Go 2038 Univ- Bibl Gressen: Der betende katholische Christ, oder Sebetbuch für katholische Christen, die sich, ihrer Bestimmung gemäs, beeifern, Gott im Geiste und in der Wahrheit anzubeten SA von Baner Zweite verbefferte und stark vermehrte Auflage. Mit Bischöflicher Approbation. Augsburg 1833, Verlag der K. Kollmannschen Buchl Wien, in der C. Geroldschen und Fr & 2038 Approbation. Das Gebetbuch: Der betende katholische Christ, oder Gebetbuch für katholische Christen 2c. 2c. von A. C. Bauer, zweite vers besserte und stark vermehrte Auflage, enthält nicht nur nichts gegen die katholische Glaubens- und Sitten- Lehre, sondern ist ganz geeignet, einen frommen Christen in seinen Gebets= Uebungen so zu unterstüßen, auf daß er im Geist und in der Wahrheit bete, daher wir dasselbe in dieser Beziehung auch der Empfehlung würdig erachten. Augsburg, den 27. Febr. 1833. Das Bischöfliche Ordinariat. Carl Kiechle, Generalvicar. Jos. Payr, Secret. 82 291301ENCUE 110.151: 1 Vorwort. Hier empfångst du, geneigter Leser, die zweite Auflage dieses Gebetbuches, mit Verbesserungen und Zusätzen. Möge es dir zur Erweckung, Belebung und Erhöhung deiner religiösen Gefühle und Gesinnungen, deiner Andacht und Frömmigkeit, so dienen, daß dadurch Gottes Name verherrlichet, und dein Seelenheil befördert werde!- Mögest du, eingedenk des Wortes Jesu und seiner Apostel: Betet ohne Unterlaß!" es recht oft zur Hand nehmen, und in dieser Zeit, wo der Glaube, die Liebe und die Andacht so vieler erkaltet ist, wo so viele, verblendeten Sinnes und verkehrten Herzens, gar nicht mehr beten, und in gånzlicher Gottesvergessenheit dahin leben, durch dasselbe in der Religion und Tugend gestärkt und befestigt werden. Bete aber auch immer nur mit würdiger Vorbereitung und Stimmung des Herzens! Erkenne und fühle es tief, welche Ehre und Auszeichnung es ist, vor Gott, der ewigen, allerhöchsten Majestät, dem allmächtigen Könige Himmels und der Erde erscheinen, - welche Freude und Wonne, mit Gott, der unendlichen Liebe und Güte, Heiligkeit und Se W VI O ligkeit, sich unterhalten dürfen, so oft und so lange es uns beliebt!! Wie schwer ist oft der Zutritt zu den irdischen Königen zu erlangen; und zu Gott, dem großen Könige der Ewigkeit, können wir Erdwürmer, wir arme Sünder, wir Staub und Asche, jeden Augenblick hintreten, können ihm unsere Anbetung und Verehrung, unsere Liebe und Dankbarkeit, unsere Huldigung und Ergebenheit erweisen, können ihm unsere Anliegen und Bedürfnisse, unsere Mängel und Fehler, unsere Leiden und Freuden vortragen, und ihn um Erleuchtung und Hilfe, um Schutz und Beistand, um Trost und Segen bitten! Und wir machen so wenig Gebrauch von dieser unaussprechlichen Gnade, Güte und Herablassung Gottes, schöpfen so selten aus dem stets geöffneten und unerschöpflichen Gnadenquell! Welche Thorheit, welcher Undank, welcher Hochmuth! Der Unendliche, der Unser nicht bedarf, läßt aus lauter Liebe zu uns sich herab, um uns mit allen Gnaden und Gütern reichlich zu er= füllen; und wir armselige, wir Nichts vor ihm, wollen entweder unser Herz gar nicht zu ihm erheben, oder erkennen und beherzigen doch nicht, oder nicht genug, die große Gnade, deren wir gewürdigt sind. Wie innig und andåchtig, wie kräftig und versammelt, wie fruchtbar und segenreich, wie erquickend und beseligend müßte nicht unser Ge VII bet seyn, wenn wir uns in solcher Gesinnung und Stimmung dazu begåben! Darum, geliebter Leser, begib dich nie anders zum Gebete, als in heiliger Freude und Begeisterung über die hohe Gnade, nun mit Gott reden zu dürfen, und in demüthiger Anerkennung und lebhafter Vorstellung der unendlichen Größe und Herrlichkeit Gottes, so wie deiner Armseligkeit und Unwürdigkeit, deiner Sünden und Fehler; und um seine Erleuchtung und Hilfe, damit du würdig zu ihm betest! Die Demuth ist die beste Vorbereitung zum Gebete. Wer sich für unwürdig hält, zu beten, der allein betet würdig. So wie aber die Betrachtung der unendlichen Größe und Majestät Gottes uns in den Abgrund unsers Elendes und Nichts versenken, mit Ehrfurcht und Anbetung erfüllen soll: so muß die Betrachtung seiner unendlichen Güte und Barmherzigkeit uns wieder aus dem Abgrunde hervor und machtig zu ihm hin ziehen, und unser Herz mit inniger Liebe und kindlichem Vertrauen erfüllen. Wie ein Kind mit seinem Vater, ein Freund mit seinem Freunde, so sollen wir mit unserm Herrn und Gott reden, so innig und herzlich, so einfach und aufrichtig, so zuversichtlich und vertrauensvoll, so ergeben und resignirt in seinen heiligsten Willen. Auf diese Weise wird unser Gebet immer erhaben und kindlich zugleich seyn, wie es uns der göttliche Heiland in seinem Mustergebete, dem heiligen Vater Un - VIII fer, gelehrt hat, welches alle unsere Gebete anfangen und schließen sollte. Gedenke auch beim Gebete zu deinem Vater im Himmel aller seiner Kinder, deiner Brüder und Schwestern, und zwar der Engel und Hei-. ligen, indem du Gott bittest, er wolle ihre Freude und Seligkeit vermehren, und sie, daß sie statt Deiner Gott verherrlichen wollen; der Seelen im Fegfeuer, daß Gott ihre Reinigungszeit abkürzen und erleichtern, und sie bald in sein himmlisches Reich aufnehmen möge; aller Menschen auf Erden, daß Gott sich Shrer erbarmen, die Bösen bekehren, und die Guten in seiner Gnade erhalten wolle. Endlich vereinige dein Gebet mit den Gebeten und Verdiensten aller guten und heiligen Kinder Gottes im Himmel, auf Erden und an den Reinigungsund Vervollkommnungsorten, ja, mit den Verdiensten Jesu Christi selbst, damit es vor dem großen Gott und Vater wohlgefällig erscheinen, und Erhörung finden möge! - I n h a 1 t. Vorbereitung zum Gebete Allgemeine Morgen- Undachts Uebungen. Beim Erwachen Zum Namen Jesu 3um Leiden Jesu zum Heidigten Altarssakrament Beim Aufstehen Beim Ankleiden 1 Beim Waschen Morgen- Gebet am Sonntage Tägliches Morgen: Gebet für diejenigen, die sich redlich bestreben, vor Gott würdig zu wandeln Bitten Morgen- Gebet an einem kirchlichen Feiertage Morgen- Gebet für diejenigen, denen ihr Herz nicht bezeugt, daß sie sich um einen rechtschaffenen Wan= del vor Gott immer redlich bestrebet haben Tägliches Gebet zum heiligen Schußengel Tägliche gute Meinung, oder Aufopferung seiner Werke Bund mit Gott, täglich, wöchentlich oder monatlich zu erneuern Seite 1 Fromme Gedanken unter der Arbeit Abend: Gebet, oder: Allgemeine Abend- Gedanken, be= sonders bei einem vor Gott aufrichtigen Lebenswandel 5678 00 8 9 10 11 12 624 18 22 225 24 25 28 31 34 40 42 X - Abend- Gebet am Sonn- und Feiertage. Allgemeine Gewissensprüfung und Reue, besonders am Ende des Tages 49 Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit und Christi Leiden 52 Gedächtniß- Feier des Kreuzes: Opfers Christi, oder: Undachts- Erweckung bei dem Gottesdienste, den man die heil. Messe nennt Vorerinnerung und Belehrung, in Kraft des UpoftelBriefes an die Hebräer 55 Gebete bei der heiligen Messe 61 Vom Gloria oder von der Epistel bis zum Evangelium 64 Opferung. Erster Haupttheil. Erstes Gebet. 3u Gott dem himmlischen Bater 3weites Gebet. Zu Jesus Christus Wandlung. 3weiter Haupttheil Kommunion. Dritter Haupttheil → Seite 47 • Schlußgebet Belehrende und Erweckende Gebete. Zur Anbetung Jesu Christi im allerheiligsten Altars: Sakramente Gewissens: Erforschung Gebet um Bekehrung und ewige Seligkeit Buße und Bekenntniß, vor dem Beichtlage und in Rücksicht auf ihn. Allgemeine Betrachtungen, als eine Vorbereitung zur würdigen Beichte und bessern Christenpflichts: Erfül: lung Demuthsvolles Bekenntniß Gebet um Erbarmung und göttlichen Beistand in Erforschung des Gewissens Nähere Anleitung zur Beichte und Gewissens: Erforschung Heilsame Fragen 54 68 71 72 77 80 80 87 89 91 93 95 96 110 Um Beichttage. - XI->> Vor der heil. Beichte. Betrachtungen und Gebet Ferneres Gebet und nöthige Erinnerung Seite Reumüthige Erweckungen eines bußfertigen Herzens kurz vor der Beichte Wann man in den Beichtstuhl geht Nach der Beichte. Freude zu Gott, wegen Gnade der Bekehrung Aufopferung der Buße Vor dem Kommunion- Tage und in Beziehung auf denselben. Vorbereitung zu einer würdigen Kommunion. Schrift: stellen, zur vorläufigen Erwägung. Betrachtung Worte des Trostes und des Lebens aus Christi Reden und Geboten zusammen gezogen Aus den lebten Reden und Ermahnungen Jesu an seine Jünger Feierliches Abschiedsgebet Jesu Wirkliche Einfeßung des hl. Abendmahls Fragen an unser Herz, auch wohl zu betrachtende Erklärungen Nähere Vorbereitung zu einer würdigen Kommunion: Bußfertiges Vertrauen, besonders auf Jesus Gläubige Anhänglichkeit und Selbstverläugnung, Gläubiges Bekenntniß und Gebet zu Jesus Christus. Am Kommunion- Tage. 111 112 1) Gebet vor der heiligen Kommunion. 2) Betrachtungen über die Größe und Wichtigkeit des Gegenstandes 114 119 120 122 123 126 127 152 154 136 Lehren und Erweckungen Besondere Betrachtung und Gewissenserforschung, bei dem Bewußtseyn eines nicht sündlosen Lebenswandels. 144 Gebet und Anklage vor Gott über begangene und er: kannte Sünden 139 143 146 147 148 149 149 150 M XII come 8) Trostvolles Vertrauen auf Gottes Wort. 4) Erwägung der Liebe Christi 5) Flehen um Standhaftigkeit im Glauben 6) Anbetung im Geiste und in der Wahrheit Demuth und Zuversicht 7) Inbrunst und Glaubens: Stärkung 8) Liebe und Reue. 9) Hoffnung und Freude. 10) Ergebenheit und Aufopferung 11) Seufzer und Bitten zu Jesus unserm Heiland und Erlöser 12) Berlangen und Bitten 13) Erweckungen 14) Noch ein Gebet, kurz vor der heiligen Kommunion 15) Empfindungen Gebete oder Empfindungen nach der heil. Kommunion. 1) Dank 2) Demuth und Ehrfurcht 3) Wünsche 4) Erweckungen 5) Fortsegung 6) Fortsetzung 7) Betrachtungen, Bitten und Borsäße. 8) Gelübde und fernere Entschließungen 9) Anrufung Seite 151 151 152 153 154. 155 157 158 158 10) Fernere Erweckungen 11) Fortsetzung. 12) 3u Gott dem Dreieinigen 15) Fortseßung 14) Wirkung einer öftern würdigen Kommunion 15) Beschluß der Kommunion: Andacht. Nachmittags- Undacht oder Vesper- Gebete. Für Sonn: und Festtage Loblied der allerseligsten Jungfrau Maria Gebet. Salve Regina • 6 159 161 161 162 163 164 164 165 165 166 166 167 168 169 17G 171 172 173 175 176 178 187 188 190 XIII Litanei von den heil. Geheimnissen des Herrn. Gebete zur Belehrung und Erbauung. 1. Trostgefühle des Glaubens an Gottes Borsehung, als eine Grundlage zur Zufriedenheit und vollkomme: nen Ergebung in den göttlichen Willen bei allen widerwärtigen Vorfällen dieses Lebens Entschließungen und Erweckungen Lehren und Empfindungen Schluß: Erweckungen nnd Gebet. . Seite 191 ● 2. Antrieb zur Demuth und wahren Selbstverläugnung 3. Entschließungen bei Betrachtung unserer Nichtigkeit vor Gott ● 4. Preis der göttlichen Barmherzigkeit 5. Sehnsuchts: Erweckungen zu Gott unserm Bater im Himmel 6. Allgemeine Herzens: Erhebungen und Bitten, um alles, wodurch das Heil unserer Seele befördert wird Um inbrünstige Liebe zu Gott 7. 8. Inniger Wunsch, Gott allezeit eifrig zu dienen, zur Dankbarkeit für alle seine Wohlthaten 10. Liebe zu Gott 11. Liebe gegen den nächsten 12. Um Gnade, rechtschaffen vor Gott zu wandeln 9. Allgemeine dankvolle Erwägung der uns von Gott erzeigten Güte uud Barmherzigkeit 15. 3u Gott dem Dreieinigen 14. Ueber die Liebe Gottes gegen uns, in Hinsicht auf Christus 15. Ueber Christi Auferstehung und Himmelfahrt 16. Ueber die Sendung des heit. Geistes und ihre Wirkung 17. Zu Gott dem heiligen Geist. Erstes Gebet. Um Sendung seiner göttlichen Gaben in unser noch sündliches Herz 3weites Gebet. Um Kraft und Gnade zur treuen Christenthums: Befolgung Drittes Gebet. Allgemeine Beistands: Erflehung wider alle künftige Bersuchung zur Sünde 196 198 200 205 206 209 210 213 215 217 219 221 222 223 230 233 237 244 247 248 249 250 XIV 3. 4. ap Fürbitten. 1. Pflicht, Absicht und Folgen derselben 2. Erste Fürbitte. Um unsere und aller Menschen ewige Seligkeit Um Erleuchtung der Heiden und um Bekehrung der Irrgläubigen und Ungläubigen zur wahren Religion Um wahre christliche Duldsamkeit und allgemeine Menschenliebe Seite 257 Für alle Nothleidenden 3weite Fürbitte. Für Sterbende Um Bekehrung der Sünder Dritte Fürbitte. Um das allgemeine Wohl der Christenheit Das Bater: Unser Zu Maria, der Mutter Christi 3um heitigen Joseph, dem Pflegvater Christi Zu unserm heiligen Schuß: Engel Zu den Heiligen überhaupt Zu jedem, auch jeder Heiligen insbesondere, nachdem man deren wahre Frömmigkeit, Unschuld, Buße und Heiligung vor Gott, erwogen hat Gebet und Erweckungen, in den letzten Stunden die: ses Erdenlebens Allgemeine und besondere Fürbitten Belehrungen und Bitten Trost und Vertrauen Kurze Gebete für die Verstorbenen 258 259 261 263 264 266 268 271 274 277 278 281 282 284 290 293 296 296 st Allgemeine Vorbereitung zum Gebete. Sey also stille, mein Herz! Keine unedle Leidenschaft, kein irdischer Gedanke müsse dich beunruhigen! Heilig müssen meine Gesinnungen und Begierden seyn! Denn ich befinde mich hier vor dem ewigen unbegreiflichen Gott, dem Wesen aller Wesen, dem Urheber und Beherrscher der ganzen Natur, meinem Schöpfer und Herrn; ich befinde mich vor demjenigen, welchen die Engel voll unaussprechlicher Ehrfurcht anbeten, dessen unermeßliche Majes ståt Himmel und Erde erfüllt, der allmächtig ist, alles weiß, alles sieht, und auch die unmerklichsten Regungen meiner Seele beobachtet. In der tiefsten Erniedrigung werfe ich mich im Geiste vor ihm hin, bloß, um zu bekennen, daß ich eine schwache armselige Kreatur bin, die von sich selbst nichts hat, nichts kann und nichts ist; die so manchen Trübseligkeiten und Bedürfnissen unterwor fen, auch so vielen Versuchungen und Gefahren aus: gesetzt ist. Ich werfe mich hin, um zu bekennen, daß allein Ihm Lob, Ehre und Ruhm gebühren; um ihn anzubeten, und ihm die Pflicht zu erzeigen, die ein Geschöpf seinem Schöpfer, ein Kind seinem Bater, und ein Unterthan seinem Herrn schuldig ist. 1 2Ich werfe mich hin, um ihm tausendfachen Dank für alles das Gute abzustatten, womit er mich seit dem Anfange meiner Tage überhäuft hat; um ihm dafür zu danken, daß er mich zur Erkenntniß seines heiligen Wortes hat gelangen lassen, daß er bis auf diese Stunde für die Bedürfnisse so wohl meines Leibes, als auch vornehmlich meiner Seele gesorgt, und mich von seiner Gnade nicht ausge= schlossen hat. Ich werfe mich hin, um ihn um die Vergebung aller meiner Sünden zu bitten; ihn um des Blutes Jesu Christi, meines Heilandes, willen anzuflehen, nicht mit mir zu handeln, wie er billig konnte, sondern nach seiner großen Güte sich Meiner zu ers barmen. Ich bringe ihm zugleich meinen Verstand und alle meine Kräfte, mein Herz und alle meine Begierden als ein freiwilliges Opfer dar, auf daß er fie lenke und heilige, und ich empfehle ihm nicht nur meine Seele, sondern auch meinen Leib, ja, alle Menschen( Freunde und Beleidiger), vorzüglich jene, die mir noch besonders angehören. Es ist ja alles sein. Ich verspreche ihm, und will mich bestreben, es zu halten, ihn über alles, meinen Nächsten aber wie mich selbst zu lieben; nichts auf eine andere Weise, als in ihm und in Rücksicht auf ihn zu lies ben; und ich bitte ihn, daß er mich mit seiner 3 Gnade stärken wolle, weil ich ohne diese völlig unvermögend bin, solchen meinen Vorsatz jemals zu erfüllen. Ich will mit meinem Gott reden, ich will mich mit ihm unterhalten, ob ich schon Staub bin, ob er schon alle meine Angelegenheiten weiß, und meines Gebetes nicht bedarf. Ich will mit meinem Gott reden; ich will vor ihm mein Herz ausschütten, wie ein Kind vor seinem Vater, wie ein Freund vor seinem Freunde: und so groß und erhaben über alles er auch immer ist: so will er solches dennoch erlauben, und mein Gebet anhören. Doch! eben darin besteht ja hauptsächlich eigentlich seine Größe und seine Herrschaft, die er über mich, wie über alles Geschaffene hat, daß er Niemanden verstößt, der in Aufrichtigkeit und mit völligem Vertrauen zu ihm kömmt; keines seiner Geschöpfe ohne Hülfe läßt, die er verheißen hat; stets für jedes derselben väterlich sorgt, und nur durch Wohlthun sein Daseyn und seine Macht zu er kennen giebt. Niemals aber will ich anders, als im Namen Jesu Christi und durch denselben, mit ihm reden. Denn wie sollten ihm meine Anbetung, mein Opfer, meine Danksagungen, alle meine Seufzer und Gebete jemals angenehmer seyn können, als vornehmlich dann, wenn sie geschehen im Namen, das ist, nach der Gesinnung und im Vertrauen auf das 1* 4 Verdienst Jefu Chrifti, dieses seines ewig geliebten Sohnes, meines theuersten Erldsers und Seligmachers, an welchem er ein stetes Wohlgefallen hat, den ich hören, dem ich nachfolgen soll. Ja! durch dich, göttlicher Heiland, Gegenstand der ewigen Liebe! durch dich also und in deinem Namen will ich beten; es sey für mich oder für Andere, um das Heil der Seele, oder auch nur um leibliche Gaben. Alsdann wirst du mich würdigen, bei deinem himmlischen Vater mein Fürsprecher zu seyn; damit mein Gebet geheiliget, und ich würdig werde, das zu erlangen, was mir heilsam und ſelig ist. Sollte ich indessen um etwas bitten, das dem zuwider wäre, folglich nicht zur Verherrlichung der Ehre Gottes, sondern vielmehr zu meinem eigenen Verderben gereichte; so sey auch dann ein gütiger Mittler für mich, und lenke mein Herz, und ordne alles mir zum Heil, auf daß meine Wünsche zernichtet und nicht gewähret werden. Und nun, da ich hier erscheine, um mich zum Gebete zu versammeln; so erleuchte doch du meine Seele, du Gott der Majestät und der Erbarmniß! Bereite doch du dieses tråge Herz, bereite es jetzt, da ich vor dir beten will, durch die Kraft deiner allmächtigen Gnade! Erleuchte, stårke, entzünde mich! Erfülle mich mit deinem Geist! Lege in mein Herz Gesinnungen und in meinen Mund Worte, 5 die dir wohlgefällig sind, auf daß ich dich mit lebendigem Glauben, mit kindlichem Vertrauen und voll der innigsten und reinsten Liebe anrufe, und mein Gebet nicht unwürdig sey, von dir erhört zu werden. p - 321 091 789 Allgemeine Morgen- Andachts- Uebungen. Beim Erwachen.d Gott und Bater, du hast mich wieder einen Tag erleben lassen, ich danke dir; ich bete dich an, ich lobe, preise und verherrliche dich. Ehre sey dem Vater, der mich erschaffen hat; Ehre sey dem Sohne, der mich erldset hat; Ehre sey dem heil. Geiste, der mich geheiliget hat. Ehre sey der allerheiligsten Dreyfaltigkeit, Von nun an bis in Ewigkeit. Vater unser, u. f. w. Ich grüße dich mit Gott, im Geiste, du kde nigin des Himmels, meine Mutter und Fürsprecherin, nach Gott mein Alles! ich grüße dich, die Reinste, die Einzige unter allen Frauen und Jungfrauen, wie dich der heil. Engel Gabriel gegrüßet hat, und spreche in tiefe fter Ehrfurcht, Liebe und Ergebenheit: Gegrüßet seyst du, Maria, voller Gnaden, u. s. w. Ich grüße Euch, 6 - Ihr heiligen Engel, und alle lieben Heiligen, Thr feligen Kinder unseres himmlischen Vaters: ich grüße Euch im Geiste, in, mit und durch Gott; ich liebe, lobe, preise und verehre Euch; Bittet Gott, daß er statt Meiner Euch verherrlichen möge, und lobet und preiset ihn für mich nach all' Eueren Kräften. Ehre sey der Himmels Königin Maria mit allen Engeln und Heiligen von nun an bis in Ewigkeit. Ehre sey Gott in der Höhe, Friede den Menschen auf Erden, ewige Ruhe den armen Seelen! to his riddler hit and a dish ei en die stad( bi aid stuse( bi uskal delta ng Gan siista Such and and this iss Zum Namen Jesu.) 119. 35nilisdsp chim në sind did ung usi andy Der Name des Herrn sey gebenedent, Von nun an bis in Ewigkeit. O Gott, der du den glorwürdigsten Namen unseres Herrn Jesu Christi, deines eingebornen Sohnes, den Gläubigen ganz lieblich und anmuthig, den bösen Geistern aber fürchterlich und erschrecklich gemacht hast: verleihe guådig, daß Alle, welche diesen Namen Jesus andächtig verehren auf Erden, die Süßigkeit deines heiligen Trostes in diesem Leben empfangen, und dort im Künftigen die ewige Freude 7 und unendliche Seligkeit erhalten und genießen mögen. Durch eben denselben unsern Herrn Jesum Christum. Amen. Singt Himmel, Erd' und Meer, Und aller Engel Heer: Gelobt sey Jesus Christus! Es schalle weit und breit, In alle Ewigkeit: Gelobt sey Jesus Christus! 3um Leiden Jesu. Wir beten dich an und preisen dich, Herr Jesu Christe; denn durch dein heiliges Kreuz hast du die ganze Welt erlöst. Gegrüßet seyst du, heiliges Kreuz, unsere einzige Hoffnung zu dieser Zeit des Leidens; vermehre den Frommen die Gerechtigkeit, und verleihe den Sündern Gnade und Verzeihung. Jetzt will ich mich in nichts anderem mehr rühmen, als im Kreuze unsers Herrn Jesu Christi. Jesus der Gekreuzigte sey heut in allen meinen Gedanken, Worten und Werken. Jesu Christe, für uns am Kreuz gestorben, durch die heil. Wunde deiner rechten Hand, erbarme dich unser. Jesu Christe, für uns u. f. w. nebst 5 Vater unser. XERO 8- Zum Herzen Jeſu. Herz Jesu, ich grüße dich: Herz Jesu, segne mich, Ich bete dich an, ich lobe, preise und verherr: liche dich, o göttliches Herz Jesu, du Sitz aller Tugenden, und unerschütterliche Quelle aller Gnaden! ich danke dir aus allen Kräften meines Herzens, daß du mich diese Nacht erhalten, und Gott den Vater für mich gelobt und gepriesen haft. Und nun, o anbetungswürdiges Herz, bringe ich dir mein armseliges nnd unwürdiges Herz zum Morgenopfer dar, und lege es in tiefster Demuth und Ehrfurcht, Erge: benheit und Liebe in dein göttliches Herz, dich inståndig bittend, du wollest es heut und allezeit darin bewahren, vor allem Bdsen verschließen, vor allen Feinden beschützen, mit allem Guten erfüllen, und mit dem Fener deiner Liebe ganz entzünden. Herz Jesu, brennend von Liebe gegen mich, Entzünde mein Herz mit Liebe gegen dich. 3um heiligsten Altarssakrament. Gelobt sey Jefus ohne End' In dem heiligsten Sakrament. Herr Jesu Christ, du Sohn des lebendigen Gottes! sieh, vor deiner höchsten Majeståt falle ich nieder, und glaube und bekenne vor dir und dem ganz 9- zen himmlischen Hofe, daß du im allerheiligsten Sakramente des Altars mit Leib und Seele, mit Fleisch und Blut, mit Gott- und Menschheit wahrhaftig zugegen seyest. Ich bete dich an, ich lobe und preise dich mit allen Heiligen im Himmel und mit allen Gläubigen auf Erden, daß du aus unendlicher Liebe dieses heilige Sakrament zum Gedächtnisse deines Leidens und zum Unterpfande der künftigen Herrlichkeit eingesetzt hast, und darin dich selbst deiz nen Kindern zur Speise gibst: verleihe uns, daß wir dieses hochwürdige Geheimniß so verehren, daß wir die Frucht deiner Erldsung in uns ohne Unterlaß genießen. O gütigster Jesu! deine heiligste Mutter sammt allen Heiligen benedeien dich für alle die Un ehre und Beleidigung, so wider dich als das höchste But von den undankbarsten Creaturen jemals sind begangen worden, oder zu einiger Zeit begangen werden. Gelobt sey das allerheiligste Sakrament des Altars, Von nun an bis in Ewigkeit! Beim Aufstehen. Im Namen meines Herrn Jesu Christi des Gekreuzigten stehe ich auf, welcher mich und das ganze menschliche Geschlecht mit seinem kostbaren Blute er - 10 Ibset hat. Derselbe wolle uns an Leib und Seele vor allem Ulebel behüten und bewahren, und uns auch geben, was uns in allem Guten fördern und befestigen moge zum ewigen Leben. O himmlischer Vater, allmächtiger Gott, ich sage dir aus ganzem Herzen Lob und Dank, daß du mich diese Nacht und alle vorige Zeit in deinem Schutze erhalten und so gnådig bewahret hast. Ich bitte dich durch deine grundlose Barmherzigkeit, verleihe mir und allen Christen mit dem jetzt angehenden Tage das Licht des wahren Glaubens, Besserung des Lebens, Ruhe des Gewissens, und Freude deiner göttlichen Heimsuchung. Allmächtiger Gott, ich bitte dich, Erleuchte, beschüße, segne mich; Und lehre mich heut' deinen Willen In allen Dingen treu erfüllen. Nimm mich mir, Gieb mich dir! Nimm alles von mir, Was mich hindert, zu dir! Gieb alles das mir, Was mich fördert, zu dir! Beim Ankleiden. Ich leg' mir, Herr, die Kleider an; Führ mich heut auf der Tugend Bahn: Daß ich nach deinem Willen lebe, Und eifrig nach dem Himmel strebe. O mein Herr und mein Gott! du hast durch deine Apostel zu uns gesprochen: ziehet aus den alten 11- Menschen mit seinen Werken, und ziehet den neuen an; ziehet den Herrn Jesus Christus an; bekleidet euch mit Demuth; schmücket nicht den äussern, sondern den innern Menschen;-o! so verleihe mir denn alle jene Tugenden, welche dir wohlgefällig sind, und schmücke damit meine Seele, damit sie vor deinem göttlichen Angesichte würdig erscheinen möge. Insbesondere bitte ich dich um das blaue Gewand der Demuth, um das weiße der Unschuld und Neinheit, um das rothe der Liebe, und um das grüne der Hoffnung. Gieb, daß ich die Glieder meines Körpers nie zu Werkzeugen der Sünde mißbrauche, sondern daß mein Körper in Ordnung und Ruhe, in Sittsamkeit und Bescheidenheit willig dem Geiste, der Geist aber dir meinem Herrn und Gott freudig diene. Regiere alle Glieder meines Körpers: meine Augen, meine Ohren, meine Hände und Füsse, mein Herz und meine Zunge; regiere meine Gedanken, Worte und Werke, meinen Leib und meine Seele. Dir schenke und übergebe ich mich vollkommen. Ich bin nunmehr dein, und du bist mein. Chuttone Ferner können beim Ankleiden nützlich gebetet werden: die zehen Gebote Gottes, die acht Seligkeiten, die Uebungen des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe, der Reue und des Vorsatzes u. dgl. Beim Waschen. Erbarme dich Meiner, o Gott! nach deiner 62 12 großen Barmherzigkeit: und nach der Menge deiner Erbarmungen tilge meine Misfethat. Wasche mich mehr und mehr von meiner Bos: heit: und von meiner Sünde reinige mich. Denn meine Bosheit erkenne ich: und meine Sünde schwebt immer vor mir. Ich habe gesündigt, und übel vor dir gethan. Besprenge mich mit Hysop und ich werde rein: Wasche mich, und ich werde weißer als Schnee. Wende dein Angesicht von meinen Sünden, und tilge meine Missethaten. Ein reines Herz erschaff' in mir, o Gott! und den rechten Geist erneuere in mir. - - Verwirf mich nicht vor deinem Angesichte, und deinen heiligen Geist ninm nicht von mir. Komm heiliger Geist, und erleuchte mein Herz mit deinem himmlischen Lichte! Reinige mein beflecktes, befeuchte mein dürres, heile mein frankes, ordne mein verkehrtes, erwärme mein kaltes, und beuge mein eigensinniges Herz, damit ich dir mit keuschem Leibe dienen, und mit reinem Herzen wohlgefallen mdge. Morgengebet am Sonntage. Tag des Herrn! heiliger, feierlicher Tag, an dem ich erwacht bin, daß ich ihn zum Dienste Gottes und zum Heile meiner Seele anwenden soll! 13 Seliger, geheimnißvoller, tröstlicher Tag, an wel chem mein göttlicher Heiland und Mittler glorreich aus dem Grabe wieder auferstand, und dadurch das theuere Werk unserer Erlösung vollendete; an wel: chem auch der heilige Geist über die Apostel herab kam, die Finsternisse des Irrthums zu zerstreuen, und uns Menschen durch das Licht des Evangeliums zu erleuchten und ewig selig zu machen! Gott! wie freue ich mich dieses so großen Ta= ges, und wie danke ich dir dafür! Ich will ihn auch nicht umsonst wieder erlebt haben: er soll mir zwar ein Tag der Erquickung, der Ruhe und einer erlaubten Freude, aber auch vornehmlich ein Tag des Heils, der Andacht und der Gottseligkeit seyn. Undank- Verkennung deiner Güte, deines Gebots, den siebenten Tag zu heiligen, wäre es, wenn ich ihn wider dein und deiner Kirche ausdrückliches Gea setz nur zu weltlichen Geschäften oder zu steten sinn: lichen Ergöglichkeiten, ja, wohl gar vermessentlich zur Sünde und zur Bosheit mißbrauchte; und nicht vielmehr mich bestrebte, ihn so zuzubringen, wie es jeder wahre Christ thut, welchem dein Dienst, o Gott! und die Beförderung seines und seiner Mitmenschen zeitlichen und ewigen Wohles recht am Herzen liegt. Ich will also heute nicht nur meine Schuldig keit nicht vernachlässigen; sondern auch noch, so viel ich kann, durch verdoppelten Eifer das Vergangene wieder gut zu machen suchen; ich will daher, um 14 O mein Herz mit heiligen Gedanken zu erfüllen, mich ganz der Andacht widmen. Ich will jedem Gottesdienste, bei dem ich mich entweder aus kirchlicher Anordnung oder aus freiem gottgefälligem Eifer einfinde, mit aller demselben gebührenden Ehrerbietung und Aufmerksamkeit beiwohnen; auch die Pflicht, welche ich sowohl der häuslichen als öffentlichen und allgemeinen Erbauung schuldig bin, auf keine Weife verletzen. Ich will untersuchen und erwägen, was für Wohlthaten ich die vergangene Woche hindurch von Gott erhalten, und was für Sünden ich dage= gen wider ihn begangen habe;- untersuchen selbst meine Tugend, meine Fehler; jene, um mich ihrer mit Dank und Demuth zu erfreuen und sie zu befestigen, diese, um mich ihrer immer mehr und mehr zu entschlagen, und sie mit der Gnade Gottes endlich ganz zu unterdrücken;- ich will untersuchen, was mir noch mangele, worin ich besser, und worin ich schlimmer geworden bin. Ferner will ich mich durch Anhdrung oder Lesung heilsamer Lehren und Ermahnungen, vornehmlich aber durch das Wort Gottes unterrichten und im Guten stårken, auch zugleich dabei Betrachtungen über mich selbst anstellen; Betrachtungen über die Flüchtigkeit und Kürze dieses Lebens, welches wir oft so unbillig und übel anwenden, ob wir gleich zu keinem andern Endzwecke erschaffen sind, als, dich, Gott! zu erkennen, dich zu lieben und dir zu 45 dienen; Betrachtungen über Lod, Gericht und Ewigkeit, denen wir uns stündlich nähern, und wovon so Manche ergriffen werden, ohne daß sie es schon vers muthen; endlich, damit ich dadurch nicht vielmehr kleinmüthig, als gebessert und vollkommener werde, auch Betrachtungen anstellen über die göttliche Liebe und Gnade gegen uns in Christo Jesu. Du mein Jesus! der du auch mich mit ewiger Liebe geliebt hast, laß alles, was ich heute Heils sames und zu meiner Erbauung lese, denke, thue oder höre, kräftig auf meine Seele wirken; und gieb, o! gieb doch, mein Jesus, mein Herr und mein Gott, daß ich diesen so heiligen Tag weder durch verbotene Arbeit zur Aergerniß Anderer, noch durch Unandacht, noch durch Schwelgerei und Ueppigkeit und andere Werke der Sünde und der Finsterniß entheilige! Laß meinen Wunsch und mein Bestreben, ihn auf's würdigste und nur in Unschuld, mit Uebungen der christlichen Liebe und der wärmsten Gottseligkeit zuzubringen, sowohl Segen für mein ganzes übriges Leben seyn, als auch selbst bei meinen weltlichen und an dern Verrichtungen, womit ich mich, wenn du mir noch länger Leben und Kräfte schenkest, morgen und die folgenden Tage der Woche beschäftigen werde, zum Troste und zur Richtschnur dienen! G Und bin ich, weil es Pflicht und wahre Noth befiehlt, heute gezwungen, oder, weil doch Leibesund Geistes: Erholung Mitbestimmung dieses auf Bistron 16 BAR unser Aller Wohl einzig abzweckenden Tages ist, aus einer dir wohlgefälligen Absicht und um einer un schuldigen Erquickung zu genießen, heute bewogen, jene Uebungen der Gottseligkeit auf einige Zeit zu unterbrechen; so verleihe, Herr, daß solches geschehen möge, ohne den Geist der Andacht und des Eifers zur Frömmigkeit zu verlieren, welcher sogar schon bei der Herannahung dieses deines Tages das Herz jedes wahren Christen beleben muß: damit, wenn du noch heute über mich gebieten sollteft, Rechenschaft vor dir zu geben, ich nicht unbereitet befunden werde, vor dir zu erscheinen, noch unwürdig, mich der Gnade und Herrlichkeit, welche uns Chris stus dein eingeborner Sohn durch seinen Tod und seine Auferstehung so theuer erworben hat, dort in der seligen Ewigkeit mit allen deinen Heiligen auf immer zu erfreuen! Dir, dem dreieinigen Gott, dem Vater, dem Sohne und dem heiligen Geiste, ihm, der mich er schaffen, erlöset, geheiliget hat, sey Lob, Ehre und Danksagung heute und in alle Ewigkeit! Habe ich unn aber den Tag des Herrn, bisher auf diese Weise gefeiert? Und wenn dieses nicht der Fall war, warum fing ich nicht schon eher an, den Sonntag, diesen dem Herrn und meinem ewigen Heile besonders gewidmeten Tag, auf gleiche würdige Weise zu feiern? Welche selige Früchte der Tugend und der christlichen Vollkommenheit würde das nicht 17 8 bereits in mir hervorgebracht haben! Ich würde die Pflichten der Religion und meines Berufes, meines Standes, weit gewissenhafter zu beobachten suchen, und mir weit mehr Mühe geben, alle meine Gedanken und Handlungen zur Ehre Gottes einzu= richten. Ich würde in meinen Reden vorsichtiger, bei den Trübsalen geduldiger, gegen Gott eifriger im Gebete, gegen den nächsten liebreicher und sanfte müthiger, mit einem Worte, in allem ein weit besse= rer Christ seyn, als ich wirklich bin. Damit nun aber auch heute und ins künftige alle meine gefaß= ten Entschließungen nicht, wie bisher, unerfüllt vorüber gehen; so regiere du mein Herz und meinen Willen, du Gott, mein Herr und Erbarmer, ohne dessen Gnade alles unser Wollen und Vornehmen, fromm und rechtschaffen vor dir zu wandeln, vergeblich bleibt, so gewiß es auch ist, daß sie uns nichts hilft, wenn wir nicht selbst gern und aus allen Kräften mitwirken; regiere du mein Herz! Gott! damit ich heute keine derjenigen Pflichten unterlasse, oder auf eine sündliche Art verrichte, die ich an diesem Tage schuldig bin, und zu erfüllen mir vorgenommen habe: so regiere du mich, auf daß ich endlich anfange, die wenigen Augenblicke, welche mir von diesem flüchtigen und vergånglichen Leben vielleicht noch übrig sind, anzuwenden, wie ich sie im letzten derselben wünschen werde angewendet zu haben. Ja! diese Gnade verleihe mir o Gott, durch - 18 Jesus Christus, meinen Heiland und Erlöser. Amen. Tägliches Morgen- Gebet für diejenigen, die sich redlich bestreben, vor Gott würdig zu wandeln. O Gott! ewige Güte und Barmherzigkeit! Zu dir erhebe ich mein Herz in dieser Morgenstunde. Dir danke ich innigst, daß du mich auch diesen Tag haft erleben lassen. Denn alles, was du thust, ist Gnade und Liebe. Leben und Tod ist Wohlthat von dir. Alles ist in deiner Hand. Hättest du mich in vergangener Nacht von dieser Erde abgerufen, so würde ich dich dafür ewig gepriesen haben. Aber noch lebe ich, und Dank sey dir dafür in alle Ewigkeit. Hinauf also zu Gott, mein Geist! zum gütigen, barmherzigsten, liebsten Gott, zu meinem steten Wohlthåter, meinem Schöpfer, meinem Erbarmer, zu Jesus, dem liebevollen Heiland und Erldser; und werde poll Dankes für alle seine unendliche Güte und Erbarmnisse, die er mit jedem Tage gegen mich erneuert! O! wie sehnt sich meine Seele nach dir, nach deinem Lobe, du Heiliger aller Heiligen! Meine Zunge müsse dich preisen, und mein Herz mit der freudigsten Empfindung frohlocken, über deine Güte CO -- 19 gegen mich; denn deine Barmherzigkeit gegen mich sündhaften Menschen ist unaussprechlich groß. Ewig werde ich deinen Namen preisen; mein ganzes Leben hindurch will ich dich verherrlichen; ich will dich loben, so lange ich bin. Möchte mein Lob dir wohlgefallen; denn du allein bist meine Freude, du bist mein Schutz und mein Helfer; ewig will ich auf dich vertrauen, und dich nach allen meinen Kräften über Alles lieben. Vernimm also, o Herr, mein Fle hen, und erhdre das Gebet deines Geschöpfes, mein Vater und mein Gott! Früh erhebe ich meine Stimme zu dir, du Allgütiger! Früh wirst du mich erhören, und mich befreien von allem, was ich sündliches an mir habe; auf daß ich mit reinem Herzen vor dich komme, der du ein Gott bist, dem auch das geringste Sündhafte mißfällt.. Ach Herr! Führe mich auch heute auf den Weg: deines heiligen Wohlgefallens, und behüte mich, daß ich durch die Lockungen und Blendwerke derjenigen nie verführt werde, welche uns das Joch des Lasters und des Aberglaubens so leicht und angenehm zu mas chen suchen! Behüte mich auch vor den Fallstricken derer, die durch ihre bösen, unlautern, gegen die Ehrbarkeit und gegen Religion streitenden, unzüchtigen heidnischen Reden sich oft des christlichen Namens unwürdig machen, und durch ihre lieblosen Rathschläge Andere oft um Glück, Ehre und guten Namen bringen! Laß mich doch allen diesen Unglücks - 20 - feligen nie gleichen; und erleuchte auch sie, damit sie ihre Blindheit und Ungerechtigkeit einsehen, und am Tage deines Gerichtes nicht verworfen werden. Endlich aber, o mein Gott! bewahre mich vor: züglich, daß mich mein eigenes Herz nicht zur Sünde verleite; dieses schwache, widerspenstige Herz, das noch so unabgestorben für das Böse, so ungeneigt zum Guten ist; das noch so wenig( vollkommene) Sanftmuth und Demuth und wahre Liebe zeigt; immer so leicht unwillig wird, wenn es nicht nach sei nem Wunsche geht; und so ungern nachgiebt, auch wenn es fühlt, daß es unrecht hat; das oft so tråge zu seiner eigenen Heiligung, und voll von unordentlichen Neigungen ist! Erleuchte, entzünde, bekehre es, o Herr, bekchre es immer mehr und mehr, und laß mich von nun an einzig dir, einzig deinem hei: ligen Wohlgefallen leben. Ich weiß, daß dir, mein Gott und Vater! ohne Demuth und Liebe, ohne Gehorsam und Glau ben Niemand gefällt; ja! daß Demuth und Liebe die vorzüglichsten Tugenden des wahren Christen sind: also demüthige ich mich aus dem Grunde mei nes Herzens vor dir; da ich aber ohne deine Gnade das Gute, die wahre Tugend, weder beginnen noch darin verharren kann; und da die Beharrlichkeit im Glauben, und in Befolgung deines heiligen Wil lens eine, durch demuthsvolles Flehen errungene Gabe Gottes ist, so bitte ich vor Allem um die Gnade der 21 - Beharrlichkeit im wahren Glauben, und um die Gnade, dir stets treu zu dienen. Ich glaube an dich, Vater im Himmel! Ich glaube an Jesus deinen Sohn, meinen Erldser. Ich glaube an deinen und deines Sohnes heiligen Geist. Ich glaube alles, was Jesus Christus gelehrt hat, und die heilige katholische Kirche in seinem Namen vorträgt. Ferne sey von mir aller Unglaube, kein Irrthum komme in meine Seele, ich will mich bestreben, meinen Willen mit dem heiligsten Willen meines Heilandes zu vereinigen. Göttliche Liebe, du in Jesus Christus geoffenbarte Liebe! Könnte ich doch alle diese Wünsche vollbringen, die jetzt in meinem Innern sind! Mit Vertrauen auf deine Gnade, die selbst im Schwachen mächtig ist, wandle ich auch heute die Bahn dieses irdischen Lebens; und wozu sonst, als, das zu erfüllen, um dessen Willen du mich beriefft; dich in dir zu lieben, mich in dir zu heiligen, mir und jedem Nebenmenschen wahrhaft nützlich zu seyn. Mit inniger Freude will ich also meine Berufspflichten zu erfüllen suchen. Ich will mich stets bestre: ben, die das Herz befleckenden Empfindungen zu bekämpfen, und will immer mehr und mehr nach deinem heiligen Willen und meiner Bestimmung zu le= ben beflissen seyn. Die unschuldigen Vergnügungen, welche deine Güte mir heute schenkt, will ich als einen Beweis 22 deiner Guade und Liebe ansehen; und nie vergessen, Dir, du Wohlthäter und Erhalter aller Wefen! da für von ganzem Herzen zu danken. Alle meine Kräfte, alle meine Neigungen sollen Dir allein ges widmet ſeyn. Berhänge, deiner allweisen Anordnung nach, über mich, was du willst! Wie mein Schicksal immer feyn mag; so will ich dich doch stets in deinen Berhängnissen anbeten: denn was sind sie anders, als Fürsorge und Liebe! Ja, Herr! Auch selbſt deine Züchtigungen sind Wohlthaten für uns. Allwiffeber, gütiger Gott!! bu weißt, wie ichwach ich bin: ich verlasse mich auf den Beistand beiner Guade, wenn ich in Gefahr komme, gegen deinen heiligen Willen zu handeln. Stärke mich in ben Bersuchungen zur Sünde; damit ich im Stande seyn möge, sie zu überwinden! Vergieb,( um dei: ner Güte und Barmherzigkeit willen) meine Fehler, die mehr aus Uebereilung, als aus Bosheit geschehen; und laß mich nicht in folche Sünden fallen, die mich deiner Gnade berauben. Sollte aber,( in unbe wachten Augenblicken) Schwachheit und Verderbuig der menschlichen Natur, sollten sichtbare, oder un sichtbare Seelenfeinde, mich unglücklicher Weise zu einer Sünde serleiten, die mich deiner Gnade serluftig machen würde; ach! so laß doch nicht zu, daß ich einen einzigen Zag, ja, einen einzigen Augenblick in einem Zustande verbleibe, in welchem die Seele ein verabscheuungswürdiger Gegenstand vor deinem Angesichte ist; worin man weber Frieden noch Trost, noch Ruhe findet, sondern immer lafter: hafter wird, und aus einem Abgrunde in den andern fällt, wenn man so unglücklich ist, darin zu verharz ren; in einem Zustande, sage ich, welcher uns immer mehr und mehr verstockt, zu allem Guten unfähig macht, und zuletzt gar in die Verzweiflung und inn Sa epige Berberben fürg! Savor bewahre mich Gartt Batte ,, Sohn und feillger Gerifi!! Mie weethe itt mich am Abend feeteer, to i » Gett!! dafür aus ganzer Seele preifen, wenn ic alsdann mit Wahrheit fagen kann: heute bin ic meinen frommen Entschließungen nachgekommen, heute habe diese oder jene gute That verrichtet, diese ober jene böse Neigung unterbrückt, meinen ,, Nebenmenschen genüßt, die Anzahl der Unglücklichen oder Laſterhaften vermindert, die Anzahl der ,, Glücklichen und Tugendhaften vermehrt, und den ,, Urheber aller Wesen vor den Menschen verherr„ licher! Daju verleihe mir o Gott! Segen und Kraft, 24 durch Jesus Christus deinen ewig geliebten Sohn unsern Herrn. Amen. CO - Morgen- Gebet an einem kirchlichen Feiertage. Mein Gott und mein Alles! Erleuchte mich, und lehre mich deinen heiligen Willen zu befolgen; denn auch dieser Tag ist vornehmlich zu deinem Dienste und zur Heiligung meiner Seele bestimmt. Sollte ich ihn nicht dazu anwenden? Mein Wille ist es, o Herr; aber meine Kraft ist oft sehr schwach. Du wirst mich also stärken, und mich solcher deiner göttlichen Huld und Erbarmniß, deren ich zu einem guten und heiligen Lebenswandel so sehr bedarf, nicht ganz unwerth achten. Verleihe mir, o Herr und Erldser, daß ich nicht nur allen Pflichten, welche ich an diesem, zur öffent lichen Feier und Erbauung angeordneten, Tage zu erfüllen schuldig bin, aufs eifrigste nachkomme, und durch dasjenige, was mir heute zu betrachten beson: ders vorgestellt wird, im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe kräftig gestärkt werde; sondern auch, daß ich in der Folge keinen der wenigen Augenblicke, die ich vielleicht hier noch zu leben habe, vorbei ge hen lasse, ohne ihn so anzuwenden, wie es dein Evangelium befiehlt! und wie ich am Ende meiner — 25 irdischen Lebenstage wünschen werde angewendet zu haben. Engi O Evangelium! Heil Aller, die an dich glauben, und nach deiner Vorschrift wandeln! Worte, voll göttlicher Kraft, worin sich die ewige Liebe, Heiligkeit und Gerechtigkeit uns offenbaret!- Möchtest du stets der Gegenstand meiner Betrachtungen seyn! Verleihe mir dazu, o Gott! die Gnade und den Beistand; durch Jesus, meinen Heiland und Ers Idser. Amen. Morgen Gebet für diejenigen, denen ihr Herz nicht bezeugt, daß sie sich um einen rechtschaffenen Wandel vor Gott immer redlich bestrebt haben. Dankvolles Erwachen eines, gegen Gottes Langmuth und Gnade nicht unerkenntlichen Herzens. O Gott, mein Gott! zu dir erwache ich; zu dir erwacht meine Seele, und will dich preisen in Ewigkeit. Denn noch lebe ich; und du All- Erbar= mer! hast auch diese Nacht, und bis auf diese Stun de, mich vor dem Verderben des Leibes und der Seele beschützt; hast mich nicht unbereitet und in Sünden dahin sterben lassen. O, wie barmherzig, 2 -26 wie langmüthig bist du gegen mich elendes Geschöpf, mich undankbaren Sünder, Gott! was soll ich doch thun für alle die Gnaden, welche du mir Unwürdig: stem über alles mein Erwarten in jedem Augenblicke meines Lebens erzeigst? - Mein Gott und mein Herr! vor deiner göttli: chen, unbegreiflichen Majestät werfe ich mich im Geiste nieder, und bete deine unendliche Gottheit an, und sage dir den herzlichsten Dank, daß du mit noch diesen Tag zur Beförderung meines ewigen Heils aus Gnade verliehen hast. Ich bin dein Ge: schöpf, das du einzig und allein zu deinem Dienste erschaffen und bisher so väterlich erhalten hast. Dar: um bin ich auch schuldig, dir stets und bis an das Ende meines Lebens aufs eifrigste zu dienen, und alle meine Kräfte zur Verherrlichung deines heiligen Namens anzuwenden. Das soll denn auch von nun. an geschehen. Allgütiger Gott! der du mir das Wollen gege ben hast, gieb mir auch das Vollbringen! denn ohne dich vermag ich nichts. Dir befehle ich meine Seele: heilige sie, und laß sie dir ein wohlgefälliges Opfer seyn! Ja! möchte ich dich von diesem Augenblicke an stets über alles lieben! Möchte dieser Tag den Anfang eines Lebens seyn, das mich deiner ewigen, unbegreiflich seligen Herrlichkeit bald würdig machte! Univ.- Bibl. Glassen 27- Mochte ich dich doch niemals wieder beleidigen! D! du Vater aller Barmherzigkeit und alles Trostes! ewige Güte! langmuthsvoller, gnådiger Gott! ver= nimm diese meine inbrünstigen Wünsche, und ers fülle, du selbst erfülle sie in mir; damit ich heute und allezeit nur das thue, was dir angenehm ist! O Jesus, mein Heiland, du, durch den ich hoffen kann, erhört zu werden! Laß doch mein Ges bet nicht unerfüllt bleiben! Verstoß mich nicht, weil ich ein Sünder( eine Sünderinn) bin! ich will es nicht mehr seyn. Dein Wort erweiche mich! Deine Liebe drånge mich! Deine Kraft ziehe mich! Durch dich flehe ich zum Vater: Gott verlaß mich nicht! gieb mir Liebe, Liebe gegen dich und den Nächsten; die herzlichste, standhafteste, vollkommenste Liebe! Gieb mir Eifer und Andacht; damit ich so recht die Seligkeit empfinde, welche durch ein frommes, liebe: volles, dir ergebenes Leben auch schon hier auf Erden gewährt wird! Mein Gott und mein Heiland! verleihe mir die Gnade, stets nach deiner heiligen Lehre zu handeln. Bewahre mich vor jeder Thorheit; lehre mich die wahre Weisheit; bewahre mich vor jeder Sünde. Geht es mir gut, so laß mich nicht übermüthig werden; laß es mich dankbar erkennen, daß das wahre Gute von dir komme, damit ich dich immer mehr liebe. Bewahre meine Augen, daß sie sich nie der Sünde öffnen; verleihe mir Gnade und Stärke, wenn 2* 28 die Sünde der Eitelkeit mich fesseln will. Gieb mir, mein Heiland! noch alles andere, was mir nothwen: dig ist. Gieb mir auch Geduld in den Leiden dieses Tages. Ich weiß, daß ein jeder Tag seine eigene Plage habe! ich bereite mich, mit Hinblick auf dein heiliges Leiden, alles mit Geduld, Sanftmuth, De: muth und Ergebenheit zu ertragen, damit ich dir, mein Gott, auch im Leiden dienen möge. Heiligste Mutter meines Heilandes, alle Engel und Heiligen des Himmels, bittet für mich, und beschützet mich in aller Gefahr des Leibes und der Seele. Amen. - Tägliches Gebet zum heiligen Schutzengel. Heiliger Engel, den mir Gott in der Stund meiner Geburt zum Führer, Beschützer und Beglei ter auf der gefahrvollen Reise durch dieses Leben und zum unsichtbaren Erzieher, Lehrer und Freund meiner Seele gegeben hat, heiliges Kind Gottes erhabener Himmelsbürger, seliger Geist! ich grüß dich mit Gott, ich preise, ehre und liebe dich, un schenke dir mein Herz als Zeichen meiner Verehrung Liebe und Dankbarkeit. O nimm es an, mein a mes und unreines Herz, und reinige und schmück es, damit es Gott und dir wohlgefällig werde. Wie freue ich mich, einen so edeln und erhabe 29 - nen Beschützer zu haben, der mich Tag und Nacht vor Gefahren und Sünden bewahrt, und zu allem Guten mich fördert! Woher kommt mir doch diese große und unverdiente Gnade, daß ich Erdwurm, ich armer Sünder von einem so großen, mächtigen, heiligen und vollkommenen Geiste, von einem Engel Gottes, stets begleitet, beschützt und bewahrt werde? Ewiger Dank sey meinem gütigen Gott und Vater ,, daß er nach seiner unendlichen Liebe dich zum Schuße, Rath und Troste mir verliehen, und durch dich so viele Wohlthaten mir erwiesen hat. Tausendfacher Dank sey dir dafür, lieber, heiliger Schutzengel, und für die große Treue und stete Liebe, welche du mir Unwürdigen und Undankbaren bisher erwiesen hast und noch erweisest. Dwie oft habe ich schon deine heiligen Einsprechungen verachtet, und dich durch meine Sinnlichkeit, Lauigkeit und zahl: lose Fehler betrübt, oder gar durch freiwillige Sün= den mich von dir entfernt! Ich erkenne, bereue und bekenne es nun vor dir und dem gegenwärtigen Gott, und bitte demüthig um Verzeihung und Nachsicht. Heiliger Schußengel, habe Geduld mit dem schwachen und gebrechlichen Menschen; sieh', ich verspreche dir aufs neue, dir besser zu folgen, und meinem Herrn und Gott treuer zu dienen. Bitte zu Gott für mich, daß er meinen Willen stårke, und meinen. Vorsatz segne, damit ich nicht mehr fündige. Stehe mir bei, heiliger Engel, und hilf mir, daß ich das 30 Gute richtig erkenne und eifrig vollbringe. Bewahre meine Zunge und mein Herz vor aller Sünde, re: giere meine Gedanken, Worte und Werke, und be: schüße mich vor allen Feinden, vor allen Uebeln und Gefahren des Leibes und der Seele. Führe mich nicht anders als nach Gottes heiligem Willen, und erhalte mich auf dem Pfade der Tugend, in der Liebe und Gnade Gottes. Steh' mir bei im Leben und verlaß mich nicht im Tode! konnte ich dich doch für deine treuen Dienste, für deine Liebe und Güte würdig belohnen! Aber was vermag ein Nichts? So belohne dich dann Gott statt Meiner! Bitte ihn selbst, heiliger Engel, er wolle deine Freude und Seligkeit erhöhen, er wolle dich krönen und verherrlichen für all' das Gute, fo du mir erwiesen. Und nun noch eine Bitte, lie: ber Engel! du siehst mein Herz, und wirst, wie ich hoffe, darin lesen, wie sehr ich verlange, meinen Gott zu verherrlichen so wie er es verdient und ich schuldig bin. Du siehst aber auch und weißt besser, als ich dir sagen kann, was ich für ein armseliger und schwacher Mensch bin; wie wenig, wie gar nichts alles ist, was ich für meinen Gott thue. O so ver herrliche dann du ihn statt Meiner: lob' und preise ihn für mich unaufhörlich in immer steigender Lies besglut; opfere ihm deine Gebete und Verdienste für mich, und vereinige die meinen mit denselben, - 31 und bitte Gott, daß er sie als Eins aufnehmen wolle. - O wie beglückt bin ich durch dich, geliebter heis liger Schutzengel! wie freue ich mich Deiner! wie sehne ich mich, dich einst im Himmel von Angesicht zu sehen, und ewig zu lieben!