들 좋아 P. C. Geifsler gez. Stahlstichy Carl Mayer's Kunst- Anstalf in Nürnberg Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Paderborn Der große Myrrhengarten des bittern Leidens von P. Martin von Cochem. Mit Sorgfalt gejätet, mit schönen Passionsblumen aus andern Werken desselben Verfassers und mit wohlriechenden Pflanzen aus dem Garten der Kirche sehr vermehrt, und dem christlichen Volke wieder geöffnet vom Verfasser des ,, Wie wird's besser?" Dreiunddreißigste Auflage. Mit einem Stahlstiche. ( Nr. 3. Taschen-( Stereotyp-) Ausgabe.) Mit Genehmigung des Hochw. Bischofs von Paderborn. - Paderborn 1889. Druck und Verlag von Ferdinand Schöningh. Münster 1. W., Prinzipalmarkt 1. Osnabrück. if 1721 Univ.- Bibl. Giessen ( Der ganze Myrrhengarten ist in zwölf besondere Gärtlein eingetheilt.) ( Gebete mit dem Zusage Abl. find mit einem Ablaß verbunden.) Das erste Gärtlein.( Morgen- und Abendgebet.) Morgengebet zu Gott dem Vater Morgengebet zu Christo Morgengebet zum h. Geiste Inhalt. Morgen- Meinung. Bund mit Christo, zuweilen zu sprechen Bitte und Verlangen. Abl. Lobgebet. Abl. Ulebung der drei göttlichen Tugenden. Abl. Die tägliche Betrachtung Nach der Betrachtung. Abendgebete 11 " " Abend- Meinung Das andere Gürtlein.( Meßgebete.) Erklärung der H. Messe Wie nützlich es sei, die h. Messe zu hören Wie nützlich es sei, h. Messen für sich und zwar bei Lebzeiten lesen zu lassen Seite 1 22345 6 7 8 9 10 11 12 12 14 21 24 IV Inhalt. Intention oder Meinung, in der man eine heilige Messe lesen lassen soll. Meßgebete Gebet vor jeder h. Messe Erste Weise, die h. Messe zu hören zu Ehren des Leidens Christi Zweite Weise, als das höchste Lob und Anbetungsopfer u. s. w.. Dritte Weise, zu Ehren des Leidens Christi Vierte Weise, zu Ehren der allerh. Dreifaltigkeit Fünfte Weise, zu Ehren des Leidens Christi Vorbereitung zur Beichte. Erweckung wahrer Reue zu Gott dem Vater zu Christo am Kreuze zum h. Geiste 11 Das vierte Gärtlein.( Beichtgebete.) " 1 " 1 11 "" Gebet vor der Beicht Beschluß der Beicht Gebet nach der Beicht Die sieben Bußpsalmen. Abl. Litanei zu allen Heiligen Das fünfte Gärtlein.( Communiongebete.) Seite Das dritte Gärtlein.( Vespergebete.) " 1 Vespergebete zu Ehren des Leidens Christi. Abl.. 111 zu Ehren des allerh. Altarssakraments 119 Sonn- und feiertägliche Danksagung als Hausandacht 119 Nach der Vesper Der H. Kreuzweg. 125 125 Vorbereitung zur Communion Erinnerung an das Leiden Christi Gebet vor der Communion 28 ಇ ದ ದ ನ ನಿ 31 31 32 44 65 77 94 135 137 138 140 141 144 144 146 154 161 162 164 Inhalt. Nach der Communion Gebet des h. Ignatius Fromme Anmuthungen Aufopferung der H. Communion Zur Mutter Gottes und den Heiligen Litanei vom süßen Namen Jeſu Danksagung für die h. Communion Gebet vor dem Bilde des Gekreuzigten nach der Communion. Abl. Der öftere Empfang der h. Communion. Abl. Ablaßgebet an den Ablaßtagen.. 3. Anbetung des H. Sakraments 4. Inbrünstige Bitte vor dem h. Sakramente 5. Liebes- Gebet vor dem h. Sakramente 6. Einladung aller Creaturen zum Lobe des heil. Sakraments. 7. Lobgesang zum h. Sakramente. Abl. 8. Litanei vom allerh. Altarssakramente 9. Gebet, wenn mit dem hochw. Sakramente der Segen gegeben wird 10. Gebet, wenn man das heil. Sakrament um die Das sechste Gärtlein.( Gebete zum h. Altarssacrament.) tweisung, Erwägung, Intention oder Meinung 1. Uebung des Glaubens und der Aufopferung. 2. Seufzer zum h. Sakramente. Kirche trägt 11. Loblied zum H. Sakrament 12. Gebet zum allerheiligsten Sakramente an den Donnerstagen. Abl. 13. Gebet zum allerh. Altarssakramente und zum heiligsten Herzen Jesu. Abl. . . 14. Uebung der Anbetung und Abbitte. Abl. Hymnus Pange lingua. Abl. 15. Gebet bei einer sakramentalischen Prozession 16. Betrachtungen über das h. Altarsjakrament. ● V Seite 166 168 168 169 171 172 174 176 176 180 183 184 186 188 189 192 194 197 200 205 205 207 209 209 210 213 214 214 VI Inhalt. I. Betrachtung über die Einsetzung Seufzer zu Christo im allerheil. Altarssakrament Danksagung wegen der Einsetzung des heiligsten Altarssakramentes II. Betrachtung von dem würdigen Empfange Gebetkränzlein zum h. Herzen Jesu. Abl. Drei Zweigespräche zwischen Jesu und der gläubigen Seele 5. Wie Christus im Delgarten betete 6. Wie Christus Blut schwißte. desselben III. Betrachtung von der Gnade Gottes, welche der Communizirende empfängt 229 17. Gebete zum h. Herzen Jesu 235 Litanei vom Herzen Jesu. 235 Liebe, Reue und Sehnscht zum H. Herzen Jesu 238 Abbitte. Abl. 240 241 • 13. Wie Christus verspottet wurde 14. Fortsetzung 15. Schluß Seite 214 ● 7. Judas kommt, um Jesum zu fangen 8. Wie Christus gefangen genommen wurde 9. Wie Christus zu Annas geführt wurde 10. Wie Christus, von Annas gefragt, antwortet und den grausamen Backenstreich empfängt 11. Wie Christus zum Kaiphas geführt wurde 12. Christus wird von Kaiphas fälschlich angeklagt und ungerecht verurtheilt 217 Das siebente Gärtlein.( Betrachtungen vom bittern Leiden und herzdringende Gebete zum leidenden Heilande.) Vorerinnerung 1. Wie Christus am Delberge trauert 2. Von der ersten Ursache der Traurigkeit Jesu 3. Uleber die zweite Ursache der Traurigkeit Jesu 4. Ueber die dritte Ursache der Traurigkeit Jesu 221. 223 244 249 250 252 254 256 258 261 264 268 269 271 273 275 277 280 281 Inhalt. 16. Christus im Kerter 17. Wie Petrus Christum verläugnet 18. Christus vor Pilatus. 19. Christus vor Herodes verspottet. 20. Wie Barabas Christo vorgezogen wird 21. Wie Christus gegeißelt wurde 22. Wie Christus gekrönt wurde. 23. Wie Christus dem Volke gezeigt wurde. 24. Ecce homo! Sehet, welch' ein Mensch! 25. Wie Christus zum Tode verurtheilt wurde 26. Wie Christo das Kreuz aufgeladen wurde 27. Wie Christus das Kreuz getragen hat 28. Wie Christus vor der Kreuzigung gelitten. 29. Wie Christus gekreuzigt und mit dem Kreuze aufgehoben wurde 30. Vom ersten Worte Christi 31. Vom zweiten Worte Christi 32. Vom dritten Worte Chrifti 33. Vom vierten Worte Christi 34. Vom fünften Worte Christi 35. Vom sechsten Worte Christi 36. Vom letzten Worte Christi 37. Wie der Herr Jesus starb ● ● 38. Von der Eröffnung der Seite Chrifti 39. Wie der Leichnam Christi im Schooße seiner Mutter betrauert wurde Tröstliches Gebet vor einem Vesperbilde( Pietà) 40. Wie der Leichnam Christi begraben wurde Schlußbetrachtung Aufopferung des Leidens Christi . VII Seite 283 286 289 292 294 297 300 0302 304 307 310 313 315 320 326 330 333 336 339 342 345 348 352 354 357 357 361 363 Das achte Gärtlein.( Gebete zur schmerzhaften Mutter und zum leidenden Heilande.) Gebete zur schmerzhaften Mutter Gottes um ein feliges Ende( Gebet zu den sieben Schmerzen) 364 Gebete zu den Schmerzen der Mutter Gottes bei der Abnahme und beim Begräbnisse Chrifti 371 VIII Inhalt. Gebete vor einem Vesperbilde( Pietà) Gebet zum Leichnam Christi im Grabe. Litanei zur schmerzhaften Mutter Stabat Mater. Abl. Der Rosenkranz von den sieben Schmerzen Mariä. Abl. Fromme Uebung zu Ehren des schmerzhaften Herzens. Ablaß Die einstündige Andacht zu Ehren der schmerzhaften Mutter. Abl. Gebete zum leidenden Heilande. Verehrung der sieben Worte Verehrung aller Glieder Christi Verehrung der Stunden am Kreuze Christus am Kreuze als Opfer der Genugthuung Bitte um ein seliges Ende durch das Leiden Christi Litanei vom bittern Leiden Bitte zum leidenden Heilande um ein seliges Ende Gebete zu Ehren des h. Blutes Gebet zu den sieben Blutvergießungen Verehrung des h. Blutes aus der Seitenwunde Vertrauen zum h. Blute Aufopferung des H. Blutes Rosenkranz zu Ehren des kostbaren Blutes. Abl. Litanei vom h. Blute. Gebete zu den h. fünf Wunden Kuß zu den fünf Wunden. . Befehlung in die h. fünf Wunden Liebe zu Gott, entspringend aus den fünf Wunden Litanei zu den h. fünf Wunden Gebet zu Ehren des bittern Leidens. Abl. Vorerinnerung Anfang der Wallfahrt Seufzer auf dem Wege Das neunte Gärtlein.( Wallfahrts- Gebete.) Begrüßung der Wallfahrtskirche Gebet vor einem jeden Altare zu sprechen Seite 372 377 378 380 382 383 385 386 386 387 389 391 392 393 396 397 398 399 401 402 403 409 412 415 416 417 418 422 423 426 427 429 430 Inhalt. Opfergebet.. Gebet in allen Kreuzkirchen Gebet vor einem wunderthätigen Kreuze Gebet vor einem jeden Kreuze Demüthige Bitte vor einem Kreuze in besonderen Nöthen Gebet in den Kirchen der schmerzhaften Mutter Gebet vor einem Bilde der freudenreichen Mutter Gebet vor einem wunderthätigen Marienbilde Litanei zu Ehren des heiligsten und unbefleckten Herzens Mariä. Das Memorare oder Gedenke, o gütigste Jungfrau Gebet um Bekehrung der Irrgläubigen und Sünder Anrufung eines Heiligen in einer Wallfahrtskirche Anrufung einer Heiligen Die sieben Fußfälle an Wallfahrtsorten Delbergs- Andacht. Wallfahrt zum Calvarienberge Wallfahrtslieder Das zehnte Gärtlein.( Festgebete.) Adventszeit. Heiligung des Advents Dankgebet im Advent IX Seite 430 431 432 433 434 435 438 439 Am Neujahrstage. Am Feste der H. drei Könige Gebet am Aschermittwoch Am H. Palmsonntage Am H. Grünen- Donnerstag In der h. Charfreitags- Nacht Am h. Charfreitage In der h. Osternacht 441 443 443 444 445 447 452 458 472 475 477 478 Gebet unter der Rorate- Messe 480 In der h. Christnacht 482 Am hohen Weihnachtsfeste 484 Liebe zum Jejukinde 486 Am 2. Weihnachtstage, am Feste des h. Stephanus 486 Gebet am letzten Tage des Jahres 488 490 492 494 495 498 499 502 504 X Am H. Hochfeierlichen Ostertage Anbetung des auferstandenen Heilandes Am H. Östermontage Verehrung des auferstandenen Heilandes In der Kreuzwoche Himmelfahrt Christi Am hochheiligen Pfingstfeste Am h. Pfingstmontage Litanei vom H. Geiste Veni sancte Spiritus: Komm h. Geist. Abl. Am hohen Feste der h. Dreifaltigkeit Litanei von der allerh. Dreifaltigkeit Am hohen Frohnleichnams- Feste Die Frohnleichnams- Prozession Die vier Stationen bei derselben. "" " 1 Hauptfeste der allerseligsten Jungfrau Maria. Am Feste der unbefleckten Empfängniß " 1 "" " 1 ( 9 11 " P " 1 " 1 " 1 S Inhalt. "" Mariä Opferung Am Feste des H. Joseph, Nährvaters " 1 " 1 "" Mariä Reinigung Mariä Verkündigung Mariä Heimsuchung Mariä Himmelfahrt Mariä Geburt " P Am Kirchweihfeſte Am hohen Feste aller Heiligen Am Allerseelen- Tage. . . der hh. Apostel Petrus und Paulus Ablaßgebet zu Ehren dieser Apostel des heiligen Liborius, Patrons der Diöceſe Paderborn des h. Ludgerus, Apostels des Münsterlandes des h. Kirchenpatrons Besondere Andachten. . Tägliche Gebete zu Maria.. Erwählung Mariä zur Mutter und Patronin ● Seite 506 508 509 511 513 515 516 518 520 522 523 525 527 531 534 543 544 546 548 550 552 553 554 555 556 558 559 560 561 561 563 566 566 XI Seite 566 567 568 569 Gebete zu Maria um ein seliges Ende 569 Fünf Gebete zu Maria wider die Anfechtungen im Tod 571 Gebet zum H. Namen Mariä( in Traurigkeit) 572 Sancta Maria succurre miseris 573 574 574 575 575 Herzlicher Gruß zu Maria Vertrauen zu Maria Liebe zu Maria Bund mit Maria Sub tuum praesidium Salve Regina. Abl. Inhalt. Memorare. Gedenke u. s. w. Abl. Gebet um den Schutz Mariä für die Keuschheit. Abl. Gebet zur seligsten Jungfrau in Gefahren oder Versuchung gegen die Keuschheit. Abl. Die lauretanische Litanei. Abl. Neuntägige Andacht zu Maria -Andacht zum H. Joseph Tägliches Gebet zum h. Joseph Litanei zum h. Joseph ● 575 576 578 Spruch zu Ehren des h. Blutes Zum H. Franziskus Xaverius Zum H. Johannes von Nepomuc Die Litanei vom h. Johannes Gebet in Gefahr, den guten Namen zu verlieren 580 580 581 583 584 584 585 587 590 592 Neuntägige Andacht zum h. Joseph Andacht zur H. Anna Tägliches Gebet zur h. Anna Litanei zur H. Mutter Anna ● Neundienstägige Andacht zum h. Antonius von Padua Gebet zum Jesukinde in den Armen des h. Antonius Litanei zum h. Antonius Lobgesang zum h. Antonius 594 3um h. Franziskus von Assisi 594 Litanei zum h. Franziskus 596 Zum h. Aloysius. 597 Litanei zum H. Aloysius 598 Die sechs Sonntage zu Ehren des h. Aloysius. Abl. 600 Lied zum H. Aloysius 602 603 603 604 604 606 XII Inhalt. Gebet in Gewissensbeängstigung Zum h. Vincenz von Paul Litanei zum h. Vincenz von Paul Gebet zum Gebrauch für die Mitglieder des Sankt Vincenz- Vereins Gebet für die Conferenzen Zum H. Michael Zum H. Schutzengel Zu den neun Chören der Engel Zur h. Barbara Zum h. Evangelisten Johannes Zum h. Antonius, dem Einsiedler Zur h. Agatha Zur h. Maria Magdalena Zur H. Clara Zur h. Elisabeth von Thüringen Zur h. Catharina Zu einem jeden Heiligen Gebet einer Jungfrau, die sich durch das Gelübde der Keuschheit Gott verlobt hat Das eilfte Gürtlein.( Gebete in allerlei Anliegen.) Drei Gebete für Unverheirathete, um Bewahrung der Keuschheit. Gebet um richtige Standeswahl Gebet von Verlobten oft zu sprechen Gebet eines Kindes für seine Eltern Gebet eines Kindes, das kranke Eltern hat Gebet eines Kindes, dessen Bater oder Mutter gestorben ist. Gebet beim Tode eines Freundes Gebet bei Anfechtung in Gedanken wider Gott Gebet eines Angefochtenen in unreinen Gedanken Gebet eines Betrübten Seite 607 608 608 Litanei von der göttlichen Fürsehung Gebet eines Unterdrückten Gebet eines Verläumdeten 611 612 613 614 614 615 615 615 616 616 616 617 620 620 622 624 626 628 629 629 630 631 631 632 633 633 636 637 Inhalt. Gebet eines Dürftigen Gebet einer Frau, die in unglücklicher Ehe lebt Gebet einer Mutter, die ein ungerathenes Kind hat Gebet einer Mutter, die ein krankes Kind hat Gebet einer Mutter, die einen kranken Sohn( Tochter) hat. Gebet einer Frau, die einen kranken Mann hat Gebet einer Frau, die ihren Mann durch den Tod verloren hat Gebet in Kriegszeiten Gebet in Hungersnöthen Gebet zur Zeit der Pest oder Cholera oder einer andern ansteckenden Krankheit Zur Zeit eines Ungewitters Zur heiligsten Dreifaltigkeit zur Zeit eines Ungewitters zu sprechen. Befehlung seiner selbst zur Zeit eines Ungewitters XIII Seite 637 638 639 640 Gebet um Abwendung eines plötzlichen Todes. Abl. Geistliches Testament Beherzigung in franken Tagen 641 641 Gebet eines Kranken um Besserung Gebet für einen Kranken Gebet um den göttlichen Beistand in unserm Lebensende. Abl. Seufzer eines Kranken Seufzer der Reue 642 643 644 644 645 Das zwölfte Gärtlein.( Gebet für Kranke und Abgestorbene.) Ueber die Vorbereitung zum Tode Beherzigung in gesunden Tagen 646 647 . 648 648 650 652 653 658 658 659 661 662 Der frommen Klage und Bitte 662 Der Aufopferung und willigen Ergebung 663 Der Andacht und des Verlangens nach Lebensbesserung 663 Der treuherzigen Liebe 664 Seufzer eines Sterbenden 664 Weise, die Seele eines Sterbenden Gott zu empfehlen 666 Inhalt. Seite Gebet für die armen Seelen im Fegfeuer 673 673 Warum wir den armen Seelen zu Hülfe kommen sollen Wie wir den armen Seelen zu Hülfe kommen können 673 Wodurch wir selbst dem Fegfeuer entgehen können. Weise, die h. Messe für eine arme Seele im Fegfeuer zu hören und aufzuopfern 674 XIV Meßgebete für einen Abgestorbenen Das Libera zu deutsch( wenn die Tumba oder Rast ausgesetzt ist) Aufopferung des Leidens Chrifti für eine Seele oder mehrere Gebete zu Christo und zur göttlichen Gerechtigkeit für die Abgestorbenen Bitte zum h. Geist für die Abgestorbenen Zur Mutter Gottes für die Abgestorbenen Zu den Heiligen für die Abgestorbenen. Litanei für die Verstorbenen Gebete für die Seelen im Fegfeuer( auf jeden Tag der Woche) ● Gebete, mit denen ein Ablaß verbunden ist. Bitten und Verlangen zu Ehren der allerh. Dreifaltigkeit Lobgebet zu Ehren des Namens Gottes Uebung der drei göttlichen Tugenden Die tägliche Betrachtung Drei Anrufungen der H. Namen Jesus, Maria und Joseph. Zum H. Schußengel Sieben Aufopferungen des h. Blutes Lobgesang zu Ehren des h. Blutes Rosenkranz zu Ehren des kostbaren Blutes Gebete zu den h. fünf Wunden Gebet zu Ehren des bittern Leidens Der H. Kreuzweg Die sieben Bußpsalmen 687 688 690 691 692 . 692 693 696 . 675 675 5678 9 9 41 114 403 412 422 125 146 r Inhalt. Gebet vor dem Bilde des Gekreuzigten an Communiontagen Die öftere Communion Ablaßgebete zur Erlangung eines vollkommenen Ablasses an Ablaßtagen Uebung der Anbetung und Abbitte zu Jesus im heil. Altarssakramente Pange lingua( Deutsch) Gebet zum allerh. Altarssakramente und zum heiligen Herzen Jesu Lobgesang zum H. Sakramente( Gelobt sei u. s. w.) Empfehlung ins Herz Jesu. Besondere Abbitte zum h. Herzen Jesu Gebetkränzlein zum h. Herzen Jesu Das Salve Regina Stabat Mater: Mutter Christi Rosenkranz zu den sieben Schmerzen Fromme Uebung zu Ehren des schmerzhaften Herzens Die einstündige Andacht zu Ehren der schmerzhaften Mutter Lobspruch zu Ehren der unbefleckten Empfängniß Mariä Gebet zu Maria in Gefahren und Versuchungen gegen die Keuschheit Die lauretanische Litanei Das Memorare oder Gedenke, o gütigste Jungfrau Veni sancte Spiritus Zu Ehren der Apostel Petrus und Paulus Die sechs aloysianischen Sonntage Neun- Dienstägige Andacht zum h. Antonius( in den Franziskanerkirchen) Gebet um Abwendung eines plötzlichen Todes Gebet zum Troste der Kranken Gebet zu Maria um einen guten Tod Fromme Uebung zum Troste der Abgestorbenen Tägliche Gebete XV Seite . 176 176 180 210 213 210 197 9 240 241 574 380 382 383 587 650 Gebet um den göttlichen Beistand in unserm Lebensende 659 Gebete für die Seelen im Fegfeuer( auf jeden Tag der Woche).. 385 545 575 576 575 522 556 600 696 700 701 701 702 XVI Inhalt. Litaneien, welche in diesem Buche enthalten sind. Litanei von der allerheiligsten Dreifaltigkeit Litanei von der göttlichen Fürsehung Litanei vom h. Geiste Litanei om süßen Namen Jesu Litanei vom allerheiligsten Altarsjakramente Litanei vom H. Herzen Jesu Litanei vom bittern Leiden Christi Litanei vom H. Blute Litanei zu den fünf Wunden Die lauretanische Litanei Litanei zu Ehren des heiligsten und unbefleckten Herzens Mariä Litanei zur schmerzhaften Mutter Litanei zum h. Joseph Litanei zur H. Mutter Anna Litanei zum h. Antonius Litanei zum h. Franziskus von Assisi Litanei zum h. Aloysius Litanei zum H. Johannes von Nepomuc Litanei zum h. Vincenz von Paul Litanei von allen Heiligen Litanei für die Verstorbenen 453 ● Seite 525 633 520 172 200 235 393 409 418 576 441 378 581 585 592 596 598 604 608 154 694 Das erste Myrrhen- Gärtlein. Gepflanzt mit schönen Morgen- und Abendgebeten. Morgengebet zu Gott dem Vater. Mein Herz und Gemüth erhebe ich zu dir, o himmlischer Bater! und zum Zeichen meiner treuer Liebe seufze ich inbrünstig gen Himmel hinauf zu dir. ( Hier erwede ein sehnsüchtiges Verlangen nach dem Himmel.) Vor den Füßen deiner göttlichen Majestät zur Erde gebeugt, bete ich an deine unendliche Gottheit, und sage dir herzlichen Dank, daß du aus Gnade mir diesen Tag zu meinem Heile beschert hast. Ich erkenne mich als deine mit Leib und Seele dir verpflichtete Kreatur, welche du zu deinem Dienste erschaffen, und bisher ernähret hast. Deswegen bekenne ich mich auch für verpflichtet, dir zu dienen, und alle meine Kräfte zu deiner Ehre anzuwenden. Zur Bezeugung dessen opfere ich dir mein ganzes Herz zu einem wohlgefälligen Früh- Opfer und bringe dir dasselbe als die edelste Gabe dar, so ich von dir empfangen. Dies mein Herz ist erfüllt von heftiger Begierde, dich zu lieben und diesen ganzen Tag durch alle seine Werke dein unendliches Wohlgefallen zu erwecken. Diese meine inbrünstige Begierde nimm Myrrhengarten III. 1 2 Das erste Gärtlein. in Gnaden auf, und gib, daß alle Bewegungen meines Herzens zu deiner Ehre gereichen. Amen. Morgengebet zu Christo. Ich bete dich an, o mein gekreuzigter Herr Jesu Christe! und sage dir herzlichen Dank, daß du für mich am Kreuze gestorben bist, und mich durch dein bitteres Leiden erlöset hast. Diese große Gutthat zu vergelten, begehre ich dir heute treulich zu dienen, und alle meine Werke zu Ehren deines bittern Leidens zu verrichten. Gleich wie du am Kreuze hangend alle deine zermarterten Glieder zur Wirkung meines Heils angewendet hast, also begehre auch ich heute alle meine Glieder, sammt allen Kräften des Leibes und der Seele zu Ehren deines bittern Leidens anzuwenden, und durch eine jede Bewegung derselben mich dir wohlgefällig zu erweisen. Laß dir, o gekreuzigter Jesu! diese meine herzliche Begierde gefallen, und verleihe mir, daß ich heute dein bitteres Leiden allzeit vor Augen habe. Amen. Morgengebet zum h. Geiste. Ich bete dich an, o gnadenreicher heiliger Geist! und benedeie deine göttliche Barmherzigkeit, daß sie mir einen neuen Tag meines Lebens bescheert hat. Ich nehme diesen Tag als eine besondere Gabe von deiner göttlichen Hand an, und will ihn zu Ehren des bittern Leidens Christi so nützlich anwenden, daß ich mich ewig freuen werde, diesen Tag erlebt zu haben. Du, o liebreicher h. Geist! bist ein Brunnen und Ursprung aller Gnaden: darum bitte ich dich, Morgengebete. 3 ertheile mir die Gnade, mich heute vor Sünden zu hüten, und in Betrachtung des bittern Leidens zu üben. Ich nehme mir zwar vor, keine Sünde zu begehen, noch in eine Anfechtung zu willigen; weil du aber meine große Schwachheit kennst, wolleſt du sie durch deine göttliche Kraft stärken und vor allem Falle gnädiglich bewahren. Amen. Morgen- Meinung. Vor dir, o mein Gott! und allen himmlischen Heerschaaren betheuere ich hiermit öffentlich, daß ich begehre, dir heute mit allem Ernste zu dienen und alle deine Werke nur zu deinem Wohlgefallen zu verrichten. Du, mein Gott, willst, daß ich arbeiten und mich mit ehrlichen Uebungen ernähren soll: darumt will ich auch arbeiten und allen Fleiß anwenden, mich zu ernähren: will arbeiten, nicht darum, damit ich etwas gewinne, sondern allein deswegen, damit ich deinen göttlichen Willen erfülle und mir dein Wohlgefallen erwerbe. Mit derjenigen Meinung, mit welcher Christus und alle Heiligen gearbeitet und ihre Werke verrichtet haben, begehre auch ich alle meine geistlichen und leiblichen Werke zu verrichten, und dir auf die kräftigste Weise aufzuopfern. Ich vereinige alle meine Gedanken, Worte und Werke mit den allerheiligsten Gedanken, Worten und Werken Christi und der Heiligen und begehre, dir durch die meinigen ebenso wohlgefällig zu werden, als sie dir durch die ihrigen auf Erden geworden sind. Du, o gütiger Gott! nimm meinen Willen für das Werk an und verleihe mir, heute also 1* 4 Das erste Gärtlein. fromm zu leben, daß du alle Augenblicke ein neues Gefallen an mir habest. Amen. Bund mit Christo, zuweilen zu sprechen. O mein theurer Erlöser Christe Jesu! weil dir keine Uebungen gefälliger sind, als diejenigen, welche zu Ehren deines bittern Leidens geschehen, so nehme ich mir vor, desselben heute vielmals zu gedenken und all' mein Thun und Lassen zu dessen Ehren einzurichten. Weil ich aber wegen vorfallender Geschäfte nicht allzeit an dasselbe denken kann, so errichte ich jetzt folgenden Bund mit dir, welchen du im Himmel bekräftigen wolleft. Wie oft ich heute gen Himmel sehen werde, will ich es thun zum Gedächtniß, daß du in deinem Leiden so vielfach gen Himmel gesehen, und deinen Vater um Hülfe ange= rufen hast. Wie oft ich heute die Augen niederschlagen werde, will ich es thun zum Gedächtniß, daß du in deinem Leiden die Augen aus Schamhaftigkeit niedergeschlagen, und Niemand haft ansehen mögen. Wie oft ich Athem schöpfe und aushauchen werde, will ich es thun zum Gedächtniß, daß du in deinem Leiden so vielmal geseufzet, und deinem Vater dein Leid geklagt haſt. Wie oft ich heute eine Hand bewegen werde, will ich es thun zum Gedächtniß der vielen Backen- und Geißelstreiche, so du in deinem Leiden empfangen hast; und so oft ich einen Schritt gehen werde, will ich es thun zu Ehren der blutigen Schritte, so du in deinem Leiden gegangen bist. Wie viel Bissen ich heute effent, wie viel Tropfen ich trinken werde, so viel tausendmal will ich dir Dant gesagt haben wegen des bittern Durstes, so du gelitten, und wegen der Galle und des Effigs, so du getrunken hast. Wie viele Schweißtropfen ich heute schwitzen werde, so viel tausendmal soll dir Dank gesagt sein für alle blutigent Schweißtröpflein, so du am Delberge und am h. Kreuze geschwitzt hast, als du mit dem bittern Tode gerungen. Und endlich, wie oft mein Her heute klopfen, mein Puls schlagen wird, so viel tausendmal will ich dir Dank Morgengebete, 5 gesagt haben für alle Aengste, so dein h. Herz erlitten, und für alle tödtlichen Stöße, die es in deinem Leiden empfunden hat. Diesen Bund wollest du, o Jesu! vor dir gültig sein lassen und mit solcher Meinung von mir annehmen, als wenn ich alle Augenblicke denselben erneuerte, und alle meine Werke mit der ausdrücklichen Meinung verrichtete, wie in diesem Bunde begriffen ist. Denn dies ist meine ernstliche Begierde und Meinung, in welcher ich bis ans Ende meines Lebens zu verharren begehre: durch alle Bewegungen des Leibes und der Seele deinem bittern Leiden Dank und Ehre zu erweisen. Amen. Bitten und Verlangen. O Bater, o Sohn, o heiliger Geist! Oheiligste Dreieinigkeit! O Jesus! o Maria! Ihr gebenedeiten Engel und alle Heiligen des Himmels! erbittet mir folgende Gnaden, die ich durch das kostbare Blut Jesu Christi begehre: 1. Allzeit den heiligsten Willen Gottes zu thun. 2. Allzeit mit Gott vereint zu sein. 3. Nur einzig an Gott zu denken. 4. Nur einzig Gott zu lieben. 5. Alles einzig wegen Gott zu thun. 6. Einzig die Ehre Gottes zu suchen. 7. Mich einzig wegen Gott zu heiligen. 8. Mein eigenes Nichts recht zu erkennen. 9. Immer mehr den Willen meines Gottes zu erkennen. 10...( Eine beliebige Bitte) allerseligste Jungfrau Maria! opfere du, ich bitte dich, dem himmlischen Vater das kostbare Blut Jesu Christi auf für meine Seele, für die armen 6 Das erste Gärtlein. Seelen im Fegfeuer, für das Anliegen der h. Kirche, für die Bekehrung der Sünder und das Heil der ganzen Welt. " 1 Ehre sei dem Vater" u. s. w.( dreimal) zu Ehren des kostbaren Blutes Jesu Christi. Gegrüßet seist du, Maria" u. s. w. zu Ehren der schmerzhaften Mutter, und Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. Laß sie ruhen im Frieden. Amen" für die armen Seelen im Fegfeuer. " 1 Wer diese Bitten und Entschlüsse reumüthig erweckt und andächtig spricht, erhält Einmal des Tages einen Ablaß von 300 Tagen; wer es aber täglich einen ganzen Monat hindurch thut, gewinnt an einem der letzten drei Tage des Monats, an welchem er beichtet und kommuniziert und eine Kirche oder öffentliche Kapelle besucht, um dort nach der Meinung des h. Baters zu beten, einen vollkommenen Ablaß. Jeder dieser Ablässe kann den armen Seelen im Fegfeuer fürbittweise geschenkt werden. Leo XII. den 3. März 1827. Lobgebet. Gelobt sei Gott! Gebenedeit sei sein heiligster Name! Gelobt sei Jesus Christus! wahrer Gott und wahrer Mensch! Gepriesen sei der heiligste Name Jesus! Gelobt sei Jesus im heiligsten Sakrament des Altars! Gebenedeit sei die glorwürdigste Mutter Gottes Maria! Gepriesen sei der Name der jungfräulichen Mutter Gottes Maria! Gelobt und gepriesen sei Gott in allen seinen Engeln und Heiligen! Wer zum Ersatz der schweren Beleidigungen, welche Gott durch Flüche und Gotteslästerungen zugefügt werden, obige Lobpreisung betet, erhält, so oft er sie reumüthig spricht, einen Ablaß von einem Jahre. Pius VII. den 23. Juli 1801. Morgengebete. Uebung der göttlichen Tugenden. ( Auch sonst öfters zu sprechen.) 1. Der Glaube. O mein Gott! ich glaube an dich, und glaube Alles, was die Eine, heilige, katholische und apostolische Kirche zu glauben vorstellt, weil du, die ewige Wahrheit und Weisheit, selbst es geoffenbart hast, und weder betrügen noch betrogen werden kannst. Herr, stärke meinen Glauben! 7 2. Die Hoffnung. O mein Gott! ich hoffe durch die Verdienste Jesu Christi und meine Mitwirkung die Verzeihung meiner Sünden, deine Gnade und das ewige Leben; weil du unendlich gütiger, getreuer und allmächtiger Gott es selbst versprochen hast. Herr, belebe meine Hoffnung! 3. Die Liebe. O mein Gott! ich liebe dich über Alles wegen deiner selbst, weil du unendlich gut und liebenswürdig bist. Darum bereue ich alle meine Sünden mit dem festen Vorsatze, dich nie mehr zu beleidigen. Aus Liebe zu dir liebe ich auch meinen Nächsten wie mich selbst. Herr, entzünde und vermehre meine Liebe! Auf diese Uebungen wird ertheilt 1. ein Ablaß von 7 Jahren und 7 Quadragenen oder 280 Tagen, so oft man die göttlichen Tugenden im Herzen erwedi und andächtig spricht; 2. ein vollkommener Ablaß, wenn man einen Monat hindurch täglich diese Tugenden erweckt und andächtig spricht. Dieser volle kommene Ablaß, der auch den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden tann, wird am Tage der Beicht und Kommunion gewonnen, sowie auch in der Sterbestunde. Benedict XIV. den 28. Januar 1756. 8 Das erste Gärtlein. Die tägliche Betrachtung. Wenn du nach dem Morgengebete Zeit hast, so ergib tich eine halbe oder wenigstens eine Viertelstunde dem innerlichen Gebete oder der Betrachtung über die Wahrheiten unserer h. Religion, besonders über das Leben, Leiden und Sterben des Heilandes. Du kannst dir die Punkte der Betrachtung aus dem siebenten Gärtlein oder aus einem andern Buche nehmen, z. B. dem Thomas von Kempen, Philothea oder andern: indem du sie dir des Abends vorher bemerkest, und gleich beim Aufstehen ins Gedächtniß zurückrufst. Du kannst aber auch diese Punkte wählen aus dem Vater unser, dem englischen Gruß, den Geheimnissen des Rosenkranzes, den 14 Stationen, dem fonntägigen Evangelium, oder sonstige Wahrheiten der Religion dazu benutzen, welche du auswendig weißt. Sieh! wenn du dies einen ganzen Monat hindurch täglich thust, so gewinnst du an einem beliebigen Tage im Monat einen vollkommenen Ablaß, wenn du an demselben die h. Satramente empfängst und nach der Meinung der h. Kirche betest. Beobachtest du dieses das ganze Jahr hindurch, so erhältst du monatlich einen vollkommenen Ablaß nach der Beicht und Communion und den Gebeten für die Kirche. Dieser Ablaß wird auch von denjenigen einmal des Monats gewonnen, welche zu wiederholten Malen Andere in der Art und Weise zu betrachten unterrichten. Wer öfters die h. Sakramente empfängt, erlangt desmal, wenn er dies thut und zugleich Andere im Betrachten unterrichtet oder dergleichen Unterweisungen gelehrig annimmt, einen Ablaß von 7 Jahren und 7 Quadragenen.*): Die vollkommenen Ablässe können auch den Seelen im Fegfeuer zugeeignet werden. Benedict XIV. den 16. December 1746. Obgleich die Morgenzeit zum Betrachten die beste ist, so fann diese doch auch im Verhinderungsfalle den ganzen Tag über vorgenommen werden, sobald man eine gelegene *) Das mögen sich besonders die Lehrer, Hausväter und Hausmütter und die Meister merken. Morgengebete. 9 Zeit findet. Und dies ist zu rathen, sollte es auch erst am Abende geschehen können. Denn wer täglich recht betrachtet, kann nicht wohl in Vergessenheit und Vernachlässigung seines ewigen Heiles kommen und wird darum sicherer selig. Nach der Betrachtung empfiehl dich dem Herzen Jesu mit folgendem Gebete: Aus Liebe zu dir und zum Ersatze meiner so vielfältigen Untreue schenke ich N. N. dir mein Herz und widme mich dir ganz, o mein geliebtester Jesu! Auch nehme ich mir fest vor, mit deiner Gnade nicht mehr zu sündigen. Wer dieses Aufopferungsgebet vor einem Bilde des H. Herzens Jesu, welches du an diese Stelle legen fannst, täglich einen ganzen Monat hindurch andächtig spricht, erhält einmal des Monats an dem Tage, woran er die h. Sakramente empfängt und nach der Meinung des h. Baters das gewöhnliche Gebet verrichtet, einen volle kommenen Ablaß. Wer es mit reumüthigem Herzen spricht, erhält einmal des Tages einen Ablaß von 100 Tagen. Diese Abe lässe können den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden. Pius VII. 1807 und 1817. Dann sprich: Jesus, Maria und Joseph! euch schenke ich mein Herz und meine Seele! Jesus, Maria und Joseph! stehet mir bei in meiner letzten und angstvollen Todesstunde! Jesus, Maria und Joseph! mit euch soll meine Seele im Frieden scheiden! Amen. 300 Tage Ablaß, wer alle drei; 100 Tage, wer eine dieser Anrufungen reumüthig und andächtig spricht. Beide ublässe können den armen Seelen zugewendet werden. Pius VII. den 28. April 1807. Endlich rufe deinen Schußengel an: O Engel Gottes! der du mein Beschützer bist, dem ich durch Gottes Güte bin anvertraut worden, erleuchte, beschütze, leite und regiere mich. Amen. 100 Tage Ablaß, so oft du dies Gebet reumüthig und andächtig sprichst. Einen vollkommenen Ablaß, wenn du es täglich einen ganzen Monat hindurch betest, an dem Tage, wo du die heiligen 10 Das erste Gärtlein. Satramente empfängst und in einer Kirche zur Meinung des Papstes betest. Dann in der Sterbestunde, wenn du dies Gebet in deinem Leben oft gebetet haft. Alle diese Ablässe können den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden. Pius VI. den 2. Oftober 1795 und Pius VII. den 15. Mai 1821. Rannst du das Liedchen: Alles meinem Gott zu Ehren," so singe es laut oder bei dir und geh' fröhlich an dein Tagewerk. Abendgebete. Die Kniee meines Leibes und meiner Seele beuge ich vor dir, o allerheiligste Dreifaltigkeit! und erhebe am Ende dieses Tages mein Gemüth zu dir gen Himmel. Für alle Gutthaten, so ich heute von deiner göttlichen Liebe empfangen habe, sei dir ewiger Dank gesagt: und für die väterliche Sorge, wodurch du mich vor vielen Sünden und Unheil bewahret haſt, sei in alle Ewigkeit gelobt und gebenedeiet. Weil ich dich nicht würdig loben kann, sollen dich mit mir loben und benedeien alle neun Chöre der Engel, und alle Schaaren der Auserwählten dir anſtatt meiner Dank sagen. Was ich an diesem Tage Gutes gethan, und dir aufzuopfern vergessen habe, das opfere ich dir noch jetzt auf und wünsche von Herzen, daß alles und jedes, so ich heute gethan und gelitten habe, zu deiner höchsten Ehre gereiche. Ich befehle mich wiederum in deine väterliche Sorge und deinen göttlichen Schutz, damit mir der Satan diese Nacht nichts Uebeles an Leib und Seele zufügen könne, sondern ich gleichsam in deinem göttlichen Schooße zu deiner Ehre sanft ruhe. Amen. ( Hier erforsche dein Gewissen über die Sünden, welche du den Tag hindurch gethan, und bereue sie mit folgendem Gebet): O mein gefreuzigter Jesu! in der Bitterfeit meines Herzens falle ich vor deinem h. Kreuze nieder, Abendgebete. 11 flage mich schmerzlich an, daß ich dir heute so nachlässig gedient und dich mit so vielen Sünden beleidigt habe. Ich hatte mir zwar heute früh ernstlich vorgenommen, mich vor allen Sünden fleißig zu hüten, habe aber meinen Vorsatz nicht gehalten, sondern gar vielmal muthwillig übertreten, und dich, meinen liebsten Jesus, durch meine Sünden und Nachlässigkeiten oft und schwer erzürnet. Verzeihe es mir aber, o mein Jesus! ach, verzeih' es mir, und durch dein rosenfarbenes Blut lösche aus alle Makel, mit der ich meine Seele befleckt habe. Ich bitte durch die schwere Marter und Bein, so du in deinem bittern Leiden, besonders an dem h. Kreuze ausgestanden hast, du wollest den gerechten Zorn deines Vaters gegen mich versöhnen, und ihm für meine wohlverdienten Strafen genugthun, mir auch so viel Gnade erwerben, daß ich ihm am morgigen Tage beffer dienen und in seiner göttlichen Liebe je länger, je mehr zunehmen möge. Amen. Bu der Mutter Gottes. Liebreiche Jungfrau Maria! ich erinnere dich an jene bittere Nacht, welche du nach dem h. Charfreitag ohne deinen Sohn in höchster Betrübniß deines Herzens zubringen mußtest. Durch alle Zähren, so du in dieser Nacht vergossen, und durch alle Seufzer, so aus deinem Munde aufgestiegen sind, bitte ich dich, verleihe mir, diese Nacht zu Ehren deiner bittern Nacht zuzubringen, und des bittern Leidens deines Sohnes nicht zu vergessen. Vereinige allen meinen Athem mit deinen traurigen Seufzern, und alle meine Herzensschläge mit deines Herzens Qual und Noth, 12 Das erste Gärtlein. opfere dies alles deinem gekreuzigten Sohne zu Ehren seines bittern Leidens, und zur Danksagung für alles Gute, so er uns dadurch erworben hat. Amen. Bum Schubengel. Ich dein unwürdiges Pflegekind grüße dich, mein lieber Schutzengel, und sage dir großen Dank für alle Liebe und Treue, so du mir heute erwiesen haft. O mein lieber Engel! wie will ich dir genugsam danken können für alle Dienste, so du mir leiſteſt, und wegen des vielfältigen Uebels, wovor du mich treulich behütest! Aber ich ungerathenes Kind folge nicht allein deinen Einsprechungen nicht, sondern mache dir lauter Verdruß mit meinen täglichen Sünden und Nachlässigkeiten. Deswegen solltest du billig über mich zürnen, und mich gänzlich verlassen und verstoßen. Ich bitte dich durch die bittere Kreuzmarter unseres Herrn Jesu Christi, verzeihe mir, daß ich dich so oft beleidigt habe, und erwirb mir Gnade, mein sündiges Leben zu bessern. Bewahre mich diese Nacht vor allem Anlauf des Satans und vor dem jähen unversehenen Tode. Nimm auch all' meinen Athem und alle Schläge meines Pulses in dein h. Herz auf, und opfere sie meinem gekreuzigten Jesu zu Ehren seines bittern Leidens und Sterbens. Amen. Abend Meinung. Christe Jesu. zu Ehren des allerbittersten Schlafs, welchen du am harten Kreuzesholze gethan hast, als du dein Haupt neigtest und starbst, will ich mich jetzt zur Ruhe begeben, und zum Gedächtniß deines H Abendgebete. 13 bittersten Todes einschlafen. Ach! welch ein hartes Bett und ein wie unsanftes Kissen hattest du, weil du mit deinem verwundeten Leibe an dem harten Kreuze hingest, und mit deinem edlen Haupte auf der dornenen Krone lagest! Nachdem du über drei Stunden in diesen grausamen Qualen gehangen hattest, gabst du mit geneigtem Haupte deinen Geist auf und entschliefest mit dem Schlaf des Todes. Durch diesen allerbittersten Schlaf verleihe mir, daß mein Schlaf zu deiner Ehre gereiche, und mich der böse Feind auf keine Abwege führe. Gleichwie St. Johannes sein Haupt auf deine Brust gelegt und den süßesten himmlischen Schlaf gethan hat: also lege auch ich mein sündiges Haupt auf deine gebenedeite Brust und meinen Mund auf deine geöffnete Seite, damit all' mein Athem in dein göttliches Herz eingehe, und ich deine süßeste Liebe in mein fündiges Herz einziehe. Amen. Jetzt besprenge dich und dein Bett mit Weihwasser und sprich: Besuche, o Herr, dieses mein Ruhebett in Gnaden, und treibe alle Nachstellungen des Feindes fern hinweg! deine heiligen Engel lasse darin wohnen, und mich im Frieden beschützen. Dein H. Segen sei über mir, und deine göttliche Liebe sei in meinem Herzen. Durch Jesum Christum. Amen. Zuletzt bezeichne dich mit dem Kreuzzeichen und sprich: Das walte Gott der Vater, und der Sohn und der heilige Geist. Amen. Wenn du noch Zeit hast, so lies die Punkte der Betrachtung, welche du am andern Morgen halten willst. Vies bisweilen im Leben der Heiligen, besonders an Sonn- und Feiertag- Abenden. Willst du noch mehr beten, so bete den Rosenkranz oder die lauretanische Litanei. 14 Das andere Gärtlein. the Colper fa Das andere Myrrhen- Gärtlein. Gepflanzt mit herzlichen Meßgebeten. I. Erklärung der heiligen Messe. Unter allen Diensten, welche die Kirche dem höchsten Gott leisten kann, ist keiner ihm wohlgefälliger und uns heilsamer, als das Opfer der h. Messe. Sind gleichwohl alle anderen guten Werke sehr nützlich und werthvoll in den Augen Gottes, so sind sie dennoch, eben weil sie menschliche Werke sind, mit vielen Unvollkommenheiten behaftet. Die h. Messe aber ist kein menschliches Werk, sondern ein göttliches Opfer, weil es vom höchsten Priester, Jesus Christus selbst, verrichtet und der allerheiligsten Dreifaltigkeit auf die vollkommenste Weise zum höchsten Lobe und Dienste aufgeopfert wird. In der h. Messe gehen die größten Geheimnisse vor sich; denn es wird darin die persönliche Gegenwart Christi verehrt; seine Menschwerdung und Geburt, sein Leiden und Sterben in geheimnißvoller Weise erneuert; sein allerheiligstes Blut geistlicher Weise vergossen, und er selbst als ein wahres Versöhnungsopfer seinem himmlischen Vater aufgeopfert. Von diesem hochheiligen Opfer empfängt die Gottheit größere Ehre und Freude, größeren Dank und Dienst, als von dem Lobe aller Engel und dem Dienste aller Heiligen. Ja, würde man alle Bußwerke, Tugenden und Dienste aller Heiligen dem höchsten Gott aufopfern, so würden ihm diese insgesammt bei weitem nicht so wohlgefällig sein, noch zu so hoher Ehre und Freude gereichen, als wenn ihm eine einzige h. Messe aufgeopfert wird. In jeder Messe kommt Christus vom Himmel herab, verwandelt die Hoftie in seinen Leib, den Kelch in sein Blut und wird unter den Händen des Priesters gleichsam von Neuem Mensch. Denn vor der Wandlung hat der Priester Erklärung der H. Messe. 15 nur eine Hostie in den Händen; nach der Wandlung aber trägt er Christus wahrhaft, wirklich und wesentlich in denselben. Sobald nun Christus gegenwärtig ist, lobet, liebet, ehret und erfreuet er seinen himmlischen Vater, danket ihm und erweiset ihm ein unendliches Wohlgefallen; denn wie der Athem aus dem Menschen, so gehet aus Christus unaufhörlich das Lob Gottes. Dies alles aber thut er, damit sein Vater nach seiner höchsten Würdigkeit geliebt und geehrt weide, was außer der h. Messe durch nichts anderes auf Erden geschehen kann. Eben deshalb hat Christus auch die h. Messe eingesetzt, wodurch wir Gott würdig zu loben und zu ehren vermöchten. Und was wir in dem Lobe, in der Liebe, in der Ehre und dem Dienste Gottes versäumen oder nachlässig verrichten, das will der liebe Jesus noch für uns erstatten, indem er an unserer Statt seinen Vater in allen h. Messen lobet, liebet und ehret. Wenn du nun unter der h. Messe dieses Lob, diese Liebe und Ehre Gott dem Vater aufopferst, so giebst du ihm größeres Lob, erweisest ihm größere Liebe und Ehre und sagest ihm größeren Dank, als Himmel und Erde je gethan haben und thun können. Wenn du dein ganzes Leben hindurch deinen Gott unaufhörlich gelobt, geliebt und geehrt hättest, so wäre dies Alles in Betracht deiner Schuldigkeit und der Würdigkeit Gottes nicht einmal so hoch zu schätzen, als wenn du Jemanden, dem du tausend Thaler schuldig wäreft, einen einzigen Pfennig zur Bezahlung brächtest. Damit du deinen Gott würdig lobest und ehrest und Alles, was du in seinem Lobe und Dienste versäumt hast, wieder einbringest, wohne fleißig und andächtig der h. Messe bei, und opfere ihm das Lob, die Liebe, die Ehre, den Dank und den Dienst, so Christus ihm in derselben und in allen h. Messen darbringt. Du kannst dies als das Deinige Gott aufopfern, du hast ein Recht dazu, weil Christus es für dich thut und es dir als dein eigen schenkt, wenn du die h. Messe andächtig hörest. Wir können noch mehr sagen, um dir die Verdienstlichkeit des andächtigen Meßhörens zu zeigen. Wisse, daß Christus ein Ebenbild Gottes ist, und ein Spiegel ohne Makel, wie die H. Schrift sagt. Sobald nun Christus auf 16 Das andere Gärtlein. dem Altare gegenwärtig ist, so beschauct Gott Vater fich selbst in diesem lebendigen Spiegel und mit unendlicher Freude sieht Er, was für ein glorwürdiger, schöner, reicher, mächtiger und unendlich vollkommener Gott Er ist. Darin aber besteht die wahre und wesentliche Seligkeit Gottes. Diese Beschauung seiner selbst also bringt ihm unendlich größere Freude, als alle Engel und Heilige zu thun vermögen. Wenn du nun unter der h. Messe Gott dem Vater seinen Sohn aufopferst und ihm diesen göttlichen Spiegel vor sein h. Angesicht stellest, so bringst du ihm unvergleichlich größere Freude und Ehre, als du ihm mit deinen Sünden Schmach und Leid verursacht hast. In allen Messen wird auch, wie schon gesagt, das Leiden Christi erneuert und dem ganzen Himmel so lebhaft vorgestellt, wie es vor Zeiten geschehen ist. Ueber diese Erneuerung empfindet Gott eben so großes Wohlgefallen, als zur Zeit des wirklichen Leidens seines Sohnes, und wird von Neuem bewogen, der Welt Barmherzigkeit zu erweisen. Muß doch in der h. Messe, eben weil sie eine Erinnerung des Leidens Christi ist, gerade dasselbe vorgehen, was auf dem Berge Calvaria vorgegangen ist. Gleichwie Christus am Kreuze für seine Feinde gebetet hat, also betet Er auch auf jenem Altare für seine Gläubigen, besonders für die Gegenwärtigen. Er zeigt dem himmlischen Vater seine tiefen Wunden, erklärt ihm seine erlittene Marter, und opfert ihm sein göttliches Blut, indem Er bittet, sich um deswillen über die Sünder zu erbarmen. Am Kreuze vergoß Christus sein h. Blut und ließ es auf die Erde herabfließen; in der h. Messe vergießt Er sein Blut geistlicher Weise, läßt es aber nicht auf die Erde, sondern auf die Seelen der Gegenwärtigen herabströmen und reinigt durch dasselbe alle Neumüthigen von ihren Sünden. Am Kreuze hat Christus unendliche Verdienste erworben, in der heil. Messe theilt Er eben diese Verdienste aus und gibt jedem Gegenwärtigen nach seiner Fähigkeit. Wenn du demnach eine h. Messe ohne Todsünde hörest, so sei versichert, daß Christus seinen himmlischen Vater für dich bitte, für dich lobe, für dich liebe, für dich ehre, für dich danke, für dich gut spreche und ihm einen Theil Erklärung der h. Messe. 17 deiner Schulden zahle; dir aber einen Theil seiner Verdienste schenke, seine Gnade in dir vermehre, deine Seele, sie mit seinem H. Blute geistlicher Weise besprengend, von einigen Fehlern und Flecken reinige, mit irgend einer Tugend und Gnade ziere und so deine einstige Glorie im Himmel vergrößere. Hieraus erkennst du, wie viel besser es sei, unter der h. Messe als außer derselben zu beten. Wenn du zu Hause oder in der Kirche außer der h. Messe betest, so verdienst du nicht mehr, als dein Gebet werth ist. Je reiner deine Meinung, je kräftiger und inbrünstiger dein Gebet ist, desto mehr Verdienst erlangst du, und desto eher erwirbst du die Gnade, um welche du bittest. Wenn du aber bei der h. Messe betest, so findest du einen Schatz und wirst so zu sagen auf einmal reich. Denn in jeder Messe wirst du der Frucht des bitteren Leidens theilhaftig, und schenket dir Christus einen Theil seiner Verdienste, und zwar einen größeren oder kleineren, je nachdem du andächtiger oder nachlässiger bist. Niemals jedoch gehst du ganz leer davon, du seiest denn in einer Todsünde zugleich mit dem bösen Willen, darin unbußfertig zu verharren, oder ganz unandächtig und nachlässig. Wie mit barem Gelde bezahlest du mit den erworbenen Verdiensten Christi einen guten Theil deiner Schuld und löschest einen Theil deines Fegfeuers aus. Wenn du außer der h. Messe betest, so betest du insgemein allein, und solch Gebet hat wegen seiner Unvollkommenheit selten große Kraft, unter der Messe aber beteſt du nicht allein, sondern Viele beten mit dir und bitten für dich. Zuerst betet der Priester mit dir und für dich; denn ein jeder Priester muß während der h. Messe einigemal für die Gegenwärtigen beten und die H. Messe für deren Heil aufopfern. Ja, alle Gebete, welche er im Namen Vieler spricht, werden für die Umstehenden gesprochen. Weil nun der Priester als ein Gesandter der Kirche, ja in der Person Christi am Altare steht, so gilt sein Gebet viel vor Gott und wird eher erhört. Dann sind auch bei jeder h. Messe unzählige Engel gegenwärtig, und alle diese fallen zur Wandlung auf ihre Kniee und bitten um Gnade Myrrhengarten III. 2 18 Das andere Gärtlein. für alle Christen, insbesondere für die Gegenwärtigen. Drittens bittet Christus selbst für seine Gläubigen, namentlich für die Umstehenden, eben so kräftig, als er am Kreuze für seine Feinde gebetet hat. Ja seine h. Wunden rufen für sie mit eben so vielen Stimmen, als ihre Zahl am h. Leibe Christi gewesen ist, und sein H. Blut schreiet für sie mit eben so vielen Worten um Gnade und Erbarmen, als Blutstropfen vergossen sind. Da nun so mächtige Fürbitter für dich anhalten, wie wollte dann der himmlische Vater eine folche Bitte abschlagen, wofern sie zu deinem Heile ist! Endlich bittest du für dich, indem du Gott eine solche Gabe opferst, welche ihm angenehmer ist, als alle Schätze der Welt, und zugleich unendlich werthvoller, als jene Gnade, welche du von ihm begehrst. Steh! so wird ja Gott, der sich in der Großmuth und Dankbarkeit nicht übertreffen läßt, da er so viel von dir empfängt, das Geringe, was du begehrst, dir nicht versagen. Wenn du Verzeihung deiner Sünden und Nachlaffung deiner Schulden erlangen willst, so höre fleißig und reumüthig die h. Messe und opfere sie sammt dem bittern Leiden und Sterben Jesu Christi Gott dem himmlischen Vater auf. Denn also sprach Christus zur h. Gertrud: ,, Ein jeder Sünder, sei er auch von noch so schwerer Sündenlast gedrückt, kann zur Hoffnung der Verzeihung gelangen, wenn er meinem Vater mein unschuldiges Leiden aufopfert." Wenn denn bloß die geistliche Opferung des Leibes Christi so träftig ist, wie träftig wird dann die wirkliche Aufopferung desselben sein, da ja das erneuerte Leiden und das frisch vergossene Blut Christi, welches in dem Kelche gegenwärtig ist, während der h. Messe durch die Hände des Priesters aufgeopfert wird! Du opferst auch bei der h. Messe nicht menschliche, sondern lauter göttliche Dinge. Denn du opferst die Wunden Christi, das Blut Christi, das Leiden und die Verdienste Christi, ja die Gottheit und Menschheit Christi! Diese gottmenschlichen Dinge sind aber unendlich mehr werth, als deine Schulden wiegen. Alle diese sind auf dem Altare gegenwärtig und alle Anwesenden haben Theil daran. Auf diese lannst du vertrauen; auf diese, bitte ich, Erklärung der H. Messe. 19 wollest du vertrauen; denn darum hat Christus dies Alles gethan und gelitten, damit wir dadurch Verzeihung unserer Sünden erlangen sollen. Deswegen glaube und sage ich, daß kaum eine fräftigere Genugthuung für unsere Sünden und richtigere Zahlung unserer Schulden auf Erden sei, als eben in der H. Messe und durch sie. Ja, ich behaupte, daß du durch die andächtige Anhörung und herzliche Aufopferung einer einzigen h. Messe mehrere und größere Schulden bezahlest, als wenn du ohne Andenken an das Leiden und Sterben Jesu einen ganzen Tag in Wasser und Brod fastest, dich bis auf's Blut geißelst und viele Psalmen und Litaneien betest. Hier jedoch bemerke, daß durch eine h. Messe nicht alle Schulden oder Strafen bezahlt werden, sondern nur ein Theil derselben. Denn eine h. Messe ist, so viel uns betrifft, keines unendlichen Werthes, sondern eines endlichen und gewissen Verdienstes; gleichwie ein unergründlich tiefer Brunnen jedesmal nur den Eimer voll Wasser für uns enthält, mit dem wir eben aus demselben schöpfen. Je öfter wir aber schöpfen, desto mehr Wasser eignen wir uns zu, und ebenso, je öster du der h. Messe andächtig beiwohnst, desto mehr Verdienste sammelst du, und desto mehr Schulden kannst du abzahlen, und desto mehr Glorie gewinnst du für den Himmel. Wenn du nun in eine Kirche kommst, in welcher zwei oder drei h. Messen zugleich gelesen werden, so halte dies für ein großes Glück, mache die Meinung, alle diese heil. Messen zugleich zu hören, und wenn sie zur Wandlung tommen, so opfere eine jede insbesondere auf. Thust du das, so wirst du aller theilhaftig, und erlangst einen großen Schatz von Verdiensten. Ich sage nicht, daß du zwei oder drei Messen, die du zu hören verpflichtet bist, zugleich hören könntest, sondern ich sage, daß du der Früchte der= selben theilhaftig werden könnest, wenn du jede insbesondere aufopferst. Jeder Priester lies't alsdann auch für dich, ja Christus selbst opfert sich in einer jeden für dich, gießet geistlicher Weise sein H. Blut über dich, und macht dich der Frucht seines Leidens theilhaftig. Ist dies nicht ein großes Glück? Sind dies nicht übergroße Gnaden? 2* Das andere Gärtlein. Siehst du also einen Priester zum Altare gehen, oder findest du ihn schon dort stehen, so sprich: Ich befehle mich in diese h. Messe, und will derselben mit Andacht beiwohnen und mitopfern." Wenn du nach der Wandlung zu einer h. Messe kommst, so sprich dennoch die Gebete zur Wandlung, auch dann wirst du derselben theilhaftig. Wenn eine aber schon der Wandlung nahe ist, so gehe nicht hinaus, sondern erwarte diese, und bete den gegenwärtigen Christus an, und opfere ihn seinem himmlischen Vater, so wirst du auch dieser h. Messe theilhaftig. 20 Am Schlusse bitte ich dich, du wollest die h. Messe recht hochschätzen und dieselbe, soviel du kannst, täglich mit Andacht hören. Die Stunde, worin du die h. Messe hörest, ist eine wahrhaft goldene Stunde. Gleichwie die Sonne vor allen Sternen hell leuchtet und der Welt größern Nutzen bringt, so nützet dir das andächtige und reumüthige Messehören mehr, als alle deine täglichen Gebete und guten Werke. Durch alle diese gibst du Gott eine große Ehre und verursachst ihm herzliche Freude; durch eine jede heil. Messe aber gibst du ihm eine unendliche Ehre und erfrenest ihn göttlicher Weise. Willst du aber auf recht fruchtbare Weise die h. Messe hören, so begnüge dich nicht, unter der h. Messe nur zu beten und zu der Messe nicht passende Gebete zu sprechen, sondern bete Christus auf dem Altare an, opfere ihn auf und empfange ihn geistlicher oder ſatramentalischer Weise. Laß dir kein Gebet so lieb sein, daß du deshalb diese Uebung hinterlassest; denn du wirst in der That erfahren, daß es dir viel heilsamer und tröstlicher sein wird, wenn du nach der Wandlung dein Herz vor Christus ausgießest, als wenn du viele Psalmen und Offizia oder Tageszeiten betest. Ja ich darf wohl sagen, daß solche Anmuthungen und Ulebungen andern Gebeten, die zur h. Messe nicht passen, so weit vorgehen, wie Gold dem Kupfer vorgeht.*) *) Der Verfasser hat ein eigenes Buch über das h. Megopfer herausgegeben, welches sehr zu empfehlen ist. Es hat den Titel: Erklärung des H. Meßopfers, ein Haus- und Familienbuch von dem ehrw. Pater Martin v. Cochem. Wie nützlich es sei, die h. Messe zu hören. 21 II. Wie nüklich es sei, die h. Messe zu hören. Aus dem vorhin Gesagten kannst du klar abnehmen, daß das Opfer der h. Messe der allerhöchste und Gott gefälligste Dienst sei, welcher im Himmel und auf Erden zu finden ist, und daß man dadurch von Gott mehr erhalten könne, als durch alle guten Werke der weiten Welt. Wenn du dies recht zu Herzen nimmst, so muß ja nothwendig eine eifrige Begierde in dir entstehen, diesem h. Opfer beizuwohnen. Denn weil du durch andächtige Anhörung und Aufopferung der H. Messe den gerechten Zorn deines Gottes am leichtesten versöhnen und die Strafen deiner Sünden am kräftigsten abbüßen kannst, so ist es ja mehr als billig, daß du dies allerleichteste Mittel ergreifest und durch dasselbe gleich als mit baarem Gelde deine schweren Schulden bezahlst. Man bezahlt aber durch Anhörung der h. Messe nicht allein seine Schulden und Strafen, sondern man erlangt auch jedesmal größere Gnade Gottes und vermehrt seine Verdienste und ewige Glorie im Himmel. Denn die h. Messe ist in der That eine Art Gesandtschaft, worin die katholische Kirche den Priester zu Gott sendet, ihm das allerhöchste Geschenk, so im Himmel und auf Erden ist, darzubringen und eben um deswillen leibliche und geistliche Güter und Gnaden zu erbitten. Je mehr Personen nun bei dieser göttlichen Gesandtschaft sich befinden und je andächtiger und ehrerbietiger sie derselben beiwohnen, desto angenehmer ist sie Gott dem Vater, um desto sicherer erhalten sie die begehrten Gnaden. Und obschon der Priester als der vornehmste Gesandte die edle Gabe, nämlich den wahren Leib und das wahre Blut unsers Herrn Jesu Christi allein in Händen trägt, und für alle Umstehenden das Wort führt, so muß man doch gestehen, daß alle Gegenwärtige ( wofern sie ihre Meinung mit der Meinung des Priesters und der Kirche vereinigen) dieses edle Geschenk dem allmächtigen Gott darbringen helfen und deshalb ebensowohl als der Priester ihr angemessenes Gegengeschenk von Seiten Gottes davon tragen. Daraus geht nun hervor, daß ein jeder Mensch geistlicher Weise die H. Wiesse, als ein ihm gehöriges Opfer, 22 Das andere Gärtlein. zu seinem eigenen und Anderer größten Nutzen aufopfern, und für sich und Andere große Gnaden erwerben könne. Dies bezeugt selbst die Kirche, indem der Priester in der h. Messe nach dem Memento also spricht: ,, Sei eingedent, o Herr, aller Umstehenden, deren Glaube und Andacht dir bekannt sind, für welche wir dir opfern, oder welche dir selbst opfern dies Lobopfer für sich und all die Ihrigen, zur Erlösung ihrer Seelen und zur Hoffnung ihres Heils und ihrer Wohlfahrt, und also dir ewigem, lebendigem und wahrem Gott ihr Gelübdedarbringen." Mit diesen Worten bezeugt die Kirche, daß nicht allein der Priester, sondern auch ein Jeder, der die Messe hört, für sich und all die Seinigen, lebendigen und abgestorbenen, die h. Messe Gott aufopfern könne. Gewiß ein großer Trost für jeden, besonders für denjenigen, welcher nicht die Mittel hat, für sich und die Seinigen h. Messen lesen zu lassen. So kann er durch andächtige Anhörung und Aufopferung der h. Messe sich und den Seinigen zu Hülfe kommen, wenngleich nicht auf so kräftige Weise, als wenn der Priester zugleich für ihn und die Seinigen die h. Messe applizirte, wie wir im folgenden Kapitel hören werden. Wie leicht du aber bei der h. Messe Gnade erlangen könnest, magst du daraus abnehmen, was der h. Mechtildis geoffenbart worden, daß nämlich Christus täglich auf siebenfache Weise zur H. Messe komme. Erstens kommt Er mit so großer Demuth, daß kein so Verachteter da ist, zu dem Er sich nicht demüthig neigte und nahete, wofern der Mensch dasselbe begehrte. Zum Andern kommt Er mit solcher Geduld, daß es keinen so großen Sünder gibt, den Er nicht geduldig ertrüge und dem Er nicht mit Freuden all seine Schuld nachließe, sobald derselbe nur begehrte, mit Ihm versöhnt zu werden. Drittens kommt Er mit solcher Liebe, daß keiner so falt oder verhärtet sein kann, den Er nicht, wofern der Sünder wollte, mit seiner Liebe entzünden und erweichen möchte. Viertens kommt Er mit solcher Freigebigkeit, daß keiner so arm ist, den er nicht reich machen könnte. Wie nützlich es fei, die h. Messe zu hören. 23 Fünftens kommt er als eine so süße Speise, daß keiner so hungrig ist, daß Er ihn nicht sättigen könnte. Sechstens kommt Er mit solcher Klarheit, daß es kein so finsteres Herz gibt, welches Er nicht erleuchten könnte. Endlich kommt Er mit solcher Heiligkeit, daß keiner so lau und unandächtig ist, daß Er ihn nicht sollte erwecken und ermuntern können. Und Christus setzt hinzu:„ Ich fage dir, wer andächtig und fleißig die Messe hören wird, dem werde ich in seinem Ende zum Trost und Schußze soviel edle Personen von meinen Heiligen senden, als viele heil. Messen er gehört hat."*) Sind das nicht liebe Worte? Ist das nicht eine vortreffliche Verheißung? Wer sollte sich nicht dadurch ermuntern lassen, recht oft die h. Messe zu hören? Sich, mein Chrift! Wie leicht wirst du die Anfechtungen des Satans in deinem Ende überwinden, wenn du so viele Engel und Heilige bei dir hast, als du in deinem Leben reumüthig und andächtig der h. Messe beiwohntest! Darum laß es dir gesagt sein und befleiße dich, täglich, wenn es ohne Vernachlässigung der Berufsgeschäfte geschehen kann, eine h. Messe mit Andacht zu hören. Hast du an den Werktagen aber gar keine Zeit, so höre wenigstens an Sonnund Feiertagen neben der schuldigen Messe, wo es geschehen kann, noch eine oder zwei andere mit möglichster Andacht, und opfere dieselben dem himmlischen Vater für deine begangenen Sünden und Nachlässigkeiten. Wenn du aber an den Werktagen nicht zur Kirche kommst, wo du es wohl könntest, und an Sonn- und Feiertagen nur eine einzige Messe und auch diese vielleicht nur aus Not und Gewohnheit mit geringer Andacht hörest; so weiß ich fürwahr nicht, wie du deine Sünden abbüßen wirst, da du sonst sogar wenige und schier gar keine Bußwerke verrichtest. III. Wie nüklich es sei, h. Messen für sich und zwar bei Lebzeiten lesen zu lassen. Da die h. Messe ein unschätzbares göttliches Werk ist, und dem höchsten Gott damit ein unendlicher Gefallen erwiesen wird; so kannst du leicht schließen, wie wohl du thust ") Offenb. der h. Mechtildis, 3. Buch 18. und 19. Kap. 24 Das andere Gärtlein. und welch' große Gnaden du erlangest, wenn du für dich oder einen Andern eine h. Messe lesen lässest. Denn weil du dieselbe bestellst, so bist du Ursache, daß die h. Messe gelesen wird; bist also Ursache, daß Gott dem Vater sein allerliebster Sohn aufs Neue geopfert und gleichsam von Neuem geboren wird; bist Ursache, daß dies hochwürdigste Geheimniß erneuert und dies allerverdienstlichste Werk verrichtet wird; bist somit Ursache, daß der allerheiligsten Dreifaltigkeit unendliche Ehre, den lieben Heiligen unbegreifliche Freude, den Seelen der Abgestorbenen die süßeste Erquickung und allen Gläubigen Gnade und Barmherzigkeit erwiesen wird. Welch' großen Dank wird der himmlische Vater dir dafür erweisen? Wie reichlich wird Er dir vergelten, daß du Jhm und dem ganzen himmlischen Heere solch' unendliches Wohlgefallen erweckest, wie es außer der h. Messe auf keine Weise geschehen kann? Außerdem, wenn eine h. Messe für dich gelesen wird, so ist es eben so viel, als wenn Christus noch einmal geistlicher Weise für dich stürbe und gleichsam am Kreuze hangend sich seinem Vater für dich aufopferte. Denn es ist ohne Zweifel zu glauben, daß Christus in jeder Messe, wiewohl Er sich für das Heil der ganzen Welt zum Opfer bringt, doch insbesondere für denjenigen, für welchen sie gelesen wird, aufopfere und seinen Vater für dessen Heil bitte, gleichsam also sprechend: ,, Mein liebster Bater, ich opfere mich für diesen Menschen, gleichwie ich mich am Kreuze hangend für die ganze Welt eopfert habe, bittend, du wollest ihm seine Sünde verzeihen und ihm deine Gnade und Barmherzigkeit mittheilen." Ist das nicht eine große Ehre, daß Christus sich für dich insbesondere aufopfert? Ist das nicht eine große Gnade, daß Er absonderlich für dich bittet? Was wird Er nicht für dich erhalten? Welche Gnaden wird Er nicht für dich erwerben, wenn du nur nicht durch ein unbußfertiges Leben derselben dich unwürdig und unfähig machst? Fromme Christen, welche Mittel dazu haben, laffen deshalb zu Zeiten eine h. Messe für sich und die Ihrigen in diesem oder jenem Anliegen lesen; und andere, welche keine Mittel haben, begehren befreundete Priester, daß sie Wie nützlich es fei, h. Messen lesen zu lassen. 25 um der Liebe Gottes eine h. Messe zu ihrer Meinung lesen möchten. Wie wohl sie daran thun, siehst du ein. Die meisten Christen jedoch, kann man wohl sagen, denken nur darauf, recht viele h. Messen nach ihrem Tode zur Ruhe ihrer Seele lesen zu lassen, dazu sparen sie ihr Geld, dazu gedenken sie in ihrem Testamente einen Theil ihres Vermögens zu bestimmen. Dies ist gewiß sehr gut und rühmlich, und es sei fern von mir, dich, wenn du so etwas vorhätteſt, davon abhalten zu wollen; aber nützlicher und verdienstlicher würde es jedenfalls für dich sein, wenn du diese H. Messen schon bei Lebzeiten lesen ließzest. Höre, warum! Erstens, wenn du bei deinem Leben eine h. Messe für dich lesen läsfest, so bist du die Ursache, daß sie gelesen wird, und kannst sie auch selbst hören, was du nach deinem Tode nicht thun kannst. Dazu bist du gewiß, daß die Messe wirklich gelesen und so zum Heile deines Leibes und deiner Seele gereichen wird. 3weitens, wenn in deinem Leben eine h. Messe für dich gelesen wird, und du wärest vielleicht im Stande der Ungnade, gibt dir Gott hoffentlich aus Barmherzigkeit, daß du durch die Kraft der h. Messe zur Erkenntniß deiner Sünden und zur Reue gelangest, und so aus dem gefährlichen Stande der Todsünde errettet werdest. Gott ist dir zwar nicht schuldig, diese Gnade zu geben; denn wer wissentlich in einer Todsünde ist, der kann bei Gott nichts zum Heile seiner Seele verdienen. Weil jedoch Gott unendlich gütig ist, pflegt Er den Sündern, die etwas Gutes verrichten, aus Liebe Reue über ihre Sünden mitzutheilen. Dieſe Gnade oder Wirkung der h. Messe kannst du nach dem Tode nicht haben. Denn wärest du im Stande der Ungnade gestorben, so können selbst viele tausend Messen dich nicht wieder in den Stand der Gnade bringen, und bleibst ein Feind Gottes und ein Kind des Verderbens. Drittens kann dir das h. Meßopfer erlangen, daß du in einem guten Stande stirbst, eben weil du wegen der gelesenen H. Messen von Gott in deinem letzten Ende mit besonderer Hülfe wider den bösen Feind bedacht wirst und also denselben leichter und sicherer überwinden und seinen Fallstricken entfliehen kannst. Das andere Gärtlein. Viertens, wenn die Messen vor deinem Tode gelesen werden, so warten sie auf dich nach deinem Tode, und bewahren dich entweder ganz vor dem Fegfeuer oder mildern und fürzen deine Strafe. Denn durch eine jede Messe bezahlst du Gott einen guten Theil deiner Strafen, und wenn du sie mit besonderer Andacht hörst, so löschet sie auch einen guten Theil deiner läßlichen Sünden aus, so daß du nach deinem Tode hoffentlich nicht viele Strafen mehr nachzubüßen hast. Läßt du aber die Messen erst nach deinem Tode lesen, so mußt du, wenn du noch nicht alles gebüßt hast, auf sie warten, welches ein ganz beschwerliches und schmerzliches Warten ist. Gesetzt, du stürbest am Nachmittage und müßtest im Fegfeuer warten, bis am andern Morgen eine h. Messe für dich gelesen würde, ach! wie lang und peinlich sollte dir die Nacht werden! Ja, wenn in demfelben Augenblicke, wo du stürbest, eine h. Messe anfinge und du solltest nur bis zum Ende derselben im Fegfeuer aushalten müssen, ach! wie lange würde dir diese halbe Stunde werden! Darum ist es ja besser, daß die h. Messen auf dich warten, als daß du so peinlich auf sie warten mußt. 26 Fünftens, wenn du bei Lebzeiten eine h. Messe lesen läsfest, so beraubst du dich deines Geldes und Gutes, indem du das übliche Meßstipendium oder die Gebühren zum Unterhalte des Priesters hergibst, und so gleichsam deinem Munde abziehst, um es Gott zum Opfer zu bringen. Nach deinem Tode aber beraubst du dich deines Geldes nicht mehr, denn es ist nicht dein, sondern ist deiner Freude oder der Welt. Du gibst es erst, da der Abbruch dir nicht mehr wehe thut und der Tod es dir gleichsam mit Gewalt nimmt. Dein Opfer kann demnach Gott nicht mehr so angenehm und dir nicht so verdienstlich sein, als wenn du es bei Lebzeiten gebracht hättest. Sechstens ist gar wohl zu merken, daß jemand, wenn er im Stande der Gnade etwas Gutes thut, einen doppelten Lohn dafür bekommt; einestheils bezahlt er einen Theil feiner Strafen, die er wegen begangener Sünden noch schuldig ist, anderntheils verdient er allzeit einen größern Lohn im Himmel oder eine höhere Staffel der Glorie. Wer nun Univ.- Bibl. Giessen Wie nützlich es sei, h. Messen lesen zu lassen. 27 bei Lebzeiten im Stande der Gnade eine Hl. Messe für sich lesen läßt, der bezahlt damit einen Theil seiner Strafen, und verdient zugleich damit, daß er eine größere Glorie im Himmel haben wird. Wenn du aber nach deinem Tode eine Messe lesen läsfest, so bezahlst du zwar einen Theil deiner Strafen, erlangst jedoch keine größere Glorie. Ja, wenngleich tausend Messen für dich gelesen würden, so kämest du doch deswegen nicht das geringste höher im Himmel, weil du außer der Zeit bist, worin man verdienen kann. Und dieser Punkt ist sehr zu beachten. Endlich bedenke noch, wie eine h. Messe, bei Lebzeiten für dich dargebracht, bir mehr Strafe tilgt, als vielleicht zehn nach deinem Tode. Das merk' an einem Gleichnisse. Wenn du jemand beleidiget hast, und sogleich darnach den Beleidigten um Verzeihung bittest, so gewinnst du ihn oft mit einer Kleinigkeit; zögerst du aber und schiebst es auf, bis der Beleidigte dich etwa bei der Obrigkeit verklagt, ſo kostet dir ein einziges Wörtchen oft viele Thaler. Nun sieh! wir beleidigen in unserem Leben Gott oft und viel und erzürnen ihn mit unsern Sünden und Nachlässigkeiten. Bitten wir nun gleich, so lange wir noch leben, um Verzeihung und geben zur Bezahlung der Strafe ein Almosen, ein Bußwert oder eine h. Messe, so geschieht's oft, daß wir damit die Strafe völlig bezahlen. Lassen wir aber unsere Strafe stehen, bis in jener Welt unsere Sache vor die hohe Obrigkeit, vor die Schärfe des göttlichen Gerichts gelangt, so kommt uns die Strafe im Fegfeuer theuer zu stehen; denn weil in jener Welt die Zeit der Gnade vorüber ist und Gott alles nach der Schärfe seiner Gerechtigkeit richtet, so kostet eine jede auch läßliche Sünde eine unglaubliche Strafe, so daß zehn h. Messen vielleicht kaum so viel bezahlen können, als eine einzige vielleicht bei Lebzeiten des Sünders gut gemacht hätte. Nun sagt vielleicht jemand: ,, Wenn ich bei Lebzeiten auch viele h. Messen lesen ließze, thäte aber wieder eine Todsünde, so wären all' die h. Messen für mich verloren." Das ist zwar wahr; jedoch, wenn du dich wahrhaft durch reumüthige Beichte bekehrst, so bekommst du das Verlorene wieder, und sofern du wahrhaft bußfertig das h. Sakrament 28 Das andere Gärtlein. der Buße empfängst, erlangst du noch neue Gnaden dazu. Außerdem darfst du hoffen, daß der liebe Gott dich in Ansehung des Wohlgefallens, welches du ihm durch Lesung der h. Messen verursacht hast, auch eher bewahren werde, daß du nicht so leicht in eine Todsünde fallest, oder wenn du unglücklicher Weise in eine gefallen wärest, du aus Barmherzigkeit viel eher die Gnade der Bekehrung von ihm erlangest, als wenn du keine Messen hättest lesen lassen. Intention oder Meinung, in der man eine h. Messe lefen lassen soll. ( Diese Intention lies bisweilen, und wenn du dann eine h. Messe lesen lassen willst und gerade keine Zeit hast, so denke, es solle in der Intention geschehen, wie hier geschrieben steht.) Mein Gott! ich will jetzt eine h. Messe lesen lassen zu deiner größeren Ehre und Glorie; zur Anerkenntniß deiner höchsten Majestät und Herrschaft, die du über alle Kreaturen hast; zur Glückwünschung deiner Seligkeit und aller Volltommenheiten, so du in dir begreifest; zur Danksagung aller Gnaden und Wohlthaten, die du mir und allen Geschöpfen erwiesen hast; zur Abtragung aller Schmach und Unbild, welche dir von mir und allen Geschöpfen zugefügt worden; zur besonderen Verehrung und Anbetung deines menschgewordenen Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi; zur Erinnerung und Danksagung seiner gnadenreichsten Menschwerdung, Geburt, Beschneidung, Aufopferung, der Einsetzung des hochwürdigsten Sakramentes; zur Verehrung und Erneuerung aller Geheimnisse seines bittersten Leidens und Sterbens; zum Gedächtniß und zur Danksagung seines blutigen Schweißes, seiner Gefangennehmung, seiner Verachtung, Verspottung, Entblößung, Geißelung, Krönung, Verurtheilung, Kreuztragung, Kreuzigung, seines Blutvergießens, seines Todes, seiner Auferstehung und Himmelfahrt, der Sendung des h. Geistes; zur besondern Vermehrung der Seligkeit der Mutter Gottes und aller lieben Heiligen, insonderheit des h. Joseph, des h. Johannes des Evangelisten, des h. Antonius, der h. Anna, der h. Magdalena, der heil. Wie nützlich es sei, h. Messen lesen zu lassen. 29 Agatha, der h. Barbara( u. a.) und aller meiner lieben h. Patronen, damit ich ihnen durch diese h. Messe ein unendliches Wohlgefallen erweise und sie mit mir im Bande der ewigen Liebe verbinde. Außerdem will ich diese h. Messe auch lesen lassen für mich armen, elenden Sünder: zur Besserung meines fündhaften und nachlässigen Lebens; zur Verzeihung aller Sünden, die ich mein Leben hindurch begangen habe; zur Erstattung alles Guten, das ich jemals unterlassen habe; zur Erfüllung aller Nachlässigkeiten, die ich in llebung des Guten mir habe zu Schulden kommen lassen; zur Bezahlung aller Strafen, die ich für meine Sünden verdient habe; zur Erlangung aller Tugenden, die mir im Dienste Gottes nöthig sind, insbesondere der Demuth, der Geduld, der Liebe, wie auch zur Vermehrung der göttlichen Gnade; zur Dämpfung der bösen Begierlichkeiten; zur Ausrottung meiner bösen Gewohnheiten; zur Stärkung meiner großen Schwachheit und zur Bewahrung vor allen schädlichen Anfechtungen. Dann auch zur Erhaltung aller leiblichen Bedürfnisse an Nahrung, Kleidung, Gesundheit; zur Bewahrung vor meinen Feinden; zur Behütung vor allem schädlichen Unglück, besonders vor Sünde und Schande, vor Gefängniß und Bande, vor Verläumdung und Ehrabschneidung. Endlich um Erlangung eines seligen Todes, zur Stärkung in den bittern Todesnöthen, zu baldiger Erlösung aus dem Fegfeuer, zur Vermehrung meiner Glorie im Himmel und zur Erlangung alles Guten, so ich an Leib und Seele vonnöthen habe. ( Hier kannst du auch dein besonderes Anliegen nennen.) Drittens will ich diese h. Messe auch lesen lassen für das allgemeine Anliegen der Christenheit; für Erhöhung der katholischen Kirche, für Ausrottung aller Irrthümer und Ketzereien; für den Frieden und die Einigkeit unter den christlichen Fürsten und Gewalthabern; zur Erneuerung aller Orden und geistlichen Stände; zur Beförderung der Andacht und des göttlichen Dienstes; zur Bekehrung aller Ketzer und Ungläubigen; zur Besserung aller Sünder und gottlosen Christen; zur Bertilgung aller Laster und Untugenden; für alle meine Freunde und Verwandten; für alle Armen und Dürftigen; für alle Betrübten und Ange 30 Das andere Gärtlein. fochtenen; für alle Gefangenen und Nothleidenden; für alle Kranken und Sterbenden; damit der liebe Gott, durch die Aufopferung dieser h. Messe bewogen, allen und jedem verleihe, was ihnen an Leib und Seele nüßlich und nothwendig ist. Endlich begehre ich diese h. Messe auch lesen zu lassen für alle christgläubigen Seelen im Fegfeuer, besonders für die Seelen meiner lieben Eltern, Kinder, Brüder, Schwestern, Verwandten, Freunde, Bekannten und Gutthäter; für die Seelen, welche für Christus und seine liebe Mutter die größte Liebe gehabt und die Heiligen, besonders meine Patronen, eifrig verehrt haben; für die Seelen, welche niemanden haben, der für sie bittet; für die Seelen, die am längsten leiden müßten; für die Seelen, welche mir jemals etwas zu leide gethan haben; für die Seelen, denen ich jemals etwas Unrechtes zugefügt habe; für diejenigen, denen ich Veranlassung zur Sünde gewesen bin; für diejenigen, welche jetzt meinetwegen leiden müssen; und endlich für alle Seelen, für welche Gott will, daß ich am meisten bitten soll; damit der liebe Gott Alle durch die unschätzbare Kraft dieser heil. Messe von ihren Sünden lossprechen, von ihren Mateln reinigen, von ihren Peinen entledigen und zur ewigen Seligkeit führen wolle. Siehe, mein Herr und Gott! dies ist meine Meinung und Intention, zu welcher ich jetzt diese h. Messe will lesen lassen; damit ich aber um so träftiger und vollkommener erlangen möge, was ich durch dieselbe begehre, so bitte ich, du wollest dem Priester, welcher diese h. Messe lesen wird, deine göttliche Gnade überflüssig verleihen, damit er dies hochwichtige Werk mit solcher Andacht verrichte, wie alle h. Priester ihr Meßopfer verrichtet haben. Ich begehre auch zur würdigen Verrichtung desselben mit meiner Andacht soviel mitzuhelfen, als es mir mit deiner Gnade immer möglich ist. Was ich aber nicht vermag, das wollest du durch deine unendliche Güte ersetzen. Auch bitte ich die liebe Mutter Gottes und alle Heiligen, daß sie an meiner Statt diese h. Messe dem Allerhöchsten aufopfern und durch ihre Verdienste anhalten wollen, daß meine jetzt gemachte Meinung ihre volle Wirkung erlange. Amen. Meßgebete. 31 Meßgebete. Gebet, wenn man in die Kirche kommt. ( Ver jeder h. Messe oder auch sonst zu gebrauchen.) Ich bete dich an, o mein wahrer Gott und Herr! der du in diesem h. Tempel wohnest, und grüße dich mit einem freundlichen Gruße. Ich bete dich auch an, o hochwürdigstes Sakrament des Altars, und glaube fest, daß mein Herr Jesus Christus persönlich in dir wohne. Darum beuge ich mein Haupt demüthig vor dir, und erzeige dir wahre göttliche Anbetung. Ich grüße auch euch, ihr lieben Heiligen, zu deren Ehren diese Kirche geweiht ist, und deren Reliquien hier aufbewahrt werden, bittend, ihr wollet mir bei Gott erwerben, daß ich mein Gebet andächtig verrichte. Amen. Mein lieber Gott! ich bin deswegen in diese h. Kirche gekommen, damit ich dich würdig ehren und anrufen möge. Dieses wünsche ich aber mit solchem Eifer zu thun, daß ich dein göttliches Herz dadurch erfreue. Weil ich dies aber ohne deine besondere Hülfe nicht verrichten kann, so bitte ich um deine Gnade und den Beistand des h. Geistes. Ich vereinige mein Gebet mit dem Gebete meines Jesu und aller lieben Heiligen, und mit eben derselben Meinung, mit welcher sie auf Erden gebetet haben, wünsche auch ich jetzt zu beten, und dich, meinen Gott, zu verehren. So fange ich denn an im Namen Jesu und Mariä. Das andere Gärtlein. Erste Weise, die h. Messe zu hören zu Ehren des Leidens Christi. Bei einer stillen Messe zu sprechen. Intention oder Meinung. ( Vor der h. Messe zu sprechen.) Allmächtiger Gott! jetzt begehre ich dir den allerhöchsten Dienst zu erweisen, und dieser und allen H. Messen, welche in der ganzen Welt gelesen werden, beizuwohnen und derselben theilhaftig zu werden. Daher stelle ich mich im Geiste an alle h. Altäre zu den Priestern, und begehre mit ihnen Messe zu lesen, Christum anzubeten, aufzuopfern und zu genießen. Ich stelle mich auch im Geiste zu allen Meßhörenden und begehre mit ihnen Messe zu hören, zu bitten, aufzuopfern und sie zur Andacht zu bewegen. Ja, Alles, was unser Herr Jesus Christus unter den Gestalten des Brodes auf allen Altären thut und wirket, verlange ich mit ihm, so viel mir möglich ist, zu thun und zu wirken, und dich, meinen Gott, zugleich mit deinem Sohne, auf die kräftigste Weise zu loben, zu lieben, zu ehren, zu bitten, dir zu danken, zu dienen, genugzuthun, alle zugefügte Schmach abzutragen und dir einen unendlichen Gefallen zu erweisen. Auf daß aber mein Opfer desto kräftiger sei, opfere ich mich selbst mit Leib und Seele zugleich mit dieser Messe zu deinem Dienste. Ich opfere dir auch meine und aller Menschen Arbeiten, Geschäfte, Gebete, Andachten, Betrübnisse, Armuth, Krantheiten, Kreuz und Leiden, wie auch alle Peinen der armen Seelen im Fegfeuer. Dies alles vereinige ich 32 Meßgebete. 33 mit der h. Messe, und lege es in den Kelch, damit es gesegnet, geheiliget und dir aufgeopfert werde. Jeht bete deinen Rosenkranz; zur Wandlung aber lasse davon ab, und sprich die Gebete, so folgen. Bur Wandlung. Wenn der Priester niederknieet, so sprich: Ja bete dich an, o gütigster Jesu! auf diesem und allen Altären, wo du gegenwärtig bist, und schlagend an meine Brust bitte ich um Gnade. Zur aufhebung der h. Hostie iprich reuevollen, aufrichtigen Herzens: Jesu, sei mir gnädig! O Jesu, sei mir barmherzig! O gütigster Jesu, verzeihe mir meine Sünden! Jetzt opfere Christum, sprechend: Schau herab, o heiligster Vater, von deinem himmlischen Throne, und siehe an deinen eingebornen Sohn, gleichwie du ihn vor Zeiten im Kripplein liegend und am Kreuze hangend angesehen hast. Diesen opfere ich dir durch die Hände der Priester, in der Gestalt, wie er auf den Altären ist, und stelle ihn als einen flaren Spiegel vor deine göttlichen Augen, auf daß du dich selbst darin sollest beschauen und erlustigen. Durch dein göttliches Herz opfere ich dir seine Tugenden und Verdienste, sein Leiden und Sterben, seine Menschheit und Gottheit. Zu deiner höchsten Ehre und Glorie, zur Verehrung seines Leidens und Sterbens, zur Freude seiner Mutter und aller Heiligen, zu meinem und aller Menschen Heil, zur Erquickung der armen Seelen im Fegfeuer. Wenn der Priester niederknieend das h. Blut anbetet, so sprich: Ich bete dich an, o wahres Blut Jesu hier und auf allen Altären, wo du gegenwärtig bist, und schlagend an meine Brust bitte ich um Gnade. Myrrhengarten III. 3 34 Das andere Gärtlein. Zur Aufhebung des Kelches sprich: Oheiliges Blut, wasche mich von meinen Sünden! rosenfarbenes Blut, zahle die verdienten Strafen! O gnadenreiches Blut, schreie zu Gott um Gnade! Opferung des h. Blutes. Allerheiligste Dreifaltigkeit, alle Tröpflein dieses rosenfarbenen Blutes, sammt aller Liebe, allem Spott und Schmerz, unter welchem sie sind vergossen worden, opfere ich dir durch die Hände Jesu und aller Priester, und begehre sie alle Augenblicke meines Lebens und Sterbens auf die kräftigste Weise zu opfern, zu deiner höchsten Ehre und zum süßesten Geruch der Lieblichkeit, zur Verzeihung meiner Sünden, zur Zahlung meiner Strafen, zur Abwaschung meiner Mafel, zur Besserung meiner Nachlässigkeiten, zur Erstattung meiner Versäumnisse und zur Nachlaffung meiner Unwissenheiten, wie auch zum Trost der Betrübten, zur Bekehrung der Sünder, und zur Stärkung der Sterbenden. Amen. Ausgießung des h. Blutes. Christe Jesu! dies dein göttliches Blyt, deine bitteren Zähren, deine sauern Schweißtropfen, deinen blutigen Todesschweiß und das Blut und Wasser deiner Seite gieße ich über meine Seele zu ihrer Reinigung, und über alle lieben Seelen des Fegfeuers zu ihrer Erquickung, und bitte, du wollest es selbst über sie ausgießen und sie dadurch erquicken, reinigen, heiligen und erlösen. Amen. Meßgebete. Herzliche Bitte zu Jesu. 35 Gütigster Jesu, jetzt wende ich meine Augen und mein Herz zu dir; ach, wende du auch deine Augen und dein Herz zu mir, und siehe an meine äußerste Noth und die größte Gefahr meines Heils! Ach, nimm dich doch meiner an, und sei mein treuer Mittler und Fürbitter bei der strengen, göttlichen Cerechtigkeit! In dieser Messe und in allen Messen opfere dich selbst für mich, und erwirb mir vollkommene Verzeihung meiner Sünden! Zeige deinen Vater dein gekröntes Haupt, deinen verwundeten Leib, deine h. fünf Wunden, dein durchstochenes Herz und dein rosenfarbenes Blut. Erzähle ihm, wie du für mich so schmerzlich seiest gegeißelt, gekrönet, gefreuzigt und getödtet worden, und durch dieses Alles erbitte mir, daß er mich nicht lasse verloren gehen. Wolleft ihn auch in dieser Messe und in allen Messen für mich lieben, loben, ehren und versöhnen, meiner Seele deine Verdienste reichlich zueignen, und sie mit deinem rosenfarbenen Blute besprengen. Amen. Sehr kräftiges Opfer. Heiligster Vater, ich bekenne reumüthig, daß ich dir keine Stunde würdig gedienet, sondern unendliche Schmach zugefügt und vor dir unzählbare Schulden gemacht habe. In dieser meiner Noth nehme ich meine Zuflucht zu dem Schatze der Verdienste deines Sohnes, so auf diesem Altar gegenwärtig und eröffnet ist, und greifend in die Herzenswunde Jesu nehme ich so viel heraus, als ich zur Zahlung meiner Schulden bedarf. Zu vollkommener Verzeihung 3* 36 Das andere Gärtlein. meiner Sünden opfere ich dir deshalb, o himmlischer Vater, das ganze bittere Leiden deines Sohnes, welches er auf Erden gar schmerzlich erduldet hat, und jetzt in dieser Messe und in allen Messen wiederum erneuert und fortsetzet. Zu richtiger Zahlung meiner Schulden opfere ich dir sein rosenfarbenes Blut, welches er auf Erden gar reichlich vergossen hat, und jetzt in dieser Messe und in allen Messen geistlicher Weise vergießet und aussprenget. Zu gänzlicher Erstattung meiner Versäumnisse opfere ich dir alle Ehre und Liebe, alles Lob und Gebet, allen Dank und Dienst, so er dir auf Erden geleistet hat und jetzt in dieser Messe und in allen Messen leistet und erweiset. Zur Mehrung meiner Verdienste opfere ich dir die unendlichen Verdienste, so dein lieber Sohn auf Erden erworben hat und jetzt in dieser Messe und in allen Messen freigebig austheilet und uns zu eignet. O gütigster Vater! dies Alles hat dein Sohn. für mich gethan; dies Alles hat er mir zu eigen geschenkt, und dies Alles habe ich dir als das Meinige aufgeopfert. Deswegen vertraue ich zuversichtlich. du werdest wegen dieses unschätzbaren Opfers, mir einen großen Theil meiner Schulden nachlassen und deine Gnade in mir merklich vermehren. Amen. Gebet für Freunde. Ich opfere dir auch diese und alle heutigen Messen für alle meine leiblichen und geistlichen, lebendigen und abgestorbenen Freunde und Gutthäter, welche alle ich in diese und jede h. Messe befehle, und sie mit Leib und Seele dir aufopfere, bittend, daß du in Ansehung dieses theuersten Opfers, welches Meßgebete. 37 weit mehr werth ist, als ich für sie begehre, ihnen Gnade erzeigest, Nahrung bescheerest, in ihren Nöthen beistehest, ihre Sünden verzeihest, ihre Strafen nachlaffest und ein seliges Ende verleiheſt, den Abgestorbenen aber ihre Beinen linderest und durch die Verdienste deines bittern Leidens das ewige Leben mittheilest. Amen. Bu Maria und den Heiligen. Glorwürdigste Jungfrau Maria, ihr meine liebsten Patrone, und alle Engel und Hetlige, euch allen zu Liebe und zu Ehren höre ich jetzt diese h. Messe und opfere sie dem höchsten Gott zur Mehrung eurer zufälligen Freude und Seligkeit! Euern süßesten Jesus, welcher auf diesem Altare gegenwärtig ist, schenke und verehre ich euch allen und jedem, auf daß er euch viel tausendmal größere Freude mache, als ich euch mit allen meinen Gebeten und Diensten machen kann; und bitte euch, ihr wollet ihn an meiner Statt anbeten, lieben, loben und ehren, und der h. Dreifaltigfeit zu meinem Heile aufopfern. An meinem letzten Ende erinnert euch dieses meines Dienstes, und lasset mich alsdann eure Liebe und Treue erfahren. Amen. Bum Agnus Dei. O Lamm Gottes, das du jetzt wiederum geistlicher Weise leidest, ach, erbarme dich meiner, und opfere dein Leiden Gott dem Vater zur Verzeihung meiner Sünden! O Lamm Gottes, das du jetzt wiederum geistlicher Weise stirbst, ach, erbarme dich meiner, und opfere deinen Tod Gott dem Vater zur Zahlung meiner Schulden! 38 Das andere Gärtlein. O Lamm Gottes, das du jetzt wiederum geistlicher Weise dein Blut vergießest, ach, erbarme dich meiner, und opfere dein H. Blut Gott dem Vater zur Abwaschung meiner Sünden! O du gütiges, o du mildes, o du barmherziges Lamm Gottes, Christe Jesu, gleichwie dein Vater vorzeiten alle Sünden der ganzen Welt auf dich gelegt hat, daß du sie durch deinen allerbittersten Tod zum schmerzlichsten hast abbüßen müssen, ebenso lege ich auch jetzt alle Sünden meines ganzen Lebens auf dich, unschuldiges Lamm, daß du sie auf diesem Altare durch dein frisch vergossenes Blut abbüßen und vertilgen mögest! Ach! erweise mir diese große Gnade! sprich doch gut für mich! nimm meine schwere Sündenlast auf dich, und erwirb mir Barmherzigkeit durch dich! Ach, laß mich nicht ewig zu Schanden werden! laß dein bitteres Leiden an mir nicht verloren sein! ach, laß meiner armen Seele nur ein Tröpflern zu Gute kommen, auf daß sie dadurch völlig gereinigt, mit Tugenden geziert, und zum würdigen Empfange dieses h. Sakramentes bereitet werde! Bum Domine non sum dignus. Herr Jesu Christe wegen meiner schweren Sünden bin ich nicht würdig. dich zu empfangen. Darum bitte ich durch deinen bittern Tod, du wollest sie mir verzeihen! O Herr Jesu Christe! wegen meiner schändlichen Unreinigkeit bin ich nicht würdig, dich zu empfangen. Darum bitte ich durch deine bittern Zähren, du wollest meine Seele reinigen! Meßgebete. O Herr Jesu Christe! wegen meiner Lauigkeit und Unandacht bin ich nicht würdig, dich zu empfangen. Darum bitte ich durch die Liebe deines Herzens, du wollest meinem Herzen eine wahre Andacht mittheilen. Ach! nimm es in deine heil. Hände und ziere es auf io chóne Weise, wie schön du es geziert und bereitet zu haben verlangst. Amen. 39 Bur geistlichen Kommunion. O du hochwürdiger Frohnleichnam meines Herrn Jesu Christi, der du jetzt den Priester an einer Seele spetjeft und tränteft. ach peise und tränke jetzt auch meine arme Seele qetftlicher Weise durch die süße Nießung deines b Fleisches und Blutes! O du süßes Himmelsbrod. komme in mein Herz und erquicke es durch die göttliche Kraft! O du süßeftes, wohlriechendes Blut meines Jesu. ach tränke, ach begieße, ach reinige ach tere meine Seele und treibe alle Unheiligkeit und allen Uebelgeruch der Sünden von ihr aus. Amen. Wenn der Priester den Kelch nimmt, so sprich: Heiligster Bater, dies rojenfarbne Blut opfere ich dir abermals mit solcher Andacht, als wenn ich auf dem Berge Calvariä gewesen, selbiges mit beiden Händen von der Erde aufgeschöpft und dir zur Verzeihung meiner Sünden aufgeopfert hätte. Gleichwie du mir damals verziehen hättest, also wollest du mir auch jetzt verzeihen. Denn dies h. Blut hat dich mehr versöhnt, als ich dich erzürnt habe; es hat dir mehr bezahlt, als ich verschuldet habe; es hat 40 Das andere Gärtlein. dir größere Ehre erwiesen, als ich dir Unehre angethan habe. Dein lieber Sohn hat auch geschworen, daß, wenn Jemand nur einen Becher kalten Wassers um seinetwillen gegeben hätte, dieser seinen Lohn nicht verlieren werde. Nun habe ich dir keinen Becher talten Wassers, sondern einen Kelch voll warmen Bluts, ja frisch vergossenen göttlichen Bluts aufgeopfert. So kann ich ja darauf schwören, daß du mir keinen geringen, sondern einen großen Lohn dafür geben werdest. Dessen wollest du dich in meinem Tode erinnern und mich alsdann die Kraft dieses Meßopfers genießen lassen. Amen. Beschluß der h. Messe. Nimm auf, o Gott, dies töstliche Geschent, welches ich dir durch den Dienst aller himmlischen Kräfte hinaufschicke, und durch das Herz Jesu zu deinem unaufhörlichen Sobe und Dienste aufopfere. Zugleich mit dieser h. Messe verehre ich dir denjenigen Sohn welchen dein lieber Sohn aus seinen Verdiensten mir wegen Hörung dieser h. Meſse mitgetheilt, zu einiger Zahlung meiner Schulden und zur Vermehrung deiner göttlichen Gnaden. Oliebster Gott, erinnere dich allzeit in meinem leben und Sterben, daß ich heute diese h Messe mit möglichster Andacht gehört und dir auf die kräftigste Weise, so viel ich gefonnt, aufgeopfert habe. Laß diese b Messe mich in allen Anfechtungen stärken, in allen Betrübnissen trösten. alle meine Arbeit jegnen, und mir auch zu meiner leiblichen Nahrung verhelfen. Laß mir diese& Messe in meinem Tode beistehen, meine Seele zu dem strengen Gerichte begleiten, vor der Verdammniß beschüßen, mir die bittere Qual des Fegfeuers abkürzen und die himmlische Glorie vermehren. Amen. Du fannst nach der Wandlung auch folgende fräftige Aufopferungen des h. Blutes beten zugleich mit der Meinung, den Ablaß, der damit, wie du am Schlusse lejen fannst, verbunden ist, zu gewinnen. Meßgebete. Sieben Aufopferungen des h. Blutes zu Gott dem Vater. 41 ( 3u Zeiten nach der Wandlung zu beten.) 1. Ewiger Vater! ich opfere dir die Verdienste des kostbaren Blutes Jesu, deines geliebten Sohnes und meines göttlichen Erlöjers, auf für die Ausbrettung und Erhöhung der h. Kirche, unsrer lieben Mutter, für die Erhaltung und Wohlfahrt des sichtbaren Oberhauptes derselben, des römischen Papstes, der Kardinäle, Bischöfe und Seelenhirten, und aller Diener des Heiligthums. Ehre sei dem Vater zc. Lobgebet: Jesus rei ewig gelobt und gebenedeit, der durch ein h Blut uns erlöset hat! 2. Ewiger Vater! ich opfere dir die Verdienste des kostbaren Blutes Jesu, deines geliebten Sohnes und meines göttlichen Erlösers, auf für den Frieden und die Einigkeit der Könige und katholischen Fürsten. zur Demüthigung der Feinde des h. Glaubens, und für die Glückseligkeit des christlichen Volkes. Ehre sei dem Vater zc. Jesus sei ewig gelobt und gebenedeit, der durch sein H. Blut uns erlöset hat! 3. Ewiger Vater! ich opfere dir die Verdienste des kostbaren Blutes Jesu, deines geliebten Sohnes und meines göttlichen Erlösers, auf für die Erleuchtung der Ungläubigen, für die Ausrottung aller Ketzereien und für die Bekehrung der Sünder. Ehre sei dem Vater zc. Jesus jei ewig gelobt und gebenedeit, der durch sein H. Blut uns erlöset hat! 42 Das andere Gärtlein. 4. Ewiger Vater! ich opfere dir die Verdienste des kostbaren Blutes Jesu, deines geliebten Sohnes und meines göttlichen Erlösers, auf für alle meine Blutsverwandten, Freunde und Feinde, für die Bedürftigen, Kranken und Betrübten, und für alle Jene, für welche ich, wie es dir bewußt ist, zu beten schuldig bin, und für welche du willst. daß ich beten soll. Ehre sei dem Vater 2c. Jesus sei ewig gelobt und gebenedeit, der durch sein h Blut uns erlöset hat! 5 Ewiger Vater! ich opfere dir die Verdienste des kostbaren Blutes Jesu, deines geliebten Sohnes und meines göttlichen Erlöjers. auf für alle Jene, welche am heutigen Tage in das andere Leben hinübergehen werden, damit du sie von den Beinen der Hölle befretest und sie desto freigebiger zum Besige deiner Herrlichkeit gelangen lassest. Ehre set dem Vater zc. Jejus jei ewig gelobt und gebenedeit, der durch sein h. Blut uns erlöset hat! 6. Ewiger Vater! ich opfere dir die Verdienste des kostbaren Blutes Jesu, deines geliebten Sohnes und meines göttlichen Erlösers, auf für alle Jene, die diesen Preis unseres Heils zu schätzen und zu lieben wissen: für Jene, die sich mit dir vereinigen, selbes zu verehren und anzubeten, und welche sich Mühe geben, diese Verehrung überall zu verbreiten. Ehre sei dem Vater 2c. Jesus sei ewig gelobt und gebenedeit, der durch sein H. Blut uns erlöset hat! 43 Meßgebete. 7. Ewiger Vater. ich opfere dir die Verdienſte des fostbaren Blutes Jesu, deines geliebten Sohnes und meines göttlichen Erlösers, auf für alle meine geistlichen und leiblichen Bedürfnisse, zur Hülfe der armen Seelen im Fegfeuer, und besonders Jener, welche nach ihrer Frömmigkeit mehr Werth legten auf den fostbarsten Preis unserer Erlösung und auf die Schmerzen und Leiden unserer liebsten, heiligsten Mutter Maria. Ehre sei dem Vater c. Jesus sei ewig gelobt und gebenedeit, der durch sein h. Blut uns erlöset hat Es lebe das Blut Jefu Chrifti, jetzt und allezeit und zu ewigen Zeiten Amen. Wer diese Autopferungen mit Ehre set Gott dem Vater 1c., mit dem Lobgebete reumüthiq spricht, und dabei die Tromme Meinung hat, hierdurch Jesu Christo inen Erfak ju teisten für alle Unbilden oir ihm in dem Geheimnisse eines tostbarsten Blutes als dem Preise unterer Grlölung zugefügt werden. erhält für jedesmal einen Ablaß von 300 Lagen, und wer dieselben an allen Tagen eines ganzen Monats betet, gewinnt an dem Lage, an welchem er beichtet. fommuniziri und nach der Meinung des Vaters betet, einen vollkommenen Ablaß. Beide Ablässe können den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden. Pius VII. 22. Herbstm. 1817. Zweite Weise, die h. Messe zu hören, als das höchste Lob- und Anbetungsopfer, als das einzig vollgültige Versöhnungs- und Genugthuungsopfer, als das träftigste und beste Bitt- und Dankopfer. Intention oder Meinung. ( Vor der 4. Messe zu sprechen.) Sehr verdienstliches Gebet, wodurch man aller y. Messen, jo in selbiger Stunde gelesen werden, theilhaftig wird. O allerhochwürdigste Dreifaltigkeit! es ist meine ernstliche Meinung und herzliche Begierde, dir und 44 Das andere Gärtlein. allen Heiligen durch andächtige Beiwohnung dieser H. Messe den höchsten Dienst zu erweisen, und mir und allen Gläubigen viel Heil und Segen zu erwerben. Ich will dir opfern 1. das vornehmſte Brandopfer, 2. das höchste Lobopfer, 3. das allerbeste Dankopfer, 4. das kräftigste Bittopfer, 5. das mächtigste Versöhnungsopfer, 6. das würdigste Genugthuungsopfer, und 7. das allerbeste Opfer des Heils für mich und für die ganze Welt. Ich begehre auch nicht allein diese einzige h. Messe zu hören, sondern zugleich mit dieser allen h. Messen der Welt andächtig beizuwohnen, bei allen kräftig mitzuwirken und aller reichlich theilhaftig zu werden. Deshalb stelle ich mich im Geiste an alle h. Altäre zu den Priestern, und begehre mit ihnen den Beistand des H. Geistes, daß sie doch mit wahrer Andacht dies göttliche Opfer verrichten mögen. Ich stelle mich auch im Geiste zu allen Meßhörenden und begehre mit ihnen Messe zu hören, zu betert, zu opfern und sie zu aller Andacht zu bewegen. Ich stelle mich auch im Geiste zu meinem lieben Heilande, und was er unter den Gestalten des Brodes und Weines auf allen Altären thut und wirket, das verlange ich mit ihm, so viel mir möglich ist, zu thun und zu wirken, und dich, meinen Gott, durch deinen Sohn, mit deinem Sohne und in deinem Sohne auf die kräftigste Weise zu loben, zu lieben, zu ehren, zu bitten und um Verzeihung meiner Sünden anzuhalten; dir zu danken, zu dienen, genugzuthun, alle zugefügte Schmach abzutragen und einen unendlichen Gefallen zu erweisen. Ich Meßgebete. 45 vereinige meine Meinung, mein Opfer und Gebet mit der Meinung, dem Opfer und Gebete deines Sohnes, aller Priester und aller Meßhörenden: und verlange von Herzen durch dies Meßhören all dasjenige auszuwirken, was durch die Messe kann ausgewirkt werden. Bu Anfang der h. Messe. Im Namen des Vaters und des † Sohnes und des † h. Geistes. Amen. Heiligster Vater, ich glaube fest, daß das Opfer der h. Messe dir auf eine unendliche Weise Ehre, Lob, Dank und Freude bringe, und daß man durch dasselbe allein dich würdig loben und ehren könne. Darum freue ich mich von Herzen und sage deinem lieben Sohne tausendfältig Dank, daß er uns ein jolches Mittel gegeben hat, wodurch wir deine Majestät nach Gebühr verehren können. Deswegen will ich jetzt diesem unschätzbaren göttlichen Werke mit möglichster Andacht beiwohnen und mit dem Priester dies h. Opfer aufopfern. Ja, wenn es möglich wäre, bei allen Messen der ganzen Welt gegenwärtig zu sein, so wollte ich's herzlich gern; weil ich aber dies nicht kann, so opsere ich sie dir mit einander, und befehle mich auch in alle, so fräftig ich nur fann. Ich erfreue mich auch von Herzen, daß dir, meinem lieben Gott, auf so viel tausend Altären ein jo angenehmes Opfer geopfert und so großes Lob gegeben wird. Ach, könnte ich doch bewirken, daß noch mehr h. Messen gelesen würden! wären doch alle Engel und Menschen 46 Das andere Gärtlein. Priester, um dir täglich dies h. Opfer darbringen zu können! O, könnte ich nur dahin wirken, daß alle h. Messen, welche heute gelesen werden, mit möglichster Andacht gelesen würden, welch' eine Herzensfreude würde mir dieses sein. Zu dem Ende bitte ich, o Gott! durch das bittere Leiden und Sterben Jesu Christi, du wollest allen Priestern und jedem insbesondere den h. Geist mittheilen, daß er ihre Herzen reinige, heilige und entzünde, damit sie mit höchster Ehrerbietung dies hochwürdige Opfer verrichten mögen. Ich bitte auch, du wollest mir und allen Umstehenden eine wahre Andacht verleihen, und unsere Seele mit dem rosenfarbenen Blute Christi reinigen, damit wir würdig diese Messe hören und dadurch Gnade und Barmherzigkeit erlangen. Amen. Zum Gloria und zur Collecte. Allerheiligste Dreifaltigkeit, in Vereinigung der Liebe, mit welcher sich Christus am H. Kreuze geopfert hat, opfere ich dir diese H. Messe, sammt allen Messen, so diesen Tag in der ganzen Christenheit gelesen werden. Zugleich mit denselben opfere ich dir meinen Leib und meine Seele, meine Geschäfte und Sorgen, meine Gedanken, Worte und Werke, welche ich auf deinen h. Altar lege und mit dem Meßopfer vereinige, damit alle Segnungen und Gebete des Priesters auch über meine Opfer gesprochen und verrichtet werden. Weil ich dir nichts besseres zu opfern weiß, als mein Herz, darum nehme ich dasselbe in meine beiden Hände und opfere es dir auf deinem h. Altare. Ja, ich lege es geistlicher Weise in den H. Kelch, damit alle Meßgebete. Gebete und Segen, so über denselben gesprochen werden, auch über mein Herz gesprochen werden. Und wie der Wein durch die Consecration in das h. Blut deines Sohnes verwandelt wird, also soll auch mein Herz mit umgewandelt und ganz in dich verwandelt werden. Außerdem lege ich auch all mein Kreuz in diesen h. Kelch und opfere es dir in Vereinigung des bittern Kelches, den Christus am Delberge für unser Heil ausgetrunken, bittend, du wollest dies mein Opfer annehmen und mit deiner väterlichen Hand segnen und benedeien. Amen. Bur Epistel, zum Evangelium und Credo. Das Athanastiche Glaubensbekenntniß. 47 Wer selig werden will, muß sich vor Allem zum katholischen Glauben bekennen. Ewig ohne Rettung verloren ist Jeder, der diesen Glauben nicht unverletzt in seinem ganzen Umfange bewahrt. Der katholische Glaube besteht aber darin, daß wir einen Gott in der Dreieinigkeit und die Dreieinigkeit in der Einheit anbeten. Daß wir die Personen nicht vermischen und ihre Wesenheit nicht trennen. Denn verschieden ist die Person des Vaters, die Person des Sohnes und die Person des h. Geistes. Aber in dem Vater, in dem Sohne und in dem h. Geiste ist nur Eine Gottheit. Sind sie gleich an Herrlichkeit; gleich ewig ist ihre Majestät. Wie der Vater, so der Sohn, so der h. Geist. Das andere Gärtlein. Unerschaffen ist der Bater, unerschaffen ist der Sohn, unerschaffen ist der h. Geist. Unermeßlich ist der Vater, unermeßlich ist der Sohn, unermeßlich ist der h. Geiſt. 48 Ewig ist der Vater, ewig ist der Sohn, ewig ist der h. Geiſt. Und doch sind nicht drei Ewige, sondern Ein Ewiger. So wie nicht drei Unerschaffene, nicht drei Unermeßliche sind; sondern Ein Unerschaffener, Ein Unermeßlicher. Ebenso ist der Vater allmächtig, allmächtig ist der Sohn, allmächtig ist der h. Geiſt. Und doch sind nicht drei Allmächtige, sondern nur Ein Allmächtiger. Der Vater ist Gott, der Sohn ist Gott, der h. Geist ist Gott. Herr ist der Vater, Herr ist der Sohn, Herr ist der h. Geiſt. Und doch sind nicht drei Herren, sondern Ein Herr. Denn so wie die christliche Wahrheit uns anweiset, jede einzelne Person als Gott den Herrn zu bekennen, jo verbietet uns die katholische Religion, drei Götter oder drei Herren zu glauben. Der Vater ist durch Niemand gemacht, nicht erschaffen, nicht erzeugt. Der Sohn ist vom Vater allein, nicht gemacht, nicht erschaffen, sondern erzeugt. Der h. Geist ist vom Vater und vom Sohne, nicht gemacht, nicht erschaffen, nicht erzeugt, sondern ausgehend. Meßgebete 49 Es ist also Ein Vater, nicht drei Väter; Ein Sohn, nicht drei Söhne; Ein h. Geist, nicht drei h. Geister. Und in dieser Dreieinigkeit ist nichts früher, nichts später, nichts größer, nichts kleiner; Sondern alle drei Personen sind gleich ewig und fich einander völlig gleich. Nach dieser Vorschrift ist daher die Einheit in der Dreieinigkeit und die Dreieinigkeit in der Einheit zu verehren. Wer also selig werden will, soll auf diese Art an die Dreieinigkeit glauben. Zum ewigen Heile ist aber auch notwendig, daß er an die Menschwerdung unseres Herrn, Jesu Christi, aufrichtig glaube. Der wahre Glaube fordert also unser Bekenntniß, daß unser Herr, Jesus Christus, Gottes Sohn, Gott und Mensch sei; Er ist Gott aus der Wesenheit des Vaters, von Ewigkeit erzeugt; Und er ist Mensch aus der Wesenheit der Mutter, in der Zeit geboren. Ein vollkommener Gott, ein vollkommener Mensch, der aus einer vernünftigen Seele und einem menschlichen Leibe besteht. Er ist dem Vater gleich nach seiner Gottheit; er ist geringer als der Bater nach seiner Menschheit. Obichon er Gott und Mensch ist, so sind doch nicht zwei, sondern nur Ein Christus. Ein Christus; nicht als ob die Gottheit in Fleisch verwandelt sei, sondern weil Gott die Menschheit angenommen hat. Myrrhengarten III. Das andere Gärtlein. Ein Christus, nicht durch die Vermischung der Wesenheit, sondern durch die Einheit der Person. 50 Denn so wie die vernünftige Seele und der Leib nur ein Mensch ist: so ist Gott und Mensch nur Ein Christus; Der für unser Heil gelitten hat, zur Hölle abgeſtiegen, am dritten Tage von den Todten auferstanden ist; Er ist aufgefahren gen Himmel und sitzet zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; Von dannen Er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Todten. Bei seiner Ankunft werden alle Menschen auferstehen mit ihren Leibern und werden Rechenschaft geben von ihren eigenen Handlungen. Und die Gutes thaten, werden eingehen in das ewige Leben, die aber Böses thaten, in das ewige Feuer. Dies ist der katholische Glaube; Niemand kann selig werden, der sich nicht fest und aufrichtig zu diesem Glauben bekennet. Bum Offertorio. Allmächtiger ewiger Gott, jetzt fangen die Geheimnisse deines göttlichen Werkes an, indem der Priester Brod und Wein über deinem h. Altare aufhebt, und in Gestalten eines wahren Opfers nach der Ordnung Melchifedechs deiner Majeſtät aufopfert. Deswegen trete ich jetzt im Geiste zum heil. Altare, hebe zugleich mit dem Priester meine Hände zu dir und opfere dir diese reine und unbefleckte Hostie und diesen Kelch des Heils mit Wein und Meßgebete. 51 Wasser, so hernach in den wahren Leib und das wahre Blut deines eingebornen Sohnes, unsers Herrn Jeſu Christi verwandelt werden; ja in Vereinigung derselben unaussprechlichen Liebe, mit welcher du uns deinen Sohn gegeben, und er sich selbst am H. Krenze für uns geopfert hat, opfere ich dir von Grund meines Herzens, auf die beste Weise, so viel mir möglich ist, dies hochwürdigste Opfer der h. Messe jammt allen Messen, so diesen Tag in der ganzen Christenheit geschehen. Zugleich mit diesem opfere ich dir auf deinem h. Altare alle Verdienste, Tugendund Buß- Werke, wie auch alle Marter, Schmerzen und Verfolgungen deines lieben Sohnes, seiner allerseligsten Mutter und aller Heiligen, sammt allem Lob und Preis, so sie dir jemals erzeigt haben, und bis in Ewigkeit erzeigen werden. Imgleichen opfere ich dir auch die Verdienste, Andachten und guten Werke aller Frommen; das Elend, die Armuth, die Verfolgungen, Schmerzen, Zähren, Seufzer und Klagen aller armen, franken und betrübten Menschen und aller armen Seelen im Fegfeuer, sammt dem ganzen Schatze der h. katholischen Kirche. Diesem schließe ich besonders ein meine Geschäfte und Sorgen, mein Kreuz und Anliegen, meine Worte und Werke, sammt allem Guten, so ich und alle meine geistlichen und leiblichen, lebendigen und abgestorbenen Freunde jemals gewirkt, und allem Uebel, so wir jemals gelitten haben, und künftig in dieser oder jener Welt leiden werden. Alles opfere ich dir auf deinem h. Altare, und lege es in den heil. Kelch, damit es durch die Kraft der h. Messe 52 Das andere Gärtlein. gesegnet, geheiliget, geweihet und zugleich mit dem H. Leibe und Blute Jesu Christi durch die Hände des Priesters aufgehoben, und dir aufgeopfert werde. Dies so köstliche Opfer opfere ich dir, o ewiger Vater, durch deinen lieben Sohn in der Kraft des h. Geistes, im Namen der ganzen katholischen Kirche, zum wohlriechenden Brandopfer, zur Bezeugung deiner höchsten Majestät und Herrschaft, so du hast über alle Kreaturen. Zum anderen opfere ich's dir zum würdigsten Lobopfer, und zur besonderen Freude deiner göttlichen Majestät; auf daß, weil wir fündige Menschen dir nicht vollkommen gefallen können, du in Ansehung dieses allerwürdigsten Opfers höchstes Wohlgefallen empfangen mögest. Drittens opfere ich's dir zum allerkräftigsten Versöhnopfer, zu gänzlicher Auslöschung aller Schmach und Unbild, so dir von Anfang der Welt von allen Sündern, insbesondere von mir und meinen Freunden sind zugefügt worden; auf daß dies Opfer dir mehr Freude und Wohlgefallen bringe, als dir von allen Sündern Schmach und Unbild ist angethan worden. Viertens opfere ich's dir zum allervollkommensten Dankopfer, zu würdigster Bergeltung aller Gnaden und Wohlthaten, so du der glorwürdigsten Menschheit Christi, der allerseligsten Jungfrau Maria, und allen Engeln und Heiligen, wie auch mir und andern Menschen an Leib und Seele erzeigt haft, und noch in Ewigkeit erzeigen wirst, um derer willen ich dich zugleich mit allen himmlischen und irdischen Kreaturen anbete, preise und benedeie, und dir von Grund meines Herzens Dank sage. Meßgebete. 53 Weiters opfere ich dir diese h. Messe zur Verehrung der gebenedeiten Menschwerdung, des Leidens, der Auferstehung und Himmelfahrt unsers Herrn Jesu Christi; zur Danksagung für seine mühevollen Arbeiten, die er für uns gethan, für seine Wunden und Schmerzen, die er für uns gelitten, für seine Zähren und Blutstropfen, die er für uns vergossen hat; zur Erneuerung und Vermehrung aller Ehren, Freuden und Gnaden der allerseligsten Jungfrau Maria, meiner h. Patronen und aller Heiligen Imgleichen opfere ich sie dir auch für die katholische Kirche, für alle Priester und Leviten, für alle Orden und geistliche Stände, und für alle Obern und Unterthanen, daß du sie vereinigen, regieren und in Frieden erhalten wollest. Ich bitte dich auch, o Herr, für alle meine geiſtlichen und leiblichen Freunde und Gutthäter, für alle Arme und Elende, für alle Kranke und Abgestorbene, und für alle, die sich in mein unwürdiges Gebet befohlen, und für welche ich zu beten schuldig bin. Für diese alle zugleich, und für einen jeden besonders opfere ich dir diese h. Messe sammt aller Andacht der Umstehenden, demüthig bittend, du wollest ihnen ihre Sünden verzeihen, die wohlverdienten Strafen nachlassen, deine göttliche Gnade mittheilen, sie vor schädlichen Anfechtungen bewahren, ihnen in allem Kreuz und Leiden beistehen, alle leibliche Nothwendigkeiten verleihen, und sie endlich durch ein seliges Ende zur ewigen Seligkeit aufnehmen. Amen. Das andere Gärtlein. Bur Präfation. Weil die Kirche in der Präfation Gott ein hohes Lob gibt, darum lobe ein jeder mit dem Priester Gott mit folgendem Gebet: ( Lobgebet der h. Mechtildis.) 54 Ich lobe, preise und benedeie dich, o allerheiligste Dreifaltigkeit, in Vereinigung jenes allergöttlichsten Lobes, mit welchem du dich selbst lobest, und von dir selbst gelobt wirst, und welches aus dir ausfließt in die Menschheit unsers Herrn Jesu Christi, und in die Mutter Gottes, und alle Engel und Heiligen, und aus denselben wieder zurückfließet in den Abgrund der Gottheit, daraus es geflossen ist. In Vereinigung dieses Lobes will ich jetzt ein andächtiges Vater unser sprechen, zur Erstattung alles Lobes, so ich mein Leben hindurch dir zu geben unterlassen habe. Vater unser 2c. Himmlischer Vater, dies Vater unser opfere ich dir auf in Vereinigung des Lobes, mit welchem dich Himmel und Erde und alle Kreaturen loben, bittend: du wollest dasselbe annehmen durch Jesum Christum deinen Sohn, durch welchen alles, was dir aufgeopfert wird, aufsteigt im höchsten Wohlgefallen. Amen. Bum Sanctus. Heilig! heilig! heilig! der Herr Gott Sabaoth! Himmel und Erde sind deiner Herrlichkeit voll. Hosanna in der Höhe! Gebenedeit sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe! Bur Stillenmesse oder Canon. Weil die h. Messe eine wahre Erneuerung des Leidens Chrifti ist, barum erinnere dich auch jetzt dessen mitleidig und sprich: Gütigster Jesu, wie groß ist deine Liebe zu uns, daß du um unseres Heils willen vom Himmel Meßgebete. 55 herabgestiegen, unsere Menschheit angenommen, und so sehr viel für uns gethan und gelitten haft! O liebster Jesus! wie bist du so schimpflich behandelt, und so grausam zermartert worden! Ach, wie schmählich bist du gefangen, gebunden und geführt! wie schändlich verspottet, verspieen und verachtet worden! Ach, wie so erbärmlich bist du zerschlagen und zermartert worden! wie grausam gegeißelt, ge= krönt und gekreuziget! Dies alles hast du mit höchster Liebe für uns gelitten und deinem Vater für unsere Sünden aufgeopfert. Gleichwohl ruhet deine Liebe noch nicht, sondern damit du uns dieselbe noch mehr zu erkennen gebeft, willst du jekt noch einmal vom Himmel herabsteigen, dein bitteres Leiden erneuern, und deinem Vater lebhaft vor Augen stellen. Die frische Vorstellung deiner Marter soll ihn gleichsam zwingen, sich unser zu erbarmen und uns selig zu machen. Christe Jesu, wie groß ist deine Liebe zu uns! O Christe Jesu, wie gut meinst du es mit uns! Ich benedeie dich tausend und tausendmal für diese Liebe, und von Grund meines Herzens jage ich dir Lob und Dank. O mein Jesu! mit Verlangen verlange ich nach dir, und mit aller Liebe und Demuth begehre ich dich zu empfangen Komm, mein Heiland, meines Herzens Wunsch und Begehren, von deinem himmlischen Throne, und bringe uns Heil durch deine persönliche Gegenwart! Komm mit deiner Barmherzigkeit, und verzeihe uns unsere Sünden! Komm mit deiner Freigebigkeit und lasse uns unsere Schulden nach! Komm mit deinen Gnaden, und bereichere unsere 56 Das andere Gärtlein. armen Seelen! Komm mit deiner Liebe, und entzünde unsere falten Herzen Amen. Bur Mandlung. Wenn man das erstemal ichellt. so bilde dir ein, als wenn du Chriftum an's Kreuz genagelt auf dem Altare liegen läheit, bete ihn an und sprich aus mitleidigem Herzen: Ich bete dich an, o qütigster Jesu, hier und auf allen Altären, wo du gegenwärtig bist, und schlagend an meine Brust bitte ich um Gnade! Jesu, sei mir gnädig! Jesu, jei mir barmherzig! gütigster Jesu, verzeihe mir meine Sünden! Jetzt optere Christum, sprechend Schau herab, o gütigster Vater, von deinem himmlischen Throne, und siehe an deinen lieben Sohn. wie du ihn vor Zeiten am h. Kreuze hangend angesehen hast. Ich opfere dir denselben in solcher Gestalt, wie er am Kreuze hing, und bitte, du wollest mir um seinetwillen gnädig und barmherzig sein! Ich opfere dir ihn zu deiner und aller Heiligen größeren Ehre und Freude, und zum Heil und zur Wohlfahrt der ganzen Christenheit. Ich opfere dir ihn für meine geistlichen und leiblichen Freunde, und für alle, für welche ich zu bitten schuldig bin; insonderheit opfere ich dir ihn zur Verzeihung meiner Sünden, zur Erstattung meiner Nachlässigkeiten, zur Bezahlung meiner Strafen, und zur Vermehrung deiner göttlichen Gnaden. gütigster Vater, um deines lieben Sohnes willen erbarme dich unser, und wegen seines bittern Leidens verzeihe uns unsere schweren Sünden. Amen. 57 Meßgebete. Wenn man wieder schellt, sprich: Ich bete dich an, o h. Blut, hier auf diesem und auf allen Altären, wo du gegenwärtig bist, und schlagend an meine Brust bitte ich um Gnade! Hier chlage dreimal an deine Brust: O heiliges Blut, wasche mich von meinen Sünden! Ofräftiges Blut, lösche aus die verschuldeten Strafen! O rosenfarbenes Blut, erlange mir von Gott nade und Barmherzigkeit! O himmlischer Vater, ich opfere dir dies kostbare Blut zu deiner Ehre, und zur Abwaschung meiner schweren Sünden. Um dieses H. Blutes willen erbarme dich meiner und lasse meiner armen Seele nur ein einziges Tröpflein zu gut fommen. Amen. Nach der Wandlung. Jetzt, o Jesu, verbeuge ich mich abermals vor dir, mit tieffter Demuth bete ich dich an, und mit herzlicher Liebe heiße ich dich willkommen. O du mein gefreuzigter Jesu, vor deinem h Kreuze falle ich auf meine Kniee, und bitte demüthig um Gnade und Barmherzigkeit. Du weißt, wie elend und armselig ich bin, und in welch' großer Gefahr der Verdammniß ich mich befinde. Darum erbarme dich meiner nach deiner großen Barmherzigkeit, und wegen deines bittern Leidens errette mich aus so großer Gefahr. Gedenke, wie erbärmlich du für mich am H. Kreuze gehangen, und welch' unsägliche Schmerzen du an Veib und Seele gelitten hast! Um dieses Schmerzes willen erbarme dich meiner, und lasse diese grausame Marter an mir nicht verloren sein. 58 Das andere Gärtlein. O gütigster Jesu, du wahrer Priester nach der Ordnung Melchisedechs, ich bitte, du wollest meiner besonders gedenken. Ach, opfere deinem Vater dein feusches, unbeflecktes Fleisch, und deinen verwundeten, zermarterten Leib. Opfere ihm dein H. rosenfarbenes Blut und deine bittern Zähren Opfere ihm deine breiten und tiefen Wunden, und deine grausamen Schmerzen und Beinen. Opfere ihm deine Streiche und Schläge, deinen Schimpf und Spott, dein Leiden und deinen Tod, deine Tugenden und Verdienſte, jammt allem, was du ihm auf Erden zu Liebe gethan und gelitten hast. Dies alles opfere ihm zu seiner Ehre und zu meinem Heile, und bitte ihn durch die Liebe, so er zu dir trägt, daß er mir gnädig und barmherzig sei. O liebster Jesu! gedenke, wie das ewige Verderben der armen Sünder dir am Kreuze so stark zu Herzen ging und wie eifrig du deinen Vater für sie gebeten! Ach. so lasse dir denn auch jetzt das Heil meiner armen Seele zu Herzen gehen, und gleichwie du am Kreuze für alle Sünder gebetet hast. also bitte ihn jetzt absonderlich für mich, iprechend: Bater. verzeih' ihm, denn er weiß nicht, wie übel er thut, daß er dich so schwer erzürnet. Bu Gott dem Vater. O heiligster Vater, jetzt siehe vom hohen Himmel herab, und schaue an deinen allerliebsten Sohn, welcher jetzt wahrhaft auf diesem h Altare gegenwärtig ist, und sich selbst dir als ein angenehmes Versöhnopfer aufopfert Siehe an, wie dieser Meßgebete. 59 dein lieber Sohn wie ein sanftmüthiges Lamm so demüthig auf dem Altare liegt, und dich für die Sünden des Volkes so eifrig bittet. Siehe an das allerreinste Fleisch, welches nimmer mit einer Sünde ist befleckt worden. Siehe an den allerheiligsten Leib, welcher so grausam für uns ist gemartert worden. Siehe an das rosenfarbene Blut, welches so schmerzlich für uns ist vergossen worden. Siehe an die glorwürdigsten Wunden seiner H. Hände und Füße, welche ihm um unsertwillen geschlagen sind. Siehe an die gebenedeite Wunde seiner H. Seite, und gedenke, mit was für Liebe er dieselbe empfangen hat. Diesen deinen lieben Sohn stellen wir dir vor Augen, und opfern dir denselben zur Versöhnung deines gerechten Zornes. Wenn unsere Missethaten uns unwürdig machen, daß du dich unser erbarmest, so wirf deine Augen auf das Angesicht deines Sohnes, und gedenke, wie er am Kreuze hangend mit bittern Zähren für die armen Sünder gebeten, sprechend: Vater, verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun! Dies Gebet erschallt noch in deinen Ohren, weil er dasselbe in allen Messen erneuert, und als ein treuer Mittler dich für die Sünden der ganzen Welt bittet. Wie kannst du die Stimme dieses unschuldigen Lammes überhören? Ach! so höre denn das Gebet unseres Mittlers Jesu Christi, und um seinetwillen schone unser! Nicht siehe an unsere Sünden, sondern seine Tugenden. Nicht rechne, was wir verschuldet, sondern was er verdienet hat. Nicht gedenke, wie sehr wir dich erzürnet, sondern wie völlig er dich versöhnet 60 Das andere Gärtlein. hat; und wegen seiner Würdigkeit erbarme dich derer, die keiner Erbarmniß würdig sind. Wenn du ein besonderes Anliegen haft, so sebe folgendes Gebet hinzu: Ach, mein liebster himmlischer Vater, du weißt, in welch' einem schweren Kreuze ich mich befinde, und daß ich mir selbst nicht zu helfen weiß. Darum fliehe ich zu dir, dem allerbesten Helfer in allen Nöthen, und bitte dich durch deinen lieben Sohn, du wollest mir in meinem schweren Anliegen zu Hülfe kommen. Ich opfere dir diesen deinen werthen Sohn, meinen liebsten Herrn Jesum, in derselben Gestalt, wie er am Kreuze gehangen, und wie er jetzt auf dem H. Altare gegenwärtig ist. Ich opfere dir die Dörner, so ihm in seiner Krönung sein H. Haupt durchstochen haben. Ich opfere dir die Streiche, so er in seiner Geißelung empfangen hat. Ich opfere dir die schmerzlichen Wunden, so er an seinem Leibe empfangen hat. Ich opfere dir die Zähren, so er die Zeit seines Lebens geweint hat. Ich opfere dir die blutigen Schweißtropfen, so er am Delberg in tödtlicher Angst geschwitzt hat. Ich opfere dir alle Blutstropfen, so er für unser Heil vergossen hat. Und endlich opfere ich dir die vielen tausend mühseligen Schritte, gottseligen Werke, trostreichen Worte, h. Gedanken, inbrünstigen Begierden und heroischen Tugenden, so er dir zu Ehren und uns zum Heile geübt und verrichtet hat, auf daß du dich ihretwegen meiner erbarmest und mich aus meinem schweren Kreuze errettest. Amen. Wenn der Priester die h. Hostie bricht, so sprich: Gütigster Jesu, gedenke, wie du in deinem Leiden zertreten, zerschlagen, zergeißelt, zermartert, Meßgebete. gepeinigt, verwundet und im Tode bist gebrochen worden. Durch diese deine Marter und Bein bitte ich, du wollest dieselbe an mir armen Sünder nicht verloren sein lassen. Bum Agnus Dei. ( Gebet der h. Mechtildis.) 61 O du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich meiner, und opfere dich selbst Gott dem Vater mit aller deiner Demuth und Geduld zur Verzeihung meiner Sünden. du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich meiner, und opfere dich selbst Gott dem Vater mit aller Bitterfeit deines Peidens zur Bezahlung meiner Strafen. O du Tamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich meiner, und opfere dich Gott dem Vater mit aller Liebe deines Herzens zur Erstattung meiner Nachlässigkeiten. du liebes, sauftmüthiges und barmherziges Lamm Gottes, Christe Jesu, erbarme dich meiner! Ach! sprich gut für mich, erwirb Gnade für mich, und erstatte durch dich, was ich jemals in dem göttlichen Dienste versäumt habe. Amen. Bur geistlichen Communion. Nun, o süßer Jesu! kommt der glückselige Augenblick, in welchem du dein allerheiligstes Fleisch und Blut allen, so es zu empfangen begehren, wahrhaft mittheilest und sie durch die Kraft dieser göttlichen Speise mit dir vereinigest. O wäre auch ich würdig, 62 Das andere Gärtlein. dies hochwürdige Sakrament zu empfangen und der großen Güter, so darin verborgen sind, theilhaftig zu werden. Wäre ich doch würdig, dich, meinen allergütigsten Gott und Herrn, leiblicher Weise bei mir zu haben und mit den Armen der Liebe an mein Herz zu drücken. Ich könnte ja kein größeres Glück auf Erden haben, ich könnte ja keine größere Gnade wünschen, als daß ich und Gott ein Herz wären und mit dem Bande der ewigen Liebe verknüpft würden. Darum verlangt mein Herz zu dir, und alle Begierden meiner Seele seufzen nach dir. O lieber, o süßer, o gütiger Jesu, lasse mich deiner genießen und dich in mein Herz empfangen! Speiſe mich mit deinem h. Fleische und tränke mich mit deinem H. Blute. Heile mich mit deinen H. Wunden und stärke mich mit deinem bittern Leiden. O göttliches Sakrament, stärke meine schwache Seele! O göttliche Speise, speise meinen hungrigen Geist! O göttliche Arznei, heile mein krantes Herz! O göttliches Blut! o göttlicher Trank! Ich bete dich an, ich grüße dich, ich ehre dich, ich erkenne dich für das wahre hochwürdige, göttliche Blut meines Herrn Jesu Christi. O edles, o kräftiges, o rosenfarbenes Blut! tränke, erfrische und besprenge meine fündige Seele! O gnadenreiches Blut, begnade mich! O reines Blut, reinige mich! O heilsames Blut, heile mich! O kräftiges Blut, stärke mich! O rosenfarbenes Blut, ziere mich! O süßes Blut, erquicke mich! Oh. Blut, entzünde mich! Damit ich immerdar brenne in der Liebe meines allerliebsten Jesu. Amen. Meßgebete. Jetzt sprich: Die Seele Christi heil'ge mich! Der Leib Christi mache selig mich! Das Blut Christi tränke mich! Das Wasser der Seite Christi wasche mich! Das Leiden Christi stärke mich! O gütigster Jesu, erhöre mich! In deine Wunden verbirg mich! Bon dir laß nimmer scheiden mich! Vor dem bösen Feinde schütze mich! In der Todesstunde rufe mich! Zu dir zu kommen heiße mich! Mit deinen Heiligen zu loben dich! In allen Zeiten ewiglich! Amen! 63 Bum Segen des Priesters. Gebenedeiter Jesu, gleichwie du in dieser h. Messe das Brod und den Wein so kräftig geſegnet hast, daß sie in deinen wahren Leib und dein wahres Blut sind verwandelt worden: also wollest du mich auch jetzt so kräftig segnen, daß ich all mein Leben gesegnet bleibe. Es segne mich deine Allmacht, es erfülle mich deine Süßigkeit, und es vereinige mich mit dir deine unendliche Gütigkeit. Amen. Bum Verbum Caro factum est. Mein allergütigster Jesu, ich danke dir von Herzen, daß du dich gewürdiget hast, vom Himmel herab zu steigen und die Menschheit anzunehmen. Durch diese große Liebe bitte ich, lasse doch deine Verdienste an mir nicht verloren ſein. Das andere Gärtlein. Bum Ende der h. Wesse. Nun, gütigster Jesu! habe ich diese h. Messe gehört und sie mit dem Priester dir aufgeopfert. So übertrage ich nun dir dieselbe, sammt allen Gebeten, die ich dabei verrichtet habe, bittend, du wolleft sie in dein übersüßes Herz aufnehmen, darin verbessern und zugleich mit jenem kräftigen Opfer, so du am h. Kreuze geopfert hast, der heiligsten Dreifaltigkeit zum ewigen Lobe und zu unserm Heile aufopfern. 64 Lasse dir dann gefallen, o allerheiligste Dreifaltigkeit, dies Werk meiner schuldigen Dienstbarkeit, und verleihe, daß dies Opfer dir angenehm, mir aber und allen denen, für welche ich es geopfert habe, durch deine Barmherzigkeit nützlich und versöhnlich sei. Gedenke, o barmherziger Gott, daß du dich meiner erbarmest, weil ich dir das Allerköstlichste im Himmel und auf Erden andächtig geopfert, und diejenige Gabe, die dir unter allen am liebsten ist, aus wahrer Liebe geschenkt habe. Ich habe dir deinen glorwürdigsten und liebsten Sohn dargebracht und zugleich mit ihm seine Verdienste verehrt. So sei denn allzeit eingedenk dieses Opfers und des herzlichen Gefallens, so dir daraus entstanden ist, und vergiß nicht des armen Menschen, der dir dasselbe mit herzlicher Liebe geopfert hat. Laß die Wunden deines Sohnes nimmer aus deinen Augen, damit du allzeit gedenfest, wie theuer er dir unsere Sünden bezahlt hat, und wie billige Ursache du habest, dich unser zu erbarmen. Amen. mis Meßgebete. Dritte Weise, die h. Messe zu hören, zu Ehren des Leidens Christi. Intention oder Meinung. ( Vor der h. Messe zu sprechen.) 05 Ich will nun dieser H. Messe andächtig beiwohnen und sie gemeinsam mit dem Priester Gott darbringen: 1. Zur Verehrung und Danksagung des gebenedeiten Leidens und Sterbens Jesu Christi. 2. Zur Erlangung aller Gnaden und Verdienste, welche uns Christus durch sein Leiden und Sterben am Stamme des H. Kreuzes erworben hat und int Opfer der h. Messe uns mittheilt. 3. Daß meine Sünden im Leiden Christi getilgt und meine Seele im Blute Christi gewaschen und gereiniget werde. 4. Daß ich durch das Kreuz und Leiden Jesu Christi stets in allem Guten gestärkt und vor allemt Bösen bewahret werde. 5. Daß ich in allen Trübsalen und Widerwärtigfeiten meines Lebens aus dem Meere der Leiden Christi Trost und Geduld schöpfen möge. 6. Daß ich eine besondere Liebe zu Jesu dem Gekreuzigten erlangen und mit der Liebe des Gekreuzigten im Herzen und mit dem Bilde des Gekreuzigten in der Hand einstens im Stande der Gnade sterben möge. Oh. Geist! durch das bittere Leiden und den schmerzhaften Kreuzestod Jesu Christi bitte ich dich, komm herab über mich, über den Priester und über die gegenwärtigen Gläubigen und erleuchte uns mit deinem Lichte und erfülle uns mit deiner Gnade, Myrrhengarten III. 5 66 Das andere Gärtlein. damit wir dieses göttliche Opfer aufmerksam und andächtig, würdig und gültig feiern und entrichten mögen. Amen. Bum Beginne der h. Messe. Im Namen des Vaters+ und des Sohnes und des H. Geistes. Erinnere dich 1. der Traurigkeit; 2. des Gebetes; 3. des Blutschwitzens Chrifti im Garten Gethsemani und sprich: 1. O zum Tod betrübter Jesu! in dieser h. Messe bitte ich dich durch die Furcht und Noth, durch die Angst und Schmerzen deines hart bekümmerten Herzens: gib mir eine heilsame Gottesfurcht, wodurch ich in aller Gefahr und Anfechtung bewahrt, nimmer in eine Todsünde willige. Stehe mir auch bei in letzter Noth, wann Furcht und Schrecken mich umringen und meine Seele hart bedrängen. 2. O bis zur Erde verdemüthigter Jesu! meine Sünden haben dich zu Boden geworfen. Ach, es reuet mich von Herzen, daß ich dich meinen Gott, das höchste Gut, jemals erzürnt und beleidigt habe. O mein liebster Jesu, siehe! in dieser h. Messe opfere ich deinem himmlischen Vater zur Genugthuung für meine Sünden dein dreistündiges Gebet im Garten, verleihe mir kräftige Gnade, dich nimmer wieder zu beleidigen. 3. O blutschwitzender Jesu! alle meine Sünden und Missethaten lege ich in das h. Blut, so von deinem zarten Frohnleichnam geflossen. O Jesu, du liebender Pelikan! in dieser H. Messe wasche mich mit deinem Blute, heilige mich mit deinem Blute, ziere mich mit deinem Blute, wie mit einem hochzeitlichen Kleide, womit ich an jenem Tage des Meßgebete. 67 Gerichtes vor deinem Angesichte würdig erscheine und, von dir erkannt, unter die Auserwählten aufgenommen werde. Amen. Bum Gloria, Collecte und Epistel. Betrachte, wie Christus 1. gefänglich in die Stadt geführet; 2. viel Schläge und Backenstreiche empfangen; 3. im Hause des Kaiphas schimpflich verspottet worden, und sprich: 1. O gefangener Jesu! der du durch die Hände der Gottlosen dich freiwillig haft fangen, binden, und wie ein Missethäter durch den Bach Cedron und darnach durch die langen Straßen Jerusalems hast ziehen und schleifen lassen: in dieser h. Messe küsse und verehre ich andächtig deine Banden und Ketten, und verlange mit Paulus ein Gefangener Jesu zu sein. Darum, o gütigster Herr Jesu, binde mit den Banden deiner Liebe meine Hände und Füße, meine Sinne und Kräfte des Leibes und der Seele, binde sie also fest an dich, daß kein Mensch, kein Satan, feine Kreatur sie auflöse ewiglich! 2. O geduldigster Jesu! in dieser H. Messe bitte ich dich durch die Schläge, Backenstreiche und Stöße, welche du meinetwegen haft ausgestanden, befreie mich von zeitlicher und ewiger Strafe meiner Sünden; wenn's dir aber gefällig und mir selig, daß ich allhier abgestraft werde, so bitte ich, o Jesu, du wollest mich durch deine Gnade also stärken, daß ich mit St. Augustinus sagen möge: „ Herr, hier schneide, hier brenne, nur dort in der Ewigkeit schone meiner." 3. langmüthiger Jesu! in dieser H. Messe bitte ich dich durch die Schändung deines schönen Angesichtes, durch die Unbilden und Verspottungen und 68 Das andere Gärtlein. durch die heimliche Gotteslästerung und muthwillige Verhöhnung, welche im Hausterker des Kaiphas unverschämte Bösewichter an dir verübten, du aber mit Geduld und wundersamem Stillschweigen ertragen hast: verzeihe mir meine heimlichen, dir allein bekannten Laster: stille und vertilge in mir die Bewegung des Zornes, des Hasses und der Rachgier: gib mir auch Stärke und Gnade, die mir zugefügte Schmach und Unbilde um deiner Liebe willen stillschweigend und geduldig zu ertragen. Amen. Bum Evangelium und Credo. Betrachte, wie Chriftus 1. fälschlich verklagt; 2. gröblich verunehrt worden, und sprich: 1. O sanftmüthiger Jesu! du warest unschuldig, unbefleckt, weit von aller Sünde, und bist doch fälschlich angeklagt worden. Ach, meine Sünden stehen allzeit wider mich und klagen mich an bei deiner Gerechtigkeit! O weh' mir Elenden! ewig gehe ich verloren, wenn mir nicht hilft deine Barmherzigkeit. Darum, o gütigster Jesu, werfe ich mich in dieser h. Messe zu deinen Füßen nieder, mit David weinend und flehend: ,, Erbarme dich meiner, o Gott, nach deiner großen Barmherzigkeit und nach der Menge deiner Erbarmnisse tilge meine Missethat." 2. O ehrwürdiger Jesu! du bist bei allen Richterstühlen entehrt und gelästert worden, und hast doch die Ehre deines himmlischen Vaters mit Gefahr des Todes bekannt und vertheidiget. Darum, o Jesu, laß dieses H. Meßopfer ein Ehrenopfer sein für dich und deinen Vater: gib mir auch eine solche Meßgebete. 69 Starkmüthigkeit, daß ich deine und des Vaters Ehre in keiner Gelegenheit verletze, kein Fluchen und Gotteslästern gestatte, und bei Allem und in Allem Gottes Ehre suche zu vermehren, so daß ich bei jeglichem Werke mit St. Ignatius sagen möge: „ Alles zur höchsten Ehre Gottes." Jetzt sprich das Offertorium: Nimm auf, heiligster Vater, allmächtiger, ewiger Gott, dieses Opfer von Brod und Wein, welches wir dir, unserem lebendigen und wahren Gotte, nach der Ordnung des Melchisedech darbringen. Wir opfern dir auf diese reine, unbefleckte Hoſtie und diesen Kelch des Heils mit Wein und Wasser. Wir opfern dir auf die Verdienste Jesu Chriſti, seiner heiligsten Mutter Maria und aller lieben Heiligen. Wir opfern dir auf uns selbst, unsern Leib, unsere Seele und alle unsere guten Werke, die wir mit deiner Gnade gewirkt haben. Göttlicher Vater, laß dir unsere Gaben gefallen und laß unser Opfer zum Throne deiner Majeſtät emporsteigen zu deiner Ehre und zu unserem und der ganzen Welt Heile. Amen. Bum Lavabo oder Händewaschen, Präfation und Sanctus. Gedenke, wie Jesus, 1. grausam gegeißelt; 2. mit Dornen gekrönt; 3. zum Tode verurtheilt, und sprich: 1. O allerkeuschester, reinster Jesu! wie zum Erbarmen bist du entblößet, wie jämmerlich bist du gegeißelt worden. Nichts Gesundes vom Haupte bis zu den Füßen ist an deinem zarten Leibe geblieben. Ach, ich habe durch meine bösen Begierden und durch meine unerlaubten Gelüste diese Peitschen- und Geißel 70 Das andere Gärtlein. hiebe verdient, und du, unschuldiger Jesu, bist für mich Schuldigen also schwer hergenommen worden! gegeißelter Jesu, in dieser H. Messe bitte ich dich durch alle Geißelstreiche, so du empfangen: gib mir ein feusches Herz und einen reinen Sinn. Gestatte nicht, daß ich etwas thue oder zulasse, was der Keuschheit meines Standes nur im Geringsten zuwider ist. Laß mich oft des weisen Salomon gedenken:, wie schön ist ein keusches Geschlecht, das an Tugenden glänzet." 2. O Jesu, mein gekrönter König der Liebe! dir gebühret die goldene Krone der Glorie und Herrlichkeit: mir aber wegen meiner Hoffart und Ungeduld gebührt die Dornenkrone der Schmach und der Schmerzen. O Jesu, mein gekrönter Fürst, mein königlicher Herr! in dieser h. Messe bitte ich dich, drücke deine Dornenkrone in mein sündiges und eitles Haupt; gib meinem Herzen die Tugend der Sanftmuth und Demuth, damit ich mit dir, o Christe Jesu, in Wahrheit sagen kann:„ Ich bin sanftmüthig und demüthig von Herzen." 3. O unschuldig verurtheilter Jesu! wider dich riefen die Juden das Mordgeschrei: Kreuzige ihn! Kreuzige ihn! Und über dich sprach Pontius Pilatus das Urtheil des Todes. Wir aber fallen in dieser h. Messe vor dir nieder, und mit den Engeln des Himmels rufen wir dir zu:„ Heilig! Heilig! Heilig! bist du Gott Sabaoth! Himmel und Erde sind voll deiner Glorie und Herrlichkeit! Und mit den palmtragenden Jüngern singen wir vor dir:„ Hosanna dem Meßgebete. 71 Sohne Davids! Gebenedeit sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe." Bum Canon oder Stillemesse. Beherzige, wie Jesus 1. das Kreuz getragen; 2. ans Kreuz genagelt worden, und sprich: 1. Sei gegrüßet, hochheiliges Kreuz, das Jesus von Jerusalem nach Golgatha getragen: in dieser h. Messe verehre ich dich demüthig, umfange ich dich herzlich. O großes, schweres Kreuz! dich lege ich im Geiste auf meine Schultern. Hierauf, 0 mein Jesu, lege Armuth und Elend, Krankheit und Verfolgung. Hierauf lege, was dir gefällig und mir selig. Mit dir, o kreuztragender Jesu, und durch dich, bis zur Ohnmacht niedergedrückter Jesu, geſtärkt, hoffe ich alles geduldig, ja fröhlich bis in den Tod zu tragen. 2. O kostbares, o schönes Kreuz! geziert mit dem allerheiligsten Frohnleichnam Jesu Christi und geröthet mit seinem allerheiligsten Blute: in dieser H. Messe küsse und umarme ich dich tausendmal. Du sollst mir eine Wehr und Waffe sein wider alle sichtbaren und unsichtbaren Feinde meines Heiles. O süßes Kreuz! du sollst mir ein Baum des Lebens sein, unter deinem Schatten will ich mich in Traurigfeit und Widerwärtigkeit niedersetzen, und mit deiner süßen Frucht mein bedrängtes Herz erquicken und stärken. O gnadenreiches Kreuz Christi! du sollst mein Wanderstab im Leben und mein Pilgerstab im Tode sein: sterbend sollen meine Hände dich umfassen, brechend sollen meine Augen dich anschauen und erblassend meine Lippen dich küssen. Amen. Das andere Gärtlein. Bur Elevation oder Erhebung der H. Hoftie. Gedenke, wie Christus einst am Kreuze erhöht, jetzt in der Hostie gegenwärtig ist, und sprich: 72 O gekreuzigter Herr Jesu, verschone mich! gekreuzigter Herr Jesu, erhöre mich! O gekreuzigter Herr Jesu, erbarme dich meiner! Stille Anbetung. Zur Elevation oder Erhebung des h. Kelches. Gedenke, wie das Blut Chrifti einst am Kreuze herabfloß, jetzt im Kelche gegenwärtig ist, und sprich: Christi Blut, reinige mich! Christi Blut, heilige mich! Christi Blut, mache selig mich! Stille Unbetung. Nach der Consecration oder Wandlung. Gedenke, wie Christus drei Stunden am Kreuze hängt im bittersten Leiden, und sprich: 1. O gekreuzigter Jesu! für mein und aller Menschen Heil Hängst du drei volle Stunden am Kreuze im bittersten Leiden, in qualvollster Todesangst. Siehe, die ganze Schöpfung entsetzt sich ob der Größe deiner Leiden, ob der Bitterfeit deines Todes. Die Engel im Paradiese trauern, die Sonne am Himmel verfinstert sich, der Vorhang im Tempel zerreißt, die Gräber der Todten öffnen sich, Felsen zerspringen, die Erde bebt und der heidnische Hauptmann schlägt an seine Brust und spricht:„ Wahrhaftig, dieser ist Gottes Sohn!" Darum, o Christe Jesu, falle ich in dieser h. Messe vor deiner auf dem Altare gegenwärtigen Majestät auf mein Angesicht nieder, und sage dir feierlich Dank für deine dreistündige Kreuzesqual, und durch die Meßgebete. 73 Bitterfeit derselben bitte ich dich: erbarme dich meiner, jetzt und alle Zeit und sonderlich in letzter Todesnoth, wann meine arme Seele wird vom Leibe scheiden. 2. O mein in der bittersten Todesangst verlassener Jesu! all mein Vertrauen und meine Zuversicht steht in deinem Leiden: dein Kreuz ist meine Zuflucht, mein Leben und Heil. Ich kann nicht erschreckt werden wegen der Menge meiner Sünden, wenn ich an deine dreistündige Todesangst am Kreuze gedenke. Darum hängst du ja am Kreuze, darum leidest du so erschreckliche Bein und Marter, darum stirbst du ja den allerbittersten Tod, daß ich nicht übel sterbe und ewig verderbe. O Jesu! ich habe dein Kreuz, deine Leiden, deine Wunden, dein Blut, und in der heil. Messe dich selbst mit allen deinen Verdiensten; ei, so kann und will ich nicht verzagen, noch verzweifeln; mit deinem Kreuze will ich mich schützen vor dem bösen Feinde, in deinen Wunden will ich mich ver= bergen vor deinem strengen Gerichte, dein Blut soll mich bewahren vor der Höllengluth, dein Tod soll mir bereiten das ewige Leben, und das göttliche Lamm im Opfer der Messe soll mir den Himmel erschließen und die Seligkeit erwirken. Amen. Bum Pater noster. Gedenke, wie Christus am Kreuze sieben Worte des Heiles spricht: 1. O barmherziger Jesu, du hast am Kreuze geſagt: ,, Bater, verzeihe ihnen." Vergib mir doch auch alle meine Sünden, und gib mir ein versönliches Herz, damit ich um deiner Liebe willen allen verzeihe, die mich jemals beleidigt haben. 2. O gütigster Jesu, du hast zum reumüthigen 74 Das andere Gärtlein. Schächer gesagt:„ Heute wirst du bei mir sein im Paradiese." Gib mir Gnade, also zu leben, daß ich in der Stunde meines Todes, wenn ich dich am Kreuze hangend zum letztenmal ansehen werde, hören möge deine trostreiche Stimme: ,, Heute wirst du bei mir sein im Paradiese." 3. O liebender Jesu, du hast zu deiner Mutter gesagt: ,, Weib, siehe deinen Sohn," und zu deinem Jünger: Johannes, siehe deine Mutter." Ich bitte mit kindlichem Vertrauen, du wollest deine schmerzhafte Mutter mir auch zu einer Mutter geben und durch ihre Fürbitte von allem Uebel mich befreien, in deiner Gnade mich bewahren und einen seligen Tod mir verleihen. 4. O verlassener Jesu, du hast gesagt: ,, Mein Gott, mein Gott, wie hast du mich verlassen." Ich bitte dich durch diese deine äußerste Verlassenheit, stehe mir bei in allen meinen Nöthen und verlaß mich nicht in der Stunde meines Todes. 5. O trostloser Jesu, du hast gesagt: ,, Mich dürstet." Auch ich dürfte wie ein Hirsch nach dem Brunnen des lebendigen Wassers, welches aus deiner H. Seite entspringet. O Jesu, gib mir die Gnade, daß meine letzte Labung und Erquickung sei dein Fleisch und Blut im h. Sakramente. 6. O gehorsamster Jesu, du hast gesagt: ,, Es ist vollbracht." Ich bitte dich inbrünstig, laß mich nicht eher sterben, als bis ich alles gethan und vollbracht habe, was dir gefällig, und einem frommen Christen zeitlich obliegt und ewig selig ist. 7. O sterbender Jesu, du hast mit lauter Stimme mish Meßgebete. 75 gerufen: ,, Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist!" Jch bitte dich unter vielen Thränen und starken Seufzern, verleihe mir gnädig, daß meine letzten Worte seien: Jesu, dir lebe ich! O Jesu, dir sterbe ich! daß mein letzter Seufzer sei: O Jesu, in deine Hände befehle ich meinen Geist! Bur Communion. Jetzt bete die geistliche Communion und sprich: Jesu, meine Liebe! Komm, kehre ein bei mir und suche mich in Gnaden heim! Im Geiste eile ich zum Altare, ach! laß mich deine Gottheit und Menschheit empfangen! Du bist mein und ich bin dein! Ewige Freundschaft, mein Jesu, ewige Freundschaft! O gütiger Jesu, ich bitte dich: von dir laß nimmer scheiden mich. Der Leib unseres Herrn Jesu Christi bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Das Blut unseres Herrn Jesu Christi bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Amen. Von der Communion bis zum Schlusse. Gedente, wie Jesus nach seinem Tode 1. in den Schooß seiner Mutter und 2. in's Grab gelegt wird, und sprich: 1. O allerbetrübteste, schmerzhafte Mutter Maria! gedenke der sieben Schwerter, welche dein mütterliches Herz durchbohrt und deine jungfräuliche Seele durchdrungen haben, als der Leichnam deines Sohnes vom Kreuze abgenommen und in deinen Schooß gelegt wurde. Durch diese bittern Schmerzen bitte ich dich, du wollest dieses heil. Meßopfer und meine geringe Andacht, Gebete und Seufzer mit deinen Gebeten, Thränen und Schmerzen 76 Das andere Gärtlein. vereint, als ein hochherrliches Brandopfer vor den Thron der allerheiligsten Dreifaltigkeit tragen, und uns den großen Segen des Heiles erflehen, den uns dein lieber Sohn durch sein Leiden und Sterben erworben hat. 2. O Jesu, gekreuziget, geſtorben, begraben! am Schlusse dieser H. Messe bitte ich dich durch dein h. Begräbniß und durch die Reinigkeit deines Grabes, worin noch Niemand gelegt war: mache auch mein Herz zu einem würdigen Grabe für deinen verherrlichten Frohnleichnam, den ich so eben geistlicher Weise empfangen habe. Reinige mein Herz von allen unreinen Begierden, erfülle es mit deinen göttlichen Gnaden, und laß es deine angenehme Wohnung und deine geheiligte Ruhestätte sein. Amen. Aufopferung. ( Nach der h. Messe zu sprechen.) Himmlischer Vater, allmächtiger Gott und Herr! deiner höchsten Majestät opfern wir dieses nun vollbrachte Meßopfer auf. In Huld und Gnade laß dir gefallen dieses hochherrliche Opfer, welches der Hohepriester Melchisedech vorgebildet, welches der Prophet Malachias geweisfagt, welches Jesus Christus selbst eingesetzt, und welches unsere heil. Mutter, die Kirche zu feiern pflegt. Laß dir gefallen das schneeweiße, mit Blut besprengte Lamm, welches wir in dieser Messe dir dargebracht; laß dir gefallen die hohen Geheimnisse, die wir in derselben gefeiert; laß dir gefallen die h. Ceremonien, die wir in derselben beobachtet; laß dir gefallen alle Gebete, die wir in derselben gesprochen haben. Meßgebete. 77 Laß dieses H. Meßopfer ein Ehren- und Freudenopfer sein für dich und den ganzen Himmel, laß es ein Opfer des Heils sein für mich und die ganze Welt. Durch die Kraft dieses dargebrachten Opfers segne mich der allmächtige Gott der Vater, Gott der Sohn und Gott der Hl. Geist. Amen. Vierte Weise, die h. Messe zu hören mive zu Ehren der allerheiligsten Dreifaltigkeit. Beim hohen Amte. Intention oder Meinung. ( Vor der h. Messe zu sprechen.) Ich armer Sünder erscheine in diesem h. Tempel und verlange und begehre das allerheiligste Meßopfer zugleich mit dem Priester und in Gemeinschaft mit der h. Kirche zu feiern: 1. Zur Anbetung und Benedeiung des Himmlischen Vaters; zur Anerkennung und Bezeugung seiner ewigen Gottheit, seiner höchsten Majestät und seiner obersten Herrschaft, so er hat über alle Kreaturen im Himmel und auf Erden, und zugleich zur feierlichen Verehrung und Danksagung seiner väterlichen Liebe, womit er sich der fündigen Menschheit erbarmt hat. 2. Zur Anbetung und Benedeiung des göttlichen Sohnes; zur Anerkennung und Bezeugung, daß Jesus Christus ist der Eingeborne vom Vater, Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott: und zugleich zur feierlichen Verehrung und Danksagung seiner gebenedeiten Das andere Gärtlein. Menschwerdung und Geburt, seines bittern Leidens und Sterbens, seiner glorreichen Auferstehung und Himmelfahrt. 3. Zur Anbetung und Benedeiung des heiligen Geistes; zur Anerkennung und Bezeugung, daß er von Ewigkeit her vom Vater und Sohne ausgeht und mit dem Vater und Sohne dieselbe Gottheit, dieselbe Majestät und dieselbe Herrschaft hat: und zugleich zur feierlichen Verehrung und Danksagung ſeiner Gnaden und Gaben, womit er die Menschen heiliget. 4. Zur Anbetung und Benedeiung der ganzen Hochheiligen Dreifaltigkeit; zur Anerkennung und Bezeugung, daß sie einfach in der Wesenheit und dreifach in den Personen: und zugleich zur feierlichsten Verehrung und Danksagung ihrer allergrößten Glorie und ihrer allerhöchsten Herrlichkeit, womit sie thronet im ewigen Lichte. 5. Zur Verehrung und Anrufung der allerseligsten Jungfrau Maria und aller lieben Heiligen. 6. Zur Tröstung und Erlösung der armen Seelen im Fegfeuer. 78 7. Zum größten Heil und Segen für mich, für die Meinigen und für die ganze Kirche. Dazu erflehe ich für mich, für den Priester und für die gegenwärtigen Gläubigen den h. Geist, auf daß wir in seinem Lichte und unter seinem Beistande diese H. Messe mit gebührender Ehrerbietung und mit wahrer Andacht feiern und aller Früchte und Wirkungen derselben theilhaftig werden mögen. 79 Meßgebete. Bum Beginne der h. Messe. Im Namen des Vaters+ und des Sohnes und des H. Geistes beginne ich jetzt mit dem Priester am Altare, mit der streitenden Kirche auf Erden und mit der triumphirenden Kirche im Himmel dieses hohe und heilige Opfer der Messe, welches Gott dem Herrn die allergrößte Ehre und die allerhöchste Anbetung bringt, mir selbst aber die kostbarsten Güter und die höchsten Schätze des Heiles. Darum preise, meine Seele, den Herrn und frohlocke in Gott, deinem Heilande. Da ich aber meiner Sündhaftigkeit wegen nicht würdig bin, theilzunehmen an diesem hochherrlichen Geheimnisse, so spreche ich in Demuth meines Herzens die offene Schuld meines Lebens: Ich beichte und bekenne Gott, dem Allmächtigen, Maria, der allzeit reinen Jungfrau, dem h. Erzengel Michael, dem H. Johannes Baptista, den h. Aposteln Petrus und Paulus, allen Heiligen, und dir, Prieſter, daß ich oft und viel gesündigt habe, in Gedanken, Worten und Werken. Das ist meine Schuld! meine Schuld! meine größte Schuld! Darum bitte ich Maria, die allzeit reine Jungfrau, den heil. Erzengel Michael, den H. Johannes Baptista, die hh. Apostel Petrus und Paulus, alle Heiligen und dich, Priester, daß ihr alle für mich beten wollet zu Gott unserm Vater, auf daß ich Vergebung, Verzeihung und Nachlaß aller meiner Sünden erlangen möge. Amen. Bum Introitus. Gebenedeit sei die allerheiligste Dreifaltigkeit, die ungetheilte Dreieinigkeit. Alleluja! Das andere Gärtlein. Gebenedeit sei Gott der Vater, der mich erschaffen hat nach seinem Ebenbilde. Alleluja! 80 Gebenedeit sei Gott der Sohn, der mich erlöset hat am Stamme des h. Kreuzes. Alleluja! Gebenedeit sei Gott der H. Geist, der mich geheiliget hat in der h. Taufe. Alleluja. Bum Gloria. Glorie und Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen, die eines guten Willens sind! Dich loben wir, dich preisen wir, dich beten wir an, dich verherrlichen wir, dir danken wir wegen deiner großen Herrlichkeit; Herr Gott, König des Himmels, Gott, allmächtiger Vater; Herr, eingeborner Sohn, Jesu Christe, Herr Gott, Lamm Gottes, Sohn des Vaters, der du hinwegnimmst die Sünden der Welt, nimm auf unser Flehen; der du sitzest zur Rechten des Vaters, erbarme dich unser; denn du allein bist der Heilige, du allein der Herr, du allein der Allerhöchste Jesu Christe, mit dem h. Geiste in der Herrlichkeit Gottes des Vaters. Amen. Bur Epistel. du wahrhafter Gott, mein getreuester Herr! mit hoher Freude höre ich der herrlichen Lection unserer heutigen Epistel zu, welche die Braut Christi, die h. Kirche, jetzt durch ihren Priester aus den Büchern der Propheten und aus den Briefen der Apostel über uns singen und lesen läßt. O Jesu, du Einsprecher der Propheten, du Lehrmeister der Apostel, ich danke dir für die heilsamen Lehren, die uns dein H. Geist in den prophetischen Büchern und in den apostolischen Schriften geoffenbaret hat. Mit Meßgebete. 81 festem Glauben, mit zuversichtlicher Hoffnung und mit feuriger Liebe nehme ich alle deine geoffenbarten Glaubens- und Sittenlehren aus den Händen der unfehlbaren römisch- katholischen Kirche an, und begehre darnach zu leben und zu sterben. Amen. Bum Graduale. O barmherziger Gott! belehrt durch dein Wort, erfreut durch deine Wahrheiten, singe ich mit dem Psalmisten des alten Bundes: Gottes Wort ist kostbarer, als Gold und Edelgestein. Alleluja. Gottes Wort ist süßer, als Honig und Honigſeim. Alleluja. Gottes Wort ist ein Licht auf meinen Wegen. Alleluja. Gottes Wort ist eine Leuchte meinen Füßen. Alleluja. Bum Evangelium. O Christe Jesu, mit Leib und Seele erhebe ich mich voll Ehrerbietung vor deinem hochherrlichen Evangelium, welches jetzt unsere h. Mutter, die Kirche, durch ihren Priester über mich singen und lesen läßt. In höchster Freudigkeit meines Herzens will ich die fröhliche Botschaft vom Reiche Gottes vernehmen und die Lehren des Heils treu befolgen. Mit dem heil. Paulus will ich vor Himmel und Erde bekennen: daß das Evangelium Christi eine Kraft Gottes ist zum Heile für einen Jeden, der daran glaubt. S gütigster Herr Jesu, laß mich im Lichte und in der Gnade deines H. Evangeliums Myrrhengarten III. 6 82 Das andere Gärtlein. leben und sterben und selig werden, auf daß ich einstens im himmlischen Reiche mit dir, o Jesu, und mit allen Engeln und Heiligen mich ewig erfreuen möge. Bum Credo. Das Nicänische Glaubensbekenntniß. Ich glaube an Einen Gott, den allmächtigen Bater, Schöpfer Himmels und der Erde, aller sicht= baren und unsichtbaren Dinge. Und an Einen Herrn Jesum Christum, den eingebornen Sohn Gottes, vom Vater erzeugt von Ewigkeit, Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott; erzeugt, nicht erschaffen, Einer Wesenheit mit dem Vater; durch den Alles gemacht ist; der um uns Menschen und um unseres Heiles willen herabgestiegen ist vom Himmel, und Fleisch geworden vom H. Geist aus Maria der Jungfrau, und Mensch geworden; gekreuzigt für uns unter Pontius Pilatus, gelitten und begraben; und der auferstanden ist am dritten Tage, der Schrift gemäß; und aufgefahren in den Himmel, sitzet zur Rechten des Vaters, und wiederkommen wird mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Todten; dessen Reiches kein Ende sein wird. Und an den hl. Geist, den Herrn und Lebendigmacher, der vom Vater und vom Sohne ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und verherrlichet wird; der geredet hat durch die Propheten. Und an Eine heilige katholische und apostolische Kirche. Jch betenne eine Taufe zur Vergebung der Sünden, und erwarte die Auferstehung der Todten und ein zukünftiges Leben. Amen. - ist Meßgebete. Vor dem Offertorium sprich die Prophezie Melchifedechs. ( Vorbildlich.) 83 Melchisedech, der König von Salem, Alleluja. Brachte Brod und Wein dar, Alleluja. Denn er war Priester des Allerhöchsten, Alleluja. Bum Offertorium des Brodes. Nimm hin, h. Vater, dieses Opfer des Brodes, diese reine unbefleckte Hostie, welche ich dir dem lebendigen und wahren Gott, durch die Hände des Priesters jetzt darbringe und nach der Ordnung Melchisedechs dir aufopfere. Zugleich lege ich auch als Opfergaben auf die Patene nieder die kostbaren Verdienste Jesu Christi, die glorwürdigen Tugenden der allerseligsten Jungfrau Maria und die guten Werke der Heiligen. Siehe o göttlicher Vater, dieses alles bringe ich dir dar, und stelle es dir vor, und gebe es dir hin, und opfere es dir auf, demüthig bittend, du wollest mit freundlichem Angesichte darauf herabsehen und es mit Wohlgefallen auf- und annehmen. Amen. Zum Einschenken sprich die Prophezie Davids: Der Herr hat geschworen, Alleluja. Und es wird ihn nicht gereuen, Alleluja. Du, o Messias, bist der Priester ewiglich, Alleluja. Nach der Ordnung des Melchisedech, Alleluja. Bum Offertorium des Kelches. Nimm hin, h. Vater, diesen Kelch des Heiles mit Wein und Wasser, welchen ich dir, dem lebendigen und wahren Gott, durch die Hände des Priesters jetzt darbringe, und nach der Ordnung Melchisedechs dir aufopfere. Zugleich mit diesem Opfer von Wein und Wasser lege ich auch als Opfergaben in den 6* 84 Das andere Gärtlein. Kelch mein Herz, meine Gedanken, Worte und Werke, meine Bitten und Wünsche, meine Freuden und Leiden, mein Leben und fünftiges Sterben. Siehe, o göttlicher Vater, dieses alles bringe ich dir dar, und stelle es dir vor, und gebe es dir hin und opfere es dir auf, demüthig bittend, du wollest mit freundlichem Angesichte darauf herabsehen und es mit Wohlgefallen auf- und annehmen. Amen. Zum Lavabo oder Händewaschen und zur Sekrete sprich die Prophezie Vialachiä: Der Herr der Heerschaaren sprach zum Volke, All. Ich will kein Opfer mehr annehmen, Alleluja. Aus den Händen der Juden, Alleluja. Denn vom Anfange der Sonne bis zum Untergange, Alleluja. Wird mein Name groß unter den Völkern, All. Und an allen Orten wird meinem Namen geopfert, Alleluja. Und ein reines Opfer gebracht werden, Alleluja. Bur Präfation. Hochheiligste Dreifaltigkeit, hochwürdigste Dreieinigkeit! höre an diese h. Präfation, worin dir die Kirche so hohes Lob singt, und auch zugleich alle himmlischen Heerschaaren, alle Engel und Erzengel, alle Cherubim und Seraphim zu deiner Lobpreisung einladet und zu deiner Huldigung anrufet. Mit den neun Chören der Engel, mit der triumphirenden Kirche im Himmel und mit der streitenden Kirche auf Erden vereine auch ich meine Stimme, und spreche zu deiner Lobpreisung und Huldigung mit tiefer Verbeugung den Sanktus: Meßgebete. 