Oott ift die reinlte Liebe. Mein Gebet und meine Betrachtung. om Hofrath von( chartshausen. t PRAG 1827. gedru kt und zu haben in der Sommerschen Buchdruckeren im them.. ligen Annakloster No 948. e jb 1400 Univ.- Bibl. Giessen Gb 1400 20 m Morgen. Nun fühle ich wieder, daß ich lebe; die Nacht ist vorüber, ich erwachte. Ich will also den er= sten meiner Gedanken zu dir, Allgütiger! erheben, der du mir das Leben gabst, und für mich wachtest, als ich schlief. O, wie gut mußt du seyn, der du Sorge trägst für das geringste deiner Geschöpfe! Gut mußt du seyn, und dieser Gedanke soll nie aus meinem Herzen kommen, daß du gut bist. Wie tröstend ist er für mich! Mit welcher Wonne sehe ich nun wieder diese Welt! Alles erinnert mich deiner Güte, alles deines Wohlwollens. Ich bin dein Geschöpf, bin dein Staub, aber belebt durch deine Allmacht. Ich fühle ein Herz in mir, das empfindet; eine Seele, die den Eindrücken des Zutrauens und der Liebe sich öffnet. Wem soll ich also die Erstlinge meiner Empfindungen bringen, als dir, unbegreifliches Wesen, das mich schuf? Du bist ein Geist, und ich ein Sterblicher: begreifen kann ich dich nie, aber fühlen kann ich wohl durch deine Werke, wer du bist. Höre mich, Allgütiger! höre das Geschöpf, das zu dir ruft: Du bist die Liebe! 20 2 Ja, die Liebe bist du, denn Liebe verkündigen alle deine Werke. Die aufgehende Sonne verkündiget deine Majestät, und die Wonne dieses Morgens deine Güte. Ich sehe heute meinen Vater wieder, meine Gattin, meine Kinder, meine Freunde. Sie sind gesund, und eilen freudig wie= der in meine Arme. Wer sorgte für sie, für die Lieben, als ich schlief? Wer schüßte sie vor den Gefahren der Nacht? Du, Gott der Güte! und mein Herz sollte dich nicht lieben? Was heißt aber dich lieben? Das will ich überdenken. Dich lieben heißt, deine Gebote halten; und deine Gebote sind Liebe. Was fordert das unbegreifliche Wesen von mir, das mich schuf? Welche sind die Befehle des Beherrschers der Welten? Liebe! er= wiedert die ganze Natur: liebe Gott, liebe dich, liebe deinen Nächsten! Ich hatte einen Vater, und ich liebte ihn; ich habe einen Freund, und mein Herz schlägt ihm entgegen; ich habe einen Wohlthäter, und meine Seele ist gerührt, wenn ich an ihn denke: und du, Gott! bist mein Va= ter, mein Freund und mein Wohlthäter, und ich follte dich nicht lieben? Menschen! wie send ihr mir alle Werth! ihr send meine Mitbrüder; und wenn ich euch umarme, so umarme ich den Ewigen. An diesem feyerlichen Morgen, Schöpfer aller Wefen! will ich dir also die feverlichsten Gelübde ablegen, daß ich deinem heiligsten Beispiele auch nachleben werde. Ich will dem Elenden hel 3 fen, den Unterdrückten beschüßen, den Verwaisten aufnehmen, den Nackenden bekleiden, den Verwundeten heilen, den Irrenden zurecht führen. Ich will sanftmüthig gegen meine Untergebenen seyn, liebreich mit denen umgehen, die die Natur in meine Arme führte, und jeden, der nach deinem Ebenbilde erschaffen ist, als meinen Bruder ansehen, und als ein Kind, das dir lieb ist. Herr! was ich dir sage, fühle ich in meinem Herzen. Aufrichtig, wie ein Kind, will ich mit dir seyn, der du das Innerste meiner Seele durchforschest. Daher will ich dir in diesen ersten Stunden des Tages auch die ersten Beweise meiner Liebe geben. Deinetwegen verzeihe ich jedem meiner Feinde, und verspreche es dir, Herr! daß ich jedem Gutes thun will, der mir Böses thut; den will ich segnen, der mir fluchet, und den lieben, der mich haffet. Ich nehme mir vor, von meinem Nächsten nie übel zu reden, keine ungleichen Auslegungen von seinen Handlungen zu machen, ihn nicht auszuhöhnen, ihm nie übel zu begegnen, wenn er fehlet. Ich nehme mir vor, ihm kein übles Beispiel zu geben, nie ungerecht gegen ihn zu seyn, ihn nie zu hintergehen oder zu betrügen, sondern immer so gegen ihn zu handeln, wie du mir be= fohlen hasta Ich will ihm nicht neidig seyn, wenn du ihn segnest; nicht geizig, wenn er meiner Unterstüßung bedarf. Kann ich ihm nicht durch Mit= tel helfen, so will ich ihm durch Nath oder An22 4 leitung an die Hand gehen, und dieß Alles darum, weil es deine heiligen Gebote sind und weil ich dich liebe. Betrachtung über Menschenbestimmung. Groß und edel ist unsere Bestimmung, ihr Menschen! In der Kette der Dinge sind wir an der höchsten Stufe der erschaffenen Wesen auf dieser Körperwelt. Wir gränzen schon an den Engel, und das Gefühl unserer Seele schwingt uns schon zum Geiste empor, wenn gleich die schwere Masse des Körpers uns noch zurückhält. Unendlich sind die Fähigkeiten, die in uns liegen, unendlich die Wege des Fortganges zu höherer Bestimmung, zur Vollkommenheit, zur Aehnlichwerdung der Gottheit. Alles verkündiget uns, daß wir Wanderer hienieden sind, und der, der seine Bestimmung fühlt, verweilet nicht auf dieser Reise: son= dern eilet fort auf den Wegen, die die Vorsicht ihm vorzeichnete, und erwartet den Wink des Ewigen. Dem Körper nach sind wir Thiere, und der Seele nach unsterbliche Geister. Sinnlichkeit und Verwesung sind der Antheil unserer Hülle, die uns umgibt; Freiheit und Unsterblichkeit ist das, was unsern Geist erwartet. Je mehr der Mensch am Körperlichen hängt, desto mehr ist er Thier; je mehr der Mensch dem Geistigen nachstrebt, desto mehr nähert er sich dem Engel. Es gibt 5 daher tausend und tausend Stufen vom Unvollkommensten bis zum Vollkommensten, vom Thiermenschen bis zum Geistmenschen, von dem, der den Abstand vom Thiere zum Menschen, und von dem, der den letzten vom Menschen zumEngel macht. Fortgang zu höherer Vollkommenheit ist Gutes, wahres Gute, und das wahre Gute nnfere Bestimmung. Religion und Offenbarung lehren sie uns kennen. Tugendhaft seyn heißt: sich der Gottheit ähnlicher bilden, sich der Menschenbestimmung mehr nähern, mehr zur Einswerdung hinschreiten. Gott ist die vollkommenste reinste Liebe. Seine höchste Seligkeit bestehet in unendlich thätiger Liebe. Seine Gesetze sind Liebe, und unser Beruf ist Liebe. Einfach und ungekünstelt sind seine Gesege. Liebet mich! liebet euch! dieses ist sein Gebot. Okennten wir doch diese Gebote, wie selig wäre diese Erde hienieden! Aber Finsterniß entfernt uns noch immer vom Lichte. Sobald die Menschen sich gegenseitig lieben, so ist die Welt glücklich; aber sie lieben sich nicht, sie haffen sich! sie entheiligen ihre Bestimmung, und setzen sich herab zu reißenden Thieren. Aber lasset mich hierüber nicht weiter sprechen! Die wenigsten Menschen verstehen mich, und denen, die mich verstehen, flüstert die Gottheit diese Sprache ins Herz, und sie haben den Zuspruch eines schwachen Sterblichen nicht nöthig. 2 3 6 Ueber das Gefühl meines Daseyns. Ich fühle mein Daseyn, das heißt, ich fühle, daß ich lebe; ich fühle, daß ich ein Wesen bin, das sich seiner bewußt ist. Mein Auge sieht die Herrlichkeit der Natur, die blühenden Fluren, den grünen Hain, die majestätischen Wälder; mein Ohr hört das Rauschen der Bäche, die Töne der Lerche, die Lieder der Nachtigall. Ich rieche die aromatischen Blumen, fühle den Wohlgeruch der duftenden Rosen; meine Wangen sind empfänglich der Einflüße des sanften Westes; der leise Zephyr spielt mit meinen Locken, und kühlt mit seinem Hauche meine heißen Wangen. Hier sind fruchtbeladene Zweige, und geben mir Nahrung und Labung; ich fühle eine angenehme Wollust in ihrem Geschmacke. Hier ladet mich die Birne dort die Aprikose, und da die Kirsche ein. Ich will gehen, und kann gehen; will die Früchte pflücken, und kann sie pflücken. Ich genieße, und fühle Wonne im Genuße, und das, was sich dieses Gefühls bewußt ist, das bin ich, ich, ein Näthsel meiner selbst, der ich nun da bin, und einst nicht da war. Ich bin, fühle mein Dafeyn; und wer seşte mich hieher? Wer gab mir diesen herrlichen Bau? Wer die Empfänglichkeit zu dem fanften Genuße dessen, was da ist? Wer ist das Wesen, dem ich dieß alles zu danken habe? Der, der diese schöne Erde gemacht hat, der 7 so wohithätig für Alles sorgte. Aber was sind die Freuden der äußern Natur gegen das Seelengefühl, das er in mein Herz legte? Wenn ich nun so allein da wäre: o, wie bald würde es mir selbst an den schönsten Freuden der Natur eckeln! aber so erschuf er mir noch tausend Mit= geschöpfe, und legte mir ein höheres Gefühl ins Herz, auch Freude zu fühlen, wenn sie Andere fühlen. Alles, was um mich her liegt, ist belebt. Hier kriechen auf dem kleinsten der Blätter tausend bunte Insekten; und alle leben, alle fühlen seine Güte. Dort singt der Vogel harmonisch im Gebüsche, und freudig brüllt der Löwe sein majestätisches Daseyn. Da girrt die Taube dort flattert der Hänsling; hier hüpft die Gras mücke und singt, und freut sich des Lebens, und ich bin da im Mittel, sehe und fühle, fühle eine innere Macht, einen Trieb, der mir sagt: Du bist ähnlich dem, der dich schuf. Ich höre eine Stimme; sie flüstert mir zu: Genieße des Lebens- und manche glückliche, nie gefühlte Empfindungen steigen in meinem Herzen empor. Ich fühle Liebe und Freundschaft; hier führt mich die Natur in die Arme eines sanften Wesens, das mir so ganz ähnlich ist, und das ich doch nicht selbst bin. Ich liebe, ich bin Freund, ich umarme und fühle Wonne des Lebens, Wonne meis nes Dafeyns. Hier verbindet mich der Naturtrieb mit meinen Eltern, dort die Aehnlichkeit mit mei24 8 nem Freunde, hier Liebe mit der Gattin, dort die Natur mit dem Kinde: lauter fremde Gefühle, die der Schöpfer mir ins Herz legte. Wie gut bist du, der du dieses alles so mache test! Wie gut mußt du feyn! Liebe bist du: dir ähnlich an Liebe werden, das ist mein Be= ruf; Alles verkündigt mir's: Es ist dein Geses. Mein Selbstgefühl schrieb es mir ins Herz mit unauslöschlichen Buchstaben: Der Wunsch, alles um mich her glücklich zu sehen, der ist der feligste aller Wünsche. Alles umber ist Glück für den Menschen; selbst das, was Unglück in der Welt ist, ist Vorbereitung zum Glücke. Das reinste der Seelengefühle wolltest du in uns rege machen, rege machen in uns den Trieb der Theilnahme an Freuden und Leiden. Euch, meine Kinder! sagtest du, euch selbst untereinander will ich euer Glück anvertrauen; streckt die Arme aus, die ich euch gab, euch wechselweise zu unterstüßen, und fühlet das Vergnügen, die Thräne im Auge eures Bruders zu trocknen. Ja, das war deine Sprache. Jede Blume verkündigt mirs: ja, nur wenn ich liebe, liebe so, wie du willst, daß ich lieben soll, dann fühle ich mein Daseyn. Morgenlied. O wie freudig ist der Morgen, Wenn die Sonne sich erhöht, Und die Seele, frey von Sorgen, Zu dem Gott der Schöpfung fleht! Wenn in jener sanften Stunde, Wo es auf den Bergen tagt. Meine Seele ihre Wunde Ihm, dem Gott der Liebe, klagt; Wenn sie sich nach Labung sehnet, Und voll reiner Zuversicht Zu ihm, der die Herzen kennet, Vom Gefühl der Liebe spricht. Freude fühlet mein Gemüthe: Alles, was auf Erden lebt, Sieht das Bildniß seiner Güte In der Schöpfung eingewebt. Bei dem Würmchen, das im Staube Sich zu meinen Füssen krümmt, Fühlt mein Herz durch reinen Glaube Sich zu Gotteslieb' gestimmt. In dem Silber der Narzissen, In der Rosen Morgenroth, In den Quellen, die dort fließen, Seh ich lebend meinen Gott. Selbst in meinem ganzen Wesen Fühl' ich seine Gütigkeit: In mir selber kann ich lefen Den Beruf zur Seligkeit. Boll von jener sanften Freude, Strömet hoffnungsvoll mein Blut, A 5 9 10 Und ich denke, wenn ich leide: Jenseits geht es wieder gut. Wenn die Menschen mich auch plagen, Und verfolgen ohne Schuld, Will ich's Gott, dem Treuen, klagen, Und er gibt mir dann Geduld. Wollen Feinde mich auch tödten; Röthet ihren Dolch mein Blut; Will ich sterbend für sie beten: Denn auch du, mein Gott! bist gut. Meine Hoffnung will ich bauen, ' Vater, nur allein auf dich, Und auf dich allein vertrauen; Denn du hilfft mir sicherlich. Wahrheit bist du! Gott! und Liebe, Ich dein Kind, und du mein Gott! Keine Stunde sey mir trübe, Und kein Leiden, und kein Tod. Es verschwindet hier die Sonne, Wie des Menschen Lebenslauf, Und geht mit verjüngter Wonne Jenseits dieser Erde auf. Nahe sind wir an der Quelle; Nahe sind wir an dem Licht, Wenn unsterblich unsre Seele Durch des Körpers Hülle bricht. Dann fällt durch die Kunst der Kleister Aufgelegter Tugend ab; Denn dort in der Welt der Geister, Steigt die Wahrheit aus dem Grab. 11. Erhebung des Gefühls zum Schöpfer. Großer Gott! ich bitte dich, gib mir die Unschuld der Weisheit; denn ich erkenne, daß die Engel selbst nur in so viel vor dir weise sind, als ihre Seele unschuldig und rein ist. Ich erkenne, daß ich mir nichts von dem Guten zu= schreiben kann, das in mir ist, sondern daß ich alles dir, meinem Herrn und Gott, zu danken habe. Mein Werk ist nur das Böse; das Gute, das in mir ist, ist dein, Schöpfer und Erschaffer! Ich bitte dich, unendliches Licht der Wahrheit, führe mich auf den Wegen meiner Wanderschaft; von dir allein will ich geführt werden: nicht durch meinen Eigendünkel und meine Selbstliebe will ich mich führen lassen. Ich rufe zu dir, Herr führe mich! Alles will ich lieben, wovon du mir zu erkennen gibst, daß es gut ist: an Allem will ich mich ergößen, was wahr ist; denn du Herr, bist Güte und Wahrheit, und ich weiß und empfinde, daß das Gute lieben, es wollen und thun, dich, mein Gott, lieben heißt; das wahre Lieben, es wollen und thun, ist die Liebe des Nächsten. Laß mich dich, laß mich meinen Nächsten lieben. Mit Allem dem, was du mir gabst, bin ich zufrieden, weil ich weiß, daß ich so viel 12 empfangen habe, als mir zuträglich ist, und weil du mich gelehrt hast, daß denen, die wenig empfangen, auch wenig zuträglich ist. Ich, als dein Geschöpf, weiß nicht, was mir zuträglich ist, sondern du allein weißt es, o Herr! der für alle Dinge Vorsehung thut. Wer wahrhaft auf dich hoffet, sich an dich kettet, der kann nicht verloren seyn. Herr! zu dir flehe ich; denn du bist mein Vater zu wem soll ich flehen, als zu dir? Wer liebt mich so sehr als du? Wer streckt seine Arme im Elende gegen mich aus, als du? Du bist die ewige unwandelbare Liebe, immer bereit, das Flehen deiner Geschöpfe anzuhören, nie taub zu der Stimme deiner Kinder. Du bist nicht, wie Menschen, die so gern dem Elende ihre Thüre verschließen, heute geben und morgen wieder nehmen, oder unwillig den Brocken ansehen, den sie dem Armen zuwerfen, oder ihn bei ihren Thüren von den Dienern abspeisen lassen. Nein, vor dir sind alle Menschen gleich, alle deine Kinder. Zu dir rufe ich also, Vater! und wer zu dir, Vater, ruft, den kannst du nicht ver= stoßen. Ich erinnere mich deines Versprechens. Ich bin ein schwacher Mensch, und wenn nun mein Kind zu mir käme, mich um Erbarmung flebte, ich würde es nicht verstoßen: und du, dessen Liebe weit die Liebe aller Geschöpfe über 13 trifft, du solltest mich verlaffen können? O wer so denken kann, der kennt dich nicht. Du bist die Liebe, und was vermag die Liebe nicht! Sieh, Herr! auf dieser Erde, auf die du mich geseßt hast, ist so viel Elend. Betrachte mein Auge; in Thränen spiegelt sich die Sonne, wenn sie untergeht, und die Morgenröthe hört mein Seufzen. Sieh! das Herz, das du mir gabst, wird vom Gram gefoltert; und diese Arme, die du mir, Schöpfer! gegeben hast, strecke ich gen Himmel, und flehe um Rettung. Du, der du alles übersiehst, der du alles weißt! höre mich, und eile, mir zu helfen. Du bist mein Vater; du gabst mir Seele und Herz; laß die Seele des Kindes nicht die Beute des Grams, und dieses Herz nicht das Opfer der Trübsal seyn. Denke, daß ich ein sinnliches Geschöpf bin, das Organe hat und leidet; kannst du dein Kind leiden sehen? du bist Vater, du hilfft und rettest. Nein! Habe ich deine Wege auch je verlassen war ich dir ungehorsam: soll ich nun vor dir zittern? soll ich nun zweifeln, ob du mich hören wirst? Nein, Herr! ich zweifle nicht; du hörest auch den, der dich verließ und froh streckest du deine Arme gegen den Verirrten aus. Du bist nicht wie ein Mensch, der seine Launen hat, der zürnt und pochet, zankt und schmähet, oder der sich nur langsam durch Win1 14 seln bewegen läßt. Du bist dir immer gleich, immer Liebe.. Nur unser Selbstwohl ist der Gegenstand deines Gesekes; denn was du willst, daß wir thun sollen, ist um der Liebe willen. Herr! wenn ich meinen Handlungen nachdenke, so finde ich Vieles, worin ich deinen heiligen Geboten entgegen handelte. Ich entschuldige mich nicht; ich erkenne meinen Irrthum; aber du, Herr! wirst mich ent= schuldigen, der du die Schwachheit der Sterblichen kennst. Was kann ein Geschöpf, das aus Thon gemacht ist und ein schwaches Moos= rohr, das sich unter dem Sturm der Leidenschaften beugt? Ich erkenne, daß ich deiner Liebe entgegen gehandelt habe, und es ist mir leid- nicht leid, weil ich nun deiner Hilfe bedarf, oder weil ich mich vor der Strafe fürchte, nein, deinetwegen allein ist es mir leid, weil ich dich zu spät erkannt habe, weil ich weiß, wie sehr du mich liebst, und wie wenig ich dich geliebt habe. Könnten Martern deine Gerechtigkeit besänftigen, so würde ich sie gerne erdulden; könnten neue Höllen das Unrecht gut machen, das ich that, so verschließe mich in diese; nur raube mir den Gedanken deiner Liebe nicht! Aber deine Strafen sind nicht Rache. Damit das Unrecht GUDA 1 15 uns durch sich selbst zur Erkenntniß führe, das ist dein Wille; das ist das Gefeß deiner Liebe. Herr! ich erkenne nun, verschließe mir also die Arme nicht, in die ich wieder zurück komme. Meine Reue besteht nicht in kindischem Winseln, oder in unruhigem Grame; sie besteht darin, daß ich meinen Willen bessere, und nicht mehr zurücktrete; daß ich meine Seele umändere, das sey meine Buße. Herr! mein Wille ist fest; aber ich vergesse nicht, daß das Fleisch schwach ist. Ich bin nicht stolz auf meine Kräfte; was sind die Kräfte eines schwachen Sterblichen? Ich erkenne, daß ich nichts kann, aber eben darum, weil ich's erkenne, komme ich zu dir, und bitte dich um deinen Schuß. Leite mich durch die Wege der Wanderschaft, schicke mir deine heiligen Engeln, und führe meine Seele durch heilige Einsprechungen. Mache mich zu einem Werkzeuge deiner Liebe, und laß mich so viel Gutes hiernieden wirken, als nur möglich ist. Nie werde ich vergessen, daß alles, was geschieht, dein Werk ist, und daß ich nur ein schwaches Werkzeug bin, das ohne Kraft ist, wenn die Hand deiner Güte es verläßt. Mit Stärke der Seele hoffe ich nun auf dich, und wer glaubet, liebet und hoffet, wird nicht zu Schanden werden, Gott! mein Helfer, mein Erretter. Amen. 16 Gott ist die liebe. Allmächtiges Wesen, das mich schuf, dem ich mein Dafeyn zu danken habe! über dich will ich nachdenken. Du bist! die ganze Natur verkündigt mir dein Daseyn. Du glühest im Purpur der Rose, und eingewebt ist deine Güte im Silber der Narcissen. Ich lebe und füble. Wem hab' ich dieses Leben zu danken? Wem das Wonnegefühl, das durch meine Adern strömt? Wem die sanfte Wollust meiner Sinne? Wer gab mir meine Augen, um die Schönheiten der Natur zu sehen? Wer das Ohr, das die sanften Töne harmonischer Gesänge der Vögel höret? Wer die Zunge, die sich an der Quelle labt, an der Frucht des Baumes er= quickt? Wer gab mir diese Hände, die sich nach den Blumen ausstrecken, die auf Wiesen und in den Thälern blühen? Wer gab mir die Kraft fanfter Erinnerung, vermög welcher ich mir die Gegenstände noch deutlicher vorstellen kann, wenn sie auch nicht mehr da sind? Wer schuf in mir dieses Herz, das sanfter Freude empfänglich ist? Wer diese Lippen, die den Kuß auf meines Bruders Wange drücken? Wer sehte uns diesen Baum, wo erquickende Winde von der Hiße der Sonne meine Wangen kühlen? Wer stürzte den Bach über die hohen Felsen herab, der durch sein einschlummerndes Geräusch meine Augen 17 schließt, und durch sanfte Ruhe neue Freuden meinem Herzen gibt? Wer schuf dieses Alles? Wer muß dieses Wesen seyn? Man nennt es Gott. Ja, Gott! der Gott der Menschen, der Gott meiner Brüder, der Gott meiner Eltern, meiner Freunde, meiner Geliebten. Er, der allen Menschen Sinne gab, wie mir, um seine Geschenke zu kosten, und unser Daseyn zu fühlen, um glücklich zu seyn! Wer bist du, unbegreifliches Wesen? Du mußt es recht gut mit uns meinen, so wie ein Vater mit seinen Kindern. Du mußt ganz reine Liebe seyn. Ja, das bist du, ganz reine Liebe. Was heißt aber Liebe? Ja, das ist eine Frage, die ich aus meinem Selbstgefühl beantworten will. Was geht den in mir vor, wenn ich liebe? Habe ich nie geliebt? ja! ich liebte meine Eltern, meine Brüder, meine Gattin, meine Kinder, meinen Freund. Was fühlte ich denn in mir? Einen Hang, ein Bestreben, sie dauerhaft glücklich zu sehen; ganz für sie zu leben; ganz für sie zu seyn; Glück zu suchen, und es ihnen mitzutheilen. So fühlte ich ja, so fühlte ich als Mensch! Aber Gott, der schon unendlich selig ist, der als Geist ganz von Menschen unterschieden ist, kann der Gefühle haben, wie wir Menschen? Nein, er kann nicht erst lieben, sondern er liebt schon ewig, vor Jahrtausenden, vor Millionen Jahren. Er ist selbst die Liebe: das Bestreben seines Geistes, 13 ihm ähnliche Wesen zu ähnlicher Seligkeit zu bez stimmen, war mit ihm von Ewigkeit Wie groß, wie glücklich muß der seyn, der die Macht hat, alle die Wesen zu erschaffen, die da auf dieser Welt um mich herum sind? Wie allmächtig, wie selig muß seine Existenz seyn? Und das Bestreben dieses ewigen Wesens ist, mich auch zu ähnlicher Seligkeit zu bringen. Wie groß ist meine Bestimmung! wie glücklich bin ich! Ich sehe um mich, und sehe Millionen Menschen, und alle diese sind mir gleich, bestimmt zu ähnlicher Seligkeit. Wie wohl wird. mir nun ums Herz! Wie sehr füble ich den Werth meines Dafeyns! Er, dem Alles untergeben ist, er, der Schöpfer der Engel, der vom Cherub bis zum Wurm Ulles nach dem Maßstabe seiner Liebe schuf, er, er liebt mich. O mich Glücklichen! welches Gefühl reißt mich zu ihm hin! und dieses Gefühl macht die Kette der Liebe. Was soll ich nun thun? Was ist meine Bestimmung? Ein Engel sagt mir's, wenn das Morgenroth auf den Bergen glimmt, bis zum Sonnenuntergang: Mensch, deine gan= ze Bestimmung ist, glücklich zu seyn, und zu lieben. Dieß ist's alles? nun ja. Sonst nichts? Nein, er will nichts von dir, als: liebe ihn, liebe dich, liebe deinen Nächsten! Ja, darin bestehen alle seine Gebote: sie sind 19 Liebe. Nur der, der vor der Liebe fliehet, macht sein Unglück und das Unglück seines Nächsten. Deine Liebe, o Gott! ist also dein Bestreben, die Menschen dir ähnlich zu machen; und unsere Liebe muß seyn, der göttlichen Liebe ähnlich zu werden. Wahrheit und Güte sind deine Eigenschaften; Wahrheit und Güte müssen mich zu dir erheben. Liebe bist du, Liebe ist der Endzweck der Schöpfung. Liebe die Menschenbestimmung. Meine Erhebung zu dir, meine Aehnlichwerdung verhält sich nach dem Grade meiner Liebe: je reiner meine Absicht, je reiner meine Liebe ist, desto mehr erhebe ich mich zu dir, ewige, reine Liebe! O unendlicher! entzünde mit dem Feuer deiner Liebe mein Herz, lehre mich lieben, wie du liebest, und führe mich näher zur AehnlichwerDung. Furcht Gottes. Was ist denn die Furcht Gottes? Heute will ich meine Betrachtung darüber anstellen. Von Jugend auf hat man mir, so viel ich merke, sehr unrichtige Begriffe dovon beigebracht. Un= ter dem Worte Furcht verstand man immer eine Art von Abneigung. Ich erinnere mich, daß ich schlimme Menschen fürchtete, Menschen, die mir Böses thaten; so eine Furcht aber kann die Furcht Gottes nicht seyn. Gott ist die Liebe, und 20 kann man vor der Liebe zittern? Nein, die Furcht Gottes ist ein ganz anderes Gefühl. Die Besorgniß, den Willen desjenigen entgegen zu handeln, den man liebt, das ist reine Furcht; das zu fürch= ten, was der göttlichen Liebe entgegen ist, das ist reine heilige Furcht, das ist die Furcht der Liebe. So will ich dich fürchten, mein Gott! und nicht anders. Du bist nicht wie die GroBen der Erde, die Sklaven zu ihren Füssen haben, die vor ihren Gefeßen zittern. Dein Verhältniß ist das Verhältniß eines Vaters zu sei= nen Kindern; Liebe und Zutrauen machen die Kette, welche die Menschen an dich bindet. Verzeihe mir, mein Gott! daß ich dich so ſpät erkennen lernte. Es war nicht meine Schuld; man schilderte mir dich ganz anders, als du bist. Als ich noch ein Kind war, und ein Gewitter am Himmel stand, so schrie man mir zu: ,, Hőre der Donner brüllt; Gott ist erzürnt." Meine Seele, die schuldlos meine Arme nach dir ausstreckte, erbebte, ich fürchtete mich vor dir, und versteckte mich; sah dich wie einen Menschen an, der seine guten und bösen Launen hat. Verzeihe mir, du Gott der Güte! ich kannte dich nicht; beurtheilte dich wie einen Mächtigen; ich getraute mich kaum, meine Blicke zu dir zu erheben, und hielt dich den Großen der Erde gleich, deren Größe uns schwindlich macht. Verzeihe mir, Vater! mein Herz war nicht Schuld 21 daran, daß ich dich so lange verkannte. Oft wenn ich einsam in Fluren saß, winkte mir jede Blume deine Güte zu. Die Rose flößte mir Vertrauen ins Herz, und das Veilchen im Tha= le verkündigte mir deine Güte. Wenn ich fehl= te, wollte ich zu dir, wie ein Kind zu seinem Vater, um Hilfe eilen; aber man schreckte mich zurück, gab dir eine Strafruthe in die Hand, bewaffnete dich mit Donnerkeilen, und sagte mir, du rächest hart die Vergehungen der Menschen. Da war mir's dann so schwer um's Herz; ich wendete meinen schüchternen Blick zum Himmel; aber ich zitterte, wenn ich eine Wolke sah, und glaubte schon, daß deine Donner mich zermalmen würden. Ich nahm Zuflucht zu Versöhnopfern, und glaubte, du wärest wie ein Mensch, den man durch Geschenke wieder ausföhnen könnte. Da lag ich manchmal trostlos unter einem Baume, und versteckte mich vor der wohlthätigen Sonne. Gähling sah ich den jungen Vogel, wie er freudig die Natur genoß, wie er hüpfte und dir ein Lied sang. Ich sah, wie du ihn nährtest, und Freude in sein Herz zum Genuße seines Daseyns legtest: da heiterte ich mich wieder auf; ein Engel flößte fanfte Gefühle in mein Herz. Ich näherte mich wieder zu dir, und fand in dit meinen Vater wieder. Ich las in dem Buche der Natur Trost und Labsal für mein Herz, fand die Ueberzeu 22 gung, daß selbst das Uibel, das dem Bösen nothwendig folget, nur Warnung für uns ist, die uns wieder der Wahrheit und Güte, worin das wahre Wohl der Menschen besteht, näher bringt. Ich sah, du strafest nicht wie Men= schen, aus Haß oder Eigensinn; nein selbst deine Strafen sind Liebe; sie sind Ermahnungen zu unserm Glücke. Wie ward meine Seele bei diesem Gedanken wieder froh! wie schwoll mein Herz zu sanften Empfindungen auf! Gern hätte ich jeden niedergebeugten Bruder ans Herz gedrückt, gern jedem gesagt: Fürchte dich nicht vor dem Vater der Menschen! kehre in seine Arme zurück; er verzeiht, denn er hört nie auf, Liebe zu seyn. Beleidigung Gottes. Man sprach mir oft von Beleidigung, von Beleidigung Gottes. Es ist ein wichtiger Gegenstand; ich muß darüber nachdenken, damit mich nicht unrichtige Begriffe irre führen. Ich weiß wohl eine Zeit, wo ich glaubte, man könnte dich, mein Gott! wie einen Menschen beleidigen; ich sah dich an, wie einen Herrn, der Gebote in seinem Hause gibt, und dann zürnt und üble Laune hat, und sich für beleidi= get hält, wenn man sie nicht erfüllt. Diese Begriffe waren unrichtige Begriffe; du bist nicht wie ein Mensch; deine Beleidigung ist nicht 23 wie Menschenbeleidigung. Dieser Gegenstand ist wichtig, sehr wichtig, ich muß darüber reif nachdenken. Was nennt man denn Gott beleidigen? seine Gebote überschreiten. Sündigen ist, in allgemeinen Begriffen, Gott beleidigen. Woher kommt denn das Wort Beleidigung? Ich will sagen, ein Leid zufügen: wenn ich also die Gebote Gottes überschreite, thue ich Gott was zu. Leide. Was will das sagen? Ich darf mir dich nicht wie einen Menschen vorstellen, sondern als das, was du bist, als einen Gott, als die reinste Liebe. Du liebst uns; deine Gebote find also Absichten deiner Liebe. Du gabst deine Gebote, um uns glücklich zu machen: wenn ich sie also nicht halte, so handle ich deinen Absichten entgegen, und füge deiner Liebe( wenn ich mich dieses Ausdruckes bedienen darf) Leid zu. Wie kann ich mir dieses sinnlich begreiflicher machen? Ich will auf mich selbst zurück gehen. Ich liebe mein Kind, ich will daher Alles, was mein Kind glücklich machen kann. Ich sage nun: Mein Kind genieße nicht von dieser Frucht; der Apfel ist giftig, du würdest dir schaden; das Kind ist ihn aber doch, und tödtet sich. Jeht handelt es der Absicht meiner Liebe entgegen, und beleidiget meine Liebe. So handelt auch der Mensch der göttlichen Liebe entgegen durch Uibertretung der Gebote; denn deine Gebote, o 24 Herr! sind nicht Gebote der Macht oder der Gewalt, sondern Gebote der Liebe, ohne deren Erfüllung der Mensch nicht glücklich seyn kann. Laß mich deutlich erkennen, Vater der Menschen! daß Alles, was du gebietest, zu meinem Glücke ist. Wie liebenswerther wirst du mir immer, je mehr ich über dich nachdenke, je mehr ich dich erkenne. Alles, was du willst, ist nur um unseres Wohls willen; was du ge= bietest, hat uns unser eigenes Gefühl schon ins Herz geschrieben. Daher ist dein Joch süß und deine Bürde leicht. Und wenn ich dann auf deine Liebe zurückdenke, auf die Liebe des Gottmenschen, der für unser Heil sein Leben gab; in welchem Lichte stellt sich mir dann die Uibertretung deiner Gebote vor! Ich will mir durch ein Beispiel die Sache sinnlich begreiflich machen. Es war ein König, der liebte seine Unterthanen, wie seine Kinder; nur ihr Glück war seine Beschäftigung; seine Gefeße waren Geseze der Liebe; er machte sein Land zu einem Pa= radiese für sie. Genießt alles Glück, sagte er zu ihnen; aber entfernt euch nicht über die Gränzen; denn jenseits wohnt ein barbarischer König, der würde euch in Ketten legen lassen und zur Sklaverei verurtheilen. Die Unterthanen gehorchten aber dem guten König nicht; sie gingen über die Gränzen, wurden gefangen, 25 und in schaudervolle Kerker geworfen. Der König wollte die Undankbaren doch retten, denn seine Liebe blieb sich immer gleich. Er schickte seinen einzigen Sohn ab, und erbot ihm zum Geißet: aber man forderte noch mehr, man forderte sein Leben. Auch dieses will ich verlieren, sagte der Sohn, wenn mein Volk, die Geliebten meines Vaters, wieder frey werden. Binnen der Zeit herrschte Verzweiflung im Kerker; die Gefangenen wollten sich ermorden. Mordet euch nicht, schrieb der gute König; erhaltet euch, dieß ist mein Geseß, das ich euch gebe, ich will nur euer Wohl. Denket, mein eigener Sohn gibt sein Leben für euch; laßt also dieß Opfer der Liebe nicht vergebens seyn. Aber dessen ungeachtet übertraten sie das Gebot der Liebe, und mordeten sich selbst. Nun kommt der Tag der Erlösung: des Königs Sohn stirbt für die Undankbaren; er glaubt, durch sein Blut sie zu retten, und sie vereiteln seinen Endzweck und beleidigen seine Liebe. Dieses Bild däucht mich die Art der Beleidi= gung Gottes auszudrücken, die wir an der Gottheit durch Uibertretung ihrer Gebote begehen. Ja, so ist's! Gott! wenn man dich kennt, und die Absicht deiner Gebothe weiß, wie kann die Welt sie übertreten? D, laß dieses Bild O, immer lebhaft in meiner Seele seyn! Ueberzeuge mich, daß deine Gebote, Gebote der Liebe find, B 26 und daß ich mich nur selbst wahrhaft beleidige, wenn ich sie übertrete, und daß deine Beleidigung, Beleidigung der Liebe ist! Erkenntnis. Ich habe oft den Absichten der göttlichen Liebe entgegen gehandelt; ich muß also meine Bestimmung erkennen, erkennen den Beruf meines Da= seyns. Gott ist die Liebe, meine Bestimmung ist Aehnlichwerdung der göttlichen Liebe; mein Beruf ist also Liebe, und ich kann es meinem Herzen nie genug wiederholen: Liebe! Liebe! Liebe! Liebe Gott, Liebe deinen Nächsten, wie dich! Was will aber dieses sagen? Die sanften Gefühle, die die Gottheit zu deiner Erhaltung, und zu deinem Glücke dir ins Herz legte, die verbreite auch durch deine Thätigkeit auf deine Mitgeschöpfe; halte sie dir gleich. Was also dir gut ist, verbreite auch auf Andere; was dich schmerzt, das thue auch Andern nicht. Diese Gefeße legte mir Gott ins Herz; ich trage also das Gesetzbuch mit mir herum, fühle täglich was recht und nicht recht ist. Ich habe daher keine Gelehrtheit nöthig, kann Bibliotheken entbehren, um ein guter Mensch zu werden. Dieses ist al= so meine Bestimmung, ein guter Mensch zu werden. Ja, dieses sey mein erstes Bemühen, und mein Ziel sey: der beste Mensch zu werden. Wie kann ich nun dieses angehen? was macht Univ.