- So führe mich dann heute wieder im Namen Jesu, und laß mich alles mit ihm und zn seiner Verherrlichung anz fangen und vollenden. Begleite mich auf allen meie nen Wegen, hilf mir in allen meinen Werken, und laß mich deiner Gegenwart nie vergessen. Bringe meine Gebete vor Gottes Thron, und erwirke mir die Guade, meinem Herrn und Gott hienieden so zu dienen, daß ich dereinst würdig werde, ihn dort im Himmel, mit dir und mit allen Engeln und Heiligen, in unaussprechlicher, immer wachsender Seligkeit, zu lieben, zu loben und zu verherrlichen in alle Ewigkeit. Amen. Tägliche gute Meinung, oder Aufopferung seiner Werke. O mein Herr und mein Gott! ich sage dir von ganzem Herzen Lob und Dank, daß du mich aus unendlicher Liebe zum Himmel erschaffen, da ich nicht war; daß du mich durch deiu bitteres Leiden und - -32 Sterben erldfet, da ich verloren war; und daß du mich durch die Gnade des heiligen Geistes wiederges boren und zum Himmel geheiliget hast. O könnte ich dir doch für diese unaussprechliche Gnaden und Wohlthaten würdig danken! Doch wie kann ich dir etwas geben, was du noch nicht hättest, ich, der ich nichts bin, dir, der du alles bist? Alles, was ich bin und habe, bin und habe ich ja von dir und durch dich; mich selbst habe ich von dir empfangen. Doch durch deine Gnade habe ich auch etwas, was mein ist, was du nicht besitzest, was ich dir schenken, aber auch für mich behalten kaun; und dieses ist mein freier Wille, meine Freiheit, mein Herz.- O wie freue ich mich, daß ich doch etwas habe, das ich dir schenken kann! Weil du mun mein Herr und mein Gott bist, mein Schöpfer, Erldser und Selig: macher, das allerhöchste Gut, und mich unendlich liebest: so opfere, schenke und übergebe ich die, zum Zeichen meiner tiefsten Anbetung und Verehrung, meiner innigsten Liebe, Dankbarkeit und Ergebenheit gegen dich, mit größter Bereitwilligkeit und Freude,- mich selbst, meinen Willeu, meine Freiz heit, mein Herz, alles was ich bin und habe. Nimm es hin, o Gott, und behalte es auf ewig; von dir habe ich es empfangen, dir gebe ich es wieder zurück. Ich will nichts mehr für mich seyn und besitzen, sone dern blos dein will ich seyn, dein Kind, dein Ei genthum. Ich übergebe dir hiemit alle Herrschaft 33 über mich auf ewig. Nicht mehr ich, sondern dur sollst herrschen in mir und über mich; nicht mein Wille mehr, sondern nur der deine soll geschehen in mir und von mir; ich will gar keinen Willen mehr haben, als bloß, um deinen heiligen Willen, deine Gebote zu erfüllen. In dir, mit dir, durch dich und für dich will ich leben und sterben. Alles zu deiner Ehre und Verherrlichung. Besonders will ich den heutigen Tag, den mir deine Güte geschenkt hat, zu deinem Dienste, zu deiner Ehre anwenden. Alles, was ich heute denken und reden, thun und lassen, arbeiten und leiden, genießen und entbehren werde, alle Neusserungen meines Lebens, follen geschehen: zu deiner Ehre und Verherrlichung; aus Liebe zu dir; zur dankbaren Verehrung deines Leidens und Sterbens; zur Buße und Genugthaung für meine Sünden; zur Dankſagung für alle von dir erhaltene Gnaden und Wohl thaten; zur Verehrung Marie und aller Engel und Heiligen; zur Erleichterung und Erldsung der Seelen im Reinigungszustaude, besonders derjenigen, für welche i aus Gerechtigkeit, Liebe und Dank: barkeit zu beten schuldig bin; und zum zeitlichen und ewigen Heile aller Menschen auf Erdeu. O konnte ich dir doch heute so dienen, wie ich es schuldig bin; könnte ich dich verherrlichen, wie du es verdienst! Aber was kann und vermag ich), ein schwacher, sündhafter Mensch, ein Nichts? 34 Darum vereinige ich alles, was Ich heute thun und leiden werde, mit den gnten Werken aller Menschen, mit den Gebeten aller sich reinigenden Seelen, mit den Lobgesängen der Heiligen, und mit den unendlichen Verdiensten Jesu Christi selbst, und bitte dich, unendlich gütiger Gott, du wollest diese Vereinigung genehmigen, und so meine Armuth und meinen Mangel mit dem Reichthume deiner heiligen Kinder, und mit dem unendlichen Schake der Verdienste Jesu Christi ersehen. Co - Ich opfere dir also, himmlischer Vater, mein Herz in Vereinigung mit dem Herzen deines göttlichen Sohnes, und meine Werke in Vereinigung mit jener göttlichen Liebe, mit welcher er auf Erden alle seine Werke zu deiner Verherrlichung verrichtete, und bitte dich demüthig, laß dir mein Opfer wohlgefällig seyn, und erhöre mein Flehen durch Jesum Christum unsern Herrn, Amen. Bund mit Gott, täglich, wöchentlich oder monatlich zu erneuern. Allmächtiger, ewiger Gott: Allerheiligster, Allerfeligster, Allervollkommenster; mein Licht und Leben, meine Freude und Seligkeit, mein Schöpfer und Erldser, mein Herr und mein Vater, mein 35 Gott und mein Alles! wenn ich bedenke, wer du bist, und wer ich bin; was du schon für mich gethan, und in der Zukunft bereitet hast: wie sehr erkenne und fühle ich mich dann verbunden und verpflichtet, dich anzubeten, zu lieben, zu verehren, dir zu danken und zu dienen aus allen meinen Kräften, und keinen Augenblick von deinem Lobe und Dienste abzulassen! Und du selbst hast es uns als das erste und größte Gebot vorgeschrieben, daß wir dich unsern Herrn und Gott lieben sollen aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, aus ganzem Gemüthe und aus allen unsern Kräften. is the salon his mong dan Wohl vertraue ich zu deiner unendlichen Güte und Barmherzigkeit, daß du alle unsere Arbeiten und Leiden, wenn sie aus Liebe zu dir und auf die rechte Weise geschehen, als Gebet, als Gottesdienst aufnehmen wirst; aber wie schwach und unvollkommen ist meine Liebe zu dir, wie mangelhaft sind nicht meine Werke? Und doch möchte ich dich, meinen großen Gott und Wohlthäter, ohne Unterlaß und auf würdige Weise lieben, loben und preisen! jeder Augenblick meines Lebens soll deinem Dienste ges widmet, ein Akt deiner Verherrlichung seyn! Ich erscheine daher vor deinem göttlichen Angefichte in tiefster Ehrfurcht, und bitte dich demüthigst, folgenden Vertrag mit dir schließen zu dürfen: - - 36 - 1. So oft mein Herz schlägt, so nimm es so auf, als wenn ich mit derselben Andachts- und LiebesGlut, wie deine Engel und Heiligen im Himmel, dir zuriefe: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Gott Sabaoth; Himmel und Erde sind erfüllt von seiner Herrlichkeit! 51712 Sin say D1140504 bid 2. So oft meine Pulse schlagen, soll es so viel heißen als: Gelobt sey Jesus Christus in alle Ewigkeit! und zwar soll meine Seele diesen Gruß jedes: mal mit solcher Anbetung, Verehrung, Dankbarkeit und Liebe sprechen, wie er nur je von einem Glaubigen ist gesprochen worden, oder gesprochen wer= den kann. 3. So oft ich ein Aug öffnen oder schließen werde, soll es eben so viel seyn, als wenn ich spräche: Ehre sey dem Vater, der mich erschaffen hat; Ehre sey dem Sohne, der mich erldset hat; Ehre sey dem heil. Geiste, der mich geheiliget hat; Ehre sey der allerheiligsten Dreyfaltigkeit, von nun an bis in Ewigkeit! 4. So eft ich meine Zunge bewegen werde, will ich mit größter Andacht im Geiste sprechen: Gelobt 37-> sey das allerheiligste Sakrament des Altars, und im Herzen beten: O gütigster Jesu, deine heiligste Mutter sammt allen Heiligen benedeien dich für alle die Unehre und Beleidigung, so wider dich als das höchste Gut von den undankbarsten Kreaturen jemals sind begangen worden, oder zu einiger Zeit begangen werden, toe nije 5. So oft ich meine Arme, Hände oder Finger bewegen werde, nimm es an, als betete ich: Jesu Christe, für uns am Kreuz gestorben, durch die heis ligen Wunden deiner Hände erbarme dich unser, und verzeih uns unsere Sünden! and and 29: 6. So oft ich einen Fuß bewegen werde, soll es heißen: Jesu Christe, für uns am Kreuz gestorben, durch die heiligen Wunden deiner Füße erbarme dich unser, und lenke unsere Füsse auf den Weg des Friedens und deiner göttlichen Gebote. 7. So oft ich athmen werde, soll mein Geist zu dir rufen: ich glaube an dich, die ewige Wahrheit; vermehre meinen Glauben! ich hoffe auf dich, die unendliche Güte und Barmherzigkeit; vermehre meine Hoffnung! ich liebe dich, du allerhöchstes Gut; ver= mehre meine Liebe! - 38 - Cand ma mi 8. So oft ich den Himmel anschauen werde, soll es eben so viel seyn als spräche ich: Ehre sey Gott in der Hdhe, Friede den Menschen auf Erden, ewige. Ruhe den abgeschiedenen Seelen; und Ehre sey der Himmels Königin Maria und allen Engeln und Heiligen in Ewigkeit! a vaquiz tudo add 9. ing Ci 30 So oft ich einen Menschen, ein Thier, eine Pflanze oder sonst einen Gegenstand sehen werde, foll mein Herz in heiliger Begeisterung rufen: Preis set den Herrn alle Werke des Herrn, lobet und vers herrlichet ihn in Ewigkeit! Preiset den Herrn, denn er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währet in Ewigkeit! Kommt, laßt den Herrn uns loben, und Jubellieder ihm fingen, der unser Fels und Retter ist! Kommt, laßt uns anbeten ihn, niederfallen, nie derknieen vor ihm: denn er ist unser Gott, und wir die Werke seiner Hånde! Alles was lebt, preise den Herrn! Jauchzet ihm, dienet ihm mit Freude! 10. Alle Glieder, Sinne und Blutstropfen meines Leibes, und alle Anlagen, Kräfte und Wirkungen meiner Seele sollen unaufhörlich und in solcher Liebe, mit welcher dich Jesus auf Erden verherrlichte, zu dir rufen: Großer Gott, wir loben dich; heiliger 39 Gott, wir lieben dich; gütiger Gott, wir danken dir. Jesus, dir leben wir; Jesus, dir sterben wir; Jesus, dein sind wir hier und dort ewig. - Himmlischer Vater, nimm gnådig auf und be ståtige diesen Bund um Jesu, deines Sohnes willen. Erhöre meine Bitte, und nimm mein ganzes künftiges Leben und jeden Augenblick desselben als ein unaufhdrliches Gebet, als einen steten Gottesdienst an. O wie glücklich wäre ich dann, dann wäre mein heißester Wunsch und mein sehnlichstes Verlangen erfüllt, nämlich dich meinen Herrn und Gott über alles zu lieben und würdig zu verherrlichen. Ja, mein Gott, ich hoffe zuversichtlich, daß du den guten Willen eben so für das Werk selbst annehmen wirst, wie du den bösen Willen dafür nimmst. O so gieb mir dann einen recht guten Willen, verbessere, reinige, heilige meinen Willen, ersetze, was noch daran mangelt, und gieb mir die Gnade, in dem guten Willen zu verharren. Laß nicht zu, daß ich selbst durch eine freiwillige Sünde je wieder aufhebe und vernichte, was ich jetzt dir gelobt und versprochen habe. Ich nehme mir fest vor, nie mehr freiwillig zu fündigen: segne, o Gott, und stärke meinen Vorsatz. Heilige Maria, Mutter Gottes, und alle Engel und Heiligen! bittet für mich, und erlanget mir die Bestätigung dieses Bundes und die Erfüllung meiner Bitten und Vorfäße, damit ich meinen und euern 40 - Gott würdig verherrlichen möge alle Tage, Stunden und Augenblicke meines ganzen Lebens. is học dan nhac b Fromme Gedanken unter der Arbeit. Alles, meinen Gott zu ehren, Gottes Lob und Ehr zu mehren! in due sur rétt Ich will alles anfangen und vollenden in deinem Namen, o Jesu, und aus Liebe zu dir. bilmes in Gott, merk auf meine Hilfe: Herr, eile mir zu helfen! lade) nism Heiliger Gott, heiliger starker Gott, heiliger unsterblicher Gott, erbarme dich Meiner! s Gott, wer bin ich, und wer bist du? Herr, ich will nichts, als was du willst. s Ich suche und verlange nichts anderes, o Gott, als dich! Liebster Jesu, ich opfere dir mein Herz, mach' es dir wohlgefällig! sidim sig Nimm alles von mir, was dir an mir mißfällt: gib mir alles, was mich dir wohlgefällig macht. Heilige Maria und alle Heilige Gottes, bittet für mich, daß ich in der Liebe und Gnade Gottes lebe und sterbe. Der Name des Herrn sey gebenedeit, von nun an bis in Ewigkeit. hi Oliebreicher Gott, wie groß ist deine Liebe zu mir, und wie wenig liebe ich dich! 41 Mein Gott, wie oft habe ich dich beleidigt, dich verlassen und vergessen; o sey mir gnädig, nimm mich wieder an und auf zu deinem Kinde, und laß mich ewig dich lieben! Mein Gott und Vater, ich liebe dich von ganzem Herzen, von ganzem Gemüthe, don ganzer Seele, und aus allen meinen Kräften; vermehre meine Liebe! - - O Gott, du ewige Demuth, Sanftmuth und Geduld, begründe, erhalte und vermehre in mir diese dir so wohlgefälligen Tugenden! Erschaffe in mir ein reines Herz, o Gott, und deinen heiligen Geist nimm nicht von mir! Die Leiden dieser Zeit sind nicht zu vergleichen mit der Herrlichkeit, die einst an uns geoffenbaret werden wird. Die Seele Christi heilige mich u. f. w. Allgegenwärtiger Gott, ich bete dich an, und danke dir für alle Gnaden und Wohlthaten, so du mir erwiesen hast. Die Welt vergeht mit ihrer Luft: wer aber den Willen Gottes thut, der bleibt in Ewigkeit. Wie lieblich sind deine Wohnungen, o Herr! wohne du jetzt bei mir, und laß mich dann ewig bei dir wohnen. Gott, du bist mein Alles! meine Ehre, mein Reichthum, meine Freude, meine Ruhe, mein Trost, mein Friede, mein Himmel! - - 42 O wäre ich doch, wie ich vor dir seyn sollte! Lie ber will ich sterben, als dich freiwillig beleidigen. Ehre sey Gott in der Höhe, Friede den Menschen auf Erden, ewige Ruhe den armen Seelen! - Abend Gebet. Allgemeine Abend: Gedanken, besonders bei einem vor Gott aufrichtigen Lebenswandet. O du unendlich gütiger und barmherziger Gott! Es gehet doch kein Tag, keine Stunde, kein Augen: blick vorüber, ohne daß du mir unendlich viel Gutes er: zeigest. Auch der heutige Tag war ein Beweis da: von: auch heute habe ich mehr Wohlthaten von dir empfangen, als ich jemals würdig oder zu erstatten fähig seyn werde. Ist es denn nicht schon über: flüßige, unverdiente Gnade genug von dir, daß du mich erschaffen, durch deinen eigenen Sohn erldſet, und zum ewigen Leben bestimmt haft? Gott! Jesus! ewige Liebe! unbegreifliche Barm herzigkeit! wie so über alles mein Verdienst, über alles mein Hoffen und Erwarten gütig bist du gegen mich sowohl, als gegen die Meinigen; tausend und tausendmal sey dafür gepriesen! O, daß ich dir nicht so sehr danken kann, als ich wünsche! Daß ich nicht alle Menschen bewegen kann, dich zu loben und zu verherrlichen! 43 O! konnte ich noch heute allen sündlichen und bösen Neigungen absterben, um nur allein dein eigen zu seyn! Es ist doch keine größere Glückseligkeit auf Erden, als nur dir ergeben seyn und in dir zu leben. Gott, Jesu, Erbarmer! hilf mir! erbarme dich! gieb mir Gnade! erfülle mich mit deiner Liebe! erfülle meine Begierde, ganz dein zu seyn; was soll mir noch langer die Welt? fie kann mich nicht glücklich machen; was soll sie mir auffer dir, du Gott meines Herzens, du mein Theil in Ewigkeit. Dir aus ganzer Seele zu dienen, ist einzig mein Wunsch und mein Wille; dich aus ganzer Seele zu lieben, einzig mein Seufzen und Verlangen. Auf daß ich aber als sündiger Mensch, der nur durch Rene und wahre Sinnes Aenderung Erhdrung seiner Gebete hoffen kann, Gnade vor dir erlange; so verleihe mir, o Gott,- ohne welches keine wahre gültige Rene und Zerknirschung möglich ist, nicht nur redlich, ernstlich und genau zu untersuchen, welcher Uebertretungen, welcher Unterlassungen und Vergehungen, mit allen ihren Folgen, ich mich sündhaft schuldig gemacht habe wider dich, wider den Nächsten, wider mich selbst, mit Gedanken mit Worten- und mit Werken; sondern verleihe mir auch, o Gott! ich bitte dich, weil nur einzig davon eine wahre beharrliche Besserung und Tugendliebe abhångt, jede meiner, - - - - 1 44 felbst der kleinsten, Verschuldungen bußfertig und so zu untersuchen, daß ich zugleich ihre Quelle, ihre Entstehungsart, ihre Veranlassung, die Ursache ihrer so dftern Wiederholung, die Ursache meiner so großen sündlichen Schwachheit und Versuchung zum Bdsen( in so weit sie nämlich die Schuld mei: nes eigenen Willens und Betragens ist) so wie meiner so wenigen Kraft zur entgegen gesetzten Tugend und zum Guten überhaupt, ja! die Ursache und den Grund selbst entdecke, warum ich( bei allen meinen fogar aufrichtigen heiligen Vorsätzen) dennoch immer dem Fleisch und jedem dir, o Gott! mißfälligen We: sen mehrentheils so unabgestorben lebe, und auch im Guten, das ich in deiner Kraft vollbringe, nicht ganz vollkommen, ja oft nicht einmal vor dir fündlos und unbefleckt sey! - Gott! verleihe es, damit ich durch solche Unter: suchung, durch solche Erkenntniß und Gnade, selbst die Hilfsmittel erforsche, entdecke, betrachte, und befolge, welche die Religion und eine bewährte chrift: liche Weisheit und Erfahrung mir darbietet, und so: wohl der Ursprung als die Grundfeste eines guten, frommen, rechtschaffenen, von allem Bösen entferne ten, dir wohlgefälligen Lebenswandels sind; damit ich, im Glauben an deinen Sohn Jesus Christus, mit dem Apostel wahrhaft sagen könne: Dir, 0 Gott! lebe ich mit Christus am Kreuze; darum slebe auch nicht ich, sondern Christus lebt in mir, 45 yer, der mich geliebet, der sich selbst für mich darge: geben hat, durch den mir die Welt gekreuziget ist, und ich der Welt."( Galat. 3 und 6.) June Schwerer, freventlicher, vorsetzlicher Sünden, Sünden der Vermessenheit, des Gräuels und der Verdammniß, bin ich mir zwar nicht brwußt. Und daß ich es nicht bin, wem habe ich es zu verdanken, als dir; o du göttliche allerbarmende Liebe und Barms herzigkeit. Ach! wenn nicht du mich bewahret, nicht sündliche Gefahren und Gelegenheiten von mir entfernt, mich nicht durch heilige Einsprechungen gestärkt, und meine Wünsche und Begierden so oft zum Guten gelenket hättest: groß und schwer würden ( vielleicht) jetzt schon meine Schuld und die Zahl meiner Sünden und Verbrechen seyn. Denn gegen wen bist du, o Gott! nicht gnådig und barmherzig?- du, ein Gott voll Langmuth und voll Güte, der, wenn wir mit bußfertigem, reuevoll zerknirschtem Herzen zu ihm um Vergebung flehen, allen unsern Sünden gnädig ist, alle unsere Gebrechen heilt; auch wohl weiß, was für schwache Geschöpfe wir sind.( Psalm 102.) - Gut ist es, auf dich o Herr! vertrauen: darum ist auch immer deine Güte vor meinem Angesichte; ja, selbst bei den Vergehungen meiner fündlichen Schwachheit( von welcher ich mich auch heute nicht ganz frei weiß) vergesse ich deiner Barmherzigkeit nicht, flehe ich zu dir mit Zuversicht und Zer: 46 knirschung:» Vater, verzeih, verzeih mir alle meine Sünden um Jesu Christi willen! denn ich vertraue auf dich." - - Und in diesem festen Vertrauen, in der Zu versicht der Erhörung, überlasse ich mich nun heute der Ruhe. Ich schlafe unter dem Schuße des Allmächtigen, und bin allenthalben bei ihm. Vater aller Wesen und auch Meiner, du bester und gütigster! dir, dir empfehle ich meinen Leib und meine Seele. Deiner Barmherzigkeit und Gnade versichert,( und warum sollte ich mich dessen nicht trösten) was habe ich wohl zu fürchten? Der letzte Gedanke, der mich heute beschäftiget, bist du; und auch du sollst der erste des morgenden Tages seyn. Ich entschlafe, indem ich an dich denke; und wenn ich erwache, wie will ich mich alsdann nicht auf's nene bestreben, niemals etwas zu unternehmen, zu reden, oder mir auch nur den geringsten Gedanken zu verstatten, wo: durch ich dir mißfallen könnte!- Glücklicher Tag, au dem ich so handeln werde! au dem ich ſo Ja! bald, wenn deine Güte, o Gott! nicht ein Anderes verhängt,( in allem geschehe dein heiliger Wille!) bald werden meine ermüdeten Kräfte durch den Schlaf wieder erquicket seyn; und dann, meine Seele! kannst du dich mit erneuerten Trieben zu dem Ewigen empor schwingen; dann entbrenn vor Liebe und Dankbarkeit gegen Gott deinen Schd - - 47 pfer, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan, und was du ihm schuldig bist! Letztlich bitte ich noch, o Herr! daß dein, zu meinem Schuße bestimmter Engel mich diese Nacht beschützen wolle, auf daß keine unreinen Träume mich beunruhigen. Mit dir, o Gott, will geh'n zum Ruh'n, Mit dir will nichts als Gutes thun; Will fromm leben, will fromm sterben, Um den Himmel zu erwerben. Abendgebet am Sonn- und Feiertage. Mit herzlichem Danke, o Gott! erscheine ich hier vor deinem Angesichte, und preise dich, so viel ich immer kann, für alle die unverdiente Güte, die du auch heute mir( und den Meinigen) an Leib und Seele zu erzeigen mich würdigtest. Ach Herr! Was bin ich und was sind wir Alle, daß es in deinen Augen noch gleichsam ein Geringes seyn würde, uns erschaffen, und bis auf diese Stunde vor so manchem Uebel bewahrt zu haben; wenn du uns nicht auch deiner Erkenntniß, ja! des für uns noch größern Glückes hättest theilhaftig werden lassen, des Glückes, ein Christ zu seyn! Gott! was könnte ich doch noch ferner mit dir reden? Du kennst ja dein Geschöpf, Herr, Gott! Aus Gnaden, und nicht, weil wir es verdienten, - - 48 - thatest du alles das, und machtest auch mir die Wun der deiner Liebe bekannt, und gabeft auch heute mir Gelegenheit, mich deinem Dienste und dem Heile meiner Seele vorzüglich zu widmen. Håtte ich mich doch aller dieser Gnaden und Erbarmungen nur nicht unwerth betragen! So viele Uebertretungen und Unterlassungen für deine Güte, selbst an dem Tage, da alles mich aufforderte, ja nichts zu unterlassen, was zur Beförderung meiner ewigen Seligkeit unumgänglich nothwendig ist; da alles mich zur Andacht und gånzlichen Sinnes: Aenderung antreiben und bewegen mußte! öffent: licher Gottesdienst, Pflicht der Enthaltung von schweren weltlichen Geschäften, Predigt und Lesung deines göttlichen Wortes, Ausspendung der heiligen Sakramente, allgemeines Beispiel der Erbauung, stündliche Annäherung des Todes und der Ewigkeit, mein eigener bedenklicher Zustand und das Bewußte seyn eines in Sünden zugebrachten Lebens. Wie habe ich gelebt! wie hätte ich leben müssen! Gott! wenn ich das erwäge, und denke zugleich, daß ich vielleicht nicht lange mehr seyn werde, daß ich viel: leicht noch diese Nacht vor deinem Richterstuhle er: scheinen soll, Rechenschaft zu geben von einem Leben, das ich so oft zur Sünde mißbrauchte, da du es mir nur gabest, dich ewig zu lieben, und auch Andere durch mein Beispiel zu gleicher Liebe gegen dich aufzus muntern: o, wie wird dann meinem Herzen so bange! 49 Ach! In der bittern Angst meines Herzens hebe ich die Hände zu dir auf, Vater der Gnaden und der Barmherzigkeit! Nimm mich nicht hin in deiner Ungnade, und rechne mir die Stunden nicht zur Berdammniß, welche für deinen Dienst und meine Seligkeit nun auf ewig verloren sind! Kann ich sie nicht ersetzen, so wirst doch du mit einem Schwachen, welcher bereit ist, den Weg der Lauigkeit und der Sünde zu verlassen, nicht ins Gericht gehen, wie es sein bisheriges Betragen verdient! Bist du nicht ein Gott der Langmuth und der Geduld, ein Gott, der ein williges und reuiges Herz nie verachtet? O Jesus, mein Heiland! gieb mir ein solches williges, reuevolles, dich meinen Gott über alles liebendes Herz; damit ich Zuversicht habe, daß du mir verziehen, und mich wieder zu Gnaden angenome men hast! - - Erinnerung. Wer in vorstehenden Abend Gebeten, seinem Geelenzustande oder Wunsche nach, vollständige Gewissens Erforschungen ic. vermißt, der findet sie unter nachstehenden Gebeten. Allgemeine Gewissensprüfung und Reue, besonders am Ende des Tages. Schon wieder ein Tag entschwunden; wie habe ich ihn zugebracht? Habe ich ihn durch Dank und 3 50 Liebe zu Gott für alle seine mir erwiesenen so viel: fältigen Wohlthaten, durch festen Entschluß,- meiner Bestimmung gemäß- als vernünftiger Christ sein Wohlgefallen zu vollbringen, ja, durch wirk liche Vollbringung desselben geheiliget? Habe ich ihn geheiliget in der Furcht des Geistes Christi, durch Demuth, Liebe, Freude, Frieden, Wahrheit, Ge duld, Freundlichkeit, Güte, Langmuth, Barmherzig: keit, Gerechtigkeit, Gottseligkeit, Sanftmuth, Glau: ben, Mäßigkeit, Keuschheit, Reinigkeit des Herzens und Hoffnung des ewigen Lebens? Römer 8. Gal. 6 und Ephes. 4. - habe ich nicht vielmehr solches zum Theil un lerlassen?- ihn durch Manches entweihet? Gott, meinen steten Wohlthäter und Begnadiger, mit Un dank erwiedert? Und wenn alles das nicht Ver: ruchtheit, nicht Unbußfertigkeit und verwegener Fre: vel war; habe ich dann wenigstens, so bald ich meine Vergebungen erkannte, solche herzlich und mit dem Wunsche sie nie begangen zu haben, aus Liebe zu Gott bereuet? ihn um Gnade und Vergebung. derselben angeflehet?- den ernstlichen Vorsatz ge macht, ihm eifriger zu dienen, alles ihm Mißfällige standhaft zu meiden, ein besseres Leben zu führen, tugendhafter und gerechter zu werden, einzig der wahren Vollkommenheit, der Heiligung meiner Seele nachzustreben, und Christi Gesetz zu erfüllen? Bin ich jedem guten, frommen, rechtschaffenen - 51 Vorsatz nachgekommen? und habe ich mich wenig stens aufrichtig bemüht, den Pflichten, die ich, dem Natur- Gesetz und meiner Religion zufolge, Gott, Andern und mir selbst schuldig bin, möglichst geJa, habe ich demjenigen, wozu nug zu thun? mich Stand und Beruf durch persönliche eigenthum: liche Verpflichtungen noch besonders verbinden, nach: gelebt? - 1 Habe ich von dem, was ich besitze, oder genieße, oder empfing, von meiner Pflicht( meinem Amte) meiner Handhabung, meiner Macht, keinen unwürdigen, christenthumswidrigen Gebrauch gemacht? Habe ich die Kräfte und Talente, die mir Gott gab, nüglich und gehörig angewendet? Habe ich niemals auf Gott und seine Güte Mißtrauen gesetzt, oder durch Trostlosigkeit und Tadel seine Vorsehung entehrt? Welche bose Neigung habe ich unterdrückt, oder verbessert? welche besondere Tugend ausgeübt, oder zur Vollkommenheit gebracht? Ist nicht diese oder jene gute Handlung mehr aus eitel oder eigennützigen Absichten als aus Liebe zu Gott und um Jesu Christi willen geschehen? Und sollte mich der Herr noch in dieser Stunde vor sich fordern; bin ich willig und bereit, vor ihm zu erscheinen? Bin ich im Stande, von jeder That, von jedem Worte, von jedem Gedanken die genaueste Rechenschaft zu geben? - - 1 - 3* 52 Großer Gott! was soll ich dir antworten? Mein eigenes Gewissen verklagt mich vor dir; indem ich obigen Forderungen nie ganz entsprochen habe.- Aber ach, lieber Gott und Herr! geh doch mit einem armselig schwachen Menschen nicht in's Gericht! Durch das theuere Blut deines Sohnes bitte ich dich, laß mich Gnade bei dir finden. O Jesus, du Sohn Gottes, erbarme dich Mei: ner, laß doch dein Leiden und Sterben nicht an mir verloren seyn! Ich weiß, ich habe gesündiget; ( schwer habe ich gesündiget) aber ach! du willst ja nicht den Tod des Sünders; sondern daß er sich be: kehre, und ewig lebe. - Sieh, o mein Gott und Herr! Ich komme wieder zu dir in der größten Wehmuth meiner Seele, und bitte dich, behüte mich doch vor dem ewigen Verderben! Erbarme dich Meiner um Jesu Christi willen, und laß mich nicht zu Schanden werden. Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit und Christi Leiden. Ja, Herr! du wirst dich Meiner erbarmen, wirst mich nicht ewig von deinem Angesichte ver: st. en; dieses läßt deine Vaterliebe mich hoffen. Du wirst mir meine Sünden verzeihen, so wenig ich's auch verdiene. Ach! sie sind mir so leid so leid Gott! O, daß ich sie auf irgend eine Weise durch 14 53 Tugend wieder ersetzen, ja vor dir austilgen könnte! Soll ich verzweifeln, weil die Zahl meiner Fehltritte bisher mit jedem Tage zunahm? Soll ich gar keine Gnade mehr von dir erwarten, weil ich dich immer auf's neue beleidige; niemals völlig anfange, dir mit mehrerem Eifer zu dienen, und die Zusagen und guten Vorsätze zu erfüllen, die ich so oft vor dir erneuere? Wahr ist's, ich hatte lieber sterben sollen, als nur in einen einzigen sündhaften Gedanken willis gen; ich habe mich aber eher der Gefahr, deine Gnade auf immer zu verlieren, aussetzen, als( ein einziges mal) meine bösen Neigungen unterdrücken wollen. So weit bin ich gekommen. Scham bedeckt mein Angesicht! denn wider dich habe ich gesündiget, bestes, höchstes Wesen, obschon ich wohl wußte, wie sehr dir solches mißfiel! Und, du, Gott! liebst mich noch, und willst mich wieder in Gnaden annehmen? O du gnädigster, barmherzigster, langmüthigster Gott, du Herr aller Güte! wie kann ich verzagen! Meine Missethaten sind groß, größer aber noch deine Erbarmnisse. Ich bin nichts als Sünde; und du bist nichts als Gnade gegen einen Sünder, der aufe richtig Buße thut. Ich habe dich unendlich leis diget; und du willst mir vergeben nach der Größe meiner Sünden; willst nur darauf sehen, was ich künftig seyn werde, nicht was ich bisher war. D! ich will alles seyn, was ich nach deinem Willen seyn 54 foll; will thun, was ich nach deinem Willen thun foll; will leiden, was ich nach deinem Willen leiden soll. Ich will jetzt alles, was du willst, ich habe keinen andern Wunsch, als dir zu gefallen; keinen andern Willen, als dir zu gehorchen. Allein, du o Herr! weißt es, daß zur Ausführung dieses Vor: satzes meine Kräfte zu schwach sind; und nur mit deiner Gnade werde ich diesen Zweck erreichen. Daher übergebe ich mich ganz deiner Führung, und ver: traue einzig auf deine Barmherzigkeit und auf die unendlichen Verdienste Jesu Christi, meines allguti gen, allerbarmenden einzigen göttlichen Erldsers und Seligmachers. Ja, mein Jesu! du Tilger aller Sünden! nach deiner Verheißung wirst du mich er hören, und ich werde leben ewiglich! - - Gedächtniß- Feier des Kreuzes- Opfers Christi oder Andachts Erweckung bei dem Gottes: dienste, den man heil. Messe nennt. Anmerkung. In dieser Erweckung vereinigen wir nicht nur Abend: mahl und Kreuzes Opfer, zufolge des von Christus gegebenen Vorbilds und Befehls, sondern auch nach Vorschrift der Kirche unsere Gedanken und Gebete mit der Handlung des Priesters, der zur Be folgung jenes von Christus( am Vorabend seines Let dens und des damit am Kreuz vollbrachten einzigen - - - - : vollgültigen Versöhn Opfers) gegebenen Beispiels und Gebots, sich und allen Theilnehmenden zum Heil, am Altare vollbringt, was als Darstellung des blutigen Kreuzes Opfers und als Erneuerung des lekten Abendmahls die kräftigsten Hülfsmittel enthålt, Gottes und Christi Liebe dankbar zu verehren; die uns und dem ganzen Menschen Geschlechte erwiesenen göttlichen Wohlthaten zu preifen, und dem Herrn zum Opfer darzubringen, seine Oberherrschaft und unsere Abhängigkeit demüthig zu bekennen; Jesu Tod und unendliches Verdienst uns heilsam zuzueignen; durch ihn, als unsern beständigen Mittler und Fürsprecher bel Gott dem Vater, Gnade und Verzeihung zu erfleben, zu hoffen, zu erlangen; uns durch wirkliche oder geistliche Kommunion zur Gegenliebe und bessern Ehristenthums Erfüllung zu står= ten; für einander zu bitten, und selbst der Verstorbenen nüßlich und mit dem Wunsche ihrer und unserer Seligkeit, zu gedenken: um nemlich auch in und durch uns( anwendbar) zu vollbringen, was der Herr durch den Propheten( Malach. 1, 11.) fagt: ,, Mir wird ein reines Opfer dargebracht." = 55 : - : Vorerinnerung und Belehrung, in Kraft des Apostel Briefes an die Hebråer. Wovon Nachstehendes ein freier und angemessener Ausund Zusammenzug ist. Laßt uns derohalben, die wir des himmlischen 56 Berufes ebenfalls theilhaftig geworden sind, betrach: ten den großen Apostel und Hohenpriester unseres Be: kenntnisses, Jesus Christus, in welchem wir Alle geheiliget sind; der, nachdem er ein Opfer, und zwar ein einziges, für die Sünden dargebracht hat, nun sitzet ewiglich zur Rechten Gottes, zu erscheinen für uns vor Gottes Angesicht, als ein Priester eines unvergånglichen Priesterthums, der da ewig bleibt, der da ewig lebt, für uns zu bitten; und also ewig selig machen kann, die durch ihn zu Gott nahen, als durch den, der erschienen ist, zu zerstören die Sünde, sie hinweg zu nehmen, nicht durch ein fremdes, sondern durch sein eigenes Opfer; der auch wieder erscheinen wird, nicht um der Sünde willen, sondern zur Seligkeit derer, die Seiner warten. - - - 1 Unser Hoherpriester ist also der, welcher zur Rechten der Majestät Gottes sitzt im Himmel, er, ein Diener des Heiligthums so wie der wahren weit größern und vollkommnern Stiftshütte, die Gott, nicht der Mensch, aufgerichtet hat; er, ein Hoherpriester der zukünftigen Güter, welcher ins Heiligthum eingieng, nicht wie Priester des alten Bundesdurch das Blut der geschlachteten Thiere, sondern durch sein eigenes Blut, nachdem er nåmlich ewige Erldsung erfunden hat. ma Wenn aber das Blut der geopferten Thiere die Unreinen heiligte zu Reinigung des Leibes; wie viel mehr wird das Blut Christi, der sich selbst unbefleckt 57 Gott aufgeopfert hat, reinigen nicht unsern Leib, sondern unser Gewissen von den todten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott! Denn darum ward er ja ein Mittler des neuen Testaments, daß wir, die wir berufen sind, nämlich durch seinen Tod die vers heißene ewige Erbschaft empfangen möchten. Und so einen hohenpriester mußten wir haben, der da wäre heilig, unschuldig, unbefleckt, abgesondert von den Sündern, und erhaben über die Himmel; der nicht bedurfte, Opfer zu bringen erst für sich selbst, dann für die Sünden des Volkes. - - Auch haben wir keinen Hohenpriester, der nicht Mitleid hätte mit unsern Schwachheiten; sondern der selbst in allem versucht ward, nach unserer Aehnlichkeit, doch ohne Sünde: denn ähnlich war er in Allem uns seinen Brüdern, auf daß er ein barmherziger und getreuer Hoherpriester würde vor Gott dem Va= ter, zu versöhnen die Sünden der Welt. Denn worin er selbst gelitten hat und versucht worden ist( wie er den Tod für Alle empfand), darin kann er helfen denen, die versucht werden: und gleichwie er, obschon er der Sohn Gottes ist, durch sein Leiden im Gehorsam vollkommen ward; also ward er Allen, die ihm gehorsam sind, eine Ursache zum ewigen Heile, genannt von Gott ein Priester in Ewigkeit nach der Ordnung( und Weise) Melchisedechs Psalm 109 Melchifedech aber, dessen Tag- Anfang und Ende verborgen ist, war nicht nur König in Salem, son= 58 dern auch ein Priester Gottes des Allerhöchsten, und heißt zu deutsch, ein König der Gerechtigkeit, ein König des Friedens. So auch Christus, welcher in den Tagen seines Fleisches Gebete und Flehen dem, der ihn vom Tode erwecken konnte, mit starkem Schrei und mit Thränen dargebracht hat, und erhört worden ist. 60 - ne Weil wir nun einen so großen Hohenpriester haben, der( in seiner Auffahrt) die Himmel durch= drang, Jesus den Sohn Gottes; so lasset uns an diesem Bekenntniß festhalten, und mit Vertrauen hinzutreten zum Throne der Gnade; auf daß wir Barmherzigkeit erlangen und Gnadenhülfe finden, so oft wir's bedürfen! Laßt uns hinzu nahen mit auf richtigen Herzen, im vollkommenen Glauben, gereinigt vom bösen Gewissen, in fester Hoffnung und Zuversicht zu Gott, der auch dann getreu ist, wann er spricht: ,, Ich will ihnen gnädig seyn; ich will ihrer Sünden und Ungerechtig ,, keiten nicht mehr gedenken." Lasset uns aufmerksam seyn, daß wir einander ermuntern zur Liebe und zu guten Werken. Denn, wenn wir da noch frech fündigen, nach dem wir die Erkenntniß der Wahrheit empfangen haben; so bleibt uns( in diesem Zustande) ferner für die Sünden kein Opfer übrig, weil es wie un möglich ist, daß die, welche ehemals erleuchtet, die himmlische Gabe schmeckten, und des heiligen Geistes 59 theilhaftig wurden, dennoch, obschon sie das gute Wort Gottes angenommen, und die Kräfte der zus daß künftigen Welt genossen hatten, abfielen, diese zur Buße erneuert werden sollten; indem sie, so viel an ihnen selbst ist, den Sohn Gottes zum Gespitte haben. Weh' aber dem, der den Sohn Gottes gleichsam wie mit Füßen tritt, beleidiget, das Blut des neuen Bundes, durch welches er ist geheiliget worden, wie unrein achtet, und den Geist der Gnade schmähet! Was wir also thun sollen, ist dieses: daß wir die wir glauben und Zutritt haben, einzugehen ab: ins Heiligthum durch das Blut Christi,- legen jede Bürde und anklebende Sünde, die uns hindert, den uns bestimmten Kampf schnell und muthig anzutreten, mit Hinsicht auf ihn, den Anfånger und Vollender unsers Glaubens, Jesus, wel: cher, anstatt der ihm bestimmten Freude, das Krenz erkohr, und mit Verachtung der Schmach ertrug, nun aber sitzet zur Rechten des Thrones Gottes, gekrdnt um des Leidens seines Todes willen mit Ehre und Herrlichkeit. Ja! auf Jesus, ihn, der solche Wider= wärtigkeit von Sündern ertrug, richtet euere Gedanken; auf daß ihr nicht ermattet und nachlasset in eurem Gemüthe! denn noch habt ihr nicht widerstanden bis aufs Blut im Kampfe wider die Sünde. Darum hebet auf die sinkenden Hände, - - - 60 ermuthigt euch, im Guten fortzuschreiten! suchet Frieden mit Allen und jene Heiligung, ohne welche Niemand den Herrn sehen wird; und hütet euch, daß keiner Gottes Gnade versäume! Betrachtet vielmehr, wozu ihr( durchs Christenthum) euch ge nähert habet!- nämlich: zum himmlischen Jerusalem, zur Gesellschaft so vieler tausend Engel, zur Gemeinde derer, die als die Erstgebornen im Him: mel angeschrieben stehen, ja, zu Gott dem Richter Aller, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten; ihr habt euch genähert zu Jesus dem Mittler des neuen Bundes, zum Blute der Reinigung, das da beffer redet, als das Blut Abels. - Denn Jesus Christus hat gelitten, auf daß er uns, sein Volk, heiligte durch sein Blut. Er ist gestorben, auf daß er durch seinen Tod nehme die Gewalt dem, der des Todes Gewalt hatte, nåmlich dem Teufel. Er ist( nachdem der alte Bund gebrochen, die Zeit der Schatten und Vorbilder vorüber war, Gott auch keinen Gefallen mehr an dem alten unvollkommenen Brand Opfer hatte) Bürge und Mittler eines neuen und bessern Testaments geworden, eines Testaments nämlich, das sich auf größere Verheißungen gründet; und hat durch sein bleibendes ewig wirksames Priesterthum das vorige alte Priesterthum aufgehoben( weil es schwach und nunmehr unnütz war, auch durch sich und sein Opfer weder die Sünden hinwegnehmen, - 1 -- 61 - noch Jemanden vollkommen machen konnte), und hat uns durch die einzige Darbringung Seiner selbst eine bessere und vollkommenere Hoffnung erworben, durch welche wir zu Gott nahen. Wir haben daher einen ganz andern Altar, das Herz zu kräftigen, nicht mit leiblicher Speise, wie jene, die der alten Stiftshütte dienten, sondern mit Guade. Theilhaftig also derselben,( denn köstlich ist ihre Theilnehmung) lasset uns durch Jesus immer und in allem Gott ein Lob- Opfer bringen,( das ist die Frucht der Lippen, die preisend seinen Namen bekennen), zugleich aber auch der Wohlthätigkeit und einer wechselseitigen Mittheilung nicht vergessen! denn solche Opfer machen Gott uns geneigt. Er indessen, der Gott des Friedens, der den großen Hirs ten der Heerde, unsern Herrn Jesus Christus, von den Todten heimgeführt hat, nachdem dieser das Blutopfer und das Unterpfand eines ewigen Bundes geworden war, mache uns fähig und bereit, alle= zeit Gutes zu thun. Er wirke in uns, was vor ihm wohlgefällig ist, durch Jesus Christus, welchem sey Preis und Ruhm von Ewigkeit zu Ewigkeit! - Gebet bei der heiligen Messe. Beim Anfange, am Fuße des Altars. Vorbereitung des Herzens zur würdigen Feier des heiligen Opfers. Durch die Vergießung deines heiligen Blutes, 62 o Jesus! mit welchem du uns so theuer erkauft hast, bitten wir dich: gieb unserm Herzen wahre Inbrunst, vornehmlich jetzt, da es unser Vorsatz ist, das Geheimniß unserer Erldsung, dieses aller: größte Merkmal deiner Liebe und Erbarmung, so wie überhaupt deines feligmachenden Fleisches und Blutes, heilsam zu betrachten und zu feiern! Mit Glauben und Vertrauen nähern wir uns deinem heiligen Altare, voll des herzlichsten Ver: langens, zu erscheinen mit derjenigen Ehrfurcht und Andacht, deren dasselbe so vorzüglich würdig ist; weil du, o Jesus! es selbst gestiftet und zu erneuern befohlen hast, theils zum immerwährenden Gedächt: niß deiner Liebe, aus welcher du für uns hast leiden und sterben wollen; theils auch zür Versöhnung für die Sünden, deren wir uns fast täglich schuldig machen. Jesus! Heiliger aller Heiligen! so wollen wir dann alle unsere Gedanken nur auf dich und die: jenige Handlung richten, die jetzt vor sich geht; wir wollen sie richten auf dich, der du das GenugthuungsOpfer für uns alle geworden bist; wollen sie vereini gen mit dem Opfer, das hier auch nun am Altare, durch deinen Diener, zur heiligenden Fortdauer jener deiner göttlich unendlichen Genugthuung in dir voll: bracht werden soll; der du bist einzig der wahre Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchiz sedechs, unser unablässiger Mittler und Fürsprecher, welchen Gott gestellt hat zwischen sich und uns, zu -- 63 versöhnen unsere Sünden im Glauben an dein Blut, uns gerecht zu machen, nicht durch unser Verdienst, sondern bloß nach seiner Gnade. Rom. 3, 24-26. Deswegen bereite du unsern Geist, stärke unsern Glauben, heilige unsere Gedanken, reinige uns von Sünden, und laß uns solche Empfindungen haben, die Deiner würdig sind! Dann werden wir gewiß nicht ungerührt, nicht ungebessert diesen Ort ver= lassen. Denn, so groß auch unsere Unwürdigkeit ist, so ist doch hier, wo uns und allen deinen Gläubigen das Verdienst deines Todes, die Kraft deines am Kreuz vollbrachten Versöhnungs- Opfers so vorzüglich zugeeignet, unsere Zuversicht auf dich so sehr erhöhet wird, die Stätte, wo du im Vater und der Vater in dir, uns zu erhören bereit ist. Hier wollen wir also unsere ganze Seele ausschütten, und allein den Regungen der Andacht folgen; hier wollen wir uns dir übergeben, wie wir sind. Wir haben unordentliche Neigungen, diese opfern wir dir auf, o Jesus! um davon möglichst befreiet zu werden; wir haben aber auch ein Herz, das der feurigsten Empfindung fähig ist; dieses soll nur allein für dich brennen. - - - 1 Ewiger Dank!- denn auch danken wollen wir dir hier für alle deine Mühseligkeiten und Liebe, die du für uns gehabt hast; und war eine Zeit, da wir sie nicht genugsam erwogen oder erkannten, so soll eine aufrichtige Reue und ein erneuerter Eifer zeigen, wie sehr uns unser Betragen mißfällt. 64 O, daß deine Gnade uns heiligen, und dir wohl: gefällig machen wollte; damit alle unsere Seufzer und Wünsche, die wir hier vor dir thun, würdig seyn möchten, erhört zu werden!- Erbarmungsvoller Heiland! wir hoffen es von dir und durch die Kraft dieses heiligen Versöhnungs Opfers für Lebendige und Todte, das du selber bist. Erhöre uns! erhöre das Gebet deines Priesters und aller Anwesenden! = - Vom Gloria oder von der Epistel bis zum Evangelium. Anbetungswürdiger, für uns geopferter Erbar: mer, dessen Freude es war, bei den Menschenkindern zu seyn, um ihr Bruder, ihr Lehrer, ihr Heil zu werden; sie zu erldsen von der Macht der Finsterniß, von der Gewalt der Hölle und der Sünde; sie einer bes fern Hoffnung, einer ewigen Seligkeit zu versichern! Preis und Dank und Anbetung sey dir in Ewigkeit! Ja, o Jesu! göttlicher Menschenfreund, sey gelobt! allezeit und an jedem Orte gelobt! Wo ist der Sterbliche, welcher von der Größe deiner Liebe gegen uns durchdrungen auch nur einen Theil des Dankes zu empfinden im Stande ist, den wir dir für deine Güte schuldig sind? Nicht genug, daß du Mensch wirst, und unsere Schwach 65 heiten auf dich nimmst; nicht genug, daß du dein eigenes Leben hingiebst, selig zu machen, was vers loren war; nein! sondern du befiehlst auch noch, um ein stetes heiligendes Gedächtniß deiner Liebe unter deinen Gläubigen fortzusetzen, und sowohl durch dich als durch sie selbst das Opfer für ihr Heil zu seyn, das zu vollziehen, was du in Rücksicht des am Kreuz erlittenen VersöhnungsTodes, beim letzten Abendmahle stiftetest und vollzogst! — - - Du, göttlicher Heiland! hast's gesagt und gewollt, daß das Andenken deines Todes oft wiederholt werden sollte; haft die Weise, es zu thun, selbst gezeigt und vorgeschrieben; hast uns zugleich versichert, daß es dein eigenes Fleisch und Blut sey, welches alsdann Gott deinem Vater zur Vergebung der Sünden dargestellt, und als eine wahre SeelenStärkung zu einem dir geweihten Andenken genossen würde. - Gläubig und dankbar nehmen wir diese deine Worte und Verheißung an; glauben sie so gewiß und wahrhaftig, als wir wissen, daß du ungeachtet deines blutigen Kreuzes Opfers, wodurch du uns Zugang und Zuversicht zu Gott erwarbst, dennoch nicht aufgehört hast, für uns zu bitten, und als ewiger Hoherpriester vor Gottes Angesicht zu er= scheinen; um noch immer das Versöhnungs: Opfer für unsere Sünden zu seyn, dessen wir um so mehr 66 bedürfen, je mehr wir täglich neue Sünder sind, und du der Einzige bist, worin und durch welchen uns Gnade und Heil verheißen ward. Denn du bist ja der ewiggeliebte Sohn Gottes deines himm: lischen Vaters, an welchem er so großes Wohlge: fallen hat, daß er in dir und durch dich die Welt mit sich selbst versöhnte, und ihr ihre Sünden nicht zurechnete; der aber auch uns, seine Geschöpfe, so sehr liebt, daß er dem, der von keiner Sünde wußte, für uns zum Sühn: Opfer macht, auf daß wir in ihm zur Gerechtigkeit würden, zu einer Ge rechtigkeit nämlich, die vor Gott wohlgefällig und gültig ist. 2. Kor. 5, 18-21.tictando Wie so heilig und wichtig muß uns dann jene Handlung seyn, welche nicht nur ganz die Folge deiner eigenen Worte und Erbarmniß, sondern auch dazu bestimmt und wirksam ist, uns die so erha: bensten und trostvollsten Wahrheiten tief an's Herz zu legen; und welche deine heilige Kirche in der Guade und durch die Kraft und Wirksamkeit des in ihr wohnenden heiligen Geistes mittels ihrer Prie ster zum Heile Unser und aller Gläubigen mehr: mals vollbringt! Ja, wie sollte nicht, wenn wir Glauben haben, eine so heilige und wichtige Hand: lung für uns von unaussprechlichem Werthe seyn, durch die es uns so lebhaft vorgestellt wird, wie du, o Jesus! mitten unter deinen Jüngern, das Brod und den Kelch segnest, und ihnen darreichst mit den - - 67 Worten:» Nehmet hin! esset, trinket, das ist mein » Leib, das ist mein Blut! thut solches zu meinem » Gedächtniß;" wie du darauf hin eilest, dich für das Heil der Welt deinem himmlischen Vater aufzuopfern; wie du ferner noch immer eben derselbe Hohepriester, eben dasselbe Opfer, eben dieselbe Verföhnung bist; und, indem du auf dem Altare Gott deinem Vater als das einzige vollgültige Opfer in Vereinigung deines Abendmahls und deines Todes dargestellt wirst, du dich selbst als Mittler und mächtigen Fürsprecher deiner Erldseten ihm gleichfalls darstellst! - - Ja! dann betrachten wir dich, beim Abend: mahl, am Kreuze, zur Rechten Gottes; betrachten dich in deiner Gottheit, in deiner Menschheit, in deiner ganzen Liebe. Dann bist du uns vornehm lich Erldser, Tröster und Fürbitter; denn wo erkenuen wir dieses vollkommener, als da, wo uns dein Leiden tröstet, dein Fleisch und Blut stårket, deine Vermittelung unsere ganze Hoffnung ist? Möchten wir uns dabei nur nie einer Sünde schuldig gemacht haben! Ach! mit Scham und Reue bekennen wir unsere Schuld- unsern Kaltsinn unsern Unglauben unsere Undankbarkeit; sehen auf dich als unsern barmherzigen Heiland, der stets Mitleiden und Erbarmung hat mit unserm Elende,- der uns Heil und Hülfe verspricht, wenn wir durch ihn zu - 68 Gott nahen, durch ihn und in seinem Namen den Vater bitten; durch den und in dem auch er, Gott und der Vater selbst, uns verheißt gnådig zu seyn, und unserer Sünden und Ungerechtigkeiten nicht mehr zu gedenken. In dieser festen Zuversicht,- beseelt von dem eifrigsten Wunsche, auch schon jetzt dieser seiner Ver: heißung und deines Heils theilhaftig zu seyn, und zwar durch das Opfer, welches auch nun in dir voll: bracht werden soll;- werfen wir uns hier im Geiste nieder am Throne der Gnade; vereinigen unser Ge bet mit dem Gebete deines Dieners, und sagen, als solche, die durch dich von Gott zu Kindern angenom: men sind: ,, Abba!