Gb 1423 P. 148. del 1833. Die Jutter der reinen Siebe, der Ehrfürcht der Erkennt niss und der heiligen Hoffnung.( Eccli 24, 24) Erkenntniss und Liebe. Ein Gebetbuch von Joh. Emanuel Veith, Weltpriester und Domprediger an der Metropolitankirche zum heiligen Stephan. 444 WIEN. Verlegt von Franz Riedl, bürgl. Buchbinder am Kehlmarkte Nr. 1025. Jb 1423 Gebruckt bei 3. P. Sollinger. Univ.- Bibl. Giessen Anstatt des Vorwortes. Erkenntniß und Liebe, Liebe und Erkenntniß Gottes wandeln Hand in Hand, und mögen nicht getrennet seyn. Erkenntniß ohne Liebe ist frostig, Liebe ohne Erkenntniß findet keinen haltbaren Weg, daher auch des Apostelfürsten bedeutsame Mahnung:„ wachset in der Gnade und Erkenntniß unseres Herrn und Erlösers Jesu Christi,"( 2. Pet. 3.) und der Wunsch des heil. Paulus: daß die Gläubigen eingehen möchten in die Fülle der Einsicht, in der Erkenntniß der Mysterien Gottes des Vaters und Christi * IV Jesu, in welchem alle Reichthümer der Weis. heit und Wissenschaft verborgen sind«( Coloff. 2, 2.) Daher auch der schöne Ausspruch des großen Lehrers der christlichen Vorzeit, S. Cyrillus von Alexandria:" Wahrhaft und mit Recht verharret derjenige in unveränderlichem Stande( in Gott ergebner Treue), der da liebet aus Erkenntniß.( Stromat. lib. IV.) Hierin möge nun der Titel dieses Büchleins seine Rechtferti. gung finden. Wien im Juni 1832. this ba Inhalt. Morgengebete Erster Abschnitt. Weihe des Tages. 1. Nach dem 62. Psalme II. Kirchliches Gebet III. Morgenübungen IV. Der Gruß des Engels V. 3ur seligsten Jungfrau H VI. Zu den Schußengeln und Heiligen Undachtsübungen bei der heiligen Messe 14 41 Erste Abtheilung: Eingangsgebete 3weite Abtheilung: Glaubensbekenntniß Dritte Ubtheilung: Opferung Vierte Ubtheilung: Confecration Fünfte Abtheilung: Communion und Danksagung Lobgefang des heiligen Umbrofius ### h 11 * M 11 11 11 Seite E = = -236T 8 10 12 25 15 18 21 25 29 VI Abendgebete a 1. Abendbetrachtung II. Kirchliche Gebete H H H 3weiter Abschnitt. Weihe besonderer Stunden. Das Gebet des Herrn I. Bater Unser, der Du bist im Himmel II. Geheiliget werde Dein Name III. Herzu komme Dein Reich IV. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden = V. Jesus vor Pilatus und Herodes VI. Jesus vom Volke verworfen VII. Jesus zum Kreuze verurtheilt VIII. Sesus am Kreuze erhöhet IX Jesus am Kreuze vollendend = = # 1 11 11111 V. Unser tägliches Brod gib uns heute = VI. Und vergib uns unsre Schulden, gleichwie auch wir vergeben unsern Schuldigern VII. Und führe uns nicht in Versuchung VIII. Sondern erlöse uns von dem übel Gemüthserhebungen zum leidenden Erlöser 1. Kufgang zum Ölberge II. Jesus am Ölberge III. Jesus in Banden IV. Jesus vor Caiphas 11 11 Unbetung Jesu im heiligsten Sacramente des Ultars 1. Wesentliche Gegenwart II. Denkmal der Sühnung = 14 H 11 11 11 = T ### W 11 H 01 11 " = A Seite 32 85 go 92 97 100 105 110 = 116 = 125 35 - 39 1 46 51 55 59 64 70 75 83 - = 128 III. Licht und Leben IV. Brod vom Himmel V. Unterpfand der Glorie VI. Thron der Gnade VII. Unrufungen und Bitten Verehrung der heiligen Jungfrau 1. Uve Maria 11, Salve Regina III. Lobgesang der heiligen Jungfrau Udvent Weihnacht Epiphania Namen Jesu Lichtmeß Charwoche Ostern 11 01110 Himmelfahrt Pfingsten Trinitas = C a 1. Bitten zu Jesu II. Stabat Mater= III. Beim Grabe Chriftt 3 3 Dritter Abschnitt. Weihe des Kirchenjahrs. = = a - 11 11 11 10 11 = C 11 11 11 11 11 = = H 18 16 : = 114 1 44 11 n 41 11 11 Fronleichnams= Octave= Hymnus des h. Thomas von Uquin Fest des heil. Herzens Jesu = Fest aller Heiligen Gedächtnistag aller abgeschiedenen Gläubigen 31 53 11 13 11 1 11 11 11 1111111 11 : VII Seite 131 134 138 141 = 144 = 148 H A = 11 1111 = B 11 18 H 1) = C 158 162 4 11 165 167 170 171 172 173 = 177 = 179 = 182 184 185 188 = 18g = 190 = 191 = 192 = 194 ane VIII Einige Feste der Heiligen. Maria Empfängniß S. Stephanus: Fest des heil. Joseph= Mariä Verkündigung Fest des heil. Johannes Baptista Fest der Upostelfürsten Mariä Heimsuchung Fest der heil. Magdalena Fest der heil. Unna Mariä Himmelfahrt Mariä Geburt= Schußengelfest = = = Communion= Gebete = IV. Nach der Beichte V. Der 102. Psalm = = 1. Beherzigungen vor der Beichte 11. Der fünfzigste Pfalm III. Der 129. Pfalm = 3 H = = " 4" 1. Übungen vor der Communion = 11. Gebet des heil. Thomas von Aquin III. Übungen nach der Communion IV. Bitte des heil. Bonaventura H = 3 H 11 H M 11 Vierter Abschnitt. Weihe der Beicht- und Communion- Tage. Beichtgebete 11 - 199 200 4 1 W 34 # 11 "" = 202 Seite 198 = # 203 11 -- 2 201 11 """ - 212 = 230 = 236 207 G 238 245 248 250 253 Fünfter Abschnitt. Weihe bedeutsamer und ernster Zeiten. Übungen der Liebe, der Dankbarkeit, der Reve Der 144. Pfalm = = Gebet des heil. Thomas von Aquin Um Erkenntniß des göttlichen Willens Reisegebet = = Gebet für Freunde Für Widersacher und Feinde Für Bedrängte und Betrübte Um Selbstbeherrschung Um wahre Demuth Um Geduld Der 30. Psalm In allgemeinen Drangsalen In Krankheit und Siechthum um einen seligen Tod Sterbenden vorzubeten= Fürbitten für Scheidende Fürbitten für Verstorbene Beherzigung für Lebende = = H 2 = 11 11 4 " Anhang. Litaneien und Lieder. Litanei aller Heiligen Litanei zu Ehren der sel. Jungfrau Maria Glaube, Hoffnung und Liebe Seite 257 = 260 263 265 266 267 3 H = = = IX = 268 269 270 272 273 276 277 280 282 283 = 287 = 300 305 K Litanei vom Namen Jesu Litanei vom Leben und Leiden Christi Litanei vom heiligsten Altarssacramente Geistliche Lieder. Predigtlied an Sonntagen Meßgefang Sweiter Meßgefang Lied zum heiligen Ultarsfacramente Te Deum Laudamus Adventlied zur Rorate Udventlied zur Norate Weihnachtlied Fastenlied Ofterlied Pfingstlied Gefang an den Festtagen Mariä Zum Gegen H H 6 = Seite = 307 = 310 = 315 = 329 337 338 841 343 346 = 948 350 352 353 355 H = $ H H 319 320 2 Erster Abschnitt. Weihe des Tages. Damit is im Hause des Herrn wohne alle Tage meines Lebens.( Ps. 26, 4.) Morgengebete. I. Nach dem 62. Pfalme. Herr, mein Gott, meine Stärke, mit dem Morgenlichte erwache ich zu Dir. Ich schlummerte, und mein Bewußtseyn schwieg, und Dunkelheit umhüllte mich, gleich den Schatten des Todes; und nun, da ich erwache, erwache ich zu Dir. Denn Du allein bist meines Geistes Licht und Leben, die Sonne meines Daseyns, meiner Bestres bungen Ziel; gib, daß ich lebe und wache zu Dir. Damit mein Auge stets zu Dir erhoben sey, da= mit Dein Wohlgefallen auf meiner Seele ruhe, Deine Gnade mich beschirme. Damit ich vor Dir wandle in aufrichtiger Ge finnung, im Glauben an Deine verborgene Herrlichkeit, im Vertrauen auf deine Baterhuld, im Gehorsam gegen Deinen liebreichen Willen, 1 Morgengebet. Herr, mein Gott, mein Licht, mit dem Morgenlichte erwache ich zu Dir. Zu Dir dürftet meine Seele, zu Dir, o ewige Schönheit, ist meines Herzens Verlangen. 2 Besser ist Deine Barmherzigkeit, als jegliches Leben, darum sollen meine Lippen Dich preisen. Ob in Wohlfahrt, ob in Leiden, jederzeit will ich Dich loben, und flehend zu Dir meine Hände erheben. Damit meine Seele von Deiner Huld erfüllet werde, und Deiner Hilfe sich erfreue. Herr, mein Beschirmer und Erlöser, am frühen Morgen gelange mein Gebet zu Dir. Die Ehre sey dem Vater 2c. II. Kirchliches Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott, der Du, in steter Huld, bis zum Anbeginne diefes Tages mein Leben beschüßzet hast, schirme auch heute mich in Deiner unendlichen Kraft und Güte, damit meine Reden, Gedanken und Werke jederzeit auf die Erfüllung Deines heiligsten Willens gerichtet bleiben, durch Christum unsern Herrn. Sieh gnädig herab, o Gott, auf Deine Diener, und das Licht Deiner Klarheit leuchte über uns, und lenke die Werke unsrer Hände.( Ps. 89.) Morgengebet. 3 Allmächtiger Bater, Herrscher des Himmels und der Erde, Deine Gnade sey mit mir, um heute meinen Geist, meinen Leib, meine Sinne, meine Reden und Handlungen nach Deinem Gefeße zu lenken, und in der Befolgung Deiner Gebote zu heiligen, damit ich, von jeglicher Sünde frei, hier und ewiglich in Deiner Liebe beseligt werde, durch Jesum Christum, Deinen Sohn, unsern Herrn und Erlöser. Amen. III. Morgenübungen. Ich bete Dich an, ewiger dreieiniger Gott: Vas ter, Sohn und heiliger Geist, Eine Wesenheit in dreifacher Persönlichkeit, drei Personen in Einer Gottheit, unendlich selig in Dir selbst, allmächtig in Deiner Schöpfung, liebevoll und heilig in Deinen Offenbarungen! Ich erkenne und bekenne, daß ich Dein Geschöpf bin, gänzlich abhängig von Dir; ich unterwerfe mich freudig Deiner göttlichen Hoheit, Deiner ewigen Macht und Wahrheit. Ich hoffe und vertraue auf Dich allein, auf Deine ewige Kraft und Güte, auf die Heiligkeit Deiner überreichen freigebigen Liebe, auf die Untrüglichkeit Deiner Verheißungen. Alles Gute, das ich hienieden oder jenseits besigen kann, hoffe und begehre 1* 4 Morgengebet. ich lediglich von Dir, dem einzigen Quell und Ge ber des Guten. Dir verlange ich, heute und jederzeit, alle Kräfte meines Leibes und Geistes zu weihen, um mein ganzes Daseyn, und die volle Willensfreiheit, die Du mir verliehen, zu Deinem Dienste, zur Ehre Deines Namens anzuwenden. Ich will, mit Deiner Gnade, mein Herz bewa: chen, um niemals, es sei in Gedanken oder im Werke, in etwas einzuwilligen, was der Heiligkeit Deiner Liebe, und Deiner Absicht mit mir widerstreitet. Ich will auch jegliche Widerwärtigkeit, die heute Deine Baterhand mir senden wird, mit Ergebung hinnehmen, damit Dein Wille an mir geschehe. Ich erfreue mich an der Fülle der Klarheit und Geligkeit, die Du ewiglich in Dir selber besigest; ich wünsche aufs sehnlichste, daß alle geistigen Ge schöpfe Dir dienen, alle Menschen Dich erkennen und verherrlichen. Ich danke Dir, so innig ich es vermag, für die zahllosen Wohlthaten, die Deine Vorsehung mir und allen Geschöpfen verliehen hat, und unaufhörlich verleihen will; und ich wünsche Dich lieben zu können, um Deiner selbst willen, wie Deine Auser= 5 Morgengebet. wählten und Verklärten Dich lieben, welche die Fülle des Lebens und der Beseligung bereits in Dir gefunden haben. Ich will Dich lieben, o Gott, meine Stärke, meine Zuversicht, ich will ewig Dir angehören; aber ich vermag dieß nur durch die Gnade des Mittlers und Erlösers, den Deine erbarmende Liebe mir gegeben, dessen unendliche Verdienste mir neues Recht auf Deine Baterhuld erwarben. Mit diesen Verdiensten vereinigt opfere ich Dir alle Werke und Mühen dieses Tages auf, damit sie, im Namen Jesu, Dir wohlgefällig seien. Ich preise Dich, barmherziger Vater, für alle die Segnungen, welche Du zu meinem Heile vorbereitet, und will dankbar der Wohlthaten eingedenk seyn, die mir im Schooße der sichtbaren Kirche, und in der Gemeinschaft der Heiligen, immerfort zu Theile werden, sofern ich anders den Bund bewahre, welchen Du mit mir geschlossen, und durch das Blut Deines Sohnes versiegelt hast. Mein Gott und Gebieter, der Du allein das unbedingte Seyn und die ewige Wesenheit bist, und aller Liebe und Ehrerbietung unendlich würdig: ich bereue jede Sünde, durch welche ich jemals gegen Deine heilige Liebe gefrevelt, und verabscheue sie 6 Morgengebet. mehr, als alle anderen Übel; ich flehe um Verzeihung Dich an; ich erneure meinen Vorsak, Dich im Werke und in der That über alles zu lieben, und Dein Gesetz zu bewahren. Unter Deinen Schirm, o Jesu, begebe ich mich, in die überreiche Liebe Deines Herzens will ich eingehen, in welchem alle Schäße der Weisheit und Wissenschaft Gottes sind. Dein bin ich, o Herr, denn erkauft hast Du mich durch einen unendlichen Preis; Deine Weisheit lenke mich, Deine Kraft befeftige mich, damit ich, Dir nachfolgend, nicht in Finsterniffen wandle. Was suche ich im Himmel? oder was verlange ich von Dir auf Erden? Alles irdische Streben vergeht, und dieß leibliche Leben schwindet; Du allein bist der Fels, auf welchem ich sicher ruhe, der Gott meines Herzens bist Du, und mein Antheil in Ewigkeit.( Psalm. 72) IV. Der Gruß des Engels. Der Engel des Herrn brachte Maria die Bot: schaft, und sie empfing von dem heiligen Geiste. Gegrüßet seiest du, Maria, Du Gnadenvolle zc. Maria sprach: ich bin eine Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Worte. Gegrüßet seiest du zc. Morgengebet. 7 Und das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnt, voll der Gnade und Wahrheit. Gegrüßet seiest du zc. Kirchengebet. Wir bitten Dich, o Herr, flöße das Leben deiner Gnade unfren Herzen ein, damit wir die unendliche Wohlthat, welche durch die Menschwerdung Christi Deines Sohnes uns verliehen ward, dankbar erkennen, und, seinen Geboten treu, durch sein Leiden und seinen Kreuzestod zur Herrlichkeit der Auferstehung geführet werden. Durch denselben Christum, unsern Herrn, Amen. V. 3ur seligsten Jungfrau. Glorwürdige Jungfrau, Zierde und Freude des Menschengeschlechts, Mutter meines Erlösers: Ich grüße und ehre Dich als wahrhafte Gottesgebärerin und Gottesmutter, weil der Wunderbare, den Du geboren, eben so wahrhaft Gott als Mensch ist, in unzertrennlicher persönlicher Einheit. Ich grüße und verehre Dich als meine himmlische Mutter und Gebieterin, weil der Wunderbare, den Du geboren, eben sowohl mein Erlöser und Retter, als mein Herr und König ist. Ich kenne den Antheil, den Du, o Gnadenvolle, an meinem Heile genommen; 8 Morgengebet. ich kenne den treuen Gehorsam, mit welchem Du, als eine Magd des Herrn, Dich und Dein ganzes Leben der göttlichen Vorsehung unterworfen haft; und groß und innig ist die Mutterliebe, welche Du um Deines Sohnes willen zu allen Menschen trägst, für die er sich aufgeopfert. Ich weiß auch, welch eine Wirksamkeit, in der Gemeinschaft der Heiligen, Deiner Fürbitte und Deinem Schußze gewährt ist. In diese mächtige Fürbitte, in diese liebreiche Treue laffe auch mich, heute und täglich, empfohlen seyn, damit es unter Deiner mütterlichen Obhut mir ge= linge, in dem Wohlgefallen Deines göttlichen Sohnes zu wandeln, und in seiner Gnade zu beharren. Nimm mich auf unter die Zahl der Glückseligen, die Deinem jungfräulichen Herzen lieb und werth sind, und erwerbe mir die Kraft, meine Seele rein zu bewahren, und Jesum vor allem und über alles ju lieben. VI. 3u den Schußengeln und Heiligen. Ihr seligen Engel, die ihr stets das Angesicht Gottes schauet, freudig bereit, seinen Willen zu vollziehen; ihr himmlischen Geister, die ihr die Menschen liebet, über ihre Erleuchtung und Heiligung frohlockt, und gern zu ihrem Schuße euch darbietet, 9 Morgengebet. um vor den Gewalten der Finsterniß, vor Irrthum und Sünde sie zu bewahren: eure Liebe, eure Kraft, euer Eifer für Gottes Ehre sei auch heute mit mir, und bewahre mich, dem Willen des Vaters getreu, auf allen meinen Wegen. Auch zu euch empor, ihr herrlichen Apostel und Martyrer, ihr Jungfrauen und Gerechten alle, deren verklärter Geist schon der Seligkeit sich freuet, ist mein Auge gewendet. Eure Fürbitte geleite mich, der ich hienieden noch wandern muß, im Lande der Gefahr und der Prüfung, damit ich nach eurem Beispiel vorsichtig und gottesfürchtig wandle, und einst, wie ihr, eingehen möge in die Freude des Herrn. 10 Andachtsübung Andachtsübungen bei der heiligen Messe. Vorbereitung oder Intention. Vor Deinem Angesichte, Herr, allgütiger Vater, will ich erscheinen, um deine ewige Herrlichkeit anzubeten, um mich und meinen Willen Dir, meis nem Gotte, zu unterwerfen, um für Deine vielfachen Wohlthaten zu danken, und für die zahlreiz chen Verschuldungen, die ich gegen deine heilige Liebe begangen, deine verzeihende Huld anzuflehen; endlich um alle jene Gaben und Gnadenhilfen von Dir zu erbitten, deren ich und diejenigen bedürfen, für welche ich Deine Güte und Allmacht anrufe. Allein da Niemand zu Dir, o Bater, gelanget, es sey dann durch Deinen ewigen Sohn, unsern gött lichen Mittler; da Er allein es ist, der unsre Verschuldung gesühnt, und Deinen Frieden uns wieder 11 bei der heiligen Messe. erworben hat, so erscheine ich auch vor Dir mit keinem andren Verdienste, als welches der Gottmensch mir mitgetheilt, und habe kein anderes Opfer, das Deiner unendlichen Herrlichkeit würdig wäre, als welches er selber Dir dargebracht, und täglich darbringt. Und darum darf ich in gläubiger Demuth, in freudiger Zuversicht Deinem Altare mich nahen, um an jenem hochheiligen Opfer Antheil zu nehmen, welches, auf sein Geheiß, täglich unblutiger Weise in seiner Kirche erneuert wird, damit das Verdienst seines Opfertodes einem Jeglichem, und auch mir, zu eigen werde. Und dieses höchste und einzige Opfer verlange ich, in Vereinigung mit dem Diener des Altares, Dir darzubringen, zur Verherrlichung Deines Namens, zum Bekenntnisse deiner Machtvollkommenheit, und unsrer gänzlichen Abhängigkeit von Dir; zum lebendigen und wesentlichen Andenken an das Leben, Leiden und Sterben Deines Menschgewordenen Sohnes; zur würdigen Danksagung für alle Wohlthaten Deiner Güte; zur Sühnung und Genugthuung der Sünde, die ich von Herzen verabscheue; zur Erlangung Deiner hilfreichen Gnade und Deines liebevollen Beistandes, wodurch ich befähigt 12 Andachtsübung werde, deinem heiligen Willen getreu zn handeln; endlich für alle meine Anverwandten, Wohlthäter, Freunde, für Alle, die ich beleidigt habe, oder die von mir beleidigt wurden, und für die Seelen der abgeschiedenen Gläubigen, besonders jener, für die ich am meisten zu bitten verpflichtet bin. Nimm, 0 Bater, meine Huldigung und mein Flehen gnädig. lich an, und erhöre Alle, die zu Dir rufen, durch Christum Jesum, Unsern Herrn. Erste Abtheilung: Eingangsgebete. ( Stufengebet.) Ich habe meine Augen erhoben zu den Bergen, von daunen mir Hilfe komme: meine Hilfe ist von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat! Zu Dir, o Herr, zu den ewigen Höhen deines Heiligthumes, habe ich mein Auge erhoben; von Dir allein, von Deiner allmächtigen Güte, kommt all mein Heil. Ich bete Deine ewige Liebe an, ich stehe beschämt und verwirrt vor Deinem Ungerichte, denn unendlich heilig und gerecht ist Deine Liebe. Deine Gerechtigkeit ist eine abgründliche Tiefe, Deine Wahrheit reicht über die Wolken. Ich aber, Dein Geschöpf und Dein bei der heiligen Messe. 13 Knecht, undankbar Deiner Güte, treulos Deinen Geboten, wie darf ich mein Auge zu Dir erheben, wie vermag ich mich vor Dir zu entschuldigen? Vielfältig sind die Übel, die mich bedrängen, vielfach habe ich Deine Strafe verdient, aber mein ist die Schuld, und nur Einer ist es, der mich entschulden kann, der göttliche Mittler. Er hat sich gedemüthigt um meinetwillen, er ist gehorsam worden bis zum Kreuzestode, er steht zwischen Dir und mir; um seines Verdienstes willen nimmst Du wieder in deine Vaterhuld mich auf. Erneure an mir, o Herr, Deine Barmherzigkeit; erhöre mein Gebet, und laffe mein Flehen zu Dir gelangen! ( Kyrie.) O Gott, der Du reich an Erbarmung bist, für Alle, welche Dich anrufen, sieh gnädig herab auf uns, die wir Deine herrliche Liebe bekennen. Zu Dir, o Bater, dürfen wir wieder unsre Augen erheben, der Du in den Himmeln wohnest. Wie die Augen des Dieners auf die Hand seines Herrn, so ist unser Auge gerichtet auf den Herrn unsern Gott. Erbarme Dich unser, o Herr, erbarme Dich unser. Der Du mächtig bist, und dessen Name heilig: era barme Dich unser. Der Du throneft über Cherubim, 14 Andachtsübung und die Abgründe durchschauest, der Du mit Licht dich kleidest, wie mit einem Gewande: erbarme Dich unser. Der Du uns geliebt hast, o Jesu, und Dich selber für uns dargegeben: erbarme Dich unser! ( Gloria) Denn dieß, o Herr, ist Deine Herrlichkeit, dieß die Offenbarung Deiner überschwenglichen Liebe, daß Du, der Aufgang aus der Höhe, das schaffende Wort, des Vaters ewiger Sohn, und der Abglanz seiner Glorie, uns heimgesucht hast, die wir wohnten in den Schatten des Todes; um den Namen des Vaters zu verklären, seine Ehre zu verkünden, und Frieden zu bringen Allen, die eines guten Willens sind. Wir loben Dich, wir preisen Dich selig, wir beten Dich an; wir danken Dir für die Erkenntniß Deiner großen Herrlichkeit und Liebe. Du bist wahrer Gott und wahrer Mensch, wer Dich sieht, sieht auch den Bater. Du bist der Sohn der Jungfrau, der neue und himmlische Mensch, Du bist das Leben des Menschengeschlechts, das Lamm Gottes, welches für uns sich opfernd, die alte Schuld gesühnet hat. Der Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre unser Gebet! Der Du sigest jur Rechten des Vaters, erbarme Dich unser! Denn Du allein bist heilig, Du allein Herr, Du allein der bei der heiligen Messe. 15 Allerhöchste, Jesus Christus, mit dem heiligen Geiste in der Glorie des Vaters. Amen. ( Collect e.) Darum auch flehen wir einstimmig zu Dir, 0 Bater, der Du uns alle in Christo, Deinem Sohne, vereinen und beseligen willst, daß Du uns, in der Gleichförmigkeit unfres Willens mit dem Deinen, den wahren Frieden verleihest, damit wir gegen alle Versuchungen, die uns anfeinden, durch Deine Gnade geschüßet werden, und das selige Ziel, das Du uns geseßt, auf dem Wege Deiner Gebote erreichen, durch Christum unsern Herrn. 3weite Abtheilung: Glaubensbekenntniß. ( Epistel oder Lection.) Denn dahin stimmen, o Bater, alle Deine Verheißungen durch die Propheten; dahin Deine liebreichen Unterweisungen aus dem Munde der Apostel, daß wir, in Deine Baterhuld wieder aufgenommen, Deinen Willen erfüllen, und in kindlicher Ehrfurcht auf Deine Erbarmungen hoffen. Und so redet auch das Haupt Deiner Apostel, der Fels Deiner Kirche zu uns:» Gepriesen sey Gott, der Vater unfres Herrn 16 Andachtsübung Jesu Christi, der nach seiner großen Barmherzigkeit uns neu umschaffen hat zu seinen Kindern, zu le bendiger Hoffnung, durch die Auferstehung Jesu von den Todten. Den ihr liebet, obwohl ihr ihn nicht gesehen habt, an den ihr glaubet, ohne ihn zu sehen; durch welchen Glauben ihr einstmals froh. locken werdet in unaussprechlicher Freude, wenn ihr eures Glaubens Ziel erreicht haben werdet: das Heil eurer Seele«( 1. Petr. 1, 3.). ( Gradua I e) Und deshalb lobet den Herrn, alle Nationen, preiset ihn, ihr Völker alle! Denn befestigt ist über uns seine Barmherzigkeit, die Wahrheit des Herrn bleibt ewiglich( Ps. 116.). Die Ehre sei dem Bater 2c. ( Evangelium.) Wie herrlich, o Jesu, sind die Aussprüche Dei: ner Wahrheit; wie himmlisch Dein Wort und Bei spiel! Eine Leuchte meinen Schritten ist Dein Wort, und ein Licht auf allen meinen Wegen. Besser ist mir das Geset Deines Mundes, als Schäße des Gol des und Silbers. Dein Geseß, o Herr, ist makellos, es bekehrt die Seelen; Dein Zeugniß ist treu, verleihet Weisheit den Kleinen. Deine Vorschriften sind gerade, sie erfreuen das Herz, Dein Gebot ist bei der heiligen Messe. 17 licht, es erleuchtet die Augen( Pf. 18.). O himmlische Weisheit, die du mit siegreichem Lichte in jeglichem Wort und Werke Christi dich geoffenbart hast, erleuchte mein Herz mit heiliger Erkenntniß, damit ich das Evangelium, die frohe Botschaft von dem Erlösungswerke, mit Freude und Dankbarkeit in meinem Herzen bewahre, und nicht als bloßer Hörer, sondern als Vollzieher Deines Willens vor Dir befunden werde! ( redo.) Und da ich vor allem der heiligen, katholischen Kirche glaube, als der Säule und Grundfeste Deis ner Wahrheit, als der steten und lebendigen Fortdauer Deines Erlösungswerkes; da sie es ist, welche durch die Menschwerdung und den Opfertod Deines Sohnes gestiftet wurde, und durch Deinen heiligen Geist geleitet wird; da sie allein es ist, durch welche ich von Dir, o Gott, von Deiner Liebe, von Deiner Offenbarung, von meinen Pflichten Kenntniß erlange, so glaube und bekenne ich alles, was diese heilige Kirche mir zu glauben vorstellt: Dich selbst, o Schöpfer aller Dinge, der sichtbaren und unsichtbaren, Deine Wesenseinheit und dreifache Persönlichkeit; die Menschwerdung Deines Sohnes, 2 8 18 Andachtsübung des ewigen Wortes, durch den heiligen Geist, aus Maria der Jungfrau, seinen Opfertod am Kreuze, seine Auferstehung und Himmelfahrt, seine dereinstige Wiederkehr zum Gerichte über alle Menschen, und sein ewiges Reich in der Herrlichkeit. Ich glaube an den heiligen Geist, der als Band der Einheit, als wechselseitige unendliche Liebe aus dem Vater und dem Sohne hervorgeht, der die erlösete Mensch heit wieder mit Gott vereinet, der die Kirche er: leuchtet, lenkt und heiligt. Ich glaube an die Ge meinschaft der Heiligen, an die Nachlassung der Sünden, durch Theilnahme am Berdienste Christi, in der Taufe und in der Buße, an die Auferstehung des Leibes und ein ewiges Leben. Amen. Dritte Abtheilung: Opferung. ( Offertorium.) Und nun, im Geiste der Demuth, in der Anerkennung Deiner unendlichen Macht und Heiligkeit, im Bekenntnisse meiner gänzlichen Abhängigkeit von Dir, und in dankbarer Unbetung Deiner freigebigsten Güte, verlange und wünsche ich, diese Gaben, diese Opfer, welche die heilige Kirche durch 19 bei der heiligen Messe.- ihren Diener darbringt, damit Du sie segnest und heiligest, dir gleichfalls auch darzubringen, und das Opfer meines Willens, mich selbst, mit diesen Ga= ben zu vereinigen. Denn zwar ist Alles Dein, was im Himmel ist, und was auf Erden; ich verlange aber auch, mit meiner ganzen Willens- Freiheit, die Du mir verliehen hast, Dein zu seyn, und ewig Dein zu blei ben. Nimm mich an, o Herr, als ein freiwilliges Opfer, zu immerwährender Treue nnd Unterwerfung, im Namen Deines Sohnes, durch dessen Verdienst Du alle meine Fehler und Vergehungen tilgen, und das wenige Gute, das ich aufzuweisen habe, heiligen und vermehren wollest. Ich bringe Dir auch dar alle frommen Wünsche und Bestrebungen Deiner Diener, alle Bedürfniffe und Leiden meiner Freunde, Wohlthäter, Widerfacher, damit Du mir und ihnen Deine Verzeihung, Deine Gnade, Deine Hilfe sendeft. Was dürfen wir von Dir nicht hoffen, der Du, überreich an Erbarmung, deinen eingebornen Sohn für uns dargegeben hast, um uns mit ihm, durch ihn, neu zu beleben? Was sollen wir nicht, mit kindlichem Vertrauen, von dir erwarten, der Du täglich zu unserm Heile, die Wunder Deiner Liebe erneuerst? 2* 2 20 Andachtsübung ( Präfation.) O Herr und Gebieter des Weltalls, furchtbar in Deiner Majestät, unendlich milde in Deiner Baterliebe: vor so hohen Geheimnissen stehe ich erbangend, kann in solche Lichtesfülle mit blödem Auge nicht schauen, vermag so übergroße Liebe nicht zu fassen! Aber wie der Himmel über die Erde erhöhet ist, so Deine Gedanken über des Menschen Gedanken. Darum will ich nicht in der Tiefe weilen. Empor die Herzen! ruft die Stimme der Kirche; ja wir erheben unsre Herzen zu Gott. Unser Wandel sey im Himmel, wo Christus thronet zur Rechten des Vaters. Heiligster Herr, allmächtiger Bater, ewiger Gott, der Du mit Deinem Eingebornen Sohne und dem heiligen Geiste Ein Gott bist, Ein Herr, den die Engel und Erzengel preisen, und alle Schaa-. ren der seligen Geister, lasse, mit ihrem Lobgesange vereint, auch unsre Anbetung, unfren Dank zu Dir empor gelangen; damit dein Name geheiliget werde, wie im Himmel, also auch auf Erden. Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Gott der Heerschaaren; Himmel und Erde sind seiner Herrlichkeit voll! Hochgelobt, der da kommt im Namen bei der heiligen Messe. 21 des Herrn. Sieh er kommt von den Höhen des Himmels, er steigt herab zu den irdischen Tiefen! Sein schaffendes, gebietendes Wort wird ausge= sprochen, und er ist mitten unter uns! Er kommt in seiner Menschheit, in seiner Gottheit, in seiner Demuth, in seiner Kraft; in seiner Liebe, in seiner Wahrheit; gebenedeit sey, der da kommt im Namen des Herrn! Vierte Abtheilung: Confecration. ( Vor der Wandlung.) Herr und Erlöser, dem alle Macht verliehen ist im Himmel und auf Erden: im Himmel waltest Du in Deiner ewigen Gottheit, in Deiner verklärten Menschheit; auf Erden bist Du, mitten unter uns, durch Dein Verdienst, durch Deine Gnade, durch die tägliche, unblutige Erneuerung deines belebenden Opfers. Daher gedenken wir mit Ehrfurcht und Liebe Deiner Heiligen und Auser= wählten, welche in der triumphirenden Kirche die Anschauung Deiner Klarheit beseligt, insbesondre der seligsten Jungfrau Maria, Deiner wunderbaren Gebärerinn, und Deiner heiligen Apostel und Blutzeugen. Um ihrer Verdienste und Fürbitten 22 Andachtsübung willen sey eingedenk dieser streitenden Kirche auf Erden, ihres sichtbaren Oberhauptes, ihrer Hirten, der christlichen Regenten, so wie aller Deiner Die ner und Dienerinnen, deren Glauben und Andacht Dir bekannt sind, damit sie aus der Fülle Deiner Gnade die Zuversicht ihres Heiles empfangen, ( Wandlung-) Wie groß, o Herr, sind diese Reichthümer Deiner Gnade, wie wunderbar die Erfindungen Deiner Liebe! Durch Dich, o Mensch gewordenes Wort ward die Menschheit erlöset von der Todesschuld, durch Dich auch werden die Einzelnen ernähret zum unsterblichen Leben. Du hast Deine heiligste Menschheit zum Lebensborne geseßt, Du hast uns geladen mit dem Zuruf: kommt zu mir Alle, und ich werde euch erquicken. Deinen Leib, Dein Blut, hast du die wahrhafte Speise, den wahrhaften Trank genannt. Unter den Gestalten des Brodes und des Weines Bringst Du von neuem Dich dar, als wesentliches Denkmal Deines Kreuzesopfers, mit der ganzen Fülle Deiner erlösenden Liebe, um Dein himmlisches Leben uns einzupflanzen. Du nahmst das Brot und den Wein, segnetest und sprachst: dieß ist mein Leib, dieß ist der Kelch meines Blutes, des neuen und ewigen Bundes, so oft ihr dies 23 bei der heiligen Messe. ses thut, sollt ihr es thun zu meinem Angedenken. Dieß ist das Mysterium des Glaubens. Herr, von neuem geschieht es jeßt, durch den Diener des Altars, durch Deine Worte, o schaffendes Wort! Ich bete dich an, o Jesu, mein Erlöser, ich neige mich vor deiner wesentlichen, verborgenen Gegenwart! Ewiger Hohepriester, einziger Mittler, unendliches Opfer, mein Herr und mein Gott! Mein Preis und meine Stärke bist Du, Du selber bist mein Heil geworden. Freudig darf ich schöpfen aus des Erlösers Quellen! Dein Leib und Dein Blut, das Unterpfand meines Heils, ernähre mich, umwandle und heilige mich, und bewahre mich zum unverwelklichen Leben! ( Nach der Wandlung) O Ungedenken voll der Wesenheit und Wahrheit, o wunderbare Hingabe des Schuldlosen für die Schuldigen, des Herrn der Seligkeit für die Dürftigen und Hilflosen, des neuen und himmlischen Menschen für seine irdischen Brüder! Nimmer leer erscheinen wir, o Vater, vor Deinem Ungesichte; ein Opfer unendlichen Werthes haben wir Deiner Herrlichkeit darzubringen, ein reines, ein heiliges, ein makelloses Opfer, das Brod des ewigen Lebens, den Kelch des unvergänglichen Heiles. Siehe, 24 Andachtsübung o barmherziger Vater, nicht auf unsre vielfachen Ber gehungen, sondern auf die Verdienste Deines Soh: nes, und auf seine Genugthuung, und nimm von unseren Händen dies heilige Opfer an, damit Alle, die daran Theil haben, mit himmlischer Segnung und Gnade erfüllet werden. hi ( Memento.) Gedenke auch, o Herr, Deiner Diener und Dienerinnen( N.) die mit dem Siegel des Glau bens uns vorangegangen, und die nun ruhen in Schlummer des Friedens. Ihnen, o Herr, und Allen, welche in Christo ruhen, wollest du ein Stätte der Erquickung, des Lichtes und des Frie dens verleihen, wo ihr Geist deiner seligen Anschau ung sich erfreuet. Uns Lebenden aber, die wir auf Deine Erbarmungen hoffen, verleihe die lebendige Gemeinschaft mit Deinen Auserwählten und Hei ligen, und spende uns reichliche Verzeihung, durch Christum unsern Herrn; durch welchen Du, o Gott alles Gute immerfort schaffest, erhältst, heiligest und segnest. Durch Ihn, mit Ihm, und in Ihm, gebühret dir, allmächtigen Vater, in der Einheit des heiligen Geistes, alle Ehre- und Verherrlichung, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. bei der heiligen Messe. Fünfte Abtheilung: Communion und Danksagung. ( Gebet des Herrn.) Und weil wir, durch Sein Verdienst, und durch den Geist Deiner Liebe, in Wahrheit zu Dir rufen dürfen: Bater Unser, der Du bist im Himmel, so verleihe, o himmlischer Vater, daß dein Name, Deine Herrlichkeit, Deine Güte durch unfren Wandel geheiligt werde, wie er durch dieſes Opfer Deines Sohnes geheiliget wird; daß durch die Kraft dieses Opfers Dein Reich auf Erden sich ausbreite, und über uns herrsche, ein Reich der Gerechtigkeit, des Friedens und der Freude im heiligen Geiste; ein Reich, in welchem Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden. Der Du in überreicher Liebe Deinen Eingebornen Sohn uns gegeben hast, und mit ihm alle Wahrheit des Heils, und das Brod des unsterblichen Lebens: gib uns auch heute unser tägliches Brod, und verzeihe uns, durch das Verdienst seines Opfertodes, unsre vielfache Schuld, gleichwie wir auch, eingedenk der Liebe Christi für Alle, unseren Schuldigern verzeihen. Bewahre uns in der Kraft dieſes Opfers in Deiner erleuchtenden Gnade, unter Deinem 3 JA 25 I 26 Andachtsübung mächtigen Schuße, damit wir in der Prüfung beste: hen, überlasse uns nicht hilflos der verderblichen Versuchung, sondern erlöse uns von jeglichem Ulebel, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, von aller Schuld und Strafe, durch Jesum Christum, Amen. ( Agnus Dei.) Denn wer anders, als Er, vermochte zu fühnen die ewige Schuld, zu tilgen die ewigen Uebel? Er hat hinweggenommen den Schuldbrief, und ihn ans Kreuz geheftet; er ist auferstanden von den Todten, und der Grabesstein ward hinweg gewälzt von den finsteren Tiefen. O Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: um Deiner Geduld und Demuth willen, erbarme dich unser, versöhne uns mit dem Vater, schenke uns den Fries den. Durch Deine freiwillige Hingabe, durch Deine schuldlose Buße, durch die Bitterkeit Deines Todes, durch diesen Deinen heiligsten Leib und Dein Blut befreie mich und Alle von jeglicher Ungerechtigkeit, stärke mich, damit ich unverleßlich Deine Gebote bewahre, und lasse nicht zu, daß ich jemals von Dir getrennet werde. ( Communion.) Denn dieß ist die Innigkeit Deiner erlösenden Liebe, dieß der Zweck Deiner Ankunft auf Erden Univ.- Bibl. Giessen bei der heiligen Messe. 27 durch die Menschwerdung, und durch die tägliche Erneuerung dieses heiligsten Opfers: daß Du in unser Inneres eingehest, um uns geistig zu beleben, damit Du in uns bleibest, und wir in Dir. Nur wer in Dir bleibet, bringet Früchte des wahren Lebens; ohne Dich können wir nichts thun. O Sohn der Jungfrau, ewiges Wort, Licht vom Lichte! wie hoch erhaben bist Du, wie dürftig und trübe meine Seele, wie hinfällig mein Leib, diese gebrechliche Hütte! Herr, ich bin nicht würdig, daß Du eingehest unter mein Dach, sondern gebiete von ferne bloß; sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund! Aber dieß genüget Deiner Liebe nicht. Du willst in diese Hütte eingehen, um durch Deine Gottmenschliche Gegenwart uns Licht und Kraft, und das Unterpfand der Unsterblichkeit zu spenden! Mein Herr und mein Gott, den ich hier. gegenwärtig glaube, auf den ich hoffe, den ich suche: vor Dir, o Jesu, ist das Verlangen meines Herzens. Meine Seele sehnet sich nach Dir; um deinetwillen bereue ich alles Böse. Verleihe, o Herr, daß die Kraft und die Gnade dieses heiligsten Sacramentes für jetzt und immer mich erfülle; damit Du meine Sinne, meinen Willen, mich selbst besißest, und immerdar beherrschest. 3* Andachtsübung ( Schlußgebet.) Erhöre, o ewiger Vater, die Gebete Deiner beiligen Kirche, die im Namen Deines geliebten Soh nes zu Dir flehet, damit Du Allen, für welche wir dieß Opfer unendlichen Werthes dargebracht, Barmherzigkeit erweisest. Deine Allmacht beschüße uns, Deine Herrlichkeit leuchte über uns, Deine Gnade bleibe in uns, durch Christum, Unsern Herrn. 28 ( Lestes Evangelium.) O ewiges Wort des Vaters, durch welches alle Dinge erschaffen sind, Licht und Weisheit und Leben, vom Himmel herabgestiegen, um zu himmlis scher Höhe, zu Kindern des ewigen Vaters uns zu erheben: laffe nicht zu, daß ich die Finsternisfe mehr liebe als Dich, daß ich Deiner Gnade den Eingang verfage. Wort, so Fleisch geworden ist, unter uns gewohnet, und in diesem Opfer aufs neue uns heimgesucht hat, von Dir hoffe ich vertrauensvoll jede Gnadenhilfe, um getreu Dir nachzufolgen, und einst Deine Herrlichkeit zu schauen, als des Eingebornen vom Vater, voll der Gnade und der Wahrheit! nach der heiligen Messe. Lobgefang des heiligen Ambrosius. ( Te Deum laudamus.) Dich, o Gott, loben wir; Dich, den Herrn, bekennen wir. Catal 29 Dir, o ewiger Vater, huldigt die ganze Erde. Dir rufen die Engel zu, Dir die Himmel und alle Gewalten, Dir die Cherubim und Seraphim mit unaufhörlichen Stimmen: ind pill stallk Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Gott der Heerscharen; von der Majestät Deiner Glorie sind Himmel und Erde erfüllet. Dich lobet der glorreiche Chor der Apostel, Dich die preiswürdige Reihe der Propheten, Dich der Märtyrer auserwählte Schar. Dich preiset, über dem Erdenkreise, die heilige Kirche; verherrlichend Dich, den Vater unendlicher Majestät, und Deinen anbetungswürdigen, wahren und einzigen Sohn, und den heiligen Geist, unfren Tröster und Beseliger. Du, o König der Glorie, Christus, Du bist des Vaters ewiger Sohn. Du, um erlösend die Menschheit in Dich aufzunehmen, haft den Leib der Jungfrau nicht gescheuet. Lobgesang on Besieget hast Du den Stachel des Todes, und das Reich der Himmel den Gläubigen aufgethan. Nun thronest Du zur Rechten Gottes, in der Glorie des Vaters.mabusl sed 30 Und wiederum kommen wirst Du als Richter. Dich also flehen wir an, komme Deinen Dienern zu Hilfe, welche Du mit so kostbarem Blute erlöset. Nimm uns auf in Deiner Heiligen Zahl, die der ewigen Glorie sich erfreuen. Mache selig dein Volk, o Herr, und segne Dein Erbe; lenke und erhebe uns ewiglich. Von Tage zu Tage preisen wir Dich, und loben Deinen Namen von Ewigkeit zu Ewigkeit. Wolle huldvoll, o Herr, diesen Tag uns frei von Sünde bewahren. Erbarme Dich unser, o Herr, erbarme Dich unser. Deine Barmherzigkeit walte über uns, gleichwie wir auf Dich gehoffet haben. Auf Dir, o Herr, ruht unsere Hoffnung, sie wird in Ewigkeit nicht vereitelt werden. ( Kirchengebet.) Gelobet sey der Vater und der Sohn und der heilige Geist. 31 des h. Ambrosius. Hochgelobet und gepriesen sey er in Ewigkeit. O Gott, dessen Erbarmungen zahllos sind, und unerschöpflich die Schäße Deiner Güte: wir danken Deiner unendlichen Hoheit und Milde für alle uns verliehenen Gaben, und flehen fernerhin zu Deiner Huld, daß Du uns niemals verlassen, und, gleichwie Du unsre Bitten erhöret hast, auch zu den ewigen Gütern uns bereiten und lenken mögest, durch Unsern Herrn Jefum Christum 2c. 32 Abendgebete. I. Abendbetrachtung. Bleibe bei uns, o Herr, denn es will Abend wer den, und der Tag hat sich geneiget. Die alte Nacht hat ihre Fittige wieder ausgebreitet, und der Schlummer will auf meine Wimpern sich senken; beide mahnen mich an die Hinfäl= ligkeit des irdischen Lebens, an das Maß der Zei ten, die ihm gesetzt sind, an die Grabesnacht, die einst, ja bald diesen Leib umhüllen wird. Den allmächtig Wort, o Herr, welches im Anfang der Zeiten das Licht hervorrief aus den Finsternissen, hat unsre Herzen auch mit der Kenntniß Deiner ewigen Klarheit erleuchtet, auf daß wir Kinder des Lichtes seyen, und des Tages. Darum fer dieser Schlummer nur deshalb mir willkommen, damit ich mit erneuerter Kraft, mit regerm Eifer Deinem Willen lebe. Ob ich wache, ob ich schlummere, ob mit hellem, ob mit eingedämmertem Bewußt Abendgebet. 33 seyn, laffe allezeit mich Dir vereint bleiben, bis ich zum Lichte des ewigen Tages erwache! Bleibe bei uns, o Herr, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget. Es sind die Worte Deiner Mahnung: So lange ihr Licht habt, wandelt im Lichte! Wirket, so lange es Tag ist, denn es kommt die Nacht, da Niemand wirken kann. Ich weiß, o Herr, was mit diesem Tage gemeint sey; es ist der Inbegriff aller irdischen Lebenstage, in welchen das Licht Deiner Wahrheit une leuchtet. Was habe ich diesen Tag über gewirkt, mit welcher Treue Dir gedient? Was habe ich wahrhaft Gutes gethan, welche Gelegenheit zu verdienstlichen Werken verabsäumt, welche Pflichten vernachläffigt? Welch eine Gesinnung leitete meine Handlungen und Reden? Worin habe ich meinen Nächsten verlegt, und, von Selbstsucht und Sinnlichkeit verleitet, vor Deiner Allwissenheit Böses gethan? Erleuchte meine Augen, o Herr, damit ich nicht dahin schlummere in den Schatten des Todes: siehe meine Reue, laffe in Deiner Liebe mich neu erstarken! Bleibe bei uns, o Herr, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget. Abendgebet. Wie arm ist hienieden der Mensch, wie abhän gig von den Gewalten der Natur sein Daseyn! Auch der wache, seiner selbst bewußte Geist wird von den Banden des Leibes und seines Schlummerlebens be fangen. 34 Aber auch Du, o Jesu, hast diese Wechselzustände des irdischen Lebens auf Dich genommen; auch Dich suchte der Schlummer heim, wenn Du ermüdet warst vom segensreichen Tageswerke. Du schlummertest, aber Dein Herz blieb wach, allzeit wach für des Vaters Ehre und für unser Heil. Mitten in den Finsternissen, die drei Stunden lang am Kreuze Dich umhüllten, mitten im Schlummer des Todes, in welchen Du gehorsam eingingst, hast Du den Weg ins Leben und ins Licht mir gebahnet. Beschirme mich, o Herr, und erhalte meine Seele lebendig in Deiner Liebe.» Siehe er schlummert und schläft nicht, der ewig Wache, der sein Volk beschü Bet.« Du wirst auch heute meine Seele behüten, Du wirst von jeglichem Übel mich bewahren. In Deine Hände, o Herr, empfehle ich meinen Geist, Du haft mich erlöset, Gott der Wahrheit! Abendgebet. II. Kirchliche Gebete. Fiiliad 35 Psalm 133. Siehe nun lobet den Herrn, alle Diener des Herrn. Die ihr stehet im Hause des Herrn, in den Vorhöfen des Hauses unfres Gottes. al anu 100? In den Nächten erhebet eure Hände zum Heiligthume, und preiset den Herrn.) adala Es segne euch der Herr aus Sion, der Himmel und Erde gemacht hat. Ehre sey dem Vater 2c. idkorea dell' Du aber bist mitten unter uns, o Herr, und Dein heiliger Name ist angerufen über uns: verlaffe uns nicht, o Herr unser Gott! Bewahre uns, o Herr, wie den Stern des Auges! Unter dem Schatten Deiner Fittige beschirme uns! ( 2 obgesang des heiligen Simeon.) Nun läsfest Du, o Herr, Deinen Diener im Frieden hingehen, nach deinem Worte: Denn meine Augen haben Dein Heil gesehen, das Du bereitet hast vor dem Angesichte aller Völker; Das Licht zur Erleuchtung der Heiden, und die Glorie Aller, welche Dir gehorchen. Ehre sey dem Vater 2c. 36 Abendgebet. Stehe uns bei, o Herr, da wir wachen, be schüße uns, wenn wir schlummern, damit wir wa chen mit Christo, und im Frieden ruhen. Herr, erbarme Dich unser, Christe erbarme Dich unser. Vater unser zc. Ich glaube an Gott 2c. Lasset uns loben den Vater und den Sohn mit dem heiligen Geiste: Gelobet sey er und verherrlicht in Ewigkeit! Gebenedeit bist Du, o Herr, im Firmamente des Himmels: Und lobwürdig und glorreich und hoch erhaben in Ewigkeit. Wolle gnädig, o Herr, diese Nacht hindurch, vor jeder Gefahr uns bewahren. Suche huldvoll diese Wohnung heim, und scheuche ferne von ihr alle Nachstellungen des Feindes. Deine heiligen Engel mögen hier verweilen, und uns im Frieden bewahren, und Dein Segen sey allzeit über uns, durch Christum Jesum, unsern Herrn. Amen. Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heiligste Gottesgebärerin 2c.*). tam ne *) Im Anhang, oder auch eine der Untiphonen zur heil. Jungfrau, am Ende des zweiten Übschnittes. Zweiter Abschnitt. Weihe besonderer Stunden. 6103 39319048 ,, Es kommt die Stunde, und ist schon jest, da die wahre Unbeter den Vater anbeten werden, im Geiste und in der Wahr: heit." So h. 4, 23. Das Gebet des Herrn. 39 I. Vater Unser, der Du bist im Himmel. 1. Unsichtbarer, allmächtiger, ewiger Gott, Schöpfer und Herr aller Wesen: was bin ich, wenn ich Deine Herrlichkeit nicht weiß, Deine ewige Macht und Güte nicht erkenne und anbete?» Dich wissen und bekennen, ist Heil und Wahrheit; Deine Gerechtigkeit und Kraft erkennen, ist die Wurzel der Unsterblichkeit!«< Dies, so lehrte Dein göttlicher Sohn, ist das ewige Leben, daß sie Dich erkennen, den einigen, wahren Gott, und den Du gesendet hast, Jesum Christum. Und er selber ist's, der uns gelehret hat: also sollt ihr beten: Bater Unser, der Du bist im Himmel! 2. Dank sei Dir, allwaltender, verborgener Gott, daß Du uns geoffenbaret hast, wer Du seyest, und wie wir Menschen auf Erden Dich nennen und anrufen dürfen. Du wirst nicht blos ein Vater ge= 40 Vater Unser. nannt, als Schöpfer und Erhalter aller Wesen, sondern Du bist wahrhaft und wesentlich ein Vater, und» wir beugen unsere Knie vor Dir, dem Vater Unseres Herrn Jesu Christi, bekennend, daß von Dir alle Vaterschaft den Namen trägt im Himmel und auf Erden.<< 3. Bater Unser, der Du bist das Seyn und das Wesen und das Leben von Ewigkeit her: im Spie gel Deiner eigenen Klarheit, in Deinem ewigen Sohne, und in der Fülle der Liebe, mit welcher Du Ihn liebest, und er Dich, trägst Du alle Seligkeit und Freude in Dir selber. Aber in dieser Deiner Herrlichen Liebe hast Du auch die Wesen außer Dir ins Daseyn gerufen. Du wolltest, und sie fiengen an zu seyn; Du sprachst, und sie waren erschaffen. 4. Bater Unser, der Du bist: nicht ein Vater der Natur, nicht ein Vater der Berge, der Bäume, der Thiere, sondern» ein Vater der Lichter,« ein Vater der geistigen Geschöpfe: diesen allein haft Du die Freiheit des Willens, das Licht des Bewußtseyns verliehen, damit sie Dich erkennen, Dich lieben und von Deiner Klarheit beseligt werden. O wie selig das Geschöpf, welchem Du das Siegel Deiner Ebenbildlichkeit aufgedrücket hast, damit es als Vater Dich anrufen darf! Vater Unser. 41 5. Vater Unser:» unser Vater bist Du, wir aber Erde; unser Bildner bist Du, und wir Alle Deiner Hände Werk!«( Isai. 64.) Irdisch sind wir gleich andren Geschöpfen der Erde, aber auch geistige Wesen zugleich; wunderbar erschaffen von Dir, damit die ganze Fülle Deiner Werke in uns vereinet sey. O Schöpfer und Vater der Menschen: » was ist der Mensch, daß Du seiner gedenkeft, der Sohn des Menschen, daß Du ihn heimsuchst? Ich sehe den Himmel an, das Werk Deiner Allmacht, die leuchtenden Himmelskörper, die Du gegründet haft;« wie groß Deine Schöpfungswelt, wie klein der Mensch! Aber größer vor Dir, als alle sichtbaren Wesen, ist der Menschengeist, der Deiner Erkenntniß und Liebe fähig ist; darum liebest Du die menschlichen Seelen.