85 Heilig! heilig! heilig! der Herr Gott Sabaoth! Himmel und Erde sind voll seiner Herrlichkeit: Hosanna in der Höh! Gebenedeit sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe! Bur Stillmesse oder Canon. Mildester Gott, siehe doch mit den Augen deiner Barmherzigkeit auf dieses h. Meßopfer herab, sowie du mit Wohlgefallen herabsahst auf die Opfer deiner beiden Hohenpriester Melchisedech und Aaron, und erhöre doch die Gebete, die ich mit diesem Opfer vor deine Majestät bringe: 1. Jch opfere und bete für unsere H. Mutter, die römisch- katholische Kirche, auf daß du sie erhöhen und verherrlichen wollest vor den Augen aller Völker; und namentlich opfere und bete ich für Seine Päpstliche Heiligkeit, für die Kardinäle, Bischöfe und Priester, für alle h. Ordensstände und für das ganze katholische Volk. 2. Jch opfere und bete für die Häupter des Erdkreises, für die christlichen Fürsten und Herrscher zu ihrer und ihrer Völker Wohlfahrt. 3. Jch opfere und bete für diese Gemeinde und für dieses Land, und namentlich für meine Eltern, Kinder, Verwandten, Freunde und Wohlthäter, für alle, die mit mir dieser h. Messe beiwohnen, und für alle, die sich in mein Gebet empfohlen haben. 4. Jch opfere und bete für alle Gerechten und Sünder, für alle Kranken und Sterbenden, für alle Armen und Gefangenen, und für alle lebendigen und abgestorbenen Christgläubigen. 86 Das andere Gärtlein. 5. Jch opfere und bete für die Juden, Heiden und Türken, für die Ketzer und Schismatiker, zu ihrer baldigen Einkehr in den Schooß und die Arme der H. römisch- katholischen Kirche, der Mutter und Lehrerin aller Völker. Amen. Bur Elevation der h. Hostie. Ich bete dich an, o Christe Jesu, in dieser consekrirten Hostie. und schlagend an meine Brust bitte ich um Gnade: O Jesu, sei mir gnädig! Jesu, sei mir barmherzig! gütigster Jesu, verzeihe mir meine Sünden! Stille Anbetung. Bur Elevation des h. Blutes. Ich bete dich an, o göttliches Blut Jesu Christi, in diesem consekrirten Kelche und schlagend an meine Brust bitte ich um Gnade: Oh. Blut, wasche mich rein von meinen Sünden! O rosenfarbenes Blut, lösche aus die verdienten Strafen! O gnadenreiches Blut, erlange mir Gnade und Barmherzigkeit! Stille Anbetung. Nach der Consekration. Begrüße Christum als Hohenpriester, König, Richter, Bräutigam, Hirten, Führer und Messias. 1 Ich erkenne und begrüße dich, o Christe Jesu, unter den Gestalten des Brodes und Weines auf dem Altare als meinen unvergleichlichen Hohenpriester. Meßgebete. Aron und Melchisedech, die beiden vielgepriefenen Hohenpriester des alten Bundes, gingen nur als dienende Leviten in weiter Ferne vor dir her, und im hohenpriesterlichen Schmucke versinnbildeten sie den Völkern des Alterthums deine hohepriesterliche Herrlichkeit, der eine mit dem blutigen, der andere mit dem unblutigen Opfer. Du aber, o Christe Jesu, bist der allein wahre Hohepriester in volle kommenster Herrlichkeit, voller Gnade und Wahrheit. Am Kreuze auf Golgatha opfertest du dich blutiger Weise und in der Messe auf dem Altare opferst du dich unblutiger Weise deinem Vater zu unserm Heile. O Christe Jesu, vom Altar sprich über mich aus dein hohepriesterliches Gebet. O Christe Jesu, ertheile mir deinen hohenpriesterlichen Segen. Christe Jesu, schließe mich ein in dein hohepriesterliches Opfer. O Christe Jesu, du hohepriesterlicher Gesalbter, salbe mich mit der Salbung der heiligmachenden Gnade, auf daß ich dir geweihet und dir geheiliget sein und bleiben möge in Ewigkeit. Christus mein Hohepriester, Alleluja! 87 2. Ich erkenne und begrüße dich, o Christe Jesu, unter den Gestalten des Brodes und Weines auf dem Altare als meinen glorreichen König. O Jesu, du König der ewigen Herrlichkeit, wie freue ich mich. daß du mit deiner ganzen königlichen Majestät hier auf dem Altare so nahe bei mir bist. Siehe, mit der tiefsten Unterwerfung bringe ich dir meine Huldigung dar. O Christe Jesu, du hoher König von Sion, wie freue ich mich, daß ich unter deiner königlichen Herrschaft stehe; herrsche über mich mit 88 Das andere Gärtlein. dem goldenen Scepter deiner Macht und Liebe nach deinem göttlichen Wohlgefallen. Verleihe mir, daß ich durch willigen Gehorsam gegen dein H. Gesetz würdig werde, einstens in dein himmlisches Reich aufgenommen zu werden und in der ewigen Stadt Sion ohne Unterlaß dein Lob zu singen. Christus mein König, Alleluja! 3. Ich erkenne und begrüße dich, o Christe Jesu, unter den Gestalten des Brodes und Weines auf dem Altare als meinen zukünftigen Richter, der am jüngsten Tage auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit kommen wird zu richten die Lebendigen und die Todten. Sei mir alsdann gnädig, o gütigster Jesu, und laß mich die liebliche Stimme hören: ,, Kommet ihr Gebenedeiten meines Vaters, besitzet das Reich, welches seit Grundlegung der Welt euch bereitet ist." Christus mein Richter, Alleluja! 4. Ich erkenne und begrüße dich, o Christe Jesu, unter den Gestalten des Brodes und Weines auf dem Altare als meiner Seele liebsten Bräutigam und sage dir demüthigsten Dank, daß du dich gewürdiget hast, meine arme Seele in der h. Taufe zu deiner Braut zu erwählen. Gib mir, o Jesu, die Gnade, daß ich dich, den Schatz meines Herzens, in Zukunft nie mit einer schweren Sünde beleidige, und so würdig sei, zu jener glückseligen Hochzeit, welche du im Himmel allen Guten bereitet hast, zugelassen zu werden. Christus mein Bräutigam, Alleluja! Meßgebete. 89 Ich erkenne und begrüße dich, o Christe Jesu, unter den Gestalten des Brodes und Weines auf dem Altare als meinen guten Hirten. Du führeſt mich auf gute Weide und nährest mich mit deinem göttlichen Worte, ja sogar mit deinem h. Fleische und Blute. Ach möchte ich doch als ein gutes folgsames Schaf auf deine Hirtenstimme hören und derselben stets gehorsam nachkommen. O möchte ich auch zu der Zahl jener Schafe gehören, welche du auserwählt hast, am jüngsten Tage auf Josaphats Feldern zu deiner Rechten zu stehen und mit dir in das himmlische Paradies einzuziehen. Christus mein Hirt, Alleluja. 6. Ich erkenne und begrüße dich, o Christe Jesu, unter den Gestalten des Brodes und Weines auf dem Altare als meinen treuen Führer auf der Pilgerfahrt meines Lebens. Ich flehe zu dir, göttlicher Heiland, verlaß mich nicht bei so großen Gefahren und so vielen feindlichen Anfällen, welche mein Heil bedrohen, sondern beschütze mich mit deiner Allmacht, regiere mich mit deiner Weisheit, und decke mich mit deiner Liebe, auf daß ich glücklich zu dem ge= wünschten Ziele des ewigen Lebens gelangen möge. Christus mein Führer, Alleluja. 7. Ich erkenne und begrüße dich, o Christe Jesu, unter den Gestalten des Brodes und Weines auf dem Altare als meinen wahren Messias, den Patriarchen und Propheten geweifsagt haben, den die Gerechten und Heiligen des alten Bundes mit so großer Sehnsucht erwartet haben und den die frommen Könige von Juda zu sehen verlangten. 90 Das andere Gärtlein. O Christe Jesu, Abraham sah deinen Tag nur von weitem und er frohlockte im Geiste; und ich habe dich so nahe hier auf dem Altare. O mein Messias! sei mein Erlöser, mein Heiland und Seligmacher. Christus mein Messias, Alleluja! Jeht bete die geistliche Communion, sobald aber zur Communion des Briesters geschellt wird, so halte erst ein und gedenke du communicirtest mit dem Priester. O holdseligster Jesu, der du uns zu dir einladest, mit den liebreichen Worten: ,, Kommet alle zu mir, die ihr mit Mühseligkeit und Arbeit beladen seid, ich will euch erquicken; ich trete nun mit demüthigem und vertrauensvollem Herzen zu deiner göttlichen Majestät, und begehre dein allerheiligstes Fleisch und Blut im Geiste zu genießen, und mich so der Engelspeise geistlicher Weise theilhaftig zu machen. So komm denn, o mein Jesu! Komm, mein Hohepriester; komm, mein glorreicher König; komm, mein zukünftiger Richter; komm, mein liebster Bräutigam; komm, mein guter Hirt; komm, mein treuer Führer; komm, mein wahrer Messias! Komm mit deiner Gottheit und Menschheit, komm mit deiner Majestät und Herrlichkeit, komm mit deiner Huld und Liebe; komm, erquicke mein Herz; komm, erfreue meine Seele; komm, erfülle mich mit deiner Gnade; komm, beseele mich mit deinem Geiste. O Jesu, du Süßigkeit meines Herzens, du Leben meiner Seele! verzeihe mir meine Sünden und nimm von mir alles, was mich abkehrt von dir. Ich bin verwundet, o Jesu, heile mich; ich bin schwach, o Jesu, stärke mich; ich bin verblendet, o Jesu, erleuchte mich; ich bin Meßgebete. 91 unwissend, o Jesu, lehre mich; ich bin hungrig, o Jesu, speise mich; ich bin durstig, o Jesu, tränke mich; ich bin unrein und befleckt, o Jesu, reinige und heilige mich! Ich erkenne meine Sünden und Unvollkommenheiten; o liebster Jesu, bekehre mich; o gütigster Jesu, begnade mich; o süßester Jesu, bereite dir eine angenehme Wohnung in meinem Herzen, damit du jederzeit bleibest in mir und ich in dir! Der Leib unseres Herrn Jesu Christi bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Das Blut unseres Herrn Jesu Christi bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Jetzt sprich das Anima Christi. Die Seele Christi heil'ge mich! Der Leib Christi mache selig mich! Das Blut Christi tränke mich! Das Wasser der Seite Christi wasche mich! Das Leiden Christi stärke mich! O gütigster Jesu, erhöre mich! In deine Wunden verbirg mich! Von dir laß nimmer scheiden mich! Vor dem bösen Feinde schütze mich! In der Todesstunde rufe mich! Zu dir zu kommen heiße mich! Mit deinen Heiligen zu loben dich! In allen Zeiten ewiglich! Amen. Zum Beschluß der geistlichen Communion sprich das O sacrum convivium. Oh. Gastmahl, in welchem Christus genossen, das Gedächtniß seines bittern Leidens gefeiert, das Herz mit Gnade erfüllt und das Unterpfand der künftigen Herrlichkeit uns gegeben wird. Das andere Gärtlein. Bur Benediction oder Segnung. O Christe Jesu, wende dein mildes Angesicht zu uns und ertheile uns durch deinen Priester die göttliche Benediction: der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des hl. Geistes komme über uns und ruhe auf uns in Ewigkeit. 92 Bum lekten Evangelium. Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfange bei Gott; alle Dinge sind durch dasselbe gemacht worden, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen, und das Licht leuchtete in der Finsterniß, und die Finsterniß hat es nicht begriffen. Es war ein Mensch von Gott gesandt, mit Namen Johannes: dieser kam zum Zeugnisse, damit er Zeugniß gebe von dem Lichte, auf daß alle durch ihn glaubten. Er war nicht das Licht, sondern sollte Zeugniß geben von dem Lichte. Es war das wahre Licht, welches jeden Menschen erleuchtet, der da kommt in diese Welt. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht worden; aber die Welt hat ihn nicht erkannt. Er kam in sein Eigenthum, und die Seinigen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, hat er Gewalt gegeben, Kinder Gottes zu werden; jenen, die an seinen Namen glauben, welche nicht aus dem Geblüte, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und Meßgebete. 93 das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. Und wir haben gesehen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit, wie des Eingebornen vom Vater, voll der Gnade und Wahrheit. Amen. Aufopferung. ( Nach der h. Messe zu sprechen.) Himmlischer Vater! ich opfere dir nun dieses vollbrachte Meßopfer durch deinen lieben Sohn in der Kraft des h. Geistes und im Namen deiner h. Kirche auf, als ein Lob- und Anbetungsopfer, als ein Bitt- und Dankopfer, als ein Versöhn- und Genugthuungsopfer und als ein Opfer des Heiles für mich und für die ganze Welt. Ich danke dir auch, o Christe Jesu, daß du mich berufen und gewürdiget hast, dieser h. Messe beizuwohnen. Ich bitte dich auch, o Christe Jesu, vergib mir alle bei dieser H. Messe begangenen Fehler, Nachlässigkeiten und Zerstreuungen, und ich bitte dich abermals, o Christe Jesu, laß mir auch die Kraft, die Wirkungen und die Früchte dieser h. Messe allezeit, im Leben, im Tode und in der Ewigkeit zu Gute kommen. du allerseligste Jungfrau Maria! O ihr neun Chöre der Engel! O ihr lieben Heiligen alle! traget doch dieses vollbrachte Meßopfer unter himmlischen Lobgesängen vor den Thron des Allerhöchsten und bringet mir herab den Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des H. Geistes. Amen. 94 Das andere Gärtlein. Fünfte Weise, die h. Messe zu hören, zu Ehren des Leidens Christi. Bei einem hohen Amte zu sprechen. Bei diesen Meßgebeten braucht man sich nach dem Priester nur bei der Wandlung, wenn das bochw. Sakrament aufgehoben wird, strenge zu richten. Die kleine Schrift wird unter der h. Messe nicht gelesen. Intention oder Meinung. ( Vor der h. Meffe.) O mein treuester Heiland Christe Jesu! der du mich durch dein bitteres Leiden von dem ewigen Tode erlöset haft: siehe ich will jetzt zur Dankbarfeit für deine großen Wohlthaten diese h. Mesſe andächtig hören, und in derselben dein bitteres Leiden betrachten. Verleihe mir hierzu deine göttliche Gnade, und erweiche mein steinhartes Herz, damit es dein schmerzliches Leiden recht empfinde, und mit demselben ein wahres Mitleid trage. Ich befehle mich und alle die Meinigen in diese Hl. Messe, dich bittend, daß du uns allesammt der Kraft dieses H. Opfers theilhaftig machen, und dich selbst deinem himmlischen Vater zu unserm Heile aufopfern wolleft. Amen. Wenn der Priester mit dem Diener zum Altare tritt, so bedeutet dies, wie Christus mit seinen Jüngern zum Delberge gegangen ist. Gebet, wenn der Priester zum Altare geht. Ach, mein liebster Jesu! wie sehe ich dich mit deinen Jüngern so traurig zum Delberge gehen, um dort dein bitteres Leiden anzufangen und deinen himmlischen Vater für dich und uns anzurufen. Ich geselle mich zu deinen lieben Jüngern und will mit dir zum h. Delberge gehen, damit ich dir in Meßgebete. 95 deiner Traurigkeit Gesellschaft leiste, und zugleich mit dir deinen lieben Vater anrufe. Als du in den Garten Gethsemani kamest, und die Gottheit den gewöhnlichen Trost dir entzog, da geriethest du in solch' gewaltige Angst und Traurigkeit, daß du vor großem Leid fast versunken wärest. Deswegen sprachest du mit vielen schmerzlichen Seufzern: Meine Seele ist betrübt bis in den Tod! O du mein betrübtester Jesu! ich habe herzliches Mitleid mit dir: und diese deine äußere Noth betrübt mich mehr, als wenn sie mich selbst anginge. Ich will in deinem ganzen Leiden bei dir verharren, und mit dir treulich wachen und beten. Du aber wollest mit deiner Gnade auch bei mir bleiben und mich deines bittern Kelchs theilhaftig machen. Ich opfere dir diese deine bodenlose Traurigkeit zur Erlangung wahrer Reue über meine Sünden, und zur Tröstung meiner betrübten Seele in ihrer allerbittersten Todesangst. A. Wenn der Priester von dem Altare herabsteigt, und vor dem Altar stehend, die h. Messe anfängt, so bedeutet dies, wie Chriftus fich von seinen Jüngern eines Steinwurfs weit absonderte und seinen Bater um Abwendung des Relches bat. So aber der Priester unter dem Confiteor fich tief verbeugt und dreimal an seine Brust klopft, so bedeutet dies, wie Christus auf sein Angesicht niedergefallen ist und sein schwaches Herz vor Todesangst geklopft hat. Berherzige dies große Veid Christi und sprich mitleidsvoll folgendes: Gebet zum Beginn der h. Messe. ( Wenn der Priester die h. Messe anfängt.) Im Namen des Vaters+ und des Sohnes und des h. Geistes. Betrübtester Jesu! ach, in welch' großer Schwermuth war damals dein schwaches Herz, als du dich von deinen lieben Jüngern absondertest und eines Steinwurfs weit zu einer Höhle gingest, deinen 96 Das andere Gärtlein. Vater um Hülfe anzurufen! O wie demüthig fielest du auf deine Kniee, und wie inbrünstig riefest du deinen Vater an, sprechend: ,, Abba, mein Vater, ist es möglich, so nimm diesen bittern Kelch von mir. Doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!" Als du aber nach langem Beten nicht erhört wurdeſt, fielest du vor großer Schwachheit auf dein H. Angesicht, dein tranfes Herz klopfte vor schmerzlicher Beklommenheit, die Todesangst stieg dir je länger je mehr zum Herzen, der kalte Schweiß brach an allen deinen Gliedern aus und endlich geriethest du vor Furcht deines Leidens in solch' erschreckliche Angſt, daß der blutige Schweiß aus deinem ganzem Leibe floß und die Erde unter dir befeuchtete. O was für Gewalt muß das gewesen sein, welche dir Leib und Seele damals überfiel und viel tausend blutige Schweißtropfen austrieb! Ich erinnere dich, o Jesu! der grausamen Todesangst und trage wahres Mitleiden mit dieser deiner übermenschlichen Traurigkeit. Wollte Gott, mein Herz möchte empfinden, was du damals empfunden hast, und ich möchte mit dir wahrhaftiglich trauern und Leid tragen. Ich bitte dich durch die Todesangst, so du damals gelitten, und durch den blutigen Schweiß, so du geschwitzet hast, lösche mit demselben die Makel meiner Seele aus und bewahre mich vor Kleinmüthigkeit in meiner Sterbestunde. Amen. Wenn der Priester wieder hinauf zum Altar steigt und denselben tüffet, so bedeutet dies, wie Christus seinen Feinden entgegen gegangen ist, und den falschen Judas geküsset hat. Wenn er aber von der Mitte geht und den Introitus betet, so bedeutet dies, wie Christus zu Annas geführt und allda über seine Lehre befragt worden ist. Zu Ehren dieser Geheimnisse sprich folgendes: Meßgebete. Gebet, wenn der Priester zum Altare hinanfgeht. Jetzt erinnere ich dich, mein liebster Jesu, an deine große Liebe, als du vor Begierde zu leiden deinen Feinden entgegen gingest, und den falschen Judas freundlich küßtest. Deine Feinde aber fielen über dich her, warfen dich unbarmherzig nieder, banden dich gar hart mit Stricken und führten dich unter Spott und Hohn zu dem bösen Annas, wo du über deine Lehre befragt, und mit einem harten Backenstreich geschlagen wurdest. Ich danke dir, mein süßester Jesu, für die große Liebe, mit welcher du für mich gelitten und den unbarmherzigen Backenstreich empfangen hast, indem ich dich bitte durch deine schmähliche Gefangennehmung und kränkende Führung in die Stadt, erlöse mich von dem ewigen Gefängniß der Hölle, und führe mich zu der Stadt des himmlischen Jerusalem. Amen. 97 Wenn der Priester wieder zur Mitte geht und mit dem Diener das Kyrie eleison spricht, so bedeutet dies, wie Christus zu Caiphas geführt und des Todes schuldig erklärt worden ist. indem alle schrieen: er ist des Todes schuldig! 3u Ehren dieser Schmach sprich folgendes Gebet beim Kyrie eleison. Mein liebster Jesu! jetzt erinnere ich dich an die große Schmach, so dir widerfuhr, als du verspottet, zum Caiphas geführt und da grausam gelästert wurdest Ach, wie übel ging es dir selbige Nacht, und wie viele harte Streiche und schändliche Verspottungen mußtest du ausstehen! Ich opfere dir allen Spott und alle Streiche, so du damals gelitten hast, und bitte dich, du wollest mir verzeihen, daß ich dich mit meinen schweren Sünden so oft verunehrt und beleidigt habe. Amen. Myrrhengarten III. 7 98 Das andere Gärtlein. Das Gloria in Excelsis wird bisweilen gesprochen, bisweilen ausgelassen; wenn es gesprochen wird, so dante Christo für die Schmach, welche ihm in dem Hause des Caiphas zugefügt wurde, sprechend: Gebet zum Gloria in excelsis. Ich lobe, preise und benedeie dich, o mein treuester Erlöser Christe Jesu, und von Grund meines Herzens sage ich dir Dank für alle Schmach, so dir in dem Hause des Caiphas zugefügt worden. Wie vielmal du von den Juden bist gelästert worden, so viel hunderttausendmal benedeie ich dich, und sage dir für alle und jede zugefügte Schmach unendlichen Dank, denn du bist allein heilig, du allein lobwürdig, du bist allein der Allerhöchste mit dem h. Geiste in der Glorie deines himmlischen Vaters. Amen. Wenn der Priester von der Mitte wieder zur Seite geht und die Collecte sammt der Epistel betet, so bedeutet dies, wie Christus zu Pilatus geführt und da fälschlich verklagt wurde. Bu der Collecte und Epistel. Nun erinnere ich dich, o Jesu! des elenden Ganges, als du am Morgen vom Hause des Caiphas zum Palast des Pilatus geführt, dort von sämmtlichem Volke fälschlich verklagt und zum Tode ge= fordert wurdest. Ach, was für eine unsägliche Schmach war es dir, als du wie ein armer Sünder mit Stricken gebunden durch so viel tausend Menschen geführt und von allen verspottet und verlacht wurdest! Diejenigen, so dich zuvor für einen h. Propheten gehalten hatten, hielten dich jetzt für den gottloseſten Sünder, ergrimmten heftig wider dich und nannten alle Wunder und Tugenden Gaukelwerk und Laster. Als sie aber mit dir zu Pilatus tamen, verklagten Meßgebete. 99 sie dich vor ihm als einen Verführer des Volkes, brachten wider dich viele falsche Zeugen auf und schrieen wie Unsinnige: Hinweg mit ihm! Kreuzige ihn, freuzige ihn! O mein Jesu, wie ging dies Mordgeschrei dir und deiner Mutter so tief zu Herzen, und wie schmerzte es dich und sie, daß nun diejenigen, welchen du alles Gute gethan hattest, dir so vieles Leid zufügten! Ich bitte dich durch all die falschen Anklagen gegen dich und all das grausame Mordgeschrei der Juden, du wollest mich, wenn ich vor deinem Richterstuhle von den bösen Feinden mit Recht verklagt werde, nicht nach meinen Werken verdammen, sondern wegen deines bittern Leidens ein gnädiges Urtheil über mich sprechen. Amen. Wenn der Priester zur andern Seite des Altars geht und dort das Evangelium liest, so bedeutet dies, wie Christus zu Herodes geführt worden ist. Gebet zum Evangelio. Jesu, du sanftmüthiges Lamm, sei eingedenk, mit welchem Spotte du zum gottlosen König Herodes geführt, von den Hohenpriestern verklagt, von dem ganzen Kriegsheere beschimpft und mit einem Narrenkleide angethan worden bist. Für all diesen Spott und Schimpf benedeie ich dich im Namen aller Creaturen viel hunderttausendmal, und bedenke hierbei, wie vielmal ich deine heilsame Lehre, so du uns in deinem h. Evangelio gegeben hast, verspottet und übertreten habe. Verzeihe mir diese vielfältigen Missethaten, o Jesu! und zur Genugthuung für meine Sünden opfere deinem Vater, was du in dem Hause des Herodes für mich gelitten haſt. 100 Das andere Gärtlein. Nach dem Evangelium geht der Priester wieder in die Mitte, betet dort das Credo und Offertorium und deckt den Kelch ab. Dies bedeutet, wie Chriftus vom Herodes wieder zu Pilatus geführt, da von den Juden wieder verklagt und auf Befehl des Pilatus entblößt und gegeißelt worden ist. Gebet zum Offertorio. Schmerzhafter Jesu! sei eingedenk, wie man dich mit dem Narrenkleide durch zahllose Volkshaufen zum Pilatus zurückführte, dort von Neuem fälschlich anklagte, vor allem Volke entblößte, mit Stricken an die harte Säule band, und endlich mit Ruthen und Ketten so grausam geißelte, daß dein ganzer Leib voller Striemen und Wunden wurde. Du aber standest an der Säule wie ein unschuldiges Lamm und opfertest deinem Vater deine grausame Geißelung und dein rosenfarbenes Blut zu seiner Ehre und zur Genugthuung für unsere Sünden. Ich falle im Geiste vor deiner h. Säule nieder, bete dich, meinen zergeißelten Heiland an, küsse deinen H. zerrissenen Leib, und bitte durch diese deine grausame Marter um Verzeihung meiner Sünden, besonders derjenigen, welche ich wider die Reinigkeit begangen habe. Gleichwie du deine bittern Schmerzen deinem Vater aufgeopfert haft, und gleichwie der Priester dir jetzt Brod und Wein opfert; also opfere ich dir auch meinen Leib und meine Seele, insonderheit aber mein armes Herz zu deinem Dienste auf. Dieses Herz lege ich in den H. Kelch, und opfere es dir durch die Hände deines Priesters auf, bittend, du wollest aus dem Kelche deines bittern Leidens ein Tröpflein in dasselbe gießen, damit es deine Marter wahrhaft mit empfinde. Ich opfere dir auch zugleich mit diesem h. Meßopfer all mein Thun und lassen, Meßgebete. 101 all meine Geschäfte und Sorgen, und all mein Kreuz und Leiden. Dieses alles lege ich ebenfalls in diesen Kelch und bringe es dir als dem höchsten Priester dar, bittend: du wollest es mit deiner heil. Hand segnen, in dein süßes Herz aufnehmen, und deinem himmlischen Vater zu seiner Ehre und meinem Heile aufopfern. Amen. Wenn der Priester den Kelch eingeschenkt und geopfert hat, so bedeckt er ihn mit der Palla und macht das H. Kreuzzeichen darüber. Dieses bedeutet, wie Christus mit Dornen gekrönt und mit flachen Händen in's Angesicht geschlagen worden ist. Zu Ehren dieses Schmerzes sprich folgendes Gebet nach dem Offertorio. Jesu! du Bräutigam meiner Seele, die du durch dein H. Blut erworben hast! Ach, wer kann es recht beherzigen, welch' grausame Schmerzen du littest, als man dich mit spitzigen Dornen krönte und selbe mit höchstem Schmerz tief in dein heil. Haupt drückte! wie auch, als sie mit dem Rohr auf dein H. Haupt und mit flachen Händen in dein engelsanftes Angesicht schlugen. Diese deine grausamen Beinen durchdringen mein Herz, gleichwie fie dein H. Haupt durchdrungen haben. Opfere sie deinem himmlischen Vater und erwirb mir Verzeihung aller meiner Sünden, die ich mit dem Haupte begangen habe. Amen. Wenn der Priester die Hände wäscht, so bedeutet dies, wie Pilatus nach gesprochenem Urtheile die Hände gewaschen hat, Christus aber mit dem Kreuze beladen zur Stadt hinausgeführt worden ist. Gebet zur Händewaschung. Nun ist der Stab o du mein treuester über dein Leben gebrochen, Erlöser! da Pilatus dein Das andere Gärtlein. Todesurtheil gefällt und dich schuldlosesten Heiland zum Kreuze verurtheilt hat. Die unbarmherzigen Schergen aber luden dir das Kreuz auf, und alles Volk führte dich zum Richtplatze hinaus. Ach mein liebster Jesu! wie gehst du unter dem schweren Kreuze so zum Erbarmen einher und wie viele Streiche und Verspottungen mußtest du auf diesem Kreuzwege erdulden! Ich begleite dich mit herzlichem Mitleid und betraure mit schmerzlichem Leid deine schmachvolle Hinausführung, bittend: wenn ich den Weg alles Fleisches werde wandeln müssen, so laß deinen h. Engel meine Seele begleiten und auf diesem gefährlichen Wege stärken. Amen. 102 Wenn der Priester fich umwendet und das Orate Fratres spricht, so bedeutet dies, wie Christus mit dem Kreuze beladen sich umgewendet und mit den Töchtern von Jerusalem, wie auch mit seiner Mutter geredet hat. Gebet zum Orate Fratres. O du erbarmungswürdigster Kreuzträger, Christe Jesu, du gehest nun ganz trostlos zu der allergrausamsten Marter, und dennoch ist deine Liebe ſo groß, daß du die weinenden Töchter von Jerusalem in ihrem Leide zu trösten wünschtest und deine verlassene Mutter, als sie dir entgegenkam, noch einmal umfingest und mit unsäglichem Kummer und Schmerze von ihr den letzten Abschied nahmst. O in was für einem unergründlich tiefen Leide waren damals eure beiden in innigster Liebe verbundenen Herzen, und wie gewaltig bitter war dies traurige Umfangen! Dieser Bitterfeit machet mich theilhaftig, und lasset mich in meinen schweren Betrübnissen niemals kleinmüthig werden. Amen. Meßgebete. 103 In der Präfation hebt der Priester Gott dem Herrn einen hohen Lob- und Preisgesang an. Dadurch will die katholische Kirche Christo Lob und Dant sagen für alle Echmach und Schande, so ihm auf dem Kreuzwege von den Juden angethan worden ist. Alsdann lobe auch du mit dem Priester deinen Heiland mit folgendem Gebet zur Präfation. O mein treuester Erlöser Jesu Christe! wie großen Schimpf und Spott haben dir die Juden in deiner Kreuztragung angethan, und wie grausam haben sie dich verflucht und vermaledeit! Sie stießzen dich mit Spott und Schande zur Stadt hinaus und führten dich als den ärgsten Mörder zum schmählichsten Tode. Du aber littest diese gewaltige Schmach mit höchster Geduld und ließest dich ohne Widerrede schänden und lästern. Deswegen lobe, preise und benedeie ich dich mit der ganzen h. Kirche, und weil wir dich nie würdig genug loben können, so bitten wir alle neun Chöre der h. Engel, daß sie dich zugleich mit uns loben und ewiglich preisen wollen, sprechend: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Gott Sabaoth! Voll sind Himmel und Erde der Majestät deiner Herrlichkeit, Hosanna in der Höhe! Gebenedeit sei, der da kommt im Namen der Herrn! Hosanna in der Höhe! Nach dem Sanctus erhebt der Priester seine Hände, siehet gen Himmel auf, neiget sich tief, tüsset den h. Altar und segnet dreimal den Kelch und die h. Hostie. Dies bedeutet, wie Christus, nachdem er auf dem Berge Calvariä sein Kreuz niedergelegt hatte, vor demselben niedertniete, mit Aufhebung seiner Hände und Augen seinen Bater anrief, darnach sich niederbeugte, das Kreuz anmuthig tüßte, endlich sich selbst auf's Kreuz legte und grausam ausgespannt und angenagelt wurde. Gebet nach dem Sanctus. Jetzt fängt dein bitteres Leiden erst recht an, o Christe Jesu! da du endlich ganz müde und matt 104 Das andere Gärtlein. zu dem Berge Calvariä kamest und allda als ein unschuldiges Lamm hingeschlachtet wurdest. Ach, Gott! was für schwere Marter hast du hier gelitten, und wie grausam sind die unbarmherzigen Henker mit dir umgegangen! Ach, welch' ein entsetzlicher Schmerz war es, als die Henker dir den wollenen Rock so ungestüm von deinem Leibe rissen, daß alle Wunden wieder erneuert wurden und mit frischem Blute zu fließen anfingen! Ach. Gott! welch' ein trauriges Schauspiel war es doch, als du ganz nackt vor deinem Kreuze niederknietest, deine Hände und Augen zum Himmel erhobest, deinen lieben Vater um Stärkung in der Kreuzmarter anriefest, danach dich demüthig niederbeugtest, das h. Kreuz anmuthig küßtest und dich geduldig auf dasselbe niederlegtest! Die grimmigen Henker nagelten deine rechte Hand zu deinem größten Schmerze an und zogen deinen Leib so grausam auseinander, daß kein Glied in seinem Gelenke blieb und viele Adern zersprangen und zerrissen. Endlich nagelten sie deinen linken Arm und beide Füße mit solchem Schmerze an, daß dein Herz in deinem Leibe aufsprang, und du dich eines kläglichen Schreies nicht enthalten konnteſt. O mein gekreuzigter Jesu, vor dir falle ich auf meine Kniee und füsse die blutfließenden Wunden deiner H. Hände und Füße! Ich trage herzliches Mitleid mit deiner übergroßen Marter, und deine rührenden Seufzer durchdringen mir Mark und Bein. Weil aber meine Sünden die Ursache dieses deines Schmerzes sind, so bereue ich sie von Grund meines Herzens, und bitte ich durch die grausamen Qualen, Meßgebete. 105 so du in deiner Kreuzigung erlitten hast, du wolleft mir gnädiglich verzeihen und die wohlverdienten Strafen nachlassen. Amen. Wenn der Priester cas hochw. Sakrament erhebt, so bedeutet dies, wie Christus mit dem Kreuze in die Höhe gehoben worden ist. Bur Aufhebung der h. Hostie. Ich bete dich an, o mein gekreuzigter Jesu, und glaube fest, daß du hier gegenwärtig bist! O Jesu, sei mir gnädig! O Jesu, sei mir barmherzig! O gütigster Jesu, verzeihe mir meine Sünden! O du Mittler zwischen Gott und den Menschen, Christe Jesu! gleichwie du am Kreuze hangend dich zwischen deinen Vater und uns arme Sünder geſtellt hast, also stelle dich jetzt auch zwischen seine strenge Gerechtigkeit und unsere vielfältigen Sünden. Versöhne seinen gerechten Zorn und erlange uns Barmherzigkeit und Verzeihung. Zeige ihm deine h. fünf Wunden und opfere ihm dein H. vergossenes Blut. Amen. Wenn der Priester den Kelch erhebt, so bedeutet dies, wie das Blut Christi aus seinem verwundeten Leibe, insbesondere aus den Wunden der Hände und Fuße vom Kreuze herabgeflossen ist. Bur Aufhebung des h. Kelches. Ich bete dich an, o du h. Blut Jesu Christi, glaube fest, daß du hier gegenwärtig bist! O heil. Blut, wasche mich rein von meinen Sünden! O rosenfarbenes Blut, lösche aus die wohlverdienten Strafen! O gnadenreiches Blut, erlange mir bei Gott Gnade und Barmherzigkeit. Amen. Jetzt verrichtet der Priester sein Gebet in der Stille. Dies bedeutet, wie Christus am Kreuze als ein unschuldiges Lamm seinen Mund nicht aufgethan hat. Der Priester spricht alsdann nobis quoque Beccatoribus. Dies bedeutet, wie die Juden den Herrn am Kreuze gelästert haben. Weil nun Christus persönlich gegenwärtig ist und sich dem Vater in der Gestalt, in welcher er am Kreuze gehangen, zeiget, so gieße dein Herz vor ihm aus, sprechend: Das andere Gärtlein. Gebet nach der Elevation. O mein gekreuzigter Jesu! der du jetzt mit Leib und Seele auf dem Altare gegenwärtig bist, ich falle demüthig vor deinem H. Kreuze nieder, und mit wahrer, Gott gebührender Ehrerbietung bete ich dich an! Vor dir liege ich hier auf meinen Knieen und umfange geistlicher Weise dein H. Kreuz mit meinen beiden Armen. Gedenk, o Jesu, wie erbärmlich du am Kreuze gehangen, und was für übermenschliche Schmerzen du an allen deinen Gliedern littest! Gedenk, wie inbrünstig du deinen Vater für alle Sünder batest, und wie kräftig du ihm alle deine Wunden und dein rosenfarbenes Blut aufopfertest! Weil du jetzt in dieser Hl. Messe die Person eines Mittlers vertrittst, so bitte abermals deinen Vater für das Heil meiner armen Seele. Gleichwie du am Kreuze gesprochen hast: Vater! verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun; also sprich auch jetzt zu ihm: Bater! verzeihe dieſem großen Sünder, denn er weiß nicht, wie übel er thut! Gleichwie du am Kreuze deine Schmerzen geopfert und deine Wunden gezeigt hast, also opfere ihm auch jetzt für mich deine erlittenen Schmerzen, und zeige ihm deine glorwürdigen Wunden. Gleichwie du ihn damals vollkommen versöhnt hast, also wollest du ihn auch mir vollkommen versöhnen und mich seiner Gnaden fähig machen. Erzähle ihm, was du für mich gethan, wie viel du für mich gelitten, und wie oft du ihn wegen meines Heils gebeten habest; und durch dein inständiges Bitten bewege ihn, daß dies alles an mir nicht verloren gehe. Amen. 106 Meßgebete. 107 Das Pater nofter, welches sieben Bitten enthält, wird vom Priester laut gesprochen, zur Erinnerung, daß Christus am Kreuze die sieben Worte laut gesprochen hat. Gebet zum Pater noster. Wie groß war deine Liebe zu den Sündern, o Christe Jesu! Wiewohl sie dich selbst am Kreuze zum grausamsten lästerten, so hast du dennoch für sie deinen Vater gebeten, dem Mörder das Paradies versprochen, deine verlassene Mutter dem heil. Johannes anbefohlen und noch andere Worte am Kreuze geredet, um dein großes Leiden der Welt zu offenbaren. Ich bitte dich durch die Kraft derselben Worte, so du damals sprachest, verzeihe mir, was ich in den sieben Hauptsünden jemals gesündigt habe. Amen. Der Priester bricht die h. Hostie in zwei Stüde. Dies bedeutet, wie Christus am Kreuze gestorben und seine h. Seele von seinem Leibe abgeschieden ist. Das kleine Stück aber, so der Priester in den Kelch fallen läßt, bedeutet, wie die Seele Christi in die Vorhölle gefahren ist. Sleich darauf folgt das Agnus Dei, bei welchem alle Gegenwärtigen mit dem Priester an die Brust schlagen, welches bedeutet, wie sich alle Kreaturen über den Tod Christi betrüben, der Hauptmann aber und alle bekehrten Sünder mit großer Reue an ihre Brust geschlagen haben. Gebet vor dem Agnus Dei. O zermarterter Jesu! jetzt stellt uns der Priester in Zerbrechung der H. Hoftie ganz klar vor Augen, wie deine gebenedeite Seele von deinem h. Leibe mit solcher Gewalt ist losgerissen worden, daß alle Glieder deines zermarterten Leibes frachten und auseinander wichen. O wohl ein schrecklicher Tod! Owohl ein grausamer und schmerzlicher Tod! O Christe Jesu! was für übermenschliche Qualen haſt du in deinem Tode gelitten, und wie hast du dein edles Leben so unschuldiger Weise lassen müssen! Ach, 108 Das andere Gärtlein. dieses deines bittern Todes Ursache bin ich! Mit meinen schweren Sünden habe ich dich umbringen helfen! Jetzt schlage dreimal an deine Brust, sprechend: O du unschuldiges Lamm Gottes, ich bekenne meine Schuld und flage mich mit Schmerzen an, daß ich deines Todes Ursache bin! O du sanftmüthiges Lamm Gottes, meine Sünden bereue ich und bitte demüthig um Verzeihung! O du barmherziges Lamm Gottes, nimm mich wieder in Gnaden auf und lasse deinen bittern Tod an mir nicht verloren sein! O mein treuester Erlöser! der du für mich am Kreuze gestorben bist, damit ich ewig leben möchte, ich bitte dich durch deinen allerbittersten Tod, errette mich vom ewigen Tode: opfere deinem Vater alle die grausamen Qualen, so du am H. Kreuze gelitten hast, und durch dieselben bitte ihn, daß er mir die schweren Strafen, die ich durch meine Sünden verschuldet habe, wolle gnädiglich nachlassen! Amen. Der Priester spricht: Domine non sum dignus und nimmt darnad) das h. Sakrament. Dies bedeutet, wie die Mutter Gottes, die andern Frauen, Johannes, Nicodemus, Joseph von Arimathia den h. Leichnam Christi betrauert und alsdann mit großer Betrübniß zum Grabe ge= tragen haben. Bum Domine non sum dignus. Jetzt beherzige ich, o Jesu, wie du mit großem Herzenleide von dem Kreuze genommen, von deinen lieben Freunden betrauert und mit größter Betrübniß begraben wurdest. O wäre mein Herz auch) ein solch reines Grab, daß du, mein Gott, darin begraben werden und ewiglich darin verbleiben möchtest! Reinige mein Herz, o gütigster Jesu! und wasche es mit deinem rosenfarbenen Blute, damit Meßgebete. 109 es vor deinen Augen rein erscheine. Ziere es mit deinen köstlichen Tugenden und entzünde es mit deiner göttlichen Liebe, damit es dir zur würdigen Wohnung bereitet werde, und du ewig darin wohnen mögest. Von Grund meiner Seele verlange ich dich zu empfangen und dich allzeit in meinem Herzen zu tragen! Gleichwie der Priester jetzt dein H. Fleisch und Blut genießet, also begehre auch ich es zu genießen, und durch diese göttliche Arznei in allem Guten gestärkt zu werden. Dein h. Fleisch wolle mich speisen, dein H. Blut wolle mich tränken, deine reichen Verdienste wollen mich bereichern, und die Kraft des H. Meßopfers wolle mir Gnade und Barmherzigkeit erwerben. Amen. ( Hier sprich: die Seele Christi u. s. w. S. 63.) Wenn der Priester nach der Communion Dominus vobiscum spricht, so bedeutet dies, wie Christus nach seiner Auferstehung seinen Jüngern erschien und zu ihnen sprach: Der Friede sei mit euch! Gebet nach der Communion. O glorwürdigster Jesu, der du am dritten Tage von den Todten auferstanden und deinen Jüngern erschienen bist, ich erfreue mich deiner glorwürdigsten Auferstehung und wünsche dir Glück zu der großen Glorie, welche du von Gott dem Vater empfangen haft! O daß auch ich möchte würdig sein, an jenem Tage glorreich zu erstehen und mich ewiglich mit dir zu freuen! Ach! verleihe mir diese große Gnade durch die Verdienste deines bittern Leidens, damit ich deine Barmherzigkeit immer und ewig benedeie. Amen. Wenn der Priester dem Volke den Segen gibt und das Evangelium liest, so bedeutet dies, wie Christus gen Himmel fahrend seine Jünger segnete, diese alsdann das Evangelium in aller Welt predigten. Das andere Gärtlein. Gebet um h. Segen. Glückseliger Jesu! der du nach vollendetem Laufe siegreich gen Himmel gefahren und in deiner Auffahrt mit erhobenen Händen deinen Jüngern den Segen gegeben hast; ich erfreue mich wegen dieser deiner höchsten Glorie und bitte demüthig um deinen h. Segen. Strecke deine glorwürdigen Hände aus und ertheile mir deine göttliche Benediction. Segne mich an Leib und Seele und bewahre mich vor allen sichtbaren und unsichtbaren Feinden. Verleihe mir auch durch die Kraft des h. Evangeliums, welches jetzt über mich und alle Anwesende gelesen wird, Stärke und Gnade, gottselig zu leben und deiner göttlichen Lehre treulich nachzufolgen. Amen. 110 3um Verbum Caro factum est verbeuge dich tief und sprich: Ich bedanke mich, o Christe Jesu, daß du, göttliches Wort, Fleich geworden bist und in uns ge= wohnet hast. Opfere Gott dem Vater die Verdienſte deiner Menschwerdung, und gib, daß ich derselben theilhaftig werde. Amen. Aufopferung der h. Messe. Nun habe ich, o himmlischer Vater, diese h. Messe gehört und das Leiden deines lieben Sohnes mitleidend betrachtet. So sei dir denn diese meine Andacht aufgeopfert, welche du dir deines lieben Sohnes wegen gefallen lassen wollest. Gedenk, o gütiger himmlischer Vater, wie viel dein eingeborner Sohn für mich gelitten, und wie theuer er meine Seele erkauft hat! So würde es ja der größte Schaden sein, wenn dies Alles an mir sollte ver Meßgebete. 111 loren gehen, und dein lieber Sohn vergebens für mich gelitten haben. Damit dies nicht geschehe, sei demüthig gebeten, daß du mir das vielfältige Leiden Christi zu gut kommen lassest, auf daß ich deinen H. Namen in alle Ewigkeit preise und benedeie. Amen. Das dritte Myrrhengärtlein. Gepflanzt mit fish Vesper- Gebeten, zu Ehren des Leidens Christi. Damit du an Sonn- und Feiertagen unter der Vesper deinem Erlöser für sein bitteres Leiden dankbar sein und dasselbe nach Möglichkeit würdig verehren mögest, darum ist der folgende Pfalm vom Leiden Christi aus dem Psalter Davids genommen und mit anderen Gebeten zu einer Vesper Andacht zusammengesetzt worden. Mit diesem Gebete wirst du deinem Erlöser dich besonders wohlgefällig erweisen, weil ihm ja tein Gebet lieber ist, als worin man sein bitteres Leiden ehrt, und ihm wegen dessen schuldigen Dant sagt. Bete also diese Vesper- Gebete in der Kirche oder, wenn das nicht geht, zu Hause recht andächtig und mit herzlicher Reue über deine Sünden, welche ja die Ursache des Leidens Chrifti sind, und sei versichert, daß du dadurch bei Gott gewisse Verdienste erwirbst. Vater unser. Gegrüßet seist du, Maria. V. Gott, merke auf meine Hülfe! R. Herr, eile mir zu helfen! Das dritte Gärtlein. Ehre sei dem Vater 2c. Sehe hinzu: O ewiger Bater! ich opfere dir auf das kostbare Blut Jesu Christi als Lösegeld für meine Sünden und für alle Nöthen der h. Kirche. 112 So oft du die Aufopferung andächtig sprichst, gewinnst du einen Ablaß von 100 Tagen, den Pius VII. den 29. März 1817 verliehen hat. Antiphon. Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, der Leute Spott und der Auswurf des Volkes. Psalm( 21 ster). Der leidende Messias und sein Reich. Gott mein Gott, schau auf mich, warum hast du mich verlassen? ¹) Das Geschrei der Sünden2) entfernt mein Heil! Mein Gott, ich rufe des Tages, und du erhörest nicht und des Nachts; ist es nicht umsonst für mich? Aber du wohnst im Heiligthume, Lob Ifraels. Auf dich haben gehofft unsere Väter; sie haben gehofft, und du hast sie errettet. Sie haben zu dir gerufen und wurden erlöset, sie haben auf dich gehofft und wurden nicht zu Schanden. Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch; der Leute Spott und der Auswurf des Volkes. Alle, die mich sehen, spotten mein, bewegen die Lippen und schütteln das Haupt. Er hat gehofft auf den Herrn, der rette ihn; erlöse ihn, weil er sein Wohlgefallen an ihm hat.") Denn du bist's, der mich hervorgezogen aus dem Leibe; du meine Hoffnung von den Brüsten der Mutter her. Dir ward ich zugeworfen vom Mutterschooße an; vom Mutterleibe an warst du mein Gott! Weich' nicht von mir, denn Trübsal ist sehr nahe, weil Keiner ist, der helfe. 1) So klagt der Heiland am Kreuze. 2) Er machte unsere Sünden zu seinen Sünden. 3) Gerade so spotteten die Juden unter dem Kreuze. Vespergebete. 113 Viele Farren haben mich umrungen; fette Stiere mich umlagert; 4) haben aufgesperrt wider mich ihren Rachen; wie ein raubender und brüllender Löwe. Wie Wasser bin ich ausgegossen, und aufgelöst sind alle meine Gebeine. Mein Herz ist wie Wachs geworden, geschmolzen in meinem Leibe.5) Vertrocknet wie eine Scherbe ist meine Kraft und meine Zunge klebet an meinem Gaumen; und in den Staub des Todes hast du mich gebracht. Denn viele Hunde haben mich umrungen; die Rotte der Boshaften mich umlagert. Sie haben meine Hände und meine Füße durchbohrt: alle meine Gebeine gezählt, mich ausgeschauet und betrachtet, meine Kleider unter sich vertheilt und das Loos geworfen über mein Gewand.) Du aber, Herr, entferne nicht deine Hülfe von mir, schau her zu meinem Schutze. Erlöse von dem Schwert, o Gott, meine Seele, und aus der Hand des Hundes meine Einsame. 7) Rette mich aus dem Rachen des Löwen; und meine Demuth von den Hörnern der Einhörner. 8) Ich will meinen Namen verkünden meinen Brüdern, ⁹) mitten in der Gemeinde dich preisen. Die ihr den Herrn fürchtet, lobet ihn; alle Kinder Jakobs rühmet ihn! Es fürchten ihn alle Nachkommen IJsraels; denn er hat nicht verachtet, noch verschmähet das Flehen der Armen, noch weggewandt sein Angesicht von mir, und mich gehört, da ich zu ihm schrie. Bei dir ist mein Lob in der großen Gemeine; 10) meine Gelübde will ich erfüllen im Angesichte derer, die ihn fürchten. Es werden essen die Armen und hatt werden, und den Herrn loben, die ihn fürchten; ihre Herzen werden leben in alle Ewigkeit. 4) Ein Bild, wodurch mächtige Feinde angedeutet werden; die Hohenpriester und heidnischen Soldaten. 5) Ein Bild der Bangigkeit und Furcht. 6) Der Prophet beschreibt die Umstände der Kreuzigung des Heilandes gerade so, wie sie nachher geschahen. 7) d. i. meine ver laffene, meine einzige und theuerste Seele. 8) Bild der Verfolger. 9) d. i. den Menschen, die Jesus seine Brüder nennt. 10) d. i. die Kirche. 8 Myrrhengarten III. 114 Das dritte Gärtlein. Es werden sich erinnern und zu dem Herrn zurückkehren alle Enden der Erde, und anbeten vor seinem Angesichte alle Geschlechter der Heiden. Es werden essen und anbeten alle Fetten der Erde, 1¹) vor seinem Angesichte Alle niederfallen, die zur Erde hinabsteigen. Und meine Seele wird ihm leben und meine Nachkommen ¹2) ihm dienen. Nach dem Herrn wird genannt werden das fünftige Geschlecht, und die Himmel werden erzählen seine Gerechtigkeit dem Volke, so geboren wird, das gemacht hat der Herr. Ehre sei dem Vater 2c. mit dem Zusate: O ewiger Vater 2c. Antiphon. Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, der Leute Spott und der Auswurf des Volkes. Kapitel. Philipperbrief 2. Kap. 7-9. V. Brüder! Christus hat sich selbst entäußert, Knechtsgeſtalt angenommen und sich selbst erniedrigt und ist gehorsam geworden bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuze. Darum hat ihn auch Gott erhöhet und ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist. R, Gott sei Dank. Lobgesang. Dir Jesu! Preis, der für mein Heil und Leben Sein Blut aus allen Adern hingegeben! Zum Leben ward mir Jesu theures Blut; Jhm Lob und Preis für dieses höchste Gut! 11) Diese und die obige Stelle beziehen sich auf das h. Mefopfer, welches ein Anbetungs-, Dant-, Lob- und Versöhnopfer ist und zugleich auch ein Opfermahl, welches man genießt, die Kommnnion. 12) Die Ghriften, die durch den Glauben von Christus, dem zweiten Adam abstammen. Vespergebete. Gelobt sei Jesu Blut in Ewigkeit, Das von der Hölle hat die Welt befreit. Ein Trank der Stärkung soll dies Blut uns seint. Ein Bad der Seelen; denn es macht sie rein! Des Vaters Zorn versöhnt das Blut vom Sohn' Und führt uns einst in's Reich vor Gottes Thron. Um Rache hat einst Abels Blut geschrie'n! Durch Jesu Blut ward uns're Schuld verzieh'n! Ist unser Herz mit Jesu Blut besprengt, So flieht der Feind, der uns verfolgt und drängt. Wenn Lob und Preis das Lob des Herrn erhebt, So jauchzt der Himmel und die Hölle bebt. D'rum rufen alle wir: Gebenedeit Sei Jesu göttlich Blut in Ewigkeit! 115 Wer diese Seufzer und Anmuthungen zu Ehren des kostbaren Blutes Jesu andächtig spricht, erhält für Einmal im Tage einen Ablaß von 100 Tagen, der auch den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden kann. Pius VII. den 18. October 1815. V. Gott hat seines eigenen Sohnes nicht geschont. R. Sondern hat ihn für uns dargegeben zum Tode am Kreuze. Antiphon. Um die neunte Stunde¹) rief Jesus mit lauter Stimme: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Und Jesus rief abermals mit lauter Stimme) und gab den Geist auf. Das Magnificat. Hoch preiset meine Seele den Herrn, und mein Geist frohlocket in Gott, meinem Heilande; Denn Er hat angesehen die Niedrigkeit seiner Magd; siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter; Denn Großes hat an mir gethan, der da mächtig, und dessen Name heilig ist. Er ist barmherzig von Geschlecht zu Geschlecht denen, die ihn fürchten. 1) d. i. um 3 Uhr Nachmittags, zur Zeit, wo das tägliche Opfers lamm, welches ihn vorbildete, im Tempel dargebracht wurde. au zeigen, daß Er nicht aus Nothwendigkeit, sondern aus freiem Willen sein Leben für die Menschen hingebe. 2) Um 8* 116 Das dritte Gärtlein. Er übet Macht mit seinem Arme; zerstreut die, die da hoffärtig sind in ihres Herzens Sinne. Die Gewaltigen stürzt Er vom Throne und erhöhet die Niedrigen. Die Hungrigen erfüllt Er mit Gütern, die Reichen läßt Er leer ausgehen. Er nimmt sich Israels an, seines Knechtes, ³) eingedenk seiner Barmherzigkeit. Wie Er zu unsern Vätern gesprochen hat, zu Abraham und seinen Nachkommen ewiglich. Ehre sei dem Vater 2c. mit dem Zusaße: O ewiger Vater 2c. Antiphon. Um die neunte Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Und Jesus rief abermals mit lauter Stimme und gab seinen Geist auf. V. Herr, erhöre mein Gebet, R. Und laß mein Rufen zu dir kommen. Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott! der du das menschliche Geschlecht zu erlösen, gewollt hast, daß dein eingeborner Sohn, unser Herr Jesus Christus, Fleisch annehmen und den bittern Tod des Kreuzes leiden sollte; wir bitten dich durch die Liebe dieses deines geliebten Sohnes, du wollest uns durch die Kraft seines bittern Leidens unsere Sünden und Strafen nachlassen und nach einem seligen Tode uns zu der ewigen Seligkeit aufnehmen. Durch denselben Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn, welcher mit dir und dem heil. Geiste gleicher Gott lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 3) d. i. Er nimmt sich aller wahren Israeliten, aller seiner wahren Verehrer an und führt sie zum Heile. Vespergebete. Ein Blick auf die schmerzhafte Mutter. Es standen aber beim Kreuze Jesu seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Cleophas und Maria Magdalena. Da nun Jesus seine Mutter und den Jünger, den Er liebte, stehen sah, sprach Er zu seiner Mutter: Weib, siehe deinen Sohn! Hierauf sprach er zu dem Jünger: Siehe deine Mutter! V. Bitte für uns, schmerzhafte Jungfrau! R. Damit wir der Verheißungen Christi theilhaftig werden. 117 Gebet. O Gott, bei dessen Leiden nach der Weissagung des Simeon die süßeste Seele der glorwürdigen Jungfrau Maria das Schwert des Schmerzes durchdrungen hat; verleihe gnädig, daß wir, die dies schmerzliche Durchdringen und ihr Leiden andächtig verehren, durch die glorreichen Verdienste und Fürbitten aller der Heiligen, welche unter deinem Kreuze treu ausharrten, die fruchtbare Wirkung deines Leidens erlangen mögen; der du lebst und regierst mit Gott dem Vater in Einigkeit des h. Geistes Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. V. Herr, erhöre mein Gebet! R. Und laß mein Rufen zu dir kommen! V. Laßt uns den Herrn benedeien! R. Und ihm ewiglich Dant sagen! V. Die Seelen der verstorbenen Gläubigen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes in Frieden! R. Amen. Vater unser. Gegrüßet. 118 Das dritte Gärtlein. V. Der Herr verleihe uns seinen Frieden. R. Und das ewige Leben. Amen. Das Salve Regina. Sei gegrüßt, o Himmelskönigin! Mutter der Barmherzigkeit, Leben, Süßigkeit und unsere Hoffnung, sei gegrüßt! Zu dir flehen wir verbannte Kinder Evens. Zu dir seufzen wir, klagend und weinend in diesem Thränenthale. Eja, unsere Fürsprecherin, wende deine erbarmungsvollen Augen hin auf uns. Und zeige uns nach diesem elenden Leben Jesum, die gebenedeite Frucht deines Leibes. O gütige, o milde, Osüße Jungfrau Maria! V. Bitte für uns, o h. Gottesgebärerin! R. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott, der du den Leib und die Seele der glorwürdigen Mutter und Jungfrau Maria durch die Mitwirkung des h. Geistes zu einer würdigen Wohnung deines Sohnes zubereitet hast, verleihe uns, die wir mit Freuden ihre Gedächtnißfeier begehen, daß wir auf ihre milde Fürbitte von den uns drohenden Uebeln und von dem ewigen Tode erlöset werden durch denselben Christum, unsern Herrn. Amen. V. Die göttliche Hülfe bleibe allezeit bei uns. R. Amen. Vespergebete. Aufopferung. 119 Nimm auf, o gekreuzigter Jesu, dies liebe VesperGebet, welches ich jetzt zu Ehren deines bittern Leidens andächtig gesprochen habe. Ich opfere dasselbe in deine h. fünf Wunden zur herrlichen Verehrung und Danksagung alles desjenigen, so du an Leib und Seele für mich und alle armen Seelen gelitten hast. Demüthig bitte ich, du wollest die reichen Verdienste deines bittern Leidens meiner Seele zu gut kommen lassen, und sie durch die Kraft deines rosenfarbenen Blutes so sauber abwaschen, daß sie vor deinem göttlichen Angesichte nach ihrem Hinscheiden ganz rein erscheinen möge. Amen. Vespergebete zu Ehren des allerheiligsten Sakramentes des Altares. Anmerkung. Hier schlage nach das sechste Myrrhen- Gärtlein. Wenn du in der Vesper oder sonstigen Nachmittags: Andacht nicht mitfingst, so hast du die beste Gelegenheit, deinen im allerheiligsten Sakramente gegenwärtinen Heiland anzubeten, ihm für seine unergründliche Liebe zu danken und deine Anliegen vorzutragen. Wie sollte er dir da eine billige Bitte abschlagen, wo er gleichsam auf einem Throne fitzt, um seiner Kinder Bitten anzuhören und seine Gnade auszutheilen? Sonn- und festtägliche Danksagung für die empfangenen Wohlthaten. ( Während der Vesper oder auch zur Haus- Andacht zu sprechen.) Buerst danke der allerh. Dreifaltigkeit. hochwürdigste und in Ewigkeit gebenedeite Dreifaltigkeit, weil du durch deinen H. Geist, der 120 Das dritte Gärtlein. die katholische Kirche regiert, die Sonn- und Feiertage eingesetzt hast, damit wir dich nach unserer Schuldigkeit loben, ehren und benedeien; darum komme ich, dein unwürdiges Geschöpf, am heutigen Tage vor dein göttliches Angesicht, und begehre dir von Grund meines Herzens für alle empfangenen Wohlthaten Lob und Dank zu sagen. Ich danke dir, o mein Gott, durch Jesum Christum deinen Sohn, in der Kraft des h. Geiſtes, daß du mich zu einer vernünftigen Kreatur erschaffen, und mir eine so edle Seele gegeben haſt, welche nach deinem göttlichen Ebenbilde geſtaltet ist. Ich danke dir, daß du mir den Verstand, das Gedächtniß und den freien Willen, als drei so köstliche Kleinodien gegeben hast, daß ich derer keines um den größten Schatz der Welt verlieren wollte. Ich danke dir für meine fünf Sinne und alle Glieder meines Leibes, wie auch für Nahrung und Unterhalt, welche du mir reichlicher, als ich werth bin, mitgetheilt hast. Ich danke dir, daß du mich vor vielen Uebeln, Unglück und Gefahr behütet und vor vielen Krankheiten und Widerwärtigkeiten, darein ich hätte gerathen können, gnädig bewahret hast. Imgleichen danke ich dir auch für alles Unglück, Kreuz und Leiden, so du mir aus lauter Liebe zum Heil meiner Seele haft zukommen lassen: und erbiete mich fernerhin dergleichen, soviel dir lieb und angenehm sein wird, von deiner väterlichen Hand anzunehmen, und mit deiner Gnade geduldig zu tragen. Ich danke dir auch. o Christe Jesu, daß du um meines und aller Menschen Heiles willen vom Vespergebete. Himmel herabgestiegen, die Menschheit angenommen, in großer Armuth gelebt, und so sehr viel Uebles auf Erden gelitten hast. Ich danke dir, daß du meinetwegen hast wollen betrübt, gefangen, gebunden, gegeißelt, mit Dornen gekrönt, gekreuziget und getödtet werden. Ich danke dir, daß du mich mit deinem Tode erlöset, mit deinem Blute gereiniget, mit deinen Verdiensten bereichert, mit deiner Lehre unterrichtet, und für meine Sünden mit deinem Leiden genug gethan hast. Ich danke dir, daß du die sieben H. Sakramente eingesetzt, und durch dieselben uns deine göttliche Gnade reichlich mittheilest. Ich danke dir, daß du das hochwürdigste Opfer der Hl. Messe eingesetzt, und uns in demselben das allerkräftigste Mittel, deinen Vater zu versöhnen und von ihm alle geistlichen und leiblichen Güter zu erlangen, gegeben hast. Endlich danke ich dir, daß du im h. Sakramente des Altars so liebreich bei uns wohnest, und durch dasselbe uns so viele unaussprechliche Gaben mittheileſt. 121 Ich danke auch dir, o gnadenreicher h. Geist, daß du mich durch die Taufe von der Erbsünde gereiniget, mit der göttlichen Gnade begabet, mit den drei göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe geziert, und zum Kinde Gottes und Erben des Himmels gemacht hast. Ich danke dir, daß du mich zu dem wahren, allein seligmachenden katholischen Glauben gebracht, und vor einem fetzerischen Glauben bewahrt hast, in welchem ich vielleicht verstockt und so unfehlbar verdorben und zur ewigen Verdammniß gekommen wäre. Ich 122 Das dritte Gärtlein. danke dir, daß du mir schon vielmals die heil. Sakramente der Beicht und Communion mitge= theilet, und meine sündige Seele dadurch gereiniget und geheiliget hast. Ich danke dir, daß du mich bewahrtest und noch bewahrest vor unzähligen Sünden und Missethaten, die ich sonst begangen hätte und begehen würde. Ja, muthwillig würde ich der Hölle zulaufen, wenn du mich nicht durch deine Gnade davon zurückhieltest! Ich danke dir, daß du mich in keiner Todsünde haft sterben und verderben lassen, wie es vielen begegnet ist, die ein frömmeres Leben geführt haben, als ich führe, sondern mich so lange Zeit mit Geduld ertragen, und auf meine Buße und Besserung gewartet hast. Ich danke dir, daß du mir so viele Gelegenheiten, Gutes zu wirken, gegeben, und mich durch deine h. Einsprechungen dazu angetrieben hast, obschon ich, leider Gottes! dieselben versäumt, gleichsam verachtet habe. Für diese und andere Wohlthaten, so ich nicht alle aufzählen, noch erkennen kann, lobe, preise und benedeie ich dich, o allerheiligste Dreifaltigkeit, durch das alleredelste Herz Jesu Christi, in der Kraft des heil. Geistes und aus dem Affekt aller Geschöpfe Und weil ich dir nicht genug danken kann, darum opfere ich dir alles Lob und Dank, das dir von allen Menschen, Engeln und Heiligen, injonderheit von deinem Sohne und seiner lieben Mutter ist gegeben und gesprochen worden. Ich bitte auch alle Geschöpfe, daß sie dich mit mir, und für mich loben, ehren, preisen und benedeien Vespergebete. 123 wollen. Ganz besonders aber bitte ich dich, o liebster Jesu, daß du dies für mich verrichtest, und zur Dankbarkeit aller mir ertheilten Gnaden, für inich deinen allerheiligsten Bater, wie auch dich und den h. Geist mit ewigem, himmlischem Lobe preisesſt, lobest und benedeiest und mit göttlichem Jubel statt meiner ein neues Lob singest und alle Danksagung, so ich schuldig bin, erstattest und einbringest. Amen. Jekt bete die allerh. Dreifaltigkeit an. Ich bete dich an, o allmächtiger Bater, Erschaffer Himmels und der Erde. Ich bete dich an, o eingeborner Sohn, Erlöser der fündigen Welt. Ich bete dich an, o h. Geist, du Tröster der betrübten Seelen. Ich bete dich an, o allerglorwürdigste Dreifaltigkeit, du Regierer aller Kreaturen. Ich unterwerfe meine Nichtigkeit deiner unendlichen Majestät, und erkenne dich für meinen wahren Gott und hochgebietenden Herrn. Ich lobe, ehre und preise dich wegen deiner höchsten Glorie und Herrlichkeit, und danke dir für alle Gaben und Wohlthaten, so du mitgetheilt haft und noch mittheileſt, und in's fünftige noch mittheilen wirst allen vernünftigen Kreaturen bis auf mich gar elenden und boshaften Sünder. Ach! du höchste Liebe, verwirf doch nicht mich Armseligen, der ich ja ein Werk deiner Hände und das theure Pfand bin, welches mit dem Blute Christi erlöset worden; sondern bewahre meine Seele vor dem ewigen Verderben. A. Endlich erhebe dich zu der reinsten Liebe, welche darin besteht, daß man sich über das Gute, was der Andere hat oder genießt, ebenso freuet, als wäre es unser eigen, und freue dich über die Eeligkeit der allerh. Dreifaltigkeit und Das dritte Gärtlein. Wünsche der allerh. Dreifaltigkeit Glück. Gebenedeit seist du, dreieiniger Gott, unser Herr, der über dem Firmamente des Himmels wohnt! Gebenedeit seist du aus der innersten Kraft meines Geistes und aus allen Kräften meines Leibes und meiner Seele! Ich freue mich von ganzem Herzen, daß du bist der allgewaltige, allerglorwürdigste und allerseligste Gott! Ich freue mich über deine unendliche Glorie, welche du besitzest, und über alles Gute, welches du ewiglich genießest; ich freue mich, daß du ein so mächtiger Gott bist, welcher Alles in seiner Gewalt hat, und dem alle Kreaturen nach seinem Willen müssen unterthänig sein. Zur vollkommensten Danksagung und Glückwünschung, daß du derjenige Gott bist, dessen Wesenheit kein erschaffener Verstand begreifen kann, opfere ich dir durch das Herz Jesu, in meinem und aller Menschen Namen, deine göttliche unendliche Wesenheit, mit allen Vollkommenheiten und Eigenschaften, so du in derselben begreifest: und wünsche von Herzen, daß dich alle Kreaturen im Himmel und auf Erden mögen erkennen, und dir wegen deiner unermessenen Freude und Seligkeit Glück wünschen. Diese alle stelle ich geiſtlicher Weise dir vor und in ihrem Namen wünsche ich dir Glück, bittend, daß du meiner und aller Kreaturen Schuldigkeit, dich zu lieben und dir Glück zu wünschen, durch dich ſelbst erstatten und erfüllen wollest. Und diese Liebe und dieses Lob opfere ich dir zur Danksagung aller Wohlthaten, so du allen Engeln und Menschen jemals erzeigt haſt, und in der Ewigkeit erzeigen und geben wirst. A. 124 Der H. Kreuzweg. Nach der Vesper. In einigen Gegenden ist die schöne Sitte, daß man nach der Vesper zum Gottesacker geht, um dort die KreuzwegAndacht für die Verstorbenen zu verrichten. O, wohl eine schöne Sitte! Denn du mußt wissen, daß mit dieser Andacht viele Ablässe, sogar mehrere vollkommene gewonnen werden können, ohne daß man zuvor die hh. Sakramente der Buße und des Altars empfangen zu haben braucht, wenn man nur im Stande der Gnade ist. Du kannst also für deine verstorbenen Eltern, Kinder, Ehegatten, Geschwister, Verwandten und Freunde jedesmal einen vollkommenen Ablaß gewinnen und noch einen für dich selbst. Welch' eine Freude für jene armen Seelen, für welche du den Kreuzweg ehst und aufopferst! Kannst du es auf dem Kirchhof oder Gottesacker nicht, so thue es da, wo ein Kreuzweg ist. Wäre aber dieser zu weit entfernt, oder es dir sonst unmöglich, denselben zu gehen, so verrichte dein Gebet zu Hause mit aller Andacht, indem du in der Hand das geweihte Kreuzchen trägst, welches du dir zu dem Zwecke anschaffen mußt. Lies, was die Päpste darüber bestimmt haben, wie folgt: 125 Der h. Kreuzweg. Der Besuch des Kreuzweges, sagt Papst Benedict XIV., ist den Sündern das kräftigste Mittel zur Bekehrung, den Lauen zur Erweckung des Eifers und den Gerechten zur Heiligung. Man kann alle Ablässe gewinnen, welche die Päpste denen ertheilen, die die h. Orte besuchen. Um sie zu gewinnen, muß man im Stande der Gnade die irgendwo rechtmäßig aufgerichteten Stationen besuchen, von einer zur anderen gehen, soviel Zeit, Platz und Umstände es zulassen, bei einer jeden nach seiner Fähigkeit betrachten, was sie vorstellt, und es tief zu Herzen faffen. Die bei den 14 Stationen angehängten Gebetverse:„ Wir beten dich an, o Herr Jesu Christe! und sagen dir Dank; denn durch dein H. Kreuz kast du die Welt erlöset" sammt einem Vater unser, cinem Gegrüßet seist du, Maria und„ Erbarme dich 126 Das dritte Gärtlein. unser!" find blos ein frommer und lobenswerther Gebrauch; denn nach ausdrücklicher Erklärung der Päpste Clemens XII. 1731 und Benedikt XIV. 1742 ist der andächtige Besuch der 14 Stationen genügend, die Ablässe zu gewinnen. Eben deswegen ist es nicht nothwendig, sich eines Buches dabei zu bedienen. Falls man nicht von einer Station zur andern gehen kann, so soll man wenigstens bei jeder Station das Knie biegen. Wer aber trant, im Kerker, auf dem Meere oder sonst in einer gänzlichen Unmöglichkeit ist, den errichteten Kreuzweg irgendwo zu besuchen, der kann die Ablässe gewinnen mit einem hierzu geweihten, aus Messing bestehenden Krucifix oder Kreuzlein, wenn er 14 Bater unser und Gegrüßet seist du, Maria, und Ehre sei Gott dem Vater 2c., dann ein Vater unser und Gegrüßet seist du, Maria, und Ehre sei Gott dem Vater 2c. für die päpstliche Heiligkeit andächtig ſpricht. Auch hat Pius VIII. 1830 die nämlichen Ablässe jenen Personen verliehen, welche den Kreuzweg nicht in der Kirche machen können, und dafür ihre Andacht vor 14 Stationsbildern verrichten, die bei Peter Bombelli zu Rom in Kupfer gestochen und in ein Gebetbuch eingebunden sind, falls demfelben das Dekret dieser Ablaß- Verleihung beigebunden, und dasselbe entweder von dem General der Franziskaner oder dem P. General Commissär dieses Ordens unterfertigt ist. Kreuzweg, wie er in Rom gewöhnlich gehalten wird Vor jeder Station: V. Wir beten dich an, o Herr Jesu Christi! und sagen dir Dant. R. Denn durch dein h. Kreuz hast du die Welt erlöset. Nach der Station: Gelobt und gebenedeit sei das heiligste Herz Jesu im hochheiligen Sakramente des Altars. Gekreuzigter Herr Jesu Christe! Erbarme dich unser, und hilf den armen Seelen im Fegfeuer. Buvor erwede Reu' und Leid und mache die gute Meinung, indem du beteft folgendes Der H. Kreuzweg. Vorbereitungsgebet zum h. Kreuzwege. Ich armes, sündhaftes Geschöpf werfe mich zur Erde nieder, und in tiefster Demuth bete ich dich an als meinen Herrn und Gott. An dich glaube ich, auf dich hoffe ich, dich liebe ich über Alles; und darum ist mir von Herzen leid, daß ich dich, das höchste Gut, jemals beleidigt habe. Zu deiner größeren Ehre und zu meinem Heile, zur Erlangung der Ablässe, deren ersten vollkommenen Ablaß ich für meine arme Seele, die übrigen für die armen Seelen im Fegfeuer, besonders die mir bekannte N. N. zu gewinnen gedenke, fange ich diese Andacht an, und trete zur Nachfolge der schmerzhaften Mutter Gottes Maria in Begleitung meines H. Schutzengels mit deiner Gnade, o Herr! den H. Kreuzweg an. Gesang. Ach, mein Jesus! du willst sterben, Daß wir wieder Gnade erben; Daß wir Sünder sollen leben, Willst du dich zum Opfer geben. Laß dein Leiden und Beschwerden, Heilsam uns zu nutzen werden; Laß deine Marter, Qual und Bein An uns nicht verloren sein. 127 Erste Station. Jesus wird zum Tode verurtheilt. V. Wir beten dich an 2c. R. Denn durch dein H. Kreuz 2c. Jesu! durch dieses ungerechte Todesurtheil, das ich schon so vielmal durch meine Sünden Das dritte Gärtlein. unterschrieben habe, befreie mich von dem schon so oft verdienten Urtheil des ewigen Todes. Vater unser 2c. Gegrüßet seist du zc. V. Gekreuzigter Herr Jesu. R. Erbarme dich unser. Im Fortschreiten spricht man: 128 Heil'ge Mutter, Jesu Wunden, Wie er sie am Kreuz empfunden, Drücke mächtig mir in's Herz. Bweite Station. Jesus nimmt das Kreuz auf sich. V. Wir beten dich an 2c. R. Denn durch dein H. Kreuz 2c. O Jesu! der du willig das schwere, durch meine Sünden dir zugerichtete Kreuz auf dich genommen; gib, daß ich die Schwere derselben erkenne und sie bis zum Ende meines Lebens beweine. Vater unser 2. Gegrüßet seist du 2c. V. Gekreuzigter Herr Jesu. R. Erbarme dich unser. Im Fortschreiten: Heil'ge Mutter, u. s. w. wie vorhin. Dritte Station. Jesus fällt das erstemal unter dem Kreuze. V. Wir beten dich an 2c. R. Denn durch dein H. Kreuz 2c. Die schwere Last meiner Sünden hat dich, 0 Jesu! unter dem Kreuze zu Boden gedrückt. Ich Hasse und verabscheue sie, bitte um Verzeihung und will mit deiner Gnade sie nicht mehr begehen. Vater unser 2c. Gegrüßet seist du 2c. V. Gekreuzigter Herr Jesu. R. Erbarme dich unser. Im Fortschreiten: Heil'ge Mutter, u. s. w. wie vorhin. Der H. Kreuzweg. Vierte Station. Jefus begegnet seiner schmerzhaften Mutter. V. Wir beten dich an 2c. R. Denn durch dein h. Kreuz 2c. O betrübtester Jesu! O betrübteste Mutter! wenn ich bis dahin durch meine Sünden die Ursache eurer Schmerzen gewesen bin, so soll es künftig nicht mehr geschehen. Mit eurem Beistande werde ich euch lieben und euch getreu sein bis zum Tode. Vater unser 2c. Gegrüßet seist du 2c. R. Gefreuzigter Herr Jesu. V. Erbarme dich unser. Gesang. O Maria voll der Schmerzen Stehet da in Angst und Pein. Owie dringet mir zu Herzen, Daß ich muß die Ursach' sein! Ja, o Mutter! meine Sünden Gaben dir den Herzensstich; Doch ich hoffe noch zu finden Wieder Gnad' bei Gott durch dich! Jesus hab' ich nicht geliebet, Dieses ist mein größter Schmerz; Und mit ihm auch dich betrübet, Ach, vor Leid zerspringt mein Herz! Künftighin will ich dich lieben, Und mit dir auch deinen Sohn, In der Liebe stets mich üben; Bitte, daß er mich verschon'! Im Fortschreiten: Heil'ge Mutter, u. s. w. wie vorhin. Myrrhengarten III. 9 129 130 Das dritte Gärtlein. Fünfte Station. Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen. W. Wir beten dich an 2c. R. Denn durch dein h. Kreuz 2c. O Jesu! wie glücklich ist Simon, daß er dir helfen kann, das Kreuz tragen. Wie glücklich wäre auch ich, wenn ich künftig dir helfen würde, das Kreuz zu tragen in Allem, was mir begegnet! O Jesu! gib mir deine Gnade dazu. Vater unser 2c. Gegrüßzet seist du zc. V. Gekreuzigter Herr Jefu. R. Erbarme dich unser. Im Fortschreiten: Heil'ge Mutter, u. s. w. wie vorhin. Sechste Station. Jesus nimmt von Veronika das Schweißtuch an. V. Wir beten dich an 2c. R. Denn durch dein h. Kreuz 2c. O Jesu! der du dich gewürdigt hast, dein heiligstes Angesicht in den Hauptschleier der Veronika einzudrücken, drücke in meine Seele tief das Andenken an dein bitteres Leiden und Sterben ein. Vater unser 2c. Gegrüßet seist du 2c. V. Getreuzigter Herr Jesu. R. Erbarme dich unser. Im Fortschreiten: Heil'ge Mutter, u. s. w. wie vorhin. Siebente Station. Jesus fällt das zweitemal unter dem Kreuze. V. Wir beten dich an 2c. R. Denn durch dein h. Kreuz zc. Meine wiederholten Sünden machen, daß du wiederum unter dem Kreuze fällst, o geliebteſter Der h. Kreuzweg. 131 Jesu! Hilf mir, jene Mittel zu ergreifen, welche mich vor dem Rückfalle in die Sünden bewahren können. Vater unser 2c. Gegrüßet seist du 2c. V. Gefreuzigter Herr Jesu. R. Erbarme dich unser. Im Fortschreiten: Heil'ge Mutter, u. s. w. wie vorhin. Achte Station. Jefus tröstet die Frauen von Jerufalem. V. Wir beten dich an 2c. R. Denn durch dein h. Kreuz 2c. Du, o Jesu, tröstest die über dein Leiden betrübten Frauen von Jerusalen. Tröste auch meine Seele mit deiner Barmherzigkeit, auf welche ich vertraue, und die ich mir zu Nutzen machen will. Vater unser 2c. Gegrüßet seist du 2c. V. Gefreuzigter Herr Jesu. R. Erbarme dich unser. Heil'ge Jin Fortschreiten: Mutter, u. s. w. wie vorhin. Neunte Station. Jesus fällt das drittemal unter dem Kreuze. V. Wir beten dich an 2c. R. Denn durch dein h. Kreuz 2c. Wegen des Uebermaßes der ausgestandenen Beinen fällst du, o Jesu! das drittemal unter der Last des Kreuzes. Um eben dieser Pein willen bitte ich dich demüthigst, mir die Gnade zu verleihen, daß ich nicht mehr in die Sünden zurückfalle. O ja, mein Jesus! lieber sterben, als wieder fündigen. Vater unser 2c. Gegrüßet seist du 2c. V. Gekreuzigter Herr Jesu. R. Erbarme dich unser. Heil'ge Im Fortschreiten: Mutter, u. s. w. wie vorhin. 9* 132 Das dritte Gärtlein. Behnte Station. T Jesus wird seiner Kleider beraubt, mit Effig und Galle getränkt. V. Wir beten dich an 2c. R. Denn durch dein H. Kreuz 2c. O Jesu! der du deiner Kleider beraubt und mit Essig und Galle bist getränkt worden; befreie mich von aller Neigung zum Zeitlichen, und mache, daßß ich alles verabscheue, was nach der Welt ist, oder was zur Sünde führt. Vater unser 2c. Gegrüßet feist du 2c. V. Gefreuzigter Herr Jesu. R. Erbarme dich unser. Im Fortschreiten: Heil'ge Mutter, u. s. w. wie vorhin. Elfte Station. Jesus wird an's Kreuz genagelt. V. Wir beten dich an 2c. R. Denn durch dein h. Kreuz 2c. Durch jene grausamen Schmerzen, die du empfandeft, als man die Nägel durch deine H. Hände und Füße schlug; gib mir die Gnade, o Jesu! daß ich mein Fleisch allzeit durch eine christliche Abtödtung kreuzige. Vater unser 2c. Gegrüßet seist du 2c. V. Gekreuzigter Herr Jesu. R. Erbarme dich unser. Im Fortschreiten: Heil'ge Mutter, u. s. w. wie vorhin. Bwölfte Station. Christus stirbt am Kreuze. V. Wir beten dich an 2c. R. Denn durch dein h. Kreuz 2c. O Jesu! der du nach einer dreistündigen schmerzlichen Todesangst am Kreuze gestorben bist; laß Der H. Kreuzweg. 133 mich eher sterben, als in eine Sünde fallen. Und wenn ich leben soll, so laß mich leben, um dich zu lieben und dir zu dienen. Vater unser 2c. Gegrüßet seist du 2c. W. Gefreuzigter Herr Jesu. R. Erbarme dich unser. Heil'ge Im Fortschreiten: Mutter, u. s. w. wie vorhin. Dreizehnte Station. Jesus wird in den Schooß seiner jungfräulichen Mutter gelegt. V. Wir beten dich an 2c. R. Denn durch dein H. Kreuz 2c. O schmerzhafte Mutter! welch' ein Schwert durchdrang dein Herz, als du deinen geliebten Jesus gestorben in deinem Schooße hieltest. Ach, erbitte mir die Gnade, die Sünde als die Ursache seines Todes und deiner Schmerzen zu verabscheuen, bußfertig zu leben und heilig in deinem Schooße zu sterben. Vater unser 2c. Gegrüßet seist du zc. V. Gekreuzigter Herr Jesu. R. Erbarme dich unser. Im Fortschreiten: Heil'ge Mutter, u. s. w. wie vorhin. Vierzehnte Station. Jesus wird in's Grab gelegt. V. Wir beten dich an 2c. R. Denn durch dein H. Kreuz 2c. Ich will, o Jesu! allem absterben und nur dir leben. So lange ich noch hier leben muß, will ich in und mit dir leben, um einst ewig im Himmel in dir zu leben und die Früchte deines bittern Leidens und Sterbens dort ewig zu genießen. Vater unser 2c. Gegrüßet seist du 2c. V. Gekreuzigter Herr Jesu. R. Erbarme dich unser. 134 Das dritte Gärtlein. Gesang. Jesus! du willst dich bequemen, In dem Grabe Ruh' zu nehmen. O laß dort auch unsere Sünden Mit dir die Begräbniß finden! Laß dein Leiden und Beschwerden Heilsam uns zu Nutzen werden, Laß deine Marter, Qual und Bein An uns nicht verloren sein. Schlußgebet. Ich sage dir innigsten Dank, o gütigster Jeſu! für die große Barmherzigkeit, die du mir auf diesem Kreuzwege erwiesen hast. Ich opfere dir denselben auf zur Verehrung deines bittern Leidens und Sterbens, zur Verzeihung meiner begangenen Sünden, zur Nachlassung der verdienten Strafen, zur Hülfe und zum Troste der armen Seelen im Fegfeuer. Endlich bitte ich dich demüthigst, o Jesus! du wollest dein kostbares Blut, dein bitteres Leiden und Sterben an mir nicht verloren gehen lassen, sondern mich in die ewige Freude und Seligkeit aufnehmen. Der du lebst und regierst mit Gott dem Vater in Einigkeit des h. Geistes Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebete vor der Beicht. Das vierte Myrrhen- Gärtlein. Gepflanzt mit reumüthigen Beicht- Gebefen. 135 Das Sakrament der Buße empfangen ist ein hochwichtiges Werk. Denn wer dasselbe würdig verrichtet, der empfängt dadurch unfehlbar Verzeihung seiner Sünden und Vermehrung der göttlichen Gnaden. Wer es aber unwürdig verrichtet, der begeht eine Todsünde, und verdient die ewige Verdammniß. Da es aber über die menschlichen Kräfte geht, dies heilige Sakrament würdig zu empfangen, so mußt du vor der Beicht allzeit die Gnade Gottes treulich anrufen, und göttliche Hülfe von Herzen begehren. Folgendes Gebet mag dir dazu dienen. Vorbereitung zur Beicht. O Gott aller Gnaden! auf Antrieb des h. Geistes habe ich mir vorgenommen, das heilsame Sakrament der Buße zu empfangen, damit ich meine Seele von ihren Sünden reinige und deiner göttlichen Gnade fähig mache. Nun weißt du wohl, daß ich dies wichtige Werk, daran deine göttliche Ehre und das Heil meiner Seele hängt, aus mir nicht verrichten kann. Deswegen thue ich einen demüthigen Fußfall vor deinem göttlichen Gnadenthrone, und begehre um deiner Ehre willen die Hülfe deiner mildreichen Güte. Ich falle auch nieder vor deinem H. Kreuze, o Christe Jesu! und bitte durch die bittere Pein, so du drei Stunden lang an demselben 136 Das vierte Gärtlein. gelitten hast, verleihe mir die Gnade, dies gnadenreiche Sakrament würdig zu empfangen, und laß mich zu deiner Huld, die ich durch meine Sünden verloren habe, wieder gelangen. Ich falle auch vor dir nieder, o gütigster h. Geist! der du der rechte Brunnquell aller Gnaden bist, und bitte durch die Liebe deines göttlichen Herzens, ertheile mir hinreichende, ja überflüssige Gnade, meine Sünden klar zu erkennen, schmerzlich zu bereuen und aufrichtig zu beichten. Hier erforsche dein Gewissen, indem du die zehn Gebote eins nach dem andern durchgehst, und bei jedem merkst, wie schwer, in welcher Art und Weise, in Gedanken, Worten oder Werken, oder durch Unterlassung, und wie oft du feit der letzten gültigen Beicht dich dagegen verfündigt haft. Gehe ebenso die fünf Gebote der Kirche durch, die sieben Hauptsünden, die neun fremden Sünden und die leiblichen und geistlichen Werke der Barmherzigkeit. Nach diesen letzten, weißt du, wird der Heiland beim jüngsten Gerichte besonders fragen, und sein Urtheil günstig oder ungünstig für dich sprechen. Darum richte du dich selbst darnach vor der Zeit und übe im Leben Barmherzigkeit, damit du nach dem Tode Barmherzigkeit erlangest. Am leichtesten findest du deine Sünden, wenn du die Ordnung und die Geschäfte des Tages, wie du sie zu verrichten pflegst, dir lebhaft vorstellst. Die gewöhnlichen und täglichen Fehler entdecken sich von selbst, und der ungewöhnlichen, größeren Bergehungen erinnert man sich noch leichter. Am schnellsten wirst du mit der Gewissenserforschung fertig, wenn du täglich Abends dein Gewissen ein paar Minuten lang erforschest, und wenigstens alle Monate beichtest. Je öfter, desto schneller, desto genauer, desto geeigneter wird sie, um dich zur wahren Erkenntniß deines eigenen Herzens zu führen. Das ist aber nichts Geringes. Denn sich selbst erkennen ist die Wissenschaft aller Wissenschaften, ohne welche jede andere Wissenschaft und Kunst ohne Nußen für dich ist. Denn, wenn du Alles durchsucht, dich selbst aber vernachlässigt haft, sagt Gebete vor der Beicht. 137 der fromme Thomas von Kempen, welchen Nußen hast du davon geschöpft? Willst du den Frieden und die wahre Vereinigung mit Gott haben, so ist nöthig, daß du Alles Andere hintansehest und dich allein vor Augen habest." Nach Erforschung deines Gewissens befleiße dich, eine wahre Reue über deine Sünden zu erwecken, und dich wahrhaft zu betrüben, weil du deinen Gott beleidigt hast. Der Grund aber der wahren Reue ist die Liebe Gottes; daß dir nämlich leid sei, weil du denjenigen Gott, den du so herzlich liebest, erzürnet haft. Damit denn ein Fünklein der Liebe Gottes in deinem Herzen sich entzünde, sprich mit Andacht folgende Erweckung wahrer Rene zu Gott dem Vater. O Gott der Barmherzigkeit! ich dein unwürdiges Kind kehre mit dem verlornen Sohne wieder zu dir, und bereue meine Missethat mit herzlichem Schmerze. Du bist mein allertreuester Vater, und hast mich verworfene Kreatur aus lauter Gnade zum Kinde angenommen, wie auch zum Erben deiner reichsten Güter eingesetzt. Du hast mich mein Lebtag als ein treuer Vater ernährt, bewahrt, versorgt und mich mit wahrer väterlicher Liebe geliebt. Du haft mich vor vielem Schaden und Unglücke behütet, und mit vielen unvergleichlichen Gnaden begabet. Ja, deine väterliche Treue ist gegen mich so groß gewesen, daß ohne sie ich jetzt im Abgrunde der Hölle wäre, und in alle Ewigkeit darin brennen müßte. Für diese großen Gutthaten hast du niemals eine andere Vergeltung von mir begehrt, als daß ich deine Gnaden erkennen, dir dafür danken und dich mit kindlicher Liebe lieben sollte. Ich aber habe dies nicht allein nicht gethan, sondern habe dir alle Unehre zugefügt und mit Undankbarkeit 138 Das vierte Gärtlein. gelohnt. Ich habe dich nicht geliebt, sondern gehaßt, und habe dir keine kindliche Treue, sondern feindliche Untreue bewiesen. Wie ein ungehorsames, boshaftes und ungerathenes Kind habe ich mich gegen dich verhalten, und durch meine vielfältige Untreue habe ich dein göttliches Herz betrübt und beleidiget. Sollte mich nun dieses nicht kränken und schmerzen, o mein Bater! Ja, freilich betrübet und reuet es mich, o mein herzliebster Gott! und mein Herz fränket sich darüber, daß ich bisher dir so falsch und untreu gewesen bin. Ach, daß Gott sich erbarme! daß ich dich, meinen treuherzigsten Vater, so vielmals beleidigt habe. Ach, daß sich der Himmel erbarme! daß ich dir, meinem herzliebsten Freunde, so viel Schmach angethan habe. Es ist mir leid, o mein Gott! es ist mir leid! Darum bitte ich demüthig um Gnade und Barmherzigkeit. Verzeihe mir, o mein lieber Vater! Ach, verzeihe mir und gedenke nicht mehr der schweren Unbilden, so ich dir zugefügt habe. In Zerknirschung meines Herzens rufe ich zu dir mit dem verlornen Sohne: Bater, ich habe gesündigt wider den Himmel und wider dich! Nun bin ich nicht würdig, dein Kind genannt zu werden; sondern mache mich gleich wie einen deiner Taglöhner. Amen. Erweckung wahrer Rene zu Christo am Kreuze. O du gekreuzigter Herr Jesu Christe! ich boshafter Sünder falle mit der h. Magdalena vor deinem Kreuze auf meine Kniee, und bereue meine Sünden mit herzlichem Schmerze. Ach, wie schwer habe ich mich gegen dich versündiget, und wie viele schwere Schmach habe ich dir, meinem Erlöser, zugefügt! Gebete vor der Beicht. 139 Du hast mich geliebet, ehe ich geboren war, und hast dich freiwillig in den Tod gegeben, mich von dem ewigen Tode zu erlösen! Für mich bist du gefangen, gebunden, geschlagen und vor den ungerechten Richtern fälschlich angeklagt worden! Für mich bist du schmählich entblößet, grauſam gegeißelt, schmerzlich gekrönt und ungerecht verurtheilt worden! Für mich bist du an das Kreuz genagelt, mit dem Kreuz erhoben, an dem Kreuze verspottet, und endlich mit dem bittersten Tode getödtet worden! Dies alles hast du aus lauter Liebe für mich gelitten, damit ich durch dein Leiden von den ewigen Beinen erlöst würde, und mich gegen dich dankbar erzeigen sollte. Aber leider! bin ich dir nicht allein nicht dankbar gewesen, sondern ich habe dich sogar ärger behandelt als die Juden. Mit meinen Sünden habe ich dich von neuem gegeißelt, gekrönt, gekreuzigt! und getödtet! Mit meinen Sünden habe ich dich übler als die Juden verspottet, verlacht, verspieen und verunehrt! Durch diese meine Falschheit habe ich dich mehr beleidiget, und dein süßes Herz mehr gequält, als es von deinen Feinden ist gequält und beleidigt worden. Deswegen schmerzet mich dies unsäglich, und betrübt mich bis in den Grund meines Herzens, weil ich dich, meinen treuesten Erlöser, so schwer erzürnet, und dir statt mit Dankbarkeit, mit größtem Undanke gelohnt habe. Ich liebe dich, o mein Jesu! von ganzem Herzen, und weiß auch, daß du mich liebest von ganzem Herzen; deswegen schmerzet es mich von Grund des Herzens, daß ich dich, den ich so herzlich liebe und von welchem ich so herzlich 140 Das vierte Gärtlein. geliebt werde, erzürnt habe. Verzeihe es mir aber, o mein herzliebster Jesu! Ach verzeihe es mir; wiewohl meine Missethaten so schwer sind, daß sie keiner Verzeihung würdig sind! Aber um der Liebe willen, so du zu mir trägst, und um der Liebe willen, so ich zu dir zu tragen begehre, verzeihe mir meine begangene Untreue, und nimm mich wieder in Gnaden auf. Amen. Erweckung wahrer Reue zu dem h. Geiste. Feuer der göttlichen Liebe, gnadenreicher heil. Geist! ohne deinen Einfluß kann ich keine Gnade erlangen, noch eine wahre Reue über meine Sünden erwecken. Darum fliehe ich zu dir, und mit einem demüthigen Fußfalle bitte ich um ein zerknirschtes Herz. Du hast mir in den Sinn gegeben, daß ich jetzt beichten und das h. Sakrament der Buße empfangen solle! O, so gib mir auch in den Sinn, wie ich wahre Reue erwecken und dies h. Sakrament würdig empfangen möge. Du weißt, daß ich zwar herzlich verlange, die allergrößste Reue zu haben; du weißt aber auch, daß ich nicht die geringste Reue ohne deine besondere Gnade haben kann. Weil ich jetzt bei Strafe einer Todsünde eine würdige Reue zu erwecken schuldig bin und dies aus mir ganz und gar nicht verrichten kann, so thue ich, was ich kann, und spreche dich um Erlangung wahrer Reue an. Weil ich denn thue, was an mir ist, so wirst du ja nicht unterlassen, was an dir ist, und wirst mir dasjenige aus Gnade mittheilen, was ich mir selber nicht geben kann. Gib mir doch eine wahre Reue, o du liebreicher h. Geist! und erweiche mein Gebete vor der Beicht. 141 hartes Herz zur wahren Bußfertigkeit. Verleihe mir doch durch deine Gnade, daß mir mein fündiges Leben wahrhaft mißfalle, und daß ich vor allen meinen Sünden einen wahren Abschen trage. Gib mir doch zu erkennen, wie schwer ich dich mit meinen Sünden beleidige, weil ich dich so oft aus meinem Herzen vertreibe und dem Satan darin Platz mache. Laß mich doch gründlich erkennen, wie tief es dich betrübe, daß ich deinen heilsamen Einsprechungen nicht folge und dir, meinem Gott, so nachlässig diene, damit mein fündiges Herz über diese meine Unthaten wahrhaft erschrecke und den ernstlichen Vorsatz erwecke, dies mein sündhaftes und nachlässiges Leben zu bessern. Amen. Gebet vor der Beicht. Zu dir, meinem Heilande, Christe Jesu, gedenke ich jetzt zu treten, gleichwie die büßende Magdalena zu dir in des Pharisäers Haus getreten ist: und gleichwie sie sich selbst vor deinen H. Füßen niedergeworfen, ihre Sünden bitterlich beweint, und dir als dem höchsten Priester gebeichtet hat: also will auch ich mich zu den Füßen des Priesters demüthig niederwerfen und ihm an deiner Statt meine vielfältigen Sünden beichten und offenbaren. Wollte Gott, daß ich dieses mit solcher Reue und so reichlichen und bittern Zähren verrichten könnte, gleichwie die reumüthige Magdalena ihre erste Beicht und Buße verrichtet hat! Ich opfere dir, o Jesu, die schmerzlichen Seufzer und Zähren, welche ich nicht vergießen kann, wiewohl ich's herzlich gern thun wollte. Ich opfere dir auch alle Reue und 142 Das vierte Gärtlein. Leid, welche in allen büßenden Herzen jemals wegen ihrer eigenen oder wegen fremder Sünden gewesen sind und wünsche aufrichtig, daß ich alle dieselben in mein Herz einschließen und darin wahrhaft empfinden möchte. Mit ernstlicher Begierde nach allen diesen Bereuungen geziert, trete ich zu dir, meinem süßesten Heilande, und begehre meine unreine Seele in dem Brunnen deiner heißen Zähren zu waschen und in dem warmen Bade deines rosenfarbenen Blutes zu baden, damit sie von allen ihren Makeln gereiniget, und mit deiner Gnade auf das herrlichste gezieret werde. Dieses verleihe mir, o gütigster Jesu, durch deine unendliche Güte und Barmherzigkeit, und verschaffe durch die Einsprechungen des H. Geistes, daß ich eine aufrichtige, vollständige und gültige Beicht verrichten möge. Amen. Kurz vor der Beicht, ehe du in den Beichtstuhl gehst, sprich von Herzen: Ich armer sündiger Mensch widersage dem bösen Feinde, allen seinen Eingebungen, Rath und That. Ich glaube an Gott den Vater, an Gott den Sohn und an Gott den heiligen Geist. Ich glaube auch Alles, was die h. römisch- katholische Kirche zu glauben befiehlt. Mit diesem h. katholischen Glauben beichte und bekenne ich Gott, dem Allmächtigen, Maria, seiner hochwürdigen Mutter, allen lieben Heiligen und gebe mich schuldig, daß ich von meinen findlichen Tagen an bis auf diese Stunde oft und viel gesündigt habe, mit Gedanken, Worten und Unterlaffung vieler guten Werke; wie dann solches geschehen ist, heimlich oder öffentlich, wissentlich oder unwissentlich, wider die zehn Gebote, in den sieben Gebete vor der Beicht. 143 Hauptsünden, an den fünf Sinnen meines Leibes, wider Gott, wider meinen Nächsten und das Heil meiner armen Seele. Solche und alle meine Sünden sind mir leid und reuen mich von Herzen. Darum bitte ich demüthig dich ewigen, barmherzigen Gott, du wollest mir deine göttliche Gnade verleihen, mein Leben fristen, so lange bis ich hier alle meine Sünde möge beichten und büßen, deine göttliche Huld erwerben und nach diesem elenden Leben die ewige Freude und Seligkeit erlangen. Deswegen klopfe ich an mein fündiges Herz und spreche mit dem öffentlichen Sünder: O Herr Gott! sei mir armen Sünder gnädig. Sobald du in den Beichtstuhl kommst und den priesterlichen Segen begehrt hast, sprich folgende Beicht: Jm Geiste der Demuth und mit zerknirschten Herzen beichte und bekenne ich Gott und allen Heiligen, und Euch, Priester, an Gottes Statt, daß ich von meiner letzten Beicht, so vor... geschehen ist, wiederum mit vielen bösen Gedanken, Worten und Werken gesündigt habe, besonders in folgenden Stücken: Hier nenne zuerst diejenige Sünde, welche dein Gewiffent am meisten beunruhigt, besonders wenn du dich sehr schämest, diese Sünde zu bekennen. Wenn diese mal vom Herzen ist, so wird dasselbe leichter, und mit größerer Reue und Zertnirschung wirst du dann auch die übrigen beichten. Haft du nur läßliche Sünden, so beichte diejenigen zuerst, die du am meisten mit freiem Willen gethan hast, und worüber du mehr, als über die andern, Reue und Leid empfindest. Denn du mußt wissen, daß der, welcher auch nur läßliche Sünden hat, wenigstens Eine derselben herzlich bereuen muß mit dem festen Vorsatze, dieselbe in Zukunft zu meiden, wenn er das h. Sakrament der Buße empfangen will, da über nicht bereute Sünden, auch wenn es solche sind, die man eigentlich nicht zu beichten brauchte, die Lossprechung 144 Das vierte Gärtlein. nicht gültig erklärt werden kann. Enthalte dich auch aller weitschweifigen Erzählungen, nur sag' immer so viel, daß der Beichtvater die Art und Zahl der Sünden und den Grad der Bosheit deines Herzens leicht erkenne. Beschluß der Beicht. Diese und alle meine Sünden, die ich von Jugend auf begangen, auch schon gebeichtet habe, hier aber wieder einschließe, bekannte und unbekannte, sind mir von Grund meines Herzens leid, weil ich meinen lieben Gott damit erzürnet habe. Auch nehme ich mir fest vor, sie mit der Gnade Gottes in Zukunft nicht wieder zu begehen und die Gelegenheiten zur Sünde sorgfältig zu meiden. Ich bitte um eine heilsame Buße und um die Lossprechung, wenn Sie, mein ehrwürdiger Vater, es für gut finden. Unter der Absolution sprich im Herzen: Christe Jesu, der du die h. Magdalena mit deinem eigenen Munde absolvirt hast, würdige dich auch jetzt, mich durch deine göttliche Güte zu absolviren und die priesterliche Absolution im Himmel zu bekräftigen, damit ich von allen Sünden entbunden und von allen verdienten Strafen befreit werde. Am. Gebet nach der Beicht. Nun habe ich, o Christe Jesu! dir und dem Priester meine Sünden gebeichtet und die priesterliche Lossprechung darüber empfangen. Deswegen zweifle ich gar nicht, du werdest mir verziehen und mich zu Gnaden aufgenommen haben. O wie groß ist deine Liebe und Güte, welche mich boshaften Sünder so leicht wieder zu Gnaden aufnimmt und Th Gebet nach der Beicht. 145 die schwere dir zugefügte Schmach so gnädig verzeiht! Deswegen sage ich dir unendliches Lob und herzlichen Dank, und liebe dich um so mehr, weil du dich gegen mich so liebreich erzeigest. Zu einer Erstattung aber der großen Unehren, so ich dir angethan habe, will ich jetzt die auferlegte Buße mit Andacht verrichten und begehre dir durch diese tausendfältig größere Ehre zu erweisen, als ich dir durch meine Sünden Schmach und Unehre angethan habe. Jeht bete deine Buße oder zum wenigsten einen Theil derfelben. Darnach sprich: Nimm auf, o himmlischer Vater! diese meine verrichtete Buße, welche ich dir durch Jesum Christum, deinen Sohn, aufopfere, zugleich mit derselben alle seine Bußwerke und Verdienste, wie auch alle Bußwerke und Verdienste deiner Heiligen. Dein Sohn hat dir unendlichmal mehr Liebe erwiesen, als ich dir Leid gethan habe und deine lieben Auserwählten haben dir unbegreiflich größere Dienste geleistet, als ich Gutes in deinem Dienste unterlassen habe. So werden ja diese dir erwiesenen Liebesdienste, welche ich dir treulich aufopfere, so viel bei dir vermögen, daß sie meine Missethaten vertilgen und meine Unterlassungen erstatten. Deswegen verlasse ich mich fest auf die Genugthuung Christi und der Heiligen, und zweifle gar nicht daran, du werdest diese meine Aufopferung gültig sein lassen und wohlgefällig annehmen wollen. Amen. Myrrhengarten III. 10 Das vierte Gärtlein. Die sieben Bußpsalmen. Ate Gläubigen, welche verpflichtet sind, die Bußpsalmen an den in den Rubriken des römischen Missals bezeichneten Tagen zu beten, gewinnen für jedesmal einen Ablaß von 50 Tagen; jene aber, welche dieselben aus Andacht zu was immer für einer Zeit beten, jedesmal einen Ablaß von 40 Tagen. Pius V. vom 9. Juli 1568 und 5. April 1571, 146 Als der H. Büßer Augustinus, Bischof zu Hippo und Kirchenlehrer, auf seinem Sterbebette lag, ließ er sich die Bußpsalmen vor Augen stellen und las dieselben unter häufigen Thränen. Denn, pflegte er zu sagen, Niemand, auch wenn er sich keines Verbrechens schuldig wisse, dürfe ohne Buße aus diesem Leben scheiden. - Antiphon. Gedenke nicht, o Herr! unserer Sünden, oder der Sünden unserer Eltern, nimm auch nicht Rache wegen unserer Fehltritte. Erster Psalm( 6ter). Herr, strafe mich nicht in deinem Grimme: und züchtige mich nicht in deinem Zorne. Erbarme dich meiner, o Herr, denn ich bin schwach: heile mich, Herr, denn meine Gebeine sind erschrocken; ¹) Und meine Seele ist sehr erschrocken; aber du, o Herr, wie lange? Wende dich, Herr, und errette meine Seele: hilf mir um deiner Barmherzigkeit willen. Denn im Tode ist keiner, der deiner gedenket: und in der Hölle, 2) wer wird da dich loben? Ich hab' mich abgemühet in meinem Seufzen, wasche jede Nacht mein Bett und beneße mit meinen Thränen mein Lager. Vom Gram ist verdunkelt mein Auge; veraltet bin ich unter allen meinen Feinden. 1) Sind vor Schmerz und Angst in Bewegung. 2) d. h. Unterwelt, wo alle Abgeschiedenen sich versammelten, ehe Christus sein Werk vollbracht hatte, und zwar für die Bösen als eine eigentliche Hölle ein Ort des Seufzens; aber doch auch für die Guten als Vorhölle tein Ort der Freude, sondern des schweigenden Trauerns, und sofort kein Ort des Bekenntnisses und Lobes Gottes, wie die Erde noch. Die sieben Bußpfalmen. 147 Weichet von mir alle, die ihr Böses thuet, denn der Herr hat die Stimme meines Weinens erhöret. Erhöret hat der Herr mein Flehen: der Herr hat aufgenommen mein Gebet. Es sollen sich schämen und heftig erschrecken alle meine Feinde: sie sollen sich wenden und schämen gar schnell. Ehre sei dem Vater 2c. Bweiter Psalm( 31 ster). Selig diejenigen, deren Missethaten nachgelassen, und deren Sünden bedeckt sind. ³) Selig der Mann, welchem der Herr die Sünde nicht zugerechnet hat, und in dessen Geiste keine Falschheit ist.4) Dieweil ich geschwiegen, veralteten meine Gebeine, während ich schrie den ganzen Tag: Denn Tag und Nacht lag schwer auf mir deine Hand; in meinem Elend hab' ich mich bekehrt, während der Stachel in mir haftete. Meine Sünde habe ich dir kund gethan: und meine Ungerechtigkeit nicht verborgen. Ich habe gesagt: Ich will bekennen wider mich meine Ungerechtigkeit dem Herrn: und du hast nachgelassen die Gottlosigkeit meiner Sünde. Und das soll zu dir bitten jeder Heilige zur rechten Zeit: und in der Fluth vieler Wasser, 5) die wird ihn nicht erreichen. Du bist meine Zuflucht in der Trübsal: die mich umrungen hat: du mein Frohlocken, errette mich von denen, die mich umringen. Ich will dir Verstand geben, und dich unterrichten in diesem Wege, den du wandeln sollst: ich will meine Augen auf dich heften. Werdet nicht wie Pferd und Maulthier, die keinen Verstand haben. Mit Zaum und Gebiß bezwing die Backen derer, die nicht nahen zu dir! 6) Viele Geißeln kommen über den Sünder, wer aber auf den Herrn vertraut, den wird Barmherzigkeit umfahen. 3) Die Liebe bedeckt die Menge der Sünden, 2. Petr. 4. 4) d. h. sich nicht selbst belüget und seine Sünde beschönigt. 5) Ein Bild großen Unglüds. 6) 3winge sie durch Trübsal dazu. 10% Das vierte Gärtlein. Freuet euch in dem Herrn, und frohlocket ihr Gerechten, und jauchzet alle, die ihr aufrichtigen Herzens seid! Ehre sei dem Vater 2. 148 Dritter Psalm( 37 ster). Herr, strafe mich nicht in deinem Grimme: und züchtige mich nicht in deinem Borne; Denn deine Pfeile stecken in mir, und du hast überstark gemacht deine Hand. Es ist nichts Gesundes an meinem Fleische vor dem Angesichte deines Zornes: kein Frieden ist in meinen Gebeinen vor dem Angesichte meiner Sünden.") Denn meine Missethaten haben mein Haupt überstiegen, und gleich einer schweren Bürde lasten sie auf mir. Meine Wundmale sind faul und verderbt worden vor meiner Thorheit.8) Ich bin elend worden, und vollends gebeuget: den ganzen Tag betrübet einhergegangen. Denn meine Lenden sind voll der Täuschungen) und nichts Gesundes ist in meinem Fleische. Ich bin geplaget und gar sehr gedemüthigt; und stöhnete vor Seufzen meines Herzens. Herr, vor dir ist alle meine Sehnsucht, und mein Seufzen ist vor dir nicht geborgen. Mein Herz ist verwirrt, meine Kraft hat mich verlassen: und das Licht meiner Augen ist nicht bei mir. Meine Freunde und meine Nächsten haben sich genahet wider mich und sich aufgestellt; und die bei mir waren, sind ferne gestanden: Und die meiner Seele nachstellten, übeten Gewalt: die mir Böses wollten, haben eitel Ding geredet: und List er= sonnen den ganzen Tag. Ich aber, einem Tauben gleich, hörte nicht, und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht aufthut. Und ich ward wie ein Mensch, der nicht höret: und der in seinem Munde keine Widerrede hat. 7) Betrachte ich meine Sünden, so zittern selbst meine Gebeine. 8) Weil ich mich nicht gleich bekehrte. 9) Voll betrügerischer Begierlichkeit. Die sieben Bußpsalmen. 149 Denn ich habe gesagt: daß meine Feinde sich ja nicht freuen über mich: Wenn meine Füße wanken, sprechen sie groß über mich. Denn für die Geißeln bin ich bereit, und mein Schmerz ist immer vor meinem Angesicht. Ich will anzeigen meine Missethat: und meiner Sünden gedenken. Dagegen leben meine Feinde, und sind mächtig worden über mich: und zahlreich sind worden, die mich ungerecht haffen. Die Gutes mit Bösem vergelten, redeten mir übel nach: dieweil ich dem Guten nachstrebte. Verlasse mich nicht, Herr mein Gott: weiche nicht von mir. Hab' Acht auf meine Hülfe, Herr, du Gott meines Heiles. Ehre sei dem Vater 2c. Vierter Psalm( 50 fter). Erbarme dich meiner, o Gott, nach deiner großen Barmherzigkeit: und nach der Menge deiner Erbarmnisse tilge meine Missethat. Mehr und mehr wasche mich von meiner Ungerechtigkeit: und von meiner Sünde reinige mich. Denn meine Missethat erkenne ich: und meine Sünde ist vor mir allezeit. Dir allein hab' ich gefündigt, und Böses vor dir gethan: auf daß du gerecht befunden werdest in deinen Worten: und den Sieg erhaltest, wenn du gerichtet wirst. 10) Denn siehe; in Ungerechtigkeit bin ich empfangen: in Sünden hat mich empfangen meine Mutter. ¹¹) Siehe! die Wahrheit hast du geliebet ¹2): die heimlichen und verborgenen Dinge deiner Weisheit mir geoffenbaret. 18) Besprenge mich mit Hysop, ¹4) so werde ich gereiniget: wasche mich, so werde ich weißer, als der Schnee. 10) Durch meine Sünde kommt deine Gerechtigkeit noch mehr an den Tag; theils weil du strafest, theils weil du dich milde erbarmest und vergeihest. 11) in der Erbsünde. 12) Ein aufrichtiges Verlangen. 13) Wie ich mich bessern solle und könne. 14) Ein Vorbild der Reinigung durch das Blut Christi. 150 Das vierte Gärtlein. Gib meinem Gehör Freude und Wonne, so werden frohlocken die gedemüthigten Gebeine. Wende ab dein Angesicht von meinen Sünden: und alle meine Missethaten tilge. Ein reines Herz erschaff' in mir, o Gott, und den rechten Geist erneu're in meinem Innern. 15) Verwirf mich nicht vor deinem Angesichte: und deinen heiligen Geist nimm nicht von mir. Gib mir wieder die Freude meines Heiles: und mit dem vortrefflichen Geifte befestige mich. 16) So will ich lehren die Ungerechten deine Wege: und die Gottlosen werden sich zu dir bekehren. Erlöse mich von den Blutschulden, du Gott meines Heiles: so wird mit Freuden meine Zunge deine Gerechtigteit preisen. Herr! öffne meine Lippen, und mein Mund wird verfünden dein Lob. Denn, wenn du Opfer gewollt hättest, würd' ich ja freilich sie gegeben haben: an Brandopfern wirst du keinen Gefallen haben. Ein Opfer vor Gott ist ein betrübter Geist: ein zertnirschtes und gedemüthigtes Herz wirst du, o Gott, nicht verachten. Thue, Herr, Gnade nach deinem guten Willen an Sion, damit die Mauern Jerusalems erbauet werden. ¹7) Dann wirst du annehmen das Opfer der Gerechtigkeit, Gaben und Brandopfer: dann wird man Kälber auf deinen Altar legen. Ehre sei dem Vater 2c. Fünfter Psalm( 101 ster). Herr, erhöre mein Gebet: und laß mein Rufen zu dir kommen! Wende nicht ab dein Angesicht von mir; an welchem Tage ich immer in Trübsal bin, neige her zu mir dein Ohr, an 15) Den festen, standhaften in seinen Vorsäßen. 16) der über die Begierlichkeiten herrscht. 17) Des geistigen Jerusalem, der gebesserten Seele. Von einer gebesserten Seele werden alle Opfer dir angenehm sein, sonst nicht. Die sieben Bußpfalmen. 151 welchem Tage ich immer dich anrufe, wollest alsbald mich erhören. Denn meine Tage schwinden hin wie Rauch: und meine Gebeine verdorren wie dürres Reis. Ich bin getroffen wie Heu, und mein Herz ist dürre; denn ich vergesse, mein Brod zu eſsent. Von der Stimme meines Seufzens klebet mein Gebein an meinem Fleisch. Ich gleiche dem Pelikan der Wüste: ich bin wie eine Eule in ihrer Wohnung. Ich bin schlaflos, und wie ein einsamer Sperling auf dem Dache. Den ganzen Tag höhnen mich meine Feinde: und die mich lobten, schwören wider mich. Denn Asche, wie Brod, eff' ich: und meinen Trank misch ich mit Thränen. Wegen deines Zornes und deines Unwillens: denn du hast mich emporgehoben und niedergeworfen. Meine Tage gehen hin wie ein Schatten, und ich verwelke wie Heu. Du aber, Herr, bleibest in Ewigkeit: und dein Andenken von Geschlecht zu Geschlecht. Du wirst aufstehen, dich Sions erbarmen; denn es ist Zeit, sich seiner zu erbarmen und die Zeit ist gekommen. Denn es gefallen deinen Knechten seine Steine: und sie bedauern seinen Schutt. ¹8) Und die Völker werden fürchten deinen Namen, Herr: und alle Könige deine Herrlichkeit. Denn der Herr wird Sion bauen: und gesehen werden in seiner Herrlichkeit. Wird sehen auf das Gebet der Demüthigen: und nicht verschmähen ihr Flehen. Man schreibe dies dem kommenden Geschlecht: und das Volk, das soll geschaffen werden, wird den Herrn loben. 19) 18) Bezieht sich auf die Wiedererbauung Jerusalems nach der babylonischen Gefangenschaft. 19) Nicht allein die spätern Juden, sondern vielmehr die Christen, als die wahren Israeliten, sind zu verstehen. 152 Das vierte Gärtlein. Denn er schauet herab von seiner heiligen Höh': der Herr schauet vom Himmel auf die Erde. Um zu hören das Seufzen der Gefangenen, um zu erlösen die Kinder der Erschlagenen. Daß sie zu Sion verkünden den Namen des Herrn: und sein Lob zu Jerusalem. Wenn die Völker zu Einem Volte zusammen kommen, und die Könige, zu dienen dem Herrn. Hierauf sprach zu ihm der Mann im Laufe der Jahre seiner Kraft: die geringe Zahl meiner Tage thu' mir tund! 20) Ruf' mich nicht ab in der Hälfte meiner Tage; deine Jahre währen von Geschlecht zu Geschlecht. Im Anfang hast du, o Herr, die Erde gegründet, und die Werke deiner Hände sind die Himmel. Dieselben vergehen, du aber bleibst: sie alle veralten wie ein Kleid, und wie ein Gewand veränderst du sie, und sie werden verändert; Du aber bist derselbe: und deine Jahre nehmen kein Ende. Die Kinder deiner Knechte werden bei dir wohnen: und ihr Samen wird bestehen in Ewigkeit. Ehre sei dem Vater 2c. Sechster Psalm( 129 fter). Aus der Tiefe 21) rufe ich zu dir, o Herr! Herr erhöre meine Stimme, laß Acht haben dein Ohr auf die Stimme meines Flehens. Wenn du Acht haben wolltest auf die Missethaten, Herr: wer könnte da bestehen, o Herr! Aber bei dir ist Versöhnung; und um deines Gesetzes willen harr' ich auf dich, o Herr! Meine Seele harret auf sein Wort. Meine Seele hoffet auf den Herrn. 20) Jch bin noch jung, laß mich die Tage der Befreiung noch erleben. Der Christ denkt an die Befreiung von der Sklaverei der Sünde. 21) Meines Elends, meiner Sündennoth. Die sieben Bußpfalmen. 153 Von der Morgenwache bis in die Nacht 22) hoffe Ifrael auf den Herrn: Denn bei dem Herrn ist Barmherzigkeit: und bei ihm ist überreiche Erlösung. 28) Und er wird Israel erlösen von allen seinen Sünden. Ehre sei dem Vater 2c. Siebenter Psalm( 142 ster). Herr, erhöre mein Gebet, nimm zu Ohren mein Flehen nach deiner Wahrheit; erhöre mich nach deiner Gerechtigkeit. Und gehe nicht in's Gericht mit deinem Knechte; denn vor deinem Angesicht ist kein Lebender gerecht. Denn der Feind verfolgt meine Seele, beugt nieder zur Erde mein Leben, versetzt mich in's Finstere wie die Todten der Vorwelt. 24) Und mein Geist ist mir geängstet: mein Herz ist mir zerstöret. Ich gedente der alten Zeiten, 25) ich überlege alle deine Werte: über die Werke deiner Hände denke ich nach! Ich breite meine Hände aus zu dir: gleich Land ohne Wasser dürftet meine Seele nach dir! Geschwinde erhöre mich, Herr! mein Geist verschmachtet, 26) wende nicht weg dein Angesicht von mir, daß ich nicht gleich werde denen, die in die Grube fahren. Laß mich frühe deine Barmherzigkeit hören, denn auf dich hoffe ich Thu' mir fund den Weg, darauf ich wandeln soll, denn zu dir erheb' ich meine Seele. Errette mich von meinen Feinden, o Herr! zu dir flehe ich. Lehre mich thun nach deinem Willen, denn mein Gott bist du: dein guter Geist führe mich auf der rechten Bahn; 27) 22) d. h. immerdar. 23) Durch das kostbare Blut Jesu. 24) Der Versucher und die übrigen Seelenfeinde, die mich innerlich so trüb und troftlos machen. 25) In denen du oft Barmherzigkeit übteft. 26) Vor Sehnsucht nach dir. 27) Dein h. Geist, deine Gnade führe mich auf den Weg der Tugend und Gerechtigkeit. 154 Das vierte Gärtlein. Herr belebe mich um deines Namens willen nach deiner Gerechtigkeit: führe aus der Trübsal meine Seele: Und nach deiner Barmherzigkeit zerftreue meine Feinde, und vertilge alle, die meine Seele quälen, denn ich bin dein Knecht! Ehre sei dem Vater zc. Antiphon. Gedenke nicht, o Herr! unserer Sünden oder der Sünden unserer Eltern, nimm auch nicht Rache wegen unserer Fehltritte. Litanei zu allen Heiligen. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater im Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme 2c. Gott heiliger Geist, erbarme 2c. Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme 2c. Heilige Maria, bitte für uns! Heilige Gottesgebärerin, bitte 2c. Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, bitte 2c. Heiliger Michael, bitte 2c. Heiliger Gabriel, bitte 2c. Heiliger Raphael, bitte 2c. Alle heiligen Engel und Erzengel, bittet 2c. Alle heiligen Chöre der seligen Geister, bittet 2c. Heiliger Johannes der Täufer, bitte 2c. Heiliger Joseph, bitte 2c. Alle heiligen Patriarchen und Propheten, bittet 2c. Heiliger Petrus, bitte 2c. Heiliger Baulus, bitte 2c. Heiliger Andreas, bitte 2c. Heiliger Jakobus, bitte 2c. Heiliger Johannes, bitte 2c. Heiliger Thomas, bitte 2c. Heiliger Jakobus, bitte 2c. Heiliger Philippus, bitte 2c. Heiliger Bartholomäus, bitte 2c. Litanei zu allen Heiligen. Heiliger Matthäus, bitte 2c. Heiliger Simon, bitte 2c. Heiliger Thaddäus, bitte zc. Heiliger Mathias, bitte 2c. Heiliger Barnabas, bitte 2c. Heiliger Lukas, bitte 2c. Heiliger Markus, bitte 2c. Alle heiligen Apostel und Evangeliften, bittet 2c. Alle heiligen Jünger des Herrn, bittet 2c. Alle heiligen unschuldigen Kinder, bittet 2c. Heiliger Stephanus, bitte 2c. Heiliger Laurentius, bitte 2c. Heiliger Vincentius, bitte 2c. Heilige Fabianus und Sebastianus, bittet 2c. Heilige Johannes und Paulus, bittet 2c. Heilige Cosmas und Damianus, bittet 2c. Heilige Gervasius und Protasius, bittet 2c. Alle heiligen Märtyrer, bittet 2c. Heiliger Sylvester, bitte 2c. Heiliger Gregorius, bitte 2c. Heiliger Ambrosius, bitte 2c. Heiliger Augustinus, bitte 2c. Heiliger Hieronymus, bitte zc. Heiliger Martinus, bitte 2c. Heiliger Nikolaus, bitte 2c. Alle heiligen Bischöfe und Bekenner, bittet 2c. Alle heiligen Kirchenlehrer, bittet 2c. Heiliger Antonius, bitte 2c. Heiliger Benediktus, bitte 2c. Heiliger Bernardus, bitte 2c. Heiliger Dominifus, bitte 2c. Heiliger Franziskus, bitte 2c. Alle heiligen Priester und Leviten, bittet 2c. Alle heiligen Mönche und Einsiedler, bittet 2c. Heilige Maria Magdalena, bitte 2c. Heilige Agatha, bitte zc. Heilige Lucia, bitte 2c. Heilige Agnes, bitte 2c. Heilige Cäcilia, bitte zc. 155 156 Das vierte Gärtlein. Heilige Katharina, bitte 2c. Heilige Anastasia, bitte 2c. Alle heiligen Jungfrauen und Wittwen, bittet 2c. Alle Heiligen Gottes, bittet 2c. Sei uns gnädig, verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Herr! Von allem Uebel, Von aller Sünde, Von deinem Zorne, Vom jähen und unvorgesehenen Tode, Von den Nachstellungen des Teufels, Vom Zorne, Haß und allem bösen Willen, Vom Geiste der Unreinigkeit, Von Blitz und Ungewitter, Von Pest, Hunger und Krieg, Von dem ewigen Tode, Durch das Geheimniß deiner h. Menschwerdung, Durch deine Ankunft, Durch deine Geburt, Durch deine Taufe und dein h. Fasten, Durch dein Kreuz und Leiden, Durch deinen Tod und dein Begräbniß, Durch deine heilige Auferstehung, Durch deine wunderbare Himmelfahrt, Durch die Herabkunft des h. Geistes, des Trösters, Am Tage des Gerichts, Wir armen Sünder, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du uns verschonest, Daß du uns verzeihest, Daß du uns zur wahren Buße führen wollest, Daß du deine Kirche regieren und erhalten wollest, Daß du den obersten Hirten und alle Stände der Kirche in der wahren Gottesfurcht erhalten wollest, Daß du die Feinde der h. Kirche demüthigen wollest, Daß du den christlichen Königen und Fürsten Frieden und wahre Eintracht geben wollest, Daß du dem ganzen christlichen Volke Frieden und Einigkeit verleihen wollest, Erlöse uns, o Herr! Wir bitten dich, erhöre uns! Litanei zu allen Heiligen. Daß du uns selbst in deinem h. Dienste stärken und erhalten wollest, Daß du in unsern Gemüthern himmlische Begierden erweckest, Daß du alle unsere Wohlthäter mit ewigen Gütern beLohnest, 157 Daß du unsere und unserer Brüder, Freunde und Gutthäter Seelen vor der ewigen Verdammniß bewahrest, Daß du die Früchte der Erde geben und erhalten wollest, Daß du allen abgestorbenen Christgläubigen die ewige Ruhe verleihen wollest, Wir bitten dich, erhöre uns! Daß du uns erhören wollest, O du Lamm Gottes u. s. w.( 3 mal). Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! V. Vater unfer 2c. Und führe uns nicht in Versuchung! R. Sondern erlöse uns vom Uebel! Amen. Psalm 69. Gott! hab' Acht auf meine Hülfe! Herr! eile mir zu helfen. Es sollen sich schämen und zu Schanden werden, die meiner Seele nachstreben. Es sollen zurückweichen und beschämt werden, die mir Uebels wollen. Eilends sollen zurückweichen und beschämt werden, die zu mir sagen: So recht! so recht! Aber frohlocken sollen und sich freuen über dich Alle, die dich suchen: und die dein Heil lieben, sollen immer sprechen: Hochgelobt sei der Herr! Ich bin arm und elend! Gott hilf mir. Mein Helfer und mein Erlöser bist du, Herr! säume nicht. V. Ehre sei dem Vater, und dem Sohne, und dem h. Geiſte! Wie vom Anfange, so jetzt und allezeit, und in alle Ewigkeit. Amen. 158 Das vierte Gärtlein. V. Erlöse und schütze deine Diener, o Gott! R. Die auf dich hoffen! V. Sei uns, o Herr, ein fester Thurm! R. Vor dem Feinde! V. Nichts soll der Feind über uns vermögen! R. Und der Sohn der Ungerechtigkeit soll uns nicht weiter schaden! V. Herr, thu' uns nicht nach unsern Sünden! R. Und vergilt uns nicht nach unsern Missethaten! W. Lasset uns beten für unsern h. Vater, den Papst N. N. R. Der Herr behüte ihn, und erhalte ihn beim Leben, und mache ihn selig auf Erden, und übergebe ihn nicht in den Willen seiner Feinde! V. Lasset uns beten für unsere Wohlthäter! R. Vergelte gnädig, o Herr, Allen, die uns wohlthun, um deines Namens willen, und schenk' ihnen das ewige Leben! W. Laffet uns beten für die abgestorbenen Chriftgläubigen! R. Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige licht leuchte ihnen! V. Laß sie ruhen in Frieden! R. Amen. V. Lasset uns beten für unsere abwesenden Brüder! R. Erlöse und schütze deine Diener, o Gott, die auf dich hoffen! W. Sende ihnen Hülfe aus deinem Heiligthume, o Herr! R. Und von Sion aus beschüßze fie! V Herr, erhöre mein Gebet! R. Und laß mein Rufen zu dir kommen! V. Der Herr sei mit euch! R. Und mit deinem Geiste! Laßt uns beten! Gebet. Gott! dir ist es eigen, dich stets zu erbarmen und zu verschonen. Nimm gnädig auf unser Flehen, und löse huldvollst durch die Erbarmung deiner unendlichen Liebe die Fesseln der Sünden, welche uns alle, deine Diener, umstricken! Wir bitten dich, o Herr! erhöre unser demüthiges Gebet, und verschone Alle, die ihre Sünden vor dir bekennen, auf Litanei zu allen Heiligen. 159 daß wir zugleich Verzeihung und den Frieden durch deine Huld erlangen mögen! Laß, o Herr, deine unaussprechlichen Erbarmungen in ihrer ganzen Herrlichkeit an uns sich offenbaren, damit wir zugleich von allen Sünden, die wir begangen haben, gereiz niget, und von allen Strafen, die wir dafür verdient haben, erlöset werden mögen! Gott, der du durch die Sünde beleidiget, durch die Buße verföhnet wirst; siehe gnädig auf das Flehen deines demüthigen Volkes und wende gnädig die Geißel deines Zornes ab, die wir für unsere Sünden wohl verdient haben! Allmächtiger ewiger Gott! erbarme dich deines Dieners N., unsers obersten Hirten, leite ihn nach deiner Milde auf dem Wege des ewigen Heils, damit er durch deine Gnade, was dir wohlgefällig ist, begehre und mit aller Kraft vollbringe! Gott, von dem alles heilige Verlangen, alles weise Rathen und alles gerechte Thun stammt; gib uns, deinen Dienern, jenen Frieden, den die Welt nicht geben kann; damit unsere Herzen deinen Geboten stets ergeben, und unsere Zeiten von allem feindlichen Schrecken befreit, unter deinem Schutze ruhig bleiben! Laß, o Herr, das Feuer des h. Geistes Herz und Nieren uns durchglühen, damit wir mit keuschem Leibe dir dienen und mit reinem Herzen dir gefallen mögen! O Gott, du Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen, verleihe den Seelen deiner Diener und Dienerinnen Verzeihung aller Sünden, auf daß sie die gnädige Nachlassung, welche sie allezeit ersehnt haben, durch unsere liebevolle Fürbitte erlangen mögen! Komm uns, o Herr! in allem, was wir thun, mit deiner Gnade zuvor, und hilf uns mit deinem Segen weiter fort, damit alle unsere Gebete und Handlungen vor dir ihren Anfang nehmen und durch dich ihre Vollendung erhalten! Allmächtiger, ewiger Gott! der du herrscheft über die Lebendigen und die Todten, und dich aller erbarmest, welche du aus ihrem Glauben und Wirken für die Deinen anerkennest; wir bitten dich demüthig, daß Jene, für welche wir uns vorgenommen haben, unser Gebet vor dir auszugießen, - 160 Das fünfte Gärtlein. und die entweder noch in dieser Welt am Leben, oder schon von dieser Erde abgeschieden sind, durch die Fürbitte aller deiner lieben Heiligen, nach deiner Huld, Verzeihung aller ihrer Sünden erlangen mögen, durch unsern Herrn, Jesum Christum, deinen Sohn, der mit dir lebt und regieret in Einigkeit des h. Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. R. Amen. V. Der Herr sei mit euch. R. Und mit deinem Geiste! V. Der allmächtige und barmherzige Gott erhöre unser Flehen! R. Amen. W. Die Seelen der verstorbenen Christgläubigen mögen durch die Barmherzigkeit Gottes in Frieden ruhen! R. Amen. Die Bitanei wird am Charsamstage nach der Segnung des Taufwassers gesungen, du kannst sie dann in der Stille mitbeten. Auch am Allerheiligenfeste bete sie mit Andacht und reumüthigem Herzen. Das fünfte Myrrhen- Gärtlein. Gepflanzt mit andächtigen Communion- Gebeten. Unter allen Uebungen, die ein frommer Christ zu Ehren Gottes und zur Beförderung seines Heils verrichten kann, ist die würdige Empfahung der H. Communion eine der vortrefflichsten. Und je öfter man sie empfängt, desto besser ist es, vorausgesetzt, das man sie nur mit Andacht empfängt, und durch dies Mittel täglich frömmer zu werden sucht. Die Vorbereitung aber zu der Communion deutete uns Christus an, als Er sprach: Dies thuet zu meinem Andenken. Der H. Paulus erklärt dies also mit den Worten: So oft ihr dies Brod esset 2c., sollt ihr den Tod des Herrn verkünden! Als wollte er sagen: so oft ihr communiciret, so erinnert euch des Leidens und Sterbens Christi, welches mit folgenden Gebeten füglich geschehen wird. Gebete vor der Communion. Vorbereitung zur Communion. O Herr Jesu Christe, du Sohn des lebendigen Gottes! ich gedenke jetzt zu dem hochwürdigsten Sakramente des Altars zu gehen, und dein allerheiligstes Fleisch und Blut in mein unwürdiges Herz zu empfangen. Dies begehre ich auf so kräftige Weise zu verrichten, daß dir eine unendliche Ehre, deinen Heiligen eine große Freude, der Kirche ein besonderer Nutzen, den Verstorbenen ein reichlicher Trost, und meiner Seele sicheres Heil daraus entspringe. Hierzu verleihe mir deine göttliche Gnade, und durch die Einsprechung des H. Geistes regiere die Anmuthungen meiner Seele, damit sie sich zur Empfahung deiner göttlichen Majestät auf's würdigste bereite. Ich elender Sünder will thun, so viel ich immer fann; und du, o mein Jesu, wollest durch dich ersetzen, was ich durch mich nicht vermag. Du wollest mein unreines Herz mit deinen bitteren Zähren abwaschen, mit deinem blutigen Todesschweiße erweichen, mit deinem Seitenwasser befeuchten, mit deinem rosenfarbenen Blute besprengen, mit deinen Tugenden zieren, mit deinen Verdiensten bereichern, mit deiner Liebe entzünden, mit deiner Gottheit umgeben, und dir selbst eine so liebliche Wohnung darin bereiten, daß deine göttliche Majestät darin zu wohnen sich erlustige. Amen. Erinnerung an das Leiden Christi vor der Communion. 161 O Christe Jesu, wie herrlich ist die Mahlzeit, wozu du mich ladest, und wie köstlich sind die Speisen, welche du mir zubereitet hast! Denn du Myrrhengarten III. 11 162 Das fünfte Gärtlein. gibst mir deinen allerheiligsten Leib zur Speise und dein allerheiligstes Blut zum Tranke: und zwar dasjenige Blut, welches mit der Gottheit in deiner Person vereiniget und in deinem Leiden ganz schmerzlich ist vergossen worden; denjenigen Leib, welcher durch den h. Geist empfangen, und in deinem Leiden grausam ist zermartert worden. Ach! was für Mühe hat's dich gekostet, ehe du mir diese Speise zubereiten, und was für Pein hast du leiden müssen, ehe du mir diesen Trank bieten konntest! Ach, wie ist dein zartester Leib so schmerzlich gegeißelt, gekrönet, gekreuziget, und getödtet worden! Ach, wie ist dein rosenfarbenes Blut so schmählich vergossen, verunehret, verflucht und vermaledeiet worden! O mein treuester Erlöser, wie bist du am Delberge so betrübt gewesen, wie bist du im Garten unter so viel Spott gefangen, vor den Richtern so fälschlich verklagt, von dem Volke so schändlich verspottet, von den Schergen so ichmerzlich gegeißelt, von den Dornen so peinlich durchstochen, von der Last des Kreuzes so hart gedrückt, von den Nägeln so grausam durchbohrt, und von dem bittersten Tode so schrecklich hingerichtet worden! Ach, wie bist du in deinem Leiden von allen Menschen so ganz verlassen, verstoßen, verachtet, verspottet, verflucht und verwünscht worden! Denn Niemand wollte dich kennen; Niemand begehrte dich zu trösten; Niemand gab dir eine Labung, und Niemand hatte mit dir einiges Mitleid, außer deiner Mutter und deinen Freunden! Ja, du warst so sehr von Gott und der Welt verlassen, daß du dies nicht. verschmerzen konntest, sondern am Kreuze in Bitterfeit Gebete vor der Communion. 163 deines Herzens dich beklagend schrieest: Mein Gott, mein Gott! wie hast du mich verlassen! Bist du denn so ganz und gar verlassen, mein liebster Jeju? Will dich denn Niemand aufnehmen, mein edler Bräutigam? O, so will ich dich denn aufnehmen, mein auserwählter Schatz! Ich will mich deiner erbarmen, mein einziger Heiland! In das innerste Kämmerlein meines Herzens will ich dich führen, und in das Ruhebett meiner Seele will ich dich legen! Allda will ich dich laben, erquicken, trösten, umfangen, küssen und herzen. Dein verwundetes, gekröntes Haupt will ich auf das sanfteste Kissen meines guten Willens legen; deine Schmerzen will ich durch mein herzliches Mitleid lindern; deine Wunden will ich mit dem Kusse meines Mundes heilen; dein vergossenes Blut will ich mit den Zähren meiner Augen abwaschen; und statt der vielfältigen Schmach, so dir in deinem Leiden ist zugefügt worden, will ich dir tausendfältige Liebe und Ehre erweisen. Dieses alles will ich dir thun aus wahrer herzlicher Liebe und Treue, und will dir so viele holdselige Freundlichkeiten erzeigen, daß du dadurch aller deiner erlittenen Bein und Schmach vergessen sollst. O wäre ich nur tauglich genug, dies alles dir im höchsten Grade zu erzeigen! wäre mein Herz nur reich genug, dich auf's würdigste zu empfangen! Oliebreiche Mutter Gottes. hilf mir mein Herz bereiten. Oihr meine lieben Patrone, helft mir mein Herz zieren. O ihr lieben Heiligen, helft mir mein Herz reinigen! Gleichwie ihr eure Herzen zur würdigsten Empfahung dieses H. Sakramentes bereitet 11* 164 Das fünfte Gärtlein. habet, also bereitet auch jetzt mein sündiges Herz zur würdigsten Empfahung desselben Sakraments. Gleichwie ihr eure Seelen mit allen Tugenden geziert habt; also zieret jetzt auch meine Seele mit euren Tugenden: gleichwie ihr mit höchster Andacht zu diesem göttlichen Tische gegangen seid; also verschaffet, daß auch ich mit solcher Andacht zu diesem göttlichen Tische gehen möge. Erwerbet mir wahre Reue über meine Sünden, wahre Demuth meines Herzens, wahre Erkenntniß dieses H. Sakraments, wahre Ehrerbietung gegen dasselbe, wahre Begierde zu dieser süßen Speise, und einen wahren Durst zu diesem rosenfarbenen Blute, damit ich dieses hochwürdige Sakrament mit solcher Andacht empfange, daß euch allen und jedem eine besondere Freude daraus entspringe. Amen. Gebet vor der Communion. Nun will ich hingehen zu empfangen meinen Gott, und zwar denjenigen Gott, welchen die allerreinste Jungfrau Maria in ihrem feuschen Leibe empfangen hat. Aber, o unendlicher Gott! wie werde ich es wagen dürfen, dich zu empfangen und durch meinen unreinen Mund in mein unreines Herz aufzunehmen! Soll denn ich gottvergessener, durch die Sünde vergifteter und von ihren Unreinigkeiten noch übelriechender Mensch, dich, den allerreinsten Gott, dich, den erschrecklichen Gott, empfangen und in mein fündiges Herz aufnehmen! Was ist mein Herz anders, als eine Grube von Unreinigkeit und eine unsaubere Lache! Mein Herz ist ja angefüllt mit lauter böser Begierlichkeit, es iſt Gebete bor der Communion. 165 geneigt zu aller Bosheit und ist befleckt mit dem Gräuel der Gottlosigkeit! Gleichwohl, was für ein unreines Herz ich auch habe; so habe ich doch auch ein gedemüthigtes und zerknirschtes Herz, welches du, o Gott, nicht verachtest. Auch habe ich eine herzliche Begierde und ein festes Vertrauen, durch diese h. Communion frömmer zu werden, und die Hülfe deiner Gnaden zur Besserung meines sündigen Lebens zu erhalten. Damit aber mein fündiges Herz nicht so ganz unrein vor dir erscheine, darum bitte ich, du wollest es rein waschen in dem Brunnen der Zähren, welcher aus deinen weinenden Augen geflossen ist: und wollest es baden in dem warmen Blut- und Wasser- Bad, welches aus deiner eröffneten Seite entsprungen ist. Ja, ich stelle mich unter dein H. Kreuz und lasse die fünf Quellen deines rosenfarbenen Blutes so lange auf mich fließen, bis mein unreines Herz ganz sauber gewaschen und mit den purpurfarbenen Tröpflein deines göttlichen Blutes ganz besprengt ist. In diesem Zierrath meiner Seele erscheine ich vor deinen Augen und gehe in großem Vertrauen zu deiner h. Mahlzeit. Du, o mein Schatz, wollest mich mit der Liebe aufnehmen, mit welcher ich dich zu empfangen begehre. Du wollest nicht ansehen, wer ich bin, sondern wer ich zu sein begehre und durch die H. Communion zu werden hoffe. Amen. Jetzt gehe mit gefaltenen Händen und niedergeschlagenen Augen hinzu; vor der Communionbant aber fniee nieder und schlage dreimal an deine Brust, sprechend: O Herr Jesu Christe! ich bin nicht würdig, daß du eingehest unter mein Dach; sondern sprich nur 166 Das fünfte Gärtlein. ein Wort, so wird meine arme Seele gesund! O Herr Jesu Christe! ich bin nicht würdig, dich zu empfangen; aber ich vertraue auf deine Güte, du werdest mich nicht verstoßen! O Herr Jesu Christe! ich bin nicht würdig, daß du bei mir einkehrest; ich bitte dich jedoch durch die Liebe deines Herzens, du wollest mein sündiges Herz nicht verschmähen! Wenn du vor dem Altare tnieest, so bete mit dem Munde nichts mehr, sondern sprich nur in deinem Herzen: O mein Jesu, o mein Jesu! O wär' ich doch würdig! Ach mache mich doch würdig! Komm, o mein Schatz! ach komme zu mir; denn mein Herz verlanget nach dir! Nach der Communion. Sei mir willkommen in dem Kämmerlein meines Herzens, o du Geliebter meines Herzens! und sei mir zu tausend und tausendmal gegrüßt und gebenedeit! Ich falle demüthig vor dir auf die Kniee, und bete voll Ehrerbietung deine wahre Gottheit und Menschheit an. O du mein auserwählter Bräutigam, nun bist du mir ein wahres wohlriechendes Myrrhenbüschlein und sollst bei meiner Seele in meinem Herzen wohnen! Daher drücke ich dich mit heiliger Begierde an mein betrübtes Herz und begehre zugleich, deine heiligen Wunden in mein Herz einzudrücken. Nun habe ich dich, meinen Erlöser, wahrhaftig bei mir, der du für mich am Delberge Blut geschwitzt hast, und für mich erbärmlich gegeißelt, mit Dornen gekrönet, mit Nägeln an's Kreuz geheftet und am Kreuze gestorben bist. Dich, meinen herzliebsten Jesus, hab' ich nun bei mir, Gebete nach der Communion. 167 der du mir zu Liebe vom Haupt bis zu den Füßen so hart verwundet worden bist, daß kein Glied an deinem Feibe war, welches nicht auf besondere Weiſe Schmerzen litt. Damit ich nun dir diese deine Peinen lindern und für die zugefügte Schmach einige Genugthuung leisten möchte, darum habe ich dich jetzt aufgenommen und begehre dir tausendmal mehr Ehre und Liebe zu erzeigen, als du in deinem Leiden Schmach und Schmerzen gelitten hast. Dein mit Dornen gekröntes Haupt lege ich auf mein bußfertiges Herz, gleich als auf das allersanfteste Kissen, damit es da süß ruhen und für seine Bein Linderung empfangen möge. Deinen ganz verwundeten, zermarterten Leib lege ich in den Schooß meiner lieben Seele, gleich als in das allerweichste Bettlein, damit er da sanft einschlafe und aller jeiner Marter vergesse. Die tiefen Wunden deiner H. Hände und Füße benetze ich mit den Zähren meiner Augen, wie mit dem allerbesten PerlenWasser, damit sie durch dieses Bad geheilt und von ihren Schmerzen befreit werden. Deinen geschwollenen Mund und deine zerrissenen Wangen füsse ich mit dem süßesten Kusse meines Mundes, zum Zeichen meiner herzlichen Liebe, damit dieselben hierdurch vollkommene Vinderung und ihre vorige Schönheit wieder empfangen mögen. Diese meine Herzliche Liebe laß dir gefallen, o mein auserwählter Bräutigam! und nimm diesen Dienst, welchen ich dir im Geiste erweise, mit solchem Gefallen an, als wenn ich dir Alles zur Zeit deines Leidens im Werke erzeigt hätte. 138 Das fünfte Gärtlein. Weil ich denn dich, meinen gekreuzigten Heiland, persönlich in meinem Herzen habe, erlaube ich mir die Vertraulichkeit, und bitte dich mit inniger Liebe, du wollest mir diese H. Communion zur Vermehrung meines Heiles gereichen lassen. Dein gekröntes Haupt wolle die Hoffart meines Hauptes vertilgen: Dein entstelltes Angesicht wolle die Sünden meines Angesichts auslöschen. Dein geschwollener Mund wolle für die Missethaten meines Mundes genugthun: Deine durchbohrten Hände wollen mir die Sünden meiner Hände verzeihen: Deine angenagelten Füße wollen mir Nachlassung meiner bösen Gänge erwerben: Dein verwundeter Leib wolle mir Verzeihung aller Sünden meines Leibes erbitten: Dein durchstochenes Herz wolle die Wunden meines Herzens heilen: Dein vergossenes Blut wolle alle meine Makel abwaschen: Dein schmerzliches Leiden wolle alle meine Strafen bezahlen, und dein bitterer Tod wolle mir das ewige Leben erwerben. Amen. Gebet des h. Ignatius. Die Seele Christi heilige mich! 2c. S. 63. Fromme Anmuthungen. Ich habe gefunden, den meine Seele liebt; ich will ihn halten und nicht entlassen, bis er mich gesegnet hat. Dich, mein Jesu, umfasse ich, und drücke dich an mein Herz. Du bist der Schatz meines Herzens, in dem ich Alles besitze. Du bist mein König, v vergiß nicht, wie elend und gedrückt ich bin! und fie m mich opfer D der D Him Gott A1 ich de persö wie Welt also dir a zu ut opfer wie lieger und wie( geiße Schi sitzen Gebete nach der Communion. Gb1721 e 169 ne meiner Sünden e meine Gebrechen! r Seele, vermähle mein Schutz, ziehe ete gegen mich auf! geworden, sieh! ich Lobes. e meine Seele von Was habe ich im irden außer dir, du heil in Ewigkeit! A. mmunion. ter, siehe, jetzt habe i und habe ihn noch n Herzen. Gleichbgesandt, und die be dargegeben haſt! uf und opfere ihn it welcher du ihn he! ich zeige und in solcher Geſtalt. tem h. Angesichte zt hat. Ich zeige n solcher Gestalt, ganz grausam zerd opfere dir deinen t auf dem Steine en ist. Ich zeige 138 Weil ich der persönlich in 1 die Vertraulich du wollest mi rung meines H Haupt wolle d Dein entstellte Angesichts aus wolle für die thun: Deine Sünden meine gelten Füßen Gänge erwerbe Verzeihung al Dein durchstoc Herzens heilen meine Makel wolle alle meir Tod wolle mi Die Seele Ich habe ge ihn halten und Dich, mein mein Herz. Du bist de ich Alles besit Du bist m und gedrückt Da2 fünfte Bärtlein Heiland, e ich mir ger Liebe, Vermehgekröntes vertilgen: en meines er Mund es genug mir die > angenaner bösen wolle mir erbitten: en meines wolle alle jes Leiden in bitterer n. Amen. . 63. t; ich will ſegnet hat. de dich an , in dem wie elend Gebete nach der Communion. 169 Du bist mein Richter, schone meiner Sünden und erbarme dich meiner! Du bist mein Arzt, heile alle meine Gebrechen! Du bist der Geliebte meiner Seele, vermähle sie mit dir für ewig! Du bist mein Führer und mein Schutz, ziehe mich an dich, und wer will, trete gegen mich auf! Du bist ein Opfer für mich geworden, sieh! ich opfere mich dir zum Opfer des Lobes. Du bist mein Erlöser, erlöse meine Seele von der Hölle und rette mich! Du bist mein Gott und Alles! Was habe ich im Himmel, was wünsche ich auf Erden außer dir, du Gott meines Herzens und mein Theil in Ewigkeit! A. Aufopferung der h. Communion. Allerheiligster himmlischer Vater, siehe, jetzt habe ich deinen lieben Sohn empfangen und habe ihn noch persönlich in meinem unwürdigen Herzen. Gleichwie du ihn vom Himmel herabgesandt, und die Welt zu erlösen mit höchster Liebe dargegeben haſt! also sende ich ihn wiederum hinauf und opfere ihn dir zur Vergeltung der Liebe, mit welcher du ihn zu uns herabgesandt haft Siehe! ich zeige und opfere dir diesen deinen Sohn in solcher Gestalt. wie Er am Delberge auf seinem h. Angesichte liegend blutigen Schweiß geschwitzt hat. Ich zeige und opfere dir deinen Sohn in solcher Gestalt, wie Er an die Säule gebunden ganz grausam zergeißelt worden ist. Ich zeige und opfere dir deinen Sohn in solcher Gestalt, wie Er auf dem Steine sitzend mit Dornen gekrönt worden ist. Ich zeige 170 Das fünfte Gärtlein. und opfere dir deinen Sohn in solcher Gestalt, wie Er auf dem Kreuze liegend verspottet worden ist. Endlich zeige und opfere ich dir deinen herzliebsten Sohn in solcher Gestalt, wie Er am Kreuze unter den bittersten Schmerzen gestorben ist. Schaue, o gütigster Vater, auf dieses Elend deines liebsten Sohnes und gedenke zugleich, daß Er dies Alles um meinetwillen gelitten hat. So erbarme dich denn meiner um deines lieben Sohnes willen, und lasse meine arme Seele nicht zu Schanden werden: Er hat sie ja so schmerzlich erlöst und so theuer erkauft! Nimm auf die Genugthuung, die Er dir für meine Sünden geleistet hat, und laß dir an der überflüssigen Strafe, so Er zur Bezahlung meiner Strafen ausgestanden hat, genug sein. Denn ich opfere dir Alles, was mein Jesus auf Erden für mich gethan und gelitten hat: und begehre, daß du dies Alles von mir also aufnehmest, als wenn ich dir dies aus dem Meinigen geopfert hätte. Weil jetzt dein liebster Sohn sich selbst mit Allem, was Er auf Erden verdiente, gleichsam in meine Hände und Gewalt übergeben hat, deswegen opfere ich dir auch alle seine Verdienste, gleich als wären sie mein eigen. Sie sind von ihm für mich erworben, und mir jetzt durch die H. Communion auf eine besondere Weise geschenkt worden. Daher habe ich auf diese Aufopferung solches Vertrauen, als wenn ich dir alle meine Schulden gleichsam mit baarem Gelde bezahlt und für alle meine schuldigen Strafen vollkommen genuggethan hätte. Laß diese meine Genugthuung vor dir gültig sein, Gebete nach der Communion. 171 und mich an dieser meiner Hoffnung nicht zu Schanden werden. Amen. Bu der Mutter Gottes. Liebreiche Jungfrau Maria! deinen eingebornen Sohn, Jesus Christus, habe ich jetzt wahrhaft empfangen und unter der Gestalt der h. Hostie persönlich bei mir. Gleichwie dir dein Sohn, als er vom Kreuze abgenommen worden, von deinen Freunden auf deinen Schooß gelegt ward: also lege ich diesen deinen gekreuzigten Sohn auf deinen mütterlichen Schooß und in deine holdseligen Arme, damit er dort sanft ruhe und neue Wonne genieße. Erzeige ihm, o Maria, an meiner Statt alle treuherzige Liebe und Freundlichkeit, und erstatte durch deine mütterliche Liebkosung, was ich ihm an Affecten nicht erzeigen kann, wiewohl ich es gern wollte. Küsse ihm mit deinem süßen Munde seine h. Wunden, welche ich ihm durch meine Sünden geschlagen habe und erbitte mir Verzeihung derjenigen Sünden, wegen welcher er die Wunden empfangen hat. Hilf mir auch, deinem Sohne Dank sagen für sein bitteres Leiden, das er für mich ausgestanden hat; und preise ihn mit mir für die große Gnade, die er mir durch die H. Communion erwiesen hat. Letztlich opfere Gott dem Vater das bittere Leiden deines Sohnes für mich, und erwirb mir durch deine Fürbitte, daß dasselbe an meiner Seele nicht verloren gehe. Oihr lieben Heiligen Gottes! gleichwie ich euch vor der h. Communion um ein Almosen angesprochen habe, also begehre ich mich wiederum für eine Gutthat dankbar zu erzeigen. Ich opfere euch den süßen 172 Das fünfte Gärtlein. Jesum, den ich empfangen habe, und begehre, euch allen eure Freuden tausendmal zu vermehren. Helfet mir, ihm für diese H. Communion würdigen Dank sagen, und erstattet ihm durch eure Freundlichkeit, was ich ihm aus mir zu erzeigen nicht vermag. A. Litanci vom süßen Namen Jelu. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Jesu, höre uns! Jesu, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Sott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser! Gott heiliger Geist, Heilige Dreifaltigkeit, ein einziger Gott, Jesu, du Sohn des lebendigen Gottes, Jesu, du Abglanz des Vaters, Jesu, du Ausfluß des ewigen Lichtes, Jesu, du König der Herrlichkeit, Jesu, du Sonne der Gerechtigkeit, Jesu, du Sohn der Jungfrau Maria, Lieblicher Jesu, Wunderbarer Jesu, Jesu, starker Gott, Jefu, Vater der Ewigkeit, Jesu, Engel hohen Rathes, Mächtigster Jesus, Geduldigster Jesus, Gehorsamster Jesus, Jesu, sanftmüthig und demüthig von Herzen, Jesu, Freund der Keuschheit, Jesu, unser Freund, Jesu, Gott des Friedens, Jesu, Urheber des Lebens, Jesu, Muster der Tugenden, Jesu, Eiferer für das Heil der Seelen, Jesu, unser Gott, Jesu, unsere Zuflucht, Erbarme dich unser! Gebete nach der Communion. Jesu, Vater der Armen, Jesu, Schatz der Gläubigen, Jesu, guter Hirt, Jesu, wahres Licht, Jefu, ewige Weisheit, Jesu, unbegrenzte Güte, Jesu, unser Weg und Leben, Jesu, Freude der Engel, Jesu, König der Patriarchen, Jesu, Meister der Apostel, Jesu, Lehrer der Evangelisten, Jesu, Stärke der Märtyrer, Jesu, Licht der Bekenner, Jefu, Reinigkeit der Jungfrauen, Jesu, du Krone aller Heiligen, Sei uns gnädig, verschone uns, o Jesu! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Jesu! Bon allem Uebel, erlöse uns, o Jeſu! Von aller Sünde, Von deinem Zorne, Von den Nachstellungen des Teufels, Vom Geiste der Unlauterkeit, Vom ewigen Tode, Von Vernachlässigung deiner Einsprechungen, Durch das Geheimniß deiner heiligen Menschwerdung, Durch deine Geburt, Durch deine Kindheit, Durch dein ganz göttliches Leben, Durch deine Mühen, Durch deine Todesangst und deine Leiden, Durch dein Kreuz und deine Verlaffenheit, Durch deine Todesschwäche, Durch deinen Tod und dein Begräbniß, Durch deine Auferstehung, Durch deine Himmelfahrt, Durch deine Freuden, Durch deine Herrlichkeit, O du Lamm Gottes, u. s. w.( 3 mal.) Jesu, höre uns! Jesu, erhöre uns! 173 Erbarme dich unser! Erlöse uns, o Jesu! Das fünfte Gärtlein. Lasset uns beten! Herr Jesu Christe, der du gesagt haft: Bittet, und ihr werdet empfangen; suchet, und ihr werdet finden; flopfet an, und es wird euch aufgethan werden; verleihe uns, wir bitten dich, auf unser Flehen die Anmuthung deiner göttlichen Liebe, um dich von ganzem Herzen, mit Wort und That zu lieben und nimmer in deinem Lobe zu ermüden. Laß uns, Heri, deinen heiligen Namen allzeit eben so fürchten als lieben, da du ja niemals denen deine Leitung entziehest, welche du in der Festigkeit deiner Liebe erziehest. Der du lebest 2c. 300 Tage Ablaß. Pius IX. 1862. 174 Danksagung für die h. Communion. Wie will ich dir nun diese große Wohlthat vergelten, o Christe Jesu, die du mir erwiesen hast, indem du bei mir armen Sünder eingekehrt biſt, und mich mit deinem h. Fleische und Blute gespeiset und getränket hast? Gleichwie ich diese unschätzliche Ehre nicht völlig begreifen kann, so kann ich sie dir viel weniger würdig vergelten. Darum bitte ich alle h. Engel und Heiligen, daß sie mir helfen wollen, dich würdig zu preisen, und dir für diese Gutthat möglichsten Dank zu sagen. Gleichwie dir alle andächtigen Seelen nach empfangener H. Communion Dank gesagt haben, begehre auch ich dir aus allen meinen Kräften Dank zu sagen, und dir die unschätzbare Liebe, welche du mir erwiesen hast, zu vergelten. Letztlich bitte ich, o mein Jesu, du wollest nicht eher von mir scheiden, bis du mir deinen Segen ertheilt und mein Herz mit deinem bittern Leiden erfüllt hast; damit ich wirklich in meiner Seele empfinde, was du zur Zeit deines Gebete nach der Communion. 175 Leidens in deiner betrübten Seele empfunden haſt. Verzeihe mir alle Nachlässigkeiten, so ich in der Vorbereitung, Empfahung und Danksagung dieser heil. Communion begangen, und dadurch die vollkommene Kraft und Wirkung dieses hochwürdigen Sakraments in mir verhindert habe. Ich bitte dich auch, o mein süßester Jesu, für das Heil aller derjenigen, welche sich in mein Gebet befohlen haben, und für welche ich besonders zu beten verpflichtet bin. Ihre Namen und Nöthen, die dir wohl bekannt sind, stelle ich dir mit herzlicher Bitte vor, und befehle sie dir voll Vertrauen an. Erlöse sie aus ihren Nöthen, stärke sie in ihren Schwachheiten, tröste sie in ihren Beschwerniſsen, und erhalte sie in deiner göttlichen Gnade. Erlöse auch die Seelen der Verstorbenen, besonders derjenigen, für welche ich zu beten schuldig bin, von ihren schweren Beinen, und führe sie durch die Kraft dieses hochwürdigsten Sakraments zu der ewigen Freude und Seligkeit, damit sie dich mit mir loben, und mir helfen, dir für diese h. Communion schuldigen Dank zu jagen. Amen. 176 Das fünfte Gärtlein. Gebet vor dem Bilde des Gekreuzigten. INRI Allen Gläubigen, welche nach reumüthiger Beicht und h. Communion nachstehendes Gebet vor einem Krucifixbilde verrichten und für die Anliegen der h Kirche beten, ist ein vollkommener Ablaß für immer bewilligt. ( Pius IX. Decret vom 31. Juli 1858.) Cfr. Maurel, Ablässe, 7. Aufl. Seite 137. Gebet. Sieh, o mein gütigster und süßester Jesu! vor deinem allerheiligsten Angesichte werfe ich mich auf die Kniee, und bitte und beschwöre dich mit der größten Inbrunst meiner Seele, du wollest meinem Herzen einprägen lebhafte Empfindungen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, eine wahre Reue über meine Sünden, und einen festen Vorsatz, mich zu bessern und dich nie mehr zu beleidigen; indem ich mit ungetheilter Liebe und innigstem Mitleid deine h. fünf Wunden betrachte, und mir lebhaft vor Augen stelle, was der h. Prophet David von dir, o mein Jesus! gesprochen hat:„ Sie haben meine Hände und meine Füße durchbohrt, und alle meine Gebeine gezählt."( Ps. 21, 17. 18.) Der öftere Empfang der h. Communion. Der Papst Gregor XIII. verlieh am 10. April 1580 auf ewige Zeiten einen Ablaß von fünf Jahren für jedesmal, wo die Christgläubigen Gebete nach der Communion. 177 nach verrichteter Beicht an den kirchlichen Festtagen die heilige Communion empfangen und zugleich auf die Meinung des sichtbaren Oberhauptes der Kirche die gewöhnlichen Ablap- Gebete verrichten würden. Jenen aber, welche den frommen Gebrauch haben, wenigstens Einmal des Monats und an den Festtagen unsers Herrn Jesu Chrifti, der seligsten Jungfrau Maria, aller h. Apostel und der Geburt des h. Johannes des Täufers die h. Communion zu empfangen, wird jedesmal ein Ablaß von 10 Jahren und Einmal im Jahre und zwar am Feste des Landes- oder des Stadtpatrons, wo man sich aufhält, ein volltommener Ablaß verliehen, wenn man an diesem Tage beichtet, communicirt und das gewöhnliche Ablaßgebet auf die Meinung des Oberhauptes der Kirche verrichtet. Du kannst daran abnehmen, wie gerne die Kirche es sieht, daß du oft die Communion empfangeft, wiewohl sie dich nur einmal im Jahre und zwar um die österliche Zeit schwer dazu verpflichtet durch ein besonderes Gebot. Sie macht es wie eine gute Mutter. Sie will mehr durch die Liebe als durch Furcht ihre Kinder regieren, und sie zu ihrem eigenen Besten mehr durch Liebkosen und Versprechungen auf eine sanfte und innerliche Weise anziehen, als durch Drohungen auf eine rauhe und äußerliche Weise antreiben. Darum sei du auch ein gutes Kind. Folge den Ermahnungen deiner H. Mutter und dem sanften Zuge ihrer Liebe und vereinige dich oft mit reumüthigem und andächtigem Herzen mit Jesus in der h. Communion, und sprich zu ihm mit dem frommen Thomas von Kempen: Gib dich mir, so habe ich genug: denn außer dir ist aller Trost nichtig. Ohne dich kann ich nicht sein, und ohne deine Heimsuchung kann ich nicht leben. Deswegen muß ich mich oft zu dir nahen, und dich als ein Heilmittel empfangen, damit ich nicht etwa auf dem Wege verschmachte, wenn ich der himmlischen Speise beraubt bin. Denn Myrrhengarten III. 12 178 Das fünfte Gärtlein. du, o barmherzigster Jesus, da du dem Volke predigtest und verschiedene Krankheiten heiltest, haft gesagt: Ich will sie nicht hungrig nach Hause gehen lassen, damit sie auf dem Wege nicht verschmachten. Wohlan! thue dies jetzt an mir, der du dich zum Troste der Gläubigen in dem Sakramente hinterlassen hast. Denn du bist eine süße Speise der Seele! und wer dich würdig genießt, wird theilhaftig und ein Erbe der ewigen Herrlichkeit. Mir, der ich so oft falle und fündige, so leicht träge und nachlässig werde, ist es wohl nöthig, daß ich durch öfteres Gebet, durch öftere Beicht und Genießung deines heiligsten Leibes mich erneuere, reinige und entzünde, damit ich nicht etwa, indem ich mich länger davon enthalte, von meinem heiligen Vorsatze gänzlich abweiche. Denn die Sinne des Menschen sind von Jugend auf zum Bösen geneigt; und wenn die göttliche Arznei ihm nicht zu Hülfe kommt, fällt der Mensch gar bald in größere Uebel. Die H. Communion zieht also vom Bösen ab und stärkt im Guten. Denn wenn ich jetzt, da ich die Communion empfange, oft so nachlässig und lau bin; was würde geschehen, wenn ich diese Arznei nicht nähme, und ein so kräftiges Hülfsmittel nicht suchte? Und ob ich gleich nicht alle Tage dazu geschickt, noch wohl bereitet bin, so will ich mir doch Mühe geben, zu gehörigen Zeiten die göttlichen Geheimnisse zu genießen und mich einer so hohen Gnade theilhaftig zu machen. Denn der vornehmste Trost für eine gläubige Seele, so lange sie im sterblichen Leibe Gebete nach der Communion. 179 von dir entfernt ein Fremdling hienieden ist, besteht darin, daß sie sich öfters ihres Gottes erinnere, und ihren Geliebten mit andächtigem Herzen empfange. O wunderbare Herablassung deiner Güte gegen uns, daß du, o Herr mein Gott! du Schöpfer und Beleber aller Geister! dich würdigeft, zu einer armen Seele zu kommen, und ihren Hunger mit deiner ganzen Gottheit und Menschheit zu sättigen! O des seligen Gemüths und der beglückten Seele, die dich, ihren Herrn und Gott, andächtig zu empfangen und bei dieser Empfangung mit geistlicher Freude erfülit zu werden gewürdigt wird! welch' einen großen Herrn nimmt sie auf! Welch einen geliebten Gast führt sie in sich ein! Welch einen angenehmen Gesellschafter empfängt sie! Welch ein treuer Freund kehrt bei ihr ein! Welch' ein schöner und edler Bräutigam, der über Alles, was man lieben und wünschen kann, geliebt zu werden verdient! O mein süßer Geliebter! es schweige Himmel und Erde und ihre ganze Zierde vor deinem Angesichte; denn was sie immer Lobwürdiges und Schönes haben, kommt von deiner freigebigen Güte her, und sie werden der Schönheit deines Namens niemals gleichkommen, indem deine Weisheit unendlich ist. Anmerkung: Ist nach der Communion noch Zeit übrig, so kannst du aus dem folgenden Gärtlein dir noch passende Gebete zum allerheiligsten Sakramente auswählen, um deiner Andacht zu Jesus. der noch in deinem Herzen wohnt, Nahrung zu geben. Diese Augenblicke sind wichtig und kostbar. Benutze sie, so eifrig du kannst. und so lange als es immer deine Umstände erlauben. 12* 180 Das fünfte Gärtlein. Ablaßgebet. An allen Ablaßtagen in der Kirche Vor- oder Nachmittags zu sprechen. Vor deinem göttlichen Angesichte, o Christe Jesu, erscheine ich hier in dieser heiligen Kirche, und begehre den gnadenreichen Schatz des Ablasses zu verdienen, um, was mir an Genugthuung meiner Sünden ermangelt, durch deine und deiner Kirche reiche Verdienste zu erstatten. Ich habe all mein Leben so viel schwere Sünden begangen und so viel schwere Strafen verschuldet, daß, wenn ich schon bis an den jüngsten Tag Buße thäte, ich dennoch nach der Gerechtigkeit dafür nicht genuggthun könnte. Und wenn ich ohne rechtmäßige Bußwirkung in deiner Gnade sterben sollte, so müßte ich viele hundert Jahre im Fegfeuer liegen, ehe ich alle meine Strafen bezahlt haben würde. Am heutigen Tage aber hat deine Kirche ihren Gnaden- Schatz eröffnet, und ist bereit, Allen, die sich dessen theilhaftig machen wollen, aus ihren Verdiensten so viel mitzutheilen, als sie für ihre Sünden zu bezahlen verpflichtet sind. Darum habe ich auch ein großes Verlangen, dieses reichen Schatzes theilhaftig zu werden und diesen vollkommenen Ablaß zu verdienen. Die h. Sakramente der Beicht und Communion habe( oder will) ich mit aller möglichen Andacht empfangen, und das vorgeschriebene Gebet für das gemeine Anliegen der Christenheit begehre ich jetzt auf die kräftigste Weise zu verrichten. Ich bitte deshalb, o Christe Jesu, so dringend ich immer kann, du wollest deine allerliebste Braut die heil. Ablaßgebet. 181 katholische Kirche, erhören, vermehren, bewahren und wider alle Heiden und Reger beschützen. Wollest die verdammlichen Ketzereien ausreuten, die verfluchten Lehren vertilgen und die irrenden Seelen bekehren. Wollest auch die christlichen Fürsten und Gewalthaber vereinigen, sie sämmtlich wider die Feinde der heil. Kirche ermuntern, und die schädlichen Kriege und Uneinigkeiten aufheben, damit der liebe Frieden erhalten, die Andacht und Gottesfurcht vermehrt und das Heil der armen Seelen befördert werde. Dies Alles bitte ich vornehmlich von dir, o Jesu, weil das Heil der Seelen dich am meiſten angehet, und dich auch am meisten gekostet hat. Erinnere dich, was du für die Erlösung der Welt gethan und gelitten, und was du noch dafür zu thun und zu leiden bereit wärest, wenn es vonnöthen wäre. Bist du nicht aus lauter Liebe zu den armen Seelen vom Himmel gekommen, in einem Stalle geboren, von aller Welt verlassen und in lauter Elend erzogen worden? Hast du nicht für das Heil der Menschen viele bittere Zähren geweint, viele saure Schweißtropfen und sogar dein kostbares Blut vergossen? Bist du nicht schmählich gefangen, gebunden, verlacht, entblößt, gegeißelt, gefrönt, verurtheilt, zu Tode geführt, am Kreuze ausgestreckt und angenagelt, und grausam hingerichtet worden? Dies Alles hättest du nicht gethan, noch gelitten, wofern dir das Heil der Seelen nicht so sehr angelegen gewesen wäre, und du mit den verlornen Menschenkindern nicht so großes Mitleid getragen hättest. Deswegen bitte ich um deines Seeleneifers willen, laß doch keine 182 Das fünfte Gärtlein. arme Seele zu Schanden werden, sondern führe sie auf den Weg des ewigen Heils. Die im katholischen Glauben sind, erhalte darin, und mache, daß fie nach demselben fromm leben. Die in Todsünden sind, befreie davon, und verleihe ihnen einen ernſtlichen Vorsatz zur Besserung ihres Lebens. Die in Anfechtungen sind, stärke und erhalte, daß sie von der Sünde nicht überwunden werden. Die in Kleinmüthigkeit sind, ermuntere und bewahre, daß sie nicht ganz verzweifeln. Die in Betrübniß sind, tröste, und errette sie aus allem Kreuze, das ihnen an ihrem Heile schädlich sein möchte. Die in Sünden sind, erleuchte, führe zurecht, und bewahre sie vor den schweren Anfechtungen des bösen Feindes. Die im Irrthum sind, führe daraus, und laß sie die wahre Lehre des katholischen Glaubens erkennen. Die in Kriegsnöthen sind, erlöse daraus, und bescheere ihnen den lieben lang gewünschten Frieden. Und endlich alle Seelen, welche in Gefahr der Seligkeit sind, errette daraus, und leite sie auf den richtigen Fußsteig der ewigen Seligkeit. Für alle diese bitte ich dich aus ganzem Herzen, und verlasse mich auf deine Güte, du werdest mein Gebet erhören. Weil diese meine Bitte mehr dich als mich angeht, und du viel tausendmal mehr nach dem Heile der Seelen verlangest, als ich darnach verlangen kann, so lasse mein Gebet zu dir kommen und die Seufzer meines Herzens dein liebes Herz durchdringen, damit die liebe Christenheit in ihrem allgemeinen Anliegen getröstet und dein h. Name ewig gepriesen werde. A. Man pflegt, um den vollkommenen Ablaß zu gewinnen, dem Gebete für die allgemeinen Anliegen der Kirche noch 7 Vater unser, Gegrüßet und Ehre sei dem Vater und einmal den Glauben beizufügen. Gebete vor dem hl. Sakramente. Das sechste Myrrhen- Gärtlein. Gepflanzt mit anmuthigen Gebeten zum Hochw. Sakramente. 