- Bibl. Giessen 27 mich zum guten Menschen! was zum besten? Die Liebe. Der gute Mensch ist der, der die Menschen liebt; der beste, der sie am höchsten liebt. Dieser wird der Gottheit ähnlicher, steht also auf einem höheren Grade der Annäherung. Mein Entschluß sey daher: Ich will die Menschen lieben! Die Menschen! also alle Menschen ohne Unterschied, ohne Rücksicht auf Klima und Welt= theil, ohne Rücksicht auf Religion, ohne Rücksicht auf Verhältnisſe. Alle Menschen! merke es dir wohl, mein Herz! alle Menschen mußt du lieben, also auch deine Feinde. Was thut die Liebe? Sie sorgt für das Wohl des geliebten Gegenstandes; sie ist sanft, sie ist mitleidig, barmherzig; sie verzeiht, sie ist nicht eigennüßig, und handelt ohne Absicht. Alles um der Liebe selbst willen. Was könnte nun meiner Liebe Gränzen sehen? Meine Selbstliebe. Die Höhe der reinen Liebe verhält sich daher nach der Abnahme meiner Selbstliebe. Je weniger die That meiner Liebe mit meiner Selbstliebe verbunden ist, desto reiner ist die Liebe, desto höher der Grad des Liebenden. Also muß in den Handlungen mit meinem Nächsten meine Selbstliebe zurückstehen. Ich muß also Gott lieben wegen Gott, den Nächsten wegen feiner selbst, und mich nur in so B2 28 weit, um den Endzweck der Gottheit zu erreichen, zu dem sie mich schuf, um mich zum Be= sten der Menschen zu erhalten. Dieses ist der Maßstab der Liebe. Ist es wohl hart, ein Leben zu führen, das uns zum Himmel leitet? Nein, es ist nicht hart. Allen Reichthümern, allen Ehrenstellen entsagen, beständig in Verachtung leben, immer sich fasteien, ausgestreckt zur Erde liegen, ist dieses das heilige Leben, das der Schöpfer von uns fordert? Nein, wir sind zur Thätigkeit erschaffen, nicht zu todten Betrachtungen. O Herr! lehre mich deine Wege gehen! Wenn ich das menschliche Leben betrachte, so finde ich es dreifach, das geistige Leben, das sittliche Leben, das bürgerliche Leben. Dem geistigen und sittlichen Leben kommt es zu, das Gute zu wollen, und dem bürgerlichen, das Gute zu thun. Der Wille meines Gottes ist, daß ich das Gute will und thue; also muß das Wollen mit dem Thun verbunden seyn. Das Gute bloß erkennen, und es nicht in Ausübung bringen, heißt nicht Menschenpflicht erfüllen. Derjenige lebt nach den Gefeßen der Liebe, der erkennt, und das, was er erkennt, in Ausübung bringt. So ist es ja, mein Gott! daher sagst du: Der Glaube ohne die Werke ist todt. 29 Es ist aber für mich noch nicht genug, meine Pflichten zu erkennen, und sie zu erfüllen; ich muß sie auch aus reiner Absicht erfüllen; nicht wegen der Welt, nicht aus Selbstliebe, oder wegen der Vortheile, die mir diese Erfüllung viels leicht verschafft, oder wegen des Lobes der Welt, das sie mir als einem guten Menschen beilegen würde. Nein, nicht darum will ich sie erfüllen: es wäre unedel gehandelt; sondern we= gen deiner, mein Gott, der du die Liebe bist, und willst, daß wir dir durch Liebe ähnlich werden. Ich will also fortfahren, gut zu seyn, wenn mich auch die Welt für böse achten sollte; ich will lieben, und sollte ich auch nir= gends ein Herz finden, das mich wieder entgegen liebt. Ich will den Hülflosen unterstüzzen, so viel es in meiner Kraft ist, und sollte er mir auch mit Undank lohnen. Mein Gefühl für die Menschheit soll wahre Empfindung seyn, nicht Empfindelei; ich will nicht dem Armen geben, damit er mein Lobredner werde; ich will nicht den Elenden unterstüßen, damit er aus meinen Augen weiche, und mich sein Jammern nicht mehr belästige; nicht darum will ich gutthätig seyn, weil mein Herz die Thräne des Elendes nicht ertragen kann, sondern aus Liebe gegen dich, unendliche Gottheit, die du mir alle Menschen zu Brüdern gabst! Dieses sey mein feierlicher Entschluß. Du Gott der Liebe! B3 30 laß durch deine Güte diesen Entschluß zu seiner Reife kommen. Amen. Vertrauen auf Gott in Bedrängnissen. Mein Gott und Herr! du bist die Liebe; ich komme zu dir, und flehe um Hilfe; ich bin bedrängt, du kannst mir helfen, wirst mir helfen, denn du bist mein Gott; und wer auf dich trauet, wird nicht zu Schanden werden. Ich erinnere mich deines Versprechens: Wer anklopft, dem wird aufgethan werden. Ich klo= pfe bei dir an; du bist mein Vater, und wirst dein Kind nicht verstoßen. Ich habe zwar oft deine heiligen Gebote übertreten; aber ich erkenne mein Unrecht: und dieses ist es, was du willst, und von mir forderst. Weil ich ein Sünder bin, sollte ich wohl vor dir, wie ein schuldiger Diener vor seinem Herrn zittern? Nein, du bist die Liebe! Sklavische Furcht ist nicht bei dem, der wahrhaft liebt. Ich komme zu dir: du öffnest jedem deine Arme, der zu dir zurückkehrt; öffne sie mir, Vater! ich bin dein Kind; nein, du versagest mir deine Hilfe nicht, der du so mächtig das Gefühl der Liebe und des Mit= leidens in das Herz des Menschen legtest. Ich habe vielen meiner Mitbrüder Gutes gethan, habe meine Arme den Dürftigen und Leidenden geöffnet. Herr ich sage dir dieses nicht darum, als wenn ich mich für beffer hielte, als 81 andere Menschen, sondern darum, weil ich mic bewußt bin, daß ich weder aus Stolz oder aus Schwachheit meinen unglücklichen Mitbruder lieb te, sondern darum, weil er mein Mitgeschöpf, mein Bruder und dein Kind war: und ich, der ich bedrängt bin, sollte nun bei dir keine Hilfe finden? ,, Was ihr dem Geringsten unter euch thut, das ist mir gethan", so sagtest du. Ich erinnere dich also deines Versprechens, und fordere dich auf, dein Wort zu halten. Du kennst mein Herz und meinen Willen: du weißt, daß ich fest entschlossen bin, auch das äußerste Elend zu ertragen, wenn ich nur einige wenige Menschen dadurch glücklich machen könnte. Ich wollte als ein Galeerenfflave die Kette des Elends tragen, Hunger und Durst leiden, wenn nur einige meiner Mitmenschen täglich Speise und Trank davon hätten. Dieses ist meine Denkart; du kennst sie, denn du durchdringst das Innerste meines Herzens. Herr! ich fliehe nun zu dir, und bitte um Hilfe in der dringenden Gefahr, in der ich bin. Ich flebe um nichts Unbilliges; ich schreibe dir auch keine Hilfsmittel vor, indem ich mich bloß auf deine Güte verlasse, so verlaffe, daß ich ge= wiß bin, daß du mir helfen wirst, wenn es je zu meinem Heile, zu meiner Wohlfahrt seyn wird. Wo nicht, mein Vater! so gib mir Stärke, das Unglück zu ertragen. Erhörst du mich aber, 32 so gelobe ich dir, daß ich nie undankbar gegen deine Gnabe seyn werde: aber setze auch diese noch hinzu, daß ich die Wahrheit erken= ne, und die Weisheit liebe. Freiwillig bin ich nie von dir gewichen; nur aus Irrthum, im Taumel der Leidenschaft habe ich machmal deine heiligen Wege verlassen; aber mein Herz kehrte wieder zu dir zurück. Ich fühlte das Be= dürfniß, bei dir zu seyn. Ich habe nie auf Menschenhilfe gezählt, sondern nur auf die deinige, der du die Herzen der Menschen leitest. Ich war auch nie stolz auf meine Werke, und sah alles das Gute was ich that, als dein Werk an, und nur das Böse als das meinige. Dein Wille ist, jedes Geschöpf glücklich zu machen. Vollende dein Werk; laß mir das wohlthätige Unglück zu meiner Erfahrung dienen, aber nicht zu meiner Unterdrückung. Schneide mir die Mittel nicht ab, meine Brüder zu unterstüßen, und der Welt nüßlich zu seyn. Gott, dein Geschöpf ruft zu dir: Vater! dein Kind ist's, das in deine Arme sich wirft; solltest du es zurück stoßen? Nein, mein Glaube ist unumschränkt, ohne Ende meine Hoffnung, ohne Gränzen meine Liebe. Gebet für die Menschen, meine Brüder. Mein Gott! ich bete zu dir für die Menschen, meine Brüder. Du sagtest mir, ich folle sie 33 tieben; und eben darum, weil ich sie liebe, flehe ich zu dir um ihr Wohl, um ihre Erhaltung. Gib, daß der Geist der Eintracht und des Friedens unter ihnen herrsche! Gib, daß sie sich alle, als Brüder und Kinder der Gottheit, unter einander lieben. Laß sie einsehen, daß sie sich wegen Fehlern und Schwachheiten nicht ver= achten, nicht hassen und verfolgen sollen. Erleuchte sie, damit sie alle erkennen, daß es dein heiligster Wille ist, daß wir gegenseitig einander ertragen und uns lieben sollen. Mein Gott! strecke deine segnende Hand über die Fürsten der Erde aus? erfülle sie mit Weisheit und Güte, und lehre sie ihren großen Beruf kennen, der darin besteht, Menschen glücklich zu machen. Gib deiner Heerde treue Hirten, deinem Altare würdige Diener; dein Geist schwebe auf ihren Lippen, wenn sie dem Volke dein Wort verkündigen und Balsam fließe aus ihrem Munde für den Trostlosen und den Sterbenden. Gott des Friedens und der Liebe! lenke du die Herzen der Fürsten zur Eintracht und zum Menschenwohl; zerstöre in ihren Gemüthern den Keim der Zwietracht, und vertilge die Eroberungssucht aus ihren Seelen. Wehre den Verwirrungen, die deine schöne Schöpfung verwüsten, und schone des Menschenblutes, das Laster und Thorbeit vergießen. Laß Frieden und Ruhe über je 34 der Scheitel blühen, über die deine herrliche Sonne scheint. Vertilge den Religionshaß aus den Herzen der Menschen, und laß sie einsehen, daß die Liebe nicht baffe, nicht morde. Erhalte meinen Fürsten, und segne mein Vaterland; erleuchte die Bürde der Regierung auf den Schultern des Monarchen, und umgib seinen Thron mit treuen Dienern. Deffne die geblendeten Augen der Reichen, die sich einbilden, mehr zu seyn, als an= dere Menschen; erweiche ihre Herzen, und stim= me sie herab zur göttlichen Harmonie des Menschengefühles. Leite die Herzen der Unterthanen zum willigen Gehorsam, und laß uns denken, daß du es bist, der die Fürsten über uns ge= setzt hat. Laß überall Ruhe und stille Zufrie= denheit herrschen, und gib allen meinen Brüdern Brod und Nahrung. Schicke deinen heiz ligen Geist in die Seele der Menschen, damit sie das Wahre erkennen, und das Gute ausűben, und damit die Anzahl der Guten und Weisen größer werde. Erweiche das Herz der Reichen, damit sie einsehen, daß du ihnen nur darum Reichthum gabst, um ihre dürftigen Mitbrüder zu unterstüßen. Trockne die Thränen, mein Gott! aus den Augen der Witwen und Waisen, und nimm Du dich ihrer an, wenn sie von Menschen verlassen sind. Lindere die Schmerzen des leidenden Kranken, und flöße 35 Trost und Stärke in seine kummervolle Seele. Erinnere dich auch, mein Gott! der armen Gefangenen, die ohne Hilfe, ohne Freude verlassen im Kerker schmachten. Erleuchte das Herz der Richter, daß sie gerecht ten, und daß sie den Werth ihrer wägen, die sie einsam vergießen. Flöße Mitleid in das Herz der Gefangenwärter, damit sie diese Unglücklichen nicht mißhandeln, und nie vergessen mögen, daß auch der Schuldige ihr Mitgeschöpf und Gottes Kind ist. Den Eltern gib Einsicht, ihre Kinder gut zu erziehen; den Kindern Gehorsam und ein em: pfängliches Herz zur Tugend. Schüße das Herz des unschuldigen Mädchens, und die Seele, des unverdorbenen Jünglings; schüße die schwache Tugend, mein Gott! und stärke sie im Kam= pfe mit den Leidenschaften. Mein Gott! mas che alle Menschen glücklich! das ist mein Ge bet zu dir. Auch für meine Feinde bitte ich dich; ich habe nicht aufgehört, sie als Mitmenschen zu lieben. Segne sie, erleuchte ihr Herz, damit sie einsehen, daß sie Unrecht haben, mich zu verfolgen. Sollten sie es aber nicht einsehen, so schone, Herr! ihre Verblendung, und verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun. Ich flehe nicht um Rache über ihr Haupt; um deinen Schuß flehe ich wider ihre Fallstricke. über sie richThränen er 36 Solltest du aber je zulassen, daß ihre Bosheit mir schaden kann, so sey auch hier dein hei= liger Wille gepriesen. Sterbend will ich den noch segnen, der mich mordet, und Versöhnung im Tode noch dem zulächeln, der mich tödtet. Herr! laß diese guten Gesinnungen für die Menschheit nie in meinem Herzen erkalten; laß mich täglich lebhaft einsehen, daß nur der dich erkennet, nur der dich liebet, wer seine Brüder, die Menschen, liebet. Amen. Gebet für meine Feinde. Herr! lehre mich die Größe deiner Gottheit kennen; lehre mich, daß ein reines Herz die schönste Gabe, die Reue das beste Verfühnopfer, und die Bruderliebe das prächtigste Geschenk ist, das man dir, Unendlicher! geben kann. Ich komme daher zu dir, mein Gott! und bringe dir das Opfer meines Herzens; und dieses Opfer ist die Liebe und Versöhnung. Herr! ich gelobe dir, daß ich dem nie zu schaden suchen will, der mir zu schaden suchte; und nie will ich dem fluchen, der mir fluchte. Mit Güte will ich dem begegnen, der mich hasset, und liebvoll meine Arme gegen den ausstrecken, der mich feindselig zurückstieß. Wenn mich mein Feind schilt, so will ich ihn segnen, und meine Rache soll neue Liebe seyn. In der Stunde des Unglücks will ich den in meine Urme neh 37 men, der mir seine Arme verschloß, und ich will die Thräne des Kummers aus dem Auge desjenigen küssen, der meine Thräne nicht sah. Von dem, der mich verläumdet, will ich Gutes sprechen, und den Schleier über die Fehler des= jenigen ziehen, der meine Fehler unfreundlich beschnarcht. Herr! dieses ist das Opfer meiner Liebe, das ich dir bringe; nimm es mit Güte an, und sende Glück und Segen über jeden herab, der mich haßt. Erleuchte sein Herz, und mache seine Seele wieder empfänglich der Liebe; dann wollen wir Arm in Arm, im heiligen Tempel der Natur, am Altare der Liebe, das Versöhnopfer unserer Herzen bringen, und zu dir ausrufen: Herr, vergib uns unsere Be= leidigungen, wie wir denen vergeben, die uns beleidigt haben. Ueber das Wahre und Gute. Wenn ich umher sehe, mein Gott! und die schöne Schöpfung betrachte; wenn ich deine weisen Anordnungen erwäge, so ruft mir Alles zu, daß Wahrheit und Güte die Stüßen sind, wor auf Himmel und Erde ruhen. Nothwendig ist es also, o Herr! daß ich wisse, was wahr und gut ist: und über diesen wichtigen Gegenstand will ich heute nachdenken.. Wahrheit und Güte müssen vereinigt seyn; denn die Wahrheit ist ein Gegenstand der Er( C 38 kenntniß und Güte, ein Gegenstand des Wils lens! Und was wäre die Erkenntniß ohne den Willen? Der Verstand und die Weisheit deiner Engel, o Herr! entstehen durch die Verbindung des Wahren mit dem Guten: ohne diese Verbindung ist nur Irrthum und Falsches. Wahrheit, o Gott! bist also du; und wahr ist Alles, was du bist. Wenn ich also Wahrheit suche, muß ich dich suchen, dir ähnlich werden. Du gabst mir, mein Gott! Willen und Verstand: den Verstand, um zu erkennen; den Willen, um das zu wollen, was ich erkannt habe. Du mein Gott, bist die Güte; alles was ein Daseyn hat, ist gut, und alles wahr, was der Ausübung dieser Güte nahe kommt. Wenn ich deine Güte erkenne, und diese Erkenntniß in meinen Willen übergeht, dann wird deine Güte durch mich sichtbar, und meine Handlung ist wahr. Laß mich also erkennen, mein Gott, daß ich das Gute mit dem Wahren verbinden muß, und gib mir deine Weisheit, damit ich Verstand und Willen habe; und laß mich den Weisen der Welt nicht gleich seyn, die statt Verstand nur Wissenschaft, statt Willen nur Begierde haben. Schaffe du meinen Willen zum Behältniß des Guten, und meinen Verstand zum Behältniß des Wahren. Amen. 39 Menschenberuf und Men= Erkenntniß des Ewigen. schenpflicht. Wenn ich über mich nachdenke, mein Gott! so fühle ich, daß ich ein äußerer und ein innerer Mensch bin. Ich habe einen Körper und eine Seele; bin ein Thiermensch und ein Geistmensch. Das Neußere ist nothwendig zu meinem gegenwärtigen Zustande als Mensch; das Innere führt mich zu meinem künftigen als Geist. Laß mich, Unendlicher! diese Wahrheit überlegen. Sinn und Körper verbinden mich mit der Welt; Geist und Seele mit dir, o Gott! Ich erkenne also meinen Beruf; ich bin nicht da, wie das Thier, um bloß sinnlich zu genießen. Meine Bestimmung ist höher auf der Leiter der Fortschreitung. Du bist die Güte; und die Thätigkeit der Güte ist Liebe. Meine Bestimmung ist, die ähnlich zu werden; also mein Beruf zu lieben, so, wie du liebst. Deine Liebe ist rein; also sey auch meine Liebe rein, wie die deinige. Ich muß also das Gute wegen des Guten, und das Wahre wegen des Wahren lieben: nicht aus Absicht, nicht wegen der Vortheile, die das Gute begleiten; nicht aus Eitelkeit oder Ruhmsucht, sondern darum, weil das Gute gut, und das Wahre wahr ist. Was kann mich daher an dieser rei( 52 40 nen Liebe hindern? Nichts, als meine Selbstliebe. Ich will also diese kennen lernen, damit ich sie bestreite und bekämpfe, damit sie mich auf dem Wege nicht hindere, der zu dir, Allgütiger! führt. Ich liebe mich selbst, wenn ich mir allein Gutes gönne, und nicht Andern, oder diesen nur meinetwegen. Ich liebe mich selbst, wenn ich Gutes thue, um der Ehre, des Ruhms, des Beifalls der Welt willen. Ich bin also in der Liebe meiner selbst, wenn ich in dem, was ich denke und thue, nicht auf den Nächsten, nicht auf das allgemeine Wohl, nicht auf den Herrn, sondern nur auf mich selbst und die Meinigen sehe. Ich liebe mich selbst, wenn ich nur meine Leidenschaften zu befriedigen suche, ohne Rücksicht der üblen Folgen, die sie meinen Mitmenschen verursachen. Diese Selbstliebe ist der reinen Liebe entgegen; denn ihr Antheil ist Böses und Falsches, wie das Antheil der reinen Liebe Wahres und Gutes ist. Herr! vertilge den Keim dieser Liebe in meinem Herzen, und entzünde es mit himmlischer Liebe! Lehre mich Liebe um der Liebe willen; nüßlich seyn des Nußens wegen; gut seyn um des Guten willen. Laß mich alle Menschen ohne Absicht lieben, wie du liebest. Laß meine Freude seyn, das Gute zu stiften, und führe mich mit liebender Hand; denn ich will 41 mich nicht durch meine Selbstliebe führen lassen. Laß die Lust meines Herzens seyn, jedem Gutes zu gönnen, überall Nußen zu stiften, und Andern zu dienen. Wenn ich ein Amt begleite, so soll mich nicht das Amt freuen, sondern die Gelegenheit, Gutes zu thun, die dieses Amt mir vergönnt. Wenn ich zu einer Ehrenstelle gelange, so soll nicht die Ehrenstelle mich reizen, sondern der Nußen, den ich durch gerechte Verwaltung derselben über die Menschen verbreiten kann. Bewahre mich durch deine reine Liebe vor der Liebe der Welt, damit sich mein Herz nicht verblenden lasse, und Freude im Vergänglichen suche. Laß das Geld keinen Werth in meinen Augen haben, als in soweit ich den dürftigen Nächsten damit unterstüßen kann. Laß Ehre und Ruhm keinen Eindruck auf meine Seele machen, wenn meine Handlung nicht deinen Beifall verdient. Mit einem Worte, gönne mir, daß ich Alles was ich habe: Vermögen, Talente und Wissenschaften, Aemter und Ehrenstellen, als anvertraute Güte deiner Liebe ansehe, die du mir darum gabst, damit ich dir ähnlich an Liebe werde. Amen. Um Erkenntniß des wahren Nebenmenschen. Mein Gott! du sagst mir, daß ich den Nächsten lieben soll. Gib also göttliches Licht meinem Herzen, daß ich erkennen möge, wer mein Nächster ist, und wie ich ihn lieben soll. ( 3 42 Mein Nächster ist im allgemeinen Betrachte jeder Mensch, ohne Rücksicht auf Stand, Religion und Beschäftigung. Ich muß also alle Menschen lieben, wie mich selbst: ich muß mir also eine Fertigkeit angewöhnen, mich in die Lage des Andern hinein zu denken: eine Behendigkeit, mich an seine Stelle zu sehen, damit meine Gefühle die feinigen werden. Ich muß mein Herz zur Empfindsamkeit bilden: zur Empfindfamkeit, nicht zur Empfindelei, Die Nichtschnur, nach welcher ich die Handlungen meiner Liebe richten muß, besteht in folgenden Grundsägen: 7 Seße dich an die Stelle deines Nächsten, und handle gegen ihn so, wie du wünschtest, daß er gegen dich handelte, wenn du an seiner Stelle wärest." „ Ziehe das gegenwärtige dringende Bedürfniß deines Nächsten, immer deinen zukünftigen Bedürfnissen vor, und thue so viel, als du kannst, zu seiner Rettung." Bedenke aber, daß nicht der einzelne Mensch allein dein Nächster ist: das ganze Menschengeschlecht, überhaupt dein Vaterland, die Gesellschaft, in der du lebst, ist auch dein Nächster; auch dieser bist du thätige Liebe schuldig. Arbeite für das Wohl des Menschengeschlechts; erfülle die Pflichten gegen dein Vaterland; und diese deine Handlungen sind auch Nächstenliebe." 43 ,, Denke auch, daß dein Nächster nicht bloß Leib ist; er ist auch Seele. Seine Denkart bilden, heißt seine Seele kleiden. Den Wahrheit- Sus chenden zur Wahrheit führen, heißt seine Seele tränken; den Verirrten auf die Wege der Tugend führen, heißt den Gefangenen erlösen. Mit einem Wort: alle Werke der leiblichen Barmherzigkeit kannst du auch in Rücksicht seiner Seele ausüben." Das will ich oft überdenken. Aber, mein Gott! wie viele Unwürdige, wie viele Boshafte hintergehen nicht den Gutdenkenden, und mißbrauchen seine Liebe! Das ist nicht meine Schuld. Wer lange klügelt, lange überdenkt, der liebt wenig. Es ist besser, der Nächste betrügt mich, als wenn ich mich selbst betrüge. Es ist ein Gott im Himmel, der die Handlungen sieht, und er wird dich nicht das Opfer des Bösen seyn lassen. Handle, mein Herz, nach deiner Macht, nach deinen Kräften, und hoffe auf Gott, der die Liebe ist Unsere Selbstliebe verblendet uns leicht. Wer nur mit äußerster Klugheit gut seyn will, der hört schon auf gut zu seyn. Hier ist ein Elender, der bittet dich um Hilfe. ,, Er ist start," denkst du ,,, er kann und foll arbeiten!" Weißt du aber auch, ob er Arbeit bekam? Vielleicht sind kranke Eltern, eine kranke Familie, die seine Sorge fordern, die Hindernisse, daß er einige Tage nicht arbeiten kann. 44 Untersuche nicht; was deine Rechte gibt, soll deine Linke nicht wissen. Allein, der Liebe Thätigkeit erstreckt sich auch noch weiter, als auf den Armen und Dürftigen. Recht thun in seinen Geschäften, seine Schuldigkeit in seinem Umte erfüllen, dieses ist auch Liebthätigkeit. Als Richter für das Recht mit Freimüthigkeit sprechen; als Minister für das Wohl des Staates, als Priester für die Wohlfahrt der Religion, das heißt auch lieben. Wer seine Schuldigkeit thut um der Schuldigkeit willen, und gerecht ist um der Gerechtigkeit willen, der übt auch Liebthätigkeit aus. Herr mein Gott, Gott der Liebe! gib mir zu erkennen, daß die Liebthätigkeit eine innerliche Neigung ist, aus welcher der Mensch Gutes thut, ohne Hoffnung der Wiedervergeltung, nur deinetwegen, o mein Gott, der du die reinste Liebe bist. Ich nehme mir also vor, dir ähnlich zu werden, mein Gott! durch deine reinste Liebe, weil aller meiner Brüder Glück an der Liebe hängt. Alle Menschen will ich lieben, wie mich selbst, ohne Absicht; der Menschheit, der Welt und meinem Vaterlande dienen ohne Eigennuk, ohne Hoffnung auf Erkenntlichkeit und Dank. Meine Feinde selbst will ich lieben, ohne mir zu schmeicheln, daß ich sie durch Liebe versöhnen 45 werde. Du, mein Gott! der du die Absicht des Herzens kennst, segne meinen Entschluß, und gib meinem Herzen reine Liebe. Amen. Um Erkenntniß des Glaubens. Herr mein Schöpfer! laß mich erkennen, was der Glaube ist, damit ich dich in der Wahrheit anbete. Meine innere Empfindung des Wahren und meine Neigung zum Guten müssen erst meinem Glauben den wahren Werth geben. Wie Wahrheit und Güte vereiniget seyn müssen, so muß der Glaube mit den Werken vereiniget seyn; denn der Glaube ohne Werke ist todt. Es gibt keine Wärme ohne Licht; aber was ist das Licht ohne Wärme? Herr! laß mich deine schöne Schöpfung betrachten, und sie soll mir das Sinnbild des Glaubens seyn. Wenn das Licht, welches von der Sonne kommt, mit der Wärme vereinigt ist; dann blüht alles auf dem Erdboden; hingegen, wenn das Licht ohne Wärme ist, so erstirbt die schönste Flur, und Alles entkleidet sich des Frühlingsschmuckes der Natur. Dieses Bild erinnere mich an den Glauben, der Licht ohne Wärme ist, wenn nicht die Wer= ke ihn lebendig machen. So ist wahrer Glaube das geistige Licht, und thätige Liebe die geistige Wärme. Diese macht unsere Seele zum Paradiese, und ohne sie sind unsere Herzen nur dür( 55 46 re Eilande und unfruchtbare Wüsten. Herr, meine Werke sollen dir beweisen, daß ich an dich glaube. Amen. Ullgegenwart Gottes. Erlöser der Menschen! als du mit dem Tode rangest; als deine Seele sich zu deinem Vater erhob, und im heiligen Gebete zerfloß; als dein Schweiß und Blut auf die Erde rann in der ernsten Stunde: da thatest du jene große Wahrheit kund, die Wahrheit wird bleiben, so lange die Hülle der unsterblichen Seele Staub ist. Du standest und sprachst zu deinen schlafenden Jüngern: Willig ist eure Seele, allein das Fleisch ist schwach! Diefer Endlichkeit Loos, diese Schwere der Erde fühlt auch meine Seele, wenn sie zu Gott, zu dem Unendlichen sich erheben will. Unbetend, Vater! sinke ich in Staub, und flehe. Vernimm mein Flehen, die Stimme des Endlichen. Mit Feuer taufe meine Seele, daß sie zu dir sich, zu dir erhebe. Allgegenwärtiger, Vater, umgibst du mich! Steh hier, Betrachtung, stille, und forsche diesem Gedanken der Wonne nach! Was wird das Anschauen seyn, wenn der Gedanke an dich, Allgegenwärtiger! schon so viele Kräfte jener Welt hat! Was wird es seyn dein Anschauen, Un= endlicher! Unendlicher! 