zu hoher Beschwerung der Gewissen geraten. Denn es war nicht möglich, alle Traditiones zu halten, und waren doch die Leute in der Meinung, als wäre solches ein nötiger Gottesdienst, und schreibt Gerson, daß viel hiemit in Verzweiflung gefallen, etliche haben sich auch selbst umbracht, derhalben, daß sie keinen Trost von der Gnade Christi gehöret haben. Denn man siehet bei den Summisten und Theologen, wie die Gewissen verwirret, welche sich unterstanden haben, die Traditiones zusammenzuziehen, und reizeias gesucht, daß sie denen Gewissen hülfen, haben so viel damit zu thun gehabt, daß dieweil alle heilsame christliche Lehre von nötigen Sachen, als vom Glauben, von 1. Das kirchliche Bekenntnis. Die Augsburgische Konfession. Art. 26. 413 Trost in hohen Anfechtungen und dergleichen darnieder gelegen ist. Darüber haben auch viel fromme Leute vor dieser Zeit sehr geklagt, daß solche Trditiones viel Zants in der Kirchen anrichten, und daß fromme Leute damit verhindert, zu rechtem Erkenntnis Christi nicht kommen möchten. Gerson und etliche mehr haben heftig darüber geklagt. Ja es hat auch Augustino mißfallen, daß man die Gewissen mit so viel traditionibus beschweret, derhalben er dabei Unterricht giebt, daß mans nicht für nötige Dinge halten soll. - Darum haben die Unsern nicht aus Frebel oder Verachtung geistlicher Gewalt von diesen Sachen gelehret, sondern es hat die hohe Not gefordert, Unterricht zu thun von obangezeigten Irrtümern, welche aus Mißverstand der Tradition gewachsen sein. Denn das Evangelium zwinget, daß man die Lehre vom Glauben solle und müsse in der Kirchen treiben, welche doch nicht mag verstanden werden, so man vermeint durch eigene erwählte Werke Gnade zu verdienen. Und ist also davon gelehret, daß man durch Haltung gedachter menschlicher Tradition nicht kann Gnade verdienen, oder Gott versöhnen, oder für die Sünde genug thun; und soll derhalben fein nötiger Gottesdienst daraus gemacht werden. Dazu wird Urfach aus der Schrift angezogen. Christus, Matth. 15, entschuldigt die Apostel, da sie gewöhnliche Traditiones nicht gehalten haben und spricht dabei: Sie ehren mich vergeblich mit Menschen- Geboten. So er nun dies einen vergeblichen Dienst nennet, muß er nicht nötig sein. Und bald hernach: Was zum Munde eingehet, verunreinigt den Menschen nicht. Item, Paulus spricht Röm. 14: Das Himmelreich stehet nicht in Speise und Trank. Kol. 2: Niemand soll euch richten in Speise, Trank, Sabbath 2c. Actor 15. spricht Petrus: Warum versucht ihr Gott mit Auflegung des Jochs auf der Jünger Hals, welches weder unsre Väter, noch wir haben mögen tragen? sondern wir glauben durch die Gnade unsers Herrn Jesu Christi selig zu werden. Da verbeut Petrus, daß man die Gewissen nicht beschweren soll mit mehr äußerlichen Zeremonien, es sei Mosis, oder andern. Und 1. Tim. 4 werden solche Verbote, als Speise verbieten, Ehe verbieten 2c. Teufels- Lehre genennet. Denn dies ist stracks dem Evangelio entgegen, solche Werke einsetzen oder thun, daß man damit Vergebung der Sünden verdiene, oder als möge niemands Christen sein, ohne solche Dienste. Daß man aber den Unsern die Schuld giebt, als verböten sie Kafteiung und Zucht, wie Jovinianus, wird sich viel anders aus ihren Schriften befinden. Denn sie haben allezeit gelehret vom heiligen Kreuz, das Christen zu leiden schuldig sind, und dieses ist rechte, Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. ernstliche und nicht erdichtete Kasteiung. Daneben wird auch gelehrt, daß ein jeglicher schuldig ist, sich mit leiblicher Übung, als Fasten und anderer Übung, also zu halten, daß er nicht Ursach zu Sünden gebe, nicht daß er mit solchen Werken Gnade verdiene. Diese leibliche Übung soll nicht allein etliche bestimmte Tage, sondern stetigs getrieben werden. Davon redet Christus: Hütet euch, daß eure Herzen nicht beschweret werden mit Füllerei. Item, die Teufel werden nicht ausgeworfen, denn durch Fasten und Gebet. Und Paulus spricht: Er fasteie seinen Leib und bringe ihn zu Gehorsam, damit er anzeigt, daß Kasteiung dienen soll, nicht damit Gnade zu verdienen, sondern den Leib geschickt zu halten, daß er nicht verhindere, was einem jeglichen nach seinem Beruf zu schaffen befohlen ist, und wird also nicht das Fasten verworfen, sondern daß man einen nötigen Dienst daraus, auf bestimmte Tag und Speise, zur Verwirrung der Gewissen gemacht hat. 414 Auch werden dieses Teils viel Zeremonien und Tradition gehalten, als Ordnung der Messe und andre Gesänge, Feste 2c., welche dazu dienen, daß in der Kirche Ordnung gehalten werde. Daneben aber wird das Volk unterrichtet, daß solcher äußerlicher Gottesdienst nicht fromm macht vor Gott, und daß mans ohne Beschwerung des Gewissens halten soll, also, daß, so man es nachläßt ohne Ärgernis, nicht daran gesündigt wird. Diese Freiheit in äußerlichen Zeremonien haben auch die alten Väter gehalten. Denn im Orient hat man das Osterfest auf andere Zeit, denn zu Rom gehalten; und da etliche diese Ungleichheit für eine Trennung in der Kirchen halten wollten, sind sie vermahnet von andern, daß nicht not ist, in solchen Gewohnheiten Gleichheit zu halten, und spricht Irenaeus also: Ungleichheit im Fasten trennet nicht die Einigkeit des Glaubens. Wie auch Distinct. 12. von solcher Ungleichheit in menschlichen Ordnungen geschrieben, daß sie der Einigkeit der Christenheit nicht zuwider sei. Und Tripartita. hist. lib. 9 zeucht zusammen viel ungleicher Kirchengewohnheiten, und setzt einen nüßlichen christlichen Spruch: Der Apostel Meinung ist nicht gewesen, Feiertage einzusetzen, sondern Glauben und Liebe zu lehren. Der XXVII. Artikel. Von Kloster- Gelübden. Von Kloster- Gelübden zu reden, ist not erstlich zu bedenken, wie es bis anher damit gehalten, welch Wesen sie in Klöstern gehabt, und daß sehr viel darin täglich nicht allein wider Gottes Wort, sondern auch päpstlichen Rechten entgegen gehandelt ist. Denn zu St. Augustini Zeiten sind Kloster- Stände frei gewesen, folgend, da 1. Das kirchliche Bekenntnis.- Die Augsburgische Konfession. Art. 26-27.415 die rechte Zucht und Lehre zerrüttet, hat man Kloster- Gelübde erdacht und damit eben, als mit einem erdachten Gefängnis die Zucht wieder aufrichten wollen. Über das hat man neben den Kloster- Gelübden viel andere Stücke mehr aufgebracht, und mit solchen Banden und Beschwerden ihrer viel, auch vor gebührenden Jahren beladen. So sind auch viel Personen aus Unwissenheit zu solchem Klosterleben kommen, welche, wiewohl sie sonst nicht zu jung gewesen, haben Diedoch ihr Vermögen nicht genugsam ermessen und verstanden. selbe alle, also verstrickt und verwickelt, sind gezwungen und gedrungen, in solchen Banden zu bleiben, ungeachtet deß, daß auch päpstisch Recht ihrer viel frei giebt. Und das ist beschwerlicher gewesen in Jungfrauen- Klöstern, denn in Mönch- Klöstern, so sich doch geziemet hätte, der Weibsbilder, als der Schwachen, zu verschonen. Dieselbe Strenge und Härtigkeit hat auch viel frommen Leuten in vorigen Zeiten mißfallen, denn sie haben wohl gesehen, daß beide Knaben und Mägdlein, um Erhaltung willen des Leibs, in die Klöster sind versteckt worden. Sie haben auch wohl gesehen, wie übel dasselbe Vornehmen geraten ist, was Ärgernis, was Beschwerung der Gewissen es gebracht, und haben viel Leute geklagt, daß man in solcher gefährlichen Sache die Kanones so gar nicht geachtet. Zu dem, so hat man eine solche Meinung von den Kloster- Gelübden, die unverborgen, die auch viel Mönchen übel gefallen hat, die wenig einen Verstand gehabt. Denn sie gaben für, daß Kloster- Gelübde der Taufe gleich wären, und daß man mit dem Klosterleben Vergebung der Sünde und Rechtfertigung vor Gott verdiente, ja sie setzten noch mehr darzu, daß man mit dem Klosterleben verdiente nicht allein Gerechtigkeit und Frömmigkeit, sondern auch, daß man damit hielt die Gebot und Räte im Evangelio verfaßt, und wurden also die Kloster- Gelübde höher gepreiset, denn die Taufe. Item, daß man mehr verdiente mit dem Klosterleben, denn mit allen andern Ständen, so von Gott geordnet sind, als Pfarrherr- und Predigerstand, Obrigkeit, Fürsten-, Herrenstand und dergleichen, die alle nach Gottes Gebot, Wort und Befehl in ihrem Beruf ohne erdichtete Geistlichkeit dienen. Wie denn dieser Stücke feins verneint werden mag, denn man findets in ihren eigenen Büchern. Über das, wer also gefangen und ins Kloster kommen, lernet wenig von Christo. Etwa hat man Schulen der heiligen Schrift und anderer Künste, so der christlichen Kirchen dienstlich sind, in den Klöstern gehalten, daß man aus den Klöstern Pfarrherrn und Bischöfe genommen hat. 416 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. Jetzt aber hats viel ein ander Gestalt: Denn vor Zeiten kamen sie der Meinung zusammen im Klosterleben, daß man die Schrift lernete. Jetzt geben sie vor, das Klosterleben sei ein solch Wesen, daß man Gottes Gnade und Frömmigkeit vor Gott damit verdiene, ja es sei ein Stand der Vollkommenheit, und sehens den andern Ständen, so von Gott eingesetzt, weit vor. Das alles wird darum angezogen, ohne alle Verunglimpfung, damit man je desto baß vernehmen und verstehen möge, was und wie die Unsern predigen und lehren. Erstlich lehren sie bei uns von denen, die zur Ehe greifen, also, daß alle die, so zum ledigen Stande nicht geschickt sind, Macht, Fug und Recht haben, sich zu verehelichen. Denn die Gelübde vermögen nicht Gottes Ordnung und Gebot aufzuheben. Nun lautet Gottes Gebot also 1. Kor. 7: Um der Hurerei willen habe ein jeglicher sein eigen Weib, und eine jegliche habe ihren eigenen Mann. Darzu dringet, zwinget und treibet nicht allein Gottes Gebot, sondern auch Gottes Geschöpf und Ordnung alle die zum Ehestand, die ohne sonder Gottes Werk mit der Gabe der Jungfrauschaft nicht begnadet sind, laut dieses Spruchs Gottes selbst, Genes. 2. Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei, wir wollen ihm einen Gehilfen machen, der um ihn sei. Was mag man nun dawider aufbringen? Man rühme das Gelübde und Pflicht, wie hoch man wolle, man muße es auf, als hoch man kann, so mag man dennoch nicht erzwingen, daß Gottes Gebot dadurch aufgehoben werde. Die Doktores sagen, daß die Gelübde, auch wider des Papstes Recht, unbündig sind, wie viel weniger sollen sie denn binden, Statt und Kraft haben wider Gottes Gebot? Wo die Pflicht der Gelübde keine andere Ursache hätten, daß sie möchten aufgehoben werden, so hätten die Päpste auch nicht dawieder dispensieret oder erlaubt, denn es gebüret keinem Menschen, die Pflicht, so aus göttlichen Rechten herwächst, zu zerreißen. Darum haben die Päpste wohl bedacht, daß in dieser Pflicht eine Äquität soll gebraucht werden, und haben zum öftern mal dispensiert, als mit einem Könige von Aragon, und vielen andern. So man nun zu Erhaltung zeitlicher Dinge dispensiert hat, soll viel billiger dispensiert werden um Notdurft willen der Seelen. Folgends, warum treibet der Gegenteil so hart, daß man die Gelübde halten muß, und siehet nicht zuvor an, ob das Gelübde seine Art habe? Denn das Gelübde soll in möglichen Sachen willig und ungezwungen sein. Wie aber die ewige Keuschheit in des Menschen Gewalt und Vermögen stehe, weiß man wohl. Auch sind wenig, beide Manns- und Weibspersonen, die von ihnen selbst, willig und V 1. Das kirchliche Bekenntnis.- Die Augsburgische Konfession. Art. 27. 417 wohlbedacht, das Kloster- Gelübde gethan haben. Ehe sie zum rechten Verstande kommen, so überredet man sie zum Kloster- Gelübde. Zuweilen werden sie auch dazu gezwungen und gedrungen. Darum ist es je nicht billig, daß man so geschwind und hart von der Gelübdpflicht disputiere, angesehen, daß sie alle bekennen, daß solches wider die Natur und Art des Gelübdes ist, da es nicht williglich und mit gutem Rat und Bedacht gelobet wurde. Etliche Kanones und päpstliche Rechte zerreißen die Gelübde, die unter fünfzehn Jahren geschehen sind. Denn sie haltens dafür, daß man vor derselbigen Zeit so viel Verstandes nicht hat, daß man die Ordnung des ganzen Lebens, wie dasselbe anzustellen, beschließen könne. Ein andrer Kanon giebt der menschlichen Schwachheit noch mehr Jahre zu. Denn er verbeut das Kloster- Gelübde unter 18 Jahren zu thun. Daraus hat der meiste Teil Entschuldigung und Ursachen, aus den Klöstern zu gehen, denn sie des mehrern Teils in der Kindheit vor diesen Jahren in Klöster kommen sind. Endlich, wenn gleich die Verbrechung des Kloster- Gelübdes möchte getadelt werden, so könnte aber dennoch nicht daraus erfolgen, daß man derselben Ehe zerreißen sollte. Denn St. Augustinus sagt, 27. quaest. 1. cap. Nuptiarum, daß man solche Ehe nicht zerreißen soll. Nun ist je St. Augustin nicht in geringem Ansehen in der christlichen Kirche, obgleich etliche hernach anders gehalten. Wiewohl nun Gottes Gebot von dem Ehestande ihr sehr viel vom Kloster- Gelübde frei und ledig gemacht, so wenden doch die Unsern noch mehr Ursachen für, daß Kloster- Gelübde nichtig und unbündig sein. Denn aller Gottesdienst von den Menschen, ohne Gottes Gebot und Befehl eingesetzt und erwählet, Gerechtigkeit und Gottes Gnade zu erlangen, sei wider Gott, und dem Evangelio und Gottes Befehl entgegen. Wie denn Christus selbst sagt Matth. 15: Sie dienen mir vergebens mit Menschengeboten. So lehret's auch St. Paulus überall, daß man Gerechtigkeit nicht suchen soll aus unsern Geboten und Gottesdiensten, so von Menschen erdichtet sind, sondern daß Gerechtigkeit und Frömmigkeit vor Gott kommt aus dem Glauben und Vertrauen, daß wir glauben, daß uns Gott um seines einigen Sohnes Christus willen zu Gnaden annimmt. Nun ist es je am Tage, daß die Mönche gelehrt und gepredigt haben, daß die erdachte Geistlichkeit genug thue für die Sünde und Gottes Gnade und Gerechtigkeit erlange. Was ist nun dies anders, denn die Herrlichkeit und Preis der Gnaden Christi vermindern und die Gerechtigkeit des Allgemeines Gebetbuch. 27 418 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. Glaubens verleugnen? Darum folgt aus dem, daß solche gewöhnliche Gelübde unrechte falsche Gottesdienste gewesen. Derhalben sind sie auch unbündig. Denn ein gottlos Gelübde und das wider Gottes Gebot geschehen, ist unbündig und nichtig, wie auch die Kanones lehren, daß der Eid nicht soll ein Band zur Sünde sein. St. Paulus sagt zu den Galatern am 5.: Ihr seid ab von Christo, die ihr durch das Geseß gerechtfertigt werden wollt, und habt der Gnaden gefehlet. Derhalben auch die, so durch Gelübde wollen rechtfertig werden, sind von Christo ab und fehlen der Gnade Gottes. Denn dieselben rauben Christo seine Ehre, der allein gerecht macht, und geben solche Ehre ihren Gelübden und Klosterleben. Man kann auch nicht leugnen, daß die Mönche gelehrt und gepredigt haben, daß sie durch ihre Gelübde und Klosterwesen und Weise gerecht werden und Vergebung der Sünden verdienen, ja, sie haben noch wohl ungeschickter Ding erdichtet und gesagt, daß sie ihre guten Werke den andern mitteilen. Wenn nun einer dies alles wollt unglimpflich treiben und aufmußen, wie viel Stücke könnte er zusammen bringen, deren sich die Mönche jetzt selbst schämen und nicht wollen gethan haben? Über das alles haben sie auch die Leute überredet, daß die erdichteten geistlichen Ordensstände seien christliche Vollkommenheit. Dies ist ja die Werke rühmen, daß man dadurch gerecht werde. Nun ist es nicht ein gering Ärgernis in der christlichen Kirche, daß man dem Volk einen solchen Gottesdienst vorträgt, den die Menschen ohne Gottes Gebot erdichtet haben, und lehren, daß ein solcher Gottesdienst die Menschen vor Gott fromm und gerecht mache. Denn die Gerechtigkeit des Glaubens, die man am meisten in der Kirche treiben soll, wird verdunkelt, wenn den Leuten die Augen aufgesperret werden mit dieser seltsamen Engels- Geistlichkeit und falschem Fürgeben der Armut, Demut und Keuschheit. Über das werden auch die Gebote Gottes und der rechte und wahre Gottesdienst dadurch verdunkelt, wenn Sie Leute hören, daß allein die Mönche im Stande der Vollkommenheit sein sollen. Denn die christliche Vollkommenheit ist, daß man Gott von Herzen und. mit Ernst fürchtet, und doch auch eine herzliche Zuversicht und Glauben, auch Vertrauen fasset, daß wir um Christus willen einen gnädigen, barmherzigen Gott haben, daß wir mögen und sollen von Gott bitten und begehren, was uns not ist, und Hilfe von ihm in allen Trübsalen gewißlich nach eines jeden Beruf und Stand gewarten. Daß wir auch indeß sollen äußerlich mit Fleiß gute Werke thun und unsers Berufs warten. Darin stehet die rechte Vollkommenheit und der rechte Gottesdienst, nicht im Betteln, oder in einer schwarzen 1. Das tirchliche Bekenntnis.- Die Augsburgische Konfession. Art.27-28. 419 oder grauen Kappen 2c. Aber das gemeine Volk fasset viel schädlicher Meinung aus falschem Lob des Klosterlebens. So sie es hören, daß man den ledigen Stand ohne alle Maß lobet, folget, daß es mit beschwertem Gewissen im Ehestand ist. Denn daraus, so der gemeine Mann höret, daß die Bettler allein sollen vollkommen sein, kann er nicht wissen, daß er ohne Sünde Güter haben und hantiern möge. So das Volk höret, es sei nur ein Rat, nicht Rache zu üben, folget, daß etliche vermeinen, es sei nicht Sünde, außerhalb des Amts Rache zu üben. Etliche meinen, Rache gezieme den Christen gar nicht, auch nicht der Obrigkeit. Man liefet auch der Erempel viel, daß etliche Weib und Kind, auch ihr Regiment verlassen und sich in Klöster gesteckt haben. Dasselbe, haben sie gesagt, heißt aus der Welt fliehen, und ein solch Leben suchen, das Gott baß gefiel, denn der Andern Leben. Sie haben auch nicht können wissen, daß man Gott dienen soll in den Geboten, die er gegeben hat, und nicht in den Geboten, die von Menschen erdichtet sind. Nun ist je das ein guter und vollkommener Stand des Lebens, welcher Gottes Gebot für sich hat, das aber ist ein gefährlicher Stand des Lebens, der Gottes Gebot nicht für sich hat. Von solchen Sachen ist von nöten gewesen, den Leuten guten Bericht zu thun. Es hat auch Gerson in Vorzeiten den Irrtum der Mönche von der Vollkommenheit gestraft, und zeucht an, daß bei seinen Zeiten dieses eine neue Rede gewesen sei, daß das Klosterleben ein Stand der Vollkommenheit sein soll. So viel gottloser Meinung und Irrtum fleben in den Kloster- Gelübden, daß sie sollen rechtfertigen und fromm vor Gott machen, daß sie die christliche Vollkommenheit sein sollen, daß man damit beide, des Evangeliums Räte und Gebot, halte, daß sie haben die Übermaß der Werke, die man Gott nicht schuldig sei. Dieweil denn solches alles falsch, eitel und erdichtet ist, so macht es auch die Klostergelübde nichtig und unbündig. Der XXVIII. Artikel. Von der Bischöfe Gewalt. Von der Bischöfe Gewalt ist vor Zeiten viel und mancherlei geschrieben, und haben etliche unschicklich die Gewalt der Bischöfe und das weltliche Schwert unter einander gemengt, und sind aus diesem unordentlichen Gemeng sehr große Kriege, Aufruhr und Empörung erfolget, aus dem, daß die Bischöfe im Schein ihrer Gewalt, die ihnen von Christo gegeben, nicht allein neue Gottesdienste angerichtet haben und mit Fürbehaltung etlicher Fälle und mit gewaltsamen Bann die Gewissen beschwert, sondern auch sich unterwunden, Kaiser 27* 420 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch). und Könige zu setzen und entseßen, ihres Gefallens. Welchen Frevel auch lange Zeit hiervor gelehrte und gottfürchtige Leute in der Christenheit gestraft haben. Derhalben die Unsern zu Trost der Gewissen gezwungen sind worden, den Unterschied des geistlichen und weltlichen Gewalts, Schwerts und Regiments anzuzeigen. Und haben gelehret, daß man beide Regiment und Gewalt um Gottes Gebots willen mit aller Andacht ehren und wohl halten soll, als zwei höchste Gaben Gottes auf Erden. Nun lehren die Unsern also, daß die Gewalt der Schlüssel oder der Bischöfe sei, laut des Evangeliums, eine Gewalt und Befehl Gottes, das Evangelium zu predigen, die Sünde zu vergeben und zu behalten und die Sakramente zu reichen und zu handeln. Denn Christus hat die Apostel mit dem Befehl ausgesandt: Gleich wie mich mein Vater gesandt hat, also sende ich euch auch. Nehmet hin den heiligen Geist, welchen ihr die Sünde erlassen werdet, denen sollen sie erlassen sein, und denen ihr sie vorbehalten werdet, denen sollen fie vorbehalten sein. Dieselbe Gewalt der Schlüssel oder Bischöfe übet und treibet man allein mit der Lehre und Predigt Gottes Worts und mit Handreichung der Sakramente, gegen viele oder einzelne Personen, darnach der Beruf ist. Denn damit werden gegeben nicht leibliche, sondern ewige Dinge und Güter, als nämlich: ewige Gerechtigkeit, der heilige Geist und das ewige Leben. Diese Güter kann man anders nicht erlangen, denn durch das Amt der Predigt und durch die Handreichung der heiligen Sakramente. Denn St. Paulus spricht: Das Evangelium ist eine Kraft Gottes, selig zu machen alle, die daran glauben. Dieweil nun die Gewalt der Kirchen oder Bischöfe ewige Güter giebt und allein durch das Predigtamt geübt und getrieben wird, so hindert sie die Polizei und das weltliche Regiment nichts überall. Denn das weltliche Regiment gehet mit vielen andern Sachen um, denn das Evangelium, welche Gewalt schützt nicht die Seelen, sondern Leib und Gut wider äußerliche Gewalt mit dem Schwert und leiblichen Pönen. Darum soll man die zwei Regimente, das geistliche und weltliche, nicht in einander mengen und werfen. Denn die geistliche Gewalt hat seinen Befehl, das Evangelium zu predigen und die Sakramente zu reichen, soll auch nicht in ein fremd Amt fallen, soll nicht Könige seßen oder entseßen, soll weltlich Gesetz und Gehorsam der Obrigkeit nicht aufheben oder zerrütten, soll weltlicher Gewalt nicht Gesetz machen und stellen von weltlichen Händeln. Wie denn auch Christus selbst gesagt hat: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Item: Wer hat mich zu einem Richter zwischen euch gesetzt. Und St. Paulus 1. Das kirchliche Bekenntnis.- Die Augsburgische Konfession. Art. 28. 421 zum Philipp. am 3.: Unsere Bürgerschaft ist im Himmel. Und in der 2. zun Korinth. 10: Die Waffen unsrer Ritterschaft sind nicht fleischlich, sondern mächtig vor Gott, zu verstören die Anschläge und alle Höhe, die sich erhebt wider die Erkenntnis Gottes. Dieser Gestalt unterscheiden die Unsern beide, Regiment und Gewalt- Amt, und heißen sie beide, als die höchste Gabe Gottes auf Erden, in Ehren halten. Wo aber die Bischöfe weltlich Regiment und Schwert haben, so haben sie dieselben nicht als Bischöfe aus göttlichen Rechten, sondern aus menschlichen kaiserlichen Rechten, geschenkt von Kaisern und Königen zu weltlicher Verwaltung ihrer Güter, und gehet das Amt des Evangeliums gar nichts an. Derhalben ist das bischöfliche Amt nach göttlichen Rechten: das Evangelium predigen, Sünde vergeben, Lehre urteilen, und die Lehre, so dem Evangelio entgegen, verwerfen, und die Gottlosen, dero gottlos Wesen offenbar ist, aus christlicher Gemein ausschließen, ohne menschfiche Gewalt, sondern allein durch Gottes Wort. Und diesfalls sind die Pfarrleut und Kirchen schuldig, den Bischöfen gehorsam zu sein, laut dieses Spruchs Christi, Lut. am 10.: Wer euch höret, der höret mich. Wo sie aber etwas dem Evangelio entgegen lehren, setzen oder aufrichten, haben wir Gottes Befehl in solchem Fall, daß wir nicht sollen gehorsam sein, Matth. am 7.: Sehet euch vor vor den falschen Propheten. Und St. Paulus zun Galat. am 1.: So auch wir, oder ein Engel vom Himmel euch ein ander Evangelium predigen würde, denn das wir euch geprediget haben, der sei verflucht. Und in der 2. Epistel zum Korinth. am 13.: Wir haben keine Macht wider die Wahrheit, sondern für die Wahrheit. Item: Nach der Macht, welche mir der Herr zu bessern, und nicht zu verderben, gegeben hat. Also gebeut auch das geistliche Recht 2. in cap. Sacertodes und in cap. Oves. Und St. Augustin schreibet in der Epistel wider Petilianum: Man soll auch den Bischöfen, so ordentlich gewählet, nicht folgen, wo fie irren oder etwas wider die heilige Schrift lehren oder ordnen. Daß aber die Bischöfe sonst Gewalt und Gerichtszwang haben in etlichen Sachen, als nämlich Ehesachen und Zehenden, dieselben haben sie aus Kraft menschlicher Rechte. Wo aber die Ordinarien nachlässig in solchem Amt, so sind die Fürsten schuldig, sie thuns auch gern oder ungern, hierin ihren Unterthanen um Friedens willen Recht zu sprechen, zu Verhütung Unfrieden und großer Unruhe in Ländern. Weiter disputiert man: ob auch Bischöfe Macht haben, Zeremonien in der Kirchen aufzurichten, desgleichen Satzungen von Speis, Feiertagen, von unterschiedlichen Orden der Kirchendiener. Denn 422 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. die den Bischöfen diese Gewalt geben, ziehen diesen Spruch Christi an, Joh. 16: Ich habe euch noch viel zu sagen, ihr aber könnets jetzt nicht tragen; wenn aber der Geist der Wahrheit kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit führen. Dazu führen sie auch das Erempel, Att. am 15., da sie Blut und Ersticktes verboten haben. So zeucht man auch das an, daß der Sabbat in Sonntag verwandelt ist worden, wider die zehen Gebote, dafür sie es achten, und wird kein Erempel so hoch getrieben und angezogen, als die Verwandlung des Sabbats, und wollen damit erhalten, daß die Gewalt der Kirchen groß sei, dieweil sie mit den zehen Geboten dispensieret und etwas daran verändert hat. Aber die Unsern lehren in dieser Frage also: Daß die Bischöfe nicht Macht haben, etwas wider das Evangelium zu seßen und auf zurichten, wie denn oben angezeigt ist und die geistlichen Rechte durch die ganze neunte Distinktion lehren. Nun ist dieses öffentlich wider Gottes Befehl und Wort, der Meinung Gesetze zu machen oder zu gebieten, daß man dadurch für die Sünde genug thue und Gnade erlange, denn es wird die Ehre des Verdiensts Christi verlästert, wenn wir uns mit solchen Saßungen unterwinden, Gnade zu verdienen. Es ist auch am Tage, daß um dieser Meinung willen in der Christenheit menschliche Aufsazungen unzählig überhand genommen haben und indeß die Lehre vom Glauben und die Gerechtigkeit des Glaubens gar ist unterdrückt gewesen. Man hat täglich neue Feiertage, neue Fasten geboten, neue Zeremonien und neue Ehrerbietung der Heiligen eingesetzt, mit solchen Werken Gnade und alles Guts bei Gott zu verdienen. Jtem, die menschliche Sagung aufrichten, thun auch damit wider Gottes Gebot, daß sie Sünde seßen in der Speis, in Tagen und dergleichen Dingen, und beschweren also die Christenheit mit der Knechtschaft des Gesetzes, eben als müßte bei den Christen ein solcher Gottesdienst sein, Gottes Gnade zu verdienen, der gleich wäre dem levitischen Gottesdienst, welchen Gott sollte den Aposteln und Bischöfen befohlen haben auf zurichten, wie denn etliche davon schreiben, stehet auch wohl zu glauben, daß etliche Bischöfe mit dem Exempel des Gesetzes Mosis sind betrogen worden, daher so unzählige Saßungen kommen sind, daß eine Todsünde sein soll, wenn man an Feiertagen eine Handarbeit thue, auch ohne Ärgernis der andern; daß eine Todsünde sei, wenn man die Siebenzeit nachläßt, daß etliche Speise das Gewissen verunreinige, daß Fasten ein solch Werk sei, damit man Gott versöhne, daß die Sünde in einem vorbehaltenen Fall werde nicht vergeben, man ersuche denn zuvor den Vorbehalter des Falls, unangesehen, 1. Das kirchliche Bekenntnis.- Die Augsburgische Konfession. Art. 28. 423 daß die geistlichen Rechte nicht von Vorbehaltung der Schuld, sondern von Vorbehaltung der Kirchenpön reden. Woher haben denn die Bischöfe Recht und Macht, solche Aufsäße der Christenheit aufzulegen, die Gewissen zu verstricken? Denn St. Peter verbietet in Geschichten der Apostel am 15. das Joch auf der Jünger Hälse zu legen, und St. Paulus sagt zu den Korinthern, daß ihnen die Gewalt zu bessern und nicht zu verderben, gegeben sei. Warum mehren sie denn die Sünde mit solchen Auffäßen? Doch hat man helle Sprüche der göttlichen Schrift, die da verbieten, solche Ausfäße aufzurichten, die Gnade Gottes damit zu verdienen, oder als sollten sie von nöten zur Seligkeit sein. So sagt St. Paulus zu den Kolos. 2: So laßt nun niemand euch Gewissen machen über Speise, oder über Trank, oder über bestimmten Tagen, nämlich den Feiertagen oder neuen Monden, oder Sabbaten, welches ist der Schatten von dem, das zukünftig war, aber der Körper selbst ist in Christo. Item, so ihr denn gestorben seid mit Christo von den weltlichen Saßungen, was lasset ihr euch denn fangen mit Satzungen, als wäret ihr lebendig, die da sagen: Du sollst das nicht anrühren, du sollst das nicht essen, noch trinken, du sollst das nicht anlegen, welches sich doch alles unterhanden verzehret, und sind Menschengebot und Lehre, und haben einen Schein der Wahrheit. Item, St. Paulus zu Tito am 1. verbietet öffentlich, man soll nicht achten auf jüdische Fabeln und Menschengebot, welche die Wahrheit abwenden. So redet auch Christus selbst Matth. am 15. von denen, so die Leute auf Menschengebot treiben: Laßt sie fahren, sie sind der Blinden blinde Leiter, und verwirft solchen Gottesdienst und sagt: Alle Pflanzen, die mein himmlischer Vater nicht gepflanzet hat, die werden ausgereutet. So nun die Bischöfe Macht haben, die Kirchen mit unzähligen Aufsätzen zu beschweren und die Gewissen zu verstricken, warum verbietet denn die göttliche Schrift so oft, die menschlichen Aufsätze zu machen und zu hören? Warum nennet sie dieselben Teufelslehren? Sollt denn der heilige Geist solches alles vergeblich verwarnet haben? Derhalben, dieweil solche Ordnungen als nötig aufgerichtet, damit Gott zu versöhnen und Gnade zu verdienen, dem Evangelio entgegen sind, so ziemet sich keineswegs den Bischöfen, solche Gottesdienste zu erzwingen. Denn man muß in der Christenheit die Lehre von der christlichen Freiheit behalten, als nämlich, daß die Knechtschaft des Gesetzes nicht nötig ist zur Rechtfertigung, wie denn St. Paulus zu den Galatern schreibt am 5.: So bestehet nun in der Freiheit, damit uns Christus befreiet hat, und laßt euch nicht wieder 424 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. in das knechtische Joch verknüpfen. Denn es muß je der vornehmste Artikel des Evangeliums erhalten werden, daß wir die Gnade Gottes durch den Glauben an Christum ohne unser Verdienst erlangen, und nicht durch Dienste, von Menschen eingesetzt, verdienen. Was soll man denn halten vom Sonntag und dergleichen anderen Kirchenordnungen und Zeremonien? Dazu geben die Unsern diese Antwort: Daß die Bischöfe oder Pfarrherren mögen Ordnung machen, damit es ordentlich in der Kirche zugehe, nicht damit Gottes Gnade zu erlangen, auch nicht, damit für die Sünde genug zu thun oder die Gewissen damit zu verbinden, solches für nötigen Gottesdienst zu halten und es dafür zu achten, daß sie Sünde thäten, wenn sie ohne Ärgernis dieselben brechen. Also hat St. Paulus za den Korinthern verordnet, daß die Weiber in der Versammlung ihr Haupt sollen decken. Item, daß die Prediger in der Versammlung nicht zugleich alle reden, sondern ordentlich einer nach dem andern. Solche Ordnung gebührt der christlichen Versammlung um der Liebe und Friedens willen zu halten, und den Bischöfen und Pfarrherren in diesen Fällen gehorsam zu sein, und dieselben so fern zu halten, daß einer den andern nicht ärgere, damit in der Kirche kein Unordnung oder wüstes Wesen sei. Doch also, daß die Gewissen nicht beschweret werden, daß man's für solche Dinge halte, die not sein sollten zur Seligkeit, und es dafür achte, daß sie Sünde thäten, wenn sie dieselben ohn der andern Ärgernis brechen; wie denn niemand sagt, daß das Weib Sünde thue, die mit bloßem Haupt ohn Ärgernis der Leute ausgehet. Also ist die Ordnung vom Sonntage, von der Osterfeier, von den Pfingsten, und dergleichen Feier und Weise. Denn die es dafür achten, daß die Ordnung vom Sonntage für den Sabbat als nötig aufgerichtet sei, die irren sehr, denn die heilige Schrift hat den Sabbat abgethan und lehret, daß alle Zeremonien des alten Gesetzes nach Eröffnung des Evangeliums mögen nachgelassen werden. Und dennoch weil von nöten gewesen ist, einen gewissen Tag zu verordnen, auf daß das Volk wüßte, wenn es zusammenkommen sollte, hat die christliche Kirche den Sonntag dazu verordnet und zu dieser Veränderung desto mehr Gefallens und Willens gehabt, damit die Leute ein Exempel hätten der christlichen Freiheit, daß man wüßte, daß weder die Haltung des Sabbats noch eines andern Tags von nöten sei. Es sind viel unrichtige Disputationes von der Verwandlung des Gesetzes, von den Zeremonien des neuen Testaments, von der Veränderung des Sabbats, welche alle entsprungen sind aus falscher und irriger Meinung, als müsse man in der Christenheit einen sol 1. Das kirchliche Bekenntnis.- Die Augsburgische Konfession. Art. 28. 425 chen Gottesdienst haben, der dem levitischen oder jüdischen Gottesdienst gemäß wäre, und als sollte Christus den Aposteln und Bischöfen befohlen haben, neue Zeremonien zu erdenken, die zur Seligkeit nötig wären. Dieselben Irrtümer haben sich in der Christenheit eingeflochten, da man die Gerechtigkeit des Glaubens nicht lauter und rein gelehrt und gepredigt hat. Etliche disputieren also vom Sonntag, daß man ihn halten müsse, wiewohl nicht aus göttlichen Rechten, stellen Form und Maß, wie fern man am Feiertag arbeiten mag. Was sind aber solche Disputationes anders, denn Fallstricke des Gewissens? Denn wiewohl sie sich unterstehen, menschliche Aufsätze zu lindern und epiizieren, so kann man doch keine Ereixetav oder Linderung treffen, so lange die Meinung stehet und bleibet, als sollten sie von nöten sein. Nun muß dieselbige Meinung bleiben, wenn man nichts weiß von der Gerechtigkeit des Glaubens und von der christlichen Freiheit. Die Apostel haben geheißen, man soll sich enthalten des Bluts und Erstickten. Wer hälts aber jetzo? Aber dennoch thun die keine Sünde, die es nicht halten, denn die Apostel haben auch selbſt die Gewissen nicht wollen beschweren mit solcher Knechtschaft, sondern habens um Ärgernis willen eine Zeit lang verboten. Denn man muß Achtung haben in dieser Satzung auf das Hauptstück christlicher Lehre, das durch dieses Dekret nicht aufgehoben wird. Man hält schier keine alten Kanones, wie sie lauten, es fallen auch derselben Sagung täglich viel weg, auch bei denen, die solche Auffäße allerfleißigst halten. Da kann man dem Gewissen nicht raten noch helfen, wo diese Linderung nicht gehalten wird, daß wir wissen, solche Auffäßze also zu halten, daß mans nicht dafür halte, daß sie nötig seien, daß auch den Gewissen unschädlich sei, obgleich solche Auffäße fallen. Es würden aber die Bischöfe leichtlich den Gehorsam erhalten, wo sie nicht darauf drängen, diejenigen Satzungen zu halten, so doch ohne Sünde mögen nicht gehalten werden. Jezzo aber thun sie ein Ding und verbieten beide Gestalt des heiligen Sakraments, item, den Geistlichen den Ehestand, nehmen niemand auf, ehe denn er zuvor einen Eid gethan habe, er wolle diese Lehre, so doch ohne Zweifel dem heiligen Evangelio gemäß ist, nicht predigen. Unsere Kirchen begehren nicht, daß die Bischöfe mit Nachteil ihrer Ehre und Würden wiederum Friede und Einigkeit machen( wiewohl solches den Bischöfen in der Not auch zu thun gebühret). Allein bitten sie darum, daß die Bischöfe etliche unbillige Beschwerungen nachlassen, die doch vorzeiten auch in der Kirche nicht gewesen und angenommen sind wider den Gebrauch der christlichen gemeinen Kirche, welche vielleicht im Anheben etliche Ursachen gehabt, aber sie reimen PON 426 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. sich nicht zu unseren Zeiten. So ist es auch unfeugbar, daß etliche Sagungen aus Unverstand angenommen sind. Darum sollten die Bischöfe der Gütigkeit sein, dieselben Satzungen zu mildern, sintemal eine solche Änderung nicht schadet, die Einigkeit christlicher Kirchen zu erhalten; denn viel Saßungen, von den Menschen aufkommen, sind mit der Zeit selbst gefallen und nicht nötig zu halten, wie die päpstlichen Rechte selbst zeugen. Kann's aber je nicht sein, es auch bei ihnen nicht zu erhalten, daß man solche menschliche Satzungen mäßige und abthue, welche man ohne Sünde nicht kann halten, so müssen wir der Apostel Regel folgen, die uns gebietet: Wir sollen Gott mehr gehorsam sein, denn den Menschen. St. Petrus verbietet den Bischöfen die Herrschaft, als hätten fie Gewalt, die Kirche, wozu sie wollten, zu zwingen. Jetzt gehet man nicht damit um, wie man den Bischöfen ihre Gewalt nehme, sondern man bittet und begehret, sie wollten die Gewissen nicht zu Sünden zwingen. Wenn sie aber solches nicht thun werden und die Bitte verachten, so mögen sie gedenken, wie sie werden deshalben Gott Antwort geben müssen, dieweil sie mit solcher ihrer Härtigkeit Urfach geben zu Spaltung und Schisma, das sie doch billig sollen verhüten helfen. Beschluß. Dies sind die vornehmsten Artikel, die für streitig geachtet werden. Denn wiewohl man viel mehr Mißbräuche und Unrichtigkeit hätte anziehen können, so haben wir doch, die Weitläufigkeit und Länge zu verhüten, allein die vornehmsten vermeldet, daraus die andern leichtlich zu ermessen. Denn man in Vorzeiten sehr geklagt über den Ablaß, über Wallfahrten, über Mißbrauch des Bannes. Es hatten auch die Pfarrer unendlich Gezänk mit den Mönchen von wegen des Beichthörens, des Begräbnis, der Leichpredigten und unzähliger anderer Stücke mehr. Solches alles haben wir im besten und um Glimpfs willen übergangen, damit man die vornehmsten Stücke in dieser Sache desto baß vermerken möchte. Dafür soll es auch nicht gehalten werden, daß in dem jemand ichtes zu Haß, wider oder Unglimpf geredet oder angezogen sei, sondern wir haben allein die Stück erzählet, die wir für nötig anzuziehen und zu vermelden geachtet haben, damit man daraus desto baß zu vernehmen habe, daß bei uns nicht weder mit Lehre noch mit Zeremonien angenommen ist, das entweder der heiligen Schrift, oder gemeiner christlicher Kirchen entgegen wäre. Denn es ist je am Tage und öffentlich, daß wir mit allem Fleiß mit Gottes Hilfe( ohne Ruhm zu reden) verhütet 1. Das kirchliche Bekenntnis.- Dr. Martin Luthers Kleiner Katechismus. 427 haben, damit je keine neue und gottlose Lehre sich in unsern Kirchen einflechte, einreiße und überhand nehme. Die oben gemeldeten Artikel haben wir dem Ausschreiben nach übergeben wollen, zu einer Anzeigung unsers Bekenntnis und der Unsern Lehre. Und ob jemand befunden würde, der daran Mangel hätte, dem ist man ferner Bericht mit Grund göttlicher heiliger Schrift zu thun erbötig. E. kaiserl. Majestät Unterthänigste Johannes, Herzog zu Sachsen, Kurfürst. Georg, Markgraf, zu Brandenburg. Ernst, Herzog zu Lüneburg. Philips, Landgraf zu Hessen. Wolfgang, Fürst zu Anhalt. Die Stadt Nürnberg. Die Stadt Reutlingen. C. Dr. Martin Luthers Kleiner Katechismus nebst der Haustafel und Luthers Katechismusgebeten. I. Die zehn Gebote, wie sie ein Hausvater seinem Gesinde einfältiglich fürhalten soll. Das erste Gebot. Ich bin der Herr dein Gott, du sollst nicht andere Götter haben neben mir. Was ist das? Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen. Das zweite Gebot. Du sollst den Namen deines Gottes nicht unnützlich führen, denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir bei seinem Namen nicht fluchen, schwören, zaubern, lügen oder trügen, sondern denselbigen in allen Nöten anrufen, beten, loben und danken. Das dritte Gebot. Du sollst den Feiertag heiligen.! Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir die Predigt und sein Wort nicht verachten, sondern dasselbige heilig halten, gerne hören und lernen. Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. Das vierte Gebot. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß dirs wohlgehe und du lange lebest auf Erden. 428 Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unsre Eltern und Herren nicht verachten, noch erzürnen, sondern sie in Ehren halten, ihnen dienen, gehorchen, sie lieb und wert haben. Das fünfte Gebot. Du sollst nicht töten. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unserm Nächsten an seinem Leibe keinen Schaden noch Beid thun, sondern ihm helfen und fördern in allen Leibesnöten. Das sechste Gebot. Du sollst nicht ehebrechen. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir keusch und züchtig leben in Worten und Werken, und ein jeglicher sein Gemahl lieben und ehren. Das siebente Gebot. Du sollst nicht stehlen. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unsers Nächsten Geld und Gut nicht nehmen, noch mit falscher Ware oder Handel an uns bringen, sondern ihm sein Gut und Nahrung helfen bessern und behüten. Das achte Gebot. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unsern Nächsten nicht fälschlich belügen, verraten, afterreden, oder bösen Leumund machen, sondern ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum Besten kehren. Das neunte Gebot. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unserm Nächsten nicht mit List nach seinem Erbe oder Hause stehen und mit einem 1. Das kirchliche Bekenntnis.- Dr. Martin Luthers Kleiner Katechismus. 429 Schein des Rechten an uns bringen, sondern ihm dasselbige zu behalten förderlich und dienstlich sein. Das zehnte Gebot. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh oder alles, was sein ist. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß mir unserm Nächsten nicht sein Weib, Gesinde oder Vieh abspannen, abdringen oder abwendig machen, sondern dieselbigen anhalten, daß sie bleiben und thun, was sie schuldig sind. Der Beschluß. Was sagt nun Gott von diesen Geboten allen? Er sagt also: Ich, der Herr, dein Gott, bin ein starker, eifriger Gott, der über die, so mich hassen, die Sünde der Väter heimsucht an den Kindern, bis ins dritte und vierte Glied; aber denen, so mich lieben und meine Gebote halten, thue ich wohl bis ins tausendſte Glied. Was ist das? Gott drohet zu strafen alle, die diese Gebote übertreten, darum sollen wir uns fürchten vor seinem Zorn, und nicht wider solche Gebote thun. Er verheißet aber Gnade und alles Gute allen, die solche Gebote halten. Darum sollen wir ihn auch lieben und vertrauen und gerne thun nach seinen Geboten. II. Der Glaube, wie ein Hausvater denselbigen seinem Gesinde auf das Einfältigste fürhalten soll. Der erste Artikel. Von der Schöpfung. Ich glaube an Gott den Vater, allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erden. Was ist das? Ich glaube, daß mich Gott geschaffen hat, samt allen Kreaturen, mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat, und noch erhält; dazu Kleider und Schuh, Essen und Trinken, Haus und Hof, Weib und Kind, Acker, Vieh und alle Güter, mit aller Notdurft und Nahrung des Leibes und Lebens reichlich und täglich versorget, wider alle Fährlichkeit beschirmet, und vor allem Übel behütet und bewahret; und das alles aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit, ohne all 430 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. mein Verdienst und Würdigkeit; das alles ich ihm zu danken und zu loben, dafür zu dienen und gehorsam zu sein schuldig bin. Das ist gewißlich wahr. Der zweite Artifel. Von der Erlösung. Ich glaube an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontio Pilato, gekreuziget, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel, sißend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. Was ist das? Ich glaube, daß Jesus Christus, wahrhaftiger Gott vom Vater in Ewigkeit geboren, und auch wahrhaftiger Mensch von der Jungfrau Maria geboren, sei mein Herr, der mich verlornen und verdammten Menschen erlöset hat, erworben, gewonnen von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels, nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem heiligen teuern Blut und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben, auf daß ich sein eigen sei, und in seinem Reiche unter ihm lebe, und ihm diene in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit, gleichwie er ist auferstanden vom Tode, lebet und regieret in Ewigkeit. Das ist gewißlich wahr. Der dritte Artikel. Von der Heiligung. Ich glaube an den heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeine der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen. Was ist das? Ich glaube, daß ich nicht aus eigner Vernunft noch Kraft an Jesum Christum meinen Herrn glauben oder zu ihm kommen kann, sondern der heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiliget und erhalten, gleichwie er die ganze Christenheit auf Erden berufet, sammelt, erleuchtet, heiliget und bei Jesu Christo erhält im rechten einigen Glauben, in welcher Christenheit er mir und allen Gläubigen täglich alle Sünden reichlich vergiebt, und am jüngsten Tage mich und alle Toten auferwecken wird, und mir samt allen Gläubigen in Christo ein ewiges Leben geben wird. Das ist gewißlich wahr. 1. Das kirchliche Bekenntnis.- Dr. Martin Luthers Kleiner Katechismus. 431 III. Das Vater Unser, wie ein Hausvater dasselbige seinem Gesinde auf das Einfältigste fürhalten soll. Die Anrede. Vater unser, der du bist im Himmel. Was ist das? Gott will uns damit locken, daß wir glauben sollen, er sei unser rechter Vater, und wir seine rechten Kinder, auf daß wir getrost und mit aller Zuversicht ihn bitten sollen, wie die lieben Kinder ihren lieben Vater. Die erste Bitte. Geheiliget werde dein Name. Was ist das? Gottes Name ist zwar an ihm selbst heilig; aber wir bitten in diesem Gebet, daß er auch bei uns heilig werde. Wie geschieht das? Wo das Wort Gottes lauter und rein gelehret wird, und wir auch heilig als die Kinder Gottes darnach leben, das hilf uns, lieber Vater im Himmel! Wer aber anders lehret und lebet, denn das Wort Gottes lehret, der entheiliget unter uns den Namen Gottes. Davor behüte uns, lieber himmlischer Vater! Die zweite Bitte. Dein Reich komme. Was ist das? Gottes Reich kommt wohl ohne unser Gebet von ihm selbst, aber wir bitten in diesem Gebet, daß es auch zu uns komme. Wie geschieht das? Wenn der himmlische Vater uns seinen heiligen Geist giebt, daß wir seinem heiligen Wort durch seine Gnade glauben und göttlich leben hier zeitlich und dort ewiglich. Die dritte Bitte. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden. Was ist das? Gottes guter, gnädiger Wille geschieht wohl ohne unser Gebet; aber wir bitten in diesem Gebet, daß er auch bei uns geschehe. Wie geschieht das? Wenn Gott allen bösen Rat und Willen bricht, und hindert, so uns den Namen Gottes nicht heiligen und sein Reich nicht kom 432 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. men lassen wollen, als da ist des Teufels, der Welt und unsers Fleisches Wille; sondern stärket und behält uns fest in seinem Wort und Glauben bis an unser Ende: das ist sein gnädiger und guter Wille. Die vierte Bitte. Unser täglich Brot gieb uns heute. Was ist das? Gott giebt täglich Brot auch wohl ohne unsere Bitte allen bösen Menschen; aber wir bitten in diesem Gebet, daß ers uns erkennen lasse und mit Danksagung empfahen unser täglich Brot. Was heißt denn täglich Brot? Alles, was zur Leibes- Nahrung und Notdurft gehört, als Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vich, Geld, Gut, fromm Gemahl, fromme Kinder, fromm Gesinde, fromme und getreue Oberherren, gut Regiment, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen. Die fünfte Bitte. Und vergieb uns unsere Schuld, wie wir vergeben unsern Schuldigern. Was ist das? Wir bitten in diesem Gebet, daß der Vater im Himmel nicht ansehen wolle unsere Sünde, und um derselbigen willen solche Bitte nicht versagen; denn wir sind der keines wert, das wir bitten, habens auch nicht verdienet, sondern er wolle es uns alles aus Gnaden geben; denn wir täglich viel sündigen und wohl eitel Strafe verdienen. So wollen wir zwar wiederum auch herzlich vergeben und gerne wohlthun denen, die sich an uns versündigen. Die sechste Bitte. Und führe uns nicht in Versuchung. Was ist das? Gott versucht zwar niemand, aber wir bitten in diesem Gebet, daß uns Gott wolle behüten und erhalten, auf daß uns der Teufel, die Welt und unser Fleisch nicht betrüge, noch verführe in Mißglauben, Verzweiflung und andere große Schande und Laster; und ob wir damit angefochten würden, daß wir doch endlich gewinnen und den Sieg behalten. Die siebente Bitte. Sondern erlöse uns von dem Übel. 1. Das kirchliche Bekenntnis.- Dr. Martin Luthers Kleiner Katechismus. 433 Was ist das? Wir bitten in diesem Gebet, als in der Summa, daß uns der Vater im Himmel von allerlei Übels Leibes und der Seele, Gutes und Ehre erlöse, und zuleßt, wenn unser Stündlein kommt, ein seliges Ende beschere, und mit Gnaden von diesem Jammerthal zu sich nehme in den Himmel. Amen. Der Beschluß. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. Was heißt Amen? Daß ich soll gewiß sein, solche Bitten sind dem Vater im Himmel angenehm und erhöret; denn er selbst hat uns geboten, also zu beten, und verheißen, daß er uns will erhören. Amen, Amen, das heißt: Ja, ja, es soll also geschehen. IV. Das Sakrament der heiligen Taufe, wie dasselbige ein Hausvater seinem Gesinde soll einfältiglich fürhalten. Zum Ersten. Was ist die Taufe? Die Taufe ist nicht allein schlecht Wasser, sondern sie ist das Wasser in Gottes Gebot gefasset und mit Gottes Wort verbunden. Welches ist denn solch Wort Gottes? Da unser Herr Christus spricht Matthäi am letzten: Gehet hin in alle Welt, lehret alle Heiden, und taufet sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Zum Andern. Was giebt oder nüßt die Taufe? Sie wirket Vergebung der Sünden, erlöset vom Tod und Teufel, und giebt die ewige Seligkeit allen, die es glauben, wie die. Worte und Verheißung Gottes lauten. Welches sind denn solche Worte und Verheißung Gottes? Da unser Herr Christus spricht, Marci am letzten: Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig; wer aber nicht glaubet, der wird verdammet werden. Zum Dritten. Wie kann Wasser solche große Dinge thun? Wasser thuts freilich nicht, sondern das Wort Gottes, so mit und bei dem Wasser ist, und der Glaube, so solchem Wort Gottes Allgemeines Gebetbuch. 28 434 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. im Wasser trauet, denn ohne Gottes Wort ist das Wasser schlecht Wasser und keine Taufe, aber mit dem Worte Gottes ist es eine Taufe, das ist ein gnadenreich Wasser des Lebens und ein Bad der neuen Geburt im heiligen Geist, wie Sankt Paulus sagt zum Tito im 3. Kapitel: Gott macht uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reichlich durch Jesum Christum unsern Heiland, auf daß wir durch desselben Gnade gerecht und Erben seien des ewigen Lebens nach der Hoffnung; das ist gewißlich wahr. Zum Vierten. Was bedeutet denn solch Wassertaufen? Es bedeutet, daß der alte Adam in uns durch tägliche Reue und Buße soll ersäufet werden und sterben mit allen Sünden und bösen Lüsten, und wiederum täglich herauskommen und auferstehn ein neuer Mensch, der in Gerechtigkeit und Reinigkeit vor Gott ewiglich lebe. Wo steht das geschrieben. Sankt Paulus zu den Römern am sechsten spricht: Wir sind samt Christo durch die Taufe begraben in den Tod, auf daß, gleichwie Christus ist von den Toten auferwecket durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln. V. Dom Amt der Schlüssel und von der Beichte*). Vom Amt der Schlüffel. Was ist das Amt der Schlüssel? Das Amt der Schlüssel ist die sonderbare Kirchengewalt, die Christus seiner Kirche auf Erden hat gegeben, den bußfertigen Sündern die Sünde zu vergeben, den unbußfertigen aber die Sünde zu behalten, solange sie nicht Buße thun. Wo steht das geschrieben? So schreibet der heilige Evangelist Johannes im 20. Kapitel: Der Herr Jesus blies seine Jünger an und sprach zu ihnen: Nehmet hin den heiligen Geist; welchen ihr die Sünden erlaffet, denen sind sie erlassen, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. *) Zuweilen wird dieses Hauptstück als das sechste und das Hauptstück vom Sakrament des Altars als das fünfte gezählt. 1. Das kirchliche Bekenntnis.- Dr. Martin Luthers Kleiner Katechismus. 435 Was glaubst du bei diesen Worten? Ich glaube, was die berufenen Diener Christi aus seinem göttlichen Befehl mit uns handeln, sonderlich, wenn sie die öffentlichen und unbußfertigen Sünder von der christlichen Gemeine ausschließen, und die, so ihre Sünden bereuen und sich bessern wollen, wiederum entbinden, daß es also kräftig und gewiß sei, auch im Himmel, als handelte es unser lieber Herr Christus mit uns selber. Von der Beichte. Wie man die Einfältigen soll lehren beichten. Was ist die Beichte? Die Beichte begreift zwei Stücke in sich: eines, daß man die Sünde bekenne, das andre, daß man die Absolution oder Vergebung vom Beichtiger empfahe als von Gott selbst, und ja nicht daran zweifle, sondern fest glaube, die Sünden seien dadurch vergeben vor Gott im Himmel. Welche Sünden soll man beichten? Vor Gott soll man sich aller Sünden schuldig geben, auch die wir nicht erkennen, wie wir im Vater Unser thun, aber vor dem Beichtiger sollen wir allein die Sünden bekennen, die wir wissen und fühlen im Herzen. Welche sind die? Da siehe deinen Stand an nach den zehn Geboten, ob du Vater, Mutter, Sohn, Tochter, Herr, Frau, Knecht, Magd seiest, ob du ungehorsam, untreu, unfleißig, zornig, unzüchtig, hässig gewesen seieft; ob du jemand Leid gethan haft mit Worten oder Werken; ob du gestohlen, versäumet, verwahrloset oder Schaden gethan hast. VI. Das Sakrament des Altars, wie ein Hausvater dasselbige seinem Gesinde einfältiglich fürhalten soll. Was ist das Sakrament des Altars? Es ist der wahre Leib und Blut unsers Herrn Jesu Christi, unter dem Brot und Wein uns Christen zu essen und zu trinken, von Christo selbst eingesetzt. Wo steht das geschrieben? So schreiben die heiligen Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Sankt Paulus: Unser Herr Jesus Christus in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankete und brachs und gabs seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und effet, das ist 28* 436 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. mein Leib, der für euch gegeben wird. Solches thut zu meinem Gedächtnis. Desselbigengleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankete und gab ihnen den und sprach: Nehmet hin und trinket alle daraus; dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches thut, so oft ihrs trinket, zu meinem Gedächtnis. Was nützt denn solch Essen und Trinken? Das zeigen uns diese Worte: Für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden; nämlich, daß uns im Sakrament Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit durch solche Worte gegeben wird. Denn wo Vergebung der Sünden ist, da ist auch Leben und Seligkeit. Wie kann leiblich Essen und Trinken solche große Dinge thun? Essen und Trinken thuts freilich nicht, sondern die Worte, so dastehen: Für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden. Welche Worte sind neben dem leiblichen Essen und Trinken als das Hauptstück im Sakrament; und wer denselbigen Worten glaubet, der hat, was sie sagen und wie sie lauten, nämlich Vergebung der Sünden. Wer empfängt denn solch Sakrament würdiglich? Fasten und leiblich sich bereiten ist wohl eine feine äußerliche Zucht, aber der ist recht würdig und wohl geschickt, der den Glauben hat an diese Worte: Für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden. Wer aber diesen Worten nicht glaubet oder zweifelt, der ist unwürdig und ungeschickt, denn das Wort: „ Für euch" fordert eitel gläubige Herzen. Wie ein Hausvater seine Kinder und sein Gesinde soll lehren morgens und abends beten. Siehe S. 6 u. 7. Wie ein Hausvater seine Kinder und sein Gesinde soll lehren vor und nach dem Essen beten. Siehe S. 69 u. 70. 1. Das kirchliche Bekenntnis.- Dr. Martin Luthers Kleiner Katechismus. 437 Dr. Martin Luthers Haustafel etlicher Sprüche für allerlei chriftliche Stände, dadurch dieselben ihres Amtes und Dienstes besonders zu ermahnen. Den Bischöfen, Pfarrherren und Predigern. Ein Bischof soll unsträflich sein, eines Weibes Mann, nüchtern, fittig, mäßig, gastfrei, lehrhaftig, nicht ein Weinsäufer, nicht beißig, nicht unehrliche Handtierung treiben, sondern gelinde, nicht haderhaftig, nicht geizig, der seinem eigenen Hause wohl vorstehe, der gehorsame Kinder habe, mit aller Ehrbarkeit, nicht ein Neuling, der ob dem Wort halte, das gewiß ist und lehren kann, auf daß er mächtig sei, zu ermahnen durch die heilsame Lehre, und zu strafen die Widersprecher. 1. Tim. 3. Von weltlicher Obrigkeit. Jedermann sei unterthan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit, ohne von Gott; wo aber Obrigfeit ist, die ist von Gott geordnet. Wer sich nun wider die Obrigfeit setzet, der widerstrebet Gottes Ordnung; die aber widerstreben, werden über sich ein Urteil empfahen. Denn sie trägt das Schwert nicht umsonst, sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe über den, der Böses thut. Röm. im 13. Kap. Matth. 22, 21. 1. Tim. 2, 1-3. Tit. 3, 1. 1. Petr. 2, 13. Den Ehemännern. Ihr Männer, wohnet bei euren Weibern mit Vernunft und gebet dem weiblichen, als dem schwächsten Werkzeuge, seine Ehre, als auch Miterben der Gnade des Lebens, auf daß euer Gebet nicht verhindert werde. 1. Petr. 3. Ihr Männer, liebet eure Weiber und seid nicht bitter gegen fie. Koloff. 3. Den Ehefrauen. Die Weiber seien unterthan ihren Männern, als dem Herrn, wie Sara Abraham gehorsam war und hieß ihn Herr, welcher Töchter ihr worden seid, so ihr wohl thut und nicht so schüchtern seid. 1. Betr. 3. Den Eltern. Ihr Väter, reizet eure Kinder nicht zum Zorn, daß sie nicht scheu werden, sondern ziehet sie auf in der Zucht und Vermahnung zum Herrn. Ephes. 6. DEPRES Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. Den Kindern. Ihr Kinder, seid gehorsam euern Eltern in dem Herrn, denn das ist billig. Ehre Vater und Mutter, das ist das erste Gebot, das Verheißung hat, nämlich, daß dirs wohlgehe und du lange lebest auf Erden. Ephes. 6. 438 Den Knechten, Mägden, Tagelöhnern und Arbeitern. Ihr Knechte, seid gehorsam euern leiblichen Herren, mit Furcht und Zittern, in Einfältigkeit eures Herzens, als Christo; nicht mit Dienst allein vor Augen, als den Menschen zu gefallen, sondern als die Knechte Christi, daß ihr solchen Willen Gottes thut von Herzen, mit gutem Willen. Lasset euch dünken, daß ihr dem Herrn dienet und nicht den Menschen; und wisset, was ein jeglicher Gutes thun wird, das wird er von dem Herrn empfahen, er sei ein Knecht oder ein Freier. Eph. 6. Koloff. 3. Den Hausherren und Hausfrauen. Ihr Herren, thut auch dasselbe gegen sie, und lasset euer Dräuen, und wisset, daß ihr auch einen Herrn im Himmel habt, und ist bei ihm kein Ansehen der Person. Eph. 6. Der gemeinen Jugend. Ihr Jungen, seid den Alten unterthan, und beweiset darinnen die Demut, denn Gott widerstehet den Hoffärtigen, aber den Demütigen giebt er Gnade. So demütiget euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, daß er euch erhöhe zu seiner Zeit. 1. Petr. 5. Den Witwen. Welche eine rechte Witwe und einsam ist, die stellet ihre Hoff nung auf Gott und bleibet am Gebet Tag und Nacht. Welche aber in Wollüsten lebet, die ist lebendig tot. 1. Tim. 5. Der Gemeine. Liebe deinen Nächsten als dich selbst. In dem Wort sind alle Gebote verfasset, Röm. 13. Und haltet an mit Beten für alle Menschen. 1. Tim. 2. Ein jeder lern sein Lektion, So wird es wohl im Hause stohn. Christliche Fragestücke, durch D. Martin Luthern geſtellet, für die, so zum Sakrament gehen wollen, mit ihren Antworten. Siehe S. 509. 1. Das kirchliche Bekenntnis.- Dr. Martin Luthers Kleiner Katechismus. 439 Dr. Martin Luthers Katechismusgebete. Zum ersten Gebot. Ach mein Gott und Herr, hilf mir durch deine Gnade, daß ich solch dein Gebot möge täglich je besser kennen lernen und verstehen, und mit herzlicher Zuversicht darnach thun. Behüte ja mein Herz, daß ich nicht mehr so vergessen und undankbar werde, feine andern Götter noch Trost auf Erden, noch in allen Kreaturen suche, sondern allein rein und frei an dir, meinem einigen Gott, bleibe. Amen. Lieber Herr Gott, Vater. Amen. Zum zweiten Gebot. Lieber Gott, ich bitte um Hilfe und Stärke, daß ich hinfort solch Gebot wohl lernen möge, behüte mich, lieber Herr, vor solcher schändlicher Undankbarkeit, Mißbrauch und Sünden wider deinen heiligen Namen; hingegen laß mich dankbar erfunden werden und in rechter Furcht und Ehre deines Namens. Amen. Zum dritten Gebot. Ich bete für mich und alle Welt, daß du, lieber Vater, uns wollest bei deinem heiligen Wort erhalten und dasselbe nicht von uns nehmen, um unsrer Sünde, Undankbarkeit und Faulheit willen. Wollest uns behüten vor Rottengeistern und falschen Lehrern, sende uns rechte und treue Arbeiter in deine Ernte, das ist treue und fromme Pfarrherrn und Prediger. Gieb uns allen auch Gnade, daß wir derselbigen Wort demütig hören, annehmen und ehren, dazu auch von Herzen dafür dir danken und dich loben. Amen. Zum vierten Gebot. Ich bitte für mich und alle Welt, daß du, lieber Vater, uns wollest deine Gnade verleihen und deinen Segen reichlich ausschütten, beides über Haus- und Stadtwesen, daß wir hinfort fromm werden, die Eltern ehrlich halten, den Herrschaften gehorsam seien, dem Teufel widerstehen und seinem Reize nicht folgen zu Ungehorsam und Unfriede, und also mit der That helfen das Haus und Land bessern, den Frieden erhalten, dir zu Lob und Ehren, uns selbst zu Nuß und allem Guten, daß wir solche deine Gabe erkennen und dafür danken. Verleihe auch den Eltern und Oberherrn Verstand und Weisheit, friedlich und seliglich uns vorzusetzen und zu regieren. Behüte sie vor Tyrannei, Toben und Wüten und wende sie davon, daß sie dein Wort ehren, nicht verfolgen, noch jemand Unrecht thun. Denn wo solches nicht geschieht, ist der Teufel der oberste Abt zu Hofe und gehet übel und wüste zu. Auch sollen Vater und Mutter des Gebetes für Kinder und Gesinde nicht vergessen: Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. Lieber Vater, du hast mich in deines Namens und Amtes Ehren gesetzt und willst mich Vater genennet und geehret haben, verleihe mir Gnade und Segen, mein Weib, Kinder und Gesinde göttlich und christlich zu regieren und zu ernähren; gieb mir Weisheit und Kraft, sie wohl zu erziehen! Gieb ihnen ein gutes Herz und Willen, deiner Lehre zu folgen und gehorsam zu sein, denn es sind deine Gaben, beides, Kinder und ihr Gedeihen, beides, wohlgeraten und gut bleiben. Amen. 440 Zum fünften Gebot.. Ich bitte dich, lieber Vater, du wollest uns Gnade verleihen, solch dein heilig Gebot zu erkennen, und helfen, daß wir uns auch darnach halten und leben. Behüte uns alle untereinander vor dem Mörder, der alls Mordens und Schadens Meister ist, und gieb deine reiche Gnade, daß die Leute und wir mit ihnen gegen einander freundlich, sanft und gütig werden, einander herzlich vergeben, und einer des andern Fehl und Gebrechen christlich und brüderlich trage, und also im rechten Frieden und Einigkeit leben, wie dies Gebot uns lehret und fordert. Amen. Zum sechsten Gebot. Lieber Gott, ich bitte dich für mich und alle Welt, du wollest uns geben Gnade, solch dein Gebot mit Lust und Liebe zu halten, daß wir nicht allein feusch leben, sondern auch andern dazu helfen und raten. Amen. Zum siebenten Gebot. Ich bitte dich, lieber Vater, du wollest mir Gnade verleihen, daß ich und alle Welt solche deine Gebote doch lernen und bedenken mögen, uns auch davon bessern, daß doch des Stehlens, Raubens, Schindens, Untreues, Unrechts weniger werde, und in Kürze durch den jüngsten Tag, da aller Heiligen und Kreaturen Gebete hindringen ( Röm. 8) gar ein Ende werde. Amen. Zum achten Gebot. Lieber Gott, wir bitten dich um Hilfe, solch Gebot hinfort zu halten, und um eine heilsame Zunge. Amen. Zum neunten und zehnten Gebot. Lieber Gott, ich bitte um Hilfe und Stärke, fromm zu werden und solch dein Gebot zu halten. Amen. Zum ersten Artikel. Ich bitte dich um rechten gewissen Glauben, daß ich dich, meinen lieben Gott, für meinen Schöpfer hinfort ernstlich glauben und halten möge. Amen. 1. Das kirchliche Bekenntnis.- Dr. Martin Luthers Kleiner Katechismus. 441 Zum zweiten Artikel. Ich bitte dich, lieber Vater, du wollest mich bei rechtem reinen. Glauben an Christum, meinen Herrn, hinfort erhalten bis ans Ende. Amen. Zum dritten Artikel. Lieber Gott und Vater, ich bitte dich um recht festen Glauben, der da harre und bleibe bis ich komme dahin, da es alles bleiben wird ewiglich, das ist nach der Auferstehung von den Toten, im ewigen Leben. Amen. Zum heiligen Vaterunſer. Ach Gott, Vater im Himmel, du wollest uns, deine elenden Kinder auf Erden, barmherzig ansehen und Gnade verleihen. 1. Daß dein heiliger Name unter uns und in aller Welt geheiligt werde durch reine, rechtschaffene Lehre deines Wortes und durch brünstige Liebe unsers Lebens; wollest gnädiglich abwenden alle falsche Lehre und böses Leben, darin dein werter Name gelästert und geschändet wird. 2. Daß auch dein Reich zukomme und gemehret werde, wollest du alle Sünder, Verblendete und vom Teufel in seinem Reiche Gefangene zur Erkenntnis des rechten Glaubens an Jesum Christum, deinen Sohn, bringen und die Zahl der Christenheit groß machen. 3. Daß wir auch mit deinem Geist gestärkt werden, deinen Willen zu thun und zu leiden, wollest du beide, im Leben und Sterben, im Guten und Bösen, allezeit unsern Willen brechen, opfern und tödten. 4. Wollest uns auch unser täglich Brod geben, vor Geiz und Sorge des Bauchs behüten; hingegen uns alles Gutes genug zu dir versehen lassen. 5. Wollest auch unsre Schuld vergeben, wie wir denn unsern Schuldigern vergeben, daß unser Herz ein sicher, fröhlich Gewissen vor dir habe und wir vor feiner Sünde uns nimmer fürchten noch erschrecken. 6. Wollest uns nicht einführen in Anfechtungen, sondern hilf uns durch deinen Geist das Fleisch zwingen, die Welt mit ihrem Wesen verachten und den Teufel mit allen seinen Tücken überwinden. 7. Und zuletzt wollest uns erlösen von allem Übel, beide leiblich und geistlich, zeitlich und ewiglich. Amen. Ich glaube ohn allen Zweifel, dies mein Gebet sei ja und erhöret im Himmel, weil uns Christus zugesagt: Was ihr bittet, glaubet, daß ihrs haben werdet, so solls geschehen. Amen. Amen. Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. Zu Taufe und Abendmahl. Lieber Herr Christe, erhalte uns bei reinem Verstand des Worts und heiligem Sakrament, und behüte uns durch deine Gnade vor allem Irrtum. Amen. 442 Zweite Abteilung. Der Gemeindegottesdienst. I. Einleitung. Der Sonntag ist der Tag heiliger Ruhe. Er ist uns nicht nur dazu gegeben, daß wir einmal eine Pause machen in unsern oft so beschwerlichen und anstrengenden Berufsarbeiten und im Ausruhen davon neue Kräfte sammeln zu neuer Thätigkeit, sondern wir sollen den Feiertag, d. h. eben diesen Ruhetag heiligen, ihn aussondern für Gottes Wort, Gottes Dienst und Gottes Anbetung. Zwar soll der Christ keinen Tag vorübergehen lassen, an welchem er nicht Gottes Wort gebrauchte und Gottes Angesicht im Gebet suchte, allein weil unsre Werktage mit ihrer Haft und Unruhe uns oft wenig Zeit und Ruhe dazu lassen, so ist von Alters her in der christlichen Kirche der Sonntag geordnet, an welchem das christliche Volk zusammen kommen, Gottes Wort hören, gemeinsam all sein Anliegen vor Gott bringen, ihn um seine Gnade und Gaben für Seel und Leib anrufen und danken, und sich durch Wort und Sakrament stärken soll zum Glauben und heiligen Wandel dem Ziel der ewigen Seligkeit entgegen. Wo solches treulich und ernstlich geschieht, da heiligt man den Feiertag. Daß die christliche Kirche hierfür den Sonntag verordnet hat, das hat sie mit gutem Bedacht und aus gutem Grunde gethan, denn er ist der Tag der Auferstehung des Herrn Jesu Christi von den Toten, und auf des Herrn Auferstehung ruht ja aller rechte christliche Glaube und alle Hoffnung des ewigen Lebens, und von hier aus empfangen die Seelen alle Kraft zum neuen gottgeheiligten Leben. Darum begeht die Christenheit nicht den siebenten, sondern den ersten Tag, nicht den Sonnabend, sondern den Sonntag als den Tag heiliger Ruhe in Gott und lobpreisender Anbetung vor Gott. Mit jedem Sonntag öffnet der Auferstandene von neuem seiner Gemeinde die Quellen des Lebens in Wort und Sakrament, und was die Gnadenhand des Herrn darbietet, das nimmt die - 2. Der Gemeindegottesdienst. Die Ordnung des Hauptgottesdienstes. 443 Glaubenshand der Gemeinde dankbar entgegen; hinwiederum weiß und glaubt sie, daß auch die Opfer ihrer Herzen und Lippen, die sie ihrem ewigen Könige in Glauben, Demut und Liebe entgegenbringt, von ihm in Gnaden auf- und angenommen werden. Dieser Wechsel zwischen dem Herrn und seiner Gemeinde findet in jedem Gottesdienste der gläubigen Gemeinde statt. Der Diener am Worte übt hierbei, unbeschadet des freien und ungehinderten Zugangs, den jede gläubige Seele zu ihrem Gott und Vater durch den einigen Mittler Jesus Christus hat, doch das Amt eines Vermittlers, der nach beiden Seiten hin einen Auftrag auszurichten hat: überall, wo er der Gemeinde die Gnadengaben des Herrn in Wort und Sakrament, durch Lektion, Predigt, Verkündigung und Sakramentsverwaltung entgegenbringt, da handelt er im Namen Gottes mit der Gemeinde, und überall, wo er in Anbetung vor den Herrn hintritt, um auszusprechen, was die Gemeinde an Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung auf dem Herzen hat, da handelt er im Namen der Gemeinde mit Gott. - - II. Die Ordnung des Hauptgottesdienſtes an Sonn- und Festtagen. Vorbemerkungen. Die hier dargebotene Gottesdienstordnung lehnt sich in der Hauptsache an Dr. Martin Luthers deutsche Messe von 1526 an. Sie hat an den verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten größere oder geringere Veränderungen und Kürzungen erfahren, so daß hierin nicht allenthalben Übereinstimmung in den lutherischen Gemeinden besteht. Die wahre Einheit der Kirche wird dadurch nicht zerstört, denn es ist gewiß wahr, was Artikel 7 unsers Augsburgischen Glaubensbekenntnisses sagt: Zur wahren Einigkeit der christlichen Kirche ist genug, daß da einträchtiglich nach reinem Verstand das Evangelium gepredigt und die Sakramente dem göttlichen Worte gemäß gereicht werden, und ist nicht not zur wahren Einigkeit der christlichen Kirche, daß allenthalben gleichmäßige Zeremonien, von Menschen eingesetzt, gehalten werden, wie Paulus spricht Ephes. 4: ,, Ein Leib, ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einerlei Hoffnung eures Berufs, ein Herr, ein Glaube, eine Taufe." Diejenigen evangelisch- lutherischen Gemeinden, welche eine reichere Gottesdienstordnung haben, mögen sich derselben dankbar freuen, diejenigen aber, deren Gottesdienst nicht so reichlich ausgestattet ist, mögen darum nicht meinen, daß ihnen etwas zu ihrer 444 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. Seelen Seligkeit gebreche. Ein jeder brauche nur das, was ihm beim Gottesdienst aus dem Schatz der göttlichen Wahrheit dargeboten wird, unter ernstlichem Gebet und mit treuer Sorge für sein Seelenheil, so wird der Segen Gottes nicht fehlen. 2. Mose 16, 17. 18. Einige hie und da bestehende Abweichungen von der hier gegebenen Gottesdienstordnung finden sich am Ende derselben bemerkt. In halb- oder einstündigen Pausen wird vor dem Beginn des Hauptgottesdienstes ein zweimaliges Zeichen mit einer Glocke,- an Festtagen wohl auch mit allen Glocken,- gegeben, durch welches die Gemeinde zum Gebet und zu andächtiger Vorbereitung auf den Gottesdienst ermahnt wird. Zur bestimmten Stunde ruft dann der Klang aller Glocken die Gemeinde zur Kirche. Mit dem Zusammenläuten geht jedes Glied der Gemeinde zur Kirche, tritt an seinen Ort und betet knieend oder stehend ein stilles Vaterunser oder was seine Andacht giebt. Hierauf setzt man sich und erwartet in Andacht den Beginn des öffentlichen Gottesdienstes. 11. Das Eingangslied. Die Gemeinde bedarf zu allem ihren gottesdienstlichen Werke die Hilfe des heiligen Geistes, ohne welchen Niemand Jesum einen Herrn heißen, auch nicht glauben, noch zu Gott kommen kann. Darum erbittet sie sich in einem Eingangsliede die Hilfe des heiligen Geistes. Am gebräuchlichsten sind folgende Eingangslieder: Komm heiliger Geist, erfüll die Herzen deiner Gläubigen und entzünd in ihnen das Feuer deiner göttlichen Liebe; der du durch Mannigfaltigkeit der Zungen die Völker der ganzen Welt versammelt haft in Einigkeit des Glaubens. Halleluja. Halleluja. Oder: Komm heiliger Geist, Herre Gott, erfüll mit deiner Gnaden Gut deiner Gläubigen Herz, Mut und Sinn, dein brünstig Lieb entzünd in ihn'n. O Herr, durch deines Lichtes Glanz zu dem Glauben versammelt hast das Volk aus aller Welt Zungen. Das sei dir, Herr, zu Lob gesungen. Halleluja. Halleluja. Oder: Herr Jesu Christ, dich zu uns wend, dein heilgen Geist du zu uns send, mit Hilf und Gnad er uns regier und uns den Weg zur Wahrheit führ. u. s. w. Gegen das Ende des Eingangsliedes tritt der Pastor an den Altar. 2. Das Kyrie samt dem Gloria in excelsis. Wechselgesang zwischen Pastor und Gemeinde. P. Kyrie( Herr). G. Eleison( erbarme dich). 2. Der Gemeindegottesdienst.- Die Ordnung des Hauptgottesdienstes. 445 P. Christe. G. Eleison. G. Eleison. P. Kyrie. Oder: 6. Herr, erbarme dich. 6. Christe, erbarme dich. G. Herr, erbarme dich über uns. P. Kyrie eleison. P. Christe eleison. V. Kyrie eleiſon. P. Ehre sei Gott in der Höhe( gloria in excelsis). G. Und auf Erden Fried und den Menschen ein Wohlgefallen. Oder die Gemeinde antwortet mit dem Liede: ,, Allein Gott in der Höh sei Ehr", oder:„ All Ehr und Lob soll Gottes fein". Oder sie singt nach den Worten: Und auf Erden Fried und den Menschen ein Wohlgefallen, das nachfolgende sog.„ Große Gloria": „ Wir loben dich, wir benedeien dich, wir beten dich an, wir preisen dich, wir sagen dir Dank um deiner großen Ehre willen, Herr Gott, himmlischer König, Gott, allmächtiger Vater, Herr, eingeborner Sohn, Jesu Christe, du Allerhöchster; und dir, o heiliger Geist! Herr Gott, Lamm Gottes, ein Sohn des Vaters, der du hinnimmst die Sünde der Welt, erbarm dich unser. Der du hinnimmſt die Sünde der Welt, nimm auf unser Gebet. Der du sizest zur Rechten des Vaters, erbarm dich unser. Denn du allein bist heilig, du bist allein der Herr, du bist allein der Höchste, Jesu Christe, mit dem heiligen Geist, in der Herrlichkeit deines Vaters. Amen. 3. Salutatio( Gruß) und Kollekte. Der Geistliche wendet sich zu der Gemeinde und grüßt sie vom Altar aus: P. Der Herr sei mit euch und wird von der Gemeinde gegrüßt: G. Und mit deinem Geiſte! Darauf betet der Geistliche, zum Altar gewendet, die Kollekte, welche eine kurze Zusammenfassung der aus der Bedeutung der betreffenden Sonn-, Fest- oder Feiertage sich ergebenden Bitten ist. Die Gemeinde antwortet mit Amen. 4. Die Epistel und das Evangelium. Der Gemeinde zugewendet liest der Geistliche vom Altar, oder noch besser vom Lesepult aus, wenn ein solches vorhanden ist - 446 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. die vorgeschriebene Epistel, d. h. einen Abschnitt aus den Schriften der Apostel. Die Gemeinde hört diese Lektion stehend an und singt nach Beendigung derselben, Halleluja". In der Passionszeit wird dieses Halleluja durch einen andern Gesang, etwa: ,, Gelobt sei Gott. Amen" ersetzt. Die Gemeinde fißt nieder und singt ein Lied, welches entweder zu dem nachfolgenden Evangelium, zum Feste oder der Feftzeit, oder zur Bedeutung des Sonntags paßt. Am Schluß desselben tritt der Geistliche wieder an den Altar oder das Lesepult und lieft das für den Sonn- oder Festtag vorgeschriebene Evangelium, welches wiederum stehend von der Gemeinde angehört wird und nach welchem sie singt: ,, Lob sei dir, o Christe." 5. Das Credo oder Glaubensbekenntnis. Die Gemeinde fingt das Glaubenslied: ,, Wir glauben all an einen Gott" 2c. oder spricht gemeinschaftlich das apostolische Glaubensbekenntnis( f. S. 389) oder auch das nicänische Glaubensbekenntnis, wie es die Väter bei den Kirchenversammlungen zu Nicäa i. J. 325 n. Chr. und in Konstantinopel i. J. 381 n. Chr. bekannt haben( f. S. 389). 6. Die Predigt. Sie geschieht von der Kanzel, welche der Geistliche gegen das Ende des Credo beſtiegen hat. Vieler Orten ist es Brauch, daß der Pastor nach der Predigt die Gemeinde auffordert, sich vor Gott zu demütigen und ihre Sünden zu bekennen, und dann ein Beichtgebet spricht, worauf er allen wahrhaft Bußfertigen auch die göttliche Gnade und Vergebung zusagt, den Unbußfertigen aber ihre Sünde behält. Es folgt sodann 7. Das allgemeine Kirchengebet. Am richtigsten wird das allgemeine Kirchengebet am Altar, als der Stätte des Gebets, geschehen; in den meisten Gemeinden aber wird es vom Geistlichen auf der Kanzel gesprochen. In diesem Gebete trägt die Gemeinde durch den Mund des Geistlichen Gott alles vor, was sie an Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung auf dem Herzen hat. Besondere Fürbitten für Wöchnerinnen, Verlobte, Trauernde, 2.Der Gemeindegottesdienst.- Die Ordnung des Hauptgottesdienstes. 447 auch wohl Kranke, ebenso alle etwa nötigen kirchlichen AbkünDasdigungen knüpfen sich an das allgemeine Kirchengebet an. selbe lautet: Allmächtiger, ewiger, barmherziger Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi, du Herr Himmels und der Erden, wir bitten dich herzlich, du wollest deine heilige Kirche mit ihren Dienern, Wächtern und Hirten durch deinen heiligen Geist regieren, auf daß sie bei der rechtschaffenen Weide deines allmächtigen, ewigen Wortes erhalten, der Glaube an dich dadurch gestärket werde, und die Liebe gegen alle Menschen in uns erwachse und zunehme. Wollest auch der weltlichen Obrigkeit langes Leben, beständige Gesundheit, samt aller zeitlichen und ewigen Wohlfahrt, allen ihren Räten und Amtleuten aber Gnade und Einigkeit verleihen, das Land nach deinem göttlichen Willen und Wohlgefallen zu regieren, auf daß die Gerechtigkeit gefördert, die Bosheit verhindert und gestraft werde, damit wir in stiller Ruhe und gutem Frieden, wie Christen gebührt, unser Leben vollstrecken mögen. Gieb auch, daß unsere Feinde und Widersacher ablassen und sich mit uns friedlich und sanftmütig zu leben begeben wollen. Alle, die in Trübsal, Armut, Krankheit, Kindesbanden, Todesnöten und andern Anfechtungen sind, auch die, so um deines heiligen Namens und der Wahrheit willen angefochten, gefangen sind oder sonst Verfolgung leiden, tröste sie, Gott, mit deinem heiligen Geiste, daß sie solches alles als deinen väterlichen Willen aufnehmen und erkennen. Und ob wir zwar mit unsern Sünden deinen gerechten Zorn und allerlei Strafen wohl verdient haben, so bitten wir doch, o treuer, barmherziger Vater, von Grund unserer Herzen, daß du nicht gedenken wollest der Sünden unserer Jugend, noch aller unserer Übertretung, sondern vielmehr eingedenk bleiben deiner grundlosen Güte, Gnade und Barmherzigkeit und uns mit allerlei schweren Plagen Leibes und der Seele verschonen. Behüte uns gnädig vor fremder, verderblicher Lehre, vor Krieg und Blutvergießen, vor Pestilenz und teurer Zeit, vor Feuers- und Wassersnot, vor Hagel und Ungewitter, vor allem Herzeleid und sonderlich vor unleidlicher hoher Anfechtung der Seelen und einem bösen schnellen Tode. Hilf allenthalben aus aller Not und sei ein Heiland aller Menschen, sonderlich deiner Gläubigen. Wolleft uns auch alle Früchte der Erde zu leiblicher Notdurft gehörig mit fruchtbarem Wachstum geraten und gedeihen lassen; auch christliche Kinderzucht, alle ehrliche Nahrung und Handtierung zu Wasser und zu Lande, alle edlen Künste und Wissenschaften mit deinem göttlichen Segen frönen. Endlich um alles, darum du, ewiger Gott, gebeten 448 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. sein willst, bitten wir mit der ganzen heiligen Kirche auf Erden und mit allen deinen Auserwählten im Himmel. Vernimm, du Herr Himmels und der Erden, das einmütige Gebet aller der Deinigen hier und dort. Laß bald erfüllt werden die Zahl deiner Auserwählten und das Maß ihrer Plagen. Laß bald zu Ende gehen die Tage, da wir mit allen in Christo Entschlafenen auf die selige Freiheit der Kinder Gottes und unsers Leibes Erlösung sehnlich warten, und vereinige in deiner Zukunft alle deine Kinder von der Welt her vor deinem Angesicht. Solches alles wollest du uns gnädiglich verleihen durch das bittere Leiden und Sterben Christi Jesu, deines einigen Sohnes, unsers geliebten Herrn und Heilandes, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebt und herrschet, gleicher Gott, hochgelobt in Ewigkeit. Amen. Mit einem Segensspruch verläßt der Geistliche die Kanzel. 