183 Anweisung. Die Gebete dieses Gärtleins kannst du sprechen: 1. Unter der Vesper. 2. Wenn du vor oder nach dem Gottesdienste oder sonst in der Kirche verweilest. 3. Bei allen Prozessionen, worin das h. Sakrament umgetragen wird. 4. Bei frommen Besuchungen des H. Sakraments. 5. Beim Stundengebete. 6. An Communiontagen. Erwägung. Es ist eine der vortrefflichsten und fruchtbarsten Uebungen, wenn man vor dem hochw. Sakramente, besonders wenn daffelbe ausgesetzt ist, seine Andacht recht zu verrichten weiß. Denn wir sind nicht allein schuldig, dem hochw. Sakramente die Gott gebührende Ehre zu erzeigen, sondern haben auch niemals bessere Gelegenheit, unser Herz vor Gott auszugießen, und seine Gnade sicherer zu erlangen, als wenn wir persönlich vor Gott knieen. Deswegen habe ich verschiedene Gebete vor dem hochw. Sakramente zu beten hierher geſetzt. Du kannst nun daraus diejenigen wählen, welche dir am besten gefallen. Ich will dies mein Gebet in der Meinung verrichten: Intention oder Meinung. Vor der Andacht zum hochw. Sakramente zu sprechen. 1. Um dich, meinen Gott und Heiland, im h. Sakramente anzubeten, zu lieben, zu loben und zu benedeien; 2. Um dir für alle empfangenen Wohlthaten zu danken; 3. Um dir für meine Sünden genug zu thun; 184 Das sechste Gärtlein. 4. Um Gnade, Heil und Segen für Leib und Seele zu erhalten. 5. Um dieses Satrament allzeit würdig zu genießen und einst nach dessen würdigem Empfange selig zu sterben. 1. Uebung des Glaubens und der Aufopferung. O allerhochwürdigstes Sakrament des Altars! ich glaube fest, daß mein Erlöser Jesus Christus mit seiner Gottheit und Menschheit auf unbegreifliche Weise in dir verborgen ist. Ich glaube, daß der höchste Gott persönlich in dir gegenwärtig ist, und in dir, wie auf einem königlichen Throne, mit höchster Majestät ruhe. O Abglanz des Vaters, Christe Jesu, du sein einzig geliebter Sohn, ich glaube, daß du hier gegenwärtig bist, und mich aus diesem heil. Sakramente liebreich ansiehst, und das Innerste meines Herzens durchschauest! Ich glaube, daß unter der Gestalt des Brodes nicht allein dein Leib, sondern auch dein Blut, und mit beiden deine verklärte Seele, deine volle Menschheit und Gottheit wahrhaft, wirklich und wesentlich gegenwärtig ist. Und obgleich ich dies mit menschlich beschränktem Verstande nicht begreifen kann, so glaube ich es dennoch so fest, daß ich auch Leib und Leben dafür zu lassen bereit bin. O Christe Jesu! du mein Gott, mein Schöpfer, mein Erlöser und Seligmacher! du bist mein Heil und mein einziger Trost! Du bist derjenige, welcher mich selig machen und verderben kann! Du biſt der gerechte Richter, vor dem ich einmal werde erscheinen müssen, um über mein sündiges Leben Rechenschaft abzulegen. Darum falle ich demüthig dir zu Füßen, klage mich über meine Sünden von Gebete vor dem H. Sakramente. Herzen an, und bitte dich durch die Hochwürdigkeit dieses H. Sakraments, du wollest mir dieselben verzeihen und die Makel meiner Seele mit deinem h. Blute abwaschen. 185 O mein liebster Jesu! sieh denn mit den Augen deiner Barmherzigkeit mich elenden Sünder an, der ich vor dir auf meinen Knieen liege, dich von Herzen anbete und für meinen Herrn und Gott erkenne. Ach, siehe mich an, wie du ehedem den h. Petrus und die h. Magdalena angesehen hast, und verleihe auch mir eine solche Reue über meine Sünden, wie du ihnen verliehen hast, auf daß ich dieselben von Herzen verabscheue und mit bittern Thränen beweine. O mildester Jesu! auf dich schauen meine Augen, zu dir wendet sich voll Vertrauen mein betrübtes Herz. Ich weiß dich ja nirgends besser zu finden, als in dieser H. Hostie; kann nirgends dir näher kommen, als in diesem hochwürdigstent Sakramente; denn hier bist du ja persönlich gegenwärtig, wie im Himmel unter den lieben Engeln. Darum denn bitte ich um Gnade und Barmherzigkeit. O du einzige Hoffnung meiner Seele, Christe Jesu! dich liebe ich, dich ehre ich, dich bete ich an, und dich bitte ich, du wollest das Opfer, welches du am Kreuze für aller Welt Sünden dargebracht haſt, an mir nicht verloren sein lassen. Opfere auch jetzt dich deinem lieben Vater mit all deiner Geduld und Demuth auf zur Erstattung der Tugenden, die mir mangeln. Opfere dich ihm auf mit aller Bitterfeit deines Leidens zur gänzlichen Verzeihung meiner Sünden. Opfere dich ihm auf mit aller Liebe 186 Das sechste Gärtlein. deines göttlichen Herzens zur Vermehrung meines Heils und meiner Liebe. Ach siehe, himmlischer Vater! der sich opfert, iſt derselbe, der für uns so unbarmherzig ist gegeißelt, so schimpflich gekrönt und so schmerzlich gekreuzigt worden! Es ist derselbe, welcher drei Stunden lang mit ausgeſpannten Armen, mit ganz verwundetem Leibe am Kreuze gehangen und mit weinenden Augen und starkem Schrei für die Sünder gebetet hat. So erhöre denn seine Bitte und erbarme dich meiner und aller armen Sünder. Viel haben wir freilich wohl gesündigt; doch Er hat viel abgebüßt. Viel haben wir verschuldet; doch Er hat auch viel abgezahlt. So siehe denn nicht auf unsere Sünden, sondern auf seine Tugenden und gedenke nicht, was wir verschuldet, sondern was Er abgebüßt hat. Deshalb opfere ich denselben mit all seiner Vollkommenheit und Liebe, mit welcher Er hier im allerh. Sakramente gegenwärtig ist, um deinen gerechten Zorn gänzlich zu versöhnen und Gnade und Barmherzigkeit zu erlangen. A. 2. Zweiter Seufzer zum h. Sakramente. O du hochwürdiges Sakrament des Leibes und Blutes meines Herrn Jesu Christi! sei mir von Grund meines Herzens gegrüßt und im Namen aller Engel und Heiligen gelobt und gebenedeit. O du hochgebenedeites Sakrament! wie erfreust du mich, wenn ich dich ansehe, und was für einen Trost empfindet meine Seele, wenn sie bedenkt, daß ein wahrer Gott persönlich in dir wohnt. O du lobwürdiges und glorwürdiges Sakrament, ich liebe, lobe und preise dich und bete dich demüthig auf Gebete vor dem H. Sakramente. 187 meinen Knieen an, und viel hundert tausend mal danke ich meinem liebsten Jesu, daß Er dich zu unserm Troste und ewigen Heile eingesetzt hat! O du liebreiches Sakrament, wollte Gott, daß ich die Demuth der Heiligen hätte, damit ich dich mit wahrer Ehrerbietung anbeten könnte! Wollte Gott, daß ich die Andacht aller Gott liebenden Seelen hätte, damit ich dich mit vollkommener Andacht verehren könnte! Wollte Gott, daß ich die Liebe aller erschaffenen Herzen hätte, damit ich dich mit all dieser Liebe unendlich lieben könnte! Wollte Gott, daß ich dir mit diesem meinem Gebete tausendmal mehr Ehre und Dank erweisen könnte, als dir von allen bösen Menschen Schmach und Unehre ist zugefügt worden! So will ich dich doch ehren nach meiner Möglichkeit, o du liebes, o du süßes, hochwürdiges Sakrament! Ich bitte dich um Gnade und Barmherzigkeit, und rufe dich voll Vertrauen um Besserung meines sündigen Lebens an. O heilbringendes Sakrament heile mich! O reinstes Sakrament reinige mich! O nährendes Sakrament speise mich! Okostbares Sakrament sättige mich! O süßes Sakrament erquicke mich! O kräftiges Sakrament stärke mich! O gnadenreiches Sakrament schenke mir deine Gnade! Oliebreiches Sakrament entzünde mich! Oheiligstes Sakrament heilige mich! In dir will ich mich verbergen, damit ich vor dem Zorne Gottes im Leben und Sterben sicher sei! O süßeſter, o mildester und gnädigster Jesu! Ich bitte dich durch die unendliche Liebe, mit der du in diesem H. Sakramente wohnest, erbarme dich über mich 188 Das sechste Gärtlein. armen Sünder und verlaß mich nicht in meiner letzten Noth. Verleihe mir eine wahre Andacht und Ehrfurcht gegen dies h. Sakrament und laß mich dasselbe fortan und besonders vor meinem letzten Ende würdig genießen. Amen. 3. Anbetung des h. Sakraments. Ich überaus elendes und der Verachtung würdiges Geschöpf, zur Erde geneigt bete ich dich an und ehre dich demüthig, o du hochwürdiges Sakrament des Altars, hier an diesem Orte und an allen Orten der ganzen Welt, wo du gegenwärtig bist. Ich habe auch die Meinung und Begierde, diese meine Anbetung nicht allein für mich und meinetwegen zu verrichten, sondern auch für alle Geschöpfe, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde gewesen sind, noch sind, und künftig sein werden. Mich verlangt auch von Grund meines Herzens, in diesem Werke der göttlichen Anbetung von nun an bis in alle Ewigkeit zu verharren, und selbige alle Augenblicke zu erneuern und zu vermehren. Weil aber mein sündiges Herz so gar kalt, und diese Andacht würdig zu verrichten ganz untauglich ist; so begehre ich sie zu verrichten mit der Kraft und Wirkung des Herzens Jesu, nämlich mit der tiefsten Demuth, mit der feurigsten Liebe und mit der reinsten Meinung, mit welcher Jesus Christus, als wahrer Mensch, die allerhöchste Majestät angebetet hat und ewig anbeten wird. Weil ich auch ganz untauglich bin für mich allein, dich, allerheiligstes Sakrament, würdig zu verehren, so bitte ich alle himmlischen und irdischen Kreaturen, daß sie mit mir dich verehren und anbeten wollen! Gebete vor dem H. Sakramente. 189 du allerseligste Jungfrau Maria, und du allerseligster Joseph, fallet mit mir auf eure Kniee, und betet mit mir an Jesum Christum in dem h. Sakrament, wie ihr ihn auf Erden angebetet habet und jetzt in dem Himmel anbetet! O ihr h. neun Chöre der Engel, ihr Patriarchen und Propheten, ihr h. Apostel und Märtyrer, ihr heil. Bischöfe und Lehrer, ihr h. Beichtiger und Büßer, ihr h. Mönche und Einsiedler, und ihr h. Jungfrauen und Wittwen, lasset uns sämmtlich niederfallen und die unendliche Majestät Gottes, so in diesem h. Sakramente verborgen ist, demüthig anbeten. Gläubige und Ungläubige, Juden und Heiden, Männer und Weiber, Jünglinge und Jungfrauen und Kinder, sammt allen Kreaturen, die auf und unter der Erde sind, kommt! laßt uns anbeten und verehren das heiligste Sakrament, worin der große Gott Himmels und der Erde gegenwärtig iſt! Kommt, laßt uns anbeten und niederfallen vor Gott und weinen vor dem Herrn, der uns erschaffen hat; denn er ist unser wahrer Gott, der uns Menschen zu Liebe in diesem h. Sakramente wohnet und immerdar bei uns verbleibet Darum: 4. Inbrünstige Bitte vor dem h. Sakramente. Sei gegrüßt, o du hochgebenedeites Sakrament des Altars! von mir und allen katholischen Christen, und sei von allen himmlischen und irdischen Kreaturen gelobt und gebenedeit! Mit reuigem Herzen und andächtigem Gemüthe komme ich zu dir, und begehre vor dir mein unwürdiges Gebet auszugießen und dir mein innerliches Anliegen zu klagen. Denn 190 Das sechste Gärtlein. du bist der göttliche Gnadenthron, worauf mein Herr Jesus Christus mit großer Süßigkeit ruhet und Allen, welche vor dich hintreten, gnädiges Gehör leihet. O du hochwürdiges Sakrament, in dir ist wahrhaftig mein süßester Jesus persönlich gegenwärtig, wiewohl er sein h. Angesicht gleich als mit einem zarten Tüchlein vor mir verdecket! O mein Jesu, bist du denn so nahe bei mir? Bist du denn wahrhaftig bei mir? So werfe ich mich denn mit tiefster Demuth auf mein sündiges Angesicht, und begehre dich so demüthig anzubeten, als dich alle Engel und Heiligen im Himmel anbeten! O ich Glückseliger, der ich diese große Gnade habe, so nahe bei meinem Gott zu sein und die wahre Menschheit und Gottheit Jesu Christi unter der Gestalt des Brodes anzusehen! Was soll ich denn von dir nicht erhalten können? O mein Jesu! was wirst du mir denn abschlagen können? O du freigebigster Gott! wenn ich mit Leib und Seele vor dem göttlichen Throne im Himmel knieete, was sollte ich mir nicht getrauen zu erlangen? Siehe, jetzt kniee ich eben sowohl bei deiner göttlichen Person als wenn ich vor dir im Himmel knieete, und du bist eben so bereit, mich anzuhören und zu trösten, als wenn ich im Himmel unter den Heiligen vor dir tnieete. So will ich denn mein Herz vor dir ganz ausschütten und dich von Grund meiner Seele auf das treulichste anrufen. O mein süßester Jesus! o mein kostbarer Jesus! o mein herzliebster Jesus! ich bitte dich um Gnade und Barmherzigkeit. Um deines lieben Vaters willen, um deiner lieben Mutter willen bitte ich dich! Gebete vor dem H. Sakramente. 191 Durch die Süßigkeit dieses h. Sakraments bitte ich dich, und durch die Unendlichkeit deiner Liebe bitte ich dich! Ach, erbarme dich meiner, und verzeihe mir meine Sünden! O du grundgütiger, gnadenreicher und allbarmherziger Jesus! nimm mich doch zu Gnaden auf, und halte an deinen gerechten Zorn. Verlaß mich doch nicht in meinen Nöthen, und entziehe mir nicht deine mildreiche Hülfe. Ach, laß doch meine arme Seele nicht verloren gehen, für welche du so viel gethan und so schwere Marter gelitten hast! Mit gefaltenen Händen und geneigtem Haupte kniee ich vor dir, und mit reumüthigem Herzen und Inbrünstigkeit bitte ich um Barmherzigkeit! Ja, aus wahrer Ehrerbietung beuge ich mich zur Erde und werfe mich demüthig auf mein jündiges Angesicht. Mit solcher Reue und Andacht, als die h. Magdalena gethan, umfange und drücke ich deine h. Füße und küsse dieselben im Geiste ein über das andere Mal. Was kannst du denn einem so reuigen und gedemüthigten Sünder abschlagen, der eine herzliche Begierde hat, sich zu bessern, und nichts anders begehrt, als Gnade und Barmherzigkeit zu erlangen. Ach, so verzeihe mir denn, o gütigster Jesu, und gedenke nicht mehr der vielfältigen Schmach, so ich dir zugefügt habe! Ich bitte dich durch die große Liebe, mit welcher du dies h. Sakrament eingesetzt hast, und immerdar darin persönlich bei uns wohnest, verschaffe, daß ich allzeit einen lebhaften Glauben und eine wahre Andacht zu demselben trage und durch die Kraft desselben vor dem ewigen Verderben bewahrt werde. Amen. Das sechste Gärtlein. 5. Liebesgebet vor dem h. Sakramente. O gnadenreiches Sakrament des Altars, mit Leib und Seele zur Erde gebeugt, bete ich dich an und bringe dir einen herzlichen und freundlichen Gruß! du liebreiches Sakrament! du bist der goldene Rauchaltar, auf welchem Tag und Nacht das unauslöschliche Feuer der göttlichen Liebe brennt und der köstliche Weihrauch des himmlischen Lobes angezündet wird! O süßester Jesus, wie unaussprechlich war deine Liebe, welche dich bewog, dies h. Saframent einzujetzen und ewig darin zu wohnen! Was für ein größeres Zeichen der Liebe hättest du uns geben können, als eben, daß du dich selbst in diesem H. Sakramente entäußert und mit allem, was du bist und hast, uns übergeben haft! O Liebe, wie weit bringst du meinen Gott! O Liebe, wie entblößest du meinen Gott! Liebe, was machst du aus meinem Gott! O Jesus, wie unaussprechlich war deine Liebe, weil sie dich solche Dinge zu thun drängte, dergleichen nie gehört worden sind, ja, dergleichen nie in eines Menschen Sinn und Gedanken kommen konnten. Warum thust du doch solches? Ach! nur darum, daß du unsere schweren Herzen zu deiner Liebe ziehest! Es war dir nicht genug, daß du dich zum Wurm und Spott des Volkes gemacht hattest, sondern du wolltest dich auch gleichsam zu Nichts machen und dich unter der Gestalt des Brodes so ganz und gar verbergen, als wenn du weder Gott noch Mensch, sondern nur ein lebloses Ding, ein Brod wärest! Ja du wolltest dich auch der menschlichen Gewalt so vollständig übergeben, 192 Gebete vor dem H. Satramente. 193 daß sie mit dir ohne ein Hinderniß nach ihrem Belieben umgehen konnten! Und dies allein darum, damit du die menschlichen Herzen dich zu lieben anreizen möchtest! Ounaussprechliche Liebe! O unbegreifliche Liebe! O unendliche Liebe! Liebe, darüber sich alle himmlischen Kräfte entsetzen! O Liebe, der höher zu steigen unmöglich war! O du ganz in Liebe verlorner Jesus! jollte ich denn dich nicht lieben? sollte es mir denn möglich sein, denjenigen nicht wieder zu lieben, der aus Liebe zu mir gleichsam bethöret ist? O treuer Liebhaber! O von Liebe verwundetes Herz meines Jesu! Wenn ich dich nicht liebe, so bin ich nicht werth, daß ich lebe. Aber ich liebe dich, und will dich lieben ewiglich). Ogöttliche Liebe, laß nur einen Funken deines Feuers aus diesem h. Sakramente in mein laues Herz sprühen und entzünde es mit deiner Liebe! Ogöttliche Liebe, schieße den Pfeil deiner Liebe aus diesem h. Sakramente in mein fleischlich gesinntes Herz, und verwunde es mit deiner süßen Liebe! göttliche Liebe, gieße nur ein Tröpflein deiner Süßigkeit aus diesem h. Sakramente in mein eitles, von der Hoffart versäuertes Herz und versüße es mit deiner himmlischen Liebe! O Jesu. der du in diesem liebreichen Sakramente vor Liebe frank zu sein scheinest, mache, daß mein Herz vor Liebe zu dir krank werde! Du willst, o Jesu, daß ich dich liebe! So mache denn, o Jesu, daß ich dich liebe und in deiner Liebe allzeit zunehme! Ich bitte dich durch die Unendlichkeit der Liebe, so du Myrrhengarten III. 13 194 Das sechste Gärtlein. uns in diesem liebreichen Sakramente erweisest, mache, daß ich dich liebe! Ich bitte dich durch die Süßigkeit der Liebe, so du allen h. Seelen in dieſem süßen Sakramente eingießest, mache, daß ich dich liebe! Ich bitte dich durch die Sanftmüthigkeit der Liebe, mit welcher du in diesem lieben Satramente sogar die, welche dich unwürdig empfangen, erträgst, mache, daß ich dich liebe! Aus ganzem Herzen bitte ich um deine Liebe, und will von diesem liebreichen Sakramente mit meinem Herzen nicht scheiden, bis ich deine Liebe erlange; sondern will mein Herz bei dir einschließen lassen, damit es ohne Unterlaß vor deinen Füßen liege und um deine Gnade anhalte. Amen. 6. Einladung aller Creaturen zum Lobe des h. Sakraments. Oihr lieben Engel und Heiligen! die ihr jetzt in dem himmlischen Paradiese wohnet, und denjenigen, welchen wir unter den Gestalten des Brodes als unsern Gott ehren, von Angesicht zu Angesicht anschauet, sehet vom Himmel herab, und beherziget die Andacht, so wir unserem und eurem Gott darbringen. Wir wollten zwar nach unserer Schuldigkeit unsern Erlöser in seinem h. Sakramente würdig verehren; unsere Kräfte aber sind viel zu gering, ein so hohes Werk gebührlich zu verrichten. Darum laden und bitten wir euch, ihr wollet uns helfen, dies hochwürdige Sakrament würdig anzubeten und mit eurer persönlichen Gegenwart es verherrlichen. Alles Lob und aller Dank, so wir Christo geben und erzeigen können, ist ganz und Gebete vor dem h. Sakramente. gar nicht genug für die unendlichen Wohlthaten, die er uns durch das hochwürdigste Sakrament ertheilet. Darum wollet ihr unsern Mangel erstatten, und mit englischen Stimmen das h. Saframent loben und benedeien. 195 O du allerseligste Jungfrau Maria, du Mutter unseres Herrn Jesu Christi! sei von uns Allen demüthigst gebeten, daß du deinen liebsten Sohn in dem h. Sakramente des Altars an unserer Statt wollest verehren, und ihm für die unsäglichen Wohlthaten, die er uns durch dasselbe schenket, würdigen Dank sagen. Oihr Engel und Erzengel! ihr Throne und Herrschaften! ihr Fürsten und Gewaltige! ihr Kräfte der Himmel! o ihr Cherubim und Seraphim! fallet mit uns nieder vor dem Angesichte unsers Gottes, der in dem hochwürdigsten Sakramente des Altars, wie auf seinem göttlichen Throne sitzet, und betet an zugleich mit uns die unendliche Majestät seiner Herrlichkeit. Singet zugleich mit uns den Lobgesang des hochw. Sakramentes und danket zugleich mit uns Christo Jesu, unserm Erlöser, daß er zum Heile unserer Seelen das H. Sakrament eingesetzt hat, uns mit selbigem speiset, und in demselben mit so vieler Menschenfreundlichkeit wohnet. O ihr h. Patriarchen und Propheten! ihr heil. Apostel und Evangelisten! ihr heil Jünger und Freunde Christi! o ihr h. Märtyrer und Nothhelfer! ihr h. Bischöfe und Kirchenlehrer! ihr h. Priester und Leviten! o ihr h. Mönche und Einsiedler! ihr h. Pilger und Büßer! ihr h. Jungfrauen und Märtyrinnen! 13* 196 Das sechste Gärtlein. o ihr h. Klosterfrauen und Einsiedlerinnen! ihr heil. Witwen und Büßerinnen! ihr h. Raiserinnen und Königinnen! und ihr h. Ehefrauen und Dienerinnen Gottes! euch Alle bitten und laden wir ein, daß ihr mit uns wollet anbeten euren und unsern Gott, euren und unsern Erlöser, euren und unsern Seligmacher in dem allerheiligsten Sakramente des Altars, und wollet ihm mit herzlicher Danksagung singen den Gesang der Liebe, so ihr ihm jetzt im Himmel ohne Unterlaß singet. Wollet ihm auch zugleich mit uns aus allen Kräften unendlichen Dank sagen für alle Gnaden und Wohlthaten, die er euch und uns durch das gnadenreiche Sakrament erzeigt hat, und bis an's Ende der Welt allen frommen Seelen erzeigen wird. O ihr himmlischen und irdischen, vernünftigen und vernunftlosen Creaturen, die ihr von eurem Schöpfer zu seinem Lobe erschaffen seid, helfet uns preisen und benedeien das h. Sakrament des Altars, und Dank sagen eurem und unserm Erschaffer, der darin verborgen liegt! Sonne und Mond! ihr Sterne und Planeten! ihr Wolken und Nebel! ihr Winde und Lüfte! Regen und Thau! Schnee und Hagel! ihr Wasser und Meere! ihr Flüsse und Brunnen! ihr Berge und Hügel! ihr Felsen und Steine! ihr Bäume und Hecken! ihr Blumen und Kräuter! ihr wilden und zahmen Thiere! ihr Vögel und Fische! ehret und preiset mit uns das h. Sakrament! Ja, Alles, was die allmächtige Hand Gottes erschaffen; Alles, was Odem hat, ein jedes nach seiner Art, helfe uns singen den Lobgesang der Ehren, und die Benedeiung des hochwürdigsten Sakramentes, sprechend: Gebete vor dem H. Sakramente. 7. Lobgefang zum h. Sakramente. 197 Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Sterne am Himmel und Pünktlein im Firmamente sind: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Strahlen in der Sonne und Fünklein in den Planeten sind: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Stäublein in der Luft und Tröpflein in den Wolken sind: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Sandkörnlein am Meere und Steinchen auf der Erde sind: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Blumen im Frühling und Körnlein im Sommer sind: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tauſendmal, als Blätter im Herbste und Schneeflocken im Winter sind: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Bäume in den Wäldern und Aeste an den Bäumen sind: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Wurzeln an den Bäumen und Früchte an den Aesten sind: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Gräser auf den Wiesen und Adern in den Gräsern sind: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Das sechste Gärtlein. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Blumen in den Gärten und Farben in den Blumen sind: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Vögel in der Luft und Federn an den Vögeln sind: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. 198 Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Thiere auf Erden und Härlein an den Thieren sind: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Fische in den Wässern und Schuppen an den Fischen sind: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Menschen auf Erden und Glieder an den Menschen sind: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Engel im Himmel und Heilige in der Ewigkeit sind: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Stunden in der Ewigkeit und Minuten in den Stunden sind: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Freuden im Himmel und Stufen in der Seligkeit sind: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Worte vom Munde der Menschen gesprochen und mit ihren Herzen gefaßt werden können: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Gebete vor dem H. Sakramente. Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als dem Menschen der Puls schlägt und das Herz sich bewegt: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Menschen und Thiere Athem schöpfen und Glieder bewegen: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. 199 Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als die Engel und Heiligen mit ihrem Verstande fassen und mit ihrem Willen wünschen können: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als die h. Dreifaltigkeit durch ihre Andacht aussprechen, durch ihre Weisheit begreifen und durch ihre Gütigkeit wünschen kann: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit seist du, o Herr Jesu Christe, in dem allerheiligsten Sakramente des Altars: denn du bist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Lasset uns loben und preisen Jesum im h. Sakramente des Altars: lasset uns ihn benedeien und verherrlichen und erheben in Ewigkeit! Kommt, lasset uns anbeten und niederfallen vor dem h. Sakramente des Altars! kommt, lasset uns vor Freude weinen vor Jesu, der in demselben wohnet! Lasset uns Dank sagen Jesu Christo, dem Sohne des himmlischen Vaters, daß er uns hat eingesetzt das heil. Sakrament des Altars! Lasset uns loben und benedeien Jesum, den Sohn Mariä; weil er uns speiset und tränket mit dem heiligen Sakrament des Altars! Lasset uns jubeln und frohlocken vor Jesu, dem Sohne Davids, weil er immerdar bei uns wohnet in diesem allers heiligsten Sakramente! Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heil. Geiste, und Ehre sei dem hochw. Sakramente des Altars von nun an bis in Ewigkeit. Amen. Das sechste Gärtlein. Wer den Lobspruch Gelobt und gebenedeit sei ohne End' Das beiligste und göttlichste Sakrament reumüthig betet, gewinnt 100 Tage Ablaß. An den Donnerstagen des Jahres, am Frohnleichnamsfeste und in der Octav aber 300 Tage Ablaß. wer ihn 3mal betet. Einen vollkommenen Ablaß, der ihn täglich betet während eines ganzen Monats, an dem Tage, wo er beichtet und communizirt und die Ablaßgebete betet. Pius VI., 24. Mai 1776. Der Ablaß von 100 Tagen kann den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden, wenn man diesen Lobspruch beim Zeichen der Betstunde, während der Aussetzung des hochwürdigsten Gutes und des Segens mit demselben und während der h. Wandlung bei der Messe spricht. Pius VII., 1818 200 8. Litanei vom allerheiligsten Altarssakramente. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Jesu Christe, höre uns! Jesu Christe, erhöre uns! Gott Bater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geist, Heilige Dreifaltigkeit, ein einziger Gott, Du hochwürdiges Sakrament des Altars, Du Wort, das Fleisch geworden und unter uns wohnt, Du allerheiligstes Opfer, Du unblutiges Opfer, Du immerwährendes Opfer des neuen Bundes, Du würdiges Opfer des Dankes und der Anbetung, Du wahres Versöhnopfer für Lebende und Abgestorbene, Du wahres Fleisch Jesu Christi, Du wahres Blut des göttlichen Sohnes, Du Lamm ohne Matel, Du Speise der lieben Engel, Du verborgenes Himmelsbrod, Du kostbares Abendmahl zur Speise unserer Seelen, Du Band der Liebe und des Friedens, Du Erquickung und Wonne reiner Seelen, Du Gedächtniß der Wunder Gottes, Du Erinnerung des Leidens Christi, Du Geheimniß der göttlichen Liebe, Du Ueberfluß der göttlichen Süßigkeit, Erbarme dich unser! Litanei vom allerh. Altarssakramente. Du edelste Gabe der göttlichen Güte, Du Urquell aller Gnaden, Du Trost der Betrübten, Du Zuflucht der Sünder, Du Stärke der Schwachen und Mühseligen, Du Arznei wider alle Sünden, Du träftige Wegzehrung der im Herrn Sterbenden, Du Heilmittel zur Unsterblichkeit und glorreichen Auferstehung, Du Unterpfand der ewigen Seligkeit, Sei uns gnädig, verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Herr! Vor dem unwürdigen Empfange deines h. Fleisches und Blutes, Vor aller Begierlichkeit des Fleisches, Vor aller Begierlichkeit der Augen, Vor aller Hoffart des Lebens, Vor aller Gefahe und Gelegenheit zur Sünde, Vor aller Unehrerbietigkeit gegen dieses h. Sakrament, Vor Zweifel im Glauben an deine wirkliche, wahre und vesentliche Gegenwart in demselben, Vor allem Leichtsinne des Herzens, Vor aller Lieblosigkeit gegen den nächsten, Vor aller Sünde, Vor einem jähen und bösen Tode, Vor der ewigen Verdammniß, Durch die Kraft dieses h. Sakraments, Durch das sehnliche Verlangen, dies Ofterlamm mit deinen Jüngern zu essen, Durch die inbrünstige Liebe, mit welcher du dasselbe einsetztest, und deinen Jüngern und uns dein heil. Fleisch zur Speise und dein H. Blut zum Tranke gegeben hast, Durch die tiefe Demuth, mit welcher du zuvor deinen Jüngern die Füße gewaschen hast, Durch die treue Liebe, mit welcher du in demselben bei uns wohnest, Durch die hingebende Liebe, mit welcher du dich in demselben für uns opferst, 201 Erbarme dich unser! Bewahre uns, 0 Herr! 202 Das sechste Gärtlein. Durch die freigebige Liebe, mit welcher du in demselben uns unzählige Gnaden ertheilest, Bewahre uns 2c. Durch dein kostbares Blut, welches du uns auf dem Altare zurückgelassen haft, Bewahre uns 2c. Durch die fünf Wunden deines allerheiligsten Leibes, welche du für uns empfangen hast, Bewahre uns 2c. Wir armen Sünder, Wir bitten dich, erhöre uns! Daß du den Glauben, die Ehrerbietung und Andacht gegen dieses hochh. und bewunderungswürdige Satrament in uns stets erhalten und vermehren wollest, Daß du uns durch ein wahres und reumüthiges Bekenntniß unserer Sünden und durch wahre Buße zu einem würdigen und öftern Empfange dieses heil. Satraments führen wollest, Daß du uns vor aller Irrlehre, vor aller Untreue und Blindheit des Herzens bewahren wollest, Daß du uns die kostbaren und himmlischen Früchte dieses heiligsten Sakraments verleihen wollest, Daß du durch dieses h. Sakrament der Liebe uns unter einander in heiliger Liebe immer mehr vereinigen wollest, Daß du eine heilige Begierde, dich oft in der heil. Communion zu empfangen, in uns erwecken wollest, Daß du die Feinde dieses h. Sakraments demüthigen wollest, Daß du die falschen Lehren wider dieses H. Sakrament vertilgen wollest, Daß du die irrenden Seelen zum wahren Glauben führen wolleft, Daß du den christlichen Fürsten und Gewalthabern Frieden und Einigteit verleihen wolleft, Daß du deine h. Kirche regieren und erhalten wollest, Daß du uns auf unserm Sterbebette mit dieser himmlischen Wegzehrung versehen und stärken wollest, Daß du uns im Todestampfe nicht verlassen wollest, Daß du uns ein seliges Ende verleihen wollest, * Daß du uns zum ewig glorreichen Leben auferwecken wolleft, Daß du die armen Seelen des Fegfeuers erlösen wolleft, Du Sohn Gottes, Wir bitten dich, erhöre uns! Litanei vom allerh. Altarssakramente. O du Lamm Gottes u. f. w.( 3mal) Jesu Christe, höre uns! Jesu Christe, erhöre uns! Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Vater unser 2c. Gegrüßet seist du zc. V. Oh. Gastmahl, in welchem Christus genossen und das Andenken an sein h. Leiden gefeiert wird! 203 R. Hier wird die Seele mit Gnaden erfüllt und empfängt das Unterpfand der fünftigen Herrlichkeit! W. Du hast uns, o Herr, das Brod vom Himmel gegeben! R. Das alle Lieblichkeit in sich enthält! Gebet. O Gott, der du uns in dem wunderbaren Sakramente das Andenken deines Leidens hinterlassen haft; wir bitten dich, verleih' uns, die h. Geheimnisse deines Leibes und Blutes so zu verehren, daß wir die Frucht deiner Erlösung unaufhörlich in uns erfahren. Der du mit dem Vater und dem h. Geiste gleicher Gott lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. Herr Jesu Christe, du Sohn des lebendigen Gottes, der du das h. Sakrament des Altars aus Ueberschwenglichkeit deiner Liebe eingesetzt und uns geschenkt haft; wir preisen deine milde Freigebigkeit, indem wir demüthig bitten, daß du uns verleihen wollest, dies gnadenreiche Sakrament allzeit mit würdiger Borbereitung zu empfangen, der du lebst u. s. w. Allmächtiger, ewiger Gott, der du uns fündige Menschen mit dem allerheiligsten Fleische und Blute deines Sohnes Jefu Chrifti wunderbarer Weise speisest und träntest, verleihe uns durch deine göttliche Barmherzigkeit, daß wir dir allzeit für die große Wohlthat dankbar sein und deinen eingebornen Sohn mit wahrem Glauben in dem h. Satramente anbeten mögen; der mit dir und dem h. Geiste gleicher Gott lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Herr Jesu Christe, der du durch die Kraft deiner göttlichen Worte das Brod in deinen Leib und den Wein in dein Blut verwandelt hast; wir bitten dich, verwandle 204 Das sechste Gärtlein. unsere irdische Liebe in eine himmlische Liebe, und unsere sinnlichen Begierden in göttliche Begierden, der du lebst u. f. w. Allergütigster Herr Jesu, der du das hochwürdigste Sakrament nicht allein zu unserer Seelenspeise eingesetzt hast, sondern auch bis ans Ende der Welt bei uns zu bleiben dich würdigst; verleihe uns gnädig, daß wir diese große Gutthat recht erkennen und dir in dem h. Sakramente allzeit schuldige Ehre erzeigen, der du lebst u. s. m. Du Sohn des lebendigen Gottes, Christe Jesu, der du dich aus Liebe zu unserm Heile in dem h. Sakramente zu einem wahren Opfer gemacht hast, und dich täglich, ja stündlich für unsere Sünden Gott, dem Vater, aufopferst; sei unser eingedenk und durch die Aufopferung deines würdigsten Fleisches und Blutes versöhne uns den göttlichen Zorn und erwirb uns armen Sündern Gnade und Barmherzigkeit, der du lebst und regierst u. s. w. du wahres Brod der Engel, Christe Jesu, der du das hochwürdigste Sakrament des Altars zu einer kräftigen Wegzehrung der Sterbenden eingesetzt hast, verleihe gnädig, daß wir vor unserm letzten Ende dasselbe mit wahrer Liebe und Andacht empfangen, und durch die Kraft desselben wider alle Anfechtungen des bösen Feindes gestärkt werden, der du lebst und regierst mit Gott dem Vater in Einigkeit des h. Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Aufopferung. Nimm auf, o gütigster Jesu, diese H. Litanei mit den Gebeten, welche ich jetzt zu Ehren des hochwürdigsten Sakraments gesprochen habe. Ich opfere sie dir zur Danksagung, daß du uns dies gebenedeite Sakrament eingesetzt hast, und in demselben so freundlich und lieblich bei uns zu wohnen dich würdigst. Zmgleichen opfere ich sie dir zur Abtragung aller Schmach, welche dir in diesem h. Sakramente von Juden, Ketzern und Heiden jemals ist zugefügt worden, und begehre dadurch dir tausendmal mehr Ehre zu erweisen, als dir von deinen Feinden, wozu auch ich leider! oft gehört habe, Unehre angethan worden ist. Laß dir meine Liebe und Treue gefallen, und vergiß nicht, in diesem h. Satramente deinen Vater beständig für mich zu bitten. Amen. Gebete vor dem H. Sakramente. 205 9. Wenn mit dem hochw. Sakramente der Segen gegeben wird. Süßester Jesu, der du in diesem h. Sakramente wahrhaft, wirklich, und wesentlich gegenwärtig bist, ich beuge mein Haupt demüthig vor dir und begehre inständig deinen göttlichen Segen. Ach! wende deine milden Augen in Gnaden auf mich, und erbarme dich über meine vielfältige Armseligkeit. Deine gnadenvolle Rechte, welche mir zu Liebe ans Kreuz genagelt worden ist, strecke zu mir aus, und mache das H. Kreuzzeichen über mich Armseligen. Ertheile mir deinen göttlichen Segen, daß er mich stärke an Leib und Seele; nimm aber hinweg von mir den Fluch, den ich wegen meiner Sünden vielfältig verdient habe. Verleihe mir durch die Kraft dieses göttlichen Segens, daß ich hinführo von aller Gewalt des Satans befreit und durch deine überflüssigen Gnaden unterstützt in einem tugendhaften Leben bis zu einem seligen Ende verharre. Das verleihe mir Gott der Vater, Gott+ der Sohn und Gott der H. Geist. Amen. 10. Gebet, wenn man das h. Sakrament um die Kirche trägt. O du treuer Liebhaber des menschlichen Geschlechts, Christe Jesu: der du uns zu Liebe das H. Sakrament des Altars eingesetzt hast und darin bis an's Ende der Welt bei uns wohnest: deine h. Kirche begehret diese deine unergründliche Liebe und Gutthat dir nach aller Möglichkeit zu vergelten und sich gegen dich nach ihrer Schuldigkeit dankbar zu erweisen. Daher trägt der Priester 206 Das sechste Gärtlein. jetzt das hochw. Sakrament mit großer Ehrerbietung um die Kirche, und alles Volk bringt dir alle mögliche Ehre und Anbetung. Ich aber begehre alle Gegenwärtigen in der Andacht zu übertreffen und dir mehr Ehre zu erweisen, als dir von allen zugleich erwiesen wird. Darum geselle ich mich mit treuem Herzen zu dieser Prozession mit dem hochwürdigsten Gute, und ziere dieselbe mit meiner Gegenwart so gut, als ich immer kann. Gleichwie das andächtige Volk am heil. Palmtage dich mit großen Freuden in die Stadt Jerusalem begleitet hat, also begleite ich dich jetzt mit der Freude meines Herzens, und singe dir mit Frohlocken den Lobgesang deiner Ehren: Heilig, heilig, heilig bist du, o Herr Jesu Christe, in dem h. Sakrament des Altars! Voll sind Himmel und Erde der Majestät deiner Herrlichkeit, Hosanna in der Höhe! Gebenedeit bist du, der du bei uns wohnest in diesem hochwürdigen Sakrament! Hosanna in der Höhe! Jch bete dich an, o du hochgebenedeites Sakrament des Altars! Ich glaube fest, daß mein Herr Jesus Christus persönlich in dir wohnet. Ich freue mich auch von Herzen, daß ich diese Gelegenheit habe, dir Ehre zu erzeigen, und mit meiner Gegenwart diesen prächtigen Umgang verherrlichen zu helfen. Dir zu Ehren, o Jesu, opfere ich alle meine Schritte, und die Andacht meines Herzens opfere ich in dein süßes Herz! Ich gieße auch mein Gebet vor dir andächtig aus und rufe dich vertraulich um Erlangung deiner göttlichen Gnade an. Mit deinen gebenedeiten Händen gib uns Allen deinen gnadenreichen Segen, und durch die Kraft desselben bewahre Gebete vor dem H. Sakramente. 207 uns vor allem leiblichen und geistlichen Uebel. Siehe auch gnädig an die christgläubigen Seelen, deren Leiber auf diesem Kirchhofe begraben liegen: und wofern diese lieben Seelen noch sollten in der Qual aufgehalten werden, so erlöse sie aus ihren Peinen durch die Kraft dieses h. Sakraments. Laß dein rosenfarbenes Blut aus deinen fünf eröffneten Wunden in den feurigen Kerker hinabfließen und die leidenden Seelen in ihren heißen Flammen erquicken. Dieses hochw. Sakrament wolle alle Gräber dieses Kirchhofs segnen, und durch die Kraft dieser sakramentalischen Benediction die Seelen zu Gnaden aufnehmen! Darum bitte ich dich, o süßester Jesu, in meinem und aller Gegenwärtigen Namen, damit sowohl die Lebendigen, als die Abgestorbenen durch dies H. Sakrament mögen gesegnet und begnadigt werden. Das verleihe uns allesammt, o Herr Jesu Christe, du Heiland und Erlöser der Welt, der du in dem h. Sakramente persönlich gegenwärtig bist, und mit dem H. Geiste gleicher Gott lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 11. Loblied zum h. Sakramente. * Deinem Heiland, deinem Lehrer,* deinem Hirten und Ernährer, Sion! stimm ein Loblied an. Preis' nach Kräften seine Würde,* da kein Lobspruch, keine Zierde* seiner Größe gleichen kann. Lasset uns das Brod erheben,* welches lebt und gibt das Leben,* das man heut' den Christen weis't,* dieſes Brod, mit dem im Saale* Christus bei dem Abendmahle * die zwölf Jünger selbst gespeis't. Unser Lob soll laut erschallen,* und das Herz in Freude wallen;* denn der Tag hat sich genaht,* da der 208 Das sechste Gärtlein. Herr zum Tisch der Gnaden* uns zum erstenmal geladen, und dies Brod geopfert hat! * Statt des unvollkommnen Alten,* statt des Osterlamms erhalten wir ein neues Sakrament.* Ja, der Wahrheit muß das Zeichen* und die Nacht dem Lichte weichen, Nacht und Schatten sind zu End'. Was von Jesus dort geschehen, was wir so, wie Er, begehen,* mahnet uns an seinen Tod.* Als ein Opfer ihn zu ehren,* nach der Vorschrift seiner Lehren weihen wir ihm Wein und Brod. Doch nach unsers Glaubens Lehren ist das Brod, das wir verehren,* Christi Leib, sein Blut der Wein.* Was dabei das Aug' nicht siehet,* Dem Verstande selbst entfliehet,* sieht der feste Glaube ein. Unter zweierlei Gestalten, die nur Zeichen, sind enthalten* Dinge groß und wunderbar;* Blut als Trant und Fleisch als Speise,* und doch reicht auf beide Weise unser Heiland ganz sich dar. * Wer zu diesem Gastmahl eilet,* nimmt ihn ganz und unzertheilet,* ungebrochen, unversehrt;* Einer kommt und Tausend kommen,* Keiner hat doch mehr genommen,* und er bleibt stets unverzehrt. Fromme tommen, Böse kommen,* beide haben ihn genommen,* die zum Leben, die zum Tod!* Bösen wird er Tod und Hölle,* Frommen ihres Heiles Quelle;* so verschieden wirkt dies Brod! Theilet man die Brodsgestalten,* so wird jeder Theil enthalten* was das Ganze auch enthält.* Nicht das Wesen, nur das Zeichen* muß da der Zertheilung weichen,* jenes bleibet unentstellt. Sich', dies ist das Brod der Kinder,* der Gerechten, nicht der Sünder,* jenes Brod, das Engel nährt!* Schon im Isaat, Mannabrode* und des Osterlammes Tode* war es einstens vorerklärt. Guter Hirt, du wahre Speise,* Jesus! stärt' uns auf der Reise* bis in deines Vaters Reich;* nähr' uns hier im Jammerthale,* ruf' uns dort zum Hochzeitsmahle, mach' uns deinen Heil'gen gleich. Gebete vor dem H. Sakramente. 12. Gebet zum allerheiligsten Altarssakramente an den Donnerstagen. Schau' o Herr! von deinem Heiligthum und von der erhabenen Wohnung des Himmels herab und sieh' dies hochheilige Opfer, welches dir darbringt unser hoher Priester, dein heiliger Sohn, der Herr Jesus, für die Sünden seiner Brüder, und laß dich besänftigen über die Größe unserer Bosheit. Sieh'! die Stimme des Blutes unseres Erlösers ruft zu dir vom Kreuze. Erhöre, o Herr! Laß dich versöhnen, o Herr! Merke auf und thu' es; um deiner selbst willen, mein Gott, zögere nicht; denn diese Stadt und dein Volk ist nach deinem Namen genannt, und handle mit uns nach deiner Barmherzigkeit. Amen. Wer das Jahr hindurch alle ersten Donnerstage eines jeden Monats das H. Altarssakrament besucht und obiges Gebet andächtig spricht, ges winnt einen vollkommenen Ablaß, wenn er reumüthig gebeichtet und communizirt hat und dieses Gebet für die großen Anliegen der heil. Kirche aufopfert. Ein Ablaß von 7 Jahren und 7 Quadragenen wird denen zu Theil, die an was immer für einem Donnerstage des Jahres nach abgelegter Beicht und Communion dieses Gebet knieend vor dem b. Sakramente, wie oben, sprechen. Wer es an einem andern beliebigen Tage, wenigstens mit einem reumüthigen Herzen, wie oben, spricht, erhält einen Ablaß von 100 Tagen. Diese Ablässe können den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden. Pius VI., Weinmonat 1796. FAULTS 209 13. Gebet zum allerheiligsten Altarssakramente und zum heiligsten Herzen Jesu. Sieh', wie weit dich deine unermeßliche Liebe gebracht hat, o mein geliebter Jesu! Mit deinem heiligsten Fleische und Blute hast du mir ein Gastmahl bereitet, um dich mir ganz zu schenken. Wer hat dich zu einem solchen Uebermaß der Liebe gebracht? Niemand, als dein von Liebe flammendes Herz. Myrrhengarten III. 14 ( 210 Das sechste Gärtlein. O anbetungswürdigstes Herz meines Jeſu, du brennender Feuerofen der göttlichen Liebe, nimm auf meine Seele in deine geheiligte Seitenwunde, damit ich in dieser Schule der Liebe jenen Gott wieder lieben lerne, der mir so bewunderungswürdige Beweise der Liebe gegeben hat. So geschehe es! Wer dieses Gebet andächtig spricht, gewinnt einen Ablaß von 100 Tagen, den er auch den Seelen im Fegfeuer zuwenden fann. Pius VI., 1787 und Pius VII., 1818. 14. Ulebung der Anbetung und der Abbitte zu Jesus im h. Altarssakramente mit 5 Vater unser, Ave Maria und Ehre sei zc. 1. Jch bete dich in tiefster Ehrerbietung an, o mein Jesu, im heiligsten Sakramente! Ich erkenne dich als wahren Gott und wahren Menschen; und durch diesen Akt der Anbetung will ich die Frostigkeit und den Kaltsinn so vieler Christen ersetzen, welche im Vorübergehen bei deinen Tempeln, und vielmal sogar vor dem h. Tabernakel, worin du dich würdigest, zu allen Stunden in liebevoller Ungeduld zu verweilen, um dich deinen Gläubigen mitzutheilen, dich nicht einmal begrüßen, sondern durch ihre sträfliche Gleichgültigkeit leider! beweisen, daß sie, wie die Juden in der Wüste, einen Ekel vor diesem himmlischen Manna haben. Ich opfere dir demnach auf das kostbarste Blut, welches du aus der Wunde deines linken Fußes vergossest, zur Sühnung für eine so empörende Lauigkeit; und in diese Wunde mich verschließend, wiederhole ich tausend und tausend Mal: Gelobt und gebenedeit sei ohne End' Das heiligste und göttlichste Sakrament! Vater unser, Ave Maria und Ehre sei zc. Gebete vor dem H. Sakramente. 211 2. Jch bete dich mit tiefster Ehrerbietung an, o Jesu, der du gegenwärtig bist im heiligsten Altarssakramente! und durch diesen Akt der Anbetung verlange ich den Undank so vieler Christen zu ersetzen, die, wenn sie dich zu den schwer bedrängten Kranken tragen sehen, zur Stärkung für ihre große Reise in die Ewigkeit, dich ohne Begleitung lassen und kaum eines kleinen Zeichens der äußerlichen Verehrung würdigen. Ich opfere dir demnach, zur Sühnung eines solchen Kaltsinnes, das kostbarste Blut, welches du aus der Wunde deines rechten Fußes vergossest; und mich in die Wunde verschließend, wiederhole ich tausend und tausend Mal: Gelobt und gebenedeit sei ohne End' Das heiligste und göttlichste Sakrament! Vater unser, Ave Maria und Ehre sei 2c. 3. Jch bete dich mit tiefster Ehrerbietung an, o mein Jesu, du wahres Brod des ewigen Lebens! und durch diesen Akt der Anbetung verlange ich für die so vielen Wunden genugzuthun, welche tagtäglich deinem Herzen geschlagen werden durch die Verunehrung deiner Kirchen, wo du unter den sakramentalischen Gestalten zu verweilen dich würdigest, um von deinen Getreuen angebetet und geliebt zu werden. Ich opfere dir demnach auf, zur Sühnung so vieler Ungebührlichkeiten, das kostbarste Blut, welches du aus der Wunde deiner linken Hand vergosfeft, und in diese Wunde mich verschließend, wiederhole ich tausend und tausend Mal: Gelobt und gebenedeit sei ohne End' Das heiligste und göttlichste Sakrament! Vater unser, Ave Maria und Ehre sei zc. 14* 212 Das sechste Gärtlein. 4. Jch bete dich mit tiefster Ehrerbietung an, 0 mein Jesu, lebendiges Brod, vom Himmel gestiegen! und durch diesen Akt der Anbetung verlange ich, dir für alle die vielen Unehrerbietigkeiten genugzuthun, welche tagtäglich von deinen Gläubigen in Anhörung der H. Messe begangen werden, bei welcher du im Uebermaß deiner Liebe zu uns das nämliche Opfer, obschon unblutig, erneuerst, das du auf dem Calvarienberge zu unserm Heile vollbracht hast. Ich opfere dir demnach auf, zur Sühnung eines solchen Undankes, das kostbare Blut, welches du aus der Wunde deiner rechten Hand vergossest, und in diese Wunde mich verschließend, vereinige ich meine Stimme mit jenen der Engel, die dich tief anbetend umgeben, und rufe mit ihnen: Gelobt und gebenedeit sei ohne End' Das heiligste und göttlichste Sakrament! Vater unser, Ave Maria und Ehre sei zc. 5. Jch bete dich mit tiefster Ehrerbietung an, o mein Jesu, wahres Opfer zur Tilgung unserer Sünden! und opfere dir diesen Akt der Anbetung auf zu einigem Ersatz für die Gottesraube und Lästerungen, welche du von so vielen undankbaren Christen erduldest, die es wagen, sich dir zu nähern und mit schweren Sünden auf ihrer Seele dich in der Communion zu empfangen. Zur Sühnung einer so verabscheuungswürdigen Entheiligung opfere ich dir die letzten Tropfen deines kostbaren Blutes auf, das du aus der Seitenwunde vergossest, und in diese Wunde mich verschließend komme ich dich Gebete vor dem H. Sakramente. 213 anzubeten, zu lieben und zu preisen, und mit allen frommen Anbetern des allerheiligsten Altarssakramentes tausend und tausend Mal zu wiederholen: Gelobt und gebenedeit sei ohne End' Das heiligste und göttlichste Sakrament! Vater unser, Ave Maria und Ehre sei 2c. Hier betet man das Tantum ergo etc.( fiehe die beiden letzten Verse des folgenden Hymnus) mit V., R., und Gebet bis zu Ende. Hymnus Pange lingua.*) Künd', o Zunge, des verklärten* Frohnleichnams Mysterium,* und des Blut's, des hochbewährten,* das zur Weltentsündigung* gab die Frucht des unversehrten* Leib's, der Völker Heil und Ruhm! Uns geboren, uns gegeben* aus dem Schooß der reinen Magd,* als er in der Welt zu leben* und des Wortes Saat vollbracht:* schloß der Herr sein himmlisch Streben * durch ein Wert der Wundermacht. * Bei dem letzten Mahl' im Kreise* sitzend mit der Jünger Schaar, als nach des Gebots Geheiße* ganz das Mahl genossen war,* reicht den Zwölfen er zur Speise* sich mit seinen Händen dar! Wort und Fleisch schafft mit dem Worte* wahres Brod in Fleisch Er um;* Wein wird Blut fraft seiner Worte; und ob auch der Sinn verstumm'* Zu des treuen Herzens Horte* g'nügt des Glaubens Heiligthum. Solch' erhab'nes Bundeszeichen* beten wir mit Ehrfurcht an;* und der alte Brauch muß weichen, wo der neue Brauch begann; wo die Sinne zagend schweigen,* steigt der Glaube himmelan. *) Wer diesen Hymnus allein nebst dem folgenden V. und R, und Gebete reumüthig spricht, gewinnt einmal des Tages 300 Tage Ablaß: wer nur die beiden letzten Verse, nämlich Tantum ergo etc nebst dem V. und R. und Gebete reumüthig spricht, gewinnt 100 Tage Ablaß. Wer ein oder anderes täglich oder wenigstens 10mal im Monate betet, gewinnt einen vollkommenen Ablaß am Gründonnerstage. Frohnleichnam, an einem Tage während der Octav und noch an einem beliebigen Tage unter den gewöhnlichen Bedingungen. 214 Das sechste Gärtlein. Preis dem Vater und dem Sohne,* Preis und steter Jubelsang!* Heil und Ehre schall' zum Throne,* Lob und Segens Wonneklang!* Auch dem Geist im gleichen Tone singe unser Hochgesang! R. Amen. V. Brod vom Himmel gabst du ihnen. Alleluja! R. Das alle Annehmlichkeiten in sich hat. Alleluja! * Gebet. Gott, der du das Andenken deines Leidens unter dem wundervollen Sakramente zurückgelassen hast; verleih' uns, wir bitten dich, daß wir die Geheimnisse deines Leibes und Blutes so nach Würde verehren, daß wir die Frucht deiner Erlösung an uns immerdar erfahren mögen. Der du lebst 2c. Wer diese Uebungen sammt den 5 Vater unser, 5 Ave Maria und 5 Ehre sei zc. andächtig spricht, gewinnt für jedesmal einen Ablaß von 300 Tagen, der auch den Seelen im Fegfeuer jugewendet werden kann. Pius VII., den 26. August 1814. 15. Gebet bei einer sakramentalischen Prozession. ( Siehe im zehnten Gärtlein am Frohnleichnamstage.) 16. Betrachtungen liber die Einsekung, den würdigen und andächtigen Empfang und die großen Gnaden des allerheiligsten Sakramentes des Altars. I. Wie Christus das hochwürdigste Sakrament einsetzte. 1. Unter allen Wundern, welche Christus auf Erden gewirkt hat, ist keines größer und erstaunlicher, als die gnadenreiche Einsetzung des hochwürdigsten Sakraments, über welches sich die Engel verwundern und die Seraphim verstummen. Als der liebreiche Heiland das alte Gesetz endigen und das neue anfangen wollte, ließ Er den Tisch mit frischen Tüchern decken, frisches Brod und Wein auftragen, und begann seinen Jüngern eine herrliche Rede zu halten von der Würde, Nützlichkeit und 215 Betrachtungen vom h. Altarssakramente. Nothwendigkeit des hochwürdigsten Sakraments. Diese Rede fing Er mit den Worten an: Jch habe ein großes Verlangen gehabt, dieses Oſterlamm mit euch zu essen, ehedenn ich leide;" womit Er seine große Begierde, uns dieses höchste Gut mitzutheilen, zu erkennen geben wollte. Nachdem die Jünger im Glauben an dieses größte Geheimniß unterrichtet waren, stand der liebe Heiland auf, nahm das Brod in seine gebenedeiten Hände, erhob die Augen zu Gott, seinem himmlischen Vater, und sagte ihm im Namen aller Menschen, welche jemals dieses allerheiligste Sakrament empfangen würden, unendlichen Dank. Diese Danksagung war so göttlich, daß kein Engel ihre Kraft würdig aussprechen kann. Denn weil Christus allein erkannte, was das für eine kostbare Speise war, und welch' großes Heil den Menschen daraus entspringen würde, darum sagte Er auch seinem Vater aus der Kraft seiner Menschheit so großen, unaussprechlichen und unendlichen Dank, daß, wenn alle Geschöpfe ihr Leben lang mit einander Gott lobten, dieses dennoch nicht mit dem Danke Jesu Christi zu vergleichen wäre. Sein Herz zerschmolz gleichsam vor Süßigkeit der Liebe gegen seinen himmlischen Vater und gegen alle Menschen, welche dieses hochheilige Sakrament jemals würdig genießen würden. Er stellte sich schon damals vor, was für eine Freude Er in diesen andächtigen Seelen haben würde, und hatte die höchste Begierde, auf die kräftigste Weise dieſe Speise zu bereiten und dadurch allen Menschen seine Liebe einzugießen. 216 Das sechste Gärtlein. O unendliches Feuer der Liebe meines Jesu! wie verzehrest du sein Herz voll Begierde zu unserm Heile, so daß Er sich zur Speise der Menschen machen will! Was gedenkest du, daß du diesen edelsten, kostbarsten Schatz des Himmels denen schenken willst, welche desselben am unwürdigsten sind? Hast du nicht selbſt gesprochen, man solle das Heilige nicht wegwerfen? O, daß auch ich solche Liebe zu dir hätte, wie du zu mir! O Herr! öffne meine Augen, auf daß ich erkennen möge das unendliche Gut, welches in dieser himmlischen Speise verborgen liegt, und mit höchster Begierde darnach verlange. Amen. 2. Nun beherzige, wie weit die Liebe deines Geliebten um deiner Liebe willen ihn gebracht habe. Die Engel des Himmels erstaunen, welch' ein Wunderwerk der Bräutigam der menschlichen Seelen wirken will. Denn die Einsetzung des hochwür, digsten Sakramentes ist ein so unbegreifliches Wunder, daß es nach der Menschwerdung Christi alle andern Wunder übertrifft, welche die allmächtige Hand Gottes jemals gewirkt hat, und das alle Natur, allen Verstand und alle menschliche und englische Vernunft übersteigt. Wie es sich aber zu getragen habe, beschreiben die h. Evangelisten also: Nach verrichteter Danksagung wendete der liebreiche Heiland Jesus Christus seine Augen auf das Brod, das Er in den Händen hielt, segnete es und machte das H. Kreuzzeichen darüber: hernach brach Er es in zwölf Stücke. Als Er es consecriren und in seinen Leib verwandeln wollte, was meinst du, daß Er für Mittel gebraucht habe, eine so unbegreifliche Betrachtungen vom h. Altarssakramente. 217 Verwandlung in's Werk zu setzen? Eben dasjenige Mittel, wodurch Gott Himmel und Erde geschaffen hatte, gebrauchte Er jetzt. Da er ein Wort sprach, war das Brod in seinen heiligsten Leib verwandelt; Er sprach nämlich: ,, Dies ist mein Leib." O wunderbares, allmächtiges Wort! Was mögen wohl die h. Engel gedacht haben, als sie sahen, daß durch die Kraft dieser vier Wörtlein das gebenedeite Brod in den wahren Leib Jesu Christi verwandelt wurde? Sie fielen alsdann auf ihr Angesicht nieder und beteten erstaunt dieses hochwürdigste Sakrament an. Gleichwie die Seraphim im Himmel in Anschauung des Geheimnisses der heiligsten Dreifaltigkeit vor unbegreiflicher Verwunderung beständig sprechen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Gott Sabaoth! ebenso konnten die lieben Engel in Betrachtung dieser göttlichen Verwandlung vor unaussprechlicher Verwunderung nichts anders ausrufen als: Gütig, gütig, gütig ist der Herr Jesus Christus gegen das menschliche Heil! Mit diesen h. Engeln falle auch du auf deine Kniee nieder und sprich folgende Seufzer zu Christo im allerheiligsten Altarssakramente. O wunderbarer Gott! wer ist dir gleich im Himmel und auf Erden? Groß ist deine Macht und ohne Ende. O süßester Jesu! wohin hat dich deine Liebe gebracht, daß du nicht allein die Gestalt eines Knechtes, sondern auch die Gestalt eines Brodes annahmest? Ein unergründliches Wunder ist es, daß das Wort Fleisch geworden ist; es scheint aber noch unergründlicher, daß das Wort Brod wurde. O wunderbares göttliches Brod! ich bete dich an als 218 Das sechste Gärtlein. meinen Gott und glaube fest, daß deine Substanz in Christum verwandelt sei, und daß unter deiner Gestalt mein Herr Jesus Christus mit Fleisch und Blut, Menschheit und Gottheit verborgen sei Ich werfe mich mit den h. Engeln nieder, und in tiefster Ehrfurcht bete ich deine unendliche Allmacht an. Für diese unaussprechliche Liebe, welche dich angetrieben hat, um unsers Heils willen dieses höchste Wunder zu wirken, jage ich dir unendlichen Dank und wünsche dich wiederum über Alles zu lieben. Amen. 3 Nach der Consecration folgt die Genießung, welche ebenfalls ein unbegreifliches Wunder ist, denn wer könnte sich wohl denken. daß ein Mensch seinen Gott und Herrn als wahre Speise genießen könne! Der Verstand kann dies nicht erkennen; doch der übernatürliche Glaube vermag es wohl zu fassen, weil bei Gott Alles möglich ist Die Apostel waren durch den h. Geist schon vollkommen unterwiesen, was dies für eine wunderbare, heilige und übernatürliche Speise sei, deswegen magſt du dir leicht einbilden, mit welcher Demuth, Ehrerbietung und h. Furcht, mit was für Liebe und Andacht sie diese hochheilige Speise genossen! Es fiel Einer nach dem Andern vor Christus auf die Kniee nieder, und empfing mit Thränen der Liebe das gebenedeite Himmelsbrod aus den Händen des göttlichen Meisters. Nun hat Christus nicht allein der Aposteln, sondern auch allen Gläubigen diese Speise zubereitet, welches eine so unendliche Wohlthat, wie sich nicht mit Worten erklären läßt. Wenn dir, o Mensch! Betrachtungen vom h. Altarssakramente. 219 Gott nicht mehr gethan hätte, als dies, so müßteft du bekennen, daß Er dich unbegreiflicher Weise liebte. Dieses heiligste Sakrament ist mehr werth, als alle Schätze und Reichthümer des Himmels und der Erde; und diesen kostbaren Schatz will dir Christus ohne irgend eine Vergeltung, nicht nur einmal, sondern so oft du willst, schenken. Damit dir dieser Schatz desto nützlicher wäre, hat Er denselben zur Speise gemacht, und zwar zur edelsten, welche geeignet ist, das Herz zu stärken, die Seele zu erfreuen und den Tod abzuhalten. Dieses köstliche Gastmahl will dir Christus bereiten, so oft es dir beliebig ist; dieses Heilmittel will Er dir geben, so oft du dessen bedarfst, diesen Schatz will Er dir schenken, so oft du Verlangen darnach trägst. O süßester Jesu! wie groß und unendlich ist deine Güte und Liebe zu uns Menschen, daß du dich uns selbst zur Speise gibst! O kostbares Brod! mein Herz verlangt dich, und meine Seele seufzet nach dir. In dir ist alle Gnade, aller Trost und alles Heil. Wenn ich dich würdig empfange, werden mir meine Sünden verziehen, meine Strafen nachgelassen, wird meine Schwachheit gestärkt, meine Liebe entzündet und meine Seele mit allen Gnaden geziert. Wenn ich dich habe, besitze ich meinen Gott und das Unterpfand der ewigen Seligkeit. Darum seufze ich von Herzen nach dir, und möchte dich alle Tage empfangen. O englisches Brod, stärke mich: o edle Speise, sättige mich; o kräftige Arznei, heile mich; o edler Schatz, mache mich reich; o höchstes Gut, erfülle mich in Zeit und Ewigkeit! Amen. 220 Das sechste Gärtlein. 4. Nachdem Alle communizirt und sich wieder niedergesetzt hatten, nahm Christus einen Becher in Gestalt eines Kelches, welcher viele Jahre zu Jerusalem aufbewahrt wurde. Der Kelch war von Silber und hatte zwei Henkel. Diesen Kelch mit Wein nahm Christus in seine heiligen und ehrwürdigen Hände, stand auf und sagte seinem himmlischen Bater abermals Dank. Darnach segnete Er den Kelch, machte das H. Kreuzzeichen darüber und sprach die Worte der Wandlung darüber, durch deren Kraft der Wein in sein heiligstes Blut verwandelt wurde. Sobald Christus consecrirt hatte, gab Er ihn dem Petrus und sprach: ,, Nehmet hin und trinket Alle daraus." Die h. Apostel nahmen den Kelch zitternd und tranken daraus mit höchster Ehrerbietung; denn sie glaubten fest, daß unter der Gestalt des Weines verborgen sei das wahre Blut Jesu Christi, welches für die Sünden der Welt am andern Tage sollte vergossen werden. Nachdem sie Alle. das heiligste Sakrament empfangen hatten, wollte ihnen Christus noch eine andere Gnade erzeigen, nämlich, daß sie die Gewalt haben sollten, den wahren Leib und das Blut Jesu Christi auf gleiche Weise, wie ihr Meister eben gethan hatte, zu confecriren und andern auszuspenden; darum sprach Er zu ihnen: ,, Dies thut zu meinem Andenken." Er wollte dadurch gleichsam sagen: Dasjenige, was ich gethan habe, nämlich, daß ich das Brod in meinen Leib und den Wein in mein Blut verwandelt und euch davon gegeben habe, dasselbe thut auch ihr; verwandelt das Brod und den Wein in mein Fleisch und Blut, genießet davon und theilet Betrachtungen vom h. Altarssakramente. 221 dasselbe auch Andern aus. Dies Alles thut zu meinem Andenken, zur Erinnerung an die Liebe, welche ich euch jetzt erzeigt habe und morgen erzeigen werde, indem ich meinen Leib und mein Blut für euch hingeben werde. Als nun Christus das hochheilige Sakrament eingesetzt, und seine Apostel zu Priestern geweihet hatte, beschloß Er die Feier des H. Abenmahles mit einer schönen Danksagung, und sprach mit seinen Jüngern nach dem Zeugnisse der h. Evangelisten den Lobgesang, nämlich den 112. Psalm, welcher anfängt: ,, Lobet den Herrn, ihr Diener" 2c. mit den fünf darauf folgenden Psalmen, welche die Juden nach Genießung des Ofterlammes mit lauter Stimme zu singen pflegten; welchen H. Gebrauch Christus befolgen wollte, um uns ein Beispiel zu geben, daß wir nicht bloß nach der leiblichen Speise, sondern viel mehr noch nach der h. Communion Gott danken sollen. Deswegen erhebe dein Gemüth zu Gott, und sprich mit Andacht folgende Danksagung wegen der Einsehung des heiligsten Altarssakramentes. O allersüßester Herr Jesu Christe! wie groß ist deine Liebe, und wie unermeßlich deine Freigebigkeit, welche dich antrieb, das hochwürdigste Sakrament einzusetzen, und uns armseligen Geschöpfen das Brod der Engel zu schenken. O demüthigster Jesu! wohin hat dich deine Liebe gebracht, daß du nicht bloß die Gestalt eines Knechtes, sondern auch sogar die Gestalt eines Brodes annimmst. Ein unergründliches Wunder ist es, daß das Wort Fleisch geworden ist; allein noch weit unergründlicher ist es, daß das Wort 222 Das sechste Gärtlein. Brod wurde. O unendliche Liebe, wie sehr liebst du die Menschen, und wie freigebig schenfest du ihnen die köstlichsten Gaben! Wie sollen wir diese Wohlthaten vergelten, da schon der fleinste Theil dieses Brodes mehr werth ist, als alles Gold und Edelgeſtein der ganzen Welt, ja mehr als alle Schätze Himmels und der Erde. Diesen unermeßlichen Schatz schenkest du uns Menschen, so daß jeder davon nach Belieben nehmen, und dem himmlischen Vater alle Schulden bezahlen kann. O gütigster Jesus! wie wollen wir dir dafür genug danken können, daß du uns dieses hochheilige Sakrament nicht allein geschenkt, sondern auch zu unserer Speise gemacht hast. Owohl eine süße, eine fräftige und kostbare Speise! Wie stärkest und erfreuest du die Seele! Wer dich mit Andacht genießt, der kann von deiner Kraft sagen; wer dich recht betrachtet, der weiß, wie süß du bist. O gütigster Jesus, wie sollen wir dich genug hierfür preisen, daß du uns dieses Sakrament nicht allein zur Speise gegeben hast, sondern auch in demselben bei uns bleiben willst bis an's Ende der Welt. O wie glückselig sind wir Menschen, die wir allzeit unsern Gott persönlich bei uns haben, und zu jeder Stunde zu ihm kommen können! Wie wollen wir dir, o Heiland, diese Gnade vergelten? darum lobe, preise und benedeie ich dich aus ganzer Seele, aus ganzem Gemüthe, aus allen Kräften, und sage dir Dank im Namen aller Menschen, welche dieses hochwürdige Sakrament jemals empfangen haben und noch empfangen werden. Diese Danksagung vereinige ich mit derjenigen Danksagung, Betrachtungen vom h. Altarssakramente. 223 welche du selbst gesprochen hast, als du dieses hochwürdigste Sakrament einsetztest. Ich bitte auch alle Engel und Heiligen, daß sie dich mit mir loben und dir danken. Amen. II. Von dem würdigen Empfang des heiligsten Sakraments. Es gehören zwar viele Tugenden zum würdigen Empfange der h. Communion; gleichwohl sind aus denselben die vornehmsten die Demuth und die Liebe. Wer ohne diese beiden Tugenden zum Tische des Herrn geht, der empfängt nicht nur keine Gnade, sondern begeht eine schwere Sünde. Wer aber mit ihnen hinzutritt, wird nicht leer ausgehen, sondern je größer seine Demuth und Liebe ist, desto mehr Gnaden wird er auch empfangen. Ein kräftiges Mittel, die Demuth zu erlangen, ist die Betrachtung unseres eigenen Elendes, worin wir sowohl dem Leibe als der Seele nach uns befinden. Ach! wie ist der Leib durch die Sünde Adams so gar hinfällig und krank geworden!„ Gedenke, o Mensch! ruft dir deshalb die Kirche zu, daß du Staub bist und wieder zu Staub werden wirst." Doch das ist das Bedauerlichste noch nicht. Seit der ersten Sünde ist der Leib, das Fleisch widerspenstig geworden wider den Geist, und trägt in sich die böse Begierlichkeit, den Zunder der Sünde, so daß von Jugend auf die Sinne des Menschen zum Bösen geneigt sind. Wie sind die Augen und Ohren so vorwitzig, so eitel, so lüstern und begierig, eitle, unziemliche, ja sogar schändliche Dinge zu sehen oder zu hören! Wie ist der Geschmack und Geruch so lüstern, so gethan und erpicht auf das Angenehme, Leckere 224 Das sechste Gärtlein. und Reizende! Und das Gefühl, ach! wie sehr ist es zur Sinnlichkeit, zur Wollust geneigt, daß es die Seele in unbewachten Augenblicken mit sich fortreißt und Gott und den Himmel für augenblickliche Befriedigung der sündlichen Lust so muthwillig preisgibt! ,, Ach! ruft der Apostel Paulus, wo er von der sinnlichen Begierlichkeit im Menschen spricht, ach! ich weiß, daß in meinem Fleische nichts Gutes wohnt; denn das Wollen liegt mir nahe, aber das Vollbringen des Guten finde ich nicht. Ich bin fleischlich und verkauft unter die Sünde! Ich elender Mensch! wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes?" Nicht viel besser sieht es mit der Seele aus. Be= trachte die drei Kräfte derselben. Wie geschwächt und verdorben ist das Gedächtniß! Ach! mit welcher Mühe mußt du dein Gemüth zu Gott und zur Betrachtung geistlicher Dinge erheben, und wie bald fällt es wieder herab und denkt an irdische und unnütze Dinge! Wie leicht nimmt es schlechte Dinge an und bewahrt sie treu und bringt sie dir alle Augenblicke selbst beim Gebete wieder vor; und wie langsam und schwierig ist es, Gutes zu fassen, das was Gottes ist und deine Pflichten und dein Seelenheil betrifft, wie untreu, es zu bewahren, wie dunkel und verworren in der Erinnerung! Wie blind ist der Verstand in geistlichen Dingen! Gutes sieht er für Böses, Böses für Gutes, grobe Sünden für kleine, und kleine Sünden für Unvollkommenheiten an! Irdische, verlorne, für die Ewigkeit nutzlose Dinge sieht er für wichtig an, und opfert seine Zeit, seine Kräfte und sogar sein Leben dafür; und Betrachtungen vom h. Altarssakramente. 225 himmlische, für die Ewigkeit nützliche Dinge achtet er kaum der Rede werth! Und wie sieht es endlich mit dem Willen aus? Ach! er ist ärger als alles Andere; er ist so ganz verkehrt, ungerecht und von Gott abgewendet, und so langsam und widerspenstig in Allem, was Gottes ist! Und selbst, wenn er durch die Gnade Gottes gut geworden ist, wie schwach, wie hinfällig und zum Rückfalle in die alten Sünden geneigt ist er! O christliche Seele! versenke dich oft in den Abgrund deines eigenen Herzens, um dort die unergründliche Tiefe deiner Bosheit und Ohnmacht zu schauen! Ergründen wirst du es freilich nicht, denn aller Menschen Herz ist böse und unerforschlich, ruft Gott durch den Mund des Propheten Jeremias ( 17, 9. 10.), wer durchschauet es? Nur der Herr erforschet das Herz und prüfet die Nieren. Aber es wird dir nützlich sein und eine Veranlassung, dich zu demüthigen und nichts Hohes von dir zu denken. Ach! wenn du erwägst, wer du bist und wie viele Sünden und Untugenden in dir verborgen liegen, wenn du bekennen mußt, daß dein Leib und deine Seele, dein Herz und dein Gemüth, deine Sinne und Gedanken mit unsäglichen Uebeln angefüllt sind; so mußt du dich ja demüthigen und mit Furcht und Zittern und mit H. Scheu zum Tische des Herrn hintreten. Und siehe! dies wird dir zum Heile sein; denn Gott widersteht den Hoffärtigen, denen, die auf sich selbst viel halten und auf ihre Tugend und Ge rechtigkeit bauen; aber den Demüthigen, die sich in den Abgrund ihres Nichts versenken und Gott alle Myrrhengarten III. 15 226 Das sechste Gärtlein. Ehre für das Gute zuschreiben, was sie an sich sehen, sich selbst aber wegen ihrer Sünden verachten, den wahrhaft Demüthigen giebt Er seine Gnaden. Die Demuth ist zwar sehr nützlich und nothwendig zur h. Communion, doch glaube ich, die Liebe noch weit mehr. Diese Liebe ist ein herzliches Verlangen und eine inbrünstige Begierde, das heiligste Sakrament zu empfangen und seinen Gott und Herrn im Herzen aufzunehmen. Wer ohne Liebe und Andacht hinzutritt, der communicirt unwürdig und thäte besser, er bliebe ganz weg, weil ihm die h. Communion mehr schadet als nützt. Damit du aber eine wahre Begierde empfangest, mußt du ernstlich bedenken, wie nothwendig dir das heiligste Sakrament sei, dann wie nützlich und endlich wie Gott wohlgefällig. 1. Wie nothwendig dir die öftere H. Communion sei, kannst du leicht ermessen, wenn du dich erinnerst an das, was so eben gesagt ist von dem Elende des menschlichen Leibes und der Seele. Es gibt zwar viele Mittel wider deine vielfältigen Krankheiten und Gebrechen, aber kein besseres und wirksameres, als den öftern und andächtigen Empfang des heiligsten Sakraments. Denn was für eine kräftigere Arznei gegen deine Krankheiten könnte erdacht werden, als der wahre, lebendige Leib Jesu Christi? Sage nicht, ich bin wegen meiner vielen Sünden nicht würdig, so oft zu communiciren. Ich weiß wohl, daß du nicht würdig bist; gleichwohl mußt du deshalb die H. Communion nicht unterlassen; denn je seltener und später du communicirest, desto unwürdiger wirst du, weil du alle Tage mehr fündigst und so immer Betrachtungen vom H. Altarssakramente. 227 gottloser wirst. Darum lege diese eitle Angst ab, und erwecke vielmehr eine lebhafte Begierde zur heil. Communion! Denn obwohl du derselben unwürdig bist, so bedarfst du doch ihrer gar sehr; und wenn du schon ein armer Sünder bist, so begehrst du dennoch durch die Kraft dieses heiligsten Sakramentes fromm und heilig zu werden; und wenn du auch unwürdig bist, einen so erhabenen und reinen und himmlischen Herrn zu empfangen, so ist Christus doch würdig, daß du ihn mit h. Begierde und mit so viel Demuth und Liebe, als es dir möglich ist, in dein Herz aufnehmest, und zwar so oft, als Er ein Verlangen darnach trägt. Du weißt aber, wie sehr Er verlangt, dies Osterlamm mit seinen Jüngern, d. i. mit denen, die ihn lieb haben und ihm gern nachfolgen wollen, zu essen! 2. Bedenke, wie nützlich dir die h. Communion sei, und welch' großen Nutzen du auch andern damit verschaffen könnest. Denn durch jeden würdigen Empfang dieses hochw. Sakraments wird deine Seele gereinigt, dein Herz erquickt, dein Geist erhoben, dein Gedächtniß geheiligt, dein Verstand erleuchtet, dein Wille entzündet. Es werden dir alle Sünden verziehen, viele Strafen nachgelassen, deine Begierden bezähmt, deine Schwachheit gestärkt, deine Tugenden erhalten, deine Andacht vermehrt, dein Leben gebessert, deine Verdienste vermehrt und deine Glorie im Himmel erhöhet; kurz, du erlangst so viele Gnaden, daß du mit dem weisen Manne wohl sagen kannſt:„ Es kam mir alles Gute zugleich mit ihr, und unzählbare Ehren durch ihre Hand".( Buch d. Weish. 7, 11.) 15* Das sechste Gärtlein. Hier sollst du aber wissen, daß zwar diese und viele andere Gnaden aus einer würdigen Communion entstehen, jedoch mit dem Unterschiede, daß du desto mehr Gnaden empfangest, je würdiger du communicirest. Ist deine Andacht gering, so sind auch deine Gnaden wenige; ist aber deine Andacht groß, so hast du auch große und viele Gnaden zu hoffen. Spürst du daher oben erwähnte Wirkungen nicht, so denke nur, es sei deine Schuld, und Mangel an gehöriger Vorbereitung. 228 3. Außerdem kannst du drittens durch eine jede H. Communion allen Lebendigen und Abgestorbenen zu Hülfe kommen, und Gott dich wohlgefällig erweisen. Denn durch jeden andächtigen Empfang des heiligsten Sakraments geschieht Gott unendliche Ehre, den Heiligen unaussprechliche Freude, den Gerechten große Gnade, den Sündern Besserung ihres Lebens, den Betrübten Trost, den Angefochtenen Stärke, den Kleinmüthigen Aufmunterung und den Abgestorbenen Linderung. Obwohl du nicht insbesondere für Alle und jeden Einzelnen betest, werden sie doch als Kinder der Kirche und deine geistlichen Mitglieder deines guten Werkes theilhaftig. Wenn du dieses bedenkst und in allem Ernſte erwägst, o welch' eifrige Begierde wird in dir entstehen, dieses hochw. Satrament mit aller Andacht zu em pfangen und dich auf das beste dazu vorzubereiten! Unterlaß aber nicht, den h. Geist um eine herzliche Begierde zum andächtigen und öftern Empfange der H. Communion anzurufen und auf das inständigſte zu bitten. Denn wer bittet, dem wird gegeben Betrachtungen vom h. Altarssakramente. 229 werden! Du kannst auch zu Zeiten vor dem heil. Sakramente etwa mit folgenden Worteu eine herzliche Begierde zur H. Communion in dir erwecken: O mein liebster Jesu! ich soll so oft zur h. Communion gehen; allein ich finde mich derselben ganz unwürdig; denn ich habe keine Andacht und keinen Eifer, sondern bin ganz nachlässig und zerstreut. Darum bitte ich dich, gib mir eine wahre Liebe und Begierde zu diesem hochw. Sakramente. O mein Jesus! ich weiß, daß, wenn ich dich mit möglichster Andacht empfange, ich dir eine unendliche Ehre erzeige, und allen lebendigen und abgestorbenen Christgläubigen Nutzen verschaffe. O daß ich so großer Gnaden würdig wäre! Mein Gott! hätte ich doch die Reinigkeit der Engel, die Heiligkeit der vollendeten Himmelsbürger, die Andacht und Liebe aller Gerechten! Erzeige mir diese Gnade, entzünde mein Herz, bereite meine Seele und schmücke sie mit Tugenden, daß sie dir wohlgefällig werde. Ich opfere dir deshalb mein Herz und meine Seele. Amen. III. Von der Gnade Gottes, welche der Communicirende empfängt. Unter allen den oben erwähnten Gaben, welche ein Mensch durch die h. Communion empfängt, iſt eine der vorzüglichsten die Vermehrung der Gnade Gottes, welche einem Jeden, der würdig communicirt, unfehlbar mitgetheilt wird. Es sind zwar alle heil. Sakramente Mittel der Gnade; gleichwohl begreift das heiligste Sakrament des Altars auf besondere Weise die Gnade Gottes in sich, und theilt dieselbe jedem Empfangenden vornehmlich mit. Wenn 230 Das sechste Gärtlein. Jemand unwissend in einer Todsünde wäre, so empfinge er die erste Gnade und käme aus dem Stande der Ungnade in den Stand der Gnade; befindet er sich aber schon in der Gnade Gottes, so wird sie ihm durch die würdige Communion vermehrt und vergrößert. Damit du aber wissest, was das für eine große Wohlthat sei, muß ich dir vorerst erklären, was die Gnade Gottes sei. ,, Die Gnade Gottes ist eine übernatürliche, von Gott freiwillig geschenkte Gabe, welche dem Menschen zur Seligkeit behülflich ist." So z. B. wenn Gott Jemanden eine innerliche Einsprechung, Erleuchtung, Stärke oder Tugend mittheilt, so sagt man, Gott habe ihm eine besondere Gnade mitgetheilt. Redet man aber insbesondere davon, so ist die Gnade eine übernatürliche Gabe, welche den Menschen gerecht, Gott wohlgefällig und des ewigen Lebens würdig macht; und welche Gabe der Seele einverleibt ist und ewiglich in derselben bleibt, wofern sie in diesem Leben nicht durch die Todsünde aus derselben vertrieben wird. Diese Gnade ist eine doppelte, die erste und die zweite. Die erste Gnade ist, wenn ein Mensch aus dem Stande der Todsünde in den Stand der Gnade kömmt, so wird er in einem Augenblicke aus einem Gottlosen zu einem Gerechten gemacht. Die zweite Gnade ist, wenn ein gerechter Mensch durch den Gebrauch der h. Saframente oder andere übernatürliche Werke in der Gnade wächst und eine neue Stufe derselben erlangt. Hieraus verstehst du, daß die Gnade Gottes eine innerliche, geistliche Gabe sei, die den Menschen zum Freunde Gottes macht und ihn stärkt, daß er das Betrachtungen vom h. Altarssakramente. 231 Gute thun und das Böse meiden kann, wofern nur der Mensch diese angebotene Gnade annehmen und gebrauchen will. Der in geistlichen Dingen so wohl erfahrene und heilige Lehrer Thomas von Aquin spricht: ,, Die geringste Gnade Gottes hat mehr Gewicht, als alles Gute der ganzen Welt;" d. i. wenn ein Engel nach seiner Erkenntniß und nach der Wahrheit schätzen sollte, was die Gnade Gottes werth sei, so müßte er bekennen, daß das geringste Quintlein der Gnade Gottes mehr werth sei, als alles Gold, alle Edelsteine und Reichthümer der ganzen Welt. Denn wer nur ein Quintlein der Gnade Gottes hat, der ist ein Freund Gottes, und wenn er in dieser Gnade stirbt, so giebt ihm Gott für dieses Quintlein den Himmel, und ein solcher Mensch hat dadurch mehr erlangt, als alle Erdengüter. Ferner ist zu wissen, daß ein frommer Mensch durch jedes gute Werk die Gnade Gottes in sich vermehre und sich immer mehr Gnaden verdiene, und dies nicht nur durch große gute Werke, sondern auch durch kleine, wie z. B. durch einen herzlichen Seufzer, gute Gedanken, andächtigen Blick, demithige Verneigung und jedes h. Wort. Wenn sohin Jemand mit Andacht sagt: O mein Gott! o lieber Jesus! u. 1. f., alle diese guten Gedanken, Worte und Werke vermehren die Gnade Gottes in dem Menschen, und für jedes bekömmt man( bildlich zu reden) ein neues Quintlein der Gnade. Wenn einer also stirbt, jo bekömmt er größere Ehre und Freude im Himmel, und der liebe Gott theilt sie ihm überflüssig mit; also, daß er den lieben Gott 232 Das sechste Gärtlein. besser kennt, herzlicher liebt und vollkommener genießt. Wenn demnach die Gnade so leicht zu verdienen ist, und man einen so großen Lohn dafür erhalten kann, wer wollte da nicht von Herzen gern Gott dienen! Damit du aber noch lieber Gutes thust, so merke weiter, was für wunderbare Dinge die Gnade Gottes in deiner Seele wirkt. Erstens bringt die Gnade Gottes der Seele eine unaussprechliche Schönheit und macht sie anmuthig, schön und lieblich, daß die Schönheit der Sonne, des Mondes und der Sterne, des Lichtes, der Edelsteine und Blumen und alle Erdendinge damit nicht zu vergleichen ist, und daß selbst Gott und die Engel sich daran ergößen. Welch' eine große Schönheit muß dies sein und wie übel handelt derjenige, welcher durch eine Todsünde diese Schönheit verdirbt und bemakelt! Uebrigens erwäge hier, daß zwar die geringste Gnade die Seele schön mache; wer aber mehr Gnaden hat, der hat auch eine schönere Seele. Zweitens bringt die Gnade der Seele die Freundschaft Gottes und bewirkt, daß die Seele und Gott gleichsam zwei vertraute Freunde werden. Dieſe Freundschaft Gottes zur Seele ist so groß, daß Er es von Herzen gut mit ihr meint und ihr Alles thut. Er bewahrt, ernährt, erhält, stärkt, tröstet sie, sorgt für sie und denkt Tag und Nacht an sie: ja, Er verweilt gerne bei ihr und wird nimmer von ihr weichen, wofern die Seele sich nicht in eine Todsünde einläßt und ihn von sich stößt. In diesem Falle scheidet Er traurig aus ihrem Herzen und beklagt ihre Untreue; doch weichet Er nicht ganz von ihr, Betrachtungen vom h. Altarssakramente. 233 sondern bleibt vor der Thüre des Herzens stehen, und klopft immer wieder an, indem Er um Einlaß bittet. Aus dieser Freundschaft Gottes folgt, daß sich Gott gegen die Seele freigebig erzeigt und ihr seine Güter reichlich mittheilt. Er gibt ihr den Glauben, die Hoffnung und die Liebe; die Weisheit, Gerechtigkeit, Mäßigung und Stärke; die Andacht, Eingezogenheit, innerliche Freuden und gute Begierden. Er schenkt ihr gute Einsprechungen, h. Gedanken, auferbauliche Reden und nützliche Werke. Er zieht sie ab von der Eitelkeit, den Weltfreuden, den Sünden und von dem vorigen bösen Leben. Endlich schenkt Er sich selbst der Seele zum Eigenthume, wie die h. Schrift sagt: ,, Er hat uns große und göttliche Dinge geschenkt, nämlich seine Gnade, wodurch wir mitgenossen der göttlichen Natur werden.( 2. Petr. 1, 4.) Endlich wird die Seele durch die Gnade so hoch erhoben, daß sie nicht blos ein Freund, sondern sogar ein Kind Gottes wird; was gewiß eine Wohlthat ist, welche sich nicht mit Worten erklären läßt. Wenn ein mächtiger Fürst oder König das Kind eines Bettlers an Kindesstatt annähme, welche Ehre wäre dieses? Und doch wie viel tausendmal größere Ehre und Gnade ist es für die Seele, daß der unendliche Gott sie zu seinem wahrhaften und geliebten Kinde annimmt! Hierüber spricht Johannes mit gerechter Verwunderung: ,, Sehet, welche Liebe uns der Vater erwiesen hat, daß wir Gottes Kinder heißen und sind."( 1. Joh. 3, 1.) Und der H. Paulus setzt hinzu:„ Wenn aber Kinder Gottes, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Mit 234 Das sechste Gärtlein. erben Christi."( Röm. 8, 17.) O Gott! eine große Gnade, ein reichliches Erbtheil, Gottes Erbe zu sein! Gleichwie es unmöglich ist, zu begreifen, was für ein unendlich großer Herr und Gott Er sei; eben so unmöglich ist es auch, zu begreifen, welch' eine unendlich große Ehre und Gnade es sei, ein Kind Gottes zu heißen und zu sein. Nun aber sind wir nicht bloß Kinder Gottes dem Namen nach, sondern auch in der Wahrheit. Denn der gütige Gott liebt uns so sehr, als ob wir seine Kinder von Natur her wären, und Er uns leiblich geboren hätte. Es wird kein Vater sein Kind so sehr lieben und ihm so viel Gutes thun, als Gott uns liebt und Gutes thut. Ja die Liebe Gottes, welche Er zu jeder Seele, die in seiner Gnade ist, trägt, ist unendlich, sowie sein Wohlgefallen an diesem seinem lieben Kinde unendlich ist. Deswegen können wir dem höchsten Gott nimmermehr genug danken, daß Er uns so viele Ehre erzeigt, und wir können uns nicht genug erfreuen, daß wir armselige Geschöpfe Kinder Gottes werden. Wie sollten wir uns nicht auf alle Weise befleißen, in der Gnade Gottes zu verbleiben und dieselbe stets zu bewahren! Gleichwie wir uns mit aller Macht wehren, wenn uns Jemand unsere zeitlichen Güter nehmen will, so und noch viel tausendmal mehr sollen wir uns wehren, wenn uns Einer die Gnade Gottes nehmen will; denn wir besitzen ja auf Erden keinen föstlicheren Schatz, als die göttliche Gnade. Dies Alles habe ich darum gesagt, damit du ein größeres Verlangen habest, öfter und eifriger die Litanei vom h. Herzen Jesu. 235 H. Communion zu empfangen, weil du durch dieselbe die Gnade Gottes vermehrst. Durch alle guten Werke erwirbst du zwar Gnade Gottes, aber durch Nichts mehr, als durch den würdigen Empfang der h. Communion. Darum sich fleißig zu, daß du sie niemals unterlassest, sondern nach derselben mit größter Begierde verlangest und sie recht oft empfangest. 17. Gebete zum h. Herzen Jesu. ( Diese werden auch sehr passend vor dem hochwürdigsten Gute beim Stundengebet, bei h. Sakramentsmessen an den Donnerstagen und an Sonnund Feiertagen bei den Nachmittagsandachten gesprochen.) Litanei vom h. Herzen Jesu. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater im Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geist, Heilige Dreifaltigkeit, ein einziger Gott, Heiliges Herz Jesu, Herz Jesu, vereinigt mit der Person des Sohnes Gottes, Herz Jesu, gebildet aus der jungfräulichen Mutter, Herz Jesu, du Wohlgefallen des ewigen Vaters, Herz Jesu, du Tempel des heiligen Geistes, Herz Jesu, du ewige Liebe der allerh. Dreifaltigkeit, Herz Jesu, du Paradies göttlicher Wonne, Herz Jesu, du Born himmlischer Süßigkeit, Herz Jesu, du Wohnung ewiger Milde, Herz Jesu, du Abgrund der Barmherzigkeit, Herz Jesu, du Schatzkammer aller Reichthümer Gottes. Herz Jesu, du Ursprung der h. Liebe und Reue, Herz Jesu, du Spiegel aller Erbarmungen des ewigen Vaters, rbarme dich unser! 236 Das sechste Gärtlein. Herz Jesu, du Tiefe aller Weisheit und Wissenschaften Gottes, Herz Jesu, du Strom, der die Stadt Gottes erfreut, Du Herz unseres himmlischen Königs, Du Herz unseres barmherzigen Hirten, Du Herz unseres mildesten Bruders, Du Herz unseres geliebtesten Meisters, Du Herz des liebreichsten Bräutigams unserer Seelen, Herz Jesu, du Spiegel der Sanftmuth und Demuth, Herz Jesu, du Quelle des Friedens und h. Ruhe, Herz Jesu, du vollkommenes Vorbild unseres Lebens, Herz Jesu, du Trost der Traurigen, Herz Jesu, du Zufluchtsstätte in Bersuchung und Trübfal, Herz Jesu, du freudiger Aufenthalt reiner Seelen, Herz Jesu, du Wonne aller Auserwählten, Herz Jesu, du Grundquell aller heiligen Gedanken und Begierden, Herz Jesu, du Licht der Pilger, Herz Jesu, du Altar der Versöhnung, Herz Jesu, du feuriger Quell der göttlichen Liebe, Herz Jesu, du Schnsucht und süßeste Liebe aller heil. Seelen, Herz Jesu, unsertwegen im Delgarten beängstigt und betrübt bis zum Tode, Herz Jesu, entkräftet durch den blutigen Schweiß. Herz Jesu, gebrochen vor Schmerz über unsere Sünden, Herz Jesu, im Tode durchbohrt mit der Lanze, Herz Jesu, du Hoffnung der Sterbenden, Herz Jesu, du ewige Freude aller Heiligen im Himmel, Herz Jesu, du Krone aller Werke Gottes, Sei uns gnädig, verschone uns, o Herz Jesu! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Herz Jesu! Von allen Sünden, erlöse uns, o Herz Jesu! Von der Verachtung deiner h. Einflößungen, erlöse zc. Bon aller Unandacht und Lauigkeit, erlöse 2c. Erbarme dich unser! Bon allem Kaltsinn gegen deine göttliche Liebe, erlöse 2c. Von allen unreinen Gedanken und Begierden, erlöſe zc. Bon aller Blindheit und Verstocktheit des Herzens, erlöse zc. Litanei vom h. Herzen Jesu. Durch deine wunderbare Sanftmuth und Demuth, Durch deine allerhöchste Reinigkeit, Durch deine Barmherzigkeit und schonende Milde, Durch dein verborgenes Leben, Durch deine Armuth und deinen h. Gehorsam bis zum Tode am Kreuze, Durch deinen süßesten Wandel unter den Menschen, Durch deinen innerlichen Frieden, Durch deine barmherzige Liebe zu uns Sündern, Durch das Blut und Wasser, das du zu unserer Ret= nigung und Heiligung vergossest, Wir armen Sünder, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du deine heilige und keusche Liebe in unsere Herzen eingießen wolleſt, Daß du unsere Herzen zur Nachahmung deiner Tugenden anziehen wollest, Daß du uns wahre Demuth, Sanftmuth und innerlichen Frieden verleihen wollest, Daß du alle Gedanken und Begierden unsers Herzens reinigen und heiligen wollest, Daß du uns und alle Menschen erleuchten und zur Erkenntniß deiner göttlichen Liebe führen wollest, Daß du in den Trübsalen dieses Lebens uns barmherzig erquicken und stärken wollest, Daß du deine heilige Liebe immerdar in uns vermehren wollest, Daß du in der Stunde des Todes unsere Seelen in deiner h. Wunde verbergen wollest, Daß du uns in die Glorie deiner Auserwählten aufnehmen wollest, O süßestes Herz Jesu! 237 Jesu! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Herr, erbarme dich unser! Vater unser 2c. Gegrüßet seist du zc. Erlöse uns, 0 Herz Jesu! Wir bitten dich, erhöre uns du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt! Verschone uns, e Herz Jesu! du Lamm Gottes 2c. Erhöre uns, o Herz Jesu! O du Lamm Gottes 2c. Erbarme dich unser, o Herz 238 Das sechste Gärtlein.19 V. Gelobt und gebenedeit sei das göttliche Herz in dem allerh. Sakramente des Altars! R. Bon nun an bis in Ewigkeit! Gebet. O edelstes, mildestes und liebreichstes Herz meines getreuesten Liebhabers Jesu Christi, meines Gottes und Herrn, ziehe und verabgründe, ich bitte demüthig darum, alle meine Gedanken und Neigungen, alle Kräfte meiner Seele und meines Leibes und was ich immer bin und vermag, in dich, den Urquell aller Güte und Liebe, zu deiner Ehre und zu deinem heiligsten Wohlgefallen! O barmherziger Jesu, deinem Herzen empfehle ich mich; dir übergebe ich mich gänzlich und für immer! Nimm, o mein Gott, ein böses und undankbares Herz von mir, und gib mir ein Herz nach deinem göttlichen Herzen und deinem vollkommenen und ewigen Wohlgefallen! Herr, mein Gott, mein Heiland und Erlöser, tilge alle meine Sünden und Alles, was dir in mir mißfällt; was immer aber dir gefällt, das flöße mir aus deinem heiligsten Herzen ein! Bekehre und besitze mich zu deinem heiligsten Wohlgefallen und zu deiner Liebe! Verleihe mir, daß mein Herz mit deinem Herzen, mein Wille mit deinem Willen also vereinigt werde, daß ich nie etwas anderes wolle, noch wollen könne, außer was du willst und was dir gefällt! Laß mich dich lieben, süßester Jesu, mein Gott, aus ganzem Herzen in Allem und über Alles nun und in Ewigkeit. Amen. ( Vom gottseligen Johannes Landsberg.) Liebe, Rene und Sehnsucht zum h. Herzen Jesu. ( Vom h. Viguori.) O göttliches Herz meines Erlösers, du Inbegriff alles Guten und aller Vollkommenheit, o möchte ich dich so inbrünstig lieben, als du verdienst geliebt zu werden! Reinige mein Herz von Allem, was dir zuwider ist, und entflamme dasselbe mit deiner göttlichen Gebete zum h. Herzen Jesu. 239 Liebe, damit ich nichts anderes suche und wünsche, als dich, meinen Gott und mein Alles! Ach, wenn ich die kostbare Zeit, die ich unnütz verschwendet habe, zurückrufen könnte! Wenigstens will ich von nun an aus ganzem Herzen dich lieben, alle Augenblicke des Lebens dir weihen, und so meine frühere Kälte und Gleichgültigkeit gegen dich zu ersetzen suchen. Glückliche Seelen, die schon von ihrer zartesten Jugend dir ihr Herz geschenkt, und es stets, um dich zu lieben, verwendet haben! Wie war es doch möglich, o du ewige Schönheit, daß ich dich habe verachten und beleidigen können? Ach, wie reuet es mich, dir jemals mißfallen zu haben! Und wenn du voraussiehst, daß ich einſt wieder von deiner Liebe weichen und dich durch eine schwere Sünde beleidigen werde, so bitte ich dich, laß mich lieber jetzt in deiner Liebe sterben; denn leben und dich nicht lieben, ist mir bitterer als der Tod! Gott, mein höchstes Gut, meine Seele verlangt nach dir! Wie sehr sehne ich mich nach dem glücklichen Augenblicke, wo ich dich im Himmel besitzen werde! Dort werde ich dich anschauen und erkennen, dort aus ganzem Herzen und aus allen Kräften meiner Seele dich lieben und deine unendliche Barmherzigkeit loben und preisen in Ewigkeit. Ach, wie klein, wie elend ist mein Herz, und wie schwach ist die Liebe, die es zu dir hegt, o liebenswürdigster Jesu! Ich bitte dich, erweitere dasselbe durch deine Gnade, entzünde es mit dem Feuer der 240 Das fechste Gärtlein. Liebe, die dein Herz verzehrt, und vereinige es mit deinem Herzen, um dich zu lieben und in deiner Liebe zu leben und zu sterben. Amen. Besondere Abbitte zum h. Herzen Jesu. ( Mit einem Ablaffe von 200 Tagen für jeden, der sie mit wahrer Reue betet.) Mit jener allertiefsten Ehrerbietung, welche der Glaube allein mir einflößt, bete ich dich an, o mein Gott und mein Erlöser, Jesu Christe, wahrer Gott und wahrer Mensch, verschlossen hier im allerheiligsten Sakramente des Altars! Jch bete dich an und liebe dich, zum Ersatze aller der Unehrerbietigkeiten, Entweihungen und Entheiligungen, welche ich selbst zu meinem Unheile bisher gegen dich verschuldet haben mag, sowie auch aller andern, die jemals gegen dich geschehen sind und in Zukunft noch geschehen können. Ich bete also dich an, 0 mein Gott, nicht zwar so, wie du es würdig bist, auch nicht, wie ich es wohl sollte, doch wenigstens, wie ich's vermag: und ich wünschte, mit jener Vollkommenheit es thun zu können, deren alle vernünftigen Geschöpfe fähig sind. Indeß ist es mein Bestreben, dich jetzt und immer anbetend zu verehren, nicht allein für alle katholischen Christen, die dich nicht anbeten und dich nicht lieben, sondern auch zum Ersatze und für die Bekehrung aller Irrgläubigen und Gottlosen, aller Gottesleugner, Gotteslästerer und Ungläubigen. Gieb, o Jesu, daß du von Allen erkannt, angebetet und geliebt und in jeglichem Augenblicke mit Dank gelobt werdest im allerheiligsten und göttlichsten Sakramente. Amen. Gebete zum. Herzen Jesu. 241 Dich bet' ich an in jeglichem Moment, i Lebendiges Brod des Himmels, großes Sakrament! O Jesu, Maria's Lieb' allein, oor vodimo Du wollest meine Seele benedei'n! Jesu, mein Erlöser, dir empfehle, Dir schenke ich allein mein Herz und meine Seele! Gebetkränzlein zum h. Herzen Jesu. VO Gott, merke auf meine Hülfe! R Herr, eile mir zu helfen! 1. Mein liebreichster Jesu! wenn ich die Güte deines Herzens betrachte und sehe, wie voll es von Mitleiden und Zärtlichkeit gegen die Sünder ist, so frohlocket mein Herz und wird mit Zuversicht erfüllt, von dir aufgenommen zu werden. Ach, mein Gott, wie vielfältig sind meine begangenen Sünden! aber gleich dem Petrus und der reumüthigen Magdalena beweine und verabscheue ich sie, weil sie eine Beleidigung deiner unendlichen Güte, meines höchsten Gutes sind. O! schenke mir vollkommene Verzeihung und laß mich lieber sterben, ja ich bitte dich durch dein gutes Herz, laß mich eher sterben, als dich mehr beleidigen, oder laß mich nur leben, damit ich dich hienieden liebe! Amen. Dein süßes Herz entzünde stets in mir, O Jesu, meine Liebe mehr zu dir! Ein Vater unser und 5 Ehre sei 2c. 2. Ich benedeie, mein Jesus! dein demüthigstes Herz, und danke dir, daß du mich, nachdem du es mir zum Vorbilde gegeben, nicht nur so dringend zu seiner Nachahmung ermunterst, sondern um den Myrrhengarten III. 16 242 Das sechste Gärtlein. Preis so vieler Demüthigungen, die du erlitten, mir auch den Weg dazu gewiesen und geebnet hast. Wie undankbar und thöricht war ich! Wie sehr habe ich mich vergangen! O verzeih es mir! Kein Stolz, keine Ruhmsucht mehr! sondern mit demüthigem Herzen und unter Demüthigung will ich dir folgen und den Frieden und das Heil erlangen. O mache mich stark dazu, und ich werde ewig dein Herz benedeien. Amen. Dein süßes Herz entzünde stets in mir, O Jesu, meine Liebe mehr zu dir! Ein Vater unser und 5 Ehre sei zc. 3. Ich bewundere, o mein Jesu! dein überaus geduldiges Herz und danke dir wegen so vieler bewunderungswürdigen Beispiele deiner unüberwindlichen Geduld, die du uns hinterlassen hast. Es schmerzet mich nur, daß sie meiner Weichlichkeit vergebens den Vorwurf machen, daß ich noch das kleinste Leiden nicht ertragen kann. Ach liebster Jesu! flöße meinem Herzen eine feurige und standhafte Liebe zur Trübfal, zum Kreuze, zur Abtödtung und Buße ein, damit ich dir zum Kalvarienberge nach folgend, auch in die Herrlichkeit und Freude des Paradieses mit dir eingehen könne. Amen. Dein süßes Herz entzünde stets in mir, O Jesu, meine Liebe mehr zu dir! Ein Vater unser und 5 Ehre sei 2c. 4. In Gegenwart deines sanftmüthigen Herzens, o Jesu! muß ich über die Ungleichheit der Gefinnungen meines Herzens gegen jene des deinigen wahrhaft erschrecken. Nur zu sehr wird es bei dem mindesten Anlasse, bei einer Geberde, einem Gebete zum h. Herzen Jesu. 248 widersprechenden Worte beunruhigt, gereizt und zum Murren gebracht. Ach! verzeihe mir diese leidenschaftlichen Ausbrüche und verleihe mir die Gnade, in Zukunft bei jedem Widerspruche deine unveränderliche Sanftmuth nachzuahmen und so eines ewigen H. Friedens zu genießen. Amen. Dein süßes Herz entzünde stets in mir, O Jesu, mein Liebe mehr zu dir! Ein Vater unser und 5 Ehre sei zc. 5. Lob und Preis soll überall ertönen, o Jesu! deinem großmüthigsten Herzen, wie es ihm ganz und gar gebührt- welches den Tod und die Hölle siegreich überwunden hat. Mehr als je beschämt, betrachte ich mein kleinmüthiges Herz, welches schon durch ein schiefes Wort, durch eine kleine Beleidigung aus der Fassung kommt. Von nun an aber soll es nicht mehr so sein. Ich bitte dich um Muth und Kraft, damit ich kämpfend und siegend auf Erden, auch im Himmel mit dir freudenvoll triumphiren möge. Amen. - - Dein süßes Herz entzünde stets in mir, O Jesu, meine Liebe mehr zu dir! Ein Vater unser und 5 Ehre sei 2c. Wenden wir uns nun zu Maria, weihen wir uns ihrer Liebe, und ver. trauend auf ihr mütterliches Herz, sprechen wir: Durch die hohen Vorzüge deines süßesten Herzens erbitte mir, o große Mutter Gottes und auch meine Mutter, Maria! eine wahre und beharrliche Andacht zum heiligsten Herzen Jesu, deines Sohnes, damit ich mit allen meinen Gedanken und Willensregungen in dasselbe mich verschließend, alle meine Pflichten 16* 244 Das sechste Gärtlein. wohl erfülle, und allezeit, besonders aber an diesem Tage, meinem Jesu mit Herzensfreudigkeit diene. A. V. O Herz Jesu! brennend vor Liebe zu uns! R. Entflamme unser Herz zur Liebe zu dir! Gebet. Mit jenem Feuer, bitten wir, o Herr! möge der H. Geist uns entflammen, welches unser Herr Jesus Christus aus dem Innersten seines Herzens auf die Erde gesandt und mächtig wollte entbrennen sehen; welcher mit dir lebet und regieret in Einigkeit desselben h. Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Wer dieses Gebetkränzlein in was immer für einer Sprache, jedoch treu übersetzt, wenigstens reumüthig und andächtig spricht, gewinnt jedesmal einen Ablaß von 300 Tagen, einen vollkommenen, wenn er dies täglich durch einen ganzen Monat fortsett, an einem beliebigen Tage die h. Sakramente empfängt, und auf die Meinung des Papstes das gewöhnliche Gebet verrichtet. Die Ablässe können auch den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden. Pius VII., 1814 und 1817. Drei Bwiegespräche zwischen Jesu und der gläubigen Seele über die Worte Jesu: Lernet von mir, denn ich bin sanftmüthig und demüthig von Herzen; so werdet ihr Ruhe finden für euere Seele. Matth. 11, 29. I. Jesus spricht: Liebe Seele! willst du das wahre Glück, welches du unaufhörlich suchst, wirklich finden, so lerne von mir und mache dein Herz ganz meinem Herzen ähnlich. In meinem Herzen wirst du einen Frieden und eine Ruhe finden, welche die Welt weder geben noch nehmen kann. Jetzt ändert sich dein Herz wohl siebenmal in einem Tage. Bald ist es fröhlich, bald ist es traurig; bald ruhig, bald voll Unruhe und Aengsten; bald heftig von der Liebe zu den Geschöpfen eingenommen, bald ihrer Eitelkeit überdrüssig; bald andächtig, bald wieder lau und zerstreut; bald muthig in Uebung der Tugenden, bald zaghaft und nachlässig; bald geduldig in Leid und Ungemach, bald ungeduldig Drei Zwiegespräche. 245 und verdrießlich. Kurz, es ist unbeständig wie das Meer. Wäre aber dein Herz dem meinigen ähnlich und mit demselben vereint, dann würde augenblicklich und für die Dauer eine tiefe Stille eintreten. In meinem Herzen würde das deinige wie in einem sichern Hafen ruhen und immer gleich bleiben, was immer für Wind auch draußen wehen möchte. Bist du in meinem Herzen geborgen, so kann kein Feind dir schaden. Der Teufel, welcher umhergeht wie ein brüllender Löwe und suchet, wen er verschlinge, kann an dich nicht kommen. Er kann deinen Frieden nicht stören. O beständiger Frieden, ungestörte Sicherheit und wahre Freude des Herzens für Alle, welche mein Herz lieben und darin wohnen! Liebe Seele, was nützen Reichthümer? was Ehren? was Vergnügen? wenn das Herz unruhig und unzufrieden ist? Und was Anderes kann die ganze Welt geben, als Unruhe und Bitterfeit des Herzens? Glaube es mir, du wirst immer und überall unglücklich sein, so lange dein Herz nicht ruhet in meinem Herzen! Die gläubige Seele spricht: So habe ich es wirklich erfahren, o Herr! In Allem habe ich den Frieden gesucht, und nur Verwirrung über Verwirrung gefunden. Es ist so, du hast unser Herz für dich gemacht, Herr! und es fühlt sich unruhig und unglücklich, bis es ruhet in dir! füßestes Herz Jesu! Wonne der allerheiligsten Dreifaltigkeit! Freude aller Engel und Heiligen! Bonnevolles Paradies der frommen Seelen! Was könnte ich außer dir suchen, da Alles in dir ist, was ich verlangen kann und muß? Darum will ich auch nur dich suchen, süßestes Herz Jesu! In der Aehnlichkeit mit dir wird meine Ruhe und mein Glück sein hier und dort! II. Jesus spricht: Liebe Secle! deine ganze Vollkommenheit, also dein ganzes Glück bestcht in der Aehnlichkeit deines Herzens mit dem meinigen. Mein göttliches Herz ist das Vorbild der Vollkommenheit, weil die Heiligkeit selbst. Ahme also nach! Lerne! Mein Herz ist demüthig. Die Demuth aber ist die Grundlage der wahren Heiligkeit. Lernest du 246 Das sechste Gärtlein die Demuth nicht von meinem Herzen, so wirst du dieſe Tugend nie erlangen. Wolltest du aber ohne Demuth auf einem andern Grunde das Gebäude deiner Vollkommenheit aufführen, so würde es keinen Bestand haben. Mein Herz ist ferner voll Sanftmuth und Liebe. Die Liebe aber ist vollkommene Heiligkeit. Und niemals wird die Flamme der wahren Liebe in deinem Herzen brennen, wenn es nicht von demselben Liebesfeuer entzündet ist, von welchem das meinige brennt. Wehe dir, wenn ein fremdes Feuer in deinem Herzen brennt! Du wirst zwar lieben, aber zu deinem Verderben! Darum Muth, liebe Seele! folge meinem Herzen, wohin immer es dich führt! Die vollkommene Erfüllung des ganzen Gesetzes und alle Heiligkeit hängt von der treuen Nachahmung meines Herzens ab. Dann merke wohl, was mein Apostel sagt: ,, Die der Vater vorhergesehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu werden." Röm. 8, 29. Die Gleichförmigfeit mit meinem Herzen ist ein sicheres Zeichen der Vorherbestimmung zur Seligkeit. Die gläubige Seele spricht: O süßer Jesus! Quell des Lebens und der Gnade! Befreie mein Herz von aller Täuschung und von jedem Hindernisse, auf daß ich mit aufrichtiger und reiner Meinung dich suche, die Gesinnungen deines Herzens annehme und mich dir ganz und gar gleichförmig mache. Ach! wie wenig ist mein Herz dem deinen ähnlich! wie wenig habe ich mich bisher bemühet, das Leben deines Herzens in meinem Leben auszudrücken! Wollte Gott! ich hätte nur nicht gethan, was mich deinem Herzen erst recht unähnlich gemacht hat! O Blindheit! Thorheit! Erbarme dich meiner, o göttlicher Jesu! erbarme dich meiner nach der großen Barmherzigkeit deines Herzens! Der Entschluß steht fest! Ich will, ich muß dir ähnlich werden in Gesinnung, Wort und Wandel. Gott Dant! Noch kann ich ein Jünger deines Herzens werden, noch kann ich mich heiligen durch Nachahmung desselben, noch kann ich mich mit diesem erfreulichen Zeichen der Auserwählung schmücken. O bester Jesu, hilf! Siehe, nun fange ich an. 247 Drei Zwiegespräche. III. Jesus spricht: Liebe Seele! wenn du berlangst, dein Herz dem meinigen ähnlich zu machen, so mußt du damit anfangen, dasselbe von jeglicher Sünde, von der Todsünde sowohl als auch von der läßlichen Sünde zu reinigen; denn ich suche reine Herzen, und in ihnen zu wohnen und dieselben nach dem meinigen umzustalten, ist mein Vergnügen. Du mußt aber dieses Geschäft mit hochherzigem Muthe angreifen im vollen Vertrauen auf meine Hülfe. Baghafte und Kleinmüthige tommen zu nichts. Gehe dabei zu Werke wie tüchtige Gärtner thun. Denn das Land von alten erstorbenen Wurzeln, von Queden und tiefeingewurzeltem Untraute zu reinigen, bedienen sie sich des Feuers. Sie zünden den Boden an, auf daß er bis zum Grunde außbrenne, sich lockere und selbst von der Asche neue Fruchtbarteit gewinne. Bediene du dich auch des Feuers, um das Erdreich deines Herzens bis zum Grunde zu reinigen, nämlich des Feuers der göttlichen Liebe, welches du in meinem Herzen findest. An diesem entzünde dein eigenes Herz auf folgende Weise. Denke nämlich oft und ernst über die Strafen der Hölle und des Fegfeuers nach. Erwäge, wie oft du dieselben durch deine Sünden verdient hast. Erwäge dann, daß du nur durch meine erbarmende Liebe bis jetzt vor denselben bewahrt geblieben bist. Dente ferner an die übrigen Wohlthaten, welche du von mir empfangen hast, bedenke, daß ich dich erschaffen und alles, was du bist und hast, dir aus freigebiger Liebe geschenkt habe. Dabei erwäge, welchen Dank du mir dafür bisher geleistet hast. Denke und erwäge fleißig, was ich dir aus Liebe gethan, um dich zu erlöſen. Erwäge Alles von der Krippe bis zum Kreuze. Schaue hinauf zum Kreuze und sich, wie ich mein Blut und Leben für dich hingegeben habe und mit offener Seite und mit ausgespannten Armen auf dich warte, um dir, wenn du von der Sünde dich wendend zu mir kommst, aus meinem Herzen neues Leben zu geben. Bedente alle meine Bollfommenheiten, die Güte meines Herzens, und erwäge, wie ich als die Liebe selbst über Alles geliebt zu werden verdiene. Wenn du dann bei alledem durch häufige Anmuthungen 248 Das sechste Gärtlein. und eifrige Bitten dein Herz gleichsam an das meinige drückst, so sei überzeugt, im Gebete wird das Feuer, die Glut der göttlichen Liebe sich entzünden. Aus dieser Liebe dann erwecke Reue, d. i. Schmerz über deine Sünden mit dem Vorsatze, in Zukunft nicht mehr zu fündigen. Du weißt es, ohne Reue erlangt Niemand Vergebung seiner Sünden; auch wird Niemand von seinen Lastern geheilt, wenn er sie nicht verabscheut. Je aufrichtiger aber und ernster du deine Sünden bereuest und verabscheuest, desto sicherer ist, daß du die BVerzeihung derselben erlangt haft, daß sie also aus deinem Herzen getilgt sind, und dasselbe bereit ist, nach meinem Herzen gebildet zu werden. Ein sicheres Kenn zeichen der wahren Reue ist es, wenn man die begangenen Sünden nicht wieder begeht. Sei also immer fest entschlossen, Alles zu vermeiden, was mir mißfällt, und eher alle Uebel dieses Lebens zu erdulden, als freiwillig eine Sünde zu begehen. Sieh, dann ist der Anfang und die Vorbedingung der Nachahmung meines Herzens geschehen. Ich werde dann mein Wert zur Umgestaltung deines Herzens nach dem meinigen beginnen. Harre nur aus und strebe nach einer größeren Reinheit von aller Sünde und sündlicher Gewohnheit und überlaß dich ganz mir. - Die gläubige Seele spricht: Wahrlich, o Herr! ich sehe, daß mein Herz einem Acker gleicht, der von Unkraut überwuchert und mit faulenden und erstorbenen Wurzeln angefüllt ist. Ach, wie sehr bedarf ich der Reinigung, und wie sehr verlange ich darnach! Wirf du doch das Feuer der göttlichen Liebe aus deinem Herzen in das meinige und entzünde dasselbe zu jener Liebesreue, die hinreicht, um mich von allen Unreinigkeiten der Sünde zu reinigen. Dein reines Herz, o Herr, erschaffe in mir und deinen aufrichtigen Geist erneuere in dem Innersten meines Herzens, mit deinem fürstlichen Geiste stärke mich, rufe ich mit dem Propheten. Ein gedemüthigtes und zerknirschtes Herz wirst du nicht verachten. Dann hilf mir mit deiner Gnade, daß ich, wie ich eifrig begonnen habe, auch eifrig fortschreite, auf daß mein Herz immer mehr gereinigt und zur Umgestaltung nach dem deinigen bereitet werde. Laß mich nicht mehr, o gütigster Jesu, aus deiner Hand, drehe und wende und Betrachtungen vom Leiden Christi. gestalte mich, bis mein Herz endlich zur vollkommenent Aehnlichkeit mit dem deinigen umgestaltet ist. O demüthiges und sanftmüthiges Herz Jesu, gib Demuth und Sanftmuth, damit endlich mein Herz den Frieden finde, den es bisher umsonst gesucht hat! 249 Das siebente Myrrhen- Gärtlein. Gepflanzt mit reumüthigen Betrachtungen vom bittern Leiden und Herzdringenden Gebeten zum leidenden Seilande.*) Das ganze Leiden Christi ist hier in vierzig Betrachtungen abgetheilt, damit du in der h. Fastenzeit um so bequemer täglich eine Betrachtung vornehmen, dich dankbar *) Merte hier, daß die nachfolgenden Betrachtungen nach der heil. Schrift, nach den Offenbarungen der h. Brigitta, der h. Mechtildis und der h. Gertrudis, und nach bewährten alten Ueberlieferungen zusammengestellt sind. Manches ist auch in den Reden und Handlungen der darin vorkommenden Personen so dargestellt wie es gewöhnlich zu geschehen pflegt, wo ähnliche Umstände eintreffen, ohne jedoch behaupten zu wollen, daß die Personen wirklich gerade dieser Worte sich bedient oder so und jo bis in's Einzelne sich benommen oder gehandelt hätten. Solche Darstellungsweise dient sehr dazu, um lebhafte Vorstellungen zu erweden, und wirkt tief auf Gemüth und Willen; sie ist ein Gemälde in Worten, welches um so größeren Eindruck auf Herz und Sinn des Betrachtenden macht, je näher es der Wahrheit kommt und unwillkürlich dem Betrachtenden das Wort auf die Lippen bringt: Ja, so muß es gerade gewesen sein! Alles, was also in diesen Betrachtungen vorkommt, macht nur Anspruch auf göttlichen Glauben insofern es in der h. Schrift enthalten ist; insofern es aber auf spätere Offenbarung und Ueberlieferung und Muthmaßung beruht, bleibt Jedem frei, dem Gesagten in soweit Glauben beizumessen, als ihm die Quellen, woraus es entnommen, glaubwürdig und die Darstellung den Umständen angemessen erscheinen. 250 Das siebente Gärtlein. des Leidens Christi erinnern und dem himmlischen Bater einen Theil des bittern Leidens seines Eingebornen Sohnes zur Genugthuung für deine Sünden aufopfern könnest. Ich bitte dich aber, du wollest auch zu andern Zeiten des Jahres dich dieser Betrachtungen mit eifrigem und bußfertigem Herzen bedienen. Glaube mir, Nichts wird Gott angenehmer und dir nützlicher sein, besonders, wenn du dir recht lebhaft bei jeder Betrachtung folgende Fragen vorhältst und beantwortest: Wer ist es, der da leidet? Was leidet er? Von Wem und für Wen? Wie und Warum leidet er? 1. Wie Christus am Oelberge trauert. Dieses Geheimniß ist so schrecklich, daß ich beinahe fürchte, du möchtest dich an Christus ärgern und zweifeln. ob er denn wirklich Gott sei, weil er sich so übermäßig betrübt. Willst du aber deinen betrübtesten Heiland betrachten, so sei standhaft im Glauben und bedente, daß er diese seine Traurigkeit freiwillig wegen deiner auf sich genommen habe. So gehe denn mit ihm in den Myrrhengarten, zu welchem er dich mit den Worten einladet: Komm in meinen Garten, meine Schwester, um meine Myrrhe mit dem Gewürze zu pflücken.( Hohel. 5, 1.) Nach dem Abschiede von den acht Jüngern ging der schwer betrübte Heiland mit seinen drei auserwählten Jüngern vier und dreißig Schritte weit in einen andern Garten, welchen er von Ewigkeit her zu diesem bittern Geheimnisse auserwählt hatte. In diesem Myrrhengarten wollte er sein Leiden erst recht anfangen und alle böse Lust der Sünder an der Sünde überflüssig abbüßen. Daher schreibt Matthäus: ,, Er nahm den Petrus und die Söhne des Zebedäus( Jakobus und Johannes) mit sich und fing an sich zu betrüben und traurig zu sein." Merkwürdig ist, daß Matthäus sagt: ,, Er fing an traurig zu sein." Denn der Herr gerieth in solche Betrübniß, daß, wenn dieselbe unter alle Menschen vertheilt worden wäre, Alle sogleich hätten vergehen müssen. Um dieses besser zu verstehen, wisse, daß Christus bisher allezeit nach seinem Tode angt und auf diese Stunde Betrachtungen vom Leiden Christi. 251 mit Freuden gewartet habe. Denn weil er Gott war, so wurde seine Menschheit von der Gottheit gestärkt, und mit höchster Begierde, für das menschliche Heil zu leiden, entzündet. Sobald er aber an den Delberg tam, entzog ihm die Gottheit ihren Trost, und verließ die Menschheit in ihren natürlichen Kräften, so daß von diesem Augenblicke an bis zum letzten Athemzuge die arme Menschheit nicht einen Tropfen Trostes von der Gottheit empfing, sondern alles Kreuz ganz allein leiden mußte, wie jeder andere Mensch, der, von Gott gänzlich verlassen, seine Marter ausstehen muß. Bilde dir ein, du sähest deinen geliebten Heiland bei seinen drei Jüngern stehen, und beherzige wohl seinen fläglichen Zustand. Auf einmal fingen seine Glieder zu zittern an, und alle Kräfte der Seele entsetzten sich. Seine Knice schlugen zusammen, seine Adern zogen sich ein, seine Gebeine erzitterten, sein Blut erstarrte, das Angesicht wurde bleich und die Lippen blau: die Haare sträubten sich empor, die Brust verengte sich, daß der Athem kurz wurde. Seine Augen fielen ein und das Herz pochte ungestüm. Seine Einbildungskraft entsetzte sich, sein Geist erschrat, und sein ganzes Wesen wurde mit Furcht erfüllt. Wie Jemand vor einem nächtlichen Gespenste erschrickt, so schauderte der Herr zurück, weil er den schrecklichsten Tod, die grausamsten Martern und die gräßlichste Abscheulichkeit der Sünden vor sich stehen sah. Er schaute bald zum Himmel hinauf, bald zur Erde nieder, und betrachtete seine Jünger, wie ein Sterbender oft die Umstehenden mit schrecklichen Blicken ansieht. Weil er nirgends den mindesten Trost fand, konnte er nur seufzen, weinen und wehtlagen. Kurz, er geberdete sich so fläglich, daß die Jünger erschraten und sich von Herzen fürchteten. O christliches Herz! bedenke, was dein Erlöser hier leidet, und wie seine Seele mit Angst und Schrecken erfüllt ist. Damit du desto mehr Mitleiden mit ihm habest, bilde dir ein, als ob er dich also anredete:„ Sieh, o Mensch! was ich leide; beherzige, in welcher Bangigkeit ich schwebe. Wenn du mit Augen sehen könntest, wie gequält mein Herz ist, so wäre es unmöglich, daß du mich nicht bedauertest. Denn es ist nicht anders, als wenn ein ganzes Kriegsheer vor 252 Das siebente Gärtlein. niir stände, und jeder einzelne Soldat mir unablässig sein Schwert in's Herz stieße. Dies alles leide ich um deinetwillen; ja, du selbst verursachest mir solches Leid, denn wie viele Todsünden du begangen haft und noch begehen wirst, so viele Wunden versetzest du meinem Herzen. Die eitlen Frenden, die du im Sündigen fuchest, muß ich bitter abüßen, und dennoch willst du nicht ablaffen, mir meine Bitterfeit zu vermehren. Oso quäle mein Herz nicht länger; sonst muß es im Uebermaß des Schmerzes zerspringen. Gebet. Jesus Christus! du Freude der Engel! wie bist du in solches Leid gekommen? Haben dich meine Sünden also betrübt? Mußt du meine schnöde Lust so theuer büßen? Weh' mir, daß ich jemals geboren wurde, weil ich zur Marter und Bein meines Gottes geboren bin! Du Wonne des Paradieses, Jesus Christus! wie ist es mir so leid, daß ich dich in solches Elend gebracht habe. O verfluchte Weltfreude, die den Sohn Gottes in solche Traurigkeit bringt! Sollte ich denn fortan noch solchen schnöden Lüsten und weltlichen Freuden nachtrachten können? Besonders, wenn ich bedenke, daß ich desto mehr Leid meinem Erlöser verursache, je mehr Freude ich habe! Weil mir aber der Hang zum weltlichen Wohlleben so sehr angeboren ist, so bitte ich dich, mein Jesus! hilf mir, daß ich mein Herz davon abwenden könne. Durch deine unermeßliche Traurigfeit, Angst und Betrübniß, welche du am Delberge ausge standen hast, bitte ich dich, gib mir die Gnade, daß ich auf dieser Welt ein bußfertiges Leben führe und mit deinen treuen Dienern immer trauere und Leid trage. Amen. 2. Von der ersten Ursache der Traurigkeit Jeſu. Andächtige Seele! in der vorigen Betrachtung hast du mit zitterndem Herzen gehört, wie unermeßlich sich Christus betrübt habe, daher willst du ohne Zweifel gerne die Ursachen dieser großen Betrübniß erfahren. Es sind aber deren so Betrachtungen vom Leiden Christi. 253 viele, daß Niemand sie genügend erklären kann. Damit du sie jedoch desto ordentlicher betrachten mögest, wollen wir alle in drei Hauptursachen zusammenfassen. Die erste Ursache, warum der liebe Jesus so sehr betrübt wurde, war der schmähliche Tod und die grausame Marter, welche er am andern Tage leiden mußte. Er hatte zwar sein Leben lang begehrt, für das Heil der Menschen zu leiden und zu sterben: jetzt aber, da die Menschheit von der Gott heit so gänzlich verlassen war, fürchtete und scheute er den Tod unendlich mehr, als immer ein Mensch gethan hat oder thun kann. Seine edle Natur, die in ihrer besten Blüthe im vier und dreißigsten Lebensjahre stand, hatte solchen Abscheu vor dem Sterben, daß es ihr nicht möglich schien, einzuwilligen. Darum eilte der betrübte Christus in größter Angst seines Herzens dreimal zum Vater, und lag drei Stunden lang auf den Knieen und flehte Gott um Gnade an. Aus Furcht vor dem Tode ging er auch dreimal zu seinen Jüngern, und bat sie gleichsam um Gottes willen, fie sollten für ihn Gnade erflehen. Als er endlich sah, daß keine Gnade zu erhalten war, schwitzte er vor unaussprechlicher Furcht des Todes am ganzen Leibe auf unerhörte Weise blutige Schweißtropfen. Stelle dir hier vor, als ob dich Christus also anredete: Mein liebes Geschöpf! sieh, was ich hier leide, und wie mich die Furcht des Todes so heftig ängstiget! Wer ist aber Ursache, daß ich sterben muß, als Du? Du gottloser Sünder bringst mich um mein Leben, du bist mein Mörder! Hättest du nicht so gehandelt, so wäre ich nimmer in solches Leid gekommen; weil du aber meinen Vater so schwer beleidigt und erzürnet hast, darum muß ich jetzt ohne Gnade sterben. Wie willst du es in deinem ganzen Leben abbüßzen können, daß du mich so unschuldig um mein Leben bringst und der Welt so viel Schaden zufügst, weil ich sobald von ihr scheiden muß? Gebet. Herr Jesu Christe! vor Schrecken weiß ich nicht, was ich dir antworten soll. Ich habe nimmermehr geglaubt, 254 Das siebente Gärtlein. daß meine Sünden solche Bosheit in sich hätten; allein ich sehe nun ein, daß dieselben an deinem Tode Schuld find. Weh' mir Unglücklichen! ich bin ein Gottesmörder, weil ich meinen Herrn und Gott um's Leben gebracht habe. Ich bin ärger, als der Brudermörder Kain; denn ich habe den Eingebornen Sohn des ewigen Vaters tödten helfen. Gleichwohl kann ich nicht verzweifeln, wie Kain, sondern ich will bei dem Gnade erflehen, dessen Tod ich veranlaßte! O gütigster Jesu! ich betenne meine Schuld und bitte demüthigst um Gnade. Gedenk, o Heiland! daß du mir zu Liebe in solche Todesangst gekommen bist, und lasse sie deshalb an mir nicht verloren sein. Ich verspreche dir, daß ich all mein Leben keine Todsünde mehr begehen will, wenn nur du mir deine Gnade dazu verleihest. Amen. 3. Ueber die zweite Ursache der Traurigkeit Jesu. Die zweite Ursache waren die vielfältigen schweren Sünden, welche vom Anfange der Welt begangen worden sind und noch bis zum Ende derselben begangen werden. Alle diese Sünden stellten sich Christo zugleich vor Augen, und er erkannte sie viel besser, als je ein Mensch dieselben erkannt, hat. Wie abscheulich meinst du aber, daß eine Sünde sei? Die h. Katharina von Genua pflegte zu sagen, daß, wenn es möglich wäre, einen Menschen zu sehen, welcher von Gott verlassen und seiner Gnade beraubt ist, man von diesem Anblicke zuverlässig sterben müßte. Ja nicht blos der Anblick würde dieses bewirken, sondern schon die Nachricht, daß ein folcher Mensch kommen werde, würde tödtlich sein. Es gibt tein so giftiges Thier, keinen so übelriechenden Pfuhl, keine so abscheuliche Sache, als die kleinste, so wenig geachtete Todsünde; ja, wenn Alles, was dem Menschen Etel und Abscheu einflößt, in einer einzigen Kröte oder Schlange vereint wäre, so würde ein solches Ungethüm dennoch eine Schönheit im Vergleich mit einer Todsünde sein. Wenn nun schon eine einzige Todsünde so abscheulich ist, wie muß demnach dem lieben Heilande zu Muthe gewesen sein, als er die Abscheulichkeit aller Todsünden und jeder einzelnen, Betrachtungen vom Leiden Christi. 255 welche schon geschehen waren und noch jemals geschehen würden, mit einem Male vor Augen sah? Ja, Christus sah diese häßlichen Sünden nicht bloß vor fich stehen, sondern er mußte sie auch sogar auf sich nehmen; darum kam es ihm nicht anders vor, als ob er sich in den unreinsten Ort der Welt begeben, oder das schmutzigste Kleid anziehen müßte. Weil er nun die Reinigkeit allezeit so sehr geliebt hatte, war es ihm bitterer, als der Tod, sich so zu besudeln. Dieser Abscheu der Seele Christi war so groß, daß es unmöglich ist, den kleinsten Theil davon zu beschreiben. Nebst dem sah Christus nicht allein die Abscheulichkeit der Sünden, sondern auch die unendliche Schmach, welche seinem himmlischen Bater dadurch zugefügt wurde. War schon der Gräuel der Sünden an und für sich groß, so war das Entsetzen Christi wegen dieser unendlichen Schmach noch viel größer. Die Theologen sagen, daß, wenn ein Mensch die Schwere der geringsten Todsünde vollkommen erkennen würde, und begriffe, wie sehr durch dieselbe die göttliche Majestät beleidigt wird, so müßte er sich am ganzen Leibe darüber so entseßen, daß er des bittersten Todes sterben müßte. Wenn nun schon einem Menschen solches widerführe, der nur die Schwere und Schmach einer einzigen Todsünde erkännte, was muß erst Christus geschehen sein, welcher alle Schmach und Unbilden, die seinem himmlischen Bater durch alle Sünden zugefügt worden sind, auf einmal sah, und zwar auf unendlich klarere Weise, als je ein Mensch es vermag. Hierzu kommt noch die unendliche Liebe, welche der Sohn Gottes zu seinem Vater trug, und der höchste Eifer, der ihn beseelte, die Ehre Gottes zu beschützen. Je mehr wir Jemanden lieben, desto mehr schmerzt es uns, wenn ihm etwas Ulebels widerfährt. Weil nun Christus seinen Vater mit unendlicher Liebe liebte, darum betrübten ihn auch die Sünden der Welt bis zum Tode. Deshalb stelle dir vor, als ob dich Christus selbst anredete und zu dir spräche: Overstockter Sünder! bedenke, welch ein großes Uebel die Sünde sei, daß auch die bloße Vorstellung einer einzigen Todsünde mich tausendmal getödtet haben würde, wenn 256 Das siebente Gärtlein. nicht die Gottheit mein Herz durch ein Wunder erhalten hätte. Was ich dadurch gelitten habe, das läßt sich nicht mit Worten aussprechen, und so groß die Bein meiner Kreuzigung war, so war doch der Abscheu, den ich vor den Sünden hatte, noch viel heftiger, und nur die Gottheit erhielt mein Herz, daß es nicht diesem Schmerze unterlag. Und du, o Sünder! fühlest keine Reue über deine Sünden und gehst so gleichgültig zur Beichte? Gebet. Jesu Christe! ist es möglich, daß die Todsünde so verderblich ist, daß schon ihre Vorstellung allein den Menschen tödten könnte? Wer sollte also die Sünde nicht haffen und sie mehr, als den höllischen Feind, fliehen? Wehe meiner armen Seele, daß ich so viele hundert, ja tausend Sünden begangen habe! O mein Gott! was habe ich gethan, wo hatte ich meinen Verstand, als ich in die Sünde einwilligte? O was gäbe ich jetzt darum, wenn es nicht geschehen wäre! Wollte Gott, daß ich von dieser Stunde an bis zum letzten Augenblicke meines Lebens in der schwersten Krankheit liegen könnte, um nur meine Sünden ungeschehen zu machen! O mein Herr und Heiland! wie ist es mir so leid, daß ich dein göttliches Herz so gequält habe! Otheile mir nur den kleinsten Theil von der Reue mit, die du über meine Sünden gehabt haft; gib mir nur, so viel ich zu ertragen vermag, von deinem Abscheu über die Sünden, damit ich dieselben wahrhaft bereuen möge! Anstatt der Reue, die mir noch fehlt, opfere ich dir jene Reue auf, welche du am Delberge für meine und aller Welt Sünden gehabt hast. Amen. 4. Ueber die dritte Ursache der Traurigkeit Jeſu. Die dritte Ursache war die Undankbarkeit der Menschen, welche sie ihm für seine Leiden erweisen würden. Man weiß, wie schmerzlich es fällt, wenn man Jemanden alles Gute erwiesen und um seinetwillen Vieles gelitten hat, und statt des Dankes nur Undank und Hohn empfängt. Nun bedenke, wie deinem Erlöser am Delberge um's Herz Betrachtungen vom Leiden Christi. 257 gewesen sei. Er trug solche Liebe zu allen Menschen, daß er bereit war, für Alle zu sterben. Er litt auch seine Leiden auf solche Weise, als wenn er für jeden Einzelnen besonders leiden müßte. Denn gleichwie er auch jetzt zugleich für die ganze Welt und für jeden Menschen, als ob dieser allein in der Welt wäre, Sorge trägt, so litt er auch damals für alle miteinander und für jeden einzelnen insbesondere. Darum wünschte er nichts sehnlicher, als daß alle Menschen seines Leidens theilhaftig würden. Da er aber durch seine Gottheit vorhersah, wie so viele tausend und tausend Menschen eben so sehr, als ob er gar nicht gelitten hätte, würden verdammt werden und an seinem Leiden keinen Theil haben; deshalb betrübte er sich so heftig, daß er vor Mitleid über die Unglückseligen beinahe gestorben wäre. So viele Seelen er verdammt werden sah, eben so viele Wunden empfing sein liebevolles Herz. Er mußte vorhersehen, daß so viele hunderttausend kostbare Seelen, deren jede theuer erkauft und mehr werth war, als Himmel und Erde, ewig verloren gehen würden. Wenn uns nun der Verlust einer kostbaren Sache so sehr betrübt, wie unendlich muß sich sohin Christus über den Verlust so vieler unschätzbaren Seelen betrübt haben? Als der Heiland ferner sah, wie wenige Menschen sich sein bitteres Leiden zu Herzen nehmen und mit ihm wahres Mitleid tragen, ja, daß Manche darüber sogar spotten würden, wie meinst du wohl, daß ihn dies geschmerzt habe? Als er endlich sah, wie unzählige Todsünden begangen werden würden, durch welche er wieder auf's neue gefreuziget werden, und die Seelen, die er mit seinem Blute abgewaschen, wieder auf's neue verunreinigt werden würden, da empfand er so unendlichen Schmerz, daß, wenn er tausend Herzen gehabt hätte, alle hätten zerspringen müssen. Denn so viele Todsünden geschahen, so viele Schlangen nagten an seinem Herzen und vergifteten ihm dasselbe. Lieber wäre es ihm gewesen, wenn alle Sünder zu ihm gekommen wären, und ihm sein Herz durchbohrt hätten, wenn er nur dadurch hätte ihre Sünden verhindern können. Diese Gedanken machten ihn so schwach, daß er beinahe in Ohnmacht sant. Stelle dir vor, es spräche dein Heiland in diesem Augenblicke zu dir: Myrrhengarten III. 17 258 Das siebente Gärtlein. O Sünder! beherzige, was ich leide, und sich, ob es einen Schmerz gibt, wie mein Schmerz ist. Beherzige, welche Leiden du mir verursachest; sieh, wie du mich bis zum Tode peinigest! Habe ich das um dich verdient? Wie kannst du also noch ferner eine Sünde begehen, da du weißt, wie bitter und schmerzlich sie mir ist? O so laß ab, mein Herz zu verwunden! Diese Klage des leidenden Heilandes soll jeder Sünder hören, wofern er will, daß auch Gott einst sein Gebet erhöre; darum erwecke aus allen Kräften eine Herzliche Rene über die begangenen Sünden. O allerbarmherzigster, gütigfter Jesus! vor dem Angefichte deiner göttlichen Majestät falle ich auf meine Kniee, und mit reumüthigem Herzen bekenne ich, daß ich dich schwerer beleidigt habe, als ich mit Worten auszusprechen oder in Gedanken zu fassen vermag. Denn ich weiß und glaube, daß ich durch meine Sünden dir eine unendliche Schmach zugefügt und dich auf's höchste verunehrt und beleidigt habe. Ich bin überzeugt, daß dir am Delberge meine Sünden bitterer vorgekommen sind, als der Tod selbst, und daß du lieber eben so oft gestorben wärest, als ich gesündigt habe. O mein Herr und Gott! was habe ich gethan, wie habe ich dich beleidigt! O was gäbe ich jetzt darum, wenn es nicht geschehen wäre, und wie ist es mir so leid, daß ich dein Herz so verwundet habe! Könnte ich doch jene Reue haben, die du am Delberge in deinem Herzen fühltest! Weil aber dieses unmöglich ist, opfere ich dir dieselbe statt meiner Reue auf, und bitte dich, du wolleſst dich mit derselben begnügen und meinen guten Willen für das Wert annehmen. Amen. 5. Wie Christus im Oelgarten betete. Der Ort, wo Christus betete, ist eine tiefe Höhle am Fuße des Delberges in einem Felsen, acht und dreißig Spannen lang und acht und zwanzig breit, zu welcher man durch eine enge und niedrige Thür drei Stufen hinunter geht. Diese Höhle hat kein anderes Licht, als durch eine Betrachtungen vom feiden Christi. 259 Deffnung. In dem Eingange zur linken Seite, wo Christus Blut schwitzte, ist ein Altar aufgerichtet, vor welchem im Boden zwei Vertiefungen sind, welche Christus mit seinen Knieen in den harten Felsen eindrückte. So gehe denn hin, o mitleidige Seele! mit deinem Erlöser in diese h. Höhle, und siehe Wunder, wie demüthig, andächtig und zum Erbarmen er seinem Vater seine Noth klagt. Als Christus eine gute Weile in höchster Traurigkeit bei seinen drei Jüngern gestanden war, sprach er endlich zu ihnen: Setzet euch hier nieder, und wachet, während ich dorthin gehe und bete. Und er ging hin, etwa vier und vierzig Schritte gegen den Delberg hinauf, in die Höhle hinein. Der h. Matthäus schreibt hievon: ,, Er ging ein wenig vorwärts, fiel auf sein Angesicht, betete und sprach: Mein Vater! wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch vor mir vorüber; doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst." O frommer Christ! hast du in deinem Leben ein demüthigeres Gebet gehört? Siehe, der Sohn Gottes, welcher dem Vater gleich ist, demüthigt sich vor ihm so sehr, daß er nicht allein auf seine Kniee fällt, sondern sich sogar mit dem Angesichte und dem ganzen h. Leibe zur Erde niederwirft, als wollte er sich vor seinem Vater bis in den Abgrund erniedrigen. Diese äußerliche Demüthigung des Leibes war mit der tiefsten Erniedrigung der Seele also vereinigt, daß Christus sich vor dem Vater so sehr verdemüthigte, als wenn er das geringste Geschöpf der Welt wäre. Ja, er versenkte sich in den Abgrund seiner Nichtigkeit, und so betete er den Vater an. Nach dieser tiefsten Demuth, Ehrfurcht und Anbetung begann er vertrauensvoll seine Bitte vorzutragen, indem er sprach: Mein Vater( Abba)! Es gibt kein vertraulicheres Wort auf Erden, als wenn man sagt: Mein Vater! Denn die Natur des Vaters gegen sein Kind ist von der Art, daß, wenn das Kind seinen Vater in der Noth anruft, es unmöglich ist, daß das väterliche Herz nicht bewegt werde. Darum sprach das geliebte Kind des liebreichsten Baters, auf seinem Angesichte liegend, in höchster Angst der Seele unzählige Male: ,, Abba! mein Vater! mein liebster Vater! ach, siehe doch an dein armes Kind in dieser seiner äußersten 17* 260 Das fiebente Gärtlein. Noth, erzeige mir, deinem Einzigen Sohne, deine väterliche Liebe, und laß dein Herz durch mein großes Elend erweichen! Abba! mein Vater! alle Dinge sind dir ja möglich: daher kannst du auch diesen Leidenstelch von mir nehmen!" O getreue Eltern! wenn ihr ein so liebes Kind hättet, das unversehens in einen Brunnen gefallen wäre, und am Rande des Wassers sich erhaltend, in seiner äußersten Todesgefahr euch mit obigen Worten anriefe, solltet ihr es wohl über das Herz bringen können, ihm nicht zu Hülfe zu tommen? Ich glaube, ihr ließet lieber euer Haus, wenn es in Flammen stände, zurück, ehe ihr euer Kind versäumtet. Wie kömmt es also, o mildester Vater! daß du deinem Sohne in seinem so großen Leiden nicht zu Hülfe kömmst? Ist doch dein väterliches Herz unendlich mehr deinem Kinde zugethan, als alle Herzen der Eltern, und dennoch überläsfest du deinen Eingebornen Sohn seinem Elend, und gibst ihm nicht einmal eine Antwort. Hier bilde dir ein, als ob Gott der Vater zu dir spräche: Oliebe Seele! meinst du denn, der Jammer meines Kindes follte mich nicht erweichen? Glaube mir, als ich meinen Sohn in solcher Demuth vor mir liegen sah, und so erbärmlich zu mir rufen hörte, wurde mein väterliches Herz zum höchsten Mitleid erweicht. Willst du aber wissen, warum ich ihn nicht erhört habe? Jch antworte dir, daß es um deiner selbst willen geschah, damit du vom ewigen Tode erlöset würdest; was außerdem nicht der Fall gewesen wäre, wenn ich der Stimme des Mitleids Gehör gegeben hätte. Daraus erkenne, wie sehr ich dich geliebt habe; ja ich liebe dich so sehr, daß, wenn es nothwendig wäre ich meinen Sohn noch einmal für dich hingeben würde. Also liebe ich dich, allein wie liebest du mich? was gibst du für mich? - Gebet. O barmherziger, himmlischer Vater! wer kann sich über deine Liebe genug wundern? Solche Liebe ist von Ewigkeit nicht erhört worden und wird nimmermehr erhört werden. Liebst du denn mich geringes, armseliges Geschöpf mehr, als deinen eigenen Sohn, und willst lieber ihn eines so Betrachtungen vom Leiden Christi. 261 bittern Todes sterben sehen, als mich ewig verderben? O unbegreifliche Liebe, was habe ich dir zu Liebe gethan, oder was kannst du von mir hoffen, daß du mich also liebest? Ich habe dir nur Böses gethan; und dennoch liebest du mich, als ob ich dein bester Freund wäre. O Vater! ich kann dir diese Liebe nicht besser vergelten, als eben dadurch, daß ich mich dir hingebe, wie du deinen Sohn hingegeben haft. Sieh, Vater. ich opfere mich dir mit Leib und Seele; mache mit mir, was dir beliebt in Zeit und Ewigkeit. 6. Wie Christus Blut schwikte. Andächtige Seele! wir kommen jetzt zu einem Geheimnisse, vor dessen Anhörung man erschrecken muß. Blut schwitzen ist etwas so Entseßliches, daß man bis auf Christus nichts davon wußte. Wenn wir von dem ganzen Leiden Christi nicht mehr wüßten, als nur allein Dieses, so könnten wir schon die Bitterfeit desselben bemessen, weil der Heiland schon in Erinnerung dessen, was er erdulden sollte, blutigen Schweiß vergoß. Wie mag doch der Heiland hiezu gekommen sein? Höre und erschrecke! In den drei Stunden, da Christus am Delberge betete, hatten immer die Liebe zu dem menschlichen Heile und die Furcht vor den bevorstehenden Martern mit einander gekämpft, und keines wollte dem andern weichen. Die Liebe wollte den Tod annehmen, die Furcht aber sträubte sich dagegen. Dieser Streit hatte nun drei volle Stunden gewährt und wurde immer heftiger. Als endlich die Zeit abgelaufen war, und der Vater nun wollte, Christus sollte endlich einmal den Tod oder das Leben erwählen, da wendeten beide Theile ihr Aeußerstes an, den Sieg zu erringen. Die Furcht und Empfindlichkeit in Christus stellten ihm bor, es wäre tausendmal besser, daß alle Menschen zu Grunde gingen, als daß er stürbe, weil nämlich sein Leben unendlich mehr werth sei, als das Leben aller Geschöpfe. Sie stellten ihm auch vor, wie es unmöglich sei, daß er einen so bittern und schmachvollen Tod und so unaussprechliche Qualen ertragen könne. Obschon er dies Alles leiden würde, so würde er gleichwohl nur geringen Dank davon haben; ja viele 262 Das siebente Gärtlein. Menschen würden sein bitteres Leiden sogar verwünschen, und sich dadurch nur um so tiefer in die Verdammniß stürzen. Diese und noch viel stärkere Ursachen stellte ihm die Sinnlichkeit vor Augen, um ihn zu bewegen, den Tod nicht anzunehmen. Hingegen bewies ihm die Vernunft, wie nützlich es sei, wenn er sich dem Tode unterziehen und für das menschliche Geschlecht leiden werde; wie nämlich so viele tausend Seelen dadurch erlöst, und alle Menschen ihm dafür danken würden; wie viele Ehre er erlangen, wie viele Freude er den Altvätern verursachen, und welch' glorreiche Auferstehung ihm der Vater verleihen werde! Durch solche Gründe suchte die Vernunft Christum zu bewegen, daß er den Tod annähme. Daher entstand ein unaussprechlicher Streit zwischen der Liebe und der Furcht, und in diesem heftigen Kampfe wurde sein armes Herz so geängstigt, daß es erbebte und alles Blut aus den Adern zum Herzen sich zurückdrängte; weshalb er am ganzen Leibe erblaßte und an allen Gliedern zitterte. Endlich nach langem und schwerem Kampfe siegte die Liebe, und Christus that seiner Empfindlichkeit solche Gewalt an, daß es nicht zu beschreiben ist. Die Liebe vertrieb die Furcht von dem Herzen Christi mit solcher Gewalt, als wenn sie mit einem Hammer auf das Herz schlüge, und es in zwei Theile zerspaltete. Dadurch geschah es, daß alles Blut, was sich im Herzen gesammelt hatte, mit solcher Gewalt in die äußern Glieder zurückgetrieben wurde, daß es zu allen Schweißlöchern reichlich herausdrang und über das Angesicht und den Leib so häufig herabrann, daß die Erde davon benäßt und geröthet wurde; wie denn auch der h. Lukas sagt: ,, Als ihn Todesangst befiel, betete Er länger und sein Schweiß war wie Tropfen Blutes, das auf die Erde herabrann." O schrecklicher Streit! o unaussprechliche Angst! welch' eine bittere Noth muß es doch gewesen sein, daß der Heiland nicht allein Blut schwitzte, sondern in solcher Menge, daß die Erde davon gefärbt wurde! Wenn er auch nur einen einzigen Tropfen vergossen hätte, wäre es gewiß ein Zeichen großer Angst gewesen; wie man auch von Einigen Betrachtungen vom Leiden Christi. 263 liest, daß sie in unmittelbarer Nähe des Todes ein paar Blutstropfen geschwitzt haben. Wenn es nun so ist, o Gott! welch' eine schreckliche Angst wird nicht unser Erlöser an Leib und Seele ausgestanden haben, da er so viele blutige Schweißtropfen vergoß! O unbegreifliches Wunder, unaussprechliches Elend! Es ist auch zu glauben, daß Christus nicht allein Blut geschwitzt, sondern auch Blut geweint habe; wie wir von der H. Margaretha von Cortona und andern Heiligen in ihren Legenden lesen, daß sie in Beherzigung des Leidens Christi blutige Zähren geweint haben; zumal es leicht anzunehmen ist, daß, wenn das Blut durch die Poren ausdrang, es auch aus den Augen geflossen und mit den Thränen sich vermischt haben werde. Gebet. O Jesu Christe, wie konnte es doch möglich sein, daß du so vielen blutigen Schweiß aus lauter Angst vergoffeft? Ist es doch schon ein Zeichen des heftigen Todestampfes, wenn dem Sterbenden der kalte Schweiß ausbricht. Wenn du nur etliche Blutstropfen geschwitzt hättest und nur dein Angesicht davon geröthet worden wäre, so hätten alle Menschen dies für eine Sache, die die Kräfte der Natur übersteigt, gehalten. Nun hast du aber nicht blos einige Blutstropfen und zwar im Angesichte vergossen, sondern dein ganzer Leib wurde mit Blut überronnen und bedeckt, so daß deine wollenen Kleider dasselbe nicht in sich fassen konnten, und das Blut zur Erde niederfloß und den Boden benäßzte. Gott im Himmel, welche Angst mußt du doch ausgestanden und welche Qualen an Leib und Seele erduldet haben! Ihr Engel, entsetzet euch hierüber! Jhr Menschenfinder, erstarret an Leib und Seele! Sollen wir nicht blutige Thränen über unsere Sünden weinen, welche dem edelsten Sohne Gottes solchen blutigen Angstschweiß ausgetrieben haben? Overstockter Sünder! könntest du deine Sünden erkennen, wie Jesus sie erkannte, du würdest nicht allein blutige Zähren weinen, sondern vor Leid krant werden. Sagen doch die Gottesgelehrten, wenn ein Mensch die Schwere und Wichtigkeit 264 Das siebente Gärtlein. der geringsten Todsünde vollkommen erkennen und begreifen könnte, wie höchlich die göttliche Majestät dadurch beleidigt werde, so würde keine Ader am Leibe sein, welche nicht zerspränge, ja der Mensch müßte am Leibe schwitzen und von übergroßer Reue und Betrübniß plößlich sterben. O welch' eine entsetzliche Sache, welche unaussprechliche Bosheit ist die Sünde! O Sünde, wer sollte dich nicht hassen, und dich als das schrecklichste Uebel nicht fliehen! 7. Judas kommt, um Jesus zu fangen. Sobald Judas aus dem Saale gegangen war, lief er eiligst in das Haus des Kaiphas, und sagte dem Hohenpriester, wie jetzt die beste Zeit wäre, Christum zu fangen. Kaiphas schickte sogleich nach den vornehmsten Herren, und zeigte ihnen die Absicht des Judas an. Die Herren aber fagten: Es dünkt uns nicht räthlich zu sein, dies an dem Osterfeste zu thun; denn man würde dadurch nicht allein das hohe Fest entheiligen, sondern auch großen Aufruhr unter dem Volke erregen. Da sprach Judas: Ihr sagt wohl recht; allein ihr müßt wissen, daß man nicht allezeit seiner habhaft werden kann. Wenn ihr ihn nicht diese Nacht fangen wollet, so kann ich ihn euch nicht mit Gewißheit überliefern. Denn schon wage ich nicht mehr in seine Gesellschaft zu gehen, weil er diesen Abend bereits so Vieles von mir gesagt hat, daß ich mich alle Augenblicke fürchtete, die Jünger möchten mich erkennen und mir den Tod anthun. Als die Priester dieses vernahmen, gaben sie sich zufrieden, daß man Christum gefangen nähme; jedoch sollte nach Möglichkeit aller Tumult vermieden werden. Sie schickten alsbald zu den Priestern, Pharisäern, Schriftgelehrten und Aeltesten und ließen ihnen befehlen, sie sollten ihre Diener und Knechte bewaffnet senden; die aber feine andere Waffen hätten, sollten sich mit Prügeln versehen: denn es sei jetzt die beste Gelegenheit, den Galiläer zu fangen. So tamen in turzer Zeit etliche hundert Mann zusammen, und alle Menschen wunderten sich, was doch dieses zu bedeuten habe, daß man an dem h. Osterabende, wo alle Menschen in größter Andacht und Freude das Osterlamm Betrachtungen vom Leiden Christi. 265 aßen, so über die Straße laufe. Als alle beisammen waren, sagte Judas, sie sollten etliche Stricke mitnehmen, ihn zu binden. Auch wollte er, daß sie alle wohl gerüstet seien, wenn etwa das Volk den Herrn befreien wollte, und daß man viele Fackeln und Laternen mitnehme, um ihn in der Nacht suchen zu können. Ehe sie fortgingen, befahl Kaiphas den Dienern und Soldaten, daß sie dem Judas Gehorsam leisten und Alles thun sollten, was er ihnen befehlen würde. Als nun die Mitternacht nahe war, und man vermuthete, daß alle Leute schlafen würden, machte sich die unselige Rotte auf den Weg, den ewigen Gott gefangen zu nehmen: Judas ging voran, neben ihm gingen etliche Oberste der Priester und Tempelvorsteher, dann folgte die ganze Schaar. So führte er sie zur Pforte hinaus nach dem Delberg, und unterwegs sprach er zu ihnen: Den ich küssen werde, der ist's, den ergreifet und führet ihn behutsam, damit er euch nicht entgehe, denn ihr wisset gar wohl, wie oft er eueren Händen entkam. Die Juden sprachen: Wenn wir ihn nur erst haben, wollen wir ihn gewiß fest genug binden, daß er uns nicht entgehen soll, er müßte denn mit Zaubergewalt unsern Händen entrinnen. Solche Reden führten sie unterwegs, und die Teufel, welche in ihren Herzen saßen, setzten sie in solche Wuth, daß sie eher wilden Thieren, als vernünftigen Menschen glichen, O wie muß dem lieben Jesus zu Muthe gewesen sein, als er diese grimmige Rotte kommen sah! Er war schon von Herzen bereit, den Tod zu leiden; gleichwohl aber war er ein Mensch, wie wir, und so ging es ihm, wie uns in ähnlichem Falle. Als er daher das viele Volt von der Stadt herauskommen sah, überlief ihn kalter Schauer, seine Haare sträubten sich, und das Herz schlug mächtig vor Angst, zumal er sah, daß sie nicht allein, sondern von den Teufeln begleitet seien, denn jeder von ihnen hatte einen Teufel im Herzen, der ihn zum giftigsten Hasse antrieb. Dennoch, als die gottlose Rotte näher kam, weckte er seine schlafenden Jünger, indem er sprach: ,, Stehet auf, und lasset uns gehen; siehe, der mich verrathen wird, nahet sich." und ging mit ihnen 215 Schritte weit von der Stelle, wo er vorher gebetet hatte, ihr entgegen, wie der h. Johannes 266 Das fiebente Gärtlein. schreibt:„ Jesus, der Alles wußte, was über ihn kommen follte, trat hervor." O unaussprechliche Liebe! wie haft du meinen Geliebten so ganz eingenommen, daß er mit mehr Freude zum Leiden geh als ich zum eitlen Wohlleben! O mein hartes Herz! warum liebst du doch nicht deinen Jesus, der dich so herzlich liebt, da du doch gegen Andere, welche dich lieben, so leicht zur Gegenliebe hingezogen wirst? Als die Rotte vor ihm stand, sprach Jesus, wie Johannes weiter berichtet: ,, Wen suchet ihr?" Sie antworteten ihm: Jesum von Nazareth." Jesus sprach zu ihnen:„ Ich bin es." Es stand aber auch Judas, der ihn verrieth, bei ihnen. Als er zu ihnen sprach: Ich bin es, da wichen sie zurück und fielen zu Boden. Da fragte er sie wiederum: ,, Wen fuchet ihr?" Sie aber sprachen:„ Jesum von Nazareth." Jesus antwortete: ,, Ich habe es euch gesagt, daß ich es bin; wenn ihr also mich suchet, so lasset diese gehen." Damit das Wort erfüllt würde, das er gesprochen hatte: Die du mir gegeben hast, keinen von ihnen habe ich verloren. Da trat Judas, wie die Evangelisten Matthäus, Markus und Lufas weiter erzählen, rasch heran und sprach:„ Sei gegrüßet, Meister!" Und er tüßte ihn. Jesus aber sprach zu ihm:„ Freund, wozu bist du gekommen? Judas, mit einem Kusse verräthst du den Menschensohn?" Als aber die, welche um ihn waren, sahen, was geschehen sollte, sprachen sie zu ihm: ,, Herr! sollen wir mit dem Schwerte drein schlagen?" Simon Petrus aber zog das Schwert, das er hatte, schlug den Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm sein rechtes Ohr ab. Der Name des Knechtes war Malchus. Da sprach Jesus zu Petrus: ,, Stecke dein Schwert in die Scheide, denn Alle, die das Schwert ergreifen, werden durch's Schwert umkommen. Soll ich den Kelch, den der Vater mir gegeben, nicht trinken? Oder meinst du, daß ich meinen Vater nicht bitten könnte? Er würde mir jetzt mehr als 12 Legionen*) Engel zuschicken. Wie würde aber dann die Schrift erfüllt werden, daß es so geschehen müsse." Zu den übrigen sprach er:„ Lasset ab, nicht weiter!" Und er rührte das *) Eine römische Legion bestand aus 6000 Mann. Betrachtungen vom Leiden Christi. 267 Ohr des Malchus an, und heilte ihn. Zu denen aber, die zu ihm gekommen waren, zu den Hohenpriestern, zu den Tempel- Hauptleuten und Aeltesten sprach Jesus:„ Wie zu einem Mörder seid ihr ausgezogen mit Schwertern und Prügeln. Täglich war ich bei euch im Tempel, und ihr habt die Hände nicht gegen mich ausgestreckt; aber das ist eure Stunde und die Macht der Finsterniß." Da verließen ihn alle Jünger und flohen. Hier, o christliche Seele! verwundere dich über die unaussprechliche Liebe und Freundlichkeit Jesu selbst gegen seinen ärgsten Feind, den schändlichen Verräther Judas, von dem er sich nicht allein küssen ließ, sondern den er selbst, wie die Offenbarung der H. Brigitta sagt, freundlich sich neigend wieder füßte, und sprich folgendes 196 Gebet zu Ehren der Liebe, womit Jesus selbst seinen Perräther so freundlich anredete und wieder kühte. O allerfreundlichster Herr Jesu Christe! ich erinnere dich an jene große Liebe und Freundlichkeit, die du gegen deinen Verräther bewiesen hast. Du ließest dich nicht allein von ihm tüssen, sondern füßtest ihn herzlich wieder. O wohl eine wunderbare Gnade und unaussprechliche Liebe! Was fönnte wohl eine andächtige Seele Höheres wünschen, als einen Kuß von den liebevollsten Lippen Jesu Christi! O wie viele fromme und heilige Seelen hatten nach dieser Huld verlangt, und du hast ihnen dieselbe nicht gewährt; deinem Feinde aber, dem falschen, treulosen Judas, hast du denselben gegeben! Gewiß ein unverkennbares Zeichen, wie groß deine Begierde war, diesen Sünder dem Satan zu entreißen und seine Seele wieder zu Gnaden zu bringen. O Gott! wenn ich mich mit Judas vergleiche, entsetzt sich mein Gemüth und erschreckt mein hartes Herz. Wie lange haft du auch mit mir Geduld gehabt, wie oft hast du mich zu befehren gesucht und auch mich gefragt: Freund, wozu bist du gekommen?" Gleichwohl habe ich dies Alles nicht geachtet und habe fortgefündigt! Sollte mir mein Herz nicht brechen, wenn ich gedenke, wie oft ich dir einen falschen Kuß gab, als ich mit Wissen und Willen unwürdig zur heil. Das siebente Gärtlein. Kommunion ging? Sollte sich meine Seele nicht entsetzen, wenn ich gedenke, wie ich dich in das Herz aufnahm, in welchem der böse Feind durch die Sünde wohnte? O Schmach und Schande, welche ein Mensch seinem Gott anthut! Wie ist es möglich gewesen, daß du dies hast dulden können? Durch diese deine große Geduld bitte ich dich, bekehre doch endlich einmal mein Herz zu dir, und errrette mich vom Satan, der mich bisher in seiner Gewalt hatte. Hast du dem Verräther deinen Kuß nicht verweigert, o so versage ihn auch dem nicht, der mit Bußfertigkeit zu dir zurückkehrt und um deiner unendlichen Güte willen Gnade zu erlangen hofft. Amen. 268 8. Wie Christus gefangen genommen wurde. Bisher war Christus noch frei: nun aber fällt er in fremde Hände, und zwar in die Hände seiner ärgsten Feinde, welche mehr den Teufeln als Menschen glichen, und ihn so grausam peinigten, daß jedes fromme christliche Herz darüber erschrecken muß. Als Christus noch mit Judas redete, fielen die Henkersknechte mit großem Ungestüm über ihn her: Einer greift ihn bei den Haaren, der Andere am Halse, ein Dritter an den Armen; und so wurde das unschuldige Lamm bald zu Boden geworfen, indem sie riefen: Da liege nun, du Zauberer! Du hast uns mit deinen Zauberkünsten zu Boden geworfen; allein jetzt wollen wir dir vergelten. christliche Seele! gedenke, wie diese rasenden Thiere mit Christus umgegangen, und ihn auf's übelste gepeinigt haben! O wer könnte erzählen, wie sie ihn geschlagen, getreten, herumgerissen, verspieen, verwünscht und mißhandelt haben! Der H. Bonaventura sagt, daß die gottlose Rotte den lieben Heiland zu Boden gezogen und in die Höhe gerissen und wieder niedergeworfen habe, und ohne alle Barmherzigkeit mit Füßen auf ihn trat, ihm auf den Leib kniete, mit Fäusten in's Angesicht schlug, und einen großen Theil der Haare und des Bartes ausriß. Hier lag der arme Jesus unter den Händen der grimmigen Löwen, und war schon so entstellt, daß man ihn kaum Betrachtungen vom Leiden Christi. 269 erkennen konnte. Seine Wangen waren zertraßt, sein Angesicht aufgeschwollen, seine Augen erblindet, sein Mund voll Blut, seine Arme und Beine zerschlagen, und sein ganzer Leib mißhandelt. Wohl seufzte er oft und rief im Herzen zu seinem Vater und sprach: O gütigster Vater! siehe, wie es mir so übel ergeht, und wie unbarmherzig ich hier gepeinigt werde. Nimm auf, o Vater! alle diese Wunden und Streiche, welche ich dir für die Sünden der ganzen Welt zum Opfer darbringe. Gebet. Jesu, du sanftmüthiges Schäflein! wie kannst du doch dies Alles ertragen? Wie ist es möglich, daß du nicht ungeduldig wirst? Wenn mir von deinen erlittenen Unbilden nur der tausendste Theil widerführe, o wie würde ich da bor Born rasen und toben? Und hier, o Wunder! leidet Gott selbst unschuldig die höchste Schmach mit Geduld; und ich boshafter Mensch will nicht einmal ein einziges Wort um Gottes willen ertragen? Jesu, ich schäme mich dieser meiner Ungeduld, und bitte dich, verzeih' mir, daß ich dich dadurch so oft beleidigt habe. Ich nehme mir vor, fortant geduldiger zu sein, und mit Hülfe deiner Gnade die mir zugefügten Unbilden willig zu ertragen. Amen. 9. Wie Christus zu Annas geführt wurde. Wenn ein Christ bedenkt, wie sein Heiland so erbärmlich von dem Delberge in das Haus des Annas geführt worden sei, so muß er billig von ganzem Herzen sich betrüben. Denn der liebe Heiland hat auf diesem ganzen Wege fo viel gelitten, daß sich selbst die Steine hätten über ihn erbarmen mögen. Dieser Weg wird noch heutzutage in großen Ehren gehalten und gewöhnlich der Weg der Gefangennehmung genannt. Von dem Orte, wo Christus gefangen wurde, bis zu des Annas Haus sind zweitausend dreihundert und sechzig Schritte, so daß man eine gute halbe Stunde zu gehen hat. Diesen weiten, steinigen und unebenen Weg legte der gefangene Heiland mit bloßen Füßen zurück, und 270 Das siebente Gärtlein. färbte den Boden an vielen Stellen mit seinem h. Blute. Denn als die Soldaten ihn hart gebunden hatten, führten sie ihn mit großem Ungestüm den Delberg hinab. Voran gingen die Fackelträger, dann kamen die Schergen, welche das geduldige Lamm führten, ihnen folgten die Obersten der Priester, die Mitglieder des hohen Rathes und die Aeltesten des Volkes. Dies war der Aufzug, in welchem der höchste Gott als ein Gefangener des Satans geführt wurde. Wie sie aber den lieben Herrn führten, magst du dir leicht vorstellen. O wer könnte erzählen, wie schmählich und grausam sie den Herrn behandelten! Man weiß aus einer zuverlässigen Offenbarung, daß Christus auf diesem Wege wegen des Ungestüms seiner Führer siebenmal zu Boden gefallen sei und sich gar schmerzlich verletzt habe. O armer Jesus! wie sauer wurde dir dieser Gang, und wie viele Marter und Schmerzen hast du gelitten, welche uns Menschen unbekannt sind! Ich sage dir Dank für Alles, was du auf diesem Wege ausgestanden hast, und opfere es dir auf zur Verzeihung meiner Sünden. Als nun die Juden mit ihrem Gefangenen zum Bache Cedron kamen, thaten sie ihm so großen Schimpf an, daß man es ohne Mitleid nicht hören kann. Denn da der arme Jesus mitten auf der hohen steinernen Brücke war, stießen sie ihn auf teuflische Eingebung mit solchem Grimme in den Bach hinunter, daß er ohne ein göttliches Wunder sich das Haupt hätte zerschmettern müssen; denn im Hinabfallen lösten sich die Bande von seinen Händen, und er konnte sie vor sein Haupt halten, um sich zu retten. Hier lag nun der unendliche Gott von dem Falle so zertnirscht, daß er vor Schmerzen nicht aufstehen konnte. Hier lag der Eingeborne Sohn Gottes, und rief kläglich mit den Worten des Psalmisten zu seinem Vater:„ Hilf mir, o Gott! denn die Wasser sind gedrungen bis an meine Seele!" Hier lag der arme Christus, und erfüllte die Verheißung des königlichen Propheten: ,, Aus dem Bache an dem Wege wird er trinken, darum wird er emporheben das Haupt." Hier lag mein liebster Jesus zum Gespötte der Menschen und zur Verachtung aller Anwesenden; denn Betrachtungen vom Leiden Christi. 