47 Das sah kein Auge, das hörte kein Ohr, das kam in keines Menschen Herz. Wie sehr es auch rang, wie es nach Gott auch, nach Gott, dem Unendlichen, dürstete, kam's doch in keines Menschen Herz, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben! Wenige nur, ach! Wenige sind, deren Auge in der Schöpfung den, der Alles erschaffen hat, sieht! Wenige, deren Ohr in dem mächtigen Rauschen des Sturmwindes, im Donner, der daber rollt, oder im lispelnden Bache, den Unerschaffenen hört! Wenige Herz zen erfüllet mit Ehrfurcht und Schauer Gottes Allgegenwart. Laß mich im Heiligthume dich, Allgegenwärtiger, stets suchen und finden! und wenn er mir entflieht, dieser himmlische Gedanke, laß mich, tief anbetend, ihn aus den Chören der Seraphim, mit lauten Tönen der Freude herunter rufen, damit ich, dich zu schauen mich bereite, mich weihe, dich zu schauen im Allerheiligsten! Ich hebe mein Auge auf, und blicke umher; und sieh, der Herr ist überall! Erde, aus deren Staub der Erste der Menschen geschaffen ward, auf der ich mein erstes Leben lebe, in der ich verwesen, und aus der ich wieder auferstehen werde, Gott, Gott würdiget auch dich, dir gegenwärtig zu seyn! Mit heiligem Schauer breche ich die Blume ab. Gott machte sie; Gott ist, wo die Blume ist. Mit heiligem Schauer fühle ich das We 48 hen! hier ist das Rauschen der Lüfte, es hieß fie wehen und rauschen der Ewige! Wo sie we= hen und rauschen, ist der Ewige. Freue dich deines Todes o Leib! wo du verwesen wirst, wird der Ewige seyn! Freue dich deines Todes, o Leib! in den Tiefen der Schöpfung, in den Höhen der Schöpfung werden deine Trümmer verwehen! Auch dort, Verwester, Verstäubter, wird er seyn, der Ewige! Die Höhen werden sich bücken, die Tiefen werden sich bücken, wenn der Allgegenwärtige nun wieder aus dem Staube Unsterbliche schaffet! Hallelujah dem Schaffenden! dem Tödtenden Hallelujah! Hallelujah dem wieder Erweckenden! Ich hebe mein Auge auf, und forsche; und sieh der Herr ist überall! Euch Sterne, dich Sonne, dich Erde, dich Mond, erfüllet rings um mich seine göttliche Gegenwart! Geheimnisvolle Nacht der Welten, wie wir im dunkeln Worte schauen den, der ewig ist, so schauen wir in dir, o Nacht der Welten, den, der ewig ist. Hier stehe ich, Erde! Was ist mein Leib gegen diese Welten, die selbst den Engeln unzählbar sind! Was sind diese selbst den Engeln unzählbaren Welten gegen meine Seele! Ihr, der Unsterblichen, ihr, der Erlösten, bist du näher, als den Welten; denn sie denken, sie fühlen deine Gegenwart nicht! Mit stillem 49 Ernste danke ich dir, wenn ich sie denke; mit Freudenthränen, mit namenloser Wonne danke ich dir, o Bater! dir, wenn ich sie fühle! Augenblicke deiner Erbarmungen, o Vater! sind's, wenn du das himmelvolle Gefühl deiner Allgegenwart in meine Seele strahlest! Ein solcher Augenblick ist ein Jahrhundert voll Seligkeit! Meine Seele dürftet. Wie nach der Auferste= hung dürstet das verdorrete Gebein, so dürftet meine Seele nach diesen Augenblicken deiner Erbarmungen. Ich liege, ich liege vor dir auf meinem Angesichte. O läge ich, Vater, noch tiefer vor dir gebückt im Staube der untersten der Welten! Du denkst, du empfindest, o die du seyn wirst! die du höher denken und seliger empfinden, die du anschauen wirst! durch wen, o meine Seele? durch den, der war, und der ist, und der seyn wird! Du, den Worte nicht nennen, deine noch ungeschaute Gegenwart er= leuchte und erhebe jeden meiner Gedanken, leite ihn, Unerschaffener, zu dir! Entflamme und beflügle jede meiner Empfindungen; leite sie, Unerschaffener, zu dir! Wer bin ich? o Erster! und wer bist du? Wer bist du? Stärke, kräftige, gründe mich, daß ich dein sey, auf ewig dein sey! Ohne ihn, der sich für mich geopfert hat, könnt' ich nicht. 50 dein seyn, Ohne ihn wäre deine Gegenwart Feuereifer und Rache mir! Erde und Himmel vergehen; deine VerheiBungen, Göttlicher vergehen nicht! Von dem ersten Gefallenen an, bis zu dem legten Erlösten, den die Posaune der Auferstehung verwandeln wird, bist du bei den Deinen gewesen, wirst du bei den Deinen seyn! In die Nägelmahle deiner Hände legte ich meine Finger nicht, in die Wunde deiner Seite legte ich meine Hand nicht! Aber du bist mein Herr und mein Gott! Mit Gnade sey mir ge= genwärtig! mit Gnade! mit Gnade! Es sind Worte des ewigen Lebens, die du in Gethsemane betetest, ehe du vor's Gericht gingst: ,, Laß Alle sie Eins seyn! Wie du, Vater, in mir bist, und wie ich in dir bin, so laß Alle sie Eins in uns seyn! Ich in ihnen, und du in mir, daß sie zu einer Vollkommenheit vollendet werden." Hallet diese Worte des ewigen Lebens, ihr Himmel! stammle o Erde sie nach! Der für mich mit dem Tode rang;' den Gott für mich verließ; der nicht erlag, als ihn der Ewige verließ, der ist mir gegenwärtig! Ge= danke meines tiefsten Erstaunens! Ich bebte vor dir, da die Winde gewaltiger wehten und die höhere Woge auf mich strömte. Ich sinke, hilf mir, mein Herr und mein Gott! 51 Erwägung der Weisheit Gottes. Allgütiger Gott! wenn ich deine Weisheit, deine Liebe überdenke, wie anbetungswürdig bist du mir! Tief anbetend will ich überlegen, wer du bist, Weisheit und Liebe, Bewunderungsvoll neige ich mich vor dir im Staube, finde keine Worte, dich zu erheben. Nur mein Herz, nur mein Gefühl dringt zu dir, mein Gott, mein Herr und mein Vater! Wo ich hinblicke, sehe ich die Werke deiner Liebe. Prächtig erhebt sich die Sonne am Firmamente. Majestät ist ihr Kleid; ihr Anblick erfreuet alle lebenden Geschö= pfe, und die Sonne ist dein Werk, du Gott der Herrlichkeit und Stärke. Das Dunkel der Nacht, das Sternenheer, das über mir glänzt, winkt mir zu tiefer Anbetung. Uiberall, wo ich hinsehe, bist du; Alles verkün= diget dein Dafeyn, Alles deine Größe, deine Liebe, überall ist Tempel der Gottheit. Nun rauschen die sanften Winde; nun träuft der wohlthätige Thau vom Himmel; nun ergießt der Regen sich in den Schoß der Erde, segnend uns mit Vorrath: und Macht und Herrlichkeit fällt mit jedem Tropfen herab. Gott! so weit die Wolken reichen, so weit mein Blick sich in den' Sternen verliert, so weit reicht deine Herrlichkeit. Dig Der Sand am Meere, der Sturm, der schäumend die Wogen erhebt; der Wurm, der 52 im Staube kriecht, ruft mir deine Güte zu, wie die prachtvolle Frucht, die am Baume hängt. Die Saat, der Wald, das Feld, sind die Herolde deiner Liebe, und ich, ein Mensch, begabt mit einem Leibe, den deine Hand so wunderbar bereitet, ein Mensch, dem du Verstand und Fähigkeit gabst, dich zu erkennen, ein Herz, dich zu lieben: o du Belebendes in mir, du meine Seele, du mein Geist, des ewigen Vaters Kind! Erhebe dich zu dem, der dich erschuf, und preise seinen Namen, und hoffe auf ihn, und diene ihm, und liebe den, der dich schon liebte, ehe du ihn zu lieben fähig warst. Amen. Gedanken über die Erlösung. Gott, kann mein Herz wohl den Gedanken denken? denken den Gedanken der höchsten Liebe? den Gedanken der Erlösung? Im heiligen Dunkel fühle ich dein großes Werk, ohne daß mein Verstand dich ergründet. Und wie könnte der Wurm dich auch ergründen, der nicht einmal der Sonne Wunder kennt, noch ihren Lauf und Bau bestimmen kann, und doch die Wohl= that ihres Lichtes und ihrer Wärme fühlt? Nein! Seele nein! ergründen kannst du nicht das Göttliche, den hohen Schluß, als Jefus sich zum Opfer gab. Empfinden kannst du nur der Liebe Göttliches. O Menschenweis 53 heit! du, die du Thorheit vor dem Auge der ewigen Weisheit bist, nimm mir den Trost doch nicht, daß Christus meine Schuld im Tode des Kreuzes trug! Wie angstvoll müßte ich zagen, wenn Gott nicht mein Erlöser wäre! Nein! diesen Trost, den mir der Glaube gibt, soll mir kein Spötter rauben. Ich fühle seine Göttlichkeit, und bete an und glaube. Ich fühle Frieden und Ruhe in diesem heiligen Glauben; Ruhe, die kein Sterblicher mir geben kann. Ich glaube, und mein Herz erhebt sich schon, bemüht sich ähnlicher zu werden dem, der Liebe ist, und liebte bis in den Tod; und freudiger wird mir die Erde, und menschlicher wird mein Herz, und stärker meine Seele. Du, Gott der Liebe! der du uns deinen Sohn ge= schenkt hast, was solltest du uns armen Men= schen nicht alles schenken, der du dich selbst für uns zum Opfer gabst. Amen. Gebet am Geburtstage. Ich danke dir, mein Gott! für das Leben, das du mir gabst. Dieses Leben ist dein Geschenk. Aus dem Nichts hast du mich gezogen, und durch deine Güte bin ich hier. Wer leitete mich auf den Wegen dieser Wanderschaft, als du? Wer erhielt mich bis zu diesem Augenblick? Wer schenkte mir so viele frohe Tage? Wer gab mir Glück? Wer milderte mein Lei 54 den? Wer flößte Trost in meine Seele, wenn Kummer und Elend mich drückte? Und wem war meine Thräne theuer, die ich im Stillen weinte, als dir, der du mich schufft? Du dach= test schon an mich, ehe ich noch denken konnte, und zähltest meine Thränen schon, ehe ich selbst wußte, daß ich weinte, und gabst mir Trost, ehe ich den Trost noch kannte. Mit Vatergüte warntest du mich oft, und du zerschlugst die eisernen Fesseln, mit denen mich die Sünde band. Erbarmungsvoll nahmst du mir die Ketten ab, und winktest mir Verzeihung zu als Vater und als Freund. Ich strauchelte, und du hieltest mich aufrecht. Ich sank, du eiltest mich zu retten; und als ich dich verließ, so suchtest du mich selbst; und als ich wieder kam, so war dein Arm mir offen, dein Vaterarm. O was bin ich dir alles schuldig! wie wunderbar hast du mich geführt! Schenkest du mir länger noch das Leben, so gib mir auch ein Herz, das treu dir folgt und dich nie verläßt. Raube alles mir, mein Gott! nur deine Liebe nicht! Amen. Erbarmung. 3u dir, mein Gott! erhebt sich meine Seele. Dein Name ist Vater. Busen. Du willst und du Gott der Stärke! Herr ist dein Name. Sende Licht in meinen sprichst, und Welten 55 leben; du sprichst, und Welten sinken in ihr Nichts. Ein Meer von Seligkeiten umzingelt deinen Thron. O laß aus diesem Meere nur einen Tropfen mir auf die Zunge träufeln, damit ich sie, die Seligkeiten, koste, die du bereitet haft für Menschen die dich lieben. Du weißt, wie lange ich leben foll; in deinem Buche steht es geschrieben. Ja alles, was ich that und dachte, das steht in deinem Buche: Ja jede meiner Thaten steht in deinem Buche: wenige der guten, der bösen viele. Wie schrecklich wäre mir die Schrift; doch wäschest du, wie Schnee, die Schwärze meiner Sünden, weil du mein Vater bist, mein Schoner, mein Erretter, auf den ich hoffe und vertraue, der mich nicht verläßt. Erbarmen und Verzeihen sind deine Eigenschaften. Verzeihe, ich hoffe auf dich, und ginge die Erde unter, so hoffe ich noch auf dich. Zerfällt diese Hülle auch in Staub, so hoffe ich noch auf dich. Um Sieg über die Sinnlichkeit und Leidenschaften. Wer bin ich ohne dich? mein Vater! D, verlaß du mich nicht! Sieb, wie mich dort die Feinde heimlich locken. Ihr Köder ist Sinnlichkeit, die Sinnlichkeit, die ich stets mit mir trage. Sanft lächelt mir die Welt, die Wol= luft lockt, und der Verführer winkt, und fie trinken mir im Becher der Gelüste die Wonne 56 aller Sinne zu. Du, Vater, rette mich, daß, ihre Stimme mich nicht verfübre, und daß ich nie den Becher koste, der angefüllt ist mit dem Zaubertranke des Lasters. Herr, ich bin ohne Kraft: gibst du mir nicht Stärke, Herr! so muß ich unterliegen. Verlaß mich nicht, ich vertraue auf dich. Raube mir mein Auge, wenn es schief sehen sollte, und lähme meinen Arm, wenn er nach Früchten greift, die ihm verboten sind. Verzehre diese Hülle, wenn sie mich in Gefahr führt, dich zu beleidigen; zernichte sie zu Staub, und schone meiner Seele; sie ist dein Antheil, Herr! dein Werk: und wolltest du dein eigen Werk zerstören? Das thust du nicht. So gib mir Macht und Stärke: und ruft die Sinnlichkeit mich zum Kampfe, so will ich kämpfen. Herr! mein Schild bist du, dein Name sey mein Schwert, mit dem ich kämpfen will; mein Sieg sey dein Werk, dem Kämpfer gib Erbarmen! Amen. Erinnerung an die Liebe Gottes. Du Gott der Liebe! erbarme dich unser. Du Vater der Menschen! erbarme dich unser. Du Wohlthäter der Geschöpfe; erbarme dich unser. Du Freund der Sterblichen! erbarme dich unser. Du Unterstüßer der Elenden! erbarme dich unser. Himmel und Welt, verkündigen uns deine Liebe. Die Sonne und der Mond, die so herrlich über uns scheinen, Die Sterne, die im Dunkel über uns glänzer, 57 Die Westwinde, die unsere Wangen kühlen, Die Blumen, die unser Auge ergößen, Die Bäume, deren Früchte wir genießen, Die Saaten, die unsere Scheunen füllen, Die Trauben, die am Weinstocke reifen, Die Quellen, die von Bergen rauschen, Die Bäche, die sich durch Wiesen schlängeln, Die Kräuter, die an den Ufern wachsen, Die Vögel, die in Gebüschen singen, Die Thiere, die sich im Walde ergößen, Die Fische, die in den Bächen schwimmen, Die Schatten, die am Mittage uns laben, Die kühlenden Stunden des Frühlings, Die schwülen Tage des Sommers, Die fruchtreichen Zeiten des Herbstes, Die Ruhe und Stille des Winters, Die Freuden jedes Morgens, Die labenden Speisen des Mittags, Die Erholungen des Abends, Die Stille und der Schlummer der Nacht, Der Bau unsers Körpers! Ist ein Geschenk deiner Liebe. Das Wonnegefühl unserer Sinne! Ist ein Geschenk deiner Liebe. Verkündigen uns deine Liebe. 58 Die Schönheit, die das Auge erfreuet, Die Harmonie, die das Ohr ergößet, Das Angenehme des Gefühls, Der Reiz des Geschmackes, Der frohe Genuß des Lebens, Die Wohlthat des Schlafes, Das Vergnügen der Ruhe, Die Wonne des Schlummers, Die Freude des Erwachens, Die Seligkeit der Freundschaft, Das Gefühl reiner Liebe, Unser Wohlseyn, Unsere Gesundheit, Unser Auskommen, Unsere häusliche Freude, Der Freund, der uns liebt, Der Vater, der für uns lebt, Die Mutter, die uns pflegt, Der Bruder, der uns liebt, Die Schwester, die uns so theuer ist, Das Kind, das uns erfreuet, Der Fürst, der für uns sorget, Der Richter, der für uns wachet, Das Brod, das wir essen, Der Trunk, den wir trinken, Der Athem, den wir schöpfen, Das Leben, das wir genießen, Wir erkennen alle deine Liebe. Wir hoffen alle auf deine Liebe. Ist ein Geschenk deiner Liebe. Wenn Unglück uns drohet, Wenn Krankheit uns quälet, Wenn ein Unfall unsere Güter verzehret, Wenn der Feind uns verfolget, Wenn Kümmerniß uns drücket, Wenn der Tod uns schrecket, Von dem Irrthum, Von dem Verbrechen, Von der Hoffart, Von dem Geize, Von dem Neide, Vom Haß und. Feindschaft, Von Unzucht und Geilheit, 59 Wenn die Seele sich vom Körper scheidet, Errette uns von allem Uebel durch deine Liebe. Von der Sünde, erlöse uns durch deine Liebe. Von dem Laster, Von Ungerechtigkeit, Von Unterdrückung des Nebenmenschen, Von üblem Nachreden, Von Verführung, Von Verläumdung, Von üblem Beiſpiele, Von allen Sünden, Von allem Unglücke, Von allem Verderben, Von dem ewigen Tode, Hoff. w. a. d. L. Erlöse uns durch deine Liebe. O du Lamm Gottes, das du aus Liebe trägst die Sünde der Welt! Erhöre uns, o Herr! 60 O du Lamm Gottes, das du aus Liebe trägst die Sünde der Welt! Erlöse uns, o Herr! O du Lamm Gottes, das du aus Liebe trägst die Sünde der Welt! Erbarme dich unser, o Herr! Sebet. O du Gott der reinsten Liebe! gib, daß wir die Größe deiner Liebe erkennen, uns dieser deiner Liebe würdig machen, und unsern Nächsten mit der heiligen Liebe umfangen, die dein Gebot ist, und durch dessen Erfüllung dich, du Liebe aller Liebe! der Mensch nur würdig lieben kann. Amen. Empfindungen der allgegenwärtigen Majestät Gottes. Versammle dich, mein Geist, versammle dich, den ewigen Vater und Erhalter der Wesen zu preisen! Zerreiß die Zauberbande, mit denen die Welt dich zu lange schon an nichtige Reizungen fesselte. Fern von Geschöpfen, die dir die nähere Gemeinschaft, die wesentlichere Vereinigung mit deinem Schöpfer rauben, sey einmal frey vom Körper! Ungetäuscht vom Blendwerke der Sinnlichkeiten, sey einmal ganz dein Eigenthum. Im Tiefsinne eines erleuchteten 61 Christen erforsche, betrachte, erstaune, und bete an. Mit heiligem Zittern nähere ich mich dir, ewiges, unergründliches Wesen. Mein Schöpfer, vergib dem endlichen Geiste, vergib ihm. den kühnen, aber ohnmächtigen Flug, den er unaufhaltbar in dein Heiligthum wagt. Dich erreicht kein sterblicher Gedanke, keine menschliche Weisheit. Der geistige Schwung erschaffner Wesen wird kraftlos, so bald er die Gränzen ihrer Natur berührt. Du bist über alle deine Geschöpfe unendlich erhaben. Du schufst uns nur, daß wir aus deinen Wundern dein Daseyn erkennen, und dich anbeten sollen. Du schufst uns nicht, um von uns ergründet zu werden. Du allein ergründest deine Tiefe, du allein fasfest deine Unermeßlichkeit! Ewige Kraft der Natur! dich empfinde ich, so tief ich auch unter dir bin. Ich erkenne dein beständiges Daseyn, und den von dir abhängigen Ursprung alles Erschaffenen. Ich fühle deine Allmacht und meine Nichtigkeit Wer bin ich, daß ich es wagen darf, mich die zu nähern, mich mit dir zu unterhalten! Gott Schöpfer! Jehopah! Feierliche Empfindungen! herrschet ewig, ewig in meiner Seele! nur ihr weihet mich Unwürdigen zur Gegenwart Gottes ein. Nur ihr erhöhet das im Staube friechende Geschöpf bis zum Throne des Schöpfers. Ewi3 62 ger, Unerschaffener! wie soll ich dich nennen? Ich, die Zerstörung, die Verwesung meiner selbst, wie soll ich dich nennen? O, kann wohl die irdische Zunge deinen herrlichen Namen aussprechen? Kann die an Erde gefesselte Seele sich bis zu dir erheben? Umsonst, umsonst fammle ich alle meine Kräfte; umsonst vereinige ich sie mit den Kräften der ganzen Natur. Du bist namentos, Wesen aller Wesen! Gott aller Götter! Gott der Herrschenden! unaussprechlich ist dein Name, und unergründlich dein Wesen. O du, dessen Geist die Schöpfung erfüllt, dessen Allmacht sich in deinen Wundern offenbart, dessen unerschaffene Schönheit durch die Unermeßlichkeit strahlt; von welcher unüberdenklichen Größe bist du! Unumschränkt in deinen Wirkungen, riefst du Welten zum Dafeyn. Zitternd hörte das Chaos deine Schöpferstimme, und sonderte die neu bestimmten Wesen ab. Verwandlungen folgten auf Verwandlungen. Sonnen sonder Zahl entzündeten sich auf deinen Ruf im Dunkel des leeren Schöpfungsraumes, und Millionen Planeten bahntest du ihre Kreise. nung, Schönheit und chen der Schöpfung. Die Sonnen verklärten die Finsterniß, und anbetende Welten rollten rings um sie in ihren erleuchteten Bahnen. Dein Wille ward Ord= Wunder in allen Rei 63 Die ganze neue Schöpfung ward ein Spiegel deiner ewigen Gottheit, die Offenbarung deiner selbstständigen Herrlichkeit. Majestät Gottes; dich finde ich in allen deinen Werken! du prägtest dich unauslöschlich in den ursprünglichen Stoff der Dinge ein. Deine Spuren bezeichnen Alles, was ist, bis auf die Leßten Gegenstände, bis an die äußer= sten Gränzen des Weltbaues! Allmacht im Unfange und Allmacht im Niedergange! Gott im Großen, im Kleinen, Alles in Allem! Uner= forschlicher in deinem Wesen! du bist allgegenwärtig, und doch unsern schärfsten Blicken verborgen. Du bist unsichtbar, und doch zeugen alle deine Geschöpfe von deinem Daseyn, und empfindet dich meine entzückte Seele mitten in ihrem Innersten, unzertrennlich von mir selbst. Wunderbarer Gott! das Unermeßliche ist dein Thron, und die Ewigkeit dein Altar. Quelle der Geister, was bin ich vor dir! Wie ermattet der sterbliche Mensch in dem ersten Gedanken deiner Allgegenwart, deiner Allmacht und Herrlichkeit! Wenn ich dich zu denken wage, sinkt die ganze Kraft meines Wesens in meine erste Unthätigkeit zurück. Ich vergesse mein Daseyn, und bin nur noch in dir, durch dich in Gedan= ken an dich! Seele des Himmels unvergängliches Leben der sichtbaren und unsichtbaren Natur! ohne dich bin ich nichts; du allein D 2 64 belebst mich. Ewiger, der du mich schufft, und mich erhältst! ohne dich verschwinde ich, wie ein Minuten langer Traum aus dem Reiche der Wirklichkeiten! Was wäre mein Leben, wenn nicht ein allmächtiger Funke deiner Herrlichkeit mich beseelte? Wo wäre die Welt, in der ich lebe, diese Welt voll deiner Wunder, wenn nicht ein Hauch deiner unveränderlichen Kraft ihr Daseyn unterstüßte? Wenn du willst, so verlöschen die Sonnen, die du entzündet hast. Wenn du befiehlst, so fällt die Schöpfung, zu ohnmächtig ohne dich zu bestehen, in ihr Chaos zurück. Gott aller Welten! wer umschränkt deine Allmacht? Wer ergründet deine Ewigs keit? Wer mißt deine Unendlichkeit? Jehovah, mein Schöpfer! wie glorreich bist du in der ganzen wunderbaren Kette deiner Geschöpfe! Du bist es, der der Natur die Gesehe vorschrieb, nach denen sie unverleßlich wirken soll; und unter diesen geheimnißvollen Gesezen verbargst du das große Ziel, zu welchem du die Schöpfung bestimmt hattest. Deine Allmacht bewegt die Triebfedern des Weltenbaues und deine Weisheit verherrlicht ihn durch Orde nung in mannigfaltiger Schönheit. Du bist es, Allgegenwärtiger! der alle diese Dinge, diese Millionen Wesen so unverbesserlich geordnet hat. Du rufft dem Winter, und schon veraltet die Erde; schon verhüllen sich die Fluren unter ih 65 rem Beschüßer, dem wollichten Schnee. Du winkst dem Lenze, und schon blühen die erstorbenen Gefilde zum neuen Leben auf; schon verschönert sie der stärkere Einfluß des sanften Sonnenlichts. Du willst, und Segen vom Himmel erhöht die Fruchtbarkeit verjüngter Fluren, und Wärme vom Himmel zeitigt die Früchte der gehorchenden Erde. Ursprüngliche Schönheit! du schenkest den Rosen ihren Purpur, den Lilien die Farbe der Unschuld, und den Pflanzen ihren nährenden Balsam. Du bist es, Allmächtiger! der den empor schwebenden Dünsten ihre vielfarbige Anmuth und ihre Wunderkräfte ertheilet. Die Stimme des Donners erzählt den Nationen deine Majestät und verzehrende Blige verkündigen uns deine furchtbare Allmacht. Gott der Himmelsheere, wer ist dir gleich? Wo ist ein Gott, wie du? Wessen Geist erreicht die Hoheit deiner Gedanken! Wer erforscht die Tiefe deiner Wunder! und wessen Kraft widersteht deinen Wirkungen! Einziger Beherr= scher aller Wesen! nur du unterstüßest die Grundfesten des Himmels und wälzest diese Erde Jahrtausende durch um ihren Mittelpunkt. Du setzest dem Weltmeere seine Gränzen, und zeichnest den Flüssen ihre Ufer. Du gebeutst dem Sturme, und erschütterst die Eingeweide des Steinreiches. Du empörest die Elemente, 66 und machst aus ihnen die Werkzeuge deiner Güte oder die Werkzeuge deiner Gerechtigkeit. Alle Völker vom Aufgange bis zum Untergange erkennen dich an deinen Werken, Heiliger, starker; furchtbarer und unsterblicher Gott: Himmel und Erde sind voll deines Geistes. Alle Geschöpfe fühlen dein segnendes Daseyn. Dein Glanz blendet den Seraph und den Erzengel. Tausendmal tausend Geister beten an rings um dein Heiligthum, und huldigen deinem Namen in ewigem Jubel. Gott! du bleibst immerdar herrlich in deiner Allmacht, unerforschlich in deiner Weisheit, und unendlich in deiner allgegenwärtigen Güte. Alles, was lebt, beuge sich vor deinem Throne, zittere in Gedanken an dich, und bete dich an! Jehovah, unser Gott! höre die Lobgesänge der Geisterwelt! Nimm gnädig die Danksagung deiner empfindungsvollen und glücklichen Geschöpfe; denn du bist der Ursprung und das Ziel unsrer Freuden, denn du bist heilig und anbetungswürdig in Ewigkeit. Empfindungen der allgegenwärtigen Weisheit Gottes. Ewiges Licht, erleuchte den Geist, den du zu deiner Erkenntniß schufft, der in dir seine Verklärung und seine Seligkeit sucht. Zerstreue die Nebel, die mich umgeben, und die dich mir verbergen, der du doch allenthalben bist. Nur 67 einen Strahl, o Gott! nur einen Strahl beiner Klarheit laß in mein Innerstes fallen, damit die Erkenntniß deiner geheimnisvollen Wege mich dem Ziele meiner Bestimmung nähere. Was iſt der Geist des sterblichen Menschen, wenn er fern von deinem Lichte in den Thälern des Todes wandelt? Er sucht das Wesen, und umarmt nur Schatten; er klimmt nach Hirngespinnsten: und schwindelt auf den Gipfeln irdischer Weis= heit. Verborgener Gott! du, den alle seine Geschöpfe suchen! wie unendlich bist du über alle unsere Empfindungen erhaben! Nur einzelne Strahlen schießen aus die in die unzähligen Ordnungen von Geistern herab: nur einzelne Funken von dir, Sonne der Ewigkeit! Verkläre unsere ursprüngliche Finsterniß zur wohlthätigen Dämmerung, in der wir dein Daseyn erkennen. Aber auch für diese Dämmerung, o Gott! sey ewig gepriesen! Ohne sie wären alle deine Wege für uns unwandelbar. Ihr verdanken wir die wiewohl blödsüchtige Anschauung deiner Herrlichkeit. Sie stärkt die matten Blicke, die sich zu dir erheben; sie erheitert die Spuren, die uns zu Begriffen von deiner Vollkommenheit leiten; sie belebt in uns selbst die Hoffnung einer hellern Zukunft, das tröstende Gefühl einee zwar fernen aber unausbleiblichen Verklärung. Heiliges geheimnisvolles Wesen, erfülle mei nen Geist mit jener unvergänglichen Weisheit, 68 die in den Abgründen deiner Ewigkeit, in den fernsten Theilen deiner Gottheit noch immer deine absichtliche Gegenwart findet. Du bist der Ursprung und das Ziel aller Wesen. Umsonst fucht der vom Schatten getäuschte Klügling in deiner Schöpfung Wirkungen ohne Absicht, Wunder ohne Allmacht, Allmacht ohne Weisheit. Vergebens spähet er im Chaos den Zufall aus, der die Grundursache harmonirender Welten seyn könnte. Er bemüht sich umsonst, dich zu verkennen, dich, den alle Wesen verkündigen, dich, der du eben den Wurm beseeltest, zur Unsterblichkeit beseeltest, der dich verkennen will. Selbstständiger Gott! vergib dem Insekte den sinnlichen Stolz, der seine Vernunft unterdrückt, seine Seele deinem Lichte verschließt, und die Lehrgebäude seiner Dummheit zum Eigenthume des Weisen erhöht! Vergib dem Verblendeten seinen Eigendünkel. Er strebt nach Weisheit, und vernichtet die Wahrheit; er vergnügt sich an Geschöpfen, und vergißt dich, ihren Schöpfer. Dank sey dir, unendlicher Dank, du Gott, durch den ich lebe; der du meine Seele zu deiner Erkenntniß gebildet hast! Dir allein verdanke ich dieses nie verlöschende Licht, dessen Schimmer mir tief in die Ewigkeit leuchtet. Ich schlief in ewiger Nacht, ehe du mich zum Bewußtseyn meiner selbst und zur Unsterblichkeit wecktest. Ohne dich belebende Kraft der Natur, wäre ich auf immer in Finsterniß, auf immer in meinen 69 Nichts geblieben. Nur du schenktest mir diesen Antheil, den ich nun in deiner Schöpfung besige; nur du riefst mich in diese wundervolle Erleuchtung hervor, in der ich dich anbete. Du, der du Alles erfüllest, erfüllest auch mich mit Uiberzeugungen von dir, und mit Empfindungen deines Einflusses in mein zufälliges Daseyn. Ursprung und König der Geister! wie spät habe ich dich erkannt! Wie spät genieße ich dieses himmlische Licht, in welchem Geschöpfe dich finden können! Mein Nichts verschlang Ewigkeiten, ehe ich dich kennen, dich anbeten, und die huldigen lernte. Meine Erschaffung, mein Leben, die Kräfte meines Wesens, und meine Freude über dein Daseyn, sind lauter Geschenke deiner Güte, Gott aller Güte, dem die Firsterne ihren Glanz, und die Planeten ihr geborgtes Licht verdanken! woher ist diese Sonne, die mir leuchtet, die mich erwärmt-? Woher ist sie, wenn du nicht ihr Schöpfer bist? Wer entzündete diese Himmelskörper, die in stiller Mitternacht über mir funkeln, die ihre Strahlen durch jene blaue, unermeßliche Ferne schießen? Wer erhält diesen schwebenden Erdball, der sich in ewiger Ordnung um seine Sonne wälzt? Selbstständiger! nur du unterstüßest ihn mit allen seinen Geschöpfen, und du lehrtest ihn frei und ungehindert die Bahn wandeln, die die Fahrszeiten wechselt, die unsere Thätigkeit 70 erneuern, die Lufterscheinungen bildet, welche uns deine Allmacht verkündigen, und diese mannigfaltige Fruchtbarkeit hervor bringt, die das Leben der Geschöpfe erhält. Ja, du bist es Jehovah! du warst von Ewige keit; Du herrschest in deiner Schöpfung, und wirst immerdar der Grund, das Leben, die Se= ligkeit deiner Geschöpfe seyn. Auch mich, Allmächtiger! auch mich winkte dein schöpferscher Blick in eine Welt voll deiner Wunder. Du schufft mich aus Erde, und gebotst dem Staube, sich mit dem Gedanken an dich zu vermischen, sich durch Empfindungen deiner Gottheit zu läutern. nimm meinen Dank! nimm den unaussprechlichen Dank eines Wurmes, des sen Gefühl zu schwach für deine Güte, zu umschränkt für deine Unendlichkeit ist! Ohne dieses Geschenk meines Lebens hätten meine Augen nie das Licht der Sonne, nie den dich) offenbarenden Schimmer der Sterne, nie deine Welt voll Ordnung und Weisheit erblickt! die gefühlvollen Töne der Nachtigall, die Balfamdüfte der Rosen, der begeisternde Athem der Nelken, die sanfte Frühlingsluft, die majestätische Stimme des Donners: alle dieſe Wunder deiner Schöpfung wären mir ewig verborgen geblieben. Wenn Millionen Wesen dich während ihres Daseyns erkannt, und die ge= huldigt hätten, so wäre ich allein zu deinem 71 Lobe stumm und gefühllos gewesen. Mein Nichts hätte auf immer meine Anbetung erstickt. Ich, wer? Ich. Was war ich, wohlthätiger Geist, ehe du mir mein Wesen gabst? Wo lag ich verborgen, ehe du mich zum Daseyn riefst? Ach! in die allein, Seele des Himmels, Leben meines Lebens! in deiner felbstständigen Kraft lag auch der Grund meiner Wirksamkeit verborgen! Aus dir nie versiegende Quelle floß ich in die sichtbare Reihe unzähliger Wesen hervor. Ich ward ein Geschöpf, um den Schöpfer zu kennen, von dem ich mich abhängig fühle. Da du mich schufst, bildetest du meine Seele fähig zu Gedanken, fähig zu Empfindungen, und über unzählbare Gattungen minderer Geschöpfe