( Weish. 11.) 6. Bater Unser, der Du gerecht und wahrhaft bist, und heilig: wir haben aus freier Wahl Deiner Liebe uns unwürdig gemacht, und Deiner väterlichen Herrschaft uns entzogen. Da war es Deine Liebe nicht mehr, die wir erkannten, sondern Deine Gerechtigkeit und Allmacht, und nur mit Furcht gedachten wir Deiner, als des zürnenden, strafenden Gebieters. Wir waren Deine Kinder nicht mehr, sondern widerspenstige Knechte, unterthan - 42 Vater Unser. den Elementen der Welt, der blinden Natur, dem Irrthum und der Verkehrtheit. Du aber ließest un: fern Bund mit dem Tode nicht bestehen. Wie ein Bater seiner Kinder sich erbarmet, so hast Du Dei: ner treulosen Geschöpfe dich angenommen; haft mit neuer Huld Dich selber uns offenbaret, und mit Dir uns versöhnet durch die Menschwerdung Deines ewigen Sohnes. Durch Sein Verdienst sind wir wieder aufgenommen in Deine Liebe, und durch die Theilnahme an Ihm zu Deinen Kindern erhoben; durch Seine Belehrung ermuntert, wagen wi wieder zu Dir zu rufen: Unser Vater, der Du bist im Himmel! 7. Bater Unser im Himmel: Einer ist es vor Allen, der Dich anrufen darf:» Mein Vater,« weil er Dein Eingeborner ist, Licht vom Lichte, vor aller Schöpfung; und weil er, auch als Mensch, eine neue Schöpfung Deiner Allmacht ist, ohne irdischen Bater. Zu uns aber sprach er:» Ihr alle seid Brü der, und Einer euer Bater, der im Himmel ist. Weil Du demnach unser Vater bist, so geziemi es sich, daß wir von ganzem Herzen Dich lieben; und weil Du Unser Vater bit, ein Vater vieler Menschen, die Du alle mit gleicher Liebe beseligen willst, und die Alle eines sind in Christo Jesu, fo Vater Unser. 43 sollen wir unsere Nächsten lieben wie uns selber, und einer für den andern, und jeder für Alle zu Deiner Vatergüte flehen. 8. Bater Unser, allgegenwärtiger, verborgener Gott, der Du alles trägst und erhältst in Deiner ewigen Kraft, wo wohnest Du, und wo findet dich meine Seele? Ich sehe zum Sternenhimmel empor, der Deine Herrlichkeit verkündet; aber nicht in diesen unermeßlichen Räumen ist Deine Wohnung, die Himmel alle können Dich nicht umfassen. Ich betrachte die ganze sichtbare Welt; sie ist das Werk Deines heiligen Willens, sie giebt Zeugniß von Deiner Allmacht und Weisheit, doch Deine Wohnung ist sie nicht. Ich weiß aber und erkenne, daß Du auch unsichtbare Wesen erschaffen; mein eigener Geist gehört zu diesen Wesen. Und in diesen willst Du allerdings wohnen, wie das Sonnenlicht im Thaue sich spiegelt, ja, mit Deiner Gnade und Erleuchtung willst Du sie erfüllen, gleichwie Dein Sohn gelehret hat:» so jemand meine Worte bewahrt, wird mein Vater ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen, und Wohnung bei ihm machen.« Bei allem dem bedarfst Du, erhaben über Raum und Zeit, der erschaffenen Wesen nicht; auffer und über der Schöpfungswelt bist Du und 4* 44 Vater Unser. ruhest Du ewiglich in Dir selber, in Deiner unendlichen dreieinigen Wesenheit. 9. Bater Unser, der Du im unzugänglichen Lichte wohnest, im Lichte Deiner ewigen Klarheit, im Heiligthume Deiner unwandelbaren Seligkeit, Bater Unser, der Du bist im Himmel: zu Dir, über die erschaffene Welt, über Raum und Zeit hinaus, sollen wir unser Geistesauge erheben.» Zu Dir, o Herr, habe ich meine Augen erhoben, der Du in den Himmeln wohnest.« Darum hast Du unsern Leib von der Erden erhoben, daß er auf: recht stehe, damit wir suchen, was oben ist, damit wir, von der Erde weg, zu Dir, unfrem überir. dischen Vater uns sehnen. on hi 6018 10. Vater Unser, der Du bist im Himmel: hoch erhaben bist Du, und wir beten Dich an als den allsehenden Beobachter, Belohner und Richter un rer Gedanken, unsrer Reden und Werke; überaus gütig bist Du, und gleichwie Du Deinen Einge bornen Sohn uns geschenkt, so wiffen wir auch und vertrauen, daß Deine Baterliebe keines Deiner zahlreichen Kinder vergessen kann, sondern alle be schirmen, bewahren, und zum hohen Ziele ihres Dafeyns leiten will. Ach, mit welch einem herzli chen Vertrauen dürfen und sollen wir zu Dir uns Vater Unser. 45 wenden! Aber mit welcher ernstlichen Sorge zugleich, daß wir eines solchen Vaters nicht unwürdig werden! 11. Bater Unser, der Du bist im Himmel: hoch erhaben bist Du, und auf die Demüthigen ist Dein Auge gewendet. Erhaben und herrlich, in unbedingter Wesenheit, bist Du allein; auf wem wird Dein Wohlgefallen ruhen, es sey dann auf jenem, der, Dir gegenüber, Deine Machtvollkommenheit und Hoheit anerkennt, seine gänzliche Abhängigkeit und Bedingtheit einsieht, und im Gehorsam der Liebe Dir sich unterwirft? Der Himmel ist Dein Thron, die Erde der Schemel Deiner Füße: auf wen wirst Du huldvoll schauen, als auf den Armen, der zerknirschten Herzens ist, und der Deine Gebote ehret?( Isai. 66.) O Vater im Himmel, laffe, als ewige Sonne der Wahrheit, deine Herrlichkeit über uns aufgehen, um alle Finsternisse der Herzen zu zerstreuen! 12. Vater Unser, der Du bist im Himmel: im Himmel bist Du, wir aber auf Erden; in Deiner ewigen, unendlichen Klarheit bist Du, wir aber in der Zeit, im Raume, im Werden, im Schwanken und Suchen, im Dunkel und im Leiden. Darum in allen Drangsalen und Gefahren dieses Vater Unser. wechselnden Lebens, gib, daß wir empor schauen von der Erde zu Dir, der Du im Himmel bist. Nichts von allem, was uns begegnet, geschieht ohne Dein Wissen, ohne Deine Lenkung und Zurecht: führung, weil Du unser Vater bist, und weil Du im Himmel bist.» Hochgelobet seyest Du, o Gott und Vater Unsers Herrn Jesu Christi, Bater der Barmherzigkeit, und Gott alles wahrhaften Tro stes.«( 2. Cor. 1.) 46 II. Geheiliget werde dein Name. 1. Vater Unser, der Du bist im Himmel: wie wunderbar ist Dein Name auf der ganzen Erde! über die Himmel erhöhet ist Deine Herrlichkeit! Dich beten wir an, Dich preisen wir heilig, weil wir gänzlich bedingt sind und abhängig von Dir, während Du, herrlich und selig in Dir selber, weder unfres Dienstes, noch unsrer Verehrung nöthig hast, und kein Geschöpf Dir etwas zu geben oder zu ent ziehen vermag.» Unser Gott bist Du, weil Du unsrer Güter nicht bedarfst!«( Ps. 15.) Darum eben lobpreisen wir Dich, weil Du gütig bist, und überaus groß Deine Barmherzigkeit! 2. Bater Unser im Himmel: Du bist der unbedingte Herr, Dein ist diese Ehre, und kann Vater Unser. 47 keinem Undern gegeben werden. Ein Jeglicher, der Deinen Namen anruft, zu Deiner Ehre hast Du ihn erschaffen!( Isai. 43.) Dieß aber ist Deine Ehre: die Offenbarung und der leuchtende Schimmer Deiner unendlichen Heiligkeit. Darinn aber offenbart sich Deine Heiligkeit, oder die Reinheit Deiner ewigen Liebe, daß Du die geistigen Wesen und uns Menschen erschaffen hast, um durch Deine eigene Klarheit sie zu beseligen, ohne daß diese Geschöpfe mit all ihrer dankbaren Gegenliebe zu Deiner Seligkeit wesentlich etwas beitragen könnten. Und so verstand es auch jener, der mit dem Schauer der Ehrfurcht ausrief:» Wenn ich Sünde begehe, was werde ich dem Herrn damit schaden? und wenn ich vielfach frevle, was werde ich gegen Ihn damit ausrichten? Wiederum, wenn ich gerecht handle, was werde ich Ihm damit schenken? und was wird er aus meiner Hand empfangen?«( Job. 35.) Ach, Herr und Vater, so ist es wahr und gewiß, daß wir in Deiner Liebe uns selbst und alles gewinnen, und ohne Dich uns selbst und alles verlieren, während du an uns weder wesentlich ge winnen noch verlieren kannst. O wie rein deshalb und wie heilig ist Deine Liebe! 3. Bater Unser im Himmel, den die seligen 48 Vater Unser. Geister preisen, dessen Ehre die Himmel erzählen dankbar erkannt und verherrlicht von allen denken den Wesen werde Deine wunderbare, überschweng liche Liebe, damit sie alle, deren Los noch nich entschieden ist, Dich selbst, Deine ewige Güte, um das Ziel ihres Strebens erkennen, und liebend zu D sich wenden, in Furcht und Frohlocken, mit Freut und Zittern. Denn dieß ist die Höhe Deiner Lieb daß Du uns die Freiheit verliehen, eine unermeßlich Gabe, die allein uns der Beseligung fähig mach Dieß aber auch der Grund unsrer Furcht: daß wi durch eben diese Freiheit, von Dir uns zu trenne vermögen, und dann unselig sind, weil in D allein die Fülle des Lebens und der Seligkeit if Ach, Herr der Wahrheit, der Du alles vermag nur nicht Dir selber zu widersprechen, weh uns wenn Deine heilige Liebe sodann als Gerechtigke uns gegenüber steht! 4. Vater Unser, der Du allein die wesentlic Güte, Kraft und Schönheit bist: o möchten al denkenden Wesen Dich erkennen und preisen, nid bloß ihrer eigenen Beseligung wegen, sondern ve allem aus Liebe zu Dir, aus Freude an Dir! Wi lange soll Dein Name auf Erden so Vielen gleid giltig oder unbekannt, Deine heilige Wahrheit vo Vater Unser. 49 dem Nebelgewölke des Irrthums und Wahnes beschattet bleiben?» Bater, so sprach der göttliche Mittler: ich habe Dein Werk vollbracht, ich habe Deinen Namen auf Erden verkläret; verkläre nun auch mich mit der Klarheit, die ich bei Dir hatte, ehe die Welt war.« Deine Heiligkeit und Liebe hat er, als Mensch unter Menschen, in ihrer ganzen Fülle geoffenbaret; in seiner Lehre und seinem Wandel, in seinen Arbeiten und Leiden, in seinem Gebete und Gehorsam, in seinem Leben und Sterben hat er rein nur Deine Ehre und Verherrlichung gesucht; und in seiner Nachfolge allein besteht alle Heiligung Deines Namens. 5. Bater Unser im Himmel, geheiliget werde Dein Name, wie er geheiliget ward durch Christum, Deinen Mensch gewordenen Sohn, so auch durch alle Menschen auf Erden. Wer heiligt Deinen Namen, der Deine unendliche Hoheit und Heiligkeit nicht fürchtet? Wer bekennet Deine himmlische Vaterliebe, der nicht rein vor Dir wandelt? Wer suchet Deine Ehre, Deine Verherrlichung, dessen Wandel nicht Zeugniß giebt, daß er Deiner Wahrheit treu ist, Deiner Fürsehung vertraut, um deinetwillen in Geduld verharrt, Dich, den Unsichtbaren höher achtet, als alle Scheingüter dieser Welt? 5 50 Vater Unser. Ach, nicht mit Worten bloß sollen wir Dich prei sen, sondern im Werke und in der Wahrheit. Denn » gerecht bist Du in allen Deinen Wegen, und heilig in allen Deinen Werken. Nahe bist Du Allen, die Dich anrufen in Wahrheit. Dein Lob soll unser Mund verkündigen, und alles, was lebet, preise deinen heiligen Namen.«( Ps. 144.) III. Herzu komme Dein Reich. 1. Bater Unser im Himmel, der Du allein aller Liebe und Anbetung würdig bist, laffe das Licht Dei ner Herrlichkeit über uns aufgehen, damit wir auf Erden Deinen Weg erkennen, unter allen Völkern Dein Heil; damit wir, nach dem Maße Deiner Gnade, Dich lieben und erkennen, und durch diese Erkenntniß und Liebe das Ziel erreichen, das Du uns gesetzt hast; zu uns komme Dein Reich, und herrsche, wie in den Himmeln, also auch auf Erden, wie über die seligen Geister, so auch über uns irdische Menschen. 2. Bater Unser im Himmel: in Deiner Macht sind alle Dinge, und Niemand vermag ihr Wider stand zu thun. Wohin entfliehen wir vor Deiner Allgegenwart, wohin flüchten wir uns vor Deinem Angesichte? Aber eine andre ist die Herrschaft Deiner Vater Unser. Allmacht, welcher kein Wesen sich entziehen kann, eine andre die Herrschaft Deiner heiligen Vaterliebe. Gieb, daß diese Liebe uns beherrsche, daß wir willig und freudig ihr gehorchen. Dir gehorchen, o Bater, ist geistige Freiheit; Dir unterwürfig seyn, heißt herrschen; o ewige Liebe, zukomme uns Dein Reich. 51 3. Allmächtiger Bater, wir wollten Deiner Liebe troßen, und von eigener Willkühr uns beherrschen lassen, da haben erschaffene Kräfte über uns Macht gewonnen, die blinde Natur, und die finstere Gewalt des Lügners und Läugners, der zuerst gegen Deine heilige Liebe sich aufgelehnt; und von nun an erseufzten wir unter dem harten Reiche des Irrthums, der Sünde und des Todes. Also aber hast Du die Welt geliebet, daß Du Deinen eingebornen Sohn dargegeben hast. Er kam in der Fülle der Zeit, als Gottes- und Menschensohn, als Mittler zwischen Dir und uns; da wichen die Finsternisse dem Lichte der neuen Offenbarung, der Todesschlummer der Sünde dem Leben der Gnade, und ein neues Reich von unendlicher Würde war auf Erden begründet: das Reich des Himmels, das Reich Deiner Liebesherrschaft über die erlösete Menschheit. 5* Vater Unser. 4. Bater Unser im Himmel, we finden wir Dein Reich, das Himmelreich auf Erden? Es if ein inneres und geistiges Reich, es ist aber auch ein sichtbares Reich, denn es soll über uns Menscher herrschen, die wir geistig und leiblich zugleich sind es ist auch ein allgemeines Reich, über die ganze Erde verbreitet, über alle Zeiten sich erstreckend um als stete Fortdauer des Erlösungswerkes Allen, die da wollen, Heil und Gnade zu spenden; es if die Eine heilige, allgemeine und apostolische Kirche In ihrem Schooße wird uns die Theilnahme am dem Verdienste deines Sohnes, in ihr die Mitthei lung Deiner Wahrheit, Deiner erleuchtenden, be lebenden Liebe durch den heiligen Geist. O selige Reich, in welchem Deine Gnade waltet! 5. Bater Unser im Himmel, noch fernerhu komme Dein Reich zu allen Völkern, welche Dei nen Namen nicht kennen, in alle Regionen de Erde, die jetzt noch die Nacht des Irrthums bedeckt damit alle Menschen Dich anbeten, und zu neuer Leben erweckt, Deine Barmherzigkeit preisen. Er barme Dich ihrer, o Bater, wie in früheren Ta gen, und lasse sie zu Deiner Erkenntniß gelangen fende ihnen Verkünder und Träger Deines Heiles im Geiste der Liebe und Hingabe Deines Sohnes 52 Vater Unser. 53 im Geiste Deiner Apostel, damit sie jeden verderblichen Wahn aus der alten Heimath verdrängen, und Deiner siegreichen Gnade den Weg bereiten! 6. Barmherziger Vater, zu uns, in das Innere unserer Seele, komme Deines Sohnes Reich, um mit Licht und Frieden uns zu erfüllen! Ach wie Viele, die im Schooße Deiner Kirche wohnen, die aber ihrer Lehre nicht gehorchen, aus ihren Lebensquellen nicht schöpfen! Wie Viele, die überdies noch, im dunklen Irrthum befangen, feindlich gegen Dein Reich ankämpfen, das sie zwar nicht zerstören können, wohl aber Dein inneres Reich in ihren Seelen! Und wir selber, die wir zu Bürgern Deines Reiches, der streitenden Kirche auf Erden, berufen sind, sind wir treu und eifrig genug, um uns dafür halten zu dürfen? Für uns daher, wie für Alle, müssen wir täglich Dich anrufen: zukomme uns Dein Reich! 7. Bater Unser im Himmel: hier auf Erden noch ist Dein Reich ein Reich des Glaubens, der Gnade, des Streites gegen das Böse, jenseits aber, bei Dir, ein Reich der Anschauung, der Klarheit, des Friedens. Dein Reich ist ein ewiges Reich, das Reich dieser Welt vergehet. Alles Fleisch ist wie Gras, alle seine Herrlichkeit gleich der Blume des Vater Unser. Feldes: das Gras verdorrt, die Blume fällt ab; Dein Wort aber ist ewiglich. Was suche ich im Him mel, wonach verlange ich auf Erden? Der Gott meines Herzens bist Du, Du mein Antheil in Ewigkeit. Die von Dir sich entfernen, werden zu Grunde gehen, Verderben trifft alle, die Deine Liebe verach: ten!( Ps. 72.) Ach, wenn einst diese Sinnenwelt vor unsren erlöschenden Augen schwindet, wenn das Reich dieser Welt für uns zu Ende geht, dann sei in Erbarmung unfrer eingedenk: zukomme und das Reich Deines seligen Friedens. 54 8. Allmächtiger Vater im Himmel: Dein Reich ist ein ewiges Reich, Deine Herrschaft eine ewige Herrschaft. Über das Ende der Zeiten hinaus hast Du jenes vollendete Reich der Klarheit uns verhei Ben, wo wir leiblich und geistig, in unsrer ganzen Menschennatur, Deines herrlichen Lichtes uns er freuen werden. Denn bisher noch erseufzen wir in unfrem Innern, die volle Erhebung zum Stande Deiner Kinder erwartend, die Umwandlung unsres Leibes. Denn da wir Deine Kinder sind, sind wir auch Erben Deines Reiches, und Miterben Christi. ( Röm. 8.) O Vater, lasse unsre Hoffnung nicht vereitelt werden: zukomme uns dein ewiges Reich! Vater Unser. IV. Dein Bitte geschehe, wie im Himmel, his also auch auf Erden. 55 1. Bater Unser, der Du bist im Himmel, Du herrscheft über Himmel und Erde; durch Deine Ullmacht über alle Geschöpfe, durch Deine Liebe über die seligen Geister und über die erlösete Menschheit, und diese Herrschaft insbesondere ist Dein Reich im Himmel und auf Erden. Aber nicht jeder, der Deinen Namen anruft, der mit den Lippen Dich anbetet, wird deshalb schon eingehen in Dein Reich, sondern wer Deinem Geseke gehorcht, Deinen Witlen erfüllet. Darum, o Bater, geschehe Dein Wille wie im Himmel, also auch auf Erden. 2. Bater Unser im Himmel: allmächtig ist Dein Wille, und schöpferisch Dein Wort; du sprachst: es werde, und alles ward; dein Wille ist That, Deine Weisheit reichet von einem Ende zum andern, als les lenkend mit Kraft und Milde. Warum sollst Du nicht Macht haben, unsere Herzen auch unwiderstehlich zu lenken, daß wir in Allem nur Deinen Willen thun? Aber Du hast als freie Wesen uns ers schaffen, und nimmst Deine Gabe nicht zurück. Der Du uns erschaffen hast ohne uns, eben weil wir noch nicht waren; ohne uns, ohne unser freie williges Mitwirken, willst Du uns nicht beseligen. 56 Vater Unser. Durch Deine Gnade vermögen wir, Deinem Wil len getreu, das herrliche Ziel zu erreichen, das Deine Liebe uns bestimmt hat; hingegen steht es in unserer freien Wahl, ob wir, im Widerspruche ge gen Dich, Deiner Liebe uns entfremden, und so in das Elend der Lüge und Finsterniß uns stürzen wollen. 3. Bater Unser im Himmel, Dein Wille ist das unveränderliche, heilige Gesek, dem unser Wille sich beugen soll. Dein Gebot ist unsre Leuchte, Dein Gefeß ist Licht( Sprichw. 6.). Auch Deine abtrünni gen Kinder wolltest Du nicht der gänzlichen Finster: niß preisgeben, auch ihnen leuchtete dies göttliche Licht, im innersten Gewissen, aber, gleich drohenden Bligen in der Nacht, nur Furcht erregend, und das bange Gefühl der Schuld verschärfend. Was das Licht des Gewissens und das geschriebene Gefeß nicht bewirken konnten, vollbrachte Dein ewiger Sohn, der als neuer und himmlischer Mensch in unsre Mitte trat. Er stieg vom Himmel herab, nicht um ei: nen Willen zu thun, sondern den Deinen; er hat Deinen heiligen Willen, als Gesetz der Liebe, neu uns geoffenbart; er hat überdieß die Gnade uns erworben, und die Kraft, diesem Gefeße zu gehorchen; er hat auch in der gänzlichen Unterwerfung seines Willens mit lebendigem Beispiel uns vorgeleuchtet. Vater Unser. 57 4. Vater im Himmel, all Dein Wille mit uns ist Heiligkeit, Weisheit und Liebe; und Deinen Willen thun, ist unsre ganze Vollendung. Du haft ihn reichlich offenbaret, im Worte des Evangeliums, und in Deiner lehrenden Kirche; aber nicht, wer Deinen Willen weiß, sondern wer ihn weiß und erfüllet, ist Dein echter Diener, Dein Sohn, über welchem Deine Baterhuld leuchtet. O gütiger Bater, Deine Gnade sei mit uns, ohne welche wir nichts wesentlich Gutes wollen und vollbringen können. Lenke, o Herr, unsere Wege, damit wir Deine Gebote bewahren, verleihe uns Einsicht, daß wir Deine Gebote verstehen; lehre uns Deinen Willen thun, weil Du unser Gott, unser Vater bist. Damit wir erfüllet werden mit der Kenntniß Deines Willens, in wahrer geistiger Weisheit, und würdig wandeln in Deinem Wohlgefallen, reich an Früchten guter Werke( Col. 1.). 5. Bater Unser im Himmel: es ist Dein heiliger Wille, daß wir nicht allein Deinem geoffenbarten Gesetze, sondern auch Deinen verborgenen Rath. schlüssen und Fügungen uns unterwerfen, die nicht früher uns kund werden, als bis sie in Wirklichkeit treten. Diese Fügungen Deiner väterlichen Weisheit können wir zwar nicht verhindern; denn also 58 Vater Unser. sprachst Du durch den Seher:» mein Beschluß wird stehen, und all mein Wille wird geschehen«; allein wir können, zu unsrem Unheil, mit Unmuth und Bitterkeit widersprechen. Ach, wenn wir dem Wil len Deiner Weisheit und Liebe nicht gehorchen wollen, aus freier Wahl, in kindlicher Ergebung, so wird der Wille Deiner Allmacht, Deiner Gerech tigkeit uns treffen, den Niemand vereiteln kann! Und wie sollten wir nicht alles annehmen von Dei ner Hand, vertrauend Deiner unbegränzten Weis heit und Güte? Darum betheuerte der Welterlöser: » nicht wie Ich will, mein Vater, sondern wie Duk Darum lehrte er uns rufen zu Dir: Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden! 6. Bater Unser im Himmel, dem die seligen Geister freudig gehorchen, allzeit bereit, Deine Be fehle zu vollziehen; gib, daß mit gleicher Behen. digkeit und Freudigkeit Dein Wille von uns auch erfüllet werde auf Erden. Erleuchte uns in Deiner Wahrheit, damit wir, in zweifelhaften und schwan kenden Lagen, nach dem Geiste des Evangeliums erproben, was wir zu wählen haben, und was Dein wohlgefälliger, Dein heiliger Wille sei( Röm. 12), damit Dein Wille so vollkommen auf Erden ge schehe, als er vollkommen und heilig waltet im Him Vater Unser. 59 mel. Und erscheinen uns auch zuweilen Deine Fügungen unerklärlich, und als bedrückten sie uns allzu schwer, so verleihe uns durch die Gnade Christi, daß wir in kindlicher Ergebung die Treue Dir bewahren. Ach, wenn es einen Himmel auf Erden gibt, so ist es einzig jener Frieden nur, welchen die Gleichförmigkeit mit Deinem göttlichen Willen begründ et! V. Unser tägliches Brot gib uns heute. 1. Bater Unser im Himmel, zu Dir empor fle hen wir von der Erde. In diesem sterblichen Leibe, im steten Wechsel von Werden und Bergehen, sollen wir unsre Wanderung vollenden, und auf dem Wege, den Deine Gebote uns vorzeichnen, Deinen Willen erfüllen. Und da hienieden unser geis stiges Leben so innig mit dem leiblichen, und mit der ganzen Naturwelt verkettet ist, so können wir weder bestehen, noch denken und wirken, ohne jene Behelfe, von welchen unser irdisches Leben abhängt. Es ist aber ein großes Einkommen: die Frömmigkeit, die mit dem Nothwendigen sich begnüget. Denn wir haben nichts mitgebracht in diese Welt; und es ist kein Zweifel, daß wir gleichermaßen nichts mit hinaustragen können( 1. Tim. 6.). Und um dieses Vater Unser. Nothwendige rufen wir zu Dir: Unser tägliches Brot gib uns heute! 2. Bater Unser im Himmel, der Du dem Sdemann den Samen zur Aussaat verleihest, Du wirst auch das Brot ihm reichen zur Speise!( 2. Cor. 9.) Von Dir allein, o Schöpfer und Herr der Natur, kommt jegliche Gabe. Denn ob wir auch, nach Deiner Anordnung, im Schweiße unseres Angesichtes arbeiten, so ist doch nicht derjenige etwas, der da pflanzet, noch der die Pflanzung begießet, sondern Du allein, der Du Wachsthum und Gedeihen gibst. ( 1. Cor. 3.) Dich also, den Geber alles Guten, flehen wir um Segen an für unsrer Hände Werk; indem wir freudig bekennen, daß Alles unter Dei ner Macht stehe, und daß wir weder einem blinden Schicksal, noch dem Zufall, noch unsrer Kunst und Weisheit, sondern Dir allein jegliches Gute ver danken. 60 3. Vater Unser im Himmel: Unser nennen wir den täglichen Bedarf unfres Lebens, das täg liche Brot, weil es von Deinem Gegen kommt, den Du dem rechtmäßigen Fleiße sendest; Unser auch nennen wir es, damit es Niemand für sich als ausschließliches Eigenthum betrachte. Denn der Reiche und der Dürftige begegnen einander; ber beide er Vater Unser. 61 schaffen hat, bist Du, o Herr!( Sprichw. 22.) Du prüfest den Dürftigen durch seine Dürftigkeit; Du hast dem Reichen seinen Reichthum verliehen um ihn durch den Armen zu prüfen, und durch den Urmen zu beseligen. Darum muß auch der Reiche Dich anrufen um das tägliche Brot, damit ihm nicht, ob seines Undankes und Übermuthes, genommen werde, was ihm gegeben ist, und damit er erinnert werde, nicht hoch von sich zu denken, auch nicht auf die unstäten Reichthümer zu vertrauen, sondern auf Dich, den lebendigen Gott( 1. Tim. 6.). 4. Und ob wir auch Überfluß haben an irdischen Gütern, müssen wir dennoch täglich zu Dir flehen: unser tägliches Brot gib uns heute, damit wir eingedenk bleiben, daß unsrem irdischen Leben nur eine Reihe von Tagen bemessen sey, deren Maß und Schluß uns verborgen ist; und damit wir Deiner heiligen Fürsehung nicht vorgreifen, nicht ängstlich und engherzig für eine lange Reihe von Jahren vorsorgen, und darüber in Habsucht und geistige Sorglosigkeit gerathen. Wir flehen ferner um unsere tägliche Nahrung heute, um jene finsteren Sor gen zu überwinden, die aus dem Mißtrauen gegen Deine väterliche Güte hervorgehen. Die Lilien des Feldes, die Vögel der Luft zeiget uns Dein gött 62 Vater Unser. licher Sohn, wie Deine Fürsehung sie kleidet und nähret, und er lehret uns, daß wir mehr sind vor Deinem Angesichte, als alle diese. Dir, o Vater, ist unser Bedürfniß bekannt, doch eine viel höher Sorge soll uns beschäftigen: das Verlangen nach Deinem Reiche, nach Deiner Gerechtigkeit! 5. Bater unser im Himmel: unzählig sind die Geschöpfe, die Du erhältst und nährest, ohne daß sie Deine Güte erkennen; wir aber erkennen Dich als den Urheber aller Wesen, als den Geber alles Guten, dem wir mit ewigem Danke verpflichtet sind. Uns ist es gegeben, im Namen der übrigen Ge schöpfe zu bekennen, daß alle Lebendigen auf Dich harren, damit Du ihnen Speise verleihest zur rech ten Zeit. Du spendest ihnen, und sie sammeln, Du öffnest Deine Hand, und alles wird von Deiner Güte erfüllet. Aber wie hoch verschieden von der Speise, so Du den übrigen Geschöpfen auf Erden angewiesen, ist jene, die Dy uns Menschen gibst, und die ganz eigentlich Unser Brot ist! Denn auf wunderbare Weise hast Du unfren Leib geschaffen, daß er gänzlich dem höhern Leben des Geistes diene, der hinwiederum liebend zu Dir streben soll. Und so sollen wir dieß Brot, das unser leibliches Le Vater Unser. 63 ben nährt, nicht anders effen, als gesegnet von Deiner Hand, und zu Deiner Ehre!( 1. Cor. 10.) 6. Bater Unser im Himmel, der Du in geistiger und leiblicher Wesenheit uns erschaffen, und das durch über alle sichtbaren Geschöpfe uns erhoben haft: bei Dir allein ist die wahre Fülle unsres Lebens, und nicht das leibliche Brot allein ist's, das uns ernährt und erhält, sondern ein jegliches Wort, das durch Deine heilige Offenbarung zu unsrer Seele gelangt. Die Erkenntniß Deines Willens, die Mite theilung Deiner Gnade, die uns erleuchtet, belehrt, zum Guten kräftigt, diese vor allem ist es, deren wir täglich bedürfen. Und darum flehen wir Deine himmlische Weisheit an, daß sie mit dem Brote der Einsicht und des geistigen Lebens uns nähre, damit wir gestärket werden, und auf dem Wege Deiner Gebote nicht schwanken.( Eccli. 15). 7. Bater Unser im Himmel, der Du barmherzig bist und ein Erbarmer: Du hast die Wunder Deiner Liebe durch ein ewiges Denkmal verherrlicht, Du haft Allen, die Dich fürchten, die Speise des Lebens gesendet. Nicht bloß heimgesucht hast Du uns in Deinem ewigen Sohne, der Mensch gewor den, um alle Gnade und Wahrheit uns zu bringen; er ist überdieß das wahrhafte Brot, das vom Him 64 Vater Unser. mel herab gestiegen, um uns geistig und leiblich zu erneuern zum unsterblichen Leben. Und darum hat kraft seiner Allmacht, unter der Hülle des Brotes sich selber uns gegeben, um im höchsten un eigentlichsten Sinne Unser Brot zu seyn. O Va ter im Himmel, erwecke und erhalte in uns die hei lige Sehnsucht nach diesem himmlischen Brote, das täglich für uns gebrochen, und uns dargeboten wirl in Deiner heiligen Kirche, damit Du hieniedem durch denselben Mittler und Erlöser uns ernährest durch welchen Du uns jenseits unverwelkliche Freud bereitet hast.cle vouloisid t VI. Und vergieb uns unsre Schulden, gleich wie auch wir vergeben unsern Schuldigerm 1. Bater Unser im Himmel, unser Schöpfer Unser Ernährer, von dessen Allmacht und Gi unser Daseyn, unsre Fortdauer und Beseligum abhängt: wie süß und wie trostvoll ist es, mit Ein licher Zuversicht Dich, den Gebieter der Welt, al Vater anzurufen, und Deiner herrlichen Güte vertrauen, in welcher Du nicht bloß die irdische Bedürfnissel, sondern auch eine himmlische Speis und endlich die Fülle Deiner eigenen Klarheit um mittheilen willst? Aber nicht mit so unbefangene Vater Unser. 65 Zuversicht dürfen wir vor Dir erscheinen. Unser Gewissen zeuget gegen uns, daß wir, mit mehr als Einer Schuld beladen, vor Deiner Heiligkeit und Wahrheit nicht bestehen können, daß wir Deiner Liebe mit Undank vergolten, und daß wir nur deshalb noch zu Dir zu flehen wagen, weil Du ein Bater bist voll innigster Erbarmung! Wir haben gesündigt in den Himmel und vor Dir, gegen Deine Liebe und im Angesichte Deiner Liebe; wir sind nicht würdig, Deine Kinder zu heißen, es sey denn, Du verzeihest unsre Schulden. 2. Bater Unser im Himmel: Dein Wille ist unser Gesetz, Du hast das volle Recht der Herrschaft über uns; Du bist der Herr, der Heilige, Du unser Schöpfer, Du unser König!( Isai. 43.) In Deiner Huld, in Deinem Wohlgefallen ist unsere ganze Würde. Ach diese Krone ist von unfrem Haupte gefallen, weh uns, daß wir gesündigt haben!( Thren. 5.) Was ist die Sünde anders, als eine Beleidigung Deiner ewigen Herrlichkeit und Liebe? Wenn der erschaffene Geist aus der ganz zen Tiefe seines Bewußtseyns und seiner Freiheit gegen Dich sich auflehnt, wenn er die Ehrfurcht Dir versagt, der Herrschaft Deiner Weisheit durch die That widerspricht, und so Dein höchstes Recht 6 Vater Unser. verläugnet, so frevelt er wahrhaft gegen Dich, en vereitelt die liebreiche Absicht, welche Du mit ihm gehabt, und vermag er auch Dir selber und Dein ner Seligkeit nicht zu schaden, so bleibt doch sein Widerspruch vor Dir als häßliche Lüge stehen, die feindlich gegen Deine Wahrheit ankämpft. 3. Bater Unser im Himmel: unwandelbar is Dein heiliger Wille, unveränderlich Deine Wahr heit; und eines nur vermag Deine Allmacht nicht Du kannst Dich selbst nicht läugnen!( 1. Tim. 2. Und deshalb, wie auch das troßige Geschöpf sic geberde, behauptet sich, seiner Büge gegenüber Deine Heiligkeit und Wahrheit im unveränderte Bestehen; und in diesem Widerspruche offenbart sin Dein göttlich Zürnen, welches dem treulosen G schöpfe die Verurtheilung und die Trennung vo Dir verkündet. 4. Wie öde und wie furchtbar ist, o gerecht Bater, das Leben eines Menschen, über welchen gleich einer schweren Gewitterwolke, die Last De nes Zornes liegt! In Dir zwar flammet kein mense licher Zorn; zu Deiner unendlichen Seligkeit h die Leidenschaft keinen Zugang. Aber weil es kein Gemeinschaft gibt zwischen dem Lichte und der Fi sterniß, zwischen der Wahrheit und der Lüge, 66 67 Vater Unser. bleibt Deine heilige Liebe so gewiß im Widerspruche gegen die menschliche Verkehrtheit, als diese Deiner Liebe widerstreitet. Und so geschieht es, daß der Sünder gestraft wird von seiner eigenen Bosheit ( Jer. 2.), daß der Todeshauch der Schuld ihn ewig von Dir trennet, es sei dann, er kehre, von Dir selber geweckt und gezogen, zu neuer Unterwerfung zurück. : lommóð, mi is 5. Und deshalb, o Bater, flehen wir zu Deiner Barmherzigkeit um Vergebung unserer Schuld, und bekennen damit, daß sie rein unser sey, das Werk unfrer eigenen freien Wahl. Von deinem Geiste erleuchtet, wagen wir nimmer, uns selbst zu entschuldigen, oder durch mancherlei Scheingründe von der Schuld uns frei zu sprechen, wodurch wir nur in neue Lüge gerathen, das Uebel vergrößern würden. Wohl aber flehen wir um die Tilgung unserer Widersprüche durch die Theilnahme an den Verdiensten Deines ewigen, Mensch gewordenen Sohnes, unferes Mittlers, deffen schuldlose Buße für die Schuld der Menschheit Genugthuung gebracht, wie für die persönliche Sünde der Einzelnen. Darum, o Va= ter, sende uns Gnade, daß wir unsre vielfachen Fehler in ihrer ganzen Häßlichkeit erkennen, und auf dem Wege der Buße davon befreiet werden, wel 6* 68 Vater Unser. chen Du in der heiligen Kirche uns vorgezeichnet. Denn wenn wir behaupten, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsre Sünde bekennen, so bist Du getreu und gerecht, sie nachzulas sen, und das Blut Jesu Christi, Deines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde.( 1. Joh. 1.) 6. Bater unser im Himmel: nicht eitel sei un fre Bitte, daß Dein Wille, wie im Himmel, fe auch auf Erden erfüllet werde. Denn gleichwie Du jederzeit bereit bist, unsre Schulden zu vergeben, so sollen auch wir allen Menschen verzeihen, die uns beleidigt haben. Dein Wille im Himmel ist die Richt schnur für unfren Willen auf Erden, aber unse Benehmen gegen den Mitmenschen auf Erden is auch die Richtschnur Deines Verhaltens gegen une Du hast uns verheißen, unsere Schulden zu verzei hen, sofern auch wir verzeihen unfren Schuldigerr O wie gerecht und wie gütig ist Deine Liebe, i welcher Du uns so reiche Gelegenheit gegeben, De ner verzeihenden Huld uns zu versichern, und Deiner Aehnlichkeit aufzustreben! Denn wenn w wohlthun unsren Widersachern, so ahmen wir D nach, der Du Sonnenschein und Regen spende den Gerechten wie den Ungerechten, und Deine: Vater Unser. 69 ewigen Sohne, der für Freunde und Feinde sein. Leben eingeseßt. 7. Ewiger Vater im Himmel: wie gering und nichtig erscheint dasjenige, was wir unsren Mitmen: schen zu verzeihen haben, vergleichen wir es mit jenen vielfachen Beleidigungen Deiner Herrlichkeit, die Du uns verziehen, und zu verzeihen stets bereit bist! Was sind jene zehn Denare, die der Knecht seinem Mitknechte nachlassen soll, gegen die Schuld von zehntausend Pfunden, die sein Herr ihm nachgelassen? Unendlich ist jede Verschuldung gegen Dich, weil Du unendlich bist. Wie sollten wir nicht freudig entschlossen seyn, unfren Beleidigern vom Herzen zu verzeihen, da wir dadurch unsre eigene Seele retten? Wenn wir im Haffe verharren, so verharren wir auch im Widerspruche gegen Deinen Willen, und folglich in der Sünde.» Wer da sagt, er sei im Lichte, und hasset seinen Bruder, der ist noch in den Finsternissen.«( 1. Joh. 2.) O Bater der Lichter, lasse uns nicht verkümmern in der Nacht des Irrthums und der Bosheit, sondern lenke unfre Herzen mächtig zu Deinem Sohne, damit wir seinem Vorbilde folgen, die wir, rein durch Ihn, auf Deine Verzeihung und Deine ewigen Wohlthaten hoffen! 70 Vater Unser. VII. und führe uns nicht in Versuch u ng. 1. Vater unser, der Du bist im Himmel: im Vertrauen zu Deiner übergroßen Liebe, gestützt auf die Verdienste Deines göttlichen Sohnes, erwarten wir von Dir mit Zuversicht die Erhörung unsrer Bitten, die Vergebung unsrer Schuld. Denn also hast Du es offenbaret:» ich will den Tod des Sün ders nicht; sondern daß er zu mir sich wende und lebe; ich bin es, ich selber, der ich eure Frevel tilge um meinetwillen!«( Jfai 43.) Aber wir sol len auch nicht vermessentlich auf diesen Reichthur Deiner Erbarmungen vertrauen; einmal in Dein Gnade zurückgekehrt, sollen wir fernerhin vor Di wandeln in der Reinheit des Glaubens, der Sitte der Gerechtigkeit, und, mitten unter den Beranlaffungen zur Versäumniß oder Verlegung Deiner Gebote, die Treue bewahren. Und deshalb rufen wir zu Dir um Hilfe, damit wir nicht in neue Ver schuldungen fallen; deshalb flehen wir: vergib un unsre Schulden, und führe uns nicht in Versuchung 2. Vater unser im Himmel, Dir sind alle Ding bekannt, bevor Du sie erschaffen, Dein Auge lichter als die Sonne, und sieht in die Tiefen de Abgrunds, und in die verborgensten Falten des He Vater Unser, t 71 zens; du bedarfst der Versuche und der Proben nicht, um Deine Geschöpfe kennen zu lernen, um ihre Treue zu erforschen; wohl aber sind Wir ihrer bedürftig, um unser Ziel zu erreichen. Denn Du hast die Willensfreiheit uns verliehen, die unsre geistige Würde ausmacht, und kraft welcher wir handeln müssen in freier Wahl. Niemanden zwar hast Du Erlaubniß zur Sünde gegeben, weil Du an treulosen und unnützen Kindern kein Wohlgefallen hast, ber auch Dein göttlicher Wille ist keine zwingende Gewalt für uns. Vor unseren Augen ist das Leben und der Tod, das Böse und das Gute, was uns gefällt, wornach wir langen, wird uns gegeben werden.( Eccli. 15.) Was wir wählen, wie wir uns entscheiden, für oder wider Dein Gesetz, davon, soviel an uns ist, hängt unser Heil ab; darum ist dieß irdische Leben eine Reihe von Versuchungen, und jeder Sieg eine neue Befestigung in Deiner heiligen Liebe. Ohne Streit kein Sieg, ohne Sieg keine Krone. D 3. Darum, o Bater im Hinmel, flehen wir nicht zu Dir, daß Du jegliche Versuchung von uns abwendest und entfernest, sondern daß Du uns nicht hilflos ihren Schlingen überlasseft, uns nicht in die Versuchung führeft, uns nicht dergestalt ihr preis 72 Vater Unser. U gibst, daß ihre Finsternisse uns täuschen und beste gen. Wie mächtig waltet in uns die blinde, der Herrschaft des Geistes rebellisch gewordene Natur, und wie vielfach wird der geistige Wille, bei aller Erkenntniß des Guten, von den Neigungen der Sinnlichkeit, von der Leidenschaften der Selbst sucht bestürmt, und von der Arglist des Bösen hin tergangen, welcher der Lügner von Anfang und der Versucher genannt wird? So sind wir, als Kin der Adams, von zahllosen Anlässen zur Sünde um ringt; in unsrer Gebrechlichkeit tragen wir die größte Gefahr, den gefährlichsten Feind in und mit uns selber umher; und unser ganze Weg durch dies schwankende, veränderliche Leben ist mit Fallstricken bedeckt, die bald von unsrer eigenen Begierlichkeit, Ungeduld und Hoffart, bald von verführerischen Beispielen, bald von bösartigen Einflüsterungen uns gelegt werden. sinas 4. Barmherziger Vater, Du hast kein Wohl gefallen an diesen vielfältigen Gefahren, in welche die Sünde nur vnd der Abfall von Dir uns ver wickelt hat, wohl aber an der Treue und Wach samkeit, mit der wir sie bestehen. Unser ist die Schuld, Dein die Erbarmung und die Hilfe. Durch die Verdienste deines Sohnes ist uns der Geist Dei Vater Unser. 73 ner Liebe wieder zu Theil geworden, und die reich liche Gnade zum Streite und zum Siege. Du haft auch sein Beispiel uns vorgestellt, das uns überwinden lehrt in der Festhaltung Deiner Gebote. In ihm ist alle Kraft unsres geistigen und Dir vers einten Lebens; für ihn, den himmlischen Adam, sollen wir uns entscheiden, um sein Bild in uns auszuprägen, nicht jenes des irdischen.( 1 Cor. 15.) Ihm vereint zu bleiben, von ihm nicht neuerdings getrennt zu werden, dieß ist unsre Aufgabe in jeder Art von Versuchung. 5. Vater unser im Himmel, Deine Gnade allein ist es, die vom Fallstricke uns befreit, die mit starkem Schilde uns beschirmet.( Ps. 90.) Erleuchte uns mit überirdischer Erkenntniß, damit keine bösliche Täuschung uns gefangen halte; erfülle und tröste uns mit der Freude Deines Heils, damit kein Laster mit betrüglicher Süßigkeit uns reize, keine Übung in der Erfüllung Deiner Gebothe uns herb und bitter dünke; befestige unsern Willen in der Kraft des heiligen Geistes, damit wir dem Bösen widerstehen. Flöße uns heilige Furcht ein vor Deiner Hoheit, und Deinen ewigen Gerichten, damit wir nicht vermeffentlich in die Gefahr uns begeben; laffe die Leiden und den Opfertod Deines 7 74 Vater Unser. Sohnes in unseren Herzen leben, damit wir, mit ihm ans Kreuz geheftet, jede Begierlichkeit und Willkühr fesseln. Verleihe uns den Geist des Ge betes, daß wir täglich um Deine Gnadenhilfe flehen, und vor dir unsre Wege bedenken! 6. Sieh unsre Gebrechlichkeit, o himmlischer Vater, und die Größe unsrer Gefahren, und be schirme uns, damit wir in die Tiefen der Versu chung nicht eingehn, von ihr nicht verschlungen werden; damit keine Beleidigung uns zu gehässiger Rache hinreiße, kein ärmlicher Vorzug zum Stolze, keine Lockung zur Unlauterkeit, kein Gewinn zur Ungerechtigkeit, kein böses Beispiel zu thörichter Folge, kein Leiden zur Muthlosigkeit uns verleite. Bewahre uns, in Deiner Weisheit und Liebe, damit keine Versuchung uns treffe, von welcher Du voraus siehest, daß wir ihr unterliegen werden. Er leuchte, o Herr, unser Auge, damit wir nicht dahin schlummern im geistigen Tode, damit sich der Feind nicht rühme, er habe Macht über uns gewonnen! Führe unsre Seelen aus den Schlingen heraus, führe uns o Bater, durch jegliche Prüfung hervor zum Lichte und zur geistigen Freiheit; führe uns nicht in Bersuchung! shol mad Vater Unser. 75 VIII. Sondern erlöse uns von dem Uebel. 1. Ullmächtiger Vater im Himmel, der Du im seligen Lichte Deiner Klarheit wohnest, zu Dir rufen wir empor aus dem Thale der Thränen, wo stete Bersuchungen uns bestürmen, wo Leiden und Uebel ohne Zahl uns umringen, von welchen nur Deine Huld, nur Deine Kraft uns zu erlösen vermag. Noth und Schmerz, Krankheit und Tod, Irrthum und Sünde sind die Dornen, die auf unsrer Erde sprossen; vielfache Drangsale und Uebel sind es, die uns anfeinden und versuchen, und welche, wenn wir die Versuchung nicht bestehen, zu neuen und noch größeren Ulebeln sich entfalten. Du aber, o ewige Liebe, Du kannst der Urheber des Uebels nicht seyn; aus uns selber nur kommt das Verderbniß, aus unsrem Abfall von Dir. Da Du allein gut bist, so quillet alles Gute in uns aus der Einigung unfres Willens mit Dir, dem wesenhaft Guten; dahingegen der Widerspruch gegen Dich allen den leiblichen und geistigen Ulebeln der Menschheit den Ursprung gab, von welchen keine erschaffene Kraft uns erlösen kann. 2. Gerechter Vater, dessen heilige Liebe uns uf eine so hohe Stufe des Daseyns gestellt, und 7* 76 Vater Unser. zu noch höherem Ziele berufen hat: vor Deinem Angesichte gibt es kein Ulebel, als die ewige Schuld und ihre unvermeidliche Folge, die Trennung von Dir. Der Geist des Menschen sollte im freien Liebesgehorsam Dir sich unterwerfen, der Leib dem Geiste gehorchen, und mit ihm verkläret werden. Der Abfall des Geistes von Dir hat diese hohe Be stimmung zerrüttet, den Menschen mit Dir und mit sich selber entzweit, die Herrschaft des Geistes über die Natur aufgehoben, und die Sünde und den Tod in die Menschheit eingeführt, also daß Stolz und Sinnlichkeit, Verkehrtheit des Willens und Widerspenstigkeit der Natur in jedem einzel nen Menschen sich geltend machen. In diesem ver worrenen, schwer verschuldeten Zustande sind wir Kinder des Zornes( Eph. 2.) und Dunkelheit um. nachtet unsre Seele. 3. Barmherziger Vater im Himmel, der Du uns Menschen als geistigleibliche Wesen, als Glie: der einer Menschheit geschaffen: Du siehest jeden Einzelnen von uns in der Gesammtheit, und die Gesammtheit in jedem Einzelnen, und haft das Elend vorausgesehen, welches über das Menschen geschlecht sich fortsetzen mußte, wenn seine Stammeltern durch Ungehorsam von Dir abfielen. Du hast Vater Unser. 77 auch ihr Verderben nicht gehindert, weil Du ihre Willensfreiheit nicht aufheben konntest, ohne Dir selber zu widersprechen. Wohl aber hast Du dem Vers derben Einhalt gethan, daß es sich nicht vollendete; und mitten durch die Nacht des Jammers leuchtet herrlicher, als im Unfang, Deine göttliche Liebe. Du haft der Menschheit einen neuen und himmlischen Stammvater gegeben, der ihr geistiges Leben wieder herstellt, der für Alle gut machen konnte, was Einer für Alle verdorben. Sein Gehorsam, sein Opfertod ward uns geschenkt als unendliches Erbverdienst, durch seine Rechtfertigung ist die Menschheit von der Schuld befreit, wie von der Strafe der Trennung; der heilige Geist, der von Adam gewichen war, theilt sich dem Gerechtfertigten wieder mit; von Schuld und Strafe, und folglich vom Uebel, ist nun die Menschheit erlöset. NË 4. Mit ewiger Liebe hast Du, o Bater, uns ge= liebet, haft aus den Finsterniffen uns berufen in Dein wunderbares Licht, und vom Lose des Todes uns zum Leben hinüber gehoben.( Eccl. 48.) Das alte Verderben, das sich von Adam auf uns forte pflanzt, weichet der Rechtfertigung und Wiedergeburt, durch unsre Theilnahme am Verdienste Deis nes Menschgewordnen Sohnes. Aber in dieser Theil 78 Vater Unser. nahme, welche im Sakramente uns geworden, müß fen wir uns zu behaupten streben, und den Hang der Natur zum Bösen durch die Gnade Christi be kämpfen. Wie unselig der Mensch, der das Verdienst seines Erlösers, so ihm die geistige Freiheit und Deine Vaterliebe wieder erworben, verschmäht und hinwegwirft, indem er durch neue und persönliche Sünde von seinem Erlöser weicht, und unter das Sclavenjoch des alten Menschen zurückkehrt? Wie weit unseliger noch diejenigen, die im Schlummer ei nes verfinsterten Gewissens dahin leben, ohne Reue, ohne Wehr, die da verkauft sind an die Sünde? ( Röm. 7.) O Vater der Erbarmung, errette uns von Sündengewohnheit und Laster, erlöse uns vom Uebel! 5. Vater der Menschen, und der seligen Geister: Du hast die gefallene Menschheit erlöset, und er lösest jeden Einzelnen, der hienieden zu Dir sich wendet; die gefallenen Geister, die Engel des Ab: grunds hast Du nicht erlöset. Du hast die Menschen erlöset, weil sie, als leiblich geistige Wesen, durch ihren Antheil am Leben der Natur, ein großes Ganze bilden, in dessen Schicksal jeder Einzelne verflochten ist; und wie sie demnach alle an der Verschuldung Eines Stammvaters Theil genommen, so Vater Unser. 79 konnten sie gleichfalls Alle an dem Verdienste des Erlösers Theil nehmen, welchen Du als einen neuen und himmlischen Lebensbaum in die Menschheit ge= pflanzt hast. Die geistigen Wesen hingegen, jedes für sich bestehend, und in sich abgeschlossen, bleiben, einmal von Deiner Liebe abgewendet, hilflos in dem Stande, in den ihre Selbstsucht sie gestürzt; in lügenhaftem Stolze, in ohnmächtigem Troße, im ewigen Widerspruche mit Dir und mit sich selber, kennen sie kein anderes Bestreben, als denselben Widerspruch, dieselbe Lüge, die ihr Daseyn und ihre Qual ist, auch unter den Menschen geltend zu machen. Je mehr wir aber den Trieben der Natur und den Leidenschaften der Selbstsucht gehorchen, desto mehr sind wir diesen Gewalten der Finsterniß preis gegeben, desto schauerlicher unfre Gefahr, ihr unseliges Los zu theilen. Darum, o barmherziger Bater, erlöse uns von so furchtbarem Ulebel, befreie uns vom Bösen! 6. Barmherziger Vater im Himmel, Du siehest die vielfachen Leiden, die unser irdisches Leben bedrängen, und wir bekennen und wissen, daß sie die natürlichen Folgen unsrer Verschuldung sind, und daß Deine Weisheit sie als Mittel benüßet, um aus dem tödtlichen Schlummerleben des Sinnen 80 Vater Unser. genusses und der Eitelkeit uns zu wecken, damit wir an die Rückkehr zu Dir gemahnet werden. Da rum hat auch Dein göttlicher Sohn nicht bloß di Rechtfertigung, das Leben und die Wahrheit uns gebracht, sondern auch den Weg uns gebahnet, de einzig aus der Nacht der Sünde und des Todes uns herausführt; den Weg der Entsagung, des Kreu zes. Dennoch ist es Deine Verheißung und Vor schrift:» rufe mich an, am Tage der Noth und Betrübniß; erretten werde ich dich, und du wirst mich ehren.