8. Die Sakramentsfeier. Unter dem Gesange eines passenden Liederverses, etwa: ,, Schaffe in mir, Gott, ein reines Herze" 2c.( siehe unter den Liedern Nr. 45), begiebt sich der Geistliche an den Altar zur Verwaltung des heiligen Sakraments des Leibes und Blutes Christi. Die Abendmahlsgäste versammeln sich vor dem Altar.co a. Die Präfation( Danksagung) mit dem Sanktus( Heilig, heilig 2c.). Der Geistliche wendet sich zur Gemeinde und singt oder spricht: P. Der Herr sei mit euch. G. Und mit deinem Geiste. P. Die Herzen in die Höhe. G. Erheben wir zum Herrn. P. Lasset uns danksagen dem Herrn, unserm Gotte. G. Das ist würdig und recht. Zum Altar gewendet, fährt der Geistliche fort: P. Wahrhaft würdig und recht, billig und heilsam ists, daß wir dir, heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott, allezeit und überall danksagen durch Christum, unsern Herrn, durch welchen deine Majestät loben die Engel, anbeten die Herrschaften, fürchten die Mächte, die Himmel und aller Himmel Kräfte samt den seligen Seraphin mit einhelligem Jubel preisen. Mit ihnen laß auch unsre Stimme uns vereinen und anbetend zu dir sprechen: ( Es folgt das von der Gemeinde gesungene Sanktus.) Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr Zebaoth, alle Lande 2. Der Gemeindegottesdienst.- Die Ordnung des Hauptgottesdienstes. 449 sind seiner Ehre voll, Hosianna in der Höhe. Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe. b. Die Konsekration, oder Weihung des Brotes und des Weines. Der Pastor singt oder spricht zuerst Das heilige Vaterunser, welches von der Gemeinde mit Amen beantwortet wird, und sodann die Einsetzungsworte: 11 Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verraten ward 2c. Bei den Worten: das ist mein Leib" wird über dem Brote, und bei den Worten: in meinem Blute" über dem Kelch das Zeichen des Kreuzes gemacht, wodurch nicht etwa eine Verwandlung des Brotes und Weines in Leib und Blut Christi bewirkt wird, wie die Römischen meinen, sondern die äußern Zeichen, Brot und Wein, dem gewöhnlichen Gebrauche entnommen und für den sakramentlichen Gebrauch ausgesondert werden. c. Distribution oder Austeilung. Bei Austeilung des Brotes spricht der Pastor: Nehmet hin und esset, das ist der( wahre) Leib unsers Herrn Jesu Christi, für eure Sünden in den Tod dahin gegeben, der stärke und erhalte euch im wahren Glauben zum ewigen Leben f. Amen. Bei Austeilung des Weines spricht er: Nehmet hin und trinket, das ist das( wahre) Blut unsers Herrn Jesu Christi, am Kreuz vergossen zur Vergebung der Sünden, das stärke und erhalte euch im wahren Glauben zum ewigen Leben †. Amen. Während der Ausspendung singt die Gemeinde das Agnus Dei oder ein Abendmahlslied. Das erstere ist das Lied: Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarme dich unser. Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarme dich unser. Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, gieb uns deinen Frieden. Amen. 9. Schluß des Gottesdienstes. Nach vollendeter Sakramentsspendung stimmt der Geistliche eine Danksagung an: P. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich.( Halleluja.) G. Und seine Güte währet ewiglich.( Halleluja.) Es folgt eine Kollekte, welche die Gemeinde mit Amen beantwortet und sodann Allgemeines Gebetbuch. 29 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. der Segen: Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr erleuchte sein Angesicht über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. G. Amen. An manchen Orten geht dem Segen noch ein Wechselgesang voraus: 450 P. Laßt uns benedeien den Herrn. G. Gott sei ewiglich Dank. Nach dem Segen gehört sich eigentlich nur noch ein stilles Gebet, mit welchem die ganze gottesdienstliche Feier beendet ist; allein an den meisten Orten wird es üblich sein, daß die Gemeinde noch einen Schlußvers singt. Völlig finnwidrig aber wäre es, dazu einen Vers zu wählen, der Klagen, Bitten, Seufzer u. dergl. enthält; denn nachdem die Gemeinde vom Herrn durch Wort und Sakrament so reich gesegnet worden ist, ziemt sich nur noch Dank und Lob. Daher muß zum Schlußvers eine Doxologie, d. h. ein Lobgesang gewählt werden, etwa: Glori, Lob, Ehr und Herrlichkeit sei Gott, Vater und Sohn bereit, dem heiligen Geist mit Namen. Die göttlich Kraft mach uns sieghaft durch Jesum Christum. Amen. Oder das Nunc dimittis, das ist der Lobgesang des Simeon, Lut. 2, 29-32: Herr, nun läsfest du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt haft; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, den du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht zu erleuchten die Heiden, und zum Preise deines Volkes Israel. Amen. Nicht immer verbindet sich mit dem Hauptgottesdienste auch die Sakramentsfeier, weil sich nicht an jedem Sonn- und Festtage solche finden, die des Sakraments begehren. Muß die Abendmahlsfeier ausfallen, so werden nach Schluß der Predigt und dem allgemeinen Kirchengebete einige Verse von der Gemeinde gesungen und es knüpft sich an diese Intonation, Kollekte, Segen und Schlußvers an. Außer dem Hauptgottesdienste giebt es noch eine Menge sog. Nebengottesdienste, z. B. Predigtgottesdienste und Betstunden am Nachmittage der Sonn- und Festtage, Morgen- und Abendgottesdienste, Katechismusunterredungen mit den Konfirmirten, Christenlehre, Kindergottesdienste, Wochengottesdienste, besonders in der Advents- und Passionszeit, Beichtgottesdienste u. a. m. Dieselben haben ihren großen Segen und sollten von dem christlichen Volke 2. Der Gemeindegottesdienst.- Die Ordnung des Hauptgottesdienstes. 451 besser und treulicher benutzt werden, als es gemeiniglich geschieht. Die Ordnung aber derselben ist in den verschiedenen Ländern und Gemeinden zu verschieden, als daß hier des Nähern könnte darauf eingegangen werden. In vielen lutherischen Gemeinden weicht die bestehende Ordnung des Gottesdienstes von der hier dargebotenen nicht unwesentlich ab. Schon der Beginn des Gottesdienstes ist vieler Orten ein sehr gekürzter. Nach einem Eingangsliede tritt der Geistliche an den Altar und grüßt sofort und ohne alle weitere Vorbereitung die Gemeinde mit dem Gruß: der Herr sei mit euch 2c. Darauf folgt Intonation und Responsum der Gemeinde d. i. der wechselweise zwischen Pastor und Gemeinde sich vollziehende Gesang eines kurzen Bibelspruches ( Versikel) und darauf die Kollekte und Vorlesung der Epistel, nach welcher die Gemeinde sofort das Credo oder Glaubenslied anstimmt. Es folgt sodann die Lektion des Evangeliums und der Gesang des sogen. Hauptliedes, nach dessen Schluß die Predigt gehalten wird 2c. Es fehlt beim Beginn des Gottesdienstes die so nötige Bitte um die Gnade und Vergebung des Herrn. Darum sollte das Kyrie nicht fehlen, mit welchem die Gemeinde eben diese erbarmende Gnade Gottes fich erbittet. Neben dieser gekürzten und der Sache nicht recht entsprechenden Ordnung des Gottesdienstes giebt es aber auch vieler Orten eine erweiterte, welche sich folgendermaßen gestaltet: Eingangslied. Confiteor, d. h. Sündenbekenntnis und mitfolgender Gnadenversicherung. Der am Altar stehende Pfarrer wendet sich zu der Gemeinde mit den Worten: ,, Meine Allerliebsten in Gott, eröffnet eure Herzen, laßt uns Gott unsre Sünde bekennen und um Vergebung im Namen unsers Herrn Jesu Christi bitten. Sprecht mir nach in herzlichem Begehren zu Gott, im Glauben an den Herrn Jesum Christum, durch den heiligen Geist": P. Unsre Hilfe steht im Namen des Herrn. G. Der Himmel und Erde gemacht hat. P. Ich sprach, ich will dem Herrn meine Übertretung bekennen. G. Da vergabst du mir die Missethat meiner Sünde. P. Ich armer fündiger Mensch, bekenne vor dir, allmächtiger Gott, meinem Schöpfer und Erlöser, daß ich gesündigt habe nicht allein mit Gedanken, Worten und Werken, sondern daß ich auch von Natur fündig und unrein bin, in Sünden empfangen und geboren. 29* 452 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. Ich habe aber Zuflucht zu deiner grundlosen Barmherzigkeit, suche und begehre Gnade um des Herrn Jesu Christi willen. Herr, sei gnädig mir armen Sünder." P. u. G. Amen. ff P. Der allmächtige, barmherzige Gott hat sich unser erbarmet, vergiebt uns wahrhaftig alle unsre Sünden um seines lieben Sohnes willen, den er um unsert willen in den Tod gegeben, und hat Macht gegeben, Gottes Kinder zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, giebt uns dazu auch seinen heiligen Geist. Wer glaubt und getauft wird, soll selig werden. Das verleihe uns Gott allen." P. u. G. Amen. Introitus( Eingang). Dieser wird entweder vom Chor, oder wechselweise zwischen Pastor und Gemeinde gesungen und besteht in kurzen Bibelsprüchen, welche der feiernden Gemeinde den besonderen Charakter, Sinn und Bedeutung des Sonn- oder Festtages fund machen sollen und wird mit dem sogen. ,, kleinen Gloria" geschlossen:„ Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen." Kyrie mit dem gloria in excelsis. Der weitere Verlauf des Gottesdienstes ist dann derselbe, wie oben, nur daß hier und da bei der Sakramentsfeier die Einsetzungsworte zuerst und das heilige Vaterunser nach denselben gesungen oder gesprochen wird, worauf das Lied: Christe, du Lamm Gottes 2c. folgt, nach dessen Schluß der Pastor die Gemeinde grüßt: der Friede des Herrn sei mit euch", worauf die Austeilung des heiligen Sakraments geschieht. Bei derselben ist der Brauch verschieden. Entweder knieen die Kommunikanten, so viel ihrer auf einmal Plaß haben, an den Stufen des Altars nieder und empfangen aus der Hand des Pastors zuerst das Brot und darnach sogleich den Kelch, oder sie treten paarweise oder zu dreien auf der einen Seite des Altars can die Altarschranken heran, um das Brot zu empfangen, und gehen dann um den Altar herum, um auf der andern Seite des Altars den Kelch entgegenzu nehmen. Den Anfang machen in diesem Falle die Greise, denen die jüngeren verheirateten Männer und zuletzt die jungen Burschen folgen. Dann treten zuerst die Jungfrauen heran, denen die jüngeren verheirateten Frauen folgen. Die Greifinnen und Witwen machen den Schluß. Für die Festtage giebt es besondere Präfationen, deren Inhalt sich dem Sinn und der Bedeutung des betreffenden Festtages anpaßt. Vieler Orten ist aber die Präfation überhaupt nicht im Ge 2. Der Gemeindegottesdienst.- Grundlegende Gedanken der Ordnung 2c. 453 brauch, sondern die liturgische Ausgestaltung der Sakramentsfeier beschränkt sich darauf, daß der Geistliche, während die Gemeinde einen Liedervers singt, an den Altar tritt und hier mit dem heiligen Vaterunser beginnt, welches die Gemeinde abschließt mit dem Gesang der Schlußworte:, denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen." Dann erfolgt die Konsekration und darauf die Ausspendung unter dem Gesange eines Abendmahlsliedes. Auch bei einer so dürftigen liturgischen Ordnung kann doch ein jeder den vollen Segen des Sakraments haben, so er es anders mit bußfertigem und gläubigen Herzen empfängt. Die reichere Liturgie dient aber gar trefflich zur Erweckung größerer Andacht, die unsern trägen und kalten Herzen allezeit so nötig ist. Ehedem folgte unmittelbar auf die Predigt das„ Offertorium", ein Gesang, während dessen die Gemeinde ihre Gaben für Arme, Kranke, kirchliche Werke u. dergl. vor Gott niederlegte, entweder auf dem Altar selbst, oder auf einem zu diesem Zweck in der Nähe des Altars angebrachtem Tische. Dieser Brauch ist wohl an den allermeisten Orten gänzlich abgekommen, nur die sogen. Kommunionbecken, in welche die Abendmahlsgäste ihre Gaben für die Armen einlegen, sind noch ein Rest davon. III. Darlegung der Gedanken, welche der Ordnung des Hauptgottesdienstes zu Grunde liegen. Die Ordnung des Hauptgottesdienstes ist nicht eine plan- und gedankenlose Aneinanderreihung einzelner liturgischer Stücke, sondern sie ist ein innerlich zusammenhängendes Ganzes, dem ein tiefer und schöner Sinn innewohnt. Hören wir darüber einen in diesen Sachen wohlerfahrenen Mann. Wilh. Löhe, ehedem Pfarrer in Neuendettelsau in Bayern, spricht sich im Vorwort zur 1. Auflage seiner Agende über die erweiterte Form der Gottesdienstordnung( f. S. 451), welche das Konfiteor beim Beginn enthält, folgendermaßen aus: Ich möchte den Gedankengang der Liturgie des Hauptgottesdienstes mit einem zweigipfeligen Berge vergleichen, dessen einer Gipfel, wie etwa bei Horeb und Sinai, niedriger ist, als der andre. Der erste Gipfel ist die Predigt, der zweite das Sakrament des Altars, ohne welches ich mir einen vollendeten Gottesdienst auf Erden nicht denken kann. Man ist beim Hauptgottesdienste immer im Steigen begriffen, bis man bei dem Tisch des Herrn angelangt ist, wo man nichts Höheres mehr über sich hat, als 454 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. den Himmel, und deshalb nur noch im Nunc dimittis einen entsprechenden Ausdruck für das inwendige Sehnen findet. Verfolgen wir einmal den Gedankengang der Kommunio( d. i. des Hauptgottesdienstes) so kurz als möglich im Einzelnen. Du hast eine Woche hinter dir, eine neue liegt vor dir, zwischen beiden ist der Tag der Kommunio, der Sonntag. Du willst mit der Gemeinde dem Herrn nahen. Was wirst du, du seist Hirte oder Schäflein, zuerst zu thun haben? Du thust, was alle Religionen in ihren Waschungen als Bedürfnis der Seelen versinnbildlichen, du wäschest die vom täglichen Wandel staubig gewordenen Füße mit andern Worten: Du bereitest dich zum Gottesdienste durch Sündenbekenntnis und die heilige Absolution. Deine erste Andacht ist also das Konfiteor, welches keine schönere Form finden kann, als die wechselsweise, da sich Priester und Gemeinde gegenſeitig trösten. - Die schwerste Last ist im Konfiteor abgelegt. Der Introitus beginnt und mit ihm tritt der besondere Charakter des Sonn- oder Festtages ins Bewußtsen der feiernden Christen. Zum Frieden der Vergebung tritt die Festfreude. Sonntäglich, österlich zc. wird es dir beim Introitus, der allerdings von wechselnden Chören der Männer und Frauen, der Jungen und Alten( Schule und Gemeinde) 2c. am passendsten gesungen wird. Von Sünden gereinigt, ledig der schwersten Last trittst du in die Feier des Sonntags oder Festes ein. Aber die Erde hat noch andere Lasten und Leiden, gegenwärtige und künftige. Das Leben, der Tod, die Ewigkeit treten mit allen bittern Früchten und Folgen der Sünde drohend auf deinen Weg zum Heiligtum. Die Sorge erhebt sich und kommt immer wieder. Darum steht fest das Kyrie, welches alle Leiden der Zeit und Ewigkeit in Gottes Erbarmung befiehlt. Im Konfiteor und Kyrie hat sich die Menschheit vor Gott gestellt, wie sie vor der Weihnacht war und ohne Christum ist und sein wird. Hilfsbedürftig steht sie vor Gott. Ohne Vermittelung naht sich dieser Bedürftigen der Herr unter engelischen Lobgesängen. Wie in der Krippe, so kommt der Herr zur Gemeinde unter dem Gloria. Noch ertönt die Anbetung der Engel, so oft der Herr zur Stätte kommt, wo Er seines Namens Gedächtnis gestiftet hat. Er kommt. Er wird empfangen und gepriesen als der Dreieinige, zu dem man sich in Christo Jesu naht.(„ Wir loben dich" 2c.) Erhabener als diese Anbetung des Herrn, der zu den Lobgesängen Israels herunter kommt, giebt es wohl kaum ein von Menschen stammendes Gebet. Sein gnädiges Angesicht leuchtet, aber noch schweigt Er, noch 2 Der Gemeindegottesdienst.- Grundlegende Gedanken der Ordnung 2c. 455 hört Er auf die Rede der Gemeinde. Darum faßt sie nun noch einmal all ihr Bedürfnis zusammen, vereinigt ihr Bitten und spricht sie in der Kollekte in Einem Satz und Atem aus. In der Kollekte durchdringt der wechselnde Gedanke des Festes oder Sonntags die allgemeinen Bedürfnisse der Seelen noch klarer, als im Introitus. In einem hellen Gedanken( so sollte es wenigstens sein) flammt die Seele auf und wirft sich dann mit einem gläubigen Amen harrend und wartend vor Dem nieder, zu welchem alles Fleisch kommt, weil er Gebet erhört. Die Gemeinde schweigt. Da bricht Er das Schweigen und gönnt der Gemeinde die Gnade Seines Wortes. Sein Geist zeugt durch den Mund der Apostel im apostolischen Wort. Ein jubelndes Halleluja antwortet Dem, der sich zu seinem Volke neigt. Das Halleluja verstummt. Aber Er redet weiter. Man vernimmt seine eignen Worte im Evangelium. Immer näher thut sich der Herr zu seinem Volke. Wiederum antwortet ein jubelndes Halleluja. Aber nicht blos das. Die Herzen entbrennen durch die Kraft des Evangeliums im Glauben. Aus der Anbetung wird die seligste Vereinigung mit dem Herrn Herrn im Credo. Nicht mehr die Qual der Sünde, nicht mehr die Furcht vor dem Übel, nicht mehr sehnliches Seufzen, sondern fröhliche Zuversicht erfüllt die Seelen. Man sitzt vor seinem Angesicht nieder und es beginnt in der Predigt das selige Zusammensein, die Gemeinschaft der Heiligen, die sich vor dem Herrn des Herrn freuen. Hier steht man, wie auf dem ersten Gipfel des Gottesdienstes, wie auf Horeb. Nun wandelt die Gemeinde einmütig höher hinauf zum Saframent. Sie fühlt sich als des Herrn Braut, reich in ihm und durch ihn, aber auch reich durch andere. In ihrer Fülle gedenkt sie aller besondern Not und Notdurft, die auf Erden ist; allen alles Gute gönnend, geht sie mit Bitte, Gebet und Fürbitte dem Altar zu. Alle segnend tritt sie würdig zum Thron des reichsten Segens. Dabei erweitert sich ihr Herz zu dem großen Gedanken, daß die Kirche hier und dort nur Eine ist, daß die Pilgrime hier in ihren Gebeten einig und vereinigt sind mit allen Seligen im Himmel, daß sie mit ihnen betend den Tag der ewigen Herrlichkeit herbeiziehen. - Vom Bittgebete geht die Gemeinde zur Danksagung über in der Präfation, wie ja auch der Apostel an Bitte, Gebet und Fürbitte die Danksagung anschließt. Die Danksagung aber ver 456 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. liert sich im Sanktus, im dreimalheilig aller Himmel. Ergriffen vom Sanktus sieht sie schon den Herrn zum Sakramente kommen und ihm entgegen tönt das wonnevolle Hosianna. - Im Vater unser befiehlt sie alles, was uns zeitlich und ewig Not thut, der gnädigen Erhörung des Herrn Herrn. Die wunderbaren Testamentsworte( Einsehungsworte) beginnen. Er kommt im Namen des Herrn. Gott ist gegenwärtig und das Lamm. Die Gemeinde empfängt ihn im Sakrament. Aus Glauben in Glauben, von einer Stufe zu der andern ist man gegangen. Zur seligsten Erfahrung ist man gekommen. Nicht mehr aufwärts steigen kann man, es sei denn durch den Tod( Nunc dimittis). Abwärts geht man zum gewohnten Schluß der Gottesdienste, man sucht den Übergang zu dem, was Gott im irdischen Berufe einem jeden zur Vorbereitung auf den Himmel auferlegt."- - David bittet im 27. Psalm: ,, Eins bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne, daß ich im Hause des Herrn bleiben möge mein Lebenlang, zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn und seinen Tempel zu besuchen;" er bekennt im 26. Psalm: ,, Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnet," und im 84. Psalm rühmen die Kinder Korah: Wie lieblich find deine Wohnungen, Herr Zebaoth; ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser, denn sonst tausend. Ich will lieber der Thür hüten in meines Gottes Hause, denn lange wohnen in der Gottlosen Hütten." 11 Solche Stimmen würden wir nicht aus dem alten Bunde vernehmen, wenn nicht wirklich die Gottesdienste des Herrn liebliche und herrliche gewesen wären. Und doch standen die Gläubigen des alten Bundes nur erst in den Schatten und Vorbildern und hatten das Wesen der Güter selbst noch nicht( Hebr. 10, 1). Wir haben sie durch Gottes Gnade, denn Christus ist des Gesetzes Ende, und alle Gottesverheißungen sind Ja und sind Amen in ihm. Wie viel größer muß darum auch die Herrlichkeit des neutestamentlichen Gottesdienstes sein, als die des alttestamentlichen! Du Christenmensch, erkenne das aus dem, was dir über den christlichen Gottesdienst im Vorstehenden dargelegt ist. Er ist ein herrliches geschlossenes Ganzes, von dem kein Steinlein möchte abgebröckelt werden. Bröckle du es auch nicht ab, etwa damit, daß du säumig bist, im Hause Gottes zu erscheinen, wartest und wartest, ehe du dich auf deinen Kirchweg begiebst, oder hältst dich unterwegs bei dem und jenen auf und kommst erst zur Kirche, wenn schon ein gut Teil der gottesdienst- 3. Die kirchlichen Handlungen. Die heilige Taufe. 457 lichen Ordnung abgethan ist. Du hörst doch den Klang der Glocken, die dich zum Gotteshause rufen, sie sind auch eine Stimme vom Herrn, die dir zuruft: Komm, denn es ist alles bereit; höre darauf und laß deinen Fuß eilend sein zum Hause des Herrn, daß du den ersten Bittgefang um die Gnadenhilfe des heiligen Geistes auch mitsingen fannst, denn du brauchst nichts nötiger, als diese Hilfe des heiligen Geistes, und dann weile im Hause deines Gottes mit rechter Andacht deines Herzens,- mit rechtem Verlangen deiner Seele nach deinem Gott und Heiland. Werde still vor ihm, daß er das Gefäß deines Herzens mit dem Gut seiner Gnade füllen kann bis oben an, und was er dir giebt, das bewahre unter Gebet und Danksagung als einen heiligen Schaß, daraus du dir Stärkung holst zu allem guten Werk, zu willigem Dienst der Liebe, zu geduldigem Leiden und, wenn es sein soll, zu einem friedlichen Sterbestündlein. - Herr, öffne mir die Herzensthür, zeuch mein Herz durch dein Wort zu dir, laß mich dein Wort bewahren rein, laß mich dein Kind und Erbe sein. Amen. Dritte Abteilung. Die kirchlichen Handlungen. A. Die heilige Taufe. 1. Unterricht über das heilige Tauffakrament. Der Herr hat seiner Kirche zwei Sakramente gegeben: die heilige Taufe und das heilige Abenmahl. Nicht jede heilige Handlung kann ein Sakrament genannt werden. Mit diesem Namen bezeichnen wir nur diejenigen heiligen Handlungen, welche von Jesu Christo selbst eingesetzt sind, und wobei uns unter äußern, sichtbaren Zeichen ewige, himmlische Gnadengüter mitgeteilt werden. Es müssen. sich also drei Merkmale beisammen finden, wenn eine heilige Handlung den Namen eines Sakraments haben soll: 1. Christi Einsetzung, 2. das himmlische Gnadengut, nämlich der heilige Geist ( Apostelgesch. 2, 38), Leib und Blut des Herrn. 3. die äußern, sichtbaren Zeichen, wie: Wasser, Brot und Wein. Bei den heiligen Handlungen der Taufe und des Abendmahls treffen diese drei Merkmale zusammen, darum werden nur diese beiden von uns Sakramente genannt. Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. Man kann leider nicht sagen, daß die heilige Taufe von dem christlichen Volke so in Ehren gehalten werde, wie sichs gebührt. Viele sehen in ihr nur eine Zeremonie, die man mitzumachen habe, weil es eben in der Christenheit so hergebracht sei. Viele verachten sie gar und sprechen das nicht nur in Worten offen aus, sondern beweisen es auch durch die That, indem sie sich weigern, ihre Kinder taufen zu lassen. Nur die verhältnismäßig kleine Zahl wahrhaft gläubiger Christen hält die Taufe hoch als den Grund ihres Heils. So erfordert die Not der Zeit, jedermann wieder zu erinnern, was er an der heiligen Taufe habe, damit dieses Sakrament, Gott gebe es, wieder zu dem Ansehen und den Ehren komme, die ihm gebühren. Da kann uns wohl niemand besser erinnern und unterweisen, als Dr. Martin Luther. Er sagt in seinem großen Katechismus über die Taufe unter anderm folgendes: 458 Aufs Erste muß man vor allen Dingen die Worte wohl wissen, darauf die Taufe gegründet ist, und dahin alles gehet, was davon zu sagen ist, nämlich, da der Herr Christus spricht, Matth. am letzten 28, 19: Gehet hin in alle Welt und lehret alle Heiden und taufet sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. 11 Item( desgl.): Marci am letzten 16, 16: Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig; wer aber nicht glaubet, der wird verdammet. In diesen Worten sollst du zum ersten merken, daß hier ſtehet Gottes Gebot und Einsetzung, daß man nicht zweifle, die Taufe sei ein göttlich Ding, nicht von Menschen erdacht noch erfunden. Denn sowohl als ich sagen kann: Die zehn Gebote, Glauben und Vaterunser hat kein Mensch aus seinem Kopf gesponnen, sondern sind von Gott selbst offenbaret und gegeben, so kann ich auch rühmen, daß die Taufe kein Menschentand sei, sondern von Gott selbst eingesetzt, dazu ernstlich und streng geboten, daß wir uns müssen taufen lassen, oder sollen nicht selig werden; daß man nicht denke, es sei so leichtfertig Ding, als einen neuen rothen Rock anziehen. Denn da liegt die höchste Majestät an, daß man die Taufe trefflich, herrlich und hoch halte, darüber wir allermeist streiten und fechten, weil die Welt jetzt so voll Rotten ist, die da schreien, die Taufe sei ein äußerlich Ding, äußerlich Ding aber sei kein nüße. Aber laß äußerlich Ding sein als es immer kann, da stehet aber Gottes Wort und Gebot, so die Taufe einsetzet, gründet und bestätiget; was aber Gott einsetzet und gebeut, muß nicht vergeblich, sondern eitel köstlich Ding sein, wenn es auch, dem Ansehen nach, geringer denn ein Strohhalm 3. Die kirchlichen Handlungen. Die heilige Taufe. 459 wäre. Denn also lauten die Worte: Gehet hin, taufet, aber nicht in eurem, sondern in Gottes Namen. - Denn in Gottes Namen getaufet werden, ist nicht von Menschen, sondern von Gott selbst getauft worden. Darum, ob es gleich durch des Menschen Hand geschieht, so ist es doch wahrhaftig Gottes eigen Werk, daraus ein Jeglicher selbst wohl schließen kann, daß es viel höher ist, denn kein Werk, von keinem Menschen oder Heiligen gethan. Denn was kann man für ein Werk größer machen, denn Gottes Werk? Aber hier hat der Teufel zu schaffen, daß er uns mit falschem Schein blende und von Gottes Werk auf unser Werk führe, denn das hat einen viel köstlicheren Schein und halten alle vielmehr von dem, das wir selbst thun und verdienen. Aber die Schrift lehret also: Wenn man gleich aller Mönche Wert auf einen Haufen schlüge, wie köstlich sie gleißen mögen, so wären sie doch nicht so edel und gut, als wenn Gott einen Strohhalm aufhöbe. Warum? Darum, daß die Person edler und besser ist. Nun muß man hier die Person nicht nach den Werken, sondern die Werke nach der Person achten, von welcher sie ihren Adel nehmen müssen. Aber das will die tolle Vernunft nicht achten, und weil es nicht gleißt wie die Werke, so wir thun, so soll es nichts gelten. Aus diesem lerne nun einen richtigen Verstand fassen, und antworten auf die Frage, was die Taufe sei, nämlich also, daß sie nicht ein bloß schlecht Wasser ist, sondern ein Wasser in Gottes Wort und Gebot gefasset und dadurch geheiliget, daß nichts anderes ist, denn ein Gottes Wasser, nicht, daß das Wasser an ihm selbst edler sei, denn andere Wasser, sondern daß Gottes Wort und Gebot dazu kömmt. Darum ists ein lauter Bubenstück und des Teufels Gespötte, daß jetzt unsre neuen Geister, die Taufe zu lästern, Gottes Wort und Ordnung davon lassen und nichts anders ansehen, denn das Wasser, das man aus dem Brunnen schöpfet, und darnach daher geifern: Was sollt eine Hand voll Wassers den Seelen helfen? Ja, Lieber, wer weiß das nicht, daß Wasser Wasser ist, wenn es Voneinandertrennens soll gelten? Wie darfst du aber so in Gottes Ordnung greifen, und das beste Kleinod davon reißen, damit es Gott verbunden und eingefasset hat und nicht will getrennet haben? Denn das ist der Kern in dem Wasser, Gottes Wort und Gebot und Gottes Namen, welcher Schatz größer und edler ist, denn Himmel und Erde. Also fasse nun den Unterschied, daß viel ein ander Ding ist die Taufe, denn alle andere Wasser, nicht des natürlichen Wesens halber, sondern, daß hier etwas Edleres dazu kömmt. Denn Gott 460 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. selbst seine Ehre hinan seßet, seine Kraft und Macht daran legt. Darum ist es nicht allein ein natürlich Wasser, sondern ein göttlich, himmlisch, heilig und selig Wasser, und wie mans mehr loben kann, alles um des Wortes willen, welches ist ein himmlisch, heilig Wort, das niemand genug preisen kann, denn es hat und vermag alles, was Gottes ist. Also sollst du die Taufe ehren und herrlich halten, um des Wortes willen, als die er selbst, beide mit Worten und Werken, geehret hat, dazu mit Wundern vom Himmel bestätiget. Denn, meinest Du, daß ein Scherz war, da sich Christus taufen ließ, der Himmel sich aufthat, der heilige Geist sichtiglich herabfuhr, und war eitel göttliche Herrlichkeit und Majestät? Und derhalben vermahne ich abermal, daß man beileibe die zwei, Wort und Wasser, nicht von einander scheiden und trennen lasse, denn wo man das Wort davon sondert, so ists nicht ander Wasser, denn damit die Magd kochet, und mag wohl eine Badertaufe heißen; aber wenn es dabei ist, wie es Gott geordnet hat, so ists ein Sakrament, und heißet Christus Taufe. Das sei das erste Stück von dem Wesen und Würde des heiligen Sakraments. Aufs andre, weil wir nun wissen, was die Taufe ist, und wie sie zu halten sei, müssen wir auch lernen, warum und wozu sie eingeseßet sei, das ist, was sie nüße, gebe und schaffe. Solches kann man auch nicht besser, denn aus den Worten Christi, oben angezogen, fassen, nämlich Mark. 16, 16: Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig. Darum fasse es aufs allereinfältigste, also, daß dieses der Taufe Kraft, Werk, Nuß, Frucht und Ende ist, daß sie selig mache. Denn man taufet niemand darum, daß er ein Fürst werde, sondern wie die Worte lauten, daß er selig werde. Selig werden aber weiß man wohl, daß nichts anders heiße, denn von Sünden, Tod, Teufel erlöset, in Christus Reich kommen und mit ihm ewig leben. Da siehest du abermal, wie teuer und wert die Taufe zu halten sei, weil wir solchen unaussprechlichen Schatz darin erlangen, welches auch wohl anzeiget, daß nicht kann ein schlecht lauter Wasser sein, denn lauter Wasser könnte solches nicht thun, aber das Wort thuts, und daß( wie oben gesagt) Gottes Name darinnen ist; wo aber Gottes Name ist, da muß auch Leben und Seligkeit sein, daß es ein göttlich, selig, fruchtbarlich und gnadenreich Wasser heißet, denn durchs Wort friegt sie die Kraft, daß sie ein Bad der Wiedergeburt ist, wie sie auch St. Paulus nennet an Tit. 3. Aufs dritte, weil wir den großen Nutz und Kraft der Taufe haben, so laß nun weiter sehen, wer die Person sei, die solches 3. Die kirchlichen Handlungen. Die heilige Taufe. 461 empfahe, was die Taufe giebt und nüßet; das ist abermal aufs feinste und klärlichste ausgedrückt, eben mit den Worten: Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig. Das ist, der Glaube macht die Person allein würdig, das heilsame göttliche Wasser nühlich zu empfahen. Denn weil solches allhie in den Worten, bei und mit dem Wasser fürgetragen und verheißen wird, kann es nicht anders empfahen werden, denn daß wir solches von Herzen glauben. Ohne Glauben ist es nichts nüß, ob es gleich an ihm selbst ein göttlicher überschwänglicher Schatz ist. Darum vermag das einige Wort( wer da glaubet") so viel, daß es ausschleußt und zurücktreibt alle Werke, die wir thun können, der Meinung, als dadurch Seligkeit zu erlangen und verdienen. Denn es ist beschlossen, was nicht Glaube ist, das thut nichts dazu, empfähet auch nichts. - Sprechen sie aber, wie wir pflegen: Ist doch die Taufe auch selbst ein Werk; so sagest du, die Werke gelten nichts zur Seligkeit, wo bleibet denn der Glaube? Antwort: Ja, unsere Werke thun freilich nichts zur Seligkeit, die Taufe aber ist nicht unser, sondern Gottes Werk. Gottes Werke aber sind heilsam und not zur Seligkeit und schließen nicht aus, sondern fordern den Glauben, denn ohne Glauben könnte man sie nicht fassen. Denn damit, daß du läsfest Wasser über dich gießen, hast du die Taufe nicht also empfangen, daß sie dir etwas nüße; aber davon wird sie dir nüße, wenn du dich der Meinung läßt taufen, als aus Gottes Befehl und Ordnung, dazu in Gottes Namen, auf daß du im Wasser die verheißene Seligkeit empfahest. Nun kann solches die Faust, noch der Leib nicht thun, sondern das Herz muß es glauben. Also siehest du klar, daß da kein Werk ist, von uns gethan, sondern ein Schatz, den er uns giebt, und der Glaube ergreifet, so wohl als der Herr Christus am Kreuz nicht ein Werk ist, sondern ein Schatz in Worte gefasset und uns fürgetragen und durch den Glauben empfangen. Darum hat ein jeglicher Christ sein Leben lang genug zu lernen und zu üben an der Taufe; denn er hat immerdar zu schaffen, daß er festiglich glaube, was sie zusaget und bringet, Überwindung des Teufels und des Todes, Vergebung der Sünden, Gottes Gnade, den ganzen Christum und heiligen Geist mit seinen Gaben. Summa, es ist so überschwänglich, daß, wenns die blöde Natur könnte bedenken, sollte sie wohl zweifeln, ob es könnte wahr sein. Denn rechne du, wenn etwa ein Arzt wäre, der die Kunst könnte, daß die Leute nicht stürben, oder, ob sie gleich stürben, doch bald wieder lebend würden, und darnach ewig lebten, wie würde die Welt mit Geld zuschneien und regnen, daß vor den Reichen niemand könnte Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. zukommen? Nun wird hier in der Taufe jedermann umsonst vor die Thür gebracht ein solcher Schatz und Arzenei, die den Tod verschlingt und alle Menschen beim Leben erhält. Also muß man die Taufe ansehen und uns nüße machen, daß wir uns deß stärken und trösten, wenn uns unsre Sünde oder Gewissen beschweret, und sagen: Ich bin dennoch getauft; bin ich aber getauft, so ist mir zugesagt, ich sollte selig sein und das ewige Leben haben, beide an Seel und Leib. Denn darum geschieht solches beides in der Taufe: daß der Leib begossen wird, welcher nicht mehr fassen kann, denn das Wasser, und dazu das Wort gesprochen wird, daß die Seele auch könne fassen. Weil nun beide Wasser und Wort eine Taufe ist, so muß auch beide Leib und Seele selig werden und ewig leben: die Seele durchs Wort, daran sie glaubet,- der Leib aber, weil er mit der Seele vereinigt ist, und die Taufe auch ergreifet, wie ers ergreifen kann. Darum haben wir an unserm Leib und Seele kein größer Kleinod; denn dadurch werden wir gar heilig und selig, welches sonst kein Leben, kein Werk auf Erden erlangen kann." 462 2. Unterricht von der Kindertaufe. Es ist uralter Brauch in der Christenheit, auch die Kinder zur Taufe zu bringen. Die Kirche hat darin nicht nach eigenem Gutdünken gehandelt, sondern nach der Weisung ihres Herrn und Heilandes. Denn also lesen wir bei St. Markus und den andern Evangelisten( Mark. 10, 13-16, Matth. 19, 13. 14, Luf. 18, 15-17): „ Und sie brachten Kindlein zu Jesu, daß er sie anrührete. Die Jünger aber fuhren die an, die sie trugen. Da es aber Jesus sahe, ward er unwillig und sprach zu ihnen: Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt als ein Kindlein, der wird nicht hineinkommen. Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie." Daß es kleine Kinder waren, die man zu Jesu brachte, sehen wir daraus, daß sie von ihren Müttern herzugebracht werden: auch werden sie im Griechischen mit einem Worte genannt, welches ,, Säugling" bedeutet, so daß es also, wenigstens zum Teil, solche waren, die noch an der Mutter Brust lagen. Der Herr aber lobt die Mütter, welche es thaten und tadelt die Jünger, welche im Unverstand den Müttern wehren wollten. Er will also, daß man auch die kleinen Kindlein zu ihm bringe, damit er sie auf seine Arme nehme, ihnen seinen Segen gebe und das Himmelreich zuspreche. Dies geschieht aber in der Taufe. Und so ist es denn auch schon 3. Die firchlichen Handlungen.- Unterricht von der Kindertaufe. 463 in der apostolischen Zeit gehalten worden. Denn wiederholt und mit Nachdruck wird erzählt, daß ganze Häuser durch die Taufe in die christliche Gemeinde aufgenommen worden sind, also auch die kleinen Kinder, welche etwa in den Häusern vorhanden waren. ( Apostelgesch. 16, 31-34. 21, 5.) Auch werden Ephes. 6, 1 ff. und Kol. 3, 20 die Kinder vom Apostel an das vierte Gebot erinnert und dazu vermahnt; waren also durch die Taufe in die christliche Gemeinde aufgenommen, in deren Versammlung diese Briefe vorgelesen wurden. Und wenn z. B. der alte Bischof Polykarp von Smyrna, als er 167( oder 157) zum Märtyrertode geführt wurde, von sich bekennt, daß er seit 86 Jahren seinem Herrn Christo diene, so ist er so lange ein Christ gewesen, also in seiner ersten Jugend getauft; er ist aber etwa um das Jahr 70 n. Chr. geboren. Solcher Zeugnisse ließen sich noch manche anführen. Deshalb hat auch der große Gelehrte und Kirchenlehrer Origenes, der um das Jahr 254 n. Chr. starb, die Kindertaufe als apostolische Überlieferung bezeichnet. - Es kann nicht Wunder nehmen, wenn in den ersten christlichen Jahrhunderten mehr von der Taufe Erwachsener, als von der Kindertaufe die Rede ist, denn es war damals noch die Zeit der Gründung der Kirche, in welcher, wie in allen Missionszeiten, es vor allem darauf ankam, die Erwachsenen zu gewinnen und in die Kirche aufzunehmen. In dem Maße aber, als die Kirche Boden in der Welt gewann, wurde auch die Kindertaufe kirchlicher Brauch, und die afrikanischen Synoden zur Zeit Cyprians, des Bischofs von Karthago, um 250 n. Chr., verhandelten nicht darüber, ob die Kinder überhaupt getauft werden sollten, sondern ob sie, nach dem Vorbild der Beschneidung in Israel, erst am achten Tage, oder schon am dritten Tage nach der Geburt getauft werden sollten. Gott selbst hat denn auch diese Weise der Kirche durch die That bestätigt. Luther sagt:„ Daß die Kindertaufe Christo gefalle, beweiset sich genugsam aus seinem eignen Werk, nämlich, daß Gott deren viel heilig machet und den heiligen Geist gegeben hat, die also getaufet sind und heutiges Tages noch viel sind, an denen man spüret, daß sie den heiligen Geist haben, beide der Lehre und des Lebens halber." „ Wo aber Gott die Kindertaufe nicht annähme, würde er derer keinem den heiligen Geist, noch ein Stück davon geben. Summa, es müßte so lange Zeit her, bis auf diesen Tag kein Mensch auf Erden Christ sei. Weil nun Gott die Taufe bestätigt durch Eingeben seines heiligen Geistes, und die heilige christliche Kirche nicht untergehet bis ans Ende der Welt, so muß man bekennen, daß solche Kindertaufe Gott gefällig sei." Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. Darum haben denn auch die Väter unserer Kirche in den Tagen der Reformation und in unserm Bekenntnis den Wiedertäufern mit allem Ernst widersprochen, welche die Kindertaufe wehren wollten, weil die Kinder keinen Verstand davon hätten und nicht glauben könnten, sondern in Übereinstimmung mit der gesamten bisherigen Kirche auf Erden gelehrt und geordnet, daß die christlichen Eltern vor Gott verpflichtet und ihren Kindern schuldig seien, dieselben zur Taufe zu bringen und sie dadurch zu Gliedmaßen am Leibe Christi zu machen. Denn es bedürfen die Kinder der Taufe so gut wie die Erwachsenen, weil sie auch Anteil haben an dem bösen Schaden der Erbsünde und ihrer Schuld, daran alle krank sind, welche von Adam stammen, und dadurch alle unter dem Zorn und Ungnade Gottes stehen, so daß sie von diesem Unrat müssen abgewaschen und mit Christi Blute besprengt und gereinigt werden, wenn sie von Gott als seine Kinder sollen angesehen und zu Gnaden angenommen werden. Daß aber die Überflugen sagen, die Taufe helfe den Kindern nichts, weil sie nicht glauben könnten, denn es heiße: Wer da glaubt und getauft werde, soll selig werden", so ist freilich richtig, daß zur Taufe der Glaube hinzukommen muß, wenn sie zum Heil gereichen soll; aber es gründet sich nicht die Taufe auf den Glauben, sondern der Glaube gründet sich auf die Taufe, als auf das Werk Gottes, das er an uns thut, ob wir glauben, oder nicht. Wer will aber dem Geiste Gottes Maß und Ziel seßen und wehren, daß er sein seliges Werk des Glaubens nicht auch in den Seelen der unmündigen Kinder haben könne, die doch dazu geboren werden, daß sie Gottes Kinder werden sollen? Der vordem Johannes den Täufer schon im Mutterleib mit dem heiligen Geist erfüllte( Luk. 1, 15. 44), der kann auch machen, daß die Seelen der Kinder durch des Geistes Kraft und Wirkung sich der Gnade erschließen, welche in der Taufe allen zu Teil werden soll. Und wenn auch der Glaube der Kinder andre Art und Gestalt hat, als bei denen, die zu Verstand und Jahren gekommen sind, so ist er doch Gottes seliges Werk in ihren Seelen, weshalb denn Dr. Luther mit Recht sagt: ,, Das Kind tragen wir herzu, der Meinung und Hoffnung, daß es glaube, und bitten, daß ihm Gott den Glauben gebe; aber darauf taufen wir es nicht, sondern allein darauf, daß es Gott befohlen hat." 464 Die Taufe seßt also nicht sowohl den Glauben voraus, sondern sie wirkt ihn vielmehr und ist der feste Grund für den Glauben, und dieser feste Grund des Heils kann nicht frühzeitig genug in ein armes sündliches Menschenleben hineingelegt werden. 3. Die kirchlichen Handlungen.- Unterricht über das christl. Patenamt. 465 3. Unterricht über das christliche Patenamt. Paten nennt man diejenigen erwachsenen Personen, welche bei der Taufe eines Menschen als Zeugen gegenwärtig sind und an Stelle des Täuflings, sofern derselbe noch ein kleines, zum Reden unfähiges Kind ist, die Tauffragen( s. d. Unterricht über die Taufhandlung) beantworten. Der Name Pate kommt her von dem lateinischen Wort pater d. h. der Vater und liegt also in diesem Namen ausgesprochen, daß die Paten eine väterliche Stellung zu dem Täufling haben sollen. Auch der andre Name Gebatter" bezeichnet dies, denn er bedeutet ,, Mitvater". ff Das Patenamt stammt aus der ersten christlichen Zeit. Schon im zweiten Jahrhundert n. Chr. wird es erwähnt. Es mußten nämlich auch Erwachsene, wenn sie die Taufe begehrten, wenigstens einen oder auch mehrere getaufte Christen als Bürgen mitbringen, welche dafür einstanden, daß der neue Täufling die Taufpflichten halten und seiner Taufe würdig leben werde. Noch wichtiger war das Patenamt bei der Taufe kleiner Kinder. Denn wenn Erwachsene sich zur Taufe meldeten, so besorgten die Geistlichen den nötigen Taufunterricht, wurden aber kleine Kinder getauft, so übernahmen die Paten neben den Eltern die heilige Pflicht, den heranwachsenden Kindern den ersten nötigen Unterricht zu geben, woraus zu schließen ist, daß man selbstverständlich nur solche Personen zu Paten nehmen konnte und durfte, welche selbst im Glauben standen und Heilserkenntnis genug besaßen, um auch andere unterweisen zu können. Auch erhielt das Patenamt in den oft wiederkehrenden Christenverfolgungen eine sonderlich hohe Bedeutung. Es geschah ja nicht selten, daß christliche Eltern um ihres Glaubens willen zum Tode gebracht wurden und ihre unmündigen Kinder allein im Leben zurücklassen mußten. Da sollten sich nun die Paten dieser verwaisten Kinder annehmen und leiblich und geistlich für sie sorgen, und es trat dann die väterliche Stellung der Paten ganz besonders in ihr Recht ein. Obschon nun die Verhältnisse der Gegenwart eine so vielfach andere Gestalt gewonnen haben, so hat sich dieser uralte christliche Brauch, für die Täuflinge Baten zu wählen, doch erhalten, und die Kirche hat Grund genug, darauf zu dringen, daß er bewahrt werde. Die Aufgabe der Paten ist vornehmlich eine dreifache. Fürs erste sollen sie bei der Taufe den Eltern helfen, das Kind mit Gebet herzuzutragen zu Christo, an seiner statt dem Teufel entsagen, den Glauben bekennen und die Pflichten der Taufe geloben. Allgemeines Gebetbuch. 30 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. Zum andern sollen sie Zeugen dafür sein, daß die Taufe recht und christlich vollzogen sei, damit man derselben um so gewisser und sicherer sei. 466 Zum dritten sollen sie als geistliche Eltern die Getauften an ihre Taufe und was sie in derselben bekannt und gelobt haben, erinnern und darauf sehen, daß sie christlich erzogen werden, insonderheit dann, wenn die getauften Kinder etwa ihrer Eltern frühzeitig durch den Tod beraubt werden. Darum sollen zu Paten nicht gottlose und leichtfertige, sondern nur fromme, christliche und gläubige Leute genommen werden, welche die fortgesetzte Fürbitte für die Kinder fleißig angelegen sein lassen und imstande sind, einen guten christlichen Einfluß auf die Kinder auszuüben, wenn die Eltern etwa unchristlich sich verhalten, sich um die Seelen ihrer Kinder wenig kümmern, oder gar denselben ein schlechtes Beispiel geben, dadurch die Kinder, statt im rechten Glauben und Leben gefördert zu werden, in Gefahr kommen, von dem Heil in Christo gar abwendig gemacht zu werden. Das christliche Patenamt ist also ein heiliges Amt, ein Amt ernster Zucht an den Paten selbst, ein Amt treuen Ermahnens an Eltern und Kindern, ein Amt inbrünstiger Fürbitte zu dem Herrn. 4. Unterricht über die Taufhandlung. Wo es sein kann, trage man das Kind zum Hause Gottes und lasse es dort taufen. Es ist zwar die Taufe kräftig und recht, sie mag an einem Orte geschehen, an welchem sie wolle, wenn sie nur nach Christi Wort und Einsetzung vollzogen wird, aber es liegt ein feiner tiefer Sinn darin, ein Kindlein ins Gotteshaus zur Taufe zu bringen, indem dadurch auch äußerlich abgebildet wird, daß es durch dies heilige Sakrament zu der rechten Behausung Gottes im Geist, der Gemeinde Christi, gebracht und als ein lebendiger Stein dem Tempel der heiligen Christenheit soll eingefügt werden, die erbaut ist auf dem Grunde der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist. Nach Eintritt in das Gotteshaus beten alle, welche bei der Taufhandlung beteiligt sind, ein jeder an seinem Orte, ein stilles Baterunser, oder was sonst die Andacht geben mag, und befiehlt man in solchem Gebete sich und das Kind der Gnade Gottes. Hierauf tritt der Pastor an den Altar( an manchen Orten auch sogleich an den Taufstein), und nun sammeln sich zu ihm die Baten mit dem Kindlein. 3. Die kirchlichen Handlungen.- Unterricht über die Taufhandlung. 467 Der Pastor spricht: Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Dieweil in der Taufe ist unsers Herrn Jesu Christi Befehl und Gebot, welches er seinen lieben Jüngern gegeben hat, da er spricht Matthäi am letzten( Matth. 28, 19): ,, Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes"- und auch seine tröstliche Verheißung, die er gesprochen hat Marci am letzten ( Mark. 16, 16):„ Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden, wer aber nicht glaubet, der wird verdammet werden"; so sollen derhalben diese zwei, nämlich Gottes Befehl und Verheißung, die Ursache sein, darum ihr dies Kindlein anher zur seligen Taufe bringet, daß es in Gottes Namen getauft werde. Wollet derhalben fleißig zuhören und die Gebete samt dem göttlichen Worte fleißig merken. Der Täufer bezeichnet den Täufling an Stirn und Brust mit dem Zeichen des Kreuzes und spricht: N. N. Nimm hin das Zeichen des heiligen Kreuzes, beide an der Stirn und an der Brust. Laßt uns beten: O allmächtiger ewiger Gott, Vater unsers Herrn Jesu Christi, ich rufe dich an über diesem N. N., deinem Diener, der deiner Taufe Gabe bittet und deine ewige Gnade durch die geistliche Wiedergeburt begehret. Nimm ihn auf, Herr, wie du gesagt haft: ,, Bittet, so werdet ihr nehmen, suchet, so werdet ihr finden, flopfet an, so wird euch aufgethan." So reiche nun das Gut dem, der da bittet, und öffne die Thür dem, der da anklopft, daß er den ewigen Segen des himmlischen Bades erlange und das verheißne Reich deiner Gabe empfange, durch Christum, unsern Herrn. Amen. Allmächtiger, ewiger Gott, der du hast durch die Sündflut nach deinem gestrengen Gerichte die ungläubige Welt verdammt und den gläubigen Noah selbachte nach deiner großen Barmherzigkeit er= halten; der du den verstockten Pharao mit allen den Seinen im roten Meer ersäuft und dein Volk Israel trocken durchhin geführt und damit das Bad deiner heiligen Taufe voraus bezeichnet und angedeutet hast; der du auch durch die Taufe deines lieben Kindes, unsers Herrn Jesu Christi, den Jordan und alle Wasser zur seligen Sündflut und reichlichen Abwaschung der Sünden geheiligt und eingesetzt hast, wir bitten durch dieselbe deine grundlose Barmherzigkeit, du wollest diesen N. N. gnädiglich ansehen und mit rechtem Glauben 30* 468 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. im Geiste beseligen und stärken, daß durch diese heilsame Sündflut an ihm ersäufet werde und untergehe alles, was ihm von Adam angeboren ist und er selbst dazu gethan hat, und er, aus der Ungläubigen Zahl gesondert, in der heiligen Arche der Christenheit trocken und sicher behalten, allezeit brünstig im Geist, fröhlich in Hoffnung deinem Namen diene, auf daß er mit allen Gläubigen deiner Verheißung, ewiges Leben zu erlangen, würdig werde, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Laßt uns hören das heilige Evangelium St. Marci. Mart. 10, 13-16. Und sie brachten Kindlein zu Jesu, daß er sie anrührete; die Jünger aber fuhren die an, die sie trugen. Da es aber Jesus sahe, ward er unwillig und sprach zu ihnen: Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch, wer das Reich Gottes nicht empfängt als ein Kindlein, der wird nicht hineinkommen. Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie. Dann lege der Pastor seine Hände auf des Kindes Haupt und bete: Vater unser, der du bist im Himmel 2c. 2c. Darnach fordere er die Paten auf, an des Kindes statt die Tauffragen zu beantworten: 1. N. N. entſagst du dem Teufel und allen seinen Werken und allem seinem Wesen? Antwort: Ja. 2. N. N. glaubeft du an Gott, den Vater, allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde? Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem heiligen Geiste, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontio Pilato, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel, sißend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten? Und an den heiligen Geist, eine heilige, christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben? Antwort: Ja. 3. N. N. willst du getauft sein? Antwort: Ja. 3. Die kirchlichen Handlungen.- Unterricht über die Taufhandlung. 469 Darauf begießt der Täufer das Kind reichlich dreimal mit Wasser und spricht mit deutlicher Stimme: ,, N. N. Jch taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes." An manchen Orten ist es üblich, daß dem Kinde das„ Westerhemdlein", ein weißes Kleidchen oder Tüchlein übergebreitet wird zum Zeichen, daß es nun mit dem Kleide der Unschuld und Gerechtigkeit Christi bekleidet sei, das Kind wird über das Taufbecken gehalten, die Paten fassen die Enden des Westerhemdchens zum Zeichen ihres Anteils an diesem getauften Kinde und der Täufer spricht: Der allmächtige Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi, der dich durchs Wasser und den heiligen Geist aufs neue geboren und dir alle deine Sünde vergeben hat, stärke dich mit seiner Gnade zum ewigen Leben. Amen. Darauf folgt das Dankgebet: Allmächtiger, barmherziger Gott und Vater, wir sagen dir Lob und Dank, daß du deine Kirche gnädiglich erhältst und täglich mehrest und auch diesem Kinde verliehen hast, daß es durch die heilige Taufe wiedergeboren und deinem lieben Sohne, unserm Herrn und einigen Heiland Jesu Christo einverleibet, dein Kind und Erbe deiner himmlischen Güter geworden ist. Wir bitten dich demütiglich, daß du uns und alle, die zur heiligen Taufe berufen und gebracht worden, sonderlich aber diesen N. N., welcher die heilige Taufe empfangen hat, bei der empfangenen Gutthat gnädiglich bewahren wolleft, damit wir endlich das versprochene Erbteil im Himmel mit allen Heiligen empfangen, durch Jesum Christum. Amen. Darnach spricht der Täufer über alle bei der heiligen Taufhandlung Anwesenden den Segen: Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen. Nach einem stillen Gebet verlassen alle andächtig das Gotteshaus. Dies ist die Ordnung bei der Kindertaufe. Statt der Worte, die Eingangs der Taufhandlung zu lesen sind, kann der Pastor auch eine längere Ansprache halten, in welcher aber nicht wird fehlen dürfen, daß er sich und die ganze Taufgemeinde auf den Schriftgrund stelle und ausdrücklich des Herrn Jesu Taufbefehl und Taufverheißung hervorhebe. Entweder in dieser Ansprache beim Beginn der Taufhandlung, oder am Schluß, nach vollzogener Taufhandlung, mag er auch an die Paten eine Vermahnung richten, daß sie für den Täufling fleißig beten und ihn der gnädigen Regierung 470 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. des heiligen Geistes fort und fort befehlen, aber auch selbst durch Wort und Wandel dem Täufling zu einem erwecklichem Vorbilde werden( vergl. S. 476 f.). Die Bezeichnung der Stirn und der Brust des Täuflings mit dem Kreuz ist eine symbolische( sinnbildliche) Handlung, dadurch angezeigt werden soll, daß das Kind nun aus der Welt ausgesondert, dem gnädigen barmherzigen Gott zum bleibenden Eigentum und ewigem Dienst übergeben und geheiligt und der Zahl der Gläubigen zugeordnet werden soll, welche unter dem Banner des Kreuzes Christi einen guten Kampf des Glaubens zu kämpfen berufen sind. Wenn der Pastor auffordert zum Gebet, so sollen auch alle, welche bei der Taufhandlung gegenwärtig sind, des Kindes Vater, der Küster und wer es sonst sei, andächtig die Hände falten und still im Herzen die Worte mitbeten, welche der Pastor vorbetet. Mancher Orten sind nur zwei Tauffragen: Glaubst du 2c. und willst du getauft sein, üblich, und wird auch vieler Orten nach jedem der drei Artikel mit Ja geantwortet. Das Dankgebet am Schluß der Taufhandlung ist, wiewohl es schon in alten luth. Kirchenordnungen vorkommt, nicht allenthalben in Brauch. Noch ist zu erwähnen die sogenannte - Nottaufe oder Jachtaufe. Es kann ja wohl geschehen, daß ein noch ungetauftes Kind von einer plötzlichen Krankheit befallen wird, daß man für sein Leben fürchten muß. Ists möglich, so rufe man den Pastor sofort herbei, daß er das Kindlein taufe. Aber zuweilen wohnt der Pastor zu fern, oder die Krankheit nimmt so überhand, daß zu besorgen ist, das Kind stirbt, ehe denn der Pastor herzukommen kann, da soll der Vater des Kindes oder eine andre christliche Mannsperson, im Notfall auch die Hebamme, die heilige Taufe vollziehen. Man bete zusammen das Vater unser, bekenne die drei Artikel des christlichen Glaubens und dann begieße der Taufende das Kind mit der Hand dreimal mit Wasser und spreche: N. N. Sch taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. In der höchsten Not ists auch genug, daß man ohne weiteres Wasser nehme, taufe und spreche: 3. Die kirchlichen Handlungen.- Unterricht über den Kirchgang 2c. 471 N. N. Jch taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Weil eine solche von andern Personen, als dem Pastor, vollzogene Jachtaufe die kirchliche Bestätigung erhalten muß, wobei der Pastor genau fragen und erforschen muß, ob die Taufe nach dem Befehl Christi geschehen sei, so haben alle, welche bei der Jachtaufe entweder als Taufender oder als Paten oder sonstige Zeugen zugegen sind, aufs genauste acht zu haben auf folgende Stücke: 1. daß zum Taufen nichts andres als gewöhnliches Wasser genommen werde. Auch die höchste Eile entschuldigt hier die Verwendung von andern Flüssigkeiten nicht; denn Wasser ist überall zu haben, und Christus hat befohlen, mit Wasser zu taufen. 2. daß genau und ohne irgend eine Änderung die Worte gesprochen werden, die der Herr Christus befohlen: „ Ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes." Nur eine mit diesen Worten vollzogene Taufe ist giltig als eine nach der Einsetzung Christi geschehene Taufe. Würde von dem Taufenden das Kind wohl mit Wasser begossen, aber jene Worte dabei gar nicht gebraucht, oder willkürlich verändert, so wäre die Taufe nicht nach Christi Einsetzung vollzogen, und das Kind müßte als ein noch ungetauftes angesehen und, wo es am Leben bliebe, noch einmal in richtiger Weise getauft werden. Daher müssen alle bei der Jachtaufe Anwesenden wohl achthaben, damit sie dann auch wahrhaftiges Zeugnis ablegen können; ja wo jemand merkt, daß die Taufe nicht nach Christi Einsetzung vollzogen, so hätte er, auch ehe er darum gefragt wird, die Pflicht, hiervon bei dem Pfarrer Meldung zu machen, welcher dann das weiter Nötige besorgen wird. 5. Unterricht über den Kirchgang und die Aussegnung ( oder: Einsegnung) der Wöchnerinnen und die Darbringung ihrer Kinder. Es ist von alters her Sitte, daß die verheirateten Mütter nach Vollendung ihrer Wochenzeit ihren ersten Ausgang zum Gotteshause nehmen und ihren öffentlichen Kirchgang halten, wobei sie, wie es an nicht wenigen Orten noch Brauch ist, auch wohl ihre neugebornen Kindlein mit herzubringen vor den Herrn. Der biblische Vorgang, auf welchen sich diese Sitte gründet, wird uns Luk. 2, 22-24 berichtet: Maria kommt zu dem Tempel 472 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. und bringt ihren Erstgebornen, das Jesuskindlein, mit, daß sie ihn darstellete dem Herrn und daß sie das im Gesetz befohlene Opfer brächte. Christliche Mütter sind nun zwar frei von dem Gefeß Mofis, aber desto mehr gebunden an den Herrn Jesum und seine unaussprechliche Gnade. Eine christliche Mutter hat nicht nur einen Beruf für das menschliche Geschlecht, durch die Kinder, denen sie das Leben giebt, dasselbe mitbauen und erhalten zu helfen, sondern sie hat auch einen hochwichtigen Beruf für das Reich Gottes, in welches ihre Kinder durch die heilige Taufe aufgenommen werden; und sie soll sie darnach auch auferziehen zur Ehre Gottes und zur Erbauung der Gemeinde des Herrn. Daß sie diesen ihren Beruf erkennt und bereit sei, ihn zu erfüllen, dazu aber der Gnadenhilfe des Herrn bedürfe, dies bezeugt sie dadurch, daß sie öffentlich zum Hause Gottes kommt, sich und ihr neugetauftes Kindlein unter Gebet und Danksagung Gott befiehlt und hierbei auch die Fürbitte der Gemeinde begehrt. Jede rechte christliche Mutter wird demnach solchen Kirchgang nicht als einen lästigen Brauch, sondern als eine hohe Ehre und große Gnade ansehen, welche ihr vom Angesicht des Herrn in der Gemeinde widerfährt. Wo die Sitte, daß auch das Kindlein mit zur Kirche gebracht werde, abgekommen ist, beschränkt sich die kirchliche Handlung dann darauf, daß der Pastor den Kirchgang der Wöchnerin, von der Kanzel aus, der Gemeinde vermeldet und die Gemeinde zu Danksagung und Fürbitte auffordert. Wo aber die Mutter samt ihrem Kindlein im Gotteshause erscheint, sei es zum Hauptgottesdienst am Sonntag, oder bei Gelegenheit eines Nebengottesdienstes des Sonntags oder in der Woche, da mag es wohl an manchen Orten noch Brauch sein, daß der Pastor die Wöchnerin am Eingang der Kirche begrüßt mit den Worten: Der Herr segne deinen Eingang und Ausgang von nun an bis in Ewigkeit. Dann führt er sie in die Kirche ein, wo sie sich an ihrem Plaße niederläßt und den Gottesdienst abwartet. Nach der Predigt vermahnt der Pastor die Gemeinde zu Danksagung und Fürbitte für die Wöchnerin, und nach Schluß des öffentlichen Gottesdienstes bleibt der Pastor am Altar stehen, die Wöchnerin tritt mit ihrem Kinde herzu, kniet nieder und wird von dem Pastor eingesegnet, indem er ihr ein entsprechendes Gotteswort sagt ( etwa: Pf. 34, 2-9 oder Pf. 115, 11-15 oder Pf. 121 oder Ps. 127 oder Ps. 128 oder Ps. 139, 14-16), das heilige Vaterunser über ihr betet und dann unter Handauflegung etwa das folgende Gebet spricht: 3. Die kirchlichen Handlungen. Gebete bei der Taufe. 473 Allmächtiger, barmherziger Gott, himmlischer Vater, wir sagen dir von Grund des Herzens Lob, Ehre und Dank, daß du dieser deiner Magd in dem ihr aufgelegten Kreuze geholfen, sie mit einem fröhlichen Anblick erfreut und ihr Kindlein in deiner Taufe wiedergeboren und mit deinem Geiste beschenkt haft Wir bitten dich durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, du wollest dich auch hinfort über diese deine Magd erbarmen, sie samt dem Kindlein vor allem Übel und Unfall behüten und ihr Gnade verleihen, daß sie dasselbe dir zu allem Wohlgefallen erziehe und dereinst mit ihm ewig selig werde, durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. - Nach Erteilung des Segens wird die Mutter samt ihrem Kinde entlassen. Vergl. unter den nachstehenden Gebeten das Gebet unter c. 6. Gebete. a. Gebet christlicher Eltern für ihr junges Kindlein, wenn es zur heiligen Taufe getragen wird. Ewiger, allmächtiger Gott, himmlischer Vater, der du aus großer Barmherzigkeit, um unsers Heils willen, durch deinen liebsten Sohn Jesum Christum in dem heiligen Sakrament der Taufe mit uns und unsern Kindern einen Gnadenbund hast aufgerichtet, darin du uns versprichst und zusagest, daß du unser gnädiger Gott und Vater sein willst und wir deine lieben Kinder sein und bleiben sollen, wir bitten dich, du wollest dieses arme Kindlein um deines lieben Sohnes Jesu Christi willen zu Gnaden an und aufnehmen, es durch dieses Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes von seinen Sünden abwaschen, aus dem Reich der Sünden, des Todes und des Teufels in das Gnadenreich unsers Herrn Jesu Christi verseßen, dem Herrn Christo und seinem Verdienste einverleiben und ihm allda anziehen das reine, weiße Kleid der Unschuld und Gerechtigkeit deines lieben Sohnes, und also unser liebes Kindlein durch das heilsame Wasserbad zu einem Kinde und Erben der ewigen Seligkeit machen und bestätigen. Wollest es mit dem heiligen Geiste reichlich begnaden und erhalten, daß es mit der Zeit, wenn es zu seinen Jahren kommt, ein frommer Christ 474 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. werden, dir in kindlicher Furcht und Gehorsam dienen und neben uns dich, wahrer Gott Vater, Sohn und heiligen Geist loben und preisen möge in Ewigkeit. Amen. Aus Cubachs Gebetbuch. b. Gebet einer Mutter, wenn ihr Kindlein getauft worden ist. Ich danke dir, barmherziger Gott und himmlischer Vater, daß du den Segen deines göttlichen Wortes an mir armen Sünderin so gnädig erfüllet und mich vor mancherlei Gefährlichkeit bewahret hast, also daß ich Mutter über mein Kind geworden bin. Auch danke ich dir Gott von Herzen, daß du meine Angst und tödlichen Schmerzen in das Leben und Gesundheit verwandelt hast. Insonderheit aber sage ich dir ewiges Lob und Dank, daß du mein liebes Kindlein durch die heilige Taufe deiner Christenheit einverleibt und zur Erbschaft des ewigen Lebens auf- und angenommen, und bitte dich herzlich, du wollest dir fürder dieses mein Kindlein lassen befohlen sein, daß ihm der böse Geist an Leib und Seele keinen Schaden zufüge. Vollführe das gute Werk, so du in ihm angefangen hast, und vermehre in ihm die Gabe des heiligen Geistes, damit es täglich zunehme an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen. Laß auch mich, deine Magd, dir treulich befohlen sein, gieb gut Gedeihen und Leibesgesundheit, behüte mich vor allem Schaden und Gefahr, erhalte und versorge, erquicke und stärke mich, auf daß ich nach glücklichem Ausgang meines Kindbettes meiner Haushaltung noch länger mit Nußen vorſtehen und mein Kind wie eine fromme, christliche Mutter zum Gehorsam deines göttlichen Willens auferziehen möge, um Jesu Christi, unsers Herrn willen. Amen. Bernh. Albrecht. c. Gebet einer Wöchnerin, wenn sie zur Kirche gehet. Gott Vater, Sohn und heiliger Geist, einiger, ewiger Gott, dir sei Lob und Dank gesagt, daß du mir nicht allein zu der Stunde, da ich habe gebären sollen, mit deiner Kraft und Stärke beigestanden und eine gesunde Leibesfrucht gnädiglich beschert hast, sondern auch dieselbige zur heiligen Taufe kom 3. Die kirchlichen Handlungen. Gebete bei der Taufe. 475 men und deiner christlichen Kirche als ein wahres Glied hast einverleiben lassen, auch noch dazu mich neben meinem lieben Kinde in meiner Wochenzeit ganz väterlich erhalten, versorget, erquicket und gestärket hast. Nun komme und erscheine ich vor deinem göttlichen Angesicht und opfere dir mein liebes Kind, das du mir gegeben hast, wie die liebe Hanna that, mit herzlicher Bitte, du wollest sein lieber Gott und Vater sein und bleiben. Und wie du es in deiner heiligen Taufe zu deinem Kinde haft auf- und angenommen, also wollest du es nun auch einen Erben deiner himmlischen Güter und der ewigen Seligkeit in Christo Jesu, deinem eingebornen Sohne, sein und bleiben lassen, wollest es auch die Zeit seines Lebens vor allem Übel Leibes und der Seelen bewahren, und mir deine göttliche Hilfe und Segen verleihen, daß ich dir mein liebes Kind in allen christlichen Tugenden zu deinen Ehren, zu meiner und meines lieben Eheherrn Freude, zu des Nächsten Nutz und zu seiner zeitlichen und ewigen Wohlfahrt, als eine treue Mutter fleißig auferziehen möge. Das wollest du thun um deines lieben Sohnes Jesu Christi willen, in welchem dir alle getauften Christenkindlein herzlich gefallen und angenehm sind. Dem sei mit dir und dem heiligen Geiste Lob und Preis von nun an bis in Ewigkeit. Amen. Mag. Adam Helms. d. Danksagung für die heilige Taufe. O Herr Jesu Christe, wir sagen dir Lob und Dank, daß du uns durch das heilige Sakrament der Taufe in die Zahl deiner Kinder aufgenommen hast und bitten dich von Herzen, taufe uns auch ohne Unterlaß mit dem Feuer und heiligen Geist, auf daß wir nicht allein mit Namen und im äußerlichen Schein, sondern in der Wahrheit als deine Kinder und rechtschaffene Christen erfunden werden. Und so dein Urteil wird angehen und du deine Tenne fegen wirst, laß uns als den guten Weizen in die Scheuer, das ist, in die ewige Seligkeit verſammelt und nicht als die Spreu in das ewige Feuer geworfen 476 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. werden. Der du mit dem Vater und dem heiligen Geiste regierest ewiglich. Amen. Aus den Gebeten Kurfürst Johann Friedrichs, Herzogs zu Sachsen. 1562. e. Glaubenstroft aus der Taufe. Mein Gott und Herr, sei eingedenk deines heiligen Bundes, den du mit mir in der Taufe hast aufgerichtet, darin du mich zu Gnaden und zu deinem Kinde hast aufgenommen und mir zugesagt, wenn ich glaube und getauft sei, so soll ich selig werden. Dieweil du dich denn gegen mich so treulich verbunden hast, zu sein mein gnädiger, barmherziger, lieber Vater, so stehet mein Trost und Hoffnung allein zu dir, darum ich auch festiglich glaube, so gewiß ich getauft worden im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, daß du mein Beschirmer, Erlöser und Tröster sein werdest und mir helfen aus aller Not, mich hinfüro beschirmen vor allem Unglück, daß mir weder Sünde, Tod noch Hölle schaden mag. Darum so will ich unverzagt sein in aller Widerwärtigkeit und mein Herz auch in Todesnöten zu dir kehren und festiglich glauben, du werdest mich nimmer verlassen, sondern mir die ewige Seligkeit schenken durch das Verdienst Jesu Christi. Amen. Aus den Gebeten Kurfürst Johann Friedrichs, Herzogs zu Sachsen. 1562. f. Gebet chriftlicher Paten für ihr Patenkind. O gütiger Gott, himmlischer Vater, da du meinen lieben Paten( mein liebes Patenfindlein) aus lauter Gnade zu dem Bade deiner heiligen Taufe hast kommen lassen und für dein Gnadenkind um Christi willen auf- und angenommen, so bitte ich dich von ganzem Herzen, du wollest demselben allezeit deinen heiligen Geist verleihen, daß er( es) durch desselben Kraft und Stärke unter der Blutfahne Jesu Christi, zu der er( es) sich hat schreiben lassen, wider den Teufel und die Sünde ritterlich streite, daß er( es) Christum Jesum mit dem Herzen glaube und mit dem Munde bekenne, auch sein Kreuz willig auf sich nehme und ihm auf dem Wege der Gerechtigkeit geduldig und bestän 3. Die kirchlichen Handlungen.- Unterricht über die Konfirmation. 477 dig nachfolge, damit er( es) einmal mit mir und allen rechtschaffenen Christen fröhlich vor deinem Richterstuhle erscheine, die ewige Seligkeit erlange und dich, o Gott, ewiglich preise. Aus Cubachs Gebetbuch. Amen. II. Die Konfirmation. 1. Unterricht über die konfirmation. Die Konfirmation ist kein Sakrament wie Taufe und Abendmahl keine von Christo selbst eingeseßte heilige Handlung, wobei uns unter äußeren, sichtbaren Zeichen unsichtbare himmlische Gnadengüter mitgeteilt werden, sondern sie ist eine kirchliche Ordnung. Aber eine solche, die ihr gutes wohlbegründetes Recht hat, weshalb auch jedes Glied der Kirche sie bewahren und befolgen soll. Die Konfirmation steht im engsten Zusammenhange mit der Taufe. Sie ist nicht etwa eine Ergänzung und Vervollständigung des Taufsakramentes, denn einem getauften Kinde gebricht nichts zu seiner Seligkeit, und wenn dasselbe sterben würde noch vor seiner Konfirmation, so würde es ganz gewiß selig sterben, so es anders seinen Trost und Zuversicht stellte auf die geschenkte Taufgnade. Wohl aber ist die Konfirmation eine notwendige Folge der Kindertaufe. Denn man trägt junge neugeborne Kindlein zur heiligen Taufe und übergiebt sie in die Gnade des dreieinigen Gottes, aber diese Kindlein sind noch nicht selbst imstande, das zu bekennen, was fie beim Eintritt in den Gnadenbund Gottes eigentlich zu bekennen haben.( S. oben die Taufhandlung.) Daher treten eben die christlichen Paten für sie ein und geben auf jene Tauffragen( s. oben) an des Kindes statt Antwort, in der Hoffnung, daß das Kind bei zunehmendem Alter auch den dreieinigen Gott, auf den es getauft ist, werde erkennen, und im Glauben ihn lieben und ihm gehorchen lernen. Zu dem Ende thut ja die christliche Kirche durch die christliche Schule an den getauften Kindern nach dem Wort und Befehl Christi: Lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Aller christlicher Schulunterricht soll also Taufunterricht sein, der fein andres Ziel hat, als die Kinder zur Erkenntnis des dreieinigen Gottes, auf den sie getauft sind, und des Heils zu führen, das ihnen in der Taufe geschenkt ist, damit ihr Glaube fest begründet und dadurch auch ihre Liebe gestärkt werde, dem Dienst der Sünde und des Teufels auch wirklich zu entsagen und sich Gott allein zu eigen - 478 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. zu geben. Auch der Konfirmandenunterricht, den der Geistliche erteilt, hat im Grunde kein andres Ziel. Er soll sie zurichten und geschickt machen, das, was sie als einen guten Schatz der Erfenntnis, des Glaubens und Erneuerung ihres Willens gewonnen haben, auch öffentlich vor der Gemeinde mit eignem Munde zu bezeugen und zu bekennen. Denn die Konfirmation begreift drei Stücke in sich: zum ersten bekennen die Konfirmanden selbst vor der Gemeinde öffentlich ihren Glauben, auf den sie getauft sind; zum andern werden sie darauf hin in ihrem Christenstande als Glieder der Kirche, welcher sie zugehören, bestätigt und ihnen unter Gebet die Hände aufgelegt, daß der heilige Geist sie stärken möge, sich als Christen im Leben auch zu beweisen; zum dritten werden ihnen besondere Christenrechte in der Gemeinschaft der Kirche zuerkannt. Was das erste anlangt, so hat die christliche Gemeinde ein Recht zu fordern, daß ihre jungen Glieder Rechenschaft geben von ihrem Glauben. Sie will sich überzeugen, ob ihre getauften Kinder soweit gefördert sind in der Erkenntnis des Glaubens, daß sie wissen, was es mit ihrer Taufe auf sich hat und ob sie willens sind, auch derselben würdig zu leben. Diese Rechenschaft ihres Glaubens legen die Kinder ab in der öffentlichen Prüfung, welche vor der Konfirmation mit ihnen angestellt wird, und die Erklärung, ihrer Taufe und ihrem Christenglauben gemäß leben zu wollen, geben die Kinder am Tage ihrer Konfirmation dadurch, daß sie mit eignem Munde das Bekenntnis des Glaubens ablegen, womit sie bezeugen: Der Glaube, den meine Paten bei meiner Taufe an meiner statt bekannt haben, den bekenne ich als meinen Glauben, und die Zusagen, die sie an meiner statt gegeben haben, die gebe ich Gott nun mit eignem Willen, Herzen und Munde. Wo sie aber solches bestätigen und bekräftigen, da soll ihnen hinwiederum auch bestätigt und bekräftigt werden, daß bei dem Gott, zu welchem sie sich bekennen, keine Veränderung noch Wechsel des Lichts und der Finsternis ist und daß er nicht ändert, was aus seinem Munde gegangen ist, daß er es vielmehr unabänderlich bleiben lassen will bei dem, was er ihnen in der heiligen Taufe gegeben und zugesagt hat. Diese Bestätigung wird jedem einzelnen Kinde bei der Konfirmation durch das Segenswort zu teil, welches der Diener am Wort unter Handauflegung ihm zuspricht. So schließt die Konfirmation die Erneuerung des Taufbundes in sich. Damit werden ihnen nun auch die Rechte erwachsener Kirchglieder zuerkannt, nämlich: 1. das Recht der Teilnahme am heiligen 3. Die kirchl. Handlungen.- Unterricht über d. Konfirmationshandlung. 479 Abendmahle, und 2. das Recht, von nun an Patenstelle bei der Verwaltung des heiligen Taufsakraments vertreten zu können. 2. Unterricht über die Konfirmationshandlung. Vielleicht in den meisten Gemeinden wird die Konfirmationshandlung am Palmsonntage, hier und da auch am Sonntag Quasimodogeniti erfolgen. Der Gottesdienst nimmt seinen gewöhnlichen Verlauf wie an jedem Sonntage, nur daß an die Stelle der Predigt eine auf die Konfirmation bezügliche Rede tritt, welche der Geistliche vom Altar aus hält, um welchen sich die Konfirmanden, - die Knaben auf der rechten, die Mädchen auf der linken Seite- versammelt haben. Nachdem die Betglocke zu läuten begonnen, die Gemeinde sich erhoben und die Kinder auf die Kniee gefallen sind, betet der Pfarrer mit diesen das heilige Vaterunser, und fordert darnach die Kinder auf, gemeinschaftlich das Glaubensbekenntnis zu sprechen, oder er läßt es durch sie bestätigen, indem er sich in folgender Weise an fie wendet: Wohlan, lieben Kinder, so übergebt euch denn aufs neue dem Gotte eures Bundes zum Gehorsam. Erneuert damit euern Taufbund. Vor dem Angesichte des Herrn, der mitten unter uns iſt, frage ich euch: Glaubet ihr an Gott, den Vater, allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erden? Glaubet ihr an Jesum Christum, Gottes eingebornen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem heiligen Geiste, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontio Pilato, gekreuziget, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel, sigend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten? Glaubet ihr an den heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben? Antw. Ja, wir glauben. Pf. Gelobet ihr, bei diesem Glauben, auf den ihr getauft seid, und bei der evangelisch- lutherischen Kirche, welche ihn unverfälscht hat, hält und bekennt, mit Gottes Hilfe bis an euer Ende zu verharren, ihm gemäß gottselig zu leben, und damit euch dies gelinge, anzuhalten am Gebet und zu Gottes Wort und Tisch euch treulich zu halten? 480 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. Antw. Ja, wir geloben es. Amen. Pf. O Herr Jesu Christe, der du gesagt haft:„ So doch ihr, die ihr arg seid, könnet euern Kindern gute Gaben geben, wie vielmehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geist geben denen, die ihn darum bitten" und: ,, Wo zween auf Erden einträchtiglich etwas bitten, das wird ihnen von meinem himmlischen Vater gegeben werden": wir bitten dich, stärke diese Kinder mit deinem heiligen Geiste, daß sie im Gehorsam deines Evangeliums immerdar bleiben, wider den Teufel und eigne Schwachheit ohne Wanken streiten, den heiligen Geist nicht betrüben, deine Kirche mit keinem Ärgernis verleßen, sondern in derselben zu deinem Lobe, zu ihrer Seligkeit und ihrer Brüder Besserung leben mögen. Amen. Die Betglocke hört auf zu läuten. Der Pfarrer spricht zu den Kindern: Der allmächtige Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi, der euch nach seiner großen Barmherzigkeit zu seinem Reiche berufen und durch seine Taufe wiedergeboren hat, stärke euch mit seiner Gnade zum ewigen Leben. Amen. Empfanget den Segen des Herrn. wenn Die Kinder erheben sich von den Knieen und treten, ihrer nicht allzuviele sind, einzeln, oder wenn ihre Zahl groß ist, in Gruppen an den Altar und werden unter Handauflegung des Geistlichen eingesegnet, wobei einem jeden Kind ein besondrer Einsegnungsspruch mitgegeben wird oder auch etwa folgende Segensformeln gebraucht werden mögen: Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Oder: - - - Der himmlische Vater erneuere und vermehre in dir um Jesu Christi willen die Gabe des werten heiligen Geistes zur Stärkung deines Glaubens, zur Kraft in der Gottseligkeit, zur Geduld im Leiden und zur seligen Hoffnung des ewigen Lebens. Oder: Der Gott aller Gnade, der dich berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christo Jesu, derselbige wolle dich, der du in dieser Welt eine kleine Zeit lebst und leidest, vollbereiten, stärken, kräftigen, gründen. Demselbigen sei Ehre und Macht von Ewigkeit zu Ewigfeit. Amen. Wenn alle Kinder eingesegnet sind, so erklärt sie der Pfarrer 3. Die kirchlichen Handlungen. Gebete bei der Konfirmation. 481 von nun an für berechtigt zum Genuß des heiligen Abendmahls und zur Übernahme des christlichen Patenamtes. Hierauf fordert er die Gemeinde zum Gebet auf( vgl. das folgende Gebet a), nach welchem die Gemeinde einige Liederverse singt, worauf durch Intonation, Kollekte und Segen die ganze Feier geschlossen wird. Ob auch hier und da etwa andre Worte gebraucht werden oder der Gang der Handlung etwas anders ist, so wird es doch in der Hauptsache mit vorstehender Ordnung und Weise übereinstimmen. 3. Gebete. a. Gebet der Gemeinde für die Konfirmanden. Allmächtiger, barmherziger Gott, himmlischer Vater, der du allein alles Gute in uns anfängst, bestätigst und vollendest, wir bitten dich für diese Kinder, die du deiner Kirche geschenkt, durch die heilige Taufe wiedergeboren und nun so weit erleuchtet hast, daß sie diese deine Gnade und Güte und ihre Erlösung in Christo, deinem lieben Sohne, unserm Herrn, auch selbst erkennen und vor deiner Gemeinde bekannt haben: stärke dies dein Werk, das du in ihnen angefangen hast,- mehre in ihnen die Gabe des heiligen Geistes, auf daß sie in deiner Kirche und Gemeinde in wahrem Glauben und Gehorsam deines heiligen Evangeliums stetig bleiben und bis ans Ende beständig verharren, auch sich keine falsche Lehre, noch fleischliche Lust oder Betrug der Welt von der bekannten Wahrheit abführen lassen. Gieb ihnen, daß sie zu deinem heiligen Wohlgefallen an Christo, deinem Sohne, unserm einigen Haupte, immerdar wachsen und ihr vollkommnes Alter erreichen in aller Weisheit, Heiligkeit und Gerechtigkeit, damit sie dich und deinen lieben Sohn, unsern Herrn, samt dem heiligen Geiste, als den einigen wahren Gott- immer vollkommner erkennen, herzlicher lieben und vor aller Welt mit Worten und all ihrem Leben freudig bekennen, fruchtbarlich rühmen und preisen, durch unsern Herrn Jesum Christum. Amen. Allgemeines Gebetbuch. Aus Luth. Kirchenordnungen. 31 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. b. Erneuerung des Taufbundes. Ich erneuere hiermit den Bund meiner heiligen Taufe und sage heute und allezeit ab dem Teufel und allen seinen Werken und allem seinen Wesen, der gottlosen, bösen Welt und meinem sündlichen Fleisch und Blut. Ich übergebe mich dir aufs neue, Gott Vater, Sohn und heiliger Geist, mit Leib und Seele, ich befehle dir meine und der lieben Meinigen zeitliche, geistliche und ewige Wohlfahrt. Ich überlasse mich gänzlich deiner Führsorge, Barmherzigkeit, Liebe und Treue, o Gott, mein Vater! Ich hülle mich in dein Verdienst, Blut, Wunden und selige Gemeinschaft, Herr Jesu, mein treuester Erlöser! Ich empfehle mich gänzlich in deine gnädige Regierung, Kraft, Licht und Trost, Gott heiliger Geist, mein liebreicher Tröster! O dreieiniger Gott! Du bist mein, ich bin dein; du mein Vater, ich dein Kind; du mein Hirte, ich dein Schäflein; du mein Herr, ich dein Eigentum. Ach, mein Gott, wie kann ich dir genugsam danken, daß du mich armen, sündhaften Menschen so hoch gewürdigt und mich durch die gnadenvolle Wiedergeburt, das Sakrament der heiligen Taufe, in den seligen Christenstand gesetzt hast. Ach, bewahre und erhalte mich in demselben bis an mein seliges Ende. Gieb, mein Gott, daß ich mich dessen wider Teufel, Welt, Sünde und Tod allezeit tröste, denselben weit höher, als alle weltliche Ehre und irdische Hoheit achte, nach demselben ein heiliges, göttliches Leben zu führen mich herzlich befleißige und endlich als ein Christ selig sterbe. Das verleihe mir, Gott Vater, um deines geliebten Sohnes, Jesu Christi, willen in Kraft des Heiligen Geistes. Dir, dreieiniger Gott, ſei Ehre, Preis und Dank in Ewigkeit. Amen. M. Christian Scriver. 