erhaben, die deine Weisheit zu Werkzeugen minderer Absichten bestimmt hatte. Du verknüpftest jene zwei wesentlichen Zier= den menschlicher Geister mit dem Eindrucke deiner Schönheit, mit dem Gefühle deiner Ordnung, mit Neigung zur Tugend, mit Liebe zu Allem dem, was himmlisch und göttlich ist. Dieses geschaffene Ebenbild deiner unerschaffenen Vollkommenheit kleidetest du mit dem verführenden Reize der Sinnlichkeit. Du schufft uns frei in uns selbst; aber du fesseltest unsere innere Freiheit an den Zwang der Sinne, an das Verderben der Zeiten. Geheimnisvoller Gott! wie viel Absichten erblicken wir in deinen Wir 72 kungen! Selbst in diesem Widerspruche des Geistes und der Sinnlichkeit, in dieser so allgemeis nen Befleckung irrender Geschöpfe finden wir jene Prüfung der Tugend, ohne die sich weder Freiheit noch Tugend denken läßt. Was wäre die Tugend, wenn uns ein unbezwinglicher Hang unserer Natur zu ihr hinrisse? Wo wäre die Freiheit des Geistes, wenn uns die Beschaffenheit unseres Wesens die Verlegung der Ordnung unmöglich machte? Wo fänden wir die Güte der Wahrheit und Tugend, wenn uns nicht oft der Schmerz geheimer Wunden in Wahrheit und Tugend den Balsam zu suchen zwänge, der allein jene Schmerzen lindern kann? Wo fänden wir die Richtschnur der Weisheit, wenn wir nicht selbst die Freuden des Lebens vergifteten, sobald wir ihren Genuß übertreiben? Gott! anbetungswürdig in den Wohlthaten, mit denen du deine Geschöpfe erfüllest, und anbetungswürdig in den scheinbaren Uibeln, in die du ihre Schicksale verwickelst! deine Weisheit feste unserer natürlichen Erkenntniß jene wesentlichen Gränzen, die uns in dem Range unserer Bestimmung erhalten; du gabst uns nur so viel Licht, als die Wesen fassen können, die du aus uns machen wolltest. Aus heiligen Absichten versagtest du uns bei unserer Erschaf fung das, wofür wir dir als erneuerte Geschöpfe danken sollen. Die Blödsüchtigkeit der natürli 73 chen Menschen erheiterte der wohlthätige Glanz dieser Offenbarungen, und die uns angeborne Schwäche stärkte die wunderwirkende Kraft unse= rer Erneuerung. Dreieiniger, unerforschlicher Gott! laß meine Seele in stiller Ehrfurcht deine Rathschlüsse anbeten, laß mich mit heiligem Zittern das Geheimniß unserer Erneuerung durchdenken. Rein und unschuldig schufst du den Stammvater des Menschengeschlechts. Zur Unsterblichkeit bereitet, empfing er alles von dir, was ihn dir wohlgefällig machen konnte. Seinen Geist ziertest du mit Erkenntniß und Freiheit. Sein Herz erfülltest du mit Trieben zur Vollkommenheit, und so gewöhntest du es an die Stimme erkannter Wahrheit. Diese ihm eingeflößten Gefeße der Glückseligkeit sollten der Leitfaden seiner Handlungen, und das Ziel seiner Wünsche seyn. Aber, wie schrecklich fiel der zum Glück Erschaffene, da er dein Gefeß vergaß, und sich vom Scheinglanze der Sinnlichkeit blenden ließ. Ein schmeichelnder Irrthum tödtet seine Vernunft, verführt ihn in Labyrinthe von wilden Regungen, und reißt ihn zu seinem und seiner Nachwelt Verderben hin. So fiel der, der sich über sich selbst erhöhen wollte, der sich auch wider deine Ordnung empörte, und dessen Wahn= sinn dein reines Ebenbild in seiner Brust befleckte. Wehe dem ersten Menschen, dessen stol& 74 ze Vernunft ein Opfer des Irrthums ward! Er hörte auf, Wohlgefallen in den Augen seines Schöpfers zu seyn, und Qual und Reue brannten in der zu sanfteren Empfindungen gebildeten Seele. Dieses Gefühl seines innern Verderbens prägte sich tief in sein Herz, und pflanzte sich unheilbar auf eine ganze noch ungezeugte Nachwelt fort. O ewiger, dessen Hauch das Leben der Wesen ist, groß und herrlich sind die Werke deiner Allmacht; aber noch herrlicher die Wunder deiner Erbarmung! Warum vernichtetest du nicht den Wurm, der es wagte, deine Ordnung zu erschüttern? Du hattest Feuerflammen, ihn zu verzehren, Blige, ihn zu zerschmettern, und Abgründe, ihn zu verschlingen. Aber du verschontest des Sünders, der die Wohlthat deines Gefeges verkannte: dich erbarmte das ohnmächtige Geschöpf, das wider sich selbst wüthete; und du selbst hieltest den Unsinnigen zurück, der sich an den Rand seiner Vernichtung drängte. Odu, dessen ewiger Blick Millionen Welten durchdringt! du sahest alles vorher, was geschehen sollte, und billigtest alles, was geschah. Vergib, unendliches Wesen, vergib der menschlichen Schwachheit, die dich an Geschöpfen mißt, und deine Rath= schlüße in endlichen Geistern ergründen will! Umsonst erheben sich unsere blöden Blicke nach dir, nach dir, den undurchdringliches Dunkel umhüllt. Deine Verordnungen sind immerdar heilig; 75 aber kein Sterblicher erforscht deine Wege. Wenn unser Geist zum Denken ermattet, wenn alle irdische Weisheit erschöpft ist: so behältst du noch immer Wege, noch immer unzählige Mittel zu unserer Erhaltung übrig. Deine strafende Gerechtigkeit ist auch die Zeugin deiner wefentlichen Güte. Der Stammvater der Menschen verkannte den Werth der Freiheit, und mißbrauchte das, was er verkannt hatte. Aber dieser willkührliche Mißbrauch, der Irrthum, in welchen Adam verfiel die Vollkommenheit, die er verlor, waren lauter Verordnungen deiner Weisheit. Die Strafe des Stammvaters ward eine heilsame Lehre für uns, seine Nachkömmlinge. Wir alle büßen seinen Irrthum, um stets an die Strafe zu denken, die eine nothwendige Folge des Mißbrauchs der Freiheit ist. Wir verloren mit der ersten Unschuld zugleich einen Theil der Vollkommenheit, zu der wir in jenem seligen Stande bestimmt waren; aber du ließest uns noch immer hinreichende Kräfte, selbst in dieser Verwirrung der Zeiten, in diesem Vaterlande des Uibels, uns zu dir, heiliges Wesen, empor zu schwingen, unsere befleckten Seelen in dem himmlischen Feuer des Gnadenstandes zu reinigen, und sie nach dir zu bilden. Noch ehe du die Grundfesten der Erde bauetest; noch ehe du die Sonne entflammtest: schon von Ewigkeit her zeugte deine Allmacht den göttlichen € 2 76 Ausfluß verborgener Weisheit, den Gefeßgeber für die Heiden, den Erlöser der Söhne Adams. Diese Geschöpfe, deren Hang zur Sünde überschwemmende Fluthen umsonst vertilgt hatten, blieben immer der Gegenstand deiner Erbarmung; und doch ward diese Erde, die deine furchtbare Ge: rechtigkeit nur wenigen Auserwählten zum Eigenthume ließ, immer von Neuem der unselige Gegenstand deines Mißfallens. Deine Langmuth vergnügte sich an den wenigen Edeln, die hier und da in ruhiger Stille lebten, deren Freude das Gesek war, das du ihnen durch Mosen gegeben hattest. Unter diesen standhaften Verehrern deines Willens erfülltest du die mit deinem Geiste, die den Völkern der Erde eine Zukunft voll Gnade entwickeln, und den kommenden Messias ver= kündigen sollten. Nun hofften die, die in deinem Lichte wandelten, mit frommer Sehnsucht auf die Erfüllung deiner Verheißungen; nun prüften die Heiden die Glaubwürdigkeit der Propheten, die, entzündet von deinem Geiste, geweifsagt hatten und endlich entflohen die Tage der Erwartung, welche die Sehnsucht den Gläubigen, der Geist des Widerspruchs aber den Ungläubigen verlängert hatte. Eine Weisfagung erfüllte die andere: und du, ewige, unveränderliche Wahrheit, erfülltest sie alle. Verbirg dich, meine Seele! verbirg dich den Staub, der dich fesselt, und betrachte in heili 77 gem Tiefsinne das Geheimniß deiner Erlösung. Bete mit Zittern den Gott an, den Israel verläugnete, und den die Heiden erkannten. Das Bild des ewigen, der Glanz der Allmacht Gottes ver= hüllte sich in die Menschheit. Das offenbarte Wort des Unergründlichen umkleidete sich mit den Gebrechen eines Sterblichen. Der Schöpfer vermischte sich mit seinen Geschöpfen, und wandelte unter denen, die von sich überzeugen, denen er die Wege zur Vollkommenheit bahnen, und einen Theil seiner Seligkeit mittheilen wollte. O ver= fammle dich, meine durch Jesum erneuerte Seele! bete ihn an, den Göttlichen! Sein Name heißt Immanuel, sein Ursprung ist Jehovah, sein Wesen die Weisheit Gottes, sein Daseyn von Ewigkeit, fein Gefeß die Nahrung der Geister und die Ab= ficht seiner Ankunft ist die Heiligung! Gott dessen Wohlthaten so unerschöpflich als alle die Wunder sind, die Himmel und Welten in sich fassen! noch war es dir nicht genug, dich zur Sterblichkeit zu erniedrigen, dem irrenden Menschengeschlechte die Bahn des Himmels zut zeigen, ihm Gefeße zu geben, deren Inhalt, Ordnungen und Absicht schon für sich allein ihren. göttlichen Ursprung ankündigen; du unterwarfst dich noch selbst dem Gefeße, das du Unheiligen gegeben hattest; du wandeltest selbst uns zum Beispiele als unser Vorgänger auf den Wegen, die verirrte Geschöpfe nach ihrem Ziele leiten. & 3 78 Durch dein Beispiel lehrtest du sie, wie ein Gerechter sich unbefleckt mitten durch eine Welt voll Irrthum und Bosheit, mitten durch einen Schwarm von Wahnsinnigen und Verruchten winde. Du zeigtest ihnen, wie leicht es dem Weisen sey, sich wider die Entheiligung zu schüßen, wenn er die Lockungen des Lasters flieht. Du lehrtest sie, daß jede Minute, die wir durchathmen, nur jener flüchtige Zeitpunkt sey, in dem wir uns zum wahren Leben bilden und die Unsterblichkeit verdienen sollen. Dein ganzer Wandel auf Erden war eine unzertrennte Reihe von weisen und wohlthätigen Handlungen, von himmlischen Beispielen, die du den Elenden gabst, die dich verkannten, weil du dich demüthigtest; die dich verfolgten, weil du die Wahrheit und Tugend liebtest; und die dein Leben haßten, weil du ihre Verblendungen und Laster mißbilligtest. So wenig erkannt von undankbaren Geschöpfen, die dich anbeten sollten, durchlebtest du die Jahre, die von Ewigkeit gezählt waren. Nun näherte sich endlich der feierliche Zeitpunkt, der nach den Weissagungen, die sich erfüllen mußten, das göttliche Werk der Versöhnung vollbrachte. Deine Leiden vervielfältigten sich: du wardst von einem Undankbaren in die Hände deiner Feinde verrathen, von Richter zu Richter geschleppt, verspottet, geschmäht, gemartert, und endlich zum Tode verdammt! Weder Heiligkeit noch Unschuld rettete 79 dich von dem schrecklichen Bluturtheile, das Würmer über dich fällten, deren Leben nur von dir abhing. Liebe, unendliche Liebe! du blutetest am Kreuze für deine Mörder; dein Tod war das Versöhnungsopfer für unsere Missethaten, und das Siegel der ewigen Wahrheit deiner Offenbarung. Dein Tod überzeugte und empörte die Natur in allen ihren Elementen; nur die Urheber dessen blieben unüberzeugt. Die Sonne ward im Vollmonde verfinstert: der Tag ward zur Mitternacht; Berge spalteten sich, die Erde erschütterte ihre Eingeweide, und die Leichen der Verstorbenen verließen ihre Gräber. Nur Juda und Israel blieben unerschüttert: nur Juda und Ifrael verhärteten ihre Seelen wider die Schauer der Natur, deren grauenvolle Verwirrung vom Tode des Gottmenschen zeugte! Wesen aller Wesen! unergründlich sind deine Rathschlüsse. O ewiges, verborgenes Licht! durchdringe die Schatten, in denen ich schwebe! Zerreiße die Wolke, die meiner Seele den Strahl aufhält, der sie erleuchten könnte! Ich wandle fern von Uiberzeugung in düsterer Dämmerung, und verliere mich in immer dickere Finsterniß. Ich fand die Wahrheit, die ich suchte; ich überzeugte mich von der Gewißheit des Werkes unserer Erlösung; erfüllte Weissagungen versicherten mich der Ankunft des wahren Messias, und das Bekenntniß derer, die ihn sahen, die seine Lehre hörten, die bei seinen 80 Selbst Wundern erstaunten, dieses übereinstimmende Bekenntniß stärkte meine Uiberzeugung. diese Sonne, die in seiner Todesstunde wider die Ordnung der Natur ihr Licht verlor, verklärte die Gottheit in dem Menschen, der am Kreuze starb. Alles bekräftigte ihn. Seine Auferstehung aus dem Grabe, das seine Verläugner bewachten; seine Erscheinungen, durch die er die Zweifel der Kleingläubigen widerlegte; der Geist der Wahrheit, der seine Bekenner heiligte; die wundervolle Fortpflanzung seiner göttlichen Lehre, und das Wachsthum seiner heiligen Gemeinde, die wie ein Fels wider alle Stürme der Ungläubigen unerschüttert blieb, die Qual und der Tod, und alle Verfolgungen einer wider sie tobenden Welt nicht vernichten konnten, alles, alles zeugt von der Gottheit unsers Erlösers; alles bekräftiget die Vollendung unsers Heiles. Ich finde alle Trostgründe, die mich beruhigen können, und suche noch immer die Früchte einer allgemeinen Erneuerung, die Wunderwirkung des Todes Jesu unter den Geschöpfen, für die er blutete. Geheimnisvoller Gott! defsen Allmacht sich die Wesen widerseßen, die von dir abhangen, und dessen geoffenbarte Weisheit uns noch immer verborgen bleibt! du erleuchtest uns, und noch schweben wir in Finsterniß; du offenbarest dich uns, und wir verkennen dich; du bildest uns zur Glückseligkeit, und wir ändern deine Bestimmung; du erneuerst uns durch die Kraft 81 feines Gesetzes, und wir verachten selbes; du zeigst uns das Muster der Vollkommenheit, nach dem wir uns bilden sollen, und wir widerstehen unserer Heiligung; du erfüllest die Welt mit deinem Geiste, und sie verschließt sich seinem Einfluße. Gott! welche Widersprüche in deiner Welt voll Allmacht und Weisheit! Du herrschest, und Würmer, die im Staube kriechen, vernichten die Absicht deiner Regierung. Du gibst Gefeße, und ohnmächtige, von dir abhängige Wesen, verlegen deine Anordnungen! Du willst die Erhaltung und das Glück deiner Geschöpfe, und sie suchen unermüdet ihre Zerstörung. Der Irrthum unterdrückt die Wahrheit und die Tugend, die du liebst, die du zu beschüßen versprachst, diese Tugend, dein Ebenbild, wird ein Opfer des Lasters, die Gerechtigkeit ein Spiel des Eigennußes, die Unschuld ein Gelächter der Frechheit, und die seltene Gottesfurcht ein Gespött der Dummheit! Das alles siehst du, ewiger Gefeßgeber der Geister. Das alles siehst du von deinem erhabenen Himmel, und noch immer ruhen deine Donner im Dunkel unerforschlicher Langmuth! Du herrschest, Jehovah! und deinen Himmel erfüllen die Klagen des Gerechten, und deine Erde beneßen die Zähren der Tugend. Gott! du herrschest, und gebietest noch nicht den Elementen den Untergang einer Welt, die wider deinen heiligen Willen han= delt; einer Welt, die gegen deine Wohlthaten ge& 5 82 fühllos ist; einer Welt, die deine Ullmacht zu ohnmächtig und deine Gerechtigkeit zu unthätig glaubt, ihr Reich zu zerstören. Ja, du herrschest, Ewiger! du herrschest und schweigst. Deine Regierung ist ewig, unumschränkt, gerecht und heilig. Du wirst ewig herrschen, aber nicht ewig schweigen. Dein Blick durchdringt Herzen und Nieren, und deine Gerechtigkeit ist die Wagschale unserer Gedanken und Handlungen. Nur noch wenige Tage wird deine Sonne den Schandthaten der Verblendeten leuchten, deine Wahrheit unerkannt bleiben, und die Tugend, die du prüfest in ihrer Erniedrigung schmachten: nur noch wenige Tage, und was sind Tage, was Jahre, was Jahrtausende der Sterblichen vor dir? Aber dann wirst du kommen, zu richten die Lebendigen und die Todten; dann wirst du kommen, umgeben von Klarheit und Majestät, die Tugend vom Laster zu sondern, und die Unschuld aus den Schlingen ihrer Verführer zu retten. Schrecklich und furchtbar, aber immerdar heilig wirst du die Welt richten, und vor allen Völkern deine Anordnungen rechtfertigen. Dann, erhabener Gott! dann laß meine Seele Gnade und Erbarmung vor deinem Richterstuhle finden! Dann stärke, Jehovah! die Seelen der Rechtschaffenen, die Verehrer deines Willens, den du uns durch Jesum offenbartest, und vereinige sie wieder mit dir, der du ihr Ursprung bist. Dann 83 sich auf die büßenden Thränen des Gefallenen, mit denen er dich um Gnade und Seligkeit anflehte! Dann sey das Blut Jesu die Genugthuung für die Unwissenden, für die er dich sterbend bat! Richter der Welten! in deinen Händen sind die Geschöpfe und das Nichts, die Verwesung und die Ewigkeit. Ewigkeit! Gedanke ohne Anfang und Ende, wie erschütterst du mein Herz! Du bist unendlich, wie die Gottheit. In dir verliert sich mein Geist, und in dir findet er unaufhörlich sein Daseyn wieder! Ich werde ewig seyn. Gott! ich, dein endliches Geschöpf, werde ewig seyn! Tausendmal tausend Millionen Jahre werden vorüber gehen, und noch werde ich denken und leben! und abermal tausendmal tausend Millionen Jahre wird mein Dafeyn verschlingen, und noch werde ich dem Ziele meines Daseyns um keinen Augenblick näher seyn! Geist der Ewigkeit! Leben meines Geistes; welche Anhäufung von Zeiten könnte meine Dauer umgränzen, da ich in dir lebe, deffen Alter die Ewigkeit ist! Jehovah, mein Ursprung und Ziel! in dir ruhen meine Kräfte: in dir ruhet die Seele, die das Werk deiner Allmacht und der ewige Gegenstand deiner Weisheit und Güte ist. nimm, Vater der Wesen! nimm das Opfer deines Geschöpfes, das dir sich selbst zum Opfer bringt! Nimm meinen unvollkommenen Dank für alle deine Erbarmung! Dein ist die Erschaffung und die Erneuerung, die Regierung und die Herrlichkeit in Ewigkeit! 84 Empfindungen der allgegenwärtigen Güte Gottes. Geist der Schöpfung! ewige Vereinigung der Allmacht und Weisheit! ursprüngliche Liebe, zu dir erhebt sich meine Seele; dir nähert sich das Geschöpf, das den Einfluß deiner Güte empfindet. In der Stille der Einsamkeit, fern von der Scheinpracht, die mich verblendete, frei von den Schlingen, in die sich so oft schon mein Herz verwickelte, komme ich dir immer näher. Wohlthätiges Wesen! wie nahe bist du dem Geiste, der dich sucht, und wie unzertrennlich von Geschöpfen, die dich wahrhaft besißen! Quelle der allgegenwärtigen Güte! wo finden wohl Sterbliche die Ruhe, nach der ihre Herzen sich sehnen? wo findet die füße Sättigung unersättlicher Triebe, als in dir? Einziges Ziel der Wefen! du sättigest die Begierden die keine Welt befriedigen kann! Was ist diese Welt, deren Genuß mich ermattet, wenn ich meine Wünsche nur durch ihn zu vergnügen suche; die mein Herz schon durch wilde Entzückungen schwächt, wenn ich auch nur ihre unverdächtigsten Freuden zu kosten glaube! Und in dieser Welt, in ihrem Genuße suchte ich Thörichter meine Beruhigung! in dieser Welt, die mich vergiftet, statt mich zu nähren; die meine Leidenschaften erhißt, anstatt ihre Wallungen zu dämpfen; die mich zu Abgründen verführt, statt 85 mein Herz zu seinem Ziele zu leiten; und die mich fern von meinem Mittelpunkte zerstreuet, statt mich in ihm zu sammeln. Geist der unmittelbaren Heilung! vertilge in mir diese Widersprüche meiner felbst! Du bist mitten in mir, und ich suche dich in Dingen, die außer mir sind; du bist selbstständig und unvergänglich; und ich suche dich in Geschöpfen, deren Daseyn ein Traum, und deren Dauer ein Augenblick ist. O lehre mich doch jene Weisheit, die dich in sich selbst findet, weil sie dich nicht außer sich sucht! Erwecke mich aus dem Todtenschlafe meiner Unthätigkeit zur lebendigen Erkenntniß meines Heiles! Entzünde in mir deinen ewigen Geist, den Geist der unveränderlichen Wahrheit, den beselenden Geist deiner Offenbarungen; und laß mich dann, frei von den Vorurtheilen der Eigenliebe, mich selbst durchgründen, mich selbst erkennen. Laß diese Erkenntniß meiner Schwachheit, meiner wahren Bedürfnisse, den ersten Schritt zu meiner Erneuerung seyn. Wesentliche Güte! wie blödsichtig bin ich ohne deine Erleuchtung, wie schwach ohne deine Unterstügung! Rein und unbefleckt war ich, da dei= ne Schöpferkraft mich von dem Nichts absonderte, in dem ich seit Ewigkeiten geschlummert hatte. Und kaum verknüpftest du weisheitsvoll mein Daseyn mit den Schicksalen der Sterblichen, so verlor ich auch schon einen Theil der mir anerschaf fenen Unschuld. Ich nahm Antheil an der be 86 fleckung und an der Verwesung der Kinder Adams. Doch du, unendlich in deinen Erbarmungen, reinigtest meine Seele von Neuem durch die Kraft deines dreieinigen Namens in der Quelle des ewigen Bundes zwischen dir und dem Menschengeschlechte. Aber wie kurz, wie vergänglich war diefe erneuerte Vollkommenheit! Kaum entflohen die zarten Jahre der schuldlosen Kindheit; kaum fühlte ich die in mir aufkeimende Vernunft, und die mir ertheilte Freiheit des Geistes: so fing ich auch schon an, diese zu mißbrauchen, und jene zu entheiligen. Ich ward ein Rasender, ein Feind meines Glücks, ein Uibertreter deiner ewigen Gefeße. Und du, Gott meines Heils! bliebst unveränderlich in deiner Liebe, unerschöpflich in deinen Wohlthaten. Du vermehrtest die Kräfte meines Wesens, so wie die Tage meines Lebens. Du erleuchtetest meinen Verstand; du bildetest meine Empfindungen; du stärktest die Werkzeuge meiner Sinnlichkeit, und ich, Verworfener, bemühete mich, dich selbst in deinen Wundern zu verkennen, in deiner Schöpfung zu verläugnen, in deinen Wohlthaten zu vergessen! Du segnetest täglich das Brod, das ich aß; du bahntest die Wege, die ich wandelte; du ließest deine Sonne über mich Unwürdigen so, wie über das Haupt des Gerechten aufund untergehen; du rührtest mein Herz durch das Beispiel edler, nachahmungswürdiger Handlungen meiner Mitbrüder, oder erschüttertest meine be 87 täubte Seele durch den schrecklichen Donner einer drohenden Ewigkeit: und ich, o daß ich mich vor deinen heiligen aber furchtbaren Blicken verbergen könnte! ich erstickte das innere Gefühl deiner Güte und Gerechtigkeit, verharrete in meinem Unsinne, verschloß mein Herz dem Eindrucke ernster Wahrheiten, und überließ mich der Gewalt unseliger Verblendungen, die mich fern von meinem Ziele, fern von Weisheit und Tugend, ins Verderben hinrissen. Nun fühle ich endlich, o Gott! nun fühle ich endlich die Wirkungen deiner Gerichte, und die Gerechtigkeit deiner Unordnungen. Und in diesem Abgrunde, in den ich herabgestürzt, in dieser tiefen Erniedrigung meiner entweihten Natur seufze ich noch immer zu dir, Beherrscher und Richter deiner Geschöpfe! Schrecken des Sünders, und doch immerdar seine einzige Zuflucht! zu dir entfliehen meine Seufzer. Vor deinem Throne demüthigt sich meine Seele durch das Bekenntniß ihrer Schwachheiten, durchdrungen von unendlicher Reue. Das Bewußtseyn meiner Unvollkommenheiten, meiner verfäglichen Entheiligungen, vernichtet in mir alle Empfindungen wahrer Freude, die mur das Eigenthum einer unschuldigen Seele sind. Was bleibt wohl dem Lasterhaften übrig, wenn Seligkeit und Ruhe nur die Belohnung der Tugend ist? Erhabener Gott! so rächt selbst der Sünder die Tugend, die er beleidigte, die Gerechtigkeit, die er 88 verachtete; so erfüllt er die Ahndungen seines Gewissens, die ihm den Fall weisfagten, den er be= seufzen follte. Gesetzgeber der Geister, warum widersprach mein empörtes Herz so oft der Wahrheit, die meine Vernunft erkannte? warum widerstrebte ich so oft der fanften Leitung deiner Güte? warum ließ ich oft in meiner Brust die göttli= che Gluth verlöschen, deren Nahrung ich in stärkern Empfindungen deiner Allgegenwart würde gefunden haben! Schöpfer meines Wesens! vor dir werfe ich mich zitternd in den Staub hin, mit dem auch mein Staub sich bald vermischen wird. Hier klage ich den Sünder an, der die Menschheit entehrte, wel= che du geheiligt hast; der Vernunft, Gewissen und Freiheit, der alle Mittel vernachläßigte, durch deren weisen Gebrauch er dir wohlgefällig seyn konnte. Richte, o Gott! richte den Sünder, der im Gedanken deiner Gerechtigkeit zittert! aber erbarme dich deines Geschöpfes, das dich um Gnade und Erbarmung anfleht. Was bin ich vor dir, König der Geister! Meine Verblendungen, meine Un= vollkommenheiten, machen einen ewigen, unendlichen Abstand zwischen dir, und dem Unheiligen, der die Würde seiner Natur vergaß, und seiner Bestimmung sich widersette. Leben und Tod, Seligkeit und Verdammung sind ein Wink deiner Allmacht! du könntest mich mirselbst überlassen, könntest den Geist wieder vernichten, den du zur Glück 89 feligkeit schufft? aber du erbarmest dich meiner; du schonest des Unmündigen, der sein Heil vers kannte; du willst nicht den Tod des Sünders, sondern seine Erneuerung und Seligkeit. Gott, mein Vater! wohlthätiger Gott! dir, dir allein habe ich gesündigt. Aber kaum erkenne und be= reue ich meine Vergehungen, so reinigest du mich auch schon von meiner Befleckung, und erneuerst um Jesu Willen deinen Geist in meinem Innersten. Mein lebendiger Glaube an Jesum meinen Erlöser, die Verdienste meines göttlichen Mittlers, die Leiden des Nazareners, der auf Golgotha für das Heil der Verworfenen blutete, sind von Neuem das Leben und die Unsterblichkeit meiner begnadigten Seele. Heil dir, mein Geist! Heil dir, unheilige, aber durch des Ewigen Wort erneuerte Seele! Preis dem Unerforschlichen, dessen Rathschluß deine Heiligung wirkt! Richter und Erbarmer! nimm meinen Dank; nimm das Opfer eines ge= demüthigten Geistes; denn Demüthigung, Reue und Besserung des Lebens sind doch das einzige Opfer, das ich dir bringen kann. Unterstüße, o Gott! diesen freien Entschluß meiner Seele, von nun an nur deiner Ehre zu leben, die ganze Dauer meines noch zukünftigen Daseyns zur Verherrlichung deines Namens, und zur Vollendung meiner Bestimmung anzuwenden. Dich erkennen, ist vollkommene Weisheit, und 90 deine Gerechtigkeit lieben, ist die Kraft der Verewigung. Laß die Offenbarung deines Willens von nun an die Richtschnur meiner Handlungen seyn. Laß den heiligen Wandel, die reine Lehre und den Opfertod Jefu immerdar das Muster meiner Nachahmung bleiben! Belebe meinen Glauben an die Wunderwirkende Allmacht, durch die ich lebe; gründe meine Zuversicht auf die Weisheit, die alle Dinge so göttlich geordnet bat, und nähre in meinem Herzen das heilige Feuer der Liebe, die mich allein zu Handlungen entzünden kann, die der Menschheit würdig sind, und meine Seele der Unsterblichkeit fähig machen. Erleuchte mich, Licht der Ewigkeit! daß ich von nun an nur jene vollkommene Uibereinstimmung der Begriffe für Wahrheit halte, die meine Uiberzeugungen von deinem allmächtigen Daseyn, von deiner allgegenwärtigen Regierung und von den zu unserer Heiligung uns geoffenbarten Mitteln aufklärt. Und du, unveränderliche, wesentliche Schönheit! enthülle dich immer mehr meinem Geiste, dessen Beruf die Lust deiner Beschauung ist. Erfülle mein schmachtendes Herz mit deiner fättigenden Liebe. Dein ursprünglicher Reiz, o Gott, fiege in mir über alle Anmuth erschaffener Schönheiten. Er unterhalte und entzücke mich mitten unter diesen Denkmahlen der Verwerfung; er zerstreue mit einem Strahle rings 91 um mich her alle Zauberkünste prächtiger Eitelkeit, und folge mir auch in die einsame Stille nach, in der ich mich ungestört an ihm ergőBen, seinen Einfluß ohne Uiberdruß genießen, und meine unendliche Sehnsucht nach seinem Genuße durch Vorempfindungen künftiger Sättigung befriedigen kann. Göttliche Schönheit, entzücke mich und herrsche allein in meiner Seele: mein ganzes Wesen öffnet sich dir, dessen Annäherung ich in sanften unaussprechlich entzückenden Beklemmungen fühle. Heiliges Wefen! du bist unendlich schöner als der Himmel, unendlich herrlicher als die Schöpfung, die nur ein Schattenbild deiner unerschaffenen Vollkommenheit ist. Olehre mich doch, dich mehr als alles lieben, was du nicht selbst bist! Lehre mich den Werth aller Annehmlichkeiten dieser Erde nur nach ihren Verhältnissen zu dir, nur nach dem Grade ihrer Bestimmungen schätzen. Lehre mich mein eigenes Wesen nur in so fern ehren, als es dein Ebenbild ist. Dämpfe in mir jeden ausschweifenden Trieb stolzer Eigenliebe, und laß mir allein das Gefühl des wesentlichen Adels der Menschen, die Demuth des Christen in seinem Triumphe. Neige, o Gott! in allen Vorfällen des Lebens mein Herz zur Verehrung der Wahrheit, zur Huldigung der Tugend. Vernichte in mir jene traurigen Vorurtheile des menschlichen Stol 92 zes, die sich im Gesellschaftlichen Leben so oft in Uibermuth und Gewaltthätigkeit, so oft in Men= schenhaß und kaltblütige Ungerechtigkeiten verwandeln. Mein ganzes Betragen gegen Andere sey so aufrichtig, so treu und menschenfreundlich, als ich in verwechselten Beziehungen auch das ihrige gegen mich wünschen würde. Wenn Schwachheiten oder Verbrechen meiner Mitbrüder mir unleidlich werden, oder wenn Beleidigung mein Blut zu Wallungen, und mein empörtes Herz zur Wuth reizen: so besänftige du mich, Gott des Friedens! lehre mich, den fegnen, der mir flucht, und den bedauern, der dich verlassen hat. Wenn das Feuer unreiner Lüste sich durch die Deffnungen unvorsichtiger Sinne bis in mein Innerstes schleicht, so ersticke die noch glimmenden Funken, deren Entflammung Vernunft und Tugend verzehrt. Bilde, du Ursprung reiner Empfindungen! mein Herz so vollkommen zur wahren Freundschaft und Liebe, daß ich den Werth dieser himmlischen Güter höher als alle Vortheile unordentlicher Neigungen, höher als allen Wucher gemeiner Seelen, schäße. Geist der ewigen Ordnung der du bei meiner Erschaffung die Gesetze der Glückseligkeit tief in mein Wesen prägtest, laß alle, auch die geringsten meiner Beschäftigungen, etwas zum Besten der Welt, in der ich lebe, beitragen: laß auch meine Ruhe, oder die Erholung erschöpfter Kräf 93 