«( Ps. 49) Darum flehen wir ver trauensvoll zu Dir, daß Du in zeitlichen Uebeln auch, in Drangsal, Schmerz und Gefahr uns Deine Hilfe sendest, doch auf eine solche Weise nur, wie Deine Borsehung es zu unsrem Heile ge ordnet. Denn bleibt uns die Aufgabe gesetzt, daß wir in Leiden und Beschwerniffen die Treue des Gehorsams bewähren, und ist ein gänzliches Frei sein von Leiden in diesem hinfälligen Leben weder denkbar noch heilsam, so vermagst Du dennoch über aus mächtig uns beizustehen, indem Du jene mil den Tröstungen uns sendest, welche uns fähig machen, jedes Leiden mit Muth und Heiterkeit zu tragen, und auf Deine Liebe zu vertrauen, die Vater Unser. 81 jedes so ertragene Ulebel in ungleich größere Güter verwandelt. pion 7. Bater Unser im Himmel, der Du einem jeglichen Menschen gesetzet hast, einmal zu sterben, und dann das Gericht( Hebr. 9.): gib, daß wir mit ernstlicher Fürsorge des Todes eingedenk bleiben, welcher unser gegenwärtiges Daseyn aufheben, das geistige Leben von jenem der Natur gewaltsam scheiden, allen Werken und Verdiensten, dem Laster wie der Tugend die Gränze setzen, und für die Ewigkeit entscheiden wird. Denn von der Reihe der Prüfungen, die wir auf Erden bestehen, und von diesem Augenblicke der letzten Prüfung hängt une ser ewiges Los ab. Wirket, so gebot Dein Sohn, so lange es Tag ist; es kommt die Nacht, da Nies mand wirken kann. Darum ist der Töd denjenigen nicht furchtbar, die Ihm gehorchen, und in treuer Liebe ihm vereint geblieben, denn er hat den Stachel des Todes bezwungen, und wer mit Ihm überwindet, wird nicht verleßet werden vom zweiten Tode. Jetzt noch erfeufzet dieser sterbliche Leib, der Vergänglichkeit unterworfen, aber auch er soll dereinst von der Knechtschaft der Verwesung erlöset werden, zur Freiheit und Verklärung der Kinder Gottes. ( Röm. 8.) Darum, o Bater der Barmherzigkeit, 82 Vater Unser. verleihe uns, die zeitlichen Uebel so zu tragen, daß sie uns zu Heilmitteln gegen die ewigen llebel ge reichen. Vom plößlichen und unvorbereiteten Tor bewahre uns, führe uns durch die ernste Stunde, daß wir hinüber gehen in Deiner Gnade, in de freudigen Hoffnung, dereinst wieder hergestellt zu werden in voller und beseligter Menschennatur, er löset von allen irdischen und ewigen Ulebeln, durch Christum Jesum. Also hoffen wir, vertrauend auf Deine Willensheiligkeit und unwandelbare Wahr heit, Amen. 83 Gemüthserhebungen zum leidenden Erlöser. I. aufgang zum Delberge. Wohin, o Herr der Menschen, wanderst Du, in dunkler Nacht, in Deiner Jünger Mitte? Sie halten sich enge zu Dir, als wollten sie Deines Besitzes sich versichern; von Wonne und Wehmuth wird ihr Herz bewegt. Erhabene Freude beseligt sie, da sie der Worte gedenken, welche Du liebreich tröstend zu ihnen geredet, und der unendlichen Liebesgabe, die Du ihnen gereicht hast. Tiefe Wehmuth durchschauert sie, da sie ahnen, daß die Stunde des Abschieds nahe herbeigekommen. Du aber schreitest den Delberg hinan, der furchtbaren Nacht entge= gen, und den Gewalten der Finsterniß, welchen Raum gegeben ist, einen Augenblick über Dich zu triumphiren. 84 Leiden Jesu. O Herr und Meister, dunkel ist die Nacht de Irrthums, des Wahns, des Hasses, der blinde Leidenschaft; allein wo Du bist, dort hat keine Dur kelheit Bestehen. Wer Dir nachfolgt, wandelt nic in Finsterniffen, sondern wird das Licht des le bens schauen. O mache mich würdig, Dir zu fol gen, auf allen Schritten Deines Leidenswegs in Geiste Dich zu begleiten! Erleuchte mich, um i Deinem irdischen Leben und Leiden nicht blos mein Sühnung und Rettung, sondern auch das herrlich Vorbild zu sehen, nach welchem ich wandeln soll! Dein ganzes Leben hienieden, o Jesu, was it es anders, als eine Schule der Weisheit, der Sitte der Heiligung? Wo habe ich jemals thöricht un sündhaft gehandelt, es sei dann, ich begehrte un suchte, was Du verachtet und gemieden, oder id scheute und floh, was Du freiwillig Dir erwähl und getragen hast? Sanftmuth und Geduld, Ent fagung und Ergebung, milde Demuth und unzer störliche Liebe leuchten auf allen Deinen Wegen; doch sprachst Du insbesondre:» wer fein Kreuz nicht aufnimmt, und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig!« Mit Deinem Leiden erst hast Du, w Dein erlösendes Opfer, so auch das Vorbild voll endet, dem einzig alle Nachfolge gebührt. Leiden Jesu. 85 Will ich einst den seligen Ausspruch hören, daß ich Deiner würdig bin? Will ich ewig Dir angehör ren, und in Deine Klarheit eingehen? Ach, Herr, ich will! Aber zu so herrlichem Ziele führt der Eine Weg nur, den Du mir vorgezeichnet: daß ich den alten und irdischen Menschen in mir verläugne, daß ich dem träumerischen Leben der blinden Leidenschaft und Selbstsucht entfage, und den neuen und himmlischen Menschen anziehe, der nach Gott erschaffen ist, nach Deinem erhabenen Vorbild. Wie werde ich es kennen lernen, dieß einzige Vorbild, wenn ich nicht emsig Deinen Wandel betrachte? Und wie vermag ich es nachzubilden, wenn Deine Gnade mir nicht beisteht? Führe mich, o Herr, auf Deinem Wege, und lenke mich in Deiner Wahrheit; mein Herz erfreue sich, und preise Deinen Namen! II. Jesus am Delberge. Ich suche Dich, o Freund meiner Seele, im Garten Gethsemani, und siehe ich finde Dich bleich und zitternd, Dein himmlisches Antlig verstört, Deine Glieder von Angst durchschauert. Du siehest zurück in die Bergangenheit, auf all den Undank, den Du erfahren, und Uleberdruß befällt Dich; Du siehest das Herannahen Deiner Feinde, und des 86 Leiden Jesu. Verräthers an ihrer Spiße, und Trauer beugt Dic nieder; Du blickft in die nächste Zukunft, auf der Wettersturm der Leiden und Schmähungen, die Dic bedrohen, und wirst von Furcht erschüttert. Un Du machst kein Geheimniß daraus; Du bekenne vor Deinen Jüngern: meine Seele ist betrübet bil zum Tode! Wie kommt es, o Herr, daß solche Furcht Did heimsucht? Bist Du nicht der starke Gewaffnete, der den Fürsten dieser Welt bezwingt? Hast Du nicht freiwillig unsrer Erlösung Dich dargegeben, mit Sehnsucht die harte Stunde erwartet? Und bist Du nicht der Erhabene und Wunderbare, in welchem das unerschaffene göttliche Wort, und der erschaf fene Mensch persönlich vereinigt sind? Aber währen ich in Deiner göttlichen Hoheit Dich anbete, dar ich dennoch nicht vergessen, daß Du eben so gewij auch wahrer Mensch bist, daß Du als Mensch zwi schen Gott und uns getreten, um die Schuld del Geschlechtes zu fühnen, und für ihre ganze Größe Genugthuung zu leisten! Und deshalb, als die herbe Stunde kam, dies große Werk des fühnenden Gehorsams zu vollziehen, als Du damals, o Lamm Gottes, vor der beleidig ten Majestät des Vaters, die ganze Sündenlaß Leiden Jesu. 87 Deiner Brüder auf Dich nahmst, da drückte Dich Schuldlosen, um ihrentwillen, ein unsäglicher Abscheu, eine trostlose Bangigkeit danieder. Ach es ist ein großes Wort, das längst schon der Seher verkündet, und wer vermag es zu fassen?» Wahrhaft hast Du unsre Gebrechen auf Dich genommmen, und unsern Jammer selbst getragen; die Ungerechtigkeit Aller hat Gott Dir aufgebürdet!« Wie gräßlich, o Herr, ist der menschliche Frevel, dessen Sühnung solche Schreckniffe über Dich gebracht! Wie furchtbar der Tod, den Du zu tilgen kamst, und dessen Tilgung Dich so herbe Todesangst gekostet! Muß ich nicht perabscheuen jede Kühnheit der Willkühr, die sorglos ihre verderblichen Wege zieht? Oder soll ich dem Tode mit jenem Leichtsinn entgegen schauen, mit welchem nur eitler Stolz oder Unwissenheit uns blendet? Nein, nichts Geringes ist der Tod, vor welchem Du selber erbebtest; aber getrost darf ich, bin ich Deiner Gnade treu, ihm entgegen gehen, seitdem Du überwunden und seine Schreckniffe getilget hast. Fürchtet nicht, so lehrst Du: ich habe die Welt überwunden. Du hast überwunden, o Herr, durch jenen un verbrüchlichen Gehorsam, der uns Allen zur Recht fertigung gereicht. Alle Qualen des Todes, alle 88 Leiden Jesu. Gräuel der Bosheit drangen auf Dich ein, um Deine heiligste Seele zu erschüttern, und von dem Willen des Vaters abzuwenden; doch vergeblich war ihr Stürmen. Vor ihm lagst Du auf Deinem Unge fichte, zu ihm erhob sich Dein schmerzliches Flehen: Bater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber, doch nicht wie ich will, sondern wie Du! Dhimmlischer Meister, lehre mich beten! In Angst und Erbangen, wohin anders soll ich fliehen, als zum ewigen Bater? Ich darf ihn Vater nen: nen, denn dieses Recht hast Du mir erworben; welch ein süßes Wort des Vertrauens, der Liebe! Ich darf Ihn anrufen, daß der Leidenskelch, vor welchem meine sinnliche Natur sich entsetzt, an mir vorübergehe,» wenn es möglich ist«, wenn es de göttlichen Fügung und meiner geistigen Wohlfahrt entspricht; aber ich muß hinzuseßen: nicht wie i will, o Bater, sondern wie Du willst; dies ist die kindliche Ergebung, die allein mich in seiner Lieb bewahrt; die allein seiner Huld und Weisheit wür dig ist. Oder werde ich Grund zum Mißtrauen und zur Klage finden, wenn mein Gebet nicht schnell er hört, nicht augenblicklich Troft oder Hilfe mir ge währt wird? wenn es mir scheint, als verhalle mein Leiden Jesu. 89 Ruf ins Leere? Dich, o Jesu, gewahre ich flehend zu Deinem Vater, sein Wohlgefallen ruht einzig auf Dir, und dennoch ist es, als hörte er Dich nicht. Immer höher steigt die furchtbare Todesangst, beharrlicher verweilst Du im Gebet, verdoppelst, verdreifachst Deine Bitten. Da endlich ward Dir Stärkung von oben. Und welche Stärkung? Die Kunde vom Willen des Vaters, daß der Kelch nicht vorübergehe, daß Du ihn leeren sollst bis auf die Hefen, damit das vollendete Werk des Ungehorsams durch das vollendete Werk des Gehorsams gesühnt werde, von welchem die neue Belebung der Menschheit abhängt. Da hast Du, im gewaltsamen Streite, im blutigen Schweiße, die Furcht und den Abscheu niedergekämpft, mit göttlicher Kraft gestärkt erhobst Du Dich wieder, um frei und siegreich den Gewalten der Hölle entgegen zu gehen. mis Herr der ewigen Kraft, wie hast Du alle meine Ohnmacht Dir aufgebürdet, um mit Deiner Stärke mich aufzurichten! Mitten in der Tiefe der Leiden Deiner Jünger eingedenk, ermahnest Du sie, zu wachen und zu beten, um nicht in die Schlingen der Versuchung zu fallen. Ach Herr, erwecke mich aus jedem geistigen Schlummer! Wenn ich leichtfertig umher irre, befangen in den Täuschun8 90 Leiden Jesu. gen der Eitelkeit, der vergänglichen Freude, wenn ich nahe daran bin, mich und dich zu vergessen, ach dann rufe mich auf den Delberg zu Dir, daß ich ju heilsamen Ernste, zu rechter Einsicht erwache. Und wenn Verzagtheit mich anwehen will mit ihrem Todeshauche, und düstere Schrecken und Sorgen mich umringen, dann sey Deine leidende Liebe mit vor Augen, daß ich zu Dir fliehe, von Dir getro stet und gekräftigt werde.» Warum bist Du so trau rig meine Seele, und warum betrübst Du mich! Hoffe auf den Herrn, denn noch fernerhin wirt Du dankbar ihn preisen; Dein Gott ist er, und das Heil Deines Angesichts!«( Ps. 42.) III. Jesus in Banden. Vollendet hast Du, o Herr! für mich und für Alle, Dein, Opfer im Geiste; Du willst es nu vollbringen auch im Werke und in der That. De rum gehest Du raschen Schrittes der lärmenden Rotte entgegen, an deren Spiße der Verräthe heranzieht. Schon hat er mit heuchlerischem Gruß wort, mit dem Judaskusse das bösliche Zeichen ge geben, dennoch wendest Du von dem Ruchlosen Dein Untlig nicht ab, nennest ihn Freund, er: mahnest ihn einmal noch mit milden Friedenswor Leiden Jesu. 91 ten! O Meister der Sanftmuth, wie straft Dein Beispiel mich, wenn ich gegen Uebelwollende mich ergrimme! Herr voll unendlicher Liebe, wenn Du den Berräther noch so gütig behandelst, wie wirst Du dem Aufrichtigen und Treuen erst begegnen! Du zeigtest dem Unseligen die ganze Erbärmlichkeit seiner List, als Du selber vor die Rotte hin= tratst, fragend: wen sucht ihr? Und als sie Deinen Namen nannten, und Du in der Fülle Deiner Hos heit sprachst: Ich bin es, da wichen sie zurück, und stürzten, wie vom Blige getroffen, zu Boden. D Herr, der du gekommen bist, zu suchen und zu retten, was verloren war, wie sinken einst Alle in innerer Hohlheit zusammen, welche Dich suchen, um Dich zu läugnen? Zu Dir sprach mein Herz: Dein Angesicht will ich suchen: verachte mich nicht, o Gott mein Heiland!( Ps. 26.) Einen Augenblick nur sollte Deine höhere Würde sich offenbaren, damit Deine Feinde erkannten, daß Niemand Macht über Dein Leben habe, und daß Du aufgeopfert wurdest, weil Du selber es gewollt. Darum erwecktest Du sie wieder aus ihrem Todesschrecken; Du gebotest dem Jünger, das Schwert zu bergen, das er zu Deiner Bertheidigung 8* Leiden Jesu. gezogen, du heiltest den Ungestümsten unter den Feindseligen, die über Dich herfielen, von der Wunde, die jenes Schwert ihm geschlagen, und gabst Dich freiwillig ihren Banden dar. 92 Bande meines Erlösers, die ihr Zeugni gebt von seiner Liebe, von meiner Freiheit! Wer bist Du, o Jesu, daß Du so schmählicher Gefangenschaft Dich dargibst? Aber ich wäre von jenen schrecklichen Banden der ewigen Schuld nicht frei geworden, hätte sie Deine Gefangenschaft nicht gelöset. Nur wen Du befreiest, ist wahrhaft frei zu nennen, nut im Gehorsam der Liebe, nur in Einigung mit Dir wird geistige Freiheit erworben.» Die Stricke der Sünde haben mich umschlungen, Dein Gefeß habe ich nicht vergessen!« Zerreisse, o Herr, alle schmäh lichen Bande der Eigensucht und der Sinnlichkeit, die meinen Geist umstricken, feßle mich vielmeh an Dich, durch die Kraft Deiner treuen Liebe » Dein bin ich, errette mich, denn nach Deiner Geboten ist mein Verlangen!«( Pf. 118.) Consil IV. Jesus vor Caiphas. Erlöser und Richter der Menschen, zu welcher Tiefe hast du Dich selber erniedrigt, daß Du in Knechtsgestalt, mit gebundenen Händen, vor dem Leiden Jesu. 93 Gerichte der Heuchler stehst? Bon wüthendem Neide geblendet, kann ihr Auge Deine Hoheit nicht erkennen; darum würdigst Du ihre gehäffigen Fragen keiner andern Antwort, als dieser: daß Du öffentlich stets, und nicht im Verborgenen gelehret. Ja dieses ist der Geist Deiner himmlischen Lehre, daß sie in kein Dunkel sich birgt, und keine geheimen Absichten und Meinungen duldet, sondern jeden Wahn und jede Schiefheit ausschließt, daß sie vielmehr, selber Licht, jedes Dunkel erleuchtet. Welcher Lohn aber ward Dir, o Herr, für so bescheidene Antwort? der Ausbruch der rohesten Bosheit, das Vorspiel von all den Mißhandlungen, die Deiner noch harreten: ein grausamer Schlag ins Angesicht, geführt von der Faust eines gewaffneten Knechtes, unter dem Beifall des ganzen Ge lichters. Welch ein Frevel gränzenlosen Uebermuthes, welch eine That der ungeheuersten Frechheit? Aber längst hatte der Seher es von Dir geweisfagt: » er wird den Schlägen seine Wange dargeben, er wird mit Schmach gesättigt werden!« Und was ist wohl jeder Frevel, jede Sünde anders, als die rohe Faust der Willkühr, welche die Heiligkeit des allsehenden Gottes verachtet? offerte did Mit ruhigen Worten rügtest Du das Ungerechte 94 Leiden Jesu. dieser That, aber unverbrüchlich war Dein Schwei gen, als die Kläger hervortraten, um mit falschen Zeugnissen Dich zu verläumden. Du hattest wohl früherhin die Worte ausgesprochen, die kein Sterb licher sagen darf:» wer vermag mich einer Sünde zu zeihen?« der boshaften Lüge aber seßtest Du kein Wort entgegen, damit ich an Deinem Beispiel leiden und schweigen lerne, vertrauend auf die Hilfe von oben. Denn es gibt keine geistig Stärke, es sey dann in Schweigen und Hoffen ( Ifai. 30). Wiederum redest Du laut, sobald d um die Ehre Deines Vaters, um die Wahr beit Deiner Sendung sich handelt. Da Ca phas Dich beschwor im Namen des lebendiga. Gottes, ob Du Christus seyest und Gottes Sohn da schwiegest Du nicht ferner, Du sprachst: id bin es. O treue und wahrhafte Rede, o großes un feierliches Zeugniß! Du bist der himmlische Mensch des Vaters ewiges Wort, und der Sohn der Jung frau in der Zeit; unerschaffen und erschaffen wahrer Gott, in Einigung mit der Menschheit wahrer Mensch, persönlich vereint mit der Gott heit; aufs tiefste freiwillig erniedrigt, um unse Erlöser zu seyn; über Alle erhöht, als Herr un Leiden Jesu. 95 Richter! Unbedenklich sprachst Du dieß Bekenntniß aus, auf das sie nur lauerten, um dich zum Tode zu verdammen; und so soll auch ich bereit seyn, Deine göttliche Würde zu bekennen, ohne Furcht, den Menschen zu mißfallen.» Denn läugnen wir Dich, so wirst Du uns auch läug= nen; glauben wir nicht, so bleibst Du dennoch wahrhaft, und kannst Dich selbst nicht läugnen!« ( 2. Timoth. 2). Der Eifer für die Wahrheit hat Dich aufgeries ben; die Schmähungen der Gottesverächter sind auf Dich gefallen!( Ps. 68.) Kaum war Dein Zeugniß ausgesprochen, und die dunkle Flamme der Bosheit loderte hoch empor; die Gottlosigkeit, im Ge= wande des Gotteseifers, feierte ihren Triumph, die Rotte der Heuchler erklärte Dich des Todes schuldig; doch nicht zufrieden damit, wollte ihr wüthender Haß an Mißhandlungen sich ersättigen. Sie spieen in Dein Angesicht, sie traten Dich mit Füßen, sie höhnten Deine Weisheit, und überließen Dich endlich grausamen Wächtern zur Obhut bis zum nächsten Morgen. Mit stillem Gleichmuth, mit friedfertigem Herzen, ohne Vorwurf und ohne Klage ertrugst Du die schändlichen Frevel. Und ich soll nicht täglich, mit Dank und mit Wehmuth, Leiden Jesu. 96 Deiner schrecklichen Nachtwache gedenken, ehe auf meinem Lager der Schlummer mich heimsucht? Und wenn sie Dein Untlik verhüllten, und höhnisch Di zuriefen: weissage uns, wer Dich geschlagen hat! soll mich der Gedanke nicht schrecken, daß auch ic so handle, so oft ich, Deinen Geboten treulos durch jedes Bergehn Deine Allwissenheit verachte? Ach, nicht diese gräßlichen Mißhandlunger waren es, die Deinem liebreichen Herzen die bit terste Kränkung bereiteten, sondern der Abfall um die äußerste Seelengefahr Deines geliebten Jún gers, der Anfangs mit vermessenem Selbstvertrauer Dir folgte, bald aber, von schmählicher Berzagt heit bedrängt, zu dreien Malen Dich verläugnet bis Du, o Herr der Liebe, mitten in den schmer lichsten Drangsalen Dein Untlig zu ihm wandtes um mit einem Blicke Deines Auges die Tiefe seine Herzens zu erleuchten. Da ging er hinaus un weinte bitterlich. Wehe dem Sterblichen, der Di verläugnet; er verläugnet das Fundament, au welchem sein Leben und Bestehen gebaut ist; e läugnet sein eigenes Leben, sein Heil, seine Hoff nung. Herr der Wahrheit, laffe nicht zu, daß ich durch Wort oder Werk, in diesen Abgrund der Lüge versinke! Sende einen Blick Deiner Huld in Leiden Jesu. in Herz, daß es zu liebender Reue erwache; sieh auf mich, und erbarme Dich meiner! - 97 V. Jesus vor Pilatus und Herodes. Der Tag ist angebrochen, die Macht der Finsterniß hat noch nicht ausgetobt. O wunderbarer Tag, an welchem der Tod verschlungen ward in den Sieg! Noch einmal halten sie Gericht über Dich, ihren Gebieter, von welchem einzig ihr Heil abhängt. Sie haben beschlossen, Dich auszurotten aus dem Lande der Lebendigen, Dich zu verdammen jum allerschmählichsten Tode. Allein die Gewalt, die ihnen gegönnt ist, reicht nicht zur Höhe ihrer Bosheit. Sie müssen die Vollziehung ihrer Anschläge dem Fremdling überlassen, der hier die römische Weltherrschaft vertritt; sie müssen Dich, wie Du selbst vorausgesagt, den Heiden überliefern. Und eben deshalb dürfen sie, um ihren Zweck zu erreis chen, keiner Gotteslästerung Dich anklagen, sondern sie bürden Dir Staatsverbrechen auf, und Streben nach der Königswürde.. Schweigend hörst Du, o Fürst des Friedens, die neue Verläumdung an. Haben nicht Tausende aus Deinem Munde gehört: gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist? Haben nicht Tausende es erfahren, 9 } 98 Leiden Jesu. wie Du fliehend Dich verbargst, so oft sie, im Av genblicke der Begeisterung, zum Könige Dich aus riefen? Und dennoch bist Du ein König. Du beken nest es, da Pilatus Dich frägt, Du läugnest e nicht. Du bist das Haupt des Menschengeschlechts denn wer von oben kommt, ist über Ulle. Du bij der einzige Heilige und Freie, der Sieger im har ten Streite; Dein ist das Werk unsres Heiles, c kauft hast Du uns durch einen unendlichen Prei Darum bist Du der König der Menschen, doch nicht herrschend in irdischer Macht und vergänglicher Her lichkeit; Dein Reich ist nicht von dieser Welt, sonder ein geistiges Reich, eine Herrschaft der Wahrhei und Gnade. Denn deshalb bist Du in diese Wel gekommen, um in der Heimath des Irrthums un der Täuschung die Wahrheit wieder zu pflanzen, allein beseligen kann. Berachtend und frostig sprach der Römer: wasi Wahrheit! In ihm, dem Ungerechten und hab süchtigen war kein Verlangen nach Wahrheit, erschien ihm wie ein Unding. Was bin ich, o Hen und wohin gelange ich ohne Deine heilvolle Wahr heit? Ein düsterer Wahn, ein Fiebertraum ist dann mein Denken und Streben, mein Leben ohne Zwed und Verdienst, mein Ende trostlos, unselig mein Leiden Jesn. 99 Fortdauer nach dem Tode. Ach es ist nicht genug, die Fülle Deiner Offenbarungen zu wissen, wenn ich nicht aus ganzem Herzen sie liebe. Auch Pilatus erkannte zum Theil Deine übermenschliche Würde, er staunte Deine Sanftmuth an und Deine himmlische Ruhe. Aber nicht aufrichtig genug, um die Fülle des Lichtes zu fassen, und zwischen der Menschenfurcht und der Angst des Gewissens schwankend, sah er um einen Ausweg sich um; und da er von Galiläa hörte, von wannen Du gekommen, sendete er Dich zum Fürsten dieses Landes, zu Herodes. Weisheit vor dem Richterstuhl der eitlen Thorheit! o Heiligkeit und Wahrheit vor den Augen: der Neugier und des flatterhaften Wahns! Nur zu einfachen und reinen Herzen redest Du; dem Tükischen und Hoffärtigen bleibst Du stumm; den Ruhmsüchtigen und Fürwißigen würdigest Du keines Wortes, keines Zeichens. So standest Du, o Jesu, vor dem unwürdigen Fürsten und schwiegst. Der Friede auf Deinem Angesichte, Deine ernste Ruhe, unbewegt vom Prunke weltlicher Herrlichkeit, ungetrübt von dem Geschrei der Verläumder, vermochte ihm nicht die Augen zu öffnen, daß er Deine Würde erkannt hätte; in beleidigtem Stolze erklärte er Dich für einen blödsinnigen Thoren, und 9* 100 Leiden Jesu. ließ Dich, im Spottgewande, mitten durch du Haufen des wüsten Pöbels, zu Pilatus zurück füh ren. So gefällt es der Welt noch immer, die Weis: heit Gottes für Thorheit zu achten; so bleibt auf immerhin die Weisheit der Welt eine Thorheit vo Gott. Darum freute Dein Jünger sich, ein Tho zu heißen um Deinetwillen, darum rief er fröhlich: » ich schäme mich des Evangeliums nicht!« Wird wohl der Jünger über den Meister seyn? Kann eine größere Ehre mir werden, als wenn Dein Berächter auch mich verachten? In Dir sind du unerschöpflichen Reichthümer der Wissenschaft un Klarheit Gottes, in Dir ist alle Fülle der Weis heit und des Lebens; wer aus der Wahrheit ist, de höret Deine Stimme. VI. Jesus vom Volke verworfen. Nicht groß genug war die Schmach, welche Di o Herr und Retter der Menschen, von Herodes zu gefügt ward, schmählicher noch war die Hilfe, die jetzt Dir bereitet wurde, ersonnen von einem Feinde, der zu viel Einsicht hatte, um Deine Unschuld zu verkennen, und zu wenig Gerechtigkeit und Muth, um mit Entschiedenheit zu handeln. Er erinnert sich eines alten festlichen Rechtes, wodurch es dem Leiden Jesu. 101 Volke zustand, einen Gefangenen in Freiheit zu setzen; er wendet sich an's Volk, und läßt ihm die Wahl zwischen Dir und einem berufenen Verbrecher. Wer sollte noch zweifeln, für wen die Wahl sich entscheiden würde? Aber war schon dieser Bersuch empörend, der Dich mit dem Auswurf der Menschen in die Wage stellte, und die Freiheit Dir als bloße Gnade erwirken sollte, so war empörender noch das Wuthgeschrei des Volkes: fort mit diesem, gib uns den Barabbas! Wie darf ich jemals gekränkt und verletzt mich fühlen, und in düsterm Grame darüber brüten, daß etwa ein Anderer mir vorgezogen, mein Verdienst verkannt wird? Ich sehe zu Dir hinauf, Du einzig Heiliger, ich sehe im Prätorium Dich neben Barabbas stehen, den Erlöser neben dem Mörder, den Geber alles Guten neben dem Straßenräuber, des ewigen Vaters Sohn neben dem verworfenen Knechte, und höre das Zetergeschrei des Pöbels, der diesem den Vorzug gibt, und sehe Dich das Auge senken und schweigen. Ich sehe noch mehr; ich weiß, wer dieser Barabbas ist der abtrünnige, verlorne Sohn, der, feinem ewigen Bater treulos, dem Dienste der Lüge sich hingegeben; der irdische, in Sünde versunkene 102 Leiden Jesu. Mensch, für welchen Du liebend Dich dargibst, um die ewige Schuld und den ewigen Tod von ihm zu wälzen, die er auf sich geladen hat. Du hast Dich ausgeliefert, damit Barabbas frei würde. O Herr des Lebens, wie danke ich Dir für so überschweng liche Liebe? Dein will ich seyn, und dem alten Menschen in mir, dem Barabbas widerfagen. Wer seine Seele haffet, sprachst Du, wird sie für's ewige Leben gewinnen. Ich will dem Sinnenleben nicht gehorchen, das gegen den Geist sich empört; ich will der Welt nicht Folge leisten, die Deine Weis heit anfeindet; ich will dem Geiste der Lüge wider stehen, der mich zu blenden sucht, daß ich, in thörich tem Selbstbetruge, irgend einem Scheingute Dich hintanseße. Erleuchte mein Auge, o Herr, damit ich nicht dahin träume im Schlummer des Todes; sprich zu meiner Seele: Dein Heil bin ich!( Ps. 12.) Neuerdings wollte der ohnmächtige Richter Di vertheidigen, aber gleich stürmenden Wogen tobten die Stimmen, die Deinen Tod, Deine Kreuzigung forderten. Da beschloß er, den Bethörten soviel zu gewähren, als etwa genügen möchte, ihren Blut. durft zu stillen; er verurtheilte Dich zu jener ent ehrenden und schmerzlichen Strafe, womit man wi derspenstige Sclaven züchtigte. O Wunderbarer und Leiden Jesu. 103 Hoher, welch ein Schauer durchbebt mich, da die gräßliche Unthat meinem Auge vorschwebt! Barbarische Knechte ergreifen Dich, sie reißen die Gewande Dir ab, sie binden Dich an eine Säule, sie schwingen mit grausamer Lust die Geißel, sie häufen Wunden auf Wunden. Welch eine Beschämung für mich, wenn ich so vernichtet und gedemüthigt Dich sehe, und dies auch um meinetwillen! O Schönster an Gestalt unter allen Söhnen der Menschen! nun ist weder Ansehen noch Schöne an Dir, der verachtetste und letzte aller Menschen bist Du geworden, ein Mann der Schmerzen; Dein Untlig verborgen und mit Schmach bedeckt! Du bist verwundet worden um unserer Vergehungen willen, zertreten unsrer Lafter wegen, durch Deine Striemen sind wir geheilet worden!( Jfai 53.) Dem Maße menschlicher Entartung, der Tiefe unserer Versunkenheit sollte auch die Größe Deiner schuldlosen Buße, die Menge Deiner Leiden entsprechen. Und wie kann ich Deine Wunden sehen, ohne jene Laster zu verabscheuen und zu fliehen, zu welcher Uleppigkeit und Sinnenlust den Menschen erniedrigt? Es war den reißenden Wölfen nicht genug, Dich zerfleischt und blutend zu sehen vom Haupte bis zu den Füßen; ihr wilder Uebermuth will auch mit 104 Leiden Jesu. grausamen Scherzen sich erlustigen. Sie haben ye hört, daß Du einen König Dich nenneft, sie wol len die Huldigung Dir bringen. Sie drücken Dir die starre Dornenkrone ins blutende Haupt, sie be kleiden Dich mit einem zerrissenen Purpurmantel, und geben Dir das Binsenrohr in die Rechte; si seßen Dich auf einen Thron von Stein, knieen mit schändlichen Geberden vor Dir nieder, mißhandeln Dein Angesicht, und rufen Dir ihr häßliches Ar zu. Sie grüßen Dich mit teuflischem Hohne, un dennoch ist ihr Grußwort wahr. Du bist der Herr der Heerscharen, der König der Glorie.( Pf. 23.) Du bist das Haupt der Menschen, und darum mit Dornen gekrönt. Deine Macht, Dein Reich wird von der Welt verachtet, als wäre ein Binsenrohr Dein Scepter. Aber der Scepter Deiner Kraft wird herrschen, von Sion aus, in der Mitte Deiner Feinde. Himmel und Erde werden vergehen, Deine Worte aber werden nicht vergehen! Sehet den Menschen, sprach Pilatus: sehet euren König! und zeigte Dich dem Volke, um sein Mitleid zu erregen. Und Du gingst hervor, mit der Dornenkrone, mit dem rothen Gewande, ein Bild des Jammers, der Ohnmacht; einem Aussä Bigen ähnlich, einem Menschen gleich, den Gottes Leiden Jesu. 105 Strafgericht zermalmt und zertreten hat.( Isai. 53.) Wende Dich nicht ab, meine Seele, von diesem Anblick! Siehe den Menschen! Der irdische, von Gott entfernte Mensch ist nimmer der Herr und König der Natur; seine Krone ist eine Krone des Elends, seine Herrschaft ein hohles Rohr, seine Herrlichkeit ein abgetragener, zerriffener Purpur. Du aber, o Jesu, hast diese Schmach von uns ge= nommen, und für Alle Dich hingegeben, damit der ewige Bater Dich, seinen geliebten Sohn, in der erlöseten Menschheit sehe, und die Menschheit in Dir.» Siehe herab auf uns, o Gott unser Beschirmer, und siehe auf das Angesicht Deines Chriftus!«( Pf. 83.) Stehe uns nicht an in unserer Verschuldung, sondern Christum in uns, und uns in Chrifto, damit über uns, wie über ihm, Dein Wohlgefallen ruhe! VII. Jefus zum Kreuze verurtheilt. Wie kann ich, o Herr, ohne tiefe Wehmuth die Unzahl der Todesqualen und der Schmähungen betrachten, die in wenigen Stunden, in ununterbrochener Folge auf Dich heranstürmten? Menschen aller Art vereinen sich, und eifern mit der Hölle im Bunde, um Deine Leiden aufs Neußerste zu trei 106 Leiden Jesu. ben, und der Einzige, der Deine Unschuld verthei digt, vermehrt dadurch nur Deinen Schmerz. Doch die ganze Wuth der Hölle vermag nichts gegen Deine himmlische Geduld. Ach, wenn ich die Last des Verhängnisses betrachte, das Du mit freiem Entschlusse auf Dich genommen, so muß wohl jede Klage über meine eigenen Leiden verstummen, die ich in jedem Falle verschuldet, die ich durch Deine Gnadenhilfe allzeit ertragen kann, und die, in Ver einigung mit Deinem Verdienste, mir nur zum Heile gereichen.» Eine getreue Rede, und aller Beherzigung werth: wer mit Dir leidet, wird mit Dir auch verkläret werden!«< Der Schwarm der Bethörten sah Dich ohne ein Regung des Mitleids, nichts konnte ihren Grimm versöhnen. Sie schreckten den verzagten Richter mit dem tückischen Zuruf: wenn du Diesen frei gibst, bist du dem Cäsar treulos! Mit feierlicher Geberd wusch er seine Hände, betheuerte schuldlos zu seyn am Blute des Gerechten, und übergab Dich dem Willen Deiner Feinde. Welch ein empörendes Un recht! Er verurtheilt Dich, indem er Dich unschul dig, und sich selber schuldlos erklärt. Welch eine Durchkreuzung von Wahrheit und Lüge? Ungerech ter als dieses war nie ein Urtheil auf Erden, denn Leiden Jesu. 107 es traf den einzig Reinen und Mackellosen; doch nahmst Du schweigend es an, als ein gerechtes Urtheil von höherer Macht, weil Du die Schuld Deiner Brüder auf Dich genommen, um durch das Verdienst Deines Gehorsams sie zu tilgen. Bewache, o Herr, meinen Mund, gib Besonnenheit meinen Lippen, bewahre mein Herz vor böslicher Verirrung; damit ich nicht Worte suche zur Entschuldigung meiner Sünde!( Ps. 140.) Wenn ich mich selbst entschuldige, mich selber frei spreche von der Schuld, bist Du mein Erlöser nicht. Dein Verdienst allein ist es, was mich rechtfertigen kann, ohne Dich, o göttlich menschlicher Mittler, lastet die Todesschuld ewig auf mir. Wie danke ich Deiner unermeßlichen Liebe, die Dich bewog, das Urtheil anzunehmen, welches dem Tode und der tiefsten Erniedrigung Dich preis gab! Selig, wer ganz und ohne Vorbehalt Deiner treuen Liebe sich dargibt! Unter Deinen Fittigen wird er hoffend weilen, Deine. Wahrheit ist das Schild, das ihn beschirmt. Er wird Dich anrufen, und Du wirst ihn erhören, in allen Leiden wirst Du mit ihm seyn; erretten wirst Du ihn, und ewig beseligen!( Pf. 90.) Gezimmert war bereits das furchtbare Kreuzes holz; sie luden es auf Deine Schulter, und führten 108 Leiden Jesu. Dich zwischen zwei Missethätern durch die Straßen der Stadt, zur Todesstätte hinaus. Hohepriester und Opfer zugleich, solltest Du auch den Altar noch tragen, auf welchem Du das Aeußerste erduldet. Wahrlich eine ungeheure Bürde, die ganze Last der menschlichen Verschuldung und des menschlicher Elends. Denn es war Dein freier Entschluß, nicht bloß Genugthuung zu wirken für die Schuld, son dern auch die natürlichen Folgen der Sünde, das Elend der Kinder Adams auf Dich zu nehmen, um unsrer hülflosen Buße durch Deine freiwillige und schuldlose Buße Kraft und Wirksamkeit zu geben Ach, wann werde ich verstehen, und aus innerstem Willen befolgen, was Du so liebevoll, so eifrig gelehret? Wann werde ich freiwillig und dankbar auf mich nehmen, was Fügung und Pflicht mit auferlegt, und Dir beharrlich folgen? Ich sehe Dich, blutend und todesmüde, nicht bloß wanken unter der schauerlichen Bürde, son dern erliegen auch; so ganz und ohne Borbehalt hast Du unser Geschick und unsre Ohnmacht ge tragen. Und nicht so viel aus Mitleid, als viel mehr aus Grausamkeit, um für den Kreuzestod Dein Leben zu fristen, warfen sie Dein Kreuz einem unbefangenen Fremdling auf die Schulter Leiden Jesu. 109 O wie selig zu preifen ist, wer Deine Bürde trägt, wer schuldlos leidet, im Geiste Deiner Ergebung und Deiner Geduld; wenn er die Prüfung besteht, wird er die Krone des Lebens empfangen! Zwar darf ich dieses von mir, von meinen Leiden nicht rühmen. Ob sie geradezu von Gott mir gesendet sind, ob unter feiner Zulassung von leichtsinnigen und böswilligen Menschen, oder wie es gar oft geschehen, ob ich selber mir sie aufgebürdet, immerhin habe ich sie großentheils verschuldet; aber in Deiner Nachfolge werden sie mir zur verdienstlichen Buße, zur Quelle des Segens gereichen. Du hast die Todesschuld von mir gewälzt, und, wie beschwerlich mein Kreuz auch sey, Deine Gnade macht mich stark genug, es zu tragen, so lange es mein Heil erfordert. Schweigend zogst Du hin, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, schweigend ertrugst Du die Lästerungen des rohen Pöbels; aber zu den weinenden Frauen, die mit schmerzlichem Mitleid Dein Geschick beklagten, sprachst Du Worte der Wehmuth, gedachtest der Strafgerichte, die über die Verstockten hereinbrechen werden. Zu heilsamer Trauer soll die Betrachtung Deiner Leiden mich erheben, aber zu einer solchen, die bei frommen Ge 110 Leiden Jesu. fühlen nicht stehen bleibt, sondern zum Haffe de Sünde, zu Deiner Nachfolge mich ermuthig O Herr, ich habe geirret, gleich einem Schäflein das verloren ging; suche Deinen Diener, dem Deine Gebote will ich nicht vergessen!( Ps. 118) VIII. Jesus am Kreuze erhöhet. Erreicht hast Du, o göttlicher Erlöser, das Ze des Schmerzensweges, den Du im Namen alle Menschen gegangen, die öde Todesstätte auf de Calvarienberge. Dort reichten sie Dir den betau benden Myrrhentrank, und Du wiesest ihn zurü denn Du wolltest keine Mäßigung Deiner Quales Sie riffen Dir zum letztenmal die Gewande herah sie erhoben und banden Dich ans Kreuz; sie schl gen die mächtigen Nägel Dir durch Hände un Füße, und nahmen dann die Stricke hinweg; un so schwebtest Du nun in äußerster Armuth un Blöße, an gräßlichen Wunden befestigt, über di Erde erhöht, mit ausgespannten, zerfleischte Gliedern, vor den Augen der Menge, preis gegeben dem Hohne Deiner Feinde. Da wurden Deine Worte erfüllet, die längst vorher im Geiste des Sehers sich ausgeprägt:» Ich bin in die Tiefen des Meeres gerathen, der Sturm hat mich ver Leiden Jesu. 111 schlungen. Meine Feinde sind mächtig worden, die ungerecht mich verfolgten; was ich nicht geraubt, mußte ich erstatten. Ein Wurm bin ich, und kein Mensch, eine Schmach der Menschen, ein Auswurf des Pöbels. Sie haben meine Hände und Füße durchbohrt, und alle meine Gebeine gezählt. Sie haben mich zur Weide ihrer Augen gesetzt; sie haben meine Kleider unter sich getheilt, und über mein Leibgewand das Loos geworfen!( Pf. 68. und 21.): Wie unermeßlich war damals Deine Erniedrigung, Deine Qual, als Du, vom Kreuze herab, ein Schauspiel des Pöbels wurdest! Wie strömte aus den frischen Wunden Dein Blut, den Quellen meiner Erlösung! Den ganzen Tag hast Du Deine Hände ausgebreitet zu einem ungläubigen und undankbaren Volke, das auf bösen Wegen wandelt, nach seinem Eigendünkel.( Isai. 65.) Auch zu mir breitest Du die Hände aus, am Opferaltar des Kreuzes; Du sprachst:» wenn ich erhöht seyn werde von der Erde, werde ich alles zu mir ziehen. Wahrlich mit der Kraft dieser aufopfernden, erlösenden Liebe bast Du die Deinen alle zu Dir gezogen, Dein Kreuz war ihr Unterricht, ihr Weg und ihre Weisheit. O lehre mich aufblicken zu Dir, gekreu 112 Leiden Jesu. zigter Erlöser, im Geiste der Wahrheit, und a Deinem Anblicke von Thorheit und Sünde genesen! Ich sehe Dich, um meinetwillen zum schmäß lichsten Sclaventod erniedrigt, und als Sünder be handelt; ich erkenne an der Größe Deines Opfer die Schwere meiner Schuld, und will fortan jeb Regung böslicher Willkühr und Leidenschaft kreuj gen, um Dir vereint zu bleiben. Ich sehe Dich j fleischt, durchbohrt, von unsäglichen Qualen g foltert, und inmitten so schrecklicher Drangsale me als je in Sanftmuth, Geduld und Liebe verklärt und ich lerne, daß ich Deiner nicht würdig bin wenn ich von üppigen und unlauteren Gelüsten von Sinnlichkeit und weichlicher Trägheit mich be herrschen lasse. Deine äußerste Armuth und Blöße ermahnet mich, den Begehrungen der Eitelkeit nic nachzugeben; Deine beharrliche Ausdauer auf b Höhe der Leiden lehrt mich, in Ergebung anneh men, was Deines Vaters Wille über mich ver hängt; die Fülle der Schmach endlich, die Du er duldet, zeigt mir, wie weit entfernt ich von Der ner Liebe sey, wenn ich meine Ehre suche, und leere Hoffart das Ziel meiner Bestrebungen ist. Wie siegreich ist Deine herrliche Liebe, wie un überwindlich ihre Macht! Die Liebe ist stark wie Leiden Jesu. 113 der Tod, ihre Lampen sind feurige und brennende Lampen; viele Gewässer löschen die Liebe nicht aus!<< ( Hohel. 8.) Es sind nicht die blutenden Wunden bloß, und die Qualen des Kreuzes, welche Deine himmlische Geduld und Liebe bekämpfen, es sind auch die giftigen Pfeile des Hohnes, des niedrigsten und grausamen Spottes, die von allen Seiten auf Dich geschleudert werden. Die Hohen und die Niederen, der Pöbel und die Kriegsknechte vereinen sich, Deine Würde, Deine Tugend zu höhnen, Dein Vertrauen auf Gott zu lästern; wie reißende Thiere umlagern sie Dich, gleich brüllenden Löwen haben sie ihren Rachen aufgesperrt. ( Pf. 21.) Aber mitten durch das wüste Geschrei ertönte Dein erstes Wort vom Kreuze, Dein himmlisches Gebet: Bater, verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun! Fern von jeder Erbitterung siehest Du weniger auf das gräßliche Unrecht, das sie an Dir verübt, als auf das tiefe Elend der Frevler selbst, voll herzlichen Mitleids rufest Du den Vater an, daß er nicht sie strafe nach ihrer Bosheit, sondern barmherzig sie lenke, damit sie von Blindheit und Verstockung weichen, und reuig das dargebotene Heil annehmen. O leuchtendes Vorbild verzeihender, allzeit verföhnlicher Liebe, be10 114 Leiden Jesu. wahre mich vor freventlicher Unwissenheit, und lehre inich, nach Deinem erhabenen Gebot und Be spiel, vergeben und verzeihen, und meine Feind lieben! Erhört gar bald, und in vollem Maße war Dein Gebet für Deine Feinde; viele von ihnen, in der Tiefe des Herzens gerührt, wurden Deine Ar bether und Bekenner; aber selbst in dem Augen blicke, da Du es ausgesprochen, brachte es schon reiche Frucht. Denn die Göttlichkeit Deiner Liek erkannte der Räuber am Kreuze neben Dir. Sein eigenes Unrecht beherzigend trug er in Demuth di gerechte Strafe; in dieser Selbsterkenntniß, b nur im Lichte Deiner Wahrheit gedeihet, gieng ihn die Erkenntniß Deiner ewigen Hoheit auf. Mi edlem Muthe rügte er die Lästerungen des Gott losen, der, obgleich selber ans Kreuz gefesselt, in den Hohn der Menge einstimmte; mit süßem Ver trauen, mit der ganzen Fülle des Glaubens wandt er sich zu Dir, und flehte: Herr, gedenke meine wenn Du kommen wirst in Dein Reich! Und nicht vergeblich hat er auf Deine Erbarmungen vertraut; wahrlich, sprachst Du zu ihm: heute noch wirst D mit mir im Paradiese seyn! Gedenke auch meiner, o Herr, im Reiche Der Leiden Jesu. 115 ner ewigen Klarheit! Auch mir hast Du das unendliche Verdienst Deiner Leiden zugeeignet; gieb, daß ich stets Deiner Liebe gedenke, mit Vertrauen Dich anrufe, mit Ehrfurcht Dir gehorche. Betrachte ich die Beiden, die an Deiner Seite litten, Deine Geduld und Sanftmuth sahen, und von welchen dennoch nur der Eine das Heil fand, der andere Dich höhnte, und in seiner Bosheit dahin starb, so sehe ich wohl, daß zwischen Furcht und Hoffnung der Weg sich hinschlingt, den ich wandeln muß. Wohl ist, im Ungesichte Deiner Güte, kein irdischer Augenblick zu spät für wahre Buße; doch ist diese kein bloß menschliches Werk, und bedarf Deiner erweckenden Kraft und Erleuchtung. Noch ein anderes Wort des Trostes und der jarten Liebe sprachst Du, als Du dem Kreuze nahe Deine jungfräuliche Mutter sahest, und den Jünger, den Du liebtest. Sie, die eine Magd des Herrn sich genannt, war erleuchtet genug, um auch in tiefster Erniedrigung Deine himmlische Würde zu schauen, und die Kraft ihres Gehorsams reichte aus, um auch das Gräßlichste zu dulden. Das Schwert der Schmerzen durchdrang ihre heilige Seele, doch der Geist der heldenmüthigen Ergebung hielt sie aufrecht. Sie stand, und sah mit 10* 116 Leiden Jesu. heißen Thränen zu Dir empor, und theilte Deine Qual; Du aber sorgteft mit kindlicher Zärtlichken für ihre irdischen Tage; Du sprachst zu dem gelieb ten Jünger: siehe Deine Mutter; Du sprachst zur Mutter: siehe Deinen Sohn. Welch ein seliges Loos, das diesem Jünger zu Theil ward, welch ein überreiches Vermächtniß! Aber wer immer Dein Jünger seyn will, darf mit kindlichem Vertrauen auch Deiner jungfräulichen Gebärerinn naher darf sie, die Gnadenvolle und Hochverklärte, die Mutter des Lebens, auch als seine Mutter ver ehren.» O Herr, mein Antheil sey im Lande de Lebendigen; mein bestes Gut, daß ich Dein Ge seß bewahre. Dein Diener bin ich, o Herr, unt ein Sohn Deiner Magd.«( Ps. 115.) IX. Jesus am Kreuze vollendend. Finsternisfe verhüllten den mittäglichen Him mel, und düstere Trauer lag über der Erde, als Du, o Wiederhersteller des Lebens, mit den Qua len des Todes rangest. Und als sie mit unnennbarer Bitterkeit auf Dich herein stürmten, als Deine Menschheit, in dieser herben Stunde, hülf- und troftlos der zerreißenden Todesmacht hingegeben war, da, im Gefühle der äußersten Erniedrigung, des Leiden Jesu. 117 tiefsten Elends, das je einen Sterblichen treffen kann, tönte Dein Klagruf durch die Finsterniß: mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen! Fernhin durch alle Zeiten tönt der Schmerzensruf; mit Schauer und mit Dank vernimmt ihn meine Seele. Denn ich weiß und fühle, wenn auch nur unvollkommen, was er bedeute; er lehrt mich, was Du für die Menschen, für mich gethan. Hat der Mensch, im Mißbrauch seiner Freiheit, dem liebenden Gotte sich entfremdet, und durch diese Trennung von ihm, den geistigen und ewigen Tod sich zugezogen, so hast Du hingegen, in freiwilliger Hingabe, Dein ganzes Leben Ihm geopfert, und dem alten Ungehorsam einen Gehorsam ohne Gränzen entgegen gesetzt. Und war der Mensch in seinem Verfalle bis in die tiefsten Abgründe der Eigensucht, der Lüge, der thierischen Schwelgerei und Gottesvergessenheit hinab gerathen, so wolltest Du hinwiederum Deine Hingabe bis zur höchsten Höhe des Gehorsams, bis zur tiefsten Tiefe der Erniedrigung durchführen, und so versagtest Du nicht, die größte Schmach zu dulden, und bis zum Gefühle der äußersten Ohnmacht, der 118 Leiden Jesu. gänzlichen Verlaffenheit, den qualvollen Todeskampf zu bestehen. Verleihe mir, o Herr, daß ich diese Schreck niffe in ihrer ganzen Tiefe beherzige, welche Du als Haupt des Menschengeschlechts ertragen hast, zur Genugthuung für unsre Sünde, zur Wieder erwerbung der göttlichen Huld und Hülfe. Wen ich, in Wahn und Selbstsucht wandelnd, von Got verlassen werde, nachdem ich ihn zuvor durch di Sünde verlaffen, so bin ich auch jener dreifache Gnade beraubt, die als Erleuchtung zum Guta mich leitet, als Stärkung vor dem Bösen mich be wahrt, als Trost und Beistand mich in Gedul und Beharrlichkeit befestigt. Jegliche Hülfe der An hat Dein herber Tod mir vermittelt. Olaffe mi lebhaft erkennen, welch ein Entseßen, welch ei ewiger Jammer es sey, für immer von Gott ver laffen zu werden, seiner Liebe entfremdet in ewige Ohnmacht und Bosheit dahin zu schmachten! Herr, mein Gott, verlasse mich nicht, verwir mich nicht vor Deinem Angesichte! Nichts verma von Dir mich zu trennen, es sey dann die Sünde; beschirme mich vor mir selber, o Herr, überlasse mich meinem eigenen Herzen nicht! Eine Klage noch, zum Zeugnisse Deiner Todes Leiden Jesu. 119 qual, sprachst Du aus; das Wort der Demuth und des schmerzlichsten Bedürfnisses:» Mich dürstet.<< Und dieses auch hatten die Seher von Dir geweissagt.» Meines Lebens Kraft ist verdorret, gleich einem irdnen Geschirre, meine Zunge klebt an meinem Gaumen. Sie haben Galle statt der Speise mir gereicht, und in meinem Durfte mit Effig mich gelabt.«( Ps. 21. u. 68.) Ich weiß aber, von welch einem Durfte, welch einer Sehnsucht Dein ersterbendes Herz entbrannte: es war das heiße Verlangen nach dem Heile der Menschen. O Retter und Erlöser aus Nacht und Tod, errette mich von jeder. Begierlichkeit nach Gütern, die meine Seele nicht ersättigen können, von jenem Feuer, das nie er= löscht, von jenem Durste, der nimmermehr gestillt wird! Selig, lehrtest Du, welche dürsten und hungern nach der Gerechtigkeit, den sie werden Sättigung finden! Sie reichten Dir den Effigtrank hinauf, an einem Hyffopstengel; es war Dein letztes Labsal; Dein Leiden war vollendet, das Gefühl der Berlassenheit von Dir gewichen. Denn als Du Dein flehentlich Gebet mit mächtigem Rufe darbrachtest, und mit heißen Thränen, bist Du erhöret worden um Deiner Ehrfurcht willen.