482 c. Fürbitte eines Paten in der Beit vor der Konfirmation. Lieber, treuer Gott und Vater, ich rufe dich an über meinem lieben Patenfinde N. N., welches in dieser Zeit zur Vorbereitung auf seine Korfirmation aus deinem heiligen Wort unterwiesen wird. Neige sein Herz zu deinen Zeugnissen, be 3. Die kirchlichen Handlungen.- Unterricht über die Beichte. 483 wahre es vor Ärgernis und Verführung und gieb ihm deinen heiligen Geist, daß es ein gutes Bekenntnis thun und würdig zu deinem Tisch kommen möge. Amen. Hannoversches Gedenkbüchlein für konfirmierte Christen. Dasselbe Gebet in allgemeiner Fallung. Lieber, treuer Gott und Vater, wir rufen dich an über den Kindern, welche in dieser Zeit zur Vorbereitung auf ihre Konfirmation aus deinem heiligen Wort unterwiesen werden. Neige ihre Herzen zu deinen Zeugnissen, bewahre sie vor Ärgernis und Verführung, und gieb ihnen deinen heiligen Geist, daß sie ein gutes Bekenntnis thun und würdig zu deinem Tisch kommen mögen. Amen. III. Die Beichte. 1. Unterricht über die Beichte. Beichten heißt die Sünde bekennen, und geschieht zu dem Zweck, daß man die Absolution oder Vergebung der Sünden empfange. Auch beim öffentlichen Gemeindegottesdienst, sei es beim Beginn desselben, oder wie es in manchen Kirchengebieten die Ordnung ist, nach der Predigt, geschieht dies. Der Pastor fordert die Gemeinde auf: Lasset uns unsre Sünden vor Gott bekennen, er betet sodann das allgemeine Beichtgebet und verkündigt darauf die Absolution oder Vergebung der Sünden im Namen Gottes. Aber von dieser Weise der Beichte reden wir hier nicht, sondern hier haben wir's mit der Beichthandlung zu thun, welche dem Genusse des heiligen Abendmahls voraus geht und als besondere Zurüstung zu demselben dienen soll. Die Zeit, wann diese Beichthandlung vorgenommen wird, ist je nach Gewohnheit des Orts verschieden; entweder geschieht sie unmittelbar vor dem Gottesdienste, während dessen man das heilige Sakrament nehmen will, oder sie erfolgt schon am Tage vorher. Beide Arten können segensreich sein, und hat ein Christ sich da nach jedes Ortes Gewohnheit zu richten. In der lutherischen Kirche giebt es nun zwei Arten der Beichte: die allgemeine Beichte und die Privatbeichte. Die erstere geschieht in der Weise, daß alle, die zum Sakrament gehen 31* 484 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. wollen, im Gotteshause zusammen kommen, wo der Pastor ihnen eine Beichtrede hält, welche darauf abzielt, die Erkenntnis der Sünde und das herzliche Leid über dieselbe, sowie das sehnliche Verlangen nach Vergebung der Sünden und den ernsten Entschluß der Besserung in ihnen zu wecken, worauf dann der Pastor in aller Namen das Beichtgebet spricht, wozu sich alle, auf vorherige Frage von seiten des Pastor, mit ihrem lauten Ja bekennen, wonach ihnen allen auch die Absolution zugesprochen wird. Diese Art der Beichte ist jetzt die fast allgemeine und, man möchte wohl sagen, allein übliche geworden. Die Privatbeichte besteht darin, daß ein Beichtfind alle vor seinem Beichtiger seine Sünden beichtet und dann auch allein von ihm die Absolution empfängt. An einzelnen Orten ist dieſe Weise der Beichte wieder mehr üblich geworden. Verwehrt ist sie keinem lutherischen Christen an keinem Orte. Wie niemand durch irgend ein Gebot dazu gezwungen werden kann, so kann auch niemand durch irgend welches Verbot davon abgehalten werden. Ein Hindernis findet aber die Privatbeichte vielfach in der Unwissenheit der Gemeinden, daß sie nämlich mit der römischen Ohrenbeichte verwechselt wird. Aber zwischen der römischen Ohrenbeichte und der evangelischen Privatbeichte besteht ein wesentlicher Unterschied vornehmlich darin, daß 1. der lutherische Christ nach eigenem Ermessen die allgemeine oder Privatbeichte brauchen kann, der römische Christ dagegen die Ohrenbeichte brauchen muß; 2. daß der lutherische Christ in seiner Privatbeichte einzelne Sünden sagen kann, wenn er will, daß er aber auch eine ganz allgemeine Formel oder eine allgemein gehaltene Herzensbeichte brauchen kann, und dennoch die Absolution empfängt, während der römische Christ seine einzelnen Sünden beichten muß, sie mögen ihn drücken, oder nicht, und er die Absolution nicht empfängt, er habe denn rein gebeichtet, d. h. alle seine Sünden einzeln genannt.- Das beachte jeder Beichtende und lasse sich durch die Einwendung unwissender oder boshafter Leute, als wäre die Privatbeichte etwas Römisches, in seiner Wahl der Beichtart nicht bestimmen. Es ist leicht zu erkennen, daß die römische Art der Ohrenbeichte zu einem unerträglichen Zwang und einer Gewissensmarter werden muß, während die lutherische Art der Privatbeichte einen unaussprechlichen Trost und Segen in sich schließt. Denn es kommt bei derselben nicht sowohl darauf an, daß der Beichtvater jede einzelne Sünde des Menschen höre, sondern daß ein geängstetes und durch Sünde beschwertes Herz und Gewissen getröstet und durch Zusage 3. Die kirchlichen Handlungen. Unterricht über die Beichte. 485 göttlicher Vergebung zum Frieden gebracht werde. Denn die Hauptsache in der Beichte ist nicht unser eigenes Werk, nämlich unser Beichten, sondern das Werk Gottes, das ist die Vergebung der Sünden. 1 " 1 Damit ist denn auch ausgesprochen, welche Seelen sich der Privatbeichte bedienen sollten. Luther sagt im Kl. Katechismus im Stück von der Beichte: Vor dem Beichtiger sollen wir allein die Sünde bekennen, die wir wissen und fühlen im Herzen." Jeder ernste Christ hat es wohl erfahren, wie zuweilen eine einzige Sünde das Gewissen quälen und ängsten kann, oder auch, es tritt ihm die Menge seiner Sünden, ebensowohl die vielen Begehungen des Bösen, als die vielen Unterlassungen des Guten,- erschreckend vor die Augen, so daß er in der Angst seiner Seele nichts sieht, als seine Sünde und Gottes Zorn, und die Gnade der Vergebung sich vor seinen Augen verbirgt. Solchen Seelen wird in ihrer Angst und Not durch die allgemeine Beichte und die allgemeine Absolution nicht genügend geholfen werden, sondern sie brauchen besondern Zuspruch und besondern Trost; weil aber der Beichtvater das doch nicht von selber wissen kann, daß sie desselben so bedürftig sind, darum sollen sie eben zu ihm kommen und sollen ihm unter vier Augen ihr beschwertes Herz ausschütten, ihre Sünden und ihre Sündenangst bekennen, damit er ihnen ganz besonders den Trost der Sündenvergebung zusprechen kann. - Es kann aber auch recht wohl der Fall sein, daß eine Seele nicht grade in solcher Gewissensnot gefangen liegt, aber sie hat das lebendige Verlangen, die Zusage göttlicher Gnade recht gewiß und recht eigentlich für sich zu haben. Auch das kann ein Grund zum Gebrauch der Privatbeichte sein. Man will die Privatabsolution haben, um seinen Glauben recht darauf gründen und deß gewiß sein zu können: mir ist Barmherzigkeit widerfahren. Dazu kommt noch das Weitere, daß man auch Rat sucht zur Vermeidung neuer Sünden. Da ist wiederum das Richtige, daß das Beichtkind allein zu seinem Beichtvater komme und erbitte sich seinen seelsorgerlichen Rat. Dabei aber soll man wissen, daß jeder Beichtiger zur strengsten Bewahrung des Beichtgeheimnisses verpflichtet ist, er auch durch die Obrigkeit nicht zur Verletzung des Beichtsiegels gezwungen werden kann. Auch wenn das Beichtkind die Sünde bekennend vor dem Beichtbater erscheint, foll es doch nicht anders sein, als stünde das Beichtkind allein vor Gott. Was in der Beichte bekannt worden ist, das muß allein zwischen dem Beichtfinde und dem Beichtvater bleiben. Darum beraube sich niemand durch eine unnötige und ungegründete Furcht des großen 486 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. Trostes, den eine Seele bei der Privatbeichte durch die ihr besonders gespendete Absolution haben kann. Wie groß nun auch der Segen der Privatbeichte ist, so wäre es unrecht, wollte man der allgemeinen Beichte allen Segen absprechen. Nicht allein, sondern mit einer Gemeinde vor Gott zu kommen, da einer wie der andere sich in seiner Armut, Sünde, Not und Hilflosigkeit bekennt, und einer wie der andere zu Gott um Gnade ruft, und einer wie der andere denselben Gnadentrost empfängt das ist auch ein Großes und soll von niemand gering geachtet werden. Darum ist es das beſte, beide Arten der Beichte, die allgemeine, wie die private, in der Kirche zu bewahren und zu pflegen, daß ein jeder die eine oder die andere brauche, je nach dem Stand und Bedürfnis seines Herzens. - 2. Unterricht über die Absolution oder Vergebung der Sünden. Das Bekennen der Sünde hat für sich selbst keinen Zweck, wenn nicht auch die Absolution oder die Vergebung der Sünden darauf folgt. Diese Sündenvergebung ruht einzig und allein auf der Erlösung und Versöhnung unsers Herrn Jesu Christi und kann von niemand verdient werden, sondern Gott will sie um Christi willen aus freier Gnade denjenigen schenken, die ihre Sünden herzlich bereuen, seiner Barmherzigkeit in Christo trauen und gerne ihm zur Ehre leben möchten, in welchen Herzensstand er selbst sie erst bringen muß durch seines heiligen Geistes gnädige Wirkung, so daß in keiner Weise von einem Verdienst des Menschen geredet werden kann. Der Herr Jesus hat selbst die Vergebung der Sünden den bußfertigen Seelen zugesprochen( Matth. 9, 2-8, Luf. 7, 36-50, Lut. 23, 42. 43 2c.). Diesen höchsten, von ihm erworbenen Trost wollte er aber nicht mit sich hinauf in den Himmel nehmen, sondern wollte ihn hier auf Erden bei seiner Kirche und Gemeinde bleiben lassen, darum hat er das Amt gestiftet, das die Versöhnung predigt, wollte predigen lassen in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden unter allen Völkern( Luk. 24, 47) und hat seinen Jüngern gesagt( Joh. 20, 21-23): ,, Nehmet hin den heiligen Geist; welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten." Er hat also seiner Kirche Macht und Gewalt gegeben, in seinem Namen den bußfertigen Sündern die Sünden zu vergeben und den unbußfertigen die Sünde zu behalten. Diese zwiefache Gewalt bezeichnet man mit dem Namen des Löse- und Bindeschlüssels, nach dem Wort des Herrn zu Petro( Matth. 16, 19): Ich will dir des Himmelreichs Schlüssel 3. Die kirchlichen Handlungen.- Anleitung zur Selbstprüfung. 487 geben. Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein." Wem nun auf ein reuiges Bekenntnis und herzliche Bitte die Absolution zugesprochen wird durch den Diener am Worte, der soll nicht auf den armen fündigen Menschen, der ihm das sagt, sondern auf das Amt sehen, welches derselbe führt und auf den Herrn Jesum, der ihm dieses Amt gegeben und befohlen hat, er solle in seinem ( des Herrn) Namen den Leuten solche Vergebung bringen. Es ist darum solche Absolution nicht als Menschen, sondern als Gotteswort an- und aufzunehmen, und man soll ja nicht zweifeln, sondern fest glauben, die Sünden seien dadurch vergeben vor Gott im Himmel. So lasset uns Gott preisen, der solche Macht den Menschen gegeben hat, und ihn von Herzen bitten, daß er uns den Glauben an das Wort der Sündenvergebung stärke. 3. Anleitung zur Selbstprüfung. Wer zur Beichte kommt, soll seine Sünden bekennen. Es ist aber offenbar, daß niemand seine Sünden bekennen wird, der sie nicht vorher erkannt hat. Dazu gelangt man auf dem Wege einer ernstlichen Selbstprüfung, und diese darf auch nie unterlassen werden, wenn man zur Beichte und zum heiligen Abendmahl kommen will, denn der Apostel spricht( 1 Kor. 11, 28):„ Der Mensch prüfe aber sich selbst und also esse er von diesem Brote und trinke von dieſem Kelche." Dazu aber sind uns die heiligen zehn Gebote Gottes gegeben, daß wir darnach unsere Prüfung einrichten. Denn aus dem Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde," sagt Paulus( Röm. 3, 20) und Luther ermahnt im Katechismus: Siehe deinen Stand an nach den heiligen zehn Geboten, ob du Vater, Mutter, Sohn, TochDarum schaue in diesen ter, Herr, Frau, Knecht, Magd seist zc. Spiegel, aber nicht nur flüchtig, sondern siehe scharf hinein und gehe nicht davon, wenn du auch bei diesem Hineinschauen einen Greuel an dir selber gewinnen solltest. 11 Das erste Gebot lautet: Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst nicht andre Götter haben neben mir. Alles, woran dein Herz fester hängt, was du mehr liebst, worauf du gewisser vertraust, als auf Gott, das ist für dich ein Götze und Abgott, den du nicht blos neben, sondern über Gott stellst. Er will dein Herz allein haben, voll, ganz und ungeteilt. Ihn sollst du über alle Dinge fürchten, lieben und ihm vertrauen. Frage 488 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. dich ernstlich, ob du ihm dein Herz übergeben hast, ob er, der ewige lebendige Gott, der Vater, Sohn und heilige Geist, dein höchstes Gut ist, um deswillen du alles andre, auch das liebste, was du haſt, lassen und hingeben könntest? Und wenn du alles verlörest, könntest du in der Wahrheit sagen: ,, Herr, wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde?" Siehe wohl zu, ob dich die Furcht vor der Menschen Urteil und Meinung nicht oft vielmehr bestimmt in deinem Verhalten, als die Furcht Gottes? ob du die Welt und was in ihr ist, Augenlust, Fleischeslust und hoffärtig Leben nicht lieber hast, als Gott? ob du deinen Gott und seine Liebe allezeit auch über die stellst, die du nach Gottes Willen auch lieben sollst, Vater, Mutter, Kinder, Geschwister, Verwandte und Freunde? Siehe wohl zu, ob du nicht auf der Menschen Gunst und Einfluß, oder auf deine eigene Klugheit, Einsicht, Kraft und Geschicklichkeit, oder auf Geld und Gut mehr vertrauest, als auf den Herrn, deinen Gott? - Das zweite Gebot lautet: Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht unnüßlich führen, denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht. Wie ihm nach dem ersten Gebote dein Herz gehören soll, so will er nach dem zweiten Gebote auch die Worte deines Mundes haben. Damit du ihn nennen und anrufen kannst, hat er dir seinen Namen kund gethan. Erkennst du diese Gnade deines Gottes und dankest ihm dafür, oder hat deine Gleichgiltigkeit und Trägheit das noch niemals recht bedacht? Brauchst du den Namen deines Gottes recht, oder mißbrauchst du ihn? Hast du etwa auch die schlechte Gewohnheit, alle Augenblicke in völliger Gedankenlosigkeit auszurufen: „ Mein Gott, Herr Jesus, daß sich Gott erbarme!" u. f. w.? Hört man aus deinem Munde etwa auch solche entsegliche Fluchworte, wie: ,, Gott straf mich," oder:„ Gott verdamm mich?" Stößest du etwa Fluchworte auch gegen andere aus, daß du ihnen von Gott Böses wünschest? Gehst du mit leichtsinnigen Schwüren und Betheuerungen bei Gottes Namen um, daß du einmal über das andere ausrufest:„ bei Gott! weiß es Gott! beim Himmel! bei meiner Seele! bei meiner Ehre!" und dergleichen? Brauchst du etwa solche Betheuerungen auch da, wo du wohl weißt, daß dein Mund Unwahres und Lügen redet? Hältst du Gott, was du ihm zugesagt und gelobet haft: dein Taufgelübde, dein Konfirmationsgelübde, dein Beichtgelübde, dein Amtsgelübde? Und wenn du es nicht gehalten, meinst du nicht, daß dich Gott als einen Meineidigen strafen werde? Brauchst 3. Die kirchlichen Handlungen.- Anleitung zur Selbstprüfung. 489 du deines Gottes Namen zu fleißiger Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung? Brauchst du ihn in rechter Andacht deines Herzens, in Demut, welche du deinem Herrn,- in findlichem Vertrauen, welches du deinem Gott und Vater, in heiliger Scheu, welche du der heiligen Majestät des himmlischen Königs schuldig bist? Fängst du deine Tage mit Gebet an, treibst du dein Werk mit betendem Herzen, nimmst du dein täglich Brot aus Gottes Hand mit Gebet und Danksagung, schließest du deine Tage mit Gott? Suchst du ihn in der Zeit der Not und hoffft auf seine Hilfe, oder hältst du Fleisch für deinen Arm? Bittest du für Vater und Mutter, Weib und Kind, Knechte und Mägde, für König und Obrigkeit, für deinen Seelsorger und Lehrer, für deine Paten und Pflegebefohlenen, für Gläubige und Ungläubige, für Verirrte und Abtrünnige, für alles Volk, daß Gott ihnen aus Gnaden zur Seligkeit helfe? Schaue weiter in das dritte Gebot: — Du sollst den Feiertag heiligen. Hältst du den Sonntag als den Tag heiliger Gottesruhe? Bist du fleißig gewesen im Hören des Wortes Gottes, deine Seele zu stärken zum ewigen Leben? Beschränkst du deine Arbeiten am Sonntage auf wirkliche Not- und Liebeswerke, oder machst du auch den Sonntag zum Werktag, um deines Geizes, deiner Habsucht, deiner Gewinnsucht und deiner Gier nach Geld und Reichtum willen? Warum freust du dich auf den Sonntag? bloß deswegen, daß du müßig gehen und deinen Vergnügen nachlaufen, oder deßwegen, daß du ins Haus Gottes gehen und Gott dienen kannst? Heiligst du wirklich den Feiertag? oder machst du ihn zum Spiel-, Tanz-, Trinkund Buhltag, noch mehr, als andre Tage? Und wenn es so wäre, - denkst du nicht an das ernste Wort: Irret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten. Wer auf sein Fleisch säet, der wird vom Fleische das Verderben ernten? Und wenn du zum Hause Gottes kommst, bringst du auch einen rechten Hunger und Durst nach Gottes Wort mit? Bist du ein andächtiger und treuer Hörer göttlichen Worts, oder verschläfft und verträumst du die Predigt? Nimmst du das gepredigte Gotteswort mit in dein Haus, zu deinem Werk, auf deine Wege als eine Leuchte deiner Füße, oder hast du es schon wieder vergessen, wenn du zur Thür der Kirche hinaus gehst? Ist dein Herz einem guten Lande gleich, oder wie ein festgetretener Weg, oder wie ein dorniger und felsiger Acker? Höre weiter auf das vierte Gebot: Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß dirs wohlgehe und du lange lebest auf Erden. Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. Ihr Kinder, thut ihr das euern Eltern gegenüber? Ihr Knechte und Mägde, ihr Lehrlinge und Gesellen, thut ihr das euern Herrschaften, Meistern und Lehrherrn gegenüber? Ihr Unterthanen, übt ihr es eurer Obrigkeit- ihr Zuhörer, euren Predigern und Seelsorgern gegenüber? oder verachtet und erzürnet ihr die, welche Gott über euch gesetzet hat, mit Worten oder mit Werken? Und wenn es so wäre, meint ihr nicht, daß euch der heilige und gerechte Gott eben so sicher strafen wird, wie er Ham, Absalom und andre gestraft hat, die wider dies Gebot gesündigt haben? Und ihr Eltern, ziehet ihr wirklich eure Kinder auf in der Zucht und Vermahnung zum Herrn? beweiset ihr ihnen den Ernst in der Liebe, und die Liebe im Ernst, dadurch der Kinder Herzen wirklich zu der Achtung und dem Gehorsam geführt werden, den sie euch schuldig sind? Brecht ihr frühzeitig den Eigenwillen der Kinder? oder laßt ihr ihnen aus schwächlicher Liebe und Nachgiebigkeit allen Willen und stärkt so ihren Troß und Eigensinn? Straft ihr eure Kinder so, daß sie die heilsame Zucht der Liebe fühlen, oder straft ihr in Zorn und ungerechter Härte so, daß die Kinder scheu und ihre Herzen euch entfremdet werden? Betet ihr für eure Kinder und ist es euer höchstes Ziel, sie nicht für die Welt, oder euch zum Ruhme, sondern für den Himmel und zur Ehre Gottes zu erziehen? 490 Ihr Herrschaften, haltet ihr euer Gesinde als solche, die da wissen, daß sie auch einen Herrn im Himmel haben, dem ihr Rechenschaft schuldig seid auch über alles, was ihr eurem Gesinde gethan habt? Behandelt ihr sie mit Liebe und Freundlichkeit, mit Gerechtigkeit und Milde? Fordert ihr nicht mehr von ihnen, als sie leisten können, und seid ihr in Wahrheit auf ihr geistliches und leibliches Wohl bedacht? Bedenkt ihr, daß sie auch Erlöste Jesu Christi sind und laßt ihr ihnen Zeit, auch für ihre Seelen zu sorgen? Haltet ihr sie an zur Kirche und zum Gottesdienst, und sucht sie vor Sündenwegen zu bewahren, oder seid ihr zufrieden, wenn sie euch nur eure Arbeiten ausrichten? Ihr Obern, erkennet ihr, daß ihr eure Gewalt von Gott habt und braucht ihr sie nicht euch, sondern Gott zur Ehre? Bedenkt ihr, daß euch Gott ein Schwert in die Hand gegeben zur Rache über die Übelthäter und zum Schutz der Frommen, oder stärkt ihr durch falsche Milde die Sünde im Lande, so daß die Ungerechtigkeit überhand nimmt und die Rechtschaffenen seufzen? Richtet ihr ohne Ansehen der Person, oder beugt ihr das Recht nach Gunst oder Geschenk? 3. Die kirchlichen Handlungen.- Anleitung zur Selbstprüfung. 491 Ihr Prediger, lehrt ihr Gottes Wort lauter und rein, oder lüget und trüget ihr bei Gottes Namen darin, daß ihr eure eignen Meinungen als Gottes Wort und Offenbarung verfündigt? Wachet ihr über den euch anvertrauten Seelen, für die ihr Gott Rechenschaft geben sollt? Wartet ihr des Gebets und des Ermahnens? Stellet ihr euch in allen Dingen dar als Vorbilder der Herde, und ist es euch ein heiliger Ernst, den Seelen zur Seligkeit zu dienen, oder führt ihr euer Amt um zeitlichen Gewinnes willen? Bedenke weiter das fünfte Gebot: Du sollst nicht töten? Wer seinen Bruder hasset, der ist ein Totschläger, sagt die Schrift, und ein Totschläger hat keinen Teil am ewigen Leben. Siehe wohl zu, ob nicht in deinem Herzen schon Zorn und Bitterteit, gehässiges, feindseliges und rachsüchtiges Wesen gewohnt hat, oder noch wohnt, ob du nicht jemand beleidigt und hast noch nicht seine Vergebung gesucht, oder bist von jemand beleidigt, und hast es ihm noch nicht von Herzen vergeben? Siehe wohl zu, ob du nicht durch Ärger und Kränkung oder durch Gewaltthat und Mißhandlung jemandem an seinem Leibe einen Schaden zugefüget, daran er vielleicht noch zu tragen hat? Siehe wohl zu, ob du deinem Nächsten mit der Liebe begegnet, die nicht das Ihre sucht, die langmütig und freundlich ist, die sich nicht erbittern läßt, die nicht nach Schaden trachtet, die zu allem Dienst bereit ist und alles verträgt, alles glaubt, alles hoffet, alles duldet? Hast du dich auch an der Seele deines Nächsten nicht verfündigt? Liegt es dir am Herzen und hilfst du mit, daß sie aus dem Tode der Sünde errettet werde, oder hast du vielleicht durch Verführung und böses Beispiel mit geholfen, daß fie tot in Sünden bleibt? Gedenke des sechsten Gebotes: Du sollst nicht ehebrechen. Ihr Ehegatten, habt ihr allezeit bedacht, daß euer Stand ein heiliger Stand ist, den Gott selbst eingesetzet hat, und daß er ein Abbild sein soll von dem Bunde Christi und seiner Gemeinde? Seid ihr in Zucht und Ehren in euern Ehestand eingetreten, oder hat euch die fleischliche Lust zusammen geführt? Habt ihr einander die gelobte Treue gehalten, oder habt ihr euch des Ehebruchs und wäre es auch nur in Gedanken und im Herzen schuldig gemacht, welchem Gott sein schweres Gericht gedrohet hat? Ihr Männer, liebet ihr eure Weiber so, wie Christus geliebt hat die Gemeinde, in selbstverleugnender Liebe und aufopfernder Treue, oder seid ihr hart und lieblos gegen sie in Worten und Werken und gebt dem Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. weiblichen, als dem schwächsten Werkzeuge, nicht seine Ehre, als auch Miterben der Gnade des Lebens? Ihr Weiber, seid ihr euern Männern unterthan, wie die Gemeinde ist Christo unterthan, in Demut, Sanftmut, Hingebung und Bereitwilligkeit zu allem Dienst der Liebe? Helft ihr einander zurecht mit sanftmütigem Geiste, wenn eins von einem Fehl übereilet wird? wandelt ihr Hand in Hand dem Himmel zu im gemeinsamen Glauben, gemeinsamer Liebe, gemeinsamer Hoffnung auf den Herrn Jesum Christum, oder geht euer Weg in Unglauben, Weltsinn, Hader und Zwietracht dem ewigen Verderben entgegen? 492 Ihr Ledigen, bewahrt ihr euern Leib als einen Tempel des heiligen Geistes in Zucht und Keuschheit, oder wandelt ihr die Wege des Fleisches in Unreinigkeit und Unteuschheit? Verklagen euch keine heimlichen Greuel und stummen Sünden der Unzucht? Meidet ihr die Wege der Unmäßigkeit, wüster Vergnügungen, der üppigkeit, des Müßiggangs, leichtfertiger Gesellschaft und schlechter Bücher? Haltet ihr euch frei von Schamlosigkeiten in Kleidung, Gebärden, Worten und Werken? Hängt ihr auch nicht unreinen Gedanken nach? Habt ihr euch gehütet, andere zu verführen, oder fallet ihr unter das Wehe des Herrn, das er über die gerufen, welche Ärgernis geben? Prüfe dich an dem siebenten Gebote: Du sollst nicht stehlen. Hast du nie etwas genommen, wozu du kein Recht hattest? nie etwas veruntreuet? nie jemand übervorteilt in Handel und Wandel? Sind deine Hände rein geblieben von gestohlenem Gute, und wenn es ein Pfennig, oder eine Frucht vom Felde oder aus dem Garten deines Nächsten war? oder ist dein Gewissen so sehr eingeschlafen, daß du solche sogenannte Kleinigkeiten für nichts achtest und bedenkest nicht, daß der Herr der Rächer ist über das alles? Willst du nichts zu schaffen haben mit den in deinem Stande gewöhnlichen Betrügereien? oder führst du falsche Wage und Gewicht, oder behältst etwas inne von dem, was dir zur Verarbeitung anvertraut ist? Ist deine Arbeit so, daß du mit gutem Gewissen den Lohn dafür fordern fannst, oder läßt du dich für wenig und schlechte Arbeit teuer bezahlen? Bist du ein leichtsinniger Borger, oder ein gewissenloser Hehler gestohlenen oder gefundenen Gutes? Bist du frei von Geiz, Neid, Habsucht, Mißgunst und ähnlichen Lüsten des Fleisches? Hilfft du deinem darbenden oder bedrängten und in Not geratenen Nächsten, daß sein Gut und Nahrung gebessert und behütet werde, auch wenn 3. Die kirchlichen Handlungen.- Anleitung zur Selbstprüfung. 493 du einen kleinen Verlust dabei hättest, oder wohnt in deinem Herzen häßliche Schadenfreude? Schaue in das achte Gebot: Du sollst nicht falsches Zeugnis reden wider deinen Nächsten. Hast du schon vor Gericht gestanden, entweder als Kläger, oder als Verklagter, oder als Zeuge und hast du da nichts, als die Wahrheit geredet? Und wie sind deine Worte im gewöhnlichen Verkehr mit deinem Nächsten gewesen? Hast du dich stets nach dem Worte des Herrn gehalten:„ Eure Rede sei Ja Ja, Nein Nein, was darüber ist, das ist vom Übel( Matth. 5, 37)?" Hast du die Ehre und den guten Namen deines Nächsten geschont, Gutes von ihm geredet, ihn entschuldigt, so viel du der Wahrheit gemäß konntest, und alles zum besten gekehrt, wenn andre über ihn übel urteilten? oder war dirs eine heimliche oder auch offenbare Freude, wenn es recht über den Nächsten herging, und thatest das Deine auch dazu, ihn in den Augen der Leute herabzusetzen, seine Fehler zu vergrößern oder erdichtetest solche? Sahest du den Splitter in deines Bruders Auge, und des Balkens im eignen Auge wurdest du nicht gewahr? Hast du die dir anvertrauten Geheimnisse andrer treu in deinem Herzen verschlossen, oder wurdest du an deinem Nächsten zum Verräter? Und was du wieder erzählen durftest, warst du darin wahrhaftig, oder hast du die Sachen übertrieben und durch Hinzufügen deiner eignen Worte oder den veränderten Ton deiner Rede entstellt? Hast du deinen Nächsten offen und ehrlich, in Liebe und Ernst auf seine Fehler aufmerksam gemacht und bist auf seine Besserung bedacht gewesen, oder warst du ein verächtlicher Schmeichler, der durch seine elenden Schmeicheleien den Nächsten täuschte, oder den eignen Vorteil suchte? Hast du niemals andere zu Lügenreden verleitet und dein Ansehen als Vorgesetzter, oder deine Stellung als Vater und Mutter, Hausherr und Hausfrau nie gemißbraucht, deine Untergebenen, Kinder oder Dienstboten zu Unwahrheiten zu bestimmen? Bist du selbst in der Not bei der Wahrheit geblieben, oder hast du auch zur Notlüge gegriffen und achtetest es nicht, daß du damit deinen Heiland, der die Wahrheit ist, verleugneteſt? Achte endlich auf das neunte und zehnte Gebot: - Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, und du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vich oder alles, was sein ist. Wie dein Herz( 1. Gebot), dein Mund( 2. Gebot), dein Leben und Wandel( 3. Gebot) in der Liebe Gott zugehören soll, so soll 494 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. dein Werk( 4. bis 7. Gebot), dein Mund( 8. Gebot) und dein Herz ( 9. und 10. Gebot) auch dem Nächsten in Liebe zugewandt sein. Hast du dein Herz reinigen lassen durch Gottes Gnade von allen bösen Gelüsten, oder hängst du der von Adant her dir angeerbten bösen Lust geflissentlich nach? Wenn Zorn, Haß, Rachsucht, unreine unkeusche Gedanken, Habsucht und Gewinnsucht, Neid und Schadenfreude, Hoffart und Stolz in deinem Herzen sich regen wollen, kämpfst du dawider in der Kraft Christi, oder hegst du die Sünde in deinem Herzen, wachest und betest nicht und giebst deinem Fleische Raum, daß du darnach auch die Werke des Fleisches vollbringst? Prüfe dich nach solchen Geboten deines Gottes wohl, unter beständigem Seufzen zu ihm, daß er dir recht zur Erkenntnis deiner Sünde und zum Schmerz darüber helfen wolle, daß du den heiligen Gott so sehr erzürnet, deinem himmlischen Vater so oft ungehorsam gewesen, deinem Heiland eine so große Last aufgelegt und den heiligen Geist so tief betrübet hast, und bekenne ihm deine Sünde und suche seine Vergebung. Und wo du findest, daß du dich an deinem Nächsten verfündigt, da säume nicht, auch seine Vergebung zu suchen und thue nach des Herrn Wort( Matth. 5, 23-26):„ Wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und wirst allda eindenken, daß dein Bruder etwas wider dich habe, so laß allda vor dem Altar deine Gabe und gehe zuvor hin und versöhne dich mit deinem Bruder. und alsdann komm und opfere deine Gabe. Sei willfertig deinem Widersacher bald, dieweil du noch bei ihm auf dem Wege bist, auf daß dich der Widersacher nicht dermaleinst überantworte dem Richter, und der Richter überantworte dich dem Diener, und werdest in den Kerker geworfen. Ich sage dir: wahrlich, du wirst nicht von dannen herauskommen, bis du auch den letzten Heller bezahleſt." Siehe auch Dr. Martin Luthers Haustafel S. 437 und die christlichen Fragstücke S. 509. 4. Unterricht aus Luthers kleinem Katechismus für die, welche zur Privatbeichte kommen. So sollst du zum Beichtiger sprechen: Würdiger, lieber Herr, ich bitte euch, ihr wollet meine Beichte hören und mir die Vergebung sprechen um Gottes willen. Sage an: Ich armer Sünder bekenne mich vor Gott aller Sünden schuldig, insonderheit bekenne ich vor euch, daß ich ein Knecht, Magd zc. bin. Aber ich diene leider untreulich meinem Herrn; denn da und da 3. Die tirchl. Handlungen.- Unterricht f. d., welche z. Privatbeichte kommen. 495 habe ich nicht gethan, was sie mich hießen, habe sie erzürnt und zu fluchen beweget, habe versäumet und Schaden lassen geschehen. Bin auch in Worten und Werken unschambar gewesen, habe mit meinesgleichen gezürnet, wider meine Frau gemurret und geflucht 2c. Das ist mir alles leid und bitte um Gnade, ich will mich bessern. Ein Herr oder Frau sage also: Insonderheit bekenne ich vor euch, daß ich mein Weib, Kind und Gesinde nicht treulich gezogen habe zu Gottes Ehren. Ich habe geflucht, böse Erempel mit unzüchtigen Worten und Werken gegeben, meinem Nachbar Schaden gethan und übel nachgeredet, zu teuer verkauft, falsche und nicht ganze Ware gegeben. Und was er mehr wider die Gebote Gottes und seinen Stand gethan 2c. Wenn aber jemand sich nicht befindet beschwert mit solcher oder größeren Sünden, der soll nicht sorgen, oder weiter Sünde suchen, noch erdichten und damit eine Marter aus der Beichte machen, sondern erzähle eine oder zwo, wie du weißest. Also: Insonderheit bekenne ich, daß ich einmal geflucht. Item, einmal unhübsch mit Worten gewesen, einmal dies und das versäumt habe 2c. Also laß es genug sein. Weißt du aber gar keine,( welches doch nicht wohl sollte möglich sein,) so sage auch keine insonderheit, sondern nimm die Vergebung auf die gemeine Beichte, so du vor Gott thust gegegen den Beichtiger. Darauf soll der Beichtiger sagen: Gott sei dir gnädig und stärke deinen Glauben. Amen. Glaubst du auch, daß meine Vergebung Gottes Vergebung sei? Antw. Ja, lieber Herr. Darauf spreche er: Wie du glaubest, so geschehe dir. Und ich, aus dem Befehl unsers Herrn Jesu Christi, vergebe dir deine Sünde im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Gehe hin in Frieden. Welche aber große Beschwerung des Gewissens haben, oder betrübt und angefochten sind, die wird ein Beichtvater wohl wissen mit mehr Sprüchen zu trösten und zum Glauben reizen. Das soll allein eine gemeine Weise der Beichte sein für die Einfältigen. Andre Beichtformeln s. S. 501 u. 502, oder es mag auch die nachstehende gebraucht werden: Ehrwürdiger Herr, ich klage euch, daß ich ein bekümmertes Gewissen habe, denn ich in meiner ganzen Natur nichts Gutes finde, 496 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. daher ich mannigfaltig wider Gott und seine heiligen Gebote gesündigt habe, innerlich und äußerlich, wider die erste und andre Tafel. Solches ist mir herzlich leid, und weiß es aus dem Gesetze Gottes, daß verflucht sei jedermann, der nicht alles hält, was geschrieben steht im Gesetz des Herrn, daß ers thue. Ich höre aber gleichwohl aus dem heiligen Evangelio, daß Gott gnädig sein und Sünde vergeben will denen, die in wahrer Erkenntnis ihrer Sünden an seinen Sohn Jesum Christum glauben und in solchem Glauben ihn anrufen, auch seinen Dienern hier auf Erden Gewalt gegeben hat, den armen elenden Sündern auf ihr Begehren und an seiner statt und in seinem Namen Sünde zu vergeben. Ich bitte deshalb euch als einen Diener Christi und seiner Kirche um Gottes willen, ihr wollet mein betrübtes Gewissen trösten, mir die heilige Absolution sprechen, mich mit dem Abendmahle des Herrn zur Stärkung meines schwachen Glaubens speisen und Gott für mich bitten. Ich will hinfort durch göttliche Verleihung mein Leben bessern. Absolutionsformel: Der allmächtige Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi will dir gnädig und barmherzig sein und will dir alle deine Sünde vergeben, um deß willen, daß sein lieber Sohn, Jesus Christus, dafür gelitten hat und gestorben ist, und im Namen desselbigen unsers Herrn Jesu Christi, auf seinen Befehl und in kraft seiner Worte, da er sagt: Welchen ihr die Sünde erlasset, denen sind sie erlassen 2c. spreche ich dich aller deiner Sünden frei, ledig und los, daß sie dir allzumal sollen vergeben sein, so reichlich und vollkommen, als Jesus Christus dasselbige durch sein Leiden und Sterben verdienet und durchs Evangelium in aller Welt zu predigen befohlen. Und dieser tröstlichen Zusage, die ich dir jetzt im Namen des Herrn Christi gethan, der wollest du dich tröstlich annehmen, dein Gewissen darauf zufrieden stellen und festiglich glauben, deine Sünden sind dir gewißlich vergeben, im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Gehe hin in Frieden. Amen. 5. Beichtgebete. a. Gebetssprüche für die, so zur Beichte gehen wollen. Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz; prüfe mich und erfahre, wie ich es meine. Und siehe, ob ich auf bösem Wege bin und leite mich auf ewigem Wege. Ps. 139, 23. 24. 3. Die kirchlichen Handlungen.- Beichtgebete. 497 Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich wohl von meiner Missethat und reinige mich von meiner Sünde. Denn ich erkenne meine Missethat und meine Sünde ist immer vor mir. An dir allein habe ich gesündiget und übel vor dir gethan, auf daß du Recht behaltest in deinen Worten und rein bleibest, wenn du gerichtet wirst. Pf. 51, 3-6. Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gieb mir einen neuen, gewissen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Tröste mich wieder mit deiner Hilfe, und der freudige Geist enthalte mich. Pf. 51, 12-14. Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängsteter Geist; ein geängstetes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten. Pf. 51, 19. Ach, Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm. Herr, sei mir gnädig, denn ich bin schwach; heile mich, Herr, denn meine Gebeine sind erschrocken, und meine Seele ist sehr erschrocken. Ach, du Herr, wie so lange! Wende dich, Herr und errette meine Seele; hilf mir um deiner Güte willen. Pf. 6, 2-5. Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretung; gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, um deiner Güte willen. Ps. 25, 7. Wende dich zu mir und sei mir gnädig, denn ich bin einsam und elend. Die Angst meines Herzens ist groß: führe mich aus meinen Nöten. Siehe an meinen Jammer und Elend und vergieb mir alle meine Sünde. Ps. 25, 16-18. Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und erhöre mich. Mein Herz hält dir vor dein Wort: ihr sollt mein Antlitz suchen. Darum suche ich auch, Herr, dein Antlig. Allgemeines Gebetbuch. 32 498 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. Verbirg dein Antliß nicht vor mir und verstoße nicht im Zorn deinen Knecht, denn du bist meine Hilfe. Laß mich nicht und thue nicht von mir die Hand ab, Gott, mein Heil. Pf. 27, 7-9. Ich bekenne dir meine Sünde und verhehle meine Missethat nicht. Ich sprach: Ich will dem Herrn meine Übertretung bekennen. Da vergabst du mir die Missethat meiner Sünde. P₁. 32, 5. Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm. Denn deine Pfeile stecken in mir und deine Hand drücket mich. Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe vor deinem Drohen, und ist kein Friede in meinen Gebeinen vor meiner Sünde. Denn meine Sünden gehen über mein Haupt, wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden. Ich heule vor Unruhe meines Herzens. Herr, vor dir ist alle meine Begierde, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. Pf. 38, 2-5. 9. 10. Es hat mich umgeben Leiden ohne Zahl; es haben mich meine Sünden ergriffen, daß ich nicht sehen kann; ihrer ist mehr, denn Haare auf meinem Haupte, und mein Herz hat mich verlassen. Laß dirs gefallen, Herr, daß du mich erretteſt; eile, Herr, mir zu helfen. Pf. 40, 13. 14. Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir. Herr, höre meine Stimme, laß deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens. So du willst, Herr, Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen? Denn bei dir ist die Vergebung, daß man dich fürchte. Pf. 130, 1-4. Herr, erhöre mein Gebet, vernimm mein Flehen um deiner Wahrheit willen, erhöre mich um deiner Gerechtigkeit willen, und gehe nicht ins Gericht mit deinem Knechte, denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht. Mein Geist ist in mir geängstet, mein Herz ist mir in meinem Leibe verzehret. Ich breite meine 3. Die firchlichen Handlungen.- Beichtgebete. 499 Hände aus zu dir, meine Seele dürftet nach dir, wie ein dürres Land. Ps. 143, 1. 2. 4. 6. Züchtige mich, Herr, doch mit Maße und nicht in deinem Grimm, auf daß du mich nicht aufreibest. Jer. 10, 24. - Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so iſt mir geholfen! denn du bist mein Ruhm. Jer. 17, 13. b. Gebet um wahre Buke. Lieber Vater im Himmel, gieb mir deinen heiligen Geist, der in mir wirke eine rechte christliche Buße und mich darin beständig erhalte, auf daß ich als ein bußfertiger Christ allezeit erfunden werde in wahrer Erkenntnis, Reue und Leid meiner Sünde und in einem starken Glauben an die Vergebung der Sünden, auch in einem beständigen Vorsatz und Anfang, mein Leben zu bessern, durch Jesum Christum, meinen Herrn. Amen. Joh. Habermann. Ein anderes. Lieber Gott, regiere du mich, daß ich mit geistlichen Augen meine angeborne Sünde und Schwachheit erkenne und bekenne und also zur rechten Erkenntnis Christi geführt und durch deinen heiligen Geist regieret, géreinigt und geheiliget werde. Amen. Dr. M. Luther. e. Gebet um Vergebung der Sünden. Gerechter Gott, barmherziger Vater, ich armer, sündiger Mensch habe sehr und vielfältig wider dich gesündigt, derowegen ich auch deinen gerechten Zorn wider die Sünde in meinem Herzen fühle. Ich habe ja die Welt mit ihrer Lust und Freude höher geliebt, denn dich meinen Gott und Herrn, und was mir befohlen in meinem Berufe nicht treulich verrichtet, mich oft zornig und rachgierig erwiesen, meinen Nächsten als mich selbst nicht geliebt. Ich finde auch noch täglich in mir allerlei böse Lust und Begierde wider deine Gebote in meinem sündlichen 32* 500 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. Herzen. Den Menschen zu gefallen ist mir nichts zu schwer und groß gewesen, habe aber darüber dein und deines Wortes vergessen, nicht dahin getrachtet, wie ich als dein liebes Kind dir, meinem himmlischen Vater, gefallen möchte. Weil ich aber weiß, daß deine Barmherzigkeit größer ist, denn der ganzen Welt Sünde, so bringe ich zu dir einen geängsteten Geiſt; ein geängstetes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten, sondern dasselbige dir in allen Gnaden gefallen lassen. Ach, lieber Vater, heile mich, so werde ich heil, befehre mich, so werde ich bekehret. Siehe mich an mit den Augen deiner Barmherzigkeit, wie du angesehen hast Maria Magdalena, die große Sünderin, Petrum, der dich verleugnet, und den bußfertigen Schächer am Kreuz, ja wie du den demütigen Zöllner im Tempel angesehen, der an seine Brust schlug und deine Gnade begehrte. Verleihe mir durch deinen heiligen Geist wahre, ernstliche Reue und Leid über meine Sünde, daß ich darüber, wie Petrus, bitterlich weine, weil ich so ungehorsam deinen Geboten gewesen bin. Verleihe mir auch den wahren Glauben an deinen Sohn Jesum Christum und sein heiliges Verdienst und hilf, daß ich würdige Früchte der Buße bringen möge. Laß mich auch die Zeit meiner Heimsuchung erkennen. Gieb Gnade, daß ich dem Teufel, dem wollüstigen Fleische und der argen verführerischen Welt durch deine Kraft widerstehen und dein liebes Kind in Ewigkeit bleiben möge. Amen. Sigism. Scherer. Ein anderes. Barmherziger Gott, gnädiger Vater, du bist gut und fromm, darum unterweisest du die Sünder auf dem Wege dieses Lebens. Deine Wege, o Herr, sind eitel Güte und Wahrheit denen, die deinen Bund und Zeugnis halten. Ich aber erkenne und bekenne, daß ich von deinem Wege und Befehl oft abgewichen bin und keine Stunde deine Gebote recht und vollkommen gehalten, sondern in allen dawider gesündigt und dich leider alle Tage erzürnet habe, welches mir auch herzlich leid ist. Darum beuge 3. Die kirchlichen Handlungen. Beichtgebete. 501 ich die Kniee meines Herzens vor dir und bitte demütiglich um Gnade. Ich halte mich an meinen Jesum, den du selbst mir vorgestellt haft zu einem Gnadenstuhl durch den Glauben in seinem Blut. Um desselben willen gehe, liebster Vater, jeho nicht mit mir ins Gericht, sondern vergieb mir alle argen Gedanken, alle unnüßen Reden, alle gehässigen Gebärden, alle bösen Werke und Thaten, womit ich bisher wider dein Wort gehandelt und mich an dir und meinem Nächsten vergriffen habe. Wirf alle meine Übertretungen in die Tiefe des Meeres und tilge sie durch das Blut deines liebsten Sohnes, welches uns rein macht von allen Sünden. Wende auch in Gnaden ab deinen Zorn und die wohlverdienten Strafen, oder hilf mir solche zur Besserung meines Lebens durch deinen Geist geduldig tragen. Heiliger Vater, hilf, daß ich aufhöre zu fündigen und anfange zu leben in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit, die dir gefällig ist. Dein heiliger und guter Geist wohne in meinem Herzen ewiglich, daß ich dich liebe und dein Wort halte und du zu mir kommest und deine Wohnung in mir machest, damit Leib und Seele in rechtschaffenem Glauben, gutem Gewissen, starker Hoffnung und christlicher Geduld ihren Lauf auf Erden wohl vollenden und ich endlich um des Verdienstes Jesu Christi willen in jenem Leben die ewige Krone der Ehren davonbringen möge. Amen. Bernh. Albrecht. - d. Beichten. Allmächtiger Gott, barmherziger Vater, ich armer, elender Sünder, bekenne dir alle meine Sünde und Missethat, damit ich dich jemals erzürnet und deine Strafe zeitlich und ewig wohl verdienet habe. Sie sind mir aber alle herzlich leid und reuen mich sehr, und ich bitte dich um deiner grundlosen Barmherzigkeit und um des unschuldigen bittern Leidens und Sterbens deines lieben Sohnes, Jesu Christi willen, du wollest mir armen sündhaften Menschen gnädig und barmherzig sein, mir alle meine Sünden vergeben und mir zu meiner Besserung deines Geistes Kraft verleihen. Amen. Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. Eine andere. O Gott Vater in Ewigkeit, du wollest heute nicht ansehen den unzähligen Haufen meiner Sünden, welche mir stets vor meinen Augen stehen und wollest mir die nicht zurechnen, sondern wollest mir sie durch deinen Mittler und unsern Versöhner Christum, zudecken und wollest heute dein Aufsehen haben in das Angesicht deines Gesalbten, deines Christi, durch den allein ich bei dir mag Gnade erlangen, ohne welchen auch niemand zu dir mag kommen, als in seinem Verdienst, in seiner Arbeit, die du mir durch das Evangelium hast lassen tröstlich anbieten und feiltragen( ob ich dirs wollte glauben), es soll dein einziger Sohn mein Mittler, samt allem, das er hat, mein sein, er soll meine Gerechtigkeit, meine Heiligung und meine Erlösung sein. Durch denselben sei mir gnädig, mein Gott, in Ewigkeit. Schaffe forthin mein Leben, Sterben und Auferstehung in Christo nach deinem göttlichen Willen. Amen. 502 Dr. M. Luther. Eine andere. Ich armer Sünder bekenne vor Gott, meinem himmlischen Vater, daß ich leider schwer und mannigfaltig geſündigt habe, nicht allein mit äußerlichen Sünden, sondern auch und viel mehr mit innerlicher, angeborner Blindheit, Unglauben, Zweifel, Kleinmüthigkeit, Ungeduld, Ungehorsam, Hoffart, bösen Lüsten, Geiz, heimlichem Neid, Haß und Mißgunst, auch andern Sünden, durch welche ich in Gedanken, Worten, Werken und Geberden die allerheiligsten Gebote Gottes übertreten habe, wie das mein lieber Herr und Gott an mir erkennt und ich leider so vollkommen nicht erkennen kann. Dieselbigen Sünden reuen mich sehr und sind mir leid. Ich begehre von Herzen Gnade von Gott durch seinen lieben Sohn, Jesum Christum, und bitte, daß er mir seinen heiligen Geist zur Besserung meines Lebens mitteilen wolle. Amen. Aus alten luth. Kirchenordnungen. e. Gebet um Glauben an die Bergebung der Sünden. Allmächtiger Gott, himmlischer Vater, dieweil ich jetzt auf 503 3. Die kirchlichen Handlungen.- Beichtgebete. Erkenntnis meiner Sünden, zur Stärkung meines schwachen Glaubens hingehen will zu der Beichte, allda die( besondere) Absolution und Vergebung der Sünden zu empfahen, so bitte ich dich von Herzen, gieb mir deinen heiligen Geist, daß ich dies hohe Gnadenwerk mit rechtem Glauben und christlichem Verstande ansehen, bedenken und erkennen und daran ja nicht zweifeln, sondern fest und gewiß glauben möge, daß, was der Diener deines Wortes allda in der Beichte und Absolution aus und nach deinem Befehl mit mir redet und handelt, gewißlich also sei, daß du selbst in der Stimme dieses deines Dieners mich allda von meinen Sünden lossprechest und entbindest. Gieb auch, daß ich mich derselben Absolution jetzt und allezeit trösten möge, zu sicherer Vergewisserung deiner Gnade und des ewigen Lebens, durch deinen Sohn, unsern Herrn Jesum Christum. Amen. Joh. Habermann. f. Dankgebete nach der Absolution. Lieber Gott, der du mir neben deinem heiligen Worte gewisse Wahrheit gegeben hast, mich zu versichern, daß meines Herrn Christi Leben, Gnade und Himmel, darinnen er ist, meine Sünde, Tod und Hölle mir zu gut ganz und gar aufgehoben habe: solche Verheißung wirst du mir gewiß halten, darauf bin ich so gewiß, daß die Worte, damit mich der Kirchendiener von Sünden losgesprochen hat, so fest und kräftig seien, als ob ich sie von dir, o Gott, selbst gehöret hätte. Ists nun Gottes Wort, wie es denn ist, so muß und wird's gewiß geschehen und auch ergehen. Darauf beruhe ich und in solcher Hoffnung und Vertrauen will ich sterben. Amen. Dr. M. Luther. Ein anderes. O allmächtiger, gnädiger und barmherziger Gott und Vater, ich sage dir von Grund meines Herzens Lob, Ehr und Dank für diese große Gnade und Wohlthat, die du mir jetzt so väterlich erzeiget hast, indem du mich armen Sünder abermal zu Gnaden angenommen und mir jetzt durch die heilige Absolution 504 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. alle meine Sünde verziehen und vergeben und das ewige Leben, um deines lieben Sohnes Jesu Christi willen, aufs neue wiederum zugesaget und versprochen hast. Ich bitte dich herzlich, du wollest in solcher Gnade mich allezeit väterlich erhalten und mir deinen heiligen Geist verleihen, daß ich dieser jetzt empfangenen gnadenreichen Vergebung festiglich glaube, mich derselben nicht allein jetzt, sondern auch hinfort und allezeit annehmen, in aller Anfechtung und Widerwärtigkeit trösten und mich alles Guten zu dir versehen möge. Verleihe mir auch, daß ich den Sünden hinfort je länger, je feinder werde, mich davor fleißig hüte und meinem Fleische nicht mehr seinen Willen lasse, zu sündigen, sondern daß ich demselben durch ein starkes Gebet in meinem Berufe widerstehen, mein ganzes Leben nach deinem Willen anstellen und führen und, wo ich darinnen zu schwach bin( wie ich dir denn meine große Schwachheit mit tiefem Seufzen noch immerdar bekenne), durch Beistand deines heiligen Geistes stets gestärket werden möge. O du einiger Überwinder aller unsrer zeitlichen und ewigen Feinde, liebster Herr Jeſu, ich bitte dich, laß deinen Geist allezeit in mir meine geistlichen Feinde erkennen, mich vor ihnen hüten und wider sie kämpfen, mich mit unaussprechlichem Seufzen vertreten und endlich ewig überwinden. O Herr, thue solches um deiner treuen Verheißung und wahrhaften Barmherzigkeit willen. Amen. Joh. Habermann. IV. Das heilige Abendmahl. 1. Unterricht über das Sakrament des heiligen Abendmahls und seinen Gebrauch. Wir nennen das zweite Sakrament, welches der Herr Christus seiner Kirche auf Erden gegeben hat, das heilige Abend- oder Nachtmahl, denn in der Nacht, da er verraten ward, hat es der Herr Jesus gestiftet, als er mit seinen Jüngern zum letzten Mal das Osterlamm aß. Wir nennen es auch das Sakrament des Leibes und Blutes Christi, weil wir hierbei nicht bloß Brot 3. Die kirchl. Handlungen.- Unterr. it. d. Sakrament d. heil. Abendmahls. 505 und Wein, sondern in, mit und unter Brot und Wein den Leib und das Blut Jesu Christi empfangen; denn so lauten die Worte des Herrn:„ Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird" und„ Nehmet hin und trinket, dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden." Weil der Herr Jesus uns mit diesen Worten zugleich einlädt, wir sollen kommen und sein genießen, weil er hier gleichsam der Hauswirt ist, der uns mit der heiligsten Speise und dem kostbarsten Tranke als seine Gäste bewirtet, darum nennen wir dies Sakrament auch den Tisch des Herrn. Und weil dieser Tisch des Herrn an der heiligsten Stätte im Gotteshause, dem Altar Gottes, gedeckt ist, so heißt das heilige Abendmahl auch das Saframent des Altars. Endlich kann man aus dem Munde der Christen oft die Rede hören: Wir wollen kommunizieren," oder: wir wollen zur heiligen Kommunion gehen," womit sie auch nichts anderes, als die Teilnahme am heiligen Abendmahl meinen, wie denn auch die, welche zum Sakrament gehen, Kommunikanten heißen. Kommunio bedeutet nun so viel als Gemeinschaft und liegt in diesem Worte gar viel und großes ausgesprochen; denn 1. will man damit sagen, man komme hier zu einer heiligen Handlung, bei der und durch welche man in die allerinnigste Gemeinschaft mit Christo eintrete, denn näher kann uns der Herr nicht kommen, als so, daß er uns seinen heiligen Leib und sein teures Blut, also sich selbst, zur Speise und zum Trank darreicht, wie denn auch Paulus sagt( 1. Kor. 10, 16):„ Der gesegnete Kelch, welchen wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi?" Aber 2. soll mit dem Ausdruck Kommunion auch gesagt werden, daß alle, die da zum Sakrament kommen, darin die rechte Gemeinschaft unter einander haben, wie Paulus an derselben Stelle sagt: ,, Ein Brot ist es, so sind wir viele ein Beib, dieweil wir alle eines Brotes teilhaftig sind." Daher denn auch Luther von diesem Sakrament sagt: Die alten Lehrer haben seine Gedanken gehabt und gesagt, Christus habe darum zu seinem Abendmahl Brot und Wein gebraucht, daß, gleichwie viel Körnlein ein jedes seinen eignen Leib und Gestalt haben und mit einander gemahlen und zu einem Brote werden, also ist wohl ein jeder Mensch eine eigne Person und sonderlich Geschöpf, aber weil wir im Sakrament alle eines Brotes teilhaftig sind, so sind wir alle ein Brot und Leib. Denn da ist einerlei Glaube, einerlei Bekenntnis, Liebe und Hoffnung. Also zum Weine kommen viele Trauben, viel Beerlein, da ein jeg 506 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. liches seinen eignen Leib und Gestalt hat, sobald sie aber ausgedrückt sind und zu Wein werden, so ist keine Ungleichheit im Weine, sondern es ist ein einiger, feiner, schöner Saft. Also sollen die Christen auch sein. Also haben es die Alten gedeutet; und es ist nicht unrecht. Denn dazu soll das Sakrament dienen, daß es die Christen fein zusammenhalte, in einerlei Sinn, Lehre und Glauben, daß nicht ein jeder ein sonderlich eigen Körnlein sei und eine eigne Lehre und Glauben machen soll." Die nun gläubige Christen sein wollen, die erkennen in diesem heiligen Sakrament die höchste Gabe und Gnade ihres Herrn Jesu Christi, denn sie bedenken 1. daß es sein letztes Vermächtnis an seine Jünger ist. Denn unser lieber Herr Jesus Christus wußte, daß seine letzte Stunde in diesem irdischen Leben nahe sei. Er sollte von seinen Jüngern genommen werden. Da war es das Letzte, was er ihnen noch gab dies heilige Sakrament. Achtet man nun eines Menschen letzten Willen und thut nichts davon und nichts dazu, wie vielmehr sollen wir des Herrn Jesu letztes Vermächtnis teuer und wert halten und sollen nichts daran ändern, sondern alles so bleiben lassen, wie es der Herr geredet und gegeben hat. Wohl sind die Worte, die der Herr da redet, so groß und wunderbar, daß wir mit unsern armen Gedanken sie nicht völlig erreichen und mit unsrer schwachen Vernunft sie nicht ganz begreifen mögen. Aber die Person, die da redet, ist auch groß und wunderbar, und selig sind die, die sich nicht an ihm ärgern. Wer dem Herrn Jesu glaubt, der nimmt auch seine Worte einfältig hin und weiß es, der Herr Jesus wird in diesem Sakrament nicht mehr zusagen, als er zu halten und zu geben imstande ist. Wer das einfältigen Herzens glaubt, dem iſt 2. dies heilige Sakrament das wunderbare Gnadenmittel, durch welches der Herr wahrhaftig mit seinem Leib und Blut seiner Gemeinde gegenwärtig sein will. Der Herr wollte seinen Jüngern nicht leere Zeichen geben, da er ihnen Brot und Wein gab, sondern er wollte mit diesen äußern Gaben die himmlische Gabe seines Leibes und Blutes verbinden; denn da er ihnen das Brot reicht, spricht er: ,, Nehmet, esset, das ist mein Leib" und da er ihnen den Kelch reicht, spricht er:„ Nehmet hin und trinket, das ist mein Blut des neuen Testaments." Wohl sagt der Herr selbst: ,, Solches thut zu meinem Gedächtnis," aber das ist nicht als eine bloße Erinnerung an ihn gemeint, sondern wir sollen sein Gedächtnis begehen, indem wir im Brot und Wein seinen Leib, der für uns dahingegeben, und sein Blut, das er für uns vergossen hat, 3. Die kirchl. Handlungen.-Unterr. i.d. Sakrament d. heil. Abendmahls. 507 empfangen und des Herrn Tod verkündigen, bis daß er kommt. Damit aber, daß er uns seinen Leib und sein Blut zu genießen giebt, will der Herr Einkehr bei uns halten mit allem seinem Heil und Gnaden, Erlösung und Versöhnung, Gerechtigkeit und Friede, Leben und Herrlichkeit. Wo also eine nach dem Herrn verlangende Seele denken wollte: ach wie selig sind die gewesen, die den Herrn Jesum selbst gesehen und bei sich haben aufnehmen können, wie Maria und Martha in Bethanien, oder Zachäus in Jericho, bei denen der Herr Jesus so liebreich einkehrte! so soll sie wohl bedenken, daß ihr der Herr Jesus dieselbe Gnade durch dieses heilige Sakrament bereitet hat. Ob wir ihn mit unsern leiblichen Augen nicht sehen und mit unsern leiblichen Händen nicht fassen können, - der Glaube hält sich an das Wort des Herrn: Das ist mein Leib, das ist mein Blut, für euch gegeben und vergossen" und weiß es, nach dem Glauben kommt einmal das Schauen, dort werd ich meinen Heiland sehen, wie er ist. Dies heilige Sakrament ist also gleichsam die heilige von ihm selbst für alle Zeiten aufgerichtete Herberge, da er mit seiner lieben Gemeinde zusammenkommt, da er bei ihr bleibt und sie bei ihm. # 1 Da kann es nicht fehlen, dies Sakrament ist auch 3. das kräftigste Mittel, den seligmachenden Glauben zu stärken. Das ist der seligmachende Glaube, da jemand glaubt, der Herr Jesus sei auch für ihn in die Welt gekommen, habe auch seine Sünde und Schuld getragen und ihm Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit erworben. Wider solchen Glauben streitet der Teufel mit Liſt und Gewalt, mit Lügen und Anfechtungen in der Seele und im Gewissen, und wir selbst sind unsre eignen größten Widersacher. Wir tragen das sündliche Verderben in uns von Adam her, das macht uns träge, matt und schwach zu solchem Glauben, dazu thun wir selbst so viel wider Gott in Worten und Werken und weichen so oft aus dem Bunde, den Gott in der heiligen Taufe mit uns gemacht hat, und häufen Sünde und Schuld. Daraus kommen dann die anklagenden Gedanken und Anfechtungen, daß wir an der Gnade Gottes verzagen und uns derselben nicht zu getrösten wagen. Wider solche Anfechtung und Verzagtheit ist dieses Sakrament die rechte heilsame Arznei und seliger Trost, denn hier werden wir eingeladen zu dem Gnadentisch des Herrn Jesu, sollen kommen und das Brot und den Kelch nehmen und des Herrn Jesu gnädige Zusage hören: Das ist mein Leib, das ist mein Blut, für dich gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden, da muß sich der Glaube daran stärken und einen gewissen Halt und festen Grund - - - 508 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. gewinnen. So gewiß ich mit meinem Munde das Brot und den Wein nehme, so gewiß empfange ich in kraft der Worte Christi auch seinen Leib und Blut, und so gewiß ich den Herrn Jesum habe, so gewiß soll ich auch los sein von meinen Sünden und aller meiner Schuld; er ist mein und ich bin sein, und ist Gott für mich, wer mag wider mich sein? wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferwecket ist, welcher ist zur Rechten Gottes und vertritt uns.. Und diese Stärkung unsers Glaubens sollen wir uns immer wieder holen, dieweil wir um der uns immer anklebenden Sünde und um der List und Bosheit des Satans willen derselben stets bedürftig sind. Darum hat auch der Herr befohlen, man solle dies Sakrament fort und fort brauchen zu seinem Gedächtnis. Die heilige Taufe empfangen wir nur einmal, denn der Mensch kann nur einmal geboren werden, ebensowohl leiblich, wie geistlich; aber der Nahrung bedarf der Mensch, der in diese Welt geboren ist, immerfort. Darum hat der Herr das heilige Abendmahl unter der Gestalt des Essens und Trinkens uns gegeben, anzudeuten, daß es uns eine immer wieder zu gebrauchende Nahrung für unsre Seele sein soll, damit der in der Taufe angefangene neue Mensch beständig wachse und zunehme in Christo, bis er zu der vollkommenen Größe komme. Daher sollten sich rechte Christen oft an ihres Heilandes Tisch einfinden und nicht thun, wie viele, die wohl Jahre dahingehen lassen, ehe sie einmal wieder zum Sakrament kommen, oder wie viele, die da meinen, einmal im Jahre zu kommen, sei genug. Den Gebrauch dieses heiligen Sakraments soll man aber nicht nach der Zeit und nach der Zahl berechnen, sondern soll sein brauchen nach dem Bedürfnis der Seele. Forsche und prüfe nur täglich dein Wesen, Herz und Leben nach Gottes heiligen Geboten, stelle dich nur täglich in Gottes Gericht und lasse dir sein Urteil über deine Sünde sagen, daß er dich um derselben willen muß ewig verdammen und von sich stoßen, dann wird der Hunger und Durst nach diesem Sakrament durch Gottes Gnade schon in deine Seele kommen und du wirst nicht nötig haben, daß dich noch jemand treibe und mahne, zum Sakrament zu gehen,- du wirst dich wohl selbst treiben und froh sein, daß dir dein barmherziger Heiland einen solchen Zugang zu sich und seiner Gnade aufgethan hat. Hängt das Kommen zum heiligen Abendmahl also wohl vom rechten Verlangen der Seele darnach ab, so ists gleichwohl gut, wenn man auch hierin eine feste Ordnung einhalte, zu der man wohl je 3. Die kirchl. Handlungen.- Christliche Fragstücke Dr. Martin Luthers. 509 - nach Bedürfnis etwas hinzufügen kann, von der man aber ja nichts abbrechen soll. Unsre Alten hielten die Weise, daß sie in jedem ein Brauch, den Vierteljahr einmal zu Gottes Tische gingen, wir auch halten sollten. Vor allem aber ist die Zeit, da wir des Leidens und Sterbens unsers Herrn Jesu Christi gedenken, eine rechte Zeit, zum Sakrament zu gehen, wie dies auch immer Sitte in der Kirche gewesen ist. Unsre träge Natur bedarf eines beständigen Antriebes, und weil viele bei sich vielleicht lange nicht ein lebendig Verlangen nach dem Sakrament fühlen, so meinen sie, sie müßten davon bleiben. Aber wir haben des Herrn Jesu Gebot: Das thut zu meinem Gedächtnis."- Willst du ein Christ sein," schreibt Dr. Luther, so mußt du je zuweilen diesem Gebot genug thun und gehorchen; denn solch Gebot sollte dich ja bewegen, in dich selbst zu schlagen und zu denken: Siehe, was bin ich für ein Christ? Wäre ichs, so würde ich mich ja ein wenig sehnen nach dem, was mein Herr befohlen hat zu thun. Und das ist gewißlich wahr, als ich wohl bei mir selbst erfahren habe und ein jeglicher bei sich finden wird, wenn man sich also davon zeucht, daß man von Tag zu Tag je mehr roh und kalt wird und gar in Wind schläget; sonst( wenn man das heilige Abendmahl öfter brauchet) muß man sich ja mit dem Herzen und Gewissen befragen und stellen als ein Mensch, der gern wollte mit Gott recht stehen. Je mehr nun solches geschieht, je mehr das Herz erwärmet und entzündet wird, daß es nicht gar erkalte." Über die Sakramentshandlung s. oben teilung, der Gemeindegottesdienst" S. 448. 3weite Ab2. Chriftliche Fragstücke, durch Dr. Martin Luthern gestellet für die, so zum Sakrament gehen wollen, mit ihren Antworten. - Ja, ich glaube 1. Glaubest du, daß du ein Sünder seist? es, ich bin ein Sünder. 2. Woher weißt du das? Aus den zehn Geboten, die habe ich nicht gehalten. 3. Sind dir deine Sünden auch leid?- Ja, es ist mir leid, daß ich wider Gott gesündigt habe. 4. Was hast du denn mit deinen Sünden bei Gott verdienet? Seinen Zorn und Ungnade, zeitlichen Tod und ewige Verdammnis. Röm. im 6. Kap. 1 1 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. 5. Hoffest du auch selig zu werden?- Ja, ich hoffe es. 6. Weß tröstest du dich denn?- Meines lieben Herrn Jesu Christi. 510 7. Wer ist Christus? Gottes Sohn, wahrer Gott und Mensch. 8. Wie viel sind Götter? Nur einer; aber drei Personen, Vater, Sohn und heiliger Geist. 9. Was hat denn Christus für dich gethan, daß du dich sein tröstest? Er ist für mich gestorben und hat sein Blut am Kreuz für mich vergossen zur Vergebung der Sünden. 10. Ist der Vater auch für dich gestorben? Nein, denn der Vater ist nur Gott, der heilige Geist auch; aber der Sohn ist wahrer Gott und wahrer Mensch, für mich gestorben und hat sein Blut für mich vergossen. 11. Wie weißt du das?- Aus dem heiligen Evangelio, und aus den Worten vom Sakrament, und bei seinem Leib und Blut, im Sakrament mir zum Pfande gegeben. - 12. Wie lauten die Worte?- Unser Herr Jesus Christus in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankete und brachs, und gabs seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und effet, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird, solches thut zu meinem Gedächtnis. Desselbigen gleichen. nahm er auch den Kelch, nach dem Abendmahle, dankte, und gab ihnen den, und sprach: Nehmet hin und trinket alle daraus, dieser Kelch ist das neue Testament in mei nem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches thut, so oft ihrs trinket, zu meinem Gedächtnis. 13. So glaubest du, daß im Sakrament der wahre Leib und Blut Christi sei? Ja, ich glaube es. - - 14. Was bewegt dich denn, das zu glauben? Das Wort Christi: Nehmet hin und esset, das ist mein Leib. Trinket alle daraus, das ist mein Blut. - 15. Was sollen wir thun, wenn wir seinen Leib essen, und sein Blut trinken, und das Pfand also nehmen? Seinen Tod und Blutvergießen verkündigen und gedenken, wie er uns gelehret hat: Solches thut, so oft ihrs trinket, zu meinem Gedächtnis. 16. Warum sollen wir seines Todes gedenken und denselben verkündigen? Daß wir lernen glauben, daß keine Kreatur hat können genug thun für unsre Sünden, denn Christus, wahrer Gott und Mensch; und daß wir lernen erschrecken vor unsern Sünden und dieselben lernen groß achten, und uns sein allein freuen und trösten; und also durch denselben Glauben selig werden. 17. Was hat ihn denn bewegt, für deine Sünden zu sterben - 3. Die kirchlichen Handlungen.- Abendmahlagebete. 511 und dafür genug zu thun?- Die große Liebe zu seinem Vater, zu mir und zu andern Sündern, wie geschrieben stehet, Joh. am 15., Röm. am 6., Gal. am 2., Ephes. am 5. Auf daß 18. Warum willst du zum Sakrament gehen? ich lerne glauben, daß Christus um meiner Sünde willen aus großer Liebe gestorben sei, wie gesagt, und darnach von ihm auch lerne, Gott und meinen Nächsten lieben. 19. Was soll einen Christen vermahnen und reizen, daß Saframent des Altars oft zu empfahen? Von Gottes wegen soll ihn beide des Herrn Christi Gebot und Verheißung, darnach auch seine eigene Not, so ihm auf dem Halse lieget, treiben, um welcher willen solch Gebieten, Locken und Verheißung geschieht. 20. Wie soll ihm aber ein Mensch thun, wenn er solche Not nicht fühlen kann, oder keinen Hunger noch Durst zum Sakrament empfindet? Dem kann nicht besser geraten werden, denn daß er erstlich in seinen Busen greife, und fühle, ob er auch noch Fleisch und Blut habe, und glaube doch der Schrift, was sie davon sagt, Gal. am 5., Röm. am 6. Zum andern, daß er um sich sehe, ob er auch noch in der Welt sei, und denke, daß es an Sünden und Not nicht fehlen werde, wie die Schrift saget, Joh. am 15. und 16., in der 1. Epist. Joh. am 2. und 5. Kap. Zum dritten, so wird er ja auch den Teufel um sich haben, der ihm mit Lügen und Morden Tag und Nacht keinen Frieden innerlich und äußerlich lassen wird, wie ihn die Schrift abmalet, Joh. am 8. und 16., 1. Petr. am 5., Eph. am 6., 2. Tim. am 2. - - 3. Abendmahlsgebete. a. Vor dem Genusse des heiligen Abendmahles. Mein Herr Jesu Christe, siehe an meine Unseligkeit, Elend und Dürftigkeit; ich bin bedürftig und arm und dennoch so verdrossen zu deiner Arzenei, die du mir zur Vergebung der Sünden und Seligkeit geordnet hast, daß ich mich auch nach den Reichtümern deiner Gnade nicht sehne. Derhalben, o mein Herr, entzünde in mir die Begierde deiner Gnade und den Glauben deiner Zusage, damit ich dich, meinen allerfrömmsten und allergütigsten Gott, nicht beleidige durch meinen verkehrten Unglauben und Faulheit, und würdiglich effe und trinke von 512 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. dem Brot und Wein deines Leibes und Blutes und durch diese heilsame Speis und Trank gestärket und erhalten werde zum ewigen Leben. Amen. Dr. M. Luther. Herr, wahr ist's, daß ich nicht würdig bin, daß du geheſt unter mein Dach, so bin ich doch dürftig und begierig deiner Hilfe und Gnade, daß ich auch möge fromm werden. So komme ich, auf kein anderes Verlassen, denn daß ich die süßen Worte gehöret habe, daß du mich mit zu deinem Tisch ladest und sagst mir Unwürdigem zu, ich soll Vergebung aller Sünden haben durch deinen Leib und Blut, so ichs esse und trinke in diesem Sakrament. Lieber Herr, dein Wort ist wahr, da zweifle ich nicht an und darauf esse und trinke ich mit dir, mir geschehe nach deinem Willen und Worten. Amen. Dr. M. Luther. Herr Jesu Christe, mein getreuer Hirte und Bischof meiner Seele, der du gesagt haft: Ich bin das Brot des Lebens; wer von mir isset, der wird nicht hungern und wer an mich glaubet, den wird nimmermehr dürsten. Ich komme zu dir und bitte dich demütiglich, du wollest mich durch den wahren Glauben bereiten und zum würdigen Gast machen dieser himmlischen Mahlzeit. Wollest mich, dein armes Schäflein, heute weiden auf deiner grünen Aue und mich zum frischen Wasser des Lebens führen. Du wollest meine Seele erquicken und mich auf rechter Straße führen um deines Namens willen. Du wollest mich würdig machen zu deinem Tisch und mir voll einschenken den Becher deiner Liebe und Gnade. Erwecke in mir einen geistlichen Hunger und heiligen Durst, daß ich nach dir schreie, wie ein Hirsch schreiet nach frischem Wasser. Vor allen Dingen aber gieb mir wahre, herzliche Reue und Leid über meine Sünde und lege mir an das rechte hochzeitliche Kleid des Glaubens, durch welchen ich dein heiliges Verdienst ergreife, und dasselbe mein schönes Kleid festhalte und bewahre, damit ich nicht ein unwürdiger Gast sei. Gieb mir ein demütiges, versöhnliches Herz, daß ich meinen Feinden von Herzensgrund vergebe. Tilge 3. Die kirchlichen Handlungen.- Abendmahlsgebete. aus meinem Herzen die Wurzel aller Bitterkeit und Feindseligkeit. Pflanze dagegen in meine Seele Liebe und Barmherzigfeit, daß ich meinem Nächsten, ja alle Menschen in dir lieb habe. Ach, mein himmlischer Arzt, ich bringe zu dir eine tote ein Seele, mache sie lebendig; eine krante Seele, heile sie; Herz, das leer ist von allen wahren Tugenden, erfülle es mit deiner Gnade, mit deinem Geiste, mit deiner Liebe, mit deiner Sanftmut, mit deiner Demut, mit deiner Geduld. Bleibe ewig in mir, und laß mich ewig in dir bleiben, wie du gesagt haft: Wer mein Fleisch isset und mein Blut trinket, der bleibet in mir und ich in ihm, und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage. Amen. Joh. Arnd. 513, -- 33 O welch ein herrlich Abendmahl, welch ein liebliches Geheimnis ist das! Ich kann mich nicht genugsam verwundern, mein Herr Jesu, über diesen großen Reichtum deiner herrlichen Gnade, daß du uns im neuen Testament neben dem Wort der Versöhnung ein solch lieblich Gnadenmahl bereitest und solche große Schäße dabei austeilst. Was konntest du mehr thun, und wie konntest du unsre Herzen lieblicher trösten? Mein Gott, welch ein herrlich Testament hast du gemacht, welch große Güter hast du beschieden! Andre Herren, wenn sie sterben, lassen sie zur Erbschaft Städte, Geld und Güter; oft bauen sie auch große Häuser und schöne Gräber zu ihrem Gedächtnis, welches doch alles vergänglich ist. Du aber, Herr Jesu, haſt uns zu deinem Gedächtnis dich selbst beschieden und deinen Leib und Blut uns zu einer Speise und Trank verordnet. Ja Herr, dies ist dein Abendmahl, das du selber gestiftet haft für deine Christen, dies ist der herrliche Tisch, den du bereitet hast für deine Kinder, dabei du uns selber speisest mit deinem heiligen, wahren Leib und selber erquickest mit deinem heiligen, wahren Blut. Denn das Brot, das wir brechen und essen, ist ja die Gemeinschaft oder Austeilung deines wahrhaftigen Leibes, und der Kelch, den wir da segnen und trinken, ist ja die Gemeinschaft oder Austeilung deines wahrhaftigen Blutes. Allgemeines Gebetbuch. Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. Owohl dir, meine Seele, selig bist du, denn du bist auch zu dem Abendmahl des Lammes berufen, welches der Herr Zebaot, dein Heiland, bereitet hat auf seinem heiligen Berge für alle Völker, ein köstlich und herrlich Mahl, dabei satt und selig werden alle Gläubigen, die nach der Speise des Lebens Verlangen haben. Eile und komm meine Seele, denn es ist alles bereit. Kaufe und iß, komm her und kaufe ohne Geld und umsonst. Siehe, hier ist der Herr selber, das Brot des Lebens; wer zu ihm kommt, den wird nicht hungern, und wer an ihn glaubt, den wird nimmermehr dürsten. Siehe dich aber wohl vor, o du meine liebe Seele, daß du nicht unwürdig hinzu gehest, dich an dem Leib und Blut deines Erlösers vergreifest und also für das Leben den Tod empfahest. 514 Herr Jesu Christe, dein Fleisch ist ja die rechte Speiſe und dein Blut ist der rechte Trank. Wer dein Fleisch isset und dein Blut trinket, der hat das ewige Leben. Hilf, daß meine Seele ein sehnliches Verlangen trage nach deinem Abendmahl, bleibe du in mir, auf daß ich in dir bleibe, sättige meine hungrige Seele mit deinem Trost, erfülle mich mit deinen Gütern, auf daß ich vor dir lebe, satt, fröhlich und selig werde. O Herr Jesu Christe, dein allerheiligster wahrer Leib, der für mich gelitten hat den bittern Tod, und der teure Schaß deines allerheiligsten unschuldigen Blutes, dadurch ich erkauft und erlöst bin, das auch für mich am Stamm des heiligen Kreuzes zur Abwaschung meiner Sünden vergossen ist, das wolle mich jetzund an Leib und Seele speisen, tränken, ernähren, bewahren und führen ins ewige Leben, mir auch mitteilen Vergebung aller meiner Sünden. Dein heiliger Leib, o Jesu Christe, speise mich, dein rosinfarbnes Blut tränke mich, dein bittres Leiden und Sterben stärke mich. Herr Jesu Christe, erhöre mich. In deine heiligen Wunden verberge ich mich, laß mich von dir nimmermehr abgeschieden werden. Vom bösen Feinde errette mich, im wahren Glauben erhalte mich, auf daß ich dich mit allen Auserwählten lobe und preise ewiglich. Amen. Dresdner Gebetbuch. 1595. 3. Die kirchlichen Handlungen.- Abendmahlsgebete. 515 Morgengebet am Tage, da man kommunizieren will. O du heilige, hochgelobte Dreifaltigkeit, ewiger wahrer Gott, dir sage ich von Herzen Lob und Ehre, Preis und Dank, daß du mich und alle die Meinen samt dem, was du uns gegeben, durch deine grundlose Güte auch diese vergangene Nacht vor allem Schaden und Gefahr bewahret, des bösen Feindes List und Macht von mir abgewendet und dieses erfreuliche Tageslicht mich hast erleben und erblicken lassen. Gott Lob, daß ich meines Wunsches gewährt bin, den mein geängsteter Geist sehnlich abgeschickt: Laß mich hören Freude und Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast. Nun, Herr, es ist geschehen, du hast dich meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe, denn du warfst alle meine Sünden( gestern) hinter dich zurück. Meine Lippen und meine Seele, die du erlöset hast, sind fröhlich und lobsingen dir. Ich will singen von der Gnade des Herrn ewiglich. Mein Gott, ich freue mich an diesem lieben Morgen des, das mir geredet ist, daß ich mit andern frommen Christen soll in dein Haus gehen auf deine große Güte. Meine Seele verlanget und sehnet sich nach den Vorhöfen des Herrn. Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott, zu dir. Denn der Herr ist mein Hirt und mein Wirt, mir wird nichts mangeln. Groß sind die Werke des Herrn, welche auch die Engel anzuschauen gelüftet, wer ihrer achtet, der hat innigliche Freude und eitel Lust daran. Darum, du getreuer Gott, wie du in mir armen sündhaften Menschen angefangen hast das gute Werk, ach so führe es auch weiter und vollende es gnädiglich durch deine Kraft zu deiner Ehre und meiner Seelen Seligkeit. Herr, ich bin zwar nicht wert, daß du unter mein Dach gehest, aber deine Gnade, die alles vermag, mache mich würdig und recht wohl geschickt, damit die kostbare Speise und der edle Trank des Leibes und Blutes meines Heilandes in dem himmlischen Liebesmahle meine Seele erquicken. Bekleide du mich selbst mit dem Rock der Gerechtigkeit und zeuch mir an das hochzeitliche 33* 516 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. Kleid des wahren lebendigen Glaubens, damit ich nicht unter den Heuchlern und Scheingästen erfunden, sondern als ein würdiger Gast an deinem Tische aller deiner Gnadenschäße teilhaftig werde. Nun, deine Güte, Herr, sei über mir, wie ich auf dich hoffe. Dein Aufsehen bewahre meinen Odem, meinen Leib und Seele, meinen Eingang und Ausgang. Deine Gnadenhand verleihe und gewähre mir alles andre, was mir not ist, du getreuer Gott, zu diesem und jenem Leben. Gieb wahre Reu, mein Herz erneu, errette Leib und Seele. Ach höre, Herr, dies mein Begehr, laß meine Bitt nicht fehlen. Amen. In Jesu Namen. Amen. Joh. Gottfr. Olearius. Wahrlich, Herr Jesu, ich bin nicht wert, daß du unter mein Dach gehest, ich bin nicht wert, daß du in dem Haus meines Herzens einkehrest. Und woher kommt mir das, daß der Herr einkehret bei seinem Knecht, der Gerechte bei dem Sünder, der Schöpfer bei seinem Geschöpf, der Heilige bei dem Unheiligen, der Höchste bei dem Niedrigsten? Bin ich doch nur Erde und Staub, ja eine elende Made und Wurm, ja nichts und gar nichts vor dir. Ich sollte billig zu dir kommen, und du kommst zu mir! Ach reinige das Haus meines Herzens, besuche alle Winkel meiner Seele, erleuchte die finstere Seele, heile die kranke Seele, erwärme die kalte Seele, und bleib ewig bei der teuer erkauften Seele. O Jesu meine Speise, o Jesu meine Erquickung, ich bin mit Sünden beladen, erledige mich; ich bin vom Teufel heftig verwundet, heile mich; laß durch dies heilige Pfand mich mit dir vereinigt werden, daß du in mir bleibest und ich in dir. Laß dein heiliges Abendmahl sein eine heilsame Arzenei, dadurch meine Sünden geheilet werden, eine kräftige Herzstärkung, dadurch meiner Schwachheit aufgeholfen werde, eine göttliche Kraft, dadurch alle Anfechtungen überwunden, alle Versuchungen abgewendet, alle Schmerzen meiner Seele gelindert und dagegen neue Gnade angezündet, neue Tugend gepflanzt, neue Gottselig 3. Die kirchlichen Handlungen. Abendmahlsgebete. 517 keit angerichtet, der Glaube gestärkt, die Hoffnung befestigt, die Liebe vermehrt werde. Solches verleihe mir, o treuer Heiland; dein heiliges Fleisch speise mich, dein rosinfarbenes Blut tränke mich, das Brot der Engel stärke mich, das Wasser des Heils erquicke mich, labe mich, erhalte mich zum ewigen Leben. Amen. Josua Stegmann. - b. Bei dem Genusse des heiligen Abendmahles. Herr Christe, dein heiliger Leib stärke und bewahre mich im rechten Glauben zum ewigen Leben. Amen. O Herr Jesu Christe, dein heiliges Blut stärke und bewahre mich im rechten Glauben zum ewigen Leben. Amen. Dr. M. Luther. Herr, so du willst, kannst du mich wohl reinigen. Herr, gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht( mit deiner Magd), denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht. So du willst, Herr, Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen? Denn bei dir ist die Vergebung, daß man dich fürchte. Wahr ist es, übel steht der Schade, den niemand heilet, außer du. Ach, aber ach, ach Gnade, Gnade, ich laß dir doch nicht eher Ruh. Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer über mich. Herr, ich bin nicht wert, daß du unter mein Dach geheſt. Sprich nur ein Wort, so wird dein sündiger Knecht( deine sündige Magd) gesund. Ich bin dein, hilf mir. Ich lasse dich nicht, du ſegneſt mich denn. Jesu, wahres Brot des Lebens, hilf, daß ich doch nicht vergebens, oder mir vielleicht zum Schaden sei zu deinem Tisch geladen. Laß mich bei dem Seelenessen deine Liebe recht ermessen, daß ich einst, wie jetzt auf Erden, mög dein Gast im Himmel werden. Joh. Frank. O du heiliges Brot des Lebens, das du vom Himmel Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. herabgekommen bist und der Welt das Leben gebracht hast, komm zu mir auch in mein Herz und reinige mich von aller Unreinigkeit des Fleisches und Geistes, komm zu mir in meine Seele, heile und heilige dieselbe, sei mein Schutz und Heil an Leib und Seele. Amen. Joh. Habermann. 