te meinem und meiner Brüder Wohl geheiligt seyn! So gestärkt durch den Einfluß deines Geistes werde ich mich frei durch die Labyrinthe des Lebens winden. So beschüßt in der Allgegenwart deiner Güte, werde ich ruhig die Bahn wandeln, die mich zum Ziele meiner Bestimmung, zur Glückseligkeit leitet. O Vorsehung des Himmels, deren ewigem Blicke das Zukünftige so gegenwärtig als das Verflossene ist, laß mich voll Ehrfurcht und Zuversicht die Spuren deiner Weisheit in der Regierung deiner Geschöpfe anbeten! Du bist die unveränderliche Ordnung des Ganzen, weil du die vollkommenste Uebereinstimmung aller Theile bist. Wessen Wahnsinn übersieht dein Daseyn? Wessen unselige Blindheit ver= kennt deine Nothwendigkeit zur Erhaltung der Kreaturen? Wo ist das Geschöpf, dessen Unlagen und Endzweck nicht von deiner Regierung zeugen? Jehovah, mein Gott, tief, tief sind deine Gedanken und groß deine Wunder! Alle Wesen bestehen durch deine Kraft, und du bewegst sie nach deinem Willen. Der Lauf der Gestirne, die Jahrszeiten der Erde, die Mischung ihrer Elemente, die Fruchtbarkeit ihrer Gefilde, die unzähligen Gattungen ihrer Bewohner, und die Geschichten aller Reiche und Nazionen, sind lauter Zeugen deiner Weisheit und Güte, lauter Merkmahle deiner Beherrschung. Gott, meine Zuversicht! auf 94 hoffe ich von der Morgenröthe bis in die Stunden der Mitternacht. Du leitest mich immerdar auf seligen Wegen. Du bist das Licht meiner Augen, wenn ich wache; und wenn ich schlafe, so wachest du über mir. Dich empfinde ich ewige Kraft; dich empfinde ich, mein Schuß wider die Feinde meiner Ruhe! Seligkeit meiner entschlafenen Väter! auch ich, auch ich verdanke dir alles, was ich habe; denn alles Gute kommt von dir. Du ver= theilest aber alle deine Geschenke nach den RathWenn schlüssen deiner verborgenen Weisheit. Unglück die Tugend trifft, so bereitest du sie zur Verherrlichung, und das, was Unglück schien, war nur die Prüfung ihrer innern Güte. Borsehung! wie anbetungswürdig bist du in allen deinen Anordnungen. Vor dir verschwindet der Werth schimmernder Metalle und die Hoheit sterblicher Würden. Du allein bist der Reichthum der Tugend, und nur dein Beifall ist die unvergängliche Würde der Rechtscheffenen. Du allein kannst die Belohnung der Christen seyn, die sich bemühen, die Welt und sich selbst zu besiegen; die sich bemühen, dir ähnlich zu werden. Mag mir doch immer hier in diesen Thälern des Todes Glück oder Unglück begegnen: beides kommt von dir, beides ist Prüfung oder Strafe. Mein Loos ist dein Wille, und dein Wille ist immerdar gut und heilig. Beherrscher der Wesen! du handelst nie ohne Absichten; aber nur selten 95 erkennen wir blödsichtige den wohlthätigen Endzweck deiner Wirkungen. O möchte ich mich dir stets unterwerfen, und nie die Mittel mißbrauchen, deren du dich zur Beglückung deiner Geschöpfe bedienst! Gibst du mir Reichthum, o Gott! so laß mich ihn nur als eine Gelegenheit und Ermunterung zum Wohlthun betrachten: oder nimm mir den Ueberfluß, wenn ich nicht weise, nicht menschenfreundlich genug bin, sowohl meine, als Anderer Bedürfnisse zu befriedigen. Soll aber Armuth mein Loos seyn auf dieser Erde, so härte meine Seele durch Demuth und Gelassenheit wider mein Schicksal ab, und lindere das Gefühl meiner Dürftigkeit durch den trostvollen Gedanken, daß du die liebest, die du prüfest. In dir gütigstes, bestes Wesen! werde ich auch aller menschlichen Unterstüßung beraubt, das Ende meiner Leiden ruhig erwarten; ich werde mit heiterem Blicke dem Tode entgegen sehen, der mich aus diesem Reiche der Verblendung in die Gefilde ewiger Klarheit hinüber trägt. Erfülle nur du mich mit deinem Geiste, so wird meine Seele, stark durch die Nahrung der Christen, die Schauer der Natur überwinden, die uns das Gefühl unserer selbst in unsern letteren Augenblicken noch schrecklich machen. So väterlich von deiner Güte geleitet, werde ich sanft im Schatten schlummern, und holde Träume von dir, Unbetungswürdiger! werden, so lange es dir ge 96 fällt, meinen irdischen Schlaf versüßen, bis ich endlich, ganz frei von den Fesseln der Verwesung, zur Unsterblichkeit erwachen werde. O du, der du Welten durch ihre Bahnen führest, und denkende Wesen aus ihrem Nichts zur Sehnsucht nach Glückseligkeit beseeltest! dann werde ich mich dir in der Kraft deiner Herrlichkeit nähern, mich mit dir unzertrennlich vereinigen, und in dir Genuß, Sättigung und Ruhe finden. Meine Begriffe von dir werden verklärt, und meine Hoffnungen, diese jetzt noch dunkeln Weisfagungen der Zukunft, vollkommen er= füllt werden. Meine Freude über die Vollendung meiner Bestimmung wird rkin, edel und majestätisch seyn. Mein Geschmack n Wahrheit, an Tugend, an Freundschaft und Liebe wird nie ermatten, und die Bewunderung der mir alsdann von Welt zu Welt enthüllten Schönheiten der Schöpfung wird immer neu und unaussprechlich seyn. Dann wird meine erleuchtete Seele Jesum, den Gefeßgeber und Mittler der Menschen, im Glanze der Gottheit von Angesicht zu Angesicht schauen, und mein Geist vor seinem Throne sich ganz in Anbetung, in Dank und Entzückung auflösen! Gott, ewiger, selbstständiger, dreieiniger Gott! höre die Stimme deines Geschöpfes. Nimm gnädig das Opfer des Christen, der dir im Staube huldigt: dein ist die Regierung und die Herrlich 97 keit! deinem Namen sey Ehre und Preis in Ewigkeit. Unbetung, Demuth und Zuversicht. Mein Gott! ich kann und darf dich lieben; laß mich diesen großen Gedanken denken, und sende Licht in meine Seele, und die heilige Flamme deiner Liebe erhebe meinen Geist aus dem Kerker der Sinnlichkeit zu dir, und erfülle ihn mit deinem göttlichen Feuer. Trenne mich einige Augenblicke von den Fesseln der Sinne, damit mein Geist sich dir nahen könne, und dich in der Wahrheit anbete. Laß mich, Unendlicher, deine Gegenwart fühlen, fühlend dein heiliges Daseyn, fühlen, daß ich athme, lebe und bin durch dich. Dieses Herz, das in meinem Busen schlägt, das Blut, das in meinen Adern rinnt, bewegt sich, und fließt durch deine Güte. Ohne dich würde mein Herz aufhören zu schlagen, mein Blut zu rinnen, mein Geist zu leben. Du bist das Leben der Dinge; ich lebe durch dich, könnte ohne dich nicht seyn. Du bist die Einheit, die Kraft aller Kräfte, durch die alles wirkt; wirke in mir das Werk der Heiligung; erhebe meinen Geist, damit er fühle, daß er sich dir nähert. Zerschmelze die sinnliche Hülle, die mich umgibt, und mich von der Vereinigung mit dir abhält. Tilge alles das Irdische, das dem Auge meiner Seele dein Unschauen raubt. F 98 Ich bin nichts ohne dich, und alles durch dich; höchst elend ohne dich, und höchst glücklich mit dir. Entfernung von dir ist Tod, Annäherung zu dir ist Leben, Vereinigung mit dir ewige Seligkeit. Erbarme dich des Wurms, der seine Schwäche kennt, der im Staube fich krümmt, und den Abstand kennt vom Unendlichen bis ins Endliche; höre aber doch sein Flehen, daß sein Wimmern auch unter den Lobgesängen des Cherubs bis zu deinem Throne dringt, und dein Blick von der Höhe des Thrones der Ewigkeit bis in die Tiefe des Staubes schaut. Auch er, der Wurm, ist dein Geschöpf, das Werk deiner Hände. Sieh, wie sein Daseyn an einem Blatte hängt, das die Winde bewegen; ein Hauch des Sturms verweht es; der Tritt eines Kindes zerquetscht ihn. Herr! ich bin der Wurm; die Stürme der Leidenschaften haben mich von der Höhe, worauf du mich schufft, in die Tiefe der Abgründe gestürzt, die Sinnlichkeit hat mich unter ihren Füßen zertreten. Hilflos krümme ich mich, und wimmere, denn ich bin nur ein Wurm; und wer nimmt sich des Wurmes an? Meine Kräfte sind die Kräfte eines schwachen In: sekts, das sich auf die Höhe, wo du wohnest, nicht mehr schwingen kann; aber so sehr ich auch von dir entfernt bin, so tief ich) im Staube des Abgrundes stecke; so habe ich doch noch nicht auf gehört, auf dich zu hoffen. Du, dessen Allmacht die Raupe einspann, und ihe in der Zeit, 99 wo sie für die Schöpfung verloren zu seyn scheint, Flügel gab, um sich aus dem Abgrunde in höhere Regionen zu schwingen, du solltest den Menschenwurm verlassen? Nein, alles in der Schöpfung gehet zu höherer Vollkommenheit; alles steigt auf zu dir, was sich nicht freiwillig von dir entfernt. Allein auch ich muß meine Raupenhülle ablegen, die Hülle der Sinnlichkeit, die mich im Staub drücket. Mein Geist erhebt sich zu dir; gib du mir Stärke, die Fesseln zu zerbrechen, die mich in der Tiefe fest halten. Sünde und Tod, das ist mein Antheil. Ich selbst entfernte mich aus der Gegend der Wonne, machte ein Bedürfniß mit der Sünde, und Gesellschaft mit der Unordnung, die deiner herrlichen Absicht entgegen kämpft, und ohnmächtig arbeitet, das Werk deiner Liebe zu zernichten. Ich mißbrauchte die Kraft, dein Geschenk, wider dich; lohnte deiner Liebe mit Un= dank, und doch lächeltest du mir Erbarmung zu. Ein Hauch von dir hätte mich zernichtet, ein Blick in unzählige Abgründe gestürzt: doch hast du mich nicht zernichtet, doch hast du mich nicht in Abgründe gestürzt. Du hast Erbarmung gehabt mit der Schwäche des Sklaven der Sinnlichkeit. Alle deine Rache war Liebe, alle deine Winke, Winke zu meinem Glücke, zur Verschonung; und ich konnte dich so lange mißkennen? O beschämt seh' ich zurück in mein Herz, lese mit Schande die Reihe meiner bösen Thaten, das Empören eines OhnF2 100 mächtigen, das Empören eines Würmchens, dem ein Sandkorn eine Welt ist, gegen den, der die Engel schuf, und die Millionen der Welten in den Raum der Schöpfung hängte; und doch Versöhnung, doch Mitleiden für mich! Wie groß muß deine Liebe seyn! O gib mir Thränen, daß ich zerfließe! Reue, die mich verzehre, damit der Wurm sich selbst zum Opfer der Versöhnung bringe! Aber wie? übersteigen meine Sünden nicht alles Maß? Hab' ich eine Kraft, das Böse wieder gut zu machen, da alles, was ich bin, gegen dich böse ist? Verzweiflung müßte mein Untheil seyn, wenn ich nur den Herrn, den Schöpfer, vor dessen Majestät die Welt in nichts zerfällt, an dir kennte: aber so kenne ich auch an dir meinen Vater. Der Sünder durfte dir diesen Namen nicht mehr geben: aber du nanntest ihn doch dein Kind, strecktest deine Arme erbarmungsvoll gegen ihn aus, und empfingst ihn wie eine Mut= ter, die ihren Säugling wieder an ihre Brust nimmt. Herr! ich erkenne, daß meine Wiederaufnahme nur ein Werk deiner Gnade ist, ich erkenne, daß ich keine Verdienste habe, daß ich mich dir nimmermehr nahen dürfte, wenn nicht zwischen mir und die ein Mittler aufgetreten wäre, der das Glied der Kette wieder an dich schloß, das die Sünde des Menschen zerbrach, um sich von dir ewig zu trennen. Meere von Thränen for 101 derte deine Gerechtigkeit; und wenn Millionen Menschen weineten, so würden ihre Zähren nicht einen Tropfen dieses Meeres machen; wenn Millionen Menschen bluteten, so würden sie die Thaten der Sünde nicht aus dem Buche der Ewig= keit waschen können, die die Sünde in selbes schrieb; und wenn sich Millionen und Millionen zum Opfer gäben, wie würden sie als Opfer bestehen können, da Unreinigkeit und Sünde sie befleckt! Christus trat daher auf, und weinte für unsere Schulden, und blutete für unsere Sünden, und wusch das Urtheil des Todes aus dem Buche der Ewigkeit ab, um Versöhnung und Gnade wieder für die Verlornen hinzuschreiben. So groß, o Gott! war deine Liebe. Sende den kleinsten Funken dieser Liebe in mein Herz, daß dieser Funke alles darin verzehre, was nicht dein ist, und zur Flamme der Liebe auflodere! Unendlicher! durch dieses Versöhnopfer, das am Kreuze des Todes blutete, ruf' ich zu dir um Vergebung und Gnade. Du verneinst nichts, was wir in diesem Namen begehren; du schlägst uns nichts ab, um was wir dich in seinem Na= men bitten. Ich bitte dich in seinem Namen um Heiligung und Gnade, um Stärke im Kampfe mit der Sinnlichkeit, um Frömmigkeit, um Weisheit, um Liebe. In seinem Namen bitt' ich dich, er= F3 102 hebe meine Seele zu dir! Erhebe mein Herz, damit dir meine Worte und Werke gefallen. Gib, daß ich deine Allmacht und Barmherzigkeit ver= kündige. Dehne das Innere meines Gemüthes aus, damit ich deine heiligen Worte höre, und mein Geist die Sprache verstehe, die von dem Wohnsiße der Weisheit kommt. Gib du mir sie, diese Weisheit, damit ich vor deinen Augen in Demuth, Tugend, Gerechtigkeit und Liebe wandle, und würdig werde, ein Gefäß deiner Gnade zu seyn. Im Namen des Erlösers fleh' ich zu dir, Vater der Menschen! von dem Leben, Wiederceburt und Heiligung kommt; zu dir, Gott der Weisheit, daß du den geringsten deiner Strahlen in mein Herz sendest deine Gedanken an die Stelle der meinigen, deine Worte an die Stelle der meinigen sehest, mein ganzes Wesen erneuerest, und mir geistiges Leben und Licht gebest! Meine Hoffnung auf dich ist ohne Gränzen; denn wär' ich auch in den Abgründen des Todes, so würde doch meine Stimme zu deinem Throne dringen durch den Namen des Erlösers; du würdest mich retten, daher mein Glaube, meine Hoffnung, meine Liebe. Leite mich also, Allweiser! und gib nicht zu, daß sich meine Vernunft über ihre Schranken er= hebe. Leite du meinen Willen nach den Gesezzen deines Lichts, und laß mein Herz, meinen Geist, schnell den Trieben dieses Willens folgen. 105 Vor dir, Unbegreiflicher, erstaunt des Menschen Vernunft. Mein Herz strebt zu dir; o ziehe es immer mehr und mehr zur Urquelle deines Lichtes hin, bis die sehnsuchtsvolle Seele sich aus ihrem Kerker in die Geisterheimath schwingt, und sich dir naht, der du warst, bist, und ewig seyn wirst. Amen. Gebet zur Mutter Gottes. Allerfeligste Jungfrau, du Mutter meines gőttlichen Erlösers, und in dieser Eigenschaft von den Engeln und Menschen der tiefsten Verehrung würdig! ich wende mich zu dir, um deiner Heiz ligkeit die gebührende Huldigung zu leisten, und mir deinen mächtigen Schuß zu erbitten. Gegrüßet feyst du, Maria. Ich erkenne und verehre dich als eine Mutter Gottes, meines Heilandes. Ich erkenne und ver= chre dich als meine wirksamste Fürsprecherin bei dem Throne meines Gottes, und empfehle mich deinem Schuße und deiner Fürbitte. Du bist voll der Gnaden. Gott hat dich mit seinen Gnaden erfüllt. Er hat dich unbefleckt und rein von allen Sünden erhalten, hat dich mit allen den Tugenden und Vollkommenheiten, die einer Mutter seines Sohnes eigen seyn mußten, ausgeziert. 104 Der Herr ist mit dir. Er war stets mit dir, und nie hat eine Sünde dich von ihm getrennt. Er war dein ganzes Leben mit seinem Schuße und seiner Gnade mit dir; und er ist noch, und durch alle Ewigkeit in der Fülle seiner Glorie und Herrlichkeit mit dir. Du bist gebenedeiet unter den Weibern. Gott hat dich gebenedeiet, und aus Ullen dei-. nes Geschlechtes zur Mutter desjenigen erwählt, durch den alle Völkerschaften gesegnet werden follten. und gebenedeiet ist die Frucht deines Leibes Jesus. Durch ihn wurdest du gebenedeiet; wir benedeien ihn mit dir, und benedeien dich um seinetwillen. Glückselig ist der Leib, der ihn getragen hat! Glückselig sind die Brüste, die ihn gesäugt haben! Noch weit glückseliger aber bist du, die du ihn stets geliebt und gehört, und das Wort Gottes bewahrt hast. Heilige Maria, Mutter Gottes. Die du Jesum Christum, der da Gott ist, empfangen und geboren hast! deine Fürbitte vermag alles bei deinem Sohne, alles dei dem Allmächtigen; und deine Güte gegen die Menschen gleicht deiner Macht im Himmel. 105 Bitte für uns. Erbitte uns bei Gott alle Gnaden, deren wir bedürfen, um ihm wohlgefällig zu seyn, und erwirb uns durch deine Fürbitte, daß wir Zutritt zu ihm haben. Durch Jesum Christum deinen Sohn, unsern Heiland und Erlöser. Urme Sünder. Unserer Sünden wegen sind wir unwürdig, uns unmittelbar zu Gott zu wenden, und die uns so unentbehrlichen Gnaden zu erflehen. Erbitte du uns die Gnade wahrer Buße, und Verzeihung unserer Missethaten. Sest und in der Stunde unseres Absterbens. Umen. Erbitte uns die Weisheit, die den Verstand erleuchtet, und in der Gottseligkeit unterrichtet. Erbitte uns eine eifrige, standhafte und aufrichtige Frömmigkeit, die Gnade, deinen heiligen Tugenden nachzuahmen; stärke uns in unserm Glauben, in unserer Hoffnung, in unserer Liebe, und errege in uns einen unüberwindlichen Abscheu gegen die Sünde. Vorzüglich aber erbitte uns die Beharrlichkeit im Guten bis an unser Ende, und die Gnade, mit Gott vollkommen ausgeföhnt, und, durch einen würdigen Genuß des heiligen Abendmahls gestärkt, den Tod des Gerechten zu sterben. Amen. 106 Meßgebete. Beim Eintritt in den Tempel. Mein Gott! da ich in deinen Tempel trete, gib mir Erkenntniß, daß ich dich im Geiste und in der Wahrheit anbete. Flöße mir reine Begriffe von der Hoheit deines Wesens ein, damit mein Herz dich nicht wie einen Menschen ansehe, der den Großen der Erde gleicht, deren Größe nur das äußerliche ausmacht. Gib mir zu er= kennen, daß Unschuld der Sitten und ein reines Herz das erste Opfer sind, das du von uns forderst, und daß Gold und Silber in deinen Augen keinen Werth haben. Lehre mich deine Größe ken= nen, und erleuchte meine Seele, damit ich erkennen lerne: daß ein reines Herz die schönste Gabe, die Reue das beste Versöhnopfer, und die Bruderliebe das prächtigste Geschenk ist, das ein Sterblicher dir bringen kann. Herr, ich will dich deiner Antwort erinnern, die du der Sa mariterin gabst, als sie dich fragte, ob man auf dem Berge Zion oder auf dem Berge Semeron dich anbeten müsse, und du ihr antwortetest, daß die wahrhaften Anbeter Gott im Geiste und in der Wahrheit anbeten. Gib mir also deine Gnade, daß ich dich im Geiste und in der Wahrheit anbete. Vergebens schmückt ihr die Altäre; Umsonst wird euer Rauchwerk seyn, Wenn Menschen nicht zu Gottes Ehre Ein reines Herz als Opfer weihn. Vergebens dampfen tausend Kerzen, In goldnen Leuchtern aufgestellt; Gott sieht das Innere der Herzen! Nur Andacht ist's, die ihm gefällt. Gold, Diamant und Silberwerke, Sind in des Schöpfers Auge Staub, Nur Unschuld gibt der Undacht Stärke: Sonst ist sein Ohr für Menschen taub. Das gute Herz, die reine Sitte, Sind was dem Ewigen gefällt: Der Unschuld Lallen ist schon Bitte Für ihn, der ihre Seufzer zählt. Was nüßt's, wenn ihr zum Himmel betet, Und Gottes Tempel prächtig schmückt, Wenn eure Hand von Blut noch röthet, Mit der ihr Arme unterdrückt? Wenn ihr die Treu' dem Fürsten brechet, Und seine Gütigkeit bethört, Und nie das Wort der Unschuld sprechet, Und nie das Fleh'n der Waisen hört? Wenn ihr nur Geld zu haschen suchet; Dem Laster Unterstügung gebt? Wenn euch die ganze Gegend fluchet, Wo ihr zur Straf' der Menschheit lebt? Und ihr glaubt doch, ach ihr Verworr'ne! Daß Gott so niedrig, wie ihr denkt? Ihr glaubt zu weichen. seinem Zorne. 107 103 Wenn ihr nur seinem Tempel schenkt? Ihr seyd bei Mord und Raub gewesen; Ihr brecht die Pflicht, das Wort, die Treu', Und lasset wieder Messen lesen, Und glaubt, daß dieß gebessert sey? Elende! ist dieß Christus Lehre? Kann man den Tempel so entweihn? In eure Herzen baut Altäre! Dort will Gott angebetet seyn. Verzeiht dem Feind, liebt eure Brüder; Und habt ihr eure Pflicht gethan. Dann kommt erst in den Tempel wieder, Und zündet Gott das Opfer an! Vorbereitungsgebet jur heil. Meffe. Herr laß mich überdenken die Wichtigkeit des heiligen Meßopfers; überdenken die Größe deiner Liebe! Der Priester geht zum Ultare. Du heiligster der Heiligen! reinste Tugend! Beispiel reinster Liebe! Du wandeltest verborgen in der Hülle des Menschen auf der Erde, um uns Glückseligkeit zu lehren. Sanft breitetest du dein Licht über die Finsternisse; aber die Menschen haben dich nicht erkannt, und hasten den, der sie liebte, tödteten den, der sie retten wollte. Erlöser der Menschen, du übersahest den Undank, der deiner wartete; da Gram und Trübfal dein liebevolles Herz erfüllte, betetest du, Heiliger, zum. Himmel. 109 Du, Erlöser der Menschen, sollst immer mein Vorbild seyn! Auch ich will dir ähnlich werden, will die Menschen lieben, wenn sie auch meine Liebe mit Undank vergelten werden, und all mein Trost in meiner Trübsal soll der Trost des Gebetes seyn. 3um Kyrie. Herr ich rufe um Erkenntniß zu dir; gib mir deine Gnade, das Wahre zu erkennen, und des Gute auszuüben. Herr! ich erkenne, daß ich ohne dich nichts bin. 3um Gloria. Lob und Ehre sey dir in den Himmeln, und Friede den Menschen auf der Erde! Bilde meine Seele, du Schöpfer des Menschenglückes, zur Friedfertigkeit und Liebe, und bewahre mein Herz vor jeder unedlen Neigung. Laß mich Versöhnung unter die Menschen bringen, die sich hassen, und Liebe unter die, die sich verfolgen. Erleuchte die Herzen der Fürsten, damit sie die Menschheit ehren, und das Blut ihrer Unter= thanen schonen. Laß sie einsehen, daß der ge= ringste Mensch in deinen Augen so viel Werth als ein König hat, und stimme sie zur göttlichen Harmonie deiner Liebe. 110 Der Herr sey mit euch! Segenswunsch des Priesters an das Volk. Mein Gott! erleuchte meine Seele, daß ich den Segenswunsch des Priesters tief in meinem Herzen erwäge. Der Herr sey mit euch! das will sagen: der Gott der Liebe sey immer unter euch Menschen! Laß mich dieses oft erwägen, damit alle meine Handlungen keine andere Absicht, als die Erfüllung deines heiligen Gesebes haben, das die reinste Liebe ist. Episte 1. Ewiges, unerschaffenes Wesen! weiser Schöpfer deines ungeheuern Weltgebäudes! laß mich überdenken, daß deine Güte diesen schönen Schauplak allen Menschen zur Wohnstätte angewiesen hat; laß mich zu dir beten, als meinem Herrn, und dich lieben, als den Vater aller Wesen. Ja, du bist eben so gütig, als du groß bist; alles fagt es mir, hauptsächlich mein Herz. O daß dich doch jeder Mensch nach seiner Art, und nach dem, was ihm sein Herz am zärtlichsten und brünstigsten eingeben kann, verehren möcht! Du würdigst dich, Schöpfer der Welten! mit uns durch die laute Stimme der Natur zu sprechen. Unser ganzer Dienst ist, daß wir dich anbeten, die danken, zu deinem Throne schreien, daß wir schwache, elende, eingeschränkte Geschöpfe sind, und daß wir deiner hilfreichen Hand 111 nöthig haben. Berstreue, Herr! die Finsternisse meines Geistes, und du wirst mich gehorsam in deinen Geboten finden. Nimm das Opfer meines Herzens, das ich dir heute darbringe; was kann ich dir mehr geben, als mein Herz? Und gefällt dir dieses schwache Opfer, das ich deiner Größe, deiner wahren väterlichen Liebe schuldig bin, so gib mir die Standhaftigkeit, in diesen ehrerbiethigen Gesinnungen, die mich erfüllen, zu beharren. Erhalter des Menschengeschlechts! du, der du es mit einem Blicke umfaffest, gib doch, daß die Liebe ebenfalls die Herzen aller Bewohner dieser Erde umfasse; daß sie einander alle wie Brüder lieben; daß sie dir einműthig eben den Lobgefang der Liebe und des Dankes bringen. Führe uns an deiner Hand, daß wir von den Wegen der Liebe nicht abweichen. Unterstüße uns, und wenn wir uns zum Falle neigen, ziehe uns mit mächtiger Hand zurück. Wirke in uns das Wollen und das Vollbringen. Amen. Evangelium. Herr! deine Weisheit beschämt alle irdische. So wie du sprichst, hat noch kein Mensch ge= sprochen. Deine Worte sind Worte des Lebens. Laß mich vor der ganzen Welt bekennen, daß ich dein Anähnger bin, der Anhänger des Wahren und des Guten. Laß mich nicht nur mit 62 112 dem Munde dein Evangelium verkündigen, son dern gib, daß deine heiligen Grundsäße in mein Herz übergehen, und daß ich sie durch Thaten der Liebe werkthätig mache. Amen. Kredo. Ich glaube an dich, mein Gott! aber wie kann ich das sagen, wenn meine Werke deinem Glauben widersprechen? Laß mich also die Natur des Glaubens erkennen, und gib mir ein demüthi ges und beruhigendes Zutrauen zu dir, daß du mich von allem, was mich hier und dort un glücklich machen könnte, befreien, hingegen zeitlich und ewig glücklich machen wirst. Laß durch deinen heiligen Glauben unausbleiblich die Liebe zum Guten in meinem Herzen entstehen, damit ich meinen Willen nur auf das lenke, was wahr und gut ist. Gib mir eine ernstliche und wohl überlegte Entschlossenheit, daß ich die Vorschriften des Menschen Erlöfers und sein heiliges Leben zur Richtschnur meines ganzen Verhaltens mache, und dieselben in allen Stücken befolge. Uufopferung des Brodes und Weines. Gott! die Vermischung des Wassers mit dem Weine ist ein Sinnbild der Vereinigung der göttlichen Natur mit der menschlichen, unsers Opfers mit dem Opfer des Erlösers. Herr! laß dir mein Herz zum Opfer bringen, und gib, daß, wie der Priester den Wein mit dem Wasser ver= 113 einigt, ich mit der Erkenntniß des Wahren die Ausübung des Guten vereinige. Präfation. Mein Gott! laß mich bedenken, was die christliche Tugend sen, und was es heiße ein Christ seyn. Die christliche Tugend ist eine Fertigkeit, nach Jesu Vorschrift und Muster zu denken und zu handeln. Ein Christ seyn, heißt also Christo nachfolgen, seinem Muster nachahmen, ihm an Geist und Leben ähnlich seyn: und diese Nachfolge besteht in dem ernstlichen, thätigen, unaufhörlichen Bestreben, ihm theils in seinem frommen und tugendhaften Sinne überhaupt, theils in seinem Verhalten gegen Gott und Menschen, gegen Freunde und Feinde, Beruf und Geschäfte, Wahrheit und Irrthum, Tugend und Laster, Ehre und Verachtung, Reichthum und Armuth, Freuden und Leiden, Leben und Tod, Zeit und Ewigkeit, ähnlich zu werden, so daß sich zwischen uns und Jesu, zwischen seinem und unserm Herzen, zwischen seinem und unserm Verhalten eine große und merkliche Aehnlichkeit finde, und wir zu allen Zeiten, und unter allen Umständen so denken, urtheilen, reden, handeln, leben und sterben, wie er gedacht, geurtheilt, geredet, gehandelt, gelebt hat und gestorben ist, oder an unserer Stelle gethan haben würde, damit unser Inneres sich ganz nach seinem Charakter bilde. Gib mir also, mein 63 114 Gott! die Gnade, daß seine Gesinnungen und sein Verhalten bei seinen Geschäften und Erhohlungen, in der Einsamkeit und in der Gesellschaft seiner Freunde und Feinde, in seinem Leben und in seinem Tode, auch die meinigen seyn mögen. Laß mich so denken und handeln, wie er gedacht und gehandelt hat, und laß diesen Gedanken mich überall begleiten, und den festen Entschluß, ihm ganz ähnlich zu werden, gleichfam meinen beständigen Führer auf der Bahn der Rechtschaffenheit seyn. Dann werde ich würdig werden, mit deinen heiligen Engeln zu sprechen: Sanktus. Heilig, heilig, heilig ist der Herr Gott Saz baoth! Himmel und Erde sind seiner Herrlichkeit voll! Hosannah in der Höhe! gebenedeiet sey, der da kommt im Namen des Herrn! Hosannah in der Höhe! Der Priester betet im Stillen. Gebet um Gnade zur Erfüllung seiner Berufspflichten. Mein Gott! laß mich den Umfang meiner Pflichten erkennen in dem Stande, in den du mich gesetzt hast, und stärke mich zur Ausübung derselben. Mache mich zum gesegneten Werkzeuge deiner Wohlthätigkeit, und laß mich einsehen, daß dort, wo ich Gutes thue, du mich an diese 115 Stelle gefest hast, weil du allein der Herr und Vater des Guten bist. Laß mich erkennen, daß alle Menschen deine Kinder sind, und daß un-= ter diese Zahl auch die gehören, die du mir gegeben hast. Du vertrautest also dem Bruder. seine Brüder; Liebe muß daher meine erste Sor= ge, meine erste Pflicht seyn. Verleihe mir Weisheit und Güte, die Zierden deines Thrones, und laß mich dir durch Liebe ähnlich werden, daß ich so viele Menschen, als in meiner Macht steht, glücklich mache. Sende, Unendlicher! den Strahl deines Lichtes in mein Herz, und erfülle es mit Klarheit, damit ich sehe und erkenne, was in deinen Augen angenehm ist. Laß mich täglich den Gedanken denken, daß meine Untergebenen meine Brüder und deine Kinder sind, die du, Va= ter aller Menschen, meiner Obsorge anvertraut hast. Meine Seele soll sich nie vom Stolze der Welt blenden lassen, nie sich einbilden, daß ich einen Werth in deinen Augen habe, wenn ich nicht in Güte und Liebe vor dir wandle. Laß mich lebhaft fühlen, welchen Werth der Mensch hat, damit mein Herz die Menschheit nie beleidige. Gib mir Klugheit, den Tugendhaften zu erkennen, und ihn zu schäßen; Gerechtigkeit ge gen den Unterdrücker, und sanfte Schonung gegen den Verbrecher, der nie aufhört, Mensch und mein Bruder zu seyn. Wenn es mein Amt erfordert, daß ich als Richter oder als Hausva64 116 ter strafe, so laß mich denken, daß die Strafe nur den Endzweck der Menschenbesserung has ben kann; laß mich denken, daß man strafen, aber nie sich rächen müsse. Behüthe mich vor Stolz, damit ich mir nicht einbilde, ich sey ein besserer Mensch als ein anderer, und gib mir Stärke, daß ich dem Volke mit gutem Beispiele vorgehe. Gib mir ein Herz nach deinem Willen, mein Gott! und laß mich meine Größe darin finden, viele Menschen glücklich zu machen, und groß in meiner Seele zu seyn. Gib meinem Auge Sanftmuth, das mit es sich zu dem Elende der Hütte herablasse, und gütig den Bedrängten ansehe. Mache mein Ohr willig zu dem Flehen der Armuth, und taub zu den Lobeserhebungen der Schmeichler. Meine Hände sollen jeden liebreich em pfangen, der Hilfe bei mir fucht, und mein Herz jedem Menschen offen seyn, wenn er meines Trostes nöthig hat. Laß mich die Wahrheit schätzen, die Vorurtheile bekämpfen, die Irrthümer zerstören; laß mich Wohl und Segen verbreiten auf der Erde. Segne, Allmächtiger! mein gan zes Haus,( meine Ehe, meine Kinder; sey du ihnen Vater; gib ihnen guten Sinn, und leis te sie auf den rechten Weg.) Und dann, wenn ich mein Tagwerk vollendet habe, so laß mich auch Erbarmen bei dir in der Stunde des Todes finden. 