( Hebr. 5.) Von Trost 120 Leiden Jesu. und Freude durchdrungen, verkündigst Du de große Wort von Deinem Gehorsam bis zum Tok und von der Vollendung Deines Werkes; das Si geswort: ves ist vollbracht!« Vollbracht ist Dei Opfer, vollbracht das Erlösungswerk. Alle Zwed Deiner wunderbaren Ankunft auf Erden, Deine unsäglichen Mühe und Selbstverläugnung finde reicht, das Evangelium ist verkündet, die Herrlic keit des Vaters neu verklärt, das Reich der Wah heit gestiftet, Friede und Gerechtigkeit, gei Freiheit und Seligkeit den Menschen wieder vermi telt; alles ist vollbracht. Ich danke Dir, o göttlicher Mittler, für Vollendung Deines Opfers, wodurch Du Alla die Deinen Geboten gehorchen, der Urheber ewigen Heiles geworden bist! Nun vermag ich Beharrlichkeit jenen Streit zu bestehen, zu welche das Gesetz der Gnade mich verpflichtet; denn darf nur aufblicken zu Dir, dem Urheber und V ender meines Heils.( Hebr. 5. und 12.) Was leh mich dieser Aufblick zu Dir am Kreuze? Er ma net mich an Deine Worte: wer ausharret bis an Ende, wird selig werden. Und Deine Forderun ift gerecht, da Du selber es bist, der mir Beistar und Kraft gewährt, damit ich im Kampfe gegen Leiden Jesu. 121 böse Neigungen, in Wachsamkeit, Gebet und nüßlichem Werke meinen irdischen Weg vollende. Wie flüchtig ist ein ganzes Leben dahin geträumt, in Unglauben, Leichtsinn und Sünde; und wenn endlich die Täuschungen verschwunden sind, und das Maß des Bösen voll, wie trostlos ist dann, im öden Bewußtseyn des Sterbenden, der Schreckensgedanke: es ist vollbracht? Ach, was wirke ich, und was dulde ich, und wie rein bewahre ich mein Herz, damit dieß Wort mir einstens ein Wort des Jubels werde? » Vater, in Deine Hände empfehle ich meinen Geist!« So lautete Dein letztes Wort vom Kreuze, empor schwebend mit gewaltigem Rufe; ein Wort der vollkommensten Hingabe, des innigsten Vertrauens. Zu Deinen Jüngern hattest Du gesprochen: ich bin ausgegangen von meinem Vater, und in diese Welt gekommen, wiederum verlasse ich die Welt, und gehe zum Bater. Und also geschah es jetzt, und Du gabst es dem Himmel und der Erde kund mit lauter Stimme, zum Zeugnisse, daß Du im Tode noch, der Herr und Besieger des Todes bist; zur Bekräftigung Deines Wortes: ich werde dein Tod seyn, o Tod, ich werde dein Stachel seyn, o Hölle!«( Ose. 13.) Nicht mehr in Knechts11 122 Leiden Jesu. gestalt, im Namen der Strafbaren, riefft Dup Gott empor, sondern als der geliebte Sohn zur liebenden Bater. Auch ich, auf Dein unendlich Ver dienst gestüßet, darf zu ihm, als zu einem barn herzigen Vater rufen. Wenn meine Seele aus de Verbande der Erdenwelt sich losringt, wenn keine Menschen Hand mehr helfen kann, wer rettet i von dem ewigen Tode, wer nimmt sie gnädig aut und führt sie ins Reich des Lebens? Selig, we in Demuth und kindlicher Zuversicht sich gänzli Dir anvertraut, selig, wer mit dem letzten Lebers hauche zu Dir rufen darf: In Deine Hände en pfehle ich meinen Geist; Du hast mich erlöset, Herr, Gott der Wahrheit.( Pf. 30.) Vollendet war Dein Opfer, gesühnt die Schul überwunden der Tod, du neigtest Dein Haupt, ut gabst den Geist auf. Aber Deine Wunden, Dein Todesblässe, Dein gesenktes Haupt, Dein He vom Lanzenstoße des Kriegers durchbohrt, re deutlich zu mir:» ich bin ein guter Hirt, ein g ter Hirt gibt feine Seele für seine Schafe.« D Erde erbebt, der Vorhang des Heiligthums zerre von oben bis hinab, denn Du bist ins ewige ligthum eingegangen, die alten Vorbilder habe aufgehört, die Wahrheit ist Allen dargeboten, V Leiden Jesu. 123 Weg zum Leben eröffnet, die Handschrift der alten Verschuldung ist hinweg genommen, und ans Kreuz geheftet. Denn Dein Gehorsam bis zum Tod am Kreuze ist ein voller und überschwenglicher Ersatz für die rebellische Hoffart des menschlischen Ungehorsams, und dieser Opfertod am Kreuze ist zugleich) Dein Testament an alle Menschen, welche Du geistig wiedergeboren, indem Du ihnen die Fülle deines Verdienstes zum Eigenthum gabst, um ihre Schuld dadurch auszugleichen. Du hast überwunden, o Herr, und bist eingegangen in die ewige Klarheit, damit auch ich überwinde, und ewig mit Dir bleibe. Darum sey Dein erlösender Tod in mein Herz geschrieben, er schwebe vor meinem Geistesauge, er sey mir, solange ich hienieden zwischen Tod und Leben schwanke, die unversiegliche Quelle der Erkenntniß, des Trostes, der Stärkung. Dein Tod am Kreuze lehrt mich, daß ich den alten und irdischen Menschen, mit seinen Begierden verläugnen, und Dir, dem Himmlischen, angehören, aus Dir leben soll. Dein Tod am Kreuze zeigt mir das höchste Vorbild aller wahren Geduld, Ergebung und heiliger, gottesfürchtiger Sitte, wornach allein ich mich bilden soll. Er unterweiset mich daher, wie mein Leben auch als 11 124 Leiden Jesu. ein stetes Beharren am Kreuze sich gestalten müs Denn ich kann nur entweder den selbstsüchtigen Lei denschaften des irdischen Menschen folgen, und Di verläugnen; oder ich muß in That und Leben D gehorchen, in Dir erstarken, und in eben dem Maj den irdischen Menschen in mir, mit seinen wider spenstigen Begehrungen, ans Kreuz Heften. A nur auf diese Weise kann ich in Deine Verdiens eingehn, und durch Dich des Baters Huld und di geistige Freiheit finden. Nur auf diese Weise wit mir Dein Opfertod am Kreuze zum Unterpfand der Rechte, die Du uns erworben hast, zur freu digen Versicherung, daß ich erhoben bin zu Deine Gemeinschaft, zur ewigen Glückseligkeit der Kin der Gottes. Erhöhet über die Himmel, auferstan den von den Todten, stirbst Du, o Versöhner un Richter der Menschen, nimmermehr; der Tod keine Herrschaft mehr über Dich; und sterbe ich mi Dir, indem ich der Sünde absterbe, so weiß i und vertraue, daß ich mit Dir auch leben werd Denn bei Dir, o Herr, ist die Fülle der Vers nung, überfließend reich ist Deiner Erlösung Werk Anbetung Jesu im heiligsten Sacramente des Altars. I. Wesentliche Gegenwart. Wie liebenswerth sind Deine Wohnungen, o Herr der Heerscharen! Meine Seele verlanget nach Deinen himmlischen Hallen, mein Geist und Ge= müth erfreuen sich in Dir, dem lebendigen Gotte! Denn auch der Sperling weiß sein Haus zu finden, die Taube eine Ruhestätte für ihre Jungen; ich aber darf vor Deinem Altare verweilen, o Herr der Kraft, mein König und mein Gott!«( Pf. 83.) Ich weiß und fühle, daß ich hienieden im Lande der Betrübniß und der Prüfung wandle, und daß meine rechte Heimath in jenem Reiche ist, von wel chem Du sprachst: in meines Vaters Hauſe ſind der Wohnungen viele. Dort hoffe ich Dich zu schauen 126 Altarsgeheimniss. von Angesicht zu Angesicht, dort ist die Fülle des Lichtes, des Friedens. Hier unten aber, in der Mühen und Gefahren der irdischen Wanderung, finde ich Trost und Stärkung, wenn ich vor De nem Altare verweite. Du bist vom Vater ausgegangen, und in diese Welt gekommen, wiederum verließest Du die Welt, und kehrtest zurück zum Vater. Aber da Du uns geliebet hast, und Dich selber für uns dargegeben, hast Du bis zum Ende uns geliebet. Dir genügte es nicht, einmal unter den Menschen zu wandeln um Wahrheit zu lehren, und für die Gesammthei Genugthuung zu bringen; Du wolltest, um jedem Einzelnen anzugehören, Deine göttlich menschliche Gegenwart immerwährend unter uns fortsetzen und erhalten, und dieß ist die Berheißung Deiner treuer Liebe:» Siehe, ich bin mitten unter euch, bis zum Ende der Welt.< Und diese wesentliche Gegenwart, die Du ver heißen hast, wo anders ist sie in vollem Sinne ver wirklicht, als hier, auf den Altären Deiner Kirche! Hier ist die Stätte, wo ich auf vielfältige Weise den Abglanz der himmlischen Wohnungen finde; hier der Ort, wo meinem Geiste Trost und Ruhe gewähret wird. Hier ist es, wo Du, Hohepriester Altarsgeheimniss. 127 der Menschheit, täglich Dein Opfer geistig erneuerst, um das Verdienst Deines Opfertodes uns anzueignen; hier wird das Unterpfand der künftigen Glorie mir dargeboten; hier ist's, wo ich Dir näher bin, und Du mir, als sonst irgendwo in der Welt und auf Erden. Herr, mein Erlöser, wie wunderbar sind die Erfindungen Deiner Liebe! Scheidend aus der Sterblichen. Mitte, um durch Deinen Opfertod ihre Todesschuld zu lösen, wolltest Du ewig uns bleiben, was Du in Deiner Menschwerdung, in Deinem Opfer, in Deiner Auferstehung uns geworden bist. Und darum hast Du dieses höchste Mysterium eingesetzt, in welchem. Du die ganze Fülle Deines Verdienstes den Deinigen dargibst: Deinen Leib, Dein Blut, Dich selbst, voll der Gnade und Wahrheit. » Selig der Mensch, dessen Hilfe von Dir ist; Stufen sind in seinem Herzen erbaut, um hinauf zu gehen, durch dieses Thal der Thränen, zu dem Orte, den Du ihm bestimmt hast. Denn der Geseggeber wird seine Gegnung ihm spenden, daß er von Tugend zu Tugend gehe, bis zur Anschauung Gottes in Sion.«( Ps. 83.) Denn nicht das Gesetz bloß ist von Dir mir ges 128 Altarsgeheimniss. gegeben, o göttlicher Meister und Lehre; nicht den Weg bloß, auf welchem ich wandeln soll, hast Du mir vorgezeichnet, sondern auch reichliche Gna denhilfe, die Fülle der Segnung willst Du mir ge ben, damit ich, Deinem Worte getreu, den Wil len des Vaters erfülle, und das selige Ziel erreiche zu welchem seine Liebe mich bestimmet hat. Verbor gener Gott, mein Hort, mein Helfer, ich bete Die an, ich glaube an Deine heiligste Gegenwart. Mein Auge ist blöde, und vermag Dich nicht zu schauen; mein Geistesauge ist der Glaube. Erleuchte mich, o Herr, und erfülle mich mit Deiner Segnung! Arm und dürftig erscheine ich vor Dir; o Herr der Kraft, beschirme und bereichere meine Seele! II. Denkmal der Sühnung. Auf zweifache Weise vermag ich, im Lichte des Glaubens, Dich, o Jesus hienieden zu sehen. J sehe Dich, im Innern meines Geistes, so oft ich Dich betrachte, unter den Menschen wandelnd, leh rend und wohlthuend, oder am Kreuze blutend, und für Deine Verfolger betend, oder herrlich aus dem Grabe erstehend, immer anbetungswürdig in himmlischer Huld und Würde. Aber nicht in der Erinnerung bloß, auch in wirklicher Gegenwart Altarsgeheimniss. 129 darf ich hienieden Dich sehen, und darf, wie jener Jünger einst, als er von Deiner verklärten Wesenheit sich überzeugte, anbetend rufen: mein Herr und mein Gott! Die Liebe glaubet alles; ein Herz, das Deine unendliche Liebe weiß, glaubet alles, was von ihr ausgeht, und in ihr allein begründet ist. » Herr, zeige uns den Vater, und es ist uns genug.« So sprach ein Jünger einst zu Dir, und wie wahrhaft ist nicht diese Bitte! Ohne Gott ist mein Leben ein Abgrund von unermeßlicher Leere und Dunkelheit, ein ödes Scheinleben ohne Freude und Ruhe; das Leben meines Lebens kann ich nur in Jenem finden, der die Fülle der Seligkeit unendlich in sich selber trägt. Du aber, Menschge= wordenes Wort, erwiedertest dem Jünger:» wer mich siehet, der siehet auch den Vater.« Denn der Abglanz feiner Herrlichkeit, das Ebenbild seines Wesens bist Du, in welchem die Fülle der Gottheit körperlich wohnet. Ich sehe Dich, o Jesu, in diesem Geheimnisse des Altars, und lese darin die unendliche Liebe des Baters, der seines Eingebornen Sohnes nicht geschont, sondern für Alle ihn dargegeben hat, um Alle, die da wollen, neu zu beleben und zu befeligen. 130 Altarsgeheimniss. Und weil diese erbarmende Liebe alle Zeiten, alle Menschen umfassen will, darum weilest Du fortan unter uns, als ihr lebendiges Denkmal. O gib, daß sie Mein Eigenthum auch werde, daß ich, von ihr belebt und erneuert, im Geiste und in der Wahrheit wandle! Wer mich siehet, sprachst Du einst, der siehet auch den, der mich gesendet hat. Ich sehe Dich unter der Hülle dieser geringfügigen Gestalten, und erkenne darin die ewige Hoheit des Vaters, die unendliche Heiligkeit seines Willens. Denn grenzenlos hast Du diesen Willen geehret, das Du Dich selbst erniedrigt, und die Knechtsgestalt ange nommen hast, und gehorsam warst bis zum Kreu zestode. Und so gibst Du, in diesem Denkmal Deines Opfers, noch immer Zeugniß von jena höchsten Willensheiligkeit und von Deinem Gehorsam, damit ich, o Herr und Meister, in steta Ehrerbietung vor dem Vater wandle, den Du in Deinem Leben und Tode verherrlicht hast. Ich sehe ferner Dich, im Bilde und Denkmal Deines blutigen Opfertodes am Kreuze; ich hör Dein Wort: dieß ist mein Leib, der für euch dar gegeben wird, dieß mein Blut, das vergoffen wird zur Vergebung der Sünde; ich höre Deinen Auf Altarsgeheimniss. 131 trag: dieß thut zu meinem Angedenken. Und ich erkenne die ewige Gerechtigkeit des Vaters, die unermeßliche Strafbarkeit der Sünde, an der Tiefe der Erniedrigung, an der Bitterkeit der Leiden, welchen Du freiwillig dich hingegeben, damit Deine schuldlose Buße uns zur Rechtfertigung werde. So lese ich dann in diesem Mysterium die Größe meiner Schuld, die der ewigen Vaterliebe mich entfremdet, und die überwiegende Fülle Deines Verdienstes, welches Du mir zuwenden und schenken willst, zur Wiederversöhnung. Wahrlich, erkauft bin ich durch einen großen Preis, um von nun an, der Sünde tod, der Gerechtigkeit zu leben. Ich darf mit Eindlicher Ehrfurcht aufblicken zum Bater, und der Wiederaufnahme in seine Liebe mich erfreuen; aber unendlich heilig ist diese Liebe, darum soll ich in Furcht und Zittern mein Heil wirken. Urheber und Bollender meines Heils, erfülle mein Herz mit reger Gottesfurcht, damit ich Dein Gefeß bewahre! III. Licht und Leben. O Herr der Wahrheit, schöpferisches Wort, des Baters ewiger Gedanke! Du, das unerschaffene Licht, bist in diese Welt gekommen, damit, wer 132 Altarsgeheimniss. an Dich glaubet, nicht ferner in den Finsternissen weile. In Dir ist das wesentliche Leben, und dieß Leben ist das Licht der Menschen. Dein ganzer Wan del auf Erden, Dein Wirken, Dein Leiden, Dein Tod, in unbedingtem Gehorsam gegen den Vater, in unverwüstlicher Liebe zu den Menschen, die von ihnen mit so hämischer Bosheit vergolten ward; welch eine Fülle des Lichtes für mein sittliches Leben! Ich erhebe mein Auge zu Dir, ich betrachte die Gesinnung, die Liebe, in welcher Du hier, im heiligsten Mysterium, in unsrer Mitte weilest, und siehe, es ist dieselbe Gesinnung, dieselbe Liebe, kraft welcher Du den Willen des Vaters erfüllt, und die Welt erlöset hast. Ja, mit dieser ganzen Fülle der Liebe, mit dem ganzen Verdienste Deines Gehorsams willst Du mir Dich schenken, damit Du in mir seyest, und ich in Dir. Deinen Geist, Deine Gesinnung, Deine Wahrheit soll ich in mein Inneres aufnehmen, und so mit Dir, meinem Vorbilde, vereinigt werden. Von Hochmuth und Selbstsucht, von bösem Wahne und finsteren Trie: ben befreiet, soll ich nimmer mir angehören, sondern Dir, und auf solche Weise soll das Wohlge fallen des Vaters auf mir ruhen, da er Dein Ver Altarsgeheimniss. 133 dienst, Deine Wahrheit in mir, und mich nur in Dir, im Lichte Deiner Liebe gewahrt! Ich lebe nicht mehr ich, rief Dein Apostel, sondern es lebet in mir Christus. Welch ein seliges Bewußtseyn, das Du auch in mir erwecken willst! Der Geist der Liebe, der vom Vater ausgeht und von Dir, die Fülle des Lebens und der Wahrheit soll durch dieses Mysterium in mir herrschen, mich umstalten und heiligen, mich mit Dir in innigster Gemeinschaft erhalten! Wer meine Gebote bewahrt, so lehrtest Du, der ist es, der mich liebet, und auch mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen, und Wohnung bei ihm machen. Wie selig der Mensch, der, von Deiner Gnade erfaßt und bewohnt, dem Vater geweihet ist im heiligen Geiste; wie wohlbegründet ist sein Frieden, wie heiter sein Ausblick in die Zukunft! Ich bete Dich an, als meinen Herrn und Gott, der mich heilsame Wahrheit lehrt, der mich lenket auf dem Wege, den ich wandeln soll.( Ifai. 48.) Auch in diesem Mysterium bist Du der Weg, die Wahrheit und das Leben. Du bist der einzige Weg; denn Niemand gelangt zum Vater, als allein durch Dich. Du bist die wesentliche Wahrheit; denn Du bist mit dem Vater eins, und wer Deine Gebote 134 Altarsgeheimniss. hält, wird erkennen, daß sie aus Gott sind. Dr bist das Leben selbst, und der Urheber alles Lebens; und deshalb, wer in Dir bleibet, wird den ewiger Tod nicht schauen, sondern das Leben finden. Mi zu führen, mich zu erleuchten, mich zu beleben, weilest Du hier in eucharistischer Gegenwart, in Geheimnisse des Glaubens und der Liebe. O Weg des Friedens und der Gevechtigkeit o Weg der Lauterkeit und Einfalt, ich will vo Dir nicht weichen! O heilige Wahrheit, rede meinem Herzen, beschirme mich mit mächtigen Schilde. O wahrhaftes Leben, Quell aller Gnade, erwecke und nähre das geistige Leben in mir, heik mich von jeglicher Bergehung und Sünde, von Irrthum, Lüge und Todesschuld. Dein bin ich errette mich, denn zu Dir habe ich meine Seek erhoben! IV. Brod vom Himmel. Dankbar will ich, o Herr, von ganzem Herze Dich preisen, denn auserwählt und herrlich sin Deine Werke. Ein Angedenken Deiner Wunde hast Du gestiftet, weil Du barmherzig bist und gütig; Du hast Speise gegeben Allen, die Die fürchten, ewiglich hast Du deinen Bund befestigt! Altarsgeheimniss. 135 ( Pf. 110.) Ein guter Hirte, bist Du auf Erden gekommen, damit wir das Leben haben, und damit wir im Überflusse es haben. Und wie Du, als Mittler und Hohepriester, selber auch das unendliche Opfer der Versöhnung geworden, so bist Du Ernährer und Nahrung zugleich. Du bist das lebendige und belebende Brod, so vom Himmel herabge-= stiegen, um der Welt das Leben zu bringen. Dein Leib, so lehrest Du, ist wahrhaft eine Speise; wer davon empfängt, wird ewiglich leben. Und gleichwie Du aus dem Vater lebest, also, wer Dich empfängt, wird leben durch Dich, und um Deinetwillen. So hast Du denn ein Angedenken gestiftet, das alle Werke Deiner wunderbaren Liebe in sich verſammelt hält; das Siegel und die köstliche Gabe Deines Testaments, nichts Geringeres als Dich selbst. Unter den Gestalten des Brodes, dem Schleier Deiner gnadenreichen Gegenwart, weilet die Fülle aller Segnung, welche Du den Dürftigen bereitet haft, damit sie gesättigt werden, und ihre Herzen ewiglich leben.( Pf. 21.) Wie anbetungswürdig bist Du, o Herr, in fo unscheinbarer, und doch so bedeutungvoller und segensreicher Verhüllung! In Brod und Wein ist 136 Altarsgeheimniss. Alles begriffen, was dem leiblichen Menschen j Nahrung und Erquickung gereicht; sie sind auf Sinnbilder desjenigen, woraus die Seele Kraf und Freude gewinnt. Ohne Brod, ohne Nahrun kann mein leiblich Leben nicht bestehen; ohne Di o Jesu, ohne Deine Wahrheit und Gnade, meine Seele verödet, hilf- und hoffnungsle unfähig des höhern, gottgefälligen Lebens. O wunderbares Mal, zu welchem Du al Menschen berufest, o unaussprechliche Gabe un höchstes Sacrament! Du selber, o Menschgewor denes Wort, in welchem die Erhebung und heib gung der Menschennatur vollendet ist, Du selba bist das eigentliche Sacrament der göttlichen Güt geoffenbart im Fleische, erkannt im Geiste, erschie nen den Engeln, verkündet den Völkern, geglaub in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkei ( 1. Tim. 3. Col. 1.) Du bist der Grund, das Fur dament, auf welchem wir gebaut sind, der new und himmlische Adam, das Lamm, vom Anfan her geopfert; denn nur durch Deine Vermittlung durch Dein, vom Vater voraus gesehenes Verdiens konnte das gefallene Menschengeschlecht Besteher und Fortdauer gewinnen. Durch Dich, o schöpfen sches Wort, ward der Mensch begründet, dur Altarsgeheimniss. 137 Deine Menschwerdung der verlorne wieder aufge= richtet. Und wie Du der eigentliche Lebensgrund des ganzen Geschlechtes bist, so wolltest Du auch die Nahrung der Einzelnen seyn, damit sie, Dir einverleibt, mit Dir vereint, zum überirdischen Leben geneſen. Wie innig ist Deine Liebe, o Herr, wie überaus herrlich Deine herablaffende Güte! Um zu einem Gott vereinigten Leben mich zu nähren, willst Du in meine Seele aufgenommen werden; und wenn ich irdische Speise empfange, damit sie in meinen Leib, in Fleisch und Blut umgewandelt werde, so willst Du vielmehr mich umwandeln in Dich, um der göttlichen Wesenheit mich theilhaft zu machen. ( 2. Petr. 1.) So wirst Du die Arznei meiner Seele, das große Heilmittel meiner Gebrechen, zu sittlicher Kraft mich läuternd und erhebend. Aber wie nur Eine Menschheit ist, und Du ihr einziger Erlöser, so sollen auch die Einzelnen alle in Einem Glauben vereint, von Einer Liebe beseelet seyn, sowie die Eine Speise sie alle geistig ernähren will.» Ein Leib, Ein Brod sind wir Alle, die wir an Einem Brode Theil haben.«( 1. Cor. 10.) So lese ich denn im Mysterium Deiner Gegenwart, in diesen Brodesgestalten, die das Brod der Engel 12 138 Altarsgeheimniss. verhüllen, das Gebot der Nächstenliebe, welches Du bei der Stiftung dieses Geheimnisfes erneuert, und durch Dein Vorbild geheiligt haft, damit i mit regem Eifer erfüllet werde, Werke des Mit leids, der Güte, der Versöhnlichkeit und Gre muth zu üben. Ach, sie reichet nicht hin, die Liek mit dem Worte, mit der Zunge, sondern im Werk und in der Wahrheit!( 1. Joh. 3.) D Herr, de Du mich geliebet hast, und Dich selber für mi dargegeben, befestige meinen Willen in Deine Gnade, denn ohne Dich vermag ich nichts! V. Unterpfand der Glorie. Ich bete Dich an, o Gottmensch, Herr und Erlöser, in diesem höchsten Mysterium, in welchen ich Alles sehe, was Du mir geworden bist und ewig lich bleiben willst, Alles was durch Deinen Opfertel am Kreuze mir gegeben ward zum ewigen Besige Ich darf nicht zagen mehr, da ich meine Zukunft bedenke; ich stehe nicht allein, den öden Abgrund unter mir, in hilfloser Unkraft; die Schuld ist ge sühnt, der Tod besiegt, die Finsterniffe haben kein Recht mehr über mich; Dein bin ich, o göttliche Mittler, und mein bist Du, mit aller Kraft un Altarsgeheimniss. 139 Gnade, die in Dir wohnet, und die Du uns gebracht hast! Wer mein Jünger seyn will, so lehrtest Du, der folge mir nach, damit, wo ich bin, daselbst auch mein Diener sey. Wer mir gehorchen wird, den wird mein Vater ehren. Du bist gestorben für unfere Befreiung, wieder aufgelebt zu unsrer Verherrlichung. In Dir hat die Menschheit den Tod besiegt, und ist zum Leben vorgedrungen. Wer Dich empfängt, wer mit Dir vereint ist, wird den zweiten Tod nicht schauen, sondern auferweckt werden zum unverwelklichen Leben. So ist Deine Auferstehung die Bürgschaft meines Lebens. Und darum weslest Du hier, als Unterpfand der Unsterblichkeit, die Du mir zugesichert, und als heilige Gabe, die mein hinfälliges Leben beschirmen will zur dereinstigen Umstaltung und Verklärung. Denn wenn der göttliche Geist, der Deine Menschheit von den Todten erweckt hat, in uns wohnet, so wird er auch unsren sterblichen Leib wiederum beleben, damit, wo Du bist, im Lichte der Herrlichkeit, daselbst auch diejenigen seyen, welche Deiner Gnade treu, und Dir vereint geblieben. Unterpfand der seligen Verheißung, o Bürgschaft des neuen und bessern Lebens! Du wirst, o * 12 140 Altarsgeheimniss. Herr, die Deinigen nicht der Verwesung überlas sen, sondern zu Dir sie erheben in ganzer mensch licher Wesenheit, damit sie Deine göttliche Her lichkeit schauen und theilen, welche Du bei dem Vater hattest, ehe die Welt war, und die selige Berklärung, womit Deine Menschheit verherrlicht ward, als sie siegreich erhöhet wurde über die er schaffenen Himmel. Ich betrachte ferner dieß erhabene Unterpfand, und erkenne, daß es nicht geringer sey, als der künftige Besiß, den es verbürget. Denn nichts Gr Beres wird im Himmel mir verheißen, als was in diesen Sacramente mir auf Erden dargeboten wird, obwohl auf andere Weise. Denn hienieden schenkel Du Dich mir, verhüllt unter fremder Gestalt, don mit enthülltem Angesichte; hienieden unter dem Bilde des Brodes, dort in Deiner eigenen göttl chen Schönheit. Ach, wie sollte ich nicht sorgfältig wachen, dieß theure Unterpfand durch kein Berge hen, durch keine Untreue zu verlieren, dessen treur Bewahrung mir so unendliche Güter zusichert! In Deinem Tode am Kreuze ward der ewige Bund versiegelt, den Du, o Gottmensch, zwischen dem Vater und uns gestiftet; das Blut, das Du vergoffen für uns, ist das Blut des neuen und ewi Altarsgeheimniss. 141 gen Testaments; Dein großes Opfer ist das Werk der Versöhnung, und in diesem heiligsten Sacramente wird alles uns zugewendet, angeeignet und verbürgt, was der Vater in Dir uns geschenkt, was Deine Menschwerdung, Opferung und Auferstehung für uns bewirket hat. Allein, wie Du zuerst den Bund mit mir geschlossen, so muß auch ich, mit dankbarer Ehrfurcht und Gegenliebe, in das Bündniß eingehen, im Geiste des Glaubens und der Demuth, in Reue und Hoffnung, in der Gesinnung des Gehorsams und der Ergebung, im Kampfe gegen jede selbstsüchtige und unlautere Regung. » Was soll ich dem Herrn vergelten, für alles, was er mir geschenkt? Den Kelch des Heils will ich erfaffen, und den Namen des Herrn anrufen. Nahe ist er Allen, die ihn anrufen in der Wahrheit, beschirmen wird er Alle, die ihn mit Ehrfurcht lieben!< ( Pf. 115 und 144.). VL Thron der Gnade. Ich erhebe mein Auge zu Dir, o Gebieter und Freund der Menschen; mit Freude und Schauer, mit Ehrfurcht und Wonne gedenke ich Deiner verborgenen Gegenwart. Der Himmel ist Dein Thron, die Erde der Schemel Deiner Füße. Hoch erhaben 142 Altarsgeheimniss. bist Du, die Ewigkeit Dein Reich, und dennoch willst Du, bis zum Ende der irdischen Zeiten, in diesem Lande der Vergänglichkeit wohnen, in den Tiefen der düstern Erdenwelt, wo so viele Undank bare in Thorheit und Wahn und wilder Leidenschaft Dein Angesicht beleidigen. Wie der ewige Vater seine Sonne leuchten läßt über Gerechte und Unge rechte, so auch wohnest Du in Mitte der Treuen und der Treulosen, mildiglich erwartend, daß auch fie Deine Liebe erkennen und suchen. Dich sah Dein geliebter Jünger einst im Geiste, siegreich hervorgehend und herrschend; Deine Au gen gleich den Flammen, Dein Haupt mit vielen Diademen geschmückt, Dein Gewand mit Blut be sprißt, Dein Name das Wort Gottes.( Offenb. 19.) Und mit jeglicher Kraft und Würde, welche diese Bilder andeuten, bist Du auch hier unter den e charistischen Gestalten. Du bist das lichte Auge de Menschheit, mit himmlischer Liebe die ewige Gott heit schauend, und uns, Deine Brüder. Du bist der König der menschlichen Seelen, und unser Hohe priester, eingegangen ins ewige Heiligthum durch Deinen blutigen Opfertod. Du bist das ewige Wort, die Weisheit des Vaters, das alle Wahrheit leh ret, das die Himmel geneiget hat, und herabge Altarsgeheimniss. 143 stiegen ist, um sich mit der menschlichen Natur zu vereinen, und uns zu göttlicher Klarheit zu erheben. Und so weilest Du hier, in dem dürftigen Aufenthalte, um der Deinigen willen, damit sie Dir nahen, Dich grüßen, Dich anbeten, zu Dir reden, ihre Drangsale Dir klagen, Deine Hilfe anflehen, Opfer des Lobes und Dankes Dir bringen. Wie se lig der Christ, daß er solch einer Gnade gewürdigt worden! Welch ein Trost für den Sterblichen, daß er hienieden schon auf seiner Pilgerfahrt Dich findet, daß er auf Erden schon Deiner Gegenwart sich erfreuet! O Liebe, o unerschöpfliche Güte, o Flamme, die alles besiegt und belebt, die von keinem Eigennuge verdunkelt, von dem Undank der Geschöpfe nicht ermüdet wird! So vielfach und schwer von den Menschen beleidigt, mißhandelt, mit schändlichem Undank angefeindet, hast Du, o Jesu, dennoch so gänzlich Dich hingegeben, daß Du in der Mitte der Unwürdigen wohnen willst, um durch die Gnade Deiner Gegenwart sie zu erheben und zu heiligen. Denn diese Gegenwart im Sacramente verbürgt uns Deine Gegenwart im Geiste, für Alle, die ihre Dürftigkeit erkennen, und bei Dir ihre Hilfe suchen. Darum bist Du mitten unter uns, alle Tage, 144 Altarsgeheimniss. bis zum Ende der Welt; mit uns, und über uns, und für uns; und freudig dürfen wir rufen:» wenn Gott für uns ist, wer ist wider uns?«< Verleihe mir also, o Herr, jenen Liebeseifer, jene Zuversicht, daß ich täglich mit Vertrauen hin trete zum Throne der Gnade, um Barmherzigke zu erlangen, und Deine Gnadenhilfe zur rechter Zeit.( Heb. 4.) Welch eine Schmach für mich, wenn Du hier im Sacramente, als auf dem Throne Dei ner heiligen Liebe, um meinetwillen weilest, unt ich frostig vorübergehe, oder nie vor Dir erscheint, als bedürfte ich Deiner nicht, und als verachtete in Deine höchste Huld? Welch eine Ehre vielmehr, und welch ein preiswürdiges Glück, daß ich stehen darf vor Deinem Angesichte? Du willst hier und ewig mit uns seyn; o flöße Liebe in mein Herz, do mit auch ich Sehnsucht habe, mit Dir zu seyn! » Mitten unter uns bist Du, und Dein Name it angerufen über uns, verlasse uns nicht, o Her unser Gott!« VII. Anrufungen und Bitten. Mein Herr und Erlöser, der Du aus der Füll Deines liebenden Herzens gesprochen haft: komm zu mir alle, die ihr mit Leid und Beschwerde bele Altarsgeheimniss. 145 stet seyd, und ich will euch erquicken; siehe, ich komme zu Dir, beladen mit vielfacher Last, mit trüber Sorge, mit mancher Bergehung, die mein Gewissen beschwert, mit Leidenschaften, die meinem Herzen den Frieden rauben. Erquicke mich durch Deine heiligste Gegenwart, richte mich auf zu neuer Stärke, und zum freudigen Gehorsam unter Deinen Geboten, denn nur Dein Joch ist süß, und Deine Bürde leicht. O göttlicher Meister und Lehrer, Dich selber hast Du zum Vorbild uns gegeben; fernet von mir, gebeust Du, weil ich sanftmüthig bin und demüthig von Herzen. Und wo hast Du, o Lamm Gottes, lichter und herrlicher diese Worte bewähret, als in Deinem schmerzlichen Leiden, in Deinem Opfertode, und hier, im wundersamen Denkmal dieses Opfers, im Sacramente? Gänzlich verborgen ist hier Deine Herrlichkeit, Deine Macht, Deine Weisheit; was Du in diesem Mysterium des Glaubens mir offenbarst, was ich an Deiner Gegenwart erschaue, ist rein nur Demuth und Sanftmuth. O Wahrhafter und Getreuer, Freund meiner Seele, verborgener Gott, führe mich ein in die Klarheit, in den Frieden des innerlichen Lebens! Ich bin gekommen, sprachst Du, um ein Feuer auf Erden anzuzünden, und wie groß ist mein Ver13 146 Altarsgeheimniss. langen, daß es schon brennen möchte! Dieß Feuer, das Du anzuzünden kamst in unfren Herzen, es i die heilige Liebe. Du hast dieß himmlische Wet vollbracht, o wirke es auch in mir, damit das Feue des geistigen Eifers jede andre Flamme in mir ve dränge! Die echte Liebe ist niemals ohne Furcht denn sie fürchtet jede Beleidigung der Heiligkeit Go tes. Die echte Liebe ist großmüthig, denn sie ist k reit zu allem, was Gottes Ehre fördert. Sie stark, denn sie besieget jegliche Lockung und Verst chung. Sie ist gehorsam, denn sie fäumet nicht, da erkannten Willen Gottes zu erfüllen. Sie ist rein denn sie liebet Gott über alles. Sie ist freudig denn sie erhebet den Geist über irdische Sorge un Leid. Sie ist sehnsuchtsvoll, denn sie strebet Anschauung Gottes. Uch Herr der Liebe, diese wa hafte Liebe zünde in meinem Herzen an, und la sie nie erlöschen. O gütigster Jesu, Quell des Lebens, aus w chem alle wahrhaften Güter strömen, durch welc jedes ewige Uebel von uns abgewendet wird: b wahre mich vor jeglicher Eitelkeit und anmaßende Hoffart, vor den Begierden der Sinnlichkeit, zügelloser Rede, vor Verachtung der Geringen u Dürftigen, vor Habsucht und Gehässigkeit, Altarsgeheimniss. 147 allem, was Deiner heiligsten Liebe mißfällt, damit ich Dir in Wahrheit dienen, im Werk und Wandel Dich verherrlichen möge. Sey mein Trost im Leben, meine Stärkung im Tode, und jenseits mein Lohn! » Der Herr ist's, der mich lenket, mir wird nichts mangeln, auf segensreicher Trift ernährt er mich. An den Gewässern der Erquickung hat er mich erzogen, er hat meine Seele bekehret. Geführet hat er mich auf die Pfade der Gerechtigkeit, um seines Namens willen. Auch wenn ich wandle durch die Schatten des Todes, werde ich kein Übel fürchten, weil Du, o Herr mit mir bist. Begleiten wird mich Deine Barmherzikeit in allen Tagen meines Lebens; damit ich einst und ewig in Deinem Hause wohne!«( Ps. 22.) 13* Verehrung der heiligen Jungfrau. I. Uve Maria. Sey gegrüßet, Maria, Du Mutter der reine Liebe, der Gottesfurcht, der Erkenntniß, der h ligen Hoffnung! Du bist die Mutter der reine Liebe; denn in dem Wunderbaren, der aus d geboren ward, hat die ewige Liebe in der Fülle ih Erbarmungen uns heimgesucht. Du bist die Mutte der Gottesfurcht und der Erkenntniß; denn alle Licht des Heils, der Wahrheit und der Gnade einzig Dein Sohn uns gebracht, in welchem all Schätze der Weisheit und Wissenschaft Gottes find Du bist die Mutter der heiligen Hoffnung, den aus Dir geboren ward unser Mittler und Hohe priester, der die Himmel durchdrungen hat, dur Ave Maria. 149 den wir erneuert sind zur lebendigen Hoffnung, zum unverwelklichen Leben. Sen gegrüßet Maria, Du Erlauchte und Hehre, Du Wunderblüthe des Menschengeschlechts; Dich ehret, in der Gemeinschaft der Heiligen, vor Allen und über Alle, die heilige Kirche. Ist Deine Würde schon unaussprechlich, zu der Du erhoben wurdeft, als die Allmacht Dich auserwählte, die jungfräuliche Mutter des Erlösers zu seyn, so sind wir noch inniger Dir verpflichtet, weil Du in freier Wahl, in demuthsvoller Ergebung, für unser Heil Dich aufgeopfert. Darum grüßen wir Dich, in dankbarer Ehrfurcht, mit den Worten des Engels, der die große Botschaft Dir gebracht, mit dem Gruße Elisabeths, die zuerst Deine himmlische Würde erkannte. Sey gegrüßet Maria: der Friede mit Dir, die den Fürsten des Friedens uns geboren, den Mittler und Versöhner, den Tilger unsrer Schuld. Zerrissen war der Friedensbund zwischen Gott und uns; im trüben Bewußtseyn der Verschuldung konnten wir nur als Herrn und Gebieter, als gerechten und allmächtigen Richter ihn denken; bis wir erkannten, daß er mit ewiger Liebe uns geliebet, bis der Engel Dir, o königliche Jungfrau, und dem gan 150 Ave Maria. zen Menschengeschlechte, den Ölzweig des Friedens brachte; die Freudenbotschaft: sey gegrüßet, Du Gnadenvolle, der Herr ist mit Dir, gesegnet bist Du unter den Frauen. Sen gegrüßet Maria: die Freude mit Dir; mit Dir der Unbegin auch unsrer Freudigkeit. Denn so lange wir, abgewendet von Gott, in Finsternissen wandelten, und des herrlichen Lichtes entbehrten, das allein uns fenken und beseligen kann, war auch alle wahrhafte, ge stige Freude von uns gewichen, und nur ein fernes Dämmerlicht der Hoffnung war übrig gebli ben. Seitdem Du aber, als die Morgenröthe dis neuen und herrlichen Tages, auf Erden erschienst, und die göttlichen Segnungen für Alle an Dir sid erfüllten, ward Licht und Erkenntniß, Gnade und Wahrheit in reichem Maße uns gegeben; die gött liche Baterliebe, der Weg und das Ziel wurden uns offenbar; und nun unsrer seligen Bestimmung uns bewußt, können wir getrost durch die Trüb sale des irdischen Lebens ziehen. Darum lieben und ehren wir Dich billig, als Mitwirkerin unseres Heiles, als Ursache unserer Freude. Sen gegrüßet Maria, mit dankbarem Wohl wollen, mit ehrerbietiger Liebe, von Allen, die Ave Maria. 151 Deine geistige Reinheit und Schöne kennen, gleich wie Du die erste, ja einzige unter den Sterblichen warst, auf welcher das volle Wohlgefallen Gottes ruhete. In der Stimme des Donners nur, des gebietenden, richtenden Gewissens pflegte er den Sterblichen sich zu offenbaren; als aber die Fülle der Zeit gekommen war, die Zeit der Versöhnung und Wiederherstellung, die Zeit der Wiederaufnahme in seine Baterhuld, da ward Dir der himmlische Gruß gesendet, der Dich vor Allen, und für Alle, dieser göttlichen Huld versicherte. Sen gegrüßet Maria, Du Gnadenvolle; überreiche Gnade hast Du bei Gott gefunden. Denn wenn es der göttlichen Liebe, dem heiligen Geiste eigen ist, sich den Menschen zu offenbaren und mitzutheilen, um ihr geistiges Leben, ihre Gegenliebe zu wecken, und ihnen dadurch alle wahrhafte Würde und Schönheit zu verleihen, so bist Du es vor Allen, welcher die Fülle der Gnade, und dadurch die höchste Anmuth und Schöne verliehen ward, die je ein erschaffenes Wesen zierte. Und wem wohl gebührte diese Fülle der Anmuth und geistigen Schönheit, als Dir, der Auserwählten, aus welcher der Gottmensch geboren ward, der neue und himmlische Adam, voll der Gnade und Wahrheit? Ave Maria. Sey gegrüßet Maria, Du Gnadenvolle, die Du nicht allein die herrlichsten Gaben und Vor züge von Gott empfangen, sondern auch in an spruchsloser Demuth, in der Treue des Gehorsams bewahret hast. Keine Spur des Wohlgefallens an Dir selber, kein Gedanke der Selbstsucht vermocht je die Reinheit Deiner Seele zu trüben; und of auch zur Mutter des Gottmenschen, des Hauptes aller Menschen erhoben, so leuchtest Du herrliche noch durch jene weise und innerste Demuth, in welcher Du der göttlichen Allmacht allein die Ehre gabst, und durch jene großmüthige und vollkom mene Hingabe, womit Du, als eine Magd des Herrn, die Urmuth, die Leiden und die Auf opferungen Deines göttlichen Sohnes theiltest. Sen gegrüßet Maria, Du Gnadenvolle, de Herr ist mit Dir! Er war und ist ewig mit Dir in seiner schöpferischen Allmacht,» denn Großes hat a an Dir gethan, der mächtig ist, und dessen Name heilig. Er hat die höchste Mutterwürde auf so wunderbare Weise Dir verliehen, daß Du mit der jungfräulichen Würde sie vereinigft; und so gewiß der Himmlische, den Du gebahrst, von Seite seiner menschlichen Natur eine neue Schöpfung war, fo 152 Ave Maria. 153 gewiß verehren und bekennen wir Dich als eine jungfräuliche und ganz wunderbare Mutter. Sen gegrüßet Maria, Du Gnadenvolle, der Herr ist mit Dir, in seiner neu schaffenden, er löfenden Liebe, in welcher, er zur wahren Arche des Bundes, zum lebendigen Tempel des Menschgewordenen Wortes, Dich eingeweihet. Durch Deines Sohnes unendlich Verdienst ward der Fluch ver= nichtet, und der Segen uns wiedergebracht; durch Ihn allein ward die Todesschuld getilgt, und die Fülle der göttlichen Tegnungen uns aufgeschlossen. Darum bist Du die Erhabenste unter den Menschen, die einzig Gesegnete unter den Frauen, die Wiederbringerinn des Segens. Und weil Du die Mutter des Erlösers bist, durch welchen wir geistig wiedergeboren wurden, so dürfen wir auch Dich ehren und lieben als unsere Mutter, als die Mutter der Menschen nach der Ordnung der Gnade. Heilige Maria, Mutter Gottes: wie lieblich und wie süß ist Dein Name, wie werth und ehrwürdig jedem christlichen Herzen? Wir können Deinen Namen nicht aussprechen, ohne an die reiche Fülle Deiner Anmuth und Tugend erinnert zu wer den, und an die Erhabenheit Deiner unaussprechlichen Würde. Wir preisen Dich heilig, nicht allein, 154 Ave Maria. weil das Heilige selbst, die ewige Kraft und Lieb aus Dir geboren worden; sondern, weil auch Dein ganzes Leben in himmlischer Treue geheiligt, und Dein wunderbarer Beruf durch herbe Prüfung be währt und verkläret wurde. Wir preisen Dich hei lig, und lieben Deinen Namen; denn wie es keinen andren Namen unter dem Himmel gibt, de uns beseligen kann, als der Name Deines Sohnes, so ist auch, nach diesem, kein Name auf Erden, der uns trostvoller wäre, als der Deine. Denn in Dei ner makellosen Lauterkeit, in Deiner großmüthigen Ergebung, in Deiner reinen Güte bist Du die Ehre und die Zierde des Menschengeschlechts; Deine jung fräuliche Mutterwürde ist der Inhalt unsrer erha bensten Glaubenswahrheiten, der Grund unfrer freudigsten Hoffnung. Heilige Maria, Mutter Gottes: dankbar be kennen wir mit der ganzen Kirche, mit den Stim men der Apostel und aller christlichen Jahrhunderte, daß Du wahrhaft und wirklich die Gottesgebärerin, die Mutter desjenigen bist, durch welchen alle Dinge erschaffen wurden. Denn wir wissen, daß der Herrliche, den Du geboren, eben so wahrhaft Gott als Mensch ist, göttliche und menschliche Wesenheit in Einer Person vereinigend und tragend. Und gleich Ave Maria. 155 wie Dein Sohn, das Menschgewordene Wort, vom Augenblicke seiner Menschwerdung an, ewig Gott und Mensch in unzertrennlicher Einheit seyn wird, so wirst auch Du, o Gebieterinn der Menschen, ewig die Würde einer Gottesgebärerinn besitzen, in welcher über alle Verklärten und Seligen Dir der Borrang verliehen ist. Heilige Maria, Mutter Gottes, mit herzlicher Zuversicht vertrauen wir auf Deine milde Fürbitte, auf Deinen mütterlichen Beistand. Denn ist zwar Dein göttlicher Sohn der Urheber und Vollender unfres Heils, die einzige Grundfeste unsrer Hoffnung; fo nehmen wir dennoch, ja eben deßwegen, unsre Zuflucht auch zu Dir, weil er ewig als seine Mutter Dich ehret, und Deine Bitten erfüllt, wie er sie damals erfüllte, als sie in der Dürftigen Mitte flehend zu Dir sprach: sie haben keinen Wein. Ja, weil Du die Mutter des Erlösers bist, so trägst Du inniges Mitleid mit allen Menschen, für deren ewige Rettung er sein Blut vergossen; Du wendest Allen Deine Mutterliebe zu, weil er zur Würde seiner Brüder sie erheben will, und wünscheft nichts sehnlicher, als daß sein überreiches Verdienst einem jeglichen von uns zu Theile werde. Darum hörst Du uns mit freundlicher Huld, wenn wir Dich 156 Ave Maria. anrufen:» bitte für uns Sünder, jetzt, und in der Stunde unfres Todes.« Heilige Maria, Mutter Gottes, und Mutta der Menschen: Du siehest uns umrungen von Drangfalen und Leiden, welche auch Du in beharrlicher Geduld und Ergebung auf Erden ertragen, weil Du, die Makellose und Reine, die schuldlose Buße Deines Sohnes theiltest. Du siehest uns auch bela: stet mit jenen selbstverschuldeten Leiden, mit jenen vielfachen Fehlern und Gebrechen, vor welchen die göttliche Gnade und Deine unerschütterte Treue Dich bewahrten; Du siehest uns im steten Kampfe mit den Leidenschaften und Neigungen, die uns zu verderben drohen; darum bitte für uns arme Sün der, jetzt! Als Sünder erscheinen wir vor Deinem reinen Auge; denn hat auch die Gnade Christi, Deines Sohnes, von der alten Schuld und Knecht schaft uns befreit, so haben wir uns doch oftmals in neue und persönliche Schuld verwickelt; arme Sünder sind wir, indem wir auf dem Wege des Irrthums und der Willkür nur immer in tiefere Hilflosigkeit gerathen, und kaum den ernsten Wil len, noch weniger aber die Kraft in uns finden, aus den Tiefen der Verirrung zum Lichte und Frie den zurück zu kehren. Darum, o gütige Jungfrau, Ave Maria. 157 reiche uns Deine Mutterhand; bitte für uns jetzt, bitte für uns heute und allezeit, solange wir in der Zeit leben, und, in einer steten Reihe von Prüfungen, der göttlichen Gnadenhilfe bedürfen. Heilige Maria, Mutter Gottes, Dich grüßet die heilige Kirche als die Mutter der Barmherzigkeit und aller Güte; zu Dir rufen Alle, die Jesum Jennen und Dich. Bitte für uns jetzt, solange noch der Tag währet, da wir Gutes wirken können, so lange noch die Gnade Christi, der Antheil an sei nem erlösenden Verdienste, uns dargeboten wird. Erflehe von Deinem Sohne den Sündern Erweckung und Bekehrung, den Reuigen Verzeihung, den Betrübten Trost und Muth, den Leidenden Erquickung und Heilung, den Gerechten die Beharrlichkeit bis zum seligen Ziele. Bitte für die ganze Kirche, in welcher Du die herrlichen Werke Deines Sohnes siehest, daß sie aus allen Drangsa= len immer blühender und glänzender hervorgehe, zum Heile aller Völker der Erde! Heilige Maria, Mutter Gottes, die Du uns Sterblichen das wahrhafte Leben geboren hast: bitte für uns jetzt, so lange wir im Lande der Prüfungen wandeln, daß wir in der Gnade Deines Sohnes beharren; bitte für uns in der Stunde des Ave Maria. Ausgangs, in der letzten und entscheidenden Prü fung, in der Stunde unsres Todes, daß wir in seiner Gnade hinübergehen, um ewig ihm anzuge hören. Wenn diese ernste Stunde nahet, welche von der Natur und von der irdischen Welt und scheiden befiehlt, und zugleich über unsere ewige Zukunft entscheidet; wenn es dem geängstigten Geiste gilt, sich gegen alle Täuschungen und Drangfale zu rüsten, noch einmal und mit ganzer Kraft den Glauben des Heils zu erneuern, und mit liebevol fem Gehorsam der göttlichen Fügung sich hinzuge ben; dann, o Mutter der Lebendigen, sey Deine mächtige Fürbitte mit uns, damit wir in echter Reue, mit versöhntem Gewissen, mit heiterm Ver trauen, im Schooße der heiligen Kirche, im Frie den Jesu entschlummern, und frohlockend erwe chen im Reiche seiner unvergänglichen Klarheit! 158 II. Salve Regina. Sen gegrüßet, o Königinn, Mut ter der Barmherzigkeit! Wir huldigen Dir als unsrer Königinn, weil der Herrliche, den Du geboren, der König der Kö nige, der Herr der Herrschenden ist, dem alle Macht gegeben ist im Himmel und auf Erden. Wir preisen Salve Regina. 159 Dich als eine Mutter der Barmherzigkeit; denn gleichwie die göttliche Huld, der Aufgang aus der Höhe, durch Dich uns heimgesucht, so ist es auch Dein süßes Geschäft geworden, alle Menschen in Deine Mutterliebe, in den Schooß Deines Mitleids aufzunehmen; und wer sollte nicht mit herzfichem Vertrauen Dir nahen? Unser Leben, unsre Wonne, unfre Hoffnung, sey gegrüßet. ** Denn wer Jesum findet, hat das Leben gefunden, und überfließendes Heil. Wer Jesum findet, hat auch Dich, o Maria, gefunden; und wer Dich findet, hat auch Jesum gefunden. Wer war würdig, den Himmlischen zu empfangen, den Menschgewordenen Gott uns zu geben, als Du allein? So bist Du die Mutter des neuen und himmlischen Le bens, welches durch Ihn uns mitgetheilt ward; so bist Du die Wonne, die Freude des Menschengeschlechts, und wahrhaft unsere Hoffnung, weil die herrliche Würde, die Deiner Fürsprache so großen Werth verleiht, für unsere Dürftigkeit Ersaß gibt. Zu Dir rufen wir verwiesene Kinder Eva's, verwiesen aus der Höhe des Friedens und der Klarheit, in das Land, wo Tod und Verwesung heimisch sind; verwiesen, weil wir Kinder 160 Salve Regina. Eva's sind, weil wir vom irdischen Adam stammen, und in die alte Schuld und den Verfall der Mens heit verflochten sind. Zu Dir aber rufen wir, wel Du die Mutter des Lebens im Reiche der Gna bist, die Mutter des neuen und himmlischen Adam, deffen selig Verdienst allein unser Übel zu fühne und zu heilen vermag. 