518 Dein Blut, das dir vergossen ward, ist köstlich, gut und reine. Mein Herz hingegen böser Art und hart gleich einem Steine. O laß doch deines Blutes Kraft mein hartes Herze zwingen, wohl durchdringen, und diesen Lebenssaft mir deine Liebe bringen. Paul Gerhardt. c. Bach dem Genuß des heiligen Abendmahles. Wir danken dir, allmächtiger Herr Gott, daß du uns durch diese heilsame Gabe hast erquicket, und bitten deine Barmherzigkeit, daß du uns solches gedeihen lassest zu starkem Glauben gegen dich und zu brünstiger Liebe unter uns allen, um Jeſu Christi, unsers Herrn willen. Amen. Dr. M. Luthers deutsche Messe. 1526. Ach du mein Gott, ob ich wohl ein armer Sünder bin, so bin ich dennoch kein Sünder. Ein Sünder bin ich meiner selbst halber und außerhalb Christo; aber in meinem Herrn Herrn Christo und außerhalb mir bin ich kein Sünder. Denn er hat. mit seinem Blute alle meine Sünde ausgetilgt, wie ich festiglich glaube, derhalben ich auch des zum Wahrzeichen getauft, auch durch Gottes Wort absolviert und meiner Sünden frei und ledig und los gesprochen und mit dem Sakrament des wahren Leibes und Blutes meines Herrn Jesu Christi gespeiset und getränket worden bin, als durch gewisse Gnadenzeichen, und daß ich Vergebung der Sünden empfangen habe, die mir mein lieber Herr Jesus Christus durch sein liebes Blut verdienet, erworben und erlanget hat. Das danke ich dir in Ewigkeit. Amen. Dr. Martin Luther. 3. Die kirchlichen Handlungen.- Abendmahlsgebete. 519 Barmherziger Gott, der du uns wiederum deiner Gnaden Licht hast lassen aufgehen, durch Jesum Christum, unsern Herrn, erleuchte, ermahne und stärke unsre Herzen mit Kraft deines heiligen Geistes, in festem Glauben und feuriger Liebe, in allen Dingen zu thun, was dein väterlich gnädiges Wohlgefallen ist, zu Ehren und Lob deines heiligen Evangelii, zu Trost und Nutz aller Gläubigen in Christo. Dir sei Dank, Lob und Preis Dr. M. Luther. ewiglich. Amen. O du freundlicher und getreuer Herr Jesu Christe, du Glanz der Ehren deines Vaters, du einige Sonne der Gerechtigkeit, der du für mich armen Sünder so gar einen schmählichen Tod auf dich genommen, deinen Leib für mich gegeben, dein Blut für mich vergossen, am Stamme des Kreuzes deine Seele zu meiner Gerechtigkeit aufgegeben und deinem Vater in seine Hände befohlen hast, verleihe mir deine Gnade, daß ich dies dein Leiden, Sterben, Auferstehung und Himmelfahrt stets in meinem Herzen möge behalten und betrachten, auch allen Sünden der Welt und bösen Lüsten möge absterben. Und weil du mich jetzt an Seel und Leib gar wohl und reichlich erquicket haft mit der Genießung deines wesentlichen Leibes und Blutes, daß nun meine Seel und Leib zugleich auf die versprochenen ewigen Güter wohl vergewissert und bestätigt sind, so sage ich dir von Herzen Lob und Dank und bitte dich, wirke durch dein Wort und heiligen Geist auch hinfort in mir, daß die Früchte meines Glaubens nicht außenbleiben, daß ich dir zu Ehr und Lob, meinem Nächsten aber zu Dienst und Nutz, mein ganzes Leben selig anstelle, in einem rechten wahren Glauben verharre, in christlicher Liebe und Einigkeit als auf dem Wege deiner Gebote wandle. Und da einmal mein letztes Stündlein sich nahen wird, daß ich mich an deine Gnade und Barmherzigkeit möge feftiglich halten und mit dir zu der Freude des himmlischen Paradieses eingehen. Herr Christe, stehe du bei mir in meiner letzten Stunde, komm mir zu Hilfe, wenn ich von 520 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. dieser Welt soll abscheiden. Beschüße mich wider den bösen Feind, errette mich aus allen meinen Todesnöten. Tröste, stärke und erhalte mich und nimm mich mit Gnaden zu dir. Ach, Herr Jesu Christe, gieb mir deine Gnade, daß dein letztes Wort am Kreuze auch mein Herz und Mund zuschließe( und wenn ich mit der Zunge nicht mehr reden kann, o Herr Christe, so erhöre das Seufzen meines Herzens)-, mit welchem du von dieser Welt geschieden bist, da du sprachst: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist, du hast mich erlöst, du getreuer Gott. Behüte mich auch vor einem bösen schnellen Tod, daß ich nicht in Sünden übereilt werde und sterbe, wenn du groß Mißfallen an mir hast, sondern daß ich mit guter Bereitung und mit Empfahung deines heiligen Leibes und Blutes möge zu dir wandern, bei dir Gnade finden und der ewigen Seligkeit teilhaftig werden. Amen. Dresdner Gebetbuch. 1595. - du allerliebster, o du allerfreundlichster, du allergütigster Herr Jesu, wie freut sich meine Seele in dir. Ach, woher nehme ich Worte, daß ich deine Gnade und Wohlthat rühmen und verkündigen kann! Du hast mich jezund im heiligen Abendmahl mit deinem Leibe gespeiset und mit deinem Blute getränkt. Freude über Freude, o Gnade über alle Gnade! was ist der Mensch, daß du sein gedenkest und des Menschen Kind, daß du dich seiner so hoch und treulich annimmſt? Jetzt bin ich mit dir meinem Haupte vereinigt. Denn wer dein Fleisch isset und trinket dein Blut, der bleibet in dir und du in ihm. Du und ich sind eins. Mit dir bin ich jetzt ein Geist, ich bin Fleisch von deinem Fleische und Bein von deinem Bein. Was kann mir Höheres und Größeres widerfahren? Was kann mir lieber und lieblicher sein? Aus dieser Vereinigung fleußt mir her die selige Gemeinschaft mit dir. Alles, was dein ist, o frommer Herr Jesu, der ich dir aufs allergenaueste vereinigt bin, das ist auch mein. Mein ist deine Gerechtigkeit, mein ist dein Leben, mein ist dein Geist, mein ist deine Heiligung, 3. Die kirchlichen Handlungen. Abendmahlsgebete. 521 wie mein ist die Erbschaft des ewigen Lebens. Ach, derowegen glücklich bin ich dir. O mein Heiland, jetzt ist meine Seele lebendig und empfindet von dir lauter Labsal, Trost und Freude. Wer da isset das Fleisch des Menschensohnes und trinket sein Blut, der hat das ewige Leben. Dein Fleisch, o Herr Jesu, ist die rechte Speise, und dein Blut ist der rechte Trank. Du bist das Brot, das vom Himmel gekommen ist, wer davon isset, der vergißt des Irdischen, wird ganz himmlisch und kommt endlich zu dir in den Himmel. Du bist das Brot der Gnade und Barmherzigkeit, wenn ich das genieße, so weckt es eine wunderbare Süßigkeit und Lieblichkeit in meiner Seele. Du bist das rechte Engelbrot, wenn ich davon esse, so hungert mich nimmermehr, sondern ich werde erfüllt und gesättigt von seinem Überfluß in Ewigkeit. Du bist das Brot der Kraft und Stärke. Du stärkst und erhältst meine Seele auch mitten im Tode. Du bist der Brunnen des Lebens, wer davon trinkt, den wird nicht dürsten ewiglich. Nun werde ich trunken werden von den reichen Gütern deines Überflusses, du wirst mich auch im Himmel tränken mit Wollust, wie mit einem Strom. Du, o Herr Jesu Christe, du bist meiner Seele alles. Ist sie tot, so bist du ihr das Leben. Ist sie traurig, so bist du ihre Freude, Ist sie krank, so bist du ihre Arzenei. Ist sie hungrig, so bist du ihre Speise. Dürstet sie, so bist du ihr Trank. Ach, mein Erlöser, o du mein liebster Herr Jesu, wie soll ich dir deine Wohlthat verdanken? Weil du jetzt in mir wohnest, so vertilgst du die Begierden des Fleisches in mir durch die Kraft deines Geistes. Am jüngsten Tage wirst du meinen Leib auferwecken zu dem unsterblichen Leben. Es ist doch unmöglich, daß der Leib im Grabe verbleiben soll, welcher mit deinem Leib und Blut genähret und geheiligt worden ist. Was will ich mich. jetzt vor dem Tode fürchten! Ach, laß mir diesen Trost keinmal aus meinem Herzen kommen. Was ich hier in der Sterblichkeit dir nicht verdanken kann, das will ich dort in der Unsterblichkeit thun und dir für alles, was du an mir thust, danken in Ewigkeit. Amen. Joh. Heermann. 1 1 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. Abendlegen eines Kommunikanten. Barmherziger Gott, liebreicher Vater, dich preise ich in dieser Abendstunde von ganzem Herzen für alles Gute, so du heute an mir gethan hast. Denn du hast nicht nur meinen Leib und Seele und alles, was ich von deiner Güte empfangen, vor Gefahr und Unglück gnädiglich bewahret, sondern mich auch aller meiner Sünden entbunden und zur Versicherung der erlangten Vergebung mit dem Leib und Blut deines lieben Sohnes Jesu Christi gespeiset und getränket. Herr, deine Liebe und Wohlthat ist so groß, daß ich dir dafür in Zeit und Ewigkeit nicht genug danken kann. Ach so hilf demnach durch deinen guten Geist, daß ich solche in stetem Andenken behalte und niemals vergesse, dich deswegen zu loben und zu rühmen, auch nichts denke, rede oder thue, so dir zuwider ist, sondern hinfort dir zu Ehren ein heiliges und gottseliges Leben nach der Vorschrift deines Wortes führe und meinen Glauben durch die Liebe thätig erweise, damit ich mich deiner Gnade, deiner Hilfe und deines Beistandes in Not und Tod trösten könne. Ach, treuer Gott, ziehe nimmermehr von mir die Hand ab. Laß auch diese Nacht, da der Leib sich zur Ruhe legt, die Seele stets zu dir wachen, walte über mir und den Meinigen mit deiner Gnade, beschirme mich und alles, was du mir gegönnet, durch deinen heiligen Engel, daß der böse Feind mit allen seinen Werkzeugen mir keinen Schaden zufügen könne. Laß mich nach deinem gnädigen Willen morgen gesund wieder erwachen und mit dem frohen Tageslichte deine Güte und Treue, so alle Morgen neu ist, spüren und genießen, loben und preisen. Gott Vater, was du erschaffen, Gott Sohn, was du erlöset, Gott heiliger Geist, was du geheiligt, das befehle ich dir in deine Hände; das erhalte, stärke, regiere und bewahre zum ewigen Leben. Deinem Namen sei Lob, Ehre, Preis und Herrlichkeit jetzt und in alle Ewigkeit. Amen. Aus Cubachs Gebetbuch. 522 3. Die kirchlichen Handlungen. Die Kranken- Kommunion. 523 11 - Anhang. Die Kranken- Kommunion. 11 Jede Krankheit ist eine Mahnung an den Tod. Gott will, der Mensch soll dabei gedenken an das, was geschrieben steht: Du bist Erde und sollst zur Erde werden"( 1. Mose 3, 19).„ Es ist dem Menschen gesetzt einmal zu sterben, darnach aber das Gericht"( Hebr. 9, 27).„ Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf daß ein jeglicher empfange, nach dem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei gut oder böse"( 2. Kor. 5, 10). Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben"( Jef. 38, 1). Darum soll kein Kranker es versäumen, sogleich beim Beginn der Krankheit, so lange er noch seiner Sinne mächtig und bei klarem Verstande ist, sein ganzes Leben im Lichte des göttlichen Wortes anzusehen und zu prüfen; soll gedenken, wie unzählige Wohlthaten wie und Gnaden Leibes und der Seele er von Gott empfangen, der Vater im Himmel ihn von Jugend auf erhalten, versorgt, ernähret und behütet hat,- wie der Sohn Gottes durch die Hingabe seines Lebens ihm ewiges und vollkommenes Heil erworben, wie der heilige Geist durch Wort und Sakrament an seiner Seele gearbeitet hat, um ihn zuzubereiten zum ewigen Leben. Er soll aber auch weiter bedenken, ob er solche Gnade seines Gottes erkannt und im Glauben angenommen, oder in fleischlicher Sicherheit versäumt und verachtet hat, ob sein Leben ein Leben in der Nachfolge Christi, oder in der Eitelkeit dieser Welt gewesen ist. Auch geförderte Christen werden genug in ihrem Leben finden, darüber sie Buße zu thun und Gottes Vergebung zu suchen Ursache haben. So soll denn jede Krankheit zugleich eine Mahnung zu ungesäumter Buße und unverzüglicher Zukehr zu Gott werden. - Ein, zumal von ernster Krankheit Heimgesuchter warte denn auch nicht lange, sondern rufe seinen Beichtvater bald zu sich, be kenne demselben demütig seine Sünden, bitte ihn, daß er ihn aus Gottes Wort tröste durch Zusage der Vergebung der Sünden in Gottes Namen, und begehre die Darreichung des heiligen Abendmahles, damit er sich in der Gewißheit göttlicher Gnade und in der Zuversicht der Gemeinschaft Jesu Christi, des Sohnes Gottes, stärke, aus dessen Hand ihn Niemand reißen soll( Joh. 10, 27. 28). Manche Kranke begehren das heilige Sakrament, aber vielweniger aus Sorge für ihr ewiges Seelenheil, als vielmehr aus 524 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. dem Verlangen nach leiblicher Gesundheit, denn sie meinen, es solle sich durch das Abendmahl ihre Krankheit zu leiblicher Genesung wenden. Aber die das Sakrament also brauchen, die mißbrauchen es, denn Christus hat es uns gegeben nicht als eine Arzenei für den Leib, sondern für die Seele. Wiederum andere Kranke verschieben den Genuß des heiligen Abendmahles von einem Tag zum andern, weil sie fürchten, wenn sie einmal das heilige Sakrament empfangen hätten, dann müßten sie gewißlich sterben. Jene hindert eine verkehrte Liebe zum Leben und diese eine unchristliche Furcht vor dem Tode am rechten Brauch des heiligen Abendmahles. Drum bitte jeder Gott um ein wahrhaft bußfertiges Herz, welches über seine Sünde Leid trägt und sich sehnt nach Gottes Gnade und Frieden, da wird er zum rechten Brauch des Sakraments fommen. 1. Gebete vor dem heiligen Abendmahle. Gott Vater, du starter Gott, meine Kraft ist schwach, aber du bist meine Stärke. Reiche deinem matten Kinde deine unverkürzte Vaterhand. Reiße mich vor allem aus dem Rachen des ewigen Todes und alsdann erquicke mein Herz in den Banden dieses Todes. Es ist nichts Gesundes in meinem Leibe, es ist aber auch leider nichts Gutes in meinem Fleische, keine Ruhe in meinem Gewissen, kein Friede in meinen Gebeinen. Habe ich Gnade vor dir gefunden, so nimm dich meiner Seele herzlich an und erlöse mich von dem Leibe dieses Todes. Vergieb mir meine Sünde und alsdann gieb mir Leben oder Tod, so muß mir alles zum Besten dienen. Laß diesen Weg mich bringen vor die Pforte des Himmels und verschließe mir alsdann dein Herz nicht; du hast gesagt: ,, Wer zu mir kommt, den will ich nicht hinausstoßen." Gott Sohn, du treuer Heiland, ich bin totkrank, aber du bist mein Leben. Verbirg dich nicht, du Arzt Israels. Dein Leib und Blut sei meine Arzenei. Dein gnädiges Wort sei mein Balsam; deine Angst mein Trost; dein Sterben mein Leben. Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so dürstet 3. Die kirchlichen Handlungen. Die Kranken- Kommunion. 525 meine Seele nach deinen Wunden. Olaß mich bald dahin kommen, wo ich dein Angesicht schaue. Ich eile zu dir, heile mich; ich zeige dir meine Wunden, verbinde mich; ich schütte mein Herz vor dir aus, erfülle es mit deiner Gnade, laß es nicht gar aus sein mit mir. Soll ich leben, o so gieb mir neue Kraft zum Leben; soll ich sterben, o so gieb mir einen Zehrpfennig in ein anderes Leben. - Gott heiliger Geist, du kräftiger Tröster, die Worte sterben mir in dem Munde, schreie du das Abba in meinem Herzen. Mein Fleisch ist voller Sünde; aber in Jesu Wunden ist mein Leben. Diese Brünnlein haben Wassers die Fülle. Wirf das Holz des Lebens in das bittere Wasser meiner Krankheit. Bewege mir ein Bethesda in den Wunden Christi. Verwandle diese Strafe der Sünde in einen Schlag der Liebe. Mit dem unschuldigen Lamme Gottes gieb mir auch dessen heilige Geduld, so will ich dir danken mein Leben lang. Soll aber dieses der letzte Tag auf der Welt sein, so bringe mich bald dahin, wo ich ewig gesund bin. Heilige Dreifaltigkeit, du lebendiger Gott, dir befehle ich mein Leben und Sterben; dein bin ich gesund und krank. Sei du mir nur nicht schrecklich, meine Zuversicht in der Not. Hilf mir zeitlich, hilf mir ewig! Wie du hilfst, so ists gut und selig. Willst du mir nicht aufhelfen, so wirst du mir doch aushelfen. Amen. Aus Löhes Rauchopfer. Allmächtiger Gott, himmlischer Vater, weil ich dir nur in deinem geliebten Sohne, meinem Herrn Jesu Christo, wohlgefallen kann, so heilige meinen Leib und meine Seele und gieb mir seine selige Gemeinschaft in seinem heiligen Abendmahle mit recht gläubiger Begierde und Dankbarkeit also zu empfahen, daß ich, deiner ewigen Güte und Liebe gegen mich abermals getröstet und in meinem Glauben gestärket, nach deinem Willen geduldig leiden, gehorsam leben und selig sterben möge durch denselben meinen Herrn Jesum Christum. Amen. Aus Löhes Agende. 526 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. 2. Gebete nach dem heiligen Abendmahle. Ich danke dir, allerliebster Heiland Jesu Christe, daß du mich in dieser meiner Leibesschwachheit mit deinem eignen Leib und Blut gespeist und getränkt und dich also meiner Seele herzlich angenommen hast, daß sie nicht verdürbe. Hast du mir nun das Große erwiesen, so erweise mir auch das Geringere und nimm dich meines schwachen und kranken Leibes, den du auch teuer erkauft hast und einmal zum ewigen Leben erwecken wirst, getreulich an und mildere mir meine Schmerzen. Pflanze in meinem Herzen die christliche Geduld, daß ich mich deinem Willen jederzeit gehorsam untergebe, einen guten Kampf des Glaubens kämpfe, den Lauf dieses irdischen Lebens mit Freuden vollende und, wenn meine letzte Stunde kommt, mit Fried und Freuden dahin fahre. Am jüngsten Tage laß mich fröhlich von den Toten auferstehen und die Krone der Gerechtigkeit, das ewige Leben, aus Gnaden erlangen, um deines teuern Verdienstes willen. Amen. Herr Jesu. Amen. Aus Löhes Rauchopfer. Herr Jesu Christe, mein Herr und mein Gott, der du am Stamme des Kreuzes deine Arme und Hände ausgebreitet haſt, uns arme Sünder allesamt zu empfahen und zu dir zu ziehen: siehe, ich gebe und lege mich in deine Hände und schwinge mich in deine Arme und verberge mich in deine heiligen Wunden. Da will ich leben und sterben und fröhlich singen: ,, Herr, nun läsfest du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, welchen du bereitest hast vor allen Völkern, ein Licht zu erleuchten die Heiden und zum Preise deines Volkes Israel." Amen. Aus Löhes Rauchopfer. 3. Die kirchlichen Handlungen. - Unterricht über die Trauung. 527 V. Die Trauung. 1. Unterricht über die Trauung. Die kirchliche Handlung, bei welcher Mann und Weib durch den Diener Gottes im Namen des dreieinigen Gottes zu christlicher Ehe zusammen gesprochen werden, benennt unsre deutsche Sprache mit dem Namen„ Trauung", und ist dies ein Wort voll tiefen Sinnes. Denn eine That des gegenseitigen Trauens oder Vertrauens ist es, wenn ein Mann und Weib sich für das ganze Leben mit einander verbinden und an einander hingeben wollen. Und ein Werk des Anvertrauens ist es auch von seiten Gottes, in dem er dem Manne ein Weib und hinwiederum dem Weibe einen Mann als eine gute Gabe seiner Güte, Liebe und Freundlichkeit zu gegenseitiger Hilfe durch den Mund und die Hand seiner Dieners anvertraut und übergiebt, daß beide solche Gabe auch in Liebe und Treue bewahren sollen, so lange Gott sie bei einander bleiben läßt. 11 Nachdem in den deutschen Landen das sogenannte Zivilstandsgeseß eingeführt worden ist, ist es möglich, eine rechtsgiltige Ehe, d. h. eine solche, welche vom Staate und vom menschlichen Richter nach menschlichem Gesetz als giltig angesehen wird, ohne Trauung einzugehen, und leider haben viele Gottes so gar vergessen, daß sie nach seinem Willen und Wohlgefallen so gar nicht fragen und ihre allein nach menschEhe allein vor Menschen, aber nicht vor Gott, lichem Geseße, aber nicht im Namen Gottes geschlossen haben. Wer aber ein Christ sein will, der begnügt sich nicht damit, daß seine Ehe vor Menschen bestehe, sondern er gedenkt daran, daß die Ehe Gottes eigene heilige Stiftung und Ordnung ist und nach göttlicher Vorschrift eingegangen und geführt sein will und daß nicht jede Eheschließung darum, weil sie dem bürgerlichen Gesetz entspricht, auch dem Willen Gottes entspricht und eine christliche ist. Er verlangt eine göttliche Bestätigung seiner Ehe, nämlich daß Gott der Herr sein Ja" zu derselben spreche und ihr seinen Segen geben wolle. Und wie Gott am Anfang das Weib dem Manne zugeführt und übergeben hat, so begehrt der Christ auch sein Gemahl sich nicht selbst zu nehmen, sondern sich aus Gottes Händen geben zu lassen. Er gedenkt an seinen Heiland Jesus Christus, der, als man ihn zur Hochzeit lud, auch zu derselben gekommen ist( Joh. 2), daselbst sein erstes Wunderzeichen gethan und in dem allen bezeugt hat, daß er gerne bei den Eheleuten einkehren, bei ihnen wohnen, ihren Stand heiligen und in allen Nöten ihr Helfer sein wolle. Ein Christ hat es gelernt aus Gottes Wort, daß der Herr Jesus Christus sich selbst - 528 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. den Bräutigam nennt und daß er in manchem Gleichnis redet von dem König, der seinem Sohne Hochzeit machte, womit er auf sich selbst deutet; ein Christ kennt auch die Braut des Herrn Jeſu, welche da ist seine liebe Gemeinde, die er mit seinem eignen Blute sich erkauft hat und mit der er sich verloben will in Ewigkeit, und ein Christ weiß, was St. Paulus Ephes. 5 geschrieben hat, wie er die christliche Ehe als ein Abbild hinstellt von diesem heiligen ewigen Liebesbunde, den der Sohn Gottes, Jesus Christus, mit seiner Braut, seiner Gemeinde eingegangen ist. Ein Christ erkennt auch in Demut seine eigne große Schwachheit und weiß, wie er aus eignen Kräften nicht einmal geringere Dinge ausrichten kann, Gott helfe ihm denn, und wie er noch viel weniger im stande sein werde, ohne Gottes Hilfe so großes zu thun, durch sein ganzes Leben hindurch seinem Ehegemahle die Liebe und Treue zu bewahren und zu beweisen, alles mit ihm zu teilen, was Gott giebt, und alles mit ihm zu tragen, was Gott auferlegt,- er weiß es: Wo der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen,( Ps. 127) und: An Gottes Segen ist alles gelegen. Vor solchen hohen Dingen und Aufgaben verbleicht alle Macht und Gewalt menschlicher Gesebe, sie reichen nicht dahinan, können auch keinem Menschen die Kraft geben, auch nur das geringste von dem zu erlangen und zu erfüllen, was da als Gottes heiliger Wille über Eheleuten ausgesprochen ist. So wird zwar ein Christ sich um des Gewissens willen zu Gott in die menschliche Ordnung schicken und der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat, Gehorsam leisten, aber sein höchstes Absehen und sein sehnlichster Wunsch wird sein, daß er seinen Gott suche. Christenleute, die in die Ehe treten wollen, werden alsbald, nachdem sie dem menschlichen Gesetz Genüge gethan, mit einander zum Hause Gottes wallen, Gottes Wort und Gottes Segen zum ihrer Ehe begehren und nichts anderes wollen, als daß der Herr selbst durch die Hand und den Mund seines Dieners sie zusammenspreche und zusammengebe, auf daß sie sich sein und seiner Hilfe getrösten mögen. Wenn aber einem Christenmenschen auch zuhöchst an dem Segen Gottes gelegen sein muß, so wird er eben um deßwillen auch nicht den Segen der Menschen verachten. Es ist eine Verletzung und Übertretung des vierten Gebotes, wenn ein Sohn oder Tochter ein Verlöbnis oder Ehebündnis eingehen wollten, ohne sich deß vorher versichert zu haben, ob auch die Eltern, falls sie noch leben, oder die Vormünder, die ihre Stelle vertreten, ihr Ja und Amen dazu geben. Ehen, wider den Willen der Eltern geschlossen, geraten nicht 3. Die kirchlichen Handlungen. Unterricht über die Trauung. 529 wohl. Das menschliche Gesetz hat zwar eine Altersgrenze gesetzt, bis zu welcher ein Sohn oder Tochter verpflichtet ist, die Einwilligung der Eltern zum Ehebündnis zu begehren und nachzuweisen. Ist diese Altersgrenze überschritten, so fragt der Staat nicht mehr nach dem Einverständnis der Eltern. Aber einem Christenmenschen steht Gottes Gebot höher, als der Menschen Gebot, und das Gebot: „ Du sollst Vater und Mutter ehren" bleibt in Kraft und im Rechte, so lange Eltern und Kinder leben. Wo der Staat den Gehorsam gegen dieses Gebot nicht mehr sucht, da sucht ihn doch Gott. Wohl denen, die seinem Willen gehorsam sind. - Christliche Verlobte sollten aber nicht allein den Segen der Eltern, sondern auch die Fürbitte der christlichen Gemeinde suchen und begehren. Das ist die Bedeutung des kirchlichen Aufgebotes. Von der Kanzel aus werden der versammelten Christengemeinde die Namen derer, welche miteinander die Ehe schließen wollen, bekannt gegeben, und wird die Gemeinde zur Fürbitte aufgefordert: daß Gott die Verlobten nach seinem Willen und Wohlgefallen regieren und Gnade verleihen wolle, daß der neue Hausstand und die werdende Hausgemeinde der großen Gottesgemeinde nicht zu einem Fluche, sondern zu einem Segen werden und Gott zu Lob und Preis gereichen möge. Alte christliche Sitte und Ordnung ist es, daß ehrbare unbescholtene Brautleute unter dem Geläut der Glocken zur Kirche gehen, die jungfräuliche Braut im Ehrenschmuck des Myrthenkranzes vor dem Altar Gottes erscheine und die Trauung öffentlich mit Orgelspiel und Gesang der Gemeinde vollzogen wird. Ebenso ist es aber auch alte und wohlberechtigte kirchliche Ordnung, daß gefallene Paare dieser Ehre verlustig erachtet werden und ihre Trauung in der Stille, ohne Sang und Klang und ohne das Ehrenzeichen des Kranzes erfolgt. So wird denn auch bei der Trauung alles nach Gottes Wort gehandelt. Der Pfarrer beginnt sein Thun und Werk: Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Seine Traurede soll Lehre und Vermahnung aus Gottes Wort sein und zwar von der Stiftung der Ehe( 1 Mose 2, 18-24), von den Pflichten der Ehe( Ephes. 5, 22-29. 1 Petr. 3, 1-7), vom Kreuz der Ehe( 1 Mose 3, 16-19) und vom Segen der Ehe( 1 Mose 1, 27-31. Ps. 128. Spr. Sal. 18, 22). Dann wendet er sich an den Bräutigam und fragt ihn: Allgemeines Gebetbuch. 34 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. Vor Gott, dem Allwissenden( und in Gegenwart dieser Zeugen), frage ich dich N. N.: willst du diese hier gegenwärtige N. N. zu deiner Ehefrau haben und behalten und ihr alle eheliche Liebe und Treue erzeigen, in guten wie in bösen Tagen, bis daß der Tod euch scheidet, so bestätige und bekräftige es mit einem lauten Ja. Antw. Ja. 530 Darnach fragt er die Braut: Vor Gott, dem Allwissenden( und in Gegenwart dieser Zeugen), frage ich dich N. N.: willst du diesen hier gegenwärtigen N. N. zu deinem Manne haben und behalten und ihm alle eheliche Liebe und Treue erzeigen, in guten wie in bösen Tagen, bis daß der Tod euch scheidet, so bestätige und bekräftige es mit einem lauten Ja. Antw. Ja. Da läßt er sie die Trauringe oder Mahlschäße( etwa ein größeres Geldstück) wechseln und fügt ihre beiden rechten Hände zusammen, läßt sie niederknieen und spricht: Weil ihr denn einander zur Ehe begehret, solches auch hier öffentlich vor Gott und diesen gegenwärtigen Zeugen bekannt, daraufhin einander die Hände und die Trauringe( Mahlschätze) gegeben habt, so spreche ich, als ein verordneter Diener der Kirche, euch ehelich zusammen im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden. Laßt uns beten: Herr Gott, der du Mann und Weib geschaffen und zum Ehestand verordnet hast, dazu mit Früchten des Leibes gesegnet, und den Bund deines lieben Sohnes Jesu Christi und der Kirche, seiner Braut, darin bezeichnet, wir bitten deine grundlose Güte, du wollest solch dein Geschöpf, Ordnung und Segen nicht lassen verrücken noch verderben, sondern gnädiglich in uns bewahren( und insonderheit deinen Segen auf dieses Paar reichlich kommen lassen), durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Vater unser, der du bist zc. Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen. 3. Die kirchlichen Handlungen.- Gebete für die Trauung. 531 2. Gebete. O du heiliger Gott, der du den heiligen Ehestand selbst gestiftet und gesagt hast, es sei nicht gut, daß der Mensch allein. sei, sondern daß er eine Gehilfin habe, die um ihn sei: siehe, nach solcher deiner heiligen Ordnung erscheinen wir auch in dieser Stunde vor deinem Angesichte und danken dir, daß du uns zu diesem Stande ordentlicher Weise berufen hast, mit demütiger Bitte, du wollest uns in selbigem von Anfang bis zu Ende gnädig schützen, beschirmen und bewahren. Herr Gott, himmlischer Vater, neige deinen Himmel und fahre herab und segne uns an Leib und Seele. O Herr Jesu Christe, unser himmlischer Bräutigam, erscheine bei unsrer Hochzeit mit deiner Gnade, wie du auf der Hochzeit zu Cana erschienen bist. Herr Gott, heiliger Geist, entzünde unsre Herzen mit dem Feuer der keuschen, inbrünstigen, ehelichen Liebe und mache Wohnung in uns. O getreuer Gott, einig im Wesen, dreifaltig in Personen, bewahre und segne unsern Ausgang und Eingang, denn was du Herr segnest, das ist und bleibt gesegnet ewiglich. Amen. Georg Zeämann. Lieber Gott, wir sagen dir Lob, Ehre und Dank, daß du uns beide heutigen Tages öffentlich und ehrlich in den heiligen Ehestand gesetzt und darin bestätigt. Wir bitten dich herzlich, gieb uns zum Anfang unsrer christlichen Ehe Gnade und Segen. Regiere unsre Herzen mit dem heiligen Geiste, daß wir uns in Züchten und Ehren nunmehr mit freundlicher Liebe und Treue ehelich beisammenhalten, erhalte uns in deiner Gnade und liebreicher Ehe unser Leben lang. Sei du unser Schuß und Schirm, Hilfe und Trost wider alles Eheweh. Dir, Herr, befehlen wir unsern Leib und Seele in deine getreuen Hände. So walte es nun Gott Vater, Sohn und heiliger Geist, die hochgelobte Dreifaltigkeit sei mit uns und bei uns heute und allezeit. Amen. Amen. Kaspar Melisander. 34* 532 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. VI. Das Begräbnis. 1. Unterricht über das Begräbnis. Das ist die letzte kirchliche Handlung, die an einem Christenmenschen noch gethan werden kann. Er selbst weiß freilich nichts mehr davon, denn das irdische Leben ist zum Ende gekommen und es liegt nur noch daran, den verblichenen Leib in den Schoß der Erde einzusenken. Aber jeder abgeschiedene Christenmensch ist durch die heilige Taufe der Kirche Glied geworden, er hat im Leben an den Gnadenmitteln des Worts und der heiligen Sakramente, welche der Herr seiner Kirche anvertraut hat, teilgenommen, so will auch die Kirche ihren abgeschiedenen Gliedern noch das letzte Geleit geben, mit Gottes Wort diesen letzten Weg heiligen, den toten Leib als ein Samenkorn in die Erde legen und ihn unter die Hut des allmächtigen Herrn befehlen, der daraus einen neuen herrlichen Leib auferstehen lassen kann und will, am Tage seiner Erscheinung in Herrlichkeit. Dieser letzte Liebesdienst der Kirche wird aber leider in unsern Tagen von vielen verschmäht, sei es aus Gedankenlosigkeit oder sei es aus Geiz, oder aus offenbarer Verachtung. Ja man ist noch weiter gegangen, man hat hier und da die unter Christen bräuchliche Weise des Begräbnisses verlassen und sich wieder zu der heidnischen Art der Leichenverbrennung gewendet. Aber das Wort Gottes über Adam lautet: ,, Du bist Erde und sollst zu Erde werden." Nach diesem Worte sollen wir es auch halten, wie die Erzväter und das Volk Gottes im alten Testamente es auch darnach gehalten haben. Auch unser Herr Jesus Christus ist, nachdem er am Kreuz gestorben, in das Grab gelegt worden. Darum haben auch die Heiden, da sie Christen wurden, die heidnische Sitte des Verbrennens verlassen und ihre Toten begraben und damit ihre Hoffnung der Auferstehung ausgesprochen:„ Es wird gesäet verweslich und wird auferstehen unverweslich; es wird gefäet in Unehre und wird auferstehen in Herrlichkeit; es wird gesäet in Schwachheit und wird auferstehen in Kraft; es wird gefäet ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib."( 1 Kor. 15.) Solches Wort der Hoffnung vernimmt zwar der Abgeschiedene nicht mehr, wohl aber die im Leben Zurückbleibenden, und das ist ein weiterer Grund, warum auf ein kirchliches Begräbnis gehalten werden muß: damit die hier auf Erden noch länger lebenden Christen nicht nur ihrer eignen Hinfälligkeit, sondern ihres Berufs zum ewigen 3. Die firchlichen Handlungen. Unterricht über das Begräbnis. 533 Leben kräftig erinnert und angetrieben werden, ihre Seligkeit zu schaffen mit Furcht und Zittern in Verleugnung der Welt, die doch vergeht mit aller ihrer Lust, und im Glauben an den, der da ist die Auferstehung und das Leben, und der die Krone des Lebens verheißen hat denen, die bis ans Ende beharren. - Das sind denn auch die Wahrheiten, von denen die Kirche Zeugnis ablegt, und der Diener der Kirche soll nicht nach eignem Gutdünken an den Gräbern reden, sondern diese Wahrheiten verfündigen, ebensowohl die niederbeugenden Wahrheiten von Sünde und Tod, Gottes Zorn und Strafe, Gericht und Hölle, als auch die hochtröstlichen Wahrheiten von Christi Tod und Auferstehung, von seiner Erlösung, von seinem Sieg über aller Seelenfeinde Gewalt und von dem Reichtum seiner ewigen und unvergänglichen Himmels= schäßze, damit auf solche Weise ein kirchliches Begräbnis nicht nur eine von Trauer und Thränen begleitete, sondern auch vom Siegesruf lebendigen Glaubens und seliger Hoffnung wiederhallende Handlung werde, zum Lobe des Herrn und zum Trost der Trauernden. Da werden sich dann auch die Herzen und Hände zum Herrn erheben im Gebet, um ihm zu danken für seinen Sieg, ihn zu bitten um seinen Trost, und ihn anzurufen um seine Bewahrung und Leitung zum ewigen Leben. Ist der Sarg mit dem verblichenen Leibe ins Grab gesenkt worden unter segnenden Worten, in denen die Übergabe desselben in Gottes Hut und die Hoffnung der Auferstehung ausgesprochen worden ist, so gilt das letzte Segenswort( der Herr segne dich und behüte dich 2c.) der ganzen versammelten Gemeinde, die diesen Gottessegen mitnehmen und bewahren soll im Glauben und heiligem Leben, damit ihre Wege einmal enden vor dem Throne Gottes in Preis und Herrlichkeit. Darnach mag sich die Ordnung eines kirchlichen Begräbniſſes etwa so gestalten: Pfarrer, Küster, Schulkinder und Gemeindeglieder sammeln sich zu der bestimmten Zeit und auf das mit der Glocke gegebene Zeichen am Trauerhause oder an der Leichenhalle. Daselbst werden etwa zunächst ein, oder auch zwei Sterbelieder entweder ganz oder teilweise gesungen. Dann heben die Träger den Sarg auf und unter Vortragung des Kreuzes und Vortritt der Schulkinder, des Pfarrers und Küsters segt sich der Leichenzug, unter dem Geläut der Glocken, in Bewegung. Unterwegs singt Chor und Gemeinde ein Begräbnislied; etwa: Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. Nun laßt uns den Leib begraben 2c.( S. Lied Nr. 198.) Darauf wird der Sarg ins Grab eingesenkt und der Pfarrer spricht: Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. 534 Nachdem es dem allmächtigen Gott gefallen hat, die Seele unsers lieben Bruders( Schwester) zu sich zu nehmen, legen wir seinen ( ihren) Leib in Gottes Acker- Erde zur Erde, Asche zur Asche, Staub zum Staube-( dabei wirft der Geistliche dreimal etwas Erde in das Grab)- in sicherer und gewisser Hoffnung der Auferstehung zum ewigen Leben durch unsern Herrn Jesum Christum, welcher unsern nichtigen Leib verklären wird, daß er ähnlich werde seinem verklärten Leibe nach der Wirkung, durch welche er kann auch alle Dinge ihm unterthänig machen. Statt der Worte: ,, in sicherer und gewisser 2c.- unterthänig machen", kann der Geistliche auch also fortfahren: Gott der Vater, der ihn( sie) erschaffen, Gott der Sohn, der ihn( sie) erlöset, Gott der heilige Geist, der ihn( sie) geheiligt hat, bewahre sein( ihr) Gebein in Frieden zur Auferstehung des Lebens. Lasset uns hören Gottes Wort, wie wir es geschrieben finden: Joh. 5, 24-29. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer mein Wort höret und glaubet dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurch gedrungen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, es kommt die Stunde und ist schon jetzt, daß die Toten werden die Stimme des Sohnes Gottes hören; und die sie hören werden, die werden. leben. Denn wie der Vater das Leben hat in ihm selber, also hat er dem Sohn gegeben, das Leben zu haben in ihm selber. Und hat ihm Macht gegeben, auch das Gericht zu halten, darum, daß er des Menschen Sohn ist. Verwundert euch deß nicht; denn es kommt die Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern sind, werden seine Stimme hören; und werden hervorgehen, die da Gutes gethan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Übels gethan haben, zur Auferstehung des Gerichts. Oder eine der folgenden Lektionen: 1. Kor. 15, 35-50. Möchte aber jemand sagen: Wie werden die Toten auferstehen? und mit welcherlei Leibe werden sie kommen? Du Narr, das du säest, wird nicht lebendig, es sterbe denn. Und das du säest, ist ja nicht der Leib, der werden soll, sondern ein bloßes Korn, nämlich 3. Die kirchlichen Handlungen.- Ordnung des Begräbnisses. 535 Weizen, oder der andern eines. Gott aber giebt ihm einen Leib, wie er will, und einem jeglichen von den Samen seinen eigenen Leib. Nicht ist alles Fleisch einerlei Fleisch, sondern ein ander Fleisch ist der Menschen, ein andres des Viehes, ein andres der Fische, ein andres der Vögel. Und es sind himmlische Körper und irdische Körper. Aber eine andre Herrlichkeit haben die himmlischen und eine andre die irdischen. Eine andre Klarheit hat die Sonne; eine andre Klarheit hat der Mond; eine andre Klarheit haben die Sterne; denn ein Stern übertrifft den andern nach der Klarheit. Also auch die Auferstehung der Toten. Es wird gefäet verweslich und wird auferstehen unverweslich. Es wird gefäet in Unehre und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesäet in Schwachheit und wird auferstehen in Kraft. Es wird gefäet ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib. Hat man einen natürlichen Leib, so hat man auch einen geistlichen Leib. Wie es geschrieben stehet: Der erste Mensch, Adam, ist gemacht in das natürliche Leben und der letzte Adam in das geistliche Leben. Aber der geistliche Leib ist nicht der erste, sondern der natürliche, darnach der geistliche. Der erste Mensch ist von der Erde und irdisch; der andre Mensch ist der Herr vom Himmel. Welcherlei der irdische ist, solcherlei sind auch die irdischen; und welcherlei der himmlische ist, solcherlei sind auch die himmlischen. Und wie wir getragen haben das Bild des irdischen, also werden wir auch tragen das Bild des himmlischen. Davon sage ich aber, lieben Brüder, daß Fleisch und Blut nicht können das Reich Gottes ererben; auch wird das Verwesliche nicht erben das Unverwesliche. 1. Kor. 15, 51-57. Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen; wir werden aber alle verwandelt werden, und dasselbige plößlich in einem Augenblick zu der Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune schallen, und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden. Denn dies Verwesliche muß anziehen das Unverwesliche, und dies Sterbliche muß anziehen die Unsterblichkeit. Wenn aber dies Verwesliche wird anziehen das Unverwesliche, und dies Sterbliche wird anziehen die Unsterblichkeit; dann wird erfüllet werden das Wort, das geschrieben stehet: Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? Aber der Stachel des Todes ist die Sünde; die Kraft aber der Sünde ist das Geseß. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat, durch unsern Herrn Jesum Christum. 536 Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. 2. Kor. 5, 1-10. Wir wissen aber, so unser irdisch Haus dieser Hütte zerbrochen wird, daß wir einen Bau haben von Gott erbauet, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist, im Himmel. Und über demselbigen sehnen wir uns auch nach unserer Behausung, die vom Himmel ist, und uns verlanget, daß wir damit überfleidet werden; so doch, wo wir bekleidet und nicht bloß erfunden werden. Denn dieweil wir in der Hütte sind, sehnen wir uns und sind beschweret; sintemal wir wollten lieber nicht entkleidet, sondern überkleidet werden, auf daß das Sterbliche würde verschlungen von dem Leben. Der uns aber zu demselbigen bereitet, das ist Gott, der uns das Pfand, den Geist gegeben hat. Wir sind aber getroft allezeit und wissen, daß, dieweil wir im Leibe wohnen, so wallen wir dem Herrn. Denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen. Wir sind aber getrost und haben vielmehr Lust außer dem Leibe zu wallen und daheim zu sein bei dem Herrn. Darum fleißigen wir uns auch, wir sind daheim, oder wallen, daß wir ihm wohlgefallen. Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf daß ein jeglicher empfahe, nachdem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei gut oder böse. 1. Theff. 4, 13-18. Wir wollen euch aber, lieben Brüder, nicht verhalten von denen, die da schlafen, auf daß ihr nicht traurig seid, wie die an dern, die keine Hoffnung haben. Denn so wir glauben, daß Jesus gestorben und auferstanden ist; also wird Gott auch, die da entschlafen sind durch Jesum, mit ihm führen. Denn das sagen wir euch, als ein Wort des Herrn, daß wir, die wir leben und überbleiben in der Zukunft des Herrn, werden denen nicht vorkommen, die da schlafen. Denn er selbst, der Herr, wird mit einem Feldgeschrei und Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes hernieder kommen vom Himmel, und die Toten in Christo werden auferstehen zuerst. Darnach wir, die wir leben und überbleiben, werden zugleich mit denselbigen hingerückt werden in den Wolken, dem Herrn entgegen in der Luft, und werden also bei dem Herrn sein allezeit. So tröstet euch nun mit diesen Worten unter einander. oder was sonst für eine geeignete Schriftstelle gewählt werden mag. Nach einer an solche Schriftlektion angefügten furzen Vermahmung zu täglicher herzlicher Umkehr zu Gott, rechtem beständigem 3. Die kirchlichen Handlungen.- Gebete für das Begräbnis. 537 Glauben und ernstem Nachtrachten der Heiligung fordert der Geistliche auf zum Gebet und betet das heilige Vaterunser. Darauf spricht oder singt der Geistliche: Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben, von nun an. Halleluja. Gem. Ja, der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit, denn ihre Werke folgen ihnen nach. Halleluja. oder: Pf. Ich weiß, daß mein Erlöser lebet. Halleluja. Gem. Und er wird mich hernach aus der Erde auferwecken. Halleluja. Der Geistliche betet sodann die folgende Kollekte: Dallmächtiger Gott, der du durch den Tod deines Sohnes die Sünde und den Tod zu nichte gemacht und durch seine Auferstehung Unschuld und ewiges Leben wiedergebracht hast, auf daß wir von der Gewalt des Teufels erlöset und auch unsere sterblichen Leiber durch Kraft derselbigen Auferstehung von den Toten auferwecket werden und in deinem Reiche leben: verleihe uns gnädiglich, daß wir solches festiglich von ganzem Herzen glauben und die fröhliche Auferstehung des Leibes mit allen Heiligen erlangen mögen, durch denselben deinen lieben Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Gem. Amen. oder: Allmächtiger Herre Gott, der du uns durch deinen heiligen Apostel gelehret hast, daß wir uns über die nicht allzusehr betrüben sollen, welche in Christo entschlafen sind, verleihe uns gnädiglich, daß wir in der Zukunft unsers Herrn Jesu Christi, deines Sohnes, mit allen abgeschiedenen Gläubigen zu den ewigen Freuden glücklich gelangen, durch unsern Herrn Jesum Christum. Gem. Amen. Pf. Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr erleuchte sein Angesicht über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Gem. Amen. An vielen Orten ist es üblich, daß die Gemeinde nach vollzogenem Begräbnis sich in der Kirche versammelt, wo der Paſtor eine Leichenpredigt hält. Nach alter kirchlicher Ordnung ist solchen, die in offenkundiger Verachtung göttlichen Wortes und der heiligen Sakramente gelebt, oder die freventlich selbst Hand an ihr Leben gelegt haben, das kirchliche Begräbnis zu versagen. Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. 2. Gebete. O du barmherziger, gütiger Gott, wir sagen dir Lob und Dank, daß du diesen unsern Bruder durch einen seligen Tod zu deinen sichern Händen in die ewige Freude und Seligkeit abgefordert hast. Du hast auch uns ein Ziel gesetzt, zu sterben, welches wir nicht überschreiten können. Darum lehre uns solches mit großem Ernst betrachten und bedenken und gieb uns deinen Geist, daß wir uns zu unsrer Heimfahrt schicken und bereiten. Herr, durch dein Kraft uns bereit und stärk des Fleisches Blödigkeit, daß wir hier ritterlich ringen, durch Tod und Leben zu dir dringen. Das verleihe uns um Jesu Christi willen, du hochgelobter Gott in Ewigkeit. Amen. Aus Löhes Agende. 538 Barmherziger, ewiger Gott, du Gott und Vater alles Trostes, der du uns mit den Weinenden und Betrübten weinen heißest, wir bitten dich herzlich, tröste unsere leidtragenden Brüder und Schwestern mit dem Troste deines heiligen Geistes, daß sie mit fröhlichem Glauben des Lebens ihrer Toten sich freuen und ihrer Auferstehung warten. Wie ein Ackersmann, wenn er nun sein Feld besäet hat, geduldig wartet auf die köstliche Frucht der Erde und daß er seiner Hoffnung teilhaftig werde, also laß auch uns, so lange wir hier leben, fröhlich und geduldig warten auf den großen Tag der Ernte und auf die selige Sammlung aller im Herrn Entschlafenen in die himmlischen Scheuern und Hütten Gottes, da wir einander gewißlich wiederfinden und kennen und ewiglich beisammen wohnen werden vor dir, o Gott Vater, Sohn und heiliger Geist, wahrer Gott, hochgelobt in Ewigkeit. Amen. Aus Löhes Agende. Beim Begräbnis eines Kindes. Herr, allmächtiger Gott und Vater, wir danken dir für alle Barmherzigkeit und Treue, die du diesem entschlafenen Kinde während seines kurzen Erdenlebens erwiesen hast, und preisen dich insbesondere für die Gnade und Gabe der heiligen Taufe, 3. Die kirchlichen Handlungen.- Gebete für das Begräbnis. 539 die du ihm geschenkt und durch die du es zu deinem Kinde und zum Erben des ewigen Lebens angenommen hast, so daß wir nicht zweifeln, du werdest nun seine Seele im Himmel und in der Gemeinschaft der Engel mit Freude und Wonne ewiglich erquicken. Tröste mit diesem Troste seine Eltern und Verwandten und heile die Wunden, die der Tod dieses Kindes ihrem Herzen geschlagen hat, mit dem milden Balsam deines heilbringenden Wortes. Uns alle aber, die wir noch in der sterblichen Hülle sind, stärke und erhalte durch deine Gnade und Barmherzigkeit im Glauben, damit wir in deinem Dienst und Gehorsam unsre noch übrige Lebenszeit unverrückt zubringen und endlich Genossen deines Reiches in Christo Jesu werden. Amen. Sächsische Agende. Beim Begräbnis eines Hausvaters oder einer Hausmuffer. Ewiger Gott, barmherziger Vater, blicke gnädig auf uns herab, die wir in tiefer Trauer einen verstorbenen Mitbruder ( eine verstorbene Mitschwester) zu seinem( ihrem) Grabe begleitet haben. Deine Gedanken sind nicht unsre Gedanken, und unsere Wege sind nicht deine Wege; sondern so viel der Himmel höher ist, denn die Erde, so sind auch deine Wege höher, denn unsre Wege, und deine Gedanken, denn unsere Gedanken. Hilf uns, daß wir auch jetzt deinem unerforschlichen Ratschluß mit findlicher Ergebung uns unterwerfen und bei allem Schmerz, der uns ergriffen hat, uns fest an den Trost deines Wortes halten. Stehe mit deiner Gnade dem verwaisten Hause bei und erwecke der vaterlosen( mutterlosen) Familie treue Freunde, teilnehmende Beschüßer und Helfer. Heile die Wunden der trauernden Witwe( des trauernden Witwer) und gieb, daß sie ihr( er sein) Vertrauen nicht wegwerfe, welches eine große Belohnung hat. Nimm in deine gnädige Obhut die Waisen, welche an dem Grabe ihres Vaters( ihrer Mutter) weinen, und sei ihr Vater, Versorger und Führer. Erhalte sie im Glauben an dich und laß ihnen diese schmerzliche Prüfung ewig zum Besten dienen. Zweiter Teil: Das Kirchenbuch. Herr, Gott, du schauest allen Jammer und alles Elend; die Verlassenen befehlen dir ihre Sache; du bist der Vater der Waisen und der Richter der Witwen. Erscheine mit deinem kräftigen Troste allen Betrübten und Angefochtenen, und laß sie samt den Toten, um welche sie trauern, mit Freuden einst gestellt werden vor dein herrliches Angesicht. Erbarme dich aller Kranken und Sterbenden unter uns und mache ihren Leiden ein seliges Ende. Und wann auch unsre Zeit und Stunde kommt, so steh uns bei mit deiner Kraft in unserer letzten Not, daß wir gläubig aufsehen zu dem Heiland unserer Seelen, Jeſus Christus, und, gereinigt durch sein Blut, ergreifen die selige Hoffnung des ewigen Lebens. Amen. Greizer Agende. 540 Dritter Teil. Das Liederbuch für Haus und Kirche. I. Das christliche Jahr. A. Die festliche Zeit des Jahres. 1. Advent. 1. Mel.: Nun kommt der Heiden Heiland. ott sei Dank durch alle Welt, der sein Wort beständig hält und der Sünder Trost und Rat zu uns hergesendet hat. 2. Was der alten Väter Schar höchster Wunsch und Sehnen war, und was sie geprophezeit, ist erfüllt nach Herrlichkeit. 3. 3ions Hilf und Abrams Lohn, Jakobs Heil, der Jungfrau Sohn, der wohl zweigestammte Held hat sich treulich eingestellt. 4. Sei willkommen, o mein Heil! Hosianna, o mein Teil! richte du auch eine Bahn dir in meinem Herzen an. 5. Zeuch, du Ehrenkönig, ein, es gehöret dir allein; mach es, wie du gerne thust, rein von aller Sünden Wust. 6. Und gleich wie dein Zukunft war voller Sanftmut, ohn Gefahr; also sei auch jederzeit deine Sanftmut mir bereit. 7. Tröste, tröste meinen Sinn, weil ich schwach und blöde bin, und des Satans schlaue List sich zu hoch für mich vermißt. 8. Tritt der Schlangen Kopf entzwei, daß ich, aller Ängsten frei, dir im Glauben um und an selig bleibe zugethan. 9. Daß, wenn du, o Lebensfürst, prächtig wieder kommen wirst, ich dir mög entgegen gehn und vor dir gerecht bestehn. Heinr. Held.( um 1643.) 2. Hoff Mel.: Meinen Jesum laß ich nicht. ofianna! Davids Sohn kommt in Zion angezogen, ach, bereitet ihm den Thron, setzt ihm tausend Ehrenbogen. Streuet Palmen, machet Bahn, daß er Einzug halten kann. 2. Hosianna! sei gegrüßt! komm, wir gehen dir entgegen: unser Herz ist schon gerüst, will sich dir zu Füßen legen. Zeuch zu unsern Thoren ein, du sollst uns willkommen sein! 3. Hosianna! Friedensfürst, Ehrenkönig, Held im Streite! alles, was du schaffen wirst, das ist unsre Siegesbeute. Deine Rechte bleibt erhöht und dein Reich allein besteht. 35 542 Dritter Teil: Lieder. 4. Hosianna! lieber Gast, wir 2. Er ist gerecht, ein Helfer sind deine Reichsgenossen, die du wert, Sanftmütigkeit ist sein Gedir erwählet hast; ach, so laß uns fährt, sein Königskron ist Heiligunverdrossen deinem Zepter dienst- keit, sein Zepter ist Barmherzigbar sein: herrsche du in uns allein. keit; all unser Not zum End er bringt, derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Heiland groß von That. 3. Owohl dem Land, o wohl der Stadt, so diesen König bei sich hat! Wohl allen Herzen insgemein, da dieser König ziehet ein! Er ist die rechte Freudensonn, bringt mit sich lauter Freud und Wonn. Gelobet sei mein Gott, mein Tröster früh und spat! 4. Macht hoch die Thür, die Thor macht weit, eur Herz zum Tempel zubereit; die Zweiglein der Gottseligkeit steckt auf mit Andacht, Lust und Freud; so kommt der König auch zu euch, ja Heil und Leben mit zugleich. Gelobet sei mein Gott, voll Rat, voll That, voll Gnad! 5. Hosianna! komme bald, laß uns deine Sanftmut küssen; wollte gleich die Knechtsgestalt deine Majestät verschließen, ei, so kennet Zion schon, Gottes und auch Davids Sohn. 6. Hosianna! steh uns bei! O Herr, hilf, laß wohl gelingen, daß wir ohne Heuchelei dir das Herz zum Opfer bringen. Du nimmst keinen Jünger an, der dir nicht gehorchen kann. 7. Hosianna! laß uns hier an den Ölberg dich begleiten, bis wir einstens für und für dir ein Psalmenlied bereiten; dort ist unser Bethphage: Hosianna in der Höh! 8. Hosianna nah und fern! eile bei uns einzugehen. Du Gesegneter des Herrn, warum willt du draußen stehen? Hosianna! bist du da? Ja, du kommst, Hallelujah! Benj. Schmold.+ 1737. 3. Eigene Melodie. acht hoch die Thür, die Thor macht weit: Es kommt der 5. Komm, o mein Heiland, Jesu Christ, meins Herzens Thür dir offen ist; ach zeuch mit deiner Gnaden ein, dein Freundlichkeit auch uns erschein. Dein heilger Geist uns führ und leit den Weg zur ewgen Seligkeit. Dem Namen dein, o Herr, sei ewig Preis und Ehr! Georg Weissel. † 1635. M Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben 4. mit ſich bringt; derhalben jauchzt, Midas Herz in euch beſtellt! Mel.: Helft mir Gotts Güte preisen. it Ernst, o mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer, reich von Rat! bald wird das Heil der Sünder, der wunderstarke Held, den Gott Advent. 543 aus Gnad allein der Welt zum 3. Kein Zepter, keine Krone Licht und Leben versprochen hat zu geben, bei allen kehren ein. sucht er auf dieser Welt: im hohen Himmelsthrone ist ihm sein Reich 2. Bereitet doch fein tüchtig bestellt. Er will hie seine Macht den Weg dem großen Gast, macht und Majestät verhüllen, bis er seine Steige richtig, laßt alles, des Vaters Willen im Leiden hat was er haft; macht alle Bahnen recht, die Thal laßt sein erhöhet; macht niedrig, was hoch stehet, was frumm ist, gleich und schlecht. 3. Ein Herz, das Demut übet, bei Gott am höchsten steht; ein Herz, das Hochmut liebet, mit Angst zu Grunde geht; ein Herz, das richtig ist und folget Gottes Leiten, das kann sich recht berei ten, zu dem kommt Jesus Christ! 5. Jhr Armen und Elenden in dieser bösen Zeit, die ihr an allen Enden müßt haben Angst 4. Ach mache du mich Armen und Leid: seid dennoch wohlgezu dieser heilgen Zeit aus Güte mut! laßt eure Lieder klingen und Erbarmen, Herr Jesu, selbst und thut dem König singen; der bereit: zeuch in mein Herz hinein ist eur höchstes Gut. vom Stall und von der Krippen; so werden Herz und Lippen die allzeit dankbar sein! 6. Er wird nun bald erscheinen in seiner Herrlichkeit und all eur Klag und Weinen verwandelen in Freud. Er ist, der helfen kann: halt eure Lampen fertig, und seid stets sein gewärtig; er Bal. Thilo d. Jüng. † 1662. 5. vollbracht. 4. Jhr großen Botentaten, nehmt diesen König an, wenn ihr euch wollet raten und gehn die rechte Bahn, die zu dem Himmel führt. Sonst, wo ihr ihn verachtet und nur nach Hoheit trachtet, euch Gottes Zoren rührt. Mel.: Aus meines Herzens Grunde. Nun jauchzet all, ihr Frommen, ist schon auf der Bahn! in dieser weil unser Heil ist kommen, der Herr der Herrlichkeit: zwar ohne stolze Pracht, doch mächtig zu verheeren Mich. Schirmer. † 1673. 6. Mel.: Valet will ich dir geben. und gänzlich zu zerstören des Teu- Wie soll ich dich empfangen? fels Macht. 2. Er kommt zu uns geritten auf einem Efelein, und stellt sich in die Mitten für uns zum Opfer ein. Er bringt kein zeitlich Gut; er will allein erwerben, durch seinen Tod und Sterben, was ewig währen thut. o aller Welt Verlangen, o meiner Seelen Zier! o Jesu, Jesu seßze mir selbst die Fackel bei, damit, was dich ergöße, mir fund und wissend sei. 2. Dein Zion streut dir Palmen und grüne Zweige hin, und 35* 544 Dritter Teil: Lieder. ich will dir in Psalmen ermun- der eure Herzen labet und tröstet, tern meinen Sinn. Mein Herze steht allhier! soll dir grünen in stetem Lob und Preis, und deinem Namen dienen, so gut es kann und weiß. 3. Was hast du unterlassen zu meinem Trost und Freud? Als Leib und Seele saßen in ihrem größten Leid, als mir das Reich genommen, da Fried und Freude lacht, da bist du, mein Heil, kommen, und hast mich froh gemacht. 7. Jhr dürft euch nicht bemühen, noch sorgen Tag und Nacht, wie ihr ihn wollet ziehen mit eures Armes Macht: er kommt, er kommt mit Willen, ist voller Lieb und Lust, all Angst und Not zu stillen, die ihm an euch bewußt. 4. Ich lag in schweren Banden, du kommst und machst mich los; ich stund in Spott und Schanden, du kommst und machst mich groß, und hebst mich hoch zu Ehren, und schenkst mir großes Gut, das sich nicht läßt verzehren, wie irdisch Reichtum thut. 8. Auch dürft ihr nicht erschrecken vor eurer Sündenschuld. Nein, Jesus will sie decken mit seiner Lieb und Huld! er kommt, er kommt, den Sündern zum Trost und wahren Heil, schafft, daß bei Gottes Kindern verbleib ihr Erb und Teil. 5. Nichts, nichts hat dich getrieben zu mir vom Himmelszelt, als das geliebte Lieben, damit du alle Welt in ihren tausend Plagen und großen Jammerslaft, die kein Mund kann aus sagen, so fest umfangen hast. 9. Was fragt ihr nach dem Schreien der Feind und ihrer Tück? Der Herr wird sie zerstreuen in einem Augenblick. Er kommt, er kommt, ein König, dem wahrlich alle Feind auf Erden viel zu wenig zum Widerstande seind. 10. Er kommt zum Weltgerichte, zum Fluch dem, der ihm flucht; mit Gnad und süßem Lichte 6. Das schreib dir in dein Herze, dem, der ihn liebt und sucht. Ach, du herzbetrübtes Heer, bei denen fomm, ach, komm, o Sonne! und Gram und Schmerze sich häuft je hol uns allzumal zum ewgen Licht mehr und mehr; seid unverzagt, und Wonne in deinen Freudenihr habet die Hilfe vor der Thür: saal. Paul Gerhardt. † 1676. 2. Weihnachten. mit uns befreundt gemacht. Freude, Freude über Freude! Christus wehret allem Leide; Wonne, Wonne über Wonne! Er ist die Genaden7. Eigene Melodie. reuet euch, ihr Christen alle! freue sich, wer immer fann! Gott hat viel an uns gethan: sonne. freuet euch mit großem Schalle! 2. Siehe, siehe, meine Seele, daß er uns so hoch geacht, sich wie dein Heiland kommt zu dir, Weihnachten. brennt in Liebe für und für, daß er in der Krippen Höhle harte lieget dir zu gut, dich zu lösen durch sein Blut. Freude, Freude über Freude! Christus wehret allem Leide; Wonne, Wonne über Wonne! Er ist die Genadensonne. 3. Jesu, wie soll ich dir danken? Ich bekenne, daß von dir meine Seligkeit herrühr. Ach, laß mich von dir nicht wanken, nimm mich dir zu eigen hin, so empfindet Herz und Sinn Freude, Freude über Freude! Christus wehret allem Leide; Wonne, Wonne über Wonne! Er ist die Genadensonne. 4. Jesu, nimm dich deiner Glieder ferner doch in Gnaden an; schenke, was man bitten kann, zu erquicken deine Brüder; gieb der ganzen Christenschar Frieden und ein seligs Jahr! Freude, Freude über Freude! Christus wehret allem Leide; Wonne, Wonne über Wonne! Er ist die Genadensonne. Christ. Keymann. † 1662. 8. Eigene Melodie. röhlich soll mein Herze springen dieſer Zeit, da vor freut alle Engel singen. Hört, hört, wie mit vollen Chören alle Luft laute ruft: Christus ist geboren! 545 hassen, der uns giebt, was er liebt über alle Maßen? Gott giebt, unserm Leid zu wehren, seinen Sohn aus dem Thron seiner Macht und Ehren. 4. Sollte von uns sein gekehret, der sein Reich und zugleich sich selbst uns verehret? sollt uns Gottes Sohn nicht lieben, der jetzt kömmt, von uns nimmt, was uns will betrüben? 3. Sollt uns Gott nun können 5. Hätte vor dem Menschenorden unser Heil einen Greul, wär er nicht Mensch worden. Hätt er Lust zu unserm Schaden, ei, so würd unsre Bürd er nicht auf sich laden. 6. Er nimmt auf sich, was auf Erden wir gethan, giebt sich an, unser Lamm zu werden, unser Lamm, das für uns stirbet und bei Gott für den Tod Heil und Fried erwirbet. 7. Nun, er liegt in seiner Krippen, ruft zu sich mich und dich, spricht mit süßen Lippen: lasset fahrn, o lieben Brüder, was euch quält, was euch fehlt, ich bring alles wieder. 8. Ei, so kommt und laßt laufen, stellt euch ein groß un klein, kommt mit großen Haufen. Liebt den, der vor Liebe brennet, schaut den Stern, der uns gern Licht und Labsal gönnet. 9. Die ihr schwebt in großen Leiden, sehet, hier ist die Thür 2. Heute geht aus seiner Kammer Gottes Held, der die Welt reißt aus allem Jammer. Gott wird Mensch, dir, Mensch, zu zu den wahren Freuden. Faßt ihn gute, Gottes Kind, das verbindt wohl, er wird euch führen an den Ort, da hinfort euch fein Kreuz wird rühren. sich mit unserm Blute. 546 Dritter Teil: Lieder. 10. Wer sich findt beschwert des freuet sich der Engel Schar. im Herzen, wer empfindt seine Kyrieleis! Sünd und Gewissensschmerzen, sei getrost! hier wird gefunden, der in Eil machet heil die vergiften Wunden. 2. Des ewgen Vaters einig Kind jetzt man in der Krippen findt, in unser armes Fleisch und Blut verkleidet sich das ewig Gut. Kyrieleis! 11. Die ihr arm seid und elende, kommt herbei, füllet frei eures Glaubens Hände. Hier sind alle guten Gaben, und das Gold, da ihr sollt euer Herz mit laben. 12. Süßes Heil, laß dich umfangen, laß mich dir, meine Zier, unverrückt anhangen. Du bist meines Lebens Leben; nun kann ich mich durch dich wohl zufrieden geben. 13. Meine Schuld kann mich nicht drücken, denn du hast meine Last all auf deinem Rücken. Kein Fleck ist an mir zu finden, ich bin gar rein und flar aller meiner Sünden. 3. Den aller Welt Kreis nie beschloß, der liegt in Mariens Schoß; er ist ein Kindlein worden klein, der alle Ding erhält allein. Tyrieleis! 4. Das ewig Licht geht da herein, giebt der Welt ein neuen Schein, es leucht wohl mitten in der Nacht und uns des Lichtes Kinder macht. Kyrieleis! 5. Der Sohn des Vaters, Gott von Art, ein Gast in der Welt hier ward und führt uns aus dem Jammerthal, er macht uns Erben in sein'm Saal. Kyrieleis! 6. Er ist auf Erden kommen arm, daß er unser sich erbarm und in dem Himmel mache reich und seinen lieben Engeln gleich. Kyrieleis! 7. Das hat er alles uns gethan, sein groß Lieb zu zeigen an. Des freu sich alle Christenheit und dank ihm des in Ewigkeit. 14. Ich bin rein um deinetwillen, du bist gnug Ehr und Schmuck, mich drein einzuhüllen. Ich will dich ins Herze schließen; o mein Ruhm, edle Blum, laß dich recht genießen! 15. Ich will dich mit Fleiß bewahren, ich will dir leben hier, dir will ich abfahren. Mit dir will ich endlich schweben voller Kyrieleis! Dr. M. Luther. † 1546. Freud ohne Zeit dort im andern Leben. P. Gerhardt. † 1676. 10. Mel.: Nun freut euch lieben. Uch steh an deiner Krippen hier. o Jesulein, mein Leben, ich 9. Eigene Melodie. Celobet feiſt du, Jeſu Chrift! stehe, bring und ſchenke dir, was daß du geboren bist du gegeben. Nimm hin, von einer Jungfrau, das ist wahr, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Weihnachten. Seel und Mut, nimm alles hin, und laß dirs wohlgefallen. 547 Sünden; was trauerst du, mein Fleisch und Bein? du sollst ja guter Dinge sein, ich zahle deine Schulden. 8. Wer ist der Meister, der allhier nach Würdigkeit ausstreichet die Händlein, so das Kindlein mir anlachende zureichet! der Schnee ist hell, die Milch ist weiß, verlieren doch beid ihren Preis, wenn diese Händlein blicken. 2. Du hast mit deiner Lieb erfüllt mein Adern und Geblüte; dein schöner Glanz, dein süßes Bild liegt mir stets im Gemüte. Und wie mag es auch anders sein, wie könnt ich dich, mein Herzelein, aus meinem Herzen lassen? 3. Da ich noch nicht geboren war, da bist du mir geboren, und hast mich dir zu eigen gar, eh ich dich kannt, erkoren. Eh ich durch deine Hand gemacht, da hat dein Herze schon bedacht, wie du mein wolltest werden. 4. Ich lag in tiefer Todesnacht, du wurdest meine Sonne, die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne. Sonne, die das werte Licht des Glaubens in mir zugericht, wie schön sind deine Strahlen! 5. Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen, und weil ich nun nicht weiter kann, so thu ich, was geschehen. O, daß mein Sinn ein Abgrund wär und meine Seel ein weites Meer, daß ich dich möchte fassen! 6. Vergönne mir, o Jefulein, daß ich im Geiste küsse dein Mündlein, das den süßten Wein, auch Milch und Honigflüsse weit übertrifft in seiner Kraft, es ist voll Labsal, Stärk und Saft, der Mark und Bein erquicket. 7. Wenn oft mein Herz im Leibe weint und keinen Trost kann finden, da ruft mirs zu: Ich bin dein Freund, ein Tilger deiner 9. Wo nehm ich Weisheit und Verstand, mit Lobe zu erhöhen die Äuglein, die so unverwandt nach mir gerichtet stehen? der volle Mond ist schön und klar, schön ist der güldnen Sternen Schar: dies' Äuglein sind viel schöner. 10. O, daß doch ein so lieber Stern soll in der Krippen liegen! für edle Kinder großer Herrn ge hören güldne Wiegen. Ach! Heu und Stroh sind viel zu schlecht; Samt, Seiden, Purpur wären recht, dich Kindlein drauf zu legen. 11. Nehmt weg das Stroh, nehmt weg das Heu, ich will mir Blumen holen, daß meines Heilands Lager sei auf Rosen und Violen, mit Tulpen, Nelfen, Rosmarin aus frischen Gärten will ich ihn von oben her bestreuen. 12. 3ur Seiten will ich hier und dar viel weiße Liljen stecken, die sollen seiner Äuglein Paar im Schlafe sanft bedecken. Doch liebt vielleicht das dürre Gras dies Kindlein mehr, als alles das, was ich hier nenn und denke. 13. Du fragest nicht nach Lust 548 Dritter Teil: Lieder. der Welt, noch nach des Leibes Freuden: du hast dich bei uns eingestellt, an unsrer Statt zu leiden, suchst meiner Seelen Trost und 5. Jakobs Stern ist aufgeganFreud durch allerhand Beschwer- gen, stillt das sehnliche Verlanlichkeit, das will ich dir nicht gen, bricht den Kopf der alten wehren. Schlangen und zerstört der Höllen Reich. 14. Eins aber, hoff ich, wirst du mir, mein Heiland, nicht versagen, daß ich dich möge für und für in, bei und an mir tragen. So laß mich doch dein Kripplein sein, komm, komm und lege bei mir ein dich und all deine Freuden! 15. Zwar sollt ich denken, wie gering ich dich bewirten werde: du bist der Schöpfer aller Ding, ich bin nur Staub und Erde. Doch bist du ein so lieber Gast, daß du noch nie verschmähet hast den, der dich gerne siehet. P. Gerhardt. 1676. gen, Lieb und Gunst hat ihn gezogen, uns, die Satanas betrogen, zu besuchen aus der Höh. 6. Unser Kerker, da wir saßen, wo die Sünden ohne Maßen uns das Herze selbst zerfraßen, ist entzwei, und wir sind frei. 7. O du hochgesegnte Stunde, da wir das von Herzensgrunde glauben und mit unserm Munde danken dir, o Jesulein! 8. Schönstes Kindlein in dem Stalle! sei uns freundlich, bring uns alle dahin, da mit süßem Schalle dich der Engel Heer erhöht. P. Gerhardt. † 1676. 12. Eigene Melodie. obt Gott, ihr Christen alle gleich 11. Mel.: Quem pastores laudavere. Den die Hirten lobten sehre. K heut schleußt auf sein Himmelreich und schenkt uns seinen Sohn! Commt, und laßt uns Christum ehren, Herz und Sinnen zu ihm kehren, singet fröhlich, laßt euch hören, wertes Volk der Christenheit! 2. Er kommt aus seines Vaters Schoß und wird ein Kindlein klein; er liegt dort elend, nackt und bloß in einem Krippelein. 2. Sünd und Hölle mag sich grämen, Tod und Teufel mag sich 3. Er äußert sich all seiner schämen; wir, die unser Heil an- Gwalt, wird niedrig und gering, nehmen, werfen allen Kummer hin. und nimmt an sich eins Knechts 3. Sehet, was hat Gott gegeben! seinen Sohn zum ewgen Leben. Dieser kann und will uns heben aus dem Leid ins Himmels Freud! 4. Seine Seel ist uns gewoGestalt, der Schöpfer aller Ding! 4. Er liegt an seiner Mutter Brust, ihr Milch die ist sein Speis, an dem die Engel sehn ihr Lust, denn er ist Davids Reis, 5. Das aus sein'm Stamm ent Weihnachten. 549 sprießen sollt in dieser letzten Zeit, gelegt, das alle Welt erhält und durch welchen Gott aufrichten trägt. wollt sein Reich, die Christenheit. 6. Er wechselt mit uns wunderlich: Fleisch und Blut nimmt er an, und giebt uns in seins Baters Reich die klare Gottheit dran. 6. Deß laßt uns alle fröhlich sein und mit den Hirten gehn hinein, zu sehn, was Gott uns hat beschert, mit seinem lieben Sohn verehrt. 7. Er wird ein Knecht und ich 7. Merk auf, mein Herz, und ein Herr, das mag ein Wechsel sieh dort hin: was liegt doch in sein! Wie könnt es doch sein dem Krippelein? Weß ist das freundlicher das Herze- Jesulein. schöne Kindelein? Es ist das liebe Jejulein. 8. Heut schleußt er wieder auf die Thür zum schönen Paradeis, der Cherub steht nicht mehr dafür; Gott sei Lob, Ehr und Preis! Nik. Hermann. † 1561. 8. Bis*) willekomm, du edler Gast, den Sünder nicht verschmähet haft, und kommst ins Elend her zu mir; wie soll ich immer danfen dir? *) Sei willkommen. 13. Eigene Weise. Vom Nom Himmel hoch da komm ich her, ich bring euch gute neue Mähr. Der guten Mähr bring ich so viel, davon ich singn und sagen will. 2. Euch ist ein Kindlein heut geborn von einer Jungfrau auserkorn, ein Kindelein so zart und fein, das soll eur Freud und Wonne sein. 3. Es ist der Herr Christ unser Gott, der will euch führn aus aller Not, er will eur Heiland selber sein, von allen Sünden machen rein. 4. Er bringt euch alle Seligfeit, die Gott der Vater hat bereit, daß ihr mit uns im Himmel reich sollt leben nun und ewiglich. 5. So merket nun das Zeichen recht, die Krippen, Windelein so schlecht, da findet ihr das Kind 9. Ach Herr, du Schöpfer aller Ding, wie bist du worden so gering, daß du da liegst auf dürrem Gras, davon ein Rind und Esel aß? 10. Und wär die Welt vielmal so weit, von Edelstein und Gold bereit, so wär sie doch dir viel zu klein, zu sein ein enges Wiegelein. 11. Der Sammet und die Seiden dein das ist grob Heu und Windelein, darauf du Kön'g so groß und reich herprangst, als wärs dein Himmelreich. 12. Das hat also gefallen dir, die Wahrheit anzuzeigen mir: wie aller Welt Macht, Ehr und Gut vor dir nichts gilt, nichts hilft noch thut. 13. Ach, mein herzliebes Jesulein, mach dir ein rein sanft Bettelein, zu ruhen in meins Herzens Schrein, daß ich nimmer vergesse dein. 14. Davon ich allzeit fröhlich 550 Dritter Teil: Lieder. sei, zu springen, singen immer frei höchsten Thron, der uns schenkt das rechte Suffaninne*) schon, seinen eingen Sohn! Deß freuen mit Herzenslust den süßen Ton. sich der Engel Schar und singen. *) Schlaf, Kindchen! 15. Lob, Ehr sei Gott im uns solchs neues Jahr. 3. Beschneidungsfest( Neujahr). 14. D Mel.: Vom Himmel hoch. as alte Jahr vergangen ist: wir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du uns in so groß Gefahr bewahrt hast lange Zeit und Jahr. 2. Und bitten dich ewigen Sohn des Vaters in dem höchsten Thron, du wollst dein arme Christenheit bewahren ferner allezeit. 3. Entzeuch uns nicht dein heilsam Wort, welchs ist der Seelen höchster Hort; vors Papsts Lehr und Abgötterei behüt uns, Herr, und steh uns bei. 4. Hilf, daß wir von der Sünd ablan und fromm zu werden fahen an, keinr Sünd des alten Jahrs gedenk, ein gnadenreich Neujahr uns schenk, 5. Christlich zu leben, seliglich zu sterben, und hernach fröhlich am jüngsten Tag wiedr aufzustehn, mit dir in Himmel einzugehn, 6. Zu danken und zu loben dich mit allen Engeln ewiglich. O Jesu! unsern Glauben mehr, zu deines Namens Lob und Ehr. Joh. Steuerlein. Jak. Tapp. 15. Dr. M. Luther. † 1546. Mel.: Nun laßt uns Gott dem Herren. Num un laßt uns gehn und treten mit Singen und mit Beten zum Herrn, der unserm Leben bis hieher Kraft gegeben. 2. Wir gehn dahin und wandern von einem Jahr zum andern, wir leben und gedeihen vom alten zu dem neuen. 3. Durch so viel Angst und Plagen, durch Zittern und durch Zagen, durch Krieg und große Schrecken, die alle Welt bedecken. 4. Denn wie von treuen Müttern in schweren Ungewittern die Kindlein hier auf Erden mit Fleiß bewahret werden, 5. Also auch, und nichts minder, läßt Gott uns, seine Kinder, wenn Not und Trübsal blißen, in seinem Schoße sizen. 6. Ach, Hüter unsers Lebens, fürwahr: es ist vergebens mit unserm Thun und Machen, wo nicht dein Augen wachen. 7. Gelobt sei deine Treue, die alle Morgen neue! Lob sei den starken Händen, die alles Herzleid wenden. 8. Laß ferner dich erbitten, o Vater, und bleib mitten in unserm Kreuz und Leiden ein Brunnen unsrer Freuden. 9. Gieb mir und allen denen, die sich von Herzen sehnen nach dir und deiner Hulde, ein Herz, das sich gedulde. Erscheinungsfest( Epiphanias). 10. Schleuß zu die Jammerpforten und laß an allen Orten auf so viel Blutvergießen die Friedensströme fließen. 11. Sprich deinen milden Segen zu allen unsern Wegen, laß Großen und auch Kleinen die Gnadensonne scheinen. 12. Sei der Verlaßnen Vater, der Irrenden Berater, der Unversorgten Gabe, der Armen Gut und Habe. 4. Erscheinungsfest 16. Mel.: Meinen Jesum laß ich nicht. gefu, großer Wunderstern, der aus Jakob ist erschienen, meine Seele will so gern dir an deinem Feste dienen. Nimm doch, nimm doch gnädig an, was ich Armer schenken kann. 551 13. Hilf gnädig allen Kranken, gieb fröhliche Gedanken den hochbetrübten Seelen, die sich mit Schwermut quälen. 14. Und endlich, was das meiste, füll uns mit deinem Geiſte, der uns hier herrlich ziere und dort zum Himmel führe. 15. Dies alles wollst du geben, o meines Lebens Leben, mir und der Christenschare zum selgen neuen Jahre!. Gerhardt. † 1676. ( Epiphanias). 17. Mel.: Herzlich thut mich verlangen. König aller Ehren, Herr Jesu, Davids Sohn, dein mel ist dein Thron: hilf, daß allReich soll ewig währen, im Himhier auf Erden den Menschen 2. Nimm das Gold des Glau- weit und breit dein Reich bekannt bens hin, wie ichs von dir selber mag werden zur ewgen Seligkeit. 2. Von deinem Reich auch zeuhabe und damit beschenket bin; so ist dirs die liebste Gabe. Laß es auch bewährt und rein in dem Krenzesofen sein. 3. Nimm den Weihrauch des Gebets, laß denselben vor dir tügen*); Herz und Lippen sollen stets, ihn zu opfern vor dir lie gen. Wann ich bete, nimm es auf und sprich Ja und Amen drauf. gen die Leut aus Morgenland, die Knie sie vor dir beugen, weil du ihn'n bist bekannt. Der neu Stern auf dich weiset, dazu das göttlich Wort, drum man dich billig preiset, daß du bist unser Hort. *) taugen. 3. Du bist ein großer König, wie uns die Schrift vermeldt, doch achtest du gar wenig vergänglich 4. Nimm die Myrrhen bittrer Glück und Geld, prangst nicht auf Reu; ach, mich schmerzet meine Sünde: Aber du bist fromm und treu, daß ich Trost und Gnade einem Rosse, trägst keine güldne Kron, sitzt nicht im festem Schloſse, hier hast du Spott und Hohn. 4. Doch bist du schön gezieret, finde und nun fröhlich sprechen dein Glanz erstreckt sich weit, dein kann: Jesus nimmt mein Opfer an. Güt allzeit florieret und dein GeErdm. Neumeister. † 1756. 552 Dritter Teil: Lieder. rechtigkeit. Du wollst die From-| mich nicht verzehren: rett mich men schüßzen durch dein Macht aus aller Not. und Gewalt, daß sie im Frieden siten, die Bösen stürzen bald. 6. Du wollst in mir entzünden dein Wort, den schönsten Stern; 5. Du wollst dich mein erbar- laß falsche Lehr und Sünden sein men, in dein Reich nimm mich von meinm Herzen fern. Hilf, auf; dein Güte schenk mir Armen daß ich dich erkenne und mit der und segne meinen Lauf. Mein Christenheit dich meinen König Feinden wollst du wehren, dem nenne jetzt und in Ewigkeit. Teufel, Sünd und Tod, daß sie Martin Behm. 1622. 5. Mariä Reinigung. 18. Eigene Melodie. Mit it Fried und Freud ich fahr dahin in Gottes Wille; getroft ist mir mein Herz und Sinn, sanft und stille. Wie Gott mir verheißen hat: der Tod ist mein Schlaf worden. 2. Das macht Christus, wahr Gottes Sohn, der treue Heiland, den du mich, Herr, hast sehen lan, und macht bekannt, daß er sei das Leben und Heil in Nöt und Sterben.( Siehe auch das Nune dimittis Seite 450.) Dr. M. Luther. † 1546. 3. Den hast du allen fürgestellt mit großen Gnaden, zu seinem Reich die ganze Welt heißen laden durch dein teuer heilsam Wort, an allem Ort erschollen. 4. Er ist das Heil und selig Licht für die Heiden: zu' rleuchten, die dich kennen nicht, und zu weiden. Er ist deines Volks Israel der Preis, Ehr, Freud und Wonne. 6. Mariä Verkündigung. 19. Hº Mel.: Herr, ich habe mißgehandelt. eut ist uns der Tag erschienen, worauf Adam schon so oft, wie auch Jakob, und samt ihnen aller Väter Schar gehofft; dran sich Abraham erquicket, als er ihn im Geist erblicket. 2. O des Tages voller Wonne! und dem sonst kein Tag nicht gleicht, weil von Anbeginn die Sonne hat um dieses Rund geleucht. Oder viel gewünschten Stunden, die sich nunmehr eingefunden! 3. O du Anfang unsrer Freuden, sei gegrüßt, gewünschtes Licht! als mit dem uns armen Heiden jeßt ein neuer Trost anbricht, und vor welchem wir indessen stets in lauter Nacht gesessen. 4. Nunmehr trieft ein Heilesregen, oben durch den Himmel ab, auch die Wolken schütten Segen und Gerechtigkeit herab. Gott der Herr kommt selbst auf Erden und beginnt ein Mensch zu werden. 5. Nunmehr wird die höchste Passion. 553 Höhe mit dem tiefsten Thal ver- ches kein vernünftig Sinnen kann eint; Ehre nimmt die Schmach zur begreifen noch gewinnen. Ehe, Allmacht wird der Schwachheit Freund; Herrlichkeit kommt zu uns Armen, und aus Rache wird Erbarmen. 7. Vater*) und doch Kind daneben, unser Bruder, Fleisch und Blut, ach, was können wir dir geben für dies allzugroße Gut? Hilf, daß wir mit Herz und Sinnen geistlich dich empfangen können. *) Jesaia 9, 6. 6. O Geheimnis, dessen Gleichen man auf Erden nie gesehn! Dieses ist ein Wunderzeichen, das von Gott heut ist geschehn, wel7. Passion. ( Siehe auch die der Leidensgeschichte S. 346 ff. beigefügten Liederverse.) Sagen. O Wunderlieb! o Liebesmacht! du kannst, was nie fein Mensch gedacht, Gott seinen Sohn abzwingen. O Liebe! Liebe! du bist stark, du streckest den ins Grab und Sarg, vor dem die Felsen springen. 20. & in Mel.: An Wasserflüssen Babylon. in Lämmlein geht und trägt die Schuld der Welt und ihrer Kinder; es geht und büßet in Geduld die Sünden aller Sünder. Es geht dahin, wird matt und frank, ergiebt sich auf die Würgebank, verzeiht sich aller Freuden, es nimmet an Schmach, Hohn und Spott, Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod und spricht: Ich wills gern leiden. 2. Das Lämmlein ist der große Freund und Heiland meiner Seelen, den, den hat Gott zum Sündenfeind und Sühner wollen wählen. Geh hin, mein Kind, und nimm dich an der Kinder, die ich ausgethan zur Straf und Zornes Ruten. Die Straf ist schwer, der Zorn ist groß; du kannst und sollst sie machen los durch Sterben und durch Bluten. Joh. Franc. † 1677. ( Siehe auch das Magnificat Seite 326.) 3. Ja, Vater, ja von Herzensgrund, leg auf, ich will dirs tragen. Mein Wollen hängt an deinem Mund, mein Wirken ist dein 4. Du marterft ihn am Kreuzesstamm mit Nägeln und mit Spießen, du schlachtest ihn als wie ein Lamm, machst Herz und Adern fließen, das Herze mit der Seufzer Kraft, die Adern mit dem edlen Saft des purpurroten Blutes. O süßes Lamm, was soll ich dir erweisen dafür, daß du mir erzeiget so viel Gutes! 5. Mein Lebetage will ich dich aus meinem Sinn nicht lassen, dich will ich stets, gleich wie du mich, mit Liebesarmen fassen. Du sollst sein meines Herzens Licht, und wann mein Herz in Stücke bricht, sollst du mein Herze bleiben. Ich will mich dir, mein höchster Ruhm, hiermit zu deinem Eigentum beständiglich verschreiben. 6. Ich will von deiner Lieb Dritter Teil: Lieder. 554 lichkeit bei Nacht und Tage singen, mich selbst auch dir zu aller Zeit zum Freudenopfer bringen. Mein Bach des Lebens soll sich dir und deinem Namen für und für in Dankbarkeit ergießen; und was du mir zu gut gethan, das will ich stets, so tief ich kann, in mein Gedächtnis schließen. 10. Wann endlich ich soll treten ein in deines Reiches Freuden, so soll dies Blut mein Purpur sein, ich will mich darin kleiden; es soll sein meines Hauptes Kron, in welcher ich will vor den Thron des höchsten Vaters gehen, und dir, dem er mich anvertraut, als eine wohlgeschmückte Braut an deiner Seite stehen. P. Gerhardt. † 1676. 7. Erweitre dich, mein Her zensschrein, du sollst ein Schathaus werden der Schäße, die viel größer sein, als Himmel, Meer und Erden. Weg mit dem Gold Arabia, Calmus, Myrrhen, weg 21. Mel.: Herr, wie du willst, so. Caſia, ich hab ein beſſers funden: Herr Jeſu, deine Angst und Bein und dein betrübtes Leimein großer Schah, Herr Jesuden laß mir vor Augen allzeit sein, Christ, ist dieses, was geflossen die Sünde zu vermeiden. Laß ist aus deines Leibes Wunden. mich an deine große Not und deinen herben bittern Tod, dieweil ich lebe, denken. 8. Das soll und will ich mir zu Nuß zu allen Zeiten machen, im Streite soll es sein mein Schuß, in Traurigkeit mein Lachen, in Fröhlichkeit mein Saitenspiel, und wann mir nichts mehr schmecken will, soll mich dies Manna speisen; im Durst solls sein mein Wasserquell, in Einsamkeit mein Sprachgesell, zu Haus und auch auf Reisen. 9. Was schadet mir des Todes Gift? dein Blut das ist mein Leben. Wann mich der Sonnen Hiße trifft, so kann mirs Schatten geben. Setzt mir des Wehmuts Schmerzen zu, so find ich bei dir meine Ruh, als auf dem Bett ein Kranker. Und wann des Kreuzes Ungestüm mein Schifflein treibet um und um, so bist du dann mein Anter. 2. Laß deiner Seelen Höllenqual, dein blutgeronnen Schwißen und übrig Elend allzumal, darin du mußtest fißen, mir oftermalen fallen ein, und eine starke Warnung sein vormehrern Missethaten. 3. Die Wunden alle, die du hast, hab ich dir helfen schlagen, auch meine große Sündenlast dir aufgelegt zu tragen: ach, liebster Heiland, schone mein, laß diese Schuld vergessen sein, laß Gnade vor Recht gehen. 4. Du hast verlassen deinen Thron, bist in das Elend gangen, vertrugest Schläge, Spott und Hohn, mußtest am Kreuze hangen, auf daß du für uns schafftest Rat, und unsre schwere Missethat bei Gott versöhnen möchtest. Passion. 