117 3ur Wandlung. Herr! ich bete dich an im Glauben und in Demuth; du bist meine Zuflucht, meine Hoffnung, meine Liebe. Aufhebung des Kelchs. Erlöser der Menschen, der du für uns starbst! der du dich für uns hingabst zum Opfer der Sünde, laß mich erkennen, daß Bosheit deine Güte mißkannte, und die Sünde dein Blut vergoß, und laß mich mein Leben hindurch nie Antheil an deiner Beleidigung haben; laß mich erwägen, daß du ganz Liebe warst, und daß du als Sühnopfer am Altare der Liebe sankst. Nach der Wandlung. Erneuerung des Taufbundes. Mein Gott! dir ist mein Herz bekannt, und die Aufrichtigkeit meiner Seele. Ich gelobe dir, dich als das lebte Ziel meines Dafeyns, meiner Bestimmung, meiner Begierden und Wünsche stets vor Augen und in meinem Herzen zu haben, dich als meinen Oberherrn anzubeten und zu fürchten, auf dich, als meinen und der ganzen Natur Erhalter, zu hoffen und zu vertrauen, und in deiner Weisheit, Macht und Güte allein Trost und Hilfe zu suchen. Dein Wort soll mir über alles heilig, dein Geset eis ne unverbrüchliche Lebensregel, dein Wille in allen Schicksalen, in allen sowohl glücklichen als 65 118 widrigen Ereignissen des Lebens der erste und heißeste Wunsch meines Herzens seyn. Alles was ich bin und habe, sey dir, du Geber ale les Guten, hiermit aufs Neue in deine Bas terhände überliefert. Mein Leib sey ewig eine Wohnung deines heiligen Geistes, meine Seele ein unbeflecktes Ebenbild deiner Vollkommen= heiten! mein Verstand unabläßig mit der Erforschung und Erkenntniß dieser Vollkommenheiten beschäftigt, und aller meiner Begierden und Ges müthsbewegungen vornehmster Gegenstand sen du, o Gott meines Heils! Was ich nur immer Gutes thun werde, daran soll künftig kein niedriger Eigennuk, oder irgend ein Verlangen nach Menschengunst oder Menschenlob Antheil haben, sondern es soll dir allein, der Verherrlis chung deines Namens, dem Wohl meiner Mitmenschen, und der Ausbreitung der Religion und Tugend geheiligt seyn. Wider alles Böse, so ich in mir oder außer mir finden werde, eifrigst zu kämpfen, Lastern und Unordnungen, wo ich deren antreffen werde, aus allen Kräften entgegen zu arbeiten, jedes Gute nach meinem Ver= mögen zu befördern, und der Tugend treue Anhänger zu verschaffen, darauf soll künftig mein vorzüglichstes Bestreben abzielen. Vater unser. Mein Gott! welch ein Glück für uns Sterbe 119 liche, wir dürfen dich Vater nennen. O wie viel= bedeutend ist dieser Name! Du bist unser Va= ter; wir sind also deine Kinder. Der Himmel, wo du wohnst, soll einst mein und meiner Brüder Erbtheil seyn. Möchten doch alle Menschen, deine Kinder, dich erkennen, dich ehren, dich lieben! O Vater der Menschen! breite das Reich deiner Gnaden immer weiter aus, und führe alle Menschen zu deiner Erkenntniß. Laß mich immer erkennen, mein Gott, daß alles, was du über Menschenschicksale verfügst, ein Werk deiner Güte und Liebe ist. Mit Demuth will ich mich deinen heiligen Fügungen unterwerfen, dich lieben und anbeten. Nie soll mein Wille, sondern nur der deinige geschehen. Mein Gott! gib jedem meiner Mitmenschen Brod und Nahrung; nicht nur Brod zur Erhaltung ihres Lebens, sondern auch Brod der Seele, damit ihr Geist Nahrung finde. Vom Herzen verzeih' ich allen, die mich beleidigt haben; Vater verzeih auch du mir nach deinem Worte; gib Stär= kung meinem Geiste zur Zeit der Versuchung; rette und bewahre mich vor allem Uebel. Amen. 3um Ugnus Dei. Unschuldig und duldend, wie ein Lamm auf der Schlachtbank, trugst du die Sündenlast der Welt, Erlöser der Menschen! Du, der du es mit der Menschheit so redlich meintest, wurdest 120 von denen getödtet, die du liebtest. Noch im Tode liebtest du, und lächeltest Verzeihung deinen Feinden zu. Herr! laß dein Bild mir immer zum Muster meiner Handlungen dienen, damit ich dir ähnlich werde. Sende mir jenen seligen Frieden, den du allein geben kannst, und der mir alles Heil verschafft. Amen. 3ur Kommunion. Wenn ich deine Größe betrachte, mein Gott, so fühle ich ganz meine Nichtigkeit. Ich rufe daher von der Ferne zu dir: Herr! wenn du willst, kannst du mich reinigen. Heile meine Franke Seele, und bereite sie dir zu einer heiligen Wohnung. Laß mir die Kraft deines le= bendigmachenden Brodes so angedeihen, als wenn ich es wirklich genossen hätte. Stärke mich zur Erfüllung meiner Pflichten, zum Fleiße in allem Guten, zum Kampfe wider die Sünde. Vereinige mich ganz mit dir; nichts soll mich von deiner Liebe scheiden. Amen. Beim Gebete des Priesters. Gott der Liebe! der Gedanke an dich erfreut meine Seele. Es wird meinem Herzen so wohl, wenn ich an dich denke, daß du der Gott meines Heils, ein so gütiger, freundlicher Gott bist. Von Ewigkeit her liebtest du mich, sorgtest für mich, ehe ich noch war. Du gabst mir gute Et= tern, sorgfältige Freunde, legtest ihnen Mitleid, 121 Geduld und Liebe für mich ins Herz, als ich noch ein Kind war, unfähig, mein Leben selbst fortzubringen. Du sandtest deinen Engel vom Himmel, der mich von der Wiege an bewachte, auf meinen Wegen begleitete und schüßte. Sey gepriesen, Gott meines Heils, für alle Beweise deiner Güte, von welcher jeder Augenblick meines Lebens zeugt. Sen gepriesen für jede frohe Stunde, die du mir gabst, für jede ruhige Nacht, die ich durchschlummerte; sey gepriesen für jeden Sonnenblick, der mich erfreute; für jeden Trunk, der mich erquickte; für jede Speise, die mich stärkte; für jedes Vergnügen, das meinem Gemüthe oder meinen Sinnen gewährt ward. Vorzüglich aber preise ich dich, daß ich ein Herz habe, dich zu lieben, und eine Zunge, dein Lob zu verkündigen. 3um Segen des Priesters. Segne, mein Gott! meine heiligen Vorsäge und Entschließungen; segne meine Arbeit und mein Brot. Segne mich und die Meinigen, und alle Menschen, an Leib und Seele, und dein Segen weiche nie von uns. Amen. 3 um lekten Evangelium. Laß mich erkennen, mein Gott! daß nur deine Lehre die Menschen zum wahren Glücke führt: laß mich jedem Scheinglücke entsagen, und gib mir die Gnade, daß ich einsehe, daß meine Selbstliebe, und die Liebe der Welt mich von meiner gro= 122 ßen Bestimmung entfernt haben. Laß jede meiner Handlungen rein seyn, wie der Morgenthau, den du über deine Schöpfung herabgießest, und gib, daß ich mein Herz zum Tempel umschaffe, der deiner Wohnung würdig ist. Amen. Beichtgebete. Gib mir die Gnade zu erkennen, mein Gott, was die Buße sey. Die Sünden bekennen, heißt noch nicht Buße thun; denn, wenn der Mensch die Sünden bekannt, aus demüthigem Herzen um Vergebung gebeten hat, von denselben absteht, und ein neues Leben der Liebthätigkeit und des Glaubens führt, dann erst wirkt er Buße. Der also, der das Böse, das er in sich hat, erkennt, bereuet, sich davor hüthet, und den Herrn um Beistand und Hilfe bittet, der thut Buße. Laß mich also erkennen, mein Gott! daß die Buße des Mundes keine Buße sey. Um Erleuchtung bei Erforschung des Gewissens. Gott des Lichts! du kennst jede Tiefe meines Herzens, und alle meine Sünden stehen vor dir aufgezeichnet. Erleuchte mich, damit auch ich sie erkenne, und über meinen bisherigen Lebenswandel strenge Rechenschaft mit mir selbst halten möge. Ich will in mein Innerstes dringen, und meiner Verbrechen keines übersehen, um jedes der 123 felben mit aller Zerknirschung, deren meine Seele fähig ist, zu bereuen. Deine Gnade leite mich bei diesem Selbstgerichte, und der heilige Geist, den du durch den Mund deines Sohnes allen, die dich darum bitten werden, versprochen hast, komme über mich, damit es Licht werde in meiner Seele, und ich erkennen möge, wie oft, und wie schwer ich mit Gedanken, Worten und Werken gegen dich, ge= gen meinen Nächsten, gegen mich selbst gesündiget habe. Leichte und vernünftige Anweisung fein Gewiffen zu erforschen. Wie habe ich diese Zeit her gelebt? Wie ha= be ich jedesmal den Tag angefangen und zugebracht? War es einer der verlornen für die EwigFeit? Könnte ich mit diesem Tage die ganze Reihe meiner Tage beschließen? aria) Wie stand mein Herz gegen Gott? Dachte ich an seine Allgegenwart? Güte? an sein heiliges Gesek? Redete ich gern davon? Betete ich, und wie? Dankte ich für so viel Gutes, das ich genoß? Was habe ich meinem Gotte zu Liebe gethan? Folgte ich seinen Einsprechungen? Wie verhielt ich mich gegen meine Mitmenschen? War nie Bitterkeit, Haß, Rache, Verachtung, Schadenfreude, Argwohn in meinem Herzen? Ist es jest frei davon? 124 Habe ich Niemanden betrübt, oder beleidigt? betrogen, mißhandelt, unterdrückt? Niemanden ( auch stillschweigend mit Hohnlächeln, Achsetzucken, bedeutenden Mienen) verläumdet, seine Fehler verbreitet? Niemanden Leid oder Schaden gethan? Habe ich das Unrecht auch wieder gut gemacht? Werde ich es, und wie? Habe ich Niemanden zur Sünde gereizt oder veranlaßt? Aergerniß und übles Beiſpiel gegeben? Habe ich eine Seele erfreut, einem Nothleidenden geholfen, einen Armen erquickt? War ich gern gefällig, dienstfertig, mitleidig? Was kann ich Gutes aufweisen, das ich gethan habe? Wie habe ich meine Standespflicht erfüllt? Wird der Herr mit meinem Tagewerke zufrieden seyn? Kann ich's mit mir selbst seyn? Wie verhielt ich mich in Freuden und Leiden? War ich in jenen mäßig und demüthig, und in diesen geduldig und gelassen? Was war der Gegenstand meiner meisten Gedanken und Wünsche? Dürfte ich sie öffentlich gestehen? habe ich nichts begangen, das mich vor mir selbst schamroth macht? Habe ich meiner herrschenden bösen Neigung und Gewohnheit Abbruch gethan? Wie habe ich meine Vorfäße gehalten? War's Schwachheit oder Muthwille, oder Leichtsinn, was mich zum Falle brachte? Erkannte und bereuete ich den Fehler doch gleich wieder? Bin ich jest besser oder verkehrter geworden? 125 Wie steht es um mein Herz? Wäre ich bereit, wenn mich Gott in dieser Stunde zu sich riefe? Nette. Mein Gott! ich erkenne, daß ich oft deine heiligen Gebote überschritten habe; ich fühle meine Strafwürdigkeit, erkenne, daß ich dir, mein Herr und Gott, unendlich mißfallen habe. Du, Gott der Liebe! haft für meine Bedürfnisse so väterlich gesorgt, und mich unter unaufhörlichen, von mir meist verkannten Wohlthaten bis auf diesen Augenblick erhalten. Du hast mir nach dieser Wanderschaft das ewige Leben verheißen, und eine Seligkeit, die noch kein irdisches Auge gesehen, kein Ohr gehört hat, und die nie in eines Menschen Herz gekommen ist. Du hast den Erlöser bis zur Menschheit erniedrigt, und ihn, damit ich ewig leben möchte, dem schmäh= lichsten Tode übergeben. Du hast dafür nichts anderes von mir verlangt, als daß ich dich über alles, meine Mitmenschen aber wie mich selbst lieben, und das Gute in der Welt thun foll, weil es gut ist, und ich nichts Besseres, nichts Seligeres thun kann; und diese väterlichen Gebote, ohne deren Befolgung ich weder zeitlich noch ewig glücklich seyn kann, habe ich so vielmal, so leichtsinnig, so vermessen übertreten! Mein Gewissen zeugt laut wider mich, und ich kann nicht anders als wehmüthig zu dir aufru 126 fen: Herr! sey mir elendem Sünder gnädig! Behandle mich nicht nach deiner Gerechtigkeit, sondern nach deiner unendlichen Erbarmung. Dir allein habe ich gesündigt, und Böses vor dir gethan; tilge meine Misfethaten, und gedenke ihrer nicht mehr. Du siehst die Willigkeit meines Geistes, siehst mein aufrichtiges Bestreben nach Reue über meine Sünden; aber alles ist schwach und unvollkommen in mir, und ich habe nichts, womit ich deiner Gerechtigkeit genug thun könnte. Nur das Opfer, welches dir der Menschen Erlöser gebracht hat, kann meine Schuld hinweg nehmen; er ist der Mittler zwischen dir und mir; er hat deiner Gerechtigkeit genug gethan. Laß mir, versehnter Vater, die Kraft seines Todes zu Gute kommen. Vorsak der Besserung. Gott der Liebe! oft habe ich dir Besserung versprochen, aber allemal wieder mein Gelübde gebrochen, und die Wege deiner reinen Liebe verlassen. Selbstliebe und die Liebe der Welt haben mich von dir entfernt. Schöpfer aller Wesen, laß mich erkennen, daß mein Glück nur deine Liebe mache. Vater der Menschen! ich will das Maß meiner Sünden nicht voll ma= chen, und deine Güte nicht länger mißbrauchen. Mein Vorsatz ist, dir zu gehorsamen, und deinen Geboten treu zu leben. Doch, Herr! 127 was find meine Entschlüße ohne deine Gnade? Ich meine es zwar aufrichtig; aber ich erkenne, daß ich schwach bin, und daß ich ohne deinen Beistand nichts vermag. Unterstüße du mich im Kampfe gegen meine bösen Neigungen, und wenn meine Kräfte zu wanken beginnen, so kom me mir zu Hilfe; denn auch in den Schwachen bist du der Gott der Stärke. Du allein bist mein Herr; auf dich will ich vertrauen, und unter deiner Leitung die Wege dieses Lebens wandeln. Amen. Sebet nach der Beichte. Herr! ich habe nun, meine Sünden bereuet, sie aufrichtig bekannt, und mich der auferlegten Buße mit Demuth unterworfen. Mit Zuversicht hoffe ich auf dich, mein Gott! daß die Lossprechung, die mir dein Priester gab, auch von dir in den Himmel wird bestätiget werden! Deine Barmherzigkeit ist unendlich, und du verstoßest den Sünder nicht, der aus der Tiefe feines Elends zu dir um Gnade fleht. Amen. Gebet vor der Kommunion. Nehmet hin und effet! das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; dieß thut zu meinem Gedächtnisse! Dieß ist der Kelch, der neue Bund in meinem Blute, das für euch vergoffen wird; trinket alle daraus. Ich bin das lebendige Brod, das 128 vom Himmel gekommen ist; wer davon ist, wird in Ewigkeit leben; und das Brod, das ich geben werde, ist mein Fleisch. Wer mein Fleisch ist, und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben; er bleibt in mir und ich in ihm; denn mein Fleisch ist wahrhaftig eine Speise, und mein Blut wahrhaftig ein Trank. Ewige Wahrheit! dieses sind deine Worte, und du kannst unmöglich trügen. Deine Worte find Geist und Leben: fürwahr! du bist der verborgene Gott; der Gott meines Heils, auf den ich vertraue. Auf dich allein baue ich den lebendigen Glauben, mit dem ich mich jetzt dem heiligen Gedächtnißmahle deines Todes nähere. Verz schmähe nicht mein sehnliches Verlangen nach deiner innigsten Vereinigung, sondern komm und laß meinem Haufe Heil widerfahren. Findest du, mein Gott! daß etwas an mir ist, das mich dieser Gnade unwürdig macht, so bitte ich dich, um deiner Liebe willen, reinige mich, damit ich dem Verräther nicht gleiche, der mit dir am Tische saß. Flöße meinem Herzen Des muth, Andacht, Ehrerbietung und jene Versammlung des Geistes ein, welche die Heiligkeit dieser hohen Geheimnisse fordert. Laß mich, so weit ein menschlicher Verstand sich zu deiner unermeßlichen Höhe emporschwingen kann, den Werth deiner göttlichen Wohlthat erkennen, und mich von dem Uibermaße deiner unendlichen Erbarmung 129 durchdrungen werden, damit ich deines Tisches nicht unwürdig sey. Amen. Unbetung. Gott! für dich ist mein Seyn und mein Leben nichts; aber für mich bist du alles. Du bist Gott, wenn meine Gebeine schon lange nicht mehr Mens schengebeine sind. Ich komme von der ganzen Er de zurück, und suche dich. Ist bei dir keine Säte tigung, so ist in der Welt keine, dann wäre mir das Leben zur Marter gegeben; dann lechz' ich ewig, und bin unglücklich. Herr! du kennst mein Herz mit allem Guten und Bösen. Uiberzeugt, daß nur du, nicht Menschen, nicht Kaiser und Könige meinen Ruhm befestigen können, bitte ich dich um Weisheit und Ruhe. Gott! sende sie mir in meis ne dürstende Seele. Kannst du das Geschöpf von dir stoßen, wenn es sich vor dir demüthigt? O Gott! du kennst die Bewegungen des Firmaments, und das Fallen des Blattes im Walde; überhöre im Triumphliede deiner Engel den Menschen nicht. Du, der du dem Wurme, der zu meinen Füßen kriecht, Nahrung und Leben gibst, verstoße das Geschöpf nicht, das du nach deinem Ebenbilde erschufst, und das dich anbetet. Nach der Kommunion. Herr! welchen Dank kann ich dir für deine Gnade bringen? Wie arm bin ich! alles, was ich habe, ist ja dein; selbst der Gedanke, der zu 130 dir aus meiner Seele aufsteigt, ist dein Werk! Nichts als ein demüthiges, von dem Gefühle deiner Wohlthaten durchdrungenes Herz, kann ich dir zum Opfer darbieten, und mein Glaube gewährt mir die trostreiche Versicherung, daß du dieses Herz nicht verschmähen wirst, nachdem du dich so liebevoll zu mir herabgelassen hast. Weihe mein Herz, Erlöser der Menschen, zu deinem heiligen Tempel ein, und schmücke es mit Tugenden aus, die dir wohlgefallen. Amen. Gebet für seinen Freund und Wohlthäter. Gott der Liebe! dir habe ich das sanfte Gefühl der Freundschaft und der Liebe zu verdanken. Du legtest es in mein Herz, und gabst mir die seligste Menschenwonne. O Schöpfer des Menschenglücks! gieße Segen und Heil über den herab, den meine Seele liebt! Bewahre ihn vor den Gefahren des Lebens, und schüße ihn, daß kein Leid dem Redlichen widerfahre. Die Sonne gehe jeden Tag heiter über seinen Scheitel auf, und Vergnügen lächle sein Mund, bei der Abendröthe. Wenn er schläft, so gib ihm gute Träume, und gieße Freuden in sein Herz, wenn er am Morgen wieder aufwacht. Führe ihn auf dem Pfade des Lebens, und gib nie zu, daß Gram und Sorgen seine Stirne falten. Nie zittre die Thräne des Elends auf seiner Wange, und nie drücke Krankheit oder Armuth feinen Geist. Heiter, wie ein goldner Frühlings 131 morgen, sen jeder seiner Tage, und sein Leben fließe ruhig, wie ein Bach, durch blumige Gegenden hin. Schüße ihn, wenn ihn Unglück droht, oder Feinde ihn verfolgen, damit ihm nichts Böses widerfahre. Uiberall, wo er hingeht, fühle er deine Güte und deine Wohltha= Wenn Schweiß der Arbeit feine Stirne deckt; so trockne der sanfte West die Tropfen von seiner Stirne; wenn Ermüdung seinen Körper lastet, so führe deine Vorsicht ihn unter schattige Bäume, und breite ihm Blumen zu feinem Bette; wenn Durst seine Zunge trocknet, fo erquicke die Quelle seine Lippen. Gib, mein Gott! ihm alles Vergnügen des Dafeyns. Schüße feine Seele vor stürmischen Leidenschaften, und wenn er sich aus Schwachheit verirrt, führe ihn fanft auf die Wege der Tugend wieder zurück, und strafe ihn nicht, sondern schone seiner nach deiner Barmherzigkeit. Dein Engel sey in allen Angelegenheiten seines Lebens bei ihm, er sey sein Führer, sein Schüßer, und vereinige uns einst jenseits des Grabes, wo keine Trennung mehr ist, sondern reine, heilige Liebe. Amen. Gebet für Ubgestorbene. Herr! ich will mich der Lieben erinnern, die jenseits des Grabes sind. Ihr Auge schloß der Tod; fie sind für mich nicht mehr. Verzeihe, Herr! wenn Menschengefühl eine Thräne aus meinen 132 Augen drängt. Seelengefühl ist vor deiner Güte, Gott der Liebe! kein Verbrechen. Sind sie denn nicht mehr für mich, die, die ich liebte? Kann keine Thräne ihre Asche mehr beleben? Kein Kuß den Staub beseelen, in den ihre Hülle verfallen ist? O Gott der Liebe! Stärke du meinen Geist, und flöße Trost in mein Herz. O ja! sie sind nicht verloren für mich, die geliebten Verstorbenen; sie sind hinüber gegangen in deinen Schooß, Vater der Menschen. Warum sollt' ich trauern? Ich werde sie wieder sehen, jenseits wieder sehen, wo kein Tod wo keine Trennung mehr ist. Sie sind bei dir; und wo kann es ihnen besser seyn, Vater? Ich bitte für meine Brüder, die diese schwächliche Hülle abgelegt haben; empfange sie mit Vaterliebe in deinen Wohnungen. Wenn Schwachheit oder Sünde sie in diesem irdischen Leben verführt hat, Herr! so sey nicht ihr Richter, fondern erinnere dich, daß du der Vater aller Men= schen bist. Herr! du hast mir die Liebe empfohlen, und diese Liebe endigt sich ja nicht mit dem Tode! Ich liebe noch meine verstorbenen Mitmenschen; und da ich hienieden nichts mehr für sie thun kann als bitten, so komme ich zu dir, wie ein abwesendes Kind, das für seine Brüder bittet, die in seines Vaters Hause sind. Gott der Liebe und der Barmherzigkeit! erinnere dich ihrer Vergehungen nicht, sondern denke, daß sie die Geschöpfe deiner Hände waren. Führe sie zu 133 dem Lichte, und nimm sie in deine seligen Wohnungen auf, wo ich dich einmal mit ihnen ewig lieben und anbeten kann. Amen. Dank für die Unsterblichkeit. O du, der Seligkeiten höchste! überströme mit deinem Feuer meine ganze Seele; ich will den Ewis gen denken. Du warst, du bist, und wirst seyn. Wie soll ich dich nennen? Meine bebenden Lippen verstummen. Wie soll ich dich denken? Selbst meine Seele steht still. Nein, mein Verstand kann dich nicht erreichen. Vater! Vater! fo sollen meine Lippen dich stammeln, meine Seele dich denken, mein Herz dich empfinden. Vater! ihr Vater! Vater! fallet nieder! betet an, Menschen er ist unser aller Vater. Vertiefe dich in Betrachtung meine Seele; schaudere, Herz, vor Freude: erschaffen bist du zur Unsterblichkeit. Nicht im rollenden Donner, nicht im braufenden Sturme; im sanften Säuseln des Westes verkündigt dir die ganze Natur deine Fortdauer. Wie wird mir! Bin ich schon unten im Grabe, oder schon über dem Grabe? Habe ich den himmlischen Flug schon gethan? O Worte des ewigen Lebens! Da siße ich nun beim ersten Morgenstrahle über den Gräbern. Lieblicher Morgen, du bringst mir Ruhe und Frieden! ein neuer Tag verkündigt mir neues Leben. Ach, tausend Brüder liegen in Staub aufgelöst unter meinen Sp 134 Füßen. Wer seyd ihr wohl gewesen, da ihr noch in der Welt waret? War euer Herz auch so unruhig? war euch auch zuweilen die Menschenwelt so leer, so unzureichend, so unbefriedigend? O ich wollte, daß ich unter euch wäre; ihr seyd im Reiche Gottes. Wie euch so wohl seyn mag, edle, gute, der Erde entnommene Menschen! Hinauf klimmen will ich zu euch, Brüder, Menschen der Vorwelt! wo ihr auch seyd. Wie will ich mich freuen. Preis, Anbetung und Freu= denthränen, lauter ewiger Dank für die Unsterblichkeit! Kann eine Mutter ibres Säuglings vergessen, daß sie sich über den Sohn ihres Leibes nicht erbarme? ,, Vergäße sie sein, ich will deiner nicht vergessen," so sagtest du, Unsterblicher. O wie glücklich bin ich! Wirf zum tiefen Erstaunen dich nieder, unsterbliche Seele, und verstumme! Genieße deine Seligkeit, und verstumme, denn so hat der Liebende gesprochen. Amen. Gebet eines Mannes, der Geschäfte am Hofe hat. Du, großer, mächtiger Gott! du König der Könige! Herr der Herren! dein Wille wollte es so, daß ich am Hofe leben soll, und dein heiliger Wille gab mir den Stand, in dem ich lebe: gib daher mir auch deine Gnade, daß ich die Pflichten meines Standes erkenne und sie treulich erfülle. Laß mich so viel Gutes wirken, 135 als nur möglich ist, in der Stelle, die du mir gabst, und laß mich nicht von dem Glanze des Hofes und den Schmeicheleien der Menschen geblendet werden. Gib mir ein aufrichtiges Herz, das den Fürsten und das Vaterland ohne Eigennuß liebt. Laß mich das Beste allezeit ohne Absicht besorgen, und stärke meinen Muth in meinen Arbeiten. Bewahre mein Herz, daß es sich nicht von Gold, Ehrenstellen und falschem Ehrgeize blenden lasse, sondern erleuchte mich, daß ich immer einsehe, daß das groß ist, was in deinen Augen Beifall verdient. Beschüße mich vor Menschenfurcht, die so ge wöhnlich an Höfen, und vor Heuchelei, die in den Augen des Herrn das abscheulichste Verbrechen ist. Laß mich die Wahrheit mit der Stär= ke eines Mannes sagen, aber so, daß meine Liebe zur Wahrheit nicht Leidenschaft werde, und ich die Menschen beleidige. Erhalte meine Seele, damit sie sich nicht unter den Hofschranzen beuge, und ich nicht ein niederträchtiger Bückling falscher Größe werde. Laß mich den geraden Weg gehen, und wenn Gewitter sich über mich aufziehen, so bewahre mich auch im Sturme. Gib mir Gnade, daß meine Seele sich immer gleich bleibe; daß nie Vaterlandsliebe, nie Unhänglichkeit an meinen Fürsten aus meinem Herzen weiche; daß ich nie der Gerechtigkeit, nie der Tugend entfage; und $ 2 136 wenn auch der Erdball über mir zertrümmern sollte, so laß mich denken, daß du der Herr bist und daß deine Hand mich noch unter den Trümmern schüßen wird. Damit der Schimmer des Goldes mich nicht verführe, bewahre meine Seele vor Geldliebe, und gib mir nur so viel, als du nothwendig zu meiner und der Meinigen Nahrung findest. Laß mich meinen Kindern nicht Reichthum, sondern eine gute Erziehung und ein edles Herz geben, und segne sie, daß sie auf dieser Welt fortkommen, und sich nicht Ansehen und macht durch Geld erwerben, das dem Fürsten und dem Vaterlande abgestohlen wird, oder woran noch Blut von Witwen und Waisen klebt. Mein Gott, da ich meinem Fürsten diene, laß mich nicht vergessen, daß du mein Herr bist; und wenn Undank der Welt, Verfolgung mich kränket, so tröste mich mein Bewußtseyn und die Hoffnung auf dich, du Gott der Güte und Gerechtigkeit! Amen. Gebet eines Hausvaters. Großer Gott! du hast gewollt, daß mir ein besseres Schicksal hienieden zu Theil werde, als vielen Andern: laß mich erkennen und erwägen, daß ich den Stand, in dem ich bin, bloß deiner Güte zu danken habe. Gott der Liebe, du hast mir die Menschen anvertraut, die bei mir dienen; 137 fie find deine Kinder, und deine Liebe befahl sie meiner Obforge. Ich will also nie vergessen, daß fie Menschen sind, wie ich bin; und da sie die Welt und die Verfassung mir untergeben hat, so foll doch mein Herz sie mir gleich halten. Ich will nicht vergessen, daß das Schicksal der Dienenden hart ist, und meine Liebe soll ihnen diese Bürde erleichtern. Ich will Nachsicht mit ihren Fehlern und Schwachheiten haben, und meine Sanftmuth soll sie nie die Härte ihres Schicksals fühlen lassen. Wenn sie krank sind, wenn sie meiner Hilfe bedürfen, so sollen sie brüderliche Unterstügung in meinen Armen finden, und ich will sie so behandeln, wie ich es wünschte, daß man mich an ihrer Stelle behandeln möchte. Gott der Liebe! verpflanze aber auch diesen Menschen edle Gefühle ins Herz, damit sie meine Menschenliebe nicht für Schwachheit, und meine Güte nicht für Blödsinn ansehen. Ich will dem armen Taglöhner und dem redlichen Arbeiter nie ihren Taglohn entziehen; ich will gegen den nie karg seyn, der sein Brod so hart gewinnen muß. Wenn meine Umstände Sparsamkeit fordern, so will ich damit bei mir selbst anfangen, und nicht bei dem, der sein Brod in meiner Arbeit im Schweiße seines Angesichts verdienen muß. So, mein Gott! will ich denken und handeln; stärke du meinen Entschluß und mein Vorhaben durch deine Gnade. 138 Sollte aber auch mein guter Wille von meinen Untergebenen nicht erkannt werden; sollten sie meine Liebe mit Undank belohnen, so mache mich nicht muthlos, und verändere mein Herz nie. Laß mich denken, daß Mangel an Erziehung, Mangel an Menschen gefühl, und ihr Sklaven= zustand, in dem sie meistentheils leben, und nach dem sie behandelt werden, die Ursache ihrer vers derbten Denkart ist. Laß mich immer meinen Grundfäßen getreu bleiben, und nie weiche der Gedanke aus meiner Seele, daß es dein Gebot ist, alle Menschen zu lieben. Wenn sie gegen mich ungerecht sind, so will ich doch gerecht gegen sie feyn; und wenn sie mich hintergeben und betriegen, so soll mein Betragen ihnen beweisen, daß sie sich selbst betrogen haben; daß sie an mir nicht ihren Herrn, sondern ihren Freund und Gutthäter hintergangen haben. Du, Herr, der du meinen. Willen kennst, segne mein Vorhaben und meine Handlungen; damit sie hienies den ein Werkzeug deiner Liebe werden. Amen. Gebet eines Verheiratbeten. Mein Gott, du gabst mir das Weib zur Gefellschafterin meines Lebens, zur Theilnehmerin meiner Schicksale, zur Gefährtin meiner Tage auf dieser Wanderschaft meines Lebens. Laß mich bedenken, mein Gott, daß du mir dieses Geschöpf anvertraut hast, anvertraut wie eine 189 Blume, die zu meinem Vergnügen und zu meiner Ergötung seyn soll. Laß mich immer dieses bedenken: Gleichwie Schönheit, Zartheit und Blüthe das Untheil dieses Geschlechtes sind, so liegt es auch schon in der Natur des Weibes, daß Schwachheit, Veränderung und Hinfälligkeit sein Antheil sind. Laß mich also nie ungerecht gegen meine Gattin seyn, und Dinge von ihr fordern, die in der Natur ihres Wesens nicht liegen. Laß mich von der Rose nicht fordern, daß sie über ihre bestimmte Zeit blühe, und von dem Beilchen, daß es stark wie eine Eiche sey. Laß mich das Weib, das du mir gabst, immer mit Güte und Sanftmuth behandeln, und wenn es fehlt, durch Zärtlichkeit wieder von seinen Fehlern zurückführen. Vertilge in meinem Herzen den Stolz des Mannes, oder das wilde Recht des Stärkern, der ein armes schwaches Geschöpf mißhandelt, das die Liebe in seine Arme warf, und Geseke noch an ihn binden, wenn auch die Liebe verloschen ist. Laß mich immer denken, daß es unedel ist, einen Wehrlosen zu unterdrücken, und schändlich, wenn der Gärtner eine Blume im Herbste zu Boden tritt, die in den Tagen des Frühlings sein Auge ergößte. Laß mich einsehen, mein Gott, daß ich als Mann von Fehlern nicht frei bin, damit ich von meiner Gattin nicht Vollkommenheit fordere. Erleuchte mein Herz, um einzusehen, daß Fehlen 140 das Antheil der Menschen, Fehler verzeihen und Schwachheiten ertragen das Werk wahrer Liebe ist. Laß mich die Beschwernisse des Weibes er= wägen, und ihre Launen mit Geduld ertragen, woran nicht allemal ihr Herz Schuld ist. Laß mich nicht vergessen die Beschwerlichkeiten der Schwangerschaft; die kränklichen Umstände, die sie verursacht, und worin oft der Grund verschiedener Gemüthsneigungen und Launen liegt. Laß mich nie vergessen, mein Herr, daß Freude an Kindern, die in meine Arme eilen, ein Geschenk ihrer Liebe ist, und daß es ungerecht wäre, den Baum zu verachten, der mir herrliche Früchte gab. Bewahre mich, mein Gott, vor Eifersucht und Mißtrauen, und überzeuge mich, daß diese die Störer des Menschenglückes und der Freundschaft sind. Laß mich fest beschließen, meine Gattin zu überzeugen, daß sie den edelsten und besten Freund an mir habe, und daß, wenn diese Uiberzeugung ein Menschenherz nicht zur Anhänglichkeit bewegen kann, es dann kein anderes Mittel mehr gebe. Unglimpf und Härte verbittern die Gemüther, und führen sie nie zurück. Auch das böseste Herz widersteht der andauernden Liebe nicht, vergebens fesselt dickes Eis den Lauf der Ströme; die Flüsse thauen auf bei der sanften Wärme der Frühlingssonne. 