3u Dir seufzen wir, weinend und traurend, in diesem Thale der Thri nen. Denn, obgleich frei von Schuld, und aus genommen von jeder Strafe, und hoch gestellt übe jedes Leid, das die Kinder Eva's auf sich geladen hast Du dennoch, in büßender Unschuld, in schul loser Buße, in unaussprechlicher Bitterkeit, Armuth, die Schmach, die Leiden Deines Sohnes getheilt; das Schwert der Schmerzen hat Deir himmlische Seele durchdrungen, und Niemand wat der Deine Thränen zu stillen vermochte. Darun haben wir an Dir eine Mutter, die unsere vielfa chen Leiden kennt, die rein für unser Heil gelitten und größeres Leid, als jemals ein Sterblicher ge duldet; und wir vertrauen Deiner süßen Liebe, daß Du Mitleid trägst mit unseren Betrübnissen. Wohlan denn, unsre Fürsprecherinn wende Deine mitleidsvollen Augen Salve Regina. uns zu! Groß war Dein Mitleid für alle Menschen, als Du noch auf Erden pilgertest; größer noch ist es jest, seit Du in himmlischer Klarheit wohnest. Ganz Uuge bist Du, um unser Leid zu sehen, und uns zu schüßen*)! o wende Deine Liebe niemals von uns ab! Und am Ziele dieser Verweisung jeige uns Jesum, die gebenedeite Frucht Deines Leibes. 161 Wenn die ernste Stunde kommt, die unsren irdischen Mühen und Leiden das Ziel seßt, dann helfe uns Deine Fürbitte in die Heimath des Fries dens hinüber, daß uns das Untlig Jesu beselige, der nur deshalb Dein Sohn geworden, um zur Würde seiner Geschwister uns zu erheben. O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria! Wie holdselig ist Dein Name, der so heitern Trost, fo innige Hoffnung unfrem Herzen einflößt! Wie süß und kraftvoll dieß kurze Gebet, das in den Worten Jesus und Maria enthalten ist! Es ist dem Gedächtnisse leicht, dem Verständnisse lieblich und gehaltvoll, es faffet die Fülle alles Heils in sich. O möchten es die letzten Namen seyn, die ich hie*) S. Epiphanine. 14 162 Lobgesang Mariä. nieden denke und ausspreche und liebe, um sie jer seits ewiglich zu preifen!- III.& obgefang der heiligen Jungfrau ( Magnificat, aus dem Evang. Luc. 1.) Meine Seele machet groß den Herrn; und mei Geist frohlockt in Gott, meinem Heiland. Denn er hat herabgesehen auf die Geringfügig keit seiner Magd; siehe, von nun an werden mi felig preisen alle Geschlechter. Weil er Großes an mir gethan hat, der mächtig ist, und dessen Namen heilig. Und seine Barmherzigkeit reichet von Geschle zu Geschlecht, über Alle, die ihn fürchten. Er hat Macht gewirket in seiner Stärke; je streuet hat er die Stolzen im Dünkel ihres Herzent Er hat die Gewaltigen von ihrem Sige geste sen, und die Niedrigen erhöhet. Die Hungrigen hat er mit Gütern erfülle und die Reichen leer entlaffen. Er hat sein auserwähltes Volk in Gnade auf genommen, eingedenk seiner Barmherzigkeit. Gleichwie er unsern Vätern es verheißen, Abra bam und seinen Nachkommen für immer und ewig. Die Ehre sey dem Vater 2c. Dritter Abschnitt. Weihe des Kirchenjahrs. 14* » Herr, mein Gott bist Du, verherrlichen will ich Dich, und Deinen Namen preifen; denn Wunderbares hast Du voll bracht, nach Deinen ewigen, getreuen Gedanken, Umen." Ifai. 25, 1. Advent. In winterlicher Öde ruhet die Flur, und harret dem Leben entgegen, das die Frühlingssonne ihr wiederbringen wird. In winterlicher Öde, in den Schatten des Todes lag die Menschenwelt, und harrte auf die Sonne der Wahrheit und der Gnade. Und als sie erschienen war in Dir, o göttlicher Erlöser, da tönte die Stimme des Rufenden in der. Wüste: bereitet den Weg des Herrn! » Thauet, ihr Himmel, von oben, und ihr Wolken, strömet den Gerechten herab; Erde, eröffne dich, und bringe den Heiland herfür. Der Herr unser Richter, der Herr unser Gefeßgeber, der Herr unser König: er selbst wird uns erretten!« ( Isai 33.) So seufzten die Frommen der Vorzeit nach Dir, und ihre Sehnsucht ward erfüllet. Die Himmel thaueten von oben, und die Erde eröffnete ihren Schooß; denn als des Vaters ewiges Wort 166 Advent. kamst Du vom Himmel herab; als neuer und himm lischer Mensch wurdest Du aus der Jungfrau ge boren. Von Anfang her, o Wort des Vaters, bit Du unser Richter, im Innersten des Gewissens; Di haft noch mächtiger Dich geoffenbart im Gesete, aber die ganze Fülle Deiner Offenbarung vollendet sich, da Du als Mensch unter den Menschen er schienst, um unser Mittler und Erlöser, unser Her und Gebieter zu seyn. Stimme des Rufenden in der Wüste, in de Wüste dieser Welt, in der Wüste meines Herzens: bereitet den Weg des Herrn! Dein Weg zu uni ist Barmherzigkeit und unendliche Demuth; in di Tiefen der verfunkenen Menschheit, in Leid unt Tod begabst Du Dich, um uns wieder aufzurichten zum Lichte und zur Wahrheit. Aber auch ich soll nunmehr den Weg Dir bahnen zu mir, damit auch Meine Seele die Segnungen Deiner Heimsuchung erfahre. Wie lange noch sollen Hoffart und geistige Trägheit, und die Verkehrtheit der Leidenschaften jene Berge und Schluchten und Krümmungen bil: den, welche Du hinwegzuräumen befiehlst? Ach, lange sie Dir im Wege stehen, werde ich mich Dei ner Ankunft nicht erfreuen! 10 Ich frage nicht, o Herr, wie jene Boten einft: Weihnacht. 167 » bist Du es, der kommen soll, oder sollen wir auf einen Undern warten?« Ich erwarte keinen andern Meister, Erlöser und Beseliger als Dich, außer Dir ist weder Wahrheit noch Heil. Darum verleihe mir, daß ich beharrlich Dir gehorche, im Werke und in der That Dich liebe, und würdig werde, einst vor Deinem Angesichte zu stehen*). Weihnacht. » Ein Kindlein ist uns geboren worden, ein Sohn ist uns geschenkt worden, die Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er wird genannt werden: Wunderbarer, Rathgeber, Gott, Starker, Vater der künftigen Zeit, Fürst des Friedens. Sein Reich wird vervielfältigt werden, sein Friede wird ewig bestehen.«( Ifai. 9.) O Menschgewordenes Wort und Aufgang aus der Höhe, wahrhaft Uns bist Du geboren, Uns geschenkt worden, denn allen Menschen gehörst Du an, und für Aller Heil und Leben bist Du in der Zeit erschienen. Ein Kindlein ist uns geboren wor ") Undre Gebete und Übungen im Udvente: das Gebet des Herrn, besonders III, das Ave Maria, oben im zweiten Abschnitt. 168 Weihnacht. den, denn in der Demuth Deiner Menschennatu bist Du aus der Jungfrau geboren. Ein Sohn i uns geschenkt worden; denn als des ewigen Vater Sohn hast Du Dich herabgelassen, unser Gott, un fer Erlöser zu seyn. Denn also hat Gott die Weltge liebet, daß er seinen eingebornen Sohn dargegeben! Du bist wahrlich der Wunderbare, ja das Wur der selbst, denn auf übernatürliche Weise kamst D in unsre Mitte, als schöpferisches Wort und new Schöpfung zugleich. Du bist der wahre und einzige Rathgeber; wer Dir nachfolgt, wandelt nicht in Finsternissen. Du bist Gott von Gott, und li vom Lichte, wer Dich erkennet, kennet auch de Vater. Du bist der Starke, der Held der Mensc heit, der Sieger über Nacht und Tod; Niemand überwindet sich selbst, und alle Feinde seines Heils, der nicht erstarket in Dir. Du bist der Vater der künftigen Zeit; denn durch Deine Geburt und Auf erstehung ward das Gottesreich auf Erden begrün det, und die Pforte des seligen Lebens uns aufge than; durch Dich, den Himmlischen, werden wa geistig wiedergeboren. Du bist der Fürst des Frie dens, unser Mittler und Versöhner; von Dir il jener Frieden, der den guten Willen krönt, und welchen die Welt nicht geben kann. Weihnacht. 169 O Hoffnung aller Jahrhunderte, Wonne der Engel, Heil der Völker, Licht der Welt, Quell aller Wahrheit und Gnade! Ein dürftiges Kindlein, ein weinendes Kindlein, an die Pflege Deiner jungfräulichen Mutter angewiesen, erscheinst Du unter uns, hast Dich in Allem uns ähnlich gemacht, mit Ausnahme der Sünde, um uns als Deine Brüder anzusehen. Wie demuthvoll Dein Eintritt in die Welt, wie verborgen Deine Herrlichkeit! Aber eben diese Demuth, diese aufopfernde Hingabe ist die Herrlichkeit Deiner Liebe. O möchte sie gänzlich mich beherrschen! Mehr schade ich mir selber, wenn ich Dich nicht suche, als die ganze Welt und alle Widersacher mir schaden können!*). *). Das Kirchengebet Gloria( die Ehre sey Gott in der Höhe) findet sich im I. Ubschnitte in der Meßandacht. Gebete am Neuen Jahrstage: Dich, o Gott loben wir, im I. Abschnitte; Morgenübungen, ebendas. Der 102, Pfalm, im IV. Abschnitte. Litanei zum Namen Jesu, im Unhange;- Übung gen der Liebe zc. im V. Ubschnitte. - - 15 1 Epiphania. Epiphania. ( Fest der Erscheinung des Herrn.) Mein Herr und Erlöser, der Du allen Men schen angehören, Alle zu Dir ziehen willst: kaum eingegangen in unsre Welt, hast Du schon jenen Dich offenbart, die Deinem Rufe nicht widerstan den; der Hirte den Hirten, die ewige Weisheit den Weisen, der König der Glorie den Fürsten de Erde. Mit ihnen begann schon die Erfüllung der großen Verheißung:» die Heiden werden in Deinem Lichte wandeln, die Fürsten der Völker im Glanze Deines Aufgangs! Auch mich, o Herr, hast Du berufen aus den Finsternissen in Dein wunderbares Licht; das Ge stirn, das zu Dir, zu Deiner Menschheit und Gott heit, zu Deiner Demuth und Hoheit mich leitet, ist der klare, himmlische Glaube. Welche Entschul digung habe ich, wenn ich die Finsternisse mehr liebe als das Licht? 170 mel Nimm auf's neue meine Huldigung an, nen Dank für Deine ewige Liebe. Mein Gott bist Du, durch Dein ewiges Seyn; mein König und Haupt durch Deine Menschwerdung; mein Erlöser durch Deinen Tod. Meine Unbetung, im Geiste Namen Jesu. 171 und in der Wahrheit, sey der Weihrauch, der zu Dir emporsteige; mein Gehorsam, in Liebe zu Dir und den Nächsten, sey das Gold, welches ich Dir zu Füßen lege; jede Entsagung und Überwindung, die mir nöthig ist, um der Sünde zu sterben, fey die Myrrhe, die ich Dir opfere. Was kann ich Dir bringen und geben, was Dich erfreuet, wo nicht mich selber? Jedes Opfer, das ich Dir bringe, dient doch nur meinem eigenen Heile! Namen Jesu. Du aber bist unter uns, o Herr, und Dein Name ist angerufen über uns, verlaffe uns nicht, o Herr, unser Gott!( Jer. 14.) Mitten unter uns bist Du, o Jesus, damit Deine Gottvereinte Menschheit uns ein Quell des Lebens sey; über uns bist Du, weil erhöhet in die Glorie des Vaters; Dein Name ist angerufen über uns, denn in diesem Namen, vor dem alle Kniee sich beugen müssen, sind wir berufen und geheiligt, und es ist kein Name sonst unter dem Himmel, dessen Kraft und Bedeutung uns beseligen könnte. So walte nun Dein Namen über uns, als das Licht des belebenden Glaubens; er sey mit uns, als * 15 Lichtmess. Unterpfand unsrer Hoffnung, als Schirm in jede Gefahr. Er lebe in uns mit unverlöschlichen Zügen, als Siegel der treuen Liebe. Mein Friede im Kampfe, mein Trost im Kummer, mein letztes Wort hie nieden sey der Name Jesus. ( Litanei vom heil. Namen Jefu, im Unhange.) 172 Lichtmeß. Auf den Armen der Jungfrau in den Tempel getragen, erschienst Du o Herr, zum erstenmale als das Sühnopfer des Menschengeschlechts. Mit heiligem Entzücken erkannte Dich der greise Seher Simeon, mit Jubel nahm er Dich auf seinen Arm; die alternde und dahin schmachtende Welt der Vor: zeit erfaßte in Dir das neue und wahrhafte Leben, die freudige Verjüngung im Lichte der Gnade. Und er brachte Dich dem ewigen Vater dar, als Dank opfer für den Beruf der Völker, für die Ausbrei tung des Heils über die ganze Erde. Heil der Welt, Licht der Offenbarung für alle Völker, und Glorie der Menschheit: selig die jenigen, die in der Nacht dieses Erdenlebens mit treuer Wachsamkeit Dir dienen, dich erwarten, und sorglich die Leuchte des Glaubens bewahren, welche Charwoche. 173 allein das Dunkel erhellet. Selig die Diener, welche Du wachsam findest, sie werden eingehen in Deine Freude*). Charwoche. I. Bitten zu Jesu. In Bezug auf den Verdienst seiner Leiden**). Mein Herr und Erlöser, durch jene demuthvolle Herablaffung, die Du geübt, als Du, vor, Deinen Jüngern knieend, ihnen die Füße wuschest, verleihe mir die Gnade der echten Demuth, ohne welche ich weder im Frieden, noch in der Wahrheit bestehen kann. Mein Herr und Erlöser, durch jene tödtliche Traurigkeit, welche Du im Garten Gethsemani er*) Gebete und Betrachtungen, die für die Quadragesima oder die 40 Tage der Fasten sich vorzüglich eignen, sind: das Gebet des Herrn, die Gemüthserhebungen zum leidenden Erlöser im II. Abschnitt; der 50. und 129. Psalm im IV, Ubschnitt, die Litanei vom Leiden Christi im Unhange. Für den Gründonnerstag f. die Unbetung Jesu im heil. Ultarssacrament im II. Ubschnitt. **) Zum Theil nach dem Stalienischen des sel. Alphonſus, Bischofes von S. Ugatha. 174 Charwoche. duldet, errette mich von der hülflosen Trauer, die in der ewigen Trennung von Dir, und in der Un fähigkeit besteht, Dich jemals lieben zu können. Mein Herr und Erlöser, durch den Absche welchen die Sünden der Menschen Dir erregten, so oft fie Deinem reinen Auge sich darstellten, er wecke mich zu wahrer Reue über alle Beleidigungen, deren ich je gegen Deine Liebe mich verschuldet. Mein Jesu, durch jenes tiefe Leid, das Deit Herz verwundete, als der Jünger Dich mit einem Kuffe verrieth, befestige mich in Deiner Kreut, und bewahre mich vor jeder Heuchelei, durch welche ich an Dir und mir zum Verräther werde. Mein Herr und Befreier, durch jene Ernied rigung, die Du erduldet, als Du einem Verbrecher gleich Dich gebunden sahest, um zu den Richtern geführt zu werden, erfaffe meinen Geist, mit den Banden Deiner Liebe, damit ich unzertrennlig Dir eigen bleibe. Mein Herr und Meister, durch jene gräßlichen Beschimpfungen und Qualen, mit welchen Du, eine ganze Nacht hindurch im Hause des Caiphas mißhandelt wurdeft, verleihe mir die Stärke, um Deiner Liebe willen die Beleidigungen zu ertragen, die von meinem Nächsten mir widerfahren. Charwoche. 175 Mein Herr und Meister, durch jenen Spott, mit welchem Du von Herodes als ein Thor verachtet wurdest, laffe mit Geduld und Frieden mich jene Schmähungen ertragen, die um Deines Namens und Deiner Nachfolge willen mich treffen. Mein Jesu, durch jene tiefe Kränkung, welche Du empfunden, als das Volk Dich mit lautem Geschrei verwarf, und den Barabbas Dir vorzog, laffe mich mit Ergebung es hinnehmen, wenn ich Anderen mich nachgesetzt sehe. Mein Herr und Erlöser, durch jene herben Schmerzen, welche die schmähliche Geißlung Dir verursachte, gib mir die Standhaftigkeit, jedes körperliche Leiden mit friedlichem Geiste zu dulden. Mein Herr und Gebieter, durch jene grausame Qual, mit welcher die Dornenkrone Dein Haupt verwundete, gib meinem Willen Kraft, um allen böslichen Gedanken und Leidenschaften zu gebieten, die Deinem heiligen Willen widersprechen. Mein Mittler und Erlöser, durch jene freiwillige Hingabe und Aufopferung, mit welcher Du das Todesurtheit über Dich ergehen ließest, verleihe mir die Gnade, auch mein Todesurtheil, sobald die Vorsehung es offenbaren wird, mit vollkommener Ergebung anzunehmen. Charwoche. Mein Jesu, durch jene unsägliche Qual un Mühe, die Du erduldet, als Du das Kreuz hinauf trugst zur Höhe Calvaria: gib mir die Stärke alle Leiden und Mühen meines Lebens mit fre diger Geduld zu bestehen. 176 Mein Herr und Erlöser, durch jene tödtlich Qual, die Dich durchschauerte, als die starren N gel durch Deine Hände und Füße drangen, befestig meinen Willen in heiliger Gottesfurcht, damit de irdische Mensch in mir, mit seinen Lastern und Be gierden, am Kreuze geheftet bleibe. Mein Jesu, durch jenen Schmerz, mit welchen Du am Kreuze. von Deiner heiligen Mutter M schied genommen, verleihe mir die Stärke, jedes Opfer zu bringen, welches um Deiner Liebe willen von mir gefordert wird. Mein Herr und Mittler, durch jene herbe Trostlosigkeit, in welcher Deine leidende Mensch heit auch vom Bater sich verlassen fühlte, gib mit Ausdauer in allen Trübsalen, und unerschütterlich Vertrauen auf Deine Güte. Mein Herr und Erlöfer, durch jene unaussprech liche Todesangst, welche Du, umlagert von Spott und Bosheit, drei Stunden lang am Kreuze ge Charwoche. 177 litten, bewahre mich, wenn mir die Stunde des Scheidens naht, in Deinem heiligen Frieden. Mein Mittler und Erlöser, durch die Drangsale jenes großen Augenblicks, da Deine himmlische Seele von Deinem Leibe schied, verleihe, daß ich in meinem Tode mich als ein freiwilliges Opfer Dir darbringe, und ewig Dir angehöre II. Stabat Mater. Nah' am Kreuz die thränenbleiche Mutter stand, die Schmerzenreiche, Wo verschmachtend hing ihr Sohn; Ihre Seele angstvoll ringet, Ihr betrübtes Herz durchdringet Nun das Schwert der Leiden schon. Wie so bang an seiner Seite Stand die hochgebenedeite Jungfrau, Gottgebärerinn, Sah mit Schmerzen, sah mit Trauer, Mit des tiefsten Mitleids Schauer Auf den Eingebornen hin. Welcher Mensch soll da nicht weinen, Da er in so harten Peinen Christi Mutter stehen sieht? *) Nusführlichere Betrachtungen vom Leiden Christi ſ. im II, Ubschnitt. 178 Charwoche. Wer, der ohne Leid betrachtet, Wie die Hehre schier verschmachtet, Da sie mit dem Sohne litt? Hier, für seines Volkes Schulden, Sieht sie Jesum Qual erdulden, Welche ihr das Herz zerreißt, Siehet in der Schmach, der herben, Jeden Trost's beraubt ihn sterben, Da er aufgibt seinen Geist. Nun, o Mutter, Liebesquelle. Beig' mir Deinen Schmerz, geselle Mich auch Deiner Trauer bei; Gib, daß mein Herz auch entbrenne, Daß ich liebend ihn erkenne, Und ihm wohlgefällig sey. Mutter, allzeit treu befunden, Drücke feine Kreuzeswunden Meinem Herzen mächtig ein; Deines Sohnes bittre Peinen, Die er trug, um mich zu reinen, Laß' mit mir getheilet seyn. Jungfrau der Jungfrauen klare, Mich in süßer Huld bewahre, Lasse trauren mich mit Dir; Daß ich Christi Tod empfinde, Seinemj Leiden mich verbinde, Es verehre für und für. Daß sein Kreuz mich mächtig stüße, Seine Gnabe mich befüge, Charwoche. Treu zu seyn in jedem Streit; Gilt es einst dem Leib, zu sterben, Hilf dann meiner Seel' erwerben, Paradieses Herrlichkeit. 179 Gebet der Kirche. Wir bitten Dich, Herr Jesu Christe, daß jetzt sowohl als in der Stunde unsres Todes, die Fürsprache der seligsten Jungfrau, Deiner Mutter, uns beistehe, deren geheiligte Seele in der Stunde Deines Leidens das Schwert der Schmerzen durchbrungen hat. Durch die Verdienste ihrer freiwilligen Theilnahme an Deinen Leiden, flehen wir Deine Güte an, und hoffen auf die Reichthümer Deiner Huld, der Du lebest und regiereft zc. III. Beim Grabe Christi. » Herr, mein Gott, mein Retter, bei Tag und Nacht habe ich zu Dir gerufen. Denn von Leiden ist meine Seele erfüllet, mein Leben hat der Unterwelt sich genähert. Man hat unter die Hilflosen mich gezählt, die hinabsteigen in die Grube, die in den Gräbern schlafen, deren Du nimmer eingedenk bist. Ich bin ausgeliefert worden, und nicht mehr entkommen, meine Augen sind verschmachtet vor 180 Charwoche. Noth. Ich aber habe zu Dir gerufen, zu Dir mein Hände ausgebreitet. Wird jemand auch im Gra Deine Barmherzigkeit verkünden, Deine Wahrhe in der Verwesung? Werden in den Finsternisa Deine Wunder erkannt werden, Deine heilige Gu im Lande der Bergessenheit?«( Psf. 87.) Ich kenne diese Stimme, o Jesu; Dein& bet zum Vater war es, als Deine Menschheit mit dem Tode rang, ehe Du aufriefft: es ist vollbracht Und als Du Dein Haupt geneigt, entschlummern im Frieden, und als der Krieger noch, zur Besieg lung Deines wahrhaften Todes, Deine Seite mi dem Speer eröffnet, da nahmen jene Treuen un Edlen, die bisher Dich im Verborgenen nur gelieb Deinen vielfach zertrümmerten Leib vom Holze herah bestatteten ihn mit Ehrfurcht in ein neues Felfer grab, und wälzten einen großen Stein vor den Ein gang der Grabeshöhle. O wunderbares Grab, das den Preis der Welt verbarg, o herrlicher Garten von Golgotha, de dieses Grab umschloß! Hier war die Geburtsstätt des Lebens, hier die Heimath des neuen und ew gen Frühlings. Im Dunkel dieses Grabes sollte di Ullmacht Gottes sich verherrlichen; im Bande de Vergessenheit wurden seine Wunder kund. Deine Charwoche. 181 Gottvereinte Seele, o Jesu, brachte Licht und Freude den Harrenden der Vorzeit; Deinem Leibe durfte die Verwesung nicht nahen. So ruhetest Du am siebenten Tage von allen unsäglichen Mühen, vom Werke der neuen Schöpfung. Glorreich, o Herr, wie es der Seher der Vorzeit verkündet, ist Dein Grab geworden, aus ihm, blühte das Leben der Menschheit, aus ihm erblühet meine feligste Hoffnung. Ziehe mich zu Dir mit aller Kraft Deiner Liebe, laffe in dieß Grab mich eingehen, damit der irdische Mensch in mir täglich er= sterbe, und der neue und himmlische Mensch aufz lebe und erstarke, der nach Gott erschaffen ist, in Gerechtigkeit und Wahrheit! Wir sind ja, dem' ir: bischen Menschen nach, durch die Taufe begraben mit Dir; wir sind gestorben, und unser Leben verborgen mit Dir in Gott! O Wiederhersteller und Ernährer alles wahrhaften und Gottgefälligen Lebens, nur in dem Maße lebe ich in und aus Dir, als ich Deine Gebote bewahre, und der Sünde sterbe. Sieger über Nacht und Tod, hilf mir streiten, dulden und siegen in beharrlicher Treue, und einstmals, errettet von den Schreckniffen des zweiten Todes, eingehen in Deinen ewigen Frieden! 182 Ostern. Ostern. Stehe auf, meine Seele, erhebe Dich, Lauter und Harfenspiel, frühmorgens will ich aufstehen um den Herrn zu preisen. Denn hoch verherrlicht ist Deine Barmherzigkeit; über die Himmel reiche Deine Wahrheit.( Pf. 56.) Wo ist, o Tod, Dis Sieg, wo Dein Stachel, o Hölle? Verschlungen ist der Tod in den Sieg! Christus ist erstanden, Christus lebet, Christus herrschet, Alleluja. Wer wälzet den mächtigen Stein vom Gra wer löset das Siegel, das ihn verwahrt? Wer nimmt das Verhängniß des Todes hinweg, das schwer der Menschheit lastet, besiegelt von der ewigen Schuld? Alleluja, gesieget hat der Löwe vom Stam me Juda; schuldlos ging er in den Tod, ihn konnt das Grab, ihn die Unterwelt nicht gefangen halten; er erwachte, er erstand, er ging aus dem Grab hervor, da erst wurde hinweggewälzt der Stein, und das Siegel zerstöret. Was erbanget ihr, die ihr Jesum den Gekrew zigten suchet, euren Freund und Meister, den Herm der Wahrheit und des Friedens? Fürchtet nicht, denn euch ist selige Freude beschieden; er lebt, unt ihr werdet leben mit ihm; er ist vorangegangen in Ostern. 183 die unsterbliche Klarheit, und ihr werdet ihm folgen. Der alte Irrthum ist vergangen, der Tag ist angebrochen, der Hirte der Völker führt die Seinigen zu blühenden Triften, zu den Quellen des Lebens; der Hirt ist erstanden, und die ganze Menschheit mit ihm. Bereit ist mein Herz, o Gott; heute noch wit ich aufstehen, aus dem Schlummer der Trägheit, aus dem Grabe der Sünde. Wer aber wälzet mir den Stein von diesem Grabe, die Last der Selbstsucht und der alten Gewohnheit? Dir, o Jesu, ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. Wenn ich von ganzem Herzen zu Dir mich wende, wenn ich mit vollem Verlangen Dich suche und anrufe, wird Deine Gnade mir beistehen, durch welche ich Alles vermag, was Du forderst. O Urheher und Vollender des Heils, richte mich auf in Deiner Kraft, damit mich die Sünde nicht ferner beherrsche; damit ich, geistig erstanden zur Freiheit der Kinder Gottes, in der Neuheit des Lebens wandle, und einst, am großen Auferstehungstage der Menschheit, jum ewigen Frohlocken erwache.*) *) Lobgefang des heil. 2 m brofius, im 1. Abschnitt. Der 102. pfalm im IV. Ubschnitt. 184 Himmelfahrt. Himmelfahrt. Herr, unser Herr, wie wunderbar ist Dein Name auf der ganzen Erde! Denn über die Hin mel erhöht ist Deine Herrlichkeit! Mit ewiger Gir rie ist Deine Menschennatur gekrönet, und erhöht über alle Geschöpfe.( Ps. 8.) Deine Auferstehung i unsre Hoffnung, Deine Himmelfahrt unsre Verhen lichung. Du bist emporgestiegen zu ewigen Höhen, d haft unsre Gefangenschaft gelöset, Du haft den Menschen himmlische Gaben verliehen.( Ps. 62) Derselbe, der herabgestiegen in die untersten S fen, ist auch emporgestiegen über die Himmel, un Alles zu erfüllen.( Eph. 4.) Du bist herabgestiege in göttlicher Kraft und Wesenheit, als Du di menschliche Natur angenommen; in dieser Mens heit bist Du empor gestiegen, sie zur Herrlichkeit& hebend. Du bist herabgestiegen, gehorsam bis zum Tode, für unsre Sühnung und Rettung, Du bi emporgestiegen, um Allen, die Dir gehorchen, di Unsterblichkeit zu erwerben, um den Weg ins Leben uns zu bahnen, um uns Wohnung zu bereiten, um unser Fürsprecher beim Vater zu seyn. Zu Dir, o Herr, habe ich mein Auge erhoben, Pfingsten. der Du im Himmel wohnest. Du bist eingegangen ins ewige Heiligthum, das Werk der Erlösung vollendend; wenn ich Dich liebe, und meinen Willen zu Dir wende, so ist meine Seele zu Dir erhoben. Wer wird emporsteigen zum Berge des Herrn, wer wird stehen in seinem Heiligthume? Nicht der Hochmuth, nicht die selbstsüchtige und sinnliche Verkehrtheit finden den Weg hinan, sondern die Wahrhaftigkeit, und die Lauterkeit des Gott gefälligen Lebens. O ewiger Freund meiner Seele, zu Dir empor ziehe alle meine Sehnsucht, damit mein Wandel im Himmel sey, wo Du thronest zur Rechten des Vaters! 185 Pfingsten. Göttlicher Geist, unendliche Liebe des Vaters und des Sohnes, Vater der Dürftigen, Licht und Kraft der Seele, Spender aller himmlischen Gaben! In der herrlichen Fülle Deiner Offenbarung und Mittheilung hast Du die Erlösung und neue Schöpfung der Menschheit vollendet, haft aus der Lüge in die Wahrheit, aus der Trennung von Gott zur Wiedervereinigung, aus der Öde und Armuth ju feliger Kraft und Freudigkeit sie empor gehoben. 16 186 Pfingsten. Die Liebe Gottes ist in unfren Herzen ausgegossen, durch den heiligen Geist, der uns gegeben ist.« Komm o Geist der Wahrheit und des Trostes, und erfülle die Herzen Deiner Gläubigen! Wie Du zum erstenmal Dich offenbartest, über der Ver sammlung der Apostel, mit dem Sausen eines heranziehenden Sturmwinds, so belebe auch uns, mit göttlichem Hauche, denn» die vom Geiste Got tes beweget werden, sind Kinder Gottes.« Wie Du erschienen bist im Zeichen der feurigen Zungen, in flammenden Lichte: entzünde auch unsere Seele mit der reinen Flamme Deiner Liebe, die von allem Gemeinen, Bösartigen und Rohen uns läutert, und mit regem Eifer uns erfüllt; erleuchte uns mit heilsamer Erkenntniß, und heilige unsre Zunge, daß sie nur dem Frieden und der Wahrheit diene. Komm, o Geist der Gottes furcht, die aller Weisheit Anfang ist, und die einzige Grundfest des Heils, und bewahre mich, daß ich stets in da Gegenwart Gottes wandle, und nichts so sehr fürchte, als die Heiligkeit seiner Liebe zu verletzen. Komm, o Geist der Frömmigkeit, und bewege mein Herz in steter Hingabe an Gott, und im thätigen Mitgefühl für meine Nächsten, damit die Gesinnung Jesu in mir lebe, und ich in ihm. Pfingsten. 187 Komm, o Geist der heilsamsten Wissenschaft, und belehre mich in Deiner Klarheit, damit ich die Güter dieser Welt stets in ihrer Vergänglichkeit und Hohlheit schaue, und nur nach des Vaters Willen, und zu seiner Ehre, sie benütze. Komm, o Geist der überirdischen Stärke, rüste und befestige mein Herz gegen jegliche Lockung und Verwirrung, damit keine Treulosigkeit von Dir, o ewige Liebe, aufs neue mich trenne. Komm, o Geist des Rathes, um in allen weifelhaften Begegnissen mir beizustehen; lenke meinen Willen zur Wahl des Guten und des Besten, und führe mich, auf dem geraden Wege Deiner Gebote, bis zum seligen Ziele. Komm, o Geist der Einsicht, und erleuchte mich, daß ich alle Lehren und Werke Deiner Offenbarung in ihrer herrlichen Schöne und Wahrheit innig erfasse und betrachte, bis der Glaube sich in selige Anschauung wandelt. Komm, o Geist der echten Weisheit, erfülle und erhebe mein Herz, meinen Willen, damit ich mein ganzes Daseyn der göttlichen Liebe weihe und heilige, in welcher allein es sein Ziel und seinen ewigen Frieden findet! 16* Pfingsten. Kirchengebet. Allmächtiger Gott, der Du am heutigen Tag durch die Erleuchtung des heiligen Geistes die Herzer der Gläubigen unterrichtet haft: verleibe uns, daj wir in dem nämlichen Geiste verstehen lernen, w recht ist, und seines Trostes uns jederzeit erfreuen Durch Unsern Herrn 2c. 188 Trinit a s. Dich rufen wir an, Dich preisen wir, Dich beter wir an, unendliche, unendlich selige Dreieinigkeit. Unsre Hoffnung, unser Heil, unfre Glorie o göttliche Dreieinigkeit! Befreie uns, errette uns, belebe uns, o felig Dreieinigkeit! Allmächtiger, ewiger Gott, der Du uns, De nen Dienern, verliehen hast, im Bekenntnisse de wahrhaften Glaubens die Glorie der ewigen Dre einigkeit zu erkennen, und in der Allmacht ihre Herrlichkeit die Einheit des Wesens anzubeten: ge währe unsren Bitten, daß wir durch die Festigkeit dieses Glaubens gegen alle Widerwärtigkeiten de schüßet werden. Durch unsern Herrn 2c.). *) S. den Umbrof.& ob gesang im 1. Abschnitte, den k Fronleichnam. 189 Fronleichnams- Octave*). Kirchengebet. O heiliges Gastmal, in welchem Christus empfangen, das Andenken seines Leidens gefeiert, das Herz mit den Gaben der Gnade erfüllt, und das Unterpfand der Glorie uns gegeben wird! Brod vom Himmel hast Du, o Herr, uns ges spendet, das alle Fülle der Erquickung in sich enthält. Göttlicher Erlöser, der Du im wunderbaren Sacramente des Altars das Andenken Deines Leidens uns hinterlassen haft: verleihe uns gnädig, diese heiligen Geheimnisse Deines Leibes und Blutes mit solcher Innigkeit zu feiern, daß die Früchte Deiner Erlösung allzeit in uns gedeihen. Der Du lebest und waltest mit Gott dem Vater, in der Einheit des heiligen Geistes, ewiglich, Amen. fang des Vater Unser im II., den 102. Psalm im IV., den 144. Psalm im V. Abschnitte. *) Anbetungen Jesu im heil. Ultars facramente f. im II. Abschnitte. Litanei sum heil. Ultarsfacramente im Unhange. 190 Fronleichnam. Hymnus des h. Thomas von Aquin. ( Pange lingua.) Sing' o Bunge des glorreichen Leib's Geheimniß, hehr und groß, Und des Blutes sonder Gleichen, Das die Frucht aus reinstem Schooß, und der Herr von allen Reichen Einst zum Preis der Welt vergoß. Uns geboren, uns gegeben Uus der Jungfrau unversehrt, Wollt er mit den Menschen leben, Hat das Wort des Heils gelehrt, Und zulegt sein liebvoll Streben, Wunder wirkend, neu bewährt. Eh' er hinging, zu vollenden, Wollt' er mit der Brüder Schaar Erst das Ostermal beenden, So nach alter Sagung war, Reichte dann mit seinen Händen Ihnen sich als Speise dar. Und das Wort, das Fleisch ist, kehret Durch sein Wort in Fleisch das Brod, Und in Christi Blut verkläret Fronleichnam. Ward der Wein auf sein Gebot; Hier Gefühl und Sinn nichts lehret, Wo der Glaub' allein ist noth. ( Tantum ergo.) Laßt uns nun anbetend knieen Vor dem hehren Sacrament, Das uns Leben hat verliehen, und erfüllt das Testament; Was dem Uug' sich muß entziehen, Doch der Glaube weiß und kennt. ( Genitori.) Dem Erzeuger und Erzeugten Ruhm und Preis im Jubelchor, Ihm, dem mild zu uns Geneigten, Steige Huldigung empor, und dem Geist, dem Unerzeugten, Der aus beiden geht hervor! 191 Fest des heil. Herzens Jesu. Göttlicher Erlöser, der Du uns befohlen haft: lernet von mir, weil ich sanftmüthig bin und von Herzen demüthig;« gib, daß wir, von der Liebe Deines heiligsten Herzens entflammt, Deine himmlischen Tugenden nachahmen; damit wir Dir, un 192 Allerheiligen. frem Vorbilde verähnlicht werden, und an Deinen erlösenden Verdienste würdigen Antheil gewinne Der Du lebeft und waltest mit dem Vater 2. Fest aller Heiligen. Ihr seligen Bürger im Reiche des Lichtes, i verklärten Glieder der triumphirenden Kirche, ihr, der göttlichen Gnade treu, und beharrlich bi zum Ende, eingegangen seyd in die Freude des Her ihr ruhet nun von euren Mühen, und die Verdiens eurer Werke folgten euch nach; Gott hat euch prüfet, und seiner Anschauung werth befunden; n erfreuet ihr euch ewig in Ihm, und euer Leib ruht im Frieden, bis zum großen Tage der Wiederher stellung. So lange ihr auf Erden gewandelt, waret if arm im Geiste, denn, von Eitelkeit und Habsuc fern, konnte kein Verlangen nach irdischen Güter euch fesseln; nun ist das Reich der Himmel eur mit ſeinen unzerstörlichen Schäßen. Ihr wart sanft müthig und demüthig, nach dem Vorbilde Jesu und habt in Geduld eure Seele bewahrt; nun be sißet ihr das Land der Verheißung, eine Heimath die euch der ewigen Freude versichert. Ihr hatte Allerheiligen. 193 viel Leid und Trauer, in Reue, in Wehmuth, in ernster Sorge für eure Zeitgenossen; nun seyd ihr getröstet worden, denn alles Frühere ist vorüber gegangen. Ihr habt gehungert und gedürstet nach der Gerechtigkeit; eure Speise war vor allem, den Willen des Vaters zu thun; nun wird eure Sehnsucht gesättigt aus dem Reichthume des Hauses Gottes, in der Fülle seiner Herrlichkeit und Liebe. Ihr übtet Barmherzigkeit im Urtheil und im Werke, nun ist die überreiche, unendliche Vergeltung euch geworden. Ihr habt euer Herz in Reinheit bewahrt, nun beseliget euch die Anschauung Gottes. Ihr habt den Frieden gesucht und bewahrt, darum wart ihr auf Erden schon den Kindern Gottes beigezählt. Und für alle eure Wahrhaftigkeit und Liebe habt ihr vielfältige Verfolgung erduldet, um Jesu willen, darum schwebt nun ewiger Jubel über eurem Haupte. Mit Liebe und Theilnahme betrachtet ihr eure Brüder auf Erden, ihr kennet unsere Mühen und Gefahren. Wo wir jetzt noch wandern, da ginget auch ihr; wo ihr jetzt euch erfreuet, dahin sollen auch wir gelangen. Warum soll ich nicht vermögen, was ihr vermochtet? Das Gesetz, das ihr bewahrtet, ist auch mir auferlegt; das Vorbild, dem ihr nachgefolgt, leuchtet auch mir; die Gnade, die 17 194 Allerheiligen. euch beigestanden, wird auch mir dargeboten, un die Prüfungen, die ich zu bestehen habe, sind ge ringe gegen diejenigen, die euch bereitet waren. Darum sey eure Fürbitte mit mir, und beschüt mich auf allen Schritten, damit auch ich die Wahr heit der Verheißung erfahre:» selig die Unbefleckten auf dem Wege, die da wandeln nach dem Geset des Herrn!« Kirchengebet. Allmächtiger ewiger Gott, der Du uns die Ver dienste aller Deiner Heiligen an diesem festlige Tage zu verehren gewährest: wir flehen Dich a daß Du ihre Fürsprache erhören, und die Fülle De ner verzeihenden Güte über uns verbreiten wollet Durch unsern Herrn J. C. 2c.*). Gedächtnißtag aller abgeschiedenen Gläubigen Barmherziger Bater, der Du nicht ein Gott de Todten bist, sondern der Lebendigen: Du hast, al *) Litanei von allen Heiligen f. im Anhang Sobgefang des h. Umbrosius, im 1. Ubschnitte Allerseelen. 195 wir geistig todt waren, uns wieder belebet durch Deinen Eingebornen Sohn, der das Leben in sich selber trägt; und Alle, die sein Stimme hören, die gläubig ihm gehorchen, und in seine Verdienste eingehen, werden leben, und er wird sie auferwecken am jüngsten Tage. Selig, welche die Prüfung treu bestanden haben, ihr Geist erfreuet sich im Lichte seiner Klarheit. Aber ach, nicht Alle haben seiner Stimme mit solcher Treue und Liebe gehorcht, daß sie rein genug wären, um schon seiner Anschauung würdig zu seyn. Sie haben die geringeren Fehler nicht gemieden, die schweren nicht vollkommen bereut; ihr Eifer für Wahrheit und Heil war nicht groß genug; sie haben Dich, o Gott, nicht von ganzem Herzen geliebet, und manche Mühe und Aufopferung gemieden, darum sie auch nicht gänzlich eingingen in die Gesinnung Christi, deines Sohnes. So sind sie zwar hinüber gegangen im Frieden, im Troste deiner Gnade, in der Hoffnung der Er lösung; doch weilen sie noch, deinem Angesichte fern, am Rande jenes Abgrunds, wo die ewigen Schrecknisse wohnen, in Armuth, Schmerz und reuiger Sehnsucht, und rufen empor zu Dir, e Herr, aus den Tiefen. 17 196 Allerseelen. Denn schwer noch lastet auf ihnen Dein Straf: gericht; Deine Heiligkeit und Wahrheit ist die Schar fe jenes verzehrenden Feuers, das von den Schla cken sie läutert. Zwar tröstet sie die süße Gewißheit, daß sie vom Fallstrick errettet, und von den Gewal ten des Haffes und der Lüge befreiet sind. Aber los gerissen von der Körperwelt, und von allen Tav schungen des Sinnenlebens, sehen sie nichts als ihre Schuld, ihren Irrthum, und harren in no menloser Sehnsucht, bis sie das Leiden von jeder Makel gereinigt. Herr, dem Alles lebt, auch sie sind lebendige Glieder der erlöseten Menschheit; sie sind, gleich uns, im Lebens- und Liebesbunde mit Christo. D haft uns befohlen, daß wir für unsre Nächsten und Brüder beten sollen; darum wirst Du unser Gebe auch erhören, das wir für die Abgeschiedenen zu Dir empor senden, und jegliches Opfer der Geduld, der thätigen Nächstenliebe gnädig aufnehmen, das wir für ihre Begnadigung darbringen; vor allem aber das unendliche Opfer Deines Sohnes, das Him mel und Erde versöhnet hat. Erhöre unser Flehen, o Gott, und laffe Dein erbarmende Liebe allen den Gläubigen zu Theile werden, um deren Verlust wir weinen, deren Ge Allerseelen. 197 dächtniß wir feiern, in deren Wiedersehen wir uns zu erfreuen hoffen! Uns aber stärke in der Treue des Glaubens, damit wir, am Ende des irdischen. Weges, auch das Ziel dieses Weges erreichen, und im Reiche der Lebendigen Dein Angesicht schauen! Herr, gib ihnen die ewige Ruhe. Und das unvergängliche Licht leuchte ihnen. Gebet der Kirche. O Gott, aller Gläubigen Schöpfer und Erlöser: verleihe den Seelen Deiner Diener und Die: nerinnen die Verzeihung aller Sünden, damit sie die gnädige Nachlassung, nach welcher sie allezeit sich gesehnet haben, auf fromme Fürbitte erlangen. Durch unsern Herrn J. Chr. 2c.*). *) Der 129. Pfalm( de profundis) findet sich im IV. Abschnitte; andere Gebete für Verstorbene am Schlusse des V. Ubschnittes. 198 Einige Feste der Heiligen*). Maria Empfängniß. Sey gegrüßet, o Jungfrau, Lilie unter den Dornen, Wunderblume, die auf dem alten Baume der Patriarchen hervorgeblüht, Auserwählte des Menschengeschlechts! Gey gegrüßet, Du Reine und Fleckenlose, welche die göttliche Vorsehung zur höch sten Würde erkoren, und deshalb auch von jener Erbschuld und Makel ausgenommen hat, in wel cher der irdische Mensch schon ursprünglich befangen ist. Wir danken dem Allmächtigen für all die herr lichen Gaben, die er, zu unserm Heile, Dir ver liehen; bitte für uns deinen göttlichen Sohn, daß wir, seinen Geboten treu, und jede Unlauterkeit fliehend, durch sein erlösend Verdienst zur Rein heit des himmlischen Menschen gelangen. S. Stephanus. daß Allmächtiger, ewiger Gott, verleihe uns, wir in standhafter Glaubenstreue, in Geduld und **) Nach der Aufeinanderfolge in der Ordnung des Kirchenjahrs. Für die Festtage der heiligen Jungfrau finden sich ausführlichere Verehrungen im II. Ubschnitte. Feste der Heiligen. 199 Liebe die herrliche Tugend nachahmen, die wir prei= sen, und auch unsre Feinde lieben lernen; weil wir das himmlische Geburtsfest desjenigen feiern, der auch für seine Verfolger die Gnade Jesu Christi Deines Sohnes zu erflehen wußte. Gründe uns, o Herr, durch die Verdienste aller Deiner Blutjeugen, in Deiner heiligen Liebe, damit wir im Streite bestehen, und die Krone des Lebens empfangen. Durch Christum, unsern Herrn. Fest des heil. Joseph. Allgütiger Gott, der Du, in den Rathschlüssen Deiner Vorsehung, den heiligen Joseph zum jungfräulichen Gemahl der makellosen Jungfrau Maria, und zum Beschüßer und Ernährer Deines geliebten Sohnes erwählet hast: verleihe uns, in seinem Schuße, die Reinheit des Leibes und der Seele, damit wir, mit dem hochzeitlichen Gewande geschmückt, vor Deinem Angesichte wandeln. Und wie Du die Kindheit Jesu, Deines Menschgewordenen Sohnes, und seine himmlische Mutter der Sorgfalt und Pflege Deines Dieners Joseph anvertraut, und seine vielbewährte Tugend und Treue auf das 200 Feste der Heiligen. herrlichste belohnet hast, so verleihe auch mir, der ich seine erhabene Tugend verehre, die Gnade, dej ich in dem Berufe, den Du mir zugewiesen, für die Ehre Deines Namens wirke, und in der Liebe Jesu beharre, der mit Dir, o Bater, lebet un waltet 2c. Mariä Verkündigung. ( S. im II. Ubschnitte, unter der Aufschrift: Uve Maria Fest des heil. Johannes Baptista. Allmächtiger, ewiger Gott, in Deiner her lichen Macht und Liebe, in welcher Du den heil. Johannes zum Borläufer Deines Sohnes, und zum Herold seines Werkes gesendet hast: verleihe Dei nem Volke die Gnade der geistigen Freude, un lenke die Herzen Deiner Gläubigen auf den Weg des ewigen Heiles. Durch Jesum Christum 2c. Fest der Apostelfürsten. Herr Jesus Christus, dessen Hand den seligen Apostel Petrus aufgerichtet, damit er über den Feste der Heiligen. Wellen des Meeres wandelnd, nicht unterginge, und seinen Mitapostel Paulus, da er Schiffbruch litt, aus der Tiefe des Meeres errettet hat: erhöre uns gnädiglich, und verleihe, daß wir durch beider Verdienste die ewige Glorie erlangen. Der du lebest und waltest mit dem Vater 2c.*) 201 Mariä Heimsuchung. ( Bobgefang der heil. Jungfrau( Magnificat), am Ende des 11. Abschnittes.) Fest der heil. Magdalena. Herr Jesus Christus, Erlöser der Welt: durch jene süße Huld, in welcher Du die Buße Deiner Dienerinn Magdalena mit der Verzeihung aller ihrer Fehler, und mit der Fülle der Gnade belohnet hast, verleihe uns, daß auch wir das Böse, so wir verschuldet, würdig beweinen, und zu Deinen Füßen die vollkommene Versöhnung erlangen. Der Du lebest 2c. *) Gebete für die heil. Kirche finden sich im Unhange nach der Litanei von allen Heiligen; auch paßt für diesen Tag die zweite Bitte des Vater Unsers, im II. Abschnitte. Feste der Heiligen. Fest der heil. Anna. Es wird ein Zweig hervorgehen aus der Wur Isai( aus der alten Familie Davids), und ein Blume aus dieser Wurzel sprossen, und auf ih wird ruhen der Geist des Herrn.( Isai. 11.) Bitte für uns, seligste Mutter Anna! Auf daß wir theilhaftig werden der Berheißur gen Christi. Allgütiger Gott, dessen Vorsehung die selige Anna erwählet, und in ihrer reinen Tugend würdy befunden hat, die Mutter derjenigen zu werden welche Du zur Gebärerinn Deines Menschgewor denen Sohnes bestimmt haft: verleihe gnädig, de ihre Fürbitte uns stets zur Hilfe gereiche. Dur Jesum Chr. 20. 202 Mariä Himmelfahrt. Selig bist Du, o Jungfrau, Gottesgebärerinn, weil Du dem Herrn geglaubet haft: siehe, alles it erfüllt, was Dir verheißen worden; erhöhet bit Du über die Chöre der Engel. Heiligste Jungfrau, Mutter und Gebietering Feste der Heiligen. 203 der Menschen, komme den Elenden zu Hilfe, stehe den Kleinmüthigen bei, tröste die Betrübten, bitte für das Volk und für die Diener des Altars, be schirme die Kirche, und lasse Alle Deinen Schuß erfahren, die Deinen heiligen Namen, Deine innige Liebe, Deine herrliche Würde feiern. Mariä Geburt. Allgütiger Gott, der Du in Christo Jesu, Deinem Sohne, die Welt mit Dir verföhnet hast, ver= leihe uns, daß wir durch die Fürbitte der heiligen Jungfrau Maria, seiner wunderbaren Mutter, deren Geburt wir heute mit inniger Freude feiern, das ewige Heil gewinnen, und selig zu Dir gelangen. Durch J. Ch. 2c. Schußengelfest. » Lobpreiset den Herrn, alle seine Engel, die ihr mächtig seyd in himmlischer Kraft, und sein Wort vollführet.<< » Im Angesichte der Engel will ich Dich preisen, o Herr; anbeten will ich vor Deinem heiligen Tem= pel, und Deinen Namen loben.<< Feste der Heiligen. Allmächtiger ewiger Gott, der Du in liebevolle Fürsehung Deine heiligen Engel zu unsrer Obhut sendest: verleihe unfren Bitten, daß wir dur ihren Schuß fortan bewahret werden, und eint ihrer seligen Gemeinschaft uns erfreuen. Durc J. Ch. U. H. 204 Vierter Abschnitt. Weihe der Beicht und Communion- Tage. » 3ögere nicht, Dich zum Herrn zu bekehren, und schiebe es nicht auf von einem Tage zum andern." Eccli. 5, 8. Beichtgebete. L. Beherzigungen vor der Beichte. Mein Herr und Erlöser, mein Erlöser und mein Gott! ich habe den Ruf Deiner erbarmenden Liebe vernommen: Kommt zu mir Alle, die ihr mit Leiden und Mühen belastet seyd, und ich will euch erquicken. Und deutlicher noch hast Du die Hilfe be= zeichnet, die Du uns darbeuft:» Nehmet mein Joch auf euch, und lernet von mir, daß ich fanftmüthig bin und von Herzen demüthig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist süß, und meine Bürde ist leicht!" Ich erkenne, o Jesu, welch eine Bürde mich drückt, und welch ein Unfriede mein Herz betrübet. Weil ich Dein süßes Joch nicht tragen wollte, in der Heiterkeit eines guten Gewissens, weil ich lieber meinen Leidenschaften Gehör gab, und den 208 Vor der Beichte. eitlen Sagungen der Welt, ja weil ich sogar den Einflüsterungen des Geistes der Lüge bereitwilliger folgte, als dem klaren Worte Deiner Weisheit, so habe ich nun einen Ankläger in mir, der mich verurtheilt, und allen Frieden hat jene herbe Un ruhe verdrängt, die einem jeglichen bereitet ist, welcher Deinem Willen widerstrebet. Mein Herr und Erlöser und Richter: Du allein stehest als göttlicher Mittler zwischen Gott und mir, durch Dich allein wird mir die geistige Freiheit und jeder Anspruch auf unsterbliches Leben. So lange ich Deinem Gesetze treu war, Dir nachfolgte und angehörte, trug meine Seele das Zeugniß des her ligen Geistes in sich, und erfreute sich in dem heb ren Bewußtseyn der Kindschaft Gottes. Wie i aber Dein Joch abwarf, und Deinem Gefeße mich entzog, verlor ich wieder diese Würde. Ich konnte in die Sünde nicht einwilligen, ohne Dich zu ver läugnen; ich konnte Dich, den himmlischen Adam, nicht verläugnen, ohne sofort in die Sinnenknecht schaft und Todesschuld des alten und irdischen Menschen zurück zu kehren, und jenes seligen Heiles beraubt zu werden, welches Du mit so herben Aufopferungen mir erworben hast. O Herr meines Heils, mit Schmerz erkenne ich Vor der Beichte. 209 meinen Undank und meine Thorheit, und auch diese Erkenntniß ist ein Werk Deiner Gnade. Ich bereue, aus Liebe zu Dir, jede Verschuldung, die von Dir mich entfernte, ich sehne mich, zu Dir zurück zu kehren; und auch diese Reue, diese Sehnsucht, ist eine Wirkung Deiner Gnade. So komme ich dann ju Dir, Deinem liebreichen Rufe folgend. Du selbst gebietest ja, daß wir nicht fürchten sollen, Dir zu nahen; daß wir, im Wahne unsrer Verkehrtheit, nicht beben sollen vor dem Joche Deiner Gebote. Kommet, so sprachst Du, und lernet selbst, aus seliger Erfahrung, daß ich kein harter und rauher Gebieter sey, sondern sanft und gütig, daß mein Joch überaus milde sey, und leicht meine Bürde, im Gehorsam der Liebe, in jenem Frieden, den Niemand Andrer zu geben vermag! O guter Hirte, ich will Deiner Stimme gehorchen, so lange ich sie noch zu hören vermag; ich will nach jener einzigen, wahrhaften Ehre und Freude streben, die in Deiner Nachfolge beruht; aber stehe mir mächtig bei, daß ich von der Bürde der Sündenschuld befreiet werde, und von dem Joche der Sündengewohnheit! Du bist das Lamm Gottes, so hinwegnimmt die Sünden der Welt. Du allein haft die unendliche Last von uns gewälzt, den schwe18 210 Vor der Beichte. ren Stein vom Grabe des sündhaften Menschenge: schlechts. Wer reuig zu Dir zurückkehrt, auf dem Wege der Buße, welchen Du in Deiner heiligen Kirche gebahnet hast, der gehet aufs neue ein in Deine Wunden, in Deinen versöhnenden Opfer tod, er gewinnet seinen Antheil wieder an Deinem erlösenden Verdienste, er stirbt der Sünde wieder, und lebet in geistiger Freiheit, in und aus Dir. Ich habe geirret, o Herr, gleich einem Schif lein, das verloren ging; suche Deinen Diener, und führe mich zurück auf den Weg Deiner Gebote.