5. Drum will ich jetzt zur Dankbarkeit von Herzen dir lobsingen; und wenn du zu der Seligkeit mich wirst hinkünftig bringen: so will ich daselbst noch vielmehr zusamt dem ganzen Himmelsheer dich ewig dafür loben. 6. Herr Jesu, deine Angst und Pein und dein betrübtes Leiden laß meine letzte Zuflucht sein, wenn ich von hier soll scheiden. Ach hilf, daß ich durch deinen Tod fein sanft beschließe meine Not, und selig sterbe! Amen. Nach Tob. Clausnißer. † 1684. 22. Eigene Melodie. erzliebster Jesu, was hast du verbrochen, daß man ein solch scharf Urteil hat gesprochen? Was ist die Schuld? in was für Missethaten bist du geraten? 2. Du wirst gegeißelt, und mit Dorn gekrönet, ins Angesicht geschlagen und verhöhnet; du wirst mit Essig und mit Gall getränket, ans Kreuz gehenfet. 3. Was ist doch wohl die Ursach solcher Plagen? Ach, meine Sünden haben dich geschlagen! Ich, o Herr Jesu! habe dies verschuldet, was du erduldet! 4. Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe! der gute Hirte leidet für die Schafe; die Schuld bezahlt der Herre, der Gerechte, für seine Knechte! 555 den Tod und ist entgangen: Gott wird gefangen. 6. Ich war von Fuß auf voller Schand und Sünden, bis zu der Scheitel war nichts Guts zu finden. Dafür hätt ich dort in der Höllen müssen ewiglich büßen. 7. O große Lieb! o Lieb ohn alle Maße, die dich gebracht auf diese Marterstraße! Ich lebte mit der Welt in Lust und Freuden: und du mußt leiden. 8. Ach großer König, groß zu allen Zeiten, wie kann ich gnugsam solche Lehr ausbreiten? Keins Menschen Herz vermag es auszudenken, was dir zu schenken. 9. Ich kanns mit meinen Sinnen nicht erreichen, mit was doch dein Erbarmen zu vergleichen. Wie kann ich dir denn deine Liebesthaten im Werk erstatten? 10 Doch ist noch etwas, das dir angenehme; wenn ich des Fleisches Lüste dämpf und zähme, daß sie aufs neu mein Herze nicht entzünden mit alten Sünden. 11. Weils aber nicht besteht in eignen Kräften, fest die Begierden an das Kreuz zu heften, so gieb mir deinen Geist, der mich regiere, zum Guten führe. 12. Alsdann so werd ich deine Huld betrachten, aus Lieb an dich die Welt für nichtes achten, bemühen werd ich mich, Herr, deinen Willen stets zu erfüllen. 13. Ich werde dir zu Ehren alles wagen, kein Kreuz nicht achten, keine Schmach und Pla5. Der Fromme stirbt, der recht und richtig wandelt; der Böse lebt, der wider Gott mißhandelt. Der Mensch verwirkt gen, nichts von Verfolgung, nichts 556 von Todesschmerzen nehmen zu Herzen. 14. Dies alles, ob es zwar für schlecht zu schäßen, wirst du es doch nicht gar beiseite setzen; zu Gnaden wirst du dies von mir annehmen, mich nicht be schämen. 15. Wenn dort, Herr Jesu, wird vor deinem Throne auf meinem Haupte stehn die Ehrenkrone, da will ich dir, wenn alles wird wohl klingen, Lob und Dank singen. Joh. Heermann. † 1647. Dritter Teil: Lieder. 23. Eigene Melodie. Jefu Cefu, meines Lebens Leben, Jesu, meines Todes Tod, der du dich für mich gegeben in die tiefste Seelennot, in das äußerste Verderben, nur daß ich nicht möchte sterben. Tausend, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür. 4. Man hat dich sehr hart verhöhnet, dich mit großem Schimpf belegt, und mit Dornen gar gekrönet; was hat dich dazu bewegt? Daß du möchtest mich ergößen, mir die Ehrenkron aufseßen. Tausend, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür. 5. Du hast wollen sein geschlagen, zur Befreiung meiner Pein, fälschlich lassen dich anklagen, daß ich könnte sicher sein. Daß ich möchte trostreich prangen, hast du sonder Trost gehangen. Tausend, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür. 6. Du hast dich in Not gestecket, hast gelitten mit Geduld, gar den herben Tod geschmecket, um zu büßen meine Schuld. Daß ich würde los gezählet, hast du wollen sein gequälet. Tausend, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür. 7. Deine Demut hat gebüßet meinen Stolz und Übermut, dein Tod meinen Tod versüßet; es kommt alles mir zu gut. Dein Verspotten, dein Verspeien muß zu Ehren mir gedeihen. Tausend, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür. 2. Du, ach du hast ausgestanden Lästerreden, Spott und Hohn, Speichel, Schläge, Strick und Banden, du gerechter Gottessohn! nur mich Armen zu erretten von des Teufels Sündenketten. Tausend, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür. 8. Nun, ich danke dir von Her3. Du hast lassen Wunden schla- zen, Jesu, für gesamte Not, für gen, dich erbärmlich richten zu, die Wunden, für die Schmerzen, um zu heilen meine Plagen, um für den herben, bittern Tod; für zu sehen mich in Ruh. Ach, du dein Zittern, für dein Zagen, für haft zu meinem Segen lassen dich dein tausendfaches Plagen, für mit Fluch belegen. Tausend, tau- dein Angst und tiefe Bein will sendmal sei dir, liebster Jesu, ich ewig dankbar sein. Dank dafür. E. Chr. Homburg. † 1681. 557 24. D dein Herze bricht; wenn dein Haupt wird erblassen im letzten Todesstoß, alsdann will ich dich fassen in meinen Arm und Schoß. 7. Es dient zu meinen FreuMel.: Herzlich thut mich verlangen. Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn! O Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron! Oden und kommt mir herzlich wohl, Haupt, sonst schön gezieret mit wenn ich in deinem Leiden, mein höchster Ehr und Zier, jetzt aber Heil, mich finden soll. Ach! möcht höchst schimpfieret: gegrüßet seist ich, o mein Leben, an deinem Kreuze hier mein Leben von mir geben, wie wohl geschähe mir! du mir! Passion. 2. Du edles Angesichte, davor sonst schrickt und scheut das große Weltgewichte, wie bist du so bespeit, wie bist du so erbleichet, wer hat dein Augenlicht, dem sonst kein Licht nicht gleichet, so schändlich zugericht? 3. Die Farbe deiner Wangen, der roten Lippen Pracht ist hin und ganz vergangen; des blassen Todes Macht hat alles hingenommen, hat alles hingerafft, und daher bist du kommen von deines Leibes Kraft. 4. Nun, was du Herr erduldet, ist alles meine Last, ich hab es selbst verschuldet, was du getragen hast. Schau her, hier steh ich Armer, der Zorn verdienet hat: gieb mir, o mein Erbarmer, den Anblick deiner Gnad! 5. Erkenne mich, mein Hüter, mein Hirte, nimm mich an! Von dir, Quell aller Güter, ist mir viel Guts gethan, dein Mund hat mich gelabet mit Milch und süßer Koft, dein Geist hat mich begabet mit mancher Himmelslust. 6. Ich will hier bei dir stehen, verachte mich doch nicht! Von dir will ich nicht gehen, wenn dir 8. Ich danke dir von Herzen, o Jesu, liebster Freund, für deine Todesschmerzen, da dus so gut gemeint. Ach, gieb, daß ich mich halte zu dir und deiner Treu, und, wenn ich nun erkalte, in dir mein Ende sei. 9. Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir; wenn ich den Tod soll leiden, fo tritt du dann herfür. Wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein, so reiß mich aus den Ängsten kraft deiner Angst und Pein. 10. Erscheine mir zum Schilde, zum Trost in meinem Tod, und laß mich sehn dein Bilde in deiner Kreuzesnot. Da will ich nach dir blicken, da will ich glaubensvoll dich fest an mein Herz drücken. Wer so stirbt, der stirbt wohl. P. Gerhardt. † 1676. 25. Mel.: Jesu Leiden, Pein und Tod. D hilf, Christe, Gottes Sohn, durch dein bitter Leiden, daß wir, dir stets unterthan, all Untugend meiden, deinen Tod und 36 558 Dritter Teil: Lieder. sein Ursach fruchtbarlich bedenken, die sich wie Körnlein finden des dafür, wiewohl arm und schwach, dir Dankopfer schenken. Amen. M. Weiße( um 1531). Sandes an dem Meer, die haben dir erreget das Elend, das dich schläget, und das betrübte Marterheer. 26. Eigene Melodie. Lamm Gottes unschuldig, 5. Ich bins, ich sollte büßen an Händen und an Füßen gebunden in der Höll. Die Geißeln und am Stamm des Kreuzes ge- die Banden, und was du ausgeschlachtet, all Zeit funden geduldig, standen, das hat verdienet meine wiewohl du wurdst verachtet: all Seel. Sünd hast du getragen, sonst müßten wir verzagen. Erbarm dich unser, o Jesu! 2. D Lamm Gottes unschuldig zc. Erbarm dich unser, o Jesu! 3. O Lamm Gottes unschuldie 2c. gieb uns dein Frieden, o Jesu! Nit. Decius. † 1541. 27. Mel.: Welt, ich muß dich laffen. Welt, sich hier dein Leben am Stamm des Kreuzes schweben, dein Heil sinkt in den Tod! Der große Fürst der Ehren läßt willig sich beschweren mit Schlägen, Hohn und großem Spott. 2. Tritt her, und schau mit Fleiße, sein Leib ist ganz mit Schweiße des Blutes überfüllt. Aus seinem edlen Herzen, vor unerschöpften Schmerzen, ein Seufzer nach dem andern quillt. 3. Wer hat dich so geschlagen, mein Heil! und dich mit Plagen so übel zugericht? Du bist ja nicht ein Sünder, wie wir und unsre Kinder, von Übelthaten weißt du nicht. 4. Ich, ich, und meine Sünden, 6. Du nimmst auf deinen Rükken die Lasten, die mich drücken viel sehrer als ein Stein. Du wirst ein Fluch, dagegen verehrst du mir den Segen, dein Schmerzen muß mein Labsal sein. 7. Du sehest dich zum Bürgen, ja läsfest dich gar würgen für mich und meine Schuld. Mir läsfest du dich krönen mit Dornen, die dich höhnen, und leidest alles mit Geduld. 8. Du springst ins Todes Rachen, mich frei und los zu machen von solchem Ungeheur. Mein Sterben nimmst du abe, vergräbst es in dem Grabe: o unerhörtes Liebesseur! 9. Ich bin, mein Heil, verbunden, all Augenblick und Stunden dir überhoch und sehr. Was Leib und Seel vermögen, das soll ich billig legen allzeit an deinen Dienst und Ehr. 10. Nun, ich kann nicht viel geben in diesem armen Leben, eins aber will ich thun: es soll dein Tod und Leiden, bis Leib und Seele scheiden, mir stets in meinem Herzen ruhn. Passion. 559 11. Ich wills vor Augen setzen,| salem hinauf, tritt ihm an die mich stets daran ergößen, ich sei Seiten. In der Andacht folg ihm auch, wo ich sei. Es soll mir sein nach zu dem bittern Leiden, bis ein Spiegel der Unschuld und ein du aus dem Ungemach zu ihm Siegel der Lieb und unverfälsch- wirst verscheiden.*) Andere: eilig. ten Treu. 2. Seele, fiehe, Gottes Lamm gehet zu dem Leiden, deiner Seelen Bräutigam, als zur Hochzeit Freuden. Geht, ihr Töchter von Zion, Jesum zu empfangen; sehet ihn in seiner Kron unter Dornen prangen. 13. Ich will daraus studieren, 3. Du zeuchst als ein König wie ich mein Herz soll zieren mit ein, wirst dafür empfangen; aber stillem, sanftem Mut, und wie ich Bande warten dein, dich damit zut die soll lieben, die mich doch sehr fangen, Für die Ehre Hohn und betrüben mit Werken, so die Bos- Spott wird man dir, Herr, geben, heit thut. bis du durch des Kreuzes Tod schließen wirst dein Leben. 4. Das Kreuz ist der Königsthron, drauf man dich wird setzen, dein Haupt mit der Dornenkron bis in Tod verlegen. Jesu, dein Reich auf der Welt ist in lauter Leiden; so ist es von dir bestellt bis zum letzten Scheiden. 5. Du wirst, Herr der Herrlichkeit, ja wohl müssen sterben, daß des Himmels Ewigkeit ich dadurch mög erben. Aber ach, wie herrlich glänzt deine Kron von ferne, die dein siegreich Haupt bekränzt schöner, als die Sterne! 6. Liebster Jesu, nun Glück zu! Es muß dir gelingen; nach der Guten- Freitags- Ruh*) wirst du Freude bringen. Tritt nur auf die Todesbahn, die gestreuten Palmen bilden dir den Sieg voran aus den Osterpsalmen. Jesum zu geleiten gen Jeru-*) Guter Freitag, s. v. a. stiller Karfreitag. 28. Mel.: Jesu Leiden, Pein und Tod. ( eele mach dich heilig*) auf, 36* 12. Wie heftig unsre Sünden den frommen Gott entzünden, wie Rach und Eifer gehn, wie grausam seine Ruten, wie zornig seine Fluten, will ich aus deinem Leiden sehn. 14. Wenn böse Zungen stechen, mir Glimpf und Namen brechen, so will ich zähmen mich; das Unrecht will ich dulden, dem Nächsten seine Schulden verzeihen gern und williglich. 15. Ich will mich mit dir schlagen ans Kreuz, und dem absagen, was meinem Fleisch gelüft. Was deine Augen hassen, das will ich fliehn und lassen, soviel mir immer möglich ist. 16. Dein Seufzen und dein Stöhnen und die viel tausend Thränen, die dir gefloffen zu, die sollen mich am Ende in deinen Schoß und Hände begleiten zu der ewgen Ruh. P. Gerhardt. † 1676. 560 Dritter Teil: Lieder. 7. Laß mich diese Leidenszeit| nimm die Schmerzen, die mich fruchtbarlich bedenken, voller An- quälen und den ganzen Schaden dacht, Reu und Leid und darüber hin, den mir Adams Fall gebracht kränken. Auch dein Leiden tröste und ich selbsten mir gemacht. mich bei so vielem Jammer, bis Wird, o Arzt, dein Blut mich nach allem Leiden ich geh zur Ru- neßen, wird sich all mein Jammer hekammer. Abrah. Klesel. † 1702. setzen. 29. Eigene Weise. ( ei gegrüßt Jesu, du einiger Trost! in dieser Zeit deins Leidens groß; gieb den Frommen Beständigkeit und den armen Sündern Gerechtigkeit. 2. Gott du hohe Dreifaltigkeit! dich lobet alle Christenheit, erlöst durch des Kreuzes Bitterfeit: mach uns selig, Herr Gott, in Ewigkeit. Amen. 30. Mel.: Zion tlagt mit Angst. ei mir tausendmal gegrüßet, der mich je und je geliebt, Jesu, der du selbst gebüßet das, womit ich dich betrübt. Ach! wie ist mir doch so wohl, wenn ich knien und liegen soll an dem Kreuze, da du stirbest und um meine Seele wirbest. 2. Jch umfange, herz und küsse der gekränkten Wunden Zahl und die purpurroten Flüsse deiner Füßund Nägelmal. O wer kann doch, schönster Fürst! den so hoch nach uns gedürft, deinen Durst und Liebsverlangen völlig fassen und umfangen? 3. Heile mich, o Heil der Seelen, wo ich frank und traurig bin; 4. Schreibe deine blutgen Wunden mir, Herr, in das Herz hinein, daß sie mögen alle Stunden bei mir unvergessen sein. Du biſt doch mein schönstes Gut, da mein ganzes Herze ruht. Laß mich hier zu deinen Füßen deiner Lieb und Gunst genießen. 5. Diese Füße will ich halten auf das best ich immer kann. Schaue meiner Hände Falten und mich selbsten freundlich an von des hohen Kreuzes Baum, und gieb meiner Bitte Raum, sprich: laß all dein Trauern schwinden, ich, ich tilg all deine Sünden. P. Gerhardt. † 1676. 31. Mel.: D Traurigkeit. o ruhest du, o meine Ruh, in deines Grabes Höhle, und erweckest durch den Tod meine tote Seele. 2. Man senkt dich ein nach vieler Bein, du meines Lebens Leben! dich hat jetzt ein Felsengrab, Fels des Heils, umgeben. 3. Ach, bist du kalt, mein Aufenthalt! Das macht die heiße Liebe, die dich in das falte Grab, durch ihr Feuer triebe. 4. D Lebensfürst, ich weiß, du wirst mich wieder auferwecken: Baffion. sollte denn mein gläubig Herz vor der Gruft erschrecken? 5. Sie wird mir sein ein Kämmerlein, da ich auf Rosen liege, weil ich nun durch deinen Tod, Tod und Grab besiege. 6. Gar nichts verdirbt, der Leib nur stirbt; doch wird er auferstehen und in ganz verklärter Zier aus dem Grabe gehen. 7. Indeß will ich, mein Jesu, dich in meine Seele senten und an deinen bittern Tod bis in Tod gedenken. Sal. Franc. † 1725. 32. Eigene Melodie. W enn meine Sünd mich kränken, o mein Herr Jesu Christ, so laß mich wohl bedenken, wie du gestorben bist und alle meine Schuldenlaft am Stamm des heilgen Kreuzes auf dich genommen hast. 2. Wunder ohne Maßen, wer es betrachtet recht: es hat sich martern lassen der Herr für seinen Knecht; es hat sich selbst der wahre Gott für mich verlornen Menschen gegeben in den Tod. 3. Was kann mir denn nun schaden der Sünden große Zahl? Ich bin bei Gott in Gnaden, die Schuld ist allzumal bezahlt durch Chrifti teures Blut, daß ich nicht mehr darf fürchten der Hölle Qual und Glut. 4. Drum sag ich dir von Herzen jetzt und mein lebenlang für deine Pein und Schmerzen, o Jesu, Lob und Dank, für deine Not und 561 Angstgeschrei, für dein unschuldig Sterben, für deine Lieb und Treu. 5. Herr, laß dein bitter Leiden mich reizen für und für, mit allem Ernst zu meiden die sündliche Begier; daß mir nie komme aus dem Sinn, wie viel es dich gekostet, daß ich erlöset bin. 6. Mein Kreuz und meine Plagen, sollts auch sein Schmach und Spott, hilf mir geduldig tragen; gieb, o mein Herr und Gott, daß ich verleugne diese Welt und folge dem Erempel, das du mir vorgestellt. 7. Laß mich an andern üben, was du an mir gethan, und meinen Nächsten lieben, gern dienen jedermann ohn Eigennuß und Heuchelschein und, wie du mir erwiesen, aus reiner Lieb allein. 8. Laß endlich deine Wunden mich trösten kräftiglich in meiner letzten Stunden und deß versichern mich: weil ich auf dein Verdienst nur trau, du werdest mich annehmen, daß ich dich ewig schau. Just. Gesenius. † 1673. 33. Wi mel.: Erhalt uns Herr bei deinem Wort. ir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du für uns ge storben bist und haft uns durch dein teures Blut gemacht vor Gott gerecht und gut. 2. Wir bitten dich, wahr Mensch und Gott, durch dein heilig fünf Wunden rot: erlös uns vom ewigen Tod und tröst uns in der letzten Not. 3. Behüt uns auch vor Sünd 562 Dritter Teil: Lieder. und Schand, reich uns dein all- versicht, daß du uns werdst vermächtige Hand, daß wir im Kreuz lassen nicht, sondern ganz treulich geduldig sein, uns trösten deiner bei uns stehn, bis wir durchs schweren Bein; Kreuz ins Leben gehn. 4. Und draus schöpfen die ZuChristoph Vischer. † 1600. 8. Dstern. 34. Eigene Melodie. allzeit ohn Gefahr; der Tod mit seiner Macht wird schlecht bei mir Auf, auf, mein Herz mit Freu- geacht, er bleibt ein totes Bild, wär er noch so wild. nimm was heut geschicht! Wie kommt nach groBem Leiden nun ein so großes Licht? Mein Heiland war gelegt da, wo man uns hinträgt, wenn von uns unser Geist gen Himmel ist gereiſt. 2. Er war ins Grab gesenket, der Feind trieb groß Geschrei. Eh ers vermeint und denket, ist Christus wieder frei und ruft Vittoria! schwingt fröhlich hier und da sein Fähnlein, als ein Held, der Feld und Mut behält. 3. Der Held steht auf dem Grabe und sieht sich munter um, der Feind liegt und legt abe Gift, Gall und Ungestüm; er wirft zu Christi Fuß sein Höllenreich, und muß selbst in des Siegers Band ergeben Fuß und Hand. 4. Das ist mir anzuschauen ein rechtes Freudenspiel, nun soll mir nicht mehr grauen vor allem, was mir will entnehmen meinen Mut zusamt dem edlen Gut, so mir durch Jesum Christ aus Lieb erworben ist. 5. Die Höll und ihre Rotten die frümmen mir kein Haar, der Sünden kann ich spotten, bleib 6. Die Welt ist mir ein Lachen mit ihrem großen Zorn; sie zürnt und kann nichts machen, all Arbeit ist verlorn. Die Trübsal trübt mir nicht mein Herz und Angesicht; das Unglück ist mein Glück, die Nacht mein Sonnenblick. 7. Ich hang und bleib auch hangen an Christo als ein Glied; wo mein Haupt durch ist gangen, da nimmt er mich auch mit; er reißet durch den Tod, durch Welt, durch Sünd und Not, er reißet durch die Höll: ich bin stets sein Gesell. 8. Er dringt zum Saal der Ehren, ich folg ihm immer nach, und darf mich gar nicht kehren an einzig Ungemach; es tobe, was da kann, mein Haupt nimmt sich mein an, mein Heiland ist mein Schild, der alles Toben stillt. 9. Er bringt mich an die Pforten, die in den Himmel führt, daran mit güldnen Worten der Reim gelesen wird: Wer dort wird mit verhöhnt, wird hier auch mit gefrönt; wer dort mit sterben geht, wird hier auch mit erhöht. P. Gerhardt. † 1676. Ostern. 35. Eigene Melodie. hrist ist erstanden von der Marter alle: deß solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieeleis. 2. Wär er nicht erstanden, die Welt die wär vergangen: seit daß er erstanden ist, so lobn wir den Vater Jesu Christ'. Kyrieeleis. 3. Hallelujah, Hallelujah, Hallelujah! Deß solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieeleis. Um 1200. 36. Eigene Melodie. Chrift lag in Todesbanden für Nacht is vergangen. Hallelujah! gegeben, ist 7. leben wohl in rechten Osterfladen*); der alte Saurteig nicht soll sein bei dem Wort der Gnaden. Christus will die Koste sein und speisen die Seel allein: der Glaub will keins andern leben. Hallelujah! *) Osterkuchen. 1. Kor. 5, 8. Dr. M. Luther. † 1546. 2. Den Tod niemand zwingen konnt bei allen Menschenkindern: das macht alles unser Sünd, kein Unschuld war zu finden. Davon kam der Tod sobald und nahm 37. Eigene Melodie. über uns Gewalt, hielt uns in Erschienen iſt der herrlich Tag, seim Reich dran gnug mag! Christ, unser Herr, heut triumphiert, all sein Feind er ge= fangen führt. Hallelujah! 2. Die alte Schlang, die Sünd und Tod, die Höll, all Jammer, Angst und Not hat überwunden Jesus Christ, der heut vom Tod erstanden ist. Hallelujah! 3. Am Sabbat früh mit Spezerei kamen zum Grab der Weiber wieder erstanden und hat uns bracht das Leben: deß wir sollen fröhlich sein, Gott loben und ihm dankbar sein und singen Hallelujah, Hallelujah! 3. Jesus Christus, Gottessohn, an unser Statt ist kommen und hat die Sünde abgethan, damit dem Tod genommen all sein Recht und sein Gewalt; da bleibt nichts, denn Tods Gestalt, den Stachel hat er verloren. Hallelujah! 563 den Tod verschlungen. Die Schrift hat verkündet das, wie ein Tod den andern fraß; ein Spott aus dem Tod ist worden. Hallelujah! 5. Hie ist das rechte Osterlamm, davon Gott hat geboten, das ist hoch an des Kreuzes Stamm in heißer Lieb gebraten: deß Blut zeichnet unser Thür, das hält der Glaub dem Tod für, der Würger kann uns nicht rühren. Hallelujah! 6. So feiern wir das Hochfest mit Herzens Freud und Wonne, das uns der Herr scheinen läßt. Er ist selber die Sonne, der durch seiner Gnaden Glanz erleucht unser Herzen ganz: der Sünden 4. Es war ein wunderlich Krieg, da Tod und Leben rungen: das Leben behielt den Sieg, es hat 564 Dritter Teil: Lieder. drei, daß fie salbten Marien Sohn,| bot; kein Sauerteig soll bei uns der vom Tod war erstanden schon. Hallelujah! sein, daß wir von Sünden leben rein. Hallelujah! 4. Wen sucht ihr da? der Engel sprach, Christ ist erstanden, der hie lag; hie seht ihr die Schweißtücherlein, geht hin, sagts bald den Jüngern sein. Hallelujah! 12. Der schlagend Engl vorüber geht, kein Erstgeburt er bei uns schlägt; unser Thürschwell hat Christi Blut bestrichen, das hält uns in Hut. Hallelujah! 13. Die Sonn, die Erd, all Kreatur, alls, was betrübet war zuvor, deß freut sich heut an diesem Tag, da der Welt Fürst darnieder lag. Hallelujah! 5. Der Jünger Furcht und Herzeleid heut wird verkehrt in eitel Freud; sobald sie nur den Herren sahn, verschwand ihr Trauern, Furcht und Zagn. Hallelujah! 6. Der Herr hielt ein sehr freundlich Gspräch mit zween Jüngern auf dem Weg; vor Freud das Herz im Leib ihn'n brannt, Christ: zu Trost du uns erstanim Brotbrechen ward er erkannt. den bist. Hallelujah! Hallelujah! 14. Drum wir auch billig fröhlich sein, singen das Hallelujah fein und loben dich, Herr Jesu Nik. Hermann. † 1561. 10. Heut gehn wir aus Egyptenland, aus Pharaonis Dienst und Band, und das recht Osterlämmelein wir efsen heut im Brot und Wein. Hallelujah! 7. Unser Simson, der treue Held, Christus, den starken Löwen fällt, der Höllen Pforten er hinträgt, dem Teufel all sein Gwalt erlegt. Hallelujah! 8. Jonas im Wallfisch war drei Tag, so lang Christus im Grab auch lag; denn länger ihn der Tod kein Stund in seim Rachen behalten kunnt. Hallelujah! 2. Wenn ich des Nachts oft lieg in Not verschlossen, gleich als 9. Sein Raub der Tod mußt wär ich tot, Hallelujah, Hallelufahren lan, das Leben siegt und jah! läßt du mir früh die Gnagwann ihm an; zerstört ist nun densonn aufgehn, nach Trauern all seine Macht, Christ hat das Leben wiederbracht. Hallelujah! Freud und Wonn. Hallelujah, Hallelujah! 3. Nicht mehr als nur drei Tage lang bleibt mein Heiland in Todeszwang. Hallelujah, Hallelujah! Am dritten Tag durchs Grab er dringt, mit Ehren sein 11. Auch essen wir die süßen Siegsfähnlein schwingt. HalleBrot, die Moses Gottes Volk ge- lujah, Hallelujah! 38. Fr Mel.: Heut triumphieret Gottes Sohn. rüh morgens, da die Sonn aufgeht, mein Heiland Christus aufersteht. Hallelujah, Hallelujah! Vertrieben ist der Sünden Nacht, Licht, Heil und Leben wiederbracht. Hallelujah, Hallelujah! Oſtern. 565 Hallelujah, Hallelujah! 4. Jetzt ist der Tag, da mich zur Höllenpein gestürzet seind. die Welt mit Schmach am Kreuz gefangen hält. Hallelujah, Halle- 11. Der Herr den Tod zu Bolujah! Drauf folgt der Sabbat den schlägt, da er selbst tot, und in dem Grab, darin ich Ruh und sich nichts regt; Hallelujah, HalleFrieden hab. Hallelujah, Hallelujah! geht aus dem Grab in eiglujah! ner Kraft: Tod, Teufel, Höll nichts 12. 5. In kurzem wach ich fröhlich an ihm schafft. Hallelujah! Halauf, mein Ostertag ist schon im lelujah! Lauf. Hallelujah, Hallelujah! Ich wach auf durch des Herren Stimm, veracht den Tod mit seinem Grimm. Hallelujah, Hallelujah! Wunder groß, o starker Held! wo ist ein Feind, den er nicht fällt! Hallelujah, Hallelujah! Kein Angststein liegt so schwer auf mir, er wälzt ihn von des Herzens Thür. Hallelujah, Hallelujah! 13. Kein Kreuz und Trübsal ist so tief, mein Heiland thut darin ein Griff, Hallelujah, Hallelujah! führt mich hinaus mit seiner Hand: wer mich will halten, wird zu Schand. Hallelujah, Hallelujah! 14. Und daß der Herr erstanden sei, das ist von allem Zweifel frei. Hallelujah, Hallelujah! Der Engel selbst bezeugets klar, das leere Grab machts offenbar. Hallelujah, Hallelujah! 9. Der jüngste Tag wirds zeigen an, was er für Thaten hat gethan: Hallelujah, Hallelujah! wie er der Schlangen Kopf zertritt, die Höll zerstört, den Tod erdrückt. Hallelujah, Hallelujah! 15. Lebt Christus, was bin ich betrübt? ich weiß, daß er mich herzlich liebt. Hallelujah, Hallelujah! Wenn mir gleich alle Welt stürb ab: gnug, daß ich Christum bei mir hab. Hallelujah, Hallelujah! 16. Er nährt, er schützt, er tröstet mich; sterb ich, so nimmt 10. Da werd ich Christi Herr- er mich zu sich. Hallelujah, Hallelichkeit anschauen ewig, voller lujah! Wo er jetzt lebt, da muß ich Freud: Hallelujah, Hallelujah! hin, weil ich ein Glied seins LeiIch werde sehn, wie alle Feind bes bin. Hallelujah, Hallelujah! 6. Am Kreuz läßt Christus öffentlich vor allem Volke töten sich. Hallelujah, Hallelujah! Da er durchs Todes Kerter bricht, läßt ers die Menschen sehen nicht. Hallelujah, Hallelujah! 7. Sein Reich ist nicht von dieser Welt: kein groß Gepräng ihm hier gefällt. Hallelujah, Hallelujah! Was schlecht und niedrig geht herein, soll ihm das Allerliebste sein. Hallelujah, Hallelujah! 8. Hier ist noch nicht ganz kund gemacht, was er aus seinem Grab gebracht. Hallelujah, Hallelujah! der große Schaß, die reiche Beut, drauf sich ein Christ so herzlich freut. Hallelujah, Hallelujah! 566 Dritter Teil: Lieder. 17. Durch seiner Auferstehung stalt, Hallelujah, Hallelujah! wie Kraft komm ich zur Engel Brü- pflegt zu thun ein starker Held, derschaft. Hallelujah, Hallelujah! der seinen Feind gewaltig fällt. Durch ihn bin ich mit Gott ver- Hallelujah, Hallelujah. söhnt, die Feindschaft ist ganz abgelehnt. Hallelujah, Hallelujah! 18. Mein Herz darf nicht entseßen sich: Gott und die Engel lieben mich. Hallelujah, Hallelujah! Die Freude, die mir ist bereit, vertreibet Furcht und Traurigkeit. Hallelujah, Hallelujah! 3. O süßer Herre Jesus Christ, der du der Sünder Heiland bist, Hallelujah, Hallelujah! führ uns durch dein Barmherzigkeit mit Freuden in dein Herrlichkeit. Hallelujah, Hallelujah! 19. Für diesen Trost, o großer Held, Herr Jesu! dankt dir alle Welt. Hallelujah, Halleluja! Dort wollen wir, mit größerm Fleiß, erheben deinen Ruhm und Preis. Hallelujah, Hallelujah! Joh. Heermann. † 1647. 39. Eigene Melodie. $ eut triumphieret Gottes Sohn, der vom Tod ist erstanden schon, Hallelujah, Hallelujah! mit großer Pracht und Herrlichkeit: deß dankn wir ihm in Ewigkeit. Hallelujah, Hallelujah! 2. Dem Teufel hat er sein Gewalt zerstört, verheert ihm all Ge4. Nun kann uns kein Feind schaden mehr; ob er gleich murrt, ist ohn Gefähr, Hallelujah, Hallelujah! Er liegt im Rot, der arge Feind, dagegn wir Gottes Kinder seind. Hallelujah, Hallelujah. 5. Dafür dankn wir ihm allzugleich und sehnen uns ins Himmelreich. Hallelujah, Hallelujah! Es ist am End: Gott helf uns alln, so singen wir mit großem Schalln: Hallelujah, Hallelujah! 6. Gott dem Vater im höchsten Thron, samt seinem eingebornen Sohn, Hallelujah, Hallelujah! dem heilgen Geiste gleicher Weis sei Lob und Preis in Ewigteit. Hallelujah! Hallelujah! Basilius Förtsch. † 1619. 9. Himmelfahrt. 40. Mel.: Nun freut euch lieben. Au uf Christi Himmelfahrt allein ich meine Nachfahrt gründe und allen Zweifel, Angst und Pein hiermit stets überwinde; denn weil das Haupt im Himmel ist, wird seine Glieder Jesus Christ zur rechten Zeit nachholen. 2. Weil er gezogen himmelan und große Gabn empfangen, mein Herz auch nur im Himmel kann, sonst nirgends, Ruh erlangen; denn wo mein Schatz gekommen hin, da ist auch stets mein Herz und Sinn: nach ihm mich sehr verlanget. 3. Ach Herr, laß diese Gnade mich von deiner Auffahrt spüren, daß mit dem wahren Glauben ich mag meine Nachfahrt zieren und Pfingsten. dann einmal, wenns dir gefällt, mit Freuden scheiden aus der Welt. Herr, höre dies mein Flehen! ( Nach Josua Wegelin. † 1640.) überarbeitet von Justus Gesenius. † 1673. 41. Mel.: Von Gott will ich nicht laffen. Sott ott fähret auf gen Himmel mit frohem Jubelschall, mit prächtigem Getümmel und mit Posaunenhall. Lobfingt, lobsinget Gott; lobsingt, lobsingt mit Freuden dem Könige der Heiden, dem Herren Zebaoth! 2. Der Herr wird aufgenommen, der ganze Himmel lacht; um ihn gehn alle Frommen, die er hat frei gemacht. Es holen Jesum ein die lautern Cherubimen; den hellen Seraphimen muß er willkommen sein. 3. Wir wissen nun die Stiege, die unser Haupt erhöht; wir wissen zur Genüge, wie man zum Himmel geht. Der Heiland geht vor an, will uns nicht nach sich lassen; er zeiget uns die Straßen, er bricht uns sichre Bahn. 4. Wir sollen himmlisch wer10. 567 den; der Herre macht uns Platz. Wir gehen von der Erden dort hin, wo unser Schaß. Ihr Herzen, macht euch auf! wo Jesus hingegangen, dahin sei das Verlangen, dahin sei euer Lauf. 5. Laßt uns zum Himmel springen mit herzlicher Begier; laßt uns sogleich auch singen: dich Jesu, suchen wir; dich, o du Gottes Sohn, dich Weg, dich wahres Leben, dem alle Macht gegeben, dich, unfres Hauptes Kron! 42. Eigene Melodie. Domm, Herre Gott, till mit deiner One den Gut deinr Gläubigen Herz, Mut und Sinn; dein brünstig Lieb entzünd in ihn'n. O Herr, durch deines Lichtes Glanz zu dem Glauben versammelt hast das Volk aus aller Welt Zungen: das 6. Ade mit deinen Schäßen, du Truges volle Welt! dein Kot kann nicht ergößen. Weißt du, was uns gefällt? Der Herr iſt unser Preis, der Herr ist unsre Freude und köstliches Geschmeide: zu ihm gilt unsre Reis. 7. Wann soll es doch geschehen? wann kommt die liebe Zeit, daß wir ihn werden sehen in seiner Herrlichkeit? Du Tag, wann wirst du sein, daß wir den Heiland grüßen, daß wir den Heiland küssen? komm, stelle dich doch ein! Gottfr. Wilh. Sacer. † 1699. Pfingsten. sei dir, Herr, zu Lob gesungen. Hallelujah, Hallelujah! 2. Du heiliges Licht, edler Hort, laß uns leuchten des Lebens Wort, und lehr uns Gott recht erkennen, von Herzen Vater ihn nennen. Herr, behüt vor fremder Lehr, daß wir nicht Meister suchen mehr, denn Jesum Christ mit rechtem Glauben, und ihm aus Dritter Teil: Lieder. 568 44. ganzer Macht vertrauen. Hallelujah, Hallelujah! Mel.: Wie schön leucht uns der Morgenstern. 3. Du heilige Brunst, füßzerheilger Geiſt, kehr bei uns Trost, nun und und Wohgetrost in deim Dienst beständig nung sein: o fomm, du Herzensbleiben, die Trübsal uns nicht sonne! Du Himmelslicht, laß abtreiben. Herr, durch dein deinen Schein bei uns und in Kraft uns bereit und stärk des uns kräftig sein zu steter Freud Fleisches Blödigkeit, daß wir hie und Wonne! Sonne, Wonne; ritterlich ringen, durch Tod und himmlisch Leben wirst du geben, Leben zu dir dringen. Hallelujah, wenn wir beten; zu dir kommen Hallelujah! Dr. M. Luther. † 1546. wir getreten. 43. Eigene Melodie. 2. Du Quell, draus alle Weisheit fleußt, die sich in fromme Seelen geußt, laß deinen Trost uns hören, daß wir in Glaubensun bitten wir den heiligen einigkeit auch können alle ChristenGeist um den rechten Glau- heit dein wahres Zeugnis lehren. ben allermeist, daß er uns behüte Höre, lehre! daß wir können Herz an unserm Ende, wenn wir heim- und Sinnen dir ergeben, dir zum fahrn aus diesem Elende. Kyrie- Lob und uns zum Leben. leis. 3. Steh uns stets bei mit deinem Rat und führ uns selbst den rechten Pfad, die wir den Weg nicht wissen. Gieb uns Beständigkeit, daß wir getreu dir bleiben für und für, wenn wir uns leiden müssen. Schaue, baue, was zerrissen und geflissen dich zu schauen und auf deinen Trost zu bauen. N 2. Du wertes Licht, gieb uns deinen Schein, lehr uns Jesum Christ kennen allein, daß wir an ihm bleiben, dem treuen Heiland, der uns bracht hat zum rechten Vaterland. Kyrieleis. 3. Du süße Lieb, schenk uns deine Gunst, laß uns empfinden der Liebe Brunst, daß wir uns 4. Laß uns dein edle Balsamvon Herzen einander lieben und fraft empfinden und zur Ritterim Frieden auf einem Sinne blei- schaft dadurch gestärket werden, ben. Kyrieleis. 4. Du höchster Tröster in aller auf daß wir unter deinem Schuß 4. Du höchster Tröster in aller begegnen aller Feinde Truß mit Not, hilf, daß wir nicht fürchten freudigen Geberden. Laß dich Schand noch Tod, daß in uns reichlich auf uns nieder, daß wir die Sinne nicht gar verzagen, wieder Trost empfinden, alles wenn der Feind wird das Leben Unglück überwinden. verklagen. Kyrieleis. 5. O starker Fels und Lebenshort, laß uns dein himmelsüßes Dr. M. Luther. † 1546. Pfingsten. 569 Wort in unsern Herzen brennen,| des Vaters und des Sohnes, mit daß wir uns mögen nimmermehr beiden gleiches Thrones, mit beivon deiner weisheitsreichen Behr den gleich gepreist! und reinen Liebe trennen. Fließe, gieße deine Güte ins Gemüte, daß wir können Christum unsern Heiland nennen. 2. Beuch ein, laß mich empfinden und schmecken deine Kraft, die Kraft, die uns von Sünden Hilf und Errettung schafft. Entsündge meinen Sinn, daß ich mit reinem Geiste dir Ehr und Dienste leiſte, die ich dir schuldig bin. 6. Du süßer Himmelstau, laß dich in unsre Herzen kräftiglich und schenk uns deine Liebe, daß unser Sinn verbunden sei dem Nächsten stets mit Liebestreu und sich darinnen übe. Kein Neid, kein Streit dich betrübe! Fried und Liebe müssen schweben, Fried und Freude wirst du geben. 3. Ich war ein wilder Reben, du hast mich gut gemacht; der Tod durchdrang mein Leben, du hast ihn umgebracht und in der Tauf erstickt, als wie in einer Flute, mit dessen Tod und Blute, der uns im Tod erquickt. 7. Gieb, daß in reiner Heiligkeit wir führen unsre Lebenszeit; sei unsers Geistes Stärke, daß uns hinfort sei unbewußt die Eitelkeit, des Fleisches Lust und seine toten Werke. Rühre, führe unser Sinnen und Beginnen von der Erden, daß wir Himmelserben werden. 4. Du bist das heilge Öle, damit gesalbet ist mein Leib und meine Seele dem Herren Jesu Christ zum wahren Eigentum, zum Priester und Propheten, zum Kön'ge, den in Nöten Gott schützt im Heiligtum. Mich. Schirmer. † 1673. 45. Eigene Melodie. ( chaffe in mir, Gott, ein reines Herze und gieb mir einen neuen gewissen Geist. Verwirf mich nicht, verwirf mich nicht von deinem Angesicht, von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. 46. Mel.: Aus meines Herzens Grunde. euch ein zu meinen Thoren, 3 meines du, da ich geboren, mich neu geboren hast; o hochgeliebter Geist 5. Du bist ein Geist, der lehret, wie man recht beten soll: dein Beten wird erhöret, dein Singen flinget wohl; es steigt zum Himmel an, es steigt und läßt nicht abe, bis der geholfen habe, der allen helfen kann. 6. Du bist ein Geist der Freuden, vom Trauern hältst du nicht, erleuchtest uns im Leiden mit deines Trostes Licht. Ach ja, wie manchesmal hast du mit süßen Worten mir aufgethan die Pforten zum güldnen Freudensaal. 7. Du bist ein Geist der Liebe, ein Freund der Freundlichkeit, willst nicht, daß uns betrübe Zorn, 570 Dritter Teil: Lieder. Zank, Haß, Neid und Streit. Der| dem Herzleid auf der Erd, bring Feindschaft bist du feind, willst, wieder und erneure die Wohlfahrt daß durch Liebesflammen sich wie- deiner Herd! Laß blühen wie zuder thun zusammen, die voller vorn die Länder, so verheeret, die Zwietracht seind. Kirchen, so zerstöret durch Krieg und Feuerszorn. 8. Du, Herr, hast selbst in Händen die ganze weite Welt, kannst Menschenherzen wenden, wie dir es wohlgefällt; so gieb doch deine Gnad zum Fried und Liebesbanden, verknüpf in allen Landen, was sich getrennet hat. 9. Ach, edle Friedensquelle, schleuß deinen Abgrund auf, und gieb dem Frieden schnelle hier wieder seinen Lauf! Halt ein die große Flut, die Flut, die eingerissen, so daß man siehet fließen wie Wasser Menschenblut! 10. O laß dein Volk erkennen die Vielheit ihrer Sünd, auch Gottes Grimm so brennen, daß er bei uns entzünd den ernsten, bittern Schmerz und Buße, die bereuet, deß sich zuerst erfreuet ein weltergebnes Herz. 11. Auf Buße folgt der Gnaden-, auf Reu der Freudenblick; sich bessern heilt den Schaden, fromm werden bringet Glück. Herr, thus zu deiner Ehr, er weiche Stahl und Steine, auf daß das Herze weine, der Böse sich bekehr. 12. Erhebe dich und steure 13. Beschirm die Obrigkeiten, bau unsers Fürsten Thron, steh ihm und uns zur Seiten; schmück, als mit einer Kron, die Alten mit Verstand, mit Frömmigkeit die Jugend, mit Gottesfurcht und Tugend das Volk im ganzen Land. 14. Erfülle die Gemüter mit reiner Glaubenszier, die Häuser und die Güter mit Segen für und für. Vertreib den bösen Geist, der dir sich widersetzet und, was dein Herz ergößet, aus unsern Herzen reißt. 15. Gieb Freudigkeit und Stärke, zu stehen in dem Streit, den Satans Reich und Werke uns täglich anerbeut. Hilf kämpfen ritterlich, damit wir überwinden und ja zum Dienst der Sünden kein Christ ergebe sich. Au 16. Richt unser ganzes Leben allzeit nach deinem Sinn, und wenn wirs sollen geben ins Todes Hände hin, wenns mit uns hie wird aus, so hilf uns fröhlich sterben und nach dem Tod ererben des ewgen Lebens Haus! P. Gerhardt. † 1676. 11. Trinitatisfeſt. 47. Eigene Melodie. llein Gott in der Höh sei Schade. Ein Wohlgefalln Gott Ehr! und Dank*) für seine an uns hat; nun ist groß Fried Gnade: darum daß nun und nimmermehr uns rühren kann ein Trinitatisfest. ohn Unterlaß, all Fehd hat nun ein Ende. *) Andere: dankt. 2. Wir loben, preisn, anbeten dich, für deine Ehr wir danken, daß du, Gott Vater, ewiglich regierst ohn alles Wanken. Ganz ungemessn ist deine Macht, fort gschieht, was dein Will hat bedacht: wohl uns des feinen 3. O Jesu Christ, Sohn eingeborn deines himmlischen Vaters, Versöhner der'r, die warn verlorn, du Stiller unsers Haders: Lamm Gottes, heilger Herr und Gott, nimm an die Bitt von unsrer Not, erbarm dich unser aller. 4. O heilger Geist, du größtes Gut, du allrheilsamster Tröster, vors Teufels Gwalt fortan behüt, die Jesus Christ erlöset durch große Martr und bittern Tod; abwend all unsern Jammr und Not! Dazu wir uns verlassen. Nit. Decius. 1541. 48. Eigene Melodie. Sott ott der Vater wohn uns bei und laß uns nicht verderben, mach uns aller Sünden frei und helf uns selig sterben. Vor dem Teufel uns bewahr, halt uns bei festem Glauben, und auf dich laß uns bauen, aus Herzensgrund vertrauen, dir uns laffen ganz und gar, mit allen rechten Christen entfliehen Teufels Listen, mit Waffen Gotts uns fristen. Amen, Amen, das sei wahr, so singen wir Hallelujah! 571 2. Jesus Christus wohn uns bei und laß uns nicht verderben, 2c. 3. Der heilge Geist wohn uns bei und laß uns nicht verderben, 2c. Dr. M. Luther. † 1546. 49. Eigene Melodie. Mir glauben all an einen Gott, W Himmels und der Erden, der sich zum Vater geben hat, daß wir seine Kinder werden. Er will uns allzeit ernähren, Leib und Seel auch wohl bewahren; allem Unfall will er wehren, kein Leid soll uns widerfahren. Er forget für uns, hüt und wacht, es fteht alles in seiner Macht. 2. Wir glauben auch an Jesum Christ, seinen Sohn und unsern Herren, der ewig bei dem Bater ist, gleicher Gott von Macht und Ehren; von Maria der Jungfrauen ist ein wahrer Mensch geboren durch den heilgen Geist im Glauben, für uns, die wir warn verloren, am Kreuz gestorben, und vom Tod wieder auferstanden ist durch Gott. 3. Wir glauben an den heilgen Geist, Gott mit Vater und dem Sohne, der aller Blöden Tröster heißt, uns mitGaben zieret schone*); die ganz Christenheit auf Erden hält in einem Sinn gar eben; hie all Sünd vergeben werden. Das Fleisch soll auch wieder leben, nach diesem Elend ist bereit uns ein Leben in Ewigkeit. Amen.*) schön. Dr. M. Luther. † 1546. 572 Dritter Teil: Lieder. B. Die festlose Beit des Jahres. 1. Sonntagslieder. 50. Sº Mel.: Erschienen ist der herrlich Tag. ott Lob der Sonntag kommt herbei; die Woche wird nun wieder neu. Heut hat mein Gott das Licht gemacht, mein Heil hat mir das Leben bracht. Hallelujah. Herr! und schauen dich von Angesicht in ewger Freud und selgem Licht. tag, da man sich nicht gnug freuen mag; da wir mit Gott versöhnet sind, daß nun ein Christ heißt Gottes Kind. Hallelujah. 4. Mein Gott, laß mir dein Lebenswort; führ mich zur Him melsehrenpfort, laß mich hier le ben heiliglich und dir lobsingen ewiglich. Hallelujah. Joh. Olearius. † 1684. 4. Ehr sei dem Vater und dem Sohn, dem heilgen Geist in einem Thron; der heiligen Dreifaltigkeit sei Lob und Preis in Ewigkeit. Wilhelm II., Herzog zu SachsenWeimar. † 1662. 2. Dies ist der Tag, da Jesus Christ vom Tod für mich erstanden ist und schenkt mir die Gerechtigkeit, Trost, Leben, Heil und mel.: Erhalt uns Herr bei deinem Wort. Seligkeit. öffne Herzens52. Hallelujah. Das ist der rechte Sonnen- Herit, each mein here durch dein Wort zu dir; laß mich dein Wort bewahren rein, laß mich dein Kind und Erbe sein. 2. Dein Wort bewegt des Herzens Grund, dein Wort macht Leib und Seel gesund; dein Wort ist, das mein Herz erfreut, dein Wort giebt Trost und Seligkeit. 3. Ehr sei dem Vater und dem Sohn, dem heilgen Geist in einem Thron! Der heiligen Dreieinigkeit sei Lob und Preis in Ewigkeit. Joh. Olearius. † 1684. 53. Eigene Melodie. 51. Eigene Melodie. err Jesu Christ dich zu uns wend, dein heilgen Geist du zu uns send; mit Hilf und Gnad er uns regier und uns den Weg Liebſter in Wort anzuhören: wir dich zur Wahrheit führ. 2. Thu auf den Mund zum lenke Sinnen und Begier auf die Lobe dein, bereit das Herz zur süßen Himmelslehren, daß die HerAndacht fein; den Glauben mehr, zen von der Erden ganz zu dir stärk den Verstand, daß uns dein gezogen werden. Nam werd wohl bekannt; 2. Unser Wissen und Verstand 3. Bis wir singen mit Gottes ist mit Finsternis umhüllet, wo Heer: heilig, heilig ist Gott der nicht deines Geistes Hand uns Sonntagslieder. 573 Beten ein gefällig Opfer heißt. Heilge du, Herr, Mund und Ohr, zieh das Herze ganz empor. 4. Mache mich zum guten Lande, wenn dein Samkorn auf mich fällt, gieb mir Licht in dem Verstande; und was mir wird vorgestellt, präge meinem Herzen ein, laß es mir zur Frucht gedeihn. 5. Stärk in mir den schwachen Glauben, laß dein teures Kleinod mir nimmer aus dem Herzen rauben; halte stets dein Wort mir für, mit hellem Licht erfüllet. Gutes denken, thun und dichten mußt du selbst in uns verrichten. 3. du Glanz der Herrlichkeit, Licht vom Licht, aus Gott geboren: mach uns allesamt bereit, öffne Herzen, Mund und Ohren: unser Bitten, Flehn und Singen laß, Herr Jesu, wohl gelingen. Tobias Clausnizer. † 1684. 54. Mel.: Gott des Himmels und der Erden. und zum Trost im Herzen grünt. die es mir zum dient führet mich in Zion ein: ach, wie wird an diesem Orte meine Seele fröhlich sein! Hier ist Gottes Angesicht, hier ist lauter Trost und Licht. 6. Rede Herr, so will ich hören, und dein Wille werd erfüllt. Nichts laß meine Andacht stören, wenn der Brunn des Lebens quillt; speise mich mit Himmelsbrot, tröſte mich in aller Not. 2. Ich bin, Herr, zu dir gekommen: komme du nun auch zu mir. Wo du Wohnung haft genommen, da ist lauter Himmel hier. Zieh doch in mein Herz hinein, laß es deinen Tempel sein. 7. Öffne mir die grünen Auen, daß dein Lamm sich weiden kann, lasse mir dein Manna thauen, zeige mir die rechte Bahn hier 3. Laß in Furcht mich vor dich in diesem Jammerthal zu des treten, heilge du Leib, Seel und Lammes Ehrensaal. Geist, daß mein Singen und mein Benj. Schmold. † 1737. 2. Einzelne Feste und Feiertage. a. Mariä Heimsuchung. Siehe Mariä Verkündigung Nr. 19. b. Reformationsfest. Siehe die Lieder von der christlichen Kirche Nr. 55 ff. c. Bußtag. Siehe die Bußlieder Nr. 74 u. ff. und die Litanei S. 340. 37 574 Dritter Teil: Lieder. II. Die christliche Kirche. 1. Die Kirche und ihr Haupt. a. Gründung und Erhaltung der Kirche. 55. Mel.: Christus der ist mein Leben. ch, bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ, daß uns hinfort nicht schade des bösen Feindes List. 2. Ach, bleib mit deinem Worte bei uns, Erlöser wert, daß uns beid hier und dorte sei Güt und Heil beschert. 3. Ach, bleib mit deinem Glanze bei uns, du wertes Licht, dein Wahrheit uns umschanze, damit wir irren nicht. 4. Ach, bleib mit deinem Segen bei uns, du reicher Herr, dein Gnad und alls Vermögen in uns reichlich vermehr. 5. Ach, bleib mit deinem Schuße bei uns, du starker Held, daß uns der Feind nicht truße, noch fäll die böse Welt. 6. Ach, bleib mit deiner Treue bei uns, mein Herr und Gott! Beständigkeit verleihe, hilf uns aus aller Not! Jos. Stegmann. † 1632. 56. Eigene Melodie. Sin in feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen: er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen. Der alt böse Feind mit Ernst ers jetzt meint; groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist; auf Erdn ist nicht seins Gleichen. 2. Mit unsrer Macht ist nichts gethan, wir sind gar bald verloren; es ftreit für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren. Fragst du, wer der ist? Er heißet Jesus Christ, der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott; das Feld muß er behalten. 3. Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen, so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen. Der Fürst dieser Welt, wie saur er sich stellt, thut er uns doch nicht; das macht, er ist gericht: ein Wörtlein kann ihn fällen. 4. Das Wort sie sollen lassen stan, und kein Dank darzu haben. Er ist bei uns wohl auf dem Plan mit seinem Geist und Gaben. Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib: laß fahren dahin, sie habens kein Gewinn; das Reich muß uns doch bleiben. Dr. M. Luther. † 1546. 57. Eigene Melodie. rhalt uns, Herr, bei deinem Wort, und steur des Papsts und Türken Mord, die Jesum Christum deinen Sohn stürzen wollen von seinem Thron. 2. Beweis dein Macht, Herr Jesu Christ, der du Herr aller Herren bist: beschirm dein arme Christenheit, daß sie dich lob in Ewigkeit. Die Kirche und ihr Haupt. 3. Gott heiliger Geist, du Fuß. Alle Zunge soll bekennen, Tröster wert, gieb dein'm Volt einerlei Sinn auf Erd: steh bei uns in der letzten Not, gleit uns ins Leben aus dem Tod. Jesus sei der Herr zu nennen, dem man Ehre geben muß. Dr. M. Luther. † 1546. 2. Fürstentümer und Gewalten, Machten, die die Thronwacht halten, geben ihm die Herrlichkeit. Alle Herrschaft dort im Himmel, hier im irdischen Getümmel ist zu seinem Dienst bereit. 58. Eigene Melodie. & 3 woll uns Gott genädig sein und seinen Segen geben, sein Antlig uns mit hellem Schein erleucht zum ewign Leben; daß wir erkennen seine Werk und was ihm liebt*) auf Erden, und Jesus Christus Heil und Stärk bekannt den Heiden werden und sie zu Gott bekehren. 3. Engel und erhabne Thronen, die beim ewgen Lichte wohnen: nichts ist gegen Jesum groß. Alle Namen hier auf Erden, wie sie auch vergöttert werden, sie sind Teil aus seinem Los. *) beliebt. 2. So danken Gott, und loben dich die Heiden überalle; und alle Welt die freue sich und sing mit großem Schalle, daß du auf Erden Richter bist und lässt die Sünd nicht walten; dein Wort die Hut und Weide ist, die alles Volk erhalten, in rechter Bahn zu wallen. 3. Es danke, Gott, und lobe dich das Volk in guten Thaten; das Land bringt Frucht und bes sert sich, dein Wort ist wohl geraten. Uns segne Vater und der Sohn, uns segne Gott der heilge Geist; dem alle Welt die Ehre thu, vor ihm sich fürchte allermeist. Nun sprecht von Herzen: Amen. Dr. M. Luther. † 1546. 575 4. Gott, des Weltalls großer Meister, hat die Engel wohl als Geister und als Flammen um den Thron; sagt er aber je zu Knechten: Seße dich zu meiner Rechten? Nein; er sprach es zu dem Sohn! 5. Gott ist Herr; der Herr ist einer, und demselben gleichet feiner; nur der Sohn der ist ihm gleich. Dessen Stuhl ist unumstößlich, dessen Leben unauflöslich, dessen Reich ein ewig Reich. 6. Gleicher Macht und gleicher Ehren sitzt er unter lichten Chören über denen Cherubim. In der Welt und Himmel Enden hat er alles in den Händen; denn der Vater gab es ihm. 59. 7. Nur in ihm, o Wundergaben, können wir Erlösung haben, die Erlösung durch sein Blut. Hörts: das Leben ist erschienen, und ein ewiges Verfühnen kommt in Jesu uns zu gut. Eigene Melodie. Oder: Alles ist an Gottes Segen. Vesus Christus herrscht als König; alles wird ihm unter- 8. Menschen, lernts an diesem thänig, alles legt ihm Gott zu Liede: es ist Gnade, es ist Friede! 37* 576 Dritter Teil: Lieder. Jesus führte selbst den Krieg.| Worte, teureLehren! Möcht doch alle Gottes Geist hats aufgeschrieben: Welt dich hören, süßes Evangelium! Tod, wo ist dein Stachel blieben? Hölle, wo ist nun dein Sieg? 9. Alles dieses nicht alleine, die begnadigte Gemeine hat auch ihn zu ihrem Haupt. Er hat sie mit Blut erkaufet, zu dem Himmelreich getaufet, und sie lebet, weil sie glaubt. 14. 3war auch Kreuz drückt Christi Glieder hier auf kurze Zeit darnieder, und das Leiden geht zuvor: nur Geduld, es folgen Freuden; nichts kann sie von Jesu scheiden, und ihr Haupt zieht sie empor. 15. Ihnen steht der Himmel offen, welcher über alles Hoffen, über alles Wünschen ist. Die geheiligte Gemeine weiß, daß eine Zeit erscheine, da sie ihren König küßt. 16. Auch bis dahin giebt er Nahrung, Leitung, Heilung und Bewahrung; denn er pflegt und liebet sie. Ja bei seinem Kreuzesstamme fraget sie, wer nun verdamme; denn sie rühmet: Gott ist hie! 17. Jauchz ihm, Menge heilger Knechte; rühmt, vollendete Gerechte, und du Schar, die Palmen trägt! Und du Blutvolk in der Krone, und duChor vor seinem Throne, der die Gottesharfen schlägt! 18. Ich auch auf der tiefsten Stufen, ich will glauben, reden, rufen, ob ich schon noch Pilgrim bin: Jesus Christus herrscht als König, alles sei ihm unterthänig! Ehret, liebet, lobet ihn! 10. Gebt, ihr Sünder, ihm die Herzen! Klagt, ihr Kranken, ihm die Schmerzen! Sagt, ihr Armen, ihm die Not! Er kann alle Wunden heilen; Reichtum weiß er auszuteilen, Leben schenkt er nach dem Tod. 11. Komm, zum Tod verdammt Geschlechte! Der Gerechte macht Gerechte, tilgt der Sünden Not und Spott. Komm, du wirst noch angenommen; fomm getrost, er heißt dich kommen. Sag ihm nur: Mein Herr und Gott! 12. Eil! Es ist nicht Zeit zum Schämen. Willst du Gnade? Du sollst nehmen. Willst du leben? Es soll sein. Willst du erben? Du sollsts sehen. Soll der Wunsch aufs Höchste gehen: willst du Jesum? Er ist dein. 13. Allen losgekauften Seelen folls an feinem Gute fehlen, denn sie glauben, Gott zum Ruhm. Werte Ph. Fr. Hiller. † 1769. ( Siehe auch: Ach bleib bei uns 2c. S. 57.) b. Ausbreitung der Kirche( Mission). Herd, daß ihre Seel auch selig werd. 60. Mel.: Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht. Jesu Christe, wahres Licht, 2. Erfüll mit deinem Gnadenerleuchte, die dich kennen schein, die in Irrtum verführet nicht, und bringe sie zu deiner sein; auch die, so heimlich sichtet Die Kirche und ihr Haupt. 577 an in ihrem Sinn ein falscher 3. Dein Sohn hat ja mit flaWahn. 3. Und was sich sonst verlaufen hat von dir, das suche du mit Gnad, und sein verwundt Gewis sen heil; laß sie am Himmel haben Teil. ren Worten uns diese Bitte in den Mund gelegt. O siehe, wie an allen Orten sich deiner Kinder Herz und Sinn bewegt, dich herzinbrünstig hierum anzuflehn; drum hör, o Herr! und sprich: Es soll geschehn! 4. Den Tauben öffne das Gehör; die Stummen richtig reden lehr, die nicht bekennen wollen frei, was ihres Herzens Glaube ſei. 5. Erleuchte, die da sind verblendt, bring her, die sich von uns getrennt. Versammle, die zerstreuet gehn, mach feste, die im Zweifel stehn. 6. So werden sie mit uns zu gleich auf Erden und im Himmelreich, hier zeitlich und dort ewiglich, für solche Gnade preisen dich. Joh. Heermann. † 1647. 4. Wie kannst du uns denn das versagen, was uns dein Sohn selbst deutlich bitten heißt? Wie? denkst du dieses abzuschlagen, wozu du selbst uns treibst durch deinen Geist? Denn, daß wir hierum brünstig zu dir flehn, das ist allein durch deinen Geist geschehn. 2. O, daß doch bald dein Feuer brennte! o möcht es doch in alle Lande gehn! Ach, Herr, gieb doch in deine Ernte viel Knechte, die in treuer Arbeit stehn. O Herr der Ernte! siehe doch darein: die Ernt ist groß, da wenig Knechte ſein. 5. So gieb dein Wort mit großen Scharen, die in der Kraft Evangelisten sein; laß eilend Hilf uns widerfahren und brich in Satans Reich und Macht hinein. O, breite, Herr, auf weitem Erdenfreis dein Reich bald aus, zu dei61. Mel.: Dir, dir, Jehovah, will ich singen.| nes Namens Preis! Mach auf, du Geist der erſten Zeugen, die auf der Maur als treue Wächter stehn, die Tag und Nächte nimmer schweigen und die getrost dem Feind entgegen gehn; ja deren Schall die ganze Welt durchdringt und aller Völker Scharen zu dir bringt. 6. Ach, daß die Hilf aus Zion käme! o, daß dein Geist so, wie dein Wort verspricht, dein Volk aus dem Gefängnis nähme! o, würd es doch nur bald vor Abend licht! Ach, reiß, o Herr, den Himmel bald entzwei und komm herab zur Hilf und mach uns frei. 7. Ach, laß dein Wort recht schnelle laufen; es sei kein Ort ohn dessen Glanz und Schein. Ach, führe bald dadurch mit Haufen der Heiden Füll in alle Thore ein! Ja, wecke doch auch Israel bald auf, und also segne deines Wortes Lauf! 578 Dritter Teil: Lieder. 8. D, besire 3ions wüste Stege;| schwacher Liebe nun so stehn, was und was dein Wort im Laufe soll nicht von der Liebe Quell hindern kann, das räum, ach räum geschehn? aus jedem Wege. Vertilg, o Herr! den falschen Glaubenswahn, und mach uns bald von jedem Mietling frei, daß Kirch und Schul ein Garten Gottes fei. 9. Laß jede hoh und niedre Schule die Werkstatt deines guten Geistes sein; ja, sige du nur auf dem Stuhle und präge dich der Jugend selber ein, daß treuer Lehrer viel und Beter sein, die für die ganze Kirche stehn und schrein. 12. D Herr! wo willst du dich hinwenden? siehst du denn nicht den großen Jammer an? ach, willst du uns nicht Hilfe senden? ach, siehst du nicht, was Jesus hat gethan? ist er denn nicht der Heiland aller Welt? wie fommt es, daß der Feind so Plaß behält? 13. Herr, zürne nicht, daß ich so bitte, da ich vor dir nur Staub und Asche bin. Du, als der Brunnquell aller Güte, giebst selber mir etwas von deinem Sinn, daß mich der Menschen Elend jammern kann; drum bitt ich, Herr, o nimm mein Bitten an! 14. Du wirst wohl wissen recht zu richten, da du ja aller Welt ihr Richter bist. Laß nur dein Wort den Streit hier schlichten, wenn deine Lieb in uns im Zweifel ist; und treib uns ferner, dich nur anzuflehn, es wird doch end11. Ach, wird dein Herze nicht beweget, da du, o Gott! die Liebe selber bist und, was von Lieb in uns sich reget, aus deinem Liebes- lich noch viel mehr geschehn. feur ein Fünklein ist? Da wir in K. H. v. Bogazky. † 1774. 2. Das Wort Gottes. 10. Du hast uns Hirten ja versprochen, die du nach deinem Herzen geben willt. Nun wird dein Wort niemals gebrochen, ein jedes Wort wird Bunkt für Punkt erfüllt; drum halt ich dieses flare Wort dir vor: ach denke dran und neig uns Herz und Ohr! 62. 63. Mel.: Valet will ich dir. Mel.: Es ist das Heil uns kommen her. Laß mich dein sein und blei- Mir Menschen sind zu dem, o ben, du treuer Gott und Herr; von dir laß mich nichts treiben, halt mich bei deiner Lehr. Herr, laß mich nur nicht wanken, gieb mir Beständigkeit: dafür will ich dir danken in alle Ewigkeit. Gott, was geistlich ist, untüchtig; dein Wesen, Wille und Gebot ist viel zu hoch und wichtig. Wir wissens und verstehens nicht, wo uns dein göttlich Wort und Licht den Weg zu dir nicht weiſet. Nik. Selnecker. † 1592. 579 von Sorg und Wollust dieser Welt verdirbet und ersticket. 2. Drum sind vor Zeiten aus der Same, so auf Dornen fällt, gesandt Propheten, deine Knechte, daß durch sie würde wohlbekannt dein Will und deine Rechte. Zum legten ist dein lieber Sohn, o Vater, von des Himmels Thron selbst kommen, uns zu lehren. Das Wort Gottes. 7. Ach hilf, Herr, daß wir werden gleich allhie dem guten Lande, und sein an guten Werken reich in unserm Amt und Stande, viel Früchte bringen in Geduld, bewahren deine Lehr und Huld in feinem gutem Herzen. 3. Für solches Heil sei, Herr, gepreist, laß uns dabei verbleiben; und gieb uns deinen guten Geist, daß wir dem Worte gläuben, dasselb annehmen jederzeit mit Sanftmut, Ehre, Lieb und Freud als Gottes, nicht der Menschen. 8. Laß uns, dieweil wir leben hier, den Weg der Sünder meiden, gieb daß wir halten fest an dir in Anfechtung und Leiden. 4. Hilf, daß der losen Spöt- Rott aus die Dornen allzumal, ter Hauf uns nicht vom Worthilf uns die Weltsorg überall und abwende; denn ihr Gespött samt böse Lüste dämpfen. ihnen drauf mit Schrecken nimmt ein Ende. Gieb du selbst deinem Donner Kraft, daß deine Lehre in uns haft, auch reichlich bei uns wohne. 9. Dein Wort, o Herr, laß allweg sein, die Leuchte unsern Füßen; erhalt es bei uns klar und rein, hilf, daß wir draus genießen Kraft, Rat und Trost in aller Not, daß wir im Leben und im Tod beständig da5. Öffn uns die Ohren und das Herz, daß wir das Wort recht fassen, in Lieb und Leid, in rauf trauen. Freud und Schmerz es aus der 10. Gott Vater, laß zu deiAcht nicht lassen; daß wir nicht ner Ehr dein Wort sich weit Hörer nur allein des Wortes, ausbreiten. Hilf, Jesu, daß uns sondern Thäter sein, Frucht hundertfältig bringen. 6. Am Wege wird der Same fort vom Teufel hingenommen; in Fels und Steinen kann das Wort die Wurzel nicht bekommen; deine Lehr erleuchten mög und leiten. Oheilger Geist, dein göttlich Wort laß in uns wirken fort und fort Glaub, Lieb, Geduld und Hoffnung. Dav. Denicke. † 1680. 3. Das Sakrament der heiligen Taufe. 64. Eigene Melodie. rift tam nach seines Vaters Willen, von Sankt Johanns die Taufe nahm, sein Amt und Werk zu ' rfüllen. Da wollt er stiften uns ein Bad, zu uns von Sünden, ersäufen auch den bittern Tod durch sein selbst Blut 580 Dritter Teil: Lieder. und Wunden: es galt ein neues Heiligkeit, all sein Thun ist verLeben. loren, die Erbsünd machts zur Nichtigkeit, darin er ist geboren; er mag sich selbst nicht helfen. 2. So hört und merket alle wohl, was Gott heißt selbst die Taufe; und was ein Christe glauben soll, zu meiden Keßerhaufen: Gott spricht und will, daß Wasser sei, doch nicht allein schlecht Wasser; sein heiligs Wort ist auch dabei mit reichem Geist ohn Maßen, der ist allhie der Täufer. 7. Das Aug allein das Wasser sieht, wie Menschen Wasser gießen; der Glaub im Geist die Kraft versteht des Blutes Jesu Christi, und ist vor ihm ein rote Flut von Christi Blut gefärbet, die allen Schaden heilen thut, von Adam her geerbet, auch von uns selbst Dr. M. Luther. † 1546. 3. Solchs hat er uns beweiset flar mit Bildern und mit Worten; begangen. des Vaters Stimm man offenbar daselbst am Jordan hörte. Er sprach: Das ist mein lieber Sohn, an dem ich hab Gefallen; den will ich euch befohlen han, daß ihr ihn höret alle und folget seinem Lehren. 65, Mel.: Liebster Jesu wir sind hier. iebster Jesu, hier sind wir, deinem Worte nachzuleben: dieses Kindlein kommt zu dir, weil 4. Auch Gottes Sohn hie selber steht in seiner zarten Menschheit; du den Befehl gegeben, daß man der heilig Geist herniederfährt in sie zu Christo führe, denn das Taubenbild verkleidet: daß wir Himmelreich ist ihre. nicht sollen zweifeln dran, wenn wir getaufet werden, all drei Person getaufet han, damit bei uns auf Erden zu wohnen sich begeben. 2. Ja, es schallet allermeist dieses Wort in unsern Ohren, wer durch Wasser und durch Geist nicht zuvor ist neu geboren, wird von dir nicht aufgenommen und in Gottes Reich nicht kommen. 5. Sein Jünger heißt der Herre Christ: Geht hin, all Welt zu lehren, daß sie verlorn in Sünden ist, sich soll zur Buße kehren. Wer gläubet und sich taufen läßt, soll dadurch selig werden; ein neugeborner Mensch er heißt, der nicht mehr könne sterben, das Himmelreich soll erben. 3. Darum eilen wir zu dir, nimm dies Pfand von unsern Armen; tritt mit deinem Glanz herfür, und erzeige dein Erbarmen, daß es dein Kind hier auf Erden und im Himmel möge werden. 4. Wasch es, Jesu, durch dein Blut, von den angeerbten Flecken; laß es bald nach dieser Flut dei6. Wer nicht gläubt dieser groBen Gnad, der bleibt in seinen Sünden und ist verdammt zum nen Purpurmantel decken; schenk ewgen Tod tief in der Höllen ihm deiner Unschuld Seide, daß Grunde. Nichts hilft sein eigen es sich in dich verkleide. Konfirmation und Erneuerung des Taufbundes. 581 5. Mache Licht aus Finsternis, den Friede; Weinstock, hilf, daß seß es aus dem Zorn zur Gnade; diese Rebe auch im Glauben dich heil den tiefen Schlangenbiß durch umgebe. die Kraft im Wunderbade; laß hier einen Jordan rinnen, so vergeht der Aussatz drinnen. 7. Nun, wir legen an dein Herz, was von Herzen ist gegangen, führ die Seufzer himmelwärts und er= fülle das Verlangen; ja, den Namen, den wir geben, schreib ins Lebensbuch zum Leben. 6. Hirte, nimm dein Schöflein an, Haupt, mach es zu deinem Gliede; Himmelsweg, zeig ihm die Bahn, Friedefürst, schenk ihm Benj. Schmolck. † 1737. 4. Die Konfirmation und Erneuerung des Taufbundes. 66. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 3% ch bin getauft auf deinen Namen, Gott Vater, Sohn und heilger Geist! ich bin gezählt zu deinem Samen, zum Volk, das dir geheiligt heißt. Ich bin in Christum eingesenkt; ich bin mit seinem Geist beschenkt. 2. Du hast zu deinem Kind und Erben, mein lieber Vater, mich erklärt. Du hast die Frucht von deinem Sterben, mein treuer Heiland, mir gewährt. Du willst in aller Not und Pein, o guter Geist, mein Tröster ſein. zu Gnaden an, wenn ich hab einen Fall gethan. 5. Ich gebe dir, mein Gott, aufs neue Leib, Seel und Herz zum Opfer hin, erwecke mich zu neuer Treue und nimm Besitz von meinem Sinn. Es sei in mir kein Tropfen Blut, der nicht Herr, deinen Willen thut. 6. Weich, weich, du Fürst der Finsternissen, ich bleibe mit dir unvermengt. Hier ist zwar ein befleckt Gewissen, jedoch mit Jeſu Blut besprengt. Weich, eitle Welt! ich entfage euch. du Sünde, weich! Gott hört es: 7. Laß diesen Vorsatz nimmer 3. Doch hab ich dir auch Furcht und Liebe, Treu und Gehorsam wanken, Gott Vater, Sohn und zugesagt; ich habe mich aus rei- heilger Geist! Halt mich in deinem Triebe dein Eigentum zu sein nes Bundes Schranken, bis mich nem Triebe dein Eigentum zu sein dein Wille sterben heißt. So leb gewagt, hingegen sagt ich bis ins dein Wille sterben heißt. So leb Grab des Satans schnöden Wer- ich dir, so sterb ich dir, so lob ich dich dort für und für. fen ab. Joh. Jak. Rambach. † 1735. 67. 4. Mein treuer Gott, auf deiner Seite bleibt dieser Bund wohl feste stehn; wenn aber ich ihn Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. überschreite, so laß mich nicht ver- ch bin getauft: ich steh im non J Bunde mit 582 meinem Gott! So sprech ich stets mit frohem Munde in Kreuz, in Trübsal, Angst und Not. Ich bin getauft, deß freu ich mich, die Freude bleibet ewiglich. Dritter Teil: Lieder. 2. Ich bin getauft: ich hab empfangen das allerschönste Ehrenkleid, darin ich ewiglich kann prangen hier und dort in der Herrlichkeit. Ich bin mit Jeſu Blut erkauft, ich bin in seinen Tod getauft. 3. Ich bin getauft, mir ist gegeben zu gleicher Zeit der heilge Geist; der heiliget mein Herz und Leben, dafür sei ewig Gott gepreist! Zierde! welche große Pracht, die mich gerecht und selig macht! 4. Ich bin getauft, ich bin geschrieben auch in das Buch des Lebens ein. Nun wird mein Vater mich ja lieben und seinem Kinde gnädig sein; es ist mein Name Gott bekannt und eingeprägt in seine Hand. weine bitterlich, so spricht mein Vater: Hier bin ich! 6. Ich bin getauft, was fann mir fehlen, weil ja mein Vater an mich denkt? Wer kann die Wohlthat all erzählen, die er mir wirklich hat geschenkt? Mein Vater ist ein reicher Herr, der giebt mir immer mehr und mehr. 7. Ich bin getauft: ihr Feinde weichet! ich stehe unter Gottes Schuß, der seinem Kind die Hände reichet, was acht ich eure Macht und Trußz? Greift ihr ein Gottesfind nur an, so glaubt, daß Gott es schützen kann. 8. Ich bin getauft und bin zufrieden mit meines Vaters Lieb und Treu. Ich werde von ihm nie geschieden, mein Liebestrieb wird stündlich neu. Wie es mein Vater schickt und fügt, bin ich in allem wohl vergnügt. 9. Ich bin getauft; ob ich gleich sterbe, was schadet mir das kühle Grab? Ich weiß mein Vaterland und Erbe, das ich bei Gott im Himmel hab; nach meinem Tod ist mir bereit des Himmels Freud 5. Ich bin getauft, was kann mir schaden? Ich bin und bleibe Gottes Kind. Ich weiß: ich bin bei Gott in Gnaden, bei dem ich und Seligkeit. allzeit Hilfe find; denn wenn ich Joh. Fr. Start. † 1756. 5. Das Sakrament des heiligen Abendmahles. a. Vor dem Empfang des heiligen Abendmahles. keit und unsrer Seelen Seligkeit zu essen und zu trinken. 68. Herr Mel.: Es ist das Heil uns kommen her. err Jesu Christ, du höchstes 2. O Jesu, mach uns selbst beGut, du Brunnquell aller reit zu diesem hohen Werke; schenk Gnaden, wir kommen, deinen Leib uns dein schönes Ehrenkleid durch und Blut, wie du uns haft ge- deines Geistes Stärke. Hilf, daß laden, zu deiner Liebe Herrlich- wir würdge Gäste sein, und wer Das Sakrament des heiligen Abendmahles. den dir gepflanzet ein zu ewgem Himmelswesen. 3. Bleib du in uns, daß wir in dir auch bis ans Ende bleiben; laß Sünd und Not uns für und für nicht wieder von dir treiben, bis wir durch deines Nachtmahls Kraft zu Auserwählten fortgeschafft und ewig selig werden. Um 1724. 69. Mel.: Gott sei gelobet und. H err Jesu Christe, mein getreuer Hirte, komm, mit Gnaden mich bewirte. Bei dir alleine find ich Heil und Leben; was ich darf, kannst du mir geben. Kyrie eleison. Dein arm Schäflein wollest du weiden auf Israels Bergen mit Freuden, und zum frischen Wasser führn, da das Leben her thut rührn. Kyrie eleison. 583 Sicherheit mich bring um die Seligkeit. Kyrie eleiſon. 4. Greulich beflecket ist mein arm Gewissen: ach! laß ein Blutströpflein fließen aus deinen Wunden, welche du empfangen, da du bist am Kreuz gehangen. Kyrie eleison. Wann mein Herz damit wird gerühret, wirds von Stund an rein und gezieret durch dein Blut mit Glauben schön, kann in dir vor Gott bestehn. Kyrie eleison. 5. Der darf des Arztes, den die Krankheit plaget, mit Begier er nach ihm fraget. O süßer Jesu, schau, wie tiefe Wunden werden auch in mir gefunden! Kyrie eleison. Du bist ja der Arzt, dem ich rufe, auf den mit Verlangen ich hoffe. Hilf, o wahrer Mensch und Gott! hilfst du nicht, so bin ich tot. Kyrie eleison. 6. Du rufest alle zu dir in Genaden, die mühselig und beladen. All ihre Sünde willst du ihn'n verzeihen, ihrer Bürden sie befreien. Kyrie eleison. Ach! komm selbst, leg an deine Hände, und die schwere Last von mir wende. Mache mich von Sünden frei, dir zu dienen Kraft verleih. Kyrie eleison. 7. Mein Geist und Herze wollst du zu dir neigen; nimm mich dir, 3. Laß mich recht trauern über gieb mich dir eigen. Du bist der meine Sünde, doch den Glauben Weinstock, ich bin deine Rebe; auch anzünde; den wahren Glau- nimm mich in dich, daß ich lebe. ben, mit dem ich dich fasse, mich Kyrie eleison. Ach! in mir find auf dein Verdienst verlasse. Kyrie ich eitel Sünden, in dir müssen. eleison. Gieb mir ein recht buß- sie bald verschwinden. In mir fertig Herze, daß ich mit der Sünde find ich Höllenpein, in dir muß. nicht scherze, noch durch meine ich selig sein. Kyrie eleison. 2. All ander Speis und Trank ist ganz vergebens, du bist selbst das Brot des Lebens. Kein Hunger plaget den, der von dir isset, alles Jammers er vergisset. Kyrie eleison. Du bist die lebendige Quelle, zu dir ich mein Herzkrüglein stelle. Laß mit Trost es fließen voll, so wird meiner Seelen wohl. Kyrie eleison. Dritter Teil: Lieder. 584 5. Du sollt glauben und nicht wanken, daß er ein Speis sei der Kranken, den ihr Herz von Sünden schwer und vor Angst ist betrübet sehr. 8. Komm, meine Freude, komm, du schönste Krone, Jesu, komm, und in mir wohne! In mir will ich dich mit Gebet oft grüßen, ja mit Lieb und Glauben küssen. Kyrie eleison. Bring mit, was alle Welt erfreuet, deiner Liebe süße Lieblichkeit, deine Sanftmut und Geduld die Frucht deiner Gnad und Huld. Kyrie eleison. Lohn.*) Offenb. St. Joh. 3, 17. 6. Solch groß Gnad und Barmherzigkeit sucht ein Herz in großer Arbeit: ist dir wohl*), so bleib davon, daß du nicht kriegest bösen 7. Er spricht selber: Kommt ihr Armen, laßt mich über euch erbarmen, kein Arzt ist dem Starken not, sein Kunst wird an ihm gar ein Spott. 9. Dies sind die Blümlein, die mich können heilen und mir Lebenssaft erteilen, daß ich nun aus mir all Untugend reiße, dir zu dienen mich befleiße. Kyrie eleison. In dir hab ich alles, was ich soll; deiner Gnaden Brünnlein ist stets voll. Laß mich ewig sein in dir, und bleib ewig auch in mir. Kyrie eleison. Joh. Heermann. † 1647. 70. Eigene Melodie. Jebe Jesus Christus, unser Heiland, der von uns den Gottes Zorn wandt: durch das bittre Leiden sein half er uns aus der Höllen Pein. 2. Daß wir nimmer deß vergessen, gab er uns sein Leib zu essen, verborgen im Brod so klein, und zu trinken sein Blut im Wein. 8. Hättst du dir was konnt erwerben: was dürft ich denn für dich sterben? Dieser Tisch auch dir nicht gilt, so du selber dir helfen willt. 9. Glaubst du das von Herzengrunde und bekennest mit dem Munde, so bist du recht wohl geschickt und die Speise dein Seel erquickt. 10. Die Frucht soll auch nicht ausbleiben: deinen Nächsten sollt du lieben, daß er dein genießen kann, wie dein Gott an dir hat gethan. Dr. Martin Luther. † 1546. 71. Eigene Melodie. ( chmücke dich, o liebe Seele, 3. Wer sich zu dem Tisch will machen, der hab wohl Acht auf sein Sachen: wer unwürdig hinzugeht, für das Leben den Tod empfäht. laß die dunkle Sündenhöhle; komm ans helle Licht gegangen, fange herrlich an zu prangen. Denn der Herr voll Heil und 4. Du sollt Gott den Vater Gnaden will dich jetzt zu Gaste preisen, daß er dich so wohl wollt laden; der den Himmel kann verspeisen und für deine Missethat walten, will jetzt Herberg in dir in den Tod sein Sohn geben hat. halten. Das Sakrament des heiligen Abendmahles. 585 2. Eile, wie Verlobte pflegen, 6. Nein, Vernunft die muß deinem Bräutigam entgegen, der hier weichen, kann dies Wunder da mit dem Gnadenhammer klopft nicht erreichen, daß dies Brot nie an deine Herzenskammer. Öffn wird verzehret, ob es gleich viel ihm bald die Geistespforten; red Tausend nähret; und daß mit ihn an mit schönen Worten: komm, dem Saft der Reben uns wird mein Liebster, laß dich füssen; Christi Blut gegeben. D, der laß mich deiner nicht mehr missen. großen Heimlichkeiten, die nur Gottes Geist kann deuten! 3. Zwar in Kaufung teurer Waren pflegt man sonst kein Geld zu sparen; aber du willst für die Gaben deiner Huld kein Geld nicht haben, weil in allen Bergwerksgründen kein solch Kleinod ist zu finden, das die blutgefüllten Schalen und dies Manna kann bezahlen. 7. Jesu, meines Lebens Sonne, Jesu, meine Freud und Wonne, Jesu, du mein ganz Beginnen, Lebensquell und Licht der Sinnen! hier fall ich zu deinen Füßen: laß mich würdiglich genießen dieser deiner Himmelsspeise mir zum Heil und dir zum Preise. 4. Ach wie hungert mein Gemüte, Menschenfreund, nach deiner Güte; ach wie pfleg ich oft mit Thränen mich nach dieser Kost zu sehnen; ach wie pfleget mich zu dürsten nach dem Trank des Lebensfürsten; wünsche stets, daß mein Gebeine sich durch Gott mit Gott vereine. 8. Herr, es hat dein treues Lieben dich vom Himmel abgetrieben, daß du willig hast dein Leben in den Tod für uns gegeben und dazu ganz unverdrossen, Herr, dein Blut für uns vergossen, das uns jetzt kann kräftig tränken, deiner Liebe zu gedenken. 5. Beides, Lachen und auch 9. Jesu, wahres Brot des LeZittern, lässet sich in mir jetzt bens, hilf, daß ich doch nicht verwittern*). Das Geheimnis dieser gebens oder mir vielleicht zum Speise und die unerforschte Weise Schaden sei zu deinem Tisch gemachet, daß ich früh vermerke,| laden. Laß mich durch dies SeeHerr, die Größe deiner Stärke. lenessen deine Liebe recht ermessen, Ist wohl auch ein Mensch zu daß ich auch, wie jetzt auf Erden, finden, der dein Allmacht sollt mög dein Gast im Himmel werergründen? *) spüren. den. Joh. Franc. † 1677. b. Nach dem Empfang des heiligen Abendmahles. 72. mit seinem Blute; das gieb uns, Herr Gott, zu gute! Kyrieleison! ott sei gelobet und gebene- Herr, durch deinen heiligen LeichEigene Melodie. speiset mit seinem Fleische und kam, und das heilige Blut hilf 586 uns, Herr, aus aller Not. Kyrie- und Trank, damit du uns begabet. leison! Im Brot und Wein dein Leib und 2. Der heilig Leichnam ist für Blut wahrhaftig kommt uns sehr uns gegeben zum Tod, daß wir zu gut und unsre Herzen labet. dadurch leben. Nicht größer Güte Daß wir in dir uns erfreuen, fonnt er uns geschenken, dabei wohl gedeihen, ewig leben: solches wir sein solln gedenken. Kyrie- wollest du uns geben. leison! Herr, dein Lieb so groß dich zwungen hat, daß dein Blut an uns groß Wunder that und bezahlt unser Schuld, daß uns Gott ist worden hold. Kyrieleison! 2. Ach Herr, laß uns doch nehmen nicht dein wertes Nachtmahl zum Gericht; ein jeder recht bedenke, daß er mit diesem Lebensbrot im Glauben stille seine Not. Der Fels des Heils uns tränke, züchtig, tüchtig dich dort oben stets zu loben, bis wir werden zu dir kommen von der Erden. 3. O, daß wir solcher Seligkeit erwarten möchten allezeit in Hoffnung und Vertrauen; und folgends aus dem Jammerthal gelangen in den Himmelssaal, dein Antlig, Herr, zu schauen, da sich fröhlich alle Gäste auf das Beste werden laben und ganz volle Gnüge Bernh. v. Derschau. † 1639. Dritter Teil: Lieder. 3. Gott geb uns allen seiner Gnaden Segen, daß wir gehn auf seinen Wegen in rechter Lieb und brüderlicher Treue, daß die Speis uns nicht gereue. Kyrie leison! Herr, dein heilig Geist uns nimmer laß*), der uns geb zu halten rechte Maß, daß dein arm Christenheit leb in Fried und Einigkeit. Kyrieleison! H verlaß. Dr. M. Luther. † 1546. 73. Mel.: Wie schön leuchtet der. err Jesu, dir sei Preis und haben. Dank für diese Seelenspeis III. Das christliche Leben. 1. Buße. 74. Eigene Melodie. A llein zu dir, Herr Jesu Christ, mein Hoffnung steht auf Erden! Ich weiß, daß du mein Tröster bist; kein Trost mag mir sonst werden. Von Anbeginn ist nichts erforn, auf Erden war kein Mensch geborn, der mir aus Nöten helfen kann; ich ruf dich an, zu dem ich mein Vertrauen han. 2. Mein Sünd sind schwer und übergroß und reuen mich von Herzen; derselben mach mich quitt*) und los durch deinen Tod und Schmerzen; und zeig mich deinem Vater an, daß du haft gnug für mich gethan, so werd ich quitt, der Sünden los. Herr, halt mir fest, weß du dich mir versprochen haft. *) frei. 3. Gieb mir nach dein Barm 587 herzigkeit den wahren Christen- 4. Und ob es währt bis in die glauben, auf daß ich deine Süßig- Nacht und wieder an den Morkeit möcht inniglichen schauen; vor gen, doch soll mein Herz an Gotallen Dingen lieben dich, und mei- tes Macht verzweifeln nicht, noch nen Nächsten gleich als mich. Am sorgen. So thu Israel rechter letzten End dein Hilf mir send, Art, der aus dem Geist erzeuget damit behend des Teufels List sich ward, und seines Gotts erharre. von mir wend. Buße. 4. Ehr sei Gott in dem höchsten Thron, dem Vater aller Güte, und Jesu Christ, sein'm liebsten Sohn, der uns allzeit behüte, und Gott dem heiligen Geiste, der uns sein Hilf allzeit leiste; damit wir ihm gefällig sein, hier in der Zeit und folgend in der Ewigkeit. Christ. Joh. Schneesing. † 1567. 75. Eigene Melodie. A₁ us tiefer Not schrei ich zu dir, Herr Gott, erhör mein Rufen! Dein gnädig Ohren kehr zu mir und meiner Bitt sie öffen. Denn so du willst das sehen an, was Sünd und Unrecht ist gethan, wer faun, Herr, vor dir bleiben? 2. Bei dir gilt nichts, denn Gnad und Gunst, die Sünde zu vergeben. Es ist doch unser Thun umsonst auch in dem besten Leben. Vor dir niemand sich rühmen kann; des muß dich fürchten jeder mann und deiner Gnade leben. 3. Darum auf Gott will hoffen ich, auf mein Verdienst nicht bauen. Auf ihn mein Herz soll lassen sich und seiner Güte trauen, die mir zusagt sein wertes Wort, das ist mein Trost und treuer Hort; des will ich allzeit harren. 5. Ob bei uns ist der Sünden viel, bei Gott ist viel mehr Gnade; sein Hand zu helfen hat kein Ziel, wie groß auch sei der Schade. Er ist allein der gute Hirt, der Israel erlösen wird aus seinen Sünden allen. Dr. M. Luther. † 1546. 76. $ Mel.: Herr Christ, der einig Gotts Sohn. err Jesu, Gnadensonne, wahrhaftes Lebenslicht, laß Leben, Licht und Wonne mein blödes Angesicht nach deiner Gnad erfreuen und meinen Geist erneuen; mein Gott versag mirs nicht. 2. Vergieb mir meine Sünden und wirf sie hinter dich: laß allen Zorn verschwinden und hilf genädiglich. Laß deine Friedensgaben mein armes Herze laben; ach Herr, erhöre mich. 3. Vertreib aus meiner Seelen den alten Adamssinn und laß mich dich erwählen, daß ich mich fünftighin zu deinem Dienst ergebe und dir zu Ehren lebe, weil ich erlöset bin. 4. Befördre dein Erkenntnis in mir, mein Seelenhort; und öffne mein Verständnis durch dein heiliges Wort, damit ich an dich gläube und in der Wahrheit bleibe zu Truß der Höllenpfort. 588 Dritter Teil: Lieder. 5. Tränk mich an deinen Brü-| davon, daß ich dir mög vertrauen sten und freuzge mein Begier samt und nicht bauen auf all mein eigen allen bösen Lüften; auf daß ich für Thun; sonstwirds mich ewig reuen. und für der Sündenwelt absterbe und nach dem Fleisch verderbe, hingegen leb in dir. 6. Ach zünde deine Liebe in meiner Seelen an, daß ich aus innrem Triebe dich ewig lieben kann und dir zum Wohlgefallen beständig möge wallen auf rechter Lebensbahn. 7. Nun, Herr, verleih mir Stärke, verleih mir Kraft und Mut; denn das sind Gnadenwerke, die dein Geist schafft und thut, hingegen meine Sinnen, mein Lassen und Beginnen ist böse und nicht gut. 8. Darum, du Gott der Gnaden, du Vater aller Treu: wend allen Seelenschaden und mach mich täglich neu. Gieb, daß ich deinen Willen stets suche zu erfüllen, und steh mir kräftig bei. 2. A. Gotter. † 1735. 77. Eigene Melodie. ch ruf zu dir, Herr Jesu Christ, ich bitt: erhör mein Klagen; verleih mir Gnad zu dieser Frist, laß mich doch nicht verzagen. Den rechten Weg, o Herr, ich mein, den wollest du mir geben, dir zu leben, mein'm Nächſten nüß zu sein, dein Wort zu halten eben. 3. Verleih, daß ich aus Herzensgrund mein Feinden mög vergeben; verzeih mir auch zu dieser Stund, schaff mir ein neues Leben. Dein Wort mein Speis laß allweg sein, damit mein Seel zu nähren, mich zu wehren, wenn Unglück geht herein, das mich bald. möcht verkehren. 4. Laß mich kein Lust noch Furcht von dir in dieser Welt abwenden; beständig sein ans End gieb mir: du hasts allein in Händen; und wem dus giebst, der hats umsonst; es mag niemand erwerben noch ererben durch Werke deine Gunst, die uns errett vom Sterben. 5. Ich lieg im Streit und widerstreb, hilf, o Herr Christ, dem Schwachen! An deiner Gnad allein ich kleb; du kannst mich stärker machen. Kommt nun Anfechtung her, so wehr, daß sie mich nicht umstoße. Du kannsts maßen*), daß mirs nicht bringt Gfähr; ich weiß, du wirsts nicht lassen. *) mäßigen. Joh. Agricola. † 1566. 