141 Mein Gott, der du die Herzen der Menschen leitest, leite auch unsere Herzen, und heilige Harmonie herrsche in unserer Seele. Sollte es aber dein Wille seyn, mein Herz zu prüfen, so laß mich immer nach edlen Grundfäßen handeln, nicht ungerecht seyn, wenn Andere gegen mich ungerecht sind; laß mich immer denken, daß nur Seelengefühl die Macht über Seelen hat. Du, Herr der Liebe, stärke mein Herz, und laß mich nicht aus meinem Verschulden ein Geschöpf unglücklich machen, das du mir anvertrauet hast. Amen. Gebet einer Verheiratheten. Mein Gott, du gabst mir den Mann zum Gesellschafter meines Lebens, zum Theilnehmer meiner Schicksale, und zum Gefährten meiner Tage auf der Wanderschaft dieses Lebens. Laß mich bedenken, mein Gott, daß er es ist, der mich erhält, damit ich nie seine Tage trübe, oder undankbar gegen den Erhalter meines Lebens sey. Gib mir Nachgiebigkeit und Gehorsam, damit ich ihm seine Arbeit nicht erschwere, und das Brot sauer mache, daß er für mich und seine Kinder gewinnt. Erleuchte meine Seele, daß ich durch Häuslichkeit das zu erhalten suche, was er durch seinen Fleiß verdient. Vergönne mir, daß ich durch Heiterkeit meines Gemüthes und durch zärtliche Liebe ihm die Lage seines Lebens 142 angenehm mache, daß ich seine Theilnehmerin an den Schicksalen des Lebens, und seine treue Gefährtin im Glücke und Unglücke sey. Bewahre mich vor den Fehlern der Weiber, die den Werth eines Mannes nicht zu schäßen wissen, und ihr ganzes Glück im Puß und in der Eitelkeit suchen. Vergönne mir, meine See le so zu bilden, daß, wenn Alter oder Krank: heit die Blüthe der Jugend mir entzieht, mir noch ein Herz bleibt, das der Liebe eines Man= nes würdig ist. Laß mich meine Kinder zur Tugend und Menschenliebe erziehen, und gieße Segen über die Tage unsers Lebens. Amen. Gebet für meine Kinder. Die Kinder, die du mir gabst, Herr, sind dein Geschenk. Du legtest mir ein Gefühl nahe ans Herz, das mir diese Geschenke lieb macht: das Gefühl der Vaterliebe. Herr, was du mir gabst, ist auch dein; ich bringe dir diese Geschenke wieder; sey du ihr Vater; ich bin ein armer Sterblicher, was kann ich ohne dich? Die Pflanz ze wird verdorren, die ich eingesetzt habe, wenn sie nicht himmlischer Thau neßt, und der Regen nährt, der von deinen Wolken fällt. Du, der du die Raben speisest, die Blume erhältst, die unter den Klippen aufwächst, sorge du, Bater der Menschen, für diese unschuldigen Geschöpfe, damit sie hier und dort nicht unglücklich werden. 143 Laß mich ihr Herz zur Güte und Menschlichkeit bilden; vergönne mir, daß ich gute Menschen aus nen erziehe. Herr, gib ihnen Verstand, Erkenntniß und einen guten Willen; um dieses bitte ich dich. Die Schäße des Himmels gib ihnen, um diese bitte ich dich; ich verlange für sie keine andern Geschenke. Diese sind ihnen nothwendig; das Uibrige wirst du ihnen nach Bedürfniß zuwerfen. Ich bitte nicht um Reichthum für sie, o Herr, sondern gib ihnen nur gerade Glieder und Arbeitsamkeit, damit sie ihr Brot verdienen können, besonders aber gib ihnen ei ne edle und feste Denkart, die kein Sturm des Lebens beugt. Gib ihnen helle Augen, die Wahrheit zu sehen, damit sie der falsche Schimmer der Welt nicht blende. Bewahre ihr Herz vor allen unedlen Leidenschaften, und ihre Unschuld vor List und Verführung. Solltest du aber vorsehen, Unendlicher, daß sie Böses in der Welt stiften, Menschen unglücklich machen würden, so nimm sie hin in der Blüthe ihrer Unschuld, und friste ihr Leben nicht zum Fluche der Menschheit. Nur dann, wenn sie gute Menschen werden sollen, erhalte sie, und gib den Bedrängten und Elenden Freude durch ihr Daseyn. Verherrliche die Bahl der guten durch sie, und nimm sie dann, wenn sie gleich dem gutthätigen Samariter die Reise des Lebens vollendet haben, in deine seligen Wohnungen auf, damit ich mich dann mit 144 ihnen ewig freuen, und dich, Vater aller Menschen, ewig anbeten möge. Amen. Gebet in Drangsalen und Betrübniß. Herr, mir drohet Unglück und Trübsal; aber ich murre nicht wider dich: du bist immer der Gott der Liebe, der Fels, auf den ich das Gebäude meiner Hoffnung stelle. Du wirst wissen, warum dieses alles geschieht, und mein Bestes besorgen. Herr, du liebst mich; dieß ist Gewißheit, du liebst alle Menschen; und dieser Gedanke soll meine Stärke seyn. Das Unglück soll mir, und nicht ich dem Unglücke unterliegen; die Mühseligkeiten des Lebens will ich bekämpfen, und diesen Mühseligkeiten nicht den Sieg üb mein Herz durch meine Zaghaftigkeit einräumen. Ich will denken, daß die Dinge in der Welt von dir, mein Gott, mir untergeordnet sind, und nicht in den Dingen. Ich bin dein Geschöpf, Gott, des Mächtigen Geschöpf. Nur leblose Dinge und Leichen lassen sich hinreißen vom Strome; der Lebende widersetzt sich, und weiß mit den Wellen zu kämpfen. So will ich denken, und wie ein Kämpfer in voller Rüstung da stehen auf dem Kampffelde: was kann mir widerfahren, da du über mich wachest, Gott der Stärke und der Liebe Amen. 147 Menschen zu sanftern Empfindungen stimmen mögest, damit sie ihre Streite ohne Schwert streich entscheiden. In deinen Augen, Gott der Liebe, ist Menschenmord immer abscheulich. Du bist der Gott der Liebe und Sanftmuth, nicht der Gott der Schadenfreude; du, der uns ge= boten hat, unsere Feinde zu lieben, du kannst kein Wohlgefallen haben, daß wir über ihr Unglück frohlocken; nur bitten dürfen wir dich, daß du ihre Herzen erleuchten mögest, damit sie die Folgen ihrer Leidenschaften einsehen, und durch ihr Unglück zu fried samen Gesinnungen möchten geführt werden. Der Strahl deiner göttlichen Liebe bringe in das Herz des Siegers und des Besiegten, und lasse sie einsehen, daß sie alle Menschen sind, erschaffen nach deinem Ebenbilde, und daß du, Herr, ihnen diese schöne Erde zum Vergnügen und Lebensgenuß, und nicht zu einer Mordstätte angewiesen hast, wo der Bruder den Bruder würgt. Mein Gott, leite das Herz aller Monarchen, daß, da Umstände und Nothwendigkeit sie zwingen, ihr Schwert zur Vertheidigung zu ziehen, die Menschheit so sehr geschont werde, als nur möglich ist. Laß sie einsehen, o Herr, daß der Held, der Millionen Geschöpfe morden kann, nicht im Stande ist, einem Wurme wieder das Leben zu geben. Sende den Engel des Friedens auf diese Erde, und durch Ver 148 söhnung und Liebe bestärke das Glück der Sterb: lichen. Amen. Gebet vor Unhörung des Wortes Gottes. Unendlicher Gott! du allein hast Worte des Lebens und Wonne ist vor deinem Angesichte! ich hoffe auf dich, daß deine Barmherzigkeit mich mit Freuden erfüllen werde. Keiner, der auf dich gehofft hat, ist zu Schanden geworden; laß auch mich nicht zu Schanden werden, und gönne ne mir deine Gnade, daß ich dein Wort mit hei: liger Ehrfurcht anhöre und befolge. Gib deinem Priester die Gnade, daß er das Herz der Menschen bewege, die seiner Obsorge anvertraut sind. Deine Weisheit hat den Mund der Stum: men geöffnet, die Zungen der kleinen Kinder bez redt gemacht; leite auch seinen Mund und gib Stärke und Nachdruck seinen Worten. So groß deine Majestät ist, so groß ist deine Barmher= zigkeit. Amen. Gebet nach angehörtem Worte Gottes. Barmherziger Gott! ich danke dir für die Gnade deines heiligen Wortes; gib, daß ich barmherzig sey, wie mein Heiland auch barmherzig war; laß mich bedenken, daßjeder Trunk Wasser, den ich dem legten deiner Glieder geben werde, dir gegeben sey! daß ich der leidenden Tugend die Hand reiche, und hier den edlen Samen säe, der im Himmel Ernte tragen wird; 149 daß ich durch Gutes und Zugend, durch Lehre und Beispiele, durch Hilfe und Rettung, durch Warnung und Erbarmung, durch Trost und Freundschaft wieder vor dir, du Vater der Men= schen, Barmherzigkeit finde, daß ich in allen Dingen Jesu Christo ähnlich werde durch meinen Wandel. Nimm, o Herr! das steinerne Herz von mir, und gib mir ein neues, gehorsames, gutes und fühlbares, das seine Brüder wie sich und dich, Gott! über alle Dinge liebt. Laß mich Freundschaft finden bei den Redlichen, und darnach von ganzem Herzen trachten, daß ich ihnen ähnlich werde und mit ihnen den Himmel erwerbe. Lenke mein Herz ab von der Liebe der Welt; denn so jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Laß mich keinen meiner Brüder leiden sehen und mein Herz vor ihm verschließen, sondern mein Herz voll Liebe über jeden sich ergießen, der Theil an deinem Erbe hat. Möchte ich dem Jünger Jesu ähnlich seyn, der an seiner Brust lag und der von allen sein vertrautester Freund war! Möchte ich dir, Johannes, gleichen, der nur eine Tugend, die Liebe, kannte, nur die Liebe predigte, und in ihr alle Tugenden übte! Möchte mein Glaube immer thätig, meine Liebe beständig, meine Tugend aufrichtig seyn, und meine Treue bis in den Tod J 3 150 siegen! Möchte ich den Kampf wider meine Leis denschaften, die unaufhörlich die Tugend bestrei: ten, mit Muth und Stärke bekämpfen, so wür: de ich stärker seyn, als der, der Städte gewinnt, und zulegt die Krone des ewigen Lebens erlangen. Amen. 2 bendgebet. Wie soll ich dir danken, mein Gott, für alles das Gute, das du mir diesen Tag hindurch erzeigt haft? Wo soll ich die Empfindungen der Dankbarkeit hernehmen, die deiner großen, un: verdienten Güte würdig wären? Wo die Worte, mit denen ich dein Lob nach Würde verkündigen könnte? Ich kann nichts anderes sagen, als: du bist mein Vater; du bist der Gott der Liebe; ich aber bin unwürdig, und viel zu geringe aller der Barmherzigkeit und Treue, die du mir ers wiesen hast. Ja, ich bin nicht einmal werth, daß ich dich Vater nenne. Wie viel Gutes hast du mir, mein Gott! diesen Tag hindurch erzeigt! du hast mich erhalten; du hast mir Kleidung und Wohnung geschenkt; tausenderlei Unglück, das mich hätte treffen können, hast du von mir abge: wendet; aber nun soll ich billig auch die Fragen an mein Herz thun, wie ich diesen Tag zugebracht habe? ob ich an diesem Tage besser, frömmer und deiner würdiger geworden bin? Ich soll mich fra: gen, ob ich der christlichen Vollkommenheit auch 151 eben so viel näher bin, als ich nun durch den vergangenen Tag dem Ende meines Lebens auf Erden näher gekommen bin? Ich soll mich fra:= gen, ob ich heute weniger Böses und mehr Gutes gethan habe, als gestern? ob ich die Fehler, die ich gestern bereuet habe, oder hätte bereuen sollen, heute nicht wieder begangen habe? Herr, mein Helfer, mein Gott! ich bitte dich um den Geist des rechten Ernstes, der mich diesen Tag nicht beschließen lasse, ohne daß ich beffer und dir gefälliger sey. Möchten mir doch alle Sünden, die ich heute begangen habe, deutlich zu Sinnen kommen, ehe ich einschlafe, diese Sün: den, und alle Wohlthaten, die ich dir als Mensch und Christ zu danken habe, damit ich schamvoll und zerknirscht mich deiner Erbarmung und Gnade wieder versichern möge. Du, allwissender Bater und Richter! heiligster Zeuge aller meiner Handlungen, Worte und Gedanken, ich will mich unter dem Gefühle deiner Gegenwart fragen: Haben sich heute keine sündlichen Gedanken und Gelüste in mir geregt? Bin ich heute nicht in diejenigen Sünden wieder gefallen, die mir sonst so gewöhnlich sind? Habe ich immer mein Herz sorgfältig und gewissenhaft bewacht? Habe ich auf die erste sinnliche Regung Acht gegeben, und dieselbe sogleich zu unterdrücken geſucht? NOVAS ESD 34 152 Habe ich meine Sinne und Begierden im Zaume gehalten, und mein Herz von der Versuchung der Sünde abgewendet und zurückgehalten? Habe ich meine Augen und Ohren den Reizungen der Sünde verschlossen? Keinen Anlaß oder Gelegenheit gesucht, irgend eine sinnliche Lust zu vollbringen? War ich mäßig in Speise und Trank? Dachte ich dabei an dich, den gütigen Geber, und an meinen nothleidenden Bruder? Mißbrauchte ich deine Gabe nicht? War ich behutsam im Reden? vorsichtig bei allen meinen Schritten und Tritten? Oder habe ich nach den Einfällen und Gelüsten meines Herzens gehandelt? Habe ich mich zu dem hinreißen lassen, was dir mißfällig und von meinem Gewissen nicht gut geheißen ward? Habe ich mich über jede unordentliche Ge müthsbewegung, die ich heute etwa an mir selbst wahrnahm, in meinem Innersten und aus reinen Absichten gekränkt? Bin ich aufrichtig gesinnt, das, was ich etwa versehen habe, durch neue, doppelte Vorsichtig: keit und doppelten Eifer im Gebete, so viel an mir ist, wieder gut zu machen? Bin ich auch redlich genug, meine Fehler Undern zu gestehen und zu bekennen, die etwa Zeugen davon gewesen, und dadurch geärgert wor 153 den sind? Oder bin ich nicht vielmehr bemüht, meine unordentlichen Gemüthsbewegungen und schädlichen Uebereilungen aus Eigenliebe zu verbergen, zu entschuldigen und zu beschönigen? Ich mag mir diese wichtigen Fragen redlich oder nicht redlich beantworten, so weißt du doch, mein Schöpfer und Richter, wie das Innerste meines Herzens beschaffen ist. Verhehle ich meine Uebertretungen, mein Gott! wie kann ich sie bereuen, wie kann ich Vergebung vor dir finden? Darum, o mein Gott! will ich dir meine Sünden bekennen, und keine meiner Missethaten vor dir verhehlen, damit sich mein Herz vor dir demüthige und den Trost deiner Verheißung erfahre. Ich erkenne und bereue meine Fehler; gib mir die Gnade, dieselben noch lebhafter zu erkennen, noch tiefer zu empfinden. Laß keine einzige meis * ner Vergehungen von mir unbemerkt bleiben; vergib mir alle, bewahre mich künftig vor allen; laß mich in dem Werke meiner Heiligung täglich weiter kommen, und laß mir die Bekämpfung. und Beherrschung meiner Leidenschaften und sinnlichen Regungen täglich leichter werden. Ich bitte dich, Gott der Liebe! laß nicht zu, daß durch meine heute begangenen Fehltritte je: mand Schaden leide. Wende durch deine allges genwärtige Borsehung alles Uebel gnädig ab, was etwa durch meine Fehltritte veranlaßt worden seyn möchte. Laß auch meine eigene Seele nicht I 5 154 darunter leiden. Ersege du durch deine allmäch= tige Kraft, was ich heute versäumt habe; mache ou den Schaden an mir und Andern wieder gut. Noch will ich mein Herz über das Betragen gegen die Menschen, meine Brüder, befragen, damit ich genau erkennen möge, wie weit ich deiner Liebe näher gekommen bin. War ich heute langmüthig? gutthätig? nie: mals mürrisch oder verdrießlich? niemals auf: gebracht? Suchte ich nicht meinen eigenen Nußen? Ließ ich mich nicht zum 3orne reizen? War ich nicht argwöhnisch? Freute ich mich nicht über das Böse? über Unglück oder Unwahrheit? Nahm ich Antheil an dem Wahren und Nüglichen? Vertrug ich alles? Glaubte ich das Beste von meinem Nebenmenschen? Mein Gott! ich sehe wohl ein, daß ich noch weit von der reinen Liebe entfernt bin; allein du kennst mein Herz, meinen Willen; erseße du meine Mängel; ersege du mit deiner Liebe, was die meinige versäumt hat. Segne alle Menschen; thue allen Gutes, auch denen, die mir Böses wollen und wünschen. Verzeihe ihnen, verzeihe mir, und laß mich nicht einschlafen, wenn noch ein liebloser Gedanke in meiner Seele 155 übrig ist. Erfülle mein Herz mit derjenigen Liebe, mit der du selbst die Menschen liebst, damit ich würdig werde, dein Kind zu seyn. Nun, mein Gott! noch einmal vergib mir alle Sünden dieses Tages, und entziehe mir deine Gnade auch in dieser Nacht nicht. Wende Unglück, Gefahr und Schrecken von mir ab; gönne mir und den Meinigen, und allen, welche auf dich vertrauen, einen ruhigen und erquickenden Schlaf. Sey der Trost der Elenden, die Hilfe der Verlassenen, die Stärke der Schwachen. Erbarme dich aller Armen, Kranken und Elenden, mache ihnen diese Nacht leicht und kurz; hilfihnen, lindere ihre Schmerzen und ihren Kummer, gib Stärkung ihrem Geiste und Trost ihrer Seele; laß morgen des Elendes weniger seyn als heute; erbarme dich aller Sünder, aller Freunde und Sterbenden, aller Lebenden;- sage dem Herzen jedes Kummervollen, daß er nirgends Trost fuchen soll, nirgends Trost finden werde, als in dir, und stärke ihn durch deine Gnade und Liebe. Wenn vielmehr der heutige Tag der legte meines Lebens wäre; wenn ich zum legtenmale diez ses mein Abendgebet vor dir ausgieße, o mein Gott! so erbarme dich meiner. Gib, daß der Gedanke des Todes, der so leicht wahr werden kann, nichts Schreckliches für mich habe. Schließe sanft mein Auge, und nimm mich in deinen chooß, Vater des Lebens und der Liebe! Amen. 36 156 Todesbetrachtung und Gebet. Warum soll ich den Tod fürchten, der mich in deine Arme zurückführt? du Gott der Liebe! Soll das Kind zittern, wenn es in das Haus seines Vaters kommt? Soll der Säugling weinen, wenn seine Mutter ihn an die Brust nimmt? Bist du nicht der Gott der Liebe, der keines seiner Geschöpfe hasset? und ich sollte zittern, wenn du mir winkst? O nein, Vater der Menschen, auch mein Vater! den mein Herz mit Zutrauen liebt, ich will mich nicht fürchten. Du, der du mir so viele Freuden des Lebens gabst; du, bessen Weisheit alles zum Wohle der Geschöpfe ordnete: deine Güte herrscht auch in der Zerstörung, und deine Liebe im Tode der Dinge. Ich höre ja nicht auf zu seyn; ich trete in eine bessere Welt, kom= me näher zu dir, lege den sinnlichen Körper ab, der mich von dir trennte. Der Tod ist schauder hafter für den, der den Sterbenden sieht, als für den, der stirbt. Er ist das Ende des Leidens; er entreißt mich den Verfolgungen der Menschen, und den Ungerechtigkeiten der Welt. Wenn dieses Herz aufhört zu schlagen, so wird kein Kummer es mehr drücken, und keine Thräne sich in das Auge mehr drängen, das sich für die Welt aufewig schließt. Ich komme zu dir, den meine Seele anbetet; du wirst für mich for: gen. Der Wurm spinnt sich ein, und stirbt, 157 und erwacht in Frühlingstagen zum herrlichen Sommervogel. Er, der zuvor im Staube kroch, durchflattert nun die Regionen der Blumen. Das Weizenkörnchen entwickelt sich in der Erde und wird zur prachtvollen Aehre; alles bringt sich wieder hervor, geht stufenweise zur höhern Vollkommenheit, und ich, der Mensch, dein Ge= schöpf, der Abdruck deines Ebenbildes, sollte geringer als der Wurm seyn, und schlechter als das Weizenkörnchen? Wie beschimpfend wäre dieser Gedanke für dich, Gott der Liebe! Du liebst, und Einswerdung ist der Hang der Liebe. Sehnt sich der Vater nicht nach seinem Kinde, das sich von ihm entfernt? Jammert die Mut= ter nicht um ihre Jungen? Schüßt der Vogel nicht seine Brut mit seinen Flügeln? Und du, der du mehr als Vater, mehr als Mutter liebst, du folltest gleichgültig gegen Menschen seyn? D, der kennt dich nicht, der dich so beurtheilt! Ja, aber man sagt mir, daß du als Richter erscheinen wirst, der Rechenschaft von meinem Lebenswan= del fordert. Ja, als Richter wirst du erschei= nen, aber nicht als Richter, wie die Menschen= richter sind, die voll unedler Leidenschaften Verz brecher aufsuchen, um Verbrechen strafen zu können, die oft voll niedriger Schadenfreude sich an den Schmerzen des Leidenden weiden, und sich besser glauben, wenn sie über andere urtheilen. Nein, so ein Richter bist du nicht; da du der 158 Richter der Menschen bist, so hörest du nicht auf, ihr Vater zu seyn. Würde ich mich wohl fürchten, wenn mein Vater über mich Richter seyn sollte? Und ich bin schuldig in deinen Augen, bist du denn nicht eben so barmherzig, als du gerecht bist? Ich selbst will mich vor dir anklagen, will alle meine Verbrechen, die ich in dieser irdischen Hülle verübt habe, vor dir be kennen, und du wirst mir verzeihen, wie ein Vater seinem Kinde verzeiht, das aus Irrthum sich verirrt hat. Bist du nicht dem gutthätigen Hirten gleich, der durch Wüsteneien läuft, über Berge steigt, Felsen erklettert, um das verirrte Schaf zu seiner Heerde wieder zurück zu bringen? Und wenn nun dieses verirrte Schaf sich selbst wieder stellte, würde es wohl der Hirt erwürgen, oder den Wölfen selbst vorwerfen, daß es ihre Beute werden soll? O welcher Ge= danke! Wie leidenschaftlich, mein Gott, wären meine Begriffe von dir! du bist ja den Men= fchen nicht gleich, die des Hasses fähig sind! wie irrig habe ich dich von Jugend aufbeurtheilt! Ich glaubte, du wärest Menschen gleich, die Rache üben und tődten können, daher meine Furcht vor dem Tode. O Gott der Liebe! verzeihe, daß ich dich mißkannte. Liebe bist du; wie du liebst, so hat nie ein Mensch geliebt. Die vollkommenste, reinste Liebe des Menschen ist nur der kleinste Funke deiner Liebe; diese 159 Erkenntniß allein führt mich in deine Arme zurück, und kettet meine Seele an dich. Sie allein gibt mir reine, vollkommene Reue, daß ich dich so wenig geliebt habe, da du mich unendlich liebtest. Ich sterbe nun gern, wenn du willst, und so wie du willst: in Schmerzen wird mir deine Liebe Linderung, im Tode Trost geben; fristest du mir aber noch mein Leben, so friste es mir darum, daß ich die Fehler noch gut machen kann, die ich aus Mangel reiner Liebe begangen habe. Laß mich mein Herz und meine Seele so bilden, wie du willst, daß ich hienieden seyn soll; ist es aber dein Wille nicht mehr, daß ich lebe, so ver= zeihe dem Sterblichen seine irdischen Sünden; vergiß den Sünder; und siehe an mir nur das Kind, das in die Arme des liebevollsten Baters zurückkehrt, und um Vergebung und Ver: zeihung fleht. Amen. 20 n K« 1tg. Litanei zu Gott und seiner göttlichen Vorsichtigkeit. Herr! erbarme dich unser. Christe Jesu! erbarme dich unser. Herr! erbarme dich unser. Christe Jesu! höre uns. Christe Jesu! erhöre uns. Gott Vater vom Himmel! erbarme dich unser. Gott Sohn, Erlöser der Welt! erbarme d. unser. 160 Gott heiliger Geist! Heilige Dreifaltigkeit, einiger Gott! O Gott, unser Beschüßer! O Gott, unser Beherrscher! O Gott, unsere Hoffnung! O Gott, unsere Zuflucht! O Gott, einziger Gegenstand unfrer Liebe! Gott, unser Schöpfer! Gott, unser Erhalter und Ernährer! O Gott, unser Vater! O heiligster, vollkommenster Gott! O heiligster, allmächtiger Gott! O heiligster, unsterblicher Gott! O unendlicher, unermeßlicher Gott! O allwissender und weisester Gott! O gütigster und barmherzigster Gott! O großer Gott, der du alles, was auf Erden ist, zum Dienste des Menschen er: schaffen bast! Der du die Vögel der Luft und alle Thiere wunderbar erhältst und ernährst. Der du die Lilien und die Blumen des Feldes herrlich bekleidest. Der du die Früchte der Erde segnest und uns unsere Nahrung wachsen läſfest. Der du alles uns Menschen zum Besten ordnest und verfügst. Der du uns manchmal eine zeitliche Trüb: fal zu unserm Nußen und zur Besse: rung unsers Herzens schickest. Erbarme dich unser. 161 Der du diejenigen, die sich gänzlich deiner göttli chen Vorsicht ergeben, mitten in den Drangfalen durch deine väterliche Hülfe segnest. Er barme dich unser. Der du diejenigen, die auf dich hoffen, niemals zu Schanden werden läsfest. Erbarme dich unser. Sey uns gnädig, und verschone uns, o Herr! Sey uns gnädig, und erhöre uns, o Herr! Von allen Uebeln, befreie uns, o Herr! Bon allen Sünden, Von der Uebertretung deiner Gebote, Von allem Mißtrauen auf deine göttliche Vorsichtigkeit, Befreie uns, o Herr! Von aller Ungeduld, Von aller Kleinmüthigkeit in Kreuz und Leiden, Von allem Murren und Klagen gegen deine göttlichen Anordnungen, Von allen gefährlichen Anfechtungen, be sonders in der Stunde des Todes, Wir arme Sünder, wir bitten dich, erhöre uns. O schone unser! Wir bitten dich, erhöre uns. O flöße uns ein wahres kindliches Zutrauen auf deine göttliche Vorsichtigkeit ein! Wir bitten dich, erhöre uns. O laß uns in allem Glücke und Unglücke deine göttliche Vorsichtigkeit erkennen und verehren! Wir bitten dich, erhöre uns. 1. g 162 O laß uns alles von deiner Vaterhand mi. innigstem Dank annehmen! O laß unsern Willen jederzeit deinem heiligsten Willen gleichförmig seyn! O laß uns deiner Barmherzigkeit nie vergessen, die vom Anbeginn der Welt mit uns war! O sey am Tage der Trübfal unser Trost, und erbarme dich unser, wie sich ein Vater seiner Kinder erbarmet! O du Lamm Gottes, welches die Sünde der Welt hinnimmt, verschone uns, ó Herr! O du Lamm Gottes, welches die Sünde der Welt hinnimmt, erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches die Sünde der Welt hinnimmt, erbarme dich unser, o Herr! Christe Jesu! höre uns. Christe Jesu! erhöre uns. Wir bitten dich, erhöre uns. Vater unser. Herr, erhöre mein Gebet! Und laß mein Rufen zu dir gelangen. Gebet. O Gott! alles Glück und Unglück, alles, was mir begegnet, das begegnet mir, weil du es so anordnest oder zuläsfest. Ich erkenne es, und unterwerfe mich deinem göttlichen Willen. Ich bete dich an. Ich preise deine göttliche Vorsich tigkeit bei aller und jeder Begebenheit. Deine 163 göttliche Allmacht schüße mich! deine göttliche Weisheit regiere mich! deine unendliche Barm: herzigkeit erhalte mich, und schone meiner! du kannst mir bei jedem Vorfalle helfen. Du weißt mir zu helfen. Habe ich nicht alle Mal meine Zuflucht zu dir genommen; habe ich nach diesen Grundsäßen nicht alle Mal gedacht und gehandelt, so bereue ich es von ganzem Herzen. O himmlischer Vater! du sorgtest für mich. O flö: ße meinem Herzen kindliche Gesinnungen gegen dich ein, daß ich mit Freudigkeit und Zuversicht in fröhlichen Umständen nicht stolz und übermüthig, in traurigen aber nicht sehr niedergeschla: gen, jederzeit auf dich hoffen, mein kurzes irdisches Leben mit der frohen Erwartung eines bef= fern und ewigen fortseßen, beschließen, und deine göttliche Vorsichtigkeit in der himmlischen Herrlichkeit ewig loben und preisen möge! Amen. Sur allerheiligsten Jungfrau und Mutter Gottes Maria. Herr! erbarme dich unser. Christe Jesu! erbarme dich unser. Herr! erbarme dich unser. Christe Jesu! höre uns. Christe Jesu! erhöre uns. Gott Vater im Himmel! erbarme dich unser. Gott Sohn, Erlöser der Welt! erbarme dich unser. 164 Gott heil. Geist! erbarme dich unser. Heilige Dreieinigkeit, einiger Gott! erbarme dich unser. Heilige Maria! bitte für uns. Heilige Jungfrau aller Jungfrauen! Mutter Christi! Mutter der göttlichen Gnaden! O allerreinste Mutter! Dallerkeuscheste Mutter! O ungeschwächte Mutter! Dunbefleckte Mutter! O liebliche Mutter! O wunderbarliche Mutter! O Mutter unsers Schöpfers! O Mutter unsers Erlösers! allerweiseste Jungfrau! O ehrwürdigste Jungfrau! O lobwürdigste Jungfrau! O mächtige Jungfrau! O getreueste Jungfrau! O Spiegel der Gerechtigkeit! O Siß der Weisheit! O Mitursache unseres Heils! O geistliches Gefäß! D ehrwürdiges Gefäß! O vortreffliches Gefäß der Andacht! O geistliche Rose! O Thurm Davids! O elfenbeinerner Thurm! ( 0); 200 201 14 Bitte für uns. 165 O goldenes Haus! O Arche des Bundes! O Himmelspforte! O Morgenstern! Heil der Kranken! Zuflucht der Sünder! O Trösterin der Betrübten! O Helferin der Christen! O Königin der Engel! O Königin der Patriarchen! O Königin der Propheten! OKönigin der Apostel! O Königin der Märtyrer! OKönigin der Beichtiger! OKönigin der Jungfrauen! OKönigin aller Heiligen! O Lamm Gottes, welches die Sünden der Welt hinnimmt, verschone uns o Herr! D Christe Jesu! erbarme bich unser. Herr! erbarme dich unser. Vater unser. Gegrüßest seyst du, Maria. Bitte für uns. O Lamm Gottes, welches die Sünden der Welt hinnimmt, erhöre uns o Herr! O Lamm Gottes, welches die Sünden der Welt hinnimmt, erbarme dich unser, o Herr! Christe Jesu! höre uns. Christe Jesu! erhöre uns. Herr! erbarme dich unser. 