271 die ganze Schaar, als sie dieses schreckliche Schauspiel sah, stieß ein so schändliches Hohngelächter aus, daß man es bis in die Stadt hören konnte. Es war keiner, der ihm diesen Schimpf nicht von Herzen gönnte und seine Schmach nicht vermehren half. Gebet. O mein getreuester Erlöser! ich bitte dich durch diesen deinen schmerzlichen Fall in den Bach Cedron, verzeih' mir, daß ich so oft in die Sünde gefallen bin und mir freventlich die Verdammniß zugezogen habe. Durch die Verdienste dieses Falles hebe mich gefallenen Sünder wieder auf, und bewahre mich durch deine Gnade vor dem Rückfalle in die Sünde. Amen. 10. Wie Christus, von Annas gefragt, antwortet und den grausamen Backenstreich empfängt. Als nun die grimmige Schaar nach Mitternacht in des Annas Haus kam, und der alte Bösewicht sich schon zur Ruhe begeben hatte, da banden unterdessen die Henker den gütigen Herrn an einen Delbaum, der im Hofe stand, und trieben allerlei Muthwillen mit ihm. Dieser Delbaum steht noch heutigen Tages rechts von der Kapelle, die dort erbauet ist, und wird von allen Menschen in Ehren gehalten. Die Pilger verrichten ihr Gebet unter demselben und nehmen ein Stücklein von seinem Holze als ein Heiligthum mit sich. Als nun dieser alte Bösewicht Christus in solcher Gestalt sah, wurde sein giftiges Herz erfreut, weil er Gelegenheit hatte, seinem längst gefaßten Zorn freien Lauf zu lassen. Er sprach daher zu dem Herrn mit hochmüthigen Worten: Bist du nun hier, du Aufrührer? Du hast uns lange Trotz geboten, und geglaubt, wir würden dich nicht fangen können; aber nun wird deine Bosheit ein Ende nehmen, und wir wollen deine Hoffart schon demüthigen. Alsdann fragte er ihn nach seinen Jüngern und um seine. Lehre. Bedente hier, wie diese hochmüthige Rede dem Herrn so wehe that; der Richter der Lebendigen und Todten mußte 272 Das siebente Gärtlein. sich hier von einem so schnöden Richter beurtheilen lassen. Der ewige, gerechte Gott sollte hier vor dem ungerechten Menschen über sein Thun und Lassen Rede und Antwort geben. Christus war zwar gebunden, doch war seine Zunge frei. Um daher seine Unschuld zu beweisen und zu zeigen, wie fälschlich man ihn solcher Dinge beschuldige, wollte er fogar seine Feinde zu Zeugen anrufen. Darum sprach er unerschrocken: Ich habe öffentlich vor der Welt geredet; ich habe immer in der Synagoge und im Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammen kommen; und ich habe nichts im Verborgenen geredet. Was fragst du mich? Frage diejenigen, welche gehört haben, was ich zu ihnen geredet habe; siehe, diese wissen, was ich gesagt habe." Als der Herr diese Worte gesprochen hatte, sprach einer der Diener zu ihm: Antwortest du also dem Hohenpriester? Bei diesen Worten hob er seine rechte Hand, welche mit einem eisernen Handschuh bekleidet war, und schlug den Herrn mit solchem Grimme in das Angesicht, daß er zu Boden stürzte, und, wie Vincentius Ferrerius sagt, die Zähne im Munde sich bewegten, das Blut aus Mund und Nase strömte, und die Wunde von diesem Schlage in seinem Angesichte blieb, wie man noch heutzutage in dem Schweißztuche der h. Veronita, welches zu Rom aufbewahrt wird, sehen kann. Hier bilde dir ein, als ob dein Heiland zu dir spräche: Mein Kind! siehe, was ich leide, und welche grausame Schmach mir widerfährt. Siehe, wie ich auf dem Boden liege und das Blut mir aus Mund und Nase strömt. Mein Angesicht ist geschwollen, meine Wangen sind blau und die Zähne im Munde bewegen sich. Bist du nicht aufgebracht über denjenigen, der mich also geschlagen hat, und wünschest du nicht, daß Feuer vom Himmel falle und ihn verzehre? Siehe, das steht in meiner Macht, und ich könnte diesen Bösewicht augenblicklich in die Hölle stürzen; allein ich thue ihm nichts zu leide. Siehe, mein Geschöpf! das thue ich, dein Erschaffer und Gott, wiewohl ich eine so große Beschimpfung vor so vielen Leuten von einem so geringen Menschen empfangen habe. Was hättest du an meiner Stelle gethan? Was thust du noch, wenn du nur ein Betrachtungen vom Leiden Christi. 273 beleidigendes Wort bekömmst? O wie zürnest du nicht, und wie vergiltst du Schimpf mit Schimpf! Ist dir denn größere Schmach widerfahren als mir, oder bist du größer, als ich, daß du nicht das Geringste an deiner Ehre leiden willst? Meinst du denn nicht, daß es mich verdrießt, daß du kein Wörtlein mir zu Liebe ertragen willst, da ich doch dir zu Liebe noch viel tausend solcher Backenstreiche angenommen hätte? Gebet. O Herr Jesu Christe! ich weiß nicht, was ich dir antworten soll. Ich muß mich im Grunde meines Herzens schämen, wenn ich meine Ungeduld mit deiner Geduld vergleiche. Mein Leben lang habe ich noch kein einziges Schmähwort dir zu Liebe mit Geduld gelitten, und du wolltest noch tausend Backenstreiche aus Liebe zu mir leiden? Ich, der ich um meiner Sünden willen alle Schande verdiente, will nichts dulden, und du, der du aller Ehre wegen deiner göttlichen Majestät würdig bist, trägst nun so große Schmach mit unerhörter Sanftmuth. Ich will mich aber bessern, o Herr! und wenn man mich fortan beschimpfen wird, so will ich an deinen Backenstreich denken und nicht ein Wörtlein entgegen reden, wenn nur du mir deine Gnade gibst. Ich danke dir tausendmal für diesen Backenstreich, den du für mich empfangen, und für den Schimpf, den du erlitten hast. Amen. 11. Wie Christus zum Kaiphas geführt wurde. Von dieser Geschichte spricht der h. Johannes: Und Annas schickte ihn gebunden zum Hohenpriester Kaiphas." Dieser Kaiphas war dem Herrn todfeind, und gegen ihn noch viel mehr erbittert, als Annas; denn er war der nämliche Kaiphas, welcher den Juden den Rath gegeben hatte: Es ist gut, wenn ein Mensch für das Volk stirbt. Weil er denn solchen Neid und Blutdurst wider Christus trug, daß er ihn abwesend verdammte, was wird er erst jetzt gethan haben, damit dieses unschuldige Lamm, das in sein Haus gebracht wurde, ja ohne alle Barmherzigkeit geschlachtet werde. Myrrhengarten III. 18 274 Das siebente Gärtlein. O könntest du nun, christliche Seele! mit Petrus und Johannes in einem Winkel bei dem Hause des Annas stehen, damit du mit mitleidigem Herzen diesen Zug, in welchem dein Heiland von einem bösen Richter zum andern, noch ärgern geführt wird, sähest. Es war das Haus des Kaiphas zwar nicht weiter von Annas Haus entfernt, als dreihundert und dreißig Schritte; allein diesen Weg wurde der liebe Herr über die öffentliche Straße bei hellem Mondscheine und dem Lichte vieler Fackeln und Laternen ungestüm geführt. Das geduldige Lamm ging unter den Händen der Schergen ganz erbärmlich einher, und war im Angesichte so übel entstellt, daß man ihn kaum kennen konnte. Der arme Jesus ging erbarmungswürdig einher, und schämte sich, die Augen zu erheben. O wie schimpflich war es seiner hochwürdigen Person, vor die Obrigkeit geführt und wie ein Missethäter um seiner Verbrechen willen gerichtet zu werden, und zwar von den ungerechtesten Richtern! Diese Unbill fiel ihm sehr schmerzlich, und als er an das Haus des Kaiphas hinkam, seufzte er tief auf; denn er wußte gar wohl, wie übel es ihm in demselben ergehen würde. Erinnere deinen Heiland an dieses Elend und sprich mit Andacht folgende Verehrung dieses Ganges Jesu. O du unschuldiges Lamm Gottes, Jesu Christe! ich armer Sünder erinnere dich an diesen traurigen Gang, als du von den Soldaten aus dem Hause des Annas zu dem Palaste des Kaiphas geführt wurdest. Gedent, o gütigster Jesu! welch' ein saurer Gang dies war, und wie zum Erbarmen du unter den rohen Schergen einhergingest! Wie viel Ungemach mußtest du leiden, als dich die unbarmherzigen Beiniger hin und her zogen, mit Prügeln schlugen, mit Fäusten stießen und dich auf alle Weise mißhandelten! O wie schmerzte es dich, als die Soldaten ein so rohes Geschrei erhoben, dich als einen Zauberer ausriefen, und mit ihrem Lärmen alle Leute aus dem Schlafe aufweckten, damit du desto mehr verspottet würdest! Du aber litteſt Alles mit Geduld, und seufztest nur im Herzen zu Gott Betrachtungen vom Leiden Christi. 275 deinem Vater. An diesen sauren Gang erinnere ich dich, und bitte dich durch alle Leiden, die du unterwegs erduldet haft, du wollest mir meine fündigen Gänge verzeihen. Zu deren Abtragung opfere ich dir diesen schmachvollen Gang auf, gleichwie auch du denselben deinem Vater für mich aufgeopfert hast. Für die sauren Tritte, die du von Annas zu Kaiphas gethan hast, danke ich dir viel tausend Mal, und wünsche von Herzen, daß alle irdischen und himmlischen Kreaturen dir ebenso vielmal mit mir danken möchten. 12. Christus wird vor Kaiphas fälschlich angeklagt und ungerecht verurtheilt. Der h. Matthäus sagt:„ Die Hohenpriester und der ganze Rath suchten falsches Zeugniß wider Jesum, damit sie ihn zum Tode überliefern könnten." Als nun Kaiphas sah, daß man nichts wider Christus vorbringen konnte, was des Kreuzestodes würdig war, wurde er sammt dem Rathe höchst erbittert, und wußte nicht, was er anfangen sollte. Weil der geduldige Jesus wie ein armer Sünder vor ihm stand, und kein Wort zu seiner Verantwortung sprach, versuchte der arglistige Kaiphas, ob er ihn nicht zum Reden bringen könnte. Er stand daher zornig auf und fragte ihn: Antwortest du nichts auf das, was diese gegen dich zeugen? Was glaubst du wohl, o christliche Seele, was Jesus auf diese Frage geantwortet und wie er diese falschen Anflagen widerlegt habe? Matthäus sagt: Jefus aber schwieg still." Obgleich Jesus wußte, daß es sich um sein Leben, seine Ehre und sein Ansehen handelte, schwieg er dennoch still. O mein Jesus! wie konntest du doch schweigen? Warum hast du nicht wenigstens ein Wort gesagt, daß ihre Antlagen falsch seien? Weil du nicht redest, so glauben Alle, es sei Alles wahr, was wider dich vorgebracht wurde. Unser geduldige Heiland wollte aber lieber für einen solchen Ulebelthäter gehalten werden, als sein Stillschweigen brechen, um dir ein Beispiel zu geben, daß du nichts Besseres thun könnest, wenn Jemand mit dir streiten und zanken will, als zu schweigen. 18* Das siebente Gärtlein. Als der liebe Jesus durchaus nicht reden wollte, wurde Kaiphas ganz wüthend, erhob die Hand gegen Himmel und schrie mit zorniger Stimme:„ Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagest, ob du Christus der Sohn Gottes bist." Als der Herr so hoch beschworen wurde, mußte er wohl reden; sonst hätten die Juden wohl sagen können: ,, Wenn er uns bekannt hätte, wer er sei, so würden wir ihm geglaubt haben; weil er aber nicht bekennen wollte, haben wir nicht wissen können, daß er wirklich der Sohn Gottes sei!" Damit nun die Juden keine Entschuldigung hätten, wollte Jesus deutlich und unerschrocken die Wahrheit bekennen. 276 Himmel und Erde horchten auf diese Antwort, und verlangten zu wissen, was Christus sagen werde. Die Juden hatten ihn vielmals darüber befragt; er wollte es ihnen aber niemals ausdrücklich sagen. Weil er aber nun mit solcher Beschwörung bei dem lebendigen Gott aufgefordert wurde, zweifelten sie nicht, er würde die Wahrheit bekennen. Darum war in der ganzen Versammlung das tiefste Stillschweigen. Da öffnete das ewige Wort des Vaters seinen Mund, und sprach mit lauter, Allen vernehmlicher Stimme: ,, Du hast es gesagt. Ich sage euch aber: von nun an werdet ihr den Menschensohn zur Rechten der Kraft Gottes sitzen, und auf den Wolken des Himmels kommen sehen." Dadurch wollte er sagen: Jetzt seht ihr mich zwar elend und verachtet; aber am jüngsten Tage werdet ihr mich in meiner vollen Herrlichkeit schauen und dann werde ich euer und aller Menschen Richter sein. Nun beherzige, o frommer Christ! wie es deinem Erlöser nach seinem Bekenntnisse ergangen sei. Sobald Kaiphas diese Antwort gehört hatte, stellte er sich ganz entsetzt über eine so schwere Gotteslästerung. Er erhob die Augen zum Himmel, zerriß seine hohenpriesterlichen Kleider und rief aus: ,, Was haben wir noch Zeugen nöthig? Siehe, nun habt ihr die Lästerung gehört!" Allein, so lange die Welt gestanden, war noch keine größere Gotteslästerung geschehen, als gerade Kaiphas sich hier zu Schulden kommen ließ, da er Jesum in's Angesicht einen Gotteslästerer schalt. Gewiß hätten ihn die Engel von seinem Stühle gestoßen: es war Betrachtungen vom Leiden Christi. 277 aber jetzt teine Zeit der Rache, sondern des Leidens; jedoch folgte die Strafe gewiß noch nach. Nach dieser schrecklichen Gotteslästerung wendete fich Kaiphas zu dem gesammten Rathe und sprach: ,, Was dünkt euch?" Sie aber antworteten: ,, Er ist des Todes schuldig." Es war nun in dem ganzen Rathssaale ein solches Rufen und Toben, daß keiner sein eigenes Wort verstehen konnte. O unerhörte Bosheit! so lange die Welt steht, ist noch kein ungerechteres Urtheil gefällt worden, als eben dieses. Wie wird dieses grausame Geschrei dem lieben Heilande zu Herzen gegangen sein! Darum habe Mitleid mit ihm und sprich folgendes Gebet zur Beklagung der ungerechten Perurtheilung Jelu. O allerdemüthigster Herr Jesu Christe! ich erinnere dich an die vielfältigen Uebel, welche dir in dem Hause des Kaiphas widerfahren sind, als du nach deiner Gefangennehmung dem ganzen Rathe vorgestellt und von demselben auf's grausamste gepeinigt, geschmähet und gelästert wurdest. Statt aller dieser Lästerungen und jener, die dir heute noch selbst von den Christen zugefügt werden, und leider auch von mir zugefügt worden sind, segne und lobpreise ich dich viel tausendmal und bitte dich, du wollest ihnen verzeihen, denn sie wissen nicht, was sie thun. Zugleich bitte ich dich auch, du wollest auch mir die vielfältigen schweren Sünden, die ich mein Leben lang in diesem Stücke begangen habe, verzeihen, denn es ist mir von Herzen leid, daß ich dich dadurch beleidigt habe. Zur Nachlassung der unzähligen Sünden, die ich durch Fluchen, Schwören, Verwünschungen und Gotteslästerungen begangen habe, opfere ich dir auf deine höchste Liebe und Geduld, mit welcher du so viele Verunehrungen deines Namens ertragen hast, und bitte dich demüthig, du wollest dieses mein Opfer gütig annehmen und mir meine Bosheit gnädig verzeihen. Amen. 13. Wie Christus verspottet wurde. Wie es dem unschuldigen Herrn im Hause des Kaiphas den übrigen Theil der Nacht hindurch ergangen sei, vermag 278 Das siebente Gärtlein. teine menschliche Zunge auszusprechen; denn es wurde ihm mehr Schmach und Schande zugefügt, als ein Mensch ersinnen kann. Denn da der ewige Vater der ganzen Hölle Gewalt gegeben hatte, seinen Sohn zu peinigen, magst du leicht denken, wie es zugegangen sei. Die Teufel hatten bisher noch nicht recht gewußt, daß Christus der Sohn Gottes sei. Jetzt aber wußten sie es bestimmt und hatten keinen Zweifel mehr. Darum wollten sie allen Haß auf einmal ausgießen, und was sie nicht selbst vermochten, durch Andere bewirken. Das Haus des Kaiphas war gleichsam eine Hölle, und die Gesellschaft daselbst bestand aus lauter Teufeln in menschlicher Gestalt. Mitten unter diesen Teufeln stand das unschuldige Lamm und zitterte vor Furcht und Angst wegen der Schmach, die ihm bevorstand. Sobald der Rath das Todesurtheil ausgesprochen hatte, gab der gottlose Kaiphas allen Dienern und Soldaten Erlaubniß, die Schmach zu rächen, welche der Nazarener dem allmächtigen Gott zugefügt habe. Da er sich so vermessen einen Sohn Gottes nannte, so sollten sie ihn demüthigen, um ihm seine Hoffart zu benehmen. Nach dieser Vollmacht kannst du leicht denken, wie diese Rotte mit Jesu umgegangen fei. Sie fielen über ihn her, wie hungrige Wölfe über ein Schaf; sie schlugen, zogen, stießen, schimpften und lästerten ihn so grausam, daß jedem gefühlvollen Menschen das Herz vor Mitleid brechen mußte; die Rathsherren aber standen in der Nähe, sahen mit Freuden zu und ermunterten die rohen Knechte mit beifälligen Worten. Hiervon schreiben die h. Evangeliften: ,, Einige schlugen ihn mit flacher Hand in das Angesicht, Andere aber mit Fäusten"; ja nicht allein mit den Händen, sondern auch mit Prügeln, Stricken und Ruthen. Sie mißhandelten ihn mit Backenstreichen und Schlägen so sehr, daß der ganze Leib gleichsam mit Striemen und blauen Flecken bedeckt wurde und ausschwoll. O armer Jesus, wie hart müßte ein Herz sein, das mit dir kein Mitleid trüge! Neben den Schlägen rauften sie den Herrn auch an den Haaren, wie er selbst der h. Brigitta offenbarte:„ Man hat an mir keine Schmach gespart; denn ich bin mit Fäusten an die Zähne geschlagen und bei den Haaren gezogen worden." Betrachtungen vom Leiden Chrifti. 279 Ja mehrere zogen ihn so fest, daß sie ihm ganze Hände voll Haare auf einmal ausrissen. Auf diese Weise mußte das edle Haupt Christi gar viel diese Nacht hindurch ausstehen, weil hier die Empfindlichkeit heftiger und der Schmerz unerträglicher ist. Daher hat uns die Natur eingegeben, daß wir vor allen Gliedern das Haupt schonen und sorgfältig mit den Händen jeden Schlag abwehren. Dem gütigen Herrn waren aber die Hände mit Stricken gebunden; darum konnte er sie nicht vor das Angesicht halten, und mußte sein Haupt ohne Schutz preisgeben. Sie versetzten ihm auch manchen Schlag in das Genick. Dies Alles hat dein süßester Heiland für dich gelitten, und die Sünden, welche du begangen, abgebüßt. Erkenne dankbar diese Wohlthat, und ehre seine heiligen zerschlagenen Glieder nach dem Beispiele der h. Gertrudis, welche, als sie einmal alle einzelnen Glieder Christi begrüßte, sah, wie aus jedem Gliede, sobald es begrüßt wurde, ein göttlicher Schein ausging und ihre Seele bestrahlte. Zugleich mit diesem Scheine schenkte ihr auch Christus die Unschuld, die er durch das Leiden dieses Gliedes verdient hatte. Darum folge ihr hierin nach, und hoffe zuversichtlich, Gott werde auch dir diese Gnade erzeigen. Sprich daher mit Andacht folgendes Gebet zu Ehren aller Streiche und Mißhandlungen Christi. O geduldigster Jesu! mit gebogenen Knieen bete ich dich an, und danke dir unendlichemal für alle schmerzlichen Streiche, die du für mich empfangen hast. Im Namen aller Engel und Menschen danke ich dir dafür und opfere dir dieselben zur Genugthuung' meiner Sünden auf. Seid gegrüßt, ihr edlen Glieder meines Heilandes, ich danke euch für alle Mißhandlungen, die ihr habt erdulden müssen! O gütigster Jesu! diese herzliche Danksagung sei dir demüthig aufgeopfert mit der freundlichen Bitte, du wollest mir um deines bittern Leidens willen meine Sünden verzeihen und mich der Verdienste deiner Schmerzen und Streiche theilhaftig machen. Amen. Das sicbente Gärtlein. 14. Fortsebung der vorigen Betrachtung. Nach den vielfachen Schlägen folgte das Verspeien, welches so unnatürlich ist, daß es kaum glaublich wäre, wenn es die Evangelisten nicht ausdrücklich sagten. Nun aber sagt der h. Matthäus: ,, Dann spicen sie in sein Angesicht", und Markus: ,, Nun fingen Einige an, thn anzuspeien." Bedenke, o Christ! wie es deinem Erlöser so leid gethan habe, als die Juden mit ihrem unflätigen Speichel das Angesicht des Heilandes verunreinigten, so daß er entsetzlich anzusehen war. Er konnte sich nicht selbst abwischen, denn seine Hände waren festgebunden; darum mußte er so verunehrt lange Zeit bleiben, daß gewiß die Engel im Himmel ihr Angesicht verhüllten, um diesen Greuel nicht schauen zu müssen. 280 Da es schon unanständig ist, in Gegenwart eines vornehmen Herrn auszuspucken, so bedenke, welche unaussprechliche Schmach es für den Herrn Himmels und der Erde gewesen sei, als derjenige verspieen wurde, welcher das Ebenbild des himmlischen Vaters war, den die Engel zu schauen begehren, und nach dessen Anblick alle Väter, Könige und Propheten Jahrtausende gefeufzt hatten. Gleichwohl leidet der höchste Sohn Gottes alles dieses mit Geduld, und wendet sein Angesicht nicht ab, und zürnet denen keineswegs, die ihn verspeien. Verwundere dich, o Christ! über die große Geduld und sprich folgendes Gebet zu Ehren der Perspeiung Christi. O Glanz der himmlischen Glorie, Jesu Christe! sei eingedenk der grausamen Schmach, welche dir die Juden anthaten, als sie dir in dein h. Angesicht spieen und es mit ihrem Unflathe so verwüsteten, daß du ein grauenvoller Anblick warest. Oder unbegreiflichen Schmach und unaussprechlichen Schande! Wer sollte glauben können, daß die menschliche Bosheit so weit gehen werde, daß sie sich nicht scheute, dem allmächtigen Gott selbst in das Angesicht zu speien! Wie konnte doch der himmlische Vater dieses zulassen, und wie konnte es mein süßester Heiland ertragen! Overachteter Jesus, wie behandelt man dich! Ich grüße Betrachtungen vom Leiden Christi. 281 und ehre dich und habe herzliches Mitleid mit dir. O könnte ich dein h. Angesicht von diesem Wuste reinigen! Ich danke dir für diese große Schmach, und benedeie dich vieltausendmal, daß du um meinetwillen so verspieen wurdest. Verzeihe mir meine Sünden der Eitelkeit, und durch die Liebe, mit welcher du diese Schmach gelitten hast, reinige meine Seele von ihrem Unflathe. Amen. 15. Schluß der vorigen Betrachtung. Was bisher erwähnt wurde, das geschah in Gegenwart des Kaiphas und des ganzen Rathes. Da sich aber diese zur Ruhe begaben, und das unschuldige Lamm in den Händen der Diener zurückließzen, mit der Erlaubniß, ihn nach allem Muthwillen zu quälen, da kannst du dir leicht einbilden, was sie gethan haben. Der h. Lukas sagt: Die Männer, die ihn festhielten, verspotteten ihn und schlugen ihn." Wie sie ihn aber verspottet haben, das überläßt er unserer Betrachtung. Nun kann man aber leicht denken, wie diese Teufelsdiener den Messias verhöhnt haben. Denn weil der höllische Fürst, welcher alle Verdammten ewig verspotten wird, ihr Rädelsführer war, darum gab er ihnen in den Sinn, daß sie ihm allen Spott zufügen sollten, welchen er den verdammten Seelen anzuthun pflegt; was sie auch wirklich thaten. Sie setzten ihm eine Narrenkappe auf sein Haupt, und machten vor ihm spöttische Verbeugungen mit den schimpflichsten Geberden. Diese Kappe rissen und drehten sie nach allen Seiten herum, und zogen sie bisweilen mit großem Gelächter herab. Sie setzten ihm einen Strohkranz auf und führten ihn so im Saale herum, und wo er vorbeiging, beugten sie schimpflich ihre Kniee und machten ihm spöttische Verneigungen. Sie setzten ihn auf einen Stuhl und tanzten um ihn herum; dann zogen sie den Stuhl unter ihm weg, daß der gütige Heiland zu Boden fallen mußte. So trieben sie noch vielen Muthwillen mit ihm, den kein Mensch beschreiben kann. Wie meinst du, daß diese Mißhandlungen ihn geschmerzt haben werden? Vernimm hierüber seine eigenen Worte, mit denen er sich gegen die h. Brigitta 282 Das siebente Gärtlein. beklagt hat: ,, Mein Kind! gedenke, wie diese schwere Schmach mir zu Herzen gegangen sei, weil sie nicht allein meiner Menschheit, sondern auch meiner Gottheit zum höchsten Schimpfe gereichte. Du weißt wohl, daß dir nichts so wehe thut, als wenn du ausgelacht oder verspottet wirst. So bedenke denn, wie es mich geschmerzt habe, da ich ganz unschuldig, ja der ewige Gott selbst war. Glaube sicherlich, daß alle Worte mir einen Stich in's Herz gaben, und daß ich lieber jedesmal hätte einen Stich durch den ganzen Leib empfangen, als diese Worte anhören wollen. Alles dieses Leiden würde ich aber gerne ertragen haben, wenn ich nur in jetziger Zeit nicht noch so gar verspottet und geschändet würde!" Ich werde für das verächtlichste Geschöpf gehalten; denn was ist in einem Hause verächtlicher, als ein Hund oder eine Katze: und dennoch liebt man solche mehr, als mich! Es ist kein Ding so klein, wenn es dem Herzen schmeichelt, daß es nicht inbrünstiger begehrt werde, als eben ich, und die Leute haben nichts so Geringes, das sie nicht mehr liebten, als mich. Für Alles ist ihnen leid, nur für mich nicht. Es ist ihnen leid für ihren eigenen und ihrer Freunde Schaden, es ist ihnen leid für Verletzung eines einzigen Wortes, es ist ihnen leid, daß sie andere Menschen, die mehr als sie sind, beleidigen; es ist ihnen aber nicht leid, daß sie mich, den Herrn und Schöpfer aller Dinge, beleidigen." i Siehe, mein lieber Christ! so hat sich vor Zeiten Christus gegen die h. Brigitta beklagt; und noch jetzt flagt er dasselbe. Darum bitte ich dich, handle nicht so, wie andere Menschen, die den Heiland gar nicht achten, sondern liebe ihn mehr, als alle erschaffenen Wesen. Gebet. O mein herzliebster Jesu, ich betenne, daß du diese Klage mehr über mich, als über irgend einen Menschen führen könnest; ja ich glaube, du hättest dies Alles über mich geflagt; denn Alles betrifft mich, und selbst noch viel Aergeres habe ich gethan. Ich habe dich weniger als die geringsten Betrachtungen vom Leiden Christi. 283 Dinge geschätzt, und mich über den Verlust der werthlofesten Gegenstände mehr betrübt, als wenn ich dich durch die Sünde verloren hatte. Um Kleinigkeiten fing ich oft Bant und Streit an, und wollte lieber dich verlieren, als ein unbedeutendes Geschöpf. O welche Thorheit und unglaubliche Blindheit! Soll mir wohl irgend etwas auf dieser Welt lieber und theurer sein, als der Herr Himmels und der Erde? und doch wollte ich oft schon, um einige Pfennige zu verdienen, den Himmel verlieren! O Gott, erleuchte meine Blindheit, und verzeihe mir meine Unwissenheit. Es soll gewiß nicht mehr geschehen, wenn du, o Herr, mir nur deine Gnade dazu verleihest. Ich will mein Herz nimmermehr auf solche geringe Dinge, sondern auf dich und die Schätze deiner unendlichen Reichthümer setzen. Ich bitte dich durch allen Schimpf und Spott, welcher dir im Hause des Kaiphas widerfuhr, verzeihe mir, daß ich dich bisher so wenig geachtet habe. Amen. 16. Christus im Kerker. Als endlich diese höllische Rotte mit Schlagen und Mißzhandeln müde geworden, banden sie den erschöpften Heiland auf's neue, und führten ihn die Treppe hinab in einen engen und finstern Kerter, welcher noch heutzutage zu sehen ist; denn die H. Helena hat aus dem Hause des Kaiphas eine Kirche gemacht, in welcher nahe bei dem Hochaltare zur rechten Hand ein sehr enges und finsteres Loch ist, welches der Kerker des Herrn genannt wird. Daß Christus wirklich hierher gebracht worden sei, lehrt die Erfahrung; denn wenn ein Mensch hier hineingeht, und er sei auch noch so verstockt, so wird ihn gleichwohl ein großer Schrecken am ganzen Leibe überfallen; woraus abzunehmen ist, was unser Heiland gelitten hat. Wäre ein schändlicherer Ort im Hause gewesen, wo sie den Herrn hätten bewahren können, so würden sie ihn gewiß dahin gesperrt haben, da sie ihn für den ärgsten Bösewicht der Welt hielten. In diesem Terker mußte Jesus bleiben, und etliche Bösewichter gesellten sich zu ihm, um ihm keine Ruhe zu lassen. Also stand der halbtodte und am ganzen Leibe zerschlagene Heiland in diesem übelriechenden Kerker, und durfte sich 284 Das siebente Gärtlein. weder sehen noch legen, noch auch nur anlehnen; denn so wie er dies versuchte, zogen ihn die Schergen wieder in die Höhe; darum blieb er gar erbärmlich mit geneigtem Haupte stehen, und seine schwachen Kniee zitterten vor Mattigkeit. Er hatte nichts, um sich zu laben, und nicht so viel Platz, um sein mattes Haupt darauf zu legen. Wohl manchen Seufzer sendete er zum Himmel und weinte vor Schmerzen heiße Thränen. Darum bilde dir ein, o frommer Christ! als ob du deinen Heiland hier sähest und zu dir sprechen hörtest: ,, Mein Kind! ach siehe, was ich hier leide, und wie ich deinetwegen so übel gepeinigt werde. Hier bin ich gefangen, der ich die Gefangenen erledigen sollte. Ist wohl ein Mensch übler daran, als ich, der ich von allen Gütern der ganzen Welt auch nicht das geringste habe? An allen Gliedern bin ich so gar zerschlagen, daß ich vor Schmerzen nicht weiß, wo ich mich hinwenden soll; und dennoch habe ich nichts, meine Schmerzen zu lindern. Ich bin so müde und erschöpft, daß ich auf meinen Füßen kaum stehen kann; und dennoch darf ich mich weder setzen noch niederlegen. Mein Herz ist so voll Schwäche, daß es sich kaum erhalten kann; und doch fehlt mir alle Labung und Stärkung. Ich bin von dem Unflathe derer, die mich verspieen, ganz besudelt, und habe Niemanden, der mich reinigt. Ich stehe hier in diesem Kerker wie ein gefangener Uebelthäter, und bin der Gegenstand des allgemeinen Spottes und der Verachtung. Die Engel im Himmel haben Mitleid mit mir; aber sie helfen mir nicht. Mein himmlischer Bater sieht mich wohl, wie übel es mir ergeht; aber er nimmt sich meiner nicht an. Du, mein Kind! erkennst wohl auch mein äußerstes Elend; allein du läsfest es dir nicht zu Herzen gehen. Gleichwohl bist du die einzige Ursache meines Unglückes, und haft mich in dieses große Elend gebracht. Denn du hätteſt wegen deiner Sünden verdient, ewig in dem Kerker der Hölle zu schmachten; damit du aber erlöst werdest, hat mich mein Vater anstatt deiner hieher geführt. Siche also zu, wie du mir dankbar seiest, und welche Ehre du mir für diese Schmach erzeigest." 285 Betrachtungen vom Leiden Christi. Verehrung Christi im Kerker. O mein gefangener Jesu! der du am jüngsten Tage sagen wirst: Ich war im Kerker, und ihr habt mich besucht, siche, ich komme aus treuer Liebe in diesen deinen elenden Kerter, und begehre dich heimzusuchen und zu trösten. Vor großem Mitleid kann ich aber beinahe kein Wort mit dir reden, und vor Erstaunen weiß ich nicht, was ich sagen oder denken soll. Denn wenn ich dich nur ansehe, meine ich, das Herz müsse mir brechen. Du siehst so erbarmungswürdig aus, daß man dich kaum erkennt, und gleichest fast dem armen Lazarus vor der Thüre des reichen Mannes. Jammer, der wahre Sohn Gottes liegt im finsteren, abscheulichen Kerter! Aus wahrer Ehrfurcht vor dir, mein Jesus! falle ich auf meine Kniee nieder und küsse den Boden, auf welchem deine Füße gestanden sind! Durch Alles, was du in diesem Kerker gelitten hast, bitte ich dich, daß du mich vor dem ewigen Gefängnisse bewahren und der himmlischen Glorie theilhaftig machen wollest. Gedenke an deine traurige Lage in diesem Kerker! Am ganzen Leibe warst du so zerschlagen, und hattest doch nichts, deine Schmerzen zu lindern. Vor Mattigkeit konntest du dich kaum mehr auf den Füßen erhalten, und dennoch durftest du weder sißen noch liegen, um auszuruhen. Du standest hier, wie ein armer Sünder, der am nächsten Tage zur Hinrichtung geführt werden soll; und dennoch war Niemand, der dich tröstete, während man sonst selbst den größten Uebelthäter zu trösten pflegt. Die Engel im Himmel hatten zwar Mitleid mit dir; allein sie konnten dir nicht helfen; und die Menschen auf Erden spotteten deiner und vermehrten dir dein Leiden. So standest du die ganze Nacht hindurch und littest an Leib und Seele so viele Angst und Schmerzen, An daß sich selbst die Steine hätten erbarmen mögen. dieses Alles erinnere ich dich, und opfere es dir auf mit schuldigster Danksagung und freundlicher Bitte, daß du mich durch die Verdienste desselben von dem höllischen Kerker befreien, und mir das himmlische Paradies zur Wohnung verleihen wollest. Amen. 286 Das siebente Gärtlein. 17. Wie Petrus Christum verleugnet. Wenn ein Mensch an den Fall des Petrus denkt, soll er billig erschrecken, in Erwägung, daß auch ihm dergleichen widerfahren könne. Denn wenn derjenige so leicht gefallen ist, welcher so hoch in Gnade war, welcher Christum in seiner Verklärung gesehen, dem Gott der Vater selbst die Gottheit Christi geoffenbaret, und der einen so starken Vorsatz hatte, nicht zu fündigen, daß er lieber mit ihm sterben, als ihn verlassen wollte; was wird dann uns widerfahren, die wir von allem dem nichts gesehen, noch gethan haben? Wie darf ein Mensch sich für fromm halten, da doch Niemand weiß, ob er an demselben Tage fromm bleiben werde? Petrus war von Herzen fromm und hatte Christum so lieb, daß er sich seinetwegen in Leibes- und Lebensgefahr begab. Er hatte auch so großes Mitleid mit ihm, daß er ihn mit seinem Blute hätte erkaufen mögen. Hättest du gesehen, wie kläglich er seinem Meister von ferne nachfolgte und wie viele bittere Thränen er vergossen hat, gewiß wäre dein Herz dir erweicht worden. Am Hause des Kaiphas suchte er auf alle Weise sich Eintritt zu verschaffen, bis ihn endlich Johannes oder Nikodemus hineinbrachte. Als er darinnen war, ging er hin und her, und sah sich fleißig um, wo Christus wäre. Denn wegen der großen Liebe, die er zu ihm trug, hätte er gern gewußt, wie es ihm erging. Er hörte viel Gelächter und Geschrei in einem großen Saale, und gedachte wohl, man werde erbärmlich mit seinem Meister umgehen. Er durfte aber nicht hineingehen, damit er nicht erkannt würde. Gleichwohl war es ein Zeichen seiner großen Liebe zu Christus, daß er ihm so weit nachgefolgt war, und sich in diese Gefahr gewagt hatte. Als er den Muthwillen, den man mit Christus trieb, lange angehört hatte, o welches Mitleid trug er mit seinem Herrn! Darum fand er keine Ruhe im Vorhofe, drängte sich durch die Schaar der Diener hindurch und kam bis in den Saal, worin Christus verspottet wurde, und in welchem er ihn auch zum dritten Male verleugnet hat, wie aus den Betrachtungen vom Leiden Christi. 287 Worten des h. Lukas deutlich zu entnehmen ist, da er spricht:„ Da wandte sich der Herr um und sah Petrus an." Wer wollte sich einbilden können, wie viel Herzweh Petrus fühlte, als er seinen geliebtesten Meister wie ein sanftmüthiges Lamm unter diesen reißenden Wölfen erblickte. Wenn wir uns nur vorstellen, wie übel Christus gepeinigt wurde, so gehen uns die Augen über, wie viel mehr wird dies dem H. Petrus geschehen sein! Petrus war nur eine kleine Weile in dem Saale, denn er konnte dem Leiden nicht länger zusehen. Darum ging er wieder in den großen Hof, welcher sich innerhalb der äußeren Mauer befand. In diesem Hofe standen die Diener, welche Wache hielten, damit ihnen der gefangene Christus nicht entrinne. Diese hatten ein großes Feuer angezündet, um welches sie herumstanden und sich wärmten, denn die Nacht war kalt. Petrus trat deshalb hinzu, um sich zu wärmen, und als er dort stand, sah ihn die Pförtnerin scharf an, und erkannte ihn, daß er ein Jünger Christi war. Daher sprach sie zu ihm: Bist du auch etwa aus den Jüngern dieses Menschen? Da erschrak Petrus und dachte bei sich selbst: Wenn ich es bekenne, werden sie mich ergreifen und tödten. Aus Furcht leugnete er also und sprach: Ich weiß nicht, was du sagst; ich bin sein Jünger nicht. Da Petrus merkte, daß ihn die Magd dennoch kannte, ging er vom Feuer weg und begab sich zur Thür hinaus. Als er draußen war und wieder an seinen Meister dachte, hatte er keine Ruhe, bis er wieder hineinging, denn seine Liebe zu Christus war so groß, daß es ihm unmöglich schien, ohne ihn zu sein. Obschon er einmal gefallen war, meinte er doch, es würde nicht wieder geschehen. Als er daher abermals im Hofe war, ging er voll Leids im Mondscheine auf und ab, und fing an, heimlich zu weinen und zu seufzen, weil er von ferne das große Gespötte hörte, das man mit seinem lieben Meister trieb. Zu allem Unglücke kam eine andere Magd herbei, welche dem Petrus ansah, daß er ein heimliches Mitleid mit Christus hatte; darum sprach sie zu den Dienern: Dort geht einer allein herum, der ein Jünger des Galiläers zu sein scheint. Als diese hörten, was die Magd gesagt hatte, gingen sie zu Petrus und 288 Das siebente Gärtlein. fragten ihn: Bist du nicht Einer von seinen Jüngern? Ein Knecht aber rief: Fürwahr! du bist Einer. Da wurde Petrus bange, denn er fürchtete, sie würden ihn alsbald ergreifen. Darum leugnete er abermals und betheuerte und schwur, daß er es nicht sei. Hier hätte Petrus gehen sollen; gleichwohl aber blieb er noch dort, um zu sehen, wie es weiter ging. Er verweilte noch eine ganze Stunde lang und näherte sich oft dem Orte, wo er hören konnte, was seinem Meister geschah; auch ging er bisweilen hinein und sah, wie grausam man mit dem Herrn verfuhr. Nachdem er eine geraume Weile daselbst gestanden und mit großem Herzenleid den Jammer gehört hatte, wurden wieder einige auf ihn aufmerksam und sagten: Dieser Mensch scheint uns verdächtig zu sein; was gilt es, er ist Einer von des Nazaräers Jüngern! Da traten sie auf ihn zu und fragten ihn, was er hier zu thun habe? Petrus war voll Furcht und wußte nicht, was er antworten sollte. Da sprachen die Knechte zu ihm: Du gibst uns Argwohn, daß du ein Jünger des Gefangenen seiest. Petrus aber leugnete und wollte nicht gestehen. Ein Knecht aber sprach: Fürwahr, du bist ein Galiläer, denn deine Sprache verräth dich ja. Als Petrus noch immer fortfuhr zu leugnen, sagte ein Vetter des Malchus: Wie magst du doch so leugnen? habe ich dich nicht im Garten bei ihm gesehen? Da fing Petrus an, hoch zu schwören und zu verwünschen, er sei kein Jünger Jesu. Wie glaubst du nun, daß Petrus in eine so schwere Sünde gefallen sei? Es sind zwar mehrere Ursachen; die vorzüglichste aber ist, daß er sich selbst zu viel vertraut und am Delberge so wenig gebetet hatte. Er hätte nicht geglaubt, daß er so schwach wäre, besonders, weil er es so weit in der Heiligkeit gebracht habe; darum dachte er auch nicht, daß ihm das Beten so nothwendig sei, als Christus seine Jünger so nachdrücklich ermahnt hatte: Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung fallet. Dies nimm dir zur Warnung, o Christ, und verlasse dich nimmer auf deine Kräfte! Wenn du dich für fromm hältst, so glaube es nicht, denn du bist so sündhaft, daß du aus dir nicht einen Betrachtungen vom Leiden Christi. 289 Augenblick im Guten verharren tannst. Sei auch allezeit im Gebete und flehe zu Gott, er wolle dich nicht in Versuchung fallen lassen, besonders in deinem letzten Ende; denn du bist so schwach, daß du keine Versuchung aus dir überstehen kannst. Wenn du nicht alle Tage fleißig betest, wird dir Gott auch nicht helfen, ja es ist deine wohlverdiente Strafe, wenn der Herr dich fallen läßt, da du ihn nicht um Hülfe anflehtest, ungeachtet dir deine Schwachheit bekannt war. Gebet. Dunerforschlicher Gott! der Fall des h. Petrus erschreckt mich gar sehr; denn ich fürchte, es möchte mir ebenso ergehen. Denn da du einen so heiligen Mann um einer so geringen Ursache willen so schwer haft fallen lassen, was wirst du mir gottlosem Sünder thun? Ich bin voll geistlicher und weltlicher Hoffart. und halte mich nicht allein selbst für fromm, sondern will auch von allen Menschen für fromm gehalten werden. Wenn ich höre, daß Andere gefallen sind, kann ich sie nicht genug verurtheilen und tadeln, und glaube nicht, daß auch mir Aehnliches widers fahren könne. Ich bin auch im Gebete so nachlässig, daß ich mich schäme. es zu sagen, da ich oft einen ganzen Tag hindurch kaum ein andächtiges Vaterunser bete. Do muß ich ja gewiß fürchten, daß du mich in der Versuchung werdest fallen lassen besonders im Tode, wo mich der böse Feind so heftig anfechten wird, daß ich ihm nicht werde Widerstand leisten können, wenn du mir nicht besonders beistehest. Darum befehle ich dir jetzt und allezeit meine arme sündiqe Seele, und bitte, du wollest mich im Leben und Sterben vor allen schädlichen Anfechtungen bewahren. Amen. 18. Christus vor Pilatus. Noch einmal hatte der unschuldige Jesus am Charfreitag Morgen vor dem versammelten hohen Rathe der Wahrheit Beugniß gegeben und bekannt, daß er der Sohn Gottes sei; und das Todesurtheil war wiederum über ihn auss gesprochen. Weil aber die Obrigkeit der Juden zu damaliger Myrrhengarten III. 19 290 Das siebente Gärtlein. Zeit Niemanden tödten durfte, so mußten sie Jesum zu Pilatus, dem römischen Landpfleger, führen. O welch ein saurer Gang war dieses für den armen, so übel zugerichteten Jesus! Als der ganze Rath vor den Palast des Pilatus tam, gingen sie nicht hinein, sondern blieben auf dem Markte unten an der steinernen Treppe stehen. Denn sie glaubten, sie würden verunreinigt, wenn sie in das Haus eines Heiden einträten. Als daher Pilatus zu ihnen heraustam und sie fragte, welche Anklage sie wider diesen Menschen vorzubringen hätten, war des Klagens so viel, daß Pilatus darüber erschrak und zu Christus sagte:„ Hörst du nicht, welch' große Dinge sie wider dich bezeugen?" Hier war nichts, was Christus jemals gethan hatte, so gering und unbedeutend, daß es nicht auf offnem Markte von vielen hunderttausend Menschen mit lauter Stimme ausgerufen wurde. Ueber jeden Artikel waren mehr als zehn geschworene Zeugen, welche Alles bei Eidespflicht betheuerten. Wenn schon ein und der andere fromme Mensch eine bessere Meinung von Christus hatte, wie war es möglich, daß er sie unter solchen Verhältnissen beibehalten konnte? denn wer sollte nicht so vielen ehrwürdigen Herren und geschworenen Zeugen Glauben beimessen? O mein treuer Erlöser! deine Schmach ist nun vorüber, aber meine Schande erwartet mich noch. In meinem Ende werde ich vor das Gericht müssen, und vor allen Engeln über meine Sünden öffentlich angeklagt werden. Wo soll ich dann meine Augen hinwenden? Wie werde ich mich schämen müssen, wenn man mir alle meine Missethaten vorwirft! O gerechtester Richter! Ich will nur ein einziges Wort zu dir sprechen: Thue mir, gleichwie ich dir. Ich habe ein herzliches Mitleid mit dir, daß du unschuldig so schr beschämt wurdest: habe also auch du Mitleid mit mir, wenn ich schuldiger Weise werde beschämt werden! Amen. Unter der großen Anzahl der Ankläger erhoben sich befonders drei, nämlich als ob Christus das Volk verführt und verboten hätte, dem Kaiser den Zins zu geben, und daß er sich zum Könige habe aufwerfen wollen. Als Pilatus diese Anklagen gehört hatte, ging er hinein und befahl seinen Betrachtungen vom Leiden Christi. 291 Dienern, sie sollten ihm Christus nachführen. Da er in das Richthaus kam, sprach er zu ihm: Was hast du doch gethan, daß das ganze jüdische Volt sammt seinen Priestern und Aeltesten dich mir überliefert hat? Du mußt es ja grausam verschuldet haben: denn es ist nimmer erhört worden, daß so viele Hunderte und Tausende, ja selbst die vornehmsten Herren einen Ulebelthäter persönlich verklagt haben. Die erste Anklage will ich übergehen, denn sie geht mich nichts an; auch die zweite achte ich nicht, denn ich weiß, daß sie falsch ist; aber die dritte ist von großem Belange; darum muß ich genau nachforschen. Ich frage dich daher: ,, Bist du der König der Juden?" Da sprach Christus: ,, Mein Reich ist nicht von dieser Welt; denn wenn mein Reich von dieser Welt wäre, so würden wohl meine Diener streiten, daß ich den Juden nicht überliefert würde. Nun aber ist mein Reich nicht von hier." Pilatus fuhr fort: Also bist du ein König?" Jesus antwortete: Du sagst es; ich bin ein König( aber kein weltlicher, sondern ein himmlischer). Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, daß ich der Wahrheit Zeugniß gebe. Wer immer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme." Da sprach Pilatus: ,, Was ist Wahrheit?" Und als er dies gesagt hatte, ging er wieder hinaus zu den Juden, und erwartete keine Antwort auf seine Frage; denn wenn er sie gehört hätte, so hätte er ohne Zweifel an Christum geglaubt. Als Pilatus wieder zu dem Bolte kam, sprach er mit lauter Stimme: ,, Ich finde keine Schuld an diesem Menschen." Da ergrimmten die Juden heftig, und die Hohenpriester schrieen aus vollem Halse: Wie, du solltest keine Schuld an ihm finden? Er ist ein gottloser Mensch, dergleichen man auf der ganzen Erde nicht wieder findet, ein Vollfäufer, Verführer des Voltes, ein Gleißner, ein Samaritan und Teufelsdiener. Dies gibt der h. Markus zu verstehen, da er sagt: ,, Und die Hohenpriester brachten viele Klagen gegen ihn vor." O wie muß dieses dem lieben Herrn so wehe gethan haben, als er öffentlich vor so vielen Menschen so vieler Laster fälschlich angeklagt und beschuldigt wurde! Weil er ganz stillschwieg, sprach Pilatus zu ihm: Antwortest du nichts? Hörst du denn nicht, welch' schwere " 1 19* 292 Das siebente Gärtlein. Beugnisse fie wider dich vorbringen?" Er aber antwortete ihnen kein einziges Wort, so daß Pilatus sich sehr darüber verwunderte. Gebet. Christe Jesu! wie ist es dir doch möglich, daß du so stillschweigen kannst? Du siehst ja wohl, daß dein Leben davon abhängt, und daß alle Menschen sich an dir ärgern und meinen, du seiest ein so großer Sünder, als man vorgibt, weil du dich nicht verantwortest. Du weißt, daß Pilatus dir gewogen ist, und dich gewiß loslassen würde, wenn du dich nur entschuldigen wolltest. Mich dünkt aber, ich höre meinen lieben Jesus sagen: O armer Sünder! verwundere dich nicht, daß ich also stillschweige, denn ich kann nicht reden. Die Liebe, welche ich zu deiner armen Seele trage. hat mir meine Zunge gebunden. Du kannst dir wohl vorstellen, welche Abtödtung es mir gewesen sei, in einer so wichtigen Sache, woran mein Leben und meine Ehre gelegen, mich nicht zu verantworten! Aber die Liebe zu dir ermahnte mich ohne Unterlaß zum Schweigen; denn wenn ich mich entschuldigt hätte, wäre deine Seele ewig verloren gegangen. Weil ich daher dir zu Liebe in einer so wichtigen Sache stillgeschwiegen habe, so thue es auch du mir zu Liebe, daß du bisweilen schweigest und dich von so vielen vergeblichen, eitlen und unnützen Worten enthaltest. Oliebster Jesus! ich nehme mir dieses ernstlich vor: verleihe du mir deine Gnade. Amen. 19. Christus vor Herodes verspottet. Als Pilatus hörte, daß Jesus aus Galiläa, dem Gebiete des Herodes sei, sandte er ihn zu Herodes, der eben auch in Jerusalem war. Jesus wurde deshalb unter schrecklichen Mißhandlungen zu Herodes geführt, 250 Schritte vom Hause des Pilatus, und todtmüde diesem gottlosen Könige vorgestellt. Hier stand nun der König des Himmels und der Erde vor dem schnöden Ehebrecher und Mörder Herodes, welcher sich über die erbärmliche Gestalt Christi wunderte und Betrachtungen vom Leiden Christi. 293 entsetzte. Dieser fragte nun über Mancherlei und legte dem Heilande viele vorwitzige Fragen vor. Jesus aber antwortete ihm nichts. Da Herodes sah, daß er Christum nicht zum Reden bringen könne, wurde er gewaltig erbittert und hielt dies für eine große Beleidigung, wofür er sich durch Verachtung und Spott rächen wollte. Er verachtete ihn mit seinen Hofleuten und ließ ihm zum Spotte ein weißes Kleid anziehen. Gedenke, o Chrift, mit welch' großen Schmerzen das hochheilige Herz Jesu erfüllt worden sei! Denn wenn es einen ehrlichen Mann tief betrübt, wenn er geschmäht und verhöhnt wird; o wie wird es dem Gemüthe Jesu so wehe gethan haben, als er von so vielem gottlosen Gesindel in Gegenwart vieler Tausende von Menschen auf's verächtlichste behandelt wurde! Wie hätte er so viele Schmach ertragen können, ohne zu vergehen, wenn ihn nicht die Liebe zu unserm Heile gestärkt hätte! Die Hofdiener und Soldaten trieben nun solchen Muthwillen mit ihm, daß es sich weder beschreiben noch erzählen läßt; und nur der allein weiß Alles, welcher es hat ausstehen müssen. Was sie nur immer Schimpfliches und Boshaftes erdenten konnten, das thaten sie und wetteiferten gleichsam, wer am meisten Christum zur Ungeduld und die Umstehenden zum Lachen reizen könne. So wurde die ewige Weisheit des Vaters, der weiseste Lehrmeister von dem thörichten Gesindel verlacht, verspottet und wie der ärgſte Thor der ganzen Welt verachtet. Owohl ein erbarmungswürdiges Schauspiel! Mein Herr und Gott! wie hast du doch dieses ausstehen und diese unerhörte Schmach erdulden können? Mein weisester Lehrer! wer hat dich also verachtet? Mein höchster Gott! welcher Mensch durfte dich also verwegen behandeln? O mein Kind! du darfst mich nicht fragen, wer mich also verspottete; denn du hast es selbst gethan. Deine Kleiderpracht hat mich mit diesem schimpflichen Narrengewande bekleidet, dein Hochmuth hat mich verspottet und deine vielfältigen Sünden haben mich also geschlagen und verwundet. Wie willst du es bei mir verantworten können, daß du mich so übel behandelst und mich durch deine 294 Das siebente Gärtlein. Hoffart alle Tage ärger, als die Diener des Herodes, verspottest? Du willst von Allen hochgeehrt und angesehen sein; und wenn dich Jemand nur ein wenig verspottet, ſo wirst du höchlich ergrimmt. Vergiltst du mir also, was ich Alles für dich gelitten habe? Folgest du mir also auf dem Wege der Tugend nach? Gebet. O allergütigster Jesu! ich werfe mich demüthig vor deine Füße und darf vor Beschämung meine Augen nicht zu dir erheben. Ach, was habe ich gethan und was thue ich noch täglich, daß ich mit meiner Hoffart, Eitelkeit und Ungeduld meinem Gott und Herrn alle seine Schmach erneuere! Der höchste Herr Himmels und der Erde muß so viele Schmach ausstehen; und ich gottloser Sünder, der ich nichts als Schande verdient habe, will nicht die geringste Verspottung leiden. Denn wenn mir Jemand nur ein Wort widerspricht, so breche ich sogleich in Schimpf- und Scheltworte aus und räche mich auf alle mögliche Weise. Ich halte mich für viel besser als Andere, und möchte in allen Stücken gelobt und geehrt sein. Was werde ich meinem Richter einst antworten, wenn er mich fragen wird, wie ich sein Beispiel der Demuth und Geduld befolgt habe? O allerdemüthigster Jesu, ich bitte dich um Verzeihung, und bekenne, daß ich wegen meiner unerträglichen Hoffart ewige Schande verdient habe. Wenn ich meinen Hochmuth nicht ablege, so ist kein Zweifel, du werdest mich ewig zu den hoffärtigen Geistern der Hölle verstoßen. Ich nehme mir aber vor, mich ernstlich zu bessern und fortan fleißig in der Demuth zu üben. Amen. 20. Wie Barabbas Christus vorgezogen wurde. Die Juden waren mit Jesus zurückgekommen und ließen dem Pilatus anzeigen, wie es ihnen bei Herodes ergangen sei. Weil sie so nachdrücklich auf den Tod ihres Gefangenen bestanden, berief Pilatus die Hohenpriester und Vornehmsten des Volkes zusammen und sprach zu ihnen:„ Ihr habt diesen Menschen zu mir gebracht als einen Boltsaufwiegler, und siehe, ich habe ihn in eurer Gegenwart verhört, und an Betrachtungen vom Leiden Christi. 295 diesem Menschen nichts von dem gefunden, weswegen ihr ihn anklaget. Aber auch Herodes nicht; denn ich habe ihn auch zu ihm gesendet, und siehe, es geschah nichts mit ihm, was ihn des Todes schuldig zeigte. So müßt ihr ja bekennen, daß man ihn ohne Sünde nicht hinrichten kann. Dennoch, um euch einigermaßen zufrieden zu stellen, will ich ihn züchtigen und dann losgeben. Als die blutdürftigen Juden dies hörten, fingen sie an heftig zu wüthen und zu toben, und erfannen neue Lügen, damit sie beweisen möchten, er habe den Tod verdient. Weil dies nicht helfen wollte, machte Pilatus einen andern Vorschlag. Es hatten nämlich die Juden den löblichen Gebrauch, daß sie alljährlich am Osterfeste einen Gefangenen, der das Leben verwirkt hatte, zum Andenken an die Gnade, die Gott ihnen durch die Befreiung aus dem Joche der ägyptischen Knechtschaft er= wiesen hatte, losbaten. Pilatus dachte, es werde ein kräftiges Mittel sein, Christum zu befreien, wenn er den ärgsten Bösewicht, der eben im Gefängnisse lag, heraussuchen und ihnen die Wahl lassen würde, ob sie diesen oder Christum frei haben wollten; denn sie würden ja doch lieber Christum, als den ruchlosesten Mörder wählen. Darum sprach Pilatus zu dem Volte: ,, Welchen wollet ihr nun, daß ich euch losgebe, Barabbas oder Jesum, der da genannt wird Christus?" O christliche Seele! bedenke hier, welch' ein Vergleich dies gewesen ist! Barabbas war der ärgste Mörder und Aufrührer, und wird mit dem Urheber des Lebens verglichen! Wer sollte wohl zweifeln, was die Juden werden gethan haben? Das einfältige Volk war durch das Zureden und Drohen der Obern so verblendet worden, daß sie lieber einen ruchlosen Mörder, als den lang ersehnten König und Messias haben wollten. Darum fingen die Hohenpriester an zu schreien, und alles Volt rief ihnen nach: Den Barabbas, den Barabbas!" Pilatus verwunderte sich und sprach: ,, Wollt ihr denn nicht euren König loshaben?" Sie aber riefen alle wiederholt: „ Nicht diesen, sondern den Barabbas." Pilatus sagte: ,, Dies wäre ja schrecklich, daß ihr lieber einen Mörder, als einen so heiligen Mann losbitten wolltet!" Das gesammte Volk schrie aber einstimmig:„ Du hörst ja wohl, daß wir " 1 296 Das siebente Gärtlein. diesen nicht haben wollen. Darum hinweg mit diesem, und gib uns den Barabbas los!" Bilde dir nun ein, als wenn Christus dich also anredete: O mein Kind! zürnest du nicht über das gottlose Volk, welches einen Mörder höher achtet, als den wahren lebendigen Gott? Freilich, mein Jesu, zürne ich darüber, und zwar so sehr, daß ich gern sähe, wenn die Erde sich unter ihren Füßen öffnete und sie in den Abgrund der Hölle verschlänge. O mein Kind! wenn du zugegen gewesen wärest, würdest du wohl auch den Barabbas begehrt haben! Ohne Zweifel, mein Jesu! würde ich dich begehrt haben; denn ich müßte ja ohne Verstand sein, wenn ich nicht viel tausendmal lieber dich, als einen Mörder haben wollte. Nun siehe aber, o Kind! wie oft du das Gegentheil thust. Es wird dir die freie Wahl gelassen, ob du mir, oder der Welt dienen willst, oder mich zum Freunde haben magst, oder die Welt. Was erwählest aber du? Ist es nicht traurige Wahrheit, daß du mich zurücksetzest und der Welt dienest? Thust du nicht tausendmal mehr der Welt, als mir zu Liebe? Dienest du nicht viel mehr deinem Leibe, als deiner unsterblichen Seele? Thust du nicht lieber die schwerste Arbeit um einen zeitlichen Gewinn, als eine geringe Mühe um das ewige Heil? Hast du nicht unvergleichlich größere Zuneigung zu einem schlechten irdischen Dinge, als zu mir? Also erwählest du alle Tage oftmals den Barabbas und setzest mich zurück. Gleichwie du johin billig über die Juden zürnest, daß sie den Barabbas losbaten; so zürne auch ich gerecht über dich, daß du lieber deinem Leibe und der Welt abwartest, als mir. Gebet. O mein Erlöser! ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich muß meine Augen beschämt zu Boden senken, daß ich so gottlos bin. Ich muß bekennen, daß ich meinem Leibe mit seinen Begierden tausendmal mehr diene, als dir, und mich unvergleichlichmal mehr bemühe, eine zeitliche Gunst zu erlangen, als deine Gnade. Wenn ich etwas zu deiner Ehre thun soll, so geschieht es entweder gar nicht, oder mit Verdruß und Nachlässigkeit; was ich aber der Welt Betrachtungen vom Leiden Christi. 297 zu Gefallen thue, das geschieht mit Lust und Freude. Wenn ich in der Kirche bleiben oder beten muß, so wird mir sogleich die Zeit zu lang; wenn ich aber bei Schwätzereien und Lustbarkeiten verweile, reuet mich keine Zeit. So er= wähle ich gewissermaßen immer mit dem Volke lieber den Barabbas, als Christum; und dies habe ich in meinem Leben schon viel tausendmal gethan, und mehr der Welt, als Gott, mehr dem Leibe, als meiner Seele gedient. Darum bin ich hierin nicht besser, als die Juden, und wenn ich so fortfahre. habe ich zuverlässig zu befürchten, daß ich ewig verloren gehen werde. Ich bitte dich aber, o Jesu! du wollest dies nicht zulassen, sondern mich um deines bittern leidens willen vor der ewigen Verdammniß bewahren. Ach, gib mir doch einen andern Sinn und einen neuen Geist, damit ich fortan lieber dir, als der Welt diene! Ich nehme mir dieses zwar ernstlich vor, aber du weißt, daß ich ohne deine besondere Gnade nichts vollführen kann. Darum verleihe mi aus Barmherzigkeit diese Gnade, und mache mich aus einem Freunde des Barabbas zu einem treuen Diener Christt. Amen. 21. Wie Christus gegeißelt wurde. Das Geheimniß der Geißelung Christi ist so ergreifend, daß es auch stemharte Herzen erweichen könnte. Die heiligen Väter und Kirchenlehrer beschreiben ausführlich die Grausamfeit derselben, und verschiedene Offenbarungen bestätigen uns dasselbe. Der h. Hieronymus jagt, es seien ihrer sechs gewesen, welche Christum gegerßelt haben, nämlich zwei mit dörnernen Ruthen, zwei mit tnotigen Seilen und zwei mit eisernen Ketten. Sie waren schon von Natur aus gefühllose Schergen; überdies aber hatten ihnen die Juden Geld versprochen, wenn sie recht fest zuschlügen, se zwar, daß derjenige den größten Lohn bekäme, welcher am heftigsten geißelte. Hier magst du dir nun leicht vorstellen, wie es deinem Erlöser ergangen, und wie grausam er zerschlagen worden sei. Der h. Vinzentius Ferrerius sagt, sie haben von den Fußsohlen angefangen und allmählich hinaufgeschlagen, bis das heilige 298 Das siebente Gärtlein. Blut herabfloß. Sie thaten dies, um zu sehen, ob Christus an allen Orten verwundet sei; denn wenn sie oben angefangen hätten, wäre das Blut über den ganzen Leib ge= flossen, und sie hätten dann nicht sehen können, ob er überall verwundet sei. Stelle dir nun vor, du seiest auf dem Marktplatze zugegen, und sehest diesem blutigen Schauspiele zu. Betrachte, wie die Henker mit aller Gewalt zuschlagen; wie sie die dornigen Ruthen in die Luft schwingen, und welch' heftige Streiche sie führen. O wie müssen diese Hiebe dem armen Heilande so wehe gethan haben, und wie wird sein heiliger Leib so gänzlich mit Wunden und Blut bedeckt worden sein; denn seine Haut war, wie Maria der h. Brigitta offenbarte, so weich und so zart, daß er nicht geschlagen werden konnte, ohne daß sogleich das Blut hervordrang. Als die beiden ersten Henter an einem Orte so lange geschlagen hatten, bis die dornigen Ruthen durch das Fleisch engedrungen waren, fuhren sie allmählich weiter hinauf, bis endlich der ganze Körper blutrünstig war. O mein Jesus! wie fühlest du diese Streiche so schmerzlich, und wie thun diese scharfen Ruthen so wehe! Gedenke, o Christ! was hier dein Erlöser litt, und welch' schreckliche Schmerzen er auszustehen hatte. Er schrie zwar nicht; doch flossen ihm die Thränen von den Wangen herab, und sein gepreßtes Herz machte sich durch manchen Seufzer Luft. Als nun diese beiden Ersten etliche Ruthen auf dem Rücken Jesu zerschlagen hatten, und ganz ermüdet waren, fingen die andern zwei Henkersknechte mit ihren knotigen Stricken ohne Barmherzigkeit zu schlagen an, und wütheten wie die Teufel; der Satan selbst wohnte ja in ihren Herzen und machte sie ganz wüthend; denn natürlicher Weise hätten sie gegen den geduldigsten Heiland nicht so grimmig sein können. Sie schlugen so unbarmherzig zu, daß jeder Streich weithin erscholl und von allem Volke gehört wurde, und der ganze Leib nur eine einzige, große Wunde zu sein schien. Der arme Jesus zitterte am ganzen Leibe und erhob gar oft seufzend seine Augen zum Himmel und opferte seinem göttlichen Vater seine Wunden und Schmerzen auf. Betrachtungen vom Leiden Christi. 299 Christ! bedenke, was dein Erlöser hier leidet, und wie theuer er deine Sünden bezahlen muß. Das bisher Gesagte wäre gleichwohl noch zu verschmerzen gewesen, wenn sich die grausamen Henker damit begnügt hätten. Nun trat aber das letzte Paar herzu, von denen jeder eine Geißel mit eisernen Ketten trug, an denen spißige Häklein angebracht waren. Mit diesen Marterwerkzeugen geißelten sie den schon ohnehin ganz verwundeten Herrn so heftig, daß sie ihm das Fleisch von den Knochen abrissen und beinahe alle Rippen und Beine zerbrachen. So oft sie einen Hieb führten, drangen die Häklein in den Leib ein, und wenn sie zurückzogen, durchschnitten sie das heilige Fleisch. O Gott im Himmel! welch' unausstehlicher Schmerz muß das gewesen sein, und wie war es nur möglich, daß der Herr unter dieser fürchterlichen Mißhandlung nicht seinen Geist aufgab! O christliches Herz! ist es möglich, daß du dieses hörest, und dich darob nicht entsetzest? Siehe doch, wie dein Erlöser so erbärmlich an der Säule steht, wie sein Angesicht todtenbleich und sein heiliger Leib ganz zerfleischt ist. Hier stand dein treuer Heiland und war so voll Schmerzen, daß er nicht wußte, wo er sich hinwenden sollte. Seine Gebeine erbebten, seine Kniee schlugen zusammen, seine Zähne klapperten, und er war mehr todt als lebendig. O treuer Christ! laß dir doch diese grausame Marter zu Herzen gehen, und komme deinem Heilande zu Hilfe mit folgendem Gebet zu Ehren der Geißelung Christi. O mein gegeißelter Heiland Jesu Christe! mit verwundetem Herzen komme ich zu dir und werfe mich nieder auf mein fündiges Angesicht. Vor Mitleid wage ich kaum den Blick zu erheben und dich in diesem jammervollen Zustande anzuschauen. Ach, mein armer Jesus! wie grausam bist du verwundet, wie schrecklich bist du zerfleischt! Wehe deinen zarten Gliedern! Wie ist es nur möglich, daß du solchen Schmerzen nicht unterliegeft? Mein treuer Erlöser! ich habe folches Mitleid mit dir, daß mein Herz vor Liebe krant ist, und ich deine Wunden ebenso fühle, als ob ich dieselben 300 Das siebente Gärtlein. selbst empfangen hätte. Sei eingedent, mein gegeißelter Jesu! der großen Liebe, welche dich in so großes Elend gebracht und angetrieben hat, diese schmerzliche Geißelung um meinetwillen zu erdulden. An alle in derselben erlittenen Mißhandlungen erinnere ich dich, und opfere sie dir auf sammt Allem, was du in diesem hochheiligen Geheimnisse an Leib und Seele ausgestanden hast. Zugleich bitte ich dich demüthig, daß du mir wegen dieser Geißelung alle meine Sünden, besonders meine vielfachen unkeuschen Gedanken, Worte und Werke verzeihen wolleft; denn diese beschweren mein Gewissen am meisten, und machen mich angst und bange, vor dein h. Gericht zu treten. Darum bitte ich, obarmherziger Jesu! durch die Kraft deines vergossenen Blutes lösche aus die schändlichen Makel meiner Seele, und gedente nicht mehr der Unbilden, die ich dir durch meine Unteuschheit zugefügt habe. Amen. 22. Wie Christus gekrönt wurde. Vom Anfange der Welt ist niemals erhört worden, daß ein Mensch mit Dörnern gefrönt werden sollte, und auch diesen Henkern wäre ein solcher Gedanke nicht gekommen, wenn sie nicht der Teufel dazu verleitet hätte. So aber liefen Etliche hin, holten einige Dornenreiser und trugen sie eiligst herbei. Diese Dornen, wovon die Krone Christi gemacht war, werden Stechdorn( Rhamnus) genannt, und wachsen auf allen Aeckern und Wegen um Jerusalem häufig. Dieser Stechdorn ist die härteste und schärfste aller Dornarten. Seine Blätter sind lang und schmal, und seine Aeste mit starken Stacheln versehen, welche hin und wieder voll spißiger Dornen sind. Nach dem Zeugnisse des h. Hieronymus haben sie die natürliche Eigenschaft, daß sie Alles, was sie berühren, an sich halten und giftig verwunden. Dieser Stechdorn ist nicht so weich, wie die Hage- und Schlehdornen hier zu Lande, sondern so spitzig und hart, daß er durch ein dünnes Bein dringt. Aus diesen harten, spitigen, langen, scharfen und giftigen Dornen nun flochten sie dem Heilande eine Krone mit fo Betrachtungen vom Leiden Christi. 301 fünstlicher Bosheit zusammen, daß der größte Theil der Dornen nach innen gegen das Haupt zu gerichtet war. Diese Krone war auch nicht klein oder rund, wie ein Kränzlein, sondern groß und hoch wie ein Hut, so daß ſie nicht allein den Scheitel, sondern auch die Stirne, die Schläfe und schier das ganze Haupt bedecken konnte. Nun gedenke, o Christ! wie sich die zarte Natur Christi entsetzt habe, als er diese schreckliche Krone ansah. Ohne Zweifel erbebte sein Herz; denn er wußte wohl, daß ihm diefe Krone die heftigsten Schmerzen verursachen, und selbst die Marter der Geißelung an Bitterfeit übertreffen werde. Als die Dornenkrone ganz fertig war, setzten die Henker dieselbe dem lieben Heilande auf sein heiliges Haupt, und drückten sie mit Stöcken so tief hinein, daß die Dornen durch die Stirne und Schläfe, ja selbst bis in die Hirnschale drangen. Beherzige daher, mein lieber Christ! wie schmerzlich diese Krönung gewesen sei, und wie grausam diese Dornen überall das heilige Haupt verwundet haben, daß das Blut von allen Seiten über das Angesicht herablief: wie dies die Mutter Gottes der h. Brigitta selbst geoffenbart hat: ,, Die dörnerne Krone hat so grausam das allerheiligste Haupt meines Sohnes durchstochen, daß sein heiliges Blut in seinen Mund, in seinen Bart und in seine Ohren herabfloß." Gedenke, welche unmenschliche Schmerzen dein liebster Heiland hier litt! Die Erfahrung lehrt, daß ein Glied, das mit einem Dorne gestochen wird, wie Feuer brennt und hoch aufschwillt. Welch' unaussprechliche Schmerzen muß also diese spitzige Dornenkrone dem Herrn verursacht haben, welcher von gar zarter Beschaffenheit und von der zarteſten königlichen Jungfrau geboren worden war? Auch wurden diese Dornen ihm nicht etwa in die Hand oder den Fuß, sondern in das Haupt gestochen, welches der empfindlichste unter allen Theilen des menschlichen Leibes ist, und wo jede Verletzung so gefährlich wird. Durch diese vielfältigen Dornstiche wurde das tranke Haupt Christi so sehr verwundet, daß es ein Wunder war, wie er nicht der Sinne beraubt wurde und plötzlich starb. Allein zu seiner größten Bein mußte er leben, da ihm das Leben bitterer war, als der Tod. Ach Gott, wie schmerzte ihn die breite und schwere Das siebente Gärtlein. Dornenkrone; er hob sein Haupt, und neigte es bald auf diese, bald auf jene Schulter, doch fand er nirgends Erleichterung oder Ruhe! O frommer Christ! es ist wohl möglich, daß dir diese Marter nicht zu Herzen gehe, und du mit dem gekrönten Jesu kein Mitleid tragest? Darum falle im Geiste vor Jesus nieder und sprich folgendes 302 Gebet zu Ehren der Krone Christi. O mein gekrönter Herr Jesu Christe! vor dir falle ich auf mein fündiges Angesicht und bete mit reumüthigem Herzen deine göttliche Majestät an. Ich wage kaum den Blick zu erheben, weil mein Herz vor Mitleid vergehen müßte, wenn ich dein gekröntes Haupt ansehen sollte. O göttliches Haupt, wie bist du doch so voll Beinen und Wunden! Ihr scharfen Dornen, wie durftet ihr euch unterstehen, meinen Heiland so zu verletzen! Schonet doch eures Erschaffers, und durchstechet vielmehr mein fündiges Haupt, damit ich empfinde, was mein Heiland für mich in seiner Krönung gelitten habe. O du edle Krone, geheiligt durch die Berührung und das Blut Jesu Christi, ich tüsse und begieße ich mit meinen Thränen! O gekrönter Jesu Christe! durch die Ehre deiner Dornenkrone erzeige mir deine göttliche Gnade und Barmherzigkeit, und durch deine unendlichen Schmerzen verzeihe mir meine Sünden, die ich durch die Hoffart und Hartnäckigkeit meines Hauptes begangen habe, und nach diesem Leben wolle mich frönen mit der Krone der ewigen Glorie! Amen. 23. Wie Christus dem Volke gezeigt wird. Andächtige Seele! was bisher vorging, das haben die Juden und Heiden aus Bosheit gethan; das jetzige Geheimniß aber hat Christus selbst veranlaßt, und durch seinen 6. Geist den Pilatus angetrieben, daß er ihn dem Volke vorstelle; denn auch am jüngsten Tage wird er sich vor aller Welt zeigen und den Sündern vorwerfen, was er ihnen gethan und wie sie ihm vergolten haben. Erhebe jetzt deine Betrachtungen vom Leiden Christi. 303 innerlichen Augen, und siehe im Geiste denjenigen, welchen du einst am Tage des Gerichts zu deinem Heile oder zu deiner Verdammniß sehen wirst. Als die Söldner Christum genug verspottet hatten, liefen etliche zu Pilatus und sprachen: Herr! wir haben den Gefangenen wohl zugerichtet, was sollen wir weiter mit ihm anfangen? Pilatus antwortete: Führet ihn zu mir her, daß ich ihn sehe; daher brachte man den armen Jesus, mit Stricken gebunden und am ganzen Leibe erbärmlich zugerichtet, zum Pilatus. Als dieser ihn in solcher Gestalt erblickte, erschrat er von Herzen und hatte großes Mitleid mit ihm, so daß er dachte, es wäre unmöglich, daß sich die Juden seiner nicht erbarmen sollten, wenn sie ihn in diesem traurigen Zustande sähen. Darum beschloß er, Jesum in solcher Gestalt allem Volke vorzustellen, was Johannes also beschreibt: Pilatus ging wieder hinaus und sprach zu ihnen: ,, Sehet ich führe ihn hinaus zu euch, damit ihr erkennet, daß ich keine Schuld an ihm finde." Jesus ging also und trug die dörnerne Krone und den Purpurmantel. Pilatus stand auf der hohen Stiege vor seinem Hause, stellte Jesum an seine Seite und neben Christus den Scharfrichter. Hierauf sprach er mit lauter Stimme, damit ihn Alle, die unten auf dem Marktplatze standen, hören möchten: ,, Ecce homo!"( ,, Welch' ein Mensch!") Hier bilde dir ein, daß auch du unter den Juden auf dem grausamen Platze stündest, wo Christus selbst mit bewegter Stimme zu dir spräche: Ecce homo! Sünder, siehe mich armen Menschen an! Betrachte mich am ganzen Leibe, ob du nur so viel Gesundheit an mir findest, als du mit deinem Finger bedecken kannst. Betrachte mich, der ich kaum einem Menschen mehr gleiche und mit Wunden und Blut bedeckt bin. Ich bin so verarmt, daß ich nichts habe, meine Blöße zu bedecken; so verlassen, daß kein Mensch mein Angesicht abtrocknet, und so krant, daß ich mein Haupt nicht ohne Schmerzen umwenden kann. Dabei zittere ich vor Kälte an allen Gliedern, und vermag mich vor Mattigkeit und Schwäche kaum auf meinen Füßen zu erhalten. Bedenke, ob es wohl ein Elend gibt, das ich nicht zu erdulden 304 Das sicbente Gärtlein. habe. Trage doch Mitleid mit mir, und vermehre wenigstens mein Leiden nicht durch deine Sünden, welche mir schmerzlicher sind, als alle Marter und Wunden. Gebet. O armer, verlassener Jesus! mein Gott und Herr! mein Heiland und Erlöser! in welch einer traurigen Lage sehe ich dich, und wie bist du so voll Jammer und Elend? Wie kommst du, der wahre Sohn Gottes, der Herr Himmels und der Erde, in dieses Leid? Soll ich nicht das innigste Mitleid mit dir haben, da ich es bin, um dessentwillen du dies Alles erduldest? O könnte ich dich trösten, deine Schmerzen lindern, deine Wunden heilen, und dich bedecken und laben, wie gerne wollte ich Alles thun! Da ich aber weiß, daß dich meine Sünden mehr tränken, als deine Wunden, so nehme ich mir ernstlich vor, mein Leben lang keine Sünde zu begehen, und lieber zu sterben, als zu fündigen. Hert! stärke meinen Vorsatz und erhalte mich in deiner Gnade. Amen. 24. Ecce homo! Sehet, welch' ein Mensch! Damit Jedermann die erbärmliche Gestalt Jesu Christi recht erkenne, will ich selbe von Glied zu Glied beschreiben, und zwar nicht, wie sie erdichtet, sondern wie der heilige Gerst solche in der h. Schrift erklärt hat und sie noch heutzutage in dem Grabtuche Christi eingedrückt zu sehen ist. Erstlich hatte der Herr auf dem Haupte eine entsetzliche Dornenkrone, in der Form und Höhe wie ein Hut, und im Umkreis zwei Wertschuhe lanq und breit, womit das ganze Haupt gleich einem Dornenzaune eingezäunt war. Sein Haar, welches sehr lanq wuchs, und nach dem Gesetze der Nazarener niemals geschoren wurde, war damals ganz zerrauft, mit Blut überronnen und mit Speichel befudelt und theils zusammengeflebt, theils büschelweise ausgerissen, so daß das gebenedeite Haupt Christi unter der dörnernen Krone ganz tahl zu sein schien. Vom Haupte bis mitten auf die Stirne sah man die spitzigen Dornen inwendig durch Haut und Fleisch gehen, und das Haupt grausam verwunden. Seine Ohren waren Betrachtungen vom Feiden Christi. 305 voll Blut, und von den herunterhängenden Dornspitzen verletzt und durchstochen. Seine Augen waren wegen des herablaufenden Blutes verdunkelt und zusammengeklebt, so daß er sie nur mühsam öffnen konnte. Außen waren fie wegen der vielfältigen Schläge ganz braun und blau, inwendig aber entzündet und geschwollen. Seine heiligen Wangen, welche sonst wie Milch und Blut aussahen, waren jetzt von dem Speichel und dem herabfließenden Blute entstellt, von den Nägeln zerkratzt und von den vielen Backenstreichen hoch angeschwollen, wie die eines Aussäßigen. Sein Honig fließender Mund war ganz zerkratzt, geschwollen und entfärbt. Seine Kehle, der Schlund und Hals waren so voll Wunden, daß der Herr sich ohne Schmerzen nicht umwenden, noch etwas hinabschlucken konnte. Kurz, sein ganzes liebliches Antlitz war so gräßlich entstellt, daß kein Mensch dasselbe mehr erkennen konnte. christliche Seele! hast du schon jemals ein ähnliches Angesicht erblickt, und würdest du es wohl ohne äußerstes Entsetzen und herzliches Mitleid ansehen können? Stelle dir daher das Angesicht Christi, wie es hier beschrieben wurde, vor die Augen der Betrachtung, so wird es unmöglich sein, daß du nicht gerührt werdest. Als nun die Juden dieses entsetzliche Schauspiel sahen und hörten, wie Pilatus sie mit dem Worte: Ecce homo! so treulich ermahnte, sich mit dieser Marter Christi zufrieden zu geben; wer hätte da nicht meinen sollen, dieser klägliche Anblick sei ihnen zu Herzen gegangen, und sie hätten es bereuet, daß sie diesen armen Mann den Heiden übergeben, welche ihn so grausam und unmenschlich mißhandelten? Allein kein Mitleid war bei den Juden zu finden; denn ihre Herzen waren ganz verstockt und verhärtet. Obwohl sie sich mit eigenen Augen von dem Elende Chrifti überzeugten, waren sie dennoch nicht mit dem, was bisher ges schehen, zufrieden, sondern wollten durchaus, Pilatus solte den Gefangenen tödten lassen. Darum spricht auch Johannes: Als ihn die Hohenpriester und Diener sahen, schrieen sie und sprachen: Kreuzige, kreuzige ihn!" O der unmenschlichen Grausamkeit und Tyrannei! Wer sollte wohl glauben, daß folche blutgierige Menschen jemals auf Erden gewesen seien, Myrrhengarten III. 20 306 Das siebente Gärtlein. welche aus lauter Haß und Neid einen unschuldigen Menschen zum grausamsten Tode begehrten? O wie schmerzlich wird dem gütigsten Herrn und seiner betrübtesten Mutter dieſes Mordgeschret vorgekommen sein, und wie tief wird es ihr Herz verwundet haben, als das ganze jüdische Volk aus allen Kräften schrie: Kreuzige, kreuzige ihn! Auf dieses Rufen sprach Pilatus entrüstet:„ Nehmet ihn hin und kreuziget ihn; denn ich finde keine Schuld an ihm." Da antworteten die Juden: ,, Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetze muß er sterben; denn er hat sich selbst zum Sohne Gottes gemacht." Da Pilatus dies hörte, fürchtete er sich noch mehr. Denn weil die Heiden viele Götter hatten, und sogar glaubten, daß die Götter Söhne und Töchter hätten, glaubte er, Christus möchte vielleicht der Sohn eines Gottes sein, und er würde von dem Gott, dessen Sohn er wäre, nicht ungestraft bleiben. Darum ging er wieder in das Gerichtshaus, und sprach zu Jesus: „ Woher bist du?" Jesus aber gab ihm keine Antwort. Da sprach Pilatus zu ihm: Mit mir redest du nicht? Weißt du nicht, daß ich macht habe, dich zu freuzigen, und Macht habe, dich loszulassen?" Der Heiland wollte Pilatus seines Uebermuthes wegen zurechtweisen und sprach daher: Du hattest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben herab gegeben wäre: darum hat der, welcher mich dir überlieferte, eine größere Sünde." Aus diesen Worten verstand Pilatus wohl, daß er fündige, wenn er Christum freuzigen ließe, deshalb trachtete er auf alle Weise, wie er ihn freigeben möchte. Die Juden aber riefen mit wildem Geschrei: ,, Wenn du diesen losläsfest, so bist du des Kaisers Freund nicht; denn Jeder, der sich zum Könige macht, widersetzt sich dem Kaiser." Wegen dieser Rede der Juden wurde Pilatus ganz bestürzt und dachte: Wenn sie mich bei dem Kaiser verklagen, werde ich nicht blos meines Amtes entsetzt, sondern auch hart gestraft werden. So ist es denn besser, daß Christus sterbe, als daß ich so viel Ungemach erdulde. Dies war sein letzter Beschluß, und um dieser Ursache willen gedachte er Christum zum Tode zu verurtheilen. O höchste Ungerechtigkeit! Bedente, o Christ, die Thorheit des Pilatus Betrachtungen vom Leiden Christi. 307 und die äußerste Verachtung Christi. Darum erbarme du dich seiner und tröste ihn mit folgendem Gebet zu Christus, als er dem Volke gezeigt wurde. Overachtetster Jesu! gedenke des unaussprechlichen Schimpfes, welcher dir widerfuhr, als du von Pilatus nach deiner Krönung dem Volte vorgestellt und von demselben zum Tode des Kreuzes gefordert wurdest. Erinnere dich. wie zum Erbarmen du auf der hohen Stiege vor dem Hause des Pilatus zwischen dem Richter und dem Henker standest und an allen Gliedern zittertest. Ach, wie bedauerungswürdig war es anzusehen, wie dein Haupt mit Dörnern gekrönt, dein Angesicht mit Blut überronnen, deine Hände mit Stricken gebunden, dein Leib zerfleischt und deine Gestalt ganz verändert war. Dennoch war unter allem Bolte Niemand, der sich deiner erbarmet, noch viel weniger deiner Erlösung sich angenommen hätte: sondern je beklagenswerther du warest, desto mehr schrieen sie, Pilatus sollte dich kreuzigen lassen. Oliebster Jesu! welchen Eindruck machte dieſes grausame Mordgeschrei auf dein gekränktes Herz! Wie viele Stimmen erschollen, so viele Stiche empfingest du, und je größeren Neid sie wider dich bewiesen, desto tiefer waren deine Wunden. O armer Jesus! wie kann man dich so haffen, und wie ungerecht geht man mit dir um! An diese Schmach erinnere ich dich, und dieses Mordgeschrei opfere ich dir auf Mit deinem betrübten Herzen trage ich inniges Mitleid, und deine Schmerzen verwunden meine fündige Seele. Jch bitte dich durch deine schmähliche Vorstellung vor dem Volte, und das wilde Geschrei, mit dem sie deinen Tod forderten, erbarme dich meiner, wenn ich einst vor deinem Gerichte erscheine und von allen Geschöpfen, die ich mißbrauchte, zum Tode gefordert werde. O mein strenger Richter! mit größerer Scham werde ich alsdann vor dir stehen, als du vor deinen Feinden gestanden bist; darum bitte ich dich demüthig, erbarme dich meiner, und tröste mich in dieser großen Angst. Amen. 25. Wie Christus zum Tode verurtheilt wurde. Diese Geschichte besser zu verstehen, mußt du wissen, daß zu Jerusalem ein besonderer Richterstuhl von lauter behauenen 20* 308 Das siebente Gärtlein. Steinen an einem hohen Orte unter freiem Himmel erbaut war, wo man nach altem Gebrauche das Todesurtheil über die Verbrecher zu sprechen pflegte. Dieser Richterstuhl wurde Gabbatha genannt( d. h. auf der Höhe), und lag etwa einhundert und zehn Schritte weit von dem Hause des Pilatus gegen Mitternacht. Es steht noch heutigen Tages ein großer steinerner Bogen, wie ein großes Thor daselbst, und an demselben sieht man mit alter lateinischer Schrift die Worte eingehauen Toll. toll. crucifig.( hinweg, hinweg, freuzige), das Uebrige kann man vor Alter nicht lesen. Auf diesen Richterstuhl mußte Christus geführt werden, damit er zum Tode verurtheilt würde, und dies war der sechste Gang in seinem Leiden, den der h. Evangelist Johannes mit folgenden Worten beschreibt: ,, Als Pilatus diese Worte gehört hatte, führte er Jesum hinaus, und setzte sich auf den Richterstuhl an dem Orte, der Lithostroton, auf hebräisch aber Gabbatha genannt wird." Als Christus zu dem Richterstuhle Gabbatha tam, setzte sich Pilatus auf einen kostbaren Stuhl, und seine Diener und Trabanten standen voll Hoffart neben ihm. Der Heiligste aber stand zwischen den beiden Mördern, die mit ihm verurtheilt werden sollten, und wiewohl er als Richter der Lebendigen und Todten einst kommen wird, so mußte er dennoch hier das unbilligste Gericht ausstehen. Als Pilatus ihn so jammervoll und zitternd vor sich stehen sah, hatte er ein herzliches Bedauern mit ihm und dachte bei sich selbst: Ei, sollte denn dieser arme Mensch eines so bittern Todes sterben? Es ist ja vor Gott und der Welt ungerecht, daß ich ihn verurtheile. Darum wollte er es noch einmal versuchen, ob sich die Juden denn gar nicht seiner erbarmten. Er stand daher von seinem Richterstuhle auf, stellte Jesum auf den hohen, viereckigen Stein, der daselbst lag, hob seinen Purpurmantel auf, und sprach mit lauter Stimme: ,, Sehet euern König!" gleich als wollte er sagen: Sehet doch diesen armen Menschen an, dem ihr vorwerfet, er wolle sich zu eurem Könige aufwerfen. Wie könnte das wahr sein? Er hat ja weder die Gestalt noch das Ansehen zu einem Könige. Und wenn es schon wahr wäre, so ist er nun genug gedemüthiget, daß Betrachtungen vom Leiden Christi. 309 er es niemals wieder wagen wird, derartiges zu unternehmen. Begnügt euch mit seiner Bestrafung, und gönnt ihm wenigstens sein armes, elendes Leben! Da die Juden hörten, daß Pilatus abermals den Herrn zu befreien suchte, wurden sie vor Zorn und Haß ganz rasend und schrieen wie unsinnig: ,, Hinweg, hinweg mit ihm: freuzige, freuzige ihn!" Als Pilatus mit höchstem Erstaunen dies Geschrei hörte, sprach er zu den Juden:„ Soll ich denn euern König treuzigen?" Die Hohenpriester aber antworteten:„ Wir haben keinen König, als den Kaiser," und alles Volk schrie mit ihnen: Es lebe der Kaiser! wer sich wider den Kaiser auflehnt, soll des Todes sterben! Jhr Rufen und Schreien war so heftig, daß Niemand sein eigenes Wort hören konnte, weshalb auch der heilige Lutas sagt:„ Sie hielten an mit großem Geschrei und forderten, daß er sollte gekreuzigt werden, und ihr Geschrei nahm immer zu;" so zwar, daß Pilatus einen Volksaufstand und Gewaltthaten befürchtete. Als daher Pilatus sah, daß er nichts ausrichten könne, und der Tumult immer größer wurde, wollte er ihnen dieses Urtheil auf ihre Seele geben; daher ließ er sich nach jüdischem Gebrauche Wasser bringen, wusch sich vor allem Volke die Hände und sprach:„ Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten, sehet ihr zu!" Da antwortete das ganze Volk: Sein Blut tomme über uns und unsere Kinder!" Wegen dieser Worte ist das Volk von Gott verflucht worden bis auf den heutigen Tag, und muß bis an's Ende der Zeiten die Strafe dieses unschuldig vergossenen Blutes erdulden. Als Pilatus sah, daß alle seine Pläne scheiterten, wollte er das unruhige Volt beschwichtigen und Christus zum Tode verurtheilen; er ließ daher nach römischem Gebrauche in die Posaune blasen, damit Alle schwiegen. Dies war ein schrecklicher Schall, der Christo und Maria die Seele durchdrang. Dann setzte sich Pilatus auf den Richterstuhl und sprach das Todesurtheil aus. O ungerechtes Urtheil, über das sich billig die Himmel verwundern und die Erde entsetzen sollen! Das Leben wird zum Tode verurtheilt, die Gerechtigkeit für einen Verbrecher erklärt, und die Unschuld verdanimt; ja der Richter aller 310 Das siebente Gärtlein. Lebendigen und Todten wird von einem schnöden Heiden zum schmählichsten Kreuzestode verurtheilt. O Christ, bez denke, wie schrecklich dieses Urtheil deinem Erlöser vorgekommen sei. Du aber, o Sünder! trauere mit ihm, und sprich mit betrübtem Herzen folgendes Gebet zu Ehren des Urtheiles Chrifti. O verurtheilter Jesu! in Betrübniß meiner Seele falle ich vor dir nieder, und voll Mitleid erinnere ich dich der angstvollen Stunde, als der ungerechte Richter das Todesurtheil wider dich fällte, das du so lange befürchtet und mit Bangigkeit des Herzens erwartet hattest. Als es nun ausgesprochen war, ach, welch' ein Entsetzen überftel dich! Alle Worte des Pilatus waren schärfer, als zweischneidige Schwerter, und durchbohrten dein Herz. Ich erinnere dich dieser bittersten Angst, und bitte dich um derselben willen um Gnade und Barmherzigkeit, wenn einst jene Stunde für mich kommen wird, wo ich vor deinem Gerichte erscheinen muß, und du ein gerechtes Urtheil nach meinen Verdiensten über mich fällen wirst. Wehe dann meiner armen Seele, wehe mir boshaften Sünder! welche Angst werde ich ausstehen müssen! Dann aber, Jesu! gedenke des Mitleids, das ich jetzt mit dir trage, und der Thränen und Seufzer, die mir dein Elend erpreßt. Lasse alsdann dein Herz gegen mich erweicht werden, und handle mit mir so, wie ich an der Stelle des Pilatus an dir gehandelt hätte: denn ich würde dich gewiß nicht zum Tode verurtheilt, sondern aus den Händen deiner Feinde errettet haben Darum sprich auch über meine Seele ein gnädiges Urtheil und rufe the zu komm, du Gebenedette meines Vaters, und besitze das Reich, welches dir von Anbeginn der Welt bereitet ist. Amen 26. Wir Christo das Kreuz aufgeladen wurde. Sobald die Juden das Todesurtherl über Jesum aussprechen gehört hatten, waren sie voll Freude, als ob thnen das größte Glück von der Welt begegnet sei. Damit Pilatus sein Urtheil vielleicht nicht widerriefe, zögerten sie keinen Betrachtungen vom Leiden Chrifti. 311 Augenblick, sondern trafen alsbald Anstalt, Alles, was zur Kreuzigung nöthig war, baldmöglichst in Bereitschaft zu ſetzen. Etliche nahmen das Holz für das Kreuz, Andere bestellten die Zimmerleute, wieder Andere schafften Nägel, Stricke, Hämmer, Bohrer, Zangen, Leiter, Stangen, und was sonst nöthig war, eiligst herbei; kurz, man sparte weder Mühe und Arbeit, noch Unkosten, damit ihr Feind nur recht bald an's Kreuz käme. Ebenso ergriffen auch die Hentersknechte Jesum mit Ungestüm, und führten ihn die Stiege hinab. Als Christus nun bekleidet, gekrönt und gebunden war, führten ihn die Henkersknechte aus dem Hause des Pilatus sechs und zwanzig Schritte weit auf den offenen Marktplatz, brachten das schwere Kreuz herbei und legten es vor seinen Füßen nieder. Dieses Kreuz war 15 Schuh lang, das Querholz maß 8 Schuh, und war ein grobes, dickes und ungeschlachtes Holz, welches wohl einen angehefteten Menschen tragen, aber nur mühsam von einem Orte zum andern gebracht werden konnte. Einige sagen, es sei von Oliven-, Andere, es sei von Eichenholz gewesen. Als nun Christus dieses schwere Kreuz zum ersten Male erblickte, o, wie mag ihm da zu Muthe gewesen sein! Gewiß überfiel ihn ein kalter Schauder am ganzen Leibe und durchdrang ihm Mark und Bein; doch aus Liebe zu unserm Heile knieete er vor dem Kreuze nieder, neigte sein Haupt zur Erde, küßte es mit weinenden Augen und sprach: Sei mir gegrüßt, o h. Kreuz! du Ruhebettlein meines tranken Leibes, dich habe ich allezeit geliebt, dich habe ich lange gewünscht und darum bin ich vom Himmel herabgekommen, auf daß ich an dir für das menschliche Geschlecht leiden und sterben möchte. Du wirst mir zwar sehr bitter sein, gleichwohl aber begehre ich nach dir von ganzem Herzen. O ge= liebtes Kreuz! weil ich von allen Menschen verstoßzen bin, so nimm du mich auf, an dir will ich leben und sterben. Gedenke, o Mensch! wie herzergreifend es gewesen sein muß, als der arme Jesus auf offenem Markte vor so viel tausend Menschen niederknieete, das harte Kreuz so freundlich grüßte, mit seinen franken Armen liebreich umfing, mit seinem Munde zärtlich füßte und mit seinen heißen Zähren 312 Das siebente Gärtlein. liebreich begoß. Ohne Zweifel waren viele zugegen, welche über diesen Anblick gerührt wurden, und mit dem armen Verurtheilten ein herzliches Mitleid hatten. Als der liebe Jesus sein Kreuz so freundlich bewillkommnet hatte, stand er wieder von der Erde auf und sah es freundlich an. Viele tausend h. Engel waren zugegen, und erboten sich, das Kreuz statt ihres Herrn zu tragen; die Liebe aber, welche Christus zu unserm Heile hatte, ließ dies nicht zu, sondern er wollte es selbst tragen, wiewohl es ihm menschlicher Weise unmöglich war. Weil keiner von den Schergen so barmherzig war, daß er das Kreuz aufgehoben und es Christus aufgeladen hätte, streckte er selbst seine verwundeten Arme aus, und legte es mühsam auf seine Schultern. Gebet. O getreuer Liebhaber des Kreuzes, wenn ich bedenke, wie geduldig du dein Kreuz auf dich genommen hast, muß mein Herz vor Mitleid bewegt werden. Du wußtest gar wohl, welch' gräßliche Peinen du an dem harten Kreuzesholz ausstehen würdest, und wie die Juden und Heiden dich verfluchen würden; und dennoch fielest du so demüthig vor demselben nieder, bewillkommnetest es so freundlich, und nahmst es mit größter Bereitwilligkeit auf deine Schultern. Warum anders thatest du dieses Alles, als nur allein darum, weil du mich am Kreuze erlösen und mir die ewige Seligkeit erwerben wolltest. Du dachtest auch, wenn ich hören würde, wie du mir zu Liebe das schwere Kreuz auf dich geladen und über deine Kräfte mit größten Schmerzen bis auf den Calvarienberg getragen habest; so würde ich mich wohl nicht weigern, auch aus Liebe zu dir mein Kreuz auf mich zu nehmen und mit Geduld zu tragen. Wie schändlich wäre es also, wenn ich dir nicht nachfolgte, und die Leiden, welche du mir sendest, nicht mit Geduld ertrüge. Darum bin ich bereit, mein Kreuz auf mich zu nehmen, und dasselbe so lange, als es dir gefällig sein wird, zu tragen. Weil aber mein Wille noch gar zu schwach ist, so wollest du ihn stärken und durch deine Gnade aufmuntern. O du Freund des Kreuzes, gib auch mir Liebe zum Kreuze, und Lust, zu deiner Ehre Betrachtungen vom Leiden Christi. 313 zu leiden. Lege mir ein Kreuz nach deinem Willen auf; doch gib mir auch Geduld, dasselbe zu meinem Heile zu tragen. Verzeihe mir, daß ich bisher so ungeduldig hierin war; es ist mir herzlich leid und ich will mich gewiß bessern. Zur Erstattung aller meiner Ungeduld opfere ich dir die herzliche Liebe, mit welcher du dein Kreuz umfangen, und die große Geduld, mit welcher du es bis an deinen Tod getragen hast. Amen. 27. Wie Christus das Kreuz getragen hat. Nun tomm, o christliche Seele! und siehe, wie dein Erlöser sein eigenes Kreuz getragen habe, und in welcher Ordnung der Zug zum Richtplaße gegangen sei. Der Fahnenträger mit der Gerichtsposaune ging voran, hierauf folgten die Soldaten des Pilatus in voller Rüstung, nach diesen tamen die Henkersknechte in ihrer Ordnung, und trugen die zur Kreuzigung nöthigen Werkzeuge, nämlich die Leiter, Bohrer, Hämmer, Stricke, Zangen, Nägel und Grabscheite; einer hatte die Kanne mit Myrrhenwein, den man den armen Sündern vor der Kreuzigung zu geben pflegte, ein anderer hatte ein Geschirr mit Essig und Ysop. Nach diesen folgten die beiden Mörder, nackt und gebunden, von zwei Schergen geführt, endlich kam der arme Jesus zwischen vier Henkersknechten. Einer ging voran und führte ihn an dem Stricke, der dem Gefangenen um den Leib gebunden war, und zwei gingen an den Seiten mit den Stricken. welche sie ihm um die Arme gelegt hatten, der vierte ging hinter Jesus und trieb ihn ungestüm fort. Nach Christus tamen die Hohenpriester, Pharisäer, Schriftgelehrten und Aeltesten des Voltes zu Pferde in großer Pracht, und den Bug beschloß eine zahlreiche Volksmenge, welche die Neugierde zusammengeführt hatte. Owie freuten sich die Hohenpriester, da sie Christus mit dem Kreuze einhergehen sahen! Mit den Hohenprieſtern stimmte das gemeine Bolt ein und lästerte den Kreuzträger in schändlicher Weise. So ging in Erfüllung, was Jeremias in seinen Klageliedern geweifsagt hatte: Alle, die des Weges ziehen, schlagen deinetwegen in die Hände, fie zischen und 314 Das siebente Gärtlein. knirschen mit den Zähnen, und sprechen: Laßt uns sie verschlingen, siehe, das ist der Tag, auf den wir gewartet; wir haben ihn erlebt, gesehen!" Der Weg von dem Hause des Pilatus durch die Stadt zur Gerichtspforte hinaus bis auf den Berg Calvaria beträgt eine halbe Stunde; unser Erlöser aber hat wohl eine gute Stunde dazu gebraucht, da er so matt und krank war. Uleberdies waren seine Füße von den vielen Schlägen so geschwollen, daß er bei jedem Schritte die heftigsten Schmerzen fühlte und kaum gehen konnte. Als der gütigste Herr das Kreuz zu tragen anfing, ging er vielleicht etwas aufwärts; allein schon nach wenigen Schritten wurde ihm dasselbe so schwer, und drückte ihn so heftig auf die Schultern, daß er ganz gebückt gehen mußte. Je länger er fortging, desto schwerer beugte ihn die Last darnieder. Da Jesus ferner barfuß ging, stieß er sich oft mit den Zehen an die harten Steine, so daß das Blut zur Erde floß. Weil das wollene Kleid durch die beständige Bewegung des Leibes immer sich an den früheren Wunden rieb, wurden diese erneuert und bluteten ohne Unterlaß. Das Kreuz war sehr lang und schwer, und das Quer= holz hing Christo von vorne so weit über die Kniee herab, daß er sich mit den Schienbeinen oft daran stieß, was ihm ungemeine Schmerzen verursachte. Der mittlere Kreuzbalken war so lang, daß er ihn weder auf den Schultern halten, noch auf dem Rücken schwebend tragen konnte, sondern auf der Erde hinter sich nachschleifen mußte. Dadurch geschah es, daß das Kreuz immer auf- und niederstieß, und dem Herrn auf seinen verwundeten Schultern unaussprechlichen Schmerz verursachte; und wenn er es etwa über einen Stein oder eine Erderhöhung ziehen mußte, so fiel es mit Gewalt auf seine Schultern nieder und stieß ihn gräßlich an die Dornenkrone. Sein Leibrock war in die Wunden und offenen Geißelstriemen gar hart eingedrückt, die Schulterbeine waren sehr gequetscht, und wegen des beständigen Schwankens des schweren Kreuzes wurden alle Wunden des Rückens immer erneuert und erweitert, was dem lieben Heilande so fürchterliche Qualen verursachte, daß er oftmals einer Ohnmacht nahe war. Betrachtungen vom Leiden Christi. 315 Endlich, weil die Dornenkrone so dick und breit war, daß sie weit über die Schultern ging, konnte Christus sein Kreuz nicht recht tragen, sondern nur an der äußersten Achselspitze erhalten. Daher geschah es, daß es ohne Unterlaß auf die Arme herabfiel, und wieder hinaufgeschoben werden mußte, und Christus sich so sehr abmattete, daß ihm der Angstschweiß am ganzen Leibe ausbrach. So ging er seufzend und unter seiner Last teuchend mit gebeugtem Leibe einher; und dennoch war Niemand, der sich seines großen Elends erbarmte. O so erbarme du dich seiner, mein frommer Christ! und tröste ihn durch folgende andächtige Verehrung dieses lekten kläglichen Ganges Chrifti. O mein liebster, freuztragender Jesus! in Erwägung dieses letzten und bittersten Ganges ist mein Herz mit folchem Mitleid erfüllt, daß ich weder Maß noch Ziel finde. Im Geiste der Demuth und mit zerknirschtem Herzen falle ich auf meine Kniee nieder und küsse andächtig diesen heiligen Weg und die Blutspuren deiner Füße, und bitte dich demüthigst durch diesen bittersten Gang, sowie durch alle Martern, die du auf demselben gelitten hast, du wollest mir alle fündigen Wege, die ich in meinem ganzen Leben gegangen bin, gnädig verzeihen. Und wenn ich den Weg aller Welt werde gehen müssen, so gedenke, o milder Jesu! daß du diesen bittern Kreuzweg für mich gewandelt bist. damit ich nicht verloren gehe, sondern durch deine Verdienste selig werde. Amen. Zur Betrachtung der einzelnen Geheimnisse des b. Kreuzweges fannst du dich füglich der dritten, vierten bis neunten Station der Kreuzweg- Andacht bedienen. 28. Was Christus vor der Kreuzigung gelitten hat. Andächtige Seele! in der Betrachtung des bittern Leidens Christi kommen wir nun auf den Calvarienberg, we so viele schreckliche Geheimnisse vorgegangen sind, daß kein Mensch ohne H. Schauder an selbe denken kann. Wir haben bisher gehört und betrachtet, was Christus am Delberge, in der Stadt Jerusalem, in den Häusern des Annas, Kaiphas, Pilatus und Herodes gelitten habe, allein dies Alles ist 316 Das siebente Gärtlein. nicht zu vergleichen mit dem Leiden, welches er auf dem Calvarienberge ausstand, und das so groß und viel war, daß keine Feder es beschreiben und kein Verstand es begreifen kann. Ja, es wird bis auf den jüngsten Tag nicht Alles offenbar werden, was Christus hier gelitten hat. Wenn du demnach deinem Erlöser auch auf diesen Berg nachfolgen willst, gleichwie du ihn in seinem ganzen Leiden begleitet hast, so mußt du dein Herz zum Mitleid und deine Augen zu Thränen bereiten. Bum Ersten wisse, daß der Calvarienberg nur dreißig Schritte lang und vier und zwanzig Schritte breit sei, so daß wenige Menschen dort Platz hatten. Ringsumher standen weder Bäume noch Hecken, sondern es war ein felfiger und unfruchtbarer Hügel. Ehe der Herr mit dem Kreuze daselbst ankam, war schon eine unzählige Volksmenge vorausgeeilt und rings um den Hügel versammelt, damit sie die Kreuzigung besser sehen möchten. Viele hatten sich auch an den Weg gestellt, um dem Heilande recht in's Angesicht schauen zu können. Sobald er daher mit den Gerichtsdienern und etlichen wenigen von den vornehmsten Hohenpriestern sich dem Berge genähert hatte, und alles Volk hinten nachströmte, läßt es sich nicht aussprechen, welch' eine ungeheure Menschenmenge den ganzen Berg umgab; denn nach einer wahrscheinlichen Berechnung waren über zwei Millionen Menschen aus allen Ländern der Welt in Jerusalem beisammen, und unter dieser ungeheuren Masse waren nur wenige, welche nicht hinausgingen, dieses Schauspiel zu sehen. Es war daher unter dem Volke ein gewaltiges Getümmel, Geschwätz und Gelächter, so daß man kaum sein eigenes Wort verstehen konnte. Die betrübte Mutter Gottes, welche diesen Blutweg mehr todt als lebend gegangen war, und von ganzem Herzen zitternd an den Berg zu kommen fürchtete, kam endlich auch mit ihrer traurigen Gesellschaft nach, und sie führten ein so erbärmliches Klagen und Weinen, daß alle Menschen mit ihnen Mitleid haben mußten; besonders wußte die heil. Magdalena sich gar nicht zu trösten. Zu diesen Auserwählten gesellten sich auch die Frauen und Töchter, welche Christus am Scheidewege angeredet hatte. Betrachtungen vom Leiden Christi. 317 Sobald der Herr mit seinem Kreuze an dem Berge Calvariä angekommen war, warfen ihm die Henter das Kreuz von der Schulter herab und stießen den Simon höhnisch weg, damit er sie nicht hindere. Obwohl nun dem Heilande das Kreuz war abgenommen worden, so waren seine Schultern und der Rücken doch so heftig gequetscht, daß er von der Abnehmung der Last nur wenig fühlte und sie noch immer zu tragen vermeinte. Ueberdies war er von dem langen Tragen so niedergebeugt worden. daß er sich weder strecken noch aufrichten konnte. Jetzt nahmen sie das Maß von den Armen und Beinen, und bohrten darnach die Löcher in's Kreuz, doch weiter hinaus, daß sie den Herrn recht dehnen möchten. Alsdann trat ein Henter mit einem Becher voll Myrrhenwein, mit Galle und Effig vermischt, zu Christus und bot dem Herrn einen Trunk an. Er kostete von diesem Weine etwas weniges. doch gab er den Becher sogleich wieder zurück und wollte nicht trinken. So peinigte der Hert seinen Geschmack wegen unserer Unmäßigkeit und Leckerhaftigkeit im Essen und Trinken. Nach diesem üblen Willkommen führten die Schergen das geduldige Lamm wieder von der Höhe des Berges herab 70 Schritte weit gegen den Fuß desselben, wo eine finstere Gruft unter der Erde, etwa zwanzig Spannen lang und achtzehn Spannen breit, war, worin die armen Sünder eingesperrt wurden, bis Alles zur Hinrichtung bereit war. Sie stießen ihn so ungestüm hinein, daß er auf beide Kniee niederfiel, und der Stein sich erweichte, so daß sich die Male der Kniee abdrückten, wie in weichem Wachs. Diese Beichen sind noch heutigen Tages zu sehen, aus dem Kerter felbst aber haben die Christen eine Kapelle gemacht, und einen Altar darin errichtet, welche in der großen Kirche des heil. Grabes eingeschlossen ist, und noch immer der Keller Chrifti genannt wird. Obitterer Kerter! mit heil. Schauder verehre ich dich und falle auf mein Angesicht nieder. Ihr heil. Malzeichen der Kniee meines Erlösers, die ihr in den Felsen eingedrückt seid, ich küsse euch in Demuth und Mitleid. O gütigster Jesu! der du in diesem Kerter so viele Angst und Pein erduldet hast, daß kein menschliches Herz selbe begreifen 318 Das siebente Gärtlein. tann, ich bitte dich, gedente dereinst auch meiner Angst auf dem Todesbette und habe alsdann Mitleid mit meiner armen Seele! Erlöse mich aus dem feurigen Kerter der Hölle, auf daß dein Gefängniß meine Erlösung sei. Amen. Nachdem Alles zur Kreuzigung in Bereitschaft gesetzt war, nahmen die Henker den armen Gefangenen aus seinem Kerter heraus und führten ihn wieder zum Calvarienberge. Dies war der letzte und fürzeste Gang, welchen Christus in seinem Leiden machte; denn er hatte nur siebenzig Schritte zum Kreuze zu gehen; es war aber auch der allerbitterste und schrecklichste; denn er ging zu einer Marter, die kein Mensch zu beschreiben vermag. Kaum war er durch die Tausende von Menschen hindurch beim Kreuze angekommen, als die Henker ihn ergriffen, um ihm den ungenähten Rock über sein H. Haupt herabzuziehen. Sie konnten es aber nicht wegen der Dornenkrone, und weil der Rock, den ihm Maria in der Kindheit gestrickt hatte, oben so enge war. Sie mußten daher abermals die Dornenkrone abnehmen. Hier bedenke, o christliches Herz! was für neue unsägliche Schmerzen dies verursacht habe! Du weißt, wie wehe es thut, einen Splitter herauszuziehen, den man sich in's Fleisch gestoßen hat, wie schmerzlich muß also erst das Herausziehen der Dörner, welche schon so lange im Kopfe steckten, dem lieben Heilande gefallen sein. Erinnere dich also öfters in deinen Schmerzen des Heilandes, und opfere ihm dieselben zu Ehren seiner öftern schmerzlichen Krönung. Nachdem sie ihm die Krone abgezogen hatten, rissen diese rohen Unmenschen ihm mit solchem Ungestüm den Rock ab, daß alle Wunden erneuert wurden. Insbesondere sah man damals auf seinen Schultern und am Rücken eine überaus große schreckliche Wunde, weil der Druck vom Kreuze dort am heftigsten war, und sohin die Kleider wie angeleimt festhielten. Es sah demnach der ganze Rücken wie ein offener Schaden aus. Nun komme, o liebende Seele! und betrachte deinen verwundeten und blutenden Bräutigam. Hier steht er vor dir auf dem Calvarienberge, tausend unreinen Blicken preisgegeben. Siehe! derjenige, welcher die Bäume mit Blättern, die Thiere mit Fellen und die Erde mit Gewächsen bedeckt 319 Betrachtungen vom Leiden Christi. hat, konnte mit Nichts seine Blöße bedecken! O wie viel schmerzlicher als alle Wunden fiel dem lieben Heilande diese Beschämung! Welch' großes Herzenleid empfand auch die jungfräuliche Mutter Maria, als sie ihren lieben Sohn also erblickte! Ach ich, ich bin an dieser Entblößung am meisten Schuld, weil du, mein keuschester Jesu! meine Unteuschheit und Schamlosigkeit in Gedanken, Worten und Werken dadurch abbüßen mußtest! O Jesu! ich falle in tiefster Demuth dir zu Füßen und bitte um Gnade! Verzeihe mir, o Jesu, verzeihe mir meine Unverschämtheit! ich will fortan nicht mehr also fündigen, und bitte dich durch deine Entblößung, gedente nicht mehr der vielfältigen Schmach, welche ich dir zugefügt habe. Amen. Als die Schergen dem Herrn seine Kleider ausgezogen hatten, setzten sie ihn auf einen harten Stein und setzten die Krone wieder auf sein verwundetes Haupt, und nun schon zum dritten Male. O unerhörte Pein! wie ist es doch möglich, daß Christus eine so bittere Marter leidet! Ach, betrachte, meine Seele! wie dein geliebter Jesus so schrecklich aussieht! Du entsetzest dich oft über den Anblick eines blutenden Menschen; warum entsetzest du dich denn nicht jetzt, da du deinen Herrn und liebsten Freund so ganz mit Blut überronnen siehest? Siehe! hier steht der Erlöser ganz entblößt, die Dornenkrone auf dem Haupte tragend, vor Schmerz und Kälte am ganzen Leibe zitternd. Seine Augen sind voll Blut, daß er niemand anschauen kann, außer schließe sie zuerst, um das Blut mit Gewalt herauszupressen. Sein Haupt ist voll Dornstiche, und sein Körper ganz zerfleischt. Darum falle demüthig vor ihm nieder und sprich: Gebet. O gekrönter König des Himmels und der Erde, Herr Jesu Christe! ich erinnere dich jener grausamen Marter, welche du an deinem heil. Haupte littest, als dir auf dem Calvarienberge zum dritten Male die dörnerne Krone aufgesetzt und alle deine Wunden erneuert wurden. O schmerzhafter Heiland! was war das für eine unerträgliche Bein, und wie schrecklich wütheten die Dornenspitzen in deinem 320 Das siebente Gärtlein. H. Haupte. O gekröntes, ehrwürdiges, gebenedeites Haupt! mit Ehrfurcht bete ich dich an und betrauere mit tiefstem Mitleiden deine Schmerzen. Wie hast du doch meine Hoffart so theuer bezahlen müssen, um die Sünden, die ich mit Pracht, Hochmuth und Hartnäckigkeit meines Hauptes begangen habe, abzubüßen. Diese deine Genugthuung laß mir zu Theil werden, und opfere dieselbe dem himmlischen Vater zur völligen Versöhnung seines göttlichen Zornes. O gütigster Vater! durch die dreifache Krönung deines lieben Sohnes bitte ich dich, verzeihe mir alle Sünden, die ich jemals mit meinem Haupte begangen habe. Amen. 29. Wie Christus gekreuzigt und mit dem Krenze aufgehoben wurde. Wir kommen nun zu dem schrecklichsten, bittersten und grausamsten Geheimnisse des ganzen Leidens Christi, welches so peinlich ist, daß alles bisher Erwähnte kaum damit zu vergleichen ist. Wen dieses nicht schreckt und zum Mitleid bewegt, der muß gewiß kein menschliches Herz in seiner Brust haben, und dem wäre zu wünschen, daß er den tausendsten Theil der Schmerzen Christi empfinden möchte, so würde er bald zum Mitleid bewegt werden. Wer dies Geheimniß mit Nutzen betrachten will, muß nicht denken, als ob es schon geschehen sei, sondern vielmehr, als wenn es eben geschähe, und er, auf dem Calvarienberge stehend, Alles mit leiblichen Augen anfähe. Deswegen bilde dir ein, als wenn du sähest, wie die Schergen, nachdem sie den Heiland gekrönt hatten, von dem-. selben Orte zwölf Schritte an den Platz, wo das Kreuz auf der Erde lag, vorwärts schritten. Ach! wie war es so erbärmlich, als der nackte Jesus, der am ganzen Leibe grausam zerfleischt war, und dem das Blut noch überall herabträufelte, so ohne Barmherzigkeit zur Schlachtbank geführt wurde. Damals erfüllte sich ganz buchstäblich die Weissagung des Propheten Isaias:" Wie ein Schaf wird er zur Schlachtbank geführt, und verstummt wie ein Lamm vor dem, der es scheert, und thut seinen Mund nicht auf. Aus der Angst und dem Gerichte wird er weggerafft." Betrachtungen vom Leiden Christi. 321 ( Ifaias 53, 7. 8.) Der arme Jesus ging einher wie ein fanftmüthiges Lamm und ließ sich hin- und herführen, wie die Bösewichte wollten. O wie klopfte ihm sein schwaches Herz, wie zitterte sein Leib! Als er zum Kreuze kam und die großen Hämmer und langen Nägel auf der Erde liegen sah, überfiel ihn so heftiger Schrecken, wie noch nie zuvor in seinem ganzen Leben. Doch geduldig knieete er vor dem Kreuze nieder, erhob Augen und Hände gen Himmel, seufzte und küßte das Kreuz und legte sich selbst auf dasselbe. Alsdann streckte er, wie er selbst der h. Brigitta offenbarte, seinen rechten Arm aus, nicht gezwungen, sondern mit gutem Willen, und er öffnete die rechte Hand und wartete so auf die grausame Annagelung. O armes Schäflein, das du nun auf der Schlachtbank liegst, ich falle im Geiste vor dir nieder und bitte dich, du wollest diese Marter standhaft ertragen, denn durch deine Annagelung wirst du bezahlen, was ich durch sündhafte Berührung gefehlt habe! Darauf setzte ein Henter, nachdem der Arm festgebunden war, einen langen, dicken und stumpfen Nagel dem Herrn nicht mitten in die Hand, sondern zwei Finger breit oberhalb, wo das Bein härter ist, damit der Nagel desto fester halten und die Hand nicht abreißen könne, und trieb mit gewaltigen Schlägen denselben durch die Hand, daß zugleich die Haut, das zarte Fleisch und die Muskelfasern in's Kreuzesloch drangen. Es entstand eine große Deffnung in der Hand, das Blut Jesu sprang gewaltsam in die Höhe und bespritzte die Hände, das Gesicht und die Kleider des Henters, der mit sechs und zwanzig Schlägen den Nagel zu Grunde trieb. O frommer Christ! bedenke, was das für eine Bein gewesen ist! gnadenreiche Hand, wie bist du nun entstellt! Wie konntest du doch in dies Elend kommen, die du Himmel und Erde gebaut und so viele Kranke gesund gemacht haſt? Ich küsse dich mit meinen fündigen Lippen und begieße dich mit meinen heißen Thränen. O heilsame Wunde der rechten Hand! heilige mich, in dich befehle ich mich! Während Christus die rechte Hand angenagelt wurde, zogen sich die Spannadern und Sehnen sowohl im rechten Myrrhengarten III. 21 322 Das siebente Gärtlein. als im linken Arm so krampfhaft zurück, daß weder der rechte Arm sich weiter ausdehnen, noch die linke Hand das Bohrloch im Kreuze erreichen konnte, zumal die Henker absichtlich die Deffnung weiter hinausgebohrt hatten, als der Herr reichen konnte. Deswegen zogen diese mit Stricken den linken Arm gewaltsam und ungestüm so lange, bis die Mitte der Hand das Bohrloch erreichte. Dadurch aber reckten sie die beiden Arme ganz auseinander, zerrissen ihm die Sehnen und dehnten ihm die Gebeine aus den Gelenken, und verdrehten ihm sogar die Rippen, wie der h. Brigitta geoffenbart wurde. Ein dritter Henker trieb dann einen ähnlichen Nagel mit gewaltigen Streichen durch die linke Hand. Ach! da war nichts mehr zu sehen, als Blutvergießen und eine entsetzliche Verrenkung des ganzen Oberleibes! Okostbare Hand! ich tüsse dich reumüthig, denn du bezahlst, was ich verschuldet habe, und leidest, was ich in der Hölle leiden müßte. O gütigster Bater! ich stelle dir vor Augen die schmerzliche Wunde der linken Hand deines Sohnes, und opfere dir dieselbe zur Erstattung aller guten Werke, die ich jemals in deinem Dienste unterlassen habe. In die h. Wunde deiner linken Hand, o Jesu! versenke ich alle meine Widerwärtigkeiten, und bitte, du wolleft mir selbe verdienstlich machen. Als die Henfersknechte die Hände am Kreuze festgemacht hatten, kamen sie nun auch an die Füße, dieselben anzunageln. Die grausame Ausdehnung der Arme hatte den Leib so zusammengezogen, daß die Füße das Bohrloch am untern Theile des Kreuzes bei weitem nicht erreichten; weshalb die Schergen noch gewaltsamer anziehen mußten. Damit aber mittlerweile die Hände an ihrem Orte verblieben, legten die Tyrannen dem geduldigen Kamme einen dicken Strick über die Brust und Schulter her und banden selben an den Querbalken des Kreuzes so fest, daß sich die Arme Christi weder von der Stelle bewegen noch senten konnten. Alsdann banden sie ihm einen zweiten Strick um die Füße, machten das Kreuz fest, daß es nicht weichen fonnte, und zogen mit größter Gewalt an dem Seile so heftig, daß alle Sehnen und Adern des ganzen Leibes schier zerrissen, die Rippen ausgerenkt wurden, und der Unterleib Betrachtungen vom Leiden Christi. 323 sich so zusammenzog, als hätte er keine Eingeweide in sich. Zugleich spannte sich die Haut so sehr, daß alle Geißelstreiche erneuert wurden und das Brustblatt zerriß. Gott im Himmel! was war das wohl für ein Schmerz! Wer könnte ohne Bittern daran denken? In der Offenbarung der h. Mechtildis ist zu lesen, daß sie einst Christum fragte, welches sein größter Schmerz gewesen sei. Er antwortete ihr: Daß ich am Kreuze so ausgespannt wurde, daß man alle meine Glieder zählen konnte. Wer mir für diesen Schmerz dankt, erweiset mir einen solchen Dienst, als wenn er mir alle Glieder gesalbt hätte." Während die Henter noch immer stark an den Füßen zogen, setzte Einer einen viel größern, längern und dickern Nagel, als die Nägel der Hände waren, über die Mitte des rechten Fußes, wo das Bein am härtesten ist, und schlug mit aller Gewalt so lange auf den Nagel, bis er ihn in sechs und dreißig Schlägen durchbrachte. O mein gekreuzigter Heiland! ich opfere dir auf die schmerzliche Wunde des rechten Fußes und danke dir vom Grunde meines Herzens für alle Schmerzen, die du an demselben gelitten hast. Verzeihe mir um deiner Liebe und Geduld willen alle fündigen Gänge, die ich gemacht habe, und erlaß mir die schweren Strafen, die ich deshalb verdient habe. Amen. Als der rechte Fuß angenagelt war, nahm ein Henter den linken und legte ihn über den rechten, wie der heiligen Brigitta geoffenbart wurde. Während nun die Uebrigen mit dem Stricke an dem Fuß zogen, setzte dieser mit der linken Hand den Nagel darauf und schlug mit der rechten so gewaltig zu, daß der Schall weithin gehört wurde. Wer kann sich einbilden, was das für ein übermäßiger Schmerz gewesen ist? So oft ein Streich auf den Nagel geschah, seufzte Jesus tief auf und klagte zu Gott. Sein Leib zitterte an allen Gliedern, und sein mattes Haupt sant auf die Brust herab, und vom großen Blutverluste wurde der Herr ganz schwach! O leidender Heiland, mit der büßenden Madalena werfe ich mich auf mein Angesicht, und mit Thränen der Reue und Liebe begieße ich deine durchbohrten Füße. O du 21* 324 Das siebente Gärtlein. schmerzliche Wunde des linken Fußes! mit wahrer Andacht grüße ich dich, mit beiden Händen umfange ich dich, und drücke dich voll Liebe an mein fündiges Herz! Erfülle dasselbe mit Bitterfeit und verwunde meine Seele mit wahrer Reue. Ihr heiligen Füße habt niemals einen vergeblichen Schritt gemacht, sondern seid stets den Pfad der Tugend gewandelt, aber ich? O gütigster Jesu! durch die übergroße Marter, die du bei Annagelung deines linken Fußes gelitten haft, verzeihe mir gnädig, was ich mit bösen Gängen gefehlt habe, und führe mich durch deine heiligen Fußstapfen den Weg zur ewigen Seligkeit. Amen. Nachdem der leidende Jesus mit Händen und Füßen an's Kreuz genagelt war, wurde ihm ungeachtet seiner Erschöpfung nicht die mindeste Ruhe oder Labung, deren er jo sehr bedurfte, gegönnt, sondern nach einer Marter folgte sogleich die andere. Denn unmittelbar nach der Annagelung schleiften die Henkersknechte das Kreuz sammt dem lieben Herrn vierzehn Schritte weit zu einem Loche, welches sie in den Felsengrund eingehauen hatten, fünf Zoll breit und drei Spannen tief, damit sie das Kreuz dort aufrichten konnten. Als sie unter Ungestüm das schwere Kreuz hoch aufgehoben hatten, ließen sie es nicht etwa sanft in die Deffnung hinabgleiten, sondern damit es sich desto fester einsente, ließen sie den dicken und schweren Kreuzbaum so heftig hinabfallen, daß der ganze Leib Christi gewaltig vom Stoße erschüttert wurde. Dadurch zogen sich die Wunden an Händen und Füßen weiter von den Nägeln, und das Blut rann neuerdings so reichlich auf den Boden, daß die Erde davon geröthet wurde. - Nun komme, o Gott liebende Seele! und setze dich unter das h. Kreuz, falle nieder auf deine Kniee und bete deinen Erlöser an. Wirf dich auf dein Angesicht und küsse die h Erde, welche mit dem kostbaren Blute Jesu Christi gefärbt ist. Erhebe deine Augen und schaue deinen Heiland an. Betrachte ihn vom Haupte bis zu den Füßen, und beherzige, was er für dich leidet. Nachdem das Kreuz Christi festgestellt war, freuzigten sie auch die beiden Mörder zur rechten und zur linken Seite, auf daß in der That erfüllt würde, was der Prophet Betrachtungen vom Leiden Christi. 325 vorhergesagt: ,, Er ist unter die Missethäter gerechnet worden." Ach! wer sollte sich fortan noch schämen, für gering geachtet zu werden, wenn er sieht, daß der höchste Gott unter die Mörder gerechnet werden wollte! O Wunder! Gott hängt unter den Mördern, und ich Staub sollte es verlangen, hochgeehrt und geachtet zu werden? Mein demüthigster Jesus wird unter die schändlichsten Uebelthäter gerechnet, und ich größter Sünder möchte für gut und fromm gehalten werden? Ach mein Jesus! laß das nicht zu, sondern verleihe mir die Gnade, daß ich mich als den gottlosesten Sünder erkenne und als solcher von Andern gehalten zu werden begehre! Buletzt theilten die Schergen die Kleider des Herrn unter großem Gespötte und Gelächter. Der Heiland trug nämlich drei Kleider, eines auf bloßem Leibe, das ihm von seiner Mutter in der Kindheit aus Wollfäden gestrickt und mit ihm aufgewachsen war. Ueber diesem Rocke hatte der Herr ein langes Oberkleid, das ihn ganz bedeckte, und darüber einen Mantel, wie ihn die Propheten und Geistlichen zu tragen pflegten. Diesen nebst dem Oberkleide haben die Henter in vier Theile getheilt, damit Jeder etwas davon bekäme. Den ungenähten Rock aber ließen sie ganz und warfen das Loos darüber. Der Spott, den sie damit trieben, that dem Herrn sehr wehe. Andächtige Begrüßung des h. Rockes. gebenedeiter Rock meines Herrn Jesu Christi! Sei mir mit gebührender Andacht gegrüßt! Wer kann dich würdig ehren und preisen, den die Königin des Himmels mit eigenen Händen gestrickt hat, der mit Christus aufge= wachsen und durch die Berührung seines Leibes geheiligt, durch die Mittheilung seiner göttlichen Kraft geweihet und durch sein rosenfarbenes Blut gesegnet ist! Dich hat der Sohn des ewigen Vaters so sehr geliebt, daß er dich über dreißig Jahre lang an seinem h. Leibe getragen und dir solche Kraft mitgetheilt hat, daß eine bloße Berührung alle Krankheiten heilen konnte! Oh. Rock! den Frommen bringst du Freude, den Bösen erregst du Schrecken, den Sündern bringst du Reue. Ich armer Sünder verlange dich 326 Das siebente Gärtlein. zu küssen und durch deine Kraft wahre Reue über meine Sünden zu erlangen. O gütigster Jesu! ich bitte dich durch die große Liebe, mit welcher du diesen h. Rock dreißig Jahre lang getragen und denselben mit deinem rosenfarbenen Blute und Schweiße benetzt hast, erwecke in mir eine wahre Reue über meine Sünden, einen heilsamen Schrecken vor deinem göttlichen Zorne und ein aufrichtiges Mitleid mit deinem bittern Leiden und Sterben. Wenn ich in meinem Tode und am Tage des Gerichts vor aller Welt in meiner Blöße werde erscheinen müssen; dann wollest du mich mit deinem heiligen Rocke bedecken und von der ewigen Schmach erlösen. Amen. 30. Vom ersten Worte Christi. Als nun unser Heiland auf dem harten Todbette des Kreuzes lag und sah, daß er sterben müsse, wollte er thun, wie ein treuer Vater, der seinen Kindern auf dem Sterbebette viele gute Lehren hinterläßt. Deswegen redete er die sieben wunderbaren Worte, deren Kraft nicht genugsam erklärt werden kann. Das erste Wort war: Vater! verzeih' ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun." Die Erhabenheit dieses Wortes kannst du nicht verstehen, es sei denn, daß du zuvor erwägest, wie diejenigen so unwürdig waren, für welche Christus betete. Diese gottlosen Bösewichte fügten ihm so viel Leid zu, daß es nicht genug kann beschrieben werden, und es kein Mensch glauben würde, wenn es die h. Evangelisten nicht ausdrücklich meldeten. Es ist uns angeboren, daß wir uns über die Marter eines Andern erbarmen, so zwar, daß, wenn Jemand seinen eigenen Feind erbärmlicher Weise hingerichtet werden sähe, es ihm zu Herzen ginge. Wer sollte daher nicht meinen, auch die Juden würden das arme Lamm, welches so fläglich vor ihren Augen hing, wenigstens ruhig haben verscheiden lassen. Aber ach! bei den Juden war weder Gnade noch Barmherzigkeit zu finden; denn ihre Herzen waren härter als Stein, und unbeweglicher als Stahl und Eisen. Sie kamen nicht allein dem armen Gekreuzigten nicht zu Hülfe, sondern verlachten, verspotteten und verfluchten ihn auf's greulichste. Betrachtungen vom Leiden Christi. 327 Der h. Matthäus sagt:„ Sie lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe," und der h. Lukas:„ Das Volk stand und schaute, und die Vorsteher sammt ihnen verlachten ihn." Nun wollen wir sehen, was die Gottlosen für Lästerworte gebraucht haben, damit wir die Schmach Christi desto besser erkennen. Der h. Matthäus sagt:„ Sie schüttelten ihre Köpfe und sprachen: Ei du, der du den Tempel Gottes zerstörest und in drei Tagen wieder aufbauest, hilf dir selbst!" War das nicht eine schändliche Schmach, da sie dadurch die ewige Wahrheit gleichsam zum Lügner machten? Weiter sprachen sie: ,, Wenn du der Sohn Gottes bist, so steige herab vom Kreuze!" Mit diesen Worten lästerten sie auch seine Gottheit, als ob er sich fälschlich und hoffärtiger Weise zum Sohne Gottes gemacht hätte, was jetzt offenbar erscheine, da er nicht so viele Kraft habe, sich im Mindesten zu helfen. Drittens sagten sie: ,, Andern hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen." Als wollten sie sagen: Wenn du Andern ohne Blendwerk recht geholfen hättest, so könntest du dir ebenfalls jetzt helfen. Nun sieht man's ja deutlich, daß deine Wunderwerke nur Zauberei waren. Viertens sprachen sie: ,, Bist du der König von Israel, so steige vom Kreuze herab, und wir wollen an dich glauben." Dadurch wollten sie aussprechen: Ei, was für ein schöner König der Juden bist du! Wo sind jetzt deine Diener, daß sie dich vom Kreuze erlösen? Weil aber Niemand ist, der dich befreit, so scheint es, daß du ein Schattenkönig bist. Fünftens fagten sie: ,, Er hat auf Gott vertraut: der erlöse ihn nun, wenn er ein Wohlgefallen an ihm hat; denn er hat ja gesagt: Ich bin der Sohn Gottes." Mit diesen giftigen Worten lästerten sie die Frömmigkeit Christi und sein tugendhaftes Leben, als sagten sie: Er hat sich jederzeit für einen frommen Mann ausgegeben, der Gott Tag und Nacht dient; jetzt aber zeigt es sich, daß es lauter Betrug und Falschheit war. Denn wenn er von Herzen fromm wäre, so hätte ihn Gott nicht in solches Leid kommen lassen, oder würde ihm daraus helfen; wenn er aber nun von Gott und den Menschen so ganz verlassen ist, so ist dies ein gewisses Zeichen, daß er ein gottloser Mann ist. Solcher und ähnlicher Worte bedienten sich die Hohenpriester, Pharisäer und Schriftgelehrten 328 Das siebente Gärtlein. und das ganze Volt, und trieben ihren Spott mit Christus, so lange er lebte. Jetzt wollen wir betrachten, was es für eine Tugend gewesen sei, daß Christus für diejenigen, die ihn so greulich lästerten, seinen himmlischen Vater bat. Diese Tugend ist so hoch, und die Liebe und Demuth Christi so unergründlich, daß aller menschliche Verstand darüber erstaunen muß. Denn es ist wider alle Natur und aller Welt Brauch, daß man demjenigen, der einem das äußerste Uebel zufügte, die geringste Wohlthat erweisen sollte. Gleichwohl that dies der gütige Jesus mit solcher Liebe, daß man sich darüber nicht genug verwundern kann. Denn als er gedachte, wie diese verstockten Sünder sich dadurch mit Leib und Seele die ewige Verdammniß zuzogen, hatte er mehr Mitleid mit ihnen, als mit sich selbst. Ja, als er sah, wie der feurige Zorn Gottes schon damals das Racheschwert aus der Scheide gezogen hatte, und wegen der an seinem Sohne verübten Mordthat das ganze jüdische Land mit grausamen Plagen züchtigen wollte; da erbarmte er sich über das große Elend dieses Volkes, und gedachte bei dem erzürnten Vater ihr Unrecht abzubitten. Er stellte sich als einen Mittler zwischen Gott und die Menschen und fing an, von ganzem Herzen für das unglückliche Volk Gott anzuflehen; und zwar nicht mit stiller Stimme, sondern, wie der h. Paulus sagt, mit starkem Geschrei und Thränen, und bittend: ,, Vater! verzeih' ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun." Overstockter Sünder! beherzige diese hohe Tugend und die unaussprechliche Liebe Christi gegen seine Feinde, und verzeihe nach diesem Beispiele auch denjenigen, welche dir jemals ein Leid zugefügt haben. Damit du aber dieses besser thun mögest, bitte Gott um Gnade und sprich folgende Verehrung des ersten Wortes Christi. O allergütigster Herr Jesu Christe! ich erinnere dich des ersten Wortes, welches du am Kreuze redetest, als du für deine Feinde bittend zu deinem himmlischen Vater sprachest: ,, Vater! verzeih' ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun." Betrachtungen vom Leiden Christi. 329 O mildester Jesus! welche Zunge tann deine unendliche Gütigkeit genugsam loben, oder welches Herz deine unaussprechliche Liebe ohne Thränen der innigsten Rührung betrachten? Du bittest für deine Lästerer und entschuldigest deine Ankläger, ja du betest für deine ergrimmtesten Feinde. Sie schrieen vor Pilatus wider dich: Hinweg mit ihm!" Du aber rufest für sie: ,, Vater! verzeihe ihnen." Sie schrieen: ,, Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!" Du aber sprichst: ,, Mein Vater! ich opfere dir mein vergossenes Blut zur Verzeihung ihrer Sünden." Sie schrieen: Kreuzige, kreuzige ihn!" Du aber sprichst: ,, Vater! durch mein Kreuz und meinen Tod verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun." Sie lästerten und schmähten dich, sie verfluchten und verwünschten dich, du aber redest Gutes für sie und wünscheft ihnen den himmlischen Segen deines Vaters. Maria! was gedachtest du, als du dieses liebreiche Gebet deines armen Kindes anhörtest? Ohne Zweifel wurdest du durch dieses Beispiel der Liebe so sehr bewegt, daß du auf deine Kniee fielest, und Gott für die Feinde deines lieben Sohnes batest. Weil denn Jesus und Maria denen verzeihen, welche ihnen das größte Leid anthun, warum soll ich nicht gleichfalls denjenigen verzeihen, die mich beleidigen? O Jesus und Maria! ich bitte euch durch die inbrünstige Andacht, mit welcher ihr für eure Feinde gebetet habt, verzeihet mir auch, daß ich euch so oft erzürnt habe. Ich bitte euch durch die große Barmherzigkeit, welche ihr euren Feinden erzeigt habt, gebet, daß auch mir der himmlische Bater gnädig und barmherzig sei. du sanftmüthiges Lamm Christe Jesu! sei nicht gegen deine Feinde mild und deine Freunde strenge, und weil du jenen verziehen hast, so verzeihe auch diesen. Siehe, ich komme zu dir und werfe mich demüthig vor dein heiliges Kreuz. Ich spotte deiner nicht, wie die Juden, sondern ehre dich, wie die frommen Christen. Ich lästere dich nicht, sondern benedeie dich, ich verfluche nicht dein Leiden, sondern habe herzliches Mitleid mit dir. Wenn du fohin für jene betest, die in ihren Sünden verstockt waren, so bete auch für den, welcher seine Sünden herzlich bereuet. Darum öffne noch einmal deinen gebenedeiten Mund, und sprich zu dem himmlischen Bater: Berzeihe diesem Sünder; 330 Das siebente Gärtlein. denn er hat nicht gewußt, daß er dich mit seinen Sünden so schwer beleidigte. Amen. 31. Vom zweiten Worte Christi. Das inbrünstige Gebet Jesu blieb nicht fruchtlos, sondern es bekehrten sich dadurch viele tausend Juden, welche um das Kreuz standen; da sie aus diesen Worten merkten, daß er heilig sein müsse, weil er in seinen heftigsten Schmerzen nicht allein nicht ungeduldig wurde, sondern mit weinenden Augen für seine Peiniger bat. Unter diesen bekehrten Sündern war auch derjenige Schächer, welcher zur rechten Seite Christi hing, Dismas mit Namen. Er hatte zwar auch zuvor mit dem andern Schächer Christum gelästert, und gesprochen: Wenn du der Sohn Gottes bist, so hilf dir und uns; als er aber hörte, wie der Herr für seine Feinde betete, da ging er in sich und dachte, dieser Mann müsse in Wahrheit heilig sein. Daher fing er an, auf alles Thun und Lassen Christi Acht zu geben, und mußte sich immer mehr über seine himmlische Geduld verwundern. Weil denn der andere Schächer nicht abließ, Christum zu lästern, konnte er dies nicht länger mehr ertragen, sondern fing an, ihn mit harten Worten zurechtzuweisen, indem er sprach: Fürchtest auch du Gott nicht, da du doch dieselbe Strafe erleidest? Wir zwar mit Recht: denn wir leiden, was unsere Thaten verdient haben; dieser aber hat nichts Böses gethan." Mit diesen Worten hat der gute Schächer drei überaus herrliche Tugenden geübt. Denn erstlich gab er sich schuldig, und bekannte öffentlich vor allem Volke, daß er ein gottloser Sünder sei und den Kreuzestod verdient habe. Zweitens strafte er ungescheut die Gottlosigkeit seines Gefährten und zugleich aller Juden, welche den unschuldigen Herrn mit ihren Spottreden so schmerzlich peinigten. Drittens endlich bekannte er laut und offenbar vor aller Welt, daß Christus unschuldig sei und nichts Böses gethan habe. શ ls er so gesprochen und seine Sünden bereuet hatte, öffnete er endlich seinen Mund und wagte die inständige Bitte:„ Herr! gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst!" O was - Betrachtungen vom Leiden Christi. 331 für wundersame Worte, welche demüthige Bitte! Der gute Schächer sah an Christus nichts, als lauter Wunden und Schmerzen, und hörte über ihn nichts, als Beschimpfungen und Lästerungen; desungeachtet nannte er ihn einen Herrn und König, da er sprach: ,, Wenn du in dein Reich kommst." Woher mag doch dieser Mensch, der all seine Lebtage in Sünden gelebt, diese große Erkenntniß von Gott erlangt haben? Wer hat ihm doch gesagt, daß derjenige, der da nach dem Worte des Propheten ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und die Verachtung des Volkes geworden war, sein Herr und Gott sei? Gewiß haben ihn die Geduld Jesu Christi und das Gebet, das er für seine Feinde verrichtete, zu dieser Erkenntniß gebracht. Nun bedenke, was für ein kräftiges Gebet er verrichtet und welche demüthige Bitte er an Christus gestellt habe. Er sagt nur:" Herr, gedente meiner!" als wollte er sagen: O mein Gott! ich weiß wohl, daß ich wegen meiner Sünden die größte Strafe verdient habe; ich will dieselbe auch willig annehmen; nur darum bitte ich, wenn ich in jener Welt leide, so gedenke meiner, daß ich nicht ewig werde brennen müssen. Wenn du in deinem Reiche, in den Wonnen des Paradieses alle Freuden genießen wirst, so gedenke meiner, der ich für meine Sünden so schwere Strafen leiden muß. O was für eine herzliche Freude war dieses dem lieben Herrn, als er die aufrichtige Reue und wahrhafte Bekehrung des frommen Schächers sah! O wie sehr war er in seinem Leiden getröstet, als er sah, daß er durch seine Geduld dieses arme Schaf aus dem Rachen des höllischen Wolfes gerissen hatte. Daher bewilligte er ihm nicht allein, was er begehrte, sondern versprach ihm noch tausendmal mehr, als er zu hoffen gewagt hatte. Mit freundlichen Worten sagte er zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese sein!" O wohl ein tröstliches Wort und eine gnadenreiche Verheißung! Wie wurde der reuige Schächer, als er dieses holdselige Wort aus dem Munde Christi hörte, so innig erfreuet! wie wurde sein Herz mit dem höchsten Troste erfüllt! wie herzlich sagte er Dank, und wie demüthig nahm er dieses Versprechen an, indem er etwa sagte: O Herr Jesu Christe, wie habe ich doch solche Gnade verdient! 332 Das siebente Gärtlein. was habe ich gethan, wodurch ich eine so große Wohlthat erlangte? Herr! ich bin dieser Gnade nicht würdig; denn du gibst mir tausendmal mehr, als ich werth bin! Weil du jedoch so unendlich gütig bist, nehme ich diese Verheißung an, und danke dir dafür unendlich. O christliche Seele! wie glücklich würdest du sein, wenn dir Christus in deinem Tode dieses trostvolle Wort zuriefe. Wie voll Freude und Jubel wärest du, wenn Christus zu dir spräche: Heute noch wirst du bei mir im Paradiese sein! Deshalb befleiße dich nach aller Möglichkeit also zu leben, daß du dieser Gnade würdig werdest. Gebet zu Ehren des zweiten Wortes Jesu. O gütigster Jesu! durch die große Liebe und unendliche Güte, welche du dem reumüthigen Schächer erwiesest, indem du ihn aus dem tiefsten Abgrunde seiner Sünde zu großer Heiligkeit führtest, bitte ich dich, du wolleft auch meine fündige Seele zu dir bekehren und mir die Gnade verleihen, würdige Früchte der Buße zu wirken, damit auch ich würdig werde, in meinem Tode das süße Wort von dir zu hören: Heute noch wirst du bei mir im Paradiese sein!" O mildester Jefu! mit dem frommen Schächer und mit allen büßenden Sündern wende ich mich zu dir und rufe vertrauensvoll und demüthig aus: Herr, gedente meiner in deinem Reiche! Jesu! vergiß meiner nicht! Wenn ich in Anfechtungen bin, stärke mich; wenn ich in Trübsal bin, tröste mich; wenn ich in Sünden gefallen bin, hilf mir heraus: wenn ich in Todesnöthen bin, stehe mir bei; wenn ich im Gerichte bin, sei mir barmherzig; wenn ich im Fegfeuer schmachte, erlöse mich! Und endlich sei meiner allezeit eingedent, damit ich nicht ewig verloren gehe, sondern das ewige Leben habe. Amen. 32. Dom dritten Worte Christi. Das dritte Wort, welches Jesus am Kreuze geredet, beschreibt Johannes also: ,, Es standen aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Kleophas und Maria Magdalena. Da nun Betrachtungen vom Leiden Christi. 333 Jesus seine Mutter und den Jünger, den er liebte, stehen sah, sprach er zu seiner Mutter: Weib, siehe deinen Sohn! Hierauf sprach er zu dem Jünger: Siehe deine Mutter!" In diesen wenigen Worten sind solch' hohe Geheimnisse enthalten, daß sie kein Mensch würdig zu erklären vermag, deshalb wollen wir uns begnügen, dieselben in Einfalt zu betrachten. Das erste Wort in dieser Beschreibung ist: ,, Es stand." Gewiß ein unglaubliches Wort! Sollte denn die schmerzhafte Mutter bei so vielen Leiden noch stehen können? Was Maria damals litt, schildert der h Bonaventura folgendermaßen: Der Sohn litt am Leibe, die Mutter aber am Herzen. Alle Wunden, die in dem Leibe des Sohnes vertheilt waren, sind in dem Herzen der Mutter vereinigt gewesen." Wenn demnach Maria an ihrem Herzen so viele Wunden hatte, als Christus an seinem ganzen Leibe, wie war es denn möglich, daß sie noch stehen konnte? Unser Herz ist ja so empfindlich, daß es nicht einen Nadelstich ertragen fann; wie konnte also das Herz Mariä leben, das so viele Wunden an sich hatte? O Gott, welche Marter erduldete sie! Sie hatte nicht allein die Wunden, sondern auch die Nägel und Dornen Christi in ihrem Herzen, ja sie war gleichsam leiblicher Weise mit ihrem Sohne gekreuzigt, wie oben erwähnt wurde; wie war es demnach möglich, daß sie noch leben tonnte? Gleichwohl stand sie bei dem Kreuze, jedoch so erbarmungswürdig, daß die Engel des Himmels mit ihr Mitleid trugen. Bedenke, wie die arme Mutter stand, da sie selbst zur h. Brigitta hiervon sprach:„ Ich fage zuversichtlich, daß sein Schmerz auch mein Schmerz war, weil sein Herz auch mein Herz war." Indem Maria so tläglich unter dem Kreuze stand und ohne Unterlaß zu ihrem Sohne hinaufseufzte, erhob der gekreuzigte Heiland seine blutigen Augen und sah seine arme Mutter mitleidig an, was Johannes ausdrücklich mit den Worten sagt:„ Da nun Jesus seine Mutter sah." Owohl ein Anblick zum Erbarmen! Der liebevolle Sohn hätte seine geliebte Mutter so gerne getröstet, aber er verwundete ihr Herz mit noch heftigere Schmerze; denn je - 334 Das siebente Gärtlein. freundlicher er sie anfah, desto tiefer durchdrang es ihre Seele. Bedenke, wie sie so erbärmlich dastand, als Christus seine blutigen Augen auf Maria, und Maria ihre weinenden Augen Christus richtete, und ihre Blicke sich begegneten. Höre, was hierüber Maria zur h. Brigitta sprach: ,, Als mich mein Sohn vom Kreuze herab ansah, und ich zu ihm hinaufschaute, flossen die Zähren aus meinen Augen, wie das Wasser aus den Brunnquellen. Und da er mich mit Schmerzen beladen ansah, wurde er dadurch so sehr gekränkt, daß wegen meines Schmerzes die Schmerzen seiner Wunden gleichsam aufhörten." Dies war der Trost, den fie von einander hatten, als sie sich einander ansahen, nämlich daß sie sich gegenseitig das Herz verwundeten. Die Liebe aber zwischen Jesus und Maria war viel tausendmal größer, als sie zwischen allen Menschen sein kann. Darum war ihr Scheiden auch viel schmerzlicher und bitterer, als aller erschaffenen Herzen. Er sah sich daher in der ganzen Welt um, wo er einen treuen Freund finden möge, der vor Allen würdig sei, seine Mutter in seinen Schutz zu nehmen. Er fand aber feinen anderen, als eben den liebreichsten und reinsten Jünger Johannes. Darum wendete sich der Herr mit größter Affektion seiner Menschheit und höchster Kraft seiner Gottheit zu seiner Mutter und seinem Jünger, und empfahl Maria den Johannes mit den Worten: ,, Weib, siehe hier deinen Sohn!" Dadurch wollte er gleichsam sagen: Liebste Mutter! ich weiß, welch' großen Schmerz du um meinetwillen leidest, und wie herzlich du dich betrübest, daß du mich verlieren mußt. Dies kann aber nun einmal nicht anders sein; denn die göttliche Gerechtigfeit erfordert es, daß ich sterben muß. Weil ich daher nicht länger sichtbar bei dir sein kann, so gebe ich dir an meiner Statt meinen getreuesten Jünger Johannes zu einem Sohne. Dieser soll dir fortan beistehen und in allen Stücken Gehorsam leisten. Trauere daher nicht länger mehr, als wenn du ganz verlassen und ohne Kind wärest; sondern tröste dich damit, daß ich dir meinen getreuesten Freund als einen Sohn übergebe, welcher dich so sehr lieben und dir gehorsamen wird, als ob du ihn leiblich geboren hättest. Mit diesen Worten gab Jesus seiner Mutter den h. Johannes zu Betrachtungen vom Leiden Christi. 335 einem Sohne, und in seiner Person übergab er ihr alle Gläubigen als Kinder. Darum sollst du jederzeit ein tindliches Vertrauen zu Maria tragen. Das letzte Wort, welches der sterbende Jesus mit seiner Mutter geredet, war ihr ungeachtet seiner Bitterfeit dennoch süß, weil sie vernahm, daß ihr lieber Sohn bei allen seinen Schmerzen dennoch an sie dachte und ihr einen treuen Bewahrer verordnete, nämlich seinen liebsten Jünger und den heiligsten Mann; denn er hätte unter allen Menschen keinen besseren Pfleger geben können, als eben den lieben, frommen, teuschen und heiligen Johannes. Er war ihm unter allen Jüngern der liebste, unter den Aposteln der vertrauteste, unter den Evangelisten der vornehmste, unter den Propheten der geheimnißreichste, unter den Lehrern der gelehrteste, unter den Bekennern der unverzagteste, unter den Jungfrauen der teuscheste, unter den Freunden Christi der treueste. Diese Liebe und Treue wollte ihm der gütige Herr reichlich vergelten; deswegen erzeigte er ihm solche Ehre und Gnade, dergleichen keinem Menschen auf Erden widerfahren ist; nämlich daß er hinfüro auf eine besondere Weise ein Sohn seiner hochgeehrten Mutter und sohin gewissermaßen sein Bruder sein sollte. Darum sprach er zu ihm:„ Siehe hier, deine Mutter!" Als wollte er sagen: Siehe, mein lieber Johannes! wegen der großen Liebe, die wir zu einander, ich zu dir und du zu mir, jederzeit getragen haben. wie auch zur Vergeltung der Liebe und Treue, die du mir in meinem Leiden erzeigtest, vermache ich dir in meinem Testamente das Beste und Kostbarste, was ich auf Erden besitze, nämlich meine liebste und treueste Mutter. Ich übergebe sie dir als eine wahre Mutter; du sollst sie versorgen, ehren und lieben, ihr dienen und in allen Stücken Gehorsam leisten. O der großen Ehre, welche Christus dem h. Johannes erzeigte, o der großen Gnade, die er ihm dadurch erwies! Denn was hätte er ihm mehr thun können, als daß er ihm die Königin des Himmels und der Erde zur Mutter übergab, und auf solche Weise ihn zu ihrem Sohne machte? Der h. Johannes erkannte diese große Huld gar wohl, und dankte ohne Unterlaß dafür, indem er der seligsten Jungfrau 336 Das siebente Gärtlein. alle kindlichen Pflichten erwies. Deswegen wünsche ihm hiezu Glück und sprich folgendes Gebet zum heiligen Johannes. O heiliger Johannes! wie sehr ehrt dich Jesus, und wie reichlich vergilt er dir alle deine ihm geleisteten Dienste! Erfreue dich daher von Herzen, und danke dem freigebigften Gott, der dir so große Gnade erwies. Ich freue mich zugleich mit dir, und wünsche dir Glück zu dieser unendlichen Wohlthat. Zugleich bitte ich dich durch die große Ehre, die dir Christus erwies, und durch die mütterliche Liebe, die dir Maria erzeigte, sei mein treuer Fürbitter bei Gott, und erwirb mir die Gnade, ihm treulich zu dienen. In Vereinigung jener Liebe und Treue, mit welcher der sterbende Heiland auf dem Todesbette des Kreuzes dir seine Mutter empfahl, empfehle ich mich dir jetzt und allezeit in deinen väterlichen Schuß. Stehe mir bei in meiner letzten Noth, und verlasse mich nimmermehr bis in Ewigfeit. Amen. 33. Von dem vierten Worte Jesu am Kreuze. Unter allen Worten, welche der gekreuzigte Jesus gesprochen hat, ist keines schrecklicher, als das vierte:„ Mein Gott, mein Gott! warum hast du mich verlassen?" Dieses Wort ist so kläglich, daß es das gefühlloseste Herz rühren muß. Damit du dasselbe recht verstehest, bedenke zuvor die äußerste Verlassenheit, welche Christus am Kreuze litt. Man weiß aus Erfahrung, daß ein Mensch alles leibliche und geistige Kreuz wohl ertragen kann, wenn er nur innerlich getröstet und von Gott in der Geduld gestärket wird. Ist aber Jemand in seinen Widerwärtigkeiten verlassen und entbehrt er des göttlichen Trostes, dann muß der Mensch verzweifeln. Nun bedenke, was dein Erlöser am Kreuze litt, und wie es ihm möglich war, seine Marter zu überstehen. Er war an Leib und Seele in solchem Elende, daß es nicht zu begreifen noch auszusprechen ist. Er war bei allen Menschen so verhaßt, daß sie mit Worten Betrachtungen vom Leiden Christi. 337 und Werken Alles, was sie ersinnen konnten, ihm zu Leide thaten. Er war von allen Umstehenden so verachtet, daß ihm kein einziger Mensch auch nur den geringsten Dienſt leistete. Ueberdies war er von der Gottheit so gänzlich ver= lassen, daß er durchaus keinen Trost von derselben empfing. Wie war es ihm also möglich, diese unendliche Marter und äußerste Verlassenheit zu ertragen? O christliche Seele! beherzige um Gottes willen das schreckliche Elend deines Erlösers, und entseße dich über die unermeßliche Bitterkeit seiner Seele. Er hängt am Kreuze in solchen Schmerzen, daß er sich nicht zu helfen weiß. Alle verhöhnen und beschimpfen ihn; er ist an seiner Seele so voll Traurigkeit, daß er durchaus alles Trostes entbehren muß. Als nun Jesus in solchem unermeßlichen Elende war, konnte er sich nicht länger mehr zurückhalten, sondern mußte dieses Leid vor aller Welt seinem himmlischen Vater klagen. Diese Klage beschreibt der h. Matthäus also: Um die neunte Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: Eli, Eli, lamma sabacthani? Das ist: Mein Gott, mein Gott! warum hast du mich verlassen?" Er redete dieses Wort nicht stille bei sich selbst, sondern damit es alle Welt höre, schrie er mit lauter Stimme: Mein Gott, mein Gott! warum hast du mich verlassen? O wunderbares, o schreckliches Wort, welches Himmel und Erde, Engel und Menschen in höchstes Erstaunen versetzt! Hier muß ein übernatürlicher Glaube obwalten, damit man glaube, daß das geschehen sei, was weder die Vernunft noch die Natur zu fassen vermag. Daß sich ein Mensch über den andern, oder über sich selbst beklage, ist nichts Seltenes und Neues; daß aber der Sohn Gottes gegen seinen himmlischen Vater( sohin Gott über Gott selbst) sich beklage, das ist ein hohes Geheimniß, welches kaum erklärt werden kann. Ach, unsere Sünden erforderten eine so harte Genugthuung! Darum kann sich Christus mit Recht beklagen und sprechen: O Sünder! in welches Leid bringst du mich, und wie bitter sind deine Missethaten! Wenn du niemals gesündigt hättest, wäre ich nimmer in dieses Meer der Bitterkeit versenkt worden. Glaube nicht, Myrrhengarten III. 22 338 Das fiebente Gärtlein. daß ich nur für andere litt, nein, ich leide auch für dich und wegen deiner Sünden. Denn gleichwie ich für dich sorge, als wärest du allein auf der Welt, so habe ich auch für dich gelitten, als ob du nur allein gesündigt hätteſt. Ohne Unterlaß lagest auch du in meinem Sinne, beständig dachte ich an deine Sünden, welche mich mehr schmerzten als der Tod, den ich leiden mußte: und du willst dennoch kein Mitleid mit mir tragen, und nicht aufhören zu fündigen? Dann beklagte er sich gegen seinen Vater, und rief darum mit lauter Stimme, damit es alle Menschen hören und erkennen sollten, daß seine Menschheit allein leide und durchaus keine Hülfe von der Gottheit habe. Denn weil er zugleich wahrer Gott und wahrer Mensch war, hätten viele Menschen vermuthet, Christus habe seine Marter leicht leiden können, weil die menschliche Natur von der Gottheit gestärkt worden sei. Damit Niemand dies glauben, sondern Alle die Ueberzeugung und feste Gewißheit haben sollten, daß seine Menschheit ohne irgend eine Hülfe gelitten und alle Schmerzen auf das Aeußerste empfunden habe, darum wollte er zu Anfang seines Leidens blutigen Angstschweiß vergießen und jetzt am Ende mit heller Stimme ausrufen, daß er von der Gottheit ganz verlassen sei. Es ist zwar wahr, daß die Gottheit die menschliche Natur am Leben erhalten habe; denn sonst hätte Christus vor übermäßigen Schmerzen fast jeden Augenblick plötzlich sterben müssen. Dies war aber für die schwache Menschheit durchaus kein Trost, sondern nur um so schmerzlicher. Denn wäre sie früher gestorben, so hätte sie nicht so viel leiden dürfen; weil sie aber so lange mit dem Tode rang, und doch nicht sterben konnte, so war es der Menschheit kein größerer Trost, als einem armen Sünder ist, der unter langsamen Foltern nicht sterben kann, so sehnlich er auch den Tod herbeiwünscht. Und sowie die Menschen mit einem solchen Gefolterten herzliches Mitleid tragen und den Henker bitten, er wolle doch endlich den Tod dieses Unglücklichen beschleunigen; also hatten auch die Gott liebenden Seelen mit Jesus das herzlichste Mitleid, weil sie jahen, daß er ohne Unterlaß mit dem Tode rang, und doch nicht sterben konnte. O frommer Christ! trage auch du Betrachtungen vom Leiden Christi. 339 Mitleid mit deinem verlassenen Heilande, und sprich zu seinem Troste folgende Verehrung des vierten Wortes Christi am Kreuze. Obetrübtester Heiland Jesu Christe! ich beherzige das vierte Wort, welches du am Kreuze sprachest, als du in großer Bitterkeit der Seele aus allen Kräften zu deinem Vater mit lauter Stimme riefest: ,, Mein Gott, mein Gott! warum hast du mich verlassen?" O gütigster Jesu! in welchem traurigen Stande warst du damals, und wie tief war dein Leib und deine Seele in das unermeßliche Meer der Bitterfeit versenkt, als du mit weinenden Augen und flagender Stimme dieses entsetzliche Wort sprachest! Die Klage deines Mundes bezeugt die äußerste Verlaffenheit deiner Seele. Dieser höchsten Trübsal erinnere ich dich, o gekreuzigter Jesu! und bitte dich, du wollest mich doch nimmermehr in Kleinmüthigkeit fallen lassen. Gedenke, wie wehe dir deine Verlaffenheit that, gedenke der großen Seelenangst, die du erduldetest, und wie inbrünstig du deinen Vater um Linderung dieses innerlichen Leidens anriefest; dennoch wollte er dich nicht erhören, sondern ließ dich den Leidenskelch bis auf den Grund leeren. Weil du aber um meinetwillen diese bitterste Verlassenheit ausstehen mußteſt, so bitte ich dich um dieselbe, du wollest mich nicht ewig verlassen und in diesem Zustande der Verzweiflung preisgeben. Amen. 34. Nom fünften Morte Christi. Das fünfte Wort, welches der gekreuzigte Heiland geredet hat, war: ,, Mich dürftet!" Er sprach dieses ungefähr eine Viertelstunde nach drei Uhr, und beklagte sich damit über seinen brennenden Durst. Denn da hatte er so viel Blut vergossen,„ daß alle seine Kraft verdorret war, wie eine vertrocknete Scherbe". Er hatte auch so viel Schweiß und Thränen vergossen, daß keine Feuchtigkeit mehr in ihm war. Aus diesen und andern Ursachen entstand in unserm Herrn ein solcher Durst, desgleichen kein Mensch jemals gelitten hat. Seine Zunge klebte vertrocknet im dürren 22* 340 Das siebente Gärtlein. Gaumen, seine Lippen waren zersprungen und sein Hals wie verbrannt vor der innerlichen Hitze. Was er sohin die ganze vorige Zeit seines Leidens verschwiegen hatte, das konnte er jetzt in dem letzten Augenblicke seines Lebens nicht mehr zurückhalten. Damit alle Welt wissen und erkennen sollte, daß er auch die Pein des Durstes gelitten habe, rief er laut aus: ,, Mich dürftet!" Es muß gewiß dieser Durst dem gütigen Heilande über alle Maßen bitter gewesen sein, weil er sich nicht enthalten konnte, über denselben zu klagen, da er doch viele andere schmerzliche Dinge schweigend ertragen hatte. Sein Haupt war voll Dornen, und er klagte nicht darüber. Hände und Füße waren ihm mit Nägeln durchschlagen, und er sagte nicht: Ach, wenn mir Jemand die Nägel herauszöge! Sein ganzer Leib war mit Wunden bedeckt, und er sprach nicht: Ach, wenn mir Jemand meine Wunden salbte! Drei Stunden lang hing er schon am Kreuze und schwieg; nur den Durst allein konnte er nicht ertragen, sondern rief klagend aus: ,, Mich dürstet!" Mit diesen Worten wollte er gleichsam sagen: wenn doch Jemand wäre, der mir einen Trunk Wasser reichte, meinen brennenden Durst ein wenig zu löschen! Ich begehre ja keinen Wein oder lindernden Heiltrank, so sehr ich dessen bedürfte, sondern bitte nur demüthigst um einige Tropfen Wasser. Ach, ihr lieben Leute! versaget mir doch diese menschliche Liebe nicht, deren ich so sehr bedarf; habt Mitleid mit mir Armen. Ihr sehet ja, daß ich ganz ausgetrocknet und verdorrt bin; darum komme Jemand und reiche mir um Gotteswillen einen Trunk Wasser! O wem sollte doch solch' rührendes Klagen nicht tief zit Herzen gehen? Wie war es doch möglich, daß auch nur ein einziger Mensch dem Heilande diesen Dienst versagen konnte? Sag' an, Johannes! wie kommt es, daß du deinem Meister nicht zu Hülfe eileft? Wie säumest du, treue Magdalena, dem Geliebten deiner Seele einen Trunk Wasser zu holen? Ihr hättet ja nur den Hauptmann bitten dürfen, daß er euch vergönne, dem armen Gekreuzigten in dieser letzten Noth einen Trunk zu reichen; gewiß hätte er es euch erlaubt. Es ist aber zu vermuthen, Gott habe dies so angeordnet, daß Niemand sagen könne, sein armer Sohn Betrachtungen vom Leiden Christi. 341 habe den mindesten Trost in seinem Leiden gehabt. Darum stelle dir vor, Christus spräche also zu dir: Mein Kind! hast du auch Mitleid mit mir, und wenn du damals gegenwärtig gewesen wärest, würdest du mir wohl einen Trunk Wasser gereicht haben? Siehe, diese Liebe kannst du mir noch erzeigen, wenn du es treu mit mir meinst. Denn wenn du dir einen Trunk abbrichst, und zu Ehren meines Durstes aufopferst, so nehme ich dieses mit solchem Danke an, als ob du mir am Kreuze den köstlichsten Wein zur Labung gereicht hättest. Wenn du mir aber dies versagst, so bist du eben so unbarmherzig mit mir, wie meine Feinde gewesen sind. Da unser lieber Herr seinen Durst so zum Erbarmen flagte, was meinst du wohl, was die Umstehenden gethan haben? Sollte ihm wohl Jemand einen Trunk Wein zur Stärkung seiner Schwäche gereicht haben? Ach, ich scheue mich, es zu sagen, weil es wider alle Menschlichkeit ist. Diese grausamen Tyrannen thaten dem armen Heilande, der ihnen doch niemals das mindeste Leid zugefügt hatte, was wohl kein Mensch seinem ärgsten Feinde thun würde. Denn als sie ihn in seinen heftigsten Qualen so rührend bitten hörten, versagten sie ihm nicht blos das Wasser, sondern aus teuflischer Bosheit tauchten sie einen Schwamm in ein Geschirr voll Essig( welches jederzeit bei den Gefreuzigten in Bereitschaft stand, um ihnen das Blut zu stillen, damit sie desto langsamer stürben). Hiernach tauchten sie diesen Schwamm in Galle, banden denselben auf ein Rohr, und reichten ihn so dem dürstenden Christus hinauf. Ohöchste Unbarmherzigkeit, o unerhörte Grausamkeit! ist denn dies ein Trank für einen Sterbenden? O Tyrannei, nicht mit Worten zu beschreiben! Wie konntet ihr Unmenschen doch dem armen Gekreuzigten, der euch sein Lebenlang nicht beleidigte, in seiner letzten Noth solche Lieblosigkeit anthun? Wenn ihr ihm kein Wasser geben wolltet, warum gebt ihr ihm denn Galle und Essig? Ach, wie schmerzte dieses den sterbenden Christus, und wie sehr ging ihm diese Unmenschlichkeit und Schmach zu Herzen! Darum seufzte er tief auf, um seinen Schmerz zu zeigen; gleichwohl aber schlug er den bittern Trank nicht aus, sondern 342 Daß siebente Gärtlein. saugte an dem Schwamme. Ach, welch' bittern Geschmack im Munde, welchen Schmerz im Leibe wird ihm dieser Trank verursacht haben! So wurde durch diesen Trank die Natur Christi noch mehr geschwächt und seine Todespein vergrößert. Bilde dir hier ein, als wenn dein Heiland zu dir spräche: Mein Kind! geht die mein Elend noch nicht zu Herzen? Erzürnest du dich nicht über die Henkersknechte, welche mir diesen geringen Liebesdienst versagten und statt des Wassers Galle und Essig zu trinken gaben? Hätte ich wohl unrecht gehandelt, wenn ich sie zum ewigen Durste in der Hölle verdammte? Allein bedenke, wie oft handelst du ebenso an mir, indem du dir nicht blos keinen Abbruch in deinem Durste thust, sondern so manches überflüssige Glas Wein oder Bier oder sogar Branntwein aus lauter Sinnlichkeit und ohne Noth, ja selbst über die Noth trinkest. So oft du dies thust, ebenso viele Gläser voll Galle und Essig reichest du mir in meinem Durst. Gebet. O Herr Jesu Christe! sollte dies wohl möglich sein, so wäre ich ärger, als deine Kreuziger denn diese haben dich nur einmal mit Galle und Essig getränkt, ich thue aber dieses so oft. Denn ich habe in meinem Leben viel tausendmal ohne Noth, aus Sinnlichkeit und ausgelassener Lust getrunken. Wehe mir gottlosen Menschen, der ich meinem Heilande so Böses zugefügt habe! Es ist mir aber leid, nicht sowohl wegen der zukünftigen Strafe, die ich verdient, sondern wegen der Unbarmherzigkeit und Schmach, die ich dir zugefügt habe. Ich bitte dich, mein Jesus, durch deinen bittern Trant, verzeihe mir diese meine Sünde, und gib mir Kraft, mich zu bessern. Für alle Strafen, welche ich dir wegen meines überflüssigen Essens und Trinkens schuldig bin, opfere ich dir deinen bittern Durst und Gallentrant. Amen. 35. Dom sechsten Worte Christi. Als nun Christus Galle und Essig gekostet hatte, da erschien( wie die Offenbarung der H. Brigitta spricht) die Betrachtungen vom Leiden Chrifti. 