78. Mel.: Vater unser im Himmelreich ( o wahr ich lebe, spricht dein Gott, mir ist nicht lieb des 2. Jch bitt noch mehr, o Herre Sünders Tod; vielmehr ist dies Gott, du fannst es mir wohl ge- mein Wunsch und Will, daß er ben: daß ich nicht wieder werd von Sünden halte still, von seizu Spott, die Hoffnung gieb da ner Bosheit fehre sich und lebe neben, voraus wenn ich muß hie mit mir ewiglich. Buße. 2. Dies Wort bedenk, o Menschenkind: verzweifle nicht in deiner Sünd! Hier findeſt du Trost, Heil und die Gott dir zugesaget hat, und zwar mit einem teuren Eid. O selig! dem die Sünd ist leid. 3. Doch hüte dich vor Sicher heit; denk nicht: zur Buß ist noch wohl Zeit, ich will erst fröhlich sein auf Erd; wann ich des Lebens müde werd, alsdann will ich bekehren mich, Gott wird wohl mein erbarmen sich. 6. Heut lebst du, heut bekehre dich! Eh morgen kommt, kanns ändern sich. Wer heut ist frisch, gesund und rot, ist morgen krank, ja wohl gar tot. So du nun stirbest ohne Buß, dein Leib und Seel dort brennen muß. 589 7. Hilf, o Herr Jesu, hilf du mir, daß ich noch heute komm zu dir und Buße thu den Augenblick, eh mich der schnelle Tod hinrück; auf daß ich heut und jederzeit zu meiner Heimfahrt sei bereit. Joh. Heermann. † 1647. 79. Mel.: Auf meinen lieben Gott. Mo soll ich fliehen hin, weil ich mit viel und großen Sünden? Wo kann ich Rettung finden? Wenn alle Welt her käme, mein Angst fie nicht wegnähme. 3. Jch, dein betrübtes Kind, 4. Wahr ists: Gott ist wohl werf alle meine Sünd, so viel ihr stets bereit dem Sünder mit in mir stecken und mich so heftig Barmherzigkeit; doch wer auf schrecken, in deine tiefen Wunden, Gnade sündigt hin, fährt fort in da ich stets Heil gefunden. seinem bösen Sinn und seiner Seelen selbst nicht schont, dem wird mit Ungnad abgelohnt. 4. Durch dein unschuldigs Blut, die schöne rote Flut, wasch ab all meine Sünde; mit Trost mein Herz verbinde und ihr nicht mehr gedenke, ins Meer fie tief versente. 5. Gnad hat dir zugesaget Gott von wegen Christi Blut und Tod: zusagen hat er nicht gewollt, ob du bis morgen leben sollt. Daß du mußt sterben, ist dir fund; verborgen ist die Todesstund. 5. Du bist der, der mich tröst, weil du mich selbst erlöst; was ich gesündigt habe, hast du verscharrt im Grabe. Da hast du es verschlossen, da wirds auch bleiben müssen. 6. Ist meine Bosheit groß, so werd ich ihr'r doch los, wenn ich dein Blut auffasse und mich darauf verlasse. Wer sich zu dir nur findet, all Angst ihm bald verschwindet. 7. Mir mangelt zwar sehr viel, doch was ich haben will, ist alles mir zu gute erlangt mit deinem Blute, damit ich überwinde Tod, Teufel, Höll und Sünde. 8. Und wenn des Satans Heer 38 2. O Jesu, voller Gnad, auf dein Gebot und Rat kommt mein betrübt Gemüte zu deiner großen Güte. Laß du auf mein Gewissen ein Gnadentröpflein fließen. 590 Dritter Teil: Lieder. mir ganz entgegen wär, darf ich Herr Christ, verlaß ich mich. doch nicht verzagen: mit dir kann Jezt kann ich nicht verderben, ich sie schlagen. Dein Blut darf dein Reich muß ich ererben; denn ich nur zeigen, so muß ihr Truß du haft mirs erworben, da du für bald schweigen. mich gestorben. 9. Dein Blut, der edle Saft, hat solche Stärk und Kraft, daß auch ein Tröpflein kleine die ganze Welt fann reine, ja gar aus Teufels Rachen frei, los und ledig machen. 11. Führ auch mein Herz und Sinn durch deinen Geiſt dahin, daß ich mög alles meiden, was mich und dich kann scheiden, und ich an deinem Leibe ein Gliedmaß 10. Darum allein auf dich, ewig bleibe. Joh. Heermann. † 1647. 2. Glaube und Rechtfertigung. stärt und in dir woll vermehren. Laß aber auch des Glaubens das ist mein Schmuck und sein; sonst ist dein Glaube eitel. in Werken an dir Ehrenkleid, damit will ich vor Gott bestehn, wenn ich zum Himmel werd eingehn. Nit. Ludw. Graf v. Zinzendorf. † 1760. 4. Es ist ein schändlich böser Wahn, des Glaubens sich nur rühmen, und gehen auf der Sünden Bahn, das Christen nicht kann ziemen. Wer das thut, der soll wissen frei, daß sein Glaub nur sei Heuchelei und werd zur Höll ihn bringen. 80. 81. De Mel. Es ist das Heil uns kommen her. er Glaub ist eine Zuversicht zu Gottes Gnad und Güte; der bloße Beifall thut es nicht, es muß Herz und Gemüte durchaus zu Gott gerichtet sein und gründen sich auf ihn allein, ohn Wanfen und ohn Zweifel. 5. Drum lasse sich ein from= mer Christ mit Ernst sein angelegen, daß er aufrichtig jeder Frist sich halt in Gottes Wegen, daß sein Glaub ohne Heuchelei vor Gott dem Herrn rechtschaffen sei und vor dem Nächsten leuchte. 2. Wer sein Herz also stärkt und steift im völligen Vertrauen und Jesum Christum recht ergreift, auf sein Verdienst kann bauen, der 82. Eigene Melodie. hat des Glaubens rechte Art und Durch Adams Fall iſt ganz versich zur seligen schicken ohne Grauen. und Wesen; dasselb Gift ist auf uns 3. Das aber ist kein Menschen- geerbt, daß wir nicht mochtn gewerk, Gott muß es uns gewähren; nesen ohn Gottes Trost, der uns drum bitt, daß er den Glauben erlöst hat von dem großen Scha1714. Glaube und Rechtfertigung. 591 den, darein die Schlang Evam ein ander Ziel ohn diesen Tröster bezwang, Gotts Zorn auf sich zu stecken, den mag gar bald des laden. Teufels Gwalt mit seiner Liſt erschrecken. 7. Wer hofft in Gott und dem vertraut, wird nimmermehr zu schanden; denn wer auf diesen Felsen baut, ob ihm gleich geht zuhanden viel Unfalls hie, hab ich doch nie den Menschen sehen fallen, der sich verläßt auf Gottes Trost; er hilft sein Gläubgen allen. 8. Jch bitt, o Herr, aus Herzensgrund, du wollst nicht von mir nehmen dein heilges Wort aus meinem Mund, so wird mich nicht beschämen mein Sünd und Schuld; denn in dein Huld seß ich all mein Vertrauen; wer sich nur fest darauf verläßt, der wird den Tod nicht schauen. 9. Mein Füßen ist dein heilges Wort ein brennende Lucerne, ein Licht, das mir den Weg weist fort: so dieser Morgensterne in uns aufgeht, so bald versteht der Mensch die hohen Gaben, die Gottes Geist den'n gewiß verheißt, die Hoffnung darein haben. Lazar. Spengler. † 1534. 2. Weil denn die Schlang Evam hat bracht, daß sie ist abgefallen von Gottes Wort, welchs sie veracht, dadurch sie in uns allen bracht hat den Tod, so war je Not, daß uns auch Gott sollt geben sein lieben Sohn, der Gnaden Thron, in dem wir möchten leben. 3. Wie uns nun hat ein fremde Schuld in Adam all verhöhnet, also hat uns ein fremde Huld in Christo all versöhnet; und wie wir all durch Adams Fall sind ewigs Tods gestorben, also hat Gott durch Christi Blut verneut, was war verdorben. 4. So er uns denn sein Sohn geschenkt, da wir sein Feind noch waren; der für uns ist ans Kreuz gehenft, getöt, gen Himmel gfahren, dadurch wir sein von Tod und Pein erlöst, so wir vertrauen in diesen Hort, des Vaters Wort: wem wollt vorm Sterben grauen? 5. Er ist der Weg, das Licht, die Pfort, die Wahrheit und das Leben, des Vaters Rat und ewges Wort, den er uns hat gegeben zu einem Schuß, daß wir mit Truß 83. Eigene Melodie. an ihn fest ſollen glauben; darum Es ist das Heil uns kommen uns kein Gwalt aus seiner Hand wird rauben. 6. Der Mensch ist gottlos und verflucht, sein Heil ist auch noch ferne, der Trost bei einem Men schen sucht und nicht bei Gott dem Herren; denn wer ihm will her von Gnad und lauter Güten; die Werke helfen nimmermehr, sie mögen nicht behüten; der Glaub sieht Jesum Christum an, der hat gnug für uns all gethan, er ist der Mittler worden. 2. Was Gott im Gseß gebo38* Dritter Teil: Lieder. 592 ten hat, da man es nicht konnt und wird getauft, demselben ist halten, erhub sich Zorn und große der Himmel erkauft, daß er nicht Not vor Gott so mannigfalte. werd verloren. Vom Fleisch wollt nicht heraus der Geist, vom Gseß erfordert allermeist; es war mit uns verloren. 8. Er ist gerecht vor Gott allein, der diesen Glauben fasset; der Glaub giebt aus von ihm den Schein, so er die Werk nicht lasset. Mit Gott der Glaub ist wohl daran, dem nächsten wird die Lieb Guts thun, bist du aus Gott geboren. 3. Es war ein falscher Wahn dabei: Gott hätt sein Gseß drum geben, als ob wir möchten selber frei nach seinem Willen leben; so ist es nur ein Spiegel zart, der uns zeigt an die fündig Art, in unserm Fleisch verborgen. 4. Nicht möglich war, dieselbig Art aus eignen Kräften lassen; wiewohl es oft versuchet ward, doch mehrt sich Sünd ohn MaBen; denn Gleißners Werk Gott hoch verdammt, und jedem Fleisch der Sünden Schand allzeit war angeboren. 5. Noch mußt das Gseß erfüllet sein, sonst wärn wir all verdorben; drum schickt Gott seinen Sohn herein, der selber Mensch ist worden; das ganze Gsetz hat er erfüllt, damit seins Vaters Zorn gestillt, der über uns ging alle. 6. Und wenn es nun erfüllet ist durch den, der es konnt halten, so lerne jeßt ein frommer Christ! des Glaubens recht Gestalte! Nicht mehr, denn: Lieber Herre mein, dein Tod wird mir das Leben sein; du haft für mich bezahlet. 12. Ob sichs anließ, als wollt 7. Daran ich keinen Zweifel er nicht, laß dich es nicht ertrag; dein Wort kann nicht be- schrecken; denn wo er ist am trügen. Nun sagst du, daß kein besten mit, da will ers nicht entMensch verzag, das wirst du nim- decken. Sein Wort laß dir gemer lügen: Wer glaubt in mich wisser sein; und ob dein Fleisch 9. Es wird die Sünd durchs Gseß erkannt und schlägt das Gwissen nieder; das Evangelium kommt zu Hand und stärkt den Sünder wieder und spricht: Nur freuch zum Kreuz herzu, im Gjeß ist weder Rast noch Ruh mit allen seinen Werken! 10. Die Werk die kommen gwißlich her aus einem rechten Glauben; denn das nicht rechter Glaube wär, wolltst ihn der Werk berauben. Doch macht allein der Glaub gerecht, die Werk die sind des Nächsten Knecht, dabei wir'n Glauben merken. 11. Die Hoffnung wart der rechten Zeit, was Gottes Wort zusage; wenn das geschehen soll zur Freud, sezt Gott kein gwisse Tage. Er weiß wohl, wenns am besten ist, und braucht an uns kein arge List, des solln wir ihm vertrauen. Glaube und Rechtfertigung. spräch lauter Nein, so laß doch dir nicht grauen. 13. Sei Lob und Ehr mit hohem Preis um dieser Gutthat willen Gott Vater, Sohn, heiligem Geist, der woll mit Gnad erfüllen, was er in uns angfangen hat zu Ehren seiner Majestät, daß heilig werd sein Name. 14. Sein Reich zukomm, sein Will auf Erd steh wie im Himmelsthrone; das täglich Brot noch heut uns werd; wollst unsrer Schuld verschonen, als wir auch unsern Schuldgern thun; laß uns nicht in Versuchung stehn; lös uns vom Übel. Amen. Paul Speratus. † 1554. 84, Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. Oder: O daß ich tausend Zungen. 593 4. O Abgrund, welcher alle Sünden durch Christi Tod verschlungen hat! Das heißt die Wunde recht verbinden; da findet kein Verdammen statt, weil Christi Blut beständig schreit: Barmherzigkeit! Barmherzigkeit! 5. Darein will ich mich gläubig senken, dem will ich mich getrost vertraun und, wenn mich meine Sünden fränken, nur bald nach Gottes Herze schaun; da findet sich zu aller Zeit unendliche Barmherzigkeit. ewig hält: wo anders, als in Jesu Wunden? Da lag er vor der Zeit der Welt. Der Grund, der unbeweglich steht, wenn Erd und Himmel untergeht. 2. Es ist das ewige Erbarmen, das alles Denken übersteigt; es sind die offnen Liebesarmen des, der sich zu dem Sünder neigt, dem allemal das Herze bricht, wir kommen oder kommen nicht. 7. Beginnt das Irdische zu Ich habe nun Grund geJhunden, der meinen Unter drücken, u, hauft find the det 6. Wird alles andre weggerissen, was Seel und Leib erquicken kann; darf ich von feinem Troste wissen und scheine völlig ausgethan; ist die Errettung noch so weit: mir bleibet doch Barmherzigkeit. 3. Wir sollen nicht verloren werden; Gott will, uns soll geholfen sein; deswegen fam sein Sohn auf Erden und nahm hernach den Himmel ein; deswegen flopft er für und für so stark an unsers Herzens Thür. und Verdruß, daß ich mich noch in vielen Stücken mit eitlen Dingen mühen muß; werd ich dadurch oft sehr zerstreut: so hoff ich doch Barmherzigkeit. 8. Muß ich an meinen besten Werken, darinnen ich gewandelt bin, viel Unvollkommenheit bemerken, so fällt wohl alles Rühmen hin; doch ist auch dieser Trost bereit: ich hoffe auf Barmherzigkeit. 9. Es gehe mir nach dessen Willen, bei dem so viel Erbarmen ist. Er wolle selbst mein Herze stillen, damit es dies nur nicht vergißt; so stehet es in Lieb und Leid in, durch und auf Barmherzigkeit. 594 10. Bei diesem Grunde will ich bleiben, so lange mich die Erde trägt. Das will ich denken, thun und treiben, so lange sich ein Glied bewegt. So sing ich einst auch nach der Zeit: o Abgrund der Barmherzigkeit. 3. A. Rothe. † 1758. Dritter Teil: Lieder. 85. Mel.: Jesus, meine Zuversicht. 6. Ich bin ganz getrosten Muts; ob die Sünden blutrot wären, müssen sie kraft deines Bluts sich dennoch in schneeweiß kehren, da ich gläubig sprechen kann: Jesus nimmt die Sünder an. 7. Mein Gewissen beißt mich nicht, Moses darf mich nicht verklagen; der mich frei und ledig spricht, hat die Sünden abgetragen, daß mich nichts verdammen Saget doch dies Trostwort 8. Jesus nimmt die Sünder allen, welche von der rechten Bahn an! Er hat mich auch angenomauf verkehrten Weg verfallen. Hier ist, was sie retten kann, Jesus nimmt die Sünder an. men und den Himmel aufgethan, daß ich selig zu ihm kommen und auf den Trost sterben kann: Jesus nimmt die Sünder an. Erdm. Neumeister. † 1756. 2. Keiner Gnade bin ich wert; doch hat er in seinem Worte eidlich sich dazu erklärt; sehet nur, die Gnadenpforte ist hier völlig aufgethan: Jesus nimmt die Sünder an. 86. Jst 3. Wenn ein Schaf verloren Mel.: Valet will ich dir geben. ft Gott für mich, so trete gleich alles wider mich; so oft ich ist, suchet es ein treuer Hirte; ruf und bete, weicht alles hinter Jesus, der uns nie vergißt, suchet treulich das Verirrte, daß es nicht verderben kann: Jesus nimmt die Sünder an. sich. Hab ich das Haupt zum Freunde und bin geliebt bei Gott, was kann mir thun der Feinde und Widersacher Rott? 2. Nun weiß und glaub ich feste, ich rühms auch ohne Scheu, daß Gott der Höchst und Beste, mein Freund und Vater sei; und daß in allen Fällen er mir zur Rechten steh und dämpfe Sturm und Wellen und was mir bringet Weh. 4. Kommet alle, kommet her, kommet ihr betrübten Sünder; Jesus rufet euch, und er macht aus Sündern Gottes Kinder. Glaubt es doch und denkt daran: Jesus nimmt die Sünder an. 5. Jch Betrübter komme hier und bekenne meine Sünden; laß, mein Heiland, mich bei dir Gnade und Vergebung finden, daß dies Wort mich trösten kann: Jesus nimmt die Sünder an. 3. Der Grund, da ich mich gründe, ist Christus und sein Blut; das machet, daß ich finde das ewge, wahre Gut. An mir 595 Geiste manch süßes Trostwort zu, wie Gott dem Hilfe leiste, der bei ihm suchet Ruh; und wie er hab erbauet ein edle neue Stadt, da Aug und Herze schauet, was Glaube und Rechtfertigung. und meinem Leben ist nichts auf dieser Erd: was Christus mir gegeben, das ist der Liebe wert. 4. Mein Jesus ist mein Ehre, mein Glanz und helles Licht. Wenn der nicht in mir wäre, so es geglaubet hat. dürft und könnt ich nicht vor Gottes Augen stehen und vor dem strengen Siß, ich müßte stracks vergehen, wie Wachs in Feuershitz. 5. Mein Jesus hat gelöschet, was mit sich führt den Tod; der ists, der rein mich wäschet, macht schneeweiß, was ist rot. In ihm kann ich mich freuen, hab einen Heldenmut, darf kein Gerichte scheuen, wie sonst ein Sünder thut. 6. Nichts, nichts kann mich verdammen, nichts nimmet mir mein Herz; die Höll und ihre Flammen, die sind mir nur ein Scherz; kein Urteil mich erschrecket, kein Unheil mich betrübt, weil mich mit Flügeln decket mein Heiland, der mich liebt. 10. Da ist mein Teil und Erbe mir prächtig zugericht; wenn ich gleich fall und sterbe, fällt doch mein Himmel nicht. Muß ich auch gleich hier feuchten mit Thränen meine Zeit, mein Jesus und sein Leuchten durchsüßet alles Leid. 8. Und wenn an meinem Orte sich Furcht und Schrecken findt, so seufzt und spricht er Worte, die unaussprechlich sind zwar mir und meinem Munde, Gott aber wohl bewußt, der an des Herzens Grunde erfiehet seine Lust. 9. Sein Geist spricht meinem 11. Wer sich mit dem verbindet, den Satan flieht und haßt, der wird verfolgt und findet ein harte, schwere Laſt, zu leiden und zu tragen, gerät in Hohn und Spott; das Kreuz und alle Plagen die sind sein täglich Brot. 12. Das ist mir nicht verborgen, doch bin ich unverzagt: Gott will ich lassen sorgen, dem ich mich zugesagt. Es koste Leib und Leben und alles, was ich hab, an dir will ich fest kleben und nimmer lassen ab. 7. Sein Geist wohnt mir im Herzen, regieret meinen Sinn, vertreibt mir Sorg und Schmer13. Die Welt, die mag zerzen, nimmt allen Kummer hin; brechen, du stehst mir ewiglich. giebt Segen und Gedeihen dem, Kein Brennen, Hauen, Stechen was er in mir schafft, hilft mir soll trennen mich und dich; kein das Abba schreien aus aller meiner Kraft. Hunger und kein Dürsten, kein Armut, keine Pein, kein Zorn des großen Fürsten soll mir ein Hindrung sein. 14. Rein Engel, keine Freuden, kein Thron, kein Herrlichkeit, fein Lieben und kein Leiden, fein Angst, kein Herzeleid; was man nur kann erdenken, es sei klein oder groß, der keines soll mich Dritter Teil: Lieder. 596 lenten aus deinem Arm und Schoß. 15. Mein Herze geht in Sprüngen und kann nicht traurig sein, ist voller Freud und Singen, sieht lauter Sonnenschein: die Sonne, die mir lachet, ist mein Herr Jesus Christ; das, was mich singend machet, ist, was im Himmel ist. P. Gerhardt. † 1676. 87. 5. Er sprach zu seinem lieben Sohn: die Zeit ist hie zu erbarmen. Fahr hin meins Herzens werte Kron, und sei das Heil dem Armen und hilf ihm aus der Sünden Not, erwürg für ihn den bittern Tod und laß ihn mit dir leben. 6. Der Sohn dem Vater ghorsam ward, er kam zu mir auf Erden, von einer Jungfrau rein und zart; er sollt mein Bruder werden. Gar heimlich führt er sein Gewalt, er ging in meiner armen G'stalt; den Teufel wollt er fangen. 7. Er sprach zu mir: halt dich an mich, es soll dir ißt gelingen. Ich geb mich selber ganz für dich; da will ich für dich ringen; denn ich bin dein und du bist mein, und wo ich bleib, da sollt du sein; uns soll der Feind nicht scheiden. 8. Vergießen wird er mir mein Blut, dazu mein Leben rauben: das leid ich alles dir zu gut; das halt mit festem Glauben. Den Tod verschlingt das Leben mein, mein Unschuld trägt die Sünde dein; da bist du selig worden. 9. Gen Himmel zu dem Vater mein fahr ich von diesem Leben; da will ich sein der Meister dein, den Geist will ich dir geben, der 4. Da jammert Gott in Ewig- dich in Trübnis trösten soll und feit mein Elend übermaßen; er lehren mich erkennen wohl und dacht an sein Barmherzigkeit, er in der Wahrheit leiten. wollt mir helfen lassen. Er wandt zu mir das Vaterherz; es war bei ihm fürwahr kein Scherz, er ließ's sein Bestes koſten. 10. Was ich gethan hab und gelehrt, das sollst du thun und lehren, damit das Reich Gotts werd gemehrt zu Lob und seinen Eigene Melodie. Nu un freut euch, lieben Christen gmein, und laßt uns fröhlich springen, daß wir getrost und all in ein mit Lust und Liebe singen, was Gott an uns gewendet hat, und seine süße Wunderthat; gar teuer hat ers erworben. 2. Dem Teufel ich gefangen lag, im Tod war ich verloren; mein Sünd mich quälte Nacht und Tag, darin ich war geboren; ich fiel auch immer tiefer drein, es war kein Guts am Leben mein; die Sünd hatt' mich besessen. 3. Mein gute Werk die galten nicht, es war mit ihn'n verdorben: der frei Will hasset Gotts Gericht, er war zum Gutn erstorben; die Angst mich zu verzweifeln trieb, da nichts denn Sterben bei mir blieb; zur Höllen mußt ich finken. Heiligung. Liebe zu Jesu. - Ehren. Und hüt dich vor der Menschen G'satz, davon verdirbt der edle Schatz: das laß ich dir zur Leße.*) Amen.*) zum Schluß. Dr. M. Luther. † 1546. 88. Mel.: Nun freut euch lieben. uch, wer da will, ein ander Ziel, die Seligkeit zu finden; mein Herz allein bedacht soll sein, auf Christum sich zu gründen; sein Wort ist wahr, sein Werk sind flar, sein heilger Mund hat Kraft und Grund, all Feind zu überwinden. 597 alles stehn, die ihr das Heil begehret! er ist der Herr, und keiner mehr, der euch das Heil gewähret. Sucht ihn all Stund von Herzens Grund, sucht ihn allein, denn wohl wird sein dem, der ihn herzlich ehret. 2. Such, wer da will, Nothelfer viel, die uns doch nichts erworben, hier ist der Mann, der helfen kann, bei dem nie was verdorben. Uns wird das Heil durch ihn zu Teil, uns macht gerecht der treue Knecht, der für uns ist gestorben. 3. Ach sucht doch den, laßt 4. Meins Herzens Kron, mein Freudensonn sollst du, Herr Jesu, bleiben, laß mich doch nicht von deinem Licht durch Eitelkeit vertreiben. Bleib du mein Preis, dein Wort mich speis; bleib du mein Ehr, dein Wort mich lehr, an dich stets fest zu gläuben. 5. Wend von mir nicht dein Angesicht, laß mich im Kreuz nicht zagen. Weich nicht von mir, mein höchste Zier, hilf mir mein Leiden tragen, hilf mir zur Freud nach diesem Leid, hilf, daß ich mag nach dieser Klag dir ewig dort Lob sagen. G. Weissel. † 1635. 3. Heiligung. A. Liebe zu Jesu( Jesuslieder). 89. Mel.: Vater unser im Himmelreich. ch Gott, wie manches Herzeleid begegnet mir zu dieser Zeit. Der schmale Weg ist Trübsal voll, den ich zum Himmel wandeln soll. Wie schwer doch läßt sich Fleisch und Blut bezwingen zu dem ewgen Gut. 2. Wo soll ich mich denn wenden hin? zu dir, Herr Jesu, steht mein Sinn. Bei dir mein Herz Trost, Hilf und Rat allzeit gewiß gefunden hat. Niemand je viel mehr; kein Elend mag so 4. Jesu, mein Herr und Gott allein, wie süß ist mir der Name dein! Es kann kein Trauern sein so schwer, dein süßer Nam erfreut mals verlassen ist, der getraut hat auf Jesum Christ. 3. Du bist der große Wundermann, das zeigt dein Amt und dein Person. Welch Wunderding hat man erfahrn, daß du, mein Gott, bist Mensch geborn, und führest uns durch deinen Tod ganz wunderlich aus aller Not. Dritter Teil: Lieder. 598 bitter sein, dein süßer linderts fein. 5. Ob mir gleich Leib und Seel verschmacht, so weißt du, Herr, daß ichs nicht acht; wenn ich dich hab, so hab ich wohl, was ewig mich erfreuen soll. Dein bin ich ja mit Leib und Seel, was kann mir thun Sünd, Tod und Höll? 6. Kein besser Treu auf Erden ist, denn nur bei dir, Herr Jesu Christ! Ich weiß, daß du mich nicht verläßt, dein Wahrheit bleibt mir ewig fest; du bist mein rechter treuer Hirt, der mich ewig behüten wird. Trost der bet und sing, so wird mein Herz recht guter Ding; dein Geist bezeugt, daß solches frei des ewgen Lebens Vorschmack sei. 7. Jesu, mein Freud, mein Ehr und Ruhm, meins Herzens Schatz und mein Reichtum: ich kanns ja doch nicht zeigen an, wie hoch dein Nam erfreuen kann: wer Glaub und Lieb im Herzen hat, der wirds erfahren mit der That. 8. Drum hab ichs oft und viel geredt: wenn ich an dir nicht Freude hätt, so wollt ich den Tod wünschen her, ja, daß ich nicht geboren wär; denn wer dich nicht im Herzen hat, der ist fürwahr lebendig tot. 9. Jesu, du edler Bräutgam wert, mein höchste Zierd auf dieser Erd, an dir allein ich mich ergöß, weit über alle güldne Schäß; so oft ich nur gedenk an dich, all mein Gemüt erfreuet sich. 10. Wenn ich mein Hoffnung stell zu dir, so fühl ich Freud und Trost in mir; wenn ich in Nöten 11. Drum will ich, weil ich lebe noch, das Kreuz dir fröhlich tragen nach. Mein Gott, mach mich dazu bereit; es dient zum besten allezeit. Hilf mir mein Sach recht greifen an, daß ich mein'n Lauf vollenden kann. 12. Hilf mir auch zwingen Fleisch und Blut, vor Sünd und Schanden mich behüt; erhalt mein Herz im Glauben rein, so leb und sterb ich dir allein. Jesu, mein Trost, hör mein Begier: o mein Heiland, wär ich bei dir! Martin Moller. † 1606. 90. Eigene Melodie. ist Herr, dies Sine lehre mich erkennen doch! Alles andere, wies auch scheine, ist ja nur ein schweres Joch, darunter das Herze sich naget und plaget, und dennoch kein wahres Vergnügen erjaget. Erlang ich dies Eine, das alles ersetzt, so werd ich mit Einem in allem ergößt. 2. Seele, willst du dieses finden, suchs bei keiner Kreatur; laß, was irdisch ist, dahinten, schwing dich über die Natur. Wo Gott und die Menschheit in Einem vereinet, wo alle vollkommene Fülle erscheinet: da, da ist das beste, notwendigste Teil, mein Ein und mein Alles, mein seligstes Heil. Heiligung. 3. Wie Maria war beflissen auf des Einigen Genieß, da sie sich zu Jesu Füßen voller Andacht niederließ. Ihr Herze entbrannte, dies einzig zu hören, was Jesus, ihr Heiland, sie wollte belehren; ihr Alles war gänzlich in Jefum versenkt, und wurde ihr alles in Einem geschenkt. - 4. Also ist auch mein Verlangen, liebster Jesu, nur nach dir. Laß mich treulich an dir hangen, schenke dich zu eigen mir. Ob viel auch umkehrten zum größesten Haufen, so will ich dir den noch in Liebe nachlaufen; denn dein Wort, o Jesu, ist Leben und Geist: was ist wohl, das man nicht in Jesu geneußt? 5. Aller Weisheit höchste Fülle in dir ja verborgen liegt. Gieb nur, daß sich auch mein Wille fein in solche Schranken fügt, wo rinnen die Demut und Einfalt regieret und mich zu der Weisheit, die himmlisch ist, führet. Ach, wenn ich nur Jesum recht kenne und weiß, so hab ich der Weisheit vollkommenen Preis. in Ewigkeit prangt. Liebe zu Jesu. 599 Seele, auch nach deinem Bild erwacht; du bist ja, den ich erwähle, mir zur Heiligung gemacht. Was dienet zum göttlichen Wandel und Leben, ist in dir, mein Heiland, mir alles gegeben; entreiße mich aller vergänglichen Lust; dein Leben sei, Jesu, mir einzig bewußt. 6. Nichts kann ich vor Gott ja bringen, als nur dich, mein 10. Drum auch, Jesu, du alhöchstes Gut. Jesu! es muß mir leine sollst mein Ein und Alles gelingen durch dein rosinfarbnes*) sein; prüf, erfahre, wie ichs meine, Blut. Die höchste Gerechtigkeit tilge allen Heuchelschein. Sieh, ob ist mir erworben, da du bist am ich auf bösem betrüglichem Stege, Stamme des Kreuzes gestorben; und leite mich, Höchster, auf die Kleider des Heils ich da habe ewigem Wege; gieb, daß ich erlangt, worinnen mein Glaube hier alles nur achte für Kot und Jesum gewinne: dies Eine iſt not. J. H. Schröder. † 1699. *) scharlachrotes. Jefaia 1, 18. 7. Nun, so gieb, daß meine 8. Ja, was soll ich mehr verLangen? Mich bedeckt die Gnadenflut, du bist einmal eingegangen in das Heilge durch dein Blut. Da hast du die ewge Erlösung erfunden, daß ich nun der höllischen Herrschaft entbunden; dein Eingang die völlige Freiheit mir bringt, im kindlichen Geiste das Abba*) nun flingt.*) Lieber Vater! Galater 4, 6. 9. Volles Gnügen, Fried und Freude jezzo meine Seel ergößt, weil auf eine frische Weide mein Hirt, Jesus, mich gesetzt. Nichts Süßers kann also mein Herze erlaben, als wenn ich nur, Jesu, dich immer soll haben; nichts, nichts ist, das also mich innig erquickt, als wenn ich dich, Jesu, im Glauben erblickt. 600 Dritter Teil: Lieder. lassen; daß deffen ich in aller Not mich trösten mög und durch den Tod zu dir ins Leben dringen. Cyriacus Günther. † 1704. 91. Halt Mel.: Herr, wie du willst, so. alt im Gedächtnis Jesum Christ, o Mensch, der auf die Erden vom Thron des Himmels kommen ist, dein Bruder da zu werden! Vergiß nicht, daß er dir zu angenommen Fleisch 92. Eigene Melodie. erzlich lieb ich dich, bi u tutt: bant ihm für dieſe Liebe.err, ich bitt, wollft ſein von 2. Halt im Gedächtnis Jesum mir nicht fern mit deiner Hilf und Christ, der für dich hat gelitten, Gnaden. Die ganze Welt nicht ja gar am Kreuz gestorben ist freuet mich, nach Himmel und und dadurch hat bestritten Welt, Erd nicht frag ich, wenn ich dich Sünde, Teufel, Höll und Tod, nur kann haben. Und wenn mir und dich erlöst aus aller Not: gleich mein Herz zerbricht, so bist dank ihm für diese Liebe. du doch mein Zuversicht, mein 3. Halt im Gedächtnis Jesum Teil und meines Herzens Trost, Christ, der auch am dritten Tage der mich durch sein Blut hat ersiegreich vom Tod erstanden ist, löst. Herr Jesu Christ, mein Gott befreit von Not und Plage. Be- und Herr, mein Gott und Herr, denke, daß er Fried gemacht, sein in Schanden laß mich nimmerUnschuld Leben wieder bracht: mehr. dank ihm für diese Liebe. 4. Halt im Gedächtnis Jesum Christ, der nach den Leidenszeiten gen Himmel aufgefahren ist, die Stätt dir zu bereiten, da du sollst bleiben allezeit und sehen seine Herrlichkeit: dank ihm für diese Liebe. 2. Es ist ja, Herr, dein Gschenk und Gab mein Leib und Seel und was ich hab in diesem armen Leben, damit ichs brauch zum Lobe dein, zum Nuß und Dienst des Nächsten mein, wollst mir dein Gnade geben. Behüt mich, Herr, vor falscher Lehr, des Satans Mord und Lügen wehr; in allem Kreuz erhalte mich, auf daß ichs trag geduldiglich. Herr Jesu Christ, mein Herr und Gott, mein Herr und Gott, tröst mir mein Seel in Todesnot. 5. Halt im Gedächtnis Jesum Christ, der einst wird wiederkommen, und sich, was tot und lebend ist, zu richten vorgenommen. O denke, daß du da bestehst und mit ihm in sein Reich eingehst, ihm ewiglich zu danken. 6. Gieb Jesu, gieb, daß ich dich kann mit wahrem Glauben fassen, und nie, was du an mir gethan, mög aus dem Herzen lein gar sanft ohn ein'ge Qual 3. Ach, Herr, laß dein lieb Engelein am letzten End die Seele mein in Abrahams Schoß tragen, den Leib in sein'm Schlaffämmer Heiligung. Liebe zu Jesu. 601 und Bein ruhn bis am jüngsten träftiglich vertritt; Liebe, dir erTage. Alsdann vom Tod erwecke mich, daß meine Augen sehen dich in aller Freud, o Gottessohn, mein Heiland und mein Gnadenthron! Herr Jesu Christ, erhöre mich, erhöre mich! ich will dich preisen ewiglich. M. Schalling. † 1608. - 93. 94. Mel.: Gott des Himmels und der Erden. iebe, die du mich zum Bilde Eigene Melodie. Lie deiner Gottheit haft gemacht; Meinen Zesum laß ich nicht, die so milde er sich für Liebe, dem Fall hast wiederbracht: Liebe, so erfordert meine Pflicht, klettendir ergeb ich mich, dein zu blei- weis an ihm zu kleben. Er ist ben ewiglich. meines Lebens Licht: meinen Jesum laß ich nicht. 2. Liebe, die du mich erkoren, eh als ich erschaffen war; Liebe, die du Mensch geboren und mir gleich wardst ganz und gar: Liebe, dir ergeb ich mich, dein 2c. 2. Jesum laß ich nimmer nicht, weil ich soll auf Erden leben; ihm hab ich voll Zuversicht, was ich bin und hab, ergeben. Alles ist auf ihn gericht: meinen Jesum laß ich nicht. 3. Liebe, die für mich gelitten und gestorben in der Zeit; Liebe, die mir hat erstritten ewge Luft und Seligkeit: Liebe, dir ergeb ich mich, dein 2c. geb ich mich, dein 2c. 7. Liebe, die mich wird erwecken aus dem Grab der Sterblichkeit; Liebe, die mich wird umstecken mit dem Laub der Herrlichkeit: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich. Joh. Scheffler( Angelus). † 1677. 4. Liebe, die du Kraft und Leben, Licht und Wahrheit, Geist und Wort; Liebe, die sich dargegeben mir zum Heil und Seelenhort: Liebe, dir ergeb ich mich, dein 2c. 5. Liebe, die mich hat gebunden an ihr Joch mit Leib und Sinn; Liebe, die mich überwunden und mein Herze hat dahin: Liebe, dir ergeb ich mich, dein 2c. 3. Laß vergehen das Gesicht, Hören, Schmecken, Fühlen weichen; laß das letzte Tageslicht mich auf dieser Welt erreichen; wenn der Lebensfaden bricht: meinen Jesum laß ich nicht. 4. Ich werd ihn auch lassen nicht, wenn ich nun dahin gelanget, wo vor seinem Angesicht meiner Väter Glaube pranget. Mich erfreut sein Angesicht: meinen Jesum laß ich nicht. 5. Nicht nach Welt, nach Himmel nicht meine Seele wünscht und 6. Liebe, die mich ewig liebet, stöhnet: Jesum wünscht sie und die für meine Seele bitt; Liebe, sein Licht, der mich hat mit Gott die das Lösgeld giebet und mich versöhnet, der mich freiet vom 602 Dritter Teil: Lieder. Gericht; meinen Jesum laß ich uns vons Himmels Throne an nicht. diesem dunkeln Ort mit deinem reinen Wort. 6. Jesum laß ich nicht von mir, geh ihm ewig an der Seiten; Christus läßt mich für und für zu dem Lebensbächlein leiten. Selig, wer mit mir so spricht: Meinen Jesum laß ich nicht. 2. O Jesu, Trost der Armen: mein Herz heb ich zu dir. Du wirst dich mein erbarmen, dein Gnade schenken mir; das trau ich gänzlich dir. Christian Keymann. † 1662. 95. Eigene Melodie. Oder: In dich hab ich gehoffet. ein schönste Zier und Kleinod Mein bist auf Erden du, Herr Jesu Christ! Dich will ich lassen walten, und allezeit in Lieb und Leid im Herzen dich behalten. 2. Dein Lieb und Treu für alles geht, fein Ding auf Erd ſo fest beſteht: solchs muß man frei bekennen; drum soll nicht Tod, nicht Angst und Not von deiner Lieb mich trennen. 3. Dein Wort ist wahr und trüget nicht und hält gewiß, verspricht, im Tod und verspricht, im Tod und es es was auch auch im Leben. Du bist nun mein und ich bin dein, dir hab ich mich ergeben. 4. Der Tag nimmt ab, schönste Zier! Herr Jesu Christ, bleib du bei mir; es will nun Abend werden: laß doch dein Licht auslöschen nicht bei uns allhie auf Erden. Um 1597. 96. Eigene Melodie. ( Seele.) 3. Ich kann und mag nicht schlafen, ich kann nicht fröhlich sein; mir ist verwundt mein Seele, und fürcht der Höllen Bein: o Christ, erbarm dich mein. 4. O Jesu, lieber Herre, du einger Gottessohn, von Herzen ich begehre, du wollst mir Hilfe thun: du bist der Gnadenthron. dein rosinfarbnes*) Blut; des laß 5. Du haft für mich vergoffen mich, Herr, genießen, tröst mich durch deine Güt: hilf mir, das iſt mein Bitt.*) scharlachrotes. Jes. 1, 18. ( Jesus.) 6. Ist dir verwundt so sehre die arme Seele dein? Thu dich zu mir nur kehren: ich will dein Helfer sein, vergeben Schuld und Bein. 7. Laß du von Sünden abe, und sei ein frommer Christ: ich will dich selber laben und schenten meinen Geist, der dich zum Himmel weist. mit meinem Leib und Blut, mein 8. Ich will dich selber speisen Lieb an dir beweisen, und will dir teilen mit mein Schaß und höchstes Gut. ( Seele.) Christe, Morgensterne, leucht 9. O Jesu, Lob und Ehre sing uns mit hellem Schein; schein ich dir allezeit: den Glauben in Heiligung. Liebe zu Jesu. 603 mir mehre, daß ich nach dieser| gen und hast am Kreuz gleich Zeit mit dir eingeh zur Freud. ( Aus dem 16. Jahrhundert.) 97. einem Dieb und Mörder da gehangen, verhöhnt, verspeit und sehr verwundt: ach laß mich deine Wunden alle Stunden mit Lieb im Herzensgrund auch reizen und verwunden. Mel.: Ich ruf zu dir, Herr. Jesu Christ, mein schönstes Licht, der du in deiner Seelen so hoch mich liebst, daß ich es nicht aussprechen kann noch zählen; gieb, daß mein Herz dich wiederum mit Lieben und Verlangen mög umfangen und als dein Eigentum nur einzig an dir hangen. 2. Gieb, daß sonst nichts in meiner Seel als deine Liebe wohne; gieb, daß ich deine Lieb erwähl als meinen Schatz und Krone. Stoß alles aus, nimm alles hin, was mich und dich will trennen und nicht gönnen, daß all mein Mut und Sinn in deiner Liebe brennen. 6. Dein Blut, das dir vergossen ward, ist köstlich, gut und reine, mein Herz hingegen böser Art und hart gleich einem Steine. Ach laß doch deines Blutes Kraft mein hartes Herze zwingen, wohl durchdringen, und diesen Lebenssaft mir deine Liebe bringen. 7. Mein Trost, mein Schatz, mein Licht, mein Heil, mein höchstes Gut, mein Leben, ach, nimm mich auf zu deinem Teil; dir hab ich mich ergeben! Denn außer dir ist lauter Pein, ich find hier überalle nichts als Galle; nichts kann mir tröstlich sein, nichts ist, das mir gefalle. 3. Wie freundlich, selig, süß und schön ist, Jesu, deine Liebe! Wo diese wohnt kann nichts entstehn, das meinen Geist betrübe. Drum laß nichts anders denken mich, nichts sehen, fühlen, hören, lieben, ehren, als deine Lieb und dich, der du sie kannst vermehren. 8. Du aber bist die rechte Ruh, in dir ist Fried und Freude; gieb, Jesu, gieb, daß immerzu mein Herz in dir sich weide. Sei meine Flamm und brenn in mir; mein Balsam, wollest eilen, lindern, heilen den Jammer, der allhier mich seufzen macht und heulen. 4. O, daß ich dieses hohe Gut möcht ewiglich besigen! o, daß 9. Was ist, o Schönster, das doch diese edle Glut ohn End ich nicht an deiner Liebe habe? mich möcht erhißen! Ach, hilf sie ist mein Stern, mein Sonnenmir machen Tag und Nacht und licht, mein Quell, da ich mich diesen Schatz bewahren vor den labe; mein süßer Wein, mein Scharen, die wider uns mit Macht Himmelsbrot, mein Kleid vor aus Satans Reiche fahren. Gottes Throne, meine Krone, mein Schutz in aller Not, mein Haus, darin ich wohne. 5. Mein Heiland, du bist mir zu Lieb in Not und Tod gegan 604 Dritter Teil: Lieder. 10. Ach, liebste Lieb, wenn dir, Schönster, zugeteilt, weil du du entweichst, was hilfts mir, sein mit deinen Schmerzen mir meigeboren? Wenn du mir deine nen Schmerz geheilt. Lieb entzeuchst, ist all mein Gut verloren: so gieb, daß ich dich, meinen Gast, wohl such und bester Maßen möge fassen und, wenn ich dich gefaßt, in Ewigkeit nicht lassen. 2. Ach Freude meiner Freuden, du wahres Himmelsbrot, damit ich mich kann weiden, das meine Seelennot ganz kräftiglich kann stillen und mich in Leidenszeit erfreulich überfüllen mit Trost und Süßigkeit: 11. Du hast mich je und je geliebt und auch nach dir gezogen; eh ich noch etwas Guts geübt, warst du mir schon gewogen. Ach, laß doch ferner, edler Hort, mich deine Liebe leiten und begleiten, daß sie mir immerfort beisteh auf allen Seiten. 12. Laß meinen Stand, darin ich steh, Herr, deine Liebe zieren und wo ich etwa irre geh, alsbald zurechte führen; laß sie mich allzeit guten Rat und gute Werke lehren, steuern, wehren der Sünd und nach der That bald wieder mich bekehren. 13. Laß sie sein meine Freud im Leid, in Schwachheit mein Vermögen; und wenn ich nach vollbrachter Zeit mich soll zur Ruhe legen, alsdann laß deine Liebestreu, Herr Jesu, mir beistehen, Trost zuwehen, daß ich getrost und frei mög in dein Reich eingehen. P. Gerhardt. † 1676. 98. Mel.: Valet will ich dir geben. chatz über alle Schäßze, o Jesu, liebster Schaß, an dem ich mich ergöße, hier hab ich einen Play in meinem treuen Herzen 3. Laß, Liebster, mich anblicken dein freundlich Angesicht; mein Herze zu erquicken, komm, komm, mein Freudenlicht. Denn ohne dich zu leben ist lauter Herzeleid; vor deinen Augen schweben ist wahre Seligkeit. 4. O reiche Lebensquelle, o Jesu, süße Ruh, du treuer Kreuzgeselle, schlag nach Belieben zu. Ich will geduldig leiden, und soll mich keine Bein von deiner Liebe scheiden, noch mir beschwerlich sein. 5. Mein Herze bleibt ergeben dir immer für und für, zu sterben und zu leben, und will vielmehr mit dir im tiefsten Feuer schwißen, als, Schönster, ohne dich im Paradiese sißen, veracht und jämmerlich. 6. O Herrlichkeit der Erden, dich mag und will ich nicht: mein Geist will himmlisch werden, und ist dahin gericht, wo Jesus wird geschauet; da sehn ich mich hinein, wo Jesus Hütten bauet, denn dort ist gut zu sein. 7. Nun, Jesu, mein Vergnügen, komm, hole mich zu dir, in deinem Schoß zu liegen; komm, meiner Seelen Zier, und setze Heiligung. Liebe zu Jesu. - mich aus Gnaden in deine Freudenstadt: so kann mir niemand schaden, so bin ich reich und satt. Salom. Liskow. † 1689. 99. Eigene Melodie. Keelenbräutigam, Jesu, Gottes Lamm, habe Dank für deine Liebe, die mich zieht aus reinem Triebe von der Sünden Schlamm: Jesu, Gottes Lamm! 2. Deiner Liebe Glut stärket Mut und Blut. Wenn du freundlich mich anblickest und an deine Brust mich drückest, macht mich wohlgemut deiner Liebe Glut. 3. Wahrer Mensch und Gott, Trost in Not und Tod, du bist darum Mensch geboren, zu ersetzen, was verloren, durch dein Blut so rot, wahrer Mensch und Gott! 4. Meines Glaubens Licht laß verlöschen nicht, salbe mich mit Freudenöle, daß hinfort in meiner Seele ja verlösche nicht meines Glaubens Licht. 5. So werd ich in dir bleiben für und für; deine Liebe will ich ehren und in dir dein Lob vermehren, weil ich für und für bleiben werd in dir. 605 Tod gegeben, da du riefst: mich dürft! großer Friedefürst! 8. Deinen Frieden gieb aus so großer Lieb uns, den Deinen, die dich kennen und nach dir sich Christen nennen; denen du bist lieb, deinen Frieden gieb. 9. Wer der Welt abstirbt, emsig sich bewirbt um den lebendigen Glauben, der wird bald empfindlich schauen, daß niemand verdirbt, der der Welt abstirbt. 10. Nun ergreif ich dich, du mein ganzes Ich! ich will nimmermehr dich lassen, sondern gläubig dich umfassen, weil im Glauben ich nun ergreife dich. 11. Wenn ich meinen muß, wird dein Thränenfluß nun die meinen auch begleiten und zu deinen Wunden leiten, daß mein Thränenfluß sich bald stillen muß. 12. Wenn ich mich aufs neu wiederum erfreu, freuest du dich auch zugleiche, bis ich dort in deinem Reiche ewiglich aufs neu mich mit dir erfreu. 13. Hier durch Spott und Hohn: dort die Ehrenkron; hier im Hoffen und im Glauben: dort im Haben und im Schauen; denn die Ehrenkron folgt auf Spott und Hohn. 6. Held aus Davids Stamm, deine Liebesflamm mich ernähre, und verwehre, daß die Welt mich nicht versehre, ob sie mir gleich gram, Held aus Davids Stamm! 14. Jesu, hilf, daß ich allhier ritterlich alles durch dich überwinde und in deinem Sieg empfinde, wie so ritterlich du gekämpft für mich. 7. Großer Friedefürst, wie hast du gedürst nach der Menschen Heil und Leben und dich in den nun nichts erschallen, als was 15. Du mein Preis und Ruhm, werte Saronsblum, in mir soll 39 Dritter Teil: Lieder. 606 dir nur kann gefallen, werte Saronsblum, du mein Preis und Ruhm! Adam Drese. † 1701. 100. W Mel.: Seelenbräutigam. er ist wohl wie du, Jesu, süße Ruh? Unter vielen auserforen, Leben derer, die verloren, und ihr Licht dazu, Jesu, süße Ruh! 8. Deiner Sanftmut Schild, deiner Demut Bild mir anlege, in mich präge, daß kein Zorn noch Stolz sich rege; vor dir sonst nichts gilt, als dein eigen Bild. 7. Zeuch mich ganz in dich, daß vor Liebe ich ganz zerrinne und zerschmelze und auf dich mein 9. Steure meinem Sinn, der zur Welt will hin, daß ich nicht mög von dir wanken, sondern bleiben in den Schranken; sei du mein Gewinn, gieb mir deinen Sinn. 10. Wecke mich recht auf, daß ich meinen Lauf unverrückt zu dir fortseße, und mich nicht in seinem Neßze Satan halte auf; fördre meinen Lauf. 2. Leben, das den Tod, mich aus aller Not zu erlösen, hat geschmecket, meine Schulden zugedecket und mich aus der Not hat geführt zu Gott. 3. Glanz der Herrlichkeit, du bist vor der Zeit zum Erlöser uns geschenket und in unser Fleisch versenket in der Füll der Zeit, Glanz der Herrlichkeit! 4. Großer Siegesheld, Tod, Sünd, Höll und Welt, alle Kraft des großen Drachen hast du wolln zu schanden machen durch das Lösegeld deines Bluts, o Held! 5. Höchste Majestät, König und Prophet, deinen Scepter will ich küssen, ich will sizzen dir zu Füßen, wie Maria thät, höchste Majestät! 14. Solls zum Sterben gehn, 6. Laß mich deinen Ruhm, als wollst du bei mir stehn, mich dein Eigentum, durch des Geistes durchs Todesthal begleiten und Licht erkennen, stets in deiner zur Herrlichkeit bereiten, daß ich Liebe brennen, als dein Eigen- einst mag sehn mich zur Rechten tum, allerschönster Ruhm! stehn. 3. A. Freylinghausen. † 1739. 11. Deines Geistes Trieb in die Seele gieb, daß ich wachen mög und beten, freudig vor dein Antlitz treten; ungefärbte Lieb in die Seele gieb. 12. Wenn der Wellen Macht in der trüben Nacht will des Herzens Schifflein decken, wollst du deine Hand ausstrecken; habe auf mich Acht, Hüter in der Nacht. 13. Einen Heldenmut, der da Gut und Blut gern um deinetwillen lasse und des Fleisches Lüste hasse, gieb mir, höchstes Gut, durch dein teures Blut. 101. Eigene Melodie. Elend wälze, das stets drücket Mie schön leuchtet der Mormich, zeuch mich ganz in dich. Gnad und Heiligung. Liebe zu Jesu. 607 Wahrheit von dem Herrn, die der Welt in deinem Sohn gefüße Wurzel Jeffe! Du Sohn liebet: dein Sohn hat mich ihm Davids aus Jakobs Stamm, mein selbst vertraut, er ist mein Schatz, König und mein Bräutigam, hast ich bin sein Braut, sehr hoch in mir mein Herz besessen. Lieblich, ihm erfreuet. Eia, eia, himmlisch freundlich, schön und herrlich, groß Leben wird er geben mir dort und ehrlich*) reich von Gaben, oben, ewig soll mein Herz ihn hoch und sehr prächtig erhaben. loben. - *) Ehrenreich; wie Luk. 14, 8. 2. Ei, meine Perl, du werte Tron, wahr Gottes und Marien Sohn, ein hochgeborner König, mein Herz heißt dich ein Lilium*); dein süßes Evangelium ist lauter Milch und Honig. Ei mein Blümlein, Hosianna! himmlisch Manna, das wir essen, deiner kann ich nicht vergessen. *) eine Lilie. 3. Geuß sehr tief in mein Herz hinein, du heller Jaspis und Rubin, die Flamme deiner Liebe, und erfreu mich, daß ich doch bleib an deinem auserwählten Leib ein lebendige Rippe. Nach dir ist mir, süß und holde Himmelsrose*)! krank und glimmet mein Herz, durch Liebe verwundet. 6. Zwingt die Saiten in Cithara*) und laßt die süße Musika ganz freudenreich erschallen, daß ich möge mit Jefu fein, dem wunderschönen Bräutgam mein, in steter Liebe wallen. Singet springet; jubilieret, triumphieret; dankt dem Herren! Groß ist der König der Ehren! *) Roloffer 3, 15. 7. Wie bin ich doch so herzlich froh, daß mein Schatz ist das A und O, der Anfang und das Ende. Er wird mich doch zu seinem Preis aufnehmen in das Paradeis, des klopf ich in die Hände. Amen! Amen! komm du schöne Freudenkrone, bleib nicht lange! deiner wart ich mit Verlangen. Phil. Nikolai. † 1608. 102. *) ursprünglich: gratiosa Cöli Rosa. 4. Von Gott kommt mir ein Freudenschein, wenn du mit deiEigene Melodie. nen Augelein mich freundlich thuſt Wie wohl iſt mir, o Freund anblicken. mein der Seelen, wenn 5. Herr Gott Vater, mein starker Held, du hast mich ewig vor trautes Gut! dein Wort, dein deiner Liebe ruh. Ich steige aus Geist, dein Leib und Blut mich der Schwermutshöhlen und eile innerlich erquicken. Nimm mich deinen Armen zu; da muß die freundlich in dein Arme, daß ich Nacht des Trauerns scheiden, warme werd von Gnaden; auf wenn mit so angenehmen Freudein Wort komm ich geladen. den die Liebe strahlt aus deiner Brust. Hier ist mein Himmel schon auf Erden. Wer wollte nicht ver39* 608 Dritter Teil: Lieder. gnüget werden, der in dir suchet| nen Wunderwegen; sie enden sich Ruh und Lust? in Lieb und Segen; genug, wenn 2. Die Welt mag meine Fein- ich dich bei mir hab. Ich weiß, din heißen! es sei also; ich trau wen du willst herrlich zieren und ihr nicht, wenn sie mir gleich will über Sonn und Sterne führen, Lieb erweisen bei einem freund- den führest du zuvor hinab. lichen Gesicht. In dir vergnügt sich meine Seele; du bist mein Freund, den ich erwähle, du bleibst mein Freund, wenn Freundschaft weicht. Der Welt Haß kann mich doch nicht fällen, weil in den stärksten Unglückswellen mir deine Treu den Anker reicht. 5. Der Tod mag andern düster scheinen, mir nicht, weil Seele, Herz und Mut in dir, der du verlässest keinen, o allerliebstes Leben ruht. Wen kann des Weges End erschrecken, wenn er aus mördervollen Hecken gelanget in die Sicherheit? Mein Licht, so will ich auch mit Freuden aus dieser finstern Wildnis scheiden zu deiner Ruh der Ewigkeit. 6. Wie ist mir dann, o Freund der Seelen, so wohl, wenn ich mich lehn auf dich! Mich kann Welt, Not und Tod nicht quälen, weil du, mein Gott, vergnügest mich. Laß solche Ruh in dem Gemüte, nach deiner unumschränkten Güte, des Himmels süßen Vorschmack sein. Weg Welt, mit allen Schmeicheleien! Nichts kann, als Jesus, mich erfreuen. O reicher Trost: mein Freund ist mein! Wolfg. Christ. Deßler. † 1722. 3. Will mich des Moses Eifer drücken, blißt auf mich des Gesetzes Weh, droht Straf und Hölle meinem Rücken, so steig ich gläubig in die Höh und flieh in deiner Seite Wunden, da hab ich schon den Ort gefunden, wo mich kein Fluchstrahl treffen kann. Tritt alles wider mich zusammen: du bist mein Heil! Wer will verdammen? Die Liebe nimmt sich meiner an. mamy 4. Führst du mich in die Kreuzeswüsten, ich folg und lehne mich auf dich. Du nährest aus den Wolkenbrüsten und labest aus dem Felsen mich. Ich traue deida o tim ji B. Nachfolge Jesu. 103. ni bi mu d Sun spisti chodil vomis Mel. Jesus, meine Suversicht 90 immelan geht unire Bahn, wir sind Gäste nur auf Erden, bis wir dort nach Kanaan 1199 199 durch die Wüste kommen werden. Hier ist unser Pilgrimsstand, dro ben unser Vaterland. 1923 mdr fud 2. Himmelan schwing dich, mein Geist, denn du bist ein himmlisch Wesen und kannst das, was irdisch heißt, nicht zu deinem Zweck erlesen. Ein von Gott erleucht'ter Sinn kehrt zu seinem Ursprung hin. 3. Himmelan! ruft er mir zu, wenn ich ihn im Worte höre; Heiligung. Nachfolge Jesu. 609 das weist mir den Ort der Ruh, gend unser Herz, fümmert uns wo ich einmal hingehöre. Hab ich dieses Wort bewahrt, halt ich eine Himmelfahrt. ein fremdes Leiden, o so gieb Geduld zu beiden; richte unsern Sinn auf das Ende hin. - 4. Himmelan denk ich allzeit, wenn er mir die Tafel decket, und mein Geist hier allbereit eine Kraft des Himmels schmecket. Nach der Kost im Jammerthal folgt des Lammes Hochzeitsmahl. 4. Ordne unsern Gang, Liebster, lebenslang. Führst du uns durch rauhe Wege, gieb uns auch die nötge Pflege; thu uns nach dem Lauf deine Thüre auf. Nic. 2. Graf v. Zinzendorf. † 1760. 105. 5. Himmelan! mein Glaube zeigt mir das schöne Los von Mel.: Machs mit mir, Gott, nach deiner Güt. ferne, daß mein Herz schon aufwärts steigt über Sonne, Mond und mir nach! spricht Chriftus, Sterne; denn ihr Licht ist viel zu klein gegen jenen Glanz und Schein. 6. Himmelan wird mich der Tod in die rechte Heimat führen, da ich über alle Not ewig werde triumphieren; Jesus geht mir selbst voran, daß ich freudig folgen kann. unser Held, mir nach! ihr Christen alle; verleugnet euch, verlaßt die Welt, folgt meinem Ruf und Schalle, nehmt euer Kreuz und Ungemach auf euch, folgt meinem Wandel nach. 7. Himmelan! ach himmelan! das soll meine Losung bleiben. Ich will allen eitlen Wahn durch die Himmelsluft vertreiben. Himmelan steht nur mein Sinn, bis ich in dem Himmel bin. Benj. Schmolc. † 1737. 104. 2. Ich bin das Licht; ich leucht euch für mit heilgem Tugendleben. Wer zu mir kommt und folget mir, darf nicht im Finstern schweben. Ich bin der Weg, ich weise wohl, wie man wahrhaftig wandeln soll. 3. Mein Herz ist voll Demütigkeit, voll Liebe meine Seele; mein Mund der fleußt zu jeder Zeit von süßem Sanftmutsöle, mein Geist, Gemüte, Kraft und Sinn ist Gott ergeben, schaut auf ihn. Mel.: Seelenbräutigam. Je esu, geh voran auf der Lebensbahn, und wir wollen. nicht verweilen, dir getreulich nachzueilen; führ uns an der Hand bis ins Vaterland. 4. Ich zeig euch das, was schädlich ist, zu fliehen und zu meiden, und euer Herz von Argelist zu reingen und zu scheiden. Ich bin der Seelen Fels und Hort, und führ euch zu der Himmelspfort. 2. Solls uns hart ergehn, laß uns feste stehn und auch in den schwersten Tagen niemals über Lasten klagen; denn durch 5. Fällts euch zu schwer, ich Trübsal hier geht der Weg zu dir. geh voran, ich steh euch an der 3. Rühret eigner Schmerz ir- Seite; ich kämpfe selbst, ich brech 610 Dritter Teil: Lieder. die Bahn, bin alles in dem Streite. und folgt mir, ist mein nicht wert Ein böser Knecht, der still darf und meiner Zier. stehn, wenn er den Feldherrn sieht angehn. 7. So laßt uns denn dem lieben Herrn mit Leib und Seel nach6. Wer seine Seel zu finden gehen und wohlgemut, getrost und meint, wird sie ohn mich verlie- gern bei ihm im Leiden stehen; ren; wer sie hier zu verlieren wer nicht gekämpft, trägt auch die scheint, wird sie in Gott einfüh- Kron des ewgen Lebens nicht daren. Wer nicht sein Kreuz nimmt von. Joh. Scheffler( Angelus). † 1677. C. Gebet. a. Allgemeine 106. Ach Mel.: O Gott, du frommer Gott. ch Gott, verlaß mich nicht, gieb mir die Gnadenhände: ach führe mich, dein Kind, daß ich den Lauf vollende zu meiner Seligkeit. Sei du mein Lebenslicht, mein Stab, mein Hort, mein Schuß; ach Gott, verlaß mich nicht! Gebetslieder. zu thun, was dir gefällt; ach Gott, verlaß mich nicht! 5. Ach Gott, verlaß mich nicht, ich bleibe dir ergeben. Hilf mir, o großer Gott, recht glauben, christlich leben und selig scheiden ab, zu sehn dein Angesicht. Hilf mir in Not und Tod; ach Gott, verlaß mich nicht! Salomo Franc.+ 1725. 2. Ach Gott, verlaß mich nicht, regiere du mein Wallen; ach laß mich nimmermehr in Sünd und 107. Eigene Melodie. Schande fallen. Gieb mir den Gieb mir den Dir, dir, Jehovah, will ich denn wo guten Geist, gieb Glaubenszuversicht, sei meine Stärk und Kraft; ach Gott, verlaß mich nicht! 3. Ach Gott, verlaß mich nicht, ich ruf aus Herzensgrunde; ach Höchster, stärke mich in jeder bösen Stunde. Wenn mich Versuchung plagt und meine Seel anficht, so weiche nicht von mir; ach Gott, verlaß mich nicht! 2. Zeuch mich, o Vater, zu dem Sohne, damit dein Sohn mich wieder zieh zu dir; dein 4. Ach Gott, verlaß mich nicht; Geist in meinem Herzen wohne ach, laß dich doch bewegen, ach und meine Sinnen und Verstand Vater, kröne doch mit reichem regier; daß ich den Frieden GotHimmelssegen die Werke meines tes schmeck und fühl und dir daAmts, die Werke meiner Pflicht, rob im Herzen sing und spiel. ein solcher Gott, wie du? Dir will ich meine Lieder bringen, ach, gieb mir deines Geistes Kraft dazu, daß ich es thu im Namen Jesu Christ, so wie es dir durch ihn gefällig ist. Heiligung. Allgemeine Gebetslieder. 611 3. Verleih mir, Höchster, solche ten selbst vertritt; in ihm ist alles Güte, so wird gewiß mein Sin- Ja und Amen, was ich von dir gen recht gethan; so klingt es im Geist und Glauben bitt. Wohl schön in meinem Liede, und ich mir! Lob dir ißt und in Ewigbet dich im Geist und Wahrheit keit, daß du mir schenkest solche an; so hebt dein Geist mein Herz Seligkeit! Barthol. Craffelius. † 1724. zu dir empor, daß ich dir Psalmen sing im höhern Chor. - 4. Denn der kann mich bei dir vertreten mit Seufzern, die ganz unaussprechlich sind; der lehret mich recht gläubig beten, giebt Zeugnis meinem Geist, daß ich dein Kind und ein Miterbe Jesu Christi sei; daher ich Abba, lieber Vater! schrei. 5. Wenn dies aus meinem Herzen schallet durch deines heilgen Geistes Kraft und Trieb, so bricht dein Vaterherz und wallet ganz brünstig gegen mich vor heißer Lieb, daß mirs die Bitte nicht versagen kann, die ich nach deinem Willen hab gethan. 6. Was mich dein Geist selbst bitten lehret, das ist nach deinem Willen eingericht und wird gewiß von dir erhöret, wenn es im Namen deines Sohns geschicht, durch welchen ich dein Kind und Erbe bin und nehme von dir Gnad um Gnade hin. 108. Mel.: Wunderbarer König. ott ist gegenwärtig! Laſſet uns Ehrfurcht vor ihn treten! Gott iſt in der Mitten! Alles in uns schweige und sich innigst vor ihm beuge. Wer ihn kennt, wer ihn nennt, schlagt die Augen nieder, fommt, ergebt euch wieder! 2. Gott ist gegenwärtig, dem die Cherubinen Tag und Nacht gebücket dienen! Heilig, heilig! singen alle Engelchören, wenn sie dieses Wesen ehren. Herr, vernimm unsre Stimm, da auch wir Geringen unsre Opfer bringen. 3. Wir entsagen willig allen Eitelkeiten, aller Erdenlust und Freuden; da liegt unser Wille, Seele, Leib und Leben dir zum Eigentum ergeben. Du allein sollst es sein, unser Gott und Herre; dir gebührt die Ehre. 4. Majestätisch Wesen, möcht 7. Wohl mir, daß ich dies Zeug- ich recht dich preisen und im Geist nis habe! Drum bin ich voller dir Dienst erweisen! Möcht ich, Trost und Freudigkeit, und weiß, wie die Engel, immer vor dir daß alle gute Gabe, die ich verstehen und dich gegenwärtig sehen! langet von dir jederzeit, die giebst Laß mich dir für und für trachdu und thust überschwänglich mehr, ten zu gefallen, liebster Gott, in als ich verstehe, bitte und begehr. allen. 8. Wohl mir! ich bitt in Jesu 5. Luft, die alles füllet, drin Namen, der mich zu deiner Rech- wir immer schweben, aller Dinge Dritter Teil: Lieder. 612 Grund und Leben! Meer ohn führet. Gieb, daß ichs thue bald, zu Grund und Ende, Wunder aller Wunder! ich senk mich in dich hinunter. Ich in dir, du in mir, laß mich ganz verschwinden, dich nur sehn und finden. der Zeit, da ich soll; und wenn ichs thu, so gieb, daß es gerate wohl. 3. Hilf, daß ich rede stets, womit ich kann bestehen, laß kein unnüßes Wort aus meinem Munde gehen; und wenn in meinem Amt ich reden soll und muß, so gieb den Worten Kraft und Nachdruck, ohn Verdruß. 4. Findt sich Gefährlichkeit, so laß mich nicht verzagen, gieb einen Heldenmut, das Kreuz hilf selber tragen. Gieb, daß ich meinen Feind mit Sanftmut überwind, und wenn ich Rat bedarf, auch guten Rat erfind. 6. Du durchdringest alles, laß dein schönstes Lichte, Herr, berühren mein Gesichte. Wie die zarten Blumen willig sich entfalten und der Sonne stille halten: laß mich so, still und froh, deine Strahlen fassen, und dich wirken lassen. 7. Mache mich einfältig, innig abgeschieden, sanfte und im stillen Frieden! Mach mich reines Herzens, daß ich deine Klarheit schauen mag in Geist und Wahrheit; laß mein Herz überwärts, wie ein Adler, schweben und in dir nur leben. 8. Herr, komm in mir wohnen, laß mein'n Geist auf Erden dir ein Heiligtum noch werden! Komm du nahes Wesen, dich in mir verkläre, daß ich dich stets lieb und ehre! Wo ich geh, sizz und steh, laß mich dich erblicken, und vor dir mich bücken!. Gerh. Tersteegen. † 1769. 109. Eigene Melodie. Gott, du frommer Gott, du Brunnquell aller Gaben, ohn den nichts ist, was ist, von dem wir alles haben: gesunden Leib gieb mir, und daß in solchem Leib ein unverletzte Seel und rein Gewissen bleib. 2. Gieb, daß ich thu mit Fleiß, was mir zu thun gebühret, wozu mich dein Befehl in meinem Stande 5. Laß mich mit jedermann in Fried und Freundschaft leben, so weit es christlich ist. Willst du mir etwas geben an Reichtum, Gut und Geld, so gieb auch dies dabei, daß von unrechtem Gut nichts untermenget sei. 6. Soll ich auf dieser Welt mein Leben höher bringen, durch manchen sauern Tritt hindurch ins Alter dringen, so gieb Geduld; vor Sünd und Schanden mich bewahr, auf daß ich tragen mag mit Ehren graues Haar. 7. Laß mich an meinem End auf Christi Tod abscheiden, die Seele nimm zu dir hinauf zu deinen Freuden; dem Leib ein Räumlein gönn bei seiner Eltern Grab, auf daß er seine Ruh an ihrer Seite hab. 8. Wenn du die Toten wirst an jenem Tag erwecken, so thu auch deine Hand zu meinem Grab Lob- und ausstrecken. Laß hören deine Stimm und meinen Leib weck auf, und führ ihn schön verklärt zum auserwählten Hauf. Joh. Heermann. † 1647. Mater 110. Eigene Melodie. Later unser im Himmelreich, der du uns alle heißest gleich Brüder sein und dich rufen an und willst das Beten von uns han: gieb, daß nicht bet allein der Mund; hilf, daß es geh aus Herzensgrund. Danklieder. 613 5. Gieb uns heut unser täglich Brot und was man darf zur Leibesnot; behüt uns, Herr, vor Unfried, Streit, vor Seuchen und vor teurer Zeit, daß wir in gutem Frieden stehn, der Sorg und Geizes müßig gehn. 6. All unser Schuld vergieb uns, Herr, daß sie uns nicht betrübe mehr, wie wir auch unsern Schuldigern ihr Schuld und Fehl vergeben gern. Zu dienen mach uns all bereit in rechter Lieb und Einigkeit. 4. Dein Will gescheh, Herr Gott, zugleich auf Erden, wie im Himmelreich; gieb uns Geduld in Leidenszeit, gehorsam sein in Lieb und Leid, wehr und steur allem Fleisch und Blut, das wider deinen Willen thut. 7. Führ uns, Herr, in Versuchung nicht, wenn uns der böse Geist ansicht. Zur linken und zur rechten Hand hilf uns thun starken Widerstand, im Glauben feſt und wohl gerüst und durch des heilgen Geistes Trost. 2. Geheiligt werd der Name dein, dein Wort bei uns hilf halten rein, daß wir auch leben heiliglich, nach deinem Namen würdiglich, behüt uns, Herr, vor falscher Lehr, das arm verführet Volk bekehr. 8. Von allem Übel uns erlös; 3. Es komm dein Reich zues sind die Zeit und Tage bös. dieser Zeit und dort hernach in es sind die Zeit und Tage bös. Ewigkeit. Der heilge Geist uns Erlös uns von dem ewigen Tod wohne bei mit seinen Gaben man- und tröst uns in der letzten Not. cherlei; des Satans Zorn und Bescher uns auch ein selig End; groß Gewalt zerbrich, vor ihm nimm unsre Seel in deine Händ. dein Kirch erhalt. 9. Amen! das ist: es werde wahr! stärk unsern Glauben immerdar, auf daß wir ja nicht zweifeln dran, was wir hiermit gebeten han auf dein Wort, in dem Namen dein: so sprechen wir das Amen fein. Amen. Dr. M. Luther. † 1546. b. Lob- und Danklieder. 111. Mel.: Nun freut euch, lieben Christen gmein. Bi bis hieher hat er Tag und Nacht bewahrt Herz und Geis hieher hat mich Gott ge- müte. Bis hieher hat er mich bracht durch seine große Güte; geleit, bis hieher hat er mich 614 Dritter Teil: Lieder. erfreut, bis hieher mir gehol- lein aus, der Storch baut und befen. 2. Hab Lob und Ehre, Preis und Dank für die bisherge Treue, wohnt sein Haus, das Schwälblein äßt ihr' Jungen. Der schnelle Hirsch, das leichte Reh ist froh die du, o Gott, mir lebenslang und kommt aus seiner Höh ins bewiesen täglich neue; in mein Gedächtnis schreib ichs an: Der Herr hat Großs an mir gethan, bis hieher mir geholfen. tiefe Gras gesprungen. 3. Hilf fernerweit, mein treuster Hort, hilf mir zu allen Stunden, hilf mir an all und jedem Ort, hilf mir durch Jesu Wunden; hilf mir im Leben, Tod und Not, hilf mir durch Christi Blut und Tod, wie du bisher geholfen! Ümilie Juliane, Gräfin von Schwarzburg- Rudolstadt. † 1706. 5. Die Bächlein rauschen in dem Sand und malen sich und ihren Rand mit schattenreichen Myrten. Die Wiesen liegen hart dabei und klingen ganz vom Lustgeschrei der Schaf und ihrer Hirten. 6. Die unverdroßne Bienenschar fleucht hin und her, sucht hier und dar ihr edle Honigspeiſe. Des süßen Weinstocks starker Saft bringt täglich neue Stärk und Kraft in seinem schwachen Reise. 112. Mel.: Kommt her zu mir, spricht Gottes. 7. Der Weizen wächset mit Gewalt; darüber jauchzet Jung und Alt und rühmt die große Güte des, der so überflüssig labt und mit so manchem Gut begabt das menschliche Gemüte. Seh eh aus mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier, und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben. 8. Ich selber kann und mag nicht ruhn: des großen Gottes großes Thun erweckt mir alle 2. Die Bäume stehen voller Sinnen; ich singe mit, wenn alles Laub, das Erdreich decket seinen singt, und lasse, was dem HöchStaub mit einem grünen Kleide. sten klingt, aus meinem Herzen Narzissen und die Tulipan die ziehen sich viel schöner an, als Salomonis Seide. rinnen. 3. Die Lerche schwingt sich in die Luft, das Täubchen fleucht aus seiner Kluft und macht sich in die Wälder. Die hochbegabte Nachtigall ergößt und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Thal und Felder 4. Die Glucke führt ihr Völk9. Ach, denk ich, bist du hie so schön, und läßt du uns so lieblich gehn auf dieser armen Erden; was will doch wohl nach dieser Welt dort in dem reichen Himmelszelt und güldnen Schlosse werden! 10. Welch hohe Lust, welch heller Schein wird dort in Christi Garten sein; wie muß es da wohl klingen, da so viel tausend Se Lob- und Danklieder. raphim mit eingestimmtem Mund und Stimm ihr Hallelujah singen? 11. D, wär ich da! Ach stünd ich schon, ach süßer Gott, vor deinem Thron und trüge meine Palmen, so wollt ich nach der Engel Weis erhöhen deines Namens Preis mit tausend schönen Psalmen. 12. Doch will ich gleichwohl, weil ich noch hier trage dieses Leibes Joch, auch nicht gar stille schweigen; mein Herze soll sich fort und fort an diesem und an allem Ort zu deinem Lobe neigen. 13. Hilf mur, und segne mei nen Geist mit Segen, der vom Himmel fleußt, daß ich dir stetig blühe; gieb, daß der Sommer deiner Gnad in meiner Seelen früh und spat viel Glaubensfrücht erziehe. 14. Mach in mir deinem Geiste Raum, daß ich dir werd ein guter Baum, und laß mich wohl bekleiben. Verleihe, daß zu deinem Ruhm ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben. 15. Erwähle mich zum Paradeis, und laß mich bis zur letzten Reis an Leib und Seele grünen, so will ich dir und deiner Ehr allein, und sonsten keinem mehr, hier und dort ewig dienen! P. Gerhardt. † 1676. H Te deum laudamus. 615 Vater in Ewigkeit, ehrt die Welt weit und breit. All Engel und Himmels Heer und was dienet deiner Ehr, auch Cherubim und Seraphim singen immer mit hoher Stimm: Heilig ist unser Gott, heilig ist unser Gott, heilig ist unser Gott, der Herre Zebaoth! 2. Dein göttlich Macht und Herrlichkeit geht über Himmel und Erden weit. Der heiligen zwölf Boten Zahl und die lieben Propheten all, die teuren Märtrer allzumal loben dich, Herr, mit großem Schall. Die ganze werte Christenheit rühmt dich auf Erden alle Zeit. Dich, Gott Vater im höchsten Thron, deinen rechten und einigen Sohn, den heiligen Geist und Tröster wert mit rechtem Dienst sie lobt und ehrt. 3. Du König der Ehren, Jesu Christ! Gott Vaters ewiger Sohn du bist; der Jungfrau Leib nicht hast verschmäht, zu' rlösen das menschlich Geschlecht. Du hast dem Tod zerstört sein Macht und all Christen zum Himmel bracht. Du sitzt zur Rechten Gottes gleich, mit aller Ehr ins Vaters Reich. Ein Richter du zukünftig bist alles, das tot und lebend ist. 4. Nun hilf uns, Herr, den Dienern dein, die mit deim teurn Blut erlöset sein. Laß uns im Himmel haben Teil mit den Heiligen in ewigem Heil. Hilf deinem Volk, Herr Jesu Christ, und segne, das dein Erbteil ist, wart und pfleg ihr zu aller Zeit und 113. Eigene Melodie. err Gott, dich loben wir, Herr Gott wir danken dir! Dich heb sie hoch in Ewigkeit. 616 Dritter Teil: Lieder. Joach. Neander. † 1680. 115. Eigene Melodie. 5. Täglich, Herr Gott, wir lo- hams Samen! Er ist dein Licht. ben dich und ehrn dein Namen Seele, vergiß es ja nicht! Lobende ſtetiglich. Behüt uns heut, o treuer schließe mit Amen. Gott, vor aller Sünd und Misfethat. Sei uns gnädig, o Herre Gott, sei uns gnädig in aller Not. Zeig uns deine Barmherzigkeit, wie unsre Hoffnung zu dir steht. Auf dich hoffen wir, lieber Herr, Robe den Herren, o meine Seele! in Schanden laß uns nimmermehr. Weil*) ich noch Stunden auf Erden zähle, will ich lobsingen meinem Gott. Der Leib und Seel gegeben hat, werde gepriesen früh und spat. Halleluja, Halleluja. *) so lange. Amen. Dr. M. Luther. † 1546. 2. Fürsten sind Menschen, vom 114. Eigene Melodie. Lobe obe den Herren, den mächtigen König der Ehren, meine geliebete Seele, das ist mein Be- Weibe geboren, und kehren um zu gehren. Kommet zu Hauf! Psalter und Harfe wacht auf! Lasset die Musikam hören! 2. Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, der dich auf Adelers Fittigen sicher geführet, der dich erhält, wie es dir selber gefällt, hast du nicht dieses verspüret? ihrem Staub; ihre Anschläge sind auch verloren, wenn mun das Grab nimmt seinen Raub. Weil dann kein Mensch uns helfen kann, rufe man Gott um Hilfe an. Hallelujah, Hallelujah! 3. Selig, ja selig ist der zu nennen, deß Hilfe der Gott Jakob ist; welcher vom Glauben sich 3. Lobe den Herren, der künst- nicht läßt trennen, und hofft gelich und fein dich bereitet, der dir trost auf Jesum Christ. Wer dieGesundheit verliehen, dich freund- sen Herrn zum Beistand hat, finlich geleitet. In wie viel Not hat det am besten Rat und That. nicht der gnädige Gott über dir Hallelujah, Hallelujah! Flügel gebreitet? 4. Dieser hat Himmel und Meer und Erden und was darinnen ist, gemacht; alles muß pünktlich erfüllet werden, was er uns einmal zugedacht. Er ists, der Herrscher aller Welt, welcher uns ewig Glauben hält. Hallelujah, Hallelujah! 4. Lobe den Herren, der deinen Stand sichtbar gesegnet, der aus dem Himmel mit Strömen der Biebe geregnet! Denke daran, was der Allmächtige kann, der dir mit Liebe begegnet. 5. Lobe den Herren; was in mir ist, lobe den Namen! Alles, 5. Beigen sich welche, die Unwas Odem hat, lobe mit Abra- recht leiden, er ists, der ihnen Lob- und Danklieder. 617 Recht verschafft. Hungrigen will 2. Der ewig reiche Gott woll er zur Speis bescheiden, was uns bei unserm Leben ein immer ihnen dient zur Lebenskraft. Die fröhlich Herz und edlen Frieden hart Gebundnen macht er frei; geben und uns in seiner Gnad seine Genad ist mancherlei. Halle- erhalten fort und fort, und uns lujah, Hallelujah! aus aller Not erlösen hier und dort. 6. Sehende Augen giebt er den Blinden, erhebt, die tiefgebeuget gehn. Wo er kann einige Fromme finden, die läßt er seine Liebe sehn. Sein Aufsicht ist der Fremden Truß, Witwen und Waisen hält er in Schußz. Halle- jeßund und immerdar! lujah, Hallelujah! 7. Aber der Gottvergessenen Tritte kehrt er mit starker Hand zurück, daß sie nur machen verkehrte Schritte und fallen selbſt in ihren Strick. Der Herr ist König ewiglich; Zion, dein Gott sorgt stets für dich. Hallelujah, Hallelujah! 3. Lob, Ehr und Preis sei Gott, dem Vater und dem Sohne und dem, der beiden gleich, im höchsten Himmelsthrone, dem dreimaleinen Gott, als es im Anfang war und ist und bleiben wird 8. Rühmet, ihr Menschen, den hohen Namen des, der so große Wunder thut. Alles, was Odem hat, rufe Amen, und bringe Lob mit frohem Mut. Ihr Kinder Gottes, lobt und preist Vater und Sohn und heilgen Geist. Hallelujah, Hallelujah! Joh. Dan. Herrnschmidt. † 1723. Mart. Rindart. † 1649. 117. N Mel.: Lobt Gott, ihr Christen. un danket all und bringet Ehr, ihr Menschen in der Welt, dem, dessen Lob der Engel Heer im Himmel stets vermeldt. 2. Ermuntert euch und singt mit Schall Gott, unserm höchsten Gut, der seine Wunder überall und große Dinge thut; 3. Der uns von Mutterleibe an frisch und gesund erhält und wo kein Mensch nicht helfen kann, sich selbst zum Helfer stellt. 4. Der, ob wir ihn gleich hoch betrübt, doch bleibet gutes Muts, die Straf erläßt, die Schuld vergiebt, und thut uns alles Guts. 116. Eigene Melodie. Nun un danket alle Gott mit Her5. Er gebe uns ein fröhlich Herz, erfrische Geist und Sinn; und werf all Angst, Furcht, Sorg und Schmerz ins Meeres Tiefe zen, Mund und Händen, der große Dinge thut an uns und hin. allen Enden; der uns von Mut- 6. Er laffe seinen Frieden ruhn terleib und Kindesbeinen an un- in Israelis Land; er gebe Glück zählig viel zu gut und noch zu unserm Thun und Heil in jezund gethan. allem Stand. 618 Dritter Teil: Lieder. 7. Er laffe seine Lieb und Güt| so thut der Herr uns Armen, so um, bei und mit uns gehn, was wir ihn kindlich fürchten rein. Er aber ängstet und bemüht, gar ferne kennt das arm Gemächte, und von uns stehn. weiß, wir sind nur Staub, gleichwie das Gras, von Rechte*), ein Blum und fallend Laub: der Wind nur drüber wehet, so ist es nimmer da, also der Mensch vergehet, sein End das ist ihm nah. *) Von Rechts wegen. 4. Die Gottes Gnad alleine bleibt stät und fest in Ewigkeit bei seiner liebn Gemeine, die steht in seiner Furcht bereit, die seinen Bund behalten. Er herrscht im Himmelreich, ihr starken Engel 118. Eigene Melodie. N Joh. Gramann. † 1541. un lob, mein Seel, den Her- waltet seins Lobs, und dient zuren; was in mir ist den gleich dem großen Herrn zu EhNamen sein. Sein Wohlthat thut ren und treibt sein heiligs Wort, er mehren, vergiß es nicht, o mein Seel soll auch vermehren Herze mein! Hat dir dein Günd sein Lob an allem Ort! vergeben und heilt dein Schwachheit groß; errett dein armes Leben, nimmt dich in seinen Schoß, mit rechtem Trost beschüttet, verjüngt dem Adler gleich. Der König schafft Recht, behütet die Leidenden im Reich. 8. So lange dieses Leben währt, sei er stets unser Heil; und bleib auch, wenn wir von der Erd abscheiden, unser Teil. 9. Er drücke, wenn das Herze bricht, uns unsre Augen zu; und zeig uns drauf sein Angesicht dort in der ewgen Ruh. P. Gerhardt. † 1667. 119. Eigene Melodie. N un preiset alle Gottes Barmherzigkeit; lob ihn mit Schalle, werteste Christenheit! Er läßt dich freundlich zu sich laden, freue dich Israel, seiner Gnaden! 2. Er hat uns wissen lassen sein heilig Recht und sein Gericht, dazu sein Gut ohn Maßen; es mangelt an Erbarmung nicht. Sein Zorn läßt er wohl fahren, straft nicht nach unsrer Schuld; ter und Harfen ihm Ehre geben. 2. Der Herr regieret über die ganze Welt; was sich nur rühret, ihme zu Füßen fällt. Viel tausend Engel um ihn schweben; Psaldie Gnad thut er nicht sparen, den Blöden ist er hold. Sein Güt ist hoch erhaben ob den, die fürchten ihn; so fern der Ost vom Abend, ist unser Sünd dahin. 3. Wie sich ein Vater erbarmet über seine junge Kinderlein, 3. Wohl auf, ihr Heiden, lasset das Trauern sein, zu grünen Weiden stellet euch willig ein! Da läßt er uns sein Wort vertünden, machet uns ledig von allen Sünden. 4. Er giebet Speise reichlich Lob- und Danklieder. 619 und überall, nach Vaters Weise| 5. Ach! alles, alles, was ein sättigt er allzumal; er schaffet Leben und einen Odem in fich früh und spaten Regen, füllet uns hat, soll sich mir zum Gehilfen alle mit seinem Segen. geben; denn mein Vermögen ist zu matt, die großen Wunder zu erhöhn, die allenthalben um mich stehn. 5. Drum preis und ehre seine Barmherzigkeit, sein Lob vermehre, werteste Christenheit! Uns soll hinfort kein Unfall schaden: freue dich, Israel, seiner Gnaden! Matth. Apelles v. Löwenstern.+ 1648. 120. Eigene Melodie. daß ich tausend Zungen 7. Mein treuster Jesu, sei gehätte und einen tausendfachen priesen, daß dein erbarmungsvolMund, so stimmt ich damit in les Herz sich mir so hilfreich hat die Wette vom allertiefsten Her- erwiesen, und mich durch Blut zensgrund ein Loblied nach dem und Todesschmerz von aller Teuandern an von dem, was Gott fel Grausamkeit zu deinem Eigenan mir gethan. tum befreit. 2. O daß doch meine Stimme schallte bis dahin, wo die Sonne steht! O daß mein Blut mit Jauchzen wallte, so lang es noch im Laufe geht! Ach wär ein jeder Puls ein Dank, und jeder Odem ein Gesang! 6. Dir sei, o allerliebster Va= ter, unendlich Lob für Seel und Leib! Lob sei dir, mildester Berater, für allen edlen Zeitvertreib, den du mir in der ganzen Welt zu meinem Nußen haft bestellt! 8. Auch dir sei ewig Ruhm und Ehre, o heilig werter Gottesgeist, für deines Trostes süße Lehre, die mich ein Kind des Lebens heißt. Ach! wo was Guts von mir geschicht, das wirket nur dein göttlichs Licht. 3. Was schweigt ihr denn, ihr 9. Wer überströmet mich mit meine Kräfte? Auf, auf! braucht Segen? Bist du es nicht, o reiallen euern Fleiß, und stehet mun- cher Gott? Wer schüßzet mich auf ter im Geschäfte zu Gottes, mei- meinen Wegen? Du, du, o Herr nes Herren, Preis! Mein Leib Gott Zebaoth! Du trägst mit und Seele, schicke dich und lobe meiner Sündenschuld unsäglich Gott herzinniglich! gnädige Geduld. 4. Ihr grünen Blätter in den 10. Vor andern füß ich deine Wäldern, bewegt und regt euch Rute, die du mir aufgebunden doch mit mir! Ihr schwanken haft; wie viel thut sie mir doch Gräschen in den Feldern, ihr zu Gute, und ist mir eine sanfte Blumen laßt doch eure Zier zu Gottes Ruhm belebet sein, und stimmet lieblich mit mir ein! Last; sie macht mich fromm und zeigt dabei, daß ich von deinen Liebsten sei. 620 Dritter Teil: Lieder. 11. Ich hab es ja mein Lebe- dem Gott, der alle Wunder thut, tage schon so manch liebes Mal dem Gott, der mein Gemüte mit gespürt, daß du mich unter vieler seinem reichen Trost erfüllt, dem Plage durch Dick und Dünne haft Gott, der allen Jammer stillt: geführt; denn in der größesten gebt unserm Gott die Ehre! Gefahr ward ich dein Trostlicht stets gewahr. 12. Wie sollt ich nun nicht voller Freuden in deinem steten Lobe stehn? Wie wollt ich auch im tiefsten Leiden nicht triumphierend einher gehn? Und fiele auch der Himmel ein, so will ich doch nicht traurig sein. 13. Drum reiß ich mich jetzt aus der Höhle der schnöden Eitel feiten los, und rufe mit erhöhter Seele: mein Gott, du bist sehr hoch und groß! Kraft, Ruhm, Preis, Dank und Herrlichkeit gehört dir jetzt und allezeit. 14. Ich will von deiner Güte singen, so lange sich die Zunge regt; ich will dir Freudenopfer bringen, so lange sich mein Herz bewegt; ja, wenn der Mund wird kraftlos sein, so stimm ich doch mit Seufzen ein. 15. Ach, nimm das arme Lob auf Erden, mein Gott, in allen Gnaden hin; im Himmel soll es besser werden, wenn ich bei deinen Engeln bin. Da sing ich dir im höhern Chor viel tausend Hallelujah vor. Joh. Menger. † 1734. 121. Mel.: Es ist das Heil uns kommen her. ei Lob und Ehr dem höchsten Gut, dem Vater aller Güte, 2. Es danken dir des Himmelsheer, o Herrscher aller Thronen; und die auf Erden, Luft und Meer in deinem Schatten wohnen, die preisen deine Schöpfermacht, die alles also wohl bedacht: gebt unserm Gott die Ehre! 3. Was unser Gott geschaffen hat, das will er auch erhalten; darüber will er früh und spat mit seiner Gnade walten. In seinem ganzen Königreich ist alles recht, ist alles gleich: gebt unserm Gott die Ehre! 4. Ich rief dem Herrn in meiner Not: Ach Gott, vernimm mein Schreien! Da half mein Helfer mir vom Tod und ließ mir Trost gedeihen. Drum dank, ach Gott, drum dank ich dir; ach danket, danket Gott mit mir: gebt unserm Gott die Ehre! 5. Der Herr ist noch und nimmer nicht von seinem Volk geschieden; er bleibet ihre Zuversicht, ihr Segen, Heil und Frieden. Mit Mutterhänden leitet er die Seinen stetig hin und her: gebt unserm Gott die Ehre! 6. Wenn Trost und Hilf ermangeln muß, die alle Welt erzeiget, so fommt, so hilft der Überfluß, der Schöpfer selbst, und neiget die Vateraugen denen zu, die sonsten nirgends finden Ruh: gebt unserm Gott die Ehre! Lob- und Danklieder. 621 all mein Le-| bald im Mutterleibe, da er mir von nun an mein Wesen gab und das Leben, das ich hab und noch diese Stunde treibe. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 3. Sein Sohn ist ihm nicht zu teuer; nein, er giebt ihn für mich hin, daß er mich vom ewgen Feuer durch sein teures Blut gewinn. O du ungegründter Brunnen! wie will doch mein schwacher Geist, ob er sich gleich hoch befleißt, deine Tief ergründen können? Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 7. Ich will dich ben lang, o Gott, ehren; man soll, o Gott, dein Lobgefang an allen Orten hören. Mein ganzes Herz ermuntre sich; mein Seel und Leib, erfreue dich: gebt unserm Gott die Ehre! 8. Jhr, die ihr Christi Namen nennt, gebt unserm Gott die Ehre; ihr, die ihr Gottes Macht bekennt, gebt unserm Gott die Ehre! Die falschen Gößen macht zu Spott; der Herr ist Gott, der Herr ist Gott: gebt unserm Gott die Ehre! 9. So kommet vor sein Angesicht mit jauchzenvollem Springen; bezahlet die gelobte Pflicht, und laßt uns fröhlich singen: Gott hat es alles wohl bedacht und alles, alles recht gemacht: gebt unserm Gott die Ehre! Joh. Jak. Schüß. † 1690. 4. Seinen Geist, den edlen Führer, giebt er mir in seinem Wort, daß er werde mein Regierer durch die Welt zur Himmelspfort; daß er mir mein Herz erfülle mit dem hellen Glaubenslicht, das des Todes Reich zerbricht und die Hölle selbst macht stille. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 122. Eigene Melodie. Oder: Lasset uns den Herren. ollt ich meinem Gott nicht singen? sollt ich ihm nicht fröhlich sein? Denn ich seh in allen Dingen, wie so gut ers mit mir mein. Ist doch nichts, als lauter Lieben, daß sein treues Herze regt, das ohn Ende hebt und trägt, die in seinem Dienst fich üben. Alles Ding währt 6. Himmel, Erd, und ihre Heere seine Zeit: Gottes Lieb in Ewigkeit. hat er mir zum Dienst bestellt. 5. Meiner Seelen Wohlergehen hat er ja recht wohl bedacht; will dem Leibe Not zustehen, nimmt ers gleichfalls wohl in Acht. Wenn mein Können mein Vermögen nichts vermag, nichts helfen kann, kommt mein Gott und hebt mir an, sein Vermögen beizulegen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 2. Wie ein Adler sein Gefie- Wo ich nur mein Aug hinkehre, der über seine Jungen streckt, find ich, was mich nährt und hält. also hat auch hin und wieder mich Tier und Kräuter und Getreide, des Höchsten Arm gedeckt; also- in den Gründen, in der Höh, in 40 Dritter Teil: Lieder. 622 Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. den Büschen, in der See, überall| chen. Alles Ding währt seine ist meine Weide. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 7. Wenn ich schlafe, wacht sein Sorgen und ermuntert mein Gemüt, daß ich alle lieben Morgen schaue neue Lieb und Güt. Wäre mein Gott nicht gewesen, hätte mich sein Angesicht nicht geleitet, wär ich nicht aus so mancher Angst genesen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigfeit. 10. Seine Strafen, seine Schläge, ob sie mir gleich bitter seind, dennoch, wenn ichs recht erwäge, sind es Zeichen, daß mein Freund, der mich liebet, mein gedenke, und mich von der schnöden Welt, die uns hart gefangen hält, durch das Kreuze zu ihm lenke. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 11. Das weiß ich fürwahr, und lasse mirs nicht aus dem 8. Wie so manche schwere Plage Sinne gehn: Christenkreuz hat wird vom Satan h'rumgeführt, seine Maße und muß endlich stille die mich doch mein Lebetage nie- stehn. Wenn der Winter ausgemals noch bisher berührt. Gottes schneiet, tritt der schöne Sommer Engel, den er sendet, hat das ein, also wird auch nach der Bein, Böse, was der Feind anzurich- wers erwarten kann, erfreuet. ten war gemeint, in die Ferne Alles Ding währt seine Zeit, weggewendet. Alles Ding währt Gottes Lieb in Ewigkeit. seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigfeit. 