- lieber Vater! durch dei - ,, nen Sohn bitten wir dich, vergieb uns unsere Sün: ,, den, und sey uns gnådig!" Rom. 8, 15. Gal. 4, 6. - - Opferung. Erster Haupttheil. - Erstes Gebet. 3u Gott dem himmlischen Vater. Vergieb uns unsere Sünden, und sich auf das Opfer auf das große, göttliche Versöhn- Opfer, welches du selbst dir bereitest, und das dein eigener 69 eingeborner Sohn für uns dargebracht hat als der ewige, wahre, einzige, dir wohlgefällige Hohepries ster, der nicht fremdes Opfer, sondern sich selbst dahingab, aufgeopfert zu werden auf dem KreuzAltar, um ewig die Versöhnung und Genugthuung für unsere Sünden zu seyn! Mit eben diesem am Kreuz vollbrachten Opfer, dessen Gedächtniß wir hier begehen, und welches dein Sohn, unser Erldser( nicht durch wiederholtes Leiden und Sterben, sondern als verherrlichter Mittler) auch noch jetzt vollbringt, vereinigen wir unser Flehen, und stellen dir ihn als unsern Fürsprecher, der um der Sünder willen gekreuziget und gestorben ist, hier am Altare durch deinen Diener dar, ve - - Zum Heile Unser selbst, zum Heile aller Lebens digen und Todten, deren Noth und Glaube dir bes kannt ist, legen wir also auch heute, Vater! auß ganzer Fülle unsers Herzens dir gleichsam vor Augen, wie dein Sohn für uns gelitten hat, wie er sein Leben zum Tode hingab, damit er alle, die in Sün= den todt waren, lebendig und selig machte, wie er Seiner selbst nicht schonte, damit du der Schuldiz gen und Verdammlichen schonen möchtest in Ewigkeit, ja!- wie er bis zum letzten Augenblick in Qual und Arbeit war, Elende zu erldsen und Vers lorne zur Gnade zurück zu bringen. Das, Vater! ist unser Trost, das ist unsere Hoffnung. Wie sollten wir nicht auch allen Trost, 1 - - 70 alle Hoffnung und Zuversicht finden in dem, was das Wort der Wahrheit sagt: ,, Christus ist für uns gestorben; Christus nahm unsere Schuld, unsere Strafe auf sich, Christus ward daß vollkommene, das vollgültige Opfer und Lösegeld für unsere Sün: den; nicht, daß wir noch mehr Sünder, sondern daß wir als Sünder nicht muthlos würden, zurück zu kehren zu Dir unserm Vater, uns deiner Liebe, dei: ner durch Christus uns erworbenen Gnade und ewigen Seligkeit zu trösten, zu erfreuen?" Und das ist dann auch heute unser Zweck und unser Wunsch; darum erscheinen wir hier im Angesichte deines Sohns am Throne der Barmherzigkeit, dankbar uns zu trösten, zu erfreuen deiner Liebe, deiner und seiner Liebe, deiner und seiner Gnade; nicht zu verzweifeln in unsern Sünden, so groß und vielfältig sie auch seyn mögen; vielmehr alles zu hoffen, ja! zu erwarten von deiner Güte alles, was du uns durch ihn verheißen hast. -- 74 - - un Und dieses, Bater! wirst du uns nicht versagen. Wir opfern uns dir in diesem unblutigen Gedächtniß Opfer ganz auf, so wie er dein Sohn am Kreuze sich ganz für uns aufgeopfert hat; ja, wie er sich uns selbst ganz dargegeben hat im letzten Abendmahle. Wir opfern uns dir auf; entsagen durch diese unsere Aufopferung, die du in uns wirksam und dir wohlgefällig machen wollest, allem bösen Eigen: willen und Eigensinn, und möchten nun gern so ganz - 71- - - - selbst in unserer geringsten Handlung und Gesinnung dein und Christi, deines Sohnes seyn. Ja, Vater, wir wollen nicht mehr uns selbst, wir wollen nur dir, und ganz dir, angehören. So nimm dann hin unser Herz, unsern Willen, unser Leben, in Vereinigung mit dem Opfer und der Hingabe unsers Herrn Jesu Christi. O laß unsern Willen ganz in den deinigen verwandelt werden, so wie das Brod und der Wein, so der Priester jetzt opfert, in den Leib und das Blut Jesu Christi werden verwandelt werden. Vater, nicht unser, sondern dein heiliger Wille geschehe! 3 weites Gebet. Zu Jesus Christus. In Gethsemane, ach!- wo die ganze Last der Leiden, o Jesus, die Deiner warteten, auf deiner Seele lag, nachdem du den Aposteln dein Fleisch und Blut, und darin für deine Kirche ein unaufhdrliches Denkmal und Gnaden Opfer deiner Liebe und unserer Erldsung hinterlassen hattest; da war's, in dieser trauer- und nothvollen Stunde, als du zu Gott deinem Vater sprachst: ,, Nicht, wie ich will, sondern wie du willst!" Und wir, denen du Heil und Vorbild geworden bist, sind oft nichts weniger, als deine Nachfolger; machen vielmehr uns dessen, was du uns erwarbst, -- nicht theilhaftig, sehen weder in Wohlseyn noch in Leiden auf dich; sind undankbar und unweise. Wann wird doch endlich unser Herz bekehrt, unser Wille geheiliget, unsere Liebe entzündet, unser Wunsch nach christlicher Vollkommenheit wirksamer, und unser Leben eine Nachfolge des deinen- eine Vollbringung deines und des Vaters Wohlgefallens seyn? Göttlicher Heiland, bewirke dieses in uns allen nach deiner unendlichen Güte und Barmher: zigkeit. 72- - Wandlun g. 3 weiter Haupttheil. O du, der du gesagt hast: ,, Wenn ich erhöhet seyn werde( am Kreuze), dann ziehe ich Alles zu mir!" Joh. 12, 32. 1 Jesus, Erbarmer! Vor dir beugen wir unsere Kniee, vor dir, der du hier gegenwärtig bist- fallen wir nieder, und beten an. Du bist der Sohn des ewigen Gottes, unser Herr und Gott! Wir glauben an dich, wir hoffen auf dich, wir lieben dich! Ach! vom Kreuze, woran wir dich hier gleich sam( im Geiste) erblicken, schaue herab, daß uns Gnade wiederfahre! T Theures Blut, für uns vergoffen! Trâufle tråufle auf unser dürres Herz, daß es erquickt und 73 fruchtbar werde! O kostbares Blut, reinige uns von allen unsern Sünden, erfülle unsere Herzen mit allen Tugenden und Gnaden, und laß uns nicht verloren gehen! Gekreuzigter, hier gegenwärtiger Jesus, ere barme dich Unser! 1426gmugichua Jesus, in deine Hände empfehlen wir unsern Geist: handle nach deiner Liebe. Ziehe uns zu dir! hefte uns an dich, alle unsere Neigungen und Begierden an dein Kreuz! damit wir der Welt und uns selbst gekreuziget, ganz dein eigen seyn mögen. Sey Mittler, sey Begnadiger und Seligmacher! tilge unsere Schuld, unsere Sünden, wofür du gestorben bist! Wir bereuen sie; wir schämen uns ihrer. Himmlischer Vater, sieh hier deinen göttlichen Sohn, als das Opfer für die Sünden der Welt, als unsern Erldser, Mittler und Fürsprecher, und erbarme dich Unser, sey uns gnädig um seiner unendlichen Verdienste willen! Sieh hier diejenigen, die deinen göttlichen Sohn gegeissfelt, gekrönt und gekreuzigt haben: wir sind es, die dieses gethan, wir sind seine Peiniger und Mörder geworden- durch unsere Sünden! O Vater, vergib uns unsere große Schuld: wir erkennen, wir bereuen, wir bekennen sie vor dir! o daß unsere Herzen zerfließen möchten in Thränen der Reue, weil wir dich unsern liebsten Herrn und Gott, das allerhöchste und beste Gut, den Ewigen und Unendlichen, so oft und schwer beleidigt haben! O so nimm dann gnådig anf das Opfer, welches dir 4 C 74 Jesus Christus unser Herr in diesem Augenblicke wie: der darbringt für alle Menschen: laß es zu deiner höchsten Verherrlichung und zu unserm Heile gereiz chen; nimm es guådig auf als Anbetungs- und Huldigungs- Opfer, zum Bekenntnisse deiner höchsten Majestät und unsrer tiefsten Unterwerfung gegen dich unsern Herrn und Gott; als Lob- und Dank: Opfer für die unaussprechlichen Gnaden der Schd: pfung, Erldsung und Heiligung, und für alle andere Wohlthaten; und als Buße und Genugthuungs: Opfer für alles Bose, das wir begangen, und für alles Gute, das wir unterlassen haben. Und in Vereinigung mit diesem göttlichen Opfer opfern wir uns selbst dir auf mit allem Guten, das in uns ist: reinige uns von allem Bösen, und vermehre jenes. Vater, föhne uns aus mit dir, vereinige uns mit dir durch deinen hier gegenwärtigen Sohn und Shailande unsern Herrn Jesus Christus! Jesus bu Sieh hier unser Herz, seine Gesin: nungen, seine Wünsche, seine Vorsätze! Wit geloben( ach, daß du unsere Schwachheit stärken wolleft! Du wirst's,) wir geloben dir vor deinem Angesichte Dankbarkeit, Gehorsam und Gegenliebe, geloben dir neue Treue, neuen Eifer, neue Anhäns gigkeit. Wir sind nicht mehr Unser; wir sind nun dein. So wie du dich, uns zu Liebe, ganz am Kreuze darbrachtest; so bringen auch wir dir zu Liebe, uns ebenfalls hier zum Opfer dar. So wie du dein - - - 1 - Fleisch und Blut dich selbst.- uns gegeben hast, damit du in uns, und wir in dir seyn und bleiben möchten; so geben auch wir dir unsern Leib und unsere Seele hin, daß du dir in uns eine heilige und wohlgefällige Wohnung bereiten mögest. Wir unterwerfen uns dir auf immer und in allem; vereinigen( aufs neue) unsern Willen mit dem deinigen, damit, was du willst, auch wir wollen; und sagen ab, nach unserer ganzen Kraft, dem, was nicht dein ist. Denn wer dem nicht absagt, der kann dein nicht seyn. 1 - 75- Wir gedenken aber nicht bloß Unser selbst; wir bitten( so will es die Liebe und unsere Pflicht) auch für das Wohl Anderer, für diejenigen, welche das Band der Natur und der Freundschaft mit uns vereiniget, für deine ganze Kirche, für alle Menschen( auch für unsere Beleidiger und für alle Sünder); wir bitten nicht durch uns allein, son: dern in Gemeinschaft deiner Engel, deiner glorwürz digsten Mutter, unserer Fürsprecherin; und aller deiner Heiligen für Lebendige und Todte! ErIdse uns o Herr, von allen Uebeln, und gieb den Frieden in unsern Tagen, damit wir allezeit von Sünden frei, und vor Unruhen sicher seyn mögen. Den Verstorbenen verleihe, o Herr, den Ort der Erquickung, des Lichtes und des Friedens! Vernimm all unser Flehen! Sieh unsere Hoffe nung und unsere Zuversicht, der du das Versöhr4 - - 76 Opfer für uns Alle geworden, auch noch immer der Mittler und Fürsprecher unser Aller bist! on Theurer Heiland! Wir Alle sind dein Eigen: thum von dir erkauft, erldset, erneuert. Darum übergeben wir uns dir nun zu einem neuen und steten Dienst Opfer, und zwar in Rücksicht desjenigen Opfers, das hier in dir geschieht, und Gott deinem Vater ihm und dir zum Lobe, uns aber zum Heil und zur Genugthnung für unsere Sünden- darge: bracht wird. Denn es ist doch( wofern unser Herz gläubig und lauter ist) keine würdigere, keine heil: famere Darbringung und Genugthuung, als die, die wir mit derjenigen verbinden, welche du am Vor: abende deines Todes und am Kreuze vollbracht hast, und der noch jetzt und bis an's Ende der Zeiten in deiner Kirche fortwährt. - In dieser Vereinigung opfern wir dir auf, dir, und dem Vater, dem Gott alles Trostes und Erbars mens wir seine Geschöpfe, wir deine Erldsete- alles, was wir sind und haben, unsern Leib, daß seine Glieder seyen Werkzeuge der Gerechtigkeit, nicht der Sünde, unsere Seele, daß sie sey un befleckt und wohlgefällig vor seinen Augen, immer das Bild deines Wesens und deiner Lehre, geheiliget durch himmlischen Sinn und reines Gewissen; unsern Glauben, daß er gestärkt werde durch immer grd Bere Zuversicht auf dich,-- erhöht zur unvergång: lichen Hoffnung des ewigen Lebens; - - - unsere Trubsale, daß wir darin getrdstet werden durch dein Leiden hingelenkt auf jene Herrlichkeit, wohin Du voran gegangen bist; unsere Mängel und Sünden, daß wir nicht verz zweifeln, sie zu bessern, sondern in dir durch wahrhaft würdige Buße und Besserung Nachlassung und Verzeihung erlangen; unsere Begierden, daß sie entzündet und gereiniget durch das Feuer deiner Liebe zur Empfangung deines Fleisches und Blutes erweckt werden, damit wir, gleich den ersten Gläubigen( wo nicht noch heute, doch bald) an dessen verheissenen Gnaden- Wirkungen heilsamen und gemeinschaftlichen Antheil nehmen, und so den Kuß der Friedens- und wahren Seelens ruhe empfangen. an Vater unser u. f. w. deng - - 1 Kommunion. Dritter Haupttheil. O, Jesus, du Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt! ich bin nicht würdig, dein heiligstes Fleisch und Blut zu empfangen, aber meine Seele verlangt nach dir. Ach komm, kehre mit deiner heiligmachenden Gnade bei mir ein. Selig ja, über alles selige Herzen, die vor brünstiger Liebe zu dir, o Jesus, in dem Genusse deines Fleisches und Blutes auch schon hier auf Er 78- - den den Vorschmack jener Seligkeit empfinden, welche du denen, die dich lieben, im Himmel aufbehalten hast! Ach, wie sind wir dieses unaussprechlichen Glücks oft so unfähig! Darum bitten wir dich, zieh uns aus unserer Lauigkeit und Trägheit! Bekehre unser Herz je mehr und mehr zu dir, und gieb, daß wir endlich anfangen, stets in wahrer Andacht und Rechtschaffenheit vor dir zu wandeln, und dir ohne Unterlaß für deine Liebe dankbar zu seyn! mit wel: cher Inbrunst werden wir dann dem seligen Augen: blicke entgegen eilen, da Du, o Jesus, theurer Erldser und Seligmacher, uns( wieder) mit deinem gått: lichen Fleisch und Blute speisen und trånken wirst, um dich mit unserer Seele auf's innigste zu vereinigen, und uns zur Erlangung des versprochenen ewis gen Lebens vorzubereiten! Ach! In diesem Thal der Thränen, wo wir, durch sündliche Begierden und Neigungen hingerissen, vom Wege des Heils uns so oft entfernen; was bleibt uns dann übrig, um für unsere Schwachheit und Sündlichkeit Kraft und Erldsung zu finden, was anders bleibt uns übrig, als oft dort hinzugehen, wo du, o Jesus, du Herr und Gott! mit deinem eigenen Fleisch und Blut alle diejenigen stårkest, erquickest, heiligest, und ihnen ewiges Leben verheisfest, welche nicht unbereitet und unwürdig vor dir erscheinen? ( Aber, wie selten erfährt unser durch eigene 1 79 Schuld verhärtetes Herz die Wirkung solcher deiner unendlichen Gnade! Wie wenig bemühen wir uns, im Guten zuzunehmen! noch glücklich genug, wenn deine Liebe uns bewahrt, daß wir nicht ganz auf die Abwege der Verkehrtheit gerathen, kaltsinnig gegen deine Lehren, unempfindsam gegen deine Verz heissungen, undankbar gegen deine Wohlthaten, vers leben wir unsere Zeit oft nur auf fündliche, dir mißfållige Weise.) - - O.Jesus, ich glaube an dich; ich glaube alles, was du geoffenbart hast, und deine heil. Kirche uns lehrt; ich glaube, daß du hier im heiligsten Sakrament wahrhaftig zugegen bist: vermehre meinen Glauben! O Jesu, ich hoffe auf dich; vermehre meine Hoffnung! O Jesu, ich liebe dich; vermehre meine Liebe! O Jesu, aus Liebe zu dir bereue ich alle meine Sünden; verzeihe mir! O Jesu, ich opfere mich dir zu jeder Buße und Genugthuung; sprich mich los von allen meinen Sünden! O Jesu, ich sehne mich nach dir und nach dem Genusse deines heiligen Fleisches und Blutes; komme doch zu mir, und sättige mich mit dir! O Jesu, ich bin nicht würdig, daß du zu mir kommst: o so mache du mich würdig! Heilige Maria und alle Engel und Heilige, bittet für mich und stehet mir bei! Der Leib und das Blut Jesu Christi bewahre meine Seele zum ewigen Leben! Gelobt sey das allerheiligste - 80 Sakrament des Altars! Jesus, dir lebe ich, u. s. w. Vater unser. B Schlußgebet. Jesus! wir sind( von nun an) bereit, bis in den Tod dir treu und ergeben zu seyn, die Sünde zu meiden, die Tugend zu lieben, deinem Wandel zu folgen, Gottes Willen zu vollbringen, durch dein Fleisch und Blut uns zu heiligen, um dadurch des Verdienstes deines Leidens und deines Todes, deiner Auferstehung und deiner Herrlichkeit theilhaftig zu werden, theilhaftig zu seyn nach unserer ganzen Hoff nung, nach unserer ganzen Zuversicht; bis du kommst, bis du nach Vollendung dieser unserer Wanderschaft uns aufnimmst in dein Reich, wo du ewig unser Heil, unsere Freude, unser Seligmacher, unser Verz herrlicher seyn wirst. Jesus, es geschehe! es ge schehe! Vater unser. Gegrüßt seyft zc. Belehrende und erweckende Gebete zur Anbetung Jesu Christi im allerheiligsten Altars Sakramente. Erstes Gebet. Gottlicher Heiland, eingeborner Sohn des himmlischen Vaters, der du um unserer Sünden willen in 81 die Welt gekommen und Mensch geworden bist! Hilf uns, der du helfen willst und helfen kannst! Denn du bist gut, du unendlich barmherzig und machtig, du wahrer Gott mit dem Vater und dem heiligen Geist von Ewigkeit zu Ewigkeit. Allerheiligster! wie unendlich hast du uns geliebt! Du leidest; und wir, wir haben gesündiget: du stirbst unter den entsetzlichsten Martern an einem Kreuze, damit arme elende Geschöpfe leben möchten. Abgrund der Erbarmung, was hast du nicht für uns gethan! Dich selbst gabst du hin; und um uns immerwährend an diese deine unschätzbare Wohlthat zu erinnern, und zur Gegenliebe zu erwecken, befahlst du uns, derselben Andenken oft, und zwar so zu feiern, wie du es im letzten Abendmahle gelehret hast. So sey dann nicht zu furchtsam, meine Seele, oder gar ungläubig gegen deinen lieben Herrn und Heiland; sondern geh vielmehr oft zu ihm, wie er dir befohlen hat! Geh, eile, ja! eile mit Sehnsucht nach seiner Vereinigung, und sprich zu ihm mit der größten Zuversicht: ,, Hier bin ich wieder, mein Gott und mein Alles! Verstoß meine Seele nicht, die kei nen Augenblick långer ohne dich seyn kann!" al O mein Jesus, mein Gott und Erbarmer! Nies mals fühlte mein Herz mehr Freude, mehr Dank: begierde gegen dich, als( auch) jetzt, wegen jener unermeßlichen Güte, die dich bewog, das Geheimniß deiner Liebe zu stiften, und uns in solchem ein stetes Denkmahl der durch deinen Tod für uns vollendeten Erlösung zu hinterlassen. So groß, o Jesus! war dein Vergnügen bei den Menschenkindern zu seyn; so sehr liebtest du uns, göttlicher Erldser, daß du dein eigenes Fleisch und Blut, dich selbst, uns gabst! Und wenn wir dich dann auch nicht so vollkom: men hier im Glauben erblicken, wie wir einst im Himmel in deiner ganzen Herrlichkeit zur beseligen: den Anschauung gewürdiget werden; so ist doch eben dieser Glaube, eben dieses dein unbegreifliches Altars: Sakrament( das von dir göttlich eingesetzt, von uns andächtig zu verehren, fest und standhaft zu glauben ist) das einzige kräftigste Mittel, nicht nur an dein Leiden, o Jesus! uns dankbar zu erin uern, uns in das Meer der Liebe zu versenken, die dich bewog, von aller Schuld uns zu erldsen; sondern uns auch ganz mit dir durch den Genuß des heiligen Abendmahls, selbst im Geiste zu vereinigen, mit deiner Gnade zu erfüllen, zu deiner Nachfolge zu entzünden, um dir in allem ähnlich, ganz deines Geistes, deines Wandels zu seyn. - - 82 ( Warum aber, wenn ich solches weiß und ers kenne, warum zeige ich dann in Ansehung desselben oft so wenig auch kaum dusserliche Ehrerbie: tung? Wo ist alsdann jene feurige Andacht, die ein fester Glaube und eine lebendige Ueberzeugung von dessen unendlicher Wichtigkeit in mir erregen müßten?) - -- Jesus, barmherziger Jesus! sich meine Reue, und vergieb mir meine Sünden!- sich meinen Vorsatz, jetzt und von nun an allezeit mich demselben mit solcher Ehrerbietigkeit und Andacht darzustellen, als es nur immer eine Kreatur zu thun im Stande ist! O du hier im allerheiligsten Altars: Sakra= mente gegenwärtig! Voll des Glaubens an das Wort deiner Verheissung, deiner Allmacht und Barmherzigkeit, bete ich dich an. Nicht was meine Siune sehen und begreifen, du selbst, du mein Jesus, mein Erldser, du Herr und mein Gott! Du selbst bist es, den ich hier im Glauben vor mir gegenwärtig anschaue. - - HO - 83 Herzlich und in Demuth bete ich dich an, und danke dir auf's neue für deine unendlich erbarmende Liebe, aus welcher du das Geheimniß deines allers heiligsten Fleisches und Bluts gestiftet hast, um zugleich dadurch in unsern Mühseligkeiten Trost, Kraft und Erquickung, und ein Unterpfand des ewigen Les bens zu werden.. Möchte ich dich so anbeten und dir danken können, wie ich wünsche!) 43 in Erfülle mich ganz mit deinem göttlichen Lichte, Troste und Frieden, mit deiner heiligen Liebe und mit der heftigsten Begierde, nichts so, als dich, zu lieben, nichts so, als dich, zu besitzen! Erfülle, entzünde mich, o Jesus; damit ich, voll deines Eifers, dich, mein Gott, mein höchstes Gut! stets im Geist und in der Wahrheit aubete, an dich glaube, auf - - 843 dich hoffe, und keiner andern Neigung brünstiger nachhange, als: Dich über alles, mehr als mich selbst zu lieben! 3 weites Gebet. Ach! vor dir liegen alle meine Wünsche und Bedürfnisse. Fa unter Sünden und Schwach: heiten, unter mancherlei Bersuchungen und Gefah: ren, geht so manche Zeit meines Lebens dahin. Daß du mir helfest und Erleichterung schaffest, wende ich mich an dich. Armselig und tråg zum Guten, flehe ich nach deiner Gnade. Entzünde mich Lauen! erleuchte mich Verblendeten! Laß mir im Hinblick auf dich alles Irdische unwerth und vergeßlich, alles Widerwärtige heilsam und trdstlich, und meinen ganzen Wandel bei dir in dem Himmel seyn! Nicht also mehr die Welt, das Fleisch, die Sünde,- noch was in und nach dem Sinne der Welt ist, son: dern nur dich, laß mich lieben! Du allein sey mein Wunsch, meine Freude, mein Trost, mein Alles! Du allein kannst mich selig, kannst mich glücklich machen. Je aufrichtiger und herzlicher ich es mit dir meine; je williger ich deine Stimme höre; je theurer mir dein Wort, dein Vorbild, dein Abend: mahl, dein Leiden, dein Verdienst ist: desto seliger bin ich; desto mehr empfinde ich es, was es heiße, dein seyn. Ja, dein seyn; in deiner Liebe, in deiner Gnade - - - - 85 leben, genährt, gestärkt von dir, dem Brode des Lebens, wandelnd im Schatten des Baums, woran du hingest, wie übertrifft das alle Freuden dieser Welt, die so kurz, so trüglich sind! Dieses erkennt Niemand inniger, als, wer mit ganzer Seele dein ist. O, daß ich's noch niche bin! Und - doch! wie so süß ist's mir auch schon, o Jesus, nicht ganz ohne Theilnehmung hier in deiner Nähe zu wohnen! - dist mollid# 90 So will ich dann hier, im geheiligten Tempel, wo dich mein Glaube beim Abendmahl und am Kreuze betrachtet, als den für uns Menschgewordenen Gots tes- Sohn; hier, wo ich die ganze Fülle deiner Liebe sehe; will ich harren und erwägen, was mein Gott für mich gethan hat. Manche von deinen treuen, durch deine Gnade heiligen Dienern bitten viel; aber was Du, Heiliger aller Heiligen! erduldet hast, ist Menschen zu leiden nicht gegeben. Gesegnet sey dein heiliger Leib, mein Herr und Gott! dein Leib, der alle Leiber der Gläubigen heili get, alle Seelen der Gerechten von Sünden reiniget, -Leib meines Herrn, geboren von Maria der Junge frau, aufgeopfert für uns am Kreuzes: Stamm, bea graben im Schoose der Erde, auferweckt am dritten Tage, gegenwärtig nach der Macht und dem Willen dessen, der zugleich Gott und Mensch ist, vor welchem also auch wir im Geiste mit allen Engeln Gottes anbetend niederfallen! gesegnet sey mir in deiner - ww 86 Geburt, in deiner Auferstehung, in deiner Verklärt: heit, in deiner ganzen Kraft, worin du auch noch jeßt unsere Seele nährst, sie zu stärken, sie mit Dir, dem Menschenfreunde, dem Urquell alles Guten, zu vereinigen; sie in dir, o Jesus, zu heiligen, und dei: ner und deines Vaters Gnaden und Verheissungen theilhaftig zu machen! Laß mich, o mein Jesus! so oft ich, in Gestalt des Brodes, deinen heiligen Leib empfange, und dei: nen Tod verkündige, damit es mir nämlich zum Heil und zum ewigen Leben gereiche, dadurch, daß es mich stark und willig mache, den Leib der Sünde abzulegen, und nicht bloß dem zu folgen, was Fleisch und Blut mir sagt, laß mich dich so empfangen, daß ich vor dir nicht unwürdig geachtet werde, aller jener Gnaden theilhaftig zu seyn! Jesus, leite mich in deiner Wahrheit! hilf mir in deiner Gnade! Dein Wort bewege mich! Dein Beispiel lenke mich! Deine Liebe ziehe mich!- Dein Leiden trdste mich! Blut trånke mich! Dein Fleisch speise mich! Dein Ich glaube an dich; ich hoffe auf dich, Jesus, ewige Liebe! ich liebe dich! Ich wünsche dich ewig zu besitzen. Berufe mich!- be: reite mich! Nimm mich zu dir in dein Reich, wenn ich von hinnen scheide! Amen! -- 87 Buße und Bekenntniß vor dem Beichttage und in Rücksicht auf ihn. Allgemeine Betrachtungen, als eine Vorbereitung zur würdigen Beicht und bessern ChristenthumsErfüllung. Rene und demuthsvolles Flehen. Laß mich es von keiner Laß mich es erforschen, Gott! erkennen und betrachten; damit ich Eigenliebe geblendet- es wissen möge, wie viel mir noch mangele; wie viel des Guten sey, das ich unterlassen, und des Bösen sey, das ich begangen habe; damit, wenn mein Herz aufrichtig und fähig ist, in sich zu gehen, zu sich zurück zu kehren, sich selbst zu prüfen, sich selbst zu durchforschen, sich ganz vor dir aufzudecken, sich ganz vor dir zu vers demüthigen, ich dann würdig seyn möge, gerührt, gestärkt, erleuchtet die Gnade zu erlangen, die mich vor dir heilig und gerecht macht, mich selig spricht am Tage der Vergeltung, am Tage deines Gerichtes! - - - - O du Richter der Lebendigen und der Todten, der du Herz und Seele durchdringest, Gedanken prüfest, Handlungen und Reden abwägest, Boses zu bestrafen, Gutes zu belohnen,- der du auch mich, und alles mein Thun und Denken, kennst! prüfe 88 mich, und erfahre, o Gott, wie ich es meine; und siehe meine Wünsche, und läutere mein Herz; und führe mich( den Weg der Bekehrung und der Buße) den Weg der Tugend und der Rechtschaffenheit, den Weg Christi und des ewigen Lebens! Auf daß ich aber als Sünder und Schuldiger, dessen Gebet nur durch ein reumüthiges Herz und heiligende Sinnesänderung Erhörung hoffen kann, Gnade vor dir erlange; so verleihe mir, o Gott, ohne welches keine wahre gültige Reue und Zerknir: schung möglich ist, nicht nur redlich, ernstlich und genau zu untersuchen, welcher Uebertretungen, welcher Unterlassungen und Vergehungen, mit allen ihren Folgen, ich mich sündhaft, schuldig gemacht habe, wider dich, wider den Nächsten, wider mich selbst, mit Gedanken, mit Worten und mit Werken; son dern verleih mir auch, o Gott! Gott! ich bitte dich, weil nur einzig davon eine wahre beharrliche Besser rung und Tugendliebe abhängt,- jede meiner, selbst der kleinsten Verschuldungen bußfertig und so zu untersuchen, daß ich zugleich ihre Quelle, ihre Ents stehungsart, ihre Veranlassung, die Ursache ihrer so dftern Wiederholung, die Ursache meiner so großen sündlichen Schwachheit und Versuchung zum Bösen ( in so ferne fie nämlich die Schuld meines eigenen Willens und Betragens ist) so wie meiner so wenigen Kraft zur entgegengesetzten Tugend und zum Guten überhaupt; ja! die Ursache und den Grund selbst - - - 89 entdecke, warum ich bei allen meinen, sogar aufrichtigen heiligen Vorsätzen dennoch immer dem Fleisch und jedem dir, o Gott! mißfälligen Wesen mehrentheils so unabgestorben lebe, und auch das Gute, das ich in deiner Kraft vollbringe, nur so selten ganz vollkommen, ja, oft nicht einmal vor dir sündlos und unbefleckt sey! Demuthvolles Bekenntniß. C O Gott! o mein Heiland! erbarme dich Meiner; denn noch immer bin ich der böse, laue Christ, der fo lebt, als wenn es gleichviel wäre, wie sehr oder wie wenig er sich um das Heil seiner Seele beküntmere; der fast keine einzige seiner Religions: Pflichten so erfüllt, wie er sollte, ja! sogar manchmal Ausflüchte sucht, sich davon los zu machen, die mit seinem Stande und Christenthums- Berufe verknüpf ten Obliegenheiten auf die unverantwortlichste Weise zu vermindern, und seine selbst gröbern sündlichen Fehler- und Vergehungen wider die Vorwürfe feines eigenen Gewissens zu entschuldigen; der so oft zur Beicht und Kommunion geht, ohne besser zu werden; der immer wieder in die vorigen bösen Ge= wohnheiten zurück fällt, und niemals im mindesten beflissen ist, sich endlich ganz davon los zu reissen; der Sünden auf Sünden häuft, und doch oft kaum weiß, was er bereuen oder beichten soll, der stündlich von Gott neue Wohlthaten empfängt, und so gleich 90 gültig dabei bleibt, daß er fast nicht darauf achtet, gerade als wenn er seinem Schöpfer, Bater, Erldser, Erhalter und Seligmacher nichts schuldig wäre; der entweder nur selten, ja oft gar nicht wahrhaft betet, oder, wenn er auch mündlich betet, es dennoch manchmal thut, ohne zugleich sein Herz Theil daran nehmen zu lassen; der also demnach ein Heuchler. gegen Gott, gegen den nächsten und gegen sich selbst ist, und dessen ganzes Christenthum gleichsam nur in einem bloßen Schattenwerke besteht? - Heißt das aber leben, wie ich soll, heißt das ein wahrer Jünger und Nachfolger Jesu Christi seyn? Heißt das sogar glauben, daß Gott allmächtig, allgegenwärtig und unendlich gerecht sey? daß er mich für meinen steten Undank und Frevel in die Hölle stürzen kann? daß ich eine unsterbliche Seele habe, die nur geschaffen ist, Ihm zu dienen, ihn aus allen Kräften, nach ganzem Vermögen zu lieben? Und so gehen Tage, Monate, Jahre hin; und ich nähere mich unvermerkt dem Tode und der Ewigkeit, ohne mich im Geringsten darauf vorzubereiten, und besser zu werden. Will ich denn aber niemals anfangen, endlich an das Heil und die Errettung meiner Seele zu denken? Wie? wenn diese vorzunehmende Beicht die letzte Stunde wäre, die Gott mir noch zur Buße Wie? wenn ich gar und Bekehrung verstattet? in diesem Augenblicke vor sein strenges Gericht gez - - 91 fordert, und zur Rechenschaft gezogen würde? Und gesetzt! ich wüßte das alles noch dazu gewiß: was würde ich thun? würde ich wohl mit einer so kalt= sinnigen Gewissenserforschung und Hererzählung meiner gewöhnlichen, immer wiederholten Fehltritte und Sünden, die gewöhnlich meine ganze Beicht aus: macht, zufrieden seyn? Würde ich nicht vielmehr das Verborgenste meines Herzens untersuchen, und dabei auf mein ganzes voriges Leben zurückgehen? und würde ich nicht Jahre wieder zurück wünschen, um sie dazu und zu täglich wachsender Heiligung meiner Seele verwenden zu können?- Wie aufrichtig, wie Gott gefällig würde nicht selbst meine Beicht, und die damit nothwendig verknüpfte Besserung des Herzens, wie stark nicht meine Reue seyn? Was ich aber alsdann thun würde, oder gerne gethan haben möchte, warum thue ich das nicht schon jetzt? - Ich will es; ich kann nicht anders, ohne mich der Gefahr der Verdammniß auszusetzen: jeder Augenblick ist mir theuer, jeder Schritt bringt mich näher zur ewigen Glück- oder Unglückseligkeit. Gewissens Erforschung. Das Gewissen erforschen, heißt: Jeden Tag, jede Pflicht, jede That, jede Unterlassung, jedes Wort, jeden Gedanken möglichst so untersuchen, als wenn du noch heute vor den Augen des allwissen - - 92 den Gottes Rechenschaft davon geben solltest; oder um es dir sinnlicher zu erklären, so untersuchen, als wenn du durch ein aufrichtiges Geständniß aller deiner guten Handlungen dir ein großes zeitliches Gut zu erwerben wüßtest: und was ist wohl ein größeres Gut, als das Heil deiner Seele, das du oft so unverantwortlicher Weise vernachlässigest? Was nützt denn alles Glück, alle Wohllust, alle Ehre, alles Scheingut dieser Welt; wenn du vielleicht noch diesen Augenblick- stirbst, und ewig verloren gehst? Ach bedenke es, Sünder Sünderin!- verlaß dich nicht auf deine Kräfte und deine Gesundheit! das thaten mehrere, und eine plötzliche Krankheit, und ein unvermutheter Tod setzte sie ausser Stand, die Buße zu thun, welche sie so lange verschoben.. Wie? wenn das auch dir widerführe? O! es ist gewiß schrecklich, in die Hände des allmächtigen Got tes zu fallen, wenn man sich seiner fernern Gnade völlig unwerth gemacht hat. - Vielleicht, da du dieses betrachtest, Sünder Sünderin!- erwacht dein Gewissen; fångst du an, den unglücklichen Zustand deiner Seele mehr zu em pfinden; zitterst und seufzest du: ,, Ach! auch ich bin der fernern Gnade Gottes nicht mehr werth!" fuchest Hülfe in deiner Noth, und weißt sie nicht zu finden. Getrost! Noch ist nicht alles für dich verloren; noch ist Gnade bei dem Herrn, der 93 dich in deinen Sünden nicht sterben ließ, damit du Buße thun, und ewig leben möchtest. Kehre also zu ihm wieder zurück! und da du dir selbst nicht helfen kannst; so gehe zu einem von der Kirche bevollmächtigten Priester, der dein Zutrauen verdient; offenbare ihm den ganzen Zustand. deines Herzens; klage dich vor Gott bei ihm an; folge seinem Rathe und seinen Vorschriften auf das genaueste! und du wirst, wenn du ein aufrichtiger und wahrhaft Bußfertiger bist, durch die Gnade des allbarmherzigen Gottes Heil und Ruhe für deine Seele finden. - Ernstlich aber rufe den an, von dessen unendlicher Erbarmniß einzig deine Bekehrung und deine Seligkeit abhångt!- Wenn du guten Willen hast, so wirst du auch Gnade finden; denn der göttliche Heiland ruft uns ja liebevoll zu: ,, Kommet zu mir ,, Alle, die ihr mit Mühe und Last mit Sünden bela,, den seyd, ich will euch erquicken."( Matth. 11.) Ach! wenn nicht der Herr dein bises verstocktes Herz zur Buße bewegte; Sünder, was würde aus dir werden! Gebet um Bekehrung und ewige Seligkeit. Gott, allgutiger Herr und Helfer in aller Noth! -gieb Reue, gieb Buße; damit ich selig werde! 94 J Ach Jesus, ach Erbarmer! Laß mich nicht vers loren gehen! Gieb, gieb was ich zu meinem ewigen Heile bedarf! Zu dir fliehe ich, zu dir seufze ich in meiner Noth.- Du kannst mich doch nicht vers dammen? Dein Leiden, dein Versöhnungs- Tod; die Versicherung, daß du unser allgemeiner, und also auch mein Mittler und Fürsprecher bist; deine unendliche Barmherzigkeit und Liebe Gottes deines Vaters; die unendliche Barmherzigkeit und Liebe Gottes des heiligen Geistes; mein heißes Verlangen nach deiner Gnade; um endlich ganz wieder dein zu seyn; mein fester Entschluß, niemals wieder zu dem vorigen unseligen Leben zurückzukehren, sondern hinführo allzeit fromm und gerecht vor dir zu wandeln; ermuthigt mich, alles anzuwenden, was ich in Be ziehung auf mein ewiges Heil, mit deiner Gnade wirken soll und wirken kann, - - O! ich will- ich kann nicht verzweifeln, so sehr mir auch mein Gewissen sagt, daß ich nichts als Fluch und Hölle verdiene. Ach Jesus, Erldser, der du sterbend am Kreuze deine Seele in die Hände deines himmlischen Vaters empfahlst, dir empfehle, dir übergebe ich hier die meinige; diefe Seele, ach! die bisher nichts als Sünde dachte. Rette sie und bewahre sie vor den Schlingen des höllischen Seelenmorders! erbarme dich ihrer! åndere sie! schaff sie um, und mache sie dir wohlgefällig! Du wirst mich doch nicht ewig verstoßen?- O! nur einen Guaden 95. blick von deiner unendlichen Güte, von deiner Erbars mung! und ich werde nicht mehr jenes verruchte Ges schöpf seyn, das nicht fähig ist, etwas Anders zu empfinden, als was fleischlich ist. Nur jeuen Blic der Liebe auf mich, womit du vormals einen fündigen Petrus, ein fündiges- dich falbendes Weib ans sahest! und mein ganzes künftiges Leben wird nichts als die aufrichtigste Buße und Besserung seyn.( Luk. 7,36-50.) O! ich will hoffen hoffen Tag und Nacht. Ich will beten, will um Gnade und Verzeihung flehen Tag und Nacht; und nicht aufhören, bis ich erhört werde. Ich will hoffen auf dich, der du um des Heils meiner Seele willen den schmerzlichsten Tod freiwillig erduldetest. Ich will hoffen und nicht vers zagen. Du, mein Gott, mein Heiland, gnadenvoller, erbarmender Jesus, meine Zuflucht und meine Zuversicht! vollende meine Wünsche, meine Bekehrung, wozu ich aus eigenen Kräften zu schwach bin! Erbarme dich, und laß mich nicht ewig verloren gehen! o, erbarmender Gott! - Gebet um Erbarmung und göttlichen Beistand in Erforschung des Gewissens. Ach Gott, mein Gott! strafe mich nicht, und laß mich nicht in meinen Sünden sterben! - 96 Viel habe welchem unseligen Zustande bin ich! ich gesündiget! viele Pflichten nicht beobachtet! das Gute nicht gethan, das ich hätte thun können, thun müssen! viele solcher Sünden begangen, die mir auch. schon ohne strenges Nachdenken mein Gewissen vors wirft! C 11 - Ach, um des Leidens und Sterbens Jesu Christi willen bitte ich dich, Gott der Gnaden und des Lichtes, heiliger Geist! erleuchte, bekehre dieses un bußfertige Herz, und sende Erkenntniß und Reue in meine Seele, jetzt, da ich meine Pflichten so wie meine Uebertretungen vor dir untersuchen und erfora schen will! damit ich sie alle recht erkenne, alle meine begangenen Sünden mit Abschen und inniger Wehmuth, daß ich dich, Gott! bestes, ewiges Gut!- dadurch beleidiget habe, betrachte, aufrichtig beichte, und dadurch würdige Buße wirke, und Nachlassung derselben bei dir erlange! - = Nähere Anleitung zur Beichte und Gewiss sens Erforschung. Worin habe ich mich seit meiner letzten Beichte gebessert? Bin ich andächtiger und eifriger im Ges bete fanftmüthiger und geduldiger- liebreicher und versöhnlicher- weniger unzufrieden - weniger tadelnd und ehrsüchtig, und mehr streng gegen mich selbst, als gegen Andere geworden? Wenn mir aber mein Gewissen sagt, daß ich es nicht bin; daß 11 97 1 ich schon lange im Stande der Sünde und der' gått= lichen Ungnade lebe: warum suchte ich denn nicht eher, mich durch das Sakrament der Buße endlich daraus zu retten? Was ist der Grund, daß ich jetzt beichten will? Herzlicher Wunsch und Vorsak, Guade und Vergebung bei Gott zu erhalten, und dann ein christliches und heiliges Leben anzufangen? oder viel: mehr Gewohnheit- Zwang- Menschenfurcht pharisäische Heuchelei? PUTO Welche Sünden sind es, deren ich mich schon jetzt erinnere; und was brachte mich dazu? Hätte ich nicht jede derselben leicht vermeiden können, wenn es mein ernstlicher Wille gewesen wäre, Gott nicht zu beleidigen?- Sind es nicht abermals eben die Sünden, die ich schon so oft begangen, schon so oft gebeichtet habe, ohne besser zu werden? Habe ich mir also wohl jemals ernstlich angelegen seyn lassen, mich von meinen sündlichen Gewohnheiten loszureissen; und muß ich nicht bekennen, daß ich selbst jetzt, da ich mich zur Beichte vorbereite, noch gar keinen rechtschaffenen Vorsatz habe, alles das zu thun, was mich zum Guten ermuntert und stärkt, alles das zu unterlassen, zu fliehen und zu verabscheuen, was mich bisher zur Sünde reizte? - Wie war meine letzte Beichte beschaffen? wie meine Vorbereitung dazu? Habe ich dem Beichtvater nichts vorsätzlich verschwiegen, nichts aus Mangel genugsamer Untersuchung vergessen,- alles aus 5 98 bloßer Liebe zu Gott mit dem festen Willen, nie wieder zu fündigen, bereuet,- kurz! alles gethan, wobei ich mich nach deinem Worte, o Gott! ver: sichert halten kann, daß meine damalige Beichte nicht ungültig und verdammlich vor dir gewesen ist? Habe ich dasjenige, was mir zur heilsamen Vollbringung der Buße, zu beten und zu thun auferlegt, oder mei: ner anscheinenden Bußfertigkeit anvertraut ward, verrichtet, und wie?- Habe ich zur Buße und Genugthuung wegen meiner Sünden weiter nichts gethan, als das? Habe ich, so viel es geschehen konnte, alles ersetzt und erstattet, wozu ich so gewiß verpflichtet war, als es sonst unmöglich ist, Nach: lassung vom Herrn zu erlangen? Wie war meine letztere Kommunion beschaffen? Stand, Beruf und Religion fordern mancherlei Pflichten von mir: habe ich sie wohl jemals recht: schaffen erfüllt, oder auch nur einmal überdacht? Unendlich sind die Wohlthaten, die Gott mir bisher erzeigt hat und noch stündlich erzeigt: habe ich auch diese wohl jemals recht erwogen, und ihm nach Mög lichkeit Dank gesagt? habe ich sie nicht sogar fast alle mit Undank erwiedert? Wie habe ich die zehn Gebote, in sofern sie auch mich als Menschen und Christen verbinden, wie die auf deren und des Chris ftenthums genauere Befolgung abzweckenden Gebote der Kirche beobachtet? Habe ich durch Anhdrung oder Lesung des Wor - - - - 99 - tes Gottes und anderer demselben angemessenen Era bauungs Bücher mich in meinen Heils- Obliegen= heiten zu unterrichten und zu stärken nicht unterlassen? Habe ich dem kirchlichen und öffentlichen Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen sowohl, als auch so oft ich dabei, selbst meiner Schuldigkeit nach, gegenwår= tig war,( insbesondere, bei dem Gedächtniß- Opfer, bei der heiligen Messe) mit gebührender Jnbrunst und Ehrerbietung beigewohnt?- auch die Fasttage, in wiefern sie für mich Nothwendigkeit und Gebot waren, so gehalten, daß dadurch der Endzweck der Schrift und der Kirche, mich durch äusserliche Mittel und Bußwerke zur wahren Bekehrung und Heiligung meiner Seele zu bringen, erreicht worden ist? Wie habe ich überhaupt die Tage und Stunden, welche vornehmlich der Andacht, der Erbauung Anz derer und meiner eigenen Heils- Beförderung gewid= met waren oder seyn sollten, zugebracht? Wie ist mein Glaube, meine Hoffnung, meine Liebe beschaffen? Bin ich nicht noch immer das Ge= schöpf, das seinen bösen Begierden so wenig abge= storben ist? das sich fast niemals genug Mühe giebt, seine Leidenschaften zu bezwingen?- das sich alles erlaubt, was seinen Sinnen schmeichelt, und den bösen Lüsten seines Herzens wohl gefällt? das ganze Wochen und Monate hingehen läßt, ohne an dich, o Gott! mit Ehrfurcht zu denken, und deine Güter und Gaben genießt, ohne dir dafür dankbar 5* - zu feyn? das dich beleidiget, ohne sich deswegen einige Unruhe zu machen?- das so unthätig in seinem Glauben, schwach im Vertrauen, und kalt: sinnig in der Liebe gegen dich, unbarmherzig gegen den Nebenmenschen, und immer geneigt ist, übel von ihm zu denken; gegen seine besten Handlungen miß. trauisch zu seyn; ihm zu schaden und Verdruß zu machen, ihn übel zu beurtheilen, zu tadeln, zu be: strafen, zu verspotten, zu verläumden und zu vers dammen? das so stolz gegen Geringere, auffah: rend und hart gegen Untergebene; argdenkend gegen Manchen, ohne Grund, ohne genugsame Untersuchung, ohne Gewißheit; unversöhnlich und voll Rachsucht| gegen Beleidiger; unbereit zur Hülfe gegen Noth: leidende; eifersüchtig und neidisch auf das Glück und den Vorzug Anderer, und wohl gar froh ist, wenn es ihnen übel geht? ja, ein Geschöpf, das hart: nåckig bei seinen auch erkannten Irrthümern, saum selig und unredlich in Erfüllung seiner Standes- und Berufs- Pflichten- unbiegsam und aufgebracht gegen die redlichsten, gerechtesten Ermahnungen und Vors schläge; langsam und widerspenstig zur schuldigen Folgeleistung; wollüstig und aufgeblasen im Wohl stande; niedergeschlagen und untröstlich bei der klein sten Widerwärtigkeit, und allzeit weichlich und voll Eigenliebe gegen sich selbst ist?- das so oft gute Vorsätze faßt, und sie nie erfüllt?- Das durch die stere Sorglosigkeit für das Heil seiner Seele, - 100 - - - 101 durch die fortgesetzte Unenthaltsamkeit von seinen gewöhnlichen Sünden, als: Hochmuth, Eitelkeit, Geiz, Habsucht, Betrug, Unkeuschheit, Neid, Un= mäßigkeit, Zorn, Haß, Trägheit, Tadelsucht, Lieblosigkeit, Mißbrauch und Nichtanwendung seiner Fähigkeiten, Güter, Freiheit, Vorrechte und Gewalt, Vernachlässigung des Gebets, der Sakramente, der christlichen Bekehrung und des öffentlichen Gottesdienstes 2c., durch das freventliche Beharren in der Unbußfertigkeit und Bosheit sich das Gericht täglich schwerer machte, das deinen göttlichen Eingebungen, o Herr! fast immer widerstrebt?- Das so selten mit den Fügungen und Wirkungen deiner Vorsehung zufrieden ist? das mehr auf sich selbst und auf menschlichen Beistand trauet, als auf dich, selbst da, wo doch du nur die einzige Zuflucht seyn solltest? das so leicht, und insgemein ohne die mindeste erhebliche Ursache, zornig wird? Bin ich nicht noch das Geschöpf, das sich nicht scheuet, andere mit Unwahrheiten zu berichten, dem fast zur Gewohnheit geworden ist, Gegenstände als Wahrheit zu behaupten, von deren Wahrheit es nicht überzeugt ist, und oft selbst weiß, daß es Erdichtun gen sind; ob es gleich erkennt und erkennen muß, daß du, o Gott! das größte Mißfallen daran haft; ja, daß ein Lügner ein Gräuel vor dir und den Menschen, ein Nichtswürdiger ist, der gleichsam nur dar= auf sinnt, Unwissende zu hintergehen, Wahrheitlie 102 bende zu beleidigen, Freunde und Angehörige zu beschimpfen; und der eben dadurch sich alle Glaub: würdigkeit, alle Zuversicht und Achtung raubt, folg: lich sich gänzlich unfähig macht, Tugend und Reli: gion zu verbreiten, oder für das Wohl Seiner selbst, auch nur im Mindesten nützlich zu seyn? Bin ich nicht noch das Geschöpf, das sich über: haupt aus Sünden, die seiner Meinung nach an sich nicht so groß zu seyn scheinen, gar kein Gewissen mehr macht? wie wohl auch die Kleinste dich, o Gott! beleidiget, indem sie deinen weisen Absichten wider: streitet;- das sich dem Bösen niemals heilsam widersetzt, sondern es entweder durch Nachsicht und Gleichgültigkeit, oder gar durch eigene Mitwirkung noch weiter ausbreitet? das durch sein Betragen sich in bösen Ruf und Verdacht bringt, unverant wortlich die, seinem Namen, seinem Amte, seinem Stande, seinen Haus- und Glaubensgenossen und Allen, die mit ihm in Gemeinschaft stehen, schuldige, allgemeine Achtung entzieht, årgerliche( gegrün: dete oder nicht gegründete) Muthmaßungen und Ehrenschändereien veranlasset, und selbst seine besten Handlungen und Gesinnungen mit Schmach belegt? das sich bei Andern gar feiner entweder wirklich oder vorgeblich begangenen Laster und Arglistigkeiten rühmt, Unwissende darin unterrichtet, tugendhaft Gesinnte ärgert, Schwache zum Falle bringt, und also sich vieler fremden Sünden schuldig macht? - -- - - - 03 das, anstatt diejenigen, welche es sind, um zur Gottesfurcht und Rechtschaffenheit zu ermuntern, sie durch seine Reden und Handlungen nur zur Lauig= das keit, zum Unglauben und zum Bösen reizt? mehr nach den Lüsten und Begierden dieser Welt, als nach seinem eigenen Heile trachtet?- das weder deine Gebote, o Gott! noch die Gesetze der Kirche jemals genau beobachtet; sich wider die Pflicht, die man der allgemeinen Erbauung schuldig ist, und, ohne Aergerniß zu geben, oft nicht unterlassen kann, bei dem dffentlichen Gottesdienste, ohne Noth und ohne entschuldigende Ursache, nur selten einfinder, oder( welches noch unverantwortlicher ist) ohne Andacht und Verehrung zum größten Anstoße der Anwesenden, demselben beiwohnt?