343 Farbe des Todes in jenen Theilen, wo man sie vor Blut sehen konnte. Die Kinnbacken hingen herab, die Nase wurde spitzig und der Unterleib schrumpfte ein, nachdem alle Feuchtigkeit verzehrt war. Aus diesem Zeichen sah Christus wohl, daß er nicht lange mehr leben könne; daher wollte er seiner Mutter und seinen Freunden, ja der ganzen Welt seinen Tod verkünden und von ihnen Abschied nehmen, indem er sprach:„ Es ist vollbracht!" Er wollte damit gleichsam sagen: Nun ist meines Lebens Ende gekommen und ich sehe, daß ich sterben muß. Meine Kräfte schwinden dahin, meine Sinne vergehen, meine Gestalt verändert sich und die Todesschmerzen durchdringen alle meine Glieder. Ach, es ist vollbracht, mein Leben ist dahin und der letzte Augenblick nahet sich mir! Weil ich denn nun scheiden muß, will ich von allen Menschen Abschied nehmen. Insbesondere aber sage ich dir, mein liebes Kind! Lebewohl, und spreche dieses letzte Wörtlein: Es ist vollbracht! Ich habe alles gethan und gelitten, was ich thun und leiden mußte, und zwar in solcher Absicht, als thäte ich es für dich allein. Nimm daher auch du es in solcher Meinung an, und beherzige wohl, was dies für ein großes Wunder sei, daß ich, der höchste Gott, für dich, der du so oft mein Feind warest, mit höchster Liebe und Geduld so viele und schwere Dinge gethan und gelitten habe. Dir zu Liebe und um deines Heiles willen habe ich in äußerster Armuth, Demuth und Verachtung gelebt, und so Vieles erlitten, daß es unmöglich ist, Alles aufzuzählen. Man hat mich wie einen Zauberer gelästert, wie einen Verbrecher verfolgt und wie einen Mörder gemartert. So fage mir denn, was hätte ich thun können, das ich nicht gethan habe, oder was könntest du noch wollen, daß ich mehr thun oder leiden soll? Ja, wenn mein Leiden nicht genügte, so wollte ich noch einmal für dich allein leiden, was ich für alle Menschen zugleich gelitten habe. Nun bedenke, ob du einen solchen Freund auf Erden habest, wie ich bin. Frage deinen Vater, deine Mutter, dein Weib und deine Kinder, Geschwister, frage deine besten Freunde, ob sie für dich thun wollen, was ich thue? Wenn du den Tod verschuldet hättest, und gekreuzigt werden 344 Das siebente Gärtlein. folltest, würde wohl Jemand sich für dich an's Kreuz schlagen lassen? Weil denn deine besten Freunde nicht für dich thun, was ich gethan habe, und noch immer zu thun bereit bin, warum liebst du dennoch mich nicht mehr, als sie? Du haft sie so lieb, daß du dir manches versagen kannst, um es ihnen zu geben; mir aber willst du nichts zum Opfer bringen. Du schwätzest ihnen zu Liebe oft eine halbe Nacht hindurch; mit mir aber magst du Abends nicht ein halbes Stündlein im Gebet reden, da du doch weißt, wie wohlgefällig mir dieses ist. Du erduldest für sie oft Hitze und Kälte, Hunger und Durst, mir zu Gefallen willst du aber nicht das geringste Bußwert, nicht die kleinste Abtödtung üben, wiewohl du weißt, daß ich dir den ewigen Lohn im Himmel dafür versprochen habe. Meinst du nicht, daß mir dieses sehr mißfalle? Wenn du einem andern Freunde gethan hättest, was ich dir gethan habe, und er würde dir mit Undank deine Wohlthaten vergelten, würdest du ihm nicht alle Freundschaft auffünden? Wenn nun dich die Undankbarkeit verdrießt, um wie viel mehr muß sie mich beleidigen, der ich ein unendlicher Gott bin, und unendlichen Dank verdiene! Gebet. O göttlicher Erlöser! auch ich bin einer der Undantbarsten, welche dein treues Herz peinigten und am Kreuze tödteten. Du haft für mich Alles gethan, was du thun konntest, und Alles gelitten, was dir zu leiden möglich war. Ich aber habe dein Leiden nimmermehr recht beherzigt, noch dir jemals vom Grunde meines Gemüthes schuldigen Dank dafür gesagt, sondern vielmehr durch meinen Undank und meine Sünden unendliche Schmach zugefügt. Ich bekenne demüthig meine Schuld und verspreche dir ernstliche Besserung meines Lebens. Ich sage dir ewigen Dank für Alles, was du um meinetwillen auf Erden gethan, gelitten und vollbracht hast. Ich sage dir Dank, daß du mir zu Liebe so viel Schweiß- und Blutstropfen vergoffen, so viele Thränen geweint und so viele Marter und Pein gelitten hast. Ich sage dir Dank, daß du mir zu Liebe Betrachtungen vom Leiden Christi. 345 die h. Sakramente und besonders das h. Meßopfer eingeſetzt hast. Ich sage dir Dank, daß du mit deinem bittern Leiden und Sterben mich erlöset, und durch deine Verdienste mir den Himmel erworben hast. Für dieses und Alles, was du vollbracht hast, sage ich dir aus allen Kräften meiner Seele unendlichen Dank und bitte dich demüthigst, du wollest es an meiner armen Seele nicht verloren sein lassen. Opfere alles dieses deinem himmlischen Vater auf, und stelle ihm vor, wie theuer du meine Seele erkauft habest, mit welcher Liebe du dies gethan, und mit welcher Freigebigkeit du es mir geschenkt habest. Amen. 36. Vom lekten Worte Christi am Kreuze. Nun ist noch übrig das letzte Wort, welches das Wort, das Fleisch geworden ist, in seinem sterblichen Fleische geredet hat, nämlich: ,, Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist!" Dieses Wort, wie freundlich es auch zu sein scheint, ist so schrecklich und wunderbar, daß sich Jeder, der es recht erwägt, darüber entsetzen wird. Zum besseren Verständnisse erinnere dich dessen, was oft gesagt worden ist, daß nämlich Christus in seinem Leiden so ganz verlassen gewesen sei, daß er nicht den mindesten Trost von der Gottheit empfangen habe. Er hing am Kreuze nicht anders, als jeder andere gewöhnliche Mensch, und die Gottheit hat ihn so gar ohne Trost und Stärke gelassen, als wäre er gar nicht persönlich mit ihr vereinigt gewesen; weshalb ihm auch Alles begegnete, was einem Menschen begegnen kann, ausgenommen die Sünde. Wenn denn ein bloßer Mensch also am Kreuze hängen follte, wie Christus, ohne von Gott oder den Menschen Trost oder Hülfe zu haben, was würde er wohl anfangen? Und wenn nun der Tod herannahete, und ein solcher Mensch bei vollem Gebrauche des Verstandes sich die Bitterkeit des Todes recht vorstellte, wie müßte demselben wohl so bange sein? Denke dir demnach die Lage, in der sich nun Christus befand. Als sich ihm die Todesangst näherte, und die Todesschmerzen mit aller Gewalt zu seinem Herzen drangen, da gerieth er in solche innerliche und äußerliche Bangigkeit, 346 Das siebente Gärtlein. daß ihm der kalte Schweiß am ganzen Leibe ausbrach, die Haare fich emporsträubten, das Herz ungestüm pochte, und alle Leibes- und Seelenkräfte sich entsetzten. Was sollte nun der geängstigte Jesus in solchem äußersten Elende beginnen? Wohin sollte er sich wenden, als zu seinem himmlischen Vater? Darum schrie er im Drange seines Herzens mit lauter Stimme, so daß alle Umstehenden erschraken: ,, Vater! in deine Hände befehle ich meinen Geist!" gleich als wollte er sagen: O mein liebster Vater! verlaß mich nicht! Siehe, wie mich der Todesschweiß ängstiget! Ich bin nun so gar verlassen, daß ich vor Bangigkeit und Furcht mir nicht zu rathen noch zu helfen weiß. Ich sehe vor meinen Augen den schrecklichen Tod stehen, und dieser Anblick erschreckt meine Seele so sehr, daß sie vor Angst verschmachten will. Darum, o Vater! verlaß meine arme Seele nicht; in deine Hände befehle ich meinen Geist! Ofrommer Christ! laß dir diesen kläglichen Schrei deines Heilandes zu Herzen gehen, und sprich demselben zu Liebe folgende Verehrung des fiebenten Wortes Christi. O geängstigter Jesus! ich beherzige das letzte Wort, welches du in deinem sterblichen Fleische geredet hast, als du vor großer Todesfurcht mit lauter Stimme zu Gott riefest: O Vater! in deine Hände befehle ich meinen Geist!" Gedenke, o liebster Jesus! in welchen Nöthen du damals warest, als du dieses Wort aussprachest. Gedenke, wie dir die Todesangst so stark zu Herzen drang und alle Kräfte deines Leibes und deiner Seele erzitterten. Wenn du, o starter, unüberwindlicher Gott! deiner Menschheit nach so schrecklich vor dem Tode gezittert hast, ach, wie wird es mir gottlosen Sünder ergehen? Darum bitte ich dich durch deine bitterste Todesangst, stehe mir bei in meiner letzten Angst. Gedenke, daß du diese Bitterkeiten erdulden wolltest. damit uns der Tod nicht so bitter sei. In Vereinigung der herzlichsten Inbrunst, mit welcher du deinem Vater deinen Geist befohlen hast, befehle ich dir jetzt und allezeit meinen fündigen Geist, und übergebe denselben so kräftig in Betrachtungen vom Leiden Christi. 347 deine göttlichen Hände, daß alle Gewalten der Hölle nichts wider ihn vermögen. In die Kraft deines heiligen Kreuzes und deines bittersten Todes befehle und übergebe ich meinen Geist und den letzten Augenblick meines Lebens, damit ich vor aller Gefahr und Arglist des Satans sicher sei. In deinen Geist befehle ich meinen Geist, o Jesu! in dein Herz mein Herz, in deinen letzten Augenblick meinen letzten Augenblick. Diese meine Anbefehlung begehre ich zu verrichten in der Kraft und Wirkung deines göttlichen Herzens, und bitte, dieselbe in der Stunde meines Todes vor allen Engeln und Heiligen zu wiederholen. Amen. 37. Wie der Herr Jesus starb. Unter allen Geheimnissen des bittern Leidens Christi ist keines so schrecklich, als der bitterste und grausamste Tod Jesu. Denn dieser war so wider alle Natur, daß Himmel und Erde sammt allen Elementen, welche bisher unempfindlich geblieben, nunmehr gleichsam Empfindung bekamen, und aus allen Kräften bewegt und entsetzt wurden. Christus hatte zwar am Delberge sich vor all seiner Marter gefürchtet; allein vor keiner so heftig, wie vor seinem Tode. Denn in demselben stand er so unnatürliche Qualen aus, dergleichen sich keine menschliche Vernunft vorstellen kann. In den andern Peinen litt nämlich immer nur ein Theil seines Leibes; in seinem Tode aber haben Leib und Seele zugleich sammt allen Kräften und Sinnen gelitten, besonders das edelste Herz, welches damals die höchsten Qualen erduldete. Damit du dieses desto besser verstehest, wollen wir eins nach dem andern erklären. Erstens litt im Tode Jesu seine edle Seele wegen des Scheidens von ihrem Leibe. Man sagt, es ist kein größeres Leid auf Erden, als wenn zwei Herzen, die sich wahrhaft lieben, scheiden müssen. Nun sind aber keine treuere Freunde, als Leib und Seele, welche unzertrennlich verbunden sind. Es hat niemals eine Seele ihren Leib so sehr geliebt, und es war niemals ein Leib seiner Seele so unterthänig gewesen, als eben der Leib und die Seele Christi. Denn weil sein Leib der edelste, schönste und gesundeste war, den 348 Das siebente Gärtlein. Gott und die Natur hervorgebracht hatten, darum liebte die Seele diesen vollkommenen Leib über alle Maßen, und wollte sich von ihm nicht trennen. Und weil die Seele Jefu mit allen Gnaden, Tugenden und übernatürlichen Gaben auf's vollkommenste geziert war, wie wehe mußte es dem Leibe thun, dieses kostbarsten Schatzes beraubt zu werden. Du erkennest dieses, o Chrift! und dennoch achtest du deine Seele so gering, und übergibst sie leichtsinnig um einer Todsünde willen dem Teufel. Zweitens litt die Vernunft Jesu im Tode solche Bitterfeit, welche mit keiner andern auf dieser Erde zu vergleichen ist. Seine Vernunft liebte und schätzte das Leben mehr, als alle Menschen, weil sie wußte, daß ihr Leben besser ſei, als das aller übrigen Geschöpfe, und daß sie in einem einzigen Augenblicke mehr Verdienst habe, als alle Menschen sich in ihrem ganzen Leben erwerben können. Daher stelle dir vor, dein sterbender Erlöser spräche zu dir: ,, Mein Kind! beherzige, wie bitter es meiner Vernunft vorkam, von allem, was sie billig erfreute, so bald scheiden zu müssen. Ich war nur drei und dreißig Jahre alt, und hätte natürlicher Weise ein hohes Alter erreichen können. Was war aber die Ursache, daß ich in voller Jugendkraft sterben mußte? Nichts Anderes, als deine Sünden! Du hattest zwar damals noch keine Sünden begangen; doch standen sie schon vor den Augen meines Vaters, wie jetzt nach der That. Damit ich nun diese Sünden abbüßte, und zwar um so schmerzlicher abbüßte, mußte ich zur Zeit sterben, wo ich am liebsten länger gelebt hätte. Du bist also Ursache an meinem Tode, du trägst die Schuld, daß so viel Gutes, was ich hätte thun können, unterblieb. Meine Mutter, meine Jünger und Freunde, alle Kranke, die ich heilen, alle Betrübte, die ich trösten, alle Sünder, die ich hätte bekehren können, werden am jüngsten Tage über dich flagen; ja die ganze Welt wird Wehe über dich rufen, daß du am Tode des Herrn der Welten Schuld trägſt!" O schreckliche Worte, o unbegreifliche Bosheit meiner Sünden! So bin denn ich Ursache, daß mein Jesus so bald Betrachtungen vom Leiden Christi. 349 sterben mußte, und so viel Gutes auf Erden unterblieb! Oihr Freunde und Jünger Christi, verklaget mich nicht; denn es ist mir herzlich leid, daß ich euch Jesum geraubt und euch so sehr beleidigt habe! Drittens litt die Phantasie oder Einbildungskraft sammt allen innerlichen Kräften der Seele im Tode Jesu solches Entsetzen, daß es kaum zu denken ist. Man sieht bisweilen bei Sterbenden, wie schrecklich sie sich geberden, wenn sie die Todesangst überfällt. Was ist aber alle diese Todesangst gegen die Todesangst Christi, welche viel größer war, als die aller Menschen zusammen? Viertens litt sein Leib in allen Gliedern so unerhörte Schmerzen, daß keine Zunge im Stande ist, selbe zu beschreiben. ,, Als der Tod meines Sohnes herannahte, sagte die Mutter Gottes der Hl. Brigitta in einer Offenbarung, war in seinem ganzen Leibe solcher Schmerz, daß alle Glieder erbebten. Sein Haupt hob sich etwas in die Höhe, sank jedoch sogleich wieder zurück, und durch seinen geöffneten Mund sah man die Zunge blutig. Seine Hände zogen sich von dem Orte der Annagelung zurück, und die Füße mußten die ganze Last des Körpers tragen. Seine bisher gekrümmten Finger streckten sich aus, und sein Rücken zog sich hart wider den Stamm des Kreuzes. Seine Augen, welche bisher geschlossen waren, thaten sich bis zur Hälfte auf, und seine Arme, die bisher ein wenig gebogen waren, streckten sich ganz aus. Seine Kniee, die bisher ausgestreckt hingen, beugten sich auf eine Seite, und seine Füße wendeten sich auf den Nägeln, gleichwie an Thürangeln, auf die andere Seite." O Gott! wer hat wohl Aehnliches gehört und gesehen, daß der Tod einen Menschen auf dem Sterbebette ſo gestreckt habe, wie Jesum am Kreuze! Endlich hat der arme Jesus an seinem süßen Herzen die größte Marter ausgestanden. Denn sein Herz war kräftig und gesund, und das edelste, vollkommenste Herz, das aus Gottes schaffender Hand hervorgegangen war; daher konnte es sich auch mehr gegen den Tod wehren, als andere menschliche Herzen. Auch mußte es mehr leiden, als die übrigen Glieder, und alle Sinne des Leibes und Kräfte der 350 Das siebente Gärtlein. Seele; denn das Herz empfand alle Streiche und Wunden mehr, als der Leib, und zugleich fühlte es alle Aengste und Traurigkeiten der Seele mit. Dieses währte die ganze Leidenszeit hindurch, vornehmlich aber am Kreuze, wo es so viele Qualen erduldete, daß Jemand leichter die Wassertropfen des Meeres, als diese Schmerzen zählen könnte. Unter den vielfältigen Stößen, welche das Herz Jesu trafen, waren drei so gewaltig, daß Himmel, Erde und Hölle zugleich mit dem Herzen erzitterten. Der erste Stoß war um drei Uhr Nachmittags, da die Schmerzen aller Wunden zugleich gewaltsam auf das Herz stießen, so daß der arme Jesus vor unerträglicher Pein mit lauter Stimme schrie, daß der Himmel davon erzitterte. Dieser Schall ertönte so gewaltsam im Himmel, daß nach dem Ausspruche der Offenbarung der Hl. Brigitta ,, Gott Vater, wiewohl er leidensunfähig ist, sowie auch die heiligen Engel, welche ebenfalls nicht leiden können, hievon gleichsam bewegt wurden." Der andere Stoß geschah eine kleine Weile vor dem Tode, da die vereinigten Schmerzen mit heftigster Wuth dem edelsten Herzen wieder einen so schrecklichen Stich versetzten, daß es beinahe zersprungen wäre. Dieser Stoß war so unmenschlich, daß der liebste Jesus wiederum laut aufschreien mußte, wie der h. Lukas bezeugt:„ Jesus rief mit lauter Stimme und sprach: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist!" Dieser Schrei war so gewaltig, daß die ganze Erde erzitterte; wie der h. Matthäus schreibt:„ Siehe, die Erde bebte und die Felsen spalteten sich." Der dritte und letzte endlich geschah im letzten Augenblicke des Lebens Christi, in welchem der Tod die Schmerzen so häufte, daß das edelste Herz der Uebermacht derselben erliegen mußte und brach. In diesem Augenblicke stieß Jesus einen so heftigen Schrei aus, daß die Hölle davor zitterte. Im nämlichen Momente fuhr der Herr auch in die Vorhölle hinab, und vor seiner Gegenwart erzitterten alle Mächte der Hölle. Endlich kommen wir an den schrecklichen Tod Jesu, vor welchem alle Kreaturen, so oft davon geredet wird, wie einst am Charfreitage erzittern sollten. Insbesondere aber Betrachtungen vom Leiden Christi. 351 sollten sich die menschlichen Herzen entsetzen, wenn sie von diesem Tode predigen hören oder lesen. Denn was ist schrecklicher, als daß der Heiland der Welt, der König des Himmels und der Erde, der eingeborene Sohn des ewigen Baters, ja Gott selbst so unschuldig und grausam getödtet wird! Dieses ist ein so unerhörtes Wunder, daß es keine Bunge aussprechen, keine Feder beschreiben, kein Verstand begreifen kann. Wir können Gott in alle Ewigkeit nicht genug hierfür danken, vielweniger auf dieser Welt würdig dienen. Gebet. Jesu! meine einzige Liebe, mein kostbarster Schatz, so hast du denn dein edles Leben lassen müssen? Nun ist all meine Freude und mein Trost dahin! Du stirbst nicht auf einem Bette, in keinem Hause, sondern an dem harten Kreuzesholze unter dem freien Himmel! Du hast keinen Strohhalm, darauf zu liegen, kein Stücklein Leinewand, dich zu bedecken. Dein Haupttissen ist die dörnerne Krone, dein Bett das Kreuz. Deine Labung ist Galle und Essig, dein letzter Trost das Gespötte der Juden. Du hast keine Bedienung, sondern nur die Gesellschaft zweier Mörder. Du liegst nicht in sanfter Ruhe, sondern hängst an vier Nägeln ausgespannt, und vermagst dich nicht einmal umzuwenden, und keine Hand, ja nicht einmal ein Finger ist dir frei, um dir den Schweiß und das Blut abzuwischen. So fehlt dir aller Trost und alle Hülfe, und du bist gänzlich von Gott verlassen. Du streitest einen so bittern Todestampf, daß dir vor Schrecken Leib und Seele erzittern und dein Herz den Qualen unterliegen muß. O Jesus! wie dauerſt du mich, und wie ist mein Herz vor Mitleid krant, daß du, der Sohn des himmlischen Vaters, so erbärmlich sterben mußt, und verlassener bist, als der ärmste Bettler dieſer Welt! Ich danke dir von Herzen für diesen Tod, und opfere dir denselben auf für alle meine Sünden. Wenn ich dereinst in Todesnöthen liegen werde, so gedenke deines bittern Sterbens, und verleihe mir durch die Kraft desselben ein seliges Ende. Amen. Das siebente Gärtlein. 38. Non der Eröffnung der Seite Christi. Bisher haben wir ausführlich erzählt, wie viele Marter unser Erlöser am heiligen Kreuze gelitten, und wie er endlich unter den höchsten Schmerzen seinen Geist aufgegeben habe. Man sollte daher meinen, es sei diese Leidensgeschichte nun zu Ende, da ja alle Marter sich mit dem Tode endet. Aber höre mit Erstaunen, welche Greuel die gottlosen Juden unter dem Deckmantel der Gottseligkeit verübten. Sie gingen zu Pilatus und baten ihn, daß man die Gebeine der Gekreuzigten zerbrechen und sie vom Kreuze abnehmen möchte, weil es übel anstehen würde, wenn selbe am großen Sabbathe dort hängen blieben. Als die Juden dies begehrten, lebte Christus noch; denn wäre er schon todt gewesen, so hätten sie es nicht verlangt. Es läßt sich daher aus diesem Umstande ihre grausame Rachgierde erkennen, da sie sich mit Allem, was sie ihm bereits zugefügt hatten, noch nicht begnügten, sondern ihm noch diese grausame, heidnische, bei den Juden ganz ungewöhnliche Marter der Beinbrechung anthun wollten, welche bitterer und schimpflicher, als die Kreuzigung selbst war. O wie herzlich betrübte den lieben Heiland diese Hartnäckigkeit der Juden, weil er sah, daß sie mit all seiner Marter noch nicht zufrieden waren! Darum sind einige der Meinung, Jesus habe seinen himmlischen Vater gebeten, er wolle ihn zuvor sterben lassen, ehe seine Gebeine zerbrochen würden, weil ihm diese Marter so entsetzlich vorkar 352 Nachdem die grimmigen Juden die Bewilligung erhalten hatten, nahmen sie etliche Henkersknechte mit sich und eilten mit Leitern und Kolben zum Calvarienberge hinaus. Ach, welche Angst befiel die Mutter Jesu, als sie die gottloje Schaar der Juden mit großer Frechheit daher kommen sah; ihr Herz gab ihr ein, daß sie nichts Gutes im Sinne hatten, sondern ihrem todten Sohne eine neue Schmach zufügen wollten. Sobald die grimmige Rotte oben am Berge antam, und die beiden Schächer noch am Leben traf, glaubten sie, daß auch Christus noch lebe, weil er Augen und Mund offen hatte; deswegen wollten sie an ihm zuletzt ihre Grausamkeit vollziehen, damit er durch den Anblick, Betrachtungen vom Leiden Christi. 353 wie den beiden andern die Gebeine zerschmettert würden, eine neue Marter empfinden und seine Angst vermehrt werden follte. Sie fingen bei dem bekehrten Schächer an, darnach stiegen sie auf das Kreuz des linken Schächers, und zerbrachen ihm gleichfalls seine Gebeine. Als die grimmigen Henter die beiden Schächer umgebracht hatten, setzten sie ihre Leiter an das Kreuz Christi, und wollten mit ihm ebenso verfahren. Da sie aber sahen, daß er wirklich gestorben sei, wurden sie sehr aufgebracht, daß sie ihre beabsichtigte Tyrannei nicht ausüben konnten. Daher nahm ein Soldat, Namens Longinus, einen Speer, und durchstach aus lauter Rachgier die h. Seite Christi, wie in den Offenbarungen der h. Brigitta mit folgenden Worten erklärt wird:„ Da das Volt im Kreise herumstand, kam einer mit großer Wuth hinzu und stieß die Lanze in die rechte Seite Christi so heftig, daß dieselbe beinahe den andern Theil des Leibes durchbringen wollte. So wurde mein Sohn ganz unbarmherzig in sein Herz gestochen; denn der Stechende ließ nicht nach, bis die Lanze die Rippen berührte, und beide Theile des Herzens an der Lanze waren. Als er die Lanze herauszog, floß aus dieser Wunde ein Blutstrom mit großer Gewalt; das Eisen aber und ein Theil des Spießes kamen roth aus dem Leibe hervor und waren mit Blut benetzt." Ach! wie konnte doch dieser Soldat so verwegen ſein, daß er an dem verwundeten Leichname Jesu solche Grausamfeiten verübte. Der zerfleischte Leib hing so erbärmlich am Kreuze, daß ihn Niemand ohne Entsetzen betrachten konnte. Als aber der Soldat mit der Lanze in das Herz stach und eine Hand breite Wunde machte, ach, wie erschraten alle Umstehenten, besonders da sie das viele Blut und Wasser wider alle Natur aus der Wunde hervorfließen sahen! Da hing nun der todte Körper und hatte eine so tiefe und breite Wunde, daß man ihm in's Herz sehen konnte, und das rosenfarbene Blut rann wie ein Bach über den Leib herab! christliche Seele! beherzige die unendliche Liebe deines Heilandes, welchem es nicht genügt, daß er einmal für dich gestorben ist, und daß sein Herz im Tode zersprang; sondern damit es alle Menschen mit Augen sehen möchten, Myrrhengarten III. 23 354 Das siebente Gärtlein. wollte er es noch einmal mit dem Speere aus lauter Liebe durchstechen lassen, um zu zeigen, daß er nochmal bereit sei, für uns zu sterben; wie er zur h. Brigitta sprach,„ Ich stürbe ja gerne aus lauter Liebe für die Menschen, wenn es möglich wäre." Ein anderes Mal sprach er:„ Habet Mitleid mit mir, ihr meine Freunde! denn ich habe die Menschen sehr theuer erkauft: ja ich habe sie einmal gleichsam Alle mitsammen auf meinem Rücken getragen, da ich ganz verwundet und an das Kreuz geheftet worden war. Ich liebe die Menschen so sehr, daß, wenn es möglich gewesen wäre, noch einmal für einen Jeden insbesondere zu sterben, gleichwie ich am Kreuze für Alle gelitten habe, ich sie lieber erlösen, als auf sie verzichten wollte." Gebet. Oliebreicher Jesus! ich erstarre beinahe in Betrachtung deiner Liebe, und weiß vor Verwunderung nicht, was ich sagen soll! Ist es denn möglich, daß du mich also liebest, und um meinetwillen nicht allein den allerbittersten Tod leiden wolltest, sondern auch nach deinem Tode dein liebreichstes Herz eröffnen ließzest, um zu zeigen, daß du noch einmal für mich zu sterben bereit seiest? O du Liebe meines Gottes, wohin hast du Jesum gebracht! Soll ich also meinen Heiland nicht wieder lieben, der solches für mich gethan hat? O Jesus, meine einzige Liebe, wenn ich dich nicht liebte, wäre ich nicht werth, daß ich lebte. Ich habe keinen so treuen Freund auf Erden, als dich; denn weder Vater und Mutter, noch mein treuester Freund würden sich für mich tödten lassen, wie mein Jesus gethan hat. Darum will ich fortan keinen Menschen so sehr lieben, wie bisher. Dich aber, mein Jesus, will ich allein und über Alles von ganzem Herzen lieben, so lange ich lebe. Laß mich nur von deiner Liebe nimmermehr geschieden werden, sondern in derselben verharren. Amen. 39. Wie der Leichnam Christi im Schooße seiner Mutter betrauert wurde. Ich möchte mir nur von Herzen wünschen, eine englische Zunge zu haben, damit ich würdig erklären könnte, welchen Betrachtungen vom Leiden Christi. 355 Jammer und welche Klage Maria und ihre Gesellschaft führten, als der Leichnam Christi auf der Erde lag, und alle um ihn herumknieeten. Er sah so schrecklich aus, daß es zu verwundern ist, wie diese andächtigen Seelen ihn ohne Entsetzen betrachten konnten: und wenn ihre Liebe zu dem Herrn nicht so groß gewesen wäre, und Gott ihre Herzen nicht gestärkt hätte, so wäre es ihnen unmöglich gewesen, diese traurige Leiche ohne Abscheu und Schauder anzuschauen. Nun erwäge, welch ein Schrecken das mütterliche Herz ergriff, als sie diese erbärmliche Gestalt ansah. Sie hatte ihr Kind in seinem ganzen Leben niemals recht beschauen können; nun aber konnte sie ihn ganz in der Nähe und genau betrachten und alle seine Wunden befühlen und zählen. Mit diesem Allem war das mütterliche Herz Mariä noch nicht gesättiget, sondern aus heftiger Gewalt der Liebe konnte sie sich nicht enthalten, den Geliebten ihrer Seele auf ihren Schooß zu nehmen und an ihr Herz zu drücken. Dies bezeugte sie mit eigenen Worten der heil. Brigitta: Da nahm ich meinen Sohn, gleichwie einen Aussätzigen auf meinen Schooß. Seine Augen waren roth und voll Blut, sein Mund war kalt wie Eis, seine Hände erstarrt, daß man sie nicht biegen konnte; gleichwie er am Kreuze gehangen, so habe ich ihn auf meinen Schooß gelegt. Was ich aber für Traurigkeit litt, vermag Niemand auszusprechen: denn ich war wie ein gebärendes Weib, deren Glieder zittern und welches vor Schmerzen kaum Athem schöpfen kann." Die arme Mutter beschaute seinen ganzen Leib, wie alle Glieder so zerrissen, verwundet und entstellt waren, und sie flagte so rührend, daß der Felsen, auf dem sie saß, sich hätte erweichen mögen. Alle Umstehenden weinten mit ihr und hatten das innigste Mittleid mit ihrem Schmerze. Sie sah die Dornenkrone und die vielen spitzigen Dornen, welche durch die Stirne gingen, und wurde so ergriffen als ob alle diese Dornen in ihrem Haupte steckten. Sie besah das geschwollene und zerkratzte Angesicht, und konnte kaum glauben, es sei dies das Angesicht ihres lieben Sohnes. Sie befah die grausame, schreckliche und tiefe Seitenwunde, 23* 356 Das siebente Gärtlein. und meinte nicht anders, als wenn ihr eigenes Herz also durchstochen wäre. Sie befah die Wundmale seiner Hände und Füße, seinen zerfleischten Leib, und wurde durch diese erbärmliche Gestalt bis in den Abgrund ihrer Seele verwundet. Wer wollte aussprechen, wie viele Schmerzen damals ihr Herz durchdrangen, wie viele Thränen sie vergoß und wie viele Seufzer ihr der Schmerz auspreßte! Ach, Niemand kann es erzählen, Niemand glauben, wie unermeßlich ihr Elend war! Als Maria den Leib ihres Sohnes auf dem Schooße hielt, knieeten unterdessen alle Gegenwärtigen vor demselben nieder, und wurden nicht allein durch den kläglichen Anblick der Leiche, sondern noch mehr durch den Jammer Mariens bis zur Untröstlichkeit betrübt. Gedenke, welch ein jammervolles Schauspiel es war, als die halbtodte Mutter ihren lieben Sohn auf ihrem Schooßze hielt, ihn andächtig umfaßte, herzlich füßte und jämmerlich bektlagte. Hier hätten auch unsere Herzen weich werden müssen, geschweige denn die frommen Herzen der treuen Freunde Christi. Ach, wie weinte der H. Johannes um seinen lieben Meister! Wie weinte Magdalena um ihren auserwählten Geliebten! Wie weinte Martha um ihren Freund! Wie weinten alle Uebrigen um den unschuldig getödteten großen Propheten! Hier war solches Weinen und Seufzen, Trauern und Klagen, wie noch keine Leiche auf Erden je beweint wurde. Wie meinst du, daß besonders die lieberfüllte Magdalena zu den Füßen ihres Herrn gelegen sei und den bittersten Tod dessen, den ihre Seele über Alles liebte, betrauert habe? Christus selbst hat in einer Offenbarung gesprochen:„ Als Magdalena mich, ihr Leben, ihre Freude und ihr Alles, gestorben sah, da ward ihre Seele vor Liebessehnsucht krank, und wie todt. Sie wurde mit so bittern Schmerzen verwundet, daß es nicht ausgesprochen werden kann. Sie hielt es für unmöglich, noch länger zu leben, weil ich, der ich ihr Leben war, todt vor ihren Augen lag. Als sie sah, daß mein Herz mit dem Speere so tief durchstochen war, da schlug ihr die Liebe wieder eine neue und bittere Wunde in ihr Herz." Betrachtungen vom Leiden Christi. Tröstliches Gebet vor einem Vesperbilde. ( Pietà.) 357 getreueste Mutter meines Herrn Jesu Christi! die du Niemanden verstoßest, Niemanden verachtest, und Niemanden, der mit reumüthigem Herzen zu dir kommt, ohne Trost entlässest; siehe, ich armer Sünder komme mit herzlicher Andacht vor dein H. Besperbild, und begehre dich mit aller möglichen Liebe zu verehren. Laß mich von dir Barmherzigkeit empfangen, von welcher so viele Sünder schon Gnade erlangt haben. O mitleidigste Mutter Maria! du weißt, wie einem betrübten Herzen zu Muthe ist, weil du selbst so viele Trübfale gelitten hast, daß alle Menschen dieselben nicht ertragen könnten. Aller dieser Bitterfeiten, die du in der Umfangung deines Sohnes empfandest, als du ihn an dein mütterliches Herz drücktest, mit deinen jungfräulichen Armen umfaßtest, mit Küssen bedecktest und mit Thränen begosfest, erinnere ich dich, und bitte dich durch dieselben, du wollest mir Verzeihung meiner Sünden erlangen. O Maria! bitte deinen lieben Jesus, den du auf dem Schooße trägst, für mich armen Sünder! O gütigster Jesus, zeige deinem himmlischen Vater alle deine Wunden und Schmerzen, die du für mich gelitten hast! Maria, ich bitte dich durch das schmerzliche Geheimniß dieses Vesperbildes, hilf mir bei Gott dem Vater Gnade erlangen; nimm den verwundeten Leichnam deines Sohnes auf deine mütterlichen Arme und opfere ihn dem himmlischen Bater in derselben Gestalt, wie du ihn auf deinem Schooße hattest. Opfere ihm seine und deine Schmerzen, sein Leiden und dein Mitleiden sammt Allem, was du und er auf Erden gethan und gelitten habet, damit du mir Gnade und Barmherzigkeit erlangen mögest. Amen. 40. Wie der Leichnam Christi begraben wurde. Von dem Orte des Begräbnisses ist zu wissen, daß Christus in einem schönen Garten, welcher einem edlen Rathsherrn, Joseph von Arimathia, gehörte, begraben worden ist. In diesem Garten war ein hoher Felsen, worin Joseph sich selbst ein herrliches Grab hatte aushauen 358 Das siebente Gärtlein. lassen. Es war eine runde Höhle und so hoch, daß ein aufrecht stehender Mensch mit der Hand kaum an die Decke reichen konnte. Gegen Mitternacht war in dieser Höhle ein Grab aus demselben Felsen ausgehauen, sieben Schuh lang, drei breit und vier hoch. Das Grab war rückwärts hart an dem Felsen, so daß man nicht rund umhergehen konnte, vorn aber war so viel Platz in der Höhle, daß acht Menschen vor dem Grabe stehen konnten. Die Farbe des Felsens war roth und weiß vermischt. Die Thüre war gegen Sonnenaufgang, gegen die Stadt Jerusalem zu, und so niedrig, daß man sich bücken mußte, um hineinzukommen. Als der Leib Christi ganz eingewickelt war, legten Joseph und Nikodemus denselben auf eine Totenbahre, welche sie zu diesem Zwecke mitgebracht hatten, hoben sie von der Erde auf ihre Schultern und trugen den heiligen Leichnam zu Grabe. Nach der Leiche ging die betrübteste Mutter und nach ihr der Hl. Johannes. Dann kamen Maria Cleophä, Salome, Magdalena, Martha, Veronika und Andere; endlich folgten der Hauptmann und etliche fromme Soldaten, die sich im Leiden Christi bekehrt hatten. Dies war der traurige Leichenzug unseres Heilandes. Nun komme und beherzige den Jammer, welcher sich erhob, als dieser Zug sich in Bewegung setzte. Die Erfahrung lehrt, daß, wenn einer treuen Mutter ihr einziges Kind stirbt, sie es ungeachtet aller Bitterkeit dennoch für einigen Trost hält, wenn sie den Leichnam bei sich im Hause hat. Sowie man aber die Leiche fortträgt, ach, wie wird ihr Herz bewegt, und wie jammert und weheflagt sie so erbärmlich! Kein Tag in ihrem Leben ist ihr schrecklicher vorgekommen, als dieser; denn sie weiß, daß sie jetzt dasjenige verliert, was sie nicht wieder erlangen kann. So erging es auch der armen verlassenen Mutter Gottes. So lange sie ihren Sohn noch vor Augen hatte, besaß sie noch einen schwachen Trost; da man ihr ihn aber nunmehr wegnahm, war ihr Jammer unaussprechlich. Sie wußte zwar wohl, daß ihr Sohn am dritten Tage wieder auferstehen werde; allein in der gegenwärtigen Lage fiel ihr kein solcher tröstlicher Gedanke ein, und selbst in Betrachtungen vom Leiden Christi. 359 diesem Falle wäre ein Trostgrund in ihrem Leide eben so viel gewesen als ein Tropfen süßes Wasser in dem großen salzigen Meere. Der h. Geist, welcher sie zur höchsten Würde der Mutterschaft Gottes auserwählt hatte, wollte auch, daß sie ihrem Sohne so viel als möglich gleichförmig sein sollte; weil daher Christus ohne allen Trost leiden mußte, so sollte auch sie alles Trostes entbehren. Darum war sie so in Bitterfeit des Todes Christi versenkt, daß ihr kein Gedanke an seine Auferstehung einfiel. Der heil. Bernardus schreibt hierüber: ,, Als Joseph und Nikodemus den Herrn ins Grab legen wollten, da wollte die betrübteſte Mutter zugleich mit ihm begraben werden. Sie warf sich über den Leichnam ihres geliebten Sohnes, umfing und füßte ihn zärtlich und sprach: Erbarmet euch meiner, ihr lieben Freunde! und lasset mir mein Kind noch ein wenig, damit sein Anblick meine betrübte Seele etwas trösten möge. Ach, begrabet ihn nicht so bald, sondern vergönnet mir ärmsten Mutter, daß ich ihn noch eine kleine Weile bei mir habe!" Als er begraben war, umfing Maria das Grab, und rief mit kläglicher Stimme ihrem Sohne. O wie gerne wäre ich damals mit meinem Sohne begraben worden, offenbarte sie später der hl. Brigitta, wenn es sein Wille gewesen wäre. Ich kann in Wahrheit sagen, daß bei dem Begräbniß meines Sohnes zwei Herzen in ein Grab gelegt wurden." Endlich haben wir noch das letzte Herzenleid Mariä übrig, als sie von dem Grabe ihres Sohnes scheiden mußte. Sie hatte keinen Platz mehr auf der ganzen Welt, wo sie Trost fand, als die Ruhestätte ihres lieben Kindes; hier hätte sie immer bleiben mögen, denn ihr Alles war hier begraben. Als sie aber auf die dringenden Bitten des Joseph und Nikodemus von diesem Orte weichen mußte und den großen Stein vor die Thüre des Grabes wälzen sah. da hättest du sehen sollen, wie kläglich sie sich geberdete. Die übermäßige Liebe läßt sich keine Gesetze vorschreiben, sondern will allein von ihren Anmuthungen regiert sein. Hast du jemals eine verlassene Wittwe, eine betrübte Wittwe gesehen, die vom Grabe ihres theuersten Wesens 360 Das siebente Gärtlein. auf Erden scheiden sollte; so kennest du nur den kleinsten Theil des unermeßlichen Herzenleids, das Maria empfand, als das Grab Jesu verschlossen wurde. Dann benetzte sie das Grab mit so vielen Thränen, daß man es nach dem Zeugnisse des h. Bernardus noch zu seiner Zeit an den Steinen sehen konnte, zum Zeichen des innerlichen Schmerzes, welcher ihre Seele gleich einem scharfen Schwerte durchdrang. So vergoß die Mutter an diesem Tage eine solche Menge von Thränen, daß man billig darüber staunen muß. Dieses Weinen mache dir zu Nußen und sprich andächtig folgende Verehrung der Thränen Mariä. Oihr unzähligen bittern Thränen, die ihr am heiligen Charfreitag aus Liebe und Mitleid gegen den leidenden und verstorbenen Heiland den Augen Mariä entströmt seid, ich ehre und segne euch mit demüthigem Herzen! Alle Engel und Menschen sollen euch preisen, und alle Sünder ihre Zuflucht zu euch nehmen. Ach, erweichet mein hartes Herz zum Mitleid, und bewegt es zur wahren Reue über meine vielen und großen Sünden. Mildreichste Jungfran Maria! ich erinnere dich des herzlichsten Mitleids über deinen leidenden und verstorbenen Sohn, und bitte dich durch alle deine Thränen, du wollest mir die Gnade der Thränen erwerben. O! wollte Gott, daß ich eben so kräftig und heilsam, wie du am Charfreitage geweint hast, das bittere Leiden Christi und meine vielfältigen Sünden beweinen könnte! O gnadenreiche Jungfrau! Ich opfere diese deine vergossenen Thränen dem himmlischen Vater zur Erstattung der Thränen, die mir aus Lauheit und Hartherzigkeit mangeln; durch die Verdienste derselben erwirb mir Verzeihung meiner Sünden und Nachlassung meiner Schulden. Wenn ich auf meinem Todesbette liegen werde, so schenke mir nur eine einzige von deinen Thränen und wasche damit meine unreine Seele und mein beflecktes Gewissen rein. Amen. Schlußbetrachtung. Endlich kommen wir zum Beschlusse des Leidens Christi, weil nichts mehr daran mangelt, als daß wir uns dasselbe zu nutzen machen. Betrachtungen vom Leiden Christi. 361 Erstens sei Christo dankbar, daß er so viel für dich gelitten hat, und siehe zu, wie du ihm so viele Liebe vergelteſt. Zweitens hüte dich vor Sünden und Nachlässigkeiten, damit du Christo, deinem Herrn, sein bitteres Leiden nicht wieder erneuerst. Drittens setze ein großes Vertrauen auf die Verdienste Christi und opfere dieselben Gott dem Vater zur Genugthuung deiner Sünden. Wie du dies im Werke thun könnest, beschreibt der gottfelige Johannes Landsberg, da er Christum also redend einführt:„ Was die Genugthuung für deine Sünden anbelangt, nimm diesen Rath von mir an: Was du Gutes thun kannst, das thue vertrauensvoll. Thue es aber nicht in der Meinung oder zu dem Ende, als ob du deine Sünden bezahlen oder dafür genugthun könntest; denn dazu sollst du deine Werke viel zu unwürdig und ungültig schätzen. Thue vielmehr Alles zu dem Ziele und Ende, damit du mir gefallest, den du erzürntest. Bitte mit großem Vertrauen, daß ich durch die Verdienste meines heiligsten Lebens und bittersten Leidens deine Sünden hinwegnehmen und meinem Vater dafür genugthun wolle. Diese deine Demuth und dieses Vertrauen, das du zu mir hast, indem du dich und alle deine Werke so gering, mich und meine Verdienste aber so hoch schätzest, übertrifft alle deine Genugthuung und bewegt mich, daß ich dir den Schatz meiner Verdienste mittheile. Deswegen soll es dein größter Fleiß sein, daß du mir zu gefallen suchest, beständig an mich denkest, nach mir verlangest, mich liebest und meine Gebote haltest. Wenn du schon noch tausendmal tausend Sünden hättest, so verzeihe ich sie dennoch, als wäre es nur Eine Sünde; denn es ist kein Unterschied bei mir, wenig oder viele Sünden zu verzeihen, weil ich tausend Sünden wie Eine nachlasse, wenn der Sünder nur wahre Reue hat." TUI A Fast ebendasselbe sagt auch der selige Suso, indem er durch göttliche Eingebung Christum so redend einführt: Das Maß meiner strengen Gerechtigkeit läßt gar keine Sünde, sie sei nun groß oder klein, ungestraft hingehen, sondern will Alles bis auf den letzten Heller bezahlt haben. 362 Das ficbente Gärtlein. Wenn daher ein Sünder wäre, der mehr als sechshundert Todsünden begangen hätte und nach dem geistlichen Rechte für eine jede Sünde sieben Jahre Buße thun sollte; aber durch den Tod übereilt, ohne Genugthuung sterben würde; wie lange meinst du, daß er im Fegfeuer büßen müßte, bis er seine große Schuld bezahlt hätte? Nun sieh, Alles, was er zu leiden hätte, daß könnte er in Kurzem durch mein Leiden auslöschen; ja er könnte sich den Schatz meines Leidens so zu nutzen machen, daß, wenn er schon viele tausend Jahre im Fegfeuer hätte leiden müssen, er dennoch in turzer Zeit alle Schuld und Strafe bezahlen könnte, so daß er ohne Fegfeuer in den Himmel kommen würde. Dies müßte aber also geschehen: Erstens, er muß oft und gründlich mit reumüthigem Herzen die Menge und Größe seiner schweren Sünden, mit welchen er den himmlischen Vater so schwer erzürnt hat, erwägen und bereuen; alsdann soll er die Werke seiner eigenen Genugthuung für sehr gering halten, die Unermeßlichkeit meiner Genugthuung aber erhöhen und hochachten, weil nämlich alle Bußwerke, die ein Mensch verrichten kann, gegen die Sünden zu rechnen, nicht mehr sind, als ein Tröpflein gegen das ganze Meer ist. Meine Genugthuung hingegen ist so groß, daß auch das geringste Blutströpflein die Sünden von tausend Welten auszulöschen vermag. Deswegen soll man die Geringschätzung seiner Genugthuung in die Unendlichkeit meiner Verdienste versenken, und mich bitten, daß ich diese beiden vereinige, Gott dem himmlischen Vater aufopfere und darstelle." So sieh denn, o Sünder! wie leicht und auf welche Weise du für deine Sünden genugthun und deine strengen Strafen bezahlen sollst. Bitte nämlich Christum, er solle für dich genug thun, und deine geringen Bußwerke mit seinen Verdiensten vereinigt Gott dem Vater aufopfern. Wie du dies thun könnest, findest du in folgender Aufopferung des Leidens Christi. Allergütigster Herr Jesu Christe, ich habe nun die traurige Geschichte deines bittern Leidens ganz durchgelesen und Alles, was du für mich armen Sünder gelitten hast, mir wohl Betrachtungen vom Leiden Christi. 363 zu Gemüthe geführt. Ich habe mit Verwunderung und Schrecken vernommen, wie viele schwere und bittere Pein du an Leib und Seele ausgestanden, und wie theuer du alle meine Sünden und Schulden dem himmlischen Vater bezahlt hast. Deswegen sage ich dir von Grund meines Herzens unendlichen Dank, und begehre dich in alle Ewigkeit dafür zu loben und zu benedeien. O liebster Jesu, wie herzlich gut hast du es mit mir gemeint, daß du aus lauter Barmherzigkeit meine Schulden auf dich genommen und mit so schwerer Buße deinem himmlischen Vater dafür genug gethan hast; denn außerdem wäre ich ewig verloren gewesen! Wie will ich dir denn für deine unendliche Liebe genug danken können, und was soll ich dir vergelten, daß du mir eine so große Gnade erwiesen hast! Weil ich dich nicht würdig preisen kann, so bitte ich, alle Engel wollen dich für mich benedeien und alle Heiligen dir ihre Verdienste zur würdigen Vergeltung aufopfern. Ich will mich befleißigen, nach aller Möglichkeit dir fortan zu dienen und dich aus ganzem Herzen inbrünstig zu lieben. An dich will ich denken, zu dir seufzen, nach dir verlangen, und was ich weiß, daß es dir wohlgefällig, will ich mit allem Fleiße verrichten; jedoch nicht in der Absicht, als ob ich dir mit diesen und dergleichen Bußwerken für meine Sünden genugthun wollte, sondern nur allein, um dir zu gefallen und anstatt der vielfältig zugefügten Schmach wieder einiges Wohlgefallen zu erweisen. Deswegen ist es mein ernstlicher Wille, daß ich von nun an bis an das Ende meines Lebens alle meine Werke in dieser Absicht und Meinung zu verrichten begehre. Wenn ich auch etwas mit einer andern Meinung thäte, so wollest du es doch annehmen, als ob es mit dieser Meinung geschehen wäre. Denn ich weiß gewiß, daß alle Bußzwerke, die ich verrichten kann, im Vergleiche mit der Schwere meiner Sünden nicht mehr zu rechnen sind, als wie ein Tröpflein gegen das ganze Meer. Ja, wenn ich schon alle Bußwerke der ganzen Welt allein verrichten könnte, würde ich dennoch nicht für die geringste Todsünde nach der Gerechtigkeit genugthun können. Darum verlasse ich mich gar nicht auf meine guten Werke und Verdienste, weil ich weiß, daß dieselben viel zu gering sind, 364 Das siebente Gärtlein. meine schweren Schulden zu bezahlen. Deswegen bitte ich dich, o mildreichster Jesus! du wollest, gleichwie du an dem Tage deines Leidens meine Schulden auf dich genommen hast, so auch jetzt dieselben noch einmal auf dich nehmen und deinem himmlischen Vater dafür genugthun. Stelle ihm vor Augen, was du zu seiner Ehre und meinem Heile gethan und gelitten hast, und bitte ihn um deßwillen, daß er mir barmherzig sei. Opfere ihm dein ganzes bitteres Leiden von deiner Traurigkeit am Delberge an bis zu deinem letzten Athemzuge am Kreuze, deine Thränen und Seufzer, deine Wunden und Schmerzen. deine Tugenden und Verdienste, dein Leben und Sterben, deine Menschheit und Gottheit zur Verzeihung meiner Sünden und Genugthuung meiner Schulden, um seinen gerechten Zorn vollkommen zu versöhnen. Amen. Das achte Myrrhen- Gärtlein. Gepflanzt mit verschiedenen Gebeten zur schmerzhaften Wuffer Gottes und zum leidenden Seilande. Gebete zur schmerzhaften Mutter Gottes um ein seliges Ende. Der erste Schmerz Mariä, beim Abschiede Jesu und Mariä. Allerbetrübteste Jungfrau Maria! ich dein unwürdiges Kind will jetzt beherzigen, wie dein lieber Sohn Zur schmerzhaften Mutter. 365 dir sein Leiden offenbarte, und den traurigen Abschied von dir nahm. Ach Gott! was empfand damals dein mütterliches Herz, als dir dein treues Kind mit großem Herzenleid ansagte, daß er von den Juden würde gefangen, gegeißelt, gekrönet und gekreuzigt werden. O wie zerschnitten dir diese Worte dein zartes Herz, und was für Angst und Leid durchdrang deine betrübte Seele! Noch mehr aber, als du deinem liebsten Sohne das traurige Geleite gabest, und Er den letzten Abschied von dir nahm. O du treuherzig liebende Mutter, gedenke, was für ein Herzenleid dich überfiel, als derjenige von dir schied, welcher deines Herzens Leben und einziger Trost war! Ach! wie rührend war es, als du vor deinem Kinde niederknieetest und seinen göttlichen Segen begehrtest! Und wie mußte jegliches Herz bewegt werden, als du ihm zuletzt um den Hals fielest und den letzten mütterlichen Kuß gabest! Als aber dein herzliebster Sohn von dir schied, da littest du viel größere Marter, als wenn Jemand dir ein breites Messer in die Brust gestoßen und dir dein Herz mit Gewalt herausgerissen hätte. O betrübte Mutter! ich bitte dich durch die bitteren Zähren, so du damals vergossen, und durch die Herzensqual, so du damals gelitten haſt, erbarme dich über meine arme sündige Seele, wenn sie von meinem sterblichen Leibe wird abscheiden, und wenn ich von allen meinen Freunden mich werde trennen und in großer Angst und Noth von dieser Welt verscheiden müssen. O! dann erinnere dich dieses Gebetes, und wegen deines traurigen Abschieds begleite mich in meinem Hinscheiden von dieser Welt. Amen. Das achte Gärtlein. Der andere Schmerz, als Maria Nachricht bekam, ihr Sohn sei gefangen. Allertraurigste Jungfrau Maria! ich erinnere dich jener Nachricht, welche dir der H. Johannes brachte, daß dein lieber Sohn gefangen und vor die Hohenpriester geführt worden sei. Gedenk, o Maria! wie du bei dieser Nachricht vor Größe des Schmerzes zu Boden gesunken und in Ohnmacht gefallen bist. Gedenke, was für eine Klage du damals führtest, und wie bitter du die grausame Gefangennehmung deines Sohnes beweintest. Noch nie war dir eine solche betrübte Nachricht gekommen, und niemals vorher hat dich ein so gewaltiger Schrecken überfalleu. Elend und Jammer nahmen in deinem Herzen so sehr überhand, daß du vor Traurigkeit hättest versinken mögen. Oliebe Mutter Gottes, wenn ich dich damals damit hätte trösten können, so wollte ich dir mein Herz zur Labung deines Herzens und alle meine Kräfte zur Stärkung deiner Schwachheit gegeben haben. Ich bitte dich durch den heftigen Schrecken, der dich damals überfiel, und durch alles Herzenleid, so du in der Charfreitags- Nacht gelitten hast, stärke mich in dem größten Schrecken meines Todes, und bewahre mich, daß ich nicht in Kleinmüthigkeit falle. Amen. 366 Der dritte Schmerz, welchen Maria unter der Geißelung Christi gelitten hat. Allermitleidigste Jungfrau Maria! sei eingedenk des unaussprechlichen Herzenleides, welches du mit deinem lieben Sohne ausstandest, als du ihn nackt Bur schmerzhaften Mutter. 367 an die Säule gebunden und ganz grausam geißeln sahest. O du treues mütterliches Herz, was hast du doch in dieser Stunde gelitten, und wie war dir doch an Leib und Seele zu Muthe! Ach, wer vermag's genug zu beherzigen, wie die harten Geißelstreiche dein Herz durchdrungen haben! Denn wie viele Streiche dein liebes Kind empfing, so viele tödtliche Stiche empfing auch dein mütterliches Herz, und so viele Ohnmachten überfielen deinen schwachen Leib. Darum war es kein Wunder, daß du für todt niederfielest und in eine sehr bittere Ohnmacht versanteſt. Ja es war vielmehr ein Wunder, daß du nicht auf der Stelle starbest und vor unerträglichem Schmerze deinen Geist aufgabest. O du treueste Mutter! ich erinnere dich der bittern Marter, so du unter der Geißelung Christi gelitten hast, und durch diese bitte ich: erbarme dich meiner! Gleichwie du mit deinem zerfleischten Kinde Mitleid getragen hast, also wolleſt du auch gegen mich in allen meinen Nöthen, besonders in der letzten Noth, mitleidig sein. Verschaffe doch, o Maria, daß meine arme Seele nicht verloren gehe, für welche dein geliebter Sohn so sehr viel gelitten hat. Opfere ihm seine schmerzliche Geißelung, die er für mich freiwillig ausgestanden, und sein rosenfarbenes Blut, welches er überflüssig vergossen hat. auf daß ich dadurch Gnade erlange und vor der ewigen Höllenqual bewahrt werde. Amen. Der vierte Schmerz, welchen Maria litt, als Christus dem Volke gezeigt wurde. O allerbetrübteste Jungfrau Maria! jetzt erinnere ich dich jener traurigen Stunde, da dein Sohn dem 368 Das achte Gärtfein. Volke gezeigt ward, und vor deinen Augen zwischen Pilatus und den Henkern als ein armer verurtheilter Sünder dastand. Obetrübtes mütterliches Herz! wie war dir damals zu Muthe, als du deine Augen aufhobest und dein armes Kind mit Dornen gekrönt und mit Blut ganz überronnen sahest! O du mitleidige mütterliche Brust, was für einen tödtlichen Stoß empfandest du, als du die grausame Dornenkrone recht beschautest und so viele lange und spitzige Dörner sahest. Ach wie hat diese Krone deine Seele gepeinigt, und wie haben diese langen und scharfen Dörner dein edles Herz durchstochen! Ach wie wareſt du von Mitleid so frant, als Pilatus mit beweglicher Stimme sprach: Ecce Homo, d. h.: Sehet diesen Menschen! Siehe an diesen Menschen, o Maria! und gedenke, daß dieser arme Mensch dein eingeborner Sohn ist, der um meinetwillen in solches Leid gekommen und so viele Marter gelitten hat. So trage denn Sorge, damit das Leiden deines Sohnes an mir nicht verloren sein, sondern zum Heile meiner Seele gereichen möge. Amen. Der fünfte Schmerz, welchen Maria unter der Kreuztragung gelitten hat. Jetzt erinnere ich dich, o schmerzhafte Jungfrau Maria! des unaussprechlichen Mitleides, so du mit deinem Sohne trugest, als du ihn mit der schweren Last des Kreuzes beladen sahest, und ihn zum letztenmale umfingest. O ihr beiden treuesten Herzen Jesu und Mariä, seid eingedenk jenes letzten Umfangens und jenes letzten Abschiedes in eurem sterblichen Leben! Zur schmerzhaften Mutter. 369 O bittere Liebe! O bitteres Leid! Von eurer Bitterfeit kann keine menschliche Zunge sagen, weil dergleichen kein menschliches Herz jemals empfunden hat. O ihr beiden aus großer Liebe so betrübten Herzen Jesu und Mariä, wie groß war damals euer Leid, und wie unbegreiflich war euer Schmerz! Gott hat euch wunderbar erhalten, daß ihr in der Bitterfeit eures Schmerzes nicht vergangen und vor der Größe des Mitleids nicht zersprungen seid. Natürlicher Weiſe hättet ihr sterben müssen, als ihr einander in solch kläglichem Zustande sahet und begegnetet. Durch das scharfe Schwert, welches damals eure Seele durchdrang, und durch alle Herzensqual, die ihr in diesem letzten Abschiede empfandet, bitte ich euch, daß ihr, wenn mein Leib und meine Seele einstens von einander scheiden, alsdann gegen mich wollet mitleidig sein, gleichwie ich jetzt mit euch herzliches Mitleid trage. Amen. Der sechste Schmerz, welchen Maria bei der Kreuzigung Christi gelitten hat. Nun steige ich mit dir auf den Berg Calvaria, o schmerzhafte Jungfrau Maria! und erinnere dich des großen Mitleids, welches du mit deinem armen Kinde während der Kreuzigung getragen haft Gedenk, o Maria, was für ein tiefer Stich dir durch dein heil. Herz ging, als du den ersten Hammerstreich zur Annagelung deines Sohnes vernahmest Ach, wie plötzlich sankefst du vor Größe der Schmerzen zur Erde, und fielest wie eine Todtkrante in eine tiefe Ohnmacht! Ach, wie durchdrangen die übrigen Hammerstreiche deine mitleidige Seele jo tief, und wie Myrrhengarten III. 24 Das achte Gärtlein. zerschmetterten sie dein ohnmächtiges Herz so gar! Als du aber beim Aufstehen deinen Sohn am Kreuze erhoben sahest, da fuhr ein solcher Schrecken durch alle deine Glieder, daß du, wenn Gott dich nicht erhalten hätte, augenblicklich des bittersten Todes hättest sterben müssen. Dies dein schmerzliches Leid beherzige ich, v Maria, und empfinde ein wahres findliches Mitleid mit dir. Deswegen hoffe ich, das Mitleid meines Herzens werde dir gefallen und du werdest auf meinem harten Todesbette aus mitleidigem Herzen dich meiner erbarmen. Amen. 370 Dec hiebente Schmerz, welchen Maria unter dem Tode Chrifti litt. Letztlich stelle ich mich mit dir, o Maria! unter das H. Kreuz, beschaue deinen gekreuzigten Sohn vom Haupte bis zu den Füßen, und beherzige zugleich mit dir, was er in den drei schmerzlichen Stunden besonders in seinem bittersten Tode, gelitten hat. O Sohn und Mutter! wie lang fielen euch die drei Marterstunden, und was für übermenschliche Bein und Marter habt ihr an Leib und Seele ausgestanden! Gedenk, o Maria, was für ein unaussprechliches Herzenleid du hattest, als dein gekreuzigter Sohn die sieben Worte sprach, eine gar lange Zeit mit dem bittern Tode rang und endlich mit einem Alles durchdringenden Schrei seinen Geist aufgab. Ach, wie durchschnitt dieser letzte Schrei dir Ohr und Herz und durchdrang Mark und Bein mit den bittersten Schmerzen! Ach! wie zerschmetterte das Krachen seiner Glieder und Gebeine dein krankes Herz, und Zur schmerzhaften Mutter. 371 was für eine grausame Marter litt deine ganze Natur in dem bittersten Tode deines eingebornen Sohnes! Da fielest du in solche Ohnmacht, dergleichen du dein Lebtag nicht ausgestanden, und dein mütterliches Herz war mit so vielen Schmerzen überhäufet, daß es nahe daran war zu brechen. Dieser allergrößten Noth, so du beim Tode Christi gelitten hast, erinnere ich dich, o Maria! und diese betrachte ich mit großent Mitleid meines Herzens, demüthig bittend, du wolleft mir in meinen leizten Todesängsten beistehen und mich in dieser allergrößten Noth trösten und stärken. Durch den allerbittersten Tod Jesu bitte ich, erwirb mir von ihm einen seligen Tod, und verhilf mir, daß ich zu der ewigen Seligkeit gelangen möge. A. Zu den Schmerzen der Mutter Gottes bei der Abnahme und dem Begräbnisse Christi. Das erste Gebet, bei der Abnahme vom Kreuze. Nachdem ich, o Maria, im Vorigen das Herzenleid betrachtet habe, welches du mit deinem noch lebenden Sohne getragen hast, so will ich jetzt andächtig beherzigen, was für einen Jammer du mit ihm nach seinem Tode ausgestanden hast. Verleihe mir, daß ich mit wahrer Andacht dies alles bedenken und mit deinem großen Leide ein wahres Mitleid tragen möge. So erinnere ich dich denn erstlich der traurigen Abnahme deines Sohnes vom Kreuze und alles Leids, so du in deiner jungfräulichen Seele voll 24* 372 Das achte Gärtlein. Liebe dabei empfandest. Gedenk, o Maria! wie das Austreiben der Nägel dir so tief in das Herz ging, und ein jeder Schlag dir gleichsam eine neue Wunde schlug. O wie begierig strecktest du deine beiden Hände nach ihm und verlangtest den Schatz, darin dein Herz verschlossen war, zu empfangen! Als du ihn endlich mit deinen Händen erreichen konntest, wie eifrig zogest du ihn zu dir und nahmest ihn ganz anmuthig in deine mütterlichen Arme. Sage, o Maria, was empfandest du damals in deinem Herzen, und was dachtest du in deinem Sinne und Gemüthe, als du denjenigen todt in deinen Armen hielteſt, welchen du in seiner Kindheit mit so viel Wonne auf deinen Armen getragen hattest! Ach des bittern und schmerzlichen Umfangens! Ach der traurigen Abnahme vom Kreuze! An dies betrübende Geheimniß erinnere ich dich, o Maria! und in mitleidiger Erwägung desselben halte ich nur um diese einzige Gnade an: daß du, wenn meine arme Seele von meinem Leibe scheiden wird, mit deinen mütterlichen Armen so begierig nach ihr auslangen wollest, als du dieselben nach dem Leichnam deines Sohnes ausgestreckt hast. Nimm sie so freundlich in Liebe auf, als du alle deine treuen Liebhaber in ihrem Tode aufgenommen hast. A. Das andere Gebet. ( Vor einem Vesperbilde oder Pietà.) Verehrung des Leichnams Christi im Schooße Mariä. Vor dem Bilde deines h. Leichnams, o Christe Jesu, falle ich auf meine Kniee, verehre dich, meinen Erlöser, in deiner lieben Mutter Schooße, und begehre Zur schmerzhaften Mutter. 373 die Andacht meines Herzens vor dir auszugießen. O du hochwürdiger Leichnam meines Herrn Jesu Christi, wie finde ich dich in solcher erbarmungswürdigen Gestalt, und wie sehe ich dich so grausam verwundet und entstellt! O du gebenedeites Haupt, wie bist du zerstochen! O ihr lieblichen Augen, wie seid ihr verdunkelt! O ihr rosenfarbenen Lefzen, wie seid ihr verblichen! O du engelsanftes Angesicht, wie bist du entstellt! O du edle Brust, wie bist du zerschlagen! O du gebenedeite Seite, wie bist du durchstochen! O ihr gnadenreichen Arme, wie seid ihr ausgespannt! Oihr heilbringenden Hände, wie seid ihr durchbohrt! Oihr h. Glieder, wie seid ihr ausgedehnt! O ihr h. Kniee, wie seid ihr durch öfters Fallen verletzt! O ihr zarten Füße, wie seid ihr verwundet! O du h. Leichnam, wie bist du zermartert! Und dies Alles um meines Heils willen und zur Genugthuung für meine schweren Sünden! Wie kann ich dir jemais genug dafür danken, o Christe Jesu! und was soll ich dir vergelten für so große Liebe? Ich lobe, preise und benedeie dich tausendmal und tausendmal, und von Grund meines Herzens sage ich dir unendlichen Dank. Im Geiste der Demuth und mit zerknirschtem Herzen falle ich vor dir nieder und mit herzlicher Liebe und Andacht tüsse ich alle deine verwundeten Glieder. Jch bitte dich durch alle Wunden und Streiche, so du empfangen hast; ich bitte dich durch alle Schmerzeu und Beinen, so du gelitten haft, und ich bitte dich durch alle Zähren und Blutstropfen, so du vergossen hast, verzeihe mir meine Sünden und schenke mir die verdienten Strafen. Tröste mich 374 Das achte Gärtlein. in meinen Betrübnissen, und erhöre mich in meinem Anliegen. Verleihe mir Besserung meines Lebens und nach einem jeligen Tode die ewige Seligkeit. 2. Das dritte Gebet. Zu der betrübten Mutter Gottes, als sie ihren todten Sohn auf ihrem Schooße hatte. O allerbetrübteste Jungfrau und Mutter Gottes Maria, die du Niemanden verstoßest, Niemanden, der mit betrübtem Herzen zu dir kommt, ungetröstet von dir läsfest, siehe, ich betrübter Sünder komme mit herzlicher Andacht vor dein h. Bild, und begehre dich würdig zu verehren und kräftig anzurufen. O du mitleidigste Mutter Maria, du weißt, wie einem betrübten Herzen zu Muthe ist, weil du auf Erden so viele Betrübnisse gelitten hast, daß alle Menschen selbige nicht tragen könnten. Ach, was für ein unbegreifliches Herzenleid littest du damals, als du deinen todten Sohn auf deinem Schooße hattest, und seinen verwundeten Leichnam vom Haupte bis zu den Füßen beschautest! Ach, wer will erzählen, welche Klagen du führtest, wie elend du aussahest, und wie viele bittere Zähren du vergossest! Du drücktest den todten Leib ganz inbrünstig an dein mütterliches Herz, und empfingest ihn ganz anmuthig mit deinen jungfräulichen Armen. Dein todtkrankes Haupt legteſt du auf sein erblichenes Angesicht, und küßtest alle seine verwundeten Glieder vom Haupte bis zu den Füßen. In allen diesen Werken des Mitleids und mütterlicher Zärtlichkeit empfandest du solche Bitterkeit, daß alle Bitterfeit dieser Welt nicht damit verglichen werden Zur schmerzhaften Mutter. 375 kann. Aller dieser Bitterkeit erinnere ich dich, o Maria! und durch alle diese bitte ich, du wollest mich mit der Erhörung meines Gebetes gütigst trösten. Auf deinen mütterlichen Schooß lege ich all mein Anliegen, und in dein mitleidiges Herz schicke ich alle meine Seufzer und Gebete. Lasse mich doch von deinem gnadenreichen Bilde nicht ungetröstet hinweggehen. So mancher Sünder ist da schon getröstet und erhört worden. Ich bitte dich, o Maria! durch das schmerzliche Geheimniß dieses Vesperbildes, hilf mir bei Gott Gnade erlangen und die Gewährung meiner inständigen Bitte. Nimm den verwundeten Leib deines Sohnes auf deine Arme, zeige ihn dem himmlischen Vater in solcher Gestalt, wie er auf deinem Schooßze gelegen ist, und bitte ihn durch alles, was er sammt dir gelitten hat, daß er mir Barmherzigkeit erzeige und mich von allem leiblichen und geistigen Uebel befreie. Amen. Das vierte Gebet. Bitte zu Gott Vater vor einem Vesperbilde. O barmherziger Vater! siehe vom hohen Himmel herab, und schaue an die zu Mitleid bewegende Gestalt deines Sohnes in seiner Mutter Schooße Erinnere dich des traurigen Geheimnisses, als der zerrissene Leichnam deines eingebornen Sohnes im Schooße Mariens lag, und von ihr und allen ihren Freunden so schmerzlich beklagt wurde. Zu diesen frommen Freunden Christi geselle ich mich, und fntee hier mit zerknirschtem Herzen vor dem Bildnisse Jesu und Mariä. Von diesem Schooße Mariens, auf dem Jejus ruhet, hoffe ich Gnade zu erlangen und Gewährung 376 Das achte Gärtlein. meiner inständigen Bitte. Denn was anders ist der Schooß Mariä, als ein Schooß der Barmherzigkeit; und was anders ist Jesus im Schooße Mariä, als eine Frucht der Barmherzigkeit! Wie kannst du mir armen Sünder vor diesem Gnadenschooße deine Gnade versagen, wo so viele Zeichen der Liebe zusammen kommen, und um Gnade anhalten? Der Sohn zeigt dir seine Wunden und sein Blut, und die Mutter zeigt ihre Brust und Milch. Was ist aber kräftiger als Milch und Blut, und was bewegt mehr das Herz als Brüste und Wunden! So siehe denn auf deinen lieben Sohn und deine liebe Tochter, und erhöre die Stimme ihres Blutes und ihrer Zähren, so für mich schreien. Gedenkte jener Stunde, als dein todter Sohn auf seiner Mutter Schooß lag und ensetzlich anzusehen war. War dein väterliches Herz damals vielleicht nicht erweicht, als du Sohn und Mutter in solch kläglicher Gestalt sahest! Siehe, in derselben Gestalt stelle ich dir beide vor Augen, und begehre dein väterliches Herz wiederum so zu erweichen, wie es damals gegen alle reuige Sünder erweicht war. Du lieber Vater, wie kannst du mir deine Gnade abschlagen, wenn du dieses rührende Bild ansiehst? Ja, wie kannst du mich verdammen, wenn du gedenkest, was dein Sohn für mich gelitten hat? Darum verlasse ich mich so zuversichtlich auf deine unendliche Gütigkeit und auf das Leiden deines Sohnes und seiner Mutter, daß ich meine, es könne nicht möglich sein, ewig verloren zu gehen. So bitte ich denn durch die Fürbitte und Verdienste Jesu und Mariä, verleihe mir Verzeihung meiner Sünden, Nachlassung meiner Strafen, Besserung meines Lebens, Bur schmerzhaften Mutter. 377 Beistand in meinem Sterben und endlich das ewige Leben. Amen. Das fünfte Gebet. Zum Leichnam Christi im Grabe. Vor diesem h. Grabe falle ich demüthig nieder, o Christe Jesu, und verehre deinen h. Leichnam, der darin begraben liegt. Ach, wie bejammernswürdig lagest du im Grabe! Wie war dein edler Leib entstellt und verwundet! Wie waren all deine Glieder erstarrt, und deine fünf Sinne alles Lebens und Wirkens beraubt! Deine Augen waren gebrochen, deine Ohren verstopft, dein Mund war verschlossen, dein Angesicht war bedeckt, und dein ganzer Leichnam in Grabtücher eingewickelt. O wie bitterlich wurdest du von deinen Freunden beklagt! O wie zum Erbarmen geberdete sich die treuliebende Magdalena, und wie rührend flagte der liebreiche Johannes! Ja, die H. Engel stiegen betrübt zu dieser traurigen Gelellschaft herab, und alle Kreaturen betrauerten deinen schmerzlichen Tod. Mit dieser H. Gesellschaft beklage auch ich dein trauriges Begräbniß, und gleichwie selbige vor deinem Grabe fnieeten, kniee auch ich hier vor deinem h. Grabe. Wollte Gott, daß mein Herz so bewegt wäre, wie ihre Herzen bewegt waren, und daß ich deinen bittern Tod so empfinden möchte, wie sie denselben empfunden haben! O mein Heiland, ich bete an deinen H. Leichnam und beklage schmerzlich deinen unschuldigen Tod. Um meiner Sünden willen bist du unschuldig gemordet und so kläglich in's Grab gebracht worden. Ich bitte dich, o Jesu, durch deine 378 Das achte Gärtlein. traurige Begräbniß und das armselige Liegen im Grabe, erwecke mich vom Tode der Sünden, und führe mich aus dem Grabe der bösen Gewohnheiten. Ich bitte auch durch alle Andachten, so bei deinem H. Grabe zu Jerusalem verrichtet worden sind, du wollest mich in meinem Elend trösten und in meinem Anliegen erhören, welches ich vor dein h. Grab bringe und in dasselbe zu deinem h. Leichnam hineinlege. Ich befehle mich auch in alles Gebet, welches vor deinem h. Grabe gesprochen worden ist und fünftig wird gesprochen werden. Dies Alles opfere ich dir andächtig auf, und begehre der Früchte desselben theilhaftig zu werden. Amen. Litanei zur schmerzhaften Mutter. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser! Gott h. Geist, erbarme dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme zc. Heilige Maria, bitte für uns! Heilige Gottesgebärerin, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Schmerzhafte Mutter, Thränenvolle Mutter, Betrübte Mutter, Verlassene Mutter, Trostlose Mutter, Deines Sohnes beraubte Mutter, Mit dem Schwerte durchbohrte Mutter, Von Mühsalen verzehrte Mutter, Mit Angst erfüllte Mutter, Bitte für uns! Zur schmerzhaften Mutter. Mit dem Herzen an's Kreuz geschlagene Mutter, Traurigste Mutter, Du Quelle der Thränen, Du Inbegriff aller Leiden, Du Meer voll Bitterfeiten, Du Spiegel der Geduld, Du Felsen der Standhaftigkeit, Du Anker des Vertrauens, Du Zuflucht der Verlassenen, Du Schild der Unterdrückten, Du Besiegerin der Ungläubigen, Du Trost der Elenden, Du Arznei der Kranken, Du Stärke der Schwachen, Du Hafen der Schiffbrüchigen, Du Stillung der Stürme, Du Zuflucht der Trauernden, Du Schrecken der Nachstellenden, Du Schatz der Gläubigen, Du Auge der Propheten, Du Stab der Apostel, Du Krone der Märtyrer, Du Licht der Beichtiger, Du Perle der Jungfrauen, Du Trost der Wittwen, Du Freude aller Heiligen Königin, ohne Erbsünde empfangen, O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Vater unser 2c. Ave Maria 2c. 379 Bitte für uns! Gebet. Sieh uns an, o schmerzhafte Mutter, befreie uns, rette uns von allen Nöthen, durch die Kraft Jesu Christi. A. Das achte Gärtlein. Schreibe, o heilige hochgebenedeite Frau, in mein Herz ein deine Wunden, daß ich darin den Schmerz und die Liebe lesen kann; den Schmerz, um durch dich jeden andern Schmerz zu ertragen, die Liebe, um für dich jede andere Liebe zu verachten. Lob sei Gott und der Gottesgebärerin. Amen. V. Bitte für uns, o schmerzhafte Mutter! R. Auf daß wir von der ewigen Qual erlöset werden. Gebet. Die Fürbitte deiner schmerzhaften Mutter, o Herr Jesu Christe! wolle uns armen Sündern bei deiner Barmherzigkeit zu Hülfe kommen, damit unsere Seelen vom wahren Mitleide mit deinem Leiden möglich zerknirschet werden, gleichwie deiner Mutter Seele mit einem Schwerte des Schmerzes in deinem bittern Leiden so vielmal ist durchstochen worden. Der du lebst und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 380 Aufopferung. Laß dir gefallen, o schmerzhafte Jungfrau, diese Litanei, welche ich jetzt zu Ehren deines herzlichen Mitleids gesprochen habe. Durch die durchnagelten Hände deines Sohnes Jesu Christi opfere ich dir dieselben zu tausendfältig größerer Wonne, als du in seinem Leiden Bitterkeit verkostet hast. Ich bitte dich durch dein durchstochenes Herz und durch das unergründliche Mitleid, welches du mit deinem Sohne hattest, trage Mitleid mit meinen vielfältigen Bedürfnissen, und stärke mich in aller Noth und Anfechtung; besonders in jener großen Noth, welche alle andere überschreiten wird, wenn nämlich meine geängstigte Seele von meinem sündigen Leibe abscheiden wird. Amen. Hymnus: Stabat Mater.*) Seht die Mutter voll der Schmerzen,* Wie sie mit betrübtem Herzen* Bei dem Kreuz des Sohnes steht! Wie sie weinet, wie sie leidet;* Wie ein Schwert ihr Herz durchschneidet,* Und durch ihre Seele geht. *) 100 Tage Ablaß, so oft dieser Hymnus zu Ehren der schmerzhaften Mutter andächtig gebetet wird. Innocenz XI. 1681 den 1. September. 381 Zur schmerzhaften Mutter. Klagend stand die tiefbetrübte,* Von dem Sohne zartgeliebte,* Auserwählte Mutter da!* Todesangst sinkt auf sie nieder,* Da sie die zerriss'nen Glieder* Jhres liebsten Jesu sah. Wessen Auge kann der Zähren* Bei dem Jammer sich erwehren,* Der die Mutter Christi drückt?* Wer muß sich nicht tief betrüben,* Der die Mutter mit dem lieben* Sohn in solcher Noth erblickt? Jesum sah sie festgebunden* Und zerfleischt mit tausend Wunden* Für des Volkes Missethat;* Sah den Sohn verschmäht, verlassen,* Jedes Trosts beraubt, erblassen, Den sie so geliebet hat. * Gib, o Mutter, Quell der Liebe,* Daß ich mich mit dir betrübe,* Bring' mir deine Schmerzen bei;* Schmerzen, die die Lieb' entzünden,* Die mich stets mit Gott verbinden,* Daß ich ihm gefällig fei. Heil'ge Mutter, drück' die Wunden,* Die dein Sohn für mich empfunden,* Tief in meine Seele ein!*)* Gib an dem, was er in Banden* Und am Kreuze ausgestanden,* Gib mir Theil an jeder Pein. Laß mich herzlich mit dir weinen,* Mich durch's Kreuz mit ihm vereinen,* Bis der Tod mich führt zu dir* Stehen will ich dir zur Seiten,* Und will über Jesu Leiden* Mit dir trauern für und für. Holde Jungfrau der Jungfrauen!* Du nach Jesus mein Vertrauen,* Theile mit mir deine Schmerzen;* Daß ich meines Heilands Leiden,* Seinen Tod und bitt'res Scheiden, Immer nehme tief zu Herzen. Mach', wenn ich am Kreuze hange* Und mit Jesu Wunden prange, * Rein mich, selig durch sein Blut.* Wenn mich deine Lieb' entzündet,* Deine Huld mir Gnad' verkündet,* Acht' ich nicht der Hölle Wuth. *) Wer diese drei Gebetstrophen siebenmal reumüthig spricht und nach jeder ein Gegrüßet binzufügt, gewinnt einmal des Tages einen Ablaß von 300 Tagen. Wer aber diese Andacht täglich einen ganzen Monat andächtig verrichtet, gewinnt einen vollkommenen Ablaß an einem beliebigen Tage, an welchem er die h. Sakramente empfängt und für die h. Kirche betet. Diese Ablässe können auch den Seelen im Feg= feuer zugewendet werden. Pius VII. 1. Christmonat 1815. Das achte Gärtlein. Mache, daß sein Sohn mich schütze,* Und sein Kreuz sei meine Stüße,* Seine Gnade mein Geleit!* Wenn mein matter Leib wird sterben, Laß, Herr! meine Seel' erwerben* Deines Reiches Herrlichkeit. Amen. * 382 Der Rosenkranz von den sieben Schmerzen Mariä. Dieser Rosenkranz besteht aus 7 Absätzen zur Erinnerung der sieben vorzüglichsten Schmerzen Mariä. Bei jedem Absatze wird ein Vater unser und sieben Gegrüßet seist du zc und am Ende noch drei andere Gegrüßet jeist du zc. zu Ehren der Thränen gebetet, welche Maria in ihren Schmerzen vergoß. Zu jedem Ave setzt man nach Ordnung der Abfäße folgende Geheimnisse. 1. ,, Von dem Simeon dir so viel Schmerzhaftes geweifsagt hat." ,, Mit dem du nach Aegypten geflüchtet biſt." 3. ,, Den du im Tempel verloren hast." 4. ?? Den du das schwere Kreuz hast tragen sehen." 5. ,, Den du an's Kreuz hast nageln hören." 6. ,, Den du am Kreuze sterbend beweinet hast." 7. ,, Den du zum Grabe begleitet haſt." Viele und außerordentlich große Ablässe sind mit dem andächtigen Abbeten dieses Rosenkranzes verbunden; unter andern auch folgende: 1) Ein vollkommener Ablaß am Tage des Empfanges der H. Sakramente für Alle, welche täglich einen ganzen Monat lang diesen Rosenkranz beten, und am Tage der Communion für die h. Kirche flehen. 2) Jedesmal ein Ablaß von 100 Jahren für jene, welche reumüthig beichten, oder zu beichten entschlossen sind, und diesen Rosenkranz beten. 3) Jedesmal ein Ablaß von 150 Jahren für jene, welche diesen Rosenkranz am Montage, Mittwochen und Freitage, oder an einem andern gebotenen Feiertage reumüthig nach abgelegter Beichte beten. 4) Ein Ablaß von 200 Jahren für jene, welche diesen Rosenkranz nach reumüthiger Beichte und H. Communion andächtig beten. Zur schmerzhaften Mutter. 383 Zur Gewinnung dieser Ablässe, die auch den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden können, wird ein eigens geweihter Rosenkranz ers fordert, der weder verkauft, noch geliehen werden darf. Clemens XIII. 1754. Benedict XIII. Benedict XIV. Fromme Uebung zu Ehren des schmerzhaften Herzens Mariä. Auf Ansuchen der ehrwürdigsten Priester des frommen Vereins zum heiligsten Herzen Jesu, auch Verein des h. Paulus genannt, verlieh Pius VII. mittelst Rescripts vom 14 Jänner 1815, durch Erzbischof von Philippi, auf ewige Zeiten einen Ablaß von 300 Tagen, welcher auch den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden kann, allen Christe gläubigen für Jedesmal, wo sie zu Ehren des schmerzhaften Herzens der allerheiligsten Mutter folgende fromme llebung, in was immer für einer Sprache, wenn nur in getreuer Uebersetzung, mit Andacht sprechen würden; wie dies auch aus einem andern Rescripte vom 26. eptember 1817, welches in dem Archive des benannten frommen Bereins aufbes wahrt wird, zu ersehen ist. Fromme Uebung. VO Gott, merke auf meine Hülfe! R, Herr, eile mir zu helfen! Ehre sei dem Vater, und dem Sohne, und dem H. Geiste 2c. 1. Jch trage zärtliches Mitleid mit dir, schmerzhafte Mutter Maria! wegen jener Bekümmerniß, die dein zartes Herz bei der Vorhersagung des h. Greises Simeon empfunden hat. O liebe Mutter! durch dieses dein betrübtes Herz erbitte mir von Gott die Tugend der Demuth und die Gabe der H. Gottesfurcht. Gegrüßet seist du 2c. 2. Jch trage zärtliches Mitleid mit dir, schmerzhafte Mutter Maria! wegen jener Angst, die dein zartfühlendes Herz bei der Flucht nach Aegypten und während des Aufenthalts alldort empfunden hat. Oliebe Mutter! durch dieses dein geängstigtes Herz 384 Das achte Gärtlein. erwirke mir die Tugend der Freigebigkeit, besonders gegen die Armen, und die Gabe der Gottseligkeit. Gegrüßet seist du zc. 3 Jch trage zärtliches Mitleid mit dir, schmerzhafte Mutter Maria! wegen jener Bestürzung, in die dein sorgsames Herz gerieth, als du deinen lieben Jejus verloren hattest. O liebe Mutter! durch dein so sehr bekümmertes Herz erlange mir die Tugend der Keuschheit, und die Gabe der Wissenschaft. Gegrüßet seist du zc. 4 Jch trage zärtliches Mitleid mit dir, schmerzhafte Mutter Maria! wegen jenes Entsetzens, welches dein mütterliches Herz ergriff, da du Jesu begegnetest, als Er das schwere Kreuz trug. O liebe Mutter! durch dein liebendes, vor Schmerzen brechendes Herz erbitte mir die Tugend der Geduld, und die Gabe der Stärke. Gegrüßet seist du zc. 5. Jch trage zärtliches Mitleid mit dir, schmerzhafte Mutter Maria! wegen jener Marterqual, die dein starkmüthiges Herz aushielt, als du bei der Todesangst Jesu am Kreuze zugegen warst. O liebe Mutter! durch dein so sehr gepeinigtes Herz erflehe mir die Tugend der Mäßigkeit, und die Gabe des Rathes. Gegrüßet seist du zc. 6. Jch trage zärtliches Mitleid mit dir, schmerzhafte Mutter Maria! wegen jener Schmerzenswunde, die deinem mitleidsvollen Herzen geschlagen ward, als ein Lanzenstich die Seite Jesu öffnete und sein liebenswürdigstes Herz durchdrang. O liebe Mutter! durch Zur schmerzhaften Mutter. 385 dein so zerschnittenes Herz erbitte mir die Tugend der brüderlichen Liebe, und die Gabe des Verstandes. Gegrüßet seist du zc. 7. Ich trage zärtliches Mitleid mit dir, schmerzhafte Mutter Maria! wegen jener stillen Bein, die dein liebevollstes Herz erlitt, als Jesus in das Grab gelegt wurde. O liebe Mutter! durch dein auf das Neußerste betrübtes Herz erlange mir die Tugend des Eifers, und die Gabe der Weisheit. Gegrüßet seist du zc. V Bitt' für uns, o schmerzhafte Jungfrau! R Daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Gebet. Wir bitten dich, Herr Jesus Christus! du wolleft gnädiglich verleihen, daß die seligste Jungfrau Maria, deine Mutter, deren heiligste Seele in der Stunde deines Leidens ein Schwert des Schmerzes durchdrang, jetzt und in der Stunde unseres Todes bei deiner göttlichen Milde für uns fürsprechen möge. Durch dich, Jesus Christus. Erlöser der Welt, der du mit dem Vater und dem h. Geiste lebeft und regierest, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Die einstündige Andacht zu Ehren der schmerzhaften Mutter, wodurch man einmal im Jahre einen vollkommenen Ablaß gewinnt, wenn man an demselben Tage die h. Sakramente empfängt, verrichtet man, indem man eine Stunde lang in Betrachtungen und Gebeten zu Ehren der schmerzhaften Mutter zubringt, ihre Schmerzen erwägt, den schmerzhaften Rosenkranz und andere passende Gebete verrichtet. Dieser Ublaß kann auch den armen Seelen im Fegfeuer zugewendet werden. Pius VI. 1785. Myrrhengarten. III. 25 Das achte Gärtlein. Gebete zum leidenden Heilande. Verehrung der sieben Worte Christi am Krenze. 386 Ich grüße dich, mein gekreuzigter Jesu! und danke dir für die trefflichen Lehren, welche du uns am Kreuze vor deinem letzten Ende gegeben hast. Wie wohl du so voller Schmerzen warest, daß du deinen geschwollenen Mund ohne Bein nicht aufthun konntest, so wolltest du dennoch sieben heilsame Worte zu uns reden, deren wir uns zu deinem Andenken oft erinnern sollten. Gedenke deswegen der großen Liebe, mit welcher du für deine Feinde batest, sprechend: Vater, verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun. Durch diese Liebe bitte ich, du wollest deinen Vater auch für mich bitten, daß er mir meine Sünden verzeihen wolle. Zum andern gedenke der Barmherzigkeit, so du dem Schächer erzeigtest, als du zu ihm sprachest: Wahrlich sage ich dir, heute wirst du bei mir sein im Paradiese! Ach, erzeige auch mir solche Barmherzigkeit, und sprich in meinem Tode zu mir: Heute wirst du bei mir sein im Paradiese. Sei auch eingedenk des Mitleids, so du mit deiner betrübten Mutter trugest, als du sie dem H. Johannes anbefahlest, sprechend: Weib, siehe deinen Sohn! und zu Johannes: Siehe deine Mutter! Ich bitte dich, gib auch mir deine Mutter zu einer wahren Mutter, und verleihe mir eine wahre kindliche Liebe zu ihr. Ich erinnere dich auch, o Jesu, des betrübten Wortes, womit du deinem Vater deine äußerste Noth klagtest, sprechend: Mein Gott, mein Gott, wie hast du mich verlassen! Durch diese deine Zum leidenden Heilande. 387 bittere Verlassung bitte ich dich, verlasse mich doch nimmermehr, besonders in meinem letzten Ende. Ich erinnere dich auch des bittersten Durstes, den du am Kreuze littest, als du sprachest: Mich dürftet! Diesen sehr bittern Durst opfere ich dir zur Verzeihung all meiner unmäßigen Gier nach Speise und Trank. Weiters erinnere ich dich des sechsten Wortes: Es ist vollbracht! und bitte dich durch die Kraft desselben, verleihe mir Gnade, deine göttlichen Gebote und Räthe zu vollbringen. Endlich erinnere ich dich des letzten Wortes, so du in deinem sterblichen Leben geredet hast, indem du sterbend deinem Vater deinen Geist befahlest, sprechend: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist! Durch die Kraft desselben bitte ich, du wollest dir meinen scheidenden Geist treulich anbefohlen sein lassen. Amen. Verehrung aller Glieder Christi. Vor einem Krucifixbilde zu sprechen. Ich bete dich an, o mein Herr Jesu Christe! hier am Stamme des H. Kreuzes, und danke dir von Herzen für die große Marter, die du für mich gelitten hast. Mein herzliebster Jesu! ach wie theuer hast du meine Sünden bezahlen müssen! O wie jammervoll hingest du am Kreuze, und wie schmerzlich waren deine Hände und Füße angenagelt! Ach, wie hast du solch grausame Bein ausstehen und drei Stunden lang lebendig am Kreuze hangen können. Ich trage ein herzliches Mitleid mit deiner großen Marter und deine großen Schmerzen durchdringen mir mein fündiges Herz. Ich danke dir für alle 25* 388 Das achte Gärtlein. Pein, so du an deinen heil. Gliedern gelitten hast, und aus Dankbarkeit füsse ich alle mit einem treuherzigen Kusse. Sei gegrüßt, du ehrwürdiges Haupt meines Herrn Jesu Christi! Ach, wie bist du mit so vielen Dornen durchstochen und mit so vielen Wunden verwundet worden! Ich danke dir für alles, was du für mich gelitten hast, und küsse dich aus herzlichem Mitleid. Wenn du ein Krucifigbild in der Hand haft, so tüsse hier das Haupt Christi und so jedes Glied, wenn du es nennest. Sei gegrüßt, du holdseliges Angesicht meines Herrn Jesu Christi! Ach, wie bist du so übel zugerichtet und all deiner Schönheit beraubt! Ich danke dir für alles, was du für mich gelitten hast, und küsse dich aus herzlichem Mitleid. Sei gegrüßt, du süßester Mund meines Herrn Jesu Christi! Ach, wie bist du so sehr geschwollen und mit so vielen Schlägen gepeinigt worden! Ich danke dir für alle Streiche, so du für mich empfangen hast, und küsse dich aus herzlichem Mitleid. Sei gegrüßt, du hochwürdige Brust meines Herrn Jesu! Ach, wie bist du in der Geißelung so gar zerschlagen und mit so manchem harten Stoße ge peinigt worden! Ich danke dir für alles, was du für mich gelitten hast, und küsse dich aus herzlichem Mitleid. Sei gegrüßt, du mildestes Herz Jesu Christi! wie bist du so schmerzlich zerspaltet und so grausam mit dem Speere durchstochen worden! Ich danke dir für alles, was du für mich gelitten hast, und küsse dich aus herzlichem Mitleid. Zum leidenden Heilande. 389 Seid gegrüßt, ihr zartesten Hände meines Herrn Jesu Christi! Ach, wie seid ihr so schmerzlich verwundet und so grausam ans Kreuz genagelt worden! Ich danke euch für alles, was ihr für mich gelitten habt, und füsse euch aus herzlichem Mitleid. Seid gegrüßt, ihr edelsten Arme meines Herrn Jesu Christi! Ach, wie seid ihr so peinlich ausgespannt und so grausam verrenkt worden! Ich danke euch für alles, was ihr für mich gelitten habt, und küsse euch aus herzlichem Mitleid. Seid gegrüßt, ihr gebenedeiten Kniee meines Herrn Jesu Christi! Ach, wie seid ihr so gar zerschmettert und so schmerzlich zerschlagen worden! Ich danke euch für alles, was ihr für mich gelitten habt, und küsse euch aus herzlichem Mitleid. Seid gegrüßt, ihr heiligsten Füße meines Herrn Jesu Christi! Ach wie seid ihr mit so großen Nägeln durchschlagen und so sehr grausam verwundet worden. Ich danke euch für alles, was ihr für mich gelitten habt, und küsse euch aus herzlichem Mitleid. Alle diese Schmerzen, o Christe Jesu, so du an deinen zartesten Gliedern gelitten hast, opfere ich dir andächtig, und durch dieselben bitte ich dich demüthig, daß du mir gnädig verzeihen wollest, was ich jemals mit meinen Gliedern wider dich gesündigt habe. Am. Verehrung der drei Stunden, in welchen Christus am Kreuze gehangen hat. Schmerzhafter Jesu, ich erinnere dich der drei Stunden, in welchen du am Kreuze gehangen und so gar viele Marter und Beinen an Leib und Seele gelitten hast. O wohl drei bittere Stunden! O 390 Das achte Gärtlein. wohl drei lange Stunden! Gedenk, o gekreuzigter Jesu, wie zum Erbarmen du an den harten und fantigen Nägeln hingest, und wie schmerzlich dein ganzer Leib ausgespannt war! Die ganze Last deines Leibes hing nur an den zwei Nägeln deiner Hände, und die schwere Last riß deine Wunden immer mehr auf. Daher nahm der bittere Schmerz alle Augenblicke zu, und quälte dich mit unglaublicher Marter und Bein. Diese schwere Last deines Leibes senkte sich je länger je mehr auf die Nägel deiner Füße, und erneuerte die Wunden derselben stets mit großen Schmerzen. Ach, wie fiel dir das elende Stehen auf den eisernen Nägeln so schwer, und wie durchschnitt der Schmerz dieser Wunden dein Herz und deine Eingeweide! Die Pein deiner auseinander gerissenen Glieder wüthete mit jedem Augenblicke heftiger, und fuhr durch alle deine Glieder wie der Blitz durch die Wolken. Bisweilen stiegen die Schmerzen von den Adern zu deinem Herzen, dann wieder vom Herzen zu den zerrissenen Adern! Die vielfältigen Wunden deines zerrissenen Leibes brannten immer heftiger, und so ward stets dein Schmerz vermehrt und der Tod verzögert. Auf diese Weise hingest du über drei Stunden lang in solchen innern und äußern Qualen, daß alle menschlichen Kräfte nicht stark genug wären, selbige zu ertragen. Diese drei bittern Stunden verehre ich mit diesem Gebete, und danke dir aus ganzem Herzen für alles, was du in denselben gelitten hast. Ich bitte dich durch alle Zähren, die du in diesen drei Stunden geweint, durch alle Seufzer, die du in denselben ausgestoßen, Zum leidenden Heilande. 391 durch alle Klageworte, welche du ausgesprochen, durch alle Blutstropfen, die du vergossen, und durch alle Pein, so du gelitten hast, du wollest dich meiner erbarmen, und mir meine Sünden nachlassen und verzeihen. Weil du dies alles für mich besonders mit großer Liebe gelitten hast, ach, so gib doch nicht zu, daß dies große Leiden an mir verloren sei, sondern laß es zu meinem ewigen Heile gereichen. Amen. Christus am Kreuze wird Gott dem Vater vorgestellt als Opfer der Genugthuung. Allergerechtester himmlischer Vater! meiner Sün den sind so viele, daß ich vor deiner strengen Gerechtigkeit nimmer bestehen, noch für meine Sünden auf irgend eine Weise würdig genugthun kann. Gleichwohl verzage ich nicht, sondern nehme meine Zuflucht zu der reichen Genugthuung meines Erlösers Jesu Christi. Diesen deinen gekreuzigten Sohn stelle ich dir vor Augen, bittend, du wollest in Ansehung desselben dich meiner erbarmen. Erinnere dich, o gütigster Vater, unter welchen Schmerzen dein Sohn am Kreuze gehangen, und was für schwere Martern er für mich gelitten hat! Siehe, wie das königliche Haupt mit Dornen gekrönet und das göttliche Angesicht mit Speichel verunstaltet ist! Siehe, wie seine Augen erblindet, sein Mund geschwollen, seine Wangen zerrissen, seine Arme ausgespannt, seine Brust verwundet, seine Haut zerfetzt, seine Hände durchnagelt, seine Glieder ausgedehnt und verrenkt, seine Kniee zerquetscht, seine Füße angeheftet, sein Leib gegeißelt, seine Seite durchstochen, sein Blut vergossen, sein Herz zerspaltet, und seine Seele bis in den Tod 392 Das achte Gärtlein. betrübt gewesen ist! Siehe an dies bejammerungswürdige Schauspiel, o gütigster Vater! und erinnere dich, daß dein lieber Sohn dies Alles für mich gelitten hat. Dies würde er ja nicht gethan haben, wenn er nicht gewünscht hätte, es solle mir zu gut kommen; und du würdest ihn auch nicht so hart gestraft haben, wenn du dennoch mich ewiglich strafen wolltest. So lasse denn sein bitteres Leiden mir zum Heile gereichen, und seine großen Schmerzen an meiner Seele nicht verloren sein! Laß seine bittern Zähren meine Seele abwaschen, und sein kostbares Blut meine Makel auslöschen. Laß seinen schmählichen Tod mich vor dem ewigen Tode bewahren, und seine schwere Marter für meine schweren Strafen genugthun. Amen. Bitte zu Gott dem Pater, durch das Leiden Christi ein seliges Ende zu erlangen. Ach, mein lieber himmlischer Vater! vor nichts ist mir so bange, als vor meinem Tode, und um nichts bitte ich dich eifriger, als um ein seliges Ende. Nicht kräftiger aber kann ich zu dir beten, als durch das Leiden deines Sohnes, und nichts kann mir besser ein seliges Ende erlangen, als sein bitterer Tod. Darum bitte ich durch sein bitteres Leiden und seinen schmerzlichen Tod, du wollest mir ein seliges Ende verleihen, und mich in meinem Tode nicht verlassen. Durch seinen blutigen Angst- Schweiß mindere mir den tödtlichen Angst- Schweiß, und durch seine Furcht vor dem Tode verringere mir die Todesfurcht. Durch seine Ketten und Bande löſe auf die Bande meiner Sünden, und durch sein Zum leidenden Heilande. 393 schauerliches Gefängniß erlöse mich von dem ewigen Gefängnisse. Durch die traurige Nacht seines Leidens bewahre mich vor der Finsterniß der Verzweiflung, und durch seine schmähliche Verspottung behüte mich vor dem ewigen Spotte der Teufel. Durch seine ungerechte Verklagung mache zu Schanden meine Ankläger, und durch seine Verspottung im weißen Kleide bedecke die Blöße meiner Seele. Durch seine schmerzliche Geißelung wende ab die Geißel deines Bornes, und durch seine schmähliche Krönung kröne mich mit der Krone der Glorie. Durch seine ungerechte Verurtheilung verleihe mir ein gnädiges Urtheil, und durch seine beschwerliche Kreuztragung erleichtere mir die Bürde meines Gewissens. Durch seine grausame Annagelung erhalte mich in der Standhaftigkeit, und durch den Essig und die bittere Galle, die er kostete, versüße mir die Bitterkeit des Todes. Durch seine äußerste Verlassenheit verlasse mich nicht in der letzten Noth, und durch seinen allerschmerzlichsten Tod verleihe mir einen seligen Tod. Amen. Litanei von dem bittern Leiden Christi. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geiſt, Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Du für uns leidender und sterbender Jesus, Du bis in den Tod betrübter Jesus, Gottergebener Jesus, Gebundener Jesus, Erbarme 2c. Das achte Gärtlein. 394 Verhöhnter Jesus, Unschuldig verurtheilter Jesus, Gegeißelter Jesus, Mit Dornen gekrönter Jesus, Mit dem Kreuze beladener Jesus, Getreuzigter Jesus, Durch deine Todesangst am Delberge, Durch deinen blutigen Schweiß, Durch dein dreimaliges Angstgebet zum Vater, Durch deine Geduld mit den schlafenden Jüngern, Durch deine Sanftmuth gegen Judas, den Verräther, Durch deine ehrwürdige Majestät bei Annäherung der Gerichtsdiener, Durch die harten Bande und Schläge, Durch die Vorstellung vor Annas und Kaiphas, Durch den schmerzlichen Backenstreich, Durch die ungerechte Anklage und Verurtheilung, Durch dein geheimnißvolles Schweigen, Durch dein herrliches Zeugniß für die Wahrheit, Durch die Beschimpfung deines h. Angesichtes, Durch die Verspottung deines königlichen Namens, Durch die erduldete Lästerung deiner h. Gottheit, Durch deine Verhöhnung vor Pilatus und Herodes, Durch das ungerechte Todesurtheil, Durch deinen willigen Gehorsam bis zum Tode des Kreuzes, Durch die schmerzhaften Wunden deines h. Leibes, Durch die schmerzliche Beraubung deiner Kleider, Durch deine unaussprechlichen Schmerzen bei Anheftung an's Kreuz, Durch deine dreistündigen Leiden am Kreuze, Durch dein vergossenes kostbares Blut, Durch das Gebet der Liebe für deine Kreuziger, Durch deine göttliche Huld gegen den reumüthigen Schächer, Durch die zärtliche Liebe gegen deine Mutter und gegen Johannes, Durch deinen heißen Durst und bange Verlassenheit, Erbarme dich unser! Zum leidenden Heilande. Durch die bittere Galle und Essig, die man dir dargereicht, Durch deinen harten Todeskampf, Durch die siegreiche Vollendung deines Leidens, Durch das sanfte Neigen deines sterbenden Hauptes, Durch die Eröffnung deiner h. Seite, Durch die Abnahme vom Kreuze, Durch dein H. Begräbniß, Sei uns gnädig, verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Herr! Von allem Uebel, Von aller Sünde, Von einem unglückseligen Tode, Vom Kleinglauben, Von Muthlosigkeit im Leiden, Von aller Geringschätzung deines H. Leidens und Sterbens, Durch deine h. fünf Wunden, Durch deine Liebe zu allen Leidenden, Durch deine Erbarmung gegen reumüthige Sünder, Durch die Wahrhaftigkeit deiner Verheißung, Wir arme Sünder, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du uns zur Betrachtung deines H. Leidens und Sterbens Gnade geben wollest, Daß du uns in jeder Betrübniß durch deine erlittene Angst trösten wollest, Daß du durch deinen blutigen Schweiß die Lust zur Sünde in uns tödten wollest, Daß du uns vor allem Zorne durch deine unbesiegte Sanftmuth behüten wollest, Daß du uns Liebe zum Kreuze einflößen wollest, Daß du uns in der Versuchung durch deine Wundmale bewahren wollest, Daß du uns durch dein Leiden und Sterben von aller Anhänglichkeit an die vergänglichen Dinge losmachen wollest, Daß du uns im Tode durch dein kostbares Blut erquicken wollest, 395 Erbarme dich unser! Erlöse uns, o Herr! Wir bitten dich, erhöre uns! 396 Das achte Gärtlein. O du Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt! Verschone uns, o Herr! du Lamm Gottes 2c., erhöre uns, o Herr! du Lamm Gottes 2c., erbarme dich unser, o Herr! Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Vater unser 2c. V Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich! R Denn durch dein H. Kreuz hast du die Welt erlöset. Gebet. Wir bitten dich, o Herr! sieh' gnädig auf diese deine Gemeinde herab, für welche unser Herr Jesus Christus sich den Händen der Sünder überlassen und am Kreuze sterben wollte, der mit dir in Einigkeit des h. Geistes lebt und regiert, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Kräftige Bitte zu dem leidenden Jesus um ein seliges Ende. O treuherzigster Jesu! der du aus lauter Liebe gegen uns arme Sünder so viel Pein für uns gelitten hast, daß alle Menschen mit einander solche nicht ertragen könnten, ich bitte dich durch dieſe deine unergründliche Marter und unschätzbare Liebe, schenke mir doch in meiner Sterbestunde zum letzten Troste meiner Seele und zur Herzstärkung in meiner äußersten Angst die Traurigkeit deiner betrübten Seele, die bittern Zähren deiner milden Augen, die tiefen Seufzer deines gekränkten Herzens, den blutigen Angstschweiß deines verblichenen Angesichts, die tiefen Wunden deines zermarterten Leibes, die harten Streiche deiner schmerzlichen Geißlung, die peinlichen Dornstiche deiner dörnernen Krone, das rosenfarbene Blut deiner zerrissenen Adern, das • Zum leidenden Heilande. 397 gnadenreiche Wasser deiner durchstochenen Seite, die reichen Verdienste deines bittern Leidens und die herrlichen Tugenden deines heiligsten Lebens. Auf dieses Alles setze ich meine ganze Hoffnung und Zuversicht; und dies Alles setze ich zwischen meine schweren Sünden und den gerechten Zorn des himmlischen Vaters. Wenn ich an meinem letzten Ende nicht mehr werde reden können, so lasse dein H. Blut für mich schreien und deine tiefen Wunden ihren Mund eröffnen, damit ich vor meinem Tode Gnade erlange und nicht ewiglich verloren gehe. Amen. Gebete zu Ehren des heiligen Blutes. Gebet zu den sieben Blutvergießkungen. 1. Vor den Füßen deiner göttlichen Majeſtät falle ich demüthig nieder, o mein gekreuzigter Jesu! und flage mich reumüthig an wegen der vielen Sünden, so ich mein Leben hindurch wider dich begangen habe. Weil ich aber keine bessere Genugthuung weiß, als dein rosenfarbenes Blut, so nehme ich meine Zuflucht zu demselben, und zur Zahlung aller Sünden, die ich in meiner Jugend begangen habe, opfere ich dir das edle Blut, so du in deiner schmerzlichen Beschneidung vergossen hast. Nimm auf, o Jesu! dies kräftige Opfer, und durch dein unschuldig vergossenes Blut lösche aus die Mafeln meiner Seele. Amen. 2. O Herr Jesu Christe! ach, verzeihe mir meine schweren Missethaten, die ich aus Trägheit in deinem Dienste begangen habe! Zur Genugthuung derselben opfere ich dir deinen blutigen Angstschweiß, den du am Delberge aus Todesfurcht geschwitzet hast. Nimm 398 Das achte Gärtlein. auf, o Jesu! dies kräftige Opfer, und durch die Todesangst am Delberge mache mein Gemüth eifrig zu allem Guten. Amen. 3. O Herr Jesu Christe! jetzt bitte ich um Verzeihung der schändlichen Sünden, die ich vielfältig wider die Reinigkeit begangen habe. Zur Genugthuung derselben opfere ich dir dein rosenfarbenes Blut, das du in deiner schmerzlichen und schmählichen Geißelung vergossen hast. Laß dir gefallen, o Jesu! dies kräftige Blutopfer, und durch deine schmerzvollen Geißelstreiche verleihe mir, hinfüro in Reinigkeit zu leben. Amen. 4. O Herr Jesu Christe! nun halte ich an um Verzeihung aller Sünden, die ich mit Hoffart, Hartnäckigkeit und Eigensinn begangen habe. Zu deren Abbüßung opfere ich dir das hochwürdige Blut, so in deiner Krönung aus deinem königlichen Haupte geflossen ist. Laß dies Opfer, o Jesu! vor dir gültig sein: und durch die stechenden Dörner deiner heil. Krone mache mich im Herzen und in äußerlichen Werken demüthig. Amen. 5. O Herr Jesu Christe! ich habe auch sehr viel gesündigt in übermäßiger Kleiderpracht, worüber ich mich anklage und Verzeihung begehre. Zur Genugthuung dieser Sünden opfere ich dir die milden Blut- Bächlein, welche aus deinem Leibe geflossen sind, als bei Abziehung deiner Kleider alle deine Wunden erneuert wurden. Diese reichen BlutBächlein lasse immerdar vor deinen Augen fließen, und verleihe mir durch ihre Kraft, daß ich mich nimmermehr in Kleiderpracht versündige. Amen. Zu Ehren des H. Blutes. 399 6. O Herr Jesu Christe! ich klage mich demüthig an wegen der vielen Sünden, so ich mit meinen Händen und Füßen und allen Gliedern meines Leibes begangen habe. Zur Genugthuung verehre ich dir das reichliche Blut, so in deiner Kreuzigung aus deinen Händen und Füßen geflossen ist. Die Stimme dieses edlen Blutes wolle immerdar in deinen Ohren erschallen, und mir kräftig erwerben, die Glieder meines Leibes zu deinem Dienste anzuwenden. A. 7. O Herr Jesu Christe! die meisten Sünden, die ich gethan, habe ich mit böser Begierlichkeit meines Herzens begangen. Nun aber bitte ich um Verzeihung, und zur Abtragung derselben opfere ich dir das unschätzbare Blut und Wasser, so aus deinem eröffneten Herzen geflossen ist. Dies kräftige Opfer wolle deinen Zorn versöhnen, und mir völlige Gnade erwerben, alle Begierden meines Herzens zu dir zu wenden. Amen. Verehrung des h. Blutes, das aus der Seite Christi geflossen ist. Sei gegrüßt, du hochwürdiges Blut Jesu Christi, welches aus seiner H. Seite geflossen, und für die Sünden der Welt zuletzt ist vergossen worden! Mit herzlicher Liebe und Andacht ehre ich dich, und mit tiefster Demuth bete ich dich an. O du allerheiligstes Blut, welch' große Ehre hat dir Christus erzeigt, daß er dich allezeit in seinem süßen Herzen hat tragen, und nicht eher als nach seinem Tode vergießen wollen. O du alleredelstes Blut, du bist von dem Feuer der heißesten Liebe des Herzens Christi ganz 400 Das achte Gärtlein. kräftig und liebreich gemacht worden! Daher bist du auch eines unschätzbaren Werths, und hast eine übernatürliche göttliche Kraft, die Herzen zu reinigen und zu entzünden. Deswegen hoffe ich durch dich, volle Verzeihung und vollkommene Genugthuung meiner Schulden zu erwerben. Odu liebes und süßes Herzblut! ich liebe und ehre dich, und trage zu dir eine besondere Neigung und ein großes Vertrauen. O du gnadenreiches Herzblut Jesu! ach, entzünde meine Seele in deiner Liebe und erquicke mein Herz mit deiner göttlichen Kraft! Tilge aus meine abscheulichen Sünden, und bezahle meine vielfältigen Schulden. Opfere dich selbst dem himmlischen Vater zu meinem Heile und rufe zu ihm um Gnade und Barmherzigkeit. O himmlischer Bater! ich stelle dir vor Augen das allerköstlichste Blut, welches aus der Seitenwunde deines Sohnes geflossen ist, und opfere dir dasselbe zur Abwaschung meiner Seele und Auslöschung aller meiner Sünden und Schulden. Ein einziges Tröpflein ist mehr werth, als alle Schulden der ganzen Welt: darum werden ja diese allerköstlichsten Herzens- Tröpflein vor dir gültig geschätzt werden, meine großen und schweren Schulden und Strafen zu bezahlen. Deswegen bitte ich durch die göttliche Kraft dieses rosenfarbenen Blutes, du wollest in meinem Tode, wenn alle meine guten und bösen Werke gewogen werden, nur ein einziges von diesen Bluts- Tröpflein durch meinen H. Schutzengel zu meinen guten Werken legen lassen, so will ich getrost von dir ein gnädiges Urtheil erwarten. A. 3u Ehren des H. Blutes. der Vertrauen zu dem h. Blute. Ich bete dich an, o gnadenreiches Blut Jesu Christi, du unschätzbarer Werth der menschlichen Erlösung! Ich glaube, daß du mit der Gottheit vereiniget und von allen Engeln und Menschen angebetet zu werden würdig bist. Ich glaube fest, daß dein Werth unschätzbar ist, und ein einziges Tröpflein mehr gilt, als aller Welt Sünden. Darum setze ich alle meine Hoffnung auf dich, und zweifle nicht daran, der gütige Gott werde mir um deinetwillen meine Sünden verzeihen. O du unschätzbares göttliches Blut, du bist meine stärkste Hoffnung, und du bist meine sicherste Zuversicht! Denn ich weiß, daß ich durch Nichts für meine Sünden leichter genugthun kann, als eben durch dich; und kann auch nicht glauben, daß mich Gott verdammen werde, so lange ich dich ehre und mein Vertrauen auf dich setze. Ich bin auch versichert, daß, wenn ich dich andächtig Gott aufopfere, ich dadurch eher Verzeihung erlange, als wenn ich ein schweres Bußwerk verrichte. Weil ich also weiß, daß ich durch dich so viele Gnaden erlangen kann, darum liebe ich dich von ganzem Herzen und trage eine unaussprechliche Andacht zu dir. O! wenn ich nur wüßte, wie ich dich würdig ehren könnte, und wie ich die Andacht meines Herzens vor dir ausgießen sollte! Die lieben Engel wollen dich an meiner Statt würdig verehren, und die lieben Heiligen wollen dich für mich demüthig anbeten. Alle Priester wollen dich für mich Gott dem Vater aufopfern, und alle Menschen wollen dich an meiner Statt preisen und benedeien. O du Myrrhengarten III. 401 26 402 Das achte Gärtlein. edles, du kräftiges, du kostbares Blut! durch dich hoffe ich Verzeihung meiner Sünden zu erlangen; durch dich hoffe ich Nachlassung meiner Strafen und die göttliche Barmherzigkeit zu erhalten. Denn du kannst Alles, du vermagst Alles, und du erzwingst Alles. Darum rufe ich dich vertraulich an, und mit ganzem Herzen bitte ich dich um Barmherzigkeit. Laß mich in dieser meiner Hoffnung nicht zu Schanden werden, damit ich dich ewiglich benedeie im Himmel. A. Aufopferung dieses h. Blutes. Allerhöchster himmlischer Vater! ich bekenne vor Himmel und Erde, daß ich dir unendliche Schmach zugefügt und bei dir Schulden gemacht habe, die ich nicht bezahlen kann. Weil ich denn dir die zugefügte Schmach nicht abtragen, noch die gemachten Schulden bezahlen kann, so nehme ich meine Zuflucht zu dem rosenfarbenen Blute Jesu Christi, und durch dasselbe will ich dich gänzlich versöhnen. Darum in Vereinigung der Kraft, mit welcher dein Sohn dir sein h. Blut geopfert hat, opfere ich dir dasselbe, und begehre es dir alle Augenblicke meines Lebens auf die kräftigste Weise zu opfern. Dies theure Blut soll ohne Unterlaß zu dir rufen, gleichwie es am Kreuze für alle Sünden um Gnade gerufen hat. So erhöre denn die Stimme des Blutes deines Sohnes, und erzeige mir Gnade und Barmherzigkeit. Gedenke, o lieber Vater, wie dies göttliche Blut so schmerzlich, so schmählich, so überflüssig und so liebreich für uns sei vergossen worden! Gedenke, wie dies rosenfarbene Blut so schändlich verunehret, so 3u Ehren des H. Blutes. 403 gotteslästerig verflucht, so grausam vermaledeiet und unter so viel Spott und Hohn mit Füßen getreten worden ist! Darum bitte ich durch dies heilige vergossene Blut und durch alle Schmach, so ihm angethan worden, verzeihe mir alle Schmach, so ich dir zugefügt habe. Zur Genugthuung opfere ich dir alle Tröpflein dieses kostbaren Blutes sammt allen Verdiensten, so es bei dir erworben hat. Weil aber ein einziges Tröpflein desselben mehr bezahlen kann, als aller Welt Sünden verschulden können: was werden denn alle Tröpflein dieses göttlichen Blutes werth sein? Was werde ich dann nicht bezahlen, da ich dir nicht ein einziges, sondern viele tausend Tröpflein dieses hochwürdigen Blutes aufopfere? So zweifle ich denn nicht, du werdest dies mein Opfer annehmen, und in Ansehung desselben mir die noch übrigen Strafen gnädig verzeihen. Amen. Rosenkranz zu Ehren des kostbaren Blutes Jesu. V Gott, merke auf meine Hülfe! R Herr, eile mir zu helfen! Ehre sei dem Vater zc. Erstes Geheimnik. Unser liebenswürdigster Erlöser vergoß das erste Mal sein kostbares Blut am achten Tage nach seiner Geburt, als er nach dem mosaischen Gesetze beschnitten wurde. Wenn wir nachdenken, daß Jesus dieses geschehen ließ, um der göttlichen Gerechtigkeit für unsern Leichtsinn und unsere Ausgelassenheit genug zu thun, so mögen wir uns bewogen finden, dieselben - 26* 404 Das achte Gärtlein. aufrichtig zu bereuen, und dem Herrn fest zu verfprechen, mit seiner mächtigen Gnade uns an Leib und Seele keusch und züchtig zu verhalten. Fünf Vater unser 2c. Ein Ehre sei dem Vater 2c. Herr! dich bitten wir: Steh deinen Dienern bei, Die dein hochwerthes Blut Theuer erkaufet hat! Bweites Geheimnik. Jesus vergoß im Delgarten bei seiner Todesangst Schweiß und Blut in solcher Fülle, daß die Erde um ihn davon ganz benetzt war. Dieses geschah wegen der klaren Erkenntniß des Undankes der Menschen, womit sie seine Liebe erwiedern würden! O möge die lebhafteste Reue unser Herz ergreifen, daß wir vorhin und noch bis zur Stunde den unzählbaren Wohlthaten des Herrn so wenig entsprochen haben! Machen wir den festen Vorsatz, seine Gnade und h. Ensprechungen getreulich zu benutzen. Fünf Vater unser 2c. Ein Ehre sei dem Vater 2c. D Herr! u. s. w., wie vorhin. Drittes Geheimnik. Unser Herr Jesus Christus vergoß bei seiner grausamen Geißelung, als ihm die Haut zerrissen und sein zartes Fleisch verwundet wurde, in Strömen eine Menge Blutes aus allen Theilen seines Leibes. Dieses kostbare Blut opferte er dem ewigen Vater zum Ersatz für unsere Ungeduld und Empfindlichteit auf. O, warum zögern wir noch, den Zorn und die Eigenliebe zu bezähmen? Wir wollen uns vornehmen, in Leiden und Betrübnissen uns standhaft 405 Zu Ehren des H. Blutes. in der Geduld zu üben, uns selbst zu verachten, und alle Unbilden, die uns angethan werden, mit Sanftmuth zu ertragen. Fünf Vater unser 2c. Ein Ehre sei dem Vater zc. O Herr! u. f. w., wie vorhin. Viertes Geheimnik. Als dein allerheiligstes Haupt, zur Strafe unsers Stolzes und unserer bösen Gedanken, mit Dörnern gekrönt wurde, floß häufiges Blut über dein Angesicht herab: und wir wollen noch nicht ablassen, uns mit Hochmuth aufzublähen, und unreine Bilder und fündhafte Gedanken im Herzen zu hegen! O möchten wir in Zukunft unsere Nichtigkeit stets vor Augen haben, oft an unser Elend und unsere Gebrechlichkeit denken, und allen Zuflüsterungen des bösen Feindes muthig widerstehen! Fünf Vater unser 2c. Ein Ehre sei dem Vater 2c. O Herr! u. f. w., wie vorhin. Fünftes Geheimnik. O, wie viel Blut vergoß unser liebenswürdigster Jesus auf seinem schmerzhaften Wege, den er nach dem Calvarienberge, beladen mit dem schweren Holze des Kreuzes, gehen mußte! Die Gassen Jerusalems und jene Orte die er durchzog, wurden von seinem kostbaren Blute benetzt. Dieses geschah zur Genugthuung für die Aergernisse und bösen Beispiele, womit seine Geschöpfe einander in's ewige Verderben ziehen. Ach! wer weiß es, ob nicht auch wir unter die Zahl dieser Unglücklichen gehören? Wer weiß es, wie Viele, verführt durch unser schlechtes Beispiel, 406 Das achte Gärtlein. in die Hölle verstoßen wurden? Und wir sind so sorglos, und denken noch auf keine Gutmachung! Ja, von nun an wollen wir trachten, zum Heile der Seelen mitzuwirken, indem wir Andere ermahnen, sie auferbauen, und ihnen ein Beispiel guter und heiliger Werke an uns darstellen. - Fünf Vater unser 2c. Ein Ehre sei dem Vater 2c. O Herr! u. f. w., wie vorhin. Sechstes Geheimnih. Noch viel mehr Blut vergoß unser göttlicher Heiland bei seiner grausamen Kreuzigung; da flossen von den durchbohrten Muskeln und zerschnittenen Adern seiner Hände und Füße Ströme jenes heilsamen Balsams des ewigen Lebens, wodurch er die Lasterthaten und Ungerechtigkeiten aller Menschen hinwegnahm. Sollte sich wohl Jemand finden, der jetzt noch in seinen Sünden fortleben, und so die grausame Kreuzigung des Sohnes Gottes erneuern wollte? Ach! beweinen wir bitterlich die begangenen Sünden, verabscheuen wir sie zu den Füßen des Beichtvaters, legen wir unsre bösen, verkehrten Gewohnheiten ab, führen wir von nun an ein christliches Leben, und behalten wir stets vor Augen, wie viel Blut unser ewiges Heil dem lieben Jesus gekoſtet hat. Fünf Vater unser 2c. Ein Ehre sei dem Vater zc. O Herr! u. s. w., wie vorhin. Siebentes Geheimniß. Zum letzten Male vergoß Jesus Christus sein kostbarstes Blut, als ihm nach dem Tode mit einer Lanze die Seite geöffnet, und sein liebstes Herz Zu Ehren des H. Blutes. 407 durchbohrt wurde; es floß da mit dem Blute auch Wasser, auf daß wir aufmerksam würden, daß bereits sein ganzes Blut ausgegossen, und er zu unserer Erlösung nun auch den letzten Tropfen dargeben wollte. O unendliche Güte unsers Erlösers! Wer sollte dich nicht lieben, wer sich nicht mit ganzer Innigkeit hingeben dem Geliebten, der so viel für unsre Erlösung that! Ach! es fehlt uns an Worten dazu; darum laden wir alle Geschöpfe, alle Engel und Heiligen des Himmels, und besonders unsre liebste Mutter Maria ein, zu benedeien, zu loben und zu preisen dein kostbarstes Blut. Es lebe das Blut Jesu! Es lebe das Blut Jesu! Es lebe das Blut Jesu, jetzt und allezeit in alle Ewigkeit! A. Hier bete man drei Bater unser 2c. Ein Ehre sei dem Vater 2c. O Herr! u. f. w., wie vorhin. Gebet. O kostbares Blut des ewigen Lebens, Lösegeld und Sühnung der Welt, Segenstrank und heilsames Bad unserer Seelen, welches du immerdar die Angelegenheit des Heiles der Menschheit vor dem Throne der Barmherzigkeit vertheidigest und beschützest; ich bete dich in tiefster Demuth an, und wünsche, so viel ich vermag, alle die vielen Unbilden und Mißhandlungen gut zu machen, welche dir ohne Unterlaß von Menschenkindern zugefügt werden, besonders von jenen Verwegenen, die sich unterstehen, dich vermessentlich zu lästern.- Wer wird nicht benedeien dieses Blut von unendlichem Werthe? Wer wird sich nicht von flammender Liebe zu Jesus - Das achte Gärtlein. hingezogen fühlen, der dies kostbare Blut für uns vergoß? Was würde ich sein, wenn ich nicht durch dieses göttliche Blut wieder erkauft worden wäre? Wer zog dasselbe bis auf den letzten Tropfen aus den Adern meines Herrn? Ach, nur deine Liebe hat dies gethan! O unaussprechliche Liebe, die uns den kostbaren Balsam des Heils zum Geschenke bot! O unschätzbarer Balsam, der aus dem Quell der unendlichen Liebe floß; mache, daß alle Herzen und alle Zungen dir danken, dich loben und preisen, jetzt und allezeit, und bis zum Tage der Ewigkeit! Amen. V Herr! in deinem Blute hast du uns erlöset. B, Und unserm Gott zum Königthum gemacht. 408 Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott! der du deinen eingebornen Sohn zum Erlöser der Welt verordnet, und durch sein kostbares Blut hast wollen versöhnet werden, verleihe uns gnädig, daß wir diesen Preis unsers Heils also verehren, daß wir, durch seine Kraft vor den Uebeln des gegenwärtigen Lebens bewahret, einst im Himmel der ewigen Früchte desselben uns erfreuen mögen. Der mit dir lebt und regieret in Einigkeit des heil. Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Papst Pius VII. ertheilte, um die Andacht zu dem kostbaren Blute Jesu zu vermehren, durch zwei Rescripte vom 31. Mai 1809 und vom 18. Weinm. 1815 folgende Ablässe auf die andächtige Abbetung dieser von der heil. Congregation der Ceremonien gutgeheißenen Korone ( Rosenkranzes): 1. Einen Ablaß von 7 Jahren und 7 Quadragenen für Einmal des Tages, wenn diese Korone andächtig abgebetet wird. 2. Einen vollkommenen Ablaß, wenn diese Korone alle Tage eines ganzen Monats gebetet wird. Dieser Ablaß wird Zu Ehren des h. Blutcs. 409 am Tage der Empfangung der h. Sakramente gewonnen, an welchem nach Meinung der h. Kirche soll gebetet werden. 3. Einen Ablaß von 300 Tagen, für Einmal des Tages, wenn man das am Ende der Korone befindliche Gebet O kostbares Blut!" 2c. allein spricht. Alle diese Abläffe können den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden. Litanei zum heiligen Blute. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme 2c. Gott heiliger Geist, erbarme 2c. Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme 2c. Du Blut Jesu Christi, Du Blut des ewigen, neuen Testaments, Du Werth unserer Erlösung, Du Ursprung der göttlichen Gnaden, Du Brunn der lebendigen Wasser, Du Fluß des himmlischen Paradieses, Du Pfand der ewigen Seligkeit, Heiliges Blut, das den göttlichen Born besänftigt, Heiliges Blut, das die himmlischen Pforten eröffnet, Heiliges Blut, das alle Unreinigkeit abwäscht, Heiliges Blut, das alle Wunden heilt, Heiliges Blut, daß allen Sündern Verzeihung erwirbt, Heiliges Blut, das alle Schulden bezahlt, Heiliges Blut, das für alle Strafen genugthut, Du süßer Trank aller Durstigen, Du Hoffnung aller Kleinmüthigen, Du Trost aller Betrübten, Du Erquickung aller Schwachen, Du Arznei der Kranken, Du Versöhnung aller Sünder, Du Frohlocken aller Gerechten, Du Zuflucht aller Christen, Du Bewunderung aller Engel, Reinige uns, o b. Blut! 410 Du Trost der Patriarchen, Du Verlangen der Propheten, Du Kraft der Apostel, Du Stärke der Märtyrer, Du Gerechtigkeit der Bekenner, Du Süßigkeit der Jungfrauen, Du Seligkeit der Heiligen, Sei uns gnädig, verschone uns, o Jesu! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Jesu! Von allem Uebel, erlöse uns, o Jesu! Bon aller Ungerechtigkeit, Das achte Gärtlcin. Von aller Hoffart und Eitelkeit, Von allem Geize und Neide, Von Unzucht und böser Begierlichkeit, Von Fraß und Völlerei, Von Zorn und Haß, Von Trägheit und Ueberdruß, Von Krieg und Aufruhr, Von Hunger und Theurung, Von Pest und Krankheit, Von Blitz und Ungewitter, Vom jähen und bösen Tode, Von der ewigen Verdammniß, Durch dein rosenfarbenes Blut, Durch das h. Blut, das du von Maria empfangen hast, Durch das h. Blut, das du in deiner Beschneidung vergossen hast, Durch das h. Blut, das du am Delberge geschwitzet haſt, Durch das H. Blut, welches du im Hause des Annas in Folge des schmählichen Backenstreichs vergossen hast, Durch das h. Blut, das du auf den Straßen Jerusalems vergossen hast, Durch das h. Blut, welches du bei deiner Geißelung vergossen hast, Durch das h. Blut, welches du bei deiner Krönung vergossen hast, Durch das h. Blut, welches du bei deiner Kreuztragung vergossen hast, Reinige uns, 2c. Erlöse uns, 0 Jesu! Zu Ehren des H. Blutes. Durch das h. Blut, welches du bei deiner Entblößung vergossen hast, Durch das h. Blut, welches du bei deiner Annagelung vergossen hast, Durch das h. Blut, welches du am Kreuze vergossen hast, Durch das h. Blut, das du bei Eröffnung deiner h. Seite vergossen hast, Durch das h. Blut, das du beim letzten Abendmahle consecrirt hast, Durch das h. Blut, welches du täglich in der heil. Messe opferst, Durch das h. Blut, das du wunderbarer Weise vergoffen hast, Wir armen Sünder, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du uns verschonest, Daß du uns verzeihest, Daß du uns mit deinem h. Blute reinigen wolleft, Daß du uns mit deinem h. Blute erquicken wollest, Daß du unsere Herzen mit deinem heiligen Blute erweichen wollest, Daß du uns durch dein heiliges Blut mit Gott verföhnen wollest, Daß du uns durch dein heiliges Blut mit Tugenden zieren wollest, Daß du uns durch dein heiliges Blut in deiner Liebe entzünden wollest, Daß du uns durch dein heiliges Blut in den Anfechtungen stärken wollest, Daß du uns durch dein heiliges Blut die Sünden verzeihen wollest, Daß du uns durch dein heiliges Blut die Strafen nachlassen wolleft, Daß du uns durch dein heiliges Blut in unserm Tode stärken wolleft, Daß du uns durch dein heiliges Blut ein seliges Ende verleihen wollest, Daß du uns durch dein heiliges Blut die Pein des Fegfeuers mindern woliest, 411 Erlöse uns, o Jesu! Wir bitten dich, erhöre uns! 412 Das achte Gärtlein. Daß du durch dein heiliges Blut die armen Seelen aus dem Fegfeuer erlösen wollest, wir bitten dich, zc. Daß du uns erhören wollest, wir bitten dich, 2c. O du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Jesu! O du Lamm Gottes 2c., erhöre uns, o Jesu! O du Lamm Gottes 2c., erbarme dich unser, o Jesu, Gebet. Gnadenreichster Jesu, diese h. Litanei, die ich jetzt deinem rosenfarbenen Blute zu Ehren gebetet habe, opfere ich dir in Vereinigung derselben träftigen Aufopferung, mit welcher du alle Tröpflein deines vergossenen Blutes deinem Vater aufgeopfert haft; und bitte durch die Kraft und die Verdienste aller dieser hochwürdigsten Blutstropfen, welche du so schmerzlich und liebreich für uns vergossen hast, du wolleft unsere Sünden verzeihen, und uns der Kraft des h. Blutes theihaftig machen. Amen. Gebete zu den h. fünf Wunden.*) 1. Bu der Wunde des linken Fußes. Sei gegrüßt, du rosenfarbene Wunde des linken Fußes meines gekreuzigten Herrn! Ach, mit welch' großen Schmerzen bist du meinem Erlöser um meiner Sünden willen geschlagen worden! So laß denn diese Schmerzen an meiner Seele nicht verloren gehen, *) Wer nach Erweckung von Reue und Leid die Wunden und die Schmerzen Mariä mit folgenden oder ähnlichen Gebeten mit jedesmal folgendem Vater unser, Gegrüßet, Ehre sei dem Vater und Heil'ge Mutter u. 1. w. verehrt, gewinnt Einmal im Tage 100 Tage Ablaß. Wer es wenigstens zehnmal im Monat thut, gewinnt am Feste Kreuz- Erfindung ( 3. Mai) und Kreuz- Erhöhung( 14. September) einen vollkommenen Ablaß unter den gewöhnlichen Bedingungen. Wer es vom Passionssonntage bis Charsamstag einschließlich thut, gewinnt jeden Tag 7 Jahre und 7 Quadragenen und einen vollkommenen Ablaß für's Osterfest unter den gewöhnlichen Bedingungen. Diese Ablässe können auch den Verstorbenen im Fegfeuer zugewendet werden. Zu den fünf Wunden. sondern mir die ewige Seligkeit erwerben. mein hoch verehrter Heiland, Christe Jesu! mache mir aus dem blutigen Nagel deines linken Fußes einen Schlüssel, den Himmel damit zu öffnen und die Hölle zu verschließen. Mit dem theueren Blute, welches aus dieser Wunde geflossen ist, schreibe deine bitteren Schmerzen in mein Herz, und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden. Amen. Vater unser 2c. Gegrüßet und Ehre sei c Heil'ge Mutter, drück' die Wunden, Die dein Sohn für mich empfunden, Tief in meine Seele ein! Gib an dem, was Er in Banden Und am Kreuze ausgestanden, Gib mir Theil an jeder Pein! 413 - 2. Bu der Wunde des rechten Fußes. Ich grüße dich, o schmerzhafte Wunde des rechten Fußes meines gekreuzigten Heilandes! und bitte, daß du mit deinen herabfließenden Blutstropfen mein fündiges Gewissen reinigen, und Alles, was meine sündhaften Füße verschuldet haben, in dir verbergen wolleft. Oliebreicher Jesu! ich bitte durch die Schmerzen dieser deiner tiefen Wunde, und durch das hochwürdige Blut, so daraus geflossen ist, verleih mir Standhaftigkeit im Guten bis zu meinem Ende. Durch den blutigen Nagel dieses h. Fußzes aber hefte meinen unbeständigen Willen an dein Kreuz, damit er im letzten Streite durch keine Anfechtung von dir geschieden werde. Amen. Vater unser zc. Gegrüßet und Ehre sei zc. Heil'ge Mutter, drück' die Wunden u. s. w. Das achte Gärtlein. 3. Bu der Wunde der linken Hand. Ich grüße dich, du edle Wunde der linken Hand Jesu Christi! bittend, daß du das Schmerzensbild meines gekreuzigten Bräutigams meiner Seele tief eindrückest, damit ich solches in meinem Tode zum Schrecken meiner Feinde und zur Linderung des göttlichen Zornes aufweisen könne. Overwundeter Jesu! weil ich in meinem Tode in größter Angst und Noth bei dem Eingange der Ewigkeit stehen werde, wegen der Ungewißheit, ob ich der Zahl der Auserwählten oder der Verworfenen zugehöre; darum bitte ich durch das theure Blut, welches du aus der Wunde deiner linken Hand vergossen hast, daß du meine sündige Seele nicht zu Linken stellen, sondern aus Gnade deinen Auserwählten zugesellen wollest. Amen. 414 Vater unser 2c. Gegrüßet und Ehre sei 2c. Heil'ge Mutter, drück' die Wunden u. s. w. 4. Bu der Wunde der rechten Hand. Sei gegrüßt, du heilige Wunde der rechten Hand Jesu Christi! du köstlicher Rubin und blutiger Treuring aller andächtigen Seelen! Ich bitte dich durch deine erlittenen Schmerzen, vermähle mich mit meinem gefreuzigten Bräutigam. O gütigster Jesu! durch die blühende Rose dieser blutigen Wunde bitte ich dich, durchstreiche alle meine Schuld und Strafe mit dem blutigen Nagel, getaucht in dein rosenfarbenes Blut. Verzeihe mir, was meine sündigen Hände jemals verschuldet haben, und schenke mir in der Stunde meines Todes ein einziges Tröpflein aus dieser blutigen Wunde deiner rechten Zu den fünf Wunden. 415 Hand, damit ich, von allen Sünden gereinigt, nach diesem Leben würdig werde, zu stehen zu deiner rechten Hand. Amen. Vater unser 2c. Gegrüßet und Ehre sei zc. Heil'ge Mutter, drüd die Wunden, u. s. w. 5. Bur Wunde der heiligen Seite. Ich grüße dich, o liebbrennende offene Seite meines geliebten Bräutigams! und bitte, daß du mir einen freien Zugang zu seinem göttlichen Herzen eröffnest! Oliebreicher Jesu! durch die Liebe, mit welcher du dein Herz hast durchstechen lassen, verzeihe mir Alles, was ich mit Begierlichkeit meines Herzens verschuldet habe. O mildreicher Ausspender der Gnaden! siehe, wie meine Seele so arm ist an Tugenden und Verdiensten: darum schenke mir aus deinem eröffneten Herzen nur ein Fünklein deiner Liebe, und nur ein einziges Tröpflein des Wassers und Blutes, so daraus geflossen ist, damit meine Seele dadurch gewaschen und geziert werde. Verleihe mir auch in meiner Sterbestunde, daß ich in vollkommener Liebe meinen Geist aufgebe, und meine scheidende Seele zu deinem liebreichen Herzen aufsteige. Amen. Vater unser 2c. Gegrüßet und Ehre sei zc. Heil'ge Mutter, drück' die Wunden, u. s. w. Kuk zu den h. fünf Wunden. Wenn du ein Krucifig- Bild in deinem Buch hast, lege es an diese Stelle, und bei jedem Gebete tüffe eine der fünf Wunden. Hast du aber kein Bild, so tüffe die Wunde im Geiste. Ogefreuzigter Jesu! mit herzlicher Liebe und Andacht küsse ich die schmerzliche Wunde deines h. linken Fußes, und bitte durch die bittre Pein, 416 Das achte Gärtlein. die du darin gelitten hast, wende ab von mir deinem gerechten Zorn, den ich durch meine Sünden erweckt habe. gekreuzigter Jesu! mit herzlicher Liebe und Andacht küsse ich die schmerzliche Wunde deines heil. rechten Fußes, und bitte durch die unaussprechliche Qual, die du darin gelitten hast, schenke mir die schweren Strafen, welche ich mit meinen Sünden verschuldet habe. O gekreuzigter Jesu! mit herzlicher Liebe und Andacht küsse ich die schmerzliche Wunde deiner heil. linken Hand, und bitte durch die bittere Pein, so du darin gelitten hast, verzeihe mir alle Sünden, welche ich durch Unterlassung guter Werke begangen habe. gekreuzigter Jesu, mit herzlicher Liebe und Andacht küsse ich die schmerzliche Wunde deiner heil. rechten Hand und bitte durch den großen Schmerz, den du darin gelitten hat, verzeihe mir alle meine Sünden, welche ich durch Verrichtung böser Werke begangen habe. gekreuzigter Jesu! mit herzlicher Liebe und Andacht küsse ich die süße Wunde deines liebreichen Herzens und bitte durch die große Liebe, mit welcher du diese H. Wunde empfangen hast, verzeihe mir alle meine Sünden, welche ich durch alle Begierlichfeit meines Herzens begangen habe. Amen. Befehlung in die h. fünf Wunden. Mit aller Liebe und Freundlichkeit grüße und ehre ich euch, ihr fünf gnadenreichen Wunden meines Herrn Jesu Christi, die ihr ihm auf Erden so große Schmerzen verursacht, jetzt aber im Himmel so große Glorie Zu den fünf Wunden. 417 gebracht habt. Mein süßer Jesus hat euch darum am Kreuze empfangen und in seinem glorreichen Leibe behalten, damit ihr eine Zuflucht aller Sünder sein follet. Deswegen nehme ich auch meine Zuflucht zu euch, und verberge mich in euch, damit ich sicher sei vor dem Zorne des himmlischen Vaters. In euch befehle ich mich mit Leib und Seele, lebend und sterbend: und bitte euch, ihr wollet mich in euch aufnehmen und in aller Gefahr schützen. In dich, oh. Wunde der rechten Hand, befehle ich all mein Thun und Lassen! In dich, o h. Wunde der linken Hand, befehle ich all mein Kreuz und Anliegen! In dich, o h. Wunde des rechten Fußes, befehle ich all meine Anfechtung und Verfolgung! In dich, o H. Wunde des linken Fußes, befehle ich meine letzte Krankheit und meinen bittern Tod! Und in dich, o h. Wunde der Seite und des Herzens, befehle ich alle meine Gebete und Andachten, insbesondere mein Herz mit allen seinen Anmuthungen! Amen. Liebe zu Gott. Entspringend aus den fünf Wunden. Liebreichster Jesu, ich erinnere dich der großen Liebe, welche dich bewogen hat, dich für mich armen Erdwurm freuzigen und deine H. Hände und Füße so grausam durchschlagen zu lassen. Ach, was war dies für eine grausame Marter, als man alle Glieder deines Leibes auseinanderriß, und deine zarten Hände und Füße mit groben eisernen Nägeln an's Kreuz heftete! O wie groß war deine Liebe zu mir, daß du mich zu erlösen die bittere Kreuzigung freiwillig annahmest, und dir die schmerzlichen Myrrhengarten III. 27 G 418 Das achte Gärtlein. Wunden in deine Hände und Füße schlagen ließest. Gewiß erkenne ich hieraus, daß du mich unaussprechlich liebest, weil du für mich solche Marter ertragen hast, welche kein Mensch auf dieser Welt für mich leiden würde. Die tiefen Wunden deiner Hände und Füße zeigen an, wie sehr du mich liebest, und dein durchstochenes Herz beweiset mir, was du für ein Herz zu mir trägst. Sollte ich dich denn nicht lieben, o du mein treuester Liebhaber? Sollen denn deine Wunden mein Herz mit deiner Liebe nicht verwunden? Jhr liebreichen Wunden, zwinget mich, daß ich meinen Jesum liebe; und wie ihr ihn mit Schmerzen verwundet habt, also verwundet mich mit wahrer Liebe. Das heiße Blut, welches aus euch geflossen ist, entzünde mir mein Herz: und die bittern Schmerzen, welche ihr gelitten habt, erweichen mir meine Seele. O ihr liebflammenden Wunden, verwundet immer mehr mein Herz, entzündet immer heftiger in mir die göttliche Liebe! O mein verwundeter Jesu! ich liebe dich von Grund meines Herzens, und begehre dich stets inbrünstiger zu lieben! Wollte Gott, daß ich dich tausendmal mehr liebte, als ich dich liebe; ja, wollte Gott, daß ich dich so viel lieben könnte, als du würdig bist geliebt zu werden! Ich bitte durch die Liebe deiner h. fünf Wunden, verwunde mich mit deiner Liebe, und verleihe mir Gnade, in deiner Liebe zu leben und zu sterben. Am. Litanei von den h. fünf Wunden. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Zu den fünf Wunden. Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme 2c. Gott heiliger Geist, erbarme zc. Heilige Dreifaltigkeit ein einziger Gott, erbarme zc. Ihr h. fünf Wunden Jesu Christi, Ihr seligmachenden Wunden, Ihr glorreichen Wunden, Ihr glänzenden Wunden, Ihr fostbaren Wunden, Ihr gebenedeiten Wunden, Ihr rosenfarbenen Wunden, Ihr heilbringenden Wunden, Ihr gnadenreichen Wunden, Ihr schmerzhaften Wunden, Ihr blutfließenden Wunden, Jhr tiefen Wunden, Jhr lieben Wunden, Jhr süßen Wunden, Ihr göttlichen Wunden, Ihr fünf Brunnquellen aller Süßigkeit, Ihr Pfand der ewigen Seligkeit, Ihr Heilbad für alle Kranken, Ihr Ärznei für alle Wunden, Ihr Linderung aller Schmerzen, Ihr Trost der Betrübten, Ihr Zuflucht aller Angefochtenen, Ihr Erquickung aller Schwachen, Ihr Versöhnung aller Sünder, Ihr Hoffnung der Verzagten, Jhr Süßigkeit aller Frommen, Ihr Erlösung aller Gefangenen, Ihr Freude der Engel, Ihr Lehrbuch der Apostel, Ihr Stärke der Martyrer, Jhr Hülfe der Betenner, Ihr Schatz der Jungfrauen, Ihr Frohlocken der Heiligen, Ihr Licht und Glanz des Himmels, 27* 419 Verwundet uns mit göttlicher Liebe! 420 Das achte Gärtlein. Sei uns gnädig, verschone uns, o Jesu! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Jesu! Von allem Uebel, Von allen Sünden, Von schweren Anfechtungen, Von schädlicher Traurigkeit, Von aller Kleinmüthigkeit, Von aller Nachlässigkeit, Von bösen Gedanken, Bom Geifte der Gotteslästerung, Vom jähen und bösen Tode, Von der ewigen Verdammniß, Durch die heiligen fünf Wunden, Durch die Schmerzen, die du darin gelitten hast, Durch das heilige Blut, das daraus geflossen ist, Durch die Liebe, mit welcher du sie angenommen haft, Durch die Liebe, mit welcher du sie getragen hast, Durch die Liebe, mit welcher du die ganze Welt dadurch erlöset hast, Durch die Liebe, mit welcher du uns damit geheilet haft, Durch die Liebe, mit welcher du sie glorreich gemacht haft, Durch die Liebe, mit welcher du sie in deinem Leibe behalten hast, Durch die Liebe, mit welcher du sie deinen Jüngern gezeigt haft, Durch die Liebe, mit welcher du sie zu unserer Zuflucht gemacht hast, Durch die Liebe, mit welcher du sie mit dir in den Himmel genommen hast, Durch die Liebe, mit welcher du durch sie den ganzen Himmel erleuchteſt, Durch die Liebe, mit welcher du durch sie alle Heiligen erfreuest, Durch die Liebe, mit welcher du sie deinem Vater zeigest, Durch die Liebe, mit welcher du durch sie den göttlichen Zorn stillest, Erlöse uns, o Jesu! Zu den fünf Wunden. Durch die Liebe, mit welcher du durch sie so viele Strafen von uns abwendest, Durch die Liebe, mit welcher du durch sie vielen Sündern das Heil erwirbst, Durch die Liebe, mit welcher du sie am jüngsten Tage allen Auserwählten zeigen wirst, Durch die Liebe, mit welcher du durch sie alle Heiligen ewig erfreuen wirst, Wir armen Sünder, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du uns wegen deiner fünf Wunden verschonest, Daß du uns wegen deiner fünf Wunden verzeihest, Daß du uns wegen deiner fünf Wunden Gnade verleihest, Daß du uns deine fünf Wunden in unser Herz eindrücken wollest, Daß du uns eine wahre Andacht zu deinen fünf Wunden eingießen wollest, Daß du uns ein wahres Vertrauen auf deine fünf Wunden mittheilen wollest, 421 Erlöse uns, 2c. der Welt, verschone uns, o Jesu! O du Lamm Gottes 2c., erhöre 2c. O du Lamm Gottes 2c., erbarme 2c. Jesu Christe, höre uns! Jesu Christe, erhöre uns! Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Vater unser 2c. Ave Maria 2c. Daß du uns der Frucht deiner fünf Wunden theilhaftig machen wollest, Daß du unsere Seelen bei ihrem Scheiden in deine fünf Wunden aufnehmen wollest, Daß du uns in unserm Gerichte durch deine fünf Wunden gnädig sein wollest, Daß du uns für deine fünf Wunden deinem Vater zeigen wollest, Daß du uns am jüngsten Tage mit dem Anblicke deiner fünf Wunden trösten wollest, Daß du uns in der Seligkeit mit deinen fünf Wunden erfreuen wollest, Daß du uns erhören wollest, O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden Wir bitten dich, erhöre uns! Das achte Gärtlein. Gebet. O mein verwundeter Jesu, ich habe jetzt diese heilige Litanei mit möglichster Andacht gebetet und deine heiligen fünf Wunden verehret. Ich opfere dir dieselbe in deine h. fünf Wunden, und begehre, mich in fie treulichst zu befehlen. Ach, lasse mir an meinem letzten Ende deine h. fünf Wunden ein Trost sein, wenn ich alsdann vor Augen sehen werde die Schuldbücher meines Gewissens, und mich beim Eintritte in die Ewigkeit eine unsägliche Angst überfallen wird! Darum wende ich mich jetzt bei Zeiten zu deinen h. fünf Wunden, und rufe sie treulich an, daß sie meine Seele alsdann in sich aufnehmen wollen. Ich bitte dich, o gekreuzigter Jesu, durch die grausamen Schmerzen, welche du in Durchbohrung deiner Hände und Füße gelitten, und durch das rosenfarbene Blut, das daraus geflossen ist, du wollest mein Herz mit wahrer Reue und göttlicher Liebe verwunden, und an meinem letzten Ende mich durch deine h. fünf Wunden beschützen. Amen.*) 492 Gebet zu Ehren des Leidens Christi. O Gott! der du, um die Welt zu erlösen, haſt wollen geboren, beschnitten, von den Juden verworfen, vom Verräther Judas mit einem Kusse verrathen, mit Stricken gebunden, wie ein unschuldiges Lamm zur Schlachtbank geführt, dem Annas, Kaiphas, Pilatus und Herodes schimpflich vorgestellt, von falschen Zeugen angeklagt, gegeißelt, verhöhnt. verspieen, mit Dornen gekrönt, mit Backenstreichen und mit einem Rohre geschlagen, über das Angesicht verhüllt, der Kleider beraubt, mit Nägeln an's Kreuz geheftet, am Kreuz verhöhnt, unter die Mörder *) In den Franziskanerkirchen wird monatlich eine rührende Bruder. schafts- Undacht zu den hl. fünf Wunden abgehalten. Wohne derselben, so oft du kannst, bei. Laß dich auch, so du kannst, in die Bruderschaft von den fünf Wunden aufnehmen. Wallfahrts- Gebete. 423 gezählt, mit Galle und Essig getränkt und mit der Lanze verwundet werden;- ich bitte dich, o Herr! durch diese deine heiligsten Schmerzen, welche ich Sünder jetzt andächtig betrachte, und durch dein heil. Kreuz und Leiden errette mich( und diesen deinen sterbenden Diener N. N. von den Peinen der Hölle, und führe mich gnädigst dorthin, wohin du den mit dir gekreuzigten Schächer geführt hast. Der du mit dem Vater und dem h. Geiste lebst und regierst, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Fünf Vater unser, Gegrüßet und Ehre sei c. 300 Tage Ablaß einmal des Tages. Wer es alle Tage im Monat betet, gewinnt einen vollkommenen Ablaß an einem der drei letzten Tage des Monats unter den gewöhnlichen Bedingungen. Diese Ablässe können auch den Seelen im Fegfeuer jugewendet werden Pius. VII. 1820. Das neunte Myrrhen- Gärtlein. Gepflanzt mit nützlichen Wallfahrts- Gebeten. Vorerinnerung. Wallfahrten sind an sich heilige Ulebungen, geheiligt durch das Beispiel des Heilandes und der Heiligen, gebilligt und empfohlen durch den Gebrauch der Kirche. Ob aber eine Wallfahrt für dich eine heilige und heilsame Uebung sei, das hängt davon ab, wie du dich vor derselben, während derselben und nach derselben beträgst. Wenn du nicht übereilt, sondern wohlüberlegt nach Zeit und Umständen, in gutem Einver= nehmen mit den Deinigen, blos aus der Absicht, Gott dadurch zu ehren und deiner armen Seele zu helfen, auch nichts in leiblichen Nöthen zu begehren, als in soweit 424 Das neunte Gärtlein. es deiner Seele nützlich und ersprießlich sei, eine Wallfahrt antrittst, so gehe in Gottes Namen, der liebe Gott wird deinen guten Willen annehmen und dein Vertrauen gewiß nicht unbelohnt lassen. Du mußt aber unterwegs nicht vergessen, warum du dich auf den Weg gemacht und dein Haus, Eltern oder Frau und Kinder verlassen hast. Halte dich immer innerlich gesammelt und widme die meiste Zeit dem Gebete. Wenn du aber dich mit Andern, welche mit dir gehen, unterhältst, so führe nur erbauliche Gespräche, mache keine unziemliche Scherzreden, tadle und verkleinere Niemanden und gib Niemanden durch dein Betragen Anstoß. Darum sollen sich auch nur Männer und Jünglinge, und Frauen und Jungfrauen zusammenhalten, und nicht die verschiedenen Geschlechter im Zuge durcheinander gehen. Alles geschehe mit Anstand und Ordnung, ermahnt der Apostel Paulus. Darum sollen auch Jünglinge und Jungfrauen keine Wallfahrt mitmachen, bei welcher man über Nacht ausbleiben muß, damit ihnen das, was sie zu ihrem Heile unternommen haben, nicht zum Verderben gereiche. Müßte jedoch eine Jungfrau eine solche Wallfahrt aus irgend einem Grunde mitmachen, so darf sie das nie ohne Beisein ihres Vaters oder der Mutter oder einer älteren Verwandten; könnte das nicht geschehen, so muß sie die Wallfahrt unterlassen, und mit ihrem Beichtvater Rath nehmen, damit dieser, wenn etwa ein Gelübde geschehen wäre, Sorge treffe, dasselbe umzuändern in ein anderes gutes Werk. Am Orte der Wallfahrt selbst hüte dich vor Aufsuchen von Bekannten und vor mancher Zerstreuung, welche die Gewinnsucht der Menschen an solchen Orten insgemein veranlaßt. Hast du deine Andacht verrichtet, erquicke dich in anständiger Weise und tritt alsdann sofort die Heimreise an. Wenn Jemand ein Gefäß trägt, welches tostbare Speise oder Trant in sich enthält, so geht er um so behutsamer, je kostbarer der Inhalt und je größer die Gefahr ist, etwas zu verschütten. Sieh! am Wallfahrtsorte hast du das Gefäß deines Herzens durch aufrichtige Beicht und Buße gereinigt, und der liebe Gott hat in das neue Gefäß viel himmlische Gnaden und Tröstungen eingegossen. Nun gib wohl Acht, damit du nicht etwa aus Unvorsichtigkeit anstößzest Wallfahrts- Gebete. 425 anstößest und die kostbare Himmelsgabe verschütteft. Es wäre doch Jammer und Schade! Darum hüte dich vor zu großer Fröhlichkeit und Ausgelassenheit. Bewahre auch jetzt noch einen gesammelten eist und übergib dich nicht allerlei Gedanken und sinnlicher Freude. Denke jetzt daran, wie du für die empfangene Gnade dankbar sein willst, wie du dein Leben bessern, die Gelegenheiten, welche dich in's Sündenelend gestürzt hatten, fortan meiden, das Gebet und die Betrachtung besser und beständiger üben und die heil. Sakramente, als die Mittel des Heiles öfterer und andächtiger und bereiteter empfangen willst. Denke daran, wie du friedsamer im Hause, sanftmüthiger gegen die Deinigen und gegen Jedermann, fleißiger in der Arbeit, aufrichtiger in deiner Gesinnung, heiliger in deinem ganzen Thun und Lassen werden mögest. Wirst du nicht besser nach der Wallfahrt, dann sei versichert, daß all die empfangenen Gnaden am Tage des Gerichts deine Ankläger sein werden. Das wäre doch schrecklich! dann hättest du nicht allein die Mühe und Anstrengung und Kosten der Wallfahrt verloren, nein! du hättest dir sogar für all Dies recht theuer die bitterſten Ankläger gekauft, welche vielleicht nicht wenig zu deiner Verdammung beitragen werden. Merte noch dies: 1. Wallfahre nicht zu oft, am allerwenigsten gehe nach allen Wallfahrtsorten der Umgegend. Es gibt Leute, die sich nach allen Wallfahrtsorten hinloben, um nur unter dem Vorwande der Frömmigkeit müßig herumreisen zu können, und fleißige Leute sollen ihnen zu ihrem Müßiggehen noch das nöthige Geld geben. Solche Menschen laden eine schwere Verantwortung auf sich, indem sie die Frömmigkeit und die fromme Uebung des Wallfahrens in üblen Ruf bringen, und den wahren Armen das Almosen wegstehlen, was sie ihnen auch zu erstatten verpflichtet sind. 2. Lobe dich nicht übereilt mit kleinen Kindern nach einem Wallfahrtsorte. Wenn du in der Noth ein solches Gelübde machst, so denke immer dabei, es solle nur dann so gelten, wie du es gemacht hast, wenn dein Beichtvater, dem du es alsbald offenbaren sollst, damit einstimme; sonst solle es so gelten, wie der Beichtvater es für gut finde. So ist dein Gelübde bei Gott viel mehr 426 Das neunte Gärtlein. werth, als wenn dn dieses nicht dabei denkst und deinem Kopfe folgen willst; denn dein Gelübde ist vernünftiger und hat zugleich das Verdienst des Gehorsams gegen deinen geistlichen Vater. Mache überhaupt deine Gelübde so; dann wirst du dich wegen derselben nie zu beunruhigen brauchen. 3. Hüte dich vor dem Wahnglauben, als könnte man durch eine Wallfahrt jährlich mit Gott grade rechnen und so getrost in seinen Sündengewohnheiten fortleben. Armer Sünder, der solchem Blendwerk des Teufels und der eigenen Bosheit Glauben schenkt! Für den Unbußfertigen gibt es tein gutes Werk mehr, das ihm zu Nußze käme. Alle Werke im Zustande der Todsünde sind todt und nützen für die Ewigkeit nicht; das einzige gute Wert, das der Sünder zu seinem Heile verrichten kann, ist die Bekehrung. Dieses will aber der Unbußfertige nicht. Nur dem Bußfertigen tann das Wallfahren nüßen. Bu Anfang der Wallfahrt. Allmächtiger, ewiger Gott, ich habe mir vorgenom men, jetzt eine andächtige Wallfahrt zu verrichten, und dich in deinem h. Tempel zu besuchen und anzubeten. In dieser meiner Wallfahrt begehre ich dir auf eine besondere Weise zu dienen und wohlzugefallen; darum wünsche ich von Herzen, daß ich diesen meinen Gang und alle meine Gebete und Andachten auf so kräftige Weise verrichten könnte, wie die lieben Heiligen ihre Wallfahrten verrichtet haben. Ich vereinige meine Andacht, meine Gebete, meine Gesänge und Seufzer, meine Schritte, selbst Müdigkeit, welche mich überfallen, und den Schweiß, welcher von meiner Stirne rinnen wird, ja Alles, was ich auf dieser Wallfahrt thun und leiden werde, mit der Andacht, dem Gebete und der Müdigkeit deines Sohnes Jesu Christi, seiner seligsten Mutter, aller lieben Heiligen und aller frommen Menschen. Zugleich mit denselben Wallfahrts- Gebete. 427 opfere ich dir Alles, durch die Hände meines Schutzengels, zu deinem ewigen Lobe, zur Vermehrung der Freuden aller Heiligen, zur Erhöhung der katholischen Kirche, zum Heile meiner armen Seele, zur Erlösung der Seelen im Fegfeuer und zur Wohlfahrt der ganzen Christenheit. Wollte Gott, daß ich diese meine Wallfahrt so andächtig verrichten könnte, daß all dieser Nutzen in höchster Vollkommenheit daraus fließen würde! O Christe Jesu, der du öfters nach Jerusalem bist wallfahrten gegangen, und in deinem ganzen Leben so viel tausend mühselige Schritte zu Ehren Gottes des Vaters und zu unserm Heile gegangen bist; in diese deine mühseligen Schritte befehle ich alle meine mühseligen Schritte, und durch dieselben bitte ich, daß du mir verleihest, diese Wallfahrt fruchtbar zu verrichten. Dein H. Engel wolle bei mir und allen meinen Gefährten sein, und die Eingebung des H. Geiſtes wolle uns zu allem Guten anleiten und Stärke verleihen. So gehen wir denn fort im Namen Jesu und Mariä, und befehlen uns treulich in den Schutz Gottes und aller Heiligen. Amen. Seufzer, auf dem Wege oft zu wiederholen. Olieber Gott, schaue vom Himmel herab und siehe auf mich, deinen armen Diener herab, der ich dir zu Liebe hier gehe, und dir mit dieser Wallfahrt den höchsten Gefallen zu thun begehre. O mein lieber Jesu, wollte Gott, ich könnte diese Wallfahrt so einrichten und ausführen, daß dir und allen Heiligen eine besondere Ehre daraus entstände. Das neunte Gärtlein. Wollte Gott, ich könnte diese Wallfahrt mit solcher Andacht und in so reiner Absicht und Meinung verrichten, wie du, mein göttlicher Erlöser, all deine Reisen und Wallfahrten zu Ehren deines Vaters verrichtet hast. 428 Dir allein zu Liebe und deinen lieben Heiligen zu Ehren gehe ich diesen Weg und begehre für all meine Mühe keinen andern Lohn, als dein H. Wohlgefallen. In derselben Meinung und mit derselben Andacht, o Jesu, mit welcher du jährlich auf das Osterfest nach Jerusalem gewallfahrtet bist, begehre ich auch jetzt diese Wallfahrt zu verrichten, auf daß ich dich dort anbete und würdig verehre. Nimm auf, o Jesu! all meine Schritte; nimm auf o Jesu! diese meine Reise; nimm auf, o Jesu! meine Gebete und meinen Gesang, und vereinige sie mit deinen allerheiligsten Gebeten und Uebungen, damit sie dadurch geheiligt und vor den Thron Gottes würdig dargestellt werden. Oihr lieben h. Engel, gehet mit uns und helft uns diese Reise mit Andacht verrichten. Bewahret uns vor Ungewitter, Gefahren an Leib und Seele und vor allem Ungemach, damit wir gesund und durch innere Freude stark diesen Weg wandern. Opfert dem lieben Gott all unser Beten, Singen, Danken, Seufzen, all unsere Müdigkeit, unsern Schweiß, unsere Schritte und Tritte, und alle unsere geistlichen und leiblichen Uebungen, so wir jetzt verrichten; auf daß sie durch euer Mitwirken den Augen Gottes gefallen mögen. Ent 429 Wallfahrts- Gebete. Wenn du bergan steigft, so sprich: O Christe Jesu, zu Ehren des bittern Ganges, den du mit dem schweren Kreuze beladen auf den Berg Calvaria gemacht hast, will ich jetzt diesen Berg hinaufsteigen. In Vereinigung deiner blutigen Schritte opfere ich dir alle meine Schritte zu deiner Ehre und zu meinem Heile. Amen. Bergab sprich: O Christe Jesu, zu Ehren des schmerzlichen Ganges, den du den Delberg hinabgingest, als du von den Juden gefangen und mit Stricken gebunden über den Bach Cedron in die Stadt Jerusalem mehr geschleift als geführt wurdest, gehe ich jetzt diesen Berg hinab; und in Vereinigung dieses bittern Ganges opfere ich dir diesen Gang zu deiner Ehre und zu meinem Heile. Amen. Begrüßung der Wallfahrtskirche. Wenn du die Wallfahrtskirche stehst, so sprich: Sei gegrüßt, o ehrwürdiger Tempel Gottes, du h. Haus, welches der Sohn Gottes auserwählt hat, um darin mit vielen Engeln persönlich zu wohnen und den armen Sündern seine Gnaden auszutheilen. In dir hoffe ich Gnade und Barmherzigkeit und Verzeihung meiner Sünden zu erlangen. Das gebe der liebe Gott. Amen. Vater unser 2c. In die Wallfahrtskirche eintretend, sprich, dich mit Weihwasser besprengend: O Christe Jesu, ich bitte dich durch dein theueres Blut, nimm von mir hinweg alle meine Missethaten, auf daß ich mit reinem Herzen in diese h. Kirche eingehe und deine Barmherzigkeit erlange. Amen. Das neunte Gärtlein. In der Kirche angekommen, sprich: Sei gegrüßt, o allerheiligste Dreifaltigkeit! Sei gegrüßt, o hochwürdigstes Sakrament des Altars! Sei gegrüßt, du seligste Jungfrau und Mutter des Herrn! Seid gegrüßt, ihr lieben Engel, die ihr in dieser Kirche wohnt! Seid gegrüßt, ihr lieben Heiligen, zu deren Ehre diese Kirche geweihet ist, und deren Heiligthümer hier aufbewahret werden. Durch eure Fürbitte erlanget mir die Gnade, meine Andacht gut zu verrichten und die göttliche Huld und Barmherzigkeit zu erlangen. Amen. 430 Gebet, vor einem jeden Altar zu sprechen. Seid gegrüßt, ihr lieben Heiligen Gottes, zu deren Ehren dieser Altar geweihet ist, und deren h. Reliquien hier begraben sind. Mit gebogenen Knieen erweise ich euch meine Verehrung und verehre eure H. Gebeine. Bittet für mich armen Sünder und erlanget mir göttliche Gnade. Amen. Vater unser 2c. Gegrüßet seist du zc. Opfer- Gebet. Wenn du eine Kerze, einen Pfennig, oder sonst etwas opfern willst, so sprich allezeit das folgende Gebet: Allerhöchster himmlischer Vater, der du im alten Gesetze befohlen hast, man solle nicht leer vor dein Angesicht kommen, sondern zur Anerkennung deiner Gutthaten dir ein Opfer bringen; siehe, ich Armer bringe dir zwar eine kleine Gabe; gleichwohl verehre ich sie dir aus treuherziger Liebe und guter Meinung, und begehre dir einen großen Dienst und Gefallen damit zu thun. Deswegen trete ich mit Wallfahrts- Gebete. 431 Ehrerbietung hinzu, und opfere dir aus meiner Armuth diese geringe Gabe. Jetzt gehe hin, dein Opfer zu verrichten, darnach sprich: Siehe dies mein Opfer an, o gütigster Vater, gleichwie du die zwei Heller der armen Wittwe angesehen hast, und nimm diese meine Gabe mit solchem Wohlgefallen an, wie du die Opfer und Gaben aller deiner lieben Freunde angenommen hast. Ich verehre es dir aus reiner Meinung, dir einen Gefallen zu erweisen, und begehre hiermit offen zu bekennen, daß ich dir wegen deiner vielfältigen Gutthaten den schuldigsten Tribut zu leisten verpflichtet bin. Ich bin zwar viel tausendmal mehr schuldig; ich bitte aber, du wollest mit dieser geringen Verehrung zufrieden sein und Gnade vor Recht ergehen lassen. A. Gebet in allen Kreuz- Kirchen. Sei gegrüßt, du hochwürdiger Tempel Gottes, der du dem h. Kreuze zu Ehren geweihet bist, und der Verehrung des Geheimnisses des Kreuzes Christi ganz besonders dienest. Ich besuche dich mit andächtigem Herzen, und begehre in dir das hochwürdige h. Kreuz würdig zu verehren. Ich freue mich, daß ich die Gnade von Gott gehabt, dich noch einmal zu besuchen, und vertröste mich gänzlich, ich werde ohne erlangte göttliche Barmherzigkeit von dir nicht wieder scheiden. Denn bei dem gebenedeiten Kreuze unsers Herrn Jesu Christi ist alle Gnade zu finden, und durch die Kraft, welche Christus ihm durch seine Berührung gegeben hat, können alle Sünder die göttliche Barmherzigkeit erlangen. Deswegen will 432 Das neunte Gärtlein. ich mein Gebet in dir mit aller Andacht verrichten und das H. Kreuz nach aller Möglichkeit verehren. O mein gekreuzigter Jesu! der du diese h. Kirche vor Allem auserwählt und durch deine himmlische Benediction kräftig gesegnet hast, damit in ihr dein gebenedeites Kreuz mit größerer Andacht geehret, und deine Kreuzmarter mit größerem Mitleide solle beherziget werden, verleihe mir an diesem h. Örte eine besondere Gnade, dein H. Kreuz und Leiden mit tiefem und herzlichem Mitleide zu betrachten und die Gnadenwirkung deines hochwürdigen Kreuzes kräftiger zu empfinden. Eröffne deine Augen über mich und Alle, welche in deiner h. Kirche versammelt sind, und neige deine Ohren zu dem Gebete Aller, welcher dich in dieser H. Kreuz- Kirche demüthig anrufen. Erweiche unsere Herzen zum wahren Mitleide gegen dein bitteres Leiden und entzünde unsere Gemüther zur wahren Andacht und Gottseligkeit. Erhöre unsere Bitten, welche wir dir in dieser h. Kirche vortragen, und tröste uns in unserm Leide, das wir dir hier klagen. Dein h. gebenedeites Kreuz wolle uns in unserm Kreuze trösten, und die Kraft deines bittern Leidens wolle uns in unserm Leiden Geduld mittheilen. Amen. Gebet vor einem wunderthätigen Kreuze. Sei gegrüßt, du hochheiliges Kreuz, so hochgeehrt in dieser Kirche, und durch göttliche Anordnung mit besondern Gnaden beschenkt! Ich ehre dich mit demüthiger Ehrerbietung, und suche vor dir Hülfe bei der göttlichen Barmherzigkeit. Ich habe großes Vertrauen, hier vor dir in meinem Anliegen getröstet Wallfahrts- Gebete. 433 und in meinem Gebete erhört zu werden. Denn hier haben bisher viele Betrübte Trost; viele Bedrängte Stärke; viele Preßhafte Linderung; viele Nothleidende Labung, und viele verstockte Sünder Bekehrung und Barmherzigkeit erlangt. Darum nehme ich auch meine Zuflucht zu dir, und hoffe, der liebreiche Gott werde auch an mir erweisen, was er an so vielen Nothleidenden erwiesen hat. O du gnadenreiches h. Kreuz! Gott und dir zu Liebe bin ich an diesen h. Ort wallfahrten gegangen, und begehre auch Gott und dir zu Liebe mein Gebet hier nach Möglichkeit gut zu verrichten. So sei mir denn abermals ge= grüßt, o du heil. Kreuz, und sei mir nach deiner Würdigkeit geehrt und gepriesen! Du bist eine wahre Abbildung jenes hochwürdigsten Kreuzes, an welchem mein Heiland gehangen und die Erlösung des mensch)lichen Geschlechts gewirkt hat. Durch dieses hochheilige Kreuz bist du auch geheiliget, und von der Kraft dieses gnadenreichen Kreuzes hast du deine Macht empfangen. O du süßes Kreuz, o du liebes Kreuz, O du gnadenreiches Kreuz! laß mich vor dir die göttliche Gnade erlangen und die schwere Last meiner Sünden ablegen. Lasse mich in meinem schweren Kreuze getröstet, und in meinem Anliegen erhört und erleichtert werden; so will ich dich preisen zu allen Zeiten, und dein Lob verkündigen vor allen Menschen. Amen. Gebet vor einem jeden Kreuze. Sei gegrüßt, o du h. Kreuz, besprengt mit dem rosenfarbenen Blute Christi, und geziert mit den Gliedern seines Heil. Leibes! Jch grüße, ehre und Myrrhengarten III. 28 434 Das neunte Gärtlein. benedeie dich, und erweise dir die schuldige Verehrung. Oh. Kreuz, wie hoch hat dich Christus geehrt, daß er an dir hat hangen und sein edles Leben aufgeben wollen! O du lobwürdiges Kreuz, du fruchtbarer Baum des Lebens, du himmlische Leiter Jakobs, du wunderthätige Ruthe Moysis, und vornehmstes Werkzeug unserer Erlösung! Du bist alles Lobes und aller Ehren würdig! Du bist werth, daß alle Menschen eine besondere Liebe und Andacht zu dir tragen! O du süßer Baum, du süßes Holz! Welch eine süße Frucht hast du getragen, und welch' ein süßer Saft ist aus dir geflossen! Mit dieser süßen Frucht ersättige mich, und mit diesem süßen Saft erquicke mein Herz! Wie kann ich dich genugsam preisen, hochwürdiges Kreuz! Du bist mit dem rosenfarbenen Blute Jesu besprengt; du bist mit seinen H. Gliedern geziert; du bist mit seinem bittern Leiden geheiligt; und durch dich sind wir arme Sünder erlös't worden. Darum preise, ehre und liebe ich ich, und suche bei dir Hülfe und Seelentrost. Ach, stärke mich in meiner Schwachheit, tröste mich in meiner Betrübniß, und bewahre mich in aller Gefährlichkeit! In meiner letzten Stunde vertreibe den bösen Feind von mir, und beschütze mich in der letzten und größten Seelengefahr. Amen. Demüthige Bitte, vor einem Kreuze in besondern Nöthen zu sprechen. O, du Tröster aller trostlosen Herzen, gnadenreichster Jesu! ich armer, betrübter und hochbedrängter Sünder erscheine mit aller Demuth und Unterwürfig Wallfahrts- Gebete. 