( P 118.) Ich will meiner Ungerechtigkeit mich ankle gen vor Deinem Angesichte, und Du wirst die Ver schuldung mir nachlassen.( Ps. 31.) O Vater der Erbarmungen, mache mich aufs neue würdig, Die meinen Vater zu nennen, nimm mich wieder auf in Christo Jesu! O Geist der Wahrheit, der Lieb und aller Heiligung, der vom Vater ausgeht unt vom Sohne, Dich flehe ich um Erleuchtung an, damit ich meine Fehler und Berirrungen in ihm ganzen Größe erkenne und bekenne, damit nicht die Eigenliebe mich blende, damit ich nicht, m halbdunklem Bewußtseyn, in der Verkehrtheit de Willens verharre. Du wirkest, o göttlicher Geift, in den Gnaden Vor der Beichte. 211 mitteln der heiligen Kirche, in welchen Du jene unendlichen Wohlthaten spendest, die der Erlöser für uns verdienet und erworben hat; was würden aber diese herrlichen Liebesgaben mir fruchten, wenn ich, durch neue Sündenschuld von Jesu losgeriffen, keinen Weg mehr hätte, jemals wieder mit Ihm vereinigt zu werden? Darum erkenne ich dankbar dieß heilige Sacrament der Buße als die größte und nothwendigste aller Wohlthaten, welche die göttliche Liebe uns Undankbaren dargeboten hat, und verlange sehnlichst, die ganze Fülle dieser Wohlthat zu empfangen, die nur einem aufrichtigen Bekenntniffe, einem Herzen voll Demuth und Reue, und einem wahrhaft zum Guten gewendeten Willen zu Theile werden kann. Und nun, o Jesu, da Deine Liebe mit heiliger Hoffnung mein Herz bewegt, da Dein Licht mich erhellet, Deine Gnade an der Pforte meines Herzens steht, und Einlaß begehrt, um allein darin zu walten, nun sey es ferne von mir, ihr noch länger diesen Eingang zu versagen, und die Zeit meines Heiles mit eitlen und verderblichen Bestrebungen zu vergeuden. Gedenke, o Herr, daß Du nicht gekommen bist, zu verderben, sondern selig zu machen, daß Du unsere Sühnung und unser 18* Der 50. Psalm. Fürsprecher bist! Wo die Bergehungen zahlreich und groß sind, da laffe Deine Gnade noch reichlicher überfließen. Von nun an gebe ich Deiner unendlichen Liebe mich gefangen; nimm mich hin, und besige mich, und erneure mich in Deiner Gerechtigkeit und Wahrheit! 212 II. Der fünfzigste Psalm*) ( oder der Bußpsalm: Miserere.) 1.» Erbarme Dich meiner, o Gott, nach D » ner großen Barmherzigkeit!« Deine Barmherzigkeit rufe ich an, weil ich mein Elend fühle; groß ist mein Elend, darum bedarf ich Deiner großen Barmherzigkeit. Wer ist glückselig, o Herr, wer ist reich an wahren Gütern?» Selig die Unbefleckten auf dem Wege, die da wandeln nach Deinem Gebotes ( Pf. 118.) Wer ist unselig und elend? Wer Deiner Liebe treules geworden. Ach, nur die Schuld ist's welche von Dir mich trennet; es gibt kein Elend, als die Sünde. Zu Dir flehe ich, o Gott, Du allein hast Macht, *) Dieser Pfalm kann auch bei anderen Gelegenheiten ge braucht werden, z. B. während der heil. Meffe, i ber Faste, in besonderen, dem Gebete gewidmeten Zeiten. Der 50. Psalm. 213 mir zu helfen; bei Dir ist Barmherzigkeit, und reiche Fülle der Erlösung. O lasse mich wieder Gnade finden vor Deinem Angesichte! Sieh auf mich, und erbarme Dich meiner. 2.» Und nach der Menge Deiner Erbarmungen stilge meine Ungerechtigkeit.<< Barmherzig bist Du, o Gott, und ein Erbarmer; dein Wille ist That. Du vergibst die Schuld, Du erneuerst Deine Huld; den widerspenstigen Knecht nimmst Du als Sohn wieder an; gibst ihm das früher erworbene Gute wieder zurück, das er durch die Sünde verloren, und bereicherst ihn mit neuen Gnadenhülfen: wie groß, o Herr, ist die Menge Deiner liebevollen Erbarmungen! Diese Fülle der Erbarmungen ist es, auf welche ich vertraue, doch nur in Ehrfurcht und Zittern. Wie gut ist's, o Herr, zu Dir fliehen, nach begangenem Uebel! Wie vermessen hingegen und wie schändlich, das Böse thun, im thörichten Vertrauen, daß, nach geschehener That, die Zuflucht ju Deiner Barmherzigkeit offen stehe? Von solchen Frevlern sprachst Du:» ich habe meinen Frieden von ihnen hinweg genommen, meine Barmherzigkeit und meine Erbarmungen.<<( Jer. 26.) Unendlich, o Gott, ist Deine Barmherzigkeit, doch nicht ohne 214 Der 50. Psalm. Maß sind Deine zahlreichen Erbarmungen. Darun tilge meine Ungerechtigkeit, damit ich nicht vor neuem Deine heilige Liebe verleßze! 3.» Mehr und mehr wasche mich von meine » Bosheit, und von meiner Sünde mache mich rein Denn wie soll ich wandeln vor Dir, in der nem Wohlgefallen, wenn ich nicht reiner werde den Neigungen zum Bösen, die meine Seele be flecken, wenn mich Deine Gnade nicht mehr unt mehr erleuchtet, reinigt und im Guten stärket! Du tilgest meine Sünde, Du nimmst hinweg von mir die Schuld, und dieß ist ein augenblickliches Werk Deiner Erbarmungen über uns, in Christ Jesu, den Du uns gegeben haft zur Unterweisung zur Rechtfertigung, zur Heiligung und Erlösung ( 1. Cor. 1.); der uns geliebet hat, und uns rei gewaschen in seinem Blute. Aber was Deine göttliche Liebe gewirket, wir nicht vollendet ohne meine Bemühung, ohne Dein fortgesetzte Gnade. Die Neigung zum Rückfall if in mir geblieben, die kühne Willkühr hat Machi gewonnen durch die That; stärke mich, o Gott damit ich jede Verkehrtheit, hasse und von Herzen verabscheue und meide! Der 50. Psalm. 215 4.» Denn ich erkenne meine Bosheit, meine » Sünde ist allzeit gegen mich.« Wer vermag Dich zu erkennen, o Gott, ohne Dich zu lieben? Und wer vermag es zu erkennen," ohne tiefen Schmerz, wie schmählich es sey, gegen diese heilige Liebe zu freveln? Die Eigenliebe betrog mich, die Bosheit verblendete mich, die Finsterniß hielt mich befangen; aber der willkührliche Selbsttrug kann nicht dauern, und kann nicht trösten. Meine Sünde schwebt mir immerfort vor Augen, es ist unmöglich, sie nicht zu sehen. Sie ist, dem Werke nach, vergangen in der Zeit; ach, sie ist ewig und unvergänglich als Todesschuld, sofern Du sie nicht verzeihest. Darum, auch wenn Du sie verzeihest und tilgest, will ich dennoch nicht flüchtig sie bereuen, sondern mein Leben hindurch. Sie ist wider mich. und zeuget gegen mich, ich aber will streiten gegen sie. Uch Herr, erleuchte mich, daß ich ihre Größe im vollen Maße erkenne:» Wer erkennet, wer verstehet feine Vergehungen?«( Ps. 18.) Niemand, o Gott, erkennet die Größe der Schuld, es fer down in seinem Verhältnisse zu Dir, zu Deiner Heiligkeit und Liebe! 5.» Dir allein habe ich gesündiget, und Böses 216 Der 50. Psalm. » vor Dir gethan; damit Du gerecht befunden wer » dest in Deinen Worten, und damit Du sieges » wenn Du beurtheilt wirst.< Dir allein, o Herr, habe ich gesündigt, den Du allein bist mein unbeschränkter Gebieter; de Heiligkeit Deines Willens mein höchstes Gefes und wem immer auf Erden ich Unrecht gethan, D o Bater im Himmel bist es, gegen welchen die leidigung gerichtet war. Dir, o Herr, habe ich gesündiget, weil ich frevelhafter Willkühr Deine Hoheit und Heiligkei verachtete, und Deine höchste Gabe, die Freiheit gegen Deinen Willen mißbrauchte. Dir allein hat ich gesündigt, weil Du allein das wahre Seyn und Wesen bist. Darum ist es vor allem die Beleidigung Deiner heiligen Liebe, die mich mit Schmerz füllet.» Zu Dir habe ich gerufen: Herr, erbarm Dich meiner, heile meine Seele, denn Dir hab ich gesündigt!«( Pf. 40.) Und ach, welche vermessene Kühnheit eine jeglichen Sünde, da Du allein der Rächer un Richter, und dennoch Du allein es bist, zu desser Erbarmung wir Zuflucht nehmen können!» Sehe und erkennet, sprachst Du; daß ich allein bin und kein andrer Gott außer mir, und daß Niemand Der 50. Psalm. 217 ist, der aus meiner Hand euch zu erretten vermöchte!«( Deut. 32.)» Wer wird Dich nicht fürchten, o Herr, weil Du allein gütig bist?* ( Offenb. 15.) Wahrlich, wer soll Dich nicht fürchten, o Herr, weil Du der Heilige bist, und Deine Herrlichkeit allezeit sieget, es sey nun als Barmherzigkeit, es sen als Gerechtigkeit? Und wer soll Dich nicht fürchten in Deiner Allgegenwart, da es keines Anklägers vor Dir bedarf? Das Böse, das ich gethan, habe ich vor Dir gethan, Du bist der Richter und der Zeuge!( Jer. 29.) Wer kann sich entschuldigen vor Dir, wer Deine Gerichte tadeln? Wenn die Himmel nicht rein sind vor Deinem Ungesichte, wenn Du in den Engeln Bosheit gefunden, wie wird der irdische Mensch vor Dir bestehen? 6.» Denn siehe, in Ungerechtigkeit bin ich em* pfangen worden, und in Sünden hat meine Mut= » ter mich empfangen.« Von Jugend auf ist mein Herz zum Bösen geneigt; im innern Zwiespalt ist mein ganzes Leben befangen. Nicht das Gute, das ich erkenne und will, thue ich, sondern das Böse, das ich nicht will.( Röm. 7.) Ich fühle meine Einsicht durch Irrthum verdunkelt, meinen Willen schwankend, 19 218 Der 50. Psalm. mein Streben verkehrt; die Lüge, die Leidenschaft, der Tod haben Macht über mich; dieß ist der An theil der Kinder Adams, die Schuld und Strafe, die sich forterbt im Menschengeschlechte, die Quelle aller Übel. Oder darf ich vielleicht rechten mit Dir, und fragen: wie Du es zulassen konntest, daß solch ein unermeßliches Elend auf uns sich vererbe? Ote darf ich meine persönlichen Vergehungen entschul digen damit, daß ich in der Erbfünde geboren bin! Nein, o Herr; denn so groß diese Übel sind, un endlich reicher sind die Werke Deiner rettenden Gnade; so groß das Wehe, so überschwenglich des Heil, welches Deine Weisheit und Liebe uns ge spendet hat. 7.» Denn siehe, Du hast die Wahrheit geli » bet; die verborgenen Rathschläge Deiner Weisheit » hast Du mir offenbart.«< wer wird Nicht mehr, im Gefühle meiner Unseligkeit, darf ich seufzen:» ich unseliger Mensch, mich befreien von diesem Leibe des Todes, von dies sem Todesschlummer des Geistes? die Antwort is schon bereit:» die Gnade unseres Herrn Jesu Christi ( Röm. 7.) Dieß sind die Geheimnisse Deiner Weis heit und Liebe, die Du Allen offenbarest, in wel Der 50. Psalm. 219 chen Du ein aufrichtiges Verlangen siehst: daß Dein ewiges Wort, als Gottes- und Menschensohn, als der neue und himmlische Adam in unsre Mitte getreten ist, um die Erbschuld zu fühnen, und sein Verdienst als Erbverdienst uns zuzueignen.» Eine getreue Rede, und aller Beherzigung werth: daß Christus Jesus in diese Welt gekommen, um die Sünder zu erretten!«( 1. Tim. 1.) So habe ich also nicht zu klagen mehr, daß ich, dem Leibe nach, ein Kind Adams bin; Du hast mich erlöset, o Herr, Gott der Wahrheit!( Pf. 30.) Ich lebe aus Christo nach dem Geiste, und schuldlos erschien ich ver Dir, so lange ich nicht freiwil lig mit persönlicher Schuld mich belastete. Aber ach, wie bitter ist diese Schuld, wie undankbar und schmählich, da ich die Geheimnisse Deiner Weisheit kannte? Welche Hoffnung habe ich noch für mein Heil? Welcher Preis bleibt noch für meine Erlö-, sung übrig? 8.» Du wirst mit Hyssop mich besprengen, und sich werde gereinigt werden: Du wirst mich waschen, » und ich werde weißer werden, als der Schnee.« Denn unerschöpflich sind die Verdienste meines Erlösers, und er hat verheißen, daß er Niemanden, der zu ihm kommt, von sich verstoßen werde. 19* 220 Der 50. Psalm. So lange ich in diesem sterblichen Leibe bin, bleibt mir der Zugang zu ihm, und die Theilnahme an feinem belebenden Opfer. O Herr, der Du im Schonen und Verzeihen Deinen Namen verherrlichst, wie bereitwillig bit Du, den reuigen Sünder wieder aufzunehmen! » Wendet euch zu mir, so lautet Deine Verheißung: und ich wende mich wieder zu euch. Wenn eure Sür den roth wären, gleich dem Scharlach, so werde ihr weißer werden als der Schnee!« Wie häßlich it die Makel einer von Sündenschuld verfinsterte Seele? Aber wenn wir reuevoll unsere Sünden be kennen, so verzeihest Du sie, und das Blut Jess Chrifti Deines Sohnes reiniget uns von jeder Un gerechtigkeit( 1. Joh. 1.)*). Wie danke ich Dir, o Herr, daß Du mir den Weg gebahnt, wieder zu Dir zurückzukehren! Da haft Deiner Kirche und ihren Dienern die Macht gegeben, die Sünde nachzulaffen; ihr Wort besie gelnd wirst Du meine Schuld hinwegnehmen, wirk mit neuer Gnade mich erleuchten und schmücken, damit ich ewiglich Deine Barmherzigkeit preiſe! 9.» Troft und Freude wirst Du meinem Gehör *) D. h. das unendliche Verdienst seines Opfertodes. Der 50. Psalm. verleihen; und frohlocken werden meine zerknirsch» ten Gebeine.< Ich werde den Ausspruch hören, daß Du mir verziehen hast, und der Geist Deiner Liebe wird meinem Geiste Zeugniß geben, daß ich wieder als Bater Dich anrufen darf.» Denn wenn unser Herz uns keine Vorwürfe macht, haben wir Vertrauen ju Dir.«( 1. Joh. 3.) Welcher Trost, welche Freude in dieser Versicherung, Dein zu seyn, in Deiner Liebe zu wandeln, zu Dir zu gelangen! Diese geistige Freude ist über alle Freuden dieser Erde, sie erfüllet den ganzen Menschen, sie erquicket auch den siechen und jerschlagenen Leib.»> Meine Seele wird frohlocken im Herrn, und in seinem Heile sich erfreuen; auch meine Gebeine werden sagen: Herr, wer ist Dir gleich?«( Ps. 34.) O Herr, verleihe mir diese heilige Freudigkeit, damit ich mit neuem Eifer Dir mich weihe! 221 10.» Wende Dein Antlig ab von meinen Sün» den, und tilge alle meine Ungerechtigkeit!< Zweifach sind, o Herr, die Übel meiner Seele: die gegenwärtigen sind vor Deinem Angesichte, die vergangenen sind im Buche Deiner Allwissenheit geschrieben. Wende von jenen Dein Angesicht ab, 222 Der 50. Psalm. tilge diese aus Deinem Buche! Behandle mich so, als hätte ich nie gesündigt, wende Deine Liebe mit zu, als wüßtest Du von meinen Vergehungen nichts! Du hast am verlornen Sohne gezeigt, daß de reumüthige Büßer von Dir nicht minder geliebet werde, als der Schuldlose; daß es vor allem Deine Gnade ist, welche unseren Seelen die Würde ver leiht. Und so hast Du den Reuigen verheißen: sich werde mich ihrer erbarmen, und sie werden wieder seyn, wie sie waren, ehe ich sie verworfen habes ( 3ach. 10.) O gib, daß an mir auch diese Verhei fung erfüllet werde! 11.» Ein reines Herz erschaffe in mir, o Gott, » und einen aufrechten Geist erneuere in meinem » Innern la Die Reinheit des Herzens ist von mir gewichen, Du allein kannst sie wiederherstellen; denn die Recht fertigung der Seele ist eine neue Schöpfung, und Schaffen ist ein Werk Deiner Allmacht allein. Nicht aufrecht ist mein Geist mehr; mein Denken und mein Streben hat die Richtung zu Dir verloren; darum sey Deine Gnadenhilfe mit mir, um me nen Geist wieder aufzurichten, zu Deinem Geher: sam, zu Deiner Liebe! Was findest Du, o Herr, im Herzen des Sün Der 50. Psalm. 223 ders, als Finsterniß und Verkehrtheit? Der Glaube, die Furcht, die Reue, die es zur Rechtfertigung vorbereiten, sind auch schon Gaben Deiner Gnade. O Schöpfer und Erhalter aller Wesen, schaffe mich neu, daß ich der Absicht entspreche, die Deine heilige Liebe ursprünglich mit mir gehabt, und beschüßze mich fortwährend, damit ich in diesem Stande verharre! 12.» Verwirf mich nicht von Deinem Ungesichte, und Deinen heiligen Geist nimm nicht hinweg von » mir!« Denn wie zahllos sind nicht die Gefahren, die meinen Willen bestürmen, um zu neuen und wiederholten Unordnungen mich zu verleiten! Entziehe mir den Schuß Deiner Gnade nimmer, damit ich nicht das Loos jener Unseligen theile, die das Maß Deiner Erbarmungen erschöpft haben, von denen Du sprachst:» nennet sie Schlacken, nennet sie ein Metall, das die Probe nicht bestanden, denn der Herr hat sie verworfen!«( Jer. 6.) In Deiner Macht ist's, o Herr, durch Deinen Schutz vor bösen Gelegenheiten mich zu bewahren, und die Bollziehung des Guten mir leicht zu machen. Darum laffe nicht zu, daß ich von Dir ge trennt werde; die Mittheilung Deiner himmlischen 224 Der 50. Psalm. Kraft und Erleuchtung, durch den heiligen Geit ist mein Heil und mein Leben! 13.» Gib mir wieder die Freude Deines Heils, » und mit dem fürnehmsten Geiste befestige mich. Denn wo ist eine wahre Freude auf Erden,#s fey dann die sichere Hoffnung des unvergänglichen Heiles? Diese Freude hast Du in Christo uns ge geben: in ihm beruht die Hoffnung unsrer Ver herrlichung.( Col. 1.) Es ist kein andrer Name unter dem Himmel dem Menschen gegeben, um felig zu werden, als der Name Jesu. Um seiner Ver dienste willen darf ich, mit Grund und Recht, meinem Heile entgegen hoffen, und diese Hoffnung ist die größte Freude. Du gibst mir, o Bater, diese freudige hof nung wieder, da Du auf dem Wege der Buße, mich in Christo wieder annimmst; aber ich flehe ven neuem Dich an: befestige mich in dieser Freude De nes Heiles, lasse diese Hoffnung mir zur Sicher heit werden, daß ich in Deiner Gnade beharre bis jum Ende! Ach, diese Beharrlichkeit kann nur dadurch mir zu Theil werden, wenn Deine Gnadenhilfen in un unterbrochener Reihe mir beistehen, wenn mein freier Wille immerfort zu Dir gewendet bleibt! Dar Der 50. Psalm. 225 über, o Herr, gibst Du dem Sterblichen keine Ofe fenbarung, damit wir vielmehr in Furcht und Zit tern unser Heil wirken, und durch gute Werke unsre Auserwählung sichern, in steter Wachsamkeit, in Mühe und Geduld, aus reiner und großmüthi ger Absicht, alles aus Liebe zu Dir. Dieß ist der fürnehmste Geist, der alle meine Handlungen lei ten soll; in diesem Geiste befestige mich, damit ich rein für Deine Ehre lebe, Dein Name durch mich geheiligt werde! 14.» Ich werde die Ungerechten Deine Wege leh ren, und die Sünder werden zu Dir sich bekehren.<< Alle Deine Wege, o Herr, sind Barmherzigkeit und Wahrheit. Verleihe mir, daß ich durch Wort und Beispiel davon Zeugniß gebe, daß ich, zum Ersage für die bösen Beispiele, die ich gegeben, meinen Nächsten für Dich gewinne! Ich kann nur lehren und mahnen, in Geduld und schonender Liebe, die Bekehrung des Sünders ist Dein Werk allein. Aber laffe mich Allen, die mich früher gekannt, ein lebendiges Beispiel seyn, an welchem sie die Macht Deiner Gnade erkennen, und daß Deine Barmherzigkeit über alle Deine Werke sey! 15.» Befreie mich von den Blutschulden, ( 226 Der 50. Psalm. » Gott meines Heiles, und meine Zunge wird froh » lockend Deine Gerechtigkeit preisen.< Denn wenn Du auch die Todesschuld getilget und ihre nothwendige Folge und Strafe: die Tren nung von Dir, aufgehoben hast, so lasten doch noch manche Übel auf mir: die zeitlichen Strafen, mit welchen Deine Gerechtigkeit auch den reuigen Sür der heimsucht, und die größere Neigung zum B fen, die mit jeder ungerechten That eine neue Stärke gewinnt. Von dieser Neigung zum Bösen, von diesen leidenschaftlichen Regungen befreie mich, o Gott, mein Heiland und Erlöser, der Du herabgestiegen bist, um uns von der Knechtschaft der Sünde un des Fleisches zu befreien. Denn also lehrtest Du: » wenn der Sohn Gottes euch befreien wird, wer: det ihr wahrhaft frei seyn!«( Joh. 8.) Und wenn die Kraft Deiner Gnade mich z dieser Freiheit erhebt, daß die Leidenschaft unter mir ist, und ich über sie herrsche, dann werde ic frohlockend Deine Gerechtigkeit preisen. Wie gerecht find Deine Gebote, o Herr, und wie süß das Joch welches Du mir auferlegst! Nicht mit Traurigkeit und düsterem Mißmuth, sondern mit Frohlocken will ich Dir dienen; denn was kann ehrenvoller und freu Der 50. Psalm. diger seyn? Auf allen Orten meiner Pilgerfahrt will ich Deine Wahrheit preisen!( Ps. 118.) 16.» Du wirst, o Herr, meine Lippen eröff» nen, und mein Mund wird Deinen Ruhm ver» künden.< 227 » Denn gut ist es, Deiner Herrlichkeit zu danken, und das Lob Deines Namens, o Allerhöch ster, zu singen.«( Ps. 91.) Allein nicht schön ist ein solches Lob im Munde des Sünders!( Eccli. 15.) Wer darf würdig Dich preisen, o Herr, wer Deine Herrlichkeit erzählen, dem Deine Gnade nicht dazu die Weihe gegeben? Unfähig war ich, o Gott, Dein Lob zu verkünden; mit meinen Worten und Werken vielmehr habe ich, soviel an mir war, Deinen Namen entheiligt, Deine Ehre unter den Menschen verduns kelt. Aber Deine verzeihende Huld eröffnet mir die Lippen, damit ich die Wunder Deiner Güte, die herrlichen Werke Deiner erlösenden Liebe preise. 17.» Denn hättest Du ein Schlachtopfer ver= slangt, ich würde es dargebracht haben; an Brandepfern hast Du kein Wohlgefallen.« Welches Opfer konnte der schuldbeladene, von Deiner Liebe getrennte Mensch Dir jemals darbrin gen, um die unendliche Kluft zu füllen, um Dein 228 Der 50. Psalm. Antlig zu versöhnen? Umsonst floß das Blut de Schlachtopfer, umsonst stieg von den Brandopfern der Rauch empor; nur vorbildlich blieb ihre Beder tung. Was das ganze Menschengeschlecht nicht v mochte, dieß vermochte der himmlische Mensch, Dein Eingeborner Sohn. In Christo Jesu hast Du, Gott, die Welt mit Dir verföhnet.( 2. Cor. 5.) Jhn, sein unendlich Verdienst, seinen Geher fam, seinen Tod, darf ich als vollkommenes Sühn opfer Dir darbringen, und mit Ihm vereint mid selbst, das Opfer meines Willens, meiner Reue, meiner Unterwerfung und Anbetung; das Du um Chrifti willen gnädig aufnehmen mögest.» Auf wen werde ich sehen, sprachst Du, als auf den Armen, der eines zerknirschten Geistes ist, und der ver me nen Worten zittert?«( Isai. 66.) 18.» Ein Opfer vor Gott ist ein gedemüthigter » Geist; ein zerknirschtes und gebeugtes Herz wirk » Du, o Gott, nicht verachten.« Die Stolzen nur verachtest Du, und widerste best ihnen, den Demüthigen spendest Du Deine Gnade. Hoffärtig ist jeder Sünder, indem er Da nem göttlichen Willen seine eigene Willkühr vor zieht; darum ist fein Herz verhärtet, er widerstehe Dir, und Du widerstehest ihm. Denn Du bist ge Der 50. Psaim. 229 treu und wahrhaft, und kannst Dich selbst nicht läugnen!( 2. Tim. 2.) Wen der Lichtstrahl Deiner Wahrheit trifft, wen der Schmerz der Reue verwundet, der deműthigt sich vor Dir, sein Herz ist zerknirscht, es hat keinen Widerstand mehr gegen Deine heilige Liebe. Ein solches Herz wirst Du, o Herr, nicht verachten. Den rauchenten Docht wirst Du nicht auslöschen, den geknicken Halm nicht brechen; Du bist nicht gekommen, um zu verderben, sondern zu befeligen; Du weilest mitten unter uns, von Ges schlecht zu Geschlechte, in der heiligen Kirche, um Allen anzugehören, Allen das Leben der Gnade mitjutheilen; felig ein Jeder, der Deine Wahrheit liebet, der von ganzem Herzen Dich suchet! 19.» Handle gnädig, o Herr, in Deinem gü tigen Willen mit Sion, damit die Mauern Jeru» salems erbauet werden.<< - 20.» Damit Du huldvoll annimmst das Opfer der Gerechtigkeit, sammt unfren Spenden und Gaben, auf Deinem Weihaltar.<«< Beschüße fernerhin Deine heilige Kirche, die Du auf dem Felsengrunde gebauet, deren Mauer und Vormauer Du selber, der Erlöser, bist,( Isai. 26.) und vereine alle Menschen in Deiner beseligenden 230 Der 50. Psaim. Wahrheit; damit das herrliche Wort erfüllet werde: Ein Leib, Ein Geist, Eine Hoffnung, in der wit Alle berufen sind; Ein Herr, Ein Glaube, Eine Taufe; Ein Gott und Vater Aller.( Eph. 4.) Dann wird vom Aufgang der Sonne bis zum Niedergang, unter allen Völkern, ein reines Opfe Dir dargebracht werden;( Mal. 1.) das Opfer der Gerechtigkeit, des Gerechten und Heiligen für die Schuldbeladenen; und sie, die Erlöseten, werden mit den Opfern ihres Dankes, ihrer Anbetung, ih res Gehorsams, ihrer guten Werke frohlockend vor Dir erscheinen. Dann wird der Freudengesang auf Erden ertönen:» Der alte Irrthum ist vergangen die Stadt unsrer Stärke ist Sion, ihre Mauer und Bormauer der Erlöser. Eröffnet die Pforten, und Taffet eingehen ein gerechtes Volk, ein Volk, das die Wahrheit liebet, das da hoffet auf den starken, den ewigen Gott!( Isai. 26.) Die Ehre sey dem Vater zc. III. Der 129. Psalm. 1. Aus den Tiefen habe ich, o Herr, zu Dr » gerufen: Herr, erhöre meine Stimme.<< Denn hoch erhaben bist Du, in Deiner herrlichen Macht und Klarheit; und waltest Du zwar Der 129, Psaim. 231 überall, so fühle ich mich dennoch entfernt von Dir, in den Tiefen der Schuld and des Irrthums, und rufe zu Dir empor aus den Tiefen. Ich finde mich in den Tiefen der Leiden und der Drangsale, denn ich wandle hier unten noch in den Finsternissen des irdischen Lebens; ich gehe tiefer ein in das Innere meiner Seele, und finde mich im Abgrund der Verschuldung, getrennt von Deiner heiligen Liebe. Wo ist die Hand, die hülfreich sich darbeut, um mich heraus zu führen? Wo sind die Stufen, auf denen ich wieder empor Elimme zum Frieden, zum Lichte?» Selig der Mensch, dessen Hülfe von Dir ist, Stufen sind in seinem Herzen bereitet, um aufzusteigen aus diesem Thale der Thränen.« ( Pf. 83.) Und darum rufe ich aus den Tiefen zu Dir: Herr, erhöre meine Stimme! 2.» Wende huldvoll Dein Gehör zur Stimme meines Flehens.« Denn zwar ist Dein Auge lichter als die Sonne, Deiner Allwissenheit entgeht kein Wort, kein Gedanke Deiner Geschöpfe. Aber ich rufe, und meine Stimme verhallt, und es ist mir, als hörtest Du nicht; verborgen ist Deine Herrlichkeit, und ich weile im bangen Zweifel. Der 129. Psaim. Ach, weise mein Flehen nicht ab, laffe es nicht vergeblich seyn! Ich weiß, daß Du mich höret, aber erhöre mich auch. Denn nicht im Gefühle mei ner gerechten Sache rufe ich zu Dir, sondern in Vertrauen auf Deine überschwengliche Güte! 3.» Wenn Du die Ungerechtigkeit ahnden woll test, o Herr: Herr, wer wird dann bestehen? Denn jede Sünde, wenn auch nicht absichtlich gegen Deine Heiligkeit gerichtet, was ist sie anders als Uingerechtigkeit, durch Uebertretung Deines Wil lens, durch Verachtung Deiner Gesetze? Und wenn Du, in Deiner Allmacht und Wahrheit, den Sunder zur Rechenschaft forderst, wird er nicht hülfes verstummen? 232 Gehe nicht ins Gericht, o Herr, mit Deinen Diener, denn vor Deinem Angesichte vermag Sterblicher sich zu rechtfertigen! Unendlich ist jede Todesschuld, unfähig sind wir, ihre ganze Größe zu erkennen, unfähiger noch, aus eigener Kraft Dir zurück zu kehren. Ach, es steht zwar in meiner freien Wahl, leicht sinnig hinab zu finken in den Abgrund, doch wieder hinauf zu klimmen vermag ich nicht. So ist di Sünde in meiner Macht, zur Genugthuung kann nur Deine Barmherzigkeit mir helfen. Und darum Der 129. Psalm. 233 rufe ich zu Dir empor aus den Tiefen: Herr, Richter und Erbarmer, erhöre meine Stimme! 4.» Denn bei Dir ist verzeihende Güte, und sum Deines Gesetzes willen habe ich auf Dich ver= » trauet.< Alle Deine Wege sind Barmherzigkeit und Wahrheit; und gegen diese heilige Wahrheit habe ich gefrevelt, welche Hoffnung bleibt mir, wo nicht auf Deine erbarmende Güte? Ich weiß, daß Du strenge bist gegen den Unbußfertigen, um Deiner Wahrheit willen, die sich selber nicht widersprechen kann; ich weiß auch, wie gütig und milde Du dem Bußfertigen und Neuigen begegnest, weil er, seine Verkehrtheit verabscheuend, und sich selber verurtheilend, in Deine Wahrheit wieder eingeht. Dieß, o Herr, ist Dein Gesetz, die Richtschnur Deines Verhaltens, und um dieses Gesetzes willen vertraue ich auf Dich, hoffe ich Deine Verzeihung. 5.» Meine Seele verharret in Deinem Worte; meine Seele hoffet auf den Herrn.<< Sey eingedenk, o Herr, des Wortes, durch welches Du mir Hoffnung gabst!( Ps. 118.) Denn dieß ist Deine Verheißung:» wenn Du den Herrn Deinen Gott. suchen wirst, so wirst Du ihn fin20 234 Der 129. Psalm. den, wenn Du anders ihn suchest von ganzem Her jen, und mit aller Bemühung Deiner Seeles ( Deut. 4.) Darum, aus den Tiefen irdischer und geistige Betrübniß, habe ich zu Dir gerufen: meine Hof nung bist Du, mein Antheil im Lande der Lebendigen.( Pf. 141.) Denn getreu ist der Herr in seinen Verheißungen, und heilig in allen seinen Werken. Nahe ist der Herr Allen, die ihn anrufen, die ihn anrufen in der Gesinnung der Wahrheit( Ps. 144) 6.» Von der Morgenwache bis in die Nacht, » hoffe jeder Gläubige auf den Herrn.<< Denn flüchtig ist der Tag des Erdenlebens, vo heitern Morgen der Jugend, bis zum wolkigen Abend des Alters, bis zur Nacht des Grabes. W ken soll ich mit der göttlichen Gnade, so lang es Tag ist; es kommt die Nacht, da Niemand meh wirken kann. Wer zeigt mir den Augenblick, in welchem mein irdischer Tag in die Nacht verschwindet? Und wer zeigt mir Licht und Leben und Freude hinter de Grabesnacht? wer führt mich mit erbarmender Hulb mit siegender Kraft in Freiheit und Leben hinüber! Darum vom frühen Morgen bis zur Nacht se meine Hoffnung auf den Herrn. Der 129. Psalm. 7.» Denn bei dem Herrn ist Barmherzigkeit; » bei ihm ist überreiche Erlösung.< 235 Süß und milde bist Du o Herr, und reich an Erbarmungen für Alle, die Dich anrufen. Deine Barmherzigkeit vermag jedes Elend zu tilgen, denn sie ist von der Allmacht begleitet. Du hast auch dem geistigen Elend der Schuld eine Hülfe gefunden, und dieß ist das große Werk der Menschenerlösung. Was der gefallene, in die Tiefen des Irrthums versunkene, mit seinem ganzen Willen von Dir, o Vater, abgewendete Mensch nicht vermochte, nämlich seine Verschuldung zu fühnen, und zu Dir jurück zu kehren, das vermochte die neue Offenbarung Deiner Liebe, durch die Menschwerdung Deines Sohnes, und die genugthuende Hingabe seines Opfertodes. Darum nicht durch vergängliche Schäße des Goldes oder Silbers sind wir losgekauft und erlöset, sondern durch Christi köstliches Blut, als des makellosen Lammes!( 1. Petr. 1.) Überfließend reich aber ist dieses Erlösungswerk, weil es die Sühnung ist für die Sünden der ganzen Welt( 1. Joh. 2.); und weil wir dadurch nicht bloß befreiet sind von der alten Knechtschaft, sondern auch zur Theilnahme des Reiches und der Erbschaft erhoben wurden, 20* 236 Nach der Beichte. Erben Gottes zu seyn, und Miterben Christi. ( Rom. 8.) 8.» Und der Herr wird sein Volk erlösen von » jeglicher Ungerechtigkeit.« Herr und Erlöser, der Du für uns Dich dargegeben, um uns zu einem reinen, Gott ge fälligen Volke wiederherzustellen, das nach guten Werken strebt, erwartend die Zukunft Deiner Glorie( Tit. 2.): Deine Barmherzigkeit ist vor meinen Augen stets, Deine Wahrheit soll mein Verlangen seyn. Lasse nicht mit den Gottlosen meine Seele vrrloren gehn; aus den Tiefen rufe ich zu Dir: erlöse mich, und erbarme Dich meiner! ( Pſ. 25.) IV. Nach der Beichte. ( Gebet des h. Franz von Sales). Mein Gott, mein Vater, armselig erscheine id vor Dir, und an verdienstlichen Werken leer, und habe nichts, womit ich für meine Sünden Genugthuung leisten könnte; aber ich bringe Dir die Ver dienste meines Erlösers dar, Deines geliebten Soh nes, die unendlich größer sind, als alle Beleidigun gen Deiner Hoheit und Heiligkeit, deren ich je unterfangen. mich Nach der Beichte. 237 Ewiger Vater, ich opfere Dir den Preis der Erlösung, den er, sterbend am Kreuze, für mich dargebracht. Sieh' auf das Angesicht Deines Gefalbten, höre die Stimme des Blutes, das für mich um Erbarmung ruft; und wenn meine Augen jetzt keine Thränen haben, um die Verirrungen zu be= weinen, die mein Herz verabscheut, so siehe viel mehr auf die Thränen Deines Sohnes, die er, flehend für mein Heil vergoffen hat. Verzeihe also, barmherziger Gott, meiner Hoffart und Eitelkeit durch Deines Sohnes una ussprechliche Demuth. Ulm seiner Wahrhaftigkeit und Liebe willen verzeihe der Bösartigkeit meiner Gesinnungen; um seiner Armuth willen verzeihe jede Unordnung, zu welcher die Habsucht mich verleitet, und welche wieder gut zu machen mir obliegt. Um seiner jungfräulichen Reinheit willen, vergib mir jede Unsitte und Unlauterkeit; um des Hungers und Durstes willen, so er in der Wüste und am Kreuze erduldet, verzeihe meiner Unmäßigkeit und Lüsternheit; und stärke mich mit der Kraft von oben, damit ich fortan, in geistiger Freiheit, dem Sinnenleben keine Herrschaft einräume. Die süße Sanftmuth und Milde meines Erlösers bedecke alle Feh ler, die ich in Zornmuth und Rachsucht begangen; 238 Der 102. Psalm. die liebreiche Sorgfalt und Emsigkeit, mit welcher er rastlos für mein Heil gewirkt, sey die Sühnung für die Versäumnisse meiner Trägheit. Ich will auch, o gütigster Bater, zur Genug thuung für so vielfache Schuld, alle Mühen, Be trübnisse und Leiden ertragen, welche ich mir selber zugezogen habe, oder welche nach den Anordnungen Deiner über Alles waltenden Vorsehung mich tref fen. Ihr will ich von ganzem Herzen, und bis zum letzten Athemzuge mich unterwerfen. Alles, o mein Gott, nur keine Günde mehr!- V. Der 102. Psalm. ( Danksagung für die göttlichen Wohlthaten, und Uebungen des Vertrauens*). 1.» Meine Seele preise den Herrn, und Alles, » was in mir ist, seinen heiligen Namen.« Sen eingedenk, meine Seele, der Wohlthaten, die du empfangen, und lobe dankbar den Wohl thäter; denn dir ist's gegeben, beide zu erkennen. Alle deine Gedanken und Gefühle mögen in Zur gen sich wandeln, um seine heilige Liebe zu preisen! *) Auch bei andern Gelegenheiten anwendbar, z. B. a Geburtstage, am Neujahrstage, am Osterfeste 2. Der 102. Psalm. 239 2.» Lobpreise, meine Seele, den Herrn, und » vergesse niemals seiner reichen Bergeltungen!« Denn nicht einfache Wohlthaten sind es, die er spendet, da er unermüdlich Böses mit Gutem vergilt, und gütig ist auch den Undankbaren und Verkehrten!( Luc. 6.) Welch eine vielfältige, himmlische Vergeltung! Er will die Strafe nicht verhängen, die du verschuldet, er will überdieß mit neuer Gnade dich heimsuchen; wie unwürdig wäre es, seiner Liebe zu vergessen? 3.» Er ist es, der alle deine Missethaten verzeihet, der alle deine Gebrechen heilet.< Er ist es welcher aus einem Ungerechten in einen Gerechten, aus einem widerspenstigen Knechte ju seinem Kinde dich umschafft, und dessen Gnadenhilfe dir Kraft verleiht, jegliche böse Neigung ju beherrschen, damit du jenseits zu ewiger Gesundheit erblühest. 4. Vom Untergange hat er dein Leben erlöset; ver krönet dich in Barmherzigkeit und in Erbarmun" gen.< In Christo Jesu hat er vom ewigen Tode dich errettet, und in das Reich seiner Gnade dich hinüber gesetzt; er kam dir zuvor mit seiner Barmherzigkeit, da er ohue dein Verdienst dir aufhalf; er schüßet 240 Der 102. Psalm. und lenket dich in seinen Erbarmungen, damit du, in seiner Wahrheit verharrend, die Krone des le bens erlangest. 5.» Mit wahren Gütern erfüllt er deine Sehn » sucht; dem Adler gleich wird einst deine Jugend » erneuert.< Denn dieß ist die Krone der Unsterblichkeit, die Fülle alles Lebens: die Ersättigung des geistigen Verlangens in der Anschauung der göttlichen Klar heit, und die Wiedererneuerung des Leibes zu selger, unverwelklicher Jugend. Dann wird jede Thräne getrocknet werden, es wird kein Tod, keine Trauer mehr seyn, denn das Frühere ist vorübergegangen. ( Offenb. 21.) 6.» Denn Barmherzigkeit wirket der Herr, ge » recht ist sein Urtheil zu Gunsten Aller, die Unbill » dulden.<< Der Allmächtige selber ist's, der mit solcher Fre gebigkeit seine ewigen Güter spendet; er selber i es, der die Unterdrückten schüßt und rettet. 7.» Seine Wege hat er uns bekannt gemacht » feinen Willen uns geoffenbaret.« Die Wege der Wahrheit und des Lebens hat e uns gelehret, damit wir in Gerechtigkeit vor ihm wandeln, in allen unseren Tagen.( Luc. 1.) Der 102. Psalm. 241 8.» Gütig ist der Herr und huldvoll, langmű» thig und reich an Erbarmung. an de Mit innigster Liebe betrachtet er die Seinen, mit Langmuth trägt er ihre Gebrechen. Wer zählt alle die Zerstreuungen und Schwankungen des Herjens, die Fehler des Undanks, die unordentlichen Neigungen, die Rückfälle in die alten Übel? Und dennoch erträgt uns seine Güte, um uns zur Fülle seiner Huld zu lenken. 9.» Nicht immerwährend will er zürnen, nicht vewig will er drohen.« Denn zwar zürnet er der Sünde, indem seine Wahrheit ewig der Lüge widerspricht, aber auch in ſeinem Zürnen offenbart sich nur die Heiligkeit sei= ner Liebe, die den Treulofen umfängt, sobald er wieder zu ihr sich wendet.dtrzodys of t 10.» Nicht nach unfren Sünden hat er uns gethan, nicht nach dem Maße der Ungerechtigkeit uns vergolten.cidicul mis ort Er hat jene Strafe nicht über mich verhängt, die ich verdiente; er hat die Gaben vervielfältigt, die ich nicht verdiente. Denn der Lohn der Sünde ist der ewige Tod, die Gnade Gottes aber das ewige Leben in Christo Jesu.( Röm. 6.) 11.» Denn, nach der Höhe des Himmels über 21 242 Der 102. Psalm. » der Erde, hat er seine Barmherzigkeit bekräftigt » über seine Diener.« Im Himmel thronet seine Barmherzigkeit, seine Wahrheit reichet über die Wolken;( Pf. 35.) unt wie der Himmel über die Erde, so sind seine Ge danken erhaben über der Menschen Gedanken ( Ifai. 55.) slo sid ni blite sid, mapangal 12.» So weit der Aufgang entfernet ist vom » Niedergang, so ferne hat er unsre Ungerechtigkeit von uns gebannt.« derdhuromuni shill Im ewigen Verdienste seines Sohnes, in Chrifto Jesu hat er unsre vollkommene Rechtfertigung be gründet, und unsre Schuld so wahrhaft verziehen und getilgt, als wäre sie nie gewesen. 13.» Wie ein Vater seiner Kinder sich erbar » met, so erbarmet der Herr sich seiner Diener; denn » Er nur fennet den Stoff, aus dem wir gebildet » sind. 194 shule mss than shine Wie ein Vater die Unwissenheit und den Leicht sinn seiner Kinder erträgt, und ihnen um ihrer Fehler willen seine Liebe nicht entzieht, so trägt auf der Herr mit Langmuth unsre Unvollkommenheit; er ist unser Bater, der mit ewiger Liebe uns geliebt, er ist unser Schöpfer; dem allein das Gebilde be ad han unit Der 102. Psalm. 243 kannt ist, woraus unser leibliches Leben besteht, in seiner vergänglichen Blüthe. 14.» Er ist eingedenk, daß wir Staub sind, des » Menschen Leben dem Grase gleich, hervorblühend » gleich der Blume des Feldes.« Denn der Mensch, vom Weibe geboren, lebt eine kurze Zeit, wird von vielem Elend erfüllet; er geht hervor wie eine Blume, und welket dahin, er flieht wie ein Schatten vorüber, und bleibet niemals in demselben Stande.( Job. 14.) 15. Sein Lebensgeist ziehet vorüber, und hat kein Bestehen; und wird seine Stätte nicht mehr verkennen.<< Wie im Schattenbilde geht der Mensch vorüber, ( Pf. 38.), sein leibliches Leben, in steter Veränderung, in unaufhaltsamen Schritten, kehrt zu der Jugend nimmer zurück, die es verlaffen; das Leben der Natur ist ein Geist, der dahin geht, und nicht wiederkehrt.( Pf. 77.) 16.» Die Barmherzigkeit aber des Herrn ist von sewig her, und waltet in Ewigkeit über diejenigen, die ihm mit Ehrfurcht dienen.« Bon Ewigkeit her hat er jene vorher gesehen, die ihm liebend gehorchen, und ewiglich beseligt er sie im Stande der dereinstigen Erneuerung. Denn 21 244 Der 102. Psalm. obgleich der leibliche Mensch ein Gebilde des Stau bes ist, sein irdischer Lebensgeist nur ein Leben der Natur; dennoch, wenn seine unsterbliche Seel dem göttlichen Willen getreu ist, wird auch das Staubgebilde erneuert, verklärt und erhoben wer den zur Freiheit der Kinder Gottes, zur Beseli gung des ganzen Menschen. Denn da wir todt wa ren in unsrer Sündenschuld, hat der Herr uns wie der erweckt und neu belebt, in der Fülle feiner Gnade, in Christo Jesu. 17. 18.» Und seine Gerechtigkeit erstrecket sich über die spätesten Geschlechter, über Alle, die sein » Testament bewahren, die seine Gebote erfüllen. 19.» Im Himmel hat der Herr seinen Thron be » reitet, sein Reich wird herrschen über Alle.< Er wird den Erdenkreis richten in Gerechtigkeit die Völker in seiner Wahrheit.( Pf. 97.) 20. 21.» Lobsinget dem Herrn, alle seine En gel, die ihr mit Kraft begabt seyd, und freu dig seiner Stimme gehorchet! Lobsinget den » Herrn, alle feine Heerscharen, die ihr ſeinen Wik » len vollziehet!< Ihr seligen Geister, die ihr, seiner heiligen Liebe treu geblieben, die Herrlichkeit Gottes schauet, Save Fran Vor der Communion. 245 o daß ich würdig wäre, einzustimmen in euren Lobgefang! 22.» Lobsinget dem Herrn, alle seine Werke; van allen Orten seiner Herrschaft preise auch meine Seele den Herrn!« Mein Gott ist er, ihn will ich freudig bekennen; mein Helfer und Retter ist er, ihn will ich dankbar preisen. Der Herr errettet die Seelen seiner Diener; selig Alle, die auf ihn vertrauen.- Communion- Gebete. I. Uebungen vor der Communion. Von neuem höre ich, o Jesu, Dein süßes Wort: » Kommt zu mir Alle, die ihr mit Leiden und Mühen belastet seyd, und ich will euch erquicken. Ich bin das Brod des Lebens: wer zu mir kommt, wird nicht hungern, und wer an mich glaubet, wird ferner nicht dürften. Ich bin das lebendige Brod, so vom Himmel herabgestiegen; wer von diesem Brode genießet, wird ewiglich leben.« Ich glaube an Dich, o Jesu, mit aller Hingabe meines Willens, mit aller Unterwerfung meiner Einsicht. Ich weiß und fühle, daß in mir 246 Vor der Communion. selber weder die Kraft noch die Weisheit wohnt, die mich beseligen kann, und daß mein geistiges Leben ein banges Suchen und Sehnen voll des Irrthums, ein stetes Hungern und Dürsten bleibt, so lange es nicht in Gott seine Vollendung gefun den. Bei Dir aber ist der Quell des Lebens, und in Deinem Lichte werden wir das Licht schauen. In Dir ist das göttliche Leben, voll der Wahrheit und Gnade, und aus Deiner Fülle sollen wir alle empfangen. Denn dazu bist Du in diese Welt gekommen, in göttlich menschlicher Wesenheit, damit wir das Leben haben, und damit wir im Überflusse es ha ben. Denn Deine Liebe wirket nicht nach mensch lichem Maße. Es genügte Dir nicht, von der Knechtschaft der Schuld uns zu befreien, und uns Gefeßze zu geben, die wir befolgen sollen; sondern Dein Erlösungswerk nach allen Seiten vollendend, willst Du auch in der Bereitwilligkeit zum Guten uns stärken, ein neues und himmlisches Leben in uns pflanzen, und in die Fülle und Klarheit Der nes eigenen Lebens uns hinan ziehen, damit wir in Dir seyen, und Du in uns. Darum, weil Du das wahre Leben der Mensch heit, und jedes Einzelnen bist, willst Du Dich ſel Vor der Communion. 247 ber mir dargeben, um das unendliche Verdienst Deiner Menschwerdung und Deines Opfertodes mir zu zueignen, und die Reichthümer der Segnungen, wel che Du uns erworben, den Frieden und die Freude des heiligen Geistes, mir mitzutheilen, damit ich lebe durch Dich, gleichwie Du lebest durch den Bater. Herr und Wiederhersteller des Lebens, dankbar glaube und bekenne ich Deine wunderbare Gegenwart in diesem Sacramente, kraft dessen Du wahrhaft und wirklich uns heimsuchst, und unter uns verweilest, damit wir, als die Speise des Lebens und der Unsterblichkeit Dich empfangend, zur innigen Vereinigung mit Dir, zu einem Gott vereinten Leben erhoben werden. Von ganzem Herzen hoffe und vertraue ich auf Dich, als den einzigen Grund und Fels meines Heils; in Deiner Liebe verlange ich ewig zu verharren, dadurch, daß ich Deine Gebote bewahre. Und damit mir die Kraft werde, sie mit Treue zu bewahren, darum eben rufest Du mich zu Dir zum Gastmale Deiner mehr als freigebigen Güte. e) 1anded on 4 Mein Herr und Erretter, laffe in meinem Herzen stets das Andenken Deines Leidens und Opfertodes leben, und Deines Gehorsams bis zum Tode des Kreuzes, als der unversieglichen Quelle meiner Vor der Communion. Rechtfertigung und Beseligung; damit die Sünde nicht mehr in meinem Leibe herrsche; damit de alte und irdische Mensch in mir ersterbe, und mein Leben mit Dir verborgen sey in Gott. 192 Wohl erscheine ich armselig vor Dir, beunru higt vom Bewußtseyn meiner vielfältigen Verschul dung, leer an Verdienst, ein Knecht der Eitelkeit, ein Spiel der Leidenschaften. Was für eine Gemeinschaft der Finsterniß mit dem Lichte? Allein Du selbst ladest mich in Deine Nähe, und zu wem anders sollte ich gehen, als zu Dir? Du allein haft Worte des Lebens; Du allein vermagst mich zu hei len. Ich habe meine Seele geprüfet, ich bekenne mich unwürdig Deiner Heimsuchung. Dennoch will Du eingehen in diese gebrechliche Hütte, um Heil und Leben in die Stätte des Todes zu pflanzen. Ja komme, o Jefus, und erneure mein Inneres, verscheuche alles Unheil des verkehrten Willens. Bu wahre mich, o Herr, denn auf Dich habe ich ver trauet; mein Gott bist Du, weil Du meiner Gd ter nicht bedarfst!( Pſ. 15.) 16259 248 II. Gebet des heil. Thomas von Aquin Allmächtiger, ewiger Gott: ich nähere mich den hochheiligen Mysterien Deines Eingebornen Soh Vor der Communion. 249 nes, unseres Herrn Jesu Christi; ich trete hinzu wie ein Kranker zum himmlischen Arzte, wie ein Un reiner zur Quelle der Lauterkeit, wie ein Blinder zum Lichte der ewigen Klarheit, wie ein Dürftiger zum Herrn des Himmels und der Erde. So flehe ich dann zu Deiner unendlichen und überfließenden Freigebigkeit, um die Heilung meiner Gebrechen, um die Erleuchtung meiner Blindheit, um die Lau terung meiner Gesinnung, damit ich das Brod der Engel, die Nahrung des wahrhaften Lebens mit all der Ehrfurcht und Demuth, mit all der Undacht und Aufrichtigkeit empfange, wie das Heil meiner Geele es fordert. Deine Gnade wirke mit mir, damit nicht allein das Sacrament des Leibes und Blutes meines Herrn, sondern auch die geistige Kraft und Wahrheit dieses Mysteriums mir zu Theil werde. Verleihe mir in Deiner herrlichen Güte, den Leib Deines eingebornen Sohnes, den er aus der Jungfrau angenommen, dergestalt zu empfangen, daß ich dadurch seinem geistlichen Leibe einverleibt, und unter seine Glieder gerechnet werde. Gib, o liebreichster Bater, daß ich Deinen Menschger wordenen Sohn, den ich jest, auf meiner Pilgerfahrt, verhüllt zu empfangen bereit bin, ein 250 Nach der Communion, stens von Angesicht zu Angesicht schaue, im Lande der Lebendigen*). III. Uebungen nach der Communion. Dich will ich loben, o Herr, von ganzem Herzen, und dankbar Deine Güte preifen. Ueberaus herrlich sind Deine Werke, Deine Barmherzigkeit währet in Ewigkeit. Ein Andenken Deiner Wunder hast Du gestiftet, Du hast Speise verliehen Allen, die Dir gehorchen, ewiglich eingedenk De nes Testaments.( Ps. 110.) Du hast die Himmel geneiget und bist herabge stiegen, um mit Deiner segensreichen Gegenwart mich zu erfüllen. Du wohnest im unzugänglichen Lichte, wie kann der Sterbliche Dich schauen, Dich suchen, Dich erreichen? Aber Deine Macht und Liebe hat den Weg gefunden zu mir. Du neigest den Him mel, und steigst herab, Finsterniß unter Deinen Schritten.