- das mehr auf die Fehler Anderer, als auf seine eigenen, oft noch größern, sieht, und sich selbst also in dem verdammet, worin es andere richtet? Bin ich nicht noch das Geschöpf, das für sich Diensteifer, Dankbarkeit, Treue, Freundschaft, Nachficht, Redlichkeit, Beistand, Mitleiden und Liebe fordert, ohne sie zu erweisen? das diejenigen, welche nicht seines Standes, seiner Gesinnung, seiner Relis gion sind, zu verachten und zu kränken für keine Ungerechtigkeit hält: da es bedenken sollte, wie sehr es dadurch wider die im Evangelium gebotene allgemeine Menschenliebe fündige, und daß alle die Vorzüge, die Jemand hat, als: hoher Stand, Gelehrtheit, Grande - - 104 - 3 Reichthum c. nicht blos eigenes Verdienst, sondern Gnade von dem Herrn seyen, die ihn am Tage des Gerichts um desto verdammlicher macht, je weniger er solche zu dem Endzwecke anwendete, wozu er sie erhielt? das auch selbst die, welche seiner Für: sorge besonders anvertrauet, ihm angehörig, mit ihm verbunden oder in seinem Dienste sind, lieblos und ungerecht behandelt, vernachlässiget, wohl gar beraus bet, sie zum Unmuth, zur Rachsucht und Untreue veranlasset, sie wohl gar durch sein eigenes Beispiel und Betragen von einem Laster zum andern verführt; ungeachtet ihn Schrift und Erfahrung belehren, daß die Folgen der Sünde, wozu der Mensch Andere ver anlasset, oft auch schon hier auf der Welt auf ihn selbst zurückkommen, daß sie nicht unbestraft bleiben, und daß Gott alle die Seelen, welche durch ihn ver: loren gehen,( und deren geraubte Unschuld und be: gangene Sünden schon jetzt zum Himmel um Rache schreien) von ihm einst wieder fordern wird, um ihn durch sie zu richten und zu verdammen? Ein Geschöpf also, das nicht Gott, nicht den Nächsten liebt, das wider Pflicht, Treue und Gewiss sen handelt, so oft es seinem, zur Sünde geneigten Herzen wohlgefällt; dem es unmöglich ist, nach dem Vorbilde Jesu Christi und seiner Heiligen Böses mit Gutem zu vergelten, Feinden und Beleidigern zu verzeihen, herzlichen Antheil an ihrem Glücke und Unglücke zu nehmen, sie in ihrer Noth( so viel seine - 1051 : Vermögens Umstände es erlauben) niemals ohne Trost und Hülfe zu lassen, jede in ihm aufsteigenden Gedanken der Bitterkeit und des Unwillens, aus Liebe zu Gott, zu bekämpfen, und nichts zu versäumen, was sie zur Erkenntniß, zur Aussöhnung und Gegenliebe bringen kann;- das mit den Schwachheiten und Uebereilungen Anderer so selten Nachsicht und Geduld hat, die es doch in Ansehung seiner eige. nen Fehler wünscht und von ihnen erwartet;- das sich um Gebet und Sakramente- diese vorzüglichen Mittel, zur wahren christlichen Vollkommenheit zu gelangen- wenig bekümmert, oder sich dabei ſo unwürdig betrågt, als wenn es sein Vorsatz wäre, sie zu entheiligen, nicht aber sich dadurch der gött: lichen Gnade und Verheißungen theilhaftig zu mas chen; das sich so oft der Tugend und Religion schåmt, ja, dem das Evangelium und das Kreuz Jesu Christi zum Anstoß geworden sind, und dem es ein Leichtes seyn würde, ein öffentlicher Ungläubiger und Missethäter zu werden, wenn ihn nicht Eigens nuk, Menschenfurcht und gesetzliche Strafe davon zurückhielten! 3 - Habe ich auch die mich betreffenden besondern Pflichten, als: Geistlicher, Prediger, Seelsorger, Lehrer, Gatte, Vater, Mutter, Sohn, Tochter, Oberer, Unterthan, Beeidigter 2c., ferner in Erwählung und Antretung 106 - eines Standes oder eines Amtes, in Besetzung geist: licher und weltlicher Stellen 2c. treulich erfüllt? Erwäge alles dieses wohl, und sey aufrichtig! Deinen Beichtvater und dich selbst kannst du hinter: gehen, aber nicht Gott! Sündigest du und sagest: du habeft nicht gesün: diget; so verführest du dich selbst, und die Wahrheit ist nicht in dir; bekennest du aber deine Sünden; so ist Gott treu und gerecht, also, daß er dir dieselben vergiebt, und dich von aller Ungerechtigkeit reini: get. 1 Joh. 1. Die Macht, im Namen Gottes Sünden zu vers geben, wurde den Priestern( also Menschen und selbst Sündern) übertragen, damit du, Sünder! desto eher und leichter zum Herrn zurückkehren möchtest.- Ach! Und du mißbrauchtest vielleicht diese Gnade, dieses theure göttliche Guadenmittel, da du dich des: selben entweder gar nicht oder gar unwürdig bedientest. Du schämtest dich vielleicht, Gott in seinem Diener das zu bekennen, um von ihm, dem Herrn, Heil und Vergebung zu erlangen, was du ohne ge= heiligte Absichten deinen Weltfreunden zu offenbaren kein Bedenken trugst oder so sehr tragen würdest. Du beichtetest, aber vergebens, wo nicht gar ungüle tig; indem es theils ohne Nutzen, theils ohne Rechts schaffenheit, und selten mit gehöriger Selbstprüfung 107 - und Vorbereitung geschah. Dich und den Beicht= vater also hast du auf diese Weise betrogen, und ihn durch deine Untreue und Leichtfertigkeit( ja durch deine Schalkheit) zu einer Lossprechung verleitet, die vor Gott unwürdig und ohne alle heilsame Wirkung denn Gott, der die Herzen durchforscht, war; kann nicht betrogen werden. Oder falls dich dein Herz und dein Bewußtseyn wenigstens von Seite des Frevels für unschuldig erklärt! sprich,- bist du nicht bei allen deinen Beichten noch ein eben so lauer und bdser Christ, wie du immer warst? und gehst du nicht auch jetzt zur Beichte, ohne dir eine wahre ernstliche Besserung versprechen zu dürfen? Denn wie kannst du eine wahre, von Gett zu billigende Lossprechung erwarten, wenn du nicht vor der Beichte schon Willens bist, den Sündenweg zu verlassen? Unzuchtiger- Unzuchtige! Brennet dein Herz nicht noch jetzt von unreiner Glut; und wirst du wohl von nun an jede, auch die mindesté Gelegenheit jede Unternehmung- jeden Gedanken- selbst die Person, die du durch unzüchtige Liebe schåndetest, und wodurch du auch künftig zur Sünde verführt werden kannst, mit einem Worte, alles meiden, verhüten, verabscheuen, und von dir ents fernen, was dich aufs Neue sündlichen Gefahren und Begierden aussetzt? - Säufer und Trunkenbold! wirst du von nun an måßiger, ehrbarer und christlicher leben, und 108 deinen Körper, der ein Tempel des heiligen Geistesn seyn soll, nicht mehr durch unmäåßigen Genuß ents weihen? ud Ehrenräuber und Verläumder! Wirst du die Berachtung, und überhaupt allen Nachtheil, welchen du deinem Nächsten durch ungerechte und lieblose Bekannt- oder Bekanntermachung nicht nur erdichteter, sondern auch seiner wirklichen Fehler und Laster zuzogest, auf alle mögliche Weise hindern und ersetzen? Treulofer und Meineidiger! Bist du bereit, bist du darauf bedacht, die so niederträch tige und lasterhaft verletzte( feierliche) Zusage und Berpflichtung, entweder, so viel es noch geschehen kann, zu erneuern und zu erfüllen, oder doch sonst zu entschädigen? - Unversöhnlicher und Beleidigter! Fühlt dein Herz nicht noch jetzt Abneigung, Unwillen, Rachsucht und Groll wider diese oder jene Person? wirst du von nun an nichts unterlassen, was du nach Vorschrift des Wortes Gottes zu thun verbunden bist, sie zu gewinnen, und dich mit ihr auszuföhnen? Ungerechter und Entwender! Wirst du das, was du( selbst wider Wissen und Gewissen) unrechtmäßig erworben behalten verbraucht verschenkt - veruntreuet, oder auch nur verwahrloset hast, mit allem daraus für die, denen es gehörte, 109 erwachsenen Schaden auf ein oder andere Weise mdglichst wieder erstatten und vergüten? and Habsichtiger und Beneider! Wirst du von nun an die Vorzüge und das Glück jedes Nebenmenschen mit Theilnehmung und Freuden ansehen? Geiziger und Liebloser! Wirst du erkennen, daß du gegen deine Christenpflicht handelst, wenn du deinen Reichthum zu vergrößern suchst, um einst deinen Namen zu verewigen, um dir bei der Nachwelt Ehre und Ruhm zu erwerben, anstatt einen vernünftigen und Gott wohlgefälligen Gebrauch davon zu machen, und deinen leidenden Mitbrüdern in Noth und Armuth Retter zu werden? zc. Geschöpf ohne Reue, ohne Vorsak, ohne Bes ferung, das nur beichtet, um wieder zu sündigen, sündiget, um wieder zu beichten!( als wenn die Beichte nicht um der Sünde, sondern die Sünde um der Beichte willen da wåre? als wenn die Beichte nur da wäre, nicht um das Reich der Sünden zu zerstören, sondern es noch mehr zu befördern?) Bleibe hinweg von dem Orte der Gnade! das Sakrament der Buße, das dir Heil und Gnade bringen sollte, ist für dich Fluch; das Fleisch und Blut Jesu Christi, das du wun bald empfangen willst, ist für dich Fluch. -Wohin, Sünder!- wohin, wenn schon jetzt die Hand des Allmächtigen aufgehoben ist, dich vor Gericht zu ziehen? Willst du seine Güte, seine Liebe, seine Langmuth denn auf immer verachten?- nicht - 110 endlich laufhören, wider dich selbst zu wüthen, und das Gericht, welches vielleicht noch heute, noch auf dieser Stelle, über dich ergehen wird, durch deine Verstocktheit und Unbußfertigkeit dir immer mehr und mehr erschweren?- nicht dich bekehren, und die Gnade, welche dir hier am Richterstuhle des Heils dargeboten wird, annehmen? Ich will, ich kann nicht anders. Nun, so wahr ich lebe,( spricht der Herr) so sollst du ewig leben, und nicht sterben. heilsame Fragen: Wenn ich mich nun auch der, in vorhergehender Prüfung, geschilderten Fehler und Laster nicht buchstäblich schuldig erkenne, so habe ich dennoch manches zu bereuen. Denn was that ich bisher, würdig vor Gott, würdig einer ewigen Seligkeit? Ist es nicht schon Sünde genug, unzählige Wohlthaten em: pfangen zu haben, augenblicklich neue zu empfans gen, und sie dennoch nicht anzuerkennen? nicht Sünde genug, den von ganzem Herzen, aus ganzer Seele nicht zu lieben, der mich mit ewiger Liebe geliebt hat? meinen Schöpfer, meinen Vater, meinen Ers löser und Seligmacher Jesus nicht zu lieben? ihm in seiner Demuth, Menschenliebe, Sanftmuth und Ges rechtigkeit, in seinem beständigen Eifer für die Vers herrlichung der Ehre Gottes nicht nachzufolgen? ihm zu Liebe nicht einmal die mir aus Uebereilung oder - 111 - Schwachheit zugefügten Beleidigungen zu vergeben? ihm zu Liebe nicht das Mindeste von meinen sogar oft schädlichen und sündhaften Vergnügungen mir zu entziehen, oder das kleinste Ungemach zu ertragen; dahingegen er, mein Jesus, dessen ganzes Leben nichts als Mühseligkeit und Erniedrigung war, um meinetwillen nicht hatte, wo er sein Haupt hinlegen könnte? O, wie mancher frommer einfältiger Christ, der lange nicht so viel Gaben und Gnaden von dir, o Herr! empfing; dich aber mehr liebte als ich, wird mich an jenem Tage beschämen! an jenem Ta= ge, da du kommen wirst in großer Kraft und Majestät, alle Menschen vor deinem Thron zu vers sammeln und zu richten, jedem nach dem Maaße seines Verdienstes! Am Beichttage. Vor der heiligen Beichte. Nachdem man sein Gewiffen erforscht hat, und besons ders, wenn man sich schwerer Pflichtverleßungen schuldig erkennt. Betrachtungen und Gebet. Gerechter Gott! wie will ich vor dir bestehen, wenn du einst von jedem( gegen deinen heiligen Willen handelnden) Werke, von jedem Worte, von jes dem Gedanken die strengste Rechenschaft fordern wirst! -Ja! zittere nur, meine Seele, vor den Gerichten des Allerhöchsten! Wie viel Bdses habe ich ausge: ibt! wie viel Gutes unterlassen!- wie oft wider meine eigene Ueberzeugung gehandelt!- wie oft die Pflichten der Religion, der Menschenliebe, meines Berufs und meines Standes( meines Amts) verletzt! - - 112 - wie manche Stunde bds und unnütz zugebracht! wie oft auch selbst die Tage entheiliget, zu deren Feier ich zum Heil meiner Seele so sehr verpflichtet war! 4 O Gott, o mein Richter, aber auch mein Vater! um Jesus, unsers Erldsers willen bitte ich dich: behüte- errette mich von allem, was mich noch heute in die unaussprechlichste Unglückseligkeit stürzen kann; und stelle mich nicht schon jetzt und nicht eher vor dein Gericht, bis ich durch aufrichtige Buße und Genugthuung von deiner Barmherzigkeit verdiene, Nachlaffung aller meiner Sünden zu erhal ten! Ich bin bereit und willig, alles zu thun, was ich muß und in meinen Kräften ist. - Ferneres Gebet und ndthige Er innerung. Barmherzigster- von mir so oft beleidigter Gott! du allein wirktest in mir diese Bereitwilligkeit, dieses innige Verlangen, mich aus ganzem Herzen endlich zu bekehren, und durch das Sakrament der 113 Buße deiner- jedem wahrhaft reumüthigen Sünder verheißenen Gnade und ewigen Seligkeit theilhaftig zu werden. Vollbringe in mir, was du gewirkt hast! - Cits Bereite mich so zu, o Herr, wie ich seyn muß, wenn ich mich dem Richterstuhle desjenigen nahe, dem du durch deine Kirche die Gewalt, zu lösen und zu binden, hier auf Erden anvertraut hast! Erweiche mein Herz, und gieb- ach, gieb, daß mich keine gefährliche, versteckte Eigenliebe hin dere, ihm dasselbe gänzlich aufzudecken, alle meine schweren Vergehungen und fündlichen Schwachheiten zu offenbaren, und vor dir, der du selbst Zeuge davon warst, reumüthig zu bekennen; damit er nicht nur durch heilsame angemessene Ermahnungen und Vorschriften denselben abzuhelfen, sondern mir auch die Lossprechung nach deinem Gebote zu ertheilen im Stande sey, und ich auf erhaltene Vergebung, wel che du mir durch ihn hoffentlich verleihen wirst, je: nen wahren göttlichen Seelenfrieden wieder erlangen möge, welcher stets die Frucht einer Beichte ist, die man mit einem aufrichtigen, zerknirschten, wahrhaft bußfertigen und bekehrten Herzen abgelegt hat!) - Erfülle mich mit einem solchen Haß und Abscheu wider alle Sünden, daß es mir unmöglich wird, eine davon jemals freventlich wieder zu begehen, so reiz zend sie an sich auch scheinen mag! Ich wünsche es, Gott, und mein fester Vorsatz ist es, mich von - - 1141 nun an sorgfältig zu hüten, dir zu mißfallen, es sey, worin es wolle; die noch übrige Lebenszeit in wahrer Reue über meine begangenen Missethaten zuzubringen, und, so viel mir möglich ist, alles zu thun und zu ersetzen, wozu ich verpflichtet bin; jede böse Begierde und Leidenschaft zu überwinden; in deinem Dienste eifriger zu seyn, und gänzlich nach deinem heiligen Willen zu leben. Unterstüße, o Gott, diese heiligen Gesinnungen mit deiner Gnade! Reumüthige Erweckungen eines bußferti: gen Herzens, kurz vor der Beichte. O Langmuth, o unendliche Barmherzigkeit, die du mich dennoch ertrågst, da ich mich doch so oft, ja, so sehr oft gegen dich verfehlt habe, dennoch nicht mit mir handelst nach der Vielheit und Schwere meiner Sünden, dennoch mir Gnade und Heil versprichst durch Jesus Christus, meinen theuern Mittler und Erbarmer, wenn ich noch jetzt das thue, noch jetzt was ich schon lange håtte thun follen mich bekehre, und nicht mehr fündige! Ach! wie mich der Gedanke foltert, daß ich so lange ein Undankba: rer( eine Undankbare), ein Sklave der Sünde und der Hölle gewesen, und nun deiner Liebe so gar nicht mehr werth bin! export - - Wie? wenn deine Batergnade über mein stetes Sündigen endlich ermüdet, der fürchterlichste aller Augenblicke plöglich auf mich hereinbricht, da weder 115 Buße noch Bekehrung mehr möglich ist? so wende ich mich nun zu deiner Barmherzigkeit und zu den Wunden meines am Kreuz für mich gestorbenen Heilandes, wende ich mich in meiner Noth, und flehe um Vergebung. - 1 Die Größe meiner Reue, das aufrichtige Bekenntniß meiner Sünden, welches ich nun vor dir in deinem Priester ablegen will; der Haß, den ich jetzt auch wider die kleinste meiner Ungerechtigkeiten und Uebertretung deiner Gesetze aus Liebe zu dir empfinde; die gefaßte ernstliche Entschließung, unter deinem Beistande, dessen ich so sehr bedarf, niemals auf's Neue freiwillig in eine Sünde zu willigen, und dich stets zu lieben, daß mich weder Welt, noch Hölle, noch Fleisch von dir je wieder trennen sollen; und dann die Unendlichkeit deiner Erbarmnisse und der Verdienste meines theuern ErIdsers: alles dieses macht mir Hoffnung zu deiner Gnade, und läßt mich nicht länger in einem Zustande leben, der nichts als Unglückseligkeit, als Verdammniß wirkt. - emaine - O Jesus hilf! erbarme dich! erfülle meine Hoffmung, und laß mir Vergebung angedeihen; damit, - wenn ich, nach abgelegter aufrichtiger Beichte aller meiner Sünden, dein heiliges Fleisch und Blut empfange, ich dann aller der Gnaden und Erbarmnisse theilhaftig zu werden verdiene, welche einem 146 Jeden, der es inbrünstig und mit reinem Herzen empfängt, von dir zubereitet sind! Weil aber du gesagt hast, daß nur derjenige zu dir kommen könne, welchen dein Vater ziehe, der dich gesandt hat; und daß er mir geben werde, was ich in deinem Namen erflehe: so bitte ich ihn noch einmal, daß er sich Meiner erbarme. Ja! ich komme wieder zu dir: und hier, Va ter! wenn ein so großer Missethåter, wie ich bin, sich unterstehen darf, dich Vater zu nennen; hier sinke ich vor dir im Staube nieder, liege unter der Last meiner Sünden und bete!- Gnade, Vater!- Gnade, und übergieb mich nicht dem, durch meine Sünden verdienten Gerichte! Von nun an ist es beschlossen; ich will nicht långer Neigungen in mir unterhalten, wodurch ich mich und Andere nur in ewiges Elend stürze; ich will fie ganz zu unterdrücken suchen. Ja! das das soll die letzte Sünde gewesen seyn, die ich zu beges hen so unglücklich war. Befördere du meinen Vors satz, und hilf mir ihn erfüllen, o du, ohne dessen Beistand ich zu allem Guten unfähig bin! Lang ge nug bin ich das Opfer meiner verderbten Natur ge wesen. Was habe ich nicht erlitten, selbst bei dem Genusse jener elenden Freuden, die mir das Laster verlieh! - Zerknirscht blicke ich zu dir hinauf, o Gott, und flehe und seufze nach Barmherzigkeit.! gehe 117 doch nicht um Jesu Christi willen, gehe doch nicht nach aller Strenge deiner Gerechtigkeit mit mir in's Gericht! Sieh mit Erbarmen, Vater, auf mich nie: der! Nimm mich doch wieder auf in die Zahl deiner begnadigten Kinder! Verzeih mir alles Böse, das ich verübt habe! Ach! daß ich's nicht genug bereuen kann! Groß, ach nur zu groß sind meine Sünden; dennoch aber, o Vater, ist deine Allmacht und deine Barmherzigkeit noch größer, und darum vertraue ich auf dich mit fester Zuversicht. O Gott, mein Gott, verlaß mich nicht! verwirf mich nicht! 3 Ja, wenn ein Sünder meines Gleichen Noch deiner Gnade fähig ist: So wirst du, Gott! dieß Herz erweichen, Daß es in Reueschmerz zerfließt; So wirst du meiner Seufzer Stöhnen, Den Ernst zur Beß'rung nicht verschmäh'n; So werd' ich dich noch heut versöhnen, Und ewig nicht verloren geh'n; So wird das Blut von deinem Sohne Für mich zu dir um Gnade fleh'n! O du, nun noch Erbarmer! schone, Und laß dein Heil mich wieder seh'n! Gieb, daß ich alle Sünde hasse, Und Gutes übend, frohbereit Auf deinen Ruf die Welt verlaffe, Sie gern verlaffe selbst noch heut! hard O Vater, o Gott aller Gnade und alles Trostes! erhöre mein Gebet durch Jesus deinen Sohn, meis nen Heiland und Seeligmacher! erhdre mein Ges - 118 bet, und erbarme dich meiner Unwürdigkeit und meiner Zuversicht: damit ich Verzeihung aller meiner Sün den erlange, durch das heilige Sakrament der Buße gånzlich davon gereiniget werde, und in's Künftige so vor dir wandle, wie es deinem allerheiligsten Willen angemessen, und zur Errettung meiner armen Seele erforderlich ist. C - --Jeßt überdenke man noch einmal alle Begehungs: und Unterlassungs- Sünden, deren man nach reifilich gepflogener Gewissensforschung sich schuldig befunden hat; man richte sein Augenmerk besonders auf Zahl und Gattung der begangenen schwereu Sünden, auf feine Lieblings- Sünde, auf seine bösen Gewohnhet: ten, auf die nächsten und gefahrvollsten Gelegenhei ten, durch die man bisher zum Falle gebracht wurde, und bereite sich so auf ein wahrhaft reumüthiges, möglichst kurzes, aber deutliches und vollständiges Bes kenntniß vor, wie man es vor dem Gottes Stelle ver: tretenden Priester abzulegen schuldig ist. Man ver: geffe dabei ja nicht, daß beichten- als Weg und Mit: tel zu Buße, zur Befehrung, zur Gnade Gottes- nur Sprache und Ergießung eines aus Liebe zu Gott mit Scham und Sündenhaß zu ihm zurückkehrenden Herzens seyn, folglich auf keine Weise in einer blos mündlichen, falten, zweckwidrigen, oft schädlichen Sünden Aufstellung, sondern in einem vor Gott und dessen sichtbarem Stellvertreter abzule= genden freiwilligen Bekenntnisse bestehen müsse. Dieses Bekenntniß muß daher um so redlicher, wahrz Gorenu - 119 - hafter, würdiger, Gott ergebener und zuversichtlicher seyn, je genauer in unserm Innern der Allwissende liest, der dasselbe zur Bedingniß der Sündenverge= bung verlangt; es muß daher auch von einer Beichte oder Selbstanklage, die unzulänglich, unüberdacht, ungewiß, die leichtsinnig, gesucht, gezwungen, sogar erdichtet, arg- und hinterlistig, heuchlerisch,- oder gar ein Gegenstand der Bosheit und der Súndenveranlassung, der Unlauterkeit und der Frechheit, der Posse und der Lüge, der Verläumdung und der Ungerechtigkeit, des Aergernisses und des Abscheues ist, um so weiter entfernt seyn, je unmöglicher ein böser Baum gute Früchte, und je gewiffer eine gottes: räuberische Beicht die tödtlichsten Seelenwunden hers vorbringt.Wann man in den Beichtstuhl geht. Was hilft mir doch beichten, wenn ich nicht beichte, wie ich soll? Ich will darum aufrichtig und offen mich dem Priester nahen, den mir mein Heiz land selbst zu meinem sichtbaren Lehrer, Richter und Seelenarzte bestimmt hat; ich will ihm vertrauensvoll mein tiefverwundetes Herz zeigen, damit durch sein mahnendes Wort die Gnade Jesu es wieder heile. Stärke mich nur, o Gott! auf daß mein Bekennt niß dir wohlgefalle! Gleich Marien Magdalenen Fall' ich auf mein Angesicht, 120 Und es flehen meine Thränen: Gott! ach Gott! verlaß mich nicht. Sieh' die Schmerzen, Buß' und Reu', Sey mein Vater und verzeih'! Bittet, Heilige, für mich! Engel Gottes, führet mich! Esd - Nach der Beichte. Freude zu Gott wegen Gnade der Bekehrung. Wem habe ich es zu verdanken, als dir, o du göttliche, langmuthsvolle Güte, daß du mein Elend ausahest, und dich meiner erbarmtest! Darum freut sich nun auch mein Herz, und wünscht dich zu preisen ohne Unterlaß. Du håttest mich in meinen Sünden sterben lassen können; du hast es aber nicht gethan; sondern mit mir gehandelt nach der Größe deiner Erbarmnisse. Das sey dann auch die Folge meiner ungeheuchelten Keue und der innigsten Dankbarkeit gegen dich, mein Herr und mein Gott! Daß ich von dieser Stunde an nur dir zu gefallen suche; niemals vergesse, wie so unaussprechlich viel ich deiner Liebe schuldig bin; niemals wie der von dir abweiche; jede Gelegenheit zur Sünde meide, und lieber Alles das Leben selbst ver liere, als deine Gnade! labar Weil meine Neue und meine Beichte aufrich: tig war, so hast du, o Gott! durch die priester1 121 liche Lossprechung mir meine Sünden nachgelassen; ich bin begnadigt. Durch das heilfließende Blut Jesu ist der himmlische Vater ausgesdhnt; die unends lichen Verdienste des Erldsers haben ihren Segen wieder über mich ausgegossen; ich bin nun wieder ein Kind Gottes, ein Erbe des Himmels geworden; Gott ist nun wieder mein liebevoller Vater, und durch die heiligmachende Gnade bin ich auch wieder eine Wohnung des heiligen Geistes, welchen ich mit dem Vater und Sohn als den einzig wahren Gott in Ehrfurcht anbete.- Oliebster Gott! wie groß ist deine Güte gegen mich armen Sünder. Aus Erbar= mung hast du mir Alles verziehen, was ich verbrochen habe. Dank sey dir für diese Gnade, Dank, Ehre und Preis in Ewigkeit. O meine Seele, erhebe den Herrn, und du, mein Geist, frohlocke in Gott deinem Heilande! Ja, preisen will ich den Herrn so lang ich lebe, denn er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig. Jesu, mein Mittler und Heiland! ich will nun mit aller mir möglichen Andacht die, von dem Priester mir auferlegte Buße verrichten. Da es aber die letzte in meinem Leben seyn könnte, so bitte ich, laß sie, in Vereinigung mit deinen unendlichen Verdiensten, zur Genugthuung für alle meine Sün= den, und zu meiner ewigen Seligkeit gereichen. - Wenn die auferlegte Buße in einigen Gebeten besteht, und sich nicht auf längere Zeit ansdehnt, so 6 122 bete sie sogleich, und zwar so, als ob dieses in deinem Leben dein letztes Bußgebet wäre. - -S Aufopferung der Buße. Würdige dich, o Herr, die Buße, die ich so eben verrichtet habe, gnådig anzunehmen, Ich ge lobe dir, dieselbe stets fortzusetzen, vorzüglich durch beständigen Abschen gegen alles Bdse, durch einen dir immer treuen, wahrhaft gebesserten Lebenswandel, so wie durch unbedingte Hingebung in deinen heiligen Willen bei allen, auch noch so schweren Verhängnissen meiner irdischen Wanderschaft. Ich vereinige zugleich alle meine Bußwerke mit der un endlich segenreichen Genugthuung Jesu am Kreuße. Durch Jesu Leiden, Blut und Wunden hoffe ich zuversichtlich die Vergebung aller meiner Fehler und Sünden, die ich zeitlebens begangen habe, und die ich nun schmerzlich bereue, Was mir an Vollkom: menheit der Reue, der Beichte und des Vorsatzes noch mangelt, das wolle für mich ersetzen meir liebevoller Jesus, dessen Barmherzigkeit ohne Ent: ist. Amen. 423 Vor dem Kommunion- Tage und in Beziehunz auf denselben, als Vorbereitung zu einer würdigen Kommunion. 3ur vorläufigen Erwägung. ( Nach Lukas 24, 13-40.) An dem Sonntage, da Jesus von den Todten auferstand, gingen zwei Jünger nach Emmaus, und redeten vertraulich von Allem, was in den letzten Tagen sich mit ihrem Meister zugetragen hatte. Unterwegs erschien er ihnen selbst, jedoch in einer ihnen unbekannten Gestalt als Wanderer, ließ sich in ihr bisheriges Gespräch mit ein, tröstete ihre trauernden Gemüther, und überzeugte sie aus den Weissagungen der Propheten, daß Christus erst so vieles habe leiden müssen, um in seine Herrlichkeit einzugehen. Sie waren indessen dem Flecken, wo: hin sie wollten, ganz nahe gekommen, und da Jesus weiter gehen zu wollen schien, baten ihn beyde June ger aufs Freundlichste und Dringendste: ,, Ach, bleib doch bei uns! denn es will schon ,, Abend werden, und der Tag hat sich geneigt!" Da kehrte Jesus bei ihnen ein, und sie waren voller Freude darüber, nicht zwar, als ob sie ihn schon erkannt hätten, denn das Glück, den Auferstandenen zu sehen, getrauten sie sich kaum zu 6* 124 denken! Sie waren nur froh, daß der liebevolle Fremde ihnen die Nachricht der frommen Frauen be: bestätigt hatte, daß Jesus lebe! Nun setzten sie sich zu Tische- Er den Jüngern gegenüber. Da nahm Jesus das Brod, segnete es, brach's und gab es ihnen. Jetzt gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn. O Freude über Freude! Hell und klar sahen sie sein freundliches, in lauter Liebe verklärtes Angesicht, und es war ihnen nicht anders, als hätte sich der Himmel vor ihnen auf gethan. Sogleich aber entschwand Jesus ihrem Blicke; doch sie, in wonnevolles Staunen versetzt, sprachen zu einander: ,, Brannte nicht gleich unser Herz in uns, da er unterwegs mit uns redete, und uns die Schrift aus leg: te?" Ohne Verzug eilten sie nun, so spät Abends es auch schon seyn mochte, mit ihrer Freudenbot: schaft nach Jerusalem zu den Aposteln und den bei ihnen versammelten Jüngern. Diese ließen sie aber anfangs gar nicht zum Worte kommen, sondern rie: fen ihnen frohlockend entgegen, daß Jesus wahrhaft auferstanden, und dem Simon Petrus erschienen sey. Nun erzählten auch die beiden Jünger, was gesche, hen war, und wie sie den Herrn am Brodbrechen er: kannt hätten. Doch plötzlich ward ihre Erzählung unterbrochen denn Jesus stand selbst in ihrer Mitte, und sprach: ,, Der Friede sey mit euch!" - D - 125 grangemen und zeigte den Ueberraschten, vor Freude bebenden Jüngern seine heilbringenden Wunden.- Aus dem ersten Briefe des heil. Paulus an die Corinthier 11, 23. - ,, Vom Herrn habe ich empfangen, was ich euch schon vorgetragen habe, nåmlich: In der Nacht, da der Herr, Jesus, verrathen wurde, nahm er das Brod, dankte, brach's und sprach: ,, Nehmet hin und esset! das ist mein Leib, der für euch dargegeben( gebrochen) werden wird: ,, dieses thut zu meinem Gedächtniß! So ,, nahm er auch den Kelch, und sprach: Dieser ,, Kelch ist das neue Testameut der neue Bund in meinem Blute. So oft ihr ihn trinket, thut ,, es zu meinem Gedächtniß! Denn so oft ihr effet ,, dieses Brod, und trinket diesen Kelch, verkündiget ihr den Tod des Herrn, bis er wieder kommt.- ,, Also, wer unwürdig dieses Brod ist, und diesen ,, Kelch trinkt, wird schuldig an des Herrn Leib und ,, Blut. Der Mensch aber prüfe sich selbst, und so F esse er von diesem Brode, und trinke aus diesem ,, Kelche! Denn wer unwürdig isfet und trinket, der isset und trinket sich selbst das Gericht, weil er des Herrn Leib nicht unterscheidet..... Rich,, teten wir uns selbst; so würden wir nicht gerichtet." d. h. wenn wir die Sünde in uns erkennen, beken= nen, tödten und verabscheuen. 126 Der Kelch der Segnung, den wir segnen, ist er nicht die Theilnehmung an Christi Blut; das ,, Brod, das wir brechen, ist es nicht die Theilneh: ,, mung an Christi Leib? Denn, wie nur ein und ,, dasselbe Brod ist; so sind auch wir, ob zwar Viele, nur ein und derselbe Leib, die wir Alle eines und desselben Brodes theilhaftig werden.“ - Aus der Apostelgeschichte E. 2, v. 42. Treu beharrten die ersten Gläubigen in der Lehre der Apostel, in der Gemeinschaft des Brodbrechens und im Gebete;... Alle hielten sich zusammen, und hatten Alles unter sich gemein; ihr Hab und Gut verkauften sie, und vertheilten es unter Alle, je nach: dem es Jeder bedurfte; dabei fanden sie täglich im Tempel fich einmüthig zusammen; und indem sie das Brod auch in ihren Häusern brachen, nahmen sie ihre Mahlzeit mit Frohlocken und Herzens- Einfalt, fangen Gott Loblieder, und waren beliebt bei dem ganzen Volke.. Betrachtung. Aus dem allen erkenne ich, o mein Heiland! die Größe und Würde deiner Stiftung, deines Zwe es und meiner Pflicht. Sey dankbar, Seele! feiere dankbar und würdig das Andenken der Liebe Jesu, des görtlichen Menschenfreundes, deines und aller Menschen Ers 127 barmers und Erldsers! Feiere es oft, und vornehmlich in der Erneuerung jenes heiligen Liebesmables, daß er kurz vor seinem Leiden, zur geistigen Nahrung für die Seinen, zur künftigen gemeinschafts lichen Erinnerung an seinen schmerzenvollen Hins gang aus dieser Welt, zum unvergeßlichen Gedächt= niß seiner Wohlthaten, seiner Lehren, seiner Wuns der, seiner Verheissungen, feines ganzen Wandels auf Erden, als ein Unterpfand seiner gnadenvollen Zuneigung gegen seine Freunde, als ein feierliches und öffentliches Bekenntniß ihres Glaubens, ihrer Hoffnung, ihrer Liebe, als eine sichere Bürgschaft ihrer Unsterblichkeit, ja! als ein stetes Bündniß und Vereinigungsmittel, erst für seine Jünger und Apostel, dann für alle wahre Gläubige und Bekenner auf ewige Zeiten angeordnet und gestiftet hat! - Worte des Trostes und des Lebens aus Christi Reden und Geboten zusammengezogen. ,, Kommer zu mir Alle, die ihr mit Mühe und Last beladen seyd; ich will euch erquicken. Ich bin das Brod des Lebens: wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nie dürsten." ,, Alles, was mir mein Vater giebt, kommt zu ,, mir; und wer zu mir kömmt, den stoß ich nicht hinaus. Denn ich kam vom Himmel herab, nicht, 128 Gemeent ,, daß ich thue meinen Willen, sondern den Willen ,, dessen, der mich gesandt hat. Dieses ist aber der ,, Wille dessen, der mich gesandt hat, des Vaters: ,, daß ich von allem, was er mir gab, nichts verliere, sondern es auferwecke am jüngsten Tage. Denn gleichwie der Vater die Todten auferweckt, und ,, lebendig macht; so macht auch der Sohn lebendig, ,, welche er will. Auch richtet der Vater Niemanden, ,, soudern gab alles Gericht dem Sohne, auf daß Alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Denn ,, wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt auch den Vater ,, nicht, der ihn gesandt hat. Wahrlich, wahrlich! ,, Ich sage euch: Wer mein Wort hört, und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat das ewige ,, Leben, und er kommt nicht zum Gerichte, sondern ,, er ist vom Tode zum Leben übergegangen"( Joh. ,, 5, 21-24. ,, Wahrlich, wahrlich! Ich sage euch: ,, wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben." ,, Ich bin das lebendige Brod, vom Himmel ,, herab gekommen: wer von diesem Brode isset, wird ,, leben in Ewigkeit: und das Brod, das ich geben ,, werde, ist mein Fleisch, welches ich gebe für das ,, Leben der Welt. Nicht wie das Manna in der ,, Wüste, wovon sie aßen,( die Israeliten) und sind gestorben, sondern dieses ist das Brod, das vom ,, Himmel kommt, auf daß, wer davou isset, nicht sterbe! Denn wer mein Fleisch isset, und mein Blut 129 ,, trinket; der hat das ewige Leben, und am jüngsten ,, Tage will ich ihn wieder auferwecken. ,, Denn mein Fleisch ist wahrhaftig eine Speife, ,,( uicht Speise, die vergeht, verdirbt; sondern die da ,, bleibt in's ewige Leben. Denn nur der Geist ist's, ,, der belebt; das Fleisch taugt zu nichts; die Worte, ,, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und Leben,) ,, mein Fleisch ist wahrhaftig eine Speise; und mein ,, Blut ist wahrhaftig ein Trank: wer mein Fleisch ist und mein Blut trinkt, der bleibt in Mir, und ,, ich in Ihm. Wie mich gesandt hat der Vater, der ,, da lebt, und ich lebe um des Baters willen; also ,, wird, wer mich isset, auch leben um meinetwillen." ,, Wen da dürstet, der komme zu mir, und trinke! ,, Das Wasser, das ich ihm geben will, wird in ihm ein Brunnquell jenes Wassers werden, welches springt in's ewige Leben. Wer an mich glaubt, ,, aus dem werden Ströme des lebendigen Wassers " fließen." ,, Ich bin das Licht der Welt: wer mir nachfolgt, ,, der wandelt nicht in der Finsterniß, sondern wird ,, das Licht des Lebens haben. Werdet ihr euch an ,, mein Wort halten; so seyd ihr wahrhaft meine Jünger; und ihr werdet die Wahrheit erkennen; ,, und die Wahrheit wird durch mich euch frei machen, ,, und ihr werdet wahrhaft frei seyn. Wer aber ,, Sünde thut, der ist nicht frei, sondern ein H 130 ,, Knecht der Sünde. Wer aus Gott ist, der höret " Gottes Wort." O ,, Ich bin die Thüre: wer durch mich eingeht, ,, wird selig werden; er wird ein- und ausgehen, und ,, Weide finden. Ich bin ein guter Hirt, und kenne ,, meine Schaafe; und die Meinen kennen mich. Ich ,, bin gekommen, daß sie das Leben und volle Genüge ,, haben. Ich bin ein guter Hirt. Ein guter Hirt setzt sein Leben für seine Schaafe, darum folgen sie auch meiner Stimme, und ich gebe ihnen das ,, ewige Leben, und sie werden nimmermehr zur ,, Grunde gehen, und Niemand wird sie meiner Hand ,, entreissen." Ich bin die Auferstehung und das Leben: wer ,, an mich glaubt, der wird leben, ob er schon gestors ,, ben wäre: ja! wer da lebt und glaubt an mich, ,, der wird in Ewigkeit nicht sterben. Wer mir dienen ,, will, der folge mir nach! Und wo ich bin, da soll ,, auch mein Diener seyir: und wer mir dienen wird, ,, den wird mein Vater ehren. Wer sein Kreuz nicht auf sich nimmt, mir nachzufolgen, der ist meiner ,, nicht werth; und wer die Seinigen- Vater oder ,, Mutter, Sohn oder Tochter mehr liebt, als ,, mich, der ist meiner nicht werth." ,, Wandelt im Licht, so lang ihr das Licht habet, ,, damit euch die Finsterniß nicht ergreife! Wer in ,, der Finsterniß wandelt, der weiß nicht wohin er geht. Glaubet an das Licht, auf daß ihr seyd - p 131 Kinder des Lichts. Ich, als das Licht, kam in die ,, Welt; auf daß, wer an mich glaubt, nicht in der Finsterniß bleibe.. ,, Wahrlich, wahrlich!- sage ich euch: der ,, Knecht ist nicht größer, als sein Herr. Ich habe ,, euch ein Beispiel gegeben; damit, wie ich euch ges ,, than habe, auch ihr thut. Meine Kindlein! Ich gebe euch ein neues Gebot, dieses: daß ihr euch unter einander liebet, so unter einander liebet, wie ,, ich euch gelirbt habe. An dem, daß ihr Liebe zu ,, einander habt, wird Jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seyd." ,, Liebet auch eure Feinde! Segnet, die euch fluchen! Thut wohl denen, die euch hassen, und bit,, tet für die, die euch beleidigen und euch verfolgen auf daß ihr Kinder eures Vaters seyd, der im ,, Himmel ist; der seine Sonne aufgehen läßt über ,, Gute und über Böse, regnen läßt über Gerechte und über Ungerechte." Wenn du deine Gaben darbringst zum Altare; und hier würdest du eingedenk, dein Bruder( oder ,, Nächster) habe etwas wider dich: verlaß auf der ,, Stelle vor dem Altare deine Gabe, und gehe, und ,, versöhne dich zuvor mit deinem Bruder! dann ,, komm, und opfere deine Gabe!** 132 Aus den letzten Reden und Ermahnungen Jesu an seine Jünger. -- ,, Euer Herz betrübe sich nicht! Ihr glaubet an ,, Gott, so glaubet auch an mich. Ich bin der Weg, ,, die Wahrheit und das Leben; Niemand kommt zum ,, Vater als durch mich. Habt ihr mich erkannt, so ,, habt ihr auch meinen Vater erkannt; ja von nun ,, an erkennet ihr ihn und habt ihn gesehen, denn wer ,, mich sieht, sieht auch den Vater. Oder glaubt ihr etwa ,, nicht, daß ich in dem Vater bin, und der Vater in ,, mir ist? so glaubet mir wegen der Werke selbst. ,, Wahrlich, wahrlich! Ich sage euch: Wer an mich ,, glaubt, wird auch die Werke thun, die ich thue, ja ,, noch größere wird er thun, als diese, weil ich nun zum Vater hingehe; und was ihr dann immer den ,, Vater in meinem Namen bitten werdet, das will ,, ich thun, damit der Vater in dem Sohne verherr: ,, licht werde. Nur noch eine kurze Zeit, so sieht mich ,, die Welt nicht mehr: ihr aber werdet mich sehen, ,, denn ich lebe, und auch ihr werdet leben und als: ,, dann erkennen, daß ich in meinem Vater bin, und ,, ihr in mir seyd, und ich in euch bin." ,, Wenn ihr mich liebet, so haltet meine Gebote! ,, denn wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, ,, der mich liebt, und wer mich nicht liebt, der befolgt ,, auch meine Lehren nicht. Wer mich aber liebt, ,, der wird auch von meinem Vater geliebt werden, ,, und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offen: 133 ,, baren; und wir werden zu ihm kommen, und Woh,, nung bey ihm nehmen." Ich bin der wahre Weinstock. Jede Rebe an ,, mir, die nicht Frucht trågt, wird mein Vater hin: weg thun; und jede, die Frucht trågt, wird er rei,, nigen, daß sie noch mehr Frucht bringe. Ich bin ,, der Weinstock; ihr seyd die Reben. Wer in mir ,, bleibt, wie ich in ihm, der bringt viel Frucht: wer ,, in mir nicht bleibt, der wird weggeworfen wie ein ,, Schoß, das verdorrt ist; solche sammelt man, wirft sie ins Feuer und verbrennt sie. Bleibet in mir, ,, wie ich in euch! Ohne mich vermöget ihr ja gar ,, nichts. Denn gleichwie eine Rebe nicht Frucht ,, bringen kann, als wenn sie im Weinstock bleibt; ,, also auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt.,, Wofern ihr aber in mir bleibet, und meine Worte ,, bleiben in euch;- was ihr dann immer wollet, ,, werdet ihr bitten, und es wird euch wiederfahren. ,, Darin nämlich wird mein Vater verklärt, verherrs ,, licht, daß ihr viel Frucht bringet, und meine Jünger send." ,, Wie mich mein Vater geliebt hat; also liebe ,, ich auch euch. Bleibet in meiner Liebe! Werdet ,, ihr meine Gebote halten, so werdet ihr in meiner Liebe bleiben; wie auch ich meines Vaters Gebote ,, halte, und bleibe in seiner Liebe. Denn das ist ,, meine Speise, daß ich den Willen dessen thue, und sein Werk vollbringe, der mich gesandt hat. Sol 134 ches rede ich zu euch, auf daß meine Freude in euch sey, und eure Freude vollkommen werde." Den Frieden lasse ich euch; meinen Frieden gebe ich euch. Nicht, wie die Welt giebt, gebe ,, ich euch. Ich will euch nicht als Waisen hinter: Und das lassen, sondern ich komme zu euch.- ist mein Gebot, daß ihr euch unter einander liebet, ,, wie ich euch geliebt habe. Niemand hat größere ,, Liebe, als die: daß er sein Leben für seine Freunde giebt. Ihr send meine Freunde, wenn ihr thut, ,, was ich euch gebiete... Ich habe euch erwählt, ,, daß ihr Frucht bringet, und eure Frucht nicht ver: ,, loren gehe; damit, was ihr den Vater immer bitten ,, måget in meinem Namen, er's euch gebe. Folget also meinem Gebote, daß ihr euch unter einander liebet! Haffet euch die Welt; so wisset, daß sie ,, mich vor euch gehaffet habe!... Gedenket an ,, meine Rede: Der Knecht ist nicht größer ,, als sein Herr!" Dieses alles habe ich zu euch gesagt, damit ihr in mir den Frieden finden möget. ,, In der Welt habet ihr Bedrångniß: aber seyd ges trost! denn ich habe die Welt überwunden." an - Feverliches Abschiedsgebet Jefu. ,, Bater! die Stunde ist gekommen: verkläre ,, deinen Sohn, auf daß dein Sohn dich verkläre!- so wie du ihm die Macht gabst über alles Fleisch, ,, daß er gebe das ewige Leben, allen, die du ihm 135 gegeben hast. Dieß ist aber das ewige Leben, daß ,, sie erkennen, dich den alleinigen wahren Gott, und ,, den du gesandt hast, Jesum Christum. Ich habe ,, dich verklärt auf Erden, ich habe das Werk vollen,, det, das du mir zu vollbringen gegeben haft. Und ,, nun, du, Vater! verklåre mich bei dir selbst, mit der Klarheit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war!" ,, Geoffenbaret habe ich deinen Namen solchen ,, Menschen, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein, du hast sie mir gegeben. Sie ,, haben dein Wort bewahrt, und wissen nun, daß ,, alles, was du mir gabst, von dir sey. Denn alle Worte, die du mir gabst, gab ich auch ihnen. Sie nahmen sie an, und erkannten es in der Wahrheit, ,, daß ich von dir ausgegangen bin; und glanbten ,, daran, daß du mich gesandt hast. Ich bitte für sie, ,, denn sie sind dein. Und alles, was mein ist, ist ,, dein, was dein ist, ist mein.- Heiliger Vater! erhalte sie! auf daß sie eins seyen, wie auch wir! Ich haben ihnen deinen Willen bekannt gemacht, und die Welt hasset sie, weil sie nicht sind von der ,, Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin." ,, Heilige sie in der Wahrheit! Dein Wort ist Wahrheit. Wie du mich gesandt hast in die ,, Welt, so sende ich auch sie in die Welt, und ich ,, heilige mich selbst für sie, damit auch sie geheiliget ,, seyn mögen in der Wahrheit. Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für Alle, die durch ihr 136 ,, Wort an mich glauben: auf daß sie Alle eins seyen, und wie du, Vater! in mir, und ich in dir, also ,, auch sie eins seyen in uns, damit die Welt glaube, ,, daß du mich gesandt haft. Vater! ich will, die ,, du mir gegeben hast, daß, wo ich bin, auch sie bei ,, mir seyen, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du ,, mir gegeben hast. Denn du hast mich geliebt, ehe ,, noch die Welt gegründet war. Gerechter Vater! ,, die Welt erkannte dich nicht, ich aber kenne dich: ,, und auch diese( die du mir gegeben haft) haben ,, erkannt, daß du mich gesandt hast. Ich habe ihnen ,, deinen Namen bekannt gemacht, und werde ihn ferner bekannt machen; auf daß die Liebe, womit ,, du mich geliebt hast, in ihnen sey, und ich in ,, ihnen.“ d Wirkliche Einsehung des hl. Abendmahls. Als sich das Fest der ungesäuerten Brode, Pascha genannt, genähert hatte, an welchem man nach jüdi schem Gesetz zum feierlichen und dankbaren Ge dächtniß jener großen wundervollen Errettung aus Aegyptens Dienstbarkeit das Osterlamm aß. Und Jesus sprach, als die Stunde gekommen war, daß er sich mit seinen Aposteln zu Tische setzte: ,, Mich hat herzlich verlangt, dies Osterlamm mit euch zu essen, bevor ich leide: denn ich sage euch, daß ich es von nun an nicht mehr effe, bis daß es geschieht im Reiche Gottes." Dann nahm er den — 137 Kelch mit Danksagung und sprach: ,, Nehmet und ,, theilet ihn unter euch! denn ich sage euch, daß ,, ich von nun an vom Gewächse des Weinstocks nichts ,, mehr trinke, bis an den Tag, dag ich es neu ,, trinke im Reiche des Vaters." Matth. 26. Mark. 14. Luf. 23. - Christ, der du erkennst, aus welcher schweren Dienstbarkeit, der Hölle und der Sünde, dich Je= fus erldset hat, und zum steten Andenken dieser Er Idfung und deines ewigen Heils jenes Gastmahl stif: tete, das über jedes andere groß und göttlich ist!- Denke an die Worte des Apostels: ,, Unser Oster,, lamm, für uns geschlachtet, geopfert, ist Christus. ,, Wiffet ihr nicht, daß wenig Sauerteig den ganzen ,, Teig säuert? Schaffet also rein weg den alten ,, Sauerteig,( die Sünde) auf daß ihr ein neuer, ungesäuerter Teig seyn möget; wir also Ostern hal,, ten, nicht in dem alten Sauerteige, im Sauer,, teige nämlich der Bosheit und der Schalkheit, sondern ,, im süssen Teige der Lauterkeit und der Wahrheit!" 1 Kor. 5, 6. Indem also Jesus und seine Jünger zu Nacht aßen, nahm er das Brod, daukte, segnete, brachs, gab es seinen Jüngern, und sprach: ,, Nehmet hin ,, und effet! das ist mein Leib, der für euch und für ,, Viele dargegeben wird;"- so auch den Kelch; nahm ihn, dankte und sprach: ,, Trinket Alle daraus! ,, denn das ist mein Blut des neuen Testaments, der 138 ,, Kelch, der neue Bund in meinem Blute, das für ,, euch und für Viele vergossen wird: thut. beides zu ,, meinem Gedächtniß!- Und sieh! die Hand mei: ,, nes Verråthers ist mit mir über Tische!" - Nachdem sie aber den Lobgesang gesprochen hat: ten, gingen sie hinaus an den Delberg bis zum Hoft Gethsemane. Jesus aber sprach: ,, Meine Seele ist ,, betrübt bis in drn Tod"- und, indem er sich etwas entfernte, fiel er nieder, betend, auf sein Ans gesicht, und sprach: ,, Mein Vater! ist's möglich, so laß diesen Kelch von mir gehen! doch nicht ,, wie ich will, sondern wie du willst!"- ging wies ,, der zu seinen Jüngern- Könntet ihr. denn nicht eine Stunde mit mir wachen? wachet und ,, betet, daß ihr nicht in Versuchung fallet! der Geist ,, ist zwar willig, aber das Fleisch ist schwach" betete zum andernmal und sprach: ,, Mein Vater! ,, Kann der Kelch denn nicht vorübergehen, ohne daß ,, ich ihn trinke; so geschehe dein Wille!" und er kam, fand sie abermal schlafen; er aber betete zum drittenmal,- stand auf, ging zu seinen Jün gern, und sprach: ,, Sehet! nun wird des Menschen ,, Sohu überantwortet in die Hände der Sünder; stehet auf! laffet uns gehen! der mich verrathen ,, wird, ist nahe." Und als Jesus noch redete, kam Judas, der Zwölfe einer, und mit ihm eine große Schaar mit. Schwertern und mit Stangen, küßte Jesum und sprach: ,, Sey gegrüßt Meister!" Jes 139 fus aber: ,, Freund! wozu ,, Freund! wozu- warum bist du ges kommen? ci Fragen an unser Herz, auch wohl zw betrachtende Erklärungen. Wie ist dir, und was empfindest du, bei allen den Zeugnissen und Wahrheiten, die dir jetzt aus Gottes Wort zu betrachten vorgelegt sind? Hast du Glauben? Sind sie dir wichtig?- Was für Gefinmungen, was für Entschließungen haben sie auf dich bewirkt? Entbranntest du mehrmals, wie das Herz der Jünger, die nach Emaus gingen, und ihren Herrn und Heiland erkannten? wie das Herz der Apostel, als sie nach seinem Leiden ihn, ihren gött lichen Freund und Meister, wieder sahen; er pldtzlich mitten unter ihnen stand; sie vor Entzücken und Verwunderung nicht glaubten, daß er's wäre, er ihnen Hände und Füße zeigte; sie nun überzeugt wurden, daß er's wirklich war, und dann voll Glaus bens und Freude, sich an alles erinnerten, was er mit ihnen geredet, wie er mit ihnen gewandelt, wie er in der Nacht, da er verrathen ward, ihnen das Brod und den Kelch reichte, mit den Worten: ,, Das ist mein Leib, das ist mein Blut; effet, trinfet, zu meinem Gedächtniß!"- wie er damit gleichsam Abschied nahm; dann in den Tod ging, mit der so treu und wahrhaft erfüllten Versicherung, nicht im Tode zu bleiben, sondern wieder zu kommen, 140 zum Vater zu gehen, den Geist des Trostes und der Wahrheit zu senden, und in seinem und seines Vaters Reiche für sie einen Platz zu bereiten, damit, wo er sey, auch sie seyn möchten? Und wenn du dann Willens bist, o mein Herz! an jener ebenfalls für dich zum Andenken, zur Theilnehmung an Jesu Liebe, an Jesu Leiden und Tod, an Jesu Auferstehung und ewiger Herrlichkeit - gestifteten, von Jesus selbst bereiteten Gnaden: Tafel, wo er sein eigenes Fleisch und Blut- sich felbst.- zur Speise giebt wenn auch du, fage ich, Willens und entschlossen bist, daran Theil zu nehmen: solltest du es dann wohl wagen, ohne das: jenige lebhaft und im Glauben thắtig zu beherzi: gen, was der Apostel sagt: ,, Wer unwürdig isset, ,, unwürdig trinket- es nicht von gemeiner, zur ,, bloßen Leibes- Såttigung bestimmter Speife unter: scheidet; der macht sich schuldig, wie Judas, des ,, Todes Christi, seines für uns hingegebenen Leibes, seines für uns vergossenen Blutes; der iffet und ,, trinket zu seiner eigenen Verdammniß das Gericht: ,, darum prüfe dich), o Mensch, mit Ernst und Wür: ,, digkeit, ehe du isfest von dem geheiligten Brode, ,, trinkest aus dem geheiligten Kelche!"? Ja! Würdest du sogar, o mein Herz! selbst ohne diesen ausspruch und ohne Rücksicht auf ihn- es wagen, unbereitet und unwürdig, voll Sünden und voll Frevels, dich einer Handlung theilhaftig zu pe - - 141 machen, die bloß schon ais Gedächtnißfeier, als Verkündigung des bittern Lodes der für uns am Kreuz gehangenen Liebe, ja als Bekenntniß unserer Treue und dankbaren Anhänglichkeit und Gegenliebe gegen den größten Wohlthäter der Menschen, alle Hochachtung, Heilighaltung und Ehrfurcht verdient? Denn, was heißt, Jesu Abendmahl fei ern? Fm Geiste dem Abendmahl Jesu beiwohnen; mit ihm und seinen Jüngern zu Tische sitzen; aus seiner Hand das gesegnete Brod, den gesegneten Kelch empfangen; aus seinem Munde die verheiße: nen Worte hören: ,, das ist mein Leib, das ist mein ,, Blut"; und so an allen seinen Reden und Handlungen thätigen Antheil nehmen. Was heißt, Jesu Tod verkündigen?