435 keit vor deinem Gnadenthrone, und mit tieffter Ehrerbietung lege ich zu den Füßen deines H. Kreuzes eine demüthige Bitte nieder, welche ich mit den Zähren meiner Augen geschrieben habe und mit den Seufzern meines Herzens vortrage. Dies mein herzdringendes Anliegen befehle ich in deine blutfließenden Wunden, verberge es in deine eröffnete Seite, und übergebe es deinem durchstochenen Herzen mit demüthigster Bitte, du wollest es mit deinen milden Augen gütig ansehen und mit der Liebe deines Herzens wohl erwägen. O mein gekreuzigter Heiland! siehe die arme Kreatur, welche du bis zum Tode geliebt hast, befindet sich in großer Gefahr, steht in schweren Nöthen und wird gar hart bedrängt und angefochten. Darum komme mir zu Hülfe, liebreicher Jesu, und errette mich aus der Gefahr, die mich umgeben hat! Durch dein hochwürdiges Kreuz und deine bittere Kreuzmarter bitte ich dich, durch dein theures Blut und deine blutfließenden Wunden ersuche ich dich und durch alle deine Schmerzen und deinen schmachvollen Tod beschwöre ich dich, ach, errette mich aus der gegenwärtigen Noth, und stärke mich in meiner schweren Anfechtung! So lieb dir, o Jesu! deine Wunden sind, so lieb dir das Heil meiner Seele ist, so hoch lasse dir meine gegenwärtige Noth und mein schweres Anliegen befohlen sein, damit du mir mit deiner starken Allmacht zu Hülfe kommest, und mit deinem süßen Troste mein betrübtes Herz tröstest. Amen. Gebet in den Kirchen der schmerzhaften Mutter Gottes. Sei gegrüßt, du schmerzhafte Mutter und Jungfrau, in dieser deiner Wallfahrtskirche! Sei mir mit 28* 436 Das neunte Gärtlein. andächtigem Herzen willkommen! Aus lauter Liebe und Andacht zu diesem deinem Schmerzensbilde bin ich hierher wallfahrten gegangen, und freue mich, daß ich dein wunderthätiges Bild wiederum zu sehen würdig bin. Darum will ich vor demselben mein Herz ganz ausgießen und dir all meine Noth vertraulich flagen. Mein unwürdiges Gebet will ich mit solcher Andacht und Aufmerksamkeit verrichten, daß ich mich in Ewigkeit freuen kann, heute hierher gewallet zu sein. So sei mir denn abermals gegrüßt, o an muthiges Vesperbild, und sei mir zu tausendmal geehrt und gebenedeit. In Demuth meines Herzens komme ich zu dir, und mit gebogenen Knieen erzeige ich dir die schuldigste Ehrerbietung. O glorwürdigste Jungfrau, siehe doch gnädig von dem Throne deiner Glorie herab, und mit den Augen deiner Milde schaue mich elenden Sünder an. Ich weiß dich nirgends besser zu finden, als bei deinem h. Bilde, und weiß auch dir nicht näher zu kommen, als eben an deinem heil. Altare. Wenn ich dich persönlich gegenwärtig hätte, o was für Ehre wollte ich dir erzeigen! o wie demüthig wollte ich dir deine Füße füssen, wie freundlich wollte ich sie umfangen, und wie vertraulich wollte ich dich anrufen! Weil ich aber diese Gnade nicht haben kann, so will ich diesem deinem h. Bilde alle Ehre erweisen, welche ich deiner eigenen Person anthun würde, und will mein Gebet vor demselben so andächtig verrichten, als wenn ich dich persönlich vor meinen Augen sähe. Mit betrübten Augen und mitleidigem Herzen schaue ich dein heil. Bildniß an, und mit innerlicher Andacht wende ich die Augen Wallfahrts- Gebete. 437 meines Gemüths zu dir in den Himmel hinauf. Ach! schaue mich auch mit solcher Liebe und Freundlichkeit an, mit welcher ich dein h. Bild anschaue und dein mütterliches Herz zu verwunden begehre. Ich erinnere dich, o schmerzhafte Jungfrau, jener unaussprechlichen Qual, welche du in deinem mütterlichen Herzen empfandest, als du den zermarterten Leichnam deines Sohnes auf deinem Schooße hattest, und seine übel zugerichtete Gestalt so kläglich ansahest. Ach, was empfand dein mütterliches Herz damals, als du seine Wunden mit deinen Augen betrachteteſt, mit deinen Händen berührtest, mit deinem Munde füßtest und mit deinen Zähren benetztest! Ward dein Herz damals nicht mit eben so vielen Wunden durchstochen, als du in seinem Feichname sahest? War deine Seele damals nicht so sehr in Mitleid versenkt, daß sie vor Leid zu vergehen meinte? Mit diesem deinem Leide vereinige ich all mein Leid, und auf diesen deinen mütterlichen Schooß lege ich Alles, was mich an Leib und Seele beschwert. Vor diesem deinem wunderthätigen Vesperbilde flage ich dir all mein innerliches und äußerliches Leid, und werde von deinen Augen nicht eher hinweggehen, bis ich deine Hülfe und deinen Trost verspüre. Denn hier ist der Ort, wo du deine mütterliche Hülfe zu erzeigen pflegest, und alle Betrübte und Nothleidende in ihren Nöthen zu trösten dich beeilest. Hier hast du schon viele tausend Menschen gnädig erhört, und sie durch deine von Gott verliehene übernatürliche Kraft von ihren geistlichen und leiblichen Krankheiten geheilt. Deswegen habe ich auch so großes Vertrauen auf 438 Das neunte Gärtlein. diesen h. Ort gesetzt, daß ich für gewiß halte, du werdest mich erhören, und bei deinem Sohne Barmherzigkeit erwerben. Ich vereinige mein unwürdiges Gebet mit dem eifrigen Gebete Aller, welche jemals in dieser Kirche gebetet haben, und noch künftig beten werden; und hoffe durch ihre Fürbitte zu erhalten, was ich durch mich zu erhalten nicht würdig bin. Ich bitte auch alle Engel und Heiligen, sie wollen meine Fürbitter sein, und wollen mein Anliegen vor den Gnadenthron deiner h. Dreifaltigkeit bringen, damit ich erhalte, was ich so inständig begehre und die schwere Last meiner Sünden an diesem gnadenreichen Orte ablege. Amen. Gebet in den Kirchen, wo ein wunderthätiges Bild der freudenreichen Mutter Gottes verehrt wird. O du wunderthätige Gottesgebärerin, H. Jungfrau Maria, was für große Gnaden und Wunder wirkest du hier in dieser h. Kirche vor deinem Bilde, und wie lieblich ziehest du so manche fromme und unfromme Seele hierher, daß sie dich hier besuche und anrufe. O wie herzlich gönne ich dir alle Ehre und allen Dienst, so dir an diesem h. Orte von so vielen geistlichen und weltlichen Personen erwiesen wird! Wie sehr freue ich mich, daß du hier von so vielen Fremden und Einheimischen besucht und angerufen wirst! Ich opfere dir zu Ehren, o Maria, durch die Kraft des Herzens Jesu Christi alle heil. Messen, Beichten, Kommunionen, Gebete, Opfer, Almosen und guten Werke auf, so an diesem h. Orte geschehen; und bitte demüthig, daß du mich in alle diese wolleft anbefohlen sein lassen und mich derselben theilhaftig Wallfahrts- Gebete. 439 machen. Weil du feinen armen reuigen Sünder, er sei so groß als er immer wolle, ohne Hülfe und Barmherzigkeit von hinnen ziehen läsfest, wie sollte es denn möglich sein, daß du mich allein ganz trostlos von deinem h. Bilde solltest scheiden lassen, und dein mütterliches Herz für mich allein verschließen! So siehe mich denn, o mildreichste Jungfrau, mit den lieblichen Augen deiner Güte an, und erzeige mir die gewöhnliche Barmherzigkeit, die du feinem reuigen Sünder jemals versagt hast. Erquicke meine dürre Seele mit dem Thau deiner Gnaden, umfange sie mit den freundlichen Armen deiner großen Milde, und drücke sie mit mütterlicher Liebe an dein liebreiches Herz! O du Trösterin der Betrübten, tröste mich in meiner Trübseligkeit! O du Heil der Kranken, heile mich von meinen leiblichen und geistlichen Gebrechen! du Versöhnerin der Sünder, versöhne mich mit deinem Sohne, sprich für mich bei deinem Sohne, stelle mich deinem Sohne vor und erwirb mir wahre Verzeihung der Sünden! Behüte auch gnädig mich und alle mir Anbefohlene vor aller Gefahr und Strafe, vor allem leiblichen und geistlichen Ulebel, von dem jähen Tode und ewiger Verdamm< niß, und in meinem letzten Ende nimm meine scheidende Seele in deine mütterlichen Hände, beschütze sie vor allem Anlauf der bösen Geister, und führe sie in die ewige Freude der Seligkeit. Amen. Noch ein Gebet vor einem wunderthätigen Marienbilde. Zu dir, o allerseligste Jungfrau Maria, fliehe ich armer Sünder, und rufe an die Milde deines süßeſten 440 Das neunte Gärtlein. Herzens! Wegen der Menge meiner Sünden bin ich zwar deiner Gnade nicht würdig, du aber, o gütigste Jungfrau, bist wohl würdig, daß ich dich anrufe und von dir Hülfe begehre. Denn du bist voller Gnaden und Barmherzigkeit, und du bist allzeit bereit, denen, welche zu dir seufzen, deine milde Hand zu reichen. Insbesondere trägst du großes Gefallen daran, wenn man dich in diesem deinem h. Tempel besuchet und vor diesem deinem Bilde deine Fürbitte anrufet. Denn obwohl du an allen Orten den Bedrängten deine Hülfe erweisest, so erweisest du dennoch besondere Hülfe denen, welche dich hier andächtig besuchen und deine hülfreiche Fürbitte vertraulich anrufen. Des wegen bin ich armer Sünder auch aus wahrer Andacht hierher gewallet, und rufe dich hier von ganzem Herzen an. O du Trösterin der Betrübten, vor deinem gnadenreichen Bildniß hier niee ich armes Erdwürmchen, und mit traurigem Herzen seufze ich zu dir in den Himmel hinauf! Ach wollest doch Mutter des ewigen Wortes, meine Worte nicht verschmähen, sondern mich gnädig anhören und in meinem Anliegen trösten! Du weißt, o Maria! wie elend ich bin; du weißt auch, daß ich mir selbst aus meinem Elende nicht helfen kann. Deswegen wende ich mein betrübtes Angesicht zu dir, und erhebe meine Augen zu dem Throne deiner Barmherzigkeit. Gedente, o allermildeste Jungfrau, daß es von Ewigkeit nicht sei erhört worden, daß Jemand sei verlassen worden, welcher bei dir Hülfe gesucht und dich um Gnade angesprochen hat! So verliere denn nicht an mir deinen alten Namen einer Mutter der Wallfahrts Gebete. 441 Barmherzigkeit, welchen bisher die ganze Welt gepriesen hat. Wende deine barmherzigen Augen zu mir von deinem himmlischen Throne und sich mich armen Sünder, der deiner Hülfe so sehr bedürftig ist, in Gnaden an! Ach verachte mich nicht, du nächst Gott meine größte Hoffnung; sondern um deiner großen Güte willen komme mir zu Hülfe in meiner Noth! Bedenke mein großes Elend, o Maria, und hilf mir wegen der Ehre deines allersüßesten Namens. Stell' dich vor den Thron der göttlichen Barmherzigkeit und nur mit einem Seufzer halte an um Gnade für mich Elenden. Empfiehl mich deinem allerliebsten Sohne Jesu Christo, und schließe mich mit Leib und Seele in seine allerheiligsten Wunden, damit ich vor allem leiblichen und geistlichen Uebel bewahrt bleibe, und in allem meinem Kreuz und Leiden gestärkt und aufrecht erhalten werde. Amen. Litanei mn Ehren des heiligsten und unbefleckten Herzens Mariä. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser! Gott h. Geist, erbarme dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme 2c. Heiligstes Herz Mariä, Herz Mariä, ohne Sünde empfangen, Du vielgeliebtes Herz der Tochter des himmlischen Baters, Du hochgebenedeites Herz der Mutter des göttlichen Sohnes, Bitte für uns! 442 Das nennte Gärtlein. Du auserwähltes Herz der Braut des h. Geistes, Du bewunderungswürdiges Herz der Mutter des Schöpfers, Du liebenswürdiges Herz der Mutter des Erlösers, Herz Mariä, du Sitz der Weisheit, Herz Mariä, du Spiegel der Gerechtigkeit, Herz Mariä, du Thron der Barmherzigkeit, Herz Mariä, du Inbegriff aller Heiligkeit, Herz Mariä, du Arche des Bundes, Herz Mariä, du Pforte des Himmels, glorreiches Herz Mariä, O mächtiges Herz Maria, O gütiges Herz Mariä, getreues Herz Mariä, O lobwürdiges Herz Mariä, Oliebreiches Herz Mariä, O fanftmüthiges Herz Mariä, demüthiges Herz Mariä, O geduldiges Herz Mariä, Herz Mariä, für uns mit Schmerz durchbohrt, Herz Mariä, du licht der Verirrten, Herz Mariä, du Zuflucht der Sünder, Herz Mariä, du Stärke der Gerechten, Herz Mariä, du Trost der Betrübten, Herz Mariä, du Kraft in Versuchung, Herz Mariä, du Hoffnung der Sterbenden, Herz Mariä, du Hülfe in allen Trübsalen, Herz Mariä, du Ünterpfand der Verheißungen Jesu, Herz Mariä, du vollkommenes Brandopfer der göttlichen Liebe, Herz Mariä, du Freude aller Herzen, Herz Mariä, mit Herrlichkeit und Glorie im Himmel gefrönt, Bitte für uns! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Jesu! O du Lamm Gottes 2c., erhöre uns, o Jesu! O du Lamm Gottes 2c., erbarme dich unser, o Jesu! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Vater unser 2c. Gegrüßet seist du zc. 443 Wallfahrts- Gebete. V Heiliges Herz Mariä, bitte für uns; R Auf daß wir würdig werden, dich von ganzem Herzen zu lieben. Gebet. Gott der Güte, der du das heiligste und unbefleckte Herz Mariä mit den nämlichen Gefühlen des Erbarmens und der Zärtlichkeit für uns erfüllet hast, von denen das Herz Jesu Christi, deines und ihres Sohnes, immer durchdrungen war; verleihe Allen, welche dieses jungfräuliche Herz verchren, daß sie durch die Verdienste desselben eine vollkommene Ulebereinstimmung der Gefühle und Neigungen mit dem heiligsten Herzen Jesu erlangen und bis zu ihrem Tode bewahren, durch denselben Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Das Memorare des h. Bernardus.*) Gedenk, o gütigste Jungfrau Maria, daß es niemals ist gehört worden, daß Jemand, der zu dir seine Zuflucht nahm, deinen Beistand anrief und um deine Fürbitte flehete, von dir sei verlassen worden! Durch solches Vertrauen ermuntert, eile ich zu dir, heil. Mutter, Jungfrau der Jungfrauen, komme ich zu dir, stehe ich vor dir als seufzender Sünder. Mutter des ewigen Wortes! wollest doch nicht meine Worte verschmähen, sondern gnädig höre mich an und erhöre mich. Amen. Gebet um Bekehrung der Irrgläubigen und Sünder. Allmächtiger, ewiger Gott, der du Allen deine Hülfe anbietest und nicht willst, daß einer verloren gehe, siehe gnädig auf die durch List des Satans *) 300 Tage Ablaß, so oft man es betet; einen vollkommenen Ablaß an einem Tage des Monats, in welchem man es täglich betet, wenn man an demselben beichtet und kommunizirt und in einer Kirche zur Meinung des Papstes betet. Pius IX. 1846 den 11. December. Das neunte Gärtlein. verführten Seelen, damit sie allen strafbaren Frrthümern und jeglicher Bosheit entsagen, ihr Herz bessern und zur Gemeinschaft deiner einzig wahren und seligmachenden Kirche zurückkehren. Durch unsern Herrn Jesum Christum 2c. Gegrüßet seist du, Maria 2c. 444 Anrufung eines Heiligen. In einer Wallfahrtskirche. Sei mir gegrüßt, du großer Freund Gottes, h. N. N. der du in dieser heil. Kirche Patron bist, und von den frommen Christen geehrt und angerufen wirst! Siehe, ich bin dir zu Liebe und zu Ehren hierher gewallet, und vertröste mich, ich werde hier durch deine Fürbitte Gottes Gnade und Barmherzigkeit erlangen. Denn an diesem Orte hast du schon manchen armen Sünder erhört, und manchen Betrübten in seinem Anliegen getröstet. Deswegen will ich mein Gebet hier mit aller Andacht vor dir ausgießen, und das ganze Anliegen meines Herzens dir vertraulich offenbaren. Vor deinem heil. Bilde kniee ich mit großer Demuth, und erzeige dir in demselben alle gebührende Ehrerbietung. Wenn ich dich persönlich vor mir stehen sähe, o wie glücklich wollte ich mich schätzen, und welch' große Ehre und Freundlichkeit wollte ich dir erweisen! Weil ich dir aber nicht persönlich nahen kann, darum erzeige ich deinem Bilde jene Ehrerbietung, welche deiner hohen Person und deiner großen Heiligkeit gebührt. Du, o lieber h. N. N., wollefst dies auch also aufnehmen, als wenn ich's vor deinem Throne im Himmel tnieend dir erzeigte. Odu mein treuer Fürbitter, vor deinem heil. Bilde neige ich mein Haupt, und grüße dich abermals mit höchster Freundlichkeit! Mit liebreichem Herzen heiße ich dich willkommen, und in h. Freude frohlocke ich, daß ich die Gnade habe, dich noch einmal in deinem heil. Tempel zu besuchen. Lange habe ich verlangt, zu dir hierher zu kommen, und nunmehr hat mich die Liebe, so ich zu dir trage, angetrieben, mein Verlangen in's Werk zu setzen. Wallfahrts- Gebete. 445 So lasse dir denn meine gute Meinung gefallen, und nimm diese meine Wallfahrt zu deiner großen Ehre an. Ach, wende deine mildreichen Augen vom hohen Himmel herab. und siehe mit Wohlgefallen an, wie demüthig ich hier vor deinem h. Bilde niee, und wie treulich ich deine Hülfe und Fürbitte anrufe! Neige deine Ohren zu meinem unwürdigen Gebete und lasse alle meine Worte vor dein Angesicht kommen. Ach, hilf mir in meinen vielseitigen innerlichen und äußerlichen Beschwernissen, und erleichtere mir das schwere Kreuz, daß mir mein Herz so sehr drücket! Ich weiß, daß du mir leicht helfen kannst, weil du bei Gott in großen Gnaden bist, und er dir keine billige Bitte jemals abgeschlagen hat. Deswegen thue auch jetzt einen Fußfall vor seinem göttlichen Gnadenthrone und trage ihm die Bitte meines Herzens beweglich vor. Halte inständig an um die Bewilligung meines Begehrens, und weiche nicht eher von seinem Angesichte, bis du die Gewährung ausgewirket hast. So will ich dich desto mehr lieben und ehren, und all mein Leben mich gegen dich dankbar beweisen. Ich verlasse mich auf deine große Treue und Güte, und zweifle nicht im Geringsten, du werdest mein Gebet erhört und vor den göttlichen Thron getragen haben. Dir sei dafür von ganzem Herzen Dank geſagt und dein H. Name sei von mir und allen Gegenwärtigen höchlich gepriesen. Amen. Anrufung einer Heiligen. In einer Wallfahrts- Kirche. Ich grüße und ehre dich, o du heil. N. N., du treue Dienerin und liebreiche Braut Jesu Christi, und heiße dich in dieser h. Kirche freundlich willkommen! Ich ehre dich mit solch tiefer Ehrerbietung, als deiner hohen Person geziemet, weil du nämlich auf Erden ein heilig Leben geführt hast, und nunmehr im Himmel von Gott hoch erhöhet bist. wie viel vermagst du bei dem lieben Gott, und wie große Gewalt hast du, bei ihm zu bitten, weil du schon so vielen Sündern Gnade erworben, und so vielen Bedrängten wahre Hülfe erzeigt haft! Darum verehren dich auch alle frommen Seelen gar eifrig, und kommen 446 Das neunte Gärtlein. weit her, dich in diesem heil. Tempel zu besuchen. Hier richten sie ihr Gebet und Opfer aus, und empfinden durch dich wunderbaren Trost in ihren Herzen. Dieser füße Geruch deines h. Namens hat auch mich hierher gezogen, und deine große Heiligkeit hat mir ein Vertrauen eingeflößet, meine Bitte bei dir zu erhalten. O du auserwählte Braut Christi, h. N. N., siehe mich armes Erdenkind in Gnaden an, und lasse die Worte meines Mundes dein mildes Herz durchdringen. Du hast manchen Sünder hier in deiner Kirche erhört und zu Gott bekehrt: unter allen aber war keiner so armselig und fündhaft, als ich großer Sünder bin. Damit denn dein H. Name desto mehr gepriesen werde, so bekehre auch mich durch deine Einsprechung zu Gott, und mache mich aus einem boshaften Menschen zu einem eifrigen Diener Gottes! Ach, erwirb mir wahre Reue und Erkenntniß meiner Sünden, und träftige Gnade zur Besserung meines Lebens! Erhöre auch die inständige Bitte meines Herzens, und tröste mich in dem großen Anliegen, welches meine Seele beschwert. Du siehest in Gott, und erkennest gar wohl, was mir gebricht, und mit wie vielen Armseligkeiten ich umgeben bin. Darum ist es unnöthig, dir dasselbe ausführlich zu erklären und mit vielen Worten meine Noth vorzutragen. Aber wohl nöthig und nützlich ist es, dich inständig anzurufen und dich zur Unterstützung meiner Bitte zu bewegen. Deswegen rufe ich dich aus allen Kräften an, und aus dem tiefsten Grunde meines Herzens seufze ich zu dir in den Himmel auf. Ich bitte dich durch die große Liebe, so du auf Erden zu Jesu Christo getragen, und durch alle treuen Dienste, so du ihm mit großem Eifer geleistet hast. Ich bitte dich durch die aufrichtige Liebe, so du auf Erden zu allen Menschen getragen, und durch das herzliche Mitleid, so du mit allen armen Betrübten gehabt hast. Ich bitte dich auch durch die Gebete, welche jemals dir zu Ehren sind verrichtet worden, und durch das große Vertrauen, welches alle deine Liebhaber jemals zu dir getragen haben. Durch dies Alles bitte ich mit tiefster Demuth und mit großem Vertrauen, daß du mein Gebet erhören und mich in meinem Anliegen gnädig trösten wollest. Ich opfere dir diese meine Wallfahrts- Gebete 447 Wallfahrt, sammt allem, was ich und alle, so jemals hierher gewallet find, Gutes gethan und Widerwärtiges gelitten haben. Dies alles opfere ich dir zu deiner größeren Ehre und Glorie: erwirb du mir dadurch von Gott, was ich durch deine Fürbitte von ihm zu erlangen hoffe. O gütige, o milde, o süße h. N. N., lasse mich doch nicht ungetröstet von dir hinweggehen, sondern tröste mich in meiner Bitte, und nimm mir die schwere Last meines Kreuzes ab. So will ich dich preisen von ganzem Herzen, und das Lob deines Namens verkündigen vor allem Volke. Amen. Die sieben Fälle. Es pflegen insgemein bei den Wallfahrts- Kirchen die sieben Fälle zu stehen, und die Pilger vor denselben niederzuknieen. Damit du auch daselbst deine Andacht verrichten könnest, so sind hier die sieben Fußfälle gesetzt, auch ist zugleich erklärt, wie viele Schritte Christus sein schweres Kreuz getragen hat.*) Sollten aber auch keine sieben Bildstücke oder Häuschen mit der Abbildung der sieben Fußfälle sich vorfinden, so findest du sicher Kreuze, vor denen du dieselbe Andacht nützlich verrichten fannst. Gebet vor dem ersten Bildstock( Krenze.) Als Christus achtzig Schritte weit mit dem Kreuze gegangen war, fiel er zum erstenmale zur Erde. Diesen Fall verehre also: Vor diesem ersten Bildstock( Kreuze) falle ich demüthig auf meine Kniee, o mein freuztragender Heiland! und verehre hier den ersten harten Fall, welchen du mit deinem schweren Kreuze thatest. Denn als du *) Lieber Chrift, du sollst jedoch nicht meinen, als habe der Heiland nicht mehr und nicht weniger Schritte für dich gethan, Ach! es mögen der sauern Schritte und Tritte deines liebenden Heilandes um dich wohl viel mehr gewesen sein, als hier angegeben! Die angegebenen Schritte sind berechnet nach der Entfernung der Orte des Leidens von einander, die bei einigen Orten auch heut zu Tage noch sehr genau, bei andern 448 Das neunte Gärtlein. achtzig Schritte weit gegangen warest, fieleſt du auf dem harten Pflaster so unsanft nieder, daß dir das Blut aus Mund und Nase quoll. Ach, wie schmerzlich war dieser Fall, und wie hart verletztest du dein gekröntes Haupt, deine wunden Kniee und Ellenbogen! Für diesen Fall danke ich dir von Herzen, und opfere ihn dir zur Verzeihung meiner Sünden. Demüthig bitte ich durch den Schimpf und Schmerz, so du bei diesem Falle gelitten hast, du wollest mich aus dem Schlamme meiner Missethaten ziehen und durch deinen Kreuzweg auf den Weg der ewigen Seligkeit führen. Amen. Gebet vor dem zweiten Bildstock( Kreuze). Als Christus von dem vorigen Orte sechszig Schritte weiter gegangen war, da begegnete ihm seine Mutter, und er sant ohnmächtig nieder. Diesen Fall verehre also: Vor dem zweiten Bildstock( Kreuz) falle ich nun zum andernmal auf meine fündigen Kniee, und verehre den Fall Christi, als ihm seine liebe Mutter begegnete. Gedenk, o betrübter Jesu, was für ein erbärmlicher Fall das war, als der Anblick deiner traurigen Mutter dein schwaches Herz mit solchem Leid verwundete, daß du ohnmächtig mit dem Kreuze niedersankest! Ich verehre euch hier, ihr treueſten Herzen Jesu und Mariä, und bitte euch demüthig durch das letzte Lebewohl, das ihr auf dem Kreuzwege von einander genommen habt, und durch das zweischneidige Schwert des Mitleids, das eure Herzen ziemlich genau, wieder bei andern wenigstens bis zur Wahrscheinlichkeit nach Füßen oder Schritten bemessen werden kann. Wallfahrts- Gebete. 449 durchdrang, wollet doch in allen meinen Anliegen wahres Mitleid mit mir tragen, und besonders auf meinem letzten Kreuzwege mir treulich beistehen. A. Gebet vor dem dritten Bildstock( Krenze). Als Christus von seiner Mutter ein und zwanzig Schritte weit fortgegangen war, fiel er zum drittenmal nieder. Die Henter zwangen den Simon, daß er das Kreuz tragen helfen mußte. Vor diesem dritten Bildstock( Kreuze) thue ich abermals einen demüthigen Fußfall, und verehre andächtig den dritten Fall, den mein werther Heiland mit seinem schweren Kreuze that. O du armer Kreuzträger! dieses deines dritten Falles erinnere ich dich, als du am dreifachen Wege so hart über einen Stein fielest, daß dein H. Angesicht am Boden verwundet wurde. Weil du vor großer Schwäche nicht wieder aufkommen, noch die schwere Last weiter tragen fonntest, zwangen die Schergen den Simon, dir dein Kreuz tragen zu helfen. O mein Heiland! ungezwungen begehre ich dir zu helfen, indem ich alles Kreuz, so du mir auflegen wirst, mit Geduld dir nachtragen will. Verleihe mir hierzu deine göttliche Gnade, und durch diesen deinen dritten Fall verzeihe mir, daß ich so vielmals in Sünde gefallen bin. 2. Gebet vor dem vierten Bildstock( Kreuze). Als Christus von dem vorigen Orte hundert ein und neunzig Schritte weiter gegangen war, tam er zum Hause der Veronita, welche ihm sein Angesicht abtrocknete. Hier pflegt man den vierten Fall zu betrachten und zu verehren: Vor diesem vierten Bildstock( Kreuze) falle ich wiederum demüthig nieder und verehre das Geheimniß Myrrhengarten III. 29 450 Das neunte Gärtlein. des blutigen Schweißtuchs meines Herrn Jesu Christi. O was für eine große Liebe hast du deinem Erlöser erwiesen, liebreiche Veronika, da du dich öffentlich als seine Jüngerin bekanntest und ihm sein blutiges Angesicht mit einem Schweißtuche abwischtest! Mit welch großer Dankbarkeit hast du, o Jesu, dieſe Liebe angenommen, da du dein verwundetes Angesicht in das Schweißtuch eindrücktest, und uns allen zum Troste hinterlassen hast! Ich verehre dich, du blutfließendes Angesicht meines Herrn Jesu Christi, und küsse dich aus herzlichem Mitleide, indem ich bitte, du wollest dich in solcher Gestalt dem himmlischen Vater zeigen und deine Schmerzen für uns arme Sünder aufopfern. Amen. Gebet vor dem fünften Bildstock( Krenze). Von dem Hause der Veronika ging Christus dreihundert sechs und dreißig Schritte bis zur Gerichts- Pforte, wo er abermals zum Erbarmen zur Erde fiel. Vor dem fünften Bildstock( Kreuze) thue ich abermals einen reumüthigen Fußfall, und erinnere dich, meinen kreuztragenden Heiland, jenes erbärmlichen Falles, den du unter der Gerichts- Pforte thateſt. Hier lagest du zum Schimpf und Spott aller Menschen, und Niemand war unter dem Volke, der sich deiner erbarmte. Alle verlachten und verspotteten dich aufs ärgste, und warfen dich mit dem Kehrichte der Straßen. Ach, wie that dir dieser schmerzliche Fall so wehe, und welch' tiefe Wunden schnitt das schimpfliche Gelächter in dein Herz! Ich verehre diesen deinen erbarmungswürdigen Fall mit mitleidigem Herzen, und durch denselben bitte ich, Wallfahrts- Gebete. reiße meine Seele aus dem schändlichen Schlamm meiner Sünden, und reinige sie mit deinem theuren Blute von allen ihren Makeln. Amen. 451 Gebet vor dem sechsten Bildstock( Kreuze). Von der Gerichts- Pforte ging Christus dreihundert acht und vierzig Schritte bis zu dem Orte, wo er mit den Töchtern Jerusalems redete und wieder zur Erde sank. Vor diesem sechsten Bildstock( Kreuze) halte ich nun mit dir, o Jesu! die sechste Station, und betrachte mitleidig den sechsten Fall, den du mit dem Kreuze thatest. Da du nach dreihundert acht und vierzig Schritten abermals so schwach wurdest, daß du dich des ohnmächtigen Niederfallens nicht erwehren konnteſt, und die Töchter von Jerusalem deine äußerste Noth sahen, so beklagten und beweinten sie selbe mit bittern Thränen. Auch ich beklage mit diesen mitleidigen Töchtern deine äußerste Noth, o freuztragender Jesu! und falle in meine Kniee zur Erde, mit dem Herzlichen Begehren, dich von deinem ohmächtigen Falle aufzuheben. Ich bitte dich durch diesen sechsten Fall, verzeihe mir, daß ich so oft aus Schwachheit und Unwissenheit in Sünde gefallen bin, und verleihe mir die Gnade, von derselben hurtig wieder aufzustehen. A. Gebet vor dem letzten Bildstock( Kreuze). Von dem vorigen Orte ging Christus hundert ein und sechszig Schritte bis zum Fuße des Berges Calvariä, wo er ganz kraftlos zur Erde fiel. Vor diesem siebenten Bildstock( Kreuze) falle ich nun zum letztenmale auf die Erde, und verehre mit großer Andacht deinen schrecklichen Fall, den du, mein freuztragender Heiland, am Fuße des Berges Calvariä 29* 452 Das neunte Gärtlein. thatest. Denn dort überfiel dich eine solche Furcht vor der künftigen Marter, daß du plötzlich hinsankest, und dich auf's Neue an deinem H. Haupte, an deinen Händen und Knieen gar schmerzlich verletztest. Ach deines armen Herzens, welches so sehr viele Schrecken und Ohnmachten ausstehen mußte! Ach deines franken Leibes, welcher so manchen schmerzlichen Fall leiden mußte! Aus Mitleid werfe ich mich zu dir auf den Boden, und aus herzlicher Andacht küsse ich den harten Stein, auf den du gefallen bist. Durch diesen harten und schmerzlichen Fall bitte ich demüthig, verzeihe mir aus Gnade, daß ich so vielmal aus lauter Bosheit in Sünde gefallen und vorsätzlich in derselben verharret bin. Amen. Delbergs- Andacht.*) Gebet in den Kirchen oder Kapellen, wo die Angst Christi am Oelberge verehret wird. Allergütigster Jesu! der du für mich am Delberge so große Angst und Noth ausgestanden, und in den Todesnöthen sogar blutigen Schweiß geschwitzt hast: siehe, ich armer Sünder bin jetzt zu Ehren dieses traurigen Geheimnisses zu diesem h. Orte gewallfahrtet, und will hier in dieser H. Kirche deine Todesangst am Delberge andächtig verehren. Gleichwie du am Selberge deinen Vater von ganzem Herzen angerufen und um Abwendung des bittern Kelchs gebeten haft: also will auch ich dir in dieser lieben Kirche meine Noth vertraulich klagen, und mein ganzes Herz mit Andacht vor dir ausgießen. An diesem heil. Orte hoffe ich zuversichtlich von dir Gnade zu erlangen und in meinen schweren Anliegen getröstet zu werden, *) Man findet insgemein dort, wo Calvarienberge eingerichtet sind, am Fuß derselben Kapellen, wo Christus am Delberge verehret wird. Dahin gehe oft, wenn du den Calvarienberg nicht besteigen fannst, und bediene dich zu deiner Andacht nachstehender Gebete. Wallfahrts- Gebete. 453 weil ja deine göttliche Weisheit diesen Ort sonderlich dazu auserwählt hat, daß hier das schmerzhafte Geheimniß deiner Todesangst verehrt und durch die Kraft desselben jeder Betrübte in seinen Nöthen getröstet werden solle. So sei mir denn gegrüßet, du h. Bild der Noth Gottes, und sei von mir und allen Gegenwärtigen andächtig verehrt! Ich freue mich, daß ich dich noch einmal sehe, und hoffe, ich werde nicht ungetröstet von dir scheiden. Vor dir will ich mein Gebet mit möglichster Aufmerksamkeit verrichten, und dich betrachtend will ich mich erinnern, was für große Noth mein süßester Jesus am Delberge ausgestanden hat. O mein treuester Heiland! der du diesen anmuthigen Ort vor vielen andern auserwählt hast, daß man sich hier deiner Noth erinnere, ach! verleihe mir die Gnade, daß ich dies hier treu verrichte und deine Todesnoth mitleidig beherzige. Erweiche mein hartes Herz mit deinem blutigen Todesschweiße und zerknirsche es mit der schmerzlichen Betrübniß, die du am Delberge ausgestanden hast. Wende deine milden Augen zu mir vom hohen Himmel herab, und öffne deine Ohren meinem unwürdigen Gebete. Obwohl du an dem Delberge von deinem Vater nicht getröstet worden bist; so wollest du dennoch mich nicht ungetröstet von dir lassen, sondern mein inständiges Gebet gnädig erhören. Ich vereinige deswegen mein Gebet mit deinem Gebete, das du in deiner Betrübniß verrichtet hast, und vereinige es mit dem Gebete aller derer, welche in dieser Kirche jemals andächtig gebetet haben, oder fünftig beten werden; damit, was mir mangelt, hierdurch ersetzt werde, und du mich um deiner und aller frommen Menschen willen gnädig erhörest. Amen. Fünf Gebete zur Todesangst Christi am Delberge. Das erste Gebet. Jesus geht zum Delberge. O allerbetrübtester Jesu, sei eingedent jenes traurigen Ganges mit deinen Jüngern zum Delberge, wo du dein 454 Das neunte Gärtlein. bitteres Leiden mit großer Traurigkeit anfingest! Ach, wie gingest du so betrübt einher, und konntest selbst deinen Jüngern deine Traurigkeit nicht verbergen! O wie bitter muß dir der Delberg gewesen sein, weil du schon beim Anblicke desselben bis in den Tod betrübt wurdest, und fast aller Kräfte beraubt worden wärest! O angsthafter Jesu! ich bitte dich durch die Traurigkeit, welche du empfandest, als du mit deinen drei Jüngern zum Delberge gingeſt: tröste mich in meiner schweren Betrübniß, und erhöre mich in meinem jetzigen Anliegen. Ich bitte dich auch durch den unbeschreiblichen Schrecken, der dich damals überfiel, als du an deine Marter und an deinen Tod dachtest, du wollest mir in meiner letzten Krankheit beistehen, und mich in meinem bittern Tode trösten und stärken. Lindere mir die große Angst, die mich alsdann überfallen wird; und stärke mein Herz wider alle Kleinmüthigkeit, welche mich erschrecken wird. Amen. Das andere Gebet. Christus trauert am Delberge. O allerbetrübtester Jesu! jetzt erinnere ich dich an das unergründliche Herzenleid, so du im Delgarten ausstandest, als du zu deinen Jüngern sprachest: meine Seele ist betrübt bis in den Tod! O mein Jesu, gedenke jenes schrecklichen Augenblicks, als die Gottheit all ihren Trost dir entzog, und deine arme Menschheit der tiefsten Schwermuth überließ! O wie bitter und schwer kam dir dieser Augenblick vor, und in was für eine entsetzliche Angst hat diese Verlassenheit dein Herz versetzt! Denn du warest von Gott und den Menschen so ganz und gar verlassen, daß du auch von keinem Dinge den geringsten Trost schöpftest, und dir vor großer Angst dein Herz im Leibe zitterte. O du verlassener Jesu, wie war's dir doch möglich, solche übermäßige Traurigkeit auszustehen und dies übermenschliche Leid ohne Brechung deines Herzens zu ertragen? O, daß ich bei deinen Jüngern gewesen wäre, und dir in deinem großen Elende hätte beistehen können. Wie herzlich gern wollte ich dich getröstet, und wie treulich wollte ich dir zugesprochen Wallfahrts- Gebete. 455 haben. Siehe, du Geliebter meines Herzens, das Mitleid, so ich mit dir trage, opfere ich dir zur Erquickung deiner Seele, und meine Thränen verehre ich dir zur Labung deines betrübten Herzens. Ich danke dir, o Jesu, für das größte Elend, so du am Delberge ausstandest, und opfere dir dasselbe zur Verzeihung meiner Sünden und zur Tröstung deines betrübten Herzens. Wenn ich in meinem Tode vor Angst und Schrecken zittern werde, so sei eingedent, wie ich jetzt mit deiner Todesangst Mitleid getragen und dieselbe zu meiner Hülfe angerufen habe. Deswegen wollest du alsdann mein geängstigtes Herz durch die Kraft deiner Angst stärten, und es vor der Gefahr der Verzagung bewahren. Amen. Das dritte Gebet. Christus betet am Delberge. Jetzt erinnere ich dich, beängstigter Jesu, an das andächtige Gebet, welches du im Delgarten verrichteteſt, als du dich von deinen Jüngern um eines Steinwurfs Weite absondertest, und in einer steinernen Gruft vor deinem Vater niederfielest. O was war dies für eine Demuth, als du, der gewaltige Gott, auf deine Kniee fieleſt, dein Haupt tief niederbeugtest, deine beiden Hände gen Himmel erhobest, und mit bittern Zähren deinen Vater um Hülfe anriefst, sprechend: Abba, mein Vater, ist es möglich, so nimm diesen Kelch von mir! Doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe! O wie war es zum Erbarmen, als du so schmerzlich seufztest, so betrübt klagtest, so bitterlich weintest und so flehentlich batest, und doch weder Hülfe noch Trost erlangtest! Ach, was empfand dein Herz damals, als sich dein mildester Vater so hart gegen dich erzeigte, und sich deiner nicht im geringsten annahm, wiewohl du in solch äußerster Noth warest, daß deine betrübte Seele vor großem Leid schier vergehen wollte! Ich habe herzliches Mitleid mit dir, daß du so ganz verlaſsen und um meiner Sünden willen in solches Herzenleid gerathen bist. Ich bitte dich durch diese deine äußerste Verlassenheit, verlasse mich nicht in meiner Noth, sondern erhöre mein Das neunte Gärtlein. unwürdiges Gebet, welches ich vor dir ausgieße. Mit Mund und Herzen schreie ich zu dir und spreche in großem Bertrauen deine eigenen Worte zu dir: Abba, mein Vater, ist es möglich, so nimm diesen Kelch von mir: doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Amen. 456 Das vierte Gebet. Christus ringt mit dem Tode. O angsthafter Jesu, jetzt erinnere ich dich jenes allerschwersten Kampfes, den deine Natur bestand, als du vor großer Angst und Furcht mit dem Tode zu ringen anfingest. Ach, wer will's aussprechen, was du in dieſem Todeskampfe ausstandest, und was für eine unaussprechliche Angst du darin littest. Deine Haare standen dir zu Berge, deine Augen dreheten sich, deine Wangen wurden bleich, deine Hände wurden schlaff, deine Glieder zitterten, dein Blut stockte, dein Herz war bewegt und der kalte Schweiß drang mächtig hervor und rann zur Erde. O mein Heiland, was littest du hier! O mein Jesus, was strittest du für einen Streit! Der Tod wollte dir dein Herz mit Gewalt abstoßen, und die heiße Angst wollte es ganz und gar ersticken. Siehe, die Thränen meiner Augen opfere ich dir zu einem Kraftwasser, und alle Blutstropfen meiner Adern zu einem Perlentranke, dein schwaches Haupt damit zu waschen und dein gequältes Herz damit zu erquicken. Mit deiner großen Noth trage ich herzliches Mitleid, und danke dir tausendfältig, daß du um meinetwillen solche Noth ausgestanden hast. Ich opfere dir den harten Todeskampf, den du hier gelitten hast, und bitte dich durch denselben, du wollest mir in meinem Todestampfe zu Hülfe kommen und meine schweren Seufzer in dein mitleidiges Herz aufnehmen. Amen. Das fünfte Gebet. Christus schwitzt Blut. Obedrängter Jesu! letztlich erinnere ich dich der schrecklichsten Bein, welche du am Delberge littest, als du in deiner größten Todesangst auf unerhörte Weise Blut Wallfahrts- Gebete. 457 schwitztest. Gedenk', allerbetrübtester Jesu! wie dein edles Herz damals gepreßt war, als du vor Mattigkeit auf dein Angesicht fielest, an deinem ganzen Leibe erzittertest, vor Angst keinen Athem mehr schöpfen konntest, und endlich vor übergroßer Herzensqual über den ganzen Leib Blut schwitztest. Gott, was mußte dies für eine Gewalt sein, welche das Blut so heftig hervordrängte, daß dein ganzer Leib mit blutigen Tropfen besprengt war, die häufig zur Erde rannen! Ach, Gott im Himmel, welche Angst hast du hier ausgestanden! Kein menschlicher Verstand kann dies Geheimniß begreifen, und keine Engelzunge kann dies würdig erklären. Darum werfe ich mich vor dir auf mein Angesicht nieder, und verehre mit tiefster Demuth deinen blutigen Schweiß. Ich habe herzliches Mitleid mit deinem äußersten Elende, und wünsche von Herzen, daß ich dir in dieser größten Noth hätte beispringen können. Ich danke dir nach Möglichkeit wegen deiner erlittenen Angst, und benedeie deine große Liebe, so dich in dies schmerzliche Blutbad gebracht hat. Ich opfere dir diesen blutigen Angstschweiß. zur Abwaschung meiner Seele und zur völligen Genugthuung meiner schweren Schulden. Ich bitte dich, daß du meiner Seele in ihrem Hinscheiden nur ein einziges von diesen kräftigen Blutströpflein wollest zu gut kommen lassen, und wenn mir in meinem Ende der kalte Todschweiß ausbrechen und vor Angst das Herz im Leibe zittern wird, alsdann wollest du dich deiner bittern Todesangst und des unerhörten Blutschwitzens erinnern, und wegen dessen mir meine schwere Todesnoth gnädig mindern. Amen. Aufopferung. Die fünf Gebete, o Jesu! welche ich jetzt zu Ehren deiner Traurigkeit am Delberge gesprochen habe, opfere ich dir in dein beängstigtes Herz, bittend, du wollest sie mit deinem inbrünstigen Gebete vereinigen, deinem himmlischen Vater vorstellen und ihm zu meinem Seelenheile aufopfern. Lasse dir dies mein Gebet gefallen, o mein süßester Jesu! und lasse die Seufzer meines Herzens dein mitleidiges Herz durchdringen. Erhöre mein inbrünstiges Begehren, welches dir ja bekannt ist, und errette mich aus der Noth, worin 458 Das neunte Gärtlein. ich mich jetzt befinde. Wegen deiner großen Angst, welche du am Delberge ausgestanden, tröste mein bedrängtes Herz. und wegen deiner schweren Todesnoth stehe mir in meiner letzten angstvollen Stunde bei. Amen. Wallfahrt zum Calvarienberge. Nach dem Beispiele unserer frommen Vorfahren soll ein jeder frommer Christ diesen Myrrhenberg oft besteigen, und entweder mit einer leiblichen oder geistlichen Wallfahrt besuchen. Wenn also in deiner Pfarre ein Calvarienberg errichtet ist, so benutze die Nachmittage der Sonn- und Feiertage fleißig zu dieser frommen Wallfahrt, um die allerschmerzlichsten Geheimnisse des Leidens Christi daselbst zu betrachten. Ist kein Calvarienberg da, so kannst du die Wallfahrt geistlicher Weise in der Kirche oder zu Hause verrichten. Zu Anfang der Wallfahrt sprich folgendes Gebet. Mein treuester Erlöser Christe Jesu, aus herzlicher Begierde, ein dir wohlgefälliges Werk zu verrichten, habe ich mir vorgenommen, den h. Berg Calvariä zu besuchen, und jene bittere Marter, so du auf demselben gelitten hast, zu beherzigen. So eröffne mir denn die Thüre zu diesem h. Berge und lasse mich mitleidig deine schwere Marter schauen. Mit derjenigen Liebe und Meinung, mit welcher du auf den Berg Calvariä gestiegen bist, um da zu leiden, will auch ich hinaufsteigen, um da deine Leiden zu betrachten. Verzeihe mir deine Gnade, damit ich diese h. Uebung fruchtbar und andächtig verrichte. Amen. Begrüßung des Berges Calvariä. Sei mir gegrüßt, hochwürdiger Berg Calvariä, du von Gott auserwählter und geheiligter Berg! Wallfahrts- Gebete. 459 Auf dir hat mein Herr Jesus Christus die bitterste Kreuzmarter gelitten und sein rosenfarbenes Blut reichlich vergossen. O du hochwürdigster Berg, mit tiefster Demuth falle ich auf meine Kniee, und mit wahrer Andacht meines Herzens verehre ich dich! Ich bin zwar nicht würdig, mit meinen sündigen Füßen dich zu betreten; aber ich habe wahre Reue über meine Sünden, und hoffe, durch deine Berührung gereinigt und geheiligt zu werden. Denn mein süßester Heiland hat dich mit seiner Marter geweihet, mit seinem h. Blute gesalbt, mit seinem bittern Tode geheiliget, und dir solche Kraft mitgetheilt, daß alle, welche dich leiblicher oder geistlicher Weise mit Andacht besuchen, auf dir sollen gereiniget, und mit seiner göttlichen Gnade bereichert werden. Darum hoffe auch ich, auf dir wahre Neue und Verzeihung meiner Sünden zu erlangen, und wahre Besserung meines Lebens. Dazu verleihe mir deine Gnade, o mein liebster Jesu, und erweiche mein hartes Herz zu wahrem Mitleide gegen dein bitteres Leiden und Sterben. Amen. Das erste Gebet. 3u Ehren der Entblößung Christi. Sobald Christus auf den Berg Calvari& angekommen, und sein H. Kreuz niedergelegt hatte, rissen die Henkerstnechte seine Kleider mit Gewalt von seinem Leibe, und stellten ihn allen Menschen bloß und nackt vor. Dieses Geheimniß verehre also: Bei Besuchung deines h. Berges, schmerzhafter Jesu, kommt mir zuerst jenes schmerzliche Geheimniß vor, als dir die Henker deine Kleider ungestüm von deinem verwundeten Leibe gerissen, und dich aller 460 Das neunte Gärtlein. Welt nackt und bloß vor Augen gestellt haben. Ad)! was war dies für ein Schmerz, als man dir den eingebackenen Rock so unbarmherzig von den Wunden abzog, daß alle Wunden mit frischem Blute zu fließen anfingen. O, wie fingen deine H. Wunden auf's Neue an zu stechen, zu brennen, zu wüthen, zu bluten und dir neue Marter zu verursachen! Wie bitter nun dieser Schmerz auch war, so that es dir noch viel weher, daß du vor so vielen tausend Menschen ganz nackt stehen, und von so vielen unkeuschen Augen dich ansehen lassen mußtest. O keuscher Bräutigam meiner Seele, wie theuer hast du bezahlen müssen, daß ich mich so oft und schändlich entblößt habe! Welch' schwere Buße hast du aufnehmen müssen, um für meine vielfältige Unzucht genugzuthun! Ich bitte dich, durch diese deine schmähliche Entblößung verzeihe mir meine vielfältigen Unverschämtheiten. Ich bitte dich, durch die unergründliche Schamhaftigkeit deines Herzens verzeihe mir meine vielfältigen unzüchtigen und ungeziemenden Worte und Werke. Jch bitte dich durch die schmerzliche Abziehung deiner Kleider und die peinliche Erneuerung deiner Wunden, schenke mir aus Gnaden die schweren Strafen, welche ich wegen meiner öftern Unzucht auszustehen schuldig bin. A. Das andere Gebet. 3u Ehren der Kreuzigung Christi. Nachdem Christus entblößt und mit Myrrhenwein getränkt worden, führten ihn die Henker zwölf Schritte fort an den Ort, wo das Kreuz lag, und nagelten ihm seine rechte Hand an. Die Annagelung verehre auf folgende Weise: Jetzt erinnere ich dich, zermarterter Jesu, wie dich die Henker zwölf Schritte zum Orte der Kreuzigung Wallfahrts- Gebete. 461 geführt, und dich an das harte Kreuz anzunageln sich bereitet haben. Da fielest du vor dem Kreuze auf deine bloßen Kniee, erhobest deine Hände und Augen gen Himmel, füßtest darnach anmuthig das h. Kreuz, und legtest dich demüthig auf dasselbe nieder; die unbarmherzigen Henker aber ergriffen deine ausgestreckte rechte Hand, und nagelten dieselbe mit sechs und zwanzig Hammerstreichen dermaßen grausam ans Kreuz, daß dein liebes Herz sammt allen Gliedern des Leibes darüber erzitterte und das h. Blut hoch in die Höhe spritzte. O gekreuzigter Jesu, gedenke, was für eine Marter du hier ausstandest! So oft der Henker einen Streich that, so oft ging dir der Schmerz durch Mark und Bein, und durchstach dein Herz wie mit einem Schwerte. Deine Augen wendeten sich, dein Mund schrumpfte zusammen, deine Zähne schlugen aufeinander, deine Wangen wurden ganz bleich, deine Kniee zogen sich in die Höhe und deine Eingeweide im Leibe bewegten sich. Dieses gewaltigen Schmerzes erinnere ich dich, und für denselben danke ich dir, daß du mich so theuer hast erlösen wollen. Weil ich so viele Sünden mit meiner rechten Hand begangen habe, daß ich sie nimmer bezahlen kann, darum opfere ich dir die große Marter, so du gelitten hast, bittend: du wolleft mir meine Sünden verzeihen und die wohlverdienten Strafen gänzlich nachlassen. Amen. Das dritte Gebet. 3u Ehren der Annagelung Christi. Es hatten die Henker mit Fleiß die Löcher weiter von einander gebohrt, als die Hände und Füße Christi reichen konnten. Deswegen umbanden sie dieselben mit Stricken, 462 Das neunte Gärtlein. und zogen sie so gewaltsam an, daß alle Glieder aus ihrer Stelle wichen. Zu Ehren dieser Pein sprich: Zum dritten erinnere ich dich, o schmerzhafter Jesu, der grausamen Folter, so du in deiner Kreuzigung ausstandest, als dir zuerst deine beiden Arme, und nach angenagelter linken Hand auch die beiden Füße so stark ausgespannt wurden, daß kein einziges Glied an seiner Stelle blieb. Ach, mein liebster Jesu, wie groß war doch der Schmerz, welchen du an deinem zermarterten Leibe littest, als man dich so grausam auseinander zog, daß alle Gewerbe verrenkt, alle Adern zersprengt, alle Nerven zerissen, und alle Rippen versetzt wurden! Ach, wie erbarmet es mich deiner! und wie geht mir deine schmerzliche Ausspannung so tief zu Herzen! O ihr zerrissenen Glieder, ich grüße euch, und mit herzlicher Liebe und Andacht küsse ich euch! Ich bete euch an als göttliche Glieder, und danke euch von Herzen, daß ihr für mich so viele Peinen gelitten habt. Weil ich an allen Gliedern meines Leibes gesündigt habe, darum habt auch ihr freiwillig gelitten, meine Sünden zu bezahlen. Daher kann ich euch für dieſe unendliche Liebe nicht genug danken, noch für dieſe erwiesene Gutthat genug Ehre erweisen. Du, gütigster Jesu, wollest deinem himmlischen Vater deine zerrissenen Glieder zeigen, und ihm für die Sünden meiner Glieder vollkommen genugthun. Amen. Das vierte Gebet. Zu Ehren der Annagelung Christi. Nachdem die Henter Christum genug gereckt hatten, nagelten sie ihm erst die rechte Hand, dann die beiden Füße an das Kreuz. Verehre die Annagelung: Wallfahrts- Gebete. 463 Während dieser Kreuzigung komme ich nun abermals im Geiste zu dir, zermarterter Jesu, und sehe mit Schrecken, wie grausam die Henker deine Hände und Füße mit eisernen Nägeln an das Kreuz hefteten. Ach du armer Jesu, was littest du für Bein in deinen zarten Händen und Füßen! Wie war es doch möglich, daß dir nicht dein Herz brach! Denn so oft die Schergen einen Streich auf die Nägel thaten, so oft erzitterte dein ganzer kranker Leib, und dein edles Herz sprang vor Schmerzen sichtbar auf. Es stieß dich zu allen Streichen eine tödliche Marter an, und wollte dir dein krankes Herz im Leibe zerspalten. Deine angenagelten Hände und Füße wurden vor großer Pein ganz schwarz und braun, und deine H. Haut sammt dem Fleische wurden zugleich mit dem Nagel in das Holz getrieben. Da sprang das Blut aus deinen Wunden, da flossen die Zähren aus deinen Augen, da schossen die Seufzer aus deinem Herzen, da hörte man nichts als Ach und Wehe! O du mein gekreuzigter Heiland, mein ganzes Gemüth erbarmet sich über dich, und mein fündiges Herz wird schier vor Mitleid krank! Im Geiste der Andacht falle ich zu dir auf die Erde, füsse mit herzlichem Mitleid deine angenagelten Hände und Füße, und bitte dich durch diese schmerzliche Kreuzigung und Blutvergießung, du wollest mir meine Sünden verzeihen und wahre Besserung meines Lebens ertheilen. Lasse deine blutigen Wunden ihren Mund aufthun, und das Heil meiner Seele aus ihren verdienten Lohn von deinem Vater abfordern. Zeige ihm auch die empfangenen Wunden, und versöhne durch dieselben seinen gerechten göttlichen Zorn. A. Das neunte Gärtlein. Das fünfte Gebet. 3u Ehren der Erhebung des Kreuzes. Nach der Kreuzigung schleiften die Henter das Kreuz vierzehn Schritte ført, hoben es in die Höhe und ließen es in das zubereitete Loch fallen. Zu Ehren dieses Schmerzes sprich: 464 Nun erhebe ich mich im Geiste von meinem vorigen Orte, gehe dir, meinem angenagelten Heilande, mitleidig nach, und sehe mit innigem Bedauern, wie man das H. Kreuz aufhebt und in das zubereitete Loch fallen läßt. O, welches Herz sollte hier nicht zittern, und welcher Mensch sollte sich nicht erschrecken, wenn er recht beherziget, was du bei dieser Erhebung des Kreuzes gelitten haft! Denn nachdem die sämmtlichen Henkersknechte mit großer Mühe und vielem Geschrei dich mit dem Kreuze in die Höhe gehoben hatten, ließen sie dasselbe in das zubereitete tiefe Loch mit solchem Ungestüm herabschießen, daß dein gekreuzigter Leib erschüttert und von unbeschreiblichen Schmerzen gefoltert wurde. Da krachten alle Gebeine, da wurden alle Gewerbe verrückt, viele Adern zerrissen, die Wunden erweitert, und alle Dörner deines h. Hauptes bewegten sich. Da floß das rosenfarbene Blut über deinen ganzen Leib auf die Erde hinab, und färbte nicht allein deine Glieder, sondern auch das H. Kreuz und den steinigen Felsen. O du ge kreuzigter Jesu! ich erinnere dich der grausamen Marter, so du in dem Fortschleifen, Aufheben und Niederfallen des Kreuzes littest, und alles Schimpfens und Spottens, so dir die Heiden und Juden in selbiger Zeit zufügten. Weil du dies Alles zur Genugthuung meiner Leichtfertigkeiten gelitten hast, Wallfahrts- Gebete. 465 darum lasse diese deine Marter mir zu gute kommen, und alle meine verübten Eitelkeiten gänzlich auslöschen. Amen. Unter dem Kreuze des Herrn. Das erste Gebet. Anbetung des Gekreuzigten. O mein gekreuzigter Jesu! in Demuth meiner Seele und in Zerknirschung meines Herzens falle ich vor deinem Kreuze auf meine Kniee, und mit zur Erde geneigtem Haupte bete ich dich, meinen gefreuzigten Gott, an. Ach mein liebster Jesu, in welch' einem Zustande sehe ich dich hier! Wie ist dein zermarterter Leib so voller Pein und Schmerzen! Du hängst mit Händen und Füßen angenagelt, und kannst kein Glied zu dem andern bringen, dir zu helfen. Du hängst in Peinen und Schmerzen, die allen menschlichen Verstand übertreffen. In der Erhebung des Kreuzes sind dir alle deine Wunden und Beinen erneuert worden; deswegen raset und tobet der Schmerz in allen Gliedern über alles Maß. Weil die ganze Last des Leibes an den Nägeln der Hände hängt, und sich mit seiner Schwere stets herabsenket, so leidest du an allen Gliedern, besonders in den Wunden der Hände, unbeschreibliche Marter und Qual. O mein Jesu! es ist mir unmöglich, daß ich nicht sollte Mitleid mit dir haben, weil du so viel Bein leidest, daß sie nicht aufgezählt werden kann. Wenn ich nur ein Glied nach dem andern ansehe, so kann ich mir leicht einbilden, wie der grausame Schmerz in demselben wüthet und tobet! O wehe deiner Schmerzen! O wehe deiner Myrrhengarten III. 30 466 Das neunte Gärtlein. Marter! Ich stelle dir, o himmlischer Vater, diesen deinen gekreuzigten Sohn vor Augen, und opfere dir jede Pein, welche er an seinen Gliedern gelitten hat. Und weil er dieselbe für mich gelitten hat, so bitte ich, du wollest sie an mir nicht verloren sein lassen. Amen. Das andere Gebet. Zu Ehren der Verspottung Christi. Du unschuldiges Lämmlein Gottes, Christe Jesu, sei eingedenk der vielfachen Lästerungen, welche die Juden und Heiden wider dich ausstießen, und jenes Fluches, womit alles Volk dich auf das grausamste verfluchte und vermaledeite. Gedenke, wie schmerzlich wehe es dir that, als das gottlose Gesindel unter dem Kreuze stand, die Häupter wider dich schüttelte, wider dich ausspie, die Zungen wider dich ausstreckte, und allerlei schändliche Geberden vor deinem Angesichte sich erlaubte! Ach, du so ganz und gar verlachter Jesu, wie konntest du mit offenen Augen so viele schimpfliche Geberden deiner Spötter anschauen, und mit deinen milden Ohren die grausamen Lästerungen anhören? Ja, wie war es doch möglich, daß die Juden dir noch solchen Spott anthun konnten, da du ja so erbärmlich vor ihnen hingest, und dein Jammerbild auch steinharte Herzen hätte erweichen können! Ich habe herzliches Mitleid mit dir, und wünsche von Herzen, daß ich hätte P gegenwärtig sein und alle diese Lästermäuler verstopfen können. Weil ich aber dieses Glück nicht haben konnte, darum lobe und benedeie ich dich viel tausendmal für jedes Schmachwort, welches dir Wallfahrts- Gebete. 467 zugerufen wurde, und erzeige dir alle mögliche Liebe und Freundlichkeit anstatt des schimpflichen Betragens, mit dem man dir begegnete. Durch alles dieses bitte ich, du wollest mir gnädig verzeihen, daß ich dich in meinem Leben durch meine Sünden so vielmals und gröblich gelästert habe. Amen. Das dritte Gebet. zu Ehren der Verlassenheit Chrifti. Jetzt will ich betrachten deine Verlassenheit am Freuze, o Jesu! und will dich erinnern an die äußerste Betrübniß, welche du in deiner Seele empfunden hast. Ach, du betrübtester Jesu, wie warest du doch so gar von Gott und den Menschen verlassen, und empfingest von Keinem weder Hülfe noch Trost. Du hingest am Kreuz in solchen äußerlichen und innerlichen Schmerzen, und deine liebe Seele war so gar erfüllt mit Finsterniß und Schrecken des Todes, daß sie nicht wußte, wo aus oder ein. Dein Vater wollte dich nicht erhören, deine Mutter konnte dich nicht trösten, und du selbst wußtest dir weder zu rathen noch zu helfen. Deswegen hieltest du damals einen Stand aus, in dem alle erschaffenen Herzen würden verschmachtet sein. O du arme verlassene Seele meines Jesu! Wie hast du doch diese unermessene Betrübniß aushalten können? O du armes gequältes Herz meines Jesu, wie hast du doch diese Bitterkeit, bitterer als Galle, einnehmen können? O du schwache und niedergebeugte Natur meines Jesu, wie hast du doch diese unerträgliche Last tragen können? Dieser deiner äußersten Verlassenheit erinnere ich dich, gekreuzigter Jesu, und 30* 468 Das neunte Gärtlein. durch diese bitte ich, du wollest mich nimmer in Kleinmüthigkeit gerathen lassen. Gedenke, wie inbrünstig du deinen Vater um Linderung dieses innerlichen Kreuzes anriefest, dennoch von ihm nicht erhört wurdest, sondern bis in deinen letzten Augenblick in dieser Verlassenheit verharren mußteſt! Well du denn um meinetwillen hast müssen so ganz und gar verlassen sein, damit ich nicht ewig verlassen würde; so bitte ich, du wollest mich nimmermehr verlassen, besonders mir im Tode beistehen. A. Das vierte Gebet. Zu Ehren des Leidens Christi, um ein seliges Ende oftmals zu sprechen. O treuester Erlöser des menschlichen Geschlechtes, Christe Jesu! vor deinem h. Kreuze falle ich demüthig nieder, und begehre mein unwürdiges Gebet vor dir andächtig auszugießen. Ich begehre deinen bittern Tod würdig zu verehren, und dich um einen seligen Tod vertraulich anzurufen! Deswegen erinnere ich dich jenes allergrausamsten Schmerzes, den du in deinem Todeskampfe littest, als dir der grimmige Tod mit aller Gewalt zusetzte und dein süßes Herz zu brechen begehrte. Ach, was für schreckliche Marter mußte dein edles Herz damals leiden! Und als deine letzte Stunde kam, da gab dir der leidige Tod solch gewaltigen Stoß auf dein edles Herz, daß dir die Augen brachen, das Gehör sich verlor, die Zunge verstummte, die Adern zerrissen, die Glieder erzitterten, der kalte Schweiß ausbrach, und der ganze Leib so grausam gestreckt ward, daß die Rippen krachten und alle Gewerbe des ganzen Leibes zerrissen wurden. Wallfahrts- Gebete. 409 Dadurch entstand ein solches zittern und Krachen in allen Gliedern, wie wenn man dürre Reiser zerbricht. Zugleich auch zersprang dein allersüßestes Herz vor der Gewalt des härtesten Stoßes und brach vor unsäglichen Schmerzen mitten entzwei. Indem nun dein Herz zerbrach, thatest du einen Schrei, der allen Umstehenden durch Mark und Bein ging, und mußtest du solch bittern Tod leiden, desgleichen fein Mensch je gelitten hat. Dieses deines allerschmerzlichsten Todes erinnere ich dich, o Jesu, und die grausamen Schmerzen, welche du darin gelitten hast, stelle ich dir vor Augen. Gedenke, daß du diesen so bittern Tod darum gelitten hast, um mich von dem ewigen Tode zu erlösen, und darum hast so grausame Pein in deinem Tode leiden wollen, um mir die Schmerzen meines Todes zu mindern. So bitte ich denn durch deinen bittersten und allerschmählichsten Tod und durch die empfindlichste Marter, so du an Leib und Seele gelitten hast, du wollest mir an meinem Ende treulich beistehen, und die bittere Angst und Pein des Todes mindern und zugleich mildern. A. Das fünfte Gebet. 3u Ehren der Abnahme und Salbung des Leibes Christi. Als der Leib Christi nach seinem Tode einige Zeit am Kreuze gehangen hatte, ward er endlich herabgenommen, dreizehn Schritte weit vom Kreuze auf einen Stein gelegt und von der Mutter Gottes und ihrer Gesellschaft gewaschen, gesalbt und endlich fünf und neunzig Schritte von dannen getragen und begraben. Letztlich erinnere ich dich, mein treuester Erlöser, wie dir nach deinem Tode deine Seite mit einem 470 Das neunte Gärtlein. Speere eröffnet, und dein treues Herz durchstochen worden ist. Ich erinnere dich, wie du von deiner traurigen Mutter und deinen Freunden beklagt, und von dem Kreuze herabgenommen worden bist. Ich erinnere dich, wie mitleidig dein Leichnam von ihnen gewaschen und mit Spezereien gesalbet worden, unter welchen Klagen er zum Grabe begleitet und mit welcher Trauer er begraben worden ist. Zu dieser traurigen Gesellschaft geselle auch ich mich. und helfe ihnen im Geiste deinen hochwürdigen Leichnam vom Kreuze abnehmen, mit meinen Zähren abwaschen, mit dem Mark meines Herzens salben, in den Grund meines Herzens als in ein geziertes Grab einlegen, und endlich deinen unschuldigen Tod mit reumüthigem Leide beklagen. Ach! wie billige Ursache habe ich, deinen Tod zu beklagen, weil ich durch meine Sünden dessen einzige Ursache geweſen bin. Ich gottloser Sünder bin derjenige, der dich gepeinigt, gekreuziget und getödtet hat. Es reuet mich aber von Herzen, und ich bitte demüthig um gnädige Nachlassung und Verzeihung. Ich rufe an das theuere, vergossene Blut, und bitte durch deinen unschuldigen, schmerzlichen Tod, daß du mir verzeihen und die göttliche Gerechtigkeit nicht um Rache anrufen wollest. Hier auf Erden laß mich büßen, und was ich nicht würdig abbüßen kann, das erstatte du durch deine reichen Verdienste. Amen. Aufopferung. Nun habe ich, o Jesu, dein bitteres Leiden auf dem Calvarienberge betrachtet, und mit meinem Wallfahrts- Gebete. 471 unwürdigen Gebete nach Möglichkeit verehret. Deswegen opfere ich dir nun alle meine verrichteten Gebete und Andachten sammt allen innerlichen Bewegungen und herzlichem Mitleide, welches ich darob empfunden habe. Dies Alles vereinige ich mit der Andacht und dem Mitleide aller frommen Seelen, besonders jener lieben Heiligen, welche unter deinem Kreuze standen. Laß meiner Seele eine solche Frucht aus dieser Andacht erwachsen, als deine lieben Heiligen daraus gewonnen haben. Amen. Beschluß der Wallfahrt. Wenn du deine Andacht verrichtet haft, und nun die Kirche verlassen willst, so sprich zuvor das folgende Gebet: Nun, o allerhöchster Gott, habe ich meine Wallfahrt verrichtet, und mein unwürdiges Gebet in dieser h. Kirche vollendet. Nun ist nichts mehr übrig, als daß ich dir dasselbe bestens anbefehle und kräftig aufs opfere. Ich opfere dir deswegen meine ganze Wallfahrt, sammt allem, was ich auf dem Wege und in dieser Kirche verrichtet habe, und bitte, du wollest dies Alles gnädig annehmen und dir wohlgefällig sein lassen. Zugleich mit meiner Wallfahrt opfere ich dir auch die Wallfahrten aller derjenigen, welche jemals zu dieser Kirche gewallet sind, und ihr Gebet und Opfer hier verrichtet haben. Hierein schließe ich noch alle Wallfahrten Christi, der Mutter Gottes und aller Heiligen sammt allen guten Werken, welche sie in denselben dir zu Liebe verrichtet haben. Diese Alle, in ein Büschlein zusammen gebunden, opfere und verehre ich dir durch das Herz Jesu Christi auf die allerkräftigste Weise zu deiner größern Ehre und A 472 Das neunte Gärtlein. Glorie, und zur würdigsten Verehrung deiner allerhöchsten Majestät. Zur Vergeltung begehre ich nichts anderes, als daß dir dieser mein Dienst gefalle, und du hieraus erkennen mögest, wie ich deine göttliche Ehre über Alles zu fördern suche. Alle Nachlässigteiten, deren ich bei dieser Wallfahrt mich schuldig gemacht habe, wollest du mir gnädig verzeihen, und meine demüthige Bitte, die ich dir vertraulich vorgetragen habe, gütig gewähren. Wollest mir auch, ehe ich scheide, deinen göttlichen Segen ertheilen, und mich in deinen göttlichen Schutz und in deine väterliche Sorgfalt aufnehmen. Amen. Wallfahrts- Lieder. 1. 1. Maria, zu dir kommen wir,* Und halten bei dir an;* Wir suchen Hülf' und Schutz bei dir,* Denn du hilfst Jedermann. 2. Versag' uns deine Fürbitt' nicht,* Himmels= königin, Leg' du vor Gottes Angesicht* All' unfre Bitten hin. * 3. Gedent', daß du die Mutter seist,* Und wir die Kinder dein;* Durch dich wird Gott uns allermeist* Ein gnäd'ger Vater sein. 4. Jesus dir nichts versagen thut,* Dir nichts abschlagen kann,* Da er von dir sein Fleisch und Blut* Als Mensch genommen an. 5. Der heil'ge Geist mit Gnadenthau* Dich ewig übergießt;* Durch ihn, o du mildreiche Frau,* Gib, was uns nützlich ist. * 6. In deine Hand mit Zuversicht* Legt jeder seine Noth; Versagst du deine Fürbitt' nicht,* So hilft der große Gott. Wallfahrts- Lieder. 473 7. Drum freuet euch im Jammerthal,* Jhr Pilger wohlgemuth,* Mit Bitten, Singen allzumal* Ruft an das höchste Gut. 8. Maria wird ganz mütterlich* Mit Fürbitt' uns beisteh'n,* Auf daß uns Gott läßt väterlich* Mit Trost von hinnen geh'n. 2. 1. Maria, wir dich grüßen, O Maria hilf! Und fallen dir zu Füßen, O Maria hilf! R Maria hilf uns all', In diesem Jammerthal! 2. Voll Zuversicht wir bitten, O Maria hilf! Durch das, was du gelittten, O Maria hilf! 7. R, Maria bilf 2c., wird bei allen Versen wiederholt. 3. Durch Jesu Kreuz und Sterben, O Maria hilf! Wollst Gnade uns erwerben, O Maria hilf! 4. Daß wir Verzeihung finden, O Maria hilf! Für unsre vielen Sünden, O Maria hilf! 5. Daß wir vor Gott bestehen, O Maria hilf! Den Weg des Guten gehen, O Maria hilf! 6. Neid, Zwietracht, List und Schande, O Maria hilf! Halt ab von jedem Stande, O Maria hilf! In Trübfal, Angst und Leiden, O Maria hilf! Gib Trost und Seelenfreuden, O Maria hilf! 8. Sich an die Noth der Armen, O Maria hilf! Weckt Mitleid und Erbarmen, O Maria hilf! 9. In Krankheit und Beschwerden, O Maria hilf! Laß Heil und Hülfe werden, O Maria hilf! 10. Den Wittwen und den Waisen, O Maria hilf! Auf Pilgerfahrt und Reisen, Maria hilf! 11. Vor Mord und Kriegsgefahren, O Maria hilf! Wollst Volt und Fürst bewahren, O Maria hilf! 12. Vor Theurung, Pest und Brande, O Maria hilf! Gib Schutz dem Vaterlande, O Maria hilf! 13. Bitt', daß die Frucht der Erde, O Maria hilf! Reichlich gesegnet werde, O Maria hilf! 14. Den wahren Glauben mehre, O Maria hilf! Tilg' aus die falsche Lehre, O Maria hilf! 474 Das neunte Gärtlein. 15. Bitt', daß auf aller Erde, O Maria hilf! Ein Hirt und Heerde werde, O Maria hilf! 16. Bitt' Gott für unsre Freunde, O Maria hilf! Bitt' Gott für unsre Feinde, O Maria hilf! 17. Im Leben und im Sterben, O Maria hilf! Wollst Gnade uns erwerben, O Maria hilf! 18. Auf daß wir all' dort oben, O Maria hilf! Mit dir Gott ewig loben, O Maria hilf! 3. 1. Maria zu lieben ist allzeit mein Sinn, In Freuden und Leiden ihr Diener ich bin; Mein Herz, o Maria, brennt ewig zu dir, In Liebe und Freude, o himmlische Zier! 2. Maria, du milde, du süße Jungfrau, Nimm auf meine Liebe, sowie ich vertrau: Du bist ja mein' Mutter, dein Kind will ich sein, Im Leben und Sterben dir einzig allein. 3. Ach hätt' ich der Herzen nur tausendmal mehr, Dir tausend zu geben, das ist mein Begehr; Nimm Freund' und Verwandte mit Leib und mit Seel', Nimm, was ich nur liebe, in deinen Befehl! 4. So oft mein Herz klopfet, befehl' ich mich dir, So oft ich nur athme, verbind' ich dich mir, Dich lieb' ich auf ewig, dich lieb' ich allzeit, So bin ich mit Freuden zu sterben bereit. 5. O Mutter, nun segne den ewigen Bund! Dein Name versiegle mein Herz und den Mund, Dich ruf' ich im Tode, dann reich mir die Hand Und zieh' mich nach oben in's himmlische Land! 4. 1. O Maria, voll der Gnaden,* Mutter der Barmherzigkeit,* Siehe, wie ich bin beladen* Mit der Furcht und Traurigkeit!* Ach! über mich erbarme dich,* O Mutter Jesu, bitt' für mich! Wallfahrts- Lieder. 475 2. Ach! ich elend armer Sünder!* Ach! wo bin ich tommen hin!* Nimm mich unter deine Kinder,* Ob ich's schon nicht würdig bin.* Ach! über mich erbarme dich,* O Mutter Jesu, bitt' für mich! 3. Denn es reuet mich von Herzen,* Daß ich oft gefündigt hab',* Und beweine es mit Schmerzen,* Daß ich Gott beleidigt hab'!* Ach! über mich erbarme dich,* O Mutter Jesu, bitt' für mich! Das zehnte Myrrhen- Gärtlein. Gepflanzt mit Gebeten auf die Feste des Herrn, der allerseligsten Jungfrau Maria, des h. Joseph, der heil. Apostel Petrus und Paulus, des heil. Liborius und aller Heiligen; auch mit besonderen Andachten zu der Mutter Gottes, dem h. Antonius von Padua, dem h. Joseph, der h. Anna, dem h. Aloysius und andern Heiligen. Feste des Herrn. Die heilige Adventszeit. Borerinnerung. Es begeht nun die katholische Kirche den h. Advent, welcher seinen Namen von der Ankunft Christi hat, und in welchem alle Christen das große Geheimniß der Menschwerdung Gottes betrachten sollen. Wir sollen es aber nicht betrachten, als wenn es schon vor vielen hundert Jahren geschehen wäre, sondern als wenn Christus erst in diesem Advent Mensch würde und am nächsten Christfeste sollte geboren werden. Denn auf diese Weise begehet die Kirche den Advent; ja Christus selbst verhält sich jetzt gegen uns nicht anders, als wenn er jetzt erst Mensch geworden wäre und im jungfräulichen Schooße seiner Mutter ruhete. Und dieselben Gnaden, 476 Das zehnte Gärtlein. welche er vor Zeiten denen mittheilte, welche ihn mit wahrem Glauben vor seiner Geburt anbeteten, will er auch jetzt denen geben, welche ihn mit demselben Glauben in gleicher Weise anbeten. Darum begehe diese heil. Zeit mit Andacht und hüte dich mehr als sonst vor Sünden; denn wer im Advent fündigt, stößt das liebe Christustind gleichsam mit beiden Händen von sich, und macht, daß es für ihn dereinst nicht als Erlöser, sondern als Richter kommt, um ihn desto tiefer zu verdammen. Zum Andern betrachtet die katholische Kirche in dieſer h. Zeit den elenden Zustand der Welt vor der Menschwerdung Gottes, und seufzet mit den Altvätern nach der gnadenreichen Geburt Christi, als wenn sie selbst noch vor derselben stände. Ach! wie schlimm stand es doch damals mit den Menschen! Wie viele Gnaden mußten die armen Menschen entbehren, welche wir jetzt im Ueberflusse haben! Der h. Paulus deutet uns dies an in einem Bilde, indem er spricht: ,, Die Nacht ist vorüber, und der Tag ist angebrochen!" als wollte er sagen: Im alten Testamente war es nicht anders, als wenn es beständig Nacht gewesen wäre: jetzt aber ist diese Nacht vorüber und ein immerwährender Tag ist angebrochen. In der Nacht aber ist es finster, kalt und feucht; am Tage dagegen hell, warm und trocken. Vor Zeiten wandelten die armen Menschen in der Finsterniß, hatten gar geringe Erkenntniß von Gott, und wußten gar wenig von der himmlischen Seligkeit und von der ewigen Belohnung der guten Werke. Darum hatten sie auch natürlicher Weise ein geringes Verlangen nach dergleichen Dingen, denn was man nicht kennt, liebt man auch nicht. Es war auch kalt, denn die meisten Menschen hatten eine so geringe Liebe zu Gott und richteten all' ihr Dichten und Trachten auf's Zeitliche. Sie waren falt, schläfrig und verdrossen im Guten, und kalt in der übernatürlichen Liebe zum Nächsten. Endlich war es in so langer Nacht auch feucht, denn die Feuchtigkeit der bösen Begierden hatte viele Herzen überschwemmt und die Menschen folgten insgemein nur ihrer Sinnlichkeit und den bösen Eingebungen ihrer Natur. Also lebten die Menschen in fteter Nacht und tappten wie Blinde umher und fielen so Die h. Adventszeit. 477 leicht in die Gruben. Ach! wie viele Menschen sind jetzt in der Hölle, die vielleicht nie dahin tamen, wenn sie nach der Ankunft Christi gelebt hätten; und wie viele Tausend werden jetzt selig, die ohne Zweifel verdammt worden wären, wenn sie vor Christus gelebt hätten! Es gab zwar auch damals viele gute und fromme Menschen, aber dies geschah durch eine besondere Gnade Gottes, welche er nicht jedem mittheilte. Jetzt aber theilt Gott seine Gnade reichlicher aus und schont der Sünder viel mehr, als er vor Zeiten gethan hat. Indem wir nun den h. Advent begehen, erinnere dich an die Ermahnung des Apostels Paulus:„ Wir erkennen aus der Zeit, daß die Stunde schon da ist, wo wir vom Schlafe erwachen sollen; denn jetzt ist unser Heil näher, als da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber hat sich genahet, laßt uns also ablegen die Werke der Finsterniß und anziehen die Waffen des Lichts. Wie am Tage lasset uns ehrbar wandeln; nicht in Schmausereien und Trinkgelagen, nicht in Schlafkammern und Unzucht, nicht in Zant und Neid; sondern ziehet den Herrn Jesum Christum an und pfleget der Sinnlichkeit nicht zur Erregung der Lüste."( Röm. 13, 11-16.) Hüte dich also in dieser heil. Zeit mehr vor Sünden und gib dich mehr der Andacht hin, als zuvor. Wir sollen auch unserm Leibe und der Sinnlichkeit einigen Abbruch thun und dem Stillschweigen und dem Gebete mehr obliegen, damit wir dem lieben Christkinde ein sanftes Ruhebett in unserm Herzen bereiten. Heiligung des Advents. Gütigster Jesu! weil jetzt in der katholischen Kirche das trostreiche Geheimniß deiner gnadenreichen Menschwerdung betrachtet wird; so nehme ich mir ernstlich vor, in diesem Advent dir fleißiger zu dienen und mit größter Andacht diese h. Zeit zuzubringen. Alle Werke, welche ich in dieser h. Zeit thun werde, will ich verrichten in Vereinigung mit der Liebe, mit 478 Das zehnte Gärtlein. welcher du vom Himmel herabgestiegen und die menschliche Natur angenommen hast, wie auch zur Danksagung für dieselbe. Wenn ich mein Haupt neigen oder meine Kniee beugen werde, soll dies allzeit geschehen, um dich anzubeten und dir die schuldige Ehre dafür zu erweisen, daß du dich um unseres Heils willen so tief erniedrigt haft und unsere Sünden zu tilgen vom Himmel auf die Erde herabgekommen bist. So oft ich Athem schöpfen werde, so oft will ich dir tausendfältigen Dank gesagt haben, daß du hast ein unmündiges Kind werden und im Schooße deiner jungfräulichen Mutter ruhen wollen. Ich bitte dich, o Christe Jesu! durch alle Gnaden, welche deine Menschheit durch die persönliche Vereinigung mit der göttlichen Natur empfangen hat, du wollest mir Gnade verleihen, in dieser heil. Adventszeit dir treu zu dienen und mit dankbarem Herzen an das gnadenreiche Geheimniß deiner Menschwerdung oft zu denken, damit ich der Frucht derselben desto mehr theilhaftig werde. Amen. Dankgebet zu Gott, im Advent oft zu sprechen. Allmächtiger Gott! indem ich in dieser h. Zeit betrachte, in welch' betrübten und gefährlichen Zeiten unsere lieben Voreltern gelebt und in welch' großer Gefahr der ewigen Verdammniß sie immerdar geschwebt haben, so weiß ich nicht, wie ich dir genug dafür danken soll, daß du mich nicht in der dunklen Nacht des alten Testaments, sondern an dem hellen Tag der Gnadenzeit hast geboren werden lassen. Ach, es wäre gewiß um mich geschehen gewesen! denn da ich jetzt, wo du deine Gnade so überflüssig Die h. Adventszeit. 479 mittheilst, so wenig Gutes thue, was würde ich dann gethan haben, wenn ich zu der Zeit gelebt hätte, wo du deine Gnaden gar spärlich austheiltest! Und da ich jetzt so viel Böses thue, wo ich doch so viele gute Lehren und Beispiele an Christus und seinen Heiligen habe; wie überaus strafwürdig würde ich dann gelebt haben, wenn ich dies Alles nicht vor Augen gehabt hätte! Wie aber werde ich an jenem Tage vor dir bestehen können, da ich zu dieser Gnadenzeit faſt übler lebe, als viele tausend Andere, welche in der Finsterniß und dem Schatten der alten Zeit gelebt haben? welche Schande für mich, daß ich die große Gnade, so du uns durch deine Menschwerdung gebracht hast, so wenig geachtet und so übel angelegt habe; da viele tausend Andere die geringe Gnade, die du ihnen schenktest, so wohl angelegt und den Himmel damit erworben haben! Ich will mich aber bessern und dir hinfüro treuer dienen. Diese gnadenreiche Zeit will ich wohl benutzen und mit Hülfe deiner Gnade mich eifrigst bestreben, nicht allein vor schweren, sondern auch vor den täglichen Sünden mich zu hüten. Besonders vor Zorn und Ungeduld, vor Trägheit und Nachlässigkeit in deinem göttlichen Dienste. Dazu verleihe mir deine Gnade und stärke mich in meinem heil. Vorsatze. Verzeihe mir auch, daß ich bisher so nachlässig gelebt und die angebotenen Gnaden so oft und so vermessen in den Wind geschlagen habe. Ich opfere dir alle guten Werke, welche im alten Testament in der ganzen Welt geschehen sind und bitte dich durch dieselben, du wollest mir die wohlverdienten Strafen nachlassen. A. Das zehnte Gärtlein. Gebet unter der Norate- Wesse. O süßester Jesu Christe! du wahrer Erlöser des menschlichen Geschlechts! in dieser h. Adventszeit begeht deine h. Kirche das unergründliche Geheimniß deiner gnadenreichen Menschwerdung und beherziget dankbar die große Liebe, welche dich, den unüberwindlichen Gott, besiegte und nöthigte, vom Himmel herabzuſteigen und im jungfräulichen Schooße Maria's unter Mitwirkung des h. Geistes unsere menschliche Natur anzunehmen. Odu unergründlicher Gott, dessen Majestät unendlich, dessen Allmacht unüberwindlich, dessen Weisheit unerforschlich, dessen Güte unermeßlich, dessen Reichthümer ohne Zahl und Schätzung, und dessen Glorie unbegreiflich! wer hat dich doch dazu bewogen, ein armes, schwaches, unmündiges Kind werden zu wollen? O unaussprechliche Liebe! O unergründliche Güte! Sollte es denn möglich sein können, daß der Unendliche endlich, der Unsterbliche sterblich und der Allmächtige ohnmächtig werde! O Gott, wie groß ist deine Güte! Wie weit hat dich deine Liebe gebracht, indem sie aus dem Schooße des Vaters in den Schooß der Jungfrau dich herabzog! Du hattest uns gar nicht nöthig, da du ohne uns selig warest, und bist und sein wirst; aber deine Liebe zu uns war so groß, daß du lieber in das äußerste Elend dich begeben, als uns im Elend sehen wolltest! O mein liebster Jesu! was soll ich dir für so viele Liebe vergelten? Ich habe nichts als lauter Elend und Armseligkeit; aber was ich habe, will ich dir opfern, meinen Leib und meine Seele, sammt allen ihren Kräften und Sinnen, und 480 Die h. Adventszeit. 481 alle meine guten Werke in dieser h. Zeit und besonders diese H. Rorate- Messe opfere ich dir zur Danksagung für dies Geheimniß deiner göttlichen Liebe auf. Wir seufzen auch bei dieser h. Rorate- Messe mit den Seelen der h. Altväter zu dir, süßester Jesu, und verlangen mit größter Sehnsucht nach deiner gnadenreichen Geburt. Denn obschon wir wissen, daß du vor Zeiten auf die Welt gekommen, und Mensch geworden bist, so wissen wir auch, daß du jährlich von Neuem wieder herabsteigst und in allen frommen Herzen auf eine besondere Weise geboren wirst. Zugleich mit dem Priester und der ganzen katholischen Kirche seufze ich deshalb nach dir und rufe, wie die frommen Altväter, mit den Worten des Propheten saias: Rorate coeli desuper! Himmel, thauet ihn herab! Wolken, regnet den Gerechten! Erde, öffne dich und sprosse hervor deinen Heiland! O himmlischer Thau, falle auf meine dürre Seele! O himmlischer Regen, befeuchte mein trocknes Herz! O süßer, heilsamer und fruchtbarer Thau, erquicke meine Seele mit einem Tröpflein deiner himmlischen Süßigkeit! O süßester Jesu, zu dem ich seufze, den ich sehnsüchtig verlange und in meinem Herzen zu besitzen begehre, du bist der himmlische Thau, der die dürren Herzen erquickt; du biſt der göttliche Regen, welcher die trockenen Seelen befeuchtet und die unfruchtbaren Gemüther fruchtbar macht an h. Begierden und guten Entschließungen und Werken! Dich in mein Herz zu laden und dir meine Seele zur Wohnung zu bereiten, bin ich jetzt zu dieser h. Rorate- Messe gekommen. Ich bitte dich Myrrhengarten III. 31 482 Das zehnte Gärtícia. bei derselben andächtig, daß du am h. Christtage mit einer besondern Gnade zu mir kommen wollest. In Vereinigung mit der Liebe, mit welcher du dich im Mutterleib deinem Vater aufgeopfert hast, opfere ich dir in meinem und aller Menschen Namen diese H. Messe und alle, welche heute in der ganzen Welt gelesen werden, zur Erinnerung, Danksagung und Verehrung deiner gnadenreichen Menschwerdung; wie auch zum Troste und Heile meiner armen Seele und der Seelen aller meiner leiblichen und geistlichen Freunde; zur Erhaltung der katholischen Kirche, zur Ausrottung der Ketzereien und zur Vereinigung der christlichen Fürsten. Ich befehle mich und alle die Meinigen in diese H. Messe und in das unbegreifliche Opfer, welches du jetzt als der höchste Priester selbſt verrichtest. Laß dir diese meine Andacht und diesen geringen Dienst gefallen, und erinnere dich in meinem Tode, wie oft und gern ich dir zu Ehren der Rorate- Messe beigewohnt habe. Amen. In der h. Christnacht. O du süßestes Jesuskind, in dieser h. Nacht grüße ich dich von Grund meines Herzens. Gebenedeit sei dein himmlischer Vater, der dich zu unserm Heile herabgesandt hat! O du mildreichstes Jesukind! mein Herz freut sich über deine Geburt, und meine Seele schmilzt schier vor Süßigkeit, wenn sie gedenkt, welch' große Liebe du uns in dieser h. Nacht erwiesen hast. Vor deinem H. Kripplein werfe ich mich nieder, und zugleich mit allen h. Engeln bete ich dich demüthig an. Mit Andacht küsse ich deine zarten Hände und In der h. Christnacht. 483 Füße. Alles Gute, was ich in diesen ganzen Advent zu Ehren deiner h. Menschwerdung gethan habe, lege ich zu deinen H. Füßen nieder, und opfere es dir zu einem freundlichen Willkommen in diese Welt. Laß dir dies bestens gefallen, und opfere es deinem himmlischen Vater zu seiner größern Ehre und zum Heile der ganzen Christenheit. Imgleichen grüße ich auch euch, allerseligste Jungfrau Maria und liebreichster Joseph, und wünsche euch Glück zu dieser gnadenreichen und freudigen Nacht! Sei mir gegrüßt, himmlischer Vater, ich wünsche dir Glück zu deinem eingebornen Sohne, den dir deine liebste Tochter geboren hat. Sei mir ge grüßt, gnadenreicher h. Geist, ich wünsche dir Glück zum Erlöser der Welt, den deine liebste Braut uns geboren hat. Ich erinnere euch Alle der überschwenglichen Freuden, die euch in dieser Nacht geworden sind. Gedenkt, wie eure Herzen in dieser Nacht frohlockten, als das süßeste Christkind gleich einem Röslein mitten im Winter entsproß, und durch Schönheit und Geruch euch überflüssig mit himmlischen Freuden erfüllte. Darum singen die Engelchöre und alle frommen menschlichen Herzen frohlocken. Darum erscholl aus dem Munde der Engel: Ehre sei Gott in der Höhe! und auf Erden hallte wieder: Friede den Menschen, die eines guten Willens sind. O! so laffet mich auch eurer Freuden theilhaftig werden und schenket meiner Seele ein Tröpflein von eurer Süßigfeit. Ich falle euch allen demüthig zu Füßen, und bitte euch durch die Ehrwürdigkeit dieser h. Nacht, erzeiget mir Gnade und Barmherzigkeit. Gedent, 81* 484 Das zehnte Gärtlein. o himmlischer Vater, wie sich dein göttliches Herz in dieser Nacht zu dem armen menschlichen Geschlechte in Liebe hingeneigt hat. Ach! laß dein göttliches Herz sich auch zu mir wenden, und mich zu deiner Gnade und Freundschaft annehmen. Gedent, allersüßestes Jesukind, wie du in dieser Nacht aller Menschen Bruder geworden bist. Ach! so erschaffe denn in mir einen neuen Geist, und lasse mich in deiner Gnade wiedergeboren werden. Gedenk, o allerheiligster Geist, wie du in dieser Nacht allen Kreaturen deine Süßigkeit mitgetheilt hast. Ach! so gieße denn auch meiner Seele ein Tröpflein davon ein, damit sie mit einer besondern Andacht dir dienen möge. Gedenk, o hochwürdigste jungfräuliche Mutter, daß du um der Sünder willen in dieser Nacht Mutter Gottes geworden bist! O! so nimm mich denn auch zu deinem lieben Kinde an, und sei allzeit meine treue Mutter. Gedenk, o glückseliger Joseph, mit welcher Freude du das liebe Kind in dieser Nacht zuerst angeschaut und verehrt hast. Ach! so theile mir etwas von deiner Andacht mit, und verschaffe, daß ich dies liebe Kind würdig verehre. Gedenkt, ihr h. neun Chöre der Engel, wie ihr in dieser Nacht Gott gepriesen und das liebe Jejukind so demüthig angebetet habet! O! so preiset jetzt mit mir dasselbe liebe Kind! und betet es in meinem Namen demüthig an. A. Am hohen Weihnachtsfeste. Sei mir gegrüßt, o süßestes Jesuskind, aus dem innersten Grunde meines Herzens und aus liebender Anmuthung meiner Seele. Ich freue mich von Herzen Am hohen Weihnachtsfeste. 485 über deine gnadenreiche Geburt, und sage dir unendlichen Dank, daß du für uns arme Sünder Mensch geworden bist. Im Geiste der Andacht kniee ich vor deinem h. Kripplein nieder, und bete an deine hochwürdige Gottheit und allerreinste Menschheit! wie herzlich hast du uns geliebt, daß du vom Himmel herabgekommen und ein armes schwaches Kind geworden bist. O wie groß ist deine Armuth und deine Geduld, daß du in einem elenden Stalle haft wollen geboren werden, und so scharfe Kälte, Blöße, Mangel und Armuth leiden wollen! Ge= benedeit sei deine süßeste Liebe, welche dich vom Himmel herabgezogen hat! Ich danke dir im Namen aller Menschen, für welche du bist Mensch geworden, besonders im Namen derjenigen, welche deine Liebe nicht erkennen, noch dir dankbar sind. O gebenedeites Jesukind, sei eingedenk alles dessen, so du für mich gethan und gelitten hast, und verschaffe, daß dasselbe an meiner armen Seele nicht verloren gehe. Mit großer Demuth küsse ich deine zarten Hände und Füße, welche jetzt schon so hart eingewickelt sind, später aber mit Stricken gebunden und mit Nägeln an das Kreuz geschlagen werden sollen. Ich küsse auch deinen süßen Mund, welcher jetzt zwar von der süßen Milch deiner Mutter getränkt wird, einstens aber am Kreuze mit Galle und Effig wird verbittert werden. Ich küsse auch alle Glieder deines zarten Leibes, welche jetzt schon Frost und Kälte leiden müssen, einstens aber noch grausam werden zerrissen und zermartert werden. Durch dies Alles, was du für mich auf Erden gethan und 436 Das zehnte Gärtlein. gelitten hast, bitte ich, daß du mich deiner Verdienste theilhaftig machen und mich zur ewigen Seligkeit aufnehmen wollest. Amen. Liebe zum Jesukinde. O wie süß und lieblich ist deine Freundlichkeit, herzliebster Jesu, weil sich alle Heiligen in dir erfreuen, und alle Engel sich nicht sättigen können, dich anzuschauen! O du Schönster unter allen Menschenfindern, meine Seele liebt dich, und mein Herz begehrt deiner! Du bist schöner als der Mond, glänzender als die Sonne, lieblicher als die Morgenröthe, föstlicher als Edelgestein! O du mein süßer, mein lieber, mein freundlichster Jesus! Nichts in der weiten Welt ist mir so lieb als du; und nichts mag mich so sehr erfreuen als eben du. Ehe ich dich verlieren und erzürnen wollte, so wollte ich lieber alle zum Feinde haben. Mache, daß ich in deiner Liebe allzeit wachse. und in derselben mein Leben selig beschließe. 2. Am Feste des h. Stephanus, dem zweiten Weihnachtsfeiertage. O du glorwürdiger Diacon und Märtyrer Christi, h. Stephanus, an diesem deinem Festtage grüße ich dich, und wünsche dir Glück zu der großen Ehre und Glorie, welche dir am heutigen Tage widerfahren ist! O würdiger Blutzeuge Christi, du Heerführer der Märtyrer, du Glorie der Lehrer und du treuer Nachfolger Jesu Christi; groß ist deine Ehre auf Erden, aber noch viel größer ist sie jetzt im Himmel! O du gebenedeiter Freund des Allerhöchsten, wie groß war die Liebe Gottes in dir, daß du vor dem ganzen Rathe der Juden den Glauben Christi standhaft Am Feste des H. Stephanus. 487 bekannt, die Schmach und Lästerworte geduldig er= tragen, ihre Verfolgung mit freudigem Muthe angenommen, die schmerzliche Steinigung standhaft gelitten und für deine Mörder mit höchster Liebe gebetet haft! Dafür wurdest du gewürdigt, Jesus selbst zur Rechten Gottes mit leiblichen Augen zu schauen, und endlich, nachdem du knieend und betend unter den Steinen deinen Geist aufgegeben, von den Engeln in den Himmel getragen zu werden, wo du von Christo und allen Auserwählten mit höchsten Ehren empfangen und mit der Krone der ewigen Glorie geziert worden bist. Zu dieser Ehre und Glorie wünsche ich dir abermals Glück, und freue mich von Herzen, daß du bei Gott und den Menschen in so großen Ehren und Würden stehst. O du lieber h. Stephanus, wie unaussprechlich groß war deine Liebe gegen deine Feinde, daß du ihnen nicht allein verziehest, sondern auch mit gebogenen Knieen und gefaltenen Händen für sie batest, sprechend: Herr, rechne ihnen doch dies nicht zur Sünde! Diese herrliche Tugend hast du uns zum Testamente hinterlassen und mit deinem rosenfarbenen Blute auf die harten Steine geschrieben. Ach! so erwirb mir auch die Gnade, deiner Tugend nachzufolgen und mich in der Liebe zu meinen Feinden zu üben. Ich habe zwar an allen Tugenden einen großen Mangel, doch an keiner größeren, als an .dieser. Denn wenn mir jemand das geringste Uebel zufüget, so sage ich ihm gleich alle Liebe auf, vergesse alle Gutthaten, die er mir erwiesen hat, schöpfe in meinem Herzen einen Haß wider ihn, und gedenke mich auf alle Weise an ihm zu rächen. Diese meine 488 Das zehnte Gärtlein. große Untugend klage ich dir, h. Stephanus, und begehre durch deine Fürbitte Besserung dieses Lasters. Oliebreicher Stephanus, der du mit so großer Liebe für deine Feinde gebetet hast, ach, bitte auch für mich, deinen Freund und treuen Liebhaber! Der du durch dein kräftiges Gebet die Bekehrung vieler Sünder erhalten hast, kannst auch durch deine Fürbitte die Bekehrung meiner armen Seele erwerben. Darum bitte ich dich durch die Liebe Jesu Christi und durch dein vergossenes Blnt, erhöre meine Bitte und erlange mir bei Gott diese einzige Gnade, daß ich meine Feinde liebe und ihnen alles Gute von Herzen gönne. Erlange mir auch Verzeihung der vielfältigen Sünden, die ich bisher im Hasse gegen meine Feinde begangen habe, und zur Zahlung der schwersten Strafen, die ich dadurch verschuldet habe, opfere ihm dein bitteres Leiden und deine vielfältigen Verdienste. Amen. Gebet am lekten Abende des Jahres. O gütigster Gott, weil dies Jahr nun fast verflossen ist, darum begehre ich ein gutes Ende zu machen, und dies Jahr in deiner Gnade zu beschließen. Ich danke von Herzen für alle leiblichen und geistlichen Wohlthaten, welche du mir dies Jahr erwiesen hast. Ihrer sind mehr, als ich erkennen, viel weniger vergelten kann. Ich danke für den Genuß des heil. Sakraments, für die Anhörung der H. Messen und deines göttlichen Wortes. Ich danke für die Nahrung, Kleidung und Gesundheit, so du mir verliehen, und auch dafür, daß du mich vor Unglück, Sünde und Schande so oft behütet hast. Zur Dankbarkeit opfere Am letzten Abende des Jahres. 489 ich dir Alles, was ich) und alle Menschen dies Jahr dir zu Liebe gethan und gelitten haben, sammt allen guten Werken, welche deine lieben Heiligen, besonders deine H. Mutter und der H. Joseph auf Erden verrichtet haben. Außerdem bete ich auch demüthig um Verzeihung aller Sünden, welche ich dies Jahr begangen, und um Nachlassung aller Strafen, welche ich verschuldet habe. Ach mein Gott! wenn ich mein Leben vor Augen stelle, so kann ich leider mit Wahrheit nicht sagen, daß ich in diesem ganzen Jahre eine einzige Stunde in deinem Dienste recht zugebracht hätte. Ich kann aber mit Wahrheit sagen, daß ich wohl tausend Stunden im Dienste der Welt, im unnöthigen Dienste meines Leibes, und in Begehung oft sogar schwerer Sünden verbracht habe. Wenn ich) nun selbst mein Richter sein sollte, und sollte meine guten Werke auf die eine, und alle meine Untugenden auf die andere Wagschale legen, so könnte ich ja nach der Gerechtigkeit fein anderes Urtheil über mich sprechen, als daß ich tausendmal mehr Böses als Gutes gethan, und darum eher die Hölle als den Himmel verdient habe. O Christe Jesu, ich falle dir demüthig zu Füßen, und bitte um Gnade und Barmherzigkeit! Und weil der H. Paulus sagt: Wenn wir uns selbst richten, so werden wir nicht gerichtet; so verurtheile ich mich selbst, und schätze mich ohne deine Gnade des ewigen Todes würdig. Ich bekenne, daß ich in diesem Jahre die Hölle oft verschuldet habe, und wenn du mich hättest sterben lassen, so wäre ich als ein unfruchtbarer, ja als ein schädlicher und böser Baum ausgehauen und in das 490 Das zehnte Gärtlein. höllische Feuer geworfen worden. Denn ich habe mich in diesem Jahre gar oft und schwer versündigt durch Hoffart, Geiz, Neid, Unmäßigkeit im Essen und Trinken, durch Zorn, Trägheit und dergleichen Sünden. Ja es ist fast keine Sünde, deren ich mich nicht schuldig weiß, und darüber mich mein Herz nicht anklagt. Dies Alles bekenne ich vor dir, und richte mich selbst als ein gerechter Richter. Es ist mir von ganzem Herzen leid, und ich bekenne, daß ich sehr unrecht gethan habe. Weil du denn nimmer einen reumüthigen Sünder verstoßen hast, darum wollest du auch mich nicht verstoßen, sondern in Gnaden aufnehmen. Verzeihe mir, o mein Jesu, ach verzeihe mir! Darum bitte ich dich durch die bittern Zähren, welche du in dem Kripplein vergossen und durch die große Armuth, welche du im Stall zu Bethlehem gelitten hast. Amen. Gebet am Neujahrstage. In Demuth meines Herzens bete ich dich an, o allerheiligste Dreifaltigkeit, und von Grund meiner Seele sage ich dir Dank, daß du mich diesen ersten Tag des neuen Jahres hast erleben lassen, und Zeit verliehen hast, dir noch länger zu dienen und das Heil meiner Seele zu wirken. So erhebe ich denn beim Beginne dieses Tages mein Herz zu dir, und wünsche dir ein glückseliges, glorwürdiges und freudenreiches Neu- Jahr. Von Herzen wünsche ich, daß dir in diesem Jahre Alles nach deinem göttlichen Wohlgefallen widerfahre, und dein gerechtester Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden. Ich Am Neujahrstage. 491 wünsche von Herzen, daß dich dies ganze Jahr hindurch kein Mensch beleidigen, sondern Jeder dir vollkommen dienen möchte. Wollte Gott, daß ich dies bewirken könnte! Herzlich gern wollte ich's thun, wenn es auch meine Gesundheit, ja sogar mein Leben fosten sollte. Ach, möchte ich die Gnaden haben, dies Jahr nicht allein feine Sünde zu thun, sondern auch vom ganzem Herzen dir meinem lieben Gott zu dienen, und dich von Tag zu Tag mehr und mehr zu lieben! Nichts Lieberes könnte mir widerfahren, nichts Angenehmeres könnte ich wünschen. Du, mein Gott, weißt es, daß mir dies so ernst ist, als es mir ernſt ist, in den Himmel zu kommen. Deswegen nehme ich mein sündiges Herz, mit dieser aufrichtigen Begierde erfüllt, in meine beiden Hände, versenke es in das alleredelste Herz Jesu Christi, und zugleich mit diesem heiligsten Herzen Jesu opfere ich dir dies mein sündiges Herz zu einem angenehmen, glückseligen neuen Jahre, indem ich demüthig bitte, du wollest es mit gnädigen Augen ansehen, und mit geneigtem Willen an- und aufnehmen. Ach, daß doch das ganze Jahr mein Herz mit solch h. Begierde erfüllt wäre! Daß doch diese Begierde alle Tage wachsen und immer größer und heißer werden möchte! Gleichwie ich nun dir, o allerheiligste Dreifaltigkeit, ein neues Jahr verehret, und zwar das allerbeste, das ich gehabt habe, also hoffe ich auch, du werdest mir Höchstbedürftigen ein neues Jahr verehren. Du wollest mich nämlich durch deine unendliche Allmacht bewahren, daß ich dies Jahr doch keine einzige Todsünde begehe. Und sollte ich in Gefahr kommen, mit Das zehnte Gärtlein. Gedanken, Worten oder Werken eine Todsünde zu begehen, so wollest du meinem Herzen solchen Schrecken einjagen, daß es anfange zu zittern und zu beben. Ich nehme mir auch ernstlich vor und verspreche dir meinem Gott, daß ich dies ganze Jahr muthwilliger Weise und wissentlich keine Todsünde thun, sondern mich mit allem Ernste davor hüten wolle. Sollte ich aber aus Schwachheit in eine Sünde fallen, so wollest du mich nicht darin sterben und verderben lassen. Zur Erlangung dieser Gnade und zur Bekräftigung meines Versprechens will ich jetzt mit möglichster Aufmerksamkeit ein andächtiges Bater unser und Ave Maria sprechen. 492 Am Feste der h. drei Könige. O du allmächtiger König Himmels und der Erde, Christe Jesu, an diesem deinem glorwürdigen Ehrentage grüße ich dich, und zugleich mit den heil. drei Königen auf mein Angesicht niederfallend bete ich dich an! Ich wünsche dir Glück und Heil zu diesem h. Freudentage, und freue mich von Herzen, daß dir heute von so großen Königen und Fürsten so große Ehre ist angethan worden. O wie sehr erfreute es dich, als du sahest, daß diese drei weisen und mäch tigen Herren deine Armuth nicht verschmähten, sondern dich für den höchsten König Himmels und der Erde erkannten, dich mit gebogenen Knieen ehrerbietig anbeteten und dir Gold, Weihrauch und Myrrhen opferten. O du liebes Jesukind, du bist in deinem Leben nie so reich gewesen als heute, wo du einen königlichen Schatz besitzest! Deswegen komme ich, Am Feste der h. Dreifaltigkeit. 493 arm und hochbedürftig, zu dir und begehre demüthig um Gottes willen ein Almosen. Du bist reich an zeitlichen und geistlichen Gütern, und ich bin ganz arm an beiden. Ach! so erbarme dich doch meiner und steure mir etwas aus deinem großen Ueberflusse. Gib mir etwas von dem Golde deiner göttlichen viebe, von dem Weihrauche deiner Heiligkeit und Andacht, und von den Myrrhen der Bitterfeit deines Leidens. Ich will dieselben deinem himmlischen Vater aufopfern und damit meine großen Schulden bezahlen. Siehe, o himmlischer Vater, ich opfere dir das Gold der göttlichen Liebe deines Sohnes zur Erstattung der Liebe, welche mir fehlt, wie auch zur Verzeihung der verbrecherischen Liebe, so ich zu der Welt, dent Fleische und der Sünde getragen, und zur Nachlassung der großen Sünde, daß ich mich nicht mehr besliſsen habe, mich inniger mit dir, meinem Gott, zu vereinigen. Ich opfere dir den Weihrauch der Heiligkeit und Andacht deines Sohnes zur Erstattung aller Andacht und Heiligkeit, welche mir abgehen, wie auch zur Verzeihung der Scheinheiligkeit, welche ich bei guten Werken geübt, und zur Nachlassung der Sünde, daß ich meine Kräfte in deinem Dienste nicht besser angewendet habe. Drittens opfere ich dir die Myrrhen seines bittern Leidens zur Bezahlung meiner Sünden, welche ich wider dich jemals begangen habe, wie auch zur Verzeihung alles Leidens, das ich dir durch den Dienst der Sünde angethan, und zur Nachlassung aller Ungeduld, die ich in Widerwärtigkeiten bewiesen habe. Dies dreifache Geschenk, Gold, Weihrauch und Myrrhen, lege ich zu deinen h. Füßen nieder, und 494 Das zehnte Gärtlein. opfere es dir in Vereinigung der Liebe und Andacht, mit welcher dir die h. drei Könige ihre Gaben geopfert haben, bittend, du wollest dies mein Opfer so annehmen, wie dein Sohn das Gold, den Weihrauch und die Myrrhen der h. drei Könige angenommen hat. A. Gebet am Aschermittwoch. Christe Jesu, am heutigen Aschermittwoch fängt die vierzigtägige Fasten an, und die Zeit der Buße ist gekommen. Diese Gnadenzeit nehme ich mit bereitwilligem Herzen an, und bitte um Gnade, sie zu deiner Ehre und zum Heile meiner Seele anzuwenden. O bußfertiger Jesu, der du deine vierzigtägige Fasten mit solchem Eifer und solcher Andacht angefangen und mit solcher Strenge und Bußfertigkeit fortgeführt hast, daß sich alle Engel des Himmels darüber verwundert haben; siehe, ich begehre deinem h. Beispiele, so viel meine Schwachheit zuläßt, tren nachzufolgen, und diese vierzigtägige Fasten mit aller Andacht und Bußfertigkeit zu vollbringen. Zu Ehren und zum Gedächtniß deiner heiligsten Fasten will ich jetzt diese Fasten anfangen, und mit Hülfe deiner Gnade bis zum guten Ende führen. Ich will mir abbrechen an Essen und Trinken, Schlafen und Sprechen, Kurzweil und Feiern, und in allen Sinnlichkeiten meines Leibes. Ich will eifriger sein im Gebete, fleißiger im Kirchengehen, andächtiger im Meßhören; will öfter beichten, inbrünstiger communiciren und strenger mich üben in Bußwerken. Was ich das ganze Jahr hindurch versäumt habe, will ich jetzt einbringen, und was ich das ganze Jahr hindurch verschuldet habe, will ich jetzt abbüßen. Dies Am Aschermittwoch. 495 Alles begehre ich zu thun mit einem wahren Eifer und freiwilliger Andacht, gleichwie alle bußfertigen Menschen die h. Fasten zugebracht haben. Ich begehre dies mit solcher Meinung, Andacht und Liebe zu thun, gleichwie du deine h. Fasten und alle deine strengen Bußwerke verrichtet hast. Deswegen opfere ich dir jetzt alle fünftigen Andachten und Bußwerke jammt allen leiblichen und geistlichen Uebungen in Vereinigung aller guten Werke, welche in der ganzen Christenheit geschehen werden, und bitte, du wolleſt dieselben dir angenehm, meiner Seele aber zu ihrem Heile ersprießlich sein lassen. Mit allen diesen Bußwerken begehre ich nicht meine, sondern deine Ehre zu suchen, begehre auch keinen andern Lohn, als daß sie dir auf die vollkommenste Weise gefallen mögen. Ich bitte aber inständig, verleihe mir die Gnade. diese gegenwärtigen Fasten treu zu halten, und für meine Sünden würdige Frucht der Buße zu wirken. Der Geist ist zwar willig, das Fleisch aber iſt schwach: darum wollest du durch deine Gnade das schwache Fleisch stärken, und den bereitwilligen Geiſt im wahren Eifer erhalten. Christe Jesu, durch deine streng gehaltenen Fasten und durch alle von dir verrichteten Bußwerke bitte ich, gib mir ein bußfertiges Herz und verleihe mir die Gnade des 6. Geistes, damit ich dir treu diene und deine göttliche Gnade überflüssig erwerbe. Amen. ( Für die Fastenzeit bediene dich des fiebenten Gärtleins.) Am h. Palmsonntage. O glorwürdigster König Himmels und der Erde, Christe Jesu, an diesem deinem siegreichen Tage grüße 496 Das zehnte Gärtlein. ich dich, und freue mich wegen deines herrlichen Einzuges in die Stadt Jerusalem! O wie freut es mich, wenn ich bedenke, wie dich deine Jünger mit großen Ehren geleiteten, und mit Freudengesang lobten und benedeiten! O wie freuet es mich, wenn ich gleichsam mit Augen sehe, wie dir so viele tausend gottselige Menschen entgegen kommen und dich als ihren Messias mit höchsten Ehren empfangen; wie das andächtige Volk Kleider auf den Weg spreitet, Blumen und Blätter ausstreuet, grüne Del- und Palmzweige in die Hand nimmt und dich mit aller Freude bis zum Tempel begleitet! O wie freuet es mich, wenn ich beherzige, wie nicht allein das fromme Volk, sondern auch die unmündigen Kinder aus allen Kräften das freudenreiche Hosanna gerufen und dem gütigen Gott im hohen Himmel gedankt haben, daß er ihnen den lang versprochenen Messias gesandt hatte! Mit welch' einer Majestät rittest du vorüber! Der göttliche Glanz, der aus deinen Augen schien, gab Allen zu erkennen, daß du eine wahrhaft göttliche Person, ja der verheißene Messias selbst seiest. O wäre doch auch ich gegenwärtig gewesen! O hätte auch ich die Gnade gehabt, diesem Triumphe beizuwohnen! Mein Gott, was für Ehre wollte ich dir erwiesen haben! Wie wollte auch ich dich vor allem Volke für den Messias ausgerufen, Blumen und Kräuter zusammengetragen, Zweige von den Bäumen gehauen und dir zu Ehren auf den Weg gestreuet haben! Ja, ich wollte nicht allein meine Kleider, sondern mich selbst auf die Erde geworfen und dich mit tiefster Demuth angebetet haben, rufend: Hosanna Am h. Palmsonntage. 497 dem Sohne Davids! Gebenedeit, der da kommt int Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe! Siehe, mein Heiland, was ich im Werke nicht thun kann, das thue ich im Willen, und verrichte im Geiste, was das gottselige Volk in der That verrichtet hat. Ich opfere dir alle Ehre und Glorie, so dir damals erzeigt worden, wie auch alle Ceremonien und Andachten, so heut in der ganzen Christenheit dir zu Ehren verrichtet werden. Wollte Gott, ich könnte allen beiwohnen, sie mit meiner persönlichen Gegenwart fördern und allen Geistlichen und Weltlichen ihre herzliche Andacht mehren. Im Namen der ganzen katholischen Kirche will ich jetzt den folgenden Lobgesang singen, und den Mangel derer, welche dich nicht loben, erstatten, sprechend: 1. Glorie, Lob und Ehre sei dir, o Christe, unser König König und Erlöser, welchem die unmündigen Kinder am heutigen Tage das andächtige Hosanna gesungen haben! 2. Denn du bist der König Ifraels, und ein wahrer Sohn Davids; der du kommst im Namen des Herrn, o du unser gebenedeiter König! Glorie, Lob und Ehre sei dir, o Christe zc. 3. Darum loben dich alle Engelchöre in dem hohen Himmel droben, wie auch alle sterblichen Menschen auf Erden, sammt Allem, was du erschaffen hast. Glorie, Lob und Ehre sei dir, o Christe zc. 4. Das hebräische Volt kommt dir mit Palmzweigen fröhlich entgegen, siehe, wir kommen dir mit Gebet, Selübden und Lobgesängen entgegen. Glorie, Lob und Ehre sei dir, o Christe 2c. 5. Diese preisen dich, weil du für sie leiden sollteſt: wir aber benedeien dich, weil du uns erlöset hast, und nunmehr im Himmel regierest. Glorie, Lob und Ehre sei dir, o Christe zc. Myrrhengarten III. 32 498 Das zehnte Gärtlein. 6. Diese gefallen dir mit ihrer Andacht und ihren Lobgefängen; so lasse dir auch unsere Andacht gefallen, du gütiger und milder König, welchem alles Gute gefällt. Glorie, Lob und Ehre sei dir, o Chrifte 2c. Am h. Grünen- Donnerstage. Mildester Herr Jesu Christe, an diesem heiligen liebreichen Tage grüße ich dich, und begehre dir heute eine besondere Ehre zu erweisen! Denn heute iſt jener gnadenreiche Tag, an welchem sich alle andächtige Seelen erfreuen, und den mit möglichster Andacht zu begehen sie sich befleißen. Heute ist jener ersehnte Tag, nach welchem dich, mein liebster Jesus, so lange Zeit herzlich verlangte. Mit Verlangen habe ich verlangt, dieses Osterlamm mit euch zu essen, ehedenn ich leide, sagtest du zu deinen Jüngern. Auch mich hat nach diesem lieben Tage wiederum verlangt, und ich habe ihn nun mit Freuden wieder erlebt. So grüße ich dich denn abermals, mein süßester Jesus, und freue mich mit dir an dem heutigen Tage, weil auch du dich an demselben erfreuet hast. Verleihe mir Gnade, diesen lieben Tag andächtig zu begehen und die Geheimnisse desselben würdig zu verehren. Von Grund meines Herzens danke ich dir für die großen Wunderwerke, so du heute gewirket hast, und für alle Gnaden, welche du uns armen Menschen am heutigen Tage erzeigt hast. Gedenk, o mildester Jesus, wie anmuthig du am heutigen Tage das unschuldige Osterlämmlein geschlachtet und selbst das Blut an die Thürschwellen gesprengt hast. Gedent, wie freudig du mit den Jüngern gegessen, Am h. Grünen- Donnerstage. und wie demüthig du ihnen die Füße gewaschen hast. Gedenk, wie andächtig du das Brod und den Wein consecrirt und in deinen Leib und in dein Blut verwandelt hast. Gedenk, wie liebreich du beide deinen Jüngern gereicht hast. Gedenk, wie treuherzig du deine betrübten Jünger getröstet, und wie rührend du von ihnen Abschied genommen hast. Dieser und aller andern Geheimnisse erinnere ich dich, und für alle diese sage ich dir Lob und Dank. O wäre ich damals gegenwärtig gewesen, und hätte die Gnade gehabt, mit dir das Osterlamm zu essen und von deiner eigenen Hand das hochwürdigste Sakrament zu empfangen! O wie würde meine Seele getröstet und mein Herz so voller Freuden gewesen sein! Ich bitte dich durch die Liebe, mit welcher du deinen Jüngern die Füße gewaschen, und sie mit dem hochwürdigsten Sakramente gespeiset hast, du wollest meine unreine Seele mit deinen bittern Zähren waschen und mit deinem Fleische und Blute geistlicher Weise speisen, damit ich gleichwie deine lieben Jünger gereinigt, gespeist und getränkt werde, und deine göttliche Gnade überflüssig erlange. Ich opfere dir alle Ceremonien, welche die katholische Kirche heute begehet, und alle Andachten, so alle fromme Christen heute verrichten. Wollte Gott, ich könnte verschaffen, daß alle diese, mit höchster Ehrerbietung verrichtet, dir zu unendlich großer Ehre gereichten. Laß mich derselben theilhaftig werden, und erfülle fie geistlicher Weise an meiner Seele. Amen. 499 ( Siehe im sechsten Gärtlein passende Gebete zum H. Altarsfatramente, besonders die Betrachtungen Seite 209.) 32* Das zehnte Gärtlein. In der Charfreitags- Nacht. Im Geiste der Demuth und mit zerknirschtem Herzen erhebe ich mein Gemüth zu dir, schmerzhafter Herr Jesu Christe, und begehre diese traurige Charfreitags- Nacht mit solcher Bewegung meines Herzens zuzubringen, gleichwie du dieselbe am Delberge angefangen und im Hause des Kaiphas vollendet hast. Ach, wie bitter ist dir diese Nacht gewesen, und wie viele Marter und wie viel Herzenleid haft du darin gelitten! Kein Engel kann es aussprechen, wie bitter dir der Kelch gewesen, den du bis auf den Grund haft austrinken müssen. Durch die Bitterkeit dieser traurigen Nacht erbarme dich meiner, und lasse das, was du in derselben gelitten hast, an mir nicht verloren sein. Ich erinnere dich des traurigen Ganges zum Delberge und deiner Betrübniß über die Flucht deiner Jünger. Ich erinnere dich des furchtbaren Schreckens, der Leib und Seele durchdrang, als dich die Gottheit trostlos verließ und deine Seele bis zum Tode sich betrübte. Ich erinnere dich deines dreimaligen andächtigen Gebetes, welches du auf deinem Angesichte liegend an deinen himmlischen Vater richtetest. Ich erinnere dich der Todesangst, die du ausstandest, jener großen Noth, in der du hätteſt sterben müssen, wenn dich der Engel nicht getröstet hätte. Ich erinnere dich der schmählichen und schmerzlichen Gefangennehmung, als dich die Juden zu Boden warfen und unbarmherzig mit Füßen traten. Ich erinnere dich der peinlichen Führung in die Stadt und der sieben harten Fälle, so du auf diesem Wege thatest. Ich erinnere dich der schmählichen Vorstellung 500 In der Charfreitags- Nacht. 501 vor Annas und des schmerzlichen Backenstreichs. den du da empfingest. Ich erinnere dich des Spottes und Hohnes bei der Führung zu Kaiphas, und der gotteslästerlichen Beschwörung, die er gegen dich wagte. Ich erinnere dich alles Schimpfes, der dir im Hause des Kaiphas angethan ward, wie auch aller Streiche und Schmerzen, die du in demselben littest. Ich erinnere dich der schmachvollen Einsperrung in den Kerker, und alles Ungemachs, das du in demselben ausstandest. Ich erinnere dich alles Leids, das deine Mutter und deine Freunde um deinetwillen hatten, und der bittern Klage, die sie über deine Gefangennehmung führten. An dieses und alles Andere, so du in dieser bittern Nacht ausgestanden hast, erinnere ich dich, und opfere es zur Verzeihung meiner vielfältigen Sünden. Ich opfere dir auch alle Bußwerke und Andachten, alles Wachen und Beten, alles Trauern und Klagen, alle Seufzer und Zähren, alles Mitleid, alle Prozessionen und Bittfahrten, alle Ceremonien und Gottesdienste sammt allen guten Werken, so diese Nacht geschehen und verrichtet werden. In alle befehle ich mich treu und opfere sie durch dich deinem Bater zu seiner Ehre und meinem Heile auf. O himmlischer Vater, sieh mich armen Sünder mit den Augen deiner Barmherzigkeit an, gleichwie du diese Nacht deinen blutschwitzenden Sohn angesehen hast! O Christe Jesu, laß mich auch ein Tröpflein deines bittern Kelchs verkosten, welches dir dein Vater in dieser Nacht dargereicht hat! Oh. Geist, bewege mein Herz zu solchem Mitleide, gleichwie du alle frommen Herzen in dieser Nacht zum Mitleid 502 Das zehnte Gärtlein. gegen Christus bewogen hast! Oliebe Mutter Gottes, theile mit mir alle Angst und Schmerzen deines Herzens, welche du diese Nacht um deines Sohnes willen ausgestanden hast! O ihr h. Apostel, lasset mich auch jenes Herzenleid empfinden, das ihr in dieser Nacht wegen eures Meisters empfunden habt! O schmerzhafter Jesu, durch die Bitterfeit dieſer bittersten Nacht und durch alles, was du in derselben an Leib und Seele gelitten hast, bitte ich, du wolleſt mir meine Sünden verzeihen, und dein schmerzliches Leiden an meiner Seele nicht verloren sein lassen. A. Am h. Charfreitag. Schmerzhafter Jesu, am heutigen Charfreitage kommt meine arme Seele zu dir und begehrt dir in deinem bittern Leiden Gesellschaft zu leisten! Ach, wollest sie doch nicht verstoßen, sondern sie gnädig aufnehmen, und deines schmerzhaften Leidens theilhaftig machen! Wollte Gott, daß ich am heutigen Tage in meinem Herzen so viel Leid und Trauer empfände, als deine Freunde, die dich am Kreuze sterben sahen, in ihrem Herzen empfunden haben. Ja, wenn es möglich wäre, so wollte ich all das Mitleid deiner betrübtesten Mutter in mein Herz aufnehmen, sollte es auch im ersten Augenblicke zerspringen. O liebes Herz Jesu, welches du heute vor übermäßiger Bitterfeit am Kreuze zersprungen bist, ach, gieße aus diesem Ueberflusse so viele Bitterfeit in mein Herz, als ihm zu tragen möglich ist! Göttliches Herz, erhöre meine Bitte, und verleihe mir die Gnade, das, was mein Heiland heute gelitten hat, mit herzlicher Andacht und aufrichtigem Mitleide Am H. Charfreitag. 503 zu betrachten! Gedenk, o mein Jesu, wie viele schwere Gänge du gegangen bist, wie viele schmerzliche Tritte du gethan hast. Gedenk, wie viel Schimpf und Spott du erfahren, und wie viele Streiche und Wunden du empfangen hast. Gedenk, wie viele Marter und Bein du gelitten, und wie viele Ohnmachten und Schrecken dich überfallen haben. Gedenk, wie viele Seufzer und Klagen aus deinem Herzen gestiegen, und wie viele Zähren und Blutstropfen du vergossen. Gedent, wie viel Herzenleid du mit deiner Mutter und deinen Freunden gehabt, und wie viele Freundlichkeit du deinen Feinden erzeigt. Gedenk, wie viel innerliche und äußerliche Bein du ausgestanden, und wie viele grausame Qualen du an allen Sinnen und Kräften gelitten. Dies Alles ist so gar ohne Zahl, daß auch die Engel dasselbe nicht völlig erkennen. O Christe Jesu, wie wird dir doch dieser Tag so bitter gewesen, und wie werden dir alle Augenblicke so lang gefallen sein! Wie war es dir möglich, solches auszustehen! O sanftmüthigster Jesu, ich danke dir für Alles, was du gelitten hast, und Alles opfere ich dir zur Genugthuung meiner Sünden! Erweiche am heutigen Tage mein Herz, damit es in Wahrheit mit dir trauere und Mitleid trage. Du hast heute alle Kreaturen zum Mitleid bewogen, bewege und erweiche auch mein hartes Herz, daß es sich im Grunde betrübe und ein wahrhaftes Mitleid mit dir trage. Ich nehme mir vor, meinem Leibe heute keine Freude zuzulassen, sondern in Fasten, Abbruch und Abtödtung mich zu üben. Dies begehre ich zu thun zu Ehren deines bittern Leidens und zum Gedächtniß aller Das zehnte Gärtlein. Abtödtungen, welche deine fünf Sinne heute gelitten haben. Zur Erstattung meiner Bußwerke opfere ich dir alle Bußwerke, die heute geschehen; alle Zähren, die heute geweint werden; alle Blutstropfen, die heute vergoffen werden; alle Disciplinen, die heute gemacht, alle Gebete, die heute gesprochen werden, und alle guten Werke, die heute zu Ehren deines bittern Leidens verrichtet werden. Wollte Gott, ich könnte machen, daß noch unendlichmal mehr Gutes geschehe, und dasjenige, welches geschieht, mit großer Andacht und in aufrichtiger Meinung geschehe, damit dein bitteres Leiden desto mehr geehrt werde, und deine Freude desto vollkommener sei. Amen. ( Wähle die Betrachtungen aus dem siebenten Gärtlein und dem achten.) In der h. Osternacht. O glorwürdigster Herr Jesu Christe, der du mich armen Sünder aus lauter Barmherzigkeit diese freudenreiche Osternacht hast erleben lassen, siehe, ich komme mit großem Vertrauen zu dir, und begehre dir in dieser h. Nacht besondere Ehre zu erzeigen. Im Namen aller Engel und Heiligen grüße ich dich und von Grund meines Herzens wünsche ich dir Glück an deiner freudenreichen Auferstehung. O du mächtigster Held, Christe Jesu, der du diese Nacht ganz tröstlich gemacht hast, tröste auch meine betrübte Seele, und gieße ein Tröpflein jenes Trostes, den du heute allen Kreaturen mitgetheilt hast, in mein sündiges Herz. Lasse mich armen Sünder nicht ausgeschlossen sein von der allgemeinen Freude, die heute Himmel und Erde erfüllt, sondern voll Barmherzigkeit mache mich theilhaftig der Verdienste deiner Auf504 In der h. Osternacht. 505 erstehung. Gedenk, o süßester Jesu, welche Freude du in dieser h. Nacht empfandest, als du mit den vielen tausend Seelen der frommen Altväter aus der Vorhölle glorreich hinauffuhrest, während diese zugleich mit den Chören der Engel dir zu Ehren einen Lobgesang anstimmten. Gedenk der unaussprechlichen Freude, die dein allerheiligster Leib empfand in dem Augenblicke, als er wieder lebendig mit der verklärten Seele vereinigt wurde. Gedenk der unbeschreiblichen Schönheit, mit welcher dein zuvor durch Wunden entstellter Leib begabt ward, als er aus dem Grabe gleich einer blühenden Rose hervorging. Gedenk der großen Ehre, welche dir alle Engel und alle Seelen der Gerechten erzeigten, als sie mit tiefster Demuth niederfallend dich anbeteten, und dir wegen deiner Auferstehung Glück wünschten. Gedenk der übergroßen Freude, die deine liebe Mutter in dieser Nacht hatte, als du glorreich erschienest und ihre Seele mit unaussprechlicher Süßigkeit erfülltest. O süßester Jesu, wie fonnten doch deine Seele und dein Leib all diese überschwenglichen Freuden fassen? Wie konnte doch dein edles Herz all diese Wonnen tragen? Kein Wunder wäre es gewesen, wenn es vor Süßigkeit zergangen wäre, wie es am Charfreitag vor Bitterkeit zersprang! O du glorwürdigstes Herz Jesu, in dieser h. Nacht grüße ich dich und wünsche dir Glück zu jener Verklärung, die du in deiner Auferstehung empfingest! O glorwürdiger Leib Jesu Christi, glorwürdige Seele Jesu Christi, glorwürdige fünf Sinne Jesu Christi, euch allen wünsche ich Glück und Heil! Durch die überschwenglichen Wonnen, die 506 Das zehnte Gärtlein. ihr in seiner Auferstehung empfinget, erquicket meine Seele und erfreuet meinen Geist, damit ich mit inbrünstigem Eifer meinem lieben Gotte diene. O du glorwürdigste Jungfrau Maria! Ihr neun Chöre der Engel! ihr gebenedeiten Seelen der frommen Altväter, ihr Kreaturen Himmels und der Erde, die ihr in dieser Nacht von Gott gesegnet worden seid, ich wünsche euch Glück zu allen Freuden, welche euch in dieser Nacht zu Theil geworden sind. Helft mir meinen auferstandenen Heiland würdig grüßen und wegen seiner Verherrlichung ihm Glück wünschen. O allerheiligste Dreifaltigkeit, in dieser freudenreichen Osternacht grüße ich dich, und freue mich mit dir wegen der unendlichen Glorie, so du in dieser Nacht durch die glorreiche Auferstehung Christi empfingest! In dieser Nacht hast du alle Kreaturen erneuert, erneuere auch in mir den alten fleischlich gesinnten Geist und erschaffe in mir ein neues frommes Herz, welches dich liebe, dich ehre und dir aus allen Kräften diene. O mein auferstandener Heiland, Christe Jesu, der du in dieser h. Nacht allen Kreaturen deinen h. Segen gegeben hast, ich begehre demüthig deinen göttlichen Segen, durch dessen Kraft ich an Leib und Seele gesegnet und vor allem Uebel bewahrt werde. Amen. Am h. hochfeierlichen Ostertage. O du glorwürdigster Ueberwinder des Todes und der Hölle, Christe Jesu, sei mir am heutigen freudenreichen Oſtertage tausendmal gegrüßt, und mit herzlicher Liebe im Namen aller Engel und Menschen geehrt und gebenedeit. Von Grund meines Herzens Am H. Osterfeste. 507 freue ich mich, und aus allen Kräften Leibes und der Seele sage ich dir Dank, daß du mir vergönnt hast, diesen glorwürdigen Tag noch einmal zu erleben und dessen süße Freuden wieder zu genießen. Daher hoffe und begehre ich diesen herrlichen Tag so zuzubringen, daß ich mich in Ewigkeit freuen werde, denselben erlebt zu haben. Ja, ich hoffe von dir, meinem auferstandenen Heiland, zu einem freudenreichen Willkommen solche Gnaden zu erlangen, die für all mein Leben an Leib und Seele mir zum Nutzen sein werden. Darum komme ich zu dir, Christe Jesu, du süßer Schatz meiner Seele, ich heiße dich willkommen und freue mich von Herzen über deine herrliche Wiederkehr aus dem dunkeln Lande. O du liebes Osterlamm, Christe Jesu, du bist für unsere Sünden geschlachtet worden, und mit deinem Blute werden die Thüren unsers Herzens- Kämmerleins besprengt, damit der Würgengel uns keinen Schaden zufüge! O du schönes Osterblümlein, Christe Jesu, heute bist du so lieblich) aus der Erde hervorgesprossen, und gibst einen so süßen Geruch von dir, daß Engel- und MenschenHerzen dadurch erfreuet werden! O du glorwürdiger Kriegsheld Christe Jesu, am heutigen Tage hast du den herrlichsten Sieg erworben, und die Welt, das Fleisch, die Sünde, den Tod, die Hölle und den Teufel zumal überwunden! Du hast zwar sehr viele Wunden davon getragen, ja es hat dich auch dein edles Leben gekostet, gleichwohl hast du mit deinem Tode den Tod getödtet und mit deinen Wunden den leidigen Satan verwundet. Mit deinem kostbaren Blute hast du unsere Sünden getilgt, und mit deinen 508 Das zehnte Gärtlein. bittern Leiden hast du unsere Strafen bezahlt. Also hast du alle Menschen mit dem Werthe deines H. Blutes dir zu leibeigen erkauft, und hast von deinem Vater alle Gewalt erworben im Himmel und auf Erden. Darum komme ich am heutigen freudenreichen Tage mit großem Vertrauen zu dir, und hoffe eine besondere Gnade von deiner Güte zu erlangen. Vertraulich halte ich um Barmherzigkeit an, wie könnteſt du mir an diesem Tage eine Bitte abschlagen? Denn wäre mir ein solches Glück widerfahren, als dir, und bäte mich ein Armer deshalb um ein Almosen, so könnte ich ihm vor Freude meines Herzens nichts abschlagen: ja ich würde ihm mehr geben, als er begehrt. Weil du aber, gütigster Jesu, unendlich freigebiger bist, als ich, so hoffe ich zuversichtlich, du werdest mich Armen nicht ohne Almosen von dir lassen, sondern mir am heutigen freudenreichen Ostertage eine solche Gnade mittheilen, welche zu deiner größern Ehre und zu meinem größern Heile gereichen wird. Amen. Anbetung des auferstandenen Heilandes. O glorreichster und in Ewigkeit gebenedeiter Ueberwinder des Todes, Christe Jesu! ich falle demüthig dir zu Füßen und bete dich ehrerbietig an. Nunmehr hat dein Leiden ein Ende, und deine unbeschreibliche Glorie ihren Anfang! Der Tod ist gestürzt und das Leben gepflanzt! Der Feind ist überwunden und deine Freunde sind getröstet! Darum freuen sich alle Geschöpfe mit dir und frohlocken von Herzen, daß ihr Schöpfer und Erlöser erstanden ist. Auch ich, der geringste unter deinen Dienern, freue mich über dein Am H. Ofter- Montage. 509 Glück und deine Herrlichkeit mehr, als wenn sie mir selbst widerfahren wäre, und opfere dir von Herzen Alles, was in diesen Ostertagen dir zu Ehren geschieht! Glorwürdigster Jesu, der du von den Todten auferstanden bist, und nun ein neues Leben begonnen hast, ach! mache doch, daß auch ich vom Tode meiner Sünden erstehe und ein gottseliges Leben anfange! Mache, daß ich meine alten sünd haften Gewohnheiten überwinde und neue tugendhafte annehme! Mache, daß ich an jenem Tage aus meinem Grabe glorreich auferstehe, und in himmlischer Klarheit vor deinen Richterstuhl geführt werde! 2. Am h. Oster- Montage. O süßester Schatz meiner Seele, Christe Jesu! an diesem zweiten Ostertage grüße ich dich und lade dich ein mit den lieblichen Worten der Braut im hohen Liede: Steh auf und komm! denn der Winter ist schon vorüber, der Regen hat aufgehört und ist vergangen; die Blumen sind erschienen in unserm Lande und die Stimme der Turteltaube hat man gehört"! O Geliebter meines Herzens! laß uns nun frohlocken, daß der Winter vergangen und der Regen vorüber ist! Ach, es war ein falter Winter, wo die Lieblosigkeit und Herzenstälte deines auserwählten Volkes dich ans Kreuz schlugen und mit Streichen und Wunden, mit Spott und Schmach so sehr überhagelten, daß du schier erdrückt wurdest! Gott sei Lob und Dank! Dieser Winter deines Leidens ist vorüber, der schauerliche Platzregen ist vergangen, und die Blümlein sind hervorgekommen. Sollten wir nicht hingehen, Geliebter 510 Das zehnte Gärtlein. meines Herzens, und Blümlein brechen? Aber wo finden wir das schönste Osterblümlein? Ich weiß fein schöneres, als auf dem Berge Calvariä in der vorigen Woche entsprossen ist. Das war auf den harten und dürren Kreuzesstamm gepfropft und in den harten Felsen gepflanzt, wo es feine Feuchtigfeit hatte, welfte, und schon seine Farbe und Schönheit verlor! Da trauerten schon die Freunde; aber sich in der h. Osternacht sproßte es plötzlich so lieblich aus der Erde hervor, daß sich alle Engel und Menschen über seine Schönheit verwunderten! Da ließ sich auch die liebliche Stimme des Engels gleich einer Turteltaube hören, den traurigen Herzen zum Troste:„ Ihr suchet Jesum von Nazareth. den Gekreuzigten! Er ist auferstanden, er ist nicht hier!" Jesu von Nazareth, du schönstes OsterBlümlein, weißer als die Lilie, schöner als die Rose, wohlriechender als das Veilchen! Du bist das Blümlein, das ich suche, das die Augen erfreut, den Geiſt stärket, die Seele tröstet, das Herz erfrischet, die Gesundheit erhält, Traurigkeit und Kleinmuth vertreibt, die Anfechtungen lindert und die Seele mit himmlischer Süßigkeit erfüllt! Dies Blümlein will ich brechen, und dir, Geliebter meines Herzens, aus besonderer Liebe verehren! O so freue dich denn und frohlocke, liebreichster Jesu! daß du ein solch OsterBlümlein bist, das Himmel und Erde erfreut! Auch dir, o allerheiligste Dreifaltigkeit, opfere ich dieses liebliche Oster- Blümlein zu deiner größern Ehre; und dir, o allerseligste Jungfrau Maria und euch lieben Engeln und Heiligen verehre ich dasselbe zur Verehrung des auferstandenen Heilandes. 511 Vermehrung eurer himmlischen Freuden! Schöner, lieblicher, glänzender und wohlriechender kann selbst im Himmel keins gefunden werden! Ach! bittet doch auch für mich, daß auch ich einmal würdig werde, dies Oster- Blümlein anzuschauen und selbst als ein edles Blümlein dort oben im Garten Gottes zu blühen ewiglich. Amen. Verehrung des auferstandenen Heilandes. O allerfreundlichster Jesu! welch große Liebe erwiesest du am Tage deiner Auferstehung deinen Jüngern, als du ihnen ganz glorreich erschienest, deinen verherrlichten Leib und deine glorwürdigen Wunden ihnen zeigtest, indem du sprachest: Sehet meine Hände und Füße! Ich bin es selbst! Rühret mich an und sehet; denn der Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr sehet, daß ich habe! Welch unaussprechliche Freude für deine lieben Apostel! O ihr lieben Apostel und Freunde Christi, wie war euch doch zu Muthe, als ihr euren liebsten Meister wieder lebendig sahet, seine Stimme hörtet, seine heiligen fünf Wunden so glorreich, ja wie die Sterne glänzen ſahet, sie mit euren Händen berührtet und andächtig füßtet! Was für einen Trost empfanden eure Augen! Welche Lust durchdrang eure Seele! Welche Freude entzückte eure Herzen! O mein glorreichster Jesu! mit deinen lieben Jüngern grüße auch ich dich, bete dich an, umfange dich und drücke dich als meinen besten Schatz an mein liebendes Herz! Du bist meine Liebe, du bist mein Schatz, in dem mein Herz ruhet! Dich liebe ich, dich suche und begehre ich, dich verschließe 512 Das zehnte Gärtlein. ich in mein Herz und verberge dich in dem geheimsten Kämmerlein desselben, damit Niemand dich mir raube! Nun bist du in Wahrheit der Schönste der Menschenfinder! Dein glorreicher Leib übertrifft an Glanz Sonne und Mond, an Schönheit das gestirnte Fir mament und an Lieblichkeit alle Lieblichkeit der Engel. O du schönster, o du süßester, o du liebster Jesus! Wer sollte sich nicht erfreuen in deiner Schönheit! Wer sollte dich nicht lieben in deiner Anmuth und Freundlichkeit! Wer sollte sich nicht verwundern über deine Herrlichkeit! Darum brennt denn auch mein Herz vor Liebe zu dir und hat dich als seinen einzigen Schatz erwählt! Deinen lieben Aposteln hast du heute deine Wunden zur Verehrung und zum Kusse dargeboten; ach! so vergönne auch mir diese Gnade, deine glorwürdigen Wunden zu küssen. O ihr hochwürdigsten Wunden meines Erlösers, euch grüße ich, euch verehre ich, euch küsse ich aus herzlichster Liebe. O edle Wunde des linken Fußes, andächtig und aus herzlichster Liebe küsse ich bich! O rosenfarbene Wunde des rechten Fußes, andächtig und aus herzlichster Liebe küsse ich dich! O kostbare Wunde der linken Hand, andächtig und aus herzlichster Liebe füsse ich dich! O hochwürdige Wunde der rechten Hand, andächtig und aus herzlichster Liebe küsse ich dich! O süßeste Wunde des edelsten Herzens, andächtig und aus herzlichster Liebe füsse ich dich! In euch), ihr göttlichen Wunden, befehle ich mich, in euch verschließe ich mich, euch übergebe ich mich; bewahret mich vor dem gerechten Zorne Gottes und erlanget mir Barmherzigkeit besonders in meinem Tode. A. - In der Kreuzwoche. In der Krenzwoche ( und an allen Kreuzfesten zu beten). 513 Sei gegrüßt, hochheiliges Kreuz meines Herrn Jesu Christi, besprengt mit seinem rosenfarbenen Blute und geziert mit den hochwürdigen Gliedern seines H. Leibes! Jch bete dich an und ehre dich im Namen dessen, der an dir gehangen und sein edles Leben so schmerzlich an dir gelassen hat. O du ehrwürdiges Kreuz, wie hoch hat dich dein Erschaffer geehrt, daß er dich zum vornehmsten Werkzeuge unsers Heils auserwählt und allen Menschen zur Verehrung vorgestellt hat! O liebreiches Kreuz, wie sehr hat dich Jesus Christus geliebt, daß er nur an dir und in deinen Armen sterben wollte! O wie inbrünstig hat er nach dir verlangt, und wie oft hat er nach dir geseufzt; denn du warest die einzige Begierde seiner Seele und das einzige Verlangen seines Herzens! Als er dich endlich in seinem Leiden mit Augen sah, wie freundlich hieß er dich will kommen, wie demüthig fiel er vor dir nieder, wie herzlich füßte er dich, wie begierig legte er dich auf seine Schultern, wie starkmüthig trug er dich zum Berge Calvariä, wie standhaft ließ er sich an dich annageln, wie geduldig hing er an dir drei Stunden lang, wie reichlich begoß er dich mit seinem rosenfarbenen Blute, und wie schmerzlich gab er an dir seinen Geist auf. So hat er dich durch sein Berühren, Küssen und Tragen, durch sein Blut, durch sein Leiden und Sterben gesegnet und so ehrwürdig gemacht, daß dich alle Gläubigen anbeten, und dir gleich wie ihm selbst die höchste Ehre erzeigen. Myrrhengarten III. 33 514 Das zehnte Gärtlein. So sei mir denn abermals gegrüßt, hochwürdiges Kreuz, und sei mir von ganzem Herzen geehrt und gepriesen! O du edles Kreuz, glänzender als die Sterne, klarer als die Sonne, köstlicher als Edelgestein, schätzbarer als Gold, wohlriechender als Balsam, und hochwürdiger als alles Heiligthum! O du lobwürdiges Kreuz, du Trost der Betrübten, du Hoffnung der Kleinmüthigen, du Stärke der Schwachen, du Labung der Kranken, du Zuflucht der Sterbenden, du süßes Ruhebett meines Herrn Jesu Christi! Ich falle vor dir demüthig auf meine Kniee, und bete dich mit möglichster Ehrerbietung an. Mit meinen beiden Armen umfange ich dich, und mit meinem unwürdigen Munde küsse ich dich. O du liebes, du werthes, du süßes Kreuz! Wie lieb, wie angenehm, wie kostbar bist du mir! Denn an dir bin ich erlöst, an dir sind meine Sünden bezahlt worden, und an dir ist mir der Himmel erworben worden; darum hoffe ich auf dich, du edles Kreuz; darum baue ich auf dich, du starkes Kreuz; darum vertraue ich auf dich, du gnadenreiches Kreuz. O süßer Jesu, du süßze Frucht des süßen Kreuzbaums! durch die Liebe, welche du von Ewigkeit zu dem H. Kreuze getragen, und durch alle Marter, welche du drei Stunden lang an demselben gelitten hast, bitte ich dich: gib mir starken Glauben, feste Hoffnung und inbrünstige Liebe zu dem heiligen Kreuze, auf daß ich im Leben und Sterben durch die Kraft desselben beschützt, nach meinem Tode der Frucht desselben theilhaftig werde. Amen. ( Bei den Prozessionen betet man die Litanei von allen Heiligen.) Am Tage der Himmelfahrt Christi. Am Tage der Himmelfahrt Christi. Am glorwürdigen und freudenreichen Himmelfahrts- Tage grüße ich dich, mein höchster Heiland Christe Jesu, und im Namen aller Engelchöre wünsche ich dir Glück zur heutigen Feier. Ich freue mich von Herzen, daß du zum Vater gehest, und gönne dir deine Glorie viel mehr, als wenn sie mir selbst widerfahren sollte. Gedenk, o Jesu, was für ein freudiger Tag dir der heutige Tag war, und wie sich deine verklärte Menschheit bei Anbruch desselben so herzlich freute. Gedenk, wie lieblich du heut deinen Jüngern erschienest und zum letzten Male mit ihnen aßeft. Gedenk, wie freundlich du von ihnen Abschied nahmeſt und vor ihren Augen in die Höhe fuhrest. Gedenk, wie gewaltig du die Pforten der Hölle zerbrachest und glorreich in das himmlische Jerusalem einzogest. Gedenk, wie freundlich dich dein lieber Vater empfing, wie herrlich er dich zum Könige Himmels und der Erde krönte und zu seiner rechten Hand setzte. Dieser und aller andern Frenden, so du am heutigen Tage hattest, erinnere ich dich, und wünsche dir dazu im Namen aller Menschen Glück. Zur Vermehrung deiner Freuden opfere ich dir alle göttliche Tagzeiten, Meß- Aemter, Prozessionen, Ceremonien, Gesänge, Gebete, Communionen, Andachten, geistliche Freuden, sammt allen guten Werken, welche heute in der ganzen Christenheit geschehen, und welche jemals an diesem Tage geschehen sind, und fünftig geschehen werden. Dies alles wollest du mit Wohlgefallen annehmen, und zur Vermehrung deiner Glorie und Majestät gereichen lassen. O du allerseligste Jungfrau Maria, ihr 33* 515 516 Das zehnte Gärtlein. h. neun Chöre der Engel, ihr lieben Seelen der Altväter, ihr h. Apostel und Jünger Christi, ihr andächtigen Frauen sammt allen Gläubigen, die ihr der Himmelfahrt Christi beigewohnt habet, auch euch grüße ich am heutigen Tage, und bitte euch demüthig, ihr wollet mir den süßen Jesus grüßen und wegen seiner Himmelfahrt ihm Glück wünschen helfen. Ich erinnere euch an alle Freuden, die ihr am heutigen Tage hattet, als ihr theils mit ihm hinauffuhret, theils ihn hinauffahren sahet, und bitte euch, daß ihr mir erwerbet, auch einmal mit ihm und euch hinaufzufahren. O Christe Jesu, der du am heutigen Tage in höchster Majestät und Herrlichkeit, sitzend auf einer hellleuchtenden Wolke, begleitet von vielen tauſend Engeln, durch die Lüfte über Sonne und Mond und über alle Sterne des Firmaments hinaufgefahren, und in die herrliche Stadt Sion mit Posaunenschall ganz glorreich eingezogen bist; ich bitte durch dieſe deine freudenreiche Himmelfahrt und durch die Ehre, welche dir dein himmlischer Vater angethan hat, sei mein treuer Mittler und Fürbitter bei ihm, und verleihe mir die Gnade, also zu leben, daß ich nach meinem Tode von den Engeln in den Schoß Abrahams getragen zu werden gewürdigt werde. A. Am hochheiligen Pfingstfeste. du gnadenreicher h. Geist, du wahrer Tröster der menschlichen Seele, sei mir am heutigen hochfeierlichen Festtage andächtig gegrüßt! Gib, daß ich heute besonders würdig dir diene und meiner armen Seele eine besondere Gnade erwerbe. Denn am heutigen 517 Am b. Pfingstfeſte. Tage hat der barmherzige Gott der fündigen Welt freigebiger seine Gnaden ausgetheilt, als je zuvor: hat er doch den unerschöpflichen Brunnen aller Gnaden auf einmal auf die Erde ausgegossen und die dürren Herzen mit dem Thau seiner göttlichen Süßigkeit benetzt! Was nun der liebe Gott damals gethan hat, das thut er noch alle Jahre auf diesen Tag, und theilet allen frommen Herzen, so sich seiner Gnade fähig machen, seine himmlischen Gaben reichlich mit. Oliebreicher H. Geist, wie bist du heute vor Liebe so gar freigebig gewesen, daß du Allen, welche nur ein Verlangen darnach trugen, unerschäßliche Reichthümer deiner Gnade mittheilst! Mit vielem Vertrauen halte auch ich um ein Almosen an. Du schenkst ja so Vielen ohne ihr Verdienst deine Gnade in Ueberfluß, o so wirst du auch mir Unwürdigem dieselbe nicht versagen! Wenn du aber fragst: Was ich denn begehre, so antworte ich dir mit Vertraulichkeit: Ich begehre die größte Gabe des ganzen himmlischen Paradieses, und das Allerbeste, was deine freigebige Hand geben kann. Ich begehre nämlich) nichts anderes als dich selbst. Dich, o h. Geist, dich begehre ich, dich suche ich! Und dies mein Begehren ist so heftig und inbrünstig, daß ich nicht werde nachlassen zu bitten, bis du es stillest, und ich dich in meinem Herzen verspüre. Ach mildester h. Geist, siehe nicht an meine große Unwürdigkeit, sondern deine unendliche Güte und Milde! Siehe nicht an meine geringen Verdienste, sondern die herzliche Begierde, welche ich zu dir trage! O himmlischer Bater, gib mir den h. Geist! O Christe 518 Das zehnte Gärtlein. Jesu, gib mir den h. Geist! O liebe Mutter Gottes, erwirb mir den h. Geist! O ihr h. neun Chöre der Engel, ihr h. Apostel und Jünger des Herrn und ihr gottseligen Menschen, die ihr heute durch die Predigt der Apostel bekehrt worden seid, erbittet und erwerbet mir den h. Geist! O allerheiligste Dreifaltigkeit, ich opfere dir das Gebet der allerjeligsten Jungfrau Maria und aller Heiligen, schenke mir auf ihre Fürbitten und Verdienste den h. Geist! Ich opfere dir alle h. Messen, Communionen, Andachten, Opfer, Gebete, Almosen, Wallfahrten, fromme Seufzer und guten Werke, die in der Kirche bis auf diesen Tag geschehen sind und heute noch geschehen werden, ach! lasse dich doch erweichen und theile mir den h. Geist mit! Ich opfere dir deine unendliche Liebe und Barmherzigkeit, welche dich angetrieben hat, am heutigen Tage den h. Geist herabzusenden, indem ich bitte, dieselbe wolle dich wiederum antreiben, auch mir Hochbedürftigem den h. Geist zu schenken. milder, süßer h. Geist, nimm dies Gebet in Gnaden auf und erfülle mein inständiges Begehren. Amen. Am hochheiligen Pfingstmontage. Gebet zum h. Geiste, ( Auch sonst oft zu sprechen.) Allgütigster h. Geist, du wahre Freude meines sündigen Herzens, ich grüße, ehre und benedeie dich,* und in Demuth meines Herzens bis zur Erde geneigt bete ich dich an. O du liebreicher h. Geiſt, mein Herz seufzet zu dir, und meine fündige Seele verlanget sehr nach dir, damit ich deiner Gnade Am h. Pfingstmontage. 519 theilhaftig und deiner Liebe fähig werde! Darum bitte ich dich demüthig, du wollest zu mir kommen und dir eine würdige Wohnung in meinem Herzen bereiten. Ach! erhöre meine Bitte, und sende mir deine h. Gnade, damit ich anfange, mein fündiges Leben zu bessern und dir hinfüro fleißiger zu dienen. O du gütiger h. Geist! du erkennest meine Schwachheit, und weißt besser als ich selbst, wie elend und zum Bösen geneigt ich bin. Ohne dich bin ich nichts, ohne dich kann ich nichts, ohne dich habe ich nichts. Ich kann mir nicht aufhelfen, wenn ich gefallen bin, ich kann mich nicht trösten, wenn ich betrübt bin, und ich kann keinen Widerstand leisten, wenn ich angefochten werde. Durch dich aber kann ich Alles, in dir habe ich Alles, und mit dir bin ich Alles. Darum seufze ich von Herzen zu dir, und mit aller Begierde meiner Seele rufe ich dich an. Ach, komme zu mir und weiche nimmer von mir! Ich lade dich ganz freundlich ein und bitte dich ganz herzlich. Verschmähe meine Bitte nicht, und verachte die schlechte Wohnung meines Herzens nicht. Mein Herz ist zwar ganz unrein, du kannst es reinigen. Es ist ganz hart, du kannst es erweichen. Es ist ganz boshaft, du kannst es bessern. Es ist ganz arm, du kannst es bereichern. Es ist ganz schwach, du kannst es stärken. Es ist ganz krank, du kannst es heilen. Es ist ganz unfruchtbar, du kannst es fruchtbar machen. Es ist ganz weltlich, du kannst es geistlich machen. Es ist mit allem Uebel erfüllt, du fannſt es aber mit allem Guten erfüllen. Oso fomm denn, h. Geist, und bessere das armselige Herz, welches 520 Das zehnte Gärtlein. deiner Gnaden so hochbedürftig ist! Komme doch zu dem Herzen, welches dich so treu anruft und nach dir so sehr verlangt. Denn es wird nicht nachlassen, zu dir zu seufzen, bis es dich in sich verspüret, und durch dich in ein anderes Herz verwandelt worden ist. Amen. Litanei vom heiligen Geiste. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geist, Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Heiliger Geist, du Geist der Weisheit und des Verstandes, Geist des Rathes und der Stärke, Geist der Erkenntniß und der Gottseligkeit, Geist der Furcht des Herrn, Geist des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, Geist der Wahrheit und der Andacht, Geist der Geduld und Sanftmuth, Geist der Güte und des Friedens, Geist der Demuth und der Abtödtung, Geist aller Kinder Gottes, Du Lehrer und Regierer der heiligen kathol. Kirche, Du Ergründer der Gedanken und Herzen, Du Trost der Betrübten und Stärke der Frommen, Du Ausspender aller Gaben und Gnaden, Du Freude der Engel, Du Erleuchter der Patriarchen, Du Einsprecher der Propheten, Du Weisheit der Apostel, Du Sieg der Märtyrer und Bekenner, Du Reinigkeit der Jungfrauen, Du Salbung aller Heiligen, Erbarme dich unser! Litanei vom h. Geiste. Sei uns gnädig, verschone uns, o h. Geist! Sei uns gnädig, erhöre uns, o h. Geist! Von aller Sünde und Versuchung zu derselben, erlöse uns, o h. Geist! Vom Geiste des Irrthums und der Gotteslästerung, Von Vermessenheit und Verzweiflung, Von Widerstrebung der erkannten Wahrheit, Von Verstockung und Unbußfertigkeit, Von Bosheit, Mißgunst und aller Lieblosigkeit, Von aller Nachlässigkeit und Trägheit im Guten, Bon aller Unreinigkeit in Gedanken, Worten und Werken, Von Ungeduld in Leiden, Von einem plötzlichen, unseligen Tode, Vom ewigen Verderben, Wir arme Sünder, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du die h. katholische Kirche erhöhen, ihre Hirten erleuchten und alle ihre Mitglieder heiligen wollest, Daß du alle Völker zur Erkenntniß der Wahrheit führen wollest, Daß du alle Ketzereien ausrotten wollest, Daß du in uns die Andacht und Gottergebenheit vermehren wollest, Daß du uns, gleich den Aposteln, Sanftmuth und Liebe einflößen wollest, Daß du alle unsere Gedanken, Worte und Werke in dir vereinigen und heiligen wollest, Daß du uns reinigen und zu deiner Wohnung einweihen wollest, Daß du unsern Leib und unsere Seele als deinen Tempel unbefleckt erhalten wollest, Daß du im Leiden uns trösten und aufrichten wollest, Daß du uns Gewissensruhe und wahre Gottseligkeit erhalten wollest, Daß du uns alle in die Gesellschaft deiner Auserwählten aufnehmen wollest, Daß du uns in deiner Gnade befestigen und selig machen wollest, 521 Erlöse uns, o h. Geift! Wir bitten dich, erhöre uns! 522 Das zehnte Gärtlein. O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o h. Geiſt! du Lamm Gottes 2c., erhöre uns, o h. Geist! O du Lamm Gottes 2c., erbarme dich unser, o h. Geist! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Vater unser 2c. Gegrüßet seist du zc. Gebet. O Herr, der du die Herzen deiner Gläubigen durch die Erleuchtung des H. Geistes belehrt hast; verleihe uns die Gnade, daß wir durch eben diesen Geist verstehen, was recht ist, und uns allezeit seines Trostes erfreuen mögen. Durch Christum unsern Herrn. Amen. Hymnus: Veni sanete Spiritus. Komm, o heil'ger Geist! und wehe,* Send' uns von der Himmelshöhe* Deines Lichtes heil'gen Strahl;* Komm, o Vater du der Armen,* Gabenspender voll Erbarmen,* Füll' die Herzen allzumal! Du, o süßer Gast der Seele,* Salbest sie mit Himmelsöle,* Fächelst linde Ruhe ihr;* Labsal in des Lebens Mühen,* Kühlung in des Kampfes Glühen,* Trost im Weinen ist bei dir. Zünd' in deiner Gläub'gen Herzen* Deines Glanzes helle Kerzen,* Sel'ges, wonnevolles Licht!* Nichts ist in der Menschenseele* Ohne Irrthum, ohne Fehle,* Wenn dein Anhauch ihr gebricht. All was unrein ist, das wasche,* Feuchte an, was dürr wie Asche,* All was wund ist, mache heil;* Alles Starre beug' gelinde,* Was erkaltet ist, entzünde,* Das Verirrte lent' zum Heil. Gieß' von lichten Himmelsauen* In uns, die dir gläubig trauen,* Siebenfält'gen Gnadenstrom;* Gib den Tugenden Vollendung, Gib des Todes sel'ge Wendung,* Ew'ges Fest im ew'gen Dom! Amen. ( Wer diesen Hymnnus oder das Veni creator: Komm Schöpfer Geift( siehe im Gesangbuche) bußfertig betet, erhält einmal im Tage 100 Tage, in der Pfingstzeit 300 Tage Ablaß. Wer es täglich verrichtet, erhält einen vollkommenen Ablaß einmal im Monate unter den befannten Bedingungen.) Am hohen Feste der h. Dreifaltigkeit. Am hohen Feste der h. Dreifaltigkeit. O allerhochwürdigste und in Ewigkeit gebenedeite h. Dreifaltigkeit, an diesem deinem h. Festtage grüße ich dich! Wollte Gott, ich könnte machen, daß dich alle Menschen erkennten, ehrten, anbeteten und benedeiten auf Erden, gleichwie dich erkennen, ehren, anbeten und benedeien alle Engel und Heiligen im Himmel. Was aber die Menschen versäumen, das möchte ich dir so gerne erstatten, und dir mit diesem Gebete so viele Ehre erzeigen, als dir alle Menschen zu erzeigen schuldig sind. O h. Dreifaltigkeit, dies ist der feierlichste Sonntag, welchen die h. Kirche dir zu Ehren geweiht hat! Dies ist das glorwürdigste Feſt, welches alle frommen Seelen mit möglichster Andacht begehen. Heute ehret dich die ganze Kirche, und in der ganzen Christenheit verkündet man dein unendliches Lob. Heute benedeiet dich, was Zungen und Stimmen hat, und von Großen und Kleinen hört man andächtig singen und sprechen: Ehre sei dem Vater, und dem Sohne, und dem h. Geiste! Heute jubeln die neun Chöre der Engel im himmlischen Tempel, und begehen mit unaussprechlichen Freuden den heutigen Festtag. Deswegen begehe auch ich mit allen Engeln und Heiligen dies Fest andächtig, und was ich im ganzen Jahre versäumt habe, das will ich heute völlig einbringen. So grüße ich dich denn abermals, glorwürdige Dreifaltigkeit, und rufe dich von Herzen an! Ach, verleihe mir aus dem Ueberflusse deiner Süßigkeit nur ein einziges Tröpflein, damit ich deine Lieblichkeit nur ein wenig verkoste! Ich bin zwar dieser Gnaden nicht würdig, dennoch am heutigen Festtage wollest du sie 523 524 Das zehnte Gärtlein. mir nicht versagen. O du göttliche Dreifaltigkeit, wie süß, wie lieblich und wie freundlich bist du; und wie unerschöpflich ist das Meer deiner unendlichen Wonnen! Aus dir fließt alles Gut, in dir ist alles Gut, und durch dich kommt alles Gut. Wer wollte dich nicht lieben, du lieblichste Lieblichkeit? Wer wollte dich nicht suchen, du fröhlichste Fröhlichkeit? Wer wollte dich nicht wünschen, du süßeste Süßigkeit? Ach, wie verlangt mein Herz nach dir, und wie dürstet meine Seele nach deinen Wonnen! Besonders empfinde ich am heutigen Tage einen größern Brand der Liebe zu dir und eine heftige Begierde, deiner Süßigkeit theilhaftig zu werden. Ich spüre auch eine viel größere Fröhlichkeit in meiner Seele, welche mich antreibt, dich am heutigen Tage innig zu loben und alle Kreaturen zu deinem Lobe zu ermuntern. Darum bitte ich euch alle, ihr Engel und Heiligen, ihr wollet mit mir sammt allen Kreaturen die hochheil. Dreifaltigkeit loben, preisen und benedeien, und ihr für alle Schätze der Gnaden, so sie in sich begreift, unendlichen Dank sagen. Ich bitte euch alle, daß ihr vor den Thron der heiligen Dreifaltigkeit treten, und sie in eurem und meinem Namen benedeien, verherrlichen und erhöhen wollet, sprechend: Ehre und Dank sei dir gesagt, du lieblichste, süßeste und mildeste Dreifaltigkeit! Du edelste, vortrefflichſte und allervollkommenste Gottheit! Du allerheiligste, allerwürdigste und unendliche Vollkommenheit! Eine unzertheilte Einigkeit, unergründliche Wesenheit, von nur an bis in Ewigkeit. Amen. ( Sprich heute auch mit besonderer Undacht den Glauben, und erneuere deine Taufgelübde.) Litanei von der allerh. Dreifaltigkeit. 525 Litanei von der allerheiligsten Dreifaltigkeit. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe! höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geist, Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Vater, von dem Alles, Sohn, durch den Alles, Heiliger Geist, in dem Alles, Heilige ungetheilte Dreifaltigkeit, Ein Gott, Unbegreifliche Majestät, Unveränderliche Macht, Unendliche Weisheit, Unerschöpfliche Güte, Erhabenste Würde, Wahrhaftige Gottheit, Ewige Wahrheit, Allmächtiger König, Du bist einzig und allein Gott, In dem wir leben, uns bewegen und sind, Von dessen Majestät die ganze Erde erfüllt ist, Dem allein Ehre und Glorie gebührt, Der du uns tröstest in unserer Trübsal, Der du allein Wunder thust, Der du bist, warest und sein wirst, Im Gerichte gerecht und furchtbar, In der Weltregierung glorreich und bewunderungswürdig, O Vater, von Niemand gezeugt, noch geboren, O Sohn, Eingeborner des Vaters, gezeugt von Ewigkeit, Oh. Geist, vom Vater und Sohne ausgehend, allerheiligste Dreifaltigkeit, Ein Gott, Sei uns gnädig! Verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig! Erhöre uns, o Herr! Von allem Ulebel, befreie uns, o Herr! Von aller Sünde, befreie uns 2c. Von allem Unglauben, befreie uns 2c. Erbarme dich unser! 526 Das zehnte Gärtlein. Von der Uebertretung deiner Gebote, Von der Verachtung deiner Gnaden, Von der Vernachlässigung des Heiligen, Vom ewigen Tode, Durch deine Allmacht, Durch deine Weisheit, Durch deine unbegrenzte Güte, Durch deine große Barmherzigkeit, Durch deine Geduld und Langmuth, Wir arme Sünder! Wir bitten dich, erhöre uns! Daß wir dich als den wahren Gott immer und überall bekennen mögen, Daß wir dich den Einen Gott in der Dreifaltigkeit verehren, und die Dreifaltigkeit in der Einheit anbeten mögen, Daß wir dich von ganzem Herzen lieben mögen, Daß du dein Volk, welches deinem h. Namen geheiligt ist, bewahren und retten wollest, Daß du den Jrrenden die Gnade verleihen wollest, auf den Weg der Gerechtigkeit zurückzukehren, Daß du allen verstorbenen Gläubigen die ewige Ruhe verleihen wollest, Daß du uns erhören wollest, Allerheiligste Dreifaltigkeit, Befreie uns, o Herr! Wir bitten dich, erhöre uns! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c., erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c., erbarme dich unser, o Herr! Jesu Christe, höre uns! Jesu Christe, erhöre uns! Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Vater unser 2c. Gegrüßet seist du 2c. V Laßt uns preisen den Bater, den Sohn und den H. Geist. R Laßt uns ihn loben und erheben in Ewigkeit! Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott, der du deinen Dienern verliehen hast, im Bekenntnisse des wahren Glaubens die Herrlichkeit der ewigen Dreifaltigkeit anzuerkennen und in der Macht der Majestät die Einheit anzubeten, wir bitten Am hohen Frohnleichnams- Feste. 527 dich, daß wir durch die Festigkeit desselben Glaubens vor aller Widerwärtigkeit jederzeit beschützt werden. Durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn, welcher mit dir und dem h. Geiste als gleicher Gott lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. Am hohen Frohnleichnams- Feste. Gebet ( wenn die Prozession ausgeht.) O Christe Jesu! du Urheber des h. Sakraments, an dem heutigen hochfeierlichen Tage grüße ich dich, und begehre dir in dem h. Sakramente auf eine besondere Weise Ehre und Dienst zu erzeigen. Weil an diesem herrlichen Tage zu deiner größern Ehre diese Prozession angeordnet ist, darum gehe ich aus wahrer Andacht mit derselben, und begleite mit aller Ehrerbietung das hochwürdige Sakrament, darin deine Gottheit und Menschheit wahrhaftig gegenwärtig ist. Siehe deshalb vom hohen Himmel auf mich armen Sünder, und beherzige, was für innere und äußere Ehrerbietung ich dem H. Sakramente begehre zu erzeigen, und nach Möglichkeit erzeige. Mit der Liebe und Andacht, mit welcher der heil. David die Arche Gottes begleitet hat, als er andächtig seine Harfe schlug, und vor Freuden ehrbarlich aufsprang, begleite auch ich jetzt diese wahre Arche Gottes, und vor Freude meines Herzens jubilire und frohlocke ich aus allen meinen Kräften. Ich begehre dir, o Jesu! in dem h. Sakramente solche Ehrerbietung zu erzeigen, gleichwie dir die neun Chöre der Engel im Himmel erzeigen, welche, vor deinem 528 Das zehnte Gärtlein. göttlichen Throne stehend, dich loben, und dir mit aller Demuth dienen. Ich begehre dies hochwürdige Sakrament mit solcher Andacht zu begleiten, gleichwie es alle lieben Heiligen auf Erden begleitet haben. Ich begehre dir solche inbrünstige Liebe und herzliche Hingebung zu erweisen, gleichwie deine liebste Mutter dir erwiesen hat, als sie dich in ihrem jungfräulichen Leibe zu der heil. Elisabeth, und hernach auf ihren Armen von Bethlehem zu dem Tempel zu Jerusalem trug. Endlich begehre ich dieser h. Prozession mit solchem Frohlocken beizuwohnen, gleichwie alle englische Geister, die Seelen der lieben Altväter, und die Herzen aller deiner lieben Freunde und Jünger der allerglorreichsten Prozession beigewohnt haben, als du am Tage deiner Himmelfahrt in göttlicher Majestät und Herrlichkeit von der Erde gen Himmel gefahren und von deinem himmlischen Vater mit höchster Liebe bist empfangen worden. Dies alles begehre ich nicht allein zu thun, sondern thue es auch in der That, so viel mir nach meiner menschlichen Schwachheit immer möglich ist. Wollte Gott, daß ich es viel tausendmal kräftiger verrichten fönnte, als ich es verrichte, und daß ich mit meiner Andacht Himmel und Erde erfreuen, und in göttlicher Liebe entzünden möchte. Ich begehre auch diese meine Andacht nicht allein für mich und in meinem Namen zu verrichten; sondern für alle, welche hier gegenwärtig sind, ja im Namen aller Menschen auf der ganzen Welt. Deswegen ziehe ich alle Andacht, Ehrerbietung, alle Gebete und Gesänge der Anwesenden in mein Herz, und begehre dieselben in meinem Herzen dir auf Am h. Frohnleichnahmsfeste. 