( Ps. 17.) Du birgst Deine Gegenwart in der Hülle vergänglicher Gestalten; das erste Opfer, das Du von mir forderst, ist der Glaube an Dein schaffend Wort. O Sonne der Wahrheit 3379m 100 *) Undre Uebungen vor oder nach der Communion finden sich oben im zweiten Abschnitte. Nach der Communion. 251 und der Gnade, auch Meine Seele willst Du er leuchten und beleben. Du schenkest Dich mir in den Gestalten des Brodes, der irdischen Speise, damit ich erkenne und beherzige, wie innig die Vereinigung sen, welche Du mit mir eingehen willst! Gedenke, o Herr, Deines Wortes, womit Du mir so freudige Hoffnung verliehen:» wer mich isset, bleibet in mir, und ich in ihm.« Welch eine hohe Verheißung, welch eine herablaffende Güte! Du in mir, mit der Fülle Deiner Klarheit, um von Deinem Verdienste mir reichlicher mitzutheilen, um mich zu heiligen, um mich Dir zu einigen. Ich in Dir, meinem Herrn und Ernährer, um durch Dich ju leben, in Dir zu ruhen, von Dir niemals getrennt zu werden. Wahrlich, o Herr, dieß einzige ist vor allem, und über alles meine Aufgabe, daß ich Dir angehöre, von Dir nicht weiche. Selig, wer Dich suchet; seliger noch, wer Dich gefunden; aber ewig beseligt nur jener, der beharrlich Dein bleibt und Dich besitzet bis in den Tod, und jenseits des Todes. Nimm also hinweg von mir, was immer Deiner Liebe im Wege steht, damit Du allein in meiner Seele herrschest. O Leben meiner Seele, gleichwie Du im Vater bist, und der Vater in Dir, so 252 Nach der Communion. laffe mich mit Deiner belebenden Menschheit verei nigt seyn, durch gänzliche Hingabe meines Willens und Lebens an Dich, in treuer Gegenliebe! Mein Erlöser, mein Beseliger, Du hast mit de Fülle Deiner himmlischen Kraft und Wesenheit mich heimgesucht, um Deine Verdienste mir reichlicher mitzutheilen, um mich inniger in Deine Gemeinfchaft einzuführen. Wirke also in mir alles dasjenige, was Deine herrliche Gegenwart vermag, und lasse die Segnungen Deiner Ankunft mir zu Theile werden. Du allein, o Jesu, weißt, was mir gebright; Du kennest meine Schwächen. Gib mir den Frieden der Demuth, Reinigkeit des Herzens, Gleichför migkeit mit Deinem heiligen Willen, Stärke und Muth gegen böse Gewohnheit, und rechte Geduld, um alles, was mir widerfährt, um Deiner Liebe willen zu ertragen. O Gott meiner Seele, Dich ziehe ich allen G tern dieser Erde vor, und mir selber. O daß ic weise wäre, nichts zu suchen außer Dir, da ich in Dir allein Alles finde! O daß keine andre Freiheit mir übrig wäre, als diese: mich allezeit gänzlich Dir zu weihen! Viele Zeit und Kräfte habe ic vergeudet, wie jener verlorne Sohn; doch Deine Barmherzigkeit konnte ich nicht erschöpfen! Lasſe von Nach der Communion. nun an nicht Sinnentrug, nicht Menschenfurcht, sondern Deinen Willen allein die Richtschnur meines Lebens seyn, schreibe in mein Herz, mit unverlöschlichen Zügen, das Gesetz Deiner Liebe! O Herr und Gebieter, überlaffe mich nicht meinen Leidenschaften, meinen thörichten Neigungen und Launen! Gedenke, daß ich das Werk Deiner Hände bin, und durch Dein Blut erlöset; laffe mich nicht den Finsternissen zum Raube werden! O Güte, o Liebe, o Weisheit, o ewige Schönheit, wie spät habe ich Dich erkannt, wie spät Dich lieben gelernt! Lasse von nun an meiner hohen Bes stimmung, Deiner himmlischen Absicht mich treu seyn! Gib, daß ich klärer immer Dich erkenne, im Lichte des lebendigen Glaubens. Offenbare mir Deinen Willen, damit ich ihn erfülle; mache mich setber mir offenbar, damit ich mich demüthige, und jede Art von Selbstsucht und Dünket fliehe; zeige mir endlich, wenn ich von hinnen scheiden muß, die Fülle Deiner Barmherzigkeit, und das Licht Deines göttlichen Angesichtes! 253 IV. Bitte des heil. Bonaventura. Verwunde, o gütigster Jesu, das Innerste meines Herzens mit Deiner allerheiligsten, klaren 254 Nach der Communion. und freudigen Liebe, damit es nach Dir allein fig sehne, und ewig bei Dir zu seyn verlange! Gib, daß meine Seele mit innigster Sehnsucht Dich be gehre, das Brod der Engel, die Erquickung des ge stigen Lebens, unser tägliches überwesentliches Brod, das die Fülle aller Anmuth und Süßigkeit in sig enthält. Erfülle mein Herz mit Deiner Lieblichkeit, damit ich immer mehr nach Dir hungere und dürfte, dem Quell des Lebens und der Weisheit, dem Borne des ewigen Lichtes; damit ich Dich suche, Did finde, zu Dir strebe, an Dich denke, und alle meine Werke zur Ehre Deines Namens übe, in Demuth und Bescheidenheit, mit fröhlichem Eifer, mit beharrlicher Treue. Sey Du allein meine Hoff nung und Freude, meine Ruhe und mein Frieden, meine Zuflucht und Hilfe, meine Weisheit und Stärke, mein Untheil und Reichthum, und lasſe mich unerschütterlich in Dir befestigt bleiben. Amen.* *) Andre Gebete, die nach der Communion Unwendung finden: der Lobgefang des h. Umbrosius 1. Abschnitte; die Morgenübungen, ebendaselbst; der 144. Pfalm im V. Abschnitte, u. a. m. Fünfter Abschnitt." Weihe bedeutsamer und ernster Zeiten. Gepriesen sey Gott, ber mein Gebet und seine Barmherzigkeit von mir nicht entfernet hat."( Psalm 65, 20.) nybendonk 865 Uebungen der Liebe, der Dankbarkeit, der Reue*). Dich lobe meine Seele, o Gott, mein Schöpfer und Wohlthäter, und bekenne dankbar die Fülle Deiner Erbarmungen über mich, in Christo Jesu. Anbetend preise ich Deine Langmuth, mit welcher Du mich geduldet, da ich die Jahre meiner Kindheit und Jugend in blindem Übermuthe vergeudete, und der Eitelkeit und Sinnlichkeit nachhing, als hätte ich es nie gewußt, daß Du mir ein Gesetz gegeben, dem ich gehorchen soll, und daß jeder sich selber zerstört und unselig macht, der Deiner heiligen Wahrheit und Liebe Hohn spricht. Und obgleich Deine Seligkeit nicht wachsen und nicht abnehmen kann, so habe ich durch meinen nachlässigen WanTheilweise aus den Schriften der heiligen Gertraud. Unwendbar am Sahresschlusse, am neuen Jahr stage, ferner nach der Communion, bei wichtigeren nach der Communio Epochen des Lebens, in Krankheit und Siechthum zc. 22 258 Uebungen del doch, so viel an mir ist, die Ehre Deines Nomens geschmälert, der ich, mit allen vernünftigen Geschöpfen, jederzeit dienen gesollt. Über alles dieses finde ich, erweckt von Deiner Gnade, mein Herz zur Reue bewegt, und beklage vor Deinem Ungesichte jene unseligen Versäumnisse und Eigenmächtigkeiten, durch welche ich den Geit in mir ausgelöscht, Deine Gaben verschmähet, Deine unendliche Herrlichkeit verachtet habe. Was kann ich nun anders thun, als Dich anflehen, daß es Dir wohlgefällig seyn möge, das genugthuende Verdienst meines Erlösers, Deines Eingebornen, aufs neue mir zuzuwenden? Was meine Nachlässig keit und böser Wille verdarb, dieß kann, o Bater, nur die Kraft seiner Liebe erseßen und ausgleichen, der um meinetwillen unter die Lafterhaften gerech net wurde, und am Kreuze verschmachtete. Dank sey Dir, ewiger Gott, für Deine über große Güte, welche, bei aller Verkehrtheit meines Lebens, bei allem Widerstreben meines Willens, mit mütterlicher Sorgfalt mich bewahret hat, de mit ich nicht in meinen Sünden zu Grunde ginge Wie oft schon hatte ich Deine innere Warnung ter nommen, wie oft dem süßen Zuge zu folgen ange fangen, und kehrte von den ernsten Vorfäßen wieder der Dankbarkeit. 259 zum alten Leichtsinne zurück! Dennoch wachte Deine Fürsorge so liebreich über meine gefahrvollen Schritte, als wäre mein Wandel Dir wohlgefällig gewesen! Dank Deiner Erbarmung, o Herr, daß mich der Abgrund nicht verschlang, dem ich so oft mich genähert, daß nicht der Tod über mich Gewalt bekam, als ich, von Deiner Liebe abgewendet, schon im geistigen Tode befangen war! Aus hundert Gefahren, die mein leibliches Leben bedrohten, hat Deine Borsehung mich gerettet, damit ich nicht diese irdische Welt verließe, bevor ich ein lebendiges Glied meines Erlösers geworden. Darum hast Du zu meiner Sühnung und Heilung so zahlreiche Hilfen mir bereitet, durch Wohlthaten mir Deine Huld bezeigend, durch Leiden und Drangsale mich züchtigend, durch echte Freunde mich ermahnend, und manchen Weg zu bösem Werke mir verschließend, bis Du mich gewissermaßen gezwungen hast, zu Dir zurück zu kehren. Dank Deiner Langmuth, Dank Deiner erhabenen Güte, die auch ihren widerspenstigsten Geschöpfen so lange sich offenbart und darbeut, so lange jener Augenblick nicht gekommen, der ewig ihr Loos entscheidet. Gib meinem Herzen Thränen der Wehmuth, um seine Untreue und Thorheit zu beweinen! Du woll22 260 Der 144. Psalm. test es zu einer Wohnung Deines Friedens und Deiner Klarheit erheben, und es hat der Selbstsucht nur, der Welt, den Lüsten, der alten Lüge Raum gege ben. Laffe, o Vater, alles Böse, so ich begangen, getilget, und in Deiner Güte verziehen seyn. Verleihe mir Kraft und Gelegenheit, durch jede Art von Mühe und Opfer gut zu machen, was mir wie der zu ordnen obliegt und möglich ist, und vollende das Werk Deiner Batergüte, das Du an mir be gonnen. Der Du meinen Willen geweckt, um wies der zu Dir mich aufzurichten, ziehe mich kräftig ab vom Gögendienste der Welt und Natur, und schließe jene reine Freude mir auf, welche nur in der Wahrheit und in Deinem Dienste gefunden wird, damit Du allein, mein Gott, über alles mir süf und liebenswerth seyest. Erhöre mich nach der Größ Deiner Barmherzigkeit, erfülle meine Sehnsucht mit wahren Gütern, und der Name Deiner Maje stät sen ewiglich gepriesen! Der 144. Psalm. ( Lob der Ullmacht, Vorsehung und Barmherzigkeit Gotte 1.» Verherrlichen will ich Dich, mein Gott, » mein König; und Deinen Namen preisen allzen » und ewiglich.< Der 144. Psalm. 261 2.» Tag für Tag will ich Dich bekennen, und » Deinen Namen loben allzeit und ewiglich.« 3.» Groß ist der Herr und überaus ruhmwürdig; seiner Größe ist kein Ende.<< 4. Alle Geschlechter der Menschen werden Deine » Werke preifen, alle Zeiten Deine Macht verkünden.<< 5.» Die Erhabenheit und die Glorie Deiner Heiligkeit werden sie aussprechen, und Deine Wun» der erzählen.«< 6.» Die Schreckniffe Deiner Strafgerichte werden sie schildern, und von Deiner Allmacht Zeugniß geben.« 7.» Das Andenken Deiner überreichen Güte werden sie feiern, und frohlockend Deine Gerech» tigkeit preisen.<< 8.» Gütig und barmherzig ist der Herr, lang» müthig und voll der Huld.« 9.» Freundlich ist er Allen, die ihn suchen; seine * Erbarmungen reichen über alle seine Werke.« 10. Lobpreisen sollen, o Herr, Dich alle Deine Werke; Deine Diener, Deine Auserwählten an» betend Dich bekennen.« 11.» Die Herrlichkeit Deines Reiches werden sie » darstellen, Deine Macht und Schönheit werden. sie rühmen.< Der 144. Psalm. 12.» Den Söhnen der Menschen werden sie Dich » kund geben, und von der Größe Deines Reiches sie belehren.«< 262 13.» Dein Reich ist ein Reich aller Jahrtau » sende; Deine Herrschaft erstreckt sich über alle Ge * schlechter.« 14.» Wahrhaft ist der Herr in allen seinen Wor * ten, und heilig in allen seinen Werken.s 15.» Er hebet wieder empor die Sinkenden, a vrichtet wieder auf, die zu Boden gefallen.« 16.» Die Augen Aller hoffen auf Dich, o Hen, und Du gibst ihnen Speise zur rechten Zeit. 17.» Du eröffnest Deine Hand, und erfüllest » Alles, was lebt, mit Segnung.< 18.» Gerecht ist der Herr auf allen seinen Be vgen, und heilig in jeglichem seiner Werke.s 19.» Nahe ist er Allen, die ihn anrufen, die » ihn anrufen in der Wahrheit.<< 20.» Den Willen derjenigen, die ihm mit Ehr » furcht gehorchen, wird er erfüllen; er wird ihr Fle » hen erhören, und sie erretten.< 21.» Der Herr beschüßzet Alle, die ihn lieben; » der Sünder Werk wird er zerstören.« 22.» Das Lob des Herrn soll stets mein Mund Gebet des h. Thomas. 263 » verkünden, und alles, was lebt, preise feinen heiligen Namen.< Die Ehre sey dem Vater 2c. Gebet des heil. Thomas von Aquin um Zunahme in den christlichen Zugenden. Verleihe mir, barmherziger Gott, daß ich Alles, was Dir wohlgefällt, mit Eifer verlange, mit Ernst erforsche, in Wahrheit einsehe, und, zur Ehre Deines Namens, in beharrlicher Treue vollbringe. Ordne die Verhältniffe meines Berufs und Standes, laffe mich klar erkennen, was ich thun soll, und es dergestalt ins Werk setzen, daß es meinen Nächsten und mir zu geistiger Wohlfahrt gedeihe. Erhalte mich, Herr mein Gott, zwischen allen Ereigniffen aufrecht, daß ich im Glücke mich nicht übernehme, in Widerwärtigkeiten nicht verzage; daß ich über keine Sache mich erfreue oder betrübe, als in sofern sie zu Dir führet, oder von Dir entfernet; und daß ich Niemanden zu gefallen strebe, oder zu mißfallen fürchte, als Dir allein. Lasse jene Güter mir gleichgiltig werden, die vorüber schwinden, und theuer alles, was Dein ist, um Deinetwillen. Lasse jede Freude mir öde bleiben, die ohne Dich ist, und befreie mich von jeder Sehn 264 Gebet des h. Thomas. sucht nach dem, was Dir ewig fremd ist. Gib mir die Gnade, oftmals mein Herz zu Dir zu erheben, und, so oft ich einen Fehler begangen, ihn mit erneuer ten Vorsäßen vor Deinem Angesichte zu bereuen. Verleihe mir, Herr mein Gott, daß ich allzeit nach Deinem Wohlgefallen wandle: gehorsam Dei nem Willen ohne Widerspruch, arm ohne Hab sucht, keusch ohne Leichtfertigkeit, geduldig ohne Murren, demüthig ohne Verstellung, heiter ohne Leichtsinn, ernsthaft ohne Schwermuth, geseßt und besonnen ohne Trägheit, munter zum Guten ohne Uebereilung, gottesfürchtig ohne Kleinmuth, einfach und wahrhaft ohne Tücke, umsichtig ohne Liſt, thätig im guten Werke ohne Eigendünkel, dem Nächsten lehrreich ohne Anmaßung, durch Wort und Beispiel ihn erbauend, ohne Heuchelei. Gib mir ein wachsames Herz, das durch keinen Fürwiß von Dir sich entfernen läßt, ein großmu thiges Herz, das unter keinem unwürdigen Trick sich erniedrigt; ein aufrichtiges Herz, das k ner schiefen Absicht und Meinung gehorcht, ein freies Herz, das von keiner unlautern Leidenschaft beherrscht wird. Schenke mir, o Herr, mein Vater, eine Einsicht, die Dich erkennt, einen Eifer, der Dich sucht Gebete und Bitten. eine Weisheit, die Dich findet, einen Lebenswandel, der Deinem heiligen Willen entspricht, eine Beharrlichkeit, die Deine Verheißungen mit Treue erwartet, eine Zuversicht, die endlich Dich erfasset. Lasse an den erlösenden Leiden Deines Sohnes mich Theil nehmen durch den Geist der Buße, damit ich die Wohlthaten Deiner Gnade weislich bewahre und benüße, und ewig Dich liebe im seligen Vaterlande. Durch Christum Jesum. Amen. 265 Um Erkenntniß des göttlichen Willens. Allmächtiger ewiger Gott, der Du Alles, was ist, durch Dein ewiges Wort erschaffen hast, und in Weisheit regierest: sende Deine Weisheit mir, damit sie mich begleite und mit mir wirke, damit ich wisse, was Dir wohlgefällig sey. Denn wer unter den Menschen kann Deinen Rathschluß wissen? wer vermag es zu durchdenken, was Du für Ubsichten hast? die Gedanken der Sterblichen sind zaghaft, ungewiß und schwankend unsere Voraussehungen. Der verwesliche Leib belastet den Geist, die irdische Wohnung beschränkt und drückt den Aufschwung der Gedanken. Und wer wird jemals Deinen Willen und Deine Absicht wissen, wenn Du nicht selber uns die Weisheit verleihest, und Dei23 266 Gebete und Bitten. nen heiligen Geist uns sendest, die Kraft aus der Höhe? Auf solche Weise nur wurden die Wege der jenigen geordnet und gebahnt, die auf Erden wan deln!( B. der Weish. 9.) Darum, o Herr, erleuchte mich, und lenke meine Entschließungen, damit ich das Rechte erwähle, und durch Deine Hilfe voll bringe. Mache mir den Weg bekannt, den ic wandeln soll, denn zu Dir habe ich meine Seele erhoben! Dein gütiger Geist, der alle Wahrheit lehrt, führe mich die rechte Bahn!( Ps. 142) Mein Retter und Beschirmer bist Du, o her, fäume nicht, mir beizustehen!( Ps. 39.) Reisegebet. Allmächtiger, barmherziger Gott, lenke unſte Schritte auf dem Wege des Friedens und der Wehlfahrt, und gib uns Deinen heiligen Engel jum Gefährten, daß wir das Ziel und die Absicht dieser Wanderung erreichen, und wieder im Frieden u Heimath kehren. Bi Wie Du einst die Weisen des Morgenlandes durch den schimmernden Stern, zu Deinem Sohne geleitet, und die Bäter der Vorzeit auf ihren Wan derungen beschüßet hast, so lenke und beschirme auch uns. Sey uns Trost auf dem Wege, Schat Gebete und Bitten. ten in der Mittagshige, Licht in der Dunkelheit, Hilfe in der Noth, damit wir in jeglichem Wechsel unsrer Lebenswege Deiner väterlichen Obhut uns erfreuen, und endlich in die Heimath Deiner ewigen Klarheit gelangen. 267 Gebet für Freunde. Herr, allgütiger Bater, der Du, in der gnadenvollen Mittheilung des heiligen Geistes, den Herzen Deiner Gläubigen die Gaben der Liebe eingegossen hast; verleihe Deinen Dienern und Dienerinnen, für welche wir Deine Huld anflehen, die Gesundheit der Seele und des Leibes, damit sie aus allen ihren Kräften Dich lieben, und, was Dir- wohlgefällig ist, aus ganzem Herzen erfüllen. Durch Jesum Christum, Deinen Sohn, 2c. Für Widerfacher und Feinde. Herr, unser Vater, Gott des Friedens, Urquell und Bewahrer der heiligen Liebe, verleihe unseren Widersachern den Frieden, die echte Liebe, und die Vergebung aller ihrer Sünden, damit Du auf solche Weise auch uns von jeglicher Nachftellung, mit der sie uns bedrohen, in Deiner Macht errettest. Durch Unsern Herrn J. Ch. 2c. 23* Gebete und Bitten. Für Bedrängte und Betrübte. Herr, barmherziger Vater, der Du alle Ver irrten wieder aufzunehmen bereit bist, und den Tod des Sünders nicht willst: in Demuth flehen wir zu Deiner herrlichen Macht und Güte, Du wollest Deine Diener, die auf Deine erbarmende Huld ver trauen, mit der Hülfe von oben beschirmen, damit sie Dir ohne Unterlaß dienen, und durch keine Art von Versuchung von Dir getrennet werden. Durch unsern Herrn J. Ch. 2c. 268 Um Selbstbeherrschung. Almächtiger, gütiger Gott, der Du alle Menschen erleuchtest, so in diese Welt kommen: verleihe mir Kraft, jeglicher Lockung böser Gedanken und Neigungen um Deiner Liebe willen zu widerstehen; erleuchte mein Herz mit dem hellen Tage Deiner Gnade, damit es, in eine Wohnung des heiligen Geistes umgewandelt, nur Gerechtigkeit, Frieden und Freude athme, und in allen seinen Gesinnun gen und Wünschen Deiner Huld und Liebe würdig werde, durch Christum, unsern Herrn. Um wahre Demuth. Allmächtiger, unendlicher Gott, der Du als die ewige Wahrheit, und dem allein alle Ehre und Gebete und Bitten. 269 Anbetung gebührt, den Hoffärtigen und Selbstsüchtigen widerstehest, und den Demüthigen Gnade gibst verleihe uns die Tugend der aufrichtigen und herzlichen Demuth, deren lichtes Vorbild dein Menschgewordener Sohn uns gegeben hat; damit wir durch lügenhaften Hochmuth niemals gegen Deine Herrlichkeit uns aufbäumen, sondern in les bendiger Erkenntniß unsrer steten Abhängigkeit von Dir, und in freudigem Willensgehorsam die reichen Gaben Deiner Gnade empfangen. Durch denselben J. Ch. U. H. 2C. Um Geduld. Barmherziger Bater, der Du unsre ewige Schuld und Strafe, und alle Hoffart des Fürsten dieser Welt, durch die unbegränzte Geduld und Hingabe Deines Menschgewordenen Sohnes getilget haft: verleihe uns, daß wir die Größe und Tiefe der Leis den, die er aus Liebe für uns, und aus Ehrfurcht vor Dir erduldet, mit innigem Ernste betrachten, und alle Übel, die uns widerfahren, nach seinem erhabenen Beispiele in beharrlicher Geduld ertragen Durch denselben J. Ch. U. H. c.*). *) Undre kirchliche Gebete, für alle Stände der Kirche, für den Landesfürsten, um Erhaltung des Friedens u. f. im Knhange nach der Litanei von allen Heiligen. Der 30. Psalm. Der 30. Pfalm. ( Unrufung der göttlichen Hilfe*). Auf Dich, o Herr, ist meine Hoffnung gegründet, darum werde ich in Ewigkeit nicht zu Schanden werden, um Deiner Gerechtigkeit willen be freie mich. Neige Dein Gehör zu mir; eile, um mich zu 270 erretten. Sei mir, o Gott, ein Beschüßer, und ein Haus der Zuflucht, damit Du mir Heil verleihest. Denn meine Stärke und meine Zuflucht bist Du; um der Ehre Deines Namens willen wirst Du mich in Sicherheit führen, und mich ernähren. Du wirst mich herausführen aus dem Fallstricke, der auf mich lauert, weil Du mein Beschüßer bist. In Deine Hände empfehle ich meinen Geist, mein Daseyn, mein Leben; denn erlöset hast Du mich, o Herr, Gott der Wahrheit. Fremd sind Dir diejenigen, die listige Anschläge ersinnen; wer gegen Deinen Willen handelt, ver trauet auf nichtige Dinge. Ich aber vertraue auf Dich, o Herr, und froh locken werde ich in Deiner Barmherzigkeit. *) Uuszugsweise. Der 30. Psalm. 271 Denn oft schon hast Du meine Betrübniß angesehen, und von mancher Drangfal meine Seele befreiet. Erbarme Dich meiner aufs neue, denn ich bin hart bedränget; von Kummer ist mein Auge bewölkt. Mein Leben schmachtet in Gram dahin, in Dürftigkeit erlahmen meine Kräfte. Freunde und Bekannte entfernen sich von mir; ich bin ihrem Herzen todt, der Vergessenheit übergeben. Ich aber hoffe, o Herr, auf Dich; in meinem Innern sprach ich: mein Gott bist Du, in Deiner Hand ist mein Geschick. Erleuchte Dein Untlig über Deinen Diener, errette mich in Deiner Barmherzigkeit; lasse mich nicht beschämet werden, weil ich auf Dich vertraue. Wie groß, o Herr, ist die Fülle Deiner Süz Bigkeit, die Du im Verborgenen Deinen Dienern verleihest! Du birgst und beschützest sie im Heiligthum Deines Friedens; Dein Trost bewahret sie in Mitte der Verfolgung. Ich rief in der Bestürzung meines Gemüthes: verworfen bin ich vor Deinem Angesichte. Darum hast Du die Stimme meines Flehens erhört, damit ich Deine Huld erkenne. In Drangsalen. Handelt männlich, die ihr hoffet auf den Herrn denn er bewahret Alle, die aufrichtig vor ihn wandeln. Die Ehre sey dem Vater 2c. 272 In allgemeinen Drangsalen. ( Nach dem heil. Augustinus.) Vor Deinen Augen, o Herr, tragen wir uns Schulden, und vergleichen sie mit den Züchtigun gen, die über uns verhängt sind. Erwägen wir das Böse, das wir gethan, so ist ge ringer, was wir leiden, größer, was wir verdienen. Die Strafe der Sünde fühlen wir, den Hang zur Sünde wollen wir nicht bezwingen. Das kranke Gemüth ist in Qual befangen, doch will der Hochmuth sich nicht beugen. Das Leben schmachtet im Schmerzen hin, dos bessert es sich im Werke nicht. Wenn Du langmüthig erwartest, so ändern wir uns nicht; wenn Du strafend heimsucht, so können wir es nicht ertragen. Wenn die Züchtigung kömmt, bekennen wir unser Bergehen; ist die Heimsuchung vorüber, so vergessen wir, was wir beweinet haben. Wenn Du Deinen Arm ausstreckst, geloben wir In Krankheit. 273 Besserung; hältst Du wieder ein das Schwert, so erfüllen wir unser Versprechen nicht. Sungg Wenn Du schlägst, so flehen wir um Schonung; wenn Du schonest, fordern wir neuerdings Deine Strafe heraus. Siehe, o Herr, wir bekennen unsre Schuld; dieß wissen wir, daß Du, sofern Du nicht verzeihest, mit vollem Rechte uns der Zerstörung preis gibst. Allmächtiger Vater, wir waren nicht, und Du haft uns erschaffen; und gleichwie Du Alle, die Dich anflehen, aus dem Nichts hervorgerufen, so verleihe uns auch, ohne unser Verdienst, die Er hörung unsrer Bitten, durch Christum unsern Herrn. In Krankheit und Siechthum. Gedenke, o Herr, jener Botschaft, welche Maria und Martha Dir sandten, als ihr Bruder Lazarus erkrankt war: Herr, den Du liebest, ist krank! Und Du sprachst: diese Krankheit ist nicht zum Tode, sondern, daß der Sohn Gottes durch sie verherrlicht werde. O Freund meiner Seele, gebiete, daß auch Meine Krankheit nicht zum Tode sey; gib, daß ich durch Geduld und Heiterkeit Deinen Namen verherrliche, und meine Seele Dir lebe! Barmherziger Vater, Du züchtigest, den Du 274 In Krankheit. liebest; Du sendest heilsame Leiden einem Jeglichen, den Du zum Sohne angenommen.( Heb. 12.) Wenn Du mich heimsuchst, um mich zu bessern, soll ich dann aufhören, Dich zu lieben? wäre ich dann Deiner Vaterhuld noch würdig? Ach, wie oft habe ich gegen Deine heilige Liebe gefrevelt, indem i gegen die Lockungen des Sinnenlebens nicht streiten wollte; nun ist dieß Sinnenleben von Schmerz und Ohnmacht befangen. Dank sey Dir, o Herr, dafür, daß Du mich gedemüthigt hast, damit ih Deine Gerechtigkeit erkenne! Gedenke Deiner Erbarmungen, o Herr, und der Werke Deiner Huld vom Anbeginne. Lasse die Fehltritte meiner Jugend, und meiner vielfachen Unwissenheit vor Dir getilget seyn, um Deiner Güte willen! Sieh' auf mich, und erbarme Dich meiner, weil ich dürftig und trostlos bin. Die B trübnisse meines Herzens sind zahlreich worden; aus der Tiefe der Drangsale errette mich! Sich' an meine Erniedrigung und meine Leiden, und ver zeihe allen meinen Bergehungen!( Pſ. 24.) Verleihe mir, o Jesu, daß ich mit lichter Er kenntniß zu Dir aufblicke, dem Urheber und Vol lender meines Heils! Der Jünger, sprachst Du, ist nicht über den Meister, noch der Diener über In Krankheit. 275 seinen Herrn. Wie darf ich mit Unmuth über meine Leiden klagen, wenn ich der unaussprechlichen Erniedrigung und Qual gedenke, welche Du freiwillig erduldet, der Schuldlose und Heilige für die Sünder, der geliebte Sohn für widerspenstige Knechte, der himmlische Arzt für die Kranken und Irren? Mein Elend hast Du auf Dich genommen, meine Schmerzen hast Du getragen; nun theilest Du Deine Kraft und Gnade mir mit, und wandelft mir jedes Leid in ewiges Heil, wenn ich es, als ein Opfer der Ergebung in des Vaters Willen, mit Deinem Leiden vereine. Lasse mich stets, o Herr, der Wahrheit gedenken, daß, wer nicht leidet mit Dir, auch mit Dir nicht verherrlicht wird; und daß die Leiden dieser Zeit keiner Rede werth sind, werden sie mit der künftigen Herrlichkeit verglichen, die in uns geoffenbart werden soll! Du haft für alle Menschen die Bitterkeit des Todes verkostet, um Allen der Führer ins ewige Leben zu werden. Du wolltest durch viele Leiden nur in Deine Herrlichkeit eingehen, um uns den einzigen Weg zu zeigen, der uns, in Deiner Nachfolge, aus dem Verderben in das Reich der Klarheit führt. Du hast, durch Deinen Opfertod, den Stachel des Todes bezwungen, 276 Um einen sel. Tod. und seine Schrecknisse getilget, Du bist die Aufer: stehung und das Leben; wer in Dir bleibet, wird den zweiten Tod nicht schauen. Darum, o Herr, beschirme mich vor Kleinmuth und Verzagtheit; be freie mein Herz von jeder feindlichen, lieblosen, selbst süchtigen und unlautern Gesinnung, und bewahre mich in Deiner göttlichen Liebe. Herr, wenn Du willst, so vermagst Du mich gesund zu machen; doch über Alles, was ich irdi: scher Weise wünschen kann, ist herrlicher Deine Gnade. Um einen seligen Tod. Ewiger Vater, durch Deine unendliche Güte, die über alle Werke Deiner Schöpfung reicht, und durch das Leben und den Tod meines Erlösers, Dei nes geliebten Sohnes, flehe ich in Demuthu Dir: lasse im Lichte Deiner Gnade mich leben und sterben. Jesus, mein Herr und mein Gott, durch die unendliche Liebe, mit welcher der Vater Dich von Ewigkeit her umfängt, und durch die letzten Worte am Kreuze, womit Du Jhm Deinen Geist empfohlen, flehe ich vertrauensvoll zu Dir: nimm in Deinen hei ligen Frieden mich auf am Ziele meines Lebens. Für Sterbende. 277 Ewige Liebe, Gott, heiliger Geist, Spender alles Trostes und himmlischen Lebens, erwecke mein Herz zur echten Reue, zu inniger Sehnsucht, und befestige mich im letzten Kampfe, daß weder Schmerz, noch Tod, noch sonst eine Gewalt der Natur oder der Lüge von der Liebe Jefu mich trenne. Heiligste Dreieinigkeit, einziger wahrer Gott: erbarme Dich meiner, jetzt und in der Stunde meines Hinscheidens, Amen. Sterbenden vorzubeten*). Heiliger Gott, heiliger, starker Gott, heiliger, unsterblicher Gott: erbarme Dich meiner. Herr und Gott meines Lebens, verlasse mich nicht. Du bist mein Vater: Du bist mein Vater im Himmel. Du bist ein Vater voll Barmherzigkeit. Un Dich glaube ich, auf Dich hoffe ich, Dich will ich ewig lieben. Geheiliget werde Dein Name. Ich bete Dich an, ich preise Dich. Dir allein sey die Ehre und die Herrlichkeit. Die Ehre sey dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste. Ich werde beseligt seyn, wenn ich Deine Herrlichkeit sehe. *) Absagweise; mit gemäßigter Stimme, und ohne Uebers eilung... Für Sterbende. Zukomme uns Dein Reich. Mein Gott, i danke Dir; Dein Reich ist nahe. Ich verlange auf gelöset zu werden, und mit Christo zu seyn. Wende Dein Untlig zu mir, und sende Deinen Frieden Komm, o Jesus, nimm meine Seele zu Dir. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden. Nicht, wie ich will, mein Vater, sondern wie Du willst. Du rufest mich; ich komme. Mein Herz ist bereit. Ich will aufstehen, und zu meinem Vater gehen. Ich will sterben, weil Du es befiehlst. Ich will sterben, damit ich nimmar Dich beleidige. Ich will sterben, um ewig bei Dir zu seyn. 278 Nun ist meine Seele betrübet. Und, was foll ich sagen? Herr, stärke mich in dieser Stunde. Arm bin ich, und schmachte in Ohnmacht dahin; mein Gott, stehe mir bei. Spende meiner Seele Licht und Kraft, reiche mir das Brod des Lebens. Sprich meiner Seele: Dein Heil bin ich. Heiliger Gott, heiliger dreieiniger Gott, er barme Dich meiner. Erbarme Dich meiner, o Gott, nach Deiner großen Barmherzigkeit. Und vergib mir meine Schulden, gleichwie auch ich verzeihe meinen Schuldigern. Ich liebe alle Menschen aus Liebe zu Dir Für Sterbende. 279 Ich verzeihe von Herzen Allen, die mich beleidigt haben. Vater, verzeihe auch Du! Herr, Du weißt es, daß ich Dich liebe. Aus Liebe zu Dir bereue ich alles Böse. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt. Sieh, o Bater, seine Wunden, siehe sein Opfer am Kreuze, siehe sein Blut, das er für mich vergossen. Nimm mich selber zum Opfer hin. Ich opfere Dir meine Schmerzen, meinen Tod, in Vereinigung mit dem Tode, mit den un endlichen Verdiensten Jesu.ist the Bleibe bei mir, o Herr, denn es will bend werden, der Tag hat sich geneiget. Die Gestalt dieser Welt geht vorüber; Herr, mein Gott, verlaffe mich nicht. Führe mich nicht in Versuchung. Dein bin ich, o Gott, errette mich; meine Stärke und mein Heil bist Du. Hilf mir vollenden, und ewig Dir angehören. 10 Jesus, mein Heiland, mein Erlöser, um Deines Namens willen erlöse mich vom Übel. Herr, errette mich, sonst gehe ich zu Grunde. Du bist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn. Qu bist die Auferstehung und das Leben. In Deine Hände empfehle ich meinen Geist. Jesu, Du Sohn Davids, erbarme Dich meiner. Sohn der Jungfrau, erbarme Dich meiner. ad letiffe oid Tha Für Sterbende. Heilige Maria, Mutter Jesu, bitte für mich. Jungfrau und Mutter, Gottesgebärerinn, gedenke meiner in mütterlicher Güte. Wende Deine milden Augen zu mir, Deine Fürbitte wird mir heil erwerben. 280 Engel Gottes, beschirmet mich; schüßzet mich im Streite. Heiliger Joseph, Nährvater Christi, hei liger Johannes der Täufer, ihr hohen Apostel des Herrn, ihr heiligen Schaaren der Verklärten, eure Fürbitte sey mit mir. Heiliger Gott, heiliger starker Gott, heiliger unsterblicher Gott, erbarme Dich meiner. Meine Hilfe ist im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Jesus, Dir lebe ich; Jesus, Dir sterbe ich; Jesus, Dein bin ich, ewig Dein. Ob ich lebe, ob ich sterbe, Dir gehöre ich an. Du bist der Weg, führe mich! Du bist die Wahrheit, erleuchte mich! Du bist das Leben, belebe mich! Ziehe mich empor zu Dir, laffe Dein Angesicht mich schauen. Ja, komm Herr Jesu, Amen. Fürbitten für Scheidende. Allmächtiger, barmherziger Gott, der Du sowohl die Mittel des Heiles, als die Gaben, del Für Sterbende. 281 ewigen Lebens dem Menschengeschlechte verliehen hast: sieh gnädig herab auf Deinen Diener( Dienerinn), so in der Krankheit des Leibes dahin schmachtet, und schirme und erquicke die Seele, die Du erschaffen hast, damit sie in der Stunde ihres Hinscheidens Dir, ihrem Schöpfer, durch die Hände der Engel, ohne Makel der Sünde dargestellt zu werden verdiene. Durch unsern Herrn J. Ch. 2c. Scheide, o christliche Seele, aus dieser gebrechlichen Hütte, im Namen Gottes, des allmächtigen Vaters, der Dich erschaffen hat; im Namen Jesu Christi, seines Menschgewordenen Sohnes, der für dich gestorben ist; im Namen des heiligen Geistes, der sich dir mitgetheilt, und zu seinem Heiligthume dich geweihet hat. Alle Engel und Heiligen Gottes mögen Deiner Aufnahme in ihre felige Gemeinschaft sich erfreuen. Heute noch werde der Friede Dir; heute noch werde Dir eine Wohnung im Hause des Vaters, durch Christum Jesum, unsern Herrn. Er, der für dich ge= Freuzigt worden, errette dich aus allen Leiden. Der für dich gestorben ist, befreie dich vom ewigen Tode. Huldvoll und milde erscheine dir sein Angesicht. Er nehme dich auf in die seligen Reihen seiner Auserwählten. 24 Für Verstorbene. Barmherziger Gott, Schöpfer und Erlöser aller Menschen, verleihe dieser abgeschiedenen Seele die vollkommene Verzeihung und Nachlaffung aller Stra fen, die sie durch ihre Sünden verschuldet, damit site, von den Peinen der Läuterung befreiet, Dir lebe, und in Dir sich ewig erfreue. Durch Christum, unsern Herrn. Fürbitten für Verstorbene. 282 Für eltern. D Gott, der Du uns geboten hast, Vater und Mutter zu ehren: erbarme Dich huldvoll der Seele meiner Altern( meines Vaters, meiner Mutter), vergib ihnen jegliche Sünde, und verleihe mir, s dereinst in der Freude der ewigen Klarheit wieder zu sehen. Durch J. Ch. c. ng Ispa9 Für Freunde, Geschwister, Wohlthäter O Gott, Du Ausspender der Gnade, reich an Erbarmungen für Alle, die Dich anrufen, und stets bereit, unser Heil zu fördern: erhöre unser Gebet, welches wir, vereint mit der Fürbitte der seligsten Jungfrau Maria und aller Heiligen, Dir darbrin gen, und laffe unsre Geschwister, Anverwandten und Wohlthäter zur Gemeinschaft der ewigen S ligkeit gelangen. Durch J. Ch. U. H. 26. Epilog. 283 Für einen Verstorbenen. Nimm o Herr, unsere Bitten gnädig an, mit welchen wir Deine Barmherzigkeit anflehen, daß Du die Seele Deines Dieners N., welchen Du aus dieser Welt abgerufen, in die Heimath des Friedens und des Lichtes, aufnehmen, und in die selige Gemeinschaft Deiner Auserwählten erheben wollest. Durch J. Ch. 2c. Für mehrere Verstorbene. Laffe o Herr, die Seelen Deiner Diener und Dienerinnen die Fülle Deiner Barmherzigkeit er fahren, damit es ihnen zum ewigen Heile gereiche, daß sie mit lebendigem Glauben und fester Hoffnung Dir hienieden ergeben waren. Durch Jesum Christum, unsern Herrn 2c. Beherzigung für Lebende. » Laffet uns alle den Schluß der Rede verneh men: Fürchte Gott, und halte seine Gebote, denn darin bestehet der ganze Mensch. Und alles, was auf Erden geschieht, wird der Herr zu Gerichte führen, es sey gut, es sey böse.«( Eccli. 12, 13.) » Die ihr den Herren fürchtet, glaubet ihm, und eure Erwartungen werden nicht leer ausgehen. Die 24 284 Epilog. ihr den Herrn fürchtet, hoffet auf ihn, und seine Barmherzigkeit wird euch zur Freude gereichen. Die ihr den Herrn fürchtet, liebet ihn, und euer Herz wird erleuchtet werden!« » Wer blieb jemals seinen Geboten treu, und ist verlassen worden? Wer hat ihn angerufen, und ist nicht erhöret worden? Voll Huld und Güte ist der Herr, und Allen ein Beschüßzer, die ihn in Wahrheit suchen.<< » Wehe denjenigen, die eines doppelten Herzens sind, und lasterhaft im Wort und Werk, und die auf doppelten Wegen wandeln. Wehe jenen, welche die sittliche Haltung verloren, und den rechten Weg verlassen haben, was werden sie thun, wenn die Heimsuchung des Herrn beginnen wird? » Die den Herrn fürchten, sind nicht ungläubig seinem Worte; die ihn lieben, bewahren sein Ge seß, und suchen, was ihm wohlgefällig ist. Die den Herrn fürchten, heiligen vor seinem Angesichte ihre Seelen, und harren aus in Geduld bis zu ser ner Anschauung.«( Eccli. 2, 8-21.) Anhang. Litaneien und Lieder. Litanei aller Heiligen. Herr, erbarme Dich unſer. Christe, erbarme Dich unser. Herr, erbarme Dich unser. Christe, höre uns. Christe, erhöre uns. Gott Vater im Himmel, erbarme Dich unser. Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich unser. Gott heiliger Geift, erbarme Dich unser. Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme Dich unser. Heilige Maria, Heilige Gottesgebärerinn, Heiligste aller Jungfrauen, Heiliger Michael, Bitte für uns. Heiliger Gabriel, Heiliger Raphael, Alle heiligen Engel und Erzengel, bittet für uns! 288 Litanei aller Heiligen. Alle heiligen Chöre der seligen Geister, bittet für uns. Heiliger Johannes der Täufer, bitte für uns. Heiliger Joseph, bitte für uns. Alle heilige Patriarchen und Propheten, bittet für uns. Giligit vello instil Heiliger Petrus, Heiliger Paulus, Heiliger Andreas, Heiliger Jacobus, Heiliger Johannes, die son Heiliger Thomas, Heiliger Philippus, Heiliger Bartholomäus ,. Heiliger Matthäus, Heiliger Simon, Heiliger Thaddäus, Heiliger Mathias, Heiliger Barnabas, Heiliger Lucas, Heiliger Marcus, Alle heil. Apostel und Evangelisten, bittet für uns. Alle heilige Jünger des Herrn, bittet für uns. Alle heilige unschuldige Kinder, bittet für uns. Heiliger Stephanus, bitte für uns. Heiliger Laurentius, bitte für uns. 31 160 oila) uns. Litanei aller Heiligen. Heiliger Vincentius, bitte für uns. Heiliger Fabianus und Sebastianus, bittet für uns. Heiliger Johannes und Paulus, bittet für uns. Heiliger Kosmas und Damianus, bittet für uns. Heiliger Gervasius und Protasius, bittet für uns. Alle heiligen Martyrer, bittet für uns. Heiliger Sylvester, Heiliger Gregorius, Heiliger Ambrosius, Heiliger Augustinus, Heiliger Hieronymus, Heiliger Martinus, Heiliger Nicolaus, Ulle heil. Bischöfe und Beichtiger, bittet für uns Alle heiligen Lehrer, bittet für uns. Heiliger Antonius, Heiliger Benedictus, Heiliger Bernardus, Heiliger Dominicus, Heiliger Franciscus, 289 25 Bitte für uns. Bitte für uns. Alle heiligen Priester und Leviten, bittet für uns. Alle heiligen Mönche und Einsiedler, bittet für uns. Heilige Maria Magdalena, bitte für uns. Heilige Agatha, bitte für uns. Heilige Lucia, bitte für uns. Litanei aller Heiligen. 290 Heilige Ugnes, bitte für uns. Heilige Cäcilia, bitte für uns. Heilige Katharina, bitte für uns. Heilige Anastasia, bitte für uns. Alle heil. Jungfrauen und Witwen, bittet für uns. Sen uns gnädig, verschone uns, o Herr! Sey uns gnädig, erhöre uns, o Herr! Bon allem Übel, Bon aller Sünde, Von Deinem Zorne, Bom jähen und unvorgesehenen Tode, Von den Nachstellungen des Teufels, Vom Zorn, Haß und allem bösen Willen, Von dem Geiste der Unreinigkeit, Vom Bliße und Ungewitter, Von der Pest, dem Hunger und dem Kriege, Von dem ewigen Tode. Durch das Geheimniß Deiner heiligen Mensch werdung, Durch Deine Ankunft, Durch Deine Geburt, Durch Deine Taufe und Dein heiliges Fasten, Durch Dein Kreuz und Leiden, Durch Deinen Tod und Dein Begräbniß, Durch Deine heilige Auferstehung, Erlöse uns, o Herr! Litanei aller Heiligen. 291 Durch Deine wunderbare Himmelfahrt, erlöse uns, o Herr! Durch die Herabkunft des heiligen Geistes des Trösters, erlöse uns, o Herr! Um Tage des Gerichtes, erlöse uns, o Herr! Wir armen Sünder, wir bitten Dich, erhöre uns. Daß Du uns verschonest, Daß Du uns verzeihest, Daß Du uns zu wahrer Buße bringen wollest, Daß Du Deine heilige Kirche regieren und er halten wollest, Daß Du den obersten Hirten und alle Stände der Kirche in der heiligen Religion erhalten wollest, Daß Du die Feinde der heiligen Kirche demüthigen wollest, Daß Du den christlichen Königen und Fürsten, Frieden und wahre Einigkeit geben wollest, Daß Du dem ganzen christlichen Volke Frieden und Einigkeit verleihen wollest, Daß Du uns selbst in Deinem heiligen Dienste stärken und erhalten wollest, Daß Du in unsern Gemüthern himmlische Begierden erregest, 25* Wir bitten Dich, erhöre uns! 292 Litanei aller Heiligen. Daß Du alle unsere Gutthäter mit den ewigen Gütern belohnest, Daß Du unsere und unserer Brüder, Freunde und Gutthäter Seelen vor der ewigen Verdammniß bewahrest, Daß Du die Früchte der Erde geben und erhalten wollest, Daß Du allen verstorbenen Christgläubigen die ewige Ruhe verleihen wollest, Daß Du uns erhören wollest, Wir bitten Dich, erhöre uns! O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr. O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt! erhöre uns, o Herr. O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt! erbarme Dich unser, o Herr! Christe, höre uns. Christe, erhöre uns. Herr, erbarme Dich unser. Christe, erbarme Dich unser. Herr, erbarme Dich unser. Vater Unser 20. Litanei aller Heiligen. Pfalm 69. O Gott, sey bedacht mir beizustehen! Herr, eile mir zu helfen! 293 Beschämt und zu Schanden sollen werden, die meiner Seele nachstellen. Sie sollen zurückweichen, und in Schanden stehen, die mir Übels wollen. Sie sollen bald beschämt abtreten, die meiner spotten, und die mir Hohn sprechen. Alle aber, die Dich suchen, sollen frohlocken und sich in Dir erfreuen; und die Deine Hilfe wün. schen, sollen immer sagen: Hochgelobt sen der Herr! Ich aber bin bedürftig und arm, o Gott! stehe mir bei. Denn Du bist meine Hilfe und meine Rettung; o Herr, verweile nicht zu lange. Ehre sey dem Vater, und dem Sohne, und dem heiligen Geiste. Wie es war vom Anbeginne; jetzt und allezeit, und in Ewigkeit. Amen. Priester. Rette Deine Diener. Bolk. Die auf Dich hoffen, mein Gott! P. Sey uns, Herr, ein starker Thurm. V. Wider unsere Feinde. Litanei aller Heiligen. P. Laffe den Widersacher nichts vermögen wider uns. B. Und der Böse schade uns ferner nicht. P. Herr, handle nicht mit uns nach unsern Sünden. V. Und vergilt uns nicht nach unsern Übeb thaten, 294 P. Laffet uns beten für unsern obersten Hir ten N. V. Der Herr erhalte ihn, verleihe ihm Leben und Heil auf Erde, und übergebe ihn nicht den Händen seiner Feinde. P. Laffet uns beten für unsere Wohlthäter. V. O Herr! gib allen unsern Wohlthätern um Deines Namens willen das ewige Leben. P. Lasset uns beten für alle abgestorbenen Chrift gläubigen. V. Herr! gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. P. Laß sie im Frieden ruhen. V. Umen. P. Laffet uns auch beten für unsere abwesenden Brüder. V. O mein Gott! rette Deine Diener, die auf Dich hoffen. Litanei aller Heiligen. 295 P. O Herr! sende ihnen Hilfe von Deinem heiligen Site. V. Und von Sion beschütze sie. P. Herr! erhöre mein Gebet. V. Und laß mein Rufen zu Dir kommen. Gebet*). Gott! dem das Erbarmen und Schonen im mer eigen ist, nimm unser flehentliches Gebet an, damit wir und alle Deine Diener, die wir in Ket ten der Sünde liegen, durch Deine erbarmende Güte von denselben gnädig befreiet werden. Wir bitten Dich, o Herr! erhöre unser demüthiges Gebet, und verschone uns, die wir Dir unsere Sünden bekennen, damit wir zugleich Verzei= hung und Frieden durch Deine Güte erlangen. O Herr! erzeige uns gnädig Deine unaussprechliche Barmherzigkeit, durch welche wir zugleich von allen Sünden befreit, und von der Strafe, die wir für solche verdienen, gerettet werden. O Gott! der Du durch die Sünde beleidiget und durch die Buße versöhnt wirst, siehe gnädig auf *) Dieses und die nachstehenden Gebete werden von dem Priefter allein mit lauter Stimme gebetet. 296 Litanei aller Heiligen. das Gebet Deines um Gnade flehenden Volkes, und wende die Geißel Deines Zornes, welche wir für unsere Sünden verdient, von uns ab. Allmächtiger ewiger Gott! erbarme Dich Dei nes Dieners N., unsers obersten Hirten, und leite ihn nach Deiner Milde auf dem Wege des ewigen Heiles, damit er durch Deine Hilfe, was Dir ge fällt, begehre und mit allem Eifer vollbringe. O Gott! von welchem fromme Wünsche, gute Vorsäße und gerechte Werke entspringen; gib Dei nen Dienern jenen Frieden, welchen die Welt nicht geben kann, damit unsere Herzen Deinen Geboten ergeben, und gegenwärtige Zeiten durch Deinen Schuß vor Feindes Furcht gesichert und ruhig seyn. O Herr! entzünde unser Innerstes mit dem Feuer Deines Geistes, damit wir Dir mit keuschem Leibe dienen, und mit reinem Herzen gefallen mögen. O Gott! Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen, verleihe den Seelen Deiner Diener und Die nerinnen Verzeihung aller Sünden, damit sie die gnädige Nachlaffung, welche sie allezeit gewünschet haben, durch gottfelige Fürbitten erlangen. O Herr! wir bitten, komm unsern Handlungen durch Deine Einsprechungen zuvor, und begleite feibe mit Deiner Hilfe, damit all unser Beten und Litanei aller Heiligen. 297 Handeln von Dir jederzeit anfange, und wie es durch Dich angefangen hat, also auch durch Dich geendet werde. Allmächtiger, ewiger Gott! Der Du über die Lebenden und Abgestorbenen herrschest, und Dich Aller erbarmest, welche Du aus dem Glauben und den Werken für die Deinigen erkennest: wir bitten demüthig, daß die, für welche wir uns vorgenommen haben, unser Gebet zu verrichten, sie mögen nun noch auf dieser Welt im Leben, oder bereits davon abgeschieden seyn, durch die Fürbitte aller Deiner Heiligen nach Deiner Gütigkeit Verzeihung aller ihrer Sünden erlangen mögen: durch unsern Herrn Jesum Christum Deinen Sohn, der mit Dir lebet und regieret in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebet für den Landesfürsten. O Gott! Du Beschüßzer aller Reiche, und besonders des christlichen Kaiserthums, verleihe Deinem Diener, unserm Kaiser N., daß er Deine Macht, durch welche er sieget, erkenne und verehre, damit, weil er durch Deine Anordnung Landesfürst geworden ist, er auch durch Deinen Schuß allezeit. mächtig sey; durch unsern Herrn Jesum 298 Litanei aller Heiligen. Christum, Deinen Sohn, welcher mit Dir lebet und regieret in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebet für das allgemeine Anliegen der Christenheit. Allmächtiger, ewiger Gott! Herr himmlischer Bater! siehe mit den Augen Deiner unendlichen Barmherzigkeit auf der Deinigen Jammer, Elend und Noth. Erbarme Dich aller Christgläubigen, für welche Dein eingeborner Sohn, unser Herr und Heiland Jesus Christus in die Hände der Sünder freiwillig gekommen ist, und sein kostbares Blut am Kreuze vergoffen hat. Durch diesen unfern Herrn Jesum wende ab, gnädigster Bater! die wohlverdiente Strafe, gegenwärtige und zukünftige Ge fahren, schädliche Empörung, Kriege, Theurung Krankheiten und betrübte, mühselige Zeiten. Er leuchte und stärke in allem Guten geistliche und weltliche Obrigkeiten, damit sie Alles befördern, was zu Deiner göttlichen Ehre, zu unserm Heile und insgemein zum Frieden und zur Wohlfahrt der Christenheit gedeihen mag. Verleihe uns, o Gott des Friedens, echte Vereinigung im Glauben ohne alle Spaltung und Zertrennung. Lenke unsere Her Litanei aller Heiligen. 