- Dankbar an seinen Tod gedenken; ihm in allen seis nen Leiden bis zum Kreuze folgen; hier für alle seine Liebe ihn in Schmach und Martern sterben sehen; hier seine letzten Worte betrachten, warum er starb; hier den Entschluß fassen, von nun an nur ihm zu leben, ihn vor der Welt, vor Feinden und vor Freunden, standhaft zu bekennen,- für ihn wieder zu sterben, wenn es seine und Gottes Ehre fordert, -am Verdienste seines Todes Theil zu haben, und ein würdiger Jünger und Nachfolger seiner Lehre und feines Vorbilds zu seyn. 1 - Was heißt aber mehr als alles dieses!- Jesu Fleisch und Blut genießen?- Nicht - -- 142 nur geistig und feierlich Jesu Abendmahl erneuern,- an Jesu Tod öffentlichen und heilsamen Antheil nehmen; sondern es heißt, so lehrt's uns unser Glaube: mit ihm eines Leibes, und durch gläubie gen und würdigen Genuß zugleich auch einer Seele werden; mit ihm sowohl in ihm selbst, als in seinen Gliedern sich so vereinigen, daß,- gleich: wie dasjenige, was wir genießen, eine und eben diefelbe Speise; ein und eben derselbe Christus, ein und eben derselbe Gegenstand ist; also auch wir mur ein und derselbe Leib, nur eine und dieselbe Gemeins schaft, nur Ein Herz und Eine Seele seyen, wiz wir dann auch nur einerlei Absicht, einerlei heilige Gesinnungen haben sollen, Christ! Wenn du bloß Fleisch und Welt bist; wenn dein Herz vor Gott und Menschen schalkhaft ist; wenn du Jesus nicht liebst, an sein Wort nicht glaubst,- ihn durch Unhußfertigkeit und Süns de beschimpfft, ihn in seinen Gliedern und Er Idseten nicht ehrst, auf ihn nicht deine Wünsche und Gedanken richtest,,- ihm in allen feinen Tugende Gesinnungen nicht ähnlich zu werden suchst; und dann wohl gar in sündlicher Absicht und Vermess fenheit fein Fleisch und Blut genießest: so befolgst du nicht Jefu Befehl, feierst nicht Jesu Abendmahl, verkündigst nicht Jesu Tod, so bist du ein Heuchter, ein Frevler vor ihm;- spottest seines Abendmahls und seines Todes, hast also auch keinen Theil an - - - - - - - pr - 143 feinen Verheißungen, sondern isfest und trinkest dir das Gericht. www Nähere Vorbereitung zu einer würdigen Kommunion. kehren und Erweckungen. Willst du dich dem Tische des Herrn nähern: thue es mit Ehrfurcht, mit Demuth, mit Glauben, mit Vertrauen, zur Ehre Jesu, zur Verherrlichung Gottes, zur Erbauung deiner Mitchristen, dir selbst zum Heil! Nöthige Prüfung.. Untersuche dein Inneres! durchforsche dein Ges wiffen! prüfe dein Herz! erfülle diese Pflicht gern und genau! denn davon hängt einzig deine Besserung, deine Vervollkommnung ab; eine Pflicht, die den Redlichen nicht schwer wird, die dir um so leichter ist, je aufrichtiger du vor Gott wandelst, folglich, je sorgfältiger du bisher warst, dich vor Sünden zu hüten, und die begangenen selbst in ihrer Quelle - zu erkennen; zu bereuen und zu bessern! das nicht allein! untersuche, durchforsche, prüfe ie ga nze Vorbereitung, die du haben mußt, wenn du zum Tische des Herrn gehst!! - 144 Wende Kraft und Ernst an, nichts in dir zu dulden, was vor den Augen Gottes und deines Hei: landes mißfällig ist! damit nichts dich hindere, freien Zutritt zu ihm zu haben. - Besondere Betrachtung und Gewissens: Erforschung, bei dem Bewußtseyn eines nicht sündlosen Lebenswandels. - - In wie viel Sünden und Fehler fielst du nicht bisher zurück! Empfinde es schmerzhaft und demüthig vor Gott, der deine Schwäche, deine Armseligkeit kennt, der aber auch weiß, wie du dir nur so wenig Mühe gabst, ihm zu Liebe gegen deine bösen Triebe und Begierden zu streiten!- ja, der es weiß, wie du noch immer so lau und fleischlich gesinnt bist, so unabgestorben sündlichen Leidenschaften, so voll unordentlichen Neigungen und Wünschen, so unwachsam in Ansehung ausserlicher Sinne, so bereit zum Leiblichen und Vergånglichen, hingegen so unbe reit zum Geistigen und Ewigen; so geneigt zu dem, was dem Fleische gefällt, wenn's auch bbs und schädlich ist und so ungeneigt zu dem, was ihm nicht gefällt, wenns auch gut und nöthig ist; so sehn süchtig, bis zur Eitelkeit, nach menschlichem Lob und Ansehen, und so willenlos zur Demuth und Selbst: verläugnung; so begierig nach Weichlichkeit und sinne licher Lust, so verdrossen zur heilsamen Strenge und ernstlichen Abtddtung; so gelüstend, mit Ungebühr, - - 145 nach irdischem Gut - - Eigenthümliches zu vermehren, Fremdes dir eigen zu machen; so hinläßig, fast bis zur Unbarmherzigkeit, zu Werken schuldiger Nachstenliebe und Theilnehmung so schonend und empfinde lich für dich selbst, und so unnachsichtlich und hart gegen Andere; so aufmerksam und gleichsam scha denfroh bei Fehlern und Vergehungen mißfälliger Mitmenschen, so leichtfertig zum Tadeln, zum Verurtheilen- zum Verachten, zum Beleidigen- zum Zorn, zur Rache, so heuchelnd und schmeichelnd, wenn Ehrgeiz und Eigennutz es so wollen, so unzeiz tig im Reden und Schweigen- zügellos bei Speiſe und Trank unwahr und anstößig in Worten, vere kehrt in Gedanken, unerbaulich im Wandel, so thås tig zum Bdsen, unthätig zum Guten- ungehorsam gegen die Stimme Gottes, gehorsam gegen die Stime me der Sünde, so wenig erweckt zum Gebete, zur innigen Andacht, zur Selbst- Heiligung, zur Ers bauung, zur genauen Vollbringung jeder Christenpflicht, so übermäßig in Freuden, übermäßig im Leiden, so vielfältig in guten Vorsätzen, und so selten im Ers füllen bist. - Empfinde alles, worüber dich dein Gewissen ents weder der Unvollkommenheit oder des Lasters anklagt, mit herzlicher Wehmuth,- mit dem Wunsche, es nie begangen zu haben, mit dem Wunsche und Vorsatze, es nie wieder zu begehen! Verbinde alles mit der wahren Liebe zu Gott, und flehe zum Herrn, 7 - 146 gerührt und mit dem tiefesten Mißfallen über dich felbst. Betrachte alle erkannten Fehler mit inniger Zer knirschung, nicht nur überhaupt, sondern, so viel du kannst, jeden ins besondere; damit du dadurch mehr gebessert und zum Guten gestärkt werdest. Gebet und Anklage vor Gott über began gene und erkannte Sünden. Herr, der du meine Sünden sahest; alle meine Uebertretungen und Unterlassungen weißt! was kann ich, da sie nicht mehr in meiner Macht sind, an: ders thun, als, sie in Demuth und mit Scham be kennen, bereuen, beweinen, dich, o mein erbarmender Gott! unaufhörlich um Gnade bitten und Verzei: hung hoffen? Ist denn nicht Jesus das Heil und die Versöhnung Aller geworden? Durch Ihn also - durch deinen Sohn bitte ich, laß mich erlangen, was ich hoffe! Sieh! alle meine Sünden und Miß handlungen, die ich je beging, von dem Tage an, da ich zuerst sündigte, lege ich hier vor deiner Allgegenwart auf den Altar der Versöhnung, daß du sie verbrennest und vernichtest durch das Feuer deis ner Liebe, alle, selbst die geringsten Flecken mei ner Seele tilgest, mein Herz reinigest, mich zu eis nem dir wohlgefälligen Opfer machest, und mir vök lige Verzeihung angedeihen lassest. - - 147 Bußfertiges Vertrauen, besonders auf Jesus. - 11 Nachdem du also vor Gott, oder, nach deiner Pflicht, vor ihm in seinem Priester jede Unart deines sündlichen Herzens aufrichtig erwogen, bereuet, bekannt und zu bessern beschlossen hast; so empfehle dich dem Herrn! Glaube seinem Worte! traue seiner Gnade, und überlaß dich seiner Barmherzigkeit in Christo Jesu! Hat nicht dein Heiland unsere Schwachheit auf sich genommen, und unsere Krankheiten getragen? Kam er nicht, das Verlorne zu suchen und selig zu machen? Sagte er nicht ausdrücklich selbst: ,, Ich bin nicht gekommen, die Gerechten zu rufen, sondern die Sünder?"( Matth. 9, 13). Wie ofe sprach er: ,, Sey getrost, mein Sohn,( meis ne Tochter!)- dein Glaube hat dir ges holfen!" Eben so wird auch dir dein Glaube helfen, wenn er standhaft und brünstig ist, wenn er nicht in Worten, sondern im Vertrauen auf den besteht, der zum Aussätzigen sprach: ,, deine Sünden werden dir vergeben," und durch sein Wort dir zuruft: ,, glaub an mich, und du wirst das ewige Leben haben." ber 13 7* 148 Gläubige Anhänglichkeit und Selbstver lå ugnung. An Jesus glauben, heißt: glauben allen seinen Worten, allen seinen Thaten, allen seinen Verheißungen,- auf keine Weise zweifeln, daß er sey der Weg, die Wahrheit und das Leben, er im Vater und der Vater in ihm, daß er alles ver: mdge, was er wolle, alles gebe, was und wie ers verheißen hat. An Jesus glauben, heißt: ihm vertrauen, ihm sich ganz überlassen, auf ihn alle Zuversicht setzen, keinen Willen haben, als Jesu Willen; keinen Willen vollbringen, als Jefu Willen,- sich also selbst absagen, ableugnen, absterben; sich selbst nicht mehr folgen, nicht mehr leben, nicht mehr anhangen Jesus allein gehören, Jesus allein leben. — 11 An Jesus glauben, heißt: dankbar und im Glauben sich seines Erldsungswerkes, seiner Liebe erinnern, zum Andenken alles dessen oft sein Abendmahl feiern, damit seinen Tod verkündigen, sein Fleisch und Blut genießen, damit sich heiligen, mit ihm sich vereinigen, mit ihm Eines Leibes und Einer Seele seyn, sich ganz in seine Liebe versenken, sich ganz ihm zu eigen machen. Thue das, und du wirst leben! 149 Gläubiges Bekenntniß und Gebet zu Jesus Christus. Jesus! ich glaube,- hilf und stärke mich im Glauben! ich glaube, was du gesagt und mir durch deine Kirche geoffenbaret haft: daß du seyst Christus, der Sohn Gottes, der Heiland der Welt. Du bist wahrhaftig der Sohn des lebendigen Gottes, deines himmlischen Vaters. Du hast Worte des ewigen Lebens, du bist das Brod des Lebens; wer von diesem Brode ißt, der wird leben in Ewigkeit. Matth. 14, 33; 16, 16. Joh. 4, 42. - Um Kommunion- Tage. 1) Gebet vor der heiligen Kommunion. Gittliche, selige Vereinigung! Wohl dem, dessen einziger Wunsch und stetes Bestreben es ist, sich derselben oft theilhaftig, und immer mehr and mehr würdig zu machen! In ihr ist die Fülle der Gnaden, und durch sie erhält man Kraft zu widerstehen in sündlichen Versuchungen, täglich zu wachsen in der Liebe Gottes und in der christlichen Vollkommenheit, stårkenden Trost zur Zeit der Trübfal, und Standhaftigkeit, zu verharreu auf dem Wege des Heils bis an's Ende, darnach eine Seligkeit, die unendlich groß und über alle Vorstellung ist. - 150 2) Betrachtungen über die Größe und Wichtigkeit des Gegenstandes. - Jesus, mein Gott! Mit Erstaunen denke ich jetzt an die göttliche, unaussprechliche, erbarmende Huld, womit du, mein Herr und Heiland! imt aller: heiligsten Altars: Sakrament dein eigenes Fleisch und Blut hingiebst, die nach Stärkung schmachten: den Seelen dadurch zu erquicken, und ihnen ein Ursprung alles Guten und aller Gnaden zu werden. Wunder der Allmacht und der Barmherzig: keit; nur wahren Gläubigen heilvoll und erwünscht! - wie so ganz füllet die Betrachtung Deiner auch mich mit Empfindungen der Inbrunst und der Sehu: sucht! Möchten, ja, möchten diese heiligen Ema pfindungen doch mit jedem Augenblicke sich mehren, und alles Irdische und Unheilige aus meinem Herz zen vertilgen, um mich einzig mit dem unterhalten zu können, was ich jetzt zu thun mir vorgenommen habe. Und welch eine Handlung, den empfangen, welchen weder Heilige noch Engel in seiner Majestät, zu schauen sich würdig achten! Hier ist menschliche Kraft zu schwach, hier die möglichste Vorbereitung zu wenig. Denn, was ist ein Geschöpf, ein elender fündiger Mensch, wie ich bin, daß er würdig seyn sollte, Gott, seinen Schöpfer und Herrn, den Urquell aller Heiligkeit, zu ems pfangen? 151 Vertrauen auf Gottes Wort. 3) Trostvolles Und doch, ewige unbegreifliche Liebe meines Gottes, meines Heilandes und Erbarmers! wie vers senken sich alle meine Gedanken in die Tiefe deiner Barmherzigkeit, wenn ich betrachte, wie du es den= noch willst, daß wir genießen dein theures Fleisch und Blut, und uns stårken mit dem Brode des ewis gen Lebens, welches vom Himmel herab gekommen ist, um die todte Welt zu erwecken. ,, Kommt zu ,, mir,( sprichst du) o ihr Alle, die ihr mühselig und beladen seyd! Ich will euch ,, erquicken." O! welchen Trost findet die Seele in diesen theuern Worten, wodurch du, mein Jesus, sündige Geschöpfe würdigest, sie zu deiner göttlichen Gemeins schaft einzuladen! Ach, was Du für uns gethan hast, wie du uns geliebet hast, und noch immer liebest, ,- wer kann es faßen? 4) Erwägung der Liebe Christi. O Barmherzigkeit, o Guade! Wo ist eine Liebe, wie die, womit Jesus Menschen liebt! Engel und Erz- Engel stehen erstaunt, und fühlen sich unfähig, sie würdig zu preisen. Denn deine Liebe, o Jesus! ist unendlich, wie du selbst; und die feurigste Gegenliebe kaum ein schwacher Beweis von dem, was wir dir schuldig sind. 152 Daß nicht der Anblick deiner Herrlichkeit uns schrecken möchte, kommst Du nicht in der Allge: walt eines Gottes, vor dessen unermeßlicher Maje: stät und macht Fromme erzittern, Sünder entfliehen würden; sondern wie die langmuthsvolle, sich her: ablaffende, erbarmende Liebe selbst, welche Elende zu sich einladet, und Reumüthigen Heil und Gnade verspricht, kommst du, und erniedrigest dich auf die sinnlichste Weise, uns durch dich selbst zu erquicken, zu erneuern, zu erfüllen mit dir selbst, und unserer Seele gleichsam das zu seyn, was Speise und Trank dem Leibe ist. Comic S ,, Mein Fleisch( sprist du) ist wahrhaf ,, tig eine Speise, und mein Blut ist ,, wahrhaftig ein Trank: wer mein Fleisch ,, isset, und mein Blut trinket, der bleibt 1- in mir und ich in ihm. Ich bin das le ,, bendige Brod, der ich vom Himmel her: ,, abgekommen bin; wer von diesem Bro ,, de isset, der wird leben in Ewigkeit." 5) Flehen um Standhaftigkeit im Glauben. D, so mache dich auf, meine Seele! mit Flüs geln der Andacht, der Sehnsucht und der dankvoll: sten Gegenliebe! Empfange dies Sakrament, das Jesus selbst ist! Empfange es mit möglichster Reis nigkeit und Vorbereitung, damit du erlangest, wie - 153 er verheißen hat! O Jesus! hilf mir, und erfülle mich mit deiner Guade; damit ich fähig werde, dich mit solcher Jubrunst und Ehrerbietung zu empfans gen, als nur je ein Sterblicher gegen dich empfunden hat! 181 Entzünde mein Herz mit deiner Liebe, und laß mich in dem Innersten meiner Seele die unaussprechliche Gnadenwirkung fühlen, welche in dem Genusse deines allerheiligsten Fleisches und Blutes verborgen ist! Erleuchte mich, daß ich im Stande seyn möge, ein so hohes Geheimniß recht zu erwägen! Stärke mich im Glauben, und gieb doch nicht zu, daß ich durch Zweifel und Unglauben auch nur einmal der göttlichen Gemeinschaft mit dir jemals beraubt werde! In Wahrheit! Dieses Geheimniß ist bloß eine Wirkung, ein Wunder deiner Liebe, und übersteigt den Begriff aller geschaffenen Wesen. Wie will ich es denn ergründen, der ich nur ein Sunder bin! 6) Anbetung im Geiste und in der Wahrheit. So komm ich dann zu dir, mein Herr und mein Gott! voll des Vertrauens auf deine unendliche Barmherzigkeit. Ich komme zu dir, mein Erldser und Seligmacher, als ein Elender und Bedürftiger. Ich eile zu Dir, Quelle des ewigen Lebens, als ein Hungriger und Durstiger. Ich fliehe zu dem Könige 154 aller Könige als ein Armer, zu dem Schöpfer des Himmels und der Erde als sein Geschöpf, zu meinem Herrn und gütigen Vater als sein Eigen: thum. Ich nahe mich demjenigen, vor welchem auch die Himmel nicht rein sind. O meine Seele! wirf dich vor dem Unendlichen hin, und bete ihn an! Demuth und Zuversicht. Gott! Was kann ich anders, als vor dir in tiefster Ehrfurcht schweigen, da ich deine Größe und mein Nichts, deine Gnade und meine Unwürdigkeit betrachte. Ja! wie dürfte ich es wagen, vor dir zu erscheinen, wenn nicht du, o Jesus, selbst ver: laugtest, mit uns vereiniget zu werden,- nicht du selbst uns dazu aufmuntertest durch deine so lies bevolle Einladung, und betheuertest: wer dein Fleisch nicht esse, und dein Blut nicht trinke, der werde das Leben nicht in sich haben. Dieses bewegt, treibt mich, giebt mir Muth, Vertrauen, Verlangen nach deiner Vereinigung. Darum komme ich auch jetzt, komme und suche, wag du verheißen hast,- Gnade und ewiges Leben, dadurch, daß ich genieße jenes göttliche Mahl der Liebe, worin du dich selbst mir giebst, du, der du unendlich erbarmend und allmächtig bist, mich zu stärken, zu entzünden mit dem Feuer deiner Liebe. Ich komme und übergebe mich dir mit allen meinen 11 155 Schwachheiten und Gebrechen, daß du dich Ihrer erbarmen, und mich heiligen mögest zu einem dir wohlgefälligen Eigenthum. Du weißt ja den gan= zen Zustand meines Herzens, seine Wünsche, seine Bedürfnisse, und wie sehr es mich betrübet, daß ich noch so unfähig bin, allen sündlichen Neigungen abzusterben, und nur dir allein anzuhangen. - 7) Inbrunst und Glaubens- Stärkung. Ach! wie sollte denn nicht alles mein Seufzen und Verlangen einzig nur nach dir gehen, theuerster, liebenswürdigster Heiland, der du mir helfen kannst, und auch helfen wirst, so viel es mir zum ewigen Heile nothwendig ist! Habe ich denn schon auch jetzt noch nicht alle die brünstigen Regungen des Glaubens, der Andacht und Liebe, wovon deine Heiligen so ganz erfüllt was ren, wenn sie sich zu deiner göttlichen Gemeinschaft vorbereiteten; so soll das mich nicht abschrecken und von dir entfernen, sondern vielmehr mir zu einem Antriebe dienen, die zu empfangen, und mit Flehen nicht nachzulassen; weil ich weiß, daß eifriges Trachten nach deinem Wohlgefallen, und beharrliches Gebet vor dir niemals vergeblich sind, und deine Barmherzigkeit auch mir die Gnade zu ertheilen bes reit ist, welche sie denen giebt, die sich mit aufrichtigem Herzen dir nahen. Bist du nicht Gott, der Schöpfer des Himmels 156 und der Erde, der, was er will, vermag, und was er verheißt, allmächtig erfüllt; der da spricht, es werde! und es geschieht; das ist mein Leib, das ist mein Blut, und es ist's, nicht zwar auf eine fleischliche Weise( denn diese deine Worte find Geist und Leben) sondern nur auf eine sol: che, die nur der Glaube faffet, der Verstand nicht begreifen kann. Bist du nicht auch allwissend und mein Heiland, der alle meine Wünsche und meine Arm: feligkeiten weiß; der sein eigenes Leben für das Heil meiner Seele dahingab, und um hier auf Erden auch feiner Menschheit nach nicht von uns getrennt zu seyn, und uns als Waisen zurückzulassen, sich im allerheiligsten Altars Sakramente selbst als Mensch, der zugleich Gott ist, uns mittheilt. Joh. 1, 1. d : - Sind nicht alle meine Begierden nur nach dir gerichtet; und komme ich nicht einzig auf Geheiß deines Wortes und deiner Barmherzigkeit, Theil zu haben, o Jesus! an deiner Gemeinschaft, mich zu fåttigen mit deinem theuern Fleisch und Blut, um dadurch mein zur Sünde lenksames Herz zum Guten zu stärken, die in mir etwa erkaltete Liebe gegen dich wieder zu entzünden noch mehr zu entzünden, und das zu erwirken, was dein uns aus Gnade und Erbarmung gegebenes Wort verheißt: Wer mein Fleisch isset, und mein Blut trinket, der bleibt in mir und ich in ihm. 157 8), Liebe und Reue. n Ach, mein Jesus, mein Herr und mein Gott! Reumüthig wiederhole ich hier das Geständniß meiz ner bisherigen Lauigkeit. Ich habe dich nicht aus ganzer Seele geliebt. Ich bin auch nicht würdig, daß du bei mir einkehrest. Traurige Betrachtung für ein Herz, das nun so gar keinen Wunsch, keine Freude mehr haben mag, als, ewig mit dir in Liebe vereinigt, und gånzlich Dein zu seyn,- dem nichts so schmerzlich ist, als daß eine Zeit war, da es Gefinnungen hegte, die dir mißfielen; und daß es auch jekt noch nicht alle die Inbrunst und Andacht fühlt, die es zu empfinden wünscht. - B d Du indessen hast auch schon an dem bloßen aufrichtigen Bestreben, dich über alles zu lieben selbst in Ansehung eines sündigen Geschöpfs- ein inniges Wohlgefallen; und bist bereit, jede Gnade, die es für das Heil seiner Seele reumüthig und ins brünstig von dir erfleht, ihm zu gewähren. Darum habe ich auch alle meine Unvollkommens heiten und Sünden dem Priester mit der mir mdglichsten Aufrichtigkeit bekannt, und hoffe nun, da es mein ernstlicher Wille, ein ganz neues Leben ans zufangen, und eifriger in deinem Dieuste zu werden, - von deiner Barmherzigkeit nicht nur Verzeihung, sondern auch diejenige Guade zu erlangen, welche allein vermögend ist, mich zur Genießung jenes heis ligen göttlichen Mahls, das ich jetzt in dir zu eme HUMO 158 pfangen wünsche, so vorzubereiten, wie ich vorbe: reitet seyn muß, wenn an mir der Endzweck erfüllt werden soll, warum du, o Jesus, unbegreifliche Güte! dasselbe gestiftet, und dich dadurch so innig mit uns zu vereinigen gesucht hast. mn 9) Hoffnung und Freude. Weil du mir dann zu kommen befiehlst, o er: barmender und liebevoller Heiland, so nähere ich mich dir in Einfalt meines Herzens und mit einem aufrichtigen festen Glauben, du werdest dich mir ge: ben mit der ganzen Fülle der Gnaden, welche du denen verheißen hast, die sich des Genusses deines allerheiligsten Leibes theilhaftig machen. Ach, Ge danke voll Seligkeit! Ich werde den empfangen, welchen meine Seele nun über alles liebt, in wel: cheur sie einzig Trost und Ruhe findet, der ihr alles in allem ist. 10) Ergebenheit und Aufopferung. Theuerster Jesus! Hier bin ich also. Ich über: gebe mich dir mit Leib und Seele, und verlasse mich einzig auf deine Allmacht und Barmherzigkeit. Der Gedanke an dein Wort, an dein letztes Abendmahl, an dein Leiden und Sterben, an deine Genugthu. ung, und was für ein liebenswürdiger Heiland und Mittler du bist, wie du aus Liebe zu uns Elen630 159 den und Verlornen nicht nur Mensch wirst,- nicht nur stirbst, schmerzenvoll und blutend am Kreuz, sondern uns auch noch mit dir selbst speisest, uns zu erquicken, und zu einem Unterpfande des ewigen Lebens zu werden, diese Gedanken beseligen mich, machen mich meines Nichts und deiner Größe, mei: ner Unwürdigkeit und deiner Heiligkeit vergessen; und ich komme- bloß im Vertrauen auf deine une endliche Liebe und erwarte den Augenblick, der mich mit dir vereiniget, damit du in mir lebest und ich in dir. - - 11) Seufzer und Bitten zu Jesus une ferm Heiland und Erldser. ( Auszüge aus der heil. Schrift.) O Jesus, du Wort und Ebenbild des ewigen Vaters, bekehre mich, und erneuere in mir einen aufrichtigen Geist. O Jesus, du Lamm Gottes, reinige mich von allen meinen Sünden, denn du bist gekommen zu tilgen die Sünden der Welt. O Jesus, mein Lehrmeister, unterweise und lehre mich deinen Willen zu vollziehen; denn du bist mein Gott. O Jesus, du Weg, Wahrheit und Leben, begleite, unterrichte und bewahre mich vor dem ewigen Tode, denn du bist mein Heiland. O Jesus, du Grundfeste meines Glaubens, befestige mich in der Wahrheit, 160 damit ich vom wahren Glauben nicht abweiche. D Jesus, mein höchstes Gut, entzünde mein kaltes Herz, damit ich dich liebe aus ganzem Herzen. O Jesus, du Seelen- Arzt, heile meine Wunden; denn du hast unsere Krankheiten auf dich geladen, und unsere Schmerzen getragen. O Jesus, du Richter der Lebendigen und der Todten, sey mir guådig und laß mich hören das tröstliche Wort: dir werden deine Sünden vergeben. O Jesus, unser Mittler, versöhne mich mit deinem himmlischen Vater, indem du die Versöhnung bist für unsere Sünden. O Jes sus, du Brunnen des Lebens, wasche meine Seele von allen ihren Sünden, und sie wird weißer als der Schnee. O Jesus, du lebendiges Brod, das vom Himmel gekommen ist, ersättige mich, denn du allein kannst die Begierden im Guten erfüllen. O Jesus, du Bräutigam meiner Seele, vereinige mich mit dir, damit ich sagen kann: du bist Mein und ich bin Dein. O Jesus, mein Herr, Dein bin ich eigen mit Leib und Seele: denn du hast mich theuer( mit deinem heiligen Blute) erkauft. Jes fus, mache mich selig, denn in deinem Namen müss fen wir alle selig werden. O Jesus, du Anfang und Ende aller Dinge, gieb mir Beständigkeit: denn wer verharret bis zum Ende, der wird selig werden. B 161 12) Verlangen und Bitten. Komm mein Jesus! Komm mein Erldser! Erfülle mich mit deiner Gegenwart! Belebe meinen Glauben! Stårke mein Vertrauen! Laß alle meine Gedanken nur auf dich gerichtet seyn! Entzünde mich mit Liebe, mit der innigsten, dankvollesten Liebe für alle die unbegreifliche Barmherzigkeit und Gnade, deren du mich( auch jezt) würdigest! 13) Erweckungen. Werde brennend, mein Herz, vor Andacht und Inbrunst gegen Jesus den theuren Erbarmer, meinen Heiland und Gott!-o du unseliges Herz, worin noch immer Neigungen herrschen, die nur der haben kann, welcher fleischlich denkt, und mehr die Welt liebt als ihn! Hier ist Jesus, der Heilige aller Heiligen, die Quelle aller Gnade und Barmherzigkeit, hier schütte dich aus, meine Seele, voll der Inbrunst und Zerknirschung! und er wird dich erhören. Jesus, mein Herr und mein Heiland! Jesus, meine Hoffnung und meine Zuflucht! Ersetze doch du, was mir noch ermangelt! Bereite du selbst mein Herz zu einer dir wohlgefälligen Wohnung! entzünde, erleuchte, heilige es, und laß mich dich so besitzen, daß ich in Ewigkeit nicht( wieder) von 162 bir getrennt werde! Nein! der Augenblick komme nicht, da ich durch Sünde dich( wieder) verliere! O Jesus, du mein Leben!- O Jesus, du alle meine Hoffnung!- O Jesus, einziges höchstes Gut, das ich zu besitzen, ewig zu besitzen wünsche! O du mein Gott! du meine Seligkeit mein Jesus, mein Heiland, mein Alles! Laß mich gauz Sehnsucht, ganz Jubrunst, ganz Liebe wer: den! Dein Fleisch speise mich! dein Blut trånke wich, und bewahre meine Seele zum ewigen Leben! - 14) Noch ein Gebet, kurz vor der heiligen Kommunion. P Unwürdig ( denn wer kann würdig genug vor dir erscheinen, o Jesus) aber voll Inbrunst, nähere ich mich also deinem heiligen Gnaden- Mahle. Stärke du meinen Geist durch den Genuß deiner Gegenwart! Laß mich dein Daseyn ganz empfin den, und lauter Freude und Wonne vor dir wer den! O Feuer, das allezeit leuchtet, o Liebe, die allezeit brünstig ist! guter theuerster Jesus!- uns veränderliches Licht!- Brod des ewigen Lebens! komm, erquicke, entzünde mich!- erleuchte, hei lige mein Herz, erledige es von aller Sünde, fülle es an mit deiner Gnade; und laß es stets davon erfüllt bleiben! auf daß ich zum Heil meiner Seele dein Fleisch und Blut empfange, und also von dir und durch dich leben möge in Ewigkeit! 163 O Liebe!- Liebe meines Jesu, meines Erldfers! laß mich von dir gesättiget, und mein Inner= stes voll deiner Glut werden, du mein Jesus, bist das Leben, wodurch ich lebe; die Hoffnung, der ich nachhange, das einzige wahre Gut, das ich zu erlangen wünsche. Sey also auch du der Einzige, der mein Herz besitzt, über meine Seele herrscht, alle meine Gesinnungen und Begierden leitet! Laß mich immer mehr und mehr im Guten zunehmen! Erhebe meinen Geist, und zieh ihn zu dir, zur Quelle des ewigen Lebens, wonach mich so heftig dürftet! - - 15) Empfindungen ( wann der Priester die Hostie zeiget.) O Lamm Gott, welches die Sünden der Welt hinweg nimmt; erbarme dich Meiner! Herr, ich bin nicht würdig, daß du eingehest unter mein Dach( in mein Herz), sondern sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund. ( Nun empfange mit Glauben, Hoffnung, Liebe, Demuth und gebührender Andacht deinen Heiland, und sprich im Herzen:) Dir, o unfehlbare Wahrheit, glaube ich festiglich. Auf dich, o unendliche Gütigkeit, hoffe und vertraue ich beständig. Dich meinen Herrn und 164 Gott liebe ich über alles, aus ganzem meinem Herzen, aus ganzer meiner Seele, und aus allen meinen Kräften. e be e te oder Empfindungen nach der heili gen Kommunion. 1) Dank. Wie soll ich alle die Liebe vergelten, mein Heiland, deren du mich würdigest?- Wie soll ich es vergelten, daß du dich selbst mir gegeben haft, Heiliger aller Heiligen! du Heil meiner Secle? 2) Demuth und Ehrfürcht. Was bin ich doch, daß du mir so gnådig bist? Womit hatte ich es verdienen können, daß du, o Jesus! mir vergönneft, dich in mein Herz aufzu nehmen, das dich so oft mißkannt, so wenig gelie: bet hat? Nein!- ich bin dieser Gnade nicht wir: dig, ich bin ein Geschöpf, ein Sünder. Du bist der Ewige, der Unendliche, der Schöpfer und Herr aller geschaffenen Wesen, der Inbegriff aller Vollkommenheiten. 165 Banges Staunen befällt bei diesen Gedanken meine Seele, fie zittert bei dem Bewußtseyn deiner Majestät und ihrer Unwürdigkeit; o triste triste sie und laß sie empfinden, daß du auch zugleich die Liebe bist, daß du ihr schon ihre Sünden vergeben haft; daß es lauter Wirkungen deiner Güte sind, daß sie sich mit dir vereinigen darf. - 3) Wünsche. O Unendlichkeit deiner göttlichen Erbarmnisse! Mochte mein Herz zu Flammen der Liebe, und meine Zunge zu Lob und Dank werden, so wollte ich es wagen, dich, mein Gott und Wohlthäter, zu preisen! Aber!- was kann ich, als deine Huld in tiefster Demuth bewundern? Daß ich doch in alle Ewigkeit mir dir vereinigt, von deiner Liebe ganz verschlungen, allein in die ruhen, dich und den Vater und den heiligen Geist mit allen deinen Auserwählten preisen und anbeten könnte! 4) Erweckungen. Denn was sonst, als dieses, soll ich nun noch wünschen, da ich den besitze, welcher die Quelle alles Guten und aller Glückseligkeit ist? Wie klein scheint mir jetzt die Welt, dieser Sammelplatz un erfåttlicher Wünsche und Begierden! wie unwürdig und so gar nichts scheinen mir die Vergnügungen, die sie ihren Lieblingen anbietet! Was ist Glück? - 166 was sind Reichthum und Ehre?- Oft nichts als Martern der Seele. Aber wer dich besitzt, o Jesus! mit gläubiger Inbrunst dich besitzt; der besitzt mehr, als alles hienieden, was die Welt hat und geben kann. 1 - m 5) Fortsetzung. Ach! daß ich dich nicht so liebe, wie du geliebt zu werden verdienst! nicht, wie dich die Heiligen im Himmel lieben!- nicht, wie dich fromme, dir ergebenen Seelen hier anf Erden lieben! 1 Das gar zu volle Herz kann deine Güte nicht fassen; es erliegt unter der Betrachtung ihrer Größe, und seufzet vor inniger Wehmuth, daß es so unver: mögend ist, dankbar zu seyn. Sey gepriesen für die unzählbare Menge der Gnaden, womit du be seligest! Nun bin ich nicht mehr ein Sklave nie: driger Leidenschaften; beångstigen mich nicht mehr jene Folgen der Sünde: nein!- ich bin das se ligste Geschöpf meines Gottes, der die Liebe ist. Ach! wie voll des Trostes und der Freude ist dieser Gedanke, dieses Gefühl! Das Auge weint Thränen der Dankbarkeit, und das Herz glüht von reger Inbrunst. 6) Fortsetzung. Wer wollte dich nicht wieder lieben, göttlicher Erldser! Wer möchte nicht ganz Dein eigen seyn! Wie 167 angenehm ist's, seine Abhängigkeit von dir zu erken= nen, und seine Verbindlichkeit gegen dich zu übers denken!- wie vergnügend, das Herz gegen die überschwenglichen Gnaden, welche du uns Menschen erwiesen hast, und noch stündlich erweisest, mit heis ßer, glühender Empfindung durchdrungen zu fühlen! Ja, wie hinreißend, wie selig ist die Ergießung der Liebe gegen einen solchen Wohlthäter, einen sols chen Freund, wie du bist! - 7.) Betrachtungen, Bitten und Vorsätze. O! Wenn das Herz zu inniger Andacht erhoben, alles Irdische, ja! Seiner selbst verges= send sich ganz vor dir ausschüttet, und an nichts denkt, nichts mehr wünscht, als einzig dich, wie ist ihm dann so wohl! wie bereit ist dann die Seele, aufgeldset zu werden, und bei dir zu seyn! Aber wie nur so selten( und manchmal gar nicht) fühlte ich bisher solch eine innige Andacht und Bereitwillig= keit! - Bo my m Armes Herz, armes Herz!- Ach, mein Heis land! welche Unvollkommenheiten, welche bösen Neiz gungen wirst du in demselben antreffen!- aber zugleich auch, wie viel gute, heilige Vorsätze und Wün sche, die ohne deine Hülfe vergeblich sind! Ers barme dich Meiner, und gib mir, wonach ich seufze! Laß mich dein Daseyn ganz empfinden, und mein Innerstes voll deiner Liebe werden! -- 168 Reinige mein Herz von aller Sünde, und mache mich dir wohlgefällig; damit ich der Gnaden nicht unwürdig seyn mdge, die du, so oft ich dein theures Fleisch und Blut mit möglichst reiner und inbrünstiger Seele empfangen, mir zu verleihen verheißen hast! Gänzlich Dein zu seyn, und dir allein anzuhangen, ist jetzt mein Wunsch und Vorsatz *** Nichts müsse mich von deinem Dienste abhalten, - nichts mich wieder von deiner Liebe scheiden, nicht Trübsal oder Angst, nicht Hunger oder Blöße, nicht Gefahr oder Verfolgung, nicht selbst der Tod!- Was ist auch alles dieses demjenigen, welchem aus Liebe zu dir kein Schmerz, keine Bitterkeit zu groß scheint, wenn er dadurch mit dir auf ewig vereiniget werden kann? Oder was sind alle Lüfte, aller irdische Genuß einem Herzen, dem bei dem Gedanken an dich die ganze Welt mit allen ihren Begierlichkeiten nun für immer gekreuziget ist? 8.) Gelübde und fernere Entschließungen. Hinweg also, was dir an mir mißfällt! ich will von nun an ganz Dein eigen seyn.- Hinweg mit allem, was vor den Augen meines Gottes und Heis landes unwürdig ist! ich will von nun an immer der Vollbringer seines heiligen Wohlgefallens seyn. Ich will ihn lieben; weg mit der Welt und ihren 169 Eitelkeiten! Ihn allein will ich lieben; seine Ehre allein soll der Gegenstand meines Eifers seyn. Auch jeden Menschen,- und hätte er mich schon beleidigt, will ich lieben, wie mich selbst, - ohne Eigennuß oder irgend eine unedle Absicht, - ohne Rücksicht auf etwas Anderes, als nur, weil es der Herr gebeut; weil es mein Bruder, meine Schwester ist. Ist mein Nächster glücklich; so soll nichts meine Freude unterbrechen: ist er im Unglück; so soll nichts mich abhalten, ihm die Hülfe zu verschaffen, welche er mit Recht von mir erwartet. Das Wort Gottes soll mein Trost, die Er füllung desselben mein unabläßiges Bestreben seyn; und so will ich- aufgemuntert durch dein anbetungswürdiges Vorbild, o mein Heiland! und gestärkt durch den Genuß deines heiligen Fleiz sches und Blutes- auf dieser meiner Wanderschaft, stets im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe getroft fortwandeln, bis ich dahin komme, wo ich in der Fülle deiner göttlichen Herrlichkeit ewig dich anschauen werde von Angesicht zu Angesicht. CER 1 9.) Anrufung. Dieß, o Jesus, o mein Heiland! Dies find die Entschließungen einer Seele, die sich ganz von dir und deiner Gnade erfüllet fühlt. Erinnere mich daran, wenn ich unglücklich genug seyn sollte, ihnen im geringsten ungetreu zu werden! Sey du mein 8 - - 170 Rathgeber, mein Helfer, wenn das Laster der Uns gerechtigkeit, und irgend eine Sünde in mein Herz schleichen will! Tröste mich und gieb mir Geduld, wenn mich die Beschwernisse dieses Lebens zaghaft machen! Laß mich weise seyn, wenn mir das Glück günstig ist, und erkennen, wie eitel und wandelbar die Güter dieser Erde sind! 10.) Fernere Erweckungen. Habe Dank, liebster Jesus,- ewigen Dank für alles, was du um meinetwillen gethan hast, und noch tåglich thust; für deine blutige Angst, deine Geißelung, deine Krönung, dein Hangen am Kreuz, deine Verlassenheit, deinen Tod und meine Erld: sung; für das Mahl, womit du mich auch jetzt ers quicket hast, für dich selbst. Kann ich nur dich über alles lieben, o Jesus! nur dein Wohlgefallen erringen; so ist mir alles, was mich einigermaßen daran hindert, wie eine un erträgliche Last, wovon ich je eher je lieber wünsche befreit zu werden. Kann ich uur in deiner Liebe leben, in deiner Liebe sterben, Gott, welche Selig keiten sind's, die dann Meiner warten; Seligkeiten, die hier in eines Menschenherz nie gestiegen die ich vergebens zu begreifen trachten würde! O du mein Trost, mein Heiland, meine Hoffnung, mein Leben, einziges Gut, einzige Glüfeligkeit, Ges genstand aller meiner Wünsche! Nun weiß ich es, -Am 171 daß du die Liebe bist, nun fühle ich es, indem du mich mit inniger Freude sättigest, durch die göttlich selige Erkenntniß und Genießung deiner gnadenvollen Erbarmnisse, deren du mich bis auf diese Stunde theilhaftig werden läsfest. - 11.) Fortsetzung. O Jesus- Güte über alle Güte, unbegreifliche Herablassung, daß du Herr mein Gott, Schöpfer und Erlöser der Menschen! ein so sündhaftes Geschöpf werth achtest, dich mit ihm auf's innigste zu vereinigen, um es in seiner Dürftigkeit mit allen Gütern und Schützen deiner Gnaden zu bereichern. O, wie selig ist die Seele, die das Glück hat, Jesus den Ursprung alles Heils und alles Trostes, in sich aufzunehmen! Wie so mächtig ist der Herr, den sie empfängt! wie gut und getreu der Freund, dem sie sich übergiebt! und wie so würdig ist er, über alles geliebt zu werden! Ach, mein Jesus! Wenn schon der bloße Glaube an dich, der bloße kurze sakramen= talische Genuß deiner Gegenwart solche Freuden schafft; was muß es dann seyn, sich mit dir auf ewig vereinigt zu sehen! O! dann muß das Herz vor zärtlicher Inbrunst zerfließen. Wie soll ich dich ers heben? Wo findet mein Geist Gedanken, die deiner Liebe angemessen sind? Woher nehme ich Worte, auszudrücken, was ich empfinde? D, verrichtet anstatt Meiner, was ich nicht vers 8* 172 mag, ihr seine Engel! ihr himmlischen Kräfte, die ihr sein Angesicht schauet; auch du, o glorwürdigste Mutter meines Herrn! und alle Heiligen Gottes, erhebet meinen Heiland, und preiset die Wunder fei: ner Güte, welche er auch heute an mir vollbringt!- --12.) 3u Gott dem Dreieinigen. Gott,- - Bater, Sohn, heiliger Geist, ewi ger, dreieiniger, unbegreiflicher Gott! wie erbare mend und huldvoll in Ewigkeit ist alles, was du an deinen Dienern und Getreuen vollbringst? Je mehr ich demselben nachdenke, desto größer wird meine Anhänglichkeit und mein Dienst- Eifer gegen dich. Geheiliget, unaufhörlich verherrlichet durch einen unbefleckten Wandel, werde von mix dein Name! -- Dein Neich, das Reich der Erkenntniß, da Liebe und Gnade und des Friedens, komme immet mehr und mehr in mein Herz, und vereinige mich mit dir auf ewig. Dein Wille geschehe hier von mir auf Erden, wie er einst im Himmel von mir geschehen soll, und nur dein Wille, o Herr,- nicht der meinige, werde erfüllt! Ihm unterwerfe ich mich ganz, im Leben und im Tode; ihn auf das vollkommenste zu vollbringen, sey( von nun an) mein stetes ernstliches Geschäft und Bestreben! Ja! schäme dich, mein Herz, daß du ihn bis M 173 Her nicht immer befolget, Gott nicht eifriger gedienet, Gott nicht mehr und inniger geliebet hast! O, was ist seliger, als unter der Führung eines fo huldreich liebenden Gottes zu stehen! was entzückender, als allein von ihm abzuhangen, und nach seinem Gesetze und Wohlgefallen zu leben! Dann besitzt erst die Seele die rechte Freiheit, wonach fie sonst vergebens seufzet. - Erfreue dich, mein Geist, in dem Herrn, und frohlocke! Denn wer ist so liebreich, wer so barmherz zig, als er unser Gott? Seine Geschöpfe glücklich zie machen, war der Endzweck, den er sich von Ewigkeit her vorsetzte. Darum verließest du, o Jesus! den Sik der Glorie, und kamst zu uns in Knechtsgestalt; darum erfann deine Liebe das unergründliche Geheimniß der Vereinigung mit uns armen Men= schenkindern. Und doch!- wenn du nicht gesehen hättest auf unsere Schwachheit, wer würde es wagen, sich dir zu nähern? wer den Glanz deiner Herrlichkeit ertragen können? Darum erbarmtest du dich Unser, und verbargst deine Größe dem sinnlichen Auge. Unschätzbare Wohlthat, wofür wir dir nicht genugsam zu danken im Stande sind! 13.) Fortsetzung. Gott, ewiger Erbarmer! Sey gepriesen, daß du mir mein Daseyn und eine Seele gegeben hast, die es sich( nun) zur Pflicht macht, deine Güte unauf 474 hörlich zu betrachten, dich immer mehr und mehr er: kennen zu lernen, dich zu lieben, und deinen Namen zu verherrlichen!- eine Seele, welche durch deine Guade fähig ist, vom Elende Anderer gerührt zu werden, mit ihnen Mitleiden zu haben, ihre Beleis digungen durch Sanftmuth zu erwidern, ihre Schwachheiten und Fehler mit Geduld zu ertragen, und sich an sich selbst zu erinnern! Sey gepriesen, daß du mich mit dem Lichte des wahren Glaubens erleuchtet, und zum Christenthume berufen hast! Sey gepriesen, daß ich( so oft und auch jetzt) von dir gewürdiget worden bin, mit dem aller: heiligsten Fleisch und Blut Jesu Christi gespeiset und getränket zu werden! - Sen gepriesen für alles Gute, für alle Tröstun gen, wodurch du mir bisher dieses oft mühevolle Le ben erträglich, und nicht selten angenehm gemacht hast! Sen gepriesen, selbst für die über mich verhängten Leiden! Sie hatten den Zweck und die Folge, manche gar zu heftige Neigung für die Welt und ihre Freuden zu mäßigen; unedle Begierden zu der Betrachtung erhabener und würdigerer Gegenstånde zu erheben; mich im Vertrauen auf dich zu stårken, und meinen Geist zu einer lebhaften Vor: stellung und zum Genusse himmlischer und ewiger Dinge vorzubereiten. Sey gepriesen von allen deinen Geschöpfen, zu 175 allen Zeiten gepriesen, der du allein Preis und Ehre und Anbetung zu empfangen würdig bist! Unter solchen Empfindungen erwarte ich ruhig den Tod, diesen Ueberbringer in's bessere Leben. Ich verlasse die Welt, und schwinge mich zu dir hin auf, du Unbegreiflicher! Ich mische mich unter die Chore der Engel, und lobe dich mit ihnen in alles Ewigkeit. 14) Wirkung einer öftern würdigen Kom munion. Wie wohl ist indessen meiner Seele, so lange fie sich im sterblichen Fleische befindet, daß sie in der göttlichen Gemeinschaft mit dir, o Jesus, von so mancher Unruhe und Mühseligkeit dieses irdischen und flüchtigen Lebens bisweilen ausruhen kann! Ach!- auf dieser sündvollen gefährlichen Wanderschaft, wo sie so leicht zum Guten ermüdet, und vom Wege des Heils abweicht, wer soll sie denn stårken, als du, durch jenes heilige Mahl der Liebe, wodurch du dich selbst ihr mittheilest, und sie auch heute erquicktest, hoffentlich zum ewigen Leben? Denn du bist mein gütiger Heiland, der einzige, auf dem mein ganzes Heil beruhet. Du hast ges sagt, wer dein Fleisch und Blut genieße, werde leben in Ewigkeit. Dieses dein Wort habe ich nun erfüllt, mit der demüthigsten Zuversicht, daß du mir gewiß verleihen werdest, was du verheißen hast. - - 176 15) Beschluß der Kommunion: Andacht. Nun erkenne ich vollkommen, o Jesus, daß du immer nur suchtest, durch Fesseln der Liebe uns zu dir zu ziehen!- wie du das Mahl des Heils und der Guade vornehmlich nur darum bereitetest, daß du in uns, und wir in dir seyn und bleiben möchten! Denn so wie du die Deinigen liebtest, und noch im mer liebst, so liebst du sie bis an's Ende,( Joh. 13, I.) unterließest nichts, was sie an dich heften, so ganz mit dir vereinigen könnte. PGD Dieses Mahl sollte zur Erinnerung an dich, zur Dankbarkeit gegen dich, zur innigsten Vereinigung mit dir, das stärkste Band der Liebe zwischen dir und uns und deinen Gläubigen unter einander seyn, Allein, wie habe ich heute solchen Zweck er: füllt? Mit welcher Zubereitung, mit welchem Hers zen habe ich die ganze göttlich feierliche wichtigste Handlung meines Lebens begangen? Kann ich ih rer undankbar vergessen? kann ich wieder zur Sünde zurückkehren? Werden die Entschließungen, die ich hier vor Gottes und Jesu Angesicht wahrhaft gefasset habe, nur von kurzer Dauer seyn?- Wer den sie gar unnük, ja! unfähig seyn, Gnade und ewiges Leben zu erwirken? - Jesys, mein Gott! Jesus, Erldser, Erbarmer! Aufrichtig war mein Herz; und du wirst mir heil widerfahren lassen. Ich habe dein Fleisch und Blut 177 empfangen; ich will es nicht vergessen, was du das durch an mir gethan haft; ich will daran denken, was ich deiner Liebe, deiner Gnade schuldig bin; mich der Pflichten erinnern, die ich heute, und schon selbst durch die Taufe, zu erfüllen angelobet habe; ich will sie vollbringen nach aller meiner Kraft. Stärke du mich durch deinen Beistand, durch die Größe deiner Allmacht und Barmherzigkeit! EXPONER Nachmittagsandacht oder Vespergebete für Sonn- und Festtage. Herr!& ffne meine Lippen, Auf daß mein Mund dein Lob verkündige. Gott! merk' auf meine Hilfe! Eile, Herr! mir beizusthen. Ehre sey dem Vater, und dem Sohne, Und dem heiligen Geiste; Wie sie war im Anfang, jeßt, und allezeit, Und zu ewigen Zeiten. Amen. Psalm 99. Inhalt. Ein Ermunterungslied, den gütigen, getreuen Gott mit Freuden in seinem Tempel zu loben. Dem Herrn jauchze, alle Welt! Mit Freuden dient dem Herrn. Erscheint vor ihm mit Jubelliedern, Erkennt es, der Ew'ge, er ist Gott. Er schuf uns, wir sind sein, - 179 - Sein Volk und Schaafe seiner Waide. Mit Dankgesängen geht zu seinen Thoren, Mit Lob in seine Vorhöf' ein. Dankt ihm, und preiset seinen Namen, Denn lieblich ist der Herr. Durch Ewigkeiten währet seine Güte, Und seine Treue von Geschlechte zu Geschlechte. Ehre sey dem Vater 2c. Psalm 110. Inhalt. Danklied für die Wohlthaten, welche Gott fef= nem Volke erwiesen hat, besonders durch die Befreiung aus der ägyptischen Dienstbarkeit, und durch die Einräumung von Palästina. Da der christlichen Got tesfurcht weit größere Wohlthaten versprochen sind, so werden wir zu noch innigerem Danke aufgefodert. Von ganzem Herzen dank' ich dir, o Herr! Im Rathe der Frommen, und vor allem Volk. Groß sind des Herren Thaten, Erfreulich allen, die sie forschen. Voll Pracht und Majestät sein Werk, Und seine Güte steht auf ewig fest, Er stiftete ein Denkmal seiner Wunder, Der gnådige, barmherzige Herr! Gab denen Unterhalt, die ihn verehren, Dacht' ewiglich an seinen Bund. Er zeigte seinem Volk die Stärke seiner Thaten, 480 Als er der Heiden Eigenthum ihm gab, Die Werke seiner Hand sind treu und recht, Unwandelbar all' sein Gebot. Sie stehen fest in alle Ewigkeit, Nach Treu und Billigkeit vollzogen. Er sandte Rettung seinem Volke, Bekräftigte auf ewig seinen Bund. Sein Nam' ist heilig, fürchterlich; Der Weisheit Ziel ist Gottesfurcht, Danach zu handeln wahre Klugheit allen, Ihr Ruhm bestehet immerdar. Ehre sey dem Vater, 2c. w Psalm 50. Inhalt. Neuevolles Gebet, um Verzeihung der Sin den zu erhalten. Erbarme dich Meiner, Gott! nach deiner Gnade! Nach deiner großen Güte tilge meine Schuld! Wohl wasche mich von meinen Missethaten Und reinige von meinen Sünden mich! Denn ich kenne meine Uebertretungen, Und meine Sünde schwebt mir stets vor Augen. Dir, dir allein hab' ich gesündiget, Hab', was in deinen Augen böse ist, gethan. Dein richterliches Urtheil ist daher gerecht, Gerecht die über mich verhängten Strafen. Ich bin im Schoos der Missethat empfangen, - 181 Und schon vom Mutterleibe aus ein Sünder; Du liebst indeß Aufrichtigkeit im Herzen, Und lehrst von Wenigen erkannte Wahrheit mich. Entsünd'ge mich mit Hysop, und ich werde rein, Ich glänze trotz dem Schnee, wenn du mich wå: schest. O laß mich Freude, laß mich Wonne hören! Erquicke mein Gebein, das du zerschlagen hast! Verbirg dein Angesicht vor meinen Sünden, Uns lösche alle meine Missethaten aus! Erschaffe Ewiger in mir ein reines Herz, Und einen neuen Sinn, der fest und standhaft ist! Verwirf mich nicht vor deinem Angesichte, Und deinen heil'gen Geist entziehe mir doch nicht! Erfreue mich mit deiner Hülfe wieder, Und laß ein williges Herz mich unterstüßen! Dann lehr' ich Uebertreter deine Wege, Und Sünder werden zu dir wiederkehren. Gott meines Heils! errette von der Blutschuld mich, Daß meine Zunge deine Gnade preise! Eröffne meine Lippen Ewiger! So wird mein Mund sich deinem Lobe weihen, Denn Opfer willst du nicht- ich bråchte sie die sonst. Brandstücke sind dir auch nicht wohlgefällig. Ein Opfer, das dem Ewigen gefällt, Ist ein gebrochner Sinn- ein Herz voll Reue. Ehre sey dem Vater zc. 482 Pfalm 102. Inhalt. Loblied auf die Größe und Barmherzigkeit Gottes. Lobpreise, du mein Geist, den Ewigen! Und Alles, was in mir ist, seinen Namen! Lobpreise ihn, den Ewigen, mein Geist! Vergiß nicht, was er Gutes dir erzeigte, Er ist's, der alle Sünden dir vergiebt, Er, der von aller Krankheit dich befreit; Er, der vom Untergang' dein Leben rettet; Mit Güte und Barmherzigkeit dich krönt. Er, der die Wünsche deines Herzens sättigt, Und einem Adler ähnlich dich verjüngt. Jehova übt Gerechtigkeit, und allen Den Unrecht Leidenden verschafft er Recht. Er offenbarte Moses seine Wege, Und zeigte seine Thaten Israel, Der Ewige ist gnådig und barmherzig; Er ist verschonend, ist unendlich gut. Er fodert nicht beständig vor Gericht, Nicht ewig fühlen läßt er seinen Zorn. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden, Vergilt uns nicht nach unsrer Missethat. So hoch die Erd' der Himmel übersteigt, Ist seine Güte über seine Diener: So fern der Morgen von dem Abend ist, Entfernt er.unsrer Sünden Schuld von uns, 183 Wie Våter ihrer Kinder sich erbarmen, Erbarmet seiner Diener sich der Herr; Denn er durchschauet unser ganzes Wesen, Denkt, was wir sind, denkt, daß nur Staub wir sind. Dem Grase ähnlich ist des Menschen Leben; Wie Blumen auf dem Felde blühet er. Die Winde weh'n darüber sie verwelken, Und ihre Stätte findet man nicht mehr. Fehovens Güte gegen seine Diener Währt aber fort durch aller Zeiten Zeit, Und gegen Kindeskinder seine Treue, Wenn seinen Bund sie halten; wenn sie denken, Was er gebot, um auch danach zu thun.- Im Himmel steht der Thron des Ew'gen fest, Und seine Herrschaft waltet über Alles. Lobpreist den Ewigen, ihr seine Engel! Ihr starken Helden, die ihr ihm gehorcht, Und die Vollstrecker seines Wortes seyd! Lobpreist den Ewigen, ihr seine Heere! Und ihr! die ihr nach seinem Willen lebt, Ihr seine Diener, benedeiet ihn! pasme - Lobpreist den Herrn, ihr seine Werke alle, So weit das Zepter seiner Herrschaft reicht! Auch du, mein Geist! lobpreise ihn, den Herrn. Ehre sey dem Vater zc. 484 Psalm der drei Knaben im Feuerofen, worin die Schöpfung zum Lobe Gottes aufgefordert wird. - Gelobt bist du, Herr, unsrer Våter Gott! Gepriesen und geehrt und hochgerühmt in Ewigkeit! Gelobt der heilige Name deiner Majestät! Gebenedeit und hochgerühmt zu aller Zeit! Gepriesen sey im heil'gen Tempel deiner Herrlichkeit! Gelobt und hochgerühmt in Ewigkeit. Gepriesen auf dem Throne deines Reichs! Gelobt und hochgerühmt in Ewigkeit. Geprieſen, der du die Tiefen sieheſt Und sisest auf den Cherubim! Gelobt und hochgerühmt in Ewigkeit. Gepriesen in des Himmels Firmament! Gelobt und hochgeehrt in Ewigkeit. Den Herrn preiset, alle seine Werke! Lobt und erhebet ihn in Ewigkeit. Den Herrn preiset, seine Engel! Lobt und erhebet ihn in Ewigkeit. Den Herrn preist, ihr Himmel! Lobt und erhebet ihn in Ewigkeit. Den Herru preiset, alle Wasser in der Oberluft! Lobt und erhebet ihn in Ewigkeit. Den Herrn preiset, alle seine Heere! Lobt und erhebet ihn in Ewigkeit. Den Herrn preiset, Sonn' und Mond! Lobt und erhebet ihn in Ewigkeit. 185 Den Herrn preift des Himmels Sterne! Lobt und erhebet ihn in Ewigkeit. - Den Herrn preiset, Thau und jeder Regen! Lobt und erhebet ihn in Ewigkeit. Den Herrn preiset, alle Winde! Lobt und erhebet ihn in Ewigkeit. Den Herrn preiset, Hiß und Feuer! Lobt und erhebet ihn in Ewigkeit. Den Herrn preiset, Kålt und Wärme! Lobt und erhebet ihn in Ewigkeit. Den Herrn preiset Thau und Reif! Lobt und erhebet ihn in Ewigkeit. Den Herrn preiset, Frost und Kälte! Lobt und erhebet ihn in Ewigkeit. Den Herrn preiset, Eis und Schnee! Lobt und erhebet ihn in Ewigkeit. Den Herrn preiset Nacht und Tag! Lobt und erhebet ihn in Ewigkeit. Den Herrn preiset, Licht und Finsterniß! Lobt und erhebet ihn in Ewigkeit. Den Herrn preiset, Blitz und Wolken! Lobt und erhebet ihn in Ewigkeit. Die Erde singe Preis dem Herrn! Sie lobe und erhebe ihn in Ewigkeit. Den Herrn preiset, Berg und Hügel! Lobt und erheber ihn in Ewigkeit. Den Herrn preiset, alle Feldgewächse! Lobt und erhebet ihn in Ewigkeit. 186 Den Herrn preist, ihr Quellen! Lobt und erhebet ihn in Ewigkeit. pember CA Den Herrn preiset, Meer und Strome! Lobt und erheber ihn in Ewigkeit. Den Herrn preiset, alles, was lebt im Wasser! Lobt und erhebet ihn in Ewigkeit. Den Herrn preiset, alle Vögel in den Lüften! Lobt und erhebet ihn in Ewigkeit. Den Herrn preiset, alles Wild und zahme Vieh! Lobt und erhebet ihn in Ewigkeit. Den Herrn preiset, Menschenkinder! Lobt und erhebet ihn in Ewigkeit. Den Herrn preise, Israel! Lob und erhebe ihn in Ewigkeit. Den Herrn preiset, seine Priester! Lobt und erhebet ihn in Ewigkeit. Den Herrn preiset seine Diener! Lobt und erhebet ihn in Ewigkeit. Den Herrn preiset, ihr Geister und ihr Seelen der Gerechten! Lobt und erhebet ihn in Ewigkeit. Den Herrn preiset, ihr Heiligen! Und ihr, Demüthige von Herzen! Lobt und erhebet ihn in Ewigkeit. Dem Herrn dankt, denn er ist gütig; Denn ewig währet seine Huld. Die ihr den Herrn, den Gott der Götter ehret, 187 Singt alle Lob und Preis, und danket ihm! Denn seine Gnade währt in alle Ewigkeit. Loblied der allerfeligsten Jungfrau Maria. Inhalt. Maria empfindet die Größe der Würde, eine Mutter des Messias zu seyn, ohne das Gefühl der Demuth zu verlieren, und besingt, von Dankgefühl durchdrungen, die Güte Gottes, der seine Wohltha= ten nach Belieben unter die Sterblichen austheilt. Lasset uns auch Dankbarkeit und Demuth von Maria lernen, und nach ihrem Beispiele, dem Herrn lob= singen. Den Herrn preist meine Seele, Mein Geist frohlockt in Gott meinem Retter. Weil er herabgeseh'n auf seiner Dienstmagd NiedDenn sieh! von nun an rigkeit. wird mich alle Nachwelt glücklich nennen. Denn große Dinge that mir der Mächtige; Und heilig ist sein Name, Und sein Erbarmen von Geschlechte zu Geschlechte, Für jene, die ihn fürchten. Sein Arm wirkt große Thaten, Zerstreut, die sich erhaben dünken. Er stürzt die Mächtigen von Thronen, Und hebt die Niedrigen empor. Die Hungrigen erfüllet er mit Gütern, 188 Und weiset leer die Reichen ab. Er reichet seinem Diener Ifrael die Hand, Um des Erbarmens eingedenk zu seyn, Wie er es unsern Våtern zugesagt, Dem Abraham, und seinem Samen ewiglich. - Gebet. O Gott, deffen Eigenschaft ist, sich allezeit zu erbarmen und zu verschonen: nimm unser Flehen gnådig auf, und laß uns und alle Diener, die in den Banden der Sünde verstrickt sind, durch deine übergroße Barmherzigkeit davon erlediget werden. Wir bitten dich, o Herr! erhdre das Gebet derjenigen, die sich dir zu Füßen werfen, und ver: zeih denen, die vor dir ihre Sünden bekennen, das mit wir von deiner Güte die Verzeihung der Sün den, und zugleich den Frieden erlangen. O Herr! laß uns gnädig deine unaussprech: liche Barmherzigkeit widerfahren; erledige uns von allen unsern Sünden und zugleich von den Stra fen, die wir ihretwegen verdienen. O Gott! der du durch die Sünde beleidigt, durch die Buße aber besänftigt wirst, sieh gnädig auf das Gebet deines, vor dir hingeworfenen Vol kes, und wende von uns ab die Geißeln deines Zornes, die wir unserer Sünden wegen verdienen. Allmächtiger, ewiger Gott! erbarme dich deines Dieners, unsers obersten Hirten N. N. und leite ihn 189 nach deiner großen Barmherzigkeit auf dem Wege des ewigen Heils, damit er durch deine Hülfe nur das verlange, was billig ist, und es auch nach allen Kräften im Werke erfülle. - O Gott! von dem heilige Begierden, heilige Anschläge und gerechte Werke herkommen, verleihe deinen Dienern jenen Frieden, welchen die Welt nicht geben kann, daß wir von ganzem Herzen deinen Geboten gehorsamen, und nach verschwundener Furcht vor unsern Feinden, unfere Tage unter deis nem Schutze ruhig fortfließen mögen. Entflamme, o Herr! mit dem Feuer deines heiligen Geistes unsere Lenden und unser Herz, damit wir dir mit keuschem Leibe dienen, und unsers reis nen Herzens wegen gefallen mögen. O Gott! Schöpfer und Erldser aller Gläubia gen! verleih den Seelen deiner Diener und Dienes rinnen Vergebung aller ihrer Sünden, und laß sie, durch das andächtige Gebet, des so fehnlich gewünschten Nachlasses theilhaftig werden. Wir bitten dich, o Herr! komm unfern Hand: lungen durch deine Einsprechungen zuvor, und una terstütze sie mit deiner Hülfe, damit alle unsere Gebete und Werke von dir jederzeit angefangen, und wie sie von dir angefangen, also auch durch dich möchten geschlossen werden. Allmächtiger, ewiger Gott! Herr der Lebendigen und der Todten, gnädiger Erbarmer Aller, - 190 welche du aus ihrem Glauben und ihren Werken für die deinigen erkennst: wir bitten dich demüthig, du wollest jenen, für welche wir dich bitten, und die sich entweder in dieser Welt noch am Leben bes finden, oder davon abgeschieden, durch deine unend: liche Güte, auf die Fürbitte aller deiner Heiligen, alle ihre Sünden vergeben, durch Christus unsern Herrn. Amen. Salve Regina. Sey gegrüßt, du Königin! Mutter der Barm: herzigkeit, unser Leben, unser Trost und unsere Hoff nung, sen gegrüßt! Zu dir rufen wir verwiesene Kinder Evens! zu dir seufzen wir traurend und weis uend in diesem Thale der Thränen. I wende, du unsere Fürsprecherin, deine mitleidigen Augen uns zu, und zeige uns nach diesem Elende Jesus, die gebenedeite Frucht deines Leibes, o gütige, o milde, o liebenswürdige Jungfrau Maria! Bitt für uns, o heilige Gottesgebårerin! da mit wir der Verheißungen Christi würdig werden. Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott, der du den Leib und die Seele der heiligen Jungfrau und Mutter Maria zur würdigen Wohnung deines Sohnes, durch die Mitwirkung des heiligen Geistes vorberei tet häst, gieb, daß wir, die wir uns ihres Anden 191 kens erfreuen, durch ihre milde Fürbitte von den bevorstehenden Uebeln und von dem ewigen Tode gerettet worden. Durch denselben Christus unsern Herrn. Amen. - Litaney). Von den heiligen Geheimnissen des Herrn. Herr Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist, Einziger Gott in drei Personen! Gott Sohn, Abglanz der Herrlichkeit des Va ters und lebendiges Bild seiner Wesenheit! Gott Sohn, der du, ohne Anmaßung deinem ewigen Vater gleich bist! O ewige Weisheit, die du auf den bloßen Wink deines Willens das Weltall erschufest! O Jesus, die Erwartung der Welt, und der Ersehnte aller Völker! O- Jesus, der du von Anbeginn von den Patriarchen und Propheten verkündiget wurdest! O Jesus, dessen Namen die Apostel bis an die äußersten Gränzen der Erde verbreiteten! O Jesus, dem der Vater alle Völker zum Erbe gegeben hat! O Jesus, du Anfang und Ende aller Dinge, Urquell aller unserer Tugenden und Gegenstand unserer Sehnsucht! Erbarme dich Unser. 192 O Jesus, du Erldser aller Menschen, zumal der Christgläubigen! O Jesus, du Fürst des Friedens und Vater der künftigen Welt! O Jesus, du Urheber und Vollender unseres Glaubens! O Jesus, du Hoherpriester, der Mitleid mit unsern Schwächen hat, doch ohne alle Flecken, und über alle Himmel erhaben iſt! O Jesus, du Weg, der uns zur Wahrheit führt; Bahrheit, die uns das Leben verheißt, und Leben, das wir ewiglich im Schooße des Ba ters leben werden! O Jesus, Quelle des lebendigen Wassers, das bis in das ewige Leben quillt. e O Jesus, reine Fluth, die alle Herzen ewiglich tränkt, und alle irdischen Begierden auslöscht! O Jesus, du Licht, das jeglichen Menschen er: leuchtet, der da kommt in diese Welt! O Jesus, du licht, das allen Völkern aufgeht, die in den Schatten des Todes sizzen t O Jesus, du Grundstein, der das ganze Gebäude des Hauses Gottes trägt und es zusammen O Jesus, dessen Wort unsere Lebre, dessen Leben fer Vorbild, und dessen Güade unſere eingige Hpälfe ift. ( Srbarme bich unfer. - 193 O Jesus, der du durch den Schak deiner Armuth alle Menschen bereicherst! Jesus, unser tägliches, übernatürliches Brod! O Jesus, du lebendiges Brod, daß du vom Himmel kamst, der Welt das Leben zu geben! O Jesus, du wahrhaftiges Manna, das allen Wohlgeschmack für reine Herzen in sich vereint! O Jesus, der du so arm wurdeft, daß du nicht hatteſt, wohin du dein Haupt legen kommteft, indeß du in der Wüste fo viele Zamfende fo wunderbarer Beife mit wenig Gerstenbroten ſpeis teft! Jesus, der du alle forperlichen Gebrechen heil test, um dadurch die Genesung von den Wun den der Seele vorzubereiten! O Jesus, durch dessen Wunderkraft die Blinden sahen, die Tauben hörten, die Lahmen gingen, die Todten auferstanden: auf daß dadurch die Sünder bekehrt würden! O Jesus, du Mann der Schmerzen, der du mit Schmach gesättigt wurdeft; auf daß du uns in deine Herrlichkeit aufnahmeſt! O Jesus, der du, am Kreuz erhöht, alles zu dir zogest! 0 Jesus, durch dessen Lod wir der Sünde abe sterben, und durch dessen Auferstehung wir in der Gnade aufleben! Erbarme dich Unser. 194 O Jesus, der du zur Rechten des Vaters erho: ben wurdeft: auf daß du unsere Herzen dahin erhöbest, und unsern Wandel zum Himmel lenktest! O Jesus, der du den Geist deiner Wahrheit ges sandt haft: daß er die Kirche, deine faltenund fleckenlose Braut, alle Tage bis zur Vollendung der Zeiten regiere! O Jesus, der du uns zu Freunden, Kindern und Brüdern erhebst, damit wir ewiglich mit dir herrschten! Jesus, der du uns jetzt schon die Pforten des himmlischen Jerusalems eröffnest, wo Gott selbst unser Tempel seyn, und wir keine an dere Sonne haben werden als dich, und kein anderes Licht als die Gottheit! O Jesus, der du im Aufenthalt des Friedens, in der Anschauung des Antlitzes deines himmli schen Vaters uns mit dem Strome deiner Wonne berauschen wirst! O Jesus, der du durch dein Kreuz und Leiden das Himmelreich uns erworben hast, wo du alle Thränen trocknen wirst; wo kein Lod mehr seyn wird; und wo Schmerzen und Elend auf ewig fliehen werden! Jesus, du Stärke der Märtyrer und Geduld der Bekenner! Erbarme dich Unser. 195 O Jesus, du Gefährte der Einsiedler in der Wüste, und Wissenschaft der Kirchenlehrer! - - Unser. Erbarme dich O Jesus, du Bräutigam der Jungfrauen, Krone der Gerechten, und Buße der bekehrten Sünder! O du Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt! Verschone Unser, o Jesus! O du Lamm Gottes 2c. 2c. Erldse uns, o Jesus! O du Lamm Gottes 2c. 2c. Erbarme dich Unser, o Jesus! Gebet. O Jesus, Erldser unserer Seelen! Gleichsam vorüber sind deine heiligen Geheimnisse, und den= noch wirken sie im Himmel und auf Erden ewiglich fort; ja ich sehe sie, wenn dein göttliches Licht uns leuchtet, tåglich in dem heiligen Sakramente deiner Liebe auf dem Altar erneuert. Deine heilige Geburt, dein verborgenes Leben, dein Stillschweis gen, deine Demuth, und deine, an wohlthätigen Wundern so fruchtbare Barmherzigkeit; dein Mitleid mit reuigen Sündern, dein Tod und deine Be= gräbniß finden dort statt. Alles durchdringt mich mit Schmerz, Dankbarkeit und Liebe. Ich glaube an die Tiefe dieser unerforschlichen Geheimnisse; ich bete sie an, und sinke vor ihnen in den Staub meiner Nichtigkeit. Glückselig achte ich mich, sie durch den 9 196 Schleier heiliger Dunkelheit zu sehen, die vor mei nen Augen sie verhüllen, und durch die Unterwürfigkeit meiner Vernunft mich vorzubereiten, sie einst in der Ewigkeit entschleiert zu schauen. Amen. - - Gebete zur Belehrung und Erbauung. 1) Trostgefühle des Glaubens an Gottes Vorsehung, als eine Grundlage zur Zufriedenheit und vollkommenen Ergebung in den göttlichen Willen bei allen widerwärtigen Vorfällen dieses Lebens. Betrachtungen. Gott! es ist doch nichts tröstlicher und beruhigender auf dieser ganzen Erde, als die Erkenntniß und Gewißheit: daß alles, was du thust, Wahrheit und Liebe, Weisheit und Gerechtigkeit sey; daß deine Allmacht und Fürsorge über alles walte, über das Kleinste wie über das Größte; und daß nichts geschehe ohne deine Zulassung oder ohne deinen Willen. Nein, Herr! Nichts geschieht, ohne daß du es zuläsfest oder willst. Und obschon du nicht der Urheber des Bösen oder einiges Uebels bist, noch seyn kaunst; ja, obschon du, deiner Heiligkeit nach, - 197 die Sünde haffest( denn wie kann sich die höchste denkbare Heiligkeit mit der Sünde vereinigen), und deiner Güte nach, kein Gefallen an dem haft, was uns, deine Menschenkinder, drückt; so ist's doch deine Absicht, dasjenige nicht zu hindern, was den Unzufriedenen eine Quelle der Qual, dem wahren Anbeter deiner Vorsehung aber eine Quelle der Seligkeit ist. Gott! Wer bin ich denn, daß ich deiner Absicht widerstreben, oder deine Werke tadeln sollte? Wer bin ich, daß ich auch bei den drückendsten Trüb: falen mich beklagen könnte, wie du mit mir uma gehst, oder wie du die Welt regierst? Ist es nicht genug, daß ich weiß, daß sich das geringste Staubchen ohne deinen Willen von seiner Stelle nicht fort bewegen kann? nicht genug, daß du den Fall eines Blattes, welches ein Spiel der Winde wird, eben so sehr bemerkest, als den majestätischen Lauf und die wunderbaren Bewegungen der Gestirne? nicht genug, daß ich weiß, daß du die Weisheit und Liebe selbst bist? Daß meine Gedanken von den deinigen unendlich weit entfernt sind, und daß man, um von deinen Werken urtheilen zu können, nothwendig das Ende derselben sehen muß; dieses aber nur dann erst möglich ist, wann du, o Ewiger! alles vollbracht haben wirst, was du von jeher zu thun beschlossen hast?- Alsdann werde ich in deinem ewigen Lichte die ganze Größe deiner Gerechc - 198 - tigkeit, die ganze Tiefe deiner Weisheit, die ganze Unendlichkeit deiner Güte in allen deinen Wegen erkennen. Entschließungen und Erweckungen. Heilige Vorsehung meines Gottes! ich will dich anbeten; ich will dich preisen und verherrlichen, es geschehe, was da wolle; ich mag hier auf der Welt sehen, was ich will, ich mag mich befinden, wo und in welchen Umständen ich will; niemals soll, so trübe auch mein Lebensweg seyn mag, meine Seele unruhig darüber werden, da ich weiß, daß du es bist, der über mir waltet. Ich vertraue ganz auf dich; du wirst alles wohl machen. Gütiger Gott! wie tröstlich ist mir dieses Ver: trauen, und wie macht es mir das Leben so ange: nehm! Herr! du bist mein Vater; und unter der Herrschaft eines solchen Vaters, wie du bist, was konnte mich beunruhigen, oder, in so ferne es mir zur leiblichen Wohlfahrt und billigen Freude dient, in Furcht setzen, es zu verlieren? D! es ist alles dein, was ich besitze; du hast es mir gegeben, du kannst es mir auch wieder nehmen: und wenn es das Liebste wäre, was ich auf der Welt habe: so steht es dennoch in deiner Gewalt. Nimmst du es mir; låsfest du es mir; immer werde dein heiliger Name gepriesen! Denn dein ist meine Freude; dein sey auch mein Schmerz! ich unterwerfe mich dem 199 selben von ganzem Herzen, überzeugt, daß ich auch die größte Ursache habe, dir dafür zu danken, weil du ihn nur zu meinem eigenen wahren Wohl zum Besten meiner Mitmenschen- zur Erfüllung deiner heiligen Absichten zuließest und bestimmtest. Diesen in deinem Worte gegründeten Glauben, dieſe durch Religion und wahre Anbetung deiner Vorsehung geheiligte Ueberzeugung, laß mich niemals verlassen, laß sie mir folgen auf allen meinen Wes gen alle die Tage meines Lebens! Man kann bite ter und nachtheilig von mir reden; ich kann ein Opfer der Verläumdung, der Ungerechtigkeit, der Verfolgung und des Hasses übelgesinnter Menschen werden. So will ich dann solches alles zwar nicht suchen,,- dies wäre wider deinen Zweck, o Gott! auch nicht suchen Schmach und Verachtung, Druck und Verfolgung, Haß und Bedrohung! aber auch nicht fürchten. Habe ich sie verschuldet, habe ich sie verdient; warum soll ich mich beklagen? Nein! ich erkenne meine Schuld; ich will sie also durch Zusatz nicht vermehren; ich will allen gerechten Anlaß zur Aergerniß von nun an zu hindern, und mir durch würdige Mittel sowohl Nachsicht als Liebe zu erwerben suchen; ich will jede bittere Be= gegnung nur durch Sanftmnth und Güte erwiedern, und mich in allem bestreben, den Vorschriften des Christenthums auf's möglichste nachzuleben.- Leide ich aber unschuldig; welch' eine Beruhigung für - MATER SILFUR 1 200 - mich, daß du, o Gott, es zuließest! Ja, welch ein füßer Trost für das beklemmte Herz, wenn ich an Jesus denke,-- an dich, o du Unschuldigster unter allen Menschen, du Heiligster, der du dich aus Liebe zu mir hast verspotten, verläumden, verfolgen, gei Beln, und gar an das Kreuz heften lassen! Dann freue ich mich, und schätze mich glücklich, daß ich von dir werth geachtet bin, etwas zu deiner Ehre zu leiden. Lehren und Empfindungen. Zwar willst du, o Gott! nicht, daß Trůbsal und Elend deine Geschöpfe verfolge. Freude und Seligkeit sind deine Rathschlüsse; Liebe und Gerech): tigkeit sind deine Wege. Du beförderst nicht, daß Bosheit und Thorheit fortgehen von Geschlecht zu Geschlecht. Aber, wenn in einer Welt, wie diese ist, und, den allwissenden Absichten deiner ewigen Weisheit und Vorsehung nach, seyn sollte,— in einer Welt nämlich, der Zeitlichkeit, nicht der Ewig: keit; der Vervollkommnung, nicht der Vollkommen. heit; der Hoffnung, nicht der Wirklichkeit; der Arbeit, nicht des Lohnes; des Kampfes, nicht der Ausruhung; des Sieges, nicht der Krone;- in einer solchen Welt, sage ich, wo Boses selbst die Quelle des Guten wird, nicht aus innerer Nothwendigkeit, sondern, weil du, o Gott, alles zum Besten wendest, ohne etwa die dem Weisen und - 201 wahren Tugendhaften selige Willens- Freiheit einz zuschranken; wenn da alles, was Leibes- und Seelen: Uebel heißt, den Zweck erfüllt, Uebermaas des Bösen zu hindern, Uebermaas des Guten zu wirken; Trübfal und Vergnügungen heilsam zu måßigen, schädliche Lüste und Reize zu schwächen; Leib und Seele ihre Bestimmung zu lehren; Edleres nicht vom Unedlern, Geistiges nicht vom Fleischlichen unterdrücken zu lassen; Trieb und Mittel zur Wohlfahrt, zur Selbsterhaltung, zur wahren Weisheit, zur Pflicht: Erkenntniß, zur Tugend- Uebung, zur Gelaffenheit und Nächstenliebe, zur Sehnsucht nach Belohnung, nach ewiger Glückseligkeit zu erwecken; und also das Uebel durch sich selbst zu zernichten, ja, durch Religion und Christenthums- Erfüllung in solche Wirkungen umzuschaffen, die unendlich größer, würdiger und seliger sind, als das schwerste ausgebreitetste Elend dieser Welt bbs und bitter, das größte irdische Gut und Bergnügen süß und erwünschlich seyn kann;- Wirkungen, die uns denjenigen innern unaussprechlichen Frieden verschaffen, den nur du, o Gott! geben kannst, den der Gottlose, der Fleischlichgesinnte nicht kennt; den die Welt nicht hat; den nur der, der dich liebt, zu empfinden vermag; der höher ist, als alle Vernunft; der den Schmerz zur Freude, jene Sehnsucht nach Glückseligkeit zur Hoffnung, diese Hoffnung zur Zuversicht und Erwartung macht; der uns - - - S 202 - fer Herz läutert, unser Gewissen bewahrt, unsere Schwachheiten stårkt, und unsere Leidenschaften be ruhiget, unsere Seele heiliget, unsere Begierden zum Unvergånglichen erhebt; der uns mit Demuth, mit Dankbarkeit, mit Vertrauen, mit Liebe gegen dich, unsern Vater, erfüllt; uns deiner Macht, deiner Güte, deiner Gnade, deiner Verheißungen versichert; der das Erbtheil aller deiner wahren Ver: ehrer ist, und den du Jedem, der ihn aufrichtig wünscht und befördert, so gerne gibst: damit er hier, damit er dort und in Ewigkeit selig seyn möge:- o! wenn das der Zweck und schon so oft die Folge deiner beim ersten Anblick so bedenklich scheinenden Nichthinderung des Bösen und aller Uebel ist; wie darf dann der Mensch, o Gott!- dies Geschöpf von gestern her, das deine Wege, deine Entwürfe, deine Werke nicht kennt, das sich von Vernunft, von Wahrheit und Religion entfernt; ihre Früchte nicht kostet, die deine Gaben sind; ihre Freuden nicht sucht, die allein wahrhaft glücklich machen! - wie kann Er, der Mensch, der Elende, der deine Vorsehung nicht anbetet, deine Güte nicht fühlt, deine Weisheit nicht sieht, noch fragen, warum du, o Herr! alles das zuläsfest,- zuläs fest, daß der Mensch fähig sey, zu bewirken, was doch du bloß möglich schufst? - - O, daß Jeder auch nur jetzt noch trachten möchte, der Unvernunft und Irreligion endlich ein - HOM Ende zu machen, deine Gesetze zu befolgen, o Gott, und die Gränzen nicht zu übertreten, die du gesetzt hast; wie gut würde es bald auf deiner Erde seyn! Ich aber will auf dich vertrauen ewiglich; will, um mich zu stärken, es nie ausser Acht lassen, daß alles, was von dir her kommt, gut,- gut in den Händen des Guten, bis in den Hån= den des Bösen sey; will den Zweck vollziehen, wars um ich bin, Seligkeit zu verbreiten, Seligkeit zu empfangen. Bist denn du nicht mein Fels und meine Kraft, mächtig durch deine Gnade, das zu voübringen, was ich will, und du selbst in mir gewirkt hast? Ist nicht deine Vorsehung mein Schuh? der Glaube an sie mein Trost? dieser Glaube aber eben derjenige, der mir zeigt, wie du so gut und so weise bist; der das Herz mit Muth, mit Hoffnung, mit Stårke, mit Aufopferung, mit Ruhe, mit Geduld, mit Trost, mit Wonne labt; der den Schuldlosen durch inneres Zeugniß, den Schuldigen aber durch Hinblick auf deine Gnade stärkt; der Jeden sich seines Standes und seiner Pflichten freuen läßt, indem er ihn ganz mit dem Gedanken belebt, und dadurch Mühund Trübseligkeit ihm zur süßesten Empfindung macht, daß wir hienieden nicht bloß für diese, sondern auch noch für eine weit andere und zwar solche Welt bestimmt sind, wo du, o Gott! nach deiner gerechten Güte und Treue gewiß uns - 203 - 204 ser Vergelter und großer Lohn seyn wirst in Ewig: keit! Ohne diesen Glauben an Unsterblichkeit, an ewi: ge Vergeltung, ach!- wie ist alles so finster in meiner Seele! wie ist jeder Genuß der Freude so voll Angst, jedes Gefühl des Leidens, das wir nicht hin dern können, so bitter! Wie liegen alle Hoffnungen, alle Strebungen, alle Kräfte, die du, Gott! in un ser Inneres legtest, zertrümmert! Schreckliches Leben! schrecklicher Tod! - Weg mit solchen Gedanken! Herr! zu dir nehme ich meine Zuflucht. Du hast mich für dich geschaffen; dir will ich dienen. Du hast mich bisher durch deine Vorsehung geleitet; sie wird mich auch künftig leiten: Du hast Mühseligkeit und Trübfal nicht ganz von mir abgewendet, Freude und Genuß nicht ohne alle Bitterkeit seyn lassen! Schwachheit und Vergehungen nicht immer von mir entfernt; du hast dadurch wohl an meiner Seele gethan, und ich danke dir dafür. Jetzt bin ich Dein; freue mich dei ner Guade und Barmherzigkeit, immer zu wandeln im Vertrauen auf dich, so wie im Glauben an eine herrliche ewige frohe Zukunft, muthig und getrost den Weg, den mir deine Vorsehung angewiesen hat. Selig, wer unter ihrem Schuhe wandelt; wer nicht scheitert an den Klippen des Unglaubens; nicht zu ergründen sucht, was deine Weisheit vor ihm. zu verbergen für gut befand! 11 205 - d Schluß Erweckungen und Gebet. Nein! meine Seele wanket nicht. Du, o Gott! wirst sie stärken; wirst mich vor dem unseligen Unternehmen bewahren, die Geheimnisse deiner Vorsehung erforschen zu wollen; wirst mir immer mehr und mehr ein Herz verleihen, das mit der tiefsten Ehrfurcht für sie erfüllt ist, das jede Freude, jedes Leiden dankbar und als Wohlthat betrachtet, und sich bei allen, was von ihr herkömmt, freuet; wirst mich stets die Wirkungen einer Güte empfinden lassen, die übre alles waltet, und welche den nicht verläßt, der sie nicht verläßt; wirst alle meine Wünsche und Be= gierden nur nach deinem Wohlgefallen ordnen, dir meine ganze Seele unterwerfen, und sie so mit Kraft und Beruhigung ausrüsten, daß auch die größte Widerwärtigkeit nicht, ja! keine Thräne, mächtig und bitter genug sey, mich dir zu entziehen, mir den Trost zu rauben, der das Süßeste, das einzige wahre Glück dieses Lebens ist. 1 O du unerschöpfliche Quelle der Weisheit und der Liebe, unbegreiflich großer Gott! wie könnte ich auch nur einen Augenblick entstehen, ohne mich der Anordnung deiner anbetungswürdigen Vorsehung gånzlich zu überlassen! Ja! mach es mit mir, wie es dir gefällt! ich bin mit allem zufrieden. Dein Wille sey von nun an stets mein Gesetz; daß er vollbracht werde, sey mein Wunsch und meine Freude; 206 daß ich noch immer dich nicht so sehr liebe, wie du geliebt zu werden verdienst, meine einzige Bekümmer: niß; deine Gnade zu verlieren, meine einzige Furcht; dich jemals beleidiget( so oft beleidiget) zu haben, meine einzige hauptsächlichste Betrübniß; dich aus allen Kräften zu lieben, das einzige Ziel, wonach ich strebe: damit ich auch schon hier auf der Welt einen Theil jener unanssprechlich süßen Ruhe und Liebe gegen dich empfinde, die ich einst in dem Himmel mit allen deinen Heiligen und Auserwählten ime mer und ewig empfinden werde! Das gieb du, 0 Gott, o mein Vater! - - 2. Antrieb zur Demuth und wahren Selbstverläugnung. Aus mir selbst vermag ich nichts. Darum kom me ich zu dir, der du alles vermagst. Du allein kannst helfen; du allein kannst geben. Du bist all: mächtig; du bist allgütig. Ich komme zu dir; und du verwirfst mich nicht. Ich bitte dich im Geist und in der Wahrheit; und du erhörest mich. Was ist meine Kraft, wenn du sie nicht stårkest? Was ist mein Gutes thun, wenn du es nicht heiligest? Was kann ich ohne deine Gnade? Groß ist mein Unvermögen, groß deine Huld. Du kennst meine Schwachheit, und du erbarmest dich Meiner. Ich vertraue auf dich, und ich werde nicht zu Schanden. Was ist der Mensch, der auf dich 207 nicht bauet;- der die Hülfe, deren er bedarf, nicht von dir erwartet; der das Gute, welches er besitzt, nicht einzig dir zuschreibt? Was ist der Mensch, der elende Staub, daß er sich für den Urheber seiner Tugend hält, der dem nicht dankt, der sie ihm gab, dich nicht bittet, sie in ihm zu erhalten? Er folgt seinem Stolz, und fällt- wenigstens in seiz nem Herzen. - - Wie viele, welche große und eines Christen würdige Handlungen zu verrichten schienen, sind ge= fallen; und die sonst bloß in Erfüllung deines Gesetzes ihre Luft und Beruhigung fanden, sind bald nachher in die größten Sünden- Sklaven ausgeartet! Darum, wo du, Allmächtiger! deine Gnade nicht gibst, besteht keine Heiligkeit; wo du nicht regierest, hilft alle Weisheit nichts; wo du nicht bes schüßest, ist alle Macht vergebens, wo du nicht vor Sünden bewahrest, ist keine Tugend sicher; wo du nicht Rath verschaffest, ist aller menschliche Beistand umsonst. Denn ach! verläsfest du uns: so versinken wir, und kommen um; suchest du uns aber in Gnas den heim: so werden wir aufgerichtet, und leben. Denn von uns selbst sind wir ja nur schwach und uns beständig, du aber stårkest uns; wir sind kaltsinnig und tråge, du aber entzündest uns, und machst uns zu den eifrigsten Beobachtern deiner Gesetze. Herr! wie viel Ursache habe ich doch, mich vor dir ganz zu demüthigen, und selbst das Gute, das - - ich etwa an mir zu haben glaube, bloß nur in fo ferne für etwas zu halten, als ich darin jedesmal neue Pflichten sinde, dir dafür täglich dankbar zu seyn, und mich, so viel ich kann,- deiner Gaben und Gnaden immer würdiger zu machen! Wie viel Ursache habe ich, mich deiner Führung völlig zu überlassen, und erkennen zu lernen, daß ein unmächtiger Staub viel zu gering und zu schwach sey, ihrer zu entbeh ren! - 208 Gott! wie verliere ich mich vor dir in dem Abgrunde meiner Nichtigkeit, indem ich mich betrachte! - Und ich sollte noch den geringsten Gedanken von Hochmuth in mir unterhalten, oder noch einiges Vertrauen einzig auf meine Kräfte setzen? Was ist denn alles Geschaffene vor dir mehr, als wie ein Nichts und was will sich die Kreatur wider ihren Schöpfer rühmen!- Dieses laß mich oft bedenken, mein Gott, und zugleich fähig werden, es einzusez hen! Gib mir Weisheit und Selbst Erkenntniß! Denn, welchen du erleuchtest, und zu sich selbst führest, den wird auch die ganze Welt mit aller ihrer Gunst und Erhebung nicht stolz und übermüthig machen; und indem er sich bestrebt, nur dir wohlgefäl lig zu seyn: so blenden ihn auch aller Menschen Lob und Beifall nicht. Denn wer weiß, daß auch die, die ihn erheben, nichts vor dir sind, und verschwin den gleich dem Schall ihrer Worte, so bald du über fie gebietest. - 209 - 3. Entschließungen bei Betrachtung une serer Nichtigkeit vor Gott. So will ich dann allen Stolz und Uebermuth fahren lassen, und mich vor dir in den Staub legen( demüthigen), so wirst du, mein Gott und mein Heiz land! mir gnädig und barmherzig seyn, und meines Herzens Blindheit erleuchten. Alsdann aber wird auch der geringste Schein von Eitelkeit und Ruhm verschwinden; und du, o Gott! wirst mich immer mehr erkennen lassen, was ich war, was ich wirklich bin, und wie noch unendlich tiefer ich durch unwürdige Begierden und Handlungen in den Abgrund der Niedrigkeit hinabsinke, wenn ich nicht durch deine Gnade gestärkt, auf dem Wege der Tugend bleibe. Denn, überläsfest du mich mir selbst: so fühle ich nichts, als Schwachheit und Elend; siehst du mich aber in Gnaden an: so werde ich bald ge= stärkt und mit Freuden erfüllt. Und was soll ich sagen, wenn du mich sogar schon, ehe ich dich angerufen habe, durch deine Barm= herzigkeit aufrichtest, und mit unaussprechlicher Güte beglückest, da ich sonst gewiß unter der Last meiner Trägheit erliegen und zu Grunde gehen müßte? Das macht deine unendliche Liebe, o Gott, welche mir ohne alles mein Verdienst so oft zuvor kommt, mich in allen meinen Nothen tröstet und stärkt, und vor so vielen Uebeln des Leibes und der Seele bewahrt. <-210 Ich unseliger hatte mich durch sündliche Eigen: liebe von dir mehrmals entfernt und in's Verderben gestürzt: aber seitdem ich, durch deine Gnade erleuch tet, meine Thorheiten einsehe, und anfange, mehr nach deinem als der Menschen Wohlgefallen zu trach ten, fühle ich meine vormalige Ruhe und Glückselige keit in dir wieder. Nun will ich mich auch, wie meine Pflicht ist, aus Liebe zu dir noch tiefer demis thigen und gleichsam vernichten; denn du, Allgütigs ster! handelst mit mir über alles mein Verdienst, und erzeigst mir unablässig Gutes, mehr, als ich je erwarten, jemals hoffen und erflehen kann. So sey nun ewig gepriesen, o mein Gott, der du aus unendlicher Gütigkeit auch selbst einem Un dankbaren und aller Gnade Unwürdigen wohlzuthun nicht unterläsfest! Bekehre mein Herz doch ganz zu dir, auf daß ich allezeit in wahrer Demuth und Gotts feligkeit vor dir wandeln, und dir für deine Liebe unaufhörlich dankbar seyn möge. 4. Preis der göttlichen Barmherzigkeit Man nennt dich barmherzig, Herr! und nenut dich mit Recht fo; denn du bist's, und dein Erbar men erstreckt sich nicht nur auf die, welche wirklich leben, sondern auch auf jene, die noch geboren wer: den. Langmüthig gegen die Sünder ohne Ausnah: me; freigebig, ohne zu ermüden, der du deine Gas ben nach eines Jeden seinen Bedürfnissen austheileft; 211 stets voll Gnade und Huld, überschüttest du Alle mit mancherlei Wohlthaten. Und was sonst, als einzig deine immer wirksame Güte, konnte dich bewegen, diese Welt zu schaffen, und sie von Zeit zu Zeit mit so vielen Bewohnern zu beleben. - - FOR O Gott, wie so barmherzig bist du! wie ist als les so voll deiner Liebe! Wie ist alles so voll deiner Gnade, Gutiger, Allerbarmender, bei welchem Hil und Vergebung ist, der das Flehen der Aufs richtigen ad Schwachen nicht verwirft, der sie von ihren Sünden heilet, der ihnen Leben und Seligkeit gibt! O Gott, wie so barmherzig bist du! - Lobt den Herrn, denn er ist gütig: Ewig währet seine Huld! Lobet ihn, den Gott der Götter, Ewig währet seine Huld! Lobet ihn, den Herrn der Herren, Ewig währet seine Huld! ( Psalm 135.; 1— 3. Dich, meinen Gott und König, rühm' ich! Dich will ich unaufhörlich preisen! Dich will ich loben Tag für Tag, Und ewig deinen Ruhm erhöh'n! Groß ist Jehova, hochgelobt, Und unerforschlich seine Größe! Barmherzig, gnädig ist der Herr, Ist schonend und von großer Güte. Jehova ist der Allbeglücker, Erbarmt sich aller seiner Werke. Es müssen dich preisen all deine Werke, - 212 Dich loben deine Diener! Besingen deines Reiches Glanz, Und rühmen deine Allgewalt! ( Psalm 144, 1-5; 8-11.) Gelobet sev Jehova! Es lob' ihn meine Seele! Jehova will ich loben All' meine Lebenszeit; Ihm meinem Gotte tönt, So lang ich bin, mein Lied. Verlaßt euch nie auf Fürsten, Auf Erdensöhne nie, Sie können euch nicht helfen! Sie hören auf zu athmen, Sie kehren wieder hin Zur Erde, und dann ist Es aus mit ihren Planen. Heil dem, den Jakobs Gott Beglückt, der ihm vertraut Jehova seinem Gott: Der Himmel, Erde, Meer, Und was darin ist, schuf, Der ewig Treue hålt! Er schafft Bedrückten Recht, Gibt Speise Hungernden, Und Idset die Gefangenen. Der Blinden Augen öffnet, Jehova, richtet auf Gebeugte, liebt die Frommen. Er schützt den Fremdling, hilft Den Wittwen und den Waisen, Und läßt die Lasterhaften Auf Unglückspfaden wandeln. Auf ewig herrscht Jehova! <-213 Dein Schußgott Sion herrscht Durch aller Zeiten Zeit. Gelobet sey der Herr! ( Plalm 145.) G 5. Sehnsuchts- Erweckungen zu Gott un serm Vater im Himmel. Von welchen süßen Empfindungen fließt das dankbare Herz über, wenn ich in stiller Betrachtung ganz den Gedanken durchdenke, daß du, allmächtiger Schöpfer! mein Vater bist; daß ich dein Kind, dein Eigenthum bin; daß der Himmel, worin du wohnest, auch für mich bestimmt ist! Dann blickt meine Seele zu dir hinauf, wie ein Kind zu seinem Bater, und seufzet nach dem Orte jener Herrlichkeit, wo ich dich sehen soll von Angesicht zu Angesicht. Ach! und dich sehen, ewig sehen,- dich lieben, ewig lieben; Jesus sehen, Jesus lieben, ihn, der für mich aus Liebe Mensch ward, der( um die durch die Sünde von Gott entfernten Menschen wieder mit dem Vater im Himmel auszuschneu) aus Liebe starb, aus Liebe in den Himmel hinauffuhr, um mich dort einer Seeligkeit theilhaftig zu machen, die so unbes greiflich, so unendlich groß ist;- wer das betrachtet, mit den Gesinnungen einer dich wahrhaft liebenden Seele betrachtet, Gott; wie schauet der so muthig jenseits des Grabes, und freuet sich jenes Augenblicks, der dich ihm näher bringt! ,,,"( seufzet er in 214 der Fülle feines Herzens) ,, wann, ach! wann, mein ,, Schöpfer! ach! wann wirst du mich einmal aus dies ,, sem Elend erretten? Wann werde ich mit dir, o du ,, höchstes Gut! ganz vereinigt, und allein in die ,, den Trost finden, den mir die Welt nicht geben ,, kann? Himmel, o Baterland! wann wirst du mich ,, unter die Seligen aufnehmen? Denn anf diesem ,, Erdboden bin ich ja doch nur wie ein armer, vers ,, lassener Fremdling.- Troste mich, o Gott, in dies ,, ser meiner Noth, und lindre meinen Schmerz! Nur ,, nach dir sind alle meine Wünsche und mein Verlans ,, gen. Wann werde ich dich in deiner Herrlichkeit ,, anschauen?" - ,, Soll ich hier aber noch einige Zeit leben, o ,, Herr; so laß mir auch nicht einen Augenblick vers ,, fließen, den ich nicht mit deinem Lobe, in stiller ,, Zufriedenheit mit deinem Willen, unter stetem Bes ,, streben, immer vollkommener zu wandeln, und ,, mit Beobachtung aller, auch der kleinsten Pflichten zubringe! Wie selig wird mir alsdann der letzte ,, davon seyn,- der letzte Augenblick, da enda ,, lich meine Pilgerschaft ein Ende nimmt, und ich ,, dahin komme, wo du, mein Gott, du ewige Liebe, ,, biſt!“ 6. Allgemeine Herzens: Erhebungen und Bitten, um alles, wodurch das Heil uns serer Seele befördert wird. 215 Ich glaube an dich, ewige Wahrheit! Ich vers traue auf dich, ewige Gütigkeit! Ich liebe dich, ewige Liebe. Ich bete dich an als meinen Schöpfer und Gott. Ich trachte und sehne mich nach dir, als meinem einzigen und letzten Ziele. Ich sage dir den innigsten Dank, als meinem steten Wohlthäter. Ich rufe zu dir als meinem allmächtigen Beschützer als meinem gütigen Vater- als meinem einzi gen Helfer. Dir allein widme ich alle meine Ges danken, alle meine Werte und Handlungen; damit du sie dergestalt ordnest, daß ich an nichts so sehr denke, als an dich, von nichts lieber rede, als von dir,- niemals anders handle, als nach deinem Wohlgefallen. Laß mich nur wollen, o mein Gott, was und wie du willst! Regiere mich nach deiner Weisheit! Behüte mich nach deiner Barmherzigkeit! und stärke mich nach deiner Allmacht! — -- Erleuchte doch du meinen Verstand! Entzünde doch du meinen Willen! Reinige mein Herz, und heilige meine Seele! Hilf mir, und mach mich eifrig, jeder sündlichen Anfechtung zu widerstehen, meine bösen Lieblings: Leidenschaften zu bekämpfen, und mich in den mir nöthigen Tugenden zu üben. Erfülle mich( mehr und mehr) mit dem innigsten Miß 216 fallen über meine Sünden und Fehler; mit dem aufrichtigsten Verlangen und Bestreben sie zu bes fern, mit der aufrichtigsten Dankbarkeit gegen dich, wegen aller der Güte, die du mir so über: schwenglich erzeigtest, mit einem unversöhnlichen Haß und Abscheu wider alles, was Laster ist! Er fülle mich zugleich mit immer größerer Liebe gegen dich, mit dem wärmsten Diensteifer für das Wohl aller meiner Nebenmenschen,- mit einer gånzlichen Herzeus- Absonderung von Fleisch und Welt. Laß Wahrheit und Gerechtigkeit mir immer theuer seyn, und Stolz und sträflichen Widerstand nie wieder in meine Seele kommen. - 1 - HALLDOR Gib auch, o Herr, daß ich mich allezeit wohl thätig und menschenfreundlich gegen Jedermann, herzlich gegen Freunde, und nachgebend gegen Feinde beweise; daß ich den Reiz zur Weichlichkeit durch wahre Abtödtung, die Liebe zum fündlichen Eigen nutz durch würdige Mildthätigkeit, den Zorn durch Gelassenheit, und die Lauigkeit zum Guten durch brünstige Andacht in mir unterdrücke! Gib, daß ich weise in meinen Unternehmungen, muthig in Heilsgefahren, geduldig in Widerwärtigkeiten, de müthig im Wohlstande, aufmerksam und eifrig im Gebet, måßig und dankbar bei Speise und Trank, redlich in Pflicht: Geschäften, und standhaft in guten Vorsätzen sey! Gib, daß ich mich stets bemühe, mein Gewiß 217 sen rein und unverletzt zu erhalten, mich vor dir züchtig und gerecht, und in meinem Wandel erbauz lich und ordentlich zu betragen, die aufwallenden Begierden meiner( durch den Sündenfall) verderbten Natur zu bezwingen, mit deiner Gnade mitzuwirken, dein Gesetz zu beobachten, und mich aus allen meinen Kräften zur künftigen Herrlichkeit vorzubereiten! Laß heilsame Furcht vor deiner Gerechtigkeit und deie nem Gericht, dann mein ganzes Herz durchdringen, wenn die Vorstellung deiner Barmherzigkeit und Liebe mich nicht mehr vom Bösen abhalten kann. Lehre mich bedenken, daß alles hienieden nur klein und flüchtig, hingegen was himmlisch ist, allein groß und unvergånglich sey; daß die Zeit unserer Tage hier auf Erden schnell verschwinde, und eine Ewigkeit, das ist, ein Zustand folge, dessen Dauer kein Ende hat; damit ich mich immer und auch noch heut zum Tode bereit halte, und wenn ich sterbe, in deine Guade hinscheide, und das ewige Leben erlange, durch Jesus Christus meinen Herrn! 7. Um inbrünstige Liebe zu Gott. Ich preise dich, Herr Gott im Himmel, Vater unsers Herrn Jesu Christi, daß du Meiner bisher in Gnaden eingedenk gewesen bist! O Vater der Erbarmung und Gott alles Trostes! dir sey herzlich Lob und Dank gesagt, daß du mich Elenden und aller Gnade Unwürdigen so oft mit Trost erquickest! Ich 10 218 benedeie und lobe dich nun und allezeit, wie auch deinen eingebornen Sohn und den heiligen Geist, meinen Tröster- nun und in Ewigkeit. Ach, mein Gott, du heiliger Freund meiner Seele! wie freuet sich mein Herz, wenn deine Güte von Andern erkannt und verherrlichet wird! Du bist meine Ehre und alle meine Freude, meine Hoffnung und meine Zuflucht zur Zeit der Trübsal. Weil ich nun noch sehr kaltsinnig in der Liebe gegen dich, und in Erfüllung meiner Heils- Pflichten oft sehr nach: lässig bin; so muß ich nothwendig von dir aufgemun tert und gestärkt werden. Darum bitte ich dich auch, o mein Gott! mich mit deiner Gnade desto öfter heimzusuchen und zu unterstützen. gulqueen Befreie mich von allen bösen Neigungen, und heile mein Herz von allen unordentlichen Begierden; damit ich, von Sünden ganz gereiniget, endlich an fange, dich aus allen Kräften zu lieben!! daß ich in dem Innersten meiner Seele immer mehr und mehr schmecken und empfinden möchte, wie süß deine Liebe ist, damit ich, ganz in dir zerflossen, sagen konnte: Du bist Mein, und ich bin Dein!"- D! daß mir vergönnt würde, mit Schwingen der Liebe, und der Entzückung im Geiste zu dir hinaufzufliegen, und in dir, meinem Geliebten zu ruhen! Ach, Herr und mein Gott! Laß mich dich über alles, mehr als mich selbst lieben! Laß mich um Deinetwillen alles gern verlassen, sobald deine Stim 219 me ruft; und niemals durch Ungemach und Widers wärtigkeiten abgeschreckt werden, ganz Dein eigen zu seyn! Herz Jesu, brennend von Liebe gegen mich, Entflamme mein Herz mit Liebe gegen dich. 8. Inniger Wunsch, Gott allezeit eif: rig zu dienen, zur Dankbarkeit für alle seine Wohthaten. Herr, mein Gott! unnennbare Seligkeiten hast du wahrlich denen vorbehalten, die dich suchen; was müssen dann nicht diejenigen empfinden, die dich bez figen, lieben, und die sich ganz ergeben haben! O! wie so groß ist der Trost, wie so reizend die Freude, welche du ihnen mittheilest! Ach Gott! Du haft mir deine unendliche große Güte vornehmlich darin er= zeigt, daß du mich, da ich nicht war, erschaffen, und, da ich in Sünden war, wieder zu Gnaden angenommen hast. O du ewige Urquelle der Liebe, was soll ich von dir sagen! Wie könnte ich Deiner vergessen, da du mich gewürdiget hast, Meiner zu gedenken! Denn du bist gegen einen Undankbaren barmherzig gewesen, und hast ihm über alle seine Erwartung deine Gnade erwiesen. Wie soll ich dir doch alle deine Güte ver= gelten? Möchte ich dir alle die Tage meines Lebens dienen! Ja, möchte ich dir auch wenigstens 10* - 220 nur einen einzigen Dienst erweisen, der Deiner und aller deiner Liebe würdig wäre! Du wahrhaftig ver: dienst allein, daß dir alle Dienstleistung, alle Ehre und aller Preis gebracht werde in Ewigkeit, der du mein Herr und Schöpfer bist; ich aber bin deine armselige, schwache, unwürdige Kreatur, die sich nicht genug darüber verwundern kann, daß du, Un endlicher! sie liebest, und sogar gleichsam zwingest, dich wieder zu lieben. Ich bin dein Eigenthum, das schuldig ist, dir aus allen Kräften zu dienen, und in deinem Lobe nimmermehr zu ermüden. Das ist auch in Wahrheit mein Verlangen und meis nes Herzens Wunsch; nur du, o Gott, schenke mir deine Gnade, und zugleich Kräfte, es zu voll bringen! Ach wie ist es doch so angenehm und selig, nach deinen Geboten zu leben, und um deinetwillen alles gerne zu entbehren, was irdisch und nach dem Fleis sche ist! Wie groß ist die Gnade, wie reichlich die Vergeltung, und wie entzückend die Tröstung, wel che du denen verieihest, die sich deiner heiligen Ans ordnung ganz unterwerfen, auf deinem Wege bleiben, und nicht durch gar zu heftige Neigung für das Zeitliche zu irgend einer Unthat sich hinreißen lassen! O! Wie ist ein christlich tugendhaftes Leben doch so lieblich, so erwünscht, indem man dadurch Gott wohlgefällig, den Engeln gleichförmig, und = H 221 - vollkommen frei und glücklich gemacht wird, daß allerhöchste Gut überkömmt, und eine ewige unbes schreibliche Freude erlangt! 9. Allgemeine dankvolle Erwägung der uns von Gott erzeigten Güte und Barmherzigkeit. O Gott, ein Erbarmer, ein Gott aller Gnaden! Wie reichlich und wundervoll sind deine Gaben und Wohlthaten, womit du mich in jedem Augenblicke meines Lebens überhäufest! Gebenedeit sey deine Allmacht, die mich schuf; deine Liebe, die mich so theuer erkaufte;( deine Langmuth, die mich nicht in meinen Sünden hinwegnahm); deine Vaterhuld, die mich bis auf diese Stunde erhielt, und aus so vies len Gefahren des Leibes und der Seele errettete! Gebenedeit sey auch deine Barmherzigkeit, die mich zur Erkenntniß deiner heiligen Religion berief, und zur ewigen Seligkeit auserwählte! Ach! Wie so gnädig und liebreich bist du gegen mich, ewige unendliche Güte! daß ich mich doch uns ter die Engel: Chöre schwingen- dich so ganz bes trachten könnte mich, wie sie, zu laben, zu ers fåttigen an dem Süßen deiner Gegenwart, an dem Göttlichen deines liebevollen Angesichtes! Wie brüne stig wollte ich mich dann in deinem Lobe vertiefen, wie herzlich dich lieben und verherrlichen! 222 10. Liebe zu Gott. Gott und liebender Vater aller Menschen! Du bist das einzige, höchste, vollkommenste Gut. Du bist das einzige, höchste, liebenswürdigste Wesen. Wer dich nicht liebt, der muß dich nicht kennen; wer dich aber kennt, der muß dich auch lieben. Könnte ich doch die Zeit zurückrufen, da auch ich von mir sagen mußte: ,, Herr! ich habe dich nicht geliebt; Herr! ich habe dich nicht gekannt( ich habe ,, Sünde auf Sünde gehäuft)."- Unglückselige Zeit! Jetzt aber reuet es mich. Jetzt komme ich zu dir mit Gesinnungen, die nur der Liebe eigen sind. Du kennst ja mein Herz!