166 Sebet. Unter deinen Schuh und Schirm fliehen wir, o beiligste Mutter Gottes! verschmähe unser Gebet in unserer Nothdurft nicht, sondern erlöse uns allezeit von aller Gefahr. O glorwürdige, gebenedeite Jungfrau; o unsere Frau, o unsere Mittlerin, o unsere Fürsprecherin; versöhne uns mit deinem Sohne; empfiehl uns deinem Sohne; stelle uns deinem Sohne vor. Bitt für uns o heiligste Mutter Gottes! daß wir der Verheißungen Christi würdig und theilhaftig werden. Lajos Wir bitten dich, o Herr! gieße deine Gnade in unsere Gemüther aus, daß wir die durch den Engel verkündigte Menschwerdung Jesu deines Sohnes erkennen, und durch sein Leiden und Tod zur Herrlichkeit der Auferstehung gelangen mögen, eben durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Uibung der theologischen Tugenden. Der Glaube. Ich glaube an dich, Herr! ewiger, wahrer Gott! Ich glaube, daß du einfach bist in der Natur, und dreifach in den Personen: Gott Vater, mein Erschaffer, Gott Sohn, mein Erlöser, und Gott heiliger Geist, mein Heiligmacher! Ich glaube, daß du jenen, die dich suchen, ein Vergelter bist, und das Gute belohnst, als 167 ein gerechter Richter aber das Böse bestrafest. Ich glaube alles fest und beständig, was die ka: tholische Kirche zu glauben uns vorstellt, und zwar deswegen glaube ich alles dieses, weil du mein Gott! der du unendlich wahrhaft, und der Inbegriff aller Vollkommenheiten bist, solches geoffenbaret hast. In diesem wahren katholischen Glauben betheure ich zu leben und zu ster: ben; ja ich bin bereit, eher mein Leben darzugeben, als von diesem wahren Glauben im ge= ringsten abzuweichen. Erhalte mich, o Gott! durch deine Gnade in diesem Glauben. Die Hoffunng. Ich hoffe, o mein Gott! ganz vertraulich auf deine unendliche Barmherzigkeit, weil nur du, mein Gott! mein Trost, mein Helfer in allen meinen Bedürfnissen der Seele und des Leibes bist. Ich hoffe durch die unendlichen Verdienste Jesu Christi, unsers Herrn, deines eingebornen Sohnes, mit festen Vertrauen Verzeihung meiner Sünden. Ich hoffe durch diese Verdienste die Gnade, fromm zu leben, meine Sünden zu büßen, derselben Verzeihung, und endliche Verharrung im Guten zu erlangen, und also die ewige Seligkeit zu erhalten. Dieses alles, o mein Gott! hoffe ich von dir darum, weil du solches alles versprochen hast, der du unendlich mächtig, mir dieses geben kannst, was du ver 168 sprochen; der du unendlich gütig, mir dieses auch geben willst, was du verheißen; der du unendlich getreu bist in Erfüllung deines Versprechens. Dunendlich mächtiger, o unermeßlich gütiger, o ewig getreuer Gott! stärke mich in dieser Hoffnung. Die Liebe und Neue. Mein Gott und mein Herr! ich liebe dich aus ganzem Herzen, weil du das höchste, unendliche, aller Liebe und Ehre würdigste Gut bist. Von ganzer Seele, aus allen meinen Kräf: ten liebe ich dich, weil du wegen deiner selbst höchst würdig bist, über alles geliebt zu werden. Den Nächsten, auch meine Feinde liebe ich, und verzeihe ihnen wegen deiner, weil mein Nächster bein Ebenbild ist, und weil mein göttlicher Lehrmeister auch am Kreuze seine Feinde geliebt hat. In dieser Liebe will ich leben unb sterben. O Gott! entzünde in mir das Feuer deiner Liebe. Aus dieser reinen Liebe bereue ich mit zer: knirschtem Herzen alle Sünden meines ganzen Lebens, mit welchen ich dich, der du das aller: höchste, unendlich vollkommenste, liebenswür: digste Gut bist, jemals beleidigt habe. Ich hasse und verabscheue sie über alle Uibel mit größtem Mißfallen, und wollte nur wünschen, mein Gott! daß ich selbe niemals begangen hätte. Ich bitte dich auch deßwegen, mein Gott! demüthigst um 169 Verzeihung. Ich nehme mir kräftig vor, mit deiner Gnade mein Leben zu bessern, die Sünden zu meiden, das Gute zu wirken, dich bis an das Ende zu lieben, und dir in allem zu gefallen. O Gott! stärke meinen Vorsag! Gebet zum heil. Johann von Nepomuk. Heiliger Priester Johann! du herrliches Muster sowohl für das jugendliche als männliche Alter! Nur wenige Kinder und Jünglinge werden die Zeit ihrer Jugend und die Blüthe ihres Lebens so gut anwenden, wie du, heiliger Johann von Nepomuk! Du warst als Kind nur im Tempel des Allerhöchsten, und bei from: men Männern in der Unterrichtsstube; den größten Theil deiner Jugend wandtest du auf Erler: nung der Wissenschaften und deiner Berufspflichten. Derbitte mir auch bei Gott schon in meinen Jugendjahren, einen so lobenswürdigen Eifer im Gottesdienste und in Erlernung nüßlicher Wissenschaften, besonders aber meiner Berufspflichten. Lasse nicht zu, daß ich meine Jugend durch Sünden und Laster entweihe. Du heiliger Johann von Nepomuk! hast uns vorzüglich einen rühmlichen Gebrauch der Zunge gelehrt, und zur gehörigen Zeit gottgefällig gere: det und geschwiegen; bitte auch für mich, vers klärter Freund Gottes! damit ich nach deinem Beispiele von diesem gefährlichen Glied der ZunK 170 ge einen guten Gebrauch mache. Ja, auch ich will gottgefällig reden und schweigen; ich will meine Lippen nicht durch Schwören, Fluchen, Verläumden und unkeusche Reden entweihen, ich will jedes mir anvertraute Geheimniß, wie du die Beichte der Königin, mit ins Grab nehmen; ich will mich durch keine Verheißungen oder Dro: hungen von der treuen Erfüllung meiner Pflich: ten abbringen lassen; ich will, wie du, meinen Mund nur zum Lobe Gottes öffnen; ich will die Traurigen trösten, die Unwissenden belehren und die verlegte Ehre meines Nächsten vertheidigen. So soll mir dein Beispiel, heiliger Johann von Nepomuk! immer zum Muster dienen; damit auch ich einst in jenes Vaterland aufge: nommen werde, wo wir ewig das Lob Gottes verkündigen werden. Amen. Gebet zum heiligen Namenspatron. Auserwählter Freund und Diener Gottes, heil. N. N., dessen Name mir in der heiligen Taufe ist gegeben worden, du hast den Kampf auf dem Schauplage dieser Erde glücklich ausge: kämpft, du befindest dich nun im bessern Vater: lande; du kennst die häufigen Gefahren, die viel: fältigen Verführungen, die den Menschen, besonders in seiner Jugend, umgeben; erbitte mir doch bei Gott die Gnade, daß ich allen Verfüh rungen Trok biete, die Gefahren zur Sünde überwinde und nicht ewig zu Grunde gehe. 171 Ich will deinem Beispiele folgen, die gefährlichen Abwege des Lasters meiden, will dein Nachfolger werden, wie du Christi Nachfolger gewesen bist, will, wie du, nach der Lehre Jesu mein Leben einrichten; will mich selbst verläugnen, mein Kreuz tragen, die Welt verachten, alles Böse fliehen und Gott allein gehorsamen, um, wie du, einst seines Reiches theilhaft zu werden. Dein Name, den ich führe, soll mich immer an den Bund erinnern, den ich mit Gott in der heiligen Taufe errichtet habe. Flehe deshalb für mich, und erwirb mir die Gnade, alles, wozu ich mich in der heiligen Taufe verpflichtet habe, zu erfüllen, als ein frommer Christ zu leben, mich zu meinem Ende wohl zu bereiten, durch keine Sünde deinen Namen zu entehren; daß ich einst von dem gerechten Richter in die Zahl der Himmelsbürger aufgenommen, die und allen Seligen zugesellt werde. Amen. Geistliche Lieder und Gebete zum Gebrauche beim öffentlichen Gottesdienste. Predigtlied an Sonntagen. Im Tone: Im Namen des Vaters und des Sohnes z. 1. In Gott des Vaters und des Sohns Und seines Geistes Namen, Sprecht hier am Fuße seines Throns, O Christen! freudig Amen. & 2 172 Sprecht Amen, und bereitet euch, Nach eures Meisters Lehren, Den Vater in dem Himmelreich Mit Bitten zu verehren. 2. O Vater unser, der du bist Im Himmel und auf Erden, Dein Nahme, der so liebvoll ist, Soll stets geheiligt werden! Dein Reich, vom Anbeginn der Welt Bereitet allen Frommen, Das laß, wenn dieser Staub zerfällt, Für uns auch einstens kommen. 3. So wie auf jeden Wink von dir Die Himmelsgeister sehen; So soll auch unter Menschen hier Dein Wille stets geschehen! Das Brod, das unsre Secle nährt Um dir, o Gott zu leben, Auch jenes, das der Leib begehrt, Sen täglich uns gegeben! 4. Vergib uns, Bater! jede Schuld, Die wir vor dir bereuen, So wie wir alle mit Geduld Den Schuldigern verzeihen Ersticke, wenn Versuchung droht, In uns des Bösen Samen! Erlös' uns jetzt und einst, o Gott! Von allem Uibel. Amen. Gesänge zur heiligen Messe. 3um Introitus. 1. Wir werfen uns darnieder Vor dir, Herr unser Gott, Erhöre unsre Lieder, Da wir nach dem Gebot Dir dieses Opfer bringen; Verleihe nun, daß wir Es andachtsvoll besingen, Und wohlgefallen dir. 2. Den Tag vor Jesu Leiden Beim letzten Abendmahl, Indem er wollte scheiden Aus diesem Jammerthal, Hat er das Brod gebrochen, Und ausgetheilt den Wein, Gesegnet und gesprochen: Dieß thut und denket mein. 3. Er sprach: Nehmt hin und effet; Dieß ist mein Fleisch und Blut, Damit ihr nicht vergesset, Was meine Liebe thut. Mich opfernd will ich sterben Am Kreuz zum Heil für euch; Wer an mich glaubt soll erben Mit mir das Himmelreich. 4. Herr! dieß Opfer steige Zu dir mit Wohlgeruch, K3 173 174 Damit dein Herz sich neige3150 Zu deines Volks Gesuch. Wir opfern nicht mehr Kälber, Wie Aron hat gethan, na Nein, Jesum Christum selber, Der uns versöhnen kann. 3um Gloria. 1. Gott Vater! dir gehöret Lob, Ruhm und Dank und Ehr'; Was unsre Ruhe störet, Verstatte nimmermehr. Auf Erden laß uns grünen Den Frieden jederzeit, Daß wir dir fröhlich dienen, Von Furcht und Angst befreit. 2. Der du der Menschen Sünden Gebüßt am Kreuzesstamm, Laß uns Erbarmung finden, Jesu Gottestamm! Gelobt mit Mund und Herzen Seyst du, Gott heil'ger Geist! Der du in Angst und Schmerzen Den Frommen Trost verleih'st. Vor dem Evangelium. 1. Aus Gottes Munde gehet Das Evangelium; Auf diesem Grunde stehet Das wahre Christenthum, 8 Gott selber hat's gelehret, Der nicht betrügen kann; nt Wohl dem, der's gerne höret, Und es nimmt willig an. 2. Sein Wort zeigt uns die Wege Zum Himmelreiche an; Es weiset uns die Stege, Zu gehen diese Bahn; Herr! drücke deine Worte Tief in die Herzen ein, Daß wir zur Himmelspforte Zu kommen würdig seyn. Zum Kredo. 1. Wir glauben und bekennen, Daß aus höchst weisem Rath Gott, den wir Vater nennen, Die Welt erschaffen hat. Bon ihm ist ausgegangen Sein Sohn, der Jesus heißt, Der ward als Mensch empfangen Durch Gott den heil'gen Geist. 2. Maria hat geboren Als Jungfrau dieses Kind, Sonst wären wir verloren, 175 # 19 Wir, die wir Sünder find. Er litt an Leib und Seele, Schloß sterbend seinen Lauf! Stand aus des Grabes Höhle sau Am dritten Tage auf de 176 3. Er ward hinaufgenommen Zu Gottes rechter Hand Wann er wird wieder kommen, Ist uns zwar nicht bekannt. Doch kommt er einst, zu rächen, Und wird von seinem Thron Ein billig Urtheil sprechen Zur Strafe und zum Lohn. 4. Wir glauben nicht alleine, Daß eine Kirche sey, Wir stimmen der Gemeine Der Heiligen auch bei. Die Sünde wird vergeben Durch Christi Diener hier; Der Leib steht auf zum Leben, Geht ein zur Himmelsthür. 3um Offertorium. 1. Herr! laß doch diese Gaben Dir wohlgefällig seyn, Die wir geopfert haben; Es ist zwar Brod und Wein; Doch wird's verwandelt werden In Christi Fleisch und Blut: Das ist uns hier auf Erden, Und den Verstorbnen gut. 2. Wir opfern dir den Willen, Herz und Gedanken auf, Hilf uns, daß wir erfüllen, In unserm Lebenslauf, Was du uns deinen Kindern, Zu thun befohlen hast; Nimm weg, was uns kann hindern, Nimm weg die Sündenlast. 3. Wir legen dir zu Füssen Auch unser Hab und Gut; Und was wir hier genießen, Das Leben, Leib und Blut. Gib uns bald kühlen Regen, Bald warmen Sonnenschein. Und laß durch deinen Segen Die Felder fruchtbar seyn. 3um Sanktus. 1. Laßt uns gen Himmel schwingen, Zum Helfer in der Noth, Und dreimal heilig singen Dem Herrn Gott Sabaoth. Herr! Himmel und auch Erde Sind voll von deinem Ruhm. Hilf daß bekehret werde Das blinde Heidenthum. 2. Daß wir hernach zusammen Dir unsre Herzen weihn, Und, voll von Liebesflammen, Dir ein Hosanna schrein. Herr! der in deinem Namen Kommt, sey gebenedeyt! Die Engel sagen: Amen Fegt und in Ewigkeit. 177 178 Nach der Wandlung. 1. Hier bet' ich auf den Knien, Verborgner Gott! dich an. Ich will mich nicht bemühen, Das, was du hier gethan, Durch Sinne zu begreifen; Dein Wort muß mir allein, Um hier nicht auszuschweifen, Der Grund des Glaubens seyn. 2. Die Gottheit war bedecket Allein, am Kreuzaltar; Hier aber ist verstecket Die Menschheit auch sogar. Dieß Denkmahl deiner Güte, Dieß wahre Himmelsbrod, Erinnert mein Gemüthe, O Herr! an deinen Tod. 3. Wasch mich von meinen Sünden, O Jesu! durch dein Blut, Und laß mich Gnade finden, Du allerhöchstes Gut! Laß bald den Vorhang fallen, Erschein' in vollem Licht, Und zeige mir und allen Dein glänzend Angesicht. Sum Ugnus Dei. 1. Erfreut euch, fromme Seelen! Ein Wunder ist gescheh'n. Der Herr will sich verhehlen, Kein Auge kann ihn seh'n. In Brod- und Weingestalten Ist Jesu Fleisch und Blut Auf dem Altar enthalten, Dieß größte Seelengut. 2. Verdeckt ist hier zu finden Das wahre Gotteslamm, So aller Menschen Sünden Getilgt am Kreuzesstamm. Es ist der Seelen Speise, Wie uns der Glaube lehrt, Sie nährt uns auf der Reife, Und wird doch nicht verzehrt. 3. Wenn wir das Leben schließen, Und dieses Himmelsbrod Recht wohl bereit genießen, So kann der bittre Tod Uns Christen nicht erschrecken. Es ist ein Unterpfand, Daß Gott uns wird bedecken Mit seiner starken Hand. 4. Herr Jesu! deiner Liebe Sey Ehre, Lob und Dank, Weil du nach ihrem Triebe, Zur Speise und zum Trank Dein Fleisch und Blut gegeben, In Brodsgestalt verhüllt, Daraus für uns das Leben Und reine Freude quillt. 179 180 5. Entzünd' in uns Verlangen Nach diesem Sakrament, Herr! laß es uns empfangen, Wann sich die Seele trennt. Laß uns in Frieden fahren, Von allen Sünden rein, Zu deinen Engelscharen, Und ewig bei dir seyn. 3um Segen des Priesters1. Da wir nunmehr gehöret Die Messe, wie man soll, So sey auch Gott geehret! Er mach uns segensvoll, Und laß' es sich gefallen, Was wir allhier gethan; Er bleibe bei uns allen, So sind wir wohl daran. 2. Gott wolle uns behüten, Daß uns an diesem Tag, Des bösen Feindes Wüthen Nicht schädlich werden mag. Er laß' uns ohne Sünden Einst stehen vor Gericht. Damit wir Gnade finden Vor seinem Angesicht. d Meßlie d. Bum Introitus. Herr, deiner Kirche Glieder Erfüllen ihr Gebot; Für uns und uns're Brüder Flehn wir zu dir, o Gott! Wir preisen dich und bringen Dir unser Opfer dar; Vernimm, Herr, unser Singen; Nimm deiner Diener wahr! Sum Gloria. Lob, Ehre, Dank und Segen Sey, großer Gott der Macht Dir deiner Glorie wegen, Von deinem Volk gebracht! Nur du, Herr, bist der Höchste, Sohn Gottes, Jesu Christ! Der du zugleich der Nächste, Und Herr und Gott uns bist. Sum Evangelium. Gott machte seinen Willen Durch der Propheten Mund, Die Art, ihn zu erfüllen, Durch Jesum Christum kund. Herr, präge deine Lehren Tief unsern Herzen ein! Mach', daß wir uns bekeh en; Herr, laß uns selig seyn. 2 181 182 Sum Krebo. Dreieinig, ewig Wesen! Gott, aller Dinge Grund! Dein Sohn, uns zu erlösen, Ward Mensch, starb und erstund; Und wird als Richter kommen, Wenn wir vom Tod' erstehn. Der Geist läßt Heil den Frommen Durch Tauf' und Buß' geschehn. Bur Opferung. Um uns dir zu verpfänden, Wie Israel gethan, Nimm, Herr, aus Priesters Händen Auch unser Opfer an! Nimm diese deine Gaben, All unser Eigenthum, Uns selbst, und was wir haben, Zu deines Namens Ruhm. 3um Sanktus. Wir preisen, Herr und loben Hienieden dich im Geist, Wie dich im Himmel oben Die Schaar der Engel preist. Laß uns mit ihnen singen: Hosanna Gott dem Herrn! Dem Herrn von allen Dingen! Hosanna Gott dem Herrn! Nach der Wandlung. O Jefu, höchstes Gut! Wir denken an dein Leiden, Und opfern ist mit Freuden Dein wahres Fleisch und Blut, Es ist dein einz'ger Sohn, Durch den, in dem wir leben. O Gott, laß ihn erheben Vor deinen höchsten Thron. Nach dem Pater nofter. Du wollst vor aller Noth Barmherzig uns behüthen! Durch aller Heil'gen Bitten Erhör' uns, Herr und Gott! 3um Ugnus Dei. Laß, Jesu, Gotteslamm, Uns Gnad' und Frieden finden, Der du die Welt von Sünden Erlöst am Kreuzesstamm. Unwürdig ist mein Mund, Dieß Engelbrod zu brechen; Doch, Herr! du darfst nur sprechen So wird mein Geist gesund. Die wir, gleich Brod und Wein, Dein Fleisch und Blut empfangen. Daß wir zu dir gelangen, Mach' uns von Mängeln rein. 22 183 184 Du hast uns viel gethan, Herr, in diesem Leben. Was sollen wir dir geben? Nimm dieses Opfer an! Dich preisend, nehmen wir, Von Feinden frei zu werden, Die Leiden dieser Erden, ag Den Kelch des Heils von dir. Bleib, o Herr Jesu Christ! Vereint mit unserm Leibe, Daß nichts in ihm verbleibe, Was bös und sündhaft ist. Nach dem Ste Missa est. Leib, Seele sind gespeist; O Herr! laß dich bewegen, Und gib uns deinen Segen, Gott Vater, Sohn und Geist! Litaney von allen Heiligen fammt den dazu gehörigen Gebeten. Herr, erbarme dich unser. Christe! erbarme dich unser. Herr! erbarme dich unser. Christe! höre uns. Christe! erhöre uns. Gott Vater vom Himmel! erbarme dich unser. Gott Sohn, Erlöser der Welt! erbarme dich unfer. Gott heiliger Geist! erbarme dich unser. Heilige Dreieinigkeit einiger Gott! erbarme dich unser. Heilige Maria! bitt für uns. Heilige Gottesgebärerin! Heilige Jungfrau aller Jungfrauen! Heiliger Michael! Heiliger Gabriel! Heiliger Raphael! 185 Alle heiligen Engel und Erzengel! bittet für uns. Alle heiligen Chöre der seligen Geister, bittet für uns. Heiliger Johann der Täufer! bitt für uns. Heiliger Jeseph! bitt für uns. Heil. Thaddäus! Heil. Mathias! Heil. Barnabas! Bitt für uns. Alle heiligen Patriarchen und Propheten! bittet für uns. Heiliger Peter! bitt für uns. Heil. Paul! Heil. Andreas! Heil. Jakob! Heil. Johann! Heil. Thomas! Heil. Philipp! Heil. Bartholomäus! Heil. Matthäus! Heil. Simon! £ 3 Bitt für uns. 186 Heil. Lukas! bitt für uns. Heil. Markus! bitt für uns. Alle Heiligen Apostel und Evangelisten! bittet für uns. Alle heiligen Jünger des Herrn! bittet für uns. Alle heiligen unschuldigen Kinder! bittet für uns. Heil. Stephan! bitt für uns. Heil. Laurenz! bitt für uns. Heil. Vinzenz! bitt für uns. Heilige Johann und Paul! bittet für uns. Heilige Fabian und Sebastian! bittet für uns. Heilige Kosmas und Damian! bittet für uns. Heilige Gervas und Protas! bittet für uns. Heil. Silvester! Heil. Gregor! Heil. Ambros! Heil. Augustin! Heil. Hieronymus! Heil. Martin! Heil. Nikolaus! Bitt für uns. Alle heil. Bischöfe und Beichtiger! bittet für uns. Alle heiligen Lehrer! bittet für uns. Heil. Anton! Heil. Benedikt! Heil. Bernhard!! Heil. Dominikus! Heil. Franziskus! Heil. Ignaz! Heil. Xaverius! Bitt für uns. Heil. Borgias! bitt für uns. Alle heiligen Priester und Leviten! bittet für uns. Alle heil. Mönche und Einsiedler! bittet für uns. Heilige Maria Magdalena! Heil. Ugatha! Heil. Lucia! Heil. Agnes! Heil. Cäcilia! Heil. Katharina! Heil. Anastasia! Heil. Barbara! Alle Heiligen Gottes! bittet für uns. Sen uns gnädig, verschone uns, o Herr! Sen uns gnädig, erhöre uns, o Herr! Von allem Uibel, erlöse uns, o Herr! Von aller Sünde, 187 Alle heiligen Jungfrauen und Witwen! bittet für uns. Von deinem Zorne, Vom gähen und unversehenen Tode, Von den Nachstellungen des Teufels, Vom Zorn, Haß und allem bösen Willen, Von dem Geiste der Unlauterkeit, Von Blik und Ungewitter, Von Pest, Hunger und Krieg, Von dem ewigen Tode, Durch das Geheimniß deiner heil. Menschwerdung, Durch deine Unkunft, Bitt für uns. Erlöse uns, o Herr! 188 Durch deine Geburt, Durch deine Taufe und heilige Fasten, Durch dein Kreuz und Leiden, Durch deinen Tod und Begräbniß, Durch deine heilige Auferstehung, Durch deine wunderbarliche Auffahrt, Durch die Ankunft des heilgen Geistes des Erlöse uns, o Herr! Trösters, Am Tage des Gerichtes, Wir Sünder bitten dich, höre uns. Daß du unser verschonest. Wir bitten dich, erhöre uns. Daß du uns verzeihest, Daß du uns zur wahren Buße bewegen wollest, Daß du deine heilige Kirche regieren und erhalten wollest, Daß du den apostolischen obersten Hirten und alle Stände der Kirche in deiner heil. Religion erhalten wollest, Daß du die Feinde deiner heiligen Kirche demüthigen wollest, Daß du den christlichen Königen und Fürsten Frieden und wahre Einigkeit geben wollest, Daß du dem christlichen Volke Frieden und Einigkeit verleihen wollest, Daß du uns selbst in deinem heil. Dienste. erhalten wollest, Daß du unsere Gemüther zu himmlischen Begierden erhebest, Wir bitten dich, erhöre uns. Daß du alle unsere Gutthäter mit den ewigen Gütern belohnest, Daß du unsere, und unserer Brüder Freunde und Gutthäter Seelen von der ewigen Verdammniß erledigest, Daß du die Früchte der Erde geben und erhalten wollest, Daß du allen abgestorbenen Christgläubigen die ewige Ruhe verleihen wollest, 189 Vater unser 20. Wit bitten dich, erhöre ung. Daß du uns erhören wollest. O du Lamm Gottes, welches die Sünden der Welt hinnimmt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches die Sünden der Welt hinnimmt, erhöre uns o Herr! du Lamm Gottes, welches die Sünden der Welt hinnimmt, erbarme dich unser, o Herr! Christe! höre uns. Christe! erhöre uns. Herr erbarme dich unser. Christe! erbarme dich unser. Herr! erbarme dich unser. Pfalm 69. O Gott, merke auf meine Hilfe! Herr eile mir zu helfen! Schamroth und zu Schanden sollen werden, die meiner Seele nachstellen. M2 190 Sie sollen zurückweichen, und in Schanden stehen, die mir Uibels wollen. Sie sollen bald schamroth abtreten, die mir sagen: Da, da! recht auf ihn; Aber alle, die dich suchen, sollen frohlocken, und sich in dir erfreuen, und die dein Heil lie= ben, sollen immerdar sagen: Hochgelobt sen der Herr! Ich aber bin bedürftig und arm: o Gott, stehe mir bei! Denn du bist mein Helfer und Erlöser: o Herr! verweile nicht zu lange. Ehre sen dem Vater und dem Sohne, und dem heiligen Geiste. Als sie war im Anfang, jegt und allweg und zu ewigen Zeiten. Umen. Priester. Mache felig deine Diener. Volk. Die auf dich hoffen, mein Gott! Pr. Sey uns, Herr, ein starker Thurm! V. Wider unsere Feinde. Pr. Lasse den Feind nicht vermögen wider uns. V. Und das Kind der Bosheit schade uns nicht. Pr. Herr! handle nicht mit uns nach unsern Sünden. V. Und vergelte uns nicht nach unsern Bosheiten. Pr. Lasset uns beten für unsern obersten Hirten N. V. Der Herr erhalte ihn, mache ihn leben 191 dig und selig auf Erden, und übergebe ihn nicht in die Hände seiner Feinde. Pr. Lasset uns beten für unsere Wohlthäter. V. O Herr! du wollest allen unsern Wohl= thätern um deines Namens willen das ewige Leben geben. Pr. Lasset uns beten für alle abgestorbene Christgläubige. V. Herr! gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. Pr. Laß sie ruhen in Frieden. V. Amen. Pr. Lasset uns auch beten für unsere abwesende Brüder. V. O mein Gott! mache deine Diener selig, die auf dich hoffen. Pr. O Herr! sende ihnen Hilfe aus dem Heiligthum. V. Und von Sion beschüße sie. Pr. Herr! erhöre mein Gebet. V. Und laß mein Geschrei zu dir kommen. Sebet. O Gott! dessen Eigenschaft es ist, sich allezeit zu erbarmen und zu verschonen, nimm an unser flehentliches Gebet; auf daß uns und alle deine Diener, die wir mit Ketten der Sünden stark gebunden sind, die Erbarmung deiner Gütigkeit gnädig auflöse. M 3 192 Wir bitten dich, o Herr! nimm an unser des müthiges Gebet, und verschone derer, die ihre Sünden bekennen, auf daß wir zugleich Verzeihung und den Frieden nach deiner Güte erlangen. O Herr! erzeuge uns gnädiglich deine unaussprechliche Barmherzigkeit, auf daß du uns zugleich von allen Sünden auflösest, und von der Strafe, die wir für solche verdienen, errettest. O Gott! der du durch die Sünde beleidigt, und durch die Buße versöhnt wirst: sieh gnädiglich an das Gebet deines demüthigen Volkes, und wende ab die Geißel deines Grimmes, welche wir für unsere Sünden verdienen. Allmächtiger, ewiger Gott: erbarme dich deines Dieners N., unsers obersten Hirten, deines Statthalters auf Erden, und leite ihn nach deiner Milde auf dem Wege des ewigen Heils, damit er durch deine Hilfe, was dir gefällig, begehre, und kräftigst vollbringe. O Gott! von welchem die heiligen Begierden, guten Anschläge und gerechten Werke entspringen, gib deinen Dienern einen solchen Frieden, welchen die Welt nicht geben kann; auf daß unfere Herzen deinen Geboten ergeben, und gegenwärtige Zeiten durch deinen Schuß von des Feindes Furcht befreit, und friedsam sind. O Herr! entzünde unsere Nieren und Herzen mit dem Feuer deines Geistes, auf daß wir mit keuschem Leibe dir dienen, und mit reinem Herzen gefallen mögen. 139 O Gott! ein Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen, verleihe den Seelen deiner Diener und Dienerinnen Verzeihung aller Sünden, auf daß sie die gnädige Nachlassung, welche sie allzeit gewünscht, durch die gottselige Fürbitte erlangen. Herr! wir bitten, du wollest unserem Thun und Lassen mit deiner Gnade vorkommen, und selbe durch deine Hilfe fortseßen, damit alle unsere Gebete und Werke von dir jederzeit anfangen, und, durch dich angefangen, geendigt werden. Allmächtiger, ewiger Gott! der du herrschest über die Lebendigen und die Todten, und dich als ler erbarmest, welche du aus dem Glauben und Werken für die Deinigen erkennest: wir bitten dich demüthig, daß die, für welche wir uns vorgenommen, unser Gebet auszugießen, die entweder noch in dieser Welt im Leben, oder davon abgeschieden sind, durch die Fürbitte aller deiner Heiligen nach deiner Güte Verzeihung aller ihrer Sünden er= langen mögen, durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, der mit dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Umen. Gebet für den Landesfürsten. O Gott! du Beschüßer aller Reiche, und besonders des christlichen Kaiserthums, verleihe deinem Diener, unserm Kaiser N., daß er deine Macht, durch welche er siegt, erkerne und verN 194 ehre, damit, weil er durch deine Anordnung Landesfürst geworden ist, er auch durch deinen Schuß allzeit mächtig sey; durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, welcher mit dir lebt und regiert in Ewigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebet für das allgemeine Anliegen der ganzen Christenheit. Allmächtiger ewiger Gott! Herr, himmlischer Bater! siehe an mit den Augen deiner grundlosen Barmherzigkeit unsern Jammer, Elend und Noth. Erbarme dich über alle Christgläubigen, für welche dein eingeborner Sohn, unser Herr und Heiland, Jesus Christus, in die Hände der Sünder williglich gekommen, und auch sein kostbares Blut am Stamme des heiligen Kreuzes vergossen hat. Durch diesen Herrn Jesum wende ab, gnädigster Bater! die wohlverdiente Strafe, gegenwärtige und zukünftige Gefährlichkeiten, schädliche Empörung, Kriegsrüstung, Theuerung, Krankheiten und betrübte armselige Zeiten. Erleuchte auch und stärke in allem Guten geistliche und weltliche Obrigkeiten, damit sie alles befördern, was zu deiner göttlichen Ehre, zu unserm Heil und zum gemeinen Frieden und zur Wohlfahrt der Christenheit gedeihen mag. Verleihe uns, o Gott des Friedens! Vereinigung im Glauben ohne alle Spaltung und Bertrennung. Be 195 kehre unsere Herzen zu wahrer Buße und Besserung unseres Lebens. Zünde in uns das Feuer deiner Liebe an. Gib uns einen Eifer zu aller Gerechtigkeit, damit wir als gehorsame Kinder im Leben und Sterben dir angenehm und wohl= gefällig seyen. Wir bitten auch, wie du willst, o Gott! daß wir bitten sollen, für unsere Freunde und Feinde, für Gesunde und Kranke, für alle betrübte und elende Christen, für Lebendige und Abgestorbene. Dir sey empfohlen, o Herr! all unser Thun und Lassen, unser Handel und Wandel, unser Leben und Sterben. Laß uns nur deine Gnade hier genießen, und dort mit allen Auserwählten erlangen, daß wir in ewiger Freude und Seligkeit dich loben und ehren mögen. Das verleihe uns, o Herr! himmlischer Vater, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn und Heiland, welcher mit dir und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. ( Für die allgemeinen Bedürfnisse fünf Vater unser und fünf Ave Maria.) M.OGGOLDER! Snhat t. Am Morgen Betrachtung über Menschenbestimmung. s Uiber das Gefühl meines Dafeyns H 2 Morgenlied e E== e = Erhebung des Gefühls zum Schöpfer = C Gott ist die Liebe=== Furcht Gottes== Beleidigung Gottes= Erkenntniß =: U = Vertrauen auf Gott in Bedrängnissen 3 11 = = 3 11 11 3 a 11 11 11 11 11 2 g " 1" 1 11 11 11 18 11 11 11 S 11 n H H ( 1 1111 11 Gebet für die Menschen meine Brüder Gebet für meine Feinde== = Uiber das Wahre und Gute = H Erkenntniß des Ewigen. Menschenberuf und Meris schenpflicht==.= #= 3 == Um Erkenntniß des wahren Nebenmenschen= Um Erkenntniß des Glaubens Allgegenwart Gottes= Erwägung der Weisheit Gottes Gedanken über die Erlösung Gebet am Geburtstage 11 to 11 = 11 11 11 11 11 11 a h 11 4 3 11 11 11 11 h 11 11 =:= 39 41 A 19 11 11 Seite 11 L4692 12 17 21 24 28 30 35 36 37 45 46 51 52 53 Inches 1 Centimetres Blue 2 Oott ift 3 4 Cyan 2 15 6 Farbkarte# 13 Green 17 PRAG 1827. gedru kt und zu haben in der Sommerschen Buchdruckeren in hest.. ligen Annakloster No 948. 3 8 Yellow 19 4 10 Red 11 15₁ 12 13 Magenta 14 ( O 6 15 White 16 17 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8