299 ren zu wahrer Buße und Besserung des Lebens. Zünde in uns das Feuer Deiner Liebe an. Erfülle uns mit eifrigem Verlangen nach Allem, was recht ist, damit wir als gehorsame Kinder, im Leben und Sterben Dir angenehm und wohlgefällig seyn. Wir bitten auch, wie Du willst, o Gott! daß wir bitten sollen, für unsere Freunde und Feinde, für Gesunde und Kranke, für alle betrübte und lei dende Christen, für die Lebenden und für die Verstorbenen. Dir sey auf immer empfohlen, o Herr, all unser Thun und lassen, unser Handel und Wandel, unser Leben und Sterben. Laß uns nur Deine Gnade hier genießen, und dort mit allen Auserwählten erlangen, daß wir in der ewigen Freude und Seligkeit Dich loben und ehren mögen. Dieß verleihe uns, o Herr, himmlischer Vater durch Jefum Christum Deinen Sohn, unsern Herrn und Heiland, welcher mit Dir und dem heiligen Geiste, gleicher Gott lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Für die allgemeinen Bedürfnisse fünf Vater Unser und fünf Uve Maria. Ulsdann wird der heilige Gegen gegeben. Lauretanische Litanei. Litane i zu Ehren der sel. Sungfrau Maria, ( wie selbe an Samstagen und Frauentagen, anstatt der an den übrigen Tagen vorgeschriebene Litanei von den Heiligen zu beten ist. 300 Herr, erbarme Dich unser. Christe, erbarme Dich unser. Herr, erbarme Dich unser. Christe, höre uns. Christe, erhöre uns. Gott Vater im Himmel, erbarme Dich unser. Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich unset. Gott heiliger Geist, erbarme Dich unser. Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme Dich unser. Heilige Maria, Heilige Gottesgebärerinn, Heiligste aller Jungfrauen, Mutter Christi, Mutter der göttlichen Gnade, Du reineste Mutter, Du keuschefte Mutter, Du ungeschwächte Mutter, Du unbefleckte Mutter, Du liebenswürdige Mutter, Bitte für uns. Lauretanische Litanei. Du bewunderungswürdige Mutter, Du Mutter des Schöpfers, Du Mutter des Erlösers, Du weiseste Jungfrau, Du ehrwürdige Jungfrau, Du lobwürdige Jungfrau, Du mächtige Jungfrau, Du gütige Jungfrau, Du getreue Jungfrau, Du Spiegel der Gerechtigkeit, Du Siß der Weisheit, Du Ursache unserer Fröhlichkeit, Du geistliches Gefäß, Du ehrwürdiges Gefäß, Du vortreffliches Gefäß der Andacht, Du geistliche Rose, Du Thurm Davids, Du elfenbeinener Thurm, Du goldenes Haus, Du Arche des Bundes, Du Pforte des Himmels, Du Morgenstern, Du Heil der Kranken, Du Zuflucht der Sünder, Du Trösterinn der Betrübten, 301 Bitte für uns. 302 Du Hülfe der Christen, Du Königinn der Engel; Du Königinn der Patriarchen, Du Königinn der Propheten, Du Königinn der Apostel, Du Königinn der Märtyrer, Du Königinn der Beichtiger, Du Königinn der Jungfrauen, Du Königinn aller Heiligen, O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone unser, o Herr! O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser. Christe, höre uns. Christe, erhöre uns. Lauretanische Litanei. Bater Unser, Uve Maria. Bitte für uns. Unter Deinen Schuß und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerinn! verschmähe nicht un ser Gebet in unsern Nöthen, sondern erlöse uns allezeit von allen Gefahren: o Du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau! unsere Frau, unsere Mittlerinn, unsere Fürsprecherinn, versöhne uns mit Lauretanische Litanei. 303 Deinem Sohne, empfiehl uns Deinem Schne, stelle uns vor Deinem Sohne. P. Bitte für uns, o heilige Gottesgebärerinn! 2. Damit wir der Verheissungen Christi würdig werden. Sebet. Wir bitten Dich, o Herr! Du wollest uns Deine Gnade ertheilen, damit wir, die wir durch des Engels Botschaft Christi, Deines Sohnes, Menschwerdung erkannt haben, durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung geführet werden. Durch denselben Christum unsern Herrn. Amen. P. Bitte für uns, o heiliger Joseph! V. Damit wir der Verheiffungen Chrifti wür dig werden. Gebet. Wir bitten Dich, o Herr, daß uns die Berdienste des Bräutigams Deiner heiligsten Gebä rerinn zu Hilfe kommen, damit uns durch seine Fürbitte dasjenige gewähret werde, was wir durch unsere Kräfte zu erhalten nicht vermögen. Der Du lebest und regiereft mit Gott dem Vater in Einig 304 Lauretanische Litanei. keit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit ju Ewigkeit. Amen. Salve Regina. Sey gegrüßet Du Königinn! Mutter der Barmherzigkeit, Trost in unserem Leben, und unsere Hoffnung, sen gegrüßet! Zu Dir rufen wir, verwiesene Kinder Eva's; zu Dir seufzen wir trau rend und weinend in diesem Thale der Thränen. O wende, Du unsere Fürsprecherinn, Deine mitleidigen Augen uns zu, und zeige uns nach diesem Elende Jesum, die gebenedeite Frucht Deines Lei bes; o gütige, o milde, o liebenswürdige Jungfrau Maria! P. Bitte für uns, o heilige Gottesgebärerinn. V. Damit wir der Verheissungen Christi wür dig werden. Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott! der Du den Leib und die Seele der heiligen Jungfrau und Mutter Maria zur würdigen Wohnung Deines Sohnes, durch die Mitwirkung des heiligen Geistes, vorberei tet hast, gib, daß wir, die wir uns ihres Andenkens erfreuen, durch ihre milde Fürbitte von den bevor Glaube, Hoffnung, Liebe. 305 stehenden Übeln und von dem ewigen Tode gerettet werden. Durch denselben Jesum Christum unsern Herrn. Amen. ( Hierauf wird das Gebet für den Landesfürsten, das Gebet für das allgemeine Anliegen der Christenheit, dann 5 Vater unser und Ave Maria für die allgemeinen Bedürfnisse gebetet, und zum Schlusse wird der heilige Gegen gegeben.) Glaube, Hoffnung und Liebe. Ich glaube an Dich, wahrer dreieiniger Gott, Bater, Sohn und heiliger Geist! der Du Alles erschaffen hast, der Du Alles erhältst und regiereft; der Du das Gute belohnest, und das Böse bestrafest. Ich glaube, daß der Sohn Gottes Mensch geworden ist, um uns durch seinen Tod am Kreuze zu erlösen, und daß der heilige Geist durch seine Gnade uns heiliget. Ich glaube und bekenne alles, was Du, o Gott, geoffenbaret hast, was Jesus Christus gelehret hat, was die Apostel geprediget haben, und was die heilige, römische katholische Kirche uns zu glauben vorstellet. Dieses alles glaube ich, weil Du, o Gott! die ewige und unendliche Wahrheit bist, welche weder betrügen, noch betrogen werden kann. Gott! vermehre meinen Glauben. 26 306 Glaube, Hoffnung, Liebe. Ich hoffe und vertraue auf Deine unendliche Güte und Barmherzigkeit, o Gott! daß Du mir, durch die unendlichen Verdienste Deines eingebornen Sohnes Jesu Christi, in diesem Leben die Erkennt niß meiner Sünden, wahre Reue und Verzeihung ertheilen, nach dem Tode aber die ewige Seligkeit geben und verleihen wirst, Dich von Angesicht zu Angesicht zu sehen, zu lieben und ohne Ende zu ge nießen. Ich hoffe auch von Dir die nöthigen Mittel, alles dieſes zu erlangen. Ich hoffe es von Dir, weil Du es versprochen hast, der Du allmächtig, getreu, unendlich gütig und barmherzig bist. O Gott! stärke meine Hoffnung. 48 O mein Gott! ich liebe Dich aus meinem ganzen Herzen über Alles, weil Du das höchste Gut, weil Du unendlich vollkommen und aller Liebe würdig bist; auch darum liebe ich Dich, weil Du gegen mich und alle Geschöpfe höchst gütig bist. Ich wünsche von ganzem Herzen, daß ich Dich eben so lieben möchte, wie Dich Deine treuesten Diener lieben und geliebet haben. Mit ihrer Liebe vereinige ich meine unvollkommene Liebe; vermehre sie in mir, gütigster Herr! immer mehr und mehr. Weil ich nun Dich aufrichtig und innigst zu lieben wünsche, Glaube, Hoffnung, Liebe. 307 und es zu thun mich ernstlich bestrebe, so ist es mir von Herzen leid, daß ich Dich, mein höchstes Gut, welches ich über Alles liebe, Dich meinen Schöpfer, Erlöser und Heiligmacher, erzürnet habe; es schmerzet mich, daß ich gesündiget, daß ich Dich, meinen allmächtigen Herrn, meinen besten Vater, beleidiget habe. Ich nehme mir ernstlich vor, alle Sünden sammt allen bösen Gelegenheiten zu meiden, die begangenen Missethaten mehr und mehr zu bereuen, und niemahls gegen Deinen heiligsten Willen zu handeln. Nimm mich wieder zu Deinem Kinde auf, und gib mir die Gnade zur Erfüllung dieses meines Vorfaßzes. Darum bitte ich Dich durch die unendlichen Verdienste Deines göttlichen Sohnes, unsres Herrn und Erlösers Jesu Christi. Litanei vom Namen Jesu. Herr erbarme Dich unser 2c. Jesu höre uns. Jesu erhöre uns. Gott, Vater im Himmel, 2c. Jesu, Du Sohn des lebendigen Gottes: erbarme Dich unser. Jesu, Abglanz der Glorie des Vaters, Jesu, Du König der Glorie, Jesu, Du Sonne der Gerechtigkeit, 26# 308 Litanei vom Namen Jesu. Jesu, Du Sohn Davids, Jesu, Du Sohn Mariä der Jungfrau, Jesu, Du Allerheiligster, Jesu, Du Mächtigster, Jesu, Du Starker, Jesu, Du Vollkommenster, Jesu, Du Glorreichster, Jesu, Du Wunderbarer, Jesu, Du Süßester, Jesu, Du Holdseligster, Jesu, strahlender als die Sonne, Jesu, glänzender als die Sterne Jeſu, Du Unmuthigster, Jesu, Du Ehrwürdigster, Jesu, Du Demüthigster, Jesu, Du Sanftmüthigster, C Jesu, Du Geduldigster, Jesu, Du Gehorsamster, Jesu, Du Ullerreinester, Jesu, Du Liebhaber der Reinigkeit, Jesu, Du Liebhaber des Friedens, Jesu, unser getreuester Freund, Jesu, Du Spiegel des Lebens, Jesu, Du Vorbild der Tugenden, Jesu, Du Schimmer der Sittlichkeit, Jesu, Du Eiferer der Seelen, Jesu, unsere Zuflucht, Jesu, Vater der Urmen, Jesu, Trost der Betrübten, 149 64120 Litanei vom Namen Jesu. Jesu, Reichthum der Gläubigen, Jesu, Inbegriff der Vollkommenheit, Jesu, Du guter Hirt der Schafe, Jesu, Du wahrhaftes Licht, Jesu, Du ewige Weisheit Jesu, unendliche Gütigkeit, Jesu, Freude der Engel, Jesu, König der Patriarchen, Jesu, Erleuchter der Propheten, Jesu, Meister der Upostel, Jesu, Lehrer der Evangelisten, Jesu, Stärke der Martyrer, Jesu, Licht der Beichtiger, Jesu, Bräutigam der Jungfrauen, Jesu, Du Krone aller Heiligen, erbarme Dich unser, Sen uns gnädig: schone uns, o Jesu. Sen uns gnädig: erhöre uns, o Jesu. Bon allem Übel: erlöse uns, o Jeſu. Von aller Sünde, Von Deinem Borne, Von den Nachstellungen des bösen Feindes, Von Pest, Hunger und Krieg, Von der Übertretung deiner Gebote, Durch Deine Menschwerdung, Durch Deine Geburt, Durch Deine Geißeln und Schmerzen, Durch Deinen Tod, 309 Durch Deine Auferstehung und Himmelfahrt, Durch Deine ewige Freude, 310 Litanei vom Leiden Jesu. Durch Deine ewige Glorie, Durch die heil. Jungfrau, Deine Mutter Durch die Fürbitte aller Heiligen: erlöse uns, o Jesu. Lamm Gottes, das Du hinnimmst zc. Herr erbarme Dich unser 2c. Vater unser 2c.*). Litanei vom Leben und Leiden Christi. Herr erbarme Dich unser u. d. Üb. Gott, Vater vom Himmel u. d. Üb. Jesu, Du ewige Weisheit, erbarme Dich unser. Jesu, von der Jungfrau Maria geboren, Jesu, von Deiner Gebärerinn angebetet, Jesu, in Windeln gewickelt, Jesu, in die Krippe gelegt, Jesu, an jungfräulicher Brust ernähret Jesu, von den Hirten heimgesucht, Jesu, dem Geseg der Beschneidung unterthan, Jesu, von den Weisen angebetet, Jesu, im Tempel dargebracht, Jesu, nach Ägypten geflüchtet, Jesu, von Herodes verfolgt. Jesu, in Nazareth aufgenährt Jesu, im Tempel gefunden, Jesu, den Ältern unterthänig, Jesu, von Johannes getauft. *) S. oben im IV. Ubschnitt, Geite 111, Litanei vom Leiden Jesu. 311 Jesu, in der Wüste versucht, Jesu, unter den Menschen wandelnd, Jesu, ohne Grund gehaffet, Jesu, mit Unbilden und Schmähungen bedrängt, Jesu, auf dem Berge vor den Vätern verkläret, Jesu, sanftmüthiger König, in Jerusalem einziehend, Jesu, über Jerusalem weinend, E Jesu, um dreißig Silberlinge verkauft, E Jesu, zu den Füßen der Jünger niedergebeugt, Jesu, im Gebet hingeworfen, Jesu, vom Engel gestärket, Jesu, in der Todesangst von Blutschweiß überronnen, Jesu, von Judas durch einen Kuß verrathen, Jesu, von den Knechten gebunden, Jesu, von den Jüngern verlassen, Jesu, dem Unnas und Caiphas vorgeführt, Jesu, vom Knechte ins Angesicht geschlagen, Jesu, von falschen Zeugen angeklagt, Jesu, des Todes schuldig erklärt, Jesu, verspottet und bespien, Jesu, mit einer Hülle über die Augen verhöhnt, Jesu, auf die Wangen geschlagen, Jesu, von Petrus dreimal verläugnet, Jesu, gebunden dem Pilatus, überliefert, Jesu, von Herodes verachtet und verspottet, Jesu, mit dem weißen Gewande bekleidet, Jesu, dem Barabbas nachgefest, Jesu, mit Geißeln geschlagen, Jesu, um unsrer Laster willen zertreten/ 312 Litanei vom Leiden Jesu. Jesu, gleich einem Aussäßigen geachtet, Jesu, mit dem Purpurgewand bekleidet, Jesu, mit Dernen gekrönet ,. Jesu, mit dem Rohr aufs Haupt geschlagen, Jesu, von den Juden zur Kreuzigung gefordert, Jesu, zum schimpflichsten Tode verurtheilt, Jesu, dem Willen der Juden preisgegeben, Jesu, mit der Bürde des Kreuzes beladen, Jesu, wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt, Jesu, der Kleider beraubt, Jesu, mit Nägeln ans Kreuz angeschlagen, Jesu, um unsrer Missethaten willen verwundet, Jesu, für die Feinde den Vater anflehend, Jesu, unter die Uebelthäter gerechnet, Jesu, am Kreuz gelästert und verhöhnt, Jesu, vom Räuber mit Vorwürfen geschmäht, Jefu, dem büßenden Räuber das Paradies verheißend, Jesu, den Jünger Johannes Deiner Mutter zum Gohne empfehlend, Jesu, vom Vater Dich verlassen fühlend, Jeſu, im Durste mit Galle und Essig getränket, Jesu, daß alles vollbracht sey, bezeugend, Jesu, Deinen Geist in die Hände des Vaters em pfehlend, Jesu, bis zum Tode des Kreuzes gehorsam, Jesu, mit der Lanze durchbohret. Jesu, unsere Sühnung geworden, Jesu, vom Kreuz herabgenommen, Jesu, im Grabmal beigeseget, Litanei vom Leiden Jesu. Jesu, glorreich von den Todten erstanden, Jesu, in den Himmel aufgefahren, Jesu, unser Fürsprecher bei dem Vater, Jesu, der Du den heil. Geist den Jüngern gesendet, Jesu, der Du über die Chöre der Engel Deine Mutter erhoben, 313 Jesu, der Du richten wirst die Lebendigen und Tod= ten; erbarme Dich unser. Sey uns gnädig: schone uns, o Herr. Sen uns gnädig: erhöre uns, o Herr. Von aller Sünde: erlöse uns, o Herr. Von Zern, Haß und bösem Willen: Von allen Gefahren der Seele und des Leibes, Von dem ewigen Tode: erlöse uns, o Herr. Durch Deine allerreinste Empfängniß. Durch Deine wunderbare Geburt, Durch Deine demüthige Beschneidung, Durch Deine Taufe und heilige Faste, Durch Deine Urbeiten und Nachtwachen, Durch Deine schmerzhafte Geißlung und Krönung, Durch Deinen Durst, Deine Thränen, Deine Blöße Durch Dein Kreuz und Deinen kostbaren Tod, Durch Deine glorreiche Auferstehung und Himmet. fahrt, Durch die Sendung des heil. Geistes, des Trösters, Um Tage des Gerichtes; erlöse uns, o Herr. Wir Sünder: wir bitten Dich, erhöre uns. Daß Du uns schonest. Daß Du uns verzeihest, 27 Litanei vom Leiden Jesu. Daß Du zu wahrer Buße uns führen wolleft, Daß Du die Gnade des heil. Geistes unseren Her: zen einflößen wolleft; Daß Du Deine heil. Kirche beschüßen und ausbrei ten wolleft; Das Du uns wahren Frieden, Demuth und Liebe verleihen wolleft; 3 Daß Du in Deiner Gnade, und in Deinem hei ligen Dienste uns Beharrlichkeit geben wollest, Daß Du von unreinen Gedanken, von den Anfechtungen des Bösen, und vom ewigen Verderben uns be: freien wolleft; Daß Du uns der Versammlung Deiner Heiligen ju gesellen wolleft; Daß Du uns erhören wolleft; wir bitten Dich, et höre uns. Lamm Gottes, das Du hinnimmst u. d. Ü. Herr erbarme Dich unser ze. Vater unser. V. Wir beten Dich an, o Christe, und bene deien Dich: 314 R. Weil Du die Welt durch Dein heiliges Kreuz erlöset hast. V. Gedenke Deiner Erbarmungen, o Herr: R. Und Deiner Barmherzigkeit vom Anbeginne; V. Sieh' an meine Demuth und meine Mühe: R. Und verzeihe alle meine Fehltritte. V. Herr erhöre mein Gebet zc. Litanei vom h. Sacramente. 315 Gebet. Herr Jesu Christus, der Du in der sechsten Stunde am Kreuz erhöhet worden, und Dein kostbares Blut zur Verzeihung der Sünden vergoffen haft: Dich bitten wir demüthig, daß Du nach unserm Abscheiden durch die Pforten des Paradieses uns freudig eingehen laffest. Der Du lebeft und regierest 2c. Litanei vom heiligsten Altars- Sacrament. Herr erbarme Dich unser u. d. Ü. Gott Vater vom Himmel u. d. Ü. Brod der Engel, erbarme Dich unser, Lebendig Brod, so vom Himmel herabgestiegen, Brod, so alle Süßigkeit in sich faffet, Brod, so der Welt das Leben gibt, Verborgener Gott und Erlöser, Krone der Uuserwählten, Frucht des Lebensbaumes, Quell der Gnade, 3mmerwährendes Opfer, Unbeflecktes Lamm, 27* erbarme Dich unser. 316 Litanei vom h. Sacramente. Verborgenes Manna, Undenken der göttlichen Wunderwerke, Übernatürliches Brod, Wort, so Fleisch geworden, und unter uns wohnet, Mysterium des Glaubens, Überhohes und ehrwürdiges Sacrament, Heiligstes aller Opfer, Versöhnungsopfer der Lebenden und der Todten, Himmlisches Schußmittel gegen die Sünde, Über Alles staunenswürdiges Wunder, Heiligstes Undenken des Leidens des Herrn, Vorzüglichstes Denkmal der göttlichen Liebe, Überströmende Fülle der göttlichen Freigebigkeit, Hochheiliges und allerhöchstes Geheimniß, Arznei der Unsterblichkeit, Hehres und lebendig machendes Sacrament, Brod, durch des Wortes Allmacht Fleisch geworden, Unblutiges Opfer, Speise und Gast, Süßestes Gastmal, dem die Engel dienen, Sacrament der Gütigkeit, Band der Eintracht und Liebe, Priester und Opfer zugleich, Erquickung heiliger Seelen, Wegzehrung der im Herrn Sterbenden, Unterpfand der zukünftigen Glorie, Sey uns gnädig: schone uns, o Herr. Sey uns gnädig, erhöre uns, o Herr. erbarme Dich unser. Litanei vom H. Sacramente. 317 Bom unwürdigen Empfange Deines Leibes und Blutes: erlöse uns, o Herr. Von der Begierlichkeit des Fleisches, Von der Begierlichkeit der Augen, Von der Hoffart des Lebens, Von aller Gelegenheit der Sünde, Durch Dein Verlangen, womit Du Dich nach der Einsegung dieses Abendmahls gesehnet hast. Durch Deine tiefste Demuth, als Du den Jüngern die Füße gewaschen, Durch die brennendste Liebe, durch welche Du dieß götte liche Sacrament eingefeget, Durch Dein kostbares Blut, welches Du uns im Altars geheimnisse hinterlassen, Durch die fünf Wunden dieses Deines allerheiligsten Leis bes, welche Du für uns empfangen: erlöse uns, o Herr. Wir Sünder: wir bitten Dich, erhöre uns. Daß Du den Glauben, die Ehrfurcht und Undacht zu diesem wunderbaren Sacramente in uns vermehren und erhalten wollest, Daß Du, durch aufrichtige Beichte und Bußè, zum öf tern Empfang desselben uns gelangen lasseft, Daß Du von aller Irrung, Treulosigkeit und Blindheit des Herzens uns befreien wollest, Daß Du die himmlischen Früchte dieses heiligsten Sacramentes uns ertheilen wolleft, Daß Du in der Todesstunde mit diesem himmlischen Wege 318 Litanei vom H. Sacramente. mahl uns stärken und rüsten wolleft: wir bitten Dich, erhöre uns. Sohn Gottes: wir bitten Dich, erhöre uns. Lamm Gottes, welches. Du hinnimmst u. d. Ü. Christe höre uns. Herr erbarme Dich unser u. d. Ü. Ge Bet. O Gott, der Du im wunderbaren Sacramente des Altars das Andenker Deines Leidens uns hinterlassen haft: Dich bitten wir: verleihe uns, die heiligen Geheimnisse Deines Leibes und Blutes also zu verehren, daß wir die Früchte Deiner Erlösung in uns allezeit empfinden. Der Du lebest und regie: reft mit dem Vater ic. its- 010 Geistliche Lieder. Zum Gebrauche des öffentlichen Gottesdienstes. E Predigtlied an Sonntagen. Im Tone: Im Namen des Vaters, und des Sohnes 10. In In Gott des Vaters und des Sohns Und seines Geistes Namen, Sprecht hier am Fuße seines Throns, O Christen! freudig Amen. Sprecht Umen und bereitet euch Nach eures Meisters Lehren, Den Vater in dem Himmelreich Mit Bitten zu verehren. 2. O Vater unser, der Du bist Im Himmel und auf Erden, Dein Name, der so liebvoll ist, Soll stets geheiligt werden! Dein Reich von Unbeginn der Welt, Bereitet allen Frommen, 320 Geistliche Lieder. Das laß, wenn dieser Staub zerfällt, Für uns auch einstens kommen. 3. So wie auf jeden Wink von Dir Die Himmelsgeister sehen; So soll auch unter Menschen hier Dein Wille stets geschehen! Das Brod, das uns're Seele nährt, Um Dir, o Gott, zu leben, Auch jenes, das der Leib begehrt, Sen täglich uns gegeben! 4. Vergib uns, Vater, jede Schuld, Die wir vor Dir bereuen, So wie wir alle mit Geduld Den Schuldigern verzeihen. Ersticke, wenn Versuchung droht, In uns des Bösen Samen! Erlös uns jegt und einst, o Gott! Von allem Übel, Umen. 1. Meßgesang. Zum Introitus. Wir werfen uns darnieder Vor Dir, Gott Sabaoth, Erhöre unsre Lieder, Da wir nach dem Gebot Geistliche Lieder. Dir dieses Opfer bringen; Verleihe nun, daß wir Es andachtsvoll besingen, und wohlgefallen Dir. 2. Den Tag vor Jesu Leiden, Beim legten Abendmahl, Indem er wollte scheiden Aus diesem Jammerthal, Hat er das Brod gebrochen; Und ausgetheilt den Wein, Gesegnet und gesprochen, Dieß thut und denket mein. 3. Er sprach nehmt hin und effet! Dieß ist mein Fleisch und Blut, Damit ihr nicht vergesset, Was meine Liebe thut; Mich opfernd will ich sterben Um Kreuz zum Heil für euch; Wer an mich glaubt, soll erben Mit mir das Himmelreich. 4. D Herr, dieß Opfer steige Zu Dir mit Wohlgeruch, Damit Dein Herz sich neige Zu Deines Volks Gesuch. Wir opfern nicht mehr Kälber, Wie Karon hat gethan, 321 322 Geistliche Lieder. Nein! Jesum Christum selber, Der uns versöhnen kann. 3um Gloria. 1. Gott Vater! Dir gehöret Lob, Ruhm und Dank und Ehr' Was unsre Ruhe störet, Verstatte nimmermehr. Auf Erden laß uns grünen Den Frieden jederzeit, Daß wir Dir fröhlich dienen, Von Furcht und Ungst befreit. 2. Der Du der Menschen Sünden Gebüßt am Kreuzes stamm, Laß mich Erbarmung finden, O Jesu, Gotteslamm! Gelobt mit Mund und Herzen Seyst Du, Gott heil'ger Geist! Der Du in Angst und Schmerzen Den Frömmen Trost verleihst. Vor dem Evangelium. 1. Aus Gottes Munde gehet Das Evangelium, Auf diesem Grunde stehet Das wahre Christenthum. Gott selber hat's gelehret, Der nicht betrügen kann! Geistliche Lieder. Wohl dem, der's gerne höret, Und es nimmt willig an. 2. Sein Wort zeigt uns die Wege 3um Himmelreiche an; Es weiset uns die Stege, 3u gehen diese Bahn; Herr! drücke Deine Worte Tief in die Herzen ein, Daß wir zur Himmelspforte 3u kommen würdig seyn. 3um Credo. 1. Wir glauben und bekennen, Daß aus höchst weisem Rath, Gott, den wir Vater nennen, Die Welt erschaffen hat: Von ihm ist ausgegangen Sein Sohn, der Jesus heißt, Der ward als Mensch empfangen Durch Gott den heil'gen Geist. 2. Maria hat geboren Als Jungfrau dieses Kind, Sonst wären wir verloren, Wir, die wir Sünder sind. Er litt an Leib und Seele, Schloß sterbend seinen Lauf, 323 324 Geistliche Lieder. Stand aus des Grabes Höhle Um dritten Tage auf. 3. Er ward hinauf genommen 3u Gottes rechter Hand, Wann er wird wieder kommen, Ist uns zwar nicht bekannt; Doch kommt er einst zu rächen, Und wird von seinem Thron Ein billig Urtheil sprechen, 3ur Strafe und zum Lohn. 4. Wir glauben nicht alleine, Daß Eine Kirche sey, Wir stimmen der Gemeine Der Heiligen auch bei, Die Sünde wird vergeben. Durch Christi Diener hier; Der Leib steht auf zum Leben, Geht ein zur Himmelsthür. 3um Offertorium. 1. Herr! laß doch diese Gaben Dir wohlgefällig seyn, Die wir geopfert haben; Es ist zwar Brod und Wein; Doch wird's verwandelt werden In Chrifti Fleisch und Blut; 19 19 Geistliche Lieder. Das ist uns hier auf Erden, und den Verstorbnen gut. 2. Wir opfern Dir den Willen, Herz und Gedanken auf. Hilf uns, daß wir erfüllen In unserm Lebenslauf, Was Du uns, Deinen Kindern, Bu thun befohlen haft: Nimm weg, was uns kann hindern, Nimm weg die Sündenlast. 3. Wir legen Dir zu Füßen Auch unser Hab und Gut, Und was wir hier genießen, Das Leben, Leib und Blut. Bib uns bald kühlen Regen, Bald warmen Sonnenschein, Und laß durch Deinen Segen, Die Felder fruchtbar seyn. 3um Sanctus. 1. Laßt uns gen Himmel schwingen 3um Helfer in der Noth, und drei Mal heilig singen Dem Herrn Gott Sabaoth. Herr! Himmel und auch Erde Sind voll von Deinem Ruhm; 325 326 Geistliche Lieder. Hilf daß bekehret werde Das blinde Heidenthum. 2. Daß wir hernach zusammen Dir unsere Herzen weih'n, und voll von Liebesflammen, Dir ein Osanna schrein. Herr! der in Deinem Namen Kommt, sey gebenedeit! Die Engel sagen: Amen. Jest und in Ewigkeit. Nach der Wandlung1. Hier bet' ich auf den Knien, Verborgner Gott, Dich an. Ich will mich nicht bemühen, Das, was Du hier gethan, Durch Sinne zu begreifen: Sein Wort muß mir allein, Um hier nicht auszuschweifen Der Grund des Glaubens seyn. 2. Die Gottheit war bedecket Allein, am Kreuzaltar; Hier aber ist verstecket Die Menschheit auch sogar. Dieß Denkmahl Deiner Güte, Dieß wahre Himmelsbrod, Geistliche Lieder. Erinnert mein Gemüthe O Herr! an Deinen Tod. 3. Wasch' mich von meinen Sünden, O Jesu durch Dein Blut, und laß mich Gnade finden, Du allerhöchstes Gut! Laß bald den Vorhang fallen, Erschein in vollem Licht, und zeige mir und Allen, Dein glänzend Ungesicht. Agnus Dei. 1. Erfreu't euch, fromme Seelen! Ein Wunder ist gescheh'n, Der Herr will sich verhehlen, Kein Auge kann ihn seh'n; In Brod- und Weinsgestalten Ist Jesu Fleisch und Blut Auf dem Ultar enthalten, Dieß größte Seelengut. 2. Verdeckt ist hier zu finden Das wahre Gotteslamm, So aller Menschen Sünden Getilgt am Kreuzes stamm. Es ist der Seele Speise, Wie uns der Glaube lehrt, 327 328 Geistliche Lieder. Sie nährt uns auf der Reise; und wird doch nicht verzehrt. 3. Wenn wir das Leben schließen, Und dieses Himmelsbrod Recht wohl bereit genießen, So kann der bitt're Tod Uns Christen nicht erschrecken; Es ist ein Unterpfand, Daß Gott uns wird bedecken Mit seiner starken Hand. 4. Herr Jesu! Deiner Liebe Sey Ehre, Lob und Dank! Weil Du nach ihrem Triebe, 3ur Speise und zum Trank Dein Fleisch und Blut gegeben, In Brodsgestalt verhüllt, Daraus für uns das Leben Und reine Freude quillt. 5. Entzünd' in uns Verlangen Nach diesem Sacrament, Herr, laß es uns empfangen, Wenn sich die Seele trennt, Laß uns in Frieden fahren, Von allen Sünden rein, 3u Deinen Engelscharen, und ewig bei Dir seyn. Geistliche Lieder. 3um Segen des Priesters.. 1. Da wir nunmehr gehöret Die Messe wie man soll, So sey auch Gott geehret!- Er mach' uns segensvoll, und laß es Sich gefallen, Was wir allhier gethan, Er bleibe bei uns allen, So sind wir wohl daran 2. Gott wolle uns behüten, Daß uns an diesem Tag Des bösen Feindes Wüthen Nicht schädlich werden mag; Er lass' uns ohne Sünden Einst stehen vor Gericht, Damit wir Gnade finden Vor seinem Ungesicht. Zweiter Meßgesang. Das Kyrie. Hier liegt vor Deiner Majestät Im Staub die Christenschar: Das Herz zu Dir, o Gott! erhöht; Die Augen zum Altar. 28* 329 330 Geistliche Lieder. Schenk uns, o Vater! Deine Huld, Vergib uns unsre Sündenschuld, O Gott von Deinem Ungesicht Verstoß uns arme Sünder nicht Verstoß- uns nicht! Verstoß uns Sünder nicht. - Wir haben Herr, Dein Gut verschwend't, Wie der verlorne Sohn; Die Sünde hat uns so verblend't, Doch schau von Deinem Thron Mitleidig her auf unsern Schmerz, Verwirf nicht ein zerknirschtes Herz; Entzieh die Baterhuld uns nicht, und sende uns Dein Gnadenlicht, Dein Gna- den- licht, Dein göttlich's Gnadenlicht. Wir sind ja Deiner Hände Werk, Der Schöpfung unterthan, D gib uns Schwachen Kraft und Stärk', Sieh uns in Gnaden an Hier bringen wir auf den Altar Dir ein Versöhnungsopfer dar. O Gott! der Werth des Bluts ist groß, Das einst Dein Sohn für uns vergoß, Für uns- ver goß. Am Kreuz für uns vergos. 1 Geistliche Lieder. 3um Gloria. Gott soll gepriesen werden, Sein Nam' gebenedeit, Im Himmel und auf Erden of cul Jeßt und in Ewigkeit. Lob, Ruhm und Dank und Ehre Sey der Dreieinigkeit! Die ganze Welt vermehre, Gott Deine Herrlichkeit. Bei dem Evangelium. Uus Gottes Munde gehet Das Evangelium: Auf diesem Grunde stehet Das wahre Christenthum; Golt selbst ist's; der uns lehret, Der Weis- und Wahrheit ist; Der Seine Lehren höret, Wie glücklich ist der Chrift! 3um Credo. Allmächtiger!- vor Dir im Staube Bekennt Dich Deine Creatur! O Gott und Vater! ja ich glaube Un Dich, Du Schöpfer der Natur. 28* 331 332 Geistliche Lieder. Uuch an den Sohn, der ausgegangen Von Dir, geboren, ewig war, Denn von dem heil. Geist empfangen Die reinste Jungfrau uns gebar. Und Jesus Christus ist gekommen, m Daß er versöhne uns mit Gott! Er hat die Schuld auf sich genommen, Und litt für uns den Kreuzestod; Erstand, besiegte Tod und Hölle Fuhr zu des Vaters Rechten auf, Und wird als Richter jeder Seete Einst prüfen unsern Lebenslauf. Ich glaube, Gottes Geist regieret Die wahre Kirch' und Christenheit, Ein büßend Schaf, das sich verirret, Fliehet hin zu der Barmherzigkeit. Um großen Tag wird's Fleisch erstehen, Jest, Heilige! helft insgemein Daß wir mit euch zum Leben gehen, Miterben Christi ewig seyn. 3um Offertorium. Nimm an, o Herr! die Gaben, Kus Deines Priesters Hand, Wir, die gesündigt haben, b Weih'n Dir dieß Liebespfand. Geistliche Lieder. Für Sünder hier auf Erden, In Uengsten, Kreuz und Noth, Soll dieß ein Opfer werden Von Wein und reinem Brod. Nimm gnädig dieß Geschenke, Dreieinig großer Gott: Erbarm' Dich unser; denke Un Christi Blut und Tod; Sein Wohlgeruch erschwinge Sich hin zu Deinem Thron, und dieses Opfer bringe uns den verdienten Lohn. 3um Sanctus. Singt heilig, heilig, heilig, Ist unser Herr und Gott! singt mit den Engeln: heilig Bist Du Gott Sabaoth! Im Himmel und auf Erden Soll Deine Herrlichkeit Gelobt, gepriesen werden Jeht und in Ewigkeit. Wir singen froh zusammen, Von ganzer Seel' erfreut: Der kommt ins Herrn Namen, Der sey gebenedeit; 333 334 Geistliche Lieder. Hosanna in der Höhe! o alg Gepriesen sey der Herr, Denn großen Gott geschehe.169 Sein Lob von Meer zu Meer. Nach der Wandlung. Sieh Vater! von dem höchsten Throne, Sieh gnädig her auf den Altar! Wir bringen Dir in Deinem Sohne Ein wohlgefällig's Opfer dar. Wir fleh'n durch ihn, wir Deine Kinder; Und stellen Dir sein Leiden vor, Er starb aus Liebe für uns Sünder; Noch hebt er's Kreuz für uns empor, Noch heht er's Kreuz für uns empor. Er hat für uns sich dargegeben Für alle Menschen insgesammt, Beim Vater, daß wir ewig leben, Vertritt er jetzt das Mittleramt. O Jesu, höre uns're Bitte, Steh unsrer Schwachheit immer bei Auf daß Dein Leiden, Deine Güte, An uns niemal verloren sey, Xn uns niemal verloren sey, us Geistliche Lieder. 3um Agnus Dei. Betrachtet ihn in Schmerzen, Wie er sein Blut vergießt! Seht, wie aus Jesu Herzen Der lette Tropfen fließt: Er nahm hinweg die Sünden Er trug all' unsre Schuld; Bei Gott läßt er uns finden. Den Frieden, seine Huld. Die geistliche Communion. O Herr, ich bin nicht würdig Zu Deinem Tisch zu geh'n, Du aber mach' mich würdig, Erhör mein kindlich Fleh'n. O stille mein Verlangen, Du Seelenbräutigam! Im Geist Dich zu empfangen, Dich wahres Osterlamm. 335 3um Beschluße der heiligen Messe. Nun ist das Lamm geschlachtet, Das Opfer ist vollbracht: Wir haben jest betrachtet. Gott! Deine Lieb' und Macht, 336 Geistliche Lieder. Du bist bei uns zugegen, Aus Deinem Gnadenmeer Ström uns Dein Vatersegen Durch dieses Opfer her. 3um Segen. Lasset uns dann würdig ehren, Ein so großes Sacrament, Nach dem neuen Bund uns kehren, Weil der alte sich geend't; Was man nicht mit Händen greifen, Noch mit Augen sehen kann, IC Sehen wir Sehen wir im Glauben an. - Gott den Vater wir erheben Mit dem eingebornen Sohn, Preis und Jubel sey gegeben Beiden auf dem höchsten Thron, Dem auch, der von ihnen beiden Uusgeht, Gott von Ewigkeit, Werde gleich Werde gleiches Lob geweiht. www. Geistliche Lieder.. Lied zum heiligen Altars- Sacramente. 3um vierzigstündigen Gebet. Komm, o fromme Christenschar! Wirf dich nieder am Altar. ( Denn es stellt in Brodsgestalten Sich Dein Heiland dar). 2. Hier ist Jesu Fleisch und Blut, Hier das allerhöchste Gut. ( Keine Seele geht verloren Unter seiner Hüt). 3. Sey geehrt, gebenedeit, Trost in Widerwärtigkeit. ( Uller, die sich Dir vertrauen, Wahre Sicherheit)! 4- Gib uns Segen, großer Gott! Wundervolles Himmelsbrod! ( Hilf den Deinen, und bewahre Sie vor aller Noth)!5. Gib uns wahre Buß und Reu, Mach uns von den Sünden frei, ( Daß nach Glauben, Hoffen, Lieben Unser Trachten sey)! 20 337 338 Geistliche Lieder. 6. Ist nun unsere Pflicht gethan, Und vollend't des Lebens Bahn, ( dann nimm zu Deinen Freuden Unfre Seelen an)! 7. Sen gelobt, gebenedeit, Heiligste Dreieinigkeit ( Jesu Preis im Sacramente Bis an's End der Zeit)! Te Deum Laudamus. ( Deutfch.) 1. Großer Gott! wir loben Dich, Herr! wir preisen Deine Stärke; Vor Dir neigt die Erde sich, Und bewundert Deine Werke! Wie Du warst vor aller Zeit. So bleibst Du in Ewigkeit. 2. Alles was Dich preisen kann, Cherubim und Seraphimen, Stimmen Dir ein Loblied an: Alle Engeln, die Dir dienen. Rufen Dir stets ohne Ruh: Seilig, heilig, heilig zu! 20 Geistliche Lieder. 3. Heilig, Herr Gott Sabaoth! Heilig, Herr der Kriegesheere! Starker Helfer in der Noth! Himmel, Erde, Luft und Meere Sind erfüllt mit Deinem Ruhm Alles ist Dein Eigenthum. 4. Der Upostel Christi Chor, Der Propheten große Menge Schickt zu Deinem Thron empor Neue Lob- und Dankgesänge; Der Blutzeugen große Schar Lobt und preist Dich immerdar. 5. Auf den ganzen Erdenkreis Loben Große und auch Kleine; Dir, Gott Vater, Dir zum Preis Singt die heilige Gemeine; Sie ehrt auch auf seinem Thron Deinen eingebornen Sohn. 6. Sie verehrt den heil'gen Geist, Welcher uns mit seinen Lehren. und mit Troste kräftig speist, Der, o König voller Ehren, Der mit Dir, Herr Jesu Chrift! Und dem Vater ewig ist. 7. Du des Vaters ew'ger Sohn, Hast die Menschheit angenommen, 29 339 Geistliche Lieder. Du bist auch von Deinem Thron Zu uns auf die Welt gekommen; Gnade hast Du uus gebracht, Von der Sünde frei gemacht. minis motha sine 300 8. Nunmehr steht das Himmelsthor a Ullen, welche glauben, offen; Du stellst uns dem Vater vor, Wenn wir kindlich auf Dich hoffen. Endlich kommst Du zu Gericht; Zeit und Stunde weiß man nicht. 340 9. Steh', Herr! Deinen Dienern bei, Welche Dich mit. Demuth bitten, Die Dein Blut dort machte frei, Als Du für uns hast gelitten; Nimm uns nach vollbrachtem Lauf 3u Dir in den Himmel auf. 10. Sieh Dein Volk in Gnaden an; Hilf uns, segne, Herr! Dein Erbe. Leit es auf der rechten Bahn, Daß der Feind es nicht verderbe; Hilf, daß es durch Buß und Fleh'n. Dich im Himmel möge seh'n! 11. Ulle Tage wollen wir Dich und Deinen Namen preisen, und zu allen Zeiten Dir Ehre, Lob und Dank erweisen, #O Geistliche Lieder. Gib daß wir von Sünden heut Und von eastern seyn befreit. 12 Herr, erbarm! erbarme Dich Ueber uns, Herr! sey Dein Segen. Deine Güte zeige sich, So wie wir zu hoffen pflegen. Auf Dich hoffen wir allein, Laß uns nicht verloren seyn. Adventlied zur Rorate. Sm Tone: Gottes Sohn Du Welterlöser, u. f. to. 1. Thauet Himmel den Gerechten! Wolken, regnet Ihn herab! Also rief in bangen Nächten, Einst die Welt ein weites Grab! In von Gott verfluchten Gründen Herrschten Satan, Tod und Sünden, Fest verschlossen war das Thor Zu des Heiles Erb' empor. 2. Doch der Vater ließ sich rühren, Daß er uns zu retten sann, und den Rathschluß auszuführen Trug der Sohn sich freudig an. Gabriel flog schnell hernieder, Kehrte mit der Untwort wieder: 341 342 Geistliche Lieder. Sieh, ich bin die Magd des Herrn, Was er will, erfüll' ich gern. 3. Dein Gehorsam ist mein Leben, Jungfrau demuthsvoll uud keusch! Gottes Geist wird Dich beschweben, Und des Vaters Wort wird Fleisch. Menschen betet an im Staube! Weh der Höll' und ihrem Raube! Aber Adamskindern wohl! Weil ein Heiland kommen soll. 4. Einen Zuruf hör ich schallen: Brüder wacht vom Schlummer auf! Denn es naht das Heil uns Ullen, Nacht ist weg, der Tag im Lauf. O dann fort mit allen Thaten, Die die Nacht zur Mutter hatten! Künftig ziehe jedermann Nur des Lichtes Waffen an! 5. Laßt uns wie am Tage wandeln, Nicht in Fraß und Trunkenheit, Nicht nach Fleischbegierden handeln; Weit verbannt sei 3ank und Neid. Senem gänzlich nachzuarten, Dessen Unkunft wir erwarten, Dieses ist nun unsre Pflicht; So wie sein Upostel spricht. Geistliche Lieder. 6. Welterlöfer! ich erfülle Deines treuen Knechtes Rath. Komm in meines Fleisches Hülle! Wie Dein Both verkündet hat. Komm und bringe mit den Frieden! Menschen ist er nur beschieden, Die von gutem Willen sind, Komm! ich bin es, göttlich's Kind! Adventlied zur Rorate. Im Tone: Uve Maria, clare, u. s. w. 1. Maria! sey gegrüßet, Du lichter Morgenstern! Der Glanz, der Dich umfließet, Verkündet uns den Herrn. Von jeder Makel rein! Sollst Du zum Menschenheile Des Höchsten Mutter seyn. 2. Dein Gott, zu Dir gewendet, Ertheilet den Befehl; Es eilt, von ihm gesendet, Der Engel Gabriel. Er spricht: o gnadenvoll, Gesegnet unter Weibern! Der Herr bedenkt Dein Wohl. 343 344 Geistliche Lieder. 3. Dieß kountest Du nicht fassen, d Und batest ihn dabei Dich recht verstehn zu lassen, at control Was diese Botschaft sey. Maria, zittre nicht: ca. Denn Du haft Huld gefunden Vor Gottes Ungesicht, 4. Er will, Du sollst empfangen, Gebären einen Sohn, Der wird durch Ihn gelangen! Auf Davids Vaterthron! Des höchsten Sohn zugleich, und Jesus soll er heißen, Unendlich ist sein Reich. 5. Wie soll denn dies geschehen? Ich kenne keinen Mann. O Jungfrau Du wirst sehen, Was Gottes Ullmacht kann. Er sendet seinen Geist, Der wird Dich überschatten, Damit Dus Mutter seyft. 6. In ihren alten Zagen Kann auch Elifabeth Von seinen Wundern sagen, Die nun gesegnet geht. 10010 Geistliche Lieder. Sie hieß zwar unfruchtbar, die hie Doch dem ist nichts unmöglich. Der seyn wird, ist und war. 7. Da sprachst Du tief geneiget: Ich bin des Höchsten Magd Was Du mir angezeiget, Das sey, wie Du gesagt! O freudenvolles Wort! Der Bote Gottes eilet Mit seinem Auftrag fort. 8. Von seines Vaters Freuden Kamm jest das Wort herab, Für Sünder hier zu leiden. 3u suchen Tod und Grab. Es wählte Deinen Leib, Mit Fleische sich zu kleiden, Gebenedeites Weib; 9. Den Schak, den Du empfangen, O bring' ihn bald zur Welt! Wir warten mit Verlangen; Denn er ist jener Held, Der unsre Bande bricht, und aus des Todes Schatten Uns rufet an das Licht. 345 346 Geistliche Lieder. 10. Dieß Lied sey Dir gesungen, Des Heils Gebärerinn! Mit Dir ergeb'nen 3ungen, most Mit Dir ergeb'nem Sinn. Dein hochgelobtes Pfand Für uns auf Deinen Fürspruch Hinauf ins Vaterland! #S Weihnachtlied. Sm Tone: Der Tag der ist so freudenreich, u. s. w. 1. Dieß ist der Tag von Gott gemacht, Ich will mich herzlich freuen; Auch mich hat heut der Herr bedacht! Ich will ihm Lieder weihen. d Das Heil, das aus der Jungfrau Schooß Heut allen Adamskindern sproß, NT Ist auch für mich geboren. Vor seiner Krippe sink' ich dann! 0 und bete meinen Heiland an In Wonne ganz verloren. 2. In meiner Bildung liegt er hier Den keine Namen nennen. O Gott! o Kind! geläng' es mit, Die Gutthat ganz zu kennen! Du steigest von dem Thron herab, Den Dir mit sich Dein Vater gab, 10 Geistliche Lieder. Um hier für mich zu leiden! Du wählest, mir zu nügen, heut Für Ueberfluß die Dürftigkeit, Den Stall für Himmelsfreuden. 3. Du weinst, mein Jesu! sei gegrüßt O gnadenreiche Zähre! Sey mir mit Ehrfurcht aufgeküßt, O Tropfen aus dem Meere, Das einstens blutig strömen soll, Für mein und aller Sünder Wohl! Sen auch für mich geweinet! Erwärme kalter Christen Herz, Das ihres Heillands ersten Schmerz Nicht zu empfinden scheinet. 4. Das meine soll Dein Wohnplag seyn, Geliebtester aus allen! Es soll, wie neugeschaffen, rein Von Engeltrieben wallen, Komm aus der Krippe, komm zu mir! Bring echte Frömmigkeit mit Dir, Und wahre Christensitten! O noch nicht Richter, noch ein Kind! Dieß macht mich hoffen: Kinder sind Sa leichter zu erbitten. 5. Du kehrest einst in Majestät, Vom Engelheer umringet, 347 348 Geistliche Lieder. Wenn diese Welt zu Trümmern geht, Der Staub aus Gräbern dringet; Dann muß auch ich hin in's Gericht, Allweiser vor Dein Ungesichte Mit Furcht und Ungst durchdrungen. O sprich dann: ich erkenne Dich, Du hast vor meiner Krippe mich Mit Inbrunst einst besungen. Fastenlied. 1. Laß mich Deine Leiden singen, Dir des Mitleids Opfer bringen, Unverschuld'tes Gotteslamm! Das von mir die Sünde nahm. Jesu drücke Deine Schmerzen Lief in aller Christen Herzen! Laß mir Deines Codes Pein Trost in meinem Tode seyn! 2. In's Gericht für Menschen treten, Sum erzürnten Vater beten Seh ich Dich mit Blut bedeckt, Auf den Delberg hingestreckt, Jesu! drücke Deine Schmerzen, u. s. w. Geistliche Lieder 3. Dich zu binden und zu schlagen, 3u beschimpfen und zu plagen, Nahet sich der Feinde Schar, Und Du gibst Dich willig dar. Jesu! drücke Deine Schmerzen, u. s. w. 4. Bon den Richtern, die Dich hassen, Wilden Kriegern überlassen, Strömet Dein unschuldig Blut Unter frecher Geißeln Wuth. Jesu! drücke Deine Schmerzen, u. s. w. 5. Unter lautem Spott und Hohne Seh' ich eine Dornenkrone Die mein Heiland! scharf gespißt, Deine Stirne schmerzlich rigt. Sefu! drücke Deine Schmerzen, u. s. w. 6. Wundenvoll, erblaßt, entkräftet, Un das Opferholz geheftet, Seh' ich, wie ein Gottmensch stirbt, Und den Sündern Heil erwirbt, Jesu! drücke Deine Schmerzen, u. f. w. 7. Heiland, meine Missethaten Haben Dich verkauft, verrathen, Dich gegeißelt und gekrönt, Un dem Kreuze Dich verhöhnt! 349 350 Geistliche Lieder. Ach! es reuet mich vom Herzen! Laß, mein Heiland! Deine Schmerzen Deines Mittler Todespein Nicht an mir verloren seyn. Osterlied. Sm Tone: Christus ist erstanden, u. f. m. 1. Der Heiland ist erstanden Befreit von Todesbanden, Der als ein wahres Osterlamm, Für mich den Tod zu leiden kam. Halleluja! 2. Nun ist der Mensch gerettet, und Satan angekettet, Der Tod hat keinen Stachel mehr! Der Stein ist weg, das Grab ist leer. Halleluja! 3. Der Sieger führt die Scharen Die lang gefangen waren, In seines Vaters Reich empor, Das Udam sich und mir verlor. Halleluja! 4 die Wunden prangen, Die er für mich empfangen. Geistliche Lieder. Wie schallt der Engel Siegsgefange. Dem Starken, der den Tod bezwang! Coppie speler Halleluja! 569 5. Mein Glauben darf nicht wanken, O tröstlicher Gedanken! Ich werde durch sein Aufersteh'n Gleich ihm aus meinem Grabe steh'n! Halleluja! 6. Die Nacht, die mich dort decket, Bis mich der Engel wecket, Ist kurz; dann ruft mein Heiland mich In's Reich, wo niemand stirbt, zu sich. Halleluja! 7. O Meer der Seligkeiten Den Ort mir zu bereiten, Sing mein Erlöser hin vor mir, Erstandener, ich folge Dir! Halleluja! 8. Ja, durch ein neues Leben Will ich zur Höhe streben, Wo Du mit Deinem Vater thronst, Und jede gute That belohnst. 527 Halleluja! 351 352 Geistliche Lieder. 9. Dann werd ich im Gerichte, Vor Deinem Ungesichte, a Von Deinem Blute glänzend steh'n, und zu des Lammes Hochzeit geh'n. Halleluja! Halleluja! Halleluja! Halleluja! Wie Du vom Tod erstanden bist, Laß uns ersteh'n, Herr Jesu Chrift! Halleluja! Pfingstlied. Sm Tone: Komm heiliger Geist mit deiner Gnad; u. f. w. 1. Komm, heiliger Geist! o dritte Person! Von einer Natur mit Bater und Sohn! Der Du von seiner Sündenlast So manches Herz befreiet haft.im ino Komm, heiliger Geist! erwünschtester Gast 2. Komm, heiliger Geist! auf uns jest herab, So wie Dich einst Gott den Gläubigen gab. Als ihre noch geringe Zahl Versammelt im verschloßnen Saal, Sich sehnte nach Dir, Du göttlicher Strahl! DE 945 ON 3 Komm, heiliger Geist, ein Tröfter genannt, Es werde durch Dich der Kummer verbannt, Geistliche Lieder. Der uns jest verstört in unsrer Pflicht, Die Trägheit überwindt uns nicht, Wenn Du uns entflammst, o mächtiges Licht! 4. Komm, heiliger Geist! Du Lehrer der Welt! Die Straße des Heils wird niemahls verfehlt, Wenn man sich nicht an Secten kehrt, Die Kirche, die Dein Einspruch lehrt, Mit kindlicher Treu als Mutter verehrt. 5. Komm, heiliger Geist! vom himmlischen Thron! Dir werde zugleich mit Vater und Sohn In unzertheilter Wesenheit Von nun an bis in Ewigkeit Anbetung, Dank und Jubel geweiht! 353 Gesang an den Festtagen Mariä. 1. Gnadenquelle! sey gegrüßt, Quelle, die beständig fließt; Trost der Christen! o Maria! Jungfrau, sey gegrüßt! 2. Sey gegrüßt zu jeder Stund, In dem Herzen, mit dem Mund! Ulles mache Deine Würde, Deine Gnade kund. 23 354 Geistliche Lieder. 3. Liebste Mutter, wir sind Dein, Zeig' Dich Mutter stets zu seyn; Schreib uns alle deinem Herzen Unauslöschlich ein! 4. Du warst noch zu jeder Zeit Ursach unsrer Fröhlichkeit; Sey es bis zum Lebensende Und in Ewigkeit! 5. Mutter es ist unerhört, Daß Dein Sohn Dir nicht gewährt, Was Du Deinen treuen Dienern Gütig haft begehrt. 6. Wenn Gefahr der Seele droht, In des Lebens jeder Noth Rettet uns in Deinem Namen Der versöhnte Gott. 7. Schreckt der Sünden schwere Last, Sey zu Dir Vertrau'n gefaßt, Die Du Dich der Sünden Zuflucht, Stets gezeiget haft. Wer Dich in Betrübniß bat, Fand bei Dir, Maria, Rath; Trost, wer immer Dir als Mutter Sich empfohlen hat. Geistliche Lieder. 9. Auch zu streiten bis auf's Blut Um des Himmels großes Gut Bringst Du, Reinste! den Versuchten Neue Kraft und Muth. 10. Groß ist unserer Feinde Zahl Hier in diesem Thränenthal; Rette Mutter, Deine Kinder Von dem Sündenfall. 11. Und wann Seet' und Leib sich trennt! Nur noch schwach das Herz Dich nennt; O dann bitte, Mutter bitte Um ein selig's End! d 12. Nach vollbrachtem leßten Streit Führ uns in die Ewigkeit; Milde Jungfrau, zeig uns Jesum In der Herrlichkeit! Zum Segen. 1. Segne, Jesu, deine Herde, Welche Dir zu Füßen fällt. und die Güter dieser Erde Nur von Deiner Gnad erhält. Herr! Dein theures Fleisch und Blut. Ist das größte Seelengut, 31 355 356 Geistliche Lieder. Welches würdig zu empfangen, Wahre Christen stets erlangen. 2. Den die Brodsgestalt bedecket, Der Du unser Heiland bist, Den die Liebe hier verstecket! Gib uns Segen, Jesu Christ! Mach verstockte Herzen weich, Und an wahrer Zugend reich. Stärk uns auch mit dieser Speise Endlich zu der Himmelsreise. 3. Der Du haft für uns gelitten, Und von Sünden machest frei, Uch gewähre, was wir bitten, Segne, Herr! und steh uns bei, Daß wir in der Todeszeit, In dem allerschwersten Streit. ule Feinde überwinden, Und durch Dich das Leben finden. gital Inches 1 Centimetres Blue ¹2 3 4 Cyan 2 5 CABARA Z 14 6 17 Farbkarte# 13 3 Green 8 Yellow 19 4 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 6 15 White 1 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black