- Unablässig flehe ich zu dir um Verzeihung, die ich zwar( aus mir selbst) nicht verdiene, du aber aus lauter unendlicher Lange muth und Gnade, und um deines eigenen Sohnes willen mir nicht versagen wirst. Du kennst ja mein Herz! 11O du mein Gott, du mein höchstes unendliches Gut, das ich nun so herzlich liebe, und allen Gü tern und Lüsten dieser Erde vorziehen möchte, weil du so sehr aller Liebe würdig bist! Gib mir die Gnade, dich so zu lieben, wie ich dich zu lieben wünsche; o, konnte ich doch mit Petrus sagen: ,, Du ,, weißt ja, Herr, daß ich dich liebe!" du mein höchster, einziger Trost, meine höchste einzige Wonne und Glückseligkeit, mein Gott, meine - - - Liebe und alle meine Hoffnung,- meine Ehre und mein Stolz, mein Reichthum,- mein Friede ,mein Licht und mein Leben, mein Schutz und meine Stärke, Freude meines Herzens, Wollust meiner Seele, einziger, liebster, bester, getreue= ster Freund, den ich habe! O! wie gut bist du! daß erfahre ich alle Tage. Könnte ich doch alle Geschöpfe aufmuntern, dich zu erheben; alle Menschen bewegen, dich zu lieben! O! ich liebe dich über alles,- mehr als mich selbst. Wenn du auch von Keinem auf der Welt geliebt würdest, so wollte ich dich dennoch lieben. - instinto - 223 Gott, du unermess'ne Liebe, Meines Lebens süßes Leben, Mein Geliebter, mein Bestreben, Licht und Flamme meiner Brust, Bräutigam und ew'ge Lust! Weinen will ich, immer weinen, Daß ich, Gott, vor dir gesündigt; Weinend sey es dir verkündigt, Daß ich irrend, undankbar, Daß ich ein Verråther war! - 11. Liebe gegen den nächsten. Erweckende Betrachtungen. Und wer ist denn mein Nächster, daß ich nicht auch ihn, wenigstens wie mich selbst, lieben sollte? Ein Geschöpf, ein Erldseter Jesu Christi, wie ich, ein Mensch, der fehlen und fündigen kann, wie - 224 11 ich, ein Mensch, der Nachsicht und Liebe erwar ten darf, wie ich sie von ihm erwarte. Soll ich sie ihm versagen? Soll ich des Gebots meines Gottes nicht achten? Soll ich dem Beispiel der Liebe nicht folgen, die noch am Kreuze für ihre Peiniger bat: ,, Vater, vergib ihnen! sie wissen nicht was sie , thun? FUND Was bin ich, wenn ich ein Menschenhasser bin? - wenn ich wegen des kleinsten gemachten Verse: hens, wegen der geringsten aus Uebereilung oder Schwachheit geschehenen Beleidigung sogleich aufge: bracht und rachsichtig werde?- Gott! wenn du eben so streng und ohne alle Nachsicht mit uns vers fahren wolltest, wie wir oft mit Andern verfahren, was würde aus uns werden? Aber du bist Liebe, bist Langmuth und Erbarmen gegen Alle gegen Gerechte und Ungerechte, gegen Gute und Böse. Wer ist mein Nächster? Alle Menschen.- Will ich sie denn nicht alle lieben? Soll Absonderung im Umgang, im Glauben, in Gesinnungen bei mir zur Ausnahme werden? Soll diese Absonderung und Verschiedenheit, woran der menschliche Wille oft so wenig Autheil hat, mich einer Pflicht entheben, die sich auf alle Menschen ohne Ausnahme- Freund und Feind erstreckt? Gabft nicht du, o Gott! Selbstliebe in unser, Herz? Wie kann ich aber mich selbst lieben, wenn ich Andere nicht liebe? Wie kann ich meine eigene Wohlfahrt befördern, wenn - - Apening 225 ich diejenige vernachlässige, wovon sie abhångt? Ist denn das Gefühl des Danks, des Edelmuths, des Wett Eifers, das Gefühl der Sanftmuth und der theilnehmenden Liebe, wodurch wir sogar auf dem Haupt unserer Feinde feurige Kohlen sammeln, nicht ein Gefühl der Freude und der Seligkeit?- nicht ein Gefühl von dir, o Gott? Will ich es unter= drücken, nicht befolgen, nicht empfinden? eine Empfinduag, die den Werth unsers Lebens so sehr ers höhet, und über den Hingang zur Ewigkeit so sehr beruhiget! Ja! will ich mich mit Vorwürfen beladen, wenn Andere, durch mein Betragen veranlasset, den Pflichten nicht nachgehen, die sie mir, ihrem Nebenmens schen, schuldig sind?- mich der Erfüllung meiner Wünsche, mit Liebe, mit Gnade, mit Schonung behandelt zu werden, auf immer unwürdig machen? - mich des Vorgeschmacks des Himmels berauben, wo allgemeine Liebe die Seligkeit Aller ist? - Entschließungen und Vorsäge. Gott! Ich kann deinem Gebot, alle Menschen zu lieben, nicht widerstehen. Wen soll ich ausschlies Ben? wen nicht lieben? Soll ich hassen, wer mich haßt,- beleidigen, wer mich beleidigt?- Nein, o Gott! dein Gesetz ist Liebe. Unversöhnlichkeit und Rachsucht sind vor dir ein Gräuel. Wenn mein Feind des Trostes bedarf, soll ich 226 ihn nicht trösten? Wenn mein Feind mit mir Ges schäfte macht, soll ich ihn nicht( was ich auch von ihm erwarte) nach Gerechtigkeit behandeln? Wenn mein Feind des Beistandes bedarf, soll ich ihm nicht beistehen? Wenn ich ihn zur Versöhnung, zum Wohlwollen, zur Freude veranlassen kann, soll ich ihn nicht dazu veranlassen?- Was ich aber meinem Feinde leiste, und zu leisten schuldig bin, soll ich das jedem Andern versagen? Gott! es ist mein Vorsatz und meines Herzens Wunsch, Niemanden, wer er auch seyn mag ,von meiner Liebe auszuschließen, sondern sie Alle so zu lieben, wie ich sie nach deinem Willen lieben soll. Das Verlangen nach deiner Gnade, die Unmög lichkeit, dich zu lieben, wenn ich meinen Nächsten nicht liebe, das Gefühl meiner eigenen Schwache heit und Unwürdigkeit, das Bewußtseyn meiner eigenen Fehler und Verschuldungen, so wie die Ueber: zeugung von jenen Freuden, die mit einer wahrhaften Nächstenliebe verbunden sind,- nebst der Betrach tung, wie elend der Mensch sey, der, weil er sein Herz verschließt, nicht liebt, nicht wieder liebt;alles dieses, o Gott! läßt mich keinen Augenblick anstehen, ohne einen Jeden, wie mich selbst, zu lieben. - - - 1 -- Sollte ich denn nicht das Gebot meines Gottes befolgen, Liebe zu erzeigen, um Liebe zu empfangen? Barmherzig zu seyn, um Barmherzigkeit zu erlan 227 gen? Könnte es mir noch schwer fallen, Unwillen und Kaltsinn aus meiner Seele zu verbannen, jede Beleidigung von ganzem Herzen zu vergeben, Schwachheiten und Fehler Anderer nicht so streng zu nehmen, viel weniger sie dem Urtheil und Gespötte der Welt auf irgend eine Weise bloß zu stellen, allezeit ein thätiges Mitleiden zu haben, und mich überhaupt so in Allem gegen Andere zu betragen, wie ich es in Ansehung Meiner von ihnen wünsche und erwarte? pa Belehrung. Gott, der du Jeden richtest nach seiner Erkennt niß und nach seinen Kräften! Du allein kennst des Menschen Herz, und prüfest sein Juneres; du allein weißt's, ob und wie lange es des Hasses oder der Liebe, der Seligkeit oder der Verdammniß würdig sey. Und weil nur du es weißt, so hast du befohlen, Niemanden freventlich zu richten und zu vers dammen, sondern immer auf uns selbst zu sehen, damit wir selig würden. Dieses soll uns auch bewegen, niemals an Jemandens ewigem Heile zu zweifeln, etwa darum, weil er ein Sünder, ein Nichtgläubiger, ein Abtrünniger ist. Denn du, o Gott! fichst auf's Herz und auf die geheimsten Triebfedern jeder menschlichen Handlung, die, selbst bei den bösesten Thaten, nicht immer Bosheit und gänzlic cher Vorsatz sind;- du bist ein gerechter und barm 228 - herziger Gott, und handelst nicht unbillig, daß du Jemanden verdammen solltest, ohne sein eigenes Verdienst und Selbstverschulden; wirst uns auch unfere Schwachheitsfehler nicht zum Verderben rech: nen, noch auch selbst das letzte aufrichtige Flehen eines sterbenden zerknirschten Herzens mit Ungnade aufnehmen. Denn du bist die Liebe;- schufft uns nicht zur Verdammniß, sondern zur Seligkeit;- bist Unser aller Schöpfer, Unser aller Vater;. willst, daß wir einander ansehen, wie unser eigenes Fleisch, und alles entfernen, wodurch Groll und Lieblosigkeit in unsern Herzen genährt wird. Und obschon es unsere Pflicht ist, Sünde und Frrthum zu steuern, und Wahrheit und Rechtschaf fenheit möglichst zu befördern, so willst doch du, 0 Gott! nicht, daß dieses anders geschehe, als wie es zum wahren Besten Aller, und zur Ehre deiner heili gen Religion gereicht, deiner Religion, die Liebe und Demuth lehrt. Dieß zu erfüllen, ist unsere Pflicht; darum sollen wir lernen, sanftmüthig und von Herzen demüthig seyn. - O Sanftmuth, o Demuth! wie lenket ihr das Herz zur Wahrheit, zur Wohlthätigkeit, zur Liebe hin! möchtet ihr mich ganz durchdringen. Ein Sanftmüthiger und Demüthiger, wie du, o Gott! es willst, daß wir es seyn sollen liebt alle Men schen als sich selbst, freut sich aller Menschen, bethet für alle, richtet Niemanden, wünscht und be--- 1 229 fördert Anderer Wohlfahrt wie seine eigene, und kann den Gedanken nicht ertragen, einen Einzigen von deiner göttlichen Barmherzigkeit auszuschließen, sondern bittet vielmehr um die Seligkeit Aller, und überläßt alles deiner Gnade und Barmherzigkeit. Ach! wie elend, ja! wie feindselig und unges recht ist der Mensch nicht nur gegen seinen Nächsten, sondern auch gegen sich selbst, der das Se= lige der Sanftmuth, der Demuth, der Güte, der Nachgiebigkeit, der Billigkeit und allgemeinen Menschenliebe zwar nicht verkennt, dennoch aber eher ein Feind seiner eigenen Ruhe und Glückseligkeit bleibt, als daß er jene unvermeidliche Anstrengung und Aufopferung anwenden sollte, ohne die es ihm uns möglich ist, das zu erwirken, was seine Seele wünscht! 1 -- - Gebet und Erweckung. Gott! es ist deine Gnade, daß ich das alles erkenne. Laß diese Erkenntniß mir zur Warnung werden, wenn auch ich aus Uebereilung oder Schwachheit nicht immer befolge, was ich der Liebe meines Nächsten schuldig bin! Habe ich bisher deinem Gebote entgegen gehandelt, o, so wirst du, ewiger Erbarmer! auf die Wünsche und Vorsätze sehen, die jest meine Seele erfüllen! Sollte ich dann von nun an dich über alles, meinen Nächsten aber wie mich) selbst lieben? Ja, ich liebe, Herr! mein Herz ist 230 bereit. Dein Gebot ist Liebe; ich will es erfüllen. Jeder ist mein Nächster; auch wenn er mich beleidi: get, bleibt er mein Nächster; soll ich mich an meis nem Bruder- an meiner Schwester- an meinem eigenen Fleische rächen? Nein, Herr!- Du be fiehlst Liebe, und siehe! ich liebe. 12. Um Gnade, - rechtschaffen vor Gott zu wandeln. Verleih mir doch, allmächtiger und erbarmender Gott, daß ich alles, was dir wohlgefällt, stets eifrigst wünsche, ihm weislich und mit Ernst nach: trachte, es recht erkenne, und aufs vollkommenste erfülle! Verleih auch, o Herr, daß ich in meinem Stande nur lebe, einzig und allein zu deines Nas mens Lob und Verherrlichung, daß ich dasjenige, was du von mir forderst, also wolle, thun und zu vollbringen fähig sey, wie es vor dir recht, und dem Heile meiner Seele zuträglich ist! Leite mich zu dir auf einem ebenen sichern und vollkommenen Wege, auf einem solchen nämlich, der mich weder im Glück, noch im Unglück von dir abführt, damit ich in jenem nicht stolz, und in diesem nicht kleinmüthig werde; auch, wenn mir's wohl geht, dir dafür danke; und, wenn ich im Leiden bin, es standhaft und mit Geduld ertrage! Laß mich über alles Freude empfinden, was mich dir näher bringt; über alles mich betrüben, was mich von die 231 entfernt; Keinem zu gefallen suchen und zu mißfallen fürchten, als allein dir! Eben so gib auch, daß ich alles verrichte in herzlicher Liebe, und was nicht zu deinem wahren Dienste und Lobe gehört, als un würdig verachte; daß ich das Gute nie blos aus Ges wohnheit oder aus eitler Absicht thue, sondern das bei jedesmal auf dich zurück sehe mit dem innigsten Danke! bir W Alles, was irdisch, was vergänglich ist, sey mir unwichtig und klein; und nur das sey mir groß, was himmlisch ist, so wie alles Gute mir lieb bloß deinetwegen, und du über alles! Jedes Vergnügen, jeder Wunsch, wovon nicht du die Quelle bist, müsse mir unerträglich seyn, jede Mühe aber, die ich für deine Ehre und aus Liebe unternehme, leicht und zur Wonne werden; auch keine Ruhe auf der Welt mir jemals gefallen, die sich nicht auf dich gründet! Gib, Herr, daß ich mein Herz oft inbrünstig zu dir erhebe, und meine Fehltritte und Gebrechen mit wahrer Reue und dem aufrichtigsten Vorsatze, sie zu beffern, überdenke! Gib, daß ich sey frommt ohne Gleißnerei, freudig ohne Zügellosigkeit, demis thig ohne Stolz, und wahrhaft in meinen Worten ohne Arglist; daß ich dich fürchte ohne Verzweiflung, auf dich hoffe und vertraue ohne Vermessenheit, und immer wandle ehrbar wie am Tage, ohne im Ges ringsten jemals sündlich auszuschweifen; daß ich meinen Nächsten belehre ohne Unwillen, liebe ohne 232 - Verstellung, und durch Reden und Beispiel erbaue ohne Uebermuth; endlich, daß ich deinem Gesetze treu sey ohne Widerspenstigkeit, und geduldig ohne Murren! Gib mir auch ein wachsames, zum Bösen unbewegliches Herz, das sich durch irdische und lüsterne Gedanken nicht von dir abwendig machen, oder von irgend einer unedeln Neigung an die Erde fesseln läßt! Gib mir ein unüberwindliches, freies, stets weises Herz, das durch keine Widerwärtigkeit nie: dergedrückt, von keiner wilden Leidenschaft beherrscht, und durch unwürdige, verkehrte Absichten nicht ges leitet wird! chilominu Verleih mir Erkenntniß, o Herr mein Gott, daß ich dich erkenne; Eifer, daß ich dich suche, Weisheit, daß ich dich finde, und allezeit einen dir wohlgefälligen Wandel führe, im Vertrauen auf dich beständig bleibe, und niemals die so selige Hoffnung verliere, dich einst ewig zu besitzen! Laß mich deine Wohlthaten hier auf Erden zu meinem Heile gebrauchen, und deiner Herrlichkeit und Freuden in jenem Leben theilhaftig werden! Diese Gnade verleih mir durch Jesus Christus unsern Herrn! 233 13. 3u Gott dem Dreieinigen. Glaube und Bekenntniß. Allmächtiges, ewiges, allwissendes, unwandelbares, unbegreifliches Wesen aller Wesen, lauterer Urquell aller Wahrheit! Ich glaube an dich; und in diesem festen Glauben bekenne ich dich vor Him: mel und Erde als den großen dreieinigen Gott, den Schöpfer und Regierer der ganzen Natur, meinen und aller Menschen Vater, Erldser und Seligmas cher; den gerechtesten Belohner der Tugend, und Bestrafer des Bösen; einen unermeßlichen, unaussprechlich vollkommenen Gott, von dessen unende licher Heiligkeit, Macht, Weisheit, Majestät und Erbarmniß alles zeugt und immer zeugen wird; den Ursprung alles Guten, was da ist, was ich wirk lich empfangen habe, und noch zu empfangen hoffe; den Ausspender aller Guaden und der ewigen Seligkeit. - Bitten. 1 Herr! allmächtiger und dreieiniger Gott, der du von jeher und in allem bist, und immer und in allem seyn wirst, ein Gott, gepriesen in Ewigkeit! Dir und deiner våterlichen Fürsorge empfehle ich jetzt und allezeit meine Seele und meinen Leib, alle meine Gedanken und Begierden, auch meinen Willen und meine Erkenntniß,- kurz! alles, was 234 ich habe, denke oder thue, daß du es beschützen, lenken und heiligen wollest Tag und Nacht, und die ganze Zeit meines Lebens. Ferner empfehle ich dir meinen Glauben und alles Gute, dessen du mich durch deine Huld theilhaftig gemacht hast, damit ich sowohl hierin, als auch vornehmlich im Vertrauen und in der Liebe gegen dich mit jedem Augenblick zunehme, und darin standhaft bis in den Tod ver: harre. - - - Erhöre mich, und bewahre mich vor allem B fen, vor allem Nergerniß geben, vor allen tddtlichen Sünden, und vor allen schweren gefährlichen Anfechtungen! Ich bitte dich durch die Fürsprache, Tu genden und Verdienste aller deiner Heiligen. Vers gib mir alle meine Sünden, und erfülle mich mit Kraft und Ernst zur aufrichtigsten Besserung! Laß Stolz und Uebermuth mich nicht verleiten, und erz schaffe in mir den Geist der wahren Demuth! Er weiche mein oft kaltes und hartes Herz, und erwede darin eine Quelle der feurigsten Inbrunst! Beschüße mich und meine Seele wider alle feindlichen Anfälle der Hölle, der Welt und meines eigenen Fleisches, und erhalte mich auf dem Wege deines heiligen Wohlgefallens! Lehre mich, stets deinen Willen vollbringen, der du mein Gott und mein Vater bist! Verleih mir Gnade, nichts von dir zu bitten, als was dir angenehm und mir heilsam ist! Entkräfte in mir alle bösen Neigungen und Leidenschaften, und 235 gib, daß ich aus Herzens: Grund alle meine Fehler und Sünden oft erwäge, schmerzlich und aus Liebe zu dir bereue, fie immer mehr und mehr bessere, und dadurch endlich von ihren Fesseln gånzlich erlediget werde! Gib mir auch eine vollkommene Erkennt niß aller deiner Wohlthaten, damit ich die Ueber: schwenglichkeit deiner Gute täglich tiefer einsehen und dankvoll preisen moge! Hore mich, Herr mein Gott, Licht meiner Seele - hdr' und erhöre mein Gebet, und laß mich dich also bitten, daß du mich erhören kannst! Weichest du von mir ab, so gehe ich zu Grunde; wendest du dich aber zu mir: so lebe ich wieder auf. Fo= derst du von mir nichts, als Gerechtigkeit: so bin ich vor dir wie ein Todter; schauest du aber auf mich voll Gnade: so werde ich wie ein Mensch, den du wieder aus dem Grabe erweckest. - Entferne von mir alles, was dir an mir mißfällt, und pflanze in mein Inneres den Geist der Andacht und der Liebe, damit ich, wenn ich zu dir bete, dich nicht beleidige! Nimm hinweg, was mir schadet, und beschere mir, was mir gut ist! Schenke und erhalte mir hinlängliche Mittel, die Wunden meiner Seele zu heilen,- ein recht brünstiges Vertrauen gegen dich, ein völlig zerknirschtes, sanftmüthiges Herz, ein stets wirksames Bestreben, und ein reines, ruhiges Gewissen! Laß auch nicht zu, um diese Gnade flehe ich, o Gott, der du jedem - 236 heiligen aufrichtigen Gebete Kraft verleihest- daß ich die brüderliche Liebe jemals( wieder) verletze, mich über Anderer ihre Fehler und Gebrechen lieblos aufe halte, und meiner eigenen, oft noch größern, verz geffe! Unterdrücke in mir alles auch das Ges ringste, was dem zuwider ist, und verlaß mich doch in meiner Armseligkeit nicht! Suche mich heim in Gnaden, Herr!- denn ich bin schwach. Stärke mich, und sey mein Hel fer!- denn nicht immer ist mein Wille zum Guten geneigt. Gib mir mehr und mehr ein Herz, das dich fürchtet und liebet; eine Erkenntniß, die sich oft mit dir und der Betrachtung deiner Größe bes schäftiget; eine Bereitwilligkeit, immer und allezeit dir und deinem Gesetze treu und eifrig anzuhangen; eine Zuversicht, oft und mit Inbrunst freudig zu dir hinaufzuschauen! Erbarme dich Meiner, und sieh auf mich von dem heiligen Throne deiner Herrlichkeit, und erleuchte jede Finsterniß meines Herzens mit dem Lichte deiner allmächtigen Gnade! Lehre mich Gutes vom Bösen unterscheiden, und wachsam gegen mich selbst seyn! Verzeihe mir alle meine Sünden und Uebertretungen, und laß mir Begnadigung und Hilfe von dir widerfahren, so oft ich in Noth und Angst bin! Ach Herr! Gib mir das ewige Leben, nach deiner Güte und nach dem Ueberflusse deiner Barms herzigkeit! Mache, daß ich, so lange ich auf Er: 237 den bin, mich stets nach dir aus allen Kräften sehne, dich über alles liebe, aufs kindlichste fürchte, und deis nen Willen vollbringe, damit, wenn der letzte Tag und das Ende meines Lebens kommt, du mir dann seyn mdgest wie du so gerne bist- ein barmherzi= ger Vater und ein begnadigender Seligmacher, und mich aufnehmest ins himmlische Paradies in die Ges meinschaft deiner Engel und Auserwählten! - 83 14. Ueber die Liebe Gottes gegen uns, in Hinsicht auf Christus. Bist denn du nicht die Liebe, Gott? darin zeigtest du vornehmlich, daß du die Liebe bist, daß du deinen eingeborenen Sohn in die Welt fandtest zur Versöhnung für unsere Sünden, auf daß wir durch ihn leben möchten.( 1. Joh. 4. 9, 10: 4. 8 u. 9.) Ach!- und du o Jesus, ewige Güte! wur dest willig das Opfer für unsere Sünden, und nicht nur für unsere, sondern für die Sünden der ganzen Welt;( d. h. vom Beginnen des Menschengeschlechts, bis zur Beendigung desselben; wer sich nur immers hin die Erldsung durch Christus benutzen will) wurs dest unsere Versöhnung, unsere Rechtfertigung, une sere Heiligung, unsere Erldsung, wurdest Mittler, unser Fürsprecher, wodurch wir im Glauben Zugang haben zu Gott und zu seiner Gnade( 1. Joh. 2, 2. - 1. Kor. 1, 30.- Rom. 5, 2.) 238 Jesus! wohin hat dich deine Liebe gegen uns gezwungen! eine Liebe, die nie genugsam wieder geliebt werden kann! Denn, um elende, verlorne Menschen zu retten, zu trösten, zu beglücken, vom Wege der Sünde abzuführen, zu Gott zu leiten, und ewig selig zu machen, wirst du Mensch, in Knechts: Gestalt, wirst du selbst ihr Lehrer, ihr Vorbild, und stirbst den allerschimpflichsten Tod, am Kreuz unter Schmach und Schmerzen- gegeißelt, verspottet, verlassen- unerkannt für alle deine Güte, für alle deine Liebe. O Jesus!- fleischgewordenes Wort, durch welches alle Dinge gemacht sind, durch welches auch wir erlöset sind, und selig werden! Du bist mein Gott und Heiland; deswegen erniedrige ich mich auch im Staube vor dir, und bete dich an. Alle meine Hoffnung habe ich auf dich gesetzt. Er leuchte mich, und laß mich dich immer mehr und mehr erkennen, damit ich anfange dich immer mehr und mehr zu lieben! Du, o Jesus! bist wahrhaftig das höchste Gut, die höchste Glückseligkeit einer dir ergebenen Seele. Ach Jesus, Sohn Gottes, Heiland der Welt, unser Trost und unsere Hoffnung! Ewigen Dank sagen wir dir, daß du dich freiwillig, und uns Elenden und Verdammlichen zu Liebe, so tief, so unbe: greiflich tief erniedrigest, Knechts: Gestalt angenom men, und dich der größten Qual und Mühseligkeit, ja, selbst dem bittersten Tode unterworfen hast. - Erbarme, erbarme dich über uns, und laß doch alle deine Arbeit und Mühe- alle deine Leis den das ganze Werk deiner Liebe, nicht an uns vergeblich seyn, sondern gib uns Gnade, daß wir uns gånzlich zu dir wenden, dir standhaft nachfolgen, willig dienen, und stets nach deinem Wohlgefallen leben, damit wir nicht, als undankbare, unwürdige Geschöpfe, am Tage des Gerichts die schreckliche Stimme hören müssen: ,, Gehet ihr Verworfenen! gehet ins ewige Feuer!" 239 - - Ach der Allerheiligste wird durch einen Kuß verrathen gefangen entblößt gegeißelt- ins Angesicht geschlagen- wie ein After König ver= spottet;- Dornen durchbohren das göttliche Haupt. - Wo ist ein Schmerz, der seinem gleicht?- Je= sus stirbt an einem Kreuzbalken. tern Jesus, dein Sohn, o Ewiger!- leidet unbe: greiflich in seiner Menschheit die entsetzlichsten Marfür fündige elende Geschöpfe für mich. Du, aus lauter Erbarmung gegen ein gefallenes une würdiges Geschlecht( um es aus der Sklaverei der Sünde und der Hölle zu retten; uns wieder zu freien Bürgern des ewigen Reichs zu machen; uns deiner Gnade, deines göttlichen Wohlgefallens, deiner ewis gen Herrlichkeit theilhaftig zu machen) überläsfest ihu der Wuth unaussprechlicher Schmerzen., Er, aus lauter Liebe( um deinen erbarmenden Vaterwillen zu vollbringen; dich zu verklären; uns deine Menschen- - = - - 240 kinder zu beglücken, vom Dienste der Finsterniß, vom ewigen Verderben zu erlösen, und unsers Heils, ulls serer Seligkeit zu versichern) ist gehorsam bis zum Tode, zur bittersten Art des Todes gehorsam. Gott! welche unbegreifliche Güte!- Damit wir nicht ewig elend und unglücklich seyn möchten, muß der, den du selbst von Ewigkeit her gezeuget hast, schwach, wie wir, werden; nimmt der, wel cher dein Ebenbild, und mit dir gleicher Wesenheit ist, selbst unsere Natur an, führt in seiner Menschheit das allerniedrigste mühseligste Leben, und erblasset am Kreuz. fieb Ach! wie er am ganzen Leibe ausgespannt da hangt! Wie die unschuldigen Hände vom Blute triefen, und seine Seite durchbohrt ist! Wie auch seine Füße so unmenschlich durchgraben und anges heftet sind! Ach Herr- ewiger Vater! auf deinen gekreuzigten Sohn, und erbarme dich Unser! Vergib uns unsere Sünden, wodurch auch wir eine Ursache seines Todes geworden sind( denn er hat ja gelitten für alle Sünden, som Anfange bis an das Ende der Welt); durch die Kraft seines thenern für uns vergoffenen Bluts! Laß mich stets deine Wege wandeln, und die Wege der Ungerechtigkeit haffen. Damit das Leiden Jesu auch meine Seligkeit zur Folge habe, so vertilge alles Böse aus meiner Seele, und ver erneuere uns - 241 leih mir, daß ich nur thue, was vor dir recht und dir wohlgefällig ist. Und du Heiliger aller Heiligen, mein Herr und mein Gott, mein Schöpfer und mein Vater! Ich möchte gerne ganz nach deinen Geboten leben. Durch Jesus Christus, deinen Sohn, bitte ich, gib mir Gnade dazu, auf daß ich auch schon hier auf der Welt mit demjenigen vereinigt werde, der aus Liebe Mensch für uns geworden ist! - - Ach! wie sein heiligstes Haupt, mit Dornen durchstochen und im Todesschweiße matt und ohne mächtig dahin sinkt! Er stirbt des allerschmählichsten Todes( denn der Kreuz- Tod war damals die größte Schande, und durfte dem freien Romer nicht zuers kannt werden). Am ganzen Leibe zerfleischt und verz unstaltet mit Schmerzen bedeckt- an allen Glie= dern zerrissen, und ganz erstarrt hångt er da. Nichts gesundes ist an ihm. Blut fließt aus allen Wunden hinunter bis auf die durchnagelten Füße. So stirbt Jesus,- er, der Gerechte, der ge= liebte Sohn des ewigen Vaters- er, der Freund, der Wohlthäter der Menschen, der unsere Sünden trug, unsere Schuld auf sich nahm, damit wir Frie: den hätten,- wir geheilet würden. Er stirbt- trostlos und verlassen- als der Verachtetste, der Verworfenste hingehängt an's Kreuz wie ein Missethäter erwürgt wie ein Schlacht: Opfer, das, zur Schlachtbank geführt, seinen Mund nicht aufthut,- 11 - - 242 duldend wie der getreue Hirt, der sein Leben hingibt für seine Schaafe. - So stirbt Jesus, die ewige Liebe, die ewige Wahrheit, Er, unser Heiland, unser Mittler, unser Fürsprecher, unser Seligmacher. So groß ist der Werth unserer Seele, der Werth unserer Begna: digung, unserer ewigen Wohlfahrt, in den Augen einer göttlichen, unendlichen, allerbarmenden Güte und Barmherzigkeit, daß auch ein Gottmensch nicht unwürdig achtet, sich selbst für uns hinzugeben, aufzuopfern, ach! zur Qual, zur Schmach, zum Tode( ja, nur dieser Gottmensch, der frei von aller Sünde war, der Heiligste, der zwar ein Mensch ward, aber in dem zugleich die Fülle der Gottheit wohnte, konnte durch sein Leiden und Tod ein so würdiges, vollständiges Opfer' bringen) um von uns Straf würdigen nicht nur Strafe und Verdammniß abzuwenden, und eine Genngthuung zu leisten, die der Welt Sünde tilgt, die uns Vergebung und Gnade verheißt, sondern auch Zuversicht- dorten Seligkeit und ewiges Leben gewährt. 1 P Dieses, Herr!( die wir Sündergroße Sün der sind) ist unsere Hoffnung, unsere Stütze, läßt ein zerknirschtes gläubiges Herz nie an deiner Gnade verzweifeln; läßt uns in die den zwar gerechten, aber auch versöhnlichen, liebevollen Gott und Vater finden, der an dem Verderben seiner Geschöpfe, seiner Kin 243 der, kein Gefallen haben kann, sondern sie alle gerne glücklich, ewig glücklich machen will. Wie solltest du denn nicht versöhnet werden,- uns nicht Gnade und Barmherzigkeit wiederfahren lassen! Das Blut Jesu Christi deines Sohnes( die: ses Sohnes, an welchem du ein so großes Wohlge= fallen haft; der um unsrer Missethaten willen, so bitter gemißhandelt, und, ob er schon der Unschuldigste der Menschen, ja! die Heiligkeit selbst, war, dennoch unter die Sünder gerechnet worden ist,) dieses Blut, o Gott! flehet zu dir für uns um Vergebung. Hierauf vertrauen wir, und bitten dich mit herzlicher Inbrunst: ,, Verleih uns Kraft, daß ,, wir absterben allem sündlichen Wesen, damit das ,, theuere Werk der Erldsung uns, die wir erkennen, ,, sey zur Gerechtigkeit, zur Heiligung, zum ewigen ,, Leben!" - - - - Frieden, Muth und Trost im Leben Kann allein das Kreuz uns geben; Nie verfehlt der Christ den Pfad, Der das Kreuz zum Leitstern hat. Dulden will auch ich und tragen, Gern dem Tand der Welt entsagen, Und dem Kreuze zugethan Freudig streben himmelan. 11* -- 244 15. Ueber Christi Auferstehung und Him melfahrt. Erweckende Betrachtungen. Jesus lebt, und auch ich werde leben; er ist D auferstanden, und auch ich werde auferstehen. Tod! wo ist dein Stachel? O Hille! wo ist dein Sieg? Herrlich, wie der Ueberwinder des Todes und der Sünde, in göttlicher Kraft, erstand er aus dem Grabe, und vollendete damit das Werk unserer Er Idfung. Nun sitzet er zur Rechten Gottes, seines Vaters, als der, dem gegeben ist alle Gewalt im Himmel und auf Erden; in dessen Namen sich beugen müssen alle Kniee, und aubetend niederfallen alle Kreaturen! - Erfüllt mit solchen Gedanken, Gott! wie groß werde ich mir; und wie schätze ich mich glück: lich, ein Christ zu seyn! Mein Glaube wächst, meine Hoffnung wird erweitert in's Unendliche. Ich lebe nicht für eine irdische Welt, sondern, um einer ewi gen Seligkeit theilhaftig zu werden, die Christus mir durch seinen Tod erworben hat. Dort soll ich ihn sehen, von Angesicht zu Angesicht; meinen Gott, meinen Erlöser und Erbarmer sehen, denjenigen, der für das Heil meiner Seele sich hingab, für mich Mensch ward, für mich starb, ihn da sehen, wo mein Glaube Gewißheit, meine Hoffnung Genuß 14 - SUCH 245 wird; wo alles, was jetzt mir dunkel und unbegreif lich ist, sich aufklären, und meine Erkenntniß und Glückseligkeit immer zunehmen wird; da soll ich ihn ewig anschauen, den theuern, liebevollen Heiland, und in seiner Liebe den Lohn genießen, den er auf einen dem Evangelium gemäßen Lebenswandel ver: heißen hat. Je mehr ich also solchem seinem gåttlichen Worte nachzuwandeln mich beeifere; je größer meine Geduld, meine Sanftmuth, meine Demuth, meine Liebe gegen Gott und den Nächsten ist, desto größer ist auch die Belohnung, die ich einst zu erwarten habe. - Warum aber bin ich dann oft noch so niedergeschlagen und voll Ungeduld, wenn auch nur das min= deste Ungemach über mich kommt? warum so -- - aufgebracht bei der geringsten, oft unvorsetzlichen Mißhandlung? so unwirksam, Gott von ganzem Herz zen, von ganzer Seele, aus allen Kräften und über alles, den nächsten aber wie mich selbst, zu lieben? Wer dort mit Christus verherrlicht werden will. muß hier mit Christus leben. Was war aber fein ganzes Leben anders, als Mühseligkeit, als Duls dung und Erbarmniß, Gehorsam und Erfüllung des göttlichen Willens seines himmlischen Vaters?- O! so send dann mir gesegnet, theure Widerwärtigkeiten, mit allem, was mich ihm, meinem Heiland, ähnlich und gegen diese Welt( so viel es nöthig ist, un - - 246 bei ihren Freuden und Lockungen unbefleckt zu blei ben) täglich stärker und gleichgültiger machen kann! Und du, o Liebe, o Demuth, o Geduld, ihr alle feine Tugenden! Kommet in mein Herz! belebet, erfüllet es ganz- und noch heute! damit ich mit ihm nur Eines Geistes, nur Eines Wandels werde. Dann kann ich mit freudiger Zuversicht an seine Auf erstehung und seine Himmelfahrt denken, und ihm froh in eine Ewigkeit folgen, wo er zwar mein Nichter, aber auch gewiß mein Erbarmer und ewiger Theil seyn wird nach meiner Hoffnung. Und dann, Gott, wie selig wird mein Leben seyn; wie werde ich dich lieben und benedeien! Schöne Heimat, wo zum Lohne Liebe sich der Liebe beut, Wo die schöne Gottheit ohne Schleier alle Bürger freut! Wann, o wann wird mir gegeben, Dich zu lieben, Gott, mein Leben, Dorien in der Seligkeit? Quell der Wonnethränen fließe Bald zu grüßen Ihn im süßen Paradiese, Paradiese! Wie wird mir dann, o dann mir seyn, Wenn ich, mich ganz des Herrn zu freun. Ihn dort anbeten werde! Von keiner Sünde mehr entweiht,- Ein Mitgenoß der Ewigkeit, Nicht mehr der Mensch von Erde! 247 Heilig, heilig, heilig singend, Preis und Lob und Ehre bringend Dem, der war und seyn wird! Gebet zu Jesus Christus. Auferstandener aufgefahrner Heiland, Heiland und Erldser deiner Menschen, sey hochgelobt in Ewigkeit für alle die Erbarmungen, deren du uns würdigest! Dankbar freuen wir uns deiner Menschwerdung und deiner Auferstehung; preisen uns glücklich in deiner Himmelfahrt, indem du nur hingingest, uns eine Seligkeit zu bereiten, die du selbst uns erworben, und den Geist der Wahrheit zu senden, den du verheißen haft. - O! Um diese Seligkeit, um diesen Geist der Wahrheit, der uns heilige und würdig mache, vor dir zu erscheinen mit Zuversicht an dem Tage, da du kommen wirst, uns zu richten- flehen wir zu dir, o Jesus! und trauen auf deine Liebe. - 16. Ueber die Sendung des heiligen Geis stes und ihre Wirkung. Der du vom Vater und Sohn ausgehst, heiliger Geist! ewige unerschöpfliche Quelle der Weisheit und des Lichts, des Trostes und der Gnade! wie wunders voll sind deine Wirkungen! Du kommst, und der ganze Erdenkreis erneuert sich. Neues Leben, neuer <-248 F Eifer, neue Gesinnungen. Apostel- diese noch vor kurzem so furchtsamen, ungelehrigen Apostel- treten auf bewaffnet mit Muth und Erleuchtung; gehen in alle Welt, und predigen das Evangelium. Menschen aus allen Ständen- Hohe und Niedere, Weise und Unwissende, Starke und Schwache- hdren ihnen zu, und fühlen die Kraft ihrer Worte; glauben an Jeſus den Gekreuzigten, und folgen seiner Lehre. Der Fürst dieser Welt ergrimmet; und nun wird erfüllt, was Christus vorher gesagt hat: ,, Ich bin gekommen, nicht den Frieden, sondern das Schwerdt zu senden." Drohungen, Vers folgungen, Berheißungen, die allerschrecklichsten Mara tern, alles wird angewandt, fie abtrünnig zu machen. Aber umsonst. Sie bleiben Christus und feinem Worte getreu bis auf den letzten Augenblick ihres Lebens, und freuen sich, daß sie gewürdiget worden sind, für den zu leiden, mit welchem sie nun bald verherrlichet werden sollen. 17. 3u Gott dem heiligen Geist. Erstes Gebet. um Sendung seiner göttlichen Gaben und Wirkungen in unser noch sündliches Herz. Geist der Allmacht, der Heiligkeit und des ewigen Lebens! wie groß ist dein Einfluß, wie süß und voll himmlischer Kraft deine Trdstung, womit 249 du auf eine Seele wirkst, die jede Einsprechung dei ner Gnade freudig und ohne Aufschub befolgt! Komm! o, komm auch auf mich herab! deine Hülfe suche ich; deiner Hülfe bedarf ich. Komm und erneuere alles, was du durch die Taufe in mir gez wirket hast! Laß leuchten dein Licht aus der Höhe in das Innerste meines kalten, der Sünde noch so unabgestorbenen Herzens! Durchdringe, erwärme, heiz lige es, und mache mich zu einem Menschen, der dich sucht, die folget, dir anhångt, zu einem standhaften und treuen Bekenner Jesu Christi, Nachfolger seines Kreuzes und seines Wandels, treuen Befolger seiner Lehre, und Erben seiner Gnade, und Miterben seiner ewigen Herrlichkeit! O selig, wer dessen würdig ist! Wie verlangt mich danach! MO - - 3 weites Gebet. Nm Kraft und Gnade zur treuen Christenthums- Be= folgung. Heiliger Geist, Quelle alles Guten und aller Gnaden! Du, durch dessen unendliche Barmherzige keit ich zur wahren seligmachenden Erkenntniß und zum Christenthum berufen bin!- eine Wohlthat, wofür ich dir nie genugſam danken kann! Dichdich rufe ich vornehmlich an, daß du mir Gnade und Stärke geben wollest, diesem meinen Glauben künftig allzeit gemäß zu leben. Ohne deinen besondern Beiz - 250 1 stand kann ich das nicht; bin ich schwach, jedem sündlichen Anfall zu widerstehen; bin ich unfähig, alle die Liebe auszuüben, die du, Gott! am Tage des Gerichts von mir fordern wirst, und ohne welche weder Glauben noch Erkenntniß bei aller unserer übrigen Zugend und Frömmigkeit- vor dir selig macht. - - Drittes Gebet. Allgemeine Beistands- Erftehung wider alle künftige Ber: suchung zur Sünde. Geist Gottes und der Kraft, ohne dessen Beis stand auch die heiligsten Entschließungen unerfüllt bleiben! sey du mit mir auf allen meinen Wegen, und verlaß mich nicht! Schenk mir Muth und Stärke, fo viel meine Schwachheit bedarf, um wider so manche sündliche Versuchung der Welt und meiner eigenen Begierden heilsam zu kämpfen! Wenn Sünde mich bedrängt, meinen( jetzt und schon so oft) von mir gemachten heiligen Vorsätzen auf's Neue ungetreu zu werden;- wenn Lauigkeit mich wieder von deinem Dienste und der Beförderung meines ewigen Heils abhalten will; wenn Kirche, wenn öffentliches Erbauen, dein Wort, o Gott! und Sakrament anfangen, mir gleichgültig zu seyn; Men schenfurcht und Zwecks Unlauterkeit meine Andacht beflecken, und meine Gebete nicht mehr Drang inni- 251 ger Liebe und Zuversicht gegen dich, sondern nur Ges wohnheit oder gar Ausdrücke des Unmuths und des Mißtrauens, oder Leidenschaft und der Gottes: Vers suchung sind: dann hilf! dann laß Inbrunst und Gnade mein ganzes Herz erfüllen, damit es aus seiner Unseligkeit erweckt, und ich voll deines Eifers werde. Wenn Andacht und Frömmigkeit, deren wahres Empfinden das Herz ihrer Verehrer immer mehr stärkt, und zur frohen Pflichterfüllung und Liebe Gottes an facht, mir keinen Trost und nur fürchtvolle Bilder verschafft; Eitelkeit und fündliches Trachten mich gelisten lassen, Augen und Bewunderung Anderer auf mich zu ziehen, unbilligem Lob und Ansehen nachzustreben, und ein Gleißner vor Gott und den Men= schen zu seyn; Eigennuß und Habbegierde mich antreiben, Handlungen zu begehen, die wider alle so= wohl christliche als menschliche Lebens: Weisheit und Rechtschaffenheit sind, und die ich selbst, auch als ein Ungerechter, in Ansehung Meiner von Andern nie. dulden und gutheißen würde. Wenn Eifersucht und verkehrte Eigenliebe mich zu verleiten suchen, unfriedsam und unbillig, neidisch und gierig auf des Nachsten Glück, Wohlstand und Vorrechte zu werden; Falschheit und Unredlichkeit mein Herz vergiften,- mich bereden wollen, Andere oder mich selbst von Recht und Wahrheit zu entfernen, Mitmenschen zu hintergehen, um darin einen Deckmantel nicht nur 252 des Bösen, sondern auch des Guten und Erlaubten zu finden. Wenn Fleischeslust in mir sündliche Begierden erregt; Haß und Groll sich meiner Seele bemächtigen, mich von Frevel zu Frevel führen, und am Schaden und Verderben meines Feindes frohen Antheil nehmen lassen. Wenn Jähzorn und Unwillen mich entrüsten; mich in meinem tåglichen Umgange hart, unfreundlich, unbeugsam und ungerecht machen; Leichtfertigkeit mich zu unzüch tigen, ehrenrührigen, religionswidrigen Neden und Handlungen( selbst in Gegenwart und zum Verderben unschuldiger Seelen) veranlasset; Lieblosigkeit und Härte mein Herz verschließen, also, daß ich Hülfs: bedürftigen nicht, so viel ich kann, beistehe, und zu ihrer zeitlichen und ewigen Wohlfahrt alles Mögliche beizutragen suche; Macht und Freiheits- Mißbrauch mir zur Entweihung heiliger Pflichten und Gesetzezur Empbrung wider Gott, Religion, Menschenliebe und Gewissen- zur Störung öffentlicher allgemeiner Ruhe sich darbieten. Wenn Ruhmsucht und Ehre mich aufblähen, und aufangen, hauptsächlich die Triebfedern meiner guten Handlungen und Enthal: tung von bösen zu seyn; Rachgier mir behagt, mich nicht mehr abhält, Unbild mit Unbild zu erwidern, 1 DMC IND mich das Gebot Christi nicht erfüllen läßt, Böses nur mit Gutem zu vergelten, und gegen Widersacher wohlwollend und voll Liebe zu handeln; Starrsinn und falsches Errdthen mir zur Anerkennung zur I 253 Dankbarkeit zur Theilnahme zur Versöhnung zum Widerruf oder Geständniß eines selbst er kannten Frrthums und Vergehens- zur Befolgung der Wahrheit und Weisheit, so wie zur Sanftmuth und Selbst Ueberwindung alle Kraft und Mittel entziehen; Streben nach Menschengunst mich zur Berhehlung, zur Unredlichkeit und zu Lügen verführen will; Schwermuth und Ungeduld mich ergreifen; unchristliche Klagen über Unbilligkeit und Undank mir auspressen; und alles zur Beruhigung vergeblich ist. = - P - Wenn Seligkeits- Furcht mich zur Verzweiflung Seligkeits- Hoffnung mich zur Vermessenheit brins gen will; Stolz und Uebermuth mich absondern, daß ich Vorzug, Ehre, Verdienst, Würdigkeit und Kräfte, einzig aus sündlichem Wahn, Andern zu wenig, mir selbst aber zu viel beimesse; auch in allem, was ich davon nicht unbillig genieße oder wahrhaft besitze, mehr auf mein eigenes Veranlassen und Verdienst, als auf deine Gnade Nücksicht nehme; Stand oder Kenntnisse, Glücks- oder Natur: Gabe mich der Vers suchung aussetzt, herrschsüchtig und roh, unbeugsam und lieblos selbst gegen die zu handeln, denen ich noch besonders Achtung, Nachsicht und Liebe schuldig bin; Tadel und Verläumdungs- Trieb mich geneigt macht, Anderer Thun und Lassen, Sinn und Ges danken heuchlerisch auszuforschen, Fehler und Sünden von ihnen lieblos( und ohne Nothwendigkeit) - 254 zu offenbaren, zu beschmähen und in's Gespräch zu bringen. Wenn Trägheit und Widerwillen, Ungemach und Furcht, Untreue und Gewissenlosigkeit mich bewegen wollen, diese oder jene Pflicht nicht unermüdet, nicht genau und redlich zu erfüllen; Unmäßigkeit reizet, mich mit Essen oder Trinken vorsetzlich, wissentlich zu übernehmen, und dadurch untauglich zu Werken der Gottseligkeit und der Menschenliebe, so wie zur Vers richtung meiner übrigen Obliegenheiten zu machen; Ungerechtigkeit mich zum Trug, zur Beraubung, zur Unbarmherzigkeit hinzureißen droht; Undank mich dahinbringen will, Offenherzigkeit und Vertrauen Anderer zu mißbrauchen, Wohlthäter und Freunde zu beleidigen, das mir von ihnen erwiesene Gute zu mißkennen, oder mich gar treulos und boshaft gegen sie zu betragen. -- Wenn Unduldsamkeit und Frr Eifer mich der Pflichten vergessen machen, deren Vernachlässigung schweres Verlegen allgemeiner Nächstenliebe seyn würde; Weichlichkeit und Hang zum Sinnlichen mit Tugend- Pflicht und Religions: Befolgung unbillig erschweren, mich vom Guten, Nothwendigen und Nüßlichen abziehen,- mich auffordern, übermäßig in meinem Aufwande zu werden, und Eigenthum, das ich nur weislich, dankbar, wohlthätig zur erlaubten Freude, zur Unterstützung und zum Besten Andes rer( vornehmlich meiner Angehörigen) anwenden ſollte, 1 - unnothdürftig zu verschwenden, oder mit Verlassung aller Billigkeit sonst zu mißbrauchen. Zweifelsucht mich anficht, mich durch ehrfurchtloses Erforschen deiner unbegreiflichen Geheimnisse und GlaubensGegenstände in Gefahr stürzt, ein Ungläubiger, ein Heuchler, ein Gotteslästerer zu werden; ja! wenn Sünde mich verstockt,- alle Veranlassungen und Aufforderung zur Buße keinen Eindruck mehr auf meine Seele machen, und ich, stündlich der Ewigkeit näher, nur noch lebe, um immer verruchter und ver= dammlicher zu werden: - 255 Dann komm mit der ganzen Kraft deiner Allmacht, o du Geist der Gnade und Barmherzigkeit, damit ich der Sünde widerstehe, und erkennen möge, was ich durch sie bin, und was ich seyn werde, wenn ich ihren Eingebungen auch diesesmal folge! Ja! dann erscheine du, o Jesus, Vorbild aller Heiligkeit und Tugendfülle! erscheine mir mit deiner Demuth, mit deiner Sanftmuth und Menschenliebe, mit deinem ganzen Wandel auf Erden, und allem, was du um Sünder und um meinetwillen gethan haft und noch täglich thust! Erscheine mir, wie du ers scheinen wirst am Tage des Gerichts, kommend wie ein göttlicher Richter, umgeben mit Kraft und Mas jestät, schrecklich den Frevelhaften, die hier, dein Wort und deine Liebe verachtend, nur bösen Lüften gesegnet allen denen, welche durch Unschuld oder durch Buße mit immer mehr und mehr nachhängen, - - 256 gegen dich wachsendem Dienst: Eifer trachten, einzig nach deinem Wohlgefallen zu leben, und in deiner Gnade zu sterben! Wie wird das mein Herz so ganz umschmelzen, und jeden bisher unbesiegbaren Reiz zur Sünde darin vernichten! Wie wird das meinen Glauben, meine Hoffnung, meine Liebe stårken, und in mir Neiguns gen erwecken, deren Befolgung Seligkeit und ewige Freude ist! 2, sich herab von deinem Thron', Du Ewiger, du heil'ger Geist, Den mit dem Vater und dem Sohn' Als gleichen Gott der Cherub preist! Du Gnadenspender- groß und hehr, Du Segensquell, du Lebenslicht, Sieh voll Erbarmen auf uns her, Verschmähe unser Flehen nicht! Schließ' uns der Wahrheit Pforten auf, Nimm von uns weg des Hochmuths Wahn, Zur Weisheit lenke unsern Lauf, Und geh als Leitstern uns voran! Steh' uns im Werk des Glaubens bey, Daß wir mit reinem Christus sinn, Der Lehre deiner Kirche treu, Für Gott nur und für Tugend glüh'n! Vertilge unsrer Sünden Schuld, Und laß Vergebung, Muth, Vertrau'n, Trost, Demuth, Frieden und Geduld In Fülle auf uns niederthau'n! 237 Gib uns zum Guten Kraft und Lust, Und unserm Tageswerk Gedeih'n, Und weihe deiner Kinder Brust Zum Tempel reiner Liebe ein! www Erweiche uns für fremden Schmerz Durch Edelsinn und Mitgefühl, Zich Aller Sehnsucht himmelwärts, Und stärke uns am Lebensziel! Und ruft einst der Posaune Ton, Dann führ' uns ein im felgen Kreis, Und dir, dem Vater und dem Sohn' Erschalle ewig unser Preis! Fürbitte. 1) Pflicht, Absicht und Folgen derselben. Gott! Die Liebe will es, daß, da ich dich für mich selbst um Gnade anflehe, ich auch für diejenigen bitte, deren Wohlfeyn und Heil mir wie das meinige am Herzen liegen soll. Und ob ich schon weiß, daß du unsere Seufzer, woran oft Schwachheit und Unwissenheit zu sehr Antheil haben, immer nur in so weit erhörst, als es, deiner Vorsehung, Weisheit und Vaterhuld nach, für unser und das allgemeine Beste gut und nothwendig ist: so will es dennoch die Liebe und dein Gebot, o Gott, daß wir als Mitbrüder und Mitschwestern durch wechselseitiges Gebet einander unterstützen und zum Guten lenken, damit 258 Pflichte und Gottes- Erkenntniß, Wohlthätigkeit und Menschen Beglückung immer ausgebreiteter, und dein Name von Allen gepriesen und geheiliget werde in Ewigkeit! Darum bitte ich dich auch, o du unfer Vater! und empfehle dir nicht nur vornehmlich alle meine Angehörigen, Freunde und Bekannte, sondern auch alle Menschen. : 2. Erste Fürbitte. Um unsere und aller Menschen ewige Se ligkeit. Menny Ach! Du willst ja, daß wir alle selig werden. Gute und Böse, Christen und Nichtchristen, Recht: gläubige und aus Unwissenheit im Irrthum Lebende, alle sind durch das theure Blut deines Sohnes Jesus Christus erldset; Alle sind deine Kinder, die du nur darum schufft, daß sie ewig bei dir seyn und glücklich leben möchten. Dennoch wandeln so viele dieser Gnade unwürdig, weil sie bei aller Erkenntniß, die sie vor Andern von dir empfangen haben, doch nicht so leben, wie es Pflicht und ihr Glaube von ihnen fordern; niemals oder doch nie rechtschaffen die Mittel zur Seligkeit anwenden, die du ihnen dars bietest; insgemein nur den Trieben ihres verkehrten Herzens folgen, und so auf dem Wege des Verderbens fortwandeln bis an ihr Ende. Wenn ich das denke, Gott! und denke zugleich, daß auch ich so oft SU - - 259 wider Wissen( und Gewissen) die Pflichten nicht beobachtet, die mir mein Glaube befiehlt; dann dann, Herr! ergreifen Furcht und Betrübniß meine ganze Seele, und ich weiß nicht, wie ich dich bitten soll, mich nur nicht ewig zu verwerfen. Doch! du bist noch immer der allgütige, der allbarmherzige, gute Gott und Vater, der am Vers derben seiner Kinder kein Gefallen hat, sondern sie alle gerne selig machen will, wenn sie nur selbst nicht widerstreben. Du wirst auch mir Barmherzigkeit widerfahren lassen, und mir Gnade verleihen, Fehler und Sünden endlich zu bessern, und von nun an ganz dein eigen zu seyn. Ach! sind wir denn nicht Alle nur elende schwache Geschöpfe, in Sünden geboren, zum Bösen geneigt, und zum Guten ohne deinen Beistand unfähig? Sey uns gnådig durch Jesus Christus unsern allgemeinen Mittler und Fürsprecher, und verwirf uns nicht am Tage des Gerichts! Um Erleuchtung der Heiden und um Be= kehrung der Irrgläubigen und Unglaubigen zur wahren Religion. Weil aber nur Eine Wahrheit ist, und folglich auch nur Ein wahrer Glaube seyn kann, wie auch du, Gott!- Ursprung und Ausspender desselben! nur Einer bist, so laß doch das Licht der Erkenntniß und des wahren Glaubens auch denen leuchten, die theils von dir nichts wissen, theils aber noch im - - 260 AGENCE Irrthum oder im Unglauben leben! Bekehre sie alle zu dir, und laß sie nicht verderben! 1 Jene, die dich nicht kennen, laß dich erkennen; dich und deinen Sohn Jesus Christus, sammt dem heiligen Geiste, damit auch sie dich loben und ans beten, als den ewigen, dreieinigen, allmächtigen, allerbarmenden Gott! Die aber, welche durch Una glauben, oder Irrthum vom Wege der Wahrheit in Mehrerem abgewichen sind, führe auf denselben zuz rück! Erfülle ihr Herz mit Wohlwollen und Unters würfigkeit gegen deine heilige Kirche! Verwandle ihren Haß in Liebe! Laß sie an eben den Geheims niffen Theil haben, die für uns eine Quelle der Ses ligkeit und des ewigen Lebens sind! Laß sie mit uns alles des Beistandes, aller der Gnaden genießen, welche du durch Jesus unsern theuren Seligmacher, deiner Kirche und ihren wahren Verehrern bis an das Ende der Welt verheißen hast, damit auch sie aller der herrlichen Vorrechte und Belohnungen würdig seyn mögen, die du deinen treuen Gläubigen im ewia gen Leben verleihen wirst! O felige Zeit, da wir Alle, im Glauben und in der Liebe vereiniget, dich Vater, Gott! und Christus deinen Sohn, der für alle litt, für alle starb ,einmüthig bekennen, einmüthig und aus allen Kräften verehren, lieben und anbeten! Wann wird sie kommen? - 261 Um wahre christliche Duldsamkeit und allgemeine Menschenliebe. ( Wie lange werden noch 3wietracht und Verfolgungssucht die Stelle der Religion vertreten?) O Liebe, o Gesetz Christi! vornehmstes Gesek, das uns einst entweder verdammen oder selig machen wird! Geist des Christenthums! Pflicht aller Pflichten! wann wirst du unter uns allgemein werden?