529 die vollkommenste Weise darzubringen. Im Namen aller Gegenwärtigen anbete, grüße, ehre, lobe und benedeie ich dich, o Christe Jesu! der du in dieser h. Monstranz persönlich gegenwärtig bist, und erzeige dir wahre, Gott gebührende Anbetung und Ehrerbietung, so viel mir aus allen meinen Kräften möglich ist. Ich opfere dir diese feierlichen Umgänge sammt allen innern und äußern Andachten und Ceremonien, so dabei verrichtet werden, zur Danksagung, daß du so manchen sauern Weg für uns arme Sünder gegangen, und zur Erstattung aller Schmach und Unehre, so dir auf Erden von den gottlosen Juden und Heideft zugefügt worden iſt. Ich opfere dir diese feierliche Prozession zur Erinnerung an jene schmähliche Prozession, als du hart gebunden aus dem Garten Gethsemane über den Bach Cedron zum Annas, und von dort zu dem Hohenpriester Kaiphas, und vom Berge Sion herab zum Landpfleger Pilatus, und von Pilatus zu dem ehebrecherischen König Herodes, und von diesem wiederum zurück zu dem ungerechten Richter Pilatus, und von dem Palaste des Pilatus zu dem Richterstuhl Gabbatha, und mit dem schweren Kreuze beladen auf den Berg Calvariä, und von dem Berg Calvariä zu dem schmählichen Kerker, und endlich aus diesem schrecklichen Kerker zu dem Ort der Kreuzigung bist geführt werden. Gedenk, o Jesu! was für traurige, schmähliche und schmerzliche Prozessionen dies waren. Gedenk, wie man dich damals gezogen, gestoßen, getreten, geschlagen, geschleift, gelästert, gepeinigt, gemartert, verspottet, verspieen, verwünscht, verflucht Myrrhengarten III. 530 Das zehnte Gärtlein. und vermaledeiet hat! Diese Schmach und Bein dir zu vergelten, haben wir jetzt diese herrliche sakramentalische Prozession angestellt, und verrichten selbige mit aller möglichen Andacht und Ehrerbietung. Anstatt aller dir zugefügten Unehre und Vermaledeiung ehren, loben, preisen und benedeien wir dich. Anstatt des schimpflichen Hin- und Herführens tragen und begleiten wir dich mit tiefster Ehrerbietung von einem Orte zum andern, von einem Altare zum andern, und von einer Kirche zur andern. Anſtatt der Schmach- und Lästerworte, so man dir schimpflich zugerufen, singen wir dir herzlichen Lobgesang, sprechen andächtige Gebete und preisen deinen heil. Namen. Wir läuten dir zu Ehren die Glocken, wir zünden dir zu Ehren an die Kerzen, wir opfern dir zu Ehren wohlriechendes Rauchwerk, wir halten dir zu Ehren das Amt der h. Messe, und wir erweisen dir sowohl mit dem Herzen, als mit dem Leibe alle mögliche Andacht und Ehrerbietung. Dies alles thun wir dir zu Liebe und zu Ehren, so gut als wir immer können, und begehren dir noch tausendmal mehr Ehre zu erzeigen, wenn es uns auf einige Weise möglich wäre. Du, o Christe Jesu! wollest diese unsere Andacht aufnehmen, und sie dir auf die beste Weise gefallen lassen. Du wollest aber unsere innerlichen und äußerlichen Werke in dein göttliches Herz aufnehmen und in demselben auf die edelste Weise verbessern und vollkommen machen. Du wollest diese unsere Prozession mit allen deinen göttlichen und menschlichen Werken vereinigen, und sie deinem himmlischen Vater zu seinem ewigen Lobe und Am Hl. Frohnleichnamsfeste. 531 unserm Heile aufopfern. Du wolleft aus diesem heil. Sakramente mit deinen mildreichen Augen uns alle gnädig ansehen, und unsere Herzen zu wahrer Buße und Andacht erweichen. Du wollest unsere Seelen und Gemüther mit deinem Gnadenthau begießen, und mit dem Feuer deiner göttlichen Liebe ganz entzünden. Du wollest unsere Häuser und Wohnungen, unsere Aecker und Weinberge, unsere Gärten und Wiesen, und Alles, worin wir unsere leibliche Nahrung haben, mit deiner göttlichen Hand segnen und sie vor Blizz und Ungewitter, vor Dürre und Unfruchtbarkeit, vor Feuer und Abbrennen, und vor Erdbeben und Einsturz gnädig bewahren. Endlich wollest du uns Alle vor Krieg und Aufruhr, vor Hunger und Theuerung, vor Pest und Krankheit durch deine Güte beschützen und uns an Leib und Seele mit geistlichen und leiblichen Gütern segnen und erfüllen, damit wir dir auf Erden treulich dienen und nach diesem elenden Leben die ewige Freude und Seligkeit erlangen. Das verleihe uns, o Christe Jesu! durch deine unendliche Güte und Barmherzigkeit und durch die Fürbitten und Verdienste aller deiner lieben Heiligen. Amen. Die Frahnleichnams- Prozession ist unter allen Prozessionen, bei welchen das hochwürdigste Gut umgetragen wird, die vornehmste. Sie wird mit ganz besonderer Feierlichkeit gehalten, und zwar in der dreifachen Absicht: 1) um unsern Glauben an die wahre, wirkliche und wesentliche Gegenwart unsers Herrn und Heilandes in diesem wunderbaren Sakramente öffentlich vor aller Welt an den Tag zu legen und zu bekennen, daß in keinem Andern Heil ist, und durch keinen Andern der Fluch, der über die Erde, über unsere Felder und 34* 532 Das zehnte Gärtlein. Fluren um der Sünde willen gekommen ist, hinweggenommen werden kann, als durch diese himmlische Arznei; und daß den Menschen kein anderer Name gegeben worden ist, in dem wir selig werden können, als der Name Jesus, der in diesem heiligen Sakramente bis an's Ende bei den Seinigen verbleiben wollte; 2) um unserm Heilande selbst für die liebevolle Einsetzung dieses heil. Satraments, für sein immerwährendes freundliches Wohnen in demselben und für die freigebige Spendung unzähliger Gnaden durch dasselbe von Herzen laut und öffentlich zu danken; und endlich, 3) um unserm Jesus, unserm liebreichen Hirten und Ernährer, für die viele Schmach und Unehre, welche ihm in diesem h. Sakramente von den Juden, Heiden, Ketzern und Ungläubigen, besonders aber von bösen Katholifen durch ihr unehrerbietiges und empörendes Betragen bei Anhörung der h. Messe, durch ihre Lauigkeit und Kälte gegen dieses H. Sakrament und durch ihre unwürdigen und gottesräuberischen Communionen angethan worden ist und fortwährend angethan wird, durch größern Eifer in der Liebe einigen Ersatz zu leisten. O! wohl drei schöne und löbliche Absichten. Wenn du nur ein Füntlein von Liebe zu Jesus in deinem Herzen hegest, so mußt du dies loben und billig finden, und wirst gewiß deinem Heilande zu Ehren und zu Liebe in diese h. Prozession mit möglichster Andacht und Ehrerbietung dich einreihen. Man pflegt bei dieser Prozession gewöhnlich vier Stationen, d. i. Haltpunkte zu machen. Bei jeder Station ist ein Altar gebaut, der mit Laubwerk und vielen Blumen geziert ist. Wenn es so angeordnet werden kann, so ist jeder Altar nach einer besonderen Himmelsgegend, alle vier sind also nach den vier Himmels- oder Weltgegenden errichtet. Dies soll andeuten, daß das heilige Altarssakrament jenes Opfer des N. B. sei, wovon Gott bei dem Propheten Malachias 1. Kap. 10. u. 11. Vers spricht: Vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang wird mein Name groß werden unter den Völkern und an allen Orten wird meinem Namen geopfert, und ein reines Opfer dargebracht werden: denn groß wird mein Name werden unter den Völkern." Bei jedem Altar wird der Anfang eines Am H. Frohuleichnamsfeste. 533 der vier Evangelien gesungen, wohl um anzudenten, daß alle vier Evangelisten von diesem heiligen Sakramente geschrieben haben, welches den in sich enthält, der da ist der Anfang, der Inhalt und das Ende aller Evangelien, Jesus Christus, hochgelobt in Ewigkeit! Er soll nach allen Weltgegenden hin der Welt gepredigt werden, damit alle in ihm erkennen das Brod Gottes, das vom Himmel herabgekommen ist und der Welt das Leben gibt."( Joh. 6, 33.) Nachdem das Evangelium gesungen, werden einige Gebete verrichtet, theils zur Verherrlichung des allerh. Sakraments, theils um Abwendung von Unglück und Schaden, der über Menschen, Vieh und die Früchte der Erde kommen kann. Endlich wird der Segen mit dem hochwürdigsten Gute nach den vier Weltgegenden hin gegeben, um anzudeuten, daß Christus alle Herrschaft gegeben ist im Himmel und auf Erden, und daß Alles gesegnet ist, was er segnet, und daß nur durch ihn und mit ihm und in ihm Gott, dem allmächtigen Vater, in Einigkeit des h. Geistes alle Ehre und Glorie erwiesen wird. — Die Christen gehen in ihren Festtleidern mit prächtigen Fahnen, Zeichen und Bildern mit dieser feierlichen Prozession, um anzudeuten, daß sie bereitwillig sind, unter der Fahne Christi, welche da ist das heilige Kreuz, unter Bujauchzen des ganzen Himmels und unter Beihülfe der Engel und sieggekrönten Heiligen, der Patriarchen und Propheten, der Apostel, der Märtyrer, der Bekenner und der Jungfrauen und besonders der Himmelskönigin und Gottes Mutter Maria gegen Satan, Welt und Fleisch zu kämpfen, und dicht in die Fußstapfen Jesu, des mächtigen Vorkämpfers, einzutreten, der in diesem h. Sakramente bis an's Ende der Welt unter uns verweilet, und vor uns und mit uns und in uns streitet, damit wir mit ihm siegen und einstens verherrlicht einziehen mögen in das himmlische Jerusalem, in jenen neuen Himmel und jene neue Erde, wovon die geheime Offenbarung spricht, und die vorgedeutet werden durch die Blumen, welche wir auf den Weg streuen, durch die Kränze, womit die Häuser und Kirchen verziert werden, durch die Triumphbogen und Alleen von Maien, durch welche die Prozession an diesem Freudentage hindurchzieht. Das zehnte Gärtlein. Darum, mein Christ! wenn du mit dieser oder einer andern feierlichen Prozession in Andacht und heiliger Freude daherschreitest, ermuntere dich zum heldenmüthigen Kreuztragen. Sprich mit freudigem Entschlusse zu deinem zaghaften Herzen, das oft so leicht der Kreuzesfahne untreu werden will, mit den Worten des frommen Thomas von Kempen: 534 Was fürchtest du dich denn, das Kreuz auf dich zu nehmen, da man durch dasselbe zum Himmelreiche gebt! Im Kreuze ist Heil, im Kreuze ist Leben, im Kreuze findet man Schutz gegen die Feinde, durch das Kreuz wird himmlische Süßigkeit eingegossen. Im Kreuze findet man Stärke der Seele, im Kreuze ist Freude des Geistes, im Kreuze ist der Inbegriff aller Tugenden, im Kreuze ist vollkommene Heiligkeit. Es ist für die Seele tein Heil, teine Hoffnung zum ewigen Leben, als nur in dem Kreuze. Nimm denn dein Kreuz auf dich; verläugne dich selbst; bereite dich, viel Widerwärtiges und verschiedene Ungemächlichkeiten in diesem elenden Leben zu erdulden; entschließe dich, als ein guter und treuer Knecht Jesu Christi, das Kreuz deines Herrn mit großem Muthe zu tragen, der aus Liebe zu dir ist gekreuzigt worden, und dies sein Liebesopfer im heil. Sakramente unaufhörlich erneuert. Folge Jesus nach, und du wirst hier den innerlichen Frieden finden und dort zum ewigen Leben eingehen." Erste Station. Der Anfang des Evangeliums des hl. Matthäus.€ 3 ist das bekannte Geschlechts- Register, welches auf Mariä Geburt vorgelesen wird. Darnach: W Panem de cœlo præstitisti eis, alleluja. R, Omne delectamentum in se habentem, alleluja. V Das Himmelbrod haft du ihnen gegeben, o Herr, Alleluja! R Das alle Süßigkeit in sich enthält, Alleluja! Am h. Frohnleichnamsfeste. Gebet. O Gott, der du uns unter dem wunderbaren Sakramente das Andenken deines Leidens hinterlassen hast, wir bitten dich, verleihe uns, die h. Geheimnisse deines Leibes und Blutes also zu verehren, daß wir die Frucht deiner Erlösung unaufhörlich in uns erfahren. Der du lebst und regierst mit Gott dem Vater in Einigkeit des h. Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gute Meinung. Lasset uns beten, daß der hier im Sakramente aus unbegreiflicher Liebe gegenwärtige Sohn Gottes, unser Herr und Heiland Jesus Christus, unsern Glauben an seine wahre, wirkliche und wesentliche Gegenwart in diesem allerheiligsten Sakramente vermehren und stärken wolle. Wir wollen ihn auch bitten, daß er uns Alles, was wir wegen unsers Schwachglaubens aus Mangel an gebührender Ehrfurcht gegen dieses allerheiligste Sakrament gesündigt haben, gnädig verzeihen wolle. 535 Vater unser. Gegrüßet. R, Gelobt und angebetet sei ohne End' V Jesus Christus im allerheiligsten Sakrament. Bum Segen. V Peccatores! RTe rogamus audi nos! V Fili Dei! RTe rogam. etc. Ut ad veram pœnitentiam nos perducere digneris. V Wir Sünder! R Wir bitten dich, ere höre uns! V Sohn Gottes! RWir bitten dich zc. V Daß du uns zur wahren Buße führen wollest! 536 R, Te rogam. etc. V Ut nobis parcas. RTe rogam. etc. VUt nobis indulgeas. RTe rogam. etc. VUt nosmetipsos in tuo sancto servitio confortare et conservare digneris. RTe rogam. etc. Das zehnte Gärtlein. R Wir bitten dich zc. V Daß du uns verschoneſt! RWir bitten dich 2c. V Daß du uns verzeihest! R. Wir bitten dich 2c. V Daß du uns selbst in deinen Dienste stärken und erhalten wollest! R Wir bitten dich zc. Eine Bitte um den Segen. Du wollest mich, holdseliger Jesus! mit deinem väterlichen Segen begnadigen, damit ich in allen Dingen deinen allerheiligsten Willen erfüllen, dich in diesem hochwürdigsten Sakramente zur Zeit meines Hinscheidens empfangen und also ewig bei dir sein möge. Amen. Bweite Station. Der Anfang des Evangeliums des h. Markus. Der Inhalt ist von der Predigt des h. Johannes, der Taufe Jefu am Jordan, seiner 40tägigen Fasten, seiner Versuchung in der Wüste und vom Anfange seines Lehramts. Darnach: R Panem de coelo etc. wie Seite 534. Gute Meinung. Laßt uns beten, daß unser lieber Herr und Heiland, den wir hier im allerheiligsten Sakramente gläubig anbeten, unsere Hoffnung auf ihn im Leben und Sterben beleben, und unser Vertrauen auf seine Verheißungen und seinen immerwährenden Beistand gerade in diesem h. Sakramente stärken wolle. Wir Am h. Frohnleichnamsfesie. 537 wollen ihn auch bitten, daß er uns Alles, was wir uns durch unsere Kleingläubigkeit und Kleinmüthigkeit, die uns leider so oft vom Besuche und Empfange dieses h. Sakraments abgehalten hat, gegen den immer unter uns gegenwärtigen und zur Hülfe stets bereiten Heiland versündigt haben, gnädig verzeihen wolle. Vater unser. Gegrüßet. V Gelobt und angebetet sei ohne End' R, Jesus Christus im allerheiligsten Sakrament. Bum Segen. V Peccatores! RTe rogamus audinos! V Fili Dei! RTe rogam. etc. 1. V Ut Ecclesiam tuam sanctam regere et conservare digneris. R, Te rogam. etc. 2. V Ut Domnum apostolicum et omnes ecclesiasticos ordines in sancta religione conservare digneris. R, Te rogam. etc. 3. V Ut regibus et principibus christianis pacem et veram concordiam donare digneris. RTe rogam. etc. 4. V Ut cuncto populo christiano pacem et unitatem largiri digneris. RTe rogam. etc. V Wir Sünder! R. Wir bitten dich, erhöre uns! V Sohn Gottes! R Wir bitten dich 2c. 1. Daß du deine h. Kirche regieren und erhalten wollest! R. Wir bitten dich 2c. 2. Daß du den h. Vater und alle firchlichen Stände in der h. Religion erhalten wollest! R Wir bitten dich 2c. 3. Daß du den christlichen Königen und Fürsten Frieden und wahre Eintracht schenken wolleft! R Wir bitten dich 2c. 4. Daß du dem ganzen christlichen Volke Frieden und Einheit verleihen wollest! R. Wir bitten dich zc. Das zehnte Gärtlein. Gebet. Verschone, o Herr! verschone dein Volk, und laß nicht zu, daß wir mit Widerwärtigkeiten, Kriegen. Krankheiten, Ungewitter und Gefahren geschwächt werden, die du mit dem kostbaren Leibe und Blute unsers Herrn Jesu Christi erlöset hast. Durch eben denselben Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Dritte Station. 538 Der Anfang des Evangeliums des heil. Lukas. Der Inhalt ist die Erscheinung des Engels im Tempel, der dem Zacharias die Geburt des h. Johannes, des Vorläufers Jesu, verkündet. Darnach: V Panem de coelo etc. wie Seite 534. Gute Meinung. Laß uns beten, daß der Herr auch in unsern Herzen eine große Liebe zu ihm in diesem Sakramente seiner unbegreiflichen Liebe entzünden wolle. Ach! wen wollen wir lieben, wenn wir Jesus nicht lieben wollen, der uns in diesem h. Sakramente bis zur völligen Entäußerung seiner selbst liebt! Wir wollen ihn auch zugleich bitten, daß er uns alle Kälte und Lauigkeit, die wir beim Empfange dieses h. Sakraments, bei der H. Messe, bei allen öffentlichen Andachten uns haben zu Schulden kommen lassen, gnädigst verzeihen wolle.- Vater unser. Gegrüßet. V Gelobt und angebetet sei ohne End' R Jesus Christus im allerheiligsten Sakrament. Bum Segen. V Peccatores! RTe rogamus audi nos! V Wir Sünder! R. Wir bitten dich, erhöre uns! Am b. Frohnleichnamsfeste. V Fili Dei! RTe rogam. etc. 1. V Ut mentes nostras ad cœlestia desideria erigas. RTe rogam. etc. 2. V Ut nobis fidem, reverentiam et devotionem hujus admirabilis Sacramenti augere et conservare digneris. RTe rogam. etc. 3. V Ut ad frequentem et dignum usum Eucharistiæ per veram peccatorum confessionem nos perducere digneris. RTe rogam. etc. 4. V Ut in hora mortis nostræ hoc cælesti viatico nos confortare et munire digneris. RTe rogam. etc. 539 V Sohn Gottes! R Wir bitten dich zc. 1. Daß du unsere Herzen zu himmlischen Begierden er heben wollest! R. Wir bitten dich zc. 2. Daß du den Glauben, die Ehrfurcht und Andacht zu diesem bewunderungswürdigen Sakramente in uns vermehren und bewahren wollest. R Wir bitten dich zc. 3. Daß du uns zu öfterm und würdigem Empfange des allerheil. Sakraments durch wahre und aufrichtige Beicht der Sünden führen wollest! R Wir bitten dich zc. 4. Daß du in der Stunde unseres Todes mit dieser himmlischen Wegzehrung uns stärken und befestigen wollest! R Wir bitten dich zc. Gebet. Wie bitten demüthigst deine Güte, allmächtiger Gott! du wollest die Früchte der Erde und diese umliegenden Orte deiner Diener besuchen, segnen und mit fruchtbarem Regen befeuchten; alle schädlichen Wetter abwenden, die Ergießung von Platzregen zurückhalten, die Gewalt der bösen Geister vertreiben, eine gesunde Luft verleihen, und uns, welche du durch den Leib und das Blut deines Sohnes vom ewigen Tode erlöset hast, auch vor allem feindlichen Anfalle beschützen und im Frieden erhalten. Durch denselben Jesum Christum unsern Herrn. R Amen. Das zehnte Gärtlein. Vierte Station. Der Anfang des Evangeliums des h. Johannes. Der Inhalt ist das Geheimniß der Menschwerdung des Sohnes Gottes. Kniee deshalb andächtig nieder, wenn der Priester bei den Worten: Et verbum caro factum est et habitavit in nobis, niederknieet, und klopfe an deine Brust und sprich mit dankbarem Herzen: Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt! Dann blicke voll Ehrerbietung auf das heilige Sakrament, denn siehe! da wohnt er noch eben so wahrhaft, wirklich und wesentlich unter uns, wie damals unter seinen Jüngern; neige dein Haupt und sage Dank und freue dich, daß du in der wahren, Einen, heiligen und apostolischen und katholischen Kirche geboren und erzogen bist, und von ihr den wahren Glauben empfangen hast, und erneuere den Vorsatz, in diesem wahren Glauben, aus diesem wahren Glauben und nach diesem wahren Glauben zu leben und zu sterben. Darnach: 540 VA fulgure et tempestate. R Libera nos, Domine Jesu Christe. W Fiat misericordia tua, Domine, super nos. R, Quemadmodum speravimus in te. V Domine, exaudi orationem meam. R, Et clamor meus ad te veniat. V Dominus vobiscum. REt cum spiritu tuo. V Von Blitz und Ungewitter! R Befreie uns, Herr Jesu Christe! V Es komme deine Barmherzigkeit über uns, o Herr! R Wie wir gehofft haben auf dich! V Herr, erhöre mein Gebet! R Und laß mein Rufen zu dir kommen! V Der Herr sei mit Euch! R Und mit deinem Geiste. Laßt uns beten. Deine Huld, allmächtiger Gott, erflehen wir fußfällig, daß du die Früchte und Grenzen deiner Diener segnen, besuchen und bewässern wolleft; schädliche Am H. Frohnleichnamsfeſte. 541 Wetter vertreiben, dem Sturzregen Einhalt thun, den Einfluß boshafter Geister abwehren, heilsame Luft gewähren und vor jeglicher Anfechtung der Feinde uns im Frieden vertheidigen wollest, die du durch den Leib und das Blut deines Sohnes vom ewigen Tode errettet hast. Durch denselben Christum, unsern Herrn. Amen. Gute Meinung. Laßt uns beten, daß der allmächtige Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat und erhält, um seines eingebornen Sohnes willen, der in unserer Mitte, im allerheil. Sakramente verborgen unsere Fluren und Felder, Straßen und Wege durchwanderte, uns gnädig sei, und die Früchte des Feldes und die Arbeit unserer Hände jegnen und zu glücklichem Gedeihen führen wolle. Wir wollen ihn inständig bitten, daß er gnädigst abwenden wolle schädliche Witterung, Feuersbrünste, bösartige Krankheiten an Menschen und Vieh und alle Gefahren des Leibes und der Seele, und verleihen wolle, daß wir in Eintracht und Frieden untereinander mit dankbar zu ihm gerichteten Herzen die Früchte unserer Arbeit und unseres Schweißes genießen mögen. Vater unser. Gegrüßet. V Gelobt und angebetet sei ohne End' R Jesus Christus im allerheiligsten Sakrament. Bum Segen. V Peccatores! R, Te rogamus audi nos! V Wir Sünder! R. Wir bitten dich, erhöre uns! 542 Das zehnte Gärtlein. W Fili Dei. RTe rogam. etc. 1. V Ut fructus terræ dare et conservare digneris. R Te rogam. etc. 2. V Ut omnibus benefactoribus nostris sempiterna bona retribuas. RTe rogam. etc. 3. V Ut animas nostras, fratrum, propinquorum et benefactorum nostrorum ab æterna damnatione eripias. RTe rogam. etc. 4. V Ut omnibus fidelibus defunctis requiem æternam donare digneris. RTe rogam. etc. V Sohn Gottes! R Wir bitten dich 2. 1. Daß du die Früchte der Erde geben und erhalten wolleft! R Wir bitten dich 2c. 2. Daß du allen unsern Wohlthätern mit ewigen Gütern vergelten wollest! R. Wir bitten dich zc. 3. Daß du unsere Seelen, die Seelen unserer Brüder, Verwandten und Wohlthäter von der ewigen Verdammniß erretten wollest! R Wir bitten dich zc. 4. Daß du allen verstorbenen Christgläubigen die ewige Ruhe verleihen wollest! R Wir bitten dich zc. Gebet. O Gott! der du durch das einzige Opfer deines heiligsten Leibes der ganzen Welt Missethaten getilgt hast, wir bitten dich, bekehre gnädig dein Volk zu dir, damit es von allen Gefahren des Leibes und der Seele befreiet, wie auch vor allen sichtbaren und unsichtbaren Feinden beschützt werde, erwünschte Beschaffenheit der Luft, Ueberfluß an Früchten, Ruhe und Frieden der Zeiten erhalte, und die Gnade und Kraft deines Segens in Allem erfahre. Der du lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. R, Amen. Anmerkung: Für den heutigen Festtag, wie für die ganze Octav fannst du dir aus dem sechsten Gärtlein bald eine Betrachtung, bald ein passendes Gebet, bald beides auswählen. Wenn du deine Betstunde hältst, kannst du im sechsten Gärtlein nur gleich von vorn anfangen. Am Feste Mariä Empfängniß. 543 Hauptfeste der allerseligsten Jungfrau und Mutter Gottes Maria. Am Feste der unbefleckten Empfängnik Mariä. ( Den 8. Dezember.) Oseligste Jungfrau Maria, heute ist der goldene Tag, an welchem du ohne Makel bist empfangen und mit allen Tugenden und Gnaden reichlich begabt worden. Heute haben die Engel sich auf eine besondere Weise gefreuet und den himmlischen Gesang gesungen, sprechend: Die Mutter des Herrn ist empfangen, Alleluja! Das Heil der Welt ist begonnen, Alleluja! Darum laßt uns jubeln und frohlocken, und dem gnadenreichen Gott lobsingen! Laßt uns die empfangene Jungfrau grüßen, und ihr wegen ihrer unbefleckten Empfängniß Glück wünschen. O Maria, Maria, Maria, wir grüßen, ehren und lieben dich, und wünschen dir Glück zu deiner Empfängniß und Heiligung! Gebenedeit sei, o Maria, die goldene Stunde, darin du bist empfangen worden! Gebenedeit seien deine lieben Eltern, von welchen du bist empfangen worden! O glückseligste Jungfrau Maria, ich freue mich von Herzen wegen deiner unbefleckten Empfängniß und wegen der überflüssigen Gnaden, die dir ertheilt worden sind. Ich opfere dir zu Ehren alle heil. Messen, welche heute zu deiner Ehre gelesen werden. Ich opfere dir alle Beichten und Communionen, welche heute dir zu Ehren empfangen werden. Ich opfere dir alle Gebete und guten Werke, welche heute dir zu Ehren verrichtet werden. Und endlich opfere ich dir alle Seufzer und 544 Das zehnte Gärtlein. Begierden, welche heute zu dir hinaufgeschickt werden. In alle diese heil. Messen, Beichten, Communionen, Gebete, guten Werke und Anmuthungen befehle ich mich, und begehre derselben theilhaftig zu werden. Ach! ich möchte heute besonders mit meinem Gebete zu deinem mütterlichen Herzen dringen und dasselbe erweichen! O Maria, du bist ganz unbefleckt an Leib und Seele; ich aber bin nichts als eine lautere Befleckung an Leib und Seele. Du bist voller Tugenden und himmlischer Gnaden; ich aber bin voller Sünden und verdammlicher Neigungen. Du bist voll guter Werke und reich an Verdiensten; ich aber bin voll von bösen Werken und gedrückt von schwerer Schuld. So thue denn diesem lieben Tage die Ehre, und bedecke durch deine Fleckenlosigkeit meine Befleckung; vertilge durch deine Tugend meine Untugend; lösche aus durch deine guten Werke meine bösen, und durch deine reichen Verdienste bezahle meine schwere Schuld und Strafe. Amen. Lobspruch. Gelobt sei die heiligste und unbefleckte Empfängniß der seligsten Jungfrau Maria! ( 100 Tage Ablaß, so oft es reumüthig gesprochen wird.) Am Feste Mariä Reinigung oder Lichtmeh. ( Den 2. Februar.) Allerseligste Jungfrau Maria, heute hast du das liebe Jesuskind in den Tempel zu Jerusalem getragen und dort als ein Frühopfer dem himmlischen Vater nicht allein aufgeopfert, sondern auch mit fünf Seckel Geldes abgekauft. O gebenedeiteste Jungfrau, im Am Feste Marä Lichtmeßz. 545 Namen aller Sünder, für welche du das süßeste Jesukind gekauft hast, sag' ich dir unendlichen Dank, und begehre alle Sünder und Sünderinnen zur Danksagung zu bewegen. Ich erinnere dich, o Maria, der süßesten Freude, welche du empfandest, als du den lieben Jesus nach Jerusalem trugest und im Tempel dem himmlischen Vater aufopfertest. O wie war deine allerheiligste Seele da mit Verwunderung erfüllt, als du durch den h. Geist erkanntest, welch' einen Werth dies Opfer habe, und welch' große Freude im ganzen Himmel darüber entstehe! Ich bitte dich, du wollest am heutigen Tage dies Opfer noch einmal Gott dem Bater für mich aufopfern, und dadurch meine Seele vom ewigen Verderben erlösen. Ich erinnere dich auch, o Maria, der unaussprechlichen Freuden, welche du empfandest, als du deinen eingebornen Sohn dem himmlischen Vater abkaustest, und mit fünf Seckel den Sündern eigen machtest. Welche Gedanken und Empfindungen stiegen damals in deinem Herzen auf, als du klar erkanntest, wie durch diesen Kauf dein Sohn aller Menschen Eigenthum wurde. Ohne Zweifel vergosfest du viele bittere und süße Thränen, weil dein Herz mit Freude und Leid zugleich erfüllt war. Weil du mir denn auch dein süßes Jesukind gekauft hast, so gib es mir doch auch, lege es auf meine Arme, gleichwie du es dem H. Simeon heute auf seine Arme gelegt hast. So wende ich mich denn auch zu dir, liebstes Jesukind, und grüße dich am Tage deiner Opferung von Herzen. Heute bist du mir von deinem himmlischen Vater geschenkt, und von deiner liebsten Mutter erkauft worden. Darum bist Myrrhengarten III. 35 546 Das zehnte Gärtlein. du aus zwei Ursachen mein eigen und vollkommen in meiner Gewalt. Was kann mir nun mangeln, da du ganz mein bist? Wie soll ich nun nicht getrost sein, da das höchste Gut mein eigen ist? O liebes Jesukind, ich heiße deinen Kauf gut und nehme diese Schenkung als gültig an. Du mußt nun mein eigen bleiben, du kannst dich mir mit Recht nicht entziehen; es sei denn, daß ich dich um eine freiwillige Lust wiederum verkaufte. Doch wie sollte ich, wie könnte ich so thöricht sein! Davor wolle mich doch Gott bewahren! Siehe, himmlischer Vater, hier habe ich deinen eingebornen Sohn, welchen du mir geschenkt hast, und welchen mir seine h. Mutter gekauft hat, ihn opfere ich dir zu deiner höchsten Ehre und zum Heile meiner armen Seele. Jch opfere dir seine Seele für meine Seele, seinen Leib für meinen Leib, sein Herz für mein Herz, seine Tugenden für meine Untugenden, und sein bitteres Leiden und Sterben für meine vielfältigen Sünden und Strafen. Nimm dies Opfer wohlgefällig von mir an, und erinnere dich bei meinem Tode, daß ich es dir am heutigen Tage zur völligen Bezahlung meiner Sünden dargebracht habe. Amen. Am Feste Mariä Verkündigung. ( Den 25. März.) O selige und in Ewigkeit gebenedeite Jungfrau Maria, am Verkündigungs- Tage sende ich dir durch den Erzengel Gabriel einen freundlichen Gruß, und wünsche dir im Namen aller Menschen unendliches Glück zu den unaussprechlich großen Gnaden, welche dir heute von der h. Dreifaltigkeit erwiesen worden Am Feste Mariä Verkündigung. 547 sind. Ich erinnere dich der unergründlichen Freude, die du empfandest, als der Engel Gabriel verkündigte, daß du die Mutter des Heilandes werden solltest. Gedenke, o Maria, welch' freudiges Staunen dich anwandelte, als der Engel Gabriel in schönster Gestalt dir erschien, und dich im Namen der H. Dreifaltigkeit mit großer Ehrerbietung begrüßte. Ach! was ging in deinem Herzen vor, als du verstandest, daß du eben jene Mutter sein solltest, welche nur zu sehen du so lange verlangt hattest! Und daß du durch Ueberschattung vom h. Geiste ohne Verletzung deiner Jungfrauschaft den Sohn Gottes empfangen solltest! Gedenke, mit welch' großer Freude und welch' tiefer Demuth du zu dem Engel sprachest: Siehe, ich bin eine Dienstmagd des Herrn, mir geschehe nach deinent Worte! Ueberschwänglich aber und unaussprechlich war deine Freude, als du vom h. Geifte den Sohn Gottes ohne Verletzung deiner Jungfrauschaft wirklich empfingest. Dieser Freude, welche du am heutigen Tage empfandest, erinnere ich dich, o Maria, und freue mich zugleich mit dir wegen der großen Gnaden, die dir der allmächtige Gott gegeben hat. Welch' große Ehre für dich, daß der liebe Gott dich vor allen andern deines Geschlechts zu seiner Mutter auserwählte, und dich allein so großer Würde werth achtete! Zu dieser höchsten Ehre wünsche ich dir Glück, und bin von ganzem Herzen erfreuet, daß der gütigste Gott keine andere, als eben dich, zu unserer Mutter und Mittlerin auserwählt hat. Du bist ja die allermildeste, die allermitleidigste, die allerbarmherzigste unter den Weibern, du bist auch in der Fürbitte 35* ♥ 548 Das zehnte Gärtlcin. bei Gott so mächtig, daß du alles, was du begehrest, erhalten kannst. Darum nehme ich meine Zuflucht zu dir, und rufe dich mit aller Vertraulichkeit um Beistand an. O du barmherzigste Mutter, durch deine freudenreiche Verkündigung bitte ich, sei meine Fürbitterin bei Gott, und erwirb mir seine göttliche Gnade und Barmherzigkeit. Du, o Maria, haft Gnade gefunden bei Gott; aber ich elender Sünder habe Gnade verloren bei Gott. Du bist ihm wegen deiner Heiligkeit ganz lieb und angenehm; ich aber bin ihm wegen meiner Sünden ganz zuwider und verhaßt. Deswegen bitte ich dich demüthig, mache, daß ich deinetwegen Gnade finde und in der göttlichen Gnade lebe und sterbe. O daß mir heute die Verzeihung meiner Sünden verkündigt würde, wie dir heute die Mutterschaft Gottes ist verfündigt worden! O daß ich heute durch die Gegenwart meines Heilandes in meinem Herzen von himmlischem Troste erquickt würde, wie du heute durch die Empfängniß des Sohnes Gottes unaussprechliche Freude erfahren hast! Um dir, süßeſte Jungfrau, durch die Erinnerung die Freuden jenes glücklichen Tages zu erneuern, spreche ich mit Andacht den Gruß des Erzengels: Gegrüßest seist du zc. Am Feste Mariä Heimsuchung. ( Den 2. Juli.) O süßeste Jungfrau, ich erinnere dich der überschwänglichen Freuden, die du heute in deinem Herzen empfandest, als du deine Base Elisabeth heimsuchteſt und mit höchster Freundlichkeit begrüßtest. Was haben Am Feste Mariä Heimsuchung. 549 eure Herzen damals empfunden! Welch' göttlichen Trost haben eure Seelen empfangen! Durch diese unaussprechliche Freude bitte ich, versüße mein Herz in aller Bitterkeit, und ertheile meiner Seele ein Tröpflein deines Trostes, damit ich desto fröhlicher im Dienste Gottes verharre, und desto mehr von deiner Liebe entzündet werde. Durch die Kraft deines Grußes hüpfte Johannes vor Freuden im Mutterleibe auf, wurde Elisabeth mit dem h. Geiste erfüllt, Zacharias mit der Gnade der Weissagung begabt, und dem ganzen Hause Heil gebracht. O kräftiger Gruß Mariä, erschalle auch in meinen Ohren, und wirke das Heil in meiner Seele. Vertreibe von mir die Sünde, und erfülle mich mit der Gnade des h. Geistes. Suche mich heim, o Maria, gleichwie du die h. Elisabeth heimgesucht hast, und bereichere mich gleich ihr mit Gnade. Siehe, ich, dein liebes Kind, suche dich am heutigen Tage heim, und komme mit freudigem Gemüthe vor dein H. Angesicht. Ich grüße dich mit Liebe und umfange dich mit kindlicher Vertraulichkeit. O meine herzliebste Mutter, ich will dich halten und nicht mehr von mir lassen; ich will dich halten und an mein Herz drücken! Glückselig, wenn ich Maria habe; denn mit ihr wird mir alles Heil und Gute kommen. O meine Mutter, zeige mir dein liebliches Angesicht, und lasse deine holdselige Stimme in meinen Ohren erschallen. Entzünde mein Herz in deiner Liebe, und erwecke in mir eine kindliche Neigung zu dir. Schreibe deinen Namen in mein Herz, damit ich niemals deiner vergesse, und du niemals meiner. Trage eine wahre mütterliche Treue zu mir, und 550 Das zehnte Gärtlein. gib, daß ich auch allzeit eine wahre kindliche Liebe zu dir trage, damit wir uns auf Erden wie Mutter und Kind lieben, und im Himmel uns ewiglich als die treuherzigsten Freunde erfreuen. Amen. Am hohen Feste Mariä Himmelfahrt. ( Den 15. Auguft.) O heiligste, glorwürdigste und in Ewigkeit gebenedeite Jungfrau Maria! ich wünsche von Herzen, daß ich heute alle Kreaturen zu deiner Liebe und Ehre bewegen und deine Ehre und Freude unendlicher Weise mehren könnte. O glückselige Jungfrau, große Ehre ist dir heute in deiner Himmelfahrt widerfahren, und widerfährt dir noch jährlich an diesem Tage im Himmel und auf Erden! Mit unaussprechlichem Jubel bist du an diesem Tage gen Himmel geführt, und freundlich von der h. Dreifaltigkeit empfangen worden. Mit der Krone des ewigen Reiches bist du gekrönt und zur hochgebenedeiten Königin des Himmels eingesetzt worden. Alle Engel und Heiligen sind vor deinem Throne niedergefallen, und haben dich für ihre wahre Königin erkannt und verehrt. Zu dieser unaussprechlichen Ehre und Glorie wünsche ich dir Glück, werfe mich auch mit allen Heiligen dir demüthig zu Füßen, und erkenne dich für meine wahre hochgebenedeite und gnädigste Königin und unsere liebe Frau. Dir verspreche ich nächst Gott meine Treue, und erbiete mich dir zu dienen, so lange ich lebe. O du seligste Jungfrau, wie erfreue ich mich, daß du unsere Königin geworden bist, und nächst Gott zu befehlen haft im Himmel und auf Erden! Nunmehr werden Am Feste Mariä Himmelfahrt. 551 viele tausend Seelen erhalten, die sonst unfehlbar wären zu Grunde gegangen, nun werden der Welt viele tausend Gnaden mitgetheilt, die sonst nimmer ertheilt worden wären. Denn du bist nicht allein eine glorreiche Königin, sondern auch eine liebreiche, barmherzige Mutter, welche alle armen Sünder annimmt, und allen Nothleidenden Hülfe und Trost bringt. Darum freue ich mich von Herzen, und schöpfe neue Hoffnung für mein zeitliches und ewiges Heil. Denn heute bist du eine Mutter der Barmherzigkeit und Mittlerin geworden zwischen Gott und den Menschen. Heute ist dir gegeben worden Gewalt im Himmel und auf Erden, und dir verliehen, alle deine Diener und Dienerinnen durch deinen Sohn selig zu machen. Darum fliehe ich zu dir mit großem Vertrauen und rufe deine mütterliche Hülfe an. Ja, ich setze ein so starkes Vertrauen auf dich, daß ich meine, Gott könne mich nicht verlassen, so lange ich dich liebe und ehre. Durch dich hoffe ich Gnade und Barmherzigkeit zu erlangen und aus allen meinen leiblichen und geistlichen Nöthen erlöst zu werden. Denn ich weiß, wie viel du bei Gott vermagst, und wie treu du denen bist, welche dich wahrhaft lieben und ehren. Ich weiß, daß dir dein Sohn keine Bitte versagen kann, weil er dich mit unendlicher Liebe liebet. Eja! liebe Mutter, zeige mir denn, daß du Mutter bist, und nimm mich zu deinem Kinde auf. Gedent, daß du darum Königin geworden bist, damit du den armen Sündern desto leichter Barmherzigkeit erlangen könntest. Darum nehme ich meine Zuflucht zu dir, und verlasse mich fest auf deine Hülfe. Amen. 552 Das zehnte Gärtlein. Am Feste Mariä Geburt. ( Den 8. September.) O Mutter der Barmherzigkeit, allerseligste Jungfrau Maria, an deinem freudenreichen Geburtstage grüße ich dich, und wünsche dir Glück zu deinem Eintritt in diese Welt. Gebenedeit sei der heutige Tag, an welchem du zum Heile der Welt geboren worden bist, und gebenedeit sei der gütige Gott, der dich zum Troste aller armen Sünder in diese Welt gesandt hat! O du seine edelste Tochter, du gütige, du milde, du süße Jungfrau, mein Herz brennt vor Liebe zu dir. Deine Schönheit hat mein Herz ganz eingenommen, und deine gnadenreiche Geburt hat mein Gemüth inniglich erfreuet. Wie soll ich dich heute würdig ehren? Was soll ich immer thun, deine Gunst und Gnade zu erlangen? In Demuth werfe ich mich vor dir nieder, und mit herzlicher Liebe füsse ich deine Hände und Füße. Weil ich durch den Glauben weiß, du werdest den Heiland der Welt gebären und den Kopf der höllischen Schlange zertreten, darum grüße und ehre ich dich als zukünftige Mutter meines Heilandes und als eine wahre Mithelferin zur Erlösung. Ach, laß mich am heutigen Tage eine besondere Gnade zum Heile meiner Seele erlangen! Liebreicher himmlischer Vater, durch die Freude, welche du heute hattest, als dir deine liebste Tochter geboren ward, bitte ich, du wollest dich meiner um ihretwillen erbarmen! Mildreicher göttlicher Sohn, durch die Freude, welche du heute empfandest, als dir deine liebste Mutter geboren ward, bitte ich, du wollest mir um ihretwillen meine Am Feste Mariä Opferung. 553 Sünden verzeihen! Gütigster h. Geist, durch die Freude, welche du heute empfingest, als dir deine liebste Braut geboren ward, bitte ich, du wolleſt mir um ihretwillen Gnade erzeigen! Und du, seligste Jungfrau Maria, wollest durch die Gnaden, so du heute von Gott empfangen hast, mich bei Gott zu Gnaden bringen! Ach! holdseliges Kind, welches du durch deine Geburt der ganzen Welt Freude gebracht hast, bringe doch meiner Seele auch eine wahre geistliche Freude, und gieße meinem Herzen eine wahre Liebe und Andacht zu dir und deinem Sohne ein. Zum Heile aller Menschen geboren, erwirb mir, daß ich von Neuem wieder geboren werde und hinführo mit größerm Eifer meinemt liebsten Gott diene. Ich opfere mich heute zu deinem h. Dienste, und begehre Alles, was ich thun werde, zu deiner größern Ehre zu verrichten. Ich opfere dir auch alle guten Werke, welche heute in der ganzen Christenheit geschehen, von Herzen wünschend, daß noch tausendmal mehr Gutes dir zu Ehren geschehen möchte; und daß ich Alles, was geschehen wird, tausendfältig vermehren und unendlich vervollkommnen könnte. Amen. Am Feste Mariä Opferung. ( Den 21. November.) O allerfeligste Jungfrau Maria, mit welch' herzlicher Andacht hast du dich heute dem lieben Gott aufgeopfert und ihm deinen Leib und deine Seele sammt allen deinen Sinnen und Kräften zu seinem göttlichen Dienste geschenkt! Und welch' große Vergeltung hat dir der liebe Gott für dein Opfer gethan, 554 Das zehnte Gärtlein. weil er dich in selbiger Stunde mit solcher Süßigkeit an Leib und Seele erfüllt hat, daß dir dein zartes Herz vor lauter Lieblichkeit hätte zerschmelzen mögen! Daran erinnere ich dich, Maria, und bitte dich, erwirb mir Gnade, daß ich mich meinem lieben Gott von ganzem Herzen aufopfere. Ich habe mich ihm zwar so oft aufgeopfert, aber eben so oft mich zurückgenommen, weil ich allzeit meinen und nicht seinen Willen erfüllt habe. Nun aber habe ich herzliche Reue darüber, und wollte mich gern nach deinem Beispiele heute noch einmal dem lieben Gott aufopfern. Weil ich aber dies nicht recht thun kann, darum bitte ich dich, Maria, du wollest ihm an meiner Statt mein armes Herz aufopfern, damit er es mit seiner Liebe entzünde und mit seiner göttlichen Gnade ganz erfülle. Ich bitte dich auch durch das strenge und tugendselige Leben, welches du eilf Jahre lang im Tempel geführt hast, erwirb mir, deinem h. Leben nach Möglichkeit nachzufolgen und alle Tage meines Lebens in der Gottseligkeit zuzubringen. Ach, opfere dem gerechten Gott dein stetes Fasten, dein langes Wachen, dein eifriges Beten, dein strenges Abtödten, und dein unbeflecktes Leben zur Verzeihung meines wenigen Fastens, kurzen Wachens, lauen Betens, geringen Abtödtens und sündhaften Lebens, damit mein Mangel durch dir erstattet und meine Schulden durch deine reichen Verdienste bezahlt werden. Amen. Am Feste des h. Joseph, des Patriarchen u. Nährvaters. ( Den 19. März, gefeiert in der Diöcese Paderborn am Mittwoch nach dem 3. Sonntag nach Ostern.) ( Siehe unten die Andacht und Litanei zum h. Joseph.) Am Feste Petrus und Paulus. Am Feste der h. Apostel Petrus und Paulus. ( Den 29. Juni.) Oihr glorwürdigsten Fürsten der Apostel, heil. Petrus und Paulus, mit großer Festlichkeit begehet heute die katholische Kirche euren Festtag, und gebietet, ihn hochfeierlich zu halten und mit einem vorhergehenden Fasttage zu ehren! Denn ihr beiden seid es, welche unter allen Aposteln am meisten gearbeitet, die größten Verfolgungen gelitten, den Glauben Christi weit ausgebreitet, viele, viele Seelen zu Gott bekehrt, eure Lehre mit eurer Marter bekräftigt, und die heil. Kirche durch die Heiligkeit eures Lebens und euer vergossenes Blut gegründet habt. O du wahrer Statthalter Christi, h. Apostel Petrus, dir hat Christus selbst die Schlüssel des Himmels überantwortet, dir hat er Gewalt gegeben, zu lösen und zu binden, und dir die Schäflein zu weiden anvertraut! Siehe, ich bin dein armes Schäflein, und du mein treuer Hirt. So trage denn Sorge über mich und bewahre mich vor dem Rachen des höllischen Wolfs. Ich liege verstrickt in den Banden böser Gewohnheiten, und gebunden mit den starken Ketten der Sünde; weil dir aber vollkommene Gewalt gegeben ist zu lösen, so löse mich von den festen Banden und setze mich in die Freiheit der Kinder Gottes. Weil dir die Schlüssel des Himmels anvertraut sind, ach! so eröffne mir die himmlische Pforte und lasse meine Seele nach meinem Tode ohne Hinderniß hineingehen. Ich erinnere dich deiner bittern Marter, als du in deinem hohen Alter mit Händen und Füßen an ein Kreuz genagelt wurdest mit dem Haupte nach unten, und auf diese Weise in 555 Das zehnte Gärtlein. unglaublicher Bein dein h. Leben endigen mußtest. Durch diese deine schmerzlichste Kreuzmarter bitte ich), erwirb mir Geduld und Standhaftigkeit in allem meinem Kreuz, vornehmlich aber stehe mir bei in meiner letzten bittersten Noth, damit ich alsdann im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe standhaft bleibe, und durch deine Fürbitte die Seligkeit erlange. Oh. Apostel Paulus, an diesem deinen Ehrentage grüße ich dich ganz besonders, und es freuet mich, daß du an diesem Tage zu der dir bereiteten Glorie aufgefahren bist. Gleichwie du in deinem Leben ein treuer Mithelfer des h. Petrus gewesen, also biſt du auch heute sein Genosse in der Marter geworden und zugleich mit ihm in die Seligkeit gefahren. Mit höchster Standhaftigkeit hast du dem Henker deine Haupt dargeboten voll Freude, für den dein Leben hingeben zu können, der das seinige für dich und uns zuerst dahingegeben, und den durch die Vergießung deines Blutes im Tode noch zu verherrlichen, dessen Namen du im Leben durch den unaufhaltsamen Strom deiner Rede zu allen Völkern rühmend getragen hast. Durch deine herrliche Marter und reichen Berdienste bitte ich, erwirb mir Verzeihung meiner Sünden und eine glühende Liebe zu Jesus, und wenn ich endlich sterbe, so stehe mir bei, und erwirb mir, daß ich mit wahrer Andacht noch einmal den süßen Namen Jesus ausspreche. Amen. 556 Ablak- Gebet zu Ehren der h. Apostel Petrus u. Paulus. Oh. Apostel Petrus und Paulus, ich N. N. erwähle euch heute und für immer zu meinen besondern Am Feste Petrus und Paulus. 557 Schutzpatronen und Fürsprechern. Ich freue mich in Demuth des Herzens sowohl um Deinetwillen, h. Petrus, daß du jener Fels bist, auf den Gott seine Kirche erbauet hat, als auch um Deinetwillen, H. Paulus, daß du von Gott erforen wurdest als ein Gefäß der Auserwählung und als Prediger der Wahrheit in der ganzen Welt. Ich bitte euch, erlanget mir einen lebendigen Glauben, eine unerschütterliche Hoffnung, ein vollkommene Liebe und eine gänzliche Loßreißung von mir selbst, Verachtung der Welt, Geduld im Unglücke und Demuth im Glücke, Sammlung des Geistes beim Gebete, Reinheit des Herzens, geraden Sinn beim Handeln, Emsigkeit in der Erfüllung meiner Berufspflichten, Ausdauer in meinen Vorsätzen, Ergebung in den göttlichen Willen und Beharrlichkeit in der Gnade Gottes bis in den Tod; damit ich durch eure Fürbitte und eure glorreichen Verdienste alle Versuchungen der Welt, des Satans und des Fleisches siegreich überwinde und würdig befunden werde, zu erscheinen vor dem höchsten und ewigen Seelenhirten Jesus Christus, um ihn in ewiger Freude und Liebe zu genießen, der da lebt und regiert mit dem Vater und dem h. Geiste in alle Ewigkeit! Amen. Vater unser. Gegrüßet seist du. Ehre sei. ( 100 Tage Ablaß, wer es wenigstens einmal des Tages reumüthig betet. Einen vollkommenen Ablaß am Feste Peter und Paul, oder an einem der neun Tage vorher oder acht Tage nachher, wer an demselben beichtet, communicirt und andächtig eine Kirche oder einen Altar besucht welche diesen h. Apostel gewidmet sind, und dort dieses Gebet verrichtet, und für die h. Kirche betet.) 558 Das zehnte Gärtlein. Am Feste des h. Liborius, Patrons der Diöcese Paderborn.( 23. Juli.) Du großer Hirt und Gottesmann Liborius, halt für uns an, Damit nicht Gries und Nierenstein Die Strafe uns'rer Sünde sein! Heiliger Bischof und Bekenner Liborius, sei mir Heute besonders gegrüßt! An diesem deinem Ehrentage ehrt dich die ganze Christenheit, und preiset dich insbesondere das Bisthum Paderborn. Viele, viele deiner frommen Verehrer eilen herbei, um deine heil. Reliquien zu sehen, zu küssen und zu verehren. O wie freut es mich, daß man deinen H. Reliquien solche Ehre anthut und sich dadurch gegen Gott und gegen dich so dankbar beweist! Durch sie ist ja der Stadt und dem Lande Paderborn der allerkostbarste Schatz, den es auf Erden gibt, der kathol. Glaube, gebracht, vermehrt und erhalten worden. O wohl ein großes Wunder Gottes! Durch deine h. Reliquien bist du, h. Liborius, unserm Lande ein größerer Apostel und Prediger des Evangeliums geworden, als du bei Lebzeiten im eignen Lande gewesen bist! Ach! sei uns noch ferner ein Lehrer und Mehrer des Glaubens, und erwirke uns bei Gott, daß, so lange wir deine h. Reliquien andächtig verehren, der göttliche Glaube in uns nicht abnehme, sondern vielmehr in feuriger Liebe stets fortlebe und in gottseligen Werken sich thätig erweise. Ach, hilf uns auch den Stein der Sünden von unsern Herzen wälzen, damit wir gewürdigt werden, durch deine Fürbitte von den Strafen der Sünde, besonders von den Steinschmerzen und vom ewigen Feuer befreiet zu werden. Amen. Am Feste des h. Ludgerus. Am Feste des h. Ludgerus. ( Den 29. März.) 559 ( In der münsterschen Diöcese wird es gefeiert am Mittwoch nach dem dritten Sonntag nach Ostern.) Oh. Ludgerus, Bischof und Apostel von Friesland und Münsterland, sei mir am heutigen Tage besonders gegrüßt! Die Stadt Münster vor Allem und das ganze Land umher wetteifert, dir heute besondere Ehre zu erweisen, und freuet sich und preiset Gott, daß er gerade dich zu ihrem Apostel und ersten Bischofe erwählt, und mit vielen Gnaden und Talenten dazu ausgerüstet hat. Wie klug und mäßig, wie eifrig und unablässig im Gebete und wie unermüdet in Verkündigung des göttlichen Wortes warest du, und dabei so demüthig, so sanftmüthig und heiter, daß, wie deine Lebensgeschichte rühmt, deine Gegenwart Alle mit Freude und Lieblichkeit erfüllte! So bist du denn, h. Ludgerus, ein treues Abbild der wahren christlichen Tugenden. Ach! bitte doch für mich zu Gott, daß er mir doch die Gnade schenken wolle, einmal ernstlich anzufangen, das Evangelium seines geliebten Sohnes, das ich so oft höre, in meinem Wandel auszuüben. Bewirke, daß ich strenge gegen mich selbst, milde, gütig, sanftmüthig und freundlich gegen Andere das Gesetz der Liebe erfülle, damit ich doch auch ein treues Bild werde von unserm Herrn Jesus, das Wohlgefallen des himmlischen Vaters erwerbe und den innerlichen Frieden finde, den der Herr den Sanftmüthigen und Demüthigen verheißen hat, sprechend: Nehmet mein Joch auf euch und lernet von mir, denn ich bin sanftmüthig und 560 Das zehnte Gärtlein. demüthig von Herzen, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Ach! heiliger Ludgerus, der du nun im Himmel den ewigen Frieden genießest, bitte doch, daß auch ich diese kostbare Frucht der Nachfolge Jesu Christi im Leben erwerbe, im Tode bewahre und in der Ewigkeit genieße durch denselben Jesus Christus unsern Herrn, welcher mit Gott dem Vater lebt und regiert in Einigkeit des heil. Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Am Feste des Kirchenpatrons. ( Ist eine Heilige Patronin der Kirche, so ändert man im folgenden Gebete die betreffenden Worte.) Heil. N. N., Patron dieser Kirche, und besonderer Fürbitter für Alle, welche zu dieser Kirche gehören, sei heute insbesondere geneigt, unsere Bitten zu hören und unsere Anliegen Gott vorzutragen. Wir sind ja hier, um dir besondere Ehre und besondern Dank zu erstatten für Alles, was du uns an Leib und Seele durch deine Fürbitte von Gott erworben hast. Wir freuen uns über deine Glorie im Himmel und über alle Ehre, welche dir hier und sonst in der Kirche Gottes auf Erden erwiesen wird. Ach! vergiß uns in deiner Herrlichkeit nicht, die wir noch fern davon sind im Lande der Verbannung! Gedenke, wie schwer es dem armen Menschen wird, sich in der Gnade Gottes zu erhalten, und wie er streiten und kämpfen muß gegen Fleisch und Blut und die vielen andern Feinde seiner Seele. Du weißt ja, wie einem Erdenpilger zu Muthe ist, der weder rechts noch links vom schmalen und steilen Wege, der zur Stadt Gottes führt, abweichen will. Darum vertrauen wir auch, Am hohen Feste aller Heiligen. 561 daß du uns, so viel du vermagst, beistehen und von Gott die Gnade eines bußfertigen Lebens und der endlichen Beharrlichkeit erlangen werdest! Ach, daß wir doch im katholischen Glauben leben und sterben, und mit dir und allen Heiligen im Himmel Gottes Barmherzigkeit ewiglich preisen möchten. Amen. Am Kirchweihfeste. ( Kirchengebet.) O Gott! der du uns den Tag der Einweihung dieses h. Tempels jährlich von Neuem begehen läßt, und uns daselbst durch die h. Geheimnisse beständig begnadigst: erhöre das Gebet deines Volkes, und verleihe, daß Alle, welche in diesen Tempel treten und dich um Gnade bitten, der Erlangung derselben sich erfreuen mögen. Durch unsern Herrn Jesum Christum, welcher mit dir lebt und regiert in Einigkeit des H. Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Am hohen Feste aller Heiligen. ( Den 1. November.) Am heutigen hohen Feste erhebe ich mein Gemüth zu euch im Himmel, ihr auserwählten Freunde Gottes, und sende euch einen freundlichen Gruß aus dem Innersten meines Herzens. Ich empfinde heute eine besondere Freude in meiner Seele und eine inbrünstige Begierde in meinem Herzen, euch insgesammt zu ehren und in euerer unendlichen Seligkeit Glück zu wünschen. Erfreuet euch und frohlocket in dem Herrn, ihr gebenedeiten lieben Heiligen, und preiset ſeine unendliche Güte ohne Unterlaß, daß er euch aus aller Gefahr Myrrhengarten III. 36 562 Das zehnte Gärtlein. dieser Welt so glücklich errettet und mit der ewigen Seligkeit so gütig begnadet hat. Nun seid ihr in alle Ewigkeit selig und habt euch vor feinem Uebel mehr zu fürchten. Nun genießet ihr alle Freuden im höchsten Ueberfluß, und habt Alles, was eure Seele und euer Herz begehrt. Für euch ist num der ewige Festtag angebrochen, der euch mit jenen himmlischen Freuden erfüllet, welche kein Auge gesehen, kein Ohr gehört und keines Menschenherz empfunden hat. Ueber diese eure Glückseligkeit freue ich mich von Herzen, und gönne sie euch eben sowohl, als wenn sie mir selbst widerfahren wäre. Ja, ich danke dem lieben Gott wegen der euch ertheilten Gutthaten eben so herzlich, als wenn er mir armen Erdwürmlein dieselben erzeigt hätte. Dies kommt her aus der großen Liebe, die ich zu euch trage, und aus der wahren Verwandtschaft, so zwischen euch und mir ist, weil ich euch für meine liebsten Brüder und Schwestern in Christo halte und erkenne. Hingegen weiß ich auch, daß ihr mich wahrhaft in Christo liebet, und mich eurer Glückseligkeit theilhaftig zu machen herzlich verlanget. Meine herzliebsten Brüder und Schwestern in Christo, lasset uns denn heute ein neues Band der Liebe mit einander flechten und uns einander so fest verknüpfen, daß keine Gewalt des Satans uns soll trennen können. Ich will all mein Leben euch lieben, ehren und anrufen, und ihr sollet alle Tage mich Gott befehlen und für mein Heil besorgt sein. Ja, ihr sollt nicht nachlassen, bei ihm zu bitten, bis euch Gott erhört, und mich um euretwillen aus Gnaden selig macht. Am heutigen Tage schwinge ich mich im Am Allerseelen Tage. 563 Geiste in den Himmel hinauf, falle vor euch in Demuth meines Herzens nieder, küsse euch allen und jedem mit großer Ehrerbietung die h. Füße, und mit gefaltenen Händen und weinenden Augen spreche ich zu euch allen insgesammt und zu einem jeden insbesondere: ihr h. Patriarchen, bittet für mich! O ihr heil. Märtyrer, bittet für mich! O ihr h. Beichtiger, bittet für mich! O ihr h. Jungfrauen, bittet für mich! O ihr h. Eheleute, bittet für mich! Ach, sehet doch an, wie demüthig ich zu euren Füßen kniee, wie andächtig ich zu euch meine Hände erhebe, wie herzlich ich zu euch seufze, wie beweglich ich eure Hülfe anrufe, und wie treulich ich mich in euren Schutz befehle! Wie könntet ihr denn meine Gebete verwerfen und mich ungetröstet von euch scheiden lassen! Besonders am heutigen freudenreichen Tage, da wir auf Erden euren Festtag mit höchster Andacht begehen und zu eurer größern Ehre diese Festlichkeit halten. O ihr lieben Heiligen Gottes, ehe ich von eurem h. Angesicht scheide, gebt mir zuvor euren h. Segen und bekräftigt mich in der göttlichen Gnade. Bittet auch zu Gott, daß ich bald zu euch komme und mich mit euch ewiglich freue. Amen. ( Hier bete die Litanei zu allen Heiligen Seite 149.) Am Allerseelen- Tage. ( Den 2. November.) ihr gebenedeiten Seelen der Auserwählten Gottes, die ihr in jener Welt jetzt noch in der Qual schwebet, nach eurer Erlösung aber große Heilige im Himmel sein werdet, ich grüße euch durch den Mund eurer lieben Schutzengel, und verkündige euch am 36* 564 Das zehnte Gärtlein. heutigen Tage eine große Freude, weil wir auf Erden euch zum Heile einen Festtag halten, und zu eurer Erlösung viele h. Messen und Gebete, Kerzen und Weihrauch Gott aufopfern! Es bitten auch alle frommen Christgläubigen heute treulich für euch und befleißigen sich mit allem Ernste, euch aus der Qual zu erlösen. Unter diesen will ich nicht der Geringste sein, will vielmehr aus allen Kräften meiner Seele bei Gott und allen Heiligen anhalten, daß ihr der Qual entlassen werdet. Denn ich liebe euch als Freunde Gottes und als meine lieben Brüder und Schwestern in Christo, und trage herzliches Mitleid mit euch, weil ich weiß, daß ihr unerträgliche Marter und Bein ausstehen müsset. Darum will ich mich vor den Thron Gottes verfügen und nicht nachlassen zu bitten, bis er mich erhöret und euch aus der Qual erlöset. O allerheiligste Dreifaltigkeit, ich dein unwürdiger Diener komme heute vor dein göttliches Angesicht, falle demüthig nieder vor deiner höchsten Majestät und habe eine große Bitte vorzubringen, welche du mir nicht versagen wollest. Ich habe großes Vertrauen, was ich begehre, zu erhalten, weil ich weiß, daß dies mein Begehren dir angenehm sein wird, und dich mehr als mich selbst angehet. Ich zwar, als ein großer Sünder, bin nicht würdig, erhört zu werden; diejenigen aber, für welche ich bitte, sind des Erhörens und deiner Erbarmung wohl würdig. Siehe, in dem brennenden Kerter des Fegfeuers liegen viele hunderttausend Seelen gefangen, und leiden solch grausame Pein, über welche sich auch ein Stein erbarmen sollte. Sie leiden unerträglichen Hunger, Durst, Hige, Kälte Am Allerseelen- Tage. 565 und alle erdenkliche Marter. Sie rufen so klagend zu dir und allen Heiligen. Ach, gütigster Gott, erbarme dich doch ihrer. Sie sind ja deine lieben auserwählten Freunde, welche in deiner Gnade gestorbent sind und von dir geliebt werden. Erlöse sie aus ihrer schweren Pein, errette sie aus dem finstern, feurigen Kerker, und führe sie in's himmlische Paradies. Dies bitte ich nicht in meinem Namen, sondern im Namen unsers Herrn Jesu Christi, und im Namen der allerseligsten Jungfrau Maria und aller lieben Engel und Heiligen; wie auch im Namen aller frommen Christgläubigen und der ganzen katholischen Kirche. Zur Genugthuung ihrer Strafen opfere ich dir das bittere Leiden und Sterben, wie auch das rosenfarbene Blut und die vollkommene Genugthuung unsers Herrn Jesu Christi, welches alles unendlichmal mehr werth ist, als dasjenige, was die armen Seelen schuldig sind. Ich opfere dir auch die reichen Verdienste der Mutter Gottes und aller Heiligen, sammt dem ganzen Schatze der h. katholischen Kirche, alle h. Messen, welche heute gelesen, alle Gebete, welche heute verrichtet, alle Almosen, welche heute gegeben, alle Kerzen, welche heute verbrannt, allen Weihrauch, welcher heute angezündet, alle Thränen, welche heute vergossen, und alle Seufzer, welche heute zum Himmel geschickt werden. Dies Alles nimm doch in Gnaden auf, o allerheiligſte Dreifaltigkeit, und um dieses werthvollen Opfers willen erlöse die armen Gefangenen aus ihrem feurigen Kerker. Ach, erhöre doch meine Bitte an diesent betrübten Tage, und lasse die armen Seelen empfinden, daß ich heute so treulich für sie gebetet habe. 566 Das zehnte Gärtlein. Insbesondere laffe dies mein Gebet den Seelen meiner lieben Eltern, Brüder, Schwestern, Blutsverwandten, Freunde, Beichtväter und aller Bekannten zu gut kommen, damit sie erkennen, daß ich ihrer noch nicht vergessen habe, sondern in meiner Andacht fleißig eingedenk sei. Amen. ( Bei der h. Messe kannst du dich der Seelenmesse bedienen im letzten Gärtlein.) Besondere Andachten. Tägliche Gebete zu Maria. Erwählung Mariä zur Mutter und Patronin. Glorwürdigste Jungfrau Maria, du wahre Mutter des Sohnes Gottes, und von Gott verordnete Fürbitterin für das menschliche Geschlecht, weil deine Fürbitte am allermächtigsten ist, so erwähle ich dich heute zu meiner Herzliebsten Mutter, treuesten Mittlerin und Patronin bei Gott in meinem Leben und Sterben und nach meinem Tode im Fegfeuer. Ich dagegen übergebe mich dir zu deinem Kinde und zu deinem treuen Diener, und verspreche dir, daß ich allzeit ein kindliches Herz zu dir tragen und dich fleißig verehren, und deine Ehre nach Möglichkeit befördern wolle. Nimm du mich auch zu deinem wahren Kinde an, und was eine treue Mutter an ihrem licben Kinde thut, das thue auch an mir, deinem armen Kinde. Du wollest auch meine treuherzige Mittlerin und beste Patronin bei Gott fein, und allen möglichen Fleiß anwenden, damit ich nicht ewig verloren gehe. Amen. Herzlicher Gruß zu Maria. Ich grüße dich ganz herzlich, meine liebe Mutter Maria, meine auserwählte Mittlerin und treuherzige Fürsprecherin bei deinem Sohne! An dein mütterliches Herz spreche ich in findlicher Liebe diesen Gruß und wünsche durch denselben dein treues Herz so sehr zu erfreuen, als der Engel Gabriel Vertrauen zu Maria. 567 mit seinem himmlischen Gruße dasselbe erfreut hat. Ja, ich begehre mit solcher Ehrfurcht und Liebe dich zu grüßen, mit der dein liebster Sohn dich grüßte, als er dir am heil. Ostertage ganz glorreich erschien und dein betrübtes Herz mit unaussprechlicher Freude und unergründlicher Liebe erfüllte. Ich grüße dich im Namen und mit dem Effekt aller deiner treuen Diener und Dienerinnen; ach! möchte ich doch mit diesem herzlichen Gruße dir solche Ehre erweisen, als dieselben dir durch ihre freundlichen Grüße auf Erden je erwiesen haben. Ich grüße und ehre dich, meine liebste Mutter! im Namen Aller, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, insbesondere grüße und ehre ich dich anstatt derjenigen, welche dich verunehren und dich sogar boshaft lästern. Ach! tausendmal mehr Ehre und Liebe begehre ich dir durch dies Grußgebetlein zu erweisen, als dir von den Ungläubigen, Ketzern und bösen Christen Unehre und Schmach ist zugefügt worden. Laß dir denn diesen wohlgemeinten Gruß gefallen, und wie ich, als dein Kind, dich als meine liebste Mutter mit meinen Begrüßungen zu erfreuen und deine himmlischen Freuden zu vermehren suche, so wollest du mich in all meiner Betrübniß trösten und besonders in meinem letzten und größten Herzenleide mit deiner lieblichen Gegenwart erfreuen. Vergiß nicht, liebste Mutter Maria! sondern gedenke alsdann, wie treuherzig ich, dein armes Kind, am heutigen Tage dich angerufen habe. Amen. Vertrauen zu Maria. In sicherer Hoffnung und mit großem Vertrauen will ich zu dir gehen, o Jungfrau aller Jungfrauen! und will dir mit kindlicher Vertraulichkeit mein inneres und äußeres Leid klagen. Wegen der Menge meiner Sünden bin ich freilich nicht würdig, erhört zu werden, gleichwohl weiß ich, daß du gerade um des Heils der Sünder willen eine Mutter Gottes, und durch die Frucht deines Leibes eine Mutter der Barmherzigkeit geworden bist. Deine unaussprechliche Milde ziehet mich an und nöthigt mich, auf dich ein wahres Vertrauen zu setzen und an der Hülfe deiner mütterlichen Güte nicht im mindesten zu zweifeln. Ja, wegen der großen 568 Das zehnte Gärtlein. Güte, die du gerade den Sündern erzeigst, komme ich demüthig zu dir, und bitte dich vor Allem, daß du mir bei deinem Sohne Verzeihung meiner Sünden und eine wahre und aufrichtige Besserung meines Lebens erlangest. Außerdem bitte ich auch, du wollest vor den Thron der allerheiligsten Dreifaltigkeit die Bedrängniß meiner Seele bringen, und durch deine vielgeltende Fürbitte mir die Minderung derselben erbitten. gebenedeite Jungfrau und barmherzige Mutter! ich habe ein großes Vertrauen zu dir, so daß ich voll Zuversicht bin, du werdest ein so armes Kind, als ich bin, nicht mit leerer Hand von dir entlassen, sondern mich mit der Gewährung meiner Bitte beschenken. Denn du öffnest ja den Schooß deiner Barmherzigkeit einem Jeden, um denen, die es bedürfen, Gutthaten zu erweisen. Du hast keinen Abscheu vor unserer Armseligkeit, du schauderst vor den Sündern nicht und empfindest teinen Ueberdruß an denen, die dich überlaufen, sondern erzeigst dich in Allem und Jedem ganz milde und gütig, und nimmst dich Aller an, mehr als eine Mutter sich ihres Kindes annimmt. Deshalb fürchte ich nicht, daß deine Ohren sich meinem Gebete verschließen, noch deine milden Augen sich von meiner Armseligkeit abwenden. Es sei fern von dir, daß der Brunn der Barmherzigkeit, der alle Bittenden erquickt, gerade bei mir sich erschöpfen, und der Quell der Gnaden, der so rei hlich allen durstenden Seelen spendet, gerade bei mir rertrocknen sollte. Wahrlich, liebreiche Mutter! du bist eine Zuflucht denen, die in Angst und Noth sind, und eine sichere Hülfe denen, die dich mit Vertrauen anrufen; darum vertraue ich denn fest auf deine kräftige Fürbitte, und verlasse mich voll Zuversicht darauf, du werdest mir bei Gott Gnade erbitten, daß ich doch nicht ewig verloren gehe. Amen. Liebe zu Maria. wie schön und lieblich bist du, o Maria! Wie groß ist deine Glorie im himmlischen Vaterlande! Deine Klarheit erleuchtet das ganze himmlische Paradies, und im Anschauen deiner unvergleichlichen Schönheit erfreuet sich das ganze himmlische Heer, und alle Engel und Heiligen lieben Bund mit Maria. 569 dich; ja, Gott selbst liebt dich über alle Creaturen, sollte ich dich denn nicht lieben? Oliebreichste Jungfrau, ich liebe dich! Ich liebe dich, Maria! weil du so schön, so keusch, so jungfräulich bist! Ich liebe dich, Maria! weil du eine so treue Mutter bist! Ich liebe dich, Maria! weil du eine so glorwürdige Königin bist! Ich liebe dich von Grund meines Herzens; und weil ich dich nicht genug lieben kann, darum bitte ich alle Heiligen und Engel, sie wollen dich für mich lieben, und bitte auch deinen Sohn, er wolle dir jetzt statt meiner eine herzliche Liebe erweisen und auch meinem Herzen eine große und treue Liebe zu dir einflößen. Amen. Bund mit Maria. Gnadenreiche Jungfrau und hochwürdige Mutter Gottes Maria! wiewohl ich wegen meines sündigen Lebens nicht würdig bin, dein Kind zu sein, so bist du dennoch wegen deiner Liebe und Treue wohl würdig, meine Mutter zu sein. Aus Liebe zu dir erneuere ich darum das Band der Liebe mit dir, und erwähle dich heute wiederum zu meiner liebsten Mutter, in solcher Weise und Herzlichkeit, als es nur immer von einer von Liebe brennenden Seele geschehen ist und geschehen kann, so verschließe ich mich in dein mütterliches Herz; ja, ich verschreibe mich dir mit Leib und Seele zu eigen, und gleichwie die h. Franziska von Chantal den Namen deines geliebten Sohnes, um sich ihm unwiderruflich zu weihen, mit einem glühenden Eisen auf ihre Brust gebrannt hat; so will auch ich deinen Namen neben dem Namen deines Sohnes, unsers Herrn, meinem Herzen wenigstens so tief einprägen, daß ich denselben, als den Namen meiner Mutter und Herrin, nimmer vergessen werde. Nimm, o Maria! diesen Bund an und schreibe auch du deinen Namen in mein Herz und meinen Namen in dein Herz, damit wir ewig als Mutter und Kind in treuer Liebe verbleiben, und ich einstens in deinem Schooße, gleichwie ein liebes Kind in seiner Mutter Schooße, meinen Geist aufgebe. Amen. Gebete zu Maria um ein seliges Ende. I. O Mutter der Barmherzigkeit, mildreichste Jungfrau Maria! du weißt, daß ich mein Leben hindurch eine große 570 Das zehnte Gärtlein. Liebe zu dir getragen und nächst Gott mein ganzes Vertrauen auf dich gesetzt habe. Wie einem Kinde angeboren ist, in allen seinen Nöthen sogleich zu seiner Mutter zu eilen, so ist es auch mir gleichsam angeboren, in all meinen Nöthen zu dir eilen und mich in deinem Schooße vor dem gerechten Borne Gottes zu verbergen. Keine größere Noth aber stehet mir bevor, als die an meinem letzten Ende mich überfällen wird. Ach! die Todesnoth ist so groß und schrecklich, daß alle mein Kräfte nicht hinreichen werden, um ihr zu widerstehen. Deswegen komme ich jetzt, da ich noch bei Kräften bin, ihr zuvor und eile zu dir und befehle mich setzt schon in deinen mütterlichen Schutz. Beschütze mich, o Maria! jetzt und an meinem letzten Ende, und verbirg mich unter dem Mantel deiner Barmherzigkeit vor dem Angesichte des erzürnten Richters. Bedecke auch meine Augen, daß sie die scheußlichen Gestalten der bösen Geister und ihre Schreckbilder, die sie denselben etwa vorgaukeln möchten, nicht sehen, und beschütze mich vor ihrem giftigen Hasse, damit sie mir nicht zu schaden vermögen. Sei mir alsdann gegenwärtig und verscheuche mit deiner freundlichen Gegenwart alle meine Feinde und bringe Trost in mein beängstigtes Herz. Flößze ihm ein großes Vertrauen zu dir ein und sprich gleichsam im Grunde desselben diese tröstlichen Worte: Siehe, ich bin bei dir, ich, die Mutter der Barmherzigkeit, welche du allezeit geliebt und auf welche du so stark vertraut hast. Fürchte dich nicht, ich will für dich sprechen und dein Schutz sein! Ach! liebe Mutter, wenn du mir doch diese große Güte und Freundlichkeit erzeigtest, in alle Ewigkeit wollte ich dich dafür loben und vor allen Heiligen deine unerschöpfliche Güte und Barmherzigkeit preisen. Amen. II. Eja, du Mutter der Barmherzigkeit, behüte mich mütterlich im Leben, und stehe mir kräftig bei in meinem angstvollen Sterben! O du zarte und edle Jungfrau, heute rufe ich zu dir und bitte dich demüthig, du wollest in jener schrecklichen Stunde, worin Leib und Seele bis zu ihren innersten Tiefen erschrecken, weil es zum bittern Scheiden gekommen ist, dich mütterlich zu mir wenden und mich in deinen mächtigen Schutz aufnehmen. In jener bittern 571 Zu Maria wider die Anfechtungen im Tode. Stunde werde ich nicht wissen, zu wem ich armer Sünder fliehen, und wo ich Hülfe und Trost finden soll. Darum, du Mutter der Barmherzigkeit, bitte ich dich, zu deinen Füßen liegend, mit vielen Seufzern meines Herzens, du wollest in der Stunde meines Todes mir Gnade erwerben. Gedenke alsdann an dies mein Gebet, welches ich jetzt vor dich bringe mit dem heftigen Wunsche meines Herzens, daß ich alsdann deiner trostreichen Hülfe würdig sein möchte. O du gütige Trösterin, beschirme mich vor dem bösen Feinde! Nimm alsdann mein Seufzer auf und versüßze meine bittere Noth! Biete mir alsdann deine milde Hand und empfange meine Seele in deine mütterlichen Arme! Begleite mich vor den strengen Richterstuhl deines Sohnes und erwirb mir von ihm ein gnädiges Urtheil. Amen. Fünf Gebete Maria wider die Anfechtungen im Tode. ( Monatlich zu sprechen.) I. Gütigste und würdigste Mutter Gottes Maria! sei eingedent der großen Liebe und überreichen Gnade, mit der du den Sohn Gottes empfangen hast. Ich bitte dich von Grund meines Herzens, du wollest mir an meinem letzten Ende, wenn der böse Feind mir vorwerfen wird, ich habe nichts Gutes gethan, die Verdienste deines lieben Sohnes zueignen und durch den Ueberfluß deiner guten Werke den Mangel meiner guten Werke ersetzen. Amen. II. Gebenedeite Jungfrau Maria, edelstes aller Geschöpfe! Da du so standhaft im Glauben gewesen bist, stärke mich in meinem letzten Ende, damit ich nicht etwa im Glauben irre, oder an einem Artikel des wahren Glaubens zweifle. Darum bekenne ich jetzt mit voller Ueberlegung, daß ich glaube an die allerheiligste Dreifaltigkeit und an Alles, was die katholische Kirche zu glauben vorstellt. In diesem Glauben begehre ich zu leben und zu sterben, ohne auch nur ein Haar breit davon zu weichen. Amen. III. O du hochgelobte Mutter Gottes Maria! ich bitte dich durch das herzliche Mitleid, so du mit deinem gefreuzigsten Sohne hattest, und durch das inbrünstige Gebet, welches er für seine Feinde sprach: Bater, verzeihe ihnen, 572 Das zehnte Gärtlein. denn sie wissen nicht, was sie thun; du wollest, wenn der böse Feind an meinem letzten Ende mir vorwerfen wird, ich habe noch nie eine wahre Erkenntniß und noch nie eine rechte Reue über meine Sünden gehabt, alsdann mir die Augen meines Geistes öffnen und mir eine helle Erkenntniß meiner Sünden erlangen, dann aber auch eine so bittere Reue über dieselben meinem Herzen eingießen, daß ich doch als ein wahrhaft reumüthiger Büßer von dieser Welt scheide. Am. IV. Hochgebenedeite jungfräuliche Mutter Maria! sei eingedent des äußerst großen Mittleids, welches du mit der Verlassenheit deines Sohnes hattest, als du ihn die klagenden Worte sprechen hörtest: Mein Gott! wie hast du mich verlassen! Durch dieses Mitleid bitte ich dich, du wollest, wenn der böse Feind in meinem Sterben mir vorwerfen wird, Gott habe mich wegen meiner Sünden gänzlich verlassen und ohne Gnade verstoßen, alsdann mich in fester Hoffnung erhalten, damit ich doch nicht in Kleinmüthigkeit falle und verzage. Amen. V. Glorwürdige Königin des Himmels! ich erinnere dich der unaussprechlichen Freuden, die du empfingest, als der Engel dir verkündigte, du sollest nun aus diesem Jammerthale scheiden und zum himmlischen Paradiese auffahren, wo dein liebster Sohn und das ganze himmlische Heer deiner entgegen harre. Durch diese Freuden bitte ich dich, du wollest mir die Gnade erwerben, daß ich getröstet von dieser Welt scheide, und getrost vor dem strengen Richter erscheine. Wenn mich dann in meiner Sterbestunde Angst überfällt, weil ich nicht wissen kann, ob ich zur Zahl der Auserwählten oder der Verdammten gehöre, o so tröste mich, du Trösterin der Betrübten, und erhalte mir durch deine Fürbitte den Urtheilsspruch der ewigen Seligkeit. Amen. Gebet zum h. Namen Mariä. ( Besonders in Traurigkeit und Betrübniß des Herzens zu sprechen.) mildeste Jungfrau Maria! ich armer Sünder rufe dich von Grund meines Herzens an, und bitte dich durch die Kraft deines h. Namens, du wollest mir Barmherzigkeit erlangen. O Name Mariä, du süßer Name, du tröstlicher Zum H. Namen Mariä. 573 Name, du lieblicher Name! Denn was ist Maria anders als eine Zuflucht der Sünder und eine Trösterin der Betrübten? Deswegen, o Maria, um deines Namens willen sei meine Zuflucht und meine Trösterin in allen Leiden. Ach! laß mich nicht verloren gehen, weil mich dein Sohn so theuer erkauft hat. O Name Mariä, du Freude der Engel! Name Mariä, du Trost der Frommen! O Name Mariä, du Hoffnung der Sünder! Dich liebe ich, dich lobe ich, dich ehre ich, dich will ich tragen in meinem Herzen, dich will ich führen in meinem Munde. Durch dich hoffe ich Gnade zu erlangen und in allen meinen Nöthen getröstet zu werden. O süßer Name! wenn ich dich höre, so freuet sich mein Herz; wenn ich dich nenne, werde ich mit Wonne erfüllt! Der liebe Gott hat dir solche Kraft gegeben, daß Alle, so dich mit Andacht anrufen, Stärke und Trost er= fahren. O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria! sei mein Trost in Betrübnissen und meine Hülfe in allen meinen Nöthen, besonders in meiner letzten Noth, wenn ich vom bösen Feinde angefochten und geängstiget werde. Alsdann komme mir zu Hülfe und durch die Kraft deines h. Namens treibe den Feind weit von mir. Und sollte ich alsdann vielleicht deinen Namen nicht anrufen können, so rufe ich ihn jetzt für nun und dann an und spreche von Grund meines Herzens: h. Maria, h. Maria, h. Maria! stehe mir bei und verlaß mich nicht in meiner letzten Noth, bitte für mich jetzt und in der Stunde meines Todes. Am. Sancta Maria, succurre miseris! Heilige Maria! stehe den Elenden bei; schirme die Kleinmüthigen; erquicke die Weinenden; bitte für das Volk; bete für die Geistlichkeit; flehe für das andächtige Frauengeschlecht, und laß Alle deine Hülfe erfahren, die dein heil. Andenken verehren! V Bitte für uns, o h. Gottesgebärerin! R, Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Gebet. Wir bitten dich, o Herr! laß uns, deine Diener, einer beständigen Gesundheit an Leib und Seele uns erfreuen, 574 Das zehnte Gärtlein. und auf die glorwürdige Fürbitte der allerfeligsten Jungfrau Maria von der gegenwärtigen Trauer befreit werden und der ewigen Freude genießen, durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Sub tuum praesidium. Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heil. Gottesgebärerin, verschmähe nicht unser Gebet in unsern Nöthen, sondern erlöse uns jederzeit von aller Gefährlichkeit, o du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau, unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin; versöhne uns mit deinem Sohne, empfiehl uns deinem Sohne, stelle uns deinem Sohne vor! V Bitte für uns, o h. Gottesgebärerin! R Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Gebet. Wir bitten dich, o Herr! du wollest deine Gnade in unsere Herzen eingießen, damit wir, die wir durch die Botschaft des Engels die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt haben, durch sein Kreuz und Leiden zur Herrlichkeit der Auferstehung geführt werden. Durch denselben Christum, unsern Herrn. Amen. Salve Regina. Gegrüßet seist du, o Himmelskönigin! Mutter der Barmherzigkeit, Leben, Süßigkeit und unsere Hoffnung, sei gegrüßt! Zu dir flehen wir verbannte Kinder Eva's. Zu dir seufzen wir klagend und weinend in diesem Thränenthale. Eja, also, unsere Fürsprecherin, wende deine erbarmungsvollen Augen hin auf uns, und zeige uns nach diesem elenden Leben Jesum, die gebenedeite Frucht deines Leibes. O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria! V Bitte für uns, o h. Gottesgebärerin! R Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Chrifti. Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott! der du den Leib und die Seele der glorwürdigen Mutter und Jungfrau Maria durch die Mitwirkung des h. Geistes zu einer würdigen Wohnung Das Memorare. 575 deines Sohnes zubereitet hast, verleihe uns, die wir mit Freuden ihre Gedächtnißfeier begehen, daß wir auf ihre milde Fürbitte von den uns drohenden Uebeln und von dem ewigen Tode erlöset werden. Durch denselben Christum unsern Herrn. Amen. Das Memorare. Gedenke, o gütigste Jungfrau Maria, daß es niemals ist gehört worden, daß Jemand, der zu dir seine Zuflucht nahm, deinen Beistand anrief und um deine Fürbitte flehete, von dir sei verlassen worden. Durch solches Vertrauen ermuntert, eile ich zu dir, h. Jungfrau der Jungfrauen, komme ich zu dir, stehe ich vor dir als seufzender Sünder. Mutter des ewigen Wortes! wolle doch nicht meine Worte verschmähen, sondern gnädig höre mich an und erhöre mich. Amen. Gebet um den Schuk Mariä für die Kenschheit. Durch deine h. Jungfrauschaft und deine unbefleckte Empfängniß, o reinste Jungfrau! erhalte mir die Reinigkeit des Leibes und der Seele. Im Namen Gottes † des Vaters und des Sohnes und des h. Geistes. Amen. Gebet zur seligsten Jungfrau Maria in Gefahren oder Versuchungen gegen die Keuschheit. O meine Herrin! o meine Mutter! Ich bringe mich ganz dir dar und um mich dir ergeben zu bezeigen, weihe ich dir heute meine Augen, meine Ohren, meinen Mund, mein Herz, mich selbst ganz und gar. Weil ich nun dein bin, o gute Mutter, so bewahre mich, beschüßze mich als deine Sache und dein Besitzthum. Bei jeder Versuchung die kürzere Anmuthung: O meine Herrin! o meine Mutter! gedenke, daß ich dein bin. Bewahre mich, beschüßze mich als deine Sache und dein Besitzthum. Papst Pius IX. hat laut Decret vom 5. August 1851 allen Christgläubigen beiderlei Geschlechts, welche das vorgenannte Gebet des Morgens und Abends, nachdem sie den Engel des Herrn" mit Andacht und einem wenigstens reumüthigen Herzen gebetet haben, sprechen, einen Ablaß von 100 Tagen einmal im Tage verliehen, denen aber, welche es an allen Tagen des Monats thun, einen vollkommenen Ablaß, 576 Das zehnte Gärtlein. den sie an dem Tage, an welchem sie nach wahrhaft reumüthiger Beicht und Empfang der h. Communion irgend eine Kirche oder einen öffent lichen, zum Gebete bestimmten Ort besucht und dort eine Zeitlang nach dem Sinne Sr Heiligkeit gebetet haben, erlangen können; und so oft fie bei jeder Versuchung nur die oben besagte fürzere Anmuthung gleich. falls mit reumüthigem Herzen und andächtig gebetet haben, einen Ablag von 40 Tagen für ewige Zeiten ertheilt, mit der Follmacht, dieselben Ablässe als Fürbitte für die verstorbenen Christgläubigen zu appliciren. Die lauretanische Litanei. Herr, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Jesu Christe, höre uns! Jesu Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme 2c. Gott heiliger Geist, erbarme 2c. Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme 2c. Heilige Maria, Heilige Maria, ohne Makel der Erbsünde empfangen, Heilige Gottesgebärerin, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Mutter Christi, Mutter der göttlichen Gnade, Du allerreinste Mutter, Du allerkeuschefte Mutter, Christe, erbarme dich unser! Du unversehrte Mutter, Du unbefleckte Mutter, Du liebliche Mutter, Du wunderbare Mutter, Du Mutter unsers Schöpfers, Du Mutter unsers Erlösers, Du allerweiseste Jungfrau, Du ehrwürdige Jungfrau, Du lobwürdige Jungfrau, Du mächtige Jungfrau, Du gütige Jungfrau, Du getreue Jungfrau, Du Spiegel der Gerechtigkeit, Du Sitz der Weisheit, Du Ursache unsers Heils, Du geistliches Gefäß, Bitte für uns! Die lauretanische Litanei. Du ehrwürdiges Gefäß, Du vortreffliches Gefäß der Andacht, Du geistliche Roſe, Du Thurm Davids, Du elfenbeinerner Thurm, Du goldenes Haus, Du Arche des Bundes, Du Pforte des Himmels, Du Morgenstern, Du Heil der Kranken, Du Zuflucht der Sünder, Du Trösterin der Betrübten, Du Helferin der Christen, Du Königin der Engel, Du Königin der Patriarchen, Du Königin der Propheten, Du Königin der Apostel, Du Königin der Märtyrer, Du Königin der Bekenner, Du Königin der Jungfrauen, Du Königin aller Heiligen, Du Königin ohne Erbsünde empfangen, Du Königin des hl. Rosenkranzes, O du Lamm Gottes 2c., verschone uns, o Jesu! O du Lamm Gottes 2c., erhöre 2c. O du Lamm Gottes 2c., erbarme 2c. Jesu Christe, höre uns! Jesu Christe, erhöre uns! Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Bater unser 2c. Gegrüßet seist du zc. 577 37 Bitte für uns! Gebet. Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin, verschmähe nicht unser Gebet in unsern Nöthen, sondern erlöse uns jederzeit von aller Gefährlichteit, o du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau! Unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin, versöhne uns mit deinem Sohne, empfiehl uns deinem Sohne, stelle uns vor deinem Sohne! Myrrhengarten III. 578 Das zehnte Gärtlein. V Bitte für uns, o h. Gottesgebärerin! R Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Wir bitten dich, o Herr, du wollest deine Gnade in unsere Herzen eingießen, damit wir, die wir durch die Botschaft des Engels die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt haben, durch sein Kreuz und Leiden zur Herrlichkeit der Auferstehung geführt werden. Durch denselben Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. W Bitte für uns, o h. Joseph! R Daß wir theilhaftig werden der Verheißungen Christi. Wir bitten dich, o Herr! daß uns durch die Verdienste des Bräutigams deiner seligsten Gebärerin geholfen werde; damit, was unser Vermögen nicht erhalten kann, uns durch seine Fürbitte geschenkt werde. Der du lebst und regierst mit Gott dem Vater in Einigkeit des h. Geistes Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Aufopferung. Nimm auf, o liebe Mutter Gottes, diese h. Litanei, welche ich mit möglichster Andacht dir zu Ehren gebetet habe. Ich opfere dir dieselbe durch das süßeste Herz Jesu Christi, zur Vermehrung deiner Freude und Seligkeit und zur Bezeugung meiner Liebe zu dir. Laß dir dieselbe gefallen, unterlaß nimmer den lieben Gott für mich zu bitten, insbesondere in meiner letzten Noth erinnere dich, wie andächtig ich dich angerufen und wie treulich ich mich dir empfohlen habe. Amen. Neuntägige Andacht zu Maria. Vor einem Marien- Bilde, um eine gewisse Bitte zu erlangen. Der h. Gertrud hat Maria offenbart, daß sie demjenigen, welcher zu Ehren der neun Monate, in welchen sie den Sohn Gottes unter ihrem Herzen getragen hat, eine gewisse Andacht verrichten würde, feine billige Bitte abschlagen wolle. Wenn du nun ein besonderes Anliegen hast, so kniee vor einem Marien- Bilde nieder, zünde ein Sterzlein vor demselben an, und sprich neun Tage nach einander folgende Gebete. Neuntägige Andacht zu Maria. Gebet, neun Tage nach einander zu sprechen. O du hochgebenedeite jungfräuliche Mutter Maria, die du von Gott dem Vater vor allen Kreaturen würdig geachtet worden bist, daß sein eingeborner Sohn aus dir Fleisch annehmen sollte, ich erinnere dich der unaussprechlichen Freuden, die du in den neun Monaten, in welchen Christus Jesus unter deinem jungfräulichen Herzen lag, empfunden hast, und wünsche dir zu denselben herzlich Glück! Weil ich jetzt ein besonderes Anliegen auf meinem Herzen habe und in einer schweren Noth und Betrübniß bin, woraus ich durch deine Fürbitte erlöst zu werden hoffe, so habe ich jetzt dies Licht vor diesem deinem Bilde zu Ehren der Liebe, mit welcher dein Herz in den neun Monaten brannte, angezündet und will die folgenden neun Ave Maria zur Erinnerung und Erneuerung der Freuden, die du in gedachten neun Monaten empfunden hast, mit möglichster Andacht aussprechen. 579 Jetzt sprich neun Ave Maria, darnach: Weil du, o Maria, als du den Sohn Gottes unter deinem Herzen trugest, den fröhlichen Lobgesang Magnificat gesprochen, und dadurch dem höchsten Gott Lob und Dank gesagt hast; so will auch ich aus deinem Herzen und Munde dasselbe sprechen, und durch dich der h. Dreifaltigkeit auf opfern. Hoch preiset meine Seele den Herrn 2c. S. 115. Aufopferung. Jetzt habe ich, jungfräuliche Mutter, zu Ehren deiner neunmonatlichen Freuden neun englische Grüße sammt deinem freudenreichen Lobgesang andächtig gesprochen, und begehre dir dieselben mit schuldigster Unterthänigkeit und herzlicher Liebe auf's Beste aufzuopfern. Du wollest wegen deiner mütterlichen Güte diese meine Andacht in Gnaden aufnehmen, und dies mein unwürdiges Gebet dir bestens gefallen lassen. Zugleich nimm auch jene Bitte, welche ich durch deine Fürbitte zu erhalten hoffe, in deinen gnadenreichen Schooß auf, und erwirke mir bei deinem Sohne Gewährung derselben. Ich erkenne mich zwar deiner Gnade 37* 580 Das zehnte Gärtlein. meiner Sünden wegen ganz unwürdig; doch bereue ich meine vielfältigen Sünden von ganzem Herzen, und mache den kräftigen Vorsatz, besonders in diesen neun Tagen, mich sowohl von kleinen als großen Sünden, wie auch von allem unnützen Thun und Reden zu enthalten. Deswegen schöpfe ich Hoffnung und Vertrauen, ich werde durch deine und deines Sohnes Güte begnadigt werden und Gewährung meines inständigen Begehrens erhalten. O milde Mutter und liebreichste Jungfrau Maria, wende zu mir Elenden dein gnadenreiches Angesicht, und neige barmherzig dein Ohr meinem Gebete zu. Erhöre das Gebet deines zu dir flehenden Kindes, und durch deine Fürbitte erwirb mir jene Gnade, welche ich jetzt durch dich von Gott zu erlangen hoffe. Ich bitte dich, durch die überschwengliche Süßigkeit, welche du in den neun Monaten an Leib und Seele empfandest, als du Jesus unter deinem jungfräulichen Herzen trugest, erfreue mein betrübtes Herz, und befreie mich von der schweren Last meiner Sünden. Der süße Jesus aber, welcher dich mit so viel himmlischer Freude erquickt hat, wolle dich würdigen, auch mein sündiges Herz durch Ertheilung dessen, was ich begehre, zu erquicken und mich von allen Leibes- und Seelengefahren zu erlösen. Amen. Andacht zum h. Joseph. Tägliches Gebet zum h. Joseph. Gegrüßet seist du von mir, deinem unwürdigen Pflegfinde, H. Joseph, du treuer Fürbitter aller, die dich lieben und ehren. Du weißt, daß ich ein besonderes Vertrauen zu dir trage und nächst Jesu und Maria alle Hoffnung meines Heils auf dich gesetzt habe. Denn du vermagst Alles bei Gott, und verläsfest deine treuen Diener und Dienerinnen nimmer. Darum rufe ich dich mit diesem Gebete demüthig an, und befehle mich treulich in deinen fichern Schutz und deine mächtige Fürbitte. Jch bitte dich durch die Liebe Jesu und Mariä, verlasse mich nimmer in meinem Leben, und stehe mir besonders bei in meinem Sterben. Amen. Litanei zum h. Joseph. Litanei zum h. Joseph. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme 2c. Gott h. Geist, erbarme 2c. Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme 2c. Heilige Maria, du Braut des h. Joseph, Heiliger Joseph, du Bräutigam der Jungfrau Maria, Du Nährvater und Beschützer Jeſu, Der du nach dem Zeugnisse des h. Geistes ein Gerechter warst, Du weiser und vorsichtiger Hausvater, Du Beschützer der Jungfrauschaft Mariä, Du getreuer Begleiter und Tröster Maria, Du Beispiel der reinsten Keuschheit, Du Vorbild der tiefsten Demuth, Du Muster der h. Liebe, Du Spiegel der Verehelichten, Der du die Menschwerdung des ewigen Wortes durch Gottes Offenbarung erkannt hast, Der du mit Maria aus Gehorsam nach Bethlehem gereift bist, Der du der Geburt Christ beizuwohnen gewürdigt wurdest, Der du mit Maria die Gnade empfangen, den neugebornen Heiland in der Krippe zuerst anzubeten, Der du mit Maria das Kind im Tempel Gott dargestellt hast, Der du auf Mahnung des Engels mit dem Kinde und seiner Mutter nach Aegypten flohest, Der du nach dem Tode des Herodes mit dem Kinde und dessen Mutter wieder in das Land Israel zurückgekehrt bist, Der du Jesum drei Tage mit seiner Mutter schmerzlich gesucht und ihn unter den Schriftgelehrten im Tempel mit Freuden wiedergefunden hast, 581 Bitte für uns! 582 Das zehnte Gärtlein. Du, dem der Herr aller Herren untergeben war, Du Lehrmeister der Betenden, Du Zuflucht der Betrübten, Du Vater der Armen, Du Erhalter des Friedens, Du Schutz der Reisenden, Du Trost der Sterbenden, Du, unser liebreicher Fürsprecher, erhöre uns, o h. Joseph! Du, unser mächtiger Schutzpatron, erhöre uns 2c. In allen unsern Anliegen, erhöre uns 2c. In allen unsern Nöthen, erhöre uns 2c. Bitte für uns! In der Stunde der Todes, erhöre uns 2c. Durch deine Erwählung zum Pflegvater Jesu, erhöre uns zc. Durch deine keusche Vermählung, erhöre uns 2c. Durch deine väterliche Obsorge und Treue, erhöre uns 2c. Durch deine Arbeiten und Beschwerden, erhöre uns 2c. Durch alle deine Tugenden, erhöre uns 2c. Durch deine große Ehre und ewige Seligkeit, erhöre uns 2c. Wir Schutzbedürftigen, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du uns von Jesu Verzeihung unserer Sünden erbitten wollest, Daß du allen Jungfrauen und Eheleuten standesmäßige Keuschheit und Reinigkeit erhalten wollest, Daß du allen Vorstehern in der Regierung ihrer Unterthanen beistehen wollest, Daß du allen Eltern, Hausvätern und Hausmüttern Gnade, Einsicht und Stärke erwerben wollest, ihre Kinder und Hausgenossen in der Zucht und Gottesfurcht zu erziehen, Daß du Alle, die auf deine Fürbitte vertrauen, beschirmen wollest, Daß du allen unter deinem Namen und Schutz angestellten Versammlungen mit väterlicher Hülfe beispringen wolleſt, Daß du mit Jesu und Maria uns in unsern Todes= nöthen beistehen wollest, Daß du den Seelen der abgestorbenen Christgläubigen mit deiner Fürbitte zu Hülfe kommen wollest, Heiliger Joseph, Wir bitten dich, erhöre uns! Neuntägige Andacht zum h. Joseph. 583 du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c., erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c., erbarme dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Vater unser 2c. Gegrüßet seist du 2c. V Bitte für uns, o allerseligster Joseph! R, Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Gebet. Unterstützt durch den Schutz des Bräutigams deiner heiligsten Gebärerin, bitten wir, o Herr, deine Barmherzigkeit, verleihe, daß unsere Herzen alles Irdische verachten, und dich, den wahren Gott, mit vollkommener Liebe lieben. Der du lebst und gierst mit Gott dem Vater in Einigkeit des h. Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Nenntägige Andacht zum h. Joseph. Wer ein besonderes Anliegen hat, der verehre den h. Joseph neun Tage mit folgendem Gebete. Mit andächtigem Herzen erscheine ich vor deinem heil. Bilde, treuester Pflegvater Christi, h. Joseph, und suche in meinem Anliegen deine kräftige Hülfe und Fürbitte. Ich weiß und glaube es fest, daß dir bei Gott alles möglich ist, und dir das süße Jesukind, welches dir auf Erden als seinem Vater unterthänig gewesen ist, jetzt im Himmel keine billige Bitte versagt. Dies hat deine treue Liebhaberin und seraphische Mutter, die h. Theresia, erfahren. Sie bekannte von sich selbst, daß sie dir keine Bitte vorgetragen habe, ohne Gewährung zu erhalten, und ermahnt alle Menschen, ihre Zuflucht bei dir zu nehmen, mit der Versicherung, daß du sie nicht ungetröstet von dir lassen werdest. Durch dies Versprechen aufgemuntert fliehe ich zu dir, würdigster Pflegvater Jesu und teuschester Bräutigam Mariä, und bitte dich durch die inbrünstige Liebe, welche du zu diesen beiden auf Erden getragen hast, erzeige auch an mir deine Liebe und Barmherzigkeit. Tröste mich in meinem schweren Kreuze, und erwirb mir durch 584 Das zehnte Gärtlein. Jesus und Maria die Gewährung meiner Bitte von Gott dem Vater. Aeußere nur deinen Wunsch und lege meine Bitte an das Herz deines liebsten Jeju, und es ist genug. Ich werde mein Begehren gewiß erhalten, und in meiner jetzigen Beschwerniß sicher getröstet werden. Dies zu erhalten, will ich jetzt drei Vater unser und Ave Maria sprechen, und dir dadurch mein Anliegen bestens anbefehlen. Dret Vater unser und Ave Maria. Aufopferung. Oihr liebsten Freunde, Jesus, Maria, Joseph, nehmet von mir armen Sünder diese drei Vater unser und Ave Maria an, und lasset euch mein demüthiges Gebet gefallen. Meine Seufzer wollen euere Herzen durchdringen, und mein Begehren wolle von euch in Gnaden angesehen werden. Ich bitte euch durch die treuherzige Liebe, die ihr allzeit zu einander getragen, und durch alles Mitleid, das ihr allen Nothleidenden erwiesen habt, habt auch Mitleid mit meiner jetzigen Noth und gewähret mein inständiges Be gehren. Amen. Andacht zur h. Anna. Tägliches Gebet zur h. Anna. Sei mir gegrüßt, würdige Mutter Mariens, heilige und hochgebenedeite Anna, du bist voller Güte und Barmherzigkeit und trägst ein geneigtes Herz zu allen deinen Pflegkindern. Ach, nimm mich doch auch in deinen Schutz auf und an, und verbirg mich unter dem Mantel deiner mildreichen Güte! Sage vor Gott, daß du meine Mutter seiest, auf daß es mir wohl ergehe um deinetwillen. Ich bitte dich, treue Mutter Anna, durch Freud' und Leid, was du mit Jesus und Maria auf Erden getheilt hast, laß mich im Leben und Sterben dir befohlen sein, und erwirb mir bei Gott, daß ich die ewige Seligkeit erlange. Amen. Litanei zur H. Anna. Litanei zur h. Anna. ( Besonders an Dienstagen ihr zu Ehren zu gebrauchen, wie auch an ihrem Festtage den 26. Juli.) Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser Herr, erbarme dich unser! Jesu Christe, höre uns! Jesu Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme 2c. Gott heiliger Geist, erbarme 2c. Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme 2c. Heilige Maria, Heilige Gottesgebärerin, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Heilige Mutter Anna, Du Liebling der h. Dreifaltigkeit, Du auserwähltes Werkzeug zur Erlösung der Menschen, Du Großmutter des Sohnes Gottes dem Fleische nach, Du würdige Mutter der h. Jungfrau und Gottesge= bärerin Maria, Du getreue Gattin des h. Joachim, Du ehrenvolle Schwiegermutter des h. Joseph, Du Freude der Engel, Du Tochter der Patriarchen, Du Orakel der Propheten, Du Glorie der Ehefrauen, Du Mutter der Armen, Witwen und Waisen Du Ruhm deines Gemahls, Du Zierde des Hauses David, Du Muster ehelicher Treue und Ehrbarkeit, 585 Du Spiegel der Mütter, Du Vorbild für Alle, die Kinder zu erziehen haben, Du Zweig der Ruthe Jesse's, Du Wurzel des Baumes des Lebens, Du edler Baumgarten, worin die Frucht des Heils gewachsen, Du keuscher Lilienstock, woraus die Blume der Jungfrauschaft entsproffen, Du goldene Bundeslade, Bitte für uns! 586 Das zehnte Gärtlein. Du lebendiger Quell der menschlichen Glückseligkeit, Du heilbringende Wolke, aus welcher der Gerechte uns vom Himmel herabgethauet worden, Du Schiff, das über die Fluthen der Sünde hin den Retter brachte, Du Spiegel des Gehorsams, der Geduld und Gottſeligkeit, Heilige Anna, du Bollwerk der Kirche, Heilige Anna, du Zuflucht der Sünder, Heilige Anna, du Hülfe der Christen, Heilige Anna, du Befreierin der Gefangenen, Heilige Anna, du Trost der Eheleute, Heilige Anna, du Schutz der Jungfrauen, Du sicherer Hafen der Gefahrleidenden, Du Pfad der Pilger, Du Heil der Kranken, Du Stärkung der auf dem Wege Ermatteten, Du Licht der Blinden, Du Ohr der Tauben, Du Zunge der Stummen, Du Hülfe Aller, die dich verehren und anrufen, Daß Maria, deine geliebte Tochter, uns an Kindesstatt annehmen wolle, Daß sie stets unsere gütige Fürbitterin sei bei Jesus Christus, ihrem Sohne, unserm Heilande und Richter, Daß sie mit dir uns ein h. Leben und seliges Ende von ihm erflehen wolle, Bitte für uns! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c., erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c., erbarme dich unser, o Herr! Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Vater unser 2c. Gegrüßet jeist du zc. W Bitte für uns, o h. Mutter Anna! R Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. 587 Andacht zum h. Antonius von Padua. Gebet. O gebenedeite Mutter Anna, du würdige Mutter Mariens und wahre Großmutter unsers Herrn Jesu Christi! ich ehre und preise dich aus kindlichem Herzen und rufe dich heute besonders um deine Fürbitte an. Ich bitte dich durch deine Geburt und deinen seligen Hingang aus dieser Welt, du wollest mir ein gottseliges Leben und glückseliges Scheiden aus dieser Welt erwerben. Oliebe Mutter Anna! bitte Jesus, dem du dem Fleische nach so nahe standest, durch die herzliche Liebe, welche er zu dir trug und du zu Jesus, daß er mich um deines süßen Namens willen in allen meinen Nöthen stärken, in allen meinen Anliegen erhören, und insbesondere nur ein Fünkchen eurer gegenseitigen inbrünstigen Liebe mir verleihen wolle, damit ich mein Leben hindurch in der Liebe Gottes verbleibe, wachse, in derselben selig sterbe und die ewige Glorie erwerbe. Amen. Neun- dienstägige Andacht zum heiligen Antonius von Padua. Wer die neun Dienstage hält, der spreche an allen neun Dienstagen dies und das folgende Gebet. Auch sonst zu Hause vor einem Antoniusbilde nüßlich zu sprechen. O du mächtiger Helfer in allen Nöthen, h. Antonius von Padua, weil so viele Menschen deine Hülfe rühmen, und durch die neun- dienstägige Andacht in ihren Anliegen getröstet und erhört worden sind, so halte auch ich jetzt Gott und dir zu Ehren diese neun Dienstage und hoffe durch die reichen Verdienste Jesu Christi und durch deine treue Hülfe und kräftige Fürbitte in meinem Anliegen getröstet zu werden. Ich kniee hier mit aller Demuth vor deinem heil. Bilde, besuche dasselbe mit möglichster Andacht, verehre es mit schuldiger Ehrerbietung und rufe vor demselben deine mächtige Hülfe und Fürbitte an. Ich habe das starke Vertrauen zu dir, lieber heil. Antonius, daß du mir helfen könnest und wollest, und zweifle nicht im Geringsten daran, daß du mir wegen deiner großen Güte sicher helfen werdest. 598 Das zehnte Gärtlein. Denn du bist auf Erden ein so treuer Diener Gottes gewesen, und bist jetzt im Himmel ein so trener Freund Christi, daß er dich besonders liebt und ehrt, und dir keine billige Bitte abschlägt noch versagt. Wenn also mein Begehren, deswegen ich die neun Dienstage halte, billig und nach dem Willen Gottes ist, so zweifle ich nicht daran, du werdest dasselbe vor den Thron Gottes bringen, und mir Gewährung erhalten. Sollte es aber wider den Willen Gottes und das Heil meiner Seele sein, so begehre ich dasselbe ganz und gar nicht zu erhalten, sondern bitte dich vielmehr, du wollest mir eine andere Gnade, so mir selig ist, vom lieben Gott erbitten. Ach! so erhöre mich denn, lieber h. Antonius, und tröste mich in meinem schweren Anliegen. Nimm mein Gebet in Gnaden auf, und lasse meine inständige Bitte vor dein Angesicht kommen. Lasse meine Seufzer deine milde Brust durchdringen und meine Thränen dein süßes Herz erweichen. Lasse mich in meinem festen Vertrauen nicht zu Schanden werden, damit die, welche dich nicht lieben, deiner und meiner nicht spotten mögen, jagend: Wo ist nun dein Vertrauen, daß du auf Antonius gesetzt hast? Schön hat er dich erhört und getröstet. Diese Spötter wirst du, o heil. Antonius, zu Schanden machen, und durch Erhörung meiner Bitte allen deinen Feinden zeigen, wie viel du bei Gott vermagst. Du wirst zeigen, daß diejenigen, welche auf dich trauen, wohl getrauet haben, und welche dich in ihren Nöthen anrufen, von dir Hülfe und Trost erlangen. So bitte ich dich denn, glorwürdiger Heiliger, vielmehr um deiner Ehre, als meines Nutzens willen, du wollest meine Bitte erhören und mein Begehren bei Gott auswirken. Erhöre mich doch, ach, erhöre mich doch, damit dein Lob in der Welt desto mehr ausgebreitet, und deine mächtige Hülfe desto mehr gerühmt werde, damit deine treuen Diener und Dienerinnen in deiner Liebe und Verehrung desto mehr zunehmen, und die Feinde deiner neun- dienstägigen Andacht desto mehr zu Schanden werden. Siehe nicht darauf, h. Antonius, daß ich so unwürdig bin, erhört zu werden, sondern siehe darauf, wie würdig du bist, mich zu erhören und zu trösten. Ach, sei nicht 589 Andacht zum h. Antonius von Padua. eingedent, daß ich den höchsten Gott, und zugleich auch dich, seinen lieben Freund, so oft erzürnt habe, sondern siehe, wie ich alle meine Sünden jetzt so schmerzlich bereue, und einen so ernstlichen Vorsatz habe, dieselben nimmermehr zu begehen. So verschmähe denn nicht mein reumüthiges und zerknirschtes Herz, weil auch der gerechte Gott dasselbe nicht verschmähet noch verachtet. Wiewohl ich ein sehr großer Sünder bin, so hast du darum keine Ursache, mich zu verstoßen, sondern vielmehr Grund, mich anzunehmen und zu hören, damit dein Lob und deine Ehre vor aller Welt desto größer erscheine, wenn nämlich die Menschen vernehmen, daß du auch mich, den größten unter allen Sündern, erhört und getröstet hast. Alle Menschen, besonders ich, werden ja Wunders erzählen, was für ein liebreicher Heiliger du seiest, weil du auch den Boshaften nicht verschmähet, sondern, da er reumüthig fam, mit deiner gewöhnlichen Milde zu Gnaden aufgenommen hast. Letztlich erinnere ich dich auch, daß du selbst der Urheber der neun- dienstägigen Andacht bist, da du so Vielen, welche in ihrer Bedrängniß die neun- dienstägige Andacht gehalten haben, so schnelle und oft so wunderbare Hülfe geleistet hast. Das muß wohl alle Nothleidenden ermuntern, voll Vertrauen ebenfalls diese Andacht zu halten. Und so habe auch ich die neun- dienstägige Besuchung deines heil. Bildes angefangen, und werde dieselbe bis zum Ende mit möglichster Andacht fortführen, voll Zuversicht, alsdann auch Erhörung gefunden zu haben. Dein freundliches Bild, wo du das liebreiche Jesukind auf deinen Armen trägst, besuche ich hier mit herzlicher Liebe, beuge meine Kniee und mein fündiges Haupt, und bete das liebe Jejukind, welches du auf Erden so süß umfangen hast, mit Ehrerbietung an, und bitte dich, du wollest es auch in meinem Namen anbeten, und ihm meine unwürdige Andacht aufopfern. Trage ihm mein inständiges Begehren vor, erkläre ihm das schwere Anliegen, welches mein betrübtes Herz drückt, bitte das süßeste Jesutind für mich, deinen treuen Diener, und erwirb mir die Gnade, wegen welcher ich die neun Dienstage halte. Ach, halte doch inständig an, und lasse nicht nach anzuhalten, bis du mir die verlangte Gnade erwirbst! Dann 590 Das zehnte Gärtlein. will ich nach erlangter Gnade auch nicht nachlassen, dir treuherzig zu danken, und dein Lob vor allem Volte zu verkündigen. Amen. Aufopferung dieses Gebets. Nun habe ich mein Herz vor dir ausgegossen, heiliger Antonius, dein Bild besucht, verehrt und mein Gebet vor demselben verrichtet. So opfere ich dir nun mein unwürdiges Gebet, so träftig ich immer kann, und vereinige es mit allen Gebeten, die du auf Erden verrichtet hast, und dir zu Ehren verrichtet sind. Alle diese zu einem Blumenbüschlein zusammen gebunden, tunke ich durch die Seitenwunde Christi in das liebbrennende Herz deines süßzen Jesukindes, und mit seiner göttlichen Liebe entzündet, wie auch mit ſeinem rosenfarbenen Blute besprengt, verehre ich dasselbe mit schuldiger Ehrerbietung zur Vermehrung deiner Ehre und zur Erlangung meines inständigen Begehrens. So nimm es denn, mein treuester Freund, mit solcher Liebe an, mit welcher ich dir dasselbe verehre, und lasse es dir eben so wohlgefallen, als wenn es dir von dem allerfrömmſten Menschen aufgeopfert worden wäre. Amen. Gebet zum Jesukinde in den Armen des h. Antonius, an den neun Dienstagen zu sprechen. Auch sonst zu Hause vor einem Antoniusbilde nützlich zu sprechen. O du süßeste Liebe meines Herzens, liebstes Jesukind, ich bete dich an in den Armen deines treuen Dieners Antonius, und begehre dir mit solchem Affekt meine Liebe zu erweisen, wie der h. Antonius auf Erden gethan hat. Ich erinnere dich der treuen Liebe und Freundschaft, die du zu ihm bei seinen Lebzeiten getragen, daß du dich gewürdigt haft, ihm in Gestalt eines kleinen Kindes zu erscheinen, in seinen h. Armen zu liegen und dich ihm ganz und gar hinzugeben. O wohl eine große Gnade! O wohl eine treuherzige Liebe! Ohne Zweifel wird der h. Antonius dein werther Freund gewesen sein, weil du ihm diese besondere Gnade erwiesen, welche du vielen großen Heiligen verweigert hast. Ohne Zweifel hast du ihm damals so viele Gnaden mitgetheilt, daß er in seinem ganzen Leben die Fülle hatte und auch andern Menschen davon mittheilen konnte. Auf 591 Andacht zum h. Antonius von Padua. daß nun alle Welt diese ihm erzeigte Gnade erkenne, hast du gewollt, daß man dich in Gestalt eines feinen Kindes auf den Armen des h. Antonius im Bilde darstellen und also mit ihm verehren sollte. Deswegen kniee ich vor dir, mein Jesus, verehre dich in den Armen des heil. Antonius, und erzeige deinem Bildnisse dieselbe Ehre, welche ich dir erzeigen wollte, wenn du persönlich gegenwärtig wäreft. Ich grüße dich, mein Jesu! ich ehre dich, mein Jesu; ich preise dich, mein Jefu, und mit gebogenem Haupte bete ich dich an! O mein herzliebstes Jejukind, dies thue ich nicht allein in meinem Namen, sondern im Namen des h. Antonius, ja im Namen aller Engel und Heiligen; und in Uebung dieser Anbetung, Verehrung und Liebeserweisung begehre ich zu verharren bis in Ewigkeit. Nun getraue ich mich, dir mein Anliegen zu offenbaren, und die Last meines Herzens vor dir niederzulegen. Ich bin jetzt in der neun- dienstägigen Andacht begriffen, und habe großes Vertrauen, durch deine unendliche Güte und durch die Fürbitte des h. Antonius meine Bitte zu erhalten. Weil ich aber wegen meiner Unwürdigkeit nicht recht wagte, zu dir zu gehen, darum habe ich in dem vorigen Gebete den h. Antonius als meinen Fürbitter zu dir gefandt und ihn mit großem Vertrauen gebeten, er wolle dir mein Anliegen auf's Angelegentlichste vortragen und empfehlen. In diesem Gebete aber erkühne ich mich, dich selbst anzusprechen, und in dem Namen des h. Antonius um Gewährung meines Begehrens zu bitten. So bete ich dich an, liebreiches Jesukind, durch deine unendliche Güte und Milde wollest du mich erhören und in meiner Betrübniß trösten. Ich bitte dich durch die Liebe, so du zu dem h. Antonius getragen haft und jetzt noch im Himmel trägst, du wollest mein Gebet erhören und mein schweres Kreuz erleichtern. Ich bitte dich durch die kindliche Liebe, welche du zu deiner liebsten Mutter getragen hast, du wollest meine Bitte gewähren und mich von einer großen Beschwerde erlösen. Endlich bitte ich durch deine unendliche Liebe, die du von Ewigkeit zu deinem himmlischen Vater und dem h. Geiste getragen hast und in alle Ewigkeit tragen wirst, du wollest mich aus Gnade erhören und meine neun- dienstägige Andacht zum gewünschten Ende führen. Das zehnte Gärtlein. Erkennst du aber durch deine unergründliche Weisheit, daß es mir oder meinem Nächsten an der Seligkeit hinderlich sein werde, so wollest du anstatt dieses meines Begehrens mir eine andere Gnade gewähren Dies zu erhalten vertröste ich mich ganz und unfehlbar, weil ich weiß, daß deine Gütigkeit unendlich ist, und daß du deine Gnaden mitzutheilen von Herzen geneigt bist. Ja du verlangest, daß wir dich um deine Gnade bitten, und damit wir um so lieber dich bitten, ermahnest du uns dazu, sprechend: Bittet, so werdet ihr empfangen. Suchet, so werdet ihr finden. Klopfet an, ſo wird euch aufgethan. Durch diese deine Verheißzung aufgemuntert, bitte ich dich und zweifle nicht, daß ich empfangen, suche ich und zweifle nicht, daß ich finde! klopfe ich an und zweifle nicht, daß mir werde aufgethan werden. Damit ich desto kräftiger bitte und dich desto eher zur Bewilligung meines Begehrens erweiche, so will ich jenes Gebet, welches du selbst uns gelehrt hast, dreimal mit aller Andacht sprechen und durch dich deinem himmlischen Vater vorbringen, sprechend: Drei Vater unser und Ave Maria. 592 Aufopferung. Jetzt habe ich mein Gebet mit möglichster Andacht ver= richtet, süßestes Jefukind, und mein inständiges Begehren dir mit Demuth und Vertrauen vorgetragen. Dasselbe opfere ich dir nun mit schuldigster Ehrerbietung auf und bitte durch deine große Güte, du wollest dir dasselbe gefallen lassen. Ich vereinige mein Gebet mit deinem Gebete und mit dem Gebete aller derer, welche dich jemals um Gewährung einer Bitte angerufen haben, und bringe diese Andacht durch dein würdigstes Herz zum größern Lobe der allerhöchsten Dreifaltigkeit und des ganzen himmlischen Heeres dar. Also, hoffe ich, wird mein Gebet dir gefallen und dich zur Barmherzigkeit erweichen. Das verleihe mir Gott der Vater und der Sohn und der h. Geist. Amen. Litanei zum h. Antonius. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Litanei zum h. Antonius. Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme 2c. Gott heiliger Geist, erbarme 2c. Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme zc. Heilige Maria, Heilige Gottesgebärerin, Heiliger Antonius von Padua, Du wahrer Sohn des h. Franzistus, Du Zierde seines Ordens, Du Säule der Kirche, Du Arche des Bundes, Du Schatzkammer der h. Schrift, Du apostolischer Prediger, Du Liebhaber der Armuth, Du Spiegel der Demuth und Mäßigkeit, Du Muster der Geduld, Du Vorbild des Gehorsams, Du Lilie der Jungfrauschaft, Heiliger Antonius, entzündet vom Feuer der göttlichen Liebe, Heiliger Antonius, geziert mit allen Tugenden, Heiliger Antonius, glänzend wie ein Stern in Heiligteit. Du Gefäß der göttlichen Gnaden, Du Posaune des Evangeliums, Du Verkünder des Glaubens, Du siegreicher Streiter wider Irrthum und Sünde, Du Geißel der Teufel, Du Tröster der Betrübten, Du Zuflucht der Sünder, Du Helfer der Nothleidenden, Du Wiederbringer verlorener Sachen, Du immerwährender Wunderwirker, 593 38 Bitte für uns! Du Märtyrer im Verlangen, Du Eiferer für das Heil der Seelen, Du unser Fürsprecher bei Gott, O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c., erhöre uns, o Herr! Myrrhengarten III. 594 Das zehnte Gärtlein. O du Lamm Gottes 2c., erbarme dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Christe erhöre uns! Bater unser 2c. Gegrüßet seist du zc. V Bitte für uns, o h. Antonius! R Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Gebet. Gott! der du deinen getreuen Diener, den heil. Antonius zum Heile der Welt auserwählt und durch sein h. Beispiel und eifriges Predigen die Seelen der Gewalt des Satans entzogen hast, wir bitten dich, du wollest uns auf seine mächtige Fürbitte, in Rücksicht seiner Verdienste, deine göttliche Gnade verleihen und uns der ewigen Freuden theilhaft machen. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Lobgesang. 1. Sankt Antoni, hoch gepriesen! Große Ehr' hat dir erwiesen Jesus, den man, wie ein Kind, Allzeit bei dir sitzen find't. 2. Jesus trägst du auf den Armen, Der sich unser woll' erbarmen! Die schneeweiße Lilienblum Deiner Keuschheit gibt den Ruhm! 4. O Antoni, woll'st mir geben Diese Gnad' in meinem Leben, Daß ich deine Tugend klar Aller Welt mach' offenbar! Zum h. Franziskus von Assisi. ( Den 4. October.) O Patriarch der Armen, h. Vater Franzistus! Wenn ich dich nur nenne, so bringt mir dies schon eine besondere Freude und Andacht und erweckt in mir ein großes Vertrauen, durch deine Fürbitte eine geistliche Gnade zu erlangen. Denn du bist sehr hoch in Gnaden bei Gott, du wahres Zum h. Franziskus von Assist. 595 Beispiel aller Tugend und Vollkommenheit! Vor allen Tugenden aber glänzen in dir vorzüglich die tiefste Demuth und äußerste Armuth, worin du dein ganzes Leben hindurch deinem Gott dientest und der Kirche so viel Nutzen schafftest. Ach! wie viel tausend Sünder wären wohl verloren ge gangen, wenn du sie nicht durch deinen heil. Wandel, durch dein mächtiges Gebet und durch deine heil. Ordens- Regel zu einem bußfertigen Leben erweckt und angeleitet hätteſt! An dir hat die Welt einen wahren Nachfolger des demüthigen und armen Lebens Jesu kennen gelernt, und die Christenheit, welche schon anfing in der Liebe Jesu zu erkalten, sich auf's Neue entzündet zur Liebe des Gekreuzigten und zur eifrigen Nachfolge seines demüthigen und armen Lebens in Verachtung der vergänglichen Güter und der Ehre vor der Welt. Ach! h. Vater Franziskus, entzünde auch mein Herz mit der Liebe zu meinem gekreuzigten Heilande und erwirb mir ein aufrichtiges Verlangen, um seinetwillen arm und verachtet wie du in der Welt zu leben. O wie sehr hat dich der Herr geehrt wegen dieser deiner so treuen Nachfolge! Mit seinen h. fünf Wunden hat er dich geziert, um dich sich ganz gleichförmig zu machen, so viel es auf Erden geschehen kann, uns aber großes Vertrauen auf deine Fürbitte einzuflößen und zu zeigen, wie wohlgefällig ihm dein Wandel auf Erden gewesen sei und wie wohl wir daran thun, in deine Fußstapfen einzutreten und nach deinen h. Regeln unter Leben einzurichten. Wie sollte ich nun nicht ein Herz fassen, mit dir arm dem armen Jesus nachzufolgen und ein in ihm verborgenes Leben der Abtödtung und Buße zu führen! Wenn ich darin beharre, bin ich ja versichert, daß auch ich täglich meinem Heilande gleichförmiger werde und nach dem Tode nicht verloren gehe. Ach! h. Bater Franziskus! ich hege eine ganz besondere Liebe zu dir in meinem Herzen und habe ein großes Vertrauen auf deine Fürbitte; laß dies Vertrauen nicht zu Schanden werden; nimm mich auf in die Zahl deiner Kinder und trage allezeit ein väterliches Herz zu mir; besonders in meiner Todesstunde verbirg mich in der Wunde deines Herzens und beschütze mich gegen alle Anfechtungen des bösen Feindes, damit ich nicht die Verdienste des Leidens 38* 596 Das zehnte Gärtlein. und Sterbens unseres geliebten Herrn und Meisters verliere, sondern erbe, was es uns erworben hat. Amen. Litanei zum h. Franziskus. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Jesu Christe, höre uns! Jesu Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme 2c. Gott heiliger Geist, erbarme 2c. Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme 2c. Heilige Maria, Heilige Gottesgebärerin, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Heiliger Bater Franzistus, Du Mann nach dem Herzen Gottes, Du Verachter der Welt, Du treuer Nachfolger Jesu, Du eifriger Diener Christi, Du Stifter dreier h. Orden, Du Säule der Kirche Gottes, Du vortrefflicher Lehrer des Gehorsams, Du Spiegel der Demuth, Du Liebhaber der Armuth, Du Lilie der Keuschheit, Du Beispiel der Sanftmuth, Du Fels der Geduld, Du innigster Liebhaber Gottes, Du wahrer Liebhaber des Nächsten, Du eifriger Beförderer des Friedens, Du Muster aller evangelischen Tugenden, Du Ueberwinder des Geistes der Finsterniß, Du gleichförmiges Bild der gefreuzigten Jesus, Du mit den fünf Wunden gezierter Freund Gottes, Du wie ein Seraph Gott liebender Vater, Du mildreicher Vater der Armen, Du erleuchteter Vorhersager tünftiger Dinge, Du apostolischer Mann, Du Märtyrer der göttlichen Liebe, Bitte für uns! Litanei zum h. Franziskus. Du eifriger Bekenner des katholischen Glaubens, Du strenger Büßer, Du sorgsamster Bewahrer der Jungfrauschaft, Du großer Heiliger im Himmel, Du unser Vater und Vorbild, Du unser Fürbitter bei Gott, Seraphischer Vater Franziskus, 597 Bitte für uns! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c., erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c., erbarme dich unser, o Herr! Jesu Christe, höre uns! Jesu Christe, erhöre uns! Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Vater unser 2c. Ave Maria 2c. V Bitte für uns, o h. Franziskus! R Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Gebet. O Gott, der du deine h. Kirche durch die Verdienste des Hl. Vaters Franzistus, vermittelst seiner von ihm gestifteten Orden und seines eifrigen Predigens, mit zahlreichen frommen Mitgliedern vermehrt haft; verleihe uns gnädig auf seine Fürbitte, daß wir nach Möglichkeit seinem Tugendbeispiele nachfolgen, damit wir uns auch der Theilnahme an den himmlischen Gütern ewig zu erfreuen haben. Durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn, der mit dir lebt und regiert in Einigkeit des h. Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Zum h. Aloysius. Für Jünglinge und Jungfrauen. Gebet. Oh. Aloysius, der du mit einer englischen Reinigkeit geziert bist; ich, dein unwürdiger Verehrer, übergebe deinem Schuße die Reinigkeit meines Leibes und meiner Seele, und 598 Das zehnte Gärtlein. bitte dich durch deine englische Reinigkeit, mich dem unbefleckten Lamme, Jesu Christo, und unser allerheiligsten Mutter, der Jungfrau aller Jungfrauen, zu empfehlen und mich vor jeder schweren Sünde zu bewahren. Gestatte nicht, daß ich mich mit dem geringsten Flecken der Unreinigkeit bemalle, sondern, wenn du mich in einer Versuchung siehst oder in der Gefahr zu fündigen, so entferne aus meinem Herzen alle unreinen Gedanken und Neigungen. Erwecke alsdann in mir den Gedanken der Ewigkeit und meines gekreuzigten Jesus; drücke das Gefühl der Furcht Gottes tief in mein Herz ein, entzünde in mir die göttliche Liebe, damit ich dich auf Erden nachahme und einst im Himmel mit dir zum Genusse Gottes gelangen möge. Amen. Vater unser zc. Gegrüßzet feist du zc. Wer es reumüthig und andächtig betet, gewinnt einmal des Tages 100 Tage Ablaß, der auch den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden tann. Pius VII. 1802. Litanei zum h. Aloyfius. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme zc. Gott heiliger Geist, erbarme 2c. Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme zc. Heilige Maria, Heilige Gottesgebärerin, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Heiliger Aloysius Gonzaga, H. Aloysius, der du die Gnade der Unschuld bis in den Tod unverletzt bewahrt hast, H. Aloysius, der du sogar den Schatten der Sünde jogar geflohen hast, H. Aloysius, der du die äußeren Sinne mit größter Behutsamkeit bewacht hast, H. Aloysius, der du dein Fleisch durch die strengste Abtödtung gekreuziget hast, H. Aloysius, der du im Geiste der Buße alle Widerwärtigkeiten geduldig ertragen hast, Bitte für uns! Litanei zum h. Aloysius. H. Aloysius, der du dein Leben in der strengsten Buße beschlossen haft, 5. Aloysius, der du deinem Berufe mit Standhaftige feit gefolgt bist, H. Aloysius, der du die Welt und alle ihre Güter großmüthig verachtet haft, H. Aloysius, der du die Demuth des Kreuzes dem Glanze der Kronen vorgezogen hast, H. Aloysius, der du dein größtes Vergnügen in dem Gebete und der Betrachtung göttlicher Dinge gefunden hast, H. Aloysius, du Engel in menschlicher Hülle, Du Büßzer ohne Sünde, Du Wunder der Abtödtung, Du Spiegel der Zucht und Ehrbarkeit, Du inbrünstiger Berehrer Jesu des Gekreuzigten, Du eifriger Anbeter des allerheiligsten Sakraments, Du wundervoller Beförderer der Andacht zu dem göttlichen Herzen Jesu, Du getreuestes Pflegekind Mariä, Du schöne Lilie der Reinigkeit, Du unblutiger Märtyrer der Liebe, Du Schlachtopfer der Nächstenliebe, Du freiwilliger Armer, Du demüthiger Nachfolger Jesu, Du Liebhaber der reinen Seelen, Du Muster und Beschützer der Ünschuld, Du Vorbild und besonderer Patron der Jugend, Du sicherer Rathgeber in Erwählung eines Standes, Du Zuflucht büßender Sünder, Du kräftiger Fürbitter für die, welche dich anrufen, Du Zierde und Beschützer der Gesellschaft Jesu, Daß wir ein bußfertiges Leben führen, Daß wir Gott getreu dienen, 599 Daß wir unsere Sinne fleißig überwachen, Daß wir unreinen Einflüsterungen gleich träftig wider= stehen, Daß wir die allerseligste Jungfrau wie unsere Mutter lieben, Bitte für uns! 600 Das zehnte Gärtlein. Daß wir in Reinigkeit der Seele und des Leibes wandeln, bitte für uns! Daß wir zur Gesellschaft der hh. Engel gelangen, bitte 2c. O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c., erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c., erbarme dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Bater unser 2c. Gegrüßet seist du zc. V Bitte für uns, o h. Aloysius! R Auf daß wir würdig werden der Verheißzungen Christi. Gebet. O Gott du Ausspender himmlischer Gaben! der du in dem englischen Jünglinge Aloysius eine wunderbare Reinigfeit mit einer eben so auffallenden Bußfertigkeit veremigt haft: verleihe uns durch seine Verdienste und Fürbitte, daß wir ihm in der Bußfertigkeit nachfolgen, dem wir in der Unschuld nicht nachgefolgt sind; durch Jesum Chriftum 2c. Amen. Die sechs Sonntage zu Ehren des h. Aloysius. Wer die jechs Sonntage entweder unmittelbar vor dem Feste des heil. Aloysius am 21. Juni, oder zu einer andern Zeit zu dessen Ehre ununterbrochen nach einander jo feiert, daß er an jedem derselben die h. Sakramente empfängt, einige fromme Uebungen oder gute Werke zu dessen Ehre verrichtet, gewinnt an jedem dieser Sonntage einen vollfommenen Ablaß. Ebenso am Feste des Heiligen, wenn man die heil. Saframente empfängt und für das Wohl der h. Kirche betet und der Feter des Festes des h. Aloystus beiwohnt. Clemens XII. 1739 und 1740. Anmerkung. Wer die sechs Sonntage seine Andacht verrichten will, thut wohl, wenn er sich dazu ein eigenes Büchelchen, welches man jetzt für einen oder andern Groschen haben kann, anichafft. Da findet er passende Gebete und Betrachtungen. Man kann sich etwa auch so darauf einrichten, daß man den h. Aloysius den 1sten Sonntag als ein Beispiel der Unschuld betrachtet und für sich oder andere ( Eltern für ihre Kinder) um die Gnade der Unschuld Gott durch die Fürbitte des h. Aloysius anruft. Den 2ten Sonntag als ein Beispiel der Buße, und Gott bittet, daß Die sechs Sonntage zu Ehren des h. Aloysius. 601 man dem h. Aloysius, dem man in der Unschuld nicht gefolgt ist, doch nun in der aufrichtigen Buße folgen möge. Den 3ten Sonntag als ein Beispiel der Keuschheit, und bei Gott für sich und andere um die Erlangung dieser englischen Tugend anhält.- Den 4ten Sonntag als ein Beispiel in der Geringschäßung zeitlicher Güter, und Gott für sich und andere um vollkommene Losschälung von aller Begierde zu den irdischen Dingen anfleht. Den 5 ten Sonntag als ein Beispiel der Andacht, und Gott anruft, uns und den Unsrigen diese so erhabene Gnade schenken zu wollen. Den 6ten Sonntag als Muster und Patron der Jugend, und ihn auf das Herzlichste bittet, doch den Jünglingen und Jungfrauen und Kindern einen großen Abscheu vor dem häßlichen Laster der Unkeuschheit, dagegen große Liebe zur Keuschheit und Herzensreinigkeit einflößen zu wollen; dann auch, daß er ihnen ein treuer Beschützer sei in den Versuchungen und unverhofften Gelegenheiten zu Sünden gegen die Keuschheit. Diese Bitte für unsere liebe Jugend muß dir besonders am Herzen liegen, mein Christ! da dir ja nicht unbekannt sein kann, wie sehr in unserer Zeit die Jugend den Gefahren zu solchen Sünden ausgesetzt ist. Hast du aber selbst Kinder, oder bist du Lehrer und Erzieher, so siehe wohl zu, wie du deine dir von Gott anvertrauten Kinder vor Gesellschaft mit unzüchtigen und verdorbenen Kindern und mit Erwachsenen, die schamlose oder auch nur zu freie Reden führen, wie auch vor unzüchtigen Bildern und Büchern bewahrst. Es ist besser bewahrt als beklagt. Dann dulde nie, daß deine Kinder müßig sind; auch in den Feierstunden müssen sie irgend eine Liebhaberei oder Lieblingsbeschäftigung haben, die ihnen zur Erholung dient. Laßt euch, ihr Eltern, eine passende Liebhaberei eurer Kinder, besonders wenn sie in der Uebung irgend einer Kunst oder Fertigkeit besteht, immerhin etwas kosten. Es ist nichts vergebens ausgegeben, was dazu dienen kann, die Herzen eurer Kinder vor der Pest der Unzucht zu bewahren. Müßiggang verzehrt den Leib, wie Rost das Eisen. Müßiggang ist des Teufels Ruhebant. Müßiggang ist aller Lafter Anfang und der Tugend Untergang. - - 602 Das zehnte Gärtlein. Lied zum h. Aloyfius. ( Besonders von der studirenden Jugend oft zu sprechen.) Gegrüßt sei tausendmal, Gelobt sei ohne Zahl, O Aloysi, o Aloysi! Du bist mein Schutzpatron Bei Gottes Gnadenthron! O Aloyfi, zc So wie der Lilien Pracht Unter den Dornen lacht, O Aloysi, 2c. So glänzt zu unsrer Freud' Uns deine Reinigkeit! O Aloysi, 2c. Du Blum' der Reinigkeit, Der Zucht und Sittsamkeit! O Aloysi, zc. Möcht ich so keusch und rein, Und auch so sittsam sein! O Aloysi, zc. Schütz' mich vor Uleppigkeit, Vor Hochmuth, Eitelkeit! O Aloysi, 2c. Halt von Verführung frei Mich meinem Gott getreu! O Aloysi, zc. Weck' Gottesfurcht in mir, So wie sie war in dir! O Aloyst, 2c. Laß in mir Andacht blüh'n Und Gottesliebe glüh'n! O Aloysi, zc. Gehorsam zierte dich, Ach, zierte er auch mich! O Aloysi, 2c. Ohn' den ein frommer Christ Schon gar nicht denkbar ist! O Aloysi, 2c. Bewahr' mich vor dem Hang Zum trägen Müßiggang! O Aloysi, 2c. Er schadet Leib und Seel', Ist aller Lafter Quell! O Aloysi, 2c. Ich folge dir getreu, Du, Bester, steh' mir bei! O Aloysi, zc. Jetzt und in letzter Noth, Im Leben und im Tod! O Aloysi, 2c. Zum h. Franziskus Xaverius. Spruch zu Ehren des h. Aloysius, ( den die Eltern ihre Kinder frühzeitig auswendig lernen lassen können.) Jesu, bleib in meiner Seele, Halte mich von Sünden frei, Mach', daß ich nur Gutes wähle Und dereinst ein Engel fei! Schütze mich in Leibsgefahren, 603 Laß die Unschuld mich bewahren! Aloysi! Aloysi! Aloysi, steh' mir bei! Zum h. Franziskus Xaverius. ( Am Fefte desselben, den 3. December und an Missionstagen zu beten.) Großer Apostel von Indien und Japan, h. Franziskus Xaverius! Mit Recht ehrt dich die ganze Kirche, denn du bist alles Lobes und aller Ehren würdig. Wollte Gott, daß ich dein Lob tausendmal mehren und alle Herzen der Menschen zu deiner Verehrung entzünden könnte! Mit Gefahr deines Lebens hast du dich in die ferne Welt gewagt Viele und wilden Völkern das Evangelium verkündet. tausend Heiden hast du zum wahren Glauben bekehrt und mit deinen H. Händen getauft. Viele tausend Seelen haft du Christo gewonnen und sie dem Rachen des Satans entrissen. Viele und schwere Verfolgungen hast du deshalb von Menschen und Teufeln gelitten und mit höchster Geduld und Sanftmuth ertragen. Wie viele, viele Verdienste haft du bei Gott erworben, da du bei all dem noch dein ganzes Leben in steter Bußfertigkeit und in Uebung jeglicher Tugend zugebracht hast! Oh. Franziskus Xaverius! erwirb mir bei Gott Verzeihung, daß ich mein ganzes Leben so nußlos zugebracht und all meine Zeit fast in Sünden verloren habe! Opfere dem lieben Gott all deine strengen Bußwerke zur Erstattung der Bußwerke, so ich unterlassen habe, und verehre ihm alle deine gottseligen Uebungen zur Verzeihung meiner vielen, vielen Unterlassungssünden! Ach! der du so viel tausend Seelen vom ewigen Verderben errettest haſt, rette auch meine arme Seele und führe sie zum ewigen 604 Das zehnte Gärtlein. Leben. Auch bitte ich dich, du Patron der Missionen, daß du doch ferner jener Seelen eingedent sein wollest, welche noch in Finsternis und Todesschatten sitzen, Christum nicht kennen und statt ihm zu dienen, durch Sünde und Laster dem Teufel dienen zum jämmerlichen Untergange ihrer Seelen. Bitte den Herrn der Ernte, daß er doch recht bald viele und gottlerleuchtete Arbeiter in jene unglücklichen Gegenden senden wolle, wo die Ernte so groß, der Arbeiter aber so wenig sind! Erwecke in kräftigen und frommen Jünglingen ein heftiges Verlangen, sich diesem so segensreichen Werke zu widmen und in Gewinnung von Seelen und in Verherrlichung des Namens Gottes unter den Völkern, die ihn noch nicht kennen, ihren Ruhm und ihre Ehre zu suchen. Entzünde alle Christen mit einem h. Eifer für das Werk der h. Mission, daß sie nicht aufhören dafür zu beten und freudig ihre Almosen dafür zu spenden und in dem bereitwilligen Opfer eines irdischen Gutes für die Ausbreitung des Glaubens an den Tag legen, wie sehr fie selbst diesen Glauben achten, und wie dankbar sie selbst gegen Gott für diese himmlische Gabe sind! Ach! daß doch das Reich Gottes zu uns komme! daß es in uns sei, indem sein h. Gesetz in uns regiert und unsere Leidenschaften beherrscht! Daß es auch um und außer uns sei, so weit die Erde reicht, indem alle Völker und Nationen Gott erkennen und Christum, seinen Sohn, den er gefandt hat, und ihn lieben und ihm dienen und das ewige Leben finden. Amen. Zum h. Johannes von Nepomuc.*) ( Den 16. Mai.) Litanei vom h. Johannes. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! *) Landespatron von Böhmen, der Grafschaft Rietberg und a. O. In Rietberg wird sein Fest am Sonntag Trinitatis und an den beiden folgenden Tagen sehr feierlich begangen. An den übrigen Orten der Paderborner Diöcese wird sein Fest am Sonntage nach den 16. Mai gefeiert. 3um h. Johannes von Nepomuc. Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme 2c. Gott heiliger Geist, erbarme 2c. Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme 2c. Heilige Maria, Heilige Gottesgebärerin, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Heiliger Johannes von Nepomuc, Du Blume der Reinigkeit, Du Lilie der Keuschheit, Du Gefäß der Andacht, Du Ausbund der Tugenden, Du Besitzer der Weisheit, Du Zierde der Geistlichkeit, Du Beispiel der Demuth, Du Insiegel der Verschwiegenheit, Du eifriger Berkündiger des göttlichen Wortes, Du Posaune des evangelischen Gesetzes, Du treuer Nachfolger der Apostel, Du Tröster der Betrübten, Du Stüße der Schwachen, Du Hülfe der Nothleidenden, Du Licht der Blinden, Du Vorbild der Heiligkeit, Du Rose der Geduld, Du Wunder der Beständigkeit, Du Verachter der Ehren und Würden, Du Betrachter der Ewigkeit, Du Beschützer der Gerechtigkeit, Du Vater der Waisen, Du Vertheidiger der Witwen, Du Schild der Verfolgten, Du Freund der Unglücklichen, Du Beschirmer der Ehre, Du Erretter von Schande und Spott, Du freigebiger Almosen- Spender, Du vielvermögender Fürsprecher bei Gott Du allgemeiner Hülfspatron, Du Arzt der Kranken, 605 Bitte für uns! 606 Du Zuflucht der Sünder, Du Trost der Betrübten, Du Spiegel der Beichtväter, Du auserlesener Blutzeuge, Du Genosse aller Heiligen, Du Theilnehmer der ewigen Glorie, Du großer Wundermann, O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! Das zehnte Gärtlein. O du Lamm Gottes 2c., erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c., erbarme dich unser, o Herr! Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Bater unser 2c. Gegrüßet seist du zc. V Das Geheimniß des Königs bewahren ist gut, R Gottes Werke aber offenbaren ist ehrenvoll. Bitte für uns! Gebet. Gott, der du wegen der siegreichen Bewahrung des Beichtsiegels durch den H. Johannes deine Kirche mit einer neuen Martyrkrone geziert haft; gib, daß wir durch seine Fürbitte und sein Beispiel unsere Zunge vorsichtig bewahren und in dieser Welt lieber jegliches Uebel erdulden, als Schaden an unserer Seele leiden. Durch Jesum Christum unsern Herrn, der mit dir lebt und regiert in Einigkeit des h. Geistes Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebet in Gefahr, den guten Namen zu verlieren. O barmherziger Gott! ich bin in großer Noth und Verlegenheit. Man will mir meinen guten Namen rauben, der doch nach dem Ausspruche deines h. Geistes besser ist, als alle Reichthümer. Was will ich anfangen, wenn ich in Schande und Verachtung gerathe! Wie will ich die Pflichten meines Standes und Berufes noch erfüllen können! Ja, es fällt mir schwer zu leben und ich komme in große Gefahr meines Seelenheils, darum eile ich zu dir und rufe dich mit beklommenem Herzen durch die Fürbitte des h. Johannes von Nepomuc an, den du allen denen, deren Gebet in Gewissensbeängstigung. 607 Ehre und guter Name in Gefahr ist, zu einem besondern Patron gegeben haft. Ach! verleihe mir doch durch die Fürbitte und Verdienste dieses H. Märtyrers, daß die Lästerzungen zu Schanden werden, und rette mich vor Unehre, Schimpf und Schande. Ich will auch um so treuer in meinem Berufe zu deiner Ehre und zum Heile meiner Mitmenschen wirken! Doch kann und soll dieser Kelch an mir nicht vorübergehen, soll ich Theil haben an den Schimpf und Spott, den dein geliebter Sohn, unser Herr und Heis land auch um meinetwillen erduldet hat, so geschehe dein Wille. Gib nur, daß ich diese so harte und beschwerliche Prüfung standhaft aushalte und dadurch ewig bei dir zu Ehren komme. Amen. Gebet in Gewissensbeängstigung. Oh. Johannes, der du von Gott besondere Gaben erhalten hast, als Beichtvater die Seelen zu führen; siehe! mein Gewissen ist in Verwirrung und Unruhe. Ich weiß mir nicht zu rathen noch zu helfen. Ach! bitte doch den Herrn, daß er in meinen finstern und verwirrten Geist Licht bringen und meinem dürren und verzagten Herzen Gnade geben wolle, damit ich meine Sünden recht erkenne, mich aufrichtig wegen derselben demüthige und sie von Herzen bereue. Mache auch, daß ich eine rechtschaffene Beicht ablege. Vor dem Beichten habe ich eine so große Furcht, und doch sehe ich wohl ein, daß mir dies allein Ruhe und Trost geben kann. Laß meinen Beichtvater recht auf den Grund meines Herzens sehen und verschaffe mir den guten und träftigen Willen, Alles das, was er mir vorschreibt und räth, gewissenhaft und herzhaft zu erfüllen. Ach! wie will, o h. Johannes, ich den Herrn mit dir loben und preisen, wenn ich wieder in Ruhe des Herzens und im Frieden des Gewissens Gott dienen, meinen Berufsgeschäften nachgehen, mit Freudigkeit den Weg der Gebote Gottes wandeln und se für das Heil meiner Seele wirken kann. Ich will mich gewiß bestreben, mit der Gnade Gottes mich dieses Seelenfriedens würdig zu machen durch einen gewissenhaften christlichen Lebenswandel und durch größere Treue gegen die Einflößungen der Gnade. O h. Johannes, erflehe mir den 608 Das zehnte Gärtlein. Frieden in der Zeit, damit ich um so sicherer erlange den Frieden in der Ewigkeit. Amen. Fest des h. Vincenzius von Paul, Stifters des Ordens der Missionspriester und der Genossenschaft der barmherzigen Schwestern. Patron der Vincenz- Vereine. ( Den 19. Juli.) Gebet der Kirche. O Gott, der du den Armen das Evangelium zu verkünden und den Glanz des geistlichen Standes zu erhöhen den h. Vincenz mit apostolischer Tugend ausgerüstet haft; wir bitten dich, verleihe uns, daß wir, die wir seine frommen Verdienste verehren, auch durch das Beispiel seiner Tugenden belehrt werden. Durch Jesum Christum, unsern Herrn, der mit dir und dem h. Geiste gleicher Gott lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. Litanei vom h. Vincenzius von Paul. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Jesu Christe, höre uns! Jesu Christe, erhöre uns! Gott Vater im Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme 2c. Gott heiliger Geist, erbarme 2c. Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme 2c. Heilige Maria, bitte für uns! Heiliger Vincenzius von Paul, bitte 2c. Heiliger Vincenzius, ( der du in dem zartesten Alter schon die Weisheit des reiferen Alters zeigtest, der du von Kindheit an voll Mitleid und Erbarmen warst, der du, wie David, aus einem einfachen Hirten das Haupt und der Hirt des Volkes Gottes wurdest, der du in deiner Gefangenschaft eine vollkommene Freiheit des Geistes bewahrtest, Bitte für uns! Heiliger Vincenzius, Litanei vom h. Vincenzius von Paul. ( du aus dem Glauben wahrhaft lebender Gerechter, der du an dem festen Anker der christlichen Hoffnung Stüße und Sicherheit fandest, du du immer von dem Feuer der christlichen Liebe branntest, du wahrhaft aufrichtiger, rechtschaffener und gottesfürchtiger Mann, du von Herzen demüthiger und sanftmüthiger Jünger Christi, der du an Leib und Seele vollkommen abgetödtet warest, immer lebend und belebt von dem Geiste Jesu Christi, du großmüthiger Eiferer für die Ehre Gottes, der du im Eifer für das Heil der Seelen stets innerlich branntest und nach Außen wirktest, du erklärter Feind und immerwährender Verachter der Welt und ihrer Grundsätze, der du in der christlichen Armuth die kostbare Perle und den reichen Schatz des Evangeliums gefunden, an Reinigkeit den Engeln zu vergleichen, der du stets getreu im Gehorsam und siegreich in deinen Worten warst, der du dich von Jugend auf der Werke der Nächstenliebe beflissen hast, der du mit genauester Umsicht selbst den leichtesten Anschein des Bösen geflohen, der du in allen deinen Handlungen nach der Ausübung der vollendetsten Tugend getrachtet, der du wie ein Fels mitten in den stürmischen Fluthen dieses Weltmeeres unbeweglich gestanden, der du wie eine in ihrer Laufbahn beständige Sonne immer auf den Pfaden der wahren Weisheit gewandelt, immer unbesiegbar in allen Widerwärtigkeiten, so geduldig im Leiden wie bereitwillig zum Verzeihen, der römischen Kirche stets folgsamer und gehorsamer Sohn, der du dem apostolischen Stuhle bis in den Tod mit unzertrennlicher Treue angehangen, Myrrhengarten III. 39 609 Bitte für uns! 610 Das zehnte Gärtlein. ( der du vor den weltlichen Neuerungen und liftigen Reden des Irrthums den äußersten Abscheu getragen, den die göttliche Vorsehung vorzüglich bestimmt hat, den Armen das Evangelium zu predigen, zärtlicher Vater und vollkommenes Muster der Geistlichen, weisester Stifter der Congregation der Missionspriester, vorsichtiger Gründer der Versammlung der barmherzigen Schwestern, immer von Mitleid gerührt gegen alle Noth der Armen und stets bereit, ihr abzuhelfen, der du in der Uebung des Gebetes, wie in der Ausspendung des göttlichen Wortes einen gleichmäßigen Eifer bezeigtest, du vollkommener Nachahmer des Lebens und der Tugenden Jesu, der du bis an dein Ende in der Vermeidung des Bösen und in der Uebung des Guten beharret hast, dessen Tod, wie dein Leben, kostbar in den Augen Gottes war, der du durch die Erkenntniß der ewigen Wahrheit, durch die Liebe der höchsten Güte, durch die Freuden der glückseligen Ewigkeit jetzt eines vollkommenen Glückes genießeft, erbitte doch allen Christen und besonders deinen lieben Kindern, daß sie, indem sie treulich deinen Fußstapfen folgen, dasselbe Ziel erreichen und am nämlichen Glücke Theil nehmen mögen, O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! Heiliger Vincenzius, Bitte für uns! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser, o Herr! Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Vater unser 2c. Gegrüßet seist du zc. Zum Hl. Vincenzius von Paul. 611 V Den Gerechten hat der Herr auf den Wegen der Geradheit und der Redlichkeit geführt, R Und hat ihn zum Reiche Gottes gelangen lassen. Gebet. Großer Gott, der du durch eine Wirkung der unendlichent Güte in unsern Tagen durch die Nächstenliebe und apostolische Demuth deines heiligen Dieners Vincenzius von Paul den Geist deines vielgeliebten Sohnes wieder erweckt hast, damit den Armen das Evangelium gepredigt, die Betrübten getröstet, die Elenden erquickt und dem geistlichen Stande ein neuer Glanz gegeben werde, verleihe uns gnädigst durch seine mächtige Fürbitte, daß wir, nachdem wir selbst von dem größten Elende der Welt, welches die Sünde ist, befreit sind, unser vorzügliches Bemühen dahin richten, dir durch die Ulebung derselben Liebe und Demuth zu gefallen. Wir bitten dich darum durch Jesum Christum, deinen Sohn, der mit dir, als gleicher Gott, lebt und regiert in Einigkeit des h. Geistes, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebet zum Gebrauch für die Mitglieder des Vereins vom h. Vincenz von Paul. Wir danken dir, o Herr, für die vielen und großen Wohlthaten, womit du den Verein vom h. Vincenz von Paul bisher überhäuft hast. Wir bitten dich, siehe auch gnädig herab auf diesen uns überaus theuern Verein, auf dessen einzelne Conferenzen, besonders diejenige, welcher wir angehören. Mache, daß er allerorts verbreitet und für alle Zukunft befestiget werde, daß in ihm stets derselbe Geist der Frömmigkeit, Einfalt und Bruderliebe herrsche, der von Anfang in ihm war, damit seine Werke von aller irdischen Gewinnsucht und Begierlichkeit frei, mehr und mehr für den Himmel Früchte bringen. Du weißt es selbst, o Herr, wie vieler Güter, sowohl geistiger als leiblicher, die armen Familien bedürfen, denen wir nur in sehr geringem Maße unsre Hülfe zuwenden können. Du weißt auch, wie vieler wir selbst bedürfen. 39* 612 Das zehnte Gärtlein. Erbarme dich deshalb unser, o Herr, und laß uns alle deine unendliche Barmherzigkeit erfahren. Auch für diejenigen von den Mitbrüdern unserer Genossenschaft bitten wir dich, barmherziger Gott, die gegenwärtig von der einen oder der andern Noth bedrückt werden, daß du ihnen zu Hülfe kommen mögest. Gieße über sie aus das Vertrauen, den Frieden, die Stärke und Klugheit, welche von dir herkommen. Laß ihre und unsre um Chrifti willen geduldig ertragenen Leiden dir wohlgefällig und uns fruchtbringend sein für's ewige Leben. Endlich bitten wir dich, o Herr, flehentlich durch die Verdienste unsres Herrn Jesus Christus, sowie durch die besondere Fürbitte Maria's, der allerseligsten Jungfrau und des h. Vincenz, unseres Patrons, daß du einst nach Auflösung unseres sterblichen Lebens Alle, die uns durch Verwandtschaft oder Freundschaft verbunden, die uns anvertrauten Armen, so wie die theuren Mitglieder unſeres Vereins, mit uns deines Reiches theilhaftig machen wollest. Am. Gebet für die Conferenzen. Am Anfange der Sitzung. Im Namen des Vaters †, des Sohnes und des heil. Geistes. Amen. Komm', heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen, und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe. V Sende aus deinen Geist, und alle Dinge werden neu erschaffen werden. R Und du wirst das Angesicht der Erde erneuern. Laßt uns beten! Gott, der du die Herzen der Gläubigen durch die Erleuchtung des heiligen Geistes gelehrt hast, gib, daß wir in demselben Geiste das, was recht ist, verstehen, und uns seiner Tröstungen allezeit erfreuen mögen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. V Heiliger Vincenz von Paul! RBitte für uns! Im Namen des Vaters †, 2c. Bu verschiedenen Heiligen. Beim Schluß der Sigung. Im Namen des Vaters †, 2c. V Heiliger Vincenz von Paul! R Bitte für uns! 613 Laßt uns beten! Gütigster Jesu, der du in deiner Kirche den heil. Vincenz von Paul als Apostel deiner brennenden Liebe erweckt haft, erfülle deine Diener mit demselben Eifer der Liebe, damit sie um deinetwillen freudig mit ihrem Besitzthume und ihrer Person sich dem Dienste der Armen weihen; der du mit Gott dem Vater lebest und regierest in Einigkeit des h. Geistes von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Für die Wohlthäter. Verleihe, o süßester Jesu, den Wohlthätern der Armen deine Gnade, der du denjenigen, welche um deines Namens willen Barmherzigkeit üben, hundertfältigen Lohn und die ewige Seligkeit verheißzen hast. Amen. Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin, verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöthen, sondern erlöse uns jederzeit von aller Gefährlichkeit, o du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau. Amen. Die Seelen der abgestorbenen Christgläubigen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes in Frieden. Amen. Im Namen der Vaters †, 2c. Bum heiligen Michael. ( Den 29. September.) Eine besondere Ehrfurcht habe ich gegen dich, höchster Himmelsfürst, h. Michael, weil dich Gott allen Engel- Chören vorgesetzt, und dir alle Seelen aufzunehmen befohlen hat. Darum habe ich dich zu meinem Patron erwählt, und begehre dich allezeit zu meinem Freunde zu haben. So lasse mich denn allzeit dir befohlen sein und der Kraft deiner Fürbitte genießen. Gleichwie du den höllischen Drachen überwunden und aus dem Himmel gestürzt hast; also wolleft du ihn in meinem Leben und Sterben von mir vertreiben, damit er mir keinen Schaden zufügen könne. Amen. 614 Das zehnte Gärtlein. Bum heiligen Schuhengel. [ Schußengelfest am 1. Sonntag im September.] Wie groß ist deine Liebe und Treue zu mir, mein heil. Schutzengel, der du mir Tag und Nacht dienest und mich vor so vielem Uebel bewahrest; ich aber erwiedere diese so wenig und thue dir viele Schmach an, indem ich deinen heilsamen Einsprechungen wenig oder gar nicht folge. Verzeihe es mir, mein bester Freund, und erwirb mir Gnade und wahre Besserung. Ich danke dir von Herzen für alle deine treuen Dienste, und was ich dir jetzt nicht vergelten kann, das will ich dir hernächst durch eine reinere und heiligere Liebe im Himmel vergelten. Bewahre mich allezeit vor allen sichtbaren und unsichtbaren Feinden, und stehe mir treulich bei in meinem letzten Streite. Amen. [ Siehe auch das Gebet S. 12. im ersten Gärtlein.] Zu den neun Chören der Engel. Ihr herrlichen Chöre der Engel, wie sehr hat euch Gott geliebt und was für Gnaden hat er euch ertheilt, daß er euch so edel erschaffen und die himmlischen Güter so reichlich mitgetheilet hat. Mit einer einzigen Ulebung der göttlichen Liebe habt ihr die ewige Seligkeit erworben, und seid zu Fürsten und Herren des himmlischen Reichs gesetzt worden. Nunmehr seid ihr in Ewigkeit glückselig und aus aller Gefahr, eure Glückseligkeit zu verscherzen. Deswegen freuet euch und frohlocket im Herrn, und begehet stete Freudenfeste und Tage der Fröhlichkeit. Ich wünsche euch Glück zu eurer Seligkeit, und gönne euch dieselbe von Grund meines Herzens. Ich lobe, preise und benedeie zugleich mit euch den lieben, gütigen Gott, und danke ihm in eurem Namen für alle Gnaden, die er euch ertheilt hat. Zur Vermehrung derselben opfere ich euch allen das edelste Herz Jesu Christi mit aller Vollkommenheit, die es in sich begreift, und mit aller Freundlichkeit, die es euch allezeit erzeigt hat. Ich befehle mich euch allen und jedem insbesondere, und bitte, ihr wollet Sorge für mich tragen und mich vor dem leidigen Satan beschützen. Ach, seid meiner eingedenk im himmlischen Reiche, und bittet Gott inständig für mich, daß auch ich einmal dahin gelange. Amen. Zu verschiedenen Heiligen. Bur heiligen Barbara. [ Den 4. Dezember.] Gebenedeit seist du, keuscheste Jungfrau und glorwürdige Märtyrin, H. Barbara. Unter der Zahl meiner Schutzpatronen habe ich dich besonders auserwählt, und vertraue durch deine kräftige Fürbitte bei Gott Gnade zu erlangen. Ich bitte dich durch dein sehr bitteres Leiden und deinen schmerzlichen Tod, flehe für mich, daß ich doch nicht ohne wahre Reue und würdige Empfangung der h. Sakramente von dieser Welt abscheide. Amen. Bum h. Evangelisten Johannes. [ Den 27. Dezember.] 615 Sei mir freundlich gegrüßt, du liebreicher Jünger und Freund Christi, o h. Johannes! Jch bitte dich durch die große Freundlichkeit, welche dir Christus am letzten Abendmahle erwiesen, als er dein Haupt auf seine hochwürdigste Brust legte und dir die höchsten himmlischen Geheimnisse offenbarte, daß du in meiner letzten Noth mein fündiges Haupt auf deine gebenedeite Brust legen und mir die Bitterkeit des Todes mindern wollest. Amen. Bum h. Antonius, dem Einsiedler. [ Den 17. Januar.] Du Patriarch der Einsiedler, h. Antonius! du demüthiger und immer heiterer Diener Gottes, der du an die neuzig Jahre in Abtödtung und stetem Gebete Gott in der Wüste dientest, bitte für mich um die Gnade, daß auch ich durch ein abgetödtetes und gottgeweihtes Leben zur steten Gesundheit des Leibes und einer immerwährenden Heiligkeit des Geistes gelange. Vertreibe auch, du Schrecken der Teufel, alle Anfechtung des Satans von mir, und gib nicht zu, daß seine Bosheit meinem Hause und allen, die darin wohnen, Menschen und Vieh, und all meinem Hab und Gut irgend Schaden zufüge, damit ich mit den Meinigen von der Hand unseres ärgsten Feindes befreiet ohne Furcht Gott dem Herrn diene in Heiligkeit und Gerechtigkeit alle Tage des Lebens, und nach demselben in Vereinigung mit dir seine Herrlichkeit in ewiger Freude genieße. Amen. 616 Das zehnte Gärtlein. Bur heiligen Agatha. [ Den 5. Februar.] O reine, heilige und gottliebende Jungfrau und Märtyrin Agatha, durch die Hülfe und den treuen Beistand deines Bräutigams, unsres Herrn Jesu Christi, hast du die zeitlichen und vergänglichen Dinge, die Wollüste und Freuden dieser Welt verlassen, dein Leben geordnet mit keuschen Werken, und nicht allein den gottlosen Quintianus, sondern auch die schnöde offene Sünderin Aphrodisia mit starkem Glauben überwunden. Geduldig und fröhlich hast du die Marter an deinen jungfräulichen Brüsten gelitten und bist über glühende Kohlen heldenmüthig hinweggeschritten, um die herrliche Martyrkrone zu erlangen. Ich bitte dich, erwirb mir die Gnade, daß auch mir und den Meinigen das zeitliche Feuer nichts anhaben könne, wie du dein Vaterland vor dem ungestümen Feuer bewahrt hast. Insbesondere aber lösche in uns das Feuer der Leidenschaften und bösen Begierden, welches unsere Seelen tödtet und in die ewigen Flammen hinabstürzt. Ach! daß wir doch diesem schrecklichen Feuer entronnen bei dir und allen Auserwählten Gottes uns ewig freuen möchten. Amen. W Bitte für uns, o heilige Agatha! R Auf daß wir vor dem zeitlichen und ewigen Feuer bewahrt werden. Bur h. Maria Magdalena. [ Den 22. Juli.] O du glorwürdige Büßerin und treue Freundin Chrifti, H. Maria Magdalena, ich erinnere dich der großen Gnaden, so dir Christus erwiesen, daß er dir eine so schmerzliche Reue über die Sünden und eine so inbrünstige Liebe zu seiner Gottheit verliehen hat. Ach! erwirb auch mir eine wahre Reue über meine Sünden und eine inbrünstige Liebe zu Jesu Christo, meinem Erlöser und Seligmacher. Am. Bur heiligen Clara. [ Den 12. Auguft.] Ehrwürdige Mutter, heilige Clara, du hast viel tausend Jungfrauen durch dein h. Leben und deine Ordensregel der Zu verschiedenen Heiligen. 617 Welt entzogen und zum geistlichen Stande geführt; darum ist deine Glorie groß im Himmel, und wird dein Name gepriesen in der ganzen Christenheit. Bitte deinen süßen Bräutigam für mich, daß ich ihm in meinem Stande treu diene und die ewige Seligkeit erlange. Amen. Bur h. Elisabeth von Thüringen. [ Den 19 November.] Oliebe h. Elisabeth! Du Sproß Ungarns und Zierde unseres deutschen Vaterlandes; du Vorbild der Kinder, du Spiegel der Jungfrauen, du Muster der Ehefrauen und du Heldin des Witwenstandes! Du bist so lieblich, daß sich bei der bloßen Erinnerung an dich schon mein Herz erfreut! Ich kann mir fast keine Tugend denken, in der du auf Erden dich nicht ausgezeichnet hättest! Wie unschuldig und rein war deine Kindheit! wie keusch deine Jugend! wie innig und treu dein Ehestand! wie heilig dein Witwenstand! Deinem Gott dientest du unter vieler Abtödtung von Jugend auf, und deine Liebe zum Nächsten war so groß und edel, daß du dich um seinetwillen ganz arm machtest, deinen fürstlichen Stand verließzest und als arme Dienstmagd deinen Jesus, den Auserwählten deines Herzens, in den Armen und Kranken bedientest! O liebe h. Elisabeth, bitte doch für mich, daß auch ich einmal anfange, Gott von Herzen zu dienen und die Eitelkeit der Welt und ihre schnöde Lust zu verachten! Ach! du warst erst 24 Jahre alt, als du schon vollendet in Heiligkeit zum himmlischen Hochzeitsmahle abgerufen wurdest; und ich wann werde ich endlich anfangen, den Weg der Tugend und Heiligkeit zu betreten! Es ist Zeit, es ist wahrhaftig Zeit für mich, zu wirken; vielleicht kommt bald die Nacht, wo Niemand mehr wirken kann. Bitte, bitte, du liebe Heilige, um Gnade für mich, daß ich wie du die Armuth nach dem Beispiele Jesu und seines h. Dieners Franziskus lieb habe, Entbehrungen dieses Lebens gern trage und eine besondere Freude darin finde, Andern wohlzuthun, mitzutheilen, den Armen beizuspringen, die Kranken zu pflegen und Werke der Barmherzigkeit zu üben; und dies Alles aus Liebe zu meinem Jesus! Ach, welche Seligkeit! einst das Wort des freundlichen - 618 Das zehnte Gärtlein. Richters zu hören: ,, Alles, was du dem Geringsten meiner Brüder gethan hast, das hast du mir gethan! Geh ein in die Freude deines Herrn!" Amen. Gebete für die Mitglieder des Vereins der heil. Elisabeth. Im Anfang der Sigung. Im Namen des Vaters †, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Komm, heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe. V Sende aus deinen Geist, und alle Dinge werden neu erschaffen werden. R Und du wirst das Angesicht der Erde erneuern. Lakt uns beten! O Gott, der du die Herzen der Gläubigen durch die Erleuchtung des h. Geistes gelehrt hast, gib, daß wir in demselben Geiste das, was recht ist, verstehen, und uns seiner Tröstungen allezeit erfreuen mögen. W Heil. Elisabeth! R Bitte für uns und unsere Armen. Im Namen des Vaters †, 2c. Beim Schluß der Sizung. V Heil. Elisabeth! R Bitte für uns und unsere Armen. Laßt uns beten! Erleuchte, o erbarmender Gott, die Herzen deiner Gläubigen und gib durch die glorwürdige Fürbitte der heiligen Elisabeth, daß wir die eitlen Güter dieser Erde verachten und uns deiner himmlischen Tröstungen ewig erfreuen mögen. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Für die Wohlthäter. Verleihe, o süßester Jesu, den Wohlthätern der Armen deine Gnade, der du denjenigen, welche um deines Namens willen Barmherzigkeit üben, hundertfältigen Lohn und die ewige Seligkeit verheißzen hast. Amen. Zu verschiedenen Heiligen. 619 Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige. Gottesgebärerin, verschmähe nicht unser Gebet in unsern Nöthen, sondern erlöse uns jederzeit von aller Gefährlichkeit, o du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau. Amen. Die Seelen der abgestorbenen Christgläubigen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes im Frieden. Amen. ( Darauf folgen zum Schlusse die im Statut angegebenen Fürbitten. Zu jeder Intention wird ein Vater unser und ein Gegrüßet seist du, Maria gebetet.) Gebet, welches beim Schlusse der Sizung und auch sonst gesprochen werden kann. Wir danken dir, o Herr, für die vielen und großen Wohlthaten, womit du den Verein von der heil. Elisabeth überhäuft hast. Wir bitten dich, siehe auch fernerhin gnädig herab auf diesen uns überaus theuern Verein, auf dessen einzelne Conferenzen, besonders diejenige, welcher wir angehören. Mach', daß er allerorts verbreitet und für alle Zukunft befestigt werde, daß in ihm stets derselbe Geist der Frömmigkeit, Einfalt und schwesterlichen Liebe herrsche, der von Anfang in ihm war, damit seine Werke von aller irdischen Gewinnsucht und Begierlichkeit frei, mehr und mehr für den Himmel Früchte bringen. Du weißt es selbst, o Herr, wie vieler Güter, sowohl geistiger als leiblicher, die armen Familien bedürfen, denen wir nur in sehr geringem Maße unsere Hülfe zuwenden können; du weißt, wie vieler Gnaden wir auch für uns selbst bedürfen. Erbarme dich deshalb unser, o Herr, und laß uns alle deine unendliche Barmherzigkeit erfahren. Auch für diejenigen von den Mitschwestern unserer Genossenschaft bitten wir dich, barmherziger Gott, die gegenwärtig von der einen oder der andern Noth bedrückt werden, daß du ihnen zu Hülfe kommen mögest. Gieße über sie aus das Vertrauen, den Frieden, die Stärke und Klugheit, welche von dir herkommen. Laß ihre und unsere um Christi willen geduldig ertragenen Leiden dir wohlgefällig und uns fruchtbringend für's ewige Leben sein. Das zehnte Gärtlein. Endlich bitten wir dich, o Herr, flehentlich durch die Verdienste unsers Herrn Jesus Christus, so wie durch die besondere Fürbitte Maria's, der allerfeligsten Jungfrau, und der hl. Elisabeth, unserer Patronin, daß du einst nach Auflösung unseres sterblichen Lebens Alle, die uns durch Verwandtschaft oder Freundschaft verbunden, die uns anvertrauten Armen, so wie die theuern Mitschwestern unseres Vereins mit uns deines ewigen Reiches theilhaftig machen wollest. Amen. 620 Bur heiligen Katharina. [ Den 25. November.] Glorwürdige Märtyrin Chrifti, h. Katharina, der süßeste Jesus hat dich zu seiner Braut auserwählt und dich mit einem Ringe sich vermählt. Er hat dir auch verliehen, durch deine Weisheit viele Heiden zu bekehren und mit standhaftem Müthe die Marter auszustehen. Wegen dieser dir verliehenen Gnaden rufe ich dich voll Vertrauen an: bitte, daß ich auch in der göttlichen Gnade sterbe und die ewige Seligkeit erwerbe. Amen. Bu einem jeden Heiligen. ( Dieses Gebet sollst du täglich einem Heiligen, welchen du besonders liebest und zum Patron erwählt hast, zu Ehren sprechen.) Ich grüße und ehre dich, du h. N. N., in der Kraft des Herzens Jesu Christi und durch dasselbe sage ich der h. Dreifaltigkeit Lob und Dank für alle Gaben und Gnaden, welche aus ihrem überfließenden Abgrunde dir zugeflossen sind. Demüthig bitte ich, du wollest mich in meinem Leben und Tode dir treu befohlen sein lassen, und den lieben Gott für mich inständig bitten. Amen. In allerlei Anliegent. Das eilfte Myrrhen- Gärtlein. Begreift in fich Gebete in allerlei Anliegen. C21 " In allen Dingen lasset euer Anliegen im Gebete und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden." So ermahnt uns der H. Apostel Paulus. Wo dir also etwas Besonderes begegnet, sei es Freud' oder Leid, so wende dich zu Gott, danke es ihm, klage es ihm mit den Worten, welche dir dein Herz eingibt. Und wenn du bisweilen auch gar nicht zu Worte kommen kannst, thut nichts; kniee nur vor deinem Herrn und Gott, der ja dein Vater ist, und übergib dich ihm mit dem Vertrauen und der Offenherzigkeit eines Kindes. Er kennt die Empfindungen deines Herzens, ehe sie auf der Zunge zu Worten werden, und er ist nahe denen, die bedrängten Herzens sind. Zu Zeiten findet das Herz am meisten Erleichterung beim langsamen Beten des Vater unser, wo es dann bei den Bitten, die es besonders jetzt recht angehen, sich länger aufhält und sie oft andächtig wiederholt. Ebenso mit dem englischen Gruße. Das Rosenkranzgebet, das ja aus beiden vorzugsweise besteht, bringt darum oft eine große Ruhe, Ergebenheit und Kraft in unsere Seele. Genug, in besonderen Fällen und Anliegen suche nicht ängstlich nach Worten, wirf dich nur vor einem Kreuze nieder, und laß dein Herz reden. Du findest nun hier in diesem Gärtlein einige Gebete für besondere Vorfälle im menschlichen Leben; für alle Fälle und Anliegen welche herzusetzen, wäre nicht möglich. Du kannst aus diesen aber leicht sehen, wie du in ähnlichen Fällen mit Gott reden, danksagen oder dein Leid klagen kannst. Einige Gebete, welche für Frauen und Mütter bezeichnet sind, können auch von Männern und Vätern in ähnlichen Fällen gebraucht werden, wenn diese nur einige Worte darin ändern. 622 Das eilfte Gärtlein. Drei Gebete für Unverheirathete, um Bewahrung der Keuschheit. I. ( Morgens und Abends zu sprechen.) Christe Jesu, du König der Jungfrauen und Liebhaber der Keuschheit, ertödte durch eine besondere Gnade in mir alle bösen Begierden und Regungen und Alles, was der vollkommenen Lauterkeit zuwider ist, und gib mir eine wahre und beständige Keuschheit. Bewahre meine Sinne vor bösen Einbildungen, meinen Willen vor aller Lüsternheit, damit ich dir, meinem Gott, mit reinem Herzen und keuschem Leibe dienen und gefallen möge. Amen. II. ( Während der Erhebung der Hostie in der h. Messe zu sprechen.) Christe Jesu! du Sohn der hl. Jungfrau Maria! ich bitte dich durch deine persönliche Gegenwart im h. Sakramente und durch die unbefleckte Reinigkeit deiner jungfräulichen Mutter, erschaffe in mir ein reines Herz, und laß mich durch deine mächtige Gnade gestärkt, meine Keuschheit und Herzensreinigkeit dir zu Liebe unverletzt bewahren. Amen. III. ( Nach der Communion oder vor einem Crucifig zu sprechen.) O Jesus, du Schönster unter den Menschenkindern, du Liebhaber der keuschen Seelen! O Maria, du Jungfrau aller Jungfrauen und keusche Braut des h. Geistes, du Beschützerin der reinen Herzen! Euch befehle ich die Reinigkeit meines Leibes und meiner Seele! In deine Wunden, o Herr! verbirg mein Herz, daß es rein und lauter bleibe! In deinen jungfräulichen Händen, o Maria! laß meine Unschuld unversehrt bleiben! Alle Gedanken, Begierden und Regungen wider die Keuschheit sind ganz und gar gegen meinen Willen, ach! helfet mir, daß ich doch nie und nimmer in dieselben einwillige. In Eurer Gegenwart, Jesus und Maria! nehme ich mir darum auch fest vor: ich will meine Sinne fleißig bewahren, will jene Gesellschaft N. N., jenen Ort N. N., jene Person N. N., jenes Spiel, jene Lustbarteit, jenen Gang- kurz Alles gewissenhaft meiden, was In allerlei Anliegen. 623 mir meine Eltern, meine Lehrer, mein Seelsorger oder Beichtvater nur als für die Keuschheit gefährlich angedeutet haben, und vor welchem mich noch die innere Stimme und die Unruhe und Verwirrung des Herzens warnen. Ich will den Anfechtungen tapfer widerstreiten, und nie etwas, weil es mir vielleicht Vergnügen oder Gewinn oder Gefallen bei den Menschen bringen könnte, thun oder gestatten, was auch nur im geringsten der Keuschheit zuwider ist oder auch nur zu sein scheint. Denn lieber will ich sterben, als meine Unschuld verlieren. O Jesu, erschaffe in mir ein reines Herz, und du Mutter meines keuschesten Jesu, erhalte in mir einen keuschen Sinn. Mit heilsamer Furcht, o keuschester Jesu, durchfahre mein Herz und verzehre mit deiner reinsten Liebe jegliches unheilige Feuer böser Begierlichkeit in mir. Behütet mich, o Jesus und Maria! daß ich doch nichts sehe, nichts höre, nichts rede oder thue, noch auch leide, was euren jungfräulichen Augen mißfällt, meine Reinigkeit befleckt und meine Seele verletzt. Amen. Stokgebet, wenn man Ehren-, Anstands- oder Geschäfts- halber zu einer Gesellschaft oder Lustbarkeit gehen muß. O mein Blut- Bräutigam Christe Jesu! versiegle mein Herz mit dem Zeichen deines heil. Kreuzes, auf daß kein Seelenfeind mir schade. Jesus und Maria, stehet mir bei! Merke, lieber Jüngling!( liebe Jungfrau!) daß du deine Unschuld nicht bewahren wirst, wenn du: 1. Dieselbe nicht für das kostbarste Kleinod hältst, das keine Schätze dieser Erde dir ersetzen können. 2. Diesen Schatz vor den Augen der Räuber nicht sorgfältig im Schreine der Demuth, Sittsamkeit, Eingezogenheit und des Stillschweigens bewahrest. 3. Diesen Schatz nicht täglich durch Fleiß und immerwährende Beschäftigung, durch unablässiges Gebet und durch öftere reumüthige Beichte und würdige Communion vermehrest. 4. Mit diesem Schatze nicht fliehest: a. aus böser Gelegenheit und Gefahr, b. vor böser Gesellschaft und nächtlichen Tänzen, 624 Das eilfte Gärtlcin. c. vor Allem, was in Wort und That der Ehrbarkeit und Schamhaftigkeit zuwiderläuft, d. vor Schmeichlern und Geschenken, e. vor unnöthigem Alleinsein mit dem andern Geschlechte, f. vor dem Müßiggang, g. vor der Unmäßigkeit im Essen und Trinken( besonders des Branntweins und des berauschenden Bieres), h. vor dem Lesen unzüchtiger Bücher, Romane und Liebesgeschichten. 5. Wenn du die Pforten zu diesem kostbaren Schatze nicht unausgesetzt bewachest, die fünf Sinne, besonders die Augen, die Ohren, das sinnliche Gefühl, das durch übertriebene Behaglichkeit, Bequemlichkeit und Pflege das Körpers ein böser Zunder sündhafter Lust wird. 6. Wenn du nicht zu diesem Schatze ein Kräutchen legeft, das da heißt: Furcht Gottes. 7. Wenn du selbst dem Hüter und Besitzer dieses Schatzes, nämlich dir selbst, nicht mißtrauest und die geringste Nachlässigkeit nicht hart an ihm strafest. 8. Wenn du nicht höhere und mächtigere Bundesgenoffen zu gewinnen suchst, obenan Jesus, Maria und Joseph; deinen Schutzengel, deinen Namenspatron, den heiligen Aloysius. 9. Wenn du nicht für unvermutheten, raschen Ueberfall einen Zufluchtsort dir stets offen hältst, nämlich unter dem Kreuze des Herrn, in seinem bittern Leiden, in seinen offenen Wunden. Gebet um richtige Standeswahl. Jesu! du Liebhaber der menschlichen Seelen, der du um meines Heiles willen vom hohen Himmel herab bis zur Erde dich erniedrigt und dein Leben in Armuth und Verachtung, in Mühe und Arbeit, in Schmach und Verfolgung, in Schmerz und Leid zugebracht und endlich am schimpflichen Kreuzholze für mich und meine Seligkeit geopfert hast, dich bitte ich, so hoch und theuer ich nur bitten kann, du wollest mir um der Verdienste deines Lebens und Sterbens willen den Geist des Rathes senden, auf daß ich denjenigen Stand erwähle, von dem du voraussiehst, In allerlei Anliegen. 625 daß ich in demselben fromm leben und sterben werde. O Jesus! du weißt es, mein einziger Herzenswunsch ist, dir treu zu dienen, fromm zu leben und ewig in deiner Liebe selig zu werden. Siehe, o Herr! mein Herz ist bereit! Ich will, mein Jesus, was du willst. Zeige mir deinen Willen, und gib mir Gnade zu folgen und Standhaftigkeit, bis an mein seliges Ende zu halten, was du mir befohlen hast. Amen. Merke, mein junger Chrift! daß du deinen Stand nicht wählen darfst: 1. Wenn du Unglück gehabt hast, traurig und niedergeschlagen bist. 2. Wenn du ein ungewöhnliches Glück gehabt, und übermäßig fröhlich bist. 3. Wenn irgend eine Lust und Leidenschaft in dir regiert. In diesen Fällen ist dein Verstand nicht klar, dein Gemüth verwirrt und dein Wille nicht frei. 4. Berathschlage dich nach der Beichte und Communion, nach eifrigem Gebet, nach einer guten Handlung. 5. Erwäge die Beschwerden ebenso wie die Vortheile des Standes, worüber du dich berathschlagst. Prüfe deine Neigungen, Anlagen, Kenntnisse, Kräfte. Und rathe dir selbst dasjenige, was du deinem besten Freunde rathen würdest oder du wünschest gethan zu haben, wenn's zum Sterben kommt. 6. Geh mit einem gottesfürchtigen Freunde, besonders mit deinem Beichtvater zu Rathe( frag aber nicht zu Viele), in den meisten Fällen auch mit den Eltern; doch dann nicht, wenn du weißt, daß sie dich wegen ihres weltlichen Sinnes von einem vollkommneren Stande abhalten würden. Höre auch nicht allein auf sie, wenn sie dir zu einem vollkommneren Stande, zum geistlichen oder klösterlichen Stande etwa, rathen; hier wird dir der Prüfstein, wie weit du trauen darfst, die reine Absicht sein. 7. Nimm daher vor Allem Gott zu Rathe im Gebet. Beichte und communicire in der Zeit öfters und rufe die Fürbitte Mariens und andere Heiligen an. 8. Findest du dann nach längerer, bedachtsamer Ueberlegung, daß du zu einem Stande besonders hingezogen Myrrhengarten III. 40 626 Das eilfte Gärtleint. wirst, und fühlst du im Gebete und besonders nach der h. Communion eine besondere Ruhe und innere Freude, wenn du an denselben denkst; so wähle denielben ohne Furcht. Du kannst vernünftig daraus annehmen, daß es der Wille Gottes sei und dein Beruf. 9. Hat dich Gott zum Ehestande berufen, so thue nichts ohne Rath deiner Eltern und Vormünder. Gib Niemanden voreilig dein Jawort, ohne dich vorher genau nach dem Charakter, der Gemüthsart, dem Glauben und den Sitten, nach den Mitteln und sonstigen äußeren Umständen desjenigen, der dich zur Ehe begehrt, erkundigt zu haben. Traue deinem Urtheile in diesem Punkte am wenigsten. Eile nicht zu diesem Stande aus sinnlicher Begier, oder aus eitler Absicht, oder aus Leichtsinn; sondern deine Meinung und Absicht sei rein und keusch, wie die des Tobias und der Sara.- Laß dich auf keine Bekanntschaft oder Freierei ein, wo du aus allen Umständen gewiß voraussiehst, daß aus der Heirath noch lange nichts werden kann.- Mache solchen Personen, über welche du völlig entschlossen bist, sie nicht zu heirathen, weil sie z. B. nicht unsers Glaubens sind, oder wenn auch, doch ein unsittliches Leben führen, oder nicht fleißig sind, oder ihr Brod nicht gewinnen können, oder Spieler sind oder dergl., durchaus keine Hoffnung, und erkläre dich gleich anfangs offen und aufrichtig, ehe eine sinnliche Zuneigung entsteht; denn wenn diese da ist, so urtheilst du nicht mehr richtig. Gehe nie insgeheim ohne Vorwissen deiner Eltern ein Ehegelöbniß Hast du dich in christlicher Weise verlobt, so beachte das Gesetz der Kirche und wohne nicht mit der dir verlobten Person in demselben Hause; sei auch nie allein mit derselben, sondern sprich immer nur im Beisein der Eltern oder Verwandten mit ihr und sei um so behutsamer und ehrbarer in deinem Benehmen. Bete eifriger und empfange öfter die h. Sakramente während der Zeit der Verlobung. Erwäge oft, daß Verlobte noch keine Eheleute fint und denselben durchaus nicht erlaubt ist, was nur Eheleuten erlaubt ist, was immerhin auch leichtsinnige und freche, ungläubige und lüsterne Menschen dagegen sagen mögen. Laß dich durch solches Gerede nicht verführen. ein. - - In allerlei Anliegen. 627 Ach! wie glücklich wirst du sein, wie viele Gnade wird der Herr dir in deinem Ehestande geben, wenn du den Jungfraukranz unversehrt mit an den Altar trägst und denselben zu den Füßen deines Herrn und Gottes zum Opfer bringst. ,, wie schön ist ein keusches Geschlecht im Tugendglanze! Denn unsterblich ist sein Andenken und bei Gott und den Menschen ist es anerkannt. Ist es gegenwärtig, jo ahmet man ihm nach; entzieht es sich den Augen, so sehnt man sich darnach; und ewig triumphirt es mit der Siegeskrone und trägt den Preis für die Kämpfe unbefleckter Reinheit davon." Buch der Weisheit 4, 1. 2. Gebet, von Verlobten oft zu sprechen. O Jesu, mein Gott und Heiland! da ich nun zum Ehestande mich entschlossen habe, denselben aber ohne deine besondere Gnade nicht würdig eingehen, noch ehrbar und teusch halten kann; so beuge ich vor dir meine Kniee, demüthige mich von Grund meines Herzens und betheure vor deinem göttlichen Angesicht, daß ich weder aus Begierlichkeit des Fleisches, oder der Augen, oder aus Hoffart des Lebens, noch aus einer andern verkehrten und bösen Absicht in den Ehestand treten will; nein, ich will es nur darum, weil ich darin deinen H. Willen erkenne, weil ich darin so vielen Gefahren meines Seelenheils entgehen, die nothwendigen Bedürfnisse des zeitlichen Lebens sicherer finden, in der gottesfürchtigen Erziehung der Kinder, welche ich von dir hoffe, dir treuer dienen zu können glaube. Ich bitte deshalb zuerst deine unermeßliche Güte durch die Liebe deines verwundeten Herzens, du wollest mir den Geist des Rathes und der Stärke geben, daß ich, durch denselben geleitet, den Ehegatten erwähle, welcher dir gefällig und mir dienlich ist, und dem Erwählten mit keuscher Liebe und unwandelbarer Treue anhange. Zum andern bitte ich durch die unbefleckte Reinigkeit Mariä, du wollest mein Herz vor aller bösen Begierlichkeit bewahren und mir fräj..ge Gnade ertheilen, meinen Jungfrauenkranz unverletzt vor deinen Altar zu bringen. Drittens bitte ich durch die heiligste Ehe Mariä und Joseph, du wollest meinen fünftigen Ehestand segnen und benedeien; uns beiden überflüssige Gnade 40* 628 Das eilfte Gärtlein. verleihen, in Freude und Einigkeit, in christlicher Liebe und Gottesfurcht dir also zu dienen, daß wir einstens selig werden mögen. Amen. Gebet einer Jungfrau, die sich durch das Gelübde der Keuschheit Gott verlobt hat. ( Täglich zu sprechen.) Jesus, du Bräutigam meiner Seele! ich sage dir höchsten Dank, daß du mich der Welteitelkeit und schnöden Wollust entzogen und dir mit dem Ringe keuscher Liebe vermählt hast. O wie unvergleichlich besser ist es, Jesus demüthig zu dienen, denn aller Welt Ehren, Reichthümer und Lüfte zu genießen! Dir, o Jesu, dienen, ist die höchste Ehre und Freiheit! Dich, o Jesus, lieben, ist die reinste Freude und ein stetes Wohlleben. O Jesu, mein Bräutigam, du bist mein und ich bin dein! Dir schenke ich meinen Leib und meine Seele, mein Gedächtniß, meinen Verstand, meinen Willen, meine Sinne, mein Thun und lassen. Ich bekenne jetzt für die Zeit meines ganzen Lebens, daß ich Alles, was ich thun und leiden werde, dir, o Jesus! ganz allein zu Gefallen thun und leiden, auch meine Keuschheit dir zu Liebe beständig halten will. Deshalb hasse und verfluche ich Alles, was der Keuschheit zuwider ist, und nehme mir fest vor, alle gefährliche Gesellschaft und Gelegenheit zu fündigen auf's Sorgfältigste zu meiden. Nicht das Geringste will ich thun oder leiden, was mein Gelübde verletzen könnte. O Jesus, meine Liebe! ich habe es gesagt und auch gelobt, in Keuschheit und Reinigkeit dir zu dienen; die gelobte Treue will ich halten, und follte es auch Gut und Blut, Leib und Leben kosten. Keine Menschenfurcht oder Gunst, keine Freude, kein Leid, keine Berachtung, keine Armuth, keine Anfechtung, keine Gewalt, teine Traurigkeit, tein Elend, tein Berlassenheit nichts, gar nichts soll mich von der Liebe Jesu scheiden. - Um Eins nur bitte ich, o Jesu! um Eins nur, mein Blut- Bräutigam, süßester Jesu! und dies wirst du mir, deiner wenngleich unwürdigen Dienerin, gewiß nicht versagen. Du darfst es mir nicht versagen, ich bitte dich durch dein Kreuz und Leiden; durch dein Blut und deine Wunden, In allerlei Anliegen. 629 durch deinen bittern Tod und deine schmerzhafte Mutter Maria, und dies ist:- daß du mir überflüssige Gnade verleihen wollest, in dem dir verlobten Stande treu und eifrig und beständig zu leben, mich in allen Tugenden zu üben und in einer wirklich vollkommenen Liebe zu dir zu sterben und ewig selig zu werden. Amen. Gebet eines Kindes für seine Eltern. Lieber Vater im Himmel, wenn ich an Bater und Mutter denke, dann weiß ich nicht, was ich sagen und thun soll. Sie haben so viel für mich gethan und ausgestanden, um mich auf diesen Tag und in diesen Stand an Leib und Seele zu bringen, worin ich mich, Gott sei Dank! befinde; sie thun stündlich so viel für mich und arbeiten und sorgen und plagen sich für mich, damit ich doch ohne Sorgen leben und was Nützliches lernen könne, daß ich's oft nicht ohne Herzenleid ansehen kann; und was haben sie nicht alles noch vor, daß ich's in Zukunft, wenn sie mal nicht mehr sind, wie sie sagen, doch gut haben möchte! So ist es ja unmöglich, daß ich es ihnen je werde vergelten können, was sie mir Liebes erwiesen. Darum komme ich zu dir, mein Gott, der du Alles in Ueberfluß haft und so gern gibst, und bitte dich mit zutraulichem Herzen, du wolleſst anstatt meiner Vater und Mutter vergelten, was ich nicht kann. Gib ihnen deinen Segen, daß sie Glück und Freude und ein langes Leben auf dieser Welt haben, und dereinst die ewige Seligkeit. Mir aber gib ein dankbares Herz, damit ich nie, nie vergesse, was sie an mir gethan haben, und mache mich zu meinem künftigen Berufe geschickt, daß ich sie in ihren alten und kranken Tagen, wenn sie nicht mehr können, ernähren und ihr Alter sorgenfrei und glücklich machen kann. Und dort oben in unserer rechten Heimath, im eigentlichen Vaterhause bei dir laß uns einander wieder finden, um dich zu loben und zu preisen für Alles, was du uns Gutes gethan hast, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebet eines Kindes, das kranke Eltern hat. Mein lieber himmlischer Vater, der du mir befohlen hast, meine Eltern zu lieben und zu ehren; siehe, ich begehre 630 Das eilfte Gärtlein. dein Gebot zu erfüllen, und aus findlicher Liebe für meinen franken Vater( Mutter) zu bitten. Ich bin zwar nicht würdig, erhört zu werden, weil ich meine lieben Eltern oftmals erzürnt und dein Gebot übertreten habe; jedoch bist du gnädig, mich zu erhören und bereit, deine Güte auch Unwürdigen zu erzeigen. Darum, o Gott, erhöre mein unwürdiges Gebet, und verleihe meinem kranken Vater ( Mutter) die vorige Gesundheit. Ach, mache mich armes Kind doch nicht so bald zu einer Waise, sondern lasse mich doch noch eine Weile unter dem Schußze meiner lieben Eltern leben! Ich bitte dich durch die kindliche Liebe, so Christus zu seiner lieben Mutter getragen hat, erbarme dich über meinen kranken Vater( Mutter) und erlöse ihn ( sie) aus der Gefahr des Todes. Erhöre das Seufzen und Weinen von uns armen Kindern, und lasse unsere heißen Thränen dein mildes Herz erweichen. Erlöse unsern lieben Vater( Mutter) von seiner( ihrer) Krankheit, ſo wollen wir dich loben und preisen mit großer Freude. Amen. Gebet eines Kindes, dessen Vater oder Mutter gestorben ist. Ich arme verlassene Waise seufze zu dir, barmherziger, gütiger Gott, und klage dir das schmerzliche Leid, worin ich durch den Tod meines Vaters( Mutter) gerathen bin. Ostrenger Gott, wie hast du mich unglückseliges Kind so bald zu einer Waise gemacht, und wie bald mir den hinweggenommen, der mich erziehen und ernähren sollte! Ach, wie werde ich nun meine Nahrung finden, und wer wird Sorge tragen für mich armes, verlassenes Kind! O lieber, himmlischer Vater, sei du von nun an mein Vater, und nimm mich zu deinem Kinde an, wie ich dich jetzt zu meinem besten Vater erwähle. Und du, seligste Jungfrau Maria, sei in Zukunft allzeit meine treue Mutter, und nimm mich unter die Zahl deiner Kinder an, wie ich dich nun zu meiner liebsten Mutter erwähle. Ich bitte dich auch, o Gott, du wollest mir verzeihen, daß ich meinen lieben Vater( Mutter) so vielmals erzürnt habe, und daß ich ihm( ihr) so manchen Zorn und Verdruß verursacht habe. Ach, strafe die arme In allerlei Anliegent. 631 Seele in jener Welt nicht um meinetwillen, sondern verzeihe ihr gnädig die Sünden, wozu ich sie durch meinen Ungehorsam gebracht habe! Strafe mich vielmehr auf dieser Welt nach meinem Verschulden, und schone der armen Seele in jener Welt. Vergilt the auch die Mühe und Sorge, die mein lieber Vater( Mutter) mit mir gehabt hat, und für alles Gute, was er( sie) mir erwiesen hat, schenke ihm( ihr) die ewige Freude und Seligkeit. Amen. Gebet beim Tode eines Freundes. Mitleidigster Jesu, ich erinnere dich der großen Betrübniß. welche dein Herz durchdrang, als du über den verstorbenen Lazarus, deinen lieben Freund, weintest, und durch diese Zähren zu erkennen gabest, wie sehr du ihn liebtest; ebenso ist mein Herz jetzt betrübt, weil du mir meinen lieben Freund genommen hast, welchen ich nach deinem Gebote geliebt habe, wie mich selbst. Ach, wie sehr hast du mich durch diesen Todesfall betrübt, und wie schwer wird es mir, mich in deinen göttlichen Willen zu fügen! Dennoch stelle ich Alles deiner Anordnung anheim, und opfere dir die große Betrübniß, mit welcher mein Herz erfüllt ist. Ich vereinige meine Thränen, die ich über diesen meinen Freund vergossen habe, mit jenen Zähren, so du über deinen Freund Lazarus geweint hast, und bitte dich, daß du dieselben der armen Seele zur Erquickung gereichen lasseſt. Wie du deinen Vater über den verstorbenen Lazarus gebeten hast, so bitte auch ich dich in Betreff der Seele meines verstorbenen Freundes, daß du sie aus der Qual erretten und mit deinem lieblichem Angesichte erfreuen wollest. Führe mich und sie auch einst im Himmel zusammen, damit wir uns miteinander in dir erfreuen, und dich ewiglich loben und benedeien. Amen. Gebet bei Anfechtungen in Gedanken wider Gott. Zu dir, o Gott! seufze ich und flage dir die schwere Anfechtung, welche ich leide. Herr, fomme mir zu Hülfe, denn ich leide Gewalt, weil der Satan mir 10 viele ab= scheuliche Gedanken wider deine Ehre eingibt; du aber, mein 632 Das eilfte Gärtlein. Gott, weißt, daß mir diese Gedanken nicht lieb sind, sondern mich sehr beschweren und betrüben. Darum hoffe ich, du werdest dieselben mir nicht zur Sünde rechnen, sondern wegen meines Streites meine Verdienste vermehren. Ich bezeuge hiermit vor dir und allen Heiligen, daß mir diese Gedanken gar nicht lieb sind, und daß ich keineswegs darein zu willigen begehre. Falls ich aber wegen schwerer Anfechtung oder Verwirrung irgendwie einwilligen sollte, so widerrufe ich jetzt, da ich ohne Verwirrung bin, diese Einwilligung, und sage vor Himmel und Erde, daß dies nicht aus freiem Willen, sondern aus Zwang herrühre, und darum durchaus nicht gelten kann und soll. Ich bekenne auch hier vor dem himmlischen Heere und rufe hierüber dich meinen Gott zum Zeugen meines Gewissens an, daß ich von dir nichts anderes glaube, noch halte, als was die heil. katholische Kirche von dir glaubt und hält; und daß ich dich mit Herz und Mund treulich verehre, und wider deine göttliche Ehre niemals etwas zu denken, zu reden, noch zu thun begehre. Dies ist meine ernstliche und wohlbedachte Meinung, worauf ich zu leben und zu sterben bereit bin. Und was wider diese meine jetzige Erklärung mir jemals vorkommen möchte, das soll hiermit auf ewig vernichtet und verworfen sein; so wahr mir Gott helfe und sein heil. Evangelium. Im Anfange war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Amen. Gebet eines Angefochtenen in unreinen Gedanken. Jesu Christe, du besonderer Liebhaber der Reinigkeit, komme mir zu Hülfe, und verleihe mir Stärke wider die schweren Anfechtungen. Du erkennest meine große Schwachheit und die große Bosheit des Satans. Du weißt, daß ich ohne dich keinen Widerstand leisten, noch diese Anfechtung ausschlagen kann. Darum wende ich meine Augen zu dir, und rufe dich inständig um Hülfe an. Ich bezeuge aber hier vor dir, daß mir diese unreinen Gedanken nicht lieb sind, und daß ich keineswegs darin zu willigen begehre. Ja, wenn schon mein Wille aus Schwachheit, oder wegen heftigen Andranges der Anfechtung sich in solchen Gedanken belustigen sollte, so widerrufe ich jetzt diese Belustigung, In allerlei Anliegen. 633 und sage, daß sie nichtig und ungültig sein solle. O du Bräutigam reiner Seelen, ich befehle dir meine Reinigkeit, und bitte dich, du wollest mich nicht mehr angefochten werden lassen, als ich ertragen kann. Ich verschließze mein schwaches Herz in dein h. durchstochenes Herz, damit es da vor allen giftigen Pfeilen des Satans sicher sei. Ich befehle auch alle meine Gedanken und Begierden in deine allerreinsten Gedanken und Begierden, und bitte, daß du sie vor aller Belustigung und Einwilligung bewahren wolleft. Amen. Gebet eines Betrübten. du Tröster der Betrübten, Christe Jesu! in dieser meiner schweren Betrübniß fliehe ich zu dir, und suche bei dir, meinem Gott, Hülfe und Troft. Siehe, mein betrübtes Herz lege ich hier zu deinen Füßen, und will es nicht eher wieder aufheben, bis es von dir getröstet und gestärkt worden ist. Ich suche keine eitle Freuden, noch weltliche Tröstungen, sondern begehre nur von meiner großen Schwermuth, welche mir in deinem Dienste hinderlich ist, befreit zu werden. Ach, gib mir wieder die Freude deines Heils, und bekräftige mich mit dem vortrefflichen Geiste! Ach, laß mich nicht kleinmüthig werden in meiner Traurigkeit, noch aus Verdruß von guten Werken ablassen! Durch die große Traurigkeit, die du am Delberge gehabt, und durch die bitterste Verlassenheit, die du am Kreuze ausgestanden hast, bitte ich dich, nimm die übermäßige Traurigkeit von mir, und stärke mich in meiner bittersten Trostlosigkeit. Ich opfere dir alles, was mich an Leib und Seele beschwert, und vereinige dasselbe mit jener Aufopferung, wodurch du am Kreuze deinem Vater all dein Leid geopfert hast. Verschaffe, daß alles zu deiner Ehre gereiche, und mir zum ewigen Frohlocken. Amen. Litanei von der göttlichen Fürsehung. ( Besonders bei zaghafter Gemüthsstimmung nützlich zu beten.) Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Jesu Christe, höre uns! Jesu Christe, erhöre uns! 634 Das eilfte Gärtleint. Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme 2c. Gett heiliger Geist, erbarme 2c. Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme 2c. Gott, allmächtiger Schöpfer Himmels und der Erde, Unsichtbarer, unerforschlicher Gott, Allwissender und allweiser Gott, Langmüthiger und barmherziger Gott, Allgütiger und gerechter Gott, Der du dich aller deiner Geschöpfe erbarmest, Der du Alles, was da lebt, mit Segen erfüllest, Der du mit Weisheit und Liebe über alle deine Geschöpfe waltest, Der du denen, die dich lieben, Alles zum Besten lenkest, Der du für alle deine Geschöpfe väterlich sorgest, Der du die Blumen des Feldes bekleidest, Der du alle Haare unseres Hauptes gezählt hast, Der du die Ulebel und Trübjale zu unserm Heile wendest, Der du die christliche Geduld mit ewiger Freude belohnest, Gott, unser einziger Helfer und Tröster, Gott, unsere einzige Hoffnung und Zuflucht, Sei uns gnädig! Verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig! Erhöre uns, o Herr! Von allem Uebel Leibes und der Seele, Von Lauigkeit in deinem Dienste, Von Geringichaßung deiner Gnade, Von Mißtrauen auf deine göttliche Fürsehung, Von allem Murren und Klagen wider deine h. Anordnungen, Von Kleinmuth und Ungeduld im Leiden, Von überflüssigen Sorgen für das Zeitliche, Von zu großem Vertrauen auf Menschengunst und Reichthum, Von allem Mißbrauche deiner Gnaden und Wohlthaten, Von aller Lieblosigkeit gegen den Nächsten, Von Verstocktheit des Herzens, Von Mangel des nöthigen Unterhalts, Erbarme dich unser! Befreie uns, 0 Herr! Litanei von der göttlichen Fürsehung. 635 Von Krieg und ansteckenden Krankheiten, befreie uns, o Herr! Vom unvorhergesehenen Tode, befreie uns, 2c. Vom schrecklichen Gerichte, befreie uns, 2c. Wir armen Sünder! Wir bitten dich, erhöre uns! Daß du unser schonest und unsere Sünden gnädig verzeihest, Daß wir immer auf deine göttliche Fürsehung fest vertrauen, Daß wir im Glücke nicht hochmüthig und gottvergeſsen und im Unglücke nicht mißtrauisch und ungeduldig werden, Daß wir allen deinen Fügungen uns findlich unter= werfen, Daß wir deinen Namen preisen, du magst geben oder nehmen, Daß dein Wille, wie im Himmel, also auch auf Erden geschehe, Daß du uns gebest, was wir zur Erhaltung unseres Lebens bedürfen, Daß du uns in der Betrübniß Trost und Hülfe sendeſt, Daß du uns in allen Widerwärtigkeiten stärkest und zur Tugend hinführest, Daß uns die Trübsale zur Besserung unseres Lebens verhelfen, Daß du unsere Arbeiten segnen wollest, Daß du für die zeitlichen Leiden uns die ewigen Freuden ertheilen wollest, Daß du unsere geistlichen und weltlichen Obern mit dem Geiste der Weisheit und Frömmigkeit erfüllen wollest, Daß du unsern Wohlthätern mit den ewigen Gütern vergelten wollest, Daß du dich aller Nothleidenden erbarmen wollest, Daß du allen abgestorbenen Gläubigen die ewige Ruhe verleihen wollest, Daß wir einst ewig deine h. Fürsehung im Himmel loben und preisen mögen, Gott der Liebe, Wir bitten dich, erhöre uns! 636 Das eilfte Gärtlein. O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c., erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c. erbarme dich unser, o Herr! Jesu Christe, höre uns! Jesu Christe, erhöre uns! Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Vater unser 2c. Gegrüßet seist du zc. V Der Name des Herrn sei gebenedeit, R Von nun an bis in Ewigkeit! Gebet. Gott, dessen Fürschung in ihren Anordnungen nicht irren kann, wir flehen demüthig zu dir, daß du alles Schädliche entfernen und alles Heilsame uns gewähren wollest. Durch Jesum Christum 2c. Gebet eines Unterdrückten. Herr, meine Feinde haben sich wider mich erhoben, und suchen mich mit einem ungerechten Hasse zu unterdrücken. Ich aber bin arm und schwach, und kann ihnen nicht widerstehen; darum suche ich bei dir Hülfe und Rath, damit du mich errettest und beschüßzest. Ach siehe doch, wie ich so unbilliger Weise verfolgt und gedrängt werde, und wie meine Widersacher mich um Ehre und Gut zu bringen suchen. Darum seufze ich aus der Tiefe meiner Armseligkeit zu dir, und klage dir meine Unschuld und Unterdrückung. Du bist der Einzige, der mich erlösen kann, darum setze ich all mein Vertrauen auf dich, und rufe dich von Grund meines Herzens an. Erzeige deine Güte und Allmacht an mir, damit meine Feinde sehen, daß du ein Beschützer aller Unterdrückten bist. Dir, o gütiger Gott, befehle ich meine Sache, und dir übertrage ich all mein Recht, welches ich dazu habe. Dich erwähle ich zu meinem Sprecher und Schutzherrn, und vertröste mich gänzlich, du werdest Alles zu gutem Ende bringen. Auf dich, o Herr, habe ich vertraut, du wirst mich ja nicht zu Schanden werden lassen. Amen. In allerlei Anliegen. Gebet eines Verläumdeten. O Gott, du Erforscher der Nieren und des Herzens, du weißt, wie große Unbild mir geschieht, und wie unverschuldeter Weise ich um meinen guten Namen komme! Wie will ich doch dies mit Geduld leiden, weil mein Kreuz schwerer ist, als ich tragen kann! Du weißt ja, o Gott, daß Einem nichts Schwereres auf Erden widerfahren kann, als wenn Einem die Ehre ohne eigene Schuld genommen und man so zum Schimpf und Spott aller Menschen wird. Wie hast du denn mir dies so schwere Kreuz aufladen mögen, da du doch weißt, daß meine Kräfte viel zu schwach sind! Deswegen bitte ich demüthig um Abwendung dieses Kreuzes, damit ich mich nicht dadurch versündige, noch in Ungeduld falle. Du, o Christe Jesu, weißt, wie schwer es Einem fällt, wenn man verkleinert und verspottet wird, weil du in deinem bittern Leiden mehr als alle Menschen bist verspottet und verläumdet worden. O! so trage denn auch jetzt Mitleid mit mir, und vernichte die Verläumdungen, die wider mich ausgesprengt werden. Verstopfe doch die Mäuler der ungerechten Ehrabschneider, und gib meine Unschuld meinen Feinden zu erkennen. Verleihe mir auch Geduld in dieser meiner Widerwärtigkeit und lasse dieſe Schmach eines Tages zu meiner größern Ehre gereichen. Ich befehle dir meine Unschuld und opfere dir alle ungerechte Ehrabschneidung zu deiner Ehre und meinem Heile. Rechne doch meinen Feinden ihre Bosheit nicht zur Sünde, sondern vergilt ihnen alles Böse, das sie mir zufügen, damit, daß du sie zur Erkenntniß, zur Besserung und dadurch zur ewigen Seligkeit führest. Amen. C37 Gebet eines Dürftigen. Ach, ich armer dürftiger Mensch komme vor deine Thüre, mein lieber himmlischer Vater, und begehre demüthig ein Almosen und die nothwendige Nahrung. O mein Gott, du weißt meine große Noth und Dürftigkeit, und erkenneſt den äußersten Mangel, den ich und die Meinigen leiden müssen! Des Bettelns schäme ich mich, darf auch Niemand meine große Armuth offenbaren. Deswegen muß ich großen 638 Das eilfte Gärtlein. Hunger und Mangel leiden, und weiß nirgends als bei dir eine Zuflucht zu suchen. Christe Jesu, du Helfer der Armen, der du mit deinem göttlichen Munde geredet haſt: Bittet, so werdet ihr empfangen; klopfet an, so wird euch aufgethan werden; siehe! ich komme auf dein Wort vertrauend zu der Thüre deiner Barmherzigkeit, und klopfe mit meines Herzens Seufzern dringend an. Ich begehre um Gottes willen ein barmherziges Almosen, und spreche mit den Worten, die du mich gelehrt hast: Unser tägliches Brod gib uns heute. Ach! so erhöre denn meine demüthige Bitte, und lasse durch mein Anklopfen die Thüre deines Herzens eröffnet werden. Mache, daß dein Wort an mir wahr werde, und lasse deine Verheißung an mir erfüllt werden. Obwohl ich nicht würdig bin, von dir zu empfangen, so bist du doch würdig, mir zu geben. Deswegen lasse ich mich nicht von deiner Thüre abweisen, und werde auch nicht eher scheiden, bis ich von dir ein Almosen empfange. Du bist ja mein Vater und ich bin dein Kind; so wird ja der Vater dem Kinde Brod geben, wenn es dies demüthig begehrt, und dessen noch bedürftig ist! Es ist ja niemals ein väterliches Herz gegen sein Kind so hart gewesen, daß er's hätte Hungers sterben lassen, wenn er ihm irgendwie hat helfen können; wie sollte es denn möglich sein, daß dein allermildestes väterliches Herz mich, dein armes Kind, wollte Hungers sterben lassen, da du mir doch so leicht helfen kannst, und ich voll Vertrauen darum bitte. Darum kann ich mir nicht einbilden, daß du mich verlassen solltest, sondern vertraue fest auf die Milde deines väterlichen Herzens, du werdest mir und den Meinigen das tägliche Brod geben und uns aus der äußersten Noth erretten. Darum bitte ich dich demüthig, sprechend: Vater unſer, der du bist im Himmel, unser tägliches Brod gib uns heute. Amen. Gebet einer Frau, die in unglücklicher Ehe lebt. O barmherziger Gott, ich arme betrübte Frau befinde mich in einem großen Kreuze, und weiß nicht, wie ich dir meine Noth klagen soll. Mein Herz ist so sehr erfüllt mit In allerlei Anliegen. 639 Bitterkeit, daß ich's nicht sagen kann, und meine Seele ist so voller Schwermuth, daß ich schier möchte kleinmüthig werden. Du, mein Gott, weißt und siehest, was für einen ungerathenen Mann ich habe, und was für Leid und Elend er mir täglich anthut. Ich führe ein so übles Leben mit ihm, daß ich nicht nur hier auf der Welt keinen Trost habe, sondern fürchten muß, daß ich Leib und Seele bei ihm verderbe. Diese meine Noth weiß ich keinem Bessern zu klagen, als dir, und es kann mir auch Niemand helfen, als du. Darum flehe ich demüthig bei dir um Hülfe an, und bitte dich von Grund meines Herzes, du wollest mich in meinem Leide trösten. Ach, bessere doch meinen Mann, und gib ihm einen andern Sinn ein, und durch die Kraft des H. Geistes ziehe ihn aus seinem üblen Seelenzustande heraus! Ach, erhöre mich doch, und lasse mich nicht ungetröstet hinweggehen; denn du weißt, daß ich dich nicht so sehr bitte, um von meinem Kreuze erlöst zu werden, als vielmehr, damit ich aus der Gefahr der Verdammniß errettet werde! Denn ich sehe gleichsam vor Augen, daß ich, wenn wir beide in dieser elenden Lage verharren, mich immer mehr mit ihm versündigen, und endlich gar in meinen Sünden sterben und verderben werde. Damit denn deine göttliche Majestät nicht fernerhin erzürnt, noch meine arme Seele, welche dein Sohn so theuer erkauft hat, ewig verloren gehe, jo bitte ich dich mit trauerndem Herzen, bessere mich und meinen Mann, und verleihe mir Geduld in meinem schweren Kreuze. O liebreicher Gott! du wollest dir doch mein Elend zu Herzen gehen lassen, und mich um deiner Barmherzigkeit willen davon erlösen. Amen. Gebet einer Mutter, die ein ungerathenes Kind hat. Ich unglückliche Mutter flage dir mein großes Kreuz, und rufe deine allmächtige Hülfe demüthig an. Ich habe mich zwar allezeit beflissen, meine Kinder fromm zu erziehen, und doch muß ich zu meinem größten Herzenleid sehen, daß sie sehr ungerathen und böse werden. Meine Lehren und wohgemeinten Ermahnungen werden verachtet, und all mein Strafen bessert sie nicht. Zu Fluchen und Ver Das eilfte Gärtlein. wünschungen reizen sie mich, und verursachen mir so große Ungeduld. Wenn sie fortfahren, so fürchte ich, daß sie nicht allein sich, sondern auch mich mit ihnen zur Hölle bringen. Darum flage ich dir meine Noth, o Herr! und bitte dich, du wollest meine Kinder( besonders das so sehr ausgelassene) bessern, auch mir in den Sinn geben, was ich dazu thun kann und soll. Ich fürchte, daß ich früher auch manches in der Erziehung theils aus Unwissenheit, theils aus Leidenschaftlichkeit verfehlt habe. Ach, vergib mir, vergib meinem Kinde! Bessere, was Menschen nicht bessern können! Leite und lenke es doch gnädig also, daß ich und meine Kinder einst nicht als ungerathene Kinder von dir, unserm himmlischen Vater, auf ewig verstoßen werden. Amen. 640 Gebet einer Mutter, die ein krankes Kind hat. O Herr Jesu Christe, der du unsere Krankheit auf dich genommen, und mit großer Geduld getragen hast, ich erinnere dich des großen Herzeleids, welches deine liebe Mutter mit dir hatte, als sie dich am Kreuze in so großen Schmerzen hangen sah. Gleichwie du damals mit ihr herzliches Mitleid hattest, also wollest du auch jetzt mit mir, einer betrübten Mutter, Mitleid haben. Ach siehe, das liebe Kind, welches du mir aus Gnaden geschenkt hast, liegt vor meinen Augen krank, und leidet unerträgliche Schmerzen. Wie dies mein mütterliches Herz betrübe, das weißt du besser, als ich es sagen kann, weil ich sehe, daß dies arme Kind leiden muß, was ich mit meinen Sünden verschuldet habe. O gütiger Jesu, ich bin eine arge Sünderin; dies arme Lämmlein aber hat nichts verschuldet! Darum wende deine Strafe von ihm, und gieße sie über mich aus. Ach, verschone doch dieses unschuldige Kind, und mindere seine großen Schmerzen, erlöse es von der Gefahr des Todes, und errette mich aus dem Leide, das mich, umgeben hat! Ich opfere dir alles, was dies arme kind leidet und was ich mit ihm vor Traurigkeit und Betrübniß leiden muß. Lasse dir dies gütig gefallen und verleihe in Ansehung desselben meinem lieben Kinde seine vorige Gesundheit. Amen. In allerlei Anliegen. Gebet einer Mutter, die einen kranken Sohn ( Tochter) hat. 641 Aus der Tiefe meiner betrübten Seele seufze ich zu dir, o Herr, und befehle dir meinen lieben Sohn( Tochter), der gefährlich krant liegt. Mit einem schweren Kreuze, o Herr! hast du mich heimgesucht, und züchtigest mich gar sehr mit väterlicher Strenge. Du weißt, daß ich mein Kind liebe, und einmal Freude an ihm zu erleben hoffe. Nun aber bringt die Krankheit meines Kindes und die Angst, daß es mir vielleicht sterben möchte, Bitterfeit unter meine Freude. Ach lieber Gott, züchtige mich doch nicht so hart, sondern errette mich und mein Kind aus der Gefahr! Lindere ihm doch seine Schmerzen, und verleihe ihm Geduld in seiner schweren Krankheit. Ich opfere dir Alles, was mein Kind leidet, sammt Allem, was ich zugleich mit ihm leide, und vereinige es mit dem Leiden Jesu und Mariä, und schicke es dir durch meinen Schutzengel zum Himmel hinauf. Siehe an, o Gott! unsere Seufzer und Thränen, unsere Schmerzen und Aengste, unser innerliches und äußerliches Kreuz, und wenn es nicht wider deinen Willen und unser Heil ist, so erlöse mein schwaches Kind von seiner Krankheit und verleihe ihm die gewünschte Gesundheit. Am. Gebet einer Frau, die einen kranken Mann hat. Ich arme betrübte Sünderin komme vor deinen Gnadenthron, gütiger, barmherziger Gott, und lege die schwere Last meines Kreuzes zu deinen göttlichen Füßen. Ach! siehe an, wie schmerzlich mich die Krankheit meines lieben Mannes betrübet, und wie sehr ich fürchte, es möchte übel ausfallen. Ach Gott, was sollte ich arme Frau anfangen, wenn mir mein lieber Mann sterben sollte! Wie wollte ich mich in meinem großen Leide trösten können! Ich habe aber solches Vertrauen zu dir, o Herr, daß, wenn du schon verordnet hättest, mein Mann sollte sterben, so wollte ich dich doch durch mein Gebet zu erweichen und zur gnädigen Widerrufung deines Urtheils zu nöthigen suchen. Denn dein väterliches Herz ist so milde, daß es von einer reumüthigen Bitte sich nicht abwendet. Deswegen bitte ich) Myrrhengarten III. 41 642 Das eilfte Gärtlein. dich unter Seufzern und Thränen, und werde nicht ablassen zu bitten, bis du mich erhörest. Mit meinem ungestümen Anhalten werde ich nicht eher nachlassen, bis du meinen lieben Mann wieder gesund machest, und mich mit ihm erfreuest. Ach, erhöre mich! Ach, erhöre mich! und schenke aus Gnade und Barmherzigkeit meinem lieben Manne die vorige Gesundheit wieder, und tröste mich in meinem Leiden. Amen. Vater unser u. s. w. Gegrüßet seist du u. s. w. Gebet einer Frau, die ihren Mann durch den Tod verloren hat. O Tröster aller Betrübten, Christe Jesu, wie hast du mich arme Frau so hart heimsuchen und mich mit dem vorzeitigen Tode meines lieben Mannes so schmerzlich betrüben mögen! Du bist ja stets gegen alle Betrübte so mitleidig gewesen, und hast billig den Namen eines Trösters der Betrübten verdienet. Ach, wie kommt es doch, daß du an mir deinen alten Namen fast verlierest? Ach, ich arme, betrübte Frau bin nun zu einer verlassenen Witwe geworden, weil ich meinen lieben Mann verloren habe und nimmer werde wieder bekommen! Nun muß ich gleich einer Turteltaube all mein Leben seufzen und klagen, weil ich ja auf der ganzen Welt keinen Trost mehr zu finden weiß! Doch zu dem, der mich betrübt hat, will ich mich wenden, und bei ihm Hülfe und Trost suchen, der mir meine Hülfe und meinen Trost genommen hat! Ach tröste mich, o Christe Jesu, in meinem Leid, und bewahre mich vor aller schädlichen Kleinmüthigkeit! Nimm auf meine bittern Thränen und schmerzlichen Seufzer, und lasse meine große Traurigkeit dir zu Herzen gehen. Sei denn du hinfüro statt meines lieben Mannes ein mächtiger Schutz für mich arme Witwe in aller Widerwärtigkeit. Von jetzt an nehme ich dich zu meinem Bräutigam und Ernährer an, und will dich demüthig gebeten haben, daß du mich niemals verlassen wollest. Ich befehle dir auch die Seele des verstorbenen Mannes. Verzeihe ihm seine Sünden aus Barmherzigkeit, und durch die Verdienste deines bittern Leidens schenke ihm die verdienten Strafen. Durch die Kraft deines vergossenen In allerlei Anliegen. 643 Blutes reinige seine Seele von ihren Makeln, und bedecke durch deine herrlichen Tugenden ihre Blößze! Ach, nimm sie aus Gnaden zu den Freuden auf und führe sie zu der Gesellschaft deiner Auserwählten. Amen. Gebet in Kriegszeiten. Gott der Heerschaaren, der du die unbußfertigent Sünder mit Krieg, Hunger und Pest zu strafen pflegest: wir wenden uns in dieser großen Noth zu dir, und rufen deine milde Güte und Barmherzigkeit an. O Herr! wir haben gesündiget und deinen gerechten Zorn zur Rache gereizet; darum züchtigest du uns billig, und suchest uns in deinem Grimme heim. Wir Armen bekennen unsere Schuld und bereuen unsere Sünden; darum halte du auch deine Hand zurück, und lasse deine Strafe nicht länger über uns fallen. Ach, gütiger Gott, siehe an, wie durch diesent gegenwärtigen Krieg so viel Gutes unterlassen und so viel Böses verursacht wird! Siehe, wie dein göttlicher Dienst verhindert, die Andacht gestöret, die Festtage verunehret, die Kirchen verwüstet und alle Gottseligkeit verscheucht wird. Siche, wie die Bosheit sich mehret, die Ungerechtigkeit ihr Haupt erhebt, Fluchen, Stehlen und Gewaltthätigkeit zum Tagewerk geworden sind, und alle Sünden in Schwung kommen. Beherzige auch, o gütiger Gott, das große Elend der armen Menschen, wie ungerecht sie unterdrückt, vertrieben, beraubt, geschlagen und zu Grunde gerichtet werden. Höre an ihre Seufzer und Klagen, siehe an ihre Thränen und Bußzübungen, bedenke ihren Hunger und Mangel und erwäge ihre innerliche und äußerliche Armseligkeit. Dies Alles lasse dein Herz erweichen und zum Erbarmen und Mitleid bewegen. Ach, wende deine Augen doch auf deinen gekreuzigten Sohn, unsern Herrn Jesum Christum, und höre an das inbrünstige Gebet, das er am Kreuze für uns that, sprechend: Vater, verzeihe ihnen! Um dieses deines lieben Sohnes willen verzeihe uns unsere Sünden, und halte ein die Geißel deiner Strafen. Versöhne doch die erzürnten Gemüther der Fürsten und Herren, und thue Einhalt den schweren Kriegsläufen und Empörungen. 41* 644 Das eilfte Gärtlein. Begnadige uns wieder mit dem lang gewünschten Frieden, damit wir in Ruhe dir dienen und deine Güte allzeit rühmen mögen. Amen. Gebet in Hungersnöthen. Vater unser, der du bist im Himmel, wir deine armen Kinder fliehen in dieser Hungersnoth zu dir, und bitten dich demüthig um das tägliche Brod! Omildreichster Vater, siehe, wie übel es mir und allen armen Leuten ergeht, und wie so mancher Mensch vor Hungersnoth hat ganz verkümmern müssen. Wie kannst du doch diejem großen Elende ohne Mitleid zusehen, und wie magst du deine armen Kinder Hungers sterben lassen! Oliebreicher Vater! bist du denn so sehr erzürnet, daß du deiner Barmherzigkeit nicht mehr eingedenk bist? Und ist denn dein Grimm so ganz ausgegossen, daß unser unsägliches Elend dich nicht besänftigen kann? Wenn denn wir armen Sünder dich nicht versöhnen können, so laffe dich die Wunden deines Sohnes Jesu Christi zur Barmherzigkeit erweichen, und die Fürbitte Mariä und aller Heiligen deinen Zorn verföhnen. Durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, und durch die reichen Verdienste aller Heiligen bitten wir dich, errette uns aus dieser großen Hungersnoth und gib uns aus Gnaden wieder das liebe tägliche Brod. Laß uns doch nicht gar vor Hunger sterben, sondern bewahre uns vor dem bittern Tode durch deine göttliche Kraft. Gedenke, daß du unser Vater bist, und uns, deinen Kindern, die nothwendige Unterhaltung zu verschaffen auf dich genommen haft. Denn obschon wir deine Strafe mit Recht verdient haben, so bekehren wir uns doch wieder zu dir, und bitten fußfällig um gnädige Verzeihung. So verschmähe denn nicht, o Vater, deine armen Kinder, sondern um deines väterlichen Namens willen verschaffe uns die nothwendige Nahrung. Amen. Gebet zur Beit der Pest oder Cholera oder einer andern ansteckenden Krankheit. Gott der Rache, der du die Uebertretung deines Voltes mit allerlei Strafen heimzusuchen pflegest, wir armen In allerlei Anliegen. 645 Sünder seufzen in gegenwärtiger Noth zu dir, und bitten demüthig, daß du uns aus der augenscheinlichen Todesgefahr erretten wollest. O wie schmerzlich haben wir deine Majestät beleidiget, daß du uns mit dieser schnell tödtenden Krankheit heimsuchest und mit einem so schmerzvollen Tode züchtigest! Ist denn Niemand, o Herr, der deinen Zorn stillen und die Strafe von uns abwenden könnte! Ist denn das große Elend nicht mächtig genug, dich zum Mitleid zu bewegen? So erbarme dich denn unser um unseres lieben Heilandes Jesu Christi willen, und wegen der Fürbitte der glorwürdigen Jungfrau Maria und aller lieben Heiligen. Du hast ja ehedem wegen der Fürbitte deines Dieners David dich über dein Volk erbarmet und dem Würgengel befohlen, seine Hand einzuhalten. Ach! 10 erbarme dich denn auch jetzt über dein bedrängtes Bolt wegen der Fürbitte deiner heil. Diener Sebastian, Rochus, Xaverius und aller andern, welche du uns zu Fürbittern in der Zeit ansteckender Krantheiten gesetzt haſt. Ucber Alles aber bitten wir dich, du wollest die Plage von uns abwenden wegen der mächtigen Fürbitte der glorwürdigen Jungfrau Maria, der Mutter deines lieben Sohnes und unserer Mutter. Ach, um dieser gütigen, milden und süßen Jungfrau willen befiehl, o Herr. dem Würgengel, daß er ein Schwert einstecke und dein Volt, ihre Kinder. jo jämmerlich zu tödten ablasse. Dann wollen wir deine Güte allzeit dankbar erkennen, und dein Erbarmen preifen mit Herz und Mund in Ewigkeit. Amen. Bur Beit eines Ungewitters. Bezeichne dich mit dem y. Kreuze. und sprich inteend: Vor Blitz und Ungewitter bewahre uns. o Herr und Gott! Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unjer! Maria. Herr, erbarme dich unser! Vater unser. Abe Ich glaube an Gott den Vater 2c. Darnach sprich das Evangelium des b. Johannes: Im Anfange war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfange bei Gott; alle Dinge sind durch dasselbe gemacht. und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht worden ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der 646 Das eilfte Gärtlein. Menschen, und das Licht leuchtete in die Finsterniß, aber die Finsterniß hat es nicht begriffen. Es war ein Mensch von Gott gesandt, der hieß Johannes. Dieser kam zum Zeugniß, damit er Zeugniß von dem Lichte gäbe, auf daß Alle durch ihn glauben möchten. Er war nicht das Licht, sondern er sollte Zeugniß geben von dem Lichte. Dieses war das wahre Licht, welches erleuchtet alle Menschen, die in diese Welt kommen. Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbe gemacht worden; aber die Welt hat ihn nicht erkannt. Er kam in sein Eigenthum und die Seinigen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er die Macht, Kinder Gottes zu werden; denen, die an seinen Namen glauben, welche nicht aus dem Geblüte, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnt; und wir haben gesehen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingebornen vom Vater voller Gnade und Wahrheit. V. Gott sei Dank. Hier küsse das Buch und sprich: Durch die Kraft des h. Evangeliums tilge unsere Sünden, und bewahre uns vor Schaden, Blitz und Donnerschlag! Bur heil. Dreifaltigkeit zur Beit eines Ungewitters zu sprechen. O allerheiligste Dreifaltigkeit, Gott Vater, Sohn und H. Geist! Wir armen fündigen Menschen fliehen zu dir in dieser Noth, und bitten dich durch deine unendliche Barmherzigkeit, daß du uns aus dieser Gefahr erretten und vor dem schweren Ungewitter behüten wollest! O gütigster Vater, der du bei der Taufe Christi in einer hellleuchtenden Wolke herabgestiegen bist, und deine göttliche Stimme auf Erden haft hören lassen; ach! schicke doch eine solche glänzende Wolke vom Himmel herab, daß sie dieſe trüben Wolken zertheile, vertreibe und vernichte. Lasse abermals deine göttliche Stimme in den Lüften erschallen, welche die Stimme des Donners breche und diesem tobenden Wetter zu weichen gebiete. O Christe Jesu, der du gen In allerlei Anliegen. Himmel fahrend von einer lichten Wolke bist aufgenommen worden, und mit göttlicher Hand deinen Gläubigen den Segen gegeben hast, ach! erleuchte doch durch den hellen Glanz dieser Wolke die Finsterniß dieser trüben Wolken, und verändere dies schwere Ungewitter in ein fruchtbares Regenwetter. Erhebe auch noch einmal deine gebenedeite göttliche Hand und mache das h. Kreuzzeichen über diese brausenden Winde und schrecklichen Blitze, damit sie durch die Kraft deines h. Segens in eine andere Natur und Wirkung verwandelt werden. O gütigster h. Geist, der du am h. Pfingsttage in einem großen Gebrause und starken Sturmwinde herabgekommen bist, Alles aber in süße Lieblichkeit verwandelt hast; ach! laß auch jetzt durch ein sanftes Wehen diesen schädlichen Sturmwind vertrieben und die schweren Wolken verjagt werden. Ach! verändere doch dies gefährliche Wetter in ein liebliches, und diese trübe Luft in eine freundliche Heiterkeit. O allergütigste Dreifaltigkeit, segne doch mich und all die Meinigen sammt allen Inwohnern dieses Landes mit deiner göttlichen Hand; bewahre uns und all unsere Häuser und Aecker, Weinberge und Gärten, Wiesen und Feldfrüchte vor Schaden, Blitz und Donnerschlag. Alsdann wollen wir deinen Namen preisen und benedeien, und deine Güte loben immerdar. Amen. 647 Befehlung seiner selbst zur Beit eines Ungewitters. O Richter der Lebendigen und Todten, Christe Jesu, was für ein Schrecken wird in aller Welt sein, wenn du in einem gewaltigen Sturmwinde und Ungewitter unter vielen Blitzen und Donnern kommen wirst, zu richten. O wie werden wir armen Sünder alsdann zittern und zagen, weil wir uns jetzt schon so sehr vor dem gegenwärtigen Gewitter fürchten. Vor allem aber habe ich mich jetzt am meisten zu fürchten, weil ich nämlich ein so großer Sünder bin, daß sich billig alle Elemente wider mich erheben. Christe Jesu, ich erkenne meine Schuld und klage mich vor dir wegen meiner Sünden an, demüthig bittend, du wollest meiner verschonen und deine Rache von mir abwenden. Ach, strafe mich nicht in deinem Grimme und züchtige much 648 Das zwölfte Gärtlein. nicht in deinem Zorne, sondern zu großer Ehre deines Namens behüte mich vor dem Donnerschlage, und erlöſe mich von dem großen Schrecken, der meine Seele umgeben hat. Ich befehle mich so kräftig, als ich immer kann, in deinen Schutz und Schirm, damit ich unter demselben vor allem Unglücke bewahrt bleibe. Ich befehle mich in die Kraft des hochheiligen Kreuzes, durch welches du die Macht des Satans überwunden hast. Ich befehle mich in die Kraft deines bittern Todes, durch welchen du die ganze Welt erlöset hast. Ich befehle mich in die Kraft deiner h. fünf Wunden, durch welche du alle unsere Schulden bezahlt hast. Ich befehle mich in die Kraft deines rosenfarbenen Blutes, durch welches du unsere unreinen Seelen abgewaschen hast. Und endlich befehle ich mich in die Kraft des unergründlichen Wortes: Im Anfange war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Und das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnt. Durch dies allmächtige Wort, durch welches Alles erschaffen ist und erhalten wird, hoffe auch ich erhalten und bewahrt zu bleiben vor dem vernichtenden Blitze. Das verleihe mir die gebenedeite h. Dreifaltigkeit, Gott Vater, Sohn und h. Geist. Amen. Das zwölfte Myrrhen- Gärtlein. Enthält heilsame Gebete für Kranke und Abgestorbene. Ueber die Vorbereitung zum Tode. 1. Beherzigung in gesunden Tagen. Hast du jemals einen Menschen sterben sehen, so gedenke, daß du den nämlichen Weg gehen wirst. Heute ist der Mensch noch, und morgen sieht man ihn nicht mehr. Selig darum, wer die Stunde seines Todes beständig vor Augen hat, Für Kranke. 649 und zum Sterben sich täglich bereitet! Wenn jene letzte Stunde da ist, wirst du von deinem vergangenen Leben weit anders zu urtheilen anfangen. Du wirst sehr bedauern, daß du so nachlässig und lau gewesen bist. Wie glückselig und klug ist derjenige, der sich bemühet, so in seinem Leben beschaffen zu sein, wie er wünscht im Tode befunden zu werden. Beeifere dich also, jetzt so zu leben, daß du in der Todesstunde mehr Ursache dich zu freuen, als zu fürchten habest. Ach, mein Liebster, welch' großer Gefahr kannſt du ausweichen, von welch' schrecklicher Furcht kannst du dich befreien, wenn du jetzt in Gottesfurcht und in Erwartung des Todes lebst! Lerne jetzt der Welt absterben, damit du alsdann anfangest mit Christus zu leben. Glaube mir: die Welt vollkommen verachten, eifrig verlangen, in den Tugenden zuzunehmen, die Zucht lieben, strenge büßen, willig gehorsamen, sich selbst verleugnen und jede Widerwärtigkeit aus Liebe zu Christus ertragen, dies wird ein großes Vertrauen einflößen, daß man glückselig sterben werde. Setze dein Vertrauen nicht auf Freunde und Verwandte. Die Menschen werden deiner eher, als du glaubst, vergessen. Wer wird nach deinem Tode an dich denken? Wer wird für dich beten? Verschiebe auch dein Heil nicht auf künftige Zeiten. Ach, du Thörichter! wie bildest du dir ein, du werdest lange leben, da du keines Tages versichert bist. So lange du gesund bist, kannst du viel Gutes wirken: ich weiß aber nicht, was du vermögen wirst, wenn du krant bist. Ach! es wird vielleicht eine Zeit kommen, wo du einen einzigen Tag oder eine einzige Stunde zur Besserung verlangen wirst; und ich weiß nicht, ob du sie erhalten wirst! Wohlan denn, mein Liebster! thue jetzt, was du immer thun kannst, weil du nicht weißt, wann du sterben wirst. Du weißt auch nicht, was nach dem Tode auf dich wartet. Sammle dir ewige Schätze, da du noch Zeit hast. Denke auf nichts, als auf dein Heil; forge 650 Das zwölfte Gärtlein. nur für das, was Gottes ist. Mache dir jetzt Freunde, indem du die Heiligen ehrst und ihre Werke nachahmest, damit sie dich, wenn du aus diesem Leben scheidest, in die ewigen Hütten aufnehmen. Verhalte dich wie ein Pilger und Fremdling auf Erden, den das Weltgewirre nichts angeht. Halte dein Herz frei und zu Gott gerichtet, du hast ja hier keinen bleibenden Ort. Dorthin richte dein tägliches Gebet und deine mit Thränen vermischten Seufzer, damit dein Geist nach dem Tode zum Herrn glücklich übergehen möge. Amen. Gebet um Abwendung eines plöklichen Todes. 100 Tage Ablaß, so oft, und einen vollkommenen Ablaß am 3. Mai und 14. September, am Grünendonnerstage und Charfreitage unter den bekannten Bedingungen, wenn Jemand diese Gebete täglich verrichtet. Der vollkommene Ablaß fann den armen Seelen zugewendet werden. Gebete und Antiphonen. 1. Erhöre uns, o Gott, unser Heil! und lasse nicht zu, daß unsere Tage eher enden, als du unsere Sünden getilget haft; und weil in der Hölle die Buße eine verforene Mühe und keine Zeit mehr zur Besserung ist; so bitten wir dich inständig und flehen zu dir, daß, wie du uns Zeit läsfest zur Bitte, du auch die Erlassung unserer Sünden verordnen wollest. Durch Jesum Christum, unsern Herrn, deinen Sohn, welcher mit dir zc. 2. Herr! wir bitten dich, nimm gnädig hinweg alle Verirrungen von deinen Getreuen, und entferne die schnelle Tödtlichkeit bösartiger Krankheiten, damit du jene, die du mit Recht auf ihren Irrwegen züchtigest, als Gebesserte durch deine Barmherzigkeit wieder in Gnaden bewahrest. Durch Jesum Christum, unsern 2c. 3. Antiphon. Meine Seele! höre doch auf zu fündigen; gedenke an den jähen Uebergang zu den ewigen Peinen; denn dort wird die Buße nicht mehr angenommen und Thränen haben kein Verdienst. Jetzt, da es noch Zeit ist, bekehre dich, und rufe: Mein Gott, erbarme dich meiner! 4. Antiphon. Mitten im Leben sind wir im Tode. Bei wem sollen wir Hülfe suchen, wenn nicht bei dir, o Herr! der du zürnest wegen unserer Missethaten. Heiliger Für Kranke. 651 Gott, heiliger starter, heiliger barmherziger Gott, unser Erlöser! dem bittern Tode übergib uns nicht. 5. V Damit wir nicht, am Tage des Zornes schnell übereilet, dann erst Zeit zur Buße suchen, wo wir sie nicht mehr finden können. R Merke auf, o Herr! und erbarme dich unser, denn wir haben wider dich gesündigt. 6. Wir bitten dich, o Herr! du wollest dein Volk, welches vor deinem Zorne fliehend sein Zuflucht zu dir nimmt, mit väterlicher Milde aufnehmen: damit Jene, welche in einem jähen Tode die Geißel deiner göttlichen Gerechtigkeit fürchten, sich deiner gütigen Verzeihung erfreuen mögen. Durch Jesum Christum 2c. 7. Wir bitten dich, allmächtiger Gott! du wollest die Versammlung deiner Gläubigen mit versöhnten Blicken ansehen, und in deiner Barmherzigkeit deinem gerechten Zorne zuvorkommen; denn wolltest du unsere Missethaten ansehen, so würde kein Geschöpf vor dir bestehen können; aber durch die wunderbare Liebe, womit du uns erschaffen hast, verzeihe uns Sündern, und laß die Werke deiner Hände nicht durch einen jähen Tod zu Grunde gehen. Durch Jesum Christum, unsern Herrn 2c. 8. Herr! erhöre unser Gebet, und gehe nicht in's Gericht mit deinen Dienern; denn, gleichwie in uns keine Gerechtigkeit gefunden wird, auf die wir uns stützen könnten, ſo erkennen wir doch dich als die Quelle der Erbarmungen, durch welche wir hoffen dürfen, von unsern Sünden gereinigt, und von allen Nöthen und dem jähen Tode befreit zu werden. Durch Jesum Christum 2c. 9. Gott! vor dessen Angesicht jedes Herz erzittert und alle Gewissen erschrecken, lasse deine Barmherzigkeit auf uns Flehende überfließen, damit wir, mißtrauend auf den Werth unserer Verdienste, bei einem unvorhergesehenen Tode nicht dein strenges Gericht erfahren, sondern Verzeihung erlangen mögen. Durch Jesum Christum 2c. Gebet. O barmherziger Jesus! durch deine Todesangst, durch deinen blutigen Schweiß und durch deinen Tod bitte ich 652 Das zwölfte Gärtlein. dich, befreie mich vom jähen und unvorhergesehenen Tode. O mildester Jesus! durch deine grausame und schmachvolle Geißelung, durch dein Kreuz und bitteres Leiden, und durch deine Güte bitte ich dich demüthigst, gestatte nicht, daß ich jäh dahinsterbe und ohne die heiligen Sakramente von dieser Welt scheide. O mein geliebtester Jesus, mein Herr und Gott! durch alle deine Mühen und Schmerzen, durch dein kostbares Blut, durch deine heiligsten Wunden, und diese deine letzten Worte am Kreuze: ,, Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!" und: ,, Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist!"- bitte ich dich inständigst, mich vor einem jähen Tode zu bewahren. Deine Hände, o mein Erlöser! haben ganz und gar mich so gemacht und gestaltet; lasse doch nicht zu, daß ich unversehens vom Tode überrascht werde. Ich bitte dich demüthigst, schenke mir Zeit zur Buße; verleihe mir einen glückseligen Hingang in deiner Gnade, damit ich von ganzem Herzen dich lieben, loben und preisen könne in Ewigkeit. Amen. Fünf Bater unser und Ave Maria zc. zu Ehren des Leidens Jesu Christi- dann drei Ave Maria zu Ehren der schmerzhaften Mutter. Geistliches Testament. ( Von Gesunden und Kranken zu sprechen.) Zu den Füßen deiner göttlichen Majestät falle ich demüthiq meder, allerglorwürdigste Dreifaltigkeit! und begehre aus reifer Ueberlegung mein Testament zu machen und die meinen letzten Willen zu erklären. Ich bezeuge hier vor dir und allen Heiligen, daß ich im wahren katholichen Glauben zu leben und zu sterben begehre, und lieber mein Leben lassen, als einen Artikel dieses wahren katholischen Glaubens leugnen will. In der Form eines rechtmäßigen Testaments vermache ich dir, meinem Gott, meinen Leib und meine Seele, und übergebe mich dir in Kraft diejes Briefes völlig zu eigen. Nach diesem göttlichen Willen begehre ich die übrige Zeit meines Lebens zu verwenden und in deinem heiligen Dienste mein zeitliches Leben zu endigen. Es reuet mich herzlich, daß ich deine höchste Güte jemals beleidigt habe, und wollte gern mein Leben Für Kranke. 653 hingeben, wenn ich machen könnte, daß ich dich nimmer erzürnt hätte. Zur Verzeihung meiner Sünden opfere ich dir das Leiden und Sterben Jesu Christi, und zur Genugthuung meiner Schulden opfere ich dir die Verdienste meines Heilandes und aller deiner Heiligen und Auserwählten. Ich bin bereit zu sterben, wo und wann es dir gefällig ist, und wollte lieber jetzt sterben, als wider deinen Willen noch eine Stunde leben. Ich erwähle mir keine Todesart, sondern bin bereit des Todes zu sterben, welchen du mir zuschicken wirst. Dies allein bitte ich, daß ich in deiner Gnade sterben und den schweren Anfechtungen nicht erliegen möge. Ich verlange auch, vor meinem Ende die h. Sakramente würdig zu empfangen, und nach meinem Tode aller h. Messen theilhaftig zu werden. Meine letzte Speise soll sein das h. Sakrament des Altars, und meine letzten Worte sollen sein: Jesus, Maria, Joseph, in eure Hände befehle ich meinen Geist! Meine letzte Liebe soll zu dir, meinem Gott, gerichtet sein, und mein letzter Seufzer joll dringen in das verwundete Herz Jesu. Amen. [ Gebet um ein seliges Ende siehe im achten Gärtlein. Seite 392.] 2. Beherzigung in kranken Tagen. a) Was der Kranke thun fann. Der Christ foll freilich allzeit für ein seliges Ende besorgt sein, vorzugsweise jedoch zur Zeit der Krankheit, wenn diese gefährlich scheint oder gefährlich zu werden anfängt. Wenn du also trant wirst, so ergib dich 1. völlig in den Willen Gottes und nimm die Krantheit von der Hand Gottes als eine Prüfung oder als eine Strafe deiner Sünden an. 2. Gebrauche ordentliche ärztliche Mittel, auch geistliche, welche von der Kirche gebilligt und angerathen sind. 3. Laß deinen Beichtvater oder einen andern frommen und verständigen Priester rufen, und bitte ihn, daß er dir in der Krankheit und im Tode beistehen möge. 4. Lege ihm alsbald eine vollständige und reumüthige Beicht ab. 5. Begehre gleich im Anfange, die h. Sakramente des Altars und der H. Delung zu empfangen, und folge genau darin seiner Vorschrift, 654 Das zwölfte Gärtlein. ohne auf deine eigenen Gedanken, Gefühle, Befürchtungen oder auf andere Rücksichten zu hören. 6. Mache bei Zeiten dein Testament, und ordne Alles an, wie es nach deinem Tode mit dem Deinigen gehalten sein soll. 7. Ueberlaß die Bezahlung deiner Schulden nicht den Erben, sondern mache Alles, so viel möglich, vor dem Tode richtig, und erstatte, wenn du ungerechtes Gut hast, dasselbe ſofort durch deinen Beichtvater oder einen zuverlässigen Freund. 8. Verzeihe von Herzen deinen Feinden, befiehl den Deinigen, keine Rache zu nehmen. War deine Feindschaft offenkundig, so verzeihe öffentlich vor Zeugen und begehre ebenso Verzeihung von denen, welche du beleidigt oder betrübt hast. 9. Gib fleißig Almosen nach deinem Vermögen, empfiehl dich dem Gebete deiner Freunde und Bekannten, laß auch das allgemeine Gebet von der Kanzel, das Gebet der unschuldigen Kinder in der Schule und der Armen begehren. 10. Rufe die Deinigen zusammen, und gib Jedem nach Umständen und Bedürfniß eine gute Lehre, ermahne sie zum Frieden und zur Eintracht, bestärke sie im Hasse gegen die Sünde und in der Liebe zur Tugend, und ermuntere sie zur Andacht und Gottesfurcht. Endlich empfiehl ihrem Gebete deine Seele nach dem Tode. 11. Sorge dafür, daß Weihwasser und eine geweihete Kerze zur Hand seien; laß auch am Fuße des Bettes ein Crucifix hinstellen oder aufhängen, so daß du es im Bette liegend ansehen und betrachten kannst. Zu Zeiten laß es auch in deine Hand legen, küsse es, drücke es an deine Brust und versichere deinem gekreuzigten Heilande, daß du ihn liebest auch mit dem Kreuze, und daß das Kreuz dich nicht nur nicht von ihm scheiden, sondern vielmehr nur inniger mit ihm vereinen solle. 12. Denke endlich an Nichts, als wie du in dieser Krankheit und durch sie mit der Gnade Gottes dein Heil wirkest. Für alles andere sei wie schon gestorben. Darum lies oder laß dir vorlesen aus dem siebenten Gärtlein vom Leiden Christi. Dies ist das beste Kranken- und Trostbuch. b) Was der Kranke meiden soll. 1. Hüte dich vor aller Ungeduld, d. h. vor jener Stimmung des Gemüthes, die das Unvermeidliche mit Für Kranke. 655 Ungestüm von sich abwehren und das nicht leiden will, was doch einmal gelitten sein muß. Dagegen ist ein Wehruf, oder sagen, daß man große Schmerzen habe, oder sonst eine Aeußerung über den beklagenswerthen Zustand, worin man sich befindet, keine Ungeduld, wenn der Wille ruhig und ergeben ist. 2. 3ürne, murre, flage nicht über deine Hansgenossen, Aufwärter, über Speise und Trank und Bettung. Das stehet einem Kranken übel an und vermehrt sein Ulebel, weil man ihm nur mit Widerwillen und unfreundlichem Gesichte dient. 3. Schlage alle kleinmüthigen Gedanken und überflüssige ängstliche Sorgen, wie es mit den Deinigen nach dem Tode noch gehen werde, gänzlich aus dem Sinne. 4. Gar keine Ansprache verursacht Mißmuth, zu öftere Ueberdruß. Halte darin also das rechte Maß und besprich dich darüber mit den Deinigen. 5. Dulde nicht, noch weniger veranlasse üble Nachreden, Klatschereien an deinem Bette, noch höre auf Zeitungsnachrichten. Sie zerstreuen und machen die Seele leer. Was geht auch einen Kranken, der in die Ewigkeit reiset, das an, was in Deutschland oder Frankreich geschieht. 6. Achte darauf, daß du weder deine Brust, noch Arme und Füße entblößzest. Meide überhaupt Erkältung, Zugwind, zu schnelles und zu vieles Trinken auf einmal, ebenso wie das zu wenige Trinken. Besonders hüte dich vor heftigen Gemüthsbewegungen, Zorn, Aerger, Neid, großem Eifer. 7. Hüte dich vor Quackfalbereien und brauche nicht jedes Mittel, welches man dir anräth. Wenn ein erprobtes Hausmittel nicht anschlägt, so zögere nicht, den Arzt rufen zu lassen. Gehe auch nicht zu schlechten Weibern, die abergläubische Mittel anrathen, noch gebrauche derartige Mittel. Den Priestern der Kirche ist gesagt worden, daß sie über die Kranken beten sollen, und ihrem Gebete ist verheißen worden, daß es dem Kranken helfen, erleichtern, die Sündenrefte hinwegnehmen und die Gesundheit wiedergeben solle, wenn dies dem Kranken zum Heile sei. Den Priestern auch ist vorzugsweise Macht gegeben über die bösen Geister und ihre bösen Einwirkungen zu vertreiben. Zu den Priestern der Kirche sende deshalb und begehre ihre Segnungen und Gebete. 8. Folge den Vorschriften der Aerzte; 656 Das zwölfte Gärtlein. doch traute ihrer Aussage nicht in Betreff der Todesgefahr oder Todesnähe, weil sie oft die Wahrheit verbergen, noch öfterer die Gefahr selbst nicht so sicher erkennen können. Da die Verwandten sich in Betreff des Zustandes des Kranken oft täuschen und die Gefahr nicht erkennen, bis es zu spät ist, so sollen die Nachbarn oder Freunde hier dem Kranken einen großen Liebesdienst erweisen, und ihn gleich beim Anfange der Krankheit auf die Gefahr und den möglicher Weise schlimmen Ausgang aufmerksam machen und an seine desfallsigen Pflichten erinnern. Wenn jo etwas gleich geschieht, fällt es dem Kranken nicht so sehr auf; und in der Emigkeit wird er diesen Liebesdienst sehr hoch anschlagen und auf Vergeltung denken. c) Was die Gesunden thun sollen in einem Hause, wo Jemand ernstlich trant wird. 1. Sie sollen sich sogleich zu Gott wenden, seine Heimsuchung darin erkennen und ihn bitten, er wolle sie diese Prüfung gut bestehen lassen und zum Seelenheile des Kranken sowohl als ihrer selbst wenden. 2. Sollen sie für eine gute Lagerstätte, was Bett und Kammer betrifft, so gut sorgen, als es die Umstände erlauben, wenn sie auch selbst als Herrschaft wegen des erkrankten Dienstboten sich einige Unbequemlichkeit gefallen lassen müßten. 3. Sollen sie alsbald dem Seelsorger oder Beichtvater des Kranken Bescheid sagen lassen, und demselben, wenn er zum Besuche kommt, über den Zustand des Kranken zuvor genaue Nachricht geben. Vor allem sollen sie nicht warten, den Geistlichen zu rufen, bis wirkliche Lebensgefahr da ist; nein, sobald Jemand in eine Krankheit fällt, sollen sie Sorge tragen, auf irgend eine Weise den betreffenden Geistlichen davon in Kenntniß zu setzen. Darin versündigen sich oft sehr die Gesunden, und berauben oft die Kranken lange Zeit eines großen Trostes, ja bisweilen sogar der Kraft der h. Sakramente. 4. Sollen sie rechtzeitig den Beistand eines Arztes verlangen, am besten desjenigen, welcher den Kranken früher schon in Krankheitsfällen behandelt hat oder doch seine Natur und Lebensweise kennt. Sie sollen sich hüten, dem Kranken bald dies, bald jenes Hausmittel, was die Leute hin und wieder anrathen, Für Kranke. 657 vorzuschlagen. Der Kranke läßt sich in seiner Noth zu Allem her, und oft in dies sein Tod. Wenn gewöhnliche, bekannte und unschädliche Hausmittel nicht anschlagen, dann sollen sie den Arzt rufen, sich aber vor Quacksalbern und Kräuterweibern hüten. 5. Die Frau oder Tochter im Hause soll gleich nachsehen, ob auch ein reines Tischtuch oder eine reine Serviette da ist, eben so auch, ob im Weihkännchen noch Weihwasser, ob Baumwolle oder feiner Flachs im Hause ist, und ob das Crucifix und die geweihte Kerze in Ordnung sind; damit alsbald Anstalt gemacht werden kann, wenn der Geistliche ein baldiges Versehen mit den heiligen Sakramenten für nothwendig hält. Erwartet man sonst einen Gast, so sieht man darauf, daß es an reiner Leinwand, an Ordnung und Reinlichkeit im Hause nicht fehle; sollte man nun nicht sich mit aller Sorgfalt bereit halten, um einen so erhabenen Gast, als der König Himmels und der Erde ist, so erfurchtsvoll und würdig als möglich zu empfangen? 6. Sie sollen soviel als möglich solche Arbeiten, die dem Kranken lästig, oder sogar schädlich sein können, vermeiden und lieber andere Arbeiten vornehmen. 7. Sollen sie den Kranken gut warten oder warten lassen, und die, welche als Aufwärter dabei sind, sollen fleißig für den Kranken und zu Zeiten mit dem Kranken beten, ihm besonders aus dem siebenten Gärtlein vorlesen. 8. Sollen sie nicht allen Besuch abweisen, aber auch nicht zu viel zulassen. 9. Hat der Krante die heiligen Sakramente empfangen, dann sollen sie ihm auch zur Anordnung seiner zeitlichen Angelegenheiten, zur Anfertigung eines Testamentes mit Rath und That behülflich sein. 10. Wenn sie nicht recht wissen, was und wie sie es dem Kranken wohl recht machen sollen, so sollen sie sich an das Wort des Herrn erinnen: Was ihr wollt, daß euch die Menschen thun, das thut auch ihnen! Wenn sie bedenken: was würde ich wünschen, daß mir die Gesunden thäten, wenn ich so krank wäre, dann werden sie immer das Richtige treffen in all den Dingen, welche nicht schon durch die Vorschriften des Arztes oder sonstig zur Wiedererlangung der Gesundheit nothwendige Anordnungen. bestimmt sind. Myrrhengarten III. 42 Das zwölfte Gärtlein. Gebet eines Kranken um Besserung. Herzliebster Jesu, ich armer Kranker( Kranke) wende mein Herz zu dir, und klage dir die Noth, welche mich umgibt. Mit den Schwestern des Lazarus spreche ich voll Vertrauen: Siehe, o Herr! den du lieb hast, der ist krank; sprich nur ein Wort, so wird mein kranker Leib gesund! O Jesu, wenn es nicht wider deinen Willen ist, so verleihe mir die vorige Gesundheit; hast du aber verordnet, daß ich sterben soll, so geschehe dein göttlicher Wille an mir! Dennoch gleichwie du am Delberge dich dem göttlichen Willen ganz ergeben und nichts desto weniger so inständig, und zwar dreimal um Abwendung des Todes gebetet haſt, also bitte auch ich aus der ganzen Kraft meines Herzens, du wollest dein göttliches Urtheil widerrufen und den bittern Kelch des Todes noch eine Weile von mir hinwegnehmen. Mit deinen eigenen Worten und in Vereinigung deiner Andacht und Inbrunst spreche ich zu dir und deinem himmlischen Vater: Mein Vater! ist es möglich, so nimm dieſen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Abba, mein Vater! alle Dinge sind dir möglich! ach! so lasse doch diese Krankheit von mir weichen; dennoch, wenn es mir nicht selig sein sollte, so lasse mich lieber jetzt wohl, als hernächst übel sterben. Amen. 658 Gebet für einen Kranken. Jesu Christe, der du all dein Leben mit Nothleidenden besonderes Mitleid getragen haſt, ich befehle dir diesen armen Menschen, welcher schwer krank liegt und große Schmerzen ausstehen muß. Ach! trage doch Mitleid mit ihm, und verleihe ihm Geduld in seinen schweren Peinen. Ich opfere dir all seine Seufzer und Thränen, in Vereinigung aller Seufzer und Zähren, die am h. Kreuze deinem Herzen und deinen Augen entquollen, damit sie zu deiner Ehre und zu seinem Heile gereichen mögen. Ich will dich auch demüthig gebeten haben, daß, wenn es nicht wider deinen göttlichen Willen ist, du diesem Kranken sein Leben fristen und seine vorige Gesundheit wieder verleihen wollest. O gütiger Gott, Für Kranke. 659 der du dem König Ezechias, als er dich mit Thränen bat, jeine Gesundheit wiedergegeben und sein Leben verlängert hast; siehe an die Noth dieses Kranken und die heißen Thränen, welche die Seinigen um ihn vergießen. Erlöse ihn aus seiner Qual und befreie ihn von seinen Schmerzen, damit er wegen erlangter Gesundheit dich lobe und deine Güte dankbar preise. Amen. Gebet um den göttlichen Beistand in unserm Lebensende. [ Von Kranken besonders oft zu sprechen.] Herr Jesus Christus! Gott der Güte! Vater der Barmherzigkeit! mit reumüthigem Herzen, ganz zerknirscht und beschämt, erscheine ich vor dir, und empfehle dir meine letzte Stunde, und Alles, was mich nach derselben in der Ewigkeit erwartet. Wenn meine erstarrten Füße mich erinnern werden, daß mein Lebenslauf in dieser Welt zu Ende gehe; dann, barmherziger Jesus, erbarme dich meiner! Wenn meine zitternden und schwachen Hände nicht mehr im Stande sein werden, das Crucifir zu halten, sondern es unwillkürlich auf mein Schmerzensbett werden zurücksinken lassen; dann, barmherziger Jejus, erbarme dich meiner! Wenn bei dem Schauer des bevorstehenden Todes meine verdunkelten und krampfhaft sich wendenden Augen nur matte und sterbende Blicke mehr auf dich werfen; dann, barmherziger Jesus, erbarme dich meiner! Wenn meine kalten und zitternden Lippen zum letzten Male deinen anbetungswürdigen Namen aussprechen werden; dann, barmherziger Jesus, erbarme dich meiner! Wenn meine bleichen und entstellten Wangen die Anwesenden mit Wehmuth und Schauer erfüllen und die vom kalten Todesschweiße befeuchteten Haare auf meinem Haupte sich sträuben und mein baldiges Ende verkünden werden; dann, barmherziger Jesus, erbarme dich meiner! Wenn meine Ohren, die schon anfangen werden, sich der Ansprache der Menschen zu verschließen, sich eröffnen werden, deine Stimme zu vernehmen, die das unwiderrufliche 42* C60 Das zwölfte Gärtlein. Urtheil sprechen wird, womit mein fünftiges Schicksal für die ganze Ewigkeit beschlossen sein soll; dann, barmherziger Jesus, erbarme dich meiner! Wenn meine Einbildungskraft von schauerlichen und entsetzlichen Bildern geängstigt, in tödtliche Betrübniß versenkt sein wird, und mein Geist in Bergegenwärtigung aller meiner Bosheit von den Schrecken deines Gerichtes in Furcht versetzt, angstvoll mit dem Engel der Finsterniß ringet, der sich bemühen wird, mir den trostreichen Hinblick auf deine Erbarmungen zu entziehen, und mich in die Arme der Verzweiflung zu stürzen; dann, barmherziger Jesus, erbarme dich meiner! Wenn mein schwaches Herz, entkräftet von den Schmerzen der Krankheit, vom Todesschauer wird überfallen werden, und von Kraftlosigkeit wegen des mühsamen Kampfes, den ich gegen die Feinde meines Heils werde haben bestehen müssen, verschmachten wird; dann, barmherziger Jesus, erbarme dich meiner! Wenn meine letzte Thräne, das Zeichen meiner Auflösung, fließen wird, nimm sie auf als eine Sühnungsgabe, damit ich als ein Opfer der Buße entschlafe. In diesem fürchterlichen Augenblicke, barmherziger Jesus, erbarme dich meiner! Wenn meine Verwandten und Freunde mich umringen, und wehmuthsvoll über meine mitleidswerthe Lage dich um Hülfe und Gnade für mich anrufen werden; dann, barmherziger Jesus, erbarme dich meiner! Wenn ich den Gebrauch aller meiner Sinne werde verloren haben, wenn mir die ganze Welt wird entschwunden sein, und ich schwerer aufathmen werde in der Angst des letzten Kampfes und in den Schrecken des Todes; dann, barmherziger Jesus, erbarme dich meiner! Wenn die letzten Herzensseufzer meine Seele nöthigen werden, vom Leibe zu scheiden, nimm sie auf wie Wirkungen heiliger Ungeduld nach baldiger Vereinigung mit dir; o dann, barmherziger Jesus, erbarme dich meiner! Wenn meine Seele mir schon auf den Lippen schweben wird, um für immer von dieſer Welt zu scheiden, und meinen Leib bleich, falt und leblos zurücklassen wird; nimm Für Krante. 661 die Zerstörung meines Lebens als ein Opfer der Huldigung an, welches ich deiner göttlichen Majestät darzubringen komme; und dann, barmherziger Jesus, erbarme dich meiner! Wenn endlich meine Seele vor dir erscheinen, und das erste Mal den unsterblichen Glanz deiner Majestät erblicken wird; verwirf sie nicht von deinem Angesichte, sondern würdige dich, mich in die liebevollen Arme deiner Erbarmung aufzunehmen, damit ich dein Lob ewiglich fingen möge. Barmherziger Jesus, erbarme dich meiner! Amen. Gebet. O Gott! der du unsern Tod verordnet, aber den Anblick und die Stunde desselben uns verborgen hast; gib, daß ich alle Tage meines Lebens in Gerechtigkeit und Heiligkeit wandle, und in deiner heiligen Liebe von dieser Welt zu scheiden würdig befunden werde: durch die Verdienste unsers Herrn Jesu Christi, welcher mit dir lebet und regieret in Einigkeit des h. Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. [ Einmal des Tages 100 Tage Ablaß. Einmal im Monat vollkommenen Ablaß für den, der es täglich betet, an dem Tage, wo derjelbe beichtet und kommunizirt. Beide Ablässe können den armen Seelen zugewendet werden. Pius VII. 12. Mai 1802.] Seufzer eines Kranken.*) Es kann zwar ein Kranter nicht viel beten, er kann jedoch oft zu Gott jeufzen. Deswegen wolle er doch seine *) Ueber die Kraft des Seufzens oder des herzlichen Verlangens nach Gott oder göttlichen Dingen sprach einstens Christus der Herr selbst zur H. Mechtilde: Das Seufzen hat eine solche Kraft, daß der Mensch niemals zu mir seufzt, ohne mir näher zu kommen, als er zuvor war. Denn das Seufzen, welches geschieht aus herzlicher Liebe zu mir oder aus aufrichtigem Berlangen nach meinen Gnaden, wirkt drei Dinge in der Seele. Erstens stärkt es die Seele und gibt ihr Kraft, wie ein lieb licher Geruch den Menschen stärkt und erquidt. Zum andern erleuchtet es die Seele wie die Sonne eine finstere Höhle. Drittens theilt es der Seele solche Süßigkeit mit, daß all ihr Thun und Leiden ihr süßer wird. Das Seufzen aber, welches als Reue und Leid über die Sünden geschieht, versöhnt die Seele mit Gott, erlangt ihr Gnade und heitert und flärt das betrübte Gewissen auf. Und Christus setzte hinzu: Weil denn ein 662 Das zwölfte Gärtlcin. Zeit nicht müßig zubringen, sondern oft folgende Schußzgebete gleich einem Pfeile der Liebe gen Himmel schießen. Wenn er aber wegen Schmerzen nicht lesen tann, so lasje er sich dieselben, jedoch nicht auf einmal, sondern in Absätzen vorlesen. Seufzer der Reue. Ach Gott, erbarme dich meiner nach deiner großen Barmherzigkeit und nach der Menge deiner Erbarmungen lösche aus meine Misjethaten! O Gott, verzeihe mir meine Sünden! O gütiger Gott, es ist mir von Herzen leid, daß ich dich so oft erzürnet habe. du barmherziger Gott, meine Sünden sind mir so leid, daß mein Herz darüber trank ist! O gnadenreicher Gott, ich gäbe all mein Hab und Gut darum, wenn ich niemals gesündigt hätte! ich Elender, was habe ich gethan! O daß sich Gott erbarme, wie viele schwere Sünden habe ich begangen! Ach, hätte ich es doch nicht gethan! Ach, hätte ich doch den lieben Gott nie mit einer schweren Sünde beleidigt! Ach, wäre es nicht geschehen, so sollte es gewiß in Ewigkeit nicht geschehen! Ewig foll es mir leid thun. Verzeihe, ach verzeihe, mein Gott, und gedenke nicht mehr der Schmach, welche ich dir zugefügt habe. Der frommen Klage und Bitte. Ach fiehe, wie erbärmlich ich hier liege und wie viele Schmerzen ich hier ausstehe! Habe doch Mitleid mit mir armem Kranken, und lindere mir meine Pein. einziger Seufzer so vortrefflich und bei Gott so angenehm ist, wie fann denn eine Traurigteit in der Seele des Armen sein? Denn ich bin leichter zu bekommen, als alle anderen Dinge. Kein Ding ist so klein und schlecht, und wäre es auch nur ein Faden oder ein Splitter, den Jemand allein durch seinen Willen bekommen könnte; mich dagegen fann der Mensch allein durch seinen Willen, oder mit einem einzigen Seufzer haben, sofern er nur über seine begangenen Sünden herzliche Reue und Leid hat. Für Kranke. 663 Gedenke, o Jesu, was für schwere Marter dut am Kreuze gelitten hast, und wie beweglich du deinem Vater deine Noth geklagt haft! Also klage auch ich dir meine jetzige Noth, und spreche mit deinen Worten: Mein Gott, mein Gott, wie hast du mich verlassen! Ach verlasse mich doch nicht, mein liebster Jesu! Ach, wende doch deine Barmherzigkeit nicht von mir ab! Der Aufopferung und willigen Ergebung. Nimm doch meine Schmerzen in Gnaden auf, und laffe meine Krankheit zu deiner Ehre gereichen! Ich vereinige alle meine Schmerzen mit deinen Schmerzen, und vereinige meine Krankheit mit deinem bittern Leiden. Alle meine Herzensstiche opfere ich in dein durchstochenes Herz, und all mein Leiden opfere ich in deine heiligen fünf Wunden. Diese meine Krankheit nehme ich von deiner göttlichen Gnade an, und will sie dir zu Liebe von Herzen gern leiden. Gleichwie du all dein Leiden von der Hand deines Vaters angenommen hast, also nehme ich auch alle meine Schmerzen von deiner Hand an. Mit der Geduld, mit welcher du dein Leiden gelitten hast, begehre ich meine Krankheit zu leiden; und mit der Liebe, mit welcher du all deine Peinen Gott aufgeopfert hast, begehre auch ich alle meine Peinen Gott aufzuopfern. Der Andacht und des Verlangens nach Lebensbesserung. Du, mein Gott, weißt, wie gerne ich mich bessern will, gib mir doch deine Gnade dazu. Ach, bester Vater! mache, daß ich von Herzen fromm werde; mache, daß ich noch einmal ernstlich anfange, dir zu dienen. Wollte Gott, daß ich in Zukunft so gottselig lebte, daß ich dir in all meinem Thun und Lassen gefallen könnte! Ach, wann werde ich doch einmal anfangen, ein anderes und besseres Leben zu führen und in die Fußstapfen meines Heilandes zu treten und ihm treu nachzufolgen! Das zwölfte Gärtlein. Siehe, mein Gott, hier ist mein Herz! Es ist bereit, es ist bereit! Erfülle es mit deiner Gnade und mache es ganz selig! Hinfüro soll mein Herz nicht mehr mein, sondern ganz dein sein; regiere es nach deinem göttlichen Wohlgefallen! 664 Der treuherzigen Liebe. O mein lieber Gott! du weißt, wie sehr mein Herz verlangt, dich zu lieben und dir ganz allein anzuhangen. O meine süße Liebe, mache, daß ich dich immer mehr liebe, und daß ich deiner stets gedenke! O mein Gott, wie habe ich dich so lieb! Jch bitte dich von Grund meines Herzens, aus allen Kräften meiner Seele! O mein herzliebster Bater, ich kann es dir nicht sagen, wie lieb ich dich habe! Ich habe dich lieber, als Alles auf der Welt, ja lieber, als mein eigenes Leben. Ich will es dir gern geben, wenn ich dich damit ehren und dir einen Gefallen erweisen kann. Wollte Gott, daß ich mit meinem Leiden dir einen unendlichen Gefallen thun könnte, und daß diese meine Krankheit zu deiner höchsten Ehre gereichte, und zum Heile meiner armen Seele! Wollte Gott, daß ich dir alle Augenblicke einen neuen Gefallen erweisen, daß ich alle Augenblicke eine Tugend üben könnte! O lieber Jesus, nimm meinen Willen für das Werk an, und lasse dir die eifrige Begierde meines Herzens gefallen. Verleihe mir doch Geduld in meiner Schwachheit, und bewahre mich vor aller Ungeduld und Kleinmüthigkeit. Bewahre mich vor einem unversehenen Tode, und lasse mich nicht in deiner Ungnade von dieser Welt scheiden! Das verleihe mir durch deine große Barmherzigkeit und durch den bittern Tod, den du für mich gelitten hast. Amen. Seufzer eines Sterbenden. Diese Seufzer sollen den Sterbenden von dem Priester, oder von einem Andern vorgelesen werden; doch langsam und mit sanfter Stimme. Jesus, Maria! Jesus, sei mir gnädig! Jesus, sei mir barmherzig! Jesus, verzeihe mir meine Sünden! Seufzer eines Sterbenden. 665 O gütigster Jesu, erbarme dich meiner wegen deines bittern Leidens, und wegen deines bittern Todes verleihe mir ein seliges Ende. Jesus, dir lebe ich! Jesus, dir sterbe ich! Jesus, dein bin ich todt und lebendig! Jesus, an dich glaube ich! Jesus, auf dich hoffe ich! Jesus, dich liebe ich von Grund meines Herzens! In deine Hände empfehle ich meinen Geist! In dein treues Herz befehle ich mein schwaches Herz! In deinen bittern Tod befehle ich meinen bittern Tod! Jesus, verlaß mich nicht! O Jesus, verstoß mich Jesus, verdamme mich nicht! nicht! Ach, laß mich nicht verloren gehen, weil du mich so lange gesucht hast! Ach, laß mich nicht zu Schanden werden, weil du mich so schmerzlich erlöset haft! Ach, laß mich nicht verdammt werden, weil du mich so theuer erkauft hast! O himmlischer Vater, ich bin der arme Mensch, den du zu deiner Ehre erschaffen hast! O Christe Jesu, ich bin der arme Mensch, den du durch dein Leiden erlöst hast! Oh. Geist, ich bin der arme Mensch, den du durch deine Gnade geheiligt haft! Ach, so laß denn diese edle Seele dem bösen Feinde nicht zu Theil werden! Ich hoffe auf deine Güte, o gütiger Bater! Ich hoffe auf dein bitteres Leiden, Christe Jesu! Ich hoffe auf deine Barmherzigkeit, o h. Geist! Jch glaube Alles, was die katholische Kirche glaubt, und in diesem Glauben will ich leben und sterben! Ich hoffe fest, die Seligkeit aus Gnade und durch eigene Mitwirkung zu erlangen, und in dieser Hoffnung will ich leben und sterben! Ich liebe dich, o Gott, von Grund meines Herzens, und in dieser Liebe will ich leben und sterben! Ich bereue meine Sünden von Grund meines Herzens, und in dieser Reue will ich leben und sterben! Ich verberge mich in die Wunden Jesu Christi, und in diesen Wunden will ich leben und sterben! Jesu, durch dein rosenfarbenes Blut verlaß mich nicht in meiner letzten Noth! Ich bitte durch deinen bittern Tod, verleihe mir einen seligen Tod! O Jesu, in dein 666 Das zwölfte Gärtlein. süßes Herz nimm auf all meine Angst und all meinen Schmerz! Heilige Maria, stehe mir bei! Heilige Maria, verlaß mich nicht! Heilige Maria, bitte für mich! Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für mich armen Sünder jetzt und in der Stunde meines Todes. Eja, meine herzliebste Fürsprecherin, kehre deine barmherzigen Augen zu mir, und nach diesem Elende zeige mir Jesum, die gebenedeite Frucht deines Leibes! Wegen des bittern Leidens deines Sohnes stehe mir bei in meinem Leiden, und wegen seines allerbittersten Todes erwirb mir einen seligen Tod. In deine Hände befehle ich meinen Geist, in dein mütterliches Herz befehle ich meine scheidende Seele! Weise, die Seele eines Sterbenden Gott zu empfehlen.*) ( Besonders zu beten, wenn kein Priester bei dem Sterbenden gegenwärtig sein kann.) Zuerst wird folgende Litanei gesprochen. Litanei. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Heilige Maria, bitte für Alle h. Engel und Erzengel, bittet für ihn! Heiliger Abel, bitte für ihn! Alle Chöre der Gerechten, bittet für ihn! Heiliger Abraham, bitte für ihn! Heiliger Johannes der Täufer, bitte für ihn! Heiliger Joseph, bitte für ihn! Alle h. Patriarchen und Propheten, bittet für ihn! Heiliger Petrus, bitte für ihn! Heiliger Paulus, bitte für ihn! *) Wörtlich aus dem römischen Brevier nach der Uebersebung von Nickel. Litanei für Sterbende. Heiliger Andreas, bitte für ihn! Heiliger Johannes, bitte für ihn! Alle h. Apostel und Evangelisten, bittet für ihn! Alle h. Jünger des Herrn, bittet für ihn! Alle h. Unschuldigen, bittet für ihn! Heiliger Stephanus, bitte für ihn! Heiliger Laurentius, bitte für ihn! Alle H. Märtyrer, bittet für ihn! Heiliger Sylvester, bitte für ihn! Heiliger Gregorius, bitte für ihn! Heiliger Augustinus, bitte für ihn! Alle h. Bischöfe und Bekenner, bittet für ihn! Heiliger Benediktus, bitte für ihn! Heiliger Franziskus, bitte für ihn! Alle h. Mönche und Einsiedler, bittet für ihn! Heilige Maria Magdalena, bitte für ihn! Heilige Lucia, bitte für ihn! 667 Alle h. Jungfrauen und Witwen, bittet für ihn! Alle Heiligen Gottes, bittet für ihn! Sei ihm gnädig, verschone ihn, o Herr! Sei ihm gnädig, erhöre ihn, o Herr! Von deinem Zorne, befreie ihn, o Herr! Von aller Todesangst, befreie 2c. Von einem bösen Tode, befreie 2c. Von den Strafen der Hölle, befreie 2c. Von allem Uebel, befreie 2c. Von der Gewalt des Teufels, befreie 2c. Durch deine Geburt, befreie 2c. Durch dein Kreuz und Leiden, befreie 2c. Durch deinen Tod und dein Begräbniß, befreie 2c. Durch deine glorreiche Auferstehung, befreie 2c. Durch deine wunderbare Himmelfahrt, befreie 2c. Durch die Gnade des h. Geistes, des Trösters, befreie zc. Am Tage des Gerichtes, befreie 2c. Wir Sünder, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du dieser Seele gnädig sein wollest, wir bitten 2c. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Das zwölfte Gärtlein. Wenn dann die Seele in den letzten Zügen liegt und von Todesangst gemartert wird, so bete man folgende Gebete: 668 So scheide denn hin in Gottes Namen, christliche Seele, aus dieser Welt! Dich beschütze auf deinem Heimweg und geleite die Hand des allmächtigen Gottes, des Vaters, der dich erschaffen! Scheide hin im Namen Jesu Christi, des Sohnes des lebendigen Gottes, der für dich gelitten hat, im Names des heiligen Geistes, der dir mitgetheilt worden ist! Abholen und begleiten mögen dich alle h. Engel und Erzengel, alle Thronen und Herrschaften, alle Fürsten und Mächte des Himmels, alle Cherubim und Seraphim! Dir eilen entgegen alle Patriarchen und Propheten, alle heil. Apostel und Evangelisten. Scheide hin im Namen aller h. Blutzeugen und Bekenner, aller h. Mönche und Einsiedler, aller h. Jungfrauen, aller h. Männer und Frauen! Heute noch mögest du in das Haus des ewigen Friedens aufgenommen werden, heute noch wohnen im h. Sion, des Gottesstadt! Durch Jesum Christum, unsern Herrn. R, Amen. Barmherziger Gott! gütiger Gott! Gott! der du nach der Fülle deiner Erbarmungen die Sünden der Bußfertigen auslöschest, und die Schulden der begangenen Miſsethaten kraft der Huld deiner Versöhnung aufhebst: siehe auf diesen deinen Diener( auf diese deine Dienerin) mit einem gnadenvollen Blicke herab, und erhöre ihn( sie), weil er( sie) seine( ihre) Sünden von ganzem Herzen aufrichtig bereut, und so flehentlich von dir Verzeihung verlangt! Erneuere an dieser Seele, was die Schwäche des menschlichen Willens entstellt; ergänze, liebevollster Vater, was sie vernachlässigt, ersetze ihr den Schaden, den teuflischer Betrug ihr zugefügt, was die Macht der Sünde zerrüttet hat, und knüpfe dieses Glied der Erlösung der Einheit des Leibes deiner heiligen Kirche an! Erbarme dich, o Herr, ihrer Seufzer, erbarme dich ihrer Thränen willen! und da sie einzig und allein auf deine Güte vertraut, so laß sie die Gnade der völligen Aussöhnung mit dir erfahren durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Lieber Bruder!..( liebe Schwester!) Sei nun dem allmächtiger Gott empfohlen! Sei dem völlig überlassen, Gebete für Sterbende. 669 dessen Geschöpf du bist; durch den Tod machst du dich los von der Schuld des Menschengeschlechtes, und kehrest zu deinem Urheber zurück, der dich aus Erdenstaub gebildet hat. Deiner Seele, wenn sie ihre sterbliche Hülle verläßt, eile entgegen die glänzende Schaar der seligen Geister! die Apostel als Israels Richter kommen dir entgegen! der Blutzeugen siegreiches Heer Heiße dich willkommen! dich umgebe die Lilienschaar hellleuchtender Bekenner! Mit Wonnejubel empfange dich der Freudenchor jungfräulicher Seelen! dich mögen aufnehmen die Erzväter in ihren seligen Friedensschooß! dir erscheine Jesus Christus mit seinem sanften, Seligkeit verheißenden Mittlerangesicht! er weiſe dir eine Stelle an unter seinen hochentzückten Begleitern! Fern sei von dir die Angst, die Schauer der Finsterniß! Fern das Flammengeloder der Höllenglut! Fern alle Marter und Qual! Fern von dir fliehe der scheußliche Satan und sein ganzes verworfenes Gefolge! Er zittere, erbebe, erschauere und entfliehe in die bodenlosen Abgründe der ewigen Nacht, wenn du, von Engeln begleitet, in die Ewigkeit einziehest! Es erhebe sich Gott, und zerstreut werden sein alle seine Feinde! Entfliehen sollen aus seinem Angesichte, zu Schande werden Alle, so ihn hassen! Vergehen sollen sie, wie Rauch vergeht! Vergehen, wie Wachs an Feuersglut zerschmilzt, so sollen vergehen die Sünder vor den Augen Gottes, aber Freudenmahle halten sollen die Gerechten vor dir, o Gott! Vernichtet und beschämt sollen werden alle höllischen Heere! Des Satans Diener dürfen sich nicht erdreisten, dich auf deinem Heimwege zu Gott aufzuhalten! Christus, der für dich gefreuzigt worden, erlöse dich von aller Qual! Christus, der für dich sterben wollte, erlöse dich vom ewigen Tode! Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, geleite dich in sein Paradies, auf seine ewig blühenden, lieblichen Auen! Er, der wahrhaftige Hirt, nehme dich unter seine erwählten Schäflein auf! Er spreche dich los von allen deinen Sünden, und stelle dich zu seiner Rechten in die Reihe seiner Auserwählten! Dein seliges Auge schaue die hellleuchtendste Wahrheit, wenn du von Angesicht zu Angesicht deinen Erlöser siehest, und 670 Das zwölfte Gärtlein. ihm ewiglich zur Seite stehen darfst! Unter die Schaaren der Beseligten aufgenommen, genieße die Süßigkeit der Anschauung Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit. Lasset uns beten! Amen. Gebet. O Herr! nimm auf deinen Diener in die Wohnung des Heils, die er im Vertrauen auf deine Barmherzigkeit ersehnte! R, Amen. Erlöse, o Herr! die Seele deines Dieners von allen Gefahren der Hölle, von allen Fallstricken der Strafe, und von allen Drangsalen! R, Amen. Erlöse, o Herr! die Seele deines Dieners, wie du Enoch und Elias von der allgemeinen Sterblichkeit erlöset hast! R, Amen. Erlöse sie, o Herr! wie du Noe aus der Sündenflut erlöset haft! R Amen. Erlöse sie, o Herr! wie du Abraham aus dem Lande der Chaldäer erlöset hast! R, Amen. Erlöse sie, o Herr! wie du Job aus seinen Qualen erlöset hast! R, Amen. Erlöse sie, o Herr! wie du Jsaak vom Opferherde und aus der schwertbewaffneten Baterhand erlöset hast! R, Amen. Erlöse sie, o Herr! wie du Loth aus der Feuersbrunst zu Sodoma erlöset hast! R, Amen. Erlöse sie, o Herr! wie du Moses aus der Hand Pharao's, des Königs von Egypten, erlöset hast! Amen. Erlöse sie, o Herr! wie du Daniel aus dem Rachen der Löwen erlöset hast! R Amen. Erlöse sie, o Herr! wie du die drei Jünglinge aus dem Glutosen und aus der Hand des gottlosen Königs erlöset hast! R Amen. Erlöse sie, o Herr! wie du Susanna von der falschen Anklage erlöset hast! R Amen. Erlöse sie, v Herr! wie du David aus der Hand des Königs Saul und des Riesen Goliath erlöset haſt! R Amen. Erlöse sie, o Herr! wie du Petrus und Paulus aus Ketten und Banden erlöset hast! R Amen. 671 Gebete für Sterbende. Erlöse sie, o Herr! wie du Thekla, die Jungfrau und Märtyrin, aus ihren drei schweren Peinen erlöset hast, und laß sie mit dir der ewigen Güter im Himmel froh werden! R, Amen. Lasset uns beten! Gebet. Herr! wir empfehlen dir die Seele deines Dieners und flehen zu dir, Herr Jesu Christe, Erlöser der Welt, daß du sie in den Schooß der Patriarchen aufzunehmen nicht zögern wollest du, der du auch dieser Seele zum Heile voller Erbarmung vom Himmel auf die Erde herabgestiegen bist! - Erkenne in dieser Seele das Werk deiner Hände, dein Geschöpf, das nicht von einem fremden Gott, sondern von dir, dem alleinigen, lebendigen und wahrhaftigen Gott erschaffen worden; denn außer dir ist kein Gott, und nichts ist deinen Werken gleich! Erfreue, o Herr! die Seele mit deinem Angesichte, und denke nicht an die Sünden ihres verflossenen Lebens, nicht an die Gelüste ihres Herzens, welche böser Wahn und die Glut aufgeregter Begierden in ihrem Innern entzündeten! Hat sie gleichwohl gefündigt, so hat sie doch dich, Bater, Sohn und heiligen Geist, nie verläugnet; hat den Glauben bewahret, und stets mit Eifer sich an dich angeschlossen, und dich, als den Herrn und Gott, als den Weltenschöpfer, treu angebetet. Lasset uns beten! Gebet. O Herr! was diese Seele in ihrem Leibe gefündigt hat, das halte ihr nimmer nach! Nach der Fülle deiner Barmherzigkeit sei ihrer eingedenk im Reiche deiner Herrlichkeit. Ihr thue der Himmel sich auf; mit ihr sollen sich die Engel erfreuen! O Herr, so nimm denn diesen deinen Diener( diese deine Dienerin) in dein Reich auf! Es nehme sie auf, diese scheidende Seele, der Erzengel und Fürst der himmlischen Heerschaaren, Michael! Alle jeligen Geister mögen ihr entgegeneilen und sie einführen in das himmlische Jerusalem! 672 Das zwölfte Gärtlein. Es nehme sie auf der h. Apostel Petrus, dem Gott des Himmelreiches Schlüssel übergeben hat! Es stehe ihr bei der h. Apostel Paulus, der gewürdiget war, das Gefäß der Auserwählung zu werden! Es bitte für sie der auserwählte Jünger des Herrn, Johannes, dem Gott himmlische Geheimnisse geoffenbart! Für sie mögen um Beseligung flehen alle h. Apostel, denen der Herr die Binde- und Lösegewalt anvertraut! Bitten mögen um ihr Heil alle Heiligen und Auserwählten Gottes, die um Christi willen hienieden große Marter geduldet! Durch so kräftige Fürsprache werde die Seele von den Banden des Fleisches erlöset, und gelange zur Herrlichkeit des himmlischen Reiches! Das verleihe ihr Jesus Christus, unser Herr, der mit dem Vater und dem heiligen Geiste lebt und regiert in alle Ewigkeit. R, Amen. Wenn der Todestampf noch länger anhält, so können die sieben Bußpialmen gebetet werden, siehe Seite 146. Wenn die Seele geschieden ist, werde sogleich folgendes Responsorium gesprochen. Ihr Heiligen Gottes! kommet zu Hülfe dieser Seele! Eilet heran, ihr Engel des Herrn! Nehmet sie auf, und stellet sie dem Angesichte des Allerhöchsten vor! Christus, der dich aus dieser Zeitlichkeit abgerufen, nehme dich auf! die H. Engel geleiten dich in Abrahams Schooß! Ihr seligen Geister! nehmet euch dieser armen Seele an, und bringet sie vor den Thron Gottes! O Herr, verleihe ihr die ewige Ruhe; laß ihr leuchten dein ewiges Licht! V Herr, erbarme dich ihrer! W Christe, erbarme dich ihrer! V Herr, erbarme dich ihrer! Vater unser.. V und führe uns nicht in Versuchung! R Sondern erlöse uns vom Uebel! V Herr, verleihe dieser Seele die ewige Ruhe! R, Laß ihr leuchten dein ewiges Licht! V Von der Pforte der Hölle! R Erlöse, o Herr, diese Seele! V Laß sie ruhen im Frieden! R, Amen. V Herr, erhöre mein Gebet! R Und laß mein Rufen zu dir kommen! V Der Herr sei mit euch! R Und mit deinem Geiste! Lasset uns beten! Gebete für die armen Seelen im Fegfeuer. 673 Gebet. Dir, o Herr! empfehlen wir die dahingeschiedene Seele dieses deines Dieners( dieser deiner Dienerin), auf daß sie, dieser Welt abgestorben, bei dir ewig leben möge! Verzeihe ihr, o Herr, durch deine erbarmungsvolle Huld und Liebe, was sie hier auf dieser Erde aus menschlicher Schwäche gefündigt haben mag. Erhöre uns durch Jesum Christum unsern Herrn. R, Amen. Gebete für die armen Seelen im Fegfeuer. I. Warum wir den armen Seelen zu Hülfe kommen sollen. 1. Die armen Seelen leiden größere Pein, als alle Märtyrer und Uebelthäter auf Erden; denn die geringste Pein im Fegfeuer ist schwerer, als die größte auf Erden, Unter der Pein des Fegfeuers und der Hölle ist, wie die H. Väter lehren, kein anderer Unterschied, als daß diese ewig, jene dagegen endlich ist. 2. Sie können sich selbst nicht helfen, da die Zeit des Verdienstes vorüber ist, und müssen ohne unsere Hülfe so lange leiden, bis sie den letzten Heller bezahlt haben. 3. Für die Verstorbenen beten und ihnen durch verdienstliche Werke zu Hülfe kommen, ist das Werk einer uneigennützigen Nächstenliebe und Gott überaus wohlgefällig. 4. Dies Werk der Barmherzigkeit verdient auch viele Gnaden bei Gott, und es ist 5. ein Mittel, von Gott in unsern Nöthen erhört zu werden, selig zu sterben, dem Fegfeuer zu entgehen und in den Himmel zu kommen. Wohlan! so lasset uns, geliebte Brüder! jagt der heil. Augustinus( hom. 16 in ps. 50) für die armen Seelen beten, damit auch sie bei Gott für uns anhalten, auf daß wir bald ihnen in der Glorie zugesellt werden. II. Wie wir den armen Seelen zu Hülfe kommen können. 1. Dadurch, daß wir das heilige Meßopfer für sie anhören oder lesen lassen. 2. Almosen zu ihren Gunsten Myrrhengarten III. 43 674 Das zwölfte Gärtlein. austheilen. 3. Für sie fasten, härene Kleider oder Cilizien tragen und den Leib fasteien( dies jedoch nur mit Erlaubniß des Beichtvaters). 4. Ablässe fürbittweise ihnen zuwenden. 5. Einen Tag in der Woche( die Kirche pflegt den Montag besonders der armen Seelen zu gedenken) mit Allem, was daran Gutes geschehen, ihnen schenken. 6. Auf Kirchhöfen oder sonst des Tages über oft den Gebetseufzer sprechen: Die Seelen der abgestorbenen Gläubigen mögen durch die Barmherzigkeit Gottes ruhen in Frieden." 7. Den Feinden um der Liebe Gottes willen verzeihen und ihnen das Verdienst dieses oder eines andern guten Werkes schenken. 8. Sich des Tages über zuweilen überwinden, Kreuz und Leiden aus Liebe zu Jesus leiden und Angenehmes aus demselben Grunde sich versagen, und das Verdienstliche daran ihnen zur Abtragung ihrer Schulden geben. III. Wodurch wir selbst dem Fegfener entgehen können. 1. Wenn wir fromm und gottselig leben, und mit Abficht oder Ueberlegung auch keine läßliche Sünde begehen. 2. Für die begangenen Sünden der göttlichen Gerechtigkeit hier auf Erden möglichst genug zu thun streben; für die Sünden aus Hoffart: durch willige Uebernahme der Demüthigungen, die Gott uns auflegt, durch freiwillige Verdemüthigung aus aufrichtiger Berachtung unser selbst;- für die Sünden aus Wollust: durch geduldiges Leiden körperlicher Schmerzen, durch ein arbeitsames Leben, durch freiwillige Kasteiung und Bußstrenge, besonders durch Fasten; für die Sünden aus Habsucht und Geiz: durch Almofengeben, durch Ertragung der Armuth oder irgend eines Mangels oder Verlustes, so durch Fügung Gottes über uns kommt; für die Sünden aus Haß und Abneigung gegen den Nächsten: durch aufrichtiges Verzeihen, durch Wohlthaten. Und so für jede Art Sünden immer diejenige Buße, welche die betreffende Leidenschaft des Herzens am meisten peinigt und tödtet. 3. Uns selbst und unsere bösen Neigungen tapfer überwinden und durch geduldiges Leiden und Kreuztragen, durch Beten, Fasten und Almosengeben viele Verdienste für die Ewigkeit sammeln. 4. Eine reine Meinung zu Gott haben in allen Dingen, in Arbeit und Ruhe, in Freud' und - Die h. Messe für einen Abgestorbenen. 675 Leid, in guten und bösen Tagen. 5. Christo eifrig nachfolgen und ihm in Gesinnung und Wandel ähnlich zu werden trachten. 6. Defters im Tage eine vollkommene Reue und Leid über seine Sünden erwecken. 7. Oft aufrichtig und reumüthig beichten mit dem festen Vorsatze, einen Fehler, besonders von einer Beicht zur andern, zu bekämpfen und abzulegen. Oft die h. Kommunion würdig und andächtig empfangen und vollkommenen Ablaß gewinnen. 8. Jesum, unsern Herrn und Meister, unsere gekreuzigte Liebe, und seine heilige Mutter, die allerseligste Jungfrau, seinen treuen und keuschen Nährvater, den H. Joseph, den Schutzengel und die heiligen Patrone herzlich lieben und eifrig verehren. 9. Den Seelen im Fegfeuer mit großer Liebe zugethan ſein. Wohlzuthun und mitzutheilen vergesset nicht; denn solche Opfer gefallen Gott wohl. Hebr. 13, 16. Weise, die h. Messe für eine arme Seele im Fegfeuer zu hören und aufzuopfern. zu gebrauchen: 1. Bei den Seelenämtern an Begräbnißtagen, bei Sechswochen- und Jahrmessen. 2. Am Ällerseelentage. 3. An den Tagen, wo du für die armen Seelen einen vollkommenen Ablaß gewinnen willst und deshalb beichtest und communicirest. 4. Etwa einmal in der Woche, besonders am Montage, wenn's geschehen kann, weil nach löblicher Gewohnheit der Kirche am Montage, besonders am ersten Montage im Monat, der armen Seelen insbesondere gedacht wird. Meßgebete. Meinung zu Anfang der h. Messe. O Herr Jesu Christe, der du dich am H. Kreuze für unser Heil aufgeopfert haft, und jetzt in dieser h. Messe wiederum Gott dem Vater dich aufopfern willst, ich will jetzt dieser h. Messe mit Andacht beiwohnen und 43* 676 Das zwölfte Gärtlein. sie deinem himmlischen Vater mit aufopfern. Gleichwie du das blutige Kreuzopfer nicht für dich, sondern für unsere armen Seelen aufgeopfert haft; also beraube auch ich mich jetzt aus christlicher Liebe dieses Verdienstes, und will dies unblutige Opfer nicht für mich, sondern für die arme Seele N. N., wenn sie noch in der Qual sein sollte, aufopfern. Sollte ſie aber meines Gebetes nicht mehr bedürftig sein, so soll dir diese h. Messe für diejenige Seele aufgeopfert sein, welche meinetwegen leiden muß, oder für welche ich am meisten zu beten schuldig bin. Ach! Lasse dieser armen Seele mein Gebet zu gute kommen und durch meinen Schutzengel in das Feuer zu ihrem Troste hinabtragen. Amen. Bum Eingang oder Introitus. Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen. Ps. 64. Dir ziemet Lobgesang, o Gott, in Sion, und ein Dankopfer soll dir gebracht werden in Jerusalem. Erhöre mein Gebet; zu dir wird alles Fleisch kommen.- Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. 1 Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser!( Jedes wird 3mal gesagt.) Bu den Collecten. Am Begräbnißtage: O Gott, den es eigen ist, sich allezeit zu erbarmen und zu verschonen; wir bitten dich demüthig für die Seele deines Dieners ( deiner Dienerin) N. N., die du aus dem Zeitlichen 677 Die h. Messe für einen Abgestorbenen. hast abscheiden lassen; übergib sie nicht in die Hände des Feindes und vergiß ihrer nicht auf ewig; sondern laß sie von den H. Engeln aufgenommen und zum paradiesischen Vaterlande geführt werden, auf daß sie, weil sie auf dich gehofft und an dich geglaubt hat, den Strafen der Hölle entgehe und die ewigen Freuden besitze durch unsern Herrn Jesum Christum, welcher u. s. w. Bei einer Sechswochenmesse: Wir bitten dich, o Herr, du wollest die Seele deines Dieners ( deiner Dienerin) N. N., deren Begräbnißtag wir heute wiederum feierlich begehen, in die Gesellschaft deiner Heiligen und Auserwählten mit freigebigem Erbarmen aufnehmen, und den Thau deiner Barmherzigkeit in alle Ewigkeit über sie ausgießen. Durch unsern Herrn Jesum Christum 2c. Bei einem Jahrgedächtniß: Huldreicher Gott und Herr, gib der Seele deines Dieners ( deiner Dienerin) N. N., deren Jahrgedächtniß wir heute feiern, die Wohnung der Erquickung, die Seligkeit der Ruhe und des ewigen Lichtes Klarheit. Durch Jesum zc. Für Vater und Mutter: O Gott, der du uns befohlen hast, Vater und Mutter zu ehren, erbarme dich nach deiner milden Gütigkeit über die Seelen meines Vaters und meiner Mutter; vergib ihnen ihre Sünden und lasse mich sie wiedersehen in der Freude der ewigen Klarheit. Durch Jesum 2c. Für Verwandte, Freunde und Wohlthäter: O Gott, du Ausspender der Gnade und Liebhaber des menschlichen Heils, wir flehen zu deiner Güte, 678 Das zwölfte Gärtlein. daß du unsere Mitbrüder, Verwandte und Wohlthäter, die aus diesem Zeitlichen hinübergeschieden sind, durch die Fürsprache der seligen jungfräulichen Mutter Maria mit allen deinen Heiligen zur Gemeinschaft der ewigen Seligkeit wollest gelangen lassen. Durch Jesum Christum 2c. Für alle christgläubigen Verstorbenen, besonders an Allerseelen zu gebrauchen. O Gott, du Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen, ertheile den Seelen deiner Diener und Dienerinnen Verzeihung aller ihrer Sünden, damit sie die Nachlassung, die sie allzeit gewünscht haben, durch fromme Fürbitten erlangen, der du lebst und regierst mit Gott dem Vater in Einigkeit des h. Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Bur Epistel. 1. Cor. 15. Brüder! ich sage euch ein Geheimniß. Wir werden zwar alle auferstehen, aber nicht alle verwandelt werden, plötzlich, im Augenblick bei der letzten Bosaune! Denn erschallen wird die Posaune und die Todten werden auferstehen, unverweset; und wir werden verwandelt werden. Denn es muß dies Verwesliche anziehen die Unverweslichkeit und dies Sterbliche anziehen die Unsterblichkeit. Hat aber dieses Sterbliche angezogen die Unsterblichkeit, dann wird in Erfüllung gehen das Wort, das geschrieben steht: Verschlungen ist der Tod im Siege; wo ist, o Tod, dein Sieg? o Tod, wo ist dein Stachel? Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, und die Kraft der Sünde das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern Herrn Jesum Christum! Die H. Meffe für einen Abgestorbenen. 679 Graduale. Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen! Im ewigen Gedächtnisse wird sein der Gerechte, und hat nicht zu fürchten vor bösem Gerede. Tractus. Befreie, o Herr, die Seelen der abgestorbenen Gläubigen von jeglichem Bande der Sünde; komme ihnen zu Hülfe mit deiner Gnade, damit fie verdienen, dem Gerichte der Rache zu entgehen und die Seligkeit des ewigen Lichtes zu genießen. Dies irae, dies illa. 1. Jener Tag, der Tag der Zähren,* Wird die Welt in Asche kehren,* Wie Sibyll' und David lehren. * 2. Welch' ein Zittern wird da werden, Wenn der Richter aller Erden* Kommt, zu scheiden seine Heerden! 3. Die Posaune wird erklingen, Durch der Länder Gräber dringen,* Alle vor den Richtstuhl zwingen. * 4. Staunen wird da Tod und Leben,* Wann die Wesen sich erheben,* Antwort vor Gericht zu geben. 5. Offen liegt das Buch der Sünden,* Alles ist darin zu finden,* Um zu lösen und zu binden. 6. Vor des Richters Angesichte* Tritt Verborgenes flar im Lichte,* Nichts entgeht da dem Gerichte. * 7. Weh! was werd' ich Armer sagen, Welchen Schutz und Rath erfragen,* Wo Gerechte selbst verzagen. 8. König aller Kraft und Ehren,* Mild' um Gnade zu gewähren,* Rette mich am Tag der Zähren! * 9. Der du bist herabgekommen,* Fleisch für mich haft angenommen,* Hilf mir, Jesu, Trost der Frommen! 10. Suchtest mich mit Huldverlangen, Hast am Kreuz für mich gehangen,* Jesu, laß mich Gnad' empfangen! 11. Strenger Richter aller Sünden, Laß mich hier Verzeihung finden,* Eh' der Hoffnung Tage schwinden. * 12. Sieh mich seufzen voll Verzagen,* Sieh die Schuld am Herzen nagen,* Gott, erbarm' dich meiner Klagen! 13. Da Maria du erhöret* Und den Schächer noch bekehret, Hoffnung hast du mir gewähret. * 680 Das zwölfte Gärtlein. 14. Nichts verdient mein schwach Gebete,* Deine Güte mich errette* Vor der Hölle Feuerstätte. 15. Unter deinen treuen Knechten,* Herr, geschieden von den Schlechten,* Laß mich stehu zu deiner Rechten! 16. Wann die Bösen untersinken,* Ewig Glut und Qual zu trinken,* Wollst mir dann zum Frieden winken. 17. Mit zerknirschtem Herzen wende, Gott, zu dir ich meine Hände,* Steh' mir bei am letzten Ende! 18. Rette mich in's ew'ge Leben,* Wann die Todten sich erheben,* Antwort vor Gericht zu geben. 19. Herr, verschone! Gott, verzeihe!* Guter Jesu, ' Gnad' verleihe,* Gib den Seelen ew'ge Ruh! Amen. * Bum Evangelium. Joh. 5, 25-29. Jn jener Zeit sprach Jesus zu den Schaaren der Juden: Wahrlich! wahrlich! Ich sage euch, es kommt die Stunde, ja sie ist schon da, wo die Todten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden; und die sie hören, werden leben. Denn wie der Vater das Leben in sich selbst hat, so hat er auch dem Sohne gegeben, das Leben in sich selbſt zu haben; und er hat ihm die Macht gegeben, das Gericht zu halten, weil er der Menschensohn ist. Wundert euch nicht darüber; denn es kommt die Stunde, in welcher Alle, die in den Gräbern sind, die Stimme des Sohnes Gottes hören werden; und es werden hervorgehen, die Gutes gethan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Böses ge= than haben, zur Auferstehung des Gerichtes. Bum Offertorium. Herr Jesu Christe, König der Glorie, errette die Seelen aller abgestorbenen Christgläubigen von den Strafen des Abgrundes und vom tiefen See; errette 681 Die h. Meffe für einen Abgestorbenen. sie vom Rachen des Löwen, auf daß sie die Hölle nicht verschlinge, und daß sie nicht versinken in die Finsterniß, sondern dein Heerführer, der h. Michael, sie vorführe in das Licht, welches du ehemals dem Abraham versprochen hast und seinem Samen. Herr! wir bringen dir Opfer und Gebete zu deinem Lobe; nimm sie auf für jene Seelen, deren Gedächtniß wir heute begehen; lasse sie übergehen, o Herr, von dem Tode zum Leben, das du ehemals dem Abraham versprochen hast und seinem Samen.- Nimm auf, o h. Vater! dies Opfer des Brodes und des Weines, welches der Priester jetzt zu deiner Ehre und zum Heile der Lebendigen und Abgestorbenen aufopfert. Dies opfere ich dir im Namen der ganzen katholischen Kirche für diejenige Seele, welche ich dir zu Anfang der h. Messe empfohlen habe. Alle Qualen und Peinen, welche sie jetzt in den reinigenden Flammen leidet, wie auch all ihr Seufzen und Klagen lege ich in diesen h. Kelch, damit dies Alles in der Consecration mit dem Blute Jesu Christi besprengt, dir aufgeopfert und vor Augen geſtellt werde. So wirst du dich ohne Zweifel über das äußerste Elend dieser armen Seele erbarmen, und sie aus Barmherzigkeit von ihren schweren Qualen erlösen. Amen. Bur Secret nach dem Orate Fratres. Wir bitten dich, o Herr, siehe gnädig auf das Opfer, welches wir für die Seelen deiner Diener und Dienerinnen dir darbringen, auf daß du denen, welchen du das Verdienst des christlichen Glaubens verliehen hast, auch den Preis der Belohnung schenken mögest. 682 Das zwölfte Gärtlein. Sei gnädig, o Herr, der Seele deines Dieners ( deiner Dienerin) N. N., für welche wir dieses Lobopfer dir darbringen, indem wir deine Majestät demüthig bitten, daß sie durch dieses heil. Werk der Versöhnung verdienen möge, zu der ewigen Ruhe zu gelangen, durch Jesum Christum 2c. Bur Präfation. Zu dir, o Gott, erheben wir unsere Herzen und sagen Dank deiner göttlichen Majeſtät. Denn wahhaft würdig und recht, gebührend und heilsam ist es, daß wir jederzeit und an allen Orten dir, o heiligster Vater, allmächtiger, ewiger Gott, Dank sagen durch Jesum Christum, unsern Herrn, durch den die Engel deine Majestät loben, die Mächte zittern, die Himmel und alle Kräfte der Himmel, sammt den seligen Seraphim, dich mit vereintem Frohlocken verherrlichen und preisen. Wir bitten, laß auch unsere Stimmen mit ihnen zu dir gelangen, die wir in tiefster Ehrfurcht bekennen und sprechen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Gott Sabaoth! Himmel und Erde sind voll der Glorie und Herrlichkeit Gottes! Hosanna in der Höh'! Gebenedeit sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höh'! Bum Memento für die Lebendigen. ( Hier bete in der Stille nach deinem Herzensdrange für diejenigen unter den noch lebenden Gläubigen, für welche du besonders zu beten pflegst und zu beten verpflichtet bist. Zur Wandlung. Zur Aufhebung der h. Hoftie. Schaue an, himmlischer Vater! deinen Eingebornen Sohn, welchen der Priester jetzt aufhebt, und dir Die h. Messe für einen Abgestorbenen. 683 als ein wahres Opfer aufopfert. Auch ich opfere ihn dir in solcher Gestalt, wie er am heiligen Kreuze gehangen und in größten Schmerzen seinen Geist aufgegeben hat. Lasse dir dies unschätzbare Opfer bestens gefallen, und zur Erlösung der armen Seelen gereichen. Amen. Zur Aufhebung des h. Kelches. Siehe an das rosenfarbene Blut deines Sohnes Jesu Christi, himmlischer Bater, welches unter so viel Schmach und Bein für uns ist vergossen worden. Ich opfere dir dasselbe zur Erquickung der armen Seelen, bittend, du wollest sie durch die Kraft deines heil. Blutes von ihren Makeln reinigen. Amen. Milder Jesu! Gott und Herr! Gib den armen Seelen Ruh'! Dreimal. Zuletzt wird beigefügt: In Ewigkeit. Nach der Wandlung. Jesu Christe, du unser wahrer Priester und Versöhnopfer, mit wahrer, gottgebührender Ehrerbietung bete ich dich an, und glaube fest, daß du jetzt auf dem Altare persönlich gegenwärtig bist. Ich glaube, daß du dich jetzt deinem Vater ebenſo kräftig aufopferst, als damals, wo du dich ihm am h. Kreuze geopfert und für das Heil der armen Seelen gebetet hast. Ach! sei auch eingedenk derjenigen armen Seele, für welche ich diese h. Messe höre, und für welche ich am meisten zu beten schuldig bin. Für diese wollest du jetzt insbesondere bitten, und deinem Vater die ganze Frucht deines Leidens aufopfern. Zeige ihm dein gekröntes Haupt, deine geschwollenen 684 Das zwölfte Gärtlein. Wangen, deine verblichenen Lefzen, deine ausgedehnten Glieder, deine zersprungenen Adern, deine durchbohrten Hände und Füße, deine eröffnete Seite, dein durchstochenes Herz, dein vergossenes Blut und deine betrübte Seele. Dies Alles zeige und opfere ihm zur Erlösung der armen Seelen und zur Bezahlung ihrer noch übrigen Strafen. Gleichwie du am Kreuze vor deinem letzten Ende gesprochen hast: Es ist vollbracht: also sprich auch jetzt: Bater, es ist Alles vollbracht, was die Seele noch zu leiden hat! Denn was ihr an völliger Genugthuung mangelt, das erstatte ich dir durch die Kraft dieser heil. Messe und durch die Aufopferung meines bitteren Leidens. Dies inständige Gebet, o Jesu! wird ja so viel vermögen, daß du der armen Seele Gnade erlangest; und dies dein unschätzbares Opfer wird ja so viel werth sein, daß es ihre Schulden vollkommen bezahle. Darum zweifle ich gar nicht, die liebe Seele werde hierdurch Linderung empfangen und von ihren schweren Peinen erlöst werden. Dies zu erhalten, will ich mit Andacht sprechen drei Bater unser sammt dem englischen Gruße. Bum Agnus Dei sprich dreimal: O du Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt! Gib ihr die ewige Ruhe. O du süßzes, o du liebes, o du barmherziges Lamm Gottes, erbarme dich über die Seele und verzeihe ihr ihre begangenen Sünden! Ach, erlöse sie von ihren schweren Qualen und schenke ihr die noch übrigen Strafen. Ach, errette sie aus dem feurigen Kerter und führe sie zur ewigen Seligkeit. Amen. Die h. Messe für einen Abgestorbenen. Bum Domine non sum dignus. O Herr Jesu Christe, ich bin nicht würdig, daß du mich erhörest; die arme Seele aber, die in deiner Gnade ist, ist wohl würdig, wenigstens sehr bedürftig, daß du sie erlösest. Wenn sie noch nicht würdig ist, so mache doch, daß sie würdig werde und deine Barmherzigkeit genießen möge. Ich bitte dich durch die Kraft des hochw. Sakraments, welches der Priester jetzt genießet, lasse die arme Seele der Kraft dieser Nießung theilhaftig und in ihrer Qual gestärkt werden. Ich bitte dich durch die Würdigung, mit welcher du dich würdigest, den Priester sammt Allen, die es verlangen, mit deinem h. Fleische und Blute zu speisen und zu tränken, würdige dich auch, die nothleidende Seele mit deinem heil. Fleische zu heiligen und mit deinem kräftigen Blute zu erquicken. Ach, lasse nur ein einziges Tröpflein dieses rosenfarbenen Blutes in das Fegfeuer auf die gepeinigte Seele hinabfließen, so wird sie durch die Kraft desselben von allen ihren Makeln gereiniget und von allen ihren Beinen erlöst werden. Das verleihe ihr und allen armen Seelen die hochheiligste Dreifaltigkeit, welche von mir und allen Kreaturen sei gepriesen in Ewigkeit. Amen. Das ewige Licht leuchte ihnen, o Herr! mit deinen Heiligen in Ewigkeit; denn du bist ein guter Gott. Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen mit deinen Heiligen in Ewigkeit; denn du bist ein guter Gott! 685 Bur Postcommunion. ( d. i. bei den letzten Gebeten des Priesters.) Am Begräbnißtage. Allmächtiger Gott, wir bitten dich, du wollest der Seele deines Dieners( deiner 686 Das zwölfte Gärtlein. Dienerin) N. N., welche vom Zeitlichen abgeschieden ist, gnädig verleihen, daß sie durch dieses Opfer gereinigt, von ihren Sünden befreit, zugleich Nachlassung ihrer Schulden und die ewige Ruhe empfange. Durch Jesum Christum zc. Bei einer Sechswochenmesse. Nimm, o Herr, unsere Gebete für die Seele deines Dieners ( deiner Dienerin) N. N. gnädig auf, damit die Makeln, welche ihr vom Schalten mit den irdischen Dingen noch etwa ankleben, durch deine erbarmungsvolle Nachlassung getilgt werden. Durch Jesum Christum 2c. Bei einem Jahrgedächtniß. Verleihe, o Herr! wir bitten dich, daß die Seele deines Dieners( deiner Dienerin) N. N., deren Jahrgedächtniß wir heute feiern, durch dieses Opfer gereinigt, Berzeihung erlange und die ewige Ruhe. Durch Jesum Christum 2c. Für Vater und Mutter. Die Theilnahme am göttlichen Sakramente möge doch, wir bitten, o Herr, den Seelen meines Vaters und meiner Mutter die Ruhe und das ewige Licht zuwege bringen, und auch mich mit ihnen möge deine Gnade krönen ewiglich. Durch Jesum Christum 2c. Für Verwandte, Freunde und Wohlthäter. Allmächtiger und barmherziger Gott, wir bitten dich, verleihe, daß die Seelen unserer Mitbrüder, Verwandten und Wohlthäter, für welche wir dies Opfer des Lobes deiner Majestät dargebracht haben, durch die Kraft dieses Sakraments von allen Sünden gesühnt, durch dein Erbarmen die Seligkeit des ewigen Lichtes erlangen mögen. Durch Jesum Christum 2c. Die h. Messe für einen Abgestorbenen. 687 Für alle christgläubige Verstorbene. Den Seelen deiner Diener und Dienerinnen, o Herr, möge doch, wir bitten dich, das Gebet derjenigen, die Fürbitte für sie eingelegt haben, zu gute kommen, auf daß du sie ihrer Sünden entledigt und deiner Erlösung theilhaftig werden lassest. Der du lebst und regierst mit Gott dem Vater 2c. Sie mögen ruhen im Frieden. Amen. Bum lekten Evangelium. ( Das Evangelium des h. Johannes fiebe im eilften Gärtlein. Seite 645.) Das Libera, wenn die Tumba oder Rast ausgesetzt ist. Chor: Errette mich, o Herr, von dem ewigen Tode, an jenem furchtbaren Tage, wann Himmel und Erde bewegt werden, während du kommen wirst, die Welt zu richten durch's Feuer. Priester: Zittern und Furcht überfällt mich, wenn ich gedenke an das Gericht und die kommende Rache, an jenem furchtbaren Tage. Ch. Wann Himmel und Erde bewegt werden. Pr. Jener Tag, der Tag des Zornes, der Tag des Elends und des Jammers, der große und sehr bittere Tag! Ch. Wann du kommen wirst, die Welt zu richten durch's Feuer. Pr. Die ewige Ruhe schenk' ihnen, o Herr, und das ewige Licht leuchte ihnen. Ch. Errette mich, o Herr, von dem ewigen Tode an jenem furchtbaren Tage, wann Himmel und Erde bewegt werden, während du kommen wirst, die Welt zu richten durch's Feuer. 688 Das zwölfte Gärtlein. Pr. Kyrie eleison! Ch. Christe eleison! Kyrie eleison! Pr. Pr. Vater unser. ( Während dies in der Stille gebetet wird, besprengt der Priester die Rast mit Weihwasser und beräuchert sie mit Weihrauch.) Pr. Führe uns nicht in Versuchung. Ch. Sondern erlöse uns vom Uebel. Pr. Von den Pforten der Hölle. Ch. Errette, Herr, ihr Seele( ihre Seelen). Pr. Er möge( sie mögen) ruhen im Frieden. Ch. Amen. Pr. Herr, erhöre mein Gebet. Ch. Laß mein Rufen zu dir kommen. Pr. Der Herr sei mit euch. Ch. Und mit deinem Geiste. Laßt uns beten. Das Gebet nimmt man aus den Collecten der h. Messe, je nachdem c3 Begräbnißtag oder Sechswochen- oder Jahrgedächtniß ist. Pr. Herr, gib ihnen( ihm oder ihr) die ewige Ruhe. Ch. Das ewige Licht leuchte ihnen( ihm oder ihr). Pr. Er möge( sie mögen) ruhen im Frieden. Ch. Amen. Aufopferung des Leidens Chrifti für eine Seele oder mehrere. O gerechter Gott, der du keine Sünde ungestraft läsfest, sondern entweder in dieser oder in jener Welt züchtigest; ich bitte dich um die Erlösung der armen Seelen im Fegfeuer, besonders derer, für welche ich Gebete für die Seelen im Fegfeuer. 689 am meisten zu bitten schuldig bin. Laß ihnen ihre Strafen nach und erlöse sie aus den reinigenden Flammen. Damit du dies ohne Nachtheil deiner Gerechtigkeit thun mögest, so will ich ihren Mangel durch Christum erstatten, und zur richtigen Zahlung ihrer Schulden dir sein bitteres Leiden aufopfern. Deswegen opfere ich dir die Traurigkeit bis zum Tode, die dein Sohn am Delberge litt, und das eifrige Gebet, das er drei Stunden lang zu dir verrichtet hat. Ich opfere dir seine Todesangst, die er ausgestanden, und seinen blutigen Schweiß, den er vergessen hat. Ich opfere dir seine schmähliche Gefangennehmung und Führung in die Stadt, sammt allem, was er in den Häusern des Annas und Kaiphas gelitten hat. Ich opfere dir den Spott und Hohn, den er bei der Führung zum Pilatus und im Hause des Herodes erduldete. Ich opfere dir seine kränkende Entblößung und Bindung an die Säule, und die schmerzvolle Geißelung und die Wunden, die er damals empfangen hat. Ich opfere dir seine schmachvolle und schmerzliche Krönung, und alle Dornstiche, die er in sein Haupt empfangen hat. Ich opfere dir seine Zeigung vor dem Volke und das Urtheil des Todes, das Pilatus über ihn gesprochen hat. Ich opfere dir seine beschwerliche Kreuztragung und alle Schmach, die er auf diesem Wege gelitten hat. Ich opfere dir die schmerzliche Annagelung seiner Hände und Füße, und die grausame Ausdehnung aller Glieder seines Leibes. Ich opfere dir seine peinliche Erhebung am Kreuze, sammt aller Marter, die er am Kreuze erlitten hat. Ich opfere dir alle Schande Myrrhengarten III 690 Das zwölfte Gärtleint. und Schmach, die ihm die Juden angethan haben. Ich opfere dir sein schmerzliches Hangen in den eisernen Nägeln, und die bittersten Schmerzen, die er an allen seinen Gliedern gelitten hat. Ich opfere dir seinen letzten bittern Todeskampf und den allerschmerzlichsten Tod, den er gelitten hat. Dies Alles opfere ich dir für die Erlösung der armen Seelen im Fegfeuer und zur vollkommenen Genugthuung der Strafen, welche sie durch ihre Sünden verschuldet haben. So nimm denn dies Opfer von mir gütig auf und lasse es den armen Seelen zu gute kommen. Amen. - Gebet zu Christo und zur göttlichen Gerechtigkeit für die Abgestorbenen. O du gerechter Richter der Lebendigen und der Todten, Christe Jesu, der du allein die Schlüffel des Todes und der Hölle hast, ich spreche bei dir an um Erlösung der armen nothleidenden Seelent, und bitte dich durch dein Leiden und Sterben, daß du sie aus dem feurigen Kerker erretten wollest. Ich weiß, daß es dein Wille ist, daß ich um die Erlösung dieser bedrängten Seelen anhalte, und daß deine Barmherzigkeit sie gern errettet sähe, wenn nur deine Gerechtigkeit dies zulassen könnte. Darum thue ich vor dir, du göttliche Gerechtigkeit, einen demüthigen Fußfall, und bitte durch alles, was ich bitten kann, daß du mit den armen Seelen nicht so streng verfahren wollest. Laß dich versöhnen durch die Bein, welche sie ohne Unterlaß ausstehen, und lasse dich doch erweichen durch ihr Rufen um Erbarmen. Lasse dich Gebete für die Seelen im Fegfeuer. doch versöhnen durch die vollkommene Genugthuung, die Christus am Kreuze für sie gethan, und durch die bittern Zähren, welche er für sie geweint hat. Diese stelle ich dir vor Augen, und bitte, du wollest auch der Barmherzigkeit eingedenk sein. Amen. 691 Bitte zum h. Geist für die Abgestorbenen. O gnadenreicher h. Geist! ich komme in großem Vertrauen zu dir, und bitte dich inständig um die Erlösung aller Seelen im Jegfeuer, besonders derjenigen, für welche ich am meisten zu bitten schuldig bin. Ich erwarte zuversichtlich von dir erhört zu werden, weil du bist die göttliche Barmherzigkeit und nach ihrer Erlösung am meisten verlangest. So versöhne du denn die so strenge Gerechtigkeit, und halte um Barmherzigkeit an. Es sagt ja die h. Schrift, daß deine Barmherzigkeit über alle deine Werke sei; so lasse denn dies tröstliche Wort auch an den armen Seelen wahr werden, und laß deine Barmherzigkeit das strenge göttliche Gericht übersteigen. Was die Verdienste dieser armen Seelen nicht vermögen, das erstatte aus den Verdiensten Christi und aller Heiligen. Sind ja diese lieben Seelen wahre Glieder Christi und der Heiligen. So erhöre denn meine Bitte, mildreichster h. Geist, und aus deiner grundlosen Barmherzigkeit tröste die betrübten Seelen in ihrem großen Leide. Schenke ihnen aus Güte die noch übrigen Schulden, und lasse ihnen nach die verschuldeten Beinen und Strafen, damit sie deine Güte ewiglich preisen und dir für ihre unerdiente Erlösung immerwährenden Dank sagen. Amen. 44* Das zwölfte Gärtlein. Bur Mutter Gottes für die Abgestorbenen. Du Mutter der Gnaden, hl. Jungfrau Maria! ach, siehe an das unaussprechliche Elend, das die armen Seelen im Fegfeuer leiden, und erbarme dich über ihre unerträgliche Pein! Kann auch eine Mutter ihres Kindes vergessen( spricht das göttliche Wort), daß sie sich nicht sollte erbarmen über die Frucht, so sie geboren hat? Wie magst du denn zusehen, daß jene Seelen, welche deine wahren Kinder sind und welche du auch mehr liebst, als eine Mutter ihre natürlichen Kinder, in den heißen Flammen so lange verweilen und so viel Bein leiden! Ach! lasse doch nicht nach zu bitten, bis du sie erlöset hast! Opfere deinem Sohne die heißen Zähren, welche du über sein Leiden geweint hast, und alles Elend, das du mit ihm auf Erden gelitten hast. Erzähle ihm alles Mitleid, so du mit ihm getragen hast, und zeige ihm dein mütterliches Herz, welches ihn allezeit so treu geliebt hat. Dies Alles zeige und opfere ihm zur Erlösung dieser armen Seelen und zur Genugthuung der schweren Strafen, die sie noch zu leiden schuldig sind. Amen. 692 Bu den Heiligen für die Abgestorbenen. Oihr lieben Freunde Gottes, alle Heiligen des himmlischen Reiches, sehet doch an die große Qual der armen Seelen im Fegfeuer, und erbarmet euch über sie! Diese lieben Seelen sind ja eure wahren Brüder und Schwestern in Christo, und sind zu Miterben des himmlischen Reiches von ihm verordnet. So traget denn ein wahres Mitleid mit denjenigen, welche euch so nahe verwandt sind, und welche eure Litanei für die Verstorbenen. 693 Hülfe so beweglich anrufen, sprechend: Erbarmet euch unser, zum wenigsten ihr, unsere Freunde: denn die Hand des Herrn hat uns hart berührt! Ach! erhöret doch diesen Klageruf, und haltet bei Gott um Barmherzigkeit und Erlösung an. Neiget eure Ohren zu dem steten Weinen der armen Gefangenen, und senket eure Augen hinab in die feurige Kluft. Beherziget, ach beherziget doch, was eure lieben Brüder und Schwestern leiden, und lasset ihr großes Elend und die brüderliche Liebe euch zur Erbarmung erweichen. Bittet den lieben Gott ohne Unterlaß für sie, und lasset nicht nach zu bitten, bis ihr erhöret seid. Amen. Litanei für die Verstorbenen. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Jesu Christe, höre uns! Jesu Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich der verstorbenen Gläubigen! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich der verstorbenen Gläubigen! Gott heiliger Geist, erbarme dich der verstorbenen Gläubigen! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme dich der verstorbenen Gläubigen! Heilige Maria, Heilige Gottesgebärerin, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Heiliger Michael, Alle hh. Engel und Erzengel, Alle hh. Chöre der seligen Geister, Heiliger Johannes der Täufer, Heiliger Joseph, Alle hh. Patriarchen und Propheten, Heiliger Petrus, Bitte( oder bittet) für sie! 694 Heiliger Paulus, Heiliger Johannes, Alle hy. Apostel und Evangelisten, Das zwölfte Gärtlein. Heiliger Stephanus, Heiliger Laurentius, Alle hh. Märtyrer, Heiliger Gregorius, Heiliger Ambrosius, Heiliger Augustinus, Heiliger Hieronymus, Alle hh. Bischöfe und Bekenner, Alle hh. Kirchenlehrer, Alle hh. Priester und Leviten, Alle hh. Mönche und Einsiedler, Heilige Maria Magdalena, Heilige Catharina, Heilige Agatha, Heilige Barbara, Alle hh. Jungfrauen und Witwen, Alle Heiligen Gottes, Sei ihnen gnädig, verschone sie, o Herr! Sei ihnen gnädig, erhöre sie, o Herr! Von allem Uebel, erlöse sie, o Herr! Von deinem Zorne, Von der Strenge deiner Gerechtigkeit, Von der Gewalt des Teufels, Vom nagenden Wurme des Gewissens, Von langwieriger Traurigkeit, Von den grausamen Flammen, Von der unerträglichen Kälte, Von der schrecklichen Finsterniß, Vom entsetzlichen Jammer und Wehklagen, Durch deine wunderbare Empfängniß, Durch deine Geburt, Durch deinen süßen Namen, Durch deine Taufe und dein h. Fasten, Durch deine tiefste Demuth, Durch deinen bereitwilligen Gehorsam, Durch deine unbegrenzte Liebe, Bitte( oder bittet) für sie! Erlöse sie, 0 Herr! Litanei für die Verstorbenen. Durch deine Aengste und Beschwerden, Durch deinen blutigen Schweiß, Durch deine Gefangennehmung, Durch deine Krönung, Durch deine Kreuztragung, Durch deinen bittern Tod, Durch deine heiligsten Wunden, Durch dein bittres Kreuz und Leiden, Durch deine h. Auferstehung, Durch deine wunderbare Himmelfahrt, Durch die Ankunft des h. Geistes, de Trösters, Am Tage des Gerichts, Wir armen Sünder, wir bitten dich, erhöre uns! Der du Maria Magdalena losgesprochen und den Schächer erhört hast, Der du die, welche selig werden, aus Gnade selig machest, Der du den Schlüssel des Todes und der Hölle hast, Daß du unsere Eltern, Verwandten und Wohlthäter von den Strafen des Fegfeuers befreien wollest, Daß du alle verstorbenen Christgläubigen vor der ewigen Verdammniß bewahren wollest, Daß du dich besonders derjenigen, deren Niemand insbesondere gedenkt, erbarmen wollest, Daß du allen dich schonend und nachsichtig erweisen wollest, Daß du ihre heißen Wünsche alsbald erfüllen wolleft, Daß du sie in die Gesellschaft deiner Auserwählten aufnehmen wollest, König, voll furchtbarer Majestät, Sohn Gottes, 695 Erlöse fie, o Herr! Wir bitten dich, erhöre uns! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, gib ihnen Ruhe! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, gib ihnen Ruhe! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, gib ihnen die ewige Ruhe! Jesu Chr höre uns! Jesu Christe, erhöre uns! 696 Das zwölfte Gärtlein. Herr, erbarme dich unser! Vater unter 2c. Ave Maria 2c. V Von den Pforten der Hölle!. R Errette, o Herr, ihre Seelen! W Sie mögen ruhen im Frieden! R Amen. V Herr, erhöre mein Gebet! R Und laß mein Rufen zu dir kommen! Laßt uns beten! Den Seelen deiner Diener und Dienerinnen erweise, wir bitten dich, o Herr, immerwährendes Erbarmen, damit ihnen nütze für die ganze Ewigkeit, daß sie an dich geglaubt und auf dich gehofft haben. Durch unsern Herrn Jesum Christum deinen Sohn, welcher 2c. Amen. V Herr, gib ihnen die ewige Ruhe! R Und das ewige Licht leuchte ihnen! V Laß sie ruhen im Frieden! R, Amen. Gebete für die Seelen im Fegfeuer. ( Auf jeden Tag der Woche.) Am Sonntage. Herr, allmächtiger Gott! ich bitte dich durch das kostbare Blut, welches dein göttlicher Sohn Jesus im Delgarten vergossen hat; erlöse die leidenden Seelen des Fegfeuers, insonderheit aber die verlassenste von allen, und führe sie in deine Herrlichkeit ein, wo ich dich loben und preisen könne in Ewigkeit. Amen. Vater unser 2C. Ave Maria 2C. Aus der Tiefe rufe ich zu dir, o Herr 2c. Siehe den 6. Bußpsalm im vierten Gärtlein. Am Ende des Psalms betet man: Gcbete für die Seelen im Fegfeuer. Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, Und das ewige Licht leuchte ihnen. Am Montage. Herr, allmächtiger Gott! ich bitte dich durch das kostbare Blut, welches dein göttlicher Sohn Jesus in seiner harten Geißelung vergossen hat; erlöse die leidenden Seelen des Fegfeuers, insonderheit aber jene, welche die nächste zum Eingange in die ewige Herrlichkeit ist; damit sie sogleich beginne, dein Lob anzustimmen, und dich zu preisen in Ewigkeit. Amen. 697 Vater unser 2c. Ave Maria 2c. Aus der Tiefe zc. Am Dienstage. Herr, allmächtiger Gott! ich bitte dich durch das kostbare Blut, welches dein göttlicher Sohn Jesus bei seiner grausamen Krönung mit Dornen vergossen hat; erlöse die leidenden Seelen des Fegfeuers, insonderheit aber jene, welche sonst die letzte dieser großen Pein entkommen wäre; damit sie nicht länger säumen müsse, dich in deiner Herrlichkeit zu loben und ewig zu benedeien. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. Aus der Tiefe 2c. Am Mittwoch. Herr, allmächtiger Gott! ich bitte dich durch das kostbare Blut, welches dein göttlicher Sohn Jesus bei seiner Kreuztragung in den Gassen Jerusalems vergossen hat; erlöse die leidenden Seelen des Fegfeuers, insonderheit aber jene, welche vor dir die reichste an Verdiensten ist; damit sie auf der hohen Stufe der Herrlichkeit, die sie erwartet, dich laut preisen und ewig loben möge. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. Aus der Tiefe 2c. Am Donnerstage. Herr, allmächtiger Gott! ich bitte dich durch den kostbaren Leib und das 698 Das zwölfte Gärtlein. kostbare Blut deines göttlichen Sohnes Jesu, womit er am Vorabende seines Leidens sich selbst seinen geliebten Apoſteln zur Speise und zum Tranke darbot, und dies als ein reines, ewiges Opfer, und als eine lebendigmachende Nahrung der Gläubigen der ganzen Kirche hinterlassen hat; erlöse die leidenden Seelen des Fegfeuers, insonderheit aber jene, welche die meiste Andacht zu diesem Geheimniß der ewigen Liebe trug; damit sie dich mit dem göttlichen Sohne und dem H. Geiste in deiner Herrlichfeit ewig dafür loben und preisen möge. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria zc. Aus der Tiefe zc Am Freitage. Herr, allmächtiger Gott! ich bitte dich durch das kostbare Blut, welches dein göttlicher Sohn Jesus an diesem Tage am Stamme des Kreuzes aus den Wunden seiner heiligsten Hände und Füße vergossen hat; erlöse die leidenden Seelen des Fegfeuers, insonderheit aber jene, für welche ich am meisten verpflichtet bin zu beten, damit sie nicht aus meiner Schuld aufgehalten sei, bald von dir in den Himmel aufgenommen zu werden, um dich in deiner Herrlichkeit ewig zu loben und zu preisen. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. Aus der Tiefe 2c. Am Samstage. Herr, allmächtiger Gott! ich bitte dich durch das kostbare Blut, welches aus der Seite deines göttlichen Sohnes Jesu in Gegenwart und zum größten Schmerze seiner heiligsten Mutter geflossen; erlöse die leidenden Seelen aus dem Feg= feuer, insonderheit aber jene, welche unter allen die Gebete für die Seelen im Fegfeuer. 699 meiste Liebe und Andacht zur schmerzhaften Mutter gehabt hat; damit sie bald zur Herrlichkeit gelange, um dich in ihr, und sie in dir zu loben und zu preisen in alle Ewigkeit. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. Aus der Tiefe zc. ( Für einmal des Tages 100 Tage Ablaß, der auch den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden kann. Leo XII. 18. October 1826.] Ablaßgebete. Gebet zum Troste der Kranken. Göttlicher Jesus, Mensch gewordener Sohn Gottes, der du dich gewürdigt haft, um unseres Heiles willen in einem Stalle geboren zu werden, in Armuth, Mühseligkeit und Elend zu leben und den schmerzvollen Tod des Kreuzes zu sterben; ich bitte dich, sprich in meiner Todesstunde zu deinem himmlischen Vater: ,, Vater, verzeihe ihm!" sprich zu deiner geliebten Mutter: ,, Siehe, deinen Sohn!" und sprich zu meiner Seele:„ Heute noch wirst du bei mir im Paradiese sein!"- O mein Gott, mein Gott, verlaß mich nicht in jener Stunde! Jch dürfte, ja, meine Seele dürftet nach dir, mein Gott, der du die Quelle des lebendigen Wassers bist. Mein Leben eilt dahin wie ein Schatten; noch eine Weile, und Alles ist für mich zu Ende. Darum, o mein anbetungswürdiger Heiland, empfehle ich meinen Geist in deine Hände, von diesem Augenblicke an und für die ganze Ewigkeit. Herr Jesus, nimm auf meine Seele. Amen. ( 300 Tage Ablaß.) Ablaßgebete. Gebet zu Maria um einen guten Tod. O Maria, ohne Makel empfangen, bitte für uns, die wir uns zu dir flüchten. O Zuflucht der Sünder, o Muter der Sterbenden, verlasse uns nicht in der Stunde unseres Todes, sondern erlange uns einen vollkommenen Schmerz und eine aufrichtige Zerknirschung, die Nachlassung unserer Sünden, den würdigen Empfang der heiligen Wegzehrung und die Stärkung durch das Sakrament der letzten Delung, damit wir in Sicherheit erscheinen mögen vor dem Throne des gerechten, aber auch barmherzigen Richters, unseres Gottes und Erlösers. Amen. ( 100 Tage Ablaß.) 701 Fromme Uebungen zum Trofte der Abgestorbenen. Fünf Vater unser und Gegrüßet seist du, Maria, sodann: Wir bitten dich also, komme deinen Dienern zu Hülfe, welche du mit deinem kostbaren Blute erlöſet haſt. Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, Und das ewige Licht leuchte ihnen. Laß sie ruhen in Frieden. Amen. Oder: Ewiger Vater, wir bitten dich für die Seelen deiner Diener, die du mit dem Blute Jesu Christi erlöset hast. Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, Und das ewige Licht leuchte ihnen. Laß sie ruhen in Frieden. Amen. ( 300 Tage Ablaß.) 702 Ablaßgebete. Tägliche Gebete. 1. Jm Namen des Vaters und des Sohnes und des H. Geistes. Amen. ( 50 Tage Ablaß.) 2.O dreimal heiliger Gott! ich bete dich an, ich liebe dich, ich preise dich durch das heiligste Herz Jesu im allerheiligsten Altarssakrament; ich opfere dir auf durch die reinsten Hände der unbefleckten Jungfrau Maria alle heil. Hostien, die auf unsern Altären und in unsern Tabernakeln sind, als Opfer des Lobes, der Sühne, der Genugthuung und der öffentlichen Abbitte für alle Sakrilegien, Entweihungen, Gottlosigkeiten, Lästerungen und Verbrechen, die dich auf dem ganzen Erdboden beleidigen. ( 300 Tage Ablag jedesmal.) 3. Heilig, heilig, heilig bist du, o Herr, Gott der Heerschaaren. Die Erde ist deiner Herrlichkeit voll! Ehre sei dem Vater, Ehre sei dem Sohne, Ehre sei dem h. Geiste. ( 100 Tage Ablaß.) 4. Es geschehe, werde gelobt und ewig hochgepriesen der gerechteste, höchste und liebenswürdigste Wille Gottes in Allem. ( 100 Tage Ablaß jedesmal.) 5. Geliebt sei überall das heiligste Herz Jesu. ( 100 Tage Ablaß.) 6. Süßes Herz Jesu, meine Liebe! ( 300 Tage Ablaj.) Ablaßgebete. 703 7. Jesus, sanftmüthig und demüthig von Herzen, mache, daß mein Herz dem deinen gleiche. ( 300 Tage Ablaß jedesmal.) 8. Lob, Preis und Dank sei jetzt und ohne End' Dem heiligsten und göttlichsten Sakrament. ( 100 Tage Ablaß einmal im Tage.) 9. Mein Jesus, Barmherzigkeit! ( 100 Tage Ablaß jedesmal.) 10. Heiligstes Herz Jesu, erbarme dich unser. Unbeflecktes Herz Mariä, bitte für uns. ( 200 Tage Ablaß jedesmal.) 11. Unsere liebe Frau vom h. Herzen, bitte für uns. ( 100 Tage Ablaß jedesmal.) 12. Heiliger Joseph, Freund des h. Herzens, bitte für uns. ( 100 Tage Ablaß.) 13. Jesus, mein Gott, ich liebe dich über Alles. ( 50 Tage Ablaß.) 14. Gelobt sei Jesus Christus- In Ewigkeit. Amen. ( 100 Tage Ablaß bei diesem wechselseitigen Gruße.) 15. Gelobt sei Jesus und Maria- immer. Amen. ( 50 Tage Ablaß bei diesem wechselseitigen Gruße.) Heute und 16. O du in dem heiligsten Herzen eingefleischte göttliche Barmherzigkeit, beschirme die Welt, komme über uns. ( 100 Tage Ablaß.) 704 Ablaßgebete. 17. Gelobt, angebetet und mit dankbarem Gemüthe geliebt sei das Herz Jesu in der h. Euchariſtie in jedem Augenblicke, in allen Tabernakeln der Welt bis zur Vollendung der Zeiten. ( 100 Tage Ablag.) 18. Ewiger Vater, ich opfere dir auf das kostbare Blut Jesu Christi zur Genugthuung für meine Sünden und für alle Anliegen der h. Kirche. ( 100 Tage Ablaß jedesmal.) 19. Süßester Jesu, sei nicht mein Richter, sondern mein Erlöser. ( 50 Tage Ablaß jedesmal.) 20. Dir, o jungfräuliche Mutter, die du nie von einer Makel von Schuld, weder einer wirklichen, noch der Erbsünde, berührt worden bist, empfehle und vertraue ich die Reinigkeit meines Herzens an. ( 100 Tage Ablaß.) 21. Maria! die du ohne Makel in die Welt eingetreten bist, ach erlange mir von Gott, daß ich ohne Schuld aus ihr scheide. ( 100 Tage Ablag.) Inches Centimetres Blue 2 3 4 Cyan 2 5 6 17 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 9 T₁0 T11 10 Red 12 5 13 Magenta 14 6 15 White 17 16 117 118 3/ Color 19 B.I.G. Black 8