12. Weil denn weder Ziel noch Ende sich in Gottes Liebe 9. Wie ein Vater seinem Kinde findt, ei! so heb ich meine Hände sein Herz niemals ganz entzeucht, zu dir, Vater, als dein Kind; ob es gleich bisweilen Sünde bitte, wollst mir Gnade geben, thut und aus der Bahne weicht: dich aus aller meiner Macht zu also hält auch mein Verbrechen umfangen Tag und Nacht, hier mir mein frommer Gott zu gut, in meinem ganzen Leben, bis ich will mein Fehlen mit der Rut, dich nach dieser Zeit lob und lieb und nicht mit dem Schwerte, rä- in Ewigkeit. B. Gerhardt. † 1676. c. Morgenlieder. Preis und Ehren, durch Christum, unsern Herren, dein eingebornen Sohn. 123. Eigene Melodie. A [ us meines Herzens Grunde sag ich dir Lob und Dank 2. Daß du mich haft aus Gnain dieser Morgenstunde, dazu den in der vergangnen Nacht vor mein Leben lang, o Gott, in Gfahr und allem Schaden behütet deinem Thron, dir zu Lob, und bewacht. Ich bitt demütig Morgenlieder. 623 lich: wollst mir mein Sünd ver-| mich Gott bescheiden in mein'm geben, womit in diesem Leben ich Beruf und Stand. hab erzürnet dich. 3. Du wollest auch behüten mich gnädig diesen Tag vors Teufels List und Wüten, vor. 124. Eigene Melodie. Sünden und vor Schmach; vor Chriſte, wahres Seelenlicht, deis Feur vor und vor Schanden, vor Ketten und vor Banden, vor bösem schnellem Tod. klares Angesicht, der Betrübten Wonne: deiner Güte Lieblichkeit ist neu alle Morgen; in dir bin ich recht erfreut, darf nicht übrig sorgen. 4. Mein Seel, mein Leib, mein Leben, mein Weib, Gut, Ehr und Kind in deine Händ thu geben, dazu mein Hausgesind, ist dein Geschenk und Gab!- mein Eltern und Verwandten, mein Brüder( Geschwister) und Bekannten und alles, was ich hab. 2. Wecke mich vom Sündenschlaf, der du bist das Leben, neues Leben in mir schaff; denn du hast gegeben dieser Welt das Sonnenlicht, welches all erfreuet, wirst du mich ja lassen nicht täglich unerneuet. 5. Dein Engel laß auch bleiben und weichen nicht von mir, 3. Ohne Licht sieht man kein den Satan zu vertreiben, auf daß Licht: ohne Gottes Leuchten sieht der bös Feind hier in diesem kein Mensche Christum nicht, der Jammerthal sein Tück an mir uns muß befeuchten mit dem helnicht übe, Leib und Seel nicht len Himmelstau seiner süßen betrübe und bring mich nicht Lehre; drum, Herr Christe, auf zu Fall. mich schau und dich zu mir kehre. 4. Kehre zu mir deine Güt, freundlich mich anblicke, daß mein innerstes Gemüt sich in dir erquicke und die süße Himmelsluft mit Begierde schmecke; sonsten sei mir nichts bewußt, so da Freud erwecke. 6. Gott will ich lassen raten, denn er all Ding vermag. Er gsegne meine Thaten, mein Vornehmen und Sach! Denn ich ihm heimgestellt mein Leib, mein Seel, mein Leben und was er mir sonst geben, er machs, wies ihm gefällt! 1592. 5. Laß ja ferne von mir sein: 7. Darauf so sprech ich Amen Hoffart, Augenweide; Fleischesund zweifle nicht daran: Gott lust und Augenschein, Jesu, mir wird es alls zusammen ihm verleide, damit sich die Welt erwohlgefallen lan. Und streck gözt zu ihrm Selbstverderben; nun aus mein Hand, greif an denn was sie fürs beste schätzt, das Werk mit Freuden, dazu machet ewig sterben. 40* 624 Dritter Teil: Lieder. 6. Nun, so bleibe stets mein| fest gebunden mit Finsternis die Licht, Jesu meine Freude, bis der Nacht: ich hab sie überwunden frohe Tag anbricht, da nach al- mit Gott, der mich bewacht. lem Leide ich in weißer Kleiderpracht freudig werde springen und, daß Gott es wohl gemacht, ohn Aufhören singen. 2. Wiedrum thu ich dich bitten, o Schutzherr Israel, du wollst treulich behüten den Tag mein Leib und Seel. All christlich Obrigkeiten, unsre Schul und Gemein in diesen bösen Zeiten laß dir befohlen sein. Christoph Prätorius. † 1713. 3. Erhalt uns durch dein Güte bei gesunder reiner Lehr; vor Keßerei behüte, streit für dein Wort und Ehr, daß wir mit unserm Samen immer in einem Geiſt sprechen: Des Herren Namen sei groß und hoch gepreiſt! 125. Mel.: Der Tag vertreibt. ST hristglaubig Mensch, wach auf, wach auf! thu dein Herz Gott dein'm Herren auf, der dich hat geschaffen! 2. Dich auch erhält in seiner Macht, über dir wachet Tag und Nacht, läßt dich nicht verderben. 3. Gedenk an seine Herrlichkeit und dank ihm der Barmherzigkeit, dir bisher beweiſet! 4. Sieh zu, daß du ihn nicht verachtst und dich vor ihm zu Schanden machst, ihn also erzürnest! 5. Sondern sei demütig vor ihm und unterwirf ihm deinen Sinn, so wird er dein walten. 6. Und als ein Vater seinen Sohn dich leiten in all deinem Thun zum ewigen Leben. 7. Durch Jesum Christum, seinen Sohn, der uns vertritt vor seinem Thron mit sein'm steten Opfer. Böhmische Brüder. 126. Mel.: Ich dank dir, lieber Herre. in der dieser Morgenstund, durch in 4. Dem Leibe gieb darneben Nahrung und guten Fried, ein gsund und mäßig Leben, dazu ein froh Gemüt, daß wir in allen Ständen Tugend und Ehrbarkeit lieben und Fleiß drauf wenden, als rechte Christenleut. 5. Gieb mildiglich dein Segen, daß wir nach dein'm Geheiß wandeln auf guten Wegen, thun unser Amt mit Fleiß, daß ein jeder sein Netze auswerf und auf dein Wort sein Trost mit Petro*) feßze, so geht die Arbeit fort. *) Ev. St. Lut. 5, 5. 6. Was dir gereicht zu Ehren und der Gemein zu Nuß, das will der Satan wehren mit List und großem Truß; doch kann ers nicht vollbringen, weil du, in allen Dingen und unser Beiden ich wiedr aufstehe vom Schlaf stand bist. frisch und gesund. Mich hatte| 7. Wir sind die zarten Reben, Morgenlieder. 625 der Weinstock selbst bist du, da der Stund; drum sprech ich auch ran wir wachsn und kleben und von Herzensgrund: Das walte bringen Frucht dazu. Hilf, daß Gott! wir an dir bleiben und wachsen immer mehr; dein guter Geist uns treibe zu Werken deiner Ehr. Joh. Mühlmann. † 1613. 127. Mel.: Erschienen ist der herrlich Tag. D as walte Gott, der helfen kann! Mit Gott fang ich mein Arbeit an, mit Gott nur geht es glücklich fort; drum ist auch dies mein erstes Wort: Das walte Gott! 2. All mein Beginnen, Thun und Werk erfordert Gottes Kraft und Stärk; mein Herz sucht Got tes Angesicht, drum auch mein Mund mit Freuden spricht: Das walte Gott! 3. So Gott nicht hilft, so kann ich nichts, wo Gott nicht giebet, da gebrichts; Gott giebt und thut mir alles Guts, drum sprech ich nun auch gutes Muts: Das walte Gott! 7. Trifft mich ein Unglück: unverzagt! Ist doch mein Werk mit Gott gewagt, er wird mir gnädig stehen bei; drum dies auch meine Losung sei: Das walte Gott! 8. Er kann mich segnen früh und spat, bis all mein Thun ein Ende hat, er giebt und nimmt, machts, wie er will; drum sprech ich auch fein in der Still: Das walte Gott! 6. Legt Gott mir seinen Segen bei nach seiner großen Güt und Treu, so gnüget mir zu je9. Gott steht mir bei in aller Not und giebt mir auch mein täglich Brot, nach seinem alten Vaterbrauch thut er mir Guts; drum sprech ich auch: Das walte Gott! 10. Nichts glücket ohne Gottes Gunst, nichts hilft Verstand, Wiß oder Kunst; mit Gott gehts fort, gerät auch wohl, daß ich kann sagen glaubensvoll: Das walte Gott! 11. Teilt Gott was mit aus Gütigkeit, so acht ich keiner Feinde Neid; laß hassen, wers nicht lassen kann, ich stimme doch mit Freuden an: Das walte Gott! 4. Will Gott mir etwas geben hier, so will ich dankbar sein dafür; auf sein Wort werf ich aus 12. Thu ich denn was mit mein Netz und sag in meiner Ar- Gottes Rat, der mir beistehet früh beit stets: Das walte Gott! und spat, dann alles wohl geraten 5. Anfang und Mitte samt muß; drum sprech ich nochmals dem End stell ich allein in Got- zum Beschluß: Das walte Gott! tes Händ: er gebe, was mir nüßJoh. Betichius. † 1722. lich ist; drum sprech ich auch zu jeder Frist: Das walte Gott! 128. D Mel.: Mein Gott, ich danke herzlich dir. as walt Gott Vater und Gott Sohn, Gott heilger Dritter Teil: Lieder. 626 Geist ins Himmels Thron! Man Übel abgewandt, mein Seel mit dankt dir, eh die Sonn aufgeht; Sünden nicht beschwer und mein wenns Licht anbricht, man vor Gewissen nicht versehr. dir steht. 2. Drum beug ich diesen Morgen früh in rechter Andacht meine Knie und ruf zu dir mit heller Stimm: Dein Ohren neig, mein Red vernimm! 3. Jch rühm von Herzen deine Güt, weil du mich gnädig hast behüt, daß ich nun hab die finstre Nacht in Ruh und Friede zugebracht. 129. 4. Ich schlief und wußt nicht, wie mir wär, da schlich der Teufel um mich her; den hat, Herr, aufsteh, und des Abends zu Mel.: Mein Gott, ich danke herzlich dir. wenn ich früh daß ich deine Macht vertriebn, vor ihm in Ruh gebliebn. Bette geh, sehn meine Augen, Herr, auf dich, Herr Jesu! Dir befehl ich mich. 5. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, nimm mich auch diesen Tag in Hut; laß deine lieben Engelein mein Wächter und Gefährten sein. 6. Dein Geist mein Leib und Seel regier und mich mit seinen Gaben zier; er führ mich heut auf rechter Bahn, daß ich was Guts vollbringen kann. 7. Gieb, daß ich meine Werk und Pflicht mit Freuden diesen Tag verricht zu deinem Lob und meinem Nutz und meinem Nächsten thue Guts. 8. Hilf, daß ich zu regieren wiß mein Augen, Ohren, Händ und Füß, mein Lippen, Mund und ganzen Leib; all bös Begierden von mir treib. 10. Behüt mich heut und allezeit vor Schaden, Schand und Herzeleid; tritt zwischen mich und meine Feind, die sichtbar und unsichtbar seind. 11. Mein Aus- und Eingang heut bewahr, daß mir kein Übels widerfahr; behüte mich vor schnellem Tod und hilf mir, wo mir Hilf thut not. mart. Behm. † 1622. 9. Bewahr mein Herz vor Sünd und Schand, daß ich, vom 2. In den heilgen fünf Wunden dein da kann ich ruhn und sicher sein mit Leib und Seele, Hab und Gut; mein Schaß ist nur dein heilges Blut. 3. Denn, o Herr Christ! am Kreuzesstamm dein heilges Blut die Sünd hinnahm; drum, ich wach oder schlafe ein, wollst du Herr, allzeit bei mir sein. 4. Dein Engel mir stets halte Wacht; drum ich Tod, Teufel, Höll nicht acht, denn wo ich bin, bist du bei mir, mein Glück und Kreuz kommt alls von dir. 5. Ich leb odr sterb, so bin ich dein; darum ich dir die Seele mein befehl jeßzund und auch im Tod: nimm sie zu dir, o treuer Gott! Kaspar Stolzhagius. † 1582. Morgenlieder. 130. Eigene Melodie. Die ie güldne Sonne, voll Freud 6. Laß mich mit Freuden ohn und Wonne, bringt unsern alles Neiden sehen den Segen, Grenzen mit ihren Glänzen ein den du wirst legen in meines herzerquickendes liebliches Licht. Bruders und Nähesten Haus. Mein Haupt und Glieder die Geiziges Brennen, unchristliches lagen darnieder; aber nun steh Rennen nach Gut mit Sünde, ich bin munter und fröhlich, das tilge geschwinde von meinem schaue den Himmel mit meinem Herzen und wirf es hinaus. Gesicht. 2. Mein Auge schauet, was Gott gebauet zu seinen Ehren und uns zu lehren, wie sein Vermögen sei mächtig und groß, und wo die Frommen dann sollen hinkommen, wenn sie mit Frieden von hinnen geschieden aus dieser Erden vergänglichem Schoß. 3. Lasset uns singen, dem Schöpfer bringen Güter und Gaben, was wir nur haben, alles sei Gotte zum Opfer gesetzt. Die besten Güter sind unsre Gemüter; dankbare Lieder sind Weihrauch und Widder, an welchen er sich am meisten ergößt. 4. Abend und Morgen sind seine Sorgen, segnen und mehren, Unglück verwehren sind seine Werke und Thaten allein. Wenn wir uns legen, so ist er zugegen; wenn wir aufstehen, so läßt er aufgehen über uns seiner Barmherzigkeit Schein. 627 rücke, laß mich auf deinen Geboten bestehn. 5. Ich hab erhoben zu dir hoch droben all meine Sinnen, laß mein Beginnen ohn allen Anstoß und glücklich ergehn. Laster und Schande, des Luzifers Bande, Fallen und Tücke treib ferne zu7. Menschliches Wesen, was ists gewesen? In einer Stunde geht es zu Grunde, sobald das Lüftlein des Todes dreinbläſt. Alles in allen muß brechen und fallen, Himmel und Erden die müssen das werden, was sie vor ihrer Erschaffung gewest. 8. Alles vergehet, Gott aber stehet ohn alles Wanken; seine Gedanken, sein Wort und Wille hat ewigen Grund. Sein Heil und Gnaden die nehmen nicht Schaden, heilen im Herzen die tötlichen Schmerzen, halten uns zeitlich und ewig gesund. 9. Gott, meine Krone, vergieb und schone! Laß meine Schulden in Gnad und Hulden aus deinen Augen sein abegewandt. Sonsten regiere, mich lenke und führe, wie dirs gefället, ich habe gestellet alles in deine Beliebung und Hand. 10. Willst du mir geben, womit mein Leben ich kann ernähren, so laß mich hören allzeit im Herzen dies heilige Wort: Gott ist das Größte, das Schönste, das Beste; Gott ist das Süßte und Allergewißte, aus allen Schäßen der edelste Hort. 628 Dritter Teil: Lieder. 11. Willst du mich fränken,| Fleiß gereich zu dein'm Lob, Ehr mit Gallen tränken und soll von und Preis. Amen. Nik. Hermann. † 1561. Plagen ich auch was tragen: wohlan! so mach es, wie dir es beliebt. Was gut und tüchtig, was schädlich und nichtig meinem Gebeine, das weißt du alleine, haft niemals keinen zu sehre betrübt. 132. Mel.: Schwing dich auf zu deinem. ang dein Werk mit Jesu an, Jesus hats in Händen; Jesum ruf zum Beistand an, Jesus wirds wohl enden. Steh mit Jesu morgens auf, geh mit Jefu schlafen; führ mit Jesu deinen Lauf, lasse Jesum schaffen. 12. Krenz und Elende, das nimmt ein Ende; nach Meeres Brausen und Windes Sausen leuchtet der Sonnen gewünschtes P. Gerhardt. † 1676. 2. Morgens soll der Anfang Gesicht. Freude die Fülle und sein, Jesum anzubeten, daß er selige Stille hab ich zu warten woll dein Helfer sein stets in im himmlischen Garten: dahin allen Nöten. Morgens, abends find meine Gedanken gericht. und bei Nacht will er stehn zur Seiten, wenn des Satans Lift und Macht dich sucht zu bestreiten. 3. Wenn dein Jesus mit dir ist, laß die Feinde wüten, er wird dich vor ihrer List schützen und behüten. Seß nur das Vertrauen dein in sein Allmachtshände und glaub sicher, daß allein er dein Unglück wende. 4. Wenn denn deine Sach also mit Gott angefangen, ei, so hat es keine Not, wirst den Zweck erlangen; es wird folgen Glück und Heil hier in diesem Leben, endlich wird dir Gott dein Teil auch im Himmel geben. 131. Eigene Melodie. Oder: Herr Gott dich loben alle wir. ie helle Sonn leucht ißt herfür; fröhlich vom Schlaf aufstehen wir. Gott Lob, der uns heint diese Nacht behütet vor des Teufels Macht! 2. Herr Christ, den Tag uns auch behüt vor Sünd und Schand durch deine Güt! Laß deine lie ben Engelein unsre Hüter und Wächter sein! 3. Daß unser Herz im Ghorsam leb, dein'm Wort und Willn nicht widerstreb, daß wir dich stets vor Augen han in allem, das wir fangen an. 5. Nun Herr Jesu, all mein Sach sei dir übergeben, es nach deinem Willen mach auch im Tod und Leben. All mein Werk greif ich jetzt an, Jesu, in dein'm Na= 4. Laß unser Werk geraten men; laß es doch sein wohlgethan! wohl, was ein jeder ausrichten Ich sprech darauf Amen. soll, daß unsre Arbeit, Müh und Um 1700. Morgenlieder. 133. Mel.: Quem pastores laudavere. Den die Hirten lobten sehre. und vor allen Thüren stehet, klopfet an, wo man geflehet, komm, Herr Jesu, unser Gast! 2. Nun so lasset ihn nicht dorten, thut ihm auf des Herzens Pforten und ruft ihn mit süßen Worten; eile, Jesu, kehre ein! 3. Wollest täglich bei uns bleiben, alle Feinde von uns treiben, uns ins Buch des Lebens schreiben und der gute Hirte sein; 4. Weiden uns auf grüner Auen, daß wir deine Fülle schauen und auf deinen Reichtum bauen, mit dir gehen aus und ein. 5. Amen, ja es soll geschehen! Jesus wird heut mit uns gehen, und wir werden fröhlich sehen, daß er uns nicht läßt allein. Stip. † 1882. 134. Mel.: Herr Gott, dich loben alle wir. ür deinen Thron tret ich hiemit, o Gott, und dich demütig bitt: Wend dein genädig Angesicht von mir betrübten Sünder nicht! 2. Du hast mich, o Gott Vater mild, gemacht nach deinem Ebenbild; in dir web, schweb und lebe ich, vergehen müßt ich ohne dich. 629 ein Haar, mir zwischen Tod und Leben war. 4. Verstand und Ehr hab ich 3. Errettet hast du mich gar oft ganz wunderlich und unverhofft, da nur ein Schritt, ja nur giebst du mir, dazu auch einen treuen Freund, der mich in Glück und Unglück meint. 5. Gott Sohn, du hast mich durch dein Blut erlöset von der Höllenglut, das schwer Gesetz für mich erfüllt, damit des Vaters Zorn gestillt. 6. Wenn Sünd und Satan mich anklagt und mir mein armes Herz verzagt, alsdann brauchſt du dein Mittleramt, daß mich der Vater nicht verdammt. 7. Du bist mein Fürsprach allezeit, mein Heil, mein Trost und meine Freud, ich kann durch dein Verdienst allein hier ruhig und dort selig sein. 8. Gott heilger Geist, du höchste Kraft, des Gnade in mir alles schafft, ist etwas Guts am Leben mein, so ist es wahrlich lauter dein. 9. Dein ists, daß ich Gott recht erkenn, ihn meinen Herrn und Vater nenn, sein wahres Wort und Sakrament behalt und liebe bis ans End; 10. Daß ich fest in Anfechtung steh und nicht in Trübsal untergeh; daß ich im Herzen Trost empfind, zuleßt mitFreuden überwind. 11. Drum danke ich mit Herz und Mund dir, Gott, in dieſer Morgen( Mittag-)( Abend-) Stund für alle Güte, Treu und Gnad, die meine Seel empfangen hat; 630 Dritter Teil: Lieder. 12. Und bitt, daß deine Gna- da alleine Hilf und Rat ist für denhand bleib über mir heut| meine Missethat. ( heint*) ausgespannt; mein Amt, 4. Hilf, daß ich mit diesem Gut, Ehr, Freund, Leib und Seel Morgen geistlich auferstehen mag in deinen Schutz ich dir befehl. und für meine Seele sorgen; daß, wenn nun dein großer Tag uns erscheint und dein Gericht, ich davor erschrecke nicht. *) heute Nacht. 13. Hilf, daß ich sei von Her zen fromm, damit mein ganzes Christentum aufrichtig und rechtschaffen sei, nicht Augenschein und Heuchelei. 5. Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang nach deinem Wort; sei und bleibe du auch 14. Erlaß mich meiner Sün- heute, mein Beschüßer und mein denschuld und hab mit deinem Hort; nirgends, als bei dir allein Knecht Geduld, zünd in mir Glau- kann ich recht bewahret sein. ben an und Lieb, zu jenem Leben 6. Meinen Leib und meine Hoffnung gieb. Seele samt den Sinnen und Verstand, großer Gott, ich dir befehle unter deine starke Hand. Herr, mein Schild, mein Ehr und Ruhm, nimm mich auf, dein Eigentum. 15. Ein selig Ende mir bescher; am jüngsten Tag erweck mich, Herr, daß ich dich schaue ewiglich. Amen, Amen, erhöre mich! Bodo v. Hodenberg. † 1650. 135. Eigene Melodie. Sot ott des Himmels und der Erden, Vater, Sohn und heilger Geist, der es Tag und Nacht läßt werden, Sonn und Mond uns scheinen heißt; dessen starke Hand die Welt und was drinnen ist, erhält: 7. Deinen Engel zu mir sende, der des bösen Feindes Macht, List und Anschläg von mir wende und mich halt in guter Acht; der auch endlich mich zur Ruh trage nach dem Himmel zu. H. Albert. † 1651. 136. Eigene Melodie. Joh ych dank dir, lieber Herre, daß du mich hast bewahrt in dieser Nacht Gefährde, darin ich lag so hart mit Finsternis umfangen, dazu in großer Not, daraus ich bin gegangen, halfst du mir, Herre Gott. 2. Gott, ich danke dir von Herzen, daß du mich in dieser Nacht vor Gefahr, Angst, Not und Schmerzen hast behütet und bewacht; daß des bösen Feindes List mein nicht mächtig worden ist. 3. Laß die Nacht auch meiner Sünden jetzt mit dieser Nacht 2. Mit Dank will ich dich lovergehn; o Herr Jesu, laß mich ben, o du mein Gott und Herr, finden deine Wunden offen stehn, im Himmel hoch dort oben. Den Morgenlieder. Tag mir auch gewähr, warum ich dich thu bitten und auch dein Will mag sein. Leit mich in deinen Sitten und brich den Willen mein; 3. Daß ich, Herr, nicht abweiche von deiner rechten Bahn, der Feind mich nicht erschleiche, damit ich irr möcht gahn. Erhalt mich durch dein Güte, das bitt ich fleißig dich, vors Teufels List und Wüten, damit er setzt an mich. 631 im Land, was du mir hast gegeben, steht alls in deiner Hand. 8. Herr Christ! dir Lob ich sage für deine Wohlthat all, die du mir all mein Tage erzeigt haft überall. Dein'n Namen will ich preisen, der du allein bist gut, mit deinem Leib mich speise, tränk mich mit deinem Blut. 9. Dein ist allein die Ehre, dein ist allein der Ruhm, die Rach dir niemand wehre, dein Segen zu uns komm; daß wir 4. Den Glauben mir verleihe im Fried entschlafen, mit Gnaden an dein'n Sohn Jesum Christ; zu uns eil; gieb uns des Glaumein Sünd mir auch verzeihe bens Waffen vors Teufels listgem allhie zu dieser Frist. Du wirst Pfeil. Amen. mirs nicht versagen, wie du verheißen hast, daß er mein Sünd thut tragen und löst mich von der Last. Joh. Kohlros. † 1558. 137. Eigene Melodie. 3% 5. Die Hoffnung mir auch ch dank dir schon*) durch deigiebe, die nicht verderben läßt; dazu christliche Liebe zu dem, der mich verletzt, daß ich ihm Guts erzeige, such nicht darin das Mein, und lieb ihn als mich eigen, nach all dem Willen dein. nen Sohn, o Gott, für deine Güte, daß du mich heint in dieser Nacht so gnädig haft behütet; *) schön. 2. In welcher Nacht ich lag so hart mit Finsternis umfangen, von aller Sünd geplaget ward, die ich mein Tag begangen. 3. Darum bitt ich aus Herzensgrund, du wollest mir vergeben all meine Sünd, die ich beging in meinem ganzen Leben; 4. Und wollest mich auch diesen Tag in deinem Schuß er7. Laß mich den Tag vollen- halten, daß mir der Feind nicht den zu Lob dem Namen dein; schaden mag mit Listen mannigdaß ich nicht von dir wende, ans falten. 6. Dein Wort laß mich bekennen vor dieser argen Welt, auch mich dein'n Diener nennen, nicht fürchten Gwalt noch Geld, das mich bald möcht abwenden von deiner Wahrheit klar; wollst mich auch nicht absenden von der christlichen Schar. End beständig sei. Behüt mir 5. Regier mich nach dem WilLeib und Leben, dazu die Frücht len dein; laß mich in Sünd nicht Dritter Teil: Lieder. 632 fallen, auf daß dir mög das Leben mein und all mein Thun gefallen. 6. Denn ich befehl dir Leib und Seel und alls in deine Hände; in meiner Angst und Ungefäll, Herr, mir dein Hilfe sende. 7. Auf daß der Fürste dieser Welt kein Macht an mir mög finden; denn wo mich nicht dein Gnad erhält, ist er mir viel zu gschwinde. 8. Ich hab es all mein Tag gehört: Menschenhilf ist verloren; drum steh mir bei, du treuer Gott! zu Hilf bist du erforen. 9. Allein Gott in der Höh sei Preis, samt seinem eingen Sohne in Einigkeit des heilgen Geists, der herrscht ins Himmels Throne. 10. Er herrschet so gewaltiglich vom Anfang bis zu Ende: Gott Vater, Sohn und heilger Geist, bscher uns ein selig Ende. 1586. 138. Mel.: Lobet den Herren, denn er ist sehr freundlich. 3. Daß unsre Sinnen wir noch brauchen können, und Hand und Füße, Zung und Lippen regen: das haben wir zu danken seinem Segen. Lobet den Herren! 4. Daß Feuerflammen uns nicht allzusammen mit unsern Häusern unversehns gefressen: das machts, daß wir in seinem Schoß gesessen. Lobet den Herren! 5. Daß Dieb und Räuber unser Gut und Leiber nicht angetast und grausamlich verletzet: dawider hat sein Engel sich gesezet. Lobet den Herren! 6. O treuer Hüter, Brunnen aller Güter! ach! laß doch ferner über unser Leben bei Tag und Nacht dein Hut und Güte schweben. Lobet den Herren! 7. Gieb, daß wir heute, Herr, durch dein Geleite auf unsern Wegen ungehindert gehen und überall in deiner Gnade stehen. Lobet den Herren! 8. Treib unsern Willen, dein Wort zu erfüllen. Lehr uns verrichten heilige Geschäfte; und wo wir schwach sind, da gieb du uns Kräfte. Lobet den Herren! obet den Herren alle, die ihn fürchten. Laßt uns mit Freuden seinem Namen singen und Preis und Dank zu seinem Altar bringen. Lobet den Herren! 9. Richt unsre Herzen, daß wir ja nicht scherzen mit deinen Strafen, sondern fromm zu werden vor deiner Zukunft uns bemühn auf Erden. Lobet den Herren! 10. Herr, du wirst kommen und all deine Frommen, die sich bekehren, gnädig dahin bringen, 2. Der unser Leben, das er uns gegeben, in dieser Nacht so väterlich bedecket und aus dem da alle Engel ewig, ewig fingen: Schlaf uns fröhlich auferwecket. Lobet den Herren! Lobet den Herren! P. Gerhardt. † 1676. Morgenlieder. 139. Mel.: Mein Gott, ich danke herzlich dir. heilige Dreifaltigkeit, o hochgelobte Einigkeit, Gott Vater, Sohn und heilger Geist, heut diesen Tag mir Beistand leist. 2. Mein Seel, Leib, Ehr und Gut bewahr, daß mir kein Böses widerfahr und mich der Satan nicht verleßz, noch mich in Schand und Schaden set. 3. Des Vaters Huld mich heut anblick; des Sohnes Weisheit mich erquick; des heilgen Geistes Glanz und Schein erleucht meins finstern Herzens Schrein. 4. Mein Schöpfer steh mir kräftig bei; o mein Erlöser, hilf mir frei; o Tröster wert, weich nicht von mir, mein Herz mit werten Gaben zier. 5. Herr! segne und behüte mich; erleuchte mich, Herr! gnädiglich: Herr! heb auf mich dein Angesicht und deinen Frieden auf mich richt. Mart. Behm. † 1622. 633 ganzen Tag: das soll mein Opfer sein, weil ich sonst nichts vermag. 3. Drum siehe da, mein Gott, da hast du meine Seele; sie sei dein Eigentum, mit ihr dich heut vermähle in deiner Liebestraft; da hast du meinen Geist, darinnen wollst du dich verklären allermeiſt. 4. Da sei denn auch mein Leib zum Tempel dir ergeben, zur Wohnung und zum Haus. Ach, allerliebstes Leben, ach, wohn, ach leb in mir, beweg und rege mich, so hat Geist, Seel und Leib mit dir vereinigt sich. 5. Dem Leibe hab ich jetzt die Kleider angeleget: laß meiner Seelen sein dein Bildnis eingepräget im güldnen Glaubensschmuck, in der Gerechtigkeit, ſo allen Seelen ist das rechte Ehrenkleid. 6. Mein Jesu, schmücke mich mit Weisheit und mit Liebe, mit Keuschheit und Geduld durch deines Geistes Triebe; auch mit der Demut mich vor allem kleide an, so bin ich wohlgeschmückt und köftlich angethan. 140. Mel.: O Gott, du frommer Gott. Jesu, süßes Licht, nun ist die Nacht vergangen; nun hat dein Gnadenglanz aufs neue mich umfangen; nun ist, was an mir ist, vom Schlafe aufgeweckt und hat nun in Begier zu dir sich ausgestreckt. 2. Was soll ich dir denn nun, mein Gott, für Opfer schenken? Ich will mich ganz und gar in deine Gnad einsenken mit Leib, mit Seel, mit Geist, heut diesen deines Namens Ruhm und daß 8. Ach segne, was ich thu, ja rede und gedenke: durch deines Geistes Kraft es also führ und lenke, daß alles nur gescheh zu 7. Laß mir doch diesen Tag stets vor den Augen schweben, daß dein Allgegenwart mich wie die Luft umgeben; auf daß mein ganzes Thun, durch Herz, durch Sinn und Mund dich lobe inniglich, mein Gott, zu aller Stund. 634 Dritter Teil: Lieder. ich unverrückt verbleib dein Eigen-| hen, ich kann das Licht noch sehen. Von Not bin ich befreiet, dein Schutz hat mich verneuet. tum. Joach. Lange. † 1744. 6. Du willst ein Opfer haben: hier bring ich meine Gaben. Mein Weihrauch, Farr und Widder find mein Gebet und Lieder. 7. Die wirst du nicht verschmähen, du kannst ins Herze sehen und weißt wohl, daß zur Gabe ich ja nichts bessers habe. 8. So wollst du nun vollenden dein Werk an mir und senden, der mich an diesem Tage auf seinen Händen trage. 9. Sprich Ja zu meinen Thaten, hilf selbst das Beste raten; den Anfang, Mittl und Ende, ach Herr, zum besten wende. 10. Mit Segen mich beschütte, mein Herz sei deine Hütte; dein Wort sei meine Speise, bis ich gen Himmel reise.. Gerhardt. † 1676. 141. Mel.: Nun laßt uns Gott dem Herren. W Lach auf, mein Herz, und singe dem Schöpfer aller Dinge, dem Geber aller Güter, dem frommen Menschenhüter. 2. Heint*) als die dunkeln Schatten mich ganz umfangen hatten, hat Satan mein begehret; Gott aber hats gewehret. *) heute Nacht. 3. Ja, Vater, als er suchte, wie er mir schaden möchte, lag ich in deinem Schoße; dein Flütgel mich beschloſſe. 4. Du sprachst: mein Kind, nun liege, troß dem, der dich betrüge. Schlaf wohl, laß dir nicht grauen, du sollst die Sonne schauen. 5. Dein Wort, das ist gesched. Tischlieder. Vor der Mahlzeit. 142. Mel.: Schmücke dich, o liebe Seele. peis uns, o Gott, deine Kinder, tröste die betrübten Sünder; sprich den Segen zu den Gaben, die wir iho vor uns Nach der 143. Eigene Melodie. N un laßt uns Gott dem Herren Dank sagen und ihn ehren von wegen seiner Gaben, die wir empfangen haben. 2. Den Leib, die Seel, das haben, daß sie uns zu diesem Leben Stärke, Kraft und Nahrung geben, bis wir endlich zu den Frommen an die Himmelstafel kommen. Amen. Joh. Heermann. † 1647. Mahlzeit. Leben hat er allein uns geben; dieselben zu bewahren, thut er an uns nichts sparen. 3. Nahrung giebt er dem Leibe; die Seele muß auch bleiben, wiewohl tötliche Wunden sind kommen von der Sünde. Abendlieder. 635 Gott, wie große Gaben! 4. Ein Arzt ist uns gegeben, im Himmel solln wir haben, o der selber ist das Leben: Christus, für uns gestorben, hat uns das Heil erworben. 7. Wir bitten deine Güte, wollst uns hinfort behüten, uns Große mit den Kleinen; du kannsts nicht böse meinen. 5. Sein Wort, sein Tauf, sein Nachtmahl dient wider allen Unfall, der heilge Geist im Glauben lehrt uns darauf vertrauen. 6. Durch ihn ist uns vergeben die Sünd, geschenkt das Leben, e. Abendlieder. 144. Mel.: Ach! was soll ich Sünder machen. Ah ch mein Jesu sieh ich trete, da der Tag nunmehr sich neigt und die Finsternis sich zeigt, hin zu deinem Thron und bete. Neige du zu deinem Sinn auch mein Herz und Sinnen hin. 2. Meine Tage gehn geschwinde wie ein Pfeil zur Ewigkeit, und die allerlängste Zeit faust vorbei als wie die Winde, fleußt dahin als wie ein Fluß mit dem schnell sten Wasserguß. 8. Erhalt uns in der Wahrheit, gieb ewigliche Freiheit, zu preisen deinen Namen durch Jesum Christum, Amen! Ludw. Helmbold. † 1598. 3. Und mein Jesu, sich, ich Armer, nehme mich doch nicht in Acht, daß ich dich bei Tag und Nacht herzlich suchte. Mein Erbarmer, mancher Tag geht so dahin, daß ich nicht recht wacker bin. 4. Ach! Ich muß mich herzlich zu dir, neige du dein Licht zu mir, da der Tag nunmehr bergangen; sei du selbst mein Sonnenlicht, das durch alles Finstre bricht. 6. Laß mich meine Tage zählen, die du mir noch gönnen willst. Mein Herz sei mit dir erfüllt, so wird mich nichts können quälen; denn wo du bist Tag und Licht, schaden uns die Nächte nicht. 7. Nun, mein teurer Heiland, wache, wache du in dieser Nacht; schüße mich mit deiner Macht; deine Liebe mich anlache. Laß mich selbst auch wachsam sein, ob ich gleich jetzt schlafe ein. Levin Joh. Schlicht. † 1723. 145. Eigene Melodie. Oder: Herr Gott, dich loben alle wir. ſchämen, du erhältſt, du ſchüßest Christ, der du bist der helle Tag, dir die Nacht Tag und Nacht so gnädiglich, und ich will mich nicht bequemen, daß ich ohne Heuchelei dir dafür recht dankbar sei. 5. Nun ich komme mit Verlangen, o mein Herzensfreund, ben mag; du leuchtest uns vom Vater her und bist des Lichtes Prediger. 2. Ach lieber Herr, behüt uns heint in dieser Nacht vorm bösen 636 Dritter Teil: Lieder. Feind; und laß uns in dir ruhen voll, doch noch zu tausend Mafein und vor dem Satan sicher sein. len scheint heller in mein Herz die ewge Himmelskerz, mein Jesus, meiner Seelen Ruhm, mein Schab, mein Schutz und Eigentum. 3. Der Schlaf zwar herrschet in der Nacht bei Menschen und bei Tieren; doch Einer ist, der oben wacht, bei dem kein Schlaf zu spüren. Es schlummert, Jesu, nicht dein Aug, auf mich gericht, drum soll mein Herz auch wachend sein, daß Jesus wache nicht allein. 3. Ob schon die Augen schlafen ein, so laß das Herz doch wacker sein; halt über uns dein rechte Hand, daß wir nicht falln in Sünd und Schand. 4. Wir bitten dich, Herr Jesu Christ, behüt uns vor des Teu fels List, der stets nach unsern Seelen tracht, daß er an uns hab keine Macht. 5. Sind wir doch dein ererbtes Gut, erworben durch dein teures Blut, das war des ewgen Vaters Rat, als er uns dir geschenket hat. 6. Befiehl dem Engel, daß er komm und uns bewach, dein Eigentum; gieb uns die lieben Wächter zu, daß wir vorm Satan haben Ruh. 7. So schlafen wir im Namen dein, dieweil die Engel bei uns sein. Du heilige Dreieinigkeit, wir loben dich in Ewigkeit. Amen. Erasmus Alberus. † 1553. 146. Eigene Melodie. er lieben Sonnen Licht und Pracht hat nun den Tag vollführet; die Welt hat sich zur Ruh gemacht, thu, Seel, was dir gebühret: tritt an die Himmelsthür, und bring ein Lied herfür; laß deine Augen, Herz und Sinn auf Jesum sein gerichtet hin. 4. Verschmähe nicht dies schlechte Lied, das ich dir, Jesu, singe; in meinem Herzen ist kein Fried, bis ich es zu dir bringe. Ich bringe, was ich kann; ach, nimm es gnädig an! es ist doch herzlich gut gemeint, o Jesu, meiner Seelen Freund. 5. Mit dir will ich zu Bette gehn, dir will ich mich befehlen, du wirst, mein Schußherr, auf mich sehn zum Besten meiner Seelen. Ich fürchte keine Not, auch selbsten nicht den Tod; denn wer mit Jesu schlafen geht, mit Freuden wieder aufersteht. 6. Ihr Höllengeister, packet euch, hier habt ihr nichts zu schaffen, dies Haus gehört in Jesu Reich; laßt es nur sicher schlafen! Der Engel starke Wacht hält es in guter Acht; ihr Heer und Lager ist sein Schuß, drum sei auch allen Teufeln Truß! 2. Ihr hellen Sterne leuchtet 7. So will ich denn nun schlawohl und gebet eure Strahlen; fen ein, Jesu, in deinen Armen. ihr macht die Nacht des Lichtes Dein Aufsicht soll mein Bette 637 sein, mein Lager dein Erbarmen, in dieser argen Welt. So ist des mein Kissen deine Brust, mein Menschen Leben: wie Blümlein Traum die süße Lust, die aus auf dem Feld; des Morgens in der Seiten Wunden fleußt und dem Thauen stehn sie gefärbet dein Geist in mein Herze geußt. schön, bald werdn sie abgehauen, verderben von Stund an. 8. So oft die Nacht mein Ader schlägt, soll dich mein Geist umfangen; so vielmal sich mein Herz bewegt, soll dies sein mein Verlangen, daß ich mit lautem Schall möcht rufen überall: Ach! Jesu, Jesu, du bist mein, und ich auch bin und bleibe dein. Abendlieder. 9. Nun, matter Leib, gieb dich zur Ruh und schlafe sanft und stille; ihr müden Augen schließt euch zu, denn das ist Gottes Wille. Schließt aber dies mit ein: Herr Jesu, ich bin dein! So wird der Schluß recht wohl gemacht. Nun, liebster Jesu, gute Nacht! Christ. Scriver. † 1693. 147. Eigene Melodie. Oder: Herzlich thut mich. 4. Vergieb mir, lieber Herre, mein Sünd und Missethat; ich hab gesündigt sehre, und bitte, Herr, um Gnad. Wenn du mir zu wolltst schreiben mein Sünd und auch mein Schuld, wo sollt ich vor dir bleiben? Den Tod hätt ich verschuldt. 5. Ich bitte gnädiglichen um Christi Willen fein: mach mich von Sünden ledig; gieb mir den heilgen Geist, der mich weise und lehre, ja der mich leit und führ, auf daß ich nimmermehre Gotts Weg und Steg verlier. 6. Mein Leib, mein Seel, mein Leben, mein Haus, mein Gut, mein Ehr, was du mir hast gegeben, befehl ich dir, o Herr, in dein göttliche Hände, behüt mich gnädiglich; gieb mir ein selig Ende und nimm mich in dein Reich. 1597. er Tag hat sich geneiget, die Nacht herfür jetzt geht. Gott sei gebenedeiet, der uns beschüßzet hat durch seine milde Güte, erhält uns Leib und Seel: woll uns fortan behüten vor allem Ungefäll. 2. Nichts ist auf dieser Erden, das da beständig bleibt: allein die zum Frommen*) nach seim WohlGüt des Herren die währt in gefallen, daß wir uns legen, in Ewigkeit, steht allen Menschen seim Gleit und Segen der Ruh offen; Gott läßt die Seinen nicht. zu pflegen. Drauf seß ich all mein Hoffen, mein Trost, mein Zuversicht. 3. Dem hab ich mich ergeben 148. Eigene Melodie. Oder: Herzliebster Jesu, was hast du. ie Nacht ist kommen, drin wir ruhen sollen: Gott walts *) zum Besten. 2. Treib, Herr, von uns fern die unreinen Geister; halt die Nachtwach gern, sei selbst unser 41 638 Dritter Teil: Lieder. Schußherr! Schirm beid, Leib und Seel, unter deine Flügel; send uns dein Engel. 3. Laß uns einschlafen mit guten Gedanken, fröhlich auf wachen und von dir nicht wanken. Laß uns mit Züchten unser Thun und Dichten zu deim Preis richten. 4. Pfleg auch der Kranken durch deinen Geliebten. Hilf den Gefangnen; tröst die Betrübten. Pfleg auch der Kinder, sei selbst ihr Vormünder; des Feinds Neid hinder. 5. Vater, dein Name werd von uns gepreiset; dein Reich zukomme, dein Will werd beweiset. Frist unser Leben, wollst die Schuld vergeben; erlös uns. Amen. Böhmische Brüder. 4. Schaff, daß mein Geist dich ungehindert schaue, indem ich mich der trüben Nacht vertraue, und daß der Leib auf diesen schweren Tag sich seiner Kraft fein sanft erholen mag. 2. Ich preise dich, du Herr der Nächt und Tage, daß du mich heut vor aller Not und Plage durch deine Hand und hochberühmte Macht haft unverletzt und frei hindurch gebracht. 3. Vergieb, wo ich bei Tage so gelebet, daß ich nach dem, was finster ist, gestrebet; laß alle Schuld durch deinen Gnadenschein in Ewigkeit bei dir verloschen sein. 5. Vergönne, daß der lieben Englein Scharen mich vor der Macht der Finsternis bewahren, auf daß ich vor der List und Tyrannei der argen Feind im Schlafe sicher sei. 6. Herr! wenn mich wird die lange Nacht bedecken und in die Ruh des tiefen Grabes strecken, so blicke mich mit deinen Augen an, daraus ich Licht im Tode nehmen kann. 7. Und laß hernach zugleich mit allen Frommen mich zu dem Glanz des andern Lebens kom= men, da du uns haft den großen Tag bestimmt, dem keine Nacht sein Licht und Klarheit nimmt. Josua Stegmann. † 1632. 149. D Mel.: Der Tag ist hin, mein Jesu. ie Sonn hat sich mit ihrem Glanz gewendet und, was sie soll, auf diesen Tag vollendet; die dunkle Nacht dringt allenthalben zu, bringt Menſchen, Bich Gott Lob, der Tag iſt nun dahin, drum Gott, dir dankbar bin, daß ich den Abend hab erlebt, und deine Gnad noch ob mir schwebt. 2. Ach Herr, sei gnädig, hab Geduld, vergieb mir alle Sündenschuld; dein heilger Engel mich bewahr vor aller Angst, Not und Gefahr. 150. Mel.: Christe, der du bist. Oder: Herr Gott, dich loben alle wir. 3. Laß mich auch mit der Morgenstund aufwachen fröhlich und gesund, daß ich hier deine Ehr 639 ausbreit und dich dort lob in mein Ruhekissen, drum vergieb Ewigkeit. Joh. Olearius. † 1684. die Schuld. Denn dein Sohn hat mich davon durch die tief geschlagnen Wunden gnädiglich entbunden. Abendlieder. 151. Eigene Melodie. $ ₁ Oder: Herr Gott, dich loben alle wir. inunter ist der Sonnen Schein, die finstre Nacht bricht stark herein, leucht uns, Herr Christ, du wahres Licht; laß uns im Finstern tappen nicht. 2. Dir sei Dank, daß du uns den Tag vor Schaden, G'fahr und mancher Plag durch deine Engel haft behüt aus Gnad und väter licher Güt. 3. Womit wir habn erzürnet dich, dasselb verzeih uns gnädig lich und rechn es unsrer Seel nicht zu; laß schlafen uns in Fried und Ruh. 4. Durch deine Engl die Wacht bestell, daß uns der böse Feind nicht fäll, vor Schrecken, Angst und Feuersnot behüt uns heint*), o lieber Gott! *) heute Nacht. Nit. Hermann. † 1561. 152. Mel.: Jesu, meine Freude. irte, deiner Schafe, der von feinem Schlafe etwas wissen mag, deine Wundergüte war mein Schild und Hüte den vergangnen Tag. Sei die Nacht auch auf der Wacht, und laß mich von deinen Scharen um und um bewahren. 2. Decke mich von oben vor der Feinde Toben mit der Vaterhuld; ein versöhnt Gewissen sei 3. Laß auch meine Lieben keine Not betrüben; sie sind mein und dein. Schließ uns mit Erbarmen in die Vaterarmen ohne Sorgen ein. Du bei mir und ich bei dir, also sind wir ungeschieden, und ich schlaf in Frieden. 4. Komm, verschließ die Kammer und laß allen Jammer ferne von uns sein. Sei du Schloß und Riegel; unter deine Flügel nimm dein Küchlein ein; decke zu mit Schutz und Ruh, so wird uns mit nichten grauen vor des Satans Klauen. 5. Wie, wenn ich mein Bette heut zum Grabe hätte? Wie bald rot, bald tot! Drum, haft du beschlossen, daß mein Ziel verflossen, kommt die Todesnot, so will ich nicht wider dich; lieg ich nur in Jesu Wunden, sterb ich alle Stunden. 6. Nun wohlan, ich thue in vergnügter Ruhe Mund und Augen zu. Seele, Leib und Leben hab ich dir ergeben, o du Hüter, du! Gute Nacht! nimm mich in Acht; und erleb ich ja den Morgen, wirst du weiter sorgen. Benj. Schmold. † 1737. 153. Mel.: In dich hab ich gehoffet. mit meinem Gott geh ich zur Ruh und thu im Fried 41* 640 mein Augen zu; denn Gott ins Himmels Throne über mich wacht bei Tag und Nacht, auf daß ich sicher wohne. Dritter Teil: Lieder. 3. Der Tag ist nun vergangen, die güldnen Sternlein prangen am blauen Himmelssaal; also werd ich auch stehen, wenn mich wird heißen gehen mein Gott aus diesem Jammerthal. 2. Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ, der du allein mein Helfer bist, laß kein Leid widerfahren, 4. Der Leib der eilt zur Ruhe, durch deinen Schuß fürs Teufels legt ab das Kleid und Schuhe, Truß dein Engel mich bewahren. das Bild der Sterblichkeit: die 3. Befiehl du deinen Engelein, zieh ich aus, dagegen wird Chridaß sie stets um und bei uns sein, stus mir anlegen den Rock der all Übel von uns wenden. Gott Ehr und Herrlichkeit. heilger Geist, dein Hilf uns leist an unserm letzten Ende. 4. Herr, meinen Geist befehl ich dir, mein Gott! mein Gott! weich nicht von mir, nimm mich in deine Hände; o wahrer Gott! aus aller Not hilf mir am letzten Ende. 5. Glorie, Lob, Ehr und Herrlichkeit sei Gott Vater und Sohn bereit, dem heilgen Geist mit Namen. Die göttlich Kraft mach uns sieghaft durch Jesum Christum. Amen. Aus dem 17. Jahrhundert. 154. Eigene Melodie. N un ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Städt und Felder; es schläft die ganze Welt; ihr aber, meine Sinnen, auf, auf! ihr jollt beginnen, was eurem Schöpfer wohlgefällt. 2. Wo bist du Sonne blieben? Die Nacht hat dich vertrieben, die Nacht, des Tages Feind. Fahr hin, ein andre Sonne, mein Jesus, meine Wonne, gar hell in meinem Herzen scheint. 5. Das Haupt, die Füß und Hände sind froh, daß nun zu Ende die Arbeit kommen sei; Herz, freu dich, du sollst werden vom Elend dieser Erden und von der Sünden Arbeit frei. 6. Nun geht, ihr matten Glieder, geht hin und legt euch nieder; der Betten ihr begehrt: es kommen Stund und Zeiten, da man euch wird bereiten zur Ruh ein Bettlein in der Erd. 7. Mein Augen stehn verdrossen, im Hui sind sie geschlossen, wo bleibt dann Leib und Seel? Nimm sie zu deinen Gnaden, sei gut für allen Schaden, du Aug und Wächter Israel! 8. Breit aus die Flügel beide, o Jesu, meine Freude, und nimm dein Küchlein ein; will Satan mich verschlingen, so laß die Englein singen: Dies Kind soll unverlezzet sein! 9. Auch euch, ihr meine Lieben, soll heute nicht betrüben fein Unfall noch Gefahr; Gott laß euch ruhig schlafen, stell euch die güldnen Waffen ums Bett und seiner Engel Schar! P. Gerhardt. † 1676. 155. Mel.: Nun ruhen alle Wälder. Abendlieder. N un sich der Tag geendet, mein Herz zu dir sich wendet und danket inniglich: dein holdes Angesichte zum Segen auf mich richte; erleuchte und entzünde mich. 2. Ich schließe mich aufs neue in deine Batertreue und Schuß und Herze ein; die fleischlichen Geschäfte und alle finstern Kräfte vertreibe durch dein Nahesein. 3. Daß du mich herzlich liebest, daß du mich stets umgiebest und rufft zu dir hinein; daß du vergnügst alleine so wesentlich und reine, laß allezeit mir heilig sein. 4. Ein Tag der sagts dem andern, mein Leben sei ein Wandern zur großen Ewigkeit. O Ewigkeit, du schöne, mein Herz an dich gewöhne! Mein Heim ist nicht in dieser Zeit. Gerhard Tersteegen. † 1769. 156. Mel.: Herr Gott, dich loben alle wir. D Jesu, treuster Heiland mein, ich geh in mein Schlaffämmerlein; ich will mich legen in die Ruh, schleuß du die Thür selbst nach mir zu. 641 3. Und wenn ich schlaf, so wach für mich, treib alles Unglück hinter sich; breit über mich dein Flügel aus, laß stehn dein Engel um mein Haus. 2. Verzeih mein Sünd aus Gnad und Güt; schädlich und schändlich Träum verhüt; laß säuberlich mich schlafen ein und ruhen sanft in Armen dein. 4. Behüt vor Feur und Wassersnot, vor einem bösen schnellen Tod; vor Diebstahl und vor Leibsgefahr mich und die Meinigen bewahr. 5. Laß mich zu deinem Lob aufstehn und fröhlich an mein Arbeit gehn; so will ich dein Barmherzigkeit loben und preisn in Ewigkeit. 6. Gott Vater, nimm mich in dein Hut; Gott Sohn, wasch mich mit deinem Blut; Gott heilger Geist, erleuchte mich, daß in den Himmel komme ich. 157. Mel.: Werde munter mein Gemüte. Unsre müden Augenlider ſchliedes Leibes matte Glieder grüßen Ben sich jetzt schläfrig zu, und schon die Abendruh; denn die trüb und finstre Nacht hat des hellen Tages Pracht in der tiefen See verdecket und die Sternlein aufgestecket. 2. Ach, bedenk, eh du gehst schlafen, du, o meines Leibes Gast; ob du den, der dich erschaffen, heute nicht erzürnet hast? Thu, ach thu bei Zeiten Buß, geh und falle ihm zu Fuß und bitt ihn, daß er aus Gnaden dich der Strafe woll entladen. 3. Sprich: Herr, dir ist un 642 Dritter Teil: Lieder. verhohlen ,. daß ich diesen Tag verbracht anders, als du mir befohlen; ja ich habe nicht betracht meines Amtes Ziel und Zweck, habe gleichfalls deinen Weg schändlich, o mein Gott, verlassen, bin gefolgt der Wollust Straßen. 4. Ach Herr, laß mich Gnad erlangen, gieb mir nicht verdienten Lohn; laß mich deine Hut umfangen, sieh an deinen lieben Sohn, der für mich genug gethan; Vater, nimm den Bürgen an! Dieser hat für mich erduldet, was mein Unart hat verschuldet. 5. Öffne deiner Güte Fenster, sende deine Wach herab, daß die schwarzen Nachtgespenster*), daß des Todes finstres Grab, daß das Übel, so bei Nacht unsern Leib zu fällen tracht, mich nicht mit dem Neß umdecke und kein böser Traum erschrecke.*) Buch der Weisheit Kap. 17. 6. Laß mich, Herr, von dir nicht wanken, in dir schlaf ich sanft und wohl; gieb mir heilige Gedanken, und bin ich gleich Schlafes voll, so laß doch den Geist in mir zu dir wachen für und für, bis die Morgenröt angehet und man von dem Bett aufstehet. 7. Vater droben in der Höhe, dessen Nam uns teuer und wert, dein Reich komm, dein Will geschehe, unser Brot werd uns beschert, und vergieb uns unsre Schuld, schenk uns deine Gnad und Huld; laß uns nicht Versuchung töten, hilf uns, Herr, aus allen Nöten. Joh. Franc. † 1677. 158. Eigene Melodie. W Me Lerde munter, mein Gemüte, und ihr Sinnen, geht herfür, daß ihr preiset Gottes Güte, die er hat gethan an mir, da er mich den ganzen Tag vor so mancher schweren Plag hat erhalten und ergößet, daß mich Satan nicht verleßet. 2. Lob und Dank sei dir gesungen, Vater der Barmherzigkeit, daß mir ist mein Werk gelungen, daß du mich vor allem Leid und vor Sünden mancher Art so getreulich haft bewahrt, auch den Feind hinweg getrieben, daß ich unbeschädigt blieben. 3. Keine Klugheit kann ausrechen deine Güt und Wunderthat; ja kein Redner kann aussprechen, was dein Huld erwiesen hat. Deiner Wohlthat ist zu viel, sie hat weder Maß noch Ziel. Herr, du hast mich so geführet, daß kein Unfall mich berühret. 4. Dieser Tag ist nun vergangen, die betrübte Nacht bricht an; es ist hin der Sonne Prangen, so uns all erfreuen kann. Stehe mir, o Vater, bei, daß dein Glanz stets vor mir sei und mein kaltes Herz erhitze, ob ich gleich im Finstern size. 5. Herr, verzeihe mir aus Gnaden alle Sünd und Miſsethat, die mein armes Herz beladen und sogar vergiftet hat, daß auch Satan durch sein Spiel mich zur Hölle stürzen will. Da kannst 643 du alleine retten, strafe nicht mein| Feind und Hausgenossen sein in deiÜbertreten! nen Schuß geschlossen.*) all die meinen. 11. Ach, bewahre mich vor Schrecken, schüße mich vor Überfall, laß mich Krankheit nicht aufwecken, treibe weg des Krieges Schall, wend ab Feur und Wassersnot, Pestilenz und schnellen Tod! Laß mich nicht in Sünden sterben, noch an Leib und Seel verderben! Abendlieder. 6. Bin ich gleich von dir gewichen, stell ich mich doch wieder ein; hat uns doch dein Sohn verglichen durch sein Angst und Todespein. Ich verleugne nicht die Schuld; aber deine Gnad und Huld ist viel größer als die Sünde, die ich stets in mir befinde. 7. du Licht der frommen Seelen, o du Glanz der Ewigkeit, dir will ich mich ganz befehlen diese Nacht und allezeit. Bleibe doch, mein Gott, bei mir, weil es nunmehr dunkel schier; da ich mich so sehr betrübe, tröste mich mit deiner Liebe! 8. Schüße mich vor Teufels Netzen, vor der Macht der Finsternis, die mir oft des Nachts zusetzen und erzeugen Kümmernis; laß mich dich, o wahres Licht, nimmermehr verlieren nicht, wenn ich dich nur hab im Herzen, fühl ich nicht der Seele Schmerzen. 9. Wenn mein Augen schon sich schließen und ermüdet schlafen ein, soll mein Herz dennoch geflissen und auf dich gerichtet sein. Meiner Seele mit Begier träume stets, o Gott, von dir, daß sie fest an dir bekleibe und auch schlafend dein verbleibe. 12. O, du großer Gott, erhöre, was dein Kind gebeten hat! Jesu, den ich stets verehre, bleibe ja mein Schuß und Rat! Und mein Hort, du werter Geist, der du Freund und Tröster heißt, höre doch mein sehnlichs Flehen! Amen, ja es soll geschehen! Joh. Rist. † 1667. 159. Mel.: Wenn wir in höchsten Nöten. Wir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du unser Erlöser bist, uns bhütet haft vor aller Gfahr durch deiner lieben Engel Schar. 2. Wir gehn nun, Herr, zu unsrer Ruh, ach rechn es unsrer Seel nicht zu, was wir leider! gesündigt han; vergieb uns alls, o Gottes Sohn! 3. Laß dein Engel stets um uns sein, die uns allzeit bewachen sein, daß der Teufel hab keine Macht an uns weder bei Tag noch Nacht. 10. Laß mich diese Nacht empfinden eine sanft und süße Ruh! Alles Übel laß verschwinden, decke mich mit Segen zu! Leib und Seele, Mut und Blut, Weib und Kinder*), Hab und Gut, Freunde, lein. 4. Vor Feur, vor Seeln- und Leibesnot behüt uns, lieber Herre Gott, in deinem Nam laß schlafen ein uns, deine lieben Kinder 644 Dritter Teil: Lieder. 5. Es gescheh, was mag, wir| 6. Amen, Amen! zu guter sind ja dein, erlöst durch dein Nacht, der Engel Gottes uns befünf Wunden rein; dir leben wacht; Gott Lob und Dank in wir, dir sterben wir, dein Kinder Ewigkeit! Wir gehn zur Ruh ohn sind wir für und für. alles Leid. Nit. Selnecker. † 1592. Am Sonntag. 160. Mel.: Nun ruhen alle Wälder. D er Sabbat ist vergangen, ich habe mein Verlangen nach Herzenswunsch erfüllt. Gott hat mich unterweiset, mit Lebensbrot gespeiset und meiner Seelen Durstgeſtillt. 2. Gott ruht durchs Wort im Herzen, drum leg ich ohne Schmerzen auch meinen Leib zur Ruh; denn allen Sündenschaden deckt Jesus nun in Gnaden mit seinem Purpurmantel zu. 3. O du dreieinig Wesen! Mein Geist ist schon genesen, weil ich dein Tempel bin. Ich habe Licht vom Lichte, dein leuchtend Angefichte treibt alle Finsternisse hin. 4. Du wirst schon bei mir wachen und eine Sonne machen auch mitten in der Nacht, bis bei den Cherubimen ein Sonntag ist erschienen, der alle Nacht zu schanden macht. 5. Ich schlafe ganz vergnüget, denn wo mein Herze lieget, da ist der Engel Heer. Mich stört kein Weltgetümmel, es träumt mir nur vom Himmel. Ach, wer doch nur bald droben wär! Benj. Schmold. † 1737. 161. Mel.: Nun sich der Tag geendet hat. un bricht die finstre Nacht herein, des Tages Glanz Nun ist tot, jedoch mein Herz, schlaf noch nicht ein, geh, rede vor mit Gott. 2. O Gott, du großer Herr der Welt, den niemand sehen kann, du siehst mich ja in deinem Zelt, hör auch mein Seufzen an. 3. Der Tag, den ich nunmehr vollbracht, der war besonders dein; drum hätt er auch bis in die Nacht dir sollen heilig sein. 4. Vielleicht ist dieses nicht geschehn; denn ich bin Fleisch und Blut und pfleg es öfters zu versehn, wenn gleich der Wille gut. 5. Nun such ich deinen Gnadenthron, sich meine Sünd nicht an und denke, daß dein lieber Sohn für mich genug gethan. 6. Schreib alles, was man heut gelehrt, in unsre Herzen ein, und lasse die, so es gehört, dir auch gehorsam sein. 7. Erhalte ferner noch dein Wort, und thu uns immer wohl, damit man stets an diesem Ort Gott diene, wie man soll. 8. Indessen such ich meine Ruh, o Vater, steh mir bei, und gieb mir deinen Engel zu, daß er mein Wächter sei. 9. Und endlich führe, wenn es Zeit, mich in den Himmel ein, da wird in deiner Herrlichkeit mein Sabbat ewig sein. Kasp. Neumann. † 1715. Wiegenlied. Am Sonnabend. 162. Mel.: Wer nur den lieben. ( o wird die Woche nun beschlossen, da sich die Nacht zur Ruhe neigt, und gleichwohl ist kein Tag verflossen, der nicht von Gottes Gnade zeigt; denn er hat mich nach seiner Macht an Leib und Seele wohl bedacht. 2. Wer weiß, was mir für Ungelücke mehr als zu nah gewesen ist? Man fühlt die schnellen Todesstricke des Satans und des Fleisches List, wenn Gott mit seiner Engel Hut im Wachen nicht das Beste thut. 3. Jedoch mit was für einem Leben hab ich dem treuen Gott gelohnt? Er hat mir Zeit genug gegeben, er hat der Schwachheit noch verschont: allein, je mehr die Gnad gewinnt, je mehr hab ich den Tod verdient. 4. Ach Gott! ich beichte meine Sünde; nimm mich um Jesu willen an, daß ich an diesem Lebens163. Eigene Melodie. Oder: Nun sich der Tag geendet hat. Nun un schlaf, mein liebes Kindelein, und thu dein Äuglein zu, denn Gott der will dein Vater sein, drum schlaf in guter Ruh! 2. Dein Vater ist der liebe Gott und wills auch ewig sein, der Leib und Seel dir geben hat wohl durch die Eltern dein. 3. Und da du warst in Sünd 645 finde Trost und Vergebung finden kann: ißt scheinet noch die Gnadenzeit zu eines Sünders Seligkeit. 5. Laß mich die neue Woch erblicken, daß ich ins neue Leben geh und als ein Christ in allen Stücken auf deinem Willen fest besteh, daß ich von groben Sünden frei und in acht Tagen frömmer sei. f. Wiegenlied. 6. Behüte mich vor schnöden Leuten, dabei man lauter Sünde lernt; will mich die böse Lust bestreiten, so gieb, daß sich mein Geist entfernt und alle Süßigkeit veracht, die uns der Höllen dienstbar macht. 7. Also will ich dein Lob besingen, so lange sich die Zunge regt; dein hoher Name soll erklingen, weil Tag und Nacht die Zeit bewegt; doch hilf mir in den Himmel ein, da wird es ewig Sonntag sein. Gottfr. Hoffmann. † 1712. geborn, wie Menschenkinder all, und lagst dazu in Gottes Zorn um Adams Sünd und Fall, 4. Da schenkt er dir sein lieben Sohn, den gab er in den Tod; der kam auf Erd von Himmels Thron, half dir aus aller Not. 5. Ein Kindlein klein ward er geborn, am Kreuz sein Blut vergoß; damit stillt er seins Vaters Zorn, macht dich von Sünden blos. 6. Hör, was dir Christ er 646 Dritter Teil: Lieder. worben hat mit seiner Marter groß; die heilig Tauf, das selge Bad aus seiner Seite floß. 7. Darin bist du nun neu geborn durch Christi Wunden rot, versöhnt ist Gottes grimmger Zorn; dein Schuld ist quitt in Tod. 8. Mit seinem Geist er dich auch krönt aus lauter Lieb und Treu, der in dein'm zarten Herzlein stöhnt*) und macht dich gar spahnneu**). *) Röm. 8, 26.**) 1 Petr. 2, 2. 9. Er sendt dir auch sein Engelein zu Hütern Tag und Nacht, daß sie bei deiner Wiege sein und halten gute Wacht, 10. Damit der böse Geist kein Teil an deinem Seelchen find: das bringt dir alles Christi Heil, drum bist ein selig Kind! 11. Dem Vater und der 164. Eigene Melodie. A lles ist an Gottes Segen und an seiner Gnad gelegen, über alles Geld und Gnt. Wer auf Gott sein Hoffnung setzet, der behält ganz unverleget einen freien Heldenmut. Mutter dein befiehlt er dich mit Fleiß, daß sie dein treue Pfleger sein, ziehn dich zu Gottes Preis. 12. Dazu das liebe Jesulein gesellt sich zu dir fein, will dein Emanuelchen sein und liebes Brüderlein. 13. Drum schlaf, du liebes Kindelein, preis Gott den Vater dein wie Zacharias Hänselein*), so wirst du selig sein. 3. Viel bemühen sich um Sachen, die nur Sorg und Unruh *) Johannes der Täufer. 14. Der heilig Geist der segne dich, bewahr dich alle Zeit; ſein heilger Nam behüte dich, schüß dich vor allem Leid! D. Stand und Beruf. a. Haus- und Ehestand. 15. Amen, Amen! Ja, das ist wahr, das sagt der heilge Geist! Geb Gott, daß du von heut zu Jahr ein gottselger Mensch seist! Joh. Mathesius. † 1565. machen und ganz unbeständig sind; ich begehr nach dem zu ringen, was kann volle G'nüge bringen, und man jetzt gar selten findt. 4. Hoffnung kann das Herz erquicken; was ich wünsche, wird sich schicken, so es anders Gott gefällt. Meine Seele, Leib und Leben hab ich seiner Gnad ergeben und ihm alles heimge2. Der mich hat bisher ernähret und so manches Glück bescheret, ist und bleibet ewig mein. stellt. Der mich wunderlich geführet und noch leitet und regieret, wird forthin mein Helfer sein. 5. Er weiß schon nach seinem Willen mein Verlangen zu erfüllen; es hat alles seine Zeit. Ich hab ihm nichts vorzuschreiben, wie Gott will, so muß es Haus- und Ehestand. 647 bleiben, wenn Gott will, bin ich| Baume gleich, an Ästen schön, an bereit. Zweigen reich; das Weib gleich 6. Soll ich hier noch länger einem Reben, der seine Träublein leben, will ich ihm nicht wider-| trägt und nährt und sich je mehr und streben, ich verlasse mich auf ihn; ist doch nichts, das lang bestehet, alles Irdische vergehet und fährt wie ein Strom dahin. um 1676. mehr vermehrt mit Früchten, die da leben. Wohl dir, o Zier, Mannessonne, Hauseswonne, Ehrenkrone, Gott denkt dein bei seinem Throne. 165. Mel.: Wie schön leuchtet der Morgenstern. Zie schön ists doch, Herr Jesu Chrift, im Stande, da dein Segen ist, im Stande heilger Ehe! Wie steigt und neigt sich deine Gab und alles Gut so mild herab aus deiner heilgen Höhe, wenn sich an dich fleißig halten Jung und Alten, die im Orden eines Lebens einig worden. 2. Wenn Mann und Weib sich wohl begehn und unverrückt bei sammen stehn im Bunde reiner Treue, da geht das Glück in vollem Lauf, da sieht man, wie der Engel Hauf im Himmel selbst sich freue. Kein Sturm, kein Wurm kann zerschlagen, kann zernagen, was Gott giebet dem Paar, das in ihm sich liebet. 5. Dich, dich hat er ihm auserforn, daß aus dir werd herausgeborn das Volk, das sein Reich bauet; sein Wunderwerk geht immerfort, und seines Mundes starkes Wort macht, daß dein Auge schauet schöne Söhne und die Tocken*), die den Rocken fein abspinnen und mit Kunst die Zeit gewinnen. *) Töchter. 6. Sei guten Muts, wir sind es nicht, die diesen Orden aufgericht; es ist ein höhrer Vater: der hat uns je und je geliebt und bleibt, wenn unsre Sorg uns trübt, der beste Freund und Rater; Anfang, Ausgang aller Sachen, die zu machen wir gedenken, wird er wohl und weißlich lenken. 7. Zwar bleibts nicht aus, es kommt ja wohl ein Stündlein, da 3. Vor allen giebt er seine man leidensvoll die Thränen lässet Gnad, in deren Schoß er früh schießen; jedennoch, wer sich in Geund spat sein Hochgeliebten heget. duld ergiebt, deß Leid wird GotDa spannt sein Arm sich täglich tes Huld in großen Freuden schlieaus, da faßt er uns und unser Ben. Siße, schwiße nur ein wenig, Haus gleich als ein Vater pfle- unser König wird behende machen, get. Da muß ein Fuß nach dem andern gehn und wandern, bis sie kommen in das Zelt und Siz der Frommen. daß die Angst sich wende. 4. Der Mann wird einem 8. Wohl her, mein König, nah herzu! Gieb Rat im Kreuz, in Nöten Ruh, in Ängsten Trost und Freude! Des sollst du haben 648 Dritter Teil: Lieder. Ruhm und Preis, wir wollen sin-| len zu erfüllen, deinen Namen gen bester Weis und danken alle ewig loben werden. Amen. beide, bis wir bei dir, deinen WilP. Gerhardt. † 1676. b. Reijelieder. 166. Eigene Melodie. I" Un allen meinen Thaten laß ich den Höchsten raten, der alles kann und hat; er muß zu allen Dingen, solls anders wohl gelingen, selbst geben Rat und That. 2. Nichts ist es spat und frühe um alle meine Mühe; mein Sorgen ist umsonst; er mags mit seinen Sachen nach seinem Willen machen; ich stells in seine Gunst. 3. Es kann mir nichts geschehen, als was er hat versehen und was mir selig ist; ich nehm es, wie ers giebet; was ihm von mir geliebet, das hab ich auch erkiest. 4. Ich traue seiner Gnaden, die mich vor allem Schaden, vor allem Übel schützt. Leb ich nach seinen Säßen, so wird mich nichts verlegen, nichts fehlen, was mir nüßt. 5. Er wolle meiner Sünden in Gnaden mich entbinden, durch streichen meine Schuld; er wird auf mein Verbrechen nicht stracks das Urteil sprechen, und haben noch Geduld. 6. Ich zieh in ferne Lande zu nüßen einem Stande, an den er mich bestellt; sein Segen wird mich lassen, was gut und recht ist, fassen, zu dienen seiner Welt. 7. Bin ich in wilder Wüsten, so bin ich doch bei Christen*) und Christus ist bei mir; der Helfer in Gefahren der kann mich doch bewahren, wie dorte, so auch hier. *) bei dem Herrn Christo. 8. Er wird zu diesen Reisen gewünschten Fortgang weisen, wohl helfen hin und her; Gesundheit, Heil und Leben, Zeit, Wind und Wetter geben und alles nach Begehr. 9. Sein Engel, der getreue, macht meine Feinde scheue, tritt zwischen mich und sie; durch seinen Schutz den frommen, sind wir so weit nun kommen, und wissen fast nicht wie. 10. Leg ich mich späte nieder, erwach ich frühe wieder, lieg oder zieh ich fort; in Schwachheit und in Banden und was mir stößt zu Handen, so tröstet mich sein Wort. 11. Hat er es denn beschlossen, so will ich unverdrossen an mein Verhängnis gehn: kein Unfall unter allen wird mir zu harte fallen; ich will ihn überstehn. 12. Ihm hab ich mich ergeben, zu sterben und zu leben, sobald er mir gebeut. Es sei heut oder morgen, dafür laß ich ihn sorgen, er weiß die rechte Zeit. 13. Gefällt es seiner Güte, und sagt mir mein Gemüte nicht was Vergeblichs zu, so werd ich Gott noch preisen mit manchen schönen Weisen daheim in meiner Ruh. 14. Indeß wird er den meinen mitSegen auch erscheinen, ihrSchuß Kreuz und Trost. wie meiner sein; wird beiderseits gewähren, was unser Wunsch und Zähren ihn bitten überein. 15. So sei nun, Seele, seine, und traue dem alleine, der dich geschaffen hat. Es gehe, wie es gehe; dein Bater aus der Höhe weiß allen Sachen Rat. Paul Flemming. † 1640. 649 2. Herr, du wollst unser Gleitsmann sein und mit uns gehen aus und ein, und zeigen alle Steig und Steg, wehre dem Unfall auf dem Weg! Kyrieleis. 3. So wird kein Berg noch tiefes Thal, kein Wasser uns irren überall; fröhlich komm'n wir an unsern Ort, wenn du uns gnädig hilfest fort! Kyrieleis. 4. Herr Christ, du bist der rechte Weg zum Himmel und der ein'ge Steg, hilf uns Pilgrim ins Vaterland, weil du dein Blut hast 167. Eigene Melodie. Oder: Erschienen ist der herrlich Tag. n Gottes Namen fahren wir, sein heilger Engel geh uns für, wie dem Volk in Egyptenland, das entging Pharaonis dran gewandt! Kyrieleis. Hand! Kyrieleis. Nit. Hermann. † 1561. E. Kreuz und Trost. 168. 4. Weg hast du allerwegen, an Mitteln fehlt dirs nicht; dein Thun ist lauter Segen, dein Gang ist lauter Licht. Dein Werk kann und Winden giebt Wege, Lauf niemand hindern, dein Arbeit und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann. Mel.: Herzlich thut mich verlangen. efiehl du deine Wege, und was dein Herze kränkt, der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt; der Wolken, Luft darf nicht ruhn, wenn du, was deinen Kindern ersprießlich ist, willst thun. 2. Dem Herren mußt du trauen, wenn dirs soll wohl ergehn, auf sein Werk mußt du schauen, wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein läßt Gott ihm gar nichts nehmen, es muß erbeten sein. 3. Dein ewge Treu und Gnade, o Vater, weiß und sieht, was gut sei oder schade dem sterblichen Geblüt; und was du dann erlesen, das treibst du, starker Held, und bringst zum Stand und Wesen, was deinem Rat gefällt. 5. Und ob gleich alle Teufel hie wollten widerstehn, so wird doch ohne Zweifel Gott nicht zurücke gehn. Was er ihm vorgenommen und was er haben will, das muß doch endlich kommen zu seinem Zweck und Ziel. 6. Hoff, o du arme Seele, hoff, und sei unverzagt! Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kummer plagt, mit großen Gnaden rücken, erwarte nur die 650 Dritter Teil: Lieder. Zeit, so wirst du schon erblicken bis in den Tod uns allzeit deiner die Sonn der schönsten Freud. Pflege und Treu empfohlen sein, 7. Auf! auf! gieb deinem so gehen unsre Wege gewiß zum Schmerze und Sorgen gute Nacht; Himmel ein. P. Gerhardt. † 1676. laß fahren, was das Herze betrübt und traurig macht! Bist du doch nicht Regente, der alles 169. Eigene Melodie. führen soll, Gott fißt im Regi- ftille in dem Gotte deines und sei mente und führet alles wohl. 8. Jhn, ihn laß thun und Lebens. In ihm ruht aller Freuwalten, er ist ein weiser Fürst den Fülle, ohn ihn mühst du dich und wird sich so verhalten, daß vergebens. Er ist dein Quell und du dich wundern wirst, wenn er, deine Sonne, scheint täglich hell wie ihm gebühret, mit wunder- zu deiner Wonne: gieb dich zubarem Rat das Werk hinausge- frieden! führet, daß dich bekümmert hat. 2. Er ist voll Lichtes, Trost 9. Er wird zwar eine Weile und Gnaden, ungefärbten, treuen mit seinem Trost verziehn, und Herzens, wo er steht, thut dir thun an seinem Teile, als hätt in keinen Schaden auch die Bein seinem Sinn er deiner sich be- des größten Schmerzens. Kreuz, geben, und sollst du für und für Angst und Not kann er bald wenin Angst und Nöten schweben, den, ja auch den Tod hat er in fragt er doch nichts nach dir. Händen: gieb dich zufrieden! 10. Wirds aber sich befinden, daß du ihm treu verbleibst, so wird er dich entbinden, da dus am mindsten gläubst; er wird dein Herze lösen von der so schweren Last, die du zu keinem Bösen bisher getragen hast. 3. Wie dirs und andern oft ergehe, ist ihm wahrlich nicht verborgen; er sieht und fennet aus der Höhe der betrübten Herzen Sorgen. Er zählt den Lauf von heißen Thränen und faßt zu Hauf all unser Sehnen: gieb dich zu frieden! 4. Wenn gar kein Einger mehr auf Erden, dessen Treue du darfst trauen; alsdann will er dein Tröster werden und zu deinem Besten schauen. Er weiß dein Leid und heimlich Grämen; auch weiß er Zeit, dirs zu benehmen: gieb dich zufrieden! 5. Er hört die Seufzer deiner Seelen und des Herzens stilles 11. Wohl dir, du Kind der Treue, du hast und trägst davon mit Ruhm und Dankgeschreie den Sieg und Ehrenkron! Gott giebt dir selbst die Palmen in deine rechte Hand; und du singst Freudenpsalmen dem, der dein Leid gewandt. 12. Mach End, o Herr, mach Ende an aller unsrer Not; stärk unsre Füß und Hände und laß Kreuz und Trost. 651 Klagen; und was du keinem darfst mir, es ist dein Frommen. Was erzählen, magst du Gott gar kühnlich sagen. Er ist nicht fern, steht in der Mitten, hört bald und gern der Armen Bitten: gieb dich zufrieden! langsam schleicht, faßt man gewisser; und was verzeucht, ist desto süßer: gieb dich zufrieden! 6. Laß dich dein Elend nicht bezwingen; halt an Gott, so wirst du siegen. Ob alle Fluten einhergingen, dennoch mußt du oben liegen. Denn wenn du wirst so hoch beschweret, hat Gott, dein Fürst, dich schon erhöret: gieb dich zufrieden! 7. Was sorgst du für dein armes Leben, wie dus halten wollst und nähren? Der dir das Leben hat gegeben, wird auch Unterhalt bescheren. Er hat ein Hand voll aller Gnaden, da See und Land sich muß von laben: gieb dich zufrieden! 8. Der allen Vögeln in den Wäldern ihr bescheidnes Körnlein weiset, der Schaf und Rinder in den Feldern alle Tage tränkt und speiset, der wird ja auch dich Eingen füllen und alle deine Notdurft stillen: gieb dich zufrieden! 9. Sprich nicht, ich sehe keine Mittel; wo ich such, ist nichts zum besten. Denn das ist Got tes Ehrentitel, helfen, wenn die Not am größten. Wenn ich und du ihn nicht mehr spüren, da schickt er zu, uns wohl zu führen: gieb dich zufrieden! 10. Bleibt gleich die Hilf in etwas lange, wird sie dennoch endlich kommen. Macht dir das Harren angst und bange, glaube 11. Nimm nicht zu Herzen, was die Rotten deiner Feinde von dir dichten, laß sie nur immer weidlich spotten; Gott wirds hören und recht richten. Ist Gott dein Freund und deiner Sachen, was kann dein Feind, der Mensch. groß machen? Gieb dich zufrieden! 12. Hat er doch auch wohl selbst das Seine, wenn ers sehen könnt und wollte. Wo ist ein Glück so klar und reine, dem nicht etwas fehlen sollte? Wo ist ein Haus, das könnte sagen: ich weiß durchaus von keinen Plagen? Gieb dich zufrieden! 13. Es fann und mag nicht anders werden, alle Menschen müssen leiden. Was webt und lebet auf der Erden, kann das Unglück nicht vermeiden. Des Kreuzes Stab schlägt unsre Lenden bis in das Grab; da wird sichs enden. Gieb dich zufrieden! 14. Es ist ein Ruhetag vorhanden, da uns unser Gott wird lösen; er wird uns reißen aus den Banden dieses Leibs und allem Bösen. Es wird einmal der Tod herspringen und aus der Qual uns sämtlich bringen. Gieb dich zufrieden! 15. Er wird uns bringen zu den Scharen der Erwählten und Getreuen, die hier mit Frieden heimgefahren, sich auch nun in 652 Dritter Teil: Lieder. Frieden freuen; da sie den Grund, des, der den Thron des Himmels der nicht kann brechen, den ewgen aufgezogen; ob er gleich schlägt Mund selbst hören sprechen: gieb und Kreuz auflegt, bleibt doch dich zufrieden! sein Herz gewogen. P. Gerhardt. † 1676. 170. Eigene Melodie. Hem err, wie du willst, so schicks mit mir im Leben und im Sterben. Allein zu dir steht mein Begier, laß mich, Herr, nicht verderben. Erhalt mich nur in dei ner Huld, sonst wie du willst, gieb mir Geduld, denn dein Will ist der beste. 2. Das kann mir fehlen nimmermehr; mein Vater muß mich lieben. Wenn er mich auch gleich wirft ins Meer, so will er mich nur üben und mein Gemüt in seiner Güt gewöhnen fest zu stehen; halt ich dann Stand, weiß seine Hand mich wieder zu erhöhen. 3. Ich bin ja von mir selber nicht entsprungen noch formieret*); mein Gott ists, der mich zuge2. Zucht, Ehr und Treu ver- richt, an Leib und Seel gezieret, leih mir, Herr, und Lieb zu dei- der Seelen Siß mit Sinn und nem Worte, behüt mich, Herr, Wizz, den Leib mit Fleisch und vor falscher Lehr und gieb mir Beinen. Wer so viel thut, des hier und dorte, was dient zu Herz und Mut kanns nimmer meiner Seligkeit; wend ab all böse meinen. *) gebildet. Ungerechtigkeit in meinem ganzen 4. Woher wollt ich mein AufLeben. enthalt auf dieser Erd erlangen? Ich wäre längsten tot und kalt, wo mich nicht Gott umfangen mit seinem Arm, der alles warm, gesund und fröhlich machet, was er nicht hält, das bricht und fällt; was er erfreut, daß lachet. 5. Zudem ist Weisheit und Verstand bei ihm ohn alle MaBen; Zeit, Ort und Stund iſt ihm bekannt, zu thun und auch zu lassen. Er weiß, wann Freud, er weiß, wann Leid, uns, seinen Kindern, diene; und was er thut, ist alles gut, obs noch so traurig schiene. 6. Du denkest zwar, wenn du nicht hast, was Fleisch und Blut 3. Soll ich einmal nach deinem Rat von dieser Welt abscheiden, verleih mir, Herr, nur deine Gnad, daß es gescheh mit Freuden. Mein Leib und Seel befehl ich dir, o Herr, ein selig End gieb mir durch Jesum Christum. Amen. Kasp. Bienemann. † 1591. 171. Mel.: Was mein Gott will. Ich ch hab in Gottes Herz und Sinn mein Herz und Sinn ergeben. Was böse scheint, ist mir Gewinn; der Tod selbst iſt mein Leben. Ich bin ein Sohn Kreuz und Trost. begehret, als sei mit einer großen Last dein Licht und Heil beschweret; hast spät und früh viel Sorg und Müh, an deinen Wunsch zu kommen, und denkest nicht, daß, was geschicht, gescheh zu deinem Frommen. 653 11. Willst du mir geben Sonnenschein, so nehm ichs an mit Freuden; solls aber Kreuz und Unglück sein, will ichs geduldig leiden. Soll mir allhier des Lebens Thür noch ferner offen stehen, wie du mich führst und führen wirst, so will ich gern mitgehen. 7. Fürwahr, der dich geschaffen hat und ihm zur Ehr erbauet, der hat schon längst in seinem 12. Soll ich denn auch des Rat ersehen und beschauet aus Todes Weg und finstre Straße wahrer Treu, was dienlich sei reisen, wohlan! so tret ich Bahn dir und den Deinen allen, laß und Steg, den mir dein Augen ihm doch zu, daß er nur thu nach weisen. Du bist mein Hirt, der seinem Wohlgefallen. alles wird zu solchem Ende fehren, daß ich einmal in deinem Saal dich ewig möge ehren. P. Gerhardt. † 1676. 8. Wenns Gott gefällt, so fanns nicht sein, es wird dich letzt erfreuen; was du jetzt nennest Kreuz und Pein, wird dir zum Trost gedeihen. Wart in Geduld, die Gnad und Huld 172. wird sich doch endlich finden. All mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. Angst und Qual wird auf eine mal gleich wie ein Dampf verschwinden. Je, wer ohne Kreuz, iſt größer Kreuz, je näher Him9. Das Feld kann ohne Ungestüm gar keine Früchte tragen, so fällt auch Menschenwohlfahrt um bei lauter guten Tagen. Die Aloe bringt bittres Weh, macht gleichwohl rote Wangen, so muß ein Herz durch Angst und Schmerz zu seinem Heil gelangen. ohne Gott; bei Sündenlust und Weltgetümmel vergißt man Hölle, Fluch und Tod. O, selig ist der Mann geschätzt, den Gott in Kreuz und Trübsal setzt! 2. Je größer Kreuz, je besfrer Christe, Gott streicht uns an den Probestein; wie mancher Garten lieget wüste, wo keine Thränenregen sein. Das Gold wird auf dem Feuerherd, ein Christ in mancher Not bewährt. 10. Ei nun, mein Gott, so fall ich dir getrost in deine Hände. Nimm mich und mach du es mit mir bis an mein letztes Ende, wie du wohl weißt, daß meinem Geist dadurch sein Nuß entstehe, und deine Ehr je mehr und mehr sich in ihr selbst erhöhe. 3. Je größer Kreuz, je stärkrer Glaube; die Palme wächset bei der Last, die Süßigkeit fleußt aus der Traube, wenn du sie wohl gefeltert hast. Am Kreuze 42 654 Dritter Teil: Lieder. wächset uns der Mut, wie Per- Herz mir ein, das Glaube, Liebe, len in gesalzner Flut. Hoffnung hegt, bis dort mein 4. Je größer Kreuz, je größre Kreuz die Krone trägt. Liebe; der Wind bläst nur die Flammen auf; und scheinet gleich der Himmel trübe, so lachet doch die Sonne drauf. Das Kreuz vermehrt der Liebe Glut, gleichwie das Öl im Feuer thut. 5. Je größer Kreuz, je mehr Gebete; geriebne Kräuter riechen wohl; wenn um das Schiff kein Sturmwind wehte, so fragte man nicht nach dem Pol. Wo kämen Davids Psalmen her, wenn er nicht auch versuchet wär? 6. Je größer Kreuz, je mehr Verlangen; im Thale steiget man bergan; wer durch die Wüsten oft gegangen, der sehnet sich nach Kanaan. Das Täublein, findt es hier nicht Ruh, so fleugt es nach der Arche zu. 7. Je größer Kreuz, je lieber Sterben, man freut sich recht auf seinen Tod; denn man entgehet dem Verderben, es stirbt auf einmal alle Not. Das Kreuze, das die Gräber ziert, bezeugt, man habe triumphiert. 8. Je größer Kreuz, je schönre Krone, die Gottes Schatz uns beigelegt, und die einmal vor seinem Throne der Überwinder Scheitel trägt. Ach dieſes teure Kleinod macht, daß man das größte Kreuz nicht acht. Benj. Schmold. † 1737. 173. Eigene Melodie. Oder: Herzlich thut mich verlangen. Ke einen hat Gott verlassen, der ihm vertraut allzeit; und ob ihn gleich viel hassen, geschieht ihm doch kein Leid. Gott will die Seinen schützen, zuletzt erheben hoch; und geben, was ihn nüßet hie zeitlich und auch dort. 2. Allein ichs Gott heimstelle, er machs wies ihm gefällt, zu Nuß meinr armen Seele. In dieser argen Welt ist doch nur Kreuz und Leiden, und muß auch also sein, denn die zeitlichen Freuden bringen uns ewge Bein. 3. Treulich will ich Gott bitten und nehmen zum Beistand in allen meinen Nöten, ihm beffr als mir bekannt; um Gduld will ich stets bitten in allm Anliegen mein, er wird mich wohl behüten und mein Nothelfer sein. 4. Alls Glück und Ungelücke das kommt allein von Gott, ich weiche nicht zurücke und fleh in meiner Not. Wie kann er mich denn hassen, der treu Nothelfer mein? Ja, wenn die Not am größten, so will er bei mir sein. 5. Reichtum und alle Schätze, was sonst der Welt gefällt, drauf ich mein Sinn nicht sehe, das bleibet in der Welt. Ein Schatz 9. Gekreuzigter, laß mir dein Kreuze je länger und je lieber sein! Daß mich die Ungeduld nicht reize, so pflanz ein solches hab ich im Himmel, der Jesus Kreuz und Trost. 655 Christus heißt; ist über alle Schäße, den für? Wo hat Gott befohlen, schenkt uns den heilgen Geist. 6. Ihn hab ich eingeschlossen in meines Herzens Schrein. Sein Blut hat er vergossen für mich arms Würmelein, mich damit zu erlösen von ewger Angst und Bein, wie könnt auf dieser Erden doch größre Liebe sein? daß mein Urteil über mir ich bei dir soll holen? Wer hat dir die Macht geschenkt, Andre zu verdammen, der du selbst doch liegst versenkt in der Höllen Flammen? 7. Nun sollt ich mich erzeigen dankbar für solche Gnad, ich geb mich Gott zu eigen mit allem, was ich hab. Wie ers mit mir will machen, sei ihm alls heimgestellt; ich bfehl ihm all mein Sachen, er machs wies ihm gefällt. 8. Amen, nun will ich schließen dies schlichte Liedelein. Herr, durch dein Blutvergießen laß mich dein Erben sein, so hab ich alls auf Erden, was mich erfreuet schon; im Himmel soll mir werden die ewge Gnadenkron. Um 1610. 174. Eigene Melodie. chwing dich auf zu deinem Gott, du betrübte Seele, warum liegst du Gott zum Spott in der Schwermutshöhle? Merkst du nicht des Satans Lift? er will durch sein Kämpfen deinen Trost, den Jesus Christ dir erworben, dämpfen. 2. Schüttle deinen Kopf und sprich: Fleuch, du alte Schlange; was erneurst du deinen Stich, machst mir angst und bange? Jst dir doch der Kopf zerknickt, und ich bin durchs Leiden meines Heilands dir entrückt in den Saal der Freuden. 4. Hab ich was nicht recht gethan, ist mirs leid von Herzen; dahingegen nehm ich an Christi Blut und Schmerzen; denn das ist der Löselohn*) meiner Missethaten: bring ich dies vor Gottes Thron, ist mir wohl geraten. *) ursprünglich: die Ranzion. 5. Christi Unschuld ist mein Ruhm, sein Recht meine Krone, sein Verdienst mein Eigentum, da ich frei in wohne als in einem festen Schloß, das kein Feind kann fällen, brächt er gleich davor Geschoß und Gewalt der Höllen. 6. Stürme, Teufel, und du Tod! Was könnt ihr mir schaden? Deckt mich doch in meiner Not Gott mit seiner Gnaden; der Gott, der mir seinen Sohn selbst verehrt aus Liebe, daß der ewge Spott und Hohn mich dort nicht betrübe. 7. Schreie, tolle Welt, es sei mir Gott nicht gewogen, es sei lauter Täuscherei und im Grund erlogen: wäre Gott mir gram und feind, würd er seine Gaben, die mein eigen worden seind, wohl behalten haben. 8. Denn, was ist im Himmelszelt, was im tiefen Meere, was ist gutes in der Welt, das nicht mir gut wäre? Für wen 3. Wirfst du mir mein Sün- brennt das Sternenlicht? wozu ist 42* 656 Dritter Teil: Lieder. gegeben Luft und Wasser? dient| hen selten wohl ohne Zucht und es nicht mir und meinem Leben? Ruten; bin ich denn nun Gottes Kind, warum will ich fliehen, wenn er mich von meiner Sünd auf was Guts will ziehen? 9. Went wird doch das Erdreich naß von dem Tau und Regen? Wem ergrünet Laub und Gras? Wem erfüllt der Segen Berg und Thale, Feld und Wald? Wahrlich, mir zur Freude, daß ich meinen Aufenthalt hab und Leibesweide. 15. Es ist herzlich gut gemeint mit der Christen Plagen, wer hie zeitlich wohl geweint, darf nicht ewig klagen, sondern hat vollkommne Lust dort in Christi Garten, dem er einig recht bewußt, endlich zu gewarten. 16. Gottes Kinder säen zwar traurig und mit Thränen, aber endlich bringt das Jahr, wonach sie sich sehnen; denn es kommt die Erntezeit, da sie Garben machen, da wird all ihr Gram und Leid lauter Freud und Lachen. 10. Meine Seele lebt in mir durch die süßen Lehren, so die Christen mit Begier alle Tage hören. Gott eröffnet früh und spat meinen Geist und Sinnen, daß sie seines Geistes Gnad in sich ziehen können. 11. Was sind der Propheten Wort und Apostel Schreiben, als ein Licht am dunkeln Ort, Fackeln, die vertreiben meines Herzens Finsternis, und in Glaubenssachen mein Gewissen fein gewiß und recht grundfest machen? 12. Nun, auf diesen heilgen Grund bau ich mein Gemüte, sehe, wie der Höllenhund zwar dawider wüte; gleichwohl muß er lassen stehn, was Gott aufgerichtet, aber schändlich muß vergehn, was er selber dichtet. 17. Ei so faß, o Christenherz, alle deine Schmerzen; wirf sie fröhlich hinterwärts, laß des Trostes Kerzen dich entzünden mehr und mehr; gieb dem großen Namen deines Gottes Preis und Ehr, er wird helfen! Amen. P. Gerhardt. † 1676. 175. Eigene Melodie. ollt es gleich bisweilen schei13. Ich bin Gottes, Gott ist nen, als wenn Gott verließ mein, wer ist, der uns scheide? die Seinen, o so glaub und weiß Dringt das liebe Kreuz herein ich dies, Gott hilft endlich doch mit dem bittern Leide, laß es gewiß. dringen, kommt es doch von geliebten Händen, bricht und kriegt geschwind ein Loch, wenn es Gott will enden. 2. Hilfe, die er aufgeschoben, hat er drum nicht aufgehoben; hilft er nicht zu jeder Frist, hilft er doch, wenns nötig ist. 14. Kinder, die der Vater soll ziehn zu allem Guten, die gedei3. Gleich wie Väter nicht bald geben, wonach ihre Kinder streben, Kreuz und Troft. so hält Gott auch Maß und Ziel; er giebt, wem und wann er will. 2. Wenn sich der Menschen Hulde und Wohlthat all verkehrt, 4. Seiner kann ich mich ge- so findt sich Gott gar balde, sein trösten, wenn die Not am aller- Macht und Gnad bewährt; hilfet größten; er ist gegen mich, sein aus aller Not, errett von Sünd Kind, mehr als väterlich gesinnt. und Schanden, von Ketten und 5. Trotz dem Teufel! Troß dem Drachen! ich kann ihre Macht verlachen; Troß dem schweren Kreuzesjoch! Gott, mein Vater, lebet noch. von Banden, und wenns auch wär der Tod. 6. Troß des bittern Todes Zähnen! Trotz der Welt und allen denen, die mir sind ohn Ursach feind! Gott im Himmel ist mein Freund. 7. Laß die Welt nur immer neiden; will sie mich nicht länger leiden, ei so frag ich nichts dar nach. Gott ist Richter meiner Sach. 8. Will sie gleich mich von sich treiben, muß mir doch der Himmel bleiben; wenn ich nur den Himmel frieg, hab ich alles zur Genüg. 657 9. Ach, Herr, wenn ich dich nur habe, sag ich allem andern abe, legt man mich gleich in das Grab, gnug, Herr, wenn ich dich nur hab. Christoph Tietze. † 1703. 176. Eigene Melodie. Von on Gott will ich nicht lassen, denn er läßt nicht von mir; führt mich auf rechter Straßen, da ich sonst irret sehr. Er reicht mir seine Hand; den Abend wie den Morgen thut er mich wohl versorgen, sei wo ich woll im Land. 3. Auf ihn will ich vertrauen in meiner schweren Zeit, es kann mir nicht gereuen; er wendet alles Leid. Ihm sei es heimgestellt; mein Leib, mein Seel, mein Leben sei Gott dem Herrn ergeben, er schaffs, wies ihm gefällt. 4. Es thut ihm nichts gefallen, denn was mir nüßlich ist. meints gut mit uns allen, schenkt uns den Herren Christ; sein' eingebornen Sohn, durch ihn er uns bescheret, was Leib und Seel ernähret; lobt ihn ins Himmels Thron! 5. Lobt ihn mit Herz und Munde, welchs er uns beides schenkt. Das ist ein selge Stunde, darin man sein gedenkt; sonst verdirbt alle Zeit, die wir zubringn auf Erden; wir sollen selig werden und bleibn in Ewigkeit. 6. Auch wenn die Welt vergehet mit ihrem Stolz und Pracht, kein Ehr und Gut bestehet, welchs vor war groß geacht; wir werden nach dem Tod tief in die Erd begraben; wenn wir geschlafen haben, will uns erwecken Gott. 7. Die Seel bleibt unverloren, geführt in Abrams Schoß; der Leib wird neu geboren, von allen Sünden los, ganz heilig, rein und 658 zart, ein Kind und Erb des Herren; daran muß uns nicht irren des Teufels listge Art. gen? Der es schickt, der wird es wenden; er weiß wohl, wie er soll all mein Unglück enden. 8. Darum ob ich schon dulde 5. Gott hat mich bei guten hie Widerwärtigkeit, wie ich auch Tagen oft ergößzt, sollt ich jetzt wohl verschulde; kommt doch die nicht auch etwas tragen? Fromm Ewigkeit, ist aller Freuden voll; ist Gott und schärft mit Maßen dieselb ohn einigs Ende, dieweil sein Gericht, kann mich nicht ganz ich Christum kenne, mir wider- und gar verlassen. fahren soll. Dritter Teil: Lieder. 9. Das ist des Vaters Wille, der uns geschaffen hat; sein Sohn hat Guts die Fülle erworben und Genad; Gott der heilige Geist im Glauben uns regieret, zum schanden machen. Reich der Himmel führet; ihm sei Lob, Ehr und Preis! Ludw. Helmbold. † 1598. W 177. Eigene Melodie. Larum sollt ich mich denn grämen? hab ich doch Christum noch, wer will mir den nehmen? Wer will mir den Himmel rauben, den mir schon Gottes Sohn beigelegt im Glauben? 2. Nackend lag ich auf dem Boden, da ich kam, da ich nahm meinen ersten Odem, nackend werd ich auch hinziehen, wenn ich werd von der Erd als ein Schatten fliehen. 3. Gut und Blut, Leib, Seel und Leben ist nicht mein, Gott allein ist es, ders gegeben. Will ers wieder zu sich kehren, nehm ers hin; ich will ihn dennoch fröhlich ehren. 6. Satan, Welt und ihre Rotten können mir nichts mehr hier thun, als meiner spotten. Laß sie spotten, laß sie lachen! Gott, mein Heil, wird in Eil sie zu 4. Schickt er mir ein Kreuz zu tragen, dringt herein Angst und Pein, sollt ich drum verza7. Unverzagt und ohne Grauen soll ein Christ, wo er ist, stets sich lassen schauen. Wollt ihn auch der Tod aufreiben, soll der Mut dennoch gut und fein stille bleiben. 8. Kann uns doch kein Tod nicht töten, sondern reißt unsern Geist aus viel tausend Nöten; schleußt das Thor der bittern Leiden und macht Bahn, da man kann gehn zur Himmelsfreuden. 9. Allda will in süßen Schätzen ich mein Herz auf den Schmerz ewiglich ergößen, hier ist kein recht Gut zu finden; was die Welt in sich hält, muß im Hui verschwinden. 10. Was sind dieses Lebens Güter? eine Hand voller Sand, Kummer der Gemüter. Dort, dort sind die edlen Gaben, da mein Hirt, Christus, wird mich ohn Ende laben. 11. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden! du bist mein, ich Kreuz und Trost. 659 scheinet, wie treulich er es meinet. bin dein; niemand kann uns schei-| kommt die Zeit, da öffentlich erden. Ich bin dein; weil du dein Leben und dein Blut mir zu gut in den Tod gegeben. 12. Du bist mein, weil ich dich fasse und dich nicht, o mein Licht, aus dem Herzen lasse. Laß mich, 5. Was Gott thut, das ist wohlgethan, muß ich den Kelch gleich schmecken, der bitter ist, nach meinem Wahn, laß ich mich doch nicht schrecken, weil doch zulaß mich hingelangen, da du mich letzt ich werd ergößt mit süßem und ich dich leiblich werd um- Trost im Herzen; da weichen fangen! P. Gerhardt. † 1676. alle Schmerzen. 178. Eigene Melodie. W Las Gott thut, das ist wohlgethan, es bleibt gerecht sein Wille. Wie er fängt meine Sachen an, will ich ihm halten stille. Er ist mein Gott, der in der Not mich wohl weiß zu erhalten, drum laß ich ihn nur walten. 6. Was Gott thut, das ist wohlgethan, dabei will ich verbleiben. Es mag mich auf die rauhe Bahn Not, Tod und Elend treiben, so wird Gott mich ganz väterlich in seinen Armen halten; drum laß ich ihn nur walten. Sam. Rodigast. † 1708. 179. Eigene Melodie. W Las mein Gott will, das gscheh 2. Was Gott thut, das ist allzeit, sein Will der ist der wohlgethan, er wird mich nicht beste. Zu helfen den'n er ist bebetrügen. Er führet mich auf reit, die an ihn glauben feste. Er rechter Bahn, so laß ich mich be- hilft aus Not der fromme Gott, gnügen an seiner Huld und hab und züchtiget mit Maßen. Wer Geduld; er wird mein Unglück Gott vertraut, fest auf ihn baut, wenden, es steht in seinen Händen. den will er nicht verlassen. 3. Was Gott thut, das ist wohlgethan, er wird mich wohl bedenken. Er, als mein Arzt und Wundermann, wird mir nicht Gift einschenken für Arzenei; Gott ist getreu, drum will ich auf ihn bauen und seiner Gnade trauen. 4. Was Gott thut, das ist wohlgethan, er ist mein Licht und Leben, der mir nichts Böses gönnen kann; ich will mich ihm er geben in Freud und Leid. Es 2. Gott ist mein Trost, mein Zuversicht, mein Hoffnung und mein Leben, was mein Gott will, daß mir geschicht, will ich nicht widerstreben. Sein Wort ist wahr, denn all mein Haar er selber hat gezählet. Er hüt und wacht, stets für uns tracht, auf daß uns gar nichts fehlet. 3. Nun muß ich Sündr von dieser Welt hinfahren in Gottes Willen zu meinem Gott, wanns 660 Dritter Teil: Lieder. ihm gefällt, will ich ihm halten Not, weil wir jetzt stehn verstille. Mein arme Seel ich Gott lassen gar in großer Trübsal und befehl in meiner leßten Stunden, Gefahr. du frommer Gott, Sünd, Höll und Tod hast du mir überwunden. 4. Noch eins, Herr, will ich bitten dich, du wirst mirs nicht versagen, wenn mich der böse Feind anficht, laß mich, Herr, nicht verzagen. Hilf und auch wehr, ach Gott, mein Herr, zu Ehren dei nem Namen. Wer das begehrt, dem wirds gewährt; drauf sprech ich fröhlich: Amen! Albrecht, Markgraf zu Brandenburg- Kulmbach. † 1557. 180. Eigene Melodie. enn wir in höchsten Nöten sein und wissen nicht, wo aus noch ein, und finden weder Hilf noch Rat, ob wir gleich sorgen früh und spat: 2. So ist dies unser Trost allein, daß wir zusammen insgemein dich anrufen, o treuer Gott, um Rettung aus der Angst und Not; 3. Und heben unser Aug und Herz zu dir in wahrer Reu und Schmerz, und suchen der Sünd Vergebung und aller Strafen Linderung, 4. Die du verheißest gnädiglich allen, die darum bitten dich im Namen deins Sohns Jesu Christ, der unser Heil und Fürsprech ist. 5. Drum kommen wir, o Herre Gott, und klagen dir all unsre 6. Sieh nicht an unsre Sünde groß, sprich uns derselb aus Gnaden los; steh uns in unserm Elend bei, mach uns von allen Plagen frei; 7. Auf daß von Herzen können wir nachmals mit Freuden danken dir; gehorsam sein nach deinem Wort, dich allzeit preisen hie und dort. Paul Eber. † 1569. 181. Eigene Melodie. We er Gott vertraut, hat wohl gebaut im Himmel und auf Erden, wer sich verläßt auf Jesum Christ, dem muß der Himmel werden. Darum auf dich all Hoffnung ich ganz fest und steif thu setzen, Herr Jesu Christ, mein Trost du bist in Todes Not und Schmerzen. 2. Und wenns gleich wär dem Teufel sehr und aller Welt zuwider, dennoch so bist du, Jesu Christ, der sie all schlägt darnieder. Und wenn ich dich nur hab um mich mit deinem Geist und Gnaden, so kann fürwahr mir ganz und gar wedr Tod noch Teufel schaden. 3. Dein tröst ich mich ganz sicherlich; denn du kannst mirs wohl geben, was mir ist not, getreuer Gott, in diesm und jenem Leben. Gieb wahre Reu, mein Herz erneu, errette Leib und Kreuz und Trost. Seele. Ach höre, Herr, dies mein Begehr und laß mein Bitt nicht fehlen! V. 1 Joach. Magdeburg. † 1583. V. 2 u. 3 später. 182. Eigene Melodie. er nur den lieben Gott läßt walten und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderlich*) erhalten in allem Kreuz und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut. *) Psalm 4. 4. 66, 5. 2. Was helfen uns die schweren Sorgen? was hilft uns unser Weh und Ach? was hilft es, daß wir alle Morgen beseufzen unser Ungemach? Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit. 3. Man halte nur ein wenig stille und sei doch in sich selbst vergnügt, wie unsers Gottes Gnadenwille, wie sein Allwissenheit es fügt. Gott, der uns ihm hat auserwählt, der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt. 661 ändert viel, und setzet jeglichem sein Ziel. 6. Es sind jaGottsehr schlechte*) Sachen, und ist dem Höchsten alles gleich, den Reichen klein und arm zu machen, den Armen aber groß und reich, Gott ist der wahre Wundermann, der bald erhöhn, bald stürzen kann. *) geringe. 7. Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das deine nur getreu und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott feßt, den verläßt er nicht. Georg Neumark. † 1681. 183. Mel.: Herr, wie du willst, so. Lie Gott mich führt, so will ohn alles Eigenwählen; geschieht, was er mir ausersehn, wird mirs an keinem fehlen. Wie er mich führt, so geh ich mit, und folge willig Schritt für Schritt mit kindlichem Vertrauen. 4. Er kennt die rechten Freu2. Wie Gott mich führt, so denstunden; er weiß wohl, wenn bin ich still und folge seinem Leies nützlich sei. Wenn er uns nur ten; obgleich im Fleisch der Eigenhat treu erfunden, und merket will will öfters widerstreiten. keine Heuchelei, so kommt Gott, Wie Gott mich führt, bin ich beeh wirs uns versehn, und läsfet reit, in Zeit und auch in Ewiguns viel Guts geschehn. feit stets seinen Schluß zu ehren. 5. Denk nicht in deiner Drangfalshige, daß du von Gott verlassen seist, und daß Gott der im Schoße size, der sich mit stetem Glücke speist, die Folgezeit ver- und wenden, sei ihm hiermit ganz 3. Wie Gott mich führt, bin ich vergnügt, ich ruh in seinen Händen; wie er es schickt und mit mir fügt, wie ers will kehrn Dritter Teil: Lieder. heimgestellt, er mach es, wie es ihm| von ihm scheiden? Ich fasse in gefällt, zum Leben oder Sterben. Geduld mich fest, was Gott mir widerfahren läßt, muß mir zum besten dienen. 4. Wie Gott mich führt, so geb ich mich in seinen Vaterwillen. Scheints der Vernunft gleich wunderlich, sein Rat wird doch erfüllen, was er in Liebe hat bedacht, eh er mich an das Licht gebracht; ich bin ja nicht mein eigen. 5. Wie Gott mich führt, so bleib ich treu im Glauben, Hof- geführet hat: dies sei mein Glaufen, Leiden. Steht er mit seiner bensanker. Kraft mir bei, was will mich 6. Wie Gott mich führt, so will ich gehn, es geh durch Dorn und Hecken. Von vornen läßt sich Gott nicht sehn; zuletzt wird ers aufdecken*), wie er nach seinem Vaterrat mich treu und wohl F. Kampf 662 184. Eigene Melodie. *) 2 Mos. 33, 23. Lampertus Gedicke. † 1735. und Sieg. schem Gdicht viel Netz und heimlich Stricke; Herr, nimm mein I bhüt mich Un Hilf, daß ich nicht zu Schanden werd, noch ewiglich zu Spotte. Das bitt ich dich, erhalte mich in deiner Treu, Herr Gotte! 2. Dein gnädig Ohr neig her zu mir, erhör mein Bitt, thu dich herfür, eil bald, mich zu erretten. In Angst und Weh ich lieg und steh, hilf mir aus meinen Nöten. 7. Glorie, Lob, Ehr und Herrlichkeit sei Gott Vater und Sohn 3. Mein Gott und Schirmer, bereit, dem heilgen Geist mit Nasteh mir bei; sei mir ein Burg, men! Die göttlich Kraft mach darin ich frei und ritterlich möguns sieghaft durch Jesum Christreiten wider mein Feind, der stum. Amen. gar viel seind an mir auf beiden Seiten. Adam Reusner. um 1575. vor falschen Tücken. 6. Herr, meinen Geist befehl ich dir, mein Gott, mein Gott weich nicht von mir; nimm mich in deine Hände! O wahrer Gott, aus aller Not hilf mir am letzten Ende. 4. Du bist mein Stärk, mein 185. Fels, mein Hort, mein Schild, Mel.: Straf mich nicht in deinem Zorn. mein bereit, mein Kraft, fagt mir dein Wort, Maache, fleh und bete, daß mein Hilf, mein Heil, mein Leben; mein starker Gott in aller dich nicht die böse Zeit unverhofft Not, wer mag mir widerstreben? betrete; denn es ist Satans List 5. Mir hat die Welt trüglich über viele Frommen zur Versugericht mit Lügen und mit fal- chung kommen. Kampf und Sieg. 663 2. Aber wache erst recht auf| sern Sinn, Feind, Welt, Fleisch von dem Sündenschlafe; denn es und Sünden kräftig überwinden. folget bald darauf eine lange 9. Doch wohl gut! es muß Strafe, und die Not samt dem uns schon alles glücklich gehen, Tod möchte dich in Sünden un- wenn wir ihn durch seinen Sohn vermutet finden. im Gebet anflehen; denn er will uns mit Füll seiner Gunst beschütten, wenn wir gläubig bitten. 10. Drum so laßt uns immerdar machen, flehen, beten, weil die Angst, Not und Gefahr immer näher treten; denn die Zeit ist nicht weit, da uns Gott wird richten und die Welt vernichten. Joh. Burth. Freystein. † 1720. 3. Wache auf, sonst kann dich nicht unser Herr erleuchten; wache, sonsten wird sein Licht dir noch ferne däuchten; denn Gott will für die Füll seiner Gnadengaben offne Augen haben. 4. Wache, daß dich Satans List nicht im Schlaf antreffe, weil er sonst behende ist, daß er dich beäffe; und Gott giebt, die er liebt, oft in seine Strafen, wenn sie sicher schlafen. 186. Eigene Melodie. 5. Wache, daß dich nicht die Welt durch Gewalt bezwinge, oder, Ringe recht, wenn Gottes Gnade wenn an nun ziehet und bekehrt, daß dein Geist sich recht entlade von der Last, die ihn beschwert. 2. Ringe, denn die Pfort ist enge, und der Lebensweg ist schmal; hier bleibt alles im Gedränge, was nicht zielt zum Himmelssaal. 3. Kämpfe bis aufs Blut und Leben, dring hinein in Gottes Reich; will der Satan widerstreben, werde weder matt noch weich. 4. Ringe, daß dein Eifer glühe und die erste Liebe dich von der ganzen Welt abziehe; halbe Liebe hält nicht Stich. sich bringe; wach und sieh, damit nie viel von falschen Brüdern unter deinen Gliedern. 6. Wache dazu auch für dich, für dein Fleisch und Herze, damit es nicht lüderlich Gottes Gnad verscherze; denn es ist voller List und kann sich bald heucheln und in Hoffart schmeicheln. 7. Bete aber auch dabei mitten in dem Wachen; denn der Herre muß dich frei von dem allen machen, was dich drückt und bestrickt, daß du schläfrig bleibest und sein Werk nicht treibeſt. 8. Ja, er will gebeten sein, wenn er was soll geben; er ver- Tag und Nacht gethan. langet unser Schrein, wenn wir 6. Hast du denn die Perl erwollen leben und durch ihn un- rungen, denke ja nicht, daß du nun 5. Ringe mitGebet und Schreien, halte damit feurig an; laß dich keine Zeit gereuen, wärs auch 664 Dritter Teil: Lieder. alles Böse haft bezwungen, das Getümmel dieser Welt niemals zu uns Schaden pflegt zu thun. nah; ist ihr Schaß doch in dem Himmel; drum ist auch ihr Herz allda. 7. Nimm mit Furcht ja deiner Seele, deines Heils mit Zittern wahr; hier in dieser Leibeshöhle schwebst du täglich in Gefahr. 16. Dies bedenket wohl, ihr Streiter! streitet recht, und fürch8. Halt ja deine Krone feste; tet euch; geht doch alle Tage halte männlich, was du hast. Recht weiter, bis ihr kommt ins Himbeharren ist das beste; Rückfall ist ein böser Gaſt. 9. Laß dein Auge ja nicht gaffen nach der schnöden Eitelkeit; bleibe Tag und Nacht in Waffen, fliehe Träg- und Sicherheit. 10. Laß dem Fleische nicht den Willen, gieb der Lust den Zügel 18. Liegt nicht alle Welt im Bösen? steht nicht Sodom in der Glut? Seele, wer soll dich erlönicht; willst du die Begierden sen? Eilen, eilen ist hier gut. füllen, so verlischt das Gnadenlicht. 19. Eile, wo du dich erretten und nicht mit verderben willst; mach dich los von allen Ketten, fleuch als ein gejagtes Wild. 20. Lauf der Welt doch aus den Händen; dring ins stille Zoar*) ein. Eile, daß du mögst vollenden, mache dich von allem rein. 11. Fleisches Freiheit macht die Seele kalt und sicher, frech und stolz, nimmt hinweg des Glaubens Öle, läßt nichts, als ein faules Holz. 12. Wahre Treu führt mit der Sünde bis ins Grab beständig Krieg, richtet sich nach keinem Winde, sucht in jedem Kampf den Sieg. 13. Wahre Treu liebt Christi Wege, steht beherzt auf ihrer Hut, weiß von keiner Wollustpflege, hält sich selber nichts zu gut. 14. Wahre Treu hat viel zu weinen, spricht zum Lachen: du bist toll! weil es, wenn Gott wird erscheinen, lauter Heulen werden soll.*) melreich. 17. Denkt bei jedem Augenblicke, obs vielleicht der letzte ſei; bringt die Lampen ins Geschicke, holt stets neues Öl herbei. *) Pred. Sal. 2, 2. Jakob. 5, 1. Ev. St. Matth. 24, 30. Offenb. 1, 7. 15. Wahre Treu kommt dem *) 1 Mos. 19, 22. 23. 21. Laß dir nichts am Herzen kleben; fleuch vor dem verborgnen Bann. Such in Gott geheim zu leben, daß dich nichts beflecken kann. 22. Eile, zähle Tag und Stunden, bis des Bräutgams Ruf er= klingt und, wenn du nun überwunden, dich zum Schauen Gottes bringt. 23. Eile, lauf ihm doch entgegen, sprich: mein Licht, ich bin bereit, nun mein Hüttlein abzulegen; mich dürft nach der Ewigfeit. Joh. Jos. Windler. † 1722. Kampf und Sieg. 187. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. finder, schaffet eure Seligkeit! bauet nicht wie sichre Sünder nur auf gegenwärtge Zeit; sondern schauet über euch, ringet nach dem Himmelreich und bemühet euch auf Erden, wie ihr möget selig werden. 2. Daß nun dieses mög geschehen, müßt ihr nicht nach Fleisch und Blut und desselben Neigung gehen, sondern was Gott will und thut, das muß einig und allein eures Lebens Richtschnur sein, es mag Fleisch und Blut in allem übel oder wohl gefallen. 3. Ihr habt Ursach zu bekennen, daß in euch noch Sünde steckt, daß ihr Fleisch vom Fleisch zu nennen, daß euch lauter Elend deckt, und daß Gottes Gnadenkraft nur allein das Gute schafft; ja, daß außer seiner Gnade in euch nichts denn Seelenschade. 665 6. Mit der Welt sich luftig machen hat bei Christen keine 4. Selig, wer im Glauben kämpfet, selig, wer im Kampf besteht und die Sünden in sich dämpfet, selig, wer die Welt verschmäht! Unter Christi Kreuzesschmach jaget man dem Frieden nach. Wer den Himmel will ererben, muß zuvor mit Christo sterben. und Statt; lachen schwächt den Geist und macht ihn matt; ach, bei Christi Kreuzesfahn geht es wahrlich niemals an, daß man noch mit frechem Herzen sicher wolle thun und scherzen. 7. Furcht muß man vor Gott stets tragen, denn er kann mit Leib und Seel uns zur Hölle niederschlagen; er ists, der des Geistes Öl und, nachdem es ihm beliebt, Wollen und Vollbringen giebt. O so laßt uns zu ihm gehen, ihn um Gnade anzuflehen! 8. Und dann schlagt die Sündenglieder, welche Adam in euch regt, in den Kreuzestod darnieder, bis ihm seine Macht gelegt; hauet Händ und Füße ab, was euch ärgert, senkt ins Grab, und denkt stets an Jesu Worte: Dringet durch die enge Pforte! 9. Bittern will ich vor der Sünde und dabei auf Jesum sehn, bis ich seinen Beistand finde, in der Gnade zu bestehn. Ach mein Heiland, geh doch nicht mit mir Armen ins Gericht; gieb mir deines Geistes Waffen, meine Seligkeit zu schaffen. 10. Amen, es geschehe, Amen! 5. Werdet ihr nicht treulich Gott versiegle dies in mir, auf ringen, sondern träg und lässig daß ich in Jesu Namen so den sein, eure Neigung zu bezwingen, Kampf des Glaubens führ. Er so bricht eure Hoffnung ein; ohne tapfern Streit und Krieg folget niemals rechter Sieg, wahren Sie gern wird die Krone nur zum beigelegten Lohne. verleihe Kraft und Stärk und regiere selbst das Werk, daß ich wache, bete, ringe, und also zum Himmel dringe. Ludw. Andr. Gotter. † 1735. 666 Dritter Teil: Lieder. IV. Das christliche Sterben. 1. Sterbensbereitschaft. gezwölfte Zahl*); wo in so viel tausend Jahren alle Frommen hingefahren; da wir unserm Gott zu Ehrn ewig Hallelujah hörn. 188. Eigene Melodie. Ale *) Matth. 19, 28. Oder: Jesu, meines Lebens Leben. lle Menschen müssen sterben, alles Fleisch vergeht wie Heu; was da lebet muß verderben, soll 6. Jerusalem, du schöne, es anders werden neu. Dieser Leib der muß verwesen, wenn er anders soll genesen der so großen Herrlichkeit, die den Frommen ist bereit. ach wie helle glänzest du! Ach wie lieblich Lobgetöne hört man da in sanfter Ruh! Ach der großen Freud und Wonne, jezund gehet auf die Sonne, jeßund gehet an der Tag, der fein Ende nehmen mag. 7. Ach, ich habe schon erblicket alle diese Herrlichkeit, jeßo werd 2. Drum so will ich dieses Leben, wenn es meinem Gott beliebt, auch ganz willig von mir geben; bin darüber nicht betrübt. Denn in meines Jesu Wunden ich schön geschmücket mit dem hab ich schon Erlösung funden, weißen Himmelskleid, mit der und mein Trost in Todesnot ist güldnen Ehrenkrone; stehe da vor des Herren Jesu Tod. Gottes Throne, schaue solche Freude an, die kein Ende nehmen kann. 3. Jesus ist für mich gestorben, und sein Tod ist mein Gewinn; er hat mir das Heil erworben, drum fahr ich mit Freuden hin, hin aus diesem Weltge tümmel in den schönen Gotteshimmel, da ich werde allezeit schauen die Dreifaltigkeit. 8. Nun ich will hier ewig wohnen! Meine Lieben, gute Nacht! Eure Treu wird Gott belohnen, die ihr habt an mir vollbracht. Liebste Kinder und Verwandten, Brüder, Freunde und Bekannten, lebet wohl zu guter Nacht! Gott sei Dank! es ist vollbracht. J. G. Albinus. † 1679. 4. Da wird sein das Freudenleben, da viel tausend Seelen schon sind mit Himmelsglanz umgeben, dienen Gott vor seinem Thron; da die Seraphinen prangen und das hohe Lied anfangen: Heilig, heilig, heilig heißt Gott der Bater, Sohn und Geist. 189. Eigene Melodie. 5. Da die Patriarchen woh- Herzlich thut mich verlangen nach einem selgen End; weil nen, die Propheten allzumal; wo ich hie bin umfangen mit Trübauf ihren Ehrenthronen sißet die sal und Elend. Ich hab Luft, Sterbensbereitschaft. 667 abzuscheiden von dieser argen zen mein, will ich doch gerne sterWelt; sehn mich nach ewgen Freu- ben und trauen meinem Gott. den, o Jesu, komm nur bald! Er wird sie wohl ernähren, retten aus aller Not. 2. Du hast mich ja erlöset von Sünd, Tod, Teufl und Höll; es hat dein Blut gekostet, drauf ich mein Hoffnung stell. Warum sollt mir denn grauen vorm Tod und Höllgesind? Weil ich auf dich thu bauen, bin ich ein seligs Kind. 3. Wenn gleich süß ist das Leben, der Tod sehr bitter mir, will ich mich doch ergeben zu sterben willig dir. Ich weiß ein besser Leben, da meine Seel fährt hin; deß freu ich mich gar eben, Sterben iſt mein Gewinn. 4. Der Leib zwar in der Erden von Würmern wird verzehrt, doch auferweckt soll werden durch Christum schön verklärt; wird leuchten als die Sonne und lebn ohn alle Not in Himmlsfreud und Wonne, was schadet mir der Tod? 5. Ob mich die Welt gleich reizet, länger zu bleiben hier, und mir auch immer zeiget Ehr, Geld, Gut, all ihr Zier, doch ich das gar nicht achte; es währt ein kleine Zeit; das Himmlisch ich betrachte, das bleibt in Ewigkeit. 6. Wenn ich auch gleich nun scheide von meinen Freunden gut, das mir und ihn'n bringt Leide, doch tröst mir meinen Mut, daß wir in großen Freuden zusammen werden komm'n und bleiben ungescheiden im himmelischen Thron. 7. Ob ich auch hinterlasse betrübte Waiselein, dern Not mich übr die Maße jammert im Her8. Was thut ihr so sehr zagen, ihr armen Waiselein? Sollt euch Gott Hilf versagen, der speist die Raben klein? Frommer Witwen und Waisen ist er der Vater treu, trotz den'n, die sie beleiden, das glaubt ohn alle Scheu. 9. Gesegn euch Gott der Herre, ihr Vielgeliebten mein! Trauert nicht allzu sehre über den Abschied mein. Beständig bleibt im Glauben! Wir werdn in kurzer Zeit einander wieder schauen dort in der Ewigkeit. 10. Nun will ich mich ganz wenden zu dir, Herr Christ, allein, gieb mir ein seligs Ende, send mir dein Engelein; führ mich ins ewge Leben, das du erworben hast durch dein Leiden und Sterben und blutiges Verdienst. 11. Hilf, daß ich ja nicht wante von dir, Herr Jesu Christ; den schwachen Glauben stärke in mir zu aller Frist. Hilf mir ritterlich ringen, dein Hand mich halte fest*), daß ich mag fröhlich singen das Consummatum eft.**) *) Andere: mich halt in Acht. **) Andere: Gott Lob, es ist vollbracht. Christoph Knoll. † 1621. 190. 3th Mel.: Herzlich thut mich verlangen. ch bin ein Gast auf Erden und hab hier keinen Stand, der Himmel soll mir werden, da ist mein Vaterland. Hier reis ich 668 Dritter Teil: Lieder. aus und abe, dort in der ewgen| Leut? Es muß ja durchgedrunRuh ist Gottes Gnadengabe, die gen, es muß gelitten sein; wer schleußt all Arbeit zu. nicht hat wohl gerungen, geht nicht zur Freude ein. 2. Was ist mein ganzes Wesen von meiner Jugend an, als Müh und Not gewesen? So lang ich denken kann, hab ich so manchen Morgen, so manche liebe Nacht mit Kummer und mit Sorgen des Herzens zugebracht. 8. So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt; doch denk ich nicht zu bleiben in diesem fremden Zelt. Ich wandre meine Straßen, die zu der Heimat führt, da mich ohn alle MaBen mein Vater trösten wird. 3. Mich hat auf meinen Wegen manch harter Sturm erschreckt; Bliß, Donner, Wind und Regen hat mir oft Angst erweckt; Verfolgung, Haß und Leiden, ob ichs gleich nicht verschuldt, hab ich doch müssen leiden und tragen mit Geduld. 4. So gings den lieben Alten, an deren Fuß und Pfad wir uns 10. Zu dem steht mein Vernoch täglich halten, wenns fehlt langen, da wollt ich gerne hin, an gutem Rat, wie mußte sich die Welt bin ich durchgangen, doch schmiegen der Vater Abra- daß ich fast müde bin. Je länham, eh als ihm sein Vergnügen ger ich hier walle, je wen'ger find und rechte Wohnstatt kam! ich Freud, die meinem Geist gefalle, das meist ist Herzeleid. 5. Wie manche schwere Bürde trug Isaat sein Sohn! und Jakob, dessen Würde stieg bis zum Himmelsthron, wie mußte der sich plagen; in was für Weh und Schmerz, in was für Angst und Zagen sank oft sein armes Herz! 6. Die frommen heilgen Seelen die gingen fort und fort und änderten mit Quälen den erst bewohnten Ort; sie zogen hin und wieder, ihr Kreuz war immer groß, bis daß der Tod sie nieder legt in des Grabes Schoß. 7. Ich habe mich ergeben in gleiches Glück und Leid, was will ich besser leben, als solche große 9. Mein Heimat ist dort droben, da aller Engel Schar den großen Herrscher loben, der alles ganz und gar in seinen Händen träget und für und für erhält, auch alles hebt und leget, nachdem's ihm wohlgefällt. 11. Die Herberg ist zu böse, der Trübsal ist zu viel. Ach! komm, mein Gott, und löse mein Herz, wenn dein Herz will. Komm, mach ein seligs Ende an meiner Wanderschaft, und was mich kränkt, das wende durch deinen Arm und Kraft. 12. Wo ich bisher gesessen, ist nicht mein rechtes Haus. Wenn mein Ziel ausgemessen, so tret ich dann hinaus, und was ich hie gebrauchet, das leg ich alles ab, und wenn ich ausgehauchet, so scharrt man mich ins Grab. 13. Du aber, meine Freude, Sterbensbereitschaft. du meines Lebens Licht, du zeuchst mich, wenn ich scheide, hin vor dein Angesicht, ins Haus der ewgen Wonne, da ich stets freudenvoll, gleich als die helle Sonne, nächst andern leuchten soll. 14. Da will ich immer wohnen, und nicht nur als ein Gast, bei denen, die mit Kronen du ausgeschmücket hast. Da will ich herrlich singen von deinem groBen Thun und frei von schnöden Dingen in meinem Erbteil ruhn. P. Gerhardt. † 1676. 191. Eigene Melodie. Vale Lalet will ich dir geben, du arge, falsche Welt; dein sündlich böses Leben durchaus mir nicht gefällt. Im Himmel ist gut wohnen; hinauf steht mein Begier. Da wird Gott ewig lohnen dem, der ihm dient allhier. 669 lichkeit. Der ist wohl hie gewesen, wer kommt ins himmlisch Schloß; der ist ewig genesen, wer bleibt in deinem Schoß. 5. Schreib meinen Nam'n aufs beste ins Buch des Lebens ein und bind mein Seel fein feste ins Lebensbündelein der'r, die im Himmel grünen und vor dir leben frei; so will ich ewig rühmen, daß dein Herz treue sei. Val. Herberger. † 1627. 192. Eigene Melodie. Welt Lelt, ade! ich bin dein müde, ich will nach dem Himmel zu; da wird sein der rechte Friede und die stolze Seelenruh. Welt, bei dir ist Krieg und Streit, nichts, denn lauter Eitelkeit; in dem Himmel allezeit Friede, Ruh und Seligkeit. 2. Wenn ich werde dahin kommen, bin ich aller Krankheit los und der Traurigkeit entnommen, ruhe sanft in Gottes Schoß. Welt, bei dir ist Krieg und Streit, nichts 2c. 3. Was ist doch der Erden Freude? Nebel, Dampf und Herzeleid. Hier auf dieser schwarzen Haide sind die Laster ausgestreut. Welt, bei dir ist Krieg und Streit, nichts 2c. 2. Rat mir nach deinem Herzen, o Jesu, Gottes Sohn; soll ich ja dulden Schmerzen, hilf mir, Herr Christ, davon; verkürz mir alles Leiden, stärk meinen blöden Mut; laß mich selig abscheiden, setz mich in dein Erbgut. 3. In meines Herzens Grunde dein Nam und Kreuz allein funfelt all Zeit und Stunde, drauf kann ich fröhlich sein. Erschein mir in dem Bilde zu Trost in meiner Not, wie du, Herr Christ, so milde dich hast geblut zu Tod. 4. Unaussprechlich schöne finget Gottes auserwählte Schar; Heilig, heilig, heilig! flinget in dem Himmel immerdar. Welt, bei dir ist Krieg und Streit, nichts zc. 5. Nichts ist hier, als stetes 4. Verbirg mein Seel aus Gnaden in deiner offnen Seit; rück sie aus allem Schaden zu deiner Herr- Weinen, keine Freude bleibet nicht; 43 Dritter Teil: Lieder. 670 will uns gleich die Sonne scheinen, so verhemmt die Nacht das Licht. Welt, bei dir ist Krieg und Streit, nichts 2c. 6. Nun es wird dennoch geschehen, daß ich auch in kurzer Zeit meinen Heiland werde sehen in der großen Herrlichkeit. Welt, bei dir ist Krieg und Streit, nichts 2c. 7. O wer nur dahin gelanget, wo jeßund der schöne Chor in vergüldten Kronen pranget, und die Stimme schwingt empor! Welt, bei dir ist Krieg und Streit, nichts 2c. 8. Zeit, wann wirst du doch anbrechen? Stunden, o wann schlaget ihr? Drinnen ich mich kann besprechen mit dem Schönsten für und für? Welt, bei dir ist Krieg und Streit, nichts zc. 9. Jetzt will ich mich fertig machen, daß mein Thun vor Gott besteht; daß wenn alles wird zerfrachen, es heißt: Kommet, und nicht: Geht. Welt, bei dir ist Angstgeschrei, Sorge, Furcht und Heuchelei; in dem Himmel allezeit Friede, Ruh und Seligkeit. J. G. Albinus. † 1679. 193. W Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. Ler weiß, wie nahe mir mein Ende! Hin geht die Zeit, her kommt der Tod; ach, wie geschwinde und behende kann kommen meine Todesnot! Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, machs nur mit meinem Ende gut! 2. Es kann vor Nacht leicht LACE anders werden, als es am frühen Morgen war; denn weil ich leb auf dieser Erden, leb ich in steter Todsgefahr. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, machs nur mit meinem Ende gut! 3. Herr, lehr mich stets mein End bedenken und, wenn ich einstens sterben muß, die Seel in Jesu Wunden senken und ja nicht sparen meine Buß. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, machs nur mit meinem Ende gut! 4. Laß mich bei Zeit mein Haus bestellen, daß ich bereit sei für und für und sage stets in allen Fällen: Herr, wie du willst, so schicks mit mir! Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, machs nur mit meinem Ende gut! 5. Mach mir stets zuckersüß den Himmel und gallenbitter dieſe Welt; gieb, daß mir in dem Weltgetümmel die Ewigkeit sei vorgestellt. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, machs nur mit meinem Ende gut! 6. Ach Vater, deck all meine Sünde mit dem Verdienste Christi zu, darein ich mich festgläubig winde; das giebt mir recht er= wünschte Ruh. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, machs nur mit meinem Ende gut! 7. Ich weiß, in Jesu Blut und Wunden hab ich mir recht und wohl gebett't; da find ich Trost in Todesstunden und alles, was ich gerne hätt. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, machs nur mit meinem Ende gut! Tod und Begräbnis. 671 8. Nichts ist, das mich von und er in mir. Mein Gott, ich Jesu scheide; nichts, es sei Leben oder Tod. Ich leg die Hand in seine Seite und sage: mein Herr und mein Gott! Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, machs nur mit meinem Ende gut! 9. Ich habe Jesum angezogen schon längst in meiner heilgen Tauf; du bist mir auch daher gewogen, hast mich zum Kind genommen auf. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, machs nur mit meinem Ende gut! 10. Ich habe Jesu Fleisch gegessen, ich hab sein Blut getrunfen hier; nun kannst du meiner nicht vergessen! Ich bleib in ihm 194. Eigene Melodie. ' hristus der ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn; dem thu ich mich ergeben, mit Fried fahr ich dahin. Chri 2. Mit Freud fahr ich von dannen zu Christ, dem Bruder mein, auf daß ich zu ihm komme und ewig bei ihm sei. 2. Tod und Begräbnis. 3. Ich hab nun überwunden Kreuz, Leiden, Angst und Not; durch seine heilgen Wunden bin ich versöhnt mit Gott. bitt durch Christi Blut, machs nur mit meinem Ende gut! 11. So fomm mein End heut oder morgen; ich weiß, daß mirs mit Jesu glückt. Ich bin und bleib in seinen Sorgen, mit Jesu Blut schön ausgeschmückt. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, machs nur mit meinem Ende gut! 4. Wenn meine Kräfte brechen, mein Atem geht schwer aus, und kann kein Wort mehr sprechen, Herr, nimm mein Seufzen auf. 5. Wenn mein Herz und Gedanken zergehn als wie ein Licht, 12. Ich leb indeß in Gott vergnüget und sterb ohn alle Kümmernis. Mir gnüget, wie mein Gott es füget; ich glaub und bin es ganz gewiß: Durch deine Gnad und Christi Blut machst dus mit meinem Ende gut. Amilie Juliane, Gräfin v. Schwarzburg- Rudolstadt. † 1706. das hin und her thut wanken, wenn ihm die Flamm gebricht. 6. Alsdann fein sanft und stille, Herr, laß mich schlafen ein nach deinem Rat und Willen, wenn fommt mein Stündelein; 7. Und laß mich an dir kleben, wie eine Klett am Kleid, und ewig bei dir leben in himmlischr Wonn und Freud! 8. Wohl in des Himmels Throne sing ich Lob, Ehr und Preis Gott Vater und dem Sohne und auch dem heilgen Geist. 1608. 195. Eigene Melodie. reu dich sehr, o meine Seele, und vergiß all Not und Qual; 43* F 672 Dritter Teil: Lieder. weil dich nun Christus, dein Herre, aufgehst, sei von mir jeßund nicht ruft aus diesem Jammerthal. Aus der Trübsal, Angst und Leid sollst du fahren in die Freud, die kein Ohr jemals gehöret, die in Ewigkeit auch währet. ferne, weil mich dein Blut hat erlöst. Hilf, daß ich mit Fried und Freud mög von hinnen fahren heut. Ach, sei du mein Licht und Straße, mich mit Beistand nicht verlasse! 2. Tag und Nacht hab ich gerufen zu dem Herren, meinem Gott, 7. In dein Seite will ich weil mich stets biel Kreuz betrof- fliehen an mein'm bittern Todesfen, daß er mir hülf aus der Not. gang; durch dein Wunden will Wie sich sehnt ein Wandersmann, ich ziehen ins himmlische Vaterdaß sein Weg ein End mög han, so hab ich gewünschet eben, daß sich enden mög mein Leben. land. In das schöne Paradeis, drein der Schächer that sein Reis, wirst du mich, Herr Christ, einführen und mit ewger Klarheit zieren. 3. Denn gleich wie die Rosen stehen unter Dornenspitzen gar, also auch die Christen gehen in 8. Ob mir schon die Augen Angst, Trübsal und Gefahr. Wie brechen, das Gehöre gar verdie Meereswellen sind und der schwindt, meine Zung nicht mehr ungestüme Wind, also ist allhier kann sprechen, der Verstand sich auf Erden unser Lauf voller Be- nicht besinnt, bist du doch mein schwerden. Licht und Hort, Leben, Weg und Himmelspfort; du wirst mich in Gnad regieren, auf der rechten Bahn heimführen. 4. Welt, Tod, Teufel, Sünd und Hölle, unser eigen Fleisch und Blut plagen stets hier unsre Seele, laffen uns bei keinem Mut. Wir sind voller Angst und Plag, lauter Kreuz sind unsre Tag; wenn wir nur geboren werden, findt sich Jammer gnug auf Erden. 5. Wenn die Morgenröt herleuchtet, und der Schlaf sich von uns wendt, Sorg und Kummer daher schleichet, Müh findt sich an allem End; unsre Thränen sind das Brot, so wir essen früh und spat; wenn die Sonn nicht mehr thut scheinen, ist nur lauter lag und Weinen. 9. Laß dein Engel mit mir fahren auf Elias Wagen rot, meine Seele wohl bewahren, wie Laz'rum nach seinem Tod. Laß sie ruhn in deinem Schoß, und erfülle sie mit Trost, bis der Leib kommt aus der Erden, und sie beid vereinigt werden. 10. Freu dich sehr, o meine Seele, und vergiß all Not und Qual; weil dich nun Christus, dein Herre, ruft aus diesem Jammerthal. Seine Freud und Herrlichkeit sollst du sehn in Ewigkeit, 6. Drum, Herr Christ, du mit den Engeln jubilieren, in Morgensterne, der du ewiglich Ewigkeit triumphieren. um 1615. Tod und Begräbnis. 196. Eigene Melodie. $ err Jesu Christ, wahr Mensch und Gott, der du littst Marter, Angst und Spott, für mich am Kreuz auch endlich starbst und mir deins Vaters Huld erwarbst; ich bitt durchs bitter Leiden dein, du wollst mir Sünder gnädig sein. 2. Wenn ich nun komm in Sterbensnot und ringen werde mit dem Tod; wenn mir vergeht 673 nicht kommen ins Gericht und den Tod ewig schmecken nicht; und ob er gleich hie zeitlich stirbt, mit nichten er drum gar verdirbt; 7. Sondern ich will mit starker Hand ihn reißen aus des Todes Band und ihn mitnehmen in mein Reich; da soll er denn mit mir zugleich in Freuden leben ewiglich. Dazu hilf uns ja gnädiglich! 8. Ach Herr, vergieb all unall mein Gesicht und meine Ohren| fre Schuld! Hilf, daß wir warhören nicht; wenn meine Zunge ten mit Geduld, bis unser Stündnichts mehr spricht und mir vor lein kommt herbei; auch unser Angst mein Herz zerbricht; Glaub stets wacker sei, dein'm Wort zu trauen feftiglich, bis wir einschlafen seliglich. p. Eber. † 1569. 3. Wenn mein Verstand sich nichts mehr b'sinnt und mir all menschlich Hilf zerrinnt, so komm, o Herr Christ, mir behend zu Hilf an meinem letzten End, und führ mich aus dem Jammerthal; verkürz mir auch des Todes Qual! 4. Die bösen Geister von mir treib, mit deinem Geist stets bei mir bleib, bis sich die Seel vom Leib abwend, so nimm sie, Herr, in deine Händ; der Leib hab in der Erd sein Ruh, bis sich der jüngst Tag naht herzu. 5. Ein fröhlich Urständ*) mir verleih, am jüngsten Gricht mein Fürsprech sei und meiner Sünd nicht mehr gedenk; aus Gnaden mir das Leben schenk. Wie du haft zugesaget mir in deinem Wort, das trau ich dir: *) Auferstehung. 6. Fürwahr, fürwahr, euch sage ich: Wer mein Wort hält und glaubt an mich, der wird 197. Eigene Melodie. Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen, wen suchn wir, der Hilfe thu, daß wir Gnad erlangen? Das bist du, Herr, alleine. Uns reuet unfre Missethat, die dich, Herr, erzürnet hat. Heiliger Herre Gott! Heiliger starker Gott! Heiliger, barmherziger Heiland! du ewiger Gott! laß uns nicht versinken in des bittern Todes Not. Kyrie eleison. 2. Mitten in dem Tod ansicht uns der Hölle Rachen, wer will uns aus solcher Not frei und ledig machen? Das thust du, Herr, alleine. Es jammert dein Barmherzigkeit unser Sünd und großes Leid. Heiliger Herre Gott! Heiliger starker Gott! Heiliger, barmherziger Heiland! du ewiger 674 Gott! laß uns nicht verzagen vor ihn verklären und ewger Freud der tiefen Höllen Glut. Kyrie wird gewähren. eleison! 6. Hie ist er in Angst gewesen, dort aber wird er genesen, in ewiger Freud und Wonne leuchten wie die helle Sonne. 3. Mitten in der Höllen Angst unsre Sünd uns treiben, wo solln wir denn fliehen hin, da wir mögen bleiben? Zu dir, Herr Christ, alleine. Vergossen ist dein teures Blut, das gnug für die Sünde thut. Heiliger Herre Gott! Heiliger, starker Gott! Heiliger, barmherziger Heiland! du ewiger Gott! laß uns nicht entfallen von des rechten Glaubens Trost. Kyrie eleison! 7. Nun lassen wir ihn hie schlafen und gehn all heim unsre Straßen, schicken uns auch mit allem Fleiß; denn der Tod kommt uns gleicher Weis. 8. Das helf uns Christus, unser Trost, der uns durch sein Blut hat erlöst vons Teufels Gwalt und ewger Pein. Ihm sei Lob, Preis und Ehr allein! Michael Weiße. 1540. V. 8. Mart. Luther. Dr. M. Luther. † 1546. 199. Dritter Teil: Lieder. 198. Eigene Melodie. Nun un laßt uns den Leib begraben, bei dem wir kein Zweifel haben, er werd am jüngsten Tag aufstehn und unverweslich hervor gehn. 2. Erd ist er und von der Erden, wird auch zur Erd wieder werden, und von der Erd wieder aufstehn, wenn Gotts Posaune wird angehn.. 3. Sein Seele lebt ewig in Gott, der sie allhie aus lauter Gnad von aller Sünd und Missethat durch seinen Sohn erlöset hat. 4. Sein Jammer, Trübsal und Elend ist kommen zu ein'm felgen End. Er hat getragen Christi Joch, ist gestorben und lebet noch. 5. Die Seele lebt ohn alle Klag, der Leib schläft bis an jüngsten Tag, an welchem Gott Eigene Melodie. Welt, ich muß dich lassen, ich fahr dahin mein Straßen ins ewge Vaterland. Mein Geist will ich aufgeben, dazu mein Leib und Leben setzen in Gottes gnädge Hand. 2. Mein Zeit ist nun vollendet; der Tod das Leben endet*); Sterben ist mein Gewinn; fein Bleiben ist auf Erden, das Ewge muß mir werden, mit Fried und Freud fahr ich dahin. *) Andere: schändet. 3. Ob mich gleich hat betrogen die Welt, von Gott gezogen durch Schand und Büberei, will ich doch nicht verzagen, sondern mit Glauben sagen, daß mir mein Sünd vergeben sei. 4. Auf Gott steht mein Vertrauen, sein Angsicht will ich schauen wahrlich durch Jesum Tod und Begräbnis. Christ, der für mich ist gestorben, des Vaters Huld erworben; mein Mittler er auch worden ist. 5. Die Sünd mag mir nicht schaden, erlöst bin ich aus Gnaden umsonst durch Christi Blut. Kein Werk kommt mir zu Frommen*), so ich will zu ihm kommen, allein der christlich Glaube gut. *) zu Nuße. 6. Ich bin ein unnütz Knechte; mein Thun ist viel zu schlechte, denn daß ich ihm bezahl damit das ewig Leben; umsonst will er mirs geben, und nicht nach mein'm Verdienst und Wahl. 7. Drauf will ich fröhlich sterben, das Himmelreich ererben, wie er mir's hat bereit; hie mag ich nicht mehr bleiben, der Tod thut mich vertreiben; mein Seele sich vom Leibe scheidt. 2. Mein Sünd mich werden kränken sehr, mein G'wissen wird mich nagen; denn ihr'r sind viel, wie Sand am Meer, doch will ich nicht verzagen; gedenken will ich an dein'n Tod, Herr Jesu, und dein Wunden rot, die werden mich erhalten. 3. Ich bin ein Glied an deinem Leib, des tröst ich mich von Herzen; von dir ich ungeschieden bleib in Todesnot und Schmerzen. Wenn ich gleich sterb, so sterb ich dir; ein ewigs Leben hast du mir durch deinen Tod erworben. 4. Weil du vom Tod erstanden bist, werd ich im Grab nicht bleiben; mein höchster Trost dein 9. Die Zeit ist schon vorhan- Auffahrt ist, Tods Furcht kann den; hör auf von Sünd und sie vertreiben; denn wo du bist, Schanden und richt dich auf die da komm ich hin, daß ich stets bei Bahn mit Beten und mit Wa- dir leb und bin; drum fahr ich chen; sonst all irdische Sachen hin mit Freuden. sollst du gutwillig fahren lan. 8. Damit fahr ich von hinnen, o Welt, thu dich besinnen, denn du mußt auch hernach. Thu dich zu Gott bekehren und von ihm Gnad begehren; im Glauben sei du auch nicht schwach. 675 10. Das schenk ich dir am Ende; Ade! zu Gott ich wende, zu ihm steht mein Begehr. Hüt dich vor Pein und Schmerzen, nimm mein' Abschied zu Herzen; meins Bleibens ist jetzt hie nicht mehr! Joh. Hesse. † 1547. 200. Eigene Melodie. We enn mein Stündlein vorhanden ist und soll hinfahrn mein Straße, so gleit du mich, Herr Jesu Christ, mit Hilf mich nicht verlasse! Mein Seel an meinem leßten End befehl ich, Herr, in deine Händ, du wollst sie mir bewahren! 5. So fahr ich hin zu Jesu Christ, mein Arm thu ich ausstrecken; so schlaf ich ein und ruhe fein, kein Mensch kann mich aufwecken, denn Jesus Christus, Gottes Sohn, der wird die Himmelsthür aufthun, mich führn zum ewgen Leben. nit. Hermann. † 1561. 676 Dritter Teil: Lieder. Beim Tode eines Kindes. 201. Mel.: Ermuntre dich, mein schwacher Geist. u bist zwar mein und bleiOrt, kein Unglück und kein Kränten, kein Angst, kein Mangel, kein Versehn, bei Gott kann keinem best mein, wer will mirs Leid geschehn; wen Gott versorgt und liebet, wird nimmermehr betrübet. anders sagen? Doch bist du nicht nur mein allein, der Herr von ewgen Tagen, der hat das meiste Recht an dir; der fordert und erhebt von mir dich, o mein Sohn, mein Wille, mein Herz und Wunsches Fülle. 6. Wir Menschen sind ja auch bedacht, die Unsrigen zu zieren; wir gehn und sorgen Tag und Nacht, wie wir sie wollen führen in einen feinen selgen Stand, und ist doch selten so bewandt mit dem, wohin sie kommen, als wirs uns vorgenommen. 2. Ach, gält es wünschen, wollt ich dich, du Sternlein meiner Seelen, vor allem Weltgut ewiglich mir wünschen und erwählen! Ich wollte sagen: Bleib bei mir! du sollst sein meines Hauses Zier; an dir will ich mein Lieben bis an mein Sterben üben. 3. So sagt mein Herz und meint es gut, Gott aber meints noch besser. Groß ist die Lieb in meinem Mut, in Gott ist sie noch größer. Ich bin ein Vater und nichts mehr: Gott ist der Väter Haupt und Ehr, ein Quell, da Alt und Jungen in aller Welt entsprungen. 4. Ich sehne mich nach meinem Sohn, und der mir ihn gegeben, will, daß er nah an seinem Thron im Himmel solle leben. Ich sprech: Ach weh, mein Licht verschwind! Gott spricht: Willkomm, du liebes Kind, dich will ich bei mir haben und ewig reichlich laben. 7. Wie manches junges, frommes Blut wird jämmerlich verführet durch bös Exempel, daß es thut, was Christen nicht gebühret. Da hats denn Gottes Zorn zum Lohn, auf Erden nichts, als Spott und Hohn; der Vater muß mit Grämen sich seines Kindes schämen. 8. Ein solches darf ich ja nun nicht an meinem Sohn erwarten; der steht vor Gottes Angesicht und geht in Christi Garten, hat Freude, die ihn recht erfreut, und ruht von allem Herzeleid; er sieht und hört die Scharen, die uns allhier bewahren. 9. Er sieht und hört der Engel Mund, sein Mündlein hilft selbst singen; weiß alle Weisheit aus dem Grund und redt von solchen Dingen, die unser feiner noch nicht weiß, die auch durch unsern Fleiß und Schweiß wir, weil wir sind auf Erden, nicht 5. O süßer Rat, o schönes Wort und heilger, als wir denken! Bei Gott ist ja kein böser ausstudieren werden. Tod und Begräbnis. 677 10. Ach! sollt ich doch von den, der ist durch Gottes Gnad ferne stehn und nur ein wenig hören, wenn deine Sinne sich erhöhn und Gottes Namen ehren, der heilig, heilig, heilig ist, durch den auch du geheiligt bist! Ich weiß, ich würde müssen vor Freuden Thränen gießen. 11. Ich würde sprechen: bleib allhier, nun will ich nicht mehr klagen: ach, mein Sohn, wärst du noch bei mir! nein, sondern komm, du Wagen Eliä, hole mich geschwind und bring mich dahin, da mein Kind und so viel liebe Seelen so schöne Ding erzählen! 12. Nun es sei ja und bleib also, ich will dich nicht mehr weinen; du lebst und bist von Herzen froh, siehst lauter Sonnen scheinen, die Sonnen ewger Freud und Ruh, hier leb und bleib nun immerzu; ich will, wills Gott, mit andern auch bald hernacher wandern. P. Gerhardt. † 1676. 202. m Mel.: An Wasserflüssen Babylon. ein herzer Vater, weint ihr noch, und ihr, die mich geboren? Was grämt ihr euch? was macht ihr doch? ich bin ja unverloren. Ach sollt ihr sehen, wie mirs geht und wie mich der so hoch erhöht, der selbst so hoch erhoben, ich weiß, ihr würdet anders thun und meiner Seele süßes Ruhn mit eurem Munde loben. 2. Der saure Kampf, den ich dort hab in eurer Welt empfunund Gab all glücklich überwunden. Es ging mir, wie es pflegt zu gehn all denen, die bei Christo stehn und von der Welt sich scheiden: wer Christo folgt, der muß mit ihm das Kreuz und alles Ungestüm auf seinen Wegen leiden. 3. Nun bin ich durch, Gott Lob und Dank! Hier kommt ein ander Leben; hier wird mir, was mein Leben lang ich nicht gesehn, gegeben: ein ganzer Himmel voller Licht, ein Licht, davon mein Angesicht so schön wird als die Sonne. Hier ist ein ewges Freudenmeer, wohin ich nur die Augen fehr, ist alles voller Wonne. 4. Nun lobt, ihr Menschen, wie ihr wollt, des Erdenlebens Güte; was ist darinnen, das mir sollt jetzt neigen mein Gemüte? Was ist das Beste, das ihr liebt? Was giebt die Erde, wenn sie giebt, als Angst und bittre Schmerzen? Was ist das güldne Gut und Geld? Was bringt der Schein und Pracht der Welt, als Kummer euren Herzen? 5. Was ist der großen Leute Gunst, als Zunder großes Neides? Was ist das Wissen vieler Kunst, als Ursprung vieles Leides? Denn wer viel weiß, der grämt sich viel, und welcher andre lehren will, muß leiden und viel tragen. Seht alles an: Ruhm, Lob und Ehr; habt Freud und Lust: was habt ihr mehr, als endlich Weh und Klagen? 6. Nichts ist so schön und wohl Dritter Teil: Lieder. 678 203. bestellt, da man hier wohl auf stehe; drum nimmt Gott, was ihm wohlgefällt, bei Zeiten in die Höhe und ſetzet es in ſeinen Zeug bin mein Kind! denn Schoß, da es alles los, darf nicht, wie ihr sich tränken, die ihr oft denket, wie doch wohl dies oder jenes werden soll und könnets nicht erdenken! Mel.: Es ist genug! so nimm, Herr. euch hin, Gott fordert dich aus dieser argen Welt. Ich leide zwar, dein Tod betrübet mich, doch weil es Gott gefällt, so unterlaß ich alles Klagen und will mit stillem Geiste sagen: zeuch hin, mein Kind! 7. Wer selig stirbt, der schleu2. Zeuch hin, mein Kind! der Bet zu die schwarzen Jammerthore; hingegen schwingt er sich Schöpfer hat dich mir nur in der zur Ruh im güldnen Engelchore, Welt geliehn. Die Zeit ist aus, dalegt Abschen weg, kriegt Freuden- rum befiehlt er dir, jetzt wieder fortöl, zeucht aus das Fleisch und zuziehn. Zeuch hin! Gott hat es so schmückt die Seel in reiner wei- versehen; was dieser will, das muß ßer Seiden. Er läßt die Erd und nimmet ein die Lust, da Christi Schäfelein in lauter Rosen weiden. 8. So gebt, ihr Liebsten, euch doch schlecht*) dahin in Gottes Willen. Sein Rat ist gut, sein Thun ist recht und wird wohl wieder stillen die Schmerzen, die er euch gemacht; und hiermit sei euch gute Nacht von eurem Sohn gegönnet. Es kommt die Zeit, da mich und euch vereingen wird in seinem Reich, der euch und mich getrennet. geschehen. Zeuch hin, mein Kind! 3. Zeuch hin, mein Kind! im Himmel findest du, was dir die Welt versagt, denn nur bei Gott ist wahrer Trost und Ruh, da wird kein Schmerz erfragt. Hier müssen wir in Ängsten schweben; dort kannst du ewig fröhlich leben. 3euch hin, mein Kind! 4. Zeuch hin, mein Kind! wir folgen alle nach, so bald es Gott befiehlt. Du eilest fort, eh dein Herz Ungemach in spätern Jahren fühlt. Wer lange lebt, steckt lang im Leide; wer frühe stirbt, kommt bald zur Freude. Zeuch hin, mein Kind! *) schlicht. 9. Da will ich eure Treu und Müh und was ihr eurem Kranfen erwiesen habt, im Himmel hie, sobald ihr kommt, verdanken. Ich will erzählen, wie ihr habt euch selbst betrübt und mich gelabt, vor Christo und vor allen. Und für den heißen Thränenfluß will ich, mit mehr als einem Kuß um euern Hals euch fallen. P. Gerhardt. † 1676. 5. Zeuch hin, mein Kind! die Engel warten schon auf deinen frommen Geist. Du siehest auch, wie Gottes lieber Sohn dir schon die Krone weist. Nun wohl! dein, Seelchen ist entbunden, du hast im Herren überwunden. Zeuch hin, mein Kind! G. Hoffmann. † 1712. Auferstehung, jüngstes Gericht und ewiges Leben. 3. Auferstehung, jüngstes Gericht und ewiges Leben. 204. frei, darinnen stehn die Deinen, auf daß ich samt den Brüdern Eigene Melodie. Es ist gewißlich an der Zeit, mein mit dir geh in den Himmel daß ein, den du uns erworben. wird kommen in seiner großen Herrlichkeit, zu richten Bös und Frommen. Da wird das Lachen werden teur, wenn alles wird vergehn im Feur, wie Petrus davon schreibet. 7. O Jesu Christ, du machst es lang mit deinem jüngsten Tage! Den Menschen wird auf Erden bang von wegen vieler Plage; komm doch, komm doch, du Richter groß, und mach uns bald in Gnadenlos von allem Übel! Amen. Barth. Ningwaldt. † 1598. 2. Posaunen wird man hören gehn an aller Welte Ende, darauf bald werden auferstehn all Toten gar behende; die aber noch das Leben han, die wird der Herr von Stunden an verwandeln und verneuen. 3. Darnach wird man ablesen bald ein Buch, darin geschrieben, was alle Menschen, jung und alt, auf Erden han getrieben, da denn gewiß ein jedermann wird hören, was er hat gethan in seinem ganzen Leben. 679 4. O weh demselben, welcher hat des Herren Wort verachtet, und nur auf Erden früh und spat nach großem Gut getrachtet! Der wird fürwahr ganz kahl bestehn, und mit dem Satan müssen gehn von Christo in die Hölle. 5. O Jesu, hilf zur selben Zeit von wegen deiner Wunden, daß ich im Buch der Seligkeit werd eingezeichnet funden. Daran ich denn auch zweifle nicht, denn du hast ja den Feind gericht und meine Schuld bezahlet. 205. Eigene Melodie. Je Yerusalem, du hochgebaute Stadt, wollt Gott, ich wär in dir! Mein sehnlich Herz so groß Verlangen hat und ist nicht mehr bei mir. Weit über Berg und Thale, weit über blaches Feld schwingt es sich über alle und eilt aus dieser Welt. 2. O schöner Tag, und noch viel schönre Stund, wann wirst du kommen schier? da ich mit Lust und freiem Freudenmund die Seele geb von mir in Gottes treue Hände zum auserwählten Pfand, daß sie mit Heil anlände in jenem Vaterland! 3. Im Augenblick wird sie erheben sich bis an das Firmament, wenn sie verläßt so sanft, so wunderlich die Stätt der Element; fährt auf Eliä Wagen mit enge6. Derhalben mein Fürsprecher lischer Schar, die sie in Händen sei, wenn du nun wirst erscheinen, tragen, umgeben ganz und gar. und lies mich aus dem Buche 4. Ehrenburg, sei mun ge Dritter Teil: Lieder. 680 206. grüßet mir, thu auf der Gnaden Pfort! Wie große Zeit hat mich verlangt nach dir, eh ich bin Eigene Melodie. kom Jesus, men fort aus jenem böſen Leben, eu, meine Zuversicht und aus jener Nichtigkeit, und mir Gott hat gegeben das Erb der Ewigkeit. mein im Leben. Dieses weiß ich, soll ich nicht darum mich zufrieden geben? was die lange Todesnacht mir auch für Gedanken macht? 5. Was für ein Volk, was für ein edle Schar kommt dort ge- 2. Jesus, er mein Heiland, zogen schon? Was in der Welt lebt; ich werd auch das Leben von Auserwählten war, seh ich; schauen, sein, wo mein Erlöser die beste Kron, die Jesus mir, schwebt, warum sollte mir denn der Herre, entgegen hat gesandt, grauen? Läfset auch ein Haupt da ich noch war von ferne in sein Glied, welches es nicht nach meinem Thränenland. sich zieht? 6. Propheten groß und Patriarchen hoch, auch Christen insgemein, die weiland dort trugen des Kreuzes Joch und der Ty rannen Bein, schau ich in Ehren schweben, mit Freiheit überall, mit Klarheit hell umgeben, mit sonnenlichtem Strahl. 3. Ich bin durch der Hoffnung Band zu genau mit ihm verbunden; meine starke Glaubenshand wird in ihm gelegt befunden, daß mich auch kein Todesbann ewig von ihm trennen kann. 4. Ich bin Fleisch und muß daher auch einmal zu Asche werden; das gesteh ich, doch wird er mich erwecken aus der Erden, daß ich in der Herrlichkeit um ihn 7. Wenn dann zuletzt ich an gelanget bin im schönen Paradeis, von höchster Freud erfüllet wird der Sinn, der Mund von sein mög allezeit. Lob und Preis. Das Hallelu5. Dann wird eben diese Haut jah reine spielt man in Heiligkeit, mich umgeben, wie ich gläube. das Hosianna feine ohn End in Ewigkeit. Gott wird werden angeschaut dann von mir in diesem Leibe; und in diesem Fleisch werd ich Jesum sehen ewiglich. 8. Mit Jubelklang und Instrumenten schon*) auf Chören ohne Zahl, daß von dem Schall 6. Dieser meiner Augen Licht und von dem süßen Ton sich regt wird ihn, meinen Heiland, fender Freudensaal, mit hundert nen; ich, ich selbst, ein Fremder tausend Zungen, mit Stimmen nicht, werd in seiner Liebe brennoch vielmehr, wie von Anfang nen, nur die Schwachheit um gesungen das himmelische Heer. und an wird von mir sein abgethan. *) schön. J. M. Meyfart. † 1642. 7. Was hier kranket, seufzt Auferstehung, jüngstes Gericht und ewiges Leben. 681 8. Seid getrost und hoch erfreut, Jesus trägt euch, meine Glieder! Gebt nicht Statt der Traurigkeit! Sterbt ihr, Christus ruft euch wieder, wenn die lebt Posaun erklingt, die auch durch die Gräber dringt. und fleht, wird dort frisch und| Ziel, fie treibet fort und fort ihr herrlich gehen; irdisch werd ich Spiel, läßt nimmer ab zu toben; ausgesät, himmlisch werd ich auf ja, wie mein Heiland selber spricht: erstehen; hier geh ich natürlich ein, aus ihr ist kein Erlösung nicht. dort, da werd ich geistlich sein. 3. Ewigkeit, du machst mir bang! O ewig, ewig ist zu lang, hier gilt fürwahr kein Scherzen. Drum, wenn ich diese lange Nacht zusammt der großen Pein betracht, erschreck ich recht von Herzen. Nichts ist zu finden weit und breit so schrecklich, als die Ewigkeit. 9. Lacht der finstern Erdenkluft, lacht des Todes und der Höllen, denn ihr sollt euch durch die Luft eurem Heiland zugesellen. Dann wird Schwachheit und Verdruß liegen unter eurem Fuß. 10. Nur, daß ihr den Geist erhebt von den Lüsten dieser Er den und euch dem schon jetzt ergebt, dem ihr beigefügt wollt werden. Schickt das Herze da hinein, wo ihr ewig wünscht zu sein. 4. Ach Gott, wie bist du so gerecht; wie strafest du die bösen Knecht im heißen Pfuhl der Schmerzen! Auf kurze Sünden dieser Welt hast du so lange Pein bestellt! Ach, nimm dies wohl zu Herzen; und merk auf dies, o Menschenkind: kurz ist die Zeit, der Tod geschwind. 5. Wach auf, o Mensch, vom Sündenschlaf; ermuntre dich, verlornes Schaf, und beffre bald dein Leben. Wach auf! es ist doch hohe Zeit, es kommt heran die Ewigkeit, dir deinen Lohn zu geben. Vielleicht ist heut der letzte Tag, wer weiß noch, wie man sterben mag? 6. Ach! laß die Wollust dieser Welt, Pracht, Hoffart, Reichtum, Ehr und Geld dir länger nicht gebieten. Schau an die große Sicherheit, die falsche Welt und böse Zeit zusammt des Teufels Wüten. Vor allen Dingen hab in Acht die vorerwähnte lange Nacht. 7. Ewigkeit, du Donnerwort, o Schwert, das durch die Seele bohrt, o Anfang sonder 2. Rein Unglück ist in aller Welt, das endlich mit der Zeit nicht fällt und ganz wird aufgehoben; die Ewigkeit hat nur kein Ende! Ewigkeit, Zeit ohne Louise Henriette, Kurfürstin von Brandenburg. † 1667. 207. Eigene Melodie. D Ewigkeit, du Donnerwort, o Schwert, das durch die Seele bohrt, o Anfang sonder Ende! O Ewigkeit, Zeit ohne Zeit, ich weiß vor großer Traurigkeit nicht, wo ich mich hinwende. Mein ganz erschrocknes Herze bebt, daß mir die Zung am Gaumen klebt. 682 Zeit, ich weiß vor großer Trau- den springen, sie wachet und steht rigkeit nicht, wo ich mich hin eilend auf. Ihr Freund kommt wende. Nimm du mich, wenn es vom Himmel prächtig, von Gnadir gefällt, Herr Jesu, in dein den start, von Wahrheit mächtig, Freudenzelt. ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf. Nun komm, du werte Kron, Herr Jesu, Gottes Sohn! Hosianna! Wir folgen all zum Freudensaal, und halten mit das Abendmahl. Joh. Rist. † 1667. Dritter Teil: Lieder. 208. Eigene Melodie. achet auf! ruft uns die Stimme der Wächter sehr hoch 3. Gloria sei dir gesungen mit auf der Zinne, wach auf, du Menschen und englischen Zungen, Stadt Jerusalem! Mitternacht mit Harfen und mit Cymbeln heißt diese Stunde! Sie rufen schön. Von zwölf Perlen sind uns mit hellem Munde: wo seid die Pforten an deiner Stadt; wir ihr klugen Jungfrauen? Wohlauf, sind Konsorten*) der Engel hoch der Bräutgam kömmt! steht auf, vor deinem Thron. Kein Aug hat die Lampen nehmt! Hallelujah! je gesehn, kein Ohr hat je gehört Macht euch bereit zu der Hochzeit, solche Freude. Drum jauchzen wir ihr müsset ihm entgegen gehn. und singen dir das Hallelujah für und für. 2. Zion hört die Wächter fingen; das Herz thut ihr vor Freu*) Genossen. Ph. Nicolai. † 1608. Register der Lieder. ( Siehe auch die der Leidensgeschichte S. 346 ff. beigefügten Liederverse.) A. Nr. Nr. 106 Pracht 144 89 Der Sabbat ist vergangen Der Tag hat sich geneiget Des Morgens wenn ich früh aufsteh Ach bleib bei uns, Herr.( S.S. 72)| Der Glaub ist eine Zuversicht. 81 Ach, bleib mit deiner Gnade. 55 Der lieben Sonnen Licht und Ach Gott, verlaß mich nicht Ach Gott, wie manches Herzeleid Ach mein Jesu, sieh ich trete Allein Gott in der Höh sei Ehr 47 Allein zu dir, Herr Jesu Christ 74 Alle Menschen müssen sterben. 188 Alles ist an Gottes Segen... 164 Auf, auf, mein Herz mit Freuden 34 Auf Christi Himmelfahrt allein 40 Aus meines Herzens Grunde. 123 Aus tiefer Not schrei ich zu dir 75 B. 168 Befiehl du deine Wege. Bis hierher hat mich Gott gebracht 111 C. Christ, der du bist der helle Tag 145 Christe, du Lamm Gottes( S. S. 449) Christe, wahres Seelenlicht.. 124 Christglaubig Mensch, wach auf 125 Christi Blut und Gerechtigkeit Christ ist erstanden.. Christ lag in Todesbanden. Christ unser Herr zum Jordan fam 64 Christus der ist mein Leben.. 194 . Eins ist not! ach Herr, dies Eine 80 35 Erhalt uns Herr bei deinem Wort 36 D. Dank sei Gott in der Höhe.. 126 Das alte Jahr vergangen ist 14 Das walte Gott, der helfen kann 127 Das walt Gott Vater und Gott Sohn. 128 146 160 147 129 Die güldne Sonne voll Freud und Wonne. 130 Die helle Sonn leucht ißt herfür 131 Die Nacht ist kommen, drin wir ruhen sollen 148 Die Sonn hat sich mit ihrem Glanz. 149 201 Dir, dir, Jehovah, will ich singen 107 Du bist zwar mein. Durch Adams Fall ist ganz ver= derbt 82 Ein feste Burg ist unser Gott. 56 Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld 20 90 57 37 Erschienen ist der herrlich Tag Es ist das Heil uns kommen her 83 Es ist gewißlich an der Zeit.. 204 Es woll uns Gott genädig sein 58 Fang dein Werk mit Jesu an. 132 Freu dich sehr, o meine Seele. 195 Freuet euch, ihr Christen alle. 7 Fröhlich soll mein Herze springen 8 Früh am Morgen Jesus gehet 133 684 Register der Lieder. Früh morgens, da die Sonn aufgeht. Für deinen Thron tret ich hiemit 134 38 6. 9 Geh aus mein Herz, und suche 112 Gelobet seist du, Jesu Christ Gieb dich zufrieden und sei stille 169 Gott der Vater wohn uns bei. Gott des Himmels und der Erden Gott fähret auf gen Himmel 41 Gott ist gegenwärtig 108 Gott Lob, der Sonntag kommt herbei. 50 Gott Lob, der Tag ist nun dahin 150 Gott sei Dank durch alle Welt Gott sei gelobet und gebenedeiet H. • • Halt im Gedächtnis Jesum Christ Herr Gott, dich loben wir Herr Jesu Christ, dich zu uns wend Herr Jesu Christ, du höchstes Gut, du Brunnquell. Herr Jesu Christe, mein getreuer Hirte Herr Jesu Christ, wahr Mensch und Gott. Nr. Herr Jesu, deine Angst und Pein Herr Jesu, dir sei Preis und Dank Herr Jesu, Gnadensonne. Herr, öffne mir die Herzensthür Herr, wie du willst, so schicks mit mir 48 135 ● 1 72 91 113 76 52 170 92 Herzlich lieb hab ich dich, o Herr Herzlich thut mich verlangen.. 189 Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen 22 Heut ist uns der Tag erschienen 19 Heut triumphieret Gottes Sohn 39 Himmelan geht unsre Bahn Hinunter ist der Sonnen Schein Hirte deiner Schafe. Hosianna! Davids Sohn. 103 151 152 2 Nr. Ich dank dir, lieber Herre... 136 Ich dank dir schon durch deinen Sohn. Ich habe nun den Grund gefunden 137 84 • Ich hab in Gottes Herz und Sinn 171 77 Ich steh an deiner Krippen hier 10 Je größer Kreuz, je näher Himmel 172 Jerusalem, du hochgebaute Stadt 205 Jesu, geh voran 104 16 23 59 Jesu, großer Wunderstern Jesu, meines Lebens Leben Jesus Christus herrscht als König Jesus Christus, unser Heiland. Jesus, meine Zuversicht Jesus nimmt die Sünder an, saget doch. 70 206 85 In allen meinen Thaten. 166 In dich hab ich gehoffet, Herr. 184 51 In Gottes Namen fahren wir 167 Ist Gott für mich, so trete.. 86 68 K. 69 196 21 73 J. Ich bin ein Gast auf Erden.. 190 Ich bin getauft auf deinen Namen 66 Ich bin getauft, ich steh im Bunde 67 ... Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ, ich bitt .. .. . Keinen hat Gott verlassen... 173 Komm, heiliger Geist, Herre Gott 42 Kommt, und laßt uns Christum ehren 11 L. Laß mich dein sein und bleiben Liebe, die du mich zum Bilde. 62 93 Liebster Jesu, hier sind wir 65 . Liebster Jesu, wir sind hier.. 53 Lobe den Herren, den mächtigen 114 Robe den Herren, o meine Seele 115 Lobet den Herren, alle die ihn 138 Lobt Gott, ihr Christen alle gleich 12 M. Mache dich, mein Geist, bereit. 185 Macht hoch die Thür, die Thor macht weit 3 Meinen Jesum laß ich nicht, weil er sich. 94 Mein herzer Vater, weint ihr noch 202 Mein schönste Zier und Kleinod 95 Mir nach! spricht Christus unser Held 105 Register der Lieder. Nr. Mit Ernst o Menschenkinder.. 4 Schaz über alle Schäße. Mit Fried und Freud ich fahr 18 Mit meinem Gott geh ich zur Ruh 153 Mitten wir im Leben sind... 197 N. Nun bitten wir den heiligen Geist Nun bricht die finstre Nacht herein. 161 Nun danket alle Gott 116 Nun danket all und bringet Ehr 117 Nun freut euch, lieben Christen gmein Nun jauchzet all ihr Frommen Nun laßt uns den Leib begraben 198 Nun laßt uns gehn und treten 15 Nun laßt uns Gott dem Herren 143 Nun lob, mein Seel, den Herren 118. Nun preiset alle Gottes Barm43 .. 87 5 ● O Christe, Morgensterne 96 ... O daß ich tausend Zungen hätte 120 O Ewigkeit, du Donnerwort. 207 O Gott, du frommer Gott. 109 O Haupt voll Blut und Wunden 24 O heilige Dreifaltigkeit. 139 Oheilger Geist, kehr bei uns ein 44 O hilf, Christe, Gottes Sohn. 25 Jesu Christe, wahres Licht. 60 O Jesu Christ, mein schönstes Licht 97 O Jesu, süßes Licht 140 17 Jesu, treuster Heiland mein. 156 König aller Ehren Lamm Gottes unschuldig Welt, ich muß dich lassen. 199 Welt, sich hier dein Leben. 27 26 R. Ringe recht, wenn Gottes Gnade 186 S. Schaffe in mir Gott, ein reines 45 Schaffet, schaffet Menschenkinder 187 685 Nr. 98 71 Schmücke dich, o liebe Seele. Schwing dich auf zu deinem Gott 174 Seele, mach dich heilig auf Seelenbräutigam 28 99 29 Sei gegrüßt Jesu, du einiger Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut. 121 30 Sei mir tausendmal gegrüßet Sollt es gleich bisweilen scheinen 175 Sollt ich meinem Gott nicht singen 122 So ruhest du, o meine Ruh. So wahr ich lebe, spricht dein Gott 31 herzigkeit 119 154 Nun ruhen alle Wälder. Nun schlaf, mein liebes Kindelein 163 Unsre müden Augenlider.... 157 Nun sich der Tag geendet, mein Herz zu dir sich wendet... 155 78 So wird die Woche nun beschlossen 162 Speis uns, o Gott, deine Kinder 142 Such, wer da will, ein ander Ziel 88 2. Thut mir auf die schöne Pforte 54 U1. V. Valet will ich dir geben... 191 Vater unser im Himmelreich.. 110 Vom Himmel hoch da komm ich her 13 Von Gott will ich nicht lassen. 176 W. Wach auf, du Geist der ersten Zeugen 61 Wach auf, mein Herz, und singe 141 Wachet auf, ruft uns die Stimme 208 Warum sollt ich mich denn grämen 177 Was Gott thut, das ist wohlge178 than, es bleibt gerecht Was mein Gott will das gscheh allzeit 179 Welt, ade! ich bin dein müde. 192 Wenn meine Sünd mich fränken 32 Wenn mein Stündlein vorhanden ist 200 Wenn wir in höchsten Nöten sein 180 Werde munter, mein Gemüte. 158 Wer Gott vertraut, hat wohlgebaut.. Wer ist wohl wie du? 181 100 686 Register der Lieder. Wer nur den lieben Gott läßt walten Wer weiß, wie nahe mir mein Ende Wie Gott mich führt, so will ich gehn Wie schön ists doch, Herr Jesu Christ. Wie schön leuchtet der Morgenstern, voll Gnad Wie soll ich dich empfangen? Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen Nr. 182 193 183 165 101 6 Wir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du für uns Wir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du unser Erlöser bist Wir glauben all an einen Gott Wir Menschen sind zu dem, D Gott Wo soll ich fliehen hin. 3. Zeug ein zu meinen Thoren 102 Zeug hin, mein Kind Nr. Druck von Pöschel& Trepte in Beipzig. 33 159 49 63 79 46 203 Für die Zwecke der Hausandacht ist von den in vorliegendem Allgemeinen Gebetbuch enthaltenen Liedern ein Separatabdruck unter dem Titel, Hausgesangbuch" zum Preise von 50 Pf. veranstaltet worden. Durch Anschaffung desselben in mehreren Exemplaren kann das störende Vorsagen beim Singen vermieden werden. Aus dem Verlag von Justus Naumann in Leipzig wird empfohlen: Für das Schriftstudium: Die Bibel oder die ganze heilige Schrift Alten und Neuen Testaments nach der deutschen Uebersetzung Dr. Martin Luther's, mit in den Text eingeschalteter Auslegung, ausführlichen Inhaltsangaben und den zur weiteren Vertiefung in das Gelesene nöthigsten Fingerzeigen, meist in Aussprüchen der bedeutendsten Gottesgelehrten aus allen Zeitaltern der Kirche. Herausgegeben von August Dächsel, Pastor zu Šteinkirche bei Strehlen. Nebst Holzschnitten und colorirten Karten. 7 Bde. Royal- 8°. br. 67 Mt. Geb. in Halbfranz 82 Mt. 75 Pf. Die einzelnen Bände apart zu nachstehenden Preisen. Inhalt der 7 Bände: I. Die fünf Bücher Mofis II. Buch Josua bis Buch Esther u. als Supplement: Maccabäer III. Hiob bis Hohelied und als Supplement: Sirach und Weisheit Salomonis IV. Die Propheten Jesaia bis Maleachi V. Ev. Matthäus, Markus, Lukas VI. Ev. Johannis, Apostelgeschichte u. als Supplement: Evangelien- Harmonie VII. Römerbrief bis Offenbarung Johannis Einband in Halbfranz à 2 Mt. 25 Pf. pro Band. 7 Mt. 11 ME. 8 ME. 10 Mr. 10 Mt. 9 ME. 12 Mt. Für die Hausandacht und Privaterbauung: Tägliche Erquickung aus dem Heilsbrunnen. Ein Handbuch zur gemeinsamen Hausandacht nach der Ordnung des Kirchenjahres. Von Dr. B. A. Langbein, weil. Hosprediger und Geh. Kirchenrath in Dresden. 3. Auflage. gr. 8.( VI, 643 S.) brosch. 6 Mt., in Halbfrzband 8 Mt., in feinerem Einband mit Goldschnitt 9 Mk. Predigten auf alle Sonn- und Festtage des Kirchenjahres. Von Dr. B. A. Langbein. Neue Sammlung. gr. 8.( 708 S.) brosch. 7 Mt. 50 Pf., fein in Halbfrz. geb. 10 Mt. Meditationes sacrae oder heilige Betrachtungen, dadurch die rechte Gottseligkeit geweckt und der innerliche Mensch zum Wachsthum gebracht werden kann. Von Johann Gerhard. Von Neuem aus dem Lateinischen übersetzt von C. Julius Böttcher. 3. Aufl. 16.( XII, 371 S.) brosch. 1 Mt. 50 Pf., fein geb. mit Goldschnitt 2 Mt. 50 Pf. Enchiridion consolatorium oder Tröstliches Handbüchlein wider den Tod und die Anfechtungen beim Todeskampfe. Von Johann Gerhard. Aus dem Lateinischen übersetzt von Carl Julius Böttcher, evang.- luth. Pastor. 12.( 272 S.) brosch. 1 Mt. 50 Pf., in Vwdbd. 2 Mt. 25 Pf. Aus dem Reich der Gnade. Religiöse Betrachtungen von Jakob Paulli, Pastor in Kopenhagen und königl. Cofessionarius. Aus dem Dänischen von O. Gleiß, P. Autorisirte deutsche Ausgabe. 8. 208 S. br. 2 Mt. 50 Pf., geb. 3 Mt. 50 Pf. Samenkörner. Meditationen von A. F. Huhn, weil. Pastor zu St. Olai in Reval. tl. 8.( 184 S.) brosch. 2 Mt., in Reliefband mit Goldschnitt 3 Mr. Verlag von Justus Naumann in Leipzig. Sammelt die übrigen Brocken. Nachgelassene Predigten von A. F. Huhn. 8.( 320 S.) brosch. 3 Mt., geb. 4 Mt. Für den Abendmahlsgang: Das Sakrament des wahren Leibes und Blutes Jesu Christi. Beichtund Kommunionbuch von D. Franz Delißsch, Prof. der Theologie in Leipzig. 7. Aufl. 8.( 281 S.) In Ledertuch m. Goldschnitt 3 Mt., in feinem Reliefbd. mit Goldschn. 4 Mt., in Chagrinleder m. Goldschn. 5 Mt. Für Konfirmanden: Die Reise aus dem irdischen nach dem himmlischen Vaterhauſe. Eine Mitgabe auf den Lebensweg, zunächst für Neuconfirmirte von Dr. B. A. Langbein, Hosprediger und Geh. Kirchenrath. f. 8.( 56 S.) Feine Ausgabe mit Widmungsblatt von Ludwig Richter, in Relieflnwdbd. m. Goldschnitt 1 Mt. 50 Pf. Billige Musgabe, Leinwandband 1 Mt. Konrad. Eine Gabe für Konfirmanden von Wilhelm Löhe, luth. Pfarrer in Neuendettelsau. 6. Auflage mit Widmungsblatt von Ludwig Richter. f. 8.( 104 S.) Heine Ausgabe in Goldschn. geb. 2 Mt. Billige Ausgabe in Leinwandband 1 Mt. 50 Pf. Eben- Ezer. Tagebuch für Freud und Leid im Christenleben. Auf Poſtpapier in Schwarz- und Rotdruck. Feiner Reliefband mit Goldschnitt 4 Mt.( Enthält für jeden Tag des Jahres eine mit einem Bibelspruch überschriebene leere Seite.) Für die Jugend: Bilderbibel. Hundert und acht Holzschnitte nach Zeichnungen von Professor Karl Schönherr u. Änderen. Mit beigefügtem Bibeltert. gr. 4. fein geb. 10 Mf. Luther's Leben aus den Quellen erzählt v. Moriz Meurer. Jugendund Volksausgabe. 3. Aufl. mit Luther's Portrait und 20 Bildern von L. Richter und A. Karst. 8.( XVI, 342 S.) brosch. 5 Mt. in Reliefleinwandband 6 Mt. Gebetbüchlein für unsere Kinder in Schule und Haus. Nebst einem Anhange, enthaltend eine liturgische Weihnachtsfeier für Schulen und Familien. Von Adolf Meyer, Pastor. 8.( 62 S.) brosch. 50 Pf. Erzählungen von Karl Stöber. Gesammtausgabe in 2 Bänden. Mit Bildern von Ludwig Richter und A. Karst. 4. Auflage. 8. ( 483 u. 528 S.) brosch. 10 Mt., geb. in 2 f. 2wdbdn. 12 Mt. Dieselben. Volksausgabe in 12 cartonirten Bändchen mit je einem Titelbilde von Ludwig Richter. à 75 Pf.( Hiervon jedes Bändchen auch apart.) Christliche Kirchengeschichte für Schule und Haus von D. H. Thiele, Abt von Riddagshausen, Hof- und Domprediger in Braunschweig. 3. umgearbeitete Aufl. 8.( XVI, 479 S.) brosch 4 Mt., geb. 5 Mt. Für Erwachsene zur Belehrung und Unterhaltung: Luther's Leben aus den Quellen erzählt von Lic. theol. Moriz Meurer, Pfarrer zu Callenberg. 3. überarbeitete Aufl.( Größeres Werk.) band 11 Mt. 50 Pf. gr. 8.( XXIII, 763 S.) brosch. 9 Mf., in feinem Halbfranz Verlag von Justus Naumann in Leipzig. Katharina Luther, geborene von Bora. Von Lic. theol. Morit Meurer. 2. Aufl. Mit Katharina's Portrait in Stahlstich. kl. 8. ( X, 180 S.) brosch. 2 Mt., in feinem Reliefband mit Goldschn. 3 Mt. David Samuel Roller. Lebensbild eines sächsischen Pfarrers aus der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts von A. H. Rühle, Pfarrer zu Lausa mit Hermsdorf. Mit Rollers Bildniß. 8.( 328 S.) brosch. 4 Mt., in feinem Leinwandband 5 Mk. Freiherr Carl v. Richthofen, früher Domherr in Breslau. Ein Lebensbild aus den kirchlichen Kämpfen der Gegenwart. Nach handschriftlichem Nachlaß und mütterlicher Erinnerung. 8.( 656 S.) brosch. 7 Mt., in feinem Leinwandband 8 Mk. Wirken und Leiden. Erinnerungen an Elisabeth u. Fanny Bickersteth. Von ihrer Schwester. Aus dem Englischen, mit einer Vorrede von Prof. Franz Delitzsch und Fanny's Bildniß. 8.( XII, 284 S.) brosch. 4 Mt., in Leinwandband 5 Mt. Einsame Wege.( Selbstbiographie R. Rocholl's.) 8.( 448 S.) brosch. 5 Mt., geb. 6 Mt. Römische Bilder aus alter und neuer Zeit. Von Dr. J. E. Kunze. 8.( 286 S.) brosch. 4 Mk., geb. 5 Mk. Der christliche Glaube nach dem Bekenntniß der lutherischen Kirche. Vorträge von D. B. A. Langbein, Hofprediger und Geh. Kirchenrath. 8. ( 312 S.) brosch. 5 Mf., fein geb. 6 Mt. Halte was du hast! Briefe über die 21 Lehrartikel der Augsburgischen Konfession zur Erläuterung und Rechtfertigung derselben von D. B. A. Langbein. Neue Ausg. 8.( VI, 138 G.) brosch. 1 Mt. Die ev.- luth. Mission in Ostindien. Missionsstunden von E. R. Baierlein, ev.- luth. Missionar. 8.( 328 S.) brosch). 4 Mt. Nach und aus Indien. Reise- und Kulturbilder von E. R. Baierlein. 8.( 312 S.) geh. 3 Mt.( Eine Ergänzung zu vorstehenden Missionsstunden.) von Germania sacra. Ein topographischer Führer durch die Kirchenund Schulgeschichte deutscher Lande. Zugleich ein Hilfsbuch für kirchengeschichtliche Ortskunde P. Carl Julius Böttcher. 8.( XVI, 1531 S.) brosch. 10 Mk., geb. in 2 Lwdbdn. 12 Mk.( Ein kirchengeschichtliches Reisehandbuch.) Für Pastoren und Lehrer( s. a. die vorige Rubrif): Kirchliches Handlerikon. Ein Hilfsbuch zur Orientierung auf dem Gesammtgebiete der Theologie und Kirche. In Verbindung mit einer Anzahl evangel.- luther. Theologen herausgegeben von Dr. phil. Carl Meusel, ev.- luth. Pfarrer. Eingeführt durch die D. D. Deligsch, Kahnis, Kliefoth und Luthardt. Erscheint in 4 Bänden à 10 Mt. oder in 40 Lieferungen à 1 Mt. und ist bestimmt, auf alle kirchlichen und theologischen Fragen vom Standpunkt des lutherischen Bekenntnisses aug zuverlässige Antwort zu geben. Kasualreden von Julius Nagel, weil. ev.- luther. Kirchenrath und Superintendent in Breslau. Aus dessen Nachlaß herausgegeben von Ernst Nagel, ev.- luth. Pastor zu Strehlen in Schlesien. gr. 8.( 375 S.) brosch. 5 Mt., geb. 6 Mt. Verlag von Justus Naumann in Leipzig. „ Für Euch!" Beicht- und Abendmahlsreden, als eine Handreichung für das geistliche Amt und die Privaterbauung. Von Ernst Wackernagel, Pastor in Buch b. Berlin. 8.( 188 S.) brosch. 2 Mt., in Leinwandband 3 Mt. Die Praxis der Krankenseelsorge. Ein Beitrag zur Pastoraltheologie von J. C. Heuch, Pfarrer u. Lehrer am praktisch- theologischen Seminar in Christiania. Deutsche, vom Verfasser autorisirte Ausgabe von E. Schumacher, Pfarrer in Hohenstein in Holstein. Zweiter Abdruck. 8.( 114 S.) Preis 1 Mt. 50 Pf. Tod und Leben. Zweiunddreißig Grabreden von A. H. Rühle, Pfarrer zu Lausa mit Hermsdorf. 8.( 128 G.) brosch. 1 Mt. 20 Pf., geb. 2 Mt. Die heilige Geschichte des Alten und Neuen Testaments. Ein Handbuch für Lehrer an höheren und niederen Schulen mit Karten und Illustrationen von K. A. Dächsel, Pastor zu Steinkirche bei Strehlen ( dem Verfasser des Bibelwerks). Erster Band. gr. 8°.( 956 S.) brosch. 10 Mt., geb. in Halbfranz 12 Mt.( Das Ganze wird 2 Bände umfassen.) Für die Kinder- und Schulstube: Biblische Wandbilder für den Anschauungsunterricht und die Kinderstube. Grösstes qu.- Fol. Bildgrösse 36:54 Ctm. 24 Blatt. Schwarze Ausgabe auf Tongrund 12 Mk.( Einzelne Blätter à 75 Pf.) Color. Ausgabe 30 Mk.( Einzelne Blätter à 1 Mk. 50 Pf.) 1. Kain und Abel. 2. Noahs Dankopfer. Verzeichniss der Bilder: 3. Opferung Isaaks. 4. Josephs Verkauf. 5. Joseph und seine Brüder. 6. Mosis Geburt. 7. Moses mit den Gesetztafeln. 8. David und Goliath. 9. Eliä Himmelfahrt. 10. Daniel in der Löwengrube. 11. Geburt Jesu. 12. Die Weisen aus dem Morgenlande. 13. Jesus als Knabe im Tempel. 14. Jesus und Petrus auf dem Meer. 15. Auferweckung v. Jairi Töchterlein. 16. Gleichniss vom verlornen Sohn. 17. Jesus segnet die Kinder. 18. Jesu Einzug in Jerusalem. 19. Jesus vor Pilatus( Ecce homo). 20. Jesu Kreuzestod. 21. Auferstehung Jesu. 22. Die Jünger von Emmaus. 23. Himmelfahrt Jesu. 24. Petri Errettung a. d. Gefängniss. 24 Biblische Geschichten für den ersten Religionsunterricht. Im engen Anschluß an die in gleichem Verlage erschienenen ,, Biblischen Wandbilder für den Anschauungsunterricht und die Kinderstube" erzählt von Joh. Fr. Ranke, Director a. D. des Oberlinhauses zu Nowawes. 8.( 104 S.) brosch. 1 Mt. 20 Pf.( Bietet den Text und die Erklärung zu vorstehenden Wandbildern.) Biblische Wandsprüche aus den Episteln und Evangelien des Kirchenjahres. Enthaltend 152 Sprüche für alle Sonn- und Festtage, auf Cartonpapier. 2. Aufl. 4. In Enveloppe 4 Mt. Spruchtasten dazu mit Glas 4 ME. Druck von Böschel& Trepte in Leipzig. Inches 1 Centimetres Blue 12 3 4 Cyan 2 15 14 6 17 ( O Farbkarte# 13 3 Green 8 Yellow 9 4 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 6 CO 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8