- Wann werden wir bedenken, und es uns eine Regel unsers ganzen Lebens seyn lassen, daß der Glaube ohne gute Werke, gute Werke aber ohne wahre, innige, vollkommene, allgemeine Liebe für uns unnütz find? daß du an jenem Tage nicht fragen wirst, wer und was wir gewesen sind, sondern wie wir gelebt; ob wir den Glauben auch durch Werke bewiesen, Hungrige gespeiset, Durstige getränket, Nackende bekleidet 20. und die Pflichten der Liebe gegen dich und unsern Nächsten möglichst erfüllet haben? daß uns, die wir durch deine Barmherzigkeit zur wahren Erkenntniß und zum Christenthum gelanget sind, eben dadurch, wenn wir ihnen freventlich zuwider handeln, ein weit stren= geres Gericht bevorstehe; und daß wir darüber werden zur Rechenschaft gefordert werden, wenn wir diejenigen, die wir durch liebevolles Betragen gegen sie, zur Annehmung deiner heiligen, göttlichen, allbeglückenden, einzig- vollkommenen, wahren Religion ermuntern sollten, dieser so liebenswürdigen Religion, - - ohne welche es( in Betracht jener vorzüglichen Gna: den, die du ihren wahrhaften Bekennern mittheilest) unmöglich ist, auch einmal diejenigen Pflichten völlig zu erfüllen, welche ein Jeder als Mitgenoß der menschlichen Gesellschaft zu erfüllen schuldig ist,- wenn wir, sage ich, anstatt sie dazu aufzumuntern, durch unser böses Beispiel noch mehr davon ab: schrecken, und ihnen zu Haß, Bedrückungen und Ver folgungssucht wider uns und deine heilige Kirche selbst Anlaß geben? Laß sie kommen laß sie kommen, Herr! diese so selige Zeit, auf die ich oft so herzlich hoffe! Und wenn dann nach dem unerforschlichen Rathschlusse deiner allweisen anbetenswürdigen Vorsehung mein bisheriges Flehen auch nicht ganz erhört wird; und es noch nicht geschehey kann, daß wir alle durch den Glauben vereiniget werden: so gib doch, daß uns, die wir mehrentheils alle Christum bekennen, und durch ihn hoffen selig zu werden, wenigstens die Liebe unter einander vereinigen möge! Wir sollten einander noch länger bassen und verfolgen, verachten und verläumden? Wir sollten deine Gebote, alle Menschen ohne Ausnahme- Christen und Nichtchriften, Gläubige und Nichtgläubige, selbst unsere Feinde zu lieben, mit der wärmsten, eifrige sten Liebe wie uns selbst zu lieben, noch länger une erfüllt lassen? Wir sollten die Tugenden und das gute Herz so Bieler aus denen, die nicht unsers -- 262 - - Glaubens sind, die Wohlthaten, welche sie uns und den Unsrigen erzeigen, mit Bosheit und Undank belohnen?- O! wir waren aller deiner Liebe nicht werth, Herr!- nicht werth, zur wahren Religion gelanget zu seyn, worin du uns aus lauter Barmherzigkeit aufgenommen hast, und ewig selig mas chen willst. 263 - M O Liebe, ewige Liebe, Gott! Erbarmer! Laß uns einander lieben, wie du uns geliebet hast, lieben, wie Jesus Christus uns gelehret, und durch sein liebevolles Beispiel gezeiget hat, lieben wie Brüder- wie Kinder eines Vaters, der die Liebe, nichts als Liebe ist! Für alle Nothleidenden. Aus dieser innigen Liebe, die ich nun gegen alle Menschen empfinde,- von der Noth und Armseligkeit gedrungen, worin ich so manche derselben schmachten sehe, bitte ich dich, barmherziger Vater: Laß doch alle diese in ihrem Jammer nicht verderben! Nimm dich Ihrer an! Sey ihnen ein Gott des Trostes und der Erbarmung! Sende ihnen Hilfe! Gib ihnen Stärke und Geduld, Liebe und Zuversicht gegen dich, Ergebenheit in deinen göttlichen Willen, und feste Ueberzeugung, daß alles das leibliche Uebel, welches sie drückt( und woran sie vielleicht selbst schuld sind) durch heilige Beruhigung gemildert, zur Prüfung 264 und Seligkeit angewandt, Gnade und Vaterhuld von dir ist! Ach es gibt so viele Bedrängte, die deiner Hilfe bedürfen, Gott!- so viele Elende und Nothleidende, Trostlose und Verlassene, Kranke und Schwache. Vater! verlaß sie nicht! ich bitte für sie. Du weißt ihre Noth. Erwecke ihnen Freunde und Wohlthäter. Erwecke auch mich zur Liebe! Laß Mitleid und Wohlwollen, das du in mir erreget hast, nicht flüchtig vorübergehen,- laß es wirksam und thätig seyn, und mich durch Trägheit und Menschenfurcht oder gar Widerwillen und Härte nicht abgehalten werden, ihnen schleunige Hilfe zu schaffen! Um Muth Muth zum Gutesthun bitte ich; den gib mir! damit mein Eifer für das zeitliche und ewige Wohl meiner Nebenmenschen täglich zunehme. 3. 3 weite Fürbitte. Für Sterbende. ( Vielleicht sind auch in dieser Stunde, da ich um das Heil aller Menschen flehe, Viele, die in Todesnöthen liegen.). Ach, Herr! Wenn wir je deiner Hilfe bendthia get sind, so ist's gewiß alsdann, da Leib und Seele sich trennen, und wir vor dein strenges Gericht mis sen, um auch sogar über jedes unnützige müßige Wort, das wir stråflich geredet haben, gerichtet zu werden. 265 ou Web uns unglückseligen Sündern, wenn du uns dann nicht hilfst- in jenem gefährlichen Augenblicke nicht hilfft, da wir von allen Menschen, ja! von uns selbst verlassen, von Schmerzen und Todes- Nengsten gequält, und von Gewissensbissen gefoltert, nichts vor uns sehen, als unsere Sünden und deine Gerechtigkeit, eine Gerechtigkeit, die uns dafür nach Verdienst strafen und verdammen wird, wenn nicht du, o Jesus! noch ehe wir sterben, mit eben der unendlichen Erbarmniß und Liebe, womit du dem flehenden. Schächer am Kreuze Gnade versprachst, auch auf uns herabschauest! - Ach! In dieser Stunde, sage ich, gibt es vielleicht Viele, die sich in gleicher Noth befinden. Möchte mein Gebet ihnen helfen können! Ich bitte nicht, o Gott, daß du sie selig machest mit ihren Sünden; ich bitte nur, daß du ihre Bekehrung bewirkest, daß das Blut Jesu Chrifti fie reinige von aller Ungerechtigkeit, und dann selig mache! Erbarme dich über sie! Erbarme dich über Alle, die dem Tode nahe sind, ohne darauf bereit zu seyn; die- selbst ohne das mindeste Vorgefühl desselben- hinsterben, und dadurch plößlich in einen Zustand versetzt werden, welcher dem, der ihn als ein Frevler und Unbußfertiger erblickt, nothwendig bitter und schreckenvoll seyn muß. Unvermutheter Tod! unvermuthetes Gericht! wie sehr hat man sich vor euch zu fürchten, wenn man 12 266 nicht lebt, wie man zu sterben wünscht! Ach, und wie so Biele wie so Viele sind's, Gott!- die dieß nicht thun; die vor dir ein Leben führen, welches roll Sünde, voll Verdammniß ist! - Um Bekehrung der Sünder. O daß das Leiden und Sterben deines für uns Alle gekreuzigten Sohnes an so manchem vergebens wirkt! Daß deine und seine Liebe, o Gott, so wenig erkannt, so wenig geachtet wird! Daß so viele nur leben, dich zu beleidigen, und deine Langmuth zu mißbrauchen! Gedanken, die vermogend waren, selbst ihm, meinem Heiland, in Gethsemane jenen bittern Angstschweiß auszupressen, und eine Mit: Ursache seines Gott! tiefen Traurens und Entsetzens zu seyn! wenn ich sie überdenke, wie blutet dann mein Herz für so viele Armselige, die vielleicht nicht deiner Gnade mehr werth sind; die mit jedem Augenblicke in Gefahr stehen, unter die Verworfenen zu gehören, du aber doch zur ewigen Seligkeit erschaffen und er= Idset haft! Soll denn das für sie vergeblich seyn? Soll das Blut Jesu Christi, welches für die Sünden Aller floß, nur für sie ohne Nutzen seyn?- Herr, Erbarmer! komm ihnen zu Hilfe! komm ihnen mit einer Gnade zuvor, und laß ihnen Barmherzigkeit widerfahren! Sünde hat ihr Herz verstrickt; sie wissen nicht mehr, was sie thun. - 267 Gedenk an deine Liebe, an dein eigenes Vers langen, sie an deiner göttlichen Seligkeit Theil nehmen zu lassen! Gedenk, daß dein eigner Sohn sich Dem schmerzlichsten Tode des Kreuzes unterwarf, das mit sowohl sie als wir Alle von der Sünde und der Hölle erldset, und durch ihn selig würden! Gott, Erbarmer! bekehre sie! Erweiche ihr Herz zur Buße! Laß sie den unseligen Zustand erkennen, worin sie sind. Und ist ihre Seele zu sehr verstockt, so sende über sie Trübfal, und mahne sie durch heil same Züchtigungen! Viele kamen dadurch zur Ers kenntniß, bereueten ihren geführten Lebenswandel, thaten Buße, und freueten sich deiner Gnade. Sagst du nicht selbst, du wolleft nicht der Sünder Verder= ben, sondern daß sie sich zu dir bekehren und ewig leben? Ohne deine Hilfe können sie aber nicht Buße thun, und selig werden, sie sind, so wie wir Alle, elende verlorne Geschöpfe. - - - Erbarme dich also Ihrer, Gott! Sieh auf das Blut, das für sie vergossen ist, auf die Fürbitte der Mutter des gekreuzigten Erldsers, auf die Fürbitte aller Heiligen und Auserwählten, so wie auf ihren allgemeinen Wunsch, dich von allen Menschen immer mehr und mehr und in alle Ewigkeit geliebt und verherrlichet zu sehen, auf das Gebet deiner Kirche!- und wenn das Flehen eines ebenfalls nach Gnade seufzenden Sünders Erhdrung verdient, so sich auch auf das meinige, und erbarme dich über - - - 814 268 Elende, um deren Seligkeit ich bitte durch Jesus Christus deinen Sohn, den du gejandt hast; der unser Mittler und unser Fürsprecher, unser Heil und unsere Auferstehung ist zum ewigen Leben; durch dessen unendliches Verdienst und bitteres Sterben auch ich Barmherzigkeit hoffe, die du uns Allen erzeigen wollest, der du langmüthig bist und von großer Güte! 4. Dritte Fürbitte. Um das allgemeine Wohl der Christen: heit. ( Wobei sich Jeder an die erinnern wird, wofür er zu bitten Sinn und Pflicht hat.) Erhöre mein Gebet, o Herr, und mache uns selig um Jesu Christi, unsers Erldsers willen! wel ches aber, wofern du nur auf Recht und Verdienst sehen willst, in Ansehung Aller nicht geschehen kann, so lange noch Sünde unter uns herrscht, und wir nicht leben als wahre Gläubige, indem nichts Sündliches in's Himmelreich geht, und ohne Glaus ben, der durch die Liebe wirkt, es für uns unmöglich ist, dir zu gefallen, und deiner ewigen göttlichen Verheißungen theilhaftig zu werden. Darum, lieber Herr und Vater! Vater aller Barmherzigkeit und Gott alles Trostes!- darum bitte ich dich, laß doch Bosheit und sündliches Wesen 269 unter uns aufhören! uns nicht mehr wandeln als Sünder und Ungläubige, sondern unter einander ge= sinnt seyn, wie es Jesus Christus war, und einander aufnehmen, wie auch er uns aufgenommen hat, zu deiner Ehre! Erfülle Aller Herzen mit Freude und Einigkeit im Glauben, mit Hoffnung und Kraft des heiligen Geistes! Laß dein Wort und deine Gnade täglich mehr ausgebreitet werden, und Liebe die Grundquelle aller unserer Handlungen seyn! Verherrliche deine heilige Kirche! Laß sie, indem du über ihre Erhaltung wachest, alles des Schutzes würdig und ruhig genie: ßen, welchen du ihr durch Christus verheißen haft! Breite sie aus über den ganzen Erdboden, und erfreue sie nach so mancher Drangsal endlich mit der Freude, daß Alle sich zu ihr versammeln, die außerhalb der= selben und von ihr getrennt leben! Bewahre Jeden ihrer Bekenner, so wie auch mich, damit wir nicht zur Zahl derjenigen gehören, die nur auf eine Zeit lange glauben, und in der Stunde der Anfechtung abfallen! www Sey mit denen, welchen als Vorgesetzten der Kirche und deiner Gemeinde, die Sorge für das Wohl der Gläubigen anvertraut ist, und leite sie durch deinen Geist, damit sie ihrem Amte mit Weisheit und mit Liebe vorstehen, und, gleich treuen und rechtschaffenen Hirten, alles erfüllen, was vor dir anges nehm, und zu unserm und aller Menschen Besten ist! Ope 270 - Gib allen geistlichen und weltlichen Obern, stets nach Gerechtigkeit und voll Sanftmuth zu handeln! Fürsten und Regenten aber verleihe noch besonders, nicht nur, daß sie mit Weisheit, mit Gerech: tigkeit und Liebe regieren, sondern auch, daß sie, weit entfernt, durch ungerechten vorsätzlichen Krieg das Blut und Verderben so vieler Unglücklichen und Ermordeten wider sich zur Rache aufzufordern, alles anwenden, uns den Frieden zu geben und zu erhalten, welchen du, o Gott! uns so gerne gibst und erhälst! Bei solchen ihren Gesinnungen kröne sie mit Ruhm und Herrlichkeit ihre Wünsche mit Erfüllung ihre Tage mit langem Leben, und laß sie an ihren Unterthanen( deren Mitglied und Stüße sie sind) so wie durch ihre eigene Wohlfahrt, alles Glück, alle Freude genießen, die sie verdienen! Schütte auch dießmal, wie auch in's Künftige deinen Segen aus über die Früchte des Erdbodens durch Wachsthum und Gedeihen derselben, und gib, daß wir sie nie, und auch dann nicht ohne Dank und kindliche Zuversicht zu deiner Vaterliebe einårnten, wenn wir solche etwa nicht so und in dem Maaße empfangen, wie wir es wünschen! - - W Erbarme dich aller Stånde, aller Menschen, derer, welche sind und welche noch geboren werden, die in Mangel und die im Wohlstande leben, sowohl der Gerechten, als der Ungerechten! Erbarme dich Aller, die deiner Erbarmung hauptsächlich bedürfen; 271 die mit Vertrauen auf Erlösung warten, und un baldige und glückliche Auskunft aus ihren Nengsten dich anflehen! ( Ist aber Jemand unter ihnen, der ein Frr: oder gar ein Ungläubiger, ein Unbußfertiger ist, der also nicht wandelt den Weg der Wahrheit, nicht lebt nach dem, was des Geistes, sondern nur, was des Fleisches und vor dir verdammlich ist: ach, so erleuchte ihn doch, o Gott, und laß ihn Gnade finden, und bringe ihn zur Erkenntniß, zur Buße, zur Bes serung, zur Beharrung im Guten bis an's Ende, auf daß dein Name auch von ihm geheiligt und gepries sen werde in Ewigkeit!) Das Vater: Unser. Vater, mein und aller Menschen Vater! Schöpfer, Erhalter und Herr aller Dinge, der du so wie allenthalben, also vornehmlich in dem Himmel wohnest, wo du das Flehen deiner treuen Kinder stets mit Gnade und Wohlgefallen anhörst! Höre auch meine Seufzer mit Erbarmung an, wiewohl ich ein Sünder-( eine Sünderin) bin! Ach! es sind Ausflüsse von eben den Bitten, die uns Jesus, dein eingeborner Sohn, selbst gelehret hat. Laß deinen Namen stets von mir geheiliget werden! Laß mich ihn nie durch Sünde( wieder) ents ehren, sondern allezeit so vor dir wandeln, daß auch Andere an mir sehen, wie so selig es ist, dich zu ers - 272 kennen, auf dich zu vertrauen, dich zu lieben, und durch ein frommes christliches Leben zu verherrlichen! Ja, konnte ich alle Menschen zu dir bekehren! könnte ich sie alle überzeugen, was für ein heiliger, guter, liebenswürdiger, liebevoller, erbarmender Gott du Wann werden wir dich Alle erkennen, dich Alle aus ganzer Seele lieben und anbeten? Ach, Herr! wir sind alle Sünder; erbarme dich, und sey uns gnädig am Tage des Gerichts! bist. Und wenn ich dich bitte, daß dein Neich- das Reich der Erkenntniß und der Gnade, das Reich der Liebe und des Friedens, das Reich Jesu Christi und deiner Herrlichfeit komme und allgemein werden moge: so gib doch nicht zu, daß ich mich selbst durch strafbare sündliche Neigungen, Andere aber durch böse Reden und Handlungen desselben beraube! Lehre mich lehre uns Alle deinen Willen thun, und ihn immer so getreu und freudig vollbringen, wie er in dem Himmel vollbracht wird! 1 - - Entziehe uns auch das tägliche Brod nicht, und gib uns, wessen wir bedürfen! Du kennst ja deine Geschöpfe. Nicht um Ueberfluß, nicht um die Scheingüter dieser Welt, die unser Herz so oft von dir abs wendig machen, nur um das Heil unserer Seele bitten wir dich; nur um Demuth, Sauftmuth, Liebe und Gerechtigkeit, um ein zerknirschtes Herz und ein recht kindliches Zutrauen zu dir, o du unser Gott und unser Vater, daß du uns in Nöthen nie verlassen, und uns 1 273 - an leiblichen Gaben( durch Fleiß, Treue und Redlichkeit) so viel zufließen lassen werdest, als uns gut und nöthig ist, um dir mit desto freudigerem Herzen zu dienen! Die Beleidigungen, die wir dir durch Sünde, durch unsern Undank für alle deine Güte, durch un sere Lauigkeit in deinem Dienste, zugefügt haben, vergib uns, o Herr und Erbarmer! Und da du uns nur nach dem Maaße vergeben wirst, wie wir unsern Schuldigern vergeben: ach, so flöße doch Liebe und Wohlwollen, Nachsicht und Versöhnlichkeit, Großmuth und Geduld in unser elendes rachsüchtiges Herz, damit unser Gebet uns nicht zur Verdammniß werde, wenn wir dich bitten, uns so zu verzeihen, wie wir unsern Beleidigern verzeihen! Die Versuchungen, womit uns deine Gnade kämpfen läßt, um uns zu würdigen Siegern zu machen, und uns selbst sowohl als andere dadurch im Vertrauen und in der Liebe gegen dich zu stärken, indem sie uns überzeugen, was für schwache Geschöpfe wir sind, und wie wir nur allein zu dir unsere Zuflucht nehmen müssen, wenn wir daraus errettet werden wollen,- laß sie, laß sie doch nicht so schwer seyn, daß wir denselben unterliegen! Laß weder Ungeduld und Mißtrauen gegen deine Baterliebe, noch Uebermuth und Vermessenheit unser erz verleiten, und übergib uns doch unsern eigenen Lasten nicht, sondern erlöse uns von dem Bösen, - 274 wozu wir leider!- oft durch eigene Schuld- so sehr geneigt sind. Ach, wie vielen sündlichen Anfechtungen der Welt, der Hölle und unsers eigenen Fleisches sind wir nicht mehrmals ausgesetzt! Wer kann sie überwinden, wenn nicht du ihm beistehest! Gott! stårke, stärke uns, und führe uns nach unserm Hinscheiden in's ewige Leben, welches auf dieser Erde einzig unser Trost, unser Wunsch und unsere Hoffnung ist, durch dich, o Jesus, Heiland der Welt und unser Seligmacher, dessen Name gepriesen werde in alle Ewigkeit! - - Zu Maria der Mutter Christi. O Maria, Reinste unter den Jungfrauen, Se: ligste unter den Frauen! Gepriesen seyst du ge= priesen in der Frucht deines Leibes! Preisen müssen dich alle Völker der Erde nach dem Uebermaaße der Gnaden, womit dich der Herr erfüllt hat! Ja! Du allein warst vor ihm würdig, der Welt denjenigen zu geben, der das Heil Aller ist, in welchem Alle die Seligkeit finden, die an ihn glauben. Ach! Welch ein Schwert des Schmerzens hat wohl deine Seele durchdrungen, als du diesen deinen Geliebtesten leiden sahst,-sahst, wie mit gebrochenem Herzen ganz entkräftet, ganz in Schmerzen er gar mit dem Tode rang, er dein Sohn, dein Trost, dein Leben! Ach! wer kann's durch) Worte geben, - 275 welche Qual dein Herz durchdrang! Wer begreift's, was du empfunden, wie du ihn voll Blut und Wunden, hilf- und trostlos sterben sahst, sterben und für Sünder büßen,- ganz entstaltet, ganz zerrissen, nackt und Mördern gleich erblaßt! Du indessen bist über alles Elend dieses Lebens hinweg, und genießest in der Anschauung des Ewigen den Lohn deiner Treue. Ich aber bin noch in einer Welt, wo man mit Sünden befleckt, durch Leidenschaften verstrickt, von Gefahr umgeben, mit Kummer und Sorgen beschwert, durch Vorwitz und Eitelkeit zerstreut, durch Frrthum und Selbstbetrug hintera gangen, mit Mühe und Arbeit beladen, von sündlichen Versuchungen gereizt, durch Weichlichkeit und Schwelgerei entkräftet, und von Leiden und Armseligkeit niedergedrückt- mehrentheils wandelt zwiz schen Furcht und Hoffnung, nicht selten ungewiß, ob man vor Gott entweder der Liebe oder des Haffes werth sey. - - Wann werden denn alle diese Utebel mich zu verz folgen aufhören? Wann werde ich, von der unseligen Dienstbarkeit der Sünde befreit, die in deiner Tuz gend- Treue folgen, auf daß Gott und Jesus mir alles in allem sey? daß ich Jesu Lieb' erkenne, gegen ihn vor Liebe brenne, wenn es möglich ist, wie du! Ach! er starb für meine Sünden; möcht' ich es doch so empfinden, mit ihm leiden,- so, wie du! Mocht ich seyn nach seinem Herzen; an sein Sterben, seine 276 Schmerzen denken all mein Lebenlang; oft im Geist zum Kreuze gehen, mit dir unter solchem stehen, ganz erfüllt von Lieb' und Dank! 180 Trost der Erde! Schmuck des Himmels Holde, Reine, Unversehrte, Du, die unsre Zuflucht bist! Stern des Friedens, Tugendsonne, Aller Engel Freud' und Wonne, O Maria, sey gegrüßt! Tief bewegt von deiner Milde Blickt zu deinem Mutterbilde Die bedrängte Menschheit auf! Deine Liebe, deine Gnade Schmücket unsre Lebenspfade, Stärket uns zum Pilgerlauf. Heil'ge Jungfrau, Gnadenvolle! O, daß dir's gefallen wolle, Für mich Gnade zu erfleh'n, Zu erfleh'n vor Gottes Throne, Zu erfleh'n von deinem Sohne, Daß ich möge Gnade seh'n! Daß ich môge für die Sünden Gnad' und Heil in Jesus finden Durch die Größe seiner Pein; Daß ich möge sonder Grauen Meinem Tod' entgegen schauen, Mit dir ewig selig seyn! 277 --Zum heiligen Joseph, dem Pfleg: Vater Christi. Wer kann auch dich würdig erheben, heiliger Joseph! Mann nach dem Wohlgefallen Gottes, bez gabt mit allen Tugenden und Verdiensten; wie wärest du sonst werth geachtet worden, ein Verlobter der Mutter des Herrn, und folglich der Schutz- und Pfleg= vater des ewigen Worts in seiner Menschheit zu seyn! O, daß ich allezeit, wie du, meinem Jesus getreu geblieben wäre! Oder daß ich wenigstens auch nur noch jetzt anfinge, gegen ihn, wie du, vor Liebe zu entbrennen, und nur einzig in ihm mein Glück und meine Ruhe zu suchen! Allein, wie weit ist noch mein Herz hievon entfernt! Möchte ich doch einst, wie du, den süßen, ewig unschätzbaren Trost haben, unter dem Schutze meines theuersten Heilands zu sterben! So soll dann auch dein Beispiel, heiliger Jofeph! mir zu einem Antriebe dienen, ihm, meinem Heilande in seinem göttlichen Wandel auf's möglichste nach= zufolgen, und in seiner Liebe niemals zu erkalten; darum bitte ich ihn in dir um Gnade, daß ich dieser heiligen Entschließung vollkommen nachlebe, bis mich seine Barmherzigkeit zu sich aufnimmt in die ewige Freude. - d 278 Innig entflammt vom Gefühl frommer Bewunde: rung O Ob der Tugend, die dich ewig mit Gott vereint, Schwingt mein Herz sich zum Thron deiner Vers klärung auf. Eile, zu trösten dein Kind, das dich zum Schuh erfor, Präge Ergebung und Muth meinem Gemüthe ein, Hilf, und erflehe für mich Gottes Barmherzigkeit! Zu unserm heiligen Schutz: Engel Engel des Allerhöchsten! du, den mir Gott aus unendlich erbarmender Liebe als Beschützer gegeben hat, mich dadurch seiner Baterhuld und Fürsorge nur noch mehr zu versichern, oft an die Größe meis ner Bestimmung zu erinnern, und mein Herz zur Dankbarkeit und Gegenliebe sowohl, als auch selbst zum Himmel zu erheben, ich grüße dich! Dir weihe ich mein Herz, meine Wünsche, meine Gebete, daß du sie ihm darbringest, ihm, der so viel Barmherzigkeit an mir Unwürdigen that und noch täglich thut. ni w Ach! mit inniger Wehmuth denke ich daran zurück, daß ich alle diese seine Güte oft nur so wenig erwogen, oft gar mit Kaltsinn und Sünden erwiedert, und anstatt ihm treu und eifrig zu dienen, und nach deinem und so vieler Heiligen Beispiel stets feinen Willen gerne und auf's vollkommenste zu voll bringen,- nur das gethan habe, was mich ihm - 279 immer mißfälliger, und seiner Wohlthaten unwürdiger machen mußte. Aber du, der du so oft Zeuge meines Undanks gewesen bist, heiliger Engel, sey nun auch Zeuge meiner Dankbarkeit und meiner Treue! Ich habe bisher so mancher heiligen Einsprechung zuwider ges handelt; aber von nun an will ich jede derselben freudig und ohne Aufschub befolgen; das ist mein Wunsch und mein Vorsatz; und damit dieser Wunsch erfüllt werde, so flehe ich um Kraft durch dich zu Dem, der die Hilfe aller Schwachen und Bedrång= ten ist, der auch mir dich gesandt, dich geheißen hat, Sorge für mich zu tragen, und mich zu bewahren, so lange ich mich seines Schutzes und seiner Gnade nicht unwürdig mache. Und das unwerth seines Schutzes und seiner Gnade- Unglückseligster, der ich seyn würde, wenn ich das jemals werden sollte! O, laß mich's nicht! Zu dir, zu deiner Liebe- deinem Eifer, womit du mein Heil( das Heil deines so ängstlich) bekümmerten Pflegkindes) wünschest, und auf alle Weise zu befördern suchest, nehme ich meine Zuflucht. Du wirst für mich bitten, wirst dein Gebet mit dem Gebete der Heiligen selbst mit dem meinen- vereinigen; und dann habe ich die Zuversicht zum Herrn zu deinem und meinem Gott seiner Liebe gegen dich seiner Barmherzigkeit und Liebe gegen mich, daß ich nicht unerhört bleibe, wenn ich dich 3 - - P - --- - 280 - bitte, mich doch nicht zu verlassen, sondern auch noch ferner auf allen meinen Wegen zu beschützen, durch deine heiligen Einsprechungen zum Guten zu ermah: nen, und vom Bdsen zu entfernen. Du, du bist derjenige, durch den mich Gott bise her so vieler unaussprechlichen Gnaden theilhaftig werden ließ. Dankbar gegen ihn, danke ich auch dir aus ganzer Fülle meiner Seele für alle deine Sorge und Treue, die du mir bis auf diese Stunde erwiesen hast. Mehr als ein Bruder, mehr als ein Vater nahmst du dich Meiner an. Theurer Engel! theurer, geliebter Freund! wie soll ich es dir vergelten,- wie dem Herrn danken, der dich mir gab, und dessen Willen du vollbringst, wenn du über mich wachst und für mich sorgest, als den, der die Seligkeit zu erwerben sucht. Der Herr vergelte dir deine Liebe und Treue gegen mich; er erhöhe und vermehre dafür deine Freude und Selige keit! Bitte ihn selbst, daß er für mich dich krönen und verherrlichen wolle! Wache, forge, leite, schütze, tröste auch künftig mich, und erhalte mir durch deine Fürbitte die Gnade, daß ich jeder guten Einsprechung gerne und treulich nachkomme, und durch täglich lebhaftere Vorstellung Gottes und deiner Gegenwart nicht nur in dem Abschen wider alles, was Sünde ist, gestärkt, sondern auch zur Vollbringung seines göttlichen Wohlgefallens, so wie zum Lobe und zur Anbetung seines unbegreif 281 lichen Wefens immer mehr ermuntert, und zur Liebe gegen ihn entzündet werde! Dann, weiß ich, werde ich in keiner Noth ver= laffen, vornehmlich in jener letzten Stunde nicht vers lassen. Dann kann ich bei meinem Hinscheiden aus dieser Welt mein Herz mit Freudigkeit und Zutrauen zum Herrn erheben und zu ihm sagen: ,, Gott! du ,, mein Schutz und meine Zuversicht! so laß dann ,, nun deinen Diener im Frieden fahren, und führe ,, meine Seele durch deinen heiligen Engel in's ewige ,, Leben. Er war's, der mich bewahrte auf allen ,, meinen Wegen, wie du befohlen hast; belohne feine ,, Treue, seine Liebe! erhöre seine Bitte, und mach ,, mich selig, damit ich dich anschaue, dich preise, ,, dich anbete, mit ihm mit allen Engeln ,, allen Auserwählten in alle Ewigkeit!" mit - Stan Zu den Heiligen überhaupt. Oihr geliebtesten Freunde und Auserwählten Gottes, die ihr, von den Mühseligkeiten und Gefahren dieses Lebens befreit, nun in einer ewigen Se= ligkeit den Lohn eurer Tugenden und Verdienste ges nießet! Auch ihr, ihr Engel und Erzengel! Zu euch wenden sich die Wünsche meines Herzens aus diesem Thränen- Thale. Ihr werdet doch auch für mich bitten, so wie ihr für Alle bittet, die zu eurer heili gen Gemeinschaft gehören, und nach gleicher Seligkeit seufzen. O, bittet für mich! bittet durch die Barm impreemp - 282 herzigkeit dessen, der euch auserwählt hat, und in dessen Anschauung ihr nun so selig seyd! auf daß ich auch noch heute anfange und nicht mehr nachlaffe, heilig wie ihr zu seyn, so viel es nur immer in meinen Kräften, oder vielmehr nach meiner Pflicht ist! Bittet, und erwerbet mir durch euer Gebet und Fürbitte die Gnade, zu beharren auf dem Wege des Guten und des göttlichen Wohlgefallens bis an das Ende! damit ich, nach meinem Hintritt aus dieser Welt, komme zu jenem seligen Vaterlande, wo wir Alle mit Gott unserm Vater, unserm Schöpfer, Heiland und Seligmacher, vereinigt ihn ewig anschauen, ihn ewig preisen und verherrlichen. Dich aber, o Gott, o Jesus! bitte ich durch die Fürbitte und Verdienste deiner Heiligen- durch ihre Liebe gegen dich, ihre Liebe gegen uns-- ihre Sehna fucht, dich, wie von ihnen, also auch von uns Allen ewig verherrlicht, uns Alle, gleich ihnen, von die ewig begnadigt zu sehen,-ja, durch dich selbstdurch alles, was du selbst an uns erwiesen und uns verheißen hast, der du willst, daß wir einer für den andern bitten, und ein Glied dem andern helfe, bitte ich dich: Erbarme dich Meiner, und laß mich aller deiner Guaden und Verheißungen theilhaftig werden, und gib mir das ewige Leben nach meiner Hoffnung! - Zu jedem, auch jeder Heiligen insbesona dere, nachdem man deren wahre Fröm - - 283 migkeit, Unschuld, Buße und Heiligung vor Gott, erwogen hat. Heiliger Freund Gottes, Jünger Jesu Christi! Heilige Freundinn Gottes, Jüngerin Jesu Christi! 1 BUD Gepriesen sey mein Gott und Herr in Ewigkeit für die Gnade, daß er mir auch in dir ein stärkendes Vorbild der Frömmigkeit( Unschuld- Buße) und Heiligung verliehen hat! Benn ich deine Liebe gegen ihn, deine Anhänglichkeit und Treue gegen ihn in Christo, deine Liebe zur Tugend und Rechtschaffenheit, deinen Haß wider die Sünde, deine Strenge gegen dich selbst, deine Beharrlichkeit im Guten, deine Geduld und Standhaftigkeit in Trübsal und Leiden, deine Gelassenheit und Ergebung in den göttlichen Willen, deinen Glauben und dein Vertrauen, deine Demuth und deine Selbstverlängnung, dein warmes, sanftmüthiges und mitleidvolles Herz( gegen Frrende und Bedürftige), deinen brennenden, unermüdeten Eifer für Gott- für Jesus- für die Ehre Gottes für das Wohl und Heil aller Menschen, auch der Verfolger, 2c. c. betrachte,- betrachte dich bis an dein irdisches Lebensende, und sehe dann auf mich zurück: so entsteht bei mir, ich weiß nicht, welch eine innerliche Betrübniß und Unruhe. Ach), daß ich dir noch so wenig gleiche! Ja! diese undankbare, diese gegen ihren Schdpfer und Heiland so unempfindliche Seele, wie hat 284 fie noch das Eitele so lieb! wie bestrebt sie sich nur, ihre sinnlichen Neigungen zu befriedigen! Das Ewige, und wie sie bloß nach Gottes und Christi Wohlgefallen handeln möge, ist ihre wenigste Sorge. Heiliger, dessen Andenken und Beispiel ich hier feiere und erwäge! das mich beschämt,- ach! bez schämt, indem es mein Seufzen und Betrachten mit Inbrunst zu dir hinwender: Was thatest du får Gott und für Jesus, für das Heil deiner Seele, für das Wohl deiner Neben mena fchen!- was thue ich! Dann erkenne ich, was ich bin, was ich seyn foll; fasse in die neuen Muth, neue Hoffnung, neue Kraft; ergreife in dir den Helm des Heils; bete zu Gott, zum Vater der Erbarminiß, durch Jesus Chri: stus feinen Sohn, meinen Heiland und Mittler, bete und flehe, daß er meine Seele erleuchte, daß er mein Herz rühre und bekehre, damit ich dein Vorbild und Leben nicht vergebens betrachte, sondern dadurch ermuntert und geleitet werde, dir hier so nachzufel gen, daß ich nicht unwürdig seyn môge, dir auch in den Himmel zu folgen. Se mehr Beispiele, desto mehr Antrieb zum Guten! Ihm Gott und Christus fey Preis, Ehre und Anbetung in alle Ewigkeit! Gebet und Erweckungen in den legten Stunden dieses Erdentebens. Gott, Schöpfer, Erbarmer, Bater, Heiland --285 S und Seligmacher! Die Stunde meines Abschieds nahet sich; das Ende meines Lebens ist vorhanden. Du bist der Herr über Leben und Tod! da ich nun fühle, daß ich diese Erde verlassen muß, so füge ich mich gerne in deinen göttlichen Willen. Ja! ich sterbe gerne, um bei dir zu seyn! Ich werde diesen verweslichen Leib der Sünde ablegen, um einen unsterba lichen, sündlosen und verklärten zu erhalten. - Was war ich auch bisher anders, als ein Pils ger, der seinem geliebten Vaterlande zueilt? Jetzt nahe ich mich dann meiner Bestimmung. Wie lebte ich bei allen Bergnügungen, die ich bisweilen genoß, oft doch nur in Elend und Noth! Jetzt gehe ich zu meinem Gott und Heiland, zu meis nem Seligmacher; ich vertraue auf ihn, und hoffe, daß er mir meine Fehler verzeihen, und mich in die seligen Wohnungen aufnehmen wird. Ja! ich komme dann zu Gott, meinem Schöpfer und Vater, zu Jes fus, meinem theuersten Erldser, zu allen Engeln und Auserwählten in die Wohnungen der ewigen Ruhe und Glückseligkeit, welche vom göttlichen, ewigen Lichte stets erleuchtet wird; wo alle meine Wünsche erfüllt und gesättigt werden sollen; wo ich Den in alle Ewigkeit sehen, besitzen, lieben, und mit allen Heiligen unaufhörlich preisen werde, der die Quelle aller nur erdenklichen Freuden und Vollkommenheiten ist. O, daß ich doch schon da wäre! Zod, Ende aller Qual, Eingang zum ewigen 13 286 Leben, Anfang meiner Wohlfahrt und Ruhe! Era fülle meine Begierden! entfeßle meine Seele und erlöse sie aus ihrem Kerker, damit sie hineile und bei ihrem Gott und Jesus sey! Lege man meinen Leib immerhin in's Grab, wie auch mein Herr und Heiland hineingelegt worden ist! Dieser mein Leib wird doch nicht darin bleiben, son: dern meine Seele wird mit demselben vereinigt, in ihm wieder auferstehen, wie auch mein Jesus auf: erstanden ist; und ich werde sowohl jetzt als einst selbst in diesem meinem Fleische Gott ewig anschauen in Jesus Christus. Ja, ich verlange und sehne mich danach, diese Erde zu verlassen, um bei Christus zu seyn; denn Christus ist mein Leben, und Sterben mein Gewinn! - Ach), du gütiger Jesus, mein Herr und Erldser! Auf dich setze ich vornehmlich meine Hoffnung; dir geht alles mein Vertrauen; an dich glaube ich,- habe ich geglaubt; dich bekenne ich,- habe dich bekannt vor der Welt; du bist mein Trost und meine Zuversicht, sey auch mein Heil! Komm, liebster Jesus! fordere mich ab! komm! hier liege ich, deine armselige Kreatur, das Werk deiner Hände. Reiche mir deine Rechte, und zieh' mich zu dir! Laß meinen Leib nur zu Staub und Moder werden, woraus du ihn einst schon wieder erwecken wirst! Aber meine Seele, die du durch dein eigenes Blut erliset hast, die, bitte ich, nimm so C - 287 gleich an in deiner großen Gnade und Barmherzig= keit, wie du den Schächer am Kreuz auch angenoms men hast, und laß sie noch heute bei dir im Paras diese seyn! Denn du, Gott, Vater, Jesus Christus, Vater und Erbarmer! kannst mich ja nicht ewig verstoßen, wenn ich deine Gnade mit reuigem Herzen, wenn ich sie in Jesus Christus begehre. Denn du bist mein gnådiger Schöpfer und Seligmacher in Jesus. Christus; und ich bin dein Geschöpf, dein Kind, dein Eigenthum, und du, o Jesus! bist auch noch dazu mein lieber Heiland, Freund und Bruder geworden, and nahmst unser Fleisch und Blut an, damit wir mehr Vertrauen und einen freien Zutritt durch dich, unsern so mächtigen Mittler und gütigen Fürsprecher, zu Gott deinem Vater hätten, und also aller seiner großen unendlichen Verheißungen desto gewisser theila haftig würden. Heftig verlangt mich nach dir, Herr mein Gott, Vater, Mittler, heiliger Geist!- Herr! hier liege ich, erquice meine Seele! Eröffne mir den Zugang zu deiner Barmherzigkeit, und bereite mir den Weg zum ewigen Leben, auf daß ich hineingehe und bei dir sey, dich zu preisen in alle Ewigkeit! Ich bin zwar alles dessen, was ich von dir bitte, nicht würdig; aber du, o Gott, der du meine Selige keit willst, kannst mich ja derselben bald würdig 288 machen. Thue es also doch, damit ich ruhig und getroft sterbe! - - Vollende aus Erbarmen, was du in mir ange: fangen hast! Verlaß mich also auch in dieser Stunde nicht! Stärke meinen Glauben, meine Hoffnung, meine Liebe! Verzeih mir alle meine Sünden, die ich nun so herzlich bereue, die ich wünschte, niemals begangen zu haben, und die mir so leid sind, daß ich sie um alles in der Welt nicht von Neuem begeben würde, wenn du mir auch meine vorige Gesundheit und Kräfte wieder schenktest, bloß deßwegen nicht, weil ich weiß, wie sehr ich dich, du Gott! du höch stes, bestes, einziges, liebenswürdigstes Gut! dadurch beleidigt habe! Jesus, mein Heiland, ich hoffe auf dich; ich vertraue ganz auf dein Leiden und deine Genugthuung; ich liebe dich mehr, als ich dir sagen kann, und erwarte von dir das ewige Leben, das du mir vers heißen hast. Theuerster, liebster Jesus! Mein Herz begehrt Deiner, und meine Seele sehnt sich inbrünstig nach dir. Denn deine Güte, deine unendliche Liebe, hat mich ganz zu dir hingezogen, dich zu beſitzen, ist nun mein einziger Wunsch. - O du selige Wohnung der himmlischen Herrlich keit! Hellleuchtender Tag der Ewigkeit, welcher von keiner Nacht versinstert, sondern von göttlichem wundervollem Lichte stets erleuchtet wird! Ewiger Tag 289 der Freude und der Ruhe, welcher keinem Wandel unterworfen ist! - Daß doch dieser Tag einmal kommen, und alles Zeitliche für mich ein Ende haben möchte! Daß ich schon, wie so viele Heiligen, im Genusse jener Seligfeit wäre, welche Gott, der barmherzige, gute Gott, den Seinigen, die auf ihn vertrauen, im ewigen Leben vorbehalten bat! Was soll ich denn noch hier ferne von dem, wonach ich mich herzlich sehne? Ich hoffe es nicht, hoffe es nicht, daß ich noch lange elend bin; und eben diese Hoffnung ist's, die mich in meiner fo großen Trubsal tröstet, ja! die mir diesen schweren Todes: Kampf erleichtert. - - Erhöre mich, Herr, nach deiner unendlichen Barmherzigkeit, und errette dein hilfloses bekümmertes Kind aus seinem Elende! Ach, daß meine Pilgerschaft so sehr verlängert wird! Jesus! ich folge- ich komme.- Herr! dein Wille geschehe, und dein heiliger Name sey gepriesen in Ewigkeit! Ich eile zu Gott zu meinem Jesus - meinem guten Gott zu meinem barmherzigen Bater- zu Jesus, der all sein Blut für Alle, ja, auch für mich hingaß, mich ewig zu begnadigen, mich ewig selig zu machen. Sein Blut wasſche mich, sein Blut reinige mich, und mache mich würdig zum ewigen Leben! 293 Hier, Jesus! ist meine Seele! empfange sie! 13 - - - 290 - - ich übergebe sie dir;- du wirst ihr gnädig seyn, du in Gott, und Gott in dir! - sa Maria, die du unter dem Kreuze Jeſu ſtandeſt, Jefus deinen Sohn, deinen und meinen Heiland ster: ben sahest!-- heiliger Joseph, der du, wie Maria, deinen Geist in die Hände Jesu deines Geliebten froh und mit Zuversicht überlassen konntest!- Engel Gottes, du mir vom Herrn zum Schutz verordnet, der du Gnade hast, allezeit zu schauen das Angesicht meines und deines Baters, der im Himmel ist! o ihr alle! vereiniget euer Gebet mit dem meinigen! vereiniget euch mit Jesus selbst, meine Seele zu füh ren, zu begleiten in's ewige Leben! Jesus, sey mir gnädig! meinen Geist empfehle ich in deine Hände! Amen. Allgemeine und besondere Fürbitten. Pflicht und herzliche Theilnahme gegen Alle, die nach Hilfe seufzen, will es, daß ich auch für dies jenigen bitte, welche, wiewohl sie in deiner Guade sterben, Allgütiger, dennoch bisher nicht ganz würdig waren, zu deiner himmlischen Herrlichkeit einzugehen. Zwar weiß ich wohl, daß du in allem, was sie zur Genugthuung, zur Abbußung ihrer noch unge tilgten erläßlichen Sünden leiden, gerecht und un endlich barmherzig handelst; daß nur die Unbefleckten dich anschauen können, und die nicht ganz Reinen erst geläutert werden müssen, wie durch's Feuer; da - 291 obschon Christus, dein eingeborner Sohn für unsere Sünden in so ferne Genugthuung gethan, als sonst weder Trost noch Zuversicht zur Seligkeit für uns gewesen seyn würde, und alle unsere Werke der Liebe und Buße ohne Christi Verdienst vor dir unwerth und unwirksam geblieben wären, daß, sage ich, wir dennoch theils durch heiliges Leiden und Abbüßungen ( entweder in diesem oder in jenem Leben) theils aber durch würdige dir wohlgefällige Früchte des Eifers und der Vollkommenheit das zu ersehen haben, was auf unserer Seite am Leiden Christi noch mangelt, um seiner unendlichen Verdienste und ſeiner Herrlichfeit ewig theilhaftig zu werden. Alles dieses weiß ich aus deinem göttlichen Worte, o Gott! und ist mir um so theurer und tröstlicher, da es mich nicht nur zu einer immer größeren Vollkommenheit und genauen Beobachtung selbst deiner kleinsten Gebote ermuntert, sondern mir auch jedes Leiden dieser Zeit ehrwürdig and heilsam macht. Allein, o Gott! Ich weiß and zufolge eben dieses deines heiligen Wortes, daß du das Gebet eines gerührten, demüthigen und zers fairschten Herzens, welches es für sich oder für Andere, für Lebende oder Verstorbene im Namen Jeſu Chrifti dir darbringt, niemals verachtest, sondern vielmehr ein Gott bist, dessen Barmherzigkeit über alle seine Werke geht, und der allzeit bereit ist, lieber zu schonen als zu strafen. Kann also mein Gebet, kann alles, was ich aus Liebe für jede nach deiner 13* 292 Anschauung seufzende Seele, vielleicht meiner Anverwandten, meiner Freunde, meiner Wohlthäter, die meinem Andenken theuer( und empfohlen) sind, ja, die ich selbst durch mein eigenes Betragen zu allem dem verführt oder veranlasset habe, um dessen: willen deine göttliche Strafgerechtigkeit sie heimsucht, zu thun bereit bin, kann es Gnade für sie erwerben, fie trösten, sie erfreuen, ihre Seligkeit, die Erfüllung ihrer und meiner Wünsche, beschleunigen; o, so siehe darauf, o Gott( siehe dieses Beten, dieses Al mosengeben, alle diese Werke der Buße gnådig an)! Und da auch die besten unserer Handlungen und Gebete, wegen der uns anklebenden Süude, durch sich selbst weder Gnade noch Erhdrung verdienen: so siehe, ewiger Vater! siehe vornehmlich auf das hei: lige, unbefleckte, unschuldige Opfer deines eigenen ewig geliebten Sohnes, jenes Priesters in Ewigkeit, welches er zur Versöhnung für Unser aller Sünden am Kreuze dargebracht hat, durch dessen theuer vers gossenes Blut, du sie reinigen und selig machen wol left nach deiner Barmherzigkeit! - - Diese Bitte( diese Bitte der Liebe, der Danke barkeit, der Ausschnung) dieses Gebet der Pflicht, das ich hier vor dem Angesichte deiner göttlichen Allgegenwart zum Heil aller meiner Mitbrüder und Mitschwestern, Bekannten und Unbekannten darbringe, und ihnen in die Ewigkeit nachzusenden mein Herz - 293 befiehlt, wirst du, o Gott, mit Wohlgefallen ansehen, so sehr ich auch vor dir ein sündiger Mensch bin. Belehrungen und Bitten. Du, mein Gott! der du so gerecht als gütig, so heilig als getreu bist in allen deinen Verheißungen, wirst ja von denen, die dich lieben, die mit Zuver= sicht, mit Sehnsucht nach deiner Anschauung, zu dir flehen, nicht deine Barmherzigkeit hinwegnehmen. Und wenn du schon die Leiden, die sie selbst verans lassen, nicht ganz von ihnen abwendest, weil du die nach Gerechtigkeit, Weisheit und Gnade bestimmten Sünden: Strafen nothwendig erfolgen läsfest, so wird doch eben dieses Leiden ihnen zum Heile gereichen, wird sie läutern, wie Feuer das Gold läutert, wird ihre Sehnsucht, ihre Liebe immer eifriger, ihre und die vom Gebete begleiteten Seufzer ihrer hinterlasse= nen Gläubigen endlich erhörlich machen, und so ihre Seligkeit bewirken. O wie werden sie dann deine Gute preisen! Gott, in dir frohlocken und sagen: ,, Wohl uns, daß du uns gezüchtiget hast, der du das Verlangen der Demüthigen nicht verschmähest, der Armen nicht vergissest, und alle, die auf dich verz trauen, nicht zu Schanden werden läsfest ewiglich." Heiliger, heilsamer Gedanke, für Verstorbene zu beten, zu beten in Hoffnung, in Liebe, in Vertrauen auf eine frohe Wiederauferstehung, zu beten im Hinblick auf dich, o Jesus, theurer Mittler und 294 Versöhner, im Hinblick auf deine unendliche Barma herzigkeit, o Gott, die auch der größten Sünden, wovon wir uns durch deine Gebote und Verlangen bekehren, nicht mehr gedenken will, ja! zu beten mit dem aller Menschen schuldigen Wunsche ihrer ewigen Begnadigung und Seligkeit, selbst dann zu beten, wenn sie unseres Gebetes nicht bedürfen, sie schon stehen vor deinem göttlichen Throne, mit allen deinen Engeln und Seligen in den Wohnungen der ewigen Freude. - Heilsamer, seliger Gedanke! er, der es so recht empfinden läßt, daß die Gemeinschaft, womit Natur und Religion uns unter einander vereinigten, auch noch in der Ewigkeit fortwähre; er, der es uns vergonnt, unseren Empfindungen ununterbrochen zu fol: gen, und diejenigen, deren ewiges Wohlfeyn wir vornehmlich wünschen, durch Gebet und Wohlwollen auch noch jenseits des Grabes zu segnen; er, der deine Gerechtigkeit, deine Barmherzigkeit, o Gott! mit gleicher Wage wågt, sie von einer Seite zeigt, wo weder Verzweiflung, noch Vermessenheit statt hat; wo jede unheilsame Furcht des Todes und der Ewigkeit schwindet; wo du, o Gott! uns wie ein gerechter Vergelter, wie ein barmherziger Seligmacher ers scheinst; wo unsere Trübsal getröstet, unser Vertrauen auf dich gestärkt, und unser Streben nach deinem Wohlgefallen immer mehr und mehr entzündet wird! Diesen in seiner Wahrheit so großen, so seligen moncon - 295 Gedanken, der mir's auch noch so ganz an's Herz legt, wie so nichtig mein irdisches Leben, alle Größe und Hoffnung dieser Welt so eitel fey, ja! wie keine Hoffnung, keine Größe bestehe, als allein in dir, o Gott! und in deiner Gnade, o, laß ihn doch nie in meiner Seele wohnen, als nur so, wie es der Glaube lehrt, welcher will, daß das Andenken an Verstorbene, und unser Gebet für sie, würdig und heilig sey, würdig und heilig mache. Und das sey, das wirke auch das meinige! damit es mich triste, mich reinige, mich heilige, mich mit Liebe und Gnade vor dir erfülle; meinen abgeschiedenen Mitbrüdern und Mitschwestern im Glanben und in der Liebe zur Freude, mir selbst aber zur Erweckung werde, jede vor dir giltige Fürbitte, die etwa für mich jetzt oder künftig, hier oder in jener Welt, vor oder nach meis nem Tode geschieht, wahrhaftig zu verdienen, und nach keiner andern zu trachten, als nach derjenigen, die, ferne von allem heillosen Mißtrauen und unlaute: rem Wesen, bloß die Frucht eines christlich- verdienstvollen rechtschaffenen Lebens, und der dadurch allge= mein erworbenen Zuneigung gläubiger und theilnehmender Herzen ist, damit diese Erweckung mich aus treibe, alles mein Handeln öffentlich und im Stillen so einzurichten, daß es mich vor den Schrecken der Hölle und deines Gerichts, o Gott, heilsam sichere, mir Zuversicht zu dir erwerbe, mein Andenken bei dir - 296 - und den Menschen gesegnet mache, und ich nach meis nem Hinscheiden bald zu dir komme. Trost und Vertrauen. Selig, die in dir leben, in dir sterben, denen du ihre Uebertretungen vergibst, ihre Sünden erläsfest, ihre Sünden bedeckest, ihre Sünden hinweg nimmst; ja, denen du ihre Vergehen nicht zurechnest, und in deren Geiste kein Trug ist. Deine Gnade ist über ihnen, die sie trdstet und errettet, die deine Heiligen bewahrt, die alle bewahrt, welche auf dich hoffen, und sie führt in's ewige Leben. Darum hofft auch meine Seele auf dich, o Herr! und mein Herz freuet sich Deiner, und erwartet ebenfalls das ewige Leben von deiner Barmherzig keit durch Jesus Christus meinen Heiland und Ses ligmacher. Mit jedem, jedem Glockenschlage Nimmt meine Zeit zu leben ab. Vielleicht sind kaum noch wenig Tage, So sinkt auch dieser Leib in's Grab; Indeß mein Geist, der Bürd' entladen, Zu dir, zu seinem Schöpfer geht; Bist du dann nicht ein Gott der Gnaden, Der uns in Christo einst erhöht? Kurze Gebete für die Verstorbenen. Herr! der du kommen wirst, zu richten die Lebendigen und die Todten, und zu strafen die Welt 48 15 料 34 34 みかん JR 85 GC 52 199 4 4 サリ J. flfun mi Den 8 ter Februar 1947 mit. in den Ehestand getreten. den 221 Juli 1847 ist Wor Konobara Stall geboren were den 31 ten Dezember 1847 ist Barbara Stoll wieder gestre den 6er September 1851 91 Adan Martin Stell. давати den 18 in Auktober 1852 iſt 15 Theresen Barbern Stall den 22. Juli 1854 ist sie wer Gabon Gestorben. den 20 1. Dezember( 853 2²: 1 Griſſione gurt Wilt geboren worden dior Stall. den 8! Sobruun 1834 wieder gestorben. Gebehore هند dia& tan biz will den 22ten Anzicht ist Michen Cany Joseph Sell 1807 zur Welt worden. ل 7 den& ten April 1859 p ist per Wall goberen den 4t. Julicht sie 8. stükben. B Den 224. Juli Karolien Puuliin stol zur worden. wieden h. Kareline Pleunkire zur Welt gewesen worden 1460 Len 204 August 1862 ist vain Arun Vol. Jees Welt geboren Inches 1 Centimetres Blue 2 3 4 Cyan 2 [ 2 16 Farbkarte# 13 3 Green 8 Yellow 9 4 10 Red 11 12